MM 70 Seiler. Maffion und Verwaltung i Pwg, ll„ Arkazanta IT. Telephone r«g«»redattlo»r 2S79S, ZlSSg. redoktlon: 26787. Vdftlcheckamt: S7S4L. werden laut Tarif last berechnet. Del Öfteren Schaltungen vrrirnachloft. Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechostowalischen Republik. «Mfl.«edmskmgeo: Del Zustellung tu» Hau» ad« bet Bezug durch die Vast: monatllch.... KJ olertelllthrllch... haldflthrig..... ganzfahrig IS.— 48.- 00.— tsr.- Rückstellung non Manuskripten erfolgt am bei Eiu- teadung der Reloonnarkeu. «rlchewi MU«tsnahtue de» Montag tdgllch(rfltt 7. Jahrgang. Mittwoch, 14. September 1927. Nr. 215. von starken Militärpatrouillen durchstreift, * mit den iilniflcn Bcrgarbeitcrorganisationcn I fiel Er in meint, das; diese Pfäffisch-jesuitische Logik nicht durchschaut werden würde. Um lvas es bei den Gemeiudewahlcn geht, das weiß die arbeitentzc Bevölkerung gut. lind sofem sie darüber noch nicht aufgeklärt ist. wer- den>vir alles tun, um ihr diese Aufklärung zu- komlncn zu lassen. Wie und von tvem die Gemeinden vertvaltet tverden, das ist wahrhaftig nicht gleichgültig, sondern eine Frage, die tief in das Leben und die Existenz eines jeden Ge- meiudcangehörigen cingreist. Den Unterschied z w i s ch c n bürgerlicher und sozialistischer G e m e i n,d e v e r w a l- t u n g hat die Bevölkerung imumehr schon hinreichend kennen gelernt. In vielen Gemeinden haben Sozialdemokraten die Verwaltung übernommen und haben trotz der voll den Bürgerlichen durch Kriegsanleihen und Mißwirtschaft vertvüsteten Finanzen oft Beivuii^dcrungÄoür- digcS geleistet, in jedem Falle in die dumpfige Luft der Gemeiirdestuben einen neuen, frischen Zug h i n e i n g c t r a g e n. Weil sie aber nicht sofort alles zu tun vermochten, schürten die Bürgerlichen Mißstimmung gegen uns auf. Wir tverden die bei den lebten Wahlen zur Herrschaft gelangten Doubschbürgcrlichcn .sehr eindringlich und gründlich fragen, was s i e aus und i>l den Gemeinden gemacht, wie s i e das ihnen anvertraute Pfan/d vertvaltet haben und die Bcanttvortuilg dieser Frage wird gc- lvis; llicht zu unseren llngunstcn mtsfallen. Aber damit tvild es nicht sein Betvcudcn haben. Die Die koalierten Bergarbeiterverbände gegen die Verschlechterung der Bergarbeiterversicherung und über die Lohnsrage. G e s a nd t s ch a s t spost e n in Brüssel keinesfalls vor Ende September und vielleicht auch weiterhin nicht z u b e s e tz c n. Tas Blatt bringt diesen Entschluß mit der E i u tv e i h u n g des M a t I e o t t i- T c n k m a l s in Brüssel in Zu- vor allen staatlichen Gebäuden sind Maschinengewehre postiert. Der Bahnhos und das Telrgraphenamt in Kowno sind von regierungstreuen Truppen bescht worden. Die Verhaftungen unter den Mitglieder» der Opposition dauern an. Bisher sollen etwa 2000 Personen verhaftet worden sein. Die litauische Regierung wandte sich an die deutsche Regierung mit dem Ersuchen uni Auslieferung des nach Deutschland geflüchtete» Leiters de« Ausstande« in Tauroggen Hauptmann Mansus. * Der Fuchs, der die Hühner sris;t, versichert, das; er sich bei der Betätigung seiner heißen Liebe für das Hühncrvolk keine Beschränkung auf- evlegf habe.... Das andere Mittel, von dem die Deutschbürgerlichen ihr Teil bei der bevorstehenden Auseinandersetzung anläßlich der Gemeindewahlen erhoffen, hat den christlichsozialcn Parteiobmann Pater H i l g e n r e i n c r zum Erfinder und es lautet: Lenken wir die Wähler bei den G e m e i n d e>v a h l e n von der Politik ab! Nicht von der Politik roden, das heißt, auch von den aktivistischen Schandtaten und den aktivistischen Uebeltätcrn I nicht reden, und der am Jesuitismus geschulte Theologieprofessor tveis;, das; dies die einzige Möglichkeit ist, die Sündcnbcladenen vor Simse und Rache zu bewahren. Er, hat in einem Artikel seines Partciblattes auseinandergesetzt, das; es sehr gut tväre, die Gemciudewah- len zu entpolitisieren, und er hat damit gleich den Anfang gemacht, indem er in demselben A r t i k e l a l l e b ü r g c r l i ch e n P arte i e n zur Bildung einer anti salz i a l i st i s ch e n und a n t i k o m m u nist i s ch e n E i n h e i t s f r o n t b e i d e n Genie i n d e>v a h l c n>a u f f o r d e r t c! Keine Politik, denn cs geht bei den Gemeindetvahlen doch nur um Wasserleitungen und elektrische Anlagen, aber schließen>vir uns alle, ob Aktivisten gder Negativisten, gegen die Sozialisten zusammen! Herr Hilgenroiner irrt,, wenn er Warschau, Iß. September. Rach den au« Kowno eingctrofsenr» Nachrichten hat die litauische Negierung in den Städten Kowno, Telza, Olita, Tanroggen, Poniewierz, Wilko- mierz, Koszydary sowie in allen Ortschaften längs der polnischen nnd der deutschen Grenze den Belagerungszustand verhängt.- Tie. Arbclterge- werkschaften haben ihn mit der Proklamierung eines General st reikes beantwortet, der am heutigen Tage beginnt. In K o w n o i st dieLagesehrgespannt. Die Strastrn wer. den> tzlf Todesurteile rn Tanroggen. K o w n o, 13. September.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit den Putschversuchen in Tauroggen wurde dort ein Standgericht eingesetzt, das gestern sechs am Staatsstreich beteiligte Studenten zum Tode verurteilte. Die Urteile wurden heute morgens vollzogen. In der heutigen Sitzung deö Standgerichtes wurden weitere fil n f an dem Aufruhr beteiligten Personen ebenfalls zum Tode verurteilt. * i mit den übrige» Bcrgarbeiterorganisationen ein- geleitet. In der Frage der Lohnregelung, weiche niit Rücksicht auf die Steigerung der Lcbcnsmit- tclpreise heule berechtigter als je ist nud auf bereit Durchführung beharri wird, tvurdc beschlossen, im Sinne des Beschlusses der Sitzung aller Bcrg- arbeitcrorganisalioncn vom 14. Jänner d. I. vorzugehen. Ta für die Führung einer erfolgreichen Abwehr der Angriffe auf die Bergarbeiterversiche- rung sowie für die nötige Regelung der Lohnfrage ein einheitliches Borgehen aller Berg, arbeitet' unerlässlich ist, liegt es im Interesse der Bergarbeiter, jedtvcde separate Aktion abzule h n e n. Armes Belgien! Mussolini ist ans Belgien bös. Paris, ist. September. Wie die„Liberte" meldet, soll Mussolini aus Gründen der äusseren Politik entschlossen sein, den it a l i e u i s ch e n 1 sammcnhang. Gcmciudcwahlen sino diesmal mehr als bisher p o l i t i s ch e W a h i c u, und die Bürgerlichen tvärcn die ersten, welche aus ihnen, wenn sie gut für sie ansficlen, eine Politische Hcrzstär- kung nnd Mut zu neuen Sünden schöpfen würden. Tas in den politischen Parteien sich rc- zräscutierende Bürgertum ist von dem Bürger- wm, das in den Gemeindeverwaltungen regiert, nicht zu trennen. Der Ruf: Redet nicht von Politik, ist so übevschlmt, das; er schon dumm geilannt tverden muß. Sie rüsten zur Vernichtung des Mieterschutzes, zur V e r s ch l e ch t er u n g d e rS o z i a l v e r s i- chernng, und sic wollen die Schule ver- k l e r i k a l i s i c r e n, aber w i r s o l l e n v o n alledem n i ch t s r e d e n, damit, wem: die Gememdewahlen vorüber sind, sie den arbeiten- dcu Klassen ruhig lioitc Lasten aufbürdcn, zu ihrer Verelendung und Entrechtung neue Tätigkeit entfalten können. Das zu verhüten, ha b e n di c W ä h l c r i n der Ha n d. ES liegt an ihnen, dem verräterischen, nichtswürdigen Treiben der deutschen Negierungsparteien ein Halt zuzumfen, oder sie zu neuen Untaten gegen das Volk an.zuspornen. Weil nun zlvischen den Gemeindcwahlcn und der Politik im Staat ein großer, untrennbarer Zusammcnhang besteht, lverdcn wir trotz aller Abwehruugsver- suchc, aus denen das schuldbeladene Getvissen spricht, nicht>nir die Künste der bürgerlichen Gemeindeverwaltung aufzeigcn, sondern auch kräftig von Politik reden! 