Nr. 267, Adsimements■ Krdinzungen: vbonnemenli-Pret» pränumerando: vterteljährl. z,so Mk., monatl. 1,10 Ml., wöchenllich 23 Pfg. frei tnZ HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«, Nummer mir illuftrirter Sonntag«, Betlage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«, Preisliste für ISSS unter Nr. 757». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland z Marl pro Monat. Erscheint tSgltch«uffer Montag«. Berliner Volksblntk. 15« Jahrg. Dir Dnstrtwirs-Grdllhr beträgt für die fechSgespaltene Kolonel, »eile oder deren Raum iß Pfg., für Beteln«, und BersammlungS-Anzeige», sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« t Uhr nachmittag« in der Erpedttion abgegeben werden. Die Expedilton ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi« 8 Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher:«mk l, Nr. 1808. Telegramm-Adresse: „»vlialdemostrak Serlw". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Stratze 2. Sonntag, den IB. November 1898. Expedition: SW, 19. Beuth-Stratze 3. Anarchistische Attentate. DaS neueste angeblich anarchistische Attentat, die wahnsinnige That eines halbverthierten Opfers der menschlichen Gesellschaft, hat den Regierungen der verschiedenen Länder Veranlassung oder Vor- wand gegeben, behufs gemeinsamen Vorgehens gegen die Anarchisten in Verbindung zu treten. Und so viel ist für jeden ohne weiteres klar, daß man nicht dem Anarchismus, der etwas Unfaßbares ist, aber anderen, den herrschenden Klassen unangenehmen Strömungen mit Gewaltmitteln zu Leibe gehen will. Der Anarchismus ist das Produkt der heutigen kapitalistischen Weltordnung und wird nicht eher verschwinden, als bis diese selbst zu gründe gegangen ist. Erst dann, wenn dem die Krankheit erzeugenden Bazillus der Nährboden entzogen wird, kann von einer Heilung die Rede sein. Ist der Anarchismus als solcher eine soziale Erscheinung, so lassen sich die einzelnen Attentate ans rein psychologischen Gründen erklären, und es hat in der That auch nicht an hervorragenden Forschern gefehlt, die unbefangen genug gewesen sind, den Ursachen sogen, anarchistischer Attentate ohne Vorurtheil nachzugehen und die auf diese Weise zu Resultaten gelangt sind, die den herrschenden Klassen recht unangenehm sein mögen.' Eine der geistreichsten Ar- betten auf diesem Gebiete liegt uns vor in den Studien zur Strafrechtsrefonn, die der Rechtslehrer an der Uni- versität Graz, Professor Dr. Julius V a r g h a, vor kurzem unter den, Titel„Die Abschaffung der Strafknechtschaft" veröffentlicht hat. Vargha, der energisch für eine, alle entwürdigende Vergelttmgsmarter ablehnende Strafrechtsreforni eintritt, konmtt in einigen seiner interessanten Aufsätze gelegentlich auch auf die anarchistischen Attentate zu sprechen, für die er— ein weißer Rabe unter seinen Kollegen— den Staat verantwortlich macht, der mit seiner grausamen Marter- und Todesstrafe der inhumanen Auffassung anarchistischer Attentäter geradezu Vorschub geleistet habe. Das maßlos strenge sogenannte vergeltende Sttafrccht habe den Grundsatz, daß man Menschen, die man für böse hält, gar keiner Rücksicht zu würdigen braucht und„gerechterinaßcn" mißhandeln und tödten dürfe,' zu einer förmlichen rcchtswissenschaftlichen These erhoben, und diese These habe durch das Dogma der unbarmherzigsten ewigen Höllenstrafen zudem sogar auch religiöse Weihe empfangen. So'lange noch die Ansicht herrscht, daß man' Menschen, welche man für ungerecht hält und von denen man sich gekränkt und beleidigt erachtet, schlechthin als Scheusale ansehen und verachten dürfe, uiid die man, auch wenn man sich ihnen gegenüber durchaus nicht im Zustande der Nothwehr befindet, doch vernichten könne, ohne eine Ungerechtigkeit zu begehen, so lange dürfe man sich über rohe und grausame Ausschreitungen einzelner nicht wundern. So lange dürfe man sich auch nicht wundem über anarchistische Attentate. die sich ja häufig genug wahllos gegen völlig unschuldige, den Thätern ganz unbekannte Personen richten, deren Leben aufzuopfern sich jene blos deshalb für berechtigt wähnen, weil dieselben einer Menschengruppe angehören, deren Angehörige sie für Hab» und selbstsüchtige Ausbeuter der Besitzlosen und darum böse halten.„So lange dem Volke in den zwei höchsten Autoritäten, die zu respektiren es sich für verpflichtet hält, in Gott und Staat, direkte Vorbilder rücksichtsloser, schadenfroher Feindesvernichtung vor Augen gestellt werden, ist keine Hoffnung vorhanden, daß es sich gegen diejenigen, die es für seine Gegner hält, gezähmter und moralischer benehmen werde." An einer anderen Stelle kommt Professor Vargha direkt auf einige Attentate der letzten Jahre zu sprechen, so auf die Ermordung des Präsidenten Carnot, die„erwiesener- maßen" durch die von ihm bestätigten Todesurtheile der Anarchisten V a i l l a n t und Henry veranlaßt wurde und der somit ein offenkundiges Opfer der von Räch- sucht getragenen Vergcltungsstrafe geworden sei. Wie weit diese Annahme mit der Wirklichkeit übereinstimmt, bleibe dahingestellt, aber darin müssen wir Vargha unbedingt beipflichten, daß die Mörder Alexander's II. von Rußland und Carnot's, die mit dem Leben ihres Opfers zugleich auch das eigene preisgaben und todesmuthig dem Dynamit, der Volksivuth und dem Schaffst trotzten, sich durch kein noch so strenges Strafgesetz hätten einschüchtern lassen. Im Gegcntheil, durch derartige, auf plumpe Abschreckung berechnete Menschcnabschlachttmgcn und Marterungen, wie sie die heutigen Straf- gesctze fast aller Länder vorsehen, wird erfahrungsgemäß die Zahl der das äußerste wagenden Personen nicht vermindert, sondern ver- mehrt. Gewiß, meint Professor Vargha, müssen gegen so schlimme Ausschreitungen, wie es Angriffe auf das Leben eines Menschen sind, wirksame Vorkehrungsmaßregcln getroffen werden, aber von den bisher gemachten Vorschlägen würde kein einziger wirksam sein. Es kommt nicht darauf an, durch verschärfte Strafen die Furcht und Ein- schülütening der ungefährlichen Bürger zu vermehren, sondern die in ihrer Menschen-Miß'achtnng sich toll geberdenden zu beruhigen. Dazu ist aber die Todesstrafe oder eine andere Art der Marterstrafe das denkbar schlechteste Mittel. „Aus dem Umstände, daß leidenschaftserhitzte wüste Gesellen sich gegen die heiligsten Menschenrechte versündigten und Mit- menschen tödteten und marterten, die Nothwendigkcit abzuleiten, daß besonnene, edle und gebildete Menschen und deren Repräsentant— der Staat— auch ohne sich im Zustande der Nothwehr zu befinden, gleiche, abscheuliche Gewaltakte begehen müssen, gilt dem aufgeklärten Kulttirmenschen der Gegenivart einfach als eine Himverbranntheit." Wie sehr sich ein derartiger Mangel politischer Einsicht rächt, das zeigen u. a. die häufig auf die Hinrichtung »anarchistischer" Attentäter folgenden neuen Attentate. Es ist unseres Wissens das erste Mal. daß sich jemand so frei- müthig und offen über die Widcrsinnigkeit der henttgen Strafrcchts- pflege' ausgesprochen hat. Und dabei ist das Werk von Prof. Vargha nicht etwa eine Gelegenheitsarbeit, eine unter dem frischen Eindruck eines Attentats hingeworfene flüchtige Skizze, sondern das Produkt langjähriger gründlicher Forschungen. Auch läßt sich nicht gerade behaupten, daß Vargha Sozialdemokrat oder auch nur sozialdemo- kratisch angehaucht ist. was ja für gewisse Kreise Grund genug wäre, seine Ansichten ohne Prüfung zu verwerfen. Nein, seine Schriften beweisen, daß er durch und durch königstren ist. Trotzdem wird er mit seinen Vorschlägen, die im ivesentlichen auf eine Ersetzung der heutigen Marterstrafen durch ein System der Erziehung hin- zielen, auf absehbare Zeit nicht durchdringen. Die heute Herrichenden Klassen wollen eben nichts lernen und den herrschenden Gewalt- habem kommt es weniger darauf an,„anarchistische" und andere Verbrechen zu verhüten, als sie zu Reaktionszwecken auszu- beuten._ Die Sozialdemokratie in Dänemark. Kopenhagen, S. November. Niemals früher ist unsere Partei so viele Male zur Theilnahme an Wahlen berufen gewesen wie dieses Jahr. Ende März fand die Wahl eines Theils der Kopenhagener Stadtverordneten statt, anfangs April die allgemeine Wahl zum Folkething(Deputirtenkammer), in der Mitte des September die allgemeine Wahl zu dem Landsthing sSenat), Ende September Ersatzwahl zum Folkething im 5. Kreis in Kopenhagen, und in diesen Tagen findet eine Ersatzwahl statt zum Landsthing in den Amtskreisen Ödente und Svendborg sauf der Insel Fünen und den umliegenden kleineren Inseln). Endlich werden am Schlüsse des Jahres Wahlen zu den Gcmcinderäthen in einer Reihe von Landgemeinden vorgenoinmen, darunter in der, Kopenhagen benachbarten Gemeinde Sundby auf Amager, wo schon jetzt fünf Parteigenossen im Gemeinderath sitzen. Bei den Wahlen zu der Kopenhagener Stadtverordncten-Ver- sammlung sollten sieben Plätze besetzt werden. Die Sozialdemokratie eroberte vier, während die drei anderen der liberalen Opposition zufielen, welche letzte in Gemeinschaft mit uns die reaktionäre Partei bekämpft. Bei den Wahlen zum Folkething im April eroberte unsere Partei drei neue Mandate, nämlich in den jütländischen Städten Randers, Aalborg und Horsens, wodurch die Anzahl unserer Vertreter im Reichstage von 11 auf 14 erhöht wurde. Bei den Wahlen zum Landsthing im September behaupteten wir die früher eingenommene Stellung, nämlich' den Besitz von zwei Landsthings- Mandaten für Kopenhagen. Doch hatten auch diese Wahlen einen großen Fortschritt für unsere Partei auszuweisen, indem wir in den Wahlkreisen in den Provinzen die Wahl einer großen Anzahl„Wahl- männer", ivelche zur sozialdemokratischen Partei gehören, durchsetzten, ohne daß es uns jedoch gelang, die Zahl so hoch zu bringen, daß sie genügend gewesen wäre für die Eroberung neuer Mandate. Namentlich die Ersatzwahl zum Folkething im Kopenhagener fünften Kreis hatte eine sehr große Bedeutung für uns. Als die Foltethings-Wahlkreise vor einigen Jahren umgelegt wurden, setzte die reaktionäre Regierungspartei jdie„Reckte) durch, daß die Umlegung in einer Weise bewerkstelligt wurde, die dieser Partei Aussicht gab, in einer Reihe von Wahlkreisen zu siegen. Einer dieser Kreise war der fünfte Kopenhagener. Hier glaubte die „Rechte" sich der Majorität sicher, nicht allein der Sozialdemokratie gegenüber, sondern auch der Sozialdemokratie und den Liberalen gegenüber. Dessen ungeachtet wurde der Kreis von unserem Genossen P. Holm, welcher schon vor der Umlcgnng den früheren b. Kreis vertreten hatte, erobert. Da Holm sehr populär war, waren wir nicht sicher, daß dieser Kreis von einem anderen Parteigenossen er- obcrt werden könnte. Bei der Ersatzwahl, die wegen Holm's MandatSniederlcgung nothwendig wurde, fiel der Kreis jedoch mit großer Majorität unserem Genossen F. B o r g b j e r g zu, wodurch festgestellt wurde, daß der Kreis unwiderruflich der Sozialdemokratie angehört. Da» Ereigniß de? TageS ist unsere Theilnahme an der Lands- tingSwahl auf der Insel Fünen. Auch hier haben wir einen Sieg von nicht geringer Bedeutung zu verzeichnen. Zum besseren Berständmß der Theilnahme unserer Partei an diesen Wahlen hier einige Erläuterungen. Die Wahl zum Landsthing ist eine indirekte Klassen- iv a h l. Sic geschieht durch„Wahlmänner", welche von den Wählern auf folgende Weise gewählt werden: Zuerst wählen sämmtliche Folkethingswähler so viele Wahlmänner als ihnen zukommen. Darauf lvählen die Höchstbestcuerten ebenso viele Wahlmänner. Der Zensus für die Höchstbestcuerten ist in Kopenhagen eine direkte Steuer ans ein Jahreseinkommen von mindestens 4cx)l) Kronen, in den Provinzial- städtcn dagegen von nur 2000 Kronen oder eine andere direkte Steuer voii 150 Kronen(die Krone= 1 M. 12'/« Pf.) Auf dem Lande sind die Höchstbestenerten direkte Wähler(selbstgewählte Wahl- männer) in einer ebenso großen Anzahl, wie die von der allgemeinen Wählerklasse gewählten Wahlmänner. In Kopenhagen wählt die all- gemeine Wähl'crklasse(sämmtliche Folkcthings-Wählcr) einen Wahlniann auf je 120 Wähler. In den Landgemeinden wählt diese Wähler- klaffe 1 Wahlmann für jede Gemeinde. Die Provinzialstädte wählen zusammen halb so viele Wahlmänncr, wie sämmtliche Landgemeinden, und diese wieder werden dann für die allgemeine Klasse und für die Höchstbestenerten halbirt. Nach Beendigung der Wahlen sänuntlicher Wahlmänner treten diese zusammen und wählen die Landsthings- Abgeordneten nach der Verhältnißzahl. Ganz Kopenhagen besteht aus einem Landsthings-WahlkreiS, welcher 7 Abgeordncie wählt. Von diesen gehören jetzt 4 der Rechten an, 2 sind Sozialdemokraten und 1 Liberal. Die Insel Fünen mit den umliegenden kleineren Inseln macht einen Landsthings-Wahlkreis aus, der ebenfalls 7 Abgcord- nete wählt. Von diesen gehören 5 der Rechren, 1 der ge- mäßigten und 1 der radikalen Linken an. Dieses war also' das Verhältniß zwischen den verschiedenen Parteien bei der letzten allgemeinen Wahl vor vier Jahren. Die Wahlperiode des Landsthings ist acht Jahre und alle vier Jahre geht die Hälfte der Landsthings-Abgeordneten ab, jedoch gehörte Fünen nicht zu den Kreisen, welche dieses Jahr erneuert werden sollten. Nun ist abet einer von den fünf Abgeordneten der Rechten verstorben und als Folge davon ist eine Ersatzwahl ausgeschrieben, welche in diesen Tagen stattfinden wird. Bei einer solchen Ersatzwahl ist der Sieg der Regierungspartei eine ausgemachte Sache, und weder die Sozialdemokratie noch die Linke vennag unter diesen Umständen den lediggewordenen Platz zu besetzen. Aber warum nimmt denn unsere Partei an einer solchen Wahl theil? Die Antwort hierauf ist folgendes: Die Wahlen der Wahlmänner geschehe» in Kopenhagen und den größeren Städten der Provinzen' in' denselben Kreisen, wie die FolkethingSwahlen und iverdcn von eben denselben Wählern vor- genommen. Die Stadt Ödeme auf Fünen, welche ungefähr 32 000 Einwohner zählt, ist z. B. in zlvei Kreise eingctheilt. Bei den letzten FolkethingS-Wahlen stellte die Sozialdemokratie Kandidaten in beiden Kreisen auf, und in dem einen Kreise fehlten uns nur 16 Stimmen an der Majorität. Unsere Theilnahme an der Ersatz- wähl hat also den Zweck, diese Kreise für den Folkething zu erobern, und der Kampf dreht sich weniger um die Anzahl der zu wählenden Wahlmänner, als um die Kreise, indem wir davon ausgehen. daß wenn wir bei den Wahlmännerwahlen siegen, wir auch bei den nächsten Folkethingswahlen siegen können. Bei den allgemeinen Landsthingswahlen dreht eS sich für uns dagegen um den doppelten Zweck: emestheils so viele Wahl- männer zu wählen, daß wir dadurch die Zahl unserer Abgeordneten vermehren können, anderntheils die Kreise zu erobern, was uns bei den Folkethingswahlen dann zu gute kommt. Bei der am Dienstag vorgenommenen Wahlmännerwahl gelang eS uns, den 1. Kreis in Odense mit einer Mehrheit von zirka 100 Stimmen zu erobern, während wir im 2. Kreise den Konser- vativen stark auf den Leib rückten. Es ist eine Kraftprobe, die wir vorgenommen haben und sie zeigt uns, daß wir bei den nächsten Folkethingswahlen in beiden Kreisen siegen können. Wir haben noch in einer Reihe von anderen Gemeinden an den Wahlen theil- genommen und dabei gute Fortschritte für unsere Partei gemacht. In Aarhus(Jütland) waren wir bei den letzten allgemeinen Landstingswahlen in einer ähnlichen Stellimg wie jetzt in Odense, indem Aarhus ebenfalls in 2 Kreife eingetheilt ist; aber bei der Folkethingswahl, zu welcher wir Kandidaten in beiden Kreisen auf- stellten, gelang es uns nur, in dem einen Kreise zu siegen. Bei der Landsibingsw'ahl eroberten wir mittlerweile beide Kreise, und wir haben ocmnach alle Aussicht, diese auch bei den nächsten FollethingS- Wahlen zu erobern. Ilnscre Partcipresse ist in diesen Tagen wiederum vermehrt worden, indem wir in den jütländischen Städten Esbjerg und Horsens selbständige Tageblätter errichtet haben. Wir hatten hier schon früher Tageblätterhcransgegeben, aber sie wurden in Aarhus gedruckt und hatten zum theil, den gleichen Text mit dem dortigen Parteiblatt. Diese Blätter haben nun eine so große Ausbreitung erhalten, daß sie am Herausgabe- Orte selbständig redigirt und gedruckt werden können. Wir haben ferner befchlossen, in der nächsten Zukunft noch ein weiteres Tage- blatt herauszugeben, nämlich in Nästved auf Seeland. Wenn dieses erscheint, besteht unsere Parteipresse aus8 Tages- und 3 Wochenzeitungen, welche zusammen in einer Auflage von über 56 000 Exemplaren heraus- kommen. Da Dänemark nur von 2 Mill. Einwohnern bewohnt wird, hat unsere Partciprcsie also im Verhälttnß zu anderen Ländern eine sehr beträchtliche Ansbreittmg. Im Reichstag hat unsere Partei einen lebhaften Antheil an den Debatten u>n den von der Regierung vorgelegten Etat für das nächste Finanzjahr genommen. Im Lause des Sommers hatte die Regiernng ans der Staatskasse eigenmächtig 500 000 Kronen für Artillerie' imd Geschosse verbraucht, welche letztere nicht allein vom Reichstag nicht bewilligt, sondern ausdrücklich verweigert worden wären.' Der Sprecher unserer Partei bei der Etatsberathung, Gc- nossc K. M. Klausen, kritisirte sowohl dieses Verhältniß als auch unsere- gesaiumte kapitalistische Leitung der Gcsellsckaftsordmmg aufs s chärsste und geißelte die Gleichgiltigkeit der Regierung für Durch- führung von sozialen Reformen,' welche der Arbeiterklasse politisch und ökonomisch zu gute konmren können. Z>olitifrhe Berlin, den 12. November. Ucbcr das Programm der NbriistungS-Konfercnz weiß Graf L. Koniarowskij, einer der eifrigsten Anhänger der Friedens- idce in Rußland, in der Moskauer Monatsschrift„Rnßkaja Myßl" (Russischer Gedanke) folgende Einzelheiten mitzutheilen: Die Konferenz wird nur einen vorbereitenden Charakter tragen. Sie wird niemanden verpflichten, sondern den Boden reinigen und das Material für eine künftige Vereinbarung zwischen den Mächten vorbereiten. Das Programm der Konferenz wird von der russischen Regierung aufgestellt werden: die Hauptpunkte dieses Pro- gramms gehen dahin. daß von einer Schwächung der Kriegsfähig- keit der einzelnen Staaten keine Rede fein ivürde; es wird sich nur um die Kräftigung des gegenseitigen Wohlwollens und Ver- traucns wie auch darum handeln, die vereinigten Kräfte Europa'S von dem ewigen Bruderkriege abzulenken und außer- europäischen Aufgaben und damit der Weltpolitik zuzu- Ivcnden. DaS ist die wahre Triebfeder dieser Reform. Zunächst wird es Aufgabe der Delegirten sein, den Charakter und den Umfang der Streitkräfte festzustellen, die für jeden eiiizelnen europäischen Staat notwendig sind. Diese Normen werden auf grund von Daten über die Lage des einzelnen Staates, ihre Größe und Bevölkerung, ihren Wohlstand-c. festgestellt werden. Danach würde sich die Konferenz zu gleicher Zeit auch auf die Land- und Seetruppen der einzelnen Staaten, auf ihre Kolonialarmcen, Festungen, auf die Dislokation der Truppen, die Manöver und Kricgswerkzenge ausdehnen. Un- gelöste Streitfragen würden in der Konferenz nicht zur Sprache kommen. Wir würden empfehlen, zuerst die Forderungen der Regierungen auf Vermehrung ihrer Streitkräfte zu Wasser und zu Lande fest- zustellen, um den Ernst bewerthen zu können, mit dem an die Ar. betten der Konferenz gegangen wird.— Gesten die Sozialdemokratie richtet sich der Vorschlag. bei den Reichstagswahlen den Wahlzwang einzuführen. Der bekannte Wahlstatistiker Neumann-Hoser hat unseren Gegnern durch seine Reichstags- Wahlstatistik Material an die Hand egeben, das diese nach ihrer besonderen Art verwerthen. Nan hat berechnet, daß von sämmtlichen 56 sozialdemokrati» scheu Abgeordneten nur zwei die Mehrheit der Wähler Hinte? sich haben; alle übrigen sind von einer Minderheit gewählt. die in zwölf Wahlkreisen fogar unter 40 pCt. betrage. Diese Thatsachen verlocken unsere Gegner zu allerlei Vorschlägen und Hoffnungen. Selbst das Zentrum giebt sich dem Wahne hin, daß nur Gegner der Sozialdemokraten bei den Wahlen zu Hause bleiben. Denn im Hinblick auf den durch das neue braunschweigische Wahlgesetz gePlanten Wahlzwang meint sogar die„Köln. Volksztg.". daß das Interesse des Staates die Anwendung des Zwanges bei der Wahl verlange.„Würde z. B. infolge der Wahl» dersäumniß großer Wählermassen ein Reichstag gewählt, der die ganze Reichsmaschinerie zum Stillstehen zu bringen oder über den Haufen zu werfen drohte, so wäre sogar die Ein- führung des Wahlzwanges als ein sehr rücksichtsvolles Aus- kunftsmittel gegeuüber den Wahlberechtigten zu bezeichnen.... Ohne Zweifel würden bei Einführung des Wahlzwanges die Volksvertretungen auch ein erheblich anderes Aussehen erhalten als jetzt, denn die„ruhigeren" Bürger sind es meist, die am Wahltage zu Hause bleiben." Das ist ein krasser Jrrthum. Gerade die Sozialdemokratie würde durch Einführung des Wahlzwanges, selbstverständlich bei voller Aufrechtcrhaltung der geheimen Abstimmung, gewinnen. Denn nicht nur in den Städten, sondern noch vielmehr in den ländlichen Wahlkreisen bleiben große Schaaren von Arbeitern aus den verschiedenartigsten Gründen der Wahlurne fern. Indifferenz oder Furcht sind die beiden hauptsächlichsten Beweggründe dieses Verhaltens. In ländlichen Gegenden, namentlich in kleinen Gemeinden, wählt der Arbeiter lieber gar nicht, weil er bei der scharfen Kontrolle an der Wahlurne die Folgen seiner Abstimmung fürchtet. Und in Städten ist bei vielen Gleichgiltigen die An- nähme ausschlaggebend, daß es ja auf eine Stimme doch nicht ankomme. Unter den Nichtwahlern befindet sich daher auch ein guter Prozentsatz Sozialdemokraten, die wie andere Reichstagswähler auch dem Gesetze der Trägheit unterliegen. Man zähle sie aber ja nicht deswegen unter die sogenannten ruhigen Bürger. Gut, man mag die Wahlpflicht einführen, aber man täusche sich nicht über den Erfolg einer solchen Wahlreform. Zur Lippe'schen Frage. Das„Neue Wiener Tageblatt" der- öffentlicht die Denkschrift des Grafregenten von Lippe-Detmold an sämmtliche deutschen Bundes- fürsten, die wir nach dem telearaphischcn Auszugs der„Vossischen Zeitung" wiedergeben. Die Denkschrift enthält zunächst das Beschwerdeschreiben deS Grafregcnten an den Kaiser wegen verweigerter Ehrenbezeugung für die Familie des Regenton, dann die dekannte kaiserliche Drahtanwort. Gegen diese legt der Grafregent feierliche Rechtsverwahrung ein. Er sei von der ersten Stunde der Regentschast an bemüht gewesen, eine gnädige Gesinnung des Kaisers zu gewinnen und Treue zur Person des Trägers der deutschen Krone auch vor seinem Lande öffentlich zu bekennen. Er müsse aber zu seinem tiefen Schmerze aus- sprechen, daß er während seiner Regentschaftsführung„mehrfach bitteren Erfahrungen durch U n g u a d e Sr. M af e st ä t" preisgegeben war.„Für Lösung dieses Konfliktes," so fährt der Grafregcnt fort,„soweit er meine'Person und Familie betrifft, werde ich menschliche Hilfe und Vermittelimg niemals ansprechen. Ich stelle sie allein Gott und der Zukunft anheim l" Der Grafregent erhebt entschieden Einspruch gegen die Form und den Inhalt deS Kaisertelegramms und sagt:„�ch kann auszusprechen nicht unterlassen, daß die Ausübung einer disziplinären Korrektur gegen ein deutsches Staatsoberhaupt das verfassungS- mäßige Verhältnitz der Bundesfürsten im Reiche in seineil Grund- lagen verändern müßte. Wenn Se. Majestät ihren Worten:„Dem Regenten, was dem Regenten zilkommt," noch hmzuziifügeu geruhten:„Weiter nichts!" so ericheint damit die Aliffassung zum Ausdruck gebracht, welche die Begrenzung mid JichaltSbestimmung meiner landesherrlichen Rechte vom allerhöchsten Willen des staiser's absolut abhängig stellt. Gegen diese Auffassung lege ich namens des von mir vertretenen staatsgnmdgesetzlichen Rechtes Verwahrung ein l" Die Denkschrift erklärt, ganz dastelbe könne jedem anderen Bundesfürsten geschehen. Der Grafregent betrachte es als seine heilige unerläßliche Pflicht, gegen jede Beschränkung seiner Rechte entschieden Stellung zu nehmen. Wenn ein anderer Weg mcht übrig bleibe, würde er im BundeSrathe den Antrag einbringen, eine reichSqesetzliche Abgrenzung der Befugniffe zwischen den kommandirenden Generalen und den einzelnen Landes- Herren in Anregung zu bringen. Früher war es die Sozialdemokratie, welche der Kaiser mit schroffen Worten anließ und deren Mitglieder wegen Majestätsbcleidigung prozessirt wurden, wenn sie sich zur Wehre setzten. Jetzt befinden wir uns in Gesellschaft mit deutschen Bundesfür st en.... Amerikanisch- englisches Biindniff? Oder blas ' amerikanisch-englisches„Verhältniß"? Das ist nach der Guildhall- Rede des englischen Premierministers eine der Fragen, welche die europäischen Politiker am meisten be- schäftigen. Daß eine Annäherung der beiden, einander so nahe verwandten Mächte eingetreten ist, unterliegt keinem Zweifel. Das Vorgehen der Amerikaner mit bczug auf die Philippinen ist ohne die Annahme englischen Vorschubs garuicht zu erklären. Schon die Art und Weise, wie die englische Presse die Zerstörung der spanischen Philippinen- Flotte durch die Amerikaner behandelte, sprach für ein geheimes Einverständniß. Und neuerdings die Forderung der Amerikaner an Spamen, die ganze Inselgruppe der Philippinen ihnen abzutreten, wäre undenkbar, wenn man die Zustinimung der Engländer nicht im voraus eingeholt hätte. Wie der englische Kolonialminister Chamberlain das englisch- amerikanische„Zusammengehen" warm befürwortete, ist in frischem Gedächtniß und sowohl in England als in den Vereinigten Staaten haben neuerdings zahlreiche Kund- gedungen in diesem Sinne stattgefunden. So wird heute aus New-Aork gemeldet: Gestern Abend fand ein großes Banket zu Ehren des Generals Mikes statt, welcher in Beantwortung eines Toastes unter lautem Beifall erklärte, der Krieg habe den Vereinigten Staaten Grund und Gelegenheit gegeben. ihre Verbindlichkeit dem Mutteriande iEnglant») gegenüber anzuerkennen für den Würdevollen und mächtigen Einfluß des englischen Reiches bei Arifrechlhaltuug der Prinzipien und Rechte Amerikas. Der Vorsitzende wies ebenfalls auf die engen Beziehungen zwischen England und Amerika hin.