Ar. 362 Abonnements-Kedingunge«: BbonnimenlS-Prel» pränumerando! vierleljährl. Z,S0 Mr., monatl. 1,10 Ml., ivöcheutlich 28 Pfg. lrei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonnlag«- Nummer mil illustrirter SonnlagZ- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«» Preislifte für IS«» unter Nr. 737«. Ilnler streuzband für Deullchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 13. Jahrg. Die Jnsertwns- Gebühr beträgt für die sechZgespaltene«cloim» Seile oder deren Raum«0 Pfg., fiir Beret»«- und VersannnlungS-Auzeigeu, sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» t Uhr nachmittag» in der Expedilio» abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» S Uhr vormittag« geössnet. Erschein! täglich luster ZKonkag». Devltner VolKsblatk. Fernsprecher: Sml l, Sr. 1508, Telegramm- Adresse: „Soiialdeuiostrat Serli»". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LM. 19, Benth-Straste 2. Expedition: 3�.19, Beuch-Stratze 3. K olomalpolitifche Zlnsfichten. Als vor cinigen Wochen zuerst einzelne nähere Mit- theilungen über das deut�ch-englische Abkommen in die Oeffent- lichkeit drangen, das England freie Hand läfjt für seine Absichten auf die Telagoabai und deren nördliche Dependeuzen. da ergriff unsere Kolonial-Romantiker tiefes Weh ob des Zerfalls ihrer schönen Hoffnungen. Tranernd saffen die Häupter der Alldeutschen an den Ufern der Pleitze und bliesen Trübsal, und manches harte Wort über das unseren Re- gieruugskreisen fehlende Verstäudniß für die„historische Auf- gäbe" Deutschlands ist damals gefallen, das recht wenig zu dem so oft ostentativ bethenerten„monarchischen Gefühl" jener Herren patzt. Leider hat indetz die katzenjämmerliche Verstimmung nicht lange angehalten. Die pomphafte Kirchen- einweihungsfahrt nach dem heiligen Lande hat aufs neue die Hoffnungen in den leichtbewegten Herzen der alldeutschen Kolonialenthusiasten geweckt und wie sie zu Anfang des Jahres schon ganz Shantung als deutsche Kolonie sahen, so träumen sie sich nun wieder in den Besitz von ganz Klein- asien hinein. Auf solche Phantasien großen Werth zu legen, wäre wenig angebracht, wenn sie auch für die psychologische Disposition gewisser„nach Besitz und Bildung" matzaebender Kreise recht charakteristisch sind. Ganz ohne jeglichen Grund ist jedoch diese Hoffnungsseligkeit auch nicht. Es scheint wirklich, als wenn hinter den Koulissen allerlei Verhandlungen stattfinden und als wenn die Kaiserfahrt uns schließlich doch noch als Schlutzeffckt die Abtretung einer der kleinen türkischen Inseln oder eines Hafengebietes bringen sollte. Und auch aus dcni Abkommen mit England über die Delagoabai dürften noch allerlei niedliche Bescheerungen ftirunsereKolonialsreunde heraus- springen. Mag man die diplomatische Gewandtheit der Staats- männer des heutigen Kurses noch so gering einschätzen, so ist doch zweifellos, daß sie nicht England freie Hand an der portugiesischen Ostkiiste Afrikas gelassen haben werden, ohne daß ihnen dafür in einem anderen Theile Zugeständniffe eingeräumt sind. Jedenfalls können wir uns auf Erweiterungen unseres bisherigen Besitzes gefaßt machen. Es erscheint keineswegs ausgeschlossen, daß schon der nächstjährige Kolonialetat nicht nur größere Mittel zum Aus- bau der alten afrikanischen Gebiete und zur Uebernahme Deutsch-Neu-Guinea's in Reichsverwaltnng, sondern auch zur Erwerbung neuer Kolonialbesitzungen fordert. Und so wie heute die Sache liegt, ist im voraus sicher, daß sich für alle solche Forderungen schließlich im Reichstag eine Majorität findet. Von den Konservativen und Nationalliberalen steht die Zustimmung von vornherein fest, und das Zentrum wird nur zu gerne die Gelegenheit ergreifen, die Opposition, die es aus Rücksicht auf die ihm anhängende Arbeiterschaft halb Wider Willen den Angriffen aus das Koalitionsrecht machen muß, durch vermehrte Nachgiebigkeit in anderen Tingen aus- zugleichen. An Argumenten, wirthschaftlichen wie religiösen, fehlt es ja nicht. Handelte es sich nur um gute Absatzgebiete für unsere Industrie und wäre die Garantie für eine bürgerlich-freiheit- liche Verwaltung der Kolonien, wie für weitgehende Berück- sichtigung der Arbeiterintcressen gegeben, so könnte vielleicht auch die Arbeiterpartei es sich gefallen lassen, wenn ans dem Wege friedlicher Zugeständnisse Deutschland eine Vermehrung seines Absatzgebietes gewönne und zugleich durch eine Annäherung Englands an Deutschland der übergroße Einfluß Rußlands im europäischen politischen Konzert abgeschwächt würde. Um alle solche Fragen handelt es sich jedoch in der deutschen Kolonialpolitik nicht. Wäre das der Fall, so würde sicherlich nicht gerade die konservative Partei am enragirtesten für die Kolonialprojekte eintreten: die Partei, die doch sonst alles, was die Industrie und das bürgerliche Element zu stärken geeignet ist, wie noch jüngst die Äanalpläne und die Ver- Pflanzung der Industrie nach dem Osten, mit schärfster Rücksichtslosigkeit vom einseitigsten Jnteressenstandpunkt aus bekäinpft. Alles Gerede von dem Nutzen unserer Kolonien für Industrie und Handel, mit dem vornehmlich unsere National- Sozialen in ihrer Agitation ihre Schwärmerei für die Welt- Politik zu motiviren suchen, ist nichts als albernes Geschwätz, das jeder Unterlage entbehrt. Was bedeutet denn eine Ein- und Aussuhr von insgesammt knapp 26 Millionen Mark in unseren afrikanischen Kolonien, und niehr betrug sie in den letzten Jahren nicht, gegenüber dem deutschen Gesanmit-Außen- Handel von mehr als 86o0 Millionen Mark(in 1861). Und an diesem Handel seiner Kolonien ist Teutschland zudem nur etwa zur Hälfte betheiligt, 1896 nur mit 42 pCt. So entfielen zum Beispiel von dem Werth der Gcsanunteinfuhr auf Waaren aus dem deutschen Zoll- gebiet: 1896 nur 6 460000 M.. 1897— 9 198 000 M.; und hiervon wieder kanien auf die Einfuhr von Spiritus, Schnaps. Bier und Wein(exklusive Schaumwein): 1896- 1 201 000 M.. 1877-- 1 140000 M. Die Einfuhr eigentlicher Jndustricprodukte ist im ganzen herzlich unbedeutend, und überdies besteht sie noch zu einem sehr wesentlichen Theil aus Bedarfsartikeln für die im Schutz- gebiet sich aufhaltenden Deutschen, aus Ausrüstungsgegenständen für die Schutztmppe. Materialien sür Verwaltungsgebäude und Hafenanlagcn zc. Ebenso steht« mit dem Schiffsverkehr. Selbst an der Kamerun- und Togo-Küste. wo der deutsche Schiffs- verkehr noch relativ am stärksten ist, liefen 1894 nur 86 deutsche Schiffe an, dagegen 149 fremde Schiffe, vornehmlich englische, nämlich III. Und um uns dieses werthvolle Absatzgebiet für die deutsche Industrie zu sichern, deshalb mußte das Deutsche Reich in den letzten Jahren regelmäßig 8 bis 90« Millionen Mark zu den Verwaltungskosten der Kolonien beisteuern, des- halb mußte es seine Kreuzerfahrzeuge vermehren und im Lande eine Schutztruppe von über 3ö00 Mann unterhalten; also für jede Mark der Einfuhr an deutschen Jndustrieprodukten im vorigen Jahre— 0,87 M. Verwaltungskosten zahlen und für jeden als Beamten, Missionar, Kaufmann, Handwerker im Schutzgebiet thätigen Deutschen zwei Cchutzsoldaten stellen. Wirklich es hält schwer, keine Satire zu schreiben. Wenn die Kolonial-Romautiker, die so viel von den Er- fordernisscn unserer Industrie zu erzählen wissen, sich doch mal die Mühe geben wollten, nachzuweisen, wo denn bis jetzt unser Kolonialbesitz etwas zur Hebung unseres Exports bei- getragen hat. Bisher haben unsere Kolonien nur den Zweck gehabt, für Angehörige der Bureaukratie und des Militär- standes Stellungen und freies Feld zur Bethätignug eines oft recht zweifelhaften Tbatcndrangcs zu schaffen und cinigen Ham- burger und BerlinerHandelsfirmen ansehnliche Profite zu sichern, und zwar einem recht engen Kreis; denn wie auch alle die schönen Schiffs- und Plantagen- Gesellschaften sich benamsen mögen, ob Kamerun Land- und Plantagen- Gesellschaft, Kamerun Äakao-Gesellschaft, Hanseatische Land-, Minen- und Handelsgesellschaft, Tamara- und Namaqua-Handelsgcsellschaft, Deutsch- Ostastikanische Gesellschaft u. s. w.: immer sind es dieselben Herren Wörniann, Jantzen, Thormählen, Bohlen, Lucas, Scharlach, Dollmann, die dahinter stecken. Und zur Vergrößerung des Kapitalprofits und des ohnehin schon nicht geringen politischen Einflusses dieser Herren sollen die Ver- treter der deutschen Arbeiterklasse im Reichstag für die Kolonial- und Flottenpvlitik stimmen: das ist eine Forderung, die nur jemand stellen kann, der in solchen romantischen Träumereien lebt, wie eb-m der größere Theil der National- sozialen. Aber es kommt bei der Beurtheilung unserer neureichs- deutschen Kolonialpolitik nicht nur die Unrcntabilität der Schutz- gebiete in betracht, und auch nicht nur die Verivickelungen, die uns aus ihnen in unseren Beziehungen zu fremden Mächten entstehen können; schwerer noch wiegt ein anderer Gesichtspunkt: die Rückwirkung dieser Politik auf unsere inneren Verhältnisse. Von vornherein ein durch die Bureau- kratie sorgsam gepflegtes Gewächs, ist die Kolonialpolitik nur zu sehr geeignet, die zwischen gewissen großindnstriellen und großlandwirthschaftlichen Kreisen bestehende Koalition noch mehr zu stärken und den weltpolitischen, chauvinistisch- romantischen Neigungen noch weiteren Vorschub zu leisten. So wie heute die Verhältnisse liegen, ist unsere Kolonial- verw ltung nur eine einfache Uebertragung des ostelbischen Polizei-Bureaukratismus auf afrikanischen Boden, wie nicht nur die Kolonialverordmingen und ihre Durchführung, sondern auch die Beispiele aus der VerwaltnngSPraxis, die durch die Fälle Peters, Leist, Wehlan zc. bekannt geworden sind, zur genüge bewiesen. Thatsächlich sind ungefähr drei Viertel aller im Kolonialgebict sich aufhaltenden Deutschen im Verwaltungs- oder Militärdienst beschäftigt. Dazu kommt noch ein anderes Moment: die Rückstärkung des Junker- thums in seinen politischen Ansprüchen durch die am Kolonial- Handel betheiligten Handelskreise als Aequivalent für seine Unterstützung von deren Kolonialplänen. Die betreffenden Handelsschichten können ihre Forderungen nach Erweiterung des Kolonialbesitzes, nach kolonialen Eisenbahn- Anlagen, Dampfersubventioneu:c. nur dann durchsetzen, wenn sie sich unter den jetzigen politischen Verhältnissen die Unterstützung der Kon- servativen im Parlament und am Hofe sichern, d. h. tvenn sie dem preußischen Junkerthum nach dem Grundsatz, eine Hand wäscht die andere, Gcgen-Konzessionen machen. Schon heute haben wir eine aus ähnlichen Bedingungen hervor- gegangene Koalition zwischen dem feudalen Groß- grundbesitzerthum und gewissen Thcilen der rheinischen Großindustriellen; gewinnt unser Kolonialbesitz an Umfang, so ist ziemlich sicher, daß auch bestimmte Handclskreise in dieses gegenseitige Garantic-Verhältniß hineingezogen werden. Wie weit in diesen Kreisen die Neigung vorhanden ist, sobald sich Aussicht auf materiellen Gewinn bietet, allerlei feudale Prätensionen mit in den Kauf zu nehmen, das haben wir ge- sehen, als die Kiautschou-Pachtung perfekt wurde, und das sehen wir jetzt wieder an den schmunzelnden Betrachtungen der Handels- und Börsenpresse über die Palästinafahrt. Springen bei dieser Promenaden- Exkursion Aussichten auf zukünftige Handesprofite heraus, so läßt man sich gerne das pomphafte Gepränge, und noch manches andere sonst, gefallen. Die deutsche Welt- und Kolonialpolitik ist keine nioderne, auf die Förderung des bürgerlichen Einflusses und Erwerbes gerichtete Politik, sie ist eine feudal-reaktionäre Politik,— eben deshalb hat sie auch gerade in der altpreußischen Bureau- kratie so manchen Anhänger gefunden. Man hofft eben durch sie der vernunst-monarchischen Bourgeoisie das Königthum als fürsorglichen Mehrer des Wohlstandes der„ertverbcnden Kreise" zu enipfehlen, um so unter Hinweis auf die materiellen Erfolge desto besser für die Nothwendigkeit des Fortwandelns in den alten Bahnen plädiren zu können. Dieser reaktionäre Charakter der heutigen Kolonialpolitik aber schreibt auch der Arbeiterpartei ihr Verhalten vor. Selbst wenn unsere Kolonien nicht so völlig werthlos wären, selbst wenn sie nicht einen Anlaß zu immer weiteren Flottenvermchrungen abgeben würden, müßte sie jede Kolouialforderung bekämpfen. Eine Partei, welche die Arbeitcrinteressen verficht, kann nicht eine Richtung unterstützen, welche einerseits auf eine Stärkung des jetzigen halbfeudalen Regimes hinausläuft und andererseits den Großindustriellen freie Bahn auf dem Weltmarkt zu schaffen sucht, indem sie die Koalitionsfreiheit der Arbeiter einschränkt. Mag es vielleicht unter ganz anderen Umständen streitig sein, ob nicht eine Förderung der Kolonialbestrebungen auch im Interesse einzelner Schichten der Jndustrie-Arbeiter läge,— unter unseren gegenwärtigen politischen Verhältnissen ist diese Frage von vornherein ausgeschlossen. Wir treiben praktische Politik, und diese zwingt uns zur rücksichtslosen Bekämpfung einer jeden Forderung für Kolomalzwecke, mögen diese offiziell benannt werden wie sie wollen. politische Mebeeflchk. Berlin, den 7. November. Niiistnrz-Gcsetzgebnng. Die„Nat.-Ztg." will aus zu- verlässiger Quelle erfahren, daß„innerhalb der Regierung von keinem anderen gesetzgeberischen Plane die Rede gewesen sei, als von der Verschärfung der Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung zum Schutze der Arbeitswilligen gegen Streik- terrovismns". Man thut gut, der Quelle, aus der die„Nat.-Ztg." schöpft, in dieser Angelegenheit auch nicht das mindeste Vertrauen zu schenken. Die Mit- theilungen der badisch-offiziösen„Süddeutschen Reichs-Kor« rcspondenz" über die Absicht, auch ein neues Sozialistengesetz zu bescheereu, waren zu klar und zu ernst, als daß man sich leicht über sie hinwegsetzen dürfte. Wären diese Mittheilungen nur aus der Luft gegriffene Phantasien gewesen, so hätte ohne Zweifel die offiziöse Presse ein unzweideutiges Dementi gebracht. Aber nichts ist erfolgt. Die Ankündigung eines Sozialistengesetzes in jener offiziösen Korrespondenz bleibt bestehen. Freilich mag es wohl sein, daß ein fertiger Entwurf noch nicht vorhanden ist, ja daß sogar die Regierungsräthe noch nicht die erforderlichen Anweisungen zur Ausarbeitung er- hielten. Aber wie schnell ist solch Gesetzentwurf fertiggestellt l Sind nicht dutzende Entwürfe in den Kanzleien des Justiz- Ministers und des Ministers des Innern aufgehäuft zu jeder« zeitigem bequemen Gebrauche? Es liegt jedenfalls etwas in der Luft. Ob man die Er- ledignng der preußischen Vereinsrcchtsfrage zum Anlaß nehnien wird, ein neues Knebelgesctz einzubringen, oder ob man den Reichstag befassen wird; ob man die„Resultate" der inter- nationalen Anarchistcnkonfercnz benutzen oder eine andere An- knüpfung versuchen wird— wer weiß es? Uns soll es recht sein, wie die Regierungen den Staat zu retten denken. Wir haben für alle derartigen aus feiger Angst geborenen Repressionsversuche nur ein eisiges Lächeln übrig.— Der Prozesi Hardcn hat, wie wir in unserem Leitartikel vom vorigen Sonnabend aussprachen, die häßlichsten Schäden des deutschen Justizverfahrens, gleichsam zu einer Ausstellung, in sich vereinigt. Ausschluß der Ocffentlichkeit, Zeugnißzwang und vor allem der Prozeß selbst. Der Ausschluß der Oeffent- lichkeit, der im Drcyfus-Prozeß die Verurthcilung�der gesammten zivilisirten Menschheit gefunden hat, und zwar imFallHarden der Ausschluß, ohne die Entschuldigungsgründe des Dreyfus- Prozesses, der sich mit den. in allen modernen Staaten sich der Oeffcntlichkeit entziehenden parties hontenses der Militär- spiouage befaßt— der Zeugnißzwang, den, seit die Folter abgeschafft ist, kein anderes Volk mehr kennt, und ein Majestätsbeleidigungs- Prozeß— das heißt ein Prozeß um ein in heidnisch- römischer Zeit, in der tiesstcn Fäulniß des absterbenden Römerreichs künstlich geschaffenes, rafinirt aus- getiftcltes Verbrechen, das in den freieren Kulturländern: England, Frankreich, Schweiz, Vereinigte Staaten von Nord- amerika nicht bekannt ist. Eine traurige Rolle, die unser Deutschland da spielt! Nicht als ob wir durch den Prpzcß gegen Hardcn in be- sondere Ereiferung gebracht wären— jeder Tag bingt uns ja in Deutschland ein halb Dutzend Prozesse auf grund de« Majestätsbeleidigungs-Paragraphen, und viele fordern noch weit mehr, als dieser das Rechtsgefühl des Volkes heraus. Aber wir sind so an Majestätsbeleidigungs-Prozesse gewöhnt, daß wir uns gar nicht mehr wundern, wenn nicht Ungewöhnliches die abgestunipften Nerven reizt. Und das ist im Prozeß Harden der Fall. Auf der Anklagebank war nicht ein un- gebildeter, feiner Redcform unkundiger Mann, der mit drastischen Ausdrücken und rohen Schimpfworten um sich wirft,— es war einer der gewandtesten Journalisten, dem obendrein für die strafrechtliche Beurtheilung zu veröffent- lichender Aufsätze kundige Juristen zur Seite standen,— daß er eine Majestätsbelcidigung habe verüben wollen. das wird der verbissenste Staatsanwalt nicht behaupten— und doch wird dieser Mann wegen doppelter, ja vierfacher Majestätsbeleidigung angeklagt und zu 6 Monaten der Freiheit�« entziehung verurtheilt. Wer i st da— muß jeder sich fragen, vor einer M a j e st ä t s b c l e i d i g u n g noch sicher? Und in dem Fall Harden waren die Richter noch sehr „liberal". Sie billigten dem Angeklagten sür einen der in- k nmiinrten Artikel den Schutz des§ 193 zu, was z. 93. Lieb- fitcchr, der doch auf direkte Augriffe gegen seine Partei geantwortet hatte, verweigert worden war, und sprachen von dieser Anklage frei. Auch in einem zweiten der inkriminirten vier Artikel fanden sie keine Majestätsbeleidigung. Allein in zwei anderen fanden sie das Verbrechen. Wir haben diese beiden Artikel gelesen, haben sie sorgfältig gelesen: Der eine thcilt mit, was Hunderttausende, ja Millionen denken und sagen und er theilt es mit in der denkbar schonendsten Form. Da muß ein jeder sich sagen: Wenn das strafbar, wenn das ein Majestätsverbrcchcn ist, dann ist in Deutsch- land kein Mensch nr ehr vor einem Maje st äts- beleidigungs- Prozeß sicher. Und wie in aller Welt soll ein deutscher Staatsbürger, der ci vis Germanus, für den im Ausland, fall ihm eine Unbill widerfährt, die eiscngepanzerte Faust des Reiches sich erhebt, im Inland über die einfachsten politischen Fragen seine Meinung ausdrücken, wenn sogar solche Auslassungen schwer bestraft werden? Für den stolzen oivis Germanus bleibt nur das Papagenoschloß. Der zweite Aufsatz, in dem das Verbrechen der Majestäts- bcleidigung entdeckt ward, ist eine Fabel, ganz im Stile L a f o n t a i n e's. des Fabeldichters der Acra L u d w i g' s des Vierzehnten, der den Dichter hochschätzte, obgleich manche seiner„Fabeln" den Hof und den siönig weit beut- licher und schärfer traf, als die bloße Nachbildung des Horden- scheu Blattes. WaS der„Sonnenkönig"— der Monarch des „Der Staat bin ich"— vor fast dritthalb Jahrhunderten lächelnd hinnahm, das ist am Ende des neunzehnten Jahr- Hunderts im neuen Deutschen Reich, das angeblich alle unsere nationalen Hoffnungen und Strebungcn erfüllt hat, ein Rtajestätsverbrechenl Annes Deutsches Reich! Und konservative Organe verlangen Revision des Urthals, weil das Strafmatz— sechs Monate!— zu niedrig sei! 9!ur deutsche Junker-Konservative sind solch unterrussischer Rohheit fühig. Wahr, Horden ist„blas" zu Festung verurtheilt worden, nicht zu Gefängniß, wie so viele Hunderte, die„gemeine Ge- sinnung" gerade so wenig bekundet hatten wie Horden; allein Las beweist doch nur, daß die Richter, die Horden verurtheilten, den Geist des Gesetzgebers, der zwischen„gemeinen" und ehrenhaften Triebfedern einen Unterschied macht, besser begriffen haben, als manche ihrer Kollegen. Jndeß trotz alledem ist das Urtheil ein ungemein hartes, und wer immer ans dem Boden unserer Kultur steht und für das Deutsche Reich die Stellung eines Kulturstaates und für das deutsche Volk die Rechte eines Kulturvolkes beansprucht, muß mit uns in den Stuf einstimmen: Fort mit den M aj e st ä t s b e l ei d i gu n g s- P r o z esse n! Fort mit dem Majestätsbeleidigungs- Paragraphen unseres Strafgesetzbuches! Vidsant Consules!— Mit der Zurückziehung Marchand's aus Z�aschoda kann der jüngste Streitfall zwischen England und Frankreich als erledigt gelten. Die Verhandlungen dauern noch fort, allein sie haben eine Regelung der beiderseitigen Verhältnisse in Ostafrika zum Zweck, und sie werden, da beiden Theilen daran gelegen sein muß, in Güte ausemanderzukommen, auch voraussichtlich zum Ziel führen. Von vollständiger Unkenntniß der einschlägigen Verhältnisse zeugt es, wenn jetzt von einer „Aufrollung der ägyptischen Frage" durch Frankreich geredet wird. Eine„Aufrollung" der egyptischen Frage ist in den letzten IvJahren, seit Rußland weiß, daß der unvcrmeidlicheZusammen� stoß mit England sich nicht auf den St. Nimmerleinstag der schieben läßt, seitens der russischen Diplomatie wiederholt versucht worden. Und bei einer Gelegenheit hat auch die deutsche Reichsregierung, nicht gerade glücklich, mitgewirkt. Die englische Regierung hat aber alle derartigen Versuche a limine — schroff von der Schwelle— abgewiesen und kategorisch er- klärt, daß es eine egyptische �rage nicht gebe. Und sollte jetzt, wie es fast den Anschein hat, von russischer Seite ein neuer Versuch gemacht werden, so wird das Ergebniß kein anderes sein. In der That, so lange die Auseinandersetzung mit Rußland in Aussicht steht, kann England auf seine gegenwärtige Stellung in Egypten nicht verzichten. Man braucht nur einen Blick auf einen Globus zu werfen, und man sieht sofort, daß Egypten im Fall eines Krieges um Indien und überhaupt um Englands Machtstellung in Asien die natürliche und nicht zu entbehrende Operationsbasis der Engländer ist. Egypten in anderen Händen, das wäre für England die Gefahr, vom Suezkanal und Rothen Meer und damit von seinem Indischen Reich und seinen asiatischen Machtsphären abgeschnitten zu werden. Unter den obwaltenden Ver Hältnissen an England eine solche Zumuthung richten, verräth eine Naivetät, wie ein ernsthafter Politiker sie nicht besitzen sollte. Ist einmal die Abrechnung mit Rußland erfolgt und finden die Engländer sich nicht länger in Asien bedroht, so werden sie das Protektorat über Egypten, das dann nur eine Last wäre, gewiß gerne hinwerfen.