Einzelpreis 70 Seller. Redaktion und Verwaltung: Prag, I., Nelajanta 18 Telephone: Tages redattion: 26795, 31469. Tachtredattion: 26797. Postschecamt: 57544. Inferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlah. 7. Jahrgang. Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit. Samstag, 23. Juli 1927. Bezugs Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post: monatlich... vierteljährlich halbjährig ganzjährig Kč 16.48.96: 192.Rückstellung von Manuftripten erfolgt nur bei Einfendung der Retourmarken. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich( rüb Nr. 171. Die geistigen Waffen der wird man gleich sehen, daß dieje dem Durch glauben, sich gegenüber armen Proletarier Rohheitserseife niemals Bourgeoisie. Vor einigen Jahrzehnten, als die Bourgeoisie das Aufteimen der modernen Arbeiterbewegung sah, setzte sie ihren Ehrgeiz darein, den Stampf gegen den Sozialismus mit sozujagen geistigen Waffen zu führen. Der erste Versuch, die sozialistische Bewegung durch Ausnahmsgesetze und polizeiliche Verfolgungen niederzuschlagen, war mißglückt, und so lag nahe, es mit einem neuen Mittel zu versuchen. Bür gerliche Politiker hielten fulminante Reden gegen den sozialistischen Zukunftsstaat, doch war jede ihrer Reden der strikte Beweis, daß sie noch nicht einmal den Unterschied zwischen Utopie und dem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußenden Sozialismus begriffen hatten. Arterienverfalfte bürgerliche Gelehrte schrieben Abhandlungen und dickbäuchige Bücher, in denen die Theorien des Sozialismus seziert, ihre Unmöglichkeit und Kulturwidrigkeit hagrscharf nachgewiesen wurde, nur eben, daß die Menge beschriebenen u. bedruckten Papiers dem widerlegten Sozialismus nichts anhaben konnte, denn er wuchs im selben Maße, als Papier zu jeiner Bekämpfung verbraucht wurde. Später ließ das Bürgertum seine geistigen Büttel und die Organe seiner Macht zu derberen, handgreiflicheren Witteln übergehen, aber in allem Wechsel der Ausdrucksformen seiner steigenden Angst vor dem erwachenden und sich regenden Riesen- Proletariat blieb eines gleich: jeine Machtung des Arbeiters, sein wütender Daß gegenüber den Emanzipationsbestrebungen des Proletariats. verSozialdemokratie zu schreiben wagt, dann fern, aber das wollen wir den Herren, diesterschaft wird diese bourgeoisen schnittsbourgeois in den Mund gelegten Worte alles erlauben zu können, sagen: die Arbei- igessen! nicht erdichtet sind. Dr. Kramar läßt seine Redakteure wie folgt schreiben: ,, Die Mehrzahl der Demonstranten waren mit nippeln und dicken Stöcken bewaffnet. Die anderen hielten sich strategisch mit Die Einheitsfront der Lüge. Rucksäcken auf dem Rüden etwas entfernter Der Reichenberger„ Borwärts", die„ Deutsche Preffe" die„ Internationale" und oder gingen vor speziell ausgesuchten Geschäften auf und ab. Man wartete nur auf Geschäften auf und ab. Man wartete nur auf die Hakenkreuzblätter in einer Front gegen die österreichische Sozialdemokratie. das Zeichen und die erprobten„ Demonstranten" hätten schon gezeigt, was sie hauptArbeiter, was fagt ihr zu dieser Einheitsfront? sächlich im Schilde führen. Eindrucksvoll Dazu bemerkt der„ Vevwärts": Die Arbeiter Zeitung" hat auf diese schwere Anschuldigung nicht geantwortet. So ligt das Blatt der Knirsch und Krebs über die Streifaktion: „ Der Generalstreikbefehl der Wiener roten Führer erlitt jedoch vollständigen Schiffbruch. In Tirol und Vorarlberg besetzten die Heimwehren und Reichswehr sofort die Bahnhöfe, der Verkehr ging tatsächlich ohne ernstliche Unterbrechung weiter, in Kärnten, Steiermark und Salzburg waren die Heimwehren ebenfalls zum Eingreifen bereit." Soviel Worte, soviel Univahrheiten! Der Verkehrsstreit wie der Generalstreit wurden im ganzen Bundesgebiete lückenlos durchgeführt. Ju Tirol, wo sich die Heimwehren am meisten pabig machen wollten, dauerte der Verkehrsstreit noch um 8 Stunden länger. Nicht ein einziger Eisenbahnzug ist gegen den Willen der Streikenden gefahren. Der Vorwärts" der frech behauptete, die Wiener Sozialdemokraten hätten mit Seipel einen Blutpatt" geschlossen, hat von der Gründung der Wiener Gemeindeschutzwache gesagt: ,, die sozialdemokratischen Führer bilden eine Schutz wa che, um den proletarischen Kampf gegen diese scheußlichen Bluttaten der Realtion niederzufnüppeln. Indem sie die Bewaffnung der Arbeiterschaft ablehnen, errichten die Seitz und Bauer zur gleichen Zeit Sch it 3 truppen, die der Bourgeoisie helfen sollen, ihre Macht über die profetarischen Massen wieder zu gewinnen." Die österreichische Sozialdemokratie ist in[ österreichischen Sozialdemokraten her. Während war, wie die Sozialdemokraten und Kommunisten diesen Tagen Gegenstand eines erbärmlichen Res- die Kommunisten behaupten, die sozialdemokrati diese tatsächliche Einheitsfront verwirklichten. Die feltreibens in der bürgerlichen und der kommuni- fchen Führer hätten gebremst" und„ Vereinen wie die anderen warten ein- stischen Presse. Die Soldschreiber des Fascismus rat" geübt, führt das Hakenkreuzblatt die trauträchtig mit Steinen in der Hand in sind enttäuscht darüber, daß ihre Hoffnungen auf rigen Ereignisse auf die jahrelange Aufder anbrechenden Dämmerung die einen Triumph der Gegenrevolution unerfüllt ge- he un g" durch die jüdischen Schreiber der soEntwicklung der weiteren Dinge ab, blieben sind, ihre kommunistischen Helfershelfer genannten Arbeiter- Zeitung" zurück. Aber sonst um ihre Tätigkeit entfalten zu können, deren plazen vor Wut, weil das Wiener Proletariat ist der Tag" mit seinen boljchewistischen KumpaZiel die unweit befindlichen Läden auch diesmal auf die Moskauer Parole gepfiffen nen einig, daß man nun die österreichischen Arbei und Magazine waren. Daher gingen sie hat, die es in ein noch ärgeres Blutbad, in die ter nach Kräften besudeln und über ihren Schickauch, als ihre Absicht ihnen nicht gelang, ganz[ jichere Niederlage hineintreiben wollten. Nun, da falskampf die verlogendsten Nachrichten verbreiten unzufrieden und überaus erzürnt von den erfolg den Blutspekulanten von rechts und links die Felle müsse. verheißenden Orten weg unter lauten Rundgebun davonschwimmen, vereinigen sie sich zu einer gen: Unsere Leute treffen aber schon rein niederträchtigen Verleumdungskampagne und vergar nichts mehr", oder„ Was hat man alles forgen sich brüderlich mit dummdreisten Lügen versprochen und jetzt ist nichts". Ein bewun über die österreichische Sozialdemokratie. dernswertes Mäder seufzte:„ Und ich hab' mich An der Spize marschieren der Reichenberger mit dem Korb bis von Kobilys her geschleppt!" Vorwärts" und die Aussiger InternaHat man je eine niederträchtigere, gemei- tionale". Beide Blätter veröffentlichten am nere Beschimpfung der Arbeiter gehört! Das Freitag die verleumderische Behauptung der Wiener Neuesten Nachrichten"(!!), tschechische Bürgertum hat den Vorsprung, den fenes hafentreuzlerischen Schanddas nationaldeutsche früher hatte, rasch eingeblattes, das hemmungslos die Schattendorfer holt! Arbeiter, die sich friedlich versammeln, Mörder verteidige und dafür von den empörten die ihre Disziplin bekunden, werden ganz all- Arbeitern demoliert wurde, eine Meldung also, gemein als beutejüchtige, auf Plünderung und die aus einer für Kommunisten durchaus vertrauDiebstahl lüsterne Horde, als Abschaum der enswürdigen Quelle stammt, wornach Genosse Menschheit beschimpft! Natürlich, stünden diese Eldersch gesagt haben soll: Ich verstehe nicht, warum die Polizei nicht Von den Aeußerungen dieser Gefühlswelt selben Arbeiter in der Gefolgschaft des Bürin die Leute schießt. Das sind ja gar nicht unsere hat die deutsche Arbeiterschaft seit jeher reich- gertums, sie wären biedere, schlichte Bürger und Leute, es sind nur Kommunisten." lich Kostproben bekommen. Der mit der in Männer der ehrlichen, schwieligen Faust, aber dustriellen Entwicklung und der steigenden Teilnehmer einer sozialdemokratischen Verwirtschaftlichen Sättigung der deutschen Besitz- sammlung, dafür verdienen sie als lichtDer Schuft, der diese verleumderische Beklasse sich verschärfende Klassengegensatz inner- scheues, diebisches Gesindel erklärt zu werden! halb des deutschen Volkes hat längst dazu ge- Man glaube nicht, daß es sich hier nur merfung angehängt hat, möge zur Kenntnis führt, daß die deutsche nationale Bourgeoisie um den Rohheitsaft eines einzelnen, um die nehmen: Genosse Eldersch hat in der Donnerstagnummer der Arbeiter- Zeitung" bereits geantnicht minder wie die liberale und klerikale, die Entgleifung eines Redakteurs handelt. Nein, wortet und hat die Nachricht als eine aus vorgehaltene Larve fallen und die grinsende, die Wahrheit sißt tiefer. Das ist die Aus den Fingern gesogene schmußige von zügelloser Arbeiterfeindlichkeit verzerrte schleimung der Urseele des Bour- Verleumdung" bezeichnet. Aber dem VorFraße zum Vorschein kommen ließ, während im geois, wie er sich heute als Typus präsen wärts" ist das vom Groll der Arbeiter getroffene schechischen Volke diese Gegensäße bis zum tiert. So denken sie mit verschwindenden Wus- Fascistenblatt ein glaubwürdigerer Zeuge als der miturz weit weniger schroff hervortraten, was nahmen alle, die Herren von Geldjack und Be sozialdemokratische Abgeordnete!! Nicht minder verachtenswert ist das, was das tschechische Bürgertum in den Ruf brachte, fib, die Träger der heutigen kapitalistischen Stul- sich die Freitagsnummer des„ Vorwärts" daneben jozial gerechter und gegenüber der tschechischen tur und so ist auch ihr geistiger Stampf gegen im Leitartikel leistet. Dort wird das Arbeiterschaft wohlmeinender zu sein als das die sozialistische Arbeiterschaft beschaffen. Hat ger christlich soziale 3entralorgan, deutsche. Seitdem es aber auf gefüllteren nicht eine Versammlung des deutschen Bundes Bie Deutsche Presse", das Blatt des Geldsäcken sißt und seine Ausbeutungsmöglich der Landwirte vor nicht langer Zeit eine Re- Justizministers Mayr- Harting, als feiten ungleich größer geworden sind, hat sich solution beschlossen, in der es heißt: Strip Stronzeugin gegen die österreichische Sozialdemo das tschechische Bürgertum mit größtem Erpelhaften Menschen und arbeitsfratie geführt!! Der Vorwärts" lobt das hiesige folg bemüht, diesen Unterschied in der An- icheuem Gesindel nüße auch die beste Seipelorgan, daß es mit richtigen konterrevolu ſtändigkeit, in der sozialen Einsicht, in der Sozialversicherungsgesetzgebung nichts! Die un- tionäremt Juſtinft.... zwei wesentliche Resultate der Wiener revolutionären Kämpfe" erkannt habe, politischen Gesinnung, wie überhaupt in sei- glüdlichen Krüppel brauchen also nach der An- nämlich, daß die Sozialdemokraten fünftig an dem ner ganzen Ideologie auszugleichen. Seither sicht der biederen Landbündler feine Sozial- Aufbau des bürgerlichen Klassenstaates mitarbei= marschiert die deutsche und tschechische Bour- versicherung, die können im Straßengraben ver- ten" wollen. und daß die fortschreitende Radikageoisie auf einer Linie und ihre politischen kommen, ebenso wie die Arbeitslosen, die als lisierung" der Arbeitermassen diese Mitarbeit Parteien streben dem gleichen Ziele zu: der arbeitsschenes Gesindel" beschimpft werden! erschwert. wirtschaftlichen und sozialen Unterdrückung. Und hat nicht der gewerbeparteiliche Abgeordder politischen Entrechtung der deutschen und nete Tichy in einer Nikolsburger Versammtschechischen Arbeiterklasse. lung verkündet:„ Das Geseß über die ArDie gleichen Brüder haben sich auch schon beitslosenunterstützung ist nichts im gleien Ton gefunden. Daß die Arbeiter anderes als eine Unterstüßung der eine zu mißachtende Rotte von Menschen sind,& aul heit"! Eine noch gemeinere Bedie man hochmütig und erhaben über die Achsel schimpfung, und zwar der Arbeiterinnen, leianzusehen hat und zu deren Bändiguna jedes stete sich der deutschagrarische Abgeordnete Mittel der Staatsgewalt eben recht ist, das Franz Heller, der in der„ Landpost" schrieb: gehörte als geistiges Gut früher nur zu den Entweder macht man gar nichts oder läßt sich nationalen Belangen" des deutschen Bürger- von den Eltern durchschleppen, oder geht tums, doch hat die tschechische Bourgeoisie in man bis 5 Uhr in die Fabrik und den letzten Jahren auch auf diesem Gebiete dann geht man auf den Strich." starke Fortschritte gemacht. Was, die Arbeiter Die Blütenlese könnte fortgesetzt werden. demonstrierten für ihr bürgerliches und ihr Le- Doch ist es genug, um zu zeigen, wie man heute Indem wir einige Beispiele aus der strupel bensrecht? Sie sprechen ihren im schweren Ab- über die Arbeiter zu schreiben und zu reden losen Pressekampagne gegen unsere österreichischen Genossen anführten, haben wir eine Pflicht gegen wehrkampfe gegen eine verkommene Klaffen- wagt. Die Männer werden ganz allgemein als die gesamte Arbeiterschaft erfüllt. Jeder Arbeiter juſtiz und deren Auftraggeber stehenden Ar- Plünderer, Diebe, Raubgesindel, die Frauen und jede Arbeiterin sollen es erfahren, daß die beitsbrüdern die Sympathien aus? Nichts und Mädchen als Dirnen hingestellt. Das ist Kommunisten mit der Konterrevolution eine Einda, ruft die edle Bourgeoisieele, lauter( e- dasselbe Bürgertum, das uns jetzt aus Anlaß heitsfront der Lüge und Verläumdung geschlossen findel, das eingesperrt und von der Polizei der Wiener Greignisse Lehren über Anstand haben. Niemals soll den kommunistischen Füh mit dem Gummipnüppel bearbeitet zu werden und gute Sitten erteilt! So denkt es von jerern