Ar. 355. Adomements-Kedingungro: Bbonnement«-Pr«tZ pränumerando: «ierteljährl. Z,N Mk., monatl. l,10Ml., rvöchenllich 28 Pfg. frei ins Haut. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntagt- Nummer mit illustrirter Sonnlagt- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitungt» Preisliste für lös» unter Nr. 7S-«. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. 15. Jahrs. Die Inftrtwns-Gebllhr deträgt für die fechtgefpaltsne Kolonek« zeile oder deren Raum 10 Pfg., für Bereiut- und VerfammlungS-Auzeigen. sowie Arbeittmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer niiisse» bit t Uhr nachmtttagt in der Expediiio» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bit 7 Uhr abendt, an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vormtltagt geöffnet. Erscheint liiglich außer Montag«. Devlinev VolksblÄtk. Fernsprecher: vmk I, Nr. IVOS, Telegramm-Adresse: „Sozialdemoliral Serlin". Dentralorgan der sozialdemokratisitsen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Stratze 2. Sonntag, den ijO. Oktober 1898. Expedition: SW. 19, Benklz-Steahe 3. Vezugs- Einladung. Am 1. November 1893 beginnt ein neues Abonnement auf den „Vtmväeks" mit UuterhaltmigSblatt und der illustrirten Sonntags-Beilage .»Die Neuv ZVelk". In wenigen Wochen tritt der Reichstag zusammen. defseil Verhandlungen in der nächsten Session— der ersten Tagung nach den diesjährigen Rcichstags-Wahlen— von un gewöhnlichem Interesse sein werden, da die politischen Gegen sätze sich dermaßen zugespitzt haben, daß wichtige Ent scheidungen unausbleiblich sind. Das Verhältniß des neuen Reichstags zu dem preußischen Landtag, der gegenwärtig ebenfalls neu gewählt wird, und in den die Reaktion ihre Operations basis zu verlegen beabsichtigt, wird zu wichtigen, für unser Verfassungsleben hochbedeutsamen Auseinandersetzungen führen. Und die Bestrebungen der reaktionären Umsturzparteien, die durch Beseitigung des all gemeinen und gleichen Wahlrechts, sowie des Koalitionsrechts, dieser beiden Grundpfeiler gesunder und friedlicher Staatsentlvickelung, einem Staatsstreich und der Säbeldiktatur die Wege zu ebnen suchen. werden im Reichstage zu harten und erbitterten Kämpfen führen, von denen auf längere Zeit hinaus die Zukunft unseres Vaterlandes abhängen wird. Unter solchen Umständen ist eS Pflicht eines jeden, sich über die politischen Ereignisse genau zu unterrichten. Und das kann nicht besser geschehen, als durch den„Vorwärts" dem immer weitere Verbreitung zu sichern wir die N erliner Genossen hiennit dringend ersuchen. Im llntcrhaltlMgSblatt wird im kommenden Monat der A n t stierpener Sozialrom an: »»Mvu- Karkhetgo" von Georges Eekhoud zu Ende geführt werden. Neu eintretende Abonnenten erhalten den bereits erschienenen Theil des Roinans kostenlos nachgeliefert. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspcditcure sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennigen frei ins Hans für den„Vorwärts" mit Unterhaltungsbeilage und der illustrirten Sonntagsbeilage »»Die LU-ue Melk". Für außerhalb nehmen sämmtliche Po st an st alten Be stellungen zum Preise von 2 Mark 20 Pfennigen für die Monate November nnd Dezember entgegen. �Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-Zeitungsliftc für 1893 unter Stummer 7576.) Die Redaktion des„Vorwärts". Der Berliner Polizeipräsident nnd das Bersammlnngsrecht. DaS Verbot der Volksversammlung, die seitens deS Anarchisten Gust. Landauer für Freitag Abend einberufen war, ist von weit gehender prinzipieller Bedeutung. Wie der„Vorwärts" mittheilte, hat der Polizeipräsident das Verbot ausgesprochen mit Hinweis auf das Allgemeine Landrecht II. 17§ 10, der lautet: „Die nöthigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwendung der dem Publiko oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahren zu treffen, ist das Amt der Polizei." Besagte diese Bestimmiliig des Allg. Landrechts das, was der Polizeipräsident Herr v. Windhcim aus ihr herausliest, so könnte er mit Archimedes rufen: Heureka!(Ich habe gefunden!) Jawohl! Danil wären nicht nur eine Reihe von Bestimmungen, die die Verordnung über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit und Ordnung gefährdenden Mißbrauchs des Versammlungs- und Bereinsrcchts vom 11. März 18S0 enthält, bezüglich des Verbots von Versamnllttiigen unter freiem Himmel und der Auflösung von Vcrsamnilungen im Falle der Verletzung der§§ 1. 4, S, 6 und 7 überflüssig, sondern noch vieles andere. Man brauchte alsdaim weder Polizcistrafgesetze noch Polizei- Verordnungen. Zmn Beispiel könnten in der Gewerbe- Ordnung sämmtliche Befugnisse, die der Polizei eingeräubit wurden, wenigstens für den Geltungsbereich des Landrechts, durch den einfachen Hinweis auf A. L.-R. II 17 K 10 erledigt werden. Ja»och mehr. Auch eine Reihe preßgesetzlicher Bestimmungen Über den Druck, die Verbreitung lind die Beschlagnahme von Preß- erzeugnissen hätte sich für das Geltungsgebiet des preußischen Land- rechts der Reichstag ersparen können. Anä. last but not least*), das Sozialistengesetz mit all' der durch seine Berathungen erfolgten Auf regung und Zeitinauspruchnahme wäre überflüssig gewesen, denn das A. L.-R. II. 17'§ 10 enthält das A und O aller polizcipolitischen ja aller staatlichen Weisheit überhaupt, immer vor- ausgesetzt, Herr v. Windheim hätte mit seiner Auslegung der betreffenden Stelle des A. L.-R. recht. Und nicht allein hätte Herr von Windheim, soweit sein Ver- waltungsgebict als Polizeipräsident für Berlin reicht, das Wohl nnd Wehe der Bevölkerung für die Gegenwart in der Tasche, sondern auch für die Zukunft. Wozu noch eine Anarchisten- Konferenz in Rom oder Venedig. eine Umsturz- oder Anarchisten-Vorlage für den Geltungsbereich des A. L.-R., wenn Herr Windheim ans grund der von ihm gemachten Entdeckung, so zu sagen als heiliger Michael mit dem flammenden Polizcischwcrt in der Hand„die nöthigen Anstalten für die Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwendung der dem Publiko oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahren" zu treffen berechtigt ist. Z. B. Herr v. Windheim vermuthet, daß die Anarchisten ein Attentat ausführen werden. Auf grund des A. L.-R. II. 17§ 10 steckt er sämmtliche A n a r ch i st e n ins G e f ä n g n i ß; oder er weist sie aus dem Geltungsbereich des A. L.-R. ans, oder er intcrnirt sie, kurz thut was er als oberster Wächter der Staats- Wohlfahrt in Berlin kraft des A. L.-R. II 17§ 10 zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung u. s. w. für noth- wendig hält. Diese Beispiele von der Allmacht der Polizei, immer unter der Voraussetzung, daß Herr v. Windheim mit der Auslegung des A. L.-R. II 17 Z 10 recht hat, lassen sich ins ungemessene vermehren Wir wissen nicht, ob Herr v. Windhcim, als er am Freitag Vormittag seine Entschließung auf die von dem Anarchisten Gustav Landauer erfolgte Anmeldung einer Volksversammlung faßte, sich der K o ii s e g n e>i z c n derselben bewußt war. In dem Eifer, den Staat zu retten und in dem Bewußt- sein, daß die Verordnung vom 10. März 1830 i h m keinerlei gesetzliche Handhabe biete, die Versammlung zu verbieten— und man hat bisher in dem Glauben gelebt, daß einzig und allein die Verordnung vom 10. März 1330 das Vereins- und Versammlungsrecht in Preußen regele bezw. beschränke— griff er, wie der Ertrinkende nach einem Strohhalm, nach dem A. L. R. II 17 Z 10. Man sagt uns, den Strohhalm des Herni v. Windheim habe das Ober- BerwaltungSgcricht zu einem Balken zu zinimcm versucht— obgleich das ein Kunststück ist— indem eS vor Jahr und Tag die Anwendung deS A. L. R. II 17§ 10 für ein Versammlungs verbot für zulässig erachtet habe. Wir können uns dessen nicht entsinnen und kennen deshalb auch die Entscheidungsgründe des Ober- Vcrwaltnngsgcrichts nicht. Letztere sind unS sogar, gerade herausgesagt, schnuppe, obgleich sie, wie die Dinge stehen, dem Vorgehen deS Herrn v. Windhcim den gesetzlichen Boden zu geben scheinen. Wir sagen scheinen, einmal weil das Ober-Verwaltungsgcricht für uns so wenig unfehlbar ist. wie Herr v. Windhcim. Dann, weil wir die Ansicht haben, das Ober- Vcrivaltungsgericht habe kein Recht, im vorliegenden Falle einen Artikel des Allgemeinen Landrechts zu interpretiren, wie geschehen. Der Beweis dafür liegt auf der Hand. Der 8 10 im A. L. R. II. 17 gicbt nicht die Richtschnur für eine c i n z e l u c Handlung einer Polizeibehörde, sondern er giebt die allgemeine Richtschnur für die Thätigkeit und die Aufgabe der Polizei als Staatsorgan. Hat das Ober-Vcrwaltungsgericht das bisher nicht eingesehen, so würde dieS für seine juristische Unzulänglichkeit sprechen. Denn um das noch einmal klar zu sagen, daS A. L. R. II. 17§ 10 thut, nichts anderes: alö den allgmcine» Grundsatz ftir das aufzustellen, was nach dem A. L. R. die Aufgabe der Polizei als StaatS- iustitulio» sein soll. W i e dieser Grundsatz im Staat zur Geltung kommen soll, wie weit im gegebenen Fall die Grenzen für das Handeln der Polizei gezogen werden sollen, das wird durch die einzelnen Gesetze und die mit Gesetzeskraft er- lasse nen Verordnungen bestimmt. Int vorliegenden Fall also in bezug auf daö ereins- und Versammlungsrecht durch die Ver- o r d n u n g v o m 10. M ä r z 1350. Bestimmt diese Verordnung nichts über ein Verbot einer Versammlung in einem geschlossenen Lokal, so hat die Polizei kein Atom von Recht, eine solche Ver- ammlung vorher zu verbieten, mag ihr dieselbe, wie im vorliegenden Falle, auch noch so unangenehm sein. Nach unserer Meinung ist also das Verbot der für Freitag Abend geplant gewesenen Volksversammlung durch Herrn v. Windheim ein ungesetzliches. An dieser Ueberzeugung ändert die auf erfolgte Beschwerde dem Verbot etwa zustimmende Entscheidung des Oberpräsidenten, des Ministers des Innern und selbst des Ober-Verwaltungsgcrichtshofcs nicht das geringste; sie könnte nur wieder einmal bestätigen, wohin wir am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, mehr als 48 Jahre nach dem Erlaß der Verordnung vom 18. März 1830 in Preußen gekommen sind. Und als Letztes aber nicht Geringstes! «�5 wt v, politische Aebevstcht. Verlin, den 29. Oktober. Von dem cgyptischen Attentat ist's auf eimnal mäuschenstill. Und die Burschen, von denen der Höllen- spektakel herrührt, haben auch allen Grund jetzt still zu sein, denn sie haben dem deutschen Kaiser einen sehr schlechten Dienst geleistet. Wie man jetzt weiß, wurde der Lärm schon 14 Tage vor dem Antritt der Palästinafahrt in Szene gesetzt, und zwar stimmt das Datum genau niit dem Datum der Nachricht, daß der deutsche Kaiser den geplanten Abstecher nach Egypten unterlassen würde. Wenn man nun bedenkt, daß den Engländern dieser Ab- stecher sehr unangenehm war und wie vor zwei Jahren der Londoner Allcrlvcltsspitzel Melville durch ein fcnisches Boniben- attcntat die Reise des Zaren nach Berlin und Paris zu hintertreiben suchte; nnd lvenn man weiter bedenkt, daß das egyptische Altentat jenem fcnischen gleicht»nie ein Ei dem andern, nnd daß es genau durch dieselben englischen Kanäle in die Oeffentlichkeit hineingeschrieen worden ist, besteht für keinen vernünftigen Menschen ein Zweifel über den Zweck des egyptischen Attentats. Verrätherisch war auch die Plumpheit, mit der die Macher nachträglich ausposaunten, der Kaiser habe seine Reise nicht aus Furcht vor dem egyptischen Attentat geändert; der Kaiser fürchte sich nicht. Das hatte ja aber niemand behauptet, und nie ist das gui s'excuse s'accuse mit größerem Ungeschick geübt worden. Wohl begreifen wir es unter solchen Umständen, daß der. Kaiser sich über diese AttentatSmache sehr scharf mißbilligend geäußert' haben soll.— Zur Kabinetskrise m Frankreich erfahren wir, daß Dupuy bis heute Nachmittag sein Ministerium noch nicht bei- sammen hatte,„aber seine Bemühungen fortsetzte". Freycinet, dem das Kriegsministerium angeboten ward, scheint zu schwanken. Ernsthafte Konflikte sind kaum zu erwarten. Man darf sich durch das verrückte Geschrei der Chauvinisten und Anti- semiten nicht täuschen lassen. Darin, daß die Militärgewalt sich der Zivilgcwalt unterzuordnen hat, ist die ungeheuere Mehrheit des französischen Volkes einig. Und ein General, der es wagt, sich der Zivilgcwalt zu widersetzen, was ja auf einen Staatsstreich Hinausliese, wird sich Wohl schwerlich finden. In der französischen Armee ist der demokratische Geist tief eingelvurzelt,— nur in den oberen Stellen sitzen Kreaturen der Pfaffen und Monarchisten. Die französischen Soldaten aber sind nicht mehr blinde Werkzeuge, diH auf Kommando Vater, Mutter mid Bruder todtschießen.— ** Deutsches Reich. Ruf die Vertretung der Arbeiter bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung koimneu nnmnehr die Offiziösen des Reichsamtes des Jimern zu sprechen— in der löffelweifen Verabreichung der Kenntniß der neuen Vorlage scheint also Methode zu liegen. Dabei läuft dem eingeweihten Mitarbeiter des Herrn Schwein- bnrg zunächst die falsche oder doch irreführende Behauptung unter, daß „nach dem bisherigen Nechtszustandc den V o r st ä n d e n der Per- sichcrungS-Anstalten neben den die Geschäfte fiihrendenKommunal- oder Staatsbeamten Vertreter dcrArbcitgcber nnd dcrVcrsichcrten in gleicher Zahl angehören m ü s s c n". Thatsächlich läßt das bestehende Gesetz diese Betheiligung offen:„durch das Statut I a n n lbestimmt werden, daß dem Vorstände neben den vorgenannten Beamten noch andere Personen angehören sollen"(§ 47). In der Praxis ist die Heranziehung allerdings erfolgt und der Bötticher'sche Entwurf vean- tragte daher die Einsugnug: Neben den vorgenannten Beamten m ü s s e n dem Vorstande Vertreter der Arbeitgeber nnd der Versicherten, und zwar von beiden eine gleiche Anzahl angehören, über deren Anzahl und Wahl daS Statut Bestimmung zu treffen hat. Hinsichtlich der Wählbarkeit gelten die Bestimmungen des§�30. Das scheint die neue Borlage übernommen zu haben. Weiter wird die Zusammensetzung des Ausschusses bei- behalten, über den es schon bisher in 8 48 hieß, er müsse aus mindestens je fünf Vertretern der Arbeitgeber und der Versicherten bestehen; die Anzahl der beiderseitigen Vertreter habe immer gleich zu sein. Entsprechend sollen die Versicherten nunmehr auch an den nen zu schaffenden örtlichen Renten st ellen bctheiligt werden. Das ist zwar nur eine nothwendiac Konsequenz aus dem ganzen Aufbau auch des alten Gesetzes, slber in der Aera Posadowsky ivirken selbst solche sozialpolitische Selbstverständlichkeiteii wie eine. kleine llcberraschung. Vor allem soll, was die Rechtsprechung an- geht, je ein Vertreter der Unternehmer und der Arbeiter bei jedem Beschlüsse der Rentenstelle über Bewilligung oder Entziehung von Reiitenzahlunaeu und über Beitragserstattungen mitwirken. Die Zusammensetzung der höheren Instanzen, Schicds- gericht nnd R e i ch s- V e rs i ch e r u n g s a m t, in denen eine Mitwirkung der Arbeitgeber und der Versicherten schon jetzf stattfindet, bleibt unverändert. Einen kleinen, bisher in ganz unverständlicher Kleinlichkeit ver- weigerten Fortschritt, auch gegenüber dem 1897er Entwurf, hat endlich die neue Vorlage aufzuweisen: au der Wahl der Arbeiter« Vertreter sollen neben den bereits gegenwärtig berechtigten Kranken- kasscn-Vorständen fortan auch die Vorstände der ei n g e s ch r i c denen Hilfskassen betheiligt werden— allerdings gleich wieder mit der Einschränkung, daß sich ihr Bezirk nicht über den Bezirk der Versicherungsanstalt hinaus erstreckt. Es wäre gut, wen» die zen- tralisirten freien Kassen sich übcrjfdiesen Punkt äußern wollten. » Nebenbei bemerkt, entspricht der Rcgierungsvorschlag nur en Beschlüssen der Unfallversicherungs-Kommissioii des NcichstageS von 1897 über die Bildung der Schiedsgerichte. Unsere Partei- genossen Ui her Konnnission stellten dcnncils viel weitergebende Sln- träge und es unterliegt keinem Zweifel, daß auch jetzt die Arbeiter diese Wahl durch Borstände sehr ungenügend finden werden. Kleinlich ist ferner die Bestimmung des alten Z 50, daß nur m ä n n I i ch e Arbeiter zu Vertretern wählbar sein sotten. Ob man auch jetzt noch daran festhält?— Die geplante Jndilstrialisirung des Ostens stört die Konser- vativen und Agrarier in ihrer bisherigen Machtstcherheit. Es hat idnen darum gefallen, daß der„Vorwärts" die Judustrialisirung dcS Ostens mit dein Fortschreiten der Sozialdemokratie gleich gesetzt hat. Die„Konservative Korrespondenz bringt dem Goßlcrstchen Unter- nehmen mit dem direkten Hinweis ans den„Vorwärts" große Ve- denken entgegen. Das Begünstigen neuer, unsicherer Gründungen, die natürlich von der Börse mit großer Freude begrüßt werden würden, habe am letzten Ende noch immer zu einem Krach geführt, der die ganze Bevölkerung in Mitleidenschaft zieht. Im Interesse der Arbeiter protcstirt die„Kons. Korrespondenz" im weiteren gegen eine solche Jndilstrialisirung:„Witt man jetzt speziell zu indnstrictten Unteniehmnngcn in dem bis jetzt indnstriearmen Osten .Anregungen geben imd sie gar von Staatswegen unterstützen, so züchtet man nur industrielle Unsicherheit, zieht eine große Arbeiter- schanr ins Land und kann gewärtig sei», daß der größte Thcil der Arbeiter später einmal an die Lust gesetzt wird, wenn cS sich— wie es kommen muß, zeigt, daß diese künstlichen Gründungen unHalt- bare sind." Die Vertretung der Arbeiterinteressen kann die„Konservative Korresp." ruhig der Arbeiterpresse überlassen. Viel cherglauben wir daran, daß den Agrariern eine Jndpstrialismiiig des Ostens deswegen un- licbsam ist, weil dadurch ihr politischer und sozialer Einfluß ge- schmälert und verdrängt lvird. Den Ausführungen der„Konserv. Korrespondenz" liegt,>vie ein rheinisch- westfälisches Unternehmer- Organ ganz richtig ausführt, der ganz unbewiesene Satz zu gründe, daß eS sich um das Aufpäppeln ungesunder Industrien handelt. Das ist aber nicht der Fall und darum braucht man auch die Bc- denken der agrarischen Presse nicht ernst zu nehmen.— „Kleine Fragen, grast« Gefahren", betitelt der Pariser „Temps"� einen kurzen aber schlagenden Leitartikel über den Lippe'- scheu Erbstreit und die Braunschweiger Thronfolge. In beiden„kleinen Fragen" ist eS Preußen, das wider die Bestimmungen des von den Gegenparteien angerufenen bestehenden FürstciwechtS für sich von beiden Bundesstaaten Besitz ergreifen Witt. Denn das ist der Punkt, auf den es ankommt und der dem Vorgehen VreußenS erst einen Sinn gicbt. Daß nach bestehendem Stecht die Nachkommen des Fürsten von Lippe- Biestcrfeld und der Sohn des depossediricn Herzogs von Cumberland erbberechtigt sind, unterliegt absolut keinen, Zweifel. Freilich, das sind nur„kleine Fragen" und wenn ein großes StaatSinteresse entgegenstünde, und wen» in dem Deutschen Reich die Volkssouveränetät anerkannt herrschte, so iväre die Sache sehr einfach und die Nachkommen des Regenten von Lippe und der depossedirten Welsen würden ebenso unzcremoniös vor die Thür gesetzt, wie weiland der König von Hannover,! der Kurfürst von testen und der Herzog von Nastau. Allein seitdem ist das deutsche aiserreich auf grrmd eines Vertrages der deutschen Fürsten und unter ausdrücklicher Anerkennung der Rechte der deutschen Fürsten zu stände gekommen, und keiner der Bundesfiirstcn hat das monarchische Prinzip und das Fürstenrecht schärfer betont, als gerade der König von Preußen und deutsche Kaiser. Freilich, von unserem Stand- punkte aus ist der Volkssouveränetät alles untergeordnet, allein dem Willen des Volkes hat ja der König von Preußen demonstrativ den regis voluntas— den Witten>des Königs übergeordnet. Stellte Prciißen sich auf den Standpunkt der Volkssouveränetät, so zerrisse es die Grund- läge des deutschen Kaiserreichs und brächte den König von Preußen in Gegensatz zu den übrigen deutschen Fürsten. Das iväre vielleicht für das deutsche Volk nicht verderblich, gclviß aber für das Deutsche Reich mit dem König von Preußen als deutschen Kaiser an der Spitze.— Die Reichstag?- Ersatzwahl sm Wahlkreise Bückeburg findet am 5. November statt. Als NeichStagS-Kaudidat fungirt für die Konservativen Major a. D. Strosscr, für die freisinnige Volks- Partei Kammergerichtsrath a. D. Dr. Müller. Von der Sozial- demokratie wurde wiederum Genosse Paul Reichenbach, Bielefeld, aufgestellt. Ei« geborener König! In einem recht sonderbaren Fest- artikel feiert das Bündlerorgan den König Albert von Sachsen. Er wird als Vater des Landes, als das unerreichbare Vorbild für andere Monarchen hinbestellt. Und merkwürdig: die geivähltc Form der allernnterthänigsten Schivcistvcdelei läßt fast ver- mnthen, der Dreigestirn-Verfasser hebe die Vorzüge dcS Wettiners nur hervor, um durchblicken zu lasse», daß er sie au andere» Fürsten bitter vermisse. Wir geben ans der„Deutschen TageS- zeitmig" nur einige Stellen wieder: König AlbertS Herrschcrpcrsöiilichkcit tritt niemals ans den verfassungsmäßig gezogenen Schranken heraus. Er ist die Seele der Negierung. will aber nicht die Regierung selber sein. Iii seiner Hand lanfcn alle Fäden zusammen; aber er verzichtet darauf, sie s e l b st spimieii zu wollen. Darin liegt seine Herrschergröße... Dazu kommt die Ruhe, Besonnenheit und Stetig- k e i t, die ihn in ungewöhnlichem Maße auszeichnen. ANcö Sprunghafte, alles unsichere Tasten, alles Versuchen ins Blaue hinein ist seinem Wesen durchaus fremd. Die Minister- Wechsel in Sachsen, die überaus selten sind,— unseres Eriniicniß haben die Ministerien während seiner Regierung nur einmal ihre Lorstände gewechselt—, bedeuten deshalb niemals einen S h st e m iv e ch s e l..'. Dabei ist ihm das berechnende und berechnete Haschen nach Volksthiimlichkeit so frenid wie nur irgend etwas.... Im Königreich Sachsen hat man niemals den Unfug mit- gemacht, daß eine Partei, die zugestaiidenernmßeil die monarchische Grundlage der Verfassung vernichten will, als gleichberechtigt anerkannt lvird.... Manche Neuerungen der Nachbar- st a a t e n, die sich später als Besserungen nicht erwiesen, hat man in Sachsen nur theiliveise und zögernd nachgemacht und sich dadurch vor manchem Schaden bewahrt. Auf was für„Nachbarslaaten" Sachsens bezieht sich de»» eigent- sich diese ganze mahnende Epistel des Dr. Gcvrg Oertel Über die beste und über die weniger gute Regierung? Wir sind in solchen Dingen etwas schwerer von Begriffen ivie die seit Jahren in allerlei Andeutungen sich gefallenden und so darin geschulte» Agrarier. Deshalb fragen wir und bitten um eine freundliche und reinliche Antlvort. Im übrigen enthält der Erguß der„Dt. TageSztg." einige für den geistigen Tiefstand jener Leute sehr charaktenstilche Stellen. ES wird' besonders hervorgehoben, daß in Sachsen die Sozialdemokratie möglichst schlecht behandelt werde. Dies ist richtig, aber kein Beweis für die Weisheit der sächsischen Regierung. Und weiß die„Deutsche Tageszeitung" nicht, daß gerade die schiveren Fehler der sächsische» Regierung gegenüber der Arbeiterbewegung die Sozialdemokratie noch ganz besonders gefördert haben? Wenn diese unfreiwillige Unierstlitzung der Sozialdemokratie den Herren von der„Deutschen Tageszeitung" als ein Zeichen von Klugheit gilt, so soll eS uns recht sein!— Gegen das NeichStagSwahlrecht soll der weimarische Landtag mobil gemacht werden. In extrem-konservativen Kreisen besteht die Absicht, in der nächsten Session den Antrag einzubringen,„es wolle der Landtag die grobherzogliche StaatSregiernng auffordern, im BundcSrathe die Eiiibriiigung eines Gesetzciitivurfes an den Reichs- tag zu beantragen, dahin gehend, daß das bestehende Reichstags- Wahlgesetz in der Weise abgeändert werde, daß die in dem gleichen Wahlrechte enthaltene Gefahr für die Gesellschaft beseitigt wird."— Ans Annahme dürfte dieser Antrag wohl kaum zu rechnen haben, er zeigt aber, wie von den Reaktionären unablässig gegen das Wahl- recht weiter gewühlt wird.