Kr. 259. Adinmement«• Kedwgungr«: «bonnemenl!-Pret» pränumerando: «ierteljährl. SL0 Ml., monatl. 1,10®»., n>öche»lltch 28 Pfg. frei tn« Hau». Einzelne Nummer s Plg. Sonntag»- Nummer mit illustrirter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung», Preisliste für 1898 unter Sc. 7576. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrig« Autland S Mark pro Monat. 13. Jahrg. Die Dnstrtwns-Gcbllhr beträgt für die fechigefpaltene ktolonel» zeile oder deren Raum»0 Pfg., für verein»- und verfammlungS-AiiisIgen. sowie ArbeitSmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis l Uhr nachmittag» in der Expeditio» abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend». an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag» geössnet. Erscheint liglich«ttzer wonlag». Devlinev VolksvlAkk. Fernsprecher:»mt I, Sc. Ivos. Telegramm-Adresse: „So,ialb»mz>Krak Verl in". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beutlz-Strahe 2. Freitag, den 4. November 1898. Expedition: SW. 19, Bentlz-Stratze 3. Noch ein Sozialistengesetz! Da die parlamentarische Zeit herannaht, werden uns von den Regierungsoffiziösen nicht Neformvorlagen, nicht Gesetzentwürfe zum Schutz der Annen und Bedrückten angekündigt, sondern neue Zwangsgesetze zur Knebelung des freien Mannesworts, zur Unter- drückung der Arbeiterbewegung. Das nimmt in deutschen Landen nun freilich schon niemanden mehr Wunder, denn die Politik der Polizeigesetze und der Volksentmündigung ist alter Brauch im junker- lich-kapitalistischen Preuhen-Deutschland. Und doch soll, wie es scheint, die nächste Zeit Bescheerungen bringen so riesig und so grotesk, daß selbst alles bisher Dagewesene übertroffcn wird. Die lex Posadowskh, die Knebelvorlage für die Arbeiter, welche ihre elende Lebenshaltung ein wenig aufbessern wollen, ist im Reichs- amt des Innern fertig gestellt. Die Bundesregierungen sollen jetzt ihren Segen dazu geben, dann wird Graf Posadowskh das Werk kapitalistischer Herrsch- und Ausbeutungssucht vor das Reichsparlament bringen. Dieser Gesetzentwurf ist uns sicher. Aber damit soll eS nicht genug sein. Noch anderes, noch grötzeres wird geplant. Fürst Hohenlohe, so wird gemeldet, wird nächster Tage auf Wunsch des Grostherzogs von Baden nach Karlsruhe reisen. Der badische Großherzog ist bekanntlich vom Kaiser als eine Art Stellvertreter während der Dauer der Kreuzfahrt nach Jerusalem eingesetzt worden und dieser badische Großherzog, von jeher ein besonders grimmer Sozialistenfeind, ist, seitdem die Sozialdemokratie drei badische Reichstags-Wahlkreise, darunter die Residenz Karlsruhe, erobert hat, dreifach begeistert von der Idee, dieser bestgehaßten Partei aufs schärfste entgegen zu treten. Da wird man verinuthen dürfen, daß die Frage des Kampfes gegen die Sozialdemokratie den wichtigsten Anlaß für die Zitining des Reichskanzlers nach Karlsruhe bildet. Der alte Kanzler, der wohl lieber sein Ruh haben möchte, hat sich einst dazu bewegen lassen, das Umsturzgesetz gegen die Sozialdemokratie zu vertreten. Will nian ihn jetzt für ein neues derartiges Unter- nehmen fest machen? Diese Bennuthung gewinnt die allergrößte Wahr s Peinlichkeit durch einen Artikel, den die badisch- offiziöse „Süddeutsche ReichS-Korrcspondenz" soeben veröffentlicht. In diesem Artikel wird angekündigt, daß dem neuen Reichstag Eindämmungs-Maßregeln gegenüber der sozialdemokratischen Hochfluth vorgeschlagen werden sollen. In dem Artikel wird, nach dem Bericht der„Volksztg.", weiter ausgeführt: Es habe sich herausgestellt, daß in der Behandlung der Um- sturzpropaganda seitens der Regierungen und der staatSerhaltendcn Parteien Fehler begangen seien; mit der bisherigen Taktik müsse endgiltig gebrochen werden. Sie müsse durch Maßregeln ersetzt werden, die es außer jeden Zweifel stellen, daß der Kampf gegen die Todfeinde aller göttlichen und menschlichen Ordnung mit rücksichtslose st er Energie auf genommen wird. Der Boden sei nunmehr so weit vorbereitet,„daß an Ergreifung solcher gesetzgeberischer Maßregeln herangegangen werden kann, von denen zu erwarten steht, daß sie einmal die Koalitionsfreiheit der Arbeiter mit den wiinschcnswcrthcn Garantien gegen ihre mißbräuchliche Verquicknng mit Kontraktbruch und Terrorisining Arbeitswilliger umgeben, zweitens aber eine wirksamere Niedcrhaltung der geinein- gefährlichen, untergrabenden Umtriebe ermöglichen werden". Die bisherige Taktik, das war die Taktik, die Sozialdemokratie durch Verschärfungen des gemeinen Rechts zu bekämpfen. Hierfür vermochte man die bürgerlichen Mittelpartcien nicht zu gewinnen, da sie fürchteten, es werde auch ihnen an den Kragen gehen. Nun soll mit dieser Taktik gebrochen werden und das. was die kon- servativcn Volksfeinde, was„Hamburger Nachrichten" und„Kreuz- Zeitung" stets gepredigt, soll Regierungstaktik werden: Es soll ein besonderes Ausnahmegesetz gegen die„Umstnrzpropraganda" vor- gelegt werden I Ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemo- kratie in Sichtl lind diese Ankündigung de? offiziösen badischen Organs wird bereits von der ganzen reaktionären Meute eifrigst unterstützt. Die Kapitalistenblätter wittern einen' ihren Plänen günstigen Rcgierungs- wind. Sie kannten noch nicht recht die Fährte. auf die sie die Regierung führen will, aber sie wissen, in welcher Richtung der Marsch gehen soll. Die„Schles. Ztg." vernmthete dieser Tage, eine neue lex Recke gegen die Bersammlungs- und Preßfreiheit in Preußen werde geplant. Andere Blätter riethen auf ein Anarchistengesetz, wobei man von Anarchisten und ähnlichen Um- stiirzlcrn redet und die Arbeiterbewegung treffen will. Und gestern Abend unternahm das freikonscrvative Organ des blutigen Laura- Hütten-Grllnders Kardorff, die„Berl. Neuesten Nachr." den Wahn- witzigen Versuch, wegen der Rede, die unser Parteigenosse Bebel gegen jede politische Gewaltthätigkcit hielt,„klarumschrie- bene Gesctzesbe st immun gen gegen den Umsturz" zu fordern. Die Blätter des„Umsturzes von oben", wie werden sie sich jetzt der frohen Botschaft freuen, die ihnen aus Baden kommt, die ihren heißesten Wünschen endliche Erfüllung vcrhcißtl Oder wird ihre Freude bereits vergällt werden durch Bedenlen und Zweifel? Wie groß war ihr Jubel, da der Kaiser in Oeynhausen den Weg in das Zuchthaus wies. Aber jener Jubel ward alsbald beein- trächtigt durch die Empfindung, daß die Absichten der Regierung zu früh bekannt gegeben seien, früh genug, um eine große Be- wcgung im Volke gegen das Zuchthausgesetz hervorzurufen. Und wenn jetzt die„Berliner Politischen Nachrichten" zu be- schwichtigen trachten und die Ankündigungen der konservativen j Blätter, eS werde eine neue lex Recke oder ein Anarchistengesetz kommen, als„mehr auf Kombination beruhend" hin- stellen möchten, so dürfte dieser Verdrehnngs- und Vertuschungsvcrsuch des Berliner Offiziosus keineswegs nur aus Konkurrenzvcrdruß gegen den badischen Offiziosus, der das Geheimniß eher erfuhr, sondern aus der Absicht entspringen, die öffentliche Meinung einzuschläfern. Wie schön wäre es gewesen, wenn man das deutsche Volk plötzlich hätte überrumpeln können. Dieser Plan ist schon jetzt durchkreuzt. Aber noch ein zweiter Wermuthstropfen fällt in den Freuden- becher der Sozialistenhetzcr. Den wundervollsten Hintergrund für die beabsichtigte Ausnahmegesetzgebung sollte das„furchtbare Attentat" bilden, das in Egypten gegen den deutschen Kaiser geplant worden sei. Ueber ein Dutzend„gefährlichster" Anarchisten sollten verhaftet worden sein; sicheren Tod bringende Bomben seien geftmden; eine „internationale Verschwörung zur Ermordung sämmtlicher Staats- obcrhäuptcr und besonders des deutschen Kaisers" sei entdeckt— so krächzte es durch die Junker- und Kapitalistenpresie und allemal klang das widrige Gckrächz aus in dem Verlangen: Ein neues Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie. Die Mache war alsbald offensichtlich. WaS blieb uns übrig, als die Macher zu höhnen, daß sie ihr altgeivohntes Handwerk so gar schlecht verstünden. Und jetzt muß die„Tribuna" in Rom, ein der italienischen Regierung— deren Konsul in Alexandrien die Unter- snchung führt— nahestehendes Blatt, berichten: „Die Untersuchung habe keinerlei Beweis gegen die Verhafteten erbracht und sie würde» demnächst auS dem Gcfängniß entlassen werden." Und der«Vossischen Zeitung" wird auS Rom tclegraphisch ge- meldet: „Ueber den Inhalt des hier eingetroffenen Berichtes des italienischen Konsuls in Alexandrien läßt die Regierung noch nichts verlauten. Zuverlässige, aus guter Quelle geschöpfte Meldungen aus Alexandrien lassen jedoch er- kennen, daß ein Mordanschlag gegen den deutschen Kaiser kaum nachweisbar sein wird. Jedenfalls sind die Her- st eller der Bomben nicht entdeckt worden und konnte den verhaftete» italienischen Anarchisten keinerlei Be- theiligung nachgewiesen werden, wennschon sie offenbar zu allem fähige Gesellen sind. Sie dürften unmittelbar nach der R ü ck reise des Kaisers entlassen werden; eine polizeiliche Herkunft der Bombe» gilt deshalb nicht alö gänzlich ausgeschlossen." Ein herberer Schmerz kann unseren„Ordnungshütern" nicht bereitet werden. Noch sind unvergessen alle die salbungsvollen Lcit- artikcl der„Kreuz-Zcitung" und der„Post", in denen man dem Herrn im Himmel dankte für die Vereitelung des Attentats. Und nun ist's wieder nichts damit. Allzu früh ist der Schwindel aufgedeckt, der sich so vortrefflich eignen sollte, um Stimmung für ein neues Ausnahmegesetz zu machen. Aber die Lage bleibt ernst genug. Die„Süddeutsche Korre- spondenz" hat die Absichten der Regierungen— über die wir uns freilich auch vorher keiner Täuschung hingaben— ausgeplaudert. Ist auch der egyptische Schwindel beseitigt, so werden die Reaktions- Parteien doch nicht uni andere Schwindeleien und Volksbctriigercicn verlegen sein, und in ihrer maßlosen Wut gegen die immer wachsende Arbeiterbewegung werden sie von dem Plan eines Ansnahmcgesetzcs nicht loslassen. Wohlan denn, wir wissen woran wir sind. Wir fürchten die neuen Kämpfe, die man uns anbietet, nicht. Wir sind überzeugt: Alle freiheitlichen Elemente des deutschen Volkes werden zu uns stoßen und die Sozialdemokratie wird mit verstärkter Anhängerschaft sieghaft aus diesem Kampfe hervorgehen! politische Mrbeefichr. Berlin, den 3. November. Ernste Stnrmwolken erheben sich. England rüstet, und zwar im großen— so wie es nur vorkommen kann, wenn ein Krieg bevorsteht oder unmittelbar befürchtet wird. Ein großer Theil der Flotte ist bereits auf dem Kriegsfuße, daran ist kein Zweifel— und das bedeutet, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn ein großer Theil unserer Armee mobil gemacht wäre. Ueberall, wo englische Geschwader sind— im Aermelmeer, im Mittelmeer, an der egyptischen Küste, am südlichen Eingang des rothen Meeres, im Persischen Meer und vor allem an der chinesischen Küste— überall sind die englischen Geschwader verstärkt worden; und auf allen englischen Werften wird fieberhaft gearbeitet. Frankreich allein kann das nicht gelten. Denn die Faschoda- Frage geht ihrer Erledigung ent- gegen. Die französische Regierung hat unzweideutig erklärt, daß sie aus dem Besitze Faschoda's keine Kriegsfrage macht, daß sie aber für die Räumung dieses Punktes eine Ent- schädigung beansprucht; und die englische Regierung hat prinzipiell die Berechtigung Frankreichs zu solchen Ansprüchen anerkannt. Marchand soll bereits zurückberufen worden sein— da ist an einen Krieg um Faschoda zwischen Frankreich und Eng- land nicht zu denken. Die englischen Rüstungen müssen also ein anderes Ziel haben, und dieses Ziel zu finden ist nicht schwer. Es ist Rußland. Nachdem Rußland vor anderthalb Monaten in der chinesischen Eisenbahnfrage sich den Eng- ländern gegenüber zu einigen Konzessionen hatte entschließen müssen, ist es sofort wieder an die heimliche und öffentliche Minir- und Erobererarbeit gegangen. Es bewirkte die Palast- revolution in Peking, drängte dort den englischen und japanischen Einfluß zurück, verstärkte seine Besatzung und Flotte in Port Arthur und hat in einem anderen chinesischen Hafen: Niutschwang eine Besatzung geschickt. Das allein ist genug, und mehr als genug, um England zum Handeln zu reizen. Doch es ist mehr geschehen. Seit Jahrzehnten arbeitet die russische Diplomatie daran, sich einen Hafen im Rothen Meer zu sichern. BiS jetzt hat England, dessen Straße nach Indien und China das Rothe Meer ist, alle derartigen Versuche durchkreuzt. Jetzt aber wird die schon früher aufgetauchte Nachricht bestätigt, daß Rußland wirklich einen Hafen am Rothen Meere erhalten solle, und zwar gerade da, wo das Rothe Meer sich südwestlich am meisten verengt, nämlich an der Küste von Ra h e i t a. Wer die Landkarte zur Hand nimmt, findet hier ein kleines Sultansgebiet, Raheita genannt, das zwischen den italieni- scheu Besitzungen und dem abeffynischen Reich sich eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt hat. Daß die Russen sich hier festsetzen, können die Engländer unmöglich dulden, wenn sie nicht durch Rußland von ihrem asiatischen Reich und von Ostasicn abgeschnitten sein wollen. Es wäre das die Ab- dankung Englands als Großmacht. So erklärt sich also der Ernst der englischen Rüstungen. Werden nun durch diese Krisis im Vcrhältniß zwischen Ruß- land und England nicht auch die Kohlen der Faschoda-Frage wieder angefacht werden? Gewiß ist, daß Rußland aus Leibes- kräften auf die Kohlen bläst. Doch wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß die öffentliche Meinung in Frankreich sich mehr und niehr von dem Bündniß mit Rußland abwendet. Und der gesunde Menschenverstand niutz doch jedem Franzosen sagen, daß die Interessen, welche Rußland gegen England vertritt, nicht französische Interessen sind, und daß Frankreich in einem Kriege mit England, dessen Flotte den vereinigten Flotten Frankreichs und Rußlands überlegen ist, nichts zu gewinnen und sehr viel zu verlieren hat. Ans der anderen Seite ist— wie die Verhandlungen wegen Faschoda's gezeigt haben— die englische Regierung auch klug genug, den Werth der französischen Freundschaft zu kennen. Ueberaus günstig für England— so günstig, daß man geneigt ist an eine vorherige Verständigung zu glauben— ist das Verlangen der Amerikaner nach Abtretung der Philippinen. In England jubelt man diesem Schritt zu und erblickt darin den An- fang der englisch- amerikanischen Allianz, der für Ostasien als Dritter im Bunde Japan mit seinem trefflich ausgerüsteten Heer und seiner immerhin ansehnlichen und kricgStüchtigen Flotte beitreten würde. In England wird das allgemein erwartet. Spricht man doch schon von einem bereits abgeschlossenen Bündniß mit Japan. Noch ist es nicht möglich, die Gruppirung der Mächte genau zu bestimmen, allein die Umrisse fangen doch schon an, sich am Politischen Horizont abzuzeichnen.— Vielleicht hängt mit dieser plötzlichen Verschlimmerung der Lage auch die beschleunigte Rückkehr des deutschen Kaisers auS Palästina zusanunen. Von der ZlbriistnngSkonfcrcnz. Wie die„Politische Kor« respondenz" aus Petersburg meldet, werde die Avriistuugskonfcrenz vielleicht erst im März und wahrscheinlich in Petersburg zu- sammcntrctcn.— Ein ungeheurer anicrikanischcr Mehltrust ist das neueste Schreckgespenst, mit dem der Bund der Landivirthe seine Gläubigen in Aufregung hält. Elf Großnillhlen in Ncw-Dork, Miuueapolis, Duluth, Millväukce, mit einer täglichen ProduktionSfähigkeit von 95 000 Barrels Mehl(1 Barrel gleich 88,9 Kilogramms sollen sich verschworen haben, Europa mit billigem Mehl zu überschwemme». Durch den Zusammenschluß zu einem Syndikat hoffen die Mühlen, die größtmöglichen Ersparnisse zu erzielen, und zwar sollen dieselben erreicht Iverdcn durch eine wescutlichc Herabsetzung der Verwaltungskosten und durch äußerst billige Gctreide-Einkäufe, die auf koiikurrcuzloicm t??) Wege durch Massenabschlüsse zu effektuircn seien. Die agrarische Waschzcttelfabrik bemerkt dazu: „Hinzugefügt braucht hierbei wohl kaum zu werden, daß daS auS so wohlfeilem Korn hergestellte Mehl auch dann noch auf den europäischen Märkten alle Konkurrenz siegreich bekämpfen wird, nachdem die Syndikatsniitglieder bereits' im reichen Maße ihr Schäfchen ins Trockene gebracht haben... ll ufere niedrigen EingangZzölle auf Mehl mit 7,50 M. sind ja schon von vornherein als freundliche Ein- ladiing zu einer recht flotten Einfuhr amerikanischer Mühlcnprodukte aufzusasien, der wohl jetzt— wo diese durch den syndikatmäßigen Mühleubetrieb weit wohlfeiler hergestellt werden können, um so eher»achgekommen iverdcn wird. Welch' einen vcrhängnißvollen Einfluß ein gesteigerter Import von Brotmehl aber auf die Preisbildung unseres einheimischen Getreides haben muß, läßt sich schon jetzt klar voraussehen. ES wäre daher wohl die höchste Zeit, daß>vir dem Vertragsbrüchigen Amerika gegenüber nicht mehr die durch die Meist- begllnstigung bedingten Vertragszölle mit 7,50 M., sondern den Generaltarif mit 10,50 M. zur Anwendung brächten." Aehnliche Aufforderungen zum Zollkriege— nicht um unserer' Jndustric-Ausfuhr zu helfen, sondern um die Preise der Lebens- mittel zu treiben— hat die agrarische Presse so oft geäußert und sie sind so oft zurückgewiesen worden, daß wir sie heute nur zur Kennzeichnung deS Bundes, ohne Erörterung, wiedergeben. Auch den Trust, der alle Vortheile einer größeren Betriebs« konzentration sich aneignen und zu nutze machen will, fürchten wir nicht. Käme er zu stände, so würde er lediglich aller Welt handgreiflich zeigen, welch' ein Stück Selbstmord es für Deutschland wäre, nach agrarischem Rezept die deutschen Groß- mühlen mit Staffel-Strafstenern zu treffen, um die alten idyllischen Wind- und Wassermühlen künstlich am Leben zu erhalten.. Im Auslände die fortgeschrittensten ProduktionSformcn,— das In- i land eine Rumpelkammer überholter Betriebsweisen wahrlich, es i könnte kein besseres Mittel geben, Deutschland inmitten der vorwärts-, strebenden Kulturstaaten Ivieder zu einem hilflosen Schildbürger-/ dasein herabzubringen.— Deutsches Reich. Mit einem interessanten Konflikt wird sich daS preußische Kbgcrrdiietcndaus gieich in seinen ersten Sitzungen beschäftigen können. Der NeichSgcrichtsrnth Dr. Spahn, der in Aachen für den Landtag heute gelvählt wurde, hat vom Rcichs-Justizamt den nothwcndigen Urlaub zur Bethciligung an den Landtags- arbeiten nicht bewilligt erhalten. Preußische Beamte bc- dürfen auf grrind der Verfassung eines solchen Urlaubs überhaupt nicht. Daß er aber einem Rerchsbeamten, noch dazu einem Nichter, dessen Unabhängigkeit besonders gesichert sein soll, abge- schlagen wird, widerspricht allen staatsrechtlichen Auffassungen von der Stellung der Einzelstaaten zum Reiche. Selbst vom preußischen Äbgeordnetenhause sind wir überzeugt, daß es Herrn Nieberding in dieser Frage eine Niederlage bereiten wird. Das entscheidende Wort wird der Reichs- tag zu sprechen haben, in dem die sonderbare Auffassung des Herrn Nieberding noch weniger Vertheidiger finden wird wie im Ab- georductcuhanse.