Einzelpreis 70 Heller. Redaktion und Berwaltung: Prag, I., Nefazanta 18. Telephone. Tagesredaktion: 26795, 31469. Nachtredaktion: 26797. Postichedamt: 57544 Juferate werden aut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. 7. Jahrgang. Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit. Samstag, 29. Jänner 1927. Bezugs Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post: monatlich vierteljährlich halbjährig ganzjährig.. Kè 16.74 48.96.192.Rückstellung von Manustripten erfolgt nur bei Einfendung der Retourmarten. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich rüh Arbeiter und Arbeiterinnen! Werftätige in Gtadt und Land! Der reaktionäre Ring ist geschlossen! Mit dem Eintritt der slowakischen Klerikalen in die Regierung ist der enge Zusammenschluß aller bürgerlich reaktionä ren Parteien vollendet worden. Die Parteien der Besitzenden haben sich, die Leichtgläubigkeit, politische Naivität und Vertrauens seligkeit großer Bevölkerungsschichten gewissenlos ausnüßend, des Staates bemächtigt, um die schrankenlose Herrschaft des Befizes aufzurichten! Die deutschen Sozialdemokraten haben diese Entwicklung vorausgesehen. Sie haben unzähligemale darauf hingewiesen, daß das Bürgertum seine vorge= täuschten nationalen Ideale sofort wegzuwerfen bereit ist, wenn es seine wirklichen Ideale: Vermehrung des Profites, Ausnüßung der Staatsmacht zur Sicherung gewaltiger Sondergewinne, Zerstörung der sozialpolitischen Einrichtungen, Entrechtung der Arbeiter gemeinsam mit dem Bürgertun der andern Nationen erreichen kann. Die deutsche jozialdemokratische Arbeiterpartei hat wiederholt erklärt, daß der mit soviel Schwüren besiegelte Kam der deutschen Christlichsozialen und Landbündler für die Gleichberechtigung des deutschen Volkes nur ein Scheintampf war, dazu bestimmt, große Teile der deutschen Wählerschaft in ihre Gefolgschaft zu bringen, damit diese Parteien, wenn sie auf dem Rücken der Massen zur Macht, aufgestiegen sind, die so gewonnene Macht zur Knechtung der Betrogenen benüßen können. Die politische Entwicklung hat diese Voraussagen bestätigt! Bei den Wahlen verkündeten deutsche Christlichsoziale und der Bund der Landwirte das Evangelium der nationalen Einheitsfront und ein paar Monate später haben sie sich mit den tschechischen Nationalisten berbündet! Bei den Wahlen versprachen sie Wahrung der Interessen aller arbeitenden Volksschichten, Kampf für den Abbau der Steuerlasten, Hilfe den kleinen Handwerkern und Geschäftsleuten und haben dann alle Arbeitenden in tiefere Not gestürzt. Hohe Lebensm ttelzölle, die gleich verderblich find für die Arbeiter wie für die Beamten, Angestellten und Gewerbetreibenden, Erhöhung der Buderfteuer und der Spiritusfteuer, Erhöhung der Kongrua, alfo Höherbezahlung der Geistlichen auf Kosten der Armen, Beibehaltung der hohen laufenden Ausgaben für militärische 3wecke und Schaffung des Dreimilliarden- Rüftungsfonds das sind die bisherigen positiven Ergebnisse des Bürgerblocks. Nr. 24. Welchen Kurs die Bürgerregierung steuert, hat der Bevölkerung dieses Staates jener Prozeß gezeigt, in welchem Abgeordnete wegen der parlamentarischen Obstruktion angeklagt waren und der nur möglich wurde, weil die deutschbürgerlichen Regierungsparteien die oppositionellen Abgeordneten auslieferten. In Wahrheit jaß die reaktionäre Parlamentsmehrheit auf der Anklagebank! Die politijch reaktionären Pläne der Bürgerregierung werden gefennzeichnet durch die Absicht, die Steuerreform mit der Vernichtung des letzten Restes der Autonomie der Gemeinden zu verknüpfen und anstatt eine moderne Verwaltungsreform zu schaffen, die alt österreichische Länderverfassung zu neuem Leben zu erweden. Auch bisher schon war die Demokratie in diesem Staate verfälscht, verwässert und verzerrt. Aber die Bourgeoisie hielt es doch für geboten, die demokratische Maske zu tragen. Nun sinken die Larven, die Fraße der Reaktion wird sichtbar. Das alte Desterreich, das im Denken des Bürgertums immer lebendig geblieben ist, reckt sich wieder auf. Die alten historischen Individualitäten" mit ihren: bourgeoisen Machtapparat sollen fröhliche Wiederkehr feiern. Neue Privilegienparlamente, die Landtage mit ernannten Mitgliedern, sollen in der dem Namen nach noch immer demokratischen Republik erstehen PrivilegienBurgen der Agrarier, der Klerifalen, der Kapitalisten, die über einen gewaltigen, ihnen zu uneingeschränktem Gebrauch und Mißbrauch ausgelieferten Verwaltungsapparat werden verfügen können. Gräber der Selbstverwaltung werden diese Ländervertretungen sein- und init der Selbstverwaltung wird auch die soziale Verwaltung eingefargt. Die Regierung der Reaktionäre wird auch das schwerste Hindernis der kulturellen Aufwärtsentwicklung der Tschechoslowakei sein. Von der Trennung von Kirche und Staat, dieser großen Verheizung aller früheren Regierungen, ist mit keinem Worte, mehr Die Steve. Eine moderne Schulreform ist von einer Regierung, in der drei flerifale Barteien vertreten sind, nicht zu erwarten. Auf allen Gebieten des geistigen Lebens wird sich bald die lähmende Hand des römischen Klerifalismus geltend machen. Im Lande des Hus wird in Wahrheit Rom rerieren. Mit dem Eintritt der jlowakischen Klerikalen in die Regierung, die nun von drei fleritalen Parteien beherrscht sein wrd, mit dieser Renaissance des Klerifalismus in dem vor wenigen Jahren noch als hussitische Republik" gepriesenen Staate, erfolgt in Warheit: Die Auferstehung des alten Oesterreich! Wirtschaftliche, politische und kulturelle Reaktion, Herrschaft der Ausbeuter, Entrechtung der Arbeitenden das ist das Programm der Bürgerregierung, das ist der Sinn des Zusammenschlusses der Besitzenden aller Nationen zu einer geschlossenen Front gegen die Arbeiter, gegen alle Nichtbesitzenden! aber er Klassenegoismus der Besißenden greift ans Leben der arbeitenden Menschen weckt dadurch auch Kräfte des Widerstandes! Es gärt in den Tiefen! In jedem Arbeiterherzen, in der Seele jeder Arbeiterin, die ohnmächtig der Verelendung ihrer Kinder zusehen muß, regen sich Zorn und Haß. Zorn über den schändlichen Gebrauch der Macht, die die Herrschenden durch bewußte Irreführung großer Massen armer Menschen gewannen Haß ſtige Gelegenheit zur Vermehrung des Profits. In jeder Arbeiterwohnung, in jeder Kleinbauernhütte entringt sich den Lippen gequälter Männer und Frauen der Schrei: So fann dann wird imm es nicht weitergehen! Noch eine kleine Mehrbelastung der Tiefgebeugten ganzen Lande der Ruf ertönen: Nichts für die Schaffenden, alles für die Raffenden! wider jene, denen die lawinenschnell wachsende Not der Massen nichts anderes iſt, als gün Das ist die Parole der internationalen Bürgerregierung! Die fapitalistischen Parteien glauben nun gar keine Rücksicht mehr auf die Armen und Arbeitenden nehmen zu müssen, denn sie wähnen ihre Macht für alle Zeiten gesichert. Nun gehen sie mit der ganzen Brutalität der über die Notschreie der Arbeitenden spottenden Kapitalisten daran, ihre reaktionären Pläne durchzuführen! Was droht den Arbeitern, den Beamten, was droht allen Schaffenden von der Herrschaft der tschechisch- flowakisch- deutschmagyarischen Bürgerregierung? Eine Steuerreform, die den Arbeitern gar keine Entlastung bringt, das steuerfreie Existenzminimum nicht erhöht und es unmöglich machen will, daß der Unternehmer für die Angestellten die Einkommensteuer zahlt, die aber gleichzeitig die Besteuerung der ganz großen Einkommen beträchtlich vermindern will. Die Sozialversicherung soll, kaum daß sie in Straft getreten ist, schon wieder verschlechtert werden. Gegen die sozialpolitischen Einrichtungen, das Ergebnis jahrzehntelanger harter Stämpfe der Arbeiter, wird sich die ganze Wucht des Angriffes und Arbeiterurder internationalen Bürgermehrheit richten. Achtstundentag Icub sind gefährdet! Der Mieterschus soll in einer Zeit, da das Wohnungselend immer schrecklichere Formen annimmt, große Massen der Arbeiter unter Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit leiden, und selbst die wolveschäftigten mur ein erbärmlich- farges Leben fristen fönnen, radikal abgebaut werden! In drohende Nähe rückt die Einführung der militärischen Vorbereitung der Jugend. Und um das Militär aus der Verbindung mit dem Volfe zu lösen, es zu einem gefügigen Werkzeug jeder reaktionären Regierung zu machen, soll das Wahlrecht der Soldaten abgeschafft werden! Selbst zur Erfüllung jener Aufgabe, die den Christlichsozialen, Landbündlern und Gewerbeparteiltn als Vorwand für den Eintritt in die Regierung diente, zur Lösung der nationalen Frage, hat die internationale Bürgerregierung nichts getan, und wird sie nichts tun. Auch in der Zeit, da zwei deutsche Minister in der Regierung sizen, werden deutsche Schulen gejrerrt, deutsche Angestellte abgebaut, die Tschechisierung der Vervaltung fortgesetzt, bleibt die drakonische Sprachenverordnung in Kraft! Was nüßt es dem deutschen Volke in der Tichechoslowakei, wenn die deutschen, tschechischen, slowakischen und magyarischen Besitzenden sich über die gemeinsame Beherrschung der Arbeiter aller Nationen verständigen, alles nationale Unrecht aber weiter bestehen bleibt? ,, Wir leiden's nicht mehr! Nicht nur das deutsche Proletariat wird diesen Ruf erheben. In den Arbeitern aller Nationen, vor allem auch in den Massen des kampferprobten tschechischen Proletariats wird dieser Geist der Empörung und des Widerstandes lebendig werden er wird die Arbeitenden aller Völker zu einer Gemeinschaft des Kampfes zusammenschweißen. Im Namen der gewaltigen Massen der Arbeitenden, deren Anwalt und Berater und Vorfämpferin die Sozialdemokratie, erheben wie in dieser ernsten Stunde unsere warnende Stimme, den Bogen nicht zu überspannen! Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei, die nicht müde geworden ist, auf die verhängnisvollen Folgen der Politik des strupellosen kapitalistischen Klasseninteresses hinzuveijen, muß alle Verantwortung für die Wirkungen der Fortsetzung dieser Politik ablehnen. Mit der Warnung an die Herrschenden verbindet sie die Aufforderung an alle Opfer der Herrschaft des Bürgerblocks, an die arbeitenden Männer und Frauen aller Nationen des Landes, den notwendigen Abwehrkampf planmäßig und geordnet zu führen, sich organisatorisch zu sammeln zum Kampi gegen die Bürgerregierung! Sie müssen sich sammeln in den Reihen der Sozialdemokratie, die die Erwederin der Arbeiter aus dumpfem Sklavendajein zu lebenswertem, weil zielerleuchtetem und hoffnungsdurchglühtem Leben war und ist in den Reihen jener Partei, die allzeit Schild und Schwert der Arbeiterklasse war, sie müssen sich sammeln zum Kampf um die Vernichtung der Not! Kampf zum Sturze des Kapitalismus! Kampf für den Sozialismus! Der Parteivorstand der deutschen fozialdemokratischen Arbeiterpartei. Beite 2 Den Abgesandten der Kleinlandwirte und Häusler sowie der Land- und Forstarbeiter, die heute in Prag zur Reichstagung des kleinen Landvolkes zusammentreten, gift unser brüderlicher Gruß. Samstag, 29. Jänner 1927. beiterklasse erkennt nun deutlich, daß auch der Kampf gegen nationale Unterdrückung nur von der Partei geführt werden tann, die den Kampf gegen Unterdrückung jeder Art auf ihre Fahne geschrieben hat. ist fest entschlossen, diese Stampf, für den jte auc Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei bisher schon ihre besten Kräfte eingefeßt hat, ist fest entschlossen, diese Kampf, für den sie auc mit Energie und Entschlossenheit weiterzuführen. Getreu ihren demokratischen, von durchaus sozialiGruß dem Landvolt! aller fozialen Errungenschaften. Die Agrarier[ rungen des unterdrückten Landvolkes erheben bisher verstecken konnte, ist gefallen und die Arsind mit dem Handels- und Bankenkapital eng und zugleich den Auftakt zum allgemeinen Wiverschwägert, das arbeitende Landvolk ist das berstande gegen die Herrschaft der grünen InOpfer der unumschränkten Kapitalsherrschaft in ternationale und des kapitalistischen BürgerStaat und Wirtschaft. blocks im Staate geben. Die sozialdemokraDie sozialen Gegenfäße im Dorfe lassen tische Arbeiterschaft verfolgt mit aufrichtigen sich nicht mehr länger verschleiern. In zahl- Sympathien das Befreiungsstreben des kleinen reichen Gemeinden haben sich die Kleinen be- Landvolkes. Sie, die sich selbst aus den Tiefen Es ist zum erstenmale, daß sich die Ber- reits auf ihre eigenen Interessen besonnen, ihre grausamſter Unterdrückung emporgerungen hat, treter dieser zwei Gruppen des ländlichen Ar- Kraft in festen Organisationen gesammelt und steht mit ganzem Herzen auf der Seite aller beitervoltes zu einer gemeinsamen Kundgebung sind in den Kampf gegen die agrarische Allein- Unterdrückten. Industrie- und Agrarkapital stischem Geist erfüllten, von der Arbeiterinterin der Landeshauptstadt vereinigen, und darin herrschaft eingetreten. Mancher schöne Erfolg haben sich zu gemeinsamer Herrschaft verbun- nationale gebilligten Nationalitätenprogramm liegt ein geschichtlicher Fortschritt. ist durch diesen Zusammenschluß bereits erreicht den. Industrie- und Agrarproletariat müssen fordert sie die volle und uneingeschränkte demokraTringt doch so selten eine Stunde von dem worden. Doch die Loslösung des kleinen Land- sich zu gemeinsamer Abwehr zusammenschließen. tische Selbstverwaltung in allen Zweiaen und auf Leben und dem Existenzkampfe dieser Menschen volkes aus der Vormundschaft der Agrarier und Ihr Schicksalsbund ist der Fels, an dem das allen Stufen der Verwaltung, wobei das Staatsaus den weltfernen Dörfern und Gutshöfen in Klerikalen steht erst in den Anfängen. Den fapitalistische Unterdrückungssystem zerschellen gebiet unter Sicherung der Rechte der lokalen die Oeffentlichkeit. Jahrhundertelang war das jungen Organisationen der Kleinbauern und wird. Landvolk das stumme Opfer unmenschlicher Bandarbeiter steht noch ein weites Arbeitsfeld Mit dem Wunsche, daß die Reichstagung Bedrückung. Leibeigenschaft und Robot find offen. die Kampfgemeinschaft des arbeitenden Volkes zwar gefallen, aber an Stelle der grundherrDie Reichstagung des kleinen Landvolkes in Stadt und Land festigen und stärken möge, schaftlichen Obrigkeit ist eine neue großagrari- hat daher eine doppelte Aufgabe zu erfüllen. begrüßen wir die Vertrauensmänner des freien sche Herrenklasse getreten, die ihre Vorrechte mit Sie wird vor aller Oeffentlichkeit die Forde- Landvolkes. brutaler Rücksichtslosigkeit geltend macht. Wohnung, Pachtgrund und Arbeitsverhältnis brin gen die kleinen Eristenzen in schwerste Abhängigkeit von der Agrarbourgeoisie. Viel schlimmer als die wirtschaftliche wirkt sich die geistige Abhängigkeit des fleinen Landvolkes aus. Die Agrarier beherrschen mit geringen Ausnahmen die öffentliche Meinung des Dorfes. In den politischen Wirtshausgesprächen gilt das Wort des Großen. In der Kirche und weit darüber hinaus gilt das Wort des Pfarrers. Wer sich gegen das Uebergewicht des Besizdünkels aufbäumt, kann auf ein wahres Spießrutenlaufen zwischen Spott und Verfolgung gefaßt sein.