8!n ehemaliger Abgeordneter erschossen. Warschau, tß S>vlcmbcr. Wie ans Kowno gemeldet wird, wu.de auf dem Gute Menliezki der ehemalige S/'nabgeordnete Mokalski er- sthoffen. Mokalski sollte von den Polizeibehörden vcrhaslet werden, verbarrikadier!»: sich aber in seiner Wohnung,«m der Verhaftung zu entgc- Heu. Während ter Belagerung des»Hanfes Mokalski von einer Revolvcrkngcl getroffen. Hal an dem letzten llmsturzversnch Tanroggen hervorragend Anteil gehabt/ ledet nicht von Politik! Bei den G c m e i n d e w a h l e n wirr c deutsche Bevölkerung das erstemal Gelegcn- it haben, mit den Parteien des sogenannten deutschen Akbivismus lvegen ihrer Taten abzu-, rechiicn. Die Möglichkeit dieser Abrechnung j rö leider, keine vollständige sein, denn die» ahlcn sind keine ganz aligomeincn, da nur j oa zwei Drittel der Gemeinden lvählen wer- i i und, wie bekamtt, bei Gemciudolvahlen, ilfach andere, lokale und persönliche Umstände> steiirflusiend wirken. Ein vollständig klares> ld der Stimmung und des Urteils der Wäh-' schäft über die Politik der deutschbürgerlichen Regierungsparteien ist wohl nicht zu erwarten, cr sic, die ihre„Teilnahme an der Macht" zu benützten, um der arbeitenden Bevölke- ng den Hungerriemen fester zuzuischnüren, ihrcnd sie gleichzeitig dem Militarismus und klerikalismus mit vollen»Händen Volksgelder. spendeten, und die das unauslöschliche Stigma, ä Volksvcrrates sich selber aufgcdrückt haben, I, üren die Angst vor den Gemcindeivahlen doch» allen Gliedern. Ihre einzige Hoff-» «ng ist die politische Unaufge- ärthcit mancher Wählerschich- n. Hoffentlich ist das, so sagen sie sich, was ir verübt haben, noch nicht zur Kenntnis der ählcr gedrungen, hoffentlich begreifen diese I ch nicht den vollen Umfang dessen, wesien wiri >s an ihnen schuldig gemacht haben, denn sonst I liszten sie uns mit nasicn Fetzen davonjagen, ad da vieles von dem, dessen sic sich schuldig I achten, seine Wirkung in vollem Umfang erst äter äußern wird, findet diese zittrige Hoff-I mg Nahrung. Für die Schuldigen also gilt cs, die Wäh- c nicht zum Bewußtsein und zur Klarheit Iminen zu lassen. Tie angcwcndctcn Mittel id verschieden. M a chen w i r aus ch>v a r z Wei s; u n d lügen w i r was as Zeug hält, so lautet das Rezept des neu. Schon hat einer der dcutschagrarischen I (ihrer den Ton dazu angegeben. Wie der inten fisch, tvcnn er sich verfolgt sieht, das lasser trübt, um seine Verfolger irrezuführcn, i i suchen die rednerischen Ergüsse der Regie-1 nigsdeutscl'cn das Wasser der Wahrheit zu trü-1 m. Die Methode ist sehr einfach, es bedarf ur einer eisernen Stirne, um sic anzuwcnden. !a deklamiert beispielsweise der Herr Ziernt von den Landbündlern von den Herrichen Erfolgen der deutsch-akti- i st i s ch c n Politik, die so gewaltig seien, ah ihnen nichts an die Seite gestellt werden »nne. Unter den Zuhörern aber findet sich niemand, der den kühnen Deklamator etwasI nisanft von der Tribüne herunterbegleitet, man anu cS also immerhin wagen, diese Jrrefüh- nng der Wähler auch bei nächster Gelegenheit N erproben. Die deutschen Regierungsparteien nachcn über ein Jahr lang die Handlanger »ein tschechischen Nationalismus und Jmperia- ismus, dürfen nicht einmal wagen, ihre Bun- lesgenosscn daran zu e r i n u c r n, das; sie auch mf der Welt sind, dann stellen sie sich stolz in tzositur und feiern sich selber als die Erfolgreichen! Als sie in die Negierung eintraten, baten sie um nur ein tvcnig Geduld, aber die mgckündigtcn Errungenschaften gehören noch immer der Sage an, dafür kann sich das tschechische Bürgertum rühmen, in den Deutschbürgerlichen zu allem sähige Helfershelfer bei dcr Ver- rn k e r u n g seiner Macht gefunden zu! haben, die deutschen Aktivisten aber reden von — Erfolgen! Vertvaltuugsrcform, Stärkung der tschechischen Polizei- und Beamten- -«walt, Zertiflkatistengesctz, Raub des Wahlrechtes für die Landes- und Vezirksvcrtretun- «en, Erdrosselung der Selbstverwaltung und Aufhebung der Autonomie der Gemeinden, alles uud^noch vieles mehr: lauter Erfolge! Herr Zierhut aber sieht in der Tatsache, das; sich das deutsche und tschechische-natio- «ale Bürgertum zur Regierung zusammengc- Mden haben, den strikten Beweis, daß sich die Deutschbürgerlichcn in ihrer Betätigung für ihr ivolkstum keine Beschränkung aufcrlegt haben. Im Geiste Matteottis. Anlässlich der Enthüllung des Mattcotti- Tenkmals in Brüssel, über die wir bereits berichtet l-abeu und bei der unsere Partei durch den Genossen Taub vertreten war, sprach Genosie H c n d e r s o n im Namen der Internationale. „Tas Tcnkmal, das wir beute enthüllen, ist ein Symbol der Ehrung, die der internationale Sozialismus dem Ideal der Freiheit nnd der Temokratic darbringt. Es ist vielmehr als Tenkmal für den Mann, der in seinem sLebcn und noch mehr in seinem Tode Zeugnis ablegte für die Erhabenheit der Prinzipien, auf denen die Sozialistische Arbeiter-Internationale gegründet ist. Es ist die Erfüllung einer Schuld, die>vir Matteotti abstatteu, nicht nur weil er gegen Diktatur und Unterdrückung kämpfte, son. kern tveil der Geist, in dem er seinen Kamps führte, derselbe ist, der die internationale Arbeiter, betvegung von ihren ersten Tagen an leitete. Es ist das Zeugnis, das wir als Vertreter der organisierten Betvegung abzugcbcn berechtigt sind für jene u n st e r b l i ch r Freihcitsliebe und jenen unsterblichen»Has; der Tyrannei, die unsere Betvegung in ihrer Ergebenheit für eine genieinsame Sache einigt. Mattcotii war einer aus der erl)abencn Gruppe sozialistischer Führer, die durch ihren Tod die ljnzerstörbarbnt des Glaubens be- tvicscn, in dem sie lebten. Er gehörte nicht jener Klasse an. in der leidenschaftliche Ergebenheit für die Ideale der Temokratic gewöhnlich zu finden ist. Matteotti verlieh seine»Klasse, n in d e m Volke bess«r dienen zu können. Tie Geschichte des Sozialismus ist reich von solchen, die in günstigen Verhältnissen geboren, ihre Er- ziehnng, ihre Mittet nnd ihre Fähigkeiten nicht für scldstsüchtige Befriedigung oder niedrige Zwecke gebrauchten, sondern für selbstlos»: und edle Ziele. Mattcollis Märtyrertum enthüllt«ns wie mit cniem Blitzstrahl die Einheit des Geistes und die einzigartige Erhabenheit des Zieles, das ihn während seines kurzen Lebens beseelte. Wenn er jene Zeitspanne gelebt Hätte, die dem Menschen aus Erden vergönnt ist, er hätte uns kein reicheres Andenken eines vollen und talenreichen Lebens hinterlassen können. Ihm war cs in Wahrheit bcschiedcn, den ganzen Sinn seines Lebcnswcrkes in der Art seines Todes zu bestätigen und zu verkünden nnd es in seiner Todesstunde in eines zu fassen. Freilx'itsliebc war ihm im Blut. Von Anfang an bekämpfte er den Fascis- iii n ü mit dem ganzen Feuer seiner Seele. Er durchschaute ihn klar als das, was cr ist: die Leugnung der Prinzipien politischer Freiheit nnd demokratischer Rechte. Aber er bekämpfte ihn offen mit den Waffen der Vernunft nnd der Ehrlichkeit. Mit vollem Rechte, denn gegen Tyrannei, gewaltsame > Machlbehauptung und Unterdrückung sind dies ■ die einzigen Waffen, die auf die Taner siegen. Ter Sozialismus muß stets In der am 13. September in Prag stailgc sundenen Sitzung der koalierten Bergarbeiter, verbände wurde einstimmig beschlossen: Ta die Sanierung der Bergarboilerversichc- rung iu das entscheidende Stadium gelangt und die Regierung, lvie die seslgestelltcn Umstände zeigen, auf der Aufhebung der Selbständigkeit der Berparbeilerversichernng beharrt, womit ein bedenklicher Schaden deu Bergarbeitern, Bergarbei- tcrprovisionistcil, Wittvcn und Waisen zngefügt würde, wurde eine Reihe der derzeit notwendigen Abwchrmasßlahmen getroffen, mit welchen ein »einheitliches Vorgehen der Bergarbeiter aller Reviere sowie der Revierräte gesichert lverdcn soll. Zu diesem Zlvecke lverdcn Verhandlungen Belagerungszustand in Manen. Generalstreik.— Massenverhaftungen. r. Dtttttvsch, 14. September 1997. Tvnlc betvahren zu seiner Wurzel in dem Gkau- ben an die Prinzipien der Te»»vkra,ie. Die Sozialisten»lüssen von der Ueberzeugung geleitet werden, daß auf die Taner die Vernunft siegen wird und dir wirtschaftliche nnd politische Gerechtigkeit zum Durchbruch kvinnieil wird,>veil am Ende die Menschen doch von der Vernunft, nicht van Neid. Leidenschaft nnd blinden Vorurteilen geleitet werden. Wenn wir Unrecht daran tun, so zu denken, dann sind unsere interna ti anale Orgauißition und die Prinzipien, die sic verkörpert, widerlegt und unsere Arbeit nutzlos. Matteotti war nicht der Meinung, daß unser Standpunkt unrichtig sei und dcslwlb war sein Kampf gegen deit Fastisnins mehr als ein rein negativer Protest. Das Regime der Unterdrückung nnd Gewalt, gegen das M a t t e o t t i den Krieg des Geistes unternah»»,, bat allem Anschein nach zeitweilig deu Sieg über Matteoiti und seine freunde in Italien davonge tragen. Die Freiheit scheint aus diesem Lande verbannt zu sein. Tie Freiheit des Denkens und der Geist der Ordnung nnd des Gesetzes, die«inst Italien>vie ein Leuchtfeuer in der Geschichte er- strahle»» ließen, sind in Ketten. Aber der Fascis- iiuls kann Mar in die^rbannung Micken, quälen und zerstören, er kann zwar den Leib der Mensche», tötcu, die Slinnne der Vernunft err stickcir und die Herrschaft des»Gesetzes beseitigen. Aber selbst heute inmitten des aufgeblasenen und niedrigen Triunrphs des FascismuL ist das lebendige, wirkliche Italien, das Matteoiti, Turati, Satvemini, Modigliani und die anderen wahren Patrioten liebten»ind dem sie dienten,»vir- lende Kraft in der Welt nnd wird»»»»besiegbar bleiben. An dieser Stelle, h.'