— DaS Bürgerliche Gesetzbuch soll am 1. Januar 1900 in kraft treten. Die Voraussetzung bei der Bestiminuna dieses Termins war, daß bis dahin in den Einzelstaaten die Einführungs- g e s e tz e fertiggestellt werden. Daß die Einzelstaaten mit den Ein- führungsgesctzni nicht rechtzeitig fertig werden könnten, ist nicht zu besorgen, da die Vorarbeiten hierfür bereits weit genug gediehen sind. Die„Köln. Ztg." weiß hierüber auf gnurd von Erkundigungen an maßgebenden Stellen folgendes mitzutheilen: „In allen deutschen Staaten sind die EinführrmgSgcsetze so weit gefördert, daß ihre Erledigung im Laufe dieses Winters und Frühjahrs mit Zuversicht erwartet wird. In Preußen, wo wegen der großen Mannigfaltigkeit der verschiedenen Rcchtsgebicte die schwierigsten und verwickeltstcn Verhältnisse vorliegen, und wo infolge dessen eine außergewöhnlich große Zahl von RcchtSgutachten eingefordert werden mußte, sind die Entwürfe zu den einzelnen Einsührungsgesetzen und ihre Begründungen soweit gediehen, daß ihr Abschluß im Justizministerium auf jeden Fall noch in diesem Monat bevorsteht und daß alsdann das Staats- Ministerium mit ihnen befaßt werden kann. ES unterliegt keinem Ziveisel, daß alle GesetzeMwürfe— es dürfte ein halbes Dutzend werden — dem preußischen Landtage gleich bei seinem Zusammentreten werden unterbreitet werden können. Auch ist es inzwischen bereits gelungen, zwischen Preußen und den zur thüringischen Gerichts- gcmeiuschaft gehörigen Staaten eine vollständige Uebcreinstimmung über alle wesentlichen Grundzüge der EinsührungSgcsctze zu erzielen, so daß auch hier in weitestgehendem Grade die wünschenswerthe Rechtseinheit gewahrt werden wird." Die Besteuerung der Großbetriebe im Detailhandel soll den preußischen Landtag in seiner nächsten Session befassen. Nach dem Muster der französischen Gesetzgebung soll die Besteuerung stattfinden. In Frankreich hat diese Besteuerung zwar viel Geld ein- getragen, aber die Entwickelung des Großbetriebes nicht im min- oesten hindern können.— Tie allgrmeiue Viehzählung im Bereich der preußischen Monarchie, welche in den früheren Jahren am 1. November statt- fand, wird in diesem Jahre erst am 1. Dezember vor- genommen werden. Schon im vorigen Jahre ist mit dieser Auf- nähme des Viehbestandes zum ersten Male auch eine Zählung des Geflügels verbunden worden, was nun auch in diesem Jahre geschehen soll. Ter Nothstaud der Landwirthschast wird illustrirt durch folgende Notiz der„Königsberger Hartung'schen Zeitung" aus Barten- stein: Herr Gutsbesitzer Tous auf Ernsthof hat seine zirka acht Hufen große Besitzung an Herrn Schumann aus Königsberg für 126 000 M. verkauft. Vor neun Jahren zahlte Herr T. für dieselbe 84 000 M. Der Werth des Gutes ist also in neun Jahren um 42 000 M. gestiegen.— Nach Tielr-Winklcr muß nun auch Graf Henckel-Dounersmarck auf die bergpolizeilichen Rechte, die aus dem Prrvatregal über seinen ungeheuren schlcsischen Bcrgwerksbesitz stammen, verzichten. Graf Hcnckcl-Donnersmarck, der schlesische Stumm, ist aber eine so einfluß- reiche und mächtige Persönlichkeit im großkapitalistischen Preußen, daß die Regierung sich sehr schwer entschließt, diese selbstverständliche Forderung durchzusetzen,— Zum Jnvaliditäts- und AlterSversichcrnngs- Gesetz- cuttvurf. Die Nordwestliche Gruppe deutscher Eisen- und Stahl- industrieller hat, wie Herr Schweinburg miriheilt, beschlossen, den Entwurf der Novelle zum Jnvaliditäts- und Alters» versicherungsgesctz, sobald er aus dem Bundesrath gc- kommen sein wird, in Gemeinschaft mit den anderen wirthschaftlichen Vereinen durchzuberathen.— Hier haben wir wieder eine eklatante Verletzung des Vercinsgcsctzcs seitens der Unternehmer vor uns; und daß sie es wagen dürfen, sie in der ungcnirtestcn Weise öffent- lich selbst anzuzeigen, ist bezeichnend für unsre Rechtszustände, wo- nach die einen thun dürfen, was den andern versagt ist, Bayern will gegen die im Interesse der ostelbischen Junker ausgearbeitete Jnvaliditäts-Gesetznovelle im Bundesrath stimmen. Die preußischen Offiziösen drohen nun Bayern, die Handhabung des Jnvaliditätsgesetzes in Bayern zu beleuchten. Uns kann beides recht sein.— Gegen die löffel weise Verabreichung dcS Alters- und Jnvalidcnversickierungs-EntwurfcS, die für Herrn Schweinburg und seine Kumpanei sehr einträglich sein mag, für die öffentliche Bc- urtheilung der Vorlage jedoch nachgerade unerträglich wird, wendet sich auch die„Soziale Praxis". Sie schreibt soeben in ihrer neuesten Nummer: Von der Novelle zur Alters- und Jnvaliditäts-Versicherung tröpfeln immer noch einzelne Mittheilungen durch offiziöse Kanäle in die Oeffentlichkeit, Wenn man geglaubt hat, durch diesen Modus der Publizirung einen günstig en Eindruck hervorzurufen, so ist unseres Erachtens eher das Gegentheil eingetreten. Die stückweise Verzettelung in offiziöser Mache ist eher geeignet, den Argwohn zu wecken, als ob man sich scheue, den Wortlaut des ganzen Entwurfs auf einmal der Kritik preiszugeben... Wir bedauern den Fehlgriff, der in der Art ihrer Veröffentlichung gemacht worden ist. Gesterir verzapfte Herr Schwcinburg wieder ein paar stattsiische Angaben über die stärkere Invalidität der Laudivirthe und ihrer Arbeiter. Etwas wesentlich Neues boten sie nicht. Was wird der offiziöse Nachrichtenhäudler morgen wohl verhökern?— Polizeilich anfgelöst wurde, wie der.Franks. Ztg.' auS Mühlberg a. E. gemeldet wird, der Krieger- und V eteranen verein von Bockwitz, weil diesem Verein Mit- glieder sozialdemokratischer Gesinnung angehört haben sollen. Es hat sich nun ein neuer Kriegcrverein ohne jene an« tüchigen Elemente gebildet und hat die behördliche Bestätigung gc- fuudcn. Welche Gesetzesbestimmungen, so fragt eben genanntes Blatt, autorisirten die Behörde zur Auflösung des Veteranen- und Kriegervereins? Eine Berechtigung zur Auflösung könnte doch nur daraus hergeleitet werden, daß die Sozialdemokraten innerhalb des Vereins Polilik getrieben hätten. So viel aber bekannt geworden ist, legt man jenen nun ausgemerzten Mitgliedern nur das Ver- gehen zur Last, daß sie bei der ReickstagSwahl sozialdemokratische Elimmen abgegeben haben. Und selbst wenn der eine oder andere von ihnen in seinem Kreise agitatorisch aufgetreten wäre, so haben sie doch nickt die Veteranenvcrcinignng bemitzt zur Verfolgung ihrer Politischen Zwecke. Hamburg. 2. November. Zum Militärbohkott. DaS Generalkommando des IX. Armeekorps hatte, wie wir kürzlich be- richteten, den Offizieren und Mannschaften der Ganiisonen Hamburg. Altona, Bahrenfeld und Wandsbeck den Besuch des Carl Schultze- Theaters untersagt, und zwar aus dem Grunde, weil die Direktion des Theaters' der Genossenschaft„Freie Volksbühne" das Theater überlassen habe. Dazu theilt nun die Direttion des Carl Schultze- Theaters mit, es sei mit dem Vorstand der„Freien Volksbühne" nur die Vereinbarung ge- troffen worden, daß die öffentliche Nachmittags- Vorstellung am Sonntag, 6. November, auch den Mitgliedern dieser Genoffenschaft zu besonders ermäßigten Preisen zugänglich sein sollte. Ein Kontrakt auf weitere Vorstellungen sei' nicht abgeschlossen. Nachdem diese Sachlage dem Generalkommando bekannt geworden sei, habe es das allgemeine Verbot des Besuchs des Carl Schultze- Theaters durch Militärpersonen wieder aufgehoben und es nur für die Vorstellung von„Ledige Leute" und„Abschiedssouper" am Sonntag, 6. November, nachmittags, aufrecht erhalten, Also das Vaterland ist wieder eiiimal gerettet.— lieber die tumultuarischen Auftritte in Blmnenthal bei Bremen wird uns von dort noch eine andere, von den bisher ver- öffentlichten etwas abweichende Darstellung gegeben. Danach ist der Anlaß zu den Szenen der folgende: In dem Lokale war sonst regelmäßig bis 12 Uhr Tanzmusik; an diesem Tage aber wurde schon um 11 Uhr Feierabend geboten. Es hatten aber verschiedene Arbeiter noch um 9— 10 Uhr.Tanzbänder" genommen und dafür 2 Mark bezahlt. Dieselben bestürnuen natürlich den Wirth mit Fragen, als dieser Feierabend gebot. Aber anstatt den Reflannrendcn in ruhiger Weise entgegenzukommen, machte er sofort von seinem Hausreihte Gebrauch. Die Worte:„Schlagt die Deutschen tobt" sollen allerdings gefallen sein, beziehen sich aber nur auf den Wirth und seine Helfer. Wie unser Gewährsmann ferner miriheilt. ist nur ein Opfer zu beklagen, Ider andere von Messerstichen Getroffene be- finde sich auf dem Wege der Besserung. Erfurt, 2. November. lEig. Ber.) Der Regierungs- Präsident von B r a u ch i t s ch hat am gestrigen Mittag den Erfurter Staub von den Pantoffeln geschüttelt und ist nach seinem schlesischen Gute gereist, um dort als Geh. Oberregicruugsrnty, welche Auszeichnung ihm vom Oberpräsideuten v. Bötticher gelegentlich des Abschiedsmahles übermittelt wurde, seine Tage in Ruhe zu'beschließcn. Wenn sich sein Abschied zu einer ziemlich umfangreichen Demonstration seitens der bürgerlichen Kreise Erfurts gestaltete, so ist das nach Lage der hiesigen Verhältnisse begreiflich. Es war ei» instinktiver Protest gegen unsere städtischen'Behörden, die, wie wir berichteten, dem scheidenden Regierungspräsidenten das Ehrenbiirgerrecht nicht zu verleihen wagten, und die sich auch noch aus anderen Gründen weitreichender Unbeliebtheit erfreuen. So ist z. B. das Stadt- verordneten- Kol legi um waschecht hausagrarisch, welche Eigenschaft sich an den unerhörten Wohnungs- verhüll nisien Erfurts um so strahlender abhebt. Ferner haben sich die städtischen Behörden in der Lehrer- besoldungs-.Frage höchst knauserig gezeigt, so daß sich die Regierung genvthigt sah, den ersten Vorschlägen in der GehaltSregnlirung ihre Zustimmung zu versagen. Es ist daher begreiflich, wenn der hiesige Lchrervercin dem verabschiedeten Rc- giernugspräsidcntcn von Bräuchitsch eine besondere Ovation bcreiicte. Der Gcwerbeverein hob besonders die Sorge des Herrn v. Brauchiffch für bessere Eisen bah»-Verbindungen Erftitts hervor. In einer seiner vielen Daukesredcn hat der Regierungspräsident die Gelegenheit benutzt, sich für seine unerwartete Verabschiedung und für den v. d. Nccke'schcn Wink in der S ch a r f s ch i e ß- Angelegenheit fein zu rächen. Bei seiner Verabschiedung von den' Mitgliedern und Beamten der hiesigen Regierung äußerte er u. a.: „Ich habe stets die Ansicht vertreten, daß die Selbst- Verwaltung so weit w i e möglich unangetastet bleiben m ü s,s e, und ich bin niemals ein Feind dieser Selbst- Verwaltung gewesen. Die Völker und die Zeiten gehen ihre Wege, und aus diesen sind sie nicht aufzuhalten; wir können und vermögen das nicht, wir können nur d i e Hindernisse forträumen, die auf dieser Bahn etwa vorhanden sind. Was ich war. das kann ich offen sagen: ei» Feind vielen Regierens und der polizeilichen Chikanen, denn ich weiß, daß man auf letzterem Wege kein Entgegenkommen der Bevölkerung finden kann. Wir können keine Ilngehörigkeit dulden, aber unter einer zweckentsprechenden Abstellung der letzteren braucht die Energie nicht zu leiden. Der Verstand allein thut es nicht; das Volk will das Herz fühlen im Dien st- gange der Verwaltung. Das empfindet das Volk, und wenn wir diesen Empfindungen nach Möglichkeit Rechnung zu tragen uns bestreben, so thun wir im Dienste deS Staates das beste." Herr v. d. Recke und einige andere Sozialistentödter, die„die Völker und die Zeiten" durch polizeiliche— Mittel aufzuhalten un- ablässig bemüht sind, mögen sich die Worte eines Eingeweihten besonders notiren.— Das Vereins- und VerfamnilnugSrecht in Sachsen. Nach Rückwärtsrevision des sächsischen Vereinsrechts, welches Landtag und Regierung im vorigen Winter beschlossen haben, dürfen Minder- jährige nicht au politischen Versammlungen theilnehmen. Es wurde von uns zur Zeit der Berathung jener neuen Gesetzesbestimmung sofort erklärt, dieselbe werde zu neuen unangenehmen Chikanen der sächsischen Arbeiterschaft, ja zur Vernichtung jedes Vcrsammlungs- rechts der minderjährigen Arbeiter führen. Ter Gang der Dinge giebt uns Recht. Der neue Paragraph wird von den sächsischen BeHorden so angewendet, daß die gewerk- s ch a f t l i ch e Bethätigung der sächsischen Arbeiter schwer behindert wird. Man schreibt uns hierüber aus Dresden. Die hiesige Polizeidirektion hat sowohl den Vorsitzenden einer angeblich„politischen" Gcwerkschastsverslunmluug, weil er die „Minderjährigen nicht hinau§ivics",als auch acht der letzteren mit Straf- Mandaten bedacht, weil sie au einer Versammlung politischer Natur theilgcuommen hätten. Das Schöffengericht hat auch wirklich aus die beanttagte gerichtliche Entscheidung hin dem Vorgehen der Polizei seinen Segen gegeben. Nachdem Sinn deS Gesetzes ist diese Toppelverurtheilung unstatthaft. Auch nach den Motiven des Gesetzes ist immer nur die Bestrafung e i>i e S Theilcs denkbar. Entweder der Vorsitzende einer „politischen" Versammlung weist die Minderjährigen vorschriftsmäßig hinaus, dann hat er seine Pflicht gelhan. und nur die Minderjährigen, welche trotzdem bleiben, lönncn bestraft werden. Oder der Vor- sitzende unterläßt die Aufforderung, dann ist er strafbar, nicht aber die Minderjährigen, welche die Frage, ob politisch oder nicht, über welche sich die Juristen und Polirikcr noch nickl einig sind, nicht beantworten und beurtheilen können, und deshalb auch nicht tviffen, wie sie sich ohne jede Direktive zu verhallen haben. Andererseils werden die Versammlungsleiter, wenn die Behörden so stillschweigend Unfug mit dem Begriff„politisch" treiben, gezwungen sein, in j e d e r Versammlung die Minderjährigen hinauszuweisen. Man eedenke nur, welche Maximen gerade die hiesigen Behörden verfolgen. In dem Falle, um den eS sich hier handelt, hatte dieselbe das Thema: die Degeneration der Arbeiterklasse und wie ist dem entgegen zu wirken, von vornherein für politisch angesehen, und den Beamten diesbezügliche Instruktionen enheilt. Bon dieser vorgefaßten Ansicht der Behörde iheiltc aber der lieber- wachende weder dem Leiter,»och dem Einberufer der Versammiimg etwas mit. Man läßt stillschweigend Vorsitzenden und Minderjährige das Gesetz übertreten, uotirt die Personen und hinterher kommen die Strafen. Ein einzige» Wort darüber, wie die Behörde über diese oder jene Versammlung dentt, würde in vielen Fällen genügen, um Uebertrettmgen zu verhüten. In dem Falle, der uns die Veranlassung zu.diesen Bemerkungen giebt, lag die Sache nach den geeicht- lichen Feststellungen sogar so, daß ein Gendarm einem Minder- jährigen, welcher die Versammlung verlassen wollte, zuredete, wieder in dieselbe hinein zugehen,„das übrige werde sich ja ausweisen". Darauf folgte das Strasmandatl indem später ein anderer Beamter den jungen Mann notirte.— Die freie Republik Hamburg hat wieder einmal ein Muster- gesetz geschaffen. Gestern nahm die Bürgerschaft, das Hamburger Parlament, in die neue Gesmde-Ordnung die Bestimmung auf, daß Konttaktbruch mit Haft(bis 6 Wochen) zu bestrafen ist. In Preußen hat man in der reaktionärsten Zeit, im Jahre 1854, für Kontraktbruch von Dienstboten blos Geldsttafe bis zu 5 Thlrn. oder Ge- fängniß bis zu 3 Tagen festgesetzt. König Stumm wird sich über dieses Zeichen der Zeit sehr erfreut zeigen. AuS Hessen, 2. November. sEig. Bericht.) Der kürzlich zum Oberbürgermeister von Worms avancirte Abg. Köhler lDarmstadt) hat eine Interpellation betr. die allgemeine Einführung des Knaben-Handfertigkeits-Unterrichts in den Volks- schulen an die Regierung gerichtet. _ Es steht zu erwarten, daß nunmehr, nachdem ausreichende Lehr- kräfte vorgebildet sind, die Sache zur Durchführung gelangt. Ihren vollen Zweck kann diese Neuerung aber erst dann erfüllen, wenn durch Einrichtung der obligatorischen E i n h e i t s- V o l k s s ch u l e auch die Kinder der„besseren" Stände diese sehr nützliche Vervoll- kommnung ihrer Bildung von Staats wegen erhalten. Manch einer würde dadurch vor Ergreifung eines verfehlten Berufes behütet. Die im vorigen Jahre beschlossene Besoldungs-Neuordnung hat erneu großen Theil des Beamtenproletariats unberücksichtigt gelassen. Tie Folge ist, daß noch fortgesetzt aus den Kreisen der niederen Beamten und besonders der„Nichtfestangestellten" Gesuche um Besserstellung an die Kammer gerichtet werden. So haben die Rentamts- und Steuerkomm issariats-Gehilfen neuerdings ihre ganz unzulängliche Lage dargelegt. Jetzt liegt wieder eine Vorstellung der W a g e n w ä r t e r bei der Main-Ncckar- Bahn vor. aus der ersichtlich' ist. daß die so glänzend rcntircnde badisch-hcssijch-preußische StaatSbahn auch diese Kategorie ihrer An- gestellten mit der ihr eigenen Sparsamkeit besoldet. Die definitive Anstellung der Wagenwärter erfolgt erst im 35.— 40. Lebensjahre!— In O f f e n b a ch a. M. steht seit Jahren ein Krematorium fir und fertig da. Der Verein für Feuerbestattung hat es mit schworen Opfern erbaut, in der Erwartung, daß das„liberale" Ministerium gegen seine Jnbettiebsetzung nichts einzuwenden haben. Aber es kam anders. Ter Staatsminister Finger war ein frommer Manu, er verbot die.unchristliche" Neuerung in den Grenzen des Hcssenlandes. Die Verfügung ließ sich zwar durch kein Gesetz rechtfertigen und die Anhänger der Feuerbestattung setzten alle Hebel in Be- Weßling, es rückgängig zu machen. Tie zweite Kammer beschloß auch im Januar 1893 mit großer Majorität m diesem Sinne. Allein die erste Kammer versagte, wie das von einer so erlauchten Körper- schaft nicht anders zu erwarten war, dem Beschluß der zweiten Kammer die Zustimmung, Herr Finger behielt seinen Willen und daS Offenbacher Krematorium mußte sich damit begnügen, von Zeit zu Zeit einen Pfcrdeleichuam«zur Probe" zu verbrennen. Der Kampf aber dauerte fort. Mittlerweile ist Herr Finger gegangen und nun endlich soll die„grausige Neuerung" die obrigkeitliche Sanktion erhalten. Eine den Laudstäuden zugegangene Regierungsvorlage will die Feuerbestattung gesetzlich zulassen. Um der Gefahr zu begegnen, daß durch die Einäscherung die Spuren eines Verbrechens beseitigt werden, sieht der Entwurf als Zukaffungs- bedingungen jedoch vor. daß 1. der Verstorbene selbst die Feuer- bestatning schriftlich verfügt hat, 2. zwei Aerzte, darunter der AmlS- arzt, die Todesursache festgestellt haben, und 3. die Ortspolizei- behörde bescheinigt hat, daß der Verdacht eines Verbrechens aus- geschlossen ist. Es ist anzuerkennen, daß das neue Ministerium R o th e de» Muth zu dieser Vorlage gesunden hat. An heftigen Angriffen seitens der am„guten Alten" interessirtcn gläubigen und ungläubigen Seelen wird es ihm sicherlich nicht fehlen. Hoffentlich läßt sich die Rcgicning nicht einschüchtern, den beabsichtigten Schritt vorwärts nun auch energisch zu thun.— Der GesuudheitSzustand unserer Soldaten in Kiautschou scheint leider ein sehr schlechter zu sein. Die Dinge stehen schlimmer, als unsere gestrige Mittheilung aus Erfurt ahnen läßt. Es wird uns heute aus Erfurt telegraphirt, das Amtsblatt melde den Tod dreier Erfurter in Kiautschou.— Tenientirt wird von der„Nordd. Allgem. Ztg." die auch von uns anderen Blättern entnommene Meldung, daß Kolonialdirektor Dr. Buchka schon amtsmüde sei und daß der Gouverneur von Deutsch- Ostaftika. General Liebert, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren wolle. Vielleicht wäre es besser geivesen, wenn das offiziöse Blatt diese Meldungen blos als„verfrüht" bezeichnet hätte.— Oesterreich. Prag, 3. November. Das Blatt„Narodni Listy" meldet, gegen den LandtagS-Abgeordueten und Bezirksobmann Bartak wurde die strafgerichtliche Untersuchung wegen Verbrechens der Verleitung von Soldaten zur Verletzung ihrer militärischen Dienstpflicht ein- geleitet, weil cr bei einer Kontroll Persammlung Kontrollpflichtigen, welche vom Oberstlieutenant aufgefordert wurden, sich mit„Hier" zu melden, zurief:„Meldet Euch ezechisch, weil Ihr Czechen seid", worauf er den Saal verließ.— Frankreich. PariS, 3. November. Ministerpräsident D u p u h erklärte nach dem Heuligen Ministerrath, er fürchte keine Verwickelungen mit England bezüglich der Fajchoda- Frage. Im Ministerrath wurde die Ansprache redigirt, ustlche das Kabinet beim Zusanmrentritt der Kammer verlesen wird.— Italien. Rom, 3. November. Der Minister des Aeußeren, Can e dar o, bezeichnete im heutigen Ministerrath die internationale politisch» Lage als trübe.— Türkei. Konstautiuopcl» 3. November. Wie aus Kreta berichtet wird, ttifft der russische Admiral Skrydlow alle Vorbereitungen für den 5. d. M. zum Vormarsche eines russischen Tetachemenls von Retimo in das Innere der Insel.