vergessen werden, daß sie im Bunde mit berdient! Wan lese nur, was die„ Narodni nen, denen es seinen Reichtum und sein WohlFascisten und Börsenblättern dem Liſty", das Blatt des Herrn Dr. Kramar, über leben verdankt, so sehen seine geistigen Waf- In treuer Gemeinschaft mit dem„ Vorwärts" Wiener und dem österreichischen Proletariat in die Teilnehmer an der dienstägigen Prager fen aus! Wir haben keine Hoffnung, die Bour- und der Internationale" fällt nun auch der den Tagen seines tiefsten Schmerzes schmähBersammlung der tschechischen und deutschen geoisseele durch moralische Vorhalte zu bef- nationalsozialistische Tag" über die sich in den Rücken gefallen find! Pra Was an diesen Beschuldigungen von dem Blutpati" und von der„ Schußtruppe für die Bourgeoisie" wahres ist, möge am besten die Stellungnahme des Wiener Bürgertums zur Gemeindeschußzwache illustrieren. Die„ Reichspost" vom Mittwoch schreibt dazu: „ Solange der Bürgermeister von Wien an seinem revolutionären Aft festhält, mit deutlicher Richtung gegen die ihm als Landeshaupt. mann ohnehin unterstellte staatliche Polizeigewalt aus dem Republikanischen Schuhbund eine eigene, mit Amtsgewalt und Waffen ausgestattete Parteigarte zu gründen und aus allgemeinen Steuergel dern zu unterhalten, solange fann man an die volle Sicherung des Bürgerfriedens nicht glauben." Auch einer am Dienstag in Wien stattgefuns Der fouterrevolutionäre Instinkt" der denen Vertrauensmännerversammlung der christ„ Deutschen Presse" und die revolutionäre Erlichsozialen Gewerkschaften wurde eine Resolution tenntnis des Reichenberger Bolschewifenblattes beschlossen, in der es heißt: kommen zu dem gleichen Resultat. Damit ist flar erwiesen, daß die Kommunisten ihre geistigen Wajjen gegen die Sozialdemokratie von der Konterrevolution beziehen. Die vom Wiener Bürgermeister gebildete Gemeindeschutz wache ist als sozialdemokratische Parteigarde eine Ge fahr für den Frieden von Wien. Ihre Auflösung wird daher unter allen Umständen ge= fordert." und die Bildung der Gemeindeschutzwache aus! ** Auch die im kommunistischen Geiste geschriebene Auffiger Internationale" liefert dafür den schlagendsten Beweis. Am Freitag trägt So sieht die Wahrheit über den„ Blutpakt" sie auf der ersten Seite den sensationellen Vierspaltentitel: Wenn der kommunistische Redakteur, der diese Womit begründet sie den wahnvißigen Vor- ungeheuerlichen Beschuldigungen erhoben hat, wurf, daß die österreichischen Sozialdemokraten noch einen Funken Anstandsgefühl hätte, müßte nur auf die Niedermeßzlung von 100 Menschen er sich vor Scham verkriechen. gewartet hätten, um eine Begründung zum Regierungseintritt zu finden? Arbeiter, nehmt mit Abscheu zur Kenntnis: Auf einige vage Vermutungen der„ Neuen Freien Presse und des Neuen Wiener Tagblatt", das von Arbeiterhaß triefende Börsenblatt des Herrn Moritz Benedikt, das Organ des Bodenbantpräsidenten Dr. Sieghart, find die Beweisquellen der fommunistischen Presse gegen die Sozialdemokratie!! B es Samstag, 28. Juli 1927. Beite 2. Eine Studienreise durch Thüringen. Von Leopold Pölzl. II. Wohnungsfürsorge und Gesundheitspflege. auf Grünflächen. Die herrlichsten Parkanlagen und späteren berühmten Physilers und Gründers Die Dum- Dum- Geschoffe der Seipelmi: hundertjährigen Baumriesen, Teichen, Wie- der weltbekannten Zeißwerfe: Ernst Abbè. ſen und Blumenanlagen kann man bewundern Unser Führer erklärt und macht in feiner aber Polizei haben die Zahl der Todesopfer verfünffacht! Die Arbeiter Beitung" vom Freis und wer aus einer deutschböhmischen Industrie- verständiger Art auf die Geschmadlosigkeiten aufstadt kommt, wird beim Durchwandern von vie- merkjam. Im Sigungssaal des Senats, der für lerlei Gedanken bestürmt. Gera besitzt ein präch neunzig jigungsberechtigte Herren nicht mehr ge tig gebautes, modern eingerichtetes und vorzüglich nügend Raum gibt, befindet sich eine Statue tag wendet sich in ihrem Leitartikel persönlich verivaltetes Strankenhaus mit 370 Betten und Goethes und ein großes Wandgemälde Die an den Polizeipräsidenten Schober und ver daneben ein eigenes Gebände für Lungenkranke. neuen Musen", das, wie unser Führer mit Recht langt von ihm Aufklärung über die Verwen Die Anlage befindet sich in leicht erreichbarer Nähe meinte, nicht recht zu den Dingen paßt, die in dung von Dum Dum Patronen, de diciem Raum vorgehen. Im Laubengang des nicht ungestraft bleiben dürfe. Sie schweibt: Die Wohnungsnot macht auch den Gemein der Stadt auf einer Anhöhe mitten im Walde. Schon am Freitag ist Männern, die im Sen Thüringens viel zu schaffen. Es gibt ur Jede Stadt hat ihre Wasserleitung, Kanali- architektonisch schönen Hofes sehen wir auf Mareinzelne nennenswerte Gemeinden, die nicht fation und strenge Marftordnung. Um die Städte mortafeln die Namen der im Weltkrieg gefallenen Weltkrieg Jahre im Schäißengraben verbracht wohnungslose Parteien in verhältnismäßig gro- Erfurt, Weimar, Apolda, Jena und Gotha, die Studenten. Rund 500 an der Zahl. Einige haben, aufgefallen, welch außerordentlich großer zer Zahl aufzuweiſen haben. Die Zahl der Grundwasser benützen müſſen, mit gutem Quell Goldbuchstaben sind der Rest von ungezählten Teil der Wunden tödlich gewesen ist. Niemais wohnungslosen Familien beträgt gegenwärtig Trinkwasser zu versorgen, ist der Bau einer Tal- Hoffnungen, Qualen und Tränen. Die Universi haben wir im Kriege ein solches Verhältnis vis 3. B. in Weimar 1630, Gera 1800, Gotha 1600, sperre im Sterngrund bei Schwarzwald in Thürin- tät bevölkern gegenwärtig 140 Dozenten und 2300 fchen der Zahl der Tofen und der Zahl der Ber wundeten gesehen, wenn die Truppe nur unter Eisenach 1197, Sonneberg 600, Saalfeld 559, gen mit einem Rostenaufwand von 10 Millionen Studenten. Jena 390. Jn Greiz wo 1070 Familien auf eine RM. geplant. Die Rohrleitung wird 131 Kilo Die Theater machen so wie bei uns dem Gewehrfeuer, nicht unter der Einwirkung von Wohnung warten, wohnen in Stube und Ram meter lang sein. Aus einer an der Sperrmauer Staat und den Städten geldliche Sorgen; doch Artillerie und Gasen stand. Der gräßliche Vermer 82 Familien mit 5 Köpfen, 32 Familien zu errichtenden Kraftzentrale werden die Wasser- entledigt man sich ihrer nicht durch die Verpach dacht, den diese Beobachtung erweckte, wurde mit 6 und 10 Familien mit 7 bis 8 Röpfen. Die fraftbesitzer entschädigt. In Jena liegt die Milch- tung der Theater. Nach der Vereinbarung, die durch Beobachtungen der Aerzte in den Stadt Apolda hat keine Wohnungslosen. Im Ge- versorgung in den Händen einer Milchverfor beim Zusammenschluß der acht Länder: Sachsen Spitälern verstärkt; sie erzählten immer wieder gensatz zu unseren bürgerlichen Gemeindepolitigungs G. m. b..", in der die Stadt die Mehr- Weimar Eisenach, Sachsen- Meiningen, Reuß von entsetzlich großen Ausschußöffnungen, wie fern erkennen ihre Kollegen in Thüringen an, heit hat. Zella Mehlis plant den Bau eines ältere und jüngere Linie, Sachsen- Altenburg, sie niemals Infanteriegeschosse hervorrufen. Der daß die Wohnungsbeschaffung eine Aufgabe der Krankenhauſes, eines Altenheimes und eines Zen- Sachsen- Gotha, Schwarzburg- Rudolstadt und Verdacht, den die Beobachtungen erfahrener öffentlichen Verwaltung ist. Das Reichswohtralfriedhofes. Die kommunale Totenbestattung Schwarzburg- Sondershausen getroffen wurde, Kriegssoldaten und erfahrener Militärärzte ge nungs. und Heimstättengesez und die Bestimist in Weimar, Gera, Greiz, Saalfeld, Sonneberg müssen die sieben ehemaligen Landestheater erweckt hat, ist nunmehr durch das Gutachten von nungen über die Bauförderung vom 12. März und Pößnek bereits eingeführt, in anderen Städten halten werden. Für den thüringischen Staat, der Sachverständigen im Schießfach bestätigt. 1927 sind die Grundlagen. Der Staat gewährt steht die Einführung bevor. Krematorien befin- ganz andere Aufgaben zu erfüllen hat als die alten Vor uns liegt eine Menge von Darleben bis zu 5000 Mart für eine Wohnung den sich in Weimar, Jena, Erfurt, Gotha und Kleinstaaten, deren Fürsten und Herzoge Land Patronen, die die Sicherheitswache am Frei und Volk aussegen, sind die Millionenzuschüsse tag und Samstag verwendet hat. Es sind drei bei 1 Prozent Tilgung und 3 Prozent Verzin Sonneberg. eine große Last und die Regierung ist bestrebt, verschiedene Sorten von Patronen. sung, sowie Holzverbilligungs darlehen an Geeinen Teil auf die Theaterſtädte abzuwälzen. Wei- Erſtens normale Infanteriegeschosse. Zweitens mar leister zu dem rund 160.000 R.-W. jährlich Scheibenschußmunition, wie sie auf der Wiener Mit dem Schulerhaltungsgesetz vom 8. Juli betragenden Zuschuß für das in allen drei Spiel Schießstätte verwendet wird. Diese Munition 1922 wurden sämtliche Schulen verstaatlicht, vor nattungen sehr gute Theater 50.000 R.-M. Die ist daran kenntlich, daß der Stahlmantel an der handene Vorrechte aufgehoben und der ganze Stadt Coburg mit 24.500 Einwohnern hat im Spitze des Geſchofſes weggenommen, das Blei Schulgeldertrag zur Unterstützung bedürftiger Gemeindehaushaltsplan für 1927/28 für das Lanfähiger Schüler beſtimmt. Nach heftigen Stämp destheater einen Zuschuß von 218.000 R.-M. vor freigelegt ist. Drittens aber wurden Jagdfen drückte die bürgerliche Regierungsmehrheit gesehen, während für die gesamte Wohlfahrts patuonen mit Metallhülfen verwendet, wie man ſie bei der Jagd auf Hochwild zu verwenden am 8. Juni 1926 das neue Schulerhaltungsgesetz pflege durch die Stadt nur rund 240.000 R.-M. durch. Unter anderem erhielten die Gemeinden ausgegeben werden. Das Theater mit drei Spiel- pflegt. Sie sind reichsdeutsches Fabritat, in das Recht zur Errichtung höherer Schulen und geitungen ist gut, der Besuch schlecht. Nur an Nürnberg erzeugt. Es sind Bleigeschosse mit ab. ein Viertel des Schulgeldes wurde ihnen zugefechs Tagen der Woche finden Vorstellungen statt. geplatteter Spitze. Diese beiden letzteren Sorten, sprochen. Seither ist auch die Bevorzugung rechts- Besser steht es in Erfurt und Gera, wo die die verwendet worden sind, die Scheibenschußfiehender Bewerber bei Besetzung der Profefforen- Theater einen guten Besuch aufweisen. Um eine munition und die Jagdmunition, find als Geund Leiterstellen wieder möglich. Die örtliche Entlastung herbeizuführen, werden Gastspiele ein- schosse mit Dum- Dum- Wirkung bekannt. Schulverwaltung, etwa zu vergleichen mit unserem gerichtet. In Jena und Apolda finden Gastspiele Ortsschulrat, besteht aus vier bis zwanzig wit- des Landestheaters von Weimar statt, Rudolstadt gliedern. Die Hälfte der Mitglieder wählt die gibt in Caalfeld, Gera in Greiz, Coburg( gehört Gemeinde und je ein Mitglied die Lehrerschaft politisch zu Bavern) in Sonneberg und Sildburg und die Elternräte nach dem Verhältniswahtrecht. hausen wöchentlich zwei bis vier Vorstellungen. Diese Schulverwaltungsbehörde besorgt alle ihr Die von der sozialdemokratischen Partei im Schloß durch das Gesetz zugewiesene Aufgaben. Neben Ting bei Gera ausgezeichnet eingerichtete Volks der Volksschule hat jede Stadt ihre Mittelschulen. hochschule gibt im Landestheater eigene VorstelEine große Schulgebäudeanlage baut Weimar. lungen. meinden, Genoffenschaften und Bedürftige, die durch die Erträgnisse der Wohnungssteuer und die 40prozentige Mieteraufwertungssteuer ihre finanzielle Dedung finden. Außerdem fördern die Gemeinden und Landkreise den Wohnungs bau mit Eigenmitteln. Die Kosten einer mit öffentlichen Mitteln hergestellten Wohnung in einem Sochhause, deren Wohnfläche 70 bis 80 Quadratmeter betragen darf, betragen 6000 bis 6200 R.-M. Ein Kleinwohnhaus mit Rüche ( 16.5 Quadrameter), 2 Zimmer( 15 und 17 Quadratmeter), Flur, Balkon usw., Gesamtwohnfläche 56 Quadratmeter, erfordert in Gera eine Bauſumme von 6200 R.-M., eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, bestehend aus fleiner Küche, Wohnzimmer, wei Schlafzimmern, Flur usw. erfordert einen Stapitalsaufwand von rund 6500 R. M. oder 22 26 R.