— #•* Deutsches Reich. Die ftaatsrettende That, welche das Berliner Polizei- Präsidium durch die Ausweisung unseres Redaktionskollegen Dr. Braun vollbracht hat, findet in der Presse allseitige Beachtung. Anständige bürgerliche Blätter— welche Spezies freilich im deutschen Blätterwald gar selten geworden ist— begreifen nicht, wie eine staatliche Behörde sich zu dem Wahne verirren konnte, daß es möglich sei, durch solche Mittelchen die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Die„Germania" z. B. spottet über diese allerneueste polizeiliche Leistung also: „Herr Dr. Braun wird, wenn er nicht jenseits der schwarz- weißen Grenzpfähle in der Rebaktion eines sozialdemokratischen Blatte« Anstellung findet, dann statt in Berlin vom„Auslande" aus für den„Vorwärts" arbeiten und statt des Druckerjungen die deutsche Reichspoft mit der Beförderung seiner Artikel für den „Vorwärts betrauen. Wie doch der biedere Oxenstierna immer Recht behält!" Am meisten jubelt die„StaatLbürger-Ztg." über die Aus- Weisung unseres Kollegen. Sie hätte freilich am wenigsten Anlaß, hatte sie sich doch fürchterlich entrüstet, als ihren reichsbentschcn Gesinnungsgenossen bei den Demonstrastonen gegen Badeni von der österreichischen Polizei Schwierigkeiten gemacht wurden, und Herr Zimmermann das Schicksal unseres Redaktionskollegen theilen mußte. Voller Freude über die Ausweisung sind auch die Blätter der Stumm und der Kardorff. Die„Berliner Neuesten Nachr." erklären: „Wir beglückwünschen die Regierung, daß sie sich endlich eimnal zu einer That aufgerafft hat." Wenn das Scharfmacher-Blatt die Maßregel des Polizei- Präsidiums zu einer Holdeuthat stempelt, so zeigt sich darin eine sehr seltsame Einschätzung der Fähigkeiten jener Be- Hörde. Wir dächten, etwas höhere Ansprüche sollten selbst die eingefleischtesten Ordnungsblätter an ihre Polizei stellen. Die„Post" natürlich stimmt völlig überein mit dem Blatt des Laurahütten-Gründers. Zwar verspricht sie sich von Polizeithat„einen greifbaren Erfolg" nicht, aber sie freut sich eben über jede Unbill, die ihren politischen Gegnern zugefügt wird. Nach ihrer Meinung habe die Polizei ihre Pflicht gethan, denn— der Ausgewiesene sei„ein geschworener Feind der bestehenden Staatsordnung": das heißt in schlichtem Deutsch: Er ist ein Feind der Agrarjunker und der Schlot- junker, ein Feind der Ausbeutcrparteien, folglich ist er vogelfrei. Die„Staatsordnung", das ist die Ordnung der Liebesgaben- Polist!, der Lebensmittelzölle, der Zuchthausgesetze, der Aus- nahmegesctze gegen das arbeitende Volk. Und den VerHerr- sichern dieser„Staatsordnung" allein hat es das Berliner Polizeipräsidium recht gemacht. Die Behörde, der Unpartei- lichkeit ziemt, hat den Beifall der bornirtesten, der gewalt- thätigsten, der volksfeindlichsten Organe gesunden. Das be- sagt genug, das besagt alles!— Der bayerische Landwirthschaftörath sucht den Bund der Landwirthe in der Aufstellung falscher Behauptungen und extremer Forderungen noch zu überbieten. In seiner letzten Sitzung, zu der aus sämmtliche» Kreisen des Königreichs Bayern mit Ausnahme von Oberstankcn Mitglieder erschienen waren, wurde einstimmig be- schlössen, an die Regierung die dringende Bitte zu richten, den Petittonen auf Erleichterung der Vieh- und Schweine-Einfuhr keine Folge zu geben. Interessanter als dieser Beschluß war das Referat des Landtags-Abgeordnctcn Beckh-Rathsberg über die FlcischthencrungSfragc.' Die Fleischthenernng sei eine künstliche Mache der Freihändler, im Vichhandel sei eine Thenerung absolut nicht zu konstatircn, daS Angebot übersteige vielmehr die Nachfrage. In der Diskussion wurde ein Fall angeführt, daß durch die Vcnnittciung der Geschäftsstelle des bnyerischeu LandwirthschaftS- rathes de» Müuchener Metzgern eine Partie Schweine um 44—45 Pf. das Pfund lebendiges Gewicht verkauft wurde. Als ob ein solcher einzelner Fall ein genügendes Augebot von Schweinen erweisen könnte I Das deutsche Schwciu und die Absichten der Landwirthe um das deutsche Volk wurden überhaupt in den Himmel erhoben. Die Landwirthe strebten die Grenzsperre nicht deshalb an, um bessere Preise herbeizuführen, sondern sie verlangten den nothwcndigen Schutz, um den heimischen Markt mit besserer Waare versehen zu können. Die deutsche Waare sei aber die beste. Pflicht der laud- ivirthschaftlichcn Jntercffenvcrtrettmg sei es, anzustreben, daß die Einfuhr nicht erleichtert, sondern eher erschwert werde. Die Landwirthe seien wohl im stände, bei ruhiger steter Entwickelimg die Städte mit gutem Schlachtvieh zu versorgen. Dazu sei aber lioth- wendig,� daß man in die Fortdauer der Schntzmaßrcgcl Vertrauen haben könne. WaS soll man dazu sagen, wenn eine Gesellschaft von dem Ansehen des bayerischen Laudwirthschaftsrathes sich durch ein dcrastigcS, den Thatsachcn und der Wirklichkeit ins Gesicht schlagendes Referat verwirren läßt. Die neueste Stellung- nähme de? bayerischen Landwirthschaftsrathes ist um so auffallender, als derselbe kürzlich erst in seinem Jahres- bcricht sehr in Frage stellte, ob die deutsche Landwirthschaft überhaupt in der Lage sei, den Schlachtviehbedars für den deutschen Konsum zu liefern. Und nun kommt hinterher, obwohl allseitig die Fleischnoth in großen Städten und Industriezentren festgestellt ist, das oberflächliche Referat bei Landtags-Abgeordueten Beckh und schwatzt frischweg die heutige Wirklichkeit aus der Welt. Man ist von agrarischer Seite viel gewohnt, aber derartige Demonstrations- Versammlungen grenzen doch schon ans Lächerliche.— Eine Nachwahl zum preußischen Landtag hat im 2. Berliner Wahlkreis stattzilfindcn. da der dort gewählte Rektor K o p s ch für Görlitz, wo er ebenfalls knndidirte, angenommen hat. Die Wahl- mümicr-Ergänzuugswahlen sind für den 28. November, die Ab- geordnetenwahl für den 5. Dezember anberaumt.— Eine weitere Nachwahl dürfte, wie eine ZcitungS- korrcspondenz wissen will, im Wahlkreise Teltow-Becsköw vorzunehmen sein. Die Wahl soll mit Sicherheit angefochten werden, nicht weil Charlottenburg 54 Wahlnränner zu viel gewählt hat, sondern weil der Wahlkommissar die Abstimmung der Wahlmänncr nach einer besonders gefertigten alphabethifchen Liste der Wahl- männer vornehmen ließ. Nach dem Gesetz muß sich die der Ab- stimmmig zu gründe liegende Liste mit der vom Wahlkouimissar veröffentlichten Liste decken. Diese war aber nicht alphabeihisch, sondern nach Wahlbezirken geordnet. Eine Kontrolle der Wahl- Handlung an der Hand der veröffentlichten Liste war somit un- möglich. Zur Fleischnoth in Oberschlesien wird au? G I e i w i tz gemeldet, baß der Schlachtviehmarkt wieder ausfallen mußte, weil kein Bich aufgetrieben worden war. So ist es nun schon seit vielen, vielen Wochen. Obcrschlcsien hat kein schlachtreifes Vieh mehr. Und trotzdem erklärten die Ministerialdireltorcn und RegicrungSräthe, die dieser Tage in Kattowitz beisammen waren, eine Fleischnoth sei in Oberschlrsien nicht festzustellen. Es werden ja wöchentlich über Sosnolvice 1850 Schweine aus Rußland eingeführt, und an diesen hat die 500 000 Köpfe zählende Bevölkerung des Beuthener Industrie- bczirkes sich genügen zu lassen. Aus Dresden wird uns berichtet: In der letzten Stadt- verordneteii-Sitzimg wurde der Autrag, den Stadtrath zu ersuchen, angesichts der hohen Fleischprcisc bei der königlichen Staatsregierung dahin vorstellig zu werden, daß thunlichst bald von Reichs wegen Maßregeln ergriffen werden, die wenigstens eine reichlichere Versorgung der Siädte mit Schweinefleisch und ein Sinken des Preises hierfür auf ein für Stadt und Land gestmdeS Niveau bezwecken, einstimmig an- genommen. In der Debatte wurde darauf hingewiesen, daß die Zufuhr von Schlachtvieh nicht die wünschenswerthe Steigerung zeige. 1833 betrug die Steigerung der Zufuhr 12 pCt., 183« 16 pCt., 1837 nur 3,8 pCt. und in diefem Jahre nur 0,8 pCt. Die dadurch verursachte Erh öhung der Fleischpreise hat eine V e r« Minderung des Konsums zur Folge gehabt. 1836 wurden in Dresden pro Kopf der Bevvlkmmg 32 Kilogramm Fleisch durchschnittlich konsumirt, während 1837 diese Zahl auf 30.87 sank. Die Zahl für 1838 wird sich jedenfalls noch niedriger herausstellen. Wie aus Hamburg gemeldet wird, beabsichtigt eine größere Anzahl Lichimportcurr die Gründung einer Gesellschaft mit be- schräukter Hastimg zur Einführung frischen amerikani« scheu Fleisches. Eine Vorversamnttung hat bereits stattgefunden. Die Konstittlirung erfolgt voraussichtlich bald. Wenn daS Schlächtergewerbe dadurch Schaden erleidet, so haben die Schlächter dies den angeblichen Schützern des Klein- gewerbes, den Bündlem und Koigervätiven zu dankeil. Zu der Kommisston preußischer Miuisterialrnthe, die nach Wien und Budapest abgereist ist, um in der Fleisch frage die dortigen Markt- und Viehhandelsvcrhältntsse zu untersuchen, hat die Wiener Stadtverwaltung den Stadtrath Wessely abgeordnet.— lieber daS Färbe« der Wurst sowie deS Hack- und Schabefleisches hat das Reichs- Gesundheitsamt eine Denkschrift ausgearbeitet, die im„Rcichs-Anzeiger vom 12. November veröffentlicht ist. Das Neichs-GesundheitSamt faßt ffeine Stellung zu dieser Augelegenheit in folgende Sätze zusammen. 1. Bei Verwendung geeigneten farbftoffreichcn Fleisches und unter Beobachtung der handiverkSgerechten Sorgfalt und Reinlich- keit läßt sich eine gleichmäßig roth gefärbte Dauerwurst ohne Benutzung künstlicher Färbemittel herstellen; 2. der Zusatz von Farbstoff ermöglicht eS, einer aus minder geeignetem Material oder mit nicht genügender Sorgfalt her- gestellten Wurst den Anschein einer besseren Beschaffenheit zu ver- leihen, mithin die Käufer über die wahre Beschaffenheit der Wurst zu täuschen; 3. im Einklang mit den von dem Reichsgericht aufgestellten Rechtsgrundsätzen nimmt die Mehrzahl der bisher mit der Frage befaßten Gerichte an, daß die in manchen Gegenden eingeführt- Färbung von Wurst vom Standpunkte des Nahrungsmittelgesetzes als ein berechtigter Geschäftsgebrauch nicht anzuerkennen ist; 4. bei Verwendung giftiger Farbstoffe vermag der Genuß damit gefärbter Wurst die menschliche Gesundheit zu schädigen; 5. aus frisch geschlachtetem Fleisch läßt sich ohne Anwendung von chemischen Konscrvirungsmitteln unter Beobachtung Handwerks- gerechter Sauberkeit Hackfleisch herstellen, das bei Aufbewahrung m niedriger Temperatur seine natürliche Farbe länger als zwölf Stunden behält; 6. der Zusatz von schwefligsauren Salzen und solche Salze ent- haltendeii Konservirungsmitteln ist geeignet, die natürliche Färbung oes Fleisches— aber nicht das Fleisch selbst— zu verbenern und länger haltbar zu machen; dem Hackfleisch kann mithin hierdurch der Anschein besserer Beschaffenheit verliehen werden; 7. der regelmäßige Genuß von Hackfleisch, welches mit schwefligsauren Salzen versetzt ist, vermag die menschliche Ge- siuidheü, namentlich von kranken und schwächlichen Personen, zu schädigen. Die offiziSse Ablcugmmg der Ausweisungen österreichischer Slaven aus Breslau, von der wir gestern mittheilten, hat einen recht geringen Werth. Es mag ja richtig sein, daß nickt„alle s I a v'i s ch e n O e st e r r e i ch e r" ausgewiesen werden sollen, für die große Anzahl derer, die doch ausgewiesen find, ist das ein sehr geringer Trost.— Die czechischen Abgeordneten wollen sich bei ihrer Interpellation über die Ausweisungen im österreichischen Reichsrath mit großer Schärfe gegen den Dreibund wenden. Graf Paul von HoenSbroech hat nun auch die Herausgeber« sckaft des„Deutschen Wochenblatts" niedergelegt, wie der Verlag desselben in einem Beiblatt zum letzten Heft mittheilt. Er will sich also vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Das begreifen wir.—' Der Fink. Der stühere Redakteur der„Post" und Sekretär der steikonservativen Partei Karl Fink, der seine Stellung auf- gab, nachdem Bebel von der Rcichstags-Tstbüne ihn ehrenrühriger Manipulationen beschuldigt hatte, ist nach der„National- Ztg." jetzt beim„Ostasiatischen Lloyd" in Shanghai angestellt und s ch o tz nach seinem neuen Wohnort unterwegs. Damit scheint Herr Fink,, der Protege des Freiherrn b. Stumm. der„Reinigung seiner Ehre" aus dem Wege gegangen zu sein. Das war auch das vernünftigste, was er thim konnte, und wir hatten von vornherein nichts anderes erwartet.— Prannschweig, 12. November. Die„Neuesten Nachrichten" der« öffentlichen heute einen Brief des Herzogs von Cumber- land, in welchem der Herzog erklärt, daß sich, auch heute noch, in seiner Stellungnahme zur Braun schweig er Thronfolgefrage nichts geändert habe. Er verweist auf seine früheren Erklärungen und schließt mit der ausdrücklichen Versicherung:„Eine A e n d e r u n g in dieser Stellungnahme ist nicht eingetreten."— Dresden, 11. November. sEig. Ber.) Daß das bischen den Arbeitern in Sachsen noch verbliebene Vereins- und Versammlungs- recht noch mehr eingeengt werden könnte, hätte kein Mensch für möglich gehalten, und doch hat daS sächsische Oberlandesgericht in einer jetzt getroffenen Entscheidung das scheinbar Unmögliche festig gebracht. Der Fall ist nach Mittheilungen der„Sächs. Arb.-Ztg." kurz folgender. Während der Reichstags-Wahlbcwegung fand in Wendisch- Kuunersdorf bei Lübau eine sozialistische Wahlversammlung statt. Nun schreibt 8 3 des sächsischen Vereins- und Versammlungsgefetzes so ganz nebenbei,— nur als Erleichterung für die Behörden— vor, daß mindestens einer der Einberufer einer Versammlung in dem Orte wohnen muß, in welchem die Versamntlung stattfindet. Um diesem Er- fordcrniß genüge zu leisten, zog der Tischler Diener aus Lübau auf ein paar Tage nach Wendisch-Kuunersdorf, da sich dost kein Eiliberufer fand. D. meldete sich ordnungsgemäß als Einwohner an, und der Gemeindevorstand erkaimte daS auch an, indem er ihm die nothwendige Bescheinigung für die erfolgte Anmeldung der Versammlung anstandslos ausstellte. Dieselbe fand auch ohne irgend welchen Zwischen- fall statt. Nachträglich bekam aber D. ein Strafmandat, weil er„unbefugt" eine Versammlung einberufen, und so gegen 8 3 des fraglicken Gesetzes verstoßen habe. Die zur Entscherdung angerufenen Gcstchte— Schöffengericht und Landgericht— sprachen, was eigentlich ganz selbstverständlich ist, den Angeklagten frei. Der Staatsanwalt legte aber gegen dieses Urtheil Revision ein, welcher jetzt vom Oberlandesgericht entsprochen wurde, indem es' unter Aufrechterhaltuug der thatsächlichen Feststellungen die Sache zu erneuter Verhandlung an das Landgericht Bautzen z u r ü ck v e r w i�e s. In bezug aus den S i n n des Gesetzes unbegreiflich erscheint die den staatsamvaltschaftlichen Revisionsgründen folgende Begründung deS Urtheils. Die Vorinstanzen hatten sehr zurreffend darauf hingewiesen, daß ein Vergehen gegen 8 3 garuicht vorliegen kann, weil gegen einen Verstoß Strafe überhaupt garuicht angedroht ist. Das Oberlandesgericht behauptet aber mm. daß der§ 3 mit dem 8 3(welcher ganz für sich Bestimmungen ttifft, wenn, wo und wie eine Versammlung angemeldet werden muß), im„inneren Zusammenhang" stehe. Eine besondere Straf« beslimmung für§ 8 sei deshalb gar nicht nöthig, weil demnach mit einer Uebertretung des§8— welche es nach dem Gesetz überhaupt nicht giebt!— zugleich eine Uebertretung des§ 2 begangen ist. D. sei nicht Gemeinde-Mitglied gewesen, ein Verstoß liege demnach zweifellos vor, und zwar in Fornl der„unrichtigen" und„nicht vorschriftsmäßigen" Anmeldung u. s. w. Demgegenüber und zur richtigen Würdigung dieses Urtheils ist zu berücksichtigen, daß der 8 33, welcher von den S t r a f b e st i m m u ii g e n handelt, den 8 3, gegen welchen in diesem Falle verstoßen sein soll, ausdrücklich aus- schließt. Das mutz das Oberlandesgericht auch selbst zugeben; es konstruirt aber ohne weiteres aus einem nicht vorhandenen Ver- gehen gegen 8 3 ein solches gegen 8 2, weil beide im„inneren Zu- sammenhaiige" stehen sollen. Letzteres trifft nicht einmal zu. Die hier in Frage kommende Bestimmung des§ 3 hat eine eigentlich gesetzlich grund- legende Bedeutung überhaupt nicht. Sie dient, wie schon be- merkt, nur den Behörden dazu, ihr wegen etwaiger Eröffnungen jc. den Berkehr mit dem Einberufcr zu erleichtern, hat also eine ganz nebensächliche Bedentmig. Ja, es ist in den Motiven des 8 3 ausdrücklich darauf hingewiesen, daß weitere Beschränkungen den B e r u s e r n von V e r s a m m- Inn gen. als wie sie im 8 3 niedergelegt sind, nicht auferlegt werden dürfen. Danach haben in bezug auf die Qualifikation eines EückeruferS als solcher nur einzig und allein die Behörden, bei welchen die Anmeldungen anzubringen sind, zu entscheiden. Erkenn«! diese den Einberus« an. so hat kein Mensch, und natürlich auch kein Gericht, ein Siecht, in solchen Fällen hinterher etwas anderes zu verfügen. So war es auch bisher; noch nie haben bisher Behörden und Gerichte in der Methode, wie sie hier, um eine Versammlung zu stände zu bringen, geübt wurde, und die natürlich nicht neu, sondern so oft angewandt worden ist, etwas Ungesetzliches gefunden. Diese neu« Biüthe an dem fruchtbaren Baume sächsischer Gesetzes- Jnterpretationskuuit kennzeichnet wieder einmal so recht den Geist, welcher die sächsische Rechtsprechung durchweht.— AnS Elsast- Lothringen, 11. November.(Eig. Ber.) Während unsere Bevölkerung die schlimmen Folgen der unseligen Grenz- sperre gegen die Einfuhr von Schlachtvieh von Tag zu Tag unangenehmer empfindet, so daß das wcrkthätige Volk seinen Fleischkonsum, der ohnehin schon gering gcmig war, noch mehr einschränken muh, scheint man in den maßgebenden Kreisen bei Leibe nicht an eine Aufhebung jener volksfeindlichen Mahregel zu denken, Von �.ag zu Tag mehrt sich die Zahl der Gemeinden, die in ihren Vertretungen Stellung gegen das Einfubrverbot von Schlachtvieh nemnen, und was ist der Erfolg dieser Bewegung, die nackigcrade aae Volkskreise ergriffen? Heute steht in der amtlichen„Strahb. Korreipondeuz" das folgende zu lesen: "~a �,e und Klauenseuche in den benachbarten Grenz- diffrikten Frankreichs eine grohe Ausdehnung angenommen hat und dabei sehr bösartig auftritt, ist durch Ministerialverordnung vom 9. November der kleine Grenzverkehr mit Rind- i � � ch,. � � u e n, Schafen und Ziegen längs der sranzonsch-eliah-Iothringischen Grenze gesperrt worden." Also verschärft, nichi etwa gemildert oder gar aufgehoben wird die vielbeklagte Grenzsperre! Das sind für das arbeitende Volk angeffchts des herannahenden Winters wahrhast betrübende Ausirchten! Cfhrouik der MaiestiitöbeleidignngS-Prozefse. Im Wieder- ausnaame-Verfahren wurde von der Beuthener Strafkammer der Privarsekretär Felix Scholz, der vor einigen Monaten zu acht Monaten Gefängnih wegen Majestätsbeleidigung ver- urrheilt worden war, freigesprochen.— Sum Gesundheitszustand in Kiantfckiou gingen dieser Tage beunruhigende Meldungen durch die Blätter, denen ein offiziöser Bcschwichttgungsartikel folgte, Dah aber die Küstengegend von Kiautfchou kein gesundheitliches Eldorado ist, das haben die Mann- schasteii der deutschen Marine schon stüher an ihrem Leibe er- fahren. Ms inr Jahre 1892 die jetzt auher Dienst in Wilhelmshaven liegende„Leipzig" mehrere Wochen lang dorr zwecks Vornahme von Schießübungen stationirt war, schrieb einer der Matrosen in einem in die Heimath gesandten Briefe: „Habt auch Ihr im Geschäft unter der allgemeinen Flaue zu leiden oder an den Folgen der schrecklichen Epidem.ie? Wir haben etwas Aehnliches S— 8 Wochen an Bord gehabt. Zu Zeiten lagen 40 bis 50 Mann der Besatzung in ihren Hängematten, so daß wir uns schon im Dienste danach richten mutzten. Wir sind, obgleich wir im Hafen lagen, die ganze Zeit über nicht an Land gekommen. Kompott und Obst zu essen war verboten. Auch ich bin durch dies Uebel, einer Art Cholerine. eine kurze Zeit dienstunfähig gewesen. Die ganze Krankheit mutz an dem Klima gelegen haben, denn so wie wir Cheefoo, so heißt die kleine chmesffche Hafenstadt, in welcher wir die bezeichnete Zeit über lagen, verlassen hatten, war dieselbe auch bald wieder vorüber. Die Krankheit selber war nicht so schlimm, als die Furcht, daß etwas Schlimmes daraus entstehen konnte, um so mehr, da durch Depeschen, welche die Offiziere erhalten hatten, es bekannt wurde. daß so vielerwärts die Cholera ihre Opfer fordere."— Es lagen also 10 pCt. der Besatzung zeitweilig krank, gewiß ein ganz respektabler Prozentsatz. Die unangenehme Krankheit ergriff die Mannschaft im September, also zur selben Zeit, in der die Nachrichten über die jüngst gemeldeten Krankheits- und Todesfälle von der Marine in Kiauffchou brieflich fixitt worden sein dürsten. Wie die„Bremer Bürgerzeitung" noch nnttheilt, äußerte sich die Krankheit in großer Schwäche und heftiger Diarrhoe, theilweise vcrbtlilden mit Er- brechen.— Oesterreich. Prag, 12. November. Hier fanden auch gestern Abend größere Cxztjie statt, so daß die Polizei einschritt. Hauptsächlich wurden die deutschen Studenten angegriffen, welche Konleur trugen. Erst in später Nachtstunde war die Ruhe wieder hergestellt. Das hiesige Militär wird zum größten Theil konsignirt gehalten.— Schweiz. Zum Prozeß Lncchent berichtet daS„Berl. Tageblatt" noch: Als Lnccheni nach semer Verurtheilung ins Gefängniß geführt wurde, weinte er, als der Direktor von seinen unbekannten Eltem sprach. Dann erklätte er, es sei ihm nun alles gleichgilttg. da er die Strafe antrete. Die ewige Einsamkeit sei doch die schwerste Strafe. Montag früh wird er in das Zuchthaus geführt und dann für immer verschwinden. Die sechs verhafteten Italiener, welche der Mitschuld verdächtig waren, werden einfach ausgewiesen und an die Grenze gebracht ffverden, da die Verhandlung dargethan hat, daß Luecheni wirklich allein handelte, und kein Komplott existirie. Das Wolffffche Telegraphcnburcau meldet hierzu: Die Unter- suchnngskammcr hat die Nichttgkeitserklänmg ausgesprochen zu guifften aller der Mitschuld an dem Verbrechen LuccheNi's Angeklagten, die seit der Verhaftung des Mörders in Hast waren! es sind die Anarchisten Ghno, Sylva, Marttnelli und Guaducci; die beiden letzten sind aus Italien ausgewiesen. Die„Polit. Korresp." konstatitt gegenüber der Blättermcldung, daß der österreichische Gesandte in Bern beaufttagt gewesen sei, der Verhandlung im Prozesse Lnccheni in Genf beizuwohnen, der Ge- sandte habe einen solchen Austrag nicht erhalten und der Verhandlung auch nicht beigewohnt.— Frankreich. PariS, 11. November. Die„Agenee HavaS' veröffentlicht unter Vorbehalt folgende Meldung eines gelegentlichen Bericku- erstatters: Letzten Freitag begab Frau DreyfuS sich in das Kolonial- nlinisterium, um die Erlaubmtz zu erbitten, ihrem Manne im Hinblick auf seine Rückkehr nach Frankreich warme Kleidungsstücke senden zu dürfen. Diese Bitte wurde Frau DreyfuS nnt dem Be- merken abgeschlagen, die Regierung werde, wenn nöthig, das erforderliche veranlassen. AIS Frau Drchfns nach Hame zurückkehrte, fand sie eine Aufforderung vor, nochmals auf dem Kolonialministerium vorzusprechen. Dort wurde ihr ein Brief ihres ManneS vorgelesen, der soeben angekommen war, und in welchem es in der Hauptsache heißt:„Seit 5 Jahren verlange ich vom General Boisdeffre Revision meines Prozesses, man antwortet mir nicht. Ich sehe ein, daß jedes Bemühen vergeblich ist, und ich bin deshalb entschlossen, niemand, selbst meiner Familie nicht mehr zu schreiben. Ich bin am Ende meiner Kräfte angelangt und bin ein Sterbender, ssicl) Ich vermache dem Edelmnthe Frankreichs die Sorge für die Rehabilitirung meines Andenkens." Hierauf bat Frau Drcyfus, daß sie. um ihren Mann zu retten, ermächtigt werde, ihm den Beschluß des Kassationshofes zu telegraphiren, oder daß der Minister selbst telcgraphire. Frau DreyfuS wurde wieder abschlägig beschicden und bat nun einen ihrer Freunde, beim Minister- Präsidenten einen letzten Versuch zu machen; Dupuy's Antwott entsprach aber der des Kolonialministers. Die Familie Dreyfus faßte hierauf gemeinsam mit ihrem Advokaten den Entschluß, wegen dieses Vorganges in dringender Weise bei dem Kaffationshofe vor- stellig zu werden, um die Mittheilung des Kassatioushofes an Dreyfus zu erlangen. Reinach erzählt im„Siöcke", er selbst habe dem Minister- Präsidenten Dichuy die Bitte der Frau Dreyfus vorgelegt, Dupuy habe jedoch die Gewährung der Bitte verweigert, angeblich mit der Begründung, daß die Gesundheit Dreyfus' nach amtlichen Berichten gut sei. Nach Beendigung der Aussagen Cavaignac's wird Mornard, der Advokat der Frau Dreyfus, vom Inhalt des VerhörS in Kenntniß gesetzt werden. Das römische Blatt„Jtalie" erklärt es auf grund eingezogener Erkundigungen für eine phantastische Erfindung, daß der frühere Militärattachs bei der Botschaft in Paris, Panizzardi, der italienischen Regierung, wie das Blatt„L'Jntransiaeant" behauptet«, eine chiffrirte Depesche gesandt habe, welche die Schuld DreyfuS' be- weise.