— „Die Emser Depesche" läßt unsere reaktionären RcchtSheuchler nicht schlafen. Daß Bismarck die Fälschung zugestanden hat, und daß durch daS vorhandene Aktemnaterial die Fälschung sonnenklar bewiesen ist— das macht ihnen schwere Beklemmungen. Und da suchen sie denn sich selbst und das Publikum zu belügen. Jetzt zitirt der fromme„Reichsbote" einen Franzosen, namens Andler, der in einer französischen Revue die Echtheit der Emser Depesche und die Korrektheit des' Bismarck' scheu Handelns behauptet. Aber wozu sich so viel Mühe geben? Wir können dem„Reichsboten" noch ein Dutzend Franzosen nennen, die Bismarck in diesem Punkte vertheidigen— um die Erbärmlichkeit ihrer eigenen Rrglermig schärfer hervortreten zu lassen. Das ist freilich ein Motiv, daS der «Reichsbotcn"-PatriotiSmuS nicht begreift.— Zur Flcischverthenerung. In der letzten Sitzung de? renßischen Landtages stand folgende, von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachte Interpellation zur Verhandlung: „Die schon seit längerer Zeit eingettetene Preissteigerung für Fleisch, speziell für Schweinefleisch, wirkt in empfindlichster Weise nnebtheilig ans die Volksernährung ein. Die namentlich für die ärmere Bevölkerung fast unerschwinglich hohen Flcischpreise werde» allgemein zum größten Theil ans das Einfuhrverhvt von Schweinen aus Rußland und Ocstcrrcich-Ungarn zilnickgeführt. Die Unterzeichneten stellen des» halb an das siirstl. Ministeriilm die Anfrage, ob dasselbe geneigt ist. durch den Vertreter im Bimdesrath bei dem Biindesrnth resp. Reichskanzler geeignete Schritte zu verrnilasscii, um eine Oeffiiung der Grenzen zur Einführung ausländischen Schlachtviehes herbei- zuführen." Der Abg. Genosse Vetterlein führte zur Begründung ans, daß, währeiid frühere Theuernngen vorübergehend waren, sei die jetzige schon von sehr langer Dauer nnd keine' Aussicht auf Bestcrung der Verhältnisse sei vorhanden. Je länger der hohe Preis- stand anhalte, um so ögrßer werde die' Kalamität für die ärmere Bevölkerung, die hauptsächlich Schlveinefleisch konsumire. Seit längerer Zeit sei eine tyuiz enorme Steigerung der Fleisch- preise eingetreten, die im Detailverkauf bei Schlveinefleisch ca. 15 Pf. pro Pfimd betrage. Dadurch sei eine bedeutende Berschlechternna der VolkSernähniiig eingetreten, da auch das geschlachtete Bich vielfach minderiverthig ist. Es sind deshalb die Behörden verpflichtet, für Abhilfe zu sorgen. Die Preissteigerung ist ans den durch die Grenzsperre hervorgerufenen Mangel an Schlachtvieh zlirückzuführcu, da die deutsche Laiidlvirthschaft den Bedarf nicht zu decken vermag. Die Grenzsperre sei heute nach dem Erlöschen der Seuchen>m Auslände nicht mehr ein VorbengungS- mittel gegen Sciichenaefahr, sondern werde nur aus a g r a r- politischen Gründen aufrecht erhalten. Das muß aber ei't- schieden bekämpft werden und deshalb soll die Rkgicrimg im Jiitcrcste der aniien Bevölkeruiig uud der Fleischer eiiergische Schritte zur Ocstiniiig der Grenzen thuü. Geh. Slaatsrath v. Hinüber führte aus, daß cS eine An- rcguug der fürstlichen Regieniiig nicht mehr bedürfe, da der NeichSkanzler schon Erhebungen über die Ursachen der Fleisch- thcuenliig angeordnet und um Bcschleuiiiguug dieser Erhebuiigen gebeten habe. Werde der Kalamität daim' nicht abgeholfen, dann !ci es erst an der Zeit, weitere Schritte zu thun. Solche Schritte weide gcgebcnfalls die fürstliche Regierung gern nntcrnchmcn. Bon sozialdemokratischer Seite wurde trotzdem beantragt, daß der Bundes- rakh bczw. der Reichskanzler ersucht werden solle, die Grenzen zu öffnen. Dem gegenüber wurde der Antrag eingebracht, daß die Interpellation sich durch die Erklärung vom Ministertische erledigt habe. Dieser Antrag wurde vom Landlag angenommen. Nach M>i n ch c n hat nun auch die größte bayerische Industrie- stadt Nürnberg zu der Flcischtheucruiig Stellung genommen. Die städtischen 5lorperschastcn haben sich im wesentlichen den am Donnerstag von uns wiedergegebeilen Beschlüssen der München er Stadtverordnete» angeschlossen. Die Agitation gegen die Fleischverthenernng zieht, wie man sieht, immer weitere Krcste, aber es wird noch mancher Anstrengung be- dürfen, che die Regierung den Wünschen und Bedürfnisten der großen Masse cntgcaenkonimen und die im Interesse der Junker ge- sperrten Grenzen öffneil wird. DaS letzte Znckcr-Kampagiiejahr 1897/98— man rechnet es für den iutcriiativnalen Handel, abweichend von dem Betriebs- jähr der deutschen Statistik, vom 1. September bis zum 31. August — wird jetzt in den Fachblättern eingehend dargestellt. Im großen und ganzen ivar es ei» Jahr zwar sehr mäßiger Preise, aber doch auch keiner besonderen Krisen nnd Erschtittennige». Allem Anscheine nach richten sich die Iiickcriiiduftriellen auf die vorläufige Fortdauer dieses Zustaudes ein, der schon für 1896.97 galt. Die Rübenzucker- Produktion Enropa's hielt sich iuiierhakb der Grenzen der>m voraus,»ach den Rüben- Aubauflächeu, gemachten Schätzungen: sie blieb um 155 300 Toiincii hinter der Produktion dcS Vorjahre» zurück(1896 97: 4 301800 Toiiiic», 1397 98: 4 646 500 Toiiiicii). In der Rohrziicker-ErzeugllNg hat sich ebenfalls wenig geändert f Kuba blieb ähnlich wie im Vorjahre ans dem Weit- bcwcrb so gut wie ausgeschaltet. Wenn die Blockade der Philippinen nicht stärker auf eine' Preissteigerung hinwirkte, so geschah das deshalb, weil die Union noch große, vor der Zolländerimg eingeführte Vorräthc ailfzilbrauchcn hatte und iveil man der Stockung allgemein keine lange Dauer zuschrieb. Trotzdem rief der Krieg im Anfang eine kleine AiiswärtSbcwcgung der Preise hervor. Am Schlüsse des Jahres wirkten die forcirten Ausfuhren Frankreichs zeitweilig preis drückend: die nach dem Stcnercrgcbniß wechselnde Ausfuhrprämie Frankreichs sollte am 1. September eniüißigt werden, vorher exporlirte n>aii natürlich, was man über die Grenze bringen konnte. Für Rohzucker, 50 Kilogramm, Rendemcnt 83, notirte man in Magdeburg: im Anfaiig höchstens niedrigstenS zum Schluß im Dnrchfchn. 1897/98 10,9 M. 10,78 M. 9,18 M. 10.33 M. 19.97 M. 1896/97 9,70. 10,33„ 9.30„ 9,83„ 9,7S„ Der Durchschnittspreis war also etwas günstiger wie im Vor- jähre. Die Schlvankinigen zwischen höchste» nnd niedrigsten Preisen hielten sich ctivas höher wie 1896/97(1.60 M. gegen 1,03 M.f, aber spiegeln doch einen im allgemeinen sehr ruhigen Markt wieder. Die Raffinade ff. zahlte man das ganze Fahr hindurch mit 23—24 M.; nur in den letzten Wochen des Kampagiiejahrcs stieg sie auf etwas mehr wie 24(bis 24,25) M. Der JahrcSdurch- schnitt betrug 23,48 M., oder mitcr Abzug der darin eiiigcschlostciicn 10 M. Steuer 13,48 M. Das ist fast genau der Preis des Bor- jahres(23,47 bezw. 13,47 M.). Im Vorjahre war fcdoch der Roh- zucket um 35 Pf. billiger, so daß 1897/98 der Gewinn bei der Raffination sich entsprechend verkürzt haben würde. Man darf das ivohl theils der steigenden Konkurrciiz der Raffinerien beim Aufkauf dos Rohproduktes, theils auch technische» Fortschritten im NaffiiiativnS- verfahren zuschreiben. Das neue Jahr hat ebenfalls ruhig und zufriedeusiellcnd begonnen. Jndeß hängt die Entscheidmig über Kuba und die Philippinen noch immer ivie ein Damoklesschwert über den Häuptern unserer LicbeSgabcnempfäiiger.— Die neue Seemanns- Qrdnnug, welche nun fertiggestellt ist und demnächst dem Bnndcsrath zugehen soll, scheint ein recht nettes Gesicht bckonimcn zu sollen. Wie'die„Rhein.-Wests. Ztg." nnttheilt, enthält der Entwurf eine Bestimninng gegen die Simulanten, welche der Willkür der Unternehmer den weitesten Spielraum gewährt. Danach soll ein erkrankter, des Sinmlirens verdächtiger Schiffsiiiann für die Zeit, während welcher er keinen Dienst verrichtet, keine» Sold beziehen; der dadurch ersparte Sold soll unter die Leute vertheilt werden, welche die Arbeit des Erkrankten haben mitübernehmen müssen.— Das Gesetz wird sich also ganz in den Nahmen unserer vielgerühmten Sozialresorm einordnen. Zur UufallversichernngS-Gesetzgcbung. Der Minister für Handel und Gewerbe hat im Einvernehmen mit dem ReichS-Versicherungs- amt eine Verfügung erlassen, worin bestimmt wird, daß die bisher übliche Anmeldung der gewählten Beisetzer und Stellvertreter der Schiedsgerichte beim Minister unterbleiben kann. Damit wird viel Schreibwerk nnd unnütze, zeitraubende Arbeit abgeschafft. Von jetzt ab wird der Minister derartige Nachweisungen nur von Zeit zu Zeit zur Veröffentlichung einfordern. Geld für den Militarismus wird in Deutschland immer flüssig gemacht; nicht blos der Staat, auch die Kommunen machen ihm gelegentlich ihre Reverenz. So haben die Kottbuser Stadt« verordneten in ihrer letzten Sitzung beschlossen, dem Offizierkorps ein neues Kasino zu errichten. Der Bauplatz allein soll 34 600 M. kosten. Wahrscheinlich erscheint das alte Kasino den Herren Offizieren nicht mehr elegant genug, es soll deshalb in vornehmerer Stavtgegend ein Prachtbau entstehen.— Frankreich. PariS, 29. Oktober. Eine Note der„Agence HavaS" erklärt die Nachricht, Marchand habe von Paris Befehl erhalten, Faschoda zu verlassen nnd sich nach Kairo zu begeben, für völlig unrichtig. Major Marchand handle auf eigene Hand. Marchand ist bereits in Chartum angelantst und reist weiter nach Kairo. Die anderen Franzosen der Expedition sind in Faschoda geblieben.— PariS, 29. Oktober. Der Rechtsbeistand des Obersten Pi cqnart, L a b o r i, richtete an den K r i e g s m i n i st e r ein Schreiben, in welchem er gegen die in dem Briefe des Generals Ganse, welcher vor dem KassationShofe verlesen wurde, enthaltene Behauptung Ein- sprnch erhebt, daß seinen(Gonse's) Worten mehr Werth beigelegt iverden müsse, als denen Picgnart's, weil dieser der Fälschiing angeklagt sei. Labor! versichert. Picquart habe stets die Wahrheit gesagt, und erklärt, es sei unerläßlich, daß Picgiinrl die Vehauptungen Gonse's kennen müsse nnd darauf antworten könne. Labor! verlangt infolge dessen licucrdiiigs die Ermächtigung, sich mit seinem Klienten in Verbindung setzen zu dürfen.— PariS, 29. Oktober. Uvcs Gnhot erzählt im„Siöcle", das geheime Dossier sei j ü n g st verbrannt worden. Radikale Blätter sehen schivere Konflikte zwischen Zivil- nnd Militär- gewollt voraus, falls, ivie cS wahrscheinlich sei, der Kassationshof eine ergänzende Untersuchung beschließe. Die Blätter sprechen die Ucberzeugniig anS, daß die Generale sich weigern iv erde n, vor dem Kassationshof als Zeugen zu er« scheinen. Der„Anrore" zufolge beabsichtigen die Nationalisten, welche in ihren Organen die Adressen säunntlichcr Mitglieder des Kassationshofes veröffentlichen, vor den Wohnungen der letzteren Kundgebungen zu veranstalten.— Dänemark. Im Folkethlug wurde das von der Kommission angenommene Mißtrauensvotum gegen dciiFinanziniiiister H ö r r i n g wegen der verfassungswidrigen Etatsüberschreitung von 500000 Kr. mit 85 gegen 12 Stimmen angenommen. Die Debatte gestaltete sich ziemlich lebhaft. C h r i st t n s e n(Linke) sagte, daß in jeder anderen Lebcusstcllimg ein Mann, der so ver- fahren ist, seinen Abschied erhielte. In Däiiemarck bliebe» die Mnifter kaltlächelnd auf ihrem Posten. Die Negienmg hätte die Rothwendigkeit der Bndgetiiberschreituiig nicht im geringsteii nach- gewiesen. Mit dem Mißtrancnsvotum wolle der Falke- ihing den alten Provisoriengelüsteii entgegentreten. Unser Parteigenosse Klausen wies in klaren Worten anS dein Wortlaut der Verfasfmig den Verfassungsbruch nach. Die Rcgicruiig habe in dieser Sache— um sie durchzudrucken— mir mit dem König verhandeln wollen nnd die Volksvertreter über- gangen. Der einzige Trost ist, daß die Regierung nrit ihrem Thun einsam nnd verlassen dasteht, während sie früher beim Provisorium von emcr starken Partei unterstützt wurde. Die Berthewigimg des Ministers H ö r r i n g Ivar sehr schwach. Er wie» nur wieder ans die furchtbar drohende Gefahr eines Krieges hin, die im Sommer auch für Dänemark bestanden haben soll, und daß Krupp mit der Aufgabe der Bestellung nicht warten wollte, bis der Reichstag das Geld bewilligt batte. Nachdem C h r i st e u s e u und Klausen noch einmal die Haltlosigkeit der Aussühruiigeil des Ministers nachgewiesen hatten, wurde das MißtraucnSvottim augenouimen.— Dem Laudeöthiug ging das Schulgesetz wieder zu. Die?« mal hat die Regierung mit diesem seit drei Jahren hin- und her« ivandenidc» Gesetz in bezug auf die strittige Frage der Lehrer« anstellting sich auf den Standpunkt des Folkething gestellt. Zu den bcmerkeiiswerthen Beftimmmigen des Gesetzes gehört die, � daß für arme Kinder die. Schulbücher auf Rechnung der Gemeinde an- geschafft iverden sollen. Die Gcmcindelehrer iverden nach 3 Skalen besoldet, je nach den Verhältnissen der Gemeinden. Die 1. beginnt mit 900 Kr. und steigt bei 20jähriger Lehrthätigkeit bis auf 2000 Kr., die 2. begiiiiit mit 1000 Kr. imd steigt bis auf 2200 Kr., die 3. be- ginnt mit 1000 Kr. und steigt bis 2400 5ir. Für Lehrerinnen giebt es auch 3 Skalen: 1. 700—1300 Kr.. 2. 800—1400 Kr. und 3. 800—1500 Kr. Die„Oberlehrer" bekommen den obengenannten h ochste n Gehalt und als Zulage jedes vierte Jahr: 200 bezlv. 300 bezlv. 400 Kr. Spanien. Madrid, 29. Oktober.(„Voss. Ztg.") AnS bester Quelle verlautet, die F r i e d e ii S v e r h a n d l u n g e n hätten neuerdings einen g ii n st i g e r e n V e r l a u f genommen. Alle Fragen, in denen ein Einverständniß nicht erzielt wird, werden übergangen, um später in Masse in einer Sitzung abgethan zu werden. Montag begiiiiit die Erörterung über die Philippinen. Die Regierung glaubt, die Ver- halidlmigen würden bis Mitte November daurai. Spanien hat ein wichtiges Zugeslä»d»iß erzielt, da die Amerikaner zustimmten, daß die Abtretung Portvrikv's nicht nur eine genügende Kriegscnstchädi- gmig sei, sonder» auch zur Dcckmig sämmtlichcr Fordcriiiigeu ausreicht, die amerikanische Bürger wegen Kriegsentschädigungen erheben könnten. Sofort nach der lliiterzeichnung des Friedens treten die Cortes ziijammeu. Stürmische Sitzungen stehen in Aussicht.— Italien. Ans Rom schreibt man uns unterm 26. d.: Endlich scheint die Linke der Kainmer und namentlich die radikale Partei, die feit dem Tode Cavallotti's keinen Führer mehr hatte, jemand gefunden zu haben, der sie zur Aktion drängt. Der radikale Abgeordnete S.a c ch i veröffentlicht im„Don Qnisciotte" die Skizze eines Pro- gramms für eine wahrhast dcmolratische Partei, die nicht blos Opposition um der Opposition Willen macht. Er fordert Garantien der Freiheit bei Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, eine Reform des S t e n e r w e s e n s, Ersetzung der in- direkten Steuern durch progressive Einkommen- und V e r m ö g e n s st e u e r, Vermindernng der Militänuisgaben und Beschränkung der Armee auf das für die Vertheidigung Roth- wendige, Kolonisation im Jniicrn, d. h. Urbarmachung des Wüst- und Sumpflandes, allgemeiner unv gründlicher Schul- nnterricht— kurz eine echt deiiiokratische Regierung, welche ökonomislbe Verbesserungen anbahnt nnd durchführt. Dieses Manifest wird von der Presse lebhaft diskntirt. Eine demokratische Regierung müßte in Italien die Zentralisation »i i l d e r n und dem Föderalismus Zugeständnisse machen. Es ist daS die unumgängliche Verliediiigung eiuer Besserung der Verhältnisse. Die Dezkiitralisattons-Bewegnna ist ernsthast. Die Interessen des Nordens und Südens, sowie Zentral-Jtalicns find so verschiedene, daß eine Uniformität der Verivaltmig ganz unnatürlich ist. Auf einem Kongreß der offiziellen Provinzial-Vcrtreter, der soeben i» Turin stattfand, kam diese Ueberzeugung zum Ausdruck. Man sprach sich dort fast einstimmig für eine lveitgehende Autonomie der Gemeinde.» au», namentlich in bezug ans den Straßenbau, die Tramways, Wasser- Rcgnlirnng, Forstwesen. Landwirthschaft, Fischerei, Jagd, Unterricht u. s. iv. Eine solche Reform wäre jedenfalls ein großer Fortschritt.(Nur fürchten ivir, daß diese Bewegimg im Sande verlaufen wird. Bis jetzt hat das italienische Bürgerthum nicht die Fähigkeit zur Gründung eiuer wirklich demolrattschcn Partei bewiesen. Red. d.„V.") Türkei. Kanca, 28. Oftober. Admiral Poticr hat den Gouverneur davon verständigt, daß die Admirale am 4. November die Negierung von Kreta bis zur Ankunft des»eiien Gouverneiirs übernehmen würden, und ihn ersucht, allen muselmanische» Beamten zu befehlen, ihre Dienstzweige denjenigen Beamten zu Übergeben, ivelche die Admirale bezeichnen würden. Der Gouverneur hat die Pforte um Instruktionen eriucht.—- Asien. Peking. 28. Oktober. Hier ist eine allgemeine Bewegung der Trupeeil»ach der Küste des Golfs von Petschili im gange, weil man annimmt, dah eine fremde Macht den Versuch machen' lönntc, sich der Eisenbahnliine zu bemächtigen.— Wahlbetrachtnugen. ?nm ersten Male bat ein Theil der Sozialdemokratie das ».elendeste aller Wahlsysteme" als Waffe in dem Kampf um die Er- riugnug der politischen Macht benutzt, und sie hat. wie iibcrein- stimmend ans allen den Kreisen berichtet wird, wo eine Wahlbethei- ligung stattfand, geschickt diese Waffe zu gebrauchen verstanden. Da, wo von der Aufstellung eigener Wahlmänncr abgesehen und von vornherein die Parole ausgegeben war, die bürgerliche Opposition zu unterstützen, ist es in erster Linie unseren Genossen zuzuschreiben, ivcnn die Freisinnigen erheblich mehr Wahlmänncr durchgebracht haben, als im Jahre 1893, und die neuen Mandate, die dem Freisinn zugefallen sind, verdankt er fast durchweg der Sozialdemokratie. Aussicht, einen clgcnen Vertreter in den Landtag zu entsenden, hat unsere Partei nicht, und selbst die begeistertsten Anhänger der Wahlbctheiligung hielten ja auch einen solchen Erfolg von vorn- herein für ausgeschlossen. Es kam eben nur darauf an, die Reaktion zw schwachen, und dicS Ziel ist erreicht. Die Wahlen haben aber auch bewiesen, dah die Befürchtungen, als würden unsere Genossen infolge der Eigenart des Drciklaffcn- Wahlsystems sich von den Wahlen fem halten, eitel sind. Da. wo Wahlbcthcilignng beschlossen war. sind die Sozialdemokraten in weit stärkerer Zahl zur Wahl gegangen, als die Anhänger bürgerlicher Parteien, und sie haben sich auch durch die öffentliche Stimmabgabe nicht abhalten lassen, von dem ihnen als Staatsbürger zustehenden Rechte Gebrauch zu machen. Schlvierigkeitcn seitens der Unternehmer sind ihnen, sotvcit bisher bekannt geworden, nicht bereitet, und es ist ja auch einleuchtend, daß mit dem Wachsthum der Sozialdemokratie die Versuche von Arbeitgebern, die Arbeiter an der Ausübung des Wahlrechts zu hindern, imincr mehr abnehmen müssen. Einzelne Bezirke haben geradezu glänzende Resultate aufzuweisen, so Grabow, wo in der ii. Abthcilung sämmtliche von der Sozialdemokratie vorgeschlagenen Wahlmänner gewählt sind, Bredow, wo wir in allen Bezirken der dritten und in einigen der zweiten Abtheilung mit großer Mehrheit siegten, und Giebichcnstein, wo von 20 in der dritten Abthcilung ge- wählten Wahlmänneru 18 der sozialdemokratischen Partei an- gehören. Die Zahl der sozialdemokratischen Wahlmänncr ist viel- fach über Erivarten groß. In wie vielen Wahlkreisen unsere Genossen bei der Wahl der Abgeordneten daS Zünglein an der Waage bilden werden, läßt sich mit Besimnntheit heute noch nicht sagen. Das aber ist sicher, und darin stimmen fast alle Parteiblätter Iibcrein, daß die Sozialdemokratie mit dem ersten Versuch einer Wahlbetheiligung zufrieden sein kann. So schreibt das Organ unserer Genoffen in Breslau, die „Bolkswacht":„Für unsere Betheilignng bot das famose Drei- llasscn-Wahlsystem mit seinen unglaublich komplizirten. chikanösen Detailbestimmunge» schier unüberwindliche Schwierigkeiten, die auch dadurch nicht gerade verringert wurden, daß wir, zum crstcnmale an eine selbständige Betheiligung gehend, allcsammt völlig unbekannt waren mit all dem, was da zu lhun und zu vermeiden war. Wir haben in diesem Wahlkampfe eine Summe praktischer Erfahrungen sammeln können, die von uns nicht ungenutzt bleiben sollen und die uns, das sagen wir schon heute, bei einer neuen Landtagswahl eine ganz erheblich größere Zahl von Wahlmännern schaffen wird, die im übrigen aber auch auf die Neugestaltung und Hebung unseres örtlichen Partei- lrbcns von bestem Einfluß sein wird. Daß wir trotz der ungeheuren Schwierigkeiten, die uns daS Dreiklasscn- Wahlsystem bereitete, in euva 90 von 220 Wahlbezirken den Sieg in der dritten, zum kleinen Theil sogar in der zweiten Abtheilung errangen, das ist ein Resultat, welches uns mit ganzer Befriedigung erfüllen darf und uns den umimstößlichen Beweis liefert. daß die Breslauer Sozial- dcmokratie das Richtige traf, als sie die selbständige Bcthcikignng beschloß und daß sie den hier eingeschlagenen Weg auch ferner mne- haltcn mutz. Die Entscheidung darüber, welche» Parteien die Breslauer Landtagsmandate zufallen sollen, liegt nunmehr in den Händen der Sozialdemokratie, und das ist ein weiterer und gewiß nicht gering zu schätzender Erfolg unserer selbständigen Betheilignng. Wir find sicher, daß die sozialdemokratische Partei diese' Eni- scheidnng in einer so wohl ihren wie den Interessen des Volkes ent- sprechenden Weise treffen wird." Die Elbcrfeldcr„Freie Presse" kommt in ihren Betrachtungen zu der Ansicht, daß unsere Partei mit geringen Ausnahmen'die dritte Abtheilung zweifellos ganz behauptet hätte, wenn die Partei- genoffen überall ihre Schuldigkeit gethan hätten. Freilich, die jähr- zehntelange Negierung der Landtagswahl-Fragen mußte zu der Un- Möglichkeit führen, die Parteigenossen nun mit einem Mal, mittels eines mit mn drei Stimmen Majorität gefaßten Beschlusses für die LandtagSwahlen zu erwärmen, Die Folge war denn auch, daß bis am Wahltage selbst— trotz aller mündlichen und schriftlichen Austlärung in den letzten Tagen— noch die größten Irr- thümcr über das Wahlverfahren und Wahlrecht obwalteten, Jrrthümcr selbst unter Parteigenossen, die im Vordergrunde der Bewegung stehen. Besonders die Annahme, daß nur der wählen könne, welcher einen bestimmten Steuersatz zahlt, scheint unausrottbar zu sein. Darauf dürfte auch zum theil die schwache Wahlbetheiligung zurückzuführen sein. Kann man, von diesen Gesichtspunkten ausgehend, auch mit der ersten Probe zuftieden sein, so wird ein Tadel sehr vielen Parteigenossen doch nicht erspart bleiben können. Wie wir vorausgesagt, haben die allermeisten Arbeitgeber den Arbeitern keine Schivierigkeiten zur Ausübung ihres Wahlrechts gemacht, und diejenigen, welche aus übertriebener Furcht in der Werkstelle oder Fabrik blieben, mögen sich einmal die Frage vorlegen, ob eine solche Aengstlichkeit der Arbeiter vor der Erfüllung einer gesctz- lichen Haiidlung, einer Staatsbnrgerpflicht dem Arbeitgeber etiva imponircn kann, oder ob nicht vielmehr der Arbeitgeber gerade dadurch ennuthigt oder gar angestachelt wird, die Arbeiter noch mehr zu drücke» und zn schinden!