Mr. SSS Admmtment«- Kedkngungen: «donnement«-Pret» pränumerando: vierteljährl. SLo Mü, monatl. 1,103)11.. rvöchenMch 28 Pfg. frei WS Hau«. «lnzelne Nummer K Pfg. Sonntags» Nummer mit tllustrirter Sonntags- Betlage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 5,30 Marl pro Quartal. Slngetragen w der Post-Zeltung»- PrelSltfte für 1898 unter Nr. 7670. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 5 Marl pro Monat. IS. Jahrg. Die Instrtlon»- Gebühr beträgt für die fechSgefpallene Kolonel- «eile oder deren Raum SO Pfg., für Vereins- und verlammlungS-Anzetgen, sowie ArbeiiSmarlt 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen btS t Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedilton ist an Wochentagen bl» 7 Uhr abends, «» Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr »ormittag» geöffnet. Erscheinl täglich«uster Sionlsg». Devltner Volksblatt. Fernsprecher:«ml I, Nr. Ivo». Telegramm-Adresse: „«»l>«ld,mokr»l Serliu". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Veutlz-Strahe 2. Mittwoch, den 16. November 1898. Expedition: SW. 19, Beuklz-Steatze 3. Des Bußtages wegen kann am Donnerstag unser Blatt nicht erscheinen. Börsen-Manöver. Wir hatten bereits am 6. November davon berichtet, daß auf dem Gebiete der elektrotechnischen Industrie Kartellirungsbestrebunaen im Gange seien, die auf die Vereinigung gewaltiger Kapitalmasscn in eine einzige Hand hinzielten. Aus sehr bescheidenen Anfängen heraus hat sich die deutsche elektrotechnische Industrie zu achtunggebietender Höhe entwickelt. Sie spielt die erste Rolle auf dem Weltmarkte, und der deutschen elektrotechnischen Industrie vermag selbst die berühmte amerikanische Industrie nicht die Waage zu halten, weder in bezug auf die Billigkeit, noch vor allem in bezug auf die Güte der Erzeugnisse und die Prä- zision der Ausführung.— Die Starkstrom- lDynamomaschinen-) Technik allein konzcntrirt in Deutschland mehr als Milliarde Mark auf sich. Berücksichtigt man aber weiter, daß eine große Zahl von Maschinenfabriken sDampfmaschinen-, Turbinen-, Wcrkzcugfabriken je.) eine erhebliche Zahl von Wasscrbaufirmcn, ferner Gummifabriken, Blciwerke, Fabriken von Montagc-Artikeln aller Art direkt von der elektrotechnischen Industrie ressortiren, so wird man nicht zu weit gehen, wenn das gcsammte mit der Starkstromtechnik direkt und indirekt verbundene Kapital auf weit über eine Milliarde Mark einschätzt. Hieraus allein ist zu ermessen, welche immense, in alle Ver- Hältnisse einschneidende lvirthschastliche Bedeutung die Kartellisirung der elektrotechnischen Starkslromfirnien im Gefolge haben muß. Die Verbindung von Schuckert und Löwe wäre das erste Glied in dieser Vereinigung sämmtlicher Firmen gewesen, die un- abweislich zunächst eine Prciskonvention und in Konsequenz davon eine Vertrustung unter den elektrotechnischen Finnen erzeugt hätte; denn die Schuefert-Löwe-Gruptze wäre mit 150 Millionen Mark Kapital ein durchaus ebenbürtiger Gegner der Allgemeinen Elektrizitäts-Gcsellschaft und der Siemens u. HalSke A.-G. gewesen, von denen jede Gesellschaft zusammen mit ihren Tochter- und FinanzirungS-Gesellschaftcn ebenfalls etwa 150 Millionen Mark repräscntirt. Da in technischer Hinsicht die einzelnen großen Finnen kaum irgend einen nennenswerthen Vorsprung vor einander besitzen, so kann sich der Entscheidungskamps in der Konkurrenz der elektro- technischen Industrie unter den einzelnen Finnen nur auf rein kapitalistischem Gebiete bewegen. Nur die Ueberlegcnhcit in der Kapitalmacht kann den Ausgang beeinflussen. Daher die Aufregung an der Börse, als durch die Fusionirung von Schuckert und Löwe den beiden größten deutschen elektrotechnischen Instituten ein wirklich ebenbürtiger Gegner erstehen sollte. Die Fusionirung erschien als eine logische Konsequenz der Einzel Positionen von Löwe und von Schuckert. Daß sie in die Brüche gegangen, hat seinen Grund nicht an der inneren Verschiedenheit in der Organisation dieser beiden Finnen, obwohl auch Pcrsoncnfragen eine erhebliche Rolle dabei gespielt haben, sondern an einem inter- essanten Börsen-Zwischenspiel, das geradezu bezeichnend für unsere gegenwärtigen Verhältnisse ist und lebhaft an die Zeiten der Gründer- Periode erinnert. Die eigentliche Initiative für die Fusionirung ging nicht von den bez. Verwaltimgen der beiden GcscUschasten, sondern von den mit ihnen affiliirten Banken aus. Der Gedankengang dieser war dabei sehr einfach! sie sagten sich:„Lölve und Schuckert brauchen neues Geld �ur Vergrößerung ihrer Institute. Schweißen wir die beiden mit einander zusammen, so bekommt Löwe einen bedeutenden Zuwachs in Schnckert-Wcrkcn und Schuckert einen solchen in Löwe- Werken, das ist auch Geldes Werth! Was an baarcm Gelde infolge der BörZentransaktionen flüssig wird, dafür haben wir auch eine ganz passende Verwendung." Die Sache ist sehr logisch und klar, freilich wurde sie den betheiligten Aktionären durch die mit Absicht undurchsichtig gehaltcucn Beschlüsse durchaus nicht so klar. Die Transaktion sollte in der Weise vor sich gehen, daß auf der Basis eines künstlich hoch getrieben enKurses von Löwe- Aktien je zwei Schuckert-Aktien in eine Löwe-Aktie umgetauscht werden sollten. Zu diesem Zwecke sollten Löwe u. Ko. ihr Kapital um 14 Millionen erhöhen. Dann aber sollte auf je zwei Löwe- Aktien je eine neue Löwe-Aktie»1 pari zum Bezug angeboten werden. Das letztere war der besondere Köder, mit dem die Aktionäre auf den Leim gelockt werden sollten. Die Finanziers hatten ganz klug spckulirt: In den gegenwärtigen ernsten Zeiten, wo das Publikum für eine gewöhnliche Kapitals- crhöhung nicht zu haben ist, müsse man die Herzen der Spekulanten durch de» Plan einer Riesenfnsion erfreuen. Das wäre auch>vahr- scheinlich geglückt, Ivenn die Banken es verstanden hätten, sich mit einem bescheidenen Gewinn zu begnügen. Das war aber nicht nach ihrem Sinne, sollte doch allein der Verniittler des Geschäfts eine halbe Million Provision erhalten. Die allzu große Profitwuth hatte die Finanziers blind gemacht. dem Publikum, insbesondere aber den betheiligten Aktionären die Augen geöffnet-, und man hatte die Rechnung ohne den Wirth ge- macht. Der Wirth war der Generaldirektor Wacker von der Schnckert-Gesellschaft, über dessen Kopf hinweg die Transaktion ein- gefädelt worden>var. Wenn selbst die„Neue Freie Presse", der man in Geldsachen zarte Einpfindungcn gewiß nicht zutraut, schreiben konnte:„Ohne fachliche Begründung' hatte dieses Geschäft nur den Zweck einer wilden Agiotage. Die Finnnzinstitute hätten viele Millionen an den neuen Aktien gewonnen, aber das Unternehmen hätte nur gelitten"— so wird auch der unbetheiligte Leser erkennen, um welchen groß- artigen Beutezug gegen das Publikum es sich hier gehandelt hat. Das G c, ch ä f t ist aber zu Wasser geworden, der Gedanke der Fusion ist aber damit nicht aus der Well geschafft. Bei der gegen- wältigen Lage der elektrotechnischen Industrie wird er immer wieder von neuem auftauchen. Und es ist nicht ohne Interesse zu erfahren, daß neuerdings an der Börse Gerüchte von einer Verschmelzung der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft mit Siemens u. Halske lursiren. Die„Zelt- schrift für Beleuchtnngswesen" schreibt darüber: „Wie uns von guter Seite bestätigt wird, find diese Projekte auch jetzt noch als zu Recht bestehend anzusehen, da die Zeichen einer in Aussicht stehenden äußerst scharfen Konkurrenz auf elektro- technischeni Gebiet sich mehren. Neuerdings wird nunmehr auch die Schuckert-Gesellschaft in diese Kombinattonen hinein- gezogen. Bekanntlich ist der Schaaffhausen'sche Bankverein ans der Schuckert- Gruppe ausgetreten. Dadurch ist die Schlickert- Gesellschaft um ihre größte finanzielle Hilfskrast gekommen. Man beschloß nunmehr an der Börse, daß die Banken der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft, die Siemens- Gruppe, d. h. die Deutsche Bank und die Handels-Gescllschaft an die Stelle der ausgeschiedenen Bank treten dürften und daß da- durch eine Fusion in die Wege geleitet wäre. Auf eine dies- bezügliche Erkundigung bei einer oen betteffenden Kreisen nahe- stchenden Persönlichkeit wurde uns mitgetheilt, daß die Ent- Wickelung der Dinge sich augenblicklich noch nicht übersehen lasse, daß auch wohl als Folge der ausgeprägten Individualitäten der Herren Rathenau und Wacker sich eine Fusion nicht ermöglichen lassen würde, indcß sei es nicht ausgeschlossen, daß eine Aufnahme der Schuckert-Gesellschaft in diese Gruppe durch einen Kartell- vertrag vollzogen wird." Die Nachricht wird, ttotz der inneren Wahrscheinlichkeit, die ihr innewohnt, denientirt werden; immerhin aber ist sie für uns auch nur unter der Signatur eines bloßen Gerüchtes werthvoll genug. Sie zeigt uns, bis zu welchem Höhegrade die kapitalistische Produktionsweise bereits gediehen ist, wie sich auf diesem Gebiete, dem in technischer Hinsicht durchaus die Zukunft gehört, wo aus dem Vollen und ohne die geringsten Anzeichen eines senilen Marasmus produzirt wird, allein durch die immanente Gewalt der kapitalistischen Entwickelung der Zwang aufdrängt, zur Vereinheitlichung des Betriebes zur Aufhebung des kapitalistischen Grundprinzips, der „fteien Konkurrenz" die Zuflucht zu nehmen. Grade diese Kon- zentration von Riesen-Kapitalien in einer einzigen Hand ist das Stigma der in ihren Antagonismus, den Sozialismus, umschlagenden kapitalistischen Produktionsweise.— politische Llebeestcht. Berlin, den 13. November. 8'/, Millionen für Kiautscho». Tie Besatzung von Kiautschou, so wird aus Tsintaufort unter dem 14. d. M. tclcgraphirt, hat in Anwesenheit des Prinzen Heinrich den Jahrestag der Besitzergreifung von ZViautschou gefeiert. Es wurde ein Denkstein enthüllt, der zu Ehren des Kontre- Admirals v. Diedrichs den Namen„Diedrichsstein" erhielt. Zur selben Zeit, wo in Kiautschou gefeiert wird, wird dem deutschen Volke bekannt, was es für sein liebliches Kiautschou zahlen soll. Der Münchener„Allg. Ztg." werden allerlei Nachrichten über den Inhalt des neuen Reichshaus- Haltsetats zugetragen, und so ist das Blatt in der Lage, folgendes mitzutheilen: „Der Etat für die Verwaltung des Gouvernements Kiautschou sieht inSgcsammt eine Fordeniug von 8 500 000 M., gegen 5 000 000 M. im RcchnungSjahr�l898, vor. Hiervon entfalle» auf das Gouvcniement 70 500 M., auf die Zivilverwaltung 310 600 M., auf die Militärverwaltung sBesatznngstruppcn, Verpsleguiigsamt, Artillerieverwaltung) 1 542 100 M., auf die gemeinsamen Ein- richtungen der Zivis- und MilitärveNoaltinig sGebäudeunterhalt, Scelsorge und Unterricht, Lazarcth- und Krankenpflege u. dgl.) 1 280 000 M., auf Hafcnbantcn, einschließlich Landcrwcrb, 1 500 000 Mark, auf Hochbauten einschließlich Landerwerb 1500 000 M., auf den Bau von Batterien und Magazinen und die Beschaffung von Geschützen und Handivaffcn 800 000 M., auf Seezeichenwesen und Vcrmessnngen 1 080 400 M., für unvorhergesehene Ausgaben 388 800 M. Bei dem Mangel der nothwendigcn Grundlagen für die Ausstellung eines gegliederten Etats sind die einzelnen Positionen nur pauschaliter nachgewiesen." Der neue Etat fordert also noch um 3Vs Millionen mehr als der lctztjährige, und der größte Thcil dieser ansehnlichen Summe ist natürlich für militärische Ausgaben bestimmt. Von den Vortheilen, die uns Kiautschou bringen sollte, haben wir noch keine Spur bemerkt. Aber zahlen mußt Du, deutscher Michel!— „Ncaktion!" schreit heute die„flonservattve Korrespondenz" und greift in den Schminktopf, um das abschreckende, runz- liche und schmutzige Gesicht der Reaktton dick zu übermalen, damit es freundlich und harmlos aussehe, wie das grinsende Gesicht des Wolfs, der das Rothkäppchen fressen wollte. Die Frage:„Was heißt Reaktion?" beantwortet das Junker- und Agrarierorgan folgendermaßen: ,'Was heißt denn Reaktion I Reaktion heißt Entgegenwirken. Im Verlaufe einer Krankheit betracfitei der Arzt die„Reattion" als günstiges Zeichen, aber auch im öffentlichen Leben ist, sobald Krankheitssymptome sich zeigen, der Eintritt einer Reattion segensreich. Man treibt also smit dem Reaktionsgeschrei einen bewußten Mißbrauch, einen Mißbrauch, der seit 1848 niemals so arg gewesen ist, wie heute. Was ist nicht heute alles reakttonär l „Wer da glaubt, daß der Weg der Freiheit durch die Ordnung und das Gesetz führt, daß Ordnung und Gesetz allein schon un- schätzbare Güter sind, zügellose Freiheit aber zur Anarchie führt und den Staat unmöglich macht, gilt für einen Reaktionär. Wer eine starke Regierung für ein nothwcndiges Stück eines ver- nünstigen Staatswesens hält, gilt für einen Reaktionär. Wer da glaubt, daß die Unitriebe derer, welche das Volk zur Auflehmmg gegen Gesetz und Obrigkeit reizen, verhindert werden müssen, gilt für einen Reaktionär. „Wer die Robespierre'S und Marat's im kleinen, die heut- zutage so ungenirt wie möglich ihr Wesen treiben, für keine gleichberechtigten„Volksfreunde" hält, sondern für die ärgsten Feinde von Volk und Vaterland, indem sie die Begriffe von Freiheit und Recht, Sitte und Ordnung verwirren, gilt für einen Reaktionär, ebenso, wer Deutschland zu Wasser und zu Lande möglichst stark und angesehen haben möchte und wer eine all- gemeine Volksbewaffnung für Unsinn hält, weil sie unmöglich ausgeführt werden kann. „Offen sprechen dies freilich die Rcakttonsschreier nicht aus. Sie begnügen sich mit dem dunklen Hinweise von dem Bevorstehen einer finsteren Reaktion, durch die unser Volk und Vaterland in die schreck- lichstenZustände zurückgeworfen werden würde. Es hat sich aber gezeigt, daß unsere Bevölkenrng heutzutage viel zu aufgeklärt ist, um durch solche öden Schlagworte sich fangen zu lassen, mögen sie auS dem Munde„berühmter" Professoren oder gewerbsmäßiger Agitatoren stammen. Jedermann weiß, daß eine„Reaktion", wie sie unsere Demokratie und Sozialdemokratie in vagen Umrissen ahnen läßt, gar nicht statthaben kann. „Man stellt kurz und bündig Reaktion als Gegensatz zum Fortschritt. Es ftagt sich aber nur, auf welcher Seite der Fort- schritt ist." Weiter wollen wir dem Junker- und Agrarier-Organ nicht folgen, und zwar deshalb nicht, weil die Sache zu ernst ist sür schlechte Witze. Und ein guter Witz ist es sicherlich nicht, wenn die„Konservattve Korrespondenz" uns auseinandersetzen will, die Reaktion sei der wahre Fortschritt. Gewiß, der wahre Fortschritt— des Rückschritts, der wahre Fortschritt auf dem Wege zur Knebelung und Aushungerung des Volkes durch die preußische Junkersippe— Fortschritt in der Politik der Liebesgaben, der Ausnahmegesetze,— Fortschritt in dem Feldzuge gegen die Freizügigkeit, gegen das 5loalitionsrecht und gegen das allgenieine Wahlrecht. Auch der Krebs ist ein� Fortschrittler— in seiner Weise— nach rückwärts. Doch wir»vollen den Krebs, der ein sehr nützliches und schmack- Haftes Thier ist, nicht beleidigen durch einen Vergleich mit den Reakttonsjunkern und Junkergenossen, die nie einc»n anderen Menschen etwas genützt haben, deren Wesen, Ziele und gesammte Thättgkcit gcmeinschädlich sind, und die, soweit es in ihrer Macht»var, dem Volke nilr Elend und Knecht- schaft, und dem Staate nur Schande gebracht haben. Hatte doch ein Junker- und Reaktionsblatt vor einigen Tagen die Stirn, die Schande von O l m ü tz für ein Eh r e n b l a tt deutscher, und inshmonder-' preußischerGeschichte zu erklären. Warum nicht auch Jena? Waruni nicht? Nun, wer oürgr uns dafür, daß nicht nächstens ein Junker uns nachweist, daß Jena„ein Ehren- blatt" ist in der Geschichte des preußischen Junkerthums? Es giebt ja zweierlei Ehre und die preußische Junker- ehre ist eine andere als die der getvöhnlichen Menschen. Zuin Glück I Die„Konservative Korrespondenz" mag sich jedoch trösten. Das deutsche Volk läßt sich durch schlechte Junkcrwitze nicht verwirrt machen. Es kennt seine Pappenheimer; und hat ihnen bei der letzten Rcichstagslvahl den verdienten Fuß- tritt gegeben. Die 200000 Stimmen weniger bei der letzten Rcichstagslvahl— das war auch ein Fortschritt, aber kein Fortschritt: des Rückschritts und der Reaktion— kein Fortschritt im Sinne der„Konservativen Korrespondenz".— Gegen die europäische» Znckcrpräuiicn bereitet sich,»vie wir neulich berichteten, rnick in I n d i c n eine Belvcgung vor, die um so beachtensiverther scheint,»vcil Indien— im Gegensätze zu Eng- land— sehr leicht zu Vcrgclttmgs- und AusgleichSzöllen greifen kann. In Indien ist die absolute Frcihandelslehre durchaus keine Macht wie in England; die indische Verwaltung hat sich sogar fast immer der von London aus dckrcttrtcn Herabsetzung und Abschaffung der Einsuhrzölle, zum theil unter ganz schutzzöllnerischcr Begründung Ividcrsctzt. Fcrucr hat Indien ein großes Juteresse an seiner heimischen Zuckerproduktion, das in England selber ganz wegfällt und das durch die Rücksicht auf die kolonialen Zuckerrohr-Plantagen, nur schlvach ersetzt»Verden kann. Die indische Regimiiig hat die wachsende Einfuhr von euro- päischem Rübenzucker schon länger mit Bedenken beobachtet. Oester- reich-Nngaru sandte 1895 240 Tons Zucker, 1897 über 47 000 Tons. Die deutschen Importe finden»vir im gleichen Zeitraum dem Werthe nach verzeichnet mit 87>/s Lakhs(1 Lakh— 100 000 Rupien) und 128 Lakhs. Die Einsuhr aus Maritius ist so zurückgedrängt Ivorden; die Preise sind hcrabgegangen. Die indische Berivaltung hält zunächst mit ihrem Urtheil noch zurück. Sie hat jedoch die Lokalbehörden angeiviescn, die Frage zu untersuchen, besonders nach der Richtung: wicivcit ein Rückgang des ZuckcrohrbaueS die indische Grundsteuer— ein Mittelding zwischen Pacht und Steuer— und die Kanaleinnahmcn gefährden müsse. Der Unfug der Prämien setzt u»S also auch hier der Gefahr von Retorsionsmaßregeln aus.— *• • Deutsches Reich. Die neue Militärvorlage, so theileu die„Berl. Pol. Nachr." mit, sei so weit gediehen, daß in nächster Zeit bereits der Bundcsrath in der Lage sein dürfte, in ihre Bcrathnng einzutreten. Es erslbcine keineswegs ausgeschlossen, daß dem Reichstage die Militärvorlage, wie im Vorjahre die Flottenvorlage, zugleich mit dem Etat zugehen wird.— Vom neue» Etat. Die„Verl. Pol. Nachr." schreiben: Dem Vernehmen nach ist vom Bundcsrathe der Ansatz der Einnahmen aus den Zöllen und Verbrauchssteuern für das Rechnungsjahr 1899 auf insgesammt 742,3 Millionen Mark oder 40,8 Millionen mehr»vie in: lausenden Jahre festgesetzt worden. Die Zölle,»velche insgesammt auf 442,4 Millionen veranichlagt sind, haben eine Erhöhung um 33, 7 Millionen Mark erfahren. Würde die Einnahme für die 5 Hauptgctrcidcarten Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Mais ebenso»vie die aus den übrigen Zöllen nach dem Durchschnitt der letzten 24 Monate be- rechnet»vordcn sein, so hätte sich das Mehr noch um 12,5 lvttllionen erhöht. Mit Rücksicht auf die erheblichen Schtvankungen bei der Getreide-Einfuhr ist dieser Einnahme jedoch der Durchschnitt der letzten drei Volljahre zu gründe gelegt, so daß infolge dessen die Veranschlagung um die genannte Summe gekürzt»vcrden mußte. Die Tabaksteuer ist auf 12 Millionen oder 0.4 Millionen niehr veranschlagt. Die Ausftihrzuschüssc, welche bei der letzteren Steuer von dem Bruttosoll in Abzug zu bringen sind, sind sür 1899 auf 32,1 Millionen angenommen. Des weiteren ist die Salzsteuer mit 47,2 Millionen oder nahezu>/, Million mehr, die Branntwein« material-Stcucr mit 16,8 Millionen, die Dmmitweinverbranchs- Abgabe mit 102,4 Tüllionen oder 1,3 Millionen niehr und die Brau- steucr mit 29,1 Millionen oder 0,9 Millionen mehr zum Ansatz ge- bracht. Auf den Kopf der Bevölkerung der Branstener-Gemeinschaft ergiebt sich danach ein Netto-Crtrag von 0,71 M.— Zentrum und Zuchthaus-G-sct,. Die.Kölnische Volkszeiwng' laßt sich von ihrem Berliner Korrespondenten schreiben: „Der BnndeSrath wird den Gesetzentwurf zum Schutz der Arbeitswilligen einer ganz besonderen Prüfung unterziehen müssen, ohne Rücksicht nach oben und unten, denn verfehlte Vorschläge würden in diesem Falle doppelt schädlich wirken, selbst dann, wenn sie infolge Widerspruchs des Reichstages keine Gesetzeskraft erhalten könnten. Von einem solchen Fiasko würde die Sozial- dcmokratie wieder auf lange Zeit hinaus profitiren. Man kann sich übrigens kaum denken, daß der Reichstag gesonnen wäre, ohne vorherige Aufhebung des Verbindungsverbotes in die Berathung dieses Entwurfs einzutreten. Der BnndeSrath wird also auch nach dieser Richtung hin sich bemühen müssen. Er kann es durch Annahme des bezüglichen Antrages des Reichstages, das Verbot außer kraft zu setzen. Damit wäre auch die preußische Regierung aus aller Verlegenheit heraus, insbesondere der Preußische Minister des Innern, der ohnehin längst amtsmüde sein soll." Wir zweifeln sehr, ob dnS ganze Zentrum einem Gesetz- rntwnrf, der das Koalitionsrecht verschlechtern will, so entschieden entgegentreten wird, wie die„Kölnische Volkszeitung" es an- kündigt.— Das„Nnarchistcnkourplott gegen den Kaiser findet im „Egypt. Konrier", eine in deutscher Sprache in Kairo erscheinende Zeitung, folgende Beleuchtung: „Wer von uns nach diesem Titel eine Aufklärung deS Dunkels, welches das angeblich gegen unfern Kaiser geplante Attentat noch immer umgiebt, erwartet, der wird sich gründlich getäuscht sehen, ja, zu unserer Beschämung müssen wir gestehen, daß wir den von der europäischen Presse über das Komplott gebrachten Einzelheiten keine einzige neue hinzuzufügen wissen. Woher kommt daL? Die englisch- ägyptischen Polizeibehörden hüllen sich in das undurchdringlichste Schweigen, in ein Schweigen, für welches uns jede Erklärung fehlt, wenn wir nicht annehmen wollen, daß— sie ebenfalls nichts wissen. Der Zweifel, den der größte Theil unserer vaterländischen Presse den englischen Alarmnachrichten gegenüber an den Tag legt, ist unserer Ansicht nach völlig gerechtfertigt. Möglich, daß all' dem ein Körnchen Wahrheit zu gründe liegt, auf jeden Fall aber nur ein Körnchen I Da wir nichts Neues, ThatsächlichcS zu der Angelegenheit veröffentlichen können, möchten wir uns wenigstens einige Bemerkungen gestatten, die vielleicht einen interessanten Schluß aus den Ursprung der Affäre zulassen. Zunächst konstatiren wir, daß die ersten Meldungen über das Komplott aus einer englischen Quelle stammten, die unS schon mehr als einmal mit Unwahrheiten bedient hat, ferner, daß. als die Nachricht auftauchte, daß der deutsche Kaiser nicht nach Egypten komme, sofort darauf hinge- wiesen wurde, daß die offiziell angegebenen Gründe kaum die Ur- fache zu der so plötzlichen Aendenmg des RciseplaneS gewesen sein könnten, sondern daß dieselbe in englischen Machenschaften gesucht werden dürfte. Daß den Engländern der Besuch des deutschen Kaiserpaares in Egypten als Gast des Khedive außer- ordentlich unangenehm sei, war ja bekannt, und daß sie nach Mitteln und Wegen gesucht haben, denselben zu verhindern und solche auch zur Anwendung gebracht haben, ist durchaus nicht unwahrscheinlich. Auf jeden Fall dürste das Komplott. habe es nun in Wirklichkeit bestanden oder nicht, den Engländern zur Erreichung von zwei Zielen vcrholfen haben; euunal dürfte es die Reise des Kaisers nach Egypten zur Unmöglichkeit gemacht haben und hat ihnen gleichzeitig eine mächtige Waffe in die Hand gegeben, die Beseitigung der Konsulargerichtsbarkeit, welche England schon seit längerer Zeit betreibt, durchzusetzen. Und in der That vcr- anlaßte die Entdeckung deS angeblichen Komplotts die englische Presse sofort, die Beseitigung der Konsulargerichtsbarkeit zu vcr- langen. Sollte das alte gute Sprichwort: i« fecit, cui prodest, auch in diesem Falle wiederum Recht haben?" Das betreffende Blatt ist als durchaus königStreu bekannt.— Einige Preßstimmen zur Lippc'schcn Angelegenheit. Die »Kölnische Volkszeitung" schreibt: „Der Kaiser war sehr schlecht, oderwohlgar nicht berathen, als er das Telegramm an den Graf-Regenten schickte, und was dann weiter geschehen ist, Ivird von der öffentlichen Meinung nicht gebilligt. Die deutschen Fürsten werden sich sagen müssen: tun res agitur. Was heute dem Regenten des kleinen Lippe gesthicht, kann morgen dem Prinz-Regentcn von Bayern oder den Königen von Sachsen und Württemberg angethan werden." Aehnliche Befürchtungen kommen auch in süddeutschen Blättern zun: Ausdruck. So liest man in der.Augsburger Abend- zeitung": „Es erscheint als eine schmerzliche, aber patriotische Pflicht, die Annahme auszusprechen, daß es im Deutschen Reiche nur wenige Leute geben dürfte, welche in diesen, Falle auf feiten des Kaisers stehen. Daß Kaiser Wilhelm, welcher ein ebenso empfindlicher wie energischer Vcr- fechter des souveränen Gedankens ist, einem BundeSfurstcn einen Eingriff in dessen Souveränetätsrechte von seiner Seite zumuthen konnte, wie im vorwürfigen Falle, kann man schwer verstehen, während andererseits dervom Graf-Regenten niedergeschriebene Aus- druck der Befürchtung, daß auch den anderen Bundesfürsten ähnliches widerfahren könne wie ihm, als erklärlich erscheint. ES dürfte nicht fraglich sein, daß der Vorgang im Reichstage zur Sprache kommt und zu Erörterungen der Pein- l i ch st e n Art Anlaß g,ebt. Auch die„Münch. Neue st. Nach r." glauben einen„wunden Punkt" der Sache berühren zu müssen. „Es ist nun ein unglückliches Zusammentreffen, daß der Kaiser in so nahen vcrlvandtschaftlichen Beziehungen zudem früheren Regenten, dem Prinzen Adolf, steht. Gerade um dieses Zusammentreffens willen hätte der leiseste Schein einer persönlichen Gereiztheit vermieden werden sollen. Daß dies nicht geschehen ist, daß Preußen erst jetzt wieder durch seine merkwürdige Schwenkung in der Auffassung von der Kompetenz des BundcsrathcS den Schein unsachlicher Animosität verstärkt hat, das beklagen alle aufrichtig, die das moralische Prestige unseres größten Bundesstaates über jede Möglichkeit einer Verdächtigung erhaben sehen möchten.... Es scheint, daß in den Kreisen,' die nach den Garantien der Konstitution und nach den Sitten des Hofes den nächsten, verantwortungs- vollsten Einfluß auf die Entscheidungen des Kaisers haben, entweder der klaren Einsicht die Kraft fehlt. sich geltend zu machen, oder das energisch sich zur Geltung bringende Wollen der„u n v e r a n t w o r t l i'ch e n" Person- l i ch k e i t e n nicht von weitem Blick und reifem Vcrstäuduiß ge- leitet wird."— Zum Fall Spahn. Die auf der äußersten Rechten ihrer Partei stehende ultramontane«Schlesische Volkszeitung" giebt dein Reichs- gerichtsrath Spahn den Rath, auf sei» Abgeordnetenmandat zu verzichten. Den Ballestrem und Porsch scheint Herr Spahn in Leipzig lieber als im Abgeordnetenhaus zu sein.— Des Fink Rechtsbevollmächtigter theilt einem hiesigen Blatte mit, daß der Prozeß, den Fink gegen Bebel angestrengt habe, fort- geführt werden solle. Im fenien Shanghai wird die Blamage, die der„Post"-Fink erleben wird, vielleicht weniger schmerzen I— In Mainz soll es zu einer ReichstagS-Ersatzwahl kommen. Der ReichstagS-Abgeordnete für den Wahlkreis Mainz- Oppenheim, Rechtsanwalt Dr. Schmitt(Zentrum) beabsichtigt, wie man der ,Volks-Ztg." mittheilt, von seiner gesammten öffent- lichen Wirksamkeit zurückzutreten. Die Gründe seien Natur. Dr. Schnntt steht auf dem linken Flügel der Zentrumspartei. Er ist auch Mitglied der zweiten hessischen Kammer. Bewahrheitet sich die Mittheilung seiner Mandatsmüdigkeit, so steht sicher zu erwarten, daß der unserer Partei verloren gegangene ReichstagS-Wahllrcis bald wieder erobert werden wird.— Die Auslveisung Brann'S hat in allen anständigen Zeitungen ohne Unterschied der Parteien die schärfste Berurtheilung gefunden. Man findet allgemein, daß die Maßregel, abgesehen von ihrer Hätte, ganz zwecklos ist, den Urhebern gar nichts nutzt, wohl aber ihnen ein sehr schlechtes Zeugniß ausstellt und obendrein Erbitterung gegen die bestehenden Zustände erzeugt. Nur die reakttonären Junker- und Polizeiblätter suchen die Ausweisung zu vertheidigen. Sie stellen sich dabei auf den Standpunkt, daß der SluSländer rechtlos ist— beiläufig ein Standpunkt, der nicht blos aller Gesittung, sondern dem Völkerrecht und den Gesetzen zuwiderläuft. DaS Völlerrecht erkennt dem Ausländer den Schutz der Landes- gesetze zu; und eine wahre Barbarei ist es, dem Bürger eines fremden Staates deshalb die Gastfreundschaft zu kündigen und ihm deshalb die Existenz zu zerstören, weil er innerhalb der Schranken der Landesgesetze für eine bestimmte politische Richtung thätig ist. Uiid was insbesondere Braun betrifft, so hat er nicht nur'die Landesgesetze ge- wissenhaft respektirt, sondern sich obendrein auch mit peinlicher Sorgfalt jeder agitatottschen Thätigkeit enthalten. Eine sehr treffende Bemerkung macht die„Kölnische Volks- zeittmg" bei dieser Gelegenheit. Sie schreibt am Schluß eines längeren Artikels: „In verscbiedenen rechtsstehenden Blättern wird die Aus- Weisung Dr. Braun's von Journalisten vertheidigt, welche in journalistischen Kreisen ebenfalls als Ausländer, nämlich als Balten bekannt sind. Würde sich in diesem Falle nicht etwas mehr Zurückhaltung empfehlen? Es handelt sich hier vielleicht um Persönlichkeiten, die nicht ganz ihren Wünschen entsprechend zum Verlassen Rußlands gedrängt sind und die also gewiß anerkennen, wie wctthvoll es ist, wenn man sich im Auslande eine neue Hciinath gründen kann. Man sollte sagen, daß solche Männer zu allererst die Neigung empfänden, duldsam zu sein. Aber die Balten machen in dieser Beziehung eine Ausnahme; sind sie doch auch die eifrigsten Polcnfrcsser." Die„Balten" sitzen in der Redaktion der„Krcuz-Zcitung" und im Berliner Preßbnreau. Aber was dem reaktionären Ausländer recht ist, ist nicht- reaktionären nicht billig.