Einzelpreis 70 Heller. Redaktion und Verwaltung: Prag, II., Nelazanka 18.. Telephone: Tagesredaktion: 26795, 31469. achtredattion: 26797. Boftscheckamt: 57544. Jnferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. 6. Jahrgang. Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit. Samstag, 3. Juli 1926. Bezugs- Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Vost: monatlich... Ke 16.oierteljährlich halbjährig ganzjährig 48.96.192.Rückstellung von Manustripten erfolgt nur bei Einfendung der Retourmarten. Erscheint mit Ausnahme Des Montag täglich irish Nr. 155. Jund daß auch die tschechische Koalition von heucheln und vorschüßen wollte, sie gehe den und Kongrua, Liebesgaben, neue Gewalttaten Der Weg zum nationalen ihrem Standpunkte aus betrachtet, recht hatte, Wea des nationalen Ausgleichs! Ihre Ber- und Ausbeuterallianzen gehen, er wird erst Ausgleich? Das Abfindungsgesetz zurückgezogen. Ein Erfolg der Sozialdemokraten. Das Sperrgeset verlängert, Das Kabinett bleibt. als sie mit brutalen Gewaltmethoden, die ihr ständigung mit den andersnationalen Besitz- kommen, wenn das gesamte Proletariat, seine als Ideal erscheinenden Zwecke förderte? vertretern ist eine Verständigung der Profit- besondere geschichtliche Mission in diesem Aber besinnen wir uns doch: wer wird geier und Volksbedrücker gegen das Volk. Der Staate erkennend, an die Lösung dieses großen Von Wilhelm Nießner. mit Logik die lächerlichen Trugschlüsse in den Weg zur Verständigung kann nicht über Zöllel Problems schreiten wird! Die deutschbürgerlichen Parteien, die sich Beteuerungen der Aktivisten aufzudecken suchen! die aktivistischen nennen, was bedeuten soll, daß Ihre Vorwände für ihre werktätige Untersie zum Unterschied von den irredentistischen" stützung der Aktionen und Methoden der tscheBarteien der Regierung des Staates die positive chischen Machtklassen sind ja durchsichtig genug. Mitarbeit an der Staatsverwaltung vorziehen, Nur Narren fönnen glauben, was ihnen Schursind von der Theorie zur mit Verlaub zu fen vorerzählen, nämlich man fämpfe für Freijagen- Tat übergegangen. Sie haben den heit und Gerechtigkeit, indem man dem Henker Tschechischbürgerlichen nicht nur die wirtschaft- bei seinem Handwerk helfe. Die DeutschbürgerBerlin, 2. Juli.( Eigenbericht.) Die sozial-| Die Regierungsparteien haben aber fast alle Verlichen Vorlagen, Zölle und Kongrua, durch- lichen rühmen sich, ihre Tat, das heißt, ihr demokratische Partei hat heute einen erheb- besserungsvorschläge der Sozialdemokraten abgebringen helfen, sie haben auch für neue Steuer- Zusammengehen mit dem tschechischen Bürger- Lichen politischen Erfolg erzielt. Das lehnt. Aus diesem Grunde lehnt jeßt belastungen gestimmt, haben der tschechischen tum, habe Bedingungen gelöst, an deren Un- Fürstenkompromiß, das entgegen dem Willen der die Sozialdemokratie die Zustim 14% Millionen Stimmen beim Voltsentscheid mung zu dem Gesez ab und verlangt Beamtenregierung aus peinlichen Situationen lösbarkeit man glaubte. Auch sei durch sie der den früheren Fürstenhäusern ganz erhebliche eht eine andere Lösung der Frage: herausgeholfen und rühmen sich, dem tschechi Fetischglaube an die Unentbehrlichkeit der ische- Werte zuschieben wollte, ist in der Versenkung ver- fie fordert die sofortige Berlänge schen Nationalstaat einen großen Dienst er- chischen Stoalition erschüttert worden. An die schwunden. Dagegen hat der Reichstag der Ver- rung des Sperrgefeßes und die Auswiesen zu haben, indem sie ihn vor dem Still Unlösbarkeit der früheren