— Andererseits muß tonstatirt werden, daß diejenigen Arbeiter, welche zur Wahl erschienen waren, sich als„ganze Männer" erwiesen haben. Ihr Benehmen stach sehr vortheilhaft ab von dem der meisten Wähler der bürgerlichen Parteien; während letztere recht oft so leise flüsterten, daß es kaum der Protokollführer, viel tvcnigcr andere verstehen konnten, traten, mit geringen Ausnahmen, die Sozialdemokraten ftri heran und nannten laut und deutlich ihre Wahlmänner. Freilich mag mancher, der bisher ach so gerne die Groschen der Arbeiter nahm, aber im Protokollbnch als„Gutgesinnter" glänzen wollte, alle Ursache gehabt haben, daß die Umstehenden seine Wahl nicht erfuhren; auch ist mancher„Tapfere" aus diesem Grunde zu Hause geblieben. Wir haben es eben hier mit einem Wahlsystem zu thun, das der Korruption Thür und Thor öffnet, und da die Sozial- dcmokratcn alle Korruption bekämpfen, ganz gleich, wo ihnen die- selbe entgegentritt, so iverdcn sie schon in Zukunft die interessanten Studien, lvelche sie gemacht haben, praktisch zu verlverthen wissen. Tie„Volksstirnme" in Frankfurt schreibt;„Das steht heute schon fest, daß die Sozialdemokratie künftig ihre Rolle auch bei den preußischen LandtagSwahlen, und zwar auch auf dem Lande, spielen dürfte. Die prakttsche Probe hat, wie wir voraussagten, alle Zweifel hundertmal gründlicher gelöst, als lange theoretische Tis- ktisfionen. Wir haben ein neues, reiches und sehr dankbares Arbeits- gebiet, wie jeder erfahren hat, der mit in der pratttschen Landtags- ogitalio» stand." Der. VolkSwille" in Hannover bemerkt, daß die Nationalliberalen infolge Aufgebots des gcsammten Veamtenapparats allerdings das Feld behaupten iverden,„aber stolz können sie auf diesen Sieg nicht sein. Es ist nicht das erste Mal, daß sie zum letzten Male gejubelt haben. In einer ganzen Anzahl von Bezirken ist die oppofttionckle Liste nur mit wenigen Stimmen unterlegen. Würden unsere Partei- genossen sich in dem Maße betheiligt haben, wie dies aus ver- schiedenen Gründen nicht der Fall gewesen ist. so lägen die beiden nationalliberaken Herren schon diesmal draußen. UeberdieS war dies ein erster Versuch, ans dem wir unsere Lehren für das nächste Mal werden zu ziehen wissen." Die Erfurter„Tribüne" legt daS Hauptgewicht darauf, daß die Sozialdemokratie durch die erste Betheiligung an den Wahlen ge- lernt hat.„Die ganze Landtagstvahl-Frage schwebte in der Luft, so lauge nicht endlich est, mal ein praktischer Versuch gemacht wurde. Das ist gestern geschehen und wir sind damit zufneden. Ob»vir dabei 10 oder 26 oder 60 Wahlmänner erlangt haben, bleibt sich vor der Hand vollkommen gleichgilttg. Daß es uns überhaupt ge- lungen ist, der Reaktion Wahlmänuer abzujagen, daß wir der Stadt Erfurt das schmähliche Schauspiel erspart haben, einen erzrcaktio- nären Herrn ohne jeglichen Widerspruch„einstimmig" in den Landtag zu sende», daß wir auch hier den Beweis erbracht haben, die einzige und allzeit bereite Opposition auch ftkr die freidenkenden bürger- lichen Elemente zu sein, das ist der Erfolg, den wir gestern errungen haben und mit dem»vir zufrieden sein können. Das„Hamburger Echo" schließt eine Kritik des elendesten aller Wahlsysteme, das es als ein System politischer Unehrlichkeit be- zeichnet, mit den Worten:„Aber alles das ivar der Sozialdemokratie, als sie sich zur Wahlbethciliguug entschloß, von vornherein klar. Aber sie hat damit, daß sie ihre politische Ehrlichkeit in die Wag- schale warf, um den Sieg der Reaktion zu verhindern, keinen Fehler begangen. Ihre Ehrlichkeit, ihr Charakter ist intakt geblieben bei den Wahlmäiinerwahlcn, und sie wird intakt bleiben auch bei den Abgcordiieteiiwahlen. Die„Brandenburger Zeitung" endlich, die mit dem Gcsammt- resultat der Wahlen in Brandenburg- Westhavelland- Zauch- Beizig nicht zufrieden ist, giebt doch ihrer Freude darüber Ausdruck, daß sich die Genossen an der WahlZ betheiligt haben:„Diese Wahl er- möalicht uns gerade, die Lücken in miserer Arbeit zn erkennen. Diese Wahl zeigt uns, daß wir die Bekämpfung der Angstmcierci in unserer Agitation aufzunehmen haben. Mindestens ebenso wichtig wie die Agitatton ist die Organisatton. Daß wir gerade in letzterer Hinsicht noch ungeheuer viel zu thun habe», auf dem Lande nicht nur. sondern auch in der Stadt, ganz besonders in der Stadt Brandenburg: zeigt uns diese Wahl mit— wir mochten fast sagen: dankenswerther— Deutlichkeit. Wir haben die Ucberzcugung gewonnen, daß, wenn unS die Lücken unserer Organisation in den Kreffen Brandenburg, Westhavelland und Zauch-Belzig noch ferner unbekannt und darum»nanSgeglichen blieben, so könnten die Kreise nicht zu sicheren Hochburgen unserer Partei werden. Es ist sehr gut, daß wir diese Erfahrung schon drei Monate nach den ReichStagswahlen gemacht und dadurch nahezu fünf Jahre Zeit zur Arbeit für die nächsten ReichStagswahlen gewonnen haben. Dabei sind fünf Jahre keine zu große Spamle Zeit für Organisations-Arbeit. Wir werden ungesamut an eine Nachprüfung und Ergänzniig unserer Organisatton in allen ihren Theile» gehen müssen. Und diese Ansgabc tritt um so gebieterischer an uns heran, alS die Wahlmänner-Wahlcn die vollständige Unfähig- keit des Liberalismus in unseren Bezirken gezeigt haben." Die bisher erfolgten Acußerungen bürgerlichen Blätter sind nicht besonders bemerkenSwerth. Die freisinmgen Organe frcnen sich natürlich„ihres Sieges", während die Konservativen die Freisinnigen mit Hohn wegen der sozialdemokratischen Hilfe überschütten. Uns kann dieser Spott ebenso gleichgilttg sein, wie der Wahn freisinniger Blätter, daß der Freisinn sich ans eigener Kraft wieder anfacrasft hat. Da. wo sich die Sozialdemokratie an den Wahlen bethciligt hat, hat sie eS nicht gethan, um einer bestimmten Partei Handlanger- dienfte zu verrichten, sondern weil sie von der polittschen Roth- wcndigkeit ciiicS Eingreifens in den Wahlkampf überzeugt war. Und in ihren Entschlüssen wird sie sich auch fernerhin nur von rein fach- lichen Beweggründen leiten lassen und sich um das Geschreibsel ge- wisicr bürgerlicher Blätter nicht kümmer», sie wird, ohne sich an die Unkenrufe'von rechts und links zu kehren, auch in Zukunft ruhig und sachlich prüfen. waS sie zu thun hat, um ihren Endzielen näher zu kommen. «» » Die inzwischen noch eingegangenen Wahlresultate dürsten im großen ganzen die gestern von uns ausgesprochene Vcrmuthung, daß die Reaktion eine kleine Schwächung erfahren hat, bestättgen. Es scheint, als ob die Konservativen den Nationalliberalen noch einige Mandate entrissen haben, während umgekehrt auch die National- liberalen in manchen Kreisen über Konservative gesiegt haben, so daß Gewinn und Verlust sich ausgleicht. Wir lassen die Resultate nachstehend folgen: Berlin. Die Kandidaten der freisinnigen Partei für die Wahl am 3. November sind: im ersten Wahlkreise Justizrath Albert Träger. Reickstags-Abgeordneter Kreitling imd Dr. Max Hirsch oder Chef- redatteur Vollrath; im zweiten Wahlkreise Stadtverordneteii-Vor- steher Dr. Langerhans und Reichstags-Abgeordneter Kopsch; im dritten Wahlkreise Professor Dr. Rudolf Virchoiv und Reichstags- Abgeordneter Kiiörcke; im vierten Wahlkreise Justizrath Munckel und Großdcstillateur Max Schulz. Die Wahl im ersten Berliner LandtagS-Wahlkreise hat zu Zwistigkciten im freifinnigen Lager geführt. In einer geftern ab- gehaltenen Versammlung der Wahlmänncr erhielten der„Volks-Ztg." zufolge Kreitling 353. Träger 334, Vollrath 285, Max Hirsch 258, Perls 235, der bisherige Vertreter Hermes 221 imb' Friedeman» 131 Stimmen. Da 611 Wahlni ärmer an der Wahl theilnahmen, die absolute Mehrheit also 806 betrug, waren im ersten Wahl- gauge nur Kreitling und Träger gewählt. In der Stichwahl erhielt Hirsch 220, Vollrath 212 Stimmen. Demnach wären Kreitling. Träger und Hirsch als Kandidaten nominirt, und Vollrath, wie es die freisinnige Parteileitung wünscht, aus der Reihe der Kandidaten gestrichen. Es scheint aber, als würde sich Vollrath und seine An- Hänger dabei nicht benchigen, da nach übereinsttmmcnden Berichten freisinniger Blätter eine genaue Kontrolle nicht mehr möglich ivar. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit wird wohl noch gesprochen iverdcn. Bemerkenswerth ist nur der Durchfall des bisherigen Ab- geordneten Dr. Hermes. Herr Kreitling, der Reichstags- Abgeordnete für den zweiten Berliner Kreis, ist vorgestern in einer freisinnigen Wahlmänuer- Versammlung auch zum Landtags- Abgeordneten vorgeschlagen worden. Als aus der Versammlung heraus gegen das diesmal mehr als je früher von der freisinnigen Parteileitung beliebte System der Doppel-Kandidaturcn Widerspruch erhoben wurde, erklärte Herr Kreitling wörtlich:„M ein Rcichstags-Mandat erlischt b i n ,i e'n kurzem, da ich zu unrecht gewählt 6 t>»." Zahlreiche Parteigenossen waren über diese unerwartete Offenheit ebenso erstaunt wie schließlich geärgert, aber wir denken, diese Offenheit ehre Herr» Kreitling. Wunoern thut uns denn nur, daß Herr Kreitling nicht die weitere Konsequenz zieht, nämlich das Mandat niederzulegen, wen» er doch selber der Ueberzeugung ist, daß er diese? Mandat nur zu unrecht besitzt. Aber da spricht natürlich Herr Eugen Richter das Machtwort, und dagegen darf auch Herr Kreitling nicht mucksen, sonst ginge mit dem Reichstagsmandat auch das Landtags- Mandat flöten. Da ist Gehorchen und Schweigen— Parteipflicht, wie ja auch während des Wahlkampfes sich Herr Kreitling das schamlose Flugblatt Eugen Richters gefallen lassen mußte. Nachher suchte er freilich die Verantwortung für das unehrliche Schelmenstück sich durch private Mißbilligungsäußerungen vom Halse zu schütteln; so lange er aber Manuskript und Korrekturen in den Fingern hatte, erwachte das Anstandsgefühl in ihm nicht. Und so wird er auch jetzt das Reichstagsmandat zu unrecht ausüben, bis ihm die Wahl- prüsiings-Kommission den Sessel unter den Füßen wegzieht. Das ist freisinnig I Teltow- Beeskow- Storkow- Charlotteuburg. Die nunmehr fast sämmtlich vorliegenden Nachrichten aus den Landkreisen BeeSkow tlnd Storkow sichern den bisherigen konservattven Vertretern des Wahlkreises eine Majorität von 200 Stimmen, die jedoch durch die Resultate aus 14 noch ausstehenden UrWahlbezirken eine Ver- grötzcrung erfahren dürsten. ?m Wahlkreis Wcsthavelland find aus dem KrciS Zauche bis ekannt 169 kons., 45 lib., 8 soz., 24 unbesttmmte Wahlmanner. 'S Bezirke fehlen. Bis Sonnabend Morgen waren bekannt aus der Stadt Brandenburg und dem Kreis Wesihavekkaiid 173 lib., 63 soz., 162 kons. Wahlmäimer. 1893 wurden die Konservativen mit 360 gegen 256 freisinnige und 5 zersplitterte Stimmen gewählt. In Frankfurt a. O. sind die Stimmen für die Konservattven und die Liberalen fast ganz gleich. Das Ergebniß am 3. November ist unsicher. Der Wahlkreis war bisher in konservativen Händen. Königsberg t. Pr. Die Provinz Ostpreußen hat mit AuS-> nähme von Kömgsberg-Fischhausen, wo 643 liberale gegen 422 ton-. servattve Wahlmanner gewählt wurden und Braunsberg-Heiksberg! und Alleiistcin-Rössel, wo das Zentrum sich behauptet hat, durchweg' konservativ gewählt. Wongrowttz- Mogtlno. Majorität der Deutschen mit ethuy 20 Stimmen. Kandidaten sind Landrath Wolf(kons.) und Land-- gerichtsrath Peltasohn stmll.) Posen- Land- Oborntk. 259 Deutfchkompromiß gegen 264' polnisch-freisimiige Volkspartei. ES dürste jedenfalls zu einer Stich- wähl konmien. In Rotenbtirg-HerSfeld ist die Wahl des Anttfemiten Werner sicher, wodurch dieser Kreis den Konservativen verloren geht. Hamm-Soest. Nach dem bisherigen Ergebniß ist zu erwarten,- daß auch das zweite, bisher frcikonservattve Mandat in nattonal- � liberalen Besitz iSchulze-Hemie) übergeht. Miindeu-Lübbelke. DaS„Verl. Tagebl." erhält ein Telegramm, j wonach in der Stadt Minden die sämmtlichen Kandidaten der ver- 1 einigten Liberalen siegten. Auch ans vielen anderen Orten liegen* gute Nachrichten vor, so daß der Sieg der Liberalen wahrscheinlich � ist. Bekanntlich ist dort ein Kandidat der freffinnigen Volkspartei und ein Rationalliberaler aufgestellt. 1893 waren dort 304 konser- vative, 171 liberale Wahlmänner. In Minden ist auch jetzt wieder Stöcker aufgestellt. Liude». sPrivatdepesche.) 105 Soz., 136 Rattonalltberale,„ 12 Bündler, 9 Welsen. Sieg der Nationalliberalen. Alfeld. Im Wahlkreise Alfeld-Gronau ist die Wahl deS vom Bunde der Landwirthr aufgestellten Kandidaten Lüders sicher. Im Kreise Ntenburg-Hoga(bisher natl.Z find 182 national- liberale und 314 bündlerijche Wahlmänner bekannt geworden. In Gosslar-Marienburg dürfte der von den Konservativen unter- stützte Bund eine kleine Majorität über die Nationalliberalen(diel bisher den Kreis vertraten) gewinnen. Kampf um das Koalitionsrecht! Eine bemerkenswerthe Aeuflerung zur Zuchthausvorlage lesen wir in der„Köln. Volks-Ztg.": „Die oft vernommene Versicherung, die auch die„Rordd. Mg. Ztg." wiederholt, es sei selbstverständlich, daß der Entwurf weder den Grundsatz der Koalitionsfreiheit, noch dem System des Straf- gcsetzbuchcs ividcrsprechen werde, macht natürlich wenig Eindruck. Was Herr v. Stumm oder Graf Posadowsky als völlig vereinbar mit dem Grundsatz der Koalittonsfreiheit ausgeben, werden höchst wahrscheinlich viele andere Leute als die Verinchttmg der Koalitionsfreiheit ansehen. Das Zenttnm, das immer beantragt hat. die Koalitionsfreiheit zur Wahrheit zu machen, wird sich weder zu einer Vernichtung, noch auch zur Cinschränkllng bereit finden lassen, und es wird den Scharfmachern auch nicht gelingen, es mit schönen Worten über die Vorlage zu täuschen. Man wird es schon entdecken, wenn sie eine Gefahr für die Koalittoiisfreihett in sich birgt, und nicht zuletzt wird man sich vergegenwärtigen, was die Gerichte alles aus dehnbaren Gesetzesbestimmungen machen können." Den Drohungen der„Hamb. Nachr.", die sich dahin aus- gesprochen hatten, daß es eventuell schon bei der elften Lesung des Gesetzes zur Reichstags-Auflösimg komme, falls eine Verständigung nicht erzielt werde, begegnet das führende Zentrumsorgan mtt folgenden Worten: „So, niir recht schroff auftreten, dann wird der Reichstag schon ins Mrniseloch kriechen I Die Erfahrung kehrt aber, daß ein„entschloffener Wille" gegen einen anderen„entschlossenen Willen" nichts ausrichten kann. Die Regierung hat zudem häufig; genug gezeigt, daß sie„auch anders" kann und ihren„entschlossenen■ Willen" häufig ändert. Vor der Reichstags-Auflösung wird zu. allerletzt das Zentrum Angst haben. Die letzten Wahlen haben nicht gerade gezeigt, daß die Scharfmacher bei einer Auflösung, des Reichstags gute Geschäfte ntachen würden. Aller Wahr- scheinlichkeit»ach wären die Sozialdemokraten die Lacher. Jndeß wird die Regierung schwerlich schon jetzt an die Auf- lösung gedacht haben,' jedenfalls wäre es sehr unklug, schon jetzt dies schwere Geschütz aufzufahren. Warten wir in Ruhe daS- Erscheinen der so schiver stände kommenden Vorlage ab. Wir wollen abwarten, wie die schlesischen Zentrumsgrafen im Reichstage ihren Einfluß spielen lassen werden. Die„Köln. Volks- Ztg." in allen Ehren; das Zentrum und auch dieses Zentrumsorgan hat schon oft seine Meinung geändertl Ter Grobe Unfug im Dienste gegen daS KoalittonSrecht. In Z iv i ck a u erhielt ein Tischler eine Strafverfügung über 10 M., weil er in der Holzarbeiter-Zeitung die Warnung:„Zuzug ist seruzuhalten" veranlaßt hatte und damit groben Unfug verübt haben soll.— Ganz nach Wunsch unserer Reaktionäre, die ja beileibe dem Arbeiter das Koalittonsrecht nicht nehmen wollen, nur darf eps, nicht anwenden._ AuS DteSden erhalte»» wir folgende Zuschrift: Der„Vorwärts" bemerkt in seiner Nr. 254 zu dem Artikel deS Genoffen gr.:. „Die Replik Gradnauer'S nun erhielt dieser zuriickgesandt mit der Eröfiniing, daß die„Sächs. Arb.-Ztg." die Polemik nicht weiterführen»volle. Unbeschadet dessen, daß Gradnauer das Urtherl der Dresdener Parteigenossen über dieses Verfahren der Genossin Luxemburg anrufen wird, geben wir seine Ausführungen hier wieder. Besonders merkwürdig erscheint unS, daß gerade ein Blatt, welches stets die fteieste Diskussion in Parteifragen gewünscht hat und dem„Vorwärts" vorwarf, daß er den Diskussionen ausweiche, jetzt dazu schreitet, einem in persönlich beleidigender Weise an- gegriffenen Parteigenossen das Wort vor seinen eigenen Wählern zu versperren." Wir unterzeichneten Redafteure der„Sächsischen Arbeiterzeitung" haben hierzu zu erklären, daß wir weder von dem Eingange einer Erwiderimg des Genossen gr. noch von deren Zurückweisung Kenntnih hatten und die Zurückiveisung auch nicht billigen können. Emil Eichhorn. Emil Nitzsche. Heinrich Wetzker. Dr. Lütgeuau theilt in der„Nh.-Westf.>Arb.-Ztg." mit, daß er zwar im Wahl-Aiiöschuß gesessen, aber sich an der Abstiin»»u>i«k nicht betheiligt habe. Polizeiliches, Gerichtliches te. — Das Reichsgericht hat ans prozessualen Gründen ein Erkcnntiiiß des Magdeburger Landgerichts, wonach Re- daktenr Müller von der„Bolksstimmme" der Beleidigung des dortigen Polizeipräsideilten schuldig erklärt und zu 20 M. Geld- i strafe verurtheilt worden war, aufgehoben. i Am 27. Juni d. I. verhandelte die Strafkammer in Rott-, weil in Württemberg gegen den katholischen Pfarrer Christ-! b e r g e r wegen Unterschlagung und Untreue im Amt.' In der Verhandlung wurde festgestellt, daß Ehnsiberger als Verwalter deS Kirchenstiftungsfonds in Tuttlingen sich die grövte Unordnung zu> schulden kommen ließ, für Ausgaben in der Höhe von Tausenden keine Belege aufweisen konnte, von einem Legat der Fürstin Wolfegg im Betrage von 4000 M. rund 1000 M. zur Deckung von Privatschulden verwendet, ein Legat einer Familie Schlebeck im Betrage von 1000 M. unbercchtigterweise an sich genommen hat u. s. w. Der als Sach- verständiger und zur Prüfung der Akten bestellte Vcrwaltungs- aktuar Bertsch in Rottweil berechnete den Fehlbettag, für den jeder. Ausweis fehlte, auf 6300 M. Christbergcr suchte seine Handlungen mit dem Einwand, daß er in gutem Glauben gehandelt und ßute Zwecke erfüllt habe, zu rechtfertigen. Der Staats uittvalt beantragte trotzdem neun Monate Gefängniß gegen ihn, das Gericht aber schenkte den Angaben des Pfarres Glauben und sprach ihn frei. Darüber berichtete die„Schwäbische Tagwacht" in einem längeren Artikel, dessen Schlußsatz lautete:„Man fragt sich hier sin Tuttlingen) allgemein, ob wohl ein Arbeiter, der aus Roth oder Unwissenheit sich solcher Vergehen schuldig gemacht hätte, auch freigesprochen worden wäre." Darin erblickten die fünf Richter der Strafkammer in Rotttveil den Vorwurf der Parteilichkeit und stellten gegen den Verantwortlichen Redakteur Keil Strafantrag Das Stuttgarter Landgericht erklärte den Angeklagten der Bcleidi- gung aus ij 186 des Strafgesetzbuches schuldig und verurthcilte ihn zu 180 M. Geld- solvie zu den üblichen Nebcnstrafcn. In den Entscheiduiigsgriindcn wurde u. a, ausgeführt: Den Richterit sei vorgeworfen, dag sie die Beweislage nicht so ge würdigt hatten, wie es ihre Pflicht gewesen wäre, dah sie , dem Angeklagten zu viel Glauben geschenkt, sich von seinem Stande und seiner sozialen Stellung haben beeinflussen lassen. Ein Wahrheitsbeweis hierfür sei vom Angeklagten nicht geliefert wordcnl Es sei nicht Sache des Stuttgarter Gerichts, das Urlheil des Land- gerichts Kottweil zu prüfen, dazu sei auch keine Möglichkeit geboten. Weil den» Stuttgarter Gerichte das Beweismaterial in seinem' ganzen Umfang nicht vorliege. Zu gnnstcn des Angeklagten sei nnterftclll worden, das; er selbst der Ansicht>var. dag der Prozeß hinsichtlich der Beweisfragen hätte anders entschieden werden sollen. Bon Zu- billigtuig des§ 168 iWnhrung berechtigter Interessen) könne keine Rede sein. Der Borwurf parteilichen Verhaltens gegenüber einem ganzen Richterkollegium wiege um so schwerer, als er in einer vcr breiteten Zeitung ausgesprochen worden sei. GewevkfttzStfLliches. Berlin und Umgegend. Rene Sorgen crivachscn dem Scharfmacherorgan, der„Post", über die Errichtung des Berliner Arbcitersekretariats. Wie jede Schöpfung der Arbeiter von diesem Organ für die Interessen der Ausbeuter vcrunglinipft wird, so natürlich mich die neue Gründung der Berliner Arbeiter. Geschildert wird das Unternehmen wie folgt: Nach ihren Verlautbarungen sollen die sozialdemokratisch ge- wcrkschaftlich organisirtcu 57 000 Arbeiter Berlins vierteljährlich „nur" 10 Pf. beistencr», um 20 000 M. aufzubringen, auf welchen Betrag man die Kosten des Arbcitersckretnriats vorläufig einschätzt. Dieses soll in drei Abtheilnngen zerfallen, für deren jede ein Sekretär— selbstverständlich ein in der Agitation„verdienter" Ge- nosse— mit 2000 M. angestellt werden soll. Eine Abtheilung soll die„rein geiverkschaftlichen" Angelegenheiten, d. h. die Streikhctzerei betreiben, die zweite„Auskunft" über die sozialpolitische Gesetz- gebnng, die dritte Belehrung über zivilrcchtliche Angelegenheiten ertheilen. Alle drei sollen also die Unzufriedenheit nach Kräften schüren." Die ganze niedrige Gesinnung gegen die Arbeiterbewegung kommt in dieser Darstellung wieder voll zur Geltung. Jedes Streben der Arbeiter, sich gegen das Herabdrückcn der Löhne im Gewerbe zu schützen. erregt die Wuth dieser Untcrnehmcr-Klignc, ivcil sie in ihrer Profil hascherci sich beeinträchtigt sieht. Die Förderung der Aufgaben, die Arbeiter zu schützen gegen unberechtigte Ansprüche der Unternehmer. ihnen in den Känipfen um ihr Recht, sowie in ihren Ansprüchen innerhalb der Versicherungsgesctze zur Seite zu stehen, ist diesem Ivüthenden Unternehmerorgan ein geigncter Anlast, seinen ganzen Hast gegen die Arbeiter Ausdruck �u geben. Derjenige, der solche Institutionen in der Weile begeifert, wie es das Stummflche AnSbeuterorgan beliebt, legt damit nur das Zeugnist ab, dast er seine schmutzige Aufgabe, die Arbeiter betocgung um jeden Preis zu beschimpfen und herabzuzerren, lakaien- Haft zu erfüllen sucht. Schon jetzt ruft das Organ für die Hochfinanz die Aufsichts- behvrde der städtischen Verwaltung an, sie möge nur gar nicht ge- statten, dast diesem Arbciterinstitut ans städtischen Mitteln Unterstützung zu theil wird. Nun, die Sorge wird über flüssig sein'; � ans eine solche Unterstützung hofft niemand in Arbelterkreisen. Um aber die Geschichte recht gruselig zu machen, wird zum Schlnst darauf hingewiesen, dast dieses Arbcitersclretnriat eine ähnliche Einrichtung sei wie die Pariser Arbciterbörsc. Hier aber sei jetzt eine Organisation geschaflen, die dem WohlfahrtS- ausschust während der großen französischen Revolution gleiche. Da must es doch gewist allen friedlichen Bürgern eiskalt über den Rücken laufen, wenn sie von diesem gefährlichen Anschlag der Berliner Gewerkschaften erfahren. Deutsches Reich Achtung, Metallarbeiter! In der L e i p z i g e r Trikotagen- fabrik vormals Berger u. Co. haben sämmtliche Schlosser und Fraiser wegen Mahrcgclnng einiger Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Ferner sind in F o r st die Former der Eisengicsterei von Buchholz seit dem 27. d. M. im Ausstand. Ten Waldeuburgcr Bergleuten ist nach einer uns zu gegangenen Mittheilung eine zehnprozeutige Lohnerhöhung zn gebilligt worden. Dieses Zugcständnist ist den schlcsischcn Kohlen barönen, wie man sich wohl denken kann, sehr schlvcr geworden. Der Roth gehorchend nicht dem eigenen Triebe,— kann man hier sagen. Der Mangel an Arbeitskräften ist nämlich in letzter Zeit fortgesetzt fühlbarer geworden. Bei den niederen Löhnen hatten die Agenten der rhcinisch-tvcstfälischen Werke ein leichtes Spiel, hunderte, und wie sogar angenommen wird, tansende von Bergarbeitern mit sammt ihren Familien nach dem rheinisch-wcstfälischcn Revier hjniibcr znlocken. Wollten die schlesischen Ausbeuter nicht in die Gefahr kommen, dast ernster Mangel a» Arbeitskräften eintritt, mußten sie den Abzug durch bessere Löhne cinzudäinmeu suchen. Das ist die Ursache der unfreiwilligen Lohnerhöhung, die die Bergleute im Waldenburger Revier erlangten, zugleich aber auch eine glänzende Rechtfertigung der Nothwen'digkcit der Freizügigkeit für die Arbeiter. Den Laterncuauzünderu in Düsseldorf ist die Erhöhung ihres MonatSlohneS von 45 auf 55 M. bewilligt worden. Ausland. Ter Streik in der Mctallwaaren-Fabrik von Löblem u. Krafft in Nürnberg ist beendet, am Sonnabend nahmen sämmt liche Arbeiter die Arbeit wieder auf. Die Firma bewilligte zum größten Theil die Forderung der Streikende» und zog die neu auf gestellte, reichlich mit Slrafbcstimnuingcn gespickte Fabrikordnung znri'ick. Die Buchdrucker in Fürth wollen die dort herrschenden tarif- widrigen Verhältnisse beseitigen. Der Bewegung haben sich auster den Äiitgliedcru des deutschen Buchdnickcr-Verbandes auch die des GutenbergbundcS angeschlossen, ebenso sind die nichtorganisirtcn Buch- drucker im Aktionskomitee vertreten. In Loewcn sBelgien) sind die Zigarrcnmacher in den Streik eingetreten. Sie fordern Erhöhung der