„ Was will denn der sagen, er hat doch nichts!" ist die gebräuchliche Redensart. So kommt es, daß die Stimme des fleinen Landvolkes so selten zur Geltung fommt. So Tommt es, daß sich abgetafelte Grafen, geschniegelte Aufsichtsräte von Banken und Aftiengesellschaften als Vertreter und Wortführer des gesamten Landvolkes ausgeben können. Auf dem Rücken zehntausender Kleinbauern, Häusler und Dienstboten hat sich der Bund der Landwirte zur angeblich stärksten deutschen Partei emporgeschwindelt. Im Namen auch dieser Schichten des Landvolkes haben die deutschen und tschechischen Bollparteien Niederträchtigkeit auf Niederträchtigkeit gehäuft. Der Verbrechen der Agrarzölle, der Militärkredite und aller Voraussicht nach auch der Dienstzeitverlängerung werden mit der Ausrede gedeckt, daß sie im Interesse der gesamten Landbevölkerung geschehen sind. Gegen die Abwürgung der Demokratie! Für die demokratische Selbstverwaltung Selbstverwaltung für die nationale für die nationale Autonomie! Minderheiten in national möglichst einheitliche gleichzeitig mit der Reform der Administrative de Verwaltungsgebiete zu teilen ist. Sie fordert, daß Reform der Schulverwaltung in Angriff genom men und auf die Grundlage der kulturellen Autonomie aller Rationen neu aufgebaut wird. Sie fordert ferner, daß die Finanzwirtschaft der Selbstverwaltungskörper entsprechend den Grundsäten der wirtschaftlichen Selbständ gkeit der autonomen Körperschaften umgestaltet wird. Die Partei ruft das deutsche Proletariat zum Kampfe für diese Forderungen auf und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß auch die Arbei gen wird. tratischen Arbeiterpartei befaßte sich in seiner schaft überlassen waren. Die Einteilung des Selbstverwaltung mit ihr vereini Der Parteivorstand der deutschen sozialdento-| Wirkungskreis der autonomen Vertretungsförper- terklasse der übrigen Nationen sich im Kampfe um die demokratische Sigung am 28. Jänner sehr eingehend mit der Staatsgebietes nach Ländern ist weder verwalgeplanten Verwaltungsreform, mit der Absicht, tungstechnisch zweckmäßig, noch schafft sie wirtdie alte Länderorganisation wieder aufzurichten, schaftlich zusammenhängende Verwaltungssprenund faßte seine Kritik zusammen in folgender ein- gel, wohl aber ist sie geeignet, stimmig angenommener Entschließung: unter Ausschaltung der gesetzgebenden Kör perschaft und der gesamten Oeffentlichkeit die unheilvollen nationalen Konflikte zu verschärfen, Sigung des Parteivor tandes. Der Parteivorstand hielt am 28. Jänner eine Sibung ab, in welcher zunächst der Parteivorfißende Genosse Dr. Czech Bericht über die Verwahrung dagegen ein, daß die Re- wußt keine Rücksicht nimmt, sondern mit voller längerer Wechselrede, in der besonders die Folgen Der Parteivorstand legt entschieden dit: da sie auf die nationale Gliederung nicht nur be- politischen Ereignisse erstattete. Nach also eine Frage, welche die Lebensintereffen der eine hoffnungslose Position zu drängen. Die anschloß der Parteivorstand den an der Spitze des form der öffentlichen Verwaltung. Absicht darauf ausgeht, die Minderheit überall in des internationalen Zusammenschlusses der Bourgeoisie für die Arbeiterklasse erörtertwurden, beBevölkerung und die Grundprobleme des Staates gebliche Reform der Verwaltung bedeutet auch in Blattes veröffentlichten Aufruf an de arbei betrifft, nach den von der allnationalen Koalition Dieser Hinsicht einen schändlichen Rückschlag tende Bevölkerung. Besonders eingehend beschäfübernommenen Methoden gegenüber dem Gaugefes, das zwei nahezu rettigte fich der Parteivorstand mit der. immer deutsche Gaue vorgesehen hat. deutlichere Gestalt annehmenden Absichten, das Der Parteivorstand stellt fest, daß unter Gaugesetz überhaupt nicht durchzuführen und durch der Teilnahme von drei deutsch bür die Schaffung von Ländervertre im engsten Kreise nicht verfassungsmäßiger Kongerlichen Parteien an der Regierungs- tungen mit zum Teil ernannter Mitgliedschaft bentikel verhandelt wird, und zwar nicht nach mehrheit eine Regelung des Verwaltungspro- einen neuen tüdischen Streich zu führen. Der fachlichen Erwägungen, sondern lediglich mit Rückblems geschaffen wird, die sowohl in nationaler Barteivorstand nahm eine Entschließung an, in der ficht auf die politisch- taktische Situation des Hinsicht, als auch was den demokratischen Aufbau schärfste Kritik an diesen Plänen geübt, die ArbeiAugenblids. der Verwaltung betrifft, weit hinter dem von der terschaft zum Kampfe gegen sie aufgerufen und ausschließlich aus Tschechen und Slopaken beite- ihnen unsere alte Forderung nach voller demokra henden revolutionären Rationalversammlung tischer Selbstverwaltung und nationaler Autobeschlossenen Gesetze zurückbleibt. Das geschieht in nomie gegenüberstellt. Diese Entschließung wird derselben Zeit, da diese deutschbürgerlichen Bar- an anderer Stelle abgedruckt. teien einer Steuerreform ihre Zustimmung Bei Besprechung der politischen Situation geben, durch welche die Selbstverwas wurde auch die Zusammenarbeit mit den tungskörper der letten Reste der anderen sozialistischen Parteien er Selbständigkeit in ihrer Finanz- örtert und dabei das bisherige Vorgehen des Wie ist die wahre Gesinnung einer Bolts- aufzurufen. Unter dem Schlagworte der Erwirtschaft beraubt werden und in der Parteipräsidiums gebilligt. schichte so verfälscht und verdreht worden. Was neuerung der Landesautonomie sollen in Wahr selben Zeit, da ein Schulverwaltungs- Im weiteren Verkaufe der Sigung, der hauptdie Parteien der grünen Internationale als die heit selbst die schwachen und unzureichenden An- gefeß in Vorbereitung ist, welche den unerträg- sächlich Parteiangelegenheiten gewidmet war, Interessen des Landvolkes ausgeben, ist grund- fäße einer Demokratisierung der Verwaltung, wie lichen, halb absolutistischen, für das deutsche Schul- wurden als Termin für den Parteitag, dessen verschieden von dem, was das schwere Dasein sie das Gaugefeß vorsicht, völlig beseitigt werden.| wesen verderblichen Zustand, wie ihn das Kleine Tagesordnung bereits früher festgesetzt wurde, der der kleinen Landwirte, Land- und Forstarbeiter Die Reaktion scheut dabei nicht einmal davor zu Schulgesetz geschaffen hat, mit Zustimmung der 6., 7. und 8. Mai, als Tagungsort Teplitz beerleichtern fönnte. Den Agrariern geht es um rück, das Prinzip des allgemeinen beutschbürgerlichen Regierungsparteien verewigen stimmt. An der dermächst stattfindenden politischen und wirtschaftlichen Machtgewinn, ah Irechtes frech zu durchbrechen soll. Es ist damit erwiesen, Sigung der Exekutive der Sozialistischen Arbeiund Landesvertretungen zu schaffen, welche zu nehmen. bestehen. Das lebergewicht des büroOrgane der autonomen Verwaltung soll noch vergrößert werden und sich selbst auf jene Verwal- Die nationale Maske, hinter der sich der tungszweige erstrecken, die bisher dem eigenen brutale Klassenegoismus der bürgerlichen Parteten Der Inhalt der vorbereiteten Vorlage wird aller Demokratie zum Hohne streng geheimgehalten, aber die wenigen Andeutungen, die darüber in die Deffentlichkeit gedrungen find, reichen hin, um die deutsche Arbeiterklasse zum schärfsten Kampf gegen die geplanten neuen Anschläge der Reaktion den Kleinbauern um die Sicherung ihres be- einem vollen Drittel aus ernannten Mitgliedern daß die deutschbürgerlichen Regierungsparteien ter- Internationale wird Genosse Dr. Czech teilscheidenen Daseins. Die Land- und Forstarbeiter, die bisher so stiefmütterlich behandelt wur- tratischen Machtapparates über die den, verlangen ausgiebigen sozialen Schutz und auskömmliche Löhne, die Großagrarier wollen spottbillige Arbeitskräfte und die Beseitigung 23 Die Entsagung. Eine Kloster- Erzählung von Gerhard Färber. 11 Jenes Erlebnis in der Nacht, das letzte von vielen, hatte ihn sehr enttäuscht.( Er hatte ja teine Ahnung von der wirklichen Franzista: Er war in das Zimmer gestürzt, hatte getan, was jeder Mann in einem solchen Falle tun muß und dann, nach der Befriedigung, nach der Sättigung hatte ihn ein Gefühl des Eckels, einer innerlichen Abfehr vor all diesem, von dieser schreienden, hysterischen Person gepact, die sich rasend gebärbete. Er fonnte denken: Person." und hatte doch Franzistas wegen das Kloster verlassen, saj jetzt da als armselige Beamtenfreatur mit gelähmten Sehnen bei Fuchs u. Ascher im Bureau und war vielleicht bedauernswerter cls er selbst dachte. Er hatte alfo keine Ahnung von der wirklichen Franzista. Nein, Diese lehte Hingabe an die Schlagsahne war bei ihr nicht möglich!! Und dann zuletzt dieser Schlag auf den Kopf! Er war Vater! und zwar bei einer längst erledigten, ja halbvergessenen Person! Marie war vergessen, das ftand bei ihm feit! Aber je fester es bei ihm stand, desto öfter mußte er an sie denken, desto o ter streiften seine Gedanken Fleine, vergessene Gegenstände, Streichholzschach teln, Lichter jener Zeit und immer mehr kam das frühere Leben zu ihm zurück, wie Marie trotz ihrer edigen Schärfe sich ihm zugleich aus Lust und Liebe hingegeben hatte, wie sie ihn zart in ihre Arme geschlossen hatte, wie sie ihr kleines und scheues Leben ihm geoffenbart hatte, und so zog Stückchen für Stückchen, Hausrat für Hausrat, das ganze Dalein des ehemaligen Paters in seine Seele wie der ein. Wiedererinnerung! Du sentimentale Bante romantischer Gartenlabekunst. Du zarte Versöhnerin heimgegangener Dinge! du hast wundervolle Gaben, bu bist eine Dichterin, denn du bereit sind, die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen des deutschen Volkes bedenkenlos preiszugeben, Der Anteil der Klerikalen an dem Prozesse gegen die Abgeordneten. Ueber den soeben zu Ende gegangenen Prozeß gegen die fünf Abgeordneten schreibt Pravo Frant??? nien, wenn er jetzt eintrat. Die Tertschiyanski dachte, wer von der Polizei und entschuldigte sich fortwährend; der fremde Herr trat ein- Mavie starrte zu Eis: Er! Er! Er! Dann beginnt Frank leise: Verzeih! Marie: Sieht ihn an, abgehärmt, struppig, weint laut auf, dann fällt sie im Ohnmacht, als fie wieder erwacht, hält Pater Frant ihren Kopf. Sie begreift die Situation und fragt: Gehst dit -nich: nich: wieder fort. Frank: Nein alles ist erledigt- ich bleibe Marie: Geht es dir so schlecht? bei dir! dichtest dazu, wo es denn Dingen an Schönheit| Tode zu überlassen. Man darf nicht glauben, mit und Reinheit zur besten Erinnerung bricht. Du der Geburt hätten sich neue und großartige Hoff bist eine Optimistin, denn du siehst nur alle guten nungen in ihr erweckt. Nein, die Angst einer GeSeiten der Vergangenen, eine Malerin, die ohne peitschten, Gehetzen, Ausgestoßenen, nahm noch Schatten malt! Und sie ist es, die das Gift der zu; ein Gutes wars, daß sie zum Hassen jetzt keine Sehnsucht, des Verlangens, der Tränen in den Beit hatte und so merkte sie es auch nicht, daß Körper bringt! Herr Frank wurde nun an jedem Franziska nicht mehr zu ihr fam. Sie war ein TeNachhauseweg von Gedanken an Nonne Marie, an legraph fleiner Pflichten: Alle Straft zusammen Muttermilch und Arzt jene schönen, ersten Tage ihrer verschwiegenen nehmen!- Störper! Liebe, an die Klosterzelle, furz an alles, heimge- weg!- Schlaffingen! Nachtkompressen! fucht oft dachte er auch an das gemeinsame alles alles alles machen nichts vergessen Kind! Oft malte er sich aus, wie Marie wohl jetzt nichts stehen lassen!