Kr. 358. Abonnements-Kedingungen: «bonnsmenti- Preis pränumerando: «ZUrteljShrl. 3,30 Ml., monatt l.lOMI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagS- Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZPO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Pvst-ZettungS- Preisliste für ISSS unter Nr. 7676. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. 15» Jahrg. Erscheint täglich nutzer Zvontng«. Devliner Volksbl�kk. Dt« Inftrtwns-Geblllfv beträgt für die fechSgefpaltens Kolone!« zetls oder deren Raum SO Pfg.» für Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Tie Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geössnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1608. Telegramm»Adreste: „»olisldemostrnk Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 19, Beuth-Stratze 2. Donnerstag, den 5. November 1898. Expedition: SW. 19, Beuth-Straße 3. Im Stadium der Erhebungen. Die Stärke des agrarischen Einflusies auf die deutsche Reichsregierung wird durch den Widerstand erwiesen, den die Regierung dem allgemeinen Rufe nach Aufhebung der Grenz- sperren oder wenigstens doch nach Erleichterung der Einfuhr ausländischen Viehes entgegensetzt. Richt nur die Konsumenten, nicht etwa nur die Fleischer und die Viehhändler stürmen in Versammlungen, in der Presse und in Petitionen an die Re- gierung gegen die Hindernisse einer freien Vieheinfuhr an, sondern es haben sich in jüngster Zeit sogar die Kommunalvertretungen von Großstädten im Interesse ihrer Bürgerschaft und Handelskammern mit Hinblick auf die Fabrikbevölkerung ihres Bezirks entschlossen, gegen die Flcischnoth zusammen oder einzeln die nöthigen Schritte bei den Regierungen einzuleiten. Eindrucksvoll war namentlich die Konferenz der badischen Oberbürgermeister, die am 20. Ok- tober in Baden-Baden stattfand, und der auch Bürgermeister Back von Straßburg beiwohnte, die einstimmig eine Petition _ an die Regierung beschloß, hauptsächlich zu dem Zweck, die Schweineausfuhr aus Holland und Frankreich zu erleichtern. Die großen bayerischen Städtevertretungen sind getrennt vorgegangen und haben hauptsächlich die Nothwendigkeit der Einfuhr italienischen und österreichischen Schlachtviehes betont. Die einzelnen Konimunalverwaltungen haben dabei erst nach eingehenden Erhebungen und Untersuchungen ihre Beschlüsse gefaßt. In Nürnberg zum Beispiel war ein besonderer, aus Sachverständigen und Magistratsräthen zusammengesetzter Ausschuß ernannt worden, um die Ursachen der Fleischtheuerung festzustellen. Dieser Ausschuß, dessen Beschlüsse der Magistrat von Nürnberg akzeptirte, erblickte die Ursachen der Fleischtheuerung ausschließlich in der Grenzsperre für ausländisches Vieh. Der Ausschuß hob namentlich auch hervor, daß weder die Zwischenhändler noch die Schlächter irgendwie eine Schuld an den hohen Fleisch- preisen trügen. Die kleineren Kommunen Bayerns haben sich der Reihe nach der von der Stadt Fürth ausgegangenen Petition um Wiedereröffnung der Grenzen angeschlossen, so Hof, Bayreuth, Bamberg. Letztere Stadt hat zwar heute schon die Berechtigung, italienisches und österreichisches Schlachtvieh einzuführen, aber diese Vergünstigung nützt wegen der kurzen dreitägigen Schlachtfrist den Schlächtern Bamberg's wenig. In Städten von der Größe Bambergs, das etwa 40000 Einwohner zählt, ist der Fleischabsatz zu gering, um einen Waggon Vieh in drei Tagen absetzen zu können. Soll die Einsuhrerlaubniß überhaupt einen Werth haben, so muß zum mindesten eine längere Frist zur Schlachtung gewährt werden. Die Bewegung in den Städten Norddeutschlands, bor allem in Berlin, ist im„Vorwärts" von Tag zu Tag so eingehend geschildert worden, daß wir uns damit begnügen können, auf den Städtetag hinzuweisen, auf dem die Fleischtheuerung den Hauptgegenstand der Tagesordnung bilden wird. Im Königreich Sachsen und in der Rheinpfalz findet die Agitation unter lebhaftester Theilnahme der Konsumenten statt. In Plauen sind in den Restaurationen Petitionen an den Reichstag aufgelegt, die mit massenhaften Unterschriften bedeckt werden; in sämmtlichen Städten der Pfalz zirkuliren gleichfalls Petitionslisten, deren Unterzeichner ihre einzige Hoffnung auf das Eingreifen des Reichstags setzen. Bezeichnend ist, daß diese Listen auch sehr viele Namen von Landwirthen enthalten. So enthält z. B. die Liste in der Stadt Frankenthal unter den 230 Unterzeichnern 5 Fabrikbesitzer, 26 Kaufleute, 80 Handwerksmeister, Geschäftsinhaber und andere Gewerbetreibende, 5 Rentiers, 39 königliche und städtische Beamte, 38 Arbeiter, 5 Wittwen und nicht weniger als 32 Landwirthe. Eine zweite Liste weist nicht weniger als 26 Landwirthe auf. Man sieht, daß auch in landwirth- schaftlichen Kreisen selbst die theueren Fleischpreise für nichts weniger, denn für einen Vortheil gehalten werden. Stehen nun alle diese vorbenannten Körperschaften und Konsumentengruppen sammt und sonders ini Dienste der Fleischer und Viehgroßhändler, die angeblich die Fleischnoth künstlich hervorgerufen haben? Will man weiter etwa auch die Marineverwaltung zu einem geheimen Verbündeten der Anti-Agrarier machen, weil sie unter den obwaltenden Umständen schon heute gezwungen ist, den Fleischbedarf der Kriegsmarine zum überwiegenden Theil mit amerikanischen Fleischwaaren zu decken? Sind ferner dem preußischen Landwirthschafts- Minister die Motive gleichgiltig, die seinen Kollegen, den Kriegsminister, zur Zeit zur Erlaubniß nöthigen. daß auch die Landarmee zu einem Theil mit den sonst verfehmten amerikanischen Fleischwaaren versorgt wird? Liegt da immer noch nur eine künstliche Fleischpreissteigerung vor oder leben wir in einer Zeit der Fleischnoth? Die Regierung verharrt noch imnier auf ihrem Grund- satz, die Frage unberührt zu lassen, quieta non movere! Das heißt, es schweben zwar Verhandlungen, aber die Regierung hat sich selbst noch kein eigenes Urtheil über die gegen- wärtig das gcsammte Volk erregende Frage gebildet, sie beharrt vielmehr noch immer auf ihren agrarisch be- einflußten Ansichten. Dieser Standpunkt ging deutlich aus der Antwort hervor, die das Reichsamt des Innern dem deutschen Fleischerverbande auf seine an den Reichskanzler gesandte Petition erwiderte. Diesen Standpunkt nimmt die Regierung ein, trotzdem der preußische Landwirthschastsminister eine Erhebung über die Fleischpreise angeordnet hat. Aber freilich, diese angebliche Beruhigungsaktion scheint überhaupt nur den einen Zweck haben zu sollen, die agrarischen Argumente zur Aufrechterhaltung der Vichsperre zu mehren und zu stärken. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat nämlich sofort, als die Thatsache dieser Erhebung in der Oeffentlichkeit bekannt wurde und zuerst als ein Entgegen- kommen der Regierung begrüßt wurde, die agrarische Tendenz dieser Erhebungen betonen zu müssen geglaubt. Es dürfe aus dem Erlaß des landwirthschaftlichen Ministeriunis betreffend Erhebungen über Viehmangel und Fleischnoth keine Folgerung auf eine bestimmte Stellungnahme des Ministers zu dieser Angelegenheit gezogen werden. Vielmehr bleibe es dabei, daß der Landwirthschastsminister nach Prüfung der Veterinären Verhältnisse in den Nachbarstaaten eine Wieder- eröffnung der Grenzen für die Einfuhr ausländischen Viehes als nicht angängig erkannt habe. Die Verwaltungsbehörden, die mit den Erhebungen betraut werden, wissen also genau, wie sie zu arbeiten haben. Die Resultate werden daher so ausfallen, daß die Agrarier ihre Freude daran haben können. Jedenfalls ist aber heute eines gewiß: Für d i e R e- gierung existirt eine Fleischnoth nicht. Denn was sie nicht in ihren Akten hat, das giebt's überhaupt nicht. Wenn die Sache nicht gar so ernsthaft wäre, dann möchte man über die Haltung der Regierung mld die nunmehr an- geordneten Erhebungen in ein herzhaftes Lachen ausbrechen. Alle Welt lebt gegenwärtig unter dem Eindruck theurer Fleisch- preise: die Hausfrauen klagen tagtäglich darüber, am Biertisch bilden sie ein ständiges Thema, die Zeitungen— die sogenannte öffentliche Meinung— sind voll davon, Fabrikanten- und Arbeiterorganisationen, Handelskammern und die Verwaltungen aller großen Städte fühlen sich ge- drangen, Schritte zur Beseitigung der Fleischnoth zu unter- nehmen. All das ist in den Augen der Regierung und der Agrarier künstliche Mache. Alle diese Symptome und Folge- Erscheinungen der Fleischnoth haben nicht den mindesten Werth, so lange nicht die Erhebungen der Regierung angestellt sind und verarbeitet vorliegen. Aber nicht genug! Die Bearbeiter dieser Erhebungen sind agrarisch instruirt, sie werden am grünen Tische Resultate herausrechnen, die womöglich einen Fleischüberfluß konstatiren. Was dann? Dann wird die Regierung erst recht mit der Wirklichkeit in Konflikt kommen und unentwegt auf die Ergebnisse der am grünen Tisch entstandenen Erhebungen schwören. Bei dieser Sachlage erkennt das Volk den hohen Werth seiner Volksvertretung. Im Reichstage kommt allein wenigstens bis zu einem gewissen Grade seine Stimmung und Meinung zum Ausdruck. Auch in der Fleischfrage wird es erst des Eingreifens des Reichstages bedüfen, um der Re- gienmg einen wirksamen Anstoß zur Beseitigung der Fleisch- noth zu versetzen._ Poliim* Mvbevstchk. Berlin, den 2. November. Zur Anarchisten-Konferenz. Unser schweizerischer Partei- genösse O tt o L a n g, Bczirksrichter in Zürich, hat soeben unter dem Titel„Gegen die politische Polizei" eine Broschüre veröffentlicht, welche die Geschichte der schweizerischen Bundesanwaltschaft sowie der politischen Polizei und ihrer Thätigkeit ebenso eingehend wie interessant behandelt. Bekanntlich haben die Vorgänge vom Jahre 1888, die Ent- larvung der Polizeispitzel Haupt und Schröder, welche den Puttkamer, Bismarck und Konsorten ihre sauberen Pläne für Ver- schärfung des Sozialistengesetzes durch Expatriirung ver- darben, die Veranlassung zu schamlosen Hetzereien der offiziösen Sauhirten gegen die Schweiz und zu Reklamationen Bismarck's beim Bundesrath in Bern gegeben, welche sodann die Schaffung der eidgenössischen politischen Polizei zur Folge hatten. Die ein halbes Jahr später erfolgte Entlarvung des famosen Wohlgemuth war wieder die Veranlassung zur Schaffung der Bundesanwaltschaft. Die deutsche Regiening war mit diesen Maßnahmen der Schweiz sehr zufrieden. Bismarck drückte dem Bundesrath in einer Note seine Genugthuung darüber aus, daß die Schweiz sich bereit erklärte, in Zukunft selber die in der Schweiz wohnenden deutschen Sozialdemokraten zu überwachen. Lang zeigt dann, was aus der politischen Polizei und der Bundesanwaltschaft im Laufe ihres zehn- jährigen Bestandes geworden ist, was sie geleistet hat, was sie kostete(248 734 Frks.) und welche Wirkung sie hatte; mehrere amtliche Schriftstücke, die mitgetheilt werden, zeigen, daß die Wirksamkeit der politischen Polizei in der Schweiz un- gefähr ebenso genial, gewissenhaft und gründlich ist, wie die- jenige ihrer Kolleginnen in anderen Ländern. Am Schlüsse der Schrift wird die von den italienischen Regierungs-Anarchisten einberufene internationale An- archistenkonferenz besprochen. Sehr treffend wird die Bereitwilligkeit aller Regierungen, an dieser Konferenz theilzunehmen, in Vergleich gesetzt zum Verhalten derselben Regierungen gegenüber der Einladung des schweizerischen Bundesrathes zur Theilnahme an einer i n t e r- nationalen Arbeiterschutz-Konferenz. Die deutsche Regierung erklärte:„Sie erachte es nicht für thunlich, die gesetzliche Regelung dieser Materie zu vinkuliren (festzulegen)". Oesterreichs Vers lautete:„Ein Erfolg lasse sich angesichts der Eigenart der einzelnen Staaten uni so weniger erhoffen, als auf diesem Gebiete keine Regie- rung sich die Freiheit ihrer Aktion beschränken lassen könne." Denselben trockenen Bescheid gab England:„Die Arbeitsbedingungen in den einzelnen Ländern seien so ver- schieden, daß ein befriedigendes internationales Uebereinkommen in der Arbeiterschutz-Gesetzgebung nicht ausführbar erscheine." Dagegen fand die Losung:„Polizisten aller Länder, vereinigt Euch I" willigere Ohren. Lang kritisirt sodann die Betheili- gung der Schweiz an der internationalen Anarchisten-Vonferenz und meint, sie hätte die Betheiligung mit ähnlicher Begrün- dung ablehnen sollen, mit welcher die fremden Regierungen die Einladung zur Arbeiterschutz- Konferenz abgelehnt hatten. Wenn aber die Schweiz nach Rom einen Vertreter schickt und derselbe keine staubige Bureaukratenseele, sonder ein braver Schweizer ist, dem die Ehre der Demokratie am Herzen liegt und der die historische Mission der schweizerischen Republik darin erblickt, daß trotz der sich schärfenden Klassengegensätze und trotz der heftiger und heftiger entbrennenden wirthschaft- lichen Kämpfe unser demokratisches Ideal hoch gehalten werde, so wird er am Kongreß nur theilnehmen können, um sich etwa in folgendem Sinne auszusprechen: „Die sckvveizerische Ncgierimg ist nicht in der Lage, an Ihren Arbeiten sich zu bethciligen. Wir haben es leider selber erfahren müssen, daß' fremde Regierungen für thcures Geld verkommene gewissenlose Menschen als Lockspitzel anstellen, deren Aufgabe darin besteht, Arbeiter zu anarchistischen Verbrechen aufzureizen. Bei einem Polizeispitzel, dessen Thätigkeit in Preuße» mit einem monatlichen Gehalt von 250 M. belohnt wurde, fand man eine Kiste Dynamit. Die Gerichte des nämlichen Staates haben zahlreiche Arbeiter deshalb zu schweren Zuchthaus- strafen vcrurthcilt, weil sie die„Freiheit", das anarchistische Organ, verbreiteten. Aber den Druck eben dieser„Freiheit" haben preußische Spitzel besorgt, die Kosten des Druckes sind aus preußischen Fonds bezahlt worden und die blutrünstigsten Artikel der„Freiheit" stammten aus der Feder des preußischen Spitzels Wlchmann. Unter solchen Umständen ist die Schweiz nur dann in der Lage, Abmachungen zur Bekämpfung des Anarchismus zu treffen, wenn den Verhandlungen nicht das von der italienischen Regierung entworfene Diskussionsprogramm zu gründe gelegt wird, sondern die Bcrathung sich beschränkt auf folgende Vorschläge, die einzig und allem im Kampfe gegen den Anarchismus sich wirksam er- weisen: 1. In allen Ländern wird die politische Polizei abgeschafft. 2. Die Regierungen verpflichten sich, in Zukunft auf die Mitwirkung von Spitzeln zu verzichten und solche weder im eigenen Lande noch in den Nachbarländern zu verwenden. 3. Die Regierungen verpflichten sich ferner, alle Bestimmungen, welche das Ver einsrecht und die Pretzfreiheit einengen, aufzuheben, in ihren Verfassungen das Vereins- und Ver- sammluugsrecht zu garantiren. 