« eine.»» Anlaß, der alle io tief berührt, die Matteotti»vährend seines Lebens kannten, alle Demokraten, die den Sinn de» Zeugnisses verstehen, das er für die Grund- siitze der poirriselzeit Freiheit und der»virtfchajt- lictzen(Gerechtigkeit ablegte, alle Sozialisten und ttzctverkschafter, dir an die Methoden der Demokratie glauben nnd für die Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk tämpftn, hier geloben»vir miss»lene unsere Treue z u her politischen Weltanschauung nnd zu den sozialen Gedanken, für die Matteotti in den Tod ging.' Dieses Denkmal ist ein(Gelöbnis an den nnvergänglichci» Geist derer, die unsere Bewegung begründeten, ihre Helden' waren, sic liebten>uid sür sic Märtyrer wurden, daß wir»veiler kämpfcn werden sür die Verwirklichung des Glaubens, der sie be- nrltc. Es sind dir sozialistische und die Gewerk- ichastsbelveguug, die heute in der Welt die Hoffnung aus eine wirtschaftliche Aendrrnng nnd den sozialcu Fortschritt lebendig erhalten und eine»» Damm bilde» gegen die furchtbaren Kräfte der Reaktion und der Selbstsucht auf politischem und »virtschaftlichenl Gebiet. Fasrisinn» und Bvlsche- ivismus sind die beide» Formen dieses Rückschritts im politischen Denken nnd-Handeln, gegen die wir ohne Unterlaß auf der Hut sein müssen. Unablässige Wachsamkeit ist stets di« Voraussetzung der Freiheit. Fascis m u s und Bolschewismus leugne» beide das Menschenrecht im Namen der Freiheit. Vergebend, daß sie für alle ein volleres und reicheres Leben schaffen, liabeu sie Untergang, V e r z»v e i f l u n g und Tod verbreitet. Die Leiche Matteottis ist ein Weckruf g c g r n die I r r l e h r e, daß Menschenrecht und wirtschaftliche Gerechtigkeit erlangt»vcr- den müssen durch die Diktatur, die Mord, Verbannung. Unterdrückung d?r Rede- und der Pressefreiheit in ihren Dienst stellt." Auf die Anssührnnacu anttvortete der Generalsekretär der belgischen Arbeiterpartei nnt folgenden Worten: Die belgische Arbeiterpartei spricht der Iirternatlonale ihren wärmsten Dank aus für die Ehre, dieses Denkmal unter ihre Obhut nehmen zu dür. fc» bis zum Tage, wo die Freiheit in Italien Wiedererstehen wird. Dieser Stein, dein wir einem jungen, aber talentvollen Brüsseler Bildhauer, Van A st c n, verdanken, versinnbildlicht eine der größten Missetaten deS Fase Ismus in Italien und»vird dem Kultus, den die belgischen Arbeiter dein Märtyrer Matteotti gelvciht haben, Ausdruck geben. Tie belgische Arbeiterpartei»vivd das Denkmal treu behüten. Wäre Italien nicht l>ente c i n Gefängnis, da»«» hätten»vir die Witwe und die Waisen des edle» Märtyrers heute unter uns. So müssen wir nnS damit begnügen, ihnen aus der Ferne den Gefühle»» Ausdruck zu geben, die uns heute beseelen. Es lebe der italienische Sozialismus! Es lebe die sozialistische Internationale! Anschließend sprach Turati in» Namen der Sozialistischen Partei Italiens: Dieses Denkmal Inland. Gruselige Geschichten im Blatte des größten Slaven. Ter Witz, der den tschechischen hnmoristischci» Blättern so vollkommen mangelt, ist in reichsten» Maße bei gewissen„ernsten" Blättern der tschechischen Bourgeoisie vorhanden. Wir sind überzeugt, daß die Ernennung des traurigen Erzeugers der„H n m o r i st i'c k e l i st y" zum Chcf- redaktenr der„N a r o d n i L i st y" und die Versetzung des bisherigen Chefredakteurs deS Kra- mar-Blattcs an den Posten des Witzblatt-Rcdak- tc»»rs, beiden Blättern zu großem Vorteil gereichen rnüßte. Solange sich mau nicht zu diesem Schritte entschließt, muß der Leser, der sich nach übermütiger Heiterkeit sehnt, schon zu den„Na- rodni Listy" greifen.. • Da findet inan tn der Ausgabe des Blattes deS größten aller Slaven folgende»» zweispaltige»» Titel: „Die Stimmen der Grenzer zur Stärkung der irredentlstlschen Partei der deutschen Sozialdemokraten?“ Welcher Patriot erschrickt nicht, wenn er diese schreckliche Warnung liest,»velcher angeheiterte Staatsbürger»vird die Sache nicht ernst nehmen und»velcher Bositrunkene wird nicht dem heiligen Wenzel auf den Knien danken, das eS noch Wächter gibt»vie die„Narodni Lisch", die mit der Treue einer alten Amme der Nation den Abgrund zeigen, ai» den» sie dahinschreitet. In der überaus aufgeregten Notiz, bei dc- reu Abfassung der männlichen Kasiandra der Slaven die Zähne vor Angst geschlottert haben müssen, wird erzählt, daß hinter den Kulissen Verhandlungen der tschechischen und dentsck»en Sozialdemokraten über ein Wahlbündnis geführt wcr- den, durch das— natürlich— tschechische Stimmen der deutschen Sozialdemokratie zngeführt werden sollen. Tas sei keineswegs nur die Einsicht der verängstigten Redakteure des Kramak- Blattcs, nein auch andere furchtlose Männer seien derselben Ansicht. So schreibt die.„Reform«" (das Blatt der Äctverbe-Partei): „Der Führerderdeutschen Sozialdemokraten, Dr Czech, weilt in Prag und führt Unterhandlungen, deren Zweck eine möglichst enge Zusammenarbeit der beiden Parteien auch im Parlament ist.— Nach der Fusion der Ge»verkjct)aftSorganiIationen so» es in Zukunft auch zur Berschntelznng der beiden Parteien konmien. konnte keine würdigere Stätte finde»» aks dieses kleine und doch so große Belgien, dessen Arbeiter- bewegnng allen anderen Landern als Vorbild dient, in der Mitte der Erben der großen sozialistische» Vorkämpfer. Matteotti ist ein Symbol. Tas Symbol des SmialiSmuS, der Hingebung, der Kreuzigung der Menschheit. Er ist gefasten, wie so viele andere, als Opfer des Fascis- mus, der das Verbrechen zur Staatsei n r i ch t n n g. zum R e g i e r u n g S f Y st e m erhoben hat. Der FascisnuiS hat alles beschmutzt,»vas er berührte. Er hat alles zerstört, tvas groß und schön in Italien tvar. Er hat die Gewalt, die Lüge und die Heuchelei in» Lande heftnisch gemacht und die Halbinsel i n einen großen Kerker verwandelt. Wer sich gegei» diese Entwürdigung»vchrt,»vird erbarmungslos körperlich nnd moralisch zugrunde gerichtet. Ungezählt s i»r d d i e Opfer, die er bereits gefordert. Aber»venu das Maß voll ist, dann ersteht anch bald der Rächer, der Befreier des gemarterten, niederaetrctcnen Bolles, und ar» diesen» Tage»vird uns Mattcottis Bild in unseren» Kampfe vorauleuchten. Inzwischen vereinigen die beiden sozialistischen Parteien fist die Gemrindelvahlen ihre Kandidatenlisten, um so wechselweise sich die Reste der für die doutschc oder tschechische Sozialdemokratie abgegebenen Stimmen zn übergeben." Run sollte man»»»einen, daß selbst,»venu dem so wäre, Herr Kramak au dem Schicksal der Slave»» noch nicht zu vcrz»veiscln brauchte, da »vahrscheinlich die bein» Koppel» verlorene»» tschechischen Stimmen andcrStvo wieder hercinkämen. Tas Listenkoppeln auf Gegenseitigkeit»vird in der Regel fciitcnt Partner einen nviuenSwertc»» Schaden zusiigen. Aber der Herold KramakS erhebt feine Prophetenstimmc nnd verkündet: „Vas>Vahlkomprornlü der tschechischen Sozialdemokratie mit den groOdeutschen „Genossen“ wäre ein Verrat der tschechischen Sache!“ Ja noch mehr. Rach einer Schilderung der grausige»»»»nd jeden Patriot«,» ii» Angst versetzenden llntaten. die wir nnS zu schulde»» kommen ließe», gibt das Klage»veib des Herrn Kramak folgende Offenbarung von sich: „Mit einer solchen Partei verbündet sich die tscheische Sozialdemokratie! Und di« will sie bei den Wahlen stärken— mit den Stimmen der Hraniöaki, welch« die deutsche Soziakdeinokratie jo gern dem Moloch Germanisierung opfern würde'" Rach der belvegleu Klage— die Leser haben hoffentlich bei der Vorstellung des sagenhaften „moloch germanisaee" die Hosen voll und sind bereit, sich dem Befehl des rettenden Geistes ans den„Narvdni Listy" bedingungslos zu fügen— »verden die Grenzer aufgefordert, nicht sozialdemokratisch zu»vählen. ES ist ja begreiffich, daß die R a t i o n a« liste»» beider Lager, nachdem sie ein Jahr lang einträchtig zum BolkSbetrng verbündet wa- ren, jetzt nm die Wirksamkeit ihrer natioiialen Schlagworte fiirchten, daß aber die Angstpsi)chose derartige Formen annimmt, hätten wir nicht er- »vartet. Um die schlimmsten Befürchtnnge»» der ängstlichen Kinderchen Großpapa KramakS zu zcr- streueu,»volle»»»vir lediglich darauf verweisen, daß Genoffe Dr. C z e ch, vor dem sich der größte Slave so sehr fürchtet,»vie»vir bereits gemeldet haben, dieser Tage In Brünn operiert >v i» r d e, nnd schon deshalb n i ch t d c n M o l o ch der Gernranis, er« ng gegen die arme»» Grenzer l o S l a s s c n konnte. Wahlzuckerln der Aktivisten? Wie der„Tag" berichtet, sollen di« Aktiv!