Ar. 268. Abonnements- Kedingungrn: vbonnemenl»-PrelZ pränumerando: vierteljährl. 3M> Mr., monatl. l.ioMl., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntag»- Nummer mir tlluftrirter Sonntagi- vsilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Slbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISSV unter Dr. 7376. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 13» Jahrg. Di« Inftrftons-Gebühr betrügt für die sechsgespaltene Kolone»» »eile oder deren Raum 10 Pfg., für Vereins- und BerfammlungS-Anzstgen. sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag« in der«rpedition abgegeben werde». Tie«rpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittags geöffnet. Erscheint lZglich einher Wonkag«. Devliner Volksbl�lt. Fernsprecher:«mt I,»r. IfiOB, Telegramm-Adresse: »S»iialdem»Kr»t Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Veutlz-Stratze 2. Expedition: SW. 19. Venth-Strahe 3. Zur Weltlage. Neber den Ernst der Weltlage macht man sich nirgends mehr Täuschungen. Und in Deutschland Maren die Täuschungen tief eingewurzelt. Seit Jahr und Tag hat ein Theil unserer Presse, und zwar der größere Theil— die Mehrzahl der fort- schrittlichen und bürgerlich- demokratischen Presse mit ein- gerechnet— dem deutschen Volk eingeredet und einzureden versucht, daß England eine verfallende Macht sei, daß es die Ueberlegenhcit des russischen Nebenbuhlers kenne und sich nicht mehr stark genug fühle, ihm mit den Waffen in der Hand entgegenzutreten, und daß es, wenn Rußland ihm einmal einen besonders empfindlichen Streich versetzt hat, wohl einen donnernden Protest erlasse und berserkerhaft mit dem Dreizack schüttele, dann aber, seiner Ohn- macht gedenkend, vor dem tapfer angedrohten Schlag zurückschrecke. So lange ist uns das vorgeredet worden, daß die Masse unseres Volkes es geglaubt hat; und das Glcichniß Bismarck's, der für die Weltpolitik stets sehr wenig Ver- ständniß gehabt hat, vom Walfisch und Bären, die einander wohl hassen aber nicht ernsthaft zu Leib gehen könnten, wurde im ganzen für richtig gehalten, und es empfing auch durch nianche Ereignisse der letzten Jahre anscheineiide Be- stätignng. Jetzt, wo England den Dreizack nicht blos schüttelt, sondern auch aller Welt dessen gigantische, jeden Vergleich mit anderen Seemächten ausschließende Größe zeigt, und seine Fähigkeit, ihn zu schwingen— jetzt, angesichts der riefen- haften Kraftentfaltung Englands, in diesem Moment hat sich ein Umschwung des Urtheils vollzogen. Daß eine solche Kraftentfaltung, daß solche Rüstungen, die Millionen von Pfund Sterling kosten, nicht blos Spielerei, nicht blos eitel Renommisterei sind, das sagt jedem der gesunde Menschenverstand. Und wer noch Zweifel hat, den belehrt ein Blick auf das englische Volk. Je zivilisirter ein Volk, desto mehr Abneigung hat es gegen den Krieg, weil es unter dem Krieg weit mehr zu leiden hat als ein bar- barisches oder halbbarbarisches Volk. Das hat schon M a c a u l a y und nach ihm Buckle dargelegt und des näheren ausgeführt. Der Russe, oder sagen wir richtiger: der russische Bauer hat keinen Abscheu vor dem Kriege— er lebt im Frieden so elend, daß er durch den Krieg nichts verlieren kann. Der Zar ist für ihn der Stellvertreter Gottes auf Erden— ruft der Zar. so zieht er ohne zu murren in den Krieg, und vom Schwert des Feindes oder der Pestilenz des Krieges weggerafft zu werden, ist für ihn wahrhaftig keine schlinimere Aussicht, als im Frieden langsam zu verhungern und der Pestilenz des Hungerthphus zum Opfer zu fallen, den der allmächfige und allgütige Zar, Stellvertreter Gottes auf Erden, zur dauernden Institution des Knutenreiches ge- macht hat. Anders der Engländer, für den der Krieg das Aufgeben unzähliger Wohlthatcn und Vortheile des Friedens bedeutet, von denen die Masse des russischen Volkes keinen Begriff hat. Er entschließt sich nur schwer zum Krieg. Wir meinen zu einem Krieg mit einem fremden Großstaat. Kolonialkriege, welche die Nation als Ganzes selten und vergleichsweise wenig in Mitleidenschaft ziehen, gelten nicht als eigentliche Kriege— sie gelten als unvermeidliche Folgen des Kolonienbesitzes, die in Kauf genonimen Vierden muffen. Vor dem letzten Krieg niit Rußland brauchte John Bull drei Jahre, ehe sein„Blut im Kochen" war. Diesmal hat er längere Zeit gebraucht, denn diesmal handelt es sich auch um einen viel größeren Krieg— aber„das Blut hat jetzt auch die nöthige Siedehitze"— darin stimmen alle irgend verläßlichen Nachrichten aus England überein. Und wir selbst haben von urtheilsbefähigtster Seite die Nach- richt, daß die Erbitterung gegen Rußland in allen Volks- schichten eine Höhe erreicht hat, ähnlich, ja noch intensiver, wie vor Ausbruch des Krimkriegs. Leider auch Erbitterung gegen Frankreich. Kurz, der Krieg zwischen Rußland und England ist in greifbare Nähe gerückt, und der grelle Kontrast dieser That- fache mit der anderen Thatsache, daß die nämliche Macht, durch deren wahnsinnige Eroberungssucht die Kriegsgefahr heraufbeschworen wird, vor wenigen Monaten die Einladungen zu einem Friedens- und Abrüstungs-Kongreß erlassen hat, bringt uns die Verlogenheit und Unnatürlichkcit der offiziellen Welt von heute, und die Wahrheit des Satzes, daß wir in der Aera der politischen Heuchelei leben, zu brennend lebendigem Bewußtsein. Doch wir wollen uns hier nicht in allgemeinen Be- trachwngcn, noch weniger in politischen Konibinationen er- gehen, die stets mehr oder weniger Kannegießerei sind. Die zwei Spieler am Schachbrett sind England und R u ß l a n d. Daß die englischen Kriegsvorbereitungen nicht gegen Frankreich gerichtet sind, ergiebt sich zur genüge ans der Nachgiebigkeit Frankreichs, die in dem gegenseitigen Macht- verhältniß ihre ausreichende Erklärung findet. Wird die Schachpartie noch eine Zeit lang von den Männern der Tiplomatenfcder oder wird sie unmittelbar von den Männern des Schwertes gespielt werden? Das können wir natürlich nicht wissen. Es scheint, daß die russische Diplomatie über das plötzliche Aufkochen des Zornes in England erschreckt ist, allein es fragt sich sehr, ob ein Zurückweichen noch möglich. Gewiß nicht inehr auf lange. Ist man in England sich doch vollkommen klar, daß Rußland, trotz alles Gepolters bei weitem nicht so gerüstet ist, wie England, und daß es daher im Interesse Englands liegt, den Entscheidungskampf, der doch gekämpft werden muß, je früher je lieber zu kämpfen. Ueber das Kräfteverhältniß beider Weltreiche, über die Chancen hüben und drüben, über die Folgen des Eintrittes der Vereinigten Staaten in die Arena der Weltpolitik heute kein Wort. Nur einige kurze Bemerkungen über die Stellung der übrigen Großmächte zu den sich vorbereitenden Ereignissen. Weder Deutschland, noch Oesterreich, noch Italien haben an sich irgend einen Grund, in die endgiltige Auseinandersetzung zwischen Rußland und England sich einzu- mischen. Und sind die Regierungen der drei Länder nur halbwegs klug, so werden diese in den Krieg nicht hinein- gerissen werden. Zum Glück hat die deutsche Regierung in neuester Zeit sich dem Drängen der Junker, die uns im Interesse des Absolutismus und des Zareuthums in Kon- flikt mit England zu bringen bemüht sind, widersetzt und freundschaftlichere Beziehungen mit England erstrebt und erreicht. Aus der Kiautschou-Mansefalle, in welche die Reichs- regierung, verlockt und verblendet durch das Irrlicht einer antiquirteu Kolonialpolitik einen Theil unserer Flotte gesteckt hat, lassen unsere Schiffe sich hoffentlich noch rechtzeitig herausschaffen; und wenn sie, vom Kriege überrascht, hübsch außer Schußweite der englischen Kanonen bleiben, droht ihnen wohl auch keine ernste Gefahr. Jedenfalls kann Deutschland nicht ohne seine eigene Schuld in den Krieg verwickelt werden, einen Krieg, dcni die Rcichsregicrung unseres Erachtcns sehr ivohl hätte vorbeugen können, wenn sie durch ihre Hinneigung zu Ruß land und durch die unglückliche Flottenseudung nach 5tiautschou die russische Diplomatie nicht zum Vorgehen in Ostasieu er muntert hätte. Zweifelhaft ist nur die Haltung Frankreichs. Wird der russische Einfluß, trotzdem er sehr abgenommen hat, doch noch stark genug sein, um die Theilnahme am Kriege zu erwirken? In Afrika und Asien stößt englischer und französischer Einfluß ja vielfach aufeinander; doch bei vernünftiger Erwägung muß jeder Franzose zur Erkenntnis; kommen, daß Frankreich als russischer Bundesgenosse weit mehr auf das Spiel setzt, als die russische Bundcsgcnossenschast Werth ist. Jndeß das ist Sache der Franzosen. Für Deutschland, das sührteu wir schon vor Jahren aus gegenüber dem Phantom des„Kriegs mit zwei Fronten", den Caprivi aufmarschiren ließ, um die neue(jetzt alte) Militär Vorlage durchzudrücken— für Teutschland ist ein Krieg gegen Frankreich und Rußland zusammen weniger gefährlich, als ein Krieg gegen Frankreich allein sein würde, wenn England nicht unser Freundwäre. Denn in diesem Fall, den herbeizuführen unsere Junker und Wasser- und Land Chauvinisten sich seit Jahrzehnten alle erdenkliche Mühe geben, wären wir durch die weit überlegene Flotte Frankreichs von der See und von allen überseeischen, für die Er- nährung unseres Volkes und unserer Armee unentbehrlichen Getreidezufuhren abgeschnitten, und dadurch kämen die Franzosen in einen Vortheil, den auszugleichen für uns äußerst schwierig sein würde. Im Falle eines Krieges mit Frankreich und Rußland dagegen hätten wir unzweifelhaft die direkte oder indirekte Unterstützung Englands. Würde England auch nicht unser aktiver Bundesgenosse, so würde es doch unter allen Umständen die See für uns offen halten und wir wären im stände, ohne sonderliches Risiko mit unseren kolossal ent wickelten Militärkräftcn uns der französischen(und für den Angriffskrieg, nicht der Zahl, aber der Stärke nach, enorm überschätzten) russischen Armee gleichzeitig zu erwehren und jeden Einbruch in deutsches Gebiet wirksam zu verhindern. So ist demnach bei absoluter Neutralität des Deutschen Reichs die Möglichkeit und sogar wohl die Gewißheit vor Händen, daß Deutschland von der Kriegsfurie verschont bleibt. Durch Flotten- und Heeresvermehrungen kann der Gefahr nicht vorgebeugt werden. Unsere Armee reicht für alle erdenk� lichen Fülle aus; und keine irgend mögliche Flottcnverstärkung kann die Uebcrlegenheit der französischen Flotte aufheben. Eine den Interessen des Volkes entsprechende Friedens- Politik allein kann die drohenden Gefahren beschwören, während militaristische, auf den Säbel pochende Gewaltpolitik die Lage nur verschimmern kann. Die Regierung zu einer Friedenspolitik hinzudrängen, für die Durchführung absoluter Neutralität in dem sich vorbereitenden Kampf zwischen Eng- land und Rußland zu sorgen, und das landesverrätherische Treiben der Junker, die Deutschland zum Vasallen Rußlands herabwürdigen wollen, um jeden Preis und mit allen Mitteln zu vereiteln, das ist Sache des deutschen Volks._ politische Mvbeeficht. Berlin, den 14. November. Zu Herrn v. Hcyl's Plänen. Die Nachricht des „Berliner Tageblatts", von welcher auch der„Vorwärts" Kenntniß nahm, nach der Herr v. Hehl und seine süddeuffchen Parteigenossen sich in Heidelberg über ein Vorgehen gegen die Sozialdemokratie verständigten, entspricht trotz aller Dementis der Wahrheit. Herr v. Hehl macht zwar, seitdem er wieder in den Reichstag kam, viel in Arbeiterfreundlichkeit und bekanntlich hat er in Angelegenheiten der Konfektions- arbeiter und Arbeiterinnen mehrfach das Wort genommen und vernünftige Anträge vertreten. Aber dieser Eifer für sozial- reformerische Maßregeln ist ein sehr einseitiger und macht sofort Halt, sobald es sich um allgemeine Refonnmaßregeln handelt, wie sie z. B. von der Sozialdemokratie gefordert werden. Alsdann hält er es mit seinem Freunde Stumm. dem er sich kongenial fühlt. Es ist auch nicht ganz richttg, wenn er in jenem Artikel als ein kleiner Stumm bezeichnet wird. Herr v. Stumm kommandirt zwar über erheblich mehr Arbeiter als Herr v. Heyl, aber ihr Einkommen ist ziemlich das gleiche, weil Herrn v. Hcyl's feine Lederfabrikate, für die er fast ein Monopol hat, eine höhere Profitrate abwerfen, als die groben Eisenfabrikate des Herrn v. Stumm. Letzterer wird in den preußischen Steuerlisten mit einem Jahreseinkommen von ca. 2 Millionen Mark aus- geführt, Herr v. Heyl in der hessischen Steuerliste mit einem Jahreseinkommen von ca. l�/i Millionen Mark. Beide gehören also zu den Auserwählten der Auserwählten. Aber auch in ihrer Meinung wie in ihrer Furcht vor der Sozialdemokratie stimmen beide überein, nur daß Herr v. Heyl der Geschicktere ist und seine Gesinnung nicht in der rücksichtslosen und plumpen Art seines Freundes, des Herrn v. Stumm, zur Schau trägt. Beide sind aber entschiedene Anhänger von Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie und beide sind sehr einflußreiche Personen. Herr v. Stumm in Preußen, Herr v. Heyl in Hessen und Baden. Bei dem Eifer, den auch der Großherzog von Baden für Ausnahmegesetze. gegen die Sozialdemokratie besitzt, ein Eifer, der sich noch gesteigert hat, seitdem seine Residenz und zwei andere Wahl- kreise seines Landes sozialdemokratisch im Reichstag vertreten sind, ist anzunehmen, daß die Heidelberger Konferenz mit Wissen und im Einverständniß desselben,' wenn nicht auf seine Anregung zusammentrat. Wie ernst Herr v. Heyl die sozial- demokratische Gefahr einschätzt, dafür spricht, daß er nach seinem eignen G e st ä n d n i ß ein Gut, das er in der Gegend von Romanshorn(Schweiz) von seinem Vater erbte, hauptsächlich deshalb konservirt, um einen Zufluchtsort zu haben, falls es im Deutschen Reiche ihm nicht mehr geheuer erscheinen sollte. Der Vernuilftmonarchist hält eS in der Roth auch mit den Republikanern. Bei solchen Gedanken und Anschauungen von den Zu- ständen in Deutschland erklärt sich die Unruhe in den Kreisen der Herren v. Stumm, Heyl und Genossen; sie sehen bereits kommen, woran man in sozialdemokratischen Kreisen nicht cinnral gedacht hat. Der Besitz macht ängstlich und über- vorsichtig, das zeigt sich hier wieder schlagend.— Ter uahcudc Krach. Der„Deuffche Oekonomist" vom 3. fNovcmber 1893 enthält einen Artikel, betitelt:„Die Großbanke n", der folgendermaßen beginnt: „Wenn nicht alle Zeichen trügen, so werden unsere großen Banken in nicht mehr ferner Zeit die Probe darauf zu bestehen haben, wie sich ihre neueste Entwickelung unter_ außergewöhnlichen Verhältnissen, u. a. in einer schweren industriellen Krisis, bewähren wird. Noch zwar lauten die Berichte über den Gang der Industrie durchweg günstig, und wir wollen uns kein Urtheil darüber gestatten, wie� lange dieser günstige Zustand noch danern kann; aber das ist doch zweifellos, daß es sich immerhin hierbei nur um eine bcrhältniß- mäßig kurze Zeit handeln kann, die auch der größte Optimist wohl' nicht über ein bis zwei Jahre in Aussicht nimmt, die der Pessimist aber nur noch nach Atonaten bcmißt. Jedenfalls ist nach dem immensen Aufschwung der industriellen Leistungsfähigkeit, welche der dauernden Verbrauchsfähigkcit weit vorausgeeilt ist, eine Periode zu erwarten, welche dem Aus- gleich zwischen Produktion und Konsum gewidmet ist und alle Merkmale einer Krisis an sich trägt." Im weiteren führt der Artikel aus, daß sämmtliche große Banken direkt mit Engagements für große und weit in die Zukunft gehender Unternehmungen belastet sind, daß im Falle eines Krachs Wohl die Fra'ge entstehen dürfe, ob sie diesem gewachsen seien. Insbesondere sei erforderlich, daß die Ge- setzgebung dahin geändert werde, daß die Banken gezwungen würden, den Depositenverkehr streng vom übrigen Bankverkehr zu trennen. Aehnliche pessimistische Anschauungen enthält der letzte Londoner„The Economiste", der die wirthschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten und England mit ungünstigen Augen ansieht. Kommt der Krach, so werden wie immer die Arbeiter die Hauptkosten zu tragen haben.