-M. für den Rubifmeter. verbauten Raum. Jede Stadt, die wir besuchten, hat in den letzten Jahren nicht nur mit staatlichen, sondern auch mit eigenen Mitteln eine größere Anzahl Wohnungen gebaut. In Gera wurden in den Jahren 1919 bis 1926 aus staatlichen Mitteln 1809, aus Gemeindemitteln 350 Wohnungen gebaut. Aus eigenen Mitteln wurden in Weimar 495, Greiz 400, in Jena 450, Saalfeld 220, Zella Mehlis 131 Wohnungen gebaut. Schulwefen, Bildungs- und Kunststätten. Jedermann weiß, daß diese Geschosse unver gleichlich schrecklichere Wunden erzeugen als normale Infanteriepatronen. Stößt das gewöhnliche Infanteriegeschoß auf einen Stnochen, Jo durchbohrt es ihn; stößt das Bleigeschoß auf denselben Knochen, so zermalmt es ihn. Durch diese Geschosse wird der menschliche Körper geradezu zerfetzt. Ein Lungenschuß zum Beispiel ruft, wenn gewöhnliche Infanteriemunition verwendet wird, eine Wunde hervor, die in der Regel in wenigen Wochen heilt; werden Gefchofſe mit Dum- Dum- Wirkung verwendet, so ist der Schuß an derselben Körperstelle tödlich. Zudem ist die Infektionsgefahr bei dieser Munition ungleich größer. Ruhig urteilende Sachverständige glauben, daß wir, wenn die Polizei normale Infanteriemunition verwendet hätte, bei gleicher Zahl der Verwundungen nicht hundert, sondern höchstens zehn bis zwanzig Tote zu beklagen hätten. Der Mann, der die Polizei mit diesen Patronen beteilt hat, hat also mindestens achtzig bis neunzig Tote auf dem Gewissen!" Die Grundschulklaffen werden in zwei Seiten Jede Stadt hat ihr Museum, in dem sich nicht flügeln, die Klaffen für das 5. und 8. Schuljahr, nur die geologische Lage, sondern auch Leben und Turn- und Zeichenfäle im Hauptgebäude untergebracht. Nach Besichtigung der alten, heute noch Wirtschaft widerspiegelt. Weimar hat die Goethe Von den rund 500 großen Badeanstalten des bewohnten Burg Ranis, zu der uns der Besitzer sammlung und das Museum für Urgeschichte, Landes find 60 Prozent im Besitze und in der mit seiner Familie einladen, fonnten wir in Zie- Sonneberg Spielwaren, Zella Mehlis Waffen, Verwaltung der Gemeinden. In den letzten Jah- genrück, im herrlichen Tale der oberen Saale eine Gotha Porzellan und Kupferstiche, Gera Kolonialren errichteten die Städte große Freibäder und neu eingerichtete Jugendherberge besichtigen. wir konnten je eine Musteranſtalt in Gera und in Das gern gezeigte und altbekannte Prunk- sammlung, Greiz Kupferſtiche und Malereien. Erfurt sehen. Das Schwimmbassin in Erfurt ist stück ist die Universitat in Jena. Im Jahre 1548 Saalfeld hat ein ehemaliges Kloſter in ein Mumit 100 × 55 Meter das größte in Deutschland. für Wittenberg zur Festigung von Luthers Lehre feum umgewandelt. In den pruntvollen Fürsten2400 Personen fönnen zu gleicher Zeit baden. Die gegen die gehaßten katholischen Zwingherren des schlössern zeigt man alte Waffen, Rüstungen und ganze Anlage mit Schwimmbaffin, Kinderplansch- Geistes geschaffen, fonnte sie sich erst seit Ende ähnlichen Stram. Naumburg, das politisch zu foftete 480.000 RM. Weimar beginnt mit dem In der Vorhalle vorbei, famen wir in die Aula. Preußen gehört, hat zwei große Kirchen, davon Kommunisten ausweichend und mit der haltlosen Bau einer einen Kilometer langen großen Sport-, I'm Raume lange Banfreihen, vorne amphi- eine mit wertvollen, schönen Bildhauerarbeiten. Beschuldigung, die Demonstranten bätten vie Spiel und Schwimmanlage mit großer Salle. theaterartig aufgebaut, die Lederpolſterſite für das Katholische Mönche haben einſt den Gläubigen Dum- Dum- Geschosse verwendet. Dem ſteht Natürlich sind die Kur- und Badeorte auch Min- Dozenten- und Professorenkollegium. Von der Geld und Gut abgenommen und in ihren festen gegenüber, daß die Wunden der verletzten derbemittelten, vor allem versicherten Arbeitern rechten Wand blicken vier gemalte Fürstengestal Sirchen und Klostersißen zur höheren Ehre Gottes Polizisten durchwegs glatte Durchs zugänglich. So das an der Saale liegende schöne ten aus proßigem Rahmen. Links in einer Geilbad Kösen, das früher nur den Angehörigen Wianernische, die von Hildebrand geschaffene fünft verwahrt. Dann ist das katholische Volt lutherisch schüsse oder Steckschüsse sind, die der Demonstranten aber fast durchwegs schwere Zerreißungen fürstlicher Familien, oder Bank und Industrie- lerisch hochwertige Statue des eigentlichen För geworden und damit auch Kirche und Inhalt. mit großem Ausschuß. herren zugänglich war. Die Städte legen Wert derers der Universität, des einstigen Webersohnes ( Fortsetzung folgt.) 1 Frau Giselas Che. Roman von Carl Otto Windecker. Erstes Kapitel. Der Oftobersturm trieb den Regen an die beschlagenen, trüben Fensterscheiben der Sinter häuser. Auf dem schlecht gepflasterten Hof lief das Wasser zu füßen zusammen. Der Hund des Sausmeisters feßte darüber hinweg in furzen, drol ligen Sprüngen, und schüttelte sein ruppiges Fell, als er das Trockene des Hauseinganges erreichte. Eintönig flang das Rauschen des Regens in die düstere Hinterhauswohnung, die Hanns Brunner mit seiner Familie in einem entlegenen Viertel Frankfurt- Sachsenhausens gemietet hatte. Das fahle Licht des frühen Herbstabends machte die zwei schmalen dürftigen Räume noch dunk Ier, noch trifter, als sie von Natur schon waren. In tiefste Finsternis war schon jetzt das Innere gehüllt und die Konturen der wenigen armseligen Möbel waren kaum noch zu erkennen. danken, die, wie sie wußte, ihm auch den letzten Lebenswillen nahmen, zu zerstreuen. Vielleicht war sie auch selbst innerlich zu müde geworden Ich bleibe ja gerne bei dirnur- das Kind" zögerte sie, aber sie brach ab, als schwere Schritte von der Türe her flangen." „ Der Hausmeister," flüsterte sie erschrocken. Hanns Brunner war zu seiner Frau getreten und hatte ihr den Arm um die Schultern gelegt, als die Türe mit einem heftigen Ruck geöffnet wurde. Hanns Brunner griff zu den Streichhölzern, mit einem fleinen Stnall sprang die Flamme an den Glühstrumzf des Gaslichtes. Sie wünschen?" bat er ruhig. Alechzend schob der Hausmeister seinen dicken, aufgedunsenen Körper bis zum Tisch heran. Trunksucht und Brutalität sprachen aus seinem aufgeschwemmten faltigen Gesicht. Die Polizeidirektion antwortet in einem der bleichen jungen Frau hinüber. Die Hochnä- zu, und war doch froh, als ihm der andere zum figkeit von Ihne und Ihrer Frau paßt mer net Abschied eine billige Zigarette aus einer kleinen mehr. Zu alle Schulde noch die Vornehmtuerei, Pappschachtel anbot. Froher gestimmt durch den -schaffe Se was anständiges, dann brauche Se langentbehrten Genuß des Tabaks setzte er seinen net auf andere Leut ihr Roste zu lebe...!" Er Weg fort." drehte sich schwankend und ging hinaus. Krachend flog die Türe hinter ihm zu, so daß der Kalt hinter der verschlissenen Tapete niederrieselte. Hanns Brunner war auf einen Stuhl gefunken und hatte den Kopf auf die Arme gelegt. Buckend suchten seine Hände auf der leeren Tisch platte nach Unsichtbarem Erst an einer der breiten, vornehmen Seitenstraßen, die in der Umgebung des Palmengartens von der Bockenheimer Landstraße abzweigen, verlangsamte er seine Schritte, um schließlich un schlüssig stehen zu bleiben. Aber wieder befann er sich und schlich, scheu an die andere Straßenseite geduckt, an einem der weißen Häuser vorüber. 3weis, dreimal ging er auf und ab, bis er den Mut fand, an jenem Haus den Schellenknopf zum ersten Stockwerk zu berühren. An der Haustür summte bereits der elektrische Deffner. Er stieß die Türe auf und stieg mit Klopfendem Herzen die breite, teppichbelegte Treppe hinauf. Ein Zimmermädchen in peinlich sauberer Schürze, ein weißes Häubchen über dem frech sinnlichen Gefichtchen, stand an der Türe und überflog den Ankommenden mit einem rüfenden Blick. ,, Sie wünschen...?" Als der Morgen graute und das erste Licht durch die Scheiben der Fenster fiel, erhob sich Hanns Brunner von seinem Lager. Er war müde und wie zerschlagen. Die halbe Nacht hatte er wach gelegen und mit einem Entschluß gekämpft. Ich möcht' emal hörn, wie's mit mei'm Mühsam hatte er sich durchgerungen, und war Geld steht!" Er schützte die kleinen, unruhigen dann, zufriedener, eingeschlafen. Und doch jetzt, Augen gegen die plötzliche Helle, feit drei Mo da die Finsternis aus dem Zimmer zu weichen nat' hawe Se mer fei' Licht mehr bezahlt begann und die Umgebung in ihrer furchtbaren und jetzt alumienier'n Se Ihr Schäferstündche Armseligkeit entblößte, fiel diese Tatsache auf ihn schon um sechse abend...!"" und ließ ihn die Durchführung seines Vorhabens Ich verlange, daß Sie in auständigem Tone noch nicht begonnen schon unmöglich er- ,, Melden Sie mich bitte sofort der gnädigen mit mir verhandeln!" schrie Hanns Brunner scheinen. Frau!" sagte Hanns Brunner furz. Der schnipgrundlos aufgebracht. Seine Ueberreizung nahm Nachdenklich stand er am Bett seiner Frau pische Ton des Mädchens gab ihm einen Teil ihm jede Beherrschung. und sah auf ihr im Schlafe kindlich verzogenes feines Selbstbewußtseins zurück. Dr. Brunner!" " Was?" Der Betrunkene pflanzte sich mit Gesicht. Sekundenlang quälte ihn der Wunsch, setzte er hinzu, als die Bofe zögerte, seinem Verausgespreizten Beinen vor dem Erregten auf. fie zu weden, sie um ein aufmunterndes Wort zu langen nachzukommen. ,, Es liegt soviel Bitterfeit in diesem Gedau Was? Sie wolle wohl noch frech wer'n? Ich bitten. Dann schämte er sich seiner Schwachheit, len, daß du nun meine Armut teilen mußt!" sagte werd' Ihne helfe'. Wenn Se noch einmal den zärtlich strich er leise über ihre Wange und nahm Hanns Brunner in das Schweigen hinein. Ver- Ton riskieren, fliege Se schon morje früh raus! But und Mantel vom Kleiderhaken neben fliege Se schon morje früh raus! But und Mantel vom Kleiderhaken neben der veiflung flang in seinen Worten.„ Manchmal Dann könne Se wege mir uffs Wohnungs- Türe- und ging. erbrückt mich fast diese Verantwortung, die ich auf amt laufe'," setzte er noch brummend hinzu. mich nehme, daß ich dich an mich fessele, dich nicht gehen lasse...! Aber ich könnte auch nicht ohne dich sein, ohne dich und das Kind. Jetzt nicht Hanns Brunner stand am Fenster, den Rüden an die. Scheiben gelehnt. Nachdenklich sah er zu seiner kleinen, blonden Frau hinüber, die mit müder, resignierter Geste den Kopf über ihren kaum dreijährigen Jungen gebeugt hielt, der auf ihrem Schoße eingeschlafen war. Frau Gisela fannte diese Selbstquälerei thres Mannes und fand doch kein Mittel, ihm solche GeHanns Brunner war blaß geworden. Verzeihen Sie, Herr Huth, sind Sie nicht böse..." Die Stimme versagte ihm vor Scham bin so nervös. Natürlich werde ich Ihnen Miete und Licht bezahlen bald sogar-" ich ,, So natürlich is mer des net!" Er grinste zu Endlos zog sich der Weg bis zum Zentrum der Stadt. An der Hauptwache traf er einen alten Journalisten, der ihm lange und schwerfällig von den bitteren Zeiten erzählte die auch er durchzumachen habe. Man baut ab-, man baut ab..." sagte er immer wieder. Hans Brunner hörte unwillig| Brunner erregte Stimmen aus einem der ZimErst nach einer Weile, während Hanns mer vernahm, kehrte sie zurück.„ Sie wird mich nicht empfangen," dachte er, und war erstaunt, als das Mädchen, mit neugierigen Augen, auf eine Türe wies, vor der in Kübeln hohe Zimmer palmen standen. Gnädige Frau lassen bitten!" ( Fortsetzung folgt.) Samstag, 23. Jul 1927. 2. Gammelausweis für die Opfer der Wiener Ereignisse. Summe des 1. Sammciausweises Theodor Hadenberg, Brag Dr. Mar Zenier, Karlsbad. G. 6. E. . K 23.685200. 100. 1.000.Nachtrag Personal des Parteijefre tariates".„ Sozialdemokrat", Prag, 50.K 25.035 2. Gammelausweis für die Opfer der Unwetterfatastrophe. Summe des 1. Sammelausweises.. K 11.580Theodor Hackenberg, Prag.. Beamtenschaft der Bank für Handel und Industrie ehemals„ Länderbank", Prag Nachtrag Personal des„ Sozialdemo " frat" und Parteijefretariates in Prag, " Die Polizei des Herrn Prälaten. Augenzeugen über die Brutalität der Polizei. Die Arbeiter Zeitung" veröffentlicht eine Niemand verstand den Angriff. ganze Reihe von Zuschriften, die ihr von Augenzeugen der Wiener Bluttage, die sich durchwegs 10 Uhr früh sah ich bei der Wollzeile von der Ein Ingenieur teilt mit: Freitag um halb für Nichtsozialdemokraten und unbe fangene 3eugen erklären, zugekommen sind. Alle Landstraße her einen Zug von Arbeitern kommen. diese Briefe sind unwiderlegbare Dokumente Als ich erfuhr, daß es sich um eine Demon dafür, mit welcher Brutalität die Polizei gegen mich an. Die Menge marschierte unter Pfuirufen stration gegen den Freispruch handelte, schloß ich wehrlose, fliehende Menschen vorging. So schreibt ein Ausländer über diese„ beste gegen die Klassenjuſtiz über den Ring; die OrdPolizei der Welt": nung wurde musterhaft aufrech terhalten. Beim Schmerlingplatz stand eine fleine Abteilung berittener Polizei; die Arbeiter riefen, bzug!", eine Stodung entstand. Dann bogen die Demonstranten, noch immer vollkom men geordnet, in die Reichsratsstraße ein, die Wache zog sich zum Justizpalast zurück. Die Wiener Polizei bezeichnet sich auch im 100.- Ausland gern als die beste Polizei der Welt. Wit welchem Recht, das erkannte man, 1.000.25.K 12.705. Benes's Jehde mit Rothermere. an wenn man selbst mitangesehen hat, wie in zahlreichen Fällen Gruppen von vier, fünf oder noch mehr Wachleuten, die ein oder zwei Personen, Uebeltäter oder Unschuldige, festgenommen hatten, die wehrlosen Gefchöpfe in brutalster Weise vor sich her stießen und mißhandel ten. Selbst der Leidenschaftsloseste muß bei solchem Anblid sein Blut sieden fühlen. Prag, 22. Juli. Lord Rothermere, Stimmung der Wasse wirken, daß tatsäch Und wie unvergleichlich furchtbar muß es auf die Anhaber des„ Daily Mail" Konzerns, fandte ich fast ausschließlich auf wehrloic, on Minister Dr. Beneš ein Telegramm, welches fliehende Menschen geschossen wurde, er auch in der ungarischen Presse veröffentlichen die von starken Trupps bis an die Zähne bewaffließ und in dem er auf die Erklärung entgegnet, neter Wachmannschaften in rücksichtslosester Weise mit welcher Minister Beneš im Außenausschuß des Senates auf eine Anfrage betreffs des be verfolgt wurden. Es steht wohl einwandfrei fest, fannten Artikels Lord Rothermeres in der„ Daily daß bei weitem die meisten der mit schweren VerMail" reagierte. In seinem Telegramm verweist lesungen in die Spitäler eingelieferten oder ihren Lord Rothermere darauf, daß der Trianoner Verwundungen erlegenen Personen von Schüssen Bertrag aus der Unkenntnis der Verdurchbohrt waren, die in den Rücken der c.treter der alliierten Wächte in Sachen barmungswürdigen Opfer abgegeben wurden." der mitteleuropäischen Probleme heraus entstanden ist und daß die Bevölkerung der Gebiete, daß ich über das brutale Vorgehen der Polizei maßlos em pört war. Ich habe so etwas in meinem Leben noch nie gesehen; Einige Minuten später geschah das Unfaßbare: die berittenen Polizisten, die um den den Schmerlingspart herumgeritten waren, tauchten plößlich vor uns wieder auf und sprengten, ohne daß man begriff warum, in die Menge hinein. Gleichzeitig ging. die Wache zu Fuß, die beim Justizpalast postiert war, mit gezogenem Säbel gegen die Arbeiter los. Ein Tumult entstand, ich flüchtete in den Park, da fielen auch schon die ersten, von Wach= leuten abgegebenen Schüsse. Nun erst bewaffnete sich die Menge mit Latten und Steinen, um nicht absolut wehrlos niedergemeßelt zu werden. ginger vorüber, nur fleine Gruppen von drei, vier Leuten standen umher. Auf einmal marschierten Polizstent mit gefällten Gewehren auf, blicben stehen, luden und gingen wieder vor; im nächsten Augenblid frachte cine Salve. Die Wache hatte in die friedlichen Menschen, unter denen man kaum einen Arbeiter sah, hineingeschossen, ohne ein Aviso zu geben. 