4. Endlich verpflichten sich die Regierungen, für die Wahlen der Volksvertretungen kein anderes Wahlsystem zur Anwendung zu bringen, als dasjenige des allgemeinen geheimen und direkten Wahlrechts. Ist es den vertretenen Regierungen mit der Bekämpfung des Anarchismus ernst und verfolgen sie nicht die Nebenabsicht, unterm Schein der Bekämpfung des Anarchismus jede freiheitliche Regung der Arbeiterschaft zu unterdrücken, so können und dürfen sie keinen anderen Weg einschlagen, als den, welchen die schweizerische Re- gicrung ihnen hier zeigt. Es war ein Mitglied des jetzigen Bundesrathes iMüllcr), das im Jahre 1885 nach einer sehr gründ« lichen Anarchisten-Untcrsuchung zu der Erkenntnitz kam:„Das wirksamste Nüttel zur Bekämpfung des Anarchismus besteht in der möglichst weitherzigen Erfüllung der berechtigten Forderungen des Arbeiterstaudes."'Die schweizerische Regierung wird sich nie entschließen, einen anderen Standpunkt einzunehmen, als er in diesen Worten niedergelegt ist." Wahrscheinlich wird aber die Instruktion, mit welcher der Bundesrath seinen Delegirten ausstattet, anders lauten. Die Anarchistenkonferenz wird eine Polizeikonferenz sein und gegen den gewaltthätigen Anarchismus nicht das geringste ausrichten.— Zur Jnvaliditäts- und AlterSversichcrungS-Novelle. Daß die mit Altersrenten überlasteten Versicherungsanstalten mit der Zeit durch eine vcrhältnißmäßig leichtere Invaliden last entschädigt werden würden, war erst neulich wieder behauptet worden; wir hatten jedoch sofort unsere Zweifel daran geäußert, Bestätigt werden diese Zweifel durch eine soeben veröffentlichte Statistik, wonach mit den höheren Altersklassen die Jnvaliditäts- Wahrscheinlichkeit rasch steigt. Der Schluß ist daher auch ganz un- abweisbar, daß die Bezirke mit starker Abwanderung der jungen Leute und darum mit starkem Ucberwiegen der höheren Altersgruppen auch in den entstehenden Invalide»Zahlungen besonders stark, in Anspruch genommen sein werden— vorausgesetzt natürlich, daß, sie sich nicht durch rigorose Handhabung der Erwerbsimfähig'cits» Erklärung auf Kosten der Arbeiter schadlos halten. Die Statistik des Rcichsamtes des Innern soll die thaffä- lichen Erfahrungen zusammenfassen, die während des ganzen achtjc ,rigen Bestehens des Gesetzes zu machen waren. Danach ereigne�» sich jährlich im Durchschnitt auf tausend Versicherte: in den Altersjahren Jnvaliditätsfälle 20 bis unter 40 1,6 40„, 50 5,9 50.„60 16,8 60„"!„s8 70 48,0 Hiernach beläuft sich die Belastung durch Invalidenrenten bei 1000 Versicherten im Alter von 20 bis 40 Jahren unter sonst gleiche n Verhältnissen auf nur V90 der durch 1000 Versicherte im Alter vo:>, 60 bis unter 70 Jahren herbeigeführten Belastung, Soweit mag das RcichSamt des Innern in seiner Darlegung der heutigen Uii- billigkeitcn der Lasteuvcrtheiluug zwischen den durch Zuwanderung stark verjüngten und den durch Abwanderung„Veraltertcn" Landcs- theilen im Recht sein. Ganz unzulässig ist jedoch die Art, wie die offiziöse Presse sie östlichen Anstalten, über deren Verwaltung selbst Agrarier schon oft geklagt haben, mit allerlei Finten herauszulügen sucht. Der neueste Trick ist. daß die VevsichenmgSanstalten dcsOstcnS eine billigere Berwaltnug haben sollen wie viele gntsituirte industrielle An� stalten besonders wie mich Berlin nnd die Hansastädtc. Damit soll jeder Vorwurf der Lässigkeit gegen den Osten zurückgewiesen sein. Berechnet werden dabei die Verwaltungskosten— ans jede im Jahre Ibg» bewilligte Rente. Als ob es nicht ganz selbstverständlich Ware, daß die Anstalten mit vollem Lerwaltungs- Apparat aber zunächst wenigen Renten im Anfang pro Stcnte thener wirthschaften. und umgekehrt die Anstalten mit g.cich im Anfang zahlreichen Renten pro Rente weniger Cciwaltimgs. Ausgaben zeigen. Wie oft hat die Regierüng das früher, besonders bei der Bcrnfsgenosscnschafts- Organisation, sei der ausgeführt. Nnd jetzt, wo es die Versicherungsanstalten der Jndustriebezirke gegen ganz grundlose Kritiken zu schätzen gilt, sollte sie das alles vergeben haben? Was niau Agraricnl doch alles liebe thut!— zu Tie Pariser KricdcnSbcrhnndluilgcn. Die Forderung der Vereinigten Staaten, daß Spanien die Philippinen abtreten soll, erregt begreiflicherweise in Madrid lebhafte Entrüstung. Die halbaintliche Madrider„Korrespondencia" schreibt: „Man beliebt von nordanicrikanischcr Seite augenblicklich das- selbe Spiel wie vor Ausbruch des Krieges, indem an einem Tage Drohungen ansg, stoßen werden, worauf am nächsten Tage wieder friedliche Versicherungen folgen. Augenblicklich ist daran die gegen- wärtige Wahlbewegniig in den Vereinigten Staaten schuld', und andererseits dürfte man in Washington zur Zeit darüber noch nicht im Alarcn sein, wie weit die aligenblicklichen Fordcrnngcn gehen sollen. Deulgegenüber wird die Haltung Spaniens unbedingt die gleiche bleiben, iiidein es die beiden Forderungen: llcbcrnahiiie der kubanischen Schuld durch Nordamerika und Aufrechterhaltung der spanischen Oberherrschaft über die Philippinen, unentwegt f e sl h a l t e il wird. Die Vereinigten Staaten mögen allerdings in der Lage sein, diesen beiden gerechten Forderungen Spaniens Gewalt entgegenzusetzen, aber sie werden eine spanische Regierung niemals zwingen können, einen Friedens- vertrag zu unterzeichnen, welcher die o f f e n e V e r h ö h n n n g des vorläufigen FriedensprotokolleS enthäl t." In Washington laßt dagegen, wie es scheint, die spanische Erregung sehr kühl. Man hat die Macht und will von ihr den vollsten Gebrauch machen. Eine Meldung des„Reute r'schen Bureaus aus Washington besagt: Halbamtlich wird versichert, Amerika habe beschlossen, daß jeder Dollar wieder eingebracht toerden solle, der für den Krieg, einschließlich der gegenwärtigen und zukünftigen Pensionen, ans- gegeben ist. Zur cndgiltigcn Bilanzirnng der Kricgsansgabcn und des Wcrthcs der erworbenen Besitzungen glaube man, dürfe die an Spanien noch zu zahlende Entschädigungssumme 2ö bis 4t) Millionen Dollars nicht übersteigen. Ter Möglickkeit einer Wiederaufnahme der Feindseligkeiten werde hier mit Gleichmnth entgegengesehen, da man glaube, daß Spanien außer stände sei, irgend welchen Schaden zuzufügend— *•* Deutsches Reich. Eine Gesctzcövorlage, betreffend die Ersetz nng des Vor- e i d e s durch den Nach eid ini Zivil- und Strafverfahren(§ 326 der Zivilprozeß-Ordnung und§ 60 der Strafprozeß- Ordnung, soll, wie einige Blätter melden, in Vorbereitung sein. Derselbe soll in der bevorstehenden Tagung dem Reichstage zugehen.— Abgrenzung der Innungen innerhalb der Handwerks- kammer-Bezirke. Der H a n d e l s m i n i st c r hat soeben eine Verfügung erlassen, welche auf diesem bisher etwas wirren Felde Ordnung zu schaffen bestimmt ist. Bisher sind sehr häufig Innungen mit Bezirken genehmigt worden, die über die Grenzen des eigenen Regierungsbezirks, oft sogar über die Landesgrcnze hinausreichtcn. unv� infolgedessen in die Grenzen der Handwerkskammern nicht hinelichasscn. In Zllkunft sollen nun gleich die Unterbchörden dergleichen Anträge zurückweisen, da ans deren ministerielle Gc- nehmigung nicht zu rechnen sei. Auf Innungen, deren Bezirk noch von früher her hiervon abweicht, sei dahin einzulvirken, daß sie sich derHandwerkerkammer-Bezirkseintheilung allmälig anpassen.— Zur Fleischnoth. Die„ANg. Fleischer-Ztg." bringt den jüngst erfolgten Besuch des preußischen Landwirthschastsminislcrs auf dem Berliner Zentral-Vichhofc in Zusammenhang mit einer von ihr gc- brachten Nachricht, wonach die Einfuhr lebender ungarischer Schweine nach Deutschland demnächst gestattet werden würde. Soviel uns bewußt, hat der erwähnte Besuch des Landwirthschafts- niinisterS lediglich der Besichtigung der vortrefflichen Neuanlagen und Erweiterungen des Zentral- Viehhofes gegolten. Die Hamburger Fleischer- Innung legte eine Masscnpetitionanden Reichstag und den Bundesrath betreffend die Aufhebung oder Milderung der Viesperrcn auf. Die Petition findet zahlreiche Unterschriften aus allen Kreisen. Oberfchlesische Blätter schreiben: Der Verkauf von aus- ländischcm Speck und Fett hat in den letzten Jahren einen ganz immensen Umfang erreicht. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß in Myslowitz von Kauflenten monatlich allein mindestens 100 Zentner Fett und Speck verkauft werden, wie enornr muh erst der Verschleiß von amerikanischem Fett, Speck, Fleisch:c. im gesmnmten Industrie- bezirk sein? Eine Petiffon an den Reichstag um Aufhebung der Grenz- sp erren für Schlachtvieh zur Beseitigung der Flcischvcrthcuernng zirkulirt gegenwärtig auch m den L i c g n i tz e r Fabriken. Eiii gleiches Vorgehen wird, wie die„Brcsl. Morgen-Ztg. mitthcilt, auch aus anderen Städten Niederschlesiens gemeldet. Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes des preu- ßischen Städtetagess, Oberbürgermeister Becker in Köln, hat zu Sonntag, den b. November, eine Vorftandssitzuna im Rath- Haus Berlin anberaumt. In derselben soll über die Einberufung des Städtetages auf Antrag der Stadt Berlin berathen werden. Zur Tagesordnung liegt der Vorschlag vor: Was hat zu geschehen, um die infolge der Grenzsperre gegen die Vieh- einfuhr eingetretene Vertheuerung des Fleisches zu beseitigen? Das dänische Rindvieh nmß deS bekannten BundeSraths- beschlusses zufolge, wenn es nach 14tägiger Quarantäne auf die Tubcr- kulinimpsting reagirt, binnen 22 Tagen entweder nach Dänemark zurückgebracht oder vernichtet werden. Die Maßregel ist für die dänischen Händler um so lästiger, als in vielen Fällen Vieh, das in Dänemark auf die Tuberknlinimpftlng nicht reagirte, in der deutschen Quarantäne als tuberkulös befunden wurde. Das un- vermcidliche Risiko für den Händler hat denn auch, wie der„Hamb. Eorresp." neuerdings feststellte, die Rindvieheinfuhr nach Schleswig- Holstein erheblich vermindert. Die neue Verfügung der dänischen Regierung, wonach die Wiedereinfuhr des als tuberkulös be- fundenen Viehes nicht mehr gestattet sein soll, wurde, wenn sie s'ch auf die gesammte Einfuhr nach Schlcswig-Holstcin erstreckte, eine wei ire Verminderung der Einfuhr nach sich ziehen. Uebcr die Grenz- guai ntäne in Hvidding wird nicht dänisches Schlacht- sondern Zuck vieh ausgeführt, das die Züchter in SchleSwig-Holstcin nicht cntb jrcn können. Das Verbot der Wiedereinfuhr des deutscherseits als uberkulös befundenen Zuchtviehes scheint demnach eine Art Rc- Press lie gegen den BimdeSrathsbcschlnß vom 12. Februar ds. Js. zu se n. 'Vorbeugung gegen Masscnerkranknngcn in Kasernen. Bei verschiedenen Triippentheilen sind bekannllich in letzter Zeit zahlreiche Erkrankungsfälle, wie an Typhus, davon einige init tödt- si chem Ausgang, vorgekommen, die, lvie man annimmt, meistens auf den Genutz von Nahrungsmitteln fehlerhafter Beschaffenheit zurück- geführt werden müssen. Jetzt hat nun das K r i e g s m i n i st e r i u m eine schärfere Ueber wachung des Nnhrungsmittclverkehrs in den Kasernen angeordnet. Fortlaufend niüssen danach in den Kantinen und Menagen genaue Kontrollen und Untersuchungen der zum Gebrauch bestimmten Eßwaaren nnd Getränke veranstaltet tverden. Hierzu ist jedesmal ein Militärarzt in Assistenz eines Offi- ziers bestimmt, die ohne vorherige Anmeldung zur Vornahme der Untersuchungen erscheinen.— Tie Feuerbestattung soll nun auch im Großherzogthum Hessen zugelassen werden. Der zweiten Kammer ist ein entsprechender Gesetzentwurf übermittelt worden. Gegen die Gefahr, daß Spuren eines Verbrechens beseitigt werden, soll besondere Vorkehrung getroffen werden t die Amtsbehörde des Sterbc-Ortes soll in jedem Falle bescheinigen, daß der Verdacht eines Verbrechens aus- geschlossen ist.— Die Aufhebung der Kirchwcihfeste dürfte nicht so schnell erfolgen, wie es sich die Fabrikherren und Arbeitgeber von Rhein- land-Wcstfalcn ausgedacht haben. sZimächst ist es noch sehr fraglich, wie die Kirchcnbehördcn sich zu der Frage stellen werden. Sie sind nicht geneigt, mir nichts dir nichts an die Profitgier der Unternehmer Konzcssioiicn zumachen, denil die volkswirthschafilichen Gesichtspunkte, die von seilen der Untenichmcrvcrciliiguiigcn gegen die Kirmcßfciern ins Feld geführt werden, sind gar zu Icichr erkennbarer Mumpitz. Man kann es daher dem rheinischen Vereine reisender Schausteller nnd BcrnfSgenossen nicht verübeln, wenn er in einer Protestvcrsamm- lung. die gegen die von uns früher schon erwähnte Kmidgebiing der Haiidelskaiiimcrn und winhschaftlichen Vereine Rheinland- Westfalens einberufen wurde, offen den Fabrikanten die hcnchlcrische Maske vom Gesicht riß nnd das Vorgehen der Industriellen wesentlich als einen Ausfluß des Egoisnms bezeichnete, da die Fabrikherren nnd Arbeitgeber den Profit einzelner Arbeitstage durch die Bcthciligimg der Arbeiter an der Kirineß einbüßten. Wir stehen dem„sahrcndcn Volk" durchaus linpartciisch gegenüber lind erwnrinen unS für deren Privatinteressen so wenig, wie für das Geschäft der Fabrikanten. Aber das eine müssen wir zugestehen: so gni die Fabrikanten volkswirthschaftliche Gesichtspunkte gegen die Kmueßfeiem ins Feld führen, cbcnso gut können die reisenden Schau- stellcr ans ciitgegengcsctztcn Gründen allgemein wirthschaftlichc Er- wögnngen für die Bcibchaltnng der vielen' Fcstfcicrn beibringen. Und die Schanstellcr haben auch darum ganz richtig daraus hingewiesen, daß ein Ausfall der Kiimeßfeiem scbon allein den EiscnbabnfiSkils ganz erbcblich schädigen würde. 228 Schausteller allein haben in einem Jahre nmd eine Million Mark an die Eisenbahn- kasscn abgeführt, und es wird ange>ion»ncn, daß nach bc- scheidenen Ansätzen die Eisenbahn jährlich von den Schau- stellcr» über vier Millionen Mark erhält. Einzelne dieser ilntcrnehmer besuchen jährlich etwa 32 Plätze und bezahlen nicht weniger als 42 000 M. Fracht nnd Pcrsoncnfahrgcld. Dann weisen diese llntcrnehincr ivcitcr darauf hin, daß sie den einzelnen Gemeinden für Pacht nnd Platzgebührcn erhebliche Summe» jährlich bezahlen. Desgleichen find ein nicht ganz mi- wesentlicher Prodnzentcn kreis und dadurch viele Arbeiter jahrmis, jahrein für diese Uuterliehinniigen beschäftigt, so z. B. mechanische Webereien besonders in Plauen, Orgelsabriken, Karonsiclfabrikcn, Wagenbauer, Modelleure, Lampcnfabriken:c. Sind das nicht auch volkswirthschaftliche Gesichtspunkte? Welch' bessere Argumente können denn die Unternehmer-Verciniglingen Rheinland- Westfalens gegen die Feste beibringen? Doch wir wollen die Sache nickii ins Lächerliche ziehen. ES ist überhaupt ärmlich, hier von volkswirthschaftlichen Gesichtspunkten zu sprechen. Hier handelt es sich einfach»ms Geschäft. Auf der eineu Seite nms Geschäft der Uiiternchmcr, die ohne Feste, und der Untcruehmer, die durch Feste mehr verdienen, und von diesem Gesichts- punkte aus ist allein der angenblicklichc Streit zwischen den beiden Untcrnehiiiergrnppcn für uns interessant. Da»lachen wir denn die merkwürdige Erfahnmg, daß die hochnäsigen Fabrikanten Rheinland- Westfalens sich gar nicht mit den inteniationalen Schau- ftellem auf eine Linie stellen wollen. Sie wollen clwas Besseres sein und vertreten wie ihre Kollegen vom fabrendcn Handwerk. Und beide schwärmen doch glcichcrweije nur fürs Geschäft. Die„Berliner Neuesten Nachrichten" sind über die Kundgebung der fahrenden Schauspieler so entrüstet, daß sie sich vom Nhein sogar einen Extra-Leitartikel schreiben lassen, in dessen Schluß es heißt:„Der Protest nnd die Entrüstung der zum TKeil internationalen Schal. steller und Genossen Ivird auf die Bc- Hörden wohl weniger Eindruck»lachen, als die ans erlisten volkswnih- lichcn nnd arbcilcrfrcundlichcn Erwägungen hervorgegangene gc- nieiiisainc Knndgcbnng der Jndnftricllcn, die denn doch den wichtigeren Bcstaudtheil des Staates bilden, als die henimziebenden Kirineßlentc." O ja, wer wollte den Fabrikanten RhcinIand-WestfalcnS bestreiten, daß sie ciiicn sehr wichtigen, ja gewichtigen Bestandtheil des preußischen Staates bilden. Diese' Wichtigkeit und Gewichtigkeit der rheinlsch-westfälischen Unter« nehmcrkreise rührt doch daher, daß sie es jederzeit verstanden haben nnd noch vcrsteben, sich dnrcb Aus- powming und Aiisbcntung der Arbeitskräfte der rheinisch- westfälischen Bevölkcrnng in den Besitz nnernießlichen Reich- thumS zu fetzen. Daher die souveräne Geivichiigkeit. Solchem Ge- Wichte gegenüber sind und bleibeu die Tingeliangelbesitzer freilich arnie Waijciliinder nnd Schlucker. Und dieser Gesichtspunkt spricht zn grinsten eines Eintretens für letztere, also in diesem Falle für Beibehaltung der Kirmcßfeiern.