Löhne, die jetzt nur 16 bis 13 Franken betragen._ Sojinlos. Eine anftcrordentliche 5loutrotte fämmtlicher Nenbantcn kn Kaiserslautern in der Rheinpfalz ist vom Bezirksamt angeordnet lvorden, nachdem innerhalb weniger Tage zwei Hanscinstürze vor- gekommen tvare». Auch hier zeigt es sich also, dast die gewöhnliche behördliche Kontrolle nicht ausreicht, um die Unternehmer zu sorg- samerer Beachtung der Regeln der Baukunst zn veranlassen. Auch die ansterordentliche behördliche Kontrolle ivird nur vorübergehend Wandel schaffe». Nur durch die Bcthciligung der Arbeiter an der Baukontrolle kann das erstrebte Ziel erreicht werden. Arbeiter- Risiko. In der Weiller'scheu Fabrik in L e H a v r c ivurdcn, ivie ans Paris gemeldet wird, beim Probiren des Kessels einer neuen Dampfmaschine v"r Arbeiter durch aus- strömenden Dampf schrecklich verbrüht. Einer ist bereits gestorben. Im K a l k lv e r k e„ S i l e s i a" bei Schönau an der Katzbach wurden drei Arbeiter, die mit Bohrungen beschäftigt waren, von dem in Bewegung gerathenen Gestein in die Tiefe gerissen, wobei sie sämmtlich schtvere Verletzungen erlitten Der Dreyfus-Prozetz vor dem Kafsationshof .1 Soziale VechctsN�tvge. Am Fall Dreyfus" ist wieder ein bedeutsamer Schritt zur Aufhellung der Wahrheit gemacht worden. Wohl Dreyfus vorläufig noch nicht in Freiheit gesetzt, wohl ist die Revision formell noch nicht beschlossen; aber eines ist um zweifelhaft erreicht, der Fall an sich ist vorerst— und das können alle antisemischen und chauvinistischen Kundgebungen nicht mehr verhindern— dem Kampfe der Parteien entückt. Man kann heute Ministerien und parlamentarische Gruppen bilden nnd bestehen, die Arbeit der Gesetzgebung ihren Gang gehen lassen, ohne durch die Stellungnahme zum Prozeß Dreyfus bestimmt zu sein. Schon der heutige Spruch des Pariser Kassationshofes wird eine günstige Wirkung auf das politische Leben in Frankreich ausüben. Wir wünschen dem unter der Korruption der herrschenden Klassen schwer leidenden Lande, daß durch den ferneren Verlauf des Wieder aufnahmeverfahrens die volle Wahrheit an den Tag gebracht werde und daß dann auch die wahrhaft Schuldigen und ihre Helfershelfer der gebührenden Strafe und Verachtung über antwortet werden. Was den Prozeß Dreyfus anlangt, kann wohl nicht mehr daran gezweifelt werden, daß das Verfahren wirder auf genommen werden wird. Alle Wahrscheinlichkeit spricht auch dafür, daß die Unschuld des Hauptmanns Dreyfus be-- wiesen werden kann. Die Art, wie die angesehensten Ver trcter der französischen Justiz vor dem Kassationshofe den Fall behandelt haben, zwingt zu der Meinung, daß sie sich auf grund eingehenden Studiums des ihnen vorgelegten Aktenmaterials von der Unschuld des auf der Teufelsinsel Gefangenen überzeugt haben. Freilich darf nicht vergessen werden, daß der französische Generalstab alles daran setzen wird, die Enthüllung der Wahrheit, die Feststellung der wirklich Schuldigen zu verhindern. Es wäre verwegen, vorauszusagen, daß alle Schwierig keiten überwunden seien. Vielleicht stehen noch bedenkliche Ueberraschungcn in Aussicht. Wir lassen nun den Bericht über die heutige Sitzung folgen: Die Sitzung wird um 12 Uhr mittags eröffnet. Advokat M o r n a r d setzt sein Plaidoyer fort. Er behauptet entschieden, man könne nicht beweisen, dast der Hersteller der angcb lichen Durchpausung der Schrift Esterhazy's Dreyfiis ist. Diese Geschichte von der Durchpausung sei eine Erfindung Esterhazy's; sie sei eine ganz unwahrscheinliche Hypothese. Mornard stellt die Be- hauptung auf: entweder gab es eine Durchpausung und dann kann der Hersteller derselben nicht Dreyfus sei»: oder es gab keine Durch- pausung, und dann ist der Verfasser des Bordcraus Esterhazy selbst; Redner sucht diese Behauptung durch eingehende Darlegungen zu beweisen. Was die Ehre der Armee betreffe, so stehe diese nicht in Frage. Kriegsgerichte könnten ebenso irren wie Zivilgerichte, ohne dast ihre Ehre darunter leide. Mornard kritisirt die Art und Weise, wie General Pellieux die Untersuchung gegen Esterhazy führte, als dieser beschuldigt war, der Schreiber des Bordcreaus zu sein. Redner verliest sodaim Briefe des Generals Zurlindcn an den Justizminister, in denen der General sagt, du Paty de Clam habe schwere Fehler begangen, er habe, um Ester hazy zu retten, ihm ein geheimes Schriftstück übergeben. Esterhazy wurde nicht verfolgt und fiir Du Paty de Clam wurde dieser Umstand als mildernd angesehen. Dagegen ivurden Picguart und Leblois wegen Spionage unter Anklage ge- stellt, iveil letzterer sich in Picgunrt's Bureau befand, da ein geheimes Schriftstück in halb geöffnetem Umschlage auf dem Tische lag. Ans alle dem geht hervor, welchen ansterordcntlichen Schutz Esterhazy seitens des Generalstabes genast, wie denn aus verschiedenen Schriftstücken, wclcbe den Prozeß vor dem Kriegsgerichte von diesem Jahre betreffen erhellt, dast zwiscbcn dem mit der Untersuchung betrauten General Pellieux und dem Beschuldigten Esterhazy wiederholt ein regelrechtes Einverständnist hergestellt wurde. Warum Esterhazy retten, wenn er nicht schuldig war? Was das Kriegsgericht betrifft, das über Ester hazy zu Gericht sah, so wurde es durch das Plaidoyer des Regierungs kommissars bceinfluht, der versicherte, DreystiS sei schuldig. Mornard schildert dann die Unruhe Esterhazy's, als dieser vor daS Kriegsgericht kam, und erinnert an den Brief, den Esterhazy an einen General schrieb, um demselben dafür zn danken, dast er ihn gerettet habe. Die Unruhe Esterhazy's habe dann wieder begonnen. als er vor das Untersuchungsgericht gestellt wurde. Da habe er an den Advokaten TözsnaS tclcgraphirt. er solle kommen nnd ihn vcrtheidigen, er möge ihn bor dem Disziplinargericht dadurch retten, dast er bezeuge, welche hohen Persönlichkeiten in die Angelegenheit verwickelt seien und dast durch den Ruin Esterhazy's auch diese Persönlichkeiten ins Verderben g e st ü r z t w ii r d e n. tGroste anhaltende Bewegung.) Redner hebt besonders hervor, der Schreiber des Bordereaus sei sicherlich kein Generalstabsoffizier. Für Dreyfus wäre es außerordentlich schwierig gewesen, sich die in dem Bor deran crivähnten Dokumente zu verschaffen. Moruard's Plaidoyer gipfelt in dem Satze:„Esterhazy oder ein be liebigcr anderer ist schuldig: in jedem Falle aber i st Dreyfus vollkommen unschuldig. Die angeblichen Geständnisse Dreyfiis' seien Legende. Redner schließt mit der Frage an die Richter, ob sie denn ans den Worten des Vcr urtheilten, der nnablässig in die Welt hinausschreie, er sei un- chuldig, nicht heraushörten, dast doch etwas anderes als Heuchelei und Komödie aus ihm spreche. Es ist Sache des Gerichtshofes, allcrhellstes Licht zu schaffen, und ich vertraue mit nihiger Seele, dast er seine Aufgabe erfüllen wird. Man hört einige Beifallszeichen. Der Präsident verkündet gegen 2 Uhr, dast der Gerichtshof sich zur B e r a t h u n g zurückziehe. Der KassationShof traf heute Nachmittag 5'/« Uhr seine Ent- cheidung, die dahin geht, dast der Revision santrag zuzu- lassen und dast von dem Kaffationshofe eine ergänzende Untersuchung e i n z u I e i t e n ist. In betreff der vom General« taatsanwakt beantragten Suspension der Strafe beschlost der Kassationshof, daß hierüber eine Entscheidung gegen- w ä r t i g nicht zu treffen ist. In dem Urtheil des KassasionshofcS wird der Beschlust betreffend die Ergänzung der Untersuchung damit begründet, daß die vor» gelegten Aktenstücke den KassationShof nicht in den Stand setzen, endgiltig über die Sache sich schlüssig zu machen. Die Berathung des Kassationshofes dauerte nicht weniger als 3'/2 Stunde»: unter der größten Ruhe erwarteten die Zuhörer im aale die Entscheidung des Gerichtshofes. Während der Uuterbrechnngen der Verhandlungen drang das Publikum in die Wandelgänge des Justizpalastes, wo man uleS Gucrin bemerkte, der mit einigen Antisemiten plauderte. Je mehr die Stunde vorrückte, um so mehr drang auch das Publikum vor, dessen Spannung sich immer niehr steigerte. Es fanden keine Kundgebungen statt, auch nicht als die Richter den Justizpakast verließen. Wie die Blätter melden, verlautet in juristischen Kreisen, es werde durch den Beschlirst des KaffationshoseS betreffend Einleitung einer ergänzenden Untersuchung der von der Militärjustiz über Picguart verhängten strengen Abschliestung ein Ende gemacht werden, da Picguart vom Kaffationshof verhört werden müsse. Dreyfus wird entweder durch eine Gerichtskommission in Cayenne vernommen oder zum Ztvecke deS Verhörs hierher ge- bracht werden. Die Kellnerin B. hatte den Schankwirth und Chantanbesitzer ElSner beim Gewerbcgericht verklagt, weil sie ohne vorherige. Kündigung entlasten worden war. Sie verlangte eine Lohn- entschädigung für vierzehn Tage. Der Beklagte wandte ein, die Klägerin habe sich zu den Gästen gesetzt, obwohl dies polizeilich ver- boten fei und er das Verbot persönlich wiederholt habe. Die Kammer VI vernahm cineZeugin und wies dann die 5llage ab. Der Vorsitzende führte begründend aus, es sei erwiesen, dast sich Klägerin öfter zn Gästen an den Tisch gesetzt habe, in dieser Uebertretung der für Kellnerinnen mastgebenden Polizeiverordnung liege aber eine beharrliche Ver- Weigerung der ihnen nach dem Arbeitsverhältnist obliegenden Ver- pflichtung'en. Nach der Verhandlung sei auzuuehmeu, daß die Klägerin das Verbot gekannt habe. Ihre plötzliche Entlassung sei somit nach Z 123 der Gewerbe-Ordnung gerechtfertigt. Eine Aszendcntenrcnte verlangte der landwirthschaftliche Be- sitzer Gentner von der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenosseuschast, indem er geltend machte, sein bei einem Betriebsunfall lödtlich ver- unglückter'Sohn sei sein und seiner Fron einziger Ernährer gewesen. Die BerufSgenossenschast und das Schiedsgericht wiesen jedoch den Anspruch zurück und führten aus, der Verstorbene könne nicht als einziger Ernährer seiner Eltern gelten, da sie einen erheblichen Theil ihrer Lebensbedürfnisse aus dem Er- trage ihrer Landwirthschaft bestritten hätten. Gcnttier legte Rekurs ein und machte geltend, seine Landwirthschaft wäre ohne die Zu- schüsse des verunglückten Sohnes schon längst miter den Hammer gekommen. Das Reichs-Versichcrungsamt erhob Beweis und stellte folgendes fest. Der Verkaufswcrth der landwirthschaftlichen Besitzung beträgt etwa 4800 Mark. Es lasten darauf an Hypothekenschulden 4017 M., wozu»och 670 M. sonstige Schulden kommen. An Schulden- zinsen nnd Steuern hatte der Kläger jährlich 254 Mark zu zablen. Diesen Betrag opferte der Sohn die letzccn 6 Jahre vor seinem Tode regelmäßig von seinem Arbeitsverdienst. Der jährliche Ertrag der Land- wirthschaft wurde annähernd auf 500 M. geschätzt. Die vom Ge- richt eingezogenen Auskünste der örtlichen Behörden ergaben noch, dast die Eheleute Gentner, die 68 und 65 Jahre alt sind, ihr Gütchen nicht mehr allein bcwirthschaften können und dast jetzt, nachdem die Unterstützung des Sohnes fortgefallen ist, die Subhastation unabwendbar erscheint. Das Reichs-Verficherungsaint gab nunmehr dem Antrage des Klägers statt und verurtheilte die Berufsgenossenschast zur Gewährung der Rente. Der Vorsitzende Geh. Regicrungsrath Greif führte aus, es sei anzunehmen, dast der verstorbene Sohn des Gentner in der That der einzige Ernährer seiner Eltern gewesen sei, und zwar deshalb, weil er durch seine regelmäßigen Ünterstützungen sie in ihrem Besitzthum erhalten und sie so vor Roth geschützt habe�_ Die Pest. Aus Wien wurde am Sonnabend telegraphirt: Die Wärterin Pccha ist seit Vormittag bewußtlos, ihre Auflösung bevorstehend. Bei der Wärterin Hochegger machte sich eine etwas geschwächte Herzaktion bemerkbar, sonst befindet sich dieselbe vollkommen wohl. Das Allgemeinbefinden der Göschl ist befriedigend: jeder Pestver- dacht ist ausgeschlossen. Der Diener Noö und die Fabrikarbeiterin Änderst ist heute nach beendeter Kontumaz aus dem Franz Josef-Spital entlassen worden. Die Entlassung des Bruders des verstorbenen Barisch ist für Sonn- tag in Aussicht genommen. Wegen des Allerheiligenfestes werden die Vorlesungen im Allgemeinen Krankenhause erst am 3. November wieder aufgenommen werden,.gleichzeitig nimmt Prof. Nothnagel seine Vorleiungcn wieder auf. Aus den Debatten über die Pest im österreichischen Ab- geordneten hause wollen wir noch einen Auszug aus der Rede d«S Genossen D a s z y n s k i nachttagen. Er erklärte, die österreichisch« Bureaukratte sei nicht als Pattonin der Wissenschaft, sondern im Gegentheil als ihre Feindin zu betrachten. Die Bureau- ttatte ist in dieser Hinficht immer sehr träge gewesen, sie hat nie etwas zu stände gebracht, und insbesondere nicht auf dem Gebiete der Hygiene. Es mußte erst die Pest ausbrechen, damit sich die Herren rühren. Der Unterrichtsminister habe gewist ein leichtes Spiel gehabt gegen die Antisemiten Gregorig oder Schneider. wenn er sich gegenüber diesen Herren auf das hohe Rost der Wissenschaft gesetzt habe. Die Burcauttaten haben, bevor die Pest ausgebrochen, sei, alle Bedingungen geschaffen und kouservirt, damit die Pest gefährlicher werden könne. Man sieht hinter den Atten die Welt nicht. Sind daS hygienische Zustände im Allgemeinen Krankeuhause, wenn von einem Leichendiener mit 25 fl. sknapp 45 M.) Gehalt das Wohl und Wehe einer Millionenstadt abhänge? Als Barisch krank gewesen fit, hat erst die batteriolögische Diagnose ergeben, dast er von der Pest befallen sei. Die klinische Diagnose ist demgegenüber ohnmächttg. Das bedeute, dast man die Bakteriologie immer mehr bcnützen muß, dast die moderne hygienische Wiffenschast undenkbar ist, ohne dast die bakteriologischen Experimente mit Thieren fortgesetzt werden. Ent- weder besteht die Wissenschaft ganz, oder sie besteht überhaupt nicht. Man soll das Geld nicht immer nur dazu verwenden, um neue Kirchen zn bauen, sondern auch für die Zwecke der Volkshygiene. Dieselben bnreaukratischen Pfaffen, die im Ministerium sitzen, sehe man, ins Antisemitische übersetzt, im Gemcinderathe.(Aiilisemitischer Abgeordneter Bielohlawek: Also die Kirchen sind schuld! Schutztruppe des Judenthums!) D a S z y n s k i(fortfahrend): Es geht nicht an, die Bakteriologie vom Standpunkt der Konfiskatton der Juden- güter zn behandeln: das ist eine Beschränktheit! Unser Redner verweist gegenüber den Angriffen auf die Presse auf das antisemitische„Deutsche Vokksblatt", das so un- hencrliche Sachen geschrieben habe, als ob es besessen iväre. In dem Reiche der Dunkelheit, bei der allgemeinen Unwissenheit der- art über die Sache zn schreiben ist gewissenlos und ver- brecherisch. Das wollte ich Ihnen gesagt haben, damit ilü im Lichte der Pest nicht als moralische Helden in Wien dastehen.(Lcb- haftcr Beifall.)—_ Lrtzke Nc»chviiszke»r«nd Vfpoftfzcw. Graz, 29. Oktober.(B. H.) Durch einen gewaltigen Bergsturz im sogenannten Mördcrloch bei Telss ist die Rcichsstraße theilweise verschüttet und der Verkehr gehenimt. PariS, 29. Oktober.(23. T. B.) Freycinet nahm im Prinzip daS Kriegsportefcuille an. Peytral lehnte die Annahme des Ministeriums ür Kolonien aus Gesundheitsrücksichten ab.— Die Gruppe der antt- 'emitischen Dcputirten richtete ein Manifest an das Land. welches mit den Worten schließt, man müsse die republikanische Regierung von dem Einfluß der Juden, ivelche dieselbe zu gründe richten, befreien und Frankreich dem jüdischen Joch entreisten. Pnkarcst, 29. Oktober.(W. T. B.) DaS Amtsblatt veröffeut- licht eine zivischcn Serbien und Rumänien abgeschlossene Konvention betreffend den Bau einer Brücke über die Donau zum Zwecke der Herstellung einer Verbindung zwischen den serbischen und rumäuischen Eiseubahncn. Jeritsalem, 29. Oktober. Der deuffche Kaiser ist hier ein- getroffen.— Massanah, 29. Oktober.(Agenzia Stefani.) Der italienische Konuniffar in Slssab liest den unter italienischem Protektorat tehenden und von Italien abhängigen Sultan von Raheita zn einer Besprechung zu sich entbieten. Der Sultan willigte zwar ein, verschwand jedoch während der Nacht, ohne daß man weist, wohin er sich begeben hat. Am folgenden Morgen griffen einige Verbündete des Sultans die aus Assab vom Kommissar ge- 'andle Gclcitmamischaft an. Ein tzlskari und vier Eingeborene wurden getödtet. Die Ordnung wurde alsbald wieder hergestellt. Da der Sultan, wie versichert wird, flüchtg ist, wurde bereits ein Bezicr als sein Nachfolger in Aussicht genommen. San Francisco, 29. Oktober.(W. T. B.) Die Bark„Ducheffe Anne" kam gestern von Hongkong mit zwei Beulenpeft-Kranken hier an. Der Kcipiräu und ein' Matrose waren bereits während der Reise gestorben.: Verantwortlicher Redalleur: August Jacobeh in Berlin. Für den Jnserateiubeil verantwortlich: Ah. Glocke in Berlin Druck und Verlan von Mar Bading in Berlin. Hierzu 3 Beilogr««. UnterhaltuatSbftstt�/ ir. 255. 15. ijcilnut ilcs jOTiirts" Sttlinct NcksM Uoksles. � Wahlvcrci» dcS zweite« Berliner RclchStagS-WahlkreiscS. Uco�.Streitfragen in der Partei" wird Genosse Richard Fischer am Mittwoch bei Ziihlke. Denncwitzstr. 13, einen Vortrag halten. Die Mitglieder werden um zahlreichen Be« such dieser Brrsnnnnlung gebeten und gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht, dah die Parteitags- Protokolle in den Zahlstellen in Empfang zu nehmen sind. Der Vorstand. In einer Parteiversamuilnng drS vierten Reichstags- Wa.)lkreises, die Mittwoch Abend in K e l l e r' S F e st f ä l e n, Ztoppenstr. 29, abgehalten wird, spricht Parteigenosse Bebel über das Thema:.Attentate und Sozialdemokratie." Die Parteigenossen wollen für zahlreichen Besuch dieser Versammlung agitircir. Der Vertrauensmann. Die Berichterstattung der Berliner Dclegtrtinnen vom Stuttgarter Parteitag erfolgt am Mittwoch Abend 8 Uhr im Eng- lischcn Garten, Alcxanderstr. 21c. Ebenfalls findet in dieser Ver- sammlnng die Berichterstattung und die Neuwahl der Vertrauens- Person statt. Siehe die Anzeige heute.und Dtittwoch. Die Ver- trauensperson. Freie BolkSbühnc. Die Vorstellung der 5.' Abtheilung lgelbe Karten) findet hcnlc Nachmittag S!8/« Uhr im Friedrich Wilhelm- städtischen Theater statt.— Im November beginnt die 3. Serie dcrBor- ftellungen ain 6. im Friedrich W i l h e l m st ä d t i s ch e n Theater. Die Vorstellungen folgen am 13., 27. November und 4. und 11. Dezember. Am Todtensonntag, den 20. Novbr., fällt die Vorstellung aus. Zur Aufführung gelangt.Lumpe nbagas ch", Schauspiel in 1 Alt von Paul Ernst und„Liebelei" von Arthur Schnitzler, Schauspiel in 3 Akten. Mitlvirkende Gaste sind Herr Franz Haid iLcssing- Theater), Fräulein Eiscnhut, Fräulein voll Slizar, Fräulein Sydow(Lessing-Theater), Herren Iarah und Kaihler.— Da die Abtheilungen gegenwärtig sännntlich gefüllt sind, können Meldungen neuer Mitglieder in diesem Monat nicht mehr berücksichtigt werden. Vorläufige Anmeldungen für die neue sechste Abtheilung, die ihre erste Vorstellung erst nach Weihnachten hat, können dagegen schon jetzt in allen Zahlstellen des Vereins entgegengenommen werden. Am Bufitag Abend 7 Uhr sMittwoch, 16. November) hält Herr Dr. Wilhelm Mcher, früher an der Urania, in Keller's Fest- sälen wiederum einen neuen, eigens für die Freie Volksbühne sorg- fällig vorbereiteten großen Projcktionsvortrag mit 200 neuen Lichtbildern. Das Vortragsthema lautet:„Um die Erde von Pol z n P o l" unter besonderer Berücksichtigung der modernen K u l t u r z u st ä n d e und ihrer voraussichtlichen Entwickeln n g.— Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitglied-karte gestattet, die eine grüne Marke ä W Pf. enthalten muß. Eine Wiederholung ist mit dem gleichen Thema für den 23. November eventuell geplant, an diesem Abend können auch Gäste mit besonderen Einlaßkarten eingeführt werden. Der Vorstand. I. A.: G. Mnkler. Die Frage der Einführung dcö HanShaliungS-Unterrichts in den Lchrplan der Mädchenschulen hat am Freitag den Berliner Lehrerverein beschäftigt. Der Ver ein hat schon vor 10 Jahren über die Nothivendigkcil einer besseren hauslvirth- schaftlichcn Ausbildung der Mädchen verhandelt, hat aber die Ein- silhrung von HauShalwngs-Untcrricht in den Lehrplan der Mädchenschulen damals nicht empfehlen zu dürfen geglaubt tvcil noch keine Erfahrungen auf diesem Gebiete vorlagen. Inzwischen sind Erfahrungen darüber gesammelt worden, auch in Berlin. Das Aufkommen dieser Frage, führte der Referent, Herr Lehrer Fechner, aus, erklärt sich aus den wirthschaftlichen Mißständen der unbemittelten Bevölkerung, aus der zunehmenden Beschäftigung der Frauen, der Mütter wie der Töchter, in den Fabriken. Der zuerst 1887, m Kassel, gemachte Versuch, zunächst private HauS- haltungs-Kurfe für erwachsene Mädchen zu veranstalte», schlug fehl und z�pte, daß auch der Plan einer hauswirthschaftlichen Unterweisung in Fortbildungsschulen nur Erfolg haben kann, Iveim der Besuch obligatorisch ist. Daher lvurden 1889, wieder zuerst in Kassel, Kurse für noch f�ulpflichtige Mädchen eingeführt. Der Erfolg war günstig und das Beispiel Kassel's ist seitdem in etwa 200 deutschen Orten, in Berlin 1893, nachgeahmt worden. Auf die anfangs geforderte berufsmäßige Ausbildung zur gesammten Führung eines Haushalts wurde dabei verzichtet. Man beschränkt sich jetzt vorwiegend auf einen. den Verhältnissen kleiner Haushaltungen' an- gepaßtcn Kochunterricht, wobei theoretische Unterweisung und praktische Uebung Hand in Hand gehen. So will auch F. den HauShaltungs- Unterricht verstanden wissen. Angesichts der günstigen Erfolge hält er ihn nicht nur für möglich, sondern auch für nothweudig und empfiehlt, die Einführung in den Lehrplan mindestens zu befürworten. In seinen begründenden Ausführungen ging F. auf die soziale Seite dieser Frage nicht weiter ein, da fte von niemandem bestritten werde. Die Frage sei aber allmälig auch zu einer pädagogischen geworden. Von diesem Standpunfte aus sei der Haushaltunas- Unterricht zu wünschen als Ergänzung des vor 30 Jahren eingeführten, aber heute kaum noch Die Wiener Okioberiage 1848. TL Die Erstürmung Wiens. Wiudischgrätz hatte die Stadt umzingelt und die unbedingte Uebergabe der Stadt, ferner die Auslieferung einer Anzahl be- sonders mißliebiger Personen gefordert. Diese Bedingungen wurden nicht angenommen, und so verstummten den» bald die Verhandlungen, die Kanonen nahmen das Wort und eS begann der Sturm auf die alte Hauptstadt Deutschlands. Die VelagerungSarmce war mittlerweile auf über 100 000 Köpfe auaeschwollen, während zur Vcrthcidigung der Stadt kaum 2S 000 Bewaffnete bereit standen. Und auch hiervon waren noch große Abzüge zu machen. Die eigentliche, zuverlässige Vcrtheidigungsannee be- stand aus etwa 10 000 Arbeitern, den sogenannten Mobilgardcn; sie be- Ivachten, wie ein Zeitgenosse sagt, den ruhinen Schlaf der Stabilen. Diese Stabilgardcn waren nämlich die Bewaffneten auS dem Bürgerthum; sie beschränkten sich hauptsächlich auf das Rcnonimiren und Säbelraffeln; wo es blutig herging, da hielten sie sich möglichst im Hintergrunde. Einen heißen Schlachttag gab eS schon am 26. Oktober. Mehrere Vorstädte wurden beschossen, und abends hatten die Truppen bereits die Brigittenau und ocn Prater in ihrer Gewalt; die Bcrtheidiger waren in die inneren Vorstädte zurückgedrängt.