politischen Bedingun- längerung des Sperrgesetzes bis Ende dieses Jah- lösung des Reichstages, damit das Bolk stand der Staatsmaschine bewahrten. Ihre gen hat ebensowenig jemand geglaubt, wie an res zugestimmt, wonach alle Prozesse und Ver- durch eine neue, seinem Willen entsprechende VerDienstwilligkeit ging noch weiter. Sie machten ihre Unentbehrlichkeit. Unlösbar waren diese handlungen in der Abfindungsfrage so lange zu tretung die Frage der Vermögensauseinanderdie parlamentarischen Mißbräuche der früheren Bindungen nicht, denn sie waren als die Afti- ruhen haben. Gestern abends hatte die sozialdemo- sehung mit den Fürstenfamilien zu einer das Koalition zu den ihren, wirkten mit, die Ge- visten in die parlamentarische Mehrheit ein- fratische Fraktion beschlossen, das Abfindungsge- Rechtsgefühl befriedigenden Lösung führen und schäftsordnung in noch drakonischerer und un- traten, längst gelöst. Unentbehrlich wurde die des Sperrgesetzes und die Auflösung des Reichs- tigten neuen Angriffe auf die Lebenshaltung des sez abzulehnen, dagegen die Verlängerung die durch die geplanten Zollerhöhungen beabsichduldsamerer Weise als früher gegen die Oppo- alte Koalition nur für die Aufrechterhaltung tages zu fordern. Dieser Beschluß rief bei der Re- schwer leidenden Volkes abschlagen könne. sition zur Anwendung zu bringen, und schließ der tschechischen Alleinherrschaft angesehen, nicht gierung und den bürgerlichen Parteien die größte Nachdem auch die Deutschnationalen durch lich stimmten sie sogar für die Auslieferung von für den Staat überhaupt. Jedes politische Kind Berwirrung hervor. Heute früh beriet das Kabi- ihren Führer Grafen We starp mitgeteilt hatten, fünf Abgeordneten nach dem Schußgefeß, das wußte, daß der Verzicht auf den Grundsay, nett über die dadurch geschaffene Lage. Es beschloß daß fie gegen das Gesch stimmen werden, erhob einer ihrer Führer in besseren Zeiten als Todes- den Staat als einen rein tschechischen National- zuerst im Prinzip, zurückzutreten, sich aber vorher sich der Reichskanzler, um zu erklären, daß die urteil der Demokratie bezeichnet hatte. stagt zu regieren, sofort die Bildung neuer mit den Regierungsparteien und dem Reichsprä- Regierung das Fürestnabfindungsgeseh zurüdDer Aktivismus der deutschbürgerlichen politischer Bindungen ermöglicht hätte. Kein fidenten darüber zu beraten. Der Reichspräsidentziehe. Daraufhin wurde das Sperrgefeß, mit Aktivisten bringt also als erstes Ergebnis seiner Tscheche, der nicht gewußt hätte, daß dieser nahm jedoch, wie der Reichskanzler später mit deffen zurückziehung der Reichskanzler gestern noch gedroht hatte, in dritter Lesung verabschiedet, teilte, die Demission nicht an. praktischen Anwendung den Wählern heim: Ge- Moment einmal kommen müsse; allerdings verAls der Reichstag heute nachmittags seine so daß die Frage der Auseinanderseßung mit den schenke an die Großbauern und Geistlichen, neue stieg sich in den fünften Träumen feiner zu dem hung begann, beschäftigte er sich zunächst mit früheren Füresin bis Ende dieses Jahres in der schwere Steuerlasten, eine nachträgliche Recht Glauben, es müßten dem judetendeutschen der dritten Lesung des Abfindungsgeseßes. Genosse Schwebe bleibt. fertigung der früheren Koalitionsmethoden und Volke nicht vorher mindestens gewisse nationale els gab eine scharf formulierte Erklärung der Wenn die Sozialdemokratie auch die Auflösung damit eine Schädigung der Abwehrkraft der Garantien gegeben werden. Was hat die„ Tat" sozialdemokratischen Partei ab; es heißt