— Z» de» nordschlcswigschrn AnSweifimgen geht dem„Berk. Tageblatt" aus«kaufmännischen Kreisen" eine recht beachtenS- werthe Mitthciluug zu. Die durch den Herrn Overpräsidentcn von K ö l l e r angeordneten und sicherlich durch den Hern? Minister v. d. Recke v. d. Horst gutgeheißenen Ausweisungen dänischer Staatsangehöriger haben, wie man leicht ermessen kann, in Dänemark eine große Erbitterung hervorgerufen. Man ist namentlich über die oft rücksichtslose Art, nnt welcher gegenüber Frauen und selbst kranken Kindern die Anordnungen ausgeführt wurde», im äußersten Maße aufgebracht. Die Danen sind nun nicht gewillt, diese Auswcisungsmaßregcln still hinzunehmen. Freilich kann die dänische Regierung nichts dagegen thun, denn formell ist Preußen ja im Rechte. Aber die dänischen K'auflculc rüsten sich zu einer die deutsche Ausfuhr empfindlich treffenden Gegenwehr. In allen dänischen Zeitungen wird zur Aussperrung der deutschen industriellen Erzeugniffe aufgefordert. In einzelnen Städten haben sich bereits Bereinigungen gebildet, deren Mitglieder sich e h r e n>v ö r t l i ch verpflichten mußten, keine Waaren fortan mehr aus Deutschland zu beziehen, und mit Heller Schaden- frcude verkündet die„Viborg- Stifts- Tidcndc" unter der Spitzmarie„I-ige tör löge"(Gleiches mit Gleichem), daß ein langjähriger Reisender einer deutschen Firma, der sonst große Aufträge aus Randers zu erhalten pflegte, diesmal auch nicht für einen Ocre zu verkaufen im stände gewesen sei. Man nahm ausdrücklich auf die Auswcisnngcn der Dänen aus Nordschleswig Bezug, und man brach die langjährigen Bcrkchrsbcziehungeu ab. Zu der durch die Anordnungen des Herrn v. Köllcr hervorgerufenen politischen Verstimmung ztvi'schcn Deutschland und Dänemark kommt nun auch ein sehr empfindlicher wirthschaftlichcr Schaden.— Güic jclfgcmäftc Reminiszenz bringt die„Franks. Ztg.". Nachdem sie auf die vielen Anklagen und Vettirtheilungeii, deren die Presse wegen Beamte»-Beleidigungen ausgesetzt ist, hin- gewiesen hat, erinnert sie daran, das; vor fast hundert Jahren, an; 20. Februar 1804, König Friedrich Wilhelm IIL, also ein Monarch, den gewiß niemand im Verdacht haben lvird, daß er staatsgcfähr- lichen Tendenzen wohlgesinnt war, eine KabinctSordre erlassen hat, in welcher eS heißt: „ES kann nicht jeden; zugcmuthet Iverdcu, in solchen Fällen, die eine Rüge verdienen, sich der Unaunehinlichkeitcn, womit offizielle Denunziationen vcrbnnden sind, auszusetzen. Sollte nun auch eine a n st ä n d i g e Publizität darüber unterdrückt werden, so iv ü r d e ja gar kein Mittel übrig bleiben, hinter die Pflichtwidrigkeiten der Behörden z n kommen, die dadurch eine b e- deutliche Eigen macht erhalten würden. In dieser Hinsicht ist eine anständige Publizität der Regierung und den llnterthanen die s i ch e r st e Bürgschaft gegen die Nachlässigkeit und den bösen Willen der Offiziantcn, und verdient auf alle Weise befördert und ge- schützt zu lverden. Mir ist nicht bekannt, daß rechtschaffene Staats- diencr dadurch sind angefochten worden, und denen, die es nicht waren, kann eine solche Rüge nicht schaden und dient anderen ihres- gleichen zu einem heilsamen Beispiele." Die Wiedergabe der Kabinctsordre ist gewiß recht interessant, sie zeigt, welche Fortschritte wir unter der deutschen„Prcßfrcibcit" gemacht haben, eine Aendettmg des jetzigen Zustandes fteilich er- Watten wir davon nicht.— Zur Flcischnoth. Die Schweine-Einfuhr aus Rußland Ivird angeblich aus veterinärpolizeilichen Gründen so sehr erschwert. Noch kürzlich hat die„Nordd. Allg. Ztg." dahingehende Erklärungen abgegeben. Demgegenüber vcröffenliicht der russische„Regie- rungsbote" eine Mittheilung der russischen Veterinär-Bcrwaltnng über die russischen Vorkehrungen gegen Seuchen, welche zu nach- stehendem Schlüsse gelaugt:„Die seitens des Ministeriums des Innern in den letzten zwei Jahren getroffenen Maßnahmen verbesserten erheblich die Veterinäre Beaufsichtigung der von Rußland auszuführenden Schweine, resp. erhöhten die Gefahrlosigkeit der Einfuhr dett'clben. Die Kontrolle deS GcsundheitSstandcS des Viehes in dem Weichsel- gebiete ist durch die Erhöhung des Veterinärpersonals gesichett. Der Transpott von Exportschweiuen nach Sosnowice ist nur mittels der Eisenbahn gestattet; diescSchweine werden vor der Verladung einer fünf- tägigcn Quarantäne unterzogen. Zum Export werden nur Schweine mit Gesundheitspässen zugelassen. Das Resultat der strengsten Ausführung dieser Maßnahmen sei, daß seit dem Januar 1897 üuter den russischen Schweinen, welche den preußischen für fremdes Vieh offenen Schlachthäusern zugestellt wurden, kein Krankheits- oder verdächtiger Fall vorgekommen ist, seit Anfang 1898 ist derartiges nicht einmal unter den Schweinen in Sosnowice vorgekommen." Man mag einwenden, daß man russischerseits bestrebt sein wird, die Dinge in möglichst günstigem Lichte erscheinen zu lassen; sicher aber ist, daß die Grenzsperre von deuffcher Seite mit einer durch« aus übertriebenen Strenge gehandhabt wird. Es ist daher nur zu erklärlich, daß die Behaupttmg, die Grenzsperre sei lediglich auS vetcrinärpolizeilichcn Gründen verhängt, keinen Glauben findet. Ans Kopenhagen wird unten» IS. November berichtet: Anläßlich eines in Nöttrupgaard bei Beile vorgekommenen Falles von Maul- und Klauenseuche erließ der Landwirthschaftsminister Hage heute eine sofort in kraft tretende Verfügung, wonach die Aus- fuhr von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen aus Jütland nach den übttgen Theilen des Landes und nach den; Auslande ver- boten wird. Ueber den in Vorbereitung begttffenen Gesetzentwurf, der die obligatorische Fleischbes hau regeln soll, werden, offenbar aus ministetteller Quelle, Mittheilungen verbreitet, wonach, soweit familiärer' ausländisches(amerikanisches) Fleisch in Frage kommt, die Unter- s suchung von Büchsenfleisch und Wurstwaaren sich auf Sttchproben s beschränken soll. Falls die Sttchproben eine unzulässige Beschaffen« heit der Waare ergeben, muß die ganze betteffende Sendung zurück- gewiesen werden. Zur Fleischtheuerung schreibt uns unser badischer Kor- respondent: Eine von den badischen Städten der Städte-Ordnuug mit Ausnahme Freiburgs beschlossene Vorstellung an das Ministerium des Innen; wegen Erleichterung der Einfuhr von Schweinefleisch ist nun von dem Karlsruher Stadtrath über- reicht worden. Gewünscht wird zunächst die Beseitigung des Einfuhr- Verbots aus Frankreich und Holland. Der Ersatz durch amett- kanischcS Schweinefleisch kommt in Baden thatsächlich nur wenig in betracht. Die erwähnte Eingabe an das Ministcttum verlangt, die Einfuhr solle, um Preisttei'bereien durch den Zwischenhandel vor« zubeugen, direkt an die Schlachthäuser der Städte geschehen.— Tie San Josö-Schildlaus taucht wieder auf. Der„Berl. Korresp." zufolge soll bei den aus Amerika stammenden Obst- senduugen dieses Insekt wieder festgestellt worden sein. In Ham- bürg wurden, wie es heißt, am 29. September bei getrockneten kalifornischen Birnen, am 30. September bei frischen kalifornischen Birnen und am 21. Oktober bei getrockneten kalifornischen Nektarinen Excnchlare der Schildlaus vorgefunden. Die Sendungen sind an- gehalten, und es ist deren Wiederausfuhr nach dem Auslände unter amtlicher Kontrolle angeordnet worden.— Wieder ein Soldatenselbstmord. AuS Kiel wird uns be« richtet: Im Keller der Seebataillonskaserne hat an einen; Gasarn; sich am 10. d. M. ein Soldat der 2. Komp. des 1. Seebataillous erhängt. Der erst am 1. November freiwillig Eingetretene hat in einem zurückgelassenen Briefe angegeben, daß er das Leben satt habe. Bislang ist über die Ursachen des Selbstmordes nichts vcrlautbart, wie dein; bislang auch die That selbst in den Kieler Blättern noch nicht erwähnt wurde.— Ein anderer Fall von Soldatenselbstmord wird aus Cleve ge- meldet. Dort erschoß sich der Sergeant Baum gart des dottigen 56. Jnfanterie-Regiments, angeblich, weil er von seinem Kompaguiechef wegen Dien st Widrigkeit zur Verantwortung gezogen worden sei. Der Sergeant war mit der Ausbildung der Einjähng-Freiwilligen betraut und mit dieser Obliegenheit soll diese Angelegenheit zusammenhängen, wegen der ihm vom Hauptmann Pflichtverletzung vorgeworfen wurde. Soldaten als Konkurrenten gegen Arbeiter. Wir theilten kürzlich mit, daß in der Stadtverordncten-Versammlung zu Halber- st a d t die Aeußeruug gefallen sei, es stünde der Stadtverwallung für eine vorzunehmende städtische Arbeit genügend Militär zur Ver- fiigung. In der Stadtverordneten-Versammlung, in der Arbeiter uichr vertreten sind, machte sich kein Widerspruch laut. Aber außerhalb unter den Arbeitern Halbcrjtadts machte sich große Mißstimmung bemerkbar und der Vorsitzende des dortigen Gcwerkschaftskariclls er- hielt den Auftrag, telegraphisch Beschwerde beim Kriegsminister einzulegen. Der KriegSnnnister hat darauf folgende Antwort er- gehen lassen:„Auf Ihre an Seine Exzellenz den Herrn Kriegs- minister gerichtete Eingabe, welche hierher zur Bescheidung abgegeben ist, ivird Ihnen mitgetheilt, daß zu den in dem sragliche» Telegramm erwähnten städtischen Erdarbeiten militärische Arbeiter nicht g c st e l l t werde n." Diese Antwort ist befriedigend und wünschten wir nur, daß der Herr Kttegsministcr konsequent— auch den Agrariern gegenüber— an diesen; Standpunkte festhalte. Tie süddeutsche nationalliberale Presse that sehr unschuldig in der Beurtheilung besagter Heidelberger Zusammenkunft; der Zweck sei nur gewesen, daß sich die neugcwähltcn nattoiialliberalen Ab- geordneten„kennen lernten". Das Macker sche Blatt schreibt zu dieser naiven Darstellung: „Tic Wahrheir wird die sein, daß die süddeutschen National« liberalen unter sich sein wollen, um über etwas zu berathen, das ihnen ganz besonders eigenthiimlich ist, und sie unterscheiden sich ja, wie nian längst und allgemein weiß. in vielen Punkten von der Mehrzahl ihrer uorddcutfchen Parteigenossen. Sie neigen mehr z u den Anschauungen der p r e u ß i s ch e n K o n« s e r v a t i v e n hin, und namentlich in einem Punkte dürften die Herzenswünsche der süddeutschen Nattoiialliberalen und der preußischen Konservativen übereinstimmen: ii; der Sehnsucht nach einem neuen Ausnahmegesetz gegen Uli; stürz» b e st r e b u n g e n.— Die„Lentcnoth" und die Pastoren. Ilm gegen die den Aarariern immer uuangcnchmer werdende Abwand erung der Land- arbcitcr anzukämpfen, werden jetzt aucb die Pastoren mobil gemacht. Auf der Krciösynodc des Kreises Goldap, welche dieser Tage statt- smid, sprach ein Pfarrer Neumann-Grabowcn über daS Thema: „Was kann geschehe», un; den Wandertrieb der konfirmirtcn Jugend zu däinpfen und sie vor den schweren Versuchungen des Dienens in der Ferne, namentlich in den großen Städten zu bewahren?" Leider ist nicbt mitgetheilt, was der Herr Pastor für Mittel vor- schlug, um die jungen Laiidarbciter und Arbeiterinnen an die Guts- Höfe zu fesseln. Durch bloße Warnungen vor dem Süudenpfuhl der Städle werden die jungen Leute sicher nicht abgehalten, wegzugehen. Bekannt sollte übrigens auch dem Pfarrer Neumann sein, daß die jungen Leute auf de« GutShöfen niiiidcsteuS ebenso großen Gefahren für ihre Sittlichkeit und Moralität ausgesetzt sind wie in den großen Städtci;.— Ter Landrath von Fischhause« ist fürsorglichst darauf bedacht, den Herren Agrarier» feiueS Kreises die billigen Arbeitskräfte zu erhalten. Da von Königsberg aus durch das Samlaud eine Klein- bahn nach Raiischen-Warnicken gebaut ivird, befürchteten die Herren — und nicht ohne Grund—, zum Sommer ihre ohnehin recht knappen Arbeitskräfte zu verlieren, während die Arbeiter sich auf die günstige Arbeitsgelegenheit beim Bnhnbau freuten. Doch schien den Nothleideuden von behördlicher Seite bereits mitgetheilt zu fein, daß sie eine Verwendung ihrer Ar« beilcr beim Bahnbau nicht zu befürchten hätten. Um so entsetzter mußten sie aber sein, als ei» Bahnbau-Uuternchmcr durch ein Inserat ii; einer der letzten Nummern des Fischhauser Kreis- blattcs 500 Arbeiter suchte. Doch sie sollten bald beruhigt werden. In der letzten Krcisblatt- Ausgabe steht folgende Bekamitiuachmig zu lesen: „Entsprechend den mit der Firma Lenz u. Co. getroffenen Abreden sollen im Kreise Fischhausen durch den Vau der Klein- bahnen keine Arbeitskräfte entzogen werden. Das Angebot deS Theilstrecken- Unternehmers in der letzten Num;ner des'Kreisblattes, wonach 500 Arbeiter im hiesigei; Kreise angeworben werden sollen, ist ohne den Willen der Firma Lenz u. Co. erfolgt. Der Unternehmer war versehentlich noch nicht von d i e s e r Ab r e d e unterrichtet. Nach Rücksprache mit den Herren Vettretern der Ban-Abthciluna von Lenz u. Co. mache ich daher hierdurch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß beim Bau der Kleinbahnen Königsberg-Neukuhren-Wariiickei; und Dellgieuen- Fischhausen hiesige Arbeiter nicht angenommen werden. Die Herren Guts- und Gemeindevorsteher ersuche ich, dies in ottsublicher Weise zur öffentlichen Keuutuiß zu bringen. Fischhausen, den 11. November 1898. Der Vorsitzende des KreisauSschnffes. Königl. LandrathSaints-Verwalter. Angesichts dieser Bekanntmachung drängt sich die Frage auf. ob eS zu den Obliegenheiten des Kreisausschuß-Vorsitzcnden und Land- rathsamts- Verwalters gehött, die Geschäfte der Herren Junker zu besorgen und dem ärrneren Theil der Kreisinsassen die Existenz zu erschwerem Durch diese Abrede des Herrn Landraths, auf die einzugehen die Finna sicherlich nur durch zwingende Gründe veranlaßt ist, werden die Arbeiter des dottigen Kreises durch den höchsten Beamten desselben an der freien Verwerthung ihrer Arbeitskraft verhindert. Und das alles, um einem Häufiein Agrarier billige Arbeiter zu sichern.— Energischen Protest fordert das Verhalten der T i l s i t e r Polizeibehörde heraus. In Königsberg sprach dieser Tage in einer Versammlung der frühere Berliner Magistrats- Assessor Cuno, der jetzt Stadtrath in Königsberg ist, über Arbeitsnachweise. 5hi der Diskussion«jeilte der Direktor der städtischen GaSanstolt und Des Elektrizitätswerkes, Dr. Krieger, mit, daß ihm vielfach Kührungsatteste der Tilsiter Polizeibehörde vorgelegt würden, die den Vermerk tragen, daß der Betreffende an der s o z i a l d e m o- rratischen Agitation nicht theilgenommen habe. Es liegt ouf der Hand, daß durch solche Zusätze in Attesten, wenn sie all- gemein würden, sozialdemokratisch gesinnte Arbeiter aufs schwerste geschädigt werden können. Durch das Weglassen der Eintragung würde die Polizeibehörde Arbeiter als Sozialdenwkraten kenn- zeichnen.— Ans dem Rheinland wird uns geschrieben: Anläßlich der Nenßer Landrathswahl sind sich die Zentrumsblätter wieder einmal in die Haare gefahren und sagen sich allerlei recht angenehme Dinge. Bekanntlich ist das Zentrum seit Jahren, namentlich seitdem als einziges Ucberbleibsel der Maigesetze das Jcsuitengesctz zurückgeblieben war,_ mit dem man, um die Wählermasscn noch einigermaßen in eine gerechte Entrüstung zu versetzen, denn auch bei jeder Gelegenheit herumkrebsen mußte,— und seitdem das Zcntruni z>l den Militär-. Flotten- und Stenerbewilligern zählt und von der Reaktion und Regierung für geleistete Dienste klingende Münze verlangen' konnte, dazu übergegangen, die Paritätsfrage mit in den Vordergrund der Agitation zu drängen. Stach Parität wurde bei der geringsten Gelegenheit geschrieen und es für Zentrumswähler vor allem auf allen Gebieten der Selbst- Verwaltung zur Pflicht gemacht, ihren Einfluß stets in den Dienst der Paritätssache zu stellen. Was betrachtete man als selbstv erstand- licher, als daß in einem Kreise wie Neuß, in dem die Katholiken gegen 90 pCt. der Bevölkerung ausmachen, in dem das Zentrum auch im Kreistage und in allen sonstigen Körperschaften eine unbestrittene Domäne besitzt und bisher ein Zentrums- An- Hänger, ein Sohn deS bekannten Frcihcrrn v. Schorlemer- Alst die Landrathsftelle bekleidete,— daß auch jetzt wieder die Auswahl unter dem Zentrumsanhang getroffen werde. Von„maßgeblicher Seite" wurde denn auch der bisherige Landrath von Düren. Herr v. Brau- uing, der alle Vorbedingungen zur Anwartschaft auf diese Stellung erfüllte, in Vorschlag gebracht. Und siehe da, der in seiner über- wiegenden Mehrheit aus Zentrunrsanhängern zusammengesetzte Kreistag parirte nicht, sondern wählte den streng protestantischen Frcihcrrn v. d. Lehden der als erster Kreisdepustrtcr den Posten bereits kommissarisch vertreten hatte. Darüber natür- lich helle Entrüstung im Lager der„Germania", der „Deutschen Reichs- Zeitung" und der„Köln. Volkszeitung", die u. a. schrieb, daß das Ergcbniß der Wahl des Herrn v. d. Lehden im Kreise Neuß ziemlich überrascht, ja sogar großen Unwillen erregt bade. Demgegenüber wurde durch verschiedene Zuschriften aus dem Kreise und sogar von Kreistagsmitglicdern an diese Zeitung daS Gcgentheil festgestellt. I» einer hieß es, daß die Wahl im Kreise allenthalben freudig begrüßt werde. Und weiter: „Für die Wahl haben sich von vornherein fast alle auf dem Lande wohnenden KreiStogsmitglieder ausgesprochen, die, ich glaube behaupten zu dürfen, ausnahmslos der Zentrumspartei angehören. Für die Wahl deS Herrn v. d. Lehden hat sich auch ein großer Theil des hochwürdigcn KleruS des KreiscS Neuß ausgesprochen. Auch die„Rhein. Volksstimme", das ZentrumSagrarier-Organ, sprach über die getroffene Vorschlagswahl des Herrn v. d. Legen ihre vollste Zufriedenheit aus, da er„den Mitgliedern des Rheinischen Banem- Vereins als stellvertretendes geschäftsführendcs Ausschußmitglied für den KreiS Neuß vortheilhaft bekannt fei." Von anderer Seite wird den Zentrumslcnten vom Schlage der„Kölnischen Volks- zeitung" der gerechte Vorwurf gemacht, daß sie ja auch bei der Wiederwahl des protestantischen Oberbürgermeisters Becker mitgewirkt hätten. Währenddem stöhnt diese Zeitung, daß die Neutzer der Sache katholischer Parität den denkbar schlechlesten Dienst erwiesen haben. Und sie thut recht daran, denn wenn bei einer harmlosen VorschlagSwahl für eine Landrathsstelle die katholische Bevölkerung so wenig Interesse und Berständniß für die Paritäts- ftage zeigt, wie kann man dann der Kamarilla zumuthcn, im Interesse der Parität vakante Ministerien an Zentrumsgrößcn, die sich durch genügende Umfalle auszeichneten, zu besetzen?— AuS Rheinland- Westfalen. Mitte November. Gegen das Blaumachen und Festcfeiern suchen jetzt die Direktoren der großen industriellen Gesellschaften in unserem Jndustriebczirk unter den Arbeitern selbst eine Bewegung einzuleiten. In Ansprachen und Flugblättern wird den Arbeitern klar gemacht, in welcher Weise sie durch das Feste-Unwesen„ausgebeutet" würden. In einem Flug- blatt, daS der Bergwerksdirektor Dach in Altstadeln bei Oberhauscn unter den Arbeitern seiner Grube verbreitete, stellt er zunächst die Behauptung auf, daß von 1893—1898 die Löhne um 20 pCt., also um ein Fünftel gestiegen seien, was für die Zeche eine jährliche Mehrzahlung von 170 000 M. bedeute. Nachdem er auseinandergesetzt hat, daß nur wenige Arbeiter den Mehr- verdienst gespart hätten, fährt er fort:„Im Jahre 1893 beschäftigte die Zeche 700 Mann eigentliche Bergleute. Diese versäumten inner- halb des genannten Jahres ohne Entschuldigung 3393 Schichten, die einen Lohnverlust von 13 040 M. bedeuten. Im Jahre 1897 hatten wir 800 Mann unter Tage, welche 7323 Schichten ohne Entschuldigung versäumten und hierdurch 38 400 M. Lohn willkürlich preisgaben. In letzter Zeit hat nun aber das willkürliche Feiern in einem noch nicht dagewesenen Maße zugenommen, bis zu 300 Schichten und mehr in einer Woche. Würde dies in demselben Maße an- dauem, so ist auf einen Lohnvcrlust von 70000 M. in einem Jahre zu rechnen." Bergwerksdirektor Dach kommt zu dem Schluß, daß nur eine kleine Zahl der Arbeiter die erhöhten Löhne dazu an- wende, für die Zukunft zu sorgen, daß eine andere größere Zahl sich in den Stand gesetzt sehe, behaglicher zu leben, als sie es früher gewohnt waren, was nur zu billigen sei, während eine dritte, recht bettächtliche Anzahl durch Feiern jede Lohnverbesseruna verhindere und durch Besuch von Festlichkeiten und Wirthshäusern sich zu ruiniren bestrebt sei.— Zugegeben, daß die- Darstellungen des BergwerkSdireftorS Dach richtig sind, so wird dabei wieder der- gessen, daß in Jahren des geschäftlichen Niederganges gerade die Fabrikanten an den vielen Festen und den daraus sich ergebeiiden Lohnersparnissen die allergrößte Freude haben. Wenn in der That ein Uebermaß im Festcfeiern in Rheinland- Westfalen bestehen sollte, dann müssen es sich die Fabrikanten, Bcrgwerksdirektoren ec. gesagt sein lassen, daß sie gleichfalls ein gut Theil der Verantwortung mittragen. Infolge der Unsicherheit der Arbeit hat sich gerade der rheinländische Arbeiter daran gewöhnt, in schlechten Zeiten auf den vielen Kirmeßfeicrn Vergessenheit von seinem häuslichen Kummer zu suchen, und die Fabrikanten haben bei schlechtem Geschäftsgänge nie cttvas dagegen gehabt, wenn ihre Arbeiter möglichst häufig nicht erschienen.— Nachdem die bergpolizei- liche Vorschrift, betr. die Berieselung der Gruben, erschienen war. machte sich alsbald in Zcchenkreisen ein starker Widerstand gegen die Anordnung bemerkbar. Von Arbeiterseite wurde alsbald vorausgesagt, daß die Zechenbesitzer schon Mittel und Wege finden würden, sich um die Beriefelung zu drücken. In der That scheint auch das königliche Ober-Bergamt in Dortmund Ausnahmen in weitgehendem Maße ge- statten zu wollen. Das Ober-Bergamt hat eine besondere Kom- Mission ernannt, welche jene Gruben, die um Befreiung von der Berieselung eingekommen sind, befahren und feststellen sollen, ob eine Kohlenstaub-Explosionsgefahr ans denselben nicht vorhanden ist. Wenn festgestellt ivird, daß in den Flözen die natürliche Feuchtigkeit hin- reichend sei oder die Kohle zur Staubbildung überhaupt nicht neige, soll den Anträgen der Zechen nachgegeben werden. Wir verstehen diese Nachgiebigkeit um io weniger, als eine ganze Reihe Zechen da- durch den übrigen gegenüber bevorzugt werden würde. Ueberflüssig ist die Berieselung fast für keine Grube. Wozu also wieder Aus- nahmen, die unter den Zcchenbesitzern wie unter den Arbeitern böses Blut machen?— Auö Sachsen. sEig. Ber.) Die Knebelung der Gewerkschaften in Sachsen durch das neue famose Vereins- und Versammlungsgesetz erfährt jetzt eine außerordentlich charaktettstische amtliche Beleuch- tung durch ein Schriftstück der Amtshauptmannschast Dresden-Alt- ftadt. Vor einiger Zeit fand in ihrem Bereich eine gewerkschaftliche Versammlung der Holzarbeiter statt, in welcher über Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation gesprochen wurde. Der überwachende Beamte ließ vor Beginn der Versammlung die Minderjährigen hinausweisen, da dieselbe möglicherweise politisch werden könnte. Ueber dieses offenbar ungesetz- liche Verhalten hatte nun der Leiter der Versammlung B e- s ch w e r d e geführt. Dieselbe ist jetzt von der schon genannten Behörde als„unbeachtlich" zurückgewiesen und damit zunächst das ungesetzliche Vorgehen des Beamten als rrchtig anerkannt worden. Solche Dinge sind nun in Sachsen nicht gerade neu, nicht einmal selten. Die„Begründung" des abweisenden Bescheides dürfte aber in bezug auf den Kanipf, welcher in Sachsen zwischen Arbeitern einersetts und Polizei und Unternehmerthum andererseits gerade auf dem Gebiete desVercins- undVersammlungswcsens so scharfenAusdruck findet, gerade- zu klassisch genannt werden können. Es heißt dort u. a.:„.. Als Punkt 1 der Tagesordnung für diese Versammlung war angemeldet Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Organisatton. Aus dem bisherigen Verlauf der Arbeiterbewegung in Sachsen ist ohne weiteres die Ueberzeugung zu schöpfen, daß die sogenannte(!) Organisation der Arbeiter, nament- lich auch der Holzarbeiter, in das Fahrwasser der sozial- demokratischen Partei gerathen(!) ist und von deren Agitation weniger zur Erzielung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter selbst, als vielmehr in erster Linie(? I) zur Verfolgung der den Bestand der Staats- und Gesellschaftsordnung bedrohenden politischen Ziele der Parteiführer(!!) befördert und benutzt wird. Die Annahme des lleberwachenden, die Holzarbeiter-Versammlung... werde politischen Ztvecken dienen, erscheint hiernach ausreichend(!) gerechtfertigt." Durch dieses interessante Schriftstück wird mit einer Deutlichkeit und Offenheit, die nichts zu wünschen übrig läßt, behördlickerseits gewissermaßen alten mätzig bekundet und proklamirt, daß den Miuderjährigcn in Sachsen das Bersammlungs- recht durch das neue„Juwel" überhaupt völlig zu Wasser gemacht ist. Es hat nun endlich das so lästige und umständliche Spckuliren über den Begriff politisch oder nicht politisch auch ein Ende. Die Gewerkschaften sind überhaupt„ohne weiteres" politisch. Punktum!— Zluö Baden, 14. November.(Eig. Ber.) In der bekannten Wahlfälschungsgcschichte des Dorfes Sand, wo der national- liberale Bürgermeister 30 liberale Stimmen sabrizirte, hat sich das Merkwürdige zugetragen, daß der betreffende Bürgermeister, der seit Wochen geständig ist. immer noch in Amt und Würden blieb. Nun hat er dieser Tage sein Amt niedergelegt; aber wie groß war das Erstaunen, als man hörte, daß der skrupellose Dorfpotentat nicht etwa infolge eines Einschreitens der Behörden, über deren Nach- ficht man sich schon genügend gewundert hatte, vom Amte zurücktrat, sondern auf Veranlassung seines Verthcidigers. Der der Wahlfälschung angeklagte Bürgermeister ist also strenger gegen sich selbst gewesen, als die ihm vorgesetzte Behörde. Zu der Heidelberger Konferenz süddeutscher national- liberaler RciwStagS-Abgeordneter macht der„Beobachter", das Organ des Zcntrumsführcrs Wacker, einige interessante Glossen. Das ultra- montane Blatt schreibt da u. a.:„Die Konferenz hat merkwürdiger« weise nicht die Beachtung(der bürgerlichen Presse natür- lich. Red.) geftinden, die sie unter den obwaltenden Ilm- ständen verdiente. Der Einbcrufcr war bekanntlich Freiherr v. Hcyl zu Herrnsheim, der hcssiche Großindustrielle. Nicht mit unrecht nennt ihn ein Blatt den süddeutschen Stumm. Denn beide Männer, Freiherr v. Hehl und Freiherr v. Stumm, er- innern in sehr vielen Stücken an einander. Beide Männer besitzen industrielle Anlagen von außerordentlicher Ausdehnung. Beide Männer gehören zu den grundsätzlichen Freunden von Ausnahme- bestimmungen gegen Umstürzler, und bei beiden Männern entspringen vernruthlich diese übereinstimmenden Grundsätze gleichen Beweggrün deir: nämlich dem Wunsche, so viele Waffen wie möglich in der Hand zu haben, um ihre Arbeiterschaarcn nach jeder Richtung hin möglichst nachhaltig„regieren" zn können.— AnS Elsaß-Lothringen, 14. November.(Eig. Ber.) Der Ritt- meister Graf Stoib erg zu Wernigerode, welcher im letzten Manöver den Sergeanten Schein Hardt durch einen Säbelhieb verletzte, der den Tod des Sergeanten zur Folge hatte, ist, lvic die„Straßburgcr Neuesten Nachrichten" melden, durch kriegsgerichtliches, nunmehr von dein Kaiser bestätigtes Urthcil mit Dienstentlassung und 3 Jahren 4 Monaten Ge- f ä n g n i ß bestraft. Von einer ncncn militärischen S„äbelaffäre wird aus Colmar berichtet. Ein Droschkenkutscher hatte kürzlich den Auftrag erhalten, den Feldwebel Schröder vom 14. Jügcrbataillon nach dem«chicßstand bei Horburg hinauszufahren. Bei der Brücke über die Jll, wo der Weg zum Schießstand abzweigt, ist ei» steiler Abhang, weshalb der Kutscher sich weigerte, dem Verlangen des FcldwevclS, an dieser Stelle hinunterzufahren, Folge zn leisten. Es entspann sich zwischen den beiden ein Wortwechsel, in dessen Verlauf der Feldwebel seinen Säbel blank zog und dem Kutscher damit einen Hieb hinter das linte Ohr versetzte. Die Ver- letzung ist glücklicherweise keine schwere. Die Ausschrcitnng des Feldwebels Schröder, der bereits im 14. Jahre dient, ist an zu- ständiger Stelle zur Anzeige gekommen. In M ü I h a u s c n wurde ein 20jähriger Fabrikarbriter, der in angcirunkcncm Zustande auf der Straße„Vive la France!" gerufen hatte, verhaftet und inö Gcfängniß abgeführt. Der junge Mann kann sich aus eine Gcfängnißstrafe von 2—3 Monaten, welche die reichsländischen Gcrichic dem„Verbrechen" des Aussloßens„auf- rührcrischer Rufe" angemessen zu erachten pflegen, mit Sicherheit gefaßt niachcn. Die M i t t e l st a n d S- R e t t e r an der Arbeit I In seiner Hauptversammlung beschloß der Gcwerbevcrcin Strahburg, die Regierung zu ersuchen, eine Reichs- und Kommunalsteuer auf die Waarenhäuser einzuführen.