— Gepfeffert mit allerlei Neufordernngen wird der neue Militäretat erscheinen. Während noch in der vorigen Reichstagstagung der Kriegsminister v. Goßler erklärt hat, es sollen für die nächste Zeit nur Forderungen gestellt werden behufs der Neuorganisation der Feldartillerie, hat Moloch Militarismus derweilen einen ganzen Sack voll Wünsche ausgeschüttet. Kaum ein einziges Gebiet unseres Militärwesens, das nicht„Verbesserungen" erfahren soll, das nicht neue bedeutende Kosten verlangt! Um die bitteren Pillen, die da verabreicht werden sollen, etwas zu verzuckern, heißt es nun, die Regierung werde nicht alles mit einmal fordern, sondern von Jahr zu Jahr etwas. Wie hoch müssen da die Forderungen der Regierung sein, wenn sie es nicht wagt, dem deutschen Volke, das doch in Anforderungen für den heiligen Militarismus so unendlich viel gewöhnt ist, das ganze Gericht auf einmal aufzutischen! Es sollen die aus den Halbbataillonen im vorigen Jahre gebildeten Bataillone ans den„mittleren Etat" gebracht iverden. Schon das erfordert eine Erhöhung der Friedens- Präsenzstärke. Ferner aber wird— abgesehen von der Neuorganisation der Feldartillcrie— die Schaffung von drei neuen Telegraphenbataillonen und eine Vor- mehrung der Kavallerie beabsichtigt. In welchem Um- frage die Kavallerie vernwhrt werden soll, weiß man noch nicht und es rathen einige Blätter, die etwas gehört haben wollen, auf eine Gesammtver mehrung der Friedenspräsenz v o n 15 000— 40 000 Mann. Es dürfte sich also möglicherweise um eine oder mehrere Vorlagen handeln. die hinter derjenigen des Grafen Caprivi von 1893 kaum zurückstehen wird, um derentwillen der Reichstag aufgelöst wurde und gegen die sich die große Mehrheit des Volkes erklärt hat. Dazu stehen aber auch bedeutende Neuforderungen im Marine- und Kolonial-Etat bevor. Kiautschou-„Leimstadt" wird einen ganzen Verwaltungsapparat beanspruchen zu all den übrigen Millionen, die zur Urbarmachung des chinesischen Deutschlands erforderlich sind. Kurz, der Militarismus wird dem deutschen Volke wieder eine reizende Rechnung aufmachen. Wie wird sich der Reichstag dazu stellen? Zentrums blätter sagen jetzt, es müsse mit Entschieden- heit jedem Versuch entgegengetreten werden, aus der ferneren Beibehaltung der zweijährigen Dienstzeit ein Handelsobjekt für die Dnrchbringung neuer starker Militärforderungen zu machen. Leider hat das Zentrum so oft schon seine Zu- stimnmng zu Militär- und Marinefordernngen mit einer gleichen entschiedenen Opposition eingeleitet. Die Ausweisungen ans Schleswig, über die wir in unseren Nummern vom 28. Oktober und vom 3., 8., 9. und 10. November berichtet haben und denen seitdem weitere gefolgt sind— im ganzen jetzt über Hundert— haben ausnahmslos Personen betroffen, die politisch nie eine Rolle gespielt haben. Trotzdem ist, wie sich nachträglich heraus- stellt, die Parteipolitik doch diesen Ausweisungen nicht fremd. Aus Nordschlcswig erhalten wir, von zuverlässiger Seite, folgende Mittheilungen: „Jnfolgeder letzten Landtagswahl sind inNord- s ch l e s w i g massenhafte Ausweisungen, zumeist von dänischen Arbeitern und Dienstleuten verfügt worden. Dänisch,— nicht dänische Staatsangehörige, wenigstens nur ein Theil, sondern zum Theil preußische Staatsangehörige dänischer Abstammung. Die meisten der Ausgewiesenen haben sich entweder an Ver- sammlungen des dänischen Protestkandidaten Hansen be- theiligt, oder sie haben bei den Wahlen diesem ihre Stimme gegeben. Die Oeffentlichkeit der, Stimmabgabe hat sie ans M ess er g e l i e f e r t." � So weit unser Gewährsmann. Der Umstand, daß preußische Staatsangehörige aus Preußen ausgewiesen werden könnten, erscheint kaum glaublich. Trotzdem ist es wahr. Mit wenigen Ausnahmen sind die Ausgewiesenen Kinder des Landes, in Schleswig geboren und erzogen; und zum Theil haben sie in der deuffchen Armee gedient und in den Landtags-Wahllisten gestanden— wurden also auch von den Behörden als preußische Staatsbürger und Reichsangehörige betrachtet. Das schier Unerklärliche erklärt sich durch den Wiener Vertrag von 1864, der Schleswig- Holstein an Preußen überlieferte. In einer Klausel dieses Vertrages wurde fest- gesetzt, daß es 6 Jahre lang nach Abtretung Schleswigs den militärpflichtigen Schleswigern freistehe, im dänischen Heere zu dienen, ohne daß sie ihrer Staatsbürgerrechte in Schleswig beziehentlich Preußen verlustig gingen.' Diese Bestimmung, sowie andere Bestimmungen, durch welche die Dänen Nord- schleswigs eine Art staatsbürgerlichen ZwittcrdaseinS erhielten, wurde durch eine preußisch-däuische Uebereinkunft im Jahre 1872 bestätigt. An der Thatsache, daß einige der Ausgewiesenen blos deS- halb ausgewiesen worden sind, weil sie bei der letzten Landtags- Wahl für den dänischen Kandidaten gestimmt haben, ist nicht zu zweifeln. Und wir empfehlen diese Thatsache der Auf- merksamkeit derjenigen unserer Genossen, die bei der letzten preußischen Laudtagswahl die Entdeckung gemacht zu haben glaubten, die öffentliche Stimmabgabe sei nicht so gefährlich, als man vorher allgemein angenommen. Jedenfalls sind diese Ausweisungen für Deutschland geradezu eine Schmach, sie stellen uns Rußland an die Seite und werden im Reichstag sicher zur Sprache kommen.— Zur Aiiarchistcukonfcrcnz wird es an Material doch so er- heblich fehlen, daß die italienische Regierung sich beeilen muß, etwas herbeizuschaffen, wenn sie beim Empfange ihrer Gäste nicht mit leeren Händen dastehen soll. Rur so erklärt sich die folgende Depesche aus Turin vom 13. November: Das 4. Bersaglieri- Regiment erhielt von einem aus diesem Regiment desertirten Sol- baten einen Brief, worin der Deserteur mittheilt, er sei Anarchist und beabsichtige,� auf den Prinzen von Neapel ein Attentat auszuführen. Wie die„Italic" nnttheilt, wandte sich der Vatikan an die mit ihm enger liirten Mächte mit dem Ersuchen, sie möchten den Versuch machen, es durchzusetzen, daß dieAnti-Anarchistenkonferenz in Florenz zusammentrete. Die„Italic" fügt hinzu, dieser Schritt sei in sehr höflicher Weise ohne Erwähnung des Vatikans durch den Vertreter einer jener Mächte beim Qmrinal erfolgt. Nach einigen beiläufig gewechselten Worten und nachdem die italienische Regierung entschieden abgelehnt hatte, wurde nicht mehr über die Angelegenheit gesprochen. Die italienische Regierung wird durch den Minister des Aeilßerii, Admiral Canevaro, den Sektionspräsidenten des Kassationshofes, Senator Tancredi, und den Präfckten Senator Grafen Sormani- Moretti vertreten sein. Als Abgeordnete der niederländischen Re- gierung werden der Gesandte Westenberg und der Oberstaatsanwalt H. I. Kist, Mitglied der ersten Kammer der Generalstaaten, be- zeichnet. Die belgische Regierung hat beschlossen, an der Anarchisten- Konferciiz in Rom sich durch den dortigen Botschafter mid den Generaldirektor der Staatsgefänginsse, Adolf Prius, vertreten zu lassen.— Anarchistische Attentate. Unser gestriger Leitartikel über an- archistische Attentate ist der„Post" höchst unangenehm; sie widmet ihm eine Entgegnung, die den Anschein erwecken soll, als handle es sich um eine Widerlegung, die aber thatsächlich aus nichts anderem wie öden Schlagworten besteht. Nachdem das Stumm'sche Blatt eine volle Spalte sich in dem bekannten„Lausejungen-Ton" seines Herrn und Gebieters ergangen und von Verhetzung, Beleidigung, Verhöhnung, sophistischer Verdrehung, arrogantem Auftreten. Neid, Haß, Mißgunst, erbärmlichen Bestrebungen, An- mnßung. Lästerliedcrn deS„Vorwärts" gesprochen, geht eS endlich zum Schluß ganz kurz auf den Ken, der Sache em. wobei es sich aber auch noch einer groben Fälschung schuldig macht. Es sucht uns einen Widerspruch nachzuweisen, indem es behauptet, wir hätten bisher die sozialen Verhältnisse, die kapitalistische Wirth- schaftsordnung für die anarchistischen Attentate verantwortlich ge- macht, während wir jetzt mit Professor Vargha darin übereinstimmen. daß der Staat oder die Justiz dafür verantwortlich zu machen sind. Die Worte„oder die Justiz" hat der Artikelschreiber der „Post" einfach hinzu gelogen, weil sonst seine Schreibereien noch weniger Sinn gehabt hätten, als es so schon der Fall ist. Profcstor Vargha ist es gerade, der in völliger Uebereiu- stimmung mit uns den Staat oder die Gesellschaft für anarchistische Attentate verantwortlich macht. Rohe und grausame Ausschreitungen einzelner werden nur ganz nebenbei rein psychologisch erklärt aus der heute noch geübten' Martcrstrafe, und gerade Professor Vargha ist es, der in energischer Weise stir eine Reform unserer Justiz ein- tritt, um wenigstens die schlimmsten Auswüchse zu beseitigel,. Der Artikel der„Post" richtet sich auch weniger gegen uns, als gegen Vargha, dessen von der„Post" als„perverse Theorie" bezeichneten Ausfühnmgen der bürgerlichen Gesellschaft höchst unbequem und deshalb von fast allen bürgerlichen Blättern todtgeschwiegen sind. Mag immerhin die„Post" davon reden, daß sich gegen diese Theorie jedes gesunde moralische Empfinden empört, wir wissen ja, was es init dem gesunden moralischen Empfinden der Schützlinge dieses Blattes auf sich hat. Für die Wissenschaft ist es jedenfalls ein Segen, daß es noch Männer giebt. die sich mit den Ursachen der Verbrechen beschäftigen. Sollte die Wuth der„Post" vielleicht daher stammen, daß sie fürchtet, es könnte Herrn Prof. Vargha einmal ein- fallen, auch die Handlungen der Ehren-Fischer und Ehren-Fink psychologisch und wirthschaftlich zu erklären? Die FriedcuSvcrhandlungen zwischen Spanien und den Ver- einigten Staaten drohen ins Stocken zu kommen. Das einflußreiche Madrider Blatt, der„Jmparcial", sagt, die Regierung habe Montero Rios Jnstnlktionen gesandt. ES sei möglich, daß die Konferenz an» Montag die letzte oder vorletzte sein werde, falls die Amerikaner ihre Ansprüche nicht mätzigen. Nach Ansicht eines Ministers könne die Regierung nicht länger zaudern. Und das Washingtoner Kabinet hat am Sonnabend Abend nach Paris ein Depesche gesandt, in welcher die amerikanischen Kommissare für die Friedcnsunterhandlungcn angewiesen werden, keine weitere Erörterung bezüglich des VerstigungSrechtes über die Philippinen zuzulassen. Den einzigen Gegenstand der Berathung habe die Art und Weise der Ucbcrgabe der Inseln zu bilden. Die amerikanische Regierung hat den Befehl ergehen lasien, die Reparatur einiger Panzerschiffe aufzuschieben, und andere Schiffe, die Ordre erhalten hatten, m See zu gehen, nicht auslaufen zu lassen, bis die FriedcnSverhastdlungen mit Spanien beendigt sind. Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Aus Paris wird heute telegraphirt: Auf Wunsch der spanischen' Kommissare tritt die Friedens« kommission heute nicht zusammen. Die nächste Sitzung ist auf Mitt- woch festgesetzt.— •• « Deutsches Reich. Die Einbernfnng deS Reichstags. Die„Norddeuffche All- gemeine Zeitung" schreibt:„Wie wir hören, wird die Eröffnung des Reichstages in den ersten Tagen des Dezember statt- finden." Die„Freisinnige Zeitung" vcrmuthet, daß der Reichstag am 6. Dezember zusammentreten wird.— J Tie Lippe'sche Angelegenheit. DeS Grafrcgenten von Lippe �.feierliche Rechlsverwahrung" an die deutschen Fürsten haben nur nach der aktcnmäßigen Veröffentlichung des„Neuen Wiener Tagebl." bereits auszugsweise mitgciheilt. Da diese Angelegenheit sicherlich noch viel Staub aufwirbeln wird, ivollen wir die beiden dem Streitfall zu gründe liegenden Aktenstücke hier dem Wortlaut nach mittheilen. Der Grafrcgent Ernst zu Lippe richtete am IS. Juni d. I. aus Detmold folgendes Schreiben an den Kaiser: „Allerdurchlauchtigster Kaiser und König, Allergnädigstc'r Kaiser und Herr I Eure Majestät wollen Allergnädigst geruhen, mir in nach- stehender Angelegenheit huldvoll st Gehör zu schenken und mir Ew. Majestäl mächtigen Schutz und Beistand gewähren zu wollen. Nach Uebcrnahmc der Regentschaft des Fürstenthums Lippe habe ich, übrigens im Ehiverstnndnisse mit dem Generalkommando des VII. Armeekorps Anordnung dahin erlasse», daß de» Mitgliedern meines Hauses seitens der hier dislozircnden Truppen militärische Ehren zu eriveisen, sowie daß in der Anrede das Prädikat Erlaucht anzuwenden sei. Beide Anordnungen sind jetzt seitens deS kommandircndcn Generals deS VII. Armeekorps einseitig ausgehoben worden, letztere noch mit der Verschärfung, daß es den Osfizicren des hiesigen Bataillons nicht einmal gestattet ist, aus Courtoisie die genannte Anrede zu gebrauchen. Ich darf dabei vorausschicken, daß, wenn irgendwie der Wniisch an mich herangetreten wäre, die getroffenen Anordimngeu zu modifizircn, ich mich diesem Wunsche wohl nicht widersetzt hätte, und es ist auch weniger die nunmehr eingetretene Versagung militärischer Ehrenbezeigungen für die Mitglieder meines Hauses der Anlaß dieser mcmcr Bitte an Ew. Majestät, als der Eingriff des kommandircndcn Generals in die Rechte des Kontingents- und Landesherr» und die unterschiedliche Behandlung des Fürstcisthnms Lippe zu den anderen deutschen Bundesstaaten, welche mich zwingt, Ew. Majestät allcrgnädigste Hilfe anzurufen. Durch die Miiitärkonvcnlion vom 23. Juli 1874 ist zwar die Militärhohcit an Ew. Rlajestät abgetreten, jedoch sind dem Kontingentsherren diejenigen Stechte verblieben, welche nicht Gegsn- stand jener Uebereinkunft waren. Insbesondere sind dem Kontingents- Herrn ausdrücklich die Stellung und die Ehrenrechte eines kommandirenden Generals gegenüber den im Fürstenthum dislozircnden Truppen eingeräumt Ivorden. Unverträglich mit dielen vcrsasiungsmäßigen Ehrenrechten des Kontingentsherrn dürste es sein, daß der Dienstvorgesetzte eine von mir erlassene Anordnung seinerseits aufhebt, und ebenso unberechtigt erscheint es, daß er meinen Landcsiindern befiehlt, einer von mir ge- troffenen Anordnung aus einem nicht militärischen Gebiete un- gehorsam zu werden. Dieses Verfahren erscheint mir um so un- richtiger, als es von dem gegenüber anderen Bundesstaaten durchaus abweicht, in denen die gleichen Anordnungen von Alters her und unbeanstandet in Brauch sind. Artikel 12 der Kon- vention bestimmt ausdrucklich, daß, sofern nicht die Reichs- Verfassung und die preußischen Militärgcsctze ein Anderes be/ stimmen, für die im Fürstenthum Lippe dislozircnden Truppen die hiesigen Gesetze, Verordnungen und Rechtsnormen zur Anwendung kommen. Es dürfte daher unzulässig sein, daß der kam- mandirende General in Münster über den Kopf des Landes- und Kontingentsherrn hinweg dessen Anordnungen für unverbindlich er« klären kann. Ein solches Vorgehen mußie mich um so schmerz- lichcr berühren, als es im eigenen Lande meine Autorität zu unter- graben, den Geist deS Widerspruchs gegen meine Regierung zu stärken und die Anbahnung friedlicher und gedeihlicher Verhältniste im Lande zu erschweren geeignet ist. wie auch andererseits die Lippische Be- völkerung eine' ihrem Regenten angethane ungerechtfertigte Demü'thigung nicht verstehen will. Da ich im Interesse der Disziplin Anstand nehme, meinerseits Gegenbefehle zu geben, zu welchen ich als Kontingents- und Landesherr dem auf mich vereideten und verpflichteten Trnpventheile gegenüber voll bercchtigtzu sein glaube, appcllire ich an Ew. Majestät Gerechtigkeitssinn und bitte um die Gnade, durch ein kaiserliches Machtwort einem solchen Eingriff in die Rechte eines Bundesfürsten Einhalt zu thun und dem kom- mandirenden General des VII. Armeekorps allergnädigst befehlen zu wollen, seine Anordnungen aufzuheben und sich jeglichen Ein- griffs in meine Rechte fernerhin zu enthalten. Mit dem Ausdrucke unwandelbaren Respekts habe ich die Ehre zu verharren Eiv. Majestät unterthänigster Diener Ernst Graf» Regent zu Lippe." Der Grastegent erhielt auf diesen, allen Anforderungen deS höfischen Zeremoniells entsprechenden Brief folgendes Telegramm: „Berlin. Schloß, 17. Juni 1898. Ihren Brief erhalten. Anordnungen des kommandirenden Generals geschehen mit meinem Einverständnisse nach vorheriger Anfrage. Dem Regenten, was dem Regenten zukommt, weiter nichts. Im übrigen will ich mir den Ton, in welchem Sie an mich zu schreiben für gut befunden haben, ein für alle Mal verbeten haben. IV. R." Gegen dieses Telegramm richtet sich die„feierliche Rechts- Verwahrung" des Grafregenten. Die Presse stellt sich, so weit wir sehen, fast ausschließlich auf die Seite des sich schwer gekränkt fühlenden Bundesfiirsten. Die„Kölnische Zeitung" bringt, wie telegraphisch gemeldet wird, einen offenbar offiziösen Artikel, in welchem der Versuch ge- macht wird, den Grafregenten als den schuldigen Theil des Konflikts hmzustcllen.— Die HandelSstatistik des Rcichsamts deS Innern erfährt soeben seitens der„Zentral st elle für Borbereitung von Handelsverträgen" eine Kritik, die zwar mitunter etwas gesucht und übertrieben sein mag, der jedoch die Benutzbarkeit des amtlichen Quellenwerkes über den„Auswärtigen Handel des deutschen Zollgebietes nach Herkunsts- und Bestimmungsländern in den Jahren 1880— 1896" unzweifelhaft als mindestens sehr stag- würdig und bedenklich nachweist. Wenn man im vorigen Jahre gegen die Statistiker des Reichs- Marine- Amts Nachsicht übte, weit die Ziffern nur für den Augenblick und zu dem eint» Zwecke der Flottenverniehrung flüchtig zusammengerafft waren, so muß man um so größere Ansprüche an eine Publikation stellen, die für einen längeren Zeitraum über die Einzel- besten der wirthschaftlichen Entwickelnng und besonders auch über die Wirkungen der bisherigen Handelspolitik Deutschlands unterrichten soll. Daß diese Ansprüche indeß in keiner Weise be- friedigt werden, hat Dr. B o S b e r g- R e k o Iv für eine Reihe nicht unwichtiger Länder und Waaren dargelegt. Von Flüchtigkeits- und Druckfehlern in dem amtlichen Werke sehen wir dabei ab, obwohl solche Versehen, wie die Lertauschung von Zahlen des General Handels mit den Ziffern des S p e z l a I- Handels in amtlichen Nachweisen wahrhaftig nicht vorzukommen brauchten. Frappirend sind dagegen die Angaben über die Willkllrlichkeiten. mit denen bei den einzelnen Ländern die Ein- und Ausfuhrartikel „von besonderer Bedeutung" ausgesucht und statistisch behandelt sind. Wiederum, ist die Einsuhr' eines Artikels als bedeutsam verzeichnet, so fehlt häusig— aber durchaus nicht immer— die entgegenstehende Ausfuhr, und umgekehrt. Artikel, welche im Verkehr mit Belgien im Rcichsamt des Innern ausgelassen sind und welche man daher als„nicht bedeutsam" betrachten müßte, finden sich zum theil in der ursprünglichen Reichsstatistik gerade mit als„Haupt"-Einfuhr- und Aussuhr'Artikel zusammengestellt I Irgend ein ordnendes Prüizip ist in dieser Willkür nicht zu erkennen.