darin, daß des Reichstages nicht erreicht hat, kann fie doch Opposition. Der Aktivismus will, so gibt er des deutschbürgerlichen Aktivismus bewiesen? die Sozialdemokratie bestrebt war, in der Frage als Erfolg buchen, daß das Abfindungsgesetz, vervor, dem nationalen Unterdrückungssystem ein Nichts anderes, als daß sich in nationaler Be- der Fürstenabfindung eine Lösung zu finden, die schwunden ist und nunmehr na cheiner Lösung geEnde bereiten, will die Tore, die zum natio- ziehung nichts ändert, auch wenn in der Re- dem allgemeinen Empfinden und der Notlage des fucht werden kann, die dem Empfinden des Volnalen Ausgleich, zur Mitbestimmung der Deut- gierung nicht alle tschechischen Parteien ver- deutschen Volles Rechnung trägt. Diesem Bestre les entspricht. Kommt im Herbst eine befriedischen und zur nationalen Selbstverwaltung treten sind und die deutschen Aktivisten rettend ben blieb der Erfolg versagt. Als der Volksentscheid gende Lösung nicht zustande, so wird die Sozialzialdemokratie die Arbeit für eine befriedigende folg auszubauen und dann die Neuwahl des führen, aufſprengen. Der Eintritt der deutschen in die Bresche springen! Die Möglichkeit einer nicht die verlangte Mehrheit brachte, hat die So- demokratie alles daransehen, um den heutigen ErZollparteien in die neue parlamentarische früheren oder späteren Wiederkehr der tschechi- Lösung dieser Frage sofort wieder aufgenommen. Reichstages zu erzwingen. Mehrheit soll die Probe auf das Erempel sein, ichen Koalition ist, seitdem Spina und Mayrdas der deutsche Aktivismus fertig bringt, wozu Sarting mit Šramek, Hodža und Kramař techdie Politik der anderen deutschen Parteien feine felmechteln, um nichts geringer, als sie vordem Eignung besitzt. Die Früchte, die der Aktivis- war. Durch den„ Beweis", die rein tschechische mus bisher geerntet hat, sind allerdings ein Roalition sei entbehrlich, wurde nichts, aber magerer Beweis dafür. Aber nur nicht unge- auch gar nichts an den herrschenden Machtverduldig werden! Alles bisherige ist nur die Vorhältnissen geändert. bereitung für das Kommende! Es ist, wie die Beneidenswert ob ihres naiven Gemütes Aktivisten sagen, vorläufig nur der notwendige ist übrigens die holde Unschuld, die meint, Auftakt für eine Entwicklung, die den Lebens- Landbündler, Christlichsoziale und Gewerbebedürfnissen des judetendeutschen Volkes all- parteiler wären wirklich von der schweren Sorge Das„ Echo de Paris" schreibt, daß der Bemählich gerecht werden wird. So erklärte wenig um die nationale Existenz des sudetendeutschen stens der Herr Dr. Ledebur im Senat den Volkes bedrückt und zerquält in das Bündnis richt schon morgen veröffentlicht werden wird. Der„ New York Herald" will erfahren haWeg und das Ziel des Aktivismus. Er plädierte mit Sramek und Hodža hineingetrieben worden. ben, daß der Gouverneur der Bank von England dabei an die deutschen wie an die tschechischen Deutsche Volksinteressen: in diesem Begriff er- und der Direktor der American Federal Reserve Die zweite Methode enthüllt dem Volte die Politiker, diese Taktik richtig zu verstehen. Die schöpfte sich für diese Parteien seit ch und je Bank die maßgebenden französischen Kreise haben volle Wahrheit, wobei festzustellen wäre, Gegenwart ist, das geben die Aktivisten zu, das Interesse der deutschen Besitzklassen. Sie wissen lassen, daß sie bereit seien, über die fran- daß es ein Jahr lang dauerte, bevor der Dollar von 48 Mark auf 75 Mark gestiegen ist, ein zweiwohl nicht sehr schön, man müsse manches un- heucheln nationale