2667 Genoffe Julius Deutsch Seite 3. der vom Bürgermeister Seiß zum Kommandanten der nengebildeten Wiener Gemeindeschuhwache er nannt wurde. Die erste Attacke. Ein Maschinenmeister, der mit den ersten Arbeiterkolonnen zum Parlament zog, gibt folgende anschauliche Schilderung der ersten Polizeiattacke: Als wir gegen das Parlament famenwir waren so ziemlich die ersten, jahen wir schon die berittene Polizei, die uns erwartete. Wir waren noch zirka fünfzig Meter entfernt, als ein Offizier, mit einer gelben Bluse, ein Zeichen mit dem Säbel gab, worauf die berittene Polizei gegen das Justizgebäude trabte. Fünf Reihen vor mir wurde auf einmal Glöckel auf die Schultern der Arbeiter gehoben, er zeigte uns den Weg, den wir nehmen sollten. Als wir zum Ende des Schmerlingsparts famen, jahen wir die Berittenen im Trab daherkommen. Auf einmal ein Wirbel, ein furchtbarer Aufschrei des Entsetzens, und die Berittenen, aufgelöst in eine Schwarmlinic, rasten mit gezogenem Säbel daher. Jetzt gab der Offizier mit der gelben Bluse- cr hatte ein rotes rundes Gesicht ein Zeichen mit dem Säbel und alle stürmten und hie. ben auf uns ein. Die Säuberung der Ringstraße. Ein reichsdeutscher Lichtdrucker erzählt: FreiEin amerikanischer Kaufmann aus Aftabula tag um halb 6 Uhr abends ſtand ich auf dem welche niemals von Ungarn hätten losgetrennt( Ohio), der sich gegenwärtig in Wien aufhält, Ring und jah mir den brennenden Juſtizpalast werden sollen, früher oder später die Rückkehr ins berichtet: Als ganz objektiver Beobachter ich an. Weit und brei gab es keine Men Vaterland anstreben werden. Lord Rothermere bin amerikanischer Staatsbürger und gehöre chenansammlung, nur wenige Passanten fordert den Minister Beneš unter Berufung auf feiner Partei an muß ich sagen, dessen staatsmännische Erfahrungen und Fähig feiten auf, gegen die Ungerechtigkeiten, deren sich die Tschechoslowakei gegenüber den ungarischen Staatsangehörigen bei der Beschlagnahme und dem Verkaufe des Besizes schuldig gemacht habe, einzuschreiten, und verlangt in dieser Sache einen es wäre auch in Amerika nicht möglich. Es öffentlichen Ausweis. Rothermere schließt sein begann damit, daß die Leute, als sie beim ParTelegramm mit der Warnung, das Verhält- lament vorbeizogen, Pfui" riefen. Daraufhin hältnis Großbritanniens zur Tsche- ritten die Wachleute in die sonst friedlich dahintoilowafei fönnte sich in Gleichgültig ziehende Menge. Polizei zu Fuß fam ihnen z feit umwandeln, und mit dem Versprechen, er Hilfe. Besonders ein Wachmann fiel mir auf, wurden dreißig bis vierzig Schüsse abgegeven, wie Montag in der Nähe der Polizeidirektion ein werde baldigst in seinen Blättern erncut auf diese der mit seinem Säbel wie wild in die niemand weiß, warum. Ich habe manches für Serr, anscheinend ein Journalbeamter der PoliLeute einhieb. Steine wurden zu dieser Zeit möglich gehalten, aber dieses Vorgehen der zei, auf einen Sicherheitswachmann zutrat. Er Minister Beneš antwortete Lord Rother- noch nicht geworfen. Ich konnte die Aufregung Wiener Polizei war so ungeheuerlich, daß ich es flopfte ihn auf die Schulter und fragte:„ No, Serr der Leute, die nun folgte, sehr gut verstehen, und noch immer nicht fassen fann. Als ich später Wiesner, haben Sie auch fest dreinich muß sagen, daß die Leute recht hatten, wenn wieder über den Ring ging, sah ich auf dem gepfeffert?" Das sind die Herren, die jetzt fie die Polizeijäbel, die sie erwischen konnten, zer Boden eine riesige Blutlache, in der Gehirn der Welt einzureden versuchen, daß sie ihre brachen. Ich hätte auch nicht anders gehandelt, wollte mich aber als Ausländer nicht in öfter- lumpen lagen. Nur stumpfe Geschosse können Organe angewiesen haben, mit der äußersten Be reichische Angelegenheiten mischen. diese Wirkung haben. sonnenheit zur Wiederherstellung der Ordnung von der Waffe Gebrauch zu machen! Fragen zurüdfommen. mere mit folgendem Telegramm: Mylord! Ich danke Ihnen sehr für Ihre Depesche und für die schmeichelkaften Worte, welche Sie an mich richteten. Ich erlaube mir jedoch, Sie auf folgendes aufmerksam zu machen: Fürs erste habe ich nicht die Ausdrücke über ihren Artifel gebraucht, welche Sie in Ihrem Telegramm zitieren. Augenscheinlich haben Sie meine Worte mißverstanden oder find Sie darüber unrichtig informiert worden. Ein Abonnent der Reichspost" schreibt: Ich sah, wie im Rathauspark ein Polizist auf einen ahnungslosen Mann feuerte und cine Frau mit einem Kinde am Arm schwer verleßte. Der Poli zist war nicht im geringsten bcdroht. ohne die Leute aufzufordern, sich zu entfernen. Es Sigung des Wiener Gemeinderats. , Haben Sie auch fest dreingepfeffert? Ein Leser schreibt: Ich war zufällig Zeuge, wendig war, nach der verheerenden Wirkung der crsten Salven noch neue Salven abzugeben, und warum ohne die geringste Warnung Zweitens bedauere ich, daß ich mich über geschossen wurde." den weiteren Teil Ihrer Tepesche in feine Wien, 22. Juli.( Eigenbericht.) Der Ge- Rummelhardt begründet seinen Antrag Diskussion einlassen kann. Ich bin in amtmeinderat hielt heute eine Sitzung ab, die sich mit unverantwortlichen Angriffen auf die Gelicher Stellung und kann daher nicht alles eingangs mit drei Dringlichkeitsanträmeinde- Angestellten, die der Bürgermeister als jagen, was ich möchte, wie dies Eure Lord- Oder waren vielleicht die Wachleute in Gefahr, gen zu befassen hatte. Der sozialdemokratische Vorsitzender sofort zurüdwies. Sunfchaf for schaft tun können. Ich wäre gezwungen, einen als sie gut gedeckt, auf fast dreihundert Mieter Gemeinderat, Genosse Weber, verlangte und dert die Auflösung der GemeindeVergleich zwischen den Verhältnissen in der Distanz beim Justizgebäude auf harmlose Zu begründete die Einschung eines Unter- sch ni wa che, worauf Stadtrat Richter ein Tschechoslowakei und in Ungarn zu ziehen, schauer schossen? Eine Frau befam da eine Versuchungsausschusses über die Vorfälle Rechtsgutachten des Magistratsdirektors verliest, wobei meine Worte als Worte eines Ministers wundung am Fuß, so groß, daß man die Faust des 15. Juli, der Christlichsoziale Rummel- aus dem zwingend hervorgeht, daß die Errichtung jemandem unangenehm sein fönnten und mit in die Wunde steden konnte. Die Nachricht, daß hardt verlangt die Untersuchung des Gerüchtes, der Gemeindeschutzwache der Bundes- und Lan weichen ich demnach dem guten Verhältnisse vom Südbahnviadukt auf Wachleute geschossen baß aus dem Rathause geschossen worden sei und desverfassung entspricht und feinesfalls im Widerzwischen meinem Lande und seinen Nachbarn wurde, ist eine Lüge. Ich wohne in nächster Nähe der Christlichsoziale Sunsch at beantragt die spruche mit den Bedingungen des Friedensver nicht dienen würde. Deshalb stehe ich von des Favoritenplatzes und sah, daß nur Poli- Auflösung der Gemeindeschußzwache. - einer Antwort auf diese Sachen ab. Sum dritten bin ich jedoch vollkommen ist en schossen. bereit, Ihnen alle erforderlichen Informationen trages steht. In der Debatte führt Genosse Weber aus, Dann ſiellt der Gemeinderat Hofbauer daß die große Mehrheit der Bevölkerung jedes den Antrag, die Saltung des Bürgerüber die Verhältnisse der Minderheiten in der Eine schwangere Frau niedergeritten Bertrauen zur Polizei und den Behörden verloren meisters zu billigen, feine Maßnahhabe und eine objektive Untersuchung einer Reihe men zu bestätigen und ihm Dank und Tschechoslowakei. wie in Ungarn in der VerEin bürgerlicher Gewerbetreibender schreibt: von Fragen wünsche. Er wolle hier nicht als Vertrauen des Gemeinderates auszugangenheit sowohl wie in der Gegenwart zu Ich habe die erste Attacke der Wache mitange- Antlager auftreten, denn die schwersten Ansprechen. Stadtrat Speiser verteidigt die geben. Ich werde das um so bereitwilliger tun als ich aus Ihrem Telegramm ersche, daß ſehen. Mir fiel dabei ein berittener Wachmann läger fcien ja die Toten und die Ber- städtischen Angestellten gegen die Angriffe Rum mit drei Goldrosetten auf, der wie ein Wahn- wundeten. Die Vorfälle, die sich vor einer melhardts. - obwohl Sie aufrichtig für Frieden, Gerech Unter stürmischen Beifall wird der Antrag tigkeit und Wahrheit arbeiten- Ihre Infor- sinniger schrie, mitten im Park herumritt, auf Woche ereignet haben, hätten in den schwärzesten mationen über die mitteleuropäischen Ange- cinc fchwangere Frau losging und Tagen des Absolutismus nicht schlimmer aus Hofbauer, dem Bürgermeister zu danken und ihm Vertrauen auszusprechen, angenommen. legenheiten unvollständig, ja manchmal unieniedertrampelte. Die Wache hat leider fallen fönnen. Das Tragische an ihnen sei, daß das den ganzen Wirbel verschuldet. Denn Schimpfen sie sich in der demokratischen Republik ereigneten. Ebenso wird der Antrag Weber auf Einseßung richtig sind. tut nicht weh, und wenn sie die Ordner abge- zu untersuchen sei vor allem, warum die Du meines Untersuchungsausschusses angenommen, der wartet hätte, dann wäre es zu dem Massenmord Dum- Geschosse ohne Stablspitze verwendet Antrag Runschats auf Auflösung der Wache wird nicht gefommen. Hauptsächlich die Schulwach wurden, ob es auch im Sinne der Polizei not mit großer Wiehrheit abgelehnt. mannschaft hat blutrünstig auf die Menschen geschossent. Ich versichere Sie meiner Hochachtung. Dr. Beneš. ,, König“ Carol rebelliert gegen seinen Cohn. Paris, 22. Juli. Prinz Carol wird, einer Meldung des„ Matin" zufolge, seine Villa in Sind das noch Menschen? Ein Favoritener Fürsorgerat schreibt: FreiAuf einmal, ohne jeden Anlaß, kam die Wache im Laufschritt mit erhobenen Gewehren aus der Eschenbachgasse. An der Ede fing fie zu schießen an und schon lag blutüberströmt Leopold Schmid am Boden. Rundfunt für Alle! Programm für morgen, Sonntag. Zürich), 588. 11: Vormittagsmusit. 13: Ländler. 16: Nach mittagsfonzert. 20: Rammermusit. 21: Russisch deutscher Liederabend. Deutschland. Breslau, 316. 11: Morgenfeier. 12: Wittagsfonzert. 14: Nätfel. 11.30: Schadh. 15.15: Marchen. 16: 2eichtathletit Rampf. 16.30: Unterhaltungskonzert. 18.15: consert. 19: Wanderungen in Glay. 19.35: Ben Breslau nach Bufareit. 20.15: Uebertragung aus Schreiberbau. 22.30: Tanzmusif. 18: Deutsche Sendung. Wetterbericht und Tagesneuigkeiten, nach Tripolis. 19.55: Die neue Tanzfunft. 20.30: Französischer hierauf: Jofef aaen, Witglied des deutschen Landestheaters Abend. 22.30: Tanzmusit. in Prag: Gesangsvorträge. 19: Ein Viertelstündchen Sumor, 20: Symphonisches Stonzert. 1. Smetana: Stočna aus Verlaufte Braut". 2. Smetana: Polfa aus Zwei Witwen". 3. Fibich: Tichaifowitij: Walzer aus„ Eugen Onegin". 6. Gounod: Walzer aus Faust". 7. Goldmark: Ballettmusik aus„ Die Königin von Saba". 8. Strauß: Walzer aus Der Rosenkavalier". 22: 3eitfignal. 22: Leyte Nachrichten des Preßbüros. Uebersicht der Tagesereignisse und Sportnachrichten. 22.15: Theaternachrichten. 22.20: Königswusterhausen, 1250. 6.30: Hebertragung von Berlin, Brag, 349. 9: Landwirtschaftsfunt. 16.30: Promenadenkonzert.484. Grübfonzert. 9: Worgenfeier. 11.30: Unterbaliung smujit. 12: Neuilly verlassen. Er empfängt persönlich nieman- tag um viertel 8 Uhr abends standen einige kleine 12.15: Rundfunk für Industrie, Handel und Gewerbe. 16.30: Stundengeläut. 14.30: Berliner Sumor. 15.30: Marchen. 17: den. Ein Redakteur des„ Matin" wurde von Gruppen neugieriger Menschen an der Ecke der Bortrag. Bernard Shaw und fein Werk, 17: Nachmittagskonzert. Orcheſterfonzert. 19: Stundengelänt. 19.05: Rom. 19.30: Reife einer hochstehenden Persönlichkeit aus der Um Gumpendorferstraße. gebung des Prinzen empfangen, welche ihm folgende Erklärung abgegeben haben soll: " Der rumänische König Carol, welcher durch den Tod seines Vaters sehr ergriffen und in seinen Gefühlen der Ergebenheit gegenüber dem verstorbenen Herrscher tief getroffen ist, bedauert, in diesem Wiomente der Bresse feine Er- Wir hoben den Toten auf und trugen ihn zu der flärung machen zu können, und nicht in der Lage andern Ecke, wo zwei Wachleute standen. Ich zu sein, eine Erklärung zu formulieren, welche bat sie mit aufgehobenen Sänden:„ Ich bitte euch, die neue Lage erfordert. Er hat bereits gestern den habt doch ein Herz und ſeid Menschen. Wo sollen Mitgliedern der rumänischen föniglichen Familie wir den Armen hintragen?" Und da geschah das feine aufrichtige Teilnahme an dem Tode seines Unglaubliche: sie erhoben ihre Gewehre und der Baters übermittelt. Bisher iſt feine Antwort aus eine Wachmann rief:„ Marsch, oder" und Rumänien eingelangt." setzte sein Gewehr zum Schießen an! Frankfurt, 429. 8: Morgenfeier. 11.30: Ein Tag im Erzie hungsbeim. 12: Glockenspiel. 12.30: Mittagsständchen 15: Jugend. Ballettmusik. 4. Bonchielli: Ballettmujit aus„ Gioconda". 5. tunde. 