— Chrouikdcr MajcstätsbelctdtgungS-Prozessc. Wie Maximilian Horden in einer Besprechung seines jüngsten Majestätsbeleidigungs- Prozesses und dessen Ausgang mittheilt,' will er gegen das Unheil, durch welches er bekanntlich zu sechs Monaten Festung verurtheilt worden ist, Revision beim Reichsgericht einlegen. Die„Post" bc- merkt dazu:„Ueber eine Revision deS Staatsanwalts hat noch nichts verlautet." Dem edelsten Scharfmacher-Blatte scheint demnach die gegen Horden ausgesprochene Strafe zu wenig hart. Wegen M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g ist in Benthe» O.-S. der Schuhmacher B u z o w i tz verhastet worden. Eine Frauens- Person, die früher bei ihm wohnte, mit der er aber in Streit ge- rieth, hat ihn denunzirt. Der„Volks-Ztg." wird aus Elberfeld geschrieben: Wegen Majestätsbeleidigung verurtheilte die hiesige Strafkammer am 14. d. M. den Fuhrmann Franz Kenne aus Braunschweig zu zwei Jahren Gefängniß. Diese Strafe wurde mit einer dem Angeklagten vom Kriegsgericht zudiktttten Gefängnitzstrafe von drei Jahren und einem Monat wegen einer danach begangenen Majestätsbeleidigung und wegen Verweigerung des Gehorsams zu einer Gefängnißstrase von vier Jahren und sechs Monaten zusammengezogen. AuS Straßburg i. E. schreibt unser Korrespondent: Unter dem Verdacht, eine Majestätsbeleidigung begangen zu haben, wurde dieser Tage ein junger Mann in Neunkirchen bei Saargcmünd(Loth- ringen) verhaftet und in Untersuchungshaft abgeführt. Zu der schweren Strafe von 1 Jahr ti Monaten Gefängniß wurde der Maurer und Bergmann C. R. M e i n h o l d aus Johanngeorgenstadt wegen Rtajcstätsbeleidigung vom Z w i ck a u e r Landgericht in ge- heimer Sitzung verurtheilt. M. ist vielfach, auch wegen Majestäls- belcidigung, schon vorbestraft.— Schweiz. Bern, 15. November. Der Bundesrath hat zu Vertretern bei der am 24. November in Rom beginnenden internationalen Konferenz gegen den Anarchismus den Gesandten in Rom Dr. C a r l i n, den Bundesanwalt S ch e r b- Bern und den Nationalrath Jselin- Basel ernannt. Frankreich. Paris, 15. November. Der Jnitiativ-AuSschuß der Kammer bat aestcm in einer Sitzuna beschlossen, der Regierung einen Antrag vorzulegen, in welchem die Abschaffung der, Todesstrafe in Frankreich gefordert wird.— Paris, 15. November. Dem Vernehmen nach wird die Unter- suchung gegen Picquart heute beendet und das Ergebniß dem General Zurlinden übermittelt werden. Dieser dürfte m zwei oder drei. Tagen seine Verfügung erlassen. Es ist noch nicht bekannt, ob Picquart bis zum Erlaß dieser Verfügung in Geheimhast gehalten werden wird.— Paris, IS. November. DasZeu genverhör der Generale Zurlinden und Chanoine ist dem„Soir" zufolge von großer Wichtigkeit gewesen. Zurlinden soll in ausführlicher Weise dargelegt haben, wie man auf die Schuld Dreyftis' gekommen sei, und auch Chanoine soll erklätt haben, daß er nach wie vor von der Schuld Dreyfus überzeugt sei. Der Inhalt des ge- Heimen Dossiers sei solcher Natur, daß durch die Ver- öffentlichung desselben die Beziehungen zu den fremden Mächten kompromittirt würden. Heute Nachmittag sollen der frühere Präsident der Republik. Casimir Porter, Ministerpräsident Dupuy und der Kapitän Lebrnn-Renault vernommen werden.— Ueber eine wichtige Entscheidung des Kassationshofes berichtet die„Agence Havas": Der Kassationshof, welcher seine Entscheidung dahin ge- troffen hatte, daß bis jetzt die Strafe, die Dreyfus per- � büßt, keiner Aendernng zu unterziehen fei, hat soeben den Minister für Kolonien davon in Kcnntnitz gesetzt, daß er eine gerichtliche Verfügung erlassen hat. welche besagt, der Kassationshof habe be- schloffen, daß Dreyfus auf schnellem Wege von der Revision seines Prozesses benachrichtigt und aufgefordert werde, seine Venheidigungs- mittel vorzubringen.— Der Minister für Kolonien erhielt ein Telegramm, welches die Mittheilung enthält, daß Dreyftis bei guter Gesündheit sei. Die Fragen, welche Dreyfus seitens des Kaffattons- hofeS vorgelegt werden sollen, werden ihm auf dem gewöhnlichen Wege zugehen, ebenso wie die diese Fragen betreffenden Schriftstücke. Paris, 15. November. In der heutigen Kammersitzung interpellirte der Dcputirte L a g i e s die Regierung über den B e- schluß des Ka s s ati o n s h o fe s. Der Ministerpräsident verweigerte jedoch die Annahme der Interpellation. Am Donnerstag wird aber dieselbe Interpellation von dem gleichen Abgeordneten nochmals eingebracht werden. Hierauf interpellirte B o y e r die Regierung dahin, das Gesetz vom 8. Dezember 1897 auf die Militärjustiz auszudehnen. DaS Gesetz fordert, daß jeder Angeklagte bei seinem Verhör durch den Untersuchungsrichter von seine in Anwalt begleitet sein muß. Der Kriegsminister erklärte sich bereit, den Antrag anzunehmen, was im Hanse großes Erstaunen hervorrief. Er will sogar die Dringlichkeit für diesen Antrag angewendet wissen und erklärte des weiteren, daß Zurlinden vollständig im Recht gewesen sei, den Oberst Picguart in Gcheimhaft zu halten. Diese Bemerkung des Kriegsministers rief großen Tumult hervor.— Zur Dreyfus-Augelegcuheit. Herr Karl Bleibtreu schreibt uns: Im Auslande abwesend, erhielt ich erst jetzt Kcnntniß von einer angeblichen Richtigstellung der„Franks. Ztg.", daß sie von meiner Divination der Geldmotive des Drcyfus-Skandals„nichts gewußt" habe. Ich bedauere, dieS für mindestens auffällig halten zu müssen. Denn die Wiener Wochenschrift, in welcher ich schon Ende 1897 das Betreffende publizirte, war die„Neue Revue", d i e notorisch von d e r„F r a n k f. Z t g." o f t z i t i r t wurde; es ist also sehr unglaubwürdig, daß ihr gerade di es e meine lange»Artikel entgangen sein sollten. Meine Arttkel im„Vorwärts" erschienen aber im September, also vor dem„I.Oktober", wo die„Frkf. Ztg." zuerst eine Anspielung Clcmenceau'S entsprechend gedeutet haben will. Weshalb aber hat denn Clemenceau so lange geschwiegen— übrigens auch nur ganz allgemein von den Geheimfonds gebrochen—, so daß auch er einfach lange nach mir diese Hypothese aufstellte, die er sowohl aus dem„Vorwärts" durch Jaurös oder früher aus der ihm zugegangenen „Neuen Revue" erfahren haben kann?! Und nochmals wieder« hole ich, daß Zola selbst einen Brief von mir, gleich nach seinem „ll'accvss", in Händen hat, worin ich das Entsprechende ausdrückte. Schwerlich wird er diesen Brief verheimlicht haben: es liegt also auch hier die Wahrscheinlichkeit nahe, daß man selbst in Paris nur s o auf die Spur kam. Denn ich weiß von einem bekannten Schriftsteller, der sich beim Zola- Prozeß in Paris befand und der meine Lesart kannte, daß in den eigenen Kreisen der Drehfusards, mit denen er verkehrte, Niemand darauf gekommen war oder etwas davon wußte. Hat also der„Mitarbeiter" der„Frkf. Ztg.", der ihr„schon längst" diese Mittheilung gemacht haben will, sie aus Paris oder aus Berlin— ich glaube das letztere—, so muß. aller menschlichen Wahrscheinlich- teit'nach, auch bier lediglich ein Echo meiner Divinatton vorliegen.� Es wäre interessant zu erfabren, wer dieser Mitarbeiter gewesen ist, um seine Ouellen und Gründe kennen zu lernen! Ich fürchte aber, daß die„Frkf. Ztg." auf diese weitere Erörterung verzichten wird!— England. London, 14. November. Lord Kimberleh hielt hier heute Abend bei Gelegenheit eines Lord Kitchener zu Ehren Veranstalteren Banlets eine Rede, in deren Verlause er erklärte, die Libe- ralen unterstützten, wie ein Mann, die Politik der Regierung in der egyptischen Frage; Lord� Salisb'ury habe hierin das ganze Land hinter sich. Der Rückzug aus Faschoda sei keine Erniedrigung für Frankreichs Daö größte'Jnreresie Englands fei, mit Frankreich in den besten Be- ziehungen zu leben; gleichzeitig aber sei Festigkeit uöthig, um die begründeten Rechte Englands aufrecht zu erhalten.— Spanien. Madrid, 15. November. Aus Bayonne wird gemeldet, daß die Agitation der Karlisten wieder eine sehr rührige geworden ist. Der längst erwartete Staatsstreich soll zur Ausführung gebracht werde», wenn die Regierung die Philippinen abtrete.— Madrid, 15. November.(„Magdeb. Ztg.") Wie verlautet, will es Sagasta aus Furcht vor den Karlisten auf Absendüna einer ameriianischen Floire nach Spanien ankommen lasse» und erst dann in die Abtretung der Philippinen willigen. Aus den karlistischeil Provinzen treffen bennruhigende Nachrichten ein.— In der Philtppiuenfrage soll England ebenfalls feine amerikafteundliche Haltung beihätigen. Wie der„Köln. Ztg." aus Madrid gemeldet wird, ist nach zuverlässigen, dort eingetroffenen Londoner Nachrichten Lord Salisbury gewillt, auch in der Philippinenfrage mit Amerika Hand in Hand zu gehen. Die Ver- stärkungen. die demnächst nach Gibraltar abgingen, ließen die englische Politik in Madrid als äußerst verdächtig'erscheinen, wes- halb der Regierung angeboten sei, sofort mit den Amerikanern Frieden zu schließen, bevor England Gelegenheit erhalte, sich einzu-l mischen.— Türkei. Konstantinopel, 14. November. In der letzten Zeit sollen längs der bulgarisch-türkischen Grenze verschiedene Gewaltthätigkeiten seitens der türkischen Grenztruppen verübt worden sein. Die bulgarische Regierung richtete deshalb Reklamationen an die Pforte.— � j Griechenland. Athen, 14. November. Die Rückkehr der kretischen Flüchtlinge. Die griechische Regierung macht bekannt, daß nach einer ihr von den Admiralen zugegangenen Benachrichtigung sämmt- liche in Griechenland lebenden flüchtigen Kreter einschließlich ihrer Familien bis zum 1ö./27. November nach Kreta zurückgelehrt sein »iüßten. Nur für die in den drei Städten Kanea, Heraklion und Rethymnos ansässigen Kreter sei eine um 8 Tage längere Frist ge- lassen. Alle später eintreffenden Kreter würden hinsichtlich ihrer Person und ihres Vorlebens einer scharfen Kontrolle unterzogen uub hätten zu gewärtigen, daß ihnen die Landung auf der Insel unter- sagt würde. Tie griechischen Behörden zahlen heute und morgen den Flüchtlingen die letzte Unterstützungsrate aus.— Amerika. lIcBer die Meuterei spanischer Truppen auf Kuba wird aus N e w- A o r k berichtet: Nachrichten zufolge, welche aus Kuba ,n Key West eingetroffen sind, ist unter 7000 Mann regulären spanychen Truppen in Puerto Principe und Nuevitas eine Meuterer ausgebrochen. Dieselben verlangen vor ihrer Ein schiffung nach Spanien die Auszahlung ihres rnck'ländiqen Soldes. Die Meuterei wurde schliehlich durch Versprechungen beigelegt.— Ein Telegramm aus Habana vom 13. No vember meldet, Sagasta habe telegraphirt. es sei unmöglich, die zur Bezahlung der Truppen verlangten 30 Millionen Pesetas zu senden. Marschall Blanco habe die Generale zu einer Berathung versammelt, am Eingange der Hauptstraße seien Kanonen aus gesahren. Die Lage sei sehr ernst, da die Truppen durch die Mit- theilung, daß Geld unterwegs sei, vertröstet wurden.— New-Vork, 15. November. Aus Havana wird nunmehr gemeldet, daß 45 Rädelsführer aus den Reihen der meuterische» Truppen fest genommen sind. Um das Geld zur Löhnung der Truppen zu erlangen, hat die Regierung in Havana 425 000 Pfund Sterling in Wechseln von drei Tagen Sicht auf London ausgeboten. Hiervon haben zwei spanische Bankiers 120 000 Pfund übernommen, während die nichtspanischen Häuser sich abseits halten.— Die Wahrheit ist von amerikanischen Behörden für„unsitt- lich" erklärt worden. Das kann uns nn» freilich nicht wundern, denn die Wahrheit ist so ziemlich allen Behörden anstößig, wenn sie nicht verschleiert, sondern nackt ist. Und das ist's gerade. Der amerikanische Arbeiterkalender, den die„New- Dorker BolkSzeiwng" für 1890 herausgegeben hat, enthält ein prächtiges Bild der Wahrheit und Kunst, durch eine nackte Göttin dargestellt, der ein Polizist verbieten will, sich den Menschen zu zeigen. Der Polizist des Bildes hat in den Polizisten der Wirklich- keit Nachahmer gefunden— sie haben das Bild für unsittlich erklärt, und dem Arbeiterkalender den Postdebit entzogen. Welche Kanne- gießerei I—_ Bei den Stadtverordneten- Wahle» in Crinimitscha« in Sachsen siegte die ganze sozialdemokratische Li sie. Ein Bravo unseren Parteigenossen! Die Parteigenossen in Danzig hatten bei den Stadt- Verordneten-Wahlen, an denen sie sich zum ersten Male betheiligten, zwar nur ein unbedeutendes Resultat zu verzeichnen, denn für unsere Kandidaten wurden nur 38 Stimmen abgegeben, aber hoffentlich lassen sich dadurch unsere Freunde in der west- preußischen Hauptstadt nicht die Miihe verdrießen, auch an den nächsten Wahlen theilzuuehmen. Zäher Ausdauer wird auch hier der Erfolg blühen. In Langcnbiclau nahm am Sonntag eine Parteiversammlung für den Wahlkreis Reichend ach- Nenrode den Bericht über den Stand des ziveimal ivöchcntlich erscheinenden Kreisorgans „Der Proletarier ans dem Eulcngebirge" entgegen. Das Blatt prosperirt gut, die Auflage hat die Höhe von 7o00 Exemplaren erreicht und es wird niit einem kleinen Ueberschuß gearbeitet. Die Versammlung betraute den Parteigenossen A n g u st K ü h n(Ober- Langcnbielau, II. Bezirk Nr. 35) wieder mit den Funktionen des Bezirks- und Orts-VertrauenSmannes. In die Redaktion des„BolksblattS für Halle" ist der Parteigenosse S w i e n t y aus Berlin, der bisherige Redakteur des „Handels-Angestclltcn", eingetreten. Der Sozialdemokratische Verein in Dresdcn-Ncustadt hat gegenwärtig 652 Mitglieder, die sich auf 92 Berufe vcrthcilen. Unter ihnen befinden sich 179 Zigarrcnarbcitcr, 82 Arbeiter ohne besonderen Beruf. 43 Maurer, 30 Tischler. 27 Dreher. 24 Schlosser. 22 Stein- metzen, 18 Korbmacher, 17 Töpfer, 16 Schuhmacher, je 15 Former und Schmiede, 12 Händler. 11 Zimmerer, je 10 Maler und Markt- Helfer. Alle übrigen Berufe sind mit weniger als 10 Mitgliedern vertreten. Polizeiliches, Gerichtliches er. — Reichstags-Abgeordiieter Adolf Thiele in Halle a. S. wurde vom Naumburger Landgericht von der Anklage der Religions- schmähung, welches Delikt er in einer Rede begangen haben sollte. kostenlos freigesprochen. Der Staatsamvalt hatte fünf Monate Gefängniß gegen ihn beantragt. — Beim Vertheilen von Flugblättern in dem Dorfe Rauten- Berg waren Parteigenossen aus Hildesheim von dem Gemeindevorsteher M ü n st e d t in äußerst beleidigender Weise vom Hofe ge- wiesen und von dessen Sohn mit Steineir geworfen worden. Münstedt wurde deshalb vom Landgericht in Hildesheim zu 40 M. und sein hoffnungsvoller Sprößling zu 15 M. Geldstrafe verurtheilt, beide haben außerdem die Kosten des Verfahrens zu tragen. Der Gemeindevorstand hattx gegen den Parteigenossen Boges Straf- antrag wegen angeblichen Hausfriedensbruchs gestellt, er hatte damit aber nicht das mindeste Glück, das Gericht sprach unsern Partei- genossen gänzlich frei. —„Der Gerichtshof ist zunächst der Ueberzeugung, daß das Anbieten von sozialdemokratischen Flugblättern, d. h. die Zumuthung: Mitglied einer Partei zu sein oder zu werden, die in offenkundiger Weise gegen den Monarchen und die bestehenden staatlichen und ge- sellschaftllchen Einrichtungen hetzt und wühlt, einem Beamten gegen- über, der wie die Zeugen eine Uniform trägt, die ihn äußerlich als einen Diener des Staates und seines Königs für jedermann kenn- zeichnet, eine Kundgebung ist, die sich in rechtswidriger Weise gegen feine Ehre als Staatsbürger und insbesondere als Beamter richtet." Diese Sätze sind ein Theil des schriftlichen Erkenntnisses, wodurch der Parteiaenossc S k w o r z aus Zaborzc vom Gleiwitzer Landgericht (das Schöffengericht in Zaborze hatte ihn freigesprochen) wegen Be- leidigung von Polizcibcamten am 13. Oktober zu zwei Wochen Ge- fängniß verurtheilt worden ist. Skworz soll die Polizeibeamten da- durch beleidigt haben, daß er ihnen sozialdemokratische Wahlflugblätter angeboten hat. Ob das Erkenntniß des Gleiwitzer Landgerichts vom Reichs- gericht gebilligt iverdcn würde? Hoffentlich ist Berufung eingelegt. Es wäre doch höchst interessant, zu erfahren, wie der höchste Gerichtshof des Deutschen Reichs über die Konsequenzen des Reichs- tags-Wahlrcchts denkt!_ Berlin und Umgegend. In der Stockfabrik von AlphonseLudwig u. Comp. stellten wegen Maßregelung eines Arbeiters die übrigen Drechsler die Arbeit ein. Die' Verhandlungen, welche gegenseitig gepflogen sind, ergeben, daß die für den Entlassenen Eingetretenen auch als entlassen gelten. Zuzug ist fernzuhalten. Die Agitations-Kommission der Stockarbeiter. Die bei der Abfuhrgcscllschaft„Prompt" in B e r l i n be- schäftigteil Sattler haben durch cinmüthigcs Vorgehen und ohne daß es nöthig war, in den angedrohten Streik einzutreten, eine ca. 15 prozentige Erhöhung ihrer Akkordsätze durchgesetzt. Dentschcs Reich. Einen frivolen Streik nennen die Unternchmertrabanten in ber„Post" den Streik der Remscheider Arbeiter, der sich gegen die Errichtung der Betriebs-Krankcnkassen wendet. Das Scharfmacher- vrgan glaubt einen besonderen Trumpf auszuspielen mit dem Hin- weis, daß die Unternehmer ein gesetzliches Recht zur Gründung solcher Krankenkassen hallen. Gewiß,— dem steht aber dasselbe Recht der Arbeiter gegenüber, Einrichtungen zu bekämpfen, von denen sie Schaden erwarten, und das ist hier der Fall. Den Arheitern gehen die crworllenen Rechte, die sie in den Orts-Krankenkassen erlangt' hatten, verloren, und das neue Versicherungsverhältniß birgt für sie den Nach- theil, daß sie beim Austritt aus der Arbeitsstätte auch die Rechte an die Betriebskaffe verlieren. Solche Dinge sind natürlich den Ge Hilfen des Herrn Stumm gleichgiltig, für sie heißt der Grundsatz, die Arbeiter haben unter allen Umständen zu pariren. 24 Arbeiter der Altonaer Waarcnniedcrlage, Inhaber Robertson u. Konsorten, haben die Arbeit eingestellt. Die Ursache der Arbeitseinstellung ist die Entlassung eines. Arbeiters, der nach Angabe der Arbeitgeber seine Pflicht bei der Arbeit verletzt haben soll, was von seinen Mitarbeitern in Abrede gestellt wird. Der zweite deutsche Seemanns-Kongrcff wird in Hamburg am 9. Januar 1899 beginnen, und ist die Tagesordnung einstweilen wie folgt festgesetzt: 1. Die Lage bczw. die Ausbeutung der See- leute an Bord und an Land. 2. Die Seemanns-Ordnung. 3. Der Gerichtsstand der Seeleute. 4. Der Arbeitsnachweis der Seeleute (Anheuerung). 5. Das Koalitionsrecht. 6. Die Arbeiterschutz-Gesetze (Kranken-, Unfall-, Alters- und Jnvaliditätsvcrsicherung). 7. Die Bemannung der Schiffe. 8. Die Jnternationalität der Seeleute. An die Gewcrkschaftskartelle in den Hafenortcn beziehungs- weise an die Vorstände und Vertrauensmänner sämmtlicher Gewerk schaften richten wir das dringende Ersuchen, überall wo sie mit ihren seemännischen Arbeitsbrüdern zusammentreffen, dieselben aufklärend auf diesen wichtigen Kongreß hinzuweisen und uns bei der Agitation für den Kongreß, speziell bei der Verbreitung der Flugblatter so viel wie möglich hilfreiche Hand zu leisten, weil der Seemann selbst mit der ganzen Arbeiterbewegung noch zu wenig vertraut ist. Aus denjenigen Hafenorten, wo noch keine seemännischen Organisationen vorhanden, aber schon Gewerkschaftskartelle bezw. Vertrauensmänner am Platze sind, bitten wir diese um Einsendung eines kleinen Berichtes über den Stand nnd Gang der dortigen Schifffahrt, svwie der Lage der Seeleute. Die Agitationskommission. I. A.: P. Hoffmann, Hamburg, Hafcnstr. 124. I» der Bild- nnd Steinhancrei von Walter in Erfurt baben die Arbeiter wegen Maßregelung eines Steinbildhaucrs die Arbeit eingestellt. Die Gcraer Musterzeichner haben in einer Versammlung be- schloffen, folgende Forderungen aufzustellen: Beseitigung der in der Saison üblichen Hausarbeit und an deren Stelle lleberstundenarbeit im Geschäft bis zu 2 Stunden täglich mit Ausnahme vom Sonnabend und Sonntag. Festsetzung einer Höchstbunimelzeit von 2 Wochen fiir die nächste Pause. Den Lohnausfall haben je zur Hälfte Atelier- inhaber und Gehilfen zu tragen. Bezahlung der gesetzlichen Feier- tage. Regelung des Lehrlingswesens dergestalt, daß auf je 5 Ge- hilen nur 1 Lehrling eingestellt wird. In Nürnberg wird die Sperre über die Baustelle der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft weiter aufrecht erhalten. Da die Bauleitung fremde Arbeitskräfte anznlvcrben sucht, ist der Zuzug crnzuhalten._ Sozio le-H. Zn der Warnung vor dem Auticorrosivnm, die in der letzte» Sonnabend-Nununer des„Vorwärts" veröffentlicht ist, wird uns geschrieben: Der von dem Fabrikinspektor H u l e ck erwähnte tödtliche Unfall in der Fabrik von W. H. Arnold in Greiz zeigt, wie ivenig die Jahresberichte der Gcwerbe-Aufsichtsbcamten von anderen Behörden und von Unternehmern beachtet werden, und wie wenig sie daher ihren Zweck erfüllen. Gerade vor dem in Greiz wieder benutzten Kesselsteinmittel Anticorrosivum warnte Gewerberath Häger- mann in Breslau schon in seinem Berichte über das Jahr 1897, nachdem die Verwendung des Anticorrosivnms bereits im Jahre vorher in Reudnitz-Leipzig einem Arbeiter das Leben gekostet hatte. Hägerman schreibt Seite 166/167 des vorjährigen Berichtes: „Durch Anwendung eines Mittels(Anticorrosivum) zur Verhütung von Kesselstein hätten leicht mehrere Arbeiter ihren Tod bei Ausführung eines inneren Kcsselanstrichs finden können, wenn nicht andere Arbeiter sich um die Arbeiter ini Innern des Kessels ge- kümmert und den einen Arbeiter, der schon bewußtlos war, mit vieler Mühe herausgezogen hätten. Jedenfalls waren die Arbeiter durch Einathmnng der aus dem Anstriche entweichenden Gase betäubt worden." Wäre diese Warnung von den anderen Aufsichtsbehörden und Unternehmern zeitiger beachtet worden, so wären der Verwendung dieses Mittels, das' sowohl die Arbeiter durch seine Dämpfe ersticken, wie durch die Explosion derselben tödten kann, nicht noch in Greiz zwei Menschenleben zum Opfer gefallen. Der Unfug der Gemeinden, zu der schweren Arbeit des S t e i n k l o p f e n s K i ii d e r zu verwenden, scheint im Königreich Sachsen noch immer nicht abgestellt zu sein. Das Ministeriuni des Innern hat sich wenigstens veranlaßt gesehen, in einer Vcr- ordnung den Gemeinden ins Gewissen zureden. Zuwiderhandelnden Gemeinden soll die etwa nachgesuchte staatliche Wegcbauhilfe ver- weigert werden. Die Verordnung bricht leider nicht grundsätzlich mit der Kinderarbeit; Kinder über 12 Jahre sollen, wenn auch unter gewissen Kautelen, zum Steiuklopfen verwendet werden dürfen._ A ' �freihc Gericszts�Svikung. Zur Beachtung für Ticnstbotcn. Eine recht eigenartige eeiheitsberaubung wurde dem Eiscnbahn-Betriebssekretär Kon- t a n t i n Krieger und seiner Ehefrau Martha zur Last gelegt, welche vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II standen. Der Thatbcstand, welcher der Anklage zu gründe lag, war folgender: Am 1. Oktober v. I. zog ein neues Dienstmädchen bei den An- geklagten zu. So lange diese noch in Berlin wohnten, was nur noch kurze Zeit währte, ging eS dem Mädchen ganz gut, als aber die Herrschaft nach Friedenau verzog, änderte sich die Be- Handlung. Angeblich weil sie„aufgehetzt" wurde, durfte sie nicht mehr allein aus dem Hause, die Schlüssel wurden ihr abgenommen. Ging sie einkaufen oder hatte sie Briefe von der Post, so begleitete ie die erwachsene Tochter des Hauses. Selbst die Briefe, die Früh- tücksbeutel und die Milchkanne durste sie nicht niehr an der Thür abnehmen, weil sie dabei Gelegenheit gefunden haben könnte, mit anderen Personen zu sprechen oder zu korrespondircn. Auch einige Briefe durfte sie nicht von der Post abholen. Auch beini Teppichklopfcn auf dem Hofe stand sie unausgesetzt unter Auf- 'icht. In der Zeit vom 12.-15. November, die letzten vier Tage vor ihrem Abzüge, hat sie gar nicht mehr aus dem Hause gedurft. Nach einer zu den Akten gelangten Auskunft des Amts- Vorstehers in Friedenau haben in der Zeit vom 18. Oktober 1897 bis zum 3. August 1398 neun Dienstmädchen bei den An- geklagten gedient, welche angemeldet worden sind, daneben sollen iioch etwa zwölf Dienstboten dort gedient haben, welche der Kürze der Zeit halber garnicht erst angemeldet worden seien. Frau Krieger behauptete, daß in diesen Zahlen auch Aufwärterinnen und andere gelegentliche Aushilfen eingerechnet wären. Im übrigen behaupteten beide Angeklagten, daß sie sich durch Z 74 der Gesinde- Ordnung' vom 8. November 1810—„Ohne Vorwissen und Genehmigung der Herrschaft darf es(das Gesinde) sich auch in eigenen Angelegenheiten vom Hause nicht entferiicn"— für befugt erachtet hätten, dem Mädchen das Ausgehen zu verbieten, nachdem dasselbe einmal zu einem Gange zur nahegelegenen Post zwei Stunden gebrauckn und angegeben harte, es habe auf der Post so lange warten müssen. Bei einer Nachfrage auf der Post sei erwidert worden:„In Friedenau brauche niemand auf der Post zwei Stunden zu warten!" Das als Zeugin vernommene Dienstmädchen sagte ans, daß sie keine Minute allein gelassen worden sei und in der betreffenden Zeit nur dann aus dem Hause gekommen sei, um im Hofe Teppiche zu klopfen, wobei allerdings der Hof nicht verschlossen gewesen sei. Auf grund dieser Aussage verzichtete der Gerichtshof auf den ganzen Be- und Eiitlastungsbcweis und erkannte auf Freisprechung beider Angeklagten, weil weder objektiv noch subjektiv eine Freiheitsberaubung vorlag. Die Angeklagten konnten glauben, berechtigt zu sein, über das Mädchen eine strenge Aufsicht zu führen, dieses war aber keineswegs so hermetisch von der Welt abgeschlossen, daß es nicht hätte davonlaufen können, wenn es die Absicht dazu gehabt hätte. Möchten Arbeiter, die sich wegen Ver- gehens gegen die Gewerbe-Ordnung zu verantworten haben, stets ebenso milde Richter finden. Eine seltene Anklage gelangte gestern vor der neunten Straf« kammer des Landgerichts i zur Verhandlung. Der Kaufmann Karl Wagenknecht und der Kutscher Heinrich Neumann sollten gemeinschaftlich und vorsätzlich die Desertion eines deutschen Soldaten befördert haben. Der Unteroffizier Hasse, der beim zweiten Garde- Ulanen- Regiment diente, hatte sich eines Vergehens schuldig gemacht, wegen dessen er im März dieses Jahres durch kriegsgerichtliches Urtheil zu einer erheblichen Strafe verurtheilt worden war. Er hat die Flucht ergriffen und ist als Deserteur erklärt worden. Die Angeklagten waren geständig, ihm behilflich gewesen zu sein. Nenmann gab an, daß er mit Hasse bis zum Herbst 1897 bei derselben Schwadron gedient habe. Am 11. März d. I. sei Hasse zu ihm gekommen und habe ihm erzählt, daß er eine schwere Strase abmächen und sich entweder erschießen oder flüchten müsse. Auf Hasse's Bitten erklärte der Angeklagte, daß er ihni behilflich sein wollte, in den Besitz eines Zivilanzuges zu gelangen. Auf dem Wege nach der Rosenstraße trafen sie zufällig noch einen früheren Schwadronskameraden, den Mitangeklagten Wagenknecht. Dieser wurde in die Verhältnisse eingeweiht. Sie besuchten mehrere Schanklokale und während Hasse dann bei ver- schiedenen Bekannten Besuche machte, um Darlehne aufzunehmen, begaben die Angeklagten sich zu einem Kleiderhändler, bei dem sie für den Deserteur einen Anzug, Hut nebst Stock kauften. Nachdem Hasse die bürgerliche Kleidung angezogen, verkauften die Angeklagten dessen Uniform bei einem Trödler. Hasse beabsichtigte, über Holland nach Amerika zu flüchten. Am Abende desselben Tages begleitete Wagenknccht den Flüchtling zum Pots- damer Bahnhof, wo er ihm eine Fahrkarte bis Aachen löste. Der Staatsanwalt beantragte eine G e f ä n g n i ß st r a f e von je sechs Monaten, da die Angeklagten als ehe- malige Soldaten sich der Strafbarkeit ihrer Handlungsweise bewußt sein mußten. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, bat den Gerichtshof, zu berücksichtigen, daß die Angeklagten doch nicht aus unedlen Motiven gehandelt und keinerlei Vortheile durch ihre Hilfeleistung, die allerdings strafbar sei, erzielt hätten. Der Gerichts- Hof verurtheilte die Angeklagten zu je vier Monaten Ge- fängniß. Eine Floh-Romauze, die aber nicht von Goethe stammt, be« schäfsigte gestern die 150. Abtheilnng des Söhöffengcrichts in ein- stündiger Verhandlung. Die Staffage zu die>cr Verhandlung, die wie Juck-Pulver auf die Zuhörer wirkte, war eine höchst eigenarsige. Klägerin und Verklagte waren altehrwürdige Matronen, alte Damen waren als Zeuginnen zur Stelle und auf den Tisch des Hauses hatte die eine Verklagte ein geheimnißvolles Schächtclchen niedergesetzt, welches eine würdige Nachkommenschaft des großen Flohs in sich bergen sollte, den einmal ein König wie seinen eigenen Sohn geliebt haben soll. Das Schächtelchen war sehr unansehnlich, aber der Geist des großen loh-Ministers schlvebte über ihm und es war, als tönte aus dem iinern der Schachtel in dumpfem Chorus der Gesang heraus: „Die Herr'n und Frau'n am Hofe, die waren sehr geplagt, die Königin und die Zofe gestochen und genagt." Die Schachtel sollte als Beweisstück in dem bissigen Streitfall dienen, den die alten Damen gegen einander ausfochten, der bloße Gedanke aber, daß die' kühnen Springer, alle Hindernisse überwindend, die goldene Freiheit genießen und im Gerichtssaale ihren Unfug ireiben könnten, hatte so wenig Verführerisches für den Gerichtshof daß er darauf verzichtete, den hölzernen Kerker der Blutsauger zu öffnen. Der Gang der Verhandlung machte es auch überflüssig, eine Flol�Parade abzunehmen.