- stci» für treue Dienste, die sie der Regierung Svehla geleistet haben, vor den Gemeindewahlen mit einigen Geschenken belohnt werden, die ihnen als Köder für gutgläubige Wähler dienen sol- len. Tas nationalsozialistische Blatt nennt als solche Zngeständnisse ein neuerliches Versprechen H o d s a S, dir S ch u l a u t o n o m i e durchzuführen, eine Verheißung des Landwirtschaft sm i n i st« rS, denniächst Land, w i r t s ch a f t S k a m m e r n z»l schaffen und als .Hanptclou eine Dotation von eineinhalb Mil- lionen Krone», für de», deutsche»» Kultur, verband. Tazu ist nur zn sagen, daß alles zusamincn, anch wenn nichts weiter abgezogen wird, einen Treck»v e r t sind. Daß HodsaS Schulaulonomie ein Schivindel ist, den jede neue Rede nur noch augenfälliger macht, ist seit der Borfprache de« TchulauSschnsscS und Hodkas rüder Antwort all- gemeii» bekannt. ii>ic Verheißung von Landwirt- schastska»nn»crn wird man nach allen Erfahrungen als Dauergcschenk ansehen müsse»» und das Gesche»»! für de», Schulvcrcin— das man aber wirk- sich erst sehen müßte, ehe man daran glauben könnte— wäre ein Bettel int Vergleich zu den, Schaden, den das deutsche Schulwesen noch unter der aktivistischen Herrschaft erlitt. Wir.ollen keine Gnadeilgabe», sondern unser Recht. Die Aktivisten mögen sich also nur nach Her- zenolnst lächerlich machen, es wird ihnen nicht gelingen, mit ein paar sauren Wahlzuckerln die Erinnerung an ihre Knödel zu verwischen, die als ihr eigentliches Wahlprogramm gelten müssen. 18. Sammelansweis für die Spfer der Wiener Ereignisse. Lolalorganlfasion Turn 311, Lokalorganlsation Treihunkrn 341, Lokalorganisation Moldau 73, Lokalorganifatton Wisterschan 135, Kreis- konfercnz der Jugendlichen, Dux, 328.80, Metallarbeiter Fnwald, Znckmantel 24V, Sammlung deü Gen. Blktorin am Segen ltzotteS.Schacht 114.75, Karl Grube» guckmantel, 200, Deutsche Belegschaft des BihlschachteS in Haan 134.50, Malek, Bruch, 13.40» Lokalorganisation Stieb- n i g 67, Belegschaft des MartenschachteS König«- wrrth 72, Belegschaft deü WIlhrlmschachteS Königswerth 56, Arbeiterschaft der Fa. Roe-Strob, Liebanthal 1225.67. Angestellte und Meister der Fa. Roe-Stroh» Liebauthal» 283, Arbeiterschaft der Königsberger Kohlenwerke 205.75, Belegschaft der Ludmlllazrche Königsberg, 50.25, Verband der Holzarbeiter Königsberg 116, Lokul- organisatlon Königsberg 135, Arbeiterschaft der Spinnerei Schmieger, Awodau, 385.50, Arbeiterschaft der Chemischen Fabrik, Falkenau» 7GJ5O, Arbeiter der Montanwerke Unterreichenau 07, Belegschaft der Käftnerzeche Lanz 30t, Belegschaft der FIscherzrche sowie auch Belegschaft der Felizian»Schächte, A i, d i tz, 76.50, Arbeiterschast der Montanwerke Davidsthal 28.50» Belegkch. der Frirbrich-Anna-Zech« ttrasfeth 100.70, Belegschaft de» MrdarditagbaurS Falkenau 17, Arbeiterschaft der Glasfabrik Unterreichenau 74.50, Arbeiterschaft der Bodner Kohlenwerk« l 18.50, Belegsch. der Adolf-Sophienschächte Bnkwa 120.20, Ortsgruppe der Eisenbahner in Falkenau 284, Bel«gschast der Reuschachtanlage Haber«- Pirk 19.50, Belegschaft der Reuschachtanlage, Bagger, HaberSpirk, 57, Revierbrnderlade Fal- -> Der Rachen. Querschnitt durch ei« Leben. Bon Berta Sclinger. Drvbei,»var alles wohlbetan, und als Bozen« die goldbraune, knusverige Gans aus der Röhre nahm, schnupperte und schnüffelte der tleine Doktor vergnügt nnd schmunzelte:„Na, das ist ein Staatsvieh, die»vird uns schmecken." Und golüstig tunkte er den Finger in die heiße Soß nnd schleckte ihn nmadum ab. Da geckerte di« Klingel. Brumm:« steck!« er den Kopf zum Feinter hinaus. Er sollte in ein Walddorf.„Ja, ich komme augenblicklich." Schmetternd schlug er das Gnckerl zu. Schon schlepp, er die Tasckie mit den Instrumenten herein.„Auskochen,— und dann zieh». Sie sich an, Sie müssen mit." Bozeua schaute ihn zage an,»var noch nie bei einer Gebrirt ge- »vescu. Er zuckle die Achseln:„Tas nützt nix, die'.Hebauyne ist im andern Dorf." Sie krochen selbander in den weiten Pelz, nnd schon ziehen die Pferde an und der Schlitte», fliegt über die»veiße Bahn. Tie Bäume huschen uitd Hüpfen am Wegrain hin, und die Schcllen- glöcklein klingen mit Hellem, lieblichen Geläut. Niedrige, bucklige Schatten kauern im Schnee und sind vorbei. Ter Schlitten hält vor einem einsamen, windschiefen Häusl. Sie wickel», sich aus Pelz»cnd Decken, da schlägt ein Schrei an ihr Ohr, ein wilder Schrei voll Qual und tiefer Angst.„Sv schreit ein Tier in Sterbens- not," geht cs Bozeua durchs Hirn, und ihr Herz steht stille. Die Stube liegt in» Dunkel. Nur ein arm- feliaeS Ocllampl brennt, und sein matter Schein Wckt über das Be». hin, über das schiucrzvcrzerrte Antlitz des Weibes. Ans einem Hackklotz sitzt der Mann, di« Pfeife kalt in, Mundwinkel, die groben, starken Fäuste reglos ans den Knien. Geduckt sitzt er da, unmäßig groß im schtvcren Schatten, hilflos m ast seiner Kraft. Der Arzt untersncht, legt die Instrumente zur-Hand, gibt seine Weisui^en. Bozeua tut, »vas er sie heißt, und dann steht sie zu Häupien am Bette und»vifcht immer»viedcr den Schweiß von dieser angstbleichen Stirne, nnd»vehzornig denkt sie:„Ist dies das Multerglück, seligste Erfüllung?" Die Kreißende bäumt sich in Schmerzen, sie»virft den gepeinigten Leib empor«ich krallt die feuchten, eiskalten Finger in die Wand, daß der graue Kalkbewnrf in großen Brocken sich loslöst. Uibd schreit— daß das dunkle Schweigen der Nacht in zackichte Fetzen zerreißt, daß es sich de» anderen um die Gurgel krampft und sie ganz still sein müssen, kaum zu atmen wagen.„Hei— ligc M«— via, Mut— ter der Schnwr— zen!" schreit das Weib und wimmert nick» winselt»vie ein»vnndcs Tier und sci-reit»vieder„hei— lige Ma— via!" Das junge Ding steht am Bette nut brennheißen Augen und jagenden Pnkse»t»und inst dem krampfigen Tnick au der Kehl«. Es möchte auch schreien, so mitten Hinei»» in die lastende' dicke Stille der Nacht und winseln wie ein Dier. lind immerzu bohrt sich ihm ein Rein» d»,vch den Kopf — ist»vcg nnd ist wieder da und bohrt, daß es wütend schmerzt: „Und Hal ein Blümlein brach! mitten im kalten Winter, »vohl zu der halben Nacht." Ter Sand der Stunden rinnt, Korn um Korn in die Ewigkeit. Ter Doktor tut still und umsichtig,»vas seines Amtes. Und Plötzlich bricht ein Schrei der Gebärenden mitten entzlvei, u»ch der Arzt hält ein Menschlein in seinen Häitdcn. Er hebt eö an den Fersen und schivingt es sachte und gibt ihm einen Klaps, daß cs quäkt. „Ein tüchtiger Bursche," sagt er und lächelt gut. Bozeua hantiert im Bade wasser, u»»d der Doktor lsiilt das Menschlein hinein, sorglich, daß das dicke,»vacklige Köpft nicht unter Dasier kontnlt. Und der Vater bringt einen Korb herbei mit dicken rotgetvürfelten Polstern. Das Madel findet sie nicht schön gcmig und breitet ihre»veiße Schürze darüber. Der Doktor sieht sie spöttisch an:„Sie»vollen»vohl einer milden Heiligen ins Handwerk pfnschen'?" Sie zuckt zusammen, da schweigt er und hilft das»vinzige Hcmdlein über die»vinzigen Aermchen mit den faltigen Ast- uräuncrhändlein streifen; die Binde um den dicken Leib nnd die Windel»» um die Beinchen schlage». Die Mutter siegt erschöpft. Er gibt kurzen Rat:„Ich ko»»,»ne»vierer, Wenns hell ist." Der Abmin reicht ihn» die große, ungefügige Hand. „Vergelts Gott!" saot er. der Christ zum Iüden in der»Weihnacht. Er gibt anch Bozeua die-Hand und sagt:„»Vergelts Gott!" Sie rst gmtz stille. In ihr klingts immer noch»ind reißt ihr an» .Herzen: hei— ligc Ma— ria» Mut— ter der Schmer— zen! Und in, Hirn bohrt es und peinigt und ist doch schon ein kleines Erlöstsein dabei: „Hat ein Blünilein bracht mitten Im kalte», Winter." Der Jänner bracht« viel klar« Kälte. Im Kachelofen krachten die büchenen Scheite,»ind manchmal lief ein MäuSlern nnt ängstlichen Sprüngen über die Kück>c, erwischt« sich, ein Vröckloin und hllschte bebende»viedcr zwischen de», Holzhausen in der Hele. Und die Menzchen draußen, angetan mit dicken Pudelmützen und gefütterten Fäustlingen, riefen einander eisig zu: ,^Fitz muß»»»er ok machen, daß mer heim kimmt" und zogen die Kopf ein und liefen hurtig»vie die Mauslein, ins»Warme zu kommen. Bozena lebte still ihre Tage. Sie sah, wie ihr Leben Tropfen um Trovfen, Tag und Tag verrann.„Ich bin so jung," dachte sie oft,„und cs ist doch so stille um mich." Sie hatte ihr redlich Teil auf den Schultern, »venu sie alles gut und ordentlich beschickt»viffcn »vollte. DieDoktorin rührte keinen Finger, wenn sie ihre Stucken hatte. Sie lag auf den, Kanapee »vie eine dicke faule Katze und stand an» liebsten nur,zu den Mahlzeiten auf. Sir las ein bissl und gähnte laut»uid»var zu träge, die Hand vor den Mund zu legen.„Fad ist» in den, Nest," murrte sie, nnd ihr Alaun zuckte die Achseln. Er kannte das Licdl, das sie. ihm jetzt gleich singen»vürdc. Bo», den» fesche»», lustigen Leben in Wir», und Prag und von der Unnrenfchsichkeit, eine junge, hübsche Fran in dieser triste», Einöde zu begrabe»«. Zmoeileu kam der alte»pater Pazaurek, >nn mit dem Doktor Schach zn spielen nnd ein wenig in seiner Muttersprache zu plausck-c»«. Er hatte»vohl einen bohnrffchen Kaplan, aber das »var ein verbissener Römling, dessen unmli sicher FanatiSnmS sich wurwricb an den» milde», menWiche» Priestertum des Pfarrers, das er sündhaft und leichtfertig nannte. Leichtfertig war der alte Pfarrer gewißlich im Beutel. Er»var so avm»vie seine Gemeinde, so arn, niti» bar wie das kahle Kira-lein, baö nur einen einzigen schmucklosen Mar hatte»ind»richt einmal ei»« Orgel. Und floß ihn» en, Weniges z»», so gaber eS hin, an die, die noch ärmer»varcn. Nur einen Schatz hatte er aufgesaminelt mit sorgticl)er Liebe und hütete und hegte ihn»vie feinen Augapfel.