— Am 28. Ottober schritt Windischgrätz zum Angriff auf der ganzen Linie. Mit dem frühen Morgen begann das Geschützfeuer der Belagerungsbatterien, aus der Stadt her kam sogleich die Anttvort: das Gerassel der Alarmtrommeln und das Geheul der Sturmglocken. Die Vertheidigung war so tapfer, wie der Angriff schonungslos war. In vielen Gebäuden, selbst in der kaiserlichen Burg, zünoetcn die in die Stadt geschleuderten Bomben. Den eindringenden Truppen wurde jeder Fußbreit des Terrains streitig gemacht. Aber die lieber- macht war zu groß, und so rückte das Militär unter heftigem Blut- vergießen langiam vorivärtS und nahm allmälig die verschiedenen Vorstädte in Besitz. Immer aufs neue verbreitete sich die Nachricht. ein großes ungarisches Heer eile herbei, um die kaiserlichen Truppen im Rücken anzugrelfen. Aber die Hoffnung wnrd,e getäuscht, die Ungarn kamen nicht, und die Bclagerungstnippen rückten weiter vor. Es wäre wohl Pflicht der Ungarn gewesen, den Deutschen beizustehen, dcmr der Wiener Aufstand war ja, wie geschildert, zu gunsten der Ungarn erfolgt. Ein Zug gegen Wien wurde auch besonders von nöthigen Unterrichts in weiblichen Handarbeiten, den er an Wichttg- kcit schon deshalb übertreffe, weil in ärmeren Familien allein zwei Drittel des Verdienstes für Nahrung aufgewendet werden müssen. Unter Berücksichttgung der weiblichen Eigenart werde durch diesen Unterricht die Einführung in den Pflichtenkreis des Weibes, den Hausfrauen-Vcruf, angebahnt und. so die Mädchen- crziehuug zeitgemäß ausgestaltet. Die allgemeine Bildung werde dadurch nicht beeinträchtigt, sondern gefördert, da im HaushaltungS-Unterricht das in anderen Fächern, nament- lich in Naturkunde und Rechnen, thcorcttsch Erlernte praktisch angewendet werde, die Anschauung durch die Verbindung von Er- kennen und verständnißvollcm Schaffen vertieft und ein Band zwischen Schule und Leben geknüpft werde. Natürlich gehöre die grundlegende Unterweisung in die Volksschule, die fachliche Weiterbildung in die Fort- bildungsschule.— In der Diskus sio n wurde vorgeschlagen, vorerst von einer Stellungnahme abzusehen, um in dieser jetzt die ganze deutsche Lehrerschaft beschäftigenden, aber noch ungeklärten Frage keine voreiligen Beschlüsse zu fassen. Die Thesen F.'s, in denen drc organische Verbindung des HaushalttmgS-Unterrichts mit der Schule als durchführbar und zweckmäßig bezeichnet wird, seien einer Kommission zur Prüfung zu überivcisen. Dieser Vorschlag wurde ziemlich allgemein. auch vom Schulinspektor Zwick, dem Begründer der Berliner Haushaltungskurse für schulpflichtige Mädchen, unter- stützt und mit großer Mehrheit angenommen. Die zopfige Anschauung des Geschäftsansschusses der hiesigen ärztlichen Standesvereine, wonach die vom Polizei- Präsidium versuchte Anstellung einer Polizeiärztin verpönt sein soll, findet doch keinen allgemeinen Beifall in ärztlichen Kreisen. Gegen den Protest der Vereine wendet sich ein Gesuch an die Aerztc- kammcr, das unter Führung des Dr. med. Curt Freudenberg 27 Aerzte aus Berlin und den Vororten in der„Verl. Aerztekorr." mit dem Ersuchen um Beitrittserklärungen von Fachgenosscn ver- öffentlichen. Sie richten an die Aerztekanrmer das Ersuchen, dem Einsprüche gegen die Anstellung einer polizeiärztlichcn Gehilfin die Zustimmung zu versagen. In der Begründung dieses Ge- suchcs heißt es nach einem Hinweis auf die Vorschläge, die zur Beseitigung der jetzigen Mißstände bei den sitteupolizcilichcn Erst- Untersuchungen gemacht worden sind:„Einer dieser Vorschläge ging dahin, daß grundsätzlich die Untersuchung der zum ersten Male von der Sittenpolizei aufgegriffenen Personen durch ivcibliche Aerzte vorgenommen werden müßte. So glaubte man die Rücksicht auf das Schamgefühl nah Möglichkeit zu wahren und zu- gleich im Falle eines Mißgriffes die Ehrenkränkung, die für Un- schuldige mit der sitttenpolizeilichen Untersuchung verknüpft ist, cinigerniaßen zu mildern. Auch wenn man von den unschuldig Sistirtcn ganz absieht, scheint eine solche Rücksichtnahme angezeigt, weil auch die sonst zur erstmaligen sittenpolizeilichen Untersuchung vorgeführten Frauen keineswegs durchweg Prostituirte sind, und weil demgemäß auch bei diesen eine Schonung des Schamgefühls geboten ist." Von der Heilstätte, die die Jnvaliditäts- und AltcrS-Vcrsiche- rungsanstalt Berlin bei Beelitz errichtet, wird der„Hcilstnttenkorr." zufolge zunächst die AbtheilnnA für Lungenkranke für die Aufnahme von sc 50 männlichen und weiblichen Lungenkranken begonnen. Das allgemeine Krankenhaus, das 370 Patienten aufnehmen soll, wird so eingerichtet, daß es ohne Schlvierigkcit jederzeit für die dreifache BelegungSstärkc vergrößert werden kann. Die Bauleitung ruht m in den Händen deS Bauraths Schmieden und des Regicrnngsbau- mcisters Scholz. Angesichts der Wiener Pest- Erkrankungen hat man Veranlassung genommen, die sogenannten JnfektionSbaracken in verschiedenen hiesigen Krankenhäusern einer eingehenden Revision zu unterziehen. Es wurde den:„Verl. Tgbl." zufolge alles in bester Ordnung gefunden. Im jüdischen Krankenhause in der Augnststraße sind allerdings, wie aus einem Berichte des Professors BaginSky in der letzte» Repräsentantensitzung hervorgeht, die Räume der InfekttonSbaracken unzureichend, so daß deren Erweiterung und die gleickzeittge Abstellung einzelner Mängel dringend geboten er- scheint. Jur übrigen ist auch in diesem Krankenhause allen Forde- rungen der modernen Hygiene und Krankenpflege vollständig Rechnung getragen. Jf Vom Ehristenthnm der apostolischen Gemeinde. Von ge- ffverkschaftlicher Seite wird uns geschrieben: Die Mauer des Baues Luthcrstr. 29 beauftragten einen auf diesem Bau arbeitenden Kol- lege», durch Nicderlegnng eines Kranzes einem ans ihrer Mitte durch den Tod geschiedenen Gefährten die letzte Ehre zu geben. Als sich der Zug ordnete, trat unser Beauftragter in Reih und Glied des Trauerzuges. Es dauerte nicht all- zu lange, als ein Thcil- nehmer an ihn herantrat und das sonderbare Verlange» an denselben stellte, daß er seinen Kranz vernichten möchte. Er sagte wörtlich:„Auf den Kirchhof kommen Sic doch nicht'rauf, da werden Sic doch rausgeschmissen." Der so Angefahrene gab dem Herrn zu verstehen, daß er als Freund und Kollege des Tobte» die Pflicht in sich suhle, den ihm anvertrauten Kranz am Grabe des Entschlafenen niederzulegen, im übrigen habe doch niemand ein Recht, einen Leidtragenden, der den Änstand nicht verletze, zu be- lästigen. Der Zug setzte sich nun langsam in Bewegung, jedoch er- regte der Kranz bei einigen der Gefährten wohl deshalb, weil Kofsuth bettiebcn, stieß aber im ungarischen Heer auf mancherlei Widerstände, sodaf: sich die Sache verzögerte. Als die Ungarn einige Tage später wirklich vor Wien erschienen, war es zu spät. Schon am Abend des 28. konnte sich Windischgrätz als Sieger fühlen. Die kaiserlichen Truppen hatten die Vorstädte Landstraße, Nennweg, Lcopoldstadt und Jägerzeil eingenommen, standen also hart vor den Wällen der inneren Stadt. In den Vorstädten wurde von den czechischen und kroatischen Soldaten gemordet, geschändet und geplündert, hunderte von wehrlosen Mensche» wurde» zusammen- gehauen und zahlreiche Häuser angezündet. Es breitete sich nun mehr und mehr die Ueberzengung aus, daß weiterer Widerstand vergeblich sei, wenn man auch in den Reihen der kämpfenden Arbeiter und besonders der zum Volk übergetretenen Regimenter nichts von Waffcnstrecknng und Uebergabe hören Ivollte. Von der Leitung wurde eine Abordnung zu Windischgrätz gesandt, um„halbwegs menschliche" Uebergabededinguiigen zu erlangen. Der General erklärte, er wolle eine Waffenruhe von zwölf Stunden gewähren, erwarte jedoch, daß die Stadt sich noch'm Laufe des Tages ergebe. Als einer der Dcputirten ein Wort zur Erhalttmg der nkadennschcn Legion wagte, slhrie der„aristokratische" General dazwischen: Nein, diese Notzbubeuwirthschaft muß aufhören I Noch in der Nacht vom 29. zum 30. wurde denn auch dem Feldmarschall die Unterwerfung der Stadt angezeigt. Man appellirtc an die„Herzensgüte" deS Fürsten, und er erlätte, er werde alles thu». was sich mit seiner Ehre vertrage. Bald erfuhr man, waS der Fürst hierunter verstand.— AuS den Reihen der Vertheidiger wurde der Leitung wegen der Uebergabe direkter Verrath vorgeworfen, und die Soldaten verabredeten, sich bei der Uebergabe der Stadt gcgciiscitig-zu erschießen. Diese Soldaten hatten vcrmuthlich den richtigen Instinkt für die von Windischgrätz zu erwartende Herzens- gute. Am 30. Oftober waren die Truppen im Begriff, in die Stadt einzuziehen, als vom Stephanithunne plötzlich verkündet wurde, man sehe ein ungarisches Heer heranziehen. Ohne Befehl, fast ohne Führung, und unbeküinmert um die bereits formell erfolgte Ueber- gäbe, griff jetzt alles aufs neue zu den Waffen und stellte sich todeS- niuthig den einrückenden HeercSmaffen entgegen. Die Ungarn waren wirklich gekommen, aber in ungenügender Zahl, so daß sie durch die weit überlegene Belogerungsarmee bei Schwechat zurückgeworfen wurden. In Wien aber, wo man den Ausgang des Treffens mit den Ungarn nicht voraussehen, bei dem herrschenden Nebel nicht einmal derselbe mit einer angemessenen rothen, aber umflorten Schleife verziert war, böses Blut, denn die Lippen dieser frommeir Menschen sprudelten von gemeinen Witzen und Schimpfworten. Indem unser Genosse noch so über den Bildungsgrad dieser Sekte und die prattische AiNvendung ihrer gepriesenen christlichen Nächsten« liebe nachdachte, gesellten sich zu seinem Erstaunen ein paar mächtige Gestalten zu ihm, welche ihrem Aerger durch kräftige Püffe und Stöße nach ihm Lust machten. So tvurde der Kranzträgcr von einer Seite zur anderen in den stcllenweiS sehr tiefen Straßonkoth gestoßen; er zog eS unter diesen Umständen bor, seinen Platz zu verlassen und den Abschluß des Zuges zu bilden. Als jedoch die christlichen Brüder sahen, daß es doch nicht so leicht sei, ihn gänzlich aus dem Zuge zu entfernen, griff man zu einem anderen Mittel. Unser Freund be« merkte nämlich, lote sich jemand aus den vordersten Reihen nach seitwärts entfernte und den nächsten Schutzmann zur Sistirung engagirte. Der Beamte kam auch, ohne vielleicht geprüft zu haben,. ob er wirklich befugt sei, einen anständigen Menschen ohne weiteres zu verhaften, dem gegebenen Auftrage nach. T. tvurde nun durch mehrere Kreuz- und Querstraßen geführt, wo ihm dann plötzlich, nachdem auf umstäiidlichc Art und Weise seine Nationale festgestellt worden war, erklärt wurde, daß er wieder frei sei und das Weite ftichcn. könne. Mittlerweile war die Zeit der Beerdigung vorbei und unser Genosse hatte das Vergnügen, mit seinem Kranze iinvcrrichtctcr Sache wieder den Heimweg anzutreten. Auch ein Stück Christen« thum I Durch einen in Brand gerathcncn Akknmnlaiorwage« tvurde gestern in den Morgcnsttinden eine längere Betriebsstörung auf der Ringbahnlinie hervorgerufen. Als der Wagen Nr. 1449 die Fricdenstraße passirte, drang plötzlich ein wahrer Regen von Funken und bald darauf dichter Rauch ztvischcn den Rädern hervor. Es dauerte geraume Zeit, che man die brennenden Theile ablöschen und die Ursache des Unfalls ermitteln konnte. Bis der Wagen seine Fahrt wieder aufnahm, hatte sich eine ganze Wagenburg auf den Schienen angcsamniclt. Der Bicrstrcit auf dem Wcddins; ist beendet. Von dem Vorsitzenden der hiesigen Gasttoirthsverbande geht uns darüber folgende Mittheiliing zu: Endlich ist es der aus 20 Personen be« stehenden Bierkommission durch wirksame Unterstützung der bestehen« den Gast- und Schankivirthsbereinc gelungen, den Herrn Perschk, Rcinickendorferstraßc 8a, davon zu überzeugen daß er durch seine billigen Preise für Getränke nicht, wie es in seiner Absicht lag. der Brauerei Gcrniania, welche ihm gegenüber ein Ausschanklokal hat, Konkurrenz macht, sondern die Kollegen in seiner Nachbarschaft schwer schädigt. Herr Perschk hat sich daher in einer am 26. d. M. abgehaltenen Kowmissionssitznng bereit erklärt, für Ge- tränke diejenigen Preise zu nehmen, die die Gesammtkollegenschaft fordert. Fahrräder in Schnrflziigcn. Vom 1. November d. I. ab werden im Verkehr nach Berlin im Eisenbahn- Direftionsbezirk Berlin zur Benutzung für unverpackte einsitzige Ztvciräder alle die Schnellziige freigegeben, bei denen auf den anschließenden Strecken der Nachbardireltioncn die Beförderung bereits nachgelassen ist. Bei den auf den Ferngeleisen der Berliner Stadtbahn einlaufenden Schnellzügen bleibt' die Ausladung und Auslieferung der Fahr- rüder lediglich ans den Schlesischen Bahnhof beschränkt. In der Richtung von Berlin bleiben die Schnellzüge der Eiscnbahndirektion Berlin für die Beförderung von Fahrrädern nach wie vor aus- geschloffen. Wegen GeleiSarbciic,» auf der Kreuzung der Leipziger- und Mauerslraße werden vom 1.- 6. November die Pferdevahnlinien Nollendorfplatz— Potsdamer Thor— Alexandcrplatz, Binetnplatz— Manstcinstraße, Charlottenbmg �Amtsgericht)- Molkenmarkt statt durch die Mauerstraße durch die Leipzigerstraße und Charlottenstraße ge« führt werden. Die Allgemeine Berliner Omnibns-RktiengcseNschast führt am Dienstag, 1. November, ans der Linie Oranienplatz— Stetttner Bahnhof 5 Pfennig-Theilstrecke» ein. DaS Polizeipräsidium theilt mit: Einem zur Haft gebrachten Menschen. Ivelchcr aus dem Warteraum eines Arztes, den er um Unterstützung angesprochen, eine Broncefignr gestohlen hat, sind eine Attrape aus Papiermachs, eine Negerin mit Pelzschurz, und eine Metallgruppe, drei Teckel, die an den Ohren zuiammengeschweißt sind, darstellend, abgenonunen worden. Es steht zu vermuthen, daß diese Gegenstände bei ähnlichen Gelegenheiten gestohlen find, und wolle» sich die Eigenthiimer im königlichen Polizeipräsidium, An der Stadtbahn, Zimmer 97, werktäglich in den Vormittagsstunden von 9 bis 12 Uhr melden. Nach einer der hiesigen Polizeibehörde zugegangenen Mittheiliing sind Anfang voriger Woche auS Dresden 3 Knaben verschtvnndcn, welche sich bermulhlich gegenwärtig in Berlin auf- halten, um von hier aus die Fahrt»ach Bremerhaven und von dort nach Amerika anziitreten. Etiva fünfzehn Knaben der sächsischen Residenz, deren Köpfe durch die Lettüre von Jndianerbüchern mit abenteuerlichen Gedanken erfüllt waren, hatten che- schlössen, gemeinschaftlich nach Amerika auszuwandern und dort in den Urwäldern ein Farmerlcben zu beginnen. Die Abreise war für vergangenen Montag festgesetzt, doch 7 der den Gang der Schlacht genau verfolgen konnte, wurde inzwischen der bitterste und blutigste Kampf geführt, der in Deutschland während deS ganzen NevolutionSjahrcS stattgefunden hat. Die Truppen, über den scheinbaren Verrath erbittert, daS Volk, von dem Tvdcsmnth der Verzweiflung erfüllt, kämpften Mann gegen Mann ohne jede Schonung. Windffchgrätz verfolgte von einem Berge aus den Gang der Schlacht mit den Ungarn und mit der Stadt Wien. Als er die Kanonen aus den Basicicii Wiens herübcrdvnnern hörte, meinte er: Jetzt muß Messen« hauser hängen. Er wußte nicht, daß Meffenhauser, der Kommandant, nur mit großem Widerstreben in die Neuaufnahme des Kampfes gewilligt hatte. Er hatte den Stephausthurm bestiegen, um von dort auS das Schlachtfeld überblicken zu können. Eine ganze Menge Leute, Offiziere, Abgeordnete, Literaten, war um ihn versammelt und fleißig wurden die Fernrohre gehandhabt. Aber als sich die Illusion, daß die Ungarn siegen würden, nicht mehr halten ließ, war einer nach dem andern hinabgeschlichen. Nur der Schriftsteller Berthold Auerbach und der RcichStagS-Deputirte Goldmarl waren noch beim Kommandanten, Das sinnverwirrende Getöse, daS die Stadt erfüllte und in welchem Kampfgeschrei, Alarmtrommel, Geschütze krachen, Sturmgeläute und Waffengeklirr zusammenquollen, drang dumpf herauf. Und Bote auf Bote kam empor gestürmt mit dem Verlangen, Mefferhauser soll« den Befehl zum Angriff auf die Leopoldstadt geben. Er gab den Befehl nicht, verbot aber auch den Angriff nicht. Und wieder kam ein Student, der eine schriftliche Aufforderung vom Studenten« auSschuß brachte, Meffenhauser solle das Oberkommando niederlegen. Die beiden Herren Nethen ihm, es nicht zu thnn, nnd so schrieb er mit Bleistift seine Weigerung auf ein Stück Papier. Als der Bote weggegangen, unterhielt er sich mit Auerbach über Pläne zu dramatischen Arbeiten, die er künftig ausführen wollte. Eine herauskommende Abtheilnng des StndentenauSschuffeS machte diesen Träumereien ein Ende. In schroffer Weise tvurde Meffenhauser aufgefordert, sofort als untauglich und energielos, wie' er sei, abzudanken; Fcnnebera sei an seiner Statt zum Obcrkomman« dmtten auscrsehen. Zuletzt sagte man ihm geradezu: Abdankung oder Tod! Der Bedrohte gab nach, erklärte, er werde unten im Hauptquartier die Abdankung vollziehen und verließ den Thnrm. Aber es war nichts mehr zu retten. Der Uebermacht der Truppen konnte auch der andauerndste Muth nicht Widerstand leisten. Am Mittag des 31. waren die Truppen, die unterworfenen Bor« städte hinter sich, auf den Glacis erschienen. Aber das Signal zu Knabe», die den Muth verloren, blieben zurück, während die übrigen 8 von Dresden abreisten. Unterwegs fielen von der Gesellschaft noch 5 Knaben ab, die aus Furcht vor der ungewissen Zukunft nach Dresden zurückkehrten, während die anderen 3 Burschen die Steife 'fortsetzteir Wie durch die zurückgebliebenen Knaben festgestellt ist. wollten die jugendlichen Abenteurer von Bremerhaven' aus als Schiffsjungens sich freie Ueberfahrt verschaffen. Das Geld für die Fahrt bis zu der Hafenstadt wollen sie angeblich aus Bremen er halten haben. Ucberfall auf einen Tchntzmann. In der Nacht zum Sonn abend durchzog eine Schaar von Burschen johlend den östlichen Theil der Linienstratze. Einein Schutzmann, Zder sie zur Ruhe ermahnte, antworteten sie mit höhnischen Redensarten, bis dieser schließlich die beiden Hauptkrakehler aufforderte, ihni zur Wache zu folgen. Au dem Wege dahin drängte die übrige Gesellschaft jedoch plötzlich nach. und ehe der Beamte em Nothsignäl geben konnte, erhielt er hinter- rücks, muthniafflich mit eineni Gummischlauch, einen so wuchtigen Schlag über das Gesicht, daß er auf der Stelle zusammenbrach. Die Strolche ergriffen dann die Flucht. Straffcnpassantcn, die den bewußtlosen Beamten später auffanden, brachten ihn auf die Revier- wache. Die im Berliner Zlqnarium eingelaufenen letzten Sendungen Häven dieser Anstalt eine Reihe neuer und seltener Gäste aus der vielgestaltigen wirbellosen Thierwelt deS Adrtatischcn und Mittelineeres zugeführt. Aus der Gruppe der Polypen oder Kraken ist ein echter Oktopus oder Achtsuh eingetroffen, der ein besonderes Becken des unteren Grottenganges zim: Ausenthalt angewiesen erhalten und iil diesem sich aus apfel- und faustgroben Steinen mit Hilfe seiner acht laugen und mit zwei Reihen Saugnäpfen versebenen Schlangenarme einen Schutzwall(das sog, Nest) errichtet hat, AuS den anderen Gruppen der meeresbcwohncnden Weichthierc langten außer den zur Speise dienenden und zu gewerblichen Zwecken benutzten Kamm-Muscheln(?ootsn) mehrere Kreiselschnecken(Turbo) an, die sich durch eine Iretsclfvrmige Schale mit in der Mitte vorgewölbten Windungen auszeichnen. Zu den reizendsten Geschöpfen zählt der mit fünf schmalen, dünnen, bestachelten, schlangcnartig lbiegsamen Armen ausgerüstete, bräunliche Schlangenstern(Oxlüotnx), der in mehreren Exemplare« angekommen ist, Bolksthümliehe Knrsr von Berliner Hochschullehrern. Dienstag den 1, November, 8'/2 Uhr abends eröffnet Herr Schmoller in der Aula des Foiedrich-Werderschen Ghmnasiuuis, Dorolhecnstraße 13/14, die erste Reihe der Volksthümltchcn Kurse mit seinem Vortrage über die Handels- Politik der wichtigeren Kulturstaaten des 18. und IS, Jahrhunderts, Er wird zu Beginn mit einigen einleitenden Worten auf die Bedeutung der Einrichtung der Volkschiiiu tischen Kurse in Berlin hinweisen. Der Kursus «nifastt sechs Vorträge, die an jedem Dienstag Abend 8»/, Uhr m denselben Räumen stattfinden. Eintrittskarten für Männer und Frauen zum Preise von 1 M, sind zu haben bei A. Schütz, Holzmarktstr,«ist II, G, Belling, Zigarrengeschäft, Leipzigerstr. IZö, Tischendörfcr, Sophienstr, IS, Traut- »vemsche Buchhandlung, Leipzigerstr. 8, sowie in der Zentralstelle für Arbeiter- Wohlsahrts- Einrichtungen, Köthenerstr, 23 II(wöchentlich von 8—3 Uhr). Feuerbericht. Köpnickcrstraße 113 hatten Soimabcud früh mehrere Ktsteu in der Küche Feuer gefangen, das auch den Fußboden zerstörte. Ein brennender Bauzaun verursachte kurz nach Mitternacht Alarm nach W i l h e l m st r a ß e 64, Freitag Abend waren mehrere unbedeutende Brände abzulöschen. Mü n ch e- b crg erstr a ß e 6 hatte sich ein Posten Phosphor auf dem Boden entzündet; Potsdamcrstr. 86a, hatte das Dachgebälk Feuer gefangen. Regale, Papierabfälle zc. gingen T e l t o w e r st r, 49 in Flammen auf. P o t s d a ni e r st r. 83 war ein unbedeutender Zimmerbrand zu beseitigen.__ Aus den Nachbarorten. In FtstedrfchAberg findet am Dienstag, abend? 8 Uhr, m> Schwarzen Adler, Frankfurter Chaussee, eine öffentliche V e r s a m m lang, für Frauen nnd Mädchen statt, in der Frau Lily Braun über daS Recht auf Bildung sprechen wird. Ferner ist die Gründung eines Frauenverems in Aussicht genommen. Die Einberuferin. Die Einrichtung eines Elektrizitätswerkes für Schöucberg und im Zufmnmenhang damit die elektrische Beleuchtung ff ä m m t l i ch e r Straßen der Stadt beschäftigt gegenwärtig die dortigen städtischen Behörden. Die Frage ist jetzt' besonders dadurch vktuetl geworden, daß eincsthcils die Allgemeine E l e k t r i- Aitäts- Gesellschaft sich erboten hat, von ihren: großen Äberspree-Werke ans durch ein von der S.tadt zu legendes Kabelnetz Schöueberg elektrischen Strom zu liefen:, und daß ferner die Gesellschaft für elektrische Unternehmungen„Union" auf S ch ö n e berger Gebiet ein großes Elettrizitätswerk später auch eine Akkumulatorenfabrik— errichten null, um die ganzen westlichen und südwestlichen Straßenbahnen Berlins und der benachbarten Vororte nnt elektrischer Vctriebskraft zu versorgen, die überflüssige Kraft aber der Stadt Schöueberg zwgllfiihren. Diese Angebote der beiden Erwerbsgescllschastei: haben nun die städtischen Körperschaften, in denen überhaupt die Strömung dahingehen soll, alle rentablen ge werblichen öffentlichen Unternehmungen nicht mehr Privat- Unternehmern zu überlassen, sondern in eigene Verwaltung zu nehmen, veranlaßt, jetzt auch der zwar schon früher mehrfach ventilirten aber bisher noch nicht gekosten Frage der Errichtung eines eigenen städtischen Elektrizitäts- . Werkes näherzutreten. Das Projekt gewinnt■ jetzt besonders ihrem Einrücken, das Aufhissen der schwarz-gclbcn Fahne aus dem 'Sankt Stephan, blieb aus. Der Gemeindcrath hatte die Fahne zwar geschickt, aber sie wurde auf dem Domplatz in tausend Stücke zerrissen. Der Gemeinderath sandte eine Deputation zun: Burgthor hinaus, un: dem Feldmarschall Wien feierlich zu übergeben; allein hinter den Dcputirten wurde das Burgthor wieder zugeschlagen und verrammelt und ans den Basteien wurden die Kanonen gegen die Truppen losgebrannt. Windisckigrätz ließ nun seine in Bereitschaft gehaltenen Batterien spielen. Die Stadt wurde mit Vollkugeln, Bomben, Granaten, glühenden Bällen und Staketen überschütte':, und schon nach wenigen Stunden war die Kraft des Widerstandes gebrochen. Die Basteien, die Plätze und Straßen waren leer. Nur hier und dort hielt sich noch ein verzweifelndes Häuflein in Waffen beisammen. Nachmittags S'/z Uhr brach das erste Kroatenbataillon durch das Burgthor in die' Stadt. Die letzten Augenblicke des Bombardements, die letzten Athem- �üge der Wiener Oktober-Revolution hat ein Augenzeuge, der von der Frankftirter Versammlung mit nach Wien delegirte Dichler Moritz Hartmann, folgendermaßen geschildert:„Auf dem Bauernmärkte hörten wir plötzlich die Lärnitromniel, die durch den Donner derKanonen, das Plätzen der Bomben und fallenden Schutt einen wahrhaft un- heimitchen und zugleich sehr aufregenden Schall hören ließ. Auf dem Hohenmarkt sahen toir, woher der Ton kam. Dieser Platz war leer und öde, wie um diese Zeit alle Gassen und Plätze: die Ein- wohner hatten sich in die Keller geflüchtet und hielten sich in den innersten Räumen der Häuser, Ueber den großen menschenleeren Platz schritt ein einziger, ungefähr fünfzigjähriger Proletarier; vor ihm ging ein kleiner, vielleicht zehnjähriger Junge. Der trug eine große schwarz-roth-goldene Fahne, der Alte schlug die Trommel. Er sab nicht rechts. er sah nicht links; die Bomben flogen über seinen Kopf, sie platzten vor ihm. hinter ihm; er schritt vorwärts. gemessenen Ganges. und schlug den Generalmarsch. und er schlug. als wollte er eine gestorbene Welt aus dem Todesschlafe wecken, Und der Knabe mit der Fahne ging ruhig vor ihm. Wir blieben starr bei diesem Schauspiel nnd Thränen traten uns in die Augen, Lieber Freund, sagten wir ihm endlich, lassen Sie das, es ist alles aus. Nein, antwortete der Alte, sie müssen heraus, sie müssen noch einmal heraus. Die Sache darf nicht verloren sein! � So sprechend ging er immer weiter und schlug die Trommel. daß sie den Kanonendonner überhallte. Und der Knabe trug ruhig seine Fahne und sah nach allen Seiten, ob sie nicht kämen. Sie kamen �'�Bald danach schwieg die Kanonade und die Kaiserlichen erschienen auf dem Platz.