16: Chorfonzert. 17.30: Wie Langenberg. 20: Wie Stutt Leipzig, 366. 8.30: Orgelfonzert. 9: Worgenfeier. 11: Prome Schöpfung". 3. Reger Benediktus. 4. Mozart. Alleluja. 5. Liszt: nadenkonzert. 12: Vom Urstoff zum Kulturgefeß. 12.30: Sudame Tanzmit. Brünn, 441. 9.30: Landwirtschaftlicher Bericht. Die Bodenreattion und ihre Bedeutung für die Produktion 10: Orgelfon sert. 1. rand: Choral. 2. Saydn: Gabriels Aric aus„ Die bagio. 10.30: Wie Prag. 16.30: Wie Brag. 17: Zanzmujit. 18: Deutide Sendung. Die Stonzertfängerin Rita Now al. Weder Linde. 20: wie Brea, 22: Wie Brag. Wien, 517. 11: Vormittagskonzert. 16: Johann und Josef ber: Der Freischüt. Arie der Agathe. 18.30: Ced): 3m Schatten Strauß. Abend. 18.15: Anetboten und Geschichten. 20: Franzöfifcher part. Tanzmusit. rifa. 16.30: Wunidhnachmittag. 18.30: Allgemeine Wufiftebre. 19: Der Zuſtand des Erdinnern. 19.30: Der moderne Geſellſchaftstanz. 20.15: Französischer Abend. 22.30: Wie Berlin. München, 586. 11: Glodenspiel. 12: Empor! 15: Sarmoniumkonzert. 15.30: Sachfen. 16: Bandoniumvorträge. 16.45: Nachmit tagsfonzert. 18.05: Statistische Werkwürdigkeiten. 20: Norma", Oper von Bellini. 22.30: Tanzmusit. Gette 4. Ein flares Arteil". ( Titel des Eeitartikels ber,.Reichspost“ vom 15. Juli, von der empörten Menge im Sprechchor wiederholt.) Das Tor des ausgebrannten Justizpalaſtes. Lages- Neuigkeiten. Der tote Falle. Sechs Wiener Rote Falfen" schritten am Mittwoch schmeigend zu Seiten des Carges, der den Leib ihrer ermordeten Genossin Adele Stonef barg. Sechs Rote Falfen, Abgesandte der sechs tausend Wiener Wiadel und Jungen, die das rote Zuch tragen, geleiteten die fünfzehnjährige Frcundin zum Grabe. Schweigend entfalteten sie am Sarge des jungen Falken, dem nach kurzem sonnefrohen Flug die Tude der Kriechlinge die Schwingen ge brochen hatte, die rote Fahne, letter Gruß des Lebens, der Sonne, der Freunde, der Jugend! Armer, lieber roter Falfe! Du warst hoch oben. Du wolltest von cinem Dache aus Ueberblid gewinnen über die furchtbaren, unfaßbaren Ereignisse, die Dich setzten und verwirrten. entEin Polizist schoß Dich herunter. Den Falken in der Höhe wie kann die Bolizei ihn sehen, ohne schießen zu wollen? Söhentraum ist polizeiwidrig. Flug in die Freiheit ist polizeiwidrig. Rote Falfen- poligeinibrig. Einsperren! Die Flügel brechen! Erschießen! Liebe Adele Stanef! Lieber Roter Falte! Tein Jugendtod war symbolisch. Es soll nicht geflogen werden! Die Maulwürfe und dic Ströten wollen es nicht. BO Die Jaffade bes ,, Reichspost“-Gebäudes. zur Landung zu veranlassen. Bei der Landung| essenten aus Nordböhmen unternimmt in der Zeit wurde festgestellt, daß der unfreiwillige Flieger vom Freitag, den 9. bis Montag, den 12. September unverlegt war. L. J. Die Urlaubs Reise- Organisation, Siz Bodenbach a. E, Dresdnerstr. 886. Reisekosten einschl. aller Unfosten 395 Stronen. Verlanget fostenlos Prospeftc. Bei der Zollrevision erschossen. Ein schred liches Unglück, das nicht zuletzt durch leichtsinniges vantieren mit Schußwaffen verursacht wurde, ereignete sich Freitag, den 22. d. M. in der Zollrevisionshalle in Bodenbach. Bei der Revision der Reisenden, welche mit dem gegen halb 12 Uhr aus Dresden in Bodenbach ankommenden Zug eintrafen, öffnete ein Student seinen Koffer, in welchem sich auch eine Floubertpistole. Staliber 6 Millimeter, befand. Der Zollbeamte ünne jie verzollt sei. In diesem Augenblide entlud bier nahm die Waffe in die Hand und fragte, ob ich die Waffe und das Projektit traf einen 6% jährigen Knaben, namens Rudolf Minrad aus Dresden mitten ins Herz. Das arme Kind war fort tot. Die unglückliche Mutter war mit ihrem Söhnchen gekommen, um ihren in Tetschen wohnenden Bruder zu besuchen. Nach einer an deren Darstellung soll sich die Waffe in der Hand des Eigentümers entladen haben. Jedenfalls ist es sträflicher Leichtsinn, ohne zwingende Gründe geladene Schußwaffen im Stoffer herum zuschleppen und nicht minder sträflich ist es, bamit in Anwesenheit zahlreicher Menschen unter Außerachtlassung jeder Vorsicht zu hantieren. Eine strenge Untersuchung wurde eingeleitet, doch wie Mutter gibt niemand ihr Kind zurüd. immer deren Ergebnis sein mag, der unglücklichen Druckfehler. Unsere gestrige Anprangerung. des völkischen„ Ta g" verlich diesem chrenwerten Aber über Deinen Sarg hielten sechs Roie Blatt den Rang einer„ sudetendeutsche: ingo Falfen, schweigende Wortführer sechstausend presse"; der Druckfehlerteufel änderte das treuer Jugendprofetarier, die rote Fahne. Ihr Wort in ein unverständliches Ingopresse". Schweigen war ingrimmiger Schwur. War Schwur bei der Fahne, die so rot war wie Dein jungfrisches Blut! Die Falfen werden do ch fliegen! Die Ju gend wird doch zum Lichte aufsteigen! Abele! Die Falfen werden zu Deinem Grabe fliegen. Du wirst mit ihnen fliegen! Die Freidenfer für die Opfer der Wetterfatastrophe. Die Leitung des Bundes proletarischer Freidenfer hat in ihrer Sizung vom 19. Juli für die Opfer der Unwetterfatastrophen Spende von K 500.- beschlossen. Gleichzeitig soll in den Ortsgruppen eine Sammelaktion durchgeführt werden. Da Du nod) lebtest und lachtest, Adele, hast Mädchenhändler. Die Polizei verhaftete in Du es gewußt: die Penger kann nichts gegen die Marseille fünf Individuen, welche sich mit Roten aifen, sie fann sie nicht hindern. Es Mädchenhandel befaßten. Zwei in ihrer Gesellwerden ihrer imum& mehr und mehr. Immer schaft befindliche unmündige Mädchen wurden mehr Augen, die sich zur Sonne heben, mamer ihren Eltern übergeben. mehr junge Seelen, die ihre Schwingen regen Unser neuer Roman. Wir beginnen heute zum fühnen Flug. Abele, erster Blutzeuge der mit dem Abdruck des Romans„ Frau Giselas Roten Falfen, Du hast es sterbend gewußt; es Ehe" von Carl Otto Windecker. In schlichter, mit letter Kraft Deiner verhauchenden Seele aber fesselnder Art rollt die Erzählung das Bild gesehen: einer Ehe auf, das psychologisch und fünstlerisch gleich bannend ist. Wir hoffen, daß auch der neue Roman das vollste Interesse unserer Leser finden Eisenbahnerlos. Bei Kohla an der Saale mur hen am Donnerstag morgon furz vor 6 Uhr dret Stredenarbeiter, die mit dem Vorichten einer Bleisstepfmaschine beschaftigt waren, vom Personanzug Scaffeld- Jera erfaßt und getötet. Während des Unginds herrichte storfer Rebel, so daß die Arbeiter den Zug nicht fommen sahen. Zwei der Getöteten stammen aus Rahla, der dritte aus Langensalza Fabrilsbrand in Schreckenstein. Gestern NachKind& Herglo in Schredenstein bei mittag um 2.45 Uhr brach in der chemischen Fabrik Aussig ein Feuer aus. Dasselbe entstand in der sogenannten Asphaltsiederei und konnte dank dem raschen Eingreifen der Feuerwehr von Schrecken stein und der Schichtschen Fabriksfeuerwehr lokalijiert werden. Versagen des Fallschirmes. Wie die Agence Savas avas aus Men berichtet, ist infolge einer Motorpanne ein Militärflugzeug während einer Nachtübung abgestürzt. Der Flugzeugführer, deffen Fallschirm sich beim Abspringen nicht entfaltete, fam ums Leben. Samstag, 28. Juli 1927. Noch ein Opfer? Wien, 22. Juli.( AN.) Das Befinden der auf den Unfallstationen liegenden verletzten Opfer von den Unruhen hat sich insoweit gebessert, daß mit einer einzigen Ausnahme die Hoffnung besteht, daß alle Schwerverletzten der Heilung werden zu. geführt werden können. Hoover Präsidentschaftskandidat? Washington, 21. Juli. Die meisten Zeitun gen betrachten den gestrigen Besuch Hoovers bei Coolidge als Anzeichen dafür, daß Coolidge Soovers Kandidatur empfehlen werde, falls er sich nicht dazu entschließen sollte, selbst zu fandidieren. Hoover erklärte, er werde aus Loyalität nicht gegen Coolidge fandidieren. 12 Konfistationen. Wien, 22. Juli. Wie d'e Blätter erfahren, wurden in den letzten Tagen 12 Konfistationen von Presseorganen wegen Aufreizung und der. gleichen vorgenommen. In der Zentrale der fom. munistischen Partei und bei einzelnen Angehöri gen der Partei wurden Hausdurchsuchungen vor genommen. Der Fremdenverkehr hat wieder in crfreulichem Umfange eingesetzt. Manöver der baltischen Flotte. Mostau, 22. Juli. Die baltische Flotte lief heute aus Stronstadt zu Manövern im Finnischen Meerbusen aus. An Bord des Admiralschiffes, des Dreadnought Mara v", befinden sich ber Volksmarinckommissär Woroschilow, Mit glieder des revolutionären Striegsrates und der Kommandant der Baltischen Flotte. teilt, die das Bewußtsein der eigenen Straft ver. leiht. Niemand in Ungarn ist nervösDie verantwortlichen Amtsstellen in Ungarn hatten es nicht nötig, sich erst durch die blutigen Vorgänge des verflossenen Wochenschlusses auf die Bedenklichkeiten der in Oesters reich herrschenden Verhältnisse hinweisen zu lassen. Die unermüdliche Verheßungskampagne der Wiener Sozialdemokraten gegen Ungarn wor immer schon eine hinreichend wirksame Mahnung an die verantwortlichen Stellen, den Wach dienst an der österreichischen Grenze derart einzurichten, daß er allen möglich. feiten gegenüber seiner Aufgabe vollauf gemachsen sei. Immerhin hat aber die ungarische Politif auch daran zu denken, daß in dem von Ungarn abgetrennten Burgenland auch ungarische Voltsgenossen leben, deren Leben und Eigentum als gefährdet erscheinen fonnten, wenn die Dinge in Oesterreich sich wirklich in der oben geschilder. ten Richtung entmideln mürben. Europa muß be. greifen, dok uns das Schidjal der unter österreichische Staatshoheit gelongten Volfsgenossen nicht gleichgültig lassen kann. berAber alle Welt in Ungarn rechnet zu bersichtlich damit, daß. wenn die Dinge jenseits der österreichischen Grenze diesen hangnisvollen Lauf nehmen, die ungarische Politit mit ihren berechtigten Bestrebungen nicht isoliert in Europa dastehen wird, denn daß an der Donau sich nicht ein vorgeschobe nes Bollwerf Mostaus etablieren könne, wird nicht bloß im Intereffe Ungarns. liegen, jon. dern eine Wendung sein, die das Zustandekommen ciner europäischen Gemeinbürgschaft gebieterisch erheischen wirdKommt es dazu, daß in Oesterreich sich feine legale Kraft findet, der Bolschewisierungsgefahr mit Erfolg entgegenzutreten, so wird das einträchtige Auftreten ganz Europas notwendig werden, denn es wird sich um eine Aufgabe von so immenser Tragweite handeln, daß Autounglück. Ein mit sieben Marktverkäufern darüber alle Unstimmigkeiten, die Europa sonst besetztes Automobil ist Freitag vormittag in der zerklüften, in den Hintergrund zuvüdtreten nuis sen, um einer den ganzen Weltteil bedrohenden Nähe von Budapest wegen Bruches der Steuerung von einem 20 Meter hohen Damm abgestürzt. Gefahr mit den moralischen und materiellen Gin ankommender Personenzug wurde auf offener Macht mitteln dieses ganzen Welt. Strecke angehalten und die lebensgefährlich verleßten Insassen des Autos wurden mit dem Zuge Aber die Kommunisten vom großen Bus ins Budapester Spital gebracht. An ihrem Auf- char in bis zum fleinen Stern versichern, daß fommen wird gezweifelt. feine Interventionsgefahr besteht. Und wie alle Selbstmord mit drei Kindern. Bei Livorno hat sich eine Frau mit ihren drei Kindern, die Arbeiter wissen, haben sich die fommunistischen sie mit einem Strid an sich gebunden hatte, von einem hohen Felsen ins Meer gestürzt. Die Frau hat den Selbstmord begangen, weil Nachbarn das verunderische Gerücht ausgestreut hatten, sic habe cinige Hühner gestohlen. Propheten doch noch nie getäuscht! Auftlärung eines Raubmordes. Der Berliner Kriminalpolizei ist es innerhalb 24 Stunden gelun gen, den Mörder der Frou des Gemeindevorstchers aurisch in Bugt bei Storkow( Brandenburg) zu ermitteln und in Berlin in der Person des 25 Jahre Drei Bergarbeiter verunglückt. Auf der Me 1 alten Kutchers Otto Philipp zu verhaften. Der diorgrube des Waldenburger Reviers wurden Täter ist der Pflegejohn des Ehepaares, Laurisch, bei der Fahrheuer Biedermann aus Bärengrund dem er von seinem 11. bis 13. Jahre gelebt hatc und der Heuer Krebs aus Schwarzwaldau durch Später trat er in die Reichswehr ein, wo er jedoch Gesteinsmassen verschüttet und getötet. In der Se- einen Unfall erlitt und wieder entlassen wurde. Nachgengottesgrube fiel der 19jährige Schlepper mede dem er die Abfindung von 2000 Wharf verbraucht mi in oinen 30 Meter tiefen Schacht und fand hatte, tehrte er wieder zu seinen Pflegeeltern zurüd. ebenfalls den Tod. Da er sich hier jedoch fortgesetzt Diebstähic und Un Ungarns Interventionslust gegenüber Dester terschlagungen zuschaiden kommen lich, fam es zu reich tommt in urban gedämpften Tönen, aber Auseinandersetzungen und er zog nach Berlin hier Die Roten Fallen fliegen! doch sehr deutlich merkbar in einem Artikel des war er seit einiger Zeit arbeitslos geworden. Infol J. S. Regierungsblattes Pester Lloyd" zum Aus gedessen reifte in ihm der Entschluß, zu seinen Pflege Ein unfreiwilliger Fluggast. druck. Dabei muß berücksichtigt werden, daß der eltern zu fahren und sie zu bestehlen. Angeblich mill Besuch der Dresdner Papierausstellung. Der deutsch gedruckte„ Pester Lloyd" dazu bestimmt er am Stanabend in Bugt eingetroffeir ſein uno Im Gestänge eines Aeroplans über Salzburg. Kreis Nordböhmen des Zentralverbandes der Ange ist, Ungarn im Ausland, vor allem in Paris und bis Dienstag in dem Anwesen versteckt gehalten ha Wien, 22. Juli. Wie die Blätter aus Salz- Dresdner Papierausstellung. Die Reise fostet ab Bo- gibt, als er denft. In diesem Artikel heißt es stellten besucht am Sonntag, den 31. Juli 1. J. die London zu repräsentieren, daß er sich also zahmer ben Nach seiner Darstellung sei er von Frau au burg melden, wurde, als das Wiener Flugzeug auf dem Salzburger Flugfelde nach München denbach 40 Stronen, einscht. Mittagstisch 55 Kronen. unter anderem: startete, ein Mann, der mit einem Fuß am hin- Darin sind einbezogen Bahnjahr: Bodenbach- Dres teren Gestänge der Waschine hängen blieb, zuerst den tour retour, Paß- und Visagebühren, Eintritt in mitgeschleift und sodann in die Höhe gehoben. die Ausstellung, Besichtigung der Stadt und des ArDer Pilot machte ahnungslos eine Schleife über beitsnachweises. Anmeldungon nimmt bis 25. Juli der Stadt Salzburg, während der Mann im Ge- das Streissekretariat Bodenbach, Dresdnerstr. 