—" In der Rcinickendorferstraße befindet sich die Lauge- Schucke- Sttftung, deren Insassen sämmtlich ältere Damen' der„besseren Gesellschaft" sind, die sich auf Lebenszeit daselbst eingekauft haben, um ihren Lebensabend in Ruhe zu beschließen. Diese Ruhe aber war bei zwei der Bewohnerinnen, Frau Z. und Frau G. im Sommer d. I. durch ein Uebermaß jener aus- und eingebildeten Insekten gestört, die mit ihrem Stechrüssel so viel neckische Allotria treiben und oft- mals dem Kriegsrufe„Spitzt die Finger und packt sie fein!" kühn und keck Trotz bieten. Beide alten Damen glaubten diese Plage auf eine gelegentliche Anwesenheit im Zimmer der Frau R. zurückführen zu sollen.' Frau R. ist die Wittwe eines Beamten, die die Ersparnisse eines langen Lebens bei der Lange- Schucke- Stiftung eingezahlt hat, um dort ruhig leben zu können. Sie reiste im Mai ihres kränklichen Zustandcs wegen nach dem Harz und da in ihrer Ab- Wesenheit in ihrem Zinimer Töpferarbeiten vorgenommen werden mußten, so verweilten die Beklagten Frauen Z. und G. daselbst längere Zeit, um die Arbeiten zu überwachen. Nachher haben sie zu anderen Bewohnern des Hauses gesagt, sie hätten hunderte von Flöhen mit herausgenommen und hunderte hätten uoch verhungert im Fenster gelegen. Die Klägerin erfuhr von diesen Aeußeningen erst nach ihrer Rückkehr und strengte die Privatklage an, da sie sich durch den Vorwurf der Unreinlichkeit beleidigt fühlte. Während die Angeklagten dabei blieben, daß in dem Zimmer der Klägerin sehr viele Flöhe vorhanden gewesen seien, daß sie durch die Mittheilung dieser Thatsache aber Frau R. nicht hätten beleidigen wollen, harte Rechtsanwalt Dr. Werthauer Zeuginnen laden laßen, die bestätigten, daß es im Zimmer der Klägerin stets sauber ausgesehen habe und die angeblichen Flöhe wahrscheinlich kleine Fliegen gewesen seien. Der Vertheidiger hielt eine Bestrafung der beidenAngcklagten für geboten, weil sie eine unwahre, beleidigende Behauptung aufgebauscht, verbreitet und weiter erzählt haben, um die Klägerin im Hause unmög- lich zu machen. Der Gerichtshof war auch der Meinung, daß die An- geklagten sich durch ein derartiges Herumzählen einer beleidigenden Be- hanplung strafbar gemacht hätten, er bemaß aber die Strafe nur auf je 5 Mark. Hoffentlich kehrt nunmehr der Friede wieder in die Lange-Schncke-Stiftung zurück und wenn die braunen Gesellen wieder einmal eiue wilde verwegene Jagd aufführen sollten, dann mögen sich die alten Damen ruhig ins Unvermeidliche fügen und nach dem alten Rezept verfahren:„Wir knicken und ersticken doch gleich, wenn einer sticht!"_ Uehte NAchrirhken tmti Deprsrhrn. Budapest, 15. November.(B. H.) Auf der Arvadthaler Bahn stieß eine Draisine, auf welcher sich ein Oberingenieur und noch zwei andere Herren befanden, mit einem Güterzug zusammen. Alle drei Personen wurden schwer verletzt. Paris, 15. Nov.(W.T.B.) Senat. Constans brachte einen Antrag ein, nach welchem den vor ein Militärgericht gestellten Per- sonen das Gesetz vom Jahre 1897 über die kontradiktorische Untersuchung zu Gute kommen soll, das heißt daß ihnen ein Rechtsbcistand während der Untersnchnng zur Seite gestellt werden. Constans verlangte die Dringlichkeit für seinen Antrag. Der Justiz- minister Lebret erklärte sich mit der Dringlichkeit der Berathung einverstanden und fügte hinzu, die Regierung sei auch mit dem Prinzip des Gesetzes einverstanden. Die Dringlichkeit wurde sodann beschlossen. Paris, 15. November.(W. T. B.) Döroulede und Cavaignac ersuchten den Ministerpräsidenten Dupuh, den Beschluß des Kassattonshofes nicht auszuführen; Dupuh verweigerte dies ent- schieden. Es heißt, das Telegramm an den Gouverneur von Guyana sei bereits abgegangen.— Der Kassationshof soll dem Konrier du soir" zufolge beschlossen haben, die Ansliefernng des geheimen Dossiers zu verlangen. Madrid, 15. November.(W. T. B.) Nach offiziösen Mit- theilungen werden die spanischen Kommissare der Friedenskonferenz ihre Stellungnahme in der Philippinenfrnge aufrecht erhalten und sicherlich nicht die Bedingungen annehmen, welche die Bereinigten Staaten ihnen aufzuzwingen wünschen. Ncw-Hork, 15. November.(W. T. B.) Einer Meldung aus Kingston zufolge stieß der Grand Trunk Erpressung Montreal— Toronto gestern Nacht in der Nähe von Murrayhill mit einem Güterzuge zusammen. Acht Passagiere wurden getödtet, viele verletzt._ Veranttvortlicher Redakteur: Anaust Äaeobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin Druck und Berlag von Mar Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilage» u. Unterhaltungsblatt. ir.269. i5. MlgW. i. Ktiilige des„ionuarts" ferliner iolfeWstt. Nommunales. Die aus zehn Stadtverordneten und fünf Magistrats- Mitgliedern bestehende Deputation, welcher die Vorberathüng der zur Beseitigung der infolge der Viehsperre eingetretenen Fleischverlheuerung zu ergreifenden Maßregeln übertragen war, hat gestern, unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner, beschlossen, dem Magistrat zu empfehlen, schleunigst eine Petition an den Reichs- tag um Aufhebung der Grenzsperren zu richten. Die in der Deputation beschlossene Petition, deren Inhalt von einer Sub- kommisston und dem Direktor des Vieh- und Schlachthofes entworfen ist, enthält umfangreiches statistisches Material und gipfelt in folgenden Fordeningen: 1. nach Maßgabe des Z S des Reichsgesetzes, betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen vom �94° die Sperre gegen die Einfuhr von Schlacht-, Zucht- und Nutzvieh aus seuchenfreien Nachbarländern oder seuchenfreien Theilen der- selben event. mit llrsprungsattesten versehen, aufzuheben; 2. an die Stelle des Einfuhrverbots gegenüber solchen Ländern. in welchen die Seuche in geringem Maße und nicht ,in bedrohlichem Umfange" herrscht, die vom Gesetz in Aussicht ge- nommenen„Beschränkungen" zu setzen, unter Zulassung des Zucht- und Nutzviehs— event. unter Kontingentirung— in die Land- wirthjchaft und des Schlachtviehs zu den Schlachtviehmärkten, wenn auch unter Jsolirung und Verbot des Weitertransports; 3. die Einfuhr aus verseuchten Ländern mit den bisherigen Beschränkungen und Vorsichtsmaßregeln in die öffentlichen Schlacht- Häuser deutscher Städte zuzulassen zur ijolirten Aufstellung und zur Abschlachmng innerhalb 5 Tagen; 4. die Einsiihr von Fleisch und Fleischfabrikaten aus allen Ländern nach vorhergegangener strenger Untersuchung an den Einfuhrstellen durch deutsche beanuele Sachverständige zuzulassen. Die Absicht, dem Städrelage die Jnitiarive zu überlassen, wurde fallen gelassen, da der Städtetag vermuthlich erst im Februar 18SS zusammentreten wird, und der Deputation ein möglichst schnelles Eingreifen zur Beseitigung der Fleischtheuerung nothwendig erscheint. Von der Petition und deren Abi endung wird der Magistrat, auf Ersuchen der Deputation, der Stadtverordneten-Verjam'mlung Kenntniß geben.— I» der letzten Sitzung der Deputation für die städtischen Kanaltsationswerke und Rieselfelder wurde beschlossen, d i e L ö h n e der Ranali sationsarbeiter vom 1. Ottober er. ab nachträglich zu erhöhen. Die bisherigen Lohnsätze be trugen im ersten Arbeitsjahr 3,00 M., im zweiten 3,20, im dritten 3,40 und im vierten Arbeitsjahr 3,50 M. Jetzt betragen die Löhne im ersten Arbeitsjahr 3,00, im zweiten 3,25, im dritten 3,50 M täglich. Denjenigen Arbeitern jedoch, welche am 1. Oktober d. I. zehn Jahre im Dienst der Ranalisarions-Verwalwng gewesen sind. wird der Lohn auf 3,75 M. für den Tag erhöht.— Für die Riesel meister und Rieselwärter auf den betreffenden Gütern sollen Wasser- dichte Ueberwürfe nach Art derjenigen der Seeleute beschafft werden. Tie Rieselfelder hatten am Schlüsse des Verwaltungsjahres 1897/98 eine Ausdehnung von 9683,35 Hektar einschließlich der be- bauten Flächen, der Wege, Chausseen u. s. w. Von dem Acker waren ca. 6510 Hektar zum eigentlichen Riesclgebiet hergerichtet und 5430 Hektar drainirt. Die landwirthschaftliche Bewirthschnftung der Güter hat in diesem Berichtsjahre einen Ucberschuß von 79 085,89 M. ge geben. Im allgemeinen war eine mittelmäßige Ernte zu verzeichnen. Dem Verwaltungsberichte an den Magistrat ist, wie alljährlich, eine Abhandlung über die chemische Untersuchung der Abwässer, Drain- und Grabenwässer, die Herr Professor Dr. SolkowSki ausführt, bei gegeben. Die Analysen bestätigen die gewöhnlichen Befunde der Wasserarten ohne eine wesentliche Veränderung gegen die bis- herigen Feststellungen. Der Bericht über den Gesundheitszustand der Bevölkerung auf den Rieselfeldern, den Herr Geh. Medizinalrath Professor Dr. Virchow zu geben pflegt, liegt noch nicht vor. Die Finanzlage der Kanallsationswerke zeigt nicht wesentliche! änderungen gegen das alte Jahr. Der Zuschuß, welcher Entgelt für die Entlvässcrung deS Straßengebiets und öffentlichen Bedürfnißanstalten, sowie für daS durch Ranalifatton für andere Verwaltungszweige der Stadt, besondere die Straßemeinigung im öffentlichen Interesse gleich als ein Beitrag zu den Kosten für die Ur bringung und landwirthschaftliche Verwerthung der Abwässer aus allgemeinen Mitteln des Stadtsäckels geleistet wird, betrug 1448 962,95 M. Die Gesammtschuld der Kanalisations- werke und Rieselfelder belief sich am Schlüsse des Ver> waltungSjahres auf 106 789 218,05 M. Anleiheschulden und 75 000 M. Hypothekenschulden. Von ersteren sind 19 394 633,15 M. bereits amortistrt, verbleiben noch 87 394 584,10 M. Von dieser Schuld entfällt auf den Kopf der betheiligten Bevölkerung von Berlin(im kannlisirtcn Stadtgebiet 1 675 561 Einwohner) 52,20 M. und zwar ein Antheil von 33,86 M. für die Kanalisationswerke und 18,34 M, für die Rieselfelder. tu der letzten Sitzung der städtischen Parkdeputation kam ntrag in bezug auf die Lieferung von Pflanzen für die Krankensäle der städtischen Krankenhäuser zur Sprache. Bisher wurden im Sommer Pflanzen, welche leicht ausziehbar sind, dorthin geliefert, während im Winter dieS nur in beschränkter Weise erfolgen konnte, weil sich zur Winterszeit meist nur werthvollc griiw blätterige Pflanzen, wie Palmen zc. hierfür eigneten, die schwer aufzuziehen sind und nach Zurücklieferung auch eingegangen waren. Um nun dennoch den Kranken den wohlthuende,. Anblick des grünen Blätterschmuckes zu erhalten, hat die Park- deputation beschlossen, die Gartenverwaltung zu beauftragen, auch im Winter die Krankensäle mit geeigneten Pflanzen zu versehen.— In der Voraussetzung, daß die städtischen Behörden den vom Stadt- vcrordneten-Ausschuß gemachten Vorschlag, die an dem sogenannten Kienwerder hinter Treptow belegene Grundstücksfläche zu Baumanpflanzungen zu verwenden, genehmigen werden, sollen nach Beschluß der Parkdcputation die hierfür erforderlichen Mittel in den nächstjährigen Etat eingestellt werden.— Die Berliner Baugenoffenschaft hat dem Magistrat das von der 1896er Ausstellung noch im Treptower Parke befindliche Zweifamiliem Haus zur freien Verfügung ohne Kosten angeboten. Die Park Deputation hat dieses Angebot abgelehnt und an die Genossenschuft die Forderung gestellt, nunmehr den Abbruch der Baulichkeiten zu bewirken.— Die Lazarus- Gemeinde hat an den Magistrat den Antrag gestellt, ihr einen Bauplatz zur Errichtung einer Kirche in dem Park am Frankfurter Thor(der ehemaligen Weberwiese) zu überlassen. Die Park-Deputation hat den Antrag abgelehnt.— Fortwährend wird die Parkdeputation mit Gesuchen um Ge- nehmigung zur Aufstellung von KioSken im Viktoriapark überhäuft. Auch jetzt wieder hat ein Konditor zur Errichtung eines Kiosk daselbst die Genehmigung nachgesucht. Die Parkdeputation hat dieses Gesuch abgelehnt.— Die Bekleidung der städtischen Park- Wächter soll gegenwärtig»nicht der Würde der Residenzstadt des Deutschen Reiches entsprechen". Die Deputation will daher Sorge tragen, daß dies in irgend einer Weise geändert wirb. Die Leute sollen doch nicht als Schutzleute kostümirt werden? Die städtische Hochbau-Depntation genehmigte in ihrer gestern unter Vorsitz des Stadtraths Namslau stattgehabten Sitzung die vom Stadtbaurath Hoffmann vorgelegten Entwürfe zu der Bade- anstalt in der Oderbergerstraße, zur Volkslesehalle in der Glogauer- stratze, zum Straßenreinigungs-Depot im Köllnischen Park und zu einem Vorderhause der Badeanstalt in der Dennewitzstraße. Dagröordniing für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 17. November d. I., nachmittags 5 Uhr. Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten> Gemeindebeamten.— Dritte Lesung des Entwurfes eines neuen Ver- träges mit den Berliner Elektrizitätswerken.— Wahl des dritten Beisitzers.— Berichterstattung über die Vorlage, betreffend den zur Begründung eines vegetarischen Kinderheims bestimmten Nachlaß des Prof. Dr. Julius Baron.— Antrag von Mitgliedern der Versamm- lung, betreffend den Beschluß der Versammlung vom 26. Mai d, I. wegen Herbeiführung einer Reform der Bestimmungen über die Aus- Übung der Sittenpolizei und von Vorkehrungen, um Mißgriffe und Ausschreitungen von Exekutivbcamten bei Verhaftungen und Fest- nahmen zu oerhindern.— Vorlagen, betreffend den' Beschlutz der Versammlung vom 26. Mai d. I. bezüglich einer Reform der Sittenpolizei zc.— und einiger Ergänzungen des Bahnnetzes der Großen Berliner Straßenbahn.—'Berichterstattung, betreffend die Vermiethung eines in Treptow belegenen Grundstücks.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die den Rekloren mehrerer hiesiger Gemeindeschulen zugegangenen Anweisung, einigen Lehrerinnen jüdischen Glaubens das Ordinariat abzunehmen und sie nicht mehr als Klassenlehrcrinnen zu beschäftigen.— Vorlagen, betreffend den Jahrcs-Abschluß der städtischen Kanalisationswerke und Rieselfelder für 1. April 1897/98,— die Errichtung einer neuen, der 13. Realschule (H. B.),— den weiteren Ausbau der Wasserwerke Müggelsee und Lichtenberg,— die Bildung eines eigenen Gutsbezirk aus der Jrrew anstalt Herzberge, den Etat für die Verwaltung der städtischen Feuer Sozietäi für 1. Oktober 1898/99,— die Anwendung des Regulativs für die Untersuchung des in die öffentlichen Schlachthäuser der Stadt Berlin gelangenden Schlachtviehes— und die Ehrung des Ober- bürgermeisters Zelle.— 8 Rechnungen.— Berichterstattung. betreffend die Wahl von Schiedsmännern bei Abschätzung seuchcn- kranker oder seuchenverdächtiger, auf polizeiliche Anordnung zu tödtender Thiere für 1899,— von Sachverständigen für die Abschätzung der aus grund des Gesetzes über die Kriegsleistungen vom 13. Juni 1873 event. zu bewirkenden Landlieferungen des Stadt- krcises Berlin 1899/1901,— von drei stimmfähigen Bürgern für das Kuratorium der Stiftung der Berliner Gewerbe-Ausstellung im Jahre 1879— und von acht Beisitzern und acht Stellvertretern für den Wahlvorstand zu den am 22. d. M. stattfindenden Stadtverordneten� Ersatzwahlen._ Uokslles. Tie Politik der Klasscn-Jntcrcsscn im Rothen Hause Der Kamps, der zur Zeit in der Stadtverordneten- Versammlung wegen Nebernahme der Elektrizitätsiverke geführt wird, zeigt in schärfster Beleuchtung, welchen Einfluß das Dreiklas'sen- Wahlgesetz auch in der Kommunalverwaltung ausübt, und wie die? Gesetz die Möglichkeit bietet, das nackte Klassen-Jnteresse der Besitzenden durchschlagend zur Gelttmg zu bringen. Bei ober flächlicher Beurtheilung der Verhandlungen könnte es den Anschein gewinnen, als ob jeder der Abstimmenden das Interesse der Stadt- gemeinde, der Allgemeinheit, durch sein Votum gewahrt glaubt und daß eben nur Weg und Meinung verschieden sind. Die Majorität wird diesen Anschein umsomehr für sich in Anspruch nehmen, als sie ja der Führung des Bürgermeisters folgt Wir sagen ausdrücklich, des„Bürgermeisters" und nicht des Magistrats, weil ja bekanntermaßen auch im Magistrat eine erhch- liche Minorität vorhanden ist, welche die Uebernahme der Werke wünscht. Blickt man aber tiefer und betrachtet sich die Abstimmenden nach den W ä h l e r k I a s s e n, so ist das Bild sofort verschoben. Greifen wir als Beispiel die Abstimmung über den Antrug Deter heraus, „Erhöhung der Brutto-Abgabe von 10 auf 16�/z pCt.", so zeigt sich, daß für den Antrag gestimmt haben: Sieben Vertreter der ersten, vierzehn der zweiten und vierundzwanzig der dritten Klasse; dagegen aber haben gestimmt: 31 d e r ersten. 19 der zweiten und 14 der dritten Klasse. Berücksichtigt man ferner, daß von den sieben Vertretern der ersten Klasse, welche für den Antrag gestimmt haben, einer, nämlich Herr Dr. Friedemann, anscheinend unachtsam votirt hat(bei allen anderen Abstimmungen hat sich der Herr aus dem Saale entfernt), und daß nicht wenige Vertreter der dritten Klasse, die gegen den Anttag gestimmt haben, in Wahlkreisen gewählt sind(Centrum, Westen), wo auch die Wähler der dritten Abtheilung zum großen Theil der besitzenden Klasse angehören, so wird unsere Behauptung noch mehr gestützt. Alle übrigen Abstimmungen zeigen dasselbe Bild. Nun kann füglich nicht behauptet werden, daß dies nur Zufall sei. Die Stellungnahme der Herren ist auch ohne äußeren Anlaß erklärlich; denn lelbst wenn sie sämmtlich persönlich keinerlei Be ziehungen, finanzieller oder anderer Nawr, zu der vertragschließenden Gcjellschaft haben, so kann doch selten einer aus dem Ideen- und Gedankenkreis derjenigen Gesellschaftsschicht heraus, in der er lebt. Sie sind eben, und das geht aus unserer Gruppirung der Ab stimmenden hervor, die Vertreter des G e l d s a ck s, der Dividenden- schluckerl Nun ist die Thatsache nicht zu leugnen, daß die Vertreter der 1. Abtheilung Wähler überhaupt nicht hinter sich haben. Sie werden vielmehr insgcsammt von einer Handvoll Leuten ernannt, von Ver tretern der Allgemeinheit kann also bei ihnen keine Rede sein und so läßt sich auch verstehen, daß ein auf diese Weise ernannter, ein verhältnißmähig noch junger Mann, Herr Mommsen, so verächtlich von Volks» und Bürgervcrsammlungen zu sprechen sich heraus- nimmt. Zur besseren Kontrolle lassen wir die Namen der Abstimmenden hier folgen Es haben als Vertreter der e r st e n K l a s s e für den Antrag gestimmt: Deter, Dr. Friedemann, Dr. Günsberg, Kreitling, Dr. Neumann, Dr. Paul, Dr. Preuß, der zweiten Klaffet Bracke. Dinse, Fasqnel, Fritsch, Kaiisch, Klaar, Ladewig, Plischke, Riemer, Dr. Rüge, Hugo Sachs, M. Schulz. Weiß. WittkowSky. der dritten Klaffe: Borgmann, BnihnS, DrcnSke, Dupont, Försterling, Frick, Gicshoit, Gleinert, Karl Goldschmidt, Herzfcld, Hohmann, Jacobey, Marggraff, PerlS, Pretzel, Raaz, G. Schulz, Singer, Tolksdorf, Ullstein,' Bogthcrr, Wilke, Znbeil. Gegen den Antrag stimmten aus der e r st e n Klasse: Baumann, Dr. Bergmann, Cassel, Cremer, Eßmann, Förster, triedländer. E. Gericke, George, Hammerstein, Dr. Horwitz, yllmann, Krause, Dr. Langerhans, Lemp, Mertens, Meyer, Michclet, Dr. Mießner, Mommsen, Mosch. Rcichenow,_ L. Sachs, Salge, Scheiding, Schröder, Seeger, Solf, Spinola, Zylicz. der zweiten Klasse: Buchow. Eisolt, Fähndrich, Friederici, Fr. Goldschmidt, Jacobi, Kleefeld, Lucae, Lüben, Matterne, Mcntel, Qnednow, Rast, Reimann, Schmcißer, Seibert, Talke, Ullrich, Winkler. der dritten Klasse: Alt, Baumgarten, Bergcmann, W. Gericke, Dr. Gerstenberg, Herbig, Dr. Hermes, Langenbucher, Liebenow, Meißner, Echem, Sutter, Toermer, Dr. Virchow. Ter Bericht über die Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin in den Jahren 188S— AS, dessen Herausgabe Stadtrath Friede! besorgt hat, behandelt in seinem vorläufig erst vorliegende» ersten Theile die allgemeine Verwaltung und die technischen Zweige. „Was den allgemeinen Charakter des in Frage kommenden Zeitabschnittes anlangt," heißt es im Vor- wort,»so ist derselbe glücklicherweise als ein friedlicher und freundlicher zu bezeichnen. Die ersprießlichen Folgen hiervon, insbesondere in bezug auf den Wohlstand und die Steuerkrästigkeit unseres Gemeinwesens, ergeben sich au8 den Einzelberichtcn von selbst." Der Verfasser dieses Vorwortes scheint vergessen zu haben, daß in dem Zeitraum 1889—1895, in seiner Mitte ungefähr, der Roth- st a n d in Berlin eine so ungewöhnliche Höhe erreichte, daß die Stadt- Verwaltung sich zu außerordentlichen, allerdings äußerst dürftigen Maß- regeln entschließen mußte. Diejenigen Bevölkerungskreise, die von diesem Nothstand betroffen wurden, iverden schwerlich der Ansicht bei- stimmen, daß der allgemeine Charakter des in Frage kommenden Zeitraums als ein„freundlicher" zu bezeichnen sei.— Zur Entwickelung Berlins, die sich äußerlich ja besonders in der Zunahme der Bevölkerung und der Ausdehnung des bebauten Gebietes dokumentirt, bemerkt das Vorivort, daß das allmälige Nach- lassen des Zuzugs und die eingetretene Verminderung der Neu» bauten nur scheinbar beunruhigend sei.„Sie hängen mit dem Aufschwünge der Vororte dicht' um Berlin herum zusammen und mit den stets zunehmenden Verkehrsverbesscrungen zwischen denselben und unserer Hauptstadt.... Der Nachlaß oer Thätigkcit in Neubauten liegt darin, daß die lohnenden Gelände des Weichbildes bereits zum großen Theile ausgebaut sind". Es wird am Ende auch dem Verfasser des Berichtes nicht unbekannt sein, daß bei der Verringerung des Zuzuges bezw. des Wanderungs» Überschusses und demzufolge auch der Zahl der Neubauten die wirthschaftliche Depression des Anfanges der 90er Jahre wesentlich mitgesprochen hat. Die später eingetretene Besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse hat eine erneute Zunahme des Zuzuges und damit auch wieder eine Hebung der Bauthätigkcit gebracht. Aus den AltcrsversorgnngS- Anstalten städtischen Pa« tronats kommt wieder die alte Klage, daß der Zudrang bejahrter, erwerbsunfähig und hilfsbedürftig gewordener Personen, die hier Aufnahme suchen, noch immer im Wachsen ist, und daß andererseits fast nur die wenigen durch den Tod der Inhaber frei werdenden Stellen verfügbar sind, so daß die Bewerber höchstens Aussicht haben, erst nach langjährigem Warten aufgenommen zu werden. An eine entsprechende Vermehrung der Stellen ist nicht zu denken, da es den meisten Anstalten an Mitteln fehlt, um auch nur ein paar Stellen neu zu schaffen. Namentlich die jüngeren Anstalten kommen nicht heraus ans finanzieller Be- drängnitz. Auf die Geldnoth der Reuter-Stiftung für alte Kauf'leute und auf die Beschränkungen, die die schlecht dottrte Anstalt sich auferlegen mutz, haben wir erst vor kurzem hingewiesen, als wir einen diesbezüglichen Aufruf des Kuratoriums besprachen. Der jetzt ausgegebene Bericht über die Verwaltung dieser Anstalten im letzten Jahre(1897/98) zeigt noch deutlicher, wie wenig die Reuter-Stiftung den verarmten Kaüfleuten Berlins zu bieten vermag. Sie erhielt zwar 1897/98 durch einmalige Zuwendungen etwas Kapitalzuwachs, aber es war trotzdem nicht einmal möglich, eine einzige neue Stelle ein- zurichten, weil von den nur 20 Firnien, die der Stiftung bis dahin einen jährlichen Beitrag gezahlt hatten, drei ihren Beitrag wieder zurückzogen. Die Verwaltung sah sich, um endlich die Mittel für lange aufgeschobene bauliche Reparattiren zu gewinnen, sogar zu weiteren Einschränkungen genöthigt und besetzte von den zwei durch Tod frei gewordenen Stellen vorläufig nur eine wieder. Aehnlich sah es in der Altcrsvcrsorgungs-Anstalt der Kaiser Wilhelm- und Augusta- Stiftung aus.„Die Zahl der hoch- betagten und schon seit langen Jahren der Einberufung harrenden Anwärter", sagt der Bericht,„ist wiederum gewachsen, während die Zahl der'Stiftsstellen nicht hat vermehrt werden können". Die Anstalt ist stets voll besetzt. 1897/98 konnten nur 22 meist durch Tod frei gewordene Stellen vergeben werden. Der Bericht muß hier, ebenso ivic bei der Reuter-Stiftung, auch diesmal die seit längerer Zeit alljährlich iviederholte Bitte um Zuwendung größerer Beiträge erneuern, ein Beweis, wie sehr die Privat- Wohlthätigkeit, die angeblich zur Bekämpsimg aller Roth ausreicht, hinter dem ständig wachsenden Bedürfniß zurückbleibt. Die städtische Sicchciianstalt(Fröbelstraße) war Ende März 1897 von 518 männlichen, 239 weiblichen Hospitaliten besetzt, nahm im Laufe des Jahres 1897/68 614 männliche, 757 weibliche auf, entließ in derselben Zeit 532 männliche, 592 weibliche und hatte Ende März 1893 einen Bestand von 600 männlichen, 404 weib- lichen Hospaliren. Mit eingerechnet sind die Zahlen des eine be- sondere Abtheilung der Anstalt bildenden Siechendepots, in welches obdachlose unheilbare Krankenhaus- Patienten zum vor- läufigen Aufenthalt bis zu endgiltiger Bestimmung über ihren Verbleib gesandt werden. Von den Aufgenommenen kamen über drei Viertel aus Krankenhäuser», die übrigen auf An- trag von Armenk�mmissionen. Von den Entlassenen schieden 143 Männer, 147 Frauen durch den Tod aus,— eine sehr hohe Zahl, die aber begreiflich wird, wenn man erwägt, daß es sich eben um eine Siechenanstalt mit meist schon bejahrten Insassen handelt, und daß die städtische Anstalt ja nur die armen Siechen aufnimmt. Die übrigen Entlassenen wurden meist an Irren- anstalten, an andere Heilanstalten oder an daS städtische Friedrich-Wilhelms- Hospital für Frauen überwiesen. Die letztere Anstalt(Pallisadenstraße) war Ende März 1897 von 479 Frauen(und 2 Männern) besetzt, nahm 1897/98 41 Frauen auf (fast nur Ueberweisungen aus der Anstalt Fröbelstraße), entließ 90 Frauen(wovon 56 durch Tod ausschieden, die übrigen meist in andere Anstalten kamen) und hatte Ende März 1893 einen Bestand von 430 Frauen(und 2 Männern). Unter den in der Fröbelstraße auf- genommenen Männern waren ihrem Berufe nach 59 Beamte und Kauflcute, 322 Handwerker lcinschl. Gehilfen), 233 Arbeitsleute und Personen ohne Beruf. Noch verheirathet waren von den dort Aufgenommenen 185 Männer, 85 Frauen. Sind Mann und Frau zugleich in der Anstalt, so müssen sie trotzdem, bestimmungsgemäß, getrennt wohnen. Diejenigen, die gern die Familie als die Grundlage der heutigen Gesellschaft hinstellen, mögen sich ausmalen, wie' einem unter Arbeit und Entbehrungen grau ge- wordenen Ehepaar zu Muthe ist, wenn auf diese Weise Mann und Frau von einander gerissen werden. Ein richtiger Bourgeois pflegt freilich bei solchen Gelegenheiten zu sagen:»Ach, die Leute empfinden das nicht so I" Der Fall Ziethen ist nicht Tage gemeint hat. Im Gegentheil Verurtheilten haben sich zu einem hoffentlich erfolgreicher ist als die jtehend aus angesehenen Persönlichkeiten aller Parteien ist in der Bildung begriffen, und wird, nachdem bereits drei vorbereitende Konferenzen stattgefunden haben, dem- nächst an die Oeffcntlichkeit treten. Ausführlicheres mitzuthcileu sind wir augenblicklich durch Pflichten der Diskretion noch verhindert, schon jetzt aber sind wir in der Lage, versichern zu können, daß nichts unterlassen werden wird, was zm Aufklärung der öffentlichen Meinung und zur Siihnuug dieses schweren Justizirrthums beitragen kann. Der Versuch, dem Prozeß Landauer, der bekanntlich mit der Ziethen- Sache im engsten Zusammenhange steht, einen politischen Charakter zu geben und ihm das Stigma der Parteipolitik aufzudrücken, tvird an den Namen der Männer, die für die Unschuld Ziethens und die Revision seines Prozesses eintreten, im Nu zu schänden werden. Heute ist preußischer Bußtag, lieber die Bedeutung, die diesem Tage von der kirchenfrommen Obrigkeit beigelegt wird, macht sich wohl selten ein Arbeiter Kopfzerbrechen. Solches ist auch völlig überflüssig. Die arbeitende Bevölkerung, die das ganze Jahr hin- durch für die Sünden ihrer Ausbcnter' zu büßen hat, überläßt eS diesen ja zum theil wenigstens äußerlich recht kirchcnfrcundlichcn Leuten, den Tag so kummervoll, wie sie wollen, beim Rothspohn zu vertrauern. Wer heute unfreiwillig auf Geheiß deS Staates feiern mutz, denkt höchstens daran, daß derselbe Staat sich zur freiwilligen Feier des 1. Mai ebenso feindselig stellt, wie das Unternchmerthum, und benutzt im übrigen die ihm aufgezwungene freie Zeit dazu, unter solchen Leuten seiner Agitationspflicht zu genügen, die bisher noch nicht für die Sache des Proletariats gewonnen waren. Merkwürdig ist nun, wie der so sehr für Buße eingenommene Polizeistaat selbst den Leuten allerhand Steine in den Weg legt, die dem bei einem vcrehnmgswürdigen Publikum etwa vorhandenen Be- dürfniß nach künstlerischer Bußkost genügen wollen. Im Schillertheater „begraben", wie ein Blatt dieser — die Freunde des unschuldig neuen Feldzug entschlossen, der bisherigen. Ein Ausschuß, be« sollte Ijcute du qcifttiäc? Konzert stattfinden. Dieses kann aller. wie uns die Direktion mittheilt, nicht aufgeführt Iverden. Die Polizei hat in letzter Minute mit Berufung auf eine Verordnung von, 19. März d. I. die Veranstaltung untersagt, mit der Begründung, daß nur Oratorien aufgeführt werden können. DaS ist nach der Ansicht der Direktion ein vollständiges Novum. Wenn solche Meinungsverschiedenheiten aber unter denen bestehen, die sich mit Eifer bemühen, für eine„würdige Feier" des Bußtages ihr mög- lichstes zu thun— wie soll da der einfache Mann sich in dem was recht und unrecht ist. zurechtfinden? Er stellt sich abseits und muß es schon den Bußbedürftigen überlassen, diese Streitigkeiten unter einander abzumachen. Der§ 17 der Polizcivcrordnnns vom 12. Juni 1863 über den Verkehr auf den Berliner Jahr- und Weihnachts- Märkten erhält folgenden Zusatz:„Der Gebrauch von Gasäther- Lampen ist verboten und die Benutzung von Petroleuinlampen nur dann gestattet, wenn zu denselben dichtschließende Metallbassins ver- wendet werden und die Lampen als Hängelampen konstruirt sind, deren Befestigung an Vorrichtungen aus unverbrennlichem Material gesichert sind." Wir haben noch nicht genug Kirchen in Berlin. In der jüngsten Versammlung des Hausbesitzer-Vereins„Nordost" wurde die sehr ernsthaft gemeinte Anregung gegeben,„für die in abseh- barer Zeit nothwendig werdende Erbauung einer neuen Kirche im Nordosten den Friedrichshain in Vorschlag zu bringen, welcher da- durch bedeutend gewinnen würde." Das fehlte gerade noch! Eine wichtige Konzcssion hat das Polizeipräsidium der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft gemacht, indem es die wider- rufliche Erlaubuiß zum Befahren des Oranienburger-, des Rosen- thalcrthores und des Moritzplatzcs für Straßenbahnzüge mit je einem Anhängewagen wochentäglich von 1 Uhr mittags an'ertheilte. Die Direktion hat von dieser Bewilligung sofort Gebrauch gemacht.