— Freilich, die russische Diplomatie, die soeben das diplomatische Schäferspiel der allgemeinen Abrüstung in Szene gesetzt hat, braucht sich auch nicht vor Naivetäten in der egyptischen Frage zu scheuen— wenn es nur gelingt, die öffentliche Meinung gegen England zu Hetzen. So reden russische Regierungs blätter jetzt von der Nothwendigkeit, England zur Räumung Egyptens zu veranlassen. Man müsse„die Rechte des Sultans vertheidigen" und„Egypten unter ein Protektorat aller Mächte stellen". Das sind Redensarten, über die man in England lacht, so lange nicht ein paar Dutzend Panzerschiffe und etliche hunderttausend Mann dahinter stehen. Nachdem aber Frankreich durch die Räumung Faschoda's feinen Willen bekundet hat, für Rußland die Kastanien nicht aus dem Feuer zu holen, ist das russische Gerede eitel Renommisterei. Trotzdem werden in England die Rüstungen mit fieber- haften Eifer und auf größtem Fuße fortgesetzt. Und mehr und mehr k'mmt auch bei solchen, die bisher diesen Rüstungen geringere Bedeutung beilegten, die Ueberzeugung zum Durch- oruch, daß sie gegen Rußland gerichtet sind, und daß Eng- land, will es sein Ansehn im Orient nicht einbüßen, auch endlich einmal Ernst machen muß. Amerikanische Drohungen gegen Spanien. Aus Paris wird uns gemeldet: In unterrichleten Kreisen verlautet, der amerikanische Delegirte bei den Friedensverhandlungen, Day, werde im Laufe dieser Woche den spanischen Delegirten ein Ultimatum bezüglich der amerikanischen Forderungen überreichen. Für den Fall, daß Spanien das Ultimatum nicht in allen Punkten annehmen sollte, sei Day von seiner Regierung beauftragt, die Friedens- Verhandlungen abzubrechen.— Deutsches Reich. Das Versprechen des Fürsten Hohenlohe. Die„Voss. Ztg." erinnert daran, daß dem BundeSrath noch der am 20. Mai 1897 vom Reichstag angenommene Gesetzentwurf, betreffend das Vercinsrecht, vorliege. Jener Gesetzentwurf enthält nur einen Artikel dcS Worllautö: „Inländische Dereine jeder Art dürfen mit einander in Vcr- bindung treten. Entgegenstehende landesgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben." Die„Voss. Ztg." meint, daß die Zustimmung zu diesem Entwurf seitens des BundeSrathS der beste Weg für den Reichskanzler sei, sein bekanntes Versprechen einzulösen. � So richtig dies ist, so sehr zweifeln wir daran, daß die maß' gebenden Kreise diesen besten Weg erwählen werden.— Die preußischen Provinzen und ihre Vertretung im Ab- geordnctcnhause. Die„Lib. Korr." giebt folgende Uebersicht: Berlin: 9 freisiimige Volkspartei: Provinz Brandenburg: 15 Kou servative, 1 Frcikönservativer, 1 Nationallibcralcr; Ostpreußen: 24 Konservative, 4 Zentrum, 2 Nationallibcrale, je 1 freisinnige Dolkspartei und freisiimige Vereinigung; Westpreußen: 13 Konser- vative, 1 Nationallibcraler, 2 freisinnige Volksparlei. 3 freisinnige Bereinigung, 3 Polen; Pommern: 25 Konservative, 1 freisinnige Vereinigung; Posen: 13 Konservative, 2 freisinnige Volkspartei, 4 frei sinnige Vereinigung, 10 Polen; Schlesien: 31 Konservative. 26 Zentrum, 2 Nationallibcrale, 5 freisinnige Loltspartei, 1 freisinnige Ver- einigung; Sachsen: 27 Konservative, 2 Zentrum, 8 Nationallibcrale, 1 freisinnige Volkspartei; Schleswig- Holstein: 10 Konservative, 3 Nationallibcrale, 1 freisimiige Vereinigung, 2 Dänen; Hannover: 9 Konservative, 3 Zentrum, 22 Nationallibcrale, 2 Bund der Land- wirthe; Westfalen: 5 Konservative, 16 Zentrum, 7 Nationalliberale, 2 freisinnige VolkSpartci, 1 Bauenlbündler; Hessen-Nasjau: 9 Kon- servative, 4 Zentrum, 9 Nanonalliberale, 3 freisinnige Volkspartei idarunter der Demokrat Sänger), 1 Antisemit; Rhcinprovinz und Hohenzollcril: 5 Konservative, 45 Zentrum, 14 Nationalliberale. Das Gesammtergebniß wäre demnach folgendes: 206 Konservative und Frcikonservanve, 100 Zentrum, 72 Nationallibcrale, 25 stci- sinnige Volkspartei, 11 freisinnige Vereinigung, 13 Polen, 2 Dänen, 2 Bund der Landwirthe, 1 Bmiernbündlcr und 1 Antisemit. Im einzelnen bleibt eine Richtigstellung vorbehalten, da die Stellung einiger Wilden noch nicht zuverlässig bekannt ist.— Von den bisherigen Mitgliedern des Abgeordnetenhauses sind nur 291 wiedergewählt; das neue Haus wird daher nicht weniger als 142 oder nahezu ein Drittel neue Mitglieder zählen. Unter den neu Gewählten befinden sich nur wenige alte Parlamentarier, wie die Freisinnigen Dr. Hirsch, Dr. Barth und Lüders, der National liberale Jebsen, der Frcikonservative Brähmer, die weitaus größte Mehrzahl sind völlig frisches Blut. Zum Fall Späh». Dem in Aachen zum Landtags-Abgcordneten gewählten Reichsgerichtsrath Spahn ist, wie der„Franks.-Ztg." ans Leipzig berichtet wird, der zur Ausübung seines Mandats im prcnßi- schcn Abgeordnerenhause nachgesuchte Urlaub abermals verweigert worden. In zirka drei Wochen tritt der Reichstag zusammen, da wird Herr Nieberding erfahren, daß mit dem Zentrum nicht gut Kirschen essen ist.— Ei« Fortschritt. Zu dem neuen Entwurf betreffend Revision des Jnvaliditäts-Versicherungs-Gesetzes wird mitgcthcilt: Das Ver- mögen der Versicherungs-An st alten ist wie Mündelgeld anzulegen. Während bisher Ausnahmen hiervon mit Ge- nehmigung des Gnrantieverbandes nur bis zum vierten Thcile des Vermögens zugelassen waren, ist die Grenze im Eni Wurfe bis auf die Hälfte des Vermögens erweitert. Gleichzeitig ist als Zweck derartiger ausnahmsiveiser Be legung der Bestände die Förderung solcher Veranstaltungen hervorgehoben,„welche ausschließlich oder überwiegend der vcr- sicherungspflichtigen Bevölkerung zu gute kommen." Die Vor sicherungs-Anstaiten sollen hiernach in weiterem Ilmfange ermächtigt werden,' die angesammelten Kapitalien, ohne an die Mündelsicherheit gebunden zu sein, zu verwenden, um Heilstätten zu errichten, die Verbesserung der Wohnnngsverhält nisse der Arbeiter durch Gewährung von hypothekarischen Darlehen zu fördem oder ähnliche WohlsahrtS- Einrichtungen durch Kredit- bewilligung zu unterstützen. Wir kommen auf diese neuen Bestimmungen des Entwurfs zurück. Unsere Notiz über die löffelweise Verabreichung des AltcrS- und Jnvalideuvcrsichcrungs-EnlwurfS nimmt Herr Schweinburg zum Anlaß, um— wahrscheinlich mehr nach oben hin. wie uns gegen über— festzustellen, daß durchaus nicht alle Mitlheilungcn über den Entwurf durch die„Berl. Pol. Nachr." verhökert worden sind. Wir begreifen den Schmerz darüber und wollen darum unsererseits gern berichtigend bemerken, daß in der That Angaben wie die über die stärkere Invalidität der landwirthschasilichcn Distrikte von irgend welcher anderen Seite und nicht durch die„Berl. Pol. Nachr." den Blätteni zugegangen sind. Für uns wird dadurch das ganze Ver fabren der Regierung in der Veröffentlichung ihrer Vorlagen nur >Fn so tadelnsiverther.— f liebet das Grubenunglück auf Zeche„Holland" bringt der „R e i ch S- A ii z e i g e r" eine Mitthciluug. worin als wahrscheinliche Ursache der Explosion die Oeffnung einer Sicherheitslampe angegeben ist. In unmiltelbarer Nähe eines der beiden getödteten Bergleute eines 24 Jahre alten Schleppers, der seit dem 1. März d. I. Berg- mann war, sei dessen Sicherheitslampe mit abgeschraubtem Oberthcil und gewaltsam geöffneten, Blcinietvcrschlu'ß gefunden worden. Sonstige Anhaltspunkte' zur Erklärung der Ursachen des Unglücks lägen bis jetzt nicht vor. Die von der Explosion betroffenen Theile der Grube seien vor Beginn der Schicht von dem Wettermann als schlagwetterfrei gemeldet ivorden, auch habe der Ablhcilungsftciger beim Befahren der betreffenden Strecken während der Frühschicht keine Schlagwetter-Ansammluiig bemerkt. Die beiden Flötze, wo die Explosion austrat, entwickelten KohIcmvasscrsioffgo.se, insbesondere das Flötz „Hugo", das muH zur Kohlenstaubbildung neige. Schlagwetter Ansammlungen seien in den betreffenden Flötzth'cilen bisher nicht bemerkt worden, da der Wetterzug geregelt und kräftig sei. Die Zechenverwaltung nehme an, daß durch Zubruchegchen eines Thcils des Flötzes„Hugo" eine große Menge schlagender Wetter in den Wetterstrom gedrückt worden sei, die durch den regelmäßigen Wetter- zug nicht in genügend schneller Weise zerstreut und verdünnt werden konnte. Ob ein Zusammenbruch stattgefunden hat, werde die berg- polizeiliche Untersuchung ergeben. In der Mittheiluna des„Reichs- Anzeigers" fehlt eine Angabc darüber, ob in der Grube„Holland" schon die Berieselung des Kohlenstaubes eingeführt ist. Vermuthlich nicht, denn sonst würde dieses für die Entlastung der Zechenverwaltung wichtige Moment wohl erwähnt worden sein. Falls der mit getödtete Schlepper, dessen Lampe in geöffnetem Zustande gefunden worden ist, die Explosion wirklich verschuldet haben sollte, was aber durch- aus noch nicht bewiesen ist, so wäre das lediglich ein Grund mehr, die preußischen Grubenbesitzer zu zwingen, nur Arbeiter zur Vc- schästiguug in den Gruben zuzulassen, die eine längere berg- männische Lehrzeit durchgemacht haben. Der betreffende Bergmann war aber. wie der„Reichs-Anzeiger" selbst sagt, erst" seit 1. März dieses Jahres Bergmann- Jetzt, bei dem glänzenden Geschäftsgang im Kohlenbergbau nehmen die Zechen- besitzer alle möglichen Elemente zur Arbeit in den Gruben an. Diese vielfach der bergmännischen Arbeit nicht genügend kundigen Arbeiter zur peinlich genauen Beachtung der Unfallve'rhütungsvorschristcn zu veranlassen, wird dem staatlichen Gnibenauffichts-Apparat nur dann gelingen, wenn zur Grubeninspektion Delegirte der Bergleute heran- gezogen sind. Aus Friedrichsruh, 6. November, wird der„Voff. Ztg." ge- 'chrieben: Fürst Herbert v. Bismarck hat jetzt bestimmt, daß die feierliche Beisetzung der Leiche des Fürsten Otto v. Bismarck in dem neu erbauten Mausoleum am Sonntag. 27. November, erfolgen soll. Ein Gerücht will wissen, daß auch Kaiser Wilhelm zur BestättungS- eier des Altreichskanzlers wieder hierher kommen würde, allein das Gerücht wird wohl kaum Bestätigung finden. Viele, die den Kaiser vor einem Vierteljahr, als er zur vorläufigen Beisetzung des Fürsten hier war, abreisen sahen, sind der Meinung, daß Kasier Wuheun i. niemals wieder nach Friedrichsruh kommen wird.— Die amerikanische Konkurrenz wird von dem Konsul der Vereinigten Staaten in Köln eifrig zu fördern geiiicht. Einem seiner Berichts zufolge, der gegenwärtig in amerikanischen Blattern vier besprochen wird, ist ein Plan im Werke, eine Akiicngeiellichaft in Deutschland zu gründen, um eine p-rmaiicnte Ausstellung amerikanischer Produkte und Fabrikate zu errichten. Besondere Ge- bäude sollen zu diesem Zwecke erbaut und an_ die Aussteller miethct werde», auch würde es die Gesellschaft übernehmen, den Vertrieb der amerikanischen Waaren gegen Kommission zu besorgen Mio die Bezahlung aller von ihr oder ihren Agenten verkaustcn Arttkel zn garantiren. Der Konsul sagt in seinem Bericht: Dcutsch.and erkennt den Werth der gegenseitigen Handelsbeziehungen an und ist willens, uns auf halbem Wege entgegen zu kommen. Würde eZ unter diesen Umständen nicht rathsam sei», daß unsere Fabrikanten Reprisen- tauten herüberschickten, um sich gründlich über die Absatzgebiete zu informircn und Vorkehrungen für Unterbriiigung und den Vertrieb ihrer Produkte zu treffen? Der amerikanische Konsul ist der Ansicht, daß Köln'sich vortrefflich als Zentralstelle eigne._ Die Elsenbahn- iiud Dampferverbindungen der Stadt seien vortreffliche, im-v-uß- ufcr erstreckten sich vorzügliche Docks und Wersten meileniveit. Der Konsul erklärt endlich: Dl« Gründung der erwähittcn Gesellschaften würde sich vollziehen, wenn von amerikauischcr Seite am Unternehmen die erforderliche Ermulhigung zu thcil würde._ Die amerikanischen Fabrikanten werden sich dies mcht zweimal sagen lassen. Sie sind zum handeln stets bereiter wie die oft allzu oe- dächtigen deutschen Unternehmer, die der amerikanischen Konkurrenz häufig noch rathlos und thateulos gegenüberstehen.— Tie„Bekämpfung der Spiclwnth"— natürlich die der Ar- bcitcr— regt die„Köln. Ztg." neben der Einschränkung der össent- lichcn Lustbarkeiten an, um eine„Genesung der wirthschaftlichen Ver- häliiiis'ie unserer arbeitenden Klassen hcrbeizusühren". Im Soimiicr, so schreibt das rheinische Organ, bildet das Kegeln um Geld, da§ Preiste gel ii, im Winter das Ausspielen von Hasen. Gänsen, Käsen, Würsten u. s. w.. wie es namentlich am Niederrhein in den letzten Jahren eingerissen ist, einen Krebs- schaden für die arbeitenden Klassen. Am Sonntag verkegelt der Bauer den Thaler, den er nicht hat, um seine Habieligkcitcn gegen Feuerschaden zu versichern, vcrkegelt der Arbeiter einen guten Thcil seines Lohnes und schinipft in einem Athem über den niedrigen Lohn und die hohen Steuern, während am Sonnabend Abend mancher Familienvater auf der WirthSbank beim Ausspielen von Hasen u.>. w. einen guten Theil seines Lohnes liegen läßt. Wemi der Bauer seinen Thalcr vcrkegelt hat, so bleibt ihm im Keller und Schornstein immerhin noch etwas zur Befriedigung der Be- dürfnisse der uächsten Tage, der Arbeiter in der Stadt aber komint nicht allein mit halbleerer Hand zu der Familie zurück, er findet nicht allein im Haushalt kaum mehr vor, als was fiir die nächste Mahlzeit reicht, sondern er ist auch außer stände, daS zu begleiche», was in der Woche in das verhänguitzvolle„Büchelcheu" des Krämers eingetragen ist." Wir fühlen gewiß nicht den Berus in uns. für Gewohn heitsspieler einzutreten und unter den sozialdcinokratisch qestimtcn Arbeitern dürften recht wenige Zu finden sein, denn daS Bestreben, da? Wohl ihrer Klaffe zu fördern, die Pflichten als Staatsbürger zu erfüllen, läßt in der Regel das Spielen nicht zur Leidenschaft ausarten. Solche GewohnheitS- spielcr, die auch nicht um Hasen und Gänse, sondern unr Geld spielen, scheint daS Umcrnehmer- Organ aber gar nicht im Äuge zu haben, wohl aus der richtigen Erwägung heraus, daß diese vielmehr in den ihm nahestcheudcu Kreisen zu finden sind. Will das Blatt aber das harmlose Kegelspiel, soweit es von Arbeitern zu ihrer Erholung und Zerstreuung ausgeübt wird. treffen, so muß das als eine uncrhörteDrcisligkeit ganz entschieden zurück- gewicscu werden. WiF rathen dem llntcrnchmerorgan an, sein Herz für die„darbenden Familien" bei andern Gelegenheiten, z. B. wenn es sich um Lohnforderungen handelt, zu entdecken.— Prcstkorriiptio». Von jeher hat cS Blätter gegeben, die aus GeschästSinteresse die politischen Interessen ihres LesepublikumS zu verrathen keinen Anstand genommen haben. Gerade in Dentschland haben„hervorragende" Blätter in gegenseitigem Konkurrenzneid um den Ruhm gebuhlt, von der Regierung direkt oder indirekt als offiziöse Organe benutzt zu werden. Die ganze Gefährlichkeit der offiziösen Prcffe brauchen wir nicht erst hier auScinanderzusetzen. Sie dient dazu, die Wahrheit zu verwirren und zu entstellen und das Volk beim Heranziehen reaktionärer Geiahrcu einzulullen. Wie tief mutz ein Organ gesunken sein, wenn es offen, am hellen, lichten Tage vor aller Welt der Regierung, einer öffentlichen Dirne gleich, seine Dienste anbietet. Solche Fälle sind selten, aber wo sich einmal ein solcher Fall ereignet, da wollen wir ihn doch zur Charakteristik der Presse festiiagelii. Wir lesen nämlich in der.Rhetinsch-Wesffälischcn Zeitung", dem bekannten Unternchmerorgan, ein Gespräch Bismarcks, das Lothar Bücher auf- gezeichnet bat.' Da sagt Bismarck: „Es ist unser Unglück, daß wir so wenige Federn zu unserer Verfügung haben. Ich kann die Wege, die ich gehen muß,»ichr immer von Anfang an klarlegen, sonst wäre die Sache von vorn- herein verpfuscht. Ich muß auch manchmal den Gegner auf eine falsche Spur bringen, daS ist vom diplomatischen Leben unzertrennlich. Da werden manchmal selbst die Besten an mir irre, und wenn sie sich passiv verhalten und mich nicht direkt angreifen, so ist daS noch der beste Fall. Das sind Verhältnisse, die ich leider nicht ändern kann, die aber die Schuld daran tragen, daß es bei uns der Regierung an einer Unterstützung mangelt, die sie sonst überall genießt und die ich sehr schinerzlich entbehre. Man mag sage», was man will, die Presse ist eines der wichtigsten Elemente der Politik, und wer das nicht erkennt, der wird nur zu 'rasch zu seinem Schaden eines besseren belebrt."� Fürst Bismarck verlangt hier vo» der Presse nichts anderes, als die Verzichtleistung auf eine eigene Ueberzeugung. Ist es nun Naivetät oder ist eS der höchste Grad von Selbstprostitution, wenn die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" folgenden Wink mit dem Zaun- Pfahl den Worten Bismarcks folgen läßt: „Das könnte die Regierung haben, wenn sie die Zeitungen, denen sie das Vertrauen der Diskretion schenken kann, in der rechten Weise vertrauensvoll informirte." ES giebt also bürgerliche Zcilungen in Deutschland, die bor aller Well ihre Bereitwilligkeit erklären, für die Interessen der Re- giening das Volk und ihre Leser zu düpircn.— Zlngeschossen. Bei einer von Offizieren der Garnison Münster i. W. am 3. November in dem Graf Hatzfeldsichen Revier ahgehaltenen Treib- jagd, bei der Jnsmitcristen als Treiber benutzt wurden, sind zwei derselben von den Jägern angeschossen worden. Der eine erhielt einen Schuß unter dein rechten Auge, der andere soll vor die Brust geschossen worden sein. Beide siiid in ärztliche Behandlung genommen worden durch Herrn Dr. Graffelder; ihr Zustand ist anscheinend nicht ge- fährlich. Das«Münstersche Tageblatt", dem wir diese Mittheilung entnehmen, bcmerlt dazu: Wir glauben, in diesem Vorkomimnß wieder einen Bciveis dafür zu sehen, daß es an der Zeit ist, der Benutzung des Militärs für allerlei außerdienstliche Zwecke ein Ziel zu setzen.— Ultramontanc Schmähsucht. Die„Münchencr Freie Presse" bat, wie wir mittheilte», ärztliche Berichte zilsammciigeslelll. in denen chwcre Anklagen gegen Aerzte und Professoren in Spitälern, Kliniken und Irrenhäusern erhoben werden. In einem Theil der Zeiitrumspresie, so auch in der„Germania", finden wir die Mit- theilung darüber von dem Satz begleitet:„Mag das sozialistische Blatt seine parteitendcnziöscn Absichten bei Vielen Mittheillinaen haben,..."— Diese Blätter verwechseln offenbar die dcmokra- tische„Mllnchener Freie Presse" mit unserem Parteiblatt„Mnnchener Post". Das ist verzeihlich; daß man aber ohne allen Anlaß und ohne das betreffende Blatt überhaupt zu kennen, von„tendenziösen Absichten" des„sozialistischen Blattes" redet, beweist, wie groß bei geivissen frommen Blättern die Sucht ist, den politische» Gegner auf alle Fälle zu verdächtigen.— En««euer Kriegöhafen. Danziger Blätter erfahren, da« die vrrichtniig eines KrieczshnfenS auf der Rhede von Danzia im wmiflc isr, und daß der MilitärfiSkus sich bereits das Gelände iii der Rahe von Gdins-en gesichert hau Weiler ist eine Torpedoboots- fl a t i o n bei Pleh neu darf in Aussicht genommen. Unsere neueste Uebersccpolitik und die daraus folgenden Marine- vennchrnngen werden uns schon Kosten um Kosten verursachen.— � Bei der Reichstags-Ersastwahl im Wahlkreise SSiaum- !'«i'g- Lippe, die am Sonnabend stattfand, wurden inSgesammt bDiXi Stiinmc» abgegeben. Davon erhielt Müller(Vp'j' 2584 S crosser(£.) 2336, Reichenbachv i l l i& d a s Land, um dem Ausweisungsbefehle zu entgehen.— Chronik der MajestätSbeleidiguugS-Prozesse. Auf eigen- thümliche Art ist der Arbeiter Hans N e u m a n n zu der Anklage wegen Majestätsbeleidigung gekommen, die gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I gegen ihn verhandelt wurde. Wie ans der UrthcilSvcrkündignng hervorging, war der noch jugendliche Angeklagte eines Abends spät aus dem Wirths- Hause gekommen. In der wenig belebten Straße war ihm ein Ehepaar begegnet, welches im Vorbeigehen von dem An- geklagten die Worte horte:„Ach was, ich bin Italiener". Hieran tnüpfre sich dann die als MajestätSbclcidigmig aufgefaßte Be- mcrkung. Der Angeklagte hatte zu seiner Enlichnldignng angeführt, daß er an jenem Abende zwölf GlaS Bier getrunken habe. Wenn er die fragliche Aenßermig gethan habe, was er nicht ivisse, so habe er wahrscheinlich ein lautes Selbstgespräch geführt. Er nehme an. daß er etwas an dem fraglichen Abende Gehörtes oder Ge- lescueS unwillkürlich laut wiederholt habe. Die Absicht, eine ."lajestätsbclcidignng auszustoßen, habe ihm völlig fern gelegen. D er Gerichtshof hatte die Angaben des Angeklagten nicht für widerlegt erachtet und deshalb ein freisprechendes Urthcil gefällt. DaS Verfahren gegen den„Si m p I i c i f f i m u 8". .?>crr Tb. Heine befindet sich, wie milgelhcilt, in Leipzig in Untersuchungshaft. Die Zahl der Majcstätsbeleidigungen, welche die Anllagebchörde entdeckt haben will, ist noch nicht abzusehen; wie es scheint, will man eine ganze Reihe von Nummern der letzten Zeit Prozessiren. Es war eigens ein Untersuchungsrichter ans Leipzig nach München gefahren, um nach Artikel 163 des Gerichts- verfasiungs-Gesetzcs iGefahr auf Verzug! die Untersuchung gegen den„SimplicissimuS" zu führen. Das Münchener Amtsgericht hat die erforderliche Genehmigung gegeben. Die Untersuchung ist nun auch auf die beiden Drucker ausgedehnt worden. Der Verleger Langen und der Dichter Wcdckind sind, wie schon ge- meldet wurde, in die Schweiz geflüchtet. Das Strafverfahren gegen den genialen Zeichner Heine erregt allenthalben großes Aufsehen.— Bereits 45 mal vorbestraft ist der Böttchergeselle Konrad Zinicker, der sich am 4. November vor der Strafkammer in Schweidnitz lvcgen Majcstätsbeleidigung zu verantworten l hatte. Anfang September dieses Jahres ivar Zinicker beim Betteln in Freiburg betroffen und festgenommen Ivorden. In der Gefängnißzelle machte er sich einer Beleidigung des deutschen Kaisers schuldig und außer- dem beleidigte er die Polizeibehörde. Auch einen fälschen Namen legte er sich bei. Die Beleidigung muß wohl nicht sehr schwer gewesen sein, denn das Gericht verurtheilte ihn wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung der Frciburger Polizeibehörde zu 2 Monaten 3 Tagen Gefängniß, das Betteln trug ihm außerdem 8 Tage Haft ein, doch wurde' letztere Strafe durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet.— Oesterreich. Graz, 7. November.(„Magd. Ztg.") Die Vertrauensmänner der steicnnärkischen deutschen Volkspartei beschlossen einhellig, die Abgeordneten der Partei aufzufordern, sofort die schärfste Obstruktion aufzunehmen, ohne sich mit anderen Parteien in weitere Ver- Handlungen einzulassen. Damit hat Graf Thun, was er erstrebte, einen Vorwand, das Parlament nach Hause zu senden und absolutistisch zu regiereu.— Prag, 7. November. Nach der„Narodni Listy" wird für eine c z e ch i s ch e t e cb n i s ch e Hochschule in Mähren in dem Budget für 1800 eine entsprechende Rate gefordert werden. Damit ist die erste Rate des Kaufpreises für die Durchführung des Ausgleichs vom Grafen Thun an die Jungczcchen entrichtet worden.— Ungar». Budapest, 3. November.(Gig. Ber.) Unter massenhaftem Andrang des Pnblimns begann heute hier der Preßprozeß gegen Slefan Varkonyi, der aus perffde Weise in die Klanen der ungarischen VerwaltungS- und Gerichtsbehörden gerathcn ist, vor denen er, wie erinnerlich, ins Ausland geflüchtet Ivar. Um Varkonyfs Auslieferung in Oesterreich zu erlangen, wurde jene unsäglich alberne AttentatSgcfchichte von der Polizei konstrnirt, die kürzlich im Gerichts- saal abgeleiert wurde, und in welcher Varkonyi angeblich verwickelt sein sollte. Als man ihn wegen der Beschuldigung der Antheil- »ahme am Hochverrath hierher' ausgeliefert hatte, mußte diese An- schuldigung allerdings bald zurückgezogen werden, aber man hatte endlich den Mann infHänden, an welchem die mngyarische„Ordnung" ihr Müthchen kühlen wollte. Die Vertreter dieser„Ordnung" wissen freilich nicht, daß sie diesen„sozialistischen" Baucrnapostcl gewaltig überschätzen. Hätten sie vollends geahnt, daß sie mit seiner Unschäd- lichmachnng nur die sozialdemokratische Partei von einem hinder- lichcn Querulanten befreien, sie hätten den braven Varkonyi fein in Ruhe gelassen. Aber die Vcrthcidigcr von„Bildimg" und Besitz waren im vorliegenden Fall blindwüthig, weil es sich um einen wohlhabenden Mann handelt, der, der erste derartige Fall in Ungarn, sein Vermögen in den(von ihm freilich nicht klär erfaßten) Dienst der proletarischen Sache stellte. Und da galt cS, ein warnendes Exempel zu statnircn. Stefan Varkonyi war ursprünglich in seiner Vaterstadt Czcgled Pfcrdcmakler und gelangte später durch Fiihrwcrks-Unternehmmigen zu einem nicht unbeträchtlichen Vermögen; er besitzt u. a. in Budapest mehrere größere Zinshänscr. AnS" kleinen Verhältnissen hervorgegangen, bewahrte er besonders für das maßlos geknechtete und ausgebeutete ländliche Proletariat wahres Mitgefühl. Vor etwa 6 Jahren schloß er sich der sozialdemokratischen Partei an, in welcher er zu donnnircn gedachte. Darin sah er, dem es sowohl an allgemeiner Bildung, wie an sozialpolitischem Wissen fehlt, sich bald getäuscht. Dies und persönliche Differenzen brachten ihn zum Austritt ans der sozialdemokratischen Partei und zur Gründling einer besonderen agrar-sozialistischen Fraktion, die vor mm bald zwei Jahren in Czcgled zu einein Kongreß zusammentrat. Damals war Varkonyi schon dem Anarchisten Dr. E. H. Schmitt in die Hände gerathcn, der den es gewiß ehrlich meinenden mid opferfähigen Varkonyi ganz konfuS machte. Dieser fragwürdigen Waffenbrüderschaft hat öS Varkonyi zu danken, daß er sich heute wegen sieben sehr ungeschickter, in seinem(seither eingegangenen) Blatte„Földmivclö"' erschienener Artikel zu verantworten hat. Auch wurden ihm die im Februar laufenden FahreS im Komitate Szabolcs provozirtcn, zu „Aufruhr" aufgebauschten Vorfälle in die Schuhe geschoben, wegen welcher er jetzt' noch in UntersnchnngShast sitzt, aus welcher er aus Nyiregyhaza zur Verhandlung hierher eSkortirt wurde. Es ist offen- bar, daß man den Mann zu gründe richten will. Plante|num doch anfangs sogar, sein Vermögen zu konfiSzircn, wie man etwa nach einer Revolution mit besiegten Rebellen verkehrt. Die magyarische Gerechtigkeit und Freiheit ist dermalen schon so be- schaffen. Gelegentlich der heutigen Verhandlung kam es bei dem Massenandrang zu Skandalen. Als nach einer Pause das Publikum wi-der in den Saal wollte, entstand ein lebensgefährliches Gedränge, das durch das Einschreiten der Polizei noch ärger wurde. Unter dem Gedränge stürzte eine EmgangSthüre krachend ein. Nach der nun wiederholt vorgenommenen Räumung wurde zumeist nur die„In- telligenz" eingelassen, zahlreichen Arbeitern wurde der Eintritt ver- weigert. Ein Geschworener wurde in der dunstgeschwängcrten Luft unwohl und mußte fortgeführt werden. All' diese Umstände trugen zur Erregung nicht wenig bei. DaS Urthcil haben wir schon in einer Depesche mitgetheil't.— Schweiz. Bern, 4. November. lEig. Ber.) Die B und c S v er s amm- l u n g ist gestern nach lOtägiger Sessionsdaner wieder geschlossen worden. Außer einer Reihe kleinerer Geschäfte hat sie die Vorlagen betreffend das Verbot der Phosphor-Zündhölzchen und betreffend die Kranken- und Unfall- sowie die Militärvcrstchcrung erledigt, Der Ständcrath brachte in letztere Vorlagen gegenüber dem Nationalrath einige bemerkenswerthe Verbesserungen, daneben aber auch einige Verschlechterungen. So war nach dem Nationalrath der Kranken- tasien-Vorstand berechtigt, die Erhöhung deS Krankengeldes von 60 auf 100 pCt. zu bewilligen; nun ist diese Befugniß der kantonalen Aiifsichtöbchörde übertragen. Nach dem Nationalrath wären auch Ausländer in die Krankenkassen- Vorstände wählbar ge- wesen und mußte die Mehrheit auS Schweizern bestehen; nach dem Ständerath sind n u r Schweizer wähl- bar. Das ist absolut unberechtigte chauvinistische Engherzigkeit, wie dies selbst der Bater der Vorlagen, Nationalrath Forrer, kon- statirte. Endlich wurde beschlossen, alle drei Vorlagen(Kranken-, Unfall- und Nkilitärversicherung) in ein Gesetz zusammenzufassen und durch die Rcdaktions-Kommission beider Häuser den Text bereinigen zu lassen, der dann in der Dezemberfession vorgelegt werden soll. Man hat also jetzt noch keine genaue Uebcrsicht über das umfang- reiche Vcrsichcrungsgcsctz.— Eine lebhafte Debatte veranlaßtcn zwei Jnierpellationcn— eine von Schcrrcr- Füllemann namens der sozialistischen Gruppe und die andere von dem Züricher Abgeordneten Dr. AmSlcr namens der bundcSräthlichen Ra- dikälen über den vom Bundesrath in letzter Zeit mit einem Händlerkonsortrum abgeschlossenen Vertrag betreffend den Umtausch der militärischen Weizenvorräthe von 800 Waggons. In der kon- servativen Presse war der Bundcsrath der Begünstigung der Getreide- Händler mit 300 000 Fr. beschuldigt worden, worüber Aufklärung verlangt wurde. B u n d e s r a t h'M ü l l e r gab dieselbe in durch- auS und allgemein bcfticdigendcr Weise. Danach kostet der un- umgänglich nothwendige Weizenumtausch dem Bund 25 000 Fr., was ang'esiäits der großen Menge nicht zu viel sei. Bemerkenswerth und ungewöhnlich ivar bei dieser Debatte nur die rüpelhafte Art, in der sich der gouveniementale, ehemals der Sozialdemokratie nahe- gestandene' Dr. Amsler gegenüber der sozialistischen Gruppe auf- führte. Die Streberei verdirbt überall die guten Sitten.— Frankreich. Folge» deS Faschoda- Streites. Die französischen Blätter erklären, die Räumung Faschoda'S erweise, daß Frankreich sich einer Macht gegenüber befinde, deren Feindseligkeit deutlich zeige, daß Frankreich entweder auf seme Kolonien verzichten oder deren Ver- theidignngSmittel durch ein großes Kolonialheer und eine gut befehligte Marine reorganisiren müsse. Man nimmt an. daß der Marine min ist er den Faschoda- Streit als günstige Gelegenheit benutzen werde, um von der Kammer bedeutende Geldmittel zur Vermehrung der Flotte zu fordern. Man glaubt, daß die Kammer den Plan des Marineministers trotz seiner Kostspieligkeit genehmigen wird, damit Frankreich in Zukunft nicht so leicht Demüthigungen ausgesetzt sei. Auch wird befürchtet, daß die Kammer dem Kabinet Dupu y einen Tadel ertheilen dürfte wegen der Demiithignng, welche England wegen Faschoda Frankreich zugefügt hat.— Zur Dreyfus-Affaire hatten wir in unserer Nummer vom 1. November eine Darlegung des Herrn Karl Bleibtreu publizirt, die sich auch mit der„Frankfurter Zeitung" befaßte. Die Redaktion dieses Blattes ersucht uns nun um die Ausnahme folgender Zeilen: „Die angeblichen Motive Voisdeffre's sind nicht Herrn Karl Bleibtreu's Eigenthum, sondern die betreffende Mittheilung ist uns schon längst von einem Mitarbeiter zugekommen, ohne daß wir jedoch davon Gebrauch machen zu sollen glaubten. Erst als Clemenceau in einem von uns wiedergegebenen Artikel eine Anspielung darauf machte, fügten wir zur Aufklärung unserer Leser bei, was Clemenceau meine; das geschah im Abendblatt vom 1. Oktober, wie Herr Karl Bleibtreu sich leicht überzeugen kann, wenn er unser Blatt nachschlägt. Im Leitartikel des Abendblatts vom 15. Oktober haben wir danü diese Version wiederholt, nicht nach Herrn Bleibtreu's, sondern nach unserer Information. Von der „Divination" des Herrn Bleibtren, die er schon vor einem Jahre mündlich verbreitet und dann in einer Wiener Wochenschrist ver- öffentlicht haben will, haben wir nichts gewußt. Vielleicht haben Sie die Güte, die Richtigstellung Ihren Lesern nntzutheilen." Pariö, 5. November.(Eig. Ver.) D a s Ka b in et D u p u y vor der Kammer. Dürfte ein französisches Boiirgeoisniiiiisierium und namentlich ein solches mit Dupuy an der Spitze nach ffeinein Antrittsprogramm und seinen Antrittsreden bcnrtheilt werden, dann würde das neue Ministerium einen Fortschritt über daS Ministerium Brisson hinaus bedeuten. Das allgemeine politische Programm Dnpuy's ist eine'trene Wiederholung des Brisson'schcn Programms. Wie sein Vorgänger, will sich Dupuy nur auf eine„republikanische Mehrheit" stützen. Das ist eine Absage an die Klerikal- Monarchisten, an die Ordnungskartell-Politik Mcline's. Ebenso nimmt Dupuy den Einkommenstcner-Entwms seiner Vorgänger wieder auf, wie er Brisson's Finanzminister, den Senator Peyiral, im Amte beibehalten hat. Die Steuerreform ist freilich nicht viel Werth, sie ist ein schwächliches Kompromißwcrk, dessen Hauptlinien vom Bourgeois- republikaner Dclombrc. dem Handelsminister Dupuy'». nach dem Sturz Melinc's entworfen waren. Mit der Villignng dieser Schein- rcform hatten die Radikalen den letzten Rest ihres Programms, die progressive Einkommensteuer auf grund der Selbsteinschätzung, ausgegeben. An stelle der Selbsteinschätznng tritt die trügerische Grundlage der„äußeren Zeichen des Reichthnins", an'stelle der Progressivität die„Degressivitüt". die keines- Wegs blas ein anderer Name für die Progressivität ist(die Herabsetzung des Steuersatzes mit abnehmendem Einkommen anstatt des Steigeiis des Steuersatzes mit zuilchmcndcm Einkommen), son- der» in der thatsächlichcn Feststellung der verschiedenen Steuersätze eine ungerechte Schonung der großen Einkommen durchführt, denen die„äußeren Zeichen" ohnehin schon eine relative Steuerfreiheit sichern. Ferner verspricht Dupuy noch nachdrücklicher als Brisson, die vom Senat seit zwei Jahren verschleppte Rcform der Erbschafts- steiler(übrigens eine Rcform, die das zweite Kabinet Dnpny 1804 ausgearbeitet hatte) zu stände zu bringen, ebenso Ivie� die seit unvordenklichen Zeiten verschleppte Gctränlcsteucr- Reform. Schließlich verspricht er, wiederum wie Brisson, die Einführung von Alterspcnsionen für die städtischen und ländlichen Arbeiter, IvaS er für„die Erfüllung einer hohe» sozialen Pflicht" erklärt. Andererseits übertrumpft DupuyIsciiicnVargängcr anNepnblikauiS- rrn 16 durch seine Stellungnabme zur DrcyfuS- Affäre bezw. zum Militärklüngel. In der ministeriellen Deklaration weist er— in durchsichtiger Anlehnung an die Sprache der DrchsuL- Blätter— jede„Solidarität" der' eigentlichen Armee mit den loinpronnttirtcn militärischen Persönlichkeiten zurück. Und in seiner Antwort ans Mirman's Rede sagt er geradeheraus:„Die Armee muß außerhalb der Solidaritäten gestellt werden, die ihr von einigen(daS ist eben vom Militärklügel und dessen Presse) aufgezwungen werden möchte, sowie außerhalb der politischen Agitationen." Weiter macht er in der gleichen Rede einen Unterschied zwischen den„individuellen" und„kollektiven" Armcc-Bclcidigungen. Die letzteren werde die Regierung von sich aus verfolgen laffen, ohne jedoch neue Gesetze, d. h. eine Beschränkung der Prcßfreiheit, zu verlangen; die„in- dividuellcn" Beleidigungen aber können und sollen nur auf die Initiative der Interessenten verfolgt werden, Brisson hat es nie gewagt, eine Scheidnngslinie zwischen den Generalstäblern und der nationalen Armee zu ziehen. Mit Recht meinte daher der Witzbold in den Wandelgängen der Kammer, Brisson sei offenbar deshalb ge- stürzt worden, weil er nicht„drcyfusistisch" genug war.... Bemerkenswerth ist auch das sorgfältige Vermeiden der üblichen Ausfälle jedes neu» n K a b i n e t S gegen die sozialistische Partei, abgesehen etwa von einer sanften An- spiclung ans„gefährliche Utopien", denen das Regierungsprogramm demokratische Reformen entgegensetzt. Noch mehr. Dnpny schien es darauf abgesehen zu haben,' seine ehemalige Sozialistentödterei ver- geffen zn machen, indem er an die Vcrthcidigung der Republik durch die Sozialiften zur Zeit des Bonlanaismus jerinnerte, so daß der sozialistische Interpellant Ronanet mit einer gewissen Schadenfreude die gründliche Mauserung des Dnpny von 1803 hervorheben konnte, der von Gnaden der„sozialistischen Gefahr" regiert hatte. So weit, so gut. Wer kann aber an die schönen Worte eines Dupuy ernstlich glauben? Der Vorläufer der Möline'schen OrdnungS- kartcll-Politik, die feste Säule der Msline'fchen Karte llinehrheit zwei Jahre hindurch, will mm, vier Monate nach dem Zusammenbruch dieser Mehrheit,„republikanische Versöhnung" mit den Radikalen treiben. Der Ministerpräsident aus der Zeit deS Dreyfuö-Prozcffcs schüttelt seine schwere Verantwortung für dieses Jnstizverbrechen ab, wälzt alles auf seinen damaligen Kricgsminister, den General Mcrclcr, ab und verspricht, der ahnungslose Engel, den Entscheidungen� des obersten Gerichtshofes treu zu gehorchen. Der gewaltthätige Sozialistcntödter verwandelt sich in einen demokratischen Gemüths- menschen, dem einzig das fortschriitliche Gedeihen der Republik am Herzen liegt... Die Frvntschwenkimg ist zu gründlich. zu plötzlich und vor allem zu sehr den � augenblicklichen egoistischen Zwecken Dupny's angepaßt, um für aufrichtig gelten zu können. Ucberrascht hat freilich die Frontschwenkung nur wenige politische Neulinge. Sonst fragt man sich auf allen Seiten, wen eigentlich Dupuy schließlich prellen wird? Die ungewöhnlich große VertrauenSmehrheit des neuen Kabincts(413 gegen 58 Stimmen) ist zu einem beträchtlichen Theil aufs Konto des— Mißtrauens gegenüber dem vielgewandtcn Ministerpräsidenten zu setzen. Die ser- kappten Monarchisten stimmten nahezu geschlossen für das Ministerium, weil sie an den RcpnblikaniSimis Dnpuy's nicht glauben. Ans demselben Grunde enthielt sich der Abstimmung die Mehrheit der offenen Mon- archisten, wahrend 8 Monarchisten sogar für Dnpny stimmten. Anderer- scitS schwoll die VertrauenSmehrheit an infolge des Verhallens der nationalistisch- antisemitischen Gruppen. Gerade die rabiatesten Chauvinisten und Antisemiten, wie Drumont und Döroulöde, stimmten für Dupuy, ungeachtet dessen revisionsfrenndlichcr Er- klärungen, die im Munde Brisson's bei denselben Leuten Tollwnth- Anfälle hervorgerufen hätten. Und nur die Nkinderhcit der Nationa- listen, 12 an der Zahl, enthiclr sich ver Abstimmung. Die Sozialisten stimmten selbstverständlich gegen das Ministerium. Dagegen schmolz die Opposition der Linksradikalen, die im Prinzip den„Konz entrati onS"-Schwindel verwerfen, auf sechs Stimmen zu- sammen. Die große Mehrheit der Linksradikalen hofft also, daß Dupuy, angesichts der Situation, seine alten Freunde von der Rechten prellen werde... Alle Welt will vorerst die Thatcn der neuen Regierung ab- warten. Ihre erste Tbat, die Absetzung des Gencralstabschefs Rc- nouard, der Kreatur Boideffre», wäre freilich von Brisson niemals (tehmgt worden. Aber man fragt sich noch immer, ob die folgende That nicht einem ganz entgegengesetzten Geiste entspringen wird?— Paris, 7. November. Die Kammer beschäftigt sich mit Wahl- Prüfungen. Zwischenfälle sind bisher nicht eingetreten.— Paris» 7. November. Die Kammer wird morgen die De- battcn über die Faschoda-Angclcgenheit beginnen. Graf de Mini hat seine diesbezügliche Interpellation zurückgezogen. � Paris» 7. November. Die Kriminalkammer des Kassations- ho, es hat nunmehr beschlossen, morgen um 1 Ubr den General Mercicr, um 2 Uhr den General Aillot und um 8 Ubr Eavaignac zu verhören, sodann am Mittwoch Nachmittag 1 Uhr den General Zurlindcn und um 2 Uhr den General Chanoine. ES beweist die-?, daß der Kaisationshof die Untersuchung m der Dreyfus- Angelegenheit vollständig und ausführlich' be- treiben will. Paris, 7. November. Die Regierung läßt dementiren, dah Briefe im geheimen Dossier bestehen, welche', wie der„Jntransigeaut" behauptet, von der Tochter des Grafen Münster an Verwandte ge- schrieben seien und worin die Rede von der Schuld Dreliftia gewesen sei. Belgien. Brüssel, 6. November. Die Meldung der..Jndöpendanee beige", wonach die allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden soll, wird setzt auch amtlich dementirt. Die radikalen Parteien werden also ihre Agitation gegen das jetzige Stellvertretungs- und Loskaufs-Shstcm fortsetzen müssen.— England. London, 7. November. Die russische Regierung sandte am Sonnabend gleichlautende Noten an das Kabinet'in Paris und nn den Vatikan, des Inhalts, daß Rußland entschlossen sei, das französische Protektorat über die Katholiken im Orient zu unter- stützen. Italien. Rom, 7. November. Der amtliche Bericht des italienischen Konsuls in Alexandrien über den Bombenfund ist gestern hier ein- getroffen. Der genaue Inhalt des Berichts ist bisher nicht bekannt geworden, doch verlautet, es habe wirklich eine gefährliche Vcr- schwörmig bestanden, und die Möglichkeit eines Polizeikniffs sei aus- geschlossen. Bologna, 7. November. Heute begann vor der hiesigen Straf- kammcr der Prozeß gegen Fa villa und 12 Mitangeklagte wegen der Vernntreuungen in der hiesigen Filiale der Bank von Neapel. Unter den Angeklagten befinden sich der ehemalige Dcputirte Cnvallini, Eommendatore Perrone und Contadino, Direktor der„Agenzia Jtaliana". Es sind 114 Zeugen vorgeladen und 22 Vertheidigcr sind erschienen. Crispi, der in der Sache sehr bös- artig verwickelt war, und Frau Crispi, die auch angeklagt werden sollte, bleiben ans der Schußlinie. Wir hielten es stets für ausgeschlossen, daß man so würdige Staatsstützen auf der Anklagebank Platz nehmen lassen werde.— Turin, 7. November. Gegenüber dem durch die Meldung der Möglichkeit der Okkupation von Tripolis seitens Deutschlands und des Ucberschreiteus der tiiuesischen Grenze im Einverständniß mit England seitens der Franzosen hervorgerufenen Eindruck, bringt die„Swmpa" Erklärungen einer hohen Persönlichkeit— wahrscheinlich Canevaro's selbst— welche das genannte Blatc ermächtigen, eine solche Möglichkeit entschieden zu dementiren. Zu diesem Dementi wird noch bemerkt, das AbkommcnJtaliens'und Englands zur Erhaltung des Gleichgewichts im Mittelmccr würde England zwingen, gemein- schaftlich mit Italien einzuschreiten. Die italienische Regierung hege nicht mir keine Besorgniste, daß England den Verpflichtungen untreu werden könne, sondern habe auch Beweise für das Gegenthcil. Türkei. Koustantinopel, 7. November. Kaiser Nikolaus ließ durch Ndnüral Skrydlow der Bcvölkernng von Rctimo seinen Dank ans- sprechen, weil sie am Namenstage des Kaisers mit der Erklärung, sie wolle der ÄbrüstungSidee des Kaisers entgegenkommen, freiwillig die Waffen ablieferte. Also hat der Zar sein Manifest doch nicht ganz umsonst ge- schrieben.— Asien. Ter chinesische Kaiser nicht todt. lieber das Befinden des chinesischen Kaisers, den seine Adoptivmutter, die Kaiserin-Wittwe, wieder von der Ausübung der Herrschaft verdrängt hatte, waren allerlei Gerüchte im Umlauf. Es hieß, er sei schwer krank, ja er sei ums Leben gebracht worden. Diese Gerüchte werden nun durch folgende Meldung des Bureau Reuter aus Peking riibtig gestellt: Der japanische Gesandte hatte eine Audienz im kaiserlichen Palaste, um dem Kaiser und der Kaiserin-Wittwe mitzutheilcn, daß ihnen ein hoher japanischer Orden verliehen worden sei. Die letztere empfing den Gesandten, indessen der Kaiser auf einer der Stufen des Thrones stand. Die Kaiserin- Wittwe sprach die üblichen verbindlichen Worte. Hierauf verlas der Kaiser eine ähnlich lautende Rede. Er sah gesund aus, wenn auch bleich. Eine Versammlung des diplomatischen Korps beschloß am 5. November, vom Tsnng-li-Damen energisch die Entfernung der Truppen Kangsus aus der Provinz Petschili bis zum 1ö. November zu verlangen und darauf zu bestehen, daß das Tsnng-li-Vamen die Städte nenne, in welche dieselben gebracht werden sollen. Die Ge- sandten drohen, falls dieser Forderung nicht enisprochcn werde. Schritte zur Sicherung der Eisenbahnverbindung zwischen Peking und der Küste zu thun.—_ Kampf ttm das Koalitionsrecht! Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Die Artikel der„G e r m a n i a", in denen von dem„TcrroriSmns der sozialdemokratischen Arbeiter" gefaselt wird, haben bereits die Aufmerksamkeit und Anerkennung des Organs der rheinischen Scharfmacher, der„Kölnischen Zeitung", gefunden, die nnt großem Behagen den SnkkurS des frommen Blattes begrüßt. Die„Germania" thut' in der That den nntionalliberalen und konser- vativen Arbeiterfcinden keinen schlechten Dienst bei ihrer Suche nach Material zu schärfern Strafbestimmungen gegen den aufstrebenden Theil der Arbeiterschaft. Sie hat aber offenbar keine Ahnung, wie sie damit ins Fleisch der Angehörigen ihrer eigenen Partei schneidet. Sie weiß nichts oder will nichts wissen von der schroffen und rücksichtslosen Art, wie die christlich- sozialen Weber in ihren Kämpfen um bessere Lohn- und Arbeitsbedingnngen vorgehen. Was die Stumm- Presse, zu der man die„Germania" wohl nächstens auch zählen darf, den freien Gewerkschaften als „Terrorismus" vorwirft, das thun die Aachener Christlichen ebenso oft und mit viel weniger Vorsicht. Und die Aachener Christlich- Sozialen sind durchweg fromme Katholiken und stramme Zentrums- leute. Ihre Gewerkvercine treiben sogar ungenirt Zcntrumspolitik. Vor zwei Wochen verkündete der Aachener Webcrsührer Keppels auf dem Delegirtcntag rheinischer katholischer Arbeiter- vereine, daß man über zwei Finnen eine Sperre auf die Dauer von zwei Jahren verhängt habe, mit deni Erfolg, daß die beiden Werke vollständig brach liegen. In dem Beschluß, der die Sperre verhängt, wird jeder Arbeiter für e b r l o s erklärt, der bei den Finnen in der angegebenen Zeit arbeitet, sofenr diese sich nicht einigen.. Und die Lohnkämpfe der Aachener Christlichen werden genau so von Gerichtsverhandlungen begleitet wie alle andern. Noch kürz- lich wurden drei Mitglieder des Aachener christlich-sozialen Textil- arbeiter-Verbandes zu empfindlichen Gcfängnitzstrafen verurtbeilt, weil sie den Ganimeister einer der gesperrten Werke mißhandelt haben. Die Strafen lauten auf vierzehn Tage, auf einen Monat und auf drei Monate. Wir können nicht untersuchen, ob und inwieweit sie gerecht sind. jedenfalls aber sollten derartige Thatsachen die„Germania" lehren, mit ihren Anklagen über„Terrorismus" vorsichtig zu sein. Protcstversamniliiugen gegen die ZiichthanSborlage sind serner abgehalten worden in dem Dorfe Freiheit bei Osterode am Harz, Hagen in Westfalen, Backnang in Württem- berg, E l st e r w e r d a, P r ö s e n in der Provinz Sachsen, Weiß- Wasser in Schlesien._ vfe t-flsufi v irTjf ciu Zur LandtagSwahl-BetheilignngSfrage— schreckliches WortI aber nomen est omou— muß ich ein paar Worie sagen, um eine recht wahrheitswidrige Legcndenbildung zu verhindern. Und ich thue es unter meinem Namen, weil die Redaktion des„Vorwärts" in dieser Frage neutral ist, und es nothgcdrnngen sein muß, da die Ansichten der Redakteure gelheilt sind. Auch nur ein paar Worte, denn über die Frage selbst, die schon so viel Tinte gekostet, so viel Aerger verursacht hat, und die in wenigen Wochen vergessen sein wird, verspüre ich kein Bedürfniß, auch niir noch eine Zeile zu schreiben. Nur eine thatsächliche Richtigstellung. Anläßlich der letzten VolkSversamnilung im zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreis schreibt die„Kreiizzcitung", in der Betheiligungssrage habe sich unter den Berliner Genossen ein Unischwung zu gunstcii der Betheiligung voll- zogen. Und verschiedene Partciblätter reden das gntmüthig nach. Da dies zu einer Legende werden, oder gemacht werden, und auch von Genossen im Ernst geglaubt werden könnte, so fühle ich mich, als einer, der den Berliner Beschluß gegen die Belheiligung mit veranlaßt hat, verpflichret, hiermit zu erklären, daß der„Um- schwung" eine ganz willkürliche Annahme ist. Was ist geschehen? Auer, Fischer und Arons haben in jener Vcrsanimlung für die Be- theiligung gesprochen. Auer, Fischer und Arons sind aber seit Jahresfrist eifrige Befürworter'des Wählens. Bei ihnen hat also kein„Umschwung" stattgefunden. Und bei den Massen der Berliner Wähler'{ Gewiß erst recht nicht. Was mich betrifft, so bin ich durch daS Ergebniß und die Erfahrungen der Wahl in meinen Ansichten nur bestärkt worden und bei der Berliner Wählerschäft, mit der ich in so naher Fühlung bin, wie irgend ein Parteigenosse, ist die Wirkung, so weit ich urtheilen kann, die gleiche gewesen. Und wahrhaftig, darüber kann sich doch niemand wundern, der die Augen den Thatsachen nicht verschließt. Alles, was wir als Erfolg und Folge der Belheiligung in Aussicht stellten, ist eingetreten, und auch nichts, was Grund gäbe, unsere Ansichten zu ändern. Wer es für einen Parteitriumph hält, daß unsere BreSlauer Genossen die Fortschrittler um ein Mandat baten und einen— abschlägigen Bescheid empfingen, der mutz mehr als be- scheiden sein; und wer der Partei zumuthen will, in ihrer Gestimmt- heit sich an den nächsten LandtagSwahlen zu bctheiligcn und mindestens so viel Schweiß nnd Geld zu spenden, wie bei einer Reichstagswahl, der muß ein sehr kühner Mann sein. Ich verlange wahrhaftig nicht, daß, wer sich in seinen Be- rechmmgen getäuscht hat, dies gleich vor versammeltem Kriegsvolk bekeimc, aber ich muß mich auch dagegen verwahren, daß die Berliner Genossen, die durch ihre Nichtbetheiligungs-Resolution sich meines Erachtens um die Partei verdient gemacht Häven, gewissermaßen als reuige Sünder hingestellt werden. Nicht s i e sind es, die zu be- reuen haben. � Berlin, den 7. November 1898. 23. Lieble\i: Genosse Edmund Fischer in Dresden ersticht uns, die Notiz über seinen Austritt aus der„Sächs. Zlrb.-Ztg." dahin zu berichtigen, daß er seine Stellung, die er fast sechs Jahre inne hatte, keines- Wegs wegen Kränklichkeit habe aufgeben müssen; er sei vielmehr ausgetreten, um sich anderen Arbeiten widmen zu können. An dem hessischen Torfe Arheilgen bei Darmstadt wurden drei Parteigenossen in den Gemeinderath gewählt. Polizeiliche?, Gerichtliches ic. — Die Magdeburger„V o l k s st i m m e" theilt mit: Das Zeugnißzwangsverfahren gegen den Genossen Albert Schmidt wird fortgesetzt. Am Freitag war er wieder vor die Amtsanwaltschaft geladen. Zu einer Vernehmung kam es jedoch nicht, da Schmidt gerichtliche Entscheidung über die gegen ihn verhängte Geldstrafe von 300 M. wegen Zeugiiitzverweigcrung beantragt hatte. Es wurde ihm daher'mitgcthcilt, daß das Verfahren so lange ruht, bis das Landgericht seine Entscheidung getroffen hat. — An demselben Tage hätte sich Genosse Müller vor dem Schöffengerichte wegen Verstoßes gegen eine Polizcivcrordnung zu verantworten. Es handelte'ich um das Glandulcn- Ins erat, welches schon einmal das Schöffengericht und das Landgericht be- schäfligt hat. Das Landgericht harte seinerzeit entschieden, daß der Strafbefehl von der Polizei zu unrecht erlassen worden sei, wes- halb Müller freigesprochen wurde. Nunmehr erhielt Müller einen amtsrichierlichen Strafbefehl auf Zahlung von 10 M. lautend. weil er durch Aufnahme des Glandulen-Jnseratcs ein Geheimmittcl angepriesen habe, lieber den Strafbefchl wurde richterliche Eni- sheidung beantragt, so daß sich das Schöffengericht zum zweiten Male mit der Angelegenheit befassen mußte. Es bestätigte den amtsrichierlichen«lrafbefehl. Gegen das Urtheil wird Berufung eingelegt.— Groben Unfug soll Genosse Pistorins begangen haben durch Aufnahme eines Artikels: Eine Greisin erschossen. In dem Artikel war die Ermordung der Kaiserin von Oesterreich in eine Parallele gestellt mit der Erschießung einer Schmugglerin durch einen österreichischen Grenzsoldaten. Dadurch soll das nichtsozial- demokratische Publikum beunruhigt worden sein, deshalb— grober Unfug._ Berlin und Umgegend. Achtung» Maurer! Seit dem 1. d. Mts. befinden sich die Maurer voni Bau Gasanstalt, Fichtcstraße, in der Bausperre. Die Arbeiten werden dort zur Zeit von deni Meuircrmeisier Lindner im Tagelohn für die Stadt Berlin ausgeführt. Diese Gasanstalt ist das Schmerzenskind der Berliner Maurer. Wohl ans keinem Bau ist so hartnäckig an der Verweigerung unseres 00 Pf.-Stundcnlohncs gehalten worden, als hier. Maßregelungen sind dort an der Tages- ordnung. Nun hatten einige sei't längerer Zeit dort arbeitende Maurer ihr Koalilionsrecht ausgeübt, sie waren für ihre Organisation eingetreten, sie hatten sich mit den übrigen Kollegen verständigt, den Unternehmer dieses Baues zu ersuchen, ihnen 00 Pf. pro Stunde zu be- willigen. Aber was geschah? Der Unternehmer resp. Polier hatten Lunte gemerkt: um die Forderung zu hintertreiben, wurden die„Rädelsführer" schnell entlassen. Hieraus stellten die Maurer insgesammt die Lohn- forderung, wurden jedoch abgewiesen und legten hierauf von 32 dort beschäftigten Maurern 29 die Arbeit nieder. Gestern arbeiteten ackit Mann auf diesem Bau: und komisch, die Arbeit, die so sehr dringen soll, scheint auf einmal recht viel Zeit zu haben. HWie wäre es, wenn die städtische Verwaltung einschreiten würde unoMn Maurern, welche zur Steuer auf einen Lohn von 00 Pf veranlagt sind, die Auszahlung des betreffenden Lohnes sichern würde. An- statt aber den Arbeitern zu ihrem Rechte zu verhelfen, dirigirt man ein großes Polizei-Aufgebot nach diesem Bau, um die um ihren Lohn ringenden Steuerzahler von der Straße zu vertreiben und zu gunsten des Unterncbmers Arbeitswillige nach diesem Bau zu bringen, die ebenfalls der Sradt ihren Tribur ans 60 Pf. Lohn zollen aber für 55 Pf. arbeiten sollen. Eine wunderbare Fürsorge der Stadt- Verwaltung für ihre Steuerzahler.— Die Lohnkommisston der Maurer. Deutsches Reich. Die Brauer der Büchner'schen Brauerei in Erfurt, die seit einigen Wochen ausgesperrt sind, hatten im Lause der vergangenen Wocve das Gewerdegericht zur Vermittelung angerufen. Die Direktion hat es jedoch abgelehnt, mit den Ausgesperrten zu ver- handeln. Achtung, Mctalldrllcker! Bei der Firma Oskar Sonnenschein in Chemnitz'sind 28 Arbeiter in den Ausstand getreten. Den Zuzug ivolle nia» streng vermeiden. Wegen Verweigerung tarifmöfjiger Bezahlung hat das Setzer- und Druckerpersonal des„Fürther Tageblatt" in Fürth die Arbeit eingestellt. In der Banmwoll-Spinnerci in Kolbermoor(Bayenfl sind Maßregelungen gegen die dort beschäftigten Arbeiter erfolgt und stehen weitere Eiillasstingen bevor. Es wird um Fernhaltuiig des Zuzugs gebeten. Ausland. Zur Bergarbeiter-Bewegnug im Kladnoer Steinkohlen- rcvier(Böhmen). Von den Belegschaften sämmtlicher Schächte des Kladnoer Reviers wurde in den letzten Tagen eine namentliche Ab- stinunung über die am 29. September den Grubenbesitzern vor- gelegten Forderungen vorgenommen. Die Grubenbarone hatten die Forderungen abgelehnt, mit der dreisten Behauptung, daß sie nur der Wunsch von wenigen Einzelnen sind. Zur Feststellung der für die Forderung eintretende» Arbeiterzahl und zur Einleitung einer weiteren Aktion iiir die Durchsetzung der Forderungen wurde unter den Arbeitern per Stimmzettel eine Äbstimmung vorgenommen. In der vergangenen Woche wurde die Abstimmung beendet und ergab folgendes Resultat: Zu grinsten der Forderungen erklärten sich: bei der Oesterrcichisch-imgarischen Staats-Eisenbahngesellschafl 2538 Bergarbeiter; bei der Prager Eiseninduftrie-Gesellschaft 1003 Berg- arbciter; bei der Buschtiehradcr Gesellschaft 1282 Bergarbeiter. Bei der Miröschaner Gewerkschaft ani Johann-Schacht, wo die nationalen Arbeiter unter Führung des Ex-Sozialisten Mudra die Hilfe der Polizei und der Unternehmer gegen die sozial- demokratische Agitation angerufen hatten, sprachen sich 800 Arbeiter für die Forderungen au>5. Insgesammt also 0283 Bergarbeiter. Auf allen Schächten, mit Ausnahme des Max-Schachtes. stimmten niehr als zwei Drittel der Belegschaft für die Forderungen. Am Max-Schacht wurden mehr als 50 pCi. Stimmen für die Forderungen abgegeben, wobei zu bemerken ist, daß dieser Schacht der Präger Elsenindustrie-Gescllschaft gehört, deren Vertreter einen Bergarbeiter, der Sammeln der Stimmzettel besorgte, aus der Arbeit entließen, um die übrige Arbeiterschaft einzuschüchtern. Die Mehrheit der Arbeiter ließ sich trotzdem nicht schrecken. Die Abstimmung hat eine große Bedeutung für den weiteren Verlauf der Aktion zur Durch- setzung der Achlslundenschicht und der Lohnerhöhung um 20 pCt. Die Abstimmung der Süd- Walliser Bergarbeiter über die Frage des m o n a t l i ch e n F e i e r t a g e s hat bis jetzt eine große Mehrheit zu gunsten seiner Beibehaltung ergeben. Stimmen die noch ausstehenden Distrikte in gleichem Sinne, so würde dies die Unternehmer vor die LLahl stellen, entweder stillschweigend nachzugeben oder eine allgemeine Arbeitssperre zu verhängen, ein Schritt, den sie sich nach den Erfahrungen des Sommers wohl sehr über- legen werden.— Nachdem eine ganze Reihe von Gewerben der Hartwaaren- Fabrikation in Birnungbam und Umgegend seit Jahren mit Erfolg für beide Theile Tar'ifgemeinschaften ins Werk gesetzt haben. ist jetzt eine Bewegung im Gange, die sehr darniedcrliegende Glas- fl a s ch en- In d'ustri e auf gleicher Grundlage zu reorganisiren. Hauplgrundsätze dieser Gemeinschaften sind: Fabrikanten wie Arbester verpflichten sich gegenseitig, nur mit bezw. bei Unionsmitgliedern zu arbeiten. Die bei Abschluß des Vertrages gezahlten Löhne werden, meist mit einer kleinen Erhöhung, als Mindestlöhne normirt und für jede spätere Erhöhung der Preise_ wird ein bestimmter proporttoneller Lohnaufschlag vereinbart. Ständige gemischte Komitees erledigen alle sonstigen, auf Löhne und Arbeits- bedingungcn bezüglichen Fragen. Im übrigen sind die beiderseitigen Organisationen absolut unabhängig von einander. Uehke Llachvichken und VepeMen. Die Volksversammlung, in der Genosse Singer gestern Abend über die Ucbernahme der Elektrizitätswerke in städtische Regie sprach, füllte den Kellettschen Saal bis auf den letzten Platz. Zum Schluß seiner Rede betoute Genosse Singer, daß, wenn die For- derungen unseres Genossen in der städtischen Verwaltung durch» geführt werden sollen, die Berliner Arbeiterschaft den Stadtverordneten-Wahlen ein größeresJnteresse wie bisher entgegenbringen müsse. Eine Resolution, welche die Ausführungen Singers billigt, fand einstimmige Annahme. Braunschweig, 7. November.(W. T. B.) Dem braunschweigischen Landtage ist, wie die„Braunschweigische Landeszeitung" meldet, eine Vorlage zugegangen betreffend ein neues Wahlgesetz, welches für die Landtagswahlen die geheime Abstimmung einführt, die Zusammen- setzung des Landtags und des Wahlkollegiums aber nur unwesentlich ändert. Kiel, 7. November.(W. T. B.) Mittheilung des kaiserlichen Kanalamts: An der Unfallstelle des Dampfers„Tryg" wird die Fahrrinne durch Bagqernngen verbreitert. Nach dem heutigen Stande der Arbeiten ist anzunehmen, daß die Verbreiterung morgen früh so weit geführt ist, daß die neue Fahrrinne eine Wasserttefe von 8 Metern hat, also auch ganz tief gehende Schiffe die Unfallstelle ungefährdet passirc» können. Frankfurt a. M., 7. November.(B. H.) Der„Frkf. Ztg." wird aus Konstaminopel gemeldet: In den Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich ist eine bedenkliche Spannung eingetreten. Der französische Botschafter Cambon beschwerte sich wiederholt über die Bevorzugungen der deutschen u»d die vollständige Nicht- berilcksichtignng der ftanzösischen Interessen durch den Sultan. Abdul Hamid versicherre dagegen Herrn Cambon in seiner letzten Audienz, daß die Ansicht des Botschafters auf Mißverständnissen beruhe. Da der Urheber der Ermoidung des Palcrs Salvadore, Oberst Mnssa Bey, plötzlich in Freiheit gcsctzr und ein aktives Kommando in Syrien erhalten hat. iheilte Cambon der Pforte mit, daß Frankreich bis auf weiteres keinen neuen Botschafter ernennen und sich durch einen Etuu-Zö d'affaire vertreten lasten werde. 2lU(h_ lege das Pariser Kabinet keinen weiteren Werth auf die Anwesenheit des türkischen Botschafters Munir Bey in Paris, so lange nicht die dringenden Forderungen Frankreichs erfüllt werden. PariS, 7. November. iW. T. B.) Die Strafkammer des KassattonZ- Hofes beschäftigte sich hcuic mit der Untersuckning betr. die Revision des Drcyftis-Prozesses. Alle Zugänge zum Sitzungssaal des Gerichts- Hofes sind aufs strengste abgesperrt. In den Wandelgängen des Justizpalastes geht das Gerücht, Picquart werde Herne vom Militärgcrichr freigegeben und dem Zivil- gcricht zur Verfügung gestellt iverd'en. PariS, 7. November.u an dieser Grelle oft genug geschehen. Eine eben erschienene Schrift von Dr. Adolf Neumann- Hos e r*) giebt uns jedoch Anlatz, einige Wahlerfabrungen und �vahllchren nochmals eingehender hervorzukeben. da Neumann-Hofer sich für alle Wahlkreise, zum tljeil unter außerordentlichen Schwierig- leiteu. das von den Wablkommissaren und den Gemeindeverwaltungen veröffentlichte statistische Material verschafft bat, so daß seine Zu- samnlenstellung die zuverlässigste und unentbehrlichste Quelle bleiben wird, so lange die übliche amtliche Gesainmtiibersicht noch nicht pnbliziri ist. Daß die Sozialdemokratie auch 1898 von allen Parteien are rührigste war. wird besonders durch die charakteristische Thariache bewiesen, daß im ganzen in Deutschland bei den ersten Wahlen 1H98 nur 81772 Stimmen mehr abgegeben wurden wie 1893, daß die Sozialdemokratie jedoch nicht weniger wie 332 934 Stimmen gewonnen hat. Sie hat also nicht nur de» gcsammten Ssinnnenzuwachs in Anspruch genommen, sondern darüber hinaus fast alle bürgerlichen Parteien in ihrem alten Besitzstand zurück- gedrängt. Dabei sind eine ganze Reihe, vielfach gerade die ältesten und sichersten Wahlkreise. längst aus dem Stadium der sprunghaften Entwickelung in das ei»es ruhigen vud la infamen Wachsthnins der Partei übergegangen: ein stürnnscher Wahlkanipf treibt hier wohl noch einmal die Stimmen- zahl abnorm empor, eine flaue Wahlbewegung dagegen läßt sogar einmal die Stimmenzahl abnorm niedrig erscheinen; im allgemeinen ist hier jedoch die Zeit der„berauschenden Zunahme" vorbei. Um so wirksamer zeigt sich unsere Agitation wiederum da. wo sie erst langsam vorgedrungen ist und mühsam Verbindungen angeknüpft hat und nun mit einem Male die Früchte jahrelangen Fleißes ernten kann. Neumann-Hofer berecknet gegen die 13g3er Wahl bei 267 Wahlkreisen einen Fortschritt der sozialdemokratischen Stimmen, bei 121 einen Rückschritt. Von diesen 121 Kreisen hinter jedoch 93 mit ihrer sozialdemokratischen Stimmcnzahl bleiben 29 pCt. aller abgegebenen gilttgen Sttmmcn zurück; bei ihnen handelt es sich also um aussichtslose Zählkandidaturcn, deren Erfolg stets von vielerlei Zufälligkeiten beeinflußt wird. Von Wahlkreisen mit über 29 pCt. sozialdemokratischer Stimmen find diesmal also 28 ohne Aufschwung geblieben. Wie gut man thut, derartige Beobachttmgen aus den thatsäch- licheit Berhältnissen des Bezirks und aus der allgemeinen politischen und selbst persönlichen Konstellation beim Wahlkampf zu erklären, nicht aber über„Versumpfung" und Umwandlung der Partei zu jammern, das geht besonders aus einer Feststellung Ncumann-Hofer's hervor: es giebt heute noch etwa ein Dutzend Wahlkreise, die den Standpunkt noch nicht wieder erreicht haben, den sie in den sieb- ziger Fahren inne hatten. Am meisten fällt das auf bei einigen sächsischen Wahlkreisen(zum Beispiel Freiberg) und namentlich bei Oldenburg- Plön, das 1874 mit absoluter Majorität einen Sozialdemokraten in den Reichstag schickte, dann bei den ersten Wahlen unter dem Sozialistengesetz gar keine sozialdemokratischen Stimmen aufwies und bei der letzten Wahl es noch nicht wieder auf 29 pCt. gebracht hatte. Hier liegen die wirthschaftlichen und politischen Strömungen und Gegenströmungen, mit denen auch die Sozialdemokratie rechnen muß, so klar auf der Hand, daß di stärkere oder schwächere Betonung des Endziels dagegen wirkli nichts helfen und nichts schaden kann. Der agitatorische Fleiß der deutschen Arbeiterklaffe spiegelt sich weiter in der stetigen Vermehrung der b c a r b e i t e t e n W a h l- kreise wieder. Sozialdemokratische Stimmen wurden 1871 ab- gegeben in 91, 1874 in 162, 1877 in 196, 1878 in 199, 1881 in 173, 1884 in 219, 1887 in 257, 1899 in 343, 1893 in 381, 1893 in 383 Wahlkreisen. ES blieben also unbesetzt mit Kandidaturen in den- selben obengenannten Wahljahren: 291 bezw. 396(die IS reicks- ländischen Wahlkreise wählten 1871 nicht mit), 23S. 291, 297(1878), 224, 178, 149, 54. 16 und schließlich 14 Wahlkreise. Die sozialdemokrattschen Stimmen machten über 19pCt. der abgegebenen giltigen Stimmen aus bei der Wahl des Jahres 1371 in 38, 1874 in 93. 1877 in 113, 1873 in 72, 1881 in 69. 1884 in 86. 1837 in 193, 1899 in 186, 1893 in 239 und 1898 in 248 Wahlkreisen. 29 pCt. und darüber betnigen die sozialdemokratischen Stimmen 1371 in 19. 1374 in 53, 1877 in 68. 1878 in 48. 1881 in 42. 1884 in 61. 1887 in 62, 1899 in 124, 1893 in 153 und 1398 in 181 Wahl- kreisen. 39 pCt. und mehr sozialdemokratische Sttmmen lieferten 1871: 11. 1874: 33. 1877: 41. 1878: 33. 1831: 23. 1884: 36. 1887: 36. 1899: 82. 1893: 95 und 1898: 129 Wahlkreise. lieber 49pCt. 1871: 5. 1874: 13. 1877: 21, 1873: 19. 1831: 8, 1884: 21. 1887: 16, 1899: 46. 1893: 69 und 1893: 83 Wahlkreise. lieber 59 pCt., also die absolute Majorität, hatten 1871: 2. 1874: 8. 1877: 19. 1878: 2. 1881: 9. 1884: 9. 1887: 6. 1899: 29. 1893: 24 und 1893: 33 Wahlkreise. lind über 69 pCt. wurden 1871 in 1, 1874 und 1877 in je 2, 1873 und 1881 in keinem, 1884 und 1887 in 1, 1899 in 9, 1893 in 8 und 1893 in 19 Wahlkreisen erreicht. 79pCt. hat bei den letzten Wahlen der vierte Berliner Wahlkreis überschritten, der damit seit 1899 an der Spitze der Liste steht, und bei der letzten Wahl auch Hamburg II und Altona. Nur durch die ganz außerordentlich geringe Wahlbetheiligung gelang es 1874 in Glouchau-Meerane, das Herne an neunter Stelle steht, den Prozent- satz für Bebel auf über 89pCt. hinaufzutteiben. Daß die Sozialdemokratie sich bei Stichwahlen bisher einer inimcr geschlosseneren Koalition der bürgerlickien Parteien gegen- übergcstellt sah, ist bekannt. Der erste Wahlgang ist mehr und mehr für die parlamentarische Vertretung der Partei der entscheidende geworden. Im ersten Wahlgange wurden 1871: 2, 1874: 8. 1877: 19. 1878: 2. 1881: 9. 188'4: 9. 1887: 6. 1899: 29. 1893: 24, 1838: 32") sozialdemokratische Abgeordnete gewählt. 1873 gewannen die Sozialdemokraten von 16 Sttchwablcn 7; 1381 von 22 Stichwahlen 13(in der Hauptwahl war kein Mandat errungen); 1884 von 24 Stichwahlen 15. 