— PariS, 12. November.„Whist" berichtet im„Figaro", Ruß- l a n d habe Frankreich in der F a s ch o d a- F r a g e zwar Mäßigung angerathen, doch Hobe Graf Murawjew sich bei feiner jüngsten An- Wesenheit im Namen des Kaisers Nikolaus in sehr bestimmten Worten über die zwischen Frankreich und Rußland bestehenden Ver- pstichtungen ausgesprochen, sowie über die Erfüllung dieser Ver- pflichtungen in den Gefahren einer Krise, deren Lösung England einen Augenblick lang beschleunigen wollte. Der Minister des Aeußern Delcasss hätte durch Veröffentlichung verschiedener Depeschen im Gelbbuche leicht Beweise dafür erbringen können. Besonders viel Klarheit schafft diese Depesche nicht.— PariS, 12. November. Ein Telegramm, welches gestern im Kolonialministerinm eingettoffen ist, meldet die Ankunft Leontiew's in Dschibuti und berichtet weiter, daß Leonttew die Karawane, welche Menelik ihm entgegensandte, gettoffen habe.— Spanien. Madrid, 12. November. DaS Erscheinen eine? neuen Blattes wird angekündigt, das den Titel„Dictatur" führen soll und mit dem General Wehler in Verbindung gebracht wird.— Aus Madrid berichtet die„Intern. Korresp." vom 10. No- vember: Sämmtliche Zeitungen legen dem Besuche des deutschen Kaisers eine große polittsche Bedeutung bei. Sehr bemerkt wird, daß die amtliche Telegraphenagentur täglich Auszüge aus deutschen Zeitungen übernnttelt, welche sich gegen die Auslieferung der Philippinen an die Nordamerikaner aussprechen. Früher hatte die Agentur niemals von deutschen Preßäußerungen Kenntniß ge- nommen. Bezüglich der westmarokkanischen Kolonie Rio de O r o wird halbamtlich erklärt, Spanien werde diesen Besitz freiwillig nicht auf- geben, da er sonst von Engländern oder Franzosen besetzt würde. Geschehe aber dies, so wäre auch die spanische Herrschaft auf den Kanarischen Inseln gefährdet. Nach Mitiheilungen aus dem karlistischen Lager beabsichtigt Don Cartos gleich nach Abschluß der Friedensverhandlungen ein Manifest zu erlassen, welches die Einleitung zu einer aktiven Be- wegung sein würde.— Rußland. Eine Revolntionärtn. Eine der besten nissischen Vor- kämpferinnen für die Befreiung des weiblichen Geschlechts und des arbeitenden Volkes ist kürzlich in Paris, im Exil, gestorben: Marina Nikonorowna P o l o n s k y. Die Wiener„Arbeiter-Ztg." widmet ihr folgenden Nachruf: Mit ihr ist eines der letzten noch lebenden Mit- glicder des berühmten Exekutivkomitees der Pattei des„Karoclimia Wolla" jVolkswillen) ins Grab gesunken, jenes Exekutivkomitees, das Jahre hindurch die zaristische Schergengcwalt im Schach hielt und ihr die �empfindlichsten Niederlagen zufügte. Marina Niko- norowna verzichtete als junges Mädckcn auf alle Annehmlichkeiten, die heutzutage Geburt, Besitz und Bildung verleihen können, um sich mit glühender Seele ganz der Sache des Volkes zu widmen. Jahrelang war sie als eifrige, von der Polizei gehetzte Propagan- disiin thätig, und wiederum jahrelang wirkte sie inmitten der tcrro- ristischen Partei; jetzt Monate hindurch in einer geheimen Druckerei gleichsam lebendig begraben, dann als Abgesandte des Komitees unter den schwersten Gefahren und härtesten Strapazen von Gruppe zu Gruppe eilend, nun ivieder eine Altion beraihend, bis inS einzelne vorbereitend; immer Spione und Häscher ans den Fersen, nie ruhend, rastend und doch glücklich in dem Bewußtsein, einer großen Sache zu dienen, vor ungefähr sechzehir Jahren mutzte sie, von den Gcsinnungs- genoffen gedrängt, sehr gegen das eigene Wünschen, ins Exil gehen, weil ihre Lage in der Heimath absolut unhaltbar geworden mar. Der aufreibende Kampf hatte ihre Gesundheit vollständig ge- brochen, ihren starken Geist, ihren unbeugsamen Willen aber nicht zu beugen vermocht. Eine kranke Frau, aber trotzdem eine kühne, leidenschaftliche Kämpfenn, kam sie ins Ausland. Hier lebte sie zunickgezogen in bescheidenen Verhältnissen, ihren Unterhalt erwarb sie durch Uebersetzungen und andere literarische Tagelöhnerarbeiten. Das beste und stärkste ihrer reichen Persönlichkeit gehörte nach wie vor deni Wirken für ihre Ueberzeugung, dem nur der Tod ein Ziel setzte. Ehre der verblichenen Kümpferin.— Türkei. Konstantinopcl, 11. November. Von unterrichteter Lette ver- lauter, wie die„Intern. Korr." mittheilt, die Pforte habe, da die vier Mächte die Belassimg kleiner Besatzungen auf Kreta verweigert haben, die Zahlung eines Jahrestributs gefordert. Dieselbe Korrespondenz berichtet: Für die Fortsetzung der englischen Rüstungen wird hier in weiten Kreisen der Grund angegeben, es bestehe die Absicht Englands, durch ein Plötz- liches sehr starkes Machtanfgebot im Mittelmeere die übrigen Mächte zu zwingen, die Anfre cht erhalt nng der Ordnung auf Kreta Eirgland allein zu überlassen.-- Asien. Peking. 11. November. Die chinesische Regierung hat bis zum letzten Augenblick den Ernst des Verlangens des diplomatischen Korps, die Truppen Äangsu's zu entfernen, mrtzverftanden und hat gedacht. die angewandte Drohung fei eine bloße konventionelle Phrase, sie hat aber jetzt gemerkt. daß die Drohung die thatsächliche Okkupatton der Peking- Ticntsin- Eisenbahn durch die stemden Truppen involvire. inöglicherweise sogar die dauernde Okkupation derselben. Die chinesischen Beamten erklärten nun, sie scheuten sich, die Kaiserin-Wittive davon in Kenntniß zu setzen, versprachen aber schließlich dies zu thun und ein Dekret zu erlangen zu suchen. welches die fremden Vertreter zufriedenstelle. Diese stimmten zu, den Erlaß im amtlichen Blatte abzumatten. Später wurde ein Edikt veröffentlicht, in welchem das Ergebnitz der Besichtigung der Truppe» Kangsu'S durch den Prinzen Ching mitgetheilt wird. Die Truppen werden sehr gelobt, den Generalen werden Belohminae» in überreicher Fülle verliehen, offenbar um den Stolz oer Truppen zu befnedigen. Das Edikt schließt: Die Truppen sollen in einigen Tage» nach einer anderen Statton gebracht werden. Der Name der Station wird nicht genannt.— DaS Tsung-li-Damen entschuldigte sich bei dem russische» Admiral, welcher Peking jetzt verlassen hat, weil es einer russischen Mnsikbande, welche aus Zivilfflen bestand, das Betteten der Stadt nicht gestattet halte unter dem Emdrnck, daß dieselbe das russische Wachkommando der Gesandt- schaft verstätten solle.— Afrika. Tanger. 12. November. Wegen des ungesetzlichen und barbari- schen Vorgehens der Soldaten deS Sultans drohen die Kabylen und ihnen bestenndtte Riffpirattn, sich mit den Bocayas gegen die Truppen des Sultans zu verbinden: andere stühere Verbündete des Sultans haben ihre Nenttalität erklätt. Obschon die Befehlshaber bestimmte Befehle erhalten haben, die Bocayas sofott anzugreifen und zu vernichten, so glaubt man doch, daß sie unter solchen Um- ständen nicht die Machr haben, dieses auszuführen, und daß ihre Lage sogar eine ktttische ist.— Kapstadt, 11. November. In der Debatte über die Erneuerung der Kontrakte bett. die Postbeförderung mit Ozeandampfent erlitt das Ministerium mit 39 gegen 30 Stimmen heute eine Niederlage. Di« weitere Debatte wurde verschoben.- Amerika. New-Dork, 10. November. Wer hat den spanisch- n or da u,«rika nischen Krieg verschuldet? Großes Aufsehen erregt die Erklärung des Generals Woodford, des früheren Nordamerika« ischen Gesandten in Madrid, daß der Krieg ohne die Hetzereien der Dingopresse und der geschäftlich an Kuba interessttten Kreise deS Senats sehr leicht hätte vermisden werden können. Er selbst(Woodfords habe noch kurz vor dem KriegSausbnich Mac Kinley eine Denkschrift übersandl, worin er ausführtich darlegte, daß bei einer ruhigen Fortführung der diplomatischen Verhandlungen die spanischen Truppen bis spätestens zum Herbst 1893 von Knba zurückgezogen sein würden. Die spanifche Regierung Hab« diesen Auslveg als einzige Möglichkeit ziemlich offen anerkannt gehabt und auch das Anerbieten, die.Maine-Aiigelegenheit«inem Schiedsgerichte zu unterwerfen, sei spanischerseitS ehrlich gemeint gewesen.— Diese Erklärungen Woodfords werden allgemein al» nn« Beschuldigung Mac Kinleys selbst angesehen.—_ Nsvtei-Nttchvichten. In daS Stadtverordneten- Kollegium von Grabow bei Stettin wurde nachträglich noch ein Parteigenoffe, der Expedient Alois Hönisch, gewählt. Er erhielt 108 Stimmen, der Gegner nur 4. Eine Parteiversammlung in Jena, die sich mit dem S t u t t« garter Parteitage beschäftigte, präzisirte ihre Stellung zu demselben einstimmig wie folgt: „Die Parteiveriammlung erklätt ihre uneingeschränkte Zu-- stimmung zu den Beschlüssen deS Stuttgarter Patteitages, sie drückt ihre besondere Freude aus über die Einigkeit desselben in allen praktischen Fragen der derzeitigen Politik, über die energische Diskussion der taktischen und prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten und vor allem über das allgemeine Ergebniß des Patteitages, das gezeigt hat, daß hie Pattei nach wie vor gesonnen ist, an ihrer alten proletarisch-revolntionären Taktik festzuhalten. In diesem Sinne erklärt die Patteiversammlung, daß neben dem Kampfe um die Aufbesserung der Lage der Arbeiterklasse, im Rahmen der heutigen kapitalistischen Gesellschaftsordnung die Er- reichung des Endziels, d. h. die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat behufs endgiltiger Befreiung der Arbeiterklasse von der Lohnsklaverei und damit Aufhebung aller Klassengegensätze— nach wie vor als oberstes Ziel in Kampf und Agitation zu ver- folgen ist." Die Parteileitung für Leipzig Stadt und Land macht in der„Leipziger Volkszeitung" bekannt, daß der vor etwa 2 Jahren vom damaligen Agitationskomitee gefaßte Beschluß, wonach der Parteigenosse Alwin Mohs als ungeeignet zur Uebernahme von Vertraüensämtern erklätt war, aufgehoben ist. AlS Vertrauensmann für die Stadt M i t w e i d a i. S. ist Emil Zerche(Weststt. 0), als solcher für Köckisch-Weißthal bei Mittweida Julius Lehmann wiedergewählt. Der Sozialdcmokrattsche Wahlverein in Nürnberg hat in außerordentlicher Generalversammlung sein Statut entsprechend der auf dem Würzburger Parteitage beschlossenen Neuorganisation der sozialdemokratischen Partei Bayerns umgeändett und zugleich als Vorort für den Gau Nordbayern den aus 9 Personen bestehenden Gauvorstand gewählt. Dieser Gauvorstand hat sich am Donnerstag konstituirt und zu Borsitzenden Konr. Herr mann und Gg. Eitzinger, zum Kassier W. Roßkopf gewählt. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — AuS Oberschlesien wird uns geschrieben: AuS dem Gefängniß in Beutbeii wurde der Patteigenoffe D y l o n g, der dott in Uiitersuchungshaft sitzt, geschlossen vor das Schöffengericht in Königshütte geführt. Er hatte sich dott wegen Gewerbe- kontravention zu veraiitwotteii, weil er bei der Sammlung von Abonnenten auf die von ihm vertriebenen Zeitungen keinen Hausir- gewerbeschein beseffen habe. Das Gencht verurthcilte ihn.(Unseres Erachtcns braucht er nach der Gewerbe-Ordnung keinen solchen Schein, Dylong legt deshalb Berufung ein.) Außerdem war Dylong' wegen groben Unsugs und HansfricdensbrnchS angeklagt, weil er in Chorzow und Kochlowitz in die Pfarreien gegangen und dort dem Kaplan, hier dem Pfarrer seine Zeitungen zum Abonnement an- geboten hatte. Von diesen Anklagen wurde er freigesprochen. Nach leinem eigenen Zeugnitz ist der Pfarrer Tunke! ausKochlowitznach dem Besuche Dylong'S in die Schule gegangen und hat die Schulkinder auf» gefordert,' den Dylong mit dem Besen aus dem Hause zu jagen, falls er sich in ihrem Hause zeige und dasselbe auch ihrenEltern zu empfehlen. Wie denkt die Staatsanwaltschaft über diese Aufforderung? Tunkel ist derselbe Gottesmann, der in unangemeldeten politischen Ber- sammlnngen in der Kirche die tollsten Unwahrheiten gegen die Sozial- demokraten ausstreut. — Redatteur Eduard Schmid von der„Münchner Post" wurde wegen Beleidigung des Sekretärs des katholischen bayenschen Eisenbahner-Verbandcs zu 100 M. Geldsttafe veruttheilt. — Wegen angeblicher Veröffentlichung einer Lokalnotiz in der „R e u h i s ch e n Volkszeitung", die in G r e i z erscheint, aber tu Zwickau i. S. hergestellt wird, war der Patteigenoffe Her» mann Schenderlein, der Greizer Expedient des ge- nannten Blattes, zu fünf Monaten Gefängniß veruttheilt worden, obgleich er betheuert hatte, wenigstens wissentlich. die Notiz nicht nach Zwickau gesandt zu haben. Am 1. August trat er die Strafe an. Wie nun die„Reuß. Volksztg." in ihrer neuesten Nummer mittheilt, bat der Fürst von Reuß unseren Ge- »offen begnadigt. Schenoerlein, der von der Strafe etwas über drei Monate verbüßt hat, ist bereits wieder in Greiz eingetroffen. GemevkMMftltäies. Berlin und Umgegend. Für di« Schlächtergesellen Berlins ist heute Nachmittag 4 Uhr in den„Armiuhallen", Kommandantenstr. 20, eine Versamm- lnng einberufen, die sich mit der Tagesordnung beschäftigen wird, den Zweck und Nutzen der Gewerkschaftsorganisation zu besprechen. Das Referat hat Reichstags- Abgeordneter Z u b e i l übernommen. Der Einberufer richtet an alle organisirten Arbeiter das Ersuchen, soweit es ihnen möglich ist, die Schlächtergesellen auf diese Ver» sammlung aufmerksam zu»lachen. Für die Akkordmaurer schwärmt auch der JnmmgSvorsttzende in Steglitz, Herr W e st f a h l. Er war mit seinen Leuten, die er auf deni Bau in der Fichtestratze beschäftigte, nicht mehr zufrieden und gab ihnen am verflossenen Montag allesammt Feierabend. Darauf ließ er sich aus Berlin 12 Akkordmaurer als Ersatz schicken. Jndefien, eS ist nichts vollkommen, wird jetzt Herr Westfahl denken, denn drei von den Akkordmaurern entließ der Polier bereits nach drei Tagen wegeir Untüchtigkeit. WaS aus den übrigen werden wird, bleibt abzuwarten. Sei dem aber, wie ihm wolle; sonderbar mutz es bettihren, daß ein JnnungSmeister, der darauf Anspruch macht. Lehrlinge zu tüchtigen Gesellen ausbilden zu wollen, zu dem Aikordsystem greift, doch nur, weil dieS System „bester schafft". Sonderbarer Schwärmerl Deutsches Reich. Zur Tarifbewcguug der Buchdrucker. Nach den Mit- theilungcn des„Correspondent" haben nunmehr 480 Firmen ihre Zustimmung zu den Vereinbarungen erklärt. Beachtenswerth ist der Fortschritt, den die Tarifbcwegung in Rheinland und Westfalen ge- macht hat. Hier hatten im Jahre 1890 mir 15 Firmen den Tarif von 1890 eingeführt. Der 1890er Tarif ist jetzt von 200 Finnen anerkannt. Daß dieser Fortschritt gelang, trotzdem der Verein der rhemisch-westfälischen Bnchdrnckereibesitzer lebhafte Anstrengungen machte, einen schlechteren Sondertarif durchzudrücken, ist ein Erfolg der Organisation. Der Verband hat während der Tarifbewegung 544 neue Mitglieder aufgenommen. In Magdeburg dauert der Ausstand bei der Firma Zacharias fott. Die Druckerei ist jetzt mit der Herstellung des städtischen Etats beschäftigt und benöthigt noch weiterer Arbeitskräfte, obwohl es ihr gelungen ist, bis jetzt 10 Arbeitswillige zu gewinnen. Die technische Leistungsfähigkeit derselben ist anscheinend über allen Zweifel erhaben, deshalb die Jagd nadj weiteren derartigen Kräften. Die eingesprungenen oder stehengebliebenen Arbeitswilligen bestehen zur Hälfte aus Gutenbergbündlern(eine nack dem großen Buchdruckerstreii 1891/92 mit Hilfe der Prinzipale gegründete Arbeits- willigen- Organisation, die aber als Tariflontrahent bettachtet werden will), die laut Statut in Tattfangelegcnheiten machen können, wie es dem Belieben des einzelnen gerade patzt; 4 Mit- glieder des Gutenbergbundcs sind in der Druckerei von Zacharias wegen Verweigerung tarifmäßiger Beschäftigung in den Ausstand getreten— und mindestns 5 Angehörige dieser„Organisation" arbeiten jetzt bei Zacharias zu untarif mäßigen Bedingungen weiter. Bon größeren Offizinen haben L. Sperling u. Kv. und die Fabersche Buchdruckern(Magdeburgische Zeitung) den Tarif nicht einaesühtt, wenngleich auch Aufbesserungen erfolgt sind; an den be» treffenden Arbeitern liegt natürlich die Hauptschuld. In der»Magde» burgischen Zeitung" besteht außerdem noch immer daL Koalitions« verbot in schärfster Form. In Weinheim hat daS Personal deS Herrn DieSbach, des Verlegers eines nationalliberalen BlättchenS, die Kündigung ein» gereicht- / . Die Samvnraer Ewerfnhrcr nnd Kastenfchuten- Schiffer beschäftigten sich am Freitag Abend mit dein vom Verein der Hain- vurg-Altonaer Ewerführerbaase aufgestellten Lohntarif. Wie schon früher mitgetheilt, enthält der neue Tarif einige Lohnanfbessernngen, hat aber sonst die von den Arbeitern gewünschten Aendernngen nicht voll berücksichtigt Vor allen Dingen wurde eine Regelung der ArbenZzeit vcnniht, denn die Ewerführer müssen»ach wie vor unter Uinständen 13>/z Stnnden in ihrem schweren Beruf thätig seim Die Versammlung sprach denn auch ausdrücklich aus, daß sie den Tarif nur vorläufig anerkenne, keineswegs aber mit der einseitigen Fest- setzimg des Arbeitsverhältnisses, wie es hier ohne Hinzuziehen der Arbeiter erfolgte, zufrieden sein könne. Das Gclvcrkschaftökartell in Barmen hat mit seiner Be- schwerde gegen den Polizeikommissar Pctrowski den Erfolg gehabt, daß die vorgesetzte Behörde anerkannt hat, eine Befngniß zur Aus- Weisung der Frauen aus der Sitzung der Gcwcrkschaftskommission stand dem Beamten nicht zu. � Eine Antwort auf die Anflösnng der Zahlstelle des Fabrik- Und Hilfsarbeiter-Verbandes in Halle haben die Hilfsarbeiter am Donnerstag Abend in sieben Versammlungen gegeben, die sich mit dreier Polizeithat beschäftigten. Es wird berichtet, daß in allen Ver- sammlungen em recht reger Beitritt zu dem Verband erfolgte. Die Beltretenden ließen sich als Einzelmitglieder aufnehmen. Arn Frei- tag haben sodann weitere neun Versammlungen stattgefunden. Zweierlei Mast. Wie die moderne Arbeiterbewegung und speziell die Gewerkschaftsbewegung in neuerer Zeit wieder ganz besonders in bezug auf das Vereins- und Versammlungsrecht dräng- fahrt wird, ist allbekannt. Wenn das Tüpfelchen nicht erfüllt ist, regnet es Strafen und Belästigungen. In Sachsen treibt nun zur Zeit der„deutsch-nationale Handlnngsgehilfcn-Vcrband". ein Häuflein unklarer Antiscmiteriche, sein Unwesen. Dieser Verband hat nun in seinem Statut eine Bestimmung, nach welcher es als ganz b e- sondere Aufgabe erachtet wird, auf Behörden und gesetz- gebende Körperschaften einzuwirken, damit die Bc- ftrebungen des Verbandes verwirklicht werden. Die Organisation ist also zweifellos als politisch zu bezeichnen. Hier findet sich aber keine Behörde und kein Gericht, welche diesem Verein die Auf- »ahme von Mitgliedern unter 21 Jahren verbieten. Ja. aus Crimmitschau wird berichtet, daß dort der Vorsitzende der Filiale dieses Verbandes erst neunzehn Jahre alt ist und unter den Augen der Polizei den Vereinsversammlungen p r ä s i d i r t. Auöstäude wegen Einführung von Betriebs- Krankenkassen. Infolge des Beswebens des Fabrikautenvereins in Remscheid, überall Betriebs-Krankenkassen zu gründen, sind die Bandwirker der Firma C. G. Paß in den Ausstand getreten, weshalb Zuzug streng fernzuhalten ist. Von SS Stühlen stehen 33 still. Da in noch zirka 20 anderen Fabriken die Arbeiter in Unterhandlung stehen und ebenfalls gesonnen sind, die Arbeit niederzulegen, falls inan ihnen eine Betriebs-Krankenkasse aufzwingen will, so ist es angebracht. daß vorläufig auch für die Maschinen- und Werkzeug- sowie die übrige Metallindustrie jeder Zuzug ferngehalten wird. In der Schlittschuhfabrik von Benz sowie Sieper u. Söhne haben die Arbeiter bereits ihre Kündigung emgereicht. Der Streik der Motorwagcnsührcr der elektrischen Straßen- bahn in N ü r n b e r g wird ein gerichtliches Nachspiel bekommen, da gegen die am Streik Betheiligtcn Ivegen Uebertretung der zu§ 366 Ziff. 10 des R.-Str.-G.-B. erlassenen obcrpolizcilichcn Vorschriften, die die Erhaltung der Sicherheit auf den öffentlichen Plätzen, Straßen und Wegen betreffen, vorgegangen werden soll.' Die Anklage stützt sich darauf, daß die Führer chre Wagen beim Ausbruch des Streiks mitten auf der Strecke hatten stehen lassen. Ausland. In Zürich befinden sich 200 Arbeiter der Seidenfärberei von Meyer wegen Lohndifferenzen im Ausstande. Sozinlrs. Für die Abhaltung von Konferenzen der Gewerbe- Inspektoren in Verbindung mit den Beauftragten der Berufsgenossenschafien treten die„Berliner Politischen Nachrichten" ein. Infolge der Einwirkung verschiedener„höherer" Instanzen habe sich ja das Vcrhältniß dieser beiden Beamten kategorren zu einander gebessert und damit auch die üble Folge der früheren, ohne jede Rücksicht auf einander ausgeübte Thätigkeit der beiden Beamtcnkategorien für die gewerblichen Betriebe ge- mildert. Jedoch würde hierin noch recht viel mehr erreicht werden können. Und dazu würde eine gegenseitige Aussprache auf solchen Konferenzen am bestell geeignet sein.' Vielleicht ließen diese sich auch für einzelne Provinzen oder größere Distrikte ver- anstalten. Hier verlangt also das Unternehmerthum zur Wahrung seiner selbsttschen Interessen einen direkten Einfluß auf das Fabrtkinjpcktorat. der einzigen noch halbwegs von ihm unabhängigen Institution, während eS den Fabrikinfpektoren sogar verboten wissen will, Sprechstunden für die Arbeiter abzuhalten und B e- s ch w e r d e n aus den Händen der Vorstände von Arbeiter- korporationen entgcgeilzunehmcn. Das Fabrikinspektorat kann aber nur dann seiner Aufgabe einigermaßen genügen, wenn es der Beeinflussung durch die Vertreter des Unternchinerthums möglichst weit entrückt bleibt. Arbcitcr-Risiko. Vom Ein stürz eines Neubaues innerhalb drei Wochen der vierte— wird wieder aus Kais e r s- l a u t e r n berichtet. Zwei Maurer erlitten Verletzungen, zum Glück nur leichterer Art. Als Ursache des Einsturzes wird die Verwendung schlechten Bindematerials bezeichnet. Wenn die Arbeiter zur Bau kontrolle herangezogen wären, würde bald Wandel geschafft seilt. Auf der Braunkohlenzeche„Klara-Vercin" bei Gröbers im Saalkreise wurden zwei Bergleute durch niedergehendes Gestein verschüttet. Einer konnte gerettet werden, der andere war bei Ab- gang der Nachricht noch nicht befreit. Er ist höchst lvahrscheinlich todt. Englische Fabrikillspcktton. Nach dem Bericht der englischen Fabrilinspcktorcn unterstanden im Jahre 1807 rund 200 000 Fabriken und Werkstätten mit rund 4>/s Millionen Arbeitern der Staats- aufsicht. Die Aufsicht wird ausgeübt von einem Chefinspcktor und 114 staatlichen Inspektoren, die dabei von 2003 Distrikts- Amtswundärz ten unterstützt werden. Für die Werkstätteu Hygiene kommt außerdem noch die kommunale Sauitäts� Inspektion in betracht. Unterstützt wird die Aufsichtsthätigkeit auch durch die Gewerkschaften. Die weiblichen Inspektoren, die einer besonderen Oberinspektion unterstehen. sind neuer dings wieder vermehrt worden und haben in dey letzt Jahren werthvolle Untersuchungen, besonders über Bleivergiftung. -veranstaltet. Nach dem Gesetz zur Ergänzung und Ausdehnung der Bestimmungen über Fabriken und Werkstätten von 1896 müssen die englischen Untemchmer den Bczirksinspcktoren über Anzahl, Alter und Geschlecht ihrer Arbeiter, vorkommende Unfälle, Blciweiß Phosphor- und Arsenikerkrankungen Mittheiluug machen. Aus dieser Meldepflicht ist den Beamten eine Fülle neuer, vorwiegend statistischer Aufgaben erwachsen, sodatz auch aus England Klagen über Ueber- bürdung der Inspektoren laut werden.