— Kanca, 3. November. Der Gouverneur erwiderte den Admi« ralen auf deren letzte Eröffnung, daß er den darin enthaltenen Forderungen in der bestimmten Frist nachkommen werde. Die letzten türkischen Truppenabtheilungen schiffen sich gegenwärtig ein; es ver- bleiben dann auf Kreta nur noch 500 türkische Soldaten ohne Waffen, die das Kriegsmaterial zur Einschiffung Herauschaffen sollen.— Asien. Qeflerreichische Truppen in Peking. Das Wiener„Fremden- blatt"(das halbamtliche Organ des österreichisch- ungarischen aus- wärtigen AmteS) meldet: Die vor einigen Tagen in Talien- Wan eingetroffene und seither weitergefahrene Korvette.Frundsberg" wird ein Matroseii-Dctachement landen, welches sich nach Peking zu begeben bat, wohin angesichts der Lage in China auch die übrigen Mächte zum Schutze der Gesandtschaften und der dortigen Fremden Truppen gesandt haben.— Kampf mit das Koalitionsrecht! „Beispiele für sozialdemokratischen Tcrrorismuö" läßt sich die„Germania", die sich in letzter Zeit sehr befleißigt, Material für die Zuchthausvorlaqe beizubringen und die deshalb jetzt auch recht häufig von den Organen der' Reaktion zitirt wird, ans Kiel berichten. DaS genannte Blatt kann keinen bestimmten Fall anführen, sondern ergeht sich in allbekannten, bis zum Ueberdrnß gehörten allgemeinen Redensarten. Wir können uns deshalb das nähere Eingehen am dieselbe sparen. Die„Germania" hätte solches sich aber gar nicht erst von Kiel zu verschreiben brauchen, sie hätte nur nötbiz gehabt, die Etatsrcden des reaktionären antisemitischen Abgeordneien Bielhabe u nachzulesen, sie hätte dieselben Redereien über den „sozialdemokratischen Terrorismus auf den Kieler Werften" ge- funden. Nach jenen Reden Viclhaben's wurden dann auch die strengeren Verordnungen gegen„sozialdemokratische Agua- toren" erlassen, denen erst dieser Tage ein Arbeiter zum Ovier gefallen ist, der sich jeder Propaganda in den Werften enthalten halte und der nur Mitglied des sozialdemokratischen Vereins war. Und während der letzten ReichstagSwahl wurden zwei Arbeiter. iveil sie Flugblätter verbreitet hatten, und obgleich sie sich innerhalb der Werft jeder Agitation enthalten hatten,' eutlasjen. Wo mit so viel Rücksichtslosigkeit jede Regung selbständigen Denkens und Handelns unterdrückt wird, wie in den Kieler Werften, kann von s sozialdemokratischem„TerrorismuS" im Ernste wohl nicht die Rede sein. Geschieht es dennoch, so nur zu dem Zwecke, den reaktionären Hetzern Vorschub zu leisten. (»'inen Fall von wirklichem Terrorismns und Brutalität wollen wir dagegen in nachstehendem der„Germania" unterbreiten: In Moosllurg wurde der V o r st a n d des dortigen k a t h o- tischen Arbeilervereins, ein Eisenbahnarbeiter, vom Land- gencht zu ein e m SX o n a t G e f ä n g n i tz vcrurtheilt. Er hatte einen anderen Eisenbahnbedienstcten, der dem Verein nicht beitreten wollte, nachts beim Nachhauscgehen überfallen, zu Boden geschlagen und unter Schimpfworten mir Füßen getreten, bis der Mißhandelte bewußtlos war. Dazu bemerkt die„Franks. Ztg.":„Wenn so etwas ein Sozialdemokrat gethan hätte! Was gäbe das für einen Lärm! Vielleicht würde man rufen:„Wir brauchen einen Zuchthaus- Paragraphen zum Schutze solcher, die einem sozialdemokratischen Verein nicht beitreten wollen!" Protcstversaimnlnngen gegen die Zuchthansvorlage sind weiter zu melden aus Hermsdorf in Sachsen-Altenburg, Nordenham in Oldenburg, Weißenfels a. d. Saale, Lübau in Sachsen._ Pavfei-UaiJividjifim. Tie„Magdebnrgischc Zeitung" läßt sich aus Berlin be- richte», unser Dortmunder Partei-Organ habe Dr. Lütgenau die Aufnahme einer Erklärung verweigert, des Inhalts, es sei unwahr. daß er bei der Wahlmännerwahl für die nationalliberalen Wahl- niänner gestimmt habe. Der Berichterstatter der„Magdeburgischen Zeitung" bemerkt dazu: Der„Terrorismus", mit dem die Partei- Icilung gegen Lütgenau vorgegangen sei, zeige wieder, daß die un- duldsamste Partei die sozialdemokratische sei, die sich über jedes Recht hinwegsetze, wenn es gilt, den Andersgläubigen zu vernichten uird todtzumachen. Das ganze Gerede erledigt sich dadurch, daß unser Dortmunder Partei- Organ wiederholt erklärt hat, Lütgenau habe an der Ab- stimmung bei der Wahlmännerivahl nicht thcilgenonimen. Wenn das nationalliberale Magdeburger Blatt sich absolut in der Rolle des Beschützers der verfolgten Unschuld gesallen will, so hat cS passendere Gelegenheit dazu in Magdeburg selbst, Ivo im Lager seiner Gesinnungs- genossen soviel Bosheiten gegen die Sozialdcn.okratie verübt werden, daß dem gegenüber selbst die schikanöse Behandlung unserer Partei im Königreich Sachsen fast als großmüthig erscheinen könnte. Todtcnlistc der Partei. In Wittenberg ist der Tischler- mcister Friedrich K u n e r t im Alter von 67 Jahren gestorben. Er ivar seit 2>/s Jahrzehnten im Stillen für die Partei thätig mid ist ihr bis zum letzten Athemzuge treu geblieben. Polizeiliches, Gerichtliches er. — Die Breslauer„V olkswach t" hatte folgende Notiz veröffentlicht: „Was einem Arbeiter alle? Passiren kann. Zwischen dem Schueidermeistcr Bernhard Rohnstock, Riemerzeile 11/12, und dem Gehilfen Gustav Hoffmann entstanden am Sonnabend wegen einer geringfügigen Sache Differenzen, welche zur Folge hatten, daß der Meister den Gehilfen aufforderte, die Werkstatt sofort zu verlassen. Da letzterer sich erst umkleiden und seine Sachen zusammenpacken mußte, wurden ihm dazu 10 Minuten Frist gestattet. Als er aber nach Verlauf von höchstens 7 Minuten bannt noch nicht fertig Ivar. erschien Rohnstock wieder in der Werkstatt und wurde gegen den Gehilfen handgreiflich. Wir bringen den Vorfall hiermit zur Kenntmß der Schneidergehilfen. Falls einen derselben nach einer derartigen Behandlung gelüstet, so mag er nur bei Rohnstock an- fangen." Der Schneidermeister Rohnstock fühlle sich durch diese Notiz beleidigt, er stellte gegen den Redatteur Zahn und gegen den Ver- fasser der Notiz, den Schneidergescllen H o f f m a n n. Strafantrag wegen Beleidigung und die Staatsanwaltschaft nahm sich der Sache auch im„öffentlichen Interesse" an. In der Verhandlung vor dem Landgericht ergab sich, daß Rohnstock. der mit Hoff- mann wegen einer nicht zu seiner Zufriedenheit ausgefallenen Arbeit in Differenzen gerathen war. diesem zugerufen hatte:„Ick, nehme Sie beim Kragen und werfe Sie hinaus." Hoffmann ist dann auch wirklich von Nohnstock nach der Thür ttansportirt und hinausgestoßen worden. Hofsmann verklagte hierauf den Schneider- meister beim Jnnungsschiedsgericht auf Entschädigung wegen unberechtigter sofortiger Entlafsung und erzielle auch ein obsiegendes Urtheil. Der verklagte Meister suchte die Entlassung mit dem Hinweis auf das angeblich renitente Benehmen Hoffmamös zu rechtfertigen, das Jnnungsschiedsgericht sah sich aber„nach Lage der Sache genöthigt: Herrn Nohn- stock zur Zahlung von 10 M. 13 Pf. an den Kläger zu ver- urtheilen". Nach diesem fachmännischen Urtheil ist also der Schneider« meister Rohnstock zu der plötzlichen Entlassung des Gehilfen nicht berechtigt gewesen. Man sollte nun meinen, daß er dann auch nicht das Recht hatte, den Gehilfen gewaltsam aus der Wohnung zu entfernen,_ weil dieser— was noch zu bemerken ist— zum Anziehen seiner Straßenlleidung und zum Einpacken seiner Arbeitssachen mehr Zeit gebraucht hatte, als dem zonngen Mcister lieb war sim ganzen hatte der Ge- Hilfe nach dem Gebot, sich zu entfernen, etwa 10 Minuten in der Werlstatt verweilt). Das Landgericht dagegen erklärte, daß nach dem Ergebniß der Beweisaufnahme von einem unberechtigten Vor- gehen des Meisters gegen den Gesellen keine Rede sein könne; die Notiz der„VoUswacht" sei darauf berechnet, den Meister in der öffentlichen Achtung herabzusetzen; in dem Aus- druck: Rohnstock sei gegen Hoffniann handgreiflich geworden, liege der Vorwurf der Körperverletzung." Beide Angeklagte wurden daher der Beleidigung schuldig erklärt. Das Uttheil gegen den Redakteur Zahn lautete auf 1 Monat Gefängniß, das gegen Hoffmann wegen Mitthäterschaft auf 50 M. Geldstrafe. Gegen das Urtheil ist sofort Revision eingelegt worden. Wir möchten uns zu dem Spruch des Breslauer Landgerichts nur die Frage gestatten: Würde der Schneidermeister Rohnstock zu seinem Auftreten gegen den Gehilfen Hoffinaun auch dann berechtigt gewesen sein, wenn dieser Gehilfe in seinem militärischen Ver- hältniß zufälligerweise den Rang eines Reservelieutenants hätte? — In Nr. 69 des„Proletariers aus dem Eulen- g e b i r g e" erschien ein Artikel, worin einem Gutsbesitzer der Vorwurf gemacht wurde, er habe seinen Arbeiterinnen den Lohn gekürzt, ohne diesen vorher etwas davon zu sagen. Der Gutsbesitzer, der sich dadurch beleidigt fühlle, stellte bei der Staatsanwaltschaft Straf- antrag und diele nahm sich der Sache natürlich im öffentlichen Interesse an. Der Redakteur des„Proletariers", Genosse Feld- mann in Langenbiclau, mußte sich nun wegen der Beleidigung vor der Strafkammer in Schweidnitz verantworten. Durch die umfang- reiche Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß die Arbeiterinnen fiir eine bestimmte Arbeit früher 25 Pf. und später 20 Pf. erhalten, haben, ohne daß ihnen dies vorher angelündigt worden war. Der Gutsbesitzer bcsireffct aber, daß dies auf feine Anordnung geschehen sei. Der Staarsanwalt, der schon Freisprechung beantragl hatte, da die Zeugenaussagen so unklar seien, daß man darauf kein Urtheil begründen könne, beantragte in der Gerichtssitzung vom Dienstag— die Verhandlung war mehrfach zwecks Beweisaufnahme unterbrochen worden— 100 M. Geldstrafe. Der Angeklagte ersuchte, da der In- halt des Artikels vollständig erwiesen sei,' um seine Freisprechung. Der Gerichtshof aber erkannte auf zwei Monate Gefängnißl Der Artikel habe die noch mit ihren Arbeitgebern zufriedenen Arbeiter unzufrieden machen wollen. Ein bestimmter Lohn sei nicht aus- gemacht gewesen, deshalb sei der Vorwurf des Lohnabzugs be- leidigcnd. Eine Gcfängnißstrafe sei angebracht, weil der Angeklagte schon mehrmals wegen Beleidigung bestraft worden sei und weil die Geldstrafen nichts gefruchtet hätten.— Daß dieses Urtheil in der Arbeiter ivelt Beifall finden werde, haben die Richter, die es fällten, wohl selbst nicht angenommen. — Ans Erfurt wird uns mitgetheilt: Genosse Rudolph soll als verantwortlicher Redakteur der„Tribüne" Aufreizung zum Klassenhaß begangen haben durch einen— Bcgrüßungs- attikel zum Stuttgarter Parteitag. In dem Artikel war in allegorischer Weise' darauf hingewiesen, daß die Arbeiterklasse den zahlreich auf sie eindringenden Feinden kampfgerüstet gegenüber- stehe. Wenn Genosse Rudolph wegen dieses Artikels ver- unheill werden sollte, so wäre damit wieder ein großes Stück der heutigen Preß.fteiheit", wenigstens für Erfurt, vernichtet. Denn wenn schon bildliche Wendungen für Ernst genommen und verurtheilt werden können, wo bleibt da die ganze Schriftstellerei? Eigenthümlich berührt die Eile, mit der diese Sache zur Entscheidung gebracht wird. Der Termin ist schon auf den 15. November angesetzt, während der seit Monaten schwebende Krawallprozeß, in dem Genosse Rudolph, wie wir vorgestern berichteten, verwickelt ist, erst 14 Tage später zur Verhandlung gewugt. Sollte allerdings Genosse Rudolph der Ausreizung zum Klassenhaß und zu Gcwaltthäiigkeiteo für schuldig befunden worden sein, so dürste das natürlich für leine Stellung im Krawallprozeß außerordentlich erschwerend ins Gewicht fallen. GemevkMzÄfkliches. Deutsches Reich. Zur Tarifbewegung der Buchdrucker. Die Zahl der bis zum 31. Oktober eingegangenen Tarifanerkennungen beträgt 408. In den Berliner Druckereien F. Dietze, Brandenburgstraße, Schuster, Landsbergersttaße, und Oscher, Charlottenstraße, haben die dort Be- schäfngten wegen Nichteinführung des Tarifs die Arbeit nieder- gelegt. In der Tabakfabrik von Rose u. Schweighoffer in Lübeck, in der über 100 Personen beschäftigt sind, ist ein Streik ausgebrochen und zwar wegen Verweigerung der Lohnerhöhung, welche die in der Fabrik beschäftigten weiblichen Arbeiter forderteil. Diese Arbeiterinnen gehören fämmtlich der Organisation der weib- lichen Fabrikarbeiter an. Die männlichen Arbeiter erklärten sich mit den weiblichen solidarisch und die Folge davon war die Arbeits- einstellung. Tic Kommission fiir Bauarbeitcr-Schutz hat den Beschluß gefaßt, vom 10. bis 21. März 1839 in Berlin einen Bauarbeiter- Kongreß einzuberufen. Eingeladen zu dem Kongreß werden sämmt- liche im Baugewerbe vertretenen Arbeiterkategorien. Wie bekannt, hat die Kommission sich der Ausgäbe unterzogen, fiir die im Bau- gewerbe Beschäftigten einen größeren Schutz gegen Unfallgefahr zu erwirken. Die Tagesordnung des Kongresses' wird später bekannt- gegeben werden. Schulz den Arbeitswilligen k In Großenhain wurde der Maurer S e i b t vom Schöffengericht wegen Vergehens gegen die Gewerbe-Ordnung und Beleidigung zu vier Wochen Gefängniß ver- uttheilt. Es handelt sich um einen der üblichen, völlig harmlosen Vorgänge, wie sie Streiks mit sich bringen, gelegentlich des Maurer- strei'ks in Großenhain. Einen anderen Maurer hat man gefesselt nach Dresden ttansportirt, wo ihm wegen gleichen„Vergehens" wahrscheinlich vor dem Landgericht der Prozeß gemacht werden wird. Ter Ausstand der Weber in der Kanzlcr'schen Weberei in Hof hat folgende Ursache: Seit einigen Wochen sind von der Geschäftslcitung die Stücken um 6—10 Meter verlängert worden, der dafür mehr gezahlte Lohn entsprach aber keineswegs dem Ver- hältniß, so daß die Weber, je nachdem sie 2 oder 3 Stühle bedienen, einen Lohnausfall von 3—6 M. in 14 Tagen hatten. Um nun den Lohn wieder auf die frühere Höhe zu bringen. wählten sie einen Ausschuß von fünf Mann, der mit dem Chef verhandeln sollte; doch bevor der Ausschuß in Thätigkeit tteten konnte, wurden drei Mann vom Ausschuß sofort entlassen. Ebenso erging es einer weiteren Kommission, die wegen Wiederoinstellung des Arbeiterausschusjes vorstellig wurde. Das war allerdings des guten zu viel und sämmt- liche Weber legten demzufolge die Arbeit nieder. Die Forderungen, die die Weber gestellt haben, sind wirklich bescheiden: 1. Anerkennung des ArbeiterauSschusses; 2. Wiedereinstellung sämmtlicher Arbeiter'; jede Maßregelung hat zu unterbleiben; 3. Einführung eines über- sichtlichen, einheitlichen Lohntarifs; 4. entsprechende Entschädigung bei Verarbeitung schlechten Materials; 5. humane und anständige Behandlung. Tic Würzburger Bäckergeselle» haben den Arbeitgebern folgende Forderungen unterbreitet: 1. Für Frühstück ist ein Betrag von 30 Pf. auszuzahlen. 2. Drei freie Nächte im Jahre und zwar an Weihnachten, Ostern und Pfingsten; diese Frciuächte sind vom zweiten auf dritten Feiertag zu halten und darf somit an diesen Tagen nichts gebacken werden. 3. Ein- Haltung der gesetzlichen ILstündigen Arbeitszeit und der Sonntags- ruhe. 4. Jedem Gehilfen ist ein eigenes Bett zu verabfolgen; dieses ist mindestens monatlich einmal mit frischer Wäsche zu verschen. 5. Jedem Gehilfen sind mindestens zwei Handtücher wöchentlich zu verabfolgen. 6. Im Zimmer der Gehilfen sollen Tische und Stühle vorhanden sein; ebenso verschließbare Kleiderschränke je nach der Zahl der Gehilfen; die Zimmer sind täglich zu reinigen und wöchent- lich einmal entsprechend zu putzen. 7. Regelung des Sprechwesens nach dem vor einigen Wochen der Innung eingereichten Statut. 8. Für Aushilfsarbcftcn ist ein erster Gehilfe mit 3 M., ein zweiter mit 2 M. 50 Pf. und ein dritter Gehilfe mit 2 M. pro Tag zu ent- lohnen. Vorsichtige Auswahl. Die Metallwaarenfabrik zu Geislingen /Württemberg) suchte jüngst durch Inserate Metallarbeiter. Wie die „Münch. Post" mittheilt, erhielten die Bewerbe« einen Fragebogen zugeschickt, von dessen Beantwortting die Aufnahme in das Geschäft abhängt. Unter anderm heißt es in diesem Fragebogen: „Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß wir umfangreiche Wohlfahrtseinrichtungen gettoffen haben, um pflichtgetteucn' Mit- arbeitern hilfreich zur Seite zu stehen. Andererseits stellen wir nur solche Leute ein, welche bereit sind, den Frieden zwischen Arbeit- gebern und Arbeitern zu fördern. Wir bitten deshalb, im Falle An- stellung bei uns gewünscht wird, um Mittheilung, ob Sie der sozial- demokratischen Partei und deren Vereinen fernestchen." Sozialdemokraten sind also von vornherein ausgeschlossen. Auch in der Arbeitsordnung der GeiSlinqer Metallwaareii- Fabrik findet sich ein diesbezüglicher Absatz. Er heißt: „Kündigung hat insbesondere zu erwarten: Wer in oder außer- halb der Fabrik Umtriebe für Bestrebungen macht, welche den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung zum Ziele haben." Und trotz alledem sollen Sozialdemokraten auch in der Geislinger Metallwaaren-Fabrik sein. Ausland. Zum Wiener Buchbinderstreik. Die Unternehmer haben nochmals in einer sehr erregten Sitzung Stellung zur Vereinbarung genommen. Bis auf 6 Firmen ttateu die übrigen der Tarif- bcstimmung bei. Ausgesperrt bleiben noch 130—150 Arbeiter. Soziales. Arbeiter- Risiko. In einem Handelshause in Neu- f a h r w a s s e r bei Danzig gerieth ein Posten aufgestapelter ge« fülltcr Zuckersäcke ins Rutschen. 9 Arbeiter geriethen unter die schweren Säcke und erlitten theils schwere, theils leichtere Ver- letzungen. Die Mannheimer„Volksstimme" berichtet: Auf dem Neubau des der Firma Weiß u. Freitag gehörigen Süddeutschen Gabelwerkes in Neckarau wurde zur Herstellung eines Patentdaches ein Hängegerüst angewendet, das nicht abgesteift war. Es reichte nicht für die darauf beschäftigten Arbeiter und die auf ihm ruhende Last aus. Die Gerüstdielen waren nicht be- festigt, so daß sie durch die� Arbeit, welche die auf dem lockeren Ge- rüste thättgen vier Mann über dem Kopfe zu machen hatten, hin und her geschoben wurden. Infolge dieser Bewegung brach die mittlere Zange und die Gerüststange. 60 Dielen, welche auf dem Gerüst lagen, und die vier Arbeiter stürzten 13 Meter tief hinunter. Ein Mann, Jakob Eschclmann aus Godramstein, schlug mit der rechten Schläfe auf einen D- Träger auf, so daß das Hirn hervortrat. Er starb an dieser Verwundung. Die 3 anderen kamen mit mehr oder minder schweren Verletzungen davon. Im Landtag wurde unserem Genossen Dreesbach gesagt, daß Mißstände auf den Bauten nicht existitten, die Beaufsichtigung sei jetzt schon eine zu große. Wo war diese hier? Warum hat sich niemand von der Be« Hörde um dieses Gerüst gekümmert? Wenn die Baupolizei sich das Gerüst rechtzeitig angesehen hätte, so wäre es nicht zu diesem ent- setzlichen Unglück gekommen._ GeerchlS Teilung. Ein zeitgemäßes Urtheil.„Moralische TerrorisirUttg" soll der Zimmerniann Joseph Reinke aus Spandau' verbrochen haben, welcher gestern unter der Beschuldigung der Verrufs erklärnng /Vergehen wider 8 153 der Gewerbe- Ordnung) vor der dritten Sttafkammer am Landgericht II stand. Derselbe war wegen besagten Verbrechens vom Spandauer Schöffengericht zu einer Woche Gefängniß venirtheilt worden und hatte dagegen Berufung eingelegt, weil er absolut unschuldig sei. Wie der Haüptbelastuugszeuge, Zimmergeselle Prüfer aus Briefen, bekundete, handelte es sich um folgenden That- bestand: Im Mai d. Js. streiften die Zimmerleute m Spaudau. Prüfer gehörte zu den von auswärts herangeholten Streik- blechern. Am 10. Mai trat er auf dem Sambachffchen Zimmerplatze in Arbeit. Am Abend beim Heimgange von der Arbeit ge- sellten sich vier andere Zimmergesellcn zu ihm, die ihm zuredeten, wieder aufzuhören und sich den Streikenden anzuschließen oder weiter zu reisen. Sie bewegen ihn auch, mit in cm naheliegendes Lokal zu gehen und nahmen ihn in die Mitte. Zwei gingen vorn und zwei hinter ihm, wie bei einem militärischen Transport. Im Lokale wurde ihm noch weiter zugeredet und einer von den Vieren sagte: „Jetzt bist Du noch jung und hast noch gesunde Knochen!" Prüfer deutete dies als eine Drohung, daß man ihn gründlich verhauen würde; er ging am nächsten Morgen, wie die Arbeiter meinen, aus Scham- und Pflichtgefühl, nicht zur Arbeit und reifte ab. Von Briefen aus hat er dann an den Meister Sambach geschrieben, daß er gem bei diesem gearbeitet hätte, aber xr habe aus Furcht fortbleiben müssen. Im Anschluß daran schilderte er in seinem Briefe, wie es ihm ergangen sei und wie man ihm zugesetzt habe. Dieser Brief wanderte alsdann zur Polizei, es fanden Nachforschungen statt, Prüfer konnte aber von den Vieren nur einen und zwar Reinke rekognosziren. Ob dieser aber etwas dazu gesagt habe, wisse er nicht. Der Angeftagte bestritt durchaus nicht,'daß er einer von den vieren war, doch be- hauptete er, sich ganz passiv verhalten und kein Wort dazu gesagt zu haben. Seine Kollegen hat er aber selbstverständlich nicht ver- rathen. Der Staatsanwalt nahm an, daß die vier gewillt waren, durch Wort und That auf Arbeitswillige einzuwirken.