„Eine Kompagnie mit gefälltem Bajonnet, aber änastlich nach den Fenstern links und rechts' blickend und fortwährend Gut Freund I Gut Freund! rufend. Die Offiziere schwenkten ihre Deoen grüßend zu den Fenstern hinauf. Das Volk, welches d:e Soldaren plötzlich umgab, verhielt sich still. Da geschah etwas ganz dadurch festen Boden, daß die Stadt bei den zahlreichen jetzt in Schöneberg neu entstehenden Straßen schon sogleich und in allen übrigen Straßen im Jahre 1964, bei Ablauf des Vertrages mit der englischen Gasgesellschaft, nattirlich durchweg auch elektrische Straßenbeleuchtung einführen will. Es sind daher, um für die weiteren Verhandlungen der Stadt eine gewisse feste Grundlage zu erhalten, m»mn«hr an die Schöneberger Hausbesitzer und Gewerbetreibenden bereits Fragebogen versandt tvorden, in denen um Auskunft über die gegenlvättigen Beleuchtung? koste»: sowie um Anmeldungen für die eventuelle Benutzung der elektrische»: Einrichttingen ersucht wird. Von den: Ergebntß dieser Umftage wird es dann hauvtsächlich abhängen,»velche Stellung der Magistrat zu dieser Sache dann weiterhin einnimmt. Der Laudrath Etubenrauch hat sich gegen die E i n g e m e: n- d u n g von Friedenau in Schöneberg erklärt. Er wohnte vor- gestern einer Sitzung des Geineinderaths von Friedenau bei, in welcher dieser Anttag zur Sprache kam und gab bekannt, daß er bis zum letzten Augenblick die Eingemeindung Friedenaus zu Schöueberg zu verhindern suchen werde, nnd daß die Gemeinde sich wohl täusche, wenn fie glaube, der Bezirksausschuß zu Potsdam »verde ihren Wünschen so leicht Folge geben. Trotz dieser Erklärung des Landraths beschloß die Gemeindevertretung, eine Kommission einzusetzen, die schleunigst mit der Stadt Schöneberg wegen des An- schluffes von Friedenau an diese verhandeln soll. Die H«rbft-K»ntrollversammlung für die in Charlotten- bürg, Eichkamp, Schildhorn, Rnhleben, Spandauer Berg, Wasser- »verke am Teufelssee, Forsthaus Karlsberg und Pichelsberg vor- handenei: Mannschaften der Berliner Bezirls-Kommandos findet am 21. bis 25. November auf dem Kasernenhof des Elisabeth-Garde- Grenadier-Regiments in Charlottenburg statt. Die Jahrgänge 1896 bis 1893 haben am Montag den 21, November, vormittags 16 Uhr, Jahrgang 1895 an demselben Tage um 2 Uhr, Jahrgang 1894 am 23, November un: 16 Uhr, Jahrgang 1893 am 23. November um 2 Uhr, Jahrgang 1892 am 25. November um 16 Uhr und Jahr- gang 1891 am 25. November um 2 Uhr Konttoll-Versammlung. Den Radberkchr bei der Kaiser Wilhclm-Gcdächtniflkirchc betrifft die unlängst angekündigte Polizeiverordiliing »velche die kgl. Polizeidircktion Charlottcnburg soeben erlassen hat. Dieselbe schreibt im ZI vor: Fuhrlvcrke, Radfahrer und Reiter haben auf der Süd- und Ostseite des Auguste Viktoriaplatzcs denjenigen Fahrdamn: innezuhalten, Ivelcher sich rechts vor den Jnsekperrons befindet, so daß diese stets links von ihnen bleiben. Auf den: hiernach zu beimtzeittwn Fahrdannn habe»: sich Fuhr- werke, Radfahrer und Reiter stets so weit rechts zu halten, als nicht örtliche Hinderniffe entgegenstehe»». Diejenigen F:chttverke, Rad fahrer nnd Reftcr,»velche vor eine»: Grundstück an der Südseite oder Ostseite des Auguste-Vittoriaplatzes hatten bleiben wollen, miffscn sich gleichfalls in der angeordneten Rtchtmn; bewegen und dürfen auch nur:»» dieser Fahrrichtung halte»: bleiben. lieber- tretungen»verde»: mit Geldstrafe bis zu 36 M. oder im Unvermögens- falle mit entsprechender Haftstrafe geahndet. Hoffentlich nehmen sich die Vorschriften in der Praxis»veinger komplizirt aus als auf dem Papier. - Hundert Mark Belohnung hat die Eisenbahnbetriebs- In- spektton 5 am Görlitzer Bahnhof fiir Erii:ttt«lung der Thäter aus- geschrieben,»velche mis der Eisenbahnstrecke zwischen Adlershof und Grüimu zivei Warnungstafeln ans der Erde gerissen, über die Schienen gelegt und mit Feldsteinen beschwert haben. Unborsirhtigcs Raugire» führte am Sonnabend Morgen gegen 8 Uhr zur Entgleisung zweier Güterwagen der Domäne Dahl- ivitz auf der Dresdener Bahn. Niemand wurde verletzt, auch das Material wurde nicht erheblich beschädigt. Das Aiffchlußgeleise von der Domäne nach dem Bahnhofe war gesperrt, der übrige Verkehr nicht gestört._ �he�ker. Wochen- Spielplan der hiesigen Bühnen. Opexnhaus. Sonntag, 30.:„Die Stumme von Porttci". Montag, 31.: Lohengrin". Lohengttn: Hr. Grüning a. Gast. Ansang 7 Uhr. Dienstag, 1.:„Die Entfühnlng ans dem Serail".„Pyaittasien im Bremer Raths keScr". Mittwoch, 2.: HI. Siiffonic-Adend der königlichen Kapelle. Anfang?>/, Uhr. Doimerstag, 3.:„Robert der Teufel". Anfang 7 Uhr. Freitag. 4.:„Die Stumme von Pmtici". Sonnabend, 5.:„Trisnm und Isolde". Tristan: Herr Grüning. Isolde: Frau Senger-Bcttaquc, köiiigl. bayerische Kammer- sängeriu, a. Gäste. Dirigent: Herr Richard Strauß. Anfang 7 Uhr. Sonntag, 6.:„Der Prophet", Ansang 7 Uhr. Montag, 7.: „Tannhäuser".— Schauspielhaus: Sonntag. 30.:„Hcrostrat". Montag, 31.:„Herostrat". Dienstag, I. Nov.:„Aus der Sonnenicite". Heinrich Wulkow: Herr Emtl Thomas a. G. Mittwoch, 2.:„Hcrostrat". Donnerstag, 3.:„Auf der Sonnenseite". Herr Einil Thomas a. G. Freitag, 4.:„Das Käthchcn von Heiwroun". Sonnabend, 5.:„Aus der Sonnen- seile". Herr Emil Thomas a. G. Soinitag, 8.:„Aus der Sonnenseite". Herr Emtl Thomas a. G. Montag, 7.:„Emilia Galotti".— Neues k ö n i g- liches Opern-Tyeater(Kroll): Sonntag, 30., nachmittags 4 Uhr: „Der Präsident".(Wolter: Herr Emil Thomas a. G.)„Die Tienswoten" tBustfimann: Herr Einil Thomas a. G.)„1733 Thaler 22'/3 Silbergroschen" (Kälbchcn: Herr Emil Thomas a. G.) Sonntag, 6. Nov., nachm. 4 Uhr überraschendes. Wie aus ein gegebenes Zeich«: öffneten sich hundert Fenster, die seit drei Wochen verschlossen und verhüllt gewesen,— 'ie füllten sich, hunderte voi: Taschentüchern»vehten den Soldaten entgegen und„Vivat der Kaiser!" erscholl es von alle»: Seiten. Das war ein Signal für das Volk; ein ungeheures Pfeifen erstickte die loyalen Rufe." Hier haben»vir die Wiener Oktoberrevolution wie fie leibt und lebt. Das aus den Fenstern des Bürgerthums schallende Vivat nnd der alarn:- lchlagcnde Proletarier, der ttotz allem die Sache der Freiheit nicht verloren geben»vill. Am 1. November blähte sich eine mächtige schwarz-gelbe Fahne auf dem St. Stephan.— In der Stadt aber wurde»mn die„Orgie_...... ,,.....-— der Rache" gefeiert. Das PHUisterthum schwelgte in Dcminziationeif. �tterschrreben hatten, sc: diesem Umstände gegenüber hinfällig. Wem es von den führenden oder der Reaktion aus anderen Gründcwl Botrckks des Zlrmcukauscs in Weiüeukee hatte der Ti verhaßten Personen nicht gelang, zu entfliehen,»vurde hingerichtet, Messenhauser stellte sich freiwillig und wurde am 16. November ins Jenseits befördert. Robert Blum war schon am 9. erschossen »vordem Aehnlich erging es noch viele« anderen. Unbeschränkte Willkür der Militärherrschast, Kricgsrecht, Belagerungs zustand, Verfolgungen, Verhaftungen, Ausweisungen, Hinrichtungei: ließen die Bc- iegten die ganze Schivere der Niederlage fühlen, Beso»:ders schiver jatte die Bevölkerung unter den Greueln und Gewaltthate»: der Kubischen und kroatischen Soldatenhorden zu leiden, denen niemand steuerte.— Die Thängkcit der Standgerichte setzte sich noch bis in den Mai 1849 fort. Im ganzen sollen von den Versthcidigern Wiens bis 6666 gefallen sei»:. Der Gesammtverlust der Truppen»vird auf 1266 angegeben. Im deutschen Volke hatten die Vorgänge in Wien und die drohende Katastrophe die größte Erregung hcrvorgernfen. Die Nattonalversammlung in Frankfurt verhielt sich schwächlich, wie immer. Sie faßte Resoluttonen, in denen das Reichsministerinm ausgefordert wird, Oesterreich gegenüber das Ansehen der Zcntralgewalt zur Gel- tung zu bringen nnd die im Frühjahr errungenen Rechte und Frei-- heilen der österreichischen Völler gegen alle Angriffe in Schutz zu nehmen. Tie österreichische Regierung war jedoch längst darüber hinaus, sich un: die Wünsche des Frankftirter Disftltirklnbs zu be- kümmern. Aber auch anderwärts war die Kraft der Revolution gebrochen, und die Reaktion hatte bereits gesiegt. Noch am 31. Oktober, als man in Norddeutschland die Niederlage der Wiener noch nicht kannte, war es in Berlin zu erregten Straßcnkundgebungen zu gunsten eines Einschreitens gegen die österreichische Reaktton gekommen. Aber auch in Preuße»: hatte die Reaktton inzwischen eine fröhliche Auferstehung gefeiert. Der Todesstag Robert Blum'K war auch der Gebuttstag des Ministeriums Brandenburg, welches die preußische Nattonalversammlung wenige Tage darauf auseinander sprengte.— Der Traum der deutschen Freiheit war seit den Wiener Ottobertggcn ausgeträumt._ „Der Rand der Sabinerinnen".(Emanual Striese: Hr. Emil Thomas a. G.)— Das Deutsche Theater hat für diese Woche folgenden Spielplan: Heute, Sonntag, Abend:„Cyrano von Bergarac"; morgen, Montag:„Der Biberpelz"; Dienstag:„Cyrano von Bergerac"; Mittivoch:„Hamlet" und Donnerstag:„Johannes", beides mit Joses Kainz in der Titelrolle; Freitag: „Cnrano von Bergerac"; am Sonnabend geht Gerhart Hauptmanns lienes Schauspiel:„Fuhnuann Henschel" in Szene und»vird am folgenden Sonntag Abend wiederholt. Als Nachinittags-Borstellung bringt der Sonntag Ibsens „Nora"; für den nächstfolgenden Sonntag Nachmittag ist„Die versuntene Glocke" angesetzt.— Im Lessing-Theater wird am heutigen Sonntag Abend. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und am nächsten Sonntag Abend die fimsaktige Tragödie„Der Eroberer" von Max Halbe aufgeführt. An: heutigen Sonntag Nachmittag, Montag>»nd Freitag geht das Lustspiel von Oslar Blunienthal und Gustav Kadelbnrg„Im weißen Rößl" in Szene. Am Mittivoch und am nächsten Sonn- tag Nachmittag wird Max Dreyer's Schwank„Großmama" ge- geben.— Im Berliner Theater wird Philippis„Erbe" dielen Sonn- tag, Dienstag, Donnerstag und Freitag(12. Aboimements-Borstellung) gegeben.„Zaza" erscheint Montag, Mittivoch, Sonnabend und nächsten«-onittag auf dem Spielplan. Diesen Sonntag Rachmittag„Othello"(Otto Sommcrstorsf, Tcresina Geßner, Ludwig Stahl). Nächsten Sonntag Nachmittag:„Ter Pfarrer von Kirchfeld".— Neues Theater. Montag Abend»vird mit Frau Nuscha Butze„Frauenkampf" gegeben. An allen anderen Abenden der iffichsten Woche nnden Wiederholungen von„Hofgunst" statt. Als Nach- mittags-Borstellung geht Sonntag„Francnkamps", vorher„Papa kommt", in S.-enc.— Jin Theater des Westens beherrscht de»: Spielplan der nächsten Woche hauptsächlich das Gastspiel des kgl.Kannnersäugers Enril Götze,»vclchcs»»»orgen eine Wiederholung von Flotmüs„Martha" und Tonnerstag, Freitag und nächsten Sonntag Aufführungen von Boildiens „Johann von Paris" und„Der Streik der Schmiede" bringt.„Engen Onegin"»vird am Mittwoch bereits zun: 18, Male gegeben. Dienstag »verde»„Die lustigen Weiber von Windfvt" zum ersten Male»med erholt, und als volksthiimliche Opern- Vorstellung gelangt ain Sonnabend zu halben Preisen„Die»veiße Dame" zur Aufführung. Als Nachmittag?- VorsteNuiigen bringt das Schiller- Theater morgen Grill- parzcr's„Die Ahnfrau" und iiächsteir Sonntag„Die Haubenlerche.— Ii» Schiller- Theater wird heute, Sonntag, Nachmittag„Wilhelm Teil" gegeben, in der heute, Sonntag, Abeird stattfindenden Vorstellung geht Wildenbruch's Schauspiel„Die Haubenlerche" in Szene. Montag wird „Hasemanws Töchter", Dienstag„Bartel Turafer" und Freitag„Mauer- btümche»" wiederholt.' Mittwoch ist die erste Aufführung der Komödie „Lunipenacsindcl" von E. v. Wolzogen, Donnerstag und Sonnabend finden wriiere Wiederholungen die-es Stückes statt. Für nächsten Sonntag Nachmittag ist„Romeo und Jutta", für nächsten Sonntag Abend„Der Wider- spcnstigen Zähmung" angesetzt.— Das Repertoir des Residenz- Theaters bringt in der lominenden Woche allabendlich Heimequin's Schwank „Der Herr Sekretär" und den Einakter„Mefn treuer Antonie". Als Nach- mittags-Borsteltung geht am 30. Oktober„Jugend", am 8. November neu einstudirt„Odette" in Szene.— Im Thalia--Theater findet heut« Abend die letzte Sonntags-Auffichrung der Gcstmgspofie„Unser lustiges Berlin" statt. Sie bleib: bis einschließlich Freitag auf dem Sptelplan. Sonnabend, ö. November, zum ersten Mal«:„Der Hypotheken- fchnster", Pofie mit Gesang n: 3 Akten von Leopold Ely, Mufik von Cornelius Schüler.- Ich: Konzerthause, Leipzigerstraß«, wird Offenbach's Operette„Jiffel Tulipatan" heute zum ersten Male gegeben.— Ii» Z e il t r a l- T.h e a t e r kommt Sonntag Nachmittag Offenbach mit der „Schönen Hcleim" zum Wort, die neu einstudirt mid nnt den ersten Kräften des Zentral-Thcatcrs besetzt ist. Abends geht die in das dritte Hundert ihrer Aufführungen steuernde„Geisha" in Szene. der Aintsvorsteher vo» Lichtenberg daS Glück fimiftirtc. Das Ober-Berwaltungsgericht hat soeben einen giechtsstreit erledigt, der in mehrfacher Beziehung, j'ehr interessant ist. In der an: 28. Januar 1896 abgehaltenen Sitzung der Gcineindevertreter unseres Vorortes Lichtenberg sollten von vier Gemeindeverordnetcn zwei ausgelooft werden. In betraäht kamen zwei Anhänger und zwei Gegner des damals noch:m Boll- besitz seiner Macht gewesenen Gememde- und AwtS- vorstehers Röder. Der durch seinen Kampf gegen Röder bekämit gewordeire Gemeindevertreter Koch protesttrte sofort dagegen, daß Herr Röder die Vcrloosung vornehme. Dieser ließ sich das Recht dazu nicht abstreiten und zog aus der Urne die Zettel mit dem Namen seiner Gegner Liescgang und Richter. Bei der Ergünzungsivahl zur Gemeinde- Vertretung»vurde Richter»viedergewählt, neben ihm siegte aber der Manrer»»eister Jde von der Röderpartei. Redakteur Koch focht dann die Gilttgkeit der Wahl im Klagewege an nnd machte geltend, die Ansloosung sei nicht ordnungsmäßig erfolgt. Der Krcisausschuß der- anslaltcte eine Beiveiserhebung. Die Aussagen mehrerer Zeugen gipfelten im folgenden: Der Gemeindevorsteher Röder habe in der Sitzung aufmerksam zugesehen, als der neben ihm sitzende Schöffe Cohnhausel die vier Zettel mit den Namen der betreffenden Gemcindeverttctcr ausfüllte und die Loose zusammenfaltete. Darauf habe Röder die Loose in die Urne gelegt und ztvei derselben wieder Hinausgen omme»:, ohne vorher die Urne zu schütteln. Auch habe er in die Urne geblickt, als er die Zettel hineinlegte. Der Zeuge Schöffe D r a w i e l hatte den bestimmtenEin druck, daß Röder' gewußt habe, welche Zettel er aus der Uu:e herausnahm.— Der Kreisaüsschuß erklärte die Wahl für ungiltig und der Bezirks- auSschnß wie das O b e r- V e r w a l tu n g s g e r i cht erkannten im gleichen Sinne. Präsident Persius als Borfitzendcr des Revisumsgerichtes führte begründend aus: Von der Gilttgkeit der Ansloosung hänge die Gitti gleit der folgenden Ergänzungswahl ab. Der Borderrichtcr nehme mm ganz zutreffend an, daß bei einer Ausloosung der Zufall und nicht mei»schlichc Willkür maßgebend sein solle. Zutreffend sei auch die Erwägung, daß im vor- liegenden Falle das Resultat der AuÄoosuug nicht vom Zufall abgehangen habe und daß deshalb die Ausloosung »vie auch' die durch sie vorbereitete Wahl ungiltig ei. Denn bei der durch die Beweiserhebuirg festgestellten Sachlage sei anzunehmen, daß der damalige Gemeindevorsteher Röder mindestens in der Lage gelvesen sei.»vis sei: zu können,»velche Zettel er ans der Urne heraus- nahm. Der Einwand des Herrn Jde, daß ja� die Schöffe»» und Gememdevertreter das über die Ausloosung atifgenonnnene Protokoll Betreffs deö SlrmcuhauscS in Weißenfee hatte der Tischler D c h i» e r t in einer Kommunalivühler-Versammlnng zu Wcißensee Angaben gemacht, die ihm, weil sie nicht erweislich wahr sein sollen, eine Anklage Ivcgen öffentlicher Beleidigung brachten. D ehne rt, der in seiner Eigenschaft als Mitglied der Arbeitcr-Sanitäts-Kom- Mission und im Auftrage eines sozialdemokrattschen Gemeinde- Vertreters sowohl das Armen- wie das Krankenhaus in Weißensce besucht hat, will in beiden Anstalten verschiedene Mißstände entdeckt haben, die er, solvcit sie das Armenhaus betreffen, in einer Kommunal- Wähler-Versammlimg am 26. Februar zur Sprache gebracht hat. Die das Krankenhaus betreffenden Aeußerimgen will der Angeklagte gar- nicht in der Versammlung, sondern bei seinem Besuch»m Krauken- Hause zu der Vorsteherin' des letzteren gemacht haben. Der Gcndarn: G r o ß. auf dessen- Bericht sich die Anklage stützt, blieb als Zcnge dabei, daß Dchncrt die betreffenden Behauptuiigen»venu nicht an: 21. Fcbniar. dann in einer anderen Versammlung gemacht habe. Hinsichtlich der in: Armcnhause herrschenden Zustä>:dc sagte eine Zeugii: auS: Sie habe ihren Vater, der ein Jahr und sechs Monate im Armcnhause weilte, öfter besucht und dabei gesehen, daß auf dem Fußboden sehr viel S ch mutz lag. Ihr Vater habe am Körper und in der Wäsche sehr viele Läuse gehabt, sie habe ihn öfter gereiingt. aber das Ungeziefer nicht beseitigen können. Die Insassen des Armenhauses scici: alte gebrechliche'Leute, die sich nicht selber reinigen kömren. es sei aber niemand da, der für Rcm:Iichlcit sorge. Waschgcfäße für die körperliche Reinigung würde»: im Anncnhanse »licht geliefert, die Bcivohner müßten sehe», wie sie sich bchclfin, und deshalb fehle es natürlich an der nothwendigen Reinlichkeit. Das Essen sei sehr schlecht, der Vater der Zeugin habe sich dcsivcgcn beim Amtsvorsteher bcschivcrt, aber ohne Erfolg, Tie Speisen würden fast ohne Zusatz von Fett angerichtet. Der Vorsitzende des Schöffengerichts bemerkte hierzu:„Für Leute, die nicht arbeiten, ist ja auch nicht viel Fett nöthi«,." Der gleichfalls als Zeuge vemommeire Arzt Dr. Eufrät bat cinnial einen Jiffassen des Armenhauses kurze Zeit behandelt. Vom Vorsitzenden über die Reinlichkeit im Annenhause befragt. sagte er:„Sehr sauber war es A e r a d e n i ch t." Aufgefordert, sich bestimmter auszudrucken, sagte der Zeuge: Der Fußboden des von ihm betretenen Zimmers sei augenscheinlich schon längere Zeit nicht gereinigt gewesen,� und der von ihm behandelte Patient hatte Läuse. Vorsitzender:„A?ar es denn ungewöhnlich schmutzig?" Zeuge:„Ich bin der Meinung, die Leute, welche im Armenhause zu Wcißcnsce untergebracht sind, waren es auch von früher her nicht viel besser gewöhnt." Was die von Dehnert über das Krankenhaus vorgebrachten Angaben be- trifft, so behauptete er, sie nicht in der Form vorgebracht zu haben, wie sie der Gendarm Grog bekundet. Was Dehnert aber nach dem Zeugnig des Gendarm Grog gesagt haben soll, wurde durch das Zeugnis; der Vorsteherin des Krankenhauses als uicht in allen Punkten den Thatsachen entsprechend festgestellt. Die Vorsteherin gab indetz zu, dah ein Patient längereZeit im Krankenhause war, der durch gewerbliche Beschäftigung Geld verdiente, jedoch seien es nicht, wie der An- geklagte sagte, S M. täglich gewesen. Der Staatsanwalt beantragte eine Gcfängnifzstrafe von 3 Monaten. Der Angeklagte habe in den 9t n st a I t en_h e ril m g e s ch n üff e lt, um dann seine Mitbürger in öffentlichen Versammlungen aufzuhetzen gegen wohlthätige Institutionen. Ein jeder wisse doch, daß Leute, die im Annenhause weilen, von Hause aus nichts besonders gutes gewöhnt siitd, uitd daß man für diese keine luxuriösen Einrichtungen verlangen könne. Der Angeklagte habe in seinen Angaben stark übertrieben, er wollte nur nörgeln und Unzufriedenheit erregen. Das Gericht machte sich die Ansicht des Staatsanwalts zu eigen und erkannte dem Antrage gemäß ivegcn öffentlicher Beleidigung auf drei Monate G e f ä n g n i ß. /Die Verhandlung in Sachen des falschen Einjährig-Frci- jinlligcn Histerman»»nd Genossen, die am Mittwoch abgebrochen Ivorden ivar, wurde gestern Vornnttag vor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des LandgcrichtSdircktors K a e l l c r wieder aufgenommen. Nach Eröffnung der Sitzung wurden die Sachverständigen veritommeii. Geh. Rath Prof. Dr. Mendel gab sein Gutachten dahin ab, daß der Angeklagte Köhler ein Epileptiker sei und aus der Gcsammtheit der Beweisaufnahme und der darin mitgetheiltcn Sonderbarkeiten in dem Benehmen des Köhler schon der Schluß gezogen werden könne, daß er sich zur Zeit der That im Zustande des epileptischen Irrsinns befunden habe. Ganz klar werde diese Diagnose durch die Thatsache bestätigt, daß nach den Bekundungen verschiedener Zeugen der Angeklagte ein an- derer geworden sei, nachdem ihm in Amerika ein Stück aus seinem Schädel herausgeschnitten worden war. Das zeige deutlich, daß dies Stück Schädel bis dahin auf das Gehirn gedrückt und die epileptischen Anfälle und sonstigen Krankheitserscheinungen verursacht habe. Das Gutachten des Sachverständigen kam zu dem Schluß, daß Köhler zur Zeit der That sich in einem Zustande der krankhasten Störung der Geisteskräfte befunden habe.— Auf Befragen des Staatsanwalts, ob diese krankhafte Stönmg auch die steie Willensbestimmung ausgeschlossen habe, erklärte Prof. Dr. Mendel: Darauf müsse er eine gutachtliche Antwort ab- lehnen. Aus der Entstehungsgeschichte und aus den Motiven des § 49 des alten Strafgesetzbuches, aus welchem der§ 51 des jetzt giltigen Strafgesetzbuches hervorgegangen, gehe deutlich hervor, daß das Gutachten der medtzinischen Sachverständigen sich nur auf die etwa vorhanden gewesene Geistesstörung eines Angeklagten zu beschränken habe, daß aber die Beurtheilung, ob durch diese krank- haste Störung die freie Willensbcstimmuug ausgeschlossen gewesen, dem Gerichtshof bezw. den Geschworenen vorbehalten bleiben solle. Er lehne daher eine Beantwortung der ihm gestellten Frage, die übrigens keinen ärztlichen Begriff betreffe, ab und stimme darin mit der obersten medizin- wissenschaftlichen Behörde überem, die in dem von ihr erforderten Gutachten ebenfalls eine Beantwortung einer solchen Frage ablehne. Zur Zeit liege eine krankhafte Störung der Geisteskräfte bei Köhler nicht mehr vor.— Auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Schöps wurde das aus dem Schädel des Köhler herausgeschnittene Knochenstück zur Ansicht bei den Geschworenen herumgereicht, cbenso'mußtc Köhler die an seinem Hinterkopfe äußerlich erkennbare Vertiefung zeigen.