1837 fielen von 18 Stich- Wahlen nur 5 zu gunsten der Sozialdemokraten aus. Bei den Wahlen von 1899 waren die Sozialdemokraten an 57 Stichwahlen betheiligt, vou denen sie 15 gewannen; 1833 fielen von 83 Sttchwahlen 29 günstig aus. 1898 standen 98 Sozialdemokraten zur engeren Wahl, deren bei den ersten Wahlen errungener Sttmmenantheil zwischen 49,87 und 21,48 pCt. schwankte. Von diesen 93 Stichwahl-Kandidaten wurden nur 24 gewählt, während 74 dem vereinten Angriff der Gegner unterlagen. Wollte man als„absolut sicher" diejenigen Wahlkreise bettachten, kn denen 1898 die Mehrheit der Wahl berechtigten für die Sozialdemokratie geschlossen einttat, so würden eigentlich nur Altona imit 59,79 pCt.) und Leipzig- Land(mit 59.37 pCt.) als uneinnehmbare Bollwerke der Sozialdemokratie bezeichnet werden dürfen. Die Mehrheit der wirklich in Bewegung gesetzten Wähler hatten wir jedoch, wie erwähnt, in 33 Kreisen. Es ist lehrreich, für diese Kreise beide Ziffern neben einander zu stellen, weil sich dabei *) Die Entwickelung der Sozialdemokratte bei den Wahlen zum deutschen Reichstage. Statistisch dargestellt. 2. Ausgabe. Berlin, Slopnik 1893, 75 S. **) Oben zitirten wir 33 Wahltteise mit mehr wie 59 pCt. sozial- demokratischer Stimmen. Die Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch liegt in Solingen, das eine sozialdemokratische Stimmen- Mehrheit, aber leider zwei'sozialdemokratische Kandidaten besaß. zeigt, wie gefährdet unter Uniständen ein 1898 im ersten Wahlgang gewonnener Kreis noch inimer sein kann. Nach Neuniann-Hofcr machten die sozialistischen Stimmen bei der Hanptwahl aus: Im Wahlkreis Von Ivo 100 °bgege- zgahl Berlin IV.. Hamburg II.. Altona.... Berlin VI.. Leipzig-Land. Hamburg 1.. Chemnitz... Nürnberg... Glauchau... Zwickau... Stollberg... Ncuß j. L... Mülhausen i. E. Hamburg III. Lübeck.'... Reuß ä. L.,. Hanau.... benen Stim- men berech-! Wahlkreis tigtenj 73,99 72.33 79,77 67,54 64,88 63,95 62,48 61,91 69,66 69,47 59.93 58,19 58,91 57,78 55,34 55.12 55,96 46,73 44,64 59,79 41,33 59,37 46,95 45,69 41,26 42,28 43,69 42,84 41,54 49,69 43,16 49,49 42,55 30,24 Offenbach., Dresden-Land. Niederbarnim. Auerbach.,, Breslau II.. Pinneberg.. Hannover.. Könisberg i. Pr. Elberfeld... Gotha.... München II.. Magdeburg.. Sonneberg,. Sttlttgart.. Frankfurt a. M. Solingen... Von 100 abgege- benen Stim- men Von 100 Wahl- berech- tigten 54,97 54,78 54,36 53,15 53,14 52,73 52,19 52,15 52,95 51,79 51,69 51,28 51,12 51,96 59,82 59,79 35,90 44,94 30,01 38,04 3Z,29 49,26 39,50 30,81 42,51 38,33 26,08 42,99 35,33 49,29 35,82 35,87 kann Wir haben man bei die Ziffern unter 49 pCt. fett gedruckt. Vielleicht der diesjährigen Wahl einige Prozent der Wahl- berechtigten auf lässige sozialdemokratische Wähler rechnen, die nur aus Bcguemlichkeit oder aus fester Siegeszuversicht zu Hanse ge- blieben sind, die bei einem ernstlichen Zusammenstoß jedoch immer wieder da sein werden. Ferner werden stets viel mehr wie 19 pCt. der Wahlberechtigten ihr Wahlrecht nicht ausüben. Immerhin dürste von vierzig Prozent an die absolute Sicherheit, wenn man überhaupt von ihr sprechen darf, ins Schwanken gerathen. Doch lassen sich auch diese Verhältnisse nicht nach einer Schablone beurtheilen: München II ist z. B. mit kaum über ein Viertel der Wahlberechtigten erobert worden, und doch wird man es allgemein für zuverlässiger halten, wie manchen Kreis mit höherer Verhältnißzahl der Stimmen. Es ließen sich»och manche Betrachtungen an die Neumann'sche Bearbeitung der Wahlziffcrn knüpfen. Vorläufig möchten wir das Büchlein, wie seinerzeit seinen Vorgänger von 1893, als eine sehr nützliche Informationsquelle empfohlen haben. UoltAlCS. ,d m \z f i Der Vertrauensmann der Schönhauser Vorstadt, Genosse H a u n i ck e l, Pappel-Allee 39, macht uns auf einen im Adresscn- verzeichniß vom Sonntag enthaltenen Druckfehler aufmerksam. Irr- thünilich stand Heunickel gedruckt. Die Parteigenossen nnd Genossinnen der Schönhauser Vor- stadt werden ganz besonders auf die am Donnerstag statt- findende Volksversammlung aufmerksam gemacht. Genosse W. Liebknecht lvird über das Thema„Die Sozialdemokratie d die internationale Reaktion" referiren. Regen Besuch envartet ' Der Vertraueusmaun. Zur Naturgeschichte des Kommnnalfrcisinns. Man schreibt uns: Auf keinem Gebiete kommt der Klassencharakter der bourgeoisen Herrschast so unverfälscht zum Ausdruck, wie auf dem der Gemeindepolitik: und in den Gemeinden wiederum tritt dieser Klassencharakter nirgends widerwärtiger hervor als dort, wo„Freisinnige" das Regiment führen. Die freisinnige Majorität des„rothcn Hauses" hat den Ruf Berlins weit über seine Bannmeile hinaus kompromittirt: die Ablehnung aller modernen Rcformgedanken großen Stils, das f e i g s i n n i g e Ducken unter die Wünsche der Staatsregicnmg, das ängstliche Zurückweichen in den Fragen der Selbstverwalttmg,— kurz alle die Begehungs- und llntcrlaffungssüuden, die wir hier nicht einzeln aufzuführen brauchen, rechtfettigen das schroffste Urtheil über diese Art von städtischer Regierung. Das zeigt sich ja auch wieder mit besonderer Deutlichkeit jetzt, wo die Mehrheit des Magistrats und des Stadt- verordncten-Kollegiums drauf und dran ist, die öffentlichen Verkehrs- wcge Berlins und seine Versorgung mit Elektrizität an Aktieugescll- schaften, an kapitalistische Interessenten auszuliefern. Wir haben in einer früheren Zuschrift darauf hingewiesen, welch' schlechte Erfahrungen eine andere Stadtgcmeinde— Nürnberg— auf dem Gebiete des Verkehrswesens mit Aktiengesellschaften gemacht hat: schlagender als durch die Erfahrungen in Nürnberg kann die Fabel von der angeblichen Ucberlegenhcit des Privatbetriebes über den Regiebetrieb überhaupt nicht widerlegt werden. Heute müssen wir jene Zusckrift ergänzen; wir glauben damit einen nicht unwichttgen Beitrag zur Naturgeschichte des Kommunal- freisinns geben zu können. Die freisinnige Majorität in Nürnberg ist ungleich rücksichtsloser als die von Berlin: in einer Weltstadt wie Berlin können eben— selbst wenn die Herrschaften es wollten— gewisse krähwinklcrische Rücken und Tücken nicht mehr erfolgreich ausgeübt werden. Anders in den engen Verhältnissen einer Provinzialstadt; dort, wo ein musterhast organisirtes Prole- tariat sowohl die Landtagsvcrtrctung mit vier Mandaten als auch die Reichstagsvertretting mit einem Mandate Sozial- dcmokraten anvertraut hat, konnte sich bis heute noch eine Art von„freisinnigem" Stammtisch ungestört im Alleinbesitz der kommunalen Regierung erhalten. Verschlechterung des Wahlrechtes, Erhöhung des'Bürgergeldes auf die gesetzlich zuläßige Maximal- summe, die für Arbeiter unerschwinglich ist—' kurz alles, aber auch alles wurde gethan, um den Hausagrariern und ihren Trabanten freie Bahn zu schaffen.(Den Volks- feindlichen Sinn dieser Gemeindevertretung mag man daraus erkennen, daß sie seinerzeit dem neugegründetcn Arbeitersekretariat, dem besten in ganz Deutschland, nicht nur den erbetenen Zuschuß verweigerte, sondern ihm auch noch im Wcge eines Prozesses die Führung des Namens„Arbcitersekretariat der Stadt Nürnberg" untersagen liefe!) Daß ein so exklusiv und ungenirt kapitalistisches Stadtrcgiment die gute Gelegenheit, beim Uebergang zum elektrischen Betriebe die Straßenbahn zu erwerben, ungenützt vorübergehen ließ, das darf füg- lich nicht Wunder nehmen. Nun haben aber die beiden an jener Sache betheiligten Akitengescllschaften den Nicht- befähigungs Nachweis in so eilatanter Weise erbracht, daß jeder, aber auch wirklich jeder Mensch für immer von der Vorliebe für derlei Experimente geheilt sein müßte. Jeder Mensch— mit Ausnahme des verbohrten Kommunalfreisinns! Denn man höre und staune: zur selben Zeit, wo die städtische Verwaltting Nürnbergs durch einen eigens berufenen Ingenieur ein geradezu vernichtendes Urtheil über den Betrieb der Straßen- bahn- Akttengesellschaft fällen läßt, in derselben Zeit liefert sie ein ganz neues System von elektrischen Ring- und Vorortbahnen... einer anderen Privatgesellschaft aus! Der erste Bürger- meister der Stadt, einer der eistigsten Anbeter des St. Manchester, hält im Magistrat eine fulminante Rede gegen den jetzt bestehenden Privat- bettieb, nur um den ll gischen Saltomo'rtale zu machen: also liefern wir die neuen Linien einer anderen Gesellschaft aus I! Was an Ver- gewaltigung klaren Denkens durch den deutschen Kommunalfreisinn, wo er nur immer herrschen mag, geleistet wird, ist unbeschrcib- lich. Und wenn man nach alter Regel frägt: eui bono?— „Wem gereicht es zum Nutzen?"— dann stößt man immer wieder und wieder darauf: dem mit dem K o m m u n a l f r e i s i n n versippten Privatkapital. Man hat dabei selbstverständ- lich nicht an Bestechung zu denken, aber das steht doch fest: ein Interesse müssen die freisinnigen Majoritäten, so hier wie dort, an ihren Abstimmungen zu gunsten der Privatgesellschaften haben, denn rmt lo gis ch c»Gründen können sie sie nicht rechtfertigen. JnNürnberg z.B. bestehen noch drückende indirekte Stadtsteuern auf Brot, Mehl, Fleisch-c.; die Aermsten der Armen werden hart besteuert, härter im Verhältniß als die reichsten Hausagrarier— und da liefert der Kommunalfreisinn glänzende Einnahmequellen an Private aus! Und das soll keine„Gründe" haben? Es ist eine der wichtigsten Aufgaben unseres Proletariates, die Klassenherrschaften in den Gemeinden zu stürzen; daran muß es seine ganze Kraft setzen. Im Kampfe gegen Kommunalfreisinn a la Berlin und Nürnberg ist nur rücksichtslose Energie am Platze. In bürgerlichen Blätter» schlägt ein angeblicher Ingenieur eine mächtige Klinge für die Elektrizitätswerke. In seinem Eiser für die Heiligkeit des Privatkapitals prattizirt der brave Mann aber eine Fälschung in seine Polemik hinein, die denn doch ein wenig niedriger gehängt werden muß. Der vielleicht von interessirter Seite allzu stark insp'irirte Herr läßt nämlich Singer von den Elektrizitätswerken als einem.. u n h e i l v o l l e nU n t e r n e h m e n" sprechen und findet dieses Wort„zu kostbar, um es in die Leere fallen zu lassen". Wir müssen dem kühnen Kämpen die Freude über das„kostbare Wort" rauben, denn es ist gar nicht gesprochen worden. Singer hat von dem unheilvollen Vertrage gesprochen. 'Daß dies ganz etwas anderes ist. könnte man eigentlich auch auf den Redaktionen derjenigen Blätter begreifen, die den Artikel aufgenommen haben. Jedenfalls aber müßte es� der„Fachmauu", der gegen Singer polemisirt, wissen,— wenn er sich nicht zur Ver- theidia�ng seiner Werke erst sein„Zitat" erdacht hätte.— Mcrr V. Hocnsbrocch, der Nicht-Diplomat. Vor einigen Algen meldeten verschiedene Blätter, daß der Exjesuit Graf Paul vi H o e n s b r o e ch von einem Hcirathsvermittlcr v. Pokorny wegen einer Forderung verklagt worden sei, die der Mann aus einer zu gunsten'des Grafen zustande gebrachten Heiraths- ver Mittelung hergeleitet habe. Der Heirathsvcrmittler sei mit seiner Klage abgewiesen worden. Wir nahmen von der Sache keine Notiz, nicht weil der jetzt als Chef der„Tägl. Rundschau" fungirende Graf zu dem Prozeßbericht sofort eine nicht ganz korrekt abgefaßte Berichtigung schrieb, sondern weil wir meinten, daß es der Oeffent- lichkeit ziemlich gleich sein kann, auf welche Weise Herr v. Hoensbroech seine privaten Ängelegenheitcn erledigt. Die Sache ging aber bald weiter in das Gebiet der Oeffentlich- keit über, als Herr v. Hoensbroech selber in seinem Blatt die Ver- öffcntlichung der Sache als das Werk der Jesuiten hinzustellen suchte und in einem Zitat anführte, daß es keine Verleumdung gebe, mit dem diese Herren nicht seinen Ruf zu gründe zu richten suchten. Da kam es denn der katholischen„Germania" außer- ordentlich gelegen, daß der abgewiesene Heirathsvcrmittler sich ihr mit einem Material zur Verfügung stellte, das den in politischen und religiösen Dingen mit dem Eifer eines Renegaten arbeitende» Herrn Grafen allerdings m a u s e t o d t zu machen geeignet ist. Das Blatt druckt nämlich das H e i r a t h s g e s u ch des Grafen, sowie zwei facsimilirte Briefe des Grafen an den H e i r a t h s v e r m i t t l e r ab. Die HeirathSannonce lautet: „Ein deutscher K a v a I i e r v o n h o h e m A d e l, 49 Jahre alt, fchr distinguirtcs, sympathisches Aeußere, tadellose Vergangen- heit, geringes Vermögen, aber gänzlich schuldenfrei, wünscht sich zu verheirathen mit einer reichen, in religiöser Beziehung vorurtheilsfreien Dame gleichviel welcher Konfession. Jede Vermittelung, außer durch Eltern oder Vormünder ist ausgeschlossen; anonyme Zuschriften bleiben unberücksichtigt. Suchender nimmt im politischen Leben eine hervorragende Stellung ein und ist in jeder Weise befähigt, ein glückliches Familienleben zu be- grüben ze...." Von den beiden veröffentlichten Briefen des Grafen Hoensbroech an den Hcirathsvermittler v. Pokorny lautet der erste folgender- maßen: „Geehrter Herr! Einliegend schicke ich Ihnen den Revers, wie Sie ihn auf- gesetzt haben, und ersuche Sie, die Angelegenheit weiter zu betreiben. Hochachtungsvoll und ergebenst Graf Paul von Hoensbroech." Daß der Revers sich auf eine Heirathsvermittelung bezog, ergicbt neben der Bitte,„die Angelegenheit weiter zu betreiben", noch folgende Stelle aus dem anderen Schreiben des Grafen Hoensbroech. worin er zu seiner Sclbstcmpfchlung sagt: „Meine Schriften könnten Sie dem Vater zeigen. Ich spreche flüssig Französisch und Englisch und bin fchr musikalisch. Diesen Herbst Iverde'ich auf direkten Befehl des Kaisers im diplomatischen Dienst an- gestellt. Diesen letzteren Umstand bitte ich ä u ß e r st oiskret zu behandeln, da ein vorzeittges Bekanntwerden desselben mich in die größten Unannehmlichkeiten bringen könnte." Herr v. Hoensbroech ist bekanntlich nicht in den Dienst der deutschen Diplomatie gestellt worden. Wegen des„Warum nicht" braucht der deutsche Staatsbürger sich allerdings nicht allzu viele Kopfschmerzen zu machen. Mag der Herr Graf auch die zu solchem Wirken gehörende Skrupellosigkeit be- sitzen, so mangelt ihm doch, wie die hier wieder- gegebenen Veröffentlichungen lehren, die nothwendig er- forderliche Geschicklichkeit. Unter den obwaltenden Umständen würde er am gescheidtesteu handeln, wenn er nach diesem grausigen Aus- gang die angeblich von ihm versehene„hervorragende Stellung im öffentlichen Leben" völlig an den Nagel hängte und seine ganzen Kräfte ausschließlich auf Förderung seines Familienglücks konzcntrirte Der Fall Ziethen soll nun doch die Gerichte beschäftigen. Dies geht aus einer von dem Schriftsteller Gustav Landauer a� Uns gerichteten Erklärung hervor, die wir ihrem wesentlichen Inhalt nach an dieser Stelle veröffentlichen. Herr Landauer schreibt uns: Erklärung. Ich habe unterm Dattim des 1. September im Anschluß an eine frühere Veröffentlichung vom 5. Februar den Polizeikommissar Gottschalk, früher in Elberfeld, der Fälschung von Beweisstücken und des Meineids beschuldigt, begangen in dem Verfahren gegen den seit 13 Jahren unschuldig im Zuch'thause sitzenden Albert Ziethen. Meine Veröffentlichung hatte den ausgesprochenen Zweck, ein Straf- verfahren gegen mich zu erzwingen, weil, so wie die Dinge liegen, die ganze Wahrheit nur vor Gericht an den Tag kommen kann. Ich halte mich für verpflichtet, der Oeffentlichkeit, soweit sie sich für diese ebenso entsetzliche lvie wichttge Angelegenheit intcressirt, mitzutheilen, daß die ersten Schntte zum Ziel gethan sind. Wie mir gestern, am 4. November, vor dem Amtsgericht Kocpenick er- öffnet wurde, hat der Staatsanwalt beim Landgericht I Berlin auf grund eines Strafantrags vom 29. September das Verfahren gegen mich eingeleitet. Man sieht, daß die Behörde sich recht lange Zeit zum Ueberlegen gelassen hat. Wie aber kommt das Landgericht I Berlin dazu, sich mit der Sache beschäftigen zu sollen? Mein Wohnsitz Friedrichshagen, von wo die Zirkulare allesammt versandt sind, liegt im Bereich des Landgerichts II Berlin. Das Räthsel wird gelöst, wenn man erfährt, daß ich nicht blos für das Zirkular, sondern auch für einen wörtlichen Abdruck desselben in dem Wochenblatt„Der Sozialist" verantwortlich gemacht werde, obwohl ich mit dessen Redaktion seit über einem Jahre nicht das geringste zu thun habe, außer dem „Sozialist" auch noch andere Blätter, theils den vollen Wortlaut Y des Zirkulars, theils die in betracht kommenden Stellen abgedruckr habeiu Diese merkwürdige Verschiebung könnte mir ziemlich gleichgiltig sein, wenn dies nicht ans die Absicht schlichen liehe, dieser Angelegen- heit, die das ganze Volk interessirt, die jeden Menschen und' vor allem jeden Preuhen angeht, die gar, keine Parteisache sein kann und darf, einen parteipolitischen und zwar einen anarchistischen Anstrich zu geben. Ich protcstire gegen eine solche Tendenz und erkläre laut, daß meine Gesinnung und Weltanschauung gar nichts mit meinem Ein- greifen in den unseligen Fall Ziethen zu thnn hat, höchstens das eine, daß sie mir den Much giebt, gegen den Strom zu schwimmen. Daß ein Tendenzprozeß beabsichtigt ist, scheint mir aus der Thatsache hervorzugehen, daß der Herr Staatsanwalt mich der v e r- leumderischen Beleidigung beschuldigt! Wider besseres Wissen soll ich genau dasselbe behauptet haben, was schon im Jahre 1891 der Elberfelder Kreisphysilus Dr. Berger in einem Brief an den Staatsanwalt Pinosf rund und nett ausgesprochen hat, was schon sehr deutlich der Rechtsanwalt G r o m m e s in seinem Plaidover im Jahre 1884 hat durchblicken lassen. Die Annahme der Verleumdung in meinem Falle ist für mich so ungeheuerlich, daß ich, sobald mir ein amtliches Schriftstück vor- liegt, in den: die Behauptung, ich habe verleumdet, ausgesprochen ist, den Spieß umkehren und gegen den betreffenden Herren Staats- anwalt Strafantrag wegen verleumderischer Beleidigung zu stellen entschlossen bin. Fricdrichshagen, 5. November 1898. Gustav Landauer. /Schriftsteller. Auch ein Beitrag zur Hilfsarbeiterfragc. Wie aus dem amtlichen Material, das dem Stadtverordneten-Ausschüsse jetzt vor- liegt, hervorgeht, sind von den sechzehn klagenden Hilfsarbeitern nicht weniger als vier geisteskrank, zwei tnit Gefängniß vorbestraft und Nr. 7 wurde sogar angenommen, wiewohl man sich wegen seiner hochgradigen Schwerhörigkeit mit ihm nur mittels Schreibtafcl verständigen konnte!„Auf ministerielle Em- p f e h l u n g"(!) fand ein achter, ein ehemaliger Polizeiagent „im späteren Lebensalter", Beschäftigung beim Magistrat, und vom neunten heißt es, daß er auf Betreiben seiner Ehefrau in der Charitee am Säuferwahnsinn behandelt worden und schließ- lich fast erblind et war. Dem zehnten und elften werden Uu- Verträglichkeit, DenunziationSlust und fortwährendes Querulireu nachgesagt, so daß sie alle Grade der„Versetzung" durchmachen mutzten, und Nr. 12, ein„durch und durch kranker Mensch", der nur aus Mitleid mit seiner Mutter, der Wittwe eines einst angesehenen Berliner Bürgers, angenommen worden war, mußte ebenfalls„von einem Bureau zum anderen geschoben" werden,„da", wie der Magistrat wörtlich schreibt,„wegen seiner Ekel erregenden Unreinlichkeit niemand in demselben Räume mit ihm arbeiten wollte!" Nur einem einzigen der 16 Kläger stellt Magistratus das Zcugnih aus, daß er ein„durchaus ordentlicher Mann" sei, dessen Verlangen nach Anstellung lediglich deshalb nicht erfüllt wurde, weil man einen zweiten Fall Malitz vor das Reichsgericht bringen möchte. Offenbar soll diese Mitthcilung gegen die Hilfsarbeiter Stim- mung machen, und man muh sagen, daß die in betracht kommenden Personen gerade nicht als die besten Brüder erscheinen. Das wichtigste an der Sache ist aber die Frage, wer die Schuld daran trägt, daß Personen von so fragwürdigem Kaliber überhaupt in städtischen Dienst gestellt Iverden konnten. Wie verhält es sich besonders mit dem auf ministerielle Empfehlung angestellten Polizei- Agenten? Auf diese Fragen wird der Magistrat hoffentlich den Stadtverordneten genügende Auskunft geben. Der Gesinde-Belohuungs- und UntcrstiitznngS-Fonds hat 1897/98 von den Dieustboten 31 686 M. an Beiträgen ein- genommen. 