— Tic Lnudtagöwahl tu Altona. Das„Hamb. Echo" schreibt: Das Ergcbilitz der Wahlmänner-Wahlen im achten Landtags-Wahl- kreise ist kein solches, daß man das Endcrgebniß mit Sicherheit voraussagen kann. Große Mühe gicbt sich der Morgarincfabrikant Mohr, das Mandat zu erlangen. Zu seiner Empfehlung führte Mohr an, daß er für die Erhaltung des Drciklasscn-Wahlrcchts eintrercn will. Diese„Empfehlniig" hat aber die nothivcndige Folge, daß jeder rechtlich denkende Mensch nnd jeder für freiheitliche Entwicklung eintretende Politiker die Wahl Möhrs bekämpfen muß. Die soziaidemotratischeil Wahlmänncr habe» sich nun geeinigt, folgendes Verfahren bei der Abgcordnctenwahl. welche am Donners- tag, 3. November, voimitiags 10 Uhr, im großen Saale des Bürger- vercins, Königstraße 124, slalifiiidet, beobachrcn zu wollen.— Um zunächst die Zahl der sozialissischcn Wahluräniier unzweifelhaft feststellen zu lassen, werden dieselben im ersten Wahlgange für Molkcnbuhr stimmen. Es werden danach Mohr, Molkcnbuhr Bolchens nnd Fjschbeck zur engeren Wahl kommen. In jedem folgenden Wahlgange werden uinere Genossen für Dr. Fischbeck(frf, Vp.) stimmen. Dieser, welcher ohne die sozialistischen Stimmen»ach dem zweiten Wahlgange ansfallcu würde, kommt dadurch in die zweite Stelle nnd schließlich niit Mohr zur entscheidenden engeren Wahl. So werden unsere Genossen beweisen, daß sie bestrebt sind, jedes weitere Vordringen der Reaktion ernsthaft zu verhindern. A»S Qstprcusten wird uns geschrieben: Ein wirksames Mittel, sich Arbeitskräfte zu erhalten, hat der RittergntSbesitzer Rittmeister v. Ebenau auf Ebenau im Kreise Morungen entdeckt. Vor dem Amtsgericht in S a a l f e l d wurden am 29. Oktober gegen diesen Edlen sechszehn Zivilprozesse russischer Arbeiter verhandelt wegen nicht gezahlter Arbeitslöhne. Die Leute waren angenommen, um Kartoffeln ansziinehmen. Als sie die Arbeit beendigt hatten, wurde ihnen der eiiibehalteiie Lohn— die Leute erhalten jede Woche nur so viel Geld, als sie nothdürftig brauchen, damit sie nicht vor Beendigung der Arbeit davongehen— nicht ausgezahlt. Der Gutsbesitzer verlangte einfach. sie sollten auch noch Rüben ausnehmen. Die Leute waren dazu einmal kontraktlich nicht verpflichtet, dann war ihnen die Ausführung der verlangten Arbeit unmöglich, weil ihre Pässe ab- gelaufen waren, sie sich also auf die Heimreise machen mußten. Vollständig mittellos verließen die Russen das Gut. Trotzdem ihre Klage auf Auszahlung des LohneS erst am 29. zur Verhandlung kam, fanden sich ein Theil der armen Leute, zum theil durch Hunger erschöpft, so daß sie sich nur mühsam fortzuschleppen verlnockitcn, schon am 26. vor dem Gerichtsgcbäude in S a a l f e l d ein. Mitleidige Leute gaben ihnen zu essen und Geld, damit sie Brot laufen konnten. Zwei der Arbeiter besaßen noch sieben Rubel, die sie aus Rußland schon mitgebracht hatten. Nachdem ein Kaufmann diefelben gewechselt, konnten sie Lebensmittel einkaufen. Um die fremden Lohnsllaven durch Hunger gefügig zu machen, hatte der Herr Ritt- meister und Rittergutsbesitzer den Bäckernicistern in Saalfcld die Aufforderung zugchen lassen, den Arbeitern kein Brot auf die den- selben früher eingehändigten Lohnmarken zu verabfolgen, da er die Marken nicht mcbr einlösen werde. Der beklagte Gutsbesitzer wurde in allen 16 Fällen zur Zahlung des einbehalteiien Lohnes und in die Kosten verurthcilt. � Zu einer Zeit, wo Zuchthansstrafe denen angekündigt wird, dre zum Streik anreizen oder andere an freiivilliger Arbeit hindern, ist dieser Fall, in dem Arbeiter gezwnngen werden jollten, eine Arbeit auszuführen, besonders interessant... � �..... Wenn sich unsere ostpreußischen Agrarier nicht bald andern, werden nicht nur die letzten heimischen Arbeiter dauongehen, sondern auch die russischen Arbeiter vorziehen, daheim zu bleiben. Mußten doch kürzlich selbst die„Hamb. Nachr." den Landwirthen anrathen. daß. wenn sie Arbeiter in größerem Maße wiedergewinnen wollten, sich entschließen müßten, bezüglich der Lebenshaltung ihrer Arbeiter Opfer zu bringen.— Die Ausweisungen dänischer Unterthanen ans Schleswig dauern fort. Dieser Tag' wurden wieder e l f Personen m,t der Ausweisungsordre bedachi nnd zwar wurde ihnen aufgegeben, das preußische Staatsgebiet innerhalb 24 Stunden zu verlast m. Dies- mal sind nnr ländliche D i c n st b o t e n davon betroffen, Per- soiien, die politisch gar keinen Einfluß haben. Von anderer Seite wird lins ferner berichtet, daß auch der Hausdiener der Druckerei., Dannewirk" � ausgewiesen wurde. Jansen, so heißt der betreffende, ist in Nord- Schleswig seit dreißig Jahren ansässig und ist_ verheirathet. „Ebenso wenig, wie die Schriftsetzer unserer Druckerei, jo schreibt „Daniiewirk", die neulich ansgeiviesen wurden, hat Jansen jrch je politisch bethätigt. Sein ganzes Verbrechen bestand darin, dajz er Däne ist.". � Außerdem wurden am Dienstag 12 dainjche Knechte und Dienst- inädchen, in und bei Beftoft in Diensten stehend, mit 24stündiger Frist des Landes verwiesen. Weitere 17 Personen aus der Gegend hatten sich Mittwoch bei dem Amtsvorsteher von iLtojentiN in Toftluno einzufinden, wo wahrscheinlich auch ihnen die AnsweisiingSordre zu- gestellt worden ist. Wie der„Voss. Ztg." geschrieben wird handelt es sich bei den Ausweisuiigen, wie es scheint, in keinem Falle um eine Schuld der Auögetviescnen, sondern es sollten ganz andere Lcnte. Preußen, die nach Gesetz und Recht direkt nicht zu fassen sind, getroffen werden. In der vergangenen Woche sind im ganzen 22 Ausweisungen erfolgt. Diese Politik ist in der That recht wenig geeignet, dem Deutsch- thnm Sympathien zu erwerben. Aber vielleicht beabsichtigt man einen solchen Effekt auch ganncht, sonst hätte man wohl nicht den cheinaligen Polizeiimnistcr nach jener Provinz geschickt. AuS Kiel wird uns voni 1. November geschrieben: Ans der kaiserlichen Werst ist heute ein Arbeiter wegen„sozialdemokratischer Agitation" entlassen worden. Ter betreffende Arbeiter ist öffentlich nie hervorgetreten, war nur Mitglied des sozialdemokratischen Vereins in Kiel. Wenn die kaiserliche Werst alle sozialdemokratisch gesinnten Arbeiter cntlasseu wollte, dann würden der Vcrwaltiliig wohl bald nicht mehr viel übrig bleiben. Durch derartige Maßnahmen wird inan die Arbeiter nnr'mit Groll erfüllen und sie zur Heuchelei treiben. — Ferner ist dieser Tage in der Werft eine Verordnung angejchlagen, die ebenfalls geeignet ist. die Arbeiter zu verletzen. Diese Vcrord- nniig handelt' von den Maßnahmen bei Diebstählen. Es heißt da, daß der Beamte dafür zu sorgen habe, daß der Dieb bis zum Eintreffen des Schutzmannes„von den übrigen Arbeitern" getrenut gehalten und überwacht wird.. � Muß denn der Dieb unbedingt ein Arbeiter sein? Kann er sich nicht auch iinter den Beamten befinden? Hat die Wcrftdirektion denn schon vergessen, daß vor etwa einem Jahrzehnt ein Oberingenieur, der bcschnldigt war, eine ganze Schiffsladung voll Parkholz habe verschwinden lassen, sich im' Gefängniß erhängte, um der Verhandlung zu entgehen?— Uebcr die tumnktnarische» Auftritte im Bremer Vororte Blnincilthal, von denen wir gestern kurz meldeten, bringen bürgerliche Blätter folgende Einzelheiten:„Im Hotel„Union" kam am Sonntag Abend die Tanzgesellschaft. die sich größtentheils aus polnischen Arbeitern zusainmensetzte, der Aufforderung, zur Feier- abciidjliliide(11 Uhrj das Lokal zu verlassen, nicht nach. Dadurch entstand ein Tlimult, welcher derartig ausartete, daß kein Mensch seines Lebens sicher war. Vor dem Lokale hatte sich eine nach mehreren bnndcrt Köpfen zählende Menschenmenge angesammelt. Das Hans wurde durch Steimvürfe demolirt, und Rufe:„Schlagt die Deutschen todt!" erschollen durch die Lust. Ein in polnischer Sprache zur Ruhe Mahnender wurde mit einem Stein ins Gesicht geschlagen, zu Boden geworfen und durch Messerstiche getödtet. Ein anderer Arbeiter erhielt Stiche in den Kopf und den Rücken, die Verletzungen waren so schwer, daß er nach seiner Ueberftihrung nach dem Harlinannsstist in Vegesack ebenfalls verschied. Vier Hrncht- rädclsftihrer wurden vorige Nacht verhaftet und dem Lesumer Ge- fängniß zugeführt. In der Wohnung eines Verhasteten wurde ein mit' Blut beflecktes Messer gcftlndcii. welches hinter der Bettstelle verborgen war. Bis Dienstag Mittag waren acht Verhaftungen vor- genommcit, denen noch mehrere folgen werden."— TrcSdeu, 2. November.(Eig. Ber.) Die ärztlichen Bezirks- vereine in Sachsen, in welchen die„Standeschre" und die„Standes- intcrcsicn" der Aerzte gewahrt werden sollen, steuern inimcr mehr daraus los, die persönliche Belvcgungs« und Prakttzirffreiheit der Aerzte in unglaublicher Weise zu beeinfluffen, die Strafen, welche wegen„Vergehen gegen die ärztliche Standesordnung" verhängt werden, sind außerordentlich hoch. Und was man nicht alles als ein solches Vergehen ansieht! So wurde jetzt vom Bezirksverein DreSden-Land ein Arzt ans Radebeul zu 300 M. Geld- strafe verurlhcilt, weil er Vorträge in Naturheil- vereinen gehalten hatte. Ein anderer bekam vom Bezirks- verein Dresden-Stadt 200 M. und ein dritter in Zittau gar 200 M. Strafe zudiktirt. Es ist selbstverständlich, daß unter solchen Per- hältnissen die Aerzie von der ganzen Staiidesordnung nichts wissen wollen.— I n Löbtau, einem Orte von ca. 30 000 Einwohnern, bei Dresden, ist setzt eine zweiprozentige Umsatz st euer eingeführt worden. Steuerbar sind Umsätze von 100 000 M. an aufwärts pro Jahr. Tie Stener richtet sich in erster Linie gegen den fast aus- schließlich von der armen Arbeiterbevölkerung frequentirten Konsuin- vcrcin. Diese Doppelbesteuerung der Armen haben auch hier die Antisemiten im Gemeinderath ans dem Gewissen.— (?hronik der MajcstätSbclcidigniigS- Prozesse. Wegen Majestätsbcleidigung hatte sich der Molkereibesitzer Wilhelm Kulicke zu Alt- Glietzen vor der Strafkammer Eberswalde zu verantworten. K. befand sich am 13. November 1897 nach stattgehabter Kontrollversaniinliing in kmneradschastlicher Gesellschaft, in welcher über Krieg und KriegSgeichrei diskutirt wurde und man auch ans den dentsch- französtsckic» Krieg zu sprechen kam, welchen K. mit- gemacht hatte. Bei dieser Gelegenheit soll die MajestätSbeleidigimg begangen worden sein. K. stellle zwar in Abrede, die inkriminirte Acnßcning gcthan zu haben, doch hielt ber Gerichtshof ihn für übe» führt und berurtheilte ihn zu zwei Monaten Gefängniß.— Einer Majcstälövcleidigung, sowie eines Verstoßes gegen§§ 110 und 112 des Strafgesetzbuches soll sich Genoffe Alberl Schmidt in Magdeburg ichnldig gcmachl haben in einem Referat, Ivelches er in Thale am Harz nbcr die vom Kaiser in seiner Oeynhauscr Rede angekündigte GesetzcSvorlage hielt. Er hatte am Dienstag früh eine Vernehmung vor der AmtSanwaltschast zu bestehen.— In Breslau wurde die 19jährige Biichhalterin Diga ans Ruß- land zu 2 Monaten Festtmg wegen' MajestätSbeleidigimg vernrlheilt. Die beleidigende Beußerung geschah vor dem Sck'anfcnster einer Kniifthandlring, in welchem sich ein Kaiserbild befand. Kolonialdircktor Dr. v. Bnchka soll bereits, wie ein hiesiges Blatt nieldet, amtsmüde sein, noch bevor er in seiner arnltichen Stellung vor dem Reichstag erschienen ist. Ter ans Ostafrika ein- getroffene Gouverneur Liebert wird als künftiger Kolonialdircftor genannt.— Urber die tvciste Bevölkerung im Schutzgebiet von Deutsch- Ostasrika nach dem Stande vom 1. Januar 1898 wird im „Deutschen Koloniakdlatt" eine genaue Statistik mitgetheilt. Daraus ergiebt sich, daß in dem ganzen großen Gebiet, das fast doppelt so pvofe ist wie das Deutsche Reich, überhaupt nur SSV Weihe vor-' banden sind. Unter diesen sind nur 665 Deutsche und von diesen 665 Deutschen sind mehr als die Hälfte— 338— Angehörige des Gouvernements, der Schutztnippe und der Post, neben 5 deutschen Angestellten der Usambarabahn, 83 deutschen Missionaren, 53 deutschen Frauen, 22 Pflegeschwestern, 3 Missionarinnen, 38 Kindern. Auher- dem giebt es in ganz Dcntsch-Oslafrika an Deutschen im ganzen nur 39 Kaufleute, 48 Pflanzer, 4 Bergleute, 5 Gastwirthe 11 Handwerker, 2 Arbeiter. 2 Bauunternehmer, 2 Berufsjäger: also nur 113 Deutsche, die nicht der Besatzung, der Verwaltung oder den Missionsanstalteu angehören. Da aber von den 39 deutschen Kauf- leuten und 5 deutschen Gastwirthen sicher die Mehrzahl ihre Kund- schaft auch nur in der Schutztruppe hat, so bleiben im ganzen nur etwa 79'elbständige Deutsche in dem ganzen Schutzgebiet übrig, die nicht aus den Talchen der deutschen Steuerzahler oder aus kirchlichen Mitteln direkt oder indirekt erhalten werden müssen!— Ter GcsnudhcitSzustaud in Kiantschou mutz weit ungünstiger sein, als die offiziellen Berichte von dort vcrmuthcn lassen. Aus Erfurt tclegraphirt heute unser Korrespondent: Der Sohn des hiesigen GastwirthS Hosfiuann, der tm vorigen Jahre zur Marine ausgehoben wurde, ist in Tzingtau am Malariafieber gestorben, wie eine amtliche Depesche an die Eltern meldet. Ein Gerücht meldet, datz auch ein zivciter Erfurter, der Sohn der Wittwe Gatzmann, in Kiautschou an der Malaria gestorben ist. Eine anitliche Bestätigmig dieser Meldung liegt noch nicht vor.— Ocsterrcich-Nngarn. Wien, 2. Noveniber. Die Forderung des amerikanischen Konsuls in Hamburg, datz alle nach Amerika Reisenden, die Wien berührt haben, sich vorher in Hamburg einer Quarantäne unterwerfen sollen, um einer Eiuschlcppung der P e st vorzubeugen, wird in den hiesige» medizinischen Kreisen und von der Presse als sonderbar und überflüssig bezeichnet, da die Pestgefahr vollständig beseitigt i st.— Budapest, 2. November. Die Verhandlungen der O u o t e n k o nl m i s s i o n können als gescheitert betrachtet werde», nachdem die ungarische Quotendeputation die Erhöhung der Quote auf 38 pCt. abgelehnt hat. Beide Parlamente wurden hier- von verständigt. Nunmehr werden die Regierungen die Entscheidung der Krone anrufen. Man hofft in Ungarn, datz die Krone die Quote für das nächste Jahr in der bisherigen Höhe bestimnie» wird.