„Es ist demnach füc eine» Unterhändler sb-i Handelsverträgen) gänzlich ausgeschlossen, eine Statistik zu Rathe zu ziehen, welche ihm bei bestinunten Artikeln nur die Einfuhr oder nur die Ausfuhr nachweist, ihn über die fehlende Ergänzung aber völlig im Unklaren läßt oder gar die Bor- sicllung in ihm erweckt, eine solche Ergänzung existiro gar nicht. Für den letzteren Fall würde ein so beschaffenes Hilfsmaterial geradezu als gefährlich und irreführend bezeichnet werden müssen... Bis zum Ablauf der meisten der bestehenden Verträge wird diese Arbeit, man kann sagen glücklicherweise, veraltet sein... So wie die Arbeit heute ist, kann sie als handelspolitisches Hilfsmaterial füglich überhaupt nicht gelten." Wir schätzen im allgemeinen die Statistik als Grundlage der Saudclsvolikik' lange nicht so hock ein, wie Dr. Vosberg. Insofern kann unseres Erachtens die Arbeit des Reichsamts des Innern auch praktisch kein besonderes Unheil anrichten. Aber ein wissenschaftliches Aergcrniß ist sie doch. Und wenn die Offiziösen ihren Herrn und Meister jetzt dadurch räche» müssen, daß sie der„Zentralstelle" gleich- falls mancherlei Jrrthümer nachweisen, so thätcn sie besser, zunächst vor der Thür des Reichsamtcs des Innen: zu fegen. Ein privates Bureau ist keine öffentliche Behörde, und Jrrthümer, die dort ent- schuldbar sind, sind hier einfach unbegreiflich und unverzeihlich.— Ter„Werft- und Hafenbote", das von Herrn Tirpitz ins Leben gerufene Organ zur Bekehrung der Werftarbeiter, droht, wie uns berichtet wird,' aus Mangel a n M i t t e l n ei n zu gehen. Um dieses Aeußerste abzuwenden, hat Herr Harms, Kapitän zur See, die Unterstützung deutscher P r i v a t w e rft e n nachgesucht. Er beruft sich dabei darauf, daß die Niederlage unseres Parteigenossen Legicn bei der Kieler Reichstagswahl in hohen: Matze der Mit- »virkung des„Werft- und Hasenborcn" zuzuschreiben sei, unsere Partei habe an den Verlust von Kiel gar nicht gedacht. Es würde deshalb ans die bisher„gewonnene::" Arbeiter von entumthigendem Eindruck sein, wenn das Erscheinen des Blattes eingestellt werden müsse. Das würde den Sozialdemokraten Wasser auf die Mühle treiben und die von ihnen„irregeleiteten" Arbeiter, die sich von uns abzuwenden begönnen, wieder wankend machen: Unsere Freunde, die Feinde, handeln nicht klug, sich noch immer den Kopf darüber zu zerbrechen, wie es zu verhindern wäre, der Sozialdemokratie Wasser auf die Mühle zu liefern. Sie mögen beginnen, was sie wollen, unserer Partei wird alles förderlich, was sie thun. Insbesondere sollten sie sich aber hüten, Zeitungen gegen uns zu gründen. Aus Sympathie in den Arbesterkresten haben solche Blätter selbstverständlich nicht zu rechnen, so daß. um sie über Wasser zu halten, nichts weiter übrig bleibt, als in den eigenen Beutel zu greisen. Nun begreift cS sich ja, daß unsere Herren Gegner außer den Opfern des Intellekts nicht auck noch finanzielle Opfer an die Bertheidigung der bestehenden elenden Gesellschaftsordnung verschwenden wollen, aber dann mögen sie einfach das Gründen von Zeimngcn gegen nnscre Partei unter- lassen, denn so oder so haben sie davon werter nichts als Blamage. Nachstehender Beschwerde giebt der„Rcichsbote" Ausdruck: „Die zur Einweihung der evangcliichen Erlöserkirche vom Kaiser ein- geladenen Vertreter der evangelischen Kirche auf einem gemietheten alten englischen Dampfer und in Jerusalem einlogirt in eurem französischen Kloster, wo sie sich scheuen mußten, eine evangelische Andacht zu halten und ein deutsches Lied zu singen: das ist für jedes deutsche und evangelische Empfinden ein sehr deprinrirender Eindruck, und mau fragt unwillkürlich: wer hat das zu verantworten?" Die ganze gläubige evangelische Christenheit muß entschieden, die Ernennung von Pastoren als vortragende Räthe im Hof-Reiseamt dpK deutschen Kaisers fordern.— �5-' Ter Wucherprozest tu Hannover hat wieder großes und peinliches Aussehen erregt und die Löweustein und Znckcrnrann er« inner:: lebhast an den„ollen ehrlichen Seemann". Der streng konservative„Reichsbote" schreibt über den Fall: Hier wie dort sind es Offiziere und zwar zumeist aus den Kreisen des Adels, welche wir im Wuchervcrkchr mit diesen widerwärtigen Wucherjuden sehen. Und was treibt sie dazu? Schulden, die sie zwingen, im Augenblick, um jeden Preis, wenn auch vierteljährlich zu 20 und 25 pCt. Zinsen, Geld zu erhalten, um sich die Existenz m der Armee wenigstens in dem Augenblick zu sichern. An die Zukunft, wie die Schulden beim Wuchcrjuden gedeckt werden sollen, wird nicht gedacht; mm: unterschreibt alles, was der Jude verlangt— man unterschreibt Wechsel für 10000 Mark, während man nur 7000 Mark erhält und noch obenein haarsträubende Zinsen zahlen nmß. Die Schulden bringen die jungen Leute um alles; um Ehre, um Beruf und nicht selten ums Leben I lind was liegt nicht alles hinter diesen Schulden. Der Prozeß wirkt um so peil':- lichcr, als anch der hiesige neuliche Wucher- und Kuppelciprozcß Hartert noch in frischer Erinnerung ist, worin ebenfalls Offiziere eine sehr peinliche Rolle spielten. Es ist ja kein Gehcimniß, wie diese Schulden entstehen,— es hängt daran meist die Ehre, das gute Gewissen, die Sittenreinhcit ihrer Opfer—, aber man fragt sich: giebt es dem: gar kein Mittel, die jungen Offiziere davor zu be» wahren? Man rühmt doch sonst die militärische Disziplin und mit Recht— um so mehr fragt man sich aber, ob es denn nicht möglich ist, mit ihrer Hilfe diesem im Finster» schleichenden Verderben Ein- halt zu thun? Sc. Majestäl der Kaiser hat nach dem ersten Hannoverschen Wucherprozcß ernste Worte an das Offizierkorps ge- richtet: um so peinlicher empfindet man es. daß schon jetzt wieder dieser neue Wucherprozeß stattfindet, wodurch konstarirt wird, daß die Worte des Kaisers ohne die erwartete Wirkung geblieben sind. Man fragt sich, ist es denn wirklich nicht möglich, daß die Vorgesetzten incbr Einfluß auf ihre untergebenen Offiziere, namentlich ans die fügend- lichen Lieutenants haben können, um dieselben von dem üppigen Leben abzuhalten, das sie in Schulden stürzt? Wir meinen: es nmß möglich fein; das Wohl der Armee, für welche die Nation so große Opfer bringt, verlangt es." Als Aeußerung eines konservativen Blattes ist Vorstehendes recht interessant.— Zur Fleischthencrung. Wie bereits mitgetheilt, ist an der französisch-reichsländischen Grenze nnnmehr auch der kleine Grenz- verkehr mit Rindvieh, Schweinen, Ziegen und Schafen gesperrt worden. Diese neue Maßregel trifft die zahlreiche Arbeiterbevölkerung jener Grenzbezirke um so schwerer, da mit der Vertheuerung des Fleisches auch eine Steigerung der Preise der übrigen Volks- Nahrungsmittels Hand in Hand geht. Die Bauern, die uscht mehr im stände sind, für ihre eigene Ernährung die hohen Fleijchpreise zu erschwingen,'sind jetzt in größerem Umfang auf den Verbrauch ihrer eigenen Erzeugnisse, wie Kartoffeln, Gemüse, Eier, Käse, Milch, Butter it. angewiesen. Die Märkte werden deshalb mit diesen landwirthschafttichen Pro- duktcn immer schwächer befahren, sodaß die Preise der letzteren an- gcsichts der durch die Flcischlheuerung verstärkten Nachfrage von Tag zu Tag mehr in die Höhe gehen. So kostet heute schon in der Um- gegeud von Saargemünd, obwohl dort viel Viehzucht getrieben wird, 1 Liter abgerahmte Milch 20 Pf., ein Pfund Butter 1,30 M., 1 Dutzend Eier 1,20 M., 1 Zentner Kartoffeln geringster Qualität 3,ö0 M. it.. Preise, die zum theil um ein Viertel bis ein Drittel höher sind als in gewöhnlichen Zeiten. Der weiße Käse, anderwärts auch Quark genannt, der im Lothringischen ein hervorragendes Nahrungsmittel der arbeitenden Bevölkerung bildet, ist im Preise um 2ö pCt. in die Höhe gegangen. Daß unter dem werkthütigen Volk der lothringischen Jndusiriebezwke ein schwerer Nothstand vorhanden ist, das geht deutlich aus der dieser Tage veröffentlichten Bilanz des Konsumvereins der Saar- gcmiinder Faycncerie hervor, wo ein Zahlungsausstand der Mit- gieder von nicht weniger als 7ö 000 M. konstattrt werden mußte, während die dortige Pferdeschlächterei glänzende Geschäfte macht.— Ter große Ring der Elrktrizitäts-Gescllschaftcn wird vor- läufig nicht zu stände kommen; der Vereinigungsplan zwischen den beiden Gesellschaften S ch u ck e r t und L ö w e ist gescheitert. Die beiden Nürnberger Gesellschaften Schuckert u. Ko. und die Kontinentale Gesell- schast für elektrische Unternehmungen sind es, welche von dem Fusions- Projekt zurückgetreten find. Die Ursachen des Rücktritts sind noch nicht vollständig bekannt. Wie es heißt, habe sich in den Kreisen der Aktionäre der Schuckert-Gesellschaften eine lebhafte Bewegung zum Zwecke der Ablehnung der Fusion entwickelt gehabt. An die Verwaltting der Schuckertwerke seid» zahlreiche Briefe von Aktionären eingelaufen, in welchen daraus hingewiesen wurde, daß die Fusion für die Schuckertwerke nachtheilig sei.— Wir behalten uns vor. auf die Sache zurück zu kommen und beschränken uns daher auf das Obige. „Sofortige Abhilfe der Leutenoth" verlangt in der be- kannten bescheidenen Manier die„Deutsche Tageszeitung" von der Regierung. Die Pommersche L a n d wi r t h s ch a f t's ka mm erbat beschlossen, einen Arbeitsnachweis zu gründen und der Oberpräsident v. Puttkamer hat die unbedingte Bereitwilligkeit, an der„Besserung der Zustände" mitzuwirken, zugesichert. Die„Deutsche Tageszeitung" will nun auch nichts mehr wissen von„Umfragen, Erivägungen, Tagungen", sondern die Regierung soll energisch an die Arbeit gehen, den Agrariern die Leute zuzutreiben und zu er- halteir. Ucbcr die Frauenarbeit in den Fabriken schreibt die „Deutsche Tageszeitung":„Gegenwärtig finden Erhebungen über die Beschäftigung verheiratyeler Frauen in Fabriken statt, die sich auf den Umfang, die Gründe und die Gefahren dieser Beschästi- guiig erstrecken sollen. Die Fabrik- und Gewerbe-Jnspektoren sollen Vorschläge über eine möglichst zweckmäßige Art der Beschränkung machen und zu diesem Zwecke sich mit den Vorständen und Aerzten der Krankenkassen in« Vernehmen setzen." Dazu bemerkt da« genannte Blatt:„Wir halten diese Be- strebungen für durchaus dankenswerth und nothwendig. Was Hilst es aber, wenn wir die Frau wieder ganz ins Haus stellen, und sie vermag dieses HauS nicht so>zu führen und zu halten, daß es ein trauliches Heim des Gatten, ein fester Halt der Kinder ist?" Davon, daß die Frau wieder„ganz ins Haus" gestellt werde, kann wohl bei dem heutigen Stande der Dinge keine Rede sein. Für tausende von Fraueii giebt es kein„HauS" und keinen Ernährer, sie müssen sich selbst ihr Brot verdienen. Um aber die Fabrifthätigkeit der verheiratheten Frauen möglichst zu beschränken, ist es vor allem nothwendig, daß die Arbeiterschaft über ein freies Koalitionsrecht verfüge, dannt sie sich Verbesserung ihrer Lage erzwinge; dazu gehört die energische Weiterführung der sozialen Reformen. Gegen all diese Forderungen einer modernen Zeit aber wendet sich ja das Bündlerblatt konsequent; schwärmt es doch fast in jeder Nummer für Gesetze, welche geeignet sind, die Arbeiterschaft zu knebeln und dem Unternehmerthum wehrlos zu überlassen.— Zur Geruranisirung in Posen. Die Regierung stellt Beträge für ein Museum, eine Bibliothek und ein hygienisches Jnsttttlt in Posen in den nächsten Etat ein.— Chronik der MajestätSbcleidianugS- Prozesse. Der Ar- heiter Kubitz ky aus Schwicntochlowitz ist wegen Majestäts- beleidignng zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Ver- handelt wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Ungarn. Die Auflösung de» Reichstages wegen der Unüverwindlichkeit der Obstruktion soll erwogen werden.— Schweiz. Einen großen Schritt zur Rechtöeinheit bedeutet die gestern dorgeiiommene eidgenössische Volksabstimmung, in der die zwei neuen Artikel der Bundesverfassung, die dem Bunde die Vollmacht zum Erlaß eines einheitlichen schweizerischen Zivilgesetzbuches und einheitlichen Sttafrechtes geben, mit rund 260 000 gegen 100 000 Stimmen und 16'/» gegen 51/* Kantonstimmen angenommen wurden.— Zürich, 13. November. DaS Züricher Volk hat mit 83 690 gegen 26 769 Stnnmen die Verstaatlichung der Mobiliar» Versicherung abgelehnt.— Frankreich. Pari?, 12. November. Nach einer Meldung des„Temps" aus Shanghai wurde die französische wissenschaftliche Mission Bonin in der Provrnz Sze-tschwan nahe der tibetanischen Grenze angegriffen. Vier annamitische Träger wurden leicht verwundet. Die an dem Uebersall schuld- wagenden Mandarinen sind festgenonimen worden.— Paris, 13. November. Nach der amtlichen Statistik der Zoll- verwallung erreichte der Werth der Einftihr in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres die Summe von 3 638 020 000 Fr. gegen 3 178 711 000 Fr. im gleichen Zeitraum des Jahres 1897. Der Werth der Ausftlhr belief sich in derselben Zeit auf 2 814 336 000 Fr. gegen 2 313 7ö1 000 Fr. im Vorjahre.— Tie Abschaffung des Militär- Strafgesetzes und der Militärgerichte hat die französische Sozialdemokratie jetzt m der Nationalversammlung beanttagt. Der Antrag lautet: Gesetzesvorschlag: Art. 1. Das Miliflir-Strafgesetz und die Militärgerichte sind abgeschafft. Art. 2. In Kriegs- wie in Frieden? zeiten stehen die Soldaten unter denselben Gesetzen wie die übrigen Staatsbürger. Sie sind, gemäß diesen Gesetzen der bürgerlichen Gerichtsbarkeit unterworfen und werden von den bürgerlichen Gerichten abgeurtheilt. Art. 3. Alle dem gegenwärtigen Gesetz entgegenstehenden Gesetze und Gesetzesbestimmungen sind abgeschafft. Wie man weiß, haben unsere französischen Genossen auch einen Antrag auf Ersetzung des stehenden Heeres durch ein demo- kratisches Milizheer gestellt.— Ucbcr daS Schicksal dcS Exkapitäns DreyfnS werden in Paris die verschiedensten Gerüchte kolportirt. Der„Agence Havas" ging gestern eine mit dem Namen 28 ei II unterzeichnete Depesche ans Kolmar zu, in der mitgetheilt wurde, daß Hauptmann Dreyfus gestorben sei. Dreyfus' Schwiegervater Hadamard, der daraufhin befragt wurde, erklärte, er halte die Nachricht für falsch, da er noch vor zwei Tagen durch Vennittelung des Kolonialmiinsters gute Nachrichten über Drchfus erhalten habe. Der Vertteter der„Agence Havas" m Kolmar heißt nicht Weill, er hat der„Agence Havas" vielmehr telegraphirt, daß man in Kolmar über den Tod Drchfus' nichts wisse. Der Kolonial- minister erhielt gestern Abend eine Depesche aus Cahenne, in der nur laufende dienstliche Angelegenheiten mitgetheilt werden; von dem Tode DreyfnS' wird nichts erwähnt. Tie Frau Dreyfus hält die Nachricht für ersimden und nur zu dem Zwecke in die Welt gesetzt, um die öffentliche Meinung in Pans aufzuwiegeln. Dagegen scheint sicher, daß Dreyfus in sehr deprimirter Stinimung sich befindet. Der„Petite Repnblique" zufolge ist die Regierung gegen den Deporttrtcn stets mit ganz besonderer Härte, ja mit ausgesuchter Grausamkeit verfahren. So ist es Gesetz, daß sich ein Deportirter von einem Angehörigen seiner Familie begleiten lassen kann; nienn eine Frau verlangt, ihrem deportirten Manne zu folgen, darf ihr dies sogar nicht abgeschlagen werden. Frau Dreyfus hat verlangt, zu ihrem Manne gehen zu dürfen: das ist ihr abgeschlagen worden. Als der Kassations- hos die Snspendmmg der Strafe ablehnte, hieß es, die Regierung werde aus eigenem Ermessen die Strafhast in Untersuchnngshaft verwandeln, das heißt bedeutende Milderungen in der BeHand- kung des Gefangenen eintreten lassen. Sie konnte dies recht gut thun, da der"Strafvollzug ganz in ihren Händen liegt und sie ans der Entscheidung des Kassaüonshofes recht gut die Gründe zu einer milderen Behandlung des Gefangenen ent- nehmen konnte. Statt dessen muß man jetzt erfahren, daß eine bessere Behandlung nicht nur nicht eingetreten ist, sondern daß der Gefangene auch noch nicht einmal weiß, daß die Revision seines Prozesses bereits eingeleitet ist. Eine weitere Nachricht aus Paris geht dahin, der Advokat M o r n a r d werde dem Kasiasionsdofe das Gesuch überreichen, dem Hauptmann Dreyfus die Entscheidung des Kassationshofes mitzu- theilen und die Rückberufung Dreyfus anzuordnen. Der Kassation Shos fährt täglich mit seinen Vernehmungen fort. Am Montag ist General Zur linden vernommen woroen, Chanoine und Kapitän Lebrun sind ebenfalls geladen. DaS„Petit Journal" meldet, in einer großen Anzahl von Ge- meinden in der Provinz feien zahlreiche Plakate verbreitet mit den Worten„Dreyfus ist ein Verräthcr". Die Plakate tragen gleichzeitig die Bildnisse der fünf letzten Kriegsminister und deren Erklärungen über die Schuld Dreyfus. In mehreren Gemeinden haben die Bürgermeister die Plakate beschlagnahmt. England. London, 11. November.errn Hoffmann- Berlin zu Weihnachten d I. nach Kassel einberufene Kongreß keine Giltigkeit hat und dessen Bcschlüfse daher für die gcsammten Handels- und Transportarbeiter Deutschlands keine bindende Kraft haben können, umsomehr, als Hoffmann einen dahingehenden Auftrag, einen allgemeinen Bernfskongreß einzuberufen, von den gesammten Kollegen Deutschlands nicht erhalten hat, ebenfo bekleidet Hoffmann in unserer Bewegung keine öffentlichen Aemter. Die Tagesordnung für den zu Pfingsten 1899 in Frankfurt a. M. stattfindenden Kongreß wird in Kürze bekannt gegeben und sind alle Anfragen hierzu nur an den unterzeichneten Vertrauens- mann für Deutschland zu richten, ebenso steht den Kartellen sowie Kollegen zur Begründung von Organisationen Material jederzeit zur Verfügung. Vorstehendes bestätigen hiernfit die auf dem Kongreß gewählten Bezirksleiter: P. Brüggen- Hamburg, Gustav Reiher- Königsberg, Franz Seiffert-Breslau, E. Bertram-Leipzig, Fr. Mahrenholz-Braun- schweig, W. Windwehr-Hannover, Paul Nebatz- Solingen, H. Hopf- Frankfurt a. M., Joh. Frey-München. Der Vertrauensmann für Deutschland. Karl Alboldt, Berlin 0.. Auguststr. 