„Ein jeder war ver- antwortlich für die That der andern. Jeder machte die That der andern zu seiner eigenen und wenn der Angeklagte sich auch stillschweigend verhielt, so billigte er doch die Drohung. Der Gerichtshof nahm nicht Drohung, sondern direkten Zwang an. Schon die Art, wie der Zeuge Prüfer zum Lokale förmlich trausportirt wurde, um ihn ganz in den Händen zu haben, mußte den jungen Mann ein- schüchtern. Dazu kam noch die Drohung: Der Angeklagte habe mit Hilfe seiner Komplizen den Zeugen durch moralische Terrori- sirung gezwungen, seine Arbeitsstätte zu verlassen. Die Berufung sei daher zu verwerfen. Noch ein Urtheil eineS bürgerlichen Gerichts im Span- dauer Zimmererstreik. Vor dem Schöffengericht in Spandau hatten sich die Zimnierer P e r l e w i tz und G r ü h n zu verantwotten. Perlewitz war der Körperverletzung und Bedrohung, Grühn der Be- drohung und Beleidigung angeklagt. Am 24. August war Perlewitz mit dem Sreikbrecher Luke m Streit gerathen. ES kam zu einer Prügelei, bei der Luke seinen Gegner zu Fall brachte. Später soll Per'lewitz in der Erregung einen anderen Zimmerer aufgefordert haben, ihm seine am Geschirrbeutel, festgebundene Axt zu geben. Grühn war wegen eines Vorganges, der nnt dem geschilderten nur in zeitlichem Zusammenhang steht, angeklagt worden. Er soll gleichfalls den hinzugekommenen Kameraden zur Herausgabe der Axt aufgefordett und einen Arbeiter Grützner durch Schütteln an der Brust beleidigt haben. Der Amtsanwalt sah ungeachtet der zum theil entlastenden Aussagen mehrerer unbetheiligten Zeugen die Anklage in ihrem vollen Umfange für erwiesen an und beantragte gegen Pcrlcwitz 9 Monate und gegen Grühn 6 Monate Gefängniß. ».rotz der tüchtigen Verthcidigung durch Rechtsanwalt Dr. Löwenstein verurtheilte das Gericht Perlewitz zu neun Monaten und Grühn zu zwei Monaten Gefängniß; ferner wurde die soforttge Verhaftung des Pcrlcwitz angeordnet. Letzterer hat eine zahlreiche Familie am Orte, seine Frau sieht ihrer Entbindung entgegen. Hoffentlich regen derartige Nrtheile die Arbeiterschaft zu immer einmüthigerer Soli- daiMtsbekundung an. V Unschuldig zn S'/e Jahren Zuchthaus verurtheilt ist im März d. I. der Kaufniann Paul Gustav Adolf Richter zu Halensee durch das Schwurgericht am Landgericht I und gestern hatte das Schwurgericht die Aufgabe, dem seit dem Januar d. I. in Untersuchungshast sitzenden Angeklagten die Freiheit wieder-, zugeben. Der Augeklagte hatte sich im Jahre 1893 mit dem Apotheker Dr. Robert Stock zum gemeinschaftlichen Betriebe einer Fabrik von photographischen Trockenplatten vereinigt. Zu diesem Zwecke erwarben sie die von dem inzwischen verstorbenen Kaufmann H. Nerkewitz in dem Hause Friedrichstt. 250 betticbene Trockenplatten- Fabrik. Aus dem Kaufgeschäft mit Mcrkewitz entstanden bald darauf Streittgkeiten unter den drei Be- theiligten, die zu Zivilprozessen zwischen Richter und Merkewitz, � sowie zwischen Stock und Richter führten. In dem Geschäft des Dr. Stock war eine junge Dame als Buchhalterin und Geschäfts- ftihrerin angestellt. Diese hatte in den Zivilprozessen gegen Richter äußerst ungünstige und belastende Aussagen abgegeben und der Angeklagte soll nun, wie die Anklage behauptet, einen Arbeiter Steinbrück bewogen haben, einen Meineid zu leisten, um durch diesen die Aussage der Buchhalterin als unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Er soll außerdem einen gewissen Rüger, welcher cS unternommen hatte, drei Personen zu seinen gunstcn zum Meineide zu verleiten, hierzu angestiftet haben. Die Geschworenen, vor denen Richter am 7. und 8. März dieses Jahres stand, kamen zu einem Schuldigspruch und der Gerichtshof verurtheilte Richter zu 30, Jahren Zucht- Haus. Auch Steinbruck wurde wegen Meineides vcrurtheilt. Letzterer trat seine Strafe an, für Richter aber legte Rechtsanwalt Dr. Hol» l ä n d e r die Revision ein und es gcmng ihm auch, diese beim Reichsgericht erfolgreich durchzusetzen. Das Reichsgericht hob das schwurgerichtliche Urtheil auf und verwies die Sache an ein neues Schwurgericht. Dieses war am Mittwoch und Donnerstag mit dieser Angelegenheit beschäfttgt. Die Vertheidiger Rechtsanwälte Dr. Holländer und Werner II hatten eine große Reihe von Ent» lastnngszeugen aufgeboten, durch deren Aussagen viele neue Momente beigebracht wurden, die die ganze Angelegenheit wesentlich anders beleuchteten und die Aussagen der Hauptbelastungszeugen wesentlich erschütterten. Die neue Beweisaufnahme fiel dermaßen zu gunsten des Angeklagten aus, daß der Staatsauwalt selbst die Frei- sprechung beantragte. Die Vertheidiger schlössen sich diesem Antrage an. Die Geschworenen verneinten diesmal nach kurzer Berathung die Schuldfragen, worauf die F r e i s p r e ch u n g des Angeklagten erfolgte. Und der verurtheilte Arbeiter Steinbrück? Für Krankenkassen. Die Maurer- und Bauarbeiter-Kranken- lasse zu Magdeburg hatte es seinerzeit abgelehnt, die Arbeiter des Bauunternehmers Böhlicke bei sich aufzunehmen, weil B. in Magde- burg-Neustadt wohne und seine Arbeiter in die für die Neustadt be- stehenden Ortskasse für Handwerk und Gewerbe gehörten. Böhlicke mißbrauchte dann den Namen eines Magdeburger Unternehmers, namens Scholz, um seinen Arbeiter Matthes dennoch bei der Maurer- und Bauarbeiter- Krankenkasse zu Magdeburg anzumelden. Matthes wurde auch aufgenommen und wurde somit that- sächlich Mitglied dieser Kasse. Als der Vorstand entdeckte, daß er getäuscht worden war, nahm er für Matthes keine Beiträge an. Bald darauf verklagte er die Neustädter Ortskaffe für Hand« Joerl und Gewerbe auf Erstattim-, von 39 M., mit welcher Summe er de» inzwischen erkranktcu Matches unterstützt hatte. Der Bezirks- misschuß wies den Anspruch mit der Begriindi'np ab, daß die un- streitige t h a t s ä ck l i ch c Versicherung des Matches bei der Maurer- und Bauarbeitcr-Krankcukasse in Magdeburg diese Kasse so lauge zur Unterstützung des Erkrankten ver- pflichte, als er bei ihr versichert war. Das Ober- V e r w a l t u n g s g e r i ch t hob jedoch die Entscheidung wieder auf und verurthcilte die Neustädter Kasse, der Klägerin die Unterstützungssumme zu ersetzen. Zur Begründung wurde vom Vorsitzenden Rommel ausgeführt: Es sei unrichtig, daß die t lj a t s ä ch l i ch e Versicherung eine rechtliche Versicheruüg uothwendig begründe. Hier sei Matches zu unrecht bei der klägerischen Kasse angemeldet worden und zu unrecht ihr Mitglied geworden: die Kasse sei deshalb auch nicht verpflichtet gewesen, ihn zu unterstützen. That sie dies dennoch, so könne sie die wirklich verpflichtete Kasse, hier die Beklagte, in Anspruch nehmen. Ihr Ersatzanspruch sei somit begründet. Wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit hatten sich gestern der Arbeiter Hermann Wiedemann und dessen 19 jährige Tochter Sclma vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Die Verhandlung ergab, daß der schamlose Mann mit seiner eigenen Tochter in einen sträflichen Verkehr getreten war, der nicht ohne Folgen geblieben ist. Der Gerichtshof verurtheilte den Vater u LVe Jahren Zuchthaus, die Tochter zu 3MoiiatcnGe- ä n g n i tz._ Das Ergebnitz der Prentzischen Landtagswahlcn. Die heute in Preußen vollzogenen Abgeordnctcnwahlen haben leinerlei Ueberraschungen mehr gebracht. Das Resultat ließ sich nach den Nrwahlen vom letzten Doniterstag voraussehen, und mw in ganz wenigen Kreisen hing es von Zufälligkeiten ab, wohin sich das Zünglein der Waage senken würde. Wenn auch noch nicht aus allen Wahlkreisen bestimmte Nachrichten vor- liegen, so steht doch bereits soviel fest, daß unsere Berechnung, wonach die Konservativen und Nationalliberalen einige Verluste zu gunsten der Freisinnigm zu verzeichnen haben, sich als rirbtig er- weisen wird. Bisher haben die beiden konservativen Parteien folgende 14 Mandate eingebüßt: Nordhanscn, Görlitz l2), Königsberg i. Pr., Thor» an die freisinnige Volkspartei, Samter-Birnbaum an die freisinnige Vereinigung, Ratibor(2), Schweidnitz-Stricgau, Lingcn- Bcnthcim an das Zentrum, Siegen. Sangerhausen, Flensburg, Hogers- werda an die Nationalliberalcn. Gewonnen haben sie 7 Mandate: von den Nationalliberalen Wansleben, Emden- Norden, Aurich, Rinteln; von den Polen Wangrowitz, Straßburg i. W. und Posen- Land. Die beiden konservativen Parteien sind also vorläufig um 7 Mandate geschwächt.— Die Freisinnig e Volkspartci geht um 11 Mandate stärker aus dem Wahlkantpfe hervor. Einschließlich zweier Hospitanten wird sie statt 14 Mitglieder in der letzten Session in Zukunft deren 25 zählen. Verloren hat sie nur Poscn-Land, neu gewonnen hin- ?egen Königsberg, Görlitz(3), Frankfurt a. M.(2), Hagen(2), Nord- ause», Thorn(2). Brombcrg-Wirsitz. Die Freisinnige Vereinigung hat ihre 6 Mandate (Daiizig(3), Stettin, Breslau, Fraustadt-Lissa) behauptet und fünf weitere Königsberg, 51iel, Samter-Birnbaum, Poscn-Land, Wongrowitz) gewonnen, sie wird also in einer Särke von 11 Mit- gliedern in das Abgeordnetenhaus einziehen. lieber die Gewinne und Verluste der anderen Parteien läßt sich zur Zeit noch nichts Bestimmtes sagen, doch scheint es, als ob das Zcntnim etwas gestärkt, die nationalliberalc Partei etwas geschwächt ist. Die Dänen haben ihre beiden Mandate behauptet, die Anti- scmiten entsenden zum ersten Male einen Vertreter in der Person des Abg. Werner in das LandeSparlamcnt. In der preußischen Hauptstadt wurden, wie von vornherein fest- stand, in sämmtlichen Wahlkreisen die Kandidaten der freisinnigen Volkspartei gewählt. Im ersten Wahlkreis(bisher vertreten durch Träger, Hermes, Parisius) wurden im ersten Wahlgang Dr. Max Hirsch mit 1002 von 1099 Stimmen gewählt gegen 92 konservative. Im zweiten Wahl- gang wurde Justizrath Albert Träger mit 949 gegen 02 konservative Stimmen gewählt. Auch der dritte Kandidat der Freisinnigen Volkspartci, Stadtv. Kreitling, wurde mit großer Mehrheit gewählt. Im zweiten Wahlkreis(bisher Dr. Langerhans und Eugen Richter) wurde Dr. Langerhans mit 1202 gegen 3 zersplitterte Stimmen und Reichstagsabg. Rektor Kopsch(Frcis. Volksp.) mit 1133 gegen 1 zersplitterte Stimme gelvählt. Im dritten Wahlkreis wurden die beiden bisherigen Abgeordneten Rudolf Nirchow und Knörcke wiedergewählt: Rudolf Virchow mit 1358 gegen 782 konservative Stimmen, die auf Rechtsanwalt Ulrich fielen, und 8 zersplitterte Stimmen(1893 wurde Virchow gc- wählt mit 1161 gegen 629 Stimmen). Im vierten Berliner Wahlkreis wurden die bisherigen Ab- geordneten Munckel und Max Schulz wiedergewählt: ini ersten Wahlgang Munckel mit 1063 gegen fünf konservative Stimmen und 9 Stimmen der Freisinnigen Volkspartei, die irrthümlich schon im � ersten Wahlgang für Max Schulz abgegeben wurden. Im zweiten Wahlgang wurde'Stadtv. Max Schulz mit 952 gegen eine antisemitische Stimme gewählt. Im einzelnen haben nach den bis um 1 Uhr nach Mitternacht eingegangenen Nachrichten die verschiedenen Parteien vorläufig folgende Kandidaten sicher durchgebracht.: Konservative:(Bisher 144). Straßburg W.- Pr.: Landrath Dumrat. Marburg: v. Ncgelcin. Hofgeis mar-Wolfshagen: v. Pappenheim. Frankfurt a. O.: v. Waldow. Arnswa'ldc-Friedcberg: v. Bornstedt. S t r e h I e n- N i m p t s ch: v. Lücke. L a b i a u- W e h l a u: v. Perbandt-Langcndorf, Arnd-Spannegeln. L o c tz e n: Dreher. Wetzlar: Prinz Solms-Braunfels. Flatolv-Dt.- Krone: Conrad. Grünberg-Freistadt: Knoch, Reuchelt. Kreuzburg: v. Prittwitz- Geffern. Rinteln: v. Dithfurth. Stendal: v. Jagow, Graf Bassewitz. E l b i n g- M a r i c n- bürg: v. Pnttkamer. M a r i e»>v e r d e r- S r u h m: Witt, Gördeler. L i e g n i tz: Schilling, Hornig. E ck e r n f ö r d e: v. Bülow. Stein bürg: Engelbrecht. Minden: Sielermann, Strosscr. Filehne-Czarnikau: v. Colmar- Meyenburg, Zicdler. Gardelegen: von Mendel- Steinfels, Brüse. Großglogau: v. Buddenbrock, v. Dalberg. Z u i n- W o n- g r o w i tz: Wolf. Gumbinnen-Justerbnrg: Mcntz, Kreth Ohlau-Brieg: Kache. I a n e r- B o l k e n h a i n: v..Richthofcn, Scholz. Tilsit: Kossack. Pillkalle n-Rag nit: Gottswalk, Bracmer. Lyck- Oletzko: von der Groeben, Knllack. West- und Ost-Stcrnberg: Bohtz, v. Bockclberg. T u ch e l- Könitz: Kerstcn. Groß-'Wartenbcrg- Na ms lau: v. Willcrt, Dr. v. Korn. B r o m b e r g- W i r s i tz: Martini. Westhavelland-Brandenburg: v. Bredow, v. Stülpnagcl, Kropatschek. Plön: Kasch. Luckenwalde- Jüterbog: Barthold. Bielefeld: Kaselowsky, Rudolf, Weihe. Halle: Votz. Sensburg-Ortelsberg: V.Bieberstein, v. Fabeck. Pyritz- Saatzig: v. Wangenheim, Wendhausen. Stolp-Lauen- bürg: v. Bandemer, Will, v. Heydcbrcck. G u h r a n- S t e i n a u: v. Wrochcm, Bandekow. Steudal-Osterburg: v. Jagow, Graf v.Bassewitz. Jerichow: v.Zastrow. Neuhaidensleben: v.Hassclbach. D r a m b n r q: v. Brockhausen. B o m st- M e s e r i tz: v. Staudy. Gifhorn-Isenhagen: Berg. R o s e n b e r g- Graudcnz: v. Wernsdorf. D e m m i n- A n k l a m- U s e d o m: v. Heyden, Böhlendorff, Graf Schwerin. Greifenhagen- Randow: v. Mantenffel, Prätorius. Narigard- Rege nlv aide: v. Dewitz, v. Eisenbart. Greiffenbcrg: v. Köller. v. Normann. T r e b ni tz-Militsch: v. Kessel, v. Heyde- brand. Breslau- Land- Neumarkt: Graf Limburg- Stirum. Graf Harrach. S ch w e idnitz: Hirt. Torgau- Liebenwerda: v. Lingenthal. Schweinitz: Rohde, Freiherr v. Bodenhausen. Delitzsch- Bitterfeld: v. Bodenhausen- Bnrgchemnitz, Schettler. Mansfeld: Bartels. Quer- furt- Merseburg: von Helldorff. Teltow-Beeskow: Ring, Felisch. Wcißenfels: Wincklcr. Langensalza- Weißensee-Mühlhausen: Bode. Schleu singen: Frhr. v. Erffa. Lissa: Letvald. Herford-Halle-Bielefeld: Weihe, Rudorf. Freikonscrvative(bisher 65). Tecklenburg: Kröner. Eckernförde: Stockmann. Er- furt: Lucius. M ö r s: Vorster. Stolze nau-Neu st adt: Heye. Flatow-Deutsch Krone: Gamp. Pinneberg: Graf Moltke. Oldenburg: Haasen. Dirschau- B e r e n t: Arndt. H i r s ch b e r g: Baensch- Schmidtlein. Schlüchtern: Zimmermann. Ohla'u-Bricg: Schande. Ott- >v eiler- Saarbrücken: Vopelius. Großwartenberg- Namslau: v. Kardorff. Bromberg-Wirsitz: Schmidt. S ch lv e tz: Rasmus. Emden-Norden: Menge. Rauschen- berg: Riesch. R o s en b e r g- G rau d e n z: Conrad. Neichen- dach-Waldenburg: Krause, Luckhoff. Jßmer. Torgau- Liebenwerda: Gras. Mansfeld: Dr. Arendt. S a n g e r- hausen: Schercr. Querfurth- Merseburg: Neubarth. Langensalza- Weißensee- Mühlhausen: Freiherr von Zedlitz. Schubin- Jnowratzlaw: von Tiedemann. Lissa: Scherr-Thoß. Neuhal densleben: Boeker. Stein- bürg: Engelbrecht. Rendsburg: Briitt. Gronau- Alfeld: Lüders. Potsdam: Kelch. Bomst-Meseritz: v. Dziembowski. Uelzen: v. Tzschoppe. Zentrum.(Bisher 95.) � ü n f e l d: Kaute. Altenahr- Adenau: Marcour. Lüdinghausen: Willebrand. Kosel-Leobschntz: Gocke, Klose, Böhm. Lingen-Bentheim: Degen. Cleve: Dr. Hevcling. Krefeld: Bachem. G I e i w i tz: Hcifig. W o r m- d i t t: Dittrich, Krebs. Sigmaringen: Bumiller, Hobler. Kreuzburg: Mücke. Groß-Strehlitz-Lublinitz: Graf Strachwitz, Glowatzki. Lüdinghausen: Willebrand, Wester- schulte. Fulda: Göbcl. Ahaus-Steinfurt: Brandenburg, Herold. Mülheim a. Rh.: Dauzcnberg, de Witt, Dr. Becker. Heiligen st adt-Worbis: von Swombeck, Jmwallc. Meppen: von Hagen. Oppeln: Szmula, Nadbyl. Daun-Prüm-Bitbnrg: Brockmann, Wallenborn. W i tt li ch- Berncastel: Dicden, Biescnbach. Neisse-G rottkau: Hubrich, Klein. Alle n st ein- Rössel: Hermann Graf. Warburg- Höxter: Schmidt. M ü n st e r- K o s f e l d: v. Heeremann, Lcppel- mann. Borken-Recklinghansen: Ostrop, Fritzen. Unter- we st er waldkreis: Dr. Lieber. Rees: Fritzen. Geldern- Kempen: Pleß, Hcusscr. M.- G l a d b a ch: Mies, Hitze. N e u ß: Bender, Rath. Trier: Dasbach, Rocren. H a m m- S o e st: Graf Plettenberg. Cleve: Dr. Heveling. Schweidnitz: Hohcisel. Glatz- Neurode: Porsch, Hartniann, Gcißler. Franken st ein- Münsterberg: Metzner, Langer. Köln- Stadt: Fuchs, Trimborn. Köln-Land: Mooren, Pingen, Breuer. Bonn: Hauptmann, v. Bleuten. Paderborn: Humann, v. Savigny. Limburg: Cahensly. Nationalliberale(bisher 84). Cassel-Witzenhausen: Beinhaucr. Celle: Thies. Cassel: Endcmann. Unterlahn kreis: Schaffner. O s n a- brück: Wamhoff. Tondern- Schleswig: Bachmann. M e t t- ni a n n: Dr. Böttinger. Hameln: Hausmann. Marienburg- GoSlar: Horn. Wiehl- Gummersbach: Krahwinkel O st e r o d e- D ii d e r st a djt: Jörns. Northeim: Falkcnhagcn. Rotenberg: Hesse. Lehe: Schclni. Dirschau-Berent:. Hobrccht. Hirschberg: Seidel. Stade-Bremervörde: Holtcrmaim. Melsungen: Gleim. Hanau: Junghenn. Lüneburg: Hagclbcrg»kl»btt 1898. Der„Züddcutschc Postillon", der in seiner neuesten Nr. 23, Ldnlich wie der„Wahre Jakob" schon früher eine Reihe Kunstblätter als willkonnueue Beilagen brachte, auch ein ernstes Stiinmungsbild „Heimkehr" rcproduzirte, ist des sächsischen Refonnationsfcstes wegen mit einem Tage Verspätung in Berlin eingetroffen, was die Abon- nentc» des„Postillons" also den Kolporteuren zu gute halten wollen. Zweiter NcichStagS- Wahlkreis. In der am Sonntag Nbend G'/a Uhr bei Zubeil, Lindenftr. Ivb, starlfindenden öffentlichen Versammlung für Frauen und Mädchen spricht Genosse Marklvald über das Problem der Frauenfrage. Nach Beendigung der Wer- sammlnng gemüthliches Beisammensein. Regiebetrieb oder Zlkticu-Nnteriiehmen. Man schreibt uns: Der Kampf, der jetzt in Berlin darüber entbrannt ist, ob die Berliner Elektrizitätswerke in den Besitz der Stadt übergehen sollen, oder ob die RcichShauptstadt die Erzeugung des elektrischen Stromes zum Betriebe der Straßenbahnen, zur Straßenbeleuchtung und für industriell» Fabrils- und Handwerks- Unternehmungen mindestens bis zum Jahre 1015 einer Aktiengesellschaft überlassen soll, hat ungewöhnliches Aufsehen im Reiche gemacht. Tie Entscheidung, die Berlin in dieser Sache treffen wird(oder vielleicht schon getroffen hat, nachdem der Z 1 der Magistratsvorlage angenommen worden ist), wird einen großen Einfluß auf die'Gestaltung der Dinge in änderen Gemeinden attsüben. Die Parteien der Vcrstaat- lichungsacgner und Verstaatlichungsfrennde werden sich gegebenen- falls auf die Borgäuge in Berti n berufen und mit diesen Hin- Weisungen einen großen Theil sachlicher Argumentation umgehen. Allerdings ist ja den Verfechtern der kapitalistischen Aktiönärs- interesse», nicht nur in Berlin, sondern auch anderswo, der„Vor- wärts"-Leitartikel, m dem die Gefahren der kapitalistischen «crgetvaltiguug Berlins durch eine Reihe von Banken rmd Aktien- gcscllschaftcn so vorzüglich dargestellt wurden, sehr unsanft in die Parade gefahren. Aber die Herrschaften sind gottcsfürchtig und dreist; sie holen mit verblüffender Zähigkeit ihre schäbigsten Gründe immer wieder hervor, um ihren Profit zu retten. Das konnte man mit Staunen den Debatten in der Stadt- Verordnetcn-Vcrsammlung entnehmen. Mit was für Gründen haben da die ftciwilligcn oder— unfreiwilligen Berthcidigcr der Aktien- gcsellschaften gcivirthschaftet I Es mag widerwärtig sein, sich damit henttn zuschlagen, aber es ist sicherlich sehr nützlich. Hier sei nur einiges erwähnt zu dem Argmnent,„eine Stadt könne große Betriebe nicht so gut cinrtchtcn und leiten wie eine Aktiengesellschaft." Bei- spiele beweisen: Als die Frage der Uebernahnie' der Straßenbahn sür die Stadtgcmcindc Nürnberg vor einiger Zeit akut war, haben die Westen Stadtväter den Betrieb in den Händen einer Allicngesellschaft gelassen, wesentlich aus jenem angeführten Grunde. Und was ist geschehen? Die elektrische Einrichtung wurde von der Allgemeinen Elcktrizitätsgcscllschaft in Berlin gc- liefert— also einer solchen angeblich so gut zu so etwas gtinlifizirten Aktiengesellschaft!