— Budapest, 2. November. Der Ministerpräsident Banffy theilte heute in der konstituireuden Sitzung des Komitees für die Errichtung des Denkmals für die Königin Elisabeth mit, es sei der Wunsch des Kaisers Franz Josef, datz das Denkmal auf dem St. Georgsplatze an der Stelle des Hentzi-Monnmcnts errichtet werde. Das Hentzi-Denkmal, das 1852 dem am 22. Mai 1849 infolge seiner schweren Verwundung bei Vertheidigung der Festung Ofen gegen die Ungarn im Revolutionskricge verstorbenen österreichischen General- major Ritter V. Hentzi errichtet wurde, war den nationalen Ungarn stets ein Dorn im Auge. Es war Objekt verschiedener Attentate. So manche schwere Verurtheilung hat dieses Denkmals wegen statt- gefunden. Kaiser Franz Joseph hat es mit seinem Entschlüsse ver- standen, sich bei den Ungarn, die grotzen Werth auf Achtung ihrer revolutionären Traditionen legen, populär zu machen. Bei uns in Berlin verhindert man dagegen die einfachste Ehrung der Märzgefallenen!— Schweiz. Bern, 2. November. Nachdem das Iündhölzchen-Monopol vom Schweizer Volk verworfen wurde, hat die Bundesversammlung das Gesetz betreffend das Verbot der Fabrikation von Phosphor-Zünd- Hölzchen angenommen. Frankreich. PariS, 2. November. Nachdem das von Zola gegen Judet vom »Petit Journal" angestrengte Verfahren durch Richteripruch eingestellt worden ist, hat letzterer Zola wegen verleumderischer Anzeige ver- klagt. Judet soll auch beabsichtigen, vier Zeitungen wegen Ver- leumduug zu belangen.— Tie„Gcheimakten". Der„Gaulois" hofft, der Kassationshof werde, bevor er amtlich einen Einblick in die geheimen Akten nehme. sich über die Folgen einer etlvaigen Indiskretion vergewissern. Die Akten seien bisher aus drei Gründen geheim gehalten worden: erstens hätte eine Veröffentlichung im gegebeneu Zeitpunkte ernsteste diplomatische Verwickelungen herbcigefiihrt,— diese Gefahr sei gegen- wärtig allerdings weniger zu befürchten—: zweitens würde die Organisation des französischen Spionagedienstes aufs schwerste darunter leiden und drittens iviirden hochgestellte Persönlichkeiten dadurch kompromittirt, deren selbstlose Intervention in der Drehfus- fache geheim gehalten werden müsse.— Die Faschoda-Fragc. Die Mehrzahl der Pariser Blätter erhebt Einspruch gegen die Idee der Räumung Faschoda's, welche eine Er- niedngung für Frankreich wäre. Indessen erklärt Cornöly im „Figaro", es wäre Wahnsinn, Faschoda's wegen einen Weltkrieg an- zufachen. Dves Guyot meint im„Siecle", Marchand habe Faschoda offenbar endgilttg verlassen. Der Londoner„Daily Graphic" erfährt nachstehendes aus Paris aus angeblich amtlicher Quelle: Baratier sei nack Kairo entsandt worden mit dem Befehl an Marchand. nach Faschoda zurückzukehren und von dort aus mit seinen Begleitern in der Richtung nach dem oberen Ubanghi sich zurückzuziehen. Faschoda und fünf von den Franzosen östlich von der durch das deutsch- englische Abkommen festgesetzten Grenzlinie errichtete Posten sollen geräumt werden. Es sei der Vorschlag gemacht, diese Posten den egypttschen Behörden zu überlassen und die egyptische Regierung soll gebeten werden, Truppenabtheilungen zu entsenden, um Marchand auf seinem Rückmarsch zu geleiten. Die Verhandlungen sollen auf gnuid der von Courcel unterbreiteten Vorschläge eröffnet werden.— Italien. Rom, 2. November. Der Entwurf der Thronrede betont die Nothwendigkcit des F e st h a l t e n s an den Bündnissen, zollt dem Abrüstungsvorschlage Beifall und empfiehlt der Kammer auf das wärniste finanzielle vkonomische Lorlagen.— Polizeibesti-r, auf der Anklagebank. Schwere Mitzhand- lungen auf der Polizeiwache bilden den Gegenstand eines Aufsehen erregenden Prozesses, der gegemvärtig in Genua zur Verhandlung kommt. Auf der Anklagebank sitzen, nach dem„B. B.-C.", der Ex- Polizei-Offizier Carlo Festa und vier Unterbeamte der genuesischen Polizei unter der Anschuldigung, durch grausame körperliche Mitz- handlmtg den Tod eines wegen Uhreudicbstahls irrthümlich ver- hafteten'Mannes, namens Andrea Forno herbeigeführt und in zahl- reichen anderen Fällen zur Haft gebrachte Personen in umnenjchlicher Weise gemartert zu haben. Unter den vorgelaocncn Sachverständigen de- findet sich auch Prof. Ccsare Lombroso. Der Angeklagte Festa tägr ein so zynisches Wesen zur Schau, datz ihn der Präsident wiederholt ermahnt, wenigstens den in der guten Gesellschaft üblichen äutzeren Anstand zu wahren. Als Festa von Rom nach Genua versetzt wurde, ging ihm der Ruf eines gewaltthätigcn Beamten voraus. Im Volke hietz er imr„der Schlächter". Zahlreiche Zeugen, darunter sogar Polizci- beamte, sagen aus, datz Festa die Polizcigefangenen während des Verhörs geradezu barbarisch behandelte. Aus seinem Zimmer drangen fast immer Klage- und Jaimnerlaute geprügelter Häft- linge heraus. In einem besonderen Falle zwang er einen Ver- hafteten. einen ganze» Eimer Wasser auszutrinken und selbst, als dem Manne schon das Blut aus Mund und Nase drang, Uetz der Herr Polizeilieutcnant noch immer sein anspornendes: „Sauf, Bestie!" hören. Noch schwerer verging er sich im Fall Forno, der endlich zur Erhebung der Anklage gegen den„Schlächter" ge- führt hat. Fonio war zugleich mit seiner Tochter Marie wegen Taschendiebstahls feslgenoinmcn ivorden; er stellte die ihm zuge- schricbene Thal jedoch entschieden in Abrede. Um ihn nun zu einem Geständnitz zu„bewegen", prügelte ihn Festa an drei aufeinander- folgenden Tagen so furchtbar, datz dem Manne buchstäblich die Rippen im Leibe zerbrochen wurden. Einen Tag später wurde Forno wegen Mangels an Beweisen entlassen und von Geima nach Turin abgeschoben, wo er bald nach der Ankunft infolge der erlittenen Mißhandlungen starb. Im Dienst ergraute Polizisten, die den Mann nach den Mißhandlungen gesehen haben, sagten aus. datz er wie eine„wandelnde Leiche" ausgesehen habe: er habe sich vor Schmerz gekrümmt, sein Anblick sei zum Steinerweichen gewesen. Wenn er gejammert und geklagt habe, habe Festa höhnisch gelacht und gesagt:„Da solltest Du's erst mit der österreichischen Polizei zu thun kriegen, die prügelt noch ganz anders." Festa er- klärt die Geschichte von den Mitzhandlungen für Zeitungsklatsch; er weiß jedoch keinen Grund dafür anzugeben, weshalb er nach dem Bekanntwerden des Falles Forno nach Rom entfloh, von wo aus er an den Polizeidirektor Rossi in Genua ein Schreiben richtete, in welchem er seine Unschuld betonte. Das Publikum im Gerichts- saale nahm am ersten Bcrhandlungstage gegen den Angeklagten eine so drohende Haltung an, datz der Präsident den Saal räumen lassen mutzte.— Ter„Avanti" meldet die Verurtheilung F e st a' S zu sieben Jahren acht Monaten Einzelhaft. DaS sozialistische Blatt erinnert bei dieser Gelegenheit an den Fall Frezzi. Frezzi, ein Sozialist, war. wie wir s. Z. mitgetheilt haben, wegen angeblicher politischer Vergehen in Haft genommen worden und ist im Gcfäiignitz infolge von grausamen Mitzhandlungen, be- gangen durch brutale Polizisten, gestorben. Datz ein solches System, das sich kurz dahin charakterisiren läßt: Korruption. Mitzwirthschaft der Beamten, Ans- powerung des Volkes, brutale Gewalt gegen politische Gegner, Vcrzweiflungs- und Wahnsinnsthateu zeitigen mutz, ist für jeden vernünftig Denkenden erklärlich.— England. London, 1. November. Obwohl die britische Regierung die Ucberzcugung ausgesprochen hat, datz der Faschoda-Srreit init Frank- reich friedlich erledigt werden wird, fährt sie doch fort, Flotten- rüstnngcn und Flottcubcwcgungen großen Stils vorzunehmen, welche dazu bestimmt sind, Englands Seemacht zu zeigen. U ebirall in den britischen Flottcnstationen über dem weiten Erdkreis regt es sich. Von Shanghai wird gemeldet, datz das britische Geschwader nach Süden beordert worden ist. In Halifax in Neuschottland soll Admiral Fish den Befehl erhalten haben, sofort sich in Bereitschaft zu halte», in See zu stechen. Im fernen Vancouver werden die britische» Kriegsschiffe nachgesehen und zum aktive» Dienst bereitgestellt. Die britischen W a ch t s ch i f f e sollen, wie bekannt, zu einem Sondcrgeschwadcr versammelt werden. In Devon port sind das Wachtschiff von Holyhead, der„Colossus", und das Wachtschiff von Grcenock, der„Bcnbow", beide seinerzeit Wunder moderner Schiffsbaukunst, eingetroffen. Ferner kamen das Schlachtschiff„Thunderer", welches die Einfahrt von Pcmbroke be- wacht, und der„Colliugwood", welcher die Einfahrt in die irische Bautry-Bai hütet, im Sund von Plymouth an. Fieberhafte Thätig- keit herrscht in Devonport. Taucher untersuchen, ob der Boden des „Collingwood", des„Thundcrer" und des„Colossus" in gutem Zu- stände ist. In Portsmouth bekommen die Soldaten der königlichen Artillerie keinen Urlaub mehr. Alle Arlillcristen lernen gegemvärtig die Maschinenkanonen Hantiren.— Der Bau des Admiraiitätsdocks und der Hafcnwcrke von Gibraltar ist der Finna Topham, Jones u. Railton in London übergeben worden. Die Baukosten belaufen sich auf 200 000 Lstr. Erst Freitag vor acht Tagen ist das Angebot akzepttrt worden. Die Unternehmer sollen den Bau in Gibraltar sofort beginnen. Schon letzte Wodbe kam die Nachricht, datz die Londoner Freiwilligen den Befehl erhalten hätten, auf vier- uudzwanzigstündige BorauSsagung bereit zu sein. Dänemark. Budgetdebatte im Folkething. Man hatte diesmal be- schloffen, bei der ersten Berathung keine Generaldebatte eintreten zu lassen, weil der Folkething bereits in die Novemberferien gehen will. Alle Redner mutzten sich also sehr kurz fassen. A. Nielsen protestirte namentlich gegen die zunehmenden MilitärauSgabcn, für die endlich eine Grenze gefunden werden muffe. Die Hauptrede war die unseres Parteigenossen Klausen. Hätten wir parlamentarische Zustände, so hätte der überwältigende Fortschritt der Liberalen und Sozialisten bei den Wahlen, einen Miiiistcrwcchscl nach sich ziehen müssen. Ein konservatives Ministerium steht in diesem Folkething ja verloren und verlassen da. Namentlich die Sozialdemokratie wächst riesenhaft, dank dem Treiben der Grotzindustricllcn und Land- barone. Unser Redner sprach weiter von den Lohuverhälttiissen der Staatsarbciter. Es sind im Vorjahr einige Erhöhungen er- langt und dieses Jahr sollen weitere beantragt werden; aber wo bleibt die versprochene Enquete über die Lohnvcrhälttiisse? Er sprach weiter über die sonstigen Verhältnisse der Staatsarbciter und über die Unterbennitcn. Wahrend deren Lage sehr traurig ist, steigt das Militärbudget wieder um 1 296 000 Kr., wozu noch die 526 000 Kr. kommen, die der Herr Minister sich selbst bewilligt hat. Es sei keine Freude, an der Budgctbcwilligung zu arbeiten, denn die vom Folkething bewilligten Gelder verbraucht das Ministerium nicht, dagegen macht es unbewilligte Ausgaben. Auch die anderen Redner,' darunter vier Sozialdemokraten, gingen sehr schroff gegen die Minister vor und sprachen ihr Bc-t fremden aus, datz dieselben noch nicht zurückgetreten icien. Besonders scharf wurden auch die Eisenbahn-Verhältnisse kritisirt.— Serbien. Belgrad, 1. November. In einer Note, welche durch den Gesandten Nowakowitsch der Pforte überreicht wurde, erklärt die serbische Regierung, falls ihrem Verlangen auf Hinzuziehung eines serbischen Delegirten in der Untersuchung lvegen der im Vilajet Kossowo verübten Gewaltthaten nicht stattgegeben würde, so mützte die Regierung sich mit einem Memorandum an dieGrotzmächte wenden, um die Sachlage betreffend die Arnautengräuel klarzulegen.— Türkei. Zur Kretafrage. Aus Kanea wird gemeldet: Zwischen den Admiralen ist hinsichtlich der Organisatton der Gendarmerie ein Zwiespalt eingetreten. Der russische und der französische Admiral haben in Kanea und Rethymo nur ein Fünftel der erforderlichen Mannschaften aus den Mubamedanern entnoinmen. und diese weigern sich, die vorgeschlagene Uniform zu tragen, da dieselbe aus blauem Rock und iveitzcr Hofe bestehen soll, wodurch angeblich die Uniform die griechischen Farben zeigen würde. Der englische Kommandant in Heraklion hat dagegen das dortige Gendarmeriekorps zu zwei Dritteln aus Muhamcdanern und einem Drittel Christen zusammen- gesetzt und für dieselben eine fast ganz ttirkische Uniform bestimmt. lvogegen der christliche NattonalauSschutz eine heftige Einsprache er- lassen wird.— Wie die„Polst. Corr." auS Athen erfährt, notifizirte der König von Griechenland den Krctamächtcn die offizielle Zustimmung zu der Ernennung des Prinzen Georg zum Gouverneur von Kreta. Der- selbe erhält den Titel eines Fürstgouverneurs. Falls der Sultan feine Zustimmung giebt. begiebt sich Prinz Georg nach Konstantmopel, um sein Bcställungsöelret in Empfang zu nehmen.— Kanea, 2. November. Die Admirale setzten den Gouverneur in Keimtnitz, datz sie am 4. November die Verwaltungsbureaus mili- tärisch besetzen lassen werden. Der Zuttitt zu diesen werde ottomanischen Beamten nicht ferner gestattet sein. Die ottomanischen Truppen aus Kreta hättet: mit diesem Tage jeden Dienst einzustellen und müßten sich in die Kasernen zurückziehen, die die Soldaten be- waffnet nicht verlassen dürsten. Die Gendarmerie iverde ver- abschiedet werden. Die in der Sudabucht ankernden Transportschiffe sollen alle Truppen einschiffen. Die Pforte sei ersucht, eiligst weitere Dampfer für den Transport der dann etwa noch übrig bleibenden Truppen zu schicken. Die Admirale werden den Schutz des Arsenals übernehmen. Die türkischen Marinesoldalen werden auf einem türkischen Panzerschiffe eingeschifft, das bei Suda ankert. Die Admirale behallen sich die geeigneten Maßregeln vor, um die Ausführung ihrer Verfügungen sicherzustellen. NÄrket-Mschvithsen. Genosse Liebknecht hat in einem Aufsatz des„Neuen Welt« kalenders", betreffend sein Flüchtlingslcben in Genf, über den ver- storbenen Parlaments-Abgeordnetcn Moritz Hart mann einige Bemerkungen gemocht, über die dessen Sohn sich bei dem Verfasser beschwert hat. Liebknecht wird sich in dem nächstjährigen Kalender des Näheren über die Sache aussprechen; er erklärt aber schon heute, datz es ihm nicht eingefallen ist, und er auch keiuen Grund hatte, Hartmann einer Denunziation zu beschuldigen, sondern datz der Augriff sich einzig gegen den Reichsregenteii Karl Vogt richtet, der allerdings damals, wie bei anderen Gelegenheiten, eine sehr schofele Rolle gespielt hat. In Hemelingen, einem industriellen hannöverschen Dorfe in der Nähe Bremens, wurde der Parteigenosse Mann ier mit 247 von 291 insgesammt abgegebenen Stimmen wieder in den G e- meinde-Ausschutz gewählt. Genossin Rosa Luxemburg in Dresden ist aus der Redaktion der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" ausgetreten. Ter im Essener Meincidsprozcsi verurtheilte Bergmann Beckmann hat dem sozialdemokrattschen Unterstützungskomitee in Bochum erklärt, datz er die ihm zugedachte Unterstützung aus dem gesammelten Fonds annimmt. Gegen die ZuchthauS-Borlage erhoben Protest Versamm- lungcu in Rudolstadt i. Th., Kahla in Sachseu-Altenburg, Oldenburg. Insbesondere in letzterem Orte war der Besuch autzerordentlich stark. Der Verband der Arbeiter-Gesangvereine Nicderöster- reichs veranstaltete am Sonntag im Sophiensaale in Wie n eine Jubiläumsfeier zur Erinnerung an die vor 30 Jahren er- folgte erste Aufführung des„Liedes der Arbeit". Zu dieser f eier waren auch der Verfasser des Liedes I. Zapf und der omponist