38. Deutsches Reich. Bei der Gewerbegerichtswahl in Voerde siegte die Liste der von den Gewerffchaften vorgeschlagenen Kandidaten mit 140 Stimmen, während die Hirsch-Dunckcrffchen Gewerkvereine 109 Stimmen erhielten. Auch in Frankenthal(Rheinpfalz) gelangte nahezu ein- stimmig die Liste der vereinigten Gewerkschaften zum Siege. In Krefeld drohte bei der Firma Junkers ein Streik, weil versucht wurde, die Löhne der Scheererinnen um 10 pCt. zu reduziren. Die Arbeiterinnen setzten sich hiergegen zur Wehr und reichten sämmt- lich die Kündigung ein. Daraufhin ist die Lohnkürzung unterblieben. Ein Erfolg, den sich die Arbeiterinnen ihrem einmiithigen Vorgehen zuzuschreiben haben. In Zaborze ist ein Maurer wegen angeblicher„Anreizung" zum Streik verhaftet worden: dasselbe geschah vor kurzem in Königshütte. In Oberschlesien will mau die Arbeiter schon jetzt mit den Segnungen der kommenden ZuchthauSvorlage vertraut machen. Ausland. Die Lederfabriken in Ungarn reduziren ihren Betrieb. In den Fabriken werden gegenwärtig Arbeiter entlassen. Die Ursache liegt im schlechten Gefchäftsgange und der Unmasse von Waaren- vorräthen. Adlige Streikbrecher in Schweden. Es ist wohl nur ein Beweis von Junkerübermuth, wem: in der Universitäts- stadt L u n d sich eine Anzahl Studenten, darunter drei Grafen und andere vom höchsten Adel Schwedens, den dortigen Zuckcrfabrikanten angeboten haben, die wichtigsten Arbeiten an stelle der st r e i k e n- den Arbeiter zu übernehmen. Der Streik der Arbeiter ist ein so berechtigter, wie nur denkbar, da sie nur eine Lohnerhöhung von 1,65 Kr. auf 2 K. verlangten bei einer ILstündigen Arbeitszeit. Ihr Verlangen wurde aber von der Fabrikleituug abgewiesen, weshalb sie die Arbeit niederlegten. Nun sind 30 adlige Studenten, alles Juristen, an ihre Stelle getreten. Natürlich ist die Arbeit, die sie leisten, völlig unbrauchbar und ungenügend, und das Ganze nur eine Komödie, die aber die Arbeiter lehr erbittert hat, weil ste das Verhalten der Studenten mit Recht als Verhöhnung auffassen, sodaß es bereits beim An- und Abmarsch der Studenten zu Unruhen und Gcwaltthäfigkciten gekommen ist. Ucbrigens steht der größere Thcil der Bevölkerung von Lund auf feiten der Arbeiter. Im Typographenstreik in Dänemark haben die Buch- drnckereien höhere Lohnsätze geboten— aber sie entsprechen noch immer nicht denen, welche die Setzer verlangt haben. Der dänische Zimmcrlcnte- Vcrbaud beendigte soeben seinen II. Kongreß. Der Verband unifaßt 65 Vereine mit 3356 Mit- gliedern. Bedeutend sind die L o h n c r h ö h u n g c n, die durch die Wirksamkeit des Verbandes erreicht sind; in 53 Vereinen ist der Stundenlohn um 2—10 Oere gestiegen. Jnsgesammt ist in den Jahren 1896/98 eine Lohnerhöhung um 285 732 Kronen er- zielt. Die Ausgabe der Mitglieder für den Verband hat in der- selben Zeit 25 000 Kronen fiihrlich betragen. Die Zunahme des Jahrcsemkonimens jedes Zimmermanns beträgt durchschnittlich 74 Kronen. Der Verband hat eine Statistik ausgearbeitet, die eine treffliche Uebcrsicht über die Arbeitsverhältnisse giebt. Die Arbeiter in den Prodiantmagazinen und auf den Regierungs-Werften Englands sind nicht gewillt, die jetzige flotte Zeit unbenutzt verstreichen zu lassen.„Wenn die Könige dalün" zc. zc. Sie haben die Agitation für die schon längere Zeit erstrebte Erhöhung des Mindestlohnes für Tagelöhner auf 24 Marl Wochenlohn mit Energie aufgenommen und werden darin außer von den Sozialisten auch von verschiedenen bürgerlichen Abgeordneten unterstützt. Der Vorstand dcS englischen Eisenbahncr-VerbandeS hat sich vorige Woche an die Geschäftsführer der beiden großen bürger- lichen Parteien mit der Anfrage gewandt, ob sie bereit wären, dem Kandidaten des Verbandes einen Parlamentssitz abzutreten, bezw. feine Wahl unbeschadet der Thatsache zu unterstützen, daß er bindende Weisung habe, sich keiner dieser Parteien anzuschließen. Der Geschäftsführer der Konservativen antwortete, seine Partei sei durchaus für Vertretung der Arbeiter im Parlament, aber ihre Statuten verböten, einen Kandidaten aufzustellen, der sich nicht ver- pflichte, der konservativen Partei beizutreten. Ungleich ge- schickter war die Antwort der liberalen Partei- Leitnng. Diese erklärte, sie hätte zwar im Augenblick keinen Parlamentssitz frei, aber sie werde ihr bestes thun, dein Eisenbahner- Komitee zur Auffindung eines geciguctcn Wahlkreises zu helfen und seinem Kandidaten jede Unterstützung leisten, ohne politische Gegendienste zu beanspruchen. Die Liberalen können sich dicfes Zugeständniß leisten, denn sie sind sicher, daß Mr. Bell kaum in irgend einem Falle mit den Konservativen gegen sie stimmen wird, und sie würden sich durch Vorschieben formaler Gründe inS eigene Fleisch geschnitten haben. Aber selbst die gewöhnlichste Maß- regel der Selbsterhaltung ist eine Sache, die man heute gewissen Politikern nicht zumuthen kann, ohne ihr Entsetzen zu erregen.— SoztolVs. Für daS Bergrcvier von Zabrze ist ein R e v i e r b e a m t e r ernannt worden. Erst jetzt hat endlich jedes der acht oberschlesischen Reviere seinen staatlichen Anfsichtsbeamten. Recht erfreuliches berichtet das Gothaische«Volksblatt' von dem Fabrikinspektor Dr. v. S ch w a r tz. Bei einer Besichtigung der Fabriken in Georgenthal erkundigte sich derselbe u. a.'auch nach den Wohn ungsverhältnisjen der Arbeiter. Er erkannte an, daß der Bau von Arbeiterwohnnngen nöthig ist und versprach den Arbeitern, in dieser Richtung hin bei der Regierung vorstellig zu werden. Es giebt leider nicht allzu viel Fabrikinspektoren, die sich auch um die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter kümmern. Arbeitcr-Risiko. In dem Dresdener Vorort Plauen waren auf einem Neubau mehrere Arbeiter mit dem Einfügen eines Schluß- steins beschäftigt. Durch irgend einen Umstand gerieth der Stein ins Rutschen, er stürzte herab und riß zwei Arbeiter mit sich. Einer derselben, der 23 Jahre alte Maurer B e r g e r aus Frauen- stein, büßte dabei sein Leben ein, der andere kam mit leichten Ver- letzungen davon. ?n der Zuckermühle der Norddeutschen Zucker- inerie rn Frellstedt in Braunschweig ereignete sich in der Nacht zum Freitag voriger Woche eine Explosion, wodurch die in der Zuckermllhle beschäftigten 23 Arbeiter sämmtlich, zum thcil lebensgefährliche Brandwunden erlitten haben. Als Entstehungs- Ursache der Explosion wird angenommen, daß das Zuckermehl mit einer Flamme in Berührung gerathcn oder durch Reibung explodirt sei. Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Am Martinitage, den 11. November, tritt das Gesinde in seine neu angenommenen Stellungen ein. Wie über den Arbeitermangel zur Enitezeit, so klagen die Landwirthe auch über den Mangel an Dienstboten. Ein beträchtlicher Theil der Knechte ist zum Militär eingezogen, von den nach den Manövern entlassenen Reservisten sind aber lange nicht so viele in die ostpreußischen Gefilde zurückgekehrt, daß alle Stellen be- setzt werden können. Auch junge Mädchen gehen in Menge nach den Städten im Westen, um dort in den Dienft zu treten.'Mangel an Dienstboten ist auf dem Lande daher thatsächlich vorhanden. Eine Versammlung der Kreisvorsitzenden deö Bundes der Land- wirthe in Ostpreußen hat nun beschlossen, von der Regierung die Erlaubnitz zur Seßhaftmachung von polnischen Arbeitern zu fordern, falls nicht wirksame Maßregeln zur Löfung der brennenden Arbeiterfrage ergriffen werden. So schlimm, wie die Agrarier die Sache darstellen, ist es aber mit dem Arbeitermangel noch nicht. Allerdings haben Besitzer, die sonst zwei bis drei Mädchen im Dienst hatten, jetzt öfter nur eins? manche sind auch ganz ohne Knecht oder Magd. Die Arbeit bleibt aber trotzdem nicht liegen, nur— hat der Gutsbesitzer etwaS mchr Lohn zu zahlen. Es giebt nämlich in fast allen Dörfern jetzt Arbeiter, die in ein festes kontraktliches Arbeitsvcrhältnitz für ein ganzes Jahr nicht mehr eintreten, sondern als„F r e i a r b e i t e r", als Tage- l ö h n e r Arbeit nehmen: sie sind meist an einen Gutshof gebunden, vor allen Dingen aber brauchen sie sich nicht ruppig behandeln zu lassen. Diese Arbeiter, deren Frauen ebeufalls arbeiten gehen, sind natürlich etwas theurer als Jnstlcute und Dienstboten, wovon die Gutsbesitzer, die bisher gewöhnt waren, lächerlich geringe Löhne zu zahlen, selbstverständlich nicht sehr erbaut sind. Wenn von höheren Löhnen der ostprcußischen Arbeiter gesprochen wird, darf aber nicht angenommen werden, daß die Bezahlung auch nur einiger- maßen ausreichend sei. Zur Herstellung künstlicher Perlen werden die Schuppen des Uklei, eines kleinen Weißfisches verwandt, der in den masurifchcn Gewässem, besonders im Baidonsee und dem Talterwasser. in der Zeit vom November bis März in großen Mengen gefangen wird. Mit der sehr mühsamen Arbeit des Schuppens werden eine größere Anzahl Frauen beschäftigt, die pro Tag ganze 50—60 Ps. Lohn erhalten. Auf den Gütern erhalten weibliche Scharwerker meist außer dem Brotgetreide nur 30 Pf. täglich. Kürzlich wurde über die Klage von 16 russischen Arbeitern gegen den Besitzer des Gutes Ebenau bei Saalfeld in Thüringen berichtet. Der Gutsbesitzer veröffentlichte nun in der„Elbinger Ztg' eine Erklärung, worin er seiner Verwunderung darüber Ausdruck giebt, daß er vom Gericht verurtheilt worden ist. Er habe den Russen das Herausnehmen von Rüben, wozu sie nicht verpflichtet waren, aufgetragen, weil sie eine andere Arbeit, zu der sie nach seiner Ansicht verpflichtet gewesen sind, nicht ausführten. Daß die Leute nichts zu essen bekamen, bestreitet der Herr nicht. Er schließt seine Erklärung mit einem Satz, worin er sagt, daß er die Beurtheilung seiner Handlungsweise der Oeffentlichkeit überlasse. Soweit die Oeffentlichkeit aus ostpreutzischen Gutsbesitzern besteht, wird sie gegen das Vorgehen des Herrn nicht viel einzuwenden haben, den: übrigen Theil der Bevölkerung wird es aber nicht ein- leuchten, daß jemand richtig handelt, wenn er Arbeiter durch Hunger zur Arbeit zu zwingen sucht. I. ktneralliersainiillllltg dts Verdillidcö der Clacöjaiidsiliillpcher DenWands. Burg, den 12. November 1898. Die Generalversammlung beschloß: Zwecks Entlastung der Zuschußkasse(die seit 1894 mit Desizit arbeitete) sollen nicht mehr 1700 M. der Zuschußkasse als Beitrag zur Besoldung der Bureau- beamtcn, sondern nur noch 1000 M. entnommen werden, von denen 600 M. zum Gehalt des Vorsitzenden und 400 M. zu dem des Kassirers kommen sollen. Nengeregelt werden die Diäten und Ent- schädigungen für die Vorstands- und Ausschußmitglieder und für die Dcleglrtcn. Von den übrigen Beschlüsse» ist nur noch der Wieder- anscb'luß deS Verbandes an die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands zuerwähnen. Der Verband hatsein VerhältnißzurGencral- kommission 1894 gelöst, da die Befürchtung gehegt wurde, die seinerzcitigen „dunklen Pläne" der Kommission werden den Verband schädigen. Nach einer Klarlegung des Sachverhalts durch Legten und einer Aus- spräche beschließt die Generalversammlung mit allen gegen zwei Stimmen den Anschluß. Die Beitragszahlung beginnt vom 1. Ja- nuar 1899 ab. Nach Verlesen des Protokolls wird dann die Versammlung mit einem entsprechenden Schlußworte des Vorsitzenden geschloffen. VevsttMtnlungvn. Eine öffentliche Bersammlnng der Schlüchtergesellen, die von etwa 450 Personen besucht war, tagte am Sonntag in den Arminhallen. An stelle des nicht erschienenen Abgeordneten Fr. Zu- beil hatte Genosse G r e m p e das Referat übernommen. Der Redner erörterte zunächst in treffender Weise den Zweck und Nutzen der Organisation, er beleuchtete die Nachtheile der langen Arbeitszeit, die Mißstände bei der Stellenvermittlung, das Schlafstellenwesen und verschiedene andere der bekannten Uebelstände, unter welchen die Arbeiter im Schlächtereigcwerbe außerordentlich zu leiden haben und er wies dann nach, daß auch die Schlächtergesellen nur durch einmüthiges Vorgehen und engeren Zmammenschlutz bessere Arbeitsbedingungen erringen können. Der Redner, der wiederholt durch' lebhafte Zustimmungs- Bckundigungen unterbrochen wurde, wendete sich sodann gegen den Verein„Arbeiter- schütz", der unter den Versammlungsbesuchcrn Flugblätter verbreitet hatte, in welchen mit dem Hinweis auf die Mißstände in dem Schlächtereiberufe zur Gründung einer Vereinigung der Schlächter- gesellen auf christlicher Grundlage aufgefordert wird. In diesem Flugblatte wird ganz übcrflüssigcrweise darauf hingewiesen. daß diese Vereinigung nicht wie die Sozialdemokratie den Klaffen- kämpf will, sondern:„In ausgleichender Gerechtigkeit soll dem Meister was dem Meister und dem Gesellen was dem Gesellen gebührt, gegeben werden." Dem Referenten war es ein leichte?, die Jnhaltlosigkeit dieser Phrasen den Versammelten vor Augen zu führen, indem er darauf hinwies, daß die Gemeinsam- keit der Interessen zwischen Meister und Gesellen mit dem Augen- blicke aufhört, wo die Gesellen ernstlich für die Verbesserung ihrer Loge eintreten. Er erinnerte hierbei an die Vorkommnisse der jüngsten Zeit, die zur genüge bewiesen haben, daß die christlichen Organisattonen entweder ihre Aufgaben als Arbeitervereine nicht er» füllen, oder aber, wenn sie für die Interessen der Arbeiter wirklich einmal eintreten und auch nur die geringsten Forderungen stellen, von dem llnternehmerthum genau so bekämpft werden, wie die modernen Gewerkschaftsorganisationen. Mit der Aufforderung, gleich den Arbeitern anderer Berufskategorien eine kräftige Organisation zu schaffen, die energisch für die Beseitigung der Mißstände eintritt, schloß der Redner seine, mit stünnischem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Der Vorsitzende des Vereins„Arbeiterschutz", der hieraus das Wort nahm, versuchte die Schaffung einer Vereinigung auf christlicher Grundlage damit zu motiviren, daß ein großer Prozentsatz der Arbeiterschaft noch unorganisirt ist, die nicht auf dem Boden des Klassenkampfes steht und nun für die von ihm vertretene Organisationsrichtung gewonnen werden soll. In seinen weiteren Ausführungen, soweit diese zu verstehen waren, wendete der Redner sich gegen die Einführung der obligatorischen Sonntagsruhe, die, wie er der Versammlung vorredete, von der Sozialdemokratie gefordert wird und die im Schlächtereigcwerbe nicht durchführbar sei. Hierbei malte Herr Weigel aber so graulich, als wollte er den Glauben erwecken, die Bevölkerung miißte verhungern, wenn die Schlächtergesellen nicht mehr wie bisher des Sonntags für den Unternehmer tüchtig frohnden. Warum der Verein„Arbeitcrschntz" f;crade jetzt die Schlächtergescllcn für sich gewinnen will, wo die- elben im Begriff stehen, sich endlich auch eine Organisation zu schaffen, hat Herr Weigel nicht erörtert. Die fortwährenden Zwischen- rufe und die nicht mißzuverstehcndcn Protestkundgebungen der Versammelten während der Ausfübrungen dürften den Herrn Weigel wohl darüber belehrt haben, daß auch die Schlächter- gesellen für die„Vereinigung auf christlicher Grundlage" nicht zu haben sind und diese Zersplitterung der Berufskollegen keineswegs gutheißen. In der weiteren Diskussion, die sich völlig im Sinne des Referats bewegte, wurden noch eine Reihe Mißstände des Berufes zur Sprache gebracht. Insbesondere wurde die LehrlingSzüchtcrei, das Stellen- vermittelungs-Unwesen, die lange Arbeitszeit, die schlechten Schlaf- stellen und die unwürdige Behandlung seitens vieler Meister herb kritisirt und darauf hingewiesen, daß verheirathete Schlächtergcsellen und überhaupt solche, die ein bestimmtes Alter erreicht habe», keine Stellung mehr erhalten und von einem Familienleben der Arbeiter in diesem Berufe keine Rede sein kann. K e s l i n k e, der daran erinnerte, daß ja bereits zwei christliche Vereine der Schlächter- gesellen bestehen, die aber bisher auch»och nicht das geringste zur Besserung der Lage der Arbeiter erzielt haben, plädirte in längerer Rede für den festen Zusammenschluß in der zu gründenden, von Meistern und Pastoren unab- hängigen Kampfesorganisation.f Nach einem kurzen Schluß- Wort des Referenten, wobei er das Verhalten der Mitglieder des Vereins„Arbeiterschutz" ihren Kollegen im Baugewerbe gegenüber erwähnte, wurde folgende Resolution cinstimmia von der Ver- sammlung beschlossen:„Die Versammlung erklärt sich mit den Aus- fühninacn des Referenten einverstanden und beschließt die Gründung einer Gewcrkschnfts-Organisation auf Grundlage der niodernen Arbeitcrbeivegung. Die Versamnilung erklärt mit allen gesetzlichen Mitteln auf die Beseitigung der überlangen Arbeits- zeit, Abschaffung der privaten Stellenvermittelung, Einführung besserer Schlaftäüme und Erhöhung des Lohnes hinzuarbeiten." Mit der Ausarbeitung der Statuten wurde das Bureau beauftragt und sollen dieselben einer in der nächsten Zeit einzuberufenden Ver- sammlung zur Begutachtung vorgelegt iverden. Hierauf erstattete G a ß m ä n n den Bericht über seine Thätigkeit als Gcwcrbegcrichts- Beisitzer, der von den Versammelten mit lebhaftem Beifall entgegen genommen wurde. Nach einem kurzen Bericht über die Einrichtungen der Gewerkschaftskommission wurde KeSlinke einstimmig als Delegirter in dieselbe wiedergewählt. Wie noch mitgethcilt wurde, hat die in der vorigen Versammlung gewählte Kommission versucht, die Arbeitcrverhältnisse auch in der Provinz zu ermitteln und soll das dadurch gewonnene Material bei der Petitron an den Reichstag, die möglichst bald fertig gestellt werden wird, verwandt werden.' Damit war die Tagesordnung der ausgezeichnet verlaufenen Versammlung erledigt.— Die Auseinandersetzungen zwischen dem Gcnosfcn Grempe und den Vertretern des Vereins„Arbeiterschutz". die behaupten, daß die Mitglieder des genannten Vereins nicht un- solidarisch gehandelt haben, werden auf eine Anregung des Ge- nossen Grempe in einer Maurerversammlung zum AuSlrag gebracht werden._ Uekzke Ütaifjvidjfctt ttnb Vepvslhen. Bückeburg, 14. November.