— Ein paar Wände voll schöner, seinen Augapfel. (Fortsetzung folgt.) WMvo'ch,’il Tepkemkrr 1927. Belte 3. teiton 184, Angestellte der Sekretariate Falkenau 228, Ortsgruppe der Angestellten Falkenau 48.20, Angestellte-cs WarenllauseS in Falkenau 51, Angestellte der KrankenverslcherungS- anstalt Falkenau!>4, Loknlvrgaliisatlon Lan- gendörslas 29.60, Lokalorganisation Mascha- kottcn 60.10, Lokalorganisation An Sieben 10, Lokalorganisation Saaz 186, Lokalorganisation Pflanzen 6.50, Lokalotganifnliou Weidenau Di, Lokalorgauisation'Nlllasdors 14, Lokalorganisation Enders darf 51.50, Arbeiterschaft der Papierfabrik Sandhiibel bei F r e i tv a l d a u 242, Lez.-Org. Z>v i t t a n 2319.50, Lokalorgauisation Vannow 40.50, Nachtrag Krejzy, Aussig 2, Aussig, Sekt. V, 155, Tranoportarbeiter-Ortögr. Teplitz 100, Tranoportarbeiterortsgr. Königsberg 38, Aussig, Sekt. IV, 38.50, Lebensmittel- arbeiterortSgr. Aussig 43.50, Lokalorganisation Pömmerle 250, Metallarbeiter Pömmerle SO, Naturfreunde P ö in m c r I e 70, Arbeitersiinger Pömmerle 50, Arbeilertnrner Pömmerle 50, Lokalorganisation 8 ch r ccke n st c i n 190, GlaS- arbeiterverband'Aussig 68, Tranüportarbeiterver- tand Aussig, Stelubrnch, 23, Lokalorganisation törotzpriesrn 69.50, Aussig, Sekt. X, 70, Aussig, Sekt. VI, 291, Lokalorganisation S t a» bis, 20, Sektion n n. III, Aussig, 235, OrtS- gruppe des Jndustrieangestelltenverbandev in Prag 100, Lokalorganisation Plankersdors 87, Lokalorganisation Grotzwöl> len 136, Lokalorgani» salion Hochdobcrn 276, Lokalorganisation H ö s» Nil 143, Lokalorganisation Klein borken 92, Lolalorganlsation K a r l s t l> a l 30, Lokalorganisation bleichen 55, Lokalorganisation HermerSdorf 50, Lokalorganisation Mähr.» Ostra n 520.50, Lokalorganisation Schindlwald bei Reudek 30, Lokalorganisation Pili» 53, Lokalorganisation K a m- nitz-Nendörsel 99, Lokalorga». Sonnenberg 3, Parleiangcslcllle Karlsbad 667.50» Lokalorganisation Gibacht bei Mies 28, Konsumver» «instangcstellte Miro 141, Lokalorganisation MieS *0, Kleinbauern Maierbach 2, Bez.-Organisation Lrii n n 2453, Lokalorgauisation Bodenstadt 113, Lokalorganisation Trzinictz 120, Lokalorganisation Tesche» 232.53, Lokalorganisation Witko« witz 53.30, Lokalorganisatiouen Lhotka u. Hlu» r n a 28.50, Lokalorganisation L u d g e r ö t h a l 35, Lokalorganisation Ladung 56.30, Lokalorganisa- 6»n Strahl 131, Arbeiter-Gesangverein Oberhaan 10, Joses Stolz 3, Ungenannt, Langenau, 10, Lokalorgauisation Langenau bei Haida 49, Lokalorganisation Kottowitz 41.75, Lokalorganisation S ch w o i k a 32, Lokalorganisation Aich 92, Lokalorganisation Schlakkenwerth 70, Lokalorganisation T ii p p c l s g r ii n 142, Lokalorganisation 2 ch o r o w i tz 53, Lokalorganisation schneidemiihl 36.25, Lokalorganisation Zettlitz 123, Lokalorganisation Gibacht'bei Mieö 111.50, Belrgschast des Kolnmbnsschachtcö Maith e u r r n 300, Lokalorganisation F u l» e k 266.50, Lokalorgauisation E s p r n t h o r 70," Lokalorganisa- lion Aich 48, Lokalorganisation W e h e d i tz 52, Lokalorganisation Trahowitz 85, Lokalorganisa« lion W e g st ii d t l 274.80, Lokalorganis. Schirm- dorf bei Landokron 50, Lokalorganisation Zohsee 50, Lokalorganisation Olbersdorf 100, Lokalorganisation'N i e d c r j o h n c- d o r f 14.50, Lokalorganisation Thomigsdors 46.50, Lokalorganisation Schönborn 120, Lokalorganisation WilS- dors 151.60, Lokalorganisation Niedergrund 14, Lokalorgauisation Bodenbach 32, Lokalorganisation I o h n ö d o r s>05, Ortoverband A l t- sladt 213, Lokalorganisation Böhmen INachtrag) !>, Lokalorganisation Eiland 74.50, Lokalorganisation Königs Io o l d 283, Lokalorganisation Tscheche 50, Arbeiterschast der Chaudoirwerke in Nodenbach 1213.10, Angestellte der BczirkS- lronkcnversichernngsanstall Tcplitz 128» Lokalorganisation B o r e ö l a u 60, Lok. K l e i n a u g e z d 103, Lokalorganisation Wist ritz 112.50, Lokalorganisation T i ch a n 84, Lokalorganisation K o st e n 35, Dr. Ernst Lieben, T n r n, 50, Richard Bauer, Tcplitz, 100, Union der Bergarbeiter Prob st an 100, OrtSgr. der Glasarbeiter T i s ch a n 243.50, OrtSgr. der Fabrikoarbeiter Tcplitz 86, OrtSgr. der FabrikSarbciter WI st r i tz und Arbeiterschaft der Fo. Purkert, Urbach&(So. 252, Ortsgruppe der Bauarbeiter W i st c r sch a n 151, Handels- nnd Transportarbeiter, Sekt, der Konsiimangestellten» Tcplitz, 203, Orlsgr. der Holzarbeiter T e p l i tz 100, Orlsgruppc der Bekleidungsarbeiter T e p l i tz 34, Ortsgruppe der Kcramarbeiter Eichwald lNachtag) 89, Ortsgruppe der Keramarbeiter Turn u. Arbeiterschast d. Porzellaunnion 220, Arbeiterschast der Fa. Ad. Lauser, Teplitz, 151, Arbeiterschast der Fa. Purkert, Urbach nud Co., Teplitz, 30. Summe des 12. Sanimelausweiscü: 24.850.77>i, Gesamtsnmine: 117.537.42 Ii. KommumstenelnmarsÄ gegen Hankan. London, l.'I. September. Die komm«» nistische Bewegung in China scheint nach englische» Pressemeldungen neuerdings wieder an Ausdehnung;n gewinnen. Irreguläre Baucrntrnppcn lommunistischer Einstellung sollen sich in der stärke von mehreren Tausend Mann der siidchinesischen H a u p l- st a d t H a n k a n nähern. General Tschang- kaitfchek, der zliriirkgelretene Führer der ge- «aßigten nationalistischen Regierung in Nau- Ang, soll heimlich nach Schanghai znriickgekchrt sei«. Es wird berichtet, das; man ihn ersucht habe, d>ieder sein Kommando zn übernehmen, um daü Vordringen der Kommn- nisten zu verhindern. Die Truppen der Nordarmee, die bis in die Nähe von Nanking vorgedrungen waren, sollen sich in der Richtung ans die nordchinesische Hafenstadt Tientsin znrück- jiehen. Schlußsitzung in Brüssel. Gegen die Unterdrückung der Kolonialvölker, gegen Klassenlustiz. Brüssel, 13. September.(Eigenbericht.) Die Tagung der Exekutiv« der Sozialist I s ch e n Arbeiterin ter nationale ist in der Nacht zn heute zu Ende gegangen nnd hat eine Resolution angenommen, die sich gegen die Unterdrückung der Kolonialvöllcr wendet u. es als hauptsächlichste Ausgabe der sozialistischen Parteien bezeichnet, die Proletarischen Element« der unterdrückten Völker in der In ternationale zu organisieren. Die Beteiligung an einer n e u e n O r g a n i s a t i o n, die sich nationalen Interessen irgend einer Macht nntcrordnet, wird a n s d r ii«k l i ch a b g e l e h n t. Eine ander« Resolution tritt für die Politischen Gefangenen ein, wendet sich gegen jede Art von Klassenjustiz nnd protestiert lei- dcuschasllich gegen die Ermordung von S a e r o und V a n z e t t i. Attentat au! König Alfons? G e n f, 13. September. In hiesigen Kreisen verbreitete sich heute abends das Gerücht, daß auf den König von Spanien rin Attentat begangen wurde. Ten Gerüchten zufolge sollte der K ö n i g schwer verletzt worden sein. Tie Gerüchte wurden aber von keiner Seite b e st ä t i g t. Paris, 13. September. Abends war Paris voll von Gerüchten über ein Attentat auf den fpa-1 nifchen König. An kompetenter Stelle wurden sie| aber nicht bestätigt. Die Ermordung Nadinis. Politische Motive. Paris, 13. September. In Komnicutierung der Ermordung des italienischen Bizckousuls Nc>- dini sprechen die Blätter die'Ansicht ans, das; eS sich um ein politisches Attentat handelt. Der Täter soll kurz nach" Verübung de« Mordes auti» f a s c i st i s ch e A e n s; e r» n g c n getan haben. Seine Identität ist bisher noch nicht fcstgcstclii. * Paris, 13. September.„Journal" gibt über das gestrige Attentat aus den italienischen Vize- konsul Grafen Nardini näheren Anfjcylnß. Der unbekannte Täter haben den Vizekonsnl um eine Unterstützung gebeten, damit seine Frau, die in Jtalieit geblieben sei, nach Paris kommen könne. Er habe erklärt, er sei Erdarbeiter, lebe in ziemlich ärmlichen Verhältnissen nnd könne die Mittel für die Reise seiner Frau nicht ansbringcn. Nardini habe eine Regelung der'Angelegenheit zugcsagt, jedoch darauf hingetvirscn, das; die Antwort kaum günstig anssallen dürfte, da die Präfektur der Provinz, in der die Frau des'Attentäters lebe, ihre Ermächtigung zn der Ausreise ans gewissen politischen Gründen nicht geben w o l l e. Paris, 13. September. Der Italiener, der gestern den italienischen Vizekonsul in Paris erschossen hat, hciszt Serge de M odngn o, ist 23 Jahre alt, von Berns Zementierer und stammt ans Seregliola. Dir polizeiliche Haussuchung hat kein Ergebnis gelwbt, cs wurde lediglich ein Exemplar der antifasciftischcn Zeitung „Liberia" gesunden. Neun Todesurteile in Leningrad. Moskau, 12. September.