— Gleichzeitig werden seitens des Polizeipräsidiums seit gestern Er- Hebungen über den Wagcnverkehr in der Rosenthalerstraße, ferner Münzstraße und Alexanderplatz, ganz besonders unter Berücksichtigung der verschiedenen Tageszeiten angestellt, von deren Ergebnitz es ab- hängen wird, ob resp. inwieweit Anhängewagen auf den von dem Gesundbrunnen nach dem Kreuzberg führenden Straßenbahnlinien zu gestatten sind. Auch ei» Zeichen der Zeit. Der Bund der Berliner Grund- besitzer-Vereine gedenkt sich mit der Frage zu befassen, wie dem aus- gearteten Kollektenwesen in den Häusern entgegengetreten werden könne. Wenn schon die Hausbesitzer anfangen, sich gegen da? Kollektensammeln aufzulehnen, so ist das ein sicherer Beweis dafür, daß auf diesem Gebiete des Guten entschieden zu viel gethan wird. Da indessen Hauskollekten nur mit hoher obrigkeitlicher Genehmigung veranstaltet werden, so kann man cinigern, atzen neugierig sein, wie der Bund der Grundbesitzer-Vereine die sich selbst gestellte Frage be- antworten wird. Die im Zuge der Invalide, lstratze befindliche Eisend ahn- Lberfithrnng darf nach polizeilicher Vorschrift mit Lastwagen, die einschließlich der Ladung mehr als 200 Zentner wiegen, über- Haupt nicht befahren werden. Zum Befahren mit Lasten über 120 Zentuer mutz nach wie vor die besondere Genehmigung der Oramenburgerstraße 12 belegenen 12. Hauptmannschaft eingeholt werden. Bon einem schweren Unfall betroffen wurde vorgestern durch den Zusamntenstoß eines Pferdebahuwagens und eines Wagens der elektrischen Buhn der Inhaber eines Bierverlags-Geschäfts in der Naunynstraße, H. L. Als L. auf der vorderen Plattform des Pferde- bahnwagens stehend, sich die„Berolina" auf dem Aleranderplatz betrachtete, erfolgte der Zusammenstoß. L. flog kopfüber aufs Pflaster, wo er besinnungslos mit dem Kopfe aus den Schienen des Nebengeleises und mit den Beinen unter dem Pferdebahnwagen zu liegen kam. Herbeieilende Passanten befreiten ihn aus der gefähr- lichen Lage. Der Verunglückte hat außer erheblichen Kopfwunden sich auch innerliche Verletzungen zugezogen. Zwei andere Fahrgäste. die bei dem Zusammenstoß gleichfalls von dem Pferdebahnwagen stürzten, kamen mit leichten Verletzungen davon. Von der Straße weg gestohlen wurde vorgestern dem Fuhr- Herrn Mehlis aus der Landsbergerstratze 14 ein beladener Eierwageu mft dem Pferde. Mehlis hielt vor dem Hause Steinmetzstratze 42, um bei dem Kaufmann Pinsler abzuladen. Während er eine Kiste hier in den Keller trug, sprangen zwei Männer auf den Wagen und jagten davon. Die Diebe wurden verfolgt; dem einen gelang es zu entkommen, der andere wurde verhaftet. Auf Unvorsichtigkeit im Umgang mit einem Revolver ist der Unfall zurückzuführen, von dem vorgestern die kleine Tochter Helene des Schneidermeisters Robert Pose in der Schliemannstr. 8 betroffen wurde. Der in demselben Hause wohnende Schwager Pose's, der 40 Jahre alte Maurer Krätke, kaufte vorgestern Nachmittag von einem Trödler einen Revolver und machte sich damit in der Wohnung zu schaffen, während Helene Pose dort war, um die Verwandten zum Zirkus Busch abzuholen und mit ihrer kleinen Kousine in der Stube noch etwas spielte. Plötzlich krachte ein Schuß, und die kleine Pose lag lebensgefährlich verwundet am Boden. Ein Lauf der Waffe hatte ohne Wissen des Trödlers und Krätke's noch eine scharfe Patrone enthalten. Das Kind lebt heute noch, wird aber wohl kaum durchkommen. Zu dem Brande im Hanse Lindenstr. 4.? wird uns von der Firma Hoffmann u. Ko. geschrieben: Der Brand ist in der unter unseren. Fabriklokal gelegenen Buchdruckerei von I. Harrwitz Nachf. entstanden und wir sind nur insoweit in Mitleidenschaft gezogen, als uns ein Theil unseres Lagers verbrannt ist. Der Betrieb wird vollständig aufrecht erhalten und finden Entlassungen von Arbeitern und Arbeiterinnen nicht statt. Eine bedeutende Verbreiterung erhält jetzt der Verbindungs- kanal zwischen dem Humboldt- und Nordhafen auch auf der Südseite der Jnvalidenstraße. Die Sandkrugbrücke selbst und ihre Durchfahrt werden davon nicht berührt. Unmittelbar an der Brücke aber beginnt die Verbreiterung und erstreckt sich 85 Meter nach Süden, nach' dem Humboldthafen zu. Sie beträgt 10 Meter, so daß nach ihrer Voll- endung der Kanal 50 Meter breit ist. Die Arbeiten haben bereits begonnen. Die Kanalstrecke an jener Brücke bildete nach der Ver- breiterung des Wasserlaufes an der Nordseite immer noch ein ewiges Aergenntz für die Schiffer. Ohne Zusammenstöße und Quetschungen der Schiffskörper ging es niemals ab. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich vorgestern Nachmittag auf dem Hofe der Brauerei Patzenhofer. Ein Maischbottich, der durch Kanten auf eine andere Stelle geschafft werden sollte, stürzte um und fiel dem Arbeiter Wilhelm Feige auf die Brust. Die Quetschungen waren derartig, jdaß sofort der Tod eintrat. Ein zweiter Arbeiter, ftfedrich Bohnnann, kam mit einem Bruch deS linken Unterschenkels avon. Unglücksfälle. Auf dem Neubau des Magazingeb SudeS der Generalintendantur der Schauspiele in der Stallstratze stürzte der Arbeiter Johann Kosinski beim Vorwärtsschieben einer Lowry mit derselben aus dem ersten Stock in das Erdgeschoß� hinab und zog sich schwere Verletzungen zu.— Vor dem Hause Andreas- jtraße 19 gerieth nachmittags der 73 Jahre alte Weber Karl Niesmüller unter die Räder eines Arbeitsfuhrwerks und trug einen Bruch des linken Oberarmes davon.— Abends wurde die uervenleidende Arbeiterfrau Anna H. in ihrer Wohnung in der Petersburgerftratze und der Grünkramhändler Robert F. in der Gneis enaustraße erhängt aufgeftmden. Theater. Ueber„Moderne Malerei" wird Dr. Alfred Köppen, der von seinen Besuchen in den Ateliers unserer groben Künstler soeben zurückgekehrt ist, heute Abend(Bußtag), 8 Uhr, in dem wissenschaftlichen Theater der alten Urania, Jnvalidenstr. 57—62(Kunst-Schaubühne) zum ersten Male in diesem Winter reden. Der Vortrag, illustrirt durch die neuesten Werke in farbigen Wandbildem, die unsere großen Künstler selbst ausgemalt haben, wird interessante Streiflichter auf alle Fragen der Kunst unserer Tage werfen. Die persönlichen Beziehungen Dr. Köppcn's dürften dem Vortrage einen seltenen Werth verleihen.— In der Urania, Tauben- praße, wird heute Herr Dr. Heilbrun abends 8 Uhr im Hörsaal über �.Moderne Alchimie" sprechen.- Der große Erfolg des„Fuhrmann Henschel" setzte die Direktion deS„Deutschen Theater«" in die Lage, einem an sie gerichteten dringenden Ersuchen des Direktors Schlenther zu willfahren und Joses Kainz Urlaub für ein Gastspiel an der Wiener Burg zu ertheilen. Kainz tritt am Freitag im„Deutfchen Theater" ziun letzten Male vor seiner Abreise auf und zwar als„Cyrano von Bcrgerac". Die Roxane giebt an diesem Abend Marie Elsinger zum ersten Mab Fcncrbericht. Von Schöueberg aus erging Montag Abend eine Alarinirung der Berliner Feuerwehr. Es brannten B ü l o w- stratze 7 in einem Droguengeschäfte Chemikalien und Regale. Die Berliner Wehr leistete längere Zeit Löschhilfe. Ein WohmmgSbrand äscherte T r e s ck o w st r. 13 Möbel und Gardinen ein. Tempel- hofer Ufer 15 hatten Schaldecke und Balkenlager in einer Schmiede Feuer gefangen. Dienstag Abend entstand Ackerstr. 85 durch Explosion einer Lampe ein Zimmerbrand, wobei Betten und Möbel in Flammen aufgitigen. Aus den Nachbarorten. Eharlotteuburg. Morgen, Donnerstag, abends pünktlich 9 Uhr, findet die regelmäßige Vereinsversammlung des Wahl- Vereins Charlottenburg im Lokale Bismarckshöhe statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dr. Borchard über„Taktit und End- ziel der Sozialdemokratie". Wir bitten um recht zahl- reichen Besuch. Gleichzeitig ist die Stadtverordneten- Wahl im 6. Bezirk auf die Tagesordnung gesetzt. Wir rechnen bestimmt auf das Erscheinen der Wähler der dritten Klasse. Schöncbcrg. Sonnabend, den 26. November, veranstaltet der Vergnügungsverein Geselligkeit in dem Lokal Lindenpark. Haupt- stratze 16, ein Vergnügen. Wir machen die Arbeiterschaft darauf auf- merksem, daß dieses Lokal gesperrt ist und ersuchen demgemäß zu handeln. Die Lokalkommisston. Rixdorf. Uns wird geschrieben: Einer Richtigstellung bedarf die in der Nr. 266 des„Vorwärts" gebrachte Mittheilung betr. die Verhandlung in der Rixdorfer Gemeindevertretung über die Ein- richwng von Schulbädern. Der von dem Gemeindevertreter Rahmig gestellte Antrag, die Einrichtung von Schulbädcrn einst- weilen noch aufzuschieben, ist nicht, wie mitgetheilt worden ist, mit 13 gegen 12 Stimmen angenommen, sondern vielmehr ab- gelehnt worden. Som,t hat sich die Mehrheit der Gemeinde- Vertreter für sofortige Einrichtung von Schulbäderu erklärt. Die Stadt Spandau erhält ein Elektrizitätswerk, das von der Allgcineinen Elektrizitäts-Gesellschast in Berlin auf ihre Rechnung gebaut wird, dessen Leitungskabel aber durch die Stadt selbst gelegt wird, wofür 300 000 M. ausgeworfen worden sind. Der Ver- trag der Stadt mit der Gesellschaft ist auf 15 Jahre abgefchlossen: nach diesem Zeitraum hat die Stadt freie Hand, ein Werk aus ihre Rechnung bauen zu lassen und es mit den ihr von Beginn an ge- hörigen Lcitungskabeln zu betreiben. Die Stadt wird nach Fertig- stellung der Bauarbeiten, die schon in Angriff genommen sind, den elektrischen Strom zu Kraft- und Belcuchtungszwecken selbst abgeben, ihn aber aus dem Werk der Gesellschaft beziehen. In Potsdam ist man den Urhebern der anonymen Schmähbriefe, durch die, ähnlich wie im Fall Kotze, hochstehende Persönlichkeiten und zahlreiche Bürgerfamilien lange Zeit belästigt Ivurden, auf die Spur gekommen. Als die Verfasserinnen der Briefe sind zwei Bürgerftauen ermittelt worden. In den städtischen Kiesgruben auf Westend wurde der 13jährige Schulknabe Richard Lawin aus Charlottenburg verschüttet. Der Knabe, welcher sich mit mehreren Schulkameraden zum Spiel dorthin begeben hatte, hatte sich an einem Abhänge eine etwa drei- viertel Meter siefe Grube gegraben und sich darin versteckt. Plötzlich gab das Erdreich nach und der Knabe lourde von den herabstürzen- den Kiesmassen völlig bedeckt. Seine Spielgenossen versuchten, ihn aus seiner Lage zu befreien, doch als ihre Bemühungen vergeblich blieben, ergriffen sie aus Furcht die Flucht. Da sie auch den Eltern des verunglückten Knaben von dem Geschehnitz keinerlei Mittheilung machten, wurde die Leiche des unglücklichen Kindes erst jetzt gefunden; der Tod war durch Ersticken eingetreten. Bei einem Spazierritt ist der Baurath v. Fisenne in Spandau am Sonntag schwer zu Schaden gekommen. Durch den Hufschlag eines Pferdes, auf dem ein Herr neben ihm ritt, wurde ihm das linke Schienbein zerschmettert. Der Verletzte wurde mittels eines Wagens in seine Wohnung geschafft. Tic Verhaftung des Tuchfabrikanten Karl Rischke in Forst in der Lausitz erregt dort, wie man dem„Berl. Tagebl." meldet, großes Aufsehen. Nach seinem Geständniß hat Rischke aus anderen Fabriken größere Mengen Garn und Wolle gestohlen. Außer diesen gestohlenen Waaren wurden bei einer Haussuchung in der Wollremise Rischke's über zehn Zentner Rohwolle geftmdeii, die Rischke nach seinem eigenen Geständnitz zur Zeit der Hochwasser-Katastrophe dem Fabrikbesitzer Brehmer gestohlen hat. Der 8 2 des VcrcinsgesetzeS im Kampf gegen Arbeiter- vereine. Die in deutschen Landen weitbekannte Polizeidirektion in Magdeburg verlangte von dem derzeisigen �Bevollmächtigten der dorsigen Zahlstelle des Verbandes deutscher Schuhmacher, er solle ihr eine Liste der augenblicklich thatsächlich vorhandenen Mit- gliedcr der Zahlstelle einreichen. Der Bevollmächtigte Schclling hielt sich nicht dazu verpflichtet und kam der Aufforderung nicht nach. Die Folge war eine Anklage wegen Vergehens gegen den 8 2 des Vereinsgesetzes. Das Schöffengericht verurtheilte ihn dann auch zu einer Geldstrafe von 15 M., wogegen Schclling Benisimg ein- legte. Er bestritt, daß§ 2 des Vereinsgesetzes hier überhaupt an- zuwenden sei. Die Zahlstelle sei kein selbständiger Verein, und Iveder sie noch der gestimmte Verein deutscher Schuhmacher be- ziveckten, auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken. Das Land- aericht wie? aber die Berufung zurück. Es nahm an, daß die Zahl- stelle ein selbständiger Verein sei. Dafür spreche schon, daß sie eine eigene Kasse habe. Nach der Auffassung des Gerichts bezweckt die Zahlstelle wie der ganze Verband eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten. Indem der Btrein eine Erzielung günstiger Arbeits- Verhältnisse für die deutschen Schuhmacher erstrebe, beschäftige er sich mit der sozialen Frage, also mit öffentlichen Angelegen- heiten. Nach§ 2 des Vereinsgesetzes, seien die Vorsteher solcher Vereine außer zur Einreichung des Mitgliederverzeichnisses auch ver- pflichtet, jede Veränderung im Mitgliederbestande der Behörde an- zuzeigen und ihr auf Erfordern jede darauf bezügliche Auskunst zu ertheilen. Der Vorstand der Zahlstelle Magdeburg des Vereins deutscher Schuhmacher habe jedoch die Behörde nicht derart über die Mitgliederveränderungen unterrichtet, daß sie wisse, wer zur Zeit der Zahlstelle angehöre. Das Verlangen der Polizei nach einer Liste der Mitglieder sei darum berechtigt. Schclling legte Revision ein und wiederholte seine früheren Ausführungen. Außerdem rügte er eine Verletzung deS§ 377 der Strafprozetz-Ordnung. Der Oberstaats- anwalt am Kammergericht verwies demgegenüber auf die that- fächlichen Feststellungen des Vorderrichters. Im übrigen, meinte er, wäre zu prüfen, ob der Angeklagte verpflichtet gewesen sei, das Mitgliederverzeichniß einzureichen, da er das Amt des Bevollmächtigten der Zahlstelle erst längere Zeit nach ihrer Stiftung übernommen habe. Diese Frage sei zu bejahen, wenn auch nicht auf grund der Bestimmung des 8 2, daß Statuten und Mitgliederverzeichniß biimen drei Tagen nach Stiftung des Vereins der Ortspolizei einzureichen seien. Hier handelt es sich vielmehr um eine Auskunst im Sinne desselben Paragraphen. Das Kammergericht verwarf die Revision als unbegründet und führte aus: Die Feststellungen des Landgerichts, daß die Zahl- stelle ein selbständiger Verein sei und auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke, sei ohne Rechtsirrthum erfolgt. Der 8 2 sei auch zutreffend angewendet worden. Da der Angeklagte nicht in den ersten drei Tagen nach der Stiftung der Zahl- stelle ihr Borsteher gewesen sei, so könne allerdings von ihm nicht ohne weitere» verlangt werden, daß er ein vollständiges M i t g li e d e r v e rz e i ch n i tz einreiche. Aber alle Vorsteher von Vereinen im Sinne des 8 2 seien ver- pflichtet, der Polizei die Veränderungen im Mitgliederbestande mit- zutheilen und ihr Auskunft darüber zu geben, sobald sie es ver- lange. Im vorliegenden Falle sei nun die Polizei so wenig über die Veränderungen im Mitgliederbestande unterrichtet worden, daß sie einen Ueberblick über die Zahl und die Personen der wirklich vorhandenen Mitglieder überhaupt nicht gehabt habe. In ihrem berechtigten Verlangen nach einer Auskunft hierüber habe sie deshalb so weit gehen können, ein Verzeichniß der im Augenblick vorhandenen Mitglieder zu fordern. Vevssmnrlungett. In einer zahlreich besuchten Versammlung des WahlveremS im 4. Berliner Reichstags- Wahlkreise, die unter dem Vorsitz von G e s ch e im Lokale Südost tagte, sprach am Montag Abend Richard Fischer über das Thema: Was lehren uns die eben vollzogenen preußischen Landtagswahlen? Redner führte etwa folgendes aus: Wenn ich heute die Frage behandele, was wir.fürLehren aus den jüngstenLandtagswahlen zu z'iehenhaben.so thue ich es nicht in der Absicht, jetzt eine Entscheidung in der so strittigen Frage der Betheiligung oder Nichtbethoiligung herbeizuführen. Ich halte es nur für nothwendig, diefe Frage durch Fortsetzung der Dis- kussion einer Klärung entgegen zu führen. Wir haben dazu Zeit, denn erst in fünf Jahren ivird die Frage voraussichtlich wieder für unS praktisch werden. Wir brauchen uns deshalb heute nicht zu er- Hitzen, sondern können die Sachlage ruhig und objektiv besprechen. Freilich wird es einem schwer gemacht, sachlich und ruhig zu bis- kusiren durch die Erklärung, welche Liebknecht vor wenigen Tagen im„Vorwärts" veröffentlicht hat und auf die ich hier etwas näher eingehen will. Liebknecht sagt in der Erklärung, die ganze Frage der Wahlbetheiligung werde bald vergessen sein. Das heißt eine Sache sehr leicht nehmen, die zwei Parteitage beschäftigt und auch sonst so viel Staub in der Partei aufgewirbelt hat. Solche Fragen schiebt man nicht mit hübschen Redewendungen bei Seite, sie klärt man und man sucht eine Verständigung herbeizuführen, sonst wird sie eines schönen Tages wieder aufgerollt und der alte Hader geht von neuem los. Mit schönen Redensarten, wie sie Liebknecht, der ja ein Meister der brillanten und brillirenden Worte ist, stets zur Ver- fügung hat, ist da nichts gethan. Darum giebt es eben auch keine Streitfrage in der Partei, bei der sich nicht Gegner wie An- Hänger auf Liebknecht berufen können, von seiner Broschüre über die Frage der parlamentarischen Thätigkeit im Jahre 1869 angefangen bis zur Frage der LandtagSwahlbetheiligung im Jahre 1898. In der Regel hat dann die Mehrheit der Partei einen anderen Standpunkt eingenommen, als Liebknecht ursprünglich vertrat. Liebknecht bespricht in seiner Erklärung das Wahlrefultat in Breslau spöttisch. Wer aber die Verhältnisse der Partei gerade in Breslau kennt, wird das Ergebniß der Wahl von 90 sozialdemokratischen Wahl- männern großartig und über alle Erwartungen hinausgehend finden. Wir haben dort die Freisinnigen nicht um ein Mandat gebeten, sondern ein solches gefordert. Freilich haben wir es nicht erhalten. Das liegt aber nicht an dem in Breslau erzielten Er- gebnitz, sondern daran, daß Prcssionsmittel in anderen Wahlkreisen. fehlten.(Sehr richtig I) In Breslau bestand wirklich die Gefahr, daß die Nationalliberalen zu den Konservativen abschwenkten und daß dann Freisinnige und Sozialdemokraten zusammen nicht die Mehrheit hatten. So mutzten schließlich unsere Genossen, um die Wahl von Konservativen zu verhindeni, für die Freisinnigen eintreten. Daß thatsächlich unsere Genossen von den Frei finnigen gebeten wurden, das beweist schon der Dank an unsere Partei, den die Brcslauer Freisinnigen veröffentlicht haben. Kein Mensch wird das als Parteitriumph hinstellen, aber eS liegt hier auch nicht die geaentheilige Situation vor. Liebknecht tagt weiter, er verlange nicht, daß, wer sich in seiner Rechnung getäuscht sieht, dies gleich bekennen müsse, die Berliner Genossen hätten sich aber um die Partei verdient gemocht. Ich halte das letztere für ein aufdringliches Kompliment und würde es ein dcma- gogischcs Tafchcnspielerkunftstück nennen, wenn es nicht Liebknecht wäre, bei dem so etwas ausgeschlossen ist. Wieso haben sich denn die Berliner Genossen um die Partei verdient gemacht?(Zuruf: Sie find konsequent geblieben!) Warten Sie ab! Ich frage Sie, haben die Berliner Genossen die Fcenpalast- Resolution vorher in den Wahlvereincn ec. diskutirt und dazu Stellung genommen? Ich frage Sie weiter, konnte die Fcenpalast- Resolution wirklich als Ausdruck der Meinungen in der gesammten Berliner Partei gelten? Nach Thcilnehmerzahl wie nach der Höhe des geistigen Niveaus des dort gehaltenen Referats kann sie mir nicht imponiren.(Zuruf: Sie hätten ja auch sprechen können, Sie waren ja auch da I) Ich hätte auch gesprochen. wenn man mir das Wort nicht abgeschnitten hätte. Man wollte aber nicht diskutiren, sondern dekretiren. Ich habe mich dem Beschlüsse gefügt wie jeder andere, aber ein für allemal erledigt halte ich die Frage nicht. Die Resolution ist nicht die Meinung des sozialdemo- kratischen Berlins, nicht einmal die Vertrauensleute sind sämmtlich Gegner der Betheiligung. Unter den Berliner Stadtverordneten giebt es Anhänger und unter den in Berlin wohnenden Abgeordneten sind die Anhänger der Wahlbetheilignng in der Majorität. Singer frei- lich ist nicht meiner Ansicht und ich erwähne es beiläufig, er würde hier anwesend sein, wenn er nicht heute einen Vortrag in Stettin zugesagt hätte. Die Feenpalast-Resolution enthielt nicht nur die Erklärung der Nichtbetheiligung, es wurde darin auch eine große Protestbewegung gegen das Dreiklassen-Wahlrecht an- gekündigt. Ich habe von dieser Protestbewegung nichts bemerkt und vielleicht meint Liebknecht, die Parteigenossen Berlins haben sich deshalb verdient gemacht, weil sie nichts gethan haben. Liebknecht sagt ferner, alles, was wir Gegner als Erfolg oder Folge der Wahl- betheiligung vorausgesagt haben, ist eingetroffen. Liebknecht hat in Hamburg im günstigsten Falle bei allgemeiner Wahlbetheiligung den Freisinnigen einen ZutvachS von 6—8 Mandaten prophezcil. Er hat dann gesagt, er halte eine fortschrittliche Mehrheit für gefährlicher als eine Junkermajorität, kurz vorher hat er aber den Auftilf der Fraktion unterschrieben, in welchem das Gegentheil gesagt war. Trotzdem nun unserseits eine nur geringe Wahl- betheiligung erfolgte, haben die Freisinnigen 16 Sitze gewonnen. Auch die von Liebknecht prophezeiten Folgen wie Desorganisation der Partei, Verwischen des proletarischen Parteicharaltcrs, sind nicht eingetroffen. Die Partei befindet sich nicht in der Rolle des Simson, dem Delila mit dem Schneiden der Locken die Stärke geraubt hat. Liebknecht sagte voraus, wenn in Hamburg der bekannte Kölner Beschluß aufgehoben würde werde ihn der nächste Parteitag wieder zum Grundsatz erheben. In Hamburg ist der KölnerBeschlutzaufgehoben worden und in Stuttgart ist Liebknecht beauftragt worden, eine Reso- lution zu vertreten, die die Betheiligung freistcll. Wäre in Stntt- gart die Frage zur Entscheidung gekommen, man hätte sich dort mit überwältigender Majorität für Betheiligung erklärt. Redner ging im weiteren Verlaufe des Vortrages auf die Be- deutung der zur Kompetenz des Landtags gehörigen Materien ein und erörterte dann die gegen die Betheiligung vorgebrachten Gründe, von denen er nicht einen einzigen als ausschlaggevend gelten lassen wollte. Er suchte nachzuweisen, daß es unter Umständen möglich sei, felbst unter diesem elenden Wahlsystem, sozialdemokratische Abgeordnete in den Landtag zu bringen. Vorausgesetzt, daß durch die allgemeine Be- theiligung der Partei die konservative Mehrheit verhindert sei, könne man in den Wahlkreisen, wo die Sozialdeniokraten das Zünglein an der Waage zwischen Freisinnigen und Konservanveu bildeten, Forde- rungen mit Erfolg stellen. Im dritten Berliner Kreise hätten die Sozialdemokraten sicher die Entscheidung in die Hand de- kommen. Voraussichllich wären mehr konservative als freisinnige Wahlmänner gewählt worden. Die Sozialdemokraten hätten in diesem Falle den Freisinnigen gesagt, entweder Ihr gebt uns ein Mandat ab. oder wir lassen Euch durchfallen, denn die konservative Mehrheit ist sowieso verhindert. Der Freisinn hätte es darauf sicher nicht ankommen lassen. Fischer schloß mit der Mahnung, die Frage eifrig weiter zu diskutiren und zu studiren, er sei nicht im Zweifel fcofe schließlich ein einheitlicher Beschluß der Partei für Wahl- betheiligung zu stände kommen werde. �Lebhafter Beifall.) An den Borlrag schloß sich eine längere Diskussion. Vogt brachte eine Resolution ein, in welcher gesagt ist, daß die bei den Wahlen gemachten Erfahrungen nicht geeignet seien, die Berliner Parteigenossen von ihrem alten Standpunkt abzubringen. Peter: Am liebsten sähe ich Fischer im Reichstag, aber nicht im Landtag. So lange ich lebe, werde ich Sozialdemokrat s ein, und so lange Liebknecht lebt, wird er der Kreuzbauer in der P artei sein. Fischer und Auer sind auf den Bebellschen Leim gegangen. Bebel hat es wohl aber garnicht so ernst gemeint. ,3ch gebe ja zu, daß manchem die fünf zehn Mark locken mögen, aber eine Kompromißpolitik ist unter allen Ilmständen zu ver- werfen.(Dieser dreckigen Insinuation gegenüber, die gar nicht so selten ist. sei hier ein für alle Male bemerkt, daß weder Auer, Bebel oder Fischer Preußen sind, dieselben also bei dem unterstellten Wett- lauf nach den 1ö Mark-Mandaten gar nicht in Frage kämen. Vielleicht beruhigt diese Mittheilung den einen und anderen Betheiligungs- gegner.) Die ganze Betheiligungstaktik läuft auf Verschleppungs- taktik hinaus. Je riidig er die Krautjunker werden, um so besser für uns Sozialdemokraten. Lassen Sie uns mit den Landtagswahlcn in Ruhe. Böse: G enosse Fischer hat sich die größte Mühe gegeben, uns das preußische Wahlsystem mundgerecht zu machen, aber wir sind nicht überzeugt und halten an unserem Beschlüsse fest, der nicht auf blauen Dunst hin gefaßt ist. Die Resultate halte ich einer Partei wie der unsrigen für unwürdig. Unter dem Sozialistengesetz hieß es, jeder denkende Mensch müsse gegen die Betheiligung sein, heute aber sei das Proletariat doch noch mehr fortgeschritten und es oersteht niemand, daß es jetzt für die Freisinnsmänncr eintreten soll, für diese Brüder, mit denen jeder von uns täglich im Kampfe liegt. Es wird uns immer gepredigt, die Welt geht ihren Lauf, nun auf einmal sollen die Menschen den Laus aufhalten können. Im 4. und 6. Kreise sind nicht die schlechtesten Parteigenossen, es sind Männer, die Ehre im Leibe haben und deshalb sind sie gegen Betheiligung. Reattion schadet nichts. Vielleicht geht es dann auch den.Frei- sinnigen einmal an den Kragen und dieses Zeugs wird einmal gc- scheidt.(Heiterkeit.) Vogt: Wenn wir uns die Wahlergebnisse ansehen, kommen wir doch zu anderen Resultaten wie Genosse Fischer. Wir haben jedem die Betheiligung fteigestellt, trotzdem haben sich sehr wenig Kreise betheiligt und in Berlin wird es wohl nicht anders werden. Die Feenpalast- Versammlung ist niaßgebcnd gewesen. Wer in der Bewegung steht, kennt die Stimmung der Ge- nassen und weiß, daß sie gegen Betheiligung sind. Gerade der schwache Besuch der Feenpalast- Versanimlimg beweist mir, daß für die. Betheiligung unter den Berliner Genossen wenig Interesse vorhanden ist. In der Versammlung ist kein Befürworter der Betheiligung für Berlin aufgetreten,. obwohl gerade diese zum Sprechen aufgefordert wurden(Widerspruch.Fischccks). Genosse Fischer hätte ja reden können. Der �„Erfolg" von Breslau ist nicht er- muthigend. Wir können die Opfer nicht eimpal. bei der Maifeier, geschweige denn bei der Landtagswahl unterstützen. Wenn diesmal noch keine Opfer zu verzeichnen sind, s» kommt das daher, daß hie Freisinnigen sehr gut wußten, daß unsere Stimmen am letzten Ende für sie abgegeben werden. Fischer's Aeußerungen über die geistige Höhe der Feenpalast-Berhandlmrgen waren ver- letzend. Das schüre nur die Erbitterung. Jedes Kompromiß sei zu verwerfen. Begebe mau sich erst auf diese Bahn, werde man bei den Freisinnigen nicht stehen bleiben können, sondern auch bis zu den Nationalliberalen gehen müssen. Nachdem noch P.enn gegen Bruns für die Betheiligung ge- sprachen hatten, wurde ein Antrag angenommen, die Diskussion zu' vertagen, zu der nächsten Versammlung aber den Genossen Singer einzuladen. In einer persönlichen Bcmerknyg stellte Fischer noch fest, daß Vogt in seiner Darstellung der Vorgänge in der Feenpalast- Versammliuig insofern unrecht habe, als der Antrag Swienty, welcher den Befürwortern der Wahlbetheiligung in Berlin noch daS Wort gestatten wollte, abgelehnt worden sei. Vogt bestritt diese Behauptung nochmals. Beim nächsten Punkt der Tagesordnung„V e r e i n s- A n- aelegenheiten", nahm Genosse Scholz das Wort, um die Genossen zu ermahnen, die im„Vorwärts" veröffentlichte Lokalliste zu beachten. Es dürften nicht Wintcrvcrgnügungen in"Lokalen ab- gehalten werden, deren Besitzer ihre Säle zu polinfchcu Versammlungen nicht hergeben._ Briefkasten der Redaktion. C. A. Unter„Filialarbeit" versteht man solche Arbeit, welche, vom Arbeiter an einem anderen Ort als dein des Arbeitgebers hergestellt wird. Der Arbeitgeber liefert das vollständige Arbeitsmatcrial und ist die Arbeits- form zugleich Hausarbeit. Eine Anzahl Arbeiter unter einer bestimmte« Leitung unter oben dargelegten Voraussetzungen bezeichnet mau als„Schnitt- filiale", auch wenn sie keine Hausarbeit ist. Die Arbeit wird nur bis zu einem bestimmten Grade fertig gestellt, die definitive Fertigstellung erfolgt am Orte des Arbeitgebers. Diese Betriebsform ist eine Besonderheit dieser noch in der Mamsiaitur steckenden Industrie. Bisher ist der Dntzendpreis üblich. Dadurch ergiebt sich bei Berechnen einiger Paare die Bruchrechnung. Durch die.Forboruiig der Paarrechnung fällt die Bruchrechnung weg.