886, stänge hing. Nach langen Bemühungen, insbe- entgegen. sondere durch Abschießen von Leuchtrafeten, ge wird. Eine Herbstfahrt in die Westböhmischen Weltkur. lang es, den Piloten aufmerksam zu machen und orte( Karlsbad, Franzensbad, Diarienbad) für InterDas ist eine Sache, die nicht mehr 11 n. garn allein und auch nicht Ungarn in erster Reihe, sondern ganz Europa angeht. Diese Gefahr kann, wenn überhaupt, bloß durch das cinträchtige Zusammenwirten aller europäischen Staaten, der großen und der Kleinen, abgewendet werden. In Ungarn werden die öster reichischen Vorgänge mit der Besonnenheit beur. sich überrascht worden, als er ass einem Schr das Geld zu stehlen suchte. Dabei habe er zu einem im Zimmer stehenden Gewehr gegriffen und die Frau niet ergeschlagen: Diese Darstellung des Raubmörders dürfte faum zutreffen; wahrscheinlich hatte er von vernherein den Entschluß gefaßt, die Frou niederzumedsen, um zu dent Gelde zu kommen. Nach der Zat fuhr der Räuber mit dem gestohlenen Fahrrad bis Fürstenwalde und von dort mit der Bahn nach Berlin Samstag, 23. Juli 1927. Seite 5 die Zahl von 180 Toten hätte auf ein Minimum J A. G. zeigt einen sehr erfreulichen Aufstieg. reduziert werden können. Von Jahr zu Jahr vermehrt sich die Zahl der von Sochwafferkatastrophen bedrohten Gebiete noch immer unter der herrschenden WirtschaftsNoch unverständlicher aber ist, daß diese Einleger und Kommittenten, trotzdem das Land nicht schon längst durch Staubecken und Gefahr- frise zu leiden hat, troydem im Vorjahre die abflußtäler geschützt wurden. Man hat die hohen Arbeitslosigkeit in Desterreich ihren höchsten Kosten gescheut und muß nun erkennen, wie Stand erreichte, was sich natürlicherweise auf falsch diese Sparsamkeit war, denn an Stelle der dem inneren Markt auswirken mußte. zehn bis zwanzig Millionen Baufosten zahlen wir Die nachstehende Tabelle wird uns im geNur so ist Sorglosigkeit verständlich, die im heute einen Schaden, der nun schon auf 70 Millio- wissen Sinne eine Uebersicht über die Entwick mer wieder als eine der unvermeidlichen Benen Mark geschätzt wird. lung des Institutes geben können: gleiterscheinungen unserer Hochwasserkatastrophen Im Augenblicke sind alle unsere Kräfte und Einlagen auf Einlagen auf beobachtet werden muß. Man hat wieder mit alle unsere Gedanken mit dem Rettungswerk geJabr Todesurteil um 1.60 Mart. Das Schwurgericht heit zu leben, die höchstens einmal durch den Stuttgart verurteilte den Monteur Johann Kurzschluß in einem Elektrizitätswerk, durch die Schüller aus München wegen Ermordung der 26 Explosion eines Deltanks oder einen MaschinenJahre aiten Hausangestellten Berta 2achmann unfall gestört werden kann. Wir glauben besten ous Stuttgart zum Tode. Schüller war mehrfach we falls noch an Betriebsfehler, aber daß die Elegen Einbruchsdiebstählen vorbestraft. Im September mente es wagen könnten, gegen die Herrlichkei1926 war er durch das Fenſter in die Kammer des ten unserer Technik, gegen unsere Maschinen, unMädchens eingedrungen Um es zu berauben, versezte fere T- Träger, unseren Eisenbeton aufzubegehren, er der Schlafenden mit einem Beil 10 wuchtige Hiebe, das will uns unwahrscheinlich dünken. die den Tod herbeiführten. In den Schränken, die er durchwählte, fand er dann lediglich 1.60 Mart. Bootsunglück auf dem Bodensee. Bei Bad Schachen, unweit von Lindau am Bodensee, ist am Bitwoch ein Ruderboot gekentert. Drei der Insaf Erstaunen gehört, wie außerordentlich schlecht das bunden, das den so scheer Heimgesuchten die 1923 jen, darunter Opernsänger perle, konnter ge- Nachrichten: kyſtem funktioniert hat. In der Zeit notwendigste Hilfe bringen muß. Aber wir wer fettet des Radio and des Telephons sind die vom den auch diese Opfer umsonst gebracht haben, 1925 tet werden. Seine Fraft und die Breslauer Opern- Hochwasser bedrohten Gemeinden völlig unzu- wenn wir vergessen sollten, daß nunmehr alle 1926 fänger Volkmer sind jedoch ertrunken. Feuer in einem Munitionspart. Im Artillerie- länglich über den Umfang der drohenden Gefahr Vorsichtsmaßregeln getroffen werden müssen, die Feuer in einem Munitionspark. Im Artillerie benachrichtigt worden. Man hätte bei rechtzei- die Wiederkehr einer solchen Katastrophe, soweit wort von Valladolid( Spanien) brach, vermut- tiger Benachrichtigung wahrscheinlich die Ver- Menschenkraft das überhaupt vermag, verhin lich durch Sturzschluß, ein gewaltiges Schadenfeuer nichtungsschäden nicht vermindern können; aber dern. auts, dem 15 000 Gewehre sowie sonstiges Kriegs. material und Munition zum Opfer fielen. Der Schaden beträgt eineinhalb Millionen. Die Bevöl ferung der Umgebung ergriff die Flucht, da sie schwere Explosionen befürchtete. Es wurde jedoch niemand verletzt. Der Zweiundsiebzigjährige unter dem D- Zug. Auf dem Berliner Bahnhof Alexanderplatz warf sich ein 72jähriger Rentenempfänger vor die Lokomotive eines einfahrenden Schnellzuges. Der Lokomotiv führer brachte den Zug rasch zum Stehen und es tellte sich heraus, daß der alte Mann völlig umber lezt unter einem Wagen in der Mitte des Zuges lag. Der Alte wollte aus Schwermunt seinem Leben ein Ende bereiten. II. Volkswirtschaft. Arbeiterbanken. Als nächstes wollen wir die Tätigkeit der Arbeiterbant A.-G. in Wien während der 4½ Jahre ihres Bestandes trachten. beDie Wiener Arbeiterbank ist, wie ja schon eingangs erwähnt wurde, eine sogenannte gemischte Arbeiterbank, die die zentrale Kredit Brand in Oberlohma. Mittwoch mittags war und Kaffenstelle der österreichischen Gewerk in dem unmittelbar mit Franzensbad zusammenhän- schaften, Genossenschaften und Parteiunterneh genden Orte Oberlohma in der Schener des Wirt. mungen wie Drudereien, Textil- und Leder ichaftsbesitzers Becker ein Brand ausgebrochen, der fabriken usw. darstellt. Auf der letzten Generalauch einen Schupfen ergriff und diesen mit ein versammlung vom 3. Mai d. J. hielt Genosse äfcherte. Wohnhaus und Stallung konnten erhalten Dr. Karl Renner, der erste Präsident der werden. Die zu Silfe gerufenen Egerer Wehren be Bant, ein ausgezeichnetes Referat über„ Die teiligten jich mit ihren zwei Motorsprisen an den Bankenzusammenbrüche und die Kreditorganiſa vöjdarbeiten. Die Entstehungsursache des Brandes tionen Desterreichs". Wenn auch in diesem Refe rate nur österreichische Verhältnisse behandelt Schiffszusammenstoß. Bei der Ausfahrt aus dem wurden, so ist doch Renner in seinen FolHofen von Helsingfors ronnte der Stettiner Passagerungen und Schlüssen für das gesamte Prolepierdampfer ,, Rügen" mit dem Dampfer der finni- tariat interessant. ichen Küstenartillerie Ehrnsvärd" zusammen. Bei dem Zusammenstoß wurde der Kapitän des fin nifchen Schiffes über Bord geschleudert und ertrant. Die Rügen" brachte den gerammten Dampfer nach Helsingfors zurück und setzte dann die Reise nach Stettin fort. ift noch unbekannt. Straßenbahnunglid in Lima. In Lima( Peru) ereignete sich ein schweres Straßenbahnunglüd, bei dem 10 Personen getötet und 30 zum Teil schwer verlegt wurden. Es ist Playmangel, der uns dazu zwingt, das ausgezeichnete Referat des Gen. Renner nur auszugsweise wiedergeben zu können. die Folge, daß alles, was an anderen Instituten bestehen bleibt, nur als offene oder versteckte Filiale dieser Großbanken und in strenger Abhängigkeit von ihnen existiert und daß also kein diesen wenigen Stellen Gnade finden und als Unternehmen Kredit erhält als solche, die vor kreditfähig befunden werden." Genosse Renner zeigt, daß die Sparfassen, die ein wahrer Segen für die gesamte Bevölkerung sind, schon immer vom Staate reglementiert und kontrolliert werden. Sie find ein Segen für das Volk nicht bloß deshalb, weil fie die fapitalistische Gewinnabsicht ausschlagen, fondern auch durch ihre wirtschaftliche Raison: das Geld gelangt auf dem fürzesten Weg von einer Hand in die andere. 1924 Einl. Buch lauf. Rechnung Zusammen 3% 119.247 4,836.126 4,455.373 211.8 856.983 13,537.203 13,894.186 1,043.514 21,232.888 22,276.352 60.3 1,705.900 24,9505 26,641.425 73.6 linge( 1 Schilling= 5 Kč). Erfreulich ist vor Die Beträge bedeuten österreichische Schil allem, daß die Spareinlagen bedeutend an steigen, obgleich die Arbeiterbank noch gar nicht daran gegangen ist, den Spareinlagenverkehr besonders zu pflegen. Die Spareinlagen stiegen von 1924 auf 1925 um 192.3% und von 1925 auf 1926 um 63.5%. Aber auch der Stand der Debitoren nahm in der gleichen Zeit zu, und zwar von 1924 auf 1925 um 53.6% und von 1925 auf 1926 um Ende Dezember 1926 23.2% und erreichte 21,089.502 Schillinge. Eine Uebersicht über das Vermögen und Tabelle gewähren: den Erfolg der Bank soll uns die folgende Jabr Aftienkapital Fonde 1928 200.000 500.000 68.715 198.688 Divi Reingewinn dence 103.655 20% 121.260 20% 1,000.000 1,000.000 432.358 492.358 1924 1925 1926 182.437 15% 208.633 10% Jahre 1926 im Aufschwung begriffen. Es iſt Das allgemeine Bankgeschäft war auch im vor allem das Geschäft mit Sowjetrußland, die Berbindung mit der Ratso", die das Auslands eine Staatsbant: die Postsparkasse! Sie war tungsrat fonnte in seinem Bericht an die Gene " Die größte Depositenbank Desterreichs war geschäft erfreulich begünstigte. Der Verwal ein Segen solange, bis sie durch Miralversammlung tonstatieren, daß Rußland brauch ruiniert war. Das Dogma, seinen Zahlungsverpflichtungen restlos auf das daß der Staat sich nicht zur Verwaltung des Pünktlichste nachfommt. Kreditwesens eigne, ist also wirtschaftlicher Köhlerglaube, durch die Praxis eines halben Jahrhunderts widerlegt!" Genosse Renner beweist sodann, daß es den Raiffeisenkassen, den genossenschaftlichen VolksGen. Renner tadelt es, wenn man den banken, Spar- und Darlehenskassen der GeSchluß zieht, es sei die Konzentrationstendenz werbetreibenden möglich ist, auf dem ökonounferer Wirtschaft, die die Bankenzusammen misch fürzesten Wege den Kredit zu vermitteln. brüche verschuldet hat. Die Staatsgewalt hat in Man sieht daraus: Der weitaus größte dieser Krise eine ganz lächerliche Rolle gespielt. Teil des Kredits läßt sich teils öffentlich( durch Gen. Renner veriveist sodann auf den hohen Staat, Land und Gemeinde), teils genossenschaft materiellen Schaden der Zusammenbrüche, den lich organisieren, entkapitalisieren oder, wenn schließlich und endlich in Desterreich die Steuer- man so sagen will, sozialisieren." träger gutzumachen haben, daneben aber besteht Gen. Renner weist nach, welch guten Erfolg mung der gesamten österreichischen Wirtschaft gelähmt wurde. Desterreich, das noch vor fur zem eine ganze Reihe Kleinerer Kreditinstitute hatte, von denen jedes, auch das kleinste ein Stüd Bank war, wird in der nächsten Zukunft mit einer anderen Kreditorganisation wirtschaften. Gen. Renner fährt fort: Die Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr wirfte sich vor allem bei den Konzernunterneh mungen aus, die nur mit Mühe die Umsätze des Jahres 1925 halten konnten. Gegen Schluß des Vorjahres errichtete die Arbeiterbank A. G. ihre erste Wechselstube in Wien V., die sicher eine weitere Vergrößerung des Geschäftes bringen und den Versuch recht fertigen wird. Der Verwaltungsrat fann mit Recht in seinem Berichte erflären, daß die Arbeiterbank ein nüßliches und notwendiges Glied der Arbeiterbewegung ist, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, die restlose Zusammenfassung der von Arbeiterund mit Hilfe dieser die Ausgestaltung des großen Genossenschaftswesens in Desterreich zu ermöglichen. ( Schluß folgt.) Die Unwetterkataſtrophen dieses Jahres. in ungeheuerer ideeller Schaden, weil die Zäh dies auf die Zinsfußpolitil haben würde und inſtitutionen verwalteten Gelder zu erwirken Unvorstellbar blieb für uns Europäer bisher noch immer die ungeheuere, durch feine Menschen macht und Menschenfunst zu bändigende Gewalt des Wassers. Daß wir's am eigenen Leibe er fahren sollten, daß wir in unseren gemäßigten 30nen, in unserem selima der Ausgeglichenheit, der geringen Gegensätze die Macht der entfesselten Elemente noch einmal in einem solchen Ausmaß erleben sollten, wie das schreckliche Zerstörungswerf der Fluten sie uns im Sarz und im Erzgebirge zeigte, das ahnte wohl niemand von uns. Tak harmlose, von Stein zu Stein hüpfende Bächlein, die wir fünftlich mit ein paar Holz bohlen, um das Wasser anzustauen, als„ brausenden Wasserfall" niedergehen lassen, daß Bächlein, die wir trockenen Fußes an jeder Stelle durch schreiten oder überspringen, auch in unseren Mittelgebirgen zu riesigen Flüssen werden können, das wiffen wir aus unserer Frühjahrs- und Herbsthochwassernot. Aber, daß ein einzelner kleiner Bach sich plötzlich in einen Strom verwandelt, daß das plätschernde Wasser plötzlich Häuserfron ten fortreißt, Brückenpfeiler zertrümmert, Baum riefen entwurzelt, die Gerüste der Eisenbrücken fickt, das wird ſelbſt angesichts der Bilder aus dem Zerstörungsgebiet, das wird selbst dem, der an den Schreckensorten der Vernichtung weilte, nur schwer verständlich. schließt sein Referat. " Unsere ganze Volkswirtschaft ist so unter die finanzielle Sörigkeit weniger Geldinstitute geraten und es ist ein geringer Trost, daß wenigstens die Arbeiterschaft durch ihre KonsumPrager Produktenbörse.