Sorge, haben dabei aber nur zösische Finanzlage zu diskutieren. laulere und unsaubere Mittel anwenden, aber ihr Macht-, Profit- und Ausbeutungsstreben im Das Journal" meldet, Caillaug werde für tes Jahr, das ihn auf 184 brachte, und schließdie schlechten Mittel gälten eben einem guten Auge. Ihrem ganzen Wejen nach war ihnen seine Maßnahmen besondere Vollmachlich ein drittes Jahr, wo er von 184 auf 4,5 BilDer Quotidien" beginnt mit der VeröffentZweck. nämlich der Erringung eines Pläßchens die Rolle einer oppositionellen Stellung zur en verlangen. Im Leitartikel desselben Blat- lionen Mart gesprungen ist. tes schreibt Tardieu, daß zwischen zwei Methoden an der Sonne für die deutsche Bevölkerung und Regierung längst in tiefster Seele zuwider. Die zu wählen sei: 1. Zwischen der faulen Methode, lichung einer Artikelferie, wie die Tschechoslowader Befreiung von dem auf ihr lastenden Druck. Aussicht an der Krippe ſizen und mitessen zu die während des Krieges geübt wurde, daß man tei ihre Finanzen gerettet hat. So nebenbei: die Politik der Deutschbür- können und auf die reaktionäre Gestaltung der nämlich mit Hilfe von Gehaltszuschlägen, von gerlichen folgt dabei also dem bekannten jesuiti- Gefeßgebung Einfluß zu gewinnen, ist für sie schen Grundsatz, der heilige Zweck rechtfertige verlockender, als im Kampfe gegen die natiodie Anwendung unheiliger Mittel. Sie geben nale, Bedrückung, deren Opfer in erster Linie bor, Gutes zu erstreben, fördern aber zugleich ja doch nicht sie, sondern deutsche Arbeiter und das Schlechte. Es geht angeblich zumindest um Angestellte sind, zu verharren. Zölle, Kongrua, Ein Schiedsspruch der Gewerkschaftskommission die Lockerung der Fesseln, die das judetendeut- Subventionen, Liebesgaben aller Art, Aufsche Volf bedrücken, aber die aktivistischen Behebung der Sonntagsruhe, Kürzung der Ar- wien, 2. Juli.( Eigenbericht) In dem Kon- bittertem Kampfe der Opposition mit einer Michre freier helfen gleichzeitig, neue Fesseln zu schmie- beitslosenunterstüßung, Verschlechterung der den und die alten zu befestigen. Der Teufel soll Sozialversicherung, Steuernachlässe, Ausdeh- flikt, der vor einiger Zeit zwischen den städtischen heit von 195 Stimmen angenommen. Heute mit dem Beelzebub ausgetrieben werden.. Die nung des Rechtes auf Lehrlingsschinderei und Angeeſtllten und der Wiener Gemeindeverwal- beginnt die erste Lesung der Vorlage im Obertung entstanden war, hatte die Gewerkschafts- haus. Deutschbürgerlichen behaupten, für ein ideales Verhinderung jeder sozialpolitischen Gesep- kommission ein Schiedsgericht eingesetzt. Dorer, 2. Juli. Der Sekretär des BergZiel, für eine freiere Zukunft zu kämpfen, da- gebung das sind für die deutschen Aktivisten Dieses hat heute einen Schiedsspruch gefällt, der bei verschreiben sie sich mit Leib und Seele vie! lockendere Früchte, als die nationale Selbst- den Angestellten einen Vorschuß auf die im näch- arbeiterverbandes Cook sagte gestern abends in den Anhängern des alten Gewaltsystems und verwaltung. Sie heucheln Freude über die sten Jahr zu erwartende Erhöhung der Bezüge einer Rede, das Land und die Bergleute wünschunterstüßen sie bei der Verübung neuer Gewalt- Sprengung der tschechischen Soalition, aber in in der Höhe von 30 Prozent eines Monats- ten so dringend Frieden, daß er bereit sei, dem Bergleute seien noch nicht geschlagen und taten. Entspricht es wirklich der Meinung der Wirklichkeit freuen sie sich nur, weil es ihnen, gehaltes und den niedersten Kategorien einen Ge- Vollzugsrat eine Abstimmung