Joseph Scheu erschienen, denen lebhafte Ovationen dargebracht Ivurden. Das„Lied der Arbeit" wurde im Jahre 1863 zum ersten Male bei einer vom Arbeiter- Bildungsverein in Gumpendori abgehaltenen Todtenfeier für Lassalle gesungen und ist seither, in alle Sprachen Oesterreichs übersetzt, zum Partcilied der österreichischen Sozialdemokratie geworden. Der Sophiensaal war anlätzlich der Feier, au welcher etwa 400 Sänger und Sängerinnen mitwirkten, entsprechend dekorirt. Die Festrede hielt Dr. Victor Adler. Scheu dirigirte persönlich den Vorttag des„Liedes der Arbeit", das von den Anwesenden stehend mitgesungen wurde. Ans der Schweiz. Da die schweizerischen Parteigenossen Werth darauf legen, datz jedermann weitz, aus welchen Gründen der letzte Parteitag den von einem früheren Parteitage erklärten Aus- schliitz des Redakteurs Moor in Bern aufgehoben hat, so lassen wir den Wortlaut de? Beschlusses hiermit folgen: „Der Parteitag, in Erwägung: 1. datz die Arbeiterunion Bern infolge des Ausschlusses ihres Redakteurs ihre Beziehungen zur schweizerischen sozialdeinokratischeii Partei abgebrochen hat und die- selben erst dann wieder anfnehmen wird, wenn die Aufhebung des Ausschlnsscs erfolgt; 2. datz aber die geplante Reorganisation der soziakdeinokrätischen Partei der Schweiz die Vctheiligung und Mitarbeit aller sozialdemokrattschen Organisattonen der Schweiz nicht nur wünschenswerth, sondern auch dringend nothwendig macht, bcfchlicht: der Ausschluß des Rcdattenrs der„Berner Tagwacht", des Organs der sozialdemokrattschen Partei der Stadt und des Kantons Bern, aus der sozialdemokratischen Partei wird aufgehoben. Der Parteitag spricht die bestimmte Erwartung aus, datz der Friede in Bern hergestellt und dem Wiedereintritt der Vereine, welche früher der Vcrcinigmig„Vorwärts" angehörten, keine Schwierigketten ent- gegengestellt werden." Der Beschlutz wurde in geheimer Abstimmung mit 25 gegen 3 Stinimcn gefaßt. Möge nun damit die Einheit der Berner Ar- beilerbewegnng und der Friede wiederhergestellt sein, damit alle wieder zusammen an der Förderung unserer Sache arbeiten können. Polizeiliches, Gerichtliches ,c. Die Magdeburger„VolkSsttmme" ettnuert. daran, daß in Magdeburg das Herumtragen von Plakaten mit der Aufschrift„Wählt Pfannkuch!" wegen maugelnder Bezeichnung des Druckers mit 10 M. bestraft worden ist, während man in Breslau dasselbe Vergehen mit 1 M. Strafe als ausreichend gesühnt erachtet hat, wobei noch in bctracht kommt, datz in den Breslaner Plakaten auf die Parteistellung der Kandidaten verwiesen war. was das dortige Landgericht als Grund zur Ver- werftmg der Berufung anführte. Die Magdeburger Plakate ent- hielten einen solchen Hinweis nicht, sondern lediglich die Aufschrist: „Wählt Pfannkuch!" Die„Volksstimnie hofft nun, datz die Berufung gegen den aintsgerichtliche» Strafbcfehl mindestens die Herabsetzung der Strafe auf 1 Wi. zur Folge haben werde. — Der verantwortliche Redakteur G. K a h n t vom früheren altenbiirgischen Parteiorgan„Der Wähler" hat am 1. November das Gcsängnitz nach Verbützung einer dreimonatigen Freiheitsstrafe «»lassen. f— Polizeiliches aus Baden. Die Mannheimer �.Volks stimme" veröffentlicht einen. W. Herrmann aezeich- wten Arttt'l über den Stuttgarter Parteitag, dessen Verfasser im Jahre 18' 0 als Delegirter für Dresden an dem Hallischen Parteitage der Sozialdemokraten theilgenommcn hat, dann zu den Anarchisten übergegangen und nach fünfjähriger Gegnerschaft wieder zur Sozial- demokratte zurückgekehrt ist. In dem Artikel heißt es u. a.: „Der Parteitag hat einstimmig eine Resolutton, in welcher in klarer Begründung der Gegensatz zum Anarchismus betont wird, gutgeheißen. Auch ich, der ich in den vorerwähnten fünf Jahren dem Anarchismus ge« huldigt habe, kann diese Stellungnahme gegenüber dem Anarchismus begreifen und verstehen; bin auch von meinem Jrrthum befreit, und habe meine Bethätigung innerhalb der sozialdemokratischen Partei in offener und freier Weise seit einem Jahre wieder ausgeübt. Um so niehr mutz ich meine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, datz seit der unmenschlichen That, genau genommen Meuchel- mord, die an der Kaiserin von Oesterreich verübt worden ist, ich mich fortwährend der besonderen Aufmerksamkeit der Polizei- Organe zu erfreuen habe. In Heidelberg wurde mein Haus- Herr belästigt, aber mit dem ausdrücklichen Bemerken, man solle mir kerne Mittheilung machen, da ich mich sonst bedrückt fühlen könnte. Dieselbe Praxis treibt man auch hier in Mannheim, seit ich meiner Existenz wegen nach Mannheim übergesiedelt bin. Nun eine offene Frage: Weshalb stehe ich unter einer gewissen Polizeiaufsicht? Glaubt mau. daß ich unter falscher Flagge segele? Sollte dies letztere der Fall sein, so erkläre ich un- umwuudeu, was auch in meinem Artikel vom 27. April dieses Jahres in der„Volksstimme" niedergelegt worden ist, daß ich in ehrlicher Absicht und aus Ueberzeugung zur Sozialdemokratie zurückgekehrt bin. Ich verwerfe und verachte unlautere Mottve; stolz kann ich auf meine bisherige uneigennützige Bethätiguiig im öffentlichen Leben zurückblicken. Ein Doppelspiel treibe ich nicht, dazu ist mir die Arbeiterbewegung zu ernst. Will man aber ein gehetztes Wild zur Strecke bringen, dann erkläre man auch un- umwunden, datz mau nicht eine Anarchistenhctze, sondern eine sozial« demokrattsche Hetzjagd inszcnirt! Und noch eine Antwort: provoziren lasse ich mich nicht, wer die Schule des Sozialistengesetzes genossen hat, der wird mit Ruhe und Würde den Dingen entgegensehen, die da kommen werden." — Vom Schöffengericht in H o f wurde der Redakteur der„Ober- fränkischen Volkszeitung", Genosse Stücklen, wegen Beleidigung des Fabrikanten M ü I h ö f e r in Markt Redwitz zu 20 M. Geldstrafe verurtheilt. In einem andern Beleidignngsprozetz, den der Fabrikant A. R a i t h e I in Schwarzenbach a. d. S. gegen Stücklen angestrengt hatte, kam es zwischen beiden zum Vergleich. Am 10. November hat sich Stücklen noch vor der Straftannner wegen Verletzung des Pretzgesetzes zu verantworten, womit dann alle Prozesse erledigt sind, die gegen ihn während seiner ö'/ejährigen Thätigkeit in Hof angestrengt waren. Stücklen ist, wie wir schon ftüher niittheilten, zum Redatteur der„Altenburgischen Volkszeitung" gewählt und wird diese Stellung demnächst antreten. Majestatsbeleidigungs-Prozetz Harden. In dem MnjcstntSbelcidigungs-Prozch gegen den HeranZgcber der„Zukunft" Maximilian Harden wird die Verhandlung fort- gesetzt unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit gefühlt. Die letztere wurde nur auf kurze Zeit wieder hergestellt und es wurden zwei Zeugen vernommen, die der Angeklagte vorgeschlagen hatte, um seine Be- Häuptling zu unterstützen, daß er nicht der Verfasser des Artikels „Der Wahrheit Rache" sei. Der eine Zeuge, Herr Dr. Berthold, bekuiidctc, daß ihm seiner Zeit der Angeklagte das Manuskript zu dem Artikel gezeigt und dabei bemerkt habe, daß ihm dasselbe soeben zugeschickt worden sei, daß der Aufsatz recht nett sei und in der „Zukunft" abgedruckt werden würde. Der Zeuge hat sich überzeugt, daß das Manuskript nicht die Handschrift des Angeklagten zeigte.— Der Staatsanwalt hatte darauf bezug genomnien, daß in dem Jnhaltsverzeichniß der„Zukunft" als Verfasser des Artikels„Der Wahrheit Rache" M. H., das heißt der Angeklagte aufgeführt worden sei. Der Angeklagte hatte deshalb seinen Expeditionschef laden lassen, um zu beweisen, daß er selbst mit dem Jnhaltsverzeichniß gar nichts zu thun habe und in diesem Falle ein Jrrthum vorliege. Der Staatsanwalt fragte den An- geklagten nochmals, ob er den Verfasser nennen wolle, die Antwort lautete aber velimiiend, da es sich hier um Majestätsbeleidigung handle und dieses Angeklagter nicht für angebracht halte, trotz der vom Verfasser gegebenen Ermächtigung, dessen Namen zu nennen. Der Verfasser habe übrigens, wie Dr. Bcrthold bekundete, ihm im Gespräch mitgethcilt, daß sich der Artikel„Der Wahrheit Rache" gar nicht auf Kaiser Wilhelm, sondern auf die Affäre Zola be- ziehen sollte. Der Staatsanwalt gab sodann dem Angeklagten anhcim, das Mannskript nach Beseitigung der Unterschrift vorzulegen, da er sich überzeugen möchte, ob der Angeklagte Ab- änderungen oder Zusätze gemächt habe. Der Angeklagte erklärt sich außer stände, das Mannskript vorzulegen, da es nicht niehr vor- Händen sei.— Justizrath M u n ck e l hielt es nicht für zweckmäßig, im jetzigen Stadium von der ihm crtheiltcn Ermächtigung, den Ver- fasser zu nennen, Gebrauch zu machen. Ans Antrag des Staats- anwalts soll der bereits entlassene Zeuge Dr. Berthold noch einmal geladen und befragt werden, ob er die Person des Verfassers zu nennen im stände sei.— Nach dem Gange der Verhandlung stand am Mittwoch eine Beendigung des Prozesses noch nicht in Aussicht. Der Gerichtshof ist zur Zeit noch immer ausschließlich mit den zu dem Artikel„Pudel-Majestät" gehörigen Beweisen beschäftigt. Die Verhandlung wird daher am Freitag' fortgesetzt werden nnisscn. Bei der weiteren Verhandlung' des Prozesses Harden wurde mehrmals auf ganz kurze Zeit die Oeffcntlichkeit wieder hergestellt, um nachjweingen Minuten sofort wieder ausgeschlossen zu werden. Für die Berichterstatter entwickelte sich ans diese Weise ein recht unge- miithliches Vexirspicl. Eine Episode, die sich während einer kurzen Zeit der öffentlichen Verhandlung abspielte, verdient, näher beschrieben zu werden. Wie schon mitgctheilt, war der frühere Haniburger Rechtsanwalt, jetzige Privatier Dr. Bcrthold nochmals als Zeuge geladen worden, um über die Verfasserschaft des Artikels„Der Wahrheit Rache" vernommen zu werden. Er war erschienen und sagte aus, daß das Manuskript des Artikels, welches ihm Harden gezeigt, bestimmt nicht von der Hand desselben her- gerührt habe. Er habe die bestimmte Vcrmuthung gehabt, daß der Artikel von demselben Herrn verfaßt sei, der, wie ihm bekannt, mehrere solcher„Legenden" dem Angeklagten eingeschickt hatte und diese Vermuthnng sei denn auch gelegentlich eines Spazier- ganges bestätigt worden, den er mit Harden und diesem Herrn eines Tages nach Erhebung der Anklage unternommen habe. Als Harden sich entfernt, habe der Herr selbst davon zu sprechen angefangen und seine Freude darüber ausgedrückt, daß er nnt jemand, der mit dem Angeklagten näher bekannt sei, sich über die Frage unterhalten könne, wie er sich bezüglich der dem An- ? geklagten fälschlich zugeschriebenen Autorschaft des Artikels verhalten olle. Er selbst sei der Verfasser und könne nicht genug darüber staunen, daß seine Parabel, zu der er lediglich durch die Er- cignisse im Zola-Prozcsse angeregt worden sei, zu einer Anklage habe führen können. Er habe den Artikel wider seine sonstige Gepflogenheit ohne Unterschrift gelassen, weil eS ihm peinlich gewesen, daß er eines TagcS in einer Gesellschaft niit dem Pseudonym angeredet worden sei, unter welchem er zu schreiben pflege.— Staatsanwalt P l a s ch k e: Nun bitte ich um den Namen des Herrn, mit dem der Zeuge die Unterredung gehabt hat.— Zeuge: Ich beanstande zunächst die Frage und bitte um einen Gerichtsbeschluß. So viel er wisse, sei das Strafverfahren doch nur gegen Harden gerichtet und nicht gegen einen Dritten.— Staatsanwalt: Jhni müsse Gelegenheit gegeben werden, durch Vernehmung des betreffenden Herrn festzustellen, ob Harden wirklich nicht der Verfasser des Artikels sei und ob er nicht selbständig Aenderungen an dem Mannskript vor- genommen hat.— Jnstizrath M u n ck e l hält die ganze Frage nach der Verfasserschaft des Artikels für nicht sehr erheblich.— Ängekl. Harden: Er bedauere den Vorgang, daß ein Mann, der in einer ganz anderen Sphäre lebe, hier in dies Strafverfahren plötzlich hineingezogen werden solle. Er halte es nicht den Gewohnheiten eines Gentleman entsprechend, den Namen des Verfassers zu nennen und würde eventuell lieber alles Ungemach auf seine Schultern nehmen.— Jnstizrath M u n ck e l: Auch der Zeuge halte als anständiger Mann das, was ihm zugcmuthct werde, für einen Vertraucnsbmch. Wenn der Gerichtshof die Anregung des Staatsanwalts nicht für ganz besonders wichtig erachte, sollte mdn doch den Zeugen nicht ineine'so peinlicheLage bringen.— Staatsanw.: Erhöbe die feste Ueberzengung, daß der Artikel mitZola überhaupt nichts zu thun habe und der Angeklagte der Verfasser sei oder mindestens Abänderungen im Manuskript gemacht habe. Hat der Zeuge mit dem unbekannten Herrn auch über den Inhalt des Artikels gesprochen?— Zeuge: Die Unterhaltung habe sich insofern auch mit dem Inhalt befaßt, als der Herr sagte, Harden habe eine Korrektur vorgenommen, durch welche ein Ausdruck etwas gemildert worden sei.— Der Gerichtshof beschloß hierauf, dem Zeugen die Frage nach dem Namen des Verfassers vorzulegen, weil keiner der gesetzlichen Gründe zur Zeugnißverweigcrung vorliege.— Zeuge verweigert nunmehr die Beantwortung der an ihn gc- richteten Frage.— Staatsanivalt: Er behalte sich Anträge bis zu dem Zeitpunkte vor, wo über den Artikel„Der Wahrheit Rache" selbst verhandelt werde. Er werde dann beantragen, ans Nr. 44 der„Zukunft"„Das Notizbuch", aus Nr. 23 den Artikel„Zola's Fall" und ans Nr. 25 den Artikel„Drehfus" zu verlesen, aus welchen sich ergeben werde, daß der Gedanke, der Artikel„Der Wahrheit Rache" habe bezug auf den Fall Zola gar nicht Platz greifen könne.— A n g e k l.: Wenn damit bewiesen werden solle, daß er über den Fall Zola eine andere Meinung habe, so gebe er dies ohne weiteres zu.— Auf Befragen des Angeklagten erklärt Zeuge Dr. Berthold: Ihm sei bekannt,'daß der Angeklagte hier und da eine stilistische Acnderung an den ihni zugesandten Artikeln vornehme, sonst aber mit großer Gewissenhaftigkeit vermeide, an dem Sinne der Artikel etwas zu ändern,' selbst wenn sie seinen Anschauungen entgegen seien.— Präs.: Nach Z 69 der Straf-Prozcßordnung sei der Ge- richtshof gezwungen, einen sein Zengniß unberechtigt verweigernden Zeugen in Strafe zu nehmen.— Staatsanwalt: Er enthalte sich jedes Antrages über die Höhe der Strafe, nachdem festgestellt erscheine, daß Horden thatsächlich Aenderungen an dem Artikel vor- genommen habe.— Justizrath M u n ck e l:' Diese Feststellung liege keineswegs vor. Es sei nur festgestellt, daß der Angeklagte eine stilistische Aenderung in mildernder Form vorgenommen habe.— Der Gerichtshof beichloß, den Zeugeil Dr. Bcrrhold in eine Strafe von 5 0 Mark evciit. 5 Tagen Haft zu nehmen. Ter Zeuge habe keinen gesetzlichen Grund, seine Aussage zu verweigern, sondern schütze nur einen menschlichen Grund vor. Das letztere sei strafmildernd in belracht gezogen, weil das Verhalten� des Zeugen vom menschlichen Standpunkte aus verständlich sei. Aus der andern Seite erfordere es das Interesse der Rechtspflege, solche g e- setzlich nicht begründete Zeug nißverweigerungen nicht a u f k o m m e n z u lassen.