(Taß.) In dem Prozess gegen 26 Spione nnd Terroristen vor dem Leningrader Gerichtshof wurden neun Angeklagte zum Tote und 13 zu Gefängnis st rasen von s e ch s Mo n a t e nb i s z na ch t I a h r e n verurteilt, vier wurden freigesprochen. Hoffentlich eine Tattarennachricht. Peking, 13, September.'Nach Meldungen chinesischer Lokalblätter töteten'Mitglieder einer chi »csischen Vereinigung einige^ Soldaten Feng jnsiangs in Tschangtse. einer Stadt im'Norden der Provinz Honan. Die Truppen Fengjusiangs richteten darauf ein furchtbares G c m c tz e-l an, ohne auf'Alter oder Geschlecht Rücksicht zn nehmen. Nach den Schätzungen chinesischer Blätter wurden zwischen 80.000 und 80.000 Menschen n i e d e r g e m a ch t. 70.000 Emigranten kehren nach Polen znrück. Warschau, 13. September. Ans Grund einer zivischcn der polnischen und der deutschen Regie rnng zustande gekommenen Verständigung kehren im November 70.000 polnische Emigranten aus Deutschland zurück. Das polnische Ministerium für Arbeit nnd soziale Fürsorge trifft enlsprc- chcnde Vorbereitungen, nm-die zurüclkchrcndcn Arbeitslosen zn beschäftigen. Der»erniikelte Boden der Rothermere-Politik. Wie Lord Rothermere magyarischer Patriot wurde. Biele Leute zerbrachen sich, l so schreibt die „Arbeiter-Zeitung", in der letzten Zeit darüber den Kopf, warum und wieso der englische Zei- tnngskönia Lord Rothermere so plötzlich die Ungerechtigkeit des Friedensvcrtrages von Trianon und vor allem die Unrichtigkeit der tschechischungarischen Grenzführnng entdeckt habe. Prager Zeitungen wusztcn zu berichtet», daß er bei seinen Erkundungsfahrtcn von einer Fürstin oder Gräfin Ester ha;y begleitet wurde und so die Schönheit nnd Liebenswürdigkeit Ungarns, von Land nnd Leuten, aus der'Nähe kennenlernte... In dem englischen Ar bei ter blatt„Daily Herald" beleuchtet Walion'Newbold aus einem andern Giesichlspnnkic die Hintergründe der Magyaren- krenndlichkeit des Lord R o l h e r m c r c. Er weist darauf hin, das; die Tschechoslowakei ihre Staatsanleihen bei den New Aorker Bankfirmen Kuhn, Loeb nnd Komp, nnd bei der National City Bank vf New?)ork placierte, tvährcnd Ungarn sie nicht nur in Lord RoihcrmereS„Daily Mail" ankündigtc, sondern auch bei den Bank- Häusern Baring Brothers, T. M. Rothschild und Schrocdsrs aufnahnt, nnd diese Finanzierung gefiel Lord Rothermere bedeutend besser als die tschechische... In dem„Daily Mail"-Trust sitzt im Bcr- waltnngsrat der frühere ungarische Staatsbürger Friedrich AlcMnder Szarvassy. Dieser Herr Szarvassy steht aber auch mit dem grössten Kapitalisten der chemischen Industrie in England, mit Sir Alfred Mond, in naher Verbindung: Programm für morgen, Donnerstag. Prag,.'N!«. 10.50: Lchallplatlenmusik. 12: PressennchuchUir. 12.10: jdllttflfltfoiHrrt, 17: NochmiUcigKonzert. Prager Jazzband. 18: Fürsorge um die Augen der Twlusuqettd. 18.18: D e u«s ch e Sendung. Wetterbericht ttiib Tagesueuigkeiten vom Presse» büro, hieraus: Dr. Nnd. T a u s s: g, Prag: Tie Frau von beute. IN: Mittler und Frauen in Franlreick». 18.18: Pladimir John: Porr rag. 20:(Tmetanasaai) Lnmphouische» Konzert. Di» rigeut O. Ttevbal a. G. 1. F. Aeinveraer: Ouvertüre zum Marionettensplel. L. I. B. Foersier: Curauo de Bergerae. Svmph. Suite. 8. H. Berlioz: Pbant. Symphonie. 22: Letzte Nachrichten des Pressebüros. 22.20: Konzert. Brünn,-111. 12.18: Mittoa»konzert. 17.35: Deutsche Pressenachrichten. 17.45: Deutsche Sendung. Pros. Dr. Simon: Milde und strenge Erziehung. 18.4V: Esperantokurö. ist: Zum VV. Geburtstage Peter Bezruüs. Fanfare. Bortrag. Ad. Besely: Aus dem Leden Peter BezruLS. Skizen au» leinen Werken. Lied. Skizzen aus seinen Werken. Äan Ianota: Melo» dram. F. Fanaöek: Utvaldische Poesie. 2V: Wie Prag. 22: Pressenachrichten. Preffburg, 300. 10: LandMirtschaslssnttk. 18.18: Fremdender» kehr, Touristik und Sport. 19: Was Anarchisten sind nnd wa- sie wollen. 20: Wie Prag. 22: Pressenachrichten. Kaschau, 1870. 17.30: Promenadenkonzert. 19.23: Konzert de» Kozak Qnartetts. l. Silvio Lazarri: Quartett. 2. Ä. Zazek: Komische Quartett». ! beidc haben einen bcdeulcnden Einfluß auf die Donau Dam pfsch iffahrts-Gcscll- schäft in Budapest. Als sic beide nun die ungarisch-tschechische Grenze einmal so betrachteten, fanden sic heraus, daß diese Grenze derart vertäust, daß ein großer Teil des ungarischen Erzgebirges heute der mit dem amerikanischen Kapital verbundenen Tschechoslowakei gehört. In diesem Erzgebirge findet man reiche Erz-, Quarz- und vor allem N i ckellagc r. Es ist ein reiner Zufall, daß es in der Welt wenig Nickel gibt und daß fünfundachtzig Prozent des Nickelvorkommens von zwei großen Trusts ausgebeutet werden. Ter eine ist die International Nickel Corporation of America, der andre die Mond Nicket Company. So deckt Newbold die Zusammenhänge ans: Sir Alfred Mond nnd Herr Szarvassy machen gemeinsam große Geschäfte mit der Tonau-Tampfschiffahrts-Gcsellschaft in Budapest. Herr Szarvassy und Lord tstoihermerc sind Geschäftspartner im„Daily Mail"-Trust.-Herr Mond möchte das Nickel dc>s ungarischen Erzgebirges haben, das aber heute auf tschechischem Gebiet liegt und der a mc r i ka n i sche n Nickel- konknrrenz des Herren-Mond zur Verfügung stehl. Wird abc'r durch eine Grcnzregnlicrung das Erzgebirge wieder zum ungarischen Gebiet, daun gehl das Nickelvorkommen durch die Kette Szar- vassy-Mond Rothermere in den Besitz des e n g- tischen Kapitals über. All dies hat mit der nationalen Gerechtigkeit und mit dem SclbstbcstimmungSrecht der Völker, mit der Unterdrückung der Minderheiten nichts zn tun, ist abc'r für eine von den englischen Kapi- talisteil betriebene Grenzberichtigung ein triftiger Grund. Einmal hieß es: Handwerk hat einen goldenen Boden:-Heute könnte man in andern» Sinne sagen: Rothermere-Politik hat einen vernickelten Boden. Budapest. 350. 18.15: Ungarischer Liederabend. 10.15: Bor» steNung im Studio„Lilioinii". Tanzmusik. Doventry, 1001. 12: Taventrtt Quartett. 13: Schallpkatten» Neuheiten. 18: Tanzmusik. 19.15: Händel, Suiten. 19.30: Thor» gelänge. 20: Syinphoniekonzert. 21,35: Konzert. 22.30: Tanzmusik. Nom, 430. 21.10: Konzert.„Qdyssen- Rückkehr", Komödie, 1. Akt an-"kr Oper„Wally". Wien. 517. 11: Bormittagömusik. 10.15: NachmiltagStonzert. 18.30:„Die-oben Tauern". Ii».„Der international Garten« daukongreff in Wien 1927". 19.30: EsPerantoknrS für Anfänaer. 20: Musikalisch; Novelle. Bach. 20.50: Konzertakadrmle lAlte Meister). Zürich, 588. 20: Tvokak»Abend. 21: R. Schumann, Klavier» werke. 21.20: llriterhaftung-konzert. Dcntschlanv. Bee-lau, 323, M.30: Konzert. 19.05:„Einführung In die Redeschrift". 20: Klavierabend. 21.10: Lyrische Zwiegesänge. 22.30: Konzert und Tanzmusik. Frankfurt, 420. 20.15: Konzert(Grieg, Beethoven, Dvorak, Weber). Hamburg, 395. 20: Richard Strauß-Abend. 22:„Da- neue Gesetz zur Bekämpfung der Geschlecht-krankhetten". Anschließend Konzert. Langenberg. 409. 19.10:„Gute- Deutsch". 20.10: Wesen der Gotik. 22.30: Marlcnliedrr und Marientegenden. A'nschl. Konzert. Leldzla, 300. 20.13: Svmphoniekonzert. München, 530. 20.05: Symphoniekonzert. 21:„Willi- Frau". 22.15: Sportwochenschan. Stuttgart, 38V. 20.15; Opern Abend. 21.45: Deutsche Mystiker. lagesneuigteiten. Lohengrins Verhunzung. Das Prager„Radio-Journal"- gibt bekanntlich eine gleichnamige Wochenschrift heraus, die gewöhnlich auch Aufsätze zur Einführung in jene Lpernwerke enthält, die durch das Prager Radio aus der,. Nationaltheatc-r übertva- geir werden. Wiederholt wurde von uns und von anderen dargetan, wie das miserable Deutsch, in dem diese ganze Zeitschrift gehalten ist, gcradE in diesen Erläuternngen zur Katastrophe zu tveroen pflegt. Jeder Satz verrät, daß er von Dilettanten der deutschen Sprache geschrieben ist, von Nichtdeutschen, deren Arbeiten de»m auch höchstens den Eindruck schlechter Schnlarbeiten mache»». Es wimmelt von Wendungen, die man im Schrift- deulsch nicht gebraucht, von Stilfehlern, von Sinnlosigkeiten, die solch eine Inhaltsangabe lächerlich mcichen, nebenbei aber auch von sachlichen Unrichtigkeiten, die vielleicht durch die sclilcchle Uebcrtragung aus dem Tschechische»» oder einer anderen Sprache zustandekommcn. Ein Beispiel für viele ist der Aufsatz über „L o h e n g r i n" ai»s der letzten Nununcr dieses „Radio-Journals". Wir begnügen uns mit einem einzigen Griff in diesen Mist: 2. Aki. Burghof mit dem Münster. ES ist Rocht. Tic Geächteten Telrammrd nnd Ortrud nohen sich in KnechteStracht. Ortrud lucht den vernichteten Gatten anfzu richten. Ae ist eine Heidin, Tochter Radbrds, des Fricsenfür- slcn, und zanborknndig. Ihr