vorzuschlagen. Die Deutschbürgerlichen, daß unreine Mittel, in den gelungen ist, die Errichtung eines antisozialen haltszuschuß gewährt. Dieser Schiedssprurch wurde noch am Abend selbst, wenn sie durch Hunger zum Nachgeben ge= Dienst einer hohen Sache gestellt, Ansehen, und antisozialistischen Regimes zu ermöglichen. sowohl von dr Gemeindeverwaltung als auch von zwungen werden sollten, würedn sie in sechs MoGlorie und Rechtfertigung finden? Geben Sie Wenn die deutsche klerikal- reaktionäre Bour- der Vertretung der städtischen Angestellten annaten nochmals den Kampf eröffnen. Sie feien damit nicht zu, daß Gewalttaten mitunter not- geoisie wenigstens nicht Sorge um das natio- genommen. Der Lohnkonflikt ist damit en d- entschlossen, den Achtstundentag nicht anzunehwendig sind, um Leistungen zu vollbringen, nale und kulturelle Wohl des deutschen Volkes gültig beigelegt. Frankreichs Finanznot. Schwere Befürchtungen der Bariser Bresse. Paris, 2. Juli. Dem ,, Petit Parifien" zu-| Uebergewinnen, von inländischen und ausländis folge wird der Expertenbericht, ein Dokument schen Anleihen und schließlich durch Inflation von etwa 50 Seiten, wahrscheinlich am Montag die Lage aufrecht erhalten wolle. Um die Wahrveröffentlicht werden. Das Blatt schreibt, es wer- heit zu verhüllen, könne man nach Erschöpfung den darin keine bestimmten Ziffern als Stabili- der inneren Anleihen zu ausländischen Anleihen greifen, hierauf unter dem Deckmantel der Franfierungsgrundlage genannt werden. kenstüßung Dollars verkaufen und so dem Staatsschaß für eine kurze Zeit über die Schwierigkeiten hinweghelfen, was soeben mit der Morgan- Anleihe geschehen sei. M Der Lohntonflitt der Wiener städtischen Angestellten. angenommen. www Der Kampf im englischen Bergbau. London, 2. Juli. Obgleich zu Anfang der gestrigen Unterhaussigung ein Mitglied der Arbeiterpartei versuchte, die dritte Lesung der Achtstundenvorlage zu verhindern, wurde sie nach ermen. Ccite L 3. Juli 1826. / 3. Ist ebenfalls frei r f u n d e n. Wahr formierten) Volksschule Austretenden mußten bei der Auf» ah ms- prüfung in die Mittelschulen zurückgewiesen iverden." 5.„Man hat das Griech ische abgeschafft und das Late i n auf die o b e r e n Klassen beschränkt." 6.„Es ist nur selbstverständlich, wenn di« Hoch s ch u l leh re r unbarmherzig 90 Pro- zcnt der auS den R«f»rmmitt«l- schulen hervor- gegangenen Prüflinge werfen." der Bolksschulreform ist der Prozentsatz der Z u r ü ck g e w i e- senen ständig gesunken, an manchen Wiener Gymnasien(um Beispiel ist er heut« überhaupt nahezu Null." 2. Eine glatte Erfindung! Ter artige Klassen hat es nie gegeben, auch nichts, was einer solchen Einrichtung ähnelt und daher, etwa übertreibend, so gedeutet tverdrn könnte. U 2.„Glöckel half sich zuerst mit Vorbe» reit ungs k lassen. Der Lehrer hatte diejenigen Schüler, die nach Vollendung der Volksschule ein« Mittelschule besuchen wollen, für die Aufnahmsprüfung reif zu machen, d. h., all das n a ch z u- holen, was die Reformatoren ausgemerzt hatten." 3.„Volks- und Bürger schul lehre r, welch«'die Hochschule besuchen wollten — gemeint war ein Kurs— sollten zu Mittels ch ul pro- f e s s-o r e n ernannt werden. 