— Zeuge Berthold wurde hierauf entlassen, die Oeffentlichkeit wiederum ausgeschlossen und die Verhandlung über den Artikel„Pudel Majestät" fortgesetzt. � GetvevkMsfklirhes, Berlin und Umgegend. Aufruf an die Angestellten der Omnibus- Gesellschaften, Tchaffuer und Kutscher! Infolge des kürzlich von mir im„Vor- wärts" veröffentlichten Ausrufs an die Straßenbahn- Angestellten wandten sich verschiedene Omnibusbedienstete an mich mit der An- frage, ob auch sie sich dem Zeutralverbande der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter anschließen könnten. Es ist dies ganz selbst- verständlich und ersuche ich die Kollegen, sich zwecks Aufnahme in einer Zahlstelle des Verbandes oder am besten im Bureau des Ver- bandes, Bischofltraße 13, zu melden. Ferner ersuche ich insbesondere die Angestellten der Neuen Berliner und der Reform- Gesellschaft, mir ausführliches Material über die gegenwärtigen Arbeitsverhältnisse zu übermitteln. Es ist ganz selbst- verständlich, daß genau so wie von den Straßenbahn-Angestelltcn auch von den Omnibus-Angestellten keiner zu befürchten hat, daß seine Mitgliedschaft im Verbände irgend einem Unbefugten bekannt werden könnte. Ich ersuche daher die Omnibus- Angestellten, sich recht zahlreich und baldigst zur Organisation zu melden. Die be- scheidencn Arbeitsverhältnisse bedingen einen festen Zusammenschluß, wenn eine Besserung im Berus eintreten soll. Deshalb auf. Kollegen, werdet Mitglieder des Zcntralverbandes des Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter. Rob. Oertel, Vertrauensmann, DrcSdenerstr. 117. Deutsches Reich. ZurTarifbcwegung derBuchdruckcr. Wieder„Eorrcspondent", das Organ der Buchdruckergehilfen, bekannt giebt, sind bis zum 27. Ok- tobcr infolge der Tarifbewcgung 356 Firmen den Tarifvereinbarungen beigetreten. Seit der neuen Tarifgemeinschaft hat die Mitgliederzahl des Verbandes der Buchdrucker um ca. 3000 zugenommen. Bei der Gewcrbegerichtöwahl in Bcrgcdorf wurden in der Klaffe der Arbeitnehmer die von den Gewerkschaften aufgestellten Kandidaten einstimmig gewählt. Zur Bcrgarbeitcr-Bewcgnng. Wie mitgethcilt wird, hat der Bergarbeiter Brust, Mitglied des christlichen Gewerkvereins, in einer Bergarbeiter-Vcrsammlu'ng Stellung zum Streik der Bergleute ge- nommcn. Brust hält gegenwärtig die Aussichten zu einem günstigen Abschluß des Streiks siir sehr gute. Die Zechen hätten große Auf- träge und der Winter steht vor der Thür. Aber es fehle sowohl im alten Vereine wie auch im Gewcrkvcrcine der christlichen Arbeiter die rechte Stimmung für eine Lohnbewegung. Zum Streik gehöre eine gute Organisation und gefüllte Kassen, aber beides fehle. Bei der Kirma Erust Günther in Gera sind Differenzen ausgebrochen. Es handelt sich um Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden, sowie Bezahlung der Feiertage. Betheiligt sind 6 Steindrucker und 1 Schleifer. Die Gasanstalts- Arbeiter in AschcrSlcben haben am 31. Oktober die Arbeit eingestellt, um eine Erhöhung des Lohnes zu erzielen und eine stattgefundcne Maßregelung rückgängig zu machen. — Zuzug ist fern zu halten.— Geldbeiträge zur Unterstützung der Ausständigen sind an Albert Sch Wengebacher, Aschers- leben, Eislebcnerstr. 11, zu senden.— Die Arbciterblätter werden um Abdruck dieser Notiz gebeten.— Der Zcntral-Vorstand des Verbandes der Arbeiter in Gasanstalten k. Die Magdeburger Schneider haben in einer gut besuchten Versammlung folgenden Lohntaris aufgestellt: 1. Anerkennung eines festen Lohntarifs. 2. Zahlung eines Mindestlohnes von 15 M. für Wochenarbeiter und Beieitigung des Kost- und Logirwcsens bei den Meistern. 3. Errichtung von Betriebswerkstätten. 4. Regelung der Lohnstreitigkcitcn zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch eine Kommission, die zu gleichen Thcilen ans Geschäftsinhabern oder deren Vertretene und ans Arbeitnehmern besteht. 5. Wöchent- liche Lohnzahlung am Schlüsse jeder Woche. 6. Anerkennung des Arbeitsnachweises der Arbeitnehmer. Tie Fcilcnhaner und Schleifer in Speyer haben sich den Be- strebungen ihrer Berufskollegen in Mannheim und Frankcnthal zur Erlangung besserer Lohnvcrhaltnisse angeschlossen und die Kündigung eingereicht. Sollten die Forderungen abgelehnt werden, so dürfte am 5. November der Ausstand eintreten. Ausland. Die Wiener Buchbinder haben am Montag in den Betrieben, die der Vereinbarung mit den 24 kartcllirten Unternehmern bei- traten, die Arbeit aufgenommen. Ergänzend zu unserer gestrigen Notiz können wir mitthcilcn. daß sich nachträglich doch noch bis auf acht Firmen die übrigen bereit erklärten, die Bedingungen anzunehmen, die in gemeinsamer Verhandlung festgesetzt wurden. Am Montag fand abcrinals eine Konferenz der Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Bureau des RcgierungSrathes M. Kulka statt, in der die Unter- nehmer nochmals erklärten, die Abmachungen seien für die kartcllirten Arbeitgeber bindend, und es werde in einer abends stattfindenden Versammlung der Unternehmer veranlaßt werden, daß die Arbeit unter den neuen Bedingungen bei den kartellirten Unternehmern anstandslos aufgenommen werden kann. So viel sich bis jetzt er- kennen läßt, werden viele Bnchbindcrei-Arbciter entlassen sein, für deren Unterstützung Vorsorge getroffen werden muß. Zuzug ist noch immer fernzuhalten! Tic Streikbewegung in Westrnstland. Der große Streik von 2000 Webern in B e l o st o k hat, wie im„Vorwärts" be- richtet wurde, nach einer zweimonatlichen Dauer zu einem Siege der Arbeiter geführt, jedoch wurde eine große Anzahl von Webern, welche sich an dem Streik betheiligt hatten, polizeilich aus Belostok aus- gewiesen. Bedauerlicherweise ist während des Streiks ein Zwischen- meister erstochen worden und befinden sich gegenwärtig aus Anlaß dieses unglücklichen Ereignisses achl Arbeiter im Velostoker Gefängniß in der Untersuchungshaft. Vor kurzer Zeit ist in D ü n ab u r g nach einer Dauer von ein paar Wochen ein Streik von 180 T i s ch l e r n beendigt worden, welche statt des 13— 14stündigen den Zehnstundcntag forderten. Die Meister hatten sich an die Gendarmerie-Verwaltung um Hilfe gewandt, waren aber trotzdem genöthigt, die Forderung der Arbeiter durchzu- führen. In derselben Stadt dauert bereits seit'drei Monaten ein Streit von 35 D am e ns ch n e i d e r n. Die Arbeiter hoffen ihre Forderung— Verkürzung des Arbeitstages ans 10 Stunden— durchzusetzen. �nMohilew wird gegenwärtig auch der Zehnstundentag von 60 in Streik ge- trctenen Gerbern gefordert. In K a l w a i j a und N o w o j e M e st o, zwei benachbarten Flecken in der Nähe der preußischen Grenze, zieht sich bereits die dritte Woche ein Streik von 235 B ü r st e n m a ch e r n hin. Diese, wie auch 35 in Minsk in Streik getretene Bürstenmacher fordern eine Erhöhung ihrer Löhne. Außerdem stehen gegenwärtig in B e l oft o k 85 Schneider im Streik, welche gleichfalls eine Lohnerhöhung verlangen. MterKvifches. AtlanticuS. Ein Blick in den ZnkunftSstaat, Produktion und Konsum im Sozialstaat. Stuttgart 1898, Verlag von I. H. W. Dictz Nächst") In theoretischer Hinsicht steht AtlanticuS nicht gerade auf hoher Zinne. Es fehlt ihm der„historische Sinn", worunter ich nicht das Jnbetrachtziehen historischer Momente verstanden wissen möchte, sondern die Auffassung alles Werdenden als zeitlich und ursächlich bedingte Aeußerung eines sich nach seinen eigenen Gesetzen vollziehenden Entwickelungslaufs. Das zeigt sich schon darin, daßAtlanticus alle realen Gegensätze unseres heutigen Gesellschaftslebens außer acht läßt und in seinen Anforderungen an den Zukunftsstaat von' rein subjektiven Nützlichkeitserwägüngen ausgeht. Gleich die erste Seite seiner Ein- leitung liefert dafür einen Beweis, indem er dort hervorhebt, daß *) Wir haben die Schrift von Atlanticus schon in unserer Nummer vom 10. September d. I. besprochen. Die uns später zugegangene Rezension von H. C. beurtheilt die Schrift von einem anderen Stand- punkte, weshalb wir uns entschlossen haben, auch die vorstehende Besprechung zu veröffentlichen. Red. d.„Vorwärts". Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Mr den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin. eS für die Verwirklichung der sozialistischen Forderungen nicht dar» auf ankömmt, ob unsere EntWickelung zum Sozialismus treibt, wie weit die Betricbskonzentration vorgeschritten ist u. s. w., sondern auf den Nachweis, daß bei sozialisttscher Regelung der Produktion„nicht nur allgemeiner Wohlstand eintreten, sondern auch die Arbeitszeit noch verkürzt werden kann"; eine Auffassung, die theoretisch auf Fournier zurückgeht, der auch glaubte durch Beispiele, und Nützlichkeits- demonstrationcn die Welt zur Einführung seiner Phalansteren-Wirth- schaft bestimmen zu können. Jndcß sind diese von Atlanticus in der„Einleitung" und zum thcil auch im„Schluß" entwickelten Anschauungen völlig Nebensache, sie könnten ebenso gut gänzlich fehlen; der Werth der Schrift liegt in dem Nachweis, daß schon nach dem gegenwärtigen Entwicklungsstand der Produktivkräfte bei planmäßiger gesellschäft- sicher Organisation der Produktion jedermann in Deutschland sich eines relativen Wohlstandes erfreuen könnte, und dieser Nachweis ist knapp und präzise unter Beibringung eines von allen Seiten zu- sammengcholten. außerordentlich reichhaltigen statistischen Materials erbracht. Nacheinander nimmt Atlanticus sich die verschiedenen Industriezweige vor, untersucht die heute darin beschäftigte Arbeiter- zahl, den Produktionsbedarf, die heute zur Herstellung eines be- stimmten Produktenquantums in den besseren Großbetrieben der be- treffenden Branche erforderlichen Arbeitskräfte und zieht dann daraus sein Fazit. Es werden die Landwirthschäst und das Verkehrswesen untersucht. Dabei ist Atlanticus streng bemüht, nicht Ausnahmefälle als Regel zu setzen, und schwerlich dürfte sich ihm nachweisen lassen, daß er irgendwo die Produktionsverhältnisse zu günstig berechnet; eher trifft das Gegen- theil zu. Der einzige Einwand, der meines Erachtens mit einiger Berechtigung erhoben werden kann, ist der, daß er in einzelnen Fällen, wo sich der behandelte Industriezweig wieder in eine Reihe Unter- brauchen gliedert, zu generell verfährt, d. h. die besonderen Verhältnisse dieser verschiedenen Unterbranchen zu wenig berücksichtigt und sie zu sunimarisch nach den vorhandenen Angaben über einen einzelnen Betriebszweig beurtheilt, so z. B. in der Papierfabrikation. Jndcß mutz zugestanden werden, daß erstens zum theil keine besseren Unter- lagen für eine Berechnung vorhanden sind, und zweitens, daß durch solche Spezifikationen, soweit sich beurtheilen läßt, wenig an dem Gesammtresultat geändert werden würde. Die Schrift füllt eine Lücke in unserer Literatur aus und wird sich voraussichtlich als äußerst werthvoll für die Agitation erweisen. Bisher ist oft von unseren Gegnern— gewöhnlich auf grund der albernsten stcucrstatistischen Zusammenstellungen— der Einwand erhoben worden, daß die Durchführung unserer Forderungen zu einem Zustand allgemeiner Armuth führen müsse; hier nun ist klar und überzeugend der Beweis geliefert, daß diese Einrede nicht mehr ist als leeres Geschwätz. Eingeleitet wird das kleine Werk durch eine Vorrede von Kautsky, in der dieser auf die Bedeutung der Berechnungen des Verfassers hinweist und zugleich in präziser Kürze seinen abweichenden Stand- Punkt in der von Atlanticus aufgeworfenen Zukunfts- Kolonialfrage darlegt._ H. C. Lrhke Narlzrirlzketr und Oepeschetr. Die Volksversammlung, die zu Mittwoch Abend nach dem Kellerffchen Saale in der Koppenstraße einberufen war, war von Tausenden besucht. Ungezählte Schaaren mußten umkehren, da der Saal wegen Uebcrfülluug um'/z8 Uhr polizeilich gesperrt wurde. Bebel sprach unter stürnuichcm Beifall über„Attentate und Sozial- demokratie". Seine zweieinhalbstündige Rede, die in der Ein- leitung die Scheidelinie zwischen Sozialdemokratie und Anarchismus scharf niarkirte, gipfelte in einer Resolution, die scharfen Protest gegen jeden Versuch erhebt, den Meuchelmord in Genf zu aus- nahmegcsetzlichen Maßregeln gegen oppositionelle Parteien in Deutsch- land zu verwerthen. Der Konferenz gegen die Anarchisten wird darin der Rath erthcilt, dort zu kehren, wo der Schmutz bergehoch liegt. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Nachdem in der Diskussion Landauer eine Vertheidigung des Anarchismus und die Psychologie der Attentate zu geben versucht hatte, wuroe nach einem Schlußwort Bebeles die Versammlung mit einem stürmischen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Breslau, 2. November.(B. H.) In der Prozeßsache der hiesigen Privat-Postanstalt„Hansa" gegen den Postfiskus enffchied, ivic der„Breslauer Generalanzeiger" mittheilt, das hiesige Ober- Landesgericht, daß die Benutzung des Telephons an die„Hansa" frei- gegeben werden müsse. Das Gericht nahm als nicht erwiesen an, daß die Hansa", wie die Postbehörde behauptet hatte, die Benutzung des Telephons gegen Entgelt gestattet habe. Nur für Botengänge hatte die„Hansa" Entschädigungen von den das Telephon benutzenden Personen erhalten. Die Privat-Postanstalt„Hansa" hat ein Urtheil auf vorläufige Aufhebung der Entziehung des Telephons erstritten. Wien,'2. November.tg Jorraitts" KM» plWInlt Uokttles. Vn die Arbeiterschaft Berlins! Montag, den 7. No- t> e m b e r, abends S'/a Uhr, findet in Kellers Festsälcn, Koppen- strafie 29, eine Volksversammlung statt, in der Stadt- verordneter Paul Singer das Thema:„lieber nähme der Elektrizitätswerke in städtische Regie" behandeln wird. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erheischt eine rege Be- theiligung der Berliner Arbeiterschaft. Es wird daher ersucht, zu diesem Tage keine weiteren Gewcrkschafts- oder politischen Ver- scmimlnngen einzuberufen. Die Vertrauenspersonen. In der„Schrippcnkirche" des Vereins„Dienst an Arbeitslosen" sind im Winter 1897/93 an 32 Sonntagen 23 333 niänliche meist obdachlose Personen sin den Vorjahren 1893/97 und 1895/96 an ebenso vielen Sonntagen 17 663 bczw. 14886) mit Frühstück und nachfolgender Andacht bewirthet worden. Die„ Jugend Hilfe", die gewissernrafieu den praktischen Theil der Arbeit des Vereins bilden soll und auf die nach jeder Andacht hingewiesen wird, ist 1897/93 von 1884 Personen sin den Vorjahren von 1674 bezw. 1766) aufgesucht worden. Sie wird, da sie während des ganzen Jahres in Thätigkeit bleibt, auch von solchen in Anspruch genommen, die nicht in der „Schrippenkirche" waren. Die Unterstützung sollte, nach der ur- spriinglickien Absicht der Begründer der„Jugendhilfe"(die erst seit 1893 besteht), vornehmlich Beschaffung von Arbeits- gelegenheit sein. Man hat aber den Hilfesuchenden bisher immer nur in sehr beschränktem Umfange Arbeit beschaffen können. Auch im Jahre 1897/98(1. Juli bis 39. Juni) sind nur 165 Personen durch den Verein in Arbeit ge- bracht worden; davon wurden 2 in die Lehre gegeben, 28 erhielten in Berlin und 135 auswärts Beschäftigung. Außerdem wurden 107 Personen am Stelleuvermittelungs-Komptoire gewiesen und durch diese ebenfalls außerhalb Berlins untergebracht. Die meisten derjenigen, die so durch den Verein bezw. durch die Ver- mittclungs-Komptoire in die Provinzen verschickt wurden, dürsten als Landarbeiter Beschäftigung gefunden haben. Der Verein „Dienst an Arbeitslosen" läßt es sich nämlich ebenso wie der„Verein zur Besserung der Strafgefangenen" angelegen sein, Ostclbicn mit billigen Landarbeitern zu veriorgen, wobei in der Regel nicht viel danach gefragt wird, ob sich die auf diese fragwürdige Art unter- gebrachten Personen durch ihre Vorbildung und ihren früheren Beruf überhaupt dazu eignen, den Hofgänger zu spielen. Die„Jugend- Hilfe" bittet direkt, offene Arbeitsstellen,„namentlich auf dem Lande", bei ihr anzumelden. Die sonstige Hilfe, die sie ihren Schützlingen gewähren kann, besteht in Ueberwcisung an die Arbeitcrkolonie <102 Personen im letzten Jahre), in vorübergehender Beköstigung und Obdach, in Uebcrlassung alter Kleidungsstücke, Beschaffung" von Papieren, Verbindung mit den Angehörigen, Auslegung von Reise- geld u. s. w. Auch von 659 erfolglosen„Hilfeleistungen" weiß der letzte Jahresbericht zu melden. Die Beleuchtung der städtischen Parkaulagcn während der Sommermonate rn den Abendstunden, welche die städtische Park- deputatton vor kurzem im Prinzip genehmigt hat, wird der Stadt- gemeinde nach den Berechnungen des Stadtelckttikcrs Dr. Kallmann verhältnißmäßig wenig Unkosten angesichts der großen Vortheile dieser Beleuchtungsanlage verursachen. Die Beleuchtung des Friedrichshain ist nach der Aufstellung des Dr. Kallmann durch 64 Bogeulampen vorgesehen, welche auf ornamental aus- gefiihrten Kandelabern anzubringen sind und sich in Abständen von 60Metern unter einander befinden. Hierdurch sollen mehr als5Kilometer Promenadenwege den abendlichen Besuchern erschlossen werden. Ins- besondere auch ist hierbei die Benutzung des großen Spiel- und Turnplatzes des Friedrichshains für abendliche Benutzung gewonnen. Die Kosten für das Prozekt, bei welchem es sich um eine Be- leuchtung in dem Sommcrhalbsahr bis etwa II1/« Uhr abends handelt und bei welchem die wichtigsten und interessantesten Park- Partien berücksichtigt sind, würden eine einmalige Ausgabe von zirka 20 000 M. erfordern, während die jährlichen Betriebskosten etwa die Summe von 8000 M. betragen würden. Die volksthllrnlichen Hochschulknrse sind am Dienstag Abend mit dem von Herrn Professor Dr. S ch m o l l e r im Friedrich- Werderffchen Gymnasium gehaltenen Vortrag über Handels- Politik erfolgreich eingeleitet worden. Dre Aula war zum Er- drücken von einer wißbegierigen Zuhörerschaft gefüllt, die sich aus den verschiedensten Berufsständen zusammensetzte. Außer Beamten und akademischen Lehrern erblickte man eine stattliche Anzahl jüngerer Personen aus den mannigfachen Zweigen des Handels- berufs, und neben diesen Kreisen trat wiederum die intelligentere Arbeiterschaft, wenn auch nicht so stark, wie wrr eS erwartet hatten, im Auditorium hervor. Gleich dem mämr- lichen Proletariat bildeten aber auch die in bemerkens- werther Anzahl erschienenen weiblichen Zuhörer einen lebendigen Protest gegen die in den letzten Tagen auch von uns er- wähnten Wehenife der Dunkelmänner, die ja in jedem Versuch, die Bevölkerung auf eine höhere Stufe der Bildung und Gesittung zu erheben, mrt recht einen verhängnitzvollen Eingriff in ihre Interessensphäre wittern. Bei dem Hauptcinwurf dieser Herren, daß die Hoch- schulkurse ebenfalls zur Förderung der Halbbildung dienen müßten, verweilte auch Pros. Schmoller einige Zeit. Gewiß, sagte er in seiner einleitenden Ansprache, ist die Möglichkeit vorhanden, daß bei diesem oder jenem Zuhörer die bedauerlichen Folgen dünkel- hafter Halbbildung erntreten können. Aber diese Möglichkeit ist nicht allein in dem jetzt von einer Anzahl Universitätslehrer gegründeten Unternehmen gegeben, sondern in allen Versuckjen, das Volksschulwissen zu fördern und zu vervollständigen. Und thatsächlich ist der den Hochschulkursen gegenüber erhobene Vorwurf in gewissen Kreisen ja auch gegen alle anderen Bildungsbestrebungen, so gegen die Fort- bildungsschulen, ja selbst gegen die Volksschule laut geworden. Weiter betonte Herr Schmoller das Bestreben der Vortragenden, sich nach Kräften von einer Stellungnahme zu politischen und sozialen Partei- bestrebungen fernzuhalten ganz, so meint er mit recht, werde dieser Grundsatz sich allerdings auf kernen Fall durchführen lassen. Es würde zu weit führen, wollten wir auf alle Einzelheiten der beachtenswerthen Ansprache und auf den Vortrag selber auch nur oberflächlich eingehen. Der politische und soziale Standpunkt des Herrn Schmoller ist gerade unserer Leserschaft aus vielfachen Mit- theilungen einigermaßen bekannt. Sind die Differenzpunkte zwischen ihm und uns auch gewiß sehr viel zahlreicher als die Berührungs- punkte, so hindert uns das nicht, in Herrn Schmoller den hervorragenden Nationalökonomen zu sehen. Die ge- schichtliche Darstellung der EntWickel, mg, der zeitweiligen Förderung und zeitweiligen Vernachlässigung des Prohibitionssystems war besonders dadurch ruteressant, daß Herr Schmollcr sich nicht auf ein trockenes Aneinanderreihen beschränkte, sondern auch seine per- sönlichen Anschauungen vortrug und gegen die von ihm für falsch gehaltene Nichtsalsfreihandels- Theorie m wohlbedachten Wendungen zwar, aber darum doch nicht minder kräftig zum Hieb ausholte. Nach Schmoller läßt sich die Streitfrage ob Schutzzoll oder Frer- Handel nicht vom Standpunkte des Doktrinärs abthun, sondern muß je nach dem Zustande der ökonomischen Entwickelung eines Landes von Fall zu Fall erörtert werden. Es war am ersten Abend erklärlich, daß die im Programm vor- gesehene Diskussion noch nicht recht in Fluß kommen wollte. Wir glauben aber nicht, daß Herr Schmoller sich täuschte, als er der Hoffnung Ausdruck gab, daß dieser Mangel sich bald heben werde. Wir sind besonders von einer lebendigeren Gestaltung der Vortrags- kurse überzeugt, weil wir die Erwartung hegen, daß die Arbeiter- schaft ihnen bald die gebührende Beachtung schenken wird. Die Arrsbaggcrung des Reinickendorfer Sees ist gestenr von der städtischen Sanitätsdcputatton beschlossen worden. Die Snbkommission der Deputation, welche sich mit der Petition wegen der F I e i s ch t h e u e r u n g zu befassen hat, stellte in ihrer gestrigen Sitzung den Wortlaut des Entwurfs fest, der in acht Tagen der betreffenden Deputation vorgelegt werden soll. Ter Verein Berliner Volksschullchrerinncn hat in diesen Tagen eine Petttion an den Magistrat von Berlin gerichtet, worin dieser ersucht wird, in Gemeinschaft mit den Magistraten anderer Städte der Provinz bei dem Justizminister dahin vorstellig zu iverden, daß durch gesetzliche Bestimmungen sittlich verwahrloste Kinder künftig aus der Volksschule entfernt und in staatlich beauf- sichtigte Zwangserziehung gegeben werden. Tie städtische Schuldcputation hat unter Vorsitz des Bürger- mcistcrs Kirschner beschlossen, gegen die Verfügung des Provinzial- Schulkollcgiums, wonach den jüdischen Lehrerinnen das Klassen- ordinattat in dem Falle abzunehmen ist, daß sich unter der Zahl der Schülerinnen nicht wenigstens zehn Kinder jüdischen Glaubens befinden, vorstellig zu werden. Elcndsstatistik. Im städtischen Obdach befanden sich am I.Oktober er. 37 Familien mit 150 Personen, darunter 18 Säuglinge, und 55 Einzelpersonen. Am I.November war der Bestand 34 Familien mit 104 Personen, darunter 17 Säuglinge, und 61Einzelpcrsouen. Das Asyl für nächtliche Obdachlose daselbst benutzten im Laufe des Monats Oktober 16 206 Personen, und zwar 15 144 Männer, 1062 Frauen. Von diesen Personen wurden 21 dem Krankenhause Fttcdrichshain, 43 dem Krankenhause Moabit, 14 der Ebaritee, 40 der Krankcnstation des Obdachs, 2 der Anstalt Wuhlgarten überwiesen, 279<275 Männer, 4 Frauen) der Polizei vorgeführt. Gebadet haben während des Monats Oktober 8578 Personen. Ein Geschenk an die Berliner Hausbesitzer ist die Folge des jetzigen Zustandcs im Müllabfuhrwesen. Die Müllabladeplätze haben schon irr früheren Jahren einen Fehlbetrag ergeben. Jetzt er« hebt der Magistrat für die Tonne— 20 Zentner Müll eine Gebühr von 1,90 M.; zahlt aber an den Unternehmer Tabbert für den SchiffstrauSport deS Mülls nach Spreenhagen 2,40 R!. für die Tonne, also 50 Pf. mehr als die Selbstkosten. Da nach den Mit- theilungen einer Deputation der Hausbesitzer- Vereine au den Minister des Innern zur Abfuhr des Mülls täglich 200 Waggons k 10 Tonnen— 200 Zentner uöthig sein würden, so wäre die täglich abzufahrende Müllmenge auf 40 000 Zentner— 2000 Tonnen zu berechnen. Den Hausbesitzern würden also täglich 1000 Mark von Stadt wegen geschenkt, ganz abgesehen von den Kosten des Platzes und seiner Verwaltung. Sind die Einwohner Berlins verpflichtet, ein solches Geschenk den Hausbesitzern, die für die Müllabfuhr zn sorgen haben, aus all- gemeinen Mitteln zu gewähren? Warum werden die Gebühren nicht so erhöht, daß sie die Selbstkosten decken? DaS Polizeipräsidinm theilt mit: Unter den Sacken eines mit langjähriger Zuchthausstrafe besttaften Mitgliedes der Einbrecher- bände Seibt u. Genossen, welche vor Jahren durch ihre verwegenen Einbrüche im Hansa- und Potsdamer-Viertcl Aufsehen erregten und 1895 zur Aburtheilung gelangten, ist ein goldener,' an beiden Rändern ciselirter Ring nrit blauem Türkis, innen gezeichnet �l. M. C; d. Jue 176 gefunden worden. Personen, welche über die Herkunst dieses Ringes' Angaben machen können, werden ersucht, sich im Zimmer 320 des Polizeipräsidiums lKriminalabtheilung) in den Vormittagsstunden von 9 bis 1' Uhr einfinden zu wollen. Ein Lottericschwindel, der in Rußland seinen Ausgangspunkt hat, führte hier in Berlin zur Verhaftung zweier Persouc'n, die sich demnächst in dieser Sache wegen Beihilfe zu grober Urkundcnsälschung, bezw. wegen Betruges zu verantworten haben. Der in Mlawa /- bis 8>/-»br abgehalten. L. G.««. Zum„S t u d i u m" können Sie nur gelangen, nachdem Sie ein Spanien bestanden: haben. Gymnasial-Vorbildung ist nicht un- bedingt nöthig, allein ohne ein Examen kann man nicht aufs Polytechnikum kommen. Um eine präzisere Antwort zu haben, müssen Sie uns genau angeben, welche Laufbahn Sie im Auge haben. Gustav Küster. Brieflich könne» wir keine Arisfunst geben, Sie können der freien HilsSkaffe der Maurer beitreten. Bureau: Altona, griedrichsbaderstrafje 28. Backhaus. Wir haben keinerlei Einblick in die BermögenSverhältnlffe der beiden von Ihnen genannten Genossenschaften. ».St.. Mülicrstraste. Gehört in seinem ganzen Umfang zum zweiten Landiags-Wahlkreis. 7». Nein. m. N. S. 28. Wenden Sie sich an die Polizei,- P. H. Rem, -(?. Lorz 1V0. Fügen Sie die AboinicmeiitSguittuug bei,— A.(E. Richten Sie Antrag an die Jnvaliditätöanstalt Klosterstr. 42.— Tchcringstr. 105. Lassen Sie durch die Polizei feststellen, daß das Wohnen geiundhettsgefährlich ist.— 10 000. Magistrat.— W. H. 777. Klostcrstr, 42.- tt. Cz. 70. Zunächst Beschwerde an den Landratv,- C. Z. 111. Ohne Kenntuiv des AktenmaterialS lädt sich die Frage nicht beantworten,— G. und Z. 1. Ja, 2. Die mündliche Abrede ist an sich giltig, aber zu nnbestimmt, als dag Sie daraus Rechte herleitm können. Sie müssen dem Gegner den Eid über die Abrede zuschieben.— T. 148. Ist nicht in allen Fällen gleich, sondern richtet sich nach der Gesammt- summe der Steuern in jedem einzelnen Urwahlbezirk. 2. Dritte Klasse. gOttternngSiiberslcht vom 2. November 1808, morgens 8 Uhr. Stationen Cork Abcrdeen Paris Wetter / 2 bedeckt KlRegen 6, bedeckt l.Rebel «SB ill 1(4 -z 14 12 0 Zeitweise nebelig, vielfach heiter bei mästigen südlichen Winden und beträchtlich steigender Temperatur; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a u. «°»d!i. vi. Wahlkreis.«Mß Donnerstag, de» 3. November, abends 8V- Uhr: Uolks- Versammlung im großen Saale des Moabiter GcscllschaftShauscs, Alt-Moabit 80/81. Die Sl)ziitll>eliii>kr.itie iind die htatioillile Rcaktm. Referent: Wilhelm Liebknecht. 220/6 Die Vertranenspevson. Orts-Krankenkasse lies Hlaurergewerlies. Freitag, den 11. November, abends 8Vj Uhr, im Taale der AvniinhaUcn, Konunandantenstraste 20: Monevoil" VorlennuNung der Vertreter der Kassen», itglieder und Arbeitgeber. Tag es- Ordnung: 1. Bericht über die THStigkcit des Vorstandes, 2. Dcstnitwr Gcnetzmlgung deS mit dem Verein der fretgewählten Kassen- ärzte abgeschlossenen Vertrages pro 1899, S. Ergänzungowahl zum Vorstande 1899/1900 für die ausscheidenden Mitglieder a) von den Arbeitgebern die Herren: Wirth und Schmidt; d) von den Knssenmitgliedcrn die Herren: Daehne, Trill, Simanowskt, Klaust nnd Buchholz; semer für den pro 1898 gewählten Herrn Lehmpfuhl. 4. Wahl des Rechnungs-NuSschusseS, 2. Abänderung des in der G en cra lv e rsammlung vom 8. April 1897 he- schlossenen Zusatzes zu tz 15 des Statuts, 0. Abänderung des§ 55 des Statuts� Streichung der Worte: „wenn zwei Drittel der Anwesenden dafür sind, oder". 7. Zusatz zu§ 56, Ziffer 13; „Beschluhnahme über Erwerb, Beraustemng und Belastung von Krimdeigenthum, sowie über eine hierdurch bedingte Aufnahme von Darlehen....... t Der Beschlust der Generalversammlung bedarf nr den unter Ziffer VI genannten Fällen zu seiner Jiechtsgiltigkeit die Zustimuiung der Aussichtsbehörde," Berlin, den 1, November 1898, 9010b Der Vorstand. A. Paehnc, Vorsitzender, A. Kolpln, Schriftführer. U'll 1 ¥1**11� sämmtllche Gastwlrths-Artikel Billard-Balle fem. 1»°«. ä® 5. Wahlkreis. CcffctM. Parteiversammlung am Donnerstag, den 3. November 1898, abends 8>/z Uhr. im Saale des alten Schützenhauses, Linienstr. 5 TageS-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht des Telcgirten vom Ttuttgarter Parteitag. 2, Verschiedenes, 217/13 Zahlreiches Erkcbeinen erwarten Die BertrauenSperfonen Freie VoSksslbühne. I. Abtheilong: Sonntag, den 6. Norember, im Fpledplch- WllhelinstUdtisclien Theater: Liebelei I Lumpenbagasch Sehauspiol in 3 Akten I Schauspiel in 1 Akt von Arthur Schnitzler.| von Dr. Paul Ernst. 2. Abtheilung 13, November, 3. Ahtheilnng 27. November, Am 20. November(Todtensonntag) ist keine Vorstellung. IHlttwoch, den 10. A'ov.(Busstag), abends 7 Uhr, nur für Mitgrlicdcr: Grosser Projektionsvortrag: „Um die Erde von Pol zu Pol" mit 200 Lichtbildern. Vortragender Herr Dr. Wlllielm Meyer. Marken ä 25 Pfennig sind in allen Zahlstellen zu haben. 230/19] Per Vorstand. LA.: G. Winkler. Allen Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, dast unser Kollege, der Schlosser 2016b Emil Fischer am Dienstag früh 91/, Uhr nach langer schwerer Krankheit an Herz? und Nieren- leiden im 47. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, nachm. 3Vj Uhr, vom Letchenhause des DmukirchhofeS, Müllerstr. 72/73, aus statt. Die Kollege» der Firma Schaeirer dt Walcker. Möbel, baar u. Th-ilzahlung. billigst Frank- furter Allee 110 I, Ecke KönigSbergcrstr. Gustav Ehrlich Bnchdrnckerel, Berlin SW'., Zimmerftraste 18, Hof parterre, liefert fämmtliche 3!)tU(fl"cid)Cn für Vereine, schnell u. preisiverth. Zeit- schrifren, Broschüren und Flugblätter änderst billig._ 36/5 Dr. med. Schaper, prakt. Homöopath. Arzt u. Spezialarzt f. Haut-, Harn-, vleschlechtsleide», Fraurnkraiitheitc». Svr. 9-1, 4-8 Schttneberger Ufer 25. Homöopath. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnab. Ab. 7-8. Friedrichstrafte 114, 1. Zentral-Verein der Former und Bernfsgeiiossen. 