—, und diele Einrichtung gilt mit recht für die schlechteste in ganz Deutschland. Von Mitgliedern des Verbandstagcs der Gas- und Wasscrfachmänner Deutschlands wurde die elektrische Straßenbahn in diesem Sommer kurzweg„die Blamage Nürnbergs" genannt. So das Werk der einen Aktiengesellschaft. Die andere ist aber nicht besser, nämlich die Betriebsgcsellschaft. Ihre Rücksichts- losigkeit gegen das Publikum, das aus sie ja nun einmal an- gewiesen ist, geht ins Aschgraue; ihrem Personal hatte sie solche Arbeits- und Lohnvcrhältmsse gestellt, daß erst ein Ausstand wenigstens die allerärgsten Auswüchse kapitalistischer Profitmachern beseitigen mußte; die Vernachlässigung der elementarsten Borsichts- maßregeln ging so weit, daß die Behörden einschreiten mußten. Kurz, einfach grauenhafte Zustände! Und dabei maßt sich die Gesell- schaft mit ihrem Monopolvertrag in der Tasche ein Benehmen im Verkehr mit den städtischen Behörden an, daß man es mit parlamen- tarischen Ausdrücken nicht mehr kennzeichnen kann. Und das alles für eine lächerlich geringe Abgabe an die Stadtkasse! Das sind die Resultate der beriihmten Aktiengesellschaften in einem wirklichen Fall und nicht in den schönen Reden vortresf- kicher Gemeindevertreter wie des ehrenwerthen Herrn Monmtscn! Aus vollem Herzen muß man der Mahnung beistimmen, mit der neulich der „Vorwärts"-Artikel schloß:„visoite momtä." Bedenkt die Folgen bei Zeiten— ihr seit gewarnt! Die städtische» KaualisationSarbeiter sollten nach einem Bc- schluß der Deputation für die Kanalisationswerke und Rieselfelder vom 1. Oftober d. I. an eine Lohn zu läge erhalten. Herr Stadt- rath Marg gross ließ dieses den Arbeitern durch Herrn Gewerbe- gerichts-Beisitzer Weigert anfangs Oktober mittheilen. Trotzdem wir nun schon im N o v e m b e r sind, hat bisher noch kein einziger Arbeiter eine Zulage bekommen. Wir nehmen an, daß die von den Arbettern gehegte Ansicht, daß es sich damals lediglich um einen Trick der Verwaltung gehandelt habe, um die hochgehende Erregung der Kanalisationsarbciter zu besänftigen, jeglicher Bc- gründnng entbehrt. Herr Stadtrath Marggraff wird hoffentlich nicht mit solchen Mitteln arbeften und schleunig st das Versäumte nachholen. Wie berichtet wird, besteht die Absicht, in den Berliner kauf- männischen Fortbildungsschulen, die bekanntlich jetzt dem Handels- m i n i st e r i u m unmittelbar unterstellt sind, vom nächsten Halbjahre ab besondere Fortbildungskurse für Mädchen einzurichten. Die HubertuSjagd ist gestern ordnungsmäßig verlaufen— das heißt das Schwein wurde von der Meute ordnungsmäßig gehetzt und schließlich von den Jägern auch ordnungsmäßig abgefangen. Allerdings mußte der Mord, wie die griechische Tragödie es er- heischt, hinter der Bühne, d. h. von den Zuschauern ungesehen, verübt iverden— der vierbeinige Held des cdclen und edelsten Schlacht- festes war nämlich sehr unkriegerischer Natur; er konnte offenbar nicht begreifen, warum man ihm plötzlich zu Leibe ging, nachdem man ihn ein paar Jahre lang freundlich gefuttert. Ersuchte sich auf guten Fuß mit den Hunden zu setzen, entschlüpfte ihnen auch recht schlau, mischte sich unter die zuschauenden Menschen, machte eilten Abstecher in das Wirthshaus Hundekehle, und lief dann nach dem Hundekehle-Sce und stillte seinen Durst, woraus er sich dann gemüthlich ins Ried legte. Dorthin kamen, nach einigen Irrfahrten, die Hunde, waren jedoch zu— menschlich, um das harmlose Thier zu würgen und anzubeißen und überließen es einem Trupp zweibeiniger, mit rothen Röcken bekleideter Wesen, das Stillleben in eine blutige Tragödie zu verwandeln, und die Schlächterarbeft sportsmäßig und kttnstgerecht im Schilf zu ver- richten. Das Publikum, welches sich sehr zahlreich eingefunden hatte. war von dieser Art der Fleischerarbeit sehr wenig erbaut, und viele meinten, sür solche Arbeit sei das Schlachthaus da, nicht aber der Grunewald. Nun— über den Geschmack läßt sich nicht streiten.— Die Berliner Unsallstationc» sind im Monat Oktober er. in 2937 Fällen gegen 176s im gleichen Monat des Vorjahres für erste Hilfe in Anspruch genommen und zwar 2508 Mal bei Unfällen und 479 Mal bei plötzlichen Erkrankungen. In den Stationen wurden 2767, außerhalb derselben 220 Personen behandelt. Mit dem Krankentransport-Wagcn der Unfallstationen wurden im Berichts- monate 132 Personen in die öffentlichen Krankenhäuser bezw. in ihre Wohnungen befördert. Plötzlich gestorben ist im Alter von 52 Jahren der Direttor des Märkischen Zentral- Sängerbundes Ernst Wilhelm Müller, der sich nach seiner Vaterstadt Müllcr-Jessen nannte. Am Dienstag Abend saß er bis 10 Uhr im Kreise seiner Familie, dann begab man sich zur Ruhe. Um 12 Uhr hörte Frau Müller ihren Mann schwer röcheln und nahm zu ihrem Schrecken wahr, daß eine schivere Krankheit ihn plötzlich befallen hatte. Obwohl zwei Aerzte ihm bald Hilfe leisteten, starb Müller schon nach zwei Stunden. Ein Gehirnschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt. Der Verstorbene war eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Berliner Mnsikivelt. A«S dem Gcfängnist zu Plötzcnsee entwichen ist ein Straf- gefangener Singer, der von einer zweijährigen Strafe noch dreizehn Monate zu verbüße" hatte. Singer war Mittwoch Nachmittag mit sieben anderen Gefangenen nntcr Aufsicht zweier Werkmeister und eines Aufsehers in einer Lackircrei beschäftigt. Bald nach siinf Uhr sollte er aus einem anderen Rannte Farbe holen. Diese Gelegen- Heft benutzte er, zu entlveichen; nach den hinterlassenen Spüren durch einen Hühnerstall. Seine Jacke und Mütze hat er zttrück- gelassen. x TaS Lpser einer Gasexplosion im fSt. Hedwigs-Kranken- haus ist die 48 Jahre alte Dicnstmagd Rosa SchikoivSka geworden, die dort seit 20 Jahren in Stellung war. Sie sollte am ver- gangenen Sonnabend um 5 Uhr nachmittags etwas ans dem Keller holen und wollte dort in einem Lorratim eine Gas stamme an- zünden. Als sie ein Streichhölzchen anzündete, gab es eine heftige Explosion. Der Luftdruck zertrümmerte einen Ofen und vier Fensterscheiben. Tie Magd zog sich an Hals, Brust, Unterleib nnd Armen schwere Brandwunden zu, denen sie vorgestern erlegen ist. Ein dreister Einbruch wurde in der vergangenen Nacht in dem Lade» des Kolonialwaarenhändlers Klein in der Lutherstraße ver- übt. Die Diebe waren von der Straße aus in den Laden eingedrungen nnd hatten sich der Ladcnkasse bemächtigt, welche eilten größeren Geldbetrag enthielt. Als sich die Diebe tvicdcr entfernten, wurden sie von einer SchntzmannSpatrouille, der sie verdächtig ge- ivorden waren, verfolgt und es entspann sich in der menschenleeren Gegend eine Art Wettrennen. Die Diebe blieben zwar Sieger, jedoch büßten sie bei dem Nennen die Ladcnkasse ein, indem sie die- selbe fortivcrfen mußten, um ihre Flucht ztt erleichtern. Von ihrer Beute blieb ihnen nur ein Betrag von 15 M. übrig, die sie in einem Beutel vorgefunden hatten. Ter Schiffbancrdamm zwischen der Fricdrichstraße und der Straße Am Zirkus wird wegen Untpflasterttttg vom 4. November ab bis auf weiteres für Fuhrtverke und Reiter gesperrt. Das Polizetpräsidinm macht bekannt: Nach§ 12 des Jmpf- gesetzcs vom 8. April 1374 sind in diesem Jahre der Wiederimpfung diejenigen Schulkinder unterworfen, welche im Laufe desselben das zwölfte Lebensjahr zurücklegen und ebenso auch diejenigen, welche schon in früheren Jahren wiederinipfpflichtig gewesen, bisher jedoch nur ein- oder zweimal ohne Erfolg wiedergeimpft worden sind oder von der Wiederimpfung krankheitshalber befreit waren. Sofern die Wiedcrimpsmig dieser Schulkinder in den öffentlichen Jutpftcrmincn während des verflossenen Sommers und auch anderweitig nicht stattgefunden hat, werden die Eltern. Pflegeeltern und Vormünder auf grund des angezogenen Gesetzes hiermit aufgefordert, die Wiederimpfung derselben mnmtchr schleunigst vornehmen zu lassen, und die Jmpfattcste dem zuständigen �chulvorstande ungesäumt, spätestens bis zum Schluß dieses Jahres __,.............~....... �________ g....._______ � Eine eingehende Besprcchnng über den Ausfall vorzulegen. Wer diesen Nachweis nicht rechtzeitig führt, hat die itn preußischen Landtags wählen und dessen Rückwirkung auf A § 14 desselben Gesetzes festgesetzte Strafe bis zu 50 M. oder Haft bis zu 3 Tagen zu gewärtigen. Gleichzeitig ivird darauf aufmerksam gemacht, daß jetzt auch die Impf- oder Befreiungsscheine für die jungen Kinder, deren Erst- impfnng noch nicht uachgewicscit ist, demjenigen Polizei-Revicr vor- gelegt werden müssen, in dessen Jmpflistc sie verzeichnet stehen. Die Eltern jc., welche der ihnen hierzu noch besonders zugehenden Auf- fordcrung nicht pünktlich bis zum 15. Januar k. I. nachkommen, haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn gegen sie die in der Aufforde- rung angedrohte Strafe zur Festsetzung gelaugt. Schließlich wird darauf hingewiesen, daß uucntgcltlichc Impfungen jeden Sonntag Mittag von 12 bis 1 Uhr im Jmpslokalc Wilhelm- strahc 117 stattfinden. Eine Konzcrtanfführung, die bei allen Musiksrenndcn Beachtung verdient, findet Sonntag, den 13. November, in der Brauerei F r i e d r i ch s h a i n statt. Die Gesangvereine Kreuzberger Har- monie, Freie Liedertafel, Norddeutsche Schleife nnd Sorgenfrei werden in Gemeinschaft mit der bekannten Kapelle des Herrn Graß das für Männerchor von M. Bruch kompomrte Oratorimn F r i t h j o f zu Gehör bringen. Chordirigent ist Herr Bleil, als Mitwirkende in den Soli nennen wir Frau Pcttcrson-Münnich sJngcborg) und Herrn Pfitzncr(Frithjof). BolkSthiimliche Kurf» von Berliner Hochschullehrern. Herr Geheimer Justizrath Pros. Dr. D. K a h l wird am heutigen Freitag, abends 8V- Uhr begimicnd, in der Aula des Friedrich-Werderschen Gtiiimasiurns, Dorotheenstr. 13/14, einen Zyklus von sechs Vorträge» über die„Deutsche Rcichsvcrsassung" halten. Er wird handeln über: Geschichtliche?, Inhalt der deutschen Vcrfassiingsiirkmidcii, die Neichöangchöriglcit, die Macht- vcrthcilung zwischen dein Reiche und den Einzclsiantcn, die Organe des Reiches: 1. der Kaiser, 2. der Bundcsrath, 3. der Reichstag, 4. die Reichs- bchürden und Beamten, und schließlich über die rechtliche Stellung der Reichslande Elsaß-Lothringen. Eiittrittolnrteii zu diesem Kursus sind ver- griffen, ebenso zu dem an demselben Abend S'/- Uhr dcgiuncndc», in dcr lönigl. Bergakademie stattstubcitden VortragS-Zyklus de? Herrn Geh. Berg rath Prof. Dr. W e d d i u g über Eiscithiiltenlunde. llrania. Die JvcSschc Methode der Photographie in natürlichen Farben findet auch in ihrer Anwendung auf wffsenschastliche Aufgaben die Beachtung der Fachkreise. So fand am Mittwoch eine Vorführung in der Berliner medizimschen Gesellschaft, am Donnerstag eine solche in der Dermatologischen Gesellschaft statt. In beiden Fällen handelte es fich vor- nchmlich um Vorführung von Photographien Hantkranker. Es liegt wohl aus der Hand, daß der Vergleich ciiicS Befundes mit einer Photographic in natürlichen Farben die Diagnose wesentlich zu unterstützen vermag. Populäre Borführungen über daS neue Verfahren finden von nun ad wieder täglich 7 Uhr in der Urania statt. Theater. In, Schtller-Theater wird„Wilhelm Dell" zur Schiller-Feier am 10. November neu eiiistudirt. Die Titelrolle hat diesmal Herr Ferdinand Gregon innc, den Attinghansen hat Mar Behrendt, Walter Fürst: Leopold Thurner, Baumgartcn: Gnstav Olmar, Gertrud: Loutsabeth Röckcl, Hedwig: Therese Lcithncr, Anngard: Helene Rosner überiiomme». Das Blumenthal-Äadelburg-sch« Lustspiel„Mauerblümchen" ko» nit heute zur Wiederholung.— Der„Lortzing-Abend", den das Schiller-Thcntcr am Sonntag, den 23. Oktober, im Bürgcrsaale des Rathhauses veranstaltet hatte, ist mit so großem Beifall aufgenoimircn worden, daß eine sofortige Wieder- Holling mit dem gleichen Programm für den rommenden Sonntag, den ii. November, angesetzt werden kann. Den einleitende» Vorttag hält Pfarrer August Wclliner. Fcuerbcricht. Ein größerer Kellerbrand war Mittwoch Abend Admiral st ratze 4 abzulöschen. In dem Keller befindet sich ein Eiergcschäst. nnd die Flammen fanden an Stroh und Kisten reichliche Nahrung. Die Wehr hatte zwei Stunden zu thun, um das Feuer zu löschen und die iiöthigcn Aufräumungs- arbeiten vorzunehmen. Böswillige Brandstiftung scheint bei einem Bodcnbrnnde vorzuliegen, der Donnerstag früh 2 Uhr B l u m e n st r a ß e 38 ausbrach.' Es brannten Dachsparren und Fußboden, nnd weisen verschiedene Ilmstände darauf hin, daß das Feuer angelegt war. Im Post- Zollabfertigungs- amt K ö t h e n e r st r a ß e 29 entstand Donnerstag früh 1 Uhr ein Brand. der Regale nnd Kleidungsstücke zerstörte. Berg straße 66 war ein Zimmerbratid zu löschen, der Möbel und Kleidungsstücke einäscherte. Wilhelm straße 139 ging in einem Buchgeschäft ein Posten Druckpapier in Flammen auf. Kleinere Zimmcrbrände waren noch Königgrätzerstr. 11 und A n k l a m e r st r. 2 zu beseitigen.— Eine Gasexplosion rief die Wehr Mittwoch Abend nach Chausseestr. 105. Im Keller war die Gasleitung undicht geworden und das ausströmende Gas hatte sich entzündet, wobei eine Person leicht verletzt wurde. Ans den Nachbarorten. Sozialdemokratischer Verein„Vorwärts" z» Rixdorf. Dienstag, de» 8. November, abends 8i/e Uhr VcrcinSversammlung in Pctcr's Salon, Knesebeckstr. 113. Vortrag des Genossen Dr. Silberstein über Komitttmistische Bestrebungen im Mittelalter. Zugleich thcilen wir mit, daß unser diesjähriges Stiftungsfest Sonnabend, den 12. November im Apollo- Theater, Herinann- straße 48/50 stattfindet. Billcts a 20 Pf. sind in den folgenden Zahl- stellen des Vcreiiis zu haben: K ö p k e, Rest., KarlSgartenstr. 1; R e tz er a u, Zigarrengesch., Herntaitiistr. 50; Klein, Rest., Kaiser Fricdrichstr. 236: Thomas, Rest., Berg sie. 162; Herr m ann, Zigarrengesch., Kirchhofftr. 1: Sy, Rest., Jägerstr, 69: Wegert, Rest., Hcrthastr. 1. Ter Bibliothekar Wurb's ist nach der Lessing- straße 9 verzogen. Die Bibliothek ist täglich geöffnet. Der jetzige Kassircr des Vereins ist Gustav Müller, Kirchhofftr. 29, IV. In den Zahlstellen des Vereins werden auch ucnc Mitglieder auf- getiontntcn. Siehe später Inserat. Der Vorstand. Schvnebcrg. Inder am Montag, abends 8 Uhr, bei Obst GruNewaldstr. 110, stattsindenden Versammlung des Arbeiter- BildnitgSvercins sprechen K ö st c r und Zubeil über die Beschlüsse des Stuttgarter Parteitags. Gäste sind willkoinmen; neue Mitglieder Iverden anfgenommeii. Der V o r st a n d. Für die städtische Volksbibliothck in Charlottcnbnrg hat die ihr vorgesetzte Deputation für daS Fortbilditugs-Schnlwesett be- schlostc», 25 000 M. in dem städtischen Haushalt des nächsten Jahres gt beantragen. Man wird sich eriniiern, daß der Magistrat schon iir das laufende Jahr diese Summe beantragt hatte. Aufsehen erregte es dann, als die Stadtverordiieteii-Versammlnitg den Etat ans 15 000 M. herabsetzte. Zum nächsten Rechnungsjahr soll auch der Leiter der Bibliothek fest angestellt und ihm ein Gehalt von 3600 M. bewilligt werden. Infolge dcS Nebels, der Mittwoch Vormittag herrschte, er- eignete sich an der Ecke der Charlottenburger Chaussee und der Klopstockstraße ein Zusammenstoß zwischen eiuctn Wagen der elektrischen Straßenbahn und einem Bierwagen, bei dem der Führer des Bicrwagens, Kutscher Karl Bätitnlinger, unter die Räder gerieth und eine erhebliche Quetschung des Unterleibes davonttng. O.nalbollc Sttmdcn hat am Sonntag ein Mann durchlebt, der in der Jmtgscrtthaide einen Selbstmordversuch begangen hat. Um 5 Uhr abends vernahmen am vorigen Sonntag Spaziergänger, die- den Königsdantttt ans dem Wege nach Charlottcnbnrg passirten, � leises Wimmern. Sie forschten nach und fanden 50 Schritt vom Wege einen Mann an einem Baum sitzend. Sic erfuhren von dem Unbekaimten, der nur scktwachc Lebenszeichen von sich gab, daß er ein Kansmann namens Müller ans der Bnttdelstraße in Moabit sei. Der Unglückliche hatte sich an demselben Tage um 10 Uhr vor- mittags' eine Revolverkugel in die Brust geschossen, hatte aber seinen Zweck, sich das Leben zu nehmen, nicht erreicht. Auf Veranlassung des Gendarmen in Hasclhorft wurde er ins Moubiter Krankenhaus geschafft. Stellenlosigkeit und Nahrungssorgen waren das Motiv der Thai._ VevsÄttttnlnttgVN. der die .ozialdemokratie schloß sich an das Referat, das Genosse Richard F i s ch e r am Mittwoch in der Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvcreins im ztncitett Berliner RcichstagS-Wahlkreise über das Thema„Streitfragen in der Partei" erstattete. Fischer schied für diesmal die von Berttsteitt angeregte Frage der Taktik von vorn- herein ans dem Kreis seiner Betrachtungen und beschäftigte sich lediglich mit der Frage, welche Erfahrungen wir bei den eben vollzogenen Wahlen gemacht haben und wie ivir uns in Zukunft den Wahlen zum preußischen Abgcordnctenhanse gegenüber zu verhalten haben. Nach einem kurzen historischen Rückblick ans die frühere Stellung mtsercr Partei gegenüber den Wahlen erläuterte Redner die Angelegenheften, die nn preußischen Landtage ihre Erledigung finden, sowie das Bestreben der Reaktion, das Schwergewicht der Politik aus dem Reichstage in die Einzellcmdtage zu verlegen, um sodann die einzelnen von den Wahlgcgncrir bisher geltend gemachten Gründe einer Prüfung zu nnterzichen. Der Eiitwand. daß wir keine Aussicht auf Erfolg haben, sei gegenüber den in Linden. Brandenburg, Elberfeld, Breslau, Altona und anderen Orten gemachten Erfahrungen nicht stichhaltig. Ebenso habe die rege Bcthcilignng mtsercr Genossen an den Orten. Ivo die Partei in den Wahlkampf eintrat, den Einwand zu nichte gemacht, daß die Arbeiter durch die Thcilttahnte an der Wahl zu viel Zeit verlieren. Aber selbst wenn es richtig wäre, daß der Arbeiter einen halben Tag hierfür opfern müßte, so wäre das doch kein Grund. uns fernzuh alten. Es hieße von dem Opfersinn und der Kampfcsfrcndigkcit der Genossen gering denken, wenn man ihnen nicht alle fünf Jahre eimnal einen halben Tag Arbeitsverlnst im Interesse ihrer Klasse zumuthen sollte.