4. Die Mittelschullehrer wurden vom Wiener Stadtschulrat durch rücksichtslose Versetzungen und Pensionierungen kirre gemacht. e ist, daß umgekehrt für d'c Volksschullehrer hochschulmäßige Ausbildung gefordert wird. Die„Bohemia" und dir Wahrheit über die öfterreichMe Schulreform. In Oesterreich ist in den letzten Wochen bekannt- 'lich ein heftiger Kampf um die Schulreform entbrannt, der im Verein mit einem Konflikt wegen der Verlängerung der Arbeitslosenunterstützung augenblicklich sogar die Tätigkeit des Parlaments lahmlegt. Es dreht sich im wesentlichen um zwei Punkte: um die Frage des Bolksschullehr- plans und um die Ausdehnung der Mittelschulreform in Wien. Beide Angelegenheiten schienen bereits durch eine Vereinbarung zwischen den Führern der Christlichsozialen und der Sozialdemokraten bereinigt, als eine von klerikal-monarchistischer Seite angezettelte Palastrevolution den Bundeskanzler Ramek verleitete, den in feierlicher Form abgeschlossenen Pakt, der die Unterschrift des christlichsozialen Parteiführers Kun- schak und andere Größen seiner Partei trägt, einfach zu verleugnen. Als Sündenbock schlachtete man den klerikale» Unterrichtsminister Schneider, der eigentlich nur der Zeuge dieser Vereinbarungen gewesen war. Sein Nachfolger, der ehemalige steirische Landeshauptmann R i n t e l e n soll nun den Karren aus dem Schmutz ziehen, was angesichts der sachlich und moralisch schivachen Position, in der sich die Regierungsparteien in dieser Lage befinden, eine sehr undankbare Aufgabe ist... Di« Frage der M i t t e l s ch u l r e f o r m ist nämlich auf Grund der noch vom Unterrichts- niinister Schneider erteilten Ermächtigung• vom Wiener Stadtschulrat bereits in dem Sinn« geregelt worden, daß alle Realschulen und Realgymnasien einen einheitlichen Unterbau vom Typus der„D e u t s ch e n Mittelschule" erhalten, während die humanistischen Gymnasien, der Augapfel der Reaktionäre, van der Reform vorläufig unberührt bleiben, vorausgesetzt, daß sie — Schüler finden. Die„Allgemeine Mit- t e l s ch u l e", die in einer einheitlichen Pflicht« schule alle 11- bis 14jährigen Kinder eines Sprengels vereinigt, um sie gleichzeitig für das praktische Leben und— die Befähigung vorausgesetzt— auch für den Uebertritt in Obermittelschulen vorzubereiten, wird im kommenden Schul- jahr in Wien auf das Dreifache ihres bisherigen Umfangs ausgedehnt>verden und in vier Jahren rund 10:000 Kinder umfassen. Hier ist also die Kuh schon aus dem Stalle. Der Streit um den Volksschullehrplan ist noch nicht entschieden, aber auch da ist die Situation der Regierung geradezu kläglich. Der Schneidersch« Lehrplanentwurf, der als„de- finstiver" art die Stelle des provisorischen Reformlehrplans aus der Aera Glöckel treten sollt«, ist nämlich, abgesehen von feiner konfessionellen Färbung auch sachlich und sprachlich ein derart erbännliches Machiverk, daß sich außer der christlichsozialen„Reichspost" innerhalb der gesamten bürgerlichen(liberalen und nationalen) Press« nicht eine einzige Stimme zu seiner Verteidigung erhoben hat. Auch die Lehrerschaft aller Parteirichtungen ist von ihm abgerückt und für den „Glöckellehrplan" eingetreten. Um so bezeichnender ist cs, daß die wackere Prager„B o h e m i a"(am 23. v. M.) einen Bericht aus Wien veröffentlicht, der die„sozialdemokratische" Schulreform in Grund und Boden hauen will, dabei aber nur de« Wahrheit ins Gesicht schlägt. Zu seiner Widerlegung genügt' es, in einigen Punkten gegenüberzustellcn, was die „Bohemia" und was die Wahrheit sagt:.* Die„Bohemia": Die Wahrheit: 1.„Die aus der(re- 1. Seit dem Einsehen 4. Tie Mittelschul- lehrer sind Bundes- beamte, weshalb ihre Versetzung oder Pensionierung in den Wirkungskreis des(klerikalen) Unterrichtsministeriums fällt, und nicht in den des Stadtschulrats. Tiefer hat sich dem Abbau von Lehrern aufs äußerste widersetzt; Versetzungen kommen in nennenswerter Zahl überhaupt nicht vor. 5. Latein wird im System der Einheitsschule sechs Jahre und G ri ech i sch vier Jahre hindurch gelehrt.. 