(W. T. 83.) Bisher vorliegenden Nachrichten ist bei der Neichstags-Stichwahl im Fürstenthum Schaum- burg-Lippe Müller(freis. VokkSp.) gegen Strosscr(kons.) mit etwa 600 Stimmen Mehrheit gewählt ivorden. Budapest, 14. November.(B. H.) Der Infanterist Roth vom 39. Jnfanierie-Negiment wurde vom Kriegsgericht zum Tode ver- urtheikt, weil er' bei einer Hebung sein Gewehr gegen den Zug- führer erhoben hatte. Krakau, 14. November.(B. H.) Bei einem Zusammenstoß zweier Güterzüge auf der Station Czarna wurden drei Bahn- bcamte getödtet'und drei andere schwer verletzt. Eine große Anzahl Waggons ging in Trümmer. PariS, 14. November.(W. T. B.) Deputirtcnkammer. Der Sozialist Fourniere befragt die Regierung über die gerichtliche Verfolgung Gohier's wegen feines das Heer beleidigenden Buches. Redner fragt, warum man Beleidigungen des Heeres verfolge, während bei Beleidigungen gegen die Justizbehörden das Gleiche nicht ge- schehc. Im Verlaufe seiner Ausführungen erwähnt Fourniore die gerichtlichen Schritte gegen Zola, über den er sich in lobender Weise ausspricht. Die Ausführungen Fournisre's über Zola wurden von lärmenden Zwischenrufen seitens des Zentrums und der Nationalisten und von Beifall auf der äußersten Linken unterbrochen. Nachdem Fournisre geendet, besteigt Ministerpräsident Dupuy die Tribüne. Derselbe rechtfertigt die gerichtliche Verfolgung Gohier's. Fourniore verliest hierauf einen Artikel, tvogegen D r u m o n t Widerspruch erhebt; Druinont erklärt, er sei übrigens dagegen, daß Schriftsteller gerichtlich verfolgt würden, er wünsche aber die jüdischen Bankiers verfolgt zu sehen. Hiergegen protestirt Klotz. Cassagnac wünscht über die Worte Dnmroiit's zu interpelliren, Dupuy beantragt Vertagung dieser Interpellation auf einen Monat. Diesem Antrage wird zu- gestimmt, womit der Zwischenfall erledigt ist. Die Kammer beginnt hierauf die Berathung verschiedener Anträge auf eine A in n e st i e. Das Haus genehmigt die Artikel aus den Amncstie-Anträgen, welche für Preß-, Vereins-, Versammluugs-undStreilvcrgehen Amnestie gewähren; die Weiterberathung der Amnestic-Anträge wird auf Moittag vertagt. Der Sozialist Breton bringt einen Antrag auf Aufhebung der Gesetze gegen die Anarchisten ein; die für diesen Antrag verlangte Dringlichkeit wird vom Biinisterpräsidenten bekämpft und vom Hause mit 359 gegen 98 Stimmen abgelehnt. Die Sitzung wird hierauf geschlossen. PariS, 14. November.(W. T. B.) Gegen sieben Uhr abends stießen kurz vor der Einfahrt in den Norhbahnhof ein von AmienS kommender Zug und ein Vorortzug zusammen. Der Zusammenstoß war sehr heftig, mehrere Wagen wurden zertrümmert. Ungefähr 20 Personen sollen verletzt sein. London, 14. November.(W. T. B.) Nach einer Meldung aus Sputh Shields begann heute auf dem Tyne ein Streik der Malrosen und Heizer, welche eine Lohnerhöhung forderten. Der Srreik stellt sich als eine Gcgenbewegung gegen das Vorgehen der„Shippiug Federation on Clyde" dar. Die Ausständigen verlangen 4 Dollars 15 Sh. auf den in das Ausland bestincmten Schiffen. Drei Dampfer lehnten hie Lohnerhöhung ab und sind bereits boykottirt worden. Der Ausstand erstreckt sich auf 3000 Mann. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnserateutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. sierzu 1 Beilage u. ttnterhaltnngsblatt. Nr. 268. 15. Jahrgang. Ifilnjt des Juraiirts" Derlim öollisliliitt. 5itiiPiig,15.JIini(iiili(t 1898. UokAles. Die Flugblattvertheilung im sechsten Wahlkreise ging am Sonntag mir der üblichen Pünktlichkeit und Ordnung von statten. 200 000 Exemplare gelangten zur Verthcilung. Einige Bezirke, die nicht ausgiebig belegt werden konnten, sollen' am Mittwoch(Bußtag) früh 8 Uhr bestellt werden. Hilfsmannschaften wollen sich recht- zeitig im Lokale von Hoppe, A ck e r st r. 14S, einfinden. Der Wahlvcrein des dritten Berliner Rcichstags-Wahl- kreiscs unternimmt am Bußtag eine Fußpartie. Abfahrt früh 7V- Uhr vom Görlitzer Bahnhof bis Nieder-Schöneweidc-Johannis- thal. Für Nachzügler und Familen nachmittags Treffpunkt in Grünau, Friedrich- und Wilhclmstraßen- Ecke bei Lindenhayn. Rege Bcthei- ligung erwartet_ Der B o r st a n d. Die„Gefahren" der Ucbcrnahme industrieller Betriebe durch die Stadtverwaltung sind in den Debatten über den vom Magistrat vorgelegten, zwischen der Stadt und den Berliner Elektrizitätswerken neu abzuschließenden Vertrag wieder in den grellsten Farben geschildert worden. Diejenigen, ivelche von einer Ucbcrnahme der Elektrizitätswerke in städtische Regie gewisser- maßen den Ruin der Stadtverwaltung befürchten oder zu befürchten vorgeben, verweisen wir auf die Jubiläumsschrist, die der Magistrat 1807 zum 50. Jahrestage des Bestehens eigener städtischer Gaswerke hat verfassen lassen. Besonders den Mitgliedern des Magistrates selber und der Stadtverordnetcn-Vcrsainmlung, die sich so eifrig bemühen, dein Privatkapital die Bahn sreizumachen, sei die Lektüre der Schrift warm cnipsohlen. Das Büch lein soll, wie es im Vorwort heißt,„beredtes Zeugniß ablegen von der Energie der Männer, welche die Einführung der Gas fabrikation als städtischen Betrieb durchgesetzt haben und deren an dem heutigen 50. Jahrestage der Gaswerke ehrend gedacht wird." In dem Abschnitt über die geschichtliche Entwickelung der städtischen Gaswerke werden dann die Erörterungen erwähnt, die der Plan, eigene Werke zu errichten, in der Bürgerschaft hervorrief:„Als un- gefähr zu dieser Zeit lEnde 1844) die Belcuchtungsangelegenheit, die bisher fast ausschließlich nur den Magistrat und die Stadt- vcrordneten-Versammlnng beschäftigt hatte, Allgemeingut der öffent lichcn Meinung wurde, erhoben sich aus dem Bürgcrkrcise vielfach Stimmen, die warnend auf die Nachtheile eines so kost- spieligcn städtischen Unternehmens himviesen. Man machte unter anderem geltend, daß, abgesehen von dem irrigen und verwerflichen Grundsatz der Ucbcrnahme eines kaufmännischen Ge schäfls seitens der Stadtverwaltung, der Jmperial-Continental-Gas Association eine Konkurrentin geschaffen werde, daß beide Theilc sich gegenseitig ruiniren würden, daß Millionen ausgegeben und in die Erde gegraben würden, um da Gaswerke zu errichten, wo schon solche beständen, noch dazu in einer Zeit, in welcher leicht eine neue Entdeckung in dem Bcleuchtungswesen, die den gänzlichen Verlust des ungeheueren Grundkapitals bewirke, gemacht werden könne, und daß ferner ein städtisches industrielles Unternehmen nie so vortheilhast betrieben werden könne wie ein Privatwcrl, und sonnt auch nicht konkurrenzfähig wäre." Man sieht, es sind in der Hauptsache dieselben, durchaus haltlosen„Beweisgründe", mit denen„der irrige und verwerfliche Grundsatz der Ucbcrnahme eines kaufmännischen Geschäfts seitens der Stadtverwaltung" damals bekämpft wnrde bezw. heute von neuem bekämpft wird. Die Schrift rühmt, daß die mit der Gasfrage betrauten Mitglieder der 5lommunalbchördcn die Angelegenheit„in der richtigen Erkenntniß, dem Gemeinwohl große Vorthcile zu er- schließen", unter mancherlei schwierigen und verwickelten Verhältnissen zum Ziele führten und„es auch verstanden, den nicht vertrauenden und zaghaften Bürger von der guten, nationalen Sache zu überzeugen." Und die Sache gelang I Die Stadt fand zwar an der englischen Gesellschaft eine starke und schlaue Konkurrentin, aber die düsteren Prophezeiungen von gegenseitigem Ruin trafen nicht ein, und die in die Erde ge- grabenen Millionen flössen vervielfältigt in den Stadtsäckcl zurück. Die Stadt und ihre Gaslvcrke haben es allerdings noch heute zu fühlen, daß die englische Gesellschaft sich von vornherein eine feste, geradezu uneinnehmbare Position geschaffen hat und daher bis in die Gegenwart eine unbequeme Konkurrentin der städtischen Werke ge- blieben ist. Aber bekanntlich liegen bei den Elektrizität's- werken die Verhältnisse hinsichtlich der Möglichkeit einer Ueber- nähme und vortheilhaften Verwaltung durch die Gemeinde glück- licherweise viel einfacher. Die Deputatton für die städtischen Kaiialisattonswcrke und Rieselfelder hat ihren Verlvaltungsbcricht für 1897/98 dem Magistrat erstattet. Aus dem Berichte ist folgendes von allgemeinem Interesse. AuS dem Kollegium der Deputation ist am 1. Mai 1897 der Geh. Baurath Dr. Hobrecht ausgeschieden. Die Kanalbanten hatten am 31. März 1898 innerhalb des Weichbildes von Berlin eine Ausdehnung von 161 433,62 laufende Meter an gemauerten Kanälen und 646 756,63 laufende Meter an Thonrohrleitungen der verschiedensten Dimensionen. Auf Gebieten der benachbarten Gemeinden Charlottenburg, Schömberg und Lichtenberg waren außerdem bis zu jenem Tage 5438,49 laufende Meter an gemauerten Kanälen und 33 178,34 laufende Meter an Thonrohrleitungcn im Anschlüsse an die an diese Gcbictstheile unmittelbar anstoßenden Radialsysteme ausgeführt.— Im Betriebe sind bemerkenswerthe Störungen nicht vorgekommen. Die Zahl der angeschlossenen Grundstücke beträgt innerhalb von Berlin 24 739, innerhalb jener Gebietstheile der Nachbargemcindcn 1056, zusammen also 25 795 Grundstücke. Aus diesen Grund- stücken, ferner einigen größeren Etablissements außer- halb der Stadt und dem Straßcngebiet ist während des Verwaltungs- jahres eine Abwässermenge von 73 130 728 Kubikmetern(200 495 Kubikmeter pro Tag)—'1 593 316 Kubikmeter mehr als im Vor- jähre— den Rieselseldern mittels der riesigen Pumpwerke der ein- zelnen Radialsysteme zugeführt worden. Die Betriebskosten für die Haus- und Straßenleitungen, die Kessel- und Maschinenanlagen auf den Pumpstationen und die nach den Rieselfeldern führenden Druck- rohrleiwngen belaufen sich für das Grundstück auf 40,75 M., für den Kopf der Bevölkerung auf 59,7 Pf., für das Kubikmeter geförderter Abwässer auf 1,42 Pf. Die Jubelfeier zu Ehren der Rückkehr aus Jerusalem scheint doch nicht überall in staatserhaltendcn Kreisen Aiiklnng zu finden. Während das freisinnige„Berliner Tageblatt" den Arran- geuren der flammenden Begeisterung freundlich zulächelt, müssen die Herren sich von der weit nach rechts stehenden„Berliner Börsen- Zeitung" sehr bittere Wahrheiten sagen lassen. DaS Blatt kanzelt das merkwürdige Festkomitee folgendermaßen herunter: „Wir haben diesem Aufruf gern Aufnahme in unseren Spalten gewährt, möchten aber hinzufügen, daß uns die von den Herren angeregte Idee nicht glücklich und sogar bedenklich erscheint. Wir werden bei unseren Lesern kaum in den Verdacht allzu radikaler Sinnesweise kommen, wenn wir den Standpunkt vertreten, daß auch in dem politischen nnd loyalen Enthusias- mus ein gewisses Maß innegehalten werden soll, daß der Berliner Bevölkerung nicht ein B e g e i st e ru n g s t a u m e l e i n g e impft iverden dürfe, der ihr, ihrem ganzen nüchternen Charakter gemäß, fremd und unverständlich ist. Wir haben in den letzten Jahr- zehnten uns der sonderbar st en Anlässe wegen f e st l i ch auf- regen müssen; wenn es jetzt auch noch Mode werden sollte, daß wir bei jeder Rückkehr des Kaisers von einer Vergnügungsreise unserem Jubel und unserem Entzücken öffentlichen Ausdruck zu geben haben, so wäre das ein Zustand, der einer ernsten Arbeitsstadt, der eines großen und politisch er wachsenen Volkes unwürdig wäre. Es handelt sich in diesem Fall darum, den Anfängen zu widerstehen. Der Kaiser reist, sei es seines Vergnügens wegen, sei es aus Höflichkeits- v e rp f li ch tun g e n. sehr oft und er reist auch oft recht weit fort. Es wäre zu befürchten, daß, was bei der Palästina-Reife freier Entschluß war, bei der nächsten Nordland- oder Italien-' Reise Zwang geworden ist, und daß der byzantinische Brauch sich einbürgert. Dem muß jeder wider- sprechen, der noch nicht von dem Barock-Enthusiasnius des neuesten Kurses angesteckt ist, dem noch schlichter Preußensinn im Geiste Wilhelms l. am Herzen liegt. Freuen wir uns, daß das Kaiserpaar von seiner Reise gesund zurückkommt, aber schreien wir unseren Jubel nicht über die Dächer und wahren wir das bischen Bllrgcrstolz, daß uns in dieser schwierigen Zeit noch geblieben ist. Der abseits stehenden Arbeiterschaft kann es ja ziemlich gleich- giltig sein, ob diese sehr derbe Lektion von Wirkung ist oder nicht. Viel interessanter als die ganze Jubelgeschichte an sich ist die Frage, wie ihre äußeren Effekte geschäftlicb zu stände kommen werden. Das eine der Komitecmitglicdcr(A. Weißt hat ein großes Dekorations- gcschäft, ein anderer Unterzeichner(Panl Fischer) ist Hoftapezircrnieistcr, ein dritter(Naglo) macht in elektrischen Beleuchrnngcn, der vierte (Röhlich) hat eine Vcrgolderwaaren-Fabrik, der fünfte endlich(Dcrnuth) ist Hof-Bnchbindermeister. Es ist unter anständigen Leuten ja ganz selbstverständlich, daß sie, wenn sie zu einem von lauterem PattiotiSmus beseelten Komitee zusammentreten, auch nicht das geringste von den erheblichen Gcschäftsprofitcn einheimsen dürfen, die durch die Vorarbeiten zc. zu dem projektirten Fest jedenfalls abgeworfen werden. So wird denn gewiß weder Herr Hof-Buchbindcrmeister Demnth die Fertigstellung der geplanten Adresse in gewinnbringende Entreprise nehmen, noch wird sonst einer der genannten Geschäftsleute irgend eine der sehr profitablen Dekorations- und Vclcuchtnngsarbeitcn zu seinem Nutzen verrichten. Solche Enthaltsamkeit muß schon von den Herren geübt werde», damit durch sie nicht auch noch der letzte Nest dcS Glaubens an die Lauterkeit des modernen Patriotismus in der Bevölkerung zum Teufel gehe. Im städttschcn Obdach befanden sich am 1. Oktober er. 37 Familien mit 150 Personen und 55 Einzelpersonen. Am 1. November Ivar der Bestand 34 Familien nnt 104 Personen und 61 Einzelpersonen.— Im Laufe des Monats Oktober wurde das Obdach von 16 206 nächtlich Obdachlosen und zwar von 15 144 Männern und 1062 Frauen benutzt. Von diesen Personen wurden 21 dem Krankenhause Fricdrichshain, 43 dem Krankenhause Moabit, 14 der Charitee, 40 der Krnnkcnstation des Obdachs, 2 der Anstalt Wnhlgartcn nnd 279 der Polizei überwiesen.— Gebadet haben in dem Obdach 8573 Personen. Bei der Hanpt-Sttstnngskasse sind im Monat Oktober er. eingegangen: An Vermächtnissen und Geschenken 1522,50 M.; an Kollcktengeldern 29,50 M. und aus schiedsmännischcn Vergleichen 1045,10 M. Auf die Unzulänglichkeit dcS städtischen Rlmosengeldcs wird angespielt in dem Verwaltungsbericht über die städtische Sicchcnanstalt. Die Beköstigung der Hospitalitcn hat 1897/98 pro Tag und Kopf 47�/lo Pfennig erfordert, ungerechnet die Extradiät und die Kosten der Znbcreittmg. Das erscheine, sagt der Bericht, nicht gerade allzu niedrig für eine Armenanstalt, wenn man in betracht ziehe, daß die Anstalt Engrospreise zahlt, nnd daß 47�/10 Pf. pro Tag, also 14,28 M. pro Monat ungefähr dem von der Armen- direktion gezahlten Almosen entsprechen, das zur Bestreitung aller Lebensbedürfnisse, nicht blos der Beköstigung, sondern auch der Wohnung, Kleidung u. s. w. dienen soll. O welche Lust, Müllkntschcr zn sein? Die Annehmlichkeiten dieses Berufes werden treffend illustrirt durch die„Feier" der 50. Polizcistrafe wegen Vergehens gegen die polizeiliche Ordnung, welche der Miillabfuhr-Kutfcher Albert L. am Sonnabend Abend im Kreise von Kollegen in einer Schankwirthschaft der Müllcrstraße bc- ging. Mit den„Rcbcnsttafen", die ihm seine diversen„Brot- Herren" zndiktirtcn, dürfte das Hundert im Sttafregistcr wohl erreicht werden. Ucbcr de» Selbstmord cincS„Lebemannes" wird berichtet: In dem Hause Krausenstr. 76 wohnte seit vier Wochen als Chambrc- garnist der 66 Jahre alte Rentner Paul E l l i n g h a u s. der vor Jahren aus Bremen nach Berlin kam und hier namentlich in den sicbenziger Jahren als Lebemann eine Rolle spielte. Ellinghans. der von seiner Frau getrennt lebte, kam in seinen wirthschaf'tlichcn Verhältnissen mehr und mehr zurück. Immerhin aber Ivar er auch in den letzten Jahren noch so gestellt, daß er seine Rolle, wenn auch in engeren Grenzen weiter spielen konnte. Vor vier Wochen aber mußte er sich noch mehr einschränken. Während er bis dahin noch in HotclS der Fricdrichstadt gewohnt hatte, bezog er nun ein möblirtes Zimmer in dein bezeichneten Hause. In der letzten Woche scheinen seine Mittel ganz zur Neige gegangen zu sein. Am Freitag ließ er, um sich Geld zn verschaffen, durch einen Dienstmann vcr- schiedcne Wcrthsachen zum Pfandleihcr wagen. Es war wohl der letzte Rest seines Vermögens, denn am Sonntag war er ganz mittel- los. Abends jagte er sich zwei Kugeln in den Kopf. Als man mit dem Schwcrvcrwundeten in der Charitee ankam, war er bereits todt. Schwer vernngliickt ist der Buchdrucker« Lehrling Karl Land- mann, der bereits im dritten Jahre bei dem Bnchdruckcreibesttzer Klemm, Waldemnrstr. 29, seine Lehrzeit absolvirt. L. war an einer im Gange befindlichen Buchdruckmaschine beschäftigt und hatte trotz strengem Verbote es unternommen, einen schief gegangenen Druck- bogen aus dem Maslhinengctriebe herauszuziehen. Bei diesem Ver- suche wurden die Finger des L. von den Walzen erfaßt nnd die rechte Hand in das Getriebe gerissen und völlig zermalmt. Der Verunglückte wurde schleunigst nach der Sanitätsivache in der Adalbertstraße und von da aus nach dem Krankenhause am Urban geschafft. Zu dem EinbruchSdicbstahl in der MnSkauerstr. 