4476 M. w e n i g e r als im Vorjahre. Diese Beitrüge, » 56 Pfennig, müssen von den Berliner Dienstboten bei jedem Dienstwechsel bezw. bei Antritt des ersten Dienstes gezahlt werden. Sie wirken wie eine Strafe ftir zu häufigen Dicnstwechsel, auch für gänzlich unverschuldeten. Man darf sich daher nicht wundern, daß die Dienstboten die ganze Einrichtung als eine Ungerechtig- keit(was sie in der That ist I) empfinden und sich der Zahlung ihrer Beiträge in imtner wachsendem Maße zu ent- ziehen suchen. Der Rückgang dieses Einnahmepostens dauert schon seit einer Reihe von Jahren an, und dem Mittel, ihm zu steuern(namentlich Vermehrung der Annahmestellen und Mitwirkung der Polizei) sind erfolglos geblieben. Er ist so bedeutend, daß sich gegenüber dem Jahre 1889/96, in dem die Beiträge mit 44 416 M. ihren höchsten Stand erreicht hatten, ftir 1897/98 bereits eine Mindereinnahme von 13 336 M. ergiebt. Die gesammten Einnahmen be- liefen sich im letzten Jahre auf 54 384 M. Die Ausgaben betrugen 51 766 M., darunter namentlich 18 212 M. Unterstützungen an 172 erwerbs- unfähige Dienstboten und 29 571 Mark ftir Unterhaltung des Gesinde-Hospitals, das im letzten Jahre 16 Frauen aufnahm und Ende März 1898 von 166 Frauen bewohnt war. Man sieht, daß ungeachtet des Rückganges der Beiträge immer noch über drei Fünftel der für die alten, erwerbsunfähigen und bedürftigen Dienstboten gemachten Au f- Wendungen aus der Tasche der Berliner Dien st- boten selber gedeckt worden sind. Trotzdem haben die Dienstboten nur dann Anspruch auf Unterstützung oder Aufnahme. wenn sie sich ihr Lebelang„gut geführt" haben. Sie dürfen auS der Sonderstellung, die ihnen durch unsere an das Mittelalter erinnernde Gejinde-Ordnung angewiesen wird, selbst dann nicht heraus, wenn sie aufhören, Dienstboten zu sein, und nun die sauer verdiente Ruhe eines sorgenfreien Lebensabends genießen möchten. Die Berliner Brotpreise sind, nachdent sie im Mai und Juni 1898 ihr Maximum erreicht hatten, seit diesem Zeitpunkt in dem Anschein nach andauerndem, wenn auch langsamem Fallen begriffen. Sie sind aber auch jetzt noch beträchtlich höher als in denselben Monaten der letzten Jahre. Veröffentlichungen darüber liegen bis September 1898 vor. Nach den Ermittelungen des Berliner statistischen Amtes war im September 1893(bezw. 1897, 1896, 1895) der D ti r ch s ch n i t t s p r e i s: für 1 Kilogramm Roggenbrot rund 25�/to(23, 26�/to, Ll'/to) Pfennig, für 1 Kilogramm Weizen- brot rund 488/io(389/io, 3ö4/io, 348/io) Pfennig. Für 56 Pfennig bekam man durchschnittlich 1977(2173, 2389, 2373) Gramm Roggen- brot, 1154(1286, 1414, 1437) Gramm Weizenbrot. Berliner Fleischpreise. Im September 1898(bezw. 1897) war im Markthallen-Kleinhandel der Durchschnittspreis pro Pftmd(in Pfennig, berechnet aus den höchsten und niedrigsten Preisen der 13 Detail-Hallcn) für Rindfleisch: Filet 161(161), Keule, Ober- schale oder Schwanzstück 76(76), Brust 63(63), Bauch 56(56); für Kalbfleisch: Keule oder Rücken 7b s76), Brust 67(66), Schulterblatt oder Bauch 62(66); für Hammelfleisch: Keule oder Rücken 71(76), Brust oder Bauch 61(61); für Schweinefleisch: Rücken oder Rippespeer 82(82), Schinken 69(67), Schulterblatt oder Bauch 65 (62); für Speck 75(72); für geräucherten Schinken 166(162), ausgeschnitten 146(142); für Schweineschmalz 57(58). In den Läden sind natürlich noch höhere Preise gezahlt worden, als in den Markthallen. Verglichen mit den Preisen des Vorjahres weisen die Preise für Rindfleisch diesmal keine Erhöhung auf. Bei den anderen Fleischsorten dagegen sind die Preise meist gesttegen, bei Schweinefleisch, Speck und Schinken am bedeutendsten. Die fleischvertheuernden Agrarier haben bekanntlich jetzt herausgefunden, daß die Preise deshalb gesttegen sind, weil die Arbeiter zu viel Fleisch essen und dadurch einen Fleischmangel hervorgerufen haben. für die Reutcr-Ättftung, die von dem verstorbenen Kaufmann Reuter begründet ist und alten, erwerbsunfähig gewordenen, bedürftigen Kauflcuten eine sorgenfreie Zuflucht für ihren Lebens- abend bieten soll, muß wieder einmal„der so oft bewährte Wohl- thätigkeitssinn unserer Mitbürger" angerufen werden, da die Stadt be- kanntlich für solche Zwecke niemals viel drüber hat. Das Kuratorium der Anstalt, die fortgesetzt mit Geldmangel zu kämpfen hat. bittet um einmalige Zuwendungen oder feste Jahresbeiträge(zu zahlen an die städiische Haupt-Stifttlugskasse im Rathhaus Zimmer 25 oder an die Mitglieder des Kuratoriums), damit die Zahl der Stellen um einige vermehrt werden kann. Eine solche Vermehrung ist allerdings dringend nöthig, denn das Mißverhältnih zwischen der Zahl der Bewerber und der der verfügbaren Stellen ist in neuerer Zeit außerordentlich groß geworden. Die Anstalt wurde wegen Mangels an Mitteln von vornherein nicht für 66 Stellen, wie es der Stifter beabsichtigt hatte, sondern nur für 32 eingerichtet, aber auch davon konnten bei der 1883 erfolgten Eröffnung vorläufig nur 15 besetzt werden. Gegenwärtig sind 22 Stellen vorhanden(19 Boll- und 3 Halbstellcn), aber die Bewcrberliste hat, angesichts des wachsenden Andranges, schon vor mehreren Jahren geschlossen werden müssen, da immer nur die wenigen, durch Tod stelwerdenden Stellen(z. B. 1896 97 nur 3) verfügbar sind. In seinem neuesten Aufruf sagt das Kuratorium:„Groß ist die Zahl alter Kaufleute in Berlin, die infolge unverschuldeten Unglücks nicht in der Lage waren, etwas für das Älter zurückzulegen; noch größer die Zahl derer, denen es nicht gelungen ist, aus kleinen Verhalttnssen heraus als Buchhalter oder Verkäufer sich zu wirthschastlichcr Sicherheit und Selbständigkeit emporzuarbeiten, und denen es bei dem großen Wettbewerb jüngerer Kräfte unmöglich wird, im� vorgerückten Alter ihr weiteres Fortkommen im kaufmännischen Gewerbe zu finden." Trotzdem befinden sich viel weniger ehemalige Handlungs- gehilfen als ehemalige selbständige Kauflcute in.der Anstalt (z. B. 1896/97 nur 4 Gehilfen unter 22 Benefiziatcu).. Das liegt vcrmuthlich daran, daß nach der Bestimmung des Stifters selb- ständige Kaufleute(in Berlin geboren und die längste Zeit hier beschäftigt, sowie hier ctablirt gewesen) den Vorrang haben. Aber selbst für diese haben die um Beittäge angegangenen Berliner Groß- kaufleute bisher recht wenig übrig gehabt. Etuc anstcrordeutlichc Sitzung der Stadtverordneten findet heute, Dienstag, Nachmittag 5 Uhr, statt. Auf der TageSordinmg stehen unter anderen folgende Gegenstände: Fortsetzung der Bericht- erstatwng über die Vorlagen, betteffend den Abschluß eines neuen Vertrages mit den Berliner El e k t rizitä t s w e r k e n und die Entbindtmg derselben von der Verpflichtung zur Lcgung von Kabel- leittmgen in einer Reihe von Straßen innerhalb des im Vertrage vom 25. August 1888 bestimmten Stadtgebietes.— Berichterstattung über die Vorlage, betreffend den zur Begründung eines vegetarischen Kinderheims bestimmten Nachlaß des Professors Dr. Julius Baron.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend den Beschluß der Versammlung vom 26. Mai d. I. ivegcn Herbeiführung einer Reform der Bestimmungen über die Ausübung der Sittenpolizei und von Vorkehrungen, um Mißgriffe und Ausschreitungen von Exekutivbeamteu bei Vcr- Haftungen und Festnahmen zu verhindern. Anirag von Mitgliedern der Versammlung, betteffend die den Rektoren mehrerer hiesigen Gcmeindeschulen zugegangene Anweisung, einigen Lehrerinnen jüdischen Glaubens das Ordinariat abzunehmen und sie nicht mehr als Klassenlehrenimen zu beschäftigen.— Vorlagen, betteffend den Jahresabschluß der städttschen Gaswerke für den 1. April 1897/98.— Die Annahme eines der Stadtgemeinde geschenkten OelgemäldcS.— Berichterstattung des zur Vorbereitung der Neuwahl von acht un- besoldeten Stadträthcu eingesetzten Ausschusses. Auf der Ttrastcubahuliuic Gcsundbrmincn— Krcnzbcrg vi« Molkcnniarkt wurden gestern zum ersten Male Versuche an- gestellt, Decksitzwagen als Anhängeivngcn bei dem elektrischen Verkehr zu verwenden. Die eigeuS als Anhäuqcwagen umgebauten Wagen werden ebenso wie die Wagen der elektrischen Straßenbahn auf der linken Seite geschlossen. Dte Zahl der Sitz- und Stehplätze ist im Jüteresse des Publikums vcrnttitdcrt. In dem Betriebe ver- Ursachen die Decksitzwagen nicht die geringsten Störungen. Sie wurden von dem Publikum eifrigst in Anspruch genommen. Leider ist wenig Aussicht vorhanden, daß die so beliebten Verdeckwagen für den Verkehr im Innern der Stadt Verwendung finden. Infolge der erhöhten Fahrgeschwindigkeit der Motorwägen waren die Schaffner der Decksitzwagen gestern außer stände, bei den im Innern der Stadt sich zu dicht folgenden Theilstrecken die Fahr- scheine schnell genug auszugeben. Zur Sicherung gegen Unglücks- fälle durch Ueberfahren werden feittns der Großen Berliner Sttatzenbahn-Gesellschaft bei den umzubauenden Anhängelvagen neuerdings besondere Vorsichtsmaßregeln gcttoffcn. Die beißen Achsen der Wagen werden in einen Blechkastcn eingeschlossen, der sich bis zu den beiden Plattformen erstreckt. Durch diese Vorrichtung wird eS unmöglich gemacht, daß während der Fahrt abspringende und ausgleitende Personen unter den Wagen gerathen können. ElcndSstatistik. Im Männerasyl deS Berliner AshlvereinS für Obdachlose nächtigten während deS Monats Oktober 19 526 Personen, im Frauenasyl 3616 Personen.(Arbeitsnachweis erbittet der Perein für Männer Wiefenstr. 55/59, für Frauen Füstlierftr. 5. Die städtische GaSdcputatiou hat unter Vorsitz des Stadt- raths Namslau beschlossen, die Leipzigerstraße von der Friedrichsttaße bis zum Spittelmarkt elektrisch zu beleuchten, so daß endlich die ganze Leipzigerfttaßc elektrische Beleuchtung erhalten wird. Der Fernsprechverkehr mit Schmolz, Bedburg. Hirschberg (Saale), Meimngen, Harzgcrode, EoSwig(Anh.), Markucuktrchen, Zeulenroda, Frankenstein(Schieß), Bockenem und Seesen ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten bettägt je I M. Durch die Unsitte von Kinder», sich an Pferdebahnwagen an- zuhängen, ist am Sonntag ein Unglücksfall herbeigeführt worden. In der Kommandantenstraße wurde ein achtjähriger Knabe von einer Droschke überfahren. Das Kind wurde schwer verletzt in die elter- liche Wohnung äeschafft. ES hatte sich an einen Wagen der Linie Pappel-Allee— Rixdorf angehängt. Als der Schaffner, welcher im Innern des Wagens beschäftigt ivar, auf den Hinterperron heraus- ttat, ließ der Knabe sich los, stürzte hin und wurde von einer uu- mittelbar hinter dem Pferdebahuwagen fahrenden Droschke über- fahren. Ein ungetreuer Postschaffner. Das Polizeipräsiinum theilt mit: Der Postschaffner Franz Szygulski und seine Eheftau Anna, geborene Sonnenberg. Stcphanstratze 7, sowie der Portier Friedrich Czychulski alias Schigulski nebst Ehefrau Klara, geborene Püschel, Bendlersttatze 39, haben, wie die Kriminalpolizei im Zusammen- Ivirken mit der hiesigen Obervostdirektion ermittelte, gemein- schaftlich in äußerst geschickter Weife unter theilweiser mißbräuchlicher Benutzung eines echten Postaufgabc-StempclS. sog. Schweizerstempels, und Verwendung von Kautschuk-Typen in der Zeit von Ende Scp- tember bis Anfang November d. I. Postanweisungen über hohe Be- tröge a» Personen, meist Frauen, fälschlich ausgefertigt, bei denen die 31jährige Ehefrau deS Friedrich CzhchulSki alias Schigulski unter falschem Namen kurz zuvor eine Schlafftelle gemiethet hatte, ohne diese jedoch zu beziehen. Der Vermietherin pflegte die Czychulski dann an demselben Tage, an welchem der Post- schaffiter Szygulski die an jene adressirtcn gefälschten Post- anweistmgen im Postamt 39, wo er beschäftigt war, abends bei Anfcrttgung der Briefbündel in diese einschmuggelte, mitzutheilen, am nächsten Vormittag würde jener eine Geldsendmtg von der Post zugestellt werden, deren Adressirung an die Vermietherin ie veranlaßt hätte, weil sie selbst zur Zeit der Be- stellung noch nicht in der Wohnung sein könnte. Das Geld, welches ihr Erbthcil darstelle, würde sie später abholen. In zwei von bisher ermittelten 14 Fällen hat sie die der Vermietherin ausgezahlten Bettäge nicht abgeholt, und zwar, weil sie befürchtete, entlarvt zu werden Die übrigen Fälle haben ihr und ihren Mitschuldigen einen Gewinn von mehr als 3566 M. eingebracht, welcher aber zum größten Theil im Wege der Durchsuchung von der Kriminalpolizei beschlagnahmt werden konnte.— Da es nicht auSgeschloffen tst, daß noch weitere von Szygulski und Genossen, welche übrigens sämmtlich festgenommen wurden, gefälschte Postanweisungen an vorgeschobene Personen zur Auszahlung gelangt find,_ so werden alle Empfänger olcher Postanweisungen, gleichviel ob die Thäter deren Beträge abgeholt h aben odernicht, hiermtt aufgefordert, sich schleunigst zu den Alten 7890 IV. 28. 98 bei der Kriminalpolizei zu melden. Im übrigen aber wird um schleunige Mittheilung ersucht. falls einer der genannten Thäter Geld oder Werthpapiere oder sonstige Werth gegenständ« irgendwo deponirt haben sollte. Die Er- Mittelungen leitet der Kriminalkommiffax Schncllrath. De« Tod im Waffer suchte gestern in der zweiten Morgen- stunde die 24 Jahre alte Frau Adelheid Katoske aus der Anton- straße 2. Frau Katoske, die früher in Charlottenburg wohnte. während ihr Mann als Maschinist eines Ozeandampfers meist auf Reisen war, verliebte sich in einen Flurnachbar, einen Böttcher Alfred Kleinod. Das Verhältniß wurde ihrem Manne hinterbracht und als dieser sie nun handgreiflich zur Rede stellte, lief sie ihm anfangs dieses Jahres davon. Kleinod zog mit ihr, wurde ihrer jedoch bald überdrüssig. Da sie nun zu ihrem Manne nicht zurückkehren konnte, so packte sie die Verzweiflung. Sie sprang von der Fennbrücke in den Kanal, wurde aber mit' dem Rettungskahn wieder herausgeholt und in ein Krankenhaus gebracht. Auf offener Straffe erschossen hat sich der Seemann Alexander Sommer, Sohn eines in Moabit wohnenden Rittmeisters a. D. Der junge Mann soll ein sehr lockeres Leben geführt und bereits größere Summen durchgebracht haben, so daß ihm schließlich seitens seiner Angehörigen weitere Unterstützungen verweigert wurden. Zu der Nachricht von einem Duell zwischen einem Garde- offizier und einem Rechtsanwalt, die wir nach emer hiesigen Lokal- korrcspondcnz veröffentlichten, erläßt das Gencrallommando des Gardekorps folgendes Dementi:„Es ist nicht wahr, daß zwischen einem Offizier eines hiesigen Gardcregiments und einem Rechts- anwalt vor etwa 14 Tagen wegen eines Wortwechsels in der Stadt- bahn ein Duell stattgefunden hat." AuS einem nnbcdcutcudeu Vorfall entstand in der Nacht zum Montag das Gerücht, in einer Schlächterei an der Ecke der Potsdamer- und Bülowsttaße habe ein Geselle einen anderen im Stteit erstochen und sei nach einem vergeblichen Selbstmordversuche der Polizei überliefert worden. Thatsache ist folgendes: In der Nacht gegen 21/j Uhr geriethen in der Gastwirthschaft von Stahl, Bulow- ftraße8Sa, Ecke der Potsdamerftraße, ei» Schuhmacher, ein Schlächter- geselle und ein Mädchen mit einem jungen Kaufmann in Streit. Alle vier wurden von dem Wirthe hinausgewiesen und folgten auch seiner Aufforderung. Auf der Straße versetzte das Mädchen dem Kaufmann einen Schlag oder Sttch, der ihn am Hinterkopf verletzte. Die ganze Gesellschaft wurde zur Feststellung der Persönlichkeiten auf die zuständige Revierwache gebracht und alsbald wieder ent- lassen. Der Verletzte konnte ohne Hilfe die nächste Unfallstation aufsuchen, um sich verbinden zu lassen. Beim Durchwandern der Schlangengallerie im Berliner Aquarium, die gegenwärttg eine ganze Anzahl prachtvoller Thiere und Sammlungen seltener Gattungen und Arten ausweist(. fällt auf der ersten Seite, deren Reihe mit einem zu bedeutender Länge und Stärke herangewachsenen Exemplar der amerikanischen Waffer-Riescnschlange beginnt, eine in zwei Exemplaren vorhandene stattliche Schlange durch die Schönheit der Färbung und Zeichnung auf. Die Thiere, obwohl in Einzelheiten von einander abweichend, sind oberseits braun grundirt und mit gelben, schwarzbraun um- säumten Rautenflecken und Tüpfeln oder Augenflecken(daher die Ärtbezeichnuug„arxas") geschmückt, unterseits hellgelb und schwärz- lich gebäudcrt oder gefleckt. Wir sehen in dieser Schlange die Morelia vor uns, welche die Gruppe der Riesenschlangen in Australien ver- tritt und alle ihre alt- und neuwelllichen Verwandten an Schönheit überttifft. Mau bemerkt sie oft im Wasser liegend; sie nährt sich von Warmblütern, hier im Aquarium von Meerschweinchen u. dergl. Fruerbericht. Ein größerer Dachsttihlbrand, bei dem Brand- stiftung vermuthet wird, brach Montag früh Bülowstr. 63 aus. Als die ersten Löschzüge einttafen, fanden sie einen ausgedehnten Brandherd vor, so daß mit drei Schlauchleitungen vorgegangen werden mußte. Verschiedene Dachkammern mit Inhalt, sowie ein großer Theil der Dachkonsttuktton wurden eingeäschert und ist der verursachte Schaden bedeutend. Kurz nach Mittag konnte die Wehr erst wieder abrücken. Ein Schausensterbrand rief die Wehr Somi- abend Abend nach Neue Roßstraße Nr. 17. Ein Posten Wollwaaren ging tn Flammen auf. C h a u s s e e st r a h e Nr. 66 geriethen über dem Gasmotor Bauhölzer in Brand, der aber schnell beseitigt werden konnte. Ein Kellerbrand, der infolge starker Ver- qualmung der Wehr viel zu schaffen machte, war Dorkstraße53 abzulöschen. Es brannten Verschlüge mit Inhalt und war ein Vor- dringen nur mittels RauchhelmS möglich. Mittels eines Rohres wurde daS Feuer gelöscht. Dork straße 75 hatten mehrere Holz- kästen mit Brennmaterial Fetier gefangen, daS mich den Fußboden und die Balkenlage ergriff und dadurch erheblichen Schaden ver- ursachte.'__ Aus den Nachbarorte». Schönebera. Die F l e i s ch u o t h zur Freude der Agrarier greift immer fühlbarer um fich, so daß eines der nothwendigsten Nahrungsmittel für Arbeiter zur Zeit fast unerschwinglich ist. Ueber die lünstlich herbeigeführten Ursachen der � Theuerung wird Frau Emma Ihrer heute Abend 8 Uhr int Klubhause sprechen. Arbeiterinneu, Arbeiterfrauen, besucht zahlreich die in Eurem Jntcr- esse einberufene Versammlung I Die Vertrauensperson. Angesichts des in Charlottenburg hervoraetretene» Mangels au kleinsten Wohnungen— von einem Zimmer— hatte der dorttge Magistrat im Oktober die Einrichtung der Cholerabaracken zur Aufnahme oboachlofer Familien beantragt, da eS der Annenverwaltung trotz des Angebots der Miethsgarantie nicht möglich geworden sei, obdachlose Familien in MethSwohmmgeit unter- zubringen. Das„Grundeigenthum" behauptet in einem Arttkel „Wohnungsnoth in Berlin", daß die Nachricht von einem Mangel an kleinen Wohnungen in Charlottenburg ohne Unterlage sei; es seien nur einige Wohnungen den neuanziehenden Miethern nicht rechtzeittg zur Verfügung gestellt._ außerdem in einzelnen Häusern etniae von den Verwaltern zweimal vermiethet worden. Davon steht m der Vorlage des Charlottenburger Magistrats nichts und auch dem Ausschuß, der sich damit beschäftigt hat, ist davon nichts bekannt geworden, denn er hat unter Genehmigung der ge- stellten Forderung mit einem kleinen Abstrich den weiteren Antrag gestellt:.Den Magistrat zu ersuchen. in Erwägung darüber einzutreten, mit welchen Mitteln sich dem zunehmenden Mangel an kleinen Wohnungen begegnen lasse."— Daß in Berlin angeolich 24 666 Wohnungen leer stehen— das bezieht sich nämlich auf daS Ende des Jahres 1896— beweist noch nicht. daß dort kein Mangel an kleinen Wohnungen vorhanden ist; denn unter diesen 24 666 leer stehenden Wohnungen und Gelassen befinden sich zahlreiche Laden und Geschäftsräume, und vor allen Dingen größere Wohnungen. Eine eigentliche Wohnungs-- statiftik besteht in Berlin nicht. Die Eingabe des Ver» eins Berliner WohnungSmiether, in Berlin ebenfalls wie in Charlottcnburg die eigentlichen Wohnungen von&en_ übrigen MiethSräumen in der Stattstik zu trennen, ist vom Magistrat ab- lehnend befchiedcn worden, da etn steuerliches Interesse dafür nicht vorliege und zur Bearbeitung auch neue Arbeitskräfte angestellt werden müßten. So bleibt es also in Berlin dabei, daß eine Statistik der MiethSräume immer erst nach drei Jahren bekannt wird. während in Charlottenburg bereits die Ergebnisse auS dem Mai und August d. I. vorliegen. Tie Ueberfüllung der Krankenhäuser in Berlin und in den Vororten gestattet sich nachgerade zu einer wahren Kalamität. In Berlin haben, wie mitgethcilt worden ist, die städtischen Kranken- anstalten infolge ihrer Ueberfüllung von der Deputatton für das Krankenwesen wie schon seit mehreren Jahren auch in diesem Herbst j wieder die besondere Weisung erhalten..Kranke auS den Vororten nicht aufzunehmen. Die Folge davon ist, daß auch in den Vororten, soweit dort überhaupt Krankenhäuser vorhanden sind, diese den An- forderungen ebenfalls nicht entfernt mehr genügen können. So ist z. B. auch das für 156 Betten eingerichtete KreiS-KrankeichauS bei Britz seit einiger Zeit wieder vollständig überfüllt, denn eS be- fanden sich am 36. Ottober 157 Kranke, am 31. Okober 165 Kranke und am 1. November 161 Kranke in der Anstalt. Diese starke Be- legung ließ sich nur durch Einschiebung neuer Betten nud da'ourm ermöglichen, daß kleine und nur leicht kranke Kinder je zivei in ein Sott gelegt wurden.(!!) Trotzdem muhte aber eine ganze Anzabl do» Kranken wegen Platzmangels abgewiesen werden. . J» der Frage der Beseitigung von Miill liegt jetzt emc bnnerkenvwerthe Aeuhcrung des Charlottenburger fl r � � t'Dr- Dem Magistrat erscheint hierin ein gemein- lchaslnaics Vorgehen mit Berlin angebracht. Da in Berlin die Vcr- Handlungen zu einem endgiltigen Ergebnis; noch nicht geführt haben. Hai man auch in Charlottenburg noch keinen bindenden Beschluß gcraht. Die Versuche mit der Miillschmelze bringen fortgesetzt gute Erfolge, ohne daß die Frage entschieden wäre, ob das Müll ver- 'fr],ütr werden soll oder nicht. Für alle Fälle beantragt jetzt der Charlottenburger Magistrat den Ankauf eines geeigneten Grund- nnacS zwischen Spree und Hamburger Eisenbahn für die Müll- cqmiguiig bei der Stndtvcrordnetcii-Bersammlung. <�inc wunderliche Ucberraschung bereitete die OrtSpolizci d»» Sieglitz am Sonnabend Abend dem in den Kaiser- ballen versa»», leiten Publikum. Es ivar ein Vortragsabend der "eipziger Sänger arrangirt worden und man war gerade dabei, ei'.icu Einaktcr»Berliner Paradcbummler" aufzusithren. Mitren in der Voritcllulig kam ein Beamter heran und gebot den Kiiisliern. so?ort abzubrechen, da die Glocke zehn geschlagen habe im. die Polizeistunde des Lokals Uhr zehn beginne. Das Publikum nahm d,e Sache bald von der humoristischen Seite. Die frühe Polizeistunde wird erklärlich durch den Ilmstand, daß der Wirth sein Lokal auch der Arbeiterschaft zur Verfügung stellt. / -Bettung. zu- dj, xmcTp CHitc Privatklagc des stellvcrtretcndcir Vorsitzenden deS � ilndes der L andwirtho. Dr. R v f i ck e, gegen unseren berantwort- lichcn Siedakteur August Jacobey gelangte gestern vor dein hiesigen Schösfcngcricht zur Verhandlung. Der Privatkläger fühlte nch durch eine in Nr. 187 des„Vorwärts' enthalten gewcicnc Notiz beleidigt, in welcher behauptet wurde, daß Dr. Rösicke scine Stelle als Vorsttzender dcSBuudcs derLandwtrthe fürscine eiaeucn Interessen aus- zunlitzcii suche, indem er schon seit längerer Zeit an die ihin untergebenen Beamten Butter ans seiner Wirthschaft verkaufe und dadurch eiueii sur ihn einträglichen Druck auf abhängige Beamte atlsübe. Der Angeklagte behauptete, daß er die Nachricht von zuverlässiger Quelle erhalten habe, den Namen seines Gewähröinanncs aber nicht nciinen wolle. Der Gerichtshof stellte auS der Beweis- aufnähme fest, daß der Angeklagte der üblen Nachrede sich schuldig gemacht habe. Da er sich aber anscheiueud in gutem Glauben bc- fluiden und gemeint habe. eine Pflicht der Oeffenilichkeit gegenüber zu erfüllen, so habe ihn der Gerichtshof nur zu 100 M. Geldstrafe vcrurtheilt und dem Beleidigten die PublikationSbefugniß zu- gesprochen. Auch sei auf Einziehung der iiikrimmirten Nummer, Platten zo. erkannt. 