(Sehr wahr!) Was den Einwattd betrifft, daß eS unS aus eigener Kraft nicht möglich sei, auch nur einen einzigen Kandidaten dtirchzttbrittgctt, so beweisen die Zahlen dieser Wahl weder, daß dies' nicht möglich ist, noch daß� es möglich titz aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß wir je nach der Bethcilignng der Genossen und nach der Schickung und Organisation wohl in der Lage sind, aus eigener Kraft Mandate zu er- obcrn. Man darf doch nicht vcrgcffen, daß das Beispiel der Berliner Genossen hemmend auf andere Kreise gewirkt hat. lSehr richtig 1 nnd Widerspruch.) Wenn man weiter sagt, daß em Sozialdemokrat im Landtage nichts leisten könnte, daß er vielleicht überhaupt nicht zu Worte kommen würde, so beweisen die Vorgänge im bayeri,chcn Landtage, daß auch dieser Grund vor einer rnhigen Prüfung nicht bestehen kann. Im Reichstage verftigten wir zuerst auch nur über zwei Mandate. Aber selbst wenn wir im Landtages noch nicht praktisch mitarbeiten könnten, so würde es doch schon von eminentem Vorthcil sein, wenn hier ab und zu die sozialdemokratisches Kritik ertönen könnte. Der Beschluß der Berliner Genossen sei, ganz abgesehen von allen anderen Gründcn, slbon deshalb falsch, weil wir auch in BerlM( die Möglichkeit gehabt hätten, Erfolge auf eigene Faust zu erzielet,. so z. B. im 3. Kreise. Die Resultate in den Kreisen, wo wir att' der Wahl thcilgenommcn haben, sind höchst befriedigend, diej Schwächung der'Reaktion ist ausschließlich auf unsere Mitwirkung zurückzuführen, alle Besürchtntigen der Wahlgegncr haben sich als. grundlos erwiesen, während die Hoffnungen der Anhänger der Wahl sich erfüllt haben. Ueberschwengliche Hoffnungen brauchen tmt freilich auch in Zukunft nicht an die Wahlen zu knüpfen, wir brauchen unsere Kraft nicht zu überschätzen. Was wir aber mit aller Etiergi« zurückweisen müssen, ist die Bchattptting, daß die Wahlbetheiligung etwas sei, was die Partei schwächen, was den Klassencharakter ver- mindern und die Partei kompromittiren könnte. sLebhafter BeifabZ G r o m a n n ist auch durch den Ausfall der Wahlen nicht davon überzeugt, daß in Zukunft eine Betheiligung der Sozial- demokraten geboten sei. Nthes hält den Beschluß dc»FeeitpaIast- Versammlung für verfehlt; dic� Frage der Wahlbetheiligung hätte in den einzelnen Kreisen ihre Erörterung finde-r' müssen. Hätten wir damals schon die hentigen Erfahrungen gehabt, so wäre jener Beschluß wohl anders ansgefallen. Dr. A r o n s hat aus dem Ansfall der Wahl die Lehre gezogen, daß es, falls noch einmal unter dem Dreillassen-Wahlsystcm gewählt wird, unmngäng» lich nöthig sei, überall eigene sozialdeniokratische Wahlmänner aus- zustellen. Redner zieht einen Vergleich zwischen den Genossen in Brandenburg und Berlin. Jene hätten es geradezu als Beleidigung aufgefaßt,' als er ihnen sagte, es sei gewagt, sozial- I demokratische Wahlmänner anfztistellen. Die Berliner aber I sagten einfach, man könne nicht öffentlich für Sozial- demokraten em treten. Wo sei man nun radikaler aesinnt?> (Sehr gut 1) Ferner sei in der Feenpalast-Versammlung davon dj/ 3 �tcde gewesen, die Berliner würden in Massenversammlungen nea/i z das elende Wahlsystem Protestiren. Er habe nichts davon gemerkt' aber eme kraftigere Protcstversammlung gegen das elende Wahlsystem al» die Versammlung in Brandenburg, wo er am Abend vor der Wahl rcferirt habe, habe er noch nicht gesehen. Gerade diese Ver sammlung habe ihm gezeigt, daß alle Befürchtungen der Wahl gcguer irrig sind und daß die einzig mögliche Agitation gegen das Drciklaiscn-Wahlsystem bewirkt werden kann dadurcki, daß wir eigene Wahlmänner aufstellen. Mögen die Berliner aus den jetzigen Wahlen die Lehre ziehen, sich auch in energischerer �dcise als bisher an den öffentlichen Stadtverordncten-Wahlcn zu betheiligeu, um zu zeigen, daß sie in bezug auf Radikalismus, den ste so gern im Munde führen, hinter den Genossen anderer Städte nicht zurückstehen!(Lebhafter Beifall.) H e n s e I zieht aus den Wahlen den Schluß, daß unsere Be thciligung keinen Zweck hat; die Erfolge sind durchaus nicht er- niuthigcud, das Resultat in Breslau ist geradezu beschämend.(Wider sprach und Zustimmung.) Wir haben keinen Grund, uns für die Liberalen von heute ins Zeug zu legen, die immer mehr nach rechts abgeschwenkt sind, wie die ReichstagSwahlen gezeigt haben. Bei allgemeiner Betheiligung würde thatfächlich eine Verwirrung ciutrctcn. Werner ist zu dem Resultat gelangt, daß man heute höchstens noch die freisiunige Volkspartci als Oppositionspartei be- zeichnen könne, daß aber alle übrigen Parteien Regierungsparteien sind, für die man sich nicht zu ereifern braucht. Die Fceupalaft Resolution sei durchaus angebracht gewesen, denn in Berlin hätten die Sozialdemokraten doch nichts ausrichten können Die Berechnung vom Genossen Fischer treffe nicht zu Heute sage inan auf einmal, die Genossen im Laude hätten sich durch die Berliner beeinflussen lassen, aber sonst namentlich auf Parteitagen, heiße es immer, was von Berlin kommt taugt nichts.(Sehr gut!) Daß Maßregelungen infolge der Theil- nähme an der Wahl vorkommen, glaube er nicht, aber man müsse doch berücksichtigen, daß viele Genossen Maßregelungen fürchten und deshalb nicht zur Wahl gehen. Eine Verschiebung nach links sei thatfächlich nicht vorhanden, höchstens habe die freisinnige Volks Partei einige Siege errungen.(Beifall.) Auer wendet sich zunächst gegen die Behauptung des Vor rcdners, daß auf den Parteitagen von vornherein eine Animosität gegen die Berliner herrsche. Ein falscheres Urthcil über den Ein- fluß, den die Berliner Parteigenossen innerhalb der Gesammtpartei Deutschlands hätten, kann man sich garnicht denken. Es ist nicht wahr, daß über � Berlin so schlecht in der Partei gedacht wird (Widerspruch.) Die Berliner niögcn sich aber selbst einmal fragen, ob sie nicht zum theil die Schuld daran tragen, daß diese Vorstellung heute verbreitet ist; die Berliner Delcgirtcn bieten auf den Partei- tagen das Schauspiel der. Zerrissenheit und Uneinigkeit und wundern sich dann darüber, daß die übrigen Delegirten gegen Anträge stimmen, über die die Berliner selbst ge- theilter Ansicht sind. Es habe sich gezeigt, daß Berliner Anträge, wenn sich die Antragsteller vorher mit den in Berlin lebenden Genossen, die doch auch Parteigenossen sind. z. B. der Parteivorstand, in Verbindung setzen, stets fast eiustinimig an- genommen wurden. Anträge müßten eben gut vorbereitet, uicht aber im letzten Augenblick gestellt werden. Die Partei weiß sehr wohl, was sie an Berlin hat. Das beweist der geradezu deprimirende Eindnick, den der Ausgang der letzten Reichstagswahl im hiesigen Lande hervorgerufen hat. Die Berliner wissen gar uicht, welchen Einfluß sie ausüben könnten, wenn sie ihn nur richtig zu benutzen verstehen. Was die Laudtagswahlcn betrifft, so sei' das Ergebniß ein viel günstigeres, als er cS sich jemals vorgestellt habe, uiid es sei nur zu bedauern, daß es uns uicht gelungen ist, vor der Wahl und zur rechten Zeit, als es noch möglich war, die gesammien Kräfte der Partei zum gemeinsamen Aufmarsch zu bringen. Der Beschluß in der Feenpalast-Versammluiig war durch und durch verfehlt,' er ist auch nicht als ein Beschluß der Berliner Gesammtpartei zu be- trachten; formell allerdings, sachlich aber nicht, denn wir wären möglicherweise in verschiedenen Wahlkreisen zu einem ganz anderen Resultat gekommen, wenn diejenigen, die auf dem Boden der Wahlbethei- ligung standen, mit der Energie aufgetreten wären, die die Sache Werth war, aber die Energie konnte nicht'entfaltet werden, weil die leitenden und führenden Personen in der Partei selbst nicht einig waren. Die Freunde der Bctheiligung haben alle Ursache, mit dem Ausfall der Wahlen zuftieden zu sein(Sehr richtig!), ich glaube sogar, daß. wenn in fünf Jahren wieder zum Landtag gewählt werden sollte, von einer Meinungsverschiedenheit uicht mehr die Rede sein wird, sondern daß wir dann geschlossen eintreten werden. Ich fürchte nur, daß das Wahlrecht verschlimmbessert wird. Der Ausgang der Wahl hat gezeigt, daß es bei thatkräftigcm Eingreifen sogar möglich gewesen wäre, einen Abgeordneten durchzubckommen. Man braucht zum Be- weis dafür nicht das Resultat in Linden heranzuziehen, sondern nur auf Berlin und seine nächste Umgebung hinzuweisen. Eine der deprimirendsten Erscheinungen im Wahlkampf sind die Zustände, die durch unsere Schuld vor den Thoren Berlins geschaffen sind. Daß es möglich war, in Teltow Männer wie Felisch, den Vater de§ Posadowsky'schcn Erlasses, der seit Jahrzehnten gegen die Sozial- demokraten hetzt wie kein anderer. und den Führer der Agrarier, Ring, der konsequent auf die Vertheuerung der Lebensmittel hin- arbeitet, zu wählen, das ist etwas, was mir die Seele zerreißt.(Sehr richtig!) Und das konnten wir verhindern. Hätten wir uns vor den Thoren Berlins nur halbwegs betheiligt und etliche 100 Wahlmänner durchgebracht, so hätten wir in Berlin kraft der Macht, die wir aus eigener Kraft erobert hätten, die Fortschrittler zwingen können, uns einen Sitz einzuräumen. Das ist heute nicht mehr zweifelhast, es beweist aber aufs neue, wie'thöricht wir gehandelt haben, daß wir nicht viel früher zu einem einheitlichen Beschluß kamen. Die Genossen Fischer und Arons haben bereits hervorgehoben, daß es in der Partei Genossen giebt, die sehr wohl in der Lage sind, auch öffentlich sich als Sozialdemokraten zu bekennen, aber mau darf uicht vergessen, daß die öffentliche Stimmabgabc ihre gewaltigen Schattenseiten hat und daß wir dieses Machtmittel in der Hand der Reaktion nach wie vor bekämpfen müssen. Allerdings, auch dieses Hinderniß ist nicht unüberwindlich, und wir werden es überwinden. (Beifall.) Die diesmaligen Wahlen sind eine Probe aufs Exempcl gewesen, sie haben'gezeigt, daß wir etwas erreichen können und daß wir vor allem in der Lage sind, schlimmeres zu verhindern. Das wird sich in der Partei weiter verbreiten und wir sollten daraus die Lehre ziehen, daß wir nicht immer gleich ausfällig werden und an der Gesinnungstüchtigkeit derer, die anderer Meinung sind, zweifeln dürfen.(Sehr richtig!) Wenn wir das thun und im übrigen die Lehren der Wahl' beherzigen, so wird die Zukunft auch nach dieser Richtung hin uns die Erfolge bringen, die eine Partei, wie die sozialdemokratische, verdient.(Lebh. Beifall.) Silberschmidt erklärt, daß er stühcr Gegner, aber jetzt Anhänger der Betheiligung an den Landtagswahlen sei. Man könne mit den Erfolgen zufrieden sein, namentlich das Resultat in Breslau sei nicht beschämend, sondern ehrenvoll.(Sehr richtig!> Er hoffe, daß wir das nächste Mal energisch in den Wahlkampf treten und daß auch Berlin dann durch das Beispiel im Laude moralisch gezwungen werde, sich zu betheiligen. Diejenigen, die immer von einer Versumpfung der Partei reden, zeigen dadurch, daß sie sich weit mehr fürchten, als diejenigen, die praktisch arbeiten und in der jetzigen Gesellschaft nehmen, loas sie bekommen können.(Lebhafter Beifall.) Bartsch polemisirt gegen Auer, der selbst schuld daran sei, daß die. Berliner Anträge auf dem Parteitage durchfallen. Was die Landtagswahl betreffe, so hätten ja die Gegner von vornherein gesagt, daß eine Verschiebung nach kinks um 10—13 Sitze möglich sei, und niehr sei nicht erreicht. Warten wir ab, wie sich die Dinge in fünf Jahren gestalten werden. In seinem Schlußwort erklärt sich Fischer bereit, über die andere Streitfrage, die Frage der Taktik, demnächst zu referircn. Mit einem Hinweis auf die am Montag in Kclleps Festsälen stattfindende Volksversammlung, in der Singer über die Ucber- nähme der Elektrizitätswerke in städtische Regie sprechen wird, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Attentate und Sozialdemokratie hieß das Thema, worüber Bebel in der großen Volksversammlung sprach, die am Mittwoch Abend bei Keller, Koppcnstraße, stattfand. Bebel, der bei seinem Erscheinen mit lebhaftem Beifall begrüßt worden war, sagte ungefähr folgendes: Meine Damen und Herren! Ein großer Theil der deutschen Bourgeoisie hat noch nicht das Sozialistengesetz vergessen! Seine Aufhebung bereitete ihr großen Schmerz und sie angelt ver- zweifelt nach einer Gelegenheit, es durch ein neues Ausnahme gesetz oder durch eine Verschärfung des gemeinen Rechtes wieder zu ersetzen. Ihre hauptsächlichste Stutze in diesem Bestreben war der Fürst Bismarck. Meinungsverschiedenheiten über die Behandlung der Sozialdemokratie hatten zu seinem Abschied geführt, und so, wie er dies niemals vergessen hat, so hat er auch seinen alten Haß gegen die Sozialdemokratie bis an sein Ende getreulich bewahrt. Bis- marck hat es wiederholt in seinem Leiborgan, den»Ham- burger Nachrichten", aussprechen lassen, es gäbe kein anderes Mitlel, die Sozialdemokratie müsse zu Verzweiflungsakten gedrängt, auf die Straße getrieben und dort niedergeknallt werden. (Pfui! Pfui I) Bitte, keine Enirüstung! Freuen wir' uns der Offen- heit unserer Gegner. Redner beleuchtet nun die Versuche, daS Sozialistengesetz in einer anderen Form wieder aufleben zu lasten, die niit dem Akten- tote Caserio's auf Carnot anHuben. Die Umsturzvorlage scheiterte schließlich an dem Versuche des Zentrums, mit der Sozialdemokratie gleichzeitig die liberalen Professoren, die freie Wissenschaft überhaupt zu treffen. Der Gedanke, der Sozialdemokratie auf den Leib zu rücken, ist aber bestehen geblieben und als im September das Genfer Attentat erfolgte, glauhten unsere Feinde wieder Ober- Wasser zu haben. Wenige Tage nach der Mordthat, die begreiflicher- Ivcise das Entsetzen der ganzen Kulnirwelt erregte, ging jenes be- kannte Telegramm der Großindustriellen an den Kaiser ab, das zu neuen Ausnahmcmaßregeln die Anregung geben sollte. Unter- zeichnet war es von vier Repräsentanten der deutschen Groß- bourgcoisie, wie sie nur im Deutschen Rcickic zusammengeklaubt werden können, die in allen arbeiterfeindlickicn Bestrebungen im Vorder- treffen stehen. Vom„Schutz unserer Religion" sprechen die Herren im Telegramm. Darüber können wir nur lächeln. Was ist denn die Religion jener Herren? Ich glaube mich wenig zu täuschen, wenn ich meine: die Herren glauhen, so viel, wie ich, d. h. gar nichts! (Lebhafte Zustimmung).„Die Religion nniß dem Volke erhalten bleiben." Aber— zum Volke rechnen sich die Herren nicht.(Leb- hafte Zustimmung). Die Religion ist ihnen das Gängelband, das die Massen in Zufriedenheit, Unterwürfigkeit und Abhängigkeit in diesem irdischen Jaminerthale hält. Auch von der„Liebe zu unserem erhabenen Herrschcrhause" ist im Telegramm die Rede. Da muß ich an jenen Artikel der„Köln. Ztg." denken, an die„Vernunftnionarcknsten", die ihre inouarchische Gcsinnuug zu revidircn drohten, weil Miquel durch das Ergänzuugs- stcuer-Gcsetz mit der Vermögensdeklaration verhindern wollte, daß die Bourgeoisie den Fiskus ällzuarg übers Ohr haut. Und aus der „Köln. Ztg." schöpfen diese Herren ihre politische Weisheit Und was ist's mit dem Vaterland, das diese Herren im Munde führen? Ist nicht Herr v. Haßler, der an der Spitze der deutschen Textilindustrie steht, es gewesen, der 1871 sich ebenso wie die Sozial- demokratie, nur aus ganz anderen Gründen, gegen die Annexion von Elsaß-Lothringcn erklärte, weil er die Konkurrenz der elsässischen Textilindustrie befürchtete? Da ruhte die fLiebc zum Vaterland im Gcldsackc.(Heiterkeit.) All diese schönen Versicherungen sind hohle Redensarten, sie dienen nur dem Zwecke, die deuffche Arbeiter- klaffe politisch knebeln zu lassen, damit sie auch ökonomisch außer stand gesetzt wird, ihre Kämpse mit dem Unternehmerthum erfolg- reich a'uszufechtcn. Genau so verfuhr man 1878, als uns der blödsinnige Hödel und der verkommene Nobiling an die Rockschöße gehängt wurden... Jetzt werfen die Gegner Anarchisten und Sozialdemokraten in einen Topf. Ohne mich' auf eine lange theoretische Untersuchung über die Unterschiede zwischen Sozialdemokratie und Anarchismus heute einlassen zu wollen, die eine Thatsache, daß sich in allen Kulturstaatcn die Anhänger beider Richtungen auf daS feindlichste gegenüberstehen, müßte zcdcm ehrlich denkenden Manne die Ucber- zeuguug beibringen. daß die Sozialdemokratie nichts mit den An- archisteii und die Anarchisten nichts mit der Sozialdemokratie zu thun haben. Der Anarchismus ist der ins Extrem getriebene Individualismus. Niemand hat das deutlicher gezeigt als Stirner in seinem Buche: Der Einzige und sein Eigenthum. Dieser ins Extreme getriebene Individualismus erklärt es, daß Leute, die nicht scharf denken können, die sich leicht von der Leidenschaft fortreißen lassen oder ftemden, verdächtigen Einflüssen und Einflüsterungen zugänglich sind, sich au Individuen vergreifen, weil sie Individuen für das A und O der Gesellschaft halten. Nur so ist der Gedanke möglich: wenn es gelingt, ein cinfluß- reiches Individuum zu beseitigen, dann ist für die Befteiung der Menschheit eine große, heroische That gethan. Und hieran schließt 'ich bei krankhaften Naturen der Gedanke: einerlei, welche Person getroffen wird, wenn sie nur den höchsten Kreisen angehört. Wenn dieser ganz zum Wahnsinn verzerrte Gedanke nicht in Luccheni mächtig' gewesen wäre, wie konnte er eine Frau meuchlerisch tödtcn, die nie eine politische Rolle gespielt hat, die im Gegensatz zu anderen Fürstenfraucn auf jeden' Einfluß verzichtete, vor der jeder eine ganz besondere Hochachtung empfinden mußte, weil sie geistig hoch über den meisten stand, weil sie den Dichter Heine verehrte, wie nur ein Sozialdemokrat ihn verehren kann.(Bravo!) Nun wäre es aber im höchsten Grade unrecht, wollte man den Anarchismus für eine solche That verantwortlich machen. Die anarchistischen Blätter haben uns fteilich gehöhnt, wir sähen in cdeni Attentat die Hand der Polizei. DaS thut der „Sozialist", der uns dabei auch als Reaktionäre bezeichnet. Das läßt mich nun sehr kalt. Uns Reaktionäre hat die Reaktion be- 'onders aufs Korn genommen.(Heiterkeit.) Herr v. Puttkamer hat uns ja auch als Revolutionäre in Schlafrock und Pantoffeln be- zeichnet und gemeint: viel lieber als Ihr ist mir der Johann Most! (Heiterkeit.) Das glaube ich gem. Wenn wir das, waS Most vom sicheren Port aus rieth, gethan hätten, das wäre ein gefundenes Fressen für Bismarck und Puttkamer gewesen.(Bravo.) Die Stelle im„Sozialist" über das Lucchcui-Attenta't ist außerordentlich ungeschickt. Wenn es je dazu kommen sollte, daß dem Reichstag irgend ein Ausuahme- gesetz vorgelegt wird, dann setze ich tausend gegen eins: diese Sätze des„Sozialist" stehen in der Begründung der Vorlage! Ich kann Ihnen sagen, meine Herren Anarchisten, ungeschickter kann man sich nicht um den Kragen reden, als Sie! Wie können Sie den Gegnern solche Waffen liefern! Sie werden sagen: Da steht ja nichts Schlimmes darin. Aber nian liest auch zwischen den Zeilen. Und iin„Neuen Leben", auch einem anarchistischen Organ, das mir sonst ganz un- bekannt ist, ivird gleichzeitig versichert,'daß das Niedcrivald-Attentat von Anarchisten angezettelt sei und betont, daß die Sozial- demokratie nur aus Feigheit die Gemeinschaft mit dem Anarchismus leugne. Das ist alles sehr berechnet. Wenn der Verfasser dieses Artikels in dem großen rothcn Hauses am Alexanderplatz säße, dann könnte er ihn nicht geschickler für seine Zwecke geschrieben haben!(Lebhafte Zustimmung.) Angesichts dieser Thatsachen ist eine reinliche Auseinandersetzung sehr am Plätze, aber ebenso unrecht wäre es, wollte man aus solchen tölpelhaften Preß- äußerungeu folgern, die Anarchisten seien alle bereit, Attentate zu begehen. Worin sehen unsere deutschen Anarchisten jetzt ihre Haupt- aufgäbe? Die Arbeiter in die Gewerkschaften zu bringen und Konsumvereine ins Leben zu rufen, denen sie einen bedeutenden Einfluß auf das soziale Leben zuschreiben. Das meine ich zwar nicht.. Vor 33 Jahren habe ich einen Konsumverein gegründet, aber mir nachher das Wort gegeben, es nicht wieder zu thun.(Heiterkeit.) . Aber sonst ist gegen Konsumvereine nichts einzuwenden, viele Sozialdemokraten gehören ihnen, besonders in Sachsen an, wenn sie auch nicht das Allheilmittel darstellen. Von Leuten aber, die die Gewerkschaften und Konsumvereine fördern wollen, zu sagen, sie machten Attentate, ist schamloseste Verleumdung.(Bravo!) Redner giebt eine Ucbersicht über die Attentate der letzten Jahr- hunderte, die zu vielen Hunderten zählen. Wie urtheilte das deutsche Bürgerthum über das Attentat, das Cohn-Blind auf Bismarck 1866 unter. nahin. So schrieb der württcnibergische Landtagsabgeordnete, spätere Reichstags-AbgeordiieteTHopf im„Gradaus": So lange Deutschland noch solche Jünglinge(wie Cohn-Blind) zu seinen Söhnen zählt, ist es nicht arm."'Ein Münchener Witzblatt ließ den Teufel Cohn-Blind mit den Worten in den Arm fallen und den Revolver ablenken: Halt! der gehört mir!(Heiterkeit.) 