(Wiederholt.) Geviltzks Wodurch der Hauptmann a. D. Blank beleidigt wnrdc. Der„Berliner Zeitung" wird aus Posen geschrieben: Emen inter- essantcn Beitrag zum Kapitel der Sittlichkeit auf dem Lande lieferte eine Pribatklaqe, welche in zweitägiger Verhandlung die hiesige Strafkammer beschäftigte und von dem Hauptmann a. D. und friiheren Rittergutsbesitzer Blank aus Wiesbaden gegen eine seiner früheren Dien st mägde und deren Mutter wegen Beleidigung angestrengt worden war. Die erste Angeklagte behauptete, daß Hauptmann a. D. Blank, der bis vor kurzem ein Rittergut bei Posen besessen, sie genothzüchtigt habe und der Vater ihres unehelichen Kindes sei. Auf grund der Beweis- aufnähme kam der Gerichtshof zu der Ueberzeugung, daß die Angeklagten den B e w e i s der Wahrheit erbracht hatten und sprach dieselben frei. Wie daS Gericht weiter- hin feststellte, hat Hauptmann a. D. Blank auch mit anderen Mitgliedern seines weiblichen Dienstpersonals intim verkehrt. Die Gattin des Hauptmannes Blank hat sich aus diesem Grunde von ihrem Manne scheiden lassen. Der Verhandlung wohnten Vertreter der Ober-Staatsanwaltschaft nnd der Staatsanwaltschaft bei. Wird denn nun gegen den Verbrecher Blank Anklage erhoben? Von der Ansübmig der Berliner Theater- Zensur. hrano de Bergerac" stand gestern vor dem Schöffengericht und gab Anlaß zu recht interessanten Erörterungen über das Recht nnd die Grenzen dor p o li z ei li ch e n Thcaterzensur. Die Polizei hatte in dem ihr eingereichten Stück„Cyrano de Bergerac" drei Stellen gestrichen und' die Aufführung ini Deutschen Theater nur unter Weglassung dieser Stellen gestattet. Die eine Stelle kantet: „Das sind die Gascogner Kadetten, sie stören des Ehemanns Ruh" ec., die zweite:„Letzten Samstag hat der König sieben Mal Traubenmus gegessen, doch von den Aerzten wird sein Magenprcssen als Majestätsbeleidigung ver- dämmt"; die dritte:„Dem Dachs der Madame dÄhis gab man ein Klystier". Trotz des Verbots dieser Stellen wurden sie von Kainz gesprochen und es erfolgte ein polizeiliches Strafmandat in Höhe von 30 M. für jeden Ucbertretnngsfall gegen den Direktor des „Deutschen Theaters", Dr. B r a h m. Gleichzeitig wurde angedroht, daß die Aufführung vollständig verhindert werden würde, falls man sich der polizeilichen Anordnung nicht fügte. Direktor Brahm bettat sofort den Beschwerdeweg beim Ober- Präsidenten und erhielt schon nach drei Tagen den Bescheid, daß gegen die Aufführung des Stückes. ein- schließlich der gestrichenen Stelleu polizeiliche Be- denken nicht obwalten können. Da inzwischen an drei Abenden die gestrichenen Stellen, gesprochen worden waren, so lauteten die Sttafverfügungen über zusammen neunzig Mark. Hiergegen wurde"richterliche Entscheidung beantragt.— Rechtsanwalt Paul Jonas bcanttagte aus recht- lichon Gründen die Freisprechung. Das Vorgehen der Polizei be- ruhe auf der Polizeiverordnung vom 10. Juli 1861, die das Berliner Theaterlvcsen geregelt hat. Die Rcchtsgilttgkeit dieser Verordnung� habe das Kammergericht und das Ober- Verwalwngsgericht an sich bejaht, doch lasse es das Ober-Vcrwaltungsgericht zweifelhaft, ob jede Bestimmung dieser Verordnung als rechtsgiltig anerkannt werden sollte. In dem hier vorliegenden Falle handle es sich aber um eine mißverständliche An- Wendung der Verordnung. Nach§ 7 habe das Polizeipräsidium lediglich zu prüfen, ob der beabsichtigten Vorstellung sicherheits-, sitten-, ordnungs- oder gewerbepolizeiliche Bedenken entgegenstehen und könne, je nach Befund, die Erlaubniß erthe'ilen. ver- sagen oder von gewissen Bedingungen abhängig machen. Nach(j 11 müssen bei der öffentlichen Vorstellung die Bc- dingungen, unter denen die Erlaubniß ertheilt ist, gejrau erfüllt werden, auch darf kein Darsteller in Wort und Handlung von dem ~'alte des polizeilich gezeichneten Exemplars abweichen. Nach diesen Bestimmungen stehe es der Polizei keineswegs zu, aus einem Dichterwcrke einzelne Sätze zu streichen, sie habe die Aufftihrnng zu genehmigen oder zu verbieten und könne im letzteren Falle dem Unternehmer anheimgeben, das Stück unter Weglassung der be- anstandcten Stellen noch einmal zur Genehmigung einzureichen oder das Verwaltnngsstreit- Verfahren zu eröffnen. Die Sttcichnng einzelner Stellen sei ein abnsus, den sich die Theater bisher haben gefallen lassen, weil die Austragung des Stteites im Verwaltungsstreitvcrfahren sehr zeitraubend ist. Da aber das Vor- gehen der Berliner Polizei mit den Grundsätzen nicht vereinbar sei, die das Kammeraericht und das Oberverivaltungsgericht für die An- Wendung der Polizeiverordnung von 1361 aufgestellt haben, so müsse die Frage der polizeilichen Thcaterzensur endlich einmal im Instanzenwege entschieden werden. Die Meinung, daß die Polizei befugt sein könnte, aus einem anerkannten Dichterwcrke einzelne Stellen heraus- zustrcichen, habe dem Ordinarius für deutsche Literaturgeschichte an der Berliner Universität, Dr. Erich Schmidt, zu der Bemerkung Anlaß gegeben, daß es ergötzlich und beleidigend sei, daran zu denken, daß die Zensur oft jungen Beamten über- tragen werde, die ihre literarische Bildung im Wintergarten oder im Z e n t r a I t h c a t e r sich angeeignet haben mögen. Abgesehen aber von der Rechtsfrage liege keine ob- jektive Voraussetzung vor, welche die Polizei berechtigen könnte, die betreffenden Stellen zu stteichcn. Bis zu der Vertilgung des Ober- Präsidenten habe die Polizei geglaubt, daß sie sich nilbt in den ihr von den Gerichten gezogenen Grenzen, nur die„wirklich nahen Ge- fahren für die öffentliche Ordnung und Sittlichkeit" zur Triebfeder ihres Einschreitens zu machen, zu halten, sondern sich zur Hüterin des öffentlichen Austandes zu machen habe. Da sei es dann ganz merk- würdig, wie sich die Polizei auf der anderen Seite gegenüber den französischen Ehebruchs-Dramen, gegenüber gewissen Dar- bietungen der Spezialitäten-Bühncn oder gewissen verfänglichen Worten, die Thielscher im M e t r o p o 1- T h e a t e r spreche, verhalte. Glaube die Polizei, jenes Publikum nicht schützen zu brauchen, dagegen das hohes Enttee zahlende Publikum des Deutschen Theaters schützen zu müssen? Er beantrage also die Freisprechung, die sich auch daraus ergebe, daß im Z13 der Polizei- Verordnung es an einer Strafbcstimmuug für die hier in Frage stehende angebliche Uebertretung fehle. Der A n> t s a n w a I t er- widerte, daß über die Zweckmäßigkeit der Polizeiverfügimg das richterliche Ermessen ausgeschlossen und die RechtSgiltigkcit schon festgestellt sei. Wenn' die Zensurbchörde berechtigt sei, die Aufführung eines ganzen Stückes zu verweigern, so habe sie auch das Recht, nach eigenem Ermessen einzelne Stellen zu verbieten.— Der Gerichtshof(Vorsitzender Amtsrichter D e c g c n) ließ die grnnd- sätzliche Streitfrage unentschieden. Nach Ansicht des Gerichtshofes sei der Austrag dieser Frage Gegenstand des Verwaltungs- Streit- Verfahrens, dagegen könne der Gerichtshof prüfen, ob ein von der Polizei erlassenes Verbot überhaupt objektiv eine Grundlage habe. Da müsse denn gesagt werden, daß nach Ansicht des Gerichts die beanstandeten Stellen in keiner Weise geeignet seien, bei irgend jemand im Publikum Anstoß zu erregen. Die Polizei könne nur sicherheits-, sitten- und ordnungspolizeiliche Bedenken geltend machen, sie könne aber nicht das Recht in Anspruch nchnien, nach ihrem Er- messen und Belieben aus einem Dichterwcrk Worte wie„Lebt wohl!",„und",„auch" und dergleichen wegzustreichen. Da auch die hier fraglichen Stellen keineswegs anstößig seien, so habe das Gericht festgestellt, daß die Grundlagen eines polizeilichen Einschreitens f e h l t e n, woraus dieFreisprechuil� '"�Angeklagten folge. Einen sensationellen Beigeschmack hatte ein Erpressnngs- Prozeß, welcher gestern vor der ersten Strafkanimer am Land- gericht II verhandelt wurde. Auf der Anklagebank stand der aus Holland stammende Agent Paul Peter Maria Robert Schwengels. Die Vorgeschichte des Prozesses ist folgende: Zu dem Fabrikbesitzer. Ober-Apötheker und Hoflieferanten Z a n d e r in Charlottenbnrg— dem Inhaber der Coundö'schen Fabrik— kam im Juli v. I. ein gewisser R o h r b e ck und srug, ob er— Zander— nicht Kommerzienrath' werden wolle.„Warum nicht!" lautete dieAntwort. Rohrbeck erklärte nun, daß er einen sehr hohen Herrn kenne, der die Güter seines Vaters ver- walte. Dieser hohe Herr habe nun das Malheur gehabt, daß ihm ein Verwalter mit 60 000 M. durchgegangen sei. Er schäme sich aber, diesen Verlust seinem Vater zu gestehen und wolle nun die erforderliche Summe als Darlehen aufnehmen. Wenn Zander dieses Darlehen bewillige, so solle er dafür den KommerzienrathS- Titel erhalten. Zander erklärte, sich die Sache überlegen zu wollen. Bald darauf kam Rohrbeck wieder und zwar in Begleitung des Prinzen Reuß XXVI. Zander niachte zunächst halbe Ver- sprcchungen, als aber die Herren fort waren, schrieb er sofort per Rohrpost, daß aus dem Geschäft nichts werden könne, er vermöge die große Summe nicht aufzubringen. Nachdem der Prinz in die Raison de sante gebracht worden war, erhielt Herr Zander am 18. Ottober vorigen Jahre? aus Budapest einen Brief von dem Angeklagten, der früher Gütervcrwalter des Prinzen war. In diesem Briefe schrieb Herr Schwengers, daß er von einer Firma beaustragt sei, gegen ein Honorar von 10 000 M. cit?av< :n, eine Broschüre mit„Enthüllungen aus der Vergangenheit und Gegen- wart des Prinzen Reuß" zu schreiben. Dabei müßten natürlich auch Zander's Briefe wegen Erlangung des Kommerzienraths-Titels ver- öffentlicht werden, er frage aber vorher an, ob Herrn Zander etwas daran gelegen sei. Dieser schrieb zurück, daß ihm die Veröffentlichung unbequem sein würde und bat um Herausgahe der Briefe. Darauf erhielt er ein zweites Schreiben, in welchem Schwengers schrieb, er befinde sich in der Lage des Teufels, welcher. Fliegen frißt. Die Veröffentlichung widerstrebe seinem Innern, aber er könne nicht anders. Wenn er ein Darlehen von 10 000 Mark erhalte, so werde er die ganze Brochüre nicht veröffentlichen. Diesen Brief übergab Zander der Polizei, welche den Schwengers später verhaftete. Nach scchswöchentlicher Untersuchungshaft wurde er gegen eine Kantion von 6000 Mark wieder ans freien Fuß ge- setzt. Der Angeklagte erklärte, er habe sich in größter Roth befunden. Er habe 20 000 M. Gehalt bekommen sollen, statt dessen habe er noch 4000 M. an den Prinzen verloren. Daß er sich einer Erpressung schuldig gemacht habe, bestreite er. Er habe Herrn Zander, der ihm als edler und guter Mensch bezeichnet worden sei, nur um eine Gefälligkeit ersucht, für die er eine Gegengefälligkeit geboten habe. Der Gerichtshof faßte die Sache aber doch mit dem Staatsamvalt als versuchte Erpressung auf und erkannte auf drei Monate Gefängniß. Eine Rcliolvcraffäre beschäftigte gestern die sechste Bernftmgs- Strafkammer des Landgerichts I."Der Tischler Paul Klütz war wegen Hausfriedensbruchs und Bedrohung vom Schöffengericht zu einer Gcfängnißstrafe von fünf Monaten vernrthcilt worden. Am 16. Jnli abends hatte sich der Angeklagte zu seinem Arbeitgeber, dem Tischlenncister Vrchnitz begeben, um mit ihm abzurechnen. Wegen eines Betrages von 16 Pfennigen, die Brehnitz dem Angeklagten— nach des letzteren Ansicht zu unrecht— als Krankenkassenbcitrag abgezogen hatte, kam es zwischen den Parteien zu einem Wortstreit, den Brehnitz damit zu beenden suchte, daß erden Angeklagten aufforderte, die Werkstatt zu verlassen. Klütz folgte dieser Aufforderung nicht, obgleich sie auch von dem Vater des Brehnitz wiederholt wurde. Als man Miene machte, ihn mit Gewalt hinaus- zubringen, zog Klütz plötzlich einen Revolver hervor und feuerte einen Schuß ab, der in die Decke ging. Um weitere Ausschreitungen zu verhüten, wurde Klütz nun schnell an den Armen ge- packt und Brehnitz Vater und Sohn bemühten sich, ihm den Revolver zu entwinden. Dies gelang endlich, aber bei dein Ringen war ein zweiter Schuß losgegangen, der zum Glück ebenso wenig Schaden anrichtete wie der erste. Im Revolver be- fanden sich noch 4 Schüsse. Der Vertheidiger, Rechtsamvalt Dr. Löwenstein, führte in der zweiten Instanz aus, daß mir ein Fall der Bedrohung vorliege und nicht 2 Fälle, wie das Schöffengericht angenommen habe. Der Gerichtshof ttat dieser An- ficht bei und ermaßigte das Sttafmaß auf 2 Monate Gefängniß. Eine Polizeivcrordnnng gegen die Mildthättgkeit giebt es in der Provinz Schlesivig-Holstein. Sie bedroht diejenigen nut Strafe, die an Bettler Gaden verabreichen. Ein Herr Lage hatte sich trotz alledem nicht von der Menschcnpflicht abhalten lassen, arme, bei ihm vorfprechende Handwerksburschen zu unterstützen. Darauf- hin wurde er vom zuständigen Schöffengericht zu einer Geld- strafe verurtheilt. Das Landgericht zu Kiel gab jedoch feiner Berufung statt, indem es die Rechts- giltigkeit der Verordnung bezweifelte. Das rief den Staatsanwalt wieder auf den Plan. Er legte Revision ein und hatte damit auch Erfolg. Das Kammergericht hob gestern die Vorentscheidung auf und wies die Sache zu nochmaliger Entfcheidung an das Landgericht zurück. Der Präsident führte begründend aus, daß die Verordnung rechtsgiltig s e i und ihre rechtliche Stütze im Z 6 des Polizeiverwaltungs- Ge« fctzes finde. Das Landgericht habe indessen noch festzustellen, w i e oft sich L. dagegen vergangen habe. Gcsindeordnung nnd Ungeziefer. Eine HerbergSwirthin au» der Gegend von A n k l a m hatte den Mann entlassen, der längere Zeit hindurch die HandwerkSburscheu, die in ihrem Hause schlafen wollten, nach Ungeziefer revidirt hatte, und sie verlangte darauf von ihrem Hausknecht Thiel, daß er dies ekle Geschäft fortsetze. Thiel that dies einige Male, verweigerte dann aber die Arbeit, als sich ihm dabei mehrere der verfolgten Thicrchen zu sehr genähert hatten und seine Schwester ihn deshalb nicht mehr in ihrer Behausung aufnehmen wollte. Die Polizei sah sein Verhalten als ein unbefugtes Versagen des Dienstes an und belegte ihn mit einer Geldstrafe, weil er sich hierdurch gegen das Gcietz betreffend die Verletzungen der Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter vergangen habe. Als Gesinde hätte er jenen Auftrag seiner Diensthcrrin unweigerlich erfüllen müssen. Thiel beantragte richterliche Entscheidung und erzielte auch beim Schöffen- gericht seine Freisprechung. Das Landgericht Anklam wies weiterhin die Berufung des Staatsanwalts»nit folgender Begründung zurück: Die fragliche Thätigkeit gehöre nicht ohne weiteres zu den Obliegenheiten eines Hausknechts. Nur eine ausdrückliche Vereinbarung hätte ihn dazu verpflichten können. Gegen diese Entscheidung legte die Staats» ii Walt- s ch a f t die Revision ein. Das Kammergericht verwarf die Revision der Staatsanwaltschaft und führte aus, sie scheitere an der thatsächlichcn Feststellung, daß T. die Untersuchung der Handwerksburschen nicht ausdrücklich über- nommen habe. An sich gehöre diese Verrichtung nicht zu den Obliegenheiten des Hausknechts. Zu dem Bericht über den Wuchcrprozeß in Hannoder ist nachzutragen, daß der Staatsanwalt den Zeugen Maschiuendircktor a.D. Georges wegen Verdachts des wissentlichen Meineids und des geiverbs- und gewohnheitsmäßigen Wuchers hat verhaften lassen. Vrszke Llachridiken und Depeschen. Köln, 12. November. Der Geheime Kommerzienrath Engen v. Boch in Mettlach, einer der größten Untemchmer in der Thonwaaren- Industrie, ist Freitag Nacht im Alter von 00 Jahren gestorben. Bozen, 12. Novbr.(B. H.) Das hiesige KrciSgericht verurtheilte einen geivisscn Scatariui wegen Gutheißens der Ermordung der Kaiserin Elisabeth zu fünfzehn Monaten und die desselben Ver- gehcns angeklagte Marie Rccla zu sechs Monaten schweren Kerkers. Paris, 12. November.(W. T. B.s Nach einer Mcldnng des „Temps" aus Shanghai wurde die französische wissciischastliche Missioii Bonin in der Provinz Sie-tschwan nahe der tibetanischen Grenze angegriffen. Vier annamitische Träger wurden leicht verwundet. Die an dem Uebcrfall schuldtragenden Mandarinen sind festgenommen worden. Pari?, 12. November.(W. T. B.) Heute Nachmittag feuerte eine gut gekleidete Frau am Eingange des Justizpalastes zwei Revolverschüsse auf den Untersuchungsrichter Bonrsy ab, welchem durch den einen Schuß der linke Kinnbacken durchbohrt wurde. Die Frau sagte bei ihrer Verhaftung ans, sie heiße Hinque; sie habe sich an Boursh rächen wollen, da dieser sich weigere, ihrem Vater zu seinem Rechte zu verhelfen. Konstantinopcl, 11. November. sFraukf. Ztg.) In diploma- tischen Kreisen glaubt man, daß der am Mittwoch aus Livadia zurückkehrende ruisische Botschafter dem Sultan die Mittheilung von der Ernennung des Prinzen Georg von Griechenland zum Obcrkommissar von Kreta überbringen wird, und zwar soll diese Mittheilimg durch den Zaren namens der europäischen Mächte gemacht werden.— Wie Rußland, so hat nun auch Oesterrcich-Ungarn die serbische Note wegen der Gcwaltthaten an der serbischen Grenze bei der Pforte unterstützt. Washington, 12. November.(W. T. B.) In einer befonderen Sitzung des Kabinets kam heute ein Telegramm des Kommissars für die FriedenSuntcrhandlung in Paris, Dah, zur Verlesung, in welchem dieser meldet, daß die spanischen Kommiffare eine Frist zur Fertigstellung der Antwort auf die Forderungen der Amerikaner hinsichtlich der Philippinen nachgesucht hätten. Der Kabinetsralh beschloß, bis Dienstag Frist zu geben. Verantwortlicher Redakteur: Angl, st Jcicobey in Berlin Sür den Slnferatenlheil verantwortlich: Sth. Glocke in Berlin Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilage« n. Untcrhaltungbblatt, Nr. 267. 15. Jahrgang. cilU iw Jmmätts" fttlte MMR Dringliche Aufgaben der deutschen Krankenkassen. Unter diesem Titel wird auf Veranlassung des Zentralverbandes der deutschen Orts-Kranlenkassen eine Rede des Herrn Dr. Friede- berg behufS Vertheilung an die Krankenkassen im Druck der- öffentlicht, die in eindringlicher Weise für die Zuweisung einer Reihe neuer kulwreller Aufgaben an die deutschen Krankenkassen plädirt. Dr. Friedeberg hat sich sehr verdient gemacht durch eine unermüdliche Propagirung der neuen Lungen- Heilstätten- Einrichtungen, und auch die in der zitirten Broschüre gegebenen Anregungen werden sicherlich nicht ohne Folgen bleiben. wenn es uns auch icheint, als ob der Verfasser mit einer reichlichen Dosis von Idealismus und Optimismus an seine Aufgabe geht, während die Verwaltungen der Krankenkassen vielfach doch von ganz anderen Beweggründen des Handelns geleitet werden. Friedeberg geht davon aus, dah zwei große Mittel, um die Leistungsfähigkeit der Kassen zu erhöhen, die eine Aendernng der Gesetzgebung nöthig machen würden, zur Zeit nicht erreichbar'seien. Nmnlich die Beseitigung des Zustandes, daß bei allen Unfällen während der ersten 13 Wochen die Krankenkassen und nicht die Bernfsgenossenschaste» einzutreten haben,— und ferner die Einführung von Gefahrenklassen innerhalb der Krankenversicherung, wobei die Unternehmer, für deren Betriebe die höheren Tarife nöthig sind, die den normalen Beitrag über- schießenden Versicherrnigsbeträge allein zu leisten haben. Diese beiden Forderungen hält Friedcbcrg bei der gecftnwürtigen sozialpolitischen Strömung nicht für erreichbar. Dagegen empfiehlt er den Kranken- lassen, mit allen Kräften ihre Ieniralisation anzustreben, wodurch ebenfalls durch Ersparnitz von Vcrwaltungskosten und andere Vor- thcile Mittel zur größeren Leistungsfähigkeit ftei werden,— und ferner weist er den Krankenkassen eine Reihe von Auf- gaben zu, welche die Kassen zu Krankheit verhütenden, htzgienisch wirksamen Faktoren machen sollen. Uebergehen wollen wir hier die Forderungen der Uebernahme von Schwindsuchtskranken in zu gründende Heilstätten der Jnvalidi- täts-Versicherungsanftalten und der Gewährung des Krankengeldes an die Familie der in der Heilstätte Verpflegten. Diese' Be- strebungen sind den Lesern deS„Vorwärts" aus mehreren Vcröffent- lichungen bekannt. Dagegen seien die anderen, den Krankenkassen zugewiesenen Aufgaben hier kurz wiedergegeben. Die Krankenkassen Deutschlands sollen für einen bestimmten Zeitabschnitt, das Jahr 1899, eine einheitliche Tuberkuloscstntistik aufnehmen, zu deren Schema ein von der Kontrollkonimission der Ärankenkasscu Berlins unter Mitwirkung bewährter Statistiker ausgearbeiteter Fragebogen benutzt wird. Der Fragebogen soll im wesentlichen die ungeheuerliche Sterb- lichkeit und die hohe Erkrankungsziffer, daneben die enorme materielle Belastung der Krankenkassen infolge der Schwindsucht klarstellen. Jede Kasse könne die Resultate ihrer Erhebung für sich benutzen, die Gesammtverarbeitung, zwecks deren die ausgefüllten Fragebogen bis zum 15. Februar 1900 an die Zentralkommission der Krankenkassen übersandt werden müssen, erfolge durch die Zentralkommission, und soll das Material als Unterlage für weitere bei der Reichsregicrung zu ergreifende Schritte dienen. ES sei zweckmäßig, zur leichteren Vornahme dieser Statistik ein besonderes, dem Schema des Frage- Vogens entsprechendes Buch lediglich für die Schwmdsuchtsfälle bei jeder Krankenkasse anzulegen. Die Krankenkassen sollen alljährlich eine Reihe Mitglieder- Versammlungen veranstalten<6—8) mit einem Cyklus unentgeltlicher populärer hygienischer Vorträge, für deren Bekanntgabe an alle Kassenmitglieder die Krankenkasse zu sorgen hat und deren Kosten ihr zur Last fallen. Es sei eine absolute Nothwendiakeit, daß die deutschen Kranken- kassen, die 3 Millionen versicherter Mitglieder umfassen, sich ihrer wichtigen sozialen Aufgaben mehr als bisher bewußt werden. Die Krankenkasse sei eine Vereinigung höherer Art als die einer bloßen Bersicherunasgesellschast gegen Krankheitsschaden und habe höhere soziale Pflichten als die bloßer materieller Leistungen. Aus der bisherigen Auffassung deS rein materiellen Gegemeitigkeits- Verhältnisses zwischen Krankenkasse und Mitgliedern entspringe der überall beobachtete Jndifferentismus der Massen gegen die Kranken- lasse, welcher eine gedeihliche EntWickelung derselben verhindere. Die Krankenkassen seien aber ihrer ganzen, auf dem Prinzip der Selbstverwaltung beruhenden Institution nach geeignet, die innigste Fühlung mit allen ihren Mitgliedern zu ermöglichen und Einfluß auf dieselben zu gewinnen. Dieser Einfluß müsse zur kulturellen Hebung der Nation benutzt und speziell nach hygienischer Richtung hin ausgedehnt werden, weil dadurch eine hygienische Erziehung ermöglicht werde, die durch Förderung der Gesundheit deS Individuums, welches lernt, den Krankheiten vorzu beugen, wieder der materiellen Leistungsfähigkeit der Kasse zu gute komme. Die Vorträge seien etwa über Wohnungshygiene, Er- nährung, Kleidung, Hautpflege, Gewerbekrankheiten, AlköholiSmus, Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten zc. zu halten. Die Krankenkassen sollen eine enge Fühlung mit den Gewerbe- Inspektoren unterhalten. Die Krankenkassen seien am ehesten in der Lage, aus ihrer Kenntmß der in einzelnen Betrieben sich häufenden Erkrankungsfälle heraus, namentlich wenn es sich um Gewerbe-Krankheiten handelt, die Gewerbe-Jnspettion auf wahrscheinlich vorliegende hygienische Mißstände der betreffenden Betriebe aufmerksam zu machen. Des- gleichen könnten Aufnahmen über die Dauer der Arbeitszeit häufig erkrankender Mitglieder zu werthvollen Aufschlüssen über gesundheits- schädigende Einflüsse einer allzu langen Arbeitszeit führen und so Grundlagen für gesetzgeberische Maßnahmen gewonnen werden. Bei sämmtlichen Krankenkassen sollen Aufnahme-Untersuchungen stattfinden, auch bei den Orts-Krankenkassen, namentlich in allen Fällen, wo es sich um jugendliche, erst in einen Beruf eintretende Individuen handelt. Da in den wenigsten Städten Schulärzte existiren und auch keinerlei Untersuchung der die Schule Verlassenden vorgenommen wird, so erfolgt in sehr vielen Fällen eine durch ärztliches Urtheil nicht beeinflußte, den individuellen Verhältnisse oft durchaus nicht entsprechende Berufswahl. Die Krankenkassen könnten durch obligatorische Aufnahme« Untersuchungen, die aber zu keiner Abweisung von der Kassenzugehörigkeit berechtigen sollen, einen werthvollen Ersatz des von der Schule Versäumten darbieten und Eltern und Vormünder durch die zu den Untersuchungen bestellten Aerzte in bezüglichen Fällen auf solche Fehler in der Berufswahl aufmerksam machen lassen. Es könnten fenier schwächliche, widerstandsunfähige Personen von vorneherein heobachtet und zur Vomahme zweckdienlicher therapeutischer Maß- nahmen veranlaßt werden, ehe eine allzu starke Schädigung der Gesundheit erfolgt ist. zu deren Beseitigung sonst umfangreiche Auf- Wendungen der Kasse nothwendig wären. Es wäre eventuell zu ermöglichen, für solche der Kasse von feiten der Aerzte bekannt ge- gebenen gesundheitlich anfälligen Personen im Einverständniß mit den Gewcrbe-Jnspektionen verkürzte Arbeitszeiten zu vereinbaren. wodurch die Gesundheit ihnen länger erhalten und die Freude am Dasein nicht allzu vorzeitig geraubt werden konnte. Nachdem dann in der Friedebe>.gffchen Broschüre ausführlich die Forderungen an die Jnvaliditätsversicherungs-Anstalten bezüglich der Behandlung der Schwindsüchtigen spezialisirt sind, werden den Kranken- kassen zum Schluß noch die folgenden RathsÄläge erthcilt: „Zur Agitation und Propagirung dieser Ideen und zu ihrer Ueberftihrung ins Bewußtsein soivohl'der betreffenden sozialpolitischen Faktoren, wie auch der breiten Volksschichten dürfte sich im Gebiete jeder Juvaliditätsanstalt die Schaffung einer Konmnssion nach der Art der Berliner Zentralkommission empfehlen.