6. Ter e r st« Abiturient einer Reformmittelschule wird erst im Studienjahr 1927— 28 eine Hochschule beziehen und daher erst geraume Zeit darauf„unbarmherzig geworfen" werden können. Vielleicht ist die letzte Gegenüberstellung— hier handelt es sich ja um Zahlcnangaben!— geeignet, die Frivolität dieser Art von Berichterstattung am allerdeutlichsten zu kennzeichnen. Ihr Urheber ist ein Herr Tartarupa, unseres Wissend ein Polizeikommissär, der in Wiener Tratschblättern Kulissengeheimuissc„aus dem Album eines Kriminalbeamten" breiitritt und gelegentlich.auch über Spiritismus und ähnliche geistige Belange herumschnmst. Wenn er der 'Prager bürgerlichen Presse als berufener Sachverständiger in pädagogischen und schulpolitischen Fragen erscheint, so wird wohl nichts übrigbleiben. als diese Publizistik mit jenem Maß zu messen, das sie selbst durch die Wahl ihrer Mitarbeiter für sich in Anspruch nimmt. Der Hak der deutschen Eeroerbeparteiler gegen . die Arbeiter and Sozialisten. Stzre„Bilanz- der letzten Varlamentstagung. Der bereits berühmt gewordene Wind hat uns ein gewerbeparteiliches Zirkular in die Redaktion geweht, das zwar anvnyni, aber für Presse und Sekretariate der deutschen Ge- tverbepartciler bestimmt ist, so daß über seinen Ursprung kein Zweifel bestehen kann. Sehr interessant ist schon die Einleitung dieser Mitteilungen, in der es über die„Bilanz der letzten Parlamentstagung" heißt, daß ,chie Zusammenfassung der bürgerlichen parlamentarischen Gruppen in der sogenannten Zollmehrheit dem bisherigen s o z i a l i st i- schen Regime Vielleicht auf längere Zeit ein Ende bereitet hat" Damit geben die deutschen Gewerbeparteiler, allerdings gegen ihren Willen, der Oessentlichkeit gegenüber die Tatsache zu, daß es ihnen— natürlich auch den deutschen Agrariern und Christlichsozialen— nicht etwa um die Zertrümmerung der antidemokratischen, minderheitenvergewaltigenden allnationalen Koalition, sondern um die Ausschaltung jedes sozialistischen Einflusses aus der Regierung und die Etablierung eines rein bürgerlichen, antisozialistischen und arbeiterfeindlichen Regimes geht. Natürlich bedeutet es plumpen Spießerfang, wenn die Gewerbeparteiler vom bisherigen Regime als einem„sozialistischen" schlechtweg sprechen. Das Zirkular rühmt weiter die Erfolge d'eser antifozialistischen Mehrheit, beifpielslveise, daß sie den Bezirkskrankenlassen durch die Aenderung eines Punktes der Gewerbeordnung zwei Millionen abgeknöpft haben (worüber wir ja bereits ausführlich geschrieben haben.) Aus den„weiteren Forderungen" der deutschen Gewerbeparteiler zitieren wir:| Agrarischer Suboentionsterror. Sie wollen die kleinen Landwirte in ihre Organisationen zwingen. Wir lesen im„Kleinen Landwirt":' Ein günstiger Wird weht uns ein jetzt zum Versande gelangendes Rundschreiben der Agrarier auf den Tisch. Dasselbe hat nachstehenden Text: Deutsche Land- und forstw. Kreisverbaud„Böhmerwald Süd", Zu Händen des Offiz. Anton Moritz in Bndweis, Manesova 502. Z. 87-26. An die Deutsche Sektion des Landesknlturrates für Böhmen in Präg In der Ausschußsitzung am 16. Juni des land- und forstw. Kreisverbandes„Böhmerwald Süd" in Bndweis wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: Jedes Gesuch um ErstmAung einer Subvention für lanbw. Maßnahmen an di« Deutsche Sektion 'des Landeskirlturrates muß von der zuständigen landw. Bezirks- und