'Wie wurde Agesilao Milano gefeiert, der einen'Mordversuch auf Ferdinand II. von Neapel im Jahre 1836 unternahm. Die jetzige italienische Monarchie zahlte den Schwestern und der Mutter des Attentäters die von Garibaldi festgesetzte Pension getreulich aus. Und diese Monarchie wagt es jetzt, einen Anti-Anarchistenkongreß einzuberufen!(Bewegung). Attentate sind nutzlos. Was haben die Attentate im Großen, die Tyrannenmorde der französischen Republik genützt? Ludwig XVI. war wahrhaftig ein sehr unschuldiges Menschlein. Er und Maria Antoinette mußten ihr Haupt unter die Guillotine legen, und tausende von Adligen und Priestern folgten ihnen aufs Schaffot. Aber all diese Morde und Metzeleien konnten nicht verhindern, daß die Monarchie wiederkam und die Geistlichen eine Macht erhielten, wie nie zuvor. Eins aber vermochten die Bourbonen nicht mehr zu ändern, obwohl sie die Bajonnete von ganz Europa stützten, die soziale Neuordnung der Dinge, die die französische Revolution ge- schaffen. Es soll nicht bestritten werden, daß es Anarchisten giebt, die Attentate begehen. So war das Attentat Caserio's ein anarchistisches Attentat, ebenso das Attentat Luccheni's.� Das schließt aber nicht aus. daß Leute hinter Luccheni standen, die seine an Blödsinn grenzende Boniittheit benutzt und ihn zu der That getrieben haben. Auch Reinsdorf war ein ehrlicher Anarchist. Das hat aber nicht verhindert, daß der Polizeispitzel, der Weber Palm, mit in der Verschwörung war und den Vorbereitungen beigewohnt hat. Redner geht im Anschluß hieran dazu über, die Rolle zu be- sprechen, die Polizei-Agenten bei Attentaten und Verschwörungen ge- spielt haben. Wenn aber ein Attentat den Stempel der Polizeimache an der Stirn trägt, dann ist es das Attentat,_ das angeblich in Alexandrien entdeckt worden ist. Merkwürdig war schon, daß die ersten Nachrichten darüber aus England kamen. Eine Kiste mit Bomben soll bald geftmden worden� sein. Zwar ich glaube auch, sie wurde bald geftmden: Man wußte ja, wo sie war.(Große Heiterkeit.) Bei einem Schankwirth war sie niedergesetzt, der in der Vermuthung, es sei Kognak darin, sie vor der Polizei mit einem Hammer öffnen wollte. Die Polizeiblätter schreiben, er hätte die offenbare Absicht gehabt, sich in die Lust zu sprengen. O nein, er konnte die Kiste ganz harmlos öffnen wollen, aber die anderen wußten, was drin war und wollten nicht in die Lust gesprengt sein. (Heiterkeit.) Nur Italiener sollen zu dieser Verschlvöruug gehören. Welches Glück, da kann der italienische Konsul allein die Unter- suchung führen.(Heiterkeit.) Bei den Verhasteten sollen Nummern des in Neufchatel erscheinenden„Agitators" geftmden fein, die zur Erniordung des Königs Humbert anreizen. Das ist eine steche Er- dichtung. Wäre die Angabe wahr, dann hätte der Berner Bundesrath die Redakteure dieses Blatte« nicht ausgeiviesen, sondern sie wären auf arund des bekannten Schweizer Geietzes zu so und soviel Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Es wird affo in ganz unerhörter Weise geflunkert. Aber selbst wenn alles wahr wäre. was hat Deutschland damit zu thun. was dort in Alexandrien passirt, wo die zweifelhaftesten Subjekte aus ganz Europa zu- saulmenströmen. Offenbar hat auch der Londoner Melville dort seine Hand im Spiele. Redner giebt eine ergreifende Schilderung des Elends, m dem das italiemsche Proletariat, der italienische Bauer lebt. Wenn man diese Zustände sich vor Augen führt, dann hat man auch die wahren Attentäter entdeckt.(Stünnischer Beifall.) In nächster Nähe des heiligen Rom, des uralten Sitzes europäischer Zivilisation, liegen die pontinischen Sümpfe, deren Fieberhauch alles Leben vertreibt. Die italienische Regierung hat kein Geld, sie in blühendes Ackerland zu verwandeln. Aber sich von den Beamten be- ftchlcn zu lassen, eine große Armee, eine große Flotte zu unter- halten, dazu sind hunderte von Millionen da. Die italienische Re- qiening ist die allerletzte, die eine Anti-Anarchisten-Konferenz ein- bernfeu dürfte. Die Zustände in Italien schreien selber zum Himmel. Die italienischen Minister sollten zur Verantwortung gezogen werden. Sie gehören ins Zuchthaus!(Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Ich bin zu Ende und empfehle Ihnen folgende Resolution zur An- nähme � Volksversammlung vom 2. November 1398 in Keller's Fest- beschließt: �. Die Versammlung protestirt nachdrücklich gegen jeden Veriuch, den von einem moralisch verkommenen Italiener an der öfter- reichischcn Kaiserin in Genf(Schweiz) begangenen Meuchelmord zu aiisnahmegesetzgeberischen Maßregeln gegen oppositionelle Parteien oder Richtungen in Deutschland auszunutzen. Dagegen empfiehlt die Versammlung der demnächst auf An- regung der italienischen Regierung zusammentretenden sogenannten Anarchisten-Konferenz, die Frage zu erörtern: „Wie es konimt, daß die Attentäter der letzten Jahre sammt- lich Italiener waren und daß so zahlreiche Italiener, die im Aus- lande leben, als Messerhelden berüchtigt werden?" Nachdem die Theilnehmer an der sogenannten Anarchisten- Konferenz sich über die Gründe der erwähnten Erscheinung klar geworden sind, empfiehlt ihnen die Vcrsainmlung: die italienische Regierung aufzufordern, der grenzenlosen physischen und moralischen Verderbniß und sozialen und politischen Mitzwirthschaft.� der die arbeitenden Klassen des Königreichs Italien durch die räuberische Ausbeutung undUnterdrückung seitens derhcrrschendcn und regierenden Klassen preisgegeben sind, dadurch energisch entgegenzuwirken, daß diese Quellen der Demoralisation und Verbrechen durch durch- greifende sozialrefornierische Maßregeln, die Wahrung von Recht und Gerechttgkcit und die Gewährung politischer Freiheiten und Rechte an die arbeitenden Klassen nach Möglichkeit verstopft werden. Im weitereu empfiehlt die Versammlung der sogenannten Anarchisten-Konferenz, zu prüfen: wie es kommt, daß so viele„Anarchisten" der gemeiugesährlichsten Art gerade in den mit der Ueberwachung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit betrauten Kreisen vorhanden sind.>vic das unter anderen die Ver- öffentlichungen des ehemaligen Polizeipräfekten Andrieux und die Geständnisse Ravachol's in Paris, die Thaten Melville's in London, die Handlungen Pourbaix und des sogenannten Bombcn-Barons von Ungern-Sternberg in Belgien, die Vorgänge während der Herrschaft des Sozialistengesetzes in Deutschland und gleich- zeitig in der Schweiz und in Oesterreich(Zeuge Horsch, Schröder, von Ehrenberg in Zürich. Jhring-Mahlow, Peuckert- Wien n. s. w.), ferner die Verschwörung russischer Re- gicrungsorgaue in Bulgarien gegen den Battenberger und den Minister Stambulow, und ganz neuerdings das Treiben der italienischen Polizcispione Santoro, Mantica und anderer in der Schweiz beweisen. Die Versammlung ist der Ansicht: Die sogen. Anarchisten-Konferenz der europäischen Regierungen hat eine dankcnswerthe Aufgabe vor sich, falls sie diese richtig erfaßt und endlich dort kehrt, wo der Schmutz bergehoch liegt." (Stürmischer Beifall.) Auf Vorschlag des Vorsitzenden wird über diese Resolution sofort abgestimmt: sie wird einstimmig angenommen. In der Diskussion sprach zuerst G.Landauer: Zu dem Thema: Attentate und Sozialdemokratte kann ich strikt nicht sprechen, denn ich bin weder Attentäter noch Sozialdemokrat. Aber meine Meinung zu den Attentaten der letzten Zeit und der Attentatshctze möchte"ich sagen: Ich habe im„Sozialist" sofort meinen tiefsten Schmerz über die ThatLuccheni's ausgedrückt. Ich sprach von derScham- röthe, die sie auf die Wangen treibt. Diese Scham hat sich etwas gelegt, seit ich sehe, Ivie die eigentlich Vcrantwortlicheu für unsere sozialen Zustände, besonders die italienische Regierung, sich so gar uicht schämen, mit welch erbärmlicher Heuchelei die bürgerliche Presse die Attentate benutzt, und wie italienische Spitzel in der Schweiz gehaust haben. Doch bleibt zu untersuchen, ob mit irgend welcher Wahrscheinlichkeit gesagt treiben kann, hinter Luccheni steckt die italienische Polizei. Diese Vevunithimg war in demselben Nrtikcl des..Sozialist" geäugelt, gegen den sich Herr Bebel so tempermnentiioll gewandt hat. Jedenfalls kann man es nicht mit b»r Bestimmtheit wissen, wie man weiß, dag der Polizeikommissar Gottschalk von dem Niederwald- Attentat gewußt hat. Man hat in bezng auf solche Attentate wunderliche Enttäuschungen erlebt. Bei vielen mußte man von vornherein sehr mißtrauisch und von vielem Wider- willen erfüllt sein bis zu dem Moment, wo die Attentäter vor Gericht standen. Ich will die Attentäter nicht vertheidigen und ihre Thaten nicht billigen, noch entschuldigen, noch verherrlichen. Aber die Thaten Henry's und Ravacholls und anderer haben uns vor ein psychologisches Räthsel gestellt, das mit Schlagworten nicht zu lösen ist. Diese Leute haben vor ihren Richtern Töne an- geschlagen, die aus dein allertiefsten Herzensgründe kommen, die so scharf, so von unerbittlicher Logik sind, daß man wie vor einem Räthsel steht. Man fragt sich: wie kommt diese Seele zu dieser That, dieser Geist, der zu Hohem berufen zu sein scheint, zu diesem Fürchter- lichen. Es kann nicht der einzig berechtigte Gesichtspunkt sein, daß wir nach dem Zwecke der That fragen. Gewiß, die Gewaltihat ist nie eine vernunftgemäße Taktik. Gewaltthat und vernunftgemäß schließt sich bis zu einem gewissen Grade aus. Durch das Anpreisen, durch Druckerschwärze können solche Thaten nie veranlaßt werden. Sic mahnen zum Nachdenken, wie es kommt, daß Leute, die in einzelnen Fällen eine hohe Kulturstufe erreicht haben, sich zu solchen Gewaltthaten hinreißen lassen. Da genügt es am aller- wenigsten, wenn nian glaubt durch internationale Polizei- maßregeln die Anarchisten interniren und ihrer Presse das Lebens- licht ausblasen zu können. Druck erzeugt Gegendruck, das kann ich den Herren schriftlich geben. Redner bestreitet, daß der Artikel im .Sozialist" von den Gegnern so ausgelegt werden könne, wie Bebel ausgeführt habe, und sucht dann nachzuweisen, daß die Anarchisten Sozialisten seien. Das könne er sich von keinem Konzil abstreiten lassen. Allerdings sei er sowohl Anarchist wie Sozialist, es hänge von seiner Stimmung ab, auf welche Bezeichnung er mehr Werth lege. DaS schrankenlose Ausleben der Persönlichkeit sei nur möglich auf dem Boden des Sozialismus. Sozialismus und Individualismus seien Dinge, die sich mit einander vertragen müßten. Freiheit im Sozialismus! Anarchie mit Sozialismus!(Beifall.) Nachdem Wiesenthal in sehr unklarer Weise einer Sammel- Politik des Proletariats das Wort geredet hatte, erhält Bebel das Schlußwort: Ich widerstehe der Versuchung, mich hier weiter auf den Gegensatz zwischen Anarchismus und Sozialdemokratie ein- zulassen. Die Sozialdemokratie hat sich in den letzten Jahren so gut wie gar nicht mit den Anarchisten befaßt. Der Anarchismus fällt als Partei in Deutschland viel zu wenig ins Gewicht, als daß man sich ernsthaft mit ihm beschäftigen müßte. Herr Landauer hat über die Attentate philosophirt. Darin hat er gewiß recht, daß ein bestimmtes Milieu vorhanden sein muß, um diese Attentate zu ermöglichen. Däs versteht sich von selbst. Auf der anderen Seite aber ist er nicht unterrichtet, wenn er sagt, der- artige Attentate würden nicht propagirt. Most hat in der„Freiheit" und in Broschüren jahrelang für die Pro- paganda der That geschrieben und sogar Unterricht darin ertheilt, wie Attentate gemacht werden. Keiner dieser Herren kann für die Gcsammthcit der Anarchisten sprechen, jedes Individuum hat ja seine eigene Meinung über die wichtigsten Dinge. Das geht ja bis zur Narrheit, in den Versammlungen keinen Vorsitzenden zu wählen und keine Beschlüsse zu fassen. Dannt hört jedes Partei- leben, jede Organisation auf. Der geschlossenen Phalanx unserer Feinde müssen wir in geschlossenen Reihen entgegentreten. Da heißt es Macht gegen Macht stellen, die Arbeiterklasse organisiren und sie in Reih und Glied bringen. Auf die philosophischen Anschauungen des Herrn Landauer gehe ich nicht ein. So weit ich sie verstanden, habe ich wenig daran aus-usetzen. Ter Gipfel des Widerspruchs aber schien es mir zu sein, als er sagte, er sei Anarchist und Sozialist je nach der Stimmung. Wer so nach der augenblicklichen Stimmung die Welt ansieht, mit dem habe ich nicht weiter zu sprechen.(Lebhafter Beifall.) Der Borsitzende schloß hierauf mit einem dreimaligen begeistert aufgenommenen Hoch auf die internationale völkerbefreicnde Sozial- demokratie die imposante Massenversammlung, die in musterhafter Ruhe getagt hatte. De» Bericht der Tclegirtinncn vom Stuttgarter Parteitag nahm eine am Mittivoch im Engliscben Garten abgehaltene Ver- sammlung entgegen, die von etwa 40 Frauen und einigen Männern besucht war. Frau M e s ch gab eine kurze Uebersicht über die Ver- Handlungen des Parteitages, die zweite Delegirte, Frl. H a a s e, konnte wegen Krankheit nicht in der Versammlung anwesend sein. In der Diskussion führte Frau R o h r l a ck aus: Sie hätte ge- wünscht, daß die Berliner Delegirtinnen zum Pnnft„Presse" das Wort genommen hätten. Seit einiger Zeit seien nämlich Klagen darüber laut geworden, daß der„Vorwärts" die sozialdemokratische Frauenbewegung nicht hinreichend unterstützt. Die„Post" habe sich in einem Arikel unter Hinweis auf die De- batten unseres Parteitags über die sozialdemokratische Frauen- bewegnng lustig gemacht und unter anderem bemerkt, diese Bewegung werde von unseren Parteigenossen nicht ernst genommen, sondern nur als eine komische Erscheinung betrachtet. Die sozialdemokratischen Frauen würden sich zwar nicht aufregen über das, was bürgerliche Blätter vom Schlage der„Post" über die BewcgnngIder prolo- tarischen Frauen tagen, aber die bürgerliche Presse glaube wohl, sie dürfe sich in der von der„Post" beliebten Weise über die sozialdemokratische Frauenbewegung auslassen, weil sich der „Vorwärts" derselben nicht genug annehme. Frau G u b c l a hätte gewünscht, daß die Berliner Delegirtinnen die Angriffe, denen Klara Zetkin und Rosa Luxemburg ausgesetzt waren, gebührend zurückgewiesen hätten. Der„Vorwärts" habe seine Schuldigkeit nicht gethan, er habe einen Bericht, den eine Gewerkschaft einsandte, nicht aufgenommen. Solle die Frauenbewegung gedeihen, dann müßten sich die Frauen mehr ak« bisher den Gewerkschaften anschließen. Frau M e s ch bemerkt, man wisse ja, daß Auer gern Kraftausdrücke gebraucht, und es lohnte sich daher nicht, auf den Ton, den er den Frauen gegenüber in der Debatte auf dem Parteitag angeschlagen hat, einzugchen. Die Berliner Delegirtinnen hätten sich zwar ge- meldet, seien aber wegen des Schlusses der Debatte nicht zum Wort gekommen. Frau Rohrlack meint, so leicht, wie Frau Mesch möchte sie doch nicht über die Angelegenheit hinweggehen. Feinfühlend dürfe man Auer gegenüber nicht sein, sonst werde man für dumm gehalten. Die Frauen haben nicht nöthig, die Un-, gezogenheiten einzelner Männer ruhig über sich ergehen zu lassen. Auer habe die Frauenbewegung bisher gar nicht unterstützt. Die Frauen müßten durch ihr Verhalten beweisen, daß ihre Bewegung nicht, wie es die gegnerische Presse hinstellt, ans dem letzten Loche pfeife.— Damit war die Debatte über den Parteitag erledigt. Der Bericht und die Neuwahl der Vertrauensperson wurden des schwachen Besuches der Versammlung wegen vertagt. Arbeiter- Bildungsschule. Freitag: Nationalökonomie (Grundzüge der Wirthichasts- und Finanzpolitik, GetoerdeOirdiiung, Handelspolitik, Steuersragen); Vortragender; Schriftsteller Max S ch i p p e l. Be- ginn der Borlesungen pünktlich um 9 Uhr abends. Vergnugungsverci» der Jukasso-Zlgcnten und deren Berufsarten. Sitzung jeden Freitag nach dein 1. nnd 1ö. im Monat, abends 8 Uhr, Kom- mandantenstr. 72, Ebcrt v Klubhaus. Berliner Kranken- lluterstützungs- und Begräbuisi-Verein fü« Frauen und Mädchen, gegr. 1892. Jeden Freitag, abends 7 Uhr, Zahlabeud bei Mehrwald, Alte Jakobstr. 54/55.- Neue Mitglieder werden daselbst ausgenommen._ Vriefkalten der Redaktion. Die iuristische Sprechsiuude wird Dienstags, Donnerstags und Freitags abends von 7'/- bis SV- Uhr abgehalten. Stammgäste. Ersahren Sie durch Rod. Wenzels, Fruchtstraße 30, Quergeb. II Tr._ Witternugsübersicht vom 3. November 1898, morgens 8 llhr. se « s le Ss 741 757 756 742 763 8 S SO SW W SW SSW Wetter 4 Schnee bedeckt heiter heiter 3Negen dll 1 6 10 7 9 Wettcr-Prognosc für Freitag, de» 4. November 1898. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit leichte» Regeufällen nnd frischen westlichen Winden; nachher aufklarend und etwas kühler. Berliner W e t t e r b n r e a u. zentral-Kranktn-«. Sterbe- W der Tischler k. Oertliche Verwaltung Berlin F. Montag. 7. Nov., abends 8Vj Uhr, bei Herrn Naumann, Bnmnenstr. 150: Mglieder-PersaMlW. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1898. 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. 183/6 Die Lrtsverwaltung. veulseder Itet»II»rdejter-Verb»lll!. (Berwaltuugssteke Berlin.) Tode»- Anzeige. Am Dienstag, den 1. November, starb unser Mitglied, der Schlosser Emil Fischer. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. d. M., nachm. 3l/t Uhr, von der Leichenhalle des Domkirchhoss in der Müllerstraße, aus, statt. sll4/g Um zahlreiche Betheiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Allen Bekannten die traurige Nach- richt, daß am 1. November, abends II»/, Uhr, meine liebe Frau ksnline Witzel geb. Hartmann plötzlich am Herzschlag verschieden ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 6. Noveniber 1898, nachm. 3Va Uhr, von der Leichenhalle der Friedens- Gemeinde, Nieder- Schön- hausen aus statt. 2020b Der trauemde Gatte Ci n» t a v W 1 1 z e 1. Dank»agnngr! Für die vielen Beweiie herzlicher Thcilnahme, welche mir beim Hin- scheiden ineines geliebten Mannes zu tbeil wurden, insbesondere dem Tapezirerverband, dem Theaterverein Bohemia und dem Gesangverein Sirene meinen herzlichsten Dank. Wiltwe Martha Lamprecht. Achtung! Maurer. Achtung! Sonntag, den 6. November 1898, vormittags 10 Uhr: Ordentliche Mitglieder-Bersammlunst des teius zur luljriiiig der zutercheu der Munrer Berliils uud llüigezeud bei Hoffmann, Alexanderstrafte Nr. 27 c. T a g e s- O r d n u n g: l. Vortrag über platonischen und urchristlichen Kommunismus. Referent: Genosse Lankow. 2. Diskusston. 3. VereinSangelegenheiten. Alle Maurer haben Zutritt.'Pünlllichen nnd guten Besuch erwartet Oessentliche Anssorderung! Ter Borstaud. Alle diejenigen, weiche noch im Besitze der Broschüre:„Kurze Geschichte der deutsche» M.nlrerbewegung", herausgegeben von den BertraueuSmäimem der Berliner Maurer im Jahre 1895, sind, werden hiermit aufgefordert, bis zum 15. November d. I. beim Unterzeichneten abzurechnen. Wer bis dahin seinen Berpflichtiuigen nicht nach- gekominen ist, wird össentlich bekannt gegeben. 129/20 Franz Schulze. Berlin SW., Nosiizstraße 16, Hof II linkS. zeutral-Kranken 11. Sterbe- kujse der Tischler!t. Verwaltung Berlin II Mitglieder-VttsumlW am Sonntag, den 6. November, vorm. 10 Uhr, bei Herrn Dolksdorf. Görlitzerstr. 58. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Wahl des 2. Bevollmächtigten. 3. Wahl eines Beittagssamiulers. 4. Verschiedenes. I85/l Die Mitglieder von Treptow und Baumschulenweg sind ebenkalls hiermit eingeladen.— Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht _ Die OrtSberwaltniig. DankKngiing.[20246 Für die vielen Beweiie der Theil- nähme, sowie für die zahlreichen Blumenspenden bei der Beerdigung meines innigst geliebten Mannes, unseres unvergeßlichen BaterS, Sohnes und Bruders, des Formers Hei-niann Hernie», sagen wir allen Verwandten, Freunden u. Bekannten unfern innigsten Dank. 01« trauernde Wittwe nebst Kindern. DrMer WlMbkittlMImd. Heute, Freitag, abendö SV« llhr, bei Colin, Beuthstraste SO— S1: Sitzung der Ortsverwaltuug. Faebverein der Musikinstrumenten-Ärbeiter und Berufsgenosaen Berlins und Umgegend. Montag, den 7. November, abenbS 8»/- llhr, in den Oranicnhallen, Oranicustraste 51: MM" Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: I. Anträge der Gewerkschafts-Kommissson. 