— Zusammensetzen würde dieselbe sich am zweckmäßigsten aus mehreren Vertretern jeder Art von Kassengruppen, sowohl Orts- wie Betriebs-, Hilfs- und Jnnungs-Kran'kenkassen. Nothwendig sind ferner ein oder einige ärztliche Bcrather, ferner Mitglieder des Aus- schusses oder des Vorstandes der betreffenden Jnvaliditätsanstalt... Rathsam wäre es, sich vor der Hand lediglich ans die Tuberkulose- frage zu beschränken. Es ist ftir nichts zur Zeit eine derartig günstige Strömung vorhanden, da die Erkenntniß von der der« hccrenden Wirkung dieser Seuche alle Kreise des Volkes durchdrungen hat. Eine Volksbewegung im edelsten Sinne des � Wortes läßt sich hier entfachen.... Die breiten Schichten des Volkes aber gilt es aufzuklären, gilt es zu erziehen. Wie überall, gehen auch hier geistige Entwickelung und materielle Förderung Hand in Hand. Die Krankenkassen haben die Aufgabe, neben der Rettung ihrer Versicherten vor dem Ver- sinken ins Elend, den Millionen, die in ihnen organisirt sind, neue Wege der Erkenntniß zu bahnen. Der Tag, an dem die Krankenkassen sich dieser ihrer ethischen, ihrer kulturellen Aufgabe voll bewußt werden, wird ein Tag des Segens für die Entwickelung der Nation sein."_____ NommunAles. Die städtische VcrkehrSdcputation hat gestern in vierstündiger Sitzung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner beschlossen, die Große Berliner Straßenbahn- Gesellschaft zu veranlassen, auf den Linien Kottbuser Thor— Müllerstraße, Moabit/2 Uhr bei Fritz Zubeil, Linden st ratze 106, eine öffentliche Versammlung statt. Genosse Semmel spricht über:„Genossenschaftsbewegung". Nach der Versammlung geselliges Beisammensein. Wahlverein für den 4. Berliner RcichStagS-WahlkreiS. In der nächsten Versammlung, die umständehalber am Montag bei Brüder, Waldemarstr. 75, stattfindet, wird Genosse Richard Fischer über„Streitfragen in der Partei" refenren. Die Mitglieder werden zu zahlreichem Erscheinen aufgefordert. Der Vor st and. Achtung, S. Wahlkreis! Für die Rosenthaler Vor- st a d t und Gesundbrunnen findet am Dienstag, den 15. No- vember, abends 3V� Uhr, in Weimann's Volksgarten eine Volks- Versammlung statt, in der Genosse Wilhelm Liebknecht über taktische Fragen referiren wird. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert zahlreiche Betheiligung der Parteigenossen. Arbeiter- Bildungsschule. Am Dienstag, den 15. d. MtS., fällt der Vortrag in Geschichte aus. Das Versäumte wird am 7. Dezember nachgeholt. Die Mitglieder wollen dies gefl. beachten. Der Vorstand. Die Freie Volksbühne veranstaltet am Bußtag(Mttwoch, den 16. November) für ihre Mitglieder in Kellers Festsälen, Koppenstraße, einen großen Projektionsvortrag abends 7 Uhr. Der Vortragende, Herr Dr. Wilhelm Meyer(früher an der Urania) wählte als Vor- tragsthema:„Um die Erde von Pol zu Pol", mit be- sonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen Kulturverhältnisse und ihrer voraussichtlichen Entwickelung. 200 Lichtbilder begleiten den Vortrag. Die Länge desselben bc'nöthigt eine zweimalige längere Pause und eine Eintheilung in drei Abtheilungen. Da dieser Vortrag nur Mitgliedern zugänglich ist, wenn dieselben eine grüne Marke k 25 Pf. in ihre Mitgliedskarte von der Zahlstelle einkleben lassen, ersucht der Vorstand, dies baldigst zu thun, da nur eine beschränkte Anzahl Marken ausgegeben Iverden können. Heute Nachmittag 2�/« Uhr, zweite Abtheilung(blaue Karten): „Liebelei" und„Lumpenbagasch"(siehe heutiges Inserat). Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Die Mängel deS Berliner VormnndschaftswcsenS kamen zur Sprache in einer Werbeversammlung, die der„Freiwillige Er- zichungsbeirath für schulentlassene Waffen" am Freitag ftir den Norden(in der Norddeutschen Brauerei) abhielt. Anftsgerichtsrath Dr. Köhne, der in seinem Referat über Berliner Waisenpflege und Erziehungsbcirath die(unseren Lesern bekannte) Organisation und bisherige' Thätigkeit des Erziehuugsbeiraths darlegte, suchte die Nothwendigkeit dieses Vereins und überhaupt der privaten Thätigkeit auf dem Gebiete der Berliner Waisenfürsorge aus den Schwierigkeiten zu erweisen� mit denen die von den Behörden ausgeübte Waisensürsorge in einer Großstadt wie Berlin zu kämpfen habe. Unsere Waisenpflege leiste nicht, was sie lei st en solle, das zeige die Tbatsache, daß die wegen Gesetzesübertretungen vor den Richter kommenden Kinder nach Ausweis der Akten„in der größten Mehrzahl der Fälle" verwaist seien oder sonst aus irgend einem Grunde des väterlichen Schutzes entbehrten. Vor allem seien die Vormundschaftsrichter und auch die Gemeinde-Waisenräthe über- lastet, so daß sie nicht im stände seien, sich um alle ihnen zu- gewiesenen Waisen zu kümmern. Beim Berliner Vornmndschafts- gericht werden 80—90 000 Vormundschaften mit etwa 150 000 Kindern geführt. Die Zahl der Vormundschaftsrichter ist aber so gering, daß zum Beispiel dem Referenten, der als Vornmndschaftsrichter ftmgirt, allein 8000 Vormundschaften mit 12—15 000 Kindern zugewiesen sind, die alle von ihm„beaufsichtigt" werden müssen. Dazu kämen, sagte K., die Schwierigkeiten, geeignete Vormünder in genügender Zahl zu beschaffen. Die meisten hätten, mit ihrer eigenen Erwerbsthätigkeit beschäfftgt, keine Zeit, sich ihrer Mündel anzunehmen. Man suche sich auch der Pflicht, Vormund zu werden, auf alle Weise zu entziehen, und der Waisenrath, der die Vormünder vorzuschlagen habe, mache sich dadurch Feinde. K. erzählte(und er versicherte zugleich, für die Wahrheit seiner Mitthciluug zu bürgen), ein Waisenrath habe ihm auf die Frage, wie er bei der Suche nach einem Bor- mund verfahre, geantwortet:„Ich habe eine Liste aller derjenigen Leute, deren Feindschaft mir möglich st wenig schaden kann, von denen schlage ich einen vor." In der That haben dis Waisenräthe mit Rücksicht auf diese Zustände wiederholt verlangt, daß den Vonnündcrn auf dein Vormundschaftsgericht nicht gesagt Iverde, wer sie vorgeschlagen hat. K. bezeichnete � aber gerade die persönliche Verbindung des Waisenrathcs mit dem Vor- geschlagenen als unerläßlich. Heute komme es vor, daß Kinder' sechs bis acht Monate ohne Vormund seien, weil der heimlich Vorgeschlageue hinterher begründete Einwendungen gegen seine Wahl mache oder sich ungeeignet zeige. � Eine weitere Probe von den Schwierigkeiten der'Vormundbeschaffung wurde in der Diskussion mitgctheilt. Der Vorsitzende eines Waisenraths- Bezirks gab an, daß er allein fünfzig(!) Vormünder pro Monat zu beschaffen habe. Stadtverordneter Hammerstein vertheidigte die Waisenräthe; sie fänden beim Vornmndsschaftsgericht nicht gcimg Entgegenkommen. Er sang auch ein Loblied auf die� städtische Waiseupflegc, wurde aber von Herrn Pagel, dem zweiten Vor« sitzenden des Erzichungsbeiraths, darauf hingewiesen, daß die städtische Waisenverwaltung für ihre konfirnnrtcn Kinder nur die minder- werthigen Stellungen ausfindig macht. Zum Vertrag mit den Berliner Elektrizitätswerken. Bei den bisherigen Erörterungen ist ein Punkt noch gar nicht oder jedenfalls nicht genügend berücksichtigt worden: das Verhältniß zwischen„Allgemeiner Elekt'rizitäts-Gesellschaft" und„Berliner Elektrizitätswerken. Die Aktiengesellschaft Berliner Elektrizitätswerke ist eine Tochter der Allgenteinen Elektrizitäts-Gesellschaft. Die letztere hat sich für alle Zeiten die Vormundschaft über die Tochtergesellschaft gesichert, in- dem sie sich bei allen Erhöhungen des Aktienkapitals das Vorkaufsrecht für die Hälfte der Aktien vorbehalten hat. In den Generalversammlungen der Berliner ElektrizitätSiverke liegt also stets die Entscheidung bei den Aktien, die im Besitze der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft sind. DieS findet auch äußer- lich seinen Ausdruck dadurch, daß Herr Generaldirektor Rathenau gleichzeitig Leiter beider Gesellschaften ist. Es kann nicht ausbleiben, daß diese Personalunion ihre Rückwirkung auf das finanzielle Ge- deihen beider Gesellschaften und zwar zu Ungunsten der Berliner Eleftrizitätswerke ausübt. Gleichgiltig, ob bei anoeren elektrischen Unternehmungen, z. B. Siemens u. Halske, bessere oder billigere Maschinen und sonstige Anlagen zu haben sind, Herr Generaldirektor Rathenau, als Leiter der Berliner Elektrizitätswerke, wird darum doch seinem bisherigen Lieferanten nicht untreu werden, sondern wird nach wie vor bei Herrn Generaldirektor Rathenau, dem Leiter der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft seine Maschinen u. s. w. beziehen. Jeder Widerspruch, der sich etwa gegen ein solches Por- gehen geltend machen könnte, wird in der Generalversammlung ohne weiteres durch die 50 pCt. Aktien der Allgemeinen Elcktrizitäts- Gesellschaft erdrückt werden. Daß dies unter Umständen auf die finanziellen Ergebnisse der Berliner Elektrizitätswerke ungünstig ein- wirken kann, ist klar. Und somit ist ein neues Moment gegeben, welche? eine Steigerung des Reingewinns über 6 pCt. des Aktien- kapitals unwahrscheinlich macht, und die Aussichten der Stadt Berlin auf Gewinnbetheiligung recht gering erscheinen läßt. Die Rückkehr von Jerusalem. Im freisinnigen„Berliner Tageblatt" wird ohne jedes Wort der Kritik folgendes berichtet: Eine allgemeine Begrüßungs-Kundgebung für das Kaiserp aar gelegentlich seiner Rückkehr von der Palästinareise lvird von einem Konntee angebahnt. Eine zu diesem Zweck gestern Abend nach den Viktoriasälen, Leipzigerstraße, einberufene Versamm- lung erörterte die Frage, wie ein würdiger Empfang des Kaiser- Paares zu inszeniren lei, ohne der Berliner Bevölkerung große K o st e n aufzuerlegen. Der Vorsitzende Hofbuchbindermerster A. Demnth empfahl in einer einleitenden Ansprache einen Aufruf an die gesammte Berliner Bürgerschaft, der es als Ehrenpflicht bezeichne, die Häuser beim Einzüge des Kaiserpaares in Berlin f e st l i ch zu schmücken. Als bleibende Zeichen der Erinnerung empfahl er die Abfassung von Adressen an den Kaiser und die Kaiserin, in die jeder Einwohner sich namentlich eintragen könne. Die Debatte drehte sich unter anderem auch um die Frage der B e- theiligiing der städtischen Körperschaften, wobei allerdings der Vermnthung Ausdruck gegeben wurde, daß bei der Kürze der Zeit eine offizielle Thciluahme derselben schwerlich zu erwarten stehe. Die Versammlung einigte sich auf die Wahl eines Komitees, bestehend aus den Herren: Polizei-Oberst Krause, Branddirektor Giersberg, A. Demuth, Direktor Naglo, Fischer, Weiß, Röhlig und Guthery. Dieses Komitee wurde mit der Abfassung eines in der Presse zu veröffentlichenden Aufrufes betraut. In den nächsten Tagen sollen dann weitere Versamm« lungen in dieser Angelegenheit stattfinden. Mißfallen muß es erregen, dah die Kostenftage in einem Sinne erwogen worden ist, der den wahren Patrioten verdächtig erscheinen muß. Jeder Hoflieferant— und andere Leute kommen doch bei der Ausschmückung der Häuser kaum in betracht— hat von je etwas darin gesucht, schon bei patriotischen Festlichkeiten gewöhnffcher Art mit möglichst spendabler Auffälligkeit hervorzutteten. Die Rückkehr von Jerusalem ist aber ein Ereigniß, das aller Voraussicht nach nie wieder im Leben des Kaisers vorkommen wird und daher ist gar« nicht einzusehen, warum gerade bei dieser Gelegenheit schäbige Sparsamkeit obtvalten soll. Sollte dennoch die Kostenfrnge Schwierig- leiten bereiten, so wird Herr Rudolf Mosse gewiß gerne helfend bei- springen. Sehr hübsch ist auch die Idee, daß jeder patriotische Ein« woüncr seinen Namen in Adressen eintragen soll. Ferner sollte man vncy an die neuerdings doch recht loyal gewesenen städtischen Bc- Korden herangehen und von ihnen zum mindesten Illumination des Kreuzberges, großes Flaggen und Schließung der öffentlichen Bureaus verlangen. Tic Station für Untcrsnchnng des Nuswurfs auf Tuberkel- bazilleu, die von der Zcntralkommission der hiesigen Krankenkassen denn Kultusministerium ausgewirkt worden ist, tritt jetzt bei der Krankenabtheilung des Instituts für Jnfektions-Krank- h e i t e n ins Leben. Angenommen werden Untersuchungen von Auswurf nur, insoweit es sich um Mitglieder von Krankenkassen handelt und die Prüfung des Auswurfes von dem behandelnden Arzte beantragt wird. Für die Ueberweisung an die Station 'st ein Formular festgestellt worden, das von der Zentral- kommission an die Krankenkassen abgegeben wird, und von diesen in der erforderlichen Zahl den einzelnen Kassenärzten zu- gewiesen wird. Die Untersuchungen finden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von IL'/z bis 2 Uhr statt. Für die Behandlung des zu untersuchenden Auswurfes wird folgende Anweisung gegeben: Vor der Entleerung des Auswurfes spüle der Patient den Mund aus. Er entleere dann den Auswurf in ein breites, weißes Fläschchen, das mit einem Kork zu verschließen ist. Das Fläschchen muß vor der Benutzung ausgespült aber nicht aettocknet sein. Der Auswurf ist noch am selben Tage der Untersuchungsstelle zu überbringen. Die Meldung der Kranken geschieht beim Pförtner des Jnstittits für Infektionskrankheiten Chariteestraße. Die Untersuchung geschieht un- entgeltlich. „Znr Organisatton der Armenpflege" kautet das Thema eines Vorttages, den Justizrath Dr. Goldschmidt am kommenden Donnerstag in einer im Architektcnhause, Wilhelmstr. 92/93, statt- findenden Versammlung des Berliner Anwaltvereins halten wird. Es handelt sich dabei, wie uns geschrieben wird, u. a. um die Errichtung eines von der Berliner Rechtsanwaltschaft unter Mitwirkung der städtischen Behörden zu organisirenden Bureaus für unentgeltliche Ratherthei'lung und Rechtsschutz für Personen des Arbeiterftandes und an solche, die nicht im stände sind, die sonst hierfür erforderlichen Geldmittel aufzuwenden. Diese Einrichttmg soll theils an die in Deutschland bereits vorhandenen Arbeitersekretariate und Volks bureaus, theilS an die B msaus de» con- sultations gratuites, wie solche unter anderem in Belgien bestehen, anknüpfen. Damit zugleich wird der Zweck einer ausgiebigen Vorbereitung der jungen Juristen für die Anwaltspraxis verfolgt und soll dem vielfach für die Rechtspflege gefährlichen Treiben sogenannter Winkelkonsulenten entgegen gewirkt werden. Gäste können durch jedes Mitglied des Vereins eingeführt werden. Die Zentrale der Berliner Rctttuigsgesellschaft wurde vom 1. November 1897 bis zum 1. November 1898 im ganzen 10000 mal in Anspruch genommen. Im Oktober 1897 wurde fie 102 mal, im Oktober 1808 dagegen 870 mal benutzt; am 20. Oktober d. I. wurde sie bis mittags 2 Uhr 48 mal angerufen. Bekanntlich können durch die Zenttale �Telephon Amt l. Nr. 60) die erste Hilfe bei Unglücksfällen und Krnnkentransport-Wagen erlangt werden, wie sie auchlunentgeltlich Aufschluß darüber giebt, in welchem Krauken- hause Betten für die Ausnahme von Patienten frei sind. Bezüglich einer Unterpflasterbahn auf Charlottenburger Gebiet, an stelle der Hochbahn, ist der zwischen der Stadtgcmeinde Charlottenburg und der Firma Siemens u. Halske vereinbarte Ent- Wurf gestern dem hiesigen Polizeipräsidium zur Prüfung und Zu- stimmung zugegangen. Danach soll die Ueberführung von der Hoch- bahn zur Unterpflasterbahn derart erfolgen, daß ungefähr in der Mitte des Nollendorfplatzes eine Straße von Südeii nach Norden durchführt als Ersatz für die westliche Durchfahrt zwischen Nollendorfplatz und Kleiststraße, welche durch die an der neuen Durchfahrtstraße des Nollcndorfplatzes beginnende lieber- gangsrampe durchschnitten und für den Verkehr aufgehoben wird. Der Fuß der Rampe, an welchem die Bahn in eine Tunnelbahn übergeht, liegt an der Eisenacherstraße so, daß die Durch- fahrt dieser Straße durch die Kleiststraße erhalten bleibt. Zu diesem Entwürfe wird auch das Polizeipräsidium sich nunmehr zu äußern haben. In den Verhandlungen zwischen der Stadt Charlottenburg und der Firma Siemens u. Halske ist dieser dafür, daß sie anstatt der Hochbahn eine Unterpflasterbahn aus Charlottenburger Gebiet baut, welche erhebliche Mehrkosten verlangt, die Wetterführung der Unterpflasterbahn vom Zoologischen Gatten bis zum Wilhelmsplatz in Charlottenburg zugesagt worden. Fust-Fahrriider sind das neueste für die bcwegungslustige Spottwelt. Der„Internationale technische Courier" macht über die bereits patentttte Erfindung folgende Mittheilungen: Zur Fort- bewegung wird nicht die Körpcrkraft, sondern nur das Körpergewicht des Fahrers ausgenutzt. Der Anttteb geschieht durch das natürliche Vorwärtsschreiten des Läufers. Nach Art der Schlittschuhe werden die Fuß-Fahrräder befestigt und sobald dies geschehen, beginnt der Fahrer oder Läufer vorwätts zu schreiten. Durch diese Be- wegung hebt und senkt sich die an den Füßen befestigte und auf dem Angestell beweglich angebrachte Fußplatte, die mit den Ketten und Laufrädchen durch zwei Kurbclstangen verbunden sind, und so entstehen die Umdrehungen. Wie bei Fahrrädern kann die ins Be- lieben des Läufers gesetzte Schnelligkeit durch ungleich große Ketten- rädchen bewirkt werden. In die italienische Armee soll das Fuß- Fahrrad bereits probeweise Eingang gefunden haben. Ein Abendheim für Fabrikarbeiterinnen ist in der Brücken- straße 8 eröffnet worden. Es wird daselbst Mädchen, die in Schlaf- stellen wohnen, Gelegenheit geboten, die Abendstunden nach Schluß der Fabriken angenehm zu verbttngen. Sie finden Bücher, Zeit- schttften und Zeitungen, sowie Spiele aller Art, und die Möglichkeit, ihre Sachen auszubessern. Das Institut ist wochentäglich von 6—10, Sonntags von 4—10 geöffnet; warmes Abendbrot ist für ein gettnges Entgelt zu haben. Ein gigerlhaft gekleideter Mann wurde am Freitag Abend im Posamentierwaaren-Geschäft von Zander in der Wörthcrstraße IS dabei ettappt, als er eine Anzahl seidener Tücher unter seinen Mantel verschwinden ließ. Er entfloh, ward aber von zwei Arbeitern an der Ecke der Weißcnburgerftraße wieder eingeholt und der Polizei überliefett. Auf der Wache fand man nicht allein noch eine Anzahl gestohlener Tücher bei dem Dieb, sondern entdeckte auch, daß man es mit einer Person zu thun hatte, die schon mit S Jahren Zucht- hailS vorbestraft ist. Gegen die Berpachtnng des Terrain» der ehemaligen Borsiamühle zu Müllabfuhrzwccken wehren sich die Anwohner und Interessenten der umliegenden Bezirke auf das entschiedenste. Es wurden in dieser Beziehung Petitionen an das Polizeipräsidium, das in der Gegend gelegene Reichs-GcsundheitSamt und die Thiergatten- Verwaltung gettchtct. Soviel ist bereits erreicht, daß die Firma Borsig zugesagt hat. in eine Erneuerung des für XV* Jahr abgeschlossenen Vertrages mit der Staubschutz-Gesellschaft nicht zu willigen und die Erfüllung der lontrattlichen Bedingungen auf das genaueste zu überwachen. Zeugen gesucht. Personen, welche am Abend des 2. November vor dem Lokal von Keller in der Koppenstraßc den Konflikt beobachtet haben, der sich zwischen einem Passanten und einem Schutzmann abspielte, werden gebeten, sich bei Walter Sabatzky, Golzstr. 48, zu pielden. Au Hundewürmern gestorben. Der seltene Fall einer Hunde- Wurmkrankheit liegt dem Tode des Agenten S. Fittichauer zu gründe, der am vergangenen Dienstag zu Grabe gerragen wurde. F. hatte zwei Hunde, mit denen er sich sehr viel beschäftigte und von denen er sich nicht nur an Wange und Hand, sondern auch am Mund lecken ließ. Vermuthlich hatte der Agent eine kleine Wunde an den Händen oder im Gesicht gehabt, welche durch die Zunge eines der Thiere iirfizitt wurde. Der Hundewurm drang, während sich die Wunde schloß, in das Blut des Körpers, getteth in eine Ader und wurde durch die Blutzirkulation in das_ Gehirn geschlendert. Der Kraakheitsprozeß ging nun mit Riesenschritten vor- Watts, und obwohl die ersten ärztlichen Autotttäten sofort zu Raths gezogen wurden, erwies sich die Vornahme einer Gehirnoperation als unnwglich. Eine Rcvolveraffäre spielte sich am Sonnabend Vormittag 11 Uhr in der Oranienstr. 183 belegenen elektrotechnischen Anstalt von Richard Bosse ab, und zwar ist der Chef der Firma, Herr Bosse selber, das Opfer des von einem Mechaniker verübten Angriffs ge- worden. Der Angelegenheit liegt folgender Sachverhalt zu gründe. Am Donnerstag hat ein Arbeiter sein zehnjähriges Jubiläum in der Fabrik geseiett. Bei der aus diesem Anlaß veranstalteten Festlichkeit hatte der Mechaniker B r a tz ans der Naunynstt. 48 in der Trunken- heit mit einem Kollegen Stteit angefangen. Als Bratz am Freitag Morgen in der Werkstatt die Stteittgketten fortsetzte und trotz alles Zuredens rabiat blieb, erhielt er seine Entlassung Er ging mit Schimpf- und Drohreden aus der Fabrik fott, doch legte keiner der Arbeiter dem Gescheite des Mannes Bedeutung bei. Am Sonnabend Morgen erschien der Entlassene' wieder im Komplott der Fabttk und fragte nach dem Chef. Als Herr Bosse aus einem Nebenraum eintrat, zog Bratz schnell einen Revolver aus der Tasche und schoß ihn auf den Prinzipal ab. Dieser trat zurück und kam zu Falle, worauf Bartz auf den wehrlos daliegenden Mann noch wettere vier Schüsse abfeuette. Dann ging der Angreifer unter der Drohung, daß er jeden, der sich ihm nähere, niederschießen würde, auf die Straße zurüa und ließ sich dott von einem mittlerweile herbeigeholten Schutz- mann ruhig nach der Revierwache bringen. Herr Boffe, der inzwischen wieder zur Besinnung gekommen war, hatte glück- licherweise keine gefährlichen Verletzungen davongetragen; imnierhin waren zwei Schüsse, die ihn in der Hand getroffen hatten, so be- denklich, daß der zur Stelle gekommene Arzt eine Ueberführung nach der Klinik in der Ziegelstraße für nothwcndig hielt. Von dort ist Herr Boffe aber bereits wieder am Abend in die Fabrik zurück- gekehrt. Der Attentäter war seit einem Vierteljahre in der Fabrik be- schäfrigt. Er gab durch sein, nervöses Wesen den mit ihm zusammen- arbeitenden Kollegen häufig zu Bedenken Anlaß und allgemein>oar unter der Arbeiterschaft der Firma die Meinung verbreitet, daß es mit Bratz, der übttgens im hohen Grade schwindsüchtig ist,„nicht recht richtig" sei. Er steht im Alter von etwa 30 Jahren,' ist verheirathet und hat drei Kinder. Als sehr bezeichnend verdient noch der Umstand hervorgehoben zu werden, daß die erste Frage, die der Polizei Wachtmeister auf der Revierwache an den festgenommenen Bratz richtete, dahin ging, ob er etwa Anarchist sei. Dieser verneinte die Frage und gab als Grund des Angttffs an, daß er nur seine„Rache hätte haben wollen". Zu einer Diebesbande, die wegen eines großen Wetth- und Schmucksachen-Diebstahls zu Mannheim verfolgt wird, gehött nach der Bermuthung der Staatsanwaltschaft auch ein Berliner, der unter verschiedenen Namen aufttttt. Der verdächtige Berliner nennt sich Kaufmann v. Jardowsky oder Siegmund v. Jurnatowsky oder Janutowsky. Er reist mit einer Artistenfamilie K. Wunderlich aus Buchholz in Sachsen umher. Auf die Ergreifung des Handelsmannes Puhlmann aus Treuenbttetzen, der wegen des gegen den Mechaniker Töpfer aus Berlin auf der Beelitzer Chaussee verübten Raubmordversuches steck- btteflich verfolgt wird, ist vom Regierungspräsidenten eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt worden. Heute Sonntag, nachmittags 6 Uhr, spricht Direktor F. S. Archen- old auf der Treptow-Stern warte über die..W-lwntergangs- rophczeiungen" lKameten und Sternschnuppen) und giebt Anleitung für die Beobachtung der bevorstehenden Sternschnuppenfälle. Urania. Die im Laufe dieses Monats bevorstehenden Sternschnuppen- fälle werden am Montag, den 14. d. Mts.. in der„Urania" in eiiiein Vor- trage des Herrn Geheimrath Professor Förster besprochen werden. An den übrigen Tagen der Woche finden folgende Vorträge statt: Dienstag: Herr G. Witt„Spektralanalyse der Gestirne"; Mittwoch: Herr Dr. Heilbrun „Moderne Alchimie"; Donnerstag; Hr. Prof. Müller„Nacktsamige Pflanzen"; Freitag: Herr Dr. Naß„Die Porzellanfabrikation"; Sonnabend: Herr Dr. P. Spies„Elektrisches Licht".— Im Theater: Sonntag, Montag, Donnerstag und Freitag„Quer durch Oesterreich", Dienstag, Mittwoch und Sonnabend„Die Urzeit des Menschen". Feucrbcricht. Verschiedene Schadenfeuer waren vom Freitage zum Sonnabend abzulöschen. A ck e r st r. 129 entstand in der Eisen- gießerei vornials Kehlin g u. Thomas, und zwar in der Kern- macherci ein Brand, der aus das Dach übersprang und einen ganz bettächtlichen Theil der Dachkonstruktton einäscherte. Der Fabrik- bcttieb hat hierdurch keine Störung erlitten.— Ein gefährlicher Keller- brand war Köpenicker st r. 150 zu beseitigen. In einem Lager- keller hatten zwei Fässer Petroleum Feuer gefangen, das die Wehr längere Zeit beschäftigte. Der gesammte Kellettnhalt ging in Flammen auf.