- damit das Kind leben daheim saß und dies oder jenes tat, das Kind kann! aufblühen! Um Gottes willen au stillte und es war ihm öfter als einmal so, als paffen, daß die Gashähne zu sind, man könnte Nun erzählt Herr Augustin Frank, was ihm mußte er in einen Laden treten und Kinderklap denken: Selbstmord oder gar- Kindesmord! alles widerfahren ist, was wir von seiner Beruspern oder Windeln kaufen diefer Gedanke wurde Sie dachte auch öfter an den Tod; aber Liebe und änderung wissen und endet mit den Worten:„ Ich immer zwingender und zwingender! Bis er eines Angst um das ganz Kleine ließen fie immer wieder bin froh, daß ich wieder bei dir bin." Das Kind Tages in einen solchen Laden trat, wo man ihn vor dem letzten zurückschrecken. Die Stadtgemeinde guckt er so dumm an, daß Marie lachen muß und allerlei fragte, und er sich feit langer Zeit wieder gab einen Zuschuß für stillende Mütter, der wie dies faßt das Kind als Aufforderung auf, Herrn einmal schämte. Als er das fleine Stinderzeug in eine Verhöhnung ausfah und wenn nicht die alte Bapa Frant kräftig an der Nase zu ziehen, weiaje der Hand hielt, mußte er unvermittelt weinen, er Tertschthaufti, die in Franziskas Tagebuch doch Bewegung den Humor wiederbring und das glüdging in ein Haustor und setzte sich auf die Fliesen nicht ganz richtig beurteilt war, hie und da evas liche Leben unserer Freunde nach der Heimkehr und heulte sich tüchtig aus. Das gab den Aus- aus Eigenem zugegeben hätte, dann wäre es auch Franks einleitet. schlag! er glaubte eilen zu müssen, stürzte auf den wirklich schief gegangen. Als es aber nun doch zunächsten Omnibus und fuhr nach Lilienstraße 102. viel werden drohte, griff sie doch zum Außersten, Nicht so glücklich lebi Franziska Bukanowie! Das Leben hatte Herrn Frank müde gemacht, versuchte es zuerst mit einer ganzen Epreuvette denn es verträgt feine Genialität, und wenn wir pirin, und als sie davon nur Leibesschmerzen Ihre Eltern, fern in Serhien, fehnen sich ach der noch so sehr mit schönen Gesten hantieren, im bekam versuchte sie, dem Kind mit einer alten, ro- Tochter. Mama Bukanowic ist zwar noch immer jo arme ftigen, stumpfen Schere den Kopf absutrennen; did wie früher, aber ganz weiß, geht mest in tief Grunde genommen sind wir doch mur Elendsviertler des Schicksals und wir sind froh, doch es begann jämmerlich zu schreien und als dies schwarzer Seide und denkt jetzt mehr als früher wenn es uns eine fleine Broffrume verdienen läßt Marie hörte, war sie die Schere weg, hob ihr an die verschwundene Tochter! zu ihrer Ehre fei und wir jemanden haben, den wir lieben und dem Kindchen auf und füßte es, dann versuchte sie sich das gesagt. Die Straße, in der das M'sche Kloster Marie hatte einen mit der Schere wenigstens tapfer die Pulsadern in Franziskas Heimatstraße liegt, ist noch immer wirs bringen können neuen Stampf zu bestehen! das Kind, ein schwa- zu öffnen, da das Kind aber schrecklich weinte, kam diefelbe die alte, fieine Pforte zittert und ches, rhachitisches Geschöpfchen von sehr müdem die Tertschtyanffi herein, nehm der Marie die ſtöhnt noch immer unter der weißen Balkansonne, Lebenspuls ließ sie die Nächte nicht schlafen und Schere weg, schimpfte sehr, packte Mutter und die Pforte, an der jener schrille Selingelzug das auch bei Tag hatte sie nie Ruhe. Dazwischen mußte Kind ins Bett und in einer weiteren Aufwallung so harmlos beginnende Leben Franziskas abriß. sie für billiges Geld nähen, furzum, alle Lebens- des Gefühls brachte sie schönen, weißen Milchkaffee und in laden schwere Lastfuhrwerke große Rolenergien zujanunennehmen, um der Ordnung, die und Sichen.- Marie hatte ja einen solchen Hun- len Zeitungspapiers in den leerscheinenden, fenfie cutsstoßen wollte, weil sie nicht die Mittel hatte, ger und diesen Kuchen aß sie so gern. Draußen len Beitungspapier in den leerscheinenden feniterMarie hörie: Wohnt hier...? lofen Räumen des aufgehobenen Straftlosters ab. in ihren Schranken zu leben Trotz zu bieten und läutete es Pater Fortsepung folgt.) ihr uneheliches Kindchen nicht guiwillig dem eine so bekannte Stimme, sollte das... XIV. Samstag, 29. Jänner 1927. Lidu": Das Urteil bedeutet ein großes morali-| Aemtern, denen die Verfolgung der Schuldigen sches Debacle für die flevitale Partei. Denn beim obliegt" abzutreten. Die Anregung zu dieProzeß kam erst zum Ausdruck, daß die Deffent- sem Prozeß ging also von der klerilichkeit seit Beginn dieser Gerichtsaffäre falsch in- talen Partei aus. Es war das Werk des formiert war. Die Dinge wurden so geschildert, Brälaten Sramet und seiner Genossen. Die Klerials ob die Staatsanwaltschaft aus eigenem An- falen haben sich damit in den Augen der Deffent- bart trieb nach Lektüre der Zeitungsmeldungen die lichkeit nicht genützt, denn der Verlauf der VerAuslieferung der Abgeordneten wecks Strafver- handlungen hat gezeigt, daß schuld an den Vorfolgung verlangt und zunächst beim Präsidium des fällen vom 19. Juni sicherlicht 50 Pro ent der Abgeordnetenhauses angefragt hätte. Inzwischen Vorsitzende, der Klerikale Dostalet, war, der die haben sich die Sachen so zugetragen, daß der kleri- Sibung hätte unterbrechen sollen, wenn eine Verfale Abgeordnetenklub sich an den Vorsitzenden des handlung nicht m' glich war, der aber mit Gewalt Abgeordnetenhau'es mit einem Schreiben ge- durchseßte, daß die Abstimmung über die Kongrua wendet hat, zu dem gleich zwölf Zeugenaussagen sofort und um jeden Preis durchgeführt werde, beigelegt wurden und der Vorsitzende des Hauses möge es im Abgeordnetenhaus enden wie auch wurde ersucht, dieses Protokoll den berufenen immer" Das Rechtsfabinett Marg. Bier Deutschnationale.- Geßler aus der demokratischen Partei ausgetreten.- Erst heute offizielle Berlautbarung. Berlin, 28. Jänner.( Eigenbericht.) Das neue Kabinett Mary wird sich folgendermaßen zusammenstellen: Reichskanzler und Minister für die besetzten Gebiete: Dr. Mary( Zentrum). Auswärtiges: Dr. Stresemann( deutsche Volkspartei). Inneres und Vizekanzler: Hergt( Deutschnational). Finanzen: Dr. Köhler( Zentrum). Wirtschaft: Dr. Curtius( deutsche Volkspartei). Arbeiten: Dr. Brauns( Zentrum). Justiz: Graef Thüringen( Deutsch national). Reichswehr: Dr. Geßler( parteilos). Post: Schätz( bayrische Volkspartei), Verkehr: Dr. Koch( Deutschnational). Ernährung und Landwirtschaft: Schiele( Deutschnational). Der Abschluß der Verhandlungen wurde von Dr. Mary durch ein Ultimatum erzwungen. Die deutsche Volkspartei wollte auf das Verkehrsministerium nicht verzichten; daher vereinigten sich Zentrum und Deutschnationale zu einem gemeinsamen Drud, um diesen Verzicht seitens der deutschen Volkspartei zu erzwingen. Dr. Marg erklärte, wenn sich die deutsche Volkspartei mit dem Verzicht auf das Verkehrsministerium nicht einverstanden erkläre, dann würde er daraus die Konsequenzen ziehen und seinen Auftrag zurückgeben. Unter dieser Drohung gab der Fraktionsvorstand der deutschen Volkspartei die Erklärung ab, daß er das Verfehrsministerium den Deutschnationalen überlasse. Kurz nach 6 Uhr abends teilte Graf We starp dem Reichskanzler die Namen der von den Deutschnationalen präsentierten Ministerkandidaten mit. In der deutschnationalen Fraktion ist um die Verteilung der ihnen überlassenen vier Portefeuilles erbittert gekämpft worden. Schließlich haben bei der Besehung der wichtigsten Posten die Vertreter der schärferen Tonart gesiegt. Hergt war in der wilhelminischen Zeit preußischer Minister und hat sich in der Kriegszeit dadurch berühmt gemacht, daß er behauptete, die Amerikaner könnten weder fliegen noch schwimmen; nicht lange danach hatten die Amerikaner ein riesiges Heer in Flandern gelandet, das die militärische Lage zugunsten der Entente entschied. Graef- Thüringen war bisher Bizepräsident des Reichstages und hat sich durch seine ungeschickte und provozierende Art der Geschäftsführung höchst unbeliebt gemacht. Die deutsche Volkspartei wird Samstag vormittag zusammentreten, um noch einmal zu der Zusammensehung des Kabinettes Stellung zu nehmen. Infolgedessen wird die offizielle Bekanntgabe der Mitglieder des neuen Kabinettes erst Samstag mittag erfolgen. Die Deutschnationalen treten heute abends noch zu einer Sigung zusammen, um noch das Ergebnis der interfraktionellen Besprechungen entgegenzunehmen. Reichskanzler Dr. Mary wird sich erst Samstag vormittags zum Reichspräsidenten begeben, um ihm offiziell über die Ergebnisse seiner Verhandlungen über die Regierungsbildung Bericht zu erstatten. Geßlers Austritt. * Berlin, 28. Jänner.( Wolff.) Der bisherige Reichswehrminister Gegler hat dem Borsitzenden der deutschen demokratischen Partei Dr. Koch seinen Austritt aus der deutschen demokratischen Partei mitgeteilt, da er dies als den einzigen Ausweg aus dem Konflikt betrachte, sich dem Ruf des Reichskanzlers zu versagen oder die Parteidisziplin zu verlegen. Geßler erklärt, diefer Schritt habe rein fachliche Gründe; zwischen ihm und der Parteileitung bestünden feine grundsäßlichen Meinungsverschiedenheiten. Bekanntgabe erst heute. Berlin, 28. Jänner.( Wolff.) Amtlich. Die Verhandlungen über die Regierungsbildung wurden heute abends beendet. Reichskanzler Dr. Marx erstattete im Anschluß an die Situng dem Reichspräsidenten abschließenden Bericht. Da die endgültige Beschlußfassung sämtlicher beteiligten Fraktionen noch nicht erfolgt ist, wird die Veröffentlichung der Liste der Mitglieder des neuen Reichskabinettes erst im Laufe des morgigen Tages erfolgen. England unterhandelt. Weitgehende Aenderungen der bestehenden Verträge. Tages- Neuigkeiten. Die Grippe- Epidemie. Seite 3. Rundfunk für Alle! Programm für morgen, Sonntag. Prag, 349. 9: Landwirtschaftlicher Rundfunk. 10: UeberDas Ministerium für Gesundheitswesen verlaut tragung aus der St. Wenzels Bafilita, Smichov: 1. Rihovffy: amtlich: Lourdische Messe. 2. Seidl: Geistliche Lieder. 11: Matinée: 1. Hába: Variationen über einen Canon von Schumann. 2. Noval: Zwei Lieder. 3. Ridth: Sonate e- moll. 4. Guf: Mäherin; c) Tod ist Nacht hindurch. 17: Militärmusir. ten v. Preßbüro, bierauf: Leo Retter, Bassist des deut aus" Rohengrin"; Im Allgemeinen Krankenhaus in Prag verblieben am 26. d. M. 61 Grippefälle in Behandlung. Aus den Klavierstücken. 5. Dvorak: a) Wiegenlied; b) Die Am 27. d. M. tamen neun neue Fälle hinzu. Ent' Böglein fingt die in mancher Menschen Brust; d) lassen wurden drei Kranke. Eine Person starb 18: Deutsche Sendung. Wetterbericht und Tagesneuigkei an einem Gehirnabszeß. Es verblieben demnach am fchen Landestbeaters, Brag: 1. Löwe: 2 Balladen; 2. Bag27. d. M. 66 Fälle, davon 22 Männer und 44 Frauen. ner: Ansprache des Königs Heinrich Im Weinberger Krankenhaus verblieben am 26. d. bäufer". Am Klavier Hans Georg Sid. Prag. 18.30: Borm. 60 Grippefälle in Behandlung. Am 27. d. M. trag: Ordnung in der privaten geistigen Arbeit. 19.30: famen zehn neue Fälle hinzu. Sieben Personen wurbelssohn: Hebriden. Ouv.: 2. Mozart: Symphonie g- moll; den entlassen. Gestorben ist niemand. Der Schlußstand betrug am 27. d. M. 63 Fälle. In der Slowakei waren in der Woche vom 16. bis 22. d. M. aus 24 Bezirken und 124 Gemeinden insgesamt 4148 Grippeerfrankungen und elf Sterbefälle gemeldet. Unter den Erfrankten befanden sich 1587 Kinder bis zu 14 Jahren. Unter den Krankheitsfällen befanden sich 65 Fieberfälle, 1379 Fälle mit anderen Erscheinungen, 2225 Katarrhe der oberen Luftwege, 345 Darmerkrankungen und sechs Nervenerkrankungen. Weiter wurden 36 Lungenentzündungen, zwei Brustsellentzündungen, zwei Nierenentzübungen und eine Mittelohrentzündung gemeldet. Der allgemeine Verlauf der Erkrankungen fann als gutartig angesehen werden. Die Spanische Grippe in Budapelt. Budapest, 28 Jänner.( MTJ.) Laut Mitteilung des hauptstädtischen Oberphysitates wurden gestern zwei neue Fälle der spanischen Grippe angemeldet. In die Hauptstädtischen Krankenhäuser wurden 59 neue Influenzakrante aufgenommen. Die Zahl der in ihrer Wohnung gepflegten Influenzafranken hat sich um 61 vermehrt. Im Epidemiespital sind im Laufe des gestrigen Tages zwei jonen infolge Grippe gestorben. 3. Wagner: Ansprache d. Landgrafen Hermann aus Lanna Populäres Konzert der Tschechischen Philharmonie: 1. Men3 Weber- Weingartner: Aufforderung zum Tana; 4. Dvořaf: Die Waldtaube; 5. Smetana: Böhm. Tänze. Zeitfignal. 22: Lezte Nachrichten des Preßbüros, Uebersicht der Tagesereignisse, Sportnachrichten. Theaternachrichten. 22.15: Tanz musif. Brünn, 441. 9: Ruffifche Kirchliche Lieder. 9.30: Landwirtschaftlicher Berlicht: Die Seidenraupenzucht. 10: Matinée. 1. Reiffiger: Die Mühle; 2. Jensen: Die Hochzeits muir: 3. Urbach: Phantaste auf Griegs Kompositionen; 4. Offenbach: Musette; 5.Hermann: Reverie russe. 19.30: Wie Brag. Presburg, 300. 10: Wie Prag. 17.30: Konzert: 1. Euc cini: Arie aus Boheme"; 2. Heifer: Lied; 3. Thomas: rie der Mignon; 4. Halevy: Arie aus der Jüdin"; 5. Rozkošný: Nocturno; 6. Puccini: Walzer aus" Boheme"; 7. Madio: Romanze. Landwirtschaftlicher Rundfunt. 19: Die Viehfüttes rung. 19.25: llebertragung aus dem Slob Nat.- Theater. Wien, 517. 10: Chorkonzert. 11: Symphoniekonzert: Salmoofer: Ouverture: Beethoven: labierkonzert. 16: Nach Bach: Suite d- dur; Wolf: Anakreons Grab, Rattenfänger. mittagstonzert: Strauß. 18.05: Unter den sibirischen Mongolen. 19: Margarethe", Oper von Gounod. Zürich, 494. 10.15: Novellenstunde. 11: Vormittagsfon aert. 13: Konzert. 15.30: Tanzmusit. 20: Wanderausstellung. Deutschland. Königswusterhausen, 1300. 9: Uebertragung aus Berlin, 484. Morgenfeier. 11.30: Blasmusik. 12.20: Mat und auf. 13.10: Die Stunde der Lebenden: Honegger, Profofieff, Saymanowski, Malipiero. 14.30: Die Briefmarken der Kriegs- und Nachkriegszeit. 15: Kalkfrage und Bodensäure. Boltsiumliches Orchesterkonzert. 22.30: Zanzmusik. 15.30: unrheinzelmann. 16.30: Nachmittagskonzert. 20.30: Breslau, 323. 10: Schachfunt. 11: Morgenfeier. 12: 14.40: Sarmonium und Sarfenkonzert. 14.20: Rätfelfunt. Mannschafts- und Sechstagerennen. 15.15: Märchenstunde. 16: Unterhaltungskonzert. 17.30: Lesestunde. 18.15: LiederPerfunde. 19: Berühmte Frauen der Vergangenheit. 19.35: Arbeitsweise verschiedener Diebesgattungen. 20.15: Bolksliederabend. 22.15: Mannschaftsrennen. 23: Tanamusit. Koppel Reich und Albrecht Habsburg. Heute fritt in Budapest pas neugewählte Magnaten hau& zusammen, was nicht ohne Ueberwindung eicentümlicher Schwierigkeiten möglich war. Gin Alterspräsident sollte die erste Sitzung leiten und dabei das jüngste Mitglied als Schrift führer fungieren. Nun hat es der Zufall gefügt, daß das älteste Mitglied des Magnatenhauses der orthodoxe Rabbiner Koppel Reich und das jüngste Mitglied Albrecht Habs, burg ist. Wäre es also nach dem Gewohnheitsrecht gegangen, so wäre die Präsidentenestrade mit dem orthodoxen Rabbiner und einem habsburgi schen Erzherzog besetzt worden. So viel Liberalismus“ und„ Demokratie" verträgt aber Bethlen nicht: so hat man Koppel Reich nahegelegt, sich frant zu melden und auch Albrecht Sabsburg wird bei der Sitzung nicht erscheinen. Für den alten Rabbiner wäre es zu viel, für den Habsburger zu wenig Ehre gewesen...." Frankfurt, 429. 8.30: Morgenfeier. 11.25: Elternstunde. 12: Gine deutsche Stunde. 15.30: Märchen. 17: Die Oper der Woche. 18: Der Staatsgedanke. 20: Frib von Unru 20.30: Der Barbier von Sevilla", fomische Oper von Rofe fini. Zanzmusik. Hamburg, 395. 9.15: Morgenfeier. 11.30: Platfonzert. 12.30: Dr Funt, der Ingenieur. 13.05: Sonntagskonzert. fpiels. 15.30: Sunfheinzelmann. 