41, über den wir vor einigen Tagen berichteten, wird gemeldet, daß der Ein brecher noch weiter sein Wesen treibt. Einer der Bestohlenen, der Kaufmann Ax erhielt die polizeiliche Mittheilnng, daß der Dieb in einer Pfandleihe in der Wrangelstrahe ein Fahrrad versetzt und als Legitimation die dem Kausinann gestohlene Altersversichernngskartc vorgezeigt habe. Da der Einbrecher noch einen auf den Namen Sturm lautenden Lehrbrief hat mitgehen heißen, so ist es nicht aus geschlossen, daß er auch diesen Ausweis mißbrauchen wird. Nach gestillter Rache ist Sonntag Abend der Schlosser Robert Härder, der seit dem 1. Oktober von seiner Frau getrennt lebte, in den Tod gegangen. Frau Härder hatte unter den Mißhandlungen ihres Mannes, der wenig arbeitete, aber um so mehr trank, so viel zn leiden, daß sie ein Zusammenleben mit ihm nicht mehr aushielt. Härder konnte ihr das nicht vergessen. Sonntag Nachmittag ver- schaffte er sich Eingang in ihre Wohnung in der Teltowerftr. 32 und zerschlug alles, was ihm in die Hände fiel. Später ging er zu einer vcrheirathetcn Tochter und erhängte sich in deren Wohnung. Wegen Blutschande ist ein in der Oranienstraße wohnhafter Werkführer M., der in einer Pianofortefabrik angestellt war. mit seiner Schwester verhaftet worden. Aus dem sträflichen Vcrhältniß beider sollen mehrere Kinder entsprossen sein, von denen ein acht- jähriges Mädchen am Leben ist. Dies Kind wurde dem Waisenhause zugeführt. Zu wüsten Szenen kam eS in der Nacht zum Montag au dem Grundstück AndreaSstr. 64. In der dort belegenen Herberge der Bäckergesellen erschienen nach Mitternacht einige Zuhälter und verlangten'Getränke, die ihnen jedoch der Wirth, da' er für die Ruhe seines Lokales fürchtete, nicht verabfolgte. Da sie sich nicht gutwillig entfernen wollten, wurden sie gewaltsam an die frische Luft gesetzt. Die Zuhälter holten jedoch aus einem Tingcl- tangel Verstärkung herbei und versuchten nun, ungefähr zwanzig Mann stark und mit Messern, Schußwaffen und Latten bewaffnet, die Herberge zu stürmen. Die Hausdiener und Gäste der Herberge stellten sich ihnen aber entgegen, und so wurde eine wahre Schlacht geschlagen, die erst ihr Ende fand, als ein Hausdiener, nachdem die Zuhälter mit einer Pistole geschossen hatten, einen Revolver herbeiholte und fünf Schrotschüssc auf die Angreifer abgab. Die Angreifer räumten unter Mitnahme ihrer Verwundeten den Platz. Es war mit solcher Erbitterung gekämpft worden, daß 16 Personen die Sanitätswache am Grünen Weg 71 aufsuchen mußten, ganz abgesehen von den verwundeten Zuhältern, die ich aus Furcht vor der Entdeckung nicht dahin wagten. Ein harmloser Passaut erhielt ebenfalls einen Messerstich zwischen die Schulterblätter. Die nahegelegene Polizeiwache war bald von dem Anrücken der Zuhälter verständigt mid um Schutz gebeten worden und so erschien denn auch, leider zu spät, nachdem man Ich eine halbe Stunde lang geschlagen hatte, ein Schutzmanns- aufgebot von 10 Mann, um— die Sache zu rechcrchiren. Im Schlafe ist anscheinend am Sonntag Mittag ein unbekannter Mann am Luisen-Ufer tödlich verunglückt. Der Mann saß auf dem Geländer des Wasserthorbeckens und fiel plötzlich rücklings in den Kanal. Schiffer bemühten sich zwar um seine Rettung, als sie ihn landeten, war er jedoch bereits todt. Mit Sublimat hat sich in der Nacht zum Montag die Pro- tittiirte Lola L. in ihrer Elsasscrstr. 34 belegenen Wohnung vergiftet. Nahrungssorgen sollen das unglückliche Weib, das früher hiesigen Malern vielfach als Modell gedient hat, in den Tod getrieben haben. Erschossen hat sich am Sonntag Vormittag der Kriminal- Schutzmann Preuß in seiner Wohnung in der Kreuzbergstraßc 5. Prenß war früher als Kriminalbeamter im Rcvicrdicnstc beschäftigt, u. a. im 47. Revier in der Fichtcstraße. Vor drei Jahren wurde er zur Sittenpolizei versetzt und seitdem wohnte er in der Kreuzberg- straße 5, wo er als Junggeselle ein möblirtes Hofzimmer gemiethet hatte. Was den Beamten zum Selbstmord getrieben hat, weiß man nicht. Polizeilich wird berichtet: In der Nacht vom 5. zum 6. d. M. ist auf einer Bank in den Anlagen des Fricdrichshains die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechts in einem weiß- und blaugestrciftcn Barchcntuntcrrock, weißen Leinewandlappen und braunem Packpapier eingehüllt, vorgefunden worden. Auch lagen am Thatorte Reste von schwarzem Futterstoff. Die Leiche ist nach dem Lcichcnschauhause gebracht worden.— Personen, welche zur Sache irgendwelche Angaben machen können, werden ersucht, sich wachen- tags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags im Zimmer 326 des königl. Polizeipräsidiums zu melden. Ei» großer Fabrikbraud entstand Sonntag ftüh 5 Uhr Linden- straße 43. Im ersten Stock des Qucrgcbäudes befindet sich hier das Papicrlagcr von Sieker u. Vogel, im zweiten Stock die Druckerei von Harrwitz und im dritten Stock die Setzerei von Harrwitz, sowie die Luxnspapicrfabrik von Hoffmann u. Comp. Fast zwei Stunden mußte Wasser gegeben werden, da ans den Papicrvorrüthcn immer neue Flammen emporziingelten. Da die drei Etagen vollständig ausbrannten, die großen Vorräthe von Lnxuspapicrartikeln verloren sind und auch die Setzerei und Druckerei(Maschinen) unbrauchbar geworden ist, so ist der entstandenc Schaden sehr beträchtlich. Zahl- reiche Arbeiter und Arbeiterinnen sollen auf Wochen hinaus arbeitslos geworden sein. Am empfindlichsten ist die Firma Hoffmann u. Comp. getroffen, da ihre Luxusartikel größtcnlheils ans die Weihnachtssnison berechnet waren. Die Ausräumungsarbeiten hielten die Wehr bis Mittag am Brandplatzc fest. Im Zirkus Busch wird eine neue Pantomime„Persicn,, gegeben. Der Name deutet an, daß die Märchenwelt des Orients in der Manege aufleben soll, und was im Zirkus vorgeht, mag in der That kaum jemals von der auch in JSpahan gewiß recht nüchternen Wirklichkeit erreicht worden sein. Ballet und abermals Ballet in glitzernder Kostümpracht, wunderbare Lichtwirkungen, Kamecle, Maulthicre, Büffel, Elefanten zu Wasser und zu Lande, und dann noch aparte Zirknskunststücke von solcher Verwegenheit, daß selbst starknervigen Leuten das Gruseln ankommt. Einmal springt der Held des Schaustückes hoch zu Roß von einer' Felskuppe in die hochanfspritzcnde Fluth, ein anderes Mal vollführt er dies Wagestück sogar von der ZirknSkuppcl aus. Und dann geht eine wilde Jagd von dichtgedrängten Pferden treppauf und treppab über alle möglichen Hindernisse hinweg— eS ist unbegreiflich, wie das alles dahinrasen kann, ohne daß auch nur einem Menschen ein Haar gekrümmt wird. Es gereicht dem neuen Schaustück zum Vortheil, daß es ungleich seinen Vorgängern von einer leichtverständlichen Handlung getragen ist und sich nicht im geringsten in moralischen Problemen verliert. Außerdem wird es pantomimisch sehr verständlich dargestellt. Unter den nach dieser Richtung hin mitwirkenden Künstlern verdienen besonders Fräulein Albanahis, Herr Eschbcrger, Herr Cnriot und der Clown Herr Daniels genannt zu werden. Der Beifall, den Direktor Busch sich durch die neue Gabe errungen hat, war vollauf verdient. TaS Berliner Zlquarium hat mit einer durch die Adria-Station Rovigno bewirkten Sendung zahlreicher, jenes Meer bewohnenden Thiere höherer und niederer Ordnung eine Spezies erhalten, die hier wohl nie ge- zeigt werden konnte, lind waS die Erwerbung noch besonders interessant macht, ist der Umstand, dag man dieses im Mitteluicer heimische Weichthicr aus der Adria noch nicht kannte. Wir haben in ihm die größte Schnecke des MittclmeergebieteS und zugleich die einzige demselben angehörende Art dieser den südlichen Meeren zukommenden Gattung vor uns, nämlich die Tonnen- oder Fav-Schnccke(volium), so benannt wegen ihres bauchigen Gehäuses, das eine Höhe von 26—25 Zentimetem erreicht. Man hat den Riesen unter Seinesgleichen, der eine handgroße Fläche bedeckt, im Aquarium dem geräumigen Sceroscnbecken des oberen Grottenganges überwiesen, wo er nicht nur durch seine Größe und die kugelig-eiruude, mit gewölbten Spiral- rippeu vcrseheuc Schaale, sondern auch durch einen gewaltigen, langen und dicken Rüssel auffällt, der von der Wurzel an einstiilpbar ist und sich zwischen den Fühlhörnern befindet. Fcucrbcricht. Sechs Alarmirungen waren am Sonntage zu verzeichnen. Ein umfangreicher Balken- und Fußbodenbrand rief die Wehr nach Kreuzberg st raße 75. Das Hans wurde stark beschädigt. Ilcbergekochtcs Fett verursachte I n v a Ii d c n str. 32 einen Küchenbrand. W a ß m a n n st r. 37 waren Papicrabfälle und Preßkohlen in Brand gerathen, der jedoch wesentlichen Schaden nicht verursachte. Nach M e tz e r st r. 96 erfolgte Alarm, weil hier Kleider und Wäsche in Flammen aufgingen. Auch der Fußboden wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. T h a e r st r. 17 wurden bei einem Zimmerbrande Betten eingeäschert. Ein größerer Posten Brennholz war Boyenstr. 20 in Brand gerathen, doch konnte größere Gefahr beseitigt werden. Am Montag war Berlin vollständig feuerfrei._ Ans den Nachbarorten. Das Schiinebcrgcr Ufcr oberhalb der Potsdamer Brücke wird von heute ab für den Wagenverkehr wieder freigegeben. Trcptow-Baumfchulcnwcg. Den Parteigenossen zur Kenntniß, daß der Verein„Vorwärts" am Bußtag(Mittwoch) eine Futzpartie nach Grünau veranstaltet. Treffpunkt früh 8 Uhr im Lokal von O. Lange. Um recht zahlreiche Bethciligung ersucht Der Vorstand. Eine Bicrsteucr hat jetzt auch die Gemeinde Britz, dem Bei- spiele anderer Gemeinden, wie namentlich Spandaus und auch ihrer Nachbargemeinde R ix d o r f, folgend, eingeführt. Nach der vom KreiSau'sschuß bereits genehmigten Steuerordnung tritt diese in- direkte Gemeindesteuer in Britz am 1. Januar 1899 in kraft und zwar derart, daß von dem in dem Gemeindebezirk selbst gebrauten Biere ein Zuschlag von 50 Pf. zur Brausteuer erhoben wird, während aus dem in den Gemeindebezirk Britz eingeführten, aus- wärts gebrauten Bier eine Steuer von 65 Pf. pro Hektoliter ruht. Befteit von dieser Steuer ist nur dasjenige Bier, welches in Menge» von nicht mehr als 2 Litern eingeführt oder durch den Gemeindebezirk nur hindurchgeführt wird.' Die Einführung zu Wagen ist nur in der Zeit von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends zulässig. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften sollen mit einer Strafe von S bis 30 M. geahndet werden. GeerMS �ÄvikuttA. Der Roma» eines betrogene»» Mädchens wurde in der Ver- yanblung entrollt, welche gestern vor dem Schwurgericht des Land» Berichts I unter dem Vorsitze des Landgerichtsraths Opitz stattfand. Aus der Untcrsuchnngshaft wurde die 31 jährige Nätherin Marie Lehman n vorgeführt, eine Person, welche augenscheinlich unter dem Eindrucke schwerer körperlicher Leiden und Seelenqualen stand. Sie war deS versuchten Mordes beschuldigt, begangen au '6 rem früheren Bräutigam. dem Reisenden Franz Ulrich. Staatsanwalt Dr. Kleine vertrat die Anklagebehorde. Rechts- anwalt Dr. Werthauer hatte die Angeklagte zu vertheidigen. Das Gestnnduitz der Beschuldigten lägt sich folgendermasten zusammenfassen: Sie stammt aus dem Dorfe Hakenberg bei Neu- Haldensleben, woselbst ihre Eltern noch heute eine kleine Bäckerei betreiben. Sie wuchs mit dem Sohne des Nachbarn. des Schneiders Ulrich, zusammen auf. Franz Ulrich war ein ansehnlicher Bursche; er wurde mit 18 Jahren Hilfs- Briefträger. Zu dieser Zeit verliebte die Angeklagte sich in ihn und cS entspann sich zwischen ihnen ein Licbesvcrhältuiß. Als dies zur Äcnntuist der Eltern gelangte, traten sie dagegen aus, eineSthcils weil ihre Tochter etwas älter war als Ulrich, und weil sie anderntheils annahmen, dast sie Aussicht auf eine bessere Heirath habe. Bon dieser Zeit an fühlte die Angeklagte sich im elterlichen Hause nicht mehr wohl, sie zog es vor, auherhalb einen Dienst anznuchmeu. gab aber den Verkehr mit Ulrich nie auf. Im Jahre 18S0 kam sie nach Charlottcnbnrg, sie wollte in der Nähe ihres Bräutigams sein, der inzwischen zun» Militär ausgehoben worden war und als Gardc-Ulan in Potsdam stand. In Charlottcnbnrg gab sie einem Knaben das Leben. Sie hatte für das Kind monatlich 18 M. Pflegcgeld zu zahlen, aber trotz dessen bemühte sie sich, durch ihrer Hände Arbeit so viel zu verdienen, daß sie ihrem Bräutigam Zuwendungen mackien konnte. Wie die An- geklagte behauptet, hat Ulrich ihr viele Male die Ehe versprochen, die Hochzeit sollte stattfinden, nachdem Ulrich mit seiner Militärzcit zu Ende war. Er schied im Herbst 1893 als Unteroffizier aus. Anstatt an die Erfüllung seines Versprechens zu denken, wurde Ulrich Reisender bei seinem Bruder, der hier die Generalvertretung einer auS- wärtigen Chokoladen- und Konfiturcnfabrik inne hatte.' Er kam von jetzt ab nur etwa alle Vierteljahre auf einige Tage nach Berlin und vermied dann, die Angeklagte zu sehen.' Wußte die letztere eine Zusammenkunft zu erzielen, so zeigte Ulrich ihr gegenüber eine auffallende Kälte. Die Aiigeklagte hatte sich im Hause Stcplanstraße eine Bäckerciniederlage eingerichtet und gehofft, daß Ulrich sich dadurch sollte bewegen lassen, einen eigenen Herd zu gründen. Als auch diese Hoffnung nicht in Erfüllung ging, gab sie das Geschäft wieder auf. nücthcte sich in demselben Haiise 4 Treppen hoch eine kleine Wohnung und ernährte sich durch Nähe». Als Ulrich ihr Ende vorigen Jahres von Jnstcrburg schrieb, daß er nicht tm stände sei, sie zu Heirathen, reiste die Angeklagte ■m ihrer Verzweiflung dorthin, um ihit umzustimmen. Sic wußte ihm bis Tilsit nachreisen, ehe sie ihn traf. Ulrich ließ sich auch umstlmmcn, und neuer Hoffnungen voll, kehrte die Angeklagte nach Berlin zurück. Hier entdeckte sie bald darauf, daß sie infolge deS Verkehrs mit Ulrich von einer ansteckcndcnKrankhcit befallen war. Nun will sie den Entschluß gefaßt haben, sich daSLebcn zu nehmen. Sic kaufte sich in einem Waffenladen eineuRcvolvcr und ließ sich vom Vcrkäufer übcrdcn Gebrauch unterrichten. Den mit fünf Patronen geladenen Revolver bewahrte sie m ihrer Kommode auf. Zu Pfingsten kain Ulrich wieder nach Berlin. Die Angeklagte suchte ihn in seiner Wohnung in der Acker straße auf. Zunächst ließ Ulrich sich verleugnen, sie drang aber nr sein Zimmer und traf ihn hier an. Sic bat und flehte, er möge sie nicht verlassen. Ulrich versprach endlich, sie wieder besuchen zu wollen, worauf die»ngellagte sich cntferutc. Nach einigen Tagen traf sie zufällig mit Ulrich auf der Straße zusammeii. Sic erinnerte ihn an sein Versprechen. Ulrich fertigte sie aber kurz ab. Er müsse zum Bahnhof, kehre am L7. August zurück»md werde sie dann bc- suchen. Die Angeklagte beschloß, daß dieser Besuch unter allen Um» ständen stattfinden und entscheidend sein solle. Sie wollte erst Ulrich und dann sich selbst tödtcn. Als Vorbereitung holte sie eine Scbachtel gestoßenen PsesfcrS auS der Küche und legte sie zu dem Revolver in die Kommode. Sie wollte dem Ulrich Aucist Pfeffer in die Augen streuen und ihn dann erschießen. Am Freitag, den 26. August, suchte die Angeklagte wiederum die Wohnung Ulrich'» auf, um sich bei seiner Wirthin zn erkundigen, Iva»» er von der Reise zurtickkehrm würde. Die Wirthiu ließ sie einige Minuten allein im Zimmer, die Angeklagte untersuchte schucll den In- halt eines unverschlossenen Koffers und entnnhin demselben «in Packet Briefe, die sie schnell zu sich steckte. Als sie zu Hanse sah. daß e§ Liebesbriefe von einem anderen Mädchen waren, gab sie jede Hoffnung auf und der Entschluß, ihn und sich zn tödten, wurde be- festigt. Ulrich stellte sich am Nachmittage des 28. August gegen 4 Uhr in der Wohnung der Angeklagten ein.''Er legte dem Umstände, daß sie nach keinem Eintritt die Thür von innen verschloß, kein Gewicht bei. Er wollte dem Verhältnitz unter allen Umständen ein Ende machen und blieb all' ihrem Bitten und Flehen gegenüber ungerührt. Schließlich wollte er sich entfernen. Als er die Thür verschlossen fand und die Angeklagte sich weigerte, sie zu öffnen, holte Ulrich auS der Küche einen Feuerhaken und versuchte, die Thür mit Gewalt zu sprengen. Während dieser Arbeit ivarf Ulrich der An- geklagten vor, daß sie sich auch mit anderen Männern abgegeben habe. Durch diesen schmählichen Vorwurf will die Angeklagte i» einen Zustand gcrathen sein, der ihr jede Ucberlcgnng geraubt habe. Sic sei zur Kommode geeilt, habe die Schachtel mit Pfeffer und den Llcvolver her- ausgenommen, sei wieder ans Ulrich losgestürzt und habe ihm zunächst de» Inhalt der Schachtel ins Gesicht gestreut. Dann habe sie dreimal auf Ulrich gesdbosscn und zlvar alle Schüsse gegen seinen Kopf ge- richtet. Als Ulrich auf einen Stuhl niedersank, habe sie den Revolver gegen ihre eigene Schläfe gerichtet und zweimal abgedrückt, der Revolver sei aber nicht losgegangen. Die Angeklagte hat über die Vorgänge in ihrer Wohnung früher die widersprechendsten Angaben gemacht. Bei ihrer Vernehmung vor der Polizei gab sie an. daß Ulrich und sie beschlossen hätten, gemein- schaftlich aus dem Leben zu scheiden. Ulrich habe sie gebeten, erst ihn und dann sich selbst zu erschießen. Bei ihrer jetzigen Ver- nchmung beharrptete sie, daß sie versucht habe, sich zum Fenster hinauszustürzen, nachdem der Versuch, sich selbst zu erschießen, mißlungen war. Ulrich habe sie aber daran gehindert. Ter Zeuge Ulrich bekundete, daß er hiervon nichts wisse, eS auch nicht für möglich halte, denn er sei vor Schmerzen in den Augen durch den Pfeffer fast besinmnigsloS gewesen. Er habe drei Schüsse erhalten, den ersten in die Wange, den zweiten in die Nähe des Auges und den dritten, einen Streifschuß, in den Nacken. Das Sehvermögen auf dem linken Auge ist erloschen. Er hat längere Zeit im Kranken Hause zubringen müssen, bevor er als geheilt entlassen� tverden konnte.' Im übrigen giebt der Zeuge zu, daß das Verhältni von der Angeklagten der Wahrheit gemäß geschildert worden K Eine ganze Anzahl Zeugen bekunden, daß die Angeklagte in den letzten Jahren ein verändertes Wesen gezeigt habe. Sie sei stets sehr erregt gewesen und habe häufig geklagt, daß ihr Bräutigam, dem sie alles geopfert habe, nichts mehr von ihr wissen wolle. Auch körperlich sei sie in den letzten Jahren arg heruntergekommen. Auf den Antrag des Verthcidigers gelangt eine Reihe von Briefen zur Verlesung, welche der Zeuge Ulrich noch in diesem Jahre an die Angeklagte gerichtet' hat. Der Inhalt der Briefe fließt über von Versicherungen der Liebe und Treue. Gleichzeitig schrieb Ulrich seiner„zweiten Braut", so daß er mit beiden Mädchen ein Doppclspiel trieb. Aus den» Gutachten deS medizinischen Sachverständigen ging hervor, daß alle drei Kugeln noch im Kopfe des Ulrich stecken. Es sei nicht ausgeschlossen, daß eine lebensgefährliche Operation nöthig sein werde, lieber den Geisteszustand der Angeklagten Lehmann wird der Gchcimrath Dr. Long als Sachverständiger vernommen. Er sei davon überzeugt, daß von einer Geistesstörung, wodurch die freie Willensbestimmung bei Begehung der That ausgeschlossen sei, nicht I die Rede sein könne, wenngleich die Angeklagte sich zweifellos in großer Erregung befunden habe. Die Schuldfragen beziehen sich auf versuchten Mord. auf> versuchten Todtschlag und bei Bejahung der letzteren Frage f auf mildenide Umstände. Staatsanwalt Kleine schloß sein Plaidoher mit dem Ausdrucke der Erwartung, daß die Geschworenen die Angeklagte des ver- suchten Mordes schuldig sprechen lvürden. Der Verthcidigcr, Rechtsanwalt Dr. Werthauer, hält es kaum für möglich, daß die Geschworenen die Schuldftage in betreff des versuchten Mordes bejahen könnten, er erwartet, daß die An- geklagte des versuchten Todtschlags unter Zubilligung von mildernden Umständen schuldig gesprochen werde. Der Spruch der Geschworenen lautete auf schuldig des versuchten Todtschlags nach unmittelbar vorhergegangener Reizung durch eine ihr zugefügte schlvcre Beleidigung sowie unter Zubilligung von anderen mildernden Umständen. Der Staats- anwalt beantragte gegen die Angeklagte zwei Jahre Ge f ä n g n i ß, das Urthcil lautete aus nur sechs Monate Ge- fän'gniß. Die Angeklagte sollte auf fteien Fuß gesetzt werden, sie erklärte indessen, ihre Strafe sofort antreten zu wollen. Wie der Grmenidevorstant» von Grünau sich beleidigt fühlte. Wegen Beleidigung der gesammten Gemeindevertretung bczw. wegen Beihilfe dazu hatte sich der Arbeiter Hermann Gustav Karl Brandt aus Treptow und der Buchdruckereibesitzer Heinrich Friedrich Karl D i m M i ck(in Firma Maurer u. Timmick) in Berlin vor der I. Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. In der Nacht von» lg. zum 20. März d. I. und am Morgen de- 20. März wurde in Grünau, wo die Wahl eines Gemeinde Vertreters für die dritte Klasse der Wähler unmittelbar bevorstand, ein Flugblatt verbreitet, in welchem aufgefordert irmrde, den von den Arbeitern aufgestellten Kandidaten Gastmirth L i n d e n h a v n zu wählen. Umcrzcichuet war das Flugblatt mit„DaS sozialdcmo kratische Wahlkomitee", als Drucker waren Maurer u. Dimmick an- gegeben. Da sich die gesammte Gemeindevertretung durch den In- halt des Flugblattes beleidigt fühlte, wurde gegen Brandt als den Verfasser und gegen Dimmick als den Drucker Strafantrag ge stellt und Anklage erhoben. Die Beleidigung sollte in folgenden Punkten gcftmden werden:„Die Gemenidcvertrctung bleibt eine Jnteresscuwirthschaft, sie kümmert sich um ganiichtS. Früh morgens ist die Straße von Grünau bis zum Bahnhofe unbeleuchtet. Die zahlreiche» Arbeiter, welche noch im Finstern zum Bahnhofe gehen müssen, können sich ja die Knoche» entzwei schlagen. Aber das schadet nichts, ein Pfund Menschenfleisch ist ja billiger als lvie Pferdefleisch. Jetzt allerdings wären ja die Arbeiter gut genug, den Herren zu einer Ehre zu verhelfen, deren sie nicht würdig sind. Als Vertreter der Gemeindevertretung war der Vorsteher Fabrikant Dr. S ch o l w i n geladen. Dieser erklärte, daß er sich durch den Inhalt des Flugblattes absolut nicht beleidigt gefühlt habe. D i e Gemeindevertretung habe ihn zedoch bearif- tragt, Strafantrag zn stellen und dein habe er sich nicht w i d e r s e tz e n w o l I c n. Der Staatsauwalt billigte zwar den Schutz des K 193 zu. hielt aber die Form für beleidigend und beantragte je 50 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof erkannie auf Freisprechung. In dem Flugblatt seien zweifellos scharfe Ausdrücke enthalten, aber dasselbe erschien in der Zeit der Gcmeindcvertreter-Wahl, wo ein jeder— sei er Sozialdemokrat oder sonst welcher Partei— das R c ch t habe, seilte Interessen zn ver- treten und seine Meinung zu äußern. Das sei geschehen, wenn auch in scharfen Worten. Im Wahlkampfe pflegt aber der Mund immer etwas voll genommen zu tverden, und wenn daS auch im vorliegenden Falle geschehen sei, so gehe daraus noch nicht die Absicht der persönlichen Beleidigung hervor, wie ja auch der Zeuge Dr. Scholtvi» erklärt habe, er hätte sich nicht beleidigt gefühlt. AuS allen diesen Gründen war eine Verurtheilung nuSgeschloffcit. Einc Privatklage des Abgrordurtri« Licbermaim von Tonuetlberg gegen den Cbefrednkieur der„Kreuz-Zeituug" Prof. K r o p a t s ch c t und den Redakteur der»Kouserv. Korrespoiideuz" A. Clar beschäftigte gestern das Schöffengericht. Im letzten Ncichstags-Wablkampfc brachte das in Dresden erscheinende„Vater- laitd", das ossiziclle Organ der konservativen Partei in Sachsen, eine» heftigen Artikel gegen die Antisemiten, insbesondere den Abgeordneten Licbernian» von Somieuberg und erörterte die Frage, was die Konservativen von den reinen Antisemiten zn erwarrc» haben. Es Ivurdc darin Herr Liebermaiiii v. Soinicnberg in irgend welche Bezieh, ingen zn einem ehrenrührigen Streit des Schriftleiter» der„Dcutlcheii Wacht" Welckcr mit dem Autisemitenführer Vogel in Baden gebracht und angedeutet, daß er schlimme Enthüllungen zu fürchten habe, z« deren Vermeidung er plötzlich eine politische Schniculung gemacht habe. Es sei min für Eingeweihte kein Gchctmmß, daß er aus diesem Grunde Leibeigener seiner früheren Gegner geworden sei, daß er das thu» müsse, was diese wollen u. s. lv. Der Artikel ging in die Nr. 6 der ..Konservativen Korrespondenz" und au» dieser in Nr. 27 der„Kreuz- Zeitung" vom 18. Jomiar er. über und hat zu der Privatklagc Ver- aitlnssung gegeben. Dem Privatkläger stand Rechtsanwalt K a tt cr- b a ch.zur Seite, die Aitgcklagtcu'vertrat Rechtsanwalt Eschen- b a ch.— Der Kläger bestritt, daß er irgendwelche Bezichuugcu zn den. Streite Welckor-Vogcl gehabt habe»lud die vom„Vater- Icind" erhobene Beschuldigung, daß er irgend etwas Schlimmes zu verschleiern habe, jeglicher Bcgündnng entbehre. Er halte eS für eine Anstnndspflicht der„Krenz-Zeitung" den WahrheitSvcwciS onznireten und wenn dieier— wie ganz sicher sei— vollständig mißlungen sein werde, offen zu erklären, daß die Verdächtigungen unwahr seien.— Rechtsanwalt E s ch e n b a ch erklärte, daß die Angeklagteu die Vcrautlvornmg für den Artikel übentehmeu, machte aber darauf aufmcrlsam. daß letzterer in der Hitze deS Wnhlkampfes geschrieben und von den Angeklagteu gutgläubig aufgenommen sei und daß die Konservativen auch sehr oft in die Lage gekommen seien, sich gegen heftige Angriffe der Autisemiten wehren zu müssen. So habe der Privalkläger einmal in einer Wahlrede gesagt, daß, wenn er die Wahl habe zwischen einem konservativen Halb- j u d e n nitd einem freisinnigen Deutschen, er dem letzteren den Vorzug gebe. Der Kläger bemerkte hierzu: Rechtsainvalt Eichen- dach werde aus eigener Wistcnschaft nicht bestreiten, daß Halbjüden an der Spitze der konservativen Partei stehen.— Der Gerichtshof war der Ansicht, daß der Artikel über die im Kampf politischer Gegner erlaubten Grenzen hinausgehe und die darin cnthalteuc Verdächtigung geeignet sei, das bürgerliche Ansehen des Privatklägers zu schmäler». Da die Angeklagten nickt im stände seien, diesen Verdacht irgendwie zn erhärten, so müsse ihn das Gericht für völlig gniudlos halten. Ter Artikel stelle positive Behauptungen nicht auf und deshalb sei nur§ 185 anwendbar. Mir Rücksicht auf die ganze Sachlage habe der Gerichtshof auf je 50 M. Geldstrafe eventuell je zehn Tage Gefäiiguiß. Publikations- beftWiitz für den Beleidigten und llnbrauchbarmachung der Platten uPrftornien erkannt. Die Rechtlosigkeit der ostclbischen Landarbeiterschaft tritt aueuvoll durch eine Gerichtsverhandlung zu tage, die sich am 10. November vor dem Schtvurgericht zu B a r t e n st e i n in Ost- preußen abspielte. Auf dem Rittergut Jankenwalde hatte der Gärtner Robert W i t t st o ck die beim Rübcnban beschäftigten polnischen Arbeiter und Arbeiterinnen zu beaufsichtigen. Als am 22. Juni d. I. die polnische Arbeiterin Frau Nedziolka sich einen Augenblick vom Unkrautjätcn emporrichtete, schlug Wirtsrock die Frau so vrutal, daß sie hinfiel. Das Weib schrie auf, worauf Wittstock sie mit der Erklärung, daß sie nicht weiter arbeiten solle, gewaltsam vom Felde brachte. Der entstandene Länn lockte die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gcmißhandelten heran»md einige Leute, darunter auch der Ehemann der Geschlagenen, gingen auf den Aufscher zu, um ihm die nothwendigen Vorhaltungen zu machen. Wittstock zog darauf einen Revolver hervor und rief den Arbeitern ein„Zurück" entgegen. Mit Ausnahme des empörten Ehemannes folgten fämmtliche Arbeiter der Warnung. Als Nedziolka weiter vorschritt, um sich seiner Gattin anzunehmen, drücke Wittstock los und traf den Arbeiter mit einem wohlgezielten Schuß in die B r u st. so daß der Unglückliche todt zusammenbrach. Die zum großen'Theil aus Gutsbesitzern bestehenden Geschworenen fanden an Wittstock keine Schuld, worauf dieser freigesprochen wurde. Solche Erscheinungen muß man im Auge behalten, um die Land- flucht der Arbeiterschaft begreifen zu können. i Vevsttmmlnngen. An«Inet«mßerordentlichen Versammlung der Former m»d Bernfsgenoffen wurde über die Beschickung des Formertages dislutirt. Körsten bedauerte in seinem Vortrage den schwachen Besuch der Versammlung. Es sei äußerst wichtig, daß die Berliner Former zu der Organisationsfrage Stellung nehmen. In allen Gegenden Deutschlands sei große Antheilnahme an einer Reorgaui- sati'on. Durch die zweifache Organisation käme es. daß von 70 000 deutschen Formern nur 12 000 organisirt seien. Die Unter- uehmer seien bedeutend besser organisirt. Die Former sollten sich ihre Gegner zum Beispiel nehmen. Die letzten Streiks hätten ge- lehrt, daß die Unternehmer ruhig bei kleineren Streiks die Arbeit weitergeben. Das veranlasse die großen Arbeitsniederlegungen und Aussperrmigen. die von klciuercii Organisationen garnicht durch- zuführen seien. Die Arbeitslosen-Unterslützung sei auch wichtig zur Kräftigung der Organisation. Jedenfalls inüffe manches bedacht werden, um den Formern eine beffere Organisation zu geben. Der Referent äußert dann, daß die Frage noch nicht diskutirt sei. Erst müsse ein Boden für die Aimäberungeu der Organisationen geschaffen werden. Jedenfalls aber sei der' Fonuertag nöthig, um endlich eine Einigung herbeizuführen. Es sei die höchste Zeit, den Fabrikanten geschlossen entgegen zu treten. In der folgenden äußerst lebhaften Diskussion äußerten sich sämmtliche Redner im Sinne des Rcfe- reinen. Doch wurde betont, daß die Frist bis zur Beschlußfassung über die Beschickung des Formertages bis zum 15. November zu kurz sei. N a e t h e r gab der Ansicht Ausdruck, daß die Vorstände der Orgmiisationcn sich erst über die Punkte verständigen müffen, die auf dem Formertage besprochen werden sollen. Dann aber sei der Formertag nicht befugt, über den Anschluß der Former an eine Organisation zu beschließen. Das könnten nur Gencralversammlimgen der einzelnen Organisationen. Darauf wurde folgeudc Resolution einstimmig angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und beschließt, da den fortgesetzten Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen nur durch cinmüthiges Vorgehen entgegen gewirkt werden kann, sich mit der von Formern anderer Städte angeregten Abhaltung eines Fonnertagcs einverstanden zu erklären und ihn zu beschicken. Die Versammelten ersuchen die Gcneralkommission in Hamburg, an die Vor- stände des Zentralverbandes deutscher Former und des deutschen Metallarbeiter-Verbandes die Aufforderung zu richten, in kürzester Frist zu einer Konferenz zusammenzutreten, um über die Gnmdlagen zu berathen, auf denen ein wirksames Zusammenarbeiten aller Former möglich ist. Die Versammelten sind überzeugt, daß erst, wenn einc solche Grundlage gewonnen ist, eine zweckmäßige Be- raihnng auf dem Formertag stattfinden kann. Ferner wurde ein Antrag angenommen, der empfiehlt, den Formcrtag bis zum 1. Januar zu vertagen. Tie Vraucr»md Vrauerei- Arbeiter hatten am Sonntag eine Versammlung anberaumt, die von etwa 100 Personen besucht war. Wie aus einem Rererat R i ch t e r' s hervorgeht, hat die im November vorigen Jahres eingesetzte Kommission dem Kuratorium des Arbeitsnachweises die Wünsche der Arbeiter in bezug auf die Abänderung der Satzungen des Arbeitsnachweises eingereicht. Auf eine kürzlich an den Vorsitzenden des Kuratoriums er- gaugene Anfrage hat derselbe der Kommission geantwortet, der Verein oer Brauereien habe Ende Oktober eine Acndernng der Satzungen des Arbeitsnachweises genehmigt, dieselben würden vielleicht Anfang nächsten MonatS einer öffentlichen Versammlung der Branerci-Arbciter zur Abstimmung vorgelegt werden. Weiter machte der Referent darauf aufmerksam, daß' noch im Laufe dieses Jahres die Neuwahlen zum Kuratorium stattfinden müsse», und daß bei dieser Gelegenheit die Arbeiter zu- verlässige Vertreter ihrer Interessen in das Kuratorium senden mögen. In der Diskussion wurde auf Mißstände, die beim ArvcitsnachwciS bestehen, hingewiesen. Namentlich hob man hervor, daß die Unternehmer daraus ausgehen, die Rechte, welche den Ar- betten» in den Satzungen des Arbeitsnachweises zugebilligt werden, zu umgehen, auch werde in verschiedenen Brauereien die festgesetzte Arbeitszeit durch Ueberstmiden oft sehr erheblich überschritten. Es wurde folgender Antrag angenommen: Die Versammlung bedauert, daß die seinerzeit gewählte Kommission nicht zur Berathung der Aciidennig der Satzungen des Arbeitsnachweiics>eitens deS Vereins der Brauereien Berlins hinzugezogen worden ist. Da der genannte Verein bereits einen Beschluß über die Satzungen gefaßt hat. so er« wartet die Versammlung, daß die Abänderungen unverzüglich den Braucrei-Arbeitcrn mitgetheilt werden, damit sie auch ihrerseits Be« schlnß darüber fassen können.— Hierauf berichtete Neumann über die Thätigkeit der Agitattonskommission. Die Kommission habe ein arbeitsreiches Jahr hinter sich, tvenn auch ihre Arbeiten in der Ocffentlichkeit nicht bemerkbar gewesen seien. Es fanden 4 Versammllingen, 14 Sitzungen und zahlreiche Vorstellungen in Brauereien statt. Die Kommission habe sich in vielen Fällen mit Erfolg bemüht. Maßregehmgen rückgängig zu machen und Differenzen zu schlichten. Die Abrechnung des KassirerS P r e u ß schließ: niit einer Einnahme von 189,09 M.. einer Ausgabe von 159,80 M. Nach einer längeren. rein persönlichen Debatte wurden folgende Personen in die Agitattonskommission gewählt: Preuß, W.' Richter. Tröger. Neumann, Trautmann, Dnrlolv, Reichert. Allen- stein, Dietrich. Charlottc»lbnrg. Die am Somttag m� der GambrinuS« Brauerei tagende Kommunal Wähler- Versammlung� war infolge verschiedener äußerer Umstände nicht sonderlich stark besucht. Nach einem einleitenden Referat des Genossen Siegrist wurde Genosse Paul Hirsch einstimmig als Kandidat für die Ersatzwahl im VI. Bezirk proklamirt. Sodann entwickelte Hirsch das Programm der sozialdemolrattschcn Parrci auf kommunalem Gebiete, in dem er sich besonders eingehend über das Volksschnlwescn und die Annen- Verwaltung verbreitet. An den Vortrag knüpfte sich eine längere Diskussion. Die nächste Kommunalwählcr- Versaimnlung findet am Sonntag, den 20. d. M.. in demselben Lokale statt. Slrdritcr-Siulgcrtmnd Berlins und der Umgeizeud. Vorsitzender: Ado! Nelmwim, Brumienfir. 150. Alle Aeiideningen im Vereinslalender sind zu richten ein Friedr. Äortum, Mauteuffelstr. 60, vom IL Dicustag. abends 9—11: Uebunnssniiidc und Aufnahme neuer Mitglieder:„Steineiche", Klap- sch»B, Manteustrlstr. 91.-„Seneieldcr". Schiller, Rosenthalerstr. 57.— ..Gercchtigleit"(Westen), Werner, Bülowstr. 59.—„Olynlpia", Stielt, Nannvnstr. 86.—„Hand in Hand I", Richter, Mariannenftr. 41.—„Kreuzberg", Eckhardt, Solmsstr. 5.—„Edelweiß", Stehmanu, Melchiorstr. 15.— „Echo II", Mstndner, Linienstr. 19.—„Wicderdall", Schnieder, Admiral- straße 21.—„Freiheit II", Herrguth, Adlershof, Oppenstraßc.—„Mqrtheil- blälter", Blume, Prenzlauer Allee 14.—„Unverzagt Li", Bcnsselstr. 9.— „Freies Lied", Friedttcksberg, Schuhmaim, Franksurler Allee 181.—„Rothe Nelke I", Obst, Schöncberg, Gmiiewaldstr. 110.—„Rothe Nelke II", Rosin, Ruvpwcrstr. 42.—„Vorwärts IV", Engel, Rathenow, Jägerstr. 25.— „Alpenglocke", Gold, Große Frankfurterstr. 133.—„Eichcittraiiz", Jean Poillon, Prcnzlau, Schncllesir. 67.—„Weddinger Harmonie", Milbrodt, Müllerstraße 7».—„Vorwärts VIII", Schurbanm, Marwitz in der Mark.—„Freie Sänger III", Hecgennühle bei Eberdwalde.—„Frohsinn I", Mertens, Rummelsburg, Goethe- und Kantstraßen-Ecke.—„Akazie"(gemischter Thor), Metzner, Oranienstr. 184.—„SangeSlust II", Bergmann, Pasewalkerstr. 3.— „Weiße Rose", Malchin, Reinickendorf, Rcsidenzstr. 101».—„Arbciter-Maibund", Hiemke, Nowawcs, Wallstraße.—„Vorwärts VII", B reo es, Rummelsburg, Kant- und Goethcstraücn- Ecke.