Stroben geht danach. Elsa Ml bewegen, die verbotene Frage an Lohrn- grin;n tun oder diesen selbst zu vernichten, denn sic weiß, daß er verloren ist,»venn cs gelingt, ihm ein, wenn auch noch so kleines Glied z-n ra i»ben. Hoffentlich kenne»» alle unsere Leser den ,^Lv hcngrin" nnd verstehen die letzte Wendung nicht falsch. Sachlich ist sie auch so falsch, wie sic der Schreiber gemeint hat. Wenn man dem„Lohen griii" sich nähert, um über ihn zu schreiben, zoll man ihn eben auch kennen; oder man soll ihm gar nicht eltst nahe». Zillnindest müßte man aber den Gebrauch der großen und Nein«« Anfaiigsbirchstabe» und der Satzzeichen in der deutschen Sprache vorher gelernt haben. Wer sich eine billige unschuldige Freude be> retten will, kaufe sich diese oder eine andere Nummer des„Radio-Journals"— er wird auf seine Kostett kommen. Hätten wir mehr Raum, wür- den wir diesen ganzen verhunzten„Lohcngrin" abdrnckcn, da er geradezu eine Fundgrube unfreiwilligen Humors darstellt. Aber den zu liefern, gehört nicht ju den Aufgaben des„Radio-Jour »als", fiir die es sich noch bezahlen läßt. Das Unternehmen hat vielmehr neben seinen Aufgaben so hohe Einnahmen, daß es kür die dcntschc Ausgabe der Zeitschrift sehr wohl Mitarbeiter sich leisten könnte, die die deutsche Sprache nicht radebrechen, sondern beherrschen. Ter Ausfassung, die dort zu herrsche»! scheint, daß nämlich fiir die deutschen Abonnenten das Schlechte gut genug ist und daß ein deutschstammclndcr Tscheche wlUkom- incner ist als ein deutscher Mitarbeiter,— dieser Auffassung muß einmal ganz energisch entgegengetreten wcrdcit. Die Trümmer der„Old Glory." New?jork, 12. September.„Daily Mirror" meldet, die Trümmer der„OldGlory" seien 51.17 Grad nördlicher Breite und 39.23 Grad tvcsllichcr Länge vom Tantpscr„Kyle" gefunden worden. Die Besatzung Ivcroc vermißt. * London, 12. September. lRentcr.) Das Steuer und ein Teil einer Tragfläche eines Flug« zeuges wurden in Newguay(Cornwall) an Land gespült. Tic waren mit eincnt silbergraucn Stoff »lberzogen, trugen jedoch kein Erkeiinnllgszeicheii. Belgrad, 13. September. Meldniiacn aus Sarajewo zufolge stürzte gestern in der Nähe von Banjaluta ein Militärflugzeug ab, lvobci Oberstleutnant'N! a r i n k o v i c und der Pilot B a c i c den Tod fanden. Bluttat auf der Straße. Gestern nach mittag spielte sich in der Zellncrgassc in Prag eine schreckliche Szene ab, die einen großen Men- scheuanflauf zur Folge l)atte. Gegen halb 4 Uhr bemerkten Passanten int Durchhaus Nr. 22 einen 'Mann nnd eine Fran, die sich heftig stritten. Während des Streites drehte sich plötzlich die Fran nm und tvolltc den Mann verlassen. Dieser zog jedoch einen Revolver und feuerte gegen die wenige Schritte von ihm entfernte Frair er»roii Schuß ab. In de» Rücken getroffen, brach die Fran blut, über st r ö in t z u s a m in c n. In dem Durchhaus entstand eine Panik, alles flüchtete znm Ausgang.-Einige beherzte Männer sprangen zu der Fran, um ihr zu helfen. Im selben'Augenblick erdröhnte ein ztvcitcr Schuß. Der Mann hatte die Waffe gegen sich selbst gerichtet und sich durch einen S ch i> k i n s Herz a: l ü t c I. Die Frau, die schtvcr verletzt ist, wurde sogleich ins Krankenhaus gebracht. In dem Mörder wurde der 23jährige'Arbeiter IaroSlaus Pa- ne ta und in der Berkctztet» die 25jährige Arbeiterin Marie B l a ch, beide ans Wisotschan, festgestellt. Da die Frau nicht vcrnehmuiigsfähig ist, konnte bisher das Ntotiv des Mordes nnd des Selbstmordes nicht fcstgestellt werden. Der Mord bei Wischan aufgeklärt. Als des Mordes an der Arbeiterin A. Kuben ans Scllsch bei Wischan, über den wir gestern berichtet haben, verdächtig ist der 45jährige Hirt Josef P t t t n c r aus Rosternitz verhaftet worden. Er hat ein Gc» släiidnis abgelegt und behauptot, die Tat aus Rache für crtittcuc Bolcidigungc« begangen zu haben. Mittwoch, 14. Scpiembtt 1927. Tagen starb aus R». den Z« In die da hoch aus- sie unter An»:>i c j t v a j r klufcn ZN schlie» , der!scher Absicht der Gefreite de INN lesen Eindunk marine ugiiis >, der die sich zusam- dcr„DruZina", und je einem Die orgcinisa- einzelncn Verbände Vorsitz wird halbjährig ge- Luxemburg stand ihrem kleinen Kinde vor dein Plötz- Raubticie aus und bnülltc das Kind erlitt darob einen nach wenigen Stunden Roch immer losigkc ein Komiker als doch sonst säst überall schenilich ganz in vor einer mim', wird Tödlicher Unfall beim Böllerschicszen. Bei einer Jubiläumsfeier des Turnvereines in Rettig. I>ei>» in Bade» zersprang bei»» Böllcrschicßen der Böller und riß einem öLjähriaen Familienvater das halbe Gesicht weg. Ter Unglückliche wurde sofort in die Heidelberger Klinik geschasst,>vo er jedoch bald starb. tNehrimnisvvlles Verbrechen an der Nordsee. Südlich der Insel I» i st wurde vor einigen Togen eine niebckleideic>verbliche Leiche im Wasser ausgc- fuitdcn. Verschiedene schtverc Verletzungen deutcn auf einen Mord hin. Tic Tote war zuletzt in Begleitung eines angeblichen Berliner Ingenieurs gesehen worden. Tiefer, ein verhältnismäßig junger Mann namens Knri M a y r- L o r i hat,>oie die Kriminal, polizci inzwischen scslstcllen konnte, Berlin vor kurzem in Gescllschast eines anderen Mädchens vcr- lassen, mit dem er angeblich nach Algier auLwanderii wollte. Von diesem Mädchen, einer Berliner Hausangestellten, fehlt jede Spur. Auch der Ingenieur ist seitdem flüchtig. Zuletzt war Mahr-Lori, der unter diesem Namen tatsäckstich in Berlin gewohnt hat, in Norddeich gesehen worden, tvo er mit einem Boot angekommcn war, das er dann verlauste. In Berlin hatte Mahr Lori, obwohl er verheiratet ist, durch HviratSinscrote Iranenbekannt- jchastc» gemacht. So bat er eiir Mädchen namens Margarete Stephan lennen gelernt, das er zu überreden wußte, ihm seine Ersparnisse in Höhe von l lkttt Alark und den Erlös aus dem Verlaus einer Hhpoihek pon 500 Mark zur gemeinsamen Answandcrnng nach Algier zur Vcrsiigung zu stellen. Tie ausgesundcne Leiche ist nicht identisch mit der Margarete Stephan. Es ist daher nicht au-ge- schlosscn, NI o r de t befleckter llntrrrock wurden, waren blntbesudelt. Vom Schreck gelötet. In eine Iran mit Löwen käsig einer wandcniden Tierschau, sich sprang eines der Mutter und Kind an. so großen Schreck, daß es starb. Tod im Glctschcrspall. land) wird gemeldet: Nus scher stürzten ein P o st r e. i t c r und sieben Post- Pferde in einen plötzlich sich ansiiienden Spalt. Ter Pastrciler, vier Pseidc und die Vost sind als verloren anzusohen. Berirrte Bergsteiger. Im östlichen Karwcndel- gebirgc, an der Nordseile des Bctlelwnrfs finden großer tverdcn einem Rettungsmannschasten scheileriru i starkem Regen und dichtenr Nebel. teilung von ungefähr mußte tvicder nmkchrcn. szcn, handotl es sich bei den in den Bergen Verirrten um zwei bis drei Reichsdeutsche. „Ae kommende Weltkrise." j Ein kommunistischer Propaganda-Vortrag Arthur Holitschers. Den Dichter und Äellsahrer Arthur Halit«! scher zu hören— er hielt Montag in Prag einen von der„Internationalen Arlieiierhilfe" veranstalteten Vortrag— war man sehr begierig. Mit anderen und oft schärferen Augen als Politiker und.Wirtschafter sehe» Dichter die Welt.„Die kommende Weltkrise", das Ergebnis der kapitalistischen.Entwicklung,,— vielleicht würde Holst scher, der den Kapitalismus in Amerika beobachtet t)al und als Mitfühlender und wcnerlebeuder bei den aus europirisch-sapitalistischer Knechtung erwachenden Völkern des Osten->var, uns diese Weltkrise anschaulicher', farbiger, plastischer zeigen, als wir'sic zu sehe» vermögen, in Abgründe wei- send, die unser Blick bisher nicht schaute.. Aber Arthur Holiischer hielt«inen lomnninistischen Propagandavorirag, der sich nur durch wenige liefere Gedanken und schönere Bilder vvn den ost gehörten Redcn tominuniitischer Parieisckre- tär« unterschied. Arthur Holiischer ist einer der nicht sellcncn Intellektuellen, die in Sowjet-Rußland die Verwirklichung ihres Menschheilsideals sehen und deshalb dieses Rußland so fanarisch lieben, lvic ihr Ideal,— mit einer Liebe, die sie blind macht. Tatz dieses Ideal noch nicht in der ganzen Welt verwirklicht ist, daran sind, lvic die Kommunisten behaupten, die Sozialdemokraten schuld. Also wendet sich der blinde Haß Holitschers gegen die sozialdemokratischen Führer. preßten ihr mit nngckhcnror Wucht San? n«t> Schlamm in Mund n.nld'Aase und bogen den Körper am Bäumst am m so stark nach rückwärts, daß Kops und Füße sich berührten. Als das Mädchen schließ, lich nach dem Rückgang der Flut ans ihrer cnt- sctzlichcu Lage befreit wurde, waren ihr Brust nnd Leib von dem cingcdrnugencn Flntschlamm -zeschlvollen. Erst nach ztvci snrchtbarcn Schmerzen. Lnstmord. Nach einer Blätlcrmcldnng ti bo r tvnrde auf einem Kartoffelfeld die völlig cm- Ilcidctc Leiche der LI Jahre akten Magdalena Für- czhk mit durchschnittener Kehle ansgesunden. Es liegt ein Lustmord vor. Ter Täler ist nnbekannt. Lecian. Ter Gipses der Acscknuack. ist wohl ein KabareUstück in Prag, in dem Lecian auftritt. Tic Zensur, die cinschrcitcl, finde» cs wahr- Ordnung, daß ein Mensch, der Hinrichtnng steht, als Kabarettsjgur ac k' Bcrban- ;n einer.Konferenz der Zusammenschluß Bor dem A b c i i g c r i ,I> i sianden zwei Koultttunisteu einander : in der Rolle des ilntcrueh- In der von Srbasiopol» überflute* . In Jalta nnd Alnschlc Halbinsel Krim) arbeiten freiem Himmel. Ten von Lebens- —--ii-—' ii'.Ji.i i. i' i-i.. Einmal»stachle Holiischer einen'Anlauf, die salomisieren, am erstarkenden Widerstand der Ar- der Arbeiter zu ergründen. Er l beiter scheitern. Arthur Holitscher hat prächtige Bücher über Vielleicht schreibt über die Tschechoslowakei. wollten! Die Arbeiterführer— selbstverständlich sind da immer die jiichtkommunistischeu gemeint— wollen nämlich nicht kämpfen. Sie sind„Bonzen", die sich mit den Arbeitern nicht mehr auf eine Sius-.' stellen»vollen. und die Arbeiter sind, wie Holiischer ganz genau weiß, überall»nii ihren Führern nnzufrieden.