16.30: Friedrich von Stol berg im Lied. 17: Nachmittagskonzert. 18.35: Das norwe gische Wirtschaftsleben. 19.20: Erinnerungen eines Weltfors refpondenten. 20: Hanswurst. Winterball. 13.45: Unterhaltungskonzert. 14.30: Geschichte des Schachs Langenberg, 469. 9: Morgenfeier. 11: Eine Viertel. der Funshochschule. 19: Mannschaftsrennen. 20.15: Gin tumbe über Goelbe. 12: Mittagsfonzert. 14.30: Funlitera tur. 15: Schachfunt. 15.30: Kinderfunt. 16: Jugendfunk. 16.30: Teemufit. 18.05: Sternschau für Feber. 18.30: 3iele Kölner Sarneval. 22.15: Tanzmusik. Berufswahl. 11.30: Die Jugend der Tiere. 12: Symphonie fonzert: Brahms: Akademische Festouverture, 1. Sympho 19: Gifenbahnen und Binnenschiffahrt. 19.30: Die Relativitätstheorie. 20.15: nie. 15: Volkstümliches Orchestertonzert. Seitere Mufit. 22.20: Tanzmufit. Leipzig, 366: 8.30: Orgelfonzert. 9: Morgenseier. 11: vat an Fünffronenstücken nachzusehen und verbächtige Stücke beint Polizeikommissariat zur Ueberprüfung vorzulegen, bei der Üebernahme vorsichtig zu sein und verdächtige Personen, die mit solchen verdächtigen Münzen zahlen wollen, der Polizei bekannt ugeben, Hoch die Veteranen! Laut Erlaß der politischen Landesverwaltung in Prag wurde dem Bunde der Vereine gedienter Soldaten Sechs Todesurteile. Aus Hongkong wird für Nordböhmen eine einheitliche Uniform, bestehend aus dunklem Zivilhut mit schwarzem gemeldet: Der Pro eß gegen die 20 chinesis Zivilhut mit schwarzem Band und Birkhahnfeder, dunkler Bluse obne chen Piraten, die an einem Angriff auf den Band und Birkhahnfeder, dunkler Bluse ohne Dampfer, Sunning" blanke Metallknöpfe mit schwarzem Samtumleg britischen Dampfer Sunning" am 15. November fragen und beiderseits am Sragen ein metallenes beteiligt waren, ging Donnerstag zu Ende. Sechs Eichenblatt, sowie schwarzer Tuchhose, bewilligt. der Gefangenen find zum Tode verurteilt worden. Damit hat man wiederum einen Beweis der Fortpflanzungsrekorde. Wie auf allen Gefortschreitenden ,, Entösterreicherung" geliefert. bieten, so erzielt Amerika auch auf dem der FortWeit trauriger als das Verhalten der politischen pflanzung Rekorde. Wenn schon nicht immer der Landesverwaltung erscheint jedoch die Sucht jener Qualität, so doch der Qualität nach. Jüngst hat Mitglieder der sogenannten Vereine gedienter ein gewiffer Thomas B. Parker in New York Soldaten, unbedingt in Uniform paradieren zu feinen neunzigsten Geburtstag gefeiert. Dabei war fönnen. Wenn die Behörde jede republikanische feine engste Familie versammelt die Feier muß Gesinnung dabei außeracht ließ und den alten in einent Versammlungslokal stattgefunden haben Firlefanz aufs neue einführt, so doch wohl haupt- die nicht weniger als 658 Köpfe zählt. Allerfächlich aus der Erwägung, daß mit dem Zau- dings hat Parter zur Erzielung dieser stattlichen ber der Montur" benebelte Staatsbürger leichter Nachkommenschaft fünf Ehefrauen konsuzu ertragen sind, als.. miert, Während Parker in wohlgeordneten VerGefährdung der Sehkraft bei Trickfilm- Zeichnern. bältniffen leben soll, führt die amerikanische SoDas Gesundheitsamt der Filmgewerkschaft in Mosialistin Margaret Sanger in ihrem Buche lau hat kürzlich eine Augenprüfung derjenigen Zeich. Die neue Mutterschaft" eine Reihe von Fällen an, ner vorgenommen, die innerhalb der letzten Jahre wo starte Fortpflanzungsfähigkeit mit förperlicher mit Triszeichnungen für den Film beschäftigt wor- und moralischer Minderwertigkeit verbunden ist. den sind. Bei dieser Prüfung, die it gewissen Zeit- An Bolas Geschichte der Familie Rougon- Macabständen wiederholt wurde, ist festgestellt worden, quari erinnert, was Margaret Sanger über das daß die Zeichner im Laufe der letzten drei Jahre Schicksal der Nachkommenschaft eines Mannes na40 Prozent ihrer Sehkraft eingebüßt haben. Die mens Jutas erforscht hat. Im Laufe von fünf Gründe dieser Erscheinung sind vor allem darin zu undfiebzig Jahren wurden ihm rund zwölfhundert fuchen, daß die Anfertigung von Tridgeichnungen Nachkommen geboren. Darunter waren 130 Landfür den Film eine starke Konzentrierung der Seh- arme, die zusammen 2300 Jahre in Armenhäusern London, 28. Jänner. Nach Blättermeldung aus nerben erfordert, und daß die bisher übliche An- verbrachten, 50 Brostituierte, 7 Mörder, 60 GeBeling hat der britische Gesandte den Gesandten der schein selbst einen überaus schädlichen Einfluß auf hälle wurden auch in andern Ländern beobachtet. ordnung des Lampenlichtes und der grelle Licht wohnheitsdiebe u. 130 gemeine Verbrecher. Solche Demission des Kabinettes Uzunovič Bereinigten Staaten Frankreichs, Italiens und die Augen ausüben. Das russische Gesundheitsami Ein Beweis dafür, daß die ungehemmte FortJapans ein Memorandum übersandt, in welchem hat deshalb Vorkehrungen getroffen, durch welche Pflanzungsmöglichkeit nicht im Intereffe der Affer auf die Möglichkeit einer baldigen fremden die Augen der Zeichner nicht mehr ungeschützt dem feindlichen Bewegung in Shanghai hinweist und Lichte ausgesetzt werden Ferner hofft man den Gedie Aufstellung eines gemeinsamen Planes für die fahren dadurch vorzubeugen, daß man statt des ge- Berliner Kriminalpolizei konnte den Barklehrling Berteidigung der ausländischen Niederlaffungen wöhnlichen greffen Lichtes eine hellblaue Beleuch Vogelsang aus Münster festnehmen, der sich unter Heranziehung der dort versammelten Striegs- tung vorschreibt. Eine Anti- Gewerkschaftsbill. Englische Gesezesvorlage über die Trade- Unions. London, 28. Jänner, Blättermeldungen zufolge wird die neue Vorlage betreffend die TradeLondon, 28. Jänner. Der Minister für die anions folgende Bunkte enthalten: 1. Der General Dominions Amery erklärte gestern, die Regietreit wird für illegal erklärt werden. 2. Streif- rung verhandle mit den Repräsentanten Südvachen in größerer Zahl werden verboten werden. und Nordchinas. Sie bot ihnen so weitgehende 3. Für Streits und ähnl. Zwecke dürfen nur Ab- Aenderungen der gegenwärtigen Verträge an, daß wehrfonds und nicht Versicherungsfonds ber- man sich nicht vorstellen könne, daß die Borwendet werden. 4. Sämtliche Unions müssen re- schläge abgelehnt würden. gistriert sein. 5. Staatsangestellte dürfen nicht Mitglieder von Unions sein, welche solchen Unions angeschlossen sind, die einen vorwiegend politischen Charakter tragen. In der Skupichtina überstimmt. Belgrad, 28. Jänner. Da die Regierung bei der heutigen Abstimmung in der Skupſchtina in eer Minozität geblieben ist, überreichte Ministerpräsident Uzunovic abends die Demission Des Gesamtkabinetts. Fünljährige Deportation. Wien, 28. Jänner. Wie den Blättern aus Trient mitgeteilt wird, wurde der Rechtsanwalt Dr. Josef Noldin aus Saluen, der am Sonnlag ohne Angabe von Gründen verhaftet wurde, gestern von der Konfidentenkommiffion unter Vorfitz des Präfekten Vacardi im geheimen Verfahren zu 5jähriger Deportation verurteilt, dem Höchst ausmaß der im neuen fascistischen Sicherungsgefes borgesehenen Strafe. Gemeinsame Front aller Mächte? schiffe und Marinetruppen der betreffenden Staaten vorschlägt. Die Gesandten haben nach fucht, gemeinheit liegt. Der Lebejüngling aus Münster in Berlin. Die durch Scheckbetrügereien 12.000 Mark angeeignet und Bei einer Explosion in einer Kohlengrube in dann die Flucht ergriffen hatte. Mit Recht vermutete einer Prüfung dieses Memorandums ihre Re- Deal( England) wurden vier Bergarbei- man, daß er sich nach Berlin gevandt hatte, um dort den Lebemann zu spielen. Tatsächlich trafen ihn Poli gierungen telegraphisch um Anweisungen er- ter getötet und elf verletzt. zeibeamte, die auf der Suche nach ihm waren, in Gefälschte Fünffronenstücke in Aussig. Amtlich einem Weinlokal in Begleitung zweier junger Da wird gemeldet: In den letzten Tagen tauchten im men. Von Münster war er direkt nach Berlin geKanton lehnt jede Berantwortung ab. Geldverkehre in Auffia einige gefälschte Fünf- fahren, wo er sich zunächst von Kopf bis Fuß neu fronenstücke auf. Sie sind von den echten leicht einkleidete. Sehr rasch lernte er eine Maid fennen, Bering, 27. Jänner. Der tantonesische durch ihren schivachen, matten Glanz zu unter die ihm die Zeit vertreiben half. Für ein SchäferAußenminister erklärte, Großbritannien beabsich- cheiden. Die Prägung auf beiden Seiten ist nicht stündchen schenkte er ihr großzügig 600 Mart. Beim fichtige, durch die Truppenzusammenziehungen so genau, sie sind um etwas größer und schwerer nächsten Stelldichein kam auch die Freundin mit. in Shanghai eine Atmosphäre zu schaffen, die zu und haben keinen Metallslang. Nachdem sie etwas Diese erhielt vom Kavalier für ihre schönen blauen einer Kriegserklärung Großbritanniens an die Blei enthalten, fann man mit ihnen auf Papier Augen 200 Mark geschenkt. Weiteren Kavaliertaten revolutionären Heere führen kann; es müsse da schreiben. Das Bublikum, besonders die Trafiken machte die Bilizei ein Ende, die bei dem Verhafte her die, Verantwortung für irgendwelche Swi- und andere Geschäftsleute, werden darauf auf- ten noch 9.800 Mark vorfand. Auch die beiden Mädschenfälle in Zukunft übernehmen. merksam gemacht, mit demi Ersuchen, ihren Vor- chen mußten ihre Spenden wieder rausrücken. Samstag, 29. Jänner 1927. Brag urgiert das Bauförderungsgefez. Die Mädchen zwischen vierzehn und sechzehn Artikel ausgeführt, daß das Wort„ vyrot“, das die werden. verboten. 3ahren bevorzugt vermittlungsstelle. = Stadt Prag hat an die Regierung eine Eingabe tschechoslowakische Verfassungsurkunde im§ 23 bei gerichtet, worin sie nach einer Schilderung der Umschreibung des Bereiches der beruflichen Imfatastrophalen Wohnungsverhältnisse im Gebiet munität gebraucht, bedeutend weitergehend ist, von Groß- Prag an die Regierung das Verlangen Die königl. ungarische Bordellvermittlung in Miskolcz. als der Begriff Aeußerung", der an der analogen stellt, der Nationalversammlung unverzüglich den Stelle des alten österreichischen Gesetzes über die Entwurf eines Gesetzes über die Unterstüßung der Aus Budapest wird berichtet: Angelegenheit so enden würde, daß das Mädchen Unverletzlichkeit der Mitglieder des Reichsrates Baubewegung vorzulegen, das den heutigen BeGerade zur rechten Zeit hat der ungarische und einige Journalisten dazu einge und der Landtage vorkam. ,, Vyrok" umfaßt nicht dürfnissen entspricht, und dessen Erledigung mög- Minister des Innern, Scitovszky, eine Be- sperrt würden. nur Aeußerungen" der Sprechorgane; der Auslichst zu beschleunigen. Einer Abordnung, die beim ratung über die Reglementierung der Der Kundenkreis der Arbeits: schluß der gerichtlichen Verfolgung bezieht sich nicht Fürsorgeminister Sramek diesbezüglich vorsprach, Prostitution einberufen. Die Entdeckung, nur auf Verbaldelikte, sondern auf alle Handlun erklärte der Minister, daß das Bauförderungsgesetz daß die staatliche Arbeitsvermittlungsstelle in Die weiteren Nachforschungen der Polizei gen und Unterlassungen, die mit der Mandatsgleich zu Beginn der kommenden Parlaments- Miskolcz zugleich eine Zentralstelle für Mädtagung vorgelegt werden wird. Sollten einige Be- chenhandel und Mädchenschändung ist, brachte die haben ergeben, daß die staatliche Arbeitsvermitt- ausübung nach der allgemeinen, in modernen Barstimmungen, z. B. der Mieterschub, auf Enquete um einen der besten Sachverständigen in hungsstelle Arbeiterinnen und Hausgehilfinnen, lamenten üblichen Auffassung verbunden sind. In diesem Zusammenhang läßt sich nun mit Schwierigkeiten stoßen, dann würden diese Kapitel der Frage, um den Dr. Szikszay, der durch die sich an das Amt wegen eines Postens wenausgeschaltet und später durchberaten das vorlaute Mädchen, das er vergewaltigt und beten, nicht nur an die ungarischen Provinz guten Gründen die Rechtsanschauung vertreten, verkauft hatte, um die Möglichkeit gebracht wurde, bordelle verkuppelte, sondern auch in der Stadt daß auch die tschechische Obstruktion zu den in in dieser Enquete teilzunehmen. So mußte Herr Wisko Lez selbst einen ich wunghaften modernen Barlamenten üblichen und gebräuchVerbotene kommunistische Versammlung. Die Scitovszky selbst die geistigen Unkosten dieser Be- andel mit weißen Stlavinnen trieblichen Stampfmitteln gehört, daß auch sie somit sich Kommunisten hatten für Freitag eine öffentliche ratung decken. Er meinte, daß die geplante neue Bahlreiche angesehene Bürger von Miskolcz stan- im Rahmen der„ byroky" hält, um derentwillen Versammlung auf die slawische Insel in Prag Reglementierung der Prostitution manche Verfü- den mit Dr. Szikszay in regem Geschäftsverkehr eine gerichtliche Verfolgung überhaup: nicht statteinberufen, auf der die kommunistischen Abgeord- gungen enthalten werden, die auch das Interesse und ließen sich junge Mädchen aus der staatlichen finden kann. neten Bolen, Jilek und Zapotocky über die des Auslandes erwecken werden. Ausnahmsweise Arbeitsvermittlungsstelle ins Haus liefern. Die Das Prozeßgericht hat sich den aus diesen Steuerreform und über die Angriffe gegen die find wir diesmal mit dem ungarischen Minister Bolizei fand in den Amtsräumen des verhafteten Gründen seiner Stompetenz entgegenstehenden Be. kommunistische Partei sprechen sollten. Die Boli- eines Sinnes: wird sie in dem Geiste der Mis- Dr. Szikszay eine umfangreiche Namensliste jener denten durchaus nicht verschlossen, sondern, wie zeit hat jedoch die Abhaltung dieser Versammlung kolczer Muſteranſtalt ausgebaut, dann kann ſie der Herren der Miskolczer Geſellſchaft, die den Kun- man den allerdings nicht ganz verläglichen ger ungeteilten Aufmerksamkeit der Welt sicher sein. Denkreis der Arbeitsvermittlungsstelle bildeten. tungsmeldungen über die Urteilsgründe entneyDer Berliner in der Venezianer Gondel. Vor Der staatliche Arbeitsnachweis, der für die Bor- Wie aus den Aufzeichnungen des Szikszay hervor einem Berliner Schöffengericht hatte sich am Mitt- delle sorgt, ist gewiß eine Bereicherung der Sozial- geht, wurden von der Miskolczer Herrenwelten kann, die Frage seiner Zuständigkeit von Amts wegen geprüft. Und da kann man