—„Zündholz", Abendroth, Badstr. 42.— Alliance"(Maler), Restaurant, Kaiser Franz- Grenadierplatz 7.— „Glasarbeiter", Zcidler, Köpenick, Müggclheimstraße 29.—„Esmeralda", Baatz, Cotheniusstraße 3.—„Kreuzderger Harmonie", MZHttng, Admiral- straße 18 v.—„SangeSblüthen", Böttcher, Krantstr. 6.—„Melodia II", Pappel-Allee 114.—„Nord-Ost", Gübel, Landsberger Allee 156.—„Alpenglühen", Klopfch, Falckenstemstr. 38.—„Freie Feldblume", Vatterroth, Ska- litzerstr. 51/52.—„Grüne Eiche", Badcn'chncidcr, Ripdorf, Hermannstr. 197. —„FreiheitSklänge I", Sommer, Grünstr. 20.—„Harmonie Hl", Vanfelow, Rixdorf, Kirch dofstr. 29.—„Einig", Scheere, Blumcnstr. 38._—„Mvrgcn- roth"(gem. Chor), Rummelsburg,'Thiele, Türrichmidt- und Mozartstraßen- Ecke.—„Einigkeit II", Gold, Frankfurterstr. 133.—„Cacilia"(gem. Chor), Brandenburg a./H., Vetterman», Wildclmsdorferstr. III. Arbcitcr-Raiicherkmnd Berlins und der Umgegend. Aenderungcn im Vereiuskalcnder sind zu richten an Hermann Braunschweig, Dresdener- straße 80, L. Hof. Dienstag: Rauchkl.„Eldorado", Weidcnwcg 83, Kießling.—„Grüne Eiche", Urdanstr. 87, Schneider.—„Blüh' aus", Wrangelstr. 32, LulaS.—„Ambalema" Forstcrstr. 19, Uckel.—„Neuer Berlwer Rauchklub", Reichend ergerstr. 146, Drogge.—„Phönix". Schöne- berg, Hauptstr. 97, Donath.—„Domingo", Waldemarstr. 16, Tanchen.— Roth« Rose", Boeckhstr. LI, Krebs.—„Veilchendust", Hennigsdvrferstr. 4, Günther.—„RoHegta", Reichenbergerstr. 157, Bergner.—„Einigkeit I" N-xdors, Heruiannstr. 232, Wulf.-„Rauchan", Sinieonflr. 13, Nitsche.- „Kameruns Weidenweg 22, Fialkowsky.—„Palmerio", Lamprecht, Kastanien- Allee 95.—„Korea" Weidenweg 90, Jnnge.—„Waldmeister", Marienburger- slraste 47, Kläke.—„Neuer Hain", Langendeckstr. 4, Techtmeicr.—„Bruder- bund", Grünauerstr. 5, Gallawsky.—„Blüthenduft", Cotheniusstr. 1, Fedtke. �„Ruhiga", Britzerstraste 46, Herzog.—„Lange Pfeife", Fricdrichsberg, Rummelsburgerstr. 23, Neitzel.-„Pseifenkopf", Caprivistr. 4, Wolf.- „Stambyl", Neu-Weistensee, Streustr. 3, Stegemann.—„Gemiithlichkeit 1", Wiencrstr. 7, Gläser.—„Diana", Schütz, Bremerstr. 71.—„Immergrün", Mauegold, Liegnitzerstr. 18.-„Kairo", Buttniannstr. 9, Engler.-„Blaue Wolle", Putbuscrstr. 30, Reimann. Gesang-, Turn- nud gesellige Bereine. Dienstag: Gesangverein „Fester Wille", Alexandrinenstr. 32, Dietrich.- Arbeiter-Zitherv.„Einigkeit", Reichenbergerstr. 19, Lehmann.- Mufllv.„Osiris". Wrnngelstr. lt. Blum. Flugtaubeuv.„Borwärts-Nord", Ackerstr. 17, Renter.— Aergnügungsv. „Fortuna", Blmnenstr. 36, Weist.- Musilv.„Norddeutsche Klänge", Swine- niunderstraste 51, Reuter.- Musilv.„Tusch", Ncbelin, Laugestr. 108.- Musilv. „Einigkeit", Grünthalerstr. 3, Hcmmerling.— Quartett».„Wcdding", Chailisee- straste 72, Meihner.- Theaterv.„Concordia", Elisabethstr. 30, Scholz.- „Wimschicher gem. Chor", Rosenthalerstr. 57, Schiller.— Geselliger Klub„Don Yuan", Lindenstr. 106, Zubcil.- Dcrgnügungsv.„Feldblume", Manteuffelstr. 9, Siowack.- Gefangv.„Schildhorn", Usedomstr. 33, Olböter.- Turnv.„Osten", Lcbrl.-Abth. abds. 8r/z Uhr, Blnmenftr. 63»..- Tbeat-rv..Aschenbrödel II. Ackerstr. 144, Vorst. Kasino.- Musik»„Thalia", Skalitzerstr. 95, Jechow.- Musilv.„Preziosa", Schädler, Putbuserstr. 32.— Tourisienkl.„Ruf", Reichen- vergcrstr. 24, Kieburg.— Gesaugv.„Endlich Vereint" kgcm. Chor), Schwarz, Elsasscrstr. 16.— Gesangs.„Maiglöckchen Nord", Namlow, Schönhauser Allee 135.— Arbeitcr-Thcaterverein„Charlottenburger Biihuenklub", Bayer, Charlotteuburg, Wallstr. 96.— Jhn'schcr Gefangv.„Humor", Mann, Strans- dcrgerstr. 3.—„Arbeitcr-Tumv. Weistensce", Ucbungsstunde abends 8 bis 10 Uhr AlbrcchtiZhos, Parfftrahe. Arbeiter-Schwimmerbund. Ansragm an E. Brätle, Schulst,. 24. Dienstag: Schwimmklub„Vorwärts". Ueimigsstunde abends 7 Uhr, Bad der Wasserfreunde, Kommandantenstr. 7/8. Arbeiter-Durnerbund. Dienstag: Turnv.„Fichte", Berlin, abds. 8—10 Uhr: 2. Männerabth.: Skalitzerstr. 55/56; 4. Männerabth.: Stephan- strastc 3; 5. Männerabth.: Ackerstr. 67; 6. Männerabth.: Stallschreiberstr. 54; 1. Lehrlingsabth.: Friedenstr. 37; 3. Lehrlingsabth.: Bocckstr. 21; 1. Damen- abtheilung: Marianucnufer la.— Männer-Tumv.„Eiche", Köpenick, KlciilS Hotel(Wilhelmsplatz), abds. 8—10 Uhr: Uebungsst.—„Freie Turnerschaft Rixdorf-Britz", Wirsing, Knesebeckstr. 113, K'/z— 8'/, Uhr: 1. Schülerabtheilg., N/z— IG/z Uhr: 1. Männer- und Lehrlingsabtheilg.—„Tunierschast d. V. Nereus",'Männerabth., Reichenbergerstr. 131/132, abds. 8—10 Uhr. Lese- und Diskutirklubs. Dienstag:„Süden", Ewald, Schönlein- straste 6. Nrbciter-Stenvgrapheuvereine.„Stolze"(Einigungssystem), Louisen- städtisches Klubhaus, Aiiuenstr. 16, abends 8�/, Uhr. Berliner Naturheilvereiu II. Heute, abends 8t/z Uhr, im kleinen Saale des Restaurants Königshof, Bülowstr. 37: Vortrag des Herrn Dr. med. Hirschfcld über:„Was macht uns krank und was gesund?" Gäste willkommen. Briefkssten der Redakkion. Tie juristische Sprechstunde wird Dienstags. Donnerstags und Freitags abends von 7'/? bis 8'/, Uhr abgehalten. Äontrolle. Unbrauchbar. Wamm sich darüber ausregen? Giestcn» Krankenkasse. Ueber die Verhandlungen im Reichstag können wir Ihnen ailgeublicklich keine Auskunft geben. Nach dem Kom- mentar zum Gesetz scheint die Fassung durchaus einwandsfrei. Ohne Zweifel hat demnach der Kassenführer die Pflicht, die Beiträge bis zur er- folgten Abmeldung einzuziehen und zwar ohne Unterschied von jedem der Meldenden. Die Ansicht der Genossen ist durchaus richtig, auch soweit das von Ihnen angezogene Beispiel in Frage kommt. Da» Zurückzahlen der- artig erhobener Beiträge ist unstatthaft. Es liegen Entscheidungen vor, welche diese Ansicht bestätigen. E. M.. Chikago. Wir empfehlen Ihnen die Schrift von Dr. A. Neu- mann-Hoser„Die Entwickelung der Sozialdemokratie bei den Wahlen zum deutschen Reichstage", Berlin, Buchhandlung Vorwärts, Preis 40 Pf., und die(amtliche) Statistik der Reichstagswahlen, Berlin bei Pnttkammer u. Mühlbrecht, Preis I M. Auch diese Schrtst können Sie durch unsere Buch- Handlung beziehen. R.»!». Nein.- G. F. 100. 1. Nein. 2. Nein, so ist§ 179 nicht auszulegen. 3. 2 Jahre.— 41. Sie müssen klagen. Auf grund des Urtheils können dann die Sache» durch einen Gerichtsvollzieher verkaust werden.— Witterungsiiierslcht vom 14. November 1898, morgens 8 Uhr. i »8» II Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien il S"ss S SW 768 768 769 7701910 770 O 771 ISO Wetter 2 wolkig gedeckt 2wolkig 1 bedeckt 3Nebel INebel tsS s � o.» i ö HS, 1( Stationen SS a eS 5>Cork Aberdeen 3 Paris 764 767 762 769 a C s s e«■ WSW SW SSW O bedeckt 4hlb.ved Zbedeckt INebel 11 6 5 Wetter-Prognose für Dienstag, den IS. November 1898. Mild und zeitweise heiter, vorherrschend wollig bei schwachen südwest- lichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Sur den Inhalt der Inserate berniuimt die Nedatti»» dem Publikum gegenüber keinerlei _ Beraiitwortiing. Tlzentrv. Dienstag, 15. November. Opernhaus. DerFreischütz. Aufang 77, Uhr. «chauspielhaus. Herostrat. Anfang 77, Uhr. Deutsches. Fuhrmann Henschel. Anfang 77, Uhr. Berliner. Grossstadtlust. Anfang 77, Uhr. Lessing. Der Star. Ansang 77, U hr. Residenz. Mamselle Tourbillon. Vorher: Der Küchenjunge. An- sang 77, Uhr. Westen. Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Anfang 77, Uhr. Neues. Hosgunst..Anfang 77, Uhr. Schiller. Luulpe..»esindel. Ansang 8 Uhr. Metropol. Das Paradies der Frauen. Ansang 77, Uhr. «entral. Die Geisha. Ans. 77, Uhr. Thalia. Der Hypotheken- Schuster. Anfang 77, Uhr. Luisen. Die Schuld der Schuldlosen. Anfang 8 Uhr. Ostend. Onkel Jona». Anfang 3 Uhr. Belle-Allianee. Napoleon. Anfang 8 Uhr. Friedrich. Wilhelmstüdlische«. Die Geheimnisse von London. Ansang 8 Uhr. Nlexanderplav. Em verfehltes Leben. Anfang 8 Uhr. Parodie. Tugend. Anfang 8 Uhr. Urania. Daubenstrasie 48-49. Nnttirkundliche Ausstellung. Täg- lich geüssnet von 10 Uhr vor- mittags ab. Eintritt 50 Pf Abends 8 Uhr: Die Urzeit des Menschen. Juvalidenstraste K7/aS. Täglich adcuds von 5—10 Uhr: Stern- warte, Operntelephon. «Polio. Spezialitäten- Vorstellung. Aniang 77, Uhr. «eichshalleu. Stettiner Sänger. tzliifang 8 Uhr. Feen»Palast. Sptzialitäten- Vor- stellung. Passage> Panoptikum. Speziali- täten-Vorstellung._ Slhilltr-Tjellter (Wallner- Theater). Dienstag: Lumpeitgesindel. Mittwoch: Geistliches Konzert. Donnerstag: Wilhelm Teil. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 72/73. Gastspiel Helmerdlnc;. Zum 6. Male: DerMBtllejmschuster Posse mir Gesang in drei Akten von Leopold Ely. Musik von Cornelius Schüler. Anfang 77, Uhr. Mittwoch: Keine Borstellung. Donnerstag: Der Hypotheken- schuster. CrntrnlT Henker Direktion: loeö Perenerx. Die G e i s h n oder: Eine japanische Theehaus- Geschichte. Operette In 3 Akten v. Sidney Jones. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag und folgenden Tage: Tie Geisha. Sonntag(Todten- Sonntag): Die Glocken von Eorneville. Nomant. Oper in 3 Akten von R. Planguette. Znisen- Theater 34. Reicheubcrgerstraste 34. Abends 8 Uhr: Die Zihilld in Schuldlosen. Schauspiel in 5 Akten von Ad. Stoltze. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Zum 1. Male: Derliner Raketen. Burleske in 3 Akten von B. Jacobson. Sonnabend, 19. November, nachmittags 3 Uhr: SeUUler'-Vtti'Wtellniix zu besonders ermähigten Preisen: Withetm Ctll. rama Tanbenstrasse 48/4.0. Abwechslungsweise Die Urzeit des Menschen und (hier durch Oesterreich. Invalidenstr. 57/62: Sternwarte, Taubenstrasse im Hörsaal; Experim. u. Projekt-Vorträge Passage- Panopticum. Geöfinet von 9 Ubr frixh bis 10 Uhr abends. Im Theatersaal von 6 ühr ab: Theätre variete. Heu! Lebend! Der Störchin en sch! Casian1 Panopticnm. Heu 1 1 Neu 1 1 Lebendig begraben!! Olympia- Theater. (Clrcus Renz) Karlstrasie. Täglich abends 8 Uhr: Berliner Ausstattungsstück mit ZConpletS. tZ> Dienstag, den 15. November. abends 7V, Uhr: Sport-Abend. PERSHSIV. Außerdem: Auftreten des Herrn Franz Gebhardt, Ritter k., bisheriger Chef der k. k. spanischen Hof- Reitschule in Wien. Die neuen Frei- heitsdressuren des Dir. Busch. Auf- treten des Frl. Martha Mohnke aus dem Vollblut- Wallach„Chips" a. d. Shersine. Morgen Mittwoch(Bußtag)! Keine Borstellung.— Donnerstag, abends 77, Uhr: Perslen. Wid-Corl Wch-TlMer. Gr. Frankfnrterstr. 132. Novität: Zum 4. Male: Novität! Onkel Jonas. Vollsstück mit Gesang m 5 Akten von Oskar Klein. Musik von Wiechel. Abends 8 Uhr: Vorzugsbillets haben Giltigkeit. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert.— Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag u. Freitag: Onkel Jonas. Sonnabend: Gewonnene Herzen. Sonntag: Lorbeerbanm u. Bettel- stab. Reichshallen. MMltt Silllgtl (Mcysel, Pirtro. Britton, S idl. Krone, Noht, Schneider und Schräder.) Slnfang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Entree 59 Pf. Num. Balloi: 75 Pf. Balkon-Loge 1 M. Orchcster-Logc 1.59 M. Fremdeu-Loge 2 M. Tageskasse von 11—1 Uhr. Die Billets zu den num. Sitzen sind stets 8 Tage vorher zu haben. Neues Programm! Reichshallen Restaurant. Täglich- Konzert d.Relchshallen-Orchestert Entree frei. Grand Restaurant!— Berühmter Hittagstisch!— Famose Biere! Auszügen und Kolossal> Ballcts; in 3 Akten(10 Bilden,). Sonntag Xaehmittan f 87, Che: 5 Tieselbe Borstellung. Circus Renz-Riesen-Tunnel. Direktion: J.». Hütt. Täglich: Grosse* Konzert der Hailöka.pellc unter Leitung deS Musikdirektors Herrn Otto Cömer und Kxtra Spezialitäten-Vorstellung unter Regie des beliebten Humoristen Gustav KIuck. Das nene arostartige November- Programm. Ans. Wocheiil.67„Uhr, Sonnt. 5Uhr. Entree Mochent. 10 Pf., Sonnt. 30 Ps 's Theater Oranienstr. 24. Täglich■ tssXl Spezialitäten- und THeater- Vorstellnng. O diese Nadler! Burleske. Clown Kiinho..Ulke. Kos». Dckler v. Metz, lilitle Willy. Aufailg an den Wochentagen 8 Uhr. Somitags 6 Uhr. BonS haben Wochentags Giltigkeit. �teiU'-Ihcittcr| | Dresdenerstr.SJ/SS.Clty-Passage. Dlreltion: Richard SLiukler. Täglich: Knmmelfritze. I Volksstück mit Gesang in 3 Auf- zügen von Jacobsohn und Willen. Musik von Michaelis. gJn Szene gesetzt von Otto Mendt. Dazu daS ausgewählte �Utzilllitiittil-Progrmm. Neu! Neu! Neu! Le cardo and Trepp, Music-Excentrie-Comedians. Anfang: � Sountags 67, Uhr. öNttt?> �°�rllags 30� Ps. Sonntags 40 Pf. VorzilgsbillctS haben Giltigkeit. kesn-kalast- tbeaten Burgstr. 22. Burgstr. 22. Täglich! Um N/, Uhr Täglich! Rleharck Winkler in der erfolgreichen Burleske Die Rosen voin Norden. Dazu das riesengroße November-Programm. Paty Frank-Truppc, Akrob. Marchettv, Equilibr istin. Gedr. Gr lg,.- A'iagara. Los Suarez, spanische Tänzer. Emst Sprecher X Helene Voss Toeka's lebend. Bilder-Gallerte, darg. v. 8 Damen! u. s. w. Anfang 772, Sonntags 6 Uhr. Vorverkauf Borm. v. 11-1 Uhr. j Apollo-Theater. Stürmischer Erfolg! Ai*man(8'Arya Familie Agoust. Robert �teidl. Mr.Judge's dress. Seelöwen. Kasseneröfihung 67, Uhr. Anfang 77, Uhr.__ Coucerthaus. !,ei|('/.Ig;ers(r.\o.48. sar Täglich: lioffniaiin's Quartett und Humoristen Zum Schluß Jacques Osfenbachs Operette Insel TnUpatan. Die Handlung spielt 3000 Meilen von Blaukeuese, 180 Jahre vor Ersindung der Belozipeden mit Dampfschraube. My-«erciiis-Billets"Vlz für Wochentage mit erheblicher Preis- ermäßigung stehen den geschätzten Vereins-Vorstände» kostenlos zur Berfüguilg. Speisehaus Ruugeitrasse 19. parterre. Kräftiger Mittagstisch m. Bier 0 50. Reickh.Abendkarte zu kleinen Preisen. - Crlienlclie. Für Ansfliigler Mittwoch, de» 19. November (Biisttag): Krasses Keblaebtekesl, frische Blnt- nnd Leberwurst, tvozu ergebeust einladet 101L* Heinrich Snss. -'U'bvKtvi' tw Vett-RestÄuravt Dresdener- Strasse 97. Dir.: A. Kolig. Art. Leiter: A. Runge. Novität! Sensationell! Novität! Sensatiolieller Erfolg! Vie Cirrnsfee. Operette von Felsch. Musik von Baselt. In Szene gesetzt von Angust Runge. Neu! Charles Wölfl, der berühmte Tauzhuuwrist. Neu! Eugen Roste, der beste aller Mimiker. Wsddmg»Fanb Müller- Strasse 178. Norod utsu.ie banrer Blegler, Woff, Hohenberg etc. Entree 20 Pf., Vorzugsbillets 15 Pf. W. fioack's Theater Brnnncnstr. 16. Heute Dienstag, den 15. November: In Situs und Draus. Original-Posse mit Gesang nnd Tanz in 3 Akten von Jaeobsohn u. Hahn. Mtistk von Michaelis. Mittwoch(Busstag): Keine Borstellung._ Luisenhof, U7e* Bnkowerstrasse 9. Verkehrslokal dar Arbelter-Blldungs- schule und des Rudervereins Vorwärts. 2 Säle 120—150 Personen fassend, noch einige Sonnabende und Sonntage frei. Verelnezlmmer noch einige Tage ftei. KI. 8aal 80 Personen fassend, die Weihnachtsfeiertage frei. Johaullisthal. Zum Mittwoch, den 16. November (Bußtag) lade alle Gäste zu uieinem Großen Schlachteseste. ILnrl Bastian(„Waldkater"). Von früh 9 Uhr: eigen gemachte frische Blut- und Leberwurst, frisches Bier, gute Weihe._ 21606 Johannisthal! I Park-Restaurant! Wsvo. Ulisc Raa. , Empfehle am Busstage bei VereiuSpartie» den Besuch meines Lokales. Vormittags Bouillon, frische Wurst, Pökelfleisch»ud Sauerkohl zu kleineil Preisen. Sonstige Speisen und Getränke in bekannter Güte. Nachmittags Kasseckocheu.— Für Vereine \ Exträprcise. Wwe. Elise Ran. Bereinöspiild Noten(geui. 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Reserent: Kollege liunro � Wcrkstnttstreiks und Differenzen. Verbandsangclcgenhcitcn. 109/7 Jede Werkstatt ntnft vertrete» sein. _ Die Ortsvcm'altnng. , Verein der Lithographen, Steindrucker und Berufsgenossen Deutschlands.(Filiale Berlin.) 3kitt Donnerstag, den 17. November, abends S1/, Uhr. im Lokale deS Herr» Hoffmann, Alexanderstrastc Nr. 27 c; Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag(Reserent wird in der Versammlung be- kannt gemacht). 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 97/9 M?" Weitere Ausgabe der Urania-Billets zur Vorstellung am 4. De- zember 182S.— Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht �_ IMc Vcrwaltnng. f Achtung! Zimmerer. Achtung! Am Freitag, den 18. 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(Ohne Bewähr.) 522 876 1205 21 311 552 st 0001 602 988 2054 172 85 «09 76 615 733 996 slvvoj»557 986 4129 455 563 622 745 72 878 5595 752 904 64«418 533 688 859 7024 30 188 457 87 H473 609 11 0122«6 254 624 47 947 10067 76 138 329 655 860 57 64 911 J 1022 78 532 715 866 1 2217 97 302 34 603 713 888 1 3287 465 667 (1000) 14097 322 422 683 15217 86 463 743 821 57 (300) 60 79 13000] 16029 292 386 1 7182 13000) 277 360 81 452 503 10 91 815 936 18014 105 321 921 19165 99 275 451 603 10 24(1000) 68 840(1000) «0036 230 70 554 719 824 28 21395 436 834 60 71 22078 265 425 521 33 93 676 86 872 960 64 23210 389 (10001 464 24331 577 772«5026 82 379 605«6300 67 497 643 817 51«7115 334 656 57 984 28012 36 164 272 497 20193 351 681 712 »0074 542 11000) 78 701 850 31064 142 345 94 32088 166 293 370 660 33462 549 731 34032 36 190 561 80 86 999«5065 120 249 565 691 790 876 934 52 »6175 358 443 64 598 703 973 87230 77 588 684 784 957 38271 718 92»0183 242 364 491 513 638 98 13000) 40363 453 57 707 806 968 41310 498 110001 988 48312 84 861(600) 946 43344 419 44041 150 375 402 98 912 45331 63 551 637 4 0060 160 261 309 55 510 19 745 65 47184 325 4H345 449 723 81 922 74 40031 (300! 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In der Liste vom 4. November nach. nuttogi lies 17S723 statt 176729; iu drc Lifte vom 7. Neornibcr vnrmittags 15878 statt 60878. Die Ziehnni, der ersten Klaffe der 200. königlich preasti. scheu Klasseulottcrie findet statt am 10., 11. med 17. Januar 189», T Verantwortlicher Redakteur: August Jacobeh in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Biax Babing in Berlind