„Die Alnsterdamcr, die Gelbe», sind immer bcreii, sich zu versöhnen." — Arthur Holiischer, der einmal wniiüerbar menschlich schön vom /.Bruder Wurm" sprach, spricht von den sozialistischen Arbeiterführern im übelsten kommunistischen Bersäiuiiklungslou als „Bonden", von jenen Gewerkschaften, die heute die wichtigsten Proletarischen Kampsorganisaiionen sind, als„Gelben". So„lies" vermag»vivklich auch das kleinste koniunlnistischc Sekretärlein zu sein. tichung der Arbeit ultd durch— Opium lvirke....... die sozialdemokratische Parteidisziplin,— vvu der j gierten ans der internationale»» Konferenz der kommuilistischen Disziplin, die geradezu militä risch ist, hat er wohl nocl) nie gehört— und nichts von jenem geistigen laufenden Band, von dem keilt Kommunist sich entfernen darf, ohne»vcgen „rechter" oder„linker"„Abweichungen" ans der Partei gefeuert zu werden. Holilschcr sprach auch voin„mciaphhsischeu Bedürfnis der Massen", und manches davon loar zweifellos richtig,— aber da werden wieder die Koustiluuisten nicht einverstandelt sein, die dieses metaphvfischc Bedürfnis bestreiten, vblvvhl Holii scher recht hat. wenn er den Kommunismus(Bol schewismus als neue Religion bezeichnet. Tu -nußt glauben, sonst bist dtt ein Sozialverräter! Holitscher ist ein Rechtgläubiger. Holitscher glaubt auch— und dieser Gla»i>e ist für ihn sicher ein sehr schmerzlicher— daß erst nach einer neucu blutigen Katastrophe viel leicht doch«in menschliches Reich des Glücks, des Friedens, der Kultur«Mühe. Wir können die sen lief Pessimistischen Glnubcu nicht teilen, lvir glauben doch, daß die wachsende Erkeunlnis der Arbeiterklasse, ihr werdender Zusammenschluß die neue Weltkataslropl)c verhindern werden. Umso sicherer, je mehr die selbstmörderischen Bemühnu- gen der Kommunisten, die Arbeiterbewegung zu rchtbarer Taifun, der über Nagasaki und an- c Wcttcrkalastrophe, die seit vielen Jahren das e Zahl von Gebäude», j a w i c die aifuu ausgcpeitschtcil riesenhasteu Wellen fegten ladt Kumamoto»ocg, wobei hundert Häuser dem sencn crlranlcu. Weiters wird geiueldrt, ab« 100 Häuser zerstört wurden nnd taufend Osaka, 13. September. sReuter.) Ein su dere benachbarte Städte»viitcte,>»ar die größt japanische Insrlland helmstrchte. Eine groß Ernte»vurden vernichtet. Die von dem T an der Küste über das Torf in der Nähe der S Erdboden gleichgr»»»acht wurden nnd.*0 P e r baß in einer anderen, noch nicht geiionnleii St Personen n in s Leben k a in r n. liden Offiziere, Herr Tnrek in AllerkennnngI beiden feindlichen lommnni'siischcn Brüder seiner Dienste um die Schaffung dcs Znsammen- schlusscs als Borsitzender bestimmt. Dieser Ncichs- verband wird alle Fragen, die die lschechostou«. Kricgsbeschädigteit berühren, gemeinsam sowohl im Inland«,»vie auch gegenüber dem Auslände auf i n l c r n a t i o>» a l e n.Kongressen vertre ten. Durch dieß.' erste geureinsanic Znsanmicii- kunst sämtlicher Kriegsbeschädigteuverhände ist der Grundstein dcr gcmcinsaincn Arbeit gelegt n or- dc», und die maßgebenden Stellen werden in Zu- kilnst mit diesem Faktor rechnen müssen. Die Soldatrnselbftmorde. In der Nacht vom 18. auf den>!!. d. M. erschoß sich i»t sclbstmör- \, cs Ariilleriercgi- mcnts Nr. i0l Josef Löpota. Er befand sich lvegen schlverer Körperverletzung in Untersuchung und beging den Selbstmord aus F u r ch 1 vor! Strafe, wie er selbst in cincm hinterlassenen Bries mittcilt. Die Angelegenheit bildet den Ge genstand einer strengen amtlichen Untersuchung. „Prager Spezialität." In dcr No:i; dieses Titels in dcr gestrigen Nmnnicr ist durch eine Zcilenvcr- hcbuug der Siuu der beide« Sätze vou dcr füiifzehn- leil Zelle an entstellt. Es sollte dort heißen:„Die Rckazanka ist so eng, daß die Fußgänger gefährdet find, wenn nur ein einzigcs Fuhrwerk naht. Daraus nehmen aber Stadtverwaltung und»Sicherheits polizei der. Ssadl nicht die geringste Rücksicht." Jan Brnzda, der Pariser Meilterdicb. Tie ! Pariser Polizei vcrhoslrlc Montag den tschecho- slolvaliichen Staatsangehörigen Jan Bra.zda, Kürschner, samt Fran uns Tochter. Pra.zdo wurde beim Tietzsiahle einer Wüschr-niaschine eilappi. Bei dcr Tnrüpiichnng seiner Wohnung »vurden L c b c n s>u i t l c l v o r r ä i e i>n W e r l r von ungefähr t 5.0 0 l> Franks und außerdem r n r e t w a 1 00.00 0 F rank s P e lz»na r c n vor- gesunden, über deren Herkunft dcc Beschuldigte keine Auswege verlegen konnte. Außerdem N'uidcn in seiner Wohnung für 00 0.000 Franks Bank noten nnd N a l i o n a l v c r l c i s i a n n g S» bons beschlagnahmt, über deren Herkunft Bra'da ebenfalls leine befriedigende Auslkärnng geben konnte. Konllnnniste» iinlercinauder. Pi a n n h e i m r r in diesen Tagen gegenüber. Ter ein mcrs»var der badische L a n d l a g» a b g e o r d nete P a n l S ch reck, Mannheim, Sekretär jiir den Bezirk Baden, der andere in der:>iolle d.-s klagenden Angestellten, der badische Landiags- abge ordnete Ritter, ehemals koinmunisli- sclwr Parlciangesielllcr. Ritter klag!« ans Her ausgabe sei n er I n v a l i d e n kartc zur Ansordernng von Erwcrbslose>iunierslütz»ng. Eni feines Brüderpaar: der eine, der inimcr noch Landtagsal»gcordneter ist, will zu den Land- t a g s d i ä l c n n o ch E r>v e r b s l v s c li tt nt erst ütznng hinziibezieheii und begründet die Forderung mir dem Hinweis daraus, daß die Diäten kein st c u c r p f t i ch t i g c s Ein- Ikommen seien, der andere Hai zwar-die Iuoa- lidenbeilräge des Angestellten emgegengenomnien, j will aber die Karte nicht herauSgeben. Schließlich l einigte man sich dahin, daß Ritter die.Klage zu rücknahm und Schreck'"ch bereit erklärte, eine Be scheinigimg über die' Abführung der von Ritter ....—, her^„v. erstickt. Bei einen» surchtbarett Admonter Bcrgen in dcr junges Mädchen ans granenhafie gekommen. Tas Mädchen, das .Hans jlnchleu wollte, wnrbe unrcr- dcn hcranbransend.'n Wassersinlen ersaß! einen Banmslaniui gedrückt. Tie Finten TaifunkaWrophe über Nagasaki. Mehr als tausend Tote- Aerzte Augenblick c uiackn hätte. Kampf mit dem Beicn gegen einen Einbrecher. In der Nacht gum Freitage beöbachletc in dcr Anzeugivtzcrstraßc in Berkin eine Fran einen Einbrecher, dcr in die Aohnrämne einer in. Erd gkschoß gelegenen Scl.autwiitschasl eindrang, und be- nackiiicbligle sofort den Wir!. Tiefer nahm einen Schrubber zur Hand und stellie jich ans dcr Straße vor dem Schlasziminersenstcr seiner Wohnung aus, tvährend mehrere Gäste in die Wohnnng drangen und aodere die Polizci hcrbciholteit. Beim Eintritt der Gäste sprang der Einbreckier ans dem Scblcis- 'stnniei feilste» und wurde von dem Wirie mit dem Schrubber»iedevgesckilogen. Als er wicdcr an'sland und eine Schußwaffe ans der Tafchc zog, schlug ihn dcr Will nochmals zu Boden. Tie inzwischen cin» gelioffenen Pe-lizeibeamten trugen den Bewußtlose» ans die Wache. Tort winde der Fcslgcnommeuc ais ein Llfahriger Mann seslge.slelli, der bereit» im Verdacht steht, eine Üleihe ähnlicher Einbrüche verübt zu haben,— In cincm Warenhaus im Zentrum»vurden am Tonncrsiag abend >vc»b»inäßigc internationale Laden nnd Taschendiebe ans frischer Tat ertappt und nach dem Polizeiprä- jidium gebracht. Im Schlamm llmveiter in den Sieicrmarl ist ein Weife ums Leben »ch in ein Air »veg» von nnd an i Schuit'c rn Lande slammlndc, gutmütige nnd eiivaS Mädchen von einem Betrüger veisührt der er außerdem verslanden holte, ihr arnisse akstiilocken, so daß sie bei dcr l'ölltg mitiellos tesianb. Einen beson- auf die Geschworenen de:-«ch der Mordtat zuerst anwesenden befchwor, daß da» Mädchen in jenem neu»