— Allgemeine. Abhandlungen stnden Sie im Handwörterbuch für Staatswisien- schaften, ferner Bücher, Entstehung der Bolkswirthschaft. Wollen Sie Aus- kiinst über solche oder' ähnliche Fragen, so kann Ihnen das Arbeitcr-Frcmd- Wörterbuch nicht genügen. Das letztere erhalten Sie in der Buchhandlung Vorwärts. ®.' 9. Der Vormund muh alS Vertreter des betreffenden in dem Klagerubrum angegeben werden.— M. 100. 1. Ist dasselbe. 2. Frage ist unverständlich.— G. R. 52. Kommen Sie in die Sprechstunde. Der Sachverhalt ist in Ihrer Frage nicht hinreichend klargestellt.— Winkel 46. Die nothwendige» Sachen dürfen nicht einbchaltcn werden. Die Verpflich- tung zur weiteren Miethszahlung hört dadurch nicht auf.— Wolss. Welche Frage stellen Sie eigentlich?— S. M. 100. 1. Nein. 2. Die Frau kann interveniren. 3. Rechnung oder eidesstattliche Versicherung dritter. 4. Nein, ist strafbar, b. Läßt sich ohne Einsicht des Urtheils nicht beant- Worten.— M. L. Fügen Sie Abonnementsquittnng bei.— 91. H. 14. Beim Vorhandensein einer Ehefrau fällt in der Mark das Erbrecht unehe- licher Kinder fort.— K. W. 1098. Ja.— G. M. Ftndcrlohn. — E. E. 1. Kann beides der Fall sein. 2. Nein.— Z. K. 101. Kommen Sie in die Sprechstunde. Die Frage ist nicht verständlich.— 15 SP. Nein. Witteruugsübersicht vom 15. November 1898, morgens 8 Uhr. Stationen öS 18- Swinemdc. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien Z H 760© 770 WSW 76g Wetter 772 Still 772 O 772 WNW 2 Nebel 3 wolkig 2'Nebcl - bedeckt Ibcdcckt 1 bedeckt Ä ff! =» äll 1« Wt- 0 Stationen Haparanda 768 WSW Petersburg 767 Still Cork 769 ,NW öAberdeen 768 i©■ 2jParis 772 jNO Wetter-Prognose für Mittwoch, den 16. November 1898. Etwas kühler, zeitweise heiter, vielfach nebelig bei schwachen westlichen Winden; keine erhebliche» Niederschläge. Berliner Wetterbureau. oi 8- W-Iter öS i» �wolkig -�Schnee 3wolkig b heiter l Nebel Hamburger Engros-lager C. Spfffelmarkf 16-17. SM%elle- JJHiancesfr. 1-2, Donnerstag, Glas. Freitag, Käseglocken m. Teller geschliffen 40 Pf. Dessertteller 20 Pf. 24 Pf. Zuckerschalen 25 Pf. 20 pf. Groggläser Mnscheischiiff Wasserbecher Weingläser geschliffen|5pf. Kugel- und I ß Sternscliliff||J Pf. Porzellan. T eller,-gerippt u. Feston flach u. tief|| 3 Pf. Teller Dessert( 0 Pf. Compot 7 Pf. Kartoffelschössel Ä 38 Pf. Salatschüsseln �3Es.ück75pf. Untertasse� Pf. hunl mit ' Goldrand Tassen Tassen Katfeeseruice Kaffeeservice 1 1 pf 20pf. 12 pf 15 pf 145 ■ M 3« 5 Tlicile für 2 Personeo rokoko 0 Thcilc für 6 Personen ! i\( Inhalt 2 4 6 8 10 Tassen| form' 20 303845 55 TT I7r'332 Steingut. Teller flach und tief 5 Pf. blau Zwiebelmuster 0pf f/orrathstonnen Visu Zwicbelmuslei TaSSen dunt und blau Zwiebel muster| 2 Pf. 30 Pf. Waschgamituren 4 Theile 5 Theile gelb, grosse Form bunte Muster 115 125 ■ M.■ M 45 1 M. I75 1 M. 2l5 rund, Satz 4 Stück 28 Pf Satz 6 Stück 53 Pf Sonnabend. Emaille marmorirt. Wasserkessel ca. 20 "pö 1 M 22_ 130 » M 24 cm. 150 ■ M. Wannen cm, Eaffeeservice 4lheilig( extra stark vernickelt prima Qualität, Sahncngiesser innen vergoldet Inhalt 2 4 6 Tassen. 48m0 6« 9 M. 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Berlepsch, daß die Regelung der Arbeitszeit im Gastlvirthsgewerbe nothwendig sei und durch ein Spezialgesetz berbeigeführt werden soll. 1893 ist mit den Erhebungen, und zwar anfangs' nur„über die Ar- beits- und Gehaltsvcrhältnisse der Kellner und Kellnerinnen" be- gönnen worden. Später wurden sie auch auf das„Küchenpersonal in Gast- und Schankwirthschaften" ausgedehnt. Am 28. Juni dieses Jahres berichtete dann Genosse'Reichstags- Abgeordneter M o l k e n b u h r in der Kommission für Arbciterstatistik' über die Ergebnisse der Erhebungen,„die zweifellos das Vorhandensein schwerer Mißstände beweisen." Die Arbeitszeiten seien durchweg außergewöhnlich lang. Für die Kellner betrage die tägliche Arbeitszeit in zahlreichen Betrieben über 13 Stunden, für die Kellnerinnen 29 Stunden und noch länger. Regelmäßige Ausgehzeiten hätten etwa 69 pCt. der Kellner, unregel- maßige noch etwa 1ö pCt.; den übrigen 2b pCt. würden keine Aus- gehzciten gewährt. Festes Gehalt werde nur einem Theile des Per- sonals bezahlt, und dann so wenig, daß es nicht ausreiche, um davon zu leben, oder gar eine Familie zu unterhalten. Daher seien die Angestellten auf Trinkgelder angewiesen. Stellenweise müßten sie sogar von den Trinkgeldern einen Theil an die Wirthe abgeben. Ileberdies würden sie auch durch die Stellenvernnttler in der ärgsten Weise ausgebeutet. Auch der Korreferent, der königl. bayerische Ministerial-Direktor Ritter v. Herrmann, erkannte an,„daß Mißstände im Gastwirths- gcwerbe festgestellt seien". Molkenbuhr schlug nun eine mündliche Vernehmung von Auskunftspersonen vor, die sich auch darüber äußern könnten, in welcher Weise bei einer etwaigen Regelung der Arbeitszeit in Zu- kunft der Betrieb umzugestalten sei. Dieser Vorschlag fand allseitige Billigung. Meinungsverschiedenheit herrschte in der Kommission nur darüber, ob auch Kellnerinnen als Ausknnftspersonen gehört_ werden sollen. Der Korreferent, der bayerische Ministerial- Direktor, hielt die Hinzuziehung weiblicher An- gestellter nicht für angezeigt, da bei ihnen die Verhältnisse ganz anders wie bei den männlichen Angestellten liegen. Diese sonderbare Begründung fand aber nicht den genügenden Anklang. Die Kom- Mission beschloß vielmehr, daß auch Kellnerinnen und Köchinnen zu der Vernehmung zugezogen werden. Im ganzen werden etwa 69 Personen berufen werden, davon höchstens'>/» aus der Zahl der Unternehmer und 2/s ans der Zahl der Angestellten. Sämmtliche aber müssen noch im Gewerbe thätig sein. Ferner sollen bei der Auswahl der Ausknnftspersonen die verschiedenen Arten von Be- trieben, die verschiedenen Gegenden Deutschlands und die Orte verschiedener Größe berücksichtigt werden. Die Ausführung dieser Beschlüsse wurde einem Ausschuß übertragen, in den Genosse Molken- buhr, der bayerische Ministcrial-Dircktor von Herrmann und der Direktor des kaiserlich statistischen Amtes Dr. von Scheel gewählt wurden. Von den für das Schankgewerbe etwa in Vorschlag zu bringenden Schntzmaßregcln sind in der Konnnission bis jetzt nur solche zur Sprache gebracht worden, die sich auf die Regelung der Arbeitszeit be- ziehen. Das kaiserliche Gesundheitsamt hatte im Interesse der Gesundheit der Gastwirthsgehilfen eine tägliche Mindcstruhezcit von 8Stnnden für die Erwachsenen und von 19 Stunden für die Jugendlichen für erforderlich gehalten, außerdem die Gcivährung bestimmter Ruhetage gefordert. Gc- nasse Molkenbuhr konnte sich mit der Festsetzung einer Mindestruhczeit nicht begnügen, da gerade im Gastwirthsgewcrbe nichr Ausnahmen als in anderen Gewerbe» zugelassen werden müßten. Seitens der Kellner selbst seien solche bis zu 194 Tagen in Vorschlag gebracht. Er verlangte daher für alle Angestellten ohne Ausnahme und ohne Unterscheidung des Geschlechts Festsetzung einer 12 stündigen Maximal- arbeitszeit, innerhalb deren eine mindestens 1 ständige Ruhepause behufs Einnahme einer Mahlzeit liegen müsie; fcnier für diejenigen Tage, an denen Ueberarbeit gestattet sein soll, eine ununterbrochene Ruhezeit von 8 Stunden und endlich wöchentlich oder doch alle 14 Tage einen besonderen Ruhetag. Den Jugendlichen mühte aller dings ein noch weitergehender Schutz zu theil werden. Die Angestellten selbst haben auf einem Kongreß im Jahre 1895 folgende Forderungen erhoben: Gesetzliche Einführung einer wöchcnt- lichen 36 stündigen Ruhezeit, eines 12 stündigen Arbeitstages für die männlichen Erwachsenen, eines 11 stllndigen für die weiblichen und eines 19 ständigen für die jugendlichen Angestellten, die Regelung der Hausordnungen, die Unterstellung unter die Gcwerbe-Aufsicht, die Einführung eines festen Stundenlohnes, die Abschaffung des Trinkgelder-Systems und der freien Station, das Verbot der Stcllenvennittelung in Wirthschasten und die Bestrafung der Stcllenagenten nach dem Wuchergesetz, das Verbot einer Einstellung von Soldaten, staatlicher oder gemeindlicher Be- amten statt des freien Hilfspersonals und ähnliches. Hoffentlich wird bei der mündlichen Vernehmung der Auskunftspcrfonen auf diese Fordeningen genügend eingegangen, damit das Für und Wider- gründlich klargelegt' werden kann. Außerdem ist selbstverständlich die diesbezügliche Gesetzgebung anderer Staaten zum Vergleich heranzuziehen. Da aber in der Kommission über den Inhalt der in einzelnen Kantonen der Schweiz bestehenden derartigen Schutzgesetzen verschiedene Meinungen zu tage traten, so seien hier als Beispiel die entsprechenden Bestimmungen aus dein Züricher Gesetz, betreffend das WirthschaftSgcwerbe vom Jahre 1896 angeführt: „§ 48. Ten Wirthschaftsbediensteten müssen zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens mindestens 8 Stunden ununter- brochene Nachtruhe gewährt werden; es dürfen dieselben somit nach 12 Uhr nachts für keinerlei Dienste in Anspruch genommen werden. Ausgenommen sind: für den ganzen Kanton: Sylvester, Neujahr, BerchtoldStag, Fastnacht und die gesetzlich gestatteten Tanzsonntage; für die betreffenden Gemeinden: Kirchweih, Jahrmärkte, Sechse- läuten, Gemeindefeste; für die betreffenden Lokale: Gesellschaftliche Anläffe wie Bälle u. s. w., jedoch nur, wenn sie zeitlich mindestens 48 Stunden auseinander liegen. 8 49. Jedem Angestellten sind wöchentlich einmal mindestens 6 aufeinanderfolgende Stunden zwischen 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends freizugeben. 8 59. Mädchen unter dem zurückgelegten zwanzigsten Alters- fahre, die nicht zur Fannlie gehören, dürfen nicht ständig zur Be- dienung der Gäste verwendet werden, ebenso nicht Jünglinge unter dem zurückgelegten 16. Altersjahre." Außerdem wollen wir die Aufmerksamkeit der Kommission für Arbeiterstatistik auf die Personen lenken, welche in den, in neuerer Zeit vielfach als Nebenbetrieben zu großen Wirthschasten, Hotels. Theatern u. f. w. errichteten elektrischen Anlagen beschäftigt werden. Auf diese Arbeiter finden z. B. die Bestimmungen über die Sonntags- ruhe keine Anwendung. Welche Zustände infolge dessen hier herrschen. das schildert der RegierungS- und Gewerberath Dr. Heyroth in seinem letzten Bericht über die Gewerbe-Aufsicht im Regierungs- bezirk Wiesbaden:„Es werden hier die Maschinisten und Heizer Sonntag für Sonntag mitunter 16 Stunden und darüber beschäftigt. Bei der Sonntagsrevision einer solchen Anlage gab der Maschinist an, daß er und feine Gehilfen während des Winterhalbjahres jeden Sonnabend bis 4 Uhr nachts zu thun hätten, dann Sonntags von morgens 9 bis 12 Uhr und nachmittags �von B bis nachts 11 Uhr wieder zur Stelle sein müßten."' Da in diesem Gewerbe ganz besonders viele jugendliche und weibliche Personen beschäftigt sind und unter den schweren Mißständen nicht nur die Angestellten, sondern auch all' die kleinen Gcs s- inhaber zu leiden haben, so ist hier ein Eingreifen der Ginetz- gebung dringend nothwendig. Jedoch ist der gegenwärtige Kurs der Regierung ganz und gar nicht nach einem solchen Ziele gerichtet. Um so mehr wird es die Aufgabe der betheiligten Arbeiter und Arbeiterinneu sowie aller derjenigen, welche die Beseitigung dieser Mißstände im Interesse der Gesammtheit fordern, sein,' der mündlichen Vernehmung der Auskunstspersonen mit der größten Auf- merksamkeit zu folgen, um einen um so stärkeren Druck auf die Gesetzgebung auszuüben und sie trotz aller Scharfmacherei zur Schaffung der nöthigen Schutzmaßregeln zu veranlassen. Vevpruttmlttttgen. Der Wahlv crcin für den dritten Reichstags- Wahlkreis hielt am Montag in den Arminhallen eine gut besuchte Versamm- lung ab, in der Max Schippe! über Zoll- und Handelspolitk sprach. Der Redner erinnerte daran, daß über dies Thema vor dem Parteitage eine lebhafte Erörterung in unserer Presse statt- gefunden hat, und daß damals die Stimmung der Parteigenossen im allgemeinen die gewesen sei: Wir müßten, weil wir eine revolutionäre Partei sind, für Freihan' el und gegen den Schutzzoll, der etwas Rückschrittliches sei, eintreten. Man habe bei jener Ge- legenheit anch auf unser Programm verwiesen, der betreffende Passus lasse aber die Deutung zu. daß unsere Partei nur soweit gegen die Zölle Stellung zu nehmen habe, als dieselben die Jntcr- essen der Allgemeinheit schädigen.— Der Stuttgarter Parteitag habe sich ja für den Freihandel erklärt, unter der Motivirung, daß die deutsche Industrie im allgemeinen so weit eiitwickclt sei, daß sie einen Zollschutz entbehren könne. Der Parteitag habe aber nicht gesagt, daß der Freihandel unter allen Umständen im Interesse der Arbeiter geboten sei.— Im Anfang der Freihandelsbewcgung seien die Wortführer derselben der Meinung gewesen, daß der Freihandel den allgemeinen Weltfrieden zur Folge haben werde. Diese Ansicht stamme aber nicht ans sozial- denwkratischcn Kreisen, sondern sie sei zuerst vertreten worden von bekannten Führern des Manchesterthums. Wenn also bürgerliche Parteien für den unbedingten Freihandel eintreten, so könne man doch nicht sagen, derselbe sei ctlvas, was wir vom Klassenstandpunkt der Arbeiter aus unter allen Umständen zu verfechten hätten. In Wirklichkeit sei der Freihandel eben so wenig etwas Revolutionäres, wie der Schutzzoll etwas Reaktionäres sei. Im Gegentheil sei dcr Frcihandcl oft von industriell cntimckeltcn Staaten dazu benutzt worden, industriell zurückgebliebene Völker zu vcrgeivaltigen und in der wirthschaftlichcn EntWickelung zu hindern. Die letzteren hätten immer, sobald sie dazu in'der Lage waren, den Freihandel abgc- schafft und sich im Interesse ihrer EntWickelung durch Zölle gegen den industriell Stärkeren geschützt.— Des weiteren vertrat der Redner, im Hinblick auf die wirthschaftliche EntWickelung der europäischen und nordamerikanischen Staaten, die Ansicht, daß es in vor- wiegend ackerbautreibenden, industriell schwach entwickelten Ländern die Agrarier waren, welche für Freihandel eintraten, wohingegen die Industriellen, also gegenüber den Agrariern die Repräsentanten des wirthschaftliche» Fortschritts, für industrielle Schutzzölle plädirtcn. Anch in Deutschland seien in den zwanziger und dreißiger Jahren die Vertreter der rheinisch- westfälischen Industrie für Schutzzölle gewesen im Gegensatz zu den Junkern, die damals keine Schutzzölle für ihre landwirthschaftlichen Produkte brauchten und für Freihandel eintraten. Wenn es nach den Junkern gegangen wäre, so würde die EntWickelung der deutschen Industrie, die zu jener Zeit des Schutzes gegen die englische Konkurrenz bedurfte, gehindert worden fem, Deutschland hätte vielleicht heute noch nicht den Fortschritt vom Agrar- zum Industriestaat gemacht und eine Arbeiter- Partei wäre nicht vorhanden.— Die Frage, ob Freihandel odcr Sckiutzzoll, sei also je nach den wirthschaftlicyen Verhaltnissen des be- treffenden Landes, zu beantworten, und wenn wir auch eine inter nationale Partei sind, so könne die Stellung der Arbeiter zur Zoll frage nicht in allen Ländern die gleiche sein. Unbedingt sei im Interesse der Arbeiter jeder Zoll ans Lebensmittel zu ver- werfen. Bei den Jndustriezöllen werde man sich aber fragen müssen, ob der Nachtheil, den die Arbeiter als Konsumenten davontragen, nicht aufgewogen werde durch die Vorthcilc, die ihnen die EntWickelung der Industrie ihres Landes bringt. Wenn die deutsche Industrie so weit ist, daß sie des Schutzes entbehren kann, dann würden wir für Freihandel sein. Ob aber die Entivickclung schon so iveit vorgeschritten ist, das können wir nicht wissen, denn so eingehend habe noch keiner von uns diese Frage studirt. ES sei deshalb richtig, daß wir uns als Partei in dieser Hinsicht nicht festlegen, sondern uns freie Hand lassen und uns die Prüfung in jcdcin Falle vorbehalten.— Der Vortrag wurde mit allseitigem Beifall aufgenommen. Winter stimmte den AuSftthrungc» des Referenten zu. Auf eine Aufrage des Genossen M i l l a r g, lvie sich Schippe! beim Abschluß von Handelsverträgen mit dem freihändlcrischen Eng- land stelle, crividerte S ch i p p e l: England sei nicht in der Lage, Schutzzölle einzuführen, es habe auch von Deutschland solche nicht zu fürchten. Bis 1993 sei unser Verhältniß zu England festgelegt. Diese Frage könne nicht zu erheblichen Streitigkeiten führen, am wenigsten in unserer Partei.— Damit schloß die Versammlung. Eine Versammlung der in Holzbearbcitilngs-Fabrikcu bc schäftigtcn Arbeiter tagte am Montag inr Englischen Garten. Zu nächst berichtete Jäck über die Thätigkeit der Siebencr-Kommissron in der Streitsache Zimpel und Schndoiv gegen die Dreizchner-Koin- Mission der Allgemeinen Ortskrankcnkasse. Die Ursache der Zwistig leiten ist daraus zurückzuführen, daß die Dreizehncr-Konnnission ge legentlich einer Delegirteiuvahl zur Allgemeinen Ortskranken� lasse die von der Gewerkschaft als Delcgirte in Vorschlag gebrachten Zimpel und Schadow von der Liste gestrichen hat. Wie der Berichterstatter ausführte, hat die Siebencr-Kommission mehrere Sitzungen abgehalten und die bctheiligtcn Personen zu den Verhandlungen eingeladen. Die sehr langwierigen Untersuchungen hätten jedoch nicht ergeben, daß das Vorgehen der Dreizehner-Komnnssion gegen Zimpel und Schadow begründet wäre. Dem Bericht schloß sich eine sehr lange Diskussion an. worauf eine Resolution mit allen gegen 2 Stimmen zur Annahme gelangte, in der die Versammelten erklären, daß die Kollegen Z i m p'e l und S ch a d o iv nicht gegen die Interessen der Kassenmitglieder gehandelt haben und das Vorgehen der Dreizehner-Kommission auf das entschiedenste gcmißbilligt wird. Nachdem hierauf Jäck und Pichl die Nothwendigkeit einer besseren Ausgestaltung des Geiverkschaftsbureaus erörtert und die dicsbezüg- lichen Vorschläge befürwortet hatten, erklärte sich die Versannnlnng mit der eventuellen Anstellung eines zweiten Beamten für das Gewerk schaftsbureau einverstanden. Als Revisoren für de» öffent lichen Fonds wurden sodann Weise, Sauer und Jaffke gewählt. Um ein einheitliches Vorgehen bei etwaigen Differenzen init den Unternehmern zu ermöglichen und behufs gleichmäßiger Regelung der Streikunterstützung unterbreiteten die Vertrauens- männer der Versammlung folgende Vorschläge: Bei allen in der Fabrik vorkommenden Differenzen haben dre betheiligten Kollegen in einer sofort abzuhaltenden Werkstattsttzung dieselben zu be- sprechen und Beschlutz zu fassen, was sie in der be- treffenden Angelegenheit zu thun gedenken. Sind die Kollegen dann zu dem Enschluß gekommen, in der vorliegenden Sache Remedur zu schaffen, so haben der jeweilige Werkstatt-Vertraucnsmann resp. einige dazu ernannte Kollegen beim Arbeitgeber vorstellig zu werden.'Wird seitens des letzteren die Beseitignng der gerügten Mtzstände abgelehnt, so ist sofort dem Vertrauensmann oder dem Vorsitzenden der Organisation Mittheilung zu machen. Unter leinen Umständen darf die Arbeit früher niedergelegt werden, bevor der Vertrauensmann die Zustimmung dazu gegeben hat, andern- falls die Kollegen jeder Unterstützung verlustig gehen.— Unterstützung erhalten nur solche Kollegen, welche mindestens 39 Wochen hintereinander zum Streikfonds regelmäßig beigetragen haben, was nöthigenfalls durch Vorlegung der Quitttmgskarte nach- zuweisen ist. Ausnahmen finden nur statt, wenn ein Kollege nach- weist, daß ihm bis dahin keine Gelegenheit gegeben war, sich an den Sammlungen zum Streikfonds zu betheiligen. Die Höhe der Unterstützung richtet sich nach der Betheiligung der zu unterstützenden Kollegen an der Sammlung zum Streikfonds.— Nach einer kurzen Debatte wurde beschlossen, die Diskussion über die Vorschläge in der nächsten öffentlichen Versammlung fortzusetzen und die Beschluß- fassung hierüber bis dahin zu vertagen. Nachdem noch bekannt ge- geben worden war, daß am 23. d. M. eine kombinirte Mitgliederversammlung der beiden Filialen mit einer sehr wichtigen Tages- ordnung stattfindet und bei Franke. Rcichcnbergerstt. 193, eine Zahlstelle eingerichtet worden ist, erfolgte der Schluß der Ver- sammlung. Der Verband aller im Handels- und TranSportgcwerbe beschäftigten Hilfsarbeiter hielt am 8. November seine regel- mäßige Monatsversammlung ab. Herr Dr. H o l tz hielt unter ge- spann'ter Aufmerksamkeit der Anwesenden einen geschichtlichen Vor- trag über„Kulturbilder aus dem Mittelalter." Reicher Beifall lohnte dem Redner. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen. Nach einigen geschäftlichen Mittheilnngen durch den Vorsitzenden ersuchte dieser die anwesenden Kollegen, zur bevorstehenden Weihnachtssaison rege für den Arbeitsnachweis zu agitirem und jede vakante Stelle sofort im Burcnn zu melden. Dies sei um so mehr nothwendig. als die Zahl der stellenlosen Mitglieder in letzter Zeit sich bedeutend erhöht habe. Die Arbeiter-Nadfahm Vcrlius hielten am 19. November eine, öffentliche'Versammlung in den Arminhallen ab, in welcher ihr Vertrauensmann S e l t e n h o r n den Bericht für das verflossene Amtsjahr gab. Demselben ist zu entnehmen, daß folgende Agitations- touren gemacht worden sind: 2 mit dem Kalender„Der Märkische Landbot'c" nach Lübbe»(22 Man») und nach Kyritz(19); zur Wahlagitation für die Reichstagswahl: 2 nach dem Kreis Becskow- Storkow(11 und 15 Mann), 2 nach Templin(25 und 15), 1 nach Angermünde(12), 1 nach Friedcbcrg-Arnswalde 112), 1 nach Guben <17'), 1 nach Lübbe»(22). Am Wahltag waren thätig: Niedcrbarnim (5), Teltow- BceSkow für Haupt- und Stichwahl(je 26), in Berlin in jedem Wahlburcau 3, inSgesammt ca. 59 Fahrer.� Ferner waren thätig: bei der Stadtverordneten- Wahl 14 und bei der Ge- wcrbegcricht's-Wahl 12 Fahrer..Kollisionen mit der Polizei waren fünf zu verzeichnen, wovon zwei mit Strafmandaten endigten, die aber in der Berufungsinstanz aufgehoben wurden. Verschiedentlich wurden Flugblätter konsiszirt. Die Einnahmen des Vertrauens- mnnncs betrugen 34,99 M., die Ausgaben 24,25 M.; es verbleibt ein Bestand von 19,65 M. Bei der Neuwahl des Vertrauens- manncs wurde G. Seltenhorn, Ramlerstraße 11, Seitenfl. I, wiedergewählt. Hierauf folgte ein beifällig aufgenommener Vortrag des Genoffen Wille über:' Praktische Winke zur Landagitation. I» einer Versammlung dcS Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, die am 14. November bei Wernau in der Schwcdter- straße tagte, rcfcrirte Otto Näther über:„Was ist zu thun, um der fortschreitenden Verschlechterung der Arbeits- und Lohn- Verhältnisse eiitgegenznwirken?" Er beleuchtete die immer mehr einreißenden Mißstände und die zunehmende Unter- drückung der Kollegen durch die Unternehmcrorganisationen. Die Zustände könnten sich nur bessern, tveun die Metallarbeiter mehr wie bisher sich in der Organisation zusammenschließen. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag entspann sich eine Dis- tnssion, in der über die Gleichgiltigkcit und Lauheit der Metall- arbeitet- geklagt wurde. Die Arbeiter von Ado und auch von anderen Werkstätten seien nicht zu Wcrkstattvcrsammlungen zusammen zu bringen. Die Metallarbeiter von Palm ließen sich still- schweigend Abzüge gefallen. Wenn sie, wie durch angeführte Bei- spiele bewiesen, ihr Recht verlangten, bekämen sie es auch. Scheff- ler sprach dann noch über die schwere Stellung der Verttauensleute, die nicht allein gegen die Unternehmer einen schweren Stand hätten, sondern auch nur zu oft von den Kollegen chikanirt würden. Die Kollegen sollten doch bedenken, daß der Vertrauensmann nicht für sich, sondern für die Gesammtheit arbeite. Zum Schluß wurde noch auf die Matinee am zweiten Weihnachisfeiertage hingewiesen, die zu-gunsten der Familien der wegen des Streiks in Torgelow Verurtheilten stattfinden soll. Charlotteudurg. Am 9. d. M. tagte hier im Lokal„Bismarcks- höhe" eine Versanimlung für Frauen und Männer, cinbemfen durch die weibliche Vertrauensperson Fräulein Vogel. Dieselbe erstattete Bericht über ihre Thätigkeit im letzten Jahre. Demnach haben vier Versammlungen stattgefunden. Die Kasse wies einen Bestand von 33,55 M. auf. Aus Sammlungen waren 117,55 M. eingegangen, während die Ausgaben sich auf 84 M. beliefcn. Hierauf wurde Fräulein Vogel wiedergewählt. Die ganz vorzüglich besuchte Ver- sammlung spendete dem Genossen Ledebour für seinen Vortrag „Weib, was habe ich mit Dir zu schaffen I" reichen Beifall. Steglitz. Am 19. November fand hier im Restaurant„Kaiser« hallen" eine Volksversammlung statt, in welcher der Reichstags- Abgeordnete P f a n n k n ck> über das Thema: Die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat sprach. Redner betonte, daß die Regelung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Interesse der wcrkthätigcn Massen erst dann möglich wird, wenn die Massen ihrem Wille» auf dem Wege der Gesetzgebung Ausdruck verleihen und diesen Willen zur Durchführung bringen können, mit anderen Worten, wenn die Mehrheit des Volkes die politische Macht den Händen einzlncr wenige entwunden und selbst übernommen haben würde. So lange aber die Mehrheit des Volkes ihrer Interessen noch nicht klar bewußt geworden sei, würde sie auch für dieselben nicht ein- treten. Es sei deshalb nothwendig, zunächst die Massen über die Mittel, welche zur Verbesserung ihrer Lage angewendet werden könnten, aufzuklären und zur Anlvendung dieser Mittel anzuleiten. Organisirt und agitirt! müsse den Genossen überall zugerufen werden.— Dabei dürfe» wir uns aber keinen Illusionen hingeben und müssen den Thntsachen ins Auge sehe», selbst wenn diese uns zwingen sollten. uns von gewissen alten, uns lieb- gewordenen Vorstellungen abzuwenden'.— Nach dem anderthalb- stündigen Vortrag, welcher beifällig von der gut besuchten Ver- sammlung aufgenommen wurde, gelaugte folgende Resolution ein« stimmig zur Annahme: Die Versammlung erklärt sich mit den Aus- führungcn des Referenten einverstanden und verspricht, mit aller Kraft für die Verwirklichung der Ziele der sozialdemokratischen Partei einzutreten.— Zur Kreiskonferenz wählte die Versammlung die Genossen Kutscher, Fritsche und S ch e r b e r g. Pankow-Nicdcrschöuhauscn. Am Montag, den 7. November, tagte in Pankow eine Parteiversammlung, in ivelchcr der Vertrauens- mann Freiwaldt den Rechenschaftsbericht und die Jahres- abrechnung gab. Es wurden im laufenden Jahre 12 Versammlungen abgehalten, darunter eine in Französisch-Buchholz. Agitationstourcn wurden fünf unternommen. Die Stimmenzahl bei der Reichstags- Wahl zu gunsten der Sozialdemokratie stieg folgendermaßen: Im Jahre 1899 wurden abgegeben 429 Stimmen, 1893 724 Stimmen und bei der letzten Reichstagswahl 1212 Stimmen. Zum Kassenbericht am Orte ist zu bemerken, daß eine Ein- nähme von 393,25 Mark zu verzeichnen ist, dem steht eine Ausgabe von 864,59 M. gegenüber; somit bleibt ein Bestand von 28,75 M. Bei der Neulvahl des Vertrauensmannes wurde, da der bisherige Vertrauensmann Freiwaldt, welcher das Amt drei Jahre dekleidete, ablehnte, Hermann Krause gctvählt. Zum Bericht der Lokalkommission ist zu erwähnen, daß anch im letzten Jahre sich wiederum in beiden Ortschaften einige Lokalinhaber be-' reit erklärt haben, ihren Saal zu Versammlungen herzugeben. In die Lokalkommissiou wurden Gebhard und K. Hoffmann (Pankow) und Enterling(Nieder-Schöuhausen) gewählt. Zu Revisoren wählte die Versammlung Schokel, Frerwaldt und P r ö b r o k. Fricdnchöfelde. Eine sehr schwach besuchte Volksversammlung tagte am S. d. M. in F. B u b e' s Festsälen. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Genossen A. Hoffmann über: DetS Arbcitcr- rlcnd und die zukünftigen Zuchthäusler. Vor Eintritt in die cigcnt- liche Tagesordnung gab der Vertrauensmann den Bericht für das abgelaufene Geschäftsjahr und wurde ihm Dccharge erthcilt. Bei der nachfolgenden Neuwahl kam es zu erregten Ausemandersetznngen zwischen den Genossen auS FriedrichSfclde' und denen aus Lichten- bcrg, da die letzteren die örtliche Parteileitung in Händen behalten wollten. Bei der Abstimmung wurde H e n t s ch e l wiedergewählt, in die Lokalkommissiou Wedemeier, Sack und Schilling delegirt. Gegen die Wahlen ist Protest angemeldet. Hierauf hielt Adolf H o f f m a n n seinen Vortrag und erntete Redner reichen Bei- fall. Da inzwischen die Polizeistunde eingetreten war, wurde die Versammlung um 11 Uhr geschlossen. Reinickendorf. Hier tagte am S. b. Mts. eine Versammlung. in welcher der Vertrauensmann Zeidler Bericht erstattete. Hierauf wurde Robert Baum zum Vertrauensmann und Glas und G r a ni m zu Revisoren gewählt. Aus dem Bericht der Lokal- kommission ist zu entnehmen, das; die Parteigenossen schwer zu kämpfen haben, VersannnluugSIokale zu erhalten, da die Wirthe fürchten, auf die Polizeistunde gesetzt zu werden. Gastwirth Engel hat sein»----.........-- ist auch........................„. hierauf in die Lokalkommission gewählt. Lese-»nd TiökutirrlnbS. Mittwoch.„Gleichheit", abends s»/, Uhr, Stramm, Ritterstr 123.—„Heine", Rtxdorf, abends 8'/, Uhr, Prinz Hand- jerystr. SO.-„Einigkeit", abends 8»/, Uhr, Zeige, Triftstr. 1.-„Morgen- roth" abends v Uhr, Dieke, Lothringerstr.(57.-„Sozialdemokr. Agitattons- klub Osten", abends 8l/z Uhr, Jauer, Fnichtstr.»2.—„Freigeist Arlona", abends 8 Uhr, Wesener, Arkonaplatz 3.-„Friedrich Engels Norden". 9 Uhr abends, Aeihen, Boltastr. 34. Arbeiter- Töngerbund Berlins und der Umgegend. Borsttzender . Adol; Ncumann, Brniinenstr. 1b0. Alle Aenderrmge» iur Bcreinskalcnder find zu richten an Friedr. Kortum, Manteuffelstr. SO, v. 2 Tr. Mittwoch. Uebungöstunde abds. S Uhr, Aufnahme von Mitgliedern.—„Liedesfmheitl" Nebelur, Langestr. 108.-„Norddeutsche Schleife", Lübble, Mclchiorstr. Ib. -„Freya I"(Gemischter Chor), Schiller. Roscuthalerstr. 57.-„Lorbeer- kränz", Späth, Weinstr. 28.-„Liedcrlnst 1<1805)", Roll, Adalbertstr. 21.- „«pandau", in Spandau, Radtke, Neumeisterstr. 5.-„Deutsche Eiche I" Zimmermann, GrttiierWeg29.-„Echo 1". Pankow, Clemens, Wollanksw. 122! ~.-Treue", Nowack, Manteuffelstr. S.-„Allegro", Jost,«öpiiicker- straffe lb7.-„Freiheit I" Nichter, Büloivstrahe Nr.«5.-„Freier Männerchor„Nord- West", Lautfch, Stephanstr, 31.-„Kiipferschmiedc", 3ebld. Weinstr. 11.—„Gleichheit 1", Hirte, Briiimenstr. 1(50.—„Schnce- glockchen I" Rixdorf, Köpke, Hennam!-- und Karlsgarckenstraben- Ecke.- �Hoffnung III", Brandenblirg a. H., Wilhelmsdorfcrstr. 25.- Arbeiter- Geiangverein„Britz" in Britz, Dorn, Btirgerflraffc 4.-„Seegerffchcr Manncrchor", Göbel, Landsberger Allee 156.—„Maiengrun II". Charlotteiiburg, Bartsch, Straße 6a., Nr. I.—„Heimathklänge", Köpenick, ststryer, Roienstr. 101.—„Wacht auf I", Lambcck, Danzigerftr. 71.—„Bor- warts X", Nauen, Hobnsch, Marltstr. 16.-„Schneeglöckchen II" Potsdam, hat seine nufäuglich gegebene Zusage wieder zurückgezogen und so < dieses Lokal wieder gesperrt. D ü l f e r t und' O t't o wurden Glaser. Brandeuv, Kommuuil. 16.-„Treu uud Fest", Lohmanu, Koppenstr. 17, —„Bruderbuiid", Fickiugcr, Uscdomstr. 22.—„Säugerlust", Werder a./H. Kugelweg im Lokal.—„Ost- und Westprcußcn", Englischer Garten, Alexanderstr. 27o.—„Ostcii", Metallarbeiter, Pippke, Grüner Weg 13, —„Rosalie", Plaen, Kouigsbergerstr. 34.—„Keramik", Charlotteiiburg. Preftel, Kepplerstraße.-„Zaget nicht", Steglitz, Schwarzer Adler,, Albrechtstraße 125.—„Froh- Hoffnung", Falter, Pallasstraße 16.— „Lieheslust II", Potsdam, Glaser, Brandenburger Koniiiiuuikation 16. —„Wclteiirus", Schiller, Roseiithalerstr. 57.—„Enterbten", Schmidt, Swinemünd«- und Ramlerstraßen- Ecke.—„Frohe Stunde", Scholz, Nauiiynstraße 6.—„Melodia", Rixdorf, Thomas, Bergstraße 162.— „Treu»nd Fest U", Schoueberg, Krahann, Grunewaldstr. 116.— Zukunft II", Nieder-Schvnhaufcii, Scttekvrn, Liudenstr. 1.—„Vorwärts I", Roll, Adalbert- straße 21.—„Linde", Schcbcra, Schönhauser Allee 65.—„Hoffnung I", Weißensce, Flvhr, Prenzlauer Allee 78.—„Treu und Einigkeit", Rixdorf, Wutzlcr, Bcrgslr. 24.—„Eichenkranz U", Knoblich, Soldinerslr. 36.— „Friedrichshagener Sängerchor", Friedrichshagen, Conrad, Friedrichstr. 138. Gesang-, Turn- und gesellige Bereine. Mittwoch: Skatklub „Revoliition", Golz, Gitinaneiftr. 3.— Gesell. Verein„Hoffnung", Diefeler, Lebiiserstr. 14.— Artistenv.„Vereinte Kraft", Zepke, Plan-Ufer 02», Mitt- woch abends und Sonntag vormittags.— Alhlctenv.„Atlas", Dase, Brunnenstr. 152.— Gesell. Verein„Türkische Pfeife", Hansen, Danziger- straße 93.— Tambour».„Froh-Frei", Bolz, Wiesenstr. 27, Mittwochs nnd Sonnabends.— Schachkl.„Norden", Mandel, Secstr. 25.— Musilverein „Knaatsch", Genz, Kolbcrgerstr. 2.— Pftopfcnv.„Nord-Ost", Jonas, Elbingerstr. 9.— Rauchkl.„Schmoke's Werke", Hegeiier, Krautsir. 39.— Gesaugv.„Sangcötreue", Sprceterraffe an der Jannowitzbrücke.— Gesangv. „Lerche", G. Gerber, Schönhaulcr-Allec.—„Vereinigung der Turnsreunde", Dcminwcrstr. 56/57, 8i/„— 10»/, Uhr abds.— Turnv.„Osten", Männerabth., Bliinienstr. 63a, 8V2— 10 Uhr abds.— Tambourv.„Ruf", Dresdenerstr. 58, Mittwochs und Sonnabends.— Mnstsv.„Vorwärts", NebeUn, Langestr. 108. — Ziihertl.„Alpcnglbckchen-Edelweiß", GipSstr. 11.— Theatern.„Proletariat", Pritsch, Skalitzerstr. 30.— Skatkl.„Pique Bube", Jost, Adalbertstr. 99.— Artistenkl.„Freiheit", Schulz, Dunckerstr. 90, Mittwochs und Sonnabends. — Skatkl.«Naturstock" Witlwer, Markuöstr. 31, Mittwochs und Sonnabends. — Skatfl.„Namenlos", Gumlich, Rcichenbergerstr. 149.— Theatcrv.„Freier Wille", Märkischer Hof, Admiralstr. 18o.— Aiiglerverein„Frcund-'chast", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. im Monat. BcreinSlokal Wilhelui- straße 27.— Sfatklub„Oller ehrlicher Sceniaiin", Dieke, Ackerstr. 123.— Theatcrverein„Vtoletta 1836", Linder, Danzigersir. 23. lllrbcitcr-Turncrbnnb. Mittwoch: Tuwv.„Fichte", Berlin, abds, von 8—10 Uhr: 1. Männcr-Abth. Fricdcnstr, 37. 3. Mämicr-Mth. Böckh- straße 21. 8. Männer-Abth. Höchstestr. 36/37. 2. LehrlingS-Abth. Skalitzer- straße 55/56. 4. Lchrlings-Abth. Stephanstraße 3.—„Freie Turner- schast Rixdorf- Britz", 2. Schüler-Abth. von 6V8— 8V], 2. Männer- und Lehrlings- Abth. von Lr/z— 10�/, Uhr abdS., Bclhge in Britz, Chauffecstr. 39. Schülerinnen- Abth. von 6»/,— 8V,, Frauen- Abth. von 8Vj— lOVi Uhr abds., Wicrsing, Knesebeckstr. 113.—„Freie Turnerschaft Johannisthal", abds. 8— lOUHr, Senstleben.—„Arbeiter-Turuv. AdlerShos", Uebnligsst. von 8'/.— lO'/j Uhr abds., Herrgnth, Oppcnstr.—„Turnerschasr d. B. Nereus", Lehrlingö-Abth. von 8—10 Uhr, Rcichenbergerstr. 131/132. Arbeiter-Rauchcrbiiud Berlins und Umgegend. Acndcriingen im Bcreinskalcnder sind zu richten an Herrn. Lrauuschweig, Dresdenerstr. 80, 2. Hof. Mittwoch:„Arkona", Armer Konrad, Rcichenbergerstr. 16.—„Sumatra Süd-Ost", Manegold, Liegiiitzerstr. 18.—„Waldesgrün", Kunze, Förster- straße 36.—„Virginia", Schiueber, Admiralstr. 21.—„Frei Weg", Schönc- bcrg, Klein, Mcrscburgcrstr. 7.—„Fidclc Raucker", Rupvel, Böckhstr. 49. —„Intelligenz", Schmidt, Kottbuser Damm 101.—„Granate", Engel, Forsterstr. 58.—„Fidcle Brlider", Fricdrichssclde, Lohsc, Luisenstr. 20.— „Frohsinnö-Heimatk", Nowak, Wilhelmshavenerstr. 10.—„Deutscher Michel", Pankow, Griffel, Kaiser Friedrichstr. 15.—.Oblancr". Rirdort. Elias. „Oblauer", Rirdorf, Elias, Berlinerstr. 1«.-„Abguß I". Gorn, MarkuSstr. 23.-„Die Dampfenden", Jeratsch, Reichenbergerstr. 160.-„Weiße Nelke", FelSke, Lausitzerstr. 26.- „Zufriedenheit", Rixdorf, Rheden, Mühlenstr. 5.-„Apfelblüthe", Schmidt, Pankstr. 3b.-„Fliederduft". Schmidt, Friedenstr. 74.-„Weichselduft", Görlitz, Stargardersir. 7.-„Alter Hussit", Zimmer, Jasnumderstr. 4.-„Kein Ton", Necket Rvkestr. 13.-„Rothe Fahne", Sievert, Görlitzerftr. 50.-„Korn- blume", Menzel, Gneifenaustr. 71.—„Veilchenblau", Dimke, Marienburger- straße 22.-„Einigkeit U", Peukcrt, Köpnickerstr. 38.-„Guter Zug", Prell, Oderdergersrraße 36.-„Kräftiger Zug", Fürstenau. Reichenbergcr- straße 39 d.-„Alter- Stamm", Lasow, Jahnstr. 2.—„Volldamvff, Werder a, H., Martin, Kugelweg 58.-„Lebensblüthe", Hoffmann, Klcme Markusstr. 9.-„Fidelibus", Zimmermann, Pctersburgcrstr. 56.—.Bruder- lichkeit", Schilling. Manteuffelstr. 88.-„Rothe Nelke", Neu-Weißensee, Schulz, Sedanstr. 30.-„Ohne Furcht". Schmidt. Wienerstr. 44 Arbeiter-Schwimmerbund. Anfragen sind zu richten an E. Bratre, Schulstr. 24. Mittwoch: Schwimmvereiu„Nord". Uebungsstunde abends 7»/, Uhr im Admiralsgartenbad, Friedrichstr. 102. Damen-Abch. abends 7 Uhr Bad der Wafferfrmnde, Kommandanteustr. 7/8. Heilverein Kube. Donnerstag, abends 8�/, Uhr, im Kösliner Hof, Köslinerstt. 8: Oeffentlicher Vortrag über:„Ans dem Reiche des Dämons Alkohol". Referentin: Frl. Kube. Laudsmanuschast der Schleswig- Hol, teiner. Heute, abends 71/, Uhr, Versauunlung m G. Feucrstein's Festsälen(Inhaber M. Herzberg), Alte Jakobstr. 75..„... Theater- und VergnügiingSverei»»Helgoland". Heute Abend 7 Uhr Ackerstraße 144: Sitzung�_ Briefkasten der Redaktion. Die inrisiische Sprechstunde wird Dienstags. Donnerstags und Freitags abendö von 7Vz bis 8V1 Uhr abgehalten. Wir bitten, bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll und die letzte AbonnemeutSquittung beizulegen, Fragen ohne solche werden nicht beant- wortct und schriftliche Antwort nicht erthcilt O. M. 100. Die Ober-Deckoffiziere der Marine gehören zur Klasse der Unteroffiziere mit Portepee. Es giebt darunter: Obcrbootslciite, Ober- Maschinisten, Obcr-Torpedvfcuerwerker. Das Avanciren zum Ober-Deckoffizier setzt besondere technische Ausbildung in dem betreffenden Fache voraus, W. K. Das erfahren Sie mit Sicherheit von der Redaktion der „Märkischen Bolköstimme", Forst i. L., tzranksnrtersir. 11. Anstralien. Wenden Sie sich an Karl Stangews Reise-Bureau, Mohrensir. 10 Part. 34 L. In der Rubrik„Unterm neuesten Kurs" ist Ihre Angelegenheit nicht verzeichnet. Einen Rati, für dortige Berhältniffe können wir nicht gebe». Die gewünschten beiden Nummern unseres Blattes werden Ihnen zugesandt werden. A. I. Setzen Sie ruhig Ihr Geschäft fort. Falls Sie verklagt werden, kommen Sie in unsere Sprechstunde.— P. B, Eine Klage wird temen Erfolg habe».- O. 31. Nein.- ffi. B. 100. Zunächst Ladung zum Sühnetermin. Zu 2: Armenvorsteher. Zu: 3: Nein.— M. K. Ja.— P. S. II. So lange Sic den Sohn iu keine andere Schule schicken, ja. — F. W. 55. Sie müssen Kosieufestsetzutig beantragen.— F. I. 30. Zu 1: Ist auf Zuchihans erkannt? Z» 2: Welches war die Strafe? Wenn 1 Jahr nach erlangter Kenntniß die Ehe sortgesetzt ist, gilt der Schcidungs- grund alS verziehen.— Vormund. Bei dem Gericht, wo geklagt werden soll.- H. P.:i�. Hier unbekannt.- M.®., Köpenick. Zu 1: Dem Mann. Zu 2 ist die Frage nicht verständlich— P. Sch. 11. Ist die Frau Erbin des Mannes geworden?— P. R. L. 10. Ja.— Hoffman». � Versuchen Sie ein anderes ärztliches Attest zu erzielen.— E. H. 131. Zu 1> Hier niibckannt. Zu 2: Ja. Zu 3: Wenn innerhalb 3 Monaten seit Kenntnis; der That und des Thäters Siraiantrag nicht gestellt ist. Zu 4: 1 Wrcke. Für de» Inhalt der Inserate überniiiinit die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Beraiillvortuiig. Thrnkcv. Mittwoch siudsä»uutliche Theater geschlossen. Donnerstag, 17. November. Opernhaus. Der Evangclimann. Phantasien in, Bremer Raths- keller. Anfang 7'/, Uhr. Vchanspielhans. Ans der Sonnen- feite. Anfang 7\/3 Uhr. Deutsches. Fuhrmann Henschcl. Anfang 7% Uhr. Berliner. Zaza. Anfang 7»/, Uhr. vcffiiig. Der Star. Anfang U/z Uhr. Residenz. Mamsell« Tourbillon. Vorher: Der Küchenjunge. An- fang 7»/, Uhr. Westen. Eugen Onsgin. Anfang � 7V, Uhr. Neues. Hofgunst. Anfang 7»/, Uhr. Schiller. Wilhelm Tell. Anfang 8 Uhr. Metropol. Die Blumen-Mary. Hierauf: Die Sünden der Frauen. Anfang?>/, Uhr. lkcutral. Die Geisha. Ans. 7»/, Uhr. Thalia. Der Hypotheken- Schuster. Anfang 7Vz Uhr. Luise». Berliner Raketen. Anfang 8 Uhr, Ostend. Onkel JonaS. Anfang 8 Uhr. Bellc-Zllliauce, Napoleon. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmstiidilschcS. Fregoli-Gastsptel. Anfang 8 Uhr. lNlexaudrrplatz. Auch ein Fall Grünenthal. Anfang 8 Uhr. Parodie. Tugend. Anfang 3 Uhr. Urania. Taiibrustraste 48—40. Raimkundliche SliiSstcllniig. Tög- lich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt b0 Pf. Abends 8 Uhr: Die Urzeit des Menschen. Juvalidenstraste 57/03. Täglich abcndS von 5—10 Uhr: Stern- wai-te, Operniclepho». Bpollo. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 7Vz Uhr. RcichshaUr». Stctttucr Sänger. Anfang 8 Uhr. Fee»-Palast. Spezialitäten- Bor- stellung. Passage> Panoptikum. Speziali- tätcn-Vorstellnng._ CrnfvalCIu'eitcv Direktion: Jose Ferenczy. Heute Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag uud folgende Tage: Dir G r i s!; n oder: Eine japanische Xheehans- Geschichte. Operette in 3 Akten v. Sidney Jones. Anfang 7V, Uhr. Sonntag(Tobten-Sonntag): Dir vllocte» von Eorncville. Roinaiit. Oper in 3 Akten von R. Planqnette. 'kksüil-ü'köatkr. Dresdenerstr. 72/73. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: HclincvdlnK. ZerDWothekenschufter Posse mit Gesang in drei Alten von Leopold Ely. Musik von Cornelius Schüler. Aniang 71/2 Uhr. Ereitag: Dieselbe Vorstellung. onntag, 20. Novbr.: Einmaliges Gastspiel dcS Deutschen Theaters unter Leitung des Hern, Direttor vr. örsbm. X«»»'». Schauspiel in drei Akten von H. Ibsen. Deutsch von Wilbclm Lange. Urania Taiiliennti-assc 48/40. AbwechsIunKsweiso Die Urzeit des Menschen und Quer durch Oesterreich. InvaUdcnstr. 57/03: . Sternwarte. Taubenstrasse im Hörsaal: Ex|ierini.u.Projekt.-Vorträge Luisen- Theater 34, Retchenbcrgerstraste 34. Heute geschlossen. Donnerstag: Zum 1. Male: Berliner Raketen. Schwank in 3 Akten von B. Jacobkon (in, theilwetser Benusnng eines Stückes von M. Oroonneau). Freitag: Berliner Rakete». Sonnabend, 19. November, nachmittags 3 Uhr: 7.SvIiiiIt?r.V«r»reIIanz zu besonders ermäßigten Pretseu: Wilhelm Tell. CchiMKliter (Wasluer- Theater). Mittwoch: Gefchilolsen. Donnerstag: Wilhelm Tell. Freitag: Lumpengesindel. Lsteuli-Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfnrterstr. 133. IV Heute Mittwoch: Geschlossm. Donnerstag: Zum 5. Male: Onkel Jonas. Volksftück mit Gesang in 5 Akten von Oskar Klein. Musik von Wiecher. Anfang 8 Uhr: Borzngsbtllets haben Gilttgkeit. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert.— Freitag: Onkel Jonas. Sonnabend: Gewonnene Herzen. Sonntag: Lorbeerbaum U.Bettel- pab. Donnerstag, den 17. November, abends 7'/, Uhr: Lpont-Abvncl. PERSIEN. Gr. Manege-Schaustück in 5 Akten, I tnfccnirt vom Dir. Paul Busch. Tänze arrangtrt vom kgl. italienischen Hof-BalleNneister Ottavi. Musik vom Kapellmeister Taubert. Dargestellt von 500 Personen. Sämmtl. Einrichtungen gesctzl. geschützt. Ausstattung, Kostüme, Requisiten in nie gesehener Pracht aus den Ateliers von Hugo Baruch u. Eo. Besonders hervorzuheben: Sklaven- markt in Schiras— Der Raub der schönen Circassicrin— Der Sprung des Prinzen Mirza Schaff», aus der Höhe der Circuskuppel ins Wasser— Großer Karawanenzug durch die Wüste mit Kameelen, Maul- thieren, Elefanten, Ekeln, Pferden»c.— Im Harem des Schah— Der Ritt über die Burgmauer— Der Sturz des persischen Prinzen mit dein Pferde von hoher Felsenklippe ins Wasser.— Außerdem: Auftreten des Hern» Kraue Gebhardt, Ritter je., bisheriger Chef der k, t. spanischen Hof- Rettschule in Wien. Die neuen Frei- heitsdreffnren des Direktors Ousch. Freitag: Pcreiea» Herlinsr Aquarium Unter den I, Inden 68a, Ptiiprang Schadowwtr. 14. Heute Rnnntne Eintrittspreis UESr 50 Pf."VU Hoichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seethieren, Heptilien etc. Passaye-Panopticum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis IDUhrabends 500 Stlxsnswttrdig- keiten. Castan'c mm Panopticum. Neu!! Neu!! Lebendig begraben!! Apollo-Theater. Hente: deschlossen. Morgen Donnerstag, den 17. November: Anmand'Apy. Robert �teidl. Familie Agoust. Auftr. sämmtl. Spezialitäten. Kasseneröffnung«'/, Uhr. Anfang 7»/, Uhr. Roichsliallen. SttNiiikr Siiigtl (Meüsel. Pietro» Brttton. Sceidl. Krone, Roh:. Schneider und Schräder.) 'Anfang 8 tthr. Sonntag 7 Uhr. Entree 50 Pf. Nu»». Ballon 75 Pf. Balkon-Loge 1 M. Orchcster-Loge 1,50 M. Freindcn-Loge 3 M. Tageskasse von 11—1 Uhr. Die Billets zu de» num. Sitzen sind stciö 8 Tage vorher zu haben. Neues Ptwauni!. Olympia- ij Theater. (Clrcui Renz) Karlstrasse. Henke geschloffen. Morgen nnd folgende Tage: Berliner AnSstattungsstück mt: i(!ouplots, Metroyol-Vaeaisi'. Behren Iii-. 55/37. Dir. Rieh. Schultz. öcntcOTittluoch: Geschlossen. Morgen, Donnerstag, den 17. Nov.: Novität. Znm 1. Male: Novität. „Die Blumen-Mary" Operette in 3 Akten von Landesberg ». Siein. Musik v. Carl Weinberger. In Szene geletzt v. Dir. Rich. Schultz. Hierauf: Die Tiittdrtt der Frauen. Großes Ballet- Divertissement, arrangirt vom Balketmcister Guudlach. Musik von Bertrand. Mälir's Theater Oranienstr. 31. Täglich-TW3 Spezialitäten- und Tyeatcr- Vorstellung. O diese 3!adler! BnrleSke. Elown lilinh».?IIIe. It»sa. Udler v. Hetz. I-Ittle Willy. Ansang an de» Wochentagen 8 Uyr. Somttags 6 Uhr. Bons haben Wochentags Giltigleit. j keeu-Palast- 6 Aufzügen und Koloffal> Baiiets! in 3 Akten(10 Bildern). Sonntag 2 Vorstellungen. Nachmittags 1 Kind im. Circus(lenz-Riesen-Tunnel. Direktion: J. M. HUtt. Täglich: Grosses Konzert der Hanökapclle unter Leitung dcS Musikdirektors Herril Otto viirner und Vxtr» Spezialitäten-Vorstellung unter Regte des beliebten Humoristen dustav Kluck. Das neue groftartige November- Programm. Ans. Wochem. 6'/. Uhr, Sonnt. 5 Uhr. Entree Wochenf. 10 Pf., Sonnt. 30 Pf I Theater Burgstr. 22. Burgstr. 22. Neu! Circus Püscliel Neu! seniatioiiell dreff. Ziegenböcke. Neil! Rrokessor Trispo. Neu! l'nty Fraiik-Tru]>]»c. loslla�s lebend. Bildcr-Gallerie. Margiieritta, drcsstrtc Tauben. Carl Jörgansen, Mimiker. Gebr. Franconl, Ernst Sprecher. Die aiibcltcbte Soubrette Helene Voss. Um 8>'z Uhr: Richard Winkler in d. erfolgreichen Gesangspoffe Noscil vom Norde«. Anfang 71/2, Sonntags 6 Uhr. Vorverkauf Vorm. v. U-1 Uhr. V olks- Theater im Welt-Restaurant Dresdener- Strasse 97. Dir.: A. Kolig. Art. Letter: A.Runge. Novität! Sensationell! Novität! Sensationeller Erfolg! Die CirrusLoe. Operette von Feisch. Musik von Baselt. In Szene gesetzt von August Runge. Neu! Charles Volkk, der berühmte Tanzhumorist. Neu! Eugen Roes«, der beste aller Mimiker. �leilxai-- �Thoittor Dresdener8tr.52/53.CIty-Passago.] Direktion: Richard Winkler. Täglich: Knmmelfritze. Bolksstiick mit Gesang in 3 Ans- zügcn von Jacobfohn und Willen. Mustl von Michaelis. In Szene gesetzt von Otto Mendt. Dazu das ausgewählte Zuezilllitättn-Programm. Neu! Neu! Neu! Le cardo and Trepp, Mnstc-Excentrlc-ComedtanS. �fltfltlllt* Wochen». 71/i Uhr. . Sonntags 6V2 Uhr. Rtt+hdi»» Wochentags 30 Pf. mUttl» Sonntags 40 Pf. Vorzugöbillcts haben Giltigkeit. LonoerttiauL. I.eij'zigerstr, Ao,48. Heute: Geschloffen. Morgen Donnerstag: Insel Sniipatn«. W. Hoack's Theater Brunnensti*. 16. Mittwoch(Busttag): Geschlossen. Donnerstag, den 17. November: In Saus nnd Draus. Original-Poffe mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Jacobfohn u. Hahn. Musik von Michaelis. Nach der Borstellung: Tanzkränzchen. Specialärztl. Institut Dr. B. Lasker 43 Alexanderstr. 43 (am Alexanderplatz). Gpec. operationsloses Heil-Ber- fahren ohne Berufsstörung m Beinleiden. Erprobte Methoden bei Flechten, kuxus und anderen Hantleiden. Tägl. 9-12, 3-6. Freitag und Sonntag 9—12. Denge vor der Usch! Allgemeine Volks-Krankenkasse 7. November, abends 8Vz Uhr. in» Hot, Koventbalerstrasse 11—12: AG" JDevrammlmtg.-HSV Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Venossen Il«de»-t»eUniickt über:»Streiflichter Iber einige theoretische Fragen". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 2tS/12 ._ Der Torstand. WWr DolBlbtiter-Verblttlii. (Zahlstelle Berlin.) vonnerstag, 17. tlvvemde�»deniiz 8 llbr� bei ScdSnIng, KSpnIckeretr. SS: BrMdjciivtchiiniülnlg ki Perlmntter-Arbeitn. Tages-Orduung: I. Bericht der Kommission und Neuwahl derselben. 2. Wertstattangelegenheit. 'W Die Kollegen der Firmen Mmmovokv und ludw. Schulz werde» veso»,oers eingeladen. __ Ausnahmen finden in der Dersanlmlung statt._ Achtung:-qm mr Achtung! Stellmacher. Diciistag, den 17. November, abcudS S'/a Uhr, im Lv.al des Herrn Schiller, Nosenthalerstraste 37: V e v Xa tu ni lung TageS-Ordnung: 1. Besprechung unserer gewerlschastliche» Lage. 2. Veriandsangelcgen- Helten und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Dbinanit. Aditwiag', Maurer! Freitag, den 18. November, abends 8 Uhr, bei Zubeil, Lindcnftraste lv<»: Oeifentlictie Baudepütirteii-Versamiliing. Kollegen! Wir machen es Euch zur Pflicht, daß jeder Bau durch einen Deputirtcn vertreten sein muh. Tie Lohnkommissio» sZcntralvcrband deutscher Maurer). 264 6_ I. A.: W. Schulz. Verein sollaldemokratischer Gllll- nnd Schanlilliltthe Derliiis nild Umgegend. Am Areitag, den 18. November.»achmittags S Uhr, im Lokal des Kollegen Werna», Schtvedterstrafte Nt/Sl: Versammlung Tages- Ordnung: I. Vortrag des Kollegen Znbeil. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes.— In dieser Versammlung gelangen die neuen Mitgliedervcrzeichnisse zur Ausgabe. 69/19_ Der Äorstand. I. A.: Ferdinand Fwald. Aldtuugi Zimmerer. Astuiis! Au« Freitag, den 18. November, abends 8 Uhr, im Lokale der Annlnhallen, Kommaudantenstrake 30: Mitglied er- Versa ainilniig der Zeutral-Krankei»' und Sterbekah'e der Zinnnerer(E. H. Nr. 3 Hamburg), Ocrtliche Lerivaltung Verlin. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 189S. 2. Anträge zur Eeneral-Ver- sammlung. 3. Verschiedene Kassenangelegenheitcu. Z.V Mitgliedsbuch legitimirt. 259/10 Der Torstand. I. A.: August Gonae, Barnimstraße 41a. Orts- Krankenkasse für die in den PienebUttsbetrIebei» der An»vUlte, Hetäre und Gerichtavollzieher, der Krankenkassen, De riifssenosscnschaften und VersichernnKs» Anstalten beschäftigten Personen zu Berlin. Zu der am 38. Novbr. er,, abends 8V2 Uhr, im Restaurant „iXencs CInbhans", Komman- dantenftrahe 72, stattfindenden ordeutlicben General- Versammlung werden hiermit die in der Wahl-Ver- samnilung vom 23. Januar 1898 und die an Stelle der ausgeschiedenen Vertreter in der Ergänzungswahl vom 13. November 1898 gewählten Herren Vertreter ergebenst eingeladen. Tages-Ordnung: 1. Wahl deS Ausschusses für die Prü- fung der Rechnung des laufenden JahreS. 2. Wahl von VorstandSmitgliedem: a) Wahl eines Arbeitgebers an . Stelle des turnusmähig aus- schcidendenVorstandsmitgliedes. b) Ergänzungswahl eines Arbeit- gcbers für die Zeit bis zum Ablauf des JahreS 1900. o) Wahl von zwei Borstands- Mitglieder« seitens der Kafien- mitglieder an Stelle der turnus- uiähig Ausscheidenden. 6) Ergänzungsmahl von zwei Vorstandsmitglieder» seitens der Kafienmitglieder für die Zeit bis zum Ablauf des Jahres 1899. e) Ergänzungswahl von einem Vorstandömitgliede seitens der Kafienmitglieder für die Zeit bis zum Ablauf des Jahres 1900. 3. Vertrag mit den Kassenbeamten. 4. Antrag des Kassenvorstaudcs auf Abänderung des Statuts. Beschwerden über die Geschäfts- oder Kaficnführung, zu deren Er- lcdignng die Einsicht der Kasscnregistcr oder Kaffcnakten erforderlich ist, tonnen nur beantwortet werden, wenn die- selben bis zum 25. November er. im Kafienlolal schriftlich angemeldet ivorden sind. 2/97 Als Legitimation dient die den Herren Vertretern zngcsiellte Be- stallung lWahlbenachrichtigung). Berlin, den 15. November 1898. Der Vorstand. 9f. A.: Astor, stellv. Vorsitzender. Achtung-, Putzer? Da mit dem 12. November die Zahlung zum allgemeinen Streikfonds aufgehört hat, sind fämmtliche Kollegen verpflichtet, behufs Ertheilung des Schlubstemvels mit ihren Karten im Bureau Noscnthalen'tr. 57 zu erscheinen. Nach dem Beschluv der öfientlichen Versammlung vom 28. Seplemder wird 30. November ertheilt, ebenfalls bis zu diesem Zeitpunlt einlaufen. der Schlußstempel nur bis rückständige Beiträge müssen J(_| Ach dem 30. November merdeil leine SchlDemvel mehr Orts-Krankenkass e siir das Vlerbraner-Cemerbe zu BcrlUl. I Freitag, den 35. Novbr. 1898, abends 8 Uhr: Orden tllche General-Yersarnrnlung der Vertreter der Herren Slrdctt- geber und Arbeituehiner im»Englischen Garten-, Alexander- st raste 27o(im unteren Saale). Tages-Ordnung: 1. Neuwahlen zum Vorstande: 3 Arbeitgeber, 6 Arbeituehiner, 2 Arbeitgeber-Vertretcr und 4 Arbeitnehmer-Vertrcter. 2. Wahl der Rcvisions-Kommiffion zur Prüfimg der Jahresrechnung 1898. 41/11 Der Vorstand. Otto Wolf. Vorsibender. Die nächste Baudeputirten- Versammlung findet Donnerstag, abends« Uhr. Rosenthalerstr. 57, statt. Jeder Bau must im eigenen Interesse vertreten sein. 264/5 vis lohnhommlsslon. läHai Maltriitiarg. Soiinerstag, den 17. November 1898, abends 9 Uhr: Versammlung des sozialdemokr. WahlvereinS für Teltow-B.- Zt.-Charl. im Lokale„DismaroksbObe�, Wilmerödorferstr. 39. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen vr. Dorebardt über: „Taktik und Endziele der Sozialdemokratie!' 2 Diskussion. 250/10 3. Die Stadtverordnetentvahl im«. Kommunal-Wahlbezirk. 4. Vereinsangelegenhciten und Fragelasten. 5. Aufnahme neuer Mitglieder. IM"«tlste sehr willkommen."TJBß Besonders bitten mir. das? die KommniialwShler der HI. Ab- thcilung des K. Bezirks vollzählig erscheinen. Die Versammlung wird pünttlich eröffnet. Der Verstand. Acht«»g! Tekatenre! Acht«««! (Filiale Berlin III.) Am Sonnabend, den 19. November, im Lokal„Flora- Sble", Wederftrafte 17, zur Feier des TV, Stiftungsfestes: Grosser Ball, nebst Verlosung, verbunden mit komischen Vorträgen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 275/3 Das Komitee. Ko ib z ert-Saal der„Aktien-Brauerei rriedrichshain" am Nönigsthav. ■ Sonntag, den 30. Xovember 1808(Tobten- Sonntag): W Krasse Musik-�uMdraug des Männer- Gesangvereins„Schildhorn", Dirigent: P. Kurs, unter Mitwirkung der Kapelle des 4. Garde-Regiments z. F. Dir. F. Derjjter 21806 und unter Benutzung der groben Konzert-Orgel. Anfang 5(Ihr.-TftQ ÄV Eintritt 30 Pf. 1 ÄnTiinp � n"LUyüÄei.rf|lu.J|n(iöCll Grösitc Ausmahl in in- und aus- ländischeu Stoffen für Paletots. Zlnziige, Beinkleider zc. werden unter Garantie de« guten Si/z Uhr. Dauz 30 Pf. extra. Um zahlreiche Bctheiliguug ersucht DaS Komitee. I. A.: H. Peege. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, den 30. November(Dodten-Sonntag), abends 7 Uhr. in de» Flora-Sälen, Weberstraste 17: Komert- liiiii Dkklllimtimis-Aiitnii unter Mitwirkung namhafter Komponisten, Sänger und Sängerinnen, sowie hervorragender deliamatorischer Kräfte hiesiger Theater. Eintrittskarten& 40 Pfennig sind in fämmtlichen Zahlstellen, sowie beim Unterzeichnelen zu habe». 150/20 _ I. SC.: Ad. LiOhr, Kassirer, Ackerstr. 40, II. Wedding! Acht, mg! Männer! Grosser Männer-Vortrag im..Kösliner Hof", Köslincrstraste 8. in Berlin Z>.(Wedbiug). Donnerstag, den 17. November, abends 8Vz Uhr. Fräulein M. Mulie, Naturheilkiindige, spricht über: Ans dein Delebe des Dämons Alkohol. Delirium tremens� Die O Haupt|>randsä3. Berliner Reichstags- Wahlkreis zur Nachricht, dast das Mitglied Hermann Camp am Montag, den 14. d. M., früh 2 Uhr gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Mitt- woch, nachm. 3 Uhr, von der Leichen- halle des Freireligiöse» Friedhofes (Pappel-Allee) aus statt. 1241/0 Der Vorstand. Todes-3lnze,ge. Am Montag, den 14. d. MtZ., früh 2 Uhr, verstarb nach langen, schiveren Leiden der Kollege Hermann Camp. Die Beerdigung findet am Mittwoch (Busstag), nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Freireligiösen Fried- hofeS(Pappel-Allee) auS statt. Der Verstorbene hat trotz seiner Krankheit bis zum letzten Augenblick seines LcbenS an unserer Bewegung thcilgenommen und für unsere Ideen gekämpft und war, wenn es galt unsere Interessen zu vertreten, stets am Platze. Ehre seinem Andenken! Um rege Vctheiligung ersucht Oer Vertrauensmann kllr die Im Handels-, Transport- und Verkehrsgewerbe beschäft. Arbeiter Deutschlands. 67/15 Sozialdemokratischer Wahlvereiu f. deu 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 13. d. M. verschied nach langem Leiden unser treuer Genosse, der Gastwirth 245/13 Cosmin Immendorf. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Busztag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Sophicn-Kirchhofs, Freienwalder- strafte, aus statt. I. A.: Der Vorstand. Dnnksngung. Allen Freunden, Kollegen und Be- kannten für die rege Thcilnahme und reiche Kranzspende bei der Beerdigung meines lieben Mannes dnllns Jloritz sage ich hierdurch meinen herzlichen Dank. 2194b Berlin, den 15. Novbr. 1398. Die tiefbetrübte Wittwe Anna Moritz und Kinder. Empfehle nieine Rcstaurntion und 3 Vereiuszinimer mit Piano für Zahlstelle» und Vereine. Ernst hier, 155L*1 Alte Jakobstr. 119. ßesierreiehsrü! Hall!! Wo gehen wir heute hin? In's„GlUhllchterl" Braudenburgstrake 54, pt. Da giebsis Böhmische Buchteln, selbstgcb. Pkannekuchen, gute Biere und sehr reichhaltige Auswahl von warmen und kalten Speisen. Arbeiter- zeituug(Wien) liegt aus.