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Bl. sl939b Orts- Krankenkasse der Buchbinder zc. Zum 1. Januar 1899 ist die Stelle des Rendanten zu besetzen. Die An- sieflung erfolgt auf grund des§ 56 des Statuts. Erforderlich tfl eine Kaution von 600 M. Das Gehalt beträgt 1800 M. jährlich. Ebensalls ist die Stelle des Kranken- Kontrolleurs zu besetzen. Diese An- stcllnng erfolgt auf grund des tz 5? des Statuts. Gehalt wöchentl. 27 M. Selbstgeschriebene Offerten sind bis zum 12. d. M. an den Vorsitzenden B e r n h. I o st, Blumenstr. 61 2 Tr., zu richten. Nur Kassenuiitglicder find wählbar. s25/18j Ter Vorstand. Hilfsarbeiter an Äotatioiiäiiiiijchiiie in eine süddeutsche Stadt gesucht. Nur solche, welche schon längere Zeit als Hilfsarbeiter anRotationsmaschine gearbeitet baben, wollen sich melden. In der Stereotypie bewanderte er- halten den Vorzug. Offerten unter B. 7. an die Erpedition d. Bl. I" Ltuasten- u. Franzenarbeiterrn verlangt sofort Louis Knopftnachcr, 2009b Stralaucrstr. 56. Ein erster Schrifthauer, serner ein Bildhauer ges. Nicolai, Müllcrstraste. Goldleifte»> Belegeriliuen verl. Kottbujer Damm 100. f2008b B-üt i>c» Jnlinl» der Inserate «drriiiiniut die kliedattia» dem Piidlituiii(icnciiiUicr keinerlei ?kera»»»>i'> t»»n. OL Ijcntcv» Donner st ag, 3. SrtoöemSet. Qperiitzaus. Robert der Teufel. Ansang 7 Uhr. Cch.'.iifpielhans. Auf der Sonnen- feite. Anfang 7l/z Uhr. Neues Opern- Theater lKroll). Fregoli-Gastspiet. Anfang 7r/z Uhr. Tcntsches. Johannes. Anfang 7t z Uhr. Berliner. Das Erbe Anfang 7�,2 Uhr. Leffing. Im weigen Rög'l. Anfang 7'/- Uhr. Nrsidcnz. Der Herr Sekretär. Vorher: Mein treuer Autoine. Anfang 71/2 Uhr. tVe,.e». Johann von Paris. Hier- auf: Der Streik der Schmiede. Ansang 7>/2 Uhr. Neues. Hofgunst. Anfang 71/2 Uhr. Schiller. Das Lumpengesuldel. Anfang 8 Uhr. M etrvpol. Das Paradies der Frauen. Ansang 7»/, Uhr. (frmral. Die Geisha. Auf. 7�/, Uhr. Thalia. Unser lustiges Berlin. Au- lang 7>/z UKr. Luisen. JockoS Streiche. Vorher: Der dritte Kopf. Anfang 8 Uhr. Ostend. Der Jongleur. Anfang 8 Uhr. Belle> Sllliance. Napoleon. An- fang 8 Uhr. Friedrich< WilhelmsliidllschrS. Tie Geheimniffe von London. Anfang 8 Uhr. Mcxauderplnh. Jugendfündeii. An- laug 8 Uhr. Barvdic. Tilgend. Anfang 3 Uhr. Urania. Tanbenftrafie-IS—-II». Natrirlundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vor- mittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr: Tie Urzeit des Menschen Jnviilidenstrasje S7/K2. Täglich abends von 5—10 Uhr: Stern- warte, Operntelephou. glpollo. Spezialitäten-Vorstellung. Ansang 7»/, Uhr. Nrichshallcn. Stettincr Sänger. Anfang 7 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Vor- stellung. Pastng«> Panoptiknu«. Speziali- täten-Vorstellung._ Lchiller-Theliter (Wallner-Thcater). Donner st ag: Lttttzpengesindel. Freitag: Mauerblümchen. Sonnabend: Lnnipeugesindel. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 7Ü;73. Stf Lietzte Woche! 1BQ llufft lustiges Derliu. Grohe Aefangspoffe m 4 Bildern von E. Sondermauu u. Eh. Bischoff. Mustl voir Curt Gold mault. Anfang 7»/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Dienstag, den S.November: Zum I. Male: Der Hhpothckelischnster. Gesangspoffe in 3 Akten von Leopold Elp, Musik von Cornelius Schüler. Lßenh-Eerl Weiß-Henter. Gr. J�nnkfiirterstr. lZÄ. Ver»kvnKle«!'. Posse mit Gesang in 5 Abtheil, von E. Pohl, Musik von G. Conradi. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Giltigkeit. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert. Freitag: Robert und Bertram. Sonnabend: Keau. Sonntag Nach- mittaa: Robert n»d Bertram. Abends: Käthchen von Heilbronn. Cäsar Beck a. G. Montag: Schluuh sel. Wwe. In Vorbereitung: Onkel Jonas. Volisstülk mit Gelang in 5 Akten von Oskar Klein. Musik, von O. Wiechel. Knisen- Theater 34. Reichenbcrgcri, raste 34. Abends 8 Uhr: Jocko's Streiche. Burleske in 3 Akteii n. d. Englischen des James Carlisle von W. Sallis. z-ll»: PMfcllliisvÄ Nürnberg a. G. Mit sensationellem Lacherfolge auf- geführt im Apollo-Theater in Nürnberg und wt Volks-Theatcr in München. Vorher: � �ittC Klips. Posse in 1 Akt von Franz Wallner. Die Zchnlh der Äuldlosen. Sckaiispiel in 5 Akten von Ad. Stoltze. Jeden Sonnabend Nachmittag: gschtilec-Vo,' n t e 1 1 11 11 sf. W. Xoack's Theater Brnnnenstr. 16. Heute Donnerstag, den 3. November: Lunipazivagabumlus, ober: Das liederliche Kleeblatt. Zauberposse mit Gesang in 3 Akten von Johann Nestroy. Nach der Vorstellung: TaurlulnreHon. Morgen Freitag: Lumpazivagablindus. Urania Tanlienstrasse 48/40. Abwechslungsweise Die Urzeit des Menschen und Quer durch Oesterreich. Invalidenstr. 57768: Tägl. Sternwarte. Taubenstrasse im Hörsaal: Experim.u. Projekt-Vorträge i d. Urania, Invalidenstr. 57. Sonntag, den 6./11., 5 Uhr: Kiue Wandernng durch Pompeji. Ermiissljite Preise. | Parkett 0.50 Pf., Stehpl. 30 Pf.| Passage- PanosUicuni. Geöfinet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Im Theatersaal von 6 ü hr ab: Tlieätre varl et 6. Neu! Lebend! Der Storch- mensch! Apollo-Theater. Direktion; B. Wal dm arm. Annan d'Ary die bertthnite Pariser Operetten-Diva. Familie Agoust. Mp. Judges Dressirte Seelöwen. Sign. Pietro Basalari, der phänomenale Doppel-Sänger. |j$�~ 14 Debüts."WZ Kassenöffnung tVj Uhr- Anfang 71/2 Uhr. Reichshallen. Mti«kr Äilger Castan's Fauopticiun. Neu!! Neu!! Lebendig begraben!! Crntrnl Tlicnter Direktion: Jose Ferenczy. O i v G e i s lz a ober: Eine japanische TheehanS- Geschichte. Operette in 3 Akten v. Stdneh Jones. Morgen und die folgenden Tage: Tie vlcisda.— Sonntag, nachm. 3 Uhr: Gasparone. Operette in drei Akten von Milläcker. |Oi�mpin.| Theater. (Clrcus Renz) Karlstrasse. Täglich 8 Uhr abends: Berliner Ausstattungsstück mit CoupletS. tMchsel. Pietro. Britton, Sleidi, söronc, Näht, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Tagestasse von 41—4 Uhr. Zum Schluß: Vor Ä3 Jahren. Euseuible von Meyscl. Reichshanen Restaurant. Täglich: Konzert des 24 Mann starten Ncichshalleti'Lrchestcrs. Dirigent: Max Schmidt. Eutree irei. Aufzügen und Kolossal> Ballcts J in 3 Akten(10 Bildern). t Sonntag Xaclimlttae j ' 8- Ohr:! Tieselbe Vorstellung. -1 Kind frei.-TB AMWMUWMWM Clrcus Renz-Riesen-Tunnel. Direktion: J. M. Hütt. Täglich: OrosncM Konzert der Hauslapelle unter Leitung dcS Mustkdireltvrs Herni 0ttv Cämer und Extra Spezialitäten-Vorstellung unter Regie des beliebten Humoristen Gustav Kluck. TaS neue grostartige November- Programm. Ans. Wachem. 0V- Uhr, Sonnt. 5 Uhr. Entrce Wochent. 10 Pf., Sonnt. 30 Pf. Donnerstag. 3. November 1808, abends 71/2 Uhr: Gr. Parforce-Vorstellnng bestehend aus SO Binrnniern, den besten des Repertoirs. Austerdem Auftreten des Herrn Franz Gebhardt. Ritter pp., bisher Chef der k. k. spanischen Hofreitschule in Wien auf dem ostpreuh. Hengst„Barrolo" (in kurzer Zeit dressirt). Zusammen- tunkt der Blumen, grosses Ballet-! Divertiffement. Auszug säinmtlicher Reitertypen in prunkhaft. AusstatMug. Die neuen Freibeitsdressuren des Dir. Bukch. Aufreten der neu engagtrten Rcittünsttcrinuen und Künstler als Clowns und Auguste. Morgen Freitag, abend??:/, Uhr: Humoristische Vorstellung.— Sonntag, den ö. November, nachmittags 4 Uhr, (1 Kind unter 10 Jahren frei, weitere Kinder unter 10 Jahren zahlen auf allen Plätzen halb- Preise). Auf be- sonderen Wunsch: Aufzug sämmtlicher Reitertypen in prunkhaft. Ausstattung. Vol ks- Tlieater im Welt-Restaurant DrcSdcner-Strasfe 97. Dir.: A. Kolig. Art. Letter: A. Runge. Novität! Sensationell I Novität! Weibliche Rekruten. Operetten- Burlcöke von I. Eissner. Musik von A. Zehr. In Szene gesetzt von August Runge. Rieseuersolg I Jubelnder Beifall! Bei Werthheim's. Ken! Mr. William Barrey, Ken! Origiiiai-Ncger-Clomil. Alcazar- Theater Dresdenerstr.SS/SS.CIty-Paisage. Direktion: Richard Wiuklcr. Allabendlich unter stürmischem Jubel: vR8 Vurstmädehen tod JLschinger. Bild aus dem Berliner Leben von W. Neichard. Musik von Oskar Victor-Roeder. In Szene gesetzt von Otto Wendt. Auf allgemeines Verlangen! Die VVeiETsl. Schwank In 1 Akt von E. Felsch. Gesammtauftretcn des nencngagirten Künstler- und Spezialitätcu-Personals. Alttirtilrt» Wochent. 7»/, Uhr. ilU|lllljJ. Sountags 6 Uhr. (fitfpp*. Wochentags 30 Pf. Ullllll. Sonntags 40 Pf. Vorzugsbillets habe» Giltigkeit. f Feen-Palast- Theater Burgatr. 23. Burgstr. 23. Direktion: Winkler und Frfibel. Neues November-Programm. Rosen vom Norden. Grosse Ausstattungsposse von W. Geriete. Theodor Görner. R. Winkler. Patty Frank. Akrobaten- truppe.— Tora Ntarchetth. Equilibristin. 'tzVIlhelin FrObel, der unverwüstliche Humonst. Fa Fa, akrobatische Clown. Gehr..Vlagnrn, Hand- und Krasi-Turner. loaka'a lebend. Bilder-Gallerie, barg. v. 8 Danten-Schönheiten. Helene Boss— Müsellh— Ernst Sprecher. Anfang 7»/,, Oeffnung 6>/z Uhr. Vorverkauf Vorm. v. 41-1 Uhr. toiickilhaiiL. l,cl»»lccrHtr.aio.48. 9#- Täglich:-BQ Hoffmann's(Juartett und Humoristen. Zum Schluß die Operette von JacqueS Offenbach: � Insel Tnlipatan. Die Handlung spielt 3000 Meilen von Blankenese, 150 Jahre vor Erfindung der Bclozipeden mit Dampfschraube. Für die Wochentage werden Vereins- billets mit erheblicher Preisermässi- gung ausgegeben und können von den geschätzten Vereinsvorständen kosten» kos im Bureau des konzerthauses entgegengenommen werden. Gtees Wintert am Sonnabend, den 5. November, arrangirt von den Genossinnen Berlins in der Brauerei Friedrichshain sfriiher Lipps). Vok«I- n. Instrnmental-Monzert. Die Mufti wird ausgeführt vom Berliner Konzert-Orchefter unter Leitung feines Dirigenten Herrn G. Grast. Prolog, vorgetragen von Fräulein Ida Altmann. Gesangsvorträge des Gesangvereins„Widerhall"(m. d. a.-s.-b.) Turnerische Aufführnugen(Marmorgruppen) Grleehlsche Jünglinge beim Spiel, in 10 Bildern, ausgeführt von Mitgl. d. Tumvereins Fichte. Hgp- Nachdem: BALL. Herren, die am Tanz theiluchme», zahlen 30 Pfennige nach. 2/8 Billets k 25 Pf. sind in allen bekannten Lokalen und bei folgenden Personen zu haben: Frau Bauschte, Rostockerstr. 47, Stsi. 2 Tr.; Frau Seeger, Geriehtstr. 40, v. i. K.; Frau Rosentreter, Kastanien-Allee 27, H. 3 Tr.; Frau Anna M e s ch, Lychenerstr. 3, v. 4 Tr.; Frau A. Schneider, Höchste- sttasse 29, v. 1 Tr.: Frau Klatsch, Koppenstt. 8l, Quergeb. 4 Tr.; Frl. O. B a a d e r, Strausbergerstr. 28, v. 4 Tr.; Frau Jung. Gräfestr. S, H. 1 Tr.; Frau Lutz, Puttkamerstr. 7, v. i. K.) Frau Sprung, Mariannen- Ufer 7, H. 4 Tr. Programme an der Kasse gratis. Warne hiermit jeden, meiner Frau auf meinen Namen etwas zu borgen. 2014b) Ried. Pest, Pappel-Wee 40, I. Jede Koukurreuz übertreffeud biete ich diese Woehe in prima frischester Qualität: Lebende Hechte.. pro Psllllil W-7lj Ps. Uxm.. Äe«.- Cabtiilll........ TeeleD......•• Matsiljslltll(Jlnnhetii).. W-Ksrpscil )tchte �-8« 20-25 15-25 15 20 30-35 40-50 40-50 40 )llrslhe....... 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(Ohne Gewahr.) 123 231 81 423 631 1158 233 37 479'649 829 58 3038 117 33[300] 415 685 714 918 13000] 43 82 88 8031 938 314 600 24 843[30001 66(8001 912 4020 Iii 312 27 43 59 565 829 940 95(300] 5026 152 233 331 419 584[30001 653 783 892 982«066 79 127 76 378 [500] 462(300) 603 675 756 59 7023 119 230[5001 500 1300) 607 71 866 67 8131 37 417 674 602»186 238 39 67 330 96 494 563 616 773 89 800 3 72 84 957 70 10103 303 544 631 32 34 11053 59(300) 71(500) 234 48 74 320 69 446 74 547 57 97 766 911 75 85[3000 l»ini 250 418 834 63 98 1 8269(500) 522 630 1500] 66 710 35 46 14135 255 95 321 87 401 801 8 15119 53 232 336 444 737 92 828 16079 430 83 523 35 52 801 951 85 1 7004 101 80 305 419 63 72 504 13(300) 21 604 54 80 774 877 927 49 92 18262 373 88 508 12 60 78 672 849 66 70 73 982 10031 37 78 107 365 71 450 88 9« 585 735 40 »6054 121 274 454 600 55 617 878 970 21112 222 43(1000) 76 400 732 93 900»»026 94 109 65 321(500] 469 690 869 969 84»8423 635 62 75 741 896 953 84132 61 349 416 98 568[500] 705 834 977»,>040 147 254 369 529 71 661 862 93»6105 72 368 69 580 709 24 845 986 27035 235 485 555 82 626 720(500] 28061 229 349 508 21 833 88 968»»078 103 13 38 74 341 63 88 426 587 604 36 84 780 996 1300] »6248 462 602 29(300) 979 87 31079 200 348 60 647 803 6[3000] 903 32163 219 851 439 609(5001 65 705 800 81 989 83011 91 154 224 30 46 323 98 34033 194(500) 414(3000) 538 81 606 36 997 35034 102 341 458 13000) 755 88k. 983 36023 177 92 278 394 97 400 (300) 78 547 659 1300) 64(3000J84 856 936 47 96 37087 90 212 96 879 38190 355 595 667 830 84 903 25 30082 13000) 41 201(1000J 30 61 341 11000] 72 496 607 (1000] 82 46010 361 434 509 55 68 602 769 83 84 847 41152 441 57 832 902 42128 31 43 203 456 826 32 911 42 70 43165[3000] 773 802 54 954 75 44034 318[300] 8S 709 932 45 46232 51 628 712 813 922 40139 81 632 96 928 47029 43 77(300] 192 273 93 386 417 712 88 939 51 65 68 48005 139 228 77 380[10001 543 95 691 749 83 859 13001 40041 148.879 405 566(5001 853 982 50057 80 104 52 87 255 768 86 51213 1300] 344 453 665 934 52058 71 223 48 363 635 701 87 859 954 53001 177 94(1000) 231 337 11000] 56, 813 54182 2sl 405 1300) 602 40 84 783 S6033 38 114 59(500] 214 84 341 457 543 44 710 862 993 50292 344 74 442 713 21 836 57072 87 137[3001 81 82 360 78 415 568 779 58015 46 157 59 68(1000) 217 SS 723 50224 348 462 662 98 701 903 55 60027 66 602 865 86«1076 98 132 60 303 565 723 28 71 87 822 30 968«2112 212 53 339 420 87 93 589 658 994 63090 186 527 600 851 1500] 947 95«4062 345 416 72 546 703 15 50 78 873 944 65008 243 45 46 61 411 43 540(300) 641 852 66345 454 84 501 88 92 650 788 958 66«7145 1300) 219 23 70 450 80 512 703 815 44 68046 236 315 426 513 677 729 64 673 91 963 «»017 257 89 802 866 929 76027 219 60 359 458(5001 76 667 70 603 99 716 51 852(500) 71057 198 598 613 833 82 971 77 72104 335 61 442 83 86 581 811 44(5001 73063 163 96 211(80001 51 [3000] 78 586 77(300] 702 862 74040 153 491 521 36 77 747 52(300 812 75008 125 217 81 413 502 790 885 911 86(10001 76131(500] 283 463 500 692 7 7084 99 213 93 421 27 696 746 814 78090 106 14 16 62 203 28 33 41 314 42 95 417 630 50 788 918 48 79002 4 132 333 64 413 *0039[800] 88 117 613 82 616 28 38 929 81276 "1 87 313 26 67 456 719 29.........| 83028 224[150«OOI 357 475 *402« 82 99 206 328 69 620 3'.______ (5O0O1 80 227 85 322 34 406 68 72 79 738 829 948 71 99 86123 321 55 437 92 798 856 926*7046 282 405 110001 66 92 96 823 38 59 85 911 29 65 88080 212 81 352 64 788*»146 623 78 88 622 UOOOJ 787[3000] 801 934 »0091 419 731 817 63 923 79»1416 59 718«82 930 90»2260 394 561 660 82 700 888 85 99»3169 853 461 99 641 615 704 815(300] 58 85 918»4009 124 94(3000] 277 87 437 702 7 82 846(1000) 88».>054 69 161(10001 445 542 92 650 800 9«6052 68 83 449 9 7095 13000] 158 70 98 572(300) 639 77 82 710 76 0*165 [1000] 73 206 803 71 454 695 655 960(30001»»252 392 465 71 530 53 82 659 724 807 24 960 62B 160257 65 396 518 79 938 101187 423 29 45 82 538 81 633 43 734 865[300] 79, 02059 205(6001 331 601 732 49 935 93 103184 227 309 11 464 85 519 13000) 645 762 1 04023 101 223 337 435 508 815 65 921 48(10001 6! 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