nunt woch der Bote Adolf Knöchelmann wegen politik in Horthyschem Sinne, die in der Welt Alter von 14 bis 16 Jahren mit Vor für die ihm selbst nicht ganz einwandfrei erschei Mädchen im beobachten, daß das Gericht die Verantwortung Unterschlagung von 28 000 Mart zu verantworten. einzig dasteht. Knöchelmann hatte trot verschiedener Vorstrafen in Bedürfnende Tatsache, daß es über Abgeordnete für in Der verführte Amtsvorstand. nis feiner Klientel, wie aus dem beschlagnahmten Ausübung ihres Wandates gejezte Handlungen einer Berliner Vorortbrauerei eine Anstellung als Bote erhalten. Eines Tages wurden ihm 28.000 Ueber den Fall Szikszay wird ferner ge- Kundenbuch hervorgeht, gewissenhaft nach. Diese Namensliste, durch die mehrere Dußend urteilen foll, in eleganter Weise auf die ParlaMart zur Ablieferung auf einer Bank anvertraut. meldet: Der Untersuchungsrichter hat Franz Szikmentsmehrheit abwälzt. Das war, wie der Angeklagte erzählte, an einem Bay einvernommen und auf Grund eines teil- Männer der besten Miskolczer Gesellschaft auf das sehr heißen Sommertag, als ein furchtbares Gewit- weißen Geständnisses über ihn die Untersuchungs- schwerste kompromittiert erscheinen, wird von der Der geschriebene Buchstabe der Verfassung ist ter tobte. Unter dem Eindruck der Siße und in der haft verhängt. Szifizays Einvernahme dauerte Polizei einstweilen geheim gehalten, doch sollen nichts, die tatsächliche prattische Uebung ist alles. Angst vor den Einschlägen der Blige habe er sich in einige Stunden. Als ein Redakteur den Unter- bevorstehen. Heute wurden acht junge Mäo- eng und er fann weit ausgelegt werden. Entschei weitere sensationelle Berhaftungen Der Ausdruck ,, parlamentarische Aeußerung" kann einer Wirtschaft eine Erfrischung gegönnt. Dabei sei fuchungsrichter befragte, warum die Einbernahme ihm der Gedanke gekommen:„ Warum soll ich nicht so lange dauerte, bekam er zur Antwort:„ Schließchen einvernommen, die sehr belastend gegen Dr. dend hiefür ist die Ansicht und Uebung der mut auch einmal den Krösus spielen?" Also fuhr er als lich ist Franz Szikszay Mitglied der besten Szifizay, gegen die Beamten der staatlichen Ar- der Durchführung der Bestimmung betrautent beitsvermittlungsstelle und gegen hoch ge- Organe. Und da kann man nun zwar wünschen, Prokurist" nach Berlin und kleidete sich sofort Gesellschaftskreise und Vorstand eines standesgemäß für eine Auslandreise ein. Die Frau Staatlichen Amtes, und da mußte ich, bevor ich stellte Persönlichkeiten von Miskolcz aber nicht erwarten, daß ein Gericht sich über dre fieß er ahnungslos zurück, zumal anderweitige Da- über seine Haft die Entscheidung traf, den Fall ausfagten. Der weiteren Entwicklung des unge Anschauungen, die die feineswegs ruhurreiche Tra menbegleitung rasch gefunden war. Zunächst nahm gründlich kennen lernen und ihm die Möglichkeit heuren Miskolczer Gesellschaftsffandals sieht man dition des tschechoslowakischen Parlamentarismus er Abschied von Berlin, wo er sich noch einmal geben, sich ausgiebig zu verteidigen." Szikszay hat nicht nur in dieser Stadt, sondern auch in Buda- geschaffen hat, hinwegzusehen in der Lage ist. Wenn durch viele Jahre die parlamentarische Ju gründlich amüsierren wollte. In schöner Damenge- geleugnet, daß er das Mädchen vergewaltigt pest mit Spannung entgegen. sellschaft ließ er am Kurfürstendamm den Seft in hätte, gestand aber, daß er in seinem Amts- Wie die Arbeit..bermittelt" wurde. munität vom Parlament selbst mit Füßen getreten Strömen fließen. Dann ging die Reise über die Total ein Rendezvous mit dem Mädchen und unterwühlt wird, wenn selbst für die VerurDie Hausgehilfin Margarete Fancsak gab Schweiz nach Italien. In Venedig kaufte er sich eine hatte. bei ihrer Einvernahme an, daß sie ebenfalls ftel- teilung von im Parlament getanenen Handlungen eigene Gondel, mit der er einige Tage über den Szikszay gab in seiner Verantwortung an, lungfuchend in das Amt Szikszays kam. Dort er- mehrere Präjudizfälle vorliegen, wenn diese BraCanale Grande zum Lido fuhr, in Begleitung einer daß das Mädchen bei ihm bedienstet war und erzählten ihr Hausgehilfinnen, die an das Bordell is durch Jahre von der Presse gutgeheißen wird, rajsigen Italienerin, die er sich in Padua als Reise- mit ihm ein Liebesverhältnis hatte. Als es aus Mezocjath verkauft worden waren und von dort so muß auch der Richter, der guten Willens ist, begleiterin erforen hatte. Bei der Abreise nach Rom dem Dienst austrat, tam es fortiwährend in die geflüchtet waren, daß sie sich bei Szikszay beschwert dieser Suggestion erliegen. Damit ist es zu er schenfte er die Gondel dem Sotelportier. Da bei der Arbeitsvermittlungsstelle. Ich bin gerade hätten, worauf er und sein Stellvertreter sie au 3- klären, daß das Strafgericht nicht im Sinne des Rückreise das Geld noch nicht alle war, unternahm u das Opfer des Dienstmädchens," gelacht und mit nichtssagenden Redensarten§ 23 der Verfassungsurkunde, nicht die den Angeder seltsame Kavalier noch einen Abstecher in die lagte der Verführte", denn als Stellenlose hatte weggeschid hätten. Eine andere Arbeiterin, flagten zur Last gelegten Handlungen als vor den Ostseebäder. Hier ging ihm das Geld endlich aus. sie das Recht, in die Vermittlungsstelle zu fom- Margarete Peto, sagte unter Gid aus, daß sie, ordentlichen Gerichten straflos crklärt hat, sondern War er bis dahin fast nur in Luruszügen gefahren, men, von wo ich sie nicht wegweisen konnte. Es der die Vorgänge in Mezöcfath befannt waren, in sich damit begnügt hat, darauf zu verweisen, daß so mußte er zuletzt aus Stettin 4. Klasse nach Berlin ist nicht wahr, daß ich sie vergewaltigt hätte, im der Arbeitsvermittlungsstelle Mädchen gewarnt es sich bezliglich jener Delifte, bezüglich welcher zurückkehren. Bei seiner Ankunft war er noch im Be Gegenteil, ich bin an einem Nachmittag, wo nie- habe. Daraufhin wurde sie von Szikszah aus dem die Auslieferung erfolgt ist, für kompetent erachter, jis von 6 Mart. 5 Mart ließ er noch für ein Gal- mand außer uns in dem Amt war, ihr Opfer Amtslokal gewiesen und ihr gedroht, daß d. h. nicht parlamentarischer sein wolle als das genfrühstück draufgehen und dann fuhr er mit einem geworden." Man sieht, der Mann der besten man wegen Aufreizung der Arbeit- Parlament, obgleich ja nach richtiger Auffassung Auto zum Polizeipräsidium, um sich zu stellen. Das Gesellschaftskreise hat schon die Rückzugslinie ge- suchenden gegen sie ein Verfahren einleiten im Rahmen des§ 23 der Verfassungsurkunde ( berufliche Immunität), eine Auslieferung überUrteil gegen Knöchelmann lautete auf zwei Jahre funden, und es wäre nicht erstaunlich, wenn die werde. Gefängnis, unter Berücksichtigung, daß das medizi www.haupt nicht gültig stattfinden kann. nische Gutachten den Angeklagten als starken Psycho- war. Bon neuem ins Gebet genommen, gestand er pathen bezeichnete. ſein Verbrechen, und die Leiche wurde ausgegraben; Die Obstruktion vor Einsturz eine 3 Wolfenkrazers. Im Ne i wird gemeldet: Der Oberbeamte Franz Hégl, der Der„ läftige Ausländer". Aus Prezburg Yorker Geschäftspiertel ist ein 17 stödiges feit 15 Jahren im Dienst der Dioseger Buckerfabrik Lagerhaus, das in Brand geraten war, zu- teht, erhielt vom Gauamte die Aufforderung, als sammengestürzt, wobei sehn Feuerwehrtätiger Ausländer, das Gebiet der ReLeute unter den Trümmern verschüttert publit innerhalb 48 Stunden zu verlassen. wurden. Es gelang, sieben der Verschütteten zu Segl lag gerade frank darnieder und nach Erhalt des Ausweisungsbefehls verschlechterte sich sein Zustand berart, daß er nach Ablauf der 48 Stunden star b. retten. Strafgericht. Ein Nachwort. dem Von Dr. Egon Schwel b. Vor Durchführung des Prozesses gegen die wegen der Obstruktion vom Abgeordnetenhause ausgelieferten Abgeordneten, haben wir an dieser Stelle vergl. den ,, Sorialdemokrat" vom 10. Ottober 1926), insoweit dies das Gesetz hinsichtlich einer noch im Zuge befindlichen Strafverhand lung" zuläßt, unter Absehen von jeglicher politischer Wertung die im Prozesse zur Entscheidung stehenden Rechtsfragen einer Erörterung unterzogen. Stellt man sich nun aber auf den Boden der Tatsache, daß sich das Gericht für kompetent erflärt hat, da kann man nur insofern sagen, daß das Urteil milde, milder als man erivartet hat, fet, als man eben ein drakonisches, nicht der Gerechtigfeit, sondern der Rache dienendes Urteil sich vorstellte. Denn daß zwei von den fünf Angeflagien freigesprochen wurden, ist keineswegs ein Ausfluß der Wilde, sondern einfach eine Folge des Umstandes, daß den beiden Abgeordneten eine strafbare Handlung nicht nachgewiesen werden konnte. Mit Rücksicht auf den strikten Wortlaut des 81 des Gesetzes zum Schutz der Republik, der mur Angriffe auf den Vorsitzenden, das Präsidium, einen Ausschuß oder eine Kommission einer Kammer unter Strafe stellt, konnte doch z. B. der Abgeordnete Kreibich, dem nur ein Angriff auf den Referenten, der nicht Mitglied des Präsidiums ist, nachgewiesen worden ist, nicht verurteilt werden. Gbenso kann von einer Milde nicht die Rede sein, wenn hinsichtlich der Anklage auf boshafte Sachbe fchädigung bei allen Angeklagten ein Freispruch erfolgt ist, da doch erwiesen war, daß die Erzeu gung von Lärm und nicht die boshafte Beschädi gung fremden Eigentums Absicht der Obstruierenden war. Die Grundfrage, die für die Beurteilung des Prozesses maßgebend ist, ist und war die nach dem Verhältnis zwischen der parlamentarischen Immunität und der den Angeklagten zur Last gelegten Einen tragischen Tod erlitt der Brauereiwächter strafbaren Handlungen. Die Verfassungsurkunde Wenzel Chmann aus Neuhainspach. Um sich nachts der tschechoslowakischen Republik fennt, wie alle einigermaßen vor der Kälte zu schüßen, holte modernen Verfassungen, einen zweifachen Grad Ohmann einen Topf mit glühenden Kohlen in das von parlamentarischer Immunität. Der schwächere Wächterhäuschen beim Eingange in den Brauhof, Grad, die sogenannte außerberufliche Immunität, Nicht dem Gericht, sondern dem gehässigen wo er sich während der Rastzeit aufhielt. Als er am bezieht sich auf alle von Mitgliedern der National Charakter des Schutzgesetzes ist es allerdings zur Morgen nicht zur gewöhnlichen Zeit nachhause kam, versammlung wo immer vorgenommenen, auch Last zu legen, daß die Verurteilung unbedingt erbegab sich seine Frau auf die Suche. Sie fand den mit ihrem parlamentarischen Beruf in feiner folgt ist. Denn§ 35 des Schutzgesetzes schließt bei Mann im Wächterhäuschen tot auf. Wahrscheinlich Weise zusammenhängenden Delifte, und äußert Verurteilungen wegen Verbrechen nach diesent dürfte Ohmann von ausströmenden Kohlen sich darin, daß zu jeder Strafverfolgung die Zu- Gesetz die bedingte Verurteilung überhaupt aus o ryb betäubt worden und dann erſtidt sein. stimmung des betreffenden Hauses erforderlich ist. Der Staatsanwalt hat es mit seiner EigenPolitische Ehebrecherei. Danziger Blätter Der andere Grad der parlamentarischen Unverschaft als öffentlicher, zur Objektivität verpflichmelden, daß der Kommandeur der Danziger letzbarkeit, die berufliche Immunität, ist von be- teter Funktionär für vereinbar gehalten, in diesem Schuhpolizei Oberst von Heyde bred gegen deutend stärkerer Intensität. Wegen ihrer Ab- Falle, wo die Motive der Handlungsweise der den Danziger Völkerbundkommissär Professor Vanstimmung im Hause oder in Ausschüssen des Angeklagten, die rein politisch waren, flar zu a met die Ghebruchsflage eingeleitet habe, weil Sanjes können die Mitglieder der Nationalver Tage lagen, dafür zu plädieren, daß ihnen wegen Van Hamel, der selbst verheiratet ist, Beziehun sammlung überhaupt nicht verfolgt niedriger und ehrloser Gesinnung die bürgerlichen gen zu Heydebrecks Frau unterhalte. In poli- werden, wegen der daselbst in Aus- Ehrenrechte und damit Wahlrecht aberkannt fischen Streisen rechnet man damit, daß Professor übung des Mandates gemachten werden. Es kann dem Gerichte nicht als besonders van Hamel, der jetzt von der Danziger Gefell'chaft Aeußerungen( vyroky) unterstehen Verdienst angerechnet werden, daß es auf dieses, völlig boykottiert wird, selbst seine Abberufung be- fie bloß der Disziplinarge wa It jedent Rechtsgefühl Hohn sprechende Ansinnen treiben wird. Das verräterische Gebiz. Aus Dänemark wird berichtet: Kleinigkeiten sind es zuweilen, die dazu verhelfen, einen Mörder dingfest zu machen. Verhängnisvoller Fund. Der Häusler Thomas Das mußte auch der wüste Gesell Niels Sörensen Gertinger aus Lipowez bei Boskowitz fand auf der in dem kleinen Ort Ladby auf der Insel Fünen Straße bei Jedowniß einen alten verrosteten Revolerfahren, der die Ermordungseiner Frau seit ber ,, den er zu Hause zu reinigen begann. Die Waffe Mai vorigen Jahres zu verbergen gewußt hatte, war jedoch geladen. Beim Reinigen drückte er den Niels Sörensen, ein arbeitsscheuer, trunksüchtiger, Sahn nieder und im nächsten Augenblid stürzte der jähzorniger und dabei stupider Mensch, der de neunjährige Sohn Alois, der dem Vater zuArbeit auf seinem kleinen Anwesen seiner Frau ungesehen hatte, in den Hals getroffen, zu feinen Sohnen überließ, fam, wie er jept im Verhör fammen. Der schwerverletzte Knabe wurde in das schilderte, am 2. Mai um die Mittagszeit aus dem Brünner Kinderspital übergeführt. Wirtshaus heim und geriet mit seiner Frau in Streit, die ihm Vorhaltungen über seinen Lebenswandel machte. Man geriet aneinander, und der Mann erwürgte sein Weib. Die Leiche schleppte er zur Tenne und deckte sie mit Stroh zu. Dann grub er im Garten ein Loch von mäßiger Tiefe und legte die Leiche hinein. Als abends einer seiner Söhne nach der Mutter fragte, antwortete der Vater, daß er sie nicht gesehen habe. Einige Tage darauf grub er nächtlicherweile die Leiche wieder aus, grub sie an einer anderen Stelle seines Grundstücs, in der Nähe der Haustür, tiefer als vorher in die Erde ein, und im Herbst ging er sogar hin und legte eine Kartoffelmiete über dem Grabe an, damit