Kreisorganisation befürwortet fein, ansonsten es zurückgewiesen wird. Ein hoher Präsidium wolle, diesen Beschluß Mr Kenntnis nehmen und amtlich anerkennen, damit jene Bezirks- und Ortsverein«, bezw. Landwirt«, welche den KreiS- oder Bezirksverbändsn oder noch Einstellung der Tätigkeit der Steuerrevisoyen — gründliche Steuerreform. Ausscheidung der Lehrlinge aus der Sozialversicherung. Novellierung des Sozialversicherungsgesetzes. Keine Steuern zahlen, die Lehrlinge auSbeu- teu und ihnen auch noch die bescheidene Sozialversicherung rauben und die Errungenschaft der Sozialversicherung überhaupt für das ganze Proletariat verschlechtern— das sind die Ziele der Gewerbeparteiler, die natürlich nur das Volkswohl im Auge haben! Der Rest des Rundschreibens bringt dann ein paar saftige De.unziation«« der Deutschen Nationalpartei, demw Vertreter im sozialpolitischen Ausschuß nicht mst isen Zollparteien gegen Sonntagsruh« Hd gegen die Verlängerung des Arbeitslosen Unterstützungsgesetzes stimmte. Den Deutschnationalen wird es gewiß nicht schwer fallen, nachzuweisen, daß sie an Angestellten- iund Avbeiterfeindlichkeit den deutschen Gewerbe Partei- lern um nichts nachstehen. Für diese aber ist es charakteristisch, daß sie ihre Polemik gegen die Teutschnationalen mit einem einmaligen Schein von deutschnationaler Arbeiterfreundlichkeit bestreiten zu können glauben. 'Diese Proben dürften genügen, um neuerdings zu beweisen, daß die deutschen Gewerbeparteiler zur reaktionär st en Schicht im sudetendoutschen Volk gehören und daß auch ihre Beteiligung an der Zollmehrheit neben der Mandatsversicherung keinen anderen Zweck hat, als ihre Kräfte der Bekämpfung des Proletariats, deS Fortschrittes und des Sozialismus I zuzuführen., gar keiner, lanbw Organisation angehören, gezwungen iverden, sich wirtschaftlich zu organisieren. D«r Geschäftsleiter: Der Obmannstellvertreter: Anton Moritz m. p. Josef Reif m, p. Stampiglie des Kreisverbandes. An alle land- und forstw. Kreisverbände zur Kenntnisnahme und ählicher Eingabe an die Deutsche Sektion des Landeskulturrates. Mit diesem Rundschreiben bekennen die Landbündler wieder einmal Farbe. Sie glauben, daß die Zeiten Altösterreichs wieder da find, und daß nur sie, bezw. jene, welche ihnen in ihren Organisationen den schuldigen Tribut leisten, berechtigt sind, die Subventionen einzustecken. Daß hier alle mitzahlen, ist ihnen gleichgültig. Der Schlag zielt nach deyt Zentralvevband der Kleinbauern und.Häusler,, der ihnen schon lange ein Dorn im Auge ist und den sie mit allen Mitteln zur Strecke zu bringen versuchen. Aber auch dieser Anschlag wird sein Ziel nicht erreichen. Die durch die Zollpolitik der Großagrarier wachwerdenden Kleinbauern und Häusler iverden auch dieses Attentat abzuwehren wissen und den Herrschaften die gebührende Antwort erteilen. Wasch mir de» Pelz... Die deutschen Nationalsozialisten sind jetzt eifrig bemüht, alle Spuren ihres Verhältnisses zu den deutschen Zollparteien zu verwischen. Darum be. reist nun der bekannte Jung die Lande, um zu retten, was zu retten ist. Dieser Tage hielt er UM dem rschechtlchen von Richard»rändel». Moral en gros. Ei« Roman wider alles Herkommen 52 Von Jiki Haußmann. Mit dieser nicht gerade vollkommen beruhigenden Versicherung verließ Exeelsior die Hawaische Inselgruppe; er kehrte zwar erst nach neun Tagen zurück, dafür aber mit einem fertigen Plane, den er bei einer neuerlichen, geheimen Zusammenkunft, an der sich neben den beiden Billionären auch der junge Brutus und die hu- »