— Zu einem Besuch ladet ergebenst ein 2185b Das»Glühlichterl-. Zum Todtenfeft! Kränze in grofter Auswahl empf. Bustav Walter, Blumengeschäft, 2188b Schloftstr. 9a.__ Achim Pttfinc! Sylvester, 1. Januar. 7. Januar, 8. Januar. 13. Januar, 8ä«e frei!"TfSQ 116L» Mlllislher Artea, AM»?-. Speifehans Rungestraste 19, parterre. 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Wassergläser gepresst Wassergläser biau und grün Wassergläser rosa Trinkgläser mit Henkel, farbig Stei ngut Kaffeetassen mit Stabhenkel, blau 1 0 Pf- Kaffeekannen mit Stabhenkel, blau 40 Pf- Milchtöpfe blau Zwiebelmuster 18 u- 16 Pf- Satztopfe 6 Stück, bauchige Form, Zwiebelmuster I Waschbecken mnd. gross 40 pf mittel 28 pf Wasserkannen gen, 36 pf Porzellan. SatztÖpfe 3 Stück, bemalt 40 Pf- SatztÖpfe 6 Stück, feines Blumenmuster 145 Pf- Butterdosen fein bemalt 38 Pf. Katfeekannen weiss, grosse Form 55pf MÜChtOpf weiss, gross I 0 Pf- Toniien mit Streublumen 45 Pf- Mesten für Salz und Mehl mit Streublumen 48 Pf- PiLotographische Abteilung: Aufnahmen täglich von 9—4 Uhr. Yisites otz. Im0 ❖ Cabinet Dtz. 4®° Compotti�ren stück 1 2 pf. SalatierS mnd gereift, weiss, Satz von 6 Stück /3 Pf Bratenschüsseln ovai, biau 35 pf Speiseformen-Melonen, biau 38 pf Wandteller Delfter Muster ca. 28 cm. C 8 Pf. Waschservice 5thl. einfarb. Druck \ orlegelötfel mit Streublumen KOCMÖffel mit Streublumen Durcbschläge mit Strcublumen FleiSChklopfer mit Streublunien Sancelötfel mit Streublumen Beibekeillen mit Streublumen ------- 250 M. 23 Pf. 18 pf 58 pf- 25 Pf. 20 Pf 23 pf 8 Tieile 85 grosse Form, bemalt I M. Glas. 5 u. 4 Pf- 6 pf. 9 pf 12 pf Saftkannen mit Henkel, farbig Likörflascben mit Henkel, farbig Wasserkannen farbig Compottscbalcn 20 pf 25 pf- 48"- 30 Pf 15 u 6 Pf Butterdosen gepresst Zuckerschalen gepresst Käseglocken gepresst Weingläser giau 12 pf 7 pf- 37 pf- 9 pf. Abteilung: Wirtschafts-Artikel. Yorratstonnen ca. V» Pfund Inhalt Neublau 38 Pf- -, ca. 2 u. 3 Liter Inhalt Petroleumkannen Neubiau 45 55 pl A OrratstOimen ca. V, Pfd. Inhalt Zwiebelmustei38 Pf- Ahorn- Fr ühstücksbr ettchen Länge ca. 22 26 30 cm. 16 20 27 Pf. Buchen-Frübstiicksbrettchen mnd Durchmesser ca. 14 16 18 21 cm. 15 20 Pf- 12 Pf ä Dtz. 70 u. 42 pf 10 13 Klammern pr. schock Kleiderbügel poiw u. roh Dtz. I M5 st 9 Pf. Quahtäto�SSpf 5� Eimer marm. und neublau ca. 28 ctm. 70 pf. Koblenlöffel KoblenkaSten in 4 Grössen Spiral- Schneeschläger 20, 15« 1 3 Pf- i3m0 1A5 95 u- 80 pf 10». 8 pf- Amerikan. Schneeschläger 28 pf- Kaffeemühlen, franz. Form 1» 1» 95" 85 pf- Wirtschaftswagen m.Emaille-ZiffeibIatt 10 Kilo 2?,f. Eeihemaschine„Express" Im. Messerkörhe 4 t-uig 42 pf. Abteilung: Emaille. Wannen oval marin, u. neubiau SchmOrtÖpfe mit Ring, neublau Gasse rollen mit Ring, neublau Gasse rollen mit �usguss, neublau Yassensiebe,«eubiau Durchra. ca. 35 40 45 50 55 cm 98 120 140 170 205 Pf- Grösse ca. 16 18 20 22 24 cm 55 65 78 93 105 Pf. Grösse ca. 18 20 22 24 cm 60 72 85 98 Pf- Grösse ca. 12 14 16 18 cm 21 29 36 48 h. 20 pf mit Ring Grösse ca. 18 20 22 24 26 cm 95 105 120 130 ISOpl Länge ca. 37 39 41 cm Eiserne Schmortöpfe Eiserne Bratpfannen 125 133 uoi� . Durchm- ca. 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 cm Schusseln � ig 21 2428 31 33 33 42 so 55 pf. Schüsseln mit NaPf' we!ss und mann. 45 U. 43 Pf- «af____, Durchm. ca. 20 22 24 cm Wasserkessel mit Sack, neublau i08 125 150 Pt MM..,,__ i. Grösse ca. 24 26 cm M ÜÜSChippen, neublau 35 45 PL Verantwortlicher Redakteur: August Jncobey tu Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th.«locke w Berlin. Dnick und Verlag von Max Babing in Berlin. i,.* B. j.i....,, s.ftilüjt to itoiuätts" fnlinci DoHtiUntt»»>»'«.»«"WM«. r Verbrechen nnb Prügelstrafe. Die Agitation auf Wiedereinführung der Prügelstrafe für so- genannte Rohheitsverbrechen, die vor etwa 20 Jahren entstand, scbeinl wieder zu neuem Leben zu erwachen. Der„Nord.d. Allgem. Ztg." zufolge bat„die erschreckende Zunahme der Rohheitsverbrechen neuerdings eine lebhafte Erörterung der Frage hervorgerufen, od die Wiedereinführung der Prügelstrafe für solche Per- brechen angezeigt erscheint". In welchen Kreisen die„leb- halte Erörterung" stattfindet, meldet das offiziöse Blatt nicht. Es läfit sich aber unschwer errathen, von wo die Agitation für ein eines zivilisirten Gemeinwesens unwürdiges Ttra smittel ans« geht. Es sind das dieselben Kreise, die, zu bequem, sich um die wirthschaftlichen Ursachen der Verbrechen zu kümmern, jeden„Ver- brecber" am liebsten liebsten lebenslänglich einsperren möchten, da sie io aufs einfachste die„Gesellschaft", d. h. die besitzenden Klassen, schützen zu können glauben. Wir Deutschen rühmen uns so gern unserer sogen. Zivilisation, wir stellen es so dar, als ob wir in einem wirklichen Knlturstaate leben und blicken mit Hohn und Verachtung auf das halb- zivilisirte Rußland, wo noch die Knute und andere barbarische „Erziehungsmittel" herrschen. Wie steht es aber in Wirklichkeit? Sind wir wirklich in der Kultur dem Zarenreiche so überlegen, daß wir ein moralisches Recht haben, uns zum Richter über dasselbe aufzuwerfen? Keineswegs. Schon die eine Thatsache. daß zu derselben Zeit, wo sich in Rußland Bestrebungen bemerkbar machen, die noch vorhandenen Reste der körperlichen Züchtigung ab- zuschaffen, in Deutschland und auch in Oesterreich Wünsche nach Wiedereinführung der Prügelstrafe auftauchen— schon diese eine Thatsache sollte jeden nicht vom Chauvinismus Verblendeten eines besseren belehren. Zahlreiche ländliche BertrewngSkörpcr Rußlands haben im Laufe der letzten Jahre Resolutionen gefaßt, worin die Abschaffung aller körperltchen Züchtigung verlangt wird und die russische Presse unter- stützt diese Bewegung, indem sie darauf hinweist, daß die Prügel- strafe mit recht die Empfindungen der russisckien Baueniklasse verletzt, welche„dank den Schulen und den Reformen des Zaren Alcxandcr's ll dem Ehrgefühl und dem Bewußtsein der Menschenwürde ein täglich wachsendes Verständniß entgegenbringt." Geradezu vernichtend für die Freunde der Prügelstrafe ist das llrtheil, das die Landschafts- Versammlung des Gouvernements Tschernigow im August 18SS gelegentlich' der Berathung einer Petition um Abschaffung der Verurtherlung zu körperlicher Züchtigung gefällt hat. Es waren zur Begründung der Petition zahlreiche Fälle angeführt, wo Personen des Bauernstandes, die vom Dorfgerichte wegen eines geringfügigen Vergehens zu Prügelstrafe verurtheilt waren, es vorzogen, sich lieber das Leben zu nehmen, als sich dieser entehrenden Strafe zu unterwerfen. Andere junge Bauern hätten ans demselben Grunde als Flüchtlinge Haus und Herd verlassen, ja. es seien sogar Fälle vorgekommen,' wo solche Flüchtlinge, von der Polizei aufgegripen, hartnäckig Namen und Herkunft verschwiegen hätten, um incht nach der Heimath zurückbefördert zu werden, llm der ihnen dort drohenden AnSprügelung zu entgehen, zogen sie es vor, sich als„Vagabunden" zur Ansiedelung nach Sibirien verschicken zu lassen. Die'Freunde der Prügelstrafe unterschätzen eben das Gefühl her Menschenwürde, das selbst in dem verkommensten Verbrecher schlummert und zu gegebener Zeit erwacht. Die menschliche Naiur bäumt sich auf gegen die entehrende körperliche Züchtigung, und der davon Betroffene wird höchstens verstockter, sein Haß gegen die Menschheit wächst, nun und nimmer aber wird er dadurch gebessert und vott der VerÜbung weiterer Verbrechen abgehalten. Wann haben überhaupt grausame Strafen zu einer Verminde runa schwerer Verbrechen geführt, ja wann haben überhaupt Marter- strafen eine andere Wirkung zur Folge gehabt, als daß die Ver- brechen und Vergehen sich vennehrten? Man werfe nur einen Blick auf die Geschichte des Mittelalters. In Spanien wurden am Anfange des 15. Jahrhunderts Bettler und Landstreicher mit 60 Peitschenhieben gezüchtigt, beim ersten Rückfall wurden ihnen die Ohren abgeschnitten, beim zweiten wurden sie gehängt. In Frank- reich wurden sie nach der Ordännanz des Pariser Parlaments von 1573 sogar beim ersten Rückfall ohne Prozeß gehängt, in England wurden sie bis aufs Blut gepeitscht, in Deutschland verfielen die Rückfälligen dem Staupenschlage, der Brandmarkung und endlich dem Galgen. Und was war die Folge? Obwohl allein in Nürii- berg von 1501 bis 1525 1159 Personen hingerichtet und obwohl in England unter der Regierung Heinrichs VIII. allein 72000 Personen gehängt wurden, vermehrte sich das Heer der fahrenden Leute und Bettler in allen Ländern, und die herrschenden Klassen mußten zu anderen, minder grausamen Strafen greifen. Heute ist in fast allen Kulturländern die Prügelstrafe als Haupt sttafe abgeschafft: als Disziplinarstrafe hingegen ist sie noch in vielen Staaten beibehalten, so in Preußen, Sachsen, Däncniark. Schweden, Norwegen, Großbritannien, Rußland. Gänzlich aufgehoben ist die Prügelstrafe in Oesterreich. Württemberg, Bayern, Baden und einigen kleineren deutschen Staaten. In Oldenburg, wo sie seit vierzig Jahren abgeschafft war, ist sie in neuerer Zeit wieder eingeführt, und auch der Entwurf eines Strafvollzugs-Gesetzes für das Deutsche Reich vom Jahre 1879 nahm die Prügelstrafe als Dis- zipliuarstrafe auf. Erfolg hat die Prügelstrafe auch als Disziplinarstrafe nirgends aufzuweisen, sie ist völlig wirkungslos, ja vielleicht noch wirkungs loser als die Gefängnißstrafe. Kein Wunder, daß sich unter diesen Ilinständen bei den Erörterungen der internationalen kriminalistischen Vereinigung über die Verschärfung der Freiheits- strafe keine einzige Stimme für die Prügelstrafe erhob und daß selbst in Versammlungen von Strafanstalts- Beamten die Freunde der Prügelstrafe die Minderheit bilden. Wesentlich mitbestimmend mag hierbei allerdings auch die Wahrnehmung sein, daß die Ausübung der Prügelstrafe in erster Linie diejenigen verroht, die mit dieser Aufgabe bettaut werden und die sich von den Henker- und Folter- knechten des finsteren Mittelalters nicht allzu sehr unterscheiden. Man stelle sich nur vor, in welcher Art die Sttafe vollzogen wird: der Ge- fangene wird mit Händen und Füßen über eine Bank geschnallt: dann werden auf einen gewissen, straff gespannten, nackten Körpertheil mit einem Stocke, Ochsenziemer oder einer Ledcrpeitsche so heftige Streiche geführt, daß, wie der preußische G e f ä n g n i ß d i r e k t o r W i r t h sich ausdrückt, bei dem fünften reglementmäßig applizirten Hiebe die gespannte Haut bereits platzen muß und jeder weitere Schlag schon in die blutige Masse klatscht. Und der bekannte Geheimrath Krahne faßt in seinem Lehrbuch der Gefängnißkunde sein Urtheil dahin zusammen, daß ein solches Verfahren, wenn es nicht gegen einen Menschen, sondern gegen einen Hund oder ein Pferd angewendet ivürde, zweifellos eine Anklage wegen Thierquälerei zur Folge haben würde. Und dabei dürfen dem armen Gefangenen in Mecklenburg und Oldenburg 25, in Sachsen 30 und in dem Kulturstaate Preußen sogar 60 lolcher Schläge zugefügt werden. Daß nach der Ansicht hervorragender Fachleute in den meisten Fällen nicht böswillige, sondern kranke Sträfllinge von der Prügelstrafe bettoffen werden, scheint jene Befürworter mittelalterlicher Ideen wenig zu kümmern. Für sie ist jeder Gefangene, der nicht arbeiten will, ein fauler Bursche. Aber wie oft sind diese sogenannten faulen Burschen arme nerventtanke Sträflinge, arbeitsunfähige Neurasthcniker, die von Rechts wegen überhaupt nicht in ein Gcfängniß, sondern in eine Heilanstalt ge- hörten, dcr-n krankhafter Zustand durch die körperliche Züchtigung sich in hohem Grade verschlimmert! Das einzig sichere Ergebniß der Prügelstrafe ist nach dem Urtheil der erfahrensten Strafvollzugsbeamten darin zu erblicken, daß dem Sträfling hierdurch der letzte Funke von Ehrgefühl hinaus- und der grimmigste Haß gegen die Gesellschaft hineingeprügelt werde, und daß nicht blos der geprügelte Sträfling, sondern auch der sprügelnde Sttäflings- 1 aufsehcr durch ein solche? sehr die Achtung anderer. einbüßt. Und trotz alledem Leute. die nicht etiva infolge sondern völlig ruhig und wohl behaltnng der Prügelstrafe als Disziplinarstrafe, ihre Wiedereinführung als Hauptstrafe eintreten. verrohendes Gebahren ebenso als die eigene Selbstachtung giebt es heute immer noch emer augenblicklichen Erregung, überlegt nicht nur für die Bei- sondern sogar für So z. B. Direktor Stroßer, der die Prügelstrafe als theilweiscn Ersatz des Gefängnisses empfiehlt, da er von der Schädlichkeit der Gefängnisse überzeugt ist. Gewiß, die Gefängnisse Üben eine schädliche Einivirknng, und oft genug bilden die Gefängnisse geradezu eine Schule, um Verbrecher zu züchten. Naiueutlich jugendliche Persoeum. die wegen eines gering- fügigen Vergehens zu einer kurzen Freiheitsstrafe verurtheilt werden, verlassen das Gefäugniß oft als auSgelcrnte Verbrecher. Hiergegen einzuschreiten, Mittel und Wege zur Abhilfe zu finden, ist die Pflicht der Gesellschaft, aber an stelle der Gefängnißstrafe die Prügclstmfe zu setzen, das heißt den Teufel durch Beelzebub vertreiben. Mögen immerhin einige rückständige Elemente für die Prügelstrafe schwärinen, die große Mehrheit des Volkes wendet sich mit Abscheu und Ekel vo>! der Marterstrafe ab, sie erblickt auch in dem Verbrecher den Menschen, vielleicht einen verirrten Menschen, aber doch einen Menschen, der, mag er sich noch so schwer vergangen haben, doch eine humane Be- Handlung verdient, eine Behandlung, die ihn der Gesellschaft wieder- gewinnt, nicht aber ihr entfremdet und seinen völligen Untergang zur Folge hat._ Soziale VechkspflvAS. Die Unfähigkeit zur Fortsetzung der Arbeit als Grund, die Arbeit ohne vorherigeKündigung niederzulegen, betreffen zwei Entscheidungen der Kammer I des Gewerbe- g e r i ch t s, die von ganz erheblichem Interesse stirb. Die Firnra Buchhölz u. Komp. klagte gegen die Plätterin P. und verlangte, tzlich verlassene Arbeit wieder Jahren innezuhalten. Die sie solle verurtheilt werden, die plö aufzunehmen und ihre Lehrzeit von Beklagte wandte dagegen ein, sie sei leidend und ihr Körper vertrage das Plätten nicht. Sie brachte auch ein entsprechendes ärztliches Gutachten bei. Ein anderer Arzt, zu dem sie noch auf Verlangen der Firmen- inhabcr gegangen war, erklärte sie dagegen für durchaus arbeits- fähig. Der Gerichtshof holte ein Obergutachtcn des Gerichtsarztcs Dr. Stürmer ein. Dieser stellte fest, daß die Plätterin an Blut- arniuth und deren Folgen tSchivächezustände verschiedener Art, Kopfweh k.) leide und gab sein Schlußgntachten dahin ab, daß sie sich ohne erhebliche Gefahr für ihre Gesundheit dem Be- rufe der Plätterei nicht widmen könne. Herr Buchholz zun, der die klagende Firma vertrat, verzichtete mit Rücksicht auf das Obergutachten darauf, daß die Beklagte wieder in die Fabrik eintrete. Er verioeigcrte ihr jedoch den rückständigen Lohn mit der Begründung, s i e m ü s s c wenigstens dafür bestraft werden, daß sie bei ihrein tustande den Vertrager st eingegangen sei, obwohl die ürcktion sie geftagt habe, ob sie auch nicht krank sei und ob sie die schwere Arbeit werde machen können. Das Gericht wies jedoch nicht nur die Klage der Herren Buchholz u. Comp, ab, sondern verurtheilte die Firma auch gemäß einem Antrage der Beklagten, dieser den rückständigen Lohn und zwei Mark für das erste Attest zu zahlen. Gelverberichter T e ch o lv führte begründend aus: Nach§ 124 der Gewerbe-Ordnung habe das Frl. P. die Arbeit niederlegen können, weil sie zu deren Fortietzung unfähig gewesen sei. Das Verlangen des Herrn Buchholz, sie zu bestrafen, weil sie trotz ihrer Kränklichkeit die ihr als schwer ge- schilderte Arbeit überhaupt übernommen habe, sei unzulässig. Bei der Uebernahme der Arbeit habe sie sicherlich geglaubt, sie auch leisten zu können.' Das Gegentheil nachzuweisen dürste unmöglich sein. Das bereits gezahlte Lehrgeld von 7 Mark sei natürlich verfallen. In dem zweiten Falle beanspruchte die Näherin P. von der Inhaberin einer Arbeitsstube, Frau Werkenthin, rückständigen Lohn in Höhe von 5,25 Rtark. Die Beklagte erklärte, daß sie sich an dem Gcldc schadlos halten ivolle, weil die Klägerin ohne vorherige Kündigung die Arbeit verlassen habe. Die Klägerin, die durch ihren Mann vertreten war, machte geltend, daß sie die Arbeit wegen Unterlcibsbcschwcrden habe aufgeben müffcn. Sie sei etwa drei Wochen vorher entbunden worden und habe anfänglich geglaubt, schon wieder arbeiten zu können. Die Beklagte betonte demgegenüber, daß die Klägerin beim Beginn der Arbeir nichts von ihrer Niederkunft gesagt habe, und verlangte eine ärztliche Bescheinigung darüber, daß Frau. P. wirklich zur Fortsetzung der Arbeit unfähig gewesen sei. Das Gericht verurtheilte indessen sofort die Arbeitgeberin, den rückständigen Lohn zu zahlen. Der Vorsitzende T e ch o w führte zur Begründung aus: Auch ohne eine ärztliche Bescheinigung nehme das Ge- richt an, daß eine Unfähigkeit im Sinne des Z 124 der Gewerbe-Ordnung vorgelegen habe und. Frau P. zum sofortigen Aufgeben der Stellung berechtigt gewesen sei. Maßgebend sei für diese Annahme die Bestimmung der Gewerbe-Ordnung über die Be- schäftigung von Wöchnerinnen in Fabriken, und zwar insofern, als ans ihr hervorgehe, daß der Gesetzgeber für Wöchnerinnen d i c N o t h w e n d i g k e i t einer s e ch s>v ö ch e n t l i ch e n Schutz- f r i st a n n e h m e. Bei der Arbeitsniederlegung durch die Klägerin sei diese Schutzfrist noch lange nicht abgelaufen gewesen. Sie komme ihr zu gute, obwohl sie beim Engagement nicht von ihrer Eni- bmdung gesprochen habe. Ei» aus Amerika importirter kleiner Neger, Horacc Allen, suchte dieser Tage vor dem Ge Werbegericht sein Recht. Der junge Mann war etwa anderthalb Jahre lang bei dem Dclikatctz- ivaarenhändler Treptow Hausdiener gewesen und verlangte nun von Treptow gegen 400 Mark rückständigen Lohn. Er wurde durch seinen jetzigen Arbeitgeber,"den Syphonbierverlcger Gicsicke, vertreten. Herr Gicsickc machte geltend, daß zwischen den Parteien ein Monatslohn von 35 M. vereinbart worden sei: außer der Kleidung habe der junge Wann aber wöchentlich nur 1 M. er- halten. Der Beklagte wandte ein, der Kläger habe ihn durch Ver- untrcuungen gesckiädigt, und mehr als 1 M. ftde Woche hätte er nicht erhalten dürfen, weil er das Geld sonst verttunken hätte. Auch habe er sich dem amerikanischen Konsul gegenüber verpflichtet, für die Rückreise Horaccs nach Ablauf seines Passes zu sorgen. Dafür müsse er schon 200 M. rcservire». Das Geld habe er aufbewahrt. Herr Giesicke bestritt ganz energisch,. daß Allen zu Unredlichkeiten und zur Lüdcrlichkcit neige. Er Hobe ihn hart auf die Probe gestellt und heraus gefunden, daß er redlich und ordentlich sei. Der � Vorsitzende Meier rieth zu einem Vergleich. Giesicke erklärt sich bereit, für die Rückbeförderung des Klägers nach Amerika selbstschuldnerisch Bürgschaft zu leisten, wenn Beklagter 300 M. zahle. Der Beklagte geht darauf ein, bittet aber um die Zubilligung von Raten- zahlungen. Ein entsprechender Vergleich kam dann auch zu stände. Bei nicht pünktlicher Zahlung einer Rate wird der ganze Betrag fällig, erforderlichenfalls kann dann Kläger den Vergleich widerrufen und ein Urtheil verlangen. Die landwirthschaftlichc Vcvufsgenoffcnschaft für die Provinz Posen hatte es abgelehnt, der Magd Brand, die bei Bauarbeiten verunglückt war. eine Unfallrente zu gewähren. Die Berufsgenossen- 'chaft machte für ihr Verhalten geltend, daß ein laiidwirthschastlichcr Betriebsunfall nicht anzunehmen sei. Auf die Berufung der Ver- letzten stellte dann das Schiedsgericht folgendes fest. Der Land« wirth Ruff führte ein nur für sich und seine Familie bestimmtes Wohngebände in eigener Regie auf. Andere Landwirthe waren ihm hierbei behilflich, ohne indessen in seine Dienste zu treten, sozu- sagen aus frcundnachbarlicher Gefälligkeit, wie das in vielen Gegenden Sitte ist. Unter den Hilfsbereiten befand sich der Eigen- thümer Mamhei, in dessen landwirthschaftlichem Betriebe die Klägerin häufig thätig war. Manthei hatte sie nun mitgebracht, weil sie arbeite wie ein Knecht".— Das Schiedsgericht verurtheilte die landwirthschaftliche Berufsgenossenschaft und das R e i ch S- V e r» sicher» ngsamt bestätigte diese Entscheidung mit der Be- gründung, daß die Klägerin nicht in den Regiebaubctrieb des Ruff übergetreten, sondern als landwirthschaftliche Ar- beitertn des Landwirths Manthei verunglückt sei. Die Hilfe, die Manthei dem Ruff geleistet habe, sei ein Ausfluß seiner Stellung als eines landwirthschaftlichen Unternehmer». Geviltzts-Serkung. Polizeikampf gegen einen Arbeiter- Gesangverein. Die Polizcidirektion von Wiesbaden hatte am 20. Juni 1897 dem Vor- sicher des Arbeiter-Gesangvereins„Harmonie", unserm Parteigenossen Faust aufgegeben, ihr das Statut und das Mitgliederverzeichniß des Vßreins binnen acht Tagen einzureichen. Für den Fall der Zuwider- Handlung wurde dem Vorsteher eine Exekutivstrafe von 100 M. angedroht. Die Polizei begründete ihr Verlangen damit, daß der Verein auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke und des- halb den Bestimmungen des 8 2 des Vcreinsgcsetzcs unterliege. Als F. der Verfügung nicht nachkam, setzte die Behörde die Sttafe fest und erließ eine neue gleichartige Verfügung, in der abermals eine Sttafe von 100 Mark angedroht lvar. Faust klagte nunmehr gegen die Polizeidirektion auf Aufhebung der Verfügung und betonte, daß der Gesangverein„Harmonie" nicht auf öffentliche Angelegenheiten einwirken wolle. Hierfür berief er sich auf einen Straf- gerichtsbcschlnß. Die Polizcidirektion machte dagegen folgendes geltend: Der Verein habe sich in den letzten Jahren dadurch bemerkbar ge« macht, daß er sich als Verein an Maifeiern, Lassallefciern und an Versammlungen der sozialdemokratischen Partei durch Liedervorträge betheiligt habe. Auch habe er in einem Inserat in der sozial- demokratischen„Frankfurter Volksstimine"„stimmbegabte Partei- genossen" zum Beitritt aufgefordert und schließlich sei er mit Geldbeiträgen am sozialdemokratischen � Wahlfonds bctheiligt. Dem Bezirks-Ausschutz genügte dies Material, den Verein für einen solchen zu erklären, der auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke. Er wies die Klage als unbegründet ab. Hiergegen legte Rechtsanwalt Herzfeld für den Kläger Berufung ein. Der erste Senat deS O b e r- V e r w a I t u n g s g e r i ch t S w i e s die Berufung a b. Zu den Vereinen im Sinne des§ 2 gehöre ein Verein schon dann, wenn sich ans seinem Verhalten oder aus denr Verhalten seiner Leiter ergebe, daß er sich in den Dienst einer bestimmten politi- schen Partei stelle und diese fördere, sei es auch nur durch Zuführen von Anhängern und durch Ver- breitung der die Parteibe flrebun gen tragenden Gedanken. Aus dem vorliegenden Material sei aber zu entnehmen, daß der Verein„Harmonie" die Bestrebungen der Sozialdemokratie fördern wolle. Auf den Hinweis auf die dreitägige Frist, die Z 2 erivähne, sei zu erwidern, daß§ 2 die Polizei nicht behindere, nach Ablauf der Frist durch Anwendung von Zwangsmitteln die E r f ü l I u n g der den Vereins- Vorstehern obliegenden Verpflichtungen herbeiznftihren. Mit dieser Annahme stehe die Praxis deS Kammergcrichts istcht in Widerspruch; das Kannnergericht habe sich nur mit der strafrechtlichen Seite der Frage zu befassen. Ucbcr die Pfändbarkeit solcher Gegenstände, die dem Schuldner nach den gesetzlichen Bestimmungen zur Ausübung seines Berufes und zu seinem Lebensunterhalt be- lassen werde» müssen, ist vor kurzem eine sehr bemerkens- wcrthc Gerichtsentscheidung ergangen. Zu den nicht p f ä n d« baren Gegenständen gehören nach einem Erkenntniß des Kam m e r g e r i ch ts auch Uhren, sofern der zu Pfändende die Uhr bei Ausübung seines Berufes zwecks pünktlichen Antritts seiner täglichen Arbeit nöthig hat. Trotzdem ist aber kürzlich in gesetzlicher Form eine solche U h r gepfändet worden, und zivar folgender« maßen: Im Austrage eines Gläubigers hatte ein Rechtsanwalt die einzige im Besitz des Schuldners befindliche Wanduhr lRegnlator) im Wcrthc von 25 M. pfänden lassen. Hiergegen erhob der Schuldner ans grnud des vorerwähnten Kammer- g erichts- Erkenntniss es Einspruch. Darauf kaufte d c r G l ä u b i g e r eine Wanduhr zum Preise von 4 M. und ließ das Richtiggehender- selben vom Uhrmacher bescheinigen und garantiren. Die Uhr brachte er in die Wohnung des Schuldners, der nun eine richtiggehende Uhr hatte, worauf der Regulator gepfändet wurde. Diese Handlungs- weise ist jetzt vom Gericht als rechtsgiltig anerkannt tvordeu. Molkerei- Verordnung und sonntägliche Milchliefcrung. Der Kutscher Benus hatte an einem Sonntag Vormittag fiir einen Molkereibesitzer in Minden an dessen Kunden Milch aus- gefahren und dazu auch die Zeit benützt, die in Minden an Sonntagen für den Handelsverkehr nicht frei- gegeben ist. Wegen dieses Umstandes erhielt er ein Strafmandat, wogegen er richterliche Entscheidung beantragte. Benus machte geltend, er habe jene Bestimmungen über den Handels- verkehr an Sonntagen nicht berücksichtigen brauchen, weil aufsejnem Fall die BundesrathS-Vcrordnnng über die A u s n a h m e n vom Verbote der Sonntagsarbeit im Molkereigetverbe Anwendung finde. Die betreffende Verordnung vom 16. Ottober 1897 bestimmt: In Molkereien ist an Sonntagen bei täglich einmaliger Milchliefcrung der Betrieb während sechs Stunden bis 12 Uhr mittags gestattet. Schöffengericht und Landgericht beließen es bei der Strafe, indem sie davon ausgingen. daß die BnndeSraths- Verordnung hier nicht in betracht komme. Die fragliche- Bestimmung beziehe sich nicht auf die Lieferung von Milch an die Kunden, da der Transport der Milch nicht zum Molkercibetriebe gehöre. Auf die Revision des Angeklagte» hob der Strafsenat des Kammergerichts die Vorentscheidung auf und wies die Sache zu nochmaliger Eni- scheidung an das Landgericht zurück. Zur Begründung wurde aus« geführt! D a.s Austragen und Ausfahren von Milch an bestimmte feste Kunden einer Molkerei sei als ein Theil des'Molkereibetriebes anzusehen, es finde deshalb hierauf die Bnndesraths-Verordnung vom 16. Oktober 1897 A n>v e n d u n g. Die Geltung dieser Verordnung könne indessen durch solche Polizeiverordnungen eingeschränkt werden, die die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feier- tage g e iv ä h r l e i st e n>v o l l e n. Der Vorderrichter müsse also nachprüfen, ob etwa hier ein Vergehen gegen eine derartige Polizcivcrordnung vorliege._ Eingelaufene Druckschriften. Bon der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Dictz' Verlag) ist soeben da» 8. Heft des 17. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: «r-atadin, Solaheddin und Anderes.— Neue Formen gewerblicher Ber- bindung in England. Van Ed. Bernstein.— Der Aussall der preußischen Landtagswahlcn. Von August Bebel.— Klassenkamps und Klasjengängelei in Amerika. Von Philipp Rappaport(Jndianopolis).— Berliner Theater. Von F. Mehring.— Literarische Rundschau.— Notizen: Ausnutzung der Torfablagernugen. Von P. M. Grempe.— Feuilleton: Eine Unzivilisitte. Erzählt aus dem russischen Leben von Olga Kobylanska.(Schluß.) Vrockhauö' Lexikon soll Mitte dieses Mvnatö in einer neuen Aus- gäbe erscheinen, die den: Ideal eines Konvcrsations- Lexikons um einen wesentlichen Schritt näherkommt. Alle 17 Bände sollen an einem Tage in neuer Bearbeitung veröffentlicht werden, modern von A bis Z. Bisher pflegten zwischen dem Erscheinen des ersten und des letzten Bandes eines Konversationö-Lexikons ö Jahre zu verstreichen. Die Folge war, daß der Inhalt der mittleren Bände dem Stande der neuesten Forschung nicht mehr recht entsprach und der Inhalt der ersten Bände zum theil geradezu veraltet war, wenn man den letzten Band in die Hände bekam. Dies wird tn der Reoidirten Jubiläums-Ausgabe des BrockhauS� anders sein. Diese Ausgabe ist aus einem Gusse und vom Anfang bis zum Ende der jüngsten Gegenwart entsprechend. Nachdem wir die Revidirte Jubiläums- Ausgabe selbst durchgesehen haben werden, behalten wir uns vor, an dieser Stelle unser Urdhell über das Geleistete bekannt zu geben. T)onnersiag, preiiag Sonnabend Damen- Rasche. Taghemden, 1.35«k. Taghemden,.55 s.,"L,2 Taghemden, MnCtSX.» 1.75- 2 65 T„™ 1,„...<_ Madapolame mit Stickerei-* J r— /~\ 1 cl� il C III 0 dl � Volant und Banddurchzug �l'OO Nachthemden, Renforce mit Stickerei 3-15 Mk. Mk. Mk. Beinkleider, m�e. 1.50 Z*: 1 70 mk. Beinkleider, Parchend mit Stickerei �.05 Nachtjacken, mTsX 1.35 sie, 2-10 Mk- Nachtjack-en, Renforce mit Stickerei 2-20 Mk" Herrenhemden, Äfa 1.80 y Renforcö ca. ISOx 200 cm Bettbezüge, Ba6n)vcollwarco- |�ett- Rasche. . Z.lv Mk, l Kissenbezüge," I Bettlaken, Dowlas, ca. 160X22S cm. Hemdentuch, Meter 33 Jn dieser Woche: pf. Wegen vorgerückter Saison Verkauf von I Dutzend Westphäl. Halbleinen, Meter 46 Pf. ,\.85 Mk. TiScb' HaüSv/äScb�- Servietten, 3 60 4 80 6 50«. 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