— Rechtsanwalt Dr. Schöps läßt sich ferner durch Geh. Rath Dr. Mendel be- stätigen, daß die Trepanation immerhin eine ernste Operation sei und es sehr wahrscheinlich sei, daß— wie der operirende Arzt in St. Louis bekundet hat, der Druck des SchädelstückcS auf die Gehirnhaut die Geistesgestörtheit des Angeklagten verursacht habe. Hierauf wurde Geh. Rath Dr. Sander, der dirigirendc Arzt der Irrenanstalt zu Herzberge, bezüglich des Angeklagten Histennann vernommen. Derselbe bekundete: Er habe schon in einem ausführlichen scbriftlichen Gutachten seiner Ueberzeugung dahin Ausdruck gegeben, daß Histennann sich zur Zeit der That im Zustande krankhafter Störung der Geisteskräfte befunden habe. Histermann sei von Jugend ans ein geistesschwacher Mensch gewesen, der sich schon zweimal in Irrend anstalten befunden habe. Schon auf der Schule Ivar cS den Lehrern schlvcr, ihm etwas beizubringen, es gelang ihnen dies nur, lvcnn sie sich mit ihm allein beschäftigten. Der Vater habe sich vergeblich bemüht, ihn womöglich in irgend eine praktische Thätigkcit hinüber- zuführen. Die Geistesstörung zeigte sich dann schon so stark, daß er in eine Irrenanstalt gebracht werden mußte. I HM' hat ihn der Vater mit gärtnerischen er ist dann aber eines Tages ohne von Hause weggelaufen, indem er in Magdeburg ivohnende Bekamite auch seiner Eltern aufnehmen würden. Er ist dann in ziemlich zerlumptem Zustande von Magdeburg nach Leipzig gegangen und halb verhungert von dort wieder hier angelangt. Er ist dann zum zweiten Male in eine Irrenanstalt ge- bracht ivorden und die Berichte über sein Verhalten daselbst lasten keinen Zweifel darüber, daß er ein geistesgestörter Mensch sei. Er hat ein ungemein gutes Gcdächtniß für lauter Einzelheiten, sobald ein llrtheil, eine Ucberlegung, ein Denken in betracht kommt, versagt es._ Seine Schädelbildung ist sehr ungünstig, seine Ausdrucksweise unbeholfen und kindlich, er zeigt eine pedantische Genauigkeit in der Angabe von Ort und Zeit, vergißt aber darüber das Wesentliche. Es fehlt ihm an selbständigem llrtheil und Ucberlegung. Eine seltsame Eigenschaft von ihm ivar sein vieles Lesen. Er hat in Wiener Cafs's manchmal bis 3 und 4 Uhr nachts gesessen und ununterbrochen Journale gelesen. Es könnte ja aitffallend erscheinen, daß ein solcher Mann das Gymnasium besucht habe und das Einjährigcn-Exarnen machen konnte. Aus den Bekundungen der Lehrer ergebe sich aber, daß er doch nur die Intelligenz eines Knaben besessen habe, der seine Auf- gaben gut auswendig gelernt hat, von der Methodik aber hatte er gar keine Ahnung. Geh. Medizinalrath Long erklärte: Er sei mit der Prüfung des Geisteszustandes der 9tngcklagtcn nie beschäftigt gewesen, sondern nur zu den HauptverhandlnngS-Terminen vorgeladen worden. Er sei nicht dazu da, die Gutachten der Kollegen zu kriti- sircn, sondern könne mir nach den Eindrücken urtheilen, die er aus der mündlichen Verhandlung gewonnen. Seine Wahrnehmimgen, die er hier gemacht, stimmen mit den Vorgutachten völlig überein, auch er halte bei beiden Angeklagten die freie Willens- äußerung für ausgeschlossen.— Sanitätsrath Dr. Mitten- Zweig, der in derselben Lage wie der Vorredner ivar, lehnte ein Gutachten über den Geisteszustand des Histermann ab, da er keine genügende Unterlage aus der Verhandlung erhalten habe. Bezüglich des Köhler sei es zlveifellos. daß derselbe Epileptiker sei. er habe aber keinen genügenden Anhalt dafür, daß er gerade 1893 besonders starke Änfälle gehabt habe. Be- denken gebe ihm auch die Thatsache, daß Köhler sein Militärjahr anstandslos durchgemacht und man dort nichts AustaNiges bemerkt habe— Geh. Rath Prof. Dr. Mendel: Die Thalsache, daß Köhler, sein Jahr abgedient, schließe dte Gcistes- Irankheit nicht aus. Da komme es doch� in erster Linie darauf an, Gehorsam zu leisten und Besthle auszuführen. Das sei trotz geistiger Störung möglich, denn man dürfe doch nicht vergessen. daß unter der militärischen Disziplin der Ausbruch der Großmannssucht zc. zurückgehalten werde, wie Als er zurückkehrte, Arbeiten beschäftigt, Geld zu besitzen, glaubte, daß ihn ohne Genehmigimg ja solche Kranke sich auch unter der Disziplin der Irrenanstalten ganz anders zeigen, wie außerhalb derselben.— Ein Geschworener regte wiederholt Zweifel darüber an, ob das vorgewiesene Knochen- stück wirklich ans dem Schädel Köhler's herausgeschnitten sei. Er er- klärte außerdem, daß er nicht darüber hinwegkomme, daß ein Mensch, der so sehr nicht Herr seines Willens sei, frei herumlaufen könne. Der Vorsitzende meinte, daß dies Sache der Polizei sei.— Die von dem Geschworenen angeregten Zweifel gaben den Rechtsanwälten Leonh. Friedmann, Dr. Schöps und Bodländer Ver- anlassung zu einer ganzen Reihe von Fragen an die Gutachter. Die Beweisausttahme schloß hiermit und es begannen die Plaidoyers. Die Schuldfragen gehen bei Histermann und Köhler auf intellektuelle und schwere Urkundenfälschung, bei den Eheleuten Leh- mann auf Beihilfe und Erpressung hinaus. Die Geschworenen verneinten alle Schuldfragen betreffs des Angeklagten Histermann; Köhler wurde nur der intellek- t nellen Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Der Schiedsspruch betreffs Lehmann lautete auf„schuldig", betreffs seiner Ehefrau auf„nichtschuldig". Der Staatsanivalt beantragte gegen Köhler sechs Monate Gefängniß, gegen Lehmann ein Jahr Gefängniß, gegen Histermann und Frau Lehmann Freisprechung. Der Gerichtshof erkannte gegen Köhler auf drei Monate, gegen Lehmann auf ein Jahr Gefängniß, wovon fünf Monate als verbüßt erachtet wurden. H i st e r m a n n und Frau Lehmann wurden freigesprochen. Vercinörechtliches. Im Jahre 1892 wurde in Brandenburg an der Havel ein Zweigverein des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands gegründet. Der damalige Vorsitzende der Zählstelle reichte der Polizei das Statut des Verbandes und das Mitglieder- verzeichniß der Zahlstelle ein. Am 14. Dezember 1897. also fünf Jahre später, forderte die Polizei den neugcwähltcn Vorsitzenden Kluge auf, das Verzeichniß der Mitglieder einzureichen. Kluge lehnte dies ab, worauf er wegen Vergehens gegen den§ 2 des Vcreinsgesctzes angeklagt wurde. Die Behörden erklärten die Zahlstelle fiir einen Verein, der auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke, ans den somit Z 2 Anwendung finde. Schöffengericht und Strafkammer sprachen den 9lngcklagten frei. Das Landgericht sah in der Zahl- stelle überhaupt keinen Verein, weil sie kein be- sonderes Statut und der Vorsitzende keine be- fonderen Rechte habe. Die Staatsanwaltschaft legte hier- gegen Revision ein, der Strafsenat des Kamniergcricht ver- warf aber in seiner letzten Sitzung das Rechtsmittel und führte aus: Der Staatsanwalt möge recht haben mit seiner Ausfühning, daß die Zahl st eile als be- sonderer Lokalverein anzusehen sei und daß auf sie§ 2 Anwendung finden könne. Aber selbst wenn dem fo sei, müßte Kluge Loch freigesprochen tverden. Der 8 2 des Vcreinsgesctzes verpflichte die Vorsteher der Vereine nur, Statuten und Mitglicdcrvcrzcichniß binnen drei Tagen nach der Stiftung der Behörde einzureichen. Eine Dauer dieser Ver- pflichtung bestehe nicht, so daß Kluge fünf Jahre später zu dieser Handlung nicht habe angehalten werden dürfen. VevsattttttTunsen. In Kroß-Lichterseldc hielt am Donnerstag in äußerst gut besuchter Volksversammlung August Bebel einen Vortrag über die politische Lage. Redner betonte im Eingange seines Referates, daß, wenn man von den Jahren 1870/71 absehe,' der Sommer dieses Jahres die wichtigsten politischen Ereignisse gebracht habe— Er- eignissc die für das Volk und speziell für die Arbcitcrklasfe von weittragendster Bedeutung seien. Redner geht des näheren auf die Ergebnisse der Rcichswgswahlcn ein, die eine Stärkung der Linken gebracht habe, ohne indeß auf die Zusammen- setzung von erheblichem Einfluß zu sein. Bezüglich der Sozialreform brauche sich die Arbeiterklasse keinen Illusionen hinzugeben. Die ZuchthauSvorlage behandelte Referent in eingehender Weise, beleuchtete die Wichtigkeit dcS Koalitionsrechtcs für die Arbeiter, die Wandlungen, die Anschamnigen des Kaisers in der Zeit von 1890 bis heute. Ein weiteres Erciguiß sei der amerikanisch- spanische Krieg gewesen, der durchaus kein untergeordnetes Interesse beanspruche. Redner geht auf die Bedeutung' des amerikanischen Sieges fiir die Enlwickelnng der Kttltttr und der künftigen Handels- beziehungen des näheren ein. In bezug auf das FriedcnSmmtifest des Zaren sei Redner der Meinung, daß durch die Fricdciiskonfcrcnz doch etwas herauskommen werde. Nach eingehender Berücksichtigung des Falles Dreyftis und der Korruption des ftanzösischen General- stabes und des Todes Bismarchs kam Redner auf den Mord der Kaiserin von Oesterreich zu sprechen. Die That könne nur ein ganz verthicrtcr Mensch begehen, sie habe keinen politischen Hinter- grund. Wohl aber versuche man es, diese That gegen die Anarchisten und vor allem gegen die Sozialdemokratie auszunutzen. Ferner sind da einige andere Dinge am politischen Horizont auf- getaucht, die geeignet find, unsere Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen. Da ist z. B. die Wallfahrt des Kaisers nach Jerusalem, die, wenn die Anzeichen nicht trügen, zu politische» Komplikationen führe» kann. Deren Kosten müssen>vir aber schließlich tragen. Weiter: die in letzter Zeit immer mehr zunehmende F l'e i sch t h e u e r u n g. Ein agrarisches Blatt schrieb da neulich: Den Arbeitern geht es jetzt so gut, daß sie alle anfangen, ungeheure Massen von Fleisch zu konsumiren die Nachfrage wird daher immer größer, infolge dessen steigt der Preis. sGroße Heiterkeit.) Wir wissen es ja längst: den Llrbeitern geht es zu gut, den Handwerkern geht es zu gut, den kleinen Beamten geht es zu gut, nur unsere Agrarier, das sind die einzig Nothlcidcndcn. sHeiterkcit.) Die Statistil zeigt, daß die gesammte Zunahme der Bevölkerung aus Industrie und Gewerbe kommt, daß die Landbevölkerung beständig abnimmt, und so soll also das ganze wirklich arbeitende Volk alle Lebensmittel zu erhöhtem Preise erhalten, mtr damit jene paar Herren sorglos leben können. Geht das so weiter mit der Sperre der Grenzen, so wird auch unsere Industrie schwer geschädigt, denn wir nifen natürlich dann Repressalien hervor. Und die Existenz Deutschlands basirt auf seiner Industrie. Mit all diesen Dingen werdet: wir uns im Reichstage bei der Berathung der Handelsverträge ausführlich zu be- schäftigen haben. Damit wir aber da ein entscheidendes Gewicht in die Waagschale zu grinsten der Arbeiterklasse werfen können, ist es nothwendig, daß wir eine Macht repräscntiren; daher ist vor allem nothwendig Organisation, Eintritt in die Gewerkschaften! Organisiren Sie sich, Helsen Sie sich selbst, sonst Ivird Ihnen niemals geholfen werden. Brausender Beifall folgte der packenden, in volksthümlichem Tone vorgetragenen Rede Bebeles. Da kein Gegner sich zum Worte meldete, wurde von einer Diskussion Abstand genommen. Pöschel liest einige Stellen aus der Broschüre des bekannten Korb m acher sFischer vor, in denen er auch von den Meineiden der Sozialdemokratie und von dem hohen Wochenvcrdienst der Korbmacher jl0ö M. 1) spricht. Dcö weiteren beantragt Pöschel, von der Tellcrsammlnng 12 M. einem kranken Genossen zu übcnveisen. dem Frau und Kind gestorben sind. Bebel kann sich über die Fischcrffche Broschüre nicht entrüsten; Fischer ist ein notorischer Lump, über seine Verleumdungen zuckt man die Achsel. Die Angabe von dem Wochenverdienst der Korbmacher erinnert an die bctannte Legende, daß die Maurer in der Gründerpcriode Sekt aus großen Weißbier- gläsern getrunken hätten. Wenn das wirklich geschehen ist, so meine ich, die Maurer haben den Sekt weit eher verdient, als die Herren, die ihn gewöhnlich trinken.(Großer Beifall.) Hierauf wird die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozial- dcmokratie geschlossen. Adlcrshof. Die hiesigen Parteigenossen nahmen in einer Ver- sammlung, die am 23. Oktober tagte, den Bericht des Vertrauens- manneS entgegen. Danach haben im verflossenen Jahre 11 Ver- sammlungen für Adlcrshof und 5 für die Umgegend stattgefunden. An Einnahmen sind zu verzeichnen: von der Zeitungsspcdition 927,45 M., Tellersammlnngen 116,30 M. und Diverse 193,25 M. Mit einem alten Bestand belauft sich die Gesammtcinnahme aus 1069,36 Mark und die Ausgabe auf 1071 Mark. Die Ausgaben vertheilen sich wie folgt: Für Llgitation 539,75 M., für Drucksachen 172,10 M. und für die Wahl 359,15 M. Die Wahlkosten für Adlershof und der 33 zum Agitationsbezirk gehörenden Ortschaften wurden von der hiesigen Parteigenossenschaft selbständig getragen. Es folgte dann der Bericht über die Zeitungsspedition und die Lokalkommission; der letztere Bericht konstatirt, daß trotze aller polizeilichen Mittel, die gegen die Lokalbcsitzer in Anwendung gebracht wurden, dennoch wiederum zwei Lokale fiir die Parteigenossen zur Verfügung stehen. Es wurden sodann gewählt: Wadepuhl zum Vertrauensmann,, Kasper und B e s s e r m ö n h zu Revisoren, W o r b s zum Zeitungsspediteur, in die Zeitungskommisfion Petzold, Feiertag und Tempel, in die Lokalkommission Schulzer, Kasper und Schneider. Die Parteigenossen in Glicnecke tverden selbst einen Vertrauensmann wählen. Wadepuhl verlas hierauf die Antwort auf eine vor eittem Jahr eingelegte Beschwerde über ungerechte Ausweisung der Frauen aus einer öffcnt- lichen Versammlung. Die Antwort auf die Beschwerde lautet, daß die Auflösung der Versammlung zu recht erfolgt sei. Drollig ist, daß die Versammlung überhaupt nicht aufgelöst wurde. Die Beschwerde richtete sich nur gegen das unberechtigte Verlangen des Beamten. Man sieht aber, wie Be- schlverdcn erledigt werden. Briefkasten der Redaktion. Tie jnriftische Sprechstunde wird Dieustags, D-unerstagS und Freitags abends von 7Vz bis 8Vs Uhr abgehalten. H., Eschwege. Die Mitthetlnug ist für unseren Leserkreis ohne Interesse. F. S. S4. Wie lange hat die Krankheit gedauert?— 999. Ja.— F. 91. 30. Darin liegt ei» Ausschluß der Kündigung. Sie würden mit einer Klage kaum Erfolg habe».— H. 9)1. S. 1. Nein. 2. Ja. Z. Steht Ihnen gesetzlich frei, sosern sie die Thatsachen beweisen können.— Schäfer» Wir beantworten Fragen nicht schriftlich. Die Marke steht Ihnen zur Ver- fügung. Sie können beide Wege einschlagen— 400. Nur die Krankenkassen- und JnvaliditätSbeiträge können abgezogen werden. Witternngsnbersicht vom 80. Oktober 1898, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 763 761 763 764 766 766 -- 2 s« SSO SO tili tili O Still Weiler SNebel Ählb.bcd -Nebel — chcdeckt LNebel -Nebel (öK «S Stationen Haparanda bjPetersburg 'Eork Abcrdeen Paris 757 753 753 766 WSW ONO WNW SSO Wetter bedeckt wolkig 3 bedeckt hlb.bed t» S 9- 11 stö Wetter-Prognose für Sonntag, den 30. Oktober 1898. Mild und zeitweise heiter, vielfach wolkig mit leichten Negenfällen schwachen südwestlichen Winden. Berliner Wettervurea». 10 3 10 und Zeiitrill-Kranktil n. Sterbe- küsse der Tischler k. Verwaltung Berlin II Anzeige. Am 27. d. M. verschied nach kurzem Leiden das Mitglied miserer Kasse Willi, �tese im Alter von 27. Jahre». Die Beerdigung findet am Sonntag, nachintttagö 2 Vi! Uhr, von der Leichen- halle des Emmanö-Kirchhofes aus statt. 184/20 Die OrtSverwaltiing. cairaE�aBsssmsmssaHBa MWWWMKN-MUWNSW» Deutseher Melallarheiter-Verbanil. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 27. Okiober, starb unser Mitglied, der Schlosser Msi'l Feine. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3V. d. Alts., nachm. 2 Uhr, vom Kranlenhalis Bethanien ans nach dem EinniauS-Kirchhof in Rixdorf statt. Um zahlreiche Betheitigung ersucht 114/7 Die OrtSberwaltnng. BBHMWBMtHBgliagaa Am 27. d. M. verstarb nach langell Leiden ineine liebe Frau, unsere gute Mutter Bertha Jllhardt. Die trauernden Hinterbliebenen. FuIIa« lllhurdt, 19536 Bandclstrahe 3. Die Beerdigung findet ain Montag, den 31. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtlschen Krankenhauses Moabit anS statt. Berichtigung. Die Beerdigung des Putzers Wilh. Meißner findet heute Nachmittag 3 Uhr in Klein-Machnow statt(nicht in Malchow). Danlsagimg. Für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdignng unscres lieben Vaters Carl Peterson, sowie unseres kleinen Sohnes Paul Peterson sagen wir allen Freunden und Bekaniiten, sowie dem Gesangverein V i n e t a unsehi herzlichen Dank. J. A. der Hinterbliebenen: lullu» petorion. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes spreche ich allen Freun- den und Bekannten, welche ihm die letzte Ehre erwiesen haben, meinen herzlichsten Dank anS. 1951b Mim feuert. Gesangvereine werden zu leiten ges. iklalml?»,«, Neanderstr. 22. 18886 Benutzen Sie bei Hautunreinigkeit Focnnni ernccum- Seife (System Kneipp). Ülottni, guter Stand sof. 20 M. Ritter- BtUM strahc l18, v. 2 Tr. r:[18566 Kinderbettstelle verk. 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Krctschmann, Manteuffelstr. 59. sl857b Junge Waise, elternlos, findet bei kinderlosen Leuten leichten Dtenst. 1940b Delschow. Melchiorstr. 24. Tapfer! Sandstetlirutscher bei Gastwirth Domschke, Zchoiicberg, 1961b Knlonncnstr. 53. OIIuleMn'aaren-I'abrlle.' Für den Artikel Gobirni griffe wird ein tüchtiger Mnstermacher für sofort gesucht. lS90b Off. mit. 7 Exped. b. Bl. Maschiuen-Näherin 19056 verlangt sofort Alfred.loacph, Kculiillandaiitcnstr.59, II, Schürzensabr. Schürzen-Arbeiterinnen für Kinder- u. schwarze Sachen ver- langt Firma Alfred«loaepli, Koinwandantcnstr. 59, II. 19066 2—3 Korbmacher aus Luxus verlangt Max Itchlcin, Berg- maniistr. 15. 19606 lichrmildchen für leichte Handarbeit gegen Ber- gütung verlangt 1959b � Haermann, Seydelftr. 29. Wäschcnäherin Verl. Fr. Schröder,! Llckcrstr. 35. 1957b Packer v. P. Klmle, Eisenbahnstr. 14.! IVIöbkI, baar u. Theilzahlmig, bllllgat Frankfurter Allee 110 I, Ecke Köiiigsbergcrstr. Tischlerei mit 4 Bänken, guter Kundschaft, billig zu verlaufen. 3. Oesterle, Schöneberg, Hohenfriedbergstr. 20, Graden r-Lehrling[18936 verlangt Kindel, Kochstr. 49. Ein tüchtiger Kanteiimacher wird verlangt Goldleistenfabrik 1889b) Alexandrinenstrasie LS. Kämmmacher, der schon auf Celluloid gearbeitet, »ofort gesucht.<-in»t»v Itiiger, Braunschweig. 13926.. Achtung! Mitw°ch,den2.N°v-mb-r. Achtung! Sozialdemokr. jfersammluny in Louis Keller's Festsaal, Koppenstraßr 39. Tages-Ordnung: Attentat und Sozialdemokratie. Referent: �ugu»K Achtung. Genossinntn und Genossen Berlins! Mittwoch» den 2. Siovembcr, abends 8 Uhr: Kolks- Kersamminng im Englischen Garten» Zllexanderstraße 27«. TageS- Ordnung: l. Bericht der Delegtrtinnen vom Stuttgarter Parteitage 2. Diskussion� 5. Bericht der BertrauenSperson und Neuwahl derselben. In Anbetracht der wichttgen Tagesordnung ersucht um zahlreichen Besuch 2/5_ Die B crtraii c»spcrson. Idl« V«rti>au«a»pSi'»«aen. Solialdenlokrattscher Wnhlverein fnr den 2. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Mittwoch, den S. November, abends SV« Nhr: Versammlung total von iLtilillto, Dcnnewihstrafte Nr. 13. im Lokal Tages-Ordnung 1. Streitfragen in der Partei. Sieserent: Genosse iilodars Fischer. Diskussion. 2. Berschiedenes. Gäste haben Zutritt. Zahlreicher Betheiltgung steht entgegen »M? Torstand. 238/20 iälSZii 2. Wahlkreis. Sonntag, den 30. Okt., abends 61/. Uhr, bei Zubcll, LIndenstr. 106: Geffenkl. VeotÄtninlung TageS- Ordnung: 21 t/4 Bortrag deS Herm vr. Katkon sky Uber:„Darwinismus und Sozialismus-. Nachher: Tann. Der Tortrancnsman». Achtum! vi. Wahlkreis. Achtung! Sonntag, den 30. Oktober, nachmittags V-0»hr: Große öffentliche Uerfammlnng für Fronen nnd Männer im„K ö s l i« e r Ho f", Köslinerftrasze 8. Tages-Ordnung: I. Bsrtrag des Genossen>d. Hoffmann über„Proletarier-Elend und die znküj/stigcil Zuchthäusler". 2. Diskussion. 220/ü i< i ch der Versammlung: Gemüthliches Beisammensein. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein»er Vertrauensmann. Üiillliptld»„Mehr Licht! Heute, Sonntag Abend 7 IJhv, bei Feuerstein, Alto Jakobstrasse 75:"VW Vortrag des Gell.?2Ul �ahn über: Der Welthandel im IN. Jahrhundert. Diskussion. Nachdem: Tanisverixnilxen. 121/3 Gäste nnd Mitglieder höflichst eingeladen._ Per Torstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Dienstag, den 1. November, abends 8 Uhr: Branche, wersammlttttg der Tischmacher tu, BereinShanse„Siid-Ost". Waldemarstrabe Nr. 7S. Tages-Ordnung: I. Dortrag deS Genossen Schlegel über:„Strett nnd Zuchthaus«. 2. Diskussion. 3. Die gegenwärtige Lage in der Branche. KoNegen! Da der 3. Pnnkt der Tages- Ordnung für uns von großer Wichtigkeit ist und ein jeder Kollege von den gegenwärttge» Znständen in der Branche unterriditct sei» muß. so ist es Pflicht eincS jeden TtschmacherS, in dieser Bersammlnng zn erscheinen. Parkettbodenleger-Versanttulttttg am Sonntag, de» 39. d. MtS.. vormittags 10 Uhr, bei ZinboII, Lindcnstraste 10«. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. DiSknsslon. 8. Wahl von zwei KommisstouSntttgltedern und BerfchiedeneS._ 108/16 Aclituug! Musikillstrumenteu-Arheiter. Montag, den 31. d. MtS., abend» 8'/, Uhr: sersktmmluog tler Musiklnslrurnenlen-irbeiter des Nordens bei Herrn Ncumunn, Brnnnenstrahe Nr. ISO. TageS-Ordnnng: «rbetterbestrehnngen und die Znchihaiisgesev-Borlag« der B-g«nwart. Zu dieser Versa», mlmig sind die Kollegen der Fabrikanten von Ndsener, Urtebel, V/öblvr, vonadonl k Pohl, Schiller, Becheteln, Knöchel, Schüppe k Co. und Köhler(Piano-Mechanikf.) eingeladen. Kollegen, erschciitt zahlreich, um Eurem Wille» für oder gegen daS ge- plante Gesetz Ansdm« zu Verleiher � �. lta/3_ Der Vertrauensmann Achtun al KST Achtung! MOllwstluuiklltkN-Arlikiter! A» Hlttwoch, den». November, abend« S1/, Cbr, bei fStechcrt, Andreasstra««e Äl:_ MF" Oeffcutliche Versammlung T a g es- O r d» u n g: 1. Der Maxtnialardeitstag und seine Wtrlung. 2. Wie kSnnen die MusMnstrnmciiten- Arbeiter ihre Interessen im Holzarbeiter- Verband»er- treten? 108/16 Der Vertratiensmann: OttoKllnser. Achtung! Kolleginnen u.Kollegen! Sonntag, de» 3». Oktober, nachmittags 5 Uhr.. MM- im„EnffUscken Garten", Zllexanderftraste 37e:"MM Grosse öffentliche Versammlnng aller i» der Kkrschnerbraußhe beschäft. Arbeiter und Arbeitcrulue». TagiS-Ordnnng: 1. Vortrag der Genossin Frau Greifenbcrg über:„Die Frau in der Familie und der Gesellschaft-. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.,_ 93/20 Nach der Versammlung: GcmsithlicheS Beisammensein mit Danz. Unserem Bcrbandskollcge» Paul Krehuike zu seinem Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch. 19116 Die Maurer Adlershofs. Unsere,» Freunde, dem Gaslwirth Herrn Karl Keben, zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreifach donnerndes Hoch. Die Freunde des Unverschiiitteiien! Storl laß gießen! Orts-Krankcnkusse der Vergolder und Borufsgenossen. Montag, den 7. November 1898. abcndö 8Vj Uhr, Jnselstr. 10, bei Herrn Pastor, General-Versammlung, wozu die Herren Vertreter der Arbeit- gebcr und Arbeitnehmer ergcbenst ein- geladen werden. 227/11 Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Neu- Wahl deS Vorstandes. 3. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der Jahrcsrechnungen. 4. Verschiedenes. Montag, den 14. November, in demselben Lokale, Wahl-Versammlung. Abends 81/, Uhr: Wahl von 182 Arbcttnehmern, wozu iämmlliche groß- jährige» Kaflenmitglicdcr euigeladcn werden. AbcndS 9 Uhr: Wahl von 91 Arbeit- geben,, wozu sämmtliche Herren Arbeitgeber eingeladen werden. Im Austrage: Paul Höpfner, Herm. Hildebrandt, Vorsitzender. Schriftführer. Franr»- Ii. Mädchen- BildungS- Verein von Rixdorf. ülltglicdcr- Vers am ml uns am Sonntag,«. Nov., abbs.s Uhr, i.Saalcd.Hni.Chrletopb,Stejimietzst.öb. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn H osfmann: „Ans waS wir stolz sind." 2. Gemüth- liches Beisammensein. 3/10 Billets a 10 Pf. sind bei den Bor- standSmitgliedern zu haben. Herren, die am Tanz theilneyme», zahlen 23 Pf. »ach. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Ter Borstand. Gäste willkommen._ In Krobsleidon und anderen innere», tusbesoiidere schwere» Kraitthciten— nach meine» neuen Bchaiidlungsmethoden— oftmals in kurzer Zeit sichtliche Erfolge. Robmuki, Berlin(W.) Kursllrsteustr. 119, (Sprstd. 3-5)._ Goldene Damennhr. Abzuholen 12—1 Uhr. GoNkowStyftrahe 35. 19b2b Iirotosekln«k1. Speisehans Rungesirastc Ii», Parterre. Kräftiger Mittagslisch m. Bier 0,30. Reichh. Abendkarte zu kleinen Preisen. KSoobiter Eeseiischaftshaus, Alt-Sloabit 80-81. Empfehle meinen neuen Saal, 1600 Pers. fass., zu Bcrsammlniigen u. Ball. Soiiutitgs: Großer Ball. Sonnabende noch zu habe». V. Peters. Restauration nebst VereinSzImmer kranlheitshalbcr zu vcrk. Ges. Offerten bitte X. 2. SS Postamt 34 niederzulegen. 18366 H. Krieger's Feslsäie, WaHMerthoFBii*. 08. ♦ Empf. meinen Saal Vereinen und Gewerlschaste» zu Versammlungen u. Festltchketten.