man die Leiche nur ja nicht entdeckte. Die Polizei, die von dem Verschwinden der Frau gehört und Berdacht geschöpft hatte, hielt mit Hilfe von Polizeihunden aus Odensee in dem Anwesen genaue Nachforschung. Aber die Kartoffelmiete hinderte die Hunde an der Witterung der Leiche Eine Weile glaubte man an Selbsttötung. der Frau, um diese Annahme jedoch wieder zu verwerfen, nachdem die Söhne der Ermordeten der Polizei gegenüber mitteilsamer über das unjelige Verhältnis zwischen Vater und Mutter geworden waren. Bei der Entlampung des Baters als Mörder spielte dann das künstliche Gebiß des Weibes eine wichtige Rolle, das von einem der Söhne auf der Tenne gefunden wurde, wo es beim Transport der Zeiche verloren gegangen war. Darüber wurde die Polizei stutzig; denn es war undenkbar, daß die Frau ihre Zähne selbst dorthin geworfen hatte. Ihr Mann konnte keine vernünftige Erklärung dafür geben, wie das Gebiß dorthin geraten Frankreich führt die Paßvisa wieder ein. Mit Rücksicht auf die Wirtschaftskrise hat die französische Regierung beschlossen, wiederum Bazvije für alle Ausländer einzuführen, die nach Frank reich zu reisen beabsichtigen. Die Visa werden Arbeitern, die in Frankreich Arbeit suchen, nicht bewilligt werden. Ein entsprechender Gefeßent wurf wird, sobald das Innenministerium über die Angelegenheit mit dem Außenministerium eine Einigung getroffen haben wird, der Kammer vorgelegt werden. ihrer Kammer. Wegen Delikten, die unter die leßterwänhte, intensivere, sogenannte berufliche Immunität fallen, kann eine Verfolgung vor den ordentlichen Gerichten überhaupt nicht stattfinden. nicht eingegangen ist. Das Strafausmaß und einige Stellen der Urteilsbegründung, z. B. die, wo der Freisprud bezüglich der Zollobstruktion damit begründet Die Frage, ob die obstruierenden Abgeord- wird, daß die Anwendung der Geschäftsordnung neten wegen der bekannten Tat vom Gerichte be- genügt hätte, und für eine Strafverfolgung kein straft werden können, hängt also davon ab, ob Raum ist, zeigen immerhin, daß unsere seinerzeit diese ihre Handlungen unter den Begriff der in ausgesprochene Hoffnung, daß das Gericht den Ausübung des Mandates gemachten Aeußerungen Strafprozeß nicht zu einem Mittel der Befriedi zu subsumieren sind oder nicht. In dieser Hinsicht ging politischer Rachsucht werden läßt, sich doa haben wir nun in dem eingangs erwähnten in einem gewissen Maße erfüllt hat. Camstag, 29. Jänner 1927. Ziere und Menschen. In einer Stadt lebt allerlei Gelichter beifammen: Reiche, Arme, Amtspersonen, Privatiers, Faule, Fleißige Menschen, Tiere, und zwar nüßliche Tiere, das heißt solche, die sich ausnüzen lassen, und schädliche Tiere, solche wiederum, die es wagen. trotz bürgerlicher Weltordnung wie die Spaten ihr Recht auf angeblich„ private" Kirschen, private Roßknödel geltend zu machen. Was machen sich diese frechen, unerhörten Tiere daraus, daß man aus Kirschen einen herrlich- teuern LaGriotte- Schnaps machen kann, aus Roßknödeln ganze Düngerfabriken! Volkswirtschaft. Die Berzehrungsteuer. Ist es auch Wahnsinn, so hat es Methode. 11 Seite 5 Die größte 3 hr davon, und zwar 3068, gingen| abgehalten wurden. Die erste tagte am Samstag, nach Frankreich, und 543 landwirtschaftliche ten 22. Jänner in Hutberg im Gasthause Schu Arbeiter nach Oesterreich. Sonst ist, wie ge- bert. Hutberg ist eine fleine Gemeinde im Brausagt, dieser Ausweis, wie das Amt elbst zugibt, nauer Organisationsbezirke, besitzt aber eine recht sehr unvollständin und es müssen diesbezüglich die fleißig arbeitende Lokalorganisation. Die Versamm Auswanderungsziffern des Arbeitsstatistischen Am- lung war von Männern und Frauen recht gut bees abgewartet werden. sucht. Genosse Schäfer besprach die politische und wirtschaftliche Entwicklung seit den letzten Wahlen ins tschechoslowakische Parlament, verurteilte die Hochschutzpolitik der tschechisch deutschen Regierungstoalition und legte den Anwesenden klar, daß notwendiger denn je die Arbeiterklasse kompfbereit daBergarbeiter stehen müsse. 909 4381 412 2929 3068 1105 872 nen Minderheit der landwirtschaftlichen Bevölkerung Der tschechoslowakische Staatshaushalt ist zum größten Teil auf den indirekten Abgaben aufEine bessere Uebersicht bietet aber schon der gebaut. Die Genialität" des sogenannten ersten Ausweis dieses Amtes über die organisierte AusBolkswirtschafters der Republik besteht nämlich wanderung nach Frankreich in dem Jahrfünft von davin, daß er die indirekten Abgaben immerfort 1922 bis 1926. erhöht. Was soll man sich auch den Kopf zerbrechen Anzahl der unter- dazu Familien davon waren über neue Steuern, Steuergerechtigkeit u. ähnliche Jahr gebrachten Personen mitglieder Dinge, über die wohl der Herr Professor Engliš 1922 805 Ten nächsten Tag, Sonntag, den 23. Jänner, in seinen Lehrbüchern geschrieben und auf dem 1923 Außer schädlichen Tieren. zu denen Löwen, 538 sprach Genosse Schäfer in Hermsdor, in HeinTiger, Spazen, Wanzen, Läuse, Vagabunden, Katheder der Universität in Brünn vorgetragen hat, 1924 1887 zel's Gasthause in der Jahresversammlung der dor2069 igen politischen Organisation. Hier war der Besich Dichter und Sozialisten gehören, kennt die kapita- die er aber in der Praxis nicht u kennen scheint. 1925 2255 überaus erfreulich. Die Vertrauensleute der Lokallistische Naturgeschichte auch nüßliche Tiere: dazu In dieses System der indirekten Steuern paßt es 1926 gehören vor allem die Arbeitsgäule, die braven ganz gut, daß rings um Prag sich eine alte Ruine Während von den Ausgewanderten im Jahre organisation fonnten in ihrem Jahresberichte über Arbeiter, die Truthühner, Gänse, Fische, Austern, aus urvordenklicher Zeit noch erhalten hat, nämdie Erkenntnis ihrer Lage zu. Allenthalben zeigen Miesmuscheln, alles, was eßbar ist, lebt und lich die Prager Verzehrungssteuer. Mochte es vor 1922 86 Prozent auf die Bauarbeiter entfallen Fortschritte berichten, unter der Arbeiterschaft nimmt dumm genug ist sich ausnüßen zu lassen. Wegen Jahrzehnten oder Jahrhunderten einen Sinn ha- find, entfielen im Jahre 1923 auf die Bergarbeiter die Erfenntnis ihrer Lage zu. Allenthalben zeigen tionären Politif in der Tschechoslowakei. Ausführlich dieser Dummheit zählt man die Tiere auch unter ben, von allen Lebensmitteln, die nach Prag fa- 60 Pro ent, auf die Bauarbeiter nur noch 14 Pro- fich die aufrüttelnden Wirkungen der jepigen reakmen, eine Abgabe zu erheben, weil die Nahrungsent und auf alle übrigen Berufe 26 Prozent, im erörterter nach Erledigung der örtlichen Organisadie Gattung der Esel! Vor einigen Tagen blieb ein sehr schlecht Berehrungssteuer ihren Sinn heute vollkom mittel auf dem Lande biliner waren, so hat die Jahre 1924 entfielen auf die Bergarbeiter 43 erörterter nach Erledigung der örtlichen Organisa Prozent auf Metall- und Maschinenindustrie 37 tionsangelegenheiten Genosse Schäfer die Zustände, aussehender Arbeitergaul vor einer Budite stehen, verloren, da durch die organisierte Beschickung des Brozent und auf die anderen 20 Prozent, im/ die in unserem Lande durch den Eintritt der deutschbermutlich, weil sein Herr" einen brennenden Brager Marktes in Prag selbst die Lebensmittel Jahre 1925 entfielen auf die Bergarbeiter 70.6 bürgerlichen Parteien in die tschechische Regierung hervorgerufen sind Er wies unter Anführung Durst nach noch brennenderem Alkohol hatte. beispielsweise weit billiger sind, als im deutschen Prozent, auf Metall- und Maschinenberuf 144 überzeugender Beispiele nach, daß die Zölle auf Ungefähr zehn Meter weiter jah man Spuren Industriegebiet. Die Brager Gemeinde erhebt na- Prozent und auf die übrigen Berufe 15 Prozent. überzeugender Beiſpiele nach, daß die Zölle auf eines Heuwagens, die das scharfe Denken des Gaules erregten und man jah, als der Gaul bis fürlich für ausländische und inländische Waren Im Jahre 1926 entfallen auf die Beroarbeiter agrarische Erzeugnisse nur einer zahlenmäßig fleigleichmäßig die Verzehrungssteuer. Ein Beispiel. 73.5 Prozent, auf Metall- und Maschinenberuf Vorteile bringt, die überwiegende Mehrheit jedoch zu dem seu hinhinkte und den Wagen nachzerrte, wie verrückt die Brager Verzehrungssteuer ist, iei 15 Prozent, auf alle übrigen Berufe 11.5 Pro ent. schwer schädigen. In den Arbeiterfamilien spürt man daß dieser Entschluß mühsam errungen war! nachstehend gegeben. Für einen Liter verdorbenen Wie aus diefer Aufstellun hervorgeh, haben die Auswirkungen der Zollpolitik am allerempfinds Mübsam studierte das arme, abgepladte Arbeits- Weines, der bei der Essigfabrikation Verwendung die Bergarbeiter an der Auswanderung nach lichsten. Zudem herrscht eine wirtschaftliche Strife, tier die Stellung seiner Beine, um das wenige findet, wird eine Abgabe von 40 bis 50 Sellern Frankreich seit dem Jahre 1922 den Löwenanteil deren Bekämpfung bisher die organisierte ArbeiterHeu zu erschnappen und als sein Herr aus der Verzehrungssteuer entrichtet. Die Folge davon ist, gestellt, das ist die Auswirkung der Krise in un klasse vergeblich gefordert hat. Auf politischem GeBudike torkelte, fuhr der gehorsamste, ergebenste, daß die Prager Effigfabriken den Wein überhaupt ferem Bergbau. biete tritt die Reaktion immer anmaßender auf. Die treue Diener seines Herrn mit dem Kopf ferzen nicht kaufen können, weil sie dann gegenüber den Nach allem, was jetzt schon zu sehen ist, wird deutschen und tschechischen bürgerlichen Parteien der grad in die Höhe, als ob das ein Verbrechen Essigfabriken in der Proving benachteiligt sind. das Jahr 1927 einen jähen Abbruch der Aus- jebigen Regierungsmehrheit nühen ihre Wahlgewesen wäre, einen Halm Heu mehr als die farge Ration zu fressen! Nüßte das Tier seine abgesehen davon ist die Visitation der Reisenden, wanderung nach Frankreich bringen, ja es sprechen erfolge vom Jahre 1925 rüdsichtslos aus. Es sollfarge Ration zu fressen! Nüßte das Tier seine Sträfte, feine Energien, feinen angeborenen Scharf- wie sie auf den Prager Bahnhöfen vorgenommen alle Anzeichen dafür, daß die Rückwanderung der ten daraus nun die Arbeiter die notwendigen werden, einfach eine Belästigung des Publikums. in dem letzten Jahrfünft Ausgewanderten sehr Schlüsse ziehen. Sehr stark besucht war die Versinn, wäre es Herr seines Herrn! Zweifellos sammlung, die am gleichen Tage abends in Rosensteckt im Verhalten des Tieres eine Lehre! Welche? In der ganzen Welt existiert feine Ver ehrungs- start fühlbar werden wird. Nun, es sei dem Leser überlaffen, fie zu finden Ausländer, der nach Prag kommt, muß einen' on richt vom 28. Jänner) Der Börsenbesuch war hier fanden die Ausführurngen des Genossen Schäfer, Nun, es sei dem Leser überlassen, sie zu finden steuer, nur in Prag wird daran festgehalten. Der Prager Produktenbörse.( Offizieller Beberg's Gasthaus in Heinzendorf stattfand Auch die nüßlichen oder die schädlichen Tierklassen der derbaren Begriff erhalten von dem wirtschaftlichen schwächer und das Geschäft war wie gewönhlich mini- ebenso wie in den beiden vorher genannten Verfapital stischen Zoologie eingliedern zu lassen. Es und sozialen Fortschritt, der sich in der Tschecho- mal. Auf dem Getreidemarkte zog nur Safer etwas sammlungen Beifall und allgemeine Zustimmung. gibt natürlich auch eine nicht kapitalistische, sozia- lowakischen Republik und in ihrer Reichshaupt an, die übrigen Getreidearten bleiben unverändert Auf Anregung der Versammlung hin un ersuchte listische Naturgeschichte: Nach ihr gibt es Löwen, und allgemein geschäftslos, weil die Mühlen infolge Genosse Schäfer die Möglichkeiten einer erfolgreichen Tiger, Kapitalisten und Krokodile, sogenannte der hohen Preise in Anfäufen Zurüdhaltung beob- Abwehr der reaktionären Vorstöße der neuen ReRaubtiere, und friedliche Pflanzen-, bzw. Kartof achten. Der Maismarkt war fest und die Preise gierungstoalition Das tschechische und deutsche Bür felfreffer, furz: alle armen Leute. zogen um 2-7 Punkte an. Amerikanisches Fett blieb gertum und die fapitalistischen Klassen der beiden ruhig, ungarisches aber war abgeschwächt. Auf den sammengetan. Das tschechische Bürgertum hat sein Nationen haben sich zu gemeinsamen Handeln zuübrigen Marktgebieten blieben die letzten Dienstag Biel erreicht und aus der Tschechoslowakei einen notierungen unverändert nominell in Geltung. Staat gemacht, der sich nicht nur von anderen Es notierten in Ko: Weizen, öhmischer, Prag tapitalistischen Staaten unterscheidet, sondern diese 235-243, Roggen, böhmischer, Brag 212-215 Safer, an Maßnahmen kapitalistischer Politik noch zu überböhmischer, Prag 148-152, Mais, jugoslawischer, ab bieten sucht. Darauf muß die gesamte Arbeiterklasse ab Oderberg 119 ebenfalls unverzollt, Cinquantino, ber Republik die Antwort geben, und diese kann nur ab Oderberg, unverzollt. 124, La Plata, ab Tetſchen, barin bestehen, die proletarischen Kräfte zum AbWäre es nicht gut, große Käfige für die Raubtiere zu bauen, damit die Pflanzenfresser endlich ohne Angst die paar Heuhälmchen er-rbwischen fönnten? Ein bedauernswertes Streitobjekt. Jm zoologistadt vollzieht. Organisierte Auswanderung aus der Zschecho towalei zu sammeln. Alle drei Versammlungen boten ein nach Europa und Afrika im Jahre 1926 und die organisierte Auswanderung nach Frankreich in den Jahren 1922 bis 1926. Das Landeszentralarbeitsamt in Prag, das schen Garten in London kam es unter den 70 diese zwei Statistiken jetzt versendet, gibt selbst an, abeffinischen Bavianen zu einem heftigen Stampf daß die erste Satiſtik von der Auswanderung ins umein Weibchen. Die Affenherde, die auf ist. großen, feljigen Anlage haust, hatte sich in zwei Bar- chränkt sich nur auf die Auswanderung, bei der unverzollt 135, amerikanisches Fett, ab Tetschen 13.25 mehrkampf unter der Fahne der Sozialdemokratie seien geralten. Bald war das umstrittene Weibchen das Prager Amt mitgewirkt hat, und hauptsäch Bratislava, unverzollt 133, rumänisher, feinförmiger, Bild fleißiger Parteiarbeit und ernsten Stampfes im Besiz der einen, bald in dem der anderen. Die lich für Industriearbeiter, während die Zahl der Wärter waren außerstande, den Kampf, der über zwei Stunden dauerte, zu schlichten. Als endlich Ruhe eintrat, mußten fie feststellen, daß das Weibchen tot war. Schweigend versammelte sich die ganze Herde um den toten Körper Nach einiger Zeit trennten sich die Gegner, worauf von jeder Seite ein Männ chen an die Leiche herantrat und den toten Körper durch das Spalier der Affenherde in einen Teich rollte. Darauf zogen sich sämtliche Affen in ihre Lager zurück, um ihre Wunden zu pflegen. Die erite Revolution. Von Otto Richter. Der Süßwasserquell am Waldabhang war ihre Ursache. Seit undenkbar langer Zeit gingen die Höhlenbewohner der berachbarten Felsen zu thm Wasser trinken. Sein Wasser schmeckte an genehm fühl und füß und es gab meilenweit kein frinkbares Wasser außer dem seinen. Es sprudelte frisch aus einer Felsspalte und verlor fich Tümpel. Ebenso lange als die ältesten StammesTümpel. Ebenso lange als die ältesten Stammes angehörigen denken konnten, bewachte diesen Quell, der kräftigste und gewandeste Höhlenbewohner mit seiner Familie. Er hauste in einer daneben liegenden Böhle und ließ den Quell nicht aus dem Auge. Kamen andere oder Tiere vom Landesarbeitsamt in Brünn und hauptfächlich vom flowakischen Arbeitsamt für landwirtfchaftliche Arbeiter in Bratislava vermittelten Arbeiter nicht bekanntgegeben wird, die aber nach Mitteilung des Prager Arbeitsamtes in die vielen Tausende gehen. Aus der Partei. Versammlungen im Bra nauer Bezirke. Aus der ersten Aufstellung ist ersichtlich, daß Mit der gegenwärtigen politischen und wirt im Jahre 1926 durch Vermittlung des Zentralschaftlichen Lage in der Tschechoslowakei beschäftigten arbeitsamtes Prag 3749 Arbeiter ins Ausland sich drei sozialdemokratische Versammlungen, die gingen, außerdem 308 Frauen und 564 Kinder. willens. Austritt aus der Partei. Die Bezirksorganisation Prag hai gegen den Herausgeber der Zeitung„ Der Margen", Herrn Karl Strauß, das Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet. Sturz vor der entscheiden den Verhandlung meldete Herr Karl Strauß seinen Austritt aus der Partei an und machte dadurch den Spruch des von der Partei eingesetzten Schiedsgerichtes gegenstandslos. und Gelächter der Herde überging, bis plötzlich chen zähnefletschend zu. Plötzlich sprang er mit| melt vor der Kücbisschale. Diese war bis an den einem gewaltigen Sag herab und stürzte sich Rand mit flarem Regenwasser gefüllt. So ein- alle verstummten. brüllend und mit den Fäusten auf seine Brust fach die ganze Sache war, blieb sie doch für diese Es tam oft vor daß bei plötzlichen aufregentrommelnb auf das Weibchen. Das lief, so schnell es nur konnte, um sein Leben. Doch der es nur konnte, „ Schwarze" verfolgte es gar nicht, sondern ließ fich mit triumphierendem Brüllen neben den Eiern nieder. Gemächlich fing er an, sie auszuSchlürfen, und unterbrach diese Tätigkeit nur im mer mit neuem Triumphgebrüll. iffenmenschen eine große Entdeckung. In der deft Ereign en, wie das Erscheinen eines Wolfes folgerben Zeit stellten alle leere Kürbisschalen oder einer Hyäne, die Herde in wildem Schreien zum Regenwasserfang auf. Nun hatten sie reich ihre Wut, ihre Angst oder ihr Entzücken auszulich Wasser und waren von der Quelle fast un- brücken suchte, bis durch einen Zufall dieses abhängig. Wenigstens glaubten sie dies am An- Schreien taktmäßig wurde und sich in immer fang. Doch das Regenwasser schmeckte schal und gleicher Bewegung wiederholte, bis es im allgeverdarb schnell, es wurden viele davon frank. meinen Gelächter endete. Später geschah es öfter, daß er mit Beute Die Sitte, Kürbisschalen aufzustellen, ver- Als die Herde von der Quelle zurückkehrte, beladene Höhlenbewohner, die zum Quell kamen, schwand deshalb sehr bald wieder und nur die war sie noch voll des Erlebnisses und hatte kaum überfiel und beraubte. Mit der Zeit kam es so- Schwächsten der Herde, für die das Quellwasser den Jungen, der mit seiner gefüllten Stürbisschale weit, daß er nur jene zum Quell ließ, die ihm ganz unerreichbar war, sammelten weiter Regen vor seiner Höhle saß, entdeckt, als sie sich mit Eier oder Vögel, Blaubeeren oder Wurzeln zum roasser in Kürbisschalen. Wancher von ihnen lautem Geschnatter um ihn versammelte und ihn, raz brachten. Alle anderen schreckte er mit dro- starb unter Schmerzen an dem Genuß des fauli- der im Wasserspiegel sein Bild besah, bestaunte. hendem Brüllen und auch durch tätliche Angriffe gen Vorrats. von der Quelle. So saßen sie bis zum anbrechenden Abend in lustiger Gemeinschaft. Vor dem Dunkelwerden zog die Herde wieder zur Quelle, beladen mit Kürbisschalen gin Wieder war es jener Junge, der einstmals des Waldes zum Duell, um zu trinken, so fletfchytenern ein leichtes, Beutestücke als Tribut zum der einen Schritt weiter zur Wasserversorgung gen sie unter Geschrei und Gelächter im GänseIn diesen Jahren war es den Höhlenbewoh die Verwerdung der Kürbisschalen herbeiführte, er auch gegen sie die Zähne und ließ sie nur uns Quell zu bringen. Die Witterung war günstig tat. gern heran. Er war muskulös und von unheim- und der Wald spendete überreichlich Nahrung. marsch durch die Bäume, oft in tollem Uebermutt licher Straft und keiner der anderen Männchen Es wurde anders, als einige trockene Jahre, nur Eines Mittags als wie immer der größte sich durch die Lüfte von Aft zu Ast schwingend. des Stammes bätze es jemals gewagt, mit ihm wenig Baumfrüchte und Wurzeln brachten. Die Teil der Herde zur Quelle drängte, was nicht Es zogen auch die schwächlichen Weibchen der zu kmpfen. Alle die er dazu gezwungen, muß Nahrung wurde knapp, der Blaubeerenried war ohne Geſchrei und Geplapper unter den Leuten Herde mit und als sie bei der Quelle ankamen, ten es mit dem Leben büßen. In den Bauten, fast kahl, die Vögel, durch das häufige Nestplüm- abging, schlängelte sich der Junge zur Quelle, waren sie eine ftattliche Anzahl. mit denen sich diefer Stenum von Affenmenschen bern gestört, hatten sich verzogen, und in ande- warf dem wachhabenden Schwarzen eine tote Der starke Schwarze blinzelte wie immer verständigte, hieß er der starke Schwarze und sein ren weitentfernten Wöldern angesiedelt. Es Taube als Tribut und hielt dann rasch eine arpwöhnisch von einemi nahen Paum und achtete Namen allein verbreitete Schrecken unter den herrschte jetzt oft Not bei der Herde und alle leere Kürbisschale unter die sprudelude Quelle. genau darauf, daß jeder, der Wasser von der anderen. Manche frunten sich erinnern, wie er brückte der Tribut bei der Waldquelle. Auch war mit klingendem Laut füllte sich rasch das Gefäß Quelle nabnt. ihm Beutestücke brachte. Lachend Mitglieder des Stammes mit einem einzigen Biß der staite Schwarze anspruchsvoll geworden und und ehe noch die staunenden anderen oder der und schreiend füllten dann alle ihre Schalen und ins Genid getötet barte. Darm schlichen auch all die trinken woll- nicht mit jeder Gabe zufrieden. So stellte sich mißtrauisch blingelnde Schwarze recht wußten, der Schwarze ließ fie gewähren, neben dem Hunger auch noch quälder Durst bei was geschah. fchlebpte der Junge schon mit Die Herde kehrte unter Lärm in die Höhlen ten, nur ichen und ferie zum Quell, tranten in ihnen ein. Die schwächlicheren Mitglieder der triumphierenden Schreien jeune erbeutete Laft zurück, vorsorglich das Wasser gegen die dummen haftige Zügen des föstliche Naß und eilten, Serde, die nicht genügend Beute erjagen konnten, Wasser davon. Streiche der Jugend schüßent. Ein paar vor= rase, wie möglich von dem unheimlichen Ort um damit auch den unerfättlichen Hunger des Wie ein Blitzstrahl erwachte die Erkenntnis wißige Jungen erhielten von den erbosten Alten fortzukommen. Schwarzen zu stillen, blieben jetzt der Quelle der Tat in den dumpfen Hirnen der Herde, mit fräftige Ohrfeigen, weil sie sich in d½ Waffec Einmal geschah es, daß ein Weibchen des überhaupt fern und stillten ihren Durst mit ge- wildem Geschrei feierten sie sie, johlten und schalen setzen wollten. Stammes, mit Vogeleiern beladen, die sie in den sammeltem Regenwasser und den Tautropfen der schnatterten trop der furchterweckenden Nähe des Nie hatte der Stamm einen solch lustigen Baumwipfeln gammelt an den Quell ging um Baumblätter. harten Schwarzen. Sonderbarerweise gebärdete Aberd erlebt und sie erinnerten sich an ihn noch zu trinken. Wie sie sich nieterbeugte, um Wasser Einmal ließ einer der jungen Leute einen sich auch dieser wie rasend und schrie und trom- lange Zeit. zu schöpfen, hatte sie die Eier neben sich in das falbausgefressenen Buschtürbis vor seiner Höhle melte mit den Fäusten. So währte der Lärm Auch die folgenden Wochen verlief das WasMoos gelegt. stehen. Ueber Nach hatte es geregnet und am eine Weile, bis er eine seltsam taktmäßige Form| ferholen ohne Störung Sie hatten jetzt Wasser Der starke Schwarze saß in der Nähe auf nächsten Tag stand die ganze Herde vor Auf- annahm, mit immer wiederkehrendem Rhythmus m Ueberfluß und bolten deshalb nur noch eineinem schaukelnden Vaunast und sah dem Weib- regung laut plappernd und kreischend, versam und schließlich immer im Taft in Freudenschrei mal im Tag frischen Vorrat von der Quelle. Seite G Mitteilungen aus dem Publikum. Das Beste für Ihre Augen liefert Optiker Deutsch, Prag, 1828 Graben 25, Kl. Bazar. SANAY BUTTER CLEICH Kunst und Wissen. 11 eine glanjenbe Zukunft voraussagen. Zum Schlusse noch ein ernstes ntahnendes Wor: an unser funstjinni. ges Prager deutsches Publikum: Wenn schon Musterkonzerte wie dieses fein Verständnis und feine Teilnahme des Publikums finden, dann ist es wil lich besser, daß unsere Theaterleitung dent viel gerühmten ,, kunstsinnigen" Prager deutschen Publikum die Schande antut, auf die weitere Abhaltung dieser Konzerte, die sich vor einigen Dußend zu hörern wie am Donnerstag kaum rentieren können, zu verzichten. -et. Ein Beethoven- Drama. Friedrich Lichtnefer, der junge Wiener Dramatiker, dessen mit dem Preis der Julius Reich Dichterstiftung ausgezeichnete Bayrische Königstragödie" zur Uraufführung im Neuen Theater in Frankfurt a. M. erworben wurde, Neuen Theater in Frankfurt a. M. erworben wurde, hat ein Beethoven- Drama vollendet. wird. Kleine Chronit. Camstag, 29. Jänner 1927. „ Deutsch tschechische Kulturbeziehungen".( Vom Seidentum an.) Prof. Dr. Partus. Termin wird noch bekanntgegeben. Was in einem amerikanischen Rino verdient Sabre 1925 in ihrem größten Theater, dem„ CapiDie Metro- Mayer- Filmgesellschaft hat im Praktische Fächer: tol" zu New York, eine Gesamteinnahme von 2.25 Schen. Sonntag, 10-12 Uhr. 10 Doppelsid. ,, Einführung in die Buchhaltung". Franziska Millionen Dollar erzielt. Die höchste wöchentliche 30 K. Einnahme betrug 68,700 Dollar und erfolgte bei der Vorführung des von dieser Firma hergestellten Filmes„ Die lustige Witwe".„ Tie Boheme" brachte es wöchentlich auf 60.889 ,,, Ein Walzertraum" in zwei Wochen auf 106.831 Dollar. Ein steinzeitliches Pfahlbaudorf im Film. Vor lurzem hat die Kulturfilmherstellung der Ufa ihren neuen Großfilm„ Schöpferin Natur"( Bom Urtier sunt Menschen) interessante Aufnahmen bei Unteruhldingen am Bodensee gemacht. In den dort be findlichen Rekonstruktionen eines steinzeitlichen Pfahlbaudorfes, die das urgeschichtliche Institut zu Thübingen seinerzeit nach zahlreichen Ausgrabungen errichtet hat, wurde eine Familie der Pfahlbauzeit Auf diese Weise ist die Zeit vor 6000 Jahren im in allen ihren Lebensgewohnheiten aufgenommen. Bilde mit historischer Treue wiedererstanden, und der Zuschauer erhält eine deutliche Vorstellung einer tulturgeschichtlichen Epoche, von der es im allgemeinen nur vage und oft falsche Begriffe gibt. ,, Moderne Damenwäsche". Fri. Meduna. Dienstag, 3-5 Uhr. 10 Doppelſtd. 50 K. ,, Kunstgewerbliche Arbeiten". Frl. Käthe PolIa f. Mittwoch, 3-5 Uhr. 10 Doppelstd. 50 K. Herstellung von Damenhüten". Frl Gröbner. Donnerstag, 4-6 Uhr. 10 Doppelstd 50 K. ,, Moderne gesellschaftliche Formen und Gastlichfeit". Baronin Caroline Schönau. Freitag, 6-7 br. 1C Std. 30 K. Italienisch I u. II, Tschechisch I u. II, Esperanto. Sämtliche Sprachkurse: Englisch, Französisch, Teisnehmer werden noch aufgenommen. Rurstarten erhältlich: Urania- Biokasse, Smečfag. ** Prinzessin Trulala", die übermütige Geschichte von ..Wran- Urania- Kino". vier heiratsfähigen Prinzessinnen! Prinzessin Trulala, die Jüngste! Lilian Harvah. Prinzessin Hopsassa, die Lustige! Dina Gralla. Prinzessin Lola und Lila! Auch sehr nett! ran- Urania Kino. Heute und täglich, Der I. Kammermusikabend der Deutschen MusikII. Philharmonisches Konzert. Alexander 3 e m- akademie findet bestimmt am Donnerstag, den 3. Linssy hatte dieses Konzert in der Hauptsache der Geber, um halb 8 Uhr abends im Mozarteum statt. modernen Musik gewidmet. Drei neuzeitliche fym für Klarinette, zwei Violinen und Cello. Ludwig van Programm: Joh. Brahms, Quintett op. 115, 5- moll phonische Werke standen auf der Vortragsordnung, Beethoven, Duo( mit zwei obligaten Augengläsern) Werte, die jedes in seiner Art Musikbekenntnisse ihrer für Viola und Cello Erstaufführung in, Prag. Schöpfer sind und deren künstlerisches Schaffen glän- Budwig van Beethoven, Quartett op. 59, Nr. 3, C zend charakterisieren. Dies gilt vor allem von den Dur für zwei Violinen, Viola und Cello. Karten zu drei zur Eröffnung des Konzertes gebrachten Vor 6.- 4.- und 2.- K im Vorverkaufe bei Wetzler spielen" aus der musikalischen Legende Baund in der Deutschen Musikakademie, Prag II., Bla- don berichtet wird, waren die Proben mit dem halb 6 und 8 Uhr Smetschkagasse. Telephon 20429. Der größte Aeroplan der Welt. Wie aus Loulestrina" von dem modernen deutschen Tondichter dislavgasse 23. Hans Pfizner. Die romantische, meist von eben jetzt vollendeten größten Aeroplan der Welt Professor Udel gestorben. Aus Wien wird ge- Typhown" von Erfolg gekrönt. Die Maschine Sehnsucht, herber Innigkeit, Verträumtheit und meldet: Der seinerzeit gefeierte und weit über Wien besteht aus sechs Zylindern, welche 950 Pferde- Samstag, den 29. Jänner, abends 8 Uhr, im dekoGesangverein„ Gutenberg" in Prag veranstaltet Mystik getragene persönliche Note Pfigners fommt hinaus bekannte Künstler, Professor Karl Udel, fräfte entwickeln fönnen. Der ganze auch in ihnen überzeugend zur Geltung, sei es, daß ist gestern nach langem Siechtum im Alter von 83 wird mit voller Belastung fast 50 3eniner wie- ball. Masken und Kostümierte erwünscht. Eintritt: Aeroplan rierten Heinejaal seinen allseits beliebten Faschings. der Tondichter, wie int ersten und dritten Vorspiele Jahren gestorben. Udel war ein hervorragender gen und in der Stunde 146 englische Weilen im Vorverkauf 10 K, an der Raffa 12 K infl. Steuer. die Resignation und schildert, sei es, daß er im zweiten Vorspiele ein Bildanger und Gründer des nach ihm benannten( zirfa 235 Kilometer) zurüdlegen können. von dem wirren leidenschaftlichen Durcheinander des Tridentiner Konzils gibt. Ganz anders gibt sich der moderne spanische Tonsezer Manuel de Falla in seinen symphonischen Impressionen„ Nächte in spanischen Gärten" für Orchester mit obligatem Klavier. Falla hält kompositorisch etwa bei der symphonischen Richtung Mahler- Strauß; nur ist seine Musik vor allem national, legt das Hauptgewicht auf Stimmungszeichnung und wirkungsvolle instrumentale Farben und streift in der Primitivität der melodischen Linien und harmonischen Struktur oft Udelquartettes. Samstag( 67-3), 7 Uhr: Stollege Cramp. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Sonntag, 2% Uhr:„ Rastelbinder"; 7 Uhr ton"; 10 Uhr: Neger- Revue Blad People". ( 702):„ Tannhäuser". Montag( 71-3), 7 Uhr: ,, Meine entzückende Frau". Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Saurs tag: star, laß dich nicht verführen". Sonntag, 3 Uhr:„ Die neuen Herren"; 7% hr: Spiel im Schloß". Montag:„ Dover-Calais". die Grenze des banalen Salonstiles. Die verwendete Klavierstimme dient lediglich zur Unterstüßung apar Paula Weffely Herbert Königsmark in der ter orchestraler Wirkungen; Prof. Frang Langer Urania. Das Publikum war wohl weniger aus In von der deutschen Musikakademie spielte sie mit eben- tereffe für den begrüßenswerten Versuch, ein litera so glänzender technischer Meisterschaft wie vorbild riches Kabarett wenigstens für einen Abend zu schaflicher Musikalität. Noch ein drittes neuzeitliches fen, als aus Zuneigung zu den beiden beliebten symphonisches Tonwert stand als Erstauffüb bereits als Rejitator und Conférencier; er' bewies Erstauffüh- Stünstlern erschienen. Königsmart kannte man rung für Prag auf dem Programm dieses philharmonischen Konzertes: eine„ uodlibet" be aufs neue, daß er alle Eigenschaften für diese Aufgabe titeite Unterhaltungsmusik von dem Elsässer Stompo- heute leider fast ausgestorbene Ueberbrettel das Feld in reichem Maße besitzt, daß vielleicht das kultivierte, nisten Kurt Weil, ein ebenso effettvolles wie geist ist, auf dem er besser zu siegen versteht als auf der reiches, in der Form einer Suite geschriebenes Opus, Bühne. Er wirfte wohl am stärksten mit Anatole das jeinem Titel nach jede beliebige, programmati& rances" Reiermann". Paula Wessely da fde Deutung zuläßt. Alexander Zemlinsky hatte gegen bleibt Schauspielerin auch am Vortragstisch. sich der Werke mit gründlicher Sorgfalt und hin. So sehr ihre liebenswürdige Art, leichte Lyrik zu gebungsvollster Liebe angenommen; der lebhafte Bei- interpretieren, gefiel, hatte man doch den Wunsch, fall nach den einzelnen Nummern galt in erster diese spring- lebendige, temperamentvolle Künstlerin Linie ihm, in zweiter dem passioniert spielenden auf der Bühne zu sehen, wo ise ihrem Spiel keinen Theaterorchester. Solistin des Konzertes 3wang auferlegen muß. loat eine neue, junge, aus der Schule der Wiener Akademie der Tonkunst hervorgegangene Prager J. fr. Geiderin, Frl. Marianne Theiner, bie Genossen! Seb. Bachs Violinkonzert in E- Dur spielte. Ausgeglichene technische Ferigkeit, schöner, großer Ton Traget bei jeder Gelegenheit Euer und ebenso gefühlsreicher wie musikalischer Vortrag lassen dieser hochbegabten, sympathischen Künstlerine0000000000 Barteiabzeichen! " 1 Vereinsnachrichten. „ Urania". ,, Die alpine Gletscherwelt", Kulturfilm, der ähnliche Vorgänger durch die märchenhafte Bracht der Aufnahmen weit überholt. Von Zermatt zum Matterhorn und Monte Rosa. Dazu„ Das Automobil". Die Erzeugung, amerikanischer Automobile. Großer technischer Kulturfilm. Morgen, Samstag, 3 Uhr, Sonntag, halb 11, Montag 8. Uhr. Mitgl. Ermäßigung. Konzertabend" des Deutschen Männer- Gesang Vereins Smichow. Montag, den 31., halb 8 Uhr. Der deutsche Männerchor in der ersten Sälfte des 19. Jahrhunderts", C. M. v. Josef Bezecny, Chorleitung: Prof. Emil BeWeber und sein Kreis. Mitwirkend: Frl. Schwarz seeny. Starten 104, Mitgl. 8-3 K. Einleitende Worte: Sektor der Urania, Suder. Mit Dorothea Angermann", Hauptmann- Abend. Reseproben aus dem neuesten Werte unseres größten zeitgenössischen Dichters. Karten 4, Mitgl. 3 K. * Urania- Volkshochschule. II. Semester. Beginn: Sonntag, den 6. Feber. Wissenschaftliche Fächer: ,, Die deutsche Dichtung vom Naturalismus bis zur Gegenwart". Dr. Hilde Schulhof. Dienstag, 8., 27-28 Uhr. 10 Std. 30 K. ,, Einführung in die Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts" mit Lichtbildern. Dr. Vogel. Mittwoch, 6% Uhr. 5 Doppelstd, 30 K. ,, Das Ohr und die Nase in gesunden und kranken Tagen". Dr. Georg Charauset. Donnerstag, halb see 17 Uhr. 6 Std. 20 K. wenn das Schreien taktmäßig wurde, verbesserte sich rasch die Laune der Herde und endete in erregter Lustigkeit. NW& K WOLLGARNE Nnennolla in albanoofste gjutn Stisknoolen der feudeker Wollkammerei& Kammgarnspinnerei A- G. in Neudek. Überall erhältlich! Auf Wunsch BezugsquellenTachweis. NW& K man beachte die nebenstehenden FABRIK ZEICHEN Schutzmarken! Herausgeber Dr. Ludwig Czech Verantwortlicher Redakteur Dr. Emil Strauß. Drud: Deutsche Zeitungs- A.- G., Prag. Für den Druck verantwortlich: O. Solit. Damit war aber auch die Zahl der Beutezwei Tage lang keine Nahrung mehr gesucht.| die übrigen zur Wasserversorgung. So dummt stücke, die an den starken Schwarzen abgeliefert Ihr Schreien war zum fläglichen Gewimmer und war aber der starte Schwarze doch nicht, daß er ipurden, zurückgegangen. Früher hatten sie ihn dreimal im Tag besucht und ihm Geschenke ge- Als dieses Morgenkonzert beendet war, füm- von der Stelle und antworteten auf das stolze auf sie hereinfiel. Er ließ sich nicht mehr wegGewinsel geworden, doch rührten sie sich nicht nicht bald die List durchschaute und nicht mehr bracht, um seine Gnade zu erlaufen. Jetzt hat merte sich auch niemand mehr um den Vorfall, Brüllen des immer wachenden Schwarzen mit locken und reagierte auf alle Reizmittel nur mit ten sie dies höchstens einmal im Tag notwendig. der es angeregt hatte, und die Herde schien alles klagendem Streischen. Sie waren vollkommen hilf wütendem Brüllen und Brusttrommeln. Natürlich war der starte Schwarze unzufrieden vergessen zu haben. Dennoch ging feiner an die los und fühlten dies auch, ihnen fehlte der Sinn und ärgerlich über diese Wendung der Dinge. fem und an den beiden folgenden Tagen zum und die Laute der Sprache, um sich auf ein ge- die Herde ging nicht mehr zu ihren Höhlen zuDas dauerie wieder einige Tage und Nächte, Und er ließ die zur Quelle Kommenden seine Quell. Es hatte zwischendurch ein wenig gemeinsames Borgehen gegen den Schivarzen zu rück und einzelne Angehörige entfernten sich nur Laune fühlen. Oft überfiel er jetzt einzelne der regnet und sie hatten wieder Regenwasser ge- einigen. Einzeln waren sie alle zu schwach, das zur hastigen Nahrungssuche, immer kehrten sie Herde, schleppte sie in seine Höhle und prügelte trunken. Als aber dann trockene heiße Tage zeigte sich auch, als die Tapfersten unter ihnen gleich wieder zur Herde zurück. sie dort halbtot. Auch war seine Frau, die er folgten und der geringe Vorrat aufgezehrt war, zum Kampf gegen den Schwarzen von ihren fort geprügelt hatte, gestorben. Er hatte sich ein schlich einer nach dem andern, nicht ohne sich Bäumen sprangen, doch meistens schon nach dent Der Schlußkampf wurde abermals von dem fach von der Quelle ein anderes Weibchen geholt vorher mit Beutoſtücken versehen zu haben, zum Vorgefecht ihr Heil in der Flucht suchten. Die jungen Erfinder eingeleitet. Er war nach seinem unt zwang es, bei ihm zu bleiben. Von der Herde wollte jetzt feiner mehr Wafumitreiste mit steifen, langsamem Gang die dem Kampf interessiert zu, ohne ihrem Kämpfer zeigten sich noch die vielen Wunden, die ihm der Quell. Doch der Schwarze ließ feinen heran, anderen jahen dann immer nur unter Geschrei fetten großen Kampf mit dem Schwarzen län gere Zeit verschwunden gewesen, doch auch jetzt fer holen gehen. Man bestahl sich gegenseitig und Stelle, wo das Wasser sprudelte und ließ von beizustehen. soff sich das Wasser aus den Schalen weg, mur Zeit zu Zeit ein dumpfes Wutgebrüll hören. um den gefürchteten Schwarzen an der Quelle Seinen Höhepunkt erreichte dieses Einzel- starfe Schivarze zugefügt hatte. Er war noch sehr meiden zu können. Streit und Zwietracht mach- den Bäumen ringsum versammelt und klagte ge- ger und ziemlich kräftiger Affenmensch, gegen den angriff. Es wurde ein erbittertes Ringen und Mittlerweile hatte sich die ganze Herde in kämpfen, als der Kürbisschalenerfinder, ein jun- erschöpft, als er feinen Feind zum zweitenmale ten sich in der Herde breit und Raufereien unter meinsam im Chor. Dann fingen sie an, die mit starken Schwarzen vorging und ihm mit fühnem Sicher wäre der Junge im Kampfe unterlegen, die Herde verfolgte es mit interessiertem Geschrei. den Männchen waren an der Tagesordnung. gebrachten Geschenke, Baumfrüchte und tote Schipung seinen Wasserbehälter an den Kopf Eines Morgens famen einige Weibchen, die Vögel, Wurzeln und Schnecken, dem Schwarzen warf. Berbutzt zog sich der Schwarze zurück, um wäre ihm nicht plötzlich ein zweiter aus der schon frühzeitig um Wasser gelaufen waren, mit zuzuwerfen. Der achtete gar nicht darauf, fing sich gleich darauf unter lautem Kampfgebrüll auf einem Schlage den Bann, der auf der Herde lag, Herde zu Hilfe gekommen. Die Tat löste mil lautem Lärm und allen Zeichen größter Auf- fich nur manchmal eine dahersausende Frucht, den neuen Angreifer zu stürzen. Es wurde ein wie rajend stürzten sich nun alle auf den Kampfregung ohne Wasser von der Quelle zurück. Wild bleckte die Zähne gegen die Richtung, aus der sie wütendes Ringen, unterbrochen von hastigem gestikulierend und immer mit den Armen in der kam, fraß hastig und immer auf seinen Posten Fliehen und Jagen, dabei entfernten sich die plaz und fielen den schäumenden Schwarzen an. Richtung des Quills weifend, berichteten sie krei- achtend. Er schreckte auch immer wieder jede An- Kämpfer zufällig immer weiter von der Quelle. Arme und Beine, kräftige Gebisse und drängende Der Kampf war furz, gegen so viele muskulöse schend den anderen.ihr furchtbares Erlebnis. näherung mit wütendem Brüllen und dröhnen- Der starte Schwarze aufs äußerste gereizt, ver- Körper hielt auch der starke Schwarze nicht stand, Der starke Schwarze soß vor der Quelle und dem Brusttrommeln zurück. folgte wie rasend den Jungen und hatte dabei in wenigen Minuten war er erledigt und sein ließ niemand mehr heran. Ein vorvißiges Weib- So saß die Herde in den Bäumen, vom Mor- feine Achtsamkeit auf die Quelle vergessen. Das chen, das sich den Zugang erzwingen wollte, hatte gen bis zum Abend und die Nacht und noch einen hatte die. Horde in den Bäumen kaum bemerkt, törper lag zerrissen und zerfleischt leblos am er mit seinen Taken gepackt und ihr mit einem Tag und wieder eine Nacht. Släglich heulten sie als sie frohlockend zur Quelle stürzte. Gut die Boden. einzigen Druck feiner eisernen Finger den Hals- in der Nacht auf, wenn einer aus dem Schlum- Hälfte von ihnen hatte sich satt getrunken und die Wild heulte die Herde ihren Triumph in wirbel gebrochen. Dieses Erlebnis hatte die mer erwachte und die andern mit wildem Schalen gefüllt, als der Schwarze mit wütendem den Wald, allmählich kam wieder der Takt und andern dann endgültig von der Quelle ver- Schreien aufschreckte. Sie waren das Schlafen in Schnattern zurückkehrte. Alles stob auf die Bäume viele Tage später brauchte ein einzelner mur scheucht. den Bäumen nicht mehr gewöhnt, schon ihre Ur- zurüd. Es war erstaunlich, mit welcher Sicher- plötzlich mit dem triumphierenden Schreien beDie ganze Herde war von dem Lärm as väter waren des Nachts von den Bäumen in heit dabei einzelne Individuen die flachen mit ginnen, schnell fielen die anderen ein und der dem Morgenichhammer aufgeschredt worden und Felsenhöhlen und Buschwert gefrochen, um vor Wasser gefüllten Kürbisschalen auf einer Hand Wald und die Felsen ballten bis spät in die Nacht faß nun laut flagend und heulend vor ihren den kletternden wilden Kaben sicherer zu sein. Höhlen. Dieses langgezogene Schreien durchbalanzierten, während sie mit den übrigen Glie- vom kreischenden rhythmischen Gesang der Herde. Am ziveiten Morgen war die Not aufs dern hurtig durch die Baumäste turntent. zitterte weithin den Raum und brachte alle ande- Höchste gestiegen, alle peinigte sie der fürchterliche Die Quelle war wieder allen zugänglich. bis zu ren Tiere zum Schweigen, allmählich ging es Durst und von dem vielen Geschrei waren sie später versuchten immer die einzelnen Kämpfer| Bewachung übernahm und die Höhle neben ihr Der Zufall hatte sie eine neue Lift gelehrt. dem Tage, wo ein anderer starker Schwarzer ihre wieder in jenen eigentümlichen Taft über, um erschöpft und noch durstiger geworden. Auch den Schwarzen recht weit von der Luelle fort- bezog. im allgemeinen Gelächter zu enden. Immer, gesellte sich jetzt dazu der Hunger, denn sie hatten| zulocken. Die Zeit seiner Abwesenheit benützten