— Weilere Kellerbrände mußten R e i ch e n b c r g e r- st r a ß e 114, Steinmetz str. SO und W i e s e n st r. 40 abgelöscht werden. G a r t e n st r. 16S wurden Möbel und Kleidungsstücke ein- geäschert._ Aus den Nachbarorten. Charlottenburg. Montag, den 21. November, findet'' im 6. Kommunal-Wahlbezirk die Ersatzwahl für den ausgeschiedenen Stadtverordneten Hesse ffreis.) statt. Unsere Partei hat beschlossen, sich an der Wahl zu betheiligen und wird zur Einleitung der Wahl- kampagne heute Mittag 12 Uhr, in der Gambrinus-Braiicrei, Wall- straße. eine öffentliche Kommunalwähler-Versammlung abhalten, in der die Genossen Otto Siegrist und Paul Hirsch referiren werden. Wie man sich auf patriotischen Veranstalttingen zu „amüsiren" pflegt, dafür liefett der stattgehabte Bazar zum besten des zu erttchtenden Kaiser Wilhelm-Denkmals in Rix- d o r f einen interessanten Beleg. Beftemdete dieser Bazar an sich schon dadurch, daß er an einen Wochenmartt erinnctte, indem Kuchen, Brot, Eier und sonsttge Dinge feilgehalten wurden, die eigentlich mit der augestammten Treue zum Herrscherhause doch nur in einem recht losen Zusammenhange stehen, so hat er geradezu bei allen Gutgesinnten einen Sturm der Ent- rüstting hervorgerufen durch die— gelinde ausgedrückt— Zwangslosigkcit, die auf ihm herrschte. Daß die Be- suchcr des Bazars in die nöthige gehobene Stimmung gelangten, dafür sorgten drei Büffets, welche in einem Maße in Anspruch ge- nommen wurden, das nichts zu wünschen übrig ließ. Die Begeiste- rung— nicht etwa patttotische— begann allmälig manche hohlen Köpfe zu füllen. So hat sich unter anderen auch ein Kaufinann durch eine schneidige Attacke auf einen mit Eiern gesüllten Korb, dessen Inhalt er zu Rührei zerschlug. rühmlichst hervor. Nachdem er� die Kosten für dieses kindliche Ver- gnügen im Interesse des Denkmalfonds geblecht hatte, fand der Herr für feine Knickeier keine bessere Verwcrthung, als sie im Saale uniherzuwerfen und mit diesen absonderlichen Wurf- geschoffen Menschen und Sachen zu gefährden. Glücklicherweise waren es keine faulen Eier, sonst wäre die Geschichte noch anrüchiger ge- worden I Der Ruhm(oder Rum) einer solchen Schneidigkeit tteß einen ehrgeizigen Restaurateur nicht ruhen, eifette denselben viel- mehr zu unlauterem Wettbewerbe an. So ttchtete denn dieser Biedermann unter den offiziellen Zylinderhüten der Herrenwelt eine fürchterliche Verwüstung an. und jeder, der seine Angströhre vor dem Schicksale des Eingetriebenwerdens bewahren wollte, mußte sich durch eine„Lage" loskaufen. Dieser Herr scheint übrigens eine besondere Vorliebe für eingetttebcne Zylinderhüte zu besitzen, denn er besitzt bereits eine Sammlung derartiger Raritäten. Die Büffets wurden von Damen bedient. Ein sehr gangbarer Attikel waren die sogenannten„Küsse", welche von den Herren verlangt und von den Damen verabfolgt wurden. Allerdings waren dies nur„Liköre", aber diese Kußgeschichte ist immerhin in ihrer Att nicht minder bezeichnend, wie die Thaffache, daß sich ein vornehmes Töchterlein Herren anf den Schooß setzte und mit denselben Zigarren qualmte. ES ließe sich noch so mancherlei Intimes erzählen von den Freuden deS BazarS, doch genügt es, zu erfahren, daß man in betheiligten Kreisen große Mühe aufwendet, die über derlei Vor- kmsimmffe entrüsteten Gemüther zu beschwichttgen und die Dinge zu vertuschen. Wnnim auch nicht? Dem Denkmalfonds sind mehrere Tausend Märkchen zugeflossen— wie heißt? Der Zweck heiligt die Mittel! Für den Ba» eine» neuen Krankenhauses in Weißcnfce wird am Montag der Grundstein gelegt. Das Kraukenhaus ist eine Stiftung des„Vaterländischen Frauenvcreins", welcher den Bau ausführt und die Leitung und Erhaltung der Anstalt übernimmt. Rücksichtslosigkeit der Eiscnbahnbchörde. Zu erregten Szenen kam es am Sonnabend Morgen auf den Südring-Bahn- Höfen Ripdorf und Schöneberg. Wider Erwarten haben die nächt- lichen Arbeiten an der Unterführungsstelle bei Stralau-Rummelsburg sich bis Sonnabend früh hingezogen, wodurch der Verkehr auf dem östliche» Südringe wiederum, wie am Vortage, unterbrochen war. Auf den Bahnhöfen sammelten sich hunderte von Arbeitern an, welche von halber Stunde zu halber Stunde vergeblich auf die fahrplan- mäßigen Trains warteten. Auf den Bahnhöfen war weder durch Anschlag noch in sonstiger Weise den Fahrgästen von der Verkehrs- Unterbrechung resp. von der Dauer derselben Keuntniß gegeben und so kam es, daß die vielen Hunderte zu spät nach ihren Arbeitsstätten resp. den Fabriken kamen. Die hierdurch geschädigten Arbeiter ge- ttethen in eine erklärliche Erregung und auf dem Bahnhof Schöne- berg drang eine größere Zahl von Personen in das Dienstgebäude, wo es zwischen dem Stationsvorsteher und den auf die Züge Harrenden zu einem Wottwechsel kam. Erst um>/s7 Uhr wurde der ordnungsmäßige Bettieb wieder aufgenommen. Ein verbrecherischer Anschlag ist gegen den Gettchtsvollzieher Strunck in Spandau vollführt worden. Als der Beamte nachts schlief, wurde von der Straße her eine mit Wasser gefüllte Wein- flasche durch das Fenster in sein Zimmer geschleudett; die Glas- splitter der zettrümmerten Fensterscheibe und die Bruchstücke der Flasche wurden auf dem Bett, das dicht am Fenster steht, und dem Fußboden zerstreut; der Beamte blieb aber unversehrt. Er erwachte natürlich und trat ans Fenster, auf der Straße vor dem Hause sah er. einen Unbekannten davoneilen, der, wie später wahrgenommen wurde, noch eine gleiche Flasche ani Thatort zurückgelassen hatte. Thcafvr. Wochen- Spielplan der hiesigen Bühnen. Freie Volks- b ü h n e, 23/4 Uhr, Friedrich-Wilhelm städtisches Theater. U. Mtheilung(blaue Karten): Liebelei und Lumpenbagafch.— Opern- Haus. Sonntag, den 13.:„Margarethe". Montag, den 14.:„Mignon". Dienstag, den 15.:„Lohengrin". Ans. 7 Uhr. Mittwoch, den Iß.: Konzert des königl. Opernchors. Anfang Uhr. Mittags 12 Uhr: Oeffentliche Konzerlprobe. Donnerstag, den 17.:„Der Evangelimann".„Phantafien im Brcincr Rathsleller". Freitag, den 18.: Zum ersten Male:„Don Onttote". Sonnabend, den 19.:„Tannhäuser". Sonntag, den 29.:„Die SMinme von Portiei".— Schauspielhaus: Sonntag, 13.:„Auf der Sonnen- scite". Heinrich Wulkow: Herr Emil Thomas a. G. Montag, 14.:„Anf der Sonnenseite". Herr Emil Tdonias. Dienstag, 15.:„Herostrat". Mittwoch, 16.: Geschloffen. Donnerstag, 17.:„Auf der Sonnenseite". Herr Emil Thomas. Freitag, 18.:„Othello, der Mohr von Venedig". Sonn- abend, 19.:„Auf der Sonnenseite". Herr Em.il Thomas. Sonntag, 29.: „Herostrat".— Im Neuen königl. Opern-Tbcater(Kroll): Sonnrag, 13., nachmittags 4 Uhr:„Die Journalisten". Sonntag, 29.:„Hamlet, Prinz von Dänemark".— Der Spielplan des Deutschen The/aters wird in dieser Woche fast ausschließlich von Gerhart Hauptmann's neuem Schauspiel„Fuhrniann Henschel" ausgefüllt, Das Stück ionuut vom Sonntag bis eiiiichüeblich nächsten Sonntag zur Aufführung außer am Mittwoch, wo das Theater des Bußtags wegen ge- schloffen bleibt, und am Freitag, wo„Cyrano von Bcrgerac" gegeben wird. Als Nachmittags- Vorstellung bringt der heutige Sonntag„Nora"; am nächsten Sonntag fällt die Nachniittags-Vorstellnng der Todtcnfeier wegen aus.— Im' L e s s i» g- T h e a t e r setzt sich das Repertoir der nächsten Woche wie folgt zusammen: Am Sonntag Abend, am Diciistag, Donnerstag und Sonnabend geht Hermann Vahrs Komödie„Der Star" in Szene. Am Montag und Freitag wird Oskar Blnmcnthal's und Gustav Äadelbtirgs Lustspiel„Im weißen Rößl" gegeben. Am heutigen Sonntag Nachmittag findet eine Wiederholung de? Schauspiels von Hermann Sndcrniann„Glück im Winkel" statt. Am nächsten Sonntag, das ist ain Todten-Sonntag, wird abends das neu einstudirte vieraktige Schauspiel von Oskar Blumenthal „Ein Tropfen Gift" mit Frau Hedwig Niemann- Rabe als Hertha auf- geführt. Am Mittwoch bleibt das Theater des Buh- und Bettages wegen geschloffen.— Neues Theater.(Direktion Nuscha Nutze.) Spiel- plan der neuen Woche: Sonntag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, Sonn- abend und Sonntag Abend„Hosgunst". Am Mittwoch(Bußtag) bleibt das Theater geschlolien. Am Sonntag Nachmittag wird bei volks- thümlichcn Preisen„Frauenkamps" von Scribe und der Einakter„Papa kommt" wiederbolt. Nächsten Sonntag findet des Todtcnsestes halber keine Nachmittags- Vorstellung statt.— Der Spieiplan des Residenz- Thearers bringt für die Woche die letzte Aufführung von„Der Herr Sekretär" am Montag, während am Dienstag zum ersten Male der Schwank„Mamsell Tourbillon" von C. Kraatz und H. Stobitzer und der Einakter„Der Küchenjunge"(1897) von Adolphe Aderer, deutsch von Franz Wagenhofen gegeben wird. Mittwoch bleibt das Theater des Bußtages wegen geschloffen; von Donnerstag an steht„Mamsell Tourbillon" auf dem Repertoire— nur der Sonntag macht eine Ausnahme, an dem des Todtensestes wegen Halbes„Jugend" zu einmaliger Aufführung in einer Abendvorstellung gelangt.— Theater des Westens. Das Repertoir der Woche bringt Sonntag, Montag und Donnerstag Wiederholungen von „Der Prinz wider Willen". Am Dienstag als volköthmuliche Vorstellung zu ermäßigten Preisen„Martha oder Der Markt zu Richmond" mit Herrn Werner Aiberti als Lnonel, nächsten Freitag und Sonntag neu einstuditt Carl Maria v. Wcbcr's„Freischütz" und Sonnabend„Die Hugenotten". Für Mittwoch(Bub- und Bettag) ist eine Aufführung des Mendelssohn'schen Oratoriums„Elias" unter Mitwirkung der Kammer- sängcr Eutil Goetze und Eduard Feiler, sowie des Otto Schmidt'schen Cborvereins zu ermäßigten Preisen angesetzt.— Im Schiller-Theater kommen Sonntag Nachmittag als erste Vorstellung im Schiller- Zyklus„Die Räuber" zur Aussühnmg, abends wird Wolzogene Lustspiel„Das Lumpengesindel" gegeben. Montag und Donnerstag wird „Wilhelm Tell", Dienstag und Freitag„Das Lumpengefindel", Sonnabend „Hasemann's Töchter" wiederholt. Mittwoch(Bußtag) flndet ein geistliches Konzert unter Mitwirkung von Marie Götze von der königlichen Oper statt. Sonntag, den 29. d. M.(Todtensonntag), wird Shakespeare s Trauerspiel ..Romeo und Julia" gegeben.— Im Z e n t r a l- T b e a t e r geht Sonntag Johann Strauß' einst vielgegebenc drciattige Operette„Der lustige Krieg" in der Reihe der Nachmittags-Borstellungeii in Szene. Abends gelangt wieder„Die Geisha" zur Aiisftihrnng.— Das Metro pol- Theater vcranstältet heute das erste, seiner„Militär-Promenaden- konzerte", welches um 3 Uhr nachmittags beginnt und von der geiaimnten Kapelle des 2. Garderegiments ansgesührt wird. Der Schluß des Konzertes ist gegen 6 Uhr festgesetzt. Um Va8 Uhr abends findet die letzte Solintagsvorstellnng der AuSftattungspoffe„Das Paradies der Frauen" statt.— Da für die Nachmittage m der Weihnachtszeit im Olympia- Theater ein Märchen vorbereitet wird, können nur noch wenige Sonntagnachmittags- Aufführungen von„Mcne Tekcl" stattnnden. Abends bleibt s.Mene Tckel" ständig aus dem Repertoir.— Im Apollo- Tbeater tritt der bekannte Komiker Herr Ziobert Steidl wieder auj. Außerdem wird das reichhaltige Monatsprogramm ansgesührt. VevTsunmIttttgen. Die Tapczircr hielten am 1. November eine kombinirte Ver» sammlung ab. Wels gab den Bericht der Agitationskommission. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß im letzten Quartal 19 Werk- stätten-Sitzungen, 10 Sitzungen der Agitationskomniifsion und 3 der Vertrauensniänner stattgefunden haben. Arbeitseinstellungen fanden im Jahre ö statt, wovon 3 mit Erfolg endeten. Für die Firma A. Wert he im werden ans Anlaß des Streiks Arbeiten bei Schulz in der C h o r i n e r st r. 33 angefertigt und wird diese An- gelegenheit die Oeffentlichkeit noch eingehend beschäftige», zumal ausreichendes Material über vorhandene Mißstände bei der Firma Wertheim znr Verfügung stehe. Der Streik bei Flatow u. Briemcr habe der Organisation, trotzdem er nur zwei Tage andauerte, 160 M. gekostet, indem dort 30 Kollegen und 40 Näherinnen die Arbeit einstellten. Es sei. wie dieser Fäll beweise, eine andere Regelung beziehentlich der Auszah- lung von Stteikunterstützung in die Wege zu leiten. Er, Redner, schlage vor, die Streikunterstützung in der bisherigen Höhe mir dann zu zahlen, wenn der Sttcik die Dauer von 3 Tagen übersteigt, die Untentützungsfrage bei kürzerer Dauer müsse dem Ermeffen der Agitationskommifsion unterliegen. Bei Differenzen in den einzelnen Betrieben empfehle es sich, die Regelung unter den in der Wcrlstatt beschäftigten Kollegen zu versuchen' Ucberall, Mo eine Arbcitsnicder- legung die unnusbleiviiche Folge sei, müsse zu den Sitzungen min- bestens ein Mitglied der Agitationskommission bestellt werden. Leider werde von einer Seite der Agitationsiommission bei ihrem Vor- gehen fortwährend Lpposition gemacht, daher stelle er im Auftrage der Kommission— auhcr einem Mitglicde— die Vertrauensfrage. Tg die Kommission sich fortwährend neu gebildet habe, ersuche er die Versammlung, bei der jetzigen Neuwahl nur solche Kollegen zu wählen, die Lust und Liebe haben, für die Organisation agitatorisch zu wirken. P ö n i ck e erstattete hiermit den Kassenbericht. Derselbe umfaßt die Zeit vom 10. Juli bis 7. November. Die Einnahmen betrugen 566,15 M., die Ausgaben 260.54 M.. bleibt Bestand 305,61 M.' Auf Listen gingen ein 246,03 M., es bethciligtcn sich an diesen Sammlungen 18 Werkstätten. Die Jahresabrcckinung weist in der Einnahme 1099,51 M., in der Ausgabe 793,90 M. auf. Ergicbt wiederum einen Bestand wie vorher von 305,61 M. Auf Antrag Fried- m e i e r' s wird der Kassirer entlastet. In der hierauf folgenden Dis- kussion griff Gaschke als Mitglied der Agitationslommission die Mit- glicder derselben scharf an undbemängelte die geübte Taktik, insbesondere gelegentlich der Lohnbewegung bei' Hehmann in der Oranienstratze. In diesem Falle sei die Arbeitseinstellung nur durch das rigorose Vorgehen einiger Kommissionsmitglicdcr vereitelt worden, waS zur Folge hatte, daß die Kollegen zu den alten Bedingungen weiter arbeircn mußten. Der Kommission sei ein Mißtrauensvotum zu erthcilen. Bechert und Leo Schmidt sprechen sich für, Holz- ammer und Kielmeier gegen die Thätigkcit der Agitations- kommission aus. Ein von Strauß gestellter Geschäftsordnungs- antrag, die beiden am Dienstag, den 15. November, fälligen Mit- glicdervcrsammlungen ausfallen zu lassen und statt dessen eine neue außerordentliche kombinirte Versammlung nach den Arminhallen ein- zuberufcn, gelangte hierauf zur Annahme. Zum Schluß wurde Bechert in den Ausschuß gewählt. Briefkasten der Kedakkwn. Tie jurislische St>rcchst»»dc wird Ticustogs, Tounerstags und Freitags abends von 7ftz bis 8V2 llhv abgehalten. K. M. 203. Die Frage ist unverständlich. Wer hat den Boden ge- miethet?- W. M. 3 Monate.- H. W. 100. Ist richtig.- S. B. Beantragen Sic bezüglich aller dieser Pmttle die Kostensestictzung jedensallö. — H. L. Beantragen Sic Nnchlahrcgulirung beim Gericht.— A. 0!. 23. Zu 1: Nqn. Zu 2: Damit erledigt fch diese Frage.— 3t..ö. 14. Wiederholen Sie jetzt noch einmal die Frage.— B. Z. 14. Es gilt der ganze Tag.— Stosch. Reklamircn Sie.— 31. W. 5ä5. Das Fräulein soll in uusere Sprechstunde kommen.— Bogt. Kommen Sie in die Sprechstunde' — Hofsmann. Abbestellung ist unzulässig.— G. S. 43. Sie können daS Urthal zugestellt verlangen. Legen Sie evenwell Beschwerde ein.— F. R» 3 M. Dazu treten dann Schreibgebührcn und Auslagen.— W. F. 0. Hnmann. F. L., Friedenstr. 00. Der Sachverhalt ist nicht klar dar- gelegt.' Wiederholen Sie die Anfragen unter. ausführlicher Klarlegung des Sachverhalts.— I. V. T. Einwilligungserllärung ist erforderlich.— Witternngsnbersicht vom 12. November 1898, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien V s SE 2= 767©O 765IOSD 700 SO 705 O 766 SO 768 SO Wetter 4 Dunst 2 Nebel bedeckt bedeckt 2 Nebel 2!w olkig ts 9t c 5» Stationen Haparanda Petersburg Cork 4 Aberdsen Paris L s S E i? 82 s- 762 769 753 756 760 NW SW W SSO SO Wetter hlb.bed. ? bedeckt dNegen 5 bedeckt hlb.bed. es St x- § e» w?, 3 4 12 10 ä Wetter-Prognose für Sonntag, de» 13. November 1898. Zeitweise aufklarend, vielfach nebelig bei schwachen südöstlichen Winden und langsam steigender Temperatur; keine oder unerhebliche Niederschläge. 2. Wahlkreis. Sonntag, den 13. Nov., abends efta Uhr, bei Znbell, Llndenstr. 106: (Dcflfeufl. Derlntttinluttg. Tages- Ordnung: 211/6 Vortrag deS Genosien Seiumel über:»Genosfenschaftsbewegung». Nachher: l'sn-.__ Der Vertranensmami. Sozialdemokratischer Mahlverein für den 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Montag, den 14. November, abends 8ftz Uhr, im l Fustpartie über Johannisthal, Adlershof nach Grünau. Abfahrt 7i/2 Uhr früh, Görlitzcr Bahnhof. Für Familien und Nachzügler Treffpunkt nachmittags im Lokal des Herrn Lindenhavn, Grünau, Friedrich- und Wilhelmstr.-Eckc._ Sozialdemokratischer Wahlverein sür den L Berliner Reichstags-Wahlkreis. (Südosten.) Montaa. den 14. November 1898. abends 8t/z Uhr, im Lokale des - Herrn Brüder, Waldcmarftr. 75: W?" c f f« m ju Ut»t fl. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Biehard Fischer Lehren aus der Landtagswahl. 2. Diskussion. 3 �Vereins angelegen- heiten. fly Neue Milglicder werden aufgenommen. Zahlreiches Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. 243/12 Der Forsiaad. Sozialdemokratischer verein sür den 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Donnerstag, den 17. November, abends 8V3 Uhr, Im Rosenthaler Hof, Roscnthalerstrasse XI— 12: Uy V«rfs»n»nlung."Mz Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Gcnoffen Bohert Schmidt übet:„Streiflichter über einige theoretische Fragen". 2. Diskussion.� 3. Vereinsangelegeuhciteii. Um zahlreiche Bcthetligung ersucht 245/12 Der Forstand. Acht««g! ß. Wahlkreis. A«>>»» (Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen.) Dienstag, 15. Foremher, ahds. SV2 ihr, in IFeimann's Folksgarten, Badstrasse 50: Uollts- Uersamminng Tages- Ordnung: 1. Unsere Taktik. Referent Liebknecht, 2. Diskussion. Zahlreiche Betheiligung erwartet 220/9 Ber Fertranensmann. SMer. Täschner. Koffemacher. Treibnemeuarlietter. Wagensaltler. vLeustsg, Sea IS. ktovemder, abäs. Lv-- Ukr: Oeffentliche Versammlung im Lokale von Brochnow, Sebastianstr. 39. Tages-Ordnung: 1. Die Bedeuwng der Gcwerkschaftsorganisation im Emanzipationskampfe. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Streik bei Fischer& Richter. 4. Bericht der Delegirten von der Gewerkschafts- Kommission. 5. Neuwahl des Delegirten. 6/ Aerschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 157/0___ Die Agitattonskoininlsslon. Hausdiener, Packer, Kutscher! Mitglieder des Verbandes aller im Handels- u. Transvortgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter Berlins. Bureau: Kommandanten-Strabe Nr. 25. Rente Sonntag, den 13. Wovcmber, nachmittags 5 Fhr, im„Englischen Garten". Alexanderstraste 3!r. 27«: Große öffentliche Versammtnng TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Adolf Hosfmann über:„DaS Arbeiter- Elend und die zukünftigen Zuchthäusler." 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Nach der Versammlung: Gr. Tanz verbmiden mit komischen Vorträgen. Versammlung für den 9torden bei Bergmann. Pasewalkerste. 3. Tages-Ordnung: 67/14 1. Vortrag deS Genossen Mohs über:„Der Gewinn aus der Arbeits- kraft und die Arbeitsentschädigung." 2. Diskussson. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung; Geinnthliches Veisamniensei» mit Tanz. Um zahlreichen Besuch bitten Die Einberufe'r. äi'äiilieii-lllitei'ztiikiiiigzluilill der Schneider (Filiale Berlin).„,... Dienstag, den 15. November, abendS 8Vz llhr: IM" DerlAmmlnng"MZ im Saale der„dtrmlnhallen", Kommandantenstraske Nr. 20. Tages-Ordnung:,... 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1698. 2. Wahl der gesammten Lokal- berwaltung für das Jahr 1899. 3. Verschiedenes. 160/14 g/fT Mitgliedsbuch legitimirt."Wi Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Kahlstelle Berlin. Dienstag, den 15. November 1898, abends 8-/. Uhr, bei Oohn, Beuthstraste Nr. 20 22: V ertranensmänner- Versammlung für sämmtliche Bezirke und Branchen. Tages-Ordnung: Die Resultate unserer statistischen Erhebungen. Referent: Kollege Kunze, Werkstattstreiks und Differenzen. Berbandsangelegenbeiten. Jede Werkstatt muft vertreten sei». Montag, den 14. November, abends Uhr: Bezirks- Versammlungen. (Dklv vvk ItOrMfli: bei Rann, Strausjbcrgerstr. 3. Tages-Ordnung: 1.„Die Gewerklchaftsorganisation im Emanzipationskampse." Referent: Genosse Slliier. 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangelcgenhciten. 4. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, nickst nur selbst zu erscheinen,! oudem auch für regen Besuch der Versammlung zu agikircn. Frauen uud Nicht- Mitglieder haben Zutritt, letztere können sich einschreiben lassen. Die Versammlung wird laut Beschlnst pünktlich er- öffnet. Rostüthalkr liilil Zchmliliilskr JiDtstairt: Schwedterstras-e 23 bei IFcrnau. Tages-Ordnung: Vortrag. Diskussion. Wedding und Gesunddnlvntn: im Lokale des Herrn Baabe(Kolberger Salon). Kolbergerstr. 23. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Weyl über:„Essen und Trinken." 2. Diö- kussion. 3. Ergänzungswahl zur Aomckission. 4. Verbandsangelegeuheiteu. Gäste, auch Nichtverbandsmitglieder, haben Zutritt. Moabit: bei Hönes, Stromstr. 28. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Kollegen»ob». 2. Diskussion. 3. VcrbandSangclegen- heiten. 4. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind sämmtliche Kollegen Moabits eingeladen. IrfiüdfilKSbll'g bei Heinecke, Friedrich Karl st r. 11. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Oiitb über:„Unteruestmerorganisaiioil." 2. Diö- kussion. 3. Wahl einer Kontrollkouiinission. 4. Bcibandsangclcgciihcitcn. Die Kollegen der Werkstcllen von NoII»tein, Frankfurter Chnusscc. Ill-a», Sagenfttaste. k>vb>, Friedrich Karlsttaße, und Mokier, Schamweveistraße, sind hiernlir besonders eingeladen. �ltldlilhStlidl: bei Bnhe, Prinzen Allee 30: Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Ottilie gaeder über:„Die Hebung der Arbeiter- klaffe m»fl ihr eigenes Werk sein." 2. Diskussson. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch mit Frauen wird gebeten. Gäste sind willkommen. � Montag, den 14. NoNembcr 1898. abends 8 Uhr: Vrallche,»Versammlung der Kammmacher und Bernfsgenoffen im Lokale des Herr» Dicke, Arterstraste 123. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Franz Stiuche. 2. Diskussion. 3. Interne Branchenangelegenheiten. Kollege»! Wir ersuchen Euch in Eurem eigenen Interesse, für diese Ver- sammiung zu agitiren. Nichtmitgiieder haben Zutritt. Beiträge und Ans- nahmen werden in dieser Versammlung erledigt. 159/5_ Der Obmann. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Fern alt ungsstclle Berlin. Dienstag, den 15. November, abends 8 Uhr, i» Gründel'S Salon, Brnmienstr. 188: aller in der khinirzislhni zdusstir ksl». Slrttite». Mtiteinnra, Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen(steorg Wagner über: Kurpfuscherei. 2. DiS- kussion. 3. Bcschlussfassuua über unser Vers-mmlungsiotal. 4. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes.- Dienstag. 15. Novbr., abends 8� Uhr, im Lokal von Ohrlstoph, Steinmetzstr. 55; Vezirks-Itrsliiiluilüilg für Riximf uni) Umgtgciid. Tagesordnung: 114/12 1. Vortrag des Herrn Adolf Hoffmann über:„Das moderne Nanb- ritterthum." 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangelegcnheiteii und Verschiedenes. in} Gäste haben Zutritt."WN Um zahlreiches und pünllliches Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen ersucht __ Die Ortsverwaltung. Äiukgiesser niid Sdirzei*. Dienstag, den 15. November ct., abendS SVj Uhr, im Lokale des Herrn Sehnrnaeher, Pücklerftraste 49: Trdentliche Sencwliifrfdiiiiiilunß des Vereiils zur Wihruug der Zuterejsen der ziiikgitjjtr uud Ztürzer Berlius uud Üuig. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Ersatzwahl des Vorstandes. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes. 260/5 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. verband der Graveure u. Ziseleure veuMlands (Flllnle Berlin). Dienstag, den 15. Nov.. abends S1/» Uhr, im Dresdener Garten. DreSdenerstr. 45: Filial-Versa»n»ttlktng. TageS-Ordnung: I. Geschäftliches. 2. Vortrag:„Der moderne Stil". Referent: Herr Dr. Jessen. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 87/8 Tie Ortsverwaltung. UeNli!» dtt Tapejittr. Dienstag, den 15. November, abendS 9 Uhr, in de» Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Koiiidiuirte Mgliedtr-Ptrslliiüuluug beider Kliultu. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Diskussion über den Bericht der Agitationskommission und Neuwahl derselben. Bericht der ArbeitSnachweis-Kommission und Neu- wähl. Bericht der Bibliothele.. uud Wahl derselben. VercinSangelegcnhcit. 178/11 Die beiden Filial-Versammlunaen fallen an dem Tage aus.' Die OrtSverwaltungen. Verein öeutseder Schßhmciier. am Montag, den 14. d. M.,«l'cnds Nhr. sahlsiclle I bei Fslad, Weinstr. 11. Vortrag. mhlstcllc ll bei I.ange, Dragonerstt. 15. Vortrag beS Ge». Jabn. whlstellc III bei Oohn, VeutHstr. 