— Jeden Sonntag, Dienstag u. Sonnabend öffentl. Tanz. Einige Sonnabende»ach zu vergebe» SS DreadcnemtraMe SS Tägl. v. morgens 8 bis abend» 11 Uhr Warrne Kilo he. Hiesiges helle» Lagerbier und Miinchener Bürgerbräu. Btttskbern-Tpejillllteslhiift C, M. Schmidt, eoseL» Berlin, ZlndrraSstr. 59, vorn 1 Tr. Größte Auswahl gerissener Gänse- federn und Daune» Pfd. 1, 2 bis 6 M. Fertige Betten 9, 16«. 18 M. Bettfedern Pfd. 36. 60 u. 70 Pf. Billig k Kuabenanzüg«! Billig! PaletotS, Mädchenkleider u. Mäntel. 0, Holtmann, Beteranenstr. 14.» Freie Volkslmlme. T. Abtheiluns: Heute, Nachmittag 23/« Uhr, im Friedrich- Wilhelmstädti sehen Theater: Des Meeres und der Liebe WeJIen. 1. AbtheiluMg: Sonntag, den 6. November, im Friedrich- Wllhelmstkdtlachen Theater: IdUiiipeuba�aseli. Schauspiel in 1 Akt von Faul Ernst und Liebelei. Schauspiel in 3 Akten von Arthur Sohnitsler. Die Vorstellungen folgen: 2. Abtheilung 13. November, 8. Abtheilung 27. November, 4.„ 4. Dezember, B.„ 11. Dezember. Am 20. Nov.(Todtensonntag) ist keine Vorstellung. nittwoch, den 10. Nov.(Bassttas). abend« 7 Uhr, nur für Bltellcdcr: GruK«er JProJektlontivortrug des Horm J>r. Wilhelm Meyer(früher an der Urania): „Um die Erde von Pol zu Pol" in Keller's U'estslHen mit 200 neuen Lichtbildern. Marken a 25 Pfennig sind vom 6. November ab in allen Zahlstellen zu haben. Eine Wiederholung denVortrags, zu der auch Gäste gegen Lösung einer besonderen Eintrittskarte Zutritt hoben, ist eventuell für den 23. November geplant. 230/18] Her Vorstand, I. A.: G. Winkler. Verband der Graveure und Ciselenre Deutschlands(Filiale Berlin). Dienstag, 1. November, im DrrSdrner Garten, Dresdenerftr.»5: Filial-VersammEung. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dnpont über:«Die Gewerkschaftspresse Deutschlands". 3. Diskusflo». 4. Verschiedenes. 87/16. Die Ortsverwaltnnjsf. Verein deutscher Schuhmacher. UersammSungen am Montag, de»»I. Oktober, abends Uhr. Zahlstelle I bei Felad, Weinstr. 11. Vortrag. Zahlstelle II bei l ange, Dragonerstr. 16. Zahlstelle III bei Cohn, Beuthstr. 20. Bortrag. Zahlstelle IV bei Boll, Adalbcrtstr. 21. Vortrag über:„Unsere Innungen". Zahlstelle Frledrlciu-berg bei Waklawlak, Frankfurter Allee 150. 272/13 Zahlstelle SchUnchcrg bei Obst, Grunewaldstr. 110, Zahlstelle Welisscnsce b. rfcifcnmüllcr, König-Chaussee 38. Zahlstelle Chitrl Ottenburg im Gambrlnus, Wallstr. 94. Um zahlreiche Betheiltgung bitten _ Die BeTollnilichtlgteii. Achtung, Geuösßiiueu und Gtuosseu von Friedrichöberg! Dienstag, den 1. November, abends 8V3 Nhr, bei Höflich (Schwarzer Sldler), Frankfurter Chaussee: Ooff'eILtl. VevsemmUima für Männer mid Frauen. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Udly Braun über: „Das Reckt am Bildung." 2. DtSknssion. 3. Gründung eines Frauen- Vereins cvcnt. Statutenberathung und Wahl deS Vorstandes. 2/6 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersucht un: regen Besuch, besonders der Frauen Die Einbernfert«. Fahrriider. Stets großes Lager erstklass. Fabel- täte aus«l»bL» TheiSzahluiig ohne Preiserhöhung zu den lonlautestcu Zahlnugsbcdiuguugcu. Honen- u. l>sm«n-Hädor v. 150 M. an. fttoineU& Landau, Kothringerstrahe 48 I, dickt am Noseuthaler Thor. Kinäervagen- Sarar IVIsx kpimep. Jerusalemerst.sL. Brnunenstr.«, Großartige Auswahl an jfmder-, Sport- Puppenwag., best. Fabrikat, billigst —- gratis und franko.— Theilzahlung gestattet.[r Strilkmaschiuen ans der Dresdener Strickmaschwen- Fabrik sind die beste» und ein leichter Erwerbszweig f. Männer, Frauen und Posam.-Geschäfte. Erlernen leicht und gratis. Arbeit w. uachgewtesen. Ber- kaus zu Fabrtkprciscu. Lager bei dem Vertreter A. Hombnrgcr, Zkloster- ftraste«3, Berit». Nachmtttags.» �Ai?f Schlag-Regulat., 14 T. geh, 18 M. U Sitb.Hencii-Nemont-Uhr 15 Uhrmacher Gharlotteustrasse Nr. 15. 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Schlasstelle Ntanteuffctstr. 21, vom 4 Tr. bei Plume. 1894b Verantwortlicher Rcdalteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke w Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hr. 255. 15. 2.|fili|f te Jurwärls" Krlim PIKsM Ssmitsg, ZV.OMtt 1898. Gtiitrülliersaiilniliiüg her Verciiiigiiiig dtiitslher Maler linii Lalkircr. Mainz, 27. Oktober 18S3. �ur Behandlung steht die Frage der Arbcitslosen-Unterstiitzung. K o l b- Karlsruhe, ivelcher dazu das Referat übernommen, vcr- stand es in packender Weise das Thema zu behandeln. Die Arbeits- losen-tlnterslützungsfrage habe, sobcmcrllRedncr, nicht blas dicGewerk- schalten, sondern auchWilanlhropc» beschäftigt. Letztere wünschten staat- lichc Versicherung im Interesse der Arbeitslosen selbst, erster« neben dem Humanitären Zweck auch als„Mittel zum Zweck". Nicht blos den Arbeitslosen, sondern auch den Arbeitenden sei daniit gedient, weil eine solche Unterstützung zugleich die Aktionsfähigkeit der Organi- sation stärke- und die Kämpfe um Erringung einer besseren Lebens- läge günstig beeinflusse. Die Meinungen über den Werth einer solchen Unterstützung seien allerdings noch sehr getheilt und man sei heute noch gern geneigt, eine Prinziplenfraqe aus dieser reinen Zwcckmnstigkeitsfrage zn machen. Gegen die Einführung dieses Untcrstützungszweiges seien die mannigfachsten Bedenken erhoben worden und diele befürchten davon Untergrabung des Klassen- charakters, Verschleierung der Endziele und Degradirung der Ge- tuerkschaften zu UnterstlltzungSkasse». Die entschiedenen Gegner dieser Frage mustten sich konscgucnter Weise gegen jcdwelche Unter- stütznn� in den Gewerkschaften wenden, also auch gegen die Reise« Unterstützung, die man doch als nothwendig erachtet habe. Man dürfe nicht verkennen, daß die Gewerkschaften mehr materielle als ideelle Aufgaben zu lösen hätten und dürfe nicht alles Heil vom rcüien Klassenkampf erwarten. Die Unterstützungsfrage sei keine Fratze des Prinzips, sondern der Taktik. Wäre sie eine solche des Prinzips, dann wäre es doch sehr bedenklich, datz alle Gewerkschaften irgend- welche Unterstützungseinrichtung hätten und welche Summen dafür ausgegeben würden, beweisen die Statistiken der Gcncralkommission deutscher Gewerkschaften.(Redner verliest die betreffenden Zusammen- stellungen der Jahre 1894— 1896.) Ob nun die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung für die Organisation der Maler, Lackirer. Anstreicher und verw. Bernfsgenossen geboten sei, könne angesichts des Mangels ausgiebiger statistischer Grundlage nicht ohne weiteres bejaht werden. Die 1397-98 auf- gcnominene Statistik erstrecke sich nur auf 444» Personen, sei also völlig belanglos und aus derselben keine Schlüsse zu ziehen. Besseres wäre allerdings nicht vorhanden. Von den 4449 Bernfsgenossen der Statistik waren etiim 76 pCt. arbeitslos und betrug die durchschnitt- liche Arbeitslosigkeit 43 Tage. Redner kommt an' der Hand einer sorgfältig ausgearbeiteten Äusstellung zu dem Ergebnis;, datz es nicht möglich sei. den Beitrag so hoch zu bemessen, dast eine Arbeitslosen- Versicherung eingeführt werden könnte. Es müsse somit etwas an- dercs geschaffen werden, um die Mitglieder mehr an die Organisation zu fesseln. Da käme zunächst ein Zuschust in Krankheitsfällen und Gewährung eines Sterbegeldes inbctracht. Er(Redner) verspreche sich von diesem llnicrstützungszuschust zur staatlichen Krankenversicherung einen günstigen Erfolg für die Organisalion. Man solle für die geschaffene Vereinigung einen festen Grundstein legen, auf welchem sich das Gebäude einer mächtigen Organisation erheben könne. Ein Blick auf die stetige Vervollkommnung der Unternehnler- Vereinigungen müßte die Arbeiter davon überzeugen, datz sie nicht zurückbleiben dürften in der EntWickelung, sondern vorwärtsschreiten müßten. (Lebhafter Beifall.) In der nun folgenden Diskussion, ivelche sich bis zum Abend ausdehnt, wird eingehend das Für und Wider erörtert. Schröder- Bremen ist gegen die Unterstützung. Durch die Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung würde die Organisation die Stärke einer Kanipfesorganisation verlieren. Der Staat habe für die Arbeitslosen zu sorgen. Man solle sich nicht mit diesem Nebelbild beschäftigen, sondern sich mehr wie bisher der politischen Bewegung anschließen, um auf diese Weise eine Besserung herbei- zuführen. Barth- Münster wendet sich ebenfalls gegen. Ebenso Fälsch- Lübeck, welcher meint, durch die Einführung der ArbcitSlosen-Untcr- stützung würden die großen Städte die dafür gesammelten Gelder aufbrauchen. B u ch e l t- Dortmund, Schubert- Hau- nover, Hufs- Stuttgart, Göhrin g- Cannstadt, B c r ch e t- Mainz sprechen sich für den Vorschlag des Referenten, Gründung einer Kranken-Zuschußkasse, aus. Link- Berlin stimmt den Aus- führungcn Kolb's, soweit sie sich auf die Arbeitslosen-Unterstützung beziehen, bei, jedoch bezüglich des Krankennnterstützungs-Zuschnsses kann er sich nicht einverstanden erklären. Mache man den Ansang mit der Arbeitslosen-Unterstützung. Nach längerer Debatte wird in namentlicher Abstimmung em Antrag auf sofortige Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung mit 21 gegen 19 Stimmen abgelehnt. K o l b- Karlsruhe bringt folgenden Antrag ein: In Krankheitsfällen wird den Mitgliedern ein Zuschuß gewährt, der wie folgt festgesetzt ist: Bei einer 1 jähr. Mitgliedsch. Pro Woche 3 M. auf die Daner v. 4 Wochen. ,, i, 2„„„# 4„„„„„ 6„ «« 4„„„» 5„„„„„ 8„ ,, ,, 6» h H n 6 n lt n"" IX" ii u& Ii« n 7 n Ii n n 42 h * Mainz, den 28. Oktober. Nach längerer Debatte wird der Antrag K o l b in namentlicher Abstimmung mit 33 gegen 8 Stimmen angenommen. Nunmehr wird zur Statutcnberathung geschritten und wird auf Antrag T o b l e r die Reise-Unterstützung und das Streikreglcmcnt zuerst berathen. Die Vorberathuug des Reise-Unterstützungs-Neglements wird einer Kommission übertragen. Das Strcikreglemcnt nimmt die Ver- fammlung mit wenigen Acnderungen in der vom Vorstande aus- gearbeiteten Fornr an. Ebenso gelangte das von der Kommsifion ausgearbeitete Reise-Uiiterstützungs-Neglcinent nach längerer Debatte unverändert zur Annahme. In der Nachmittags-Sitzung wird in die Statutenberathung em- getreten. Das Eintrittsgeld bleibt wie bisher 89 Pf., der Wochen- beitrug im Sommer 2ö Pf., im Winter 16 Pf. Damit hatte die Generalversammlung ihre Arbeiten erledigt und trat abends 7 Uhr Schluß der Verhandlung ein. In dem ersten Bericht ist ein Jrrthum zu berichten. Die An- gäbe, die Organisation hat 1599 Mitglieder, ist unrichtig! es mutz heißen: vom 1. April 1897 bis 1. Oktober 1893 ist der Mitglieder- bestand um 1599 gestiegen. Kro88k8 Winterfest am Sonnabend, den 5. November, arrangirt tum den Genosfinnm Berlins in der Brauerei Friedrichshain(früher Lipps). Fokal- 11. Iii«trumontal-Ko»xcrt. Tie Musik'wird ausgeführt vom Berliner Konzert-Orchester unter Leitung seines Dirigenten Herrn G. Grast. Analog. Gesangsvortriige d. Gesaugvereins„Widerhall�(m. d. A.-s.-B) Turnerische Jtnffichrnngeu(Marmorgrnppen) Griechische Jiinglinge beim Spiel, in 10 Bilder», ausgeführt von Mitgl. d. Turnvereins Fichte. Nachdem: ÄLL. Herren, die am Tanz theilnehme», zahle» SO Pfennige nach. 2/7 Hlllets ä SS Pf. sind in allen bekannten Lokalen und bei folgenden Personen zu haben: Frau B a n s ch k e, Rostockerür. 47, Stfl. 2 Tr.; Frau S e e g e r, Gcrichrstr. 46, v. i. K; Frau R o s e n t r c t c r, Kastanien-Allee 27. H. 3 Tr.: Frau AnnaMelch, Lhchencrstr. 3, v. 4 Tr.; Frau A.Schneider, Höchste- strahl 23, v. 1 Tr.; Frau Klatsch, Koppenstr. 81, Quergeb. 4 Tr.; Frl. O. B a a d c r, Strausbergerstr. 28, v. 4 Tr.; Frau Jung, Gräfestr. 6, H. 1 Tr.; Frau Lutz. Puttkamerstr. 7, v.>. K.; Frau Sprung, Mariannen- Ufer 7, H. 4 Tr. Programme an der Kasse gratis. ■imM iii ii■> um in 1 im i—i im in ii■ n in■■nmnniJWrtw«in Arbeiter-Sängerbund Berlins n. Umg. Tonntag, den 6. November, vormittags präz. 1« Uhr, im ZU'bvttfainlc dev Vroiuevei Fviedvirhshasin: �IISGvklRGS»!sit»IIUIA(. Tages-Ordnung: l. Aufnahme von Vereinen. 2. Arrangement zum Stiftungsfest, event. Ausloosung der mitwirkenden Vereine. 3. Verschiedenes. Um 11 Uhr im großen Saale: llebungsstunde. Folgende Lieder werden geübt: 1.„Trinklied", 2.„Weltcnfriede", 3.„Vorwärts", 4.„Der Menschheit Erwachen". Die Vertreter sowie sämmtliche Mitglieder der Vereine werden ersucht, pünttlich zu erscheinen. Vereins- bczw. Bundes-Mitgliedskarte legitiinirt. Der Vorstand. NB. Die restireudcn Vereine vom Sängerfest werden in der Ansschuh-Sitziing verlesen. Die Abrechnung kann seitens der Restanten vordem bei Rob. Meyer. Mariannenstr. 2, erfolgen.— Die Vereine werden ersucht, die Abstinunung betreffs der„Sänzerzeitnng", sofern dies noch nicht geschehen, vorzunehmen und das Formular beiul Vorsitzenden Ad. Neumann einzusenden.— Die Adresse des 4. Schriftführers ist: Otto Rasche, Mariannenstr. 23, Laden. 117/2) D. O. gf Günstige Gelegenheit zu billigen Einkäufen. Die Restbcstände aus meinem früheren Geschäftslokal Spandauerstrafte 30, verbunden mit meinem groften Waarcnlager, stelle ich ttiege« Raummangels z» fabelhaft billigen Preisen znm schleunigen Verkauf, und zwar: Veypiehe, Eortiören, Gardinen, Divan-, Tisch-, Reise- u. Steppdecken, Läuferstoffe, Möbelstoffe und Plüsche. Alles, wie bekannt, von vorzüglichster Otualität, und bietet speziell dieser Berkauf der geehrte» Damenwelt Gelegenheit zu ansserordenHcti vortheilhaften Einkäufen. J. 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U. a. wurde angeführt, ob es nicht angängig sei, wenn ein einheitlicher Tarif aufgestellt iviirde. Nach längerem Für und Wider wurde bc- schlössen, dnjj die Werkstatt-Kontrollkommission mit den Vertrauens- männcrn in nächster Zeit in Verbindung treten soll, um zu beratheu, wie die Lage der Kollegen zu verbessern ist. Der Fachvcrcin der Musikinstrumeilten- Arbeiter bcschäf- tigte sich in seiner Sitzung am 24. Oktober mit der Regelung einiger Vereinsangeleaenheite». Zunächst gab H e n s e I den Kassenbericht. Danach war eine Einnahme von 505,90 M. und eine Ausgabe von 482,45 M. zu verzeichnen; mir dem Bestand vom L.Quartal beträgt das Vereinsvermögen 1261,76 M. Es erstattete hierauf die Agi- tationskommission ihren Bericht. Die Kommission hatte 63 Werk- statt- und II Kommissionssitzungen abgehalten und war es ihr ge- lungen, 203 Mitglieder für den Verein zu gewinnen. Die neu- gewählte Kommission besteht aus: Klein lein, Mühlenbeck, Böttcher, Deiters, Richter, Haff n er, Schaulus, Rcichelt, Hcinze und G e r n d t. An stelle des Herrn Dr, Bernstein hielt hierauf G r e m p e einen Vortrag über neue Er- findungen zur Sicherheit des Bahnbetriebes. Tie Kistcnlliachcr hielten am 24. d. M. in den„Arminhallen" ihre Generalversammlung ab. Zunächst wurde die Abrechnung vom 8. Quartal verlesen. Dieselbe ergab eine Einnahme von 228,30 M., welcher eine Ausgabe von 282,98 M. gegenüberstand. General- bestand verblieb 433,55 M. Sodann wurde die Neuwahl der auS- gelosten Vorstandsmitglieder vorgenommen. Gewählt wurden: I u ck e l als 2. Vorsitzender; G a w e als 2. Kassircr; K u h n als 2. Schriftführer; und N o a ck als Revisor. Nachdem noch ver- icdenc Vcrcinsangclegcnhciten geregelt waren, erfolgte Schluß der crsammlung. Die Gold- und Silbcrarbcitcr hatten am 25. Oktober eine Versammlung auberaunit, in der der Vorsitzende Brückner den Geschäftsbericht gab. Redner berichtet, daß im Laufe des Jahres zwölf Sitzungen des Vorstandes und zehn zufrieden- stellend besuchte Versammlungen stattgefunden haben. Zur Unterstützung der im Streik befindlichen Gewerkschaften find auf Listen 644,70 M. gesammelt. Der Arbeitsnachweis florirte, wie Henning berichtete, sehr gut. Das Angebot von offenen resp. zu besetzenden Stellen überstieg bei iveitem das Angebot von Arbeits- kräftcn. In seinen weiteren Ausführungen bemerkt Redner, daß eins zu denken gebe, dies sei der Umstand, daß von den 149 Arbeitslosen, die sämmtlich untergebracht wurden, nur 45 organisirt waren. Nach Tschentscher's Kassenbericht vom dritten Quartal betrugen die Einnahmen 610,91 M., die Ausgaben 350 M, Die Jahres- Einnahme belief sich auf 2241,63 M., die Ausgabe auf 1980,77 M. Die Ab- rechnimg vom Vergnügungsfonds weist eine Einnahme von 557,30 M. und eine Ausgabe von 539,— M. auf— Die hierauf folgende Neuwahl des Vorstandes ergab nachfolgendes Resultat: Brückner, 1. Vorsitzender, Almendinger, 2. Vorsitzender; Tschentscher, 1. Kasstrer, Becker, 2. Kassircr; Schwarz- köpf, t. Schriftführer, F e i st e l, 2. Schriftführer; S ch o d e l, Beisitzer. Zu Revisoren werden die Kollegen M ü n n i g und Heynemann gewählt. Nachdem der Vorsitzende noch auf das am 29. Ottober stattfindende Stiftungsfest aufmerksam gemacht hatte, sowie einige Juterna erledigt waren, erfolgte Sckiluß II3/« Ufjr. Eine Musiker-Versammlung, welche nur schwach besucht war, fand am Mittwoch, den 26. Oktober 1898 bei Buske statt. Nachdem der Gewerkschaftsvertreter Hoch seinen Bericht gegeben, wurde der- selbe wiedergewählt. Hierauf erstattete die Agitationslommision Bericht, der folgendermaßen lautete: Bestand 2,15 M. Einahme vom 7. Septbr. 1397 bis 26. Oktbr. 1898 an Marken 39,50 M., baar durch Fr. V. Z. B. M. 20 M.. Summa 61,65 M.; Ausgabe 39,80 M.; bleibt Bestand 21,85 M. In die Agitationskonimission wurden wiedergewählt Gartmann und M. Behnfeld, neugewählt Pacholl. Die Vauhandwcrkcr-Krankcnkasse für Vcrlin nild Nm- gegcnd verzeichnet nach ihren« Bericht in der Geiicralversammlung «m dritten Quartal eine Einnahme von 15 554,04 M. und eine Ausgabe von 12 566,93 M. Der Reservefonds weist 40 000 M. auf. Die Mitgliedcrzahl beträgt 1842. Charlottcuburg. Am 26. Oktober tagte hier der sozialdcmo- kratische Verein. Dem Bericht des Vorstandes war zu entnehmen, daß im letzten Halbjahr 112 Mitglieder aufgenommen und 16 aus- getreten resp. ausgeschlossen sind. Der Verein hat demnach einen guten Fortschritt gemacht. Der Vorstand hat beschlossen, Haus- listen anzufertigen, nach welchen die Parteigenossen die Agitation in 5—6 Häusern, überwiesen bekommen. Hierauf gab der Kassircr den Kassenbericht, der in Einnahme 789,50 M. und in Ausgabe 579,25 M. aufweist. Die Abrechnung von der Konununalivahl ergab in Einnahme 329,30 M. und in Aus- gäbe 770,95 M. Das Defizit wird von der Vcreinskasse gedeckt. In den Vorstand ivurden sodann gewählt: Görike erster. Schnell zweiter Vorsitzender; Will Schriftführer; H e n s ch k e erster, Kresse zweiter Kassircr; Dickfach. Meißner und Pfeifer Revisoren. Die Lersaminluna beschloß, sich an der Kom- muimlwahl im sechsten Bezirke zu betheiligcn. Ferner soll den Mitgliedern das Protokoll des Parteitages unentgeltlich verabfolgt iverden. Zum Schluß wurde gebeten, die Mitglieder nrvchten'die Bons fleißiger absetzen. Diesciben sind zu entnehmen bei Sellin, Wilmersdorferstraße 115/116, und Karl Petrik, Goethcstr. 33. Maurer. In Charlottenburg fand am 25. Oktober eine Generalversammlung des Zcutralverbandes der Maurer Deutsch- lands sFiliale Charlottenburgj statt. Bruno Pörsch referirte über:„Die wirthschaftlichen Kämpfe der letzten Jahre." Reicher Beifall dankte dem Redner für seine vortrefflichen Ausführungen. Diskussion wurde nicht beliebt. Bei der Fortsetzung der Diskussion über die Frage: Wie stellen sich die Kollegen zur Erhöhung der Beiträge? enttvickelte sich eine recht lebhafte Debatte, in der ver- schiedene Redner anführten, daß es Ehrensache der Kollegen iväre, die kleineren Ortschaften durch Erhöhung der Bei- träge zu unterstützen,«veil dieselben bei den oftmals ver- hältnißmäßig geringen Löhnen keinen eigenen Streikfonds anlegen können. Schließlich wurde ein Anttag des Kollegen Raschle, auf den Verbandstag für Erhöhuirg, des Beitrags um 5 Pf. zu stimmen, angenommen. Ferner wurde beschlossen, die Wander- oder Reise- Unterstützung, wie bisher, durch den Herbergsvater Albert Leder, Bismarckstr. 74, auszuzahlen und zwar pro Tag 75 Pf., wobei ein Zuschuß von 15 Pf. von der Lokalkasse mit eingeschlossen ist. Der Agitationslommission sollen 30 M. überwiesen werden. Hierauf er- folgte Schluß der Versammlung. Die Spandauer Parteigenossen hatten sich am Donnerstag in einer leider nur mäßig besuchten Versammlung im Weheffchen Lokale zusammengefunden, um den Bericht des Genossen S t a a b- Potsdam von dem Stuttgarter Parteitag ei«tgegei«zunehmen. Dieser enttvickelte ein recht anschauliches Bild von dem Gang der VerHand- lungen und den Beschlüssen des deutschen Arbeiterparlaments und streifte dabei auch den Bcrnstcin'schen Ausspruch:.Das Endziel ist mir nichts, die Betvegung ist mir alles" und die recht zutreffende Erwiderung des Genossen Kautsky. Alsdann erstatteten Vertrauensleute Grieben und Pieper ihren Bericht. Danach bcliefen sich die Einnahmen inkl. eines alten Bestandes auf 944,65 M., wovon 326 M. auf Bons und 124,10 M. auf Listen gesammelt«vurden; die Ausgaben be- trugen inkl. 67,50 M. für Strafen und Gerichtskostcn 1011,99 M., so daß ein Defizit von 67,34 M. verblieb. Außerdem wurden zu den Kosten der Reichstagswahl in Spandau noch 1073,40 M. durch Sammlungen zc. aufgebracht. Es seien im verflossenen Jahre 11 Versammluiigei« abgehalten worden; die Mitgliederzahl des „Arbeitervereins" sei noch immer sehr gering. Die Partei- presse wurde am 30. September dieses Jahres in 307 Exem- plarcu gelesen, die Partei- Buchhandlung hatte sich im Vor- jähre durch die anderlveite Regelung der Zeituugsspedition etwas gehoben. Den Vertrauensleuten wurde Dccharge erthcilt und beide einstimmig wiedergewählt. Zu Revisoren der Vertrauensleute wurden Jcnnerich, Hornig und Lemm e gewählt. Schories, «vclchcr den Bericht der Lokalkommission erstattete, klagte über die mangelhafte Beobachtung der Lokalliste durch die Spandaucr Arbeiter- schaft. Alsdann wurden in die Lokalkommission Laukant, Scharf, Berg er. Kann und Werner und in die ZeitnngS- kommission Pieper, Ducksch, Laukant, Grieben und Kunkel dclcgirt. Britz. Am 20, d. M. fand hier eine Parteiversammlung statt, in welcher der Vertrauensmann seinen Bericht erstattete. Danach haben im verflossenen Jahre 11 Versammlungen stattgefunden, und wurden 14 000 Flugblätter vettheilt. Die Einnahmen betrugen 702,97 M., die Ausgaben 582,60 M. Der bisherige Vertrauensmann Ni ema«rn lvurde wiedergewählt. Beim Bericht der Lokalkommission bcdauctte man, daß das Verkehrslokal von Dorn nicht genügend berücksichtigt wird. Hierauf wählte die Versammlung Langer, Merten und Hutter zu Revisoren, Schliebitz, Dietze, K ö h l e r und Schönberg m die Lokalkommission, und Händel, Dorn und Schliebitz zu Delegirten für die Krci�konfercnz. Rciiiirkciidorf. Der Arbeiter- Bildungsverein„Zukunft" hielt am 22. d. M. in Böttcher's Sccpark seine Generalversammlung ab. Der Kassircr verlas den Kassenbericht, worauf ihm Dccharge crtheilt wurde. Unter Verschiedenem entwickelte sich eine lebhafte Debatte, die Vereii«sangelegei«heiten berührte. Samariter-Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen Montag, abends 9 Uhr, bei Neniiiann, Brunnenflr. läa Fortsetzung des Vorttages über„Anatomie, Physiologie"(Bau und Lebensthiitigkeit des menschlichen KörperS). Vortragender Herr Dr. Wcyl. Zentral-Äranten- und Begräbiiißkasse für F aue» und Mädchen in Deutschland(Eingcschr. Hilsskasse 26) Offcnbach o M. Verwaltungsstelle Berlin TV.&aitc, nachmittags Nlir, im Lokal dcS f errn Schcere, Blunien- 'rast 38 Mit«Ueder-Versammlung. A Bu- Yorktnl m Streng festen, sehr billigen, In Zahlen gezeichneten Preisen. ®lf 1 L— /AODERKE /lAAi S= A N FERTI CL1 NC? u. rabrikatjonvonHeweBsKnaben-BeMcidmig. dtk Lieferanten an Garderoben- Oeechölte, Vereine, Institute nnd ansländische Geselisohaften.' 24a Chausseestrasse 24a, ivltchen Invalidenstr. nnd Friedrich VUhelmetädt. Theater. II ßrückensfrasse 11, am Bahnhof Jannowltsbrücke, Ecke Rungestrasae, 16 Cr. Frankfurterstr. 16, zviiohen Bürger-Hospital u. Frachtatr. 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