2. Verschiedenes. MV Die arbeitslosen Kollegen werden ersucht, den Arbeitsnachweis mehr z» benutzen; derselbe befindet sich Nauuynstr. 78 bei Heinrich und ist abends von 8-9V2Uhr und Sonntag vormittags von 10— llsAUHr geöffnet.[143/5] Der Voratand. Sonntag, den 6. November, mittags lS Uhr, im„Engl. Garten", Alexanderstraste Nr. S7o: Oessentliche Versammlung aller in der Cruiiit-, Muriner- mih SuilWl-zMßrie kfi Arbeiter Berlins nnd Umgegend. Tages-Ordnnng: 1. lieber Arbeilsloien-Uitterstützung. Referent: Paul Kit, ebbe. 2. Stellungnahme zum Berliner Arbeiter-Sekretariat. 3. Ab- rechnung vom Herbstiest uud Verschiedenes. 172/17 Erscheinen aller ist Pssicht. Tic Brrtranensmänner: p. Scbrot. F Fischer. AAim! Putzer. Achtung! Sonniag, den 0. November 1898. vormittags 11 llhr. im Lokale �„Arminhallrn", Koniuiaiidautcmtr. SO: Mitgliedcr-Tersssmiiilimg bes ZtütrulverbuM dcuWer Muurer, Zuhlstche I. Tages-Ordnung: l. Abrechnung des Kasfirers vom 3. Quartal. 2. Bericht über den neu konstituirten Gesangverein und dessen Anträge. Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht vor Bevollmächtigte. dkö. Die Mitglieder der Unterstützungskommission werden ersucht, punlt 9 Uhr bei Kleber zu erscheinen._ 135/11 iltilmiiii dn SMkr imi) TiiMM. ÜP Versa iniiilung"MHZ am Sonnabend, de» 5. November er., abend» 8 llhr. im„Englischen Garten». Sliexanderstraske Nr. S7e. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. DiSlusfio». 3. Verschiedenes. 157/4 Nichtmttglieder sind willkommen; dieselben haben daselbst Gelegenheit, sich im Verband ausnehmen zu lassen. Der Vor»tand. Achtung, Banunschlügcr! Sonntag, de» 0. Noveniber, mittags 1 llhr, bei Bu-ks, Grenadierstr. 33: Oesfeutliche Versammlung. Tages-Ordnung: Wahl eines GewerkschastSdelegirte». Verschiedenes. 34/7 Ter Einberufe». DtutschrrMrtaüurbeiter-Ukllluud. VenvaltiinKttsttelle Berlin. Sonntag, den 6. November, vorm. 10 Uhr. im Feen-Palast, Burg- und St. Wolfgaiigftrasscn-Elke: Ordentliltze General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Unsere Taktik bei Streiks nnd Lohnbewegungen. 3. Bestätigung der vorgeschlagenen Beisitzer. 4. An die Ortsverwaltimg gelangle Anträge. 114/8 PIST" Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zur Verhandlung gelangen wichtige Angelegenheiten. Es ist Pflicht tiller"Mitglieder zu erscheinen- Tic Qrtsverwaltnng. Verbamt der Bau-, Erd- und gewerbl. Hilfsarbeiter Deutschiamis. Zahlstelle Berlin I. Sonntag, den 0. November, vormittags 10V, Uhr: Iii tgii«dSr-V«r saii»iniiii»g bei Feuerstein(oberer Saal), Zilie Jakobstraste 75. Tages-Ordnung: I. Die letzten Konferenzbejchlüsse. 2. Stntutenberathung. 3. Verbands- angelegenheiten. Nene Mitglieder werden daselbst aufgenommen. 43/1_ Die Ortsverwal tung. Berein der Bauanfchliiger Berlins und Umgegend. Sonntag, den 0. November, vormittags 11 Uhr, im Lokale des Herr» Hnske, Grenadterstraste 33; Geltet«tl-Verlannnlung. Tages-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht der Siebener> Kommission. 3. Abrechnung des Bergnügungskomitees. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Beiträge werden nur in der Zeit von 10—11 Uhr entgegengenommen. Der Vorstand. Ifiischc fische, gute fischeli 5 empfiehlt die£ Damiiffisaherei-ßesellschaft„lf0rdS66" —------- Nordenham.— CrSsste Hochseefischerei Deutschlands mit 38 eigenen Fischdampfern. IJSSf Flgrcner Fischerei-Hafen.-ME Eigene Fisch-Transport-Waggons mit Kühlvorrichtung. Eigene Räucherei u. Marinir Anstalt. �mmonc�Mk. Kaupt-Fiiiale: c. gahntiof Börse, ä Fernsprecher Amt III, 8804. II. Filiale; Charlottenhurg III. Filiale: Berlin NW. Wllmersdorfcrstr. 10—11 Lttncburgerstr., Ecke Paulatr. am Wilhelmsplatz. Stadtbahnbogon 389. ■ Weitere Verkaufsstellen in Vorbereitung.—— Grosser Fang, Preise billig! 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Morgen: Dieselbe Vorstellung. In Vorbereitung: Der Hhpo- thekcnschuster. Posse mit Gesang in 3 Akten von Leopold Ely, Musik von Cornelius Schüler._ Lsttnd'Klirl Weiß-TKcater. Gr. Frankfurtcrstr. 13S. Rodttl und Zrrtram oder Die lustigen Vagnbonden.' Posse mit Gesang in 4 Akten von G. Raeder. Anfang 8 Uhr. VorzugsbilletS haben Giltigkett. Im Tnnncl von 7 Uhr»n Frei- Konzert. Sonnabend: Kea». Sonnkg Nach- mittag, kleine Preise: Robert«»d Bertram. Abciws: Käthchen von Heilbronn. Cäsar Beck a. G. Mon- tag: Schlnnts scl. Wwe. In Vorbereitung: Onkel Jona?. Volksstück mit Gesang in b Akten von Oskar Klein. Musik von O. Wiechel. Znisen- Theater 3t. Reichenbcrgerstrasie 3t. Abends 8 Uhr: l.Nuftreten von Stenns' �farba. Die Schnld der Echilldlosc». Schauspiel in ö Akten von Ad. Stoltze. Sonnabeßkd Nachmittag 3 Uhr: SebUKei-»Voi'ntelI»ns zu besonders ernläßigten Preisen: Dorf und Stadt. Schauspiel w S Akten von Charlotte Birch- Pfeiffer. Abends 8 Uhr: Jocko�s Streiche. Lorher: V«? dritte Kopf. Jeden Sonnabend Nachmittag: SebUier-'Vorsteiliiiir- Central-T hentev Direktton: so»ä l-orener». Vir Geislj« oder:«ine japanische Thechaus- Geschichte. Operette in 3 Alten v. Sidney Jones. Morgen und die folgenden Tage: Die Geisha.- Sonntag, nachm. Z Uhr: Gasparone. Operette in drei Akten von Millöcker. Aktien-Branerei Friedrichshain Am KUnljpsttaor.(vormal» Lipp») Am Kttnissthor. Sonntag, den 13. November 1898: Konzert veranstaltet von den Gesangvereinen Kreuzberger Harmonie, Norddeutsche Schleife, Freie Liedertafel nnd Sorgenfrei (M. d. A.-S.-B.) Dirigent; Herr Musikdirektor H. Bleil. Solisten: Konzert-Sängerin Frau Pcttcrson- MUnlch. Oratorien-Sänger Herr A. Plitzner. Orchester: Symphonie-Orchester des Herrn A. Pfltzner .Der Lenz ist gekommen ins harrende Land")(Bariton). 6. Marsch au» dem Es-dur-Konzert.... L. v. Beethoven. Frithjof. Szenen aus der Frithjof-Sage von Esaias Tegner. Oratorium für Männerchor, Soli und Orchester, komponirt von DZax Brach. 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Hr. 259. 15, 2.|filii8f»es Joraiiitts" Uftliiift UckslilM Die Leistttttgeu der Krankenkassen in Berlin haben im Laufe des Jahres 1837 erfreulicherweise wieder mehrfach erhöht werden können, nachdem sie früher mehr und mehr ein- geschränkt und oft bis auf das gesetzliche Mindcstniatz heruntergedrückt worden waren. Bei mehreren Orts-Krankenkassen wurde die Unter- ftützungsdaucr erweitert, von 13 auf 26 Wochen bei der allgemeinen Kasse gewerblicher Arbeiter und bei der Kasse der Maler, von 26 auf 33 Wochen bei den Zimmerern(Ivo erst 1836 eine Erweiterung von 13 auf 26 Wochen stattgefunden hatte). von 26 auf 52 bei den Musikinstrumenten- Arbeitern und den Uhrmachern. Da- gegen wurde allerdings bei den Barbieren die Unrerstiitzungs- daner von 26 Wochen auf 13 herabgesetzt. Das Kranken- gcld wurde erhöht bei den Buchbindern und den Schlossern lauf 2.3 des durchschnittlichen Tagelohus). Krankengeld auch für die in die Woche fallenden Feiertage wurde eingeführt bei den Hut- machern und den Posamentirern; Herabsetzung der Karcnztage von 3 auf 1 Tag bei den Gürtlern und den Klempnern, Fortfall der 3 Karenztage bei den Schmieden, Krankengeld vom ersten Tage nach dem Erkrankungstag bei den Bäckern, vom ersten Tage der Erwerbs- Unfähigkeit, sofern sie mindestens 7 Tage dauert, bei den Posamen« tircrn. Eine Erweiterung der Heilmittel erhielten die Konditoren lkiinstliche Zähne) und die Posamentircr. Das Sterbegeld wurde erhöht bei den Posamentirern svom 2öfachen des durchschnitt- liehen Tagelohncs auf das 30fache> und bei den Schlossern(bei 26wöchiger Mitgliedschaft auf das 33fache, bei kürzerer auf das 2öfache), aber herabgesetzt bei den Barbieren(vom 30fachen auf das LOfache). Die Beiträge wurden ermäßigt bei den Dachdeckern und den Mnschineubancru, das Eintrittsgeld bei den Posamentirern; da- gegen mutzten bei den Messerschmieden die Beiträge erhöht werden. Bon den Betriebs- lFabriks-) Krankenkassen haben zwei die Unter- stütznngsdauer erweitert, Th. Hildcbrandt u. Sohn von 13 Wochen auf S2(aber bei noch nicht 26wöchigcr Mitgliedschaft nur gesetzliche Mindestleistung), die städtische Stratzenrcinigung von 26 Wochen auf 33. Das Krankengeld wurde erhöht bei Ludwig Löwe u. Co. (von Vs auf 5/8 des wirklichen Verdienstes) und bei der Straßen- reinigung(von 2/z auf 3/4 des durchschnittlichen Tagelohncs), dagegen herabgesetzt bei H. Hauptner(von 8/4 auf 2/3). Fortfall der 3 Karenztage wurde bei Pietschmann eingeführt, Zahlung vom ersten Tage ab. falls die Erwerbsunfähigkeit über 2 Tage dauert, bei Bolle, Zahlung vom dritten Tage nach dem Erkraukungstag bei Ludwig Löwe u. Ko. Bei Löwe und bei der Packetfahrt wurde auch das Sterbegeld erhöht. Die Beiträge wurden herabgesetzt bei R. Schneider und bei de» Hotel-Gesellschaft, dagegen erhöht bei G. Tesch(nachdem hier schon 1836 erhöht worden war). Von den Jnnungs-Kraukenlassen erhöhten das Krankengeld die der Tischler Orts-Krankenkassen.. Betriebs- Krankenkassen Jnnungs-Krankenkassen Freie Hilfskassen.. Krankengelder an Mitglieder M. 2 654 816,87 3 141 563.53 577 221,15 631 043,06 138 404,86 164 337,98 555 883,23 643 565,33 Für ärztliche Für Behandlung Heilmittel M. M. 1836 816 136,70 368 787,61 1837 846 441,85 1 122 107,71 1836 174 420,36 184 781,85 1837 193 038,31 225 714,01 1836 39 372,25 43 403,94 1837 43 606,33 53 538,20 1836 130 877,23 145 437,45 1837 195 226,97 150 329,01 Im Durchschnitt betrug pro Kopf der Mitglieder berechnet bei den gcsammten Berliner Orts-, Betriebs-, Jnnuugskraukenkassen und Gcmcindcvcrsicherung die Ausgabe für ärztliche Behandlung 2,64 M. (1896 2,64 M.), für Heilmittel 3.41 M.(3,07 M.). Krankengeld an Mitglieder 9,73 M.(8,65 M.), Krankengeld an Angehörige 0,29 M. (0,23 M.s, Unterstützung an Wöchnerinnen 0,33 M.(0,30 M.), Sterbe- gcld 0,64 M.(0,64 M.), Verpflcgungskosten an Krankenhäuser 3,13 Mark(3,13 Mark), persönliche VcrwaltuugS- Kosten 1,32 Mark(1,31 Mark), sächliche VerwaltuugSkosten 0,44 Mark (0,43 Mark). Die Ausgaben der freien Hilfskasscn zeigen im Durchschnitt pro Mitglied im Vergleich mit dem Vorjahre tolgendc Belastung: Aerztlichc Behandlung 3,72 M.(3,63 M.), Heil- (von V2 auf 8/5 des durchschnittlichen Tagelohns; und die der Schorn- steinfeger(von V, auf 2,s). Die Beiträge wurden herabgesetzt bei den Gastwirthen, aber erhöht bei den Stell- und Nademachern und bei den Webern und Wirkern. Ueber die finanzielle Grundlage der Krankenkassen geben folgende Zahlen Aufschluß: Die Gcsammteinnahmen der Orts-Krankenkassen betrugen im Jahre 1897 9 753 635,58 M., gegen 9 605 395,96 M. im Jahre 1836. Die Bctriebs-Krankenkassen hatten eine Einnahme von 1 746 482,17 M., gegen 1 453 244,22 im Jahre 1896. Die Jnuuugs- Krankenkassen vereinnahmten 12 087 572,27 M., gegen 11 633 630,46 M. im Jahre 1836. Die wichtigsten Ausgaben sind in folgender Tabelle gegenübergestellt: Kranken- Unter- Verpflegung?- gcldcr an stützung an kosten an Angehörige Wöchnerinnen Krankenhäuser M.' M. M. 80 056,54 107 364,85 1 022 536,63 89 300,31 124 750,25 1070 043,56 22 513,53 6 131,34 135 560,24 23 533,37 7 601,44 143 843,32 7 275,14 4 240,35 84 903,92 8 186,35 4 844.21 80 007,23 15 011,33 209,80 78 783,50 16 024,52 152,23 31 465,45 mittel 2,87 M.(2.37 M.). Krankengeld (11,35 M.), Krankengeld an Angehörige 0,31 M.(0,31 M.), Sterbe- gcld 1,43 M.(1,43 M.), Vcrpfleguugskosten an Krankenhäuser 1,74 M.(1,61 M.), persönliche Verwaltungskosten 0,37 M. (0,30 M.) und sächliche Verwaltungskosten 0,40 M.(0,40 M.). Die Anlage zum Reservefonds stieg in den Orts-Krankenkassen von 5 510 332,85 M. im Jahre 1836 auf 6 367 213,55 M. im Jahre 1897, bei den BetricbS-Krankenkasscn von 1028132,71 M. auf 1183314,23 M., bei den Jnnungs- Krankenkassen von 6 803 152,33 M. auf 7 894 740,82 M. und bei den freien Hilfskassen von 1 200 220,03 M. auf 1 243 991,67 M. Sterbe- geld M. 205 067,25 214 877,56 32 402,— 34 377,47 13 601,47 15 403,84 63 921,87 75 243,36 an Mitglieder Ver- waltungs- kosten M. 697 892,98 634 856 31 15 332,36 17 487,11 65 435,01 69 831,54 63 755,32 j 72 021,52' 12,25 M. Wmmh&m WMto 66 Chausseestrasse BERLIN N. Chausseestrasse 66 Eröffnung des neuerbauten Hauses am Sonnabend, den 5. November 1898, Nachmittags 5 Uhr. Ein Souvenir erhält jeder Käufer des ersten Tages an Casse 10 in der II. Etage. Die Kassenzettel über gescliehene Einkäufe vom Sonnabend den 5. und Montag den 7. November bitte ich aufzubewahren. kälteres morsren. Sri I I Kranerei zur Kopfenbttithe Wiesenstraße 43 LerUu tk. 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Es ist dies das bekannte herdauungg- und Dlutteinigungsmitte!. der Hubert Nllrich'sche Äräuter-Wein. heilkräftig stärkt nnd 1 be- 1 M Dieser Krllnter-Wetn ist aus vorzüglichen, " fnndenen Kräutern mit gutem Wein bereitet, und fi belebt den Verdauungsorganismus des Menschen ohne ein 3 Abführmittel zu sein. Kräuter-Wein beseitigt Störungen In B den Blutgefässen, reinigt das Blut von verdorbenen krank-. s machenden Steifen nnd wirkt fördernd auf die Keubildnng! H gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter-Weins werben Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung anderen scharsen, ätzenden Ge- sundheit zerstöreuden Mitteln vorzuziehen. Symptome, wie: Kopfschmerzen, gliifstosten. Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen(veralteten) Magen- leiden um so heftiger auftreten, werden ost nach einigen Mal Trinlen beseiiigt. L-tuhlusvanüfw«»«, und deren unangenehme Folgen, wie Beklemmung, �lUgiUrriloPsUllg Kolikschmerzen, Herzklopfen. Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauuugen in Leber, Milz und Psortadersystem(Hämorrhoidalleiden) werden durch Kräuter-Wein rasch und gelind beseitigt. Kräuter-Wein behebt UnVerdaulichkeit, verleiht dem Verdauimgssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl untaugliche Stoffe aus dem Magen und den Gedärmen. und unter nervöser Adspannung und Gemüthsverstimmung. sowie"häufigen Kopfschmerzen, schlaf- losen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin. Kräuter-Wein giebi der geschwächten Lebenslrast einen frischen Impuls. ZV KräuterTWein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessett die Blut- bildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken Lebenslust. Zahlreiche An- erkennungen und Dankschreiben beweisen dies. Kräuter-Wein ist zu haben in Flaschen st 1,25 und 1,75 M. in sämmtlichen Apotheken von Berlin mid Berlins Vororten, sowie in Preußen, ganz Deutschland und im Auslande in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig, Weststrafte 82", 3 und mehr Flaschen Kräuter-Wein zu Originalpreisen nach allen Otten Deutschlands porto- und kistefrei. 111$- Vor NachaUmangeu wird gewarnt 1"MI Man verlange ausdrücklich gV Huhart Ullrich'schen Kräuter-Wein_____ Mein Kräuter-Wein ist kein Geheimmittel; seine Bestandtheile sind: Malagawein 440,0, Wcinkptti 100,0, Glycerin 100,0, Roihwem 240,0, Eberefchensasi 150,0, Kirschsaft 320,0, Manna 30,0, Fenchel, Anis, Helenemvurzel, amerit. Kraftwurzel, Enzianwurzel, Kalmuswurzel aa 10,0. Diese Bestandtheile mische man. 6018L* NÄwSiW vJrt umc-'y*'<. 11. Sieb mifl li.4. Masse199.Kick.Pre>lk. Lotterie. Siftuiid»diu 3. No»c»id-r 1888, voroiittDg». Nur die Gewinne über S20 Mark sind den dellefseudi» Iluuiiiiern in Pnrentbeje deigesüüt. lOhne Gewähr.» . 58 218 85 74 331 70 444 608 65 758 842 1 158 290 208 434 47 843 130001 966 Ü32I 42[500] 52 523 96 623 95 857»291 438 75 552 834 4146 252 303 55 855 350 68 5053 219 371 1500) 615 57 83««036 213 460 586 88 830 933 94 7084 465 577 656 706 8013 34 153 403 534 60 705»134 92 235 66 73 666 797[3000] 816 44 999 10002[1000] 36 118 203 56 405 637 60 770 961 58 11086 173 231(5001 516 657 956 19110 47 58 300 483 632 864 1 3150 307[5001 75 402 29 572 78[300] 640 62 774 1 40( 3 76 129 36 76 385 517[500] 84 653 70 «66 1 8078 84 633(300) 74(300) 756»«018 221 320 38 622 39 1500] 96 676 820[500] 25 980 17016 247 625 13000] 688 840 946(300) 18042 119 28 260 877 1»256 657 84 900 20108 23 42 255 59 306 9 461 545 748 79 94 tlOOO] 820 49[1000]«03*1015 142 308 619 918 2*238 63 869 403 619 718 859 920 28022 86 248 49 66 472 13001 725*400? 16(1000) 184 318 420 551 622 875 970(1000) 79*5012 33 89 144 50 603 77 933!300]*«081 256 461 76«3 532 56 637 88(300] 780 816 994*7010 262 67 454 13000] 616 861*8316 58 436 549 611 857 9ö*0113 49 1800] 221 88 840 99 4u3 57 61 515 839 950 80019 1800) 65 1800) 467 619 44»1501 89 08 762 88 634 40 73 995 8*037 169 412 513 616 782 882(JOuOl »»132 60 71 75 1300] 248 338 439 558 640 703 45 LlOOOl 90 99 808 945 70 84051 462 652 84 820»5649 71 251 622 718 29»«108 47 98 289 462 88 671 761 914 87269 347 964»8070 198 246 430 613 742 838 8*060 130 34 46 63 468 514 38 84 803 961[10001 95 98 40038 450[3000] 664 781 87 41281 96 704 40 854 681 4*082 213 62 306 89 438 518 I300J 621 894 928 44 45 43028(1Ü00J 86 225 427 615 96 44050 63 123 27 695 947 4 5027 65 147 63 81 214 395 443 48 553 86 [1000] 667 703 110 0 00] 78 82 83 909 40164 71 204 1300] 17 549(1000) 804 922 77 88[500] 47130 285[300] 385 485 530[5001 608 738 47 817 84 1300] 42 85 4S017 149 206 32 83[3000! 421 88 656 822 947 49075 310 541 75 794 893 �IflOSS 201[8000] 64 604[300] 110178 293 39)(Ii 00] 557 955 120044 1 18 221 46 317 597 671 890 61[5001 900 1*1041 67 84 210 365 480[500] 552[3000] 704 1**103 llIXlOJ 13 254 Ol 460 544 6(i 82 619 741 83 819 53 987 ia:tOl7 247 90[1000] 9» 326 589 635 805;0 67 60 907 1*4017[8001 218 45 501 942 125059 244 802 58 65 91 464 566 i4 601(50««] 55 766 1 20-43 127075[800] 128 95 268 343 614 57 77 897 1 1S007 1301 0] 85 115 347 471 713 1*0196 233 330 459 618 94 96 640 987 I3O032 105 13 204 48 SO 511 12 41 55 712 89 821 82[30001 181181 257 462 636 73 814 21 985(300J |:W128 232 367 422 525 637 767[500] I»3l73 400 717 43 47 69 96 853 929 59 l:«4045 96 306 76 845 968 186079 143[10001 281 94 491 630 44 45 48 754 73 825 75 901 l»tI06»(800) 169 200 25 1300)26 59 74 412 662 746 56 98 933 137110 347 58 63 438 527 952 59 86[1000] 138127 330 84 96[300) 664 71 736 1 3U053 349 5!> 71 705 885 902 14« 142 300 579 721 970 1 41030 40 888 478 611 71 92 603 13 lSO«I 711[500] 14*017 237 879 424 584 603 47 752 143044 48 127 1300) 55 63 240 471 502 610 763 897 911 36 46(5001 144131 281 99 301 36 513 17 612 69 78 918 146039 68 222 65 316 433 1500] 747 55 814 982[1000] 14ÜÜ18 47 52 252 592 659 845 57 983 1 47025 77 368 450 31 518 72 79 710 18 54 97 950 1 4M057 247 551 754 940 48 97[500] 140934 85 64 308 27[500] 502 75 729 30 32 49 90 806 924 26 1541743 12t 24411000) 337 758 822 913 59 98 1 51198 445 84 525 644 -------" 77 52 67 734 811 157024 42 498 158281 85 325 549 635 88 76* ««026 266 SO 337 699 761 821 36 922 98 51004 25 82 172 247 80 376 914 25 3*088 165 210 52 490 92 549 801 927 59 79 53360 98 517 628 721 927 54049 136[300] 69 63 222 84 386 543 616 20 66 909 83.'.5042 274 310 88 473 517 610 982 5«119 227 302 85[300] 419 99 576 688 729 993 55047 100 230 50 618 85 58011 145 94 98[300] 257 337 53[3000] 435 662 606 15 21 49 703 68 845 67 978 66 3«09O 158[600] 61 98 213 27[3000] 346 687 791 818 923 ««044[300- 72 96 129 34 344[300] 434 694 673 989 «1017 264 75 326 439 88 663«*064 92 118 209 42 52 63 95 99 534 61 868 9H»[500]«3083 185 329 69 77 495 54» 700 46 896 969 64058 169 96 337 559 724 805 85 «5024 72 154 87 391 565 606 88[1000] 90 867 75 ««012 107 50 254[500] 428 68:«7405 607 655 63 0*009 122 319 23 26 596 633[500! 796 939 61[500]«»034 130 201(3001 30 306 1500) 610 780 853 94 13000] 700004 226 585 909»1124 30 53 92 307 440[300] 678 669 950 7*418 658 738 87 846 51(5001 933 73346 46 48 664 68«38 912 74032 210 364 652[800] 7503? 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Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.