( Offizieller dylatßbe vereine und die Arbeiterbank sich die Keimzellen finanzieller Freiheit geschaffen und gesund ericht vom 22. Juli.) Das Geschäft an der heutigen halten hat. Produktenbörse bewegte sich bei kleinem Besuch in engen Grenzen. Die Umfaßtätigkeit stedte auf allen Märkten unverändert. Am Getreidemarkte herrschte Ruhe und in größerem Maße wurde nur slowakischer Weizen neuer Ernte angeboten. Amerikanisches und ungarisches Fett geigten zwar eine flauere Tendenz, die Preise blieben aber tropdem unverändert. dienstägigen offiziellen Schlußnotierungen blieben auf allen Markigebieten in Geltung. ,, Diese Veränderung ist nach meiner Meinung unheilvoll Wir stehen auf einem Trümmelfeld. Defter Die beiden Grundsätze: Nur wenige Großreichs Volkswirtschaft wird sich die eigene banken! und: Keine Staatseinmischung! haben Kreditorganisation auf sozialer Basis erst wieder zur unmittelbaren Folge, daß wenige Groß aufbauen müssen und dazu ist vor allem die banken die gesamten Ersparnisse unseres Volkes Ausrottung jener Vorurteile und die klare in Verwaltung nehmen und dabei von der soziale Erkenntnis aller Funktionen des KreditStaatsgewalt und der Volfsvertretung nicht wesens unumgänglich notwendig." einmal fontrolliert werden. Sie haben weiters Berliner Wochenendragout. Auch die Wiener Arbeiter bank indes ein spontaner Krach zwischen fluchendem daß er mit vorbereiteten Aufmarschplänen eigent so setzung fommt. jüngling und heulender Zeltmaid das fo lich... und so weiter, daß aber alles miklungen idyllisch begonnene Verhältnis zwecks späterer ist, daß man sich vor Hörsing in acht neh Ein merkwürdiger Zustand ist es, daß regel- Heirat brutal zerstört und die Regenmenge eines men soll, denn, wie Hugenberg aus zuverlässiger sonstigen Normaljahres binnen einer Stunde die Quelle... und so weiter... Daneben lieftt man, mäßig- hodt man Freitags am Lautsprecher aus dem Trichter heraus prophezeit wird, daß Seifenden zwischen Spiviturskochern, Alumi- daß in Büdeburg unter liebenswürdiger Un irgendwo in der Umgegend ein Tief wieder im niumtellern, aufgeplatzten Konservenbüchsen, ein terstützung der Reichswehr im dortigen dieichs Abrücken und ein Soch wieder im Anrücken und geweichten Kommißbroten, zerquollenen Klamp wehrfasernenhofe bei Klängen der dortigen fen und eingenäßten Hoffnungen den Hübel Reichswehrkapelle unter huldvollster Anwesenheit infolgedessen mit„ steigender Erwärmung und ge ringen Niederschlägen ein heiteres Wochenende" hinab zum wildtobenden Wasser spült. Wahr seiner hochfürstlichen Durchlaucht des Fürsten Und doch gibt es Ziffern, die die Gewalt der zu erwarten ist. Und merkwürdig ist, daß es tatscheinlich kommen dann noch träufelnde Wande- Adolf" ein Reit- und Fahrturnier veranstalter Waffer eines solchen Wolkenbruches wenigstens fächlich regelmäßig heiter, sogar mehr als„ heiter" rer vorbei, wringen mitleidheischend ihre Hosen wurde, bei dem man leider die spärlichen Reichs. aus und flehen um ein farges Plätzchen im Zelt, fahnen unter der Begründung einziehen mußte, einigermaßen anschaulich schildern können. Man wird... um sich zu trocknen.( Dieweil das Zelt oben zwi daß vor Schwarzrotgold die Pferde schen wür hat dieser Tage in London auf den meteoroligi Berlin völferwandert Sonnabends aus. jchen Stationen einen halbstündigen Wollenbruch Man hat eben an jedem Sonnabend Hoffnung, ſchen Stiefernäſten flattert...) Worauf es sodann den...!" Und daß die Reichswehr das einsah und gemeffen und iſt als Ergebnis zu der Schäßung daß es doch einmal mit der„ ſteigernden Erwäg, manchmal zu einer unhöflichen Auseinander gemütlich da blieb, sogar beim doch auf eine hochfürstliche Durchlaucht... So liest man, und gekommen, daß das Gewicht der niederfallenden mung und den geringen Niederschlägen" stimmen Aber wir feiern unser Weekend! Und plötzlich spürt man, daß es einen nicht nur äußer Waffermassen etwa 20 Millionen Tonnen be- muß. Man hat feine Konservenbüchse mit Sauer- wenn wir zerschlagen, aufgeweicht, marinierten lich fröstelt, sondern auch innerlich! Dieweil er trägt. Ein paar einfache Ueberlegungen verdent frant und Fleischgeruch im Rucksack und Sonne Seringen gleich, zurückkommen, dann erklären zählt uns der Herr Nachbar, daß in Würz lichen die Ungeheuerlichkeit dieser Ziffer. Ein im Herzen verstaut und zieht los. Am Wannsee- wir einstimmig, daß es wieder einmal sehr burg zum Studifertag die Reichswehrkapelle Eisenbahnzug mit 100 Güterwagen, d. h. von strand im Freibad frieren Zehntausende unter schön war! Sturz – heiter! finniginnig: Dir wollen wir unser Leben weihen, einer Länge die unter normalen Verhältnissen wehenden Badelafen und begrüßen mit Hallo Und merkwürdig ist, daß das Wochenend die der Flagge Schwarzweißrot...!" intoniert hat auf der Bahn kaum vorkommt, würde, vollgela- einen Lichtstreif im Osten und weinen ihm nach, laden, mit dem gesamten Gewicht der Lokomo indes er lich wieder ver so viel demonſtrativer ganze Woche anzustecken scheint, sie wird dito und auf dem Münchener Schüßenrummel five und den Wagen immer böchstens erft 2000 Trübjaf verfchleiert unter Heulen und Zähne" heiter", mehr als heiter! Wolkenbrüche überall, schwarzrotgold nur die Scheiben find. Wie ons Tonnen wiegen, 10.000 folcher Eisenbahnzüge knirschen paddelt der tollfühne Jüngling durch Hagel und Winterlandschaft in Oft und West! Weekend, so die Woche- wie die Woche die ſtellen das Gewicht der niedergehenden Regen- Sturm und Regen, indes feine ernautichte To Sus is't best! Man hocht sich in die Ofenece, Epoche! Verſant, vermieſt, eingeweicht, aus mengen eines halbstündigen Wolkenbruches dar. Bootbraut mit leeren Konservenbüchsen das was ſteckt die Seizsonne an, hüllt sich in den vermotie einandergequollen, geplatzt! So sitzt man in der Ecke und melancholitt wie 10,000 folche Eisenbahnige, aus je hundert Gü- fer ausſchöpft; zitternd und bebend fiben wir zwi- ten Wintermantel und philosophiert. Melancholie terwagen bestehend, talabwärts über den Erdbo- fchen frachenden Kiefern und unter braufenden befällt allmählich Hirn und Herz, und man wirkt jener Prophet auf den Trümmern Jerichos dengewälzt, die Wucht des Gewichtes durch die Wolfenbrüchen bei Orfan, Windstärke 3wölf wie ein verpfuschtes Stilleben... und döſt über und läßt sich erzählen, daß alles nur von den Sonnenflecken kommt. Man begreift allmählich, Fallgeschwindigkeit verſtärkt, veranschaulichen die im Eigenheim am idyllischen Geſtade des märki- der Beiterkeit" der Epoche... Gewalt der Hochwassermassen. Man denkt an die neuen Zölle, die uns er daß und warum man das auch glaubt, und tröstet fchen Sees im Zelt und halten abwechselnd FirstDieser macht der seiermassen sieht die Stange, Seitenstäbe, Decke und Wände mit fämt freuen irerden, dieweil die Ernte zum Teufel sich damit, daß es zum nächsten Wochenend, mic Shumacht menschlicher Straft gegenüber und hier lichen. verfügbaren Händen feft und beten zu den geht, man möchte Schäßle so gern einmal die prophezeit wird, heiter und wolkenlos mit gerin bedarf es einiger ernſter Worte der Kritik. Göttern sämtlicher Konfeffionen, daß es vorüber- Hand drücken, weil er für die Sechsermarke acht gen Niederschlägen" wird, und kauft schon SauerUnser Zeitalter der Technik, dessen ganzer Stolz gehe an uns bis plötzlich ein Windstoß Stärke Pfennige haben will und uns so rund eine Vier- kraut mit Fleischgeruch in Weißblech, flickt das es ist. die Gewalt der Elemente bezwungen, die Dreizehn die Zelttür aufreißt und das vollgebla tel Milliarde pro anno mehr foſten wird, diefer Zelt, pumpt Sonne ins Herz. Teint die Klampfe Naturfräfte zu Sklaven der Menschheit gemacht fene Zelt über den verblüfften Einwohnern wie teure Zeitgenoffe; man liest da in Sugen- und stimmt die Saiten, dem neuen Weekend zum zu haben, dünkt sich nur allzu erhaben über die ein Sack in die Luft wirft, wo besagter Zeltfack bergs Nachtausgabe", daß der republikanische Gruß... Macht der Natur. Wir glauben in einer Sicher- fedann zwischen wegenden Niefern hängen bleibt, Schutzbund Wien gar nicht gerettet hat, sondern Josef Maria Frank. Seite 6. Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag. Dienstag, den 26. Juli, 8 Uhr abends findet im Gewerkschaftshaus, na Perštyn eine Plenarversammlung Samstag, 23. Juli 1927. Turnen und Sport. Sportbericht gehen, bis die Sonne ihre gesamte Wärmemenge 1 daß ihr früherer Geliebter ihr zugeredet hatte, sich an das Weltall abgegeben haben wird. Die Massen einer Fruchtabtreibung zu unterziehen. Sie hetzte der großen Himmelskörper vergehen also im Welt- ihm mit andevon Worten eine Klage wegen Verall und setzen sich in Energie um, und dies würde führung It.§ 144 auf den Hals. In der heute vor das Ende des Stofflichen und damit auch den Sem Einzelrichter LGR Masár durchgeführten vom 10. und 17. Juli 1927. Untergang aller Himmelskörper bedeuten. Arbeiter- Turn- und Sportverein„ Vorwärts" einer anderen Erkenntnis ein. Es gilt als erwiesen, Hier setzt nun die neue Naturwissenschaft mit Verhandlung wurde. der Angeklagte freigesprochen. Die Veselá hatte sich ihm bereits am ersten Tage Rumburg 1 gegen Fr. T. Baußen I. 3: 3. Arbeiter- Turn- und Sportverein„ Vorwärts" ihrer Bekanntschaft hingegeben. Bei einem Mäddaß die Strahlenenergie, die von den Himmelsförpern verausgabte Wärmemenge, sich abermals chen, das mit einem Manne gleich am ersten Rumburg II gegen Fr. T. Baußen 11 3: 2. Arbeiter- Turn- und Sportverein„ Vorwärts" wieder in Stoff rückverwandeln kann. Die Energie Tage ihrer Bekanntschaft ein intimes Verhältnis vermag sich wieder zu Stoffeinheiten zusammenzu- cingeht, müsse die Glaubhaftigkeit einer Aussage Jugend gegen Fr. T. Baußen Jugend 2: 3. setzen, und so die Materie, aus der sie geboren angezweifelt(!) werden, deshalb sprach der Einzel- Alle drei Spiele wurden in Baußen am 10. d. wurde, wieder aufzubauen. Wenn man diese Ge- richter den Angeklagten frei. Es scheint, daß unsere ausgetragen und zeigten die Mannschaften beiderseits dankengänge von Millan und Lodge annimmt, so Gerichtsbarkeit mit aller Gewalt den Stand der hoch gute Leistungen. zeigt es sich, daß die moderne Erkenntnis über notpeinlichen Halsordnung und des Hegenhammers einen mühevollen Weg wieder zur Ansicht der alten erreichen will! griechischen Philosophen zurückkehrt. Das Leben des Genossen und Genossinnen! Erscheint zahl- Weltalls ist in einem zeitlosen Fließen begriffen. Wellenschlag folgt auf Wellenschlag und in reich zu dieser Versammlung. Abständen von Milliarden und abermals Milliarden Jahren wiederholt sich dasselbe Ziel: Verwandlung der Masse in Kraft und Rückverwandlung der Kraft in Stoff. mit der Tagesordnung statt: Die Schicksalstage des roten Wien. Referent Genosse Jaksch, der als Berichterstatter der Parteipreffe nach Wien entfandt wurde. Die Bezirksleitung. Mitteilung aus dem Publikum. Das Beste für Ihre Augen liefert Optiker Deutsch, Prag, Graben 25, Kl. Bazar. Polarin FEINSTES SPEISEFETT Kleine Chronit. Gibt es einen Weltuntergang? Von Dozent Ewald Schild. Sicherlich ist das Problem des Weltunterganges eines der interessantesten und gehört zu den meist umstrittenen Tagesfragen. Religion, Philosophie und Naturwissenschaft haben sich von Anbeginn an um ihre Lösung bemüht. Bis in die letzte Zeit waren sich die Naturforscher darin einig, daß die Lebensdauer des Weltalls wohl ungeheuer groß, aber doch immerhin begrenzt sei. Den Untergang des Kos mos, das Weltende, stellen sie sich je nach ihrer Anschauung über das Wesen der Materie und der Kraft in verschiedenen Formen vor. Als die ältere Naturkenntnis ihr ganzes Wissen nur auf unseren fleinen Planeten, die Erde, bezog, war man von der Möglichkeit kosmischer Katastrophen überzeugt, wie sie sich nach dem Vorbild des Zusammen Eine schwedische Expedition mit dem Professor A. W. Perseon von der Universität Upsala an der Spipe, welche im vorigen Jahre in der Stadt Dendra, in Griechenland prächtige Gefäße aus Gold aufgefunden hatte, setzte hener die Ausgrabun. gen fort und entdeckte ein in Felsen gehauenes Königsgrab, das mit zahlreichen sehr gut erhaltenen Ornamenten aus Gold, Elfenbein, Bronze und Glas geschmückt ist. Gerichtssaal. . Kunst und Wiſſen. Resi Langer gastiert in der Kleinen Bühne. Um dem Publikum auch während der Ferien don Theater besuch zu ermöglichen, wurde die Kleine Bühne für diese Zeit auch heuer wieder für einige Ensemblegastspiele vergeben. Diese Sommerspielzeit wird Samstag, den 30. Juli, die Berliner Künstlerin Resi Langer mit ihrem Ensemble einleiten. Als Repertoire bringt Reft ganger ein für Brag neues Gene, das sie selbst geschaffen hat. Es ist dies das Genre der Chanson- Revuen. Als erste dieser Revuen gelangt Als erste dieser Revuen gelangt Samstag, den 30. Juli, und Sonntag, den 31. Juli, „ Allotria"( Rarussell"), ein Ringespiel aus Dichtung und Wahrheit in drei Bildern von Michael Anders, Musik von Stefan Meisel, zur Aufführung. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sams tag, 7 Uhr:„ Vasantasena"( 214-2). Sonntag, 7 Uhr:„ Der liebe Augustin". Montag, 7 Uhr: „ Jüdin". Spielplan der Kleinen Bühne. Samstag: „ Meine entzückende Frau"; Sonntag: Flucht"; Montag: Peripherie". Der Film. Paul Davidson gestorben. Dieser Tage ist in vidson plötzlich an Herzschlag verschieden. Die München der bekannte Filmfachmann Paul Dadeutsche Filmindustrie verlier: an Davidson einen ihrer Begründer und unermüdlichen Förderer, markte anerkannt worden sind. Davidson gründete dessen Verdienste längst auch auf dem Auslands im Jahre 1905 in Frankfurt am Main die Allgemeine Kinematographen- Theatergesellschaft, und verwandelte sie 1910 in die Projektions A. G. Union", die im Jahre 1918 in die Ufa überging, deren Produktionsleiter er wurde. Sein Einfluß auf den künstlerischen Fortschritt der Produktion ist ebenso groß gewesen wie der auf die Entwid. lung des Lichtspieltheaterwesens. Er gründete 1907 das erste große U. T. am Alexanderplatz, dem später 56 weitere Ufa- Theater folgten. Auch das erste große Filmatelier in Tempelhof, wurde von ihm geschaffen. Aus seiner Produktionsperiode stammen die Ufa- Filme, die dem deutschen Film in der Welt Geltung verschafft haben:„ Madame Du Die Austernprinzessin"," Das Weib barry", Anna Boleyn", Sumurum", es Pharao" und viele andere. Er war ein Entdecker der Pola Negri, Emil Jannings und Ernst Lubitsch. Eine mysteriöse Beschuldigung. Prag, 22. Juli. Die zwanzigjährige Judith P., ein Mädchen von wohlhabender Familie, war bei dem Bädermeister Karel ájet in Zižkov, Taboriten. gasse, als Verkäuferin angestellt. Das Mädchen erfüllte seine Pflichten zur Zufriedenheit ihres Chefs über ein Jahr lang. Vor nicht zu langer Zeit vor der später erfolgten Lösung des Dienstverhältnisses hatte der Bäcker von der Verkäuferin eine Kaution von 10.000 K gefordert, was das Mädchen abgelehnt hatte. Jm April d. J. kam der Bruder des Bäders in den Laden und beaufsichtigte an seiner Stelle das Personal, das aus zehn Gehilfen, zwei Söhnen des Bäckers und der Verkäuferin bestand. Plößlich beschuldigte er das Mädchen, daß in der Kassa eine 20 Kronennote gelegen sei, die nicht mehr in der Kassa war. Das Mädchen erklärte, nichts davon zu wissen. Der herbeigerufene Bädermeister nahm das Mädchen mit sich in sein Zimmer, das er abschloß, und verlangte von ihr, daß sie die bisher verübten Diebstähle eingestehen solle. Die Verkäuferin be tenerte auch hier ihre Unschuld. Ta ließ er sie drei Stunden im Zimmer eingesperrt und erklärte ihr, daß er sie nicht früher herauslasse und dann sofort der Bolizei übergebe, wenn sie nicht gestehe. Dann holte er Papier und einen Bleistift und befahl ihr, ganz stoßes der Erde mit irgend einem anderen Weltkörper, z. B. mit einem Konach dem berühmten Kriminalrezept des Sekretär Wurm in Rabale und Liebe", ihren Eltern zu meten, am sinnfälligsten vorstellen ließe. Wenn auch die moderne Astronomie die MögDas Mädchen ließ sich einschüchtern und bekannte, schreiben, daß sie ihrem Chef Geld gestohlen habe. lichkeit einer solchen Art des Weltunterganges grundsätzlich nicht ausschließt, so schränkt sie doch daß sie 500 Stronen entwendet hätte. Daraufhin gab sie der Bäcker auf ihre Bitte, sie auf den Abort zu die Wahrscheinlichkeit eines solchen Zusammenstoßes unseres Planeten mit einem Himmelsvagabunden lassen, frei. Das Mädchen lief hinaus, padte ein schon wegen der ungeheuren Ausdehnung des Wel- Wiesser, brachte sich in ihrer Verzweiflung sieben Rund um den tschechischen Film. Trotz der tenraumes und der verhältnismäßig verschwindend Schnittwunden bei, fiel infolge des Blutverlustes in schweren Krise finden sich noch immer einzelne UnKleinen Anzahl der Weltkörper beträchtlich ein. Ohnmacht und wurde im Verlaufe von zwei weiternehmer oder Unternehmen, die an die FilmproSchließlich hat ja auch der Untergang einzelner teren Stunden in einer Blutlache aufgefunden. Sie duftion schreiten. Der Regisseur Sv. Innemann Planeten mit der beschränkten oder unendlichen lag fast einen Monat im Spital. Inzwischen hatte hat die Aufnahme zu seinem Film Die LiebLebensdauer des Weltalls an sich nichts zu tun. der Bäcker die Anzeige erstattet. Er cutlärte, bei der schaften des alten Apachen" nach dem Inventur festgestellt zu haben, daß ihm im ganzen Roman von Josej Skružny beendet und der 30.000 kronen Losung unterschlagen wurden. Bei Film dürfte schon in furzer Zeit vorführungsbereit der ersten Verhandlung beteuerte die Verkäuferin sein. In den Hauptrollen Vlasta Burian und wieder ihre volle Unschuld. Das Geständnis von den Anny Ondra, in den übrigen J. W. Speer500 Kronen Veruntreuung hatte er ihr erpreßt. Der ger, Jindra Plachta, Rudolf Suva, Betty Bäckermeister, der absolut keine Bücher geführt hatte, Stysilova, Vera Hlavata. Burian spielt in ja nicht einmal ein gewöhnliches Losungsbuch, ob dem Film eine interessante Doppelrolle. gleich er ein protokollierter Gewerbetreibender ist, erinterssanten Film verspricht auch das Bildwerk flärte vor Gezicht, mit einem Schadenersatz von„ arneval" nach dem Roman von Vit. Ne15.000 Stronen einverstanden zu sein. Das Mädchen val zu werden, den Zet Molas in Gemeinwies darauf hin, daß auch die beiden Söhne des schaft mit dem in Paris tätigen Regie- Assistenten Dieses erreichte Gleichgewicht würde dann nichts Bäckers im Geschäfte waren, daß sie nicht einmal Eugen Slavtchenko Deslav, der für diesen anderes als das Ende des Weltalis bedeuten, weil ihren Lohn wagelmäßig erhalten hatte, daß er ihe Film nach Prag gewonnen wurde, auf die Leinmit ihm zugleich auch jenes Kraftspiel aufhören noch immer mit einem Teile des Lohnes im Rückwand bringt. Der Film wird in jeder Beziehung würde, welches aus Wärme Bewegung entstehen stande sei. Im übrigen wurde auch von verschiede burch, daß man moderne Bauten verwendet( Arch. ,, modern" sein: schon äußerlich zeigt sich das da läßt. Ohne Wärmeproduktion kann jedoch das nen Seiten die Behauptung aufgestellt, daß die Weltall nicht bestehen, somit wäre das Ende in der Bäckerei infolge schlechten Geschäftsganges dringend Vit Obrtel) und fast alle Darsteller sind NeuForm eines Erstarrens oder Erfrierungs- ciner Sanierung bedurfte. linge, die zum erstenmale vor der Kamera stehen. Die heute vor dent todes da. Diesen Tod des Weltalls bezeichnete OLGR. Maják durchgeführte Verhandlung wurde In der Hauptrolle Zet Molas, in den übrigen man mit dem Namen„ Entropic", und man wieder vertagt, da die Verläuferin auf Einvernahme nykova( Tänzerin in der„ Arena"), Jan Holan, Herma Richova, Irene Bate und Jřa Lechwollte mathematisch nachgewiesen haben, daß dieser des Bruders des Bäckers und seiner Söhne besteht, Leo aschet, Josef Kaspar, Jan Svoboda Wärmetod wohl erst nach unvorstellbar Millionen weil während der ganzen Zeit, wo sie dort war, nic Jahren eintreten werde, aber letzten Endes doch und A. Gorski. Die Außenaufnahmen werden in eine Stlage oder ein Wort über ein Manko gespro- Karlsbad und in Bas gemacht werden. An der unaufschiebbar sei. chen wurde, und erst als sie die Kündigung gab, ent- Kamera steht Otto Heller.- Der Regisseur deckte der Bäcker plößlich den Verlust. Außerdem Vaclav Kubasek hat die Aufnahmen zu dem hat die Angeklagte gegen den Bäcker die Strafanzeige Film„ Der Mann ohne Gott" beendet und wegen Beraubung der persönlichen Freiheit einge- schneidet derzeit den Film. In den Hauptrollen sind bracht. Im Falle die Sache günstig ausgeht, fann Jiři Hron und Marie Cerna, in den übrigen der Bäcker noch eine Verleumdungsklage vor dent J. W. Speerger, Joe Jenčik, Karl Noll Straffenate erwarten, außerdem eine Bestrafung und Frant. Havel. An der Kamera Jaroslav wegen Nichtführung von Handelsbüchern. Die moderne Naturwissenschaft glaubte bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit nicht in einer plößlich cintretenden kosmischen Katastrophe, sondern im allgemeinen naturgemäßen Ablauf des Kräftespieles den Todeskeim des Universums erkennen zu müssen. Zahlreiche Naturforscher folgerten aus der Erkenntnis, daß die Gesamtenergie des Weltalls einem schließlichen Stillstand zustrebe, daß die Bewegung im ganzen Universum einmal einfach erstarren werde, weil alle Kraftdifferenzen und Energieunterschiede an allen Punkten und allen Stellen des Weltalls ausgeglichen sein werden. Eine Anzahl neuer physikalischer Entdeckungen schient nun dieser Annahme zu widersprechen. Bekannte Naturforscher, unter ihnen vor allem Millan, Lodge, Nernst vertreten die Ansicht, daß die Lebensdauer des Weltalls zeitlich unbegrenzt, und daß die Annahme vom Universaltod bloß ein Irrtum der Wissenschaft sei. Ihre Annahme von der Unsterblichkeit des Weltalls fußt auf der Beobachtung, daß die Materie die Eigenschaft besitzt, sich in Energie, in Kraft umzusetzen. Bekanntlich verliert ein Körper, der Strahlen und Wärme aussendet, an Gewicht und Massen. Die Astronomen haben beispielsweise berechnet, daß die Sonne durch die ins Weltall hinausgeschleuderte Wärmemenge je de Sekunde 40 millionen ihrer Masse verliert. Wenn auch dieser Gewichtsverlust überwältigend erscheinen will, so darf dabei nicht das Gesamtgewicht des flammenden Tagesgestirns vergessen werden, das annähernd 2 Ottillionen Tonnen beträgt. Demnach müßten also viele Milliarden Jahre verSie tlagt auf Verführung. Prag, 22. Juli. Die Emilie Veselá hatte mit dem Einfall, ihren früheren Geliebten bei Gericht wegen eines Vergehens anzuzeigen, wirklich kein Glück. Nachdem sie drei Jahre mit ihm ein intimes Verhältnis unterhalten hatte, wurde der Mann, ein gewisser Franz Kanak, von Beruf Arbeiter, ihrer überdrüssig. Er heiratete eine andere. In einent solchen Falle furcht eine Frau nach allen Weitteln, um den früheren Geliebten zu vernichten. Sie fam also auf den Einfall, dem Staatsantvalt anzuzeigen, Fischer. Argus. Städtischer Sportplay in Rumburg am 17. Juli 1927. An diesem Sonntage waren die I. und II. Mannschaft der Freien Turnerschaft Baugen in Rumburg zu Gaste. Beide Spiele gewannen die Heimischen. Die technische Ballbehandlung ließ bei beiden Mannschaften viel zu wünschen übrig und ist bei jedem Fußballspiel immer ein schnelles Tempo am Plaße. Dies fehlte dem Spiele, das sonst an und für sich ganz interessant war. Schiedsrichter Pohl leitete zur Zufriedenheit. Resultat: 2: 0 für Rumburg. Spannend war das Spiel der beiden I. Mann. schaften zu nenen. Rumburg in neuer Aufstellung führte ein flottes, zeitweise hochstehend technisches Spiel. 3ähes, energisches Durcharbeiten der Hei mischen ließ bei den Zuschauern das Gefühl erweden, daß ein überlegener Sieg außer Zweifel stehe. Die Hintermannschaft der Gäste zeigte aber sehr deutlich, daß sie sie nicht so leicht überrumpeln lassen wird und wehrte alle sehr gut vorgetragenen Angriffe der Heimischen ab, oder es wurde der Ball sichere Beute des gut arbeitenden Torwächters. Das Rumburger Tor wurde nicht minder hart bedrängt und es gab für die heimischen Verteidiger eine Unmasse von Arbeit. Einen glücklichen Tag hatte der heimische Tormann, welcher wahre Glanzleistungen voll. brachte. Es war keiner Partei beschieden, in der ersten Halbzeit einen Treffer zu erzielen und so ging es mit 0: 0 in den Seitenwechsel. Bautzen hat Anstoß und legt mächtig los. Doch ließen die Hei mischen nichts zu wünschen übrig und zeigten, daß Balles die verwegenſten Angriffe des Gegners voll. mit einem berechnenden gegenseitigen Zuspielen des ständig zusammenbrechen müssen. So wogte das Spiel auch in der zweiten Halbzeit, bei guten Lei. Anschein, als wenn überhaupt kein Treffer erzielt stungen beiderseits, hin und her und es hatte den werden sollte. Da, in der 33. Minute legte der rechte Flügel der Heimischen den Ball unserem Mittelstürmer so präzis vor und konnte derselbe den Ball unhaltbar einsenden. Die Spannung unter den Zuschauern war gelöst. Die Gäste setzten nun mit einem noch schärferen Tempo ein, doch hatten die Torschüßen sehr viel Pech. Durch einen Elfmeter kommen die Rumburger zu einem zweiten Treffer. Unbeirrt spielen die Baußner weiter, halten im Tempo aus. Troßdem gelingt es den Heimischen, vier Minuten vor Schluß des Spieles noch einen Treffer zu erzielen und stellten somit das End resultat her. Turngenosse Mann leitete das Spiel ſehr umsichtig. Unsere Jugendmannschaft spielte am selben Tage in Dresden gegen Freie Turnerschaft. 1885 und unterlag der technisch besser geschulten Mannschaft mit 5: 2. Herausgeber: Dr. Ludwig C3 ch. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Deutsche Zeitungs- Aktien- Gesellschaft in Prag. Für den Druck verantwortlich: Otto Holik. Prag. * NWK @ NWK WoLe AA Zephir Marke Taube Zarteste Zephirwolle zum Sticken u. Häkeln Die Taube bürgt für Güte + 91-0-223 ges gesch BezugsquellenNachweis durch Neudeker Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei A: 6. in Neudek. GROBER Ein Sensationsfilm. Die Berliner National DRUCK- U. VERLAGSANSTALT bereitet eine Verfilmung des seinerzeit berüchtigten Pariser Sensationsprozesses Madame Steinheil" vor. In der Hauptrolle Magda Sonja. Hauptmanns Biberpelz im Film. Die Defu hat das Verfilmungsrecht des Bühnenstückes " Bi berpelz" von Gerhart Hauptmann erworben. Der Unheimliche, ein Roman von Edgar WalIace, einem in England und in Amerita populären Sriminalschriftsteller, der sich in Deutschland mit GESELLSCHAFT MIT BESCHRÄNKTER HAFTUNG empfiehlt sich den p. t. Behörden, Vereinen. Orga nisationen. Gemeinden und Kaufleuten zur Herstellung von Drucksorten wie: Tabellen, Büchern. Broschüren. 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