20. DortraK. Zahlstelle(F bei Roll, Adalberlstr. 2l. Vörttäss vom Kall, llowag. MYlstesse Frledrlelishrrg bei R'aklavrlnck, Frankfurter Allee 160. J ahlstelle IVelsscnseeti. Pfelfenniüller, König-Chaussee 38. ahlstellc Chnrlotteahrirg bei Beyer, Wallstr. 96. - Sonntag, den 20, d. M., abends 7 Uhr: Oomlltbllobe» kel- »ammenseln bei Oobn, Beuthstraste 20.— Donncrstag, den 14. M.: Vor- »tandsslttuog. Die Kassirer der Zahlstellen werden ersnchi, die Mitglieder- Verzeichnisse(Kassenbücher) mit zur Stelle zu bringe». 272/17 Die Drtsvern-altnng. AMmig! Achtnnv! Dienstag, den 15. November, abends Sl/2 Uhr. in den Arminhallen. Äomoiandmitenftrave Nr. 20. Bombinirte Mitglitder- Versammlung der Filia c» Berlins»nd Umgegend. Vereiilixmix äer Eitler, Irllt'Iiii'or w. venv. Ber. Dentselil. Tagcs-Ordnnng: I.. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht der Delegirten von der Generalveriämmlniig. 2. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 125/5 Der Forstnnd. Aktztunfl!"WZ W" Achtung: Grsfctttliche Perlammlung der iu Holzbearbtituulis- M'iktu btsDßlg'M Arbeittt Berlins und ltmgcgetto g am Montaa. de» 14. November 1898'. aVeudS 8>/i Uhr, im„Englisehen Garten", Älexäudcrstr. 27 e. Tagesordnung: 1. Bericht der Siebener-Kommission in Sachen Zimpel-Schadow ooirir» Drcizehucr-Kommission der Allgemeinen OrtS-Krankenkasse.(Die Dreizehirer- Kommission ist hierdurch zu dieser Versammlung eingeladen.) 2. Wie stellen sich die Kollegen zur bessere» Ausgestaltung des Gcwcrlschaftsburcaus. 3. Wa»I der Revisoren. 4. Angelegenheit Remling. 5. Regelnug der Streik- Unterstützung. 6. Gewcrkschastlichcö. Der wichtigen Tagesordnuilg halber ist das Pünktliche Erscheinen sämmt- kicher Kollege» unbedingt nothwendig. Ter Vertrauensmann. XL. Ich bitte, diele Versammlung nicht mit der heute Nachmittag 5 Ubr bei Keller, Kappenstraflc, stattsindenden Mttglicdcr-Bcrsammlung der Filiale I mit daraus solgcndem Kränzchctt zu verwechseln. D. O. 82/18 Verband der Stnckatenre. Montag. �cn 14. November, abendS K.Uhr, bei Snske, Grenadierstr. 33: Attherordetttliche Verfa»mttllmg. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Anträge und Dislnssion zum Der« bandStag. 3. Verschiedenes. 173/17 Zahlreiches und pünllliches Erscheinen envartet Der Forstand. IPseliverein der Musikinslrumenlen- Ar Keiler und Berufsgenossen Berlins und Umgegend. 3� e v v e np a v tt c am Zinsstag nach dem<-!r»nes,-at>t. Abfahrt Tchlcsischer Bahnhof früh 8 Uhr. 10 Uhr Abmarsch von Virkenwäldchen über Pichelsbcrge zum Fiten Freund. Die Kollegen werden ersucht, sich recht zahlreich einznsindcn. 143/7 Der Vorstand. ßlotiel und Wohnuugs- Ginrichtunaen zu Fabrllc-Frelsen. SiD/ntit Tischlermeister, SutvUW, invalidenstr. 13. Lager: Parterre u. I. 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Die Delegirten werden um pünktliches Erscheinen ersucht. 288/16 Der Borftand. BiUtgste Bezugsquelle für Zurückgesetzte Teppiche, Pracht- Exemplare h 5, 6. 8, 10—100 M. Katalog gratis. 184018' Sophastosf- Reste! einfarbig und bunt, spottbillig. Muster franko. S.Unger, Teppich- u. MSbelstofs-Speziaigeschäft. MMern-Heliillßtsdjäst Die Beleidigung, die ich dem Schuh- macker Lietz, Mattenburgerstt. 30a, zugefügt habe, nehme reuevoll zurück. Frau Jänich, Höchstestr. 4. 2111b C. M. Schmidt, 6026L» Berlin. Andreasftr. 59, vorn 1 Tr. Größte Auswahl gerissener tSänse- federn und Daunen Pfd. 1, 2 biS 8 M Fertige Betten 9, 16 u. 18 M. Bettfedern Pfd. 36, 60 u. 70 Pf. fertige Selten SÄ;» Betlfedem, Daunen, Inletts, Bezüge, Matratzen, Bettstellen. Billigste Preise. A. Wernep, Kommandantenstr. 43. Tägl. v. morgens 8 bis abends 11 Uhr Warme KUcbe. Mlttagatlsch. z. jdjtitef, i.vä Berichtigung! Theile den w. 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St. 267. 15 ■ Mm 2. leihst i>ts Dlmlk" Ittlinn Jlollisliläl!. Zoillllxg, 13 JODCIIllitt 1898. Vcrsnnttttlttngcn. In einer öffentlichen Arbeiter- und Arbeiterinnen- Vcr- sammlmlg am Donnerstag rcfcrirte Genosse Jahn über:»Die Armenunterstützung, infolge der Hungerlöhne, welche in Patzpen- fabriken und Lumpcnsortiranstaltcn gezahlt werben." In Verbindung mit den, bereits in früheren derartigen Versammlungen erfolgten Mitthcilungcn von Arbeitern und Arbeiterinnen mutzte auch diesmal wieder kouslatirl werden, das; Lohn- und Arbeitsverhältnisse in jenen Betrieben geradezu jämmerlich sind. Trotz der äußerst anstrengenden und gesundheitsschädlichen Beschäftigung mit Lumpen und gebrauchten Verbandstoffen, die leider immer noch aus Krankenanstalten zc. verkauft werden, ohne daß eine genügende Kontrolle stattfindet, erhalten die Arbeiterinnen 6— 7 Vi. Wochcnlohn. Dazu kommt noch eine wider- wariige Behandlung und Ucbervortheilung beim Abwägen der Kiepen:c. Eine Anzahl Unregelmäßigkeiten sind erst durch die in öffentlichen Versammlungen crsolgtcn Mittheilungen beseitigt worden. Wie Schumann noch besonders hervorhob, sollen in den Betrieben von Samuel Meyer, sowie bei Brandt noch Unregelmäßigkeiten und überlange Arbeitszeit bestehen, ohne daß es der Behörde bekannt zu sein scheint. Dagegen wurden die organisirten und„ver- dächtigen" Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen und Aufpasser in die Versammlungen geschickt, um die übrigen einzuschüchtern. Auch in dieser Versammlung war wieder ein Meister anwesend, der aber bald verschwand. Einem Redner, der die Gründung einer Produktiv-Genossenschast empfahl, wurde von Jahn unter lebhaftem Beifall der Versammlung die Unnwglichkcit einer solchen Idee nahe geführt, da zunächst die Organisation nur Abhilfe schaffen könne, und zwar der«Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter k.' — Die Besprechung über die Einstellung eine? zweiten Gcwcrkschafts sekretärs bezw. Errichtung eines Arbeitersekretariats in Berlin soll in einer nächsten öffentlichen Versammlung erfolgen. Die Maurer der zentralen Richtung hielten am Mittwoch sechs Versammlungen ab. Im Lokal KönigSbank, wo über 400 Personen anwesend waren, rcfcrirte Schulze aus Charlotten- bürg. Redner meinte, daß von dem Koalitionsrechte der Arbeiter heute kaum noch die Rede sein könne. Die Unterdrückung der Arbeiterschaft sei eine so hochgradige, daß mit Hilfe der Polizei- und Staatsgewalt jede Auflehnung gegen die Ausbeutung seitens der Unternehmer unterdrückt werden könne. Als Beweis führte Redner die hohen Strafen an, die denjenigen zu theil werden, welche vereint mit ihren Mitarbeitern für die Verbesserung ihrer Lage einttetcn. Der Schutz, der heute den Unternehmern zu theil wird, müßte dem wirth- schaftlich Schwächeren zur Seite stehen. Die Staatsgewalt sollte dann auch Front machen gegen die kulttirfeindlichen Aussperrungen ganzer Berufe, die die Untenichmcr-Vcrbände organisiren. Nicht ist es die Sttciklust der Arbeiter, welöbe zu den oft so unliebsamen Exzessen führt, sondern die Schuld trifft im allgemeinen diejenigen, die die Arbeiter noch reöbtloser stellen möchten, als es heute schon geschieht. Redner fordert zur unausgesetzten Agitation für die Organisation auf. Nachdem mehrere Redner für die Einziehung der Vcrbandsbiicher zwecks Eintragung einer Ortsnummcr in dieselben gesprochen, wurde ein dahin- gehender Antrag einstimmig angenommen. Eine rege Debatte rief ein Antrag hervor, nach welchem die Zahlung der Beiträge zum Stteikfonds eine Unterbrechung in diesem Winter nicht erfahren soll. Der Antrag wurde einer nächsten größeren Versammlung überwiesen. Im Lokale Waldemarstr. 7ö tagte eine gut besuchte Ver- sammliing für die Kollegen des Südostens, Schulz sprach hier über die Nothwcndigkcit des festen Znsammenschlusses der Kollegen in der Organisation. Die Maßnahmen der versammelten Unternehmer auf ihrem Tage in Breslau, sowie die Gefahren, die dem Koalitionsrecht drohen, lassen es geboten erscheinen, dafür zu sorgen, daß alle in und um Berlin arbeitenden Maurer dem Verbände angehören. Der Antrag des Vorstandes, die Einziehung der Verbandsbüchcr be- treffend, wurde nach kurzer Diskussion angenommen. Nachdem noch die Mitglieder auf die pünttliche Enttichtting ihrer Bcittäge und der Steuer zum Streikfonds aufmerksam gemacht worden waren, und I e n tz s ch aufgefordert hatte, die Mitglieder möchten sich des Sonn- tags im Vcrkchrslokal, Naunynstr. 86, blicken lassen, erfolgte Schluß der Versanimlung. Die Versammlung Brunnen st r. 184 war von ca. 400 Ver- bandsmitgliedern besucht. Nach einer kurzen Einleitung des Mit- gliedes B a g a n z betreffend die Abstempelung der Quittnngskarten zwischen Weihnachten und Neujahr und eventticlle Einziehung der VcrbandSbücher vom 1. Dezember ab, erklärten sich die Ver- sammelten mit den gemachten Vorschlägen einverstanden. Einige Redner wünschten, daß das Sammeln zum Stteikfonds auf einige Zeit eingestellt werden möge, damit ihnen eine kleine Erholung zu theil werde. In der Versammlung für Moabit, B e u s s e l st r. 9, legte Rabe den Zweck und die Nothwcndigkeit der Organisation klar. Auch hier wurde die Einziehung der Verbandsbücher sowie die Ab- stempelung der Sammelkartcn nach Weihnachten als nothwendig an- erkannt. Nachdem Krause die Abrechnung vom letzten Vergnügen erstattet hatte, welche eine Einnahme von 141,75 M. und eine Aus- gäbe von 96,75 M.. also einen Neberschuß von 45 M. ergab, erfolgte Schluß der gut besuchten Versammlung. Die Versammlungen Lindenstraße106 und D e n n e w itz st r a ß e 1 3 waren ebenfalls gut besucht. In ersterer sprach Muck und in letzterer Frenze! über die Nothwendigkeit der Einziehung der Verbandsbüchcr und Abstempelung der Sammelkarten. Die An- wesenden erklärten sich mit den gemachten Vorschlägen einverstanden. Betreffs des Sammelns war man der Meinung, daß es von großem Nutzen wäre, eine Unterbrechung im Sammeln für den Streikfonds nicht Platz greifen zu lassen. In beiden Versammlungen befürworteten den Verband die mühsam nur , weil elrungenen die Redner eine kräftige Agitation für eine gute Organisation im stände sei, Forderungen zu befestigen und zu halten. Eiue Versammlung dcö Holzarbciter-VerbaudcS» Bezirke Süden und Südosten, tagte am 7. Novbr. im Märkischen Hof. Genosse A. Hoffmann referirte über:„Die moderne Ehe". Von einer Diskussion über den mit Beifall aufgenommenen Vortrag nahm die Versanimlung Abstand. Eine längere Debatte zeitigte der Streik bei der Firma Fork u. Kretzschmar, der, wie mitgetheilt wurde, nicht nurunverändert fortdauere, sondern an Ausdehnung noch gc- Winnen könne. Nach Erledigung einiger Verbandsangelcgcnheitcn wurde die Versammlung geschlossen. Eine Versammlung des Fachvereins der Musikinstrumenten- Arbeiter diskntirte am 7. November den Antrag der Gcwcrkschafts- kommission. die Gründung eines Arbeiter-Sekretariats betreffend. Arendt als erster Redner beschäftigte sich mit der Thätigkeit der Gewerkschastskommission im allgemeinen und speziell mit dem in Rede stehenden Antrag. Seinen Ausführungen folgte eine weitere rege Debatte, die zur Annahme eines Antrages führte, der die Gründung eines Arbeiter- Sekretariats verwirft. In dem Antrag wird gesagt, daß in Arbeiterkrciscn wenig Neigung vorhanden sei, weitere Mittel 'ür Bcamtcngehälter aufzubringen. Dagegen wird den Gcwcrkschafts- Organisationen anhcim gegeben, für die Regelung ihrer Angelegen- heilen in ausreichendem Maße Sorge zu tragen, damit die Gewerkschaftskommission in ihren Arbeiten entlastet werde. Ein Anttag, die Sperre über die Firma L a u r i n a t aufzuheben, wurde abgelehnt. Beschlossen wurde, an; Bußtag eine Herrenpartie zu unter- nehmen. Neuaufgenommen wurden 24 Kollegen. Tie Zahlstelle dcS Verbandes der in Buchbindereien ic. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hielt am 7. November ihre Mitgliedfchafts-Versamnilung ab. Mit Rücksicht auf die äußerst schwach besuchte Versammlung wurde der erste Punkt der Tages- ordnung»Die Vorschläge für den Ausbau des UnterstützungSwesenS" abgesetzt. Beschlossen wurde, an; Bußtag früh um 10 llhr von Johannisthal nach Adlershof und Grünau sLindenhayn) zu gehen. Ein Anttag N ö r n b e r g' s, die Hilsszahlstelle Charlottenburg von Bismarckstraße nach Schillerstr. 94 bei Schiller zu verlegen, wnrde an- genommen, lieber die Verlegung der Versammlung auf einen anderen Wocbcntag soll eine spätere besser besuchte Versammlung entscheiden. Jnsolge der Mittheilung Brückner'?, daß in Brüssel und Antwerpen(Belgien) seit vier Wochen unter den Karton- Arbeitern eine Lohnbewegung im gange ist, zu welcher die deutschen Kollegen um Unterstützung an- gegangen werden, wurde beschlossen, den Zentralvorstand die An gclegenheit untersuchen zu lassen und aus Verbandsmitteln eine ent sprechende Summe abzusenden. Ueber die Anregung Krause's, ob unter dem Minimallohn arbeitende Verbandskollegen aus dem Vcr bände auszuschließen seien, wurde rege diskutirt, jedoch ein endcsiltiger Beschluß in anbetracht der schlecht besuchten Versammlung nicht ge- faßt. Zum Schluß wurde beschlossen, die nächste Versammlung als anßerordentliche Generalversammlung am 21. November stattfinden zu lassen, und die Anwesenden ersucht, sür besseren Besuch derselben Sorge zn tragen. Der Verein der Stockarbeitcr hielt am 7. d. M. seine Generalversammlung ab. Liebe gab den Kassenbericht, wofür ihm Decharge crtheilt wurde. Hierauf berichtete E b e l i n g, daß es in; Lause des Jahres gelungen ist, durch cinsige Thätigkeit 80 pCt. der Berliner Kolleg c'n dem Verein zuzuführen. Im weiteren hat sich die Nothwendigkeit ergeben, daß die Organisation umgestaltet werden muß. Der Vorstand enipfahl deshalb ein Statttt zur An nähme, wonach der Name der Organisasion künftig heißen soll „Verband aller im Stock- und Schinngcwerbe Beschäftigten". Das Einschrcibegeld beträgt 30 Pf., der monatliche Beitrag 50 Pf. Nach längerer Debatte wurde das Statttt einstimmig angenommen. So dann fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Gewählt wurden Ebeling als erster, Brüfsow als zweiter Vorsitzender, Liebe als Kasfirer, S t e i n i ck e als Schriftführer Tietze, Schallen berger und Bcrnburg als Beisitzer Zorn, Fresdorf und" R a u als Revisoren. Nachdem noch darauf hingewiesen war. daß an; Sonntag, den 27. d. M.. abends 6 Uhr, im oberen Saal bei Keller, Koppcnsttaße, eine öffentliche Versammlung abgehalten werden wird, wozu hauptsächlich die Kollegen mit ihren Frauen cingeladen sind— nach der Versamm� lung ist geselliges Beisammensein nebst Tanz— wurden die An wesenden aufgesordcrt, recht rege für den Verband zu agitircn und nicht eher zu ruhen, bis auch der letzte Kollege sich seiner Berufs organisatton angeschlossen habe. Verband der in HolzbearbeittingS-Fabriken nnd auf Holz Plätzen beschäftigten Arbeiter(Filiale l.) In der gutbesuchten Mitgliederversammlung am 7. November referirte Genosse G ü t h über„Jndusttieverbände". In der Diskussion wurde hauptsäc der Anschluß an den Holzarbeiter-Verband behandelt. Sie wir der nächsten regelmäßigen Mitgliederversammlung fortgesetzt werden Nächsten Sonntag, nachmittags 5 Uhr, wird eine Mitglicdcrvcrsamm lung mit Frauen in Keller's Saal. Koppenstr. 29, abgehalten; nach derzelben jst gemüthliches Beisammensein. Ferner ist auf Montag dem 14. November, eine öffentliche Versammlung nach dem Englischen Garten einberufen. In einer Versammlung der Möbclpolircr(Filiale Rixdors) die am 7. November tagte, sprach Weber über„Sozialpolitische Gesetzgebung". Die Ausführungen des Referenten zeitigten eine lebhafte Diskussion. Bekannt gegeben wurde, daß Bücher, deren Ueberweisung an die Bibliothek von Kollegen beabsichtigt ist, in der Zahlstelle oder beim Bevollmächtigten' abzugeben sind. Zum Bibliothekar wurde G r o w i tz gewählt. Die' in der Fabrik von Laborenz vorkommende Ueberstnndcnarbcit wurde einer scharfen Kritik unterworfen. Tie Tckatenre(Filiale III) nahmen in ihrer Versaimnlung am 3. d. M. den Bericht des KassirerS entgegen. Danach betrugen die Einnahmen 213,64 M. und die Ausgaben 148,03 M. Die Zahl der Mitglieder bcläuft sich auf 150. Der Bericht des Kassirers über die Arbeitslofen-Unterstützung weist eine Ausgabe von 162,85 M. auf. Der Bestand beträgt gegenwärtig nur 11 M. Im Stteikfonds sind 314 M. vorhanden. Die Versammlung beschloß sodann. 100 M. von; Streikfonds für die Arbeitslofen-Unterstützung zn verwenden. Bezüglich der Arbeitsloscn-Unterstützung wird ein Antrag an- genommen, daß nach einer MitgliedSdancr von 52 Wochen auf die Dauer von 6 Wochen nach Abiauf der ersten Woche eine Unter- 'tützung gewährt werden kann. Eine weitere Unterstützung tritt erst nach 26 Wochen wieder ein. Dieser Antrag wird mit dem ersten Januar in kraft treten. Nach Erledigung einiger Wahlen folgte der Schluß der Versammlung. Ter Verein der Plätterinnen hielt am 8. November seine regelrechte Mitgliederversammlung ab, in der der erste Vorsitzende einen Vortrag über„Die Ai;künd;g;;ng des Znchthausgesctzes" hielt. Er ermahnte die Anwesenden, trotz des reaktionären Ansturmes der Arbeiterscinde fest zur Organisation zu stehen und unausgesetzt für diese zu wirken. Ter Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravatteubranche hielt am 9. d. M. bei BuSke seine Ver- ammlung ab. Frl. Ida Altmann sprach über das Thema:„Es war einmal". Hieran schloß sich eine lebhafte Diskussion. Der Antrag des Vorstandes, zur Erweiterung der Bibliothek 50 M. zu bewill;gen. fand einstimmige Annahme. Ferner wurde beschlossen, einem hilfsbedürftigen Mitglicde 20 M. zu überweisen. Stralau. In der am 6. November abgehaltenen öffentlichen Parteivcrsammlung sprach Genosse Sonnen bürg« Friedrichs- Hägen über:„Dre Reaktion an der Arbeit". Die Ausführungen des Referenten wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Der Vertrauensmann Seitz gab hierauf seinen Bericht über das ver- flossene Jahr. Während dieser Zeit seien sechs Versammlungen ab- z ehalten und vier Agitationstouren unternommen worden, auch sei die Pattei zweimal bei der Gemeinderathswahl engagirt gewesen. was zur Folge hatte, daß die Kandidaten der sozialdemokratischen Partei, B u ck nnd Mütze, einen glänzenden Sieg über die Gegner errangen. Die Kasscnvcrhälsinsse gestalteten sich folgendermaßen: Einer Einnahme von 500,78 M. steht die Ansgabe von 466,90 M. gegenüber, mithin Ueberschuß 33,88 M. Hierzu der Bestand vom vorigen Jahre in Höhe von 30,46 M., crgiebt einen Kassenbestand am 31. Oktober von 64,34 M. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl eines Vertrauensmannes wnrde Seitz einstimmig wieder ewählt. Zu Revisoren wurden Krumm und Buck bestimmt. In die Lokalkommisfion wurden Girbig. Hartmann und Bredes gewählt. Rixdors. Der hiesige sozialdemokratische Verein hielt am 8. November eine Versammlung ab, in der Dr. S i l b e r st e i n in einem interessanten Vortrage über kommunistische Bestrebungen im Mittelalter sprach. Unter' VereinSangelcgenhcitcn wies der Vorsitzende auf das Stiftungsfest des Vereins hin, das am 26. d. M. stattfindet. Samariter-Kursus für Arbeiter uub Arbeiterinnen. Morgen Montag, abends 9 Uhr, bei Nemuann, Brunnenstr. 159. Vortrag des Herrn Dr. Kolwitz über:„Verletzungen(Wundbehandlung, Blutstillung)". Danach praktische Hebungen. Freie Vereinigung der Barbiere, Friseure nnd Perrncken- inachcr. Montag, den 14. November, abends 10 Uhr, in Cohn's Fest- sälen, Beuthstr. 29: Oesfentliche Berfa n;mlung. Vortrag über: „Innung und Freie Vereinigung". Referent: Kollege H c lb ig. Allgemeine Fatnilic»- Sterbekässe. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Diele._ Berliner Nrbcitervertreter- Berel» tagt jeden Dienstag nach dem ersten in; Monat bei BuSke, Grcnadierstr. 33, abends S'/j Uhr. Unentgeltlicher Rath wird ertheilt: In; Norden Berlins: Für Unfall-, JnvaliditätS- und Alters- Versicherung abend» von 7— g Uhr: 81. D a e h;; e, Dcinnnnerstr. 36, v.3Tr. K. Gutheit, Aiefenstr. 2Sn, von 8—9 Uhr abends. F. Piefchel, Gattenstr. 55, v. 2 Tr. E. SimanowSti, Gattenstr. 78, Portal 2, 2 Tr. M. S t u h l n; a n n, Odcrbergctstr. 37, 4 Tr., von 6—9 Uhr abends. R. Tan; n;, Hussitenstr. 6, von 8—9 Uhr abends. A. Voigt, Wiesen- strnge 41/42. E. Warnst, Kolbergcrstr. 7, von 6— 7 Uhr abends. P. Ret- mann, Bellcrniannstr. 83. I. K r a u s e, Gattenstt. 13, 2. Eing. pari.— Nur für JnvaliditätS> nnd tzlllcrSversichcnmg: F. B l n n; e, Strelitzerstr. 58. F. Trapp, Schulstr. 59, von 7 bis 8 Uhr abends. W. M« h S, Swine- mündcrstr. 64, vorn linker Aufgang. In; Osten: Nur für JnvaliditätS- und Altersversicherung; E. B a d e r, Gr. Frankfurterstr. 34, v. 4 Tr.— Fiir Unfall-, JnvnliditätS- und Altersversicherung: A. L ch ü tz, Holzmarktstr. 69 l. In; S ü d- O st e n: Für Unfall-, JnvaliditätS- nnd Altersversicherung: S ch a l t h o f f, Michaelkirchstr. 18.— Nur für JnvaliditätS- und Alters- verstchcrnng: W. Kühne, Pfuelstr. 1. In; Süden: Für Unfall-, JnvaliditätS- und Altersversicherung: F. Srügel maier, Grimmfit. 39.— N u r für JnvaliditätS- und Alters- Versicherung: P. Keller, Rixdorf, Paimierstr. 58, Hof pari. C. Guse, Camphauscnstr. 4. Im Süd- Westen: Nur sürUnfallverstcherung: G. Hänel, SolmSstr. 44. In; Nord-Westen: Für Unfall-, JnvaliditätS- und 8llterS- Versicherung: M. Stephan, CUxhafenerstr. 2.— Nur für JnvaliditätS- und Altersversicherung: R. Reh bei;;, Rostockerstr. 43. In; Nord-Osten: Nur für Unfallversicherung: E. Löffler, Wadzcckstr. 15, vom pari,(abends 8 Uhr). G. Günther, Greifswalder- strafft 8, II links. A. S Im Zentrum: Für Unfall-, JnvaliditätS- und Altersversicherung " a t t l e r, KI. Hamburgerstr. 2. Bei sämmtlirhen vorgenannten Personen, bei denen hier keine Sprechzeit angegeben, ist dtejelbe Wochentags von 7—9 Uhr. Herren- n. Knaben- Garderobe. Herren■ Winter- Paletots In guten haltbaren Qualitäten von Nike 9|•h* Herren- Loden- Joppen mit nnd ohne C-nrt, von Mk» 5,25 an, Herren-Beinkleider tn denkbar grüttater Auswahl von Mk. 2,80 an. Schuhwaaren. Kinder- uMädch.-Stiefel von Mk. 2,50 an. Damen-Zngstiefel von Mk. 3,60 an. Herren- Zngstiefel von Mk. 4,50 an. Grösste, reichhaltigste Auswahl in Winter-Schuhen nna Stiefeln. GpBsBte* Lager der besten Schuhwaaren Goodyear. Cigarren. 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Berlin Cm nun An der Spandauer Brücke üo. 2. »üt: den Inhalt der Inserat« «berulmmt die Mcdakti-n dem vuvliniiu nekcniil'cr keinerlei Veranlwortnna. Cljentev. Sonntag. IZ� November. vrele volwdüvne. Friedrich- Si'> I h c l m st ä d t. Theater: Luinpendagasch. Hierauf:»ievelci� �.«btheilling. Ansang nach- niittag» VU Uhr. vpcr„l>„iis. Margarethe. Anfang �/z Uhr: Nora. wioutag: Fuhrmann Henschel. Verlittcr. Zaza. Anfang 7'/, Uhr. Nachm. S Uhr: Faust.(1. Abth.) Montag: Das Erbe. reisiug. Der Star. Ansang 7»/. Uhr. y3 Glück im Winkel. Montag; Im weißen Nßß'l. Nrstdcng. Der Herr Stkrettir. Vorher: Mein treuer Antoinc. Allfang 7V» Uhr. Rachm. 3 Uhr: Jugend. Montag: Der Herr SelretZr. Dor- her: Mein treuer Antoine. «Sc, tci. Der Prinz wider Willen. Anfang 7'/, Uhr. Nachut. 3 Uhr: Oer Traum ein Leben. Montag: Der Prinz wider Willen. Hdfglinst. Anfang 7V, Uhr. Nack, mittag 3 Uhr: Frauenkampf. Porher: Papa konunt. Montag: Frauenlampf. vorher: Papa kommt. «chiUvr. Luuipengestndel. Anfang Ü Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Wilhelm Tcll. ivkclropol. Das Paradies der Frauen. Anfang 7»/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. «mitral. Di- Geisha. Auf. 7i/, Uhr. Nachmittag 3 Uhr: Der lustige Krieg. Montag: Die Geisha. Thnlia. Der Hypotheken- Schuster. Anfang 7l/z Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Luisen. Die Schuld der Schuldlofen.. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm T-ll. Montag: Die Schuld der Schuld losci». Dstmid. Onkel Jonas. Anfang 3 11 oC. Nachmittag» 2»/, Uhr: Nene Frei« BvlkSblthne: Die Schutetier lingSschlacht. Montag: Onkel JonaS. Vrllr-Sliliancr. Napoleon. Anfang S Uhr. Nachmittag: Der Pfarrer von Kirch- Montag: Napoleon. »rtedrtch.»Vilbel, nst.Idtlsche«. Die Geheimnisse von London. Altfang 8 Uhr. Maiitag: Dieselbe Vorstellung «lrrnildevpial». Ein vcrfchlt-ö Leben. Ansang 8 Uhr. Nachm.»Uhr: Schneewittchen und die stehen Zwerge. Der Ratten- filnger von Hameln. Mvtitag: Ei» verfehlte» Leben. varodtr. Tugend. Anfang 8 Uhr. Urania. Taiibriistrahe 48-�4«. Ratnrkiitidliche AilSsteNuiig. Tag- lich gebfsnct von lv Uhr vor- niittag» ob. Eintritt So Pf Abendö 8 Uhr: Die Urzeit des Mensche«. Jm-altdc, strafte 57/02. Täglich »bendS von n— I» Uhr: Stern- wart«, Operiitclephon. Apoli o. Spezialitäten- Borstellling. Anfang 7i/, Uhr. iKcichSftaucn. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. yern- Palast. Spezialttäten- Bor- stelliiltg. Vassage. Pnnopiiknm. täten-Vorstelliiiig. Spezialt- Ailler-Theliter lWallner- Theater). S 0 n tt t a g, Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abendö 8 Uhr: Lnrnpengesrndel. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Lumpengesindel. dsteilh-Clirl Weijj-Tbcater. «Ar. Nrankfnrterstr. I»». Novität! Zum 2. Male: Novität Onkel Jonas. BolkSstück mit Gesang in S Akten von OStar Klein. Musik von Wiechel. Anfang 7V, Uhr. Nachm. v/z Uhr: Asus freie VolksdQhne Tie Dchmctterlingsschlacht. Schauspiel von S u d e r m a u n. Mon�g, Dienstag: Onkel Jona». Mtttivoch: Geschlossen. Donnerstag, Freitag: Onkel Jonas. Sonnabend: Gewonnene Herzen. Crnkrn lT Henker Direktion: ckosä llersnor/. Nachm. 3 Uhr, zu ermäßigten Preisen: Der lustige Krieg. Operette in 3 Akten von Joh. Strauß. «bendS 7V, Uhr: Die G e i s h n oder: Eine japanische TheehauS- Geschichte. Operette in 3 Akten v. Sidney Jone». Morgen und die folgende» Tage: Die Geisha. Kniseu-Theater 34.»kcicheiibergerstrafte 34. ... Nachmittags 3 Uhr: BolkS-vorstellung zu kleinen Preisen: Wilhelm Tell. Abend» 8 Uhr: Die SHüld der Tihiildlosen. Schauspiel in 5 Akten von Ad. Stvltze. Montag: Die Tchild der Echiildlosen. Sonnabend, den 19. November, nachiiiittags 3 Uhr: zu besonders ermäßigten Preisen: Miihrtm Trtl. Vdslis-Vköster. Drcsdeiicrstr. 72/73. P!a»t»plel lkelnierellli«:. Zum 4. Male: gerDWMekellschusttt Posse uiit Gesang in drei Akten von Leopold Ely. � Musik von EornelltiS Schüler. Anfang 7»/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Concerthaus. l.ckpeigcMfr.Xo.lS. Täglich:-TCQ Hoffmann's Unaptelt und Humoristen Zum Schluß JacqueS Osselibachs Operette Insel Tnlipata». Für die Vorstellung tun Montag, den 14. November, sind sämmtltche Billctö vom Grnudbcsifter-Bcrei» Köiiigstadt entnommen. Kasse findet nicht statt.— Dienstag, zum Schluß: InselTnlll» a t an. Aicazar- Theater Drsadenerttr.63/63.City-PaBeage. Direktion: Richard Winkler. Täglich: Knmmelfritze. Volköstück mit Gesang in 3 Auf- zügen von Jacobsohn und Willen. Mufit vo» Michaelis. In Szene gesetzt von Otto Mendt. Dazn dos ausgewählte Neu Neu! Neu! he cardo and Trepp, Mustc-Exceiltric-CouiedianS. Unfan». Wochent. 7l/, Uhr. cklnIUIIg» Sonntag» 6-/, Uhr. iVlisiW Wochentag» 30 Ps. BttUW. Sonntags 40 Pf. VorzugsbilletS haben Giltigkeit. rsell-külstst- Theater Burgstr. 22. Burgstr. 22. Täglich! Um V/, Uhr Täglich I Iklol,ai- Mnclroialnnnhia(Muskelschwund). Herr«. Xenniann Postbeamter, Grambow, llujll, IRUa&Clall U[)U16 Stettin: Diagnose einer hiesigen ersten Autorität: Progr. Muslelatrophie. Prognose absolut ungünstig. Patient ist völlig hilflos, auf fremde Hilfe absolut auaewieieil. Nach ca. 60 Bädern Heilung. Patient fährt jetzt sehr gewandt Fahrrad. Der Herr Professor, welcher den Patienten behandelte, bezeichnet die Heilung als äußerst wunderbar. Btlnironeßhnionvoii über dem Kreuzbein ohne nachweisbare Ursache: Gattin eineS hiestgen tttUbALuobllUlLI bCU Arztes hatte mindestens 2i/1 Jahre laug scheußliche, sie in der Be- wegung äußerst hemmende Rückenschmerzen. Abführkur, Massage, Elektrizität ohne jeglichen Erfolg.— Daraus einen Tag um den anderen ein Loh-Tannwbad. Nach 5 Bädern völlige Heilung. IlIoeonl�stai'phQ akute, sowie chronische. Verordnet wurde reichliches Wassertrinken, Bidh&uaiUnl I UV, Wiidunger Brunnen, entsprechende Diät. In vielen Fällen wurde ärztliche Bcbandlung verlangt und die Kur entsprechend geregelt. Die Zahl der Geheilten ist so groß, daß nur eine Auswahl von Kranlengeschichten erfolgen kann. In akuten Fällen erfolgte prompte Heilung, tu ganz alten Fällen sehr günstige Resultate. Herr dang, Berlin, Gipsstr. 19, chronischer Blasenkatarrh, vollständige Heilung nach 30 Bädern. Herr N., Berlin, akuter Blasenkatarrh, nach wenigeil Badem völlige Heilung. �oonhloohiv�ronlkhoitoil sekundärer und tertiärer Natur. Der Syphtlidologen-Kongreß UESLhlCbllla&lAulkllCilLu jn Graz hat einstimmig die äußerst hetlkrästige Wirkung stoff- wechselanregender Bäder anerkannt. Die in der Loh-Tamim-Badeaustalt gemachten Ersahmngeu entsprechen dem voll und ganz. Ob eine medikamentöse Beyandlung außerdem am Platz« war, entschied der behandelnde Arzt. Krankengeschichten in äußerst großer Anzahl. Pw nnH Tponeeilftato infolge von Brustfellentzündungen, chronischer entzündlicher HiA Ullll 1 1 alia VJualv Prozesse des weiblichen Genitalapparates zc. zc. Di« Resultate waren oft äußerst srappuend. ■enslrualions-Slürungen S»-"» ßllltarmuth Thlorose wurde nach Empfehlung von anderer Gelt« behandelt imb ergab Bluiai uiUi», sehr gute Resultate. Di« Mattigleit, Kopsschmerzm ic. verschwanden in sehr kurzer Zeit. Appetit wurde rege. ßohinnhtiitlinff und andere Erkrankungen wfolg« ererbter Geschlechtskrankheit zeigten äußerst U&Ull uUlUilllIi| schnelle Resorption. Ein junges Mädchen hatte plötzlich die Sprache vollständig verloren. Diagnose: Ererbte Geschlechtskranlheil und mfolge dessen Blutung w dem Sprachzentmm des Gehirns. Die Resorption ersoigte prompt, die Sprache war bald wieder hergestellt. Stauungen im Worladwsystem,_aÄrl�e�-' s<*e�ep> Lähmung der unteren Extremitäten, 100 mssisch-römlsche Bäder, -wv-ov»!-.;, Leberanschwellung, Patient halte alles versucht. Unter anderem auch _., viele Dampskaftenbäder und Soolbäder, Elektrizität in einer Klinik für Nervenlranke. Die medikamentöse Behandlung konnte ihm auch keine Heilung bringen. Räch 48 Badem völlige Erwerdsfähigkeit. Ueber enorme Steigemng des Stoffwechsels sind w der Anstalt wissenschaftlich« Unter- suchungen gemacht und liegen zur Einsicht bereit.— Erwähnt muß werde», daß selbst tn unheilbaren Fällen ste« daS eine gewiß Wesentliche erreicht wurde: bedeutende Steigerung des Appetits. Zum Schluß: Il�bPltK ripfnpmonc' Wohl da» dankbarste Feld unserer Behandlung: Die große An- »U illl lllo UC1U1 litnlia. zahl der Krankengeschichten verbietet die Beröffeniltchung tn einer Annonce. Daß die Patienten mit zwei Krücken und Unterstützung, oder, auf Händen getragen, die Anstalt aufgesucht und mit guter Gebrauchsfähigkeit ihrer Extremitäten wieder verlassen haben, kann durch viele Krankengeschichten bewiesen werden. Bei etwaiger Nachfrage stehen diese zur Berfügung. Bemerkt wird, daß die meisten Kranken in der Anstalt ärztlich behandelt und kontrollirt wurden. Aerztliche Sprechzeit Dienstag und Freitag von 7-8 Uhr abends. «s «1 8t n «t 8 8 an « 8 sr s 7? 8 ZBerlin.X (jmmt.SS. lonta träges~yTngeboi don 14, Dienstag, ion 15. i ie Abteilung: Kleiderstoffe u. Seidenwaren. Kleider-Parchend wtr. 24 pf Karrierte Hauskleiderstoffe dopp. brt Mtr. 23 Pk- Schottische Stoffe � brt Mtr 43 pf Rein woll. einfarb. Cheviots Mtr. 70, 55 u. 45 Pf- \ jr, s |T/ Rein woll. gemust. Crepe dopp. breit Mtr. QQ Pf. Rein woll. gemust Lama dopp. breit Mtr. 78 Pf- Wollene engl. Kleiderstoffe dopp. breit Mtr. 60 Pf. Mohair Jacquard*>??. breit, neue Muster Mtr. 00 Pf- tBaBammaaaBBmmm Mtr. 40 Pf. Mtr. QQ Pf- Ball-Crepe, sktt. � Farben, Ball-Crepe, gemustert, alle Farben, Schwarz rein woll. Cachemir Mtr. Im. U. 75 Pf. Schwarz rein woll. Crepe Mtr. 85 u. 55 P� Corsets bekurbelt mit OQrtel 1 18 M. ßS. Kaffee JYeu aufgenommen: vorzügliche Qualität in Vi Pfund Packung 46 H. JLt. 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Keililge des Lmmls" Kerliller WIKsblM. X. Gencrlllversmmlling lies Verbllndts kr klllcöhllndslliilhmllcher Deutslsilllnds. Burq, den 11. November 18S8. Nach einigen Bemerkungen über die Anträge, welche eine Bei tragserhöhung für männliche Mitglieder fordern, werden diese An träge mit großer Mehrheit abgelehnt. Zur Berathung kommen dann zwei Anträge auf Beitrag?- erhöhuna für weibliche Mitglieder. Einen derselben hat der Vorstand selbst gestellt. W a s n e r tritt als Vorstandsmitglted sehr lebhast für diese Beitragserhöhung ein. Die geringen Erfolge, welche bisher die Agitation zwecks Organisation der Arbeiterinnen erzielt habe, seien den wenigen Leistungen des Verbandes zuzuschreiben. Um nun den weiblichen Mitgliedern mehr bieten zu können(eventuell durch Ein- führung einer Arbeitslosen« Unterstützung für weibliche Mitglieder). stellt der Vorstand seinen Antrag auf Beitragserhöhung. Nach längerer, lebhafter Debatte werden die Anträge abgelehnt. Es folgt eine Debatte über den Antrag auf Einführung des obligatorischen Arbeitsnachweises. Der Antrag wird abgelehnt. Unter den übrigen zahlreichen Anträgen zum Statut und Reglement befindet sich ein Antrag, welcher will, daß folgender Absatz aus dem Statut gestrichen wird: Ausgeschlossen werden Mitglieder, welche wegen eines Verbrechens oder gemeinen Vergehens bestraft sind. Die Generalversammlung nahm die Streichung diese? Satzes an. Das interessante ist hierbei die Motivirung des Antrages resp. der Grund der Annahme desselben. Die Annahme erfolgte in Rücksicht auf die Oeynhauser Kaiserrede, taut welcher die Regierung die Anreizung zum Streik wie ein gemeines Vergehen mit Zuchthaus bestraft wissen will. Um zu verhindern, dag event. Mitglieder, welche sich solch ein„gemeines Vergehen" zu Schulden komnien lassen und bestraft werden, ihrer Mitgliedschaft verlustig gehen, erfolgte Streichung jener statutarischen Bestimmung. Die Streichung erfolgte unter einstimmiger Annahme des Antrags. Von den übrigen Abstimmungen verdient noch Erwähnung die Ablehnung der Anträge auf Erweiterung der Arbeitslosen- Unterstützung. Die diesbezüglichen Anträge fanden nicht die statutarische Unterstützung. Die Nachmittags-Sitzung wird mit der Weiterberathung der BerbandSanträge ausgefüllt. Außer der neuen Bestimmung: Neu- ausgelernt« erhalten nach 13 wöchentlicher Karenzzeit Reise- und Arbeitslosen-Unterstützung, ist nichts Neues hinsichtlich dieser beiden Unterstützungszweige beschlossen worden. An weiteren Beschlüssen ist zu erwähnen: Der Verband wird in 20 Wahlkreise eingetheilt; die Waschleder-Handschuhmacher haben das Recht, einen eigenen Delegirten zu wählen(sie bilden zusammen einen Wahlkreis). Der Verbands- ausschuß bleibt als Beschwerde-Jnftanz bestehen. Soziale Vechtspftege. Der KündigungSausschlust wird nicht durch eine nach- trLglichc Acndernng anderer ArbeitSbedingnngen aufgehoben. Eine Lohnentschädigung wegen unberechtigter Entlassung verlangte die Buffetmamsell L. von der Gesellschaft, der die Lokale Fricdrichshof und Kaiser-Cafs gehören. Die Klägerin wurde zuerst im Fricdrichshof und dann im Kaiser-Cafe beschäftigt, dessen Direktor sie entließ. Der Vertreter der Beklagten wandte ein, es sei eintägige Kündigung verabredet worden. Fräulein L. gab dies zu, meinte aber, der beim Engagement verabredete Ausschluß der gesetzlichen Kündigungsfrist könne nur auf die Beschäftigung im Friedrichshof bezogen werden. Bei ihrem Uebertritt in das Kaiser- Eafe sei aber über die Kündigungsfrist gar nicht gesprochen worden, so daß für ihre Thätigkeit darin die gesetzliche Frist maßgebend sei. Wenn das Kaiser- Cafs auch denselben Unternehmern wie der Friedrichshof gehöre, so seien doch die Arbeitsverhältnisse ganz andere gewesen. Auf der neuen Arbeitsstätte habe sie Nacht- d i e n st gehabt, während sie vorher am Tage beschäftigt worden sei. Auch habe sie im Gegensatz zu früher ein GeschästslogiS beziehen müssen. Die Kammer VI des Gewerbcgerichts wies den Entschädigungsanspruch mit der Be- gründung zurück, daß der Uebertritt in das Kaiser-Caf« und die Veränderung gewisser Arbeitsbedingungen die Klägerin von der ur« sprünglichen' Kündigungsavrede nicht entbunden habe, da der Ar- beitgeber derselbe geblieben sei. Er hat nichts. Der Arbeiter Prütz betrieb bis vor kurzem in der Strelitzerstr. 2g eine Plätterei, die von seiner Frau geleitet wurde. Die Plätterin St., die dort gearbeitet hatte, verlangte von ihm im Klagcwege noch 4,S8 M. Prütz vermochte gegen die Forde- rung an sich nichts einzuwenden, machte jedoch allerlei formelle Be- denken geltend, bis ihn der Vorsitzende Techow in der öffentlichen Sitzung des Gewerbegerichts einen Querulanten nannte. Prütz wollte zum Beispiel nicht der Arbeitgeber der Klägerin sein, weil er die Plättstube seiner Frau übertragen habe. Der Gerichtshof verurtheilte ihn mit der Begründung, daß die behauptete Schuld von 4,V8 M. als er« wiesen anzusehen sei, da er gegen die Berechnung der Klägerin etwas Bestimmtes nicht habe anführen können. Wenn er als Beklagter nach dem Gericht komme, müsse er auch genau informirt fein. Der Klägerin gab Gewerberichter Techow den Rath, eine Pfändung zu versuchen. Hierauf meinte Frau St., darauf liehe sie sich nicht erst ein, von dem kriege sie ja doch nichts. Prütz, schon im Abgehen begriffen, drehte sich nochmal um und rief ihr höhnisch zu: Also von heute ab haben Sie nichts mehr von ntir zu bekommen, ich danke auch schön! Ein sauberer„Arbeitgeber"! Der Zählkellner als Pächter. Der Oberkellner Trade hatte den Cafätier Buttermilch wegen einer größeren Summe beim G e- Werbegericht beklagt. Das Gericht beschäftigte sich zunächst mit der Zustäudigkcitsfrage. Es wurde festgestellt, daß T. von den Trinkgeldern,' die er als Zahlkellner im Cafe des Beklagten ein« nahm', 2 pCt. dem Beklagten abgeben mußte. Die Zuträger engagirte zum theil Herr Buttermilch. Die Kammer VI unter dem Vorsitz des Gcwerberichters Krause wies den Kläger wegen lln» zuständigkeit ab. Herr Krause führte aus, daß hier kein gewerbliches Arbeitsverhältnih vorliege. Die Abgabe der zwei Prozent von dem Triukgeldereinkommen kennzeichne das stterhältniß zwischen T. und B. vielinehr als ein Kompaguiegcschäst oder als eine Pachtung. Diese Entscheidung dürste nicht viele Bewunderer finden. Wegen Unzuständigkeit des Gewerbcgerichts verlangte der Plättereibesitzer Pliguct die Zurückweisung zweier Klägerinnen, die Lohnentschädigungs« Ansprüche gegen ihn beim genannten Gericht geltend gemacht hatten. Der Beklagte berief sich darauf, daß die beiden jungen Mädchen im Miethskomptoir als Dienstmädchen gemiethet worden seien. Sie hätten ihm auch ihre Dicustbücher ausgehändigt. Auf Befragen gab der Beklagte zu, daß er sie fast ausschließlich in seinem Ge- Werbebetriebe mit Waschen und Stärken beschäftigt habe.� DaS sei aber, nicinte er, gegenüber der Annahme der Klägerinnen als Dienstmädchen ganz unerheblich. Im übrigen sei es seine Sache, wo er seine Dienstmädchen beschäftigen wolle, ob im Haushalt oder in seiner Wäscherei und Plätterei. Das Gewerbegericht erklärte sich indessen für z u st ä n d i g und führte aus, es sei entscheidend, womit die Mädchen thatsächlich b e s ch ä ft i g t worden seien. � That- sächlich habe P. sie in seinem Gewerbebetriebe beschäftigt. Hierdurch seien sie für die Dauer ihrer Beschäftigung bei ihm Gewerbe- gchilfiunen geworden, so daß das Geiverbegcricht zuständig sei, ob- wohl sie P. unter der Bezeichnung Dienstmädchen eingestellt habe. In der Sache selbst wurde noch nicht entschieden. 12 Meter, Bengaline, entzückende Muster Stätt M. 18,00 Jsttzt ÄX» Pf» 12 Meter, Eeinseidener Taffet in allen neuen Farben Stellt 19. 24,00 Jßtzl M» Pf» 12 Meter, Reinseidener Moirfi antique, schwarz, schwere Qualität St&tt M. 48,00 jsttzt Pf« 10 Meter, Kostüm-Sammet in 30 Farben........... Statt 19. 14,00 jßtzt XI»«��25 Pf« Sammet- und. Seidenwaarenhaus Moritzplatz 145-146. PauSdraicil& Ott9 Moritzplatz 145-146. SHirschweh Landsberger Strasse Hip am Buschingpiatz. -»»»- Meiner geehrten Kundschaft zur gefälligen Kenntnissnahme, dass ich die während der Saison angesammelten Restey einzelne Roben und zurückgesetzten anderen Waaren zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen ausverkaufe. Um schlennig'ist damit xti räumen . Grosser Reste-lTerbanf! f! zu erstaunend billigen Preisen nur vom I SVBoniag, den 14., bis Freitag, den 18. d. Mts. 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Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. sr. 267. i5. mm. 4. Ktilllge des„WrMs" Kttlim Wldsblatt. s°«,>t-g.iZ. i8S8. MkevKvtschle MunvfihAU. Georg Sulzer:„Die Zukunft des Sozialismus." Dresden, O- SS. Bohmert, 1899. 421 Seiten. _ Mit dem wirthschaftlichen Fortschritt beginnt sich in der heutigen Ge,cllschaft immerinehr eine hauptsachlich aus Slngehörigen der sog. liberalen Berufe zusammengesetzte Mittelstandsschicht herauszubilden. die. nicht direkt am Kampfe ztvischen Arbeiterschaft und Unter- nehmerthum betheiligt, nach beiden Seiten hin eine halb- vermittelnde Stellung einnimmt und theilweise sogar offene sozialistische Neigungen zeigt. Gröhtentheils in ziemlich gesicherter Lebensstellung und mehr oder minder dem täglichen Kampfgetriebe entrückt, haben die Mitglieder dieser neuentstchenden Schicht für die Folgen des vordringenden Kapitalismus: das Elend der unteren Botkskreise. die schädlichen Einflüsse auf die öffentliche Moral, auf Kunst und Wisseiischast, meist einen weit schärferen Blick, als das in privatwirthschaftlichcn Anschauungen befangene UiUernehmerthum, das nur zu gern sein spezielles Interesse mit dem Allgemein- Interesse identifizirt. Aber wenn diese Stellung als passiver Zuschauer einen weiteren Ucberblick über das Entwickelungsfeld gestattet, so hindert andererseits die weite Entfernung des Beobachters vom Kampf eine scharfe Erkennung der Einzelheiten des Vorganges, der Positionen und Gcgenpositioneu und der realen treibenden Kräfte' die Einzelheiten laufen leicht in einem verschwommenen Massenbild zusammen. Das zeigt sich fast stets, wenn wohlmeinende, von den „kapitalistischen Auswüchsen" angewiderte Anhänger dieser Schicht über unsere moderne gesellschaftliche Entwicklung sich äußern. Für die wirthschaftlichen Grundlagen, die entwicklungshistorische Bedingtheit des jetzigen Kampfes und des aus ihm Entstehenden fehlt oft jedes Verständnis, dafüraber treten umsomehrmoralischcundethifcheGesichts- Punkte in den Vordergrund, nicht selten unter rein naiv-subjcktiver Begründung. Wie sie selbst zumeist nicht durch ökonomische Motive, sondern durch moralische bezw. ethische Erwägungen zu ihrer Stellungnahme gegen den Kaprtalismus und zu sozialistischen An- schauungen gekommen sind, so sehen die bürgerlichen Halb- und Ganzsozialisten dieser Schicht auch im Spiel des heutigen politischen Kampfes meist nur ethische Motive. Der Sozialismus ist ihnen vicht eine historisch bedingte Erscheinung, deren Entstehen und Vergehen unter dem bestimmenden Einfluß der unserer wirthschaftlichen Entwicklung innewohnenden Gesetze steht; er ist ihnen eine Sache des Gefühls, des erwachenden Gerechtigkeitssinnes, der Humanität, des ethischen Prinzips u. s. w. Und zweitens, da sie die realen Gegensätze nur halb begreifen und innerhalb dieser selbst eine mehr oder minder vermittelnde Stellung einnehmen, so ist auch ihr Sozialismus eine Art Vermittelungsprodukt. Der Klassenkampf erscheint dann sorg- fältig gemildert und„ethisirt", die sozialistischen Forderungen sind abgeschwächt und ihre Durchsetzung wird auf eine noch in weitester Ferne liegende rosige Zukunft verschoben. Daneben findet sich fast immer eine cigcnthiimliche Uebcrschätzung des Buchwissens und damit verbunden cine llcberwerthung der geistigen Arbeit der gelehrte» Stände, weshalb diesen denn auch im crdaastcn Zntnnstsslaät allerlei Extra- Würste gebraten werden. Zu diesen ethischen Sozialisten der höheren Stände gebort auch der Verfasser des oben angeführten Buches. Auch ihn: gelten die heutigen sozialistischen Bestrebungen nicht als durch unsere wirthschastliche EntWickelung kausal bedingt; sie beruhen Vieh mehr nach seiner Ansicht auf dem'„Dogma der'ökonomischen Gleich- heil", dgs scimrjcistz wilchcp eg msp pich fsticpz sn der Menschsii- natur begründeten allgemeinen IGercchligieitsgcsühI entspringt. Zuerst, meint Sulzcr, sei diese Idee der ökonomischen Gleichheit in der Geschichte ausgetreten, als der frühere urzeitliche Kommunismus durch' das Privatcigenthum ver- drängt worden sei, doch habe sie im Altcrthum und früheren Mittelalter, da die Zeit sich dafür noch nicht reif zeigte, ivcnig Ein- flnß gewinnen können, immerhin zähle die Beseitigung der Sklaverei zu ihren Erfolgen. Mehr Boden erlangte die Glcichhcitsidee in der Rcfonnationszcit und später in der Theorie vom freien Wettbewerb auf Grundlage formaler Rechtsgleichheit. Bald schon zeigte sich jedoch, daß die auf dem freien Wettbewerb fußende neue Produktionsweise nicht den gehegten schönen Erwartungen entsprach; neue Bc- strebungcn auf Ausgestaltung der GleichheitSidee stellten sich ein, besonders in der enttäuschten Lohnarbcitcrschaft, bis schließlich Marx diese Idee theoretisch„zum selbständigen sozialen Dogma" ausbildete( Derartige Zukunftsstaats-Konstrnktioneii sind ja nichts Neues, gerade das letzte Jahrzehnt hat uns eine überreiche Fülle solcher Phantasiegebilde gebracht,— aber mit Sulzcr's Konstruktion kann sich keine messen von Campanclla's Sonnenstaat bis auf Eugen Richters Zukunftsbilder; seine souveräne Phantasie weiß das Un- vereinbarlichste zu vereinbaren. Obgleich Sulzer z. B. miterstcllt, daß der Staat Grund und Boden und alle sonstigen Produktions- mittel in Besitz genommen hat, besteht in feinem kollektivistischen Staat nicht nur die heutige Form der Waarenproduktion und des Austausches fort, sondern auch das heutige Lohnsystem nebst Grundrente, Zins und Unternehmcrprofit; der Unter- schied zwischen später und heute ist nur noch Sulzer's Ver- sicherung, daß zukünftig der Staat Grundrente, Unternehmer- gewinn und Zins einsäckelt und dann alljährlich nach gewissen Abzügen unter die Arbeiter im Verhältniß zur Höhe ihres Arbeits- lohnes zur Vertheilung bringt. Wie das möglich sein wird, verräth der Verfasser nicht,— aus dem einfachen Grunde, weil er es selbst nicht weiß; vielleicht ahnt er auch kaum in seines Herzens gehobenem Entdeckergefühl die Naivetät seiner ganzen Konstruktion. Er begnügt sich damit, uns einfach zu versichern, es fei ganz selbstverständlich, daß dereinst die Preisbildung ganz ebenso vor sich gehe, wie im„privatkapitalistischen Staat": eine Versicherung, die' ihn indeß nicht abhält, später anzunehmen, der kollektivistische Staat fixire die Waarcnpreise, wie auch die Arbeits- löhne nach ihren Tauschwerlhen(S. 35, 48, 864 ff.). Leider nur ver- gißt Herr Snlzer dabei zu sagen, wie sein Zukunftsstaat diese ihm zugedachte Arbeit leisten wird. Bekanntlich kommt der Tauschivcrth einer Waare zum Ausdruck imTanschpreis und dieser wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage, oder, sagen ivir kurz, durch die Kon- knrrcnz der Waarenprodnzcntcn ans dem Waarcmnarkt stvobei aller- dings der Preis mit dem Werth sich meistens nicht deckt). Wenn nun aber der Staat die Preise festsetzt, wie kann sich dann zugleich noch die Preisbildung in der heutigen Weise durch die Konkurrenz vollziehen, und wie kann ferner der Staat seine Preise gcnan nach dem Tauschivcrth bemessen, da doch dieser der Waare nicht äußerlich erkennbar anhaftet, sondern erst in den Preisschwankungen auf dem Waarcmnarkt zum Durchbrach konimt? Nicht minder|wvs stich die Grmche. die Sulzcr dafür aafübrt, daß im Sozialstaat Grundrente und Zins fortbestehen. Die Grund- reute bleibt bestehen,„weil ihre Ursache, die verschiedene Qualität von Grund und Boden, ebenso vorhanden ist, wie in der privat- kapitalistischen Gesellschaft" lS. 30), und der Zins, weil die Preis- bildnng erhalten bleibt und weil er„eine Folge der höheren Schätzung des Gegenwartsbedarfs gegenüber dem gleichen Znlunftsbedarf ist" l®, 3). Danach ist also die Grundrente nur eine Folge der verschiedenen Bodengnalität! Nun diese Verschiedenheit des BodeuS ist seit jeher vorhanden gewesen, dennoch aber dürfte es Herrn Snlzer schwer fallen, nackiznwciscn, daß es früher auch bei den alten Mexiknncru und Peruanern oder in den indischen Dorfgemeinden und den alten deutschen Markgenossenschaften so etwas wie eine Gnmdrcnte gegeben bat,—»nd zwar ans den, einfachen Grunde, weil nur dort eine Grundrente entstehen kann, wo der Boden in das Eigenthrnn ein- zelncr übergegangen und zu cineribrcm Umsangc nach beschränkten Waare geworden ist. Ob mich das der Fall, wenn der Staat den gesaminten Grundbesitz übernimmt, der Boden also gemeinsames Eigcnthrmi aller wird: diese Frage mag der Autor sich selbst beantworten. Gewiß ist denkbar, daß der sozialistische Staat von den Konmumcn oder Innd- wirthschaftlichen Gcnosienschaftcn eine Abgabe zu irgend welchen Zwecken erhebt, das wäre dann aber keine Bodenrente, sondern eine einfache Nutzungs- oder Produktionsabgabe. Es ist denn auch nicht zu verwundern, daß Sulzcr bei dieser seltsamen Zwutmiatur seines kollektivistischen Staates gar schnurrige Dinge von dessen inneren Einrichtungen zu berichten weiß. In seinem Zuknnflsstaat haben zwar die Arbeiter ein höheres Ein- kommen und die Kinder erhalten ein bessere Schulbildung, aber im übrigen wird es ganz so wie heute, Reklamen(®. 85), Agio(©.80), Stenern(S. 108), Kapitalprofit(S. 110), höhere und niedere Stände(S. 207 ss.) und selbst Arbeitslosigkeitei besvkeieienei' /�nsaKIimg »»d ans Jahre Hinaus vertHeiltenRaten Zahlungen Bei Kahlnngsschiricrlgkcitcn grüsstc RUcknicht. Stets enopines Lager v. einfachst, b. feinst. Genre.! Ceniral-MSbel-Halle 9is*i Koiiimandantenstranac 51, Ecke Alexandrinenetrasse. J. 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