3a dein dieser Tage angeregten Thema der Ueberlastmig der Seiclitcr i« Berlin lieferte die gestern vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I anstehende Verhaiidlmig gegen den Kaufmann Max Schwarz ans Bukarest eine kleine Illustration. Die Anklage schwebt schon seit zwei Jahren, mehrere Termine zur Haiiptverhaiio- lung sind wegen nothwendig erscheinender Ergänzung des BeweiSmaterialS vereitelt worden. Der Angeklagte, der der- schiedener Betrügereien gegen Geschäftsleute beschuldigt wird, die Berechtigung dieser Vorwürfe aber bestreitet, hat lange in Uiitersuchuiigshaft gesessen, ist dann aber entlassen worden und nach Bukarest zurückgekehrt, von wo er sich zu den Termineil gestellt hat. Gestern stand nun wieder ein solcher an und zu dem- selben waren 29 Feugen, theilwcise von aiißerhalb. geladen. Vor Eintritt in die Verhandlung ergab sich die Nothwendigkeit. Er- ganzungSrichter zu bestellen; zwei Beisitzer, die bei der letzten an- strengenden Tagung des Schwurgerichts„ütgewirkt haben, erklärten, noch io erschöpft zu sein, daß sie bei dem großen Umfange der vorliegenden Sache keine Gewähr dafür übernehmen könnten, daß sie während der Verhandlung nicht arbeitsunfähig würden. Der Vorsitzende erklärte infolge dessen, daß er ohne Ergänzungs- Richter überhaupt nicht in die Verhandlung ein- treten würde, doch erwiesen sich alle Bemühungen, solche zur Stelle zu schaffen, als vergeblich. Auch das an den Präsidenten des Landgerichts gerichtete Gesuch um Zuweisung zweier Ersatz- lichter hatte keinen Erfolg, es kam vielmehr der Bescheid, daß solche nicht zu beschaffen seien. Infolgedessen wollte der Borsitzende die Verhandlung auf Dienstag vertagen, doch erwies sich dieS als un- möglich. Ein aus Leipzig herübergekommener Justizrath und Notar erllärte, daß er wegen unabstellbarer notarieller Geschäfte nn- bedingt am Dienstag wieder zu Hause sein müsse; ein anderer Zeuge versicherte. daß er auf alle Fälle gestern Abend auf niehrere Monate nach Bukarest reisen müsse; zwei weitere Zeugen wiesen okeichsalls nach, daß sie am Dienstag nicht erscheinen könnten. Die Rechtsanwälte Hugo Sachs und Dr. S ch>v i n d t betonten, daß ihr Klient einen berechtigten Anspruch darauf habe, endlich aus semer ungewissen Lage herauszilkommen, der Gerichtshof befand sich aber unter den gegebenen Verhältnissen der Nothwendigkeit gegenüber, die Verhandlung abernials auf unbestimmte Zeit vertagen zu müsse«. Schutz den Kindern. Eine wichsige Entscheidung hat gestern daS K a m in e r g e r i ch t gefällt. Es handelte sich dabei nm nichts Weniger, als um die Frage, ob Polizeiverorduungen gegen die gewerbliche Ausnutzung von Kindern zulässig silid. Eine am 29. Oktober 1897 für Mühlhausen i. Thür, erlassene Polizeiverordmiug bestimmt, daß schulpflichtige Kinder z>oischen7Uh'r abends und 7Uhr früh nicht zu in Anstragen von Milch, Backwaaren, Zeitungen, nicht zum Kegelaufsetzen und auch nicht zu allen anderen gelverblichen Zwecken verwendet werden dürfen. Der Bäckermeister Meier ivar angeklagt, sich gegen die Bestimmung dadurch vergangen zu haben, daß er seinen schulpflichsigen Sohn zwisthen 6 und 7 Uhr früh mit dem Austragen von Backwaaren beschäftigte. Das Schöffengericht verurthcilte Meier zu einer Geld- strafe und führte begründend ans, daß eine strenge Durchführung der im Interesse der Lander erlassenen Verordnung geboten erscheine. Nachdem das Landgericht die Berufung des Aisgeklagten verworfen hatte, legte Meier die Revision ein und bestritt die Rechtsgiltigkeit der Polizeiverordnnng. Er verwies auf eine Entscheidung deSObcr-LandeSgcrichtsiiiHamburg.wodurch eine solche Polizciverordnung für ungiltig erklärt worden sei. Das Kammer- gericht verwarf indessen seine Revision mit folgender Begründung: Die Polizeiverordnung sei durchaus rechts- gilt ig. Sie sinde ihre Stütze im ß 6 k des Polizei- Verwaltungsgesetzes. da sie erlassen sei aus Sorge für Leben und Gesundheit der Kinder. Sie stehe auch nicht in Widerspruch mit§ 120 o der Gewerbe- Ordnung. Allerdings könne die Reichs-Gowerbe-Ordmmg den fraglichen Gegenstand durch Beschlüsse des BundeSratheS behandeln. Im§ 120« heiße eS aber auch ausdrücklich, daß der Landes- Gesetzgebung die Regelung dieses Gegenstandes Lberlasscjn sei, wenn ihn die ReichS-Gesetzgcbung nicht regele. Zu cineni Gesetz im weiteren Sinne gehörten nun auch Polizeiverord Hungen, also sei die Regelung im Wege der Polizciverordnuiig ebenfalls zulässig.— Im vorliegenden Falle sei die Verordnung vom 29. Oktober 1897 zutreffend an- gewendet worden. DaS Verfahren auf KonzefsionSentziehung war gegen den Gaftwirth Tschech in Mittel-Podiabrack eingeleitet worden, nachdem er wegen Urkundenfälschuiig zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt worden war. Gelegentlich einer Verhandlung vor dein zuständigen Schöffengericht, der die Beschuldigung der Konzessionsübertretuiig zu gründe lag, wies Tschech dem Gerichtshof eine gefälschte Ur- nmde vor, die ihn als Inhaber der g a n z e n S ch a n k- gerechtigkeit bezeichnete, während er thatfächlich nur die fogenaiiiite„halbe Konzession" besaß. Bevor es ,ur Verhandlung vor dem Kreisausschuß kam, wurde in Fälschungssache das Wiederaufnahmeverfahren eröffnet, weil den Be- Hörden der Geisteszustand Tsch.'s bedenklich erschien. Tschech wurde in der Provinzial-Jrrenanstalt beobachtet und schließlich ivegen parsieller Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen. Die Acrzte, auf deren Gutachten das Gericht sich stützte, hatten etwa folgendes aus- geführt: Tschech fehle jedes Verftändniß für NcchtSsragcn. Wenn er unrecht erhalte, führe er es auf böswillige Einlvirkiliigen fremder Personen zurück. Er gehöre in jene nicht kleine Reihe schwach- sinniger Verrückter, die auch den Laien als geisteskrank bekannt seien. Bei der Benutzung der fälschen Urkunde habe er sich in einein Zustande befunden, durch den die freie Willensbestimiming ausgeschlossen gewesen sei. Seine Geisteskrankheit sei eine partielle, d. h. mir ans einzelne Wahnvorstellniigen beschränkt, und sie schließe nur iimerhalb dieses Gebietes das logische Denken aus.— Der KrciSauSschutz entzog dein Gastwirih die Schankkonzession gänzlich. indem er die Urkundeiifülschnug bei der Verhaildluiig ausschied. Er nahm an, daß die Konzessioiisentziehiuig fchon deshalb gerechtfertigt sei, weil Tsch. iiiistreitig niehrere Male verbotswidrig Schnaps ausgeschäukt und Gäste über die Polizei- stunde hinaus in seinem Lokal geduldet habe. Hieraus sei aus eine Förderung der Völlerei zu schließen. Der Bezirksausschuß als Berufungsinslaiiz vernahm vor dem Eintritt in die Verhandlung noch einen Sachverständigen über den Gcistcsznstand des Beklagten. Das Gericht erklärte ihn daraus für verhandlungsfähig, wenngleich es auch annahm, daß Tsch. noch immer bei der Wahnidee beharre, daß er von der Behörde verfolgt werde. Nunmehr ttat der Bezirksausschuß in die eigentliche Verhandlung ein und bestätigte die Vvrcnsicheiduiig. Das O b e r- B e r>v ä l tun g s- gericht hat indesscii jetzt das Urtheil des BezirksmiSschllsseö aufgehoben und die K l a g e d e r P v l i z e i auf Konz essions» entzieh u na abgewiesen. Die Vorinstaiizen hätten nur fest- gestellt, daß Tsch. die Trunksucht gefördert habe, mährend für die Einziehung der Konzcssion die Feststellung nothweiidig sei, daß er sie in Zukunft fördern werde. Dies fei aber bei freier Bcurthcilung nicht anzunehmen, da die Zahl der geltend gemachten Uebcrtresiingen zu gering fei. Wegen Diebstahls und Unterschlagung stand gestern der Buchhalter Nterhardt vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I. Der schon mit 6 Jahren Zuchthaus vorbestrafte Angeklagte hatte Be- schäftigmig bei einer hiesigen VersilhcrnngS-Gcscllsckiaft gesunden, und es war ihm gelungen, ans einer größeren Zahl von VersicheruiigS- antrügen, die ein Agent der Gesellschaft eingereicht hatte, lö Stück zu stehlen und zu eiaensüchtigen Zivockcn zu verwenden. Er begab sich zu den Antragstellern und ließ sich unter dem Vorgeben, daß bei dem ersten Antrage ein Jrrthum unterlaufen sei, einen iicuen Antrag unterschreiben, der aber thatfächlich auf eine ganz andere Vcrsichcrnngs- gescllschast lautete. Bei letzterer erhob er dann die Provision für dje Uebermittelniig der Vcrsichcrungs-Aufträge. Er wurde zu drei ahren Zuchthaus verurtheilt. In der Rothenburg'schcn Angelegenheit ist jetzt von der Staatsanwaltschaft ein dritter Sachverständiger in Herrn Professor Dr. Jolly ernannt worden, der im Termin vom 12. November d. I. bei der Feststelluilg des Gcistesznstaiides des Herrn Notheiiburg bczw. Entmündigung desselben mitwirken soll. In dieser Sache wird geschrieben: Nach allgemein juristischer Anffassung hat die Staatsanwaltschaft nur dann ein Recht, Eiitmündigungsauträge zu stellen. wenn ein öffentliches Interesse vorliegt. Ein solches liegt aber nicht vor. Mit welcher Befngniß die Staatsanwältschaft sich in private Angelegenheiten mischt, darüber wird vielleicht der Herr Jussizmiiiistcr Bericht ciiiforderii. Der Staatsanwaltschast soll nicht einmal ein ärztliches Gutachten über R. vorliegen, das gcniigciidcn Anlaß zu ihrem Vorgehen böte. An- scheinend stützt sich dieselbe lediglich auf die vielen Eingaben, mit welchen R. die Behörden fortgesetzt belästigen soll. Wie nothwendig eine vornrtheilsfreie, sachliche Prüfung der Nothenburg'schen An- gelcgenheit, besonders auch der bekannten ErbschaftSsache aber ist, geht daraus hervor, daß durch Urtheil des Landgerichts zu Star- gard das Vermögen des Fräulein M. Rcckner auf eine halbe Million festgestellt wurde, während der Berliner Magistrat seinerzeit den diesbezüglichen Eingaben des Referendars R. in öffentlicher Sitzung nnt der BchaiipKing entgegentrat, es sei absolut kein Vermögen vorhanden. Das Stargardcr Urtheil bclveist, daß Referendar Rothenburg recht hatte, der Berliner Magistrat mirechi. Hätte man den„Schreibereien" Rothenburgs damals genügende Beachtung ge- schenkt, so wäre dem Magistrat das jetzige Fiasko erspart geblieben und die städsische Armenkasse hätte daS UnterstützungSgeld für Frau Baumeister R. gespart. Allein schon diese Thatsachc sollte die Be- Hörden veralilasseii, die Eingaben deS Herrn Referendar R. auf ihre Richtigkeit hin ganz gründlich zu prüfen. Die Angelegenheit ginge dann rascher voran, als cS durch Ansehung von Terminen geschieht, die den Geisteszustand des R. feststelle« sollen. Soziales. Arbeiter- Risiko. Aus S taß furt wird der„Halbcrstädter Arbeiter-Zcitung" berichtet: Die Unfälle auf den Betriebsstätten der „Vereinigten Che, nischen Fabriken in Leopolds- hall Aktiengesellschaft" mehren sich. Erst am Montag ist der dort beschäftigt gewesene Arbeiter Karl Buchhold aus Hcckliiigeii an den Folgen eines Unfalles verstorben und schon am Mittwoch wieder hat sich ein erheblicher Unfall zugetragen� Der in der Chromatfabrik beschäftigte Arbeiter Johännes Salzmann aue Staßfurt verunglückte dadurch, daß er mit einem Arn, zwischen zwei Räder gerieth. Der verletzte Arm mußte sofort amputirt werden. Beiriebe, wo öfter Unfälle vorkommen, müssen von den Organen, denen die Unfallverhütung obliegt, um so häufiger— natürlich un- vermuthet— kontrollirt werde». Darin hapert es aber in der Regel, woran die unzureichende Besetzung der Fabrikinspektorate aller- dings die Hauptschuld trägt. Würde die Regierung sich dazu verstehen, die Arbeiter selbst an dcr'Fabrikiiispeltion zu bethciligen, so wäre das der sicherste Weg, um die Zahl der Unfälle und damit die Kosten der Unfallversicherung bedeutend zu vermindern. Ans Waldenburg in Schlesien wird uns mitgctheilt: D r e i Schorn st einbauer, die auf einem Fabrisichornstein der . B i s m a r ck h ü t t e" arbeiteten, sind aus einer Höhe von 20 Metern abgestürzt. Ein mit Baumaterialien gefüllter Behälter war auf das Jiineiigerilst aufgeschlagen, so daß dieses zusammenbrach und die drei darauf befindlichen'Personen mit sich in die Tiefe riß. Zwei derselben wurden als Leichen unter den Trümmern hervorgezogen; dem Meister war es gelungen, das in der Mitte des Schornsteins hängende Seil zu erfasse!!, an dem er etwa zehn Meter hcrabglitt und dann erst herunterstürzte, wo er mit gebrochenen Beinen liegen blieb. In der Pappdeckelfabrik von Fischer u. Mayer in Gammertin gen in Württemberg wurde der Arbeiter Fritz Göggel von dem Treibriemen des sog. Holländers erfaßt und so lange'henimgeschleudett. bis der Körper eine unkumtliche Masse bildete. Der RrbeitSmarkt im Oktober läßt alljährlich infolge des ZurücksttömenS der in der Landwirthschaft überflüssig gelvordenen Arbeitskräfte in die Städte ein starkes Ueberangebot von Arbeitern auf dem Arbeitsmarlic entstehen. Diese Zunahme der Arbeisiuchendcn zeigt sich auch im Monat Oktober, obwohl der Geschäftsgang noch recht günstig ist. In manchen Produktionszweigen, wie in Eisen- industrie und Kahlenbau, besteht sogar, wie wir der neuesten Nummer der Berliner Monatsschrift„Der' Arbeitsmarkt" entnehmen, eine lebhaste Nachfrage nach Arbeiten,. Andererseits ist die Lage in der Textilindustrie»och immer so trübe, daß eher Arbeitskräfte frei werden. Nach den Ergebnissen der Arbeitsnachweis- Verwaltungen bewarben sich um 100 offene Stellen im Oktober 116.2 gegen 117,1 im Okiober de? vorigen JahrcS. Ter Andrang hat an 29 sund 2 ausländischen) Orten abgenommen und an 23(und 2 ausländischen) Orte,' zugeuonnnen. reine Abnahme war zu verzeichnen in Breslau. Frankfurt a. O., der> R'xdorf, Kiel. Osnabrück, Munster, Toni:::::..', Elberfeld. Düsseldorf, Aachen, Trier, Wiesbaden, Frankfurt a. M.. Mainz, Gießen. Kaisers' läutern, Heidelberg. Schopfhcim, Mannheim, Konstanz. Pforzheim, Stiittgart, Kannstatt, Ludwigsbnrg, Reutlingen, Heilbronn. Ulm, Fürth. AugSburg, Graz. Bern.. �. Zugenommen hat der Andrang der Arbeltslosen in Posen, Berlin, Halle a. S.. Quedlinburg. Erfurt, Haimover. Essen, Köln, M.-Gladbach, Kreuznach, Dannstadt, Worms, Straßburg. Lahr, Frcibnrg, Karlsruhe, Offenburg, Eßlingen, Göppingen, Schw. Hall. Würzburg. Nürnberg, München. Brünn, Winterthur. Ankovttvhinvv�Vovbiiwdle. Unternehmergeminne im Berg und Hiitteubetrieb. Eben jetzt hat eine Anzahl von Zechen den Abschluß vom 3. rcsp. 1. Quartal ihres Geschäftsjahres herausgegeben. Die hier auftnarschirenden Zalilenkoloimen lassen nus einen belvnnderndcii Blick thun in die Fähigkeit der Werksbcsitzcr. die flotte Zeit für sich auszunutzen. Wir entnehmen der„Berg- und Hiittcliarbeiter-Zeitimg" folgende interessante Gegenüberstellung. ES hatten Uebcrschiisse: 1892 1898 Mark Mark Gelsenkirchcncr B.-G. svon Januar— Septcmb.) 3 278 274 8 429 122 Hibcrnia B.-G.(von Januar— September). 3283 821 4 498 247 Harpen B.-G.(von Juli-Septcmbcr)..» 348 989 2 123 133 1897 1398 Nordstern B.-G.(von Juli— September)., 228 902 763 800 Essener B.-V. König Wilhelm(September). 121 187 122 409 Königsborn B.-G.(September)..... 91 297 94 209 Wir sehen hier an dem Beispiel der größten und mittleren Zcchcngcsellschaften, wie trotz aller Klagen über die„steigenden Arbeitslöhne" der llnternehmergelvinn rapide wächst. Zeigen wir auch an einem Beispiel, was es mit der gerechten Vertheuinig der BetriebSgewinne ans sich Hai. Die Harpener Gesellschaft klagt besonders herzbrechend über die „hohen Arbeitslöhne, welche ein volles Ausimtzen der Konjimkinr nicht ermöglichen," Man vergleiche demgegenüber die Geivinne der Gesellschaft. Von 1392-98 hob sich der Gewinn um 120 pCt.! Und doch klagt INNN! Die Gesellschaft beschäftigte 16 342 Arbeiter, deren Lohn sich im letzten Jahr um 8,3 pCt. hob; dafür stieg der Nciiiübcrschnß um 12,4 pCt. Aber immer wird geklagt über hohe Arbeitslöhne. Ja, soll denn der Arbeiter gar kein Recht haben an den Wcrthen, die er, und nicht die Börsianer und spckulirenden Papierinhabcr erzeugt? Man sehe sich nur folgende Tabelle an. Rechnen wir bei der Harpencr Gesellschaft Dividende und Lohn- summe gleich 100 als Gesammtergeblutz zusammen, dann ergicbt sich, daß erhielten: Aktionäre . 14,98 pEt. . 12,44„ . 19,69„ . 22,63„ . 23,97„ Arbeiter 82,02 pCt. 84,56 80,31 77,37.. 70,03„ 1893.. 1894.. 1892.. 1896.. 1897.. Der Bergmaini. welcher unter Mühe und großer Lebensgefahr die Rcichthümer schafft, erhält immer weniger und die nichtSthuenden Aktionäre stecken immer größere Anthcile ei». Wie will man diese Unaerechtigkeit rechtfertigen? Man kann cS nicht, daher schreit man nach Kiicbclnngsgesctzen für die Arbeiter, um die„begehrliche Masse" „zur Ordnung" zu bringen. Wir möchten sehen,>vie es mit der BergiiiannSbezahlnng aussähe, wenn wir nicht fortgesetzt die öffcitt- liche Meinung auf die Vorgänge im Bergbau lenkte». VersmumUmsrn.' Ter Metallarbeiter-Verband iVerwaltiiugsstclle Berlin) hielt am Sonntag im Fcenpalast die Äencralversammlnug für das III. Quartal dieses Jahres ab. Nach dein Bericht des Kassirers P ä tz o I d beträgt der Bestand vom II. Quartal 66 028,44 M., die Gesammteinnahme 28 422,20 M., die GesammtauSgabe 16 318,97 M. Bestand am Schlüsse des III. Quartals 78 164,67 M. An de» Haupt- vorstand sind 10 712.71 M. abgeführt. Der Mitgliederbestand betrug am Schlüsse deS II. Quartals l4 703 männliche. 226 weibliche. Ein- getreten sind im Laufe des III. Quartals 2646 männliche, 26 lvcib- liche, abgemeldet 182, somit sind am Schluß des III. Quartals 17 164 männliche niid 222 weibliche Mitglieder vorhaiidcn. An den Kassenbericht schloß sich eine längere Debatte über interne Verbands- aiigelegeiiheiten. dann wurde dem Kassircr einstimmig Decharge er- thcilt. Zum nächsten Punkt der TageSordniiiig: Unsere Taktik bei Lohnbewegungen und Streiks, führte L i t f i n aus: Die Kollegen haben bei' vcrichicdenen in letzter Zeit vorgekommenen Tiffemizeii zwischen Unternehmern und Arbeitern einzelner Werkstätten nicht iinincr die bestehenden Beschlüsse beachtet. Da aiigenblicklich Streiks nicht leicht durchgeführt werden können, so sei es durchaus noth- wendig, daß, ehe man'zu einer ArbeitSincdcrlcguiig schreitet, erst alle Mittel erschöpft werden, die geeignet sind, eine Beilegung bestehender Diffcreiizen herbeizuführen. Unter allen Umständen müsse aber, bevor die Arbeit niedergelegt wird, der OriSverwaltting von den Differenzen Mittheilimg gemacht werden. Nur Iveilli das beachtet wird, sei ein Erfolg'zu erwarten.— Hieran schloß sich eine längere Aussprache über mehrere Eiilzelfälle, auf die Litfin's Allsführungen zu beziehen sind.— Ein von einigen Mit- aliedcrii gestellter Antrag: Die Unterstützung derjeiiigeii. die iaut Beschluß der OrtSverwaltung als wegen ihrer Thätigkeit für den Verband gemaßrcgelt angesehen werden, von 12 M. auf 15 M. wöchentlich zu erhöhen, fand' widerspruchslose Amiahme. Als Bei- sitzcr wurden folgende Mitglieder bestätigt: Bezirksleiter für Wedding: Bräutigam; Oranienburger und Nvienthalcr Vor- stadt: Schmidt; Osten: Werner; Süden und Zentrum: H üttner; Westen und Südwesten: Müh ring; Moabit: Wald; als Branchen-Vertraueiiömiumer der Klempner: Schröder' der Mechaniker und Uhrmacher: B ä h r. Der Berein der Töpfer für Berlin und Umgegend hielt am 2. November seine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesord- nnng stand eii: Vortrag deS Mitgliedes Thieme und folgte den Ailsfiihrungcii des Redners eine längere Diskussion. Sodann gelaugte der Kassenbericht des Vereins durch den Kassirer Völler zur Verlesung. Räch Erledignng verschiedener Anträge beschloß man. in Charlotteiiburg, bei Kolbo, Grünstr. 12, eine Zahlstelle zu er- richten. Eine Filialversanimlmig der Graveure und Ziseleure tagte am 1. November im Dresdener Gatten. Mitgcthcilt wurde, daß der Zentralvorstmid beabsichtigt, in nächster Zeit eine Berufs- statistik über ganz Deutschland zu v e r a n st a l: e n. Die Ber- sammluiig wählte eine Kommission von 2 Mitglkedcrn. um für Berlin die Vorarbeiten zu dieser Statistik fertigzustellen. Stadt- verordneter D np o nt hielt hierauf einen interessanten Vortrag über „Die Gcwcrkschastöprcsse Deutschlands". In der daraus solgenden Diskussion wurde speziell der Werth der Fachzeittnig des eigciic» Berufes näher erörtert. Der Vorsitzende machte alSdarai auf das zum 12. November arrangirte Wintervergnügen, sowie auf den am 27. November stattfindenden Vortrag in der Treptoiver Sternwarte aufmerksam und ersuchte un: rege Betheiligung. Von der Lohnkon.missiou der Bauarbeiter erhalten wir folgende Zuschrift: In unserem Bericht vom 6. November ist eine Unrichtigkeit ent- halten. ES ist nicht der Vorschlag Reunthalcr's angenommen, sondern ein Antrag, daß die Akkordarbeiter 0,20 M. und die Lohnarbeiter 0,22 M. bis auf weiteres kleben. Friedrichsberg. Ente öffentliche Francuvcrsammlung, die am 1. November tagte, schtttt nach einen: beifällig ausgenoinmenen Vortrage der Frau M e s ch zur Gründung eines„Frauen- und Mädchen- BildungsvereinZ", dem sofort 17 der aniveseuden Frauen beitraten. Die Wahl des Vorstandes ergab: Frau Ä r a p k a t, Vorsitzende, Frau Kreil, Äassirerin und Frau R a d a>: z, Schrift- führcrin. Die Mitgliederversammlungen sollen jeden Dienstag»ach dem 1. im Monat abgehalten iverden. Die nächste Versammlung findet am 4. Dezember statt. Schutz beu Verliner Zlrbeitcrtuneu. Die Gcwerve-Ordnung enthnlt eine Reihe gesetzlicher Bcstnilmuiigci>> welche die Arbeilerinnen iowohl wie die jugendlichen Arbeiter gegen die Ausbeutungssucht der ■Unternehmer schützen sollen. Diese Bestimmungen bezichen sich auf„die Daiier der Arbeitszeit";„Schluß der Arbeitszeit am Sonnabend";„Be- schäftigung von Minderjährigen";„Kündigung und Gründe für EnU lassungen";„Ausstellung von Zeugnissen";„Strafgelder und andere Lohn- obzüge";„Hygienische und sanitäre Schutzmaßregel»";„Ungesunde Arbeits- räume":„Ankleidcräume, Waschvorrichtnngen und getrennte Aborte"! «Unsittliche Angriffe der Arbeitgeber";„Beschwerderecht". Um de» Arbeiterinnen und sngendlichen Arbeitern die Möglichkeit zu gebe», sich über die einschlägigen Gesetzes-Vorschriften eingehend tnforuiiren zu können, haben die unten genannten Personen sich bereit erilärt, auf diesem Gebiete unentgeltlich Rath zu ertheilen, sowie etwaige Beschwerden über Mißstände in Fabriken und Werkstätten, namentlich aber, wo solche sittlichen und moralischen Charakters bestehen, entgegen zu nehmen. Den Beschwerdeführenden ist strengste Diskretion gesichert. Man wende sich in allen vorkommenden Fällen an eine der nach- olgenden Adresse»: Fr. Schneider, Berlin �.0., Söchstestr. 29. I.; Fr. Rohr lack. Berlin N.O., Große Frankfurtersir. 75, Qucrgcb. III.; Frl. Baader, Berlin N.O., Straußbergerstr. 28, v. IV.; Frl. Haafe, Berlin O. Alexanderstr 15; Fr. Thiede, Berlin 8., Urbanstr. 36, Iii.; Fr. L u tz„ Berlin S.W., Puttlamerstr. 7; Fr. Bauschte, Berlin l�.W., Rathenowerstrabe 67, Hof II.; Fr. M e s ch, Berlin, Lychenerstr. 3, IV. Sprechzeit Freitags, abends 7—9 Uhr. Ferner an Rudolf Millarg, Berlin 8., Annenstr 16 lGewertschastsbureau). Täglich, außer Sonntags, vormittags 9—1 und nachmittags 6—8 Uhr. Briefkasten der Kedaklion. Wir bitten, bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erlheilt werden soll und die letzre Abonnementsquittung beizulegen, Fragen ohne solche werden nicht beant- wartet und schristliche Antwori nicht ertheilt Tie juristilche Tprechstniide wird Tienstags. TounerstagS und Freitags abends von 7'/2 bis 8Vj Uhr abgehalten. C. B. IVO. 4217 Schutzleute, 387 Polizciwachtnieister, 125 Polizei- lieutsnants je. O. K. Lesen Sie„Grundsätze und Forderungen der Sozialdemo- lratie" von Kautsly und Schoenlant.— Eine Braun'sche Broschüre kommt nicht. Görki. War Stadtverordneter, siel über Bord und ist für die Parts. todt. Nähere Angaben eignen sich für den Briefkasten nicht. C. K. Adresse: Dessau,„Bolksblatt für Anhalt", Landstr. 33.— Jl, Bemburg nichts._ Witterungsnbersicht vom 7. November I8t>8, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien L s i E S S 5 2 e>- c a s Q T Weiter 771 NSN 1 heiter 771 2 tili-Nebel 772 Still—|NeheI 770 3 I bedeckt 769 O 5 Nebel 772 Still— iwolkenl Wetter-Prognose für Dienstag, de» 8. Theils heiler, tbeils nebelig bei mäßigen Nacht und steigender Tagestemperntur; keine oder eo e" H Stationen s, 3 Haparanda 2 Petersburg Cork Abcrdeen Paris November I8S8. südlichen Winden; kalte unerhebliche Niederschläge '"iimur Maldemokratischer Mahloerein für deu 4. Verl. Relchstagg-Maliikrels(LW. Dienstag, den 8. d. M.. abends 8 Uhr. im Lokal deS Herr» Breuer sKöuigsbaiikl, Gr. Frankfurterstr. 117: Vor sn in in l u 11 g D a g e S- O r d n u n g: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Genossen rrlt« Znheil. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 243/11 Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Die Versammlung wird präzise eröffnet.____ Der Vor»taud. Achtung! o. Wahlkreis, ältiiiig! (S�öuhsusev Vorstadt.) Am DonnerstaR-, den 10. �Tovembcr, abends 8 Uhr, Im Berliner Prater, Kastanien- Allee 7-9; Volks N ersammlnng Die Sozilllhemokriltie mid die iilLerilstiliüille Reilktiltt!. Referent: Vilkeim Liebknecht. Per Yertrancnsm ann. ANm! Holzlirbeiter. Mkm\ Am Donncrstae, den 10. Xoveiuber, abends 8 Uhr, bei Keller, Koppenstrassc SO: Si'ojjc öjselttliche Kolzarbeittt-VtrsaMlung. TageS-Ordnung: Die gegenwärtige Lage des Streiks bei Dheador Fovk, Kretzschmar& Comp. 108/20 _ Ter Bertrauenömann. Zentral-Bervand der Töpfer und BcrufSgenoffeu Dcntschlauds. Filiale Berlin. llienslag. llen 8. ll. Ii, abends 6 Uhr, im Englisch. Garten, Alexanderstrasse 37c; 195/10 - OeneraS-Versammlung. T.- O.: Vortrag. Abrechnung vom III. Quartal. Gewerkschaftliches. Zahlreiches u. pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Achtung! � Sechs BVütgBiedep-ITersammS�ingen dev �Klzlstelle Verliir ll des Zentral-Verbanöes der Maurer am Mittwoch, den 9. November, abends 8 Uhr: für Tüd-Ost: bei Brüder, Waldemarstr. 73; für Noid-Ost und Ost:„Königsbank", Grofte Frankfiirterstraße Nr. R17; für Norde» und Wedding: im Lokale Brunnenstraße 184; für Süd-Westen: bei Zubeil, Lindenstrafte Ivl»; für Moabit: bei Fischer, Bensselstrahe 9; nnd am Donnerstag;, den 19. November er., abend. 8 Uhr: für Westen: bei Zühlke, Dennewitzstrafte 13. Tages-Ordr. ung in allen Versammlungen: l. Tie bevorstehende stlbstempelung der Sammel- karten und die eventuelle Einziehung der Verbandsb»i>lier. 2. Gewerkschaftliches. s24/72» _ Um zahlreichen Besuch ersucht_ Die lokale Verwaltung. I A.: W. Schnlz._ Maurer Berlins nnd Umgegend. Am Mittwoch, den 9. November, abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Nümann(früher Griindel), Brniinenstrahe 188: Oefsentliche Versammlung. Taaes-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die neue Organisation des Handwerks und die Arbeiter". Referent Genosse Kessler. 2. Situationsbericht. 3. Gewerkschaftliches. 264/4 Die Lahnkommission. I. A.: H. Betzke. Achtung!"WU Ztchtung! Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins! Donnerstag, de« 11. November, abends 8>/z Uhr: Große öffentliche Versammlung »m Kolber«er 8alon, Kvlbcrgerstratz« 33. Tages-Ordtiung: 1.„Die Armenunterstützmig, eine Folge der Hungerlöhne, welche in Pappenfabriken und Luiitpensortiranstalten gezahlt werden." Referent: Genosse Fanl Jahn. 2. Diskussion. 3. Verschrcdmes. Zu dieser Versainmlung sind alle Fabrik-, gewerblichen Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen, insbesondere die in Pappenfabriken und Lunipen orttr- anstalten, speziell bei der Firma Samuel Meyer, Voltastraße, beschäftigten eingeladen. 91/1 _ Per Elnbernfcr; Emil Schumann, Kolbergerstrabe 23. Wir haben mit dem Ansstos. unseres nach Pilsener Art gebrauten Pieiielsdorfer Pilsner begonnen. Brauerei Piehelsdorf. 94L* SSM Orauien-Halleii Am Borltzplatz. Oranlenstr. 51. Am Xloritzplatz. Inliaher: Hermann Scholze 6322s* « empfiehlt seine Säle den Vereinen zu Versammlungen und Festlichkeiten. Im unteren Lstal täglich: Frei-Konzert. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, den 13. November, nachmittags präzise 8% Uhr, Im Ostend-Carl Weiss-Theater: Die Sclimetterlings- Schlacht. Komödie in 4 Akten von H. Sudermann. Nenanfnahmen werden durch die Zahlstellen vorgenommen: nur die- jenigen neu aufgenommenen Mitglieder haben zur angezeigten Vorstellung Zutritt, die sich mindestens 3 Tage vorher aufnehmen lassen. 150/19 Avis! Sonntag, den 30. November tDodtensonntag), abends 7 Uhr, in den elegant ausgestatteten Flora-iSitlen, Weberstrasse 17: ionstit lind Mlmalions-Adcuii unter Mitwirkung namhafter Komponisten, Sänger und Sängerinnen, sowie hervorragender schauspielerischer Kräfte hiesiger Theater. - Fintritt 40 Pfg.-- B. Günzel. Lothrinoorstr 52 Spezialität: Porträt «TaVa�T-o, anuallRUvisu. js. so,mlis,jschcr FUbier.s Lassälle, Marx:c. m Cigarrenspitzen, Pieise», Nadeln, Blochen, Knöpse», Büsten, Bildern u. dgl., sowie jede Drcchslerwoare u. Repar. lMan vcri. Preisturant) Kein Laden! Enipschle Lager in mein reichhaltiges 97?* Alz- unh Zeideilhiittn, �ChiR'RBCB in den tieuesten Fo?ons und Farben, äußerst billige Preise._ Kichard Anklamerfir. 41, zweites Haus von der Brunnenstraße. Eingang vom Hausflur. - Bitte genau auf die Hausnummer zu achten.—— Brauerei Friedrichshain (früher Ldpps). Zu der am Sonntag, den 13. November 18S8 stattfindenden Frithjof• Anfrubrnng' findet ein Billetverkauf nicht mehr statt, da sdmmtllehe BUlcts vergrilTcn sind. ite Anffilhrnng findet am 37. Dezember 1898 in Die zwe:_ der Brauerei Friedrichshain statt. 20066 Das Komitee. Buckower Str. 9„Luisenhof" Buckower Str. 9 (Verkehrslokal der Arbeiter-Bildungsschule) mvmt yamllleii-Restaurant u. z Säle (120—150 Personen fassend) für Vereine zn Festlichkelten nnd Versammlungen. Noch einige Sonnabende und Sonntage frei; auch BereinSztmmer mit Piano(20- 80 Perf. fassend) noch einige Tage frei. ca. 8O Partei- n. Gewerksoliafts-Xcitnngen liegen ans. Für gnte Küche und IT. Piere ist bestens gesorgt. Hochachtend I. V.: Carl Maschke. Cential-Fcstsälc, Empfehle meine Säle, 100—800 Personen fassend(mit Bühne), zu Fest- tichkeiten. öffentlichen wie Vereinsversammlungen, Kommersen zc. zu den wulanlesten Bedingungm._[27g*)_ Franz Müller. Möbel und Polsterwaaren.®rÄÄel Arbeit, äußerst billige M jKaslinlv Preise, empsiehlt Reichenbergerstr. 5. Auch Theilzahlung!(* Grts-Krankenkajse der Sildkauei'. Stuekaleure u. verwandter Gewerbe zu Berlin. Die ordentliche Ueneral- versammlung fmdei am 17. November er., ttbbö. SVaUhr, Bniien- stratze Iß im oberen Saale statt. Tagesordnung: 1. a) Wahlen: die Herren Arbeitgeber wählen ein Vorstandsmitglied. d) die Herren Arbeitnehmer wählen zwei Vorstandsmitglieder. 2. Wahl des Ausschusses für die Prüsimg d. Rechnung f.d. Jahr 1893. 3. Vern-ag mit den Aerzten. 4. Vermiedenes. Gleichzeitig geben wir d. Mitgliedern unserer Kasse bekannt, daß das im vorigen Jahre von d. Generaiversamm- lung geänderte Statut die Geuehmi- gung des Bezirksausschusses am 26. Ol- tober 1898 erhalten hat; demnach werden die Beittäge erniedrigt und die Unterstützungen erhöht. Die Statuten können täglich in unserem Kassenlolal entgegengenommen werden und wird auch unser Kassirer dieselben bei seinem Rundgang den Mitgliedern übermitteln. 20/20 DaS genannte Statut tritt mit dem Tage d. heuiig.Belaniitmachung in traft. Der Vorstand: I. A.: J. SBfner, Vorsitzender. Berlin, den 6. November 1898. Gustav Ehrlich Bnchdrnckerei, Berlin SW., Zimmerftratze 18, Hof parterre, liefert sämmtlstbe Drucksachen für Vereine, schnell u. preiswerth. 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Meldungen: SuddIr»IttIonSchillingst.29 Flora- Säle Beruh. Xleft, 17. Weberstr. 17. 1000 Pers. fassend. Vollst, neu einger. Sonnabende, 2«. Nov., 17. Dez., 1. u. 2. Weihn.-Felert.; Vorm. Matindsfrel! Saal utiii VemilSMUier an Sonnabenden n. anderen Tagen zu Festlichteiten u. Versammlungen 641,*) Iuselstr. 10.<9. H. Paster. Separat«; Bereiiiszimmcr z.verg. 25—30 Pen, fass. Grüner Weg 110. Sotten, Steppdecken. Gardinen, Portiären, Tischdecken, Wasseldecken. Wlnterpaleiote, Anzüge, Regulatoren, RemonwiruHren, Operngläser spottbillig Bsandleihe Neanderstr. 6. PHssöe- Brennern. B Stoff wird ausgeichlagen und getollt. Rtch. Hintze, Schöneberg b. Berlin, _ H a u p l st r. 5/6.[20196 Carl Becker Gigarren.GigarrettenJabake Gerichtstr. 38. B-hneingang pari. AAiing, Klavitrai'lieittr! In der Pianofabrik von Laurinat, Wasserthorstraße 9, haben sämmtliche Bodeiimachcr infolge Lohndisserenzen die Arbeit niedergelegt, es ist somit Ehrenpflicht jedes Kollegen, den Zuzug nach genannter Fabrik streng fern- zuhalten 143/1 Die Igltstlono-KommliZlon des Fachvereins d. Musikinstrumenten-Arbeiter Berlins und Umgegend. Quasten- u. Frnnzcnarbeitcrin ver.angt sofort Louis Knopsmacher, 2009b Stralauerslr. 56. Tchürzen- Arbeiterinnen aus bessere Sachen, welche größere Posten liefern können, verlangt bei hohem Lohn Finna Zllfred Joseph, Kommandanteustt. 59, 2 Tr. 12064b Wäsche-Näherin in u. außen» Hause Verl. Adam, Raumcrstr. 11 1. Tüchtiger Vergolder-Gehilfe (Roharbeiter) sofort verlangt. Rahmen- Fabrik Stolpe, 20726) Potsdamerstr. 20. Deutscher EolzarJieKer- Verband. Den Mttaliedem zur Mittheilung, daß das Mitglied Einii Simonssn am Sonnabend verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittags 4 Nhr, von der Leichenhalle des' Thomas- Kirch- Hofes in Rirdorf aus statt Tie LrtSverwaltuug. Deutscher Metii5l!rbtittt-Vtrbiii!!>. (Verwaltungsstelle Berlin) Todes-Llnzeige. Am Sonnabend, den 5. November, starb unser Mitglied, der Former Bduard Roseier. Ehre seinem Andenken? Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. d.M., nachmittags 3 Uhr, vom Paul Gerhardt-Stift, Müllersir. 56, aus statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 114,9 Tie Qrtsvcrwallnng. 'Mnler u. verwandte Derufsgenossen. Am Sonntag, den 6. November, starb unser langjähriges Mitglied, der Maler 125/4 vennj Behren! Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 10. No- vember nachm. 2 Uhr vom Trauer- Hause, Wriezenerstt. 31, aus statt. Um rege Bethetligung ersucht Ter Borstand der Filiale II. Todes-Zlnzeige. Den Mitgliedem des Gefangvereins „Rothe Nelke II" zur Nachricht, daß unser langjähriges treues Mitglied Benrg Behrend am Sonntag den 6, November, nachm. 2»/. Uhr, gestorben ist. Die Beerdigung find, am DonnerS- tag den 10. d. M., nachm. 2 Uhr, vom Trauerhause Wrietzenerstr. 31 nach dem Paulus-Kirchhof statt, Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. 2068b Ter Borftanb. Dodes-.Anzelge. Am 6. November starb unser Kollege Csrl Walter an d. Proletar.-Krankh. Die Beerdig. stndet am 9. Nov. nachm. 4 Uhr vom Emmaus-Ktrchhos aus statt. 2070b Die Kollegen der Flanokadrik Otto. Danksagung. Für die vielen Beweise herz- licher Theilnahme u. zahlreicher Betheiligung bei der Beerdigung meines liebe» Mannes U.Vaters, insbesondere dein Herrn Meister u. Kollegen der Bechsteinsschen Hospianofabttk, sage ich hiermit innig. Dank; auch meinen lieben Kolleginnen danke ich. 20756 Lydia Jahn, Wienerstr. 33d. III»! lll!»Bl>—«»«Eg Redakteur für eine täglich erscheinende Zeitung gesucht. Antritt möglichst sofort. Offerten mit Referenzen, Gebalts- aniprüchen zc. erbeten an W. Gerlach, Miihlhausen i. Th.. Ammersir. 72. Danksagung. Hiermit allen Theilnehmern, die meinem lieben guten Mann, dem Metalldrechsler 2067b Paul Wolff, insbesondere d. Mitgliedern des sechsten Berliner kozialdei». Wahlvereiiis und Pankow-Nieder-Schönhousen. Arbeiter- Vereins meinen herzlichsten Dank. 2007bl_ Bertha Woltf. Ich erkläre Frau Richter, Palli- sadenstraße 85, für eine anständige Frau. Zlese. m 38 Mark fertige seine Winter- Paletots nach Mab, für 30 Mark hochfeine An- züge nach Maß, für 8—12 Mark feine Hosen nach Maß.[392» Riesenstofnager Kransenstr. 14. 1(kein Laden), Möbel,! baar u. Theilzabluna, billigst Frank- fnrtcr Zllice 110 I, Ecke Königsdergerstr. Dr. med. Seit aper, prakt. Homöopath. Arzt u Spezialarzt f. Haut-, Harn-, GeschlcchtSlcidrn. Frauenkrankheiten. Spr. 9-1, 4-3 8ebi»neberger Ufer 35. Romöopatii. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnab. Ab. 7-3. Frlrdrichstrai>e 114, 1. Villen-Terrain, 90 Ruthen, prachtvolle Lage, 20 Pf.- Tour, hart a. d. Bahn, verkauft billig Gastwirth Mücke, Pflugstr. 9. Schläfst, sogl. z. verm. b. Mcvcr' Wilhelinstr. 54, 2 Tr. 20655' Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. ». 262. ig. mw z. Keilllge des„Kmarts" Kerliner KlksblM. Soziale VechtsMege. Gegen die Lohn«u,sprüche zweier Kragennäherinne« machte die beklagte Frau Seifert vor dem Gewerbegericht geltend, die von den Klägerinnen gearbeiteten Kragen seien unbrauchbar, man habe sie ihr deshalb im Geschäft nicht abgenommen. Auch hätten die Mädchen die Arbeit ohne vorherige Kündigung niedergelegt, so daß sie den Lohn schon aus diesem Grunde deHalten könne. Eventuell wollte die Beklagte gegen die Forderung der einen Klägerin ein ihr gemachtes Geburtstagsgeschenk aufrechnen. Das Gewerbe- gcricht verurtheilte indessen Frau Seifert, an jede Klägerin 7,80 Mark zu zahlen. Zur Begründung führte der Vorsitzende Techow aus: Zur plötzlichen Aufgabe der Arbeit seien die Mädchen berechtigt gewesen, weil die Beklagte sie an Tagen, die nicht gesetzmäßige Feiertage waren, habe aussetzen lassen, ohne ibnen eine Vergütigung dafür zu geben. Der Anspruch, das Geburtstagsgeschenk als Lohn zu verrechnen, könne vor dem Gcwcrbegericht überhaupt nicht berücksichtigt werden, da Geburtstagsgeschenke, die der Arbeitgeber den Arbeite- rinnen zukommen lasse, mit dem gewerblichen Arbeits- verhältniß nichts zu thun hätten. Und was die angebliche Un- brauchbarscit der Kragen angehe, so habe ihre Besichtigung durch die sachverständigen Beisitzer ergeben, daß sie untadel- Haft seien. Es gehe darum die Mädchen nichts an, daß sie nicht abgenommen wurden. Der Vertreter des Arbeitgebers spielt in vielen Prozessen, die das Gcwerbegericht beschäftigen, eine große Rolle. Im§ 123 der Gewerbe- Ordnung, der die Gründe zur sofortigen Entlassung enthält, wird der Vertreter des Arbeitgebers wiederholt genannt. Zum Beispiel ist die grobe Beleidigung des Vertreters ein Grund, den Arbeiter sofort zu entlassen. Die Kammer I des Gewerbe- gerichts hat jetzt ein wichtiges Urtheil gefällt, worin die Frage, ob der Aufpasser ein Vertreter des Arbeit- gebers im Sinne des Gesetzes sei, entschieden wird. Der Beklagte Schulz, Inhaber einer Kurbelstepperei, macht gegen die Klage einer Stepperin geltend, sie sei mit Recht ohne vorherige Kündigung entlassen worden, weil sie seinen Vertreter grob be- leidigt habe. Auch hätte sie andere Arbeiterinnen angestiftet, nicht so schnell zu arbeiten. Nach den Feststellungen des Gerichts war der Sachverhalt kurz folgender: Der Beklagte hatte für die Zeit, wo er sich auf Geschäftsgängen befand, seinen Zeichner Klawitter damit betraut, die Arbeiterinnen zu beaufsichtigen. Klawitter sollte vor allem darauf achten, daß die Mädchen über ihr unterhaltendes Geplauder die Arbeit nicht vergäßen. Am Entlassungstage kam es zu einem scharfe« Geplänkel. Als Klawitter dann, eingedenk seines Auftrages, mit einem Machtwort dazwischen fuhr, soll die Klägerin ein Schmeichelwort auf ihn gemünzt haben. Der Gerichtshof verurtheilte den Beklagten, der Klägerin eine Lohnentschädigung wegen unberechtigter Entlassung zu gewähren, und Gcwerberichter Techow führte begründend aus Da Klawitter die Mädchen nur während der Abwesenheit des Chefs habe beaufsichtigen sollen� und keine Vollmacht gehabt habe, entscheidend einzugreifen, so könne er lediglich als Auf- passer, nicht aber als Vertreter des Beklagte« angesehen werden. Vertreter im Sinne des Gesetzes seien nur der Betriebsleiter, der Abtheilungschef, der Werk m ei st er und Personen, denen ausdrücklich weitgehendeBefug nisse, z. B. die der selbständigen Entlassung, eingeräumt seien. Wolle der Arbeitgeber jemanden nur für die Dauer vorübergehender Abwesenheit als„Vertreter" haben, dann müsse er ihm die Vollmacht gebe«, Arbeiter oder Arbeiterin.nen sofort zu entlassen, wenn sie sich gegen ihre Pflichten vergingen. Und den Arbeitern müsse er sagen, daß sie sich dem Bevollmächtigte« in allem zufügenhatten, so lange er nicht da sei. Orcus � Busch Achtung![&5S* Uerewe. Die Sonntage der Winter- Saison sind an Vereine zil ver- geben. Fritz Nagel, „Feldschlößchen-, Milllcrstr. 113J Reiclishallen Restaurant. Konzert des 24 Mann starken beliebte» ReichShallen-Orchefters. Dirigent: Max Schmidt. Entrre frei. Reiclisyb. Mttmtt SSilger tMetzsel, Pteero, Britton. Tteidl, Krone, Röhl, Schneider uns Schräder.) Anfang 8»Hr. Sonntag 7 Uhr. Tageskasse von 11—1 Uhr. Zum Schluß: Zum fünftletzten Male: Vor Ä3 Jahren. Ensemble von Meysel. 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Das Paradies der Frauen. Ansang 7»/z Uhr. Central. Die Geisha. Ans.?>/, Uhr. Thalia. Unser lustiges Berlin. An- stiiig 7i/j Uhr. Lnise». Die Schuld der Schuldlosen.. Anfang 8 Uhr. Ostend. Das Säthchen von Heil- bronn. Anfang 8 Uhr. Belle> Alliance Dorf und Stadt. Anfang 8 Uhr. Friedrich. Wiibclmstädtlsche«. Die Geheimnisse von London. Ansang 8 Uhr. Aleranderplatz. Ein verfehltes Leben. Ansang 8 llbr. Parodie. Tugend. Ailfang 8 Uhr. Urailia. Tanbcnstraste 48—4». Nalniliindliche Ausstellung. Täglich geössnel von ll> llbr vor- uiittogs ab. Eintritt M> Pf. Abends 8 Uhr: Die Urzeit des Menschen Fni atidenstraste 57 412. Täglich abends von 6—10 Uhr: Sleru- ivarte, Lperutelephvn. Apello. Sprzialiläteu- Borstellung. An Uliig 7>/z llbr RcichshaUe».' Stettiner Sänger. Änsaug 7 Uhr. Fee». Palast. Spezialitäten- Bor- steliung. Paj.uge- Piinoplikum. Speziali- iäten-Borslelluilg. Znisen-Theater 34.»teichenberger,, ratze 34. Abends 8 Uhr: Die Tchulü der Lliillldlosen. Schauspier in 6 Alten von Ad. Swltze. Morgen und folgende Tage: Tie Lchillil der cchiiiii losen. Sonllabeiid, den 12. November, nachmittags 3 Uhr: S c h u 1 e r- V o i*s te 11 n n g zu veionderS ermäßigten Preiieu: Maria Stuart. Trauerspiel von Friedrich p. Schiller. Tchiller-Theoter (Wallner-Theater). Dienstag: Mauerblümchen. Mittwoch: Die Haubeulerche. Donnerstag: Zu Schiller s Geburtstag, neu einstud.: Wilhelm T-ll. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 72/73. W> Vorletzte Aufführung! WW ztuser luftiges Berlin. Große Gesangsposse in 4 Bildern von E. Sonderiliann u. Eh. Bischoff. Musik von Curt Goldmanil. Anfang 7>/z Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag, den 10. November, zum 1. Male: Ter Hvpothckeiischustcr. Posse mit Gesang in 3 Akten von Leopold Ely, Musik von Cornelius Schüler. Crntra l T lzratvr Direktion: 4o»e porenorx. Die(fö r i s l; a oder: Eine japanische Thcehaus- Geschichte. Operette in 3 Alten v. Sidnep Jones. Morgen und die solgeltdeii Tage: Die Geisha. LstenMorl Weiß- Thtilter. Gr. Fraiiksurterstr. 132. Gastspiel des Herrn Cäsar Beck. Dos Käthlhell von Heilbronn. Ritterschauspiel iu 5 Akten von Heinrich von Kleist. Ansang 8 Uhr. Borzugsdillets haben Giltigkcit. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert.— Mittwoch,»achmittaaS 3 Uhr: 2. Schnler-Borstelluiig. Gast- spiel des Herrn C. B e ck. Bedeutend ermäßigte Preise: Das Kätbche» von Hcilbronn. AbendS: Robert und Bertram. Donnerstag: Tchluntz sei. Wwe. Freitag, zum lebten Male: Das Kätbche» von Hcildrou».— Somiobend, zum ersten Male: Onkel Jonas. Voltsstiilk mit Gesang in 5 Akten von Oskar Klein. Mustk von Wiechel.___ VOoack's Tlieater Kninncntitr. Iß. Heute Dienstag, den 8. November: Neu k Neu! Neu k In Saus und Draus. Origlnat-Poise mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Jacobiohn u. Hahn. Musik von Michaelis. Ämmg: TanzkrönBen. Morgen Mittwoch: Die zärtlichen Verwand»». Lustspiel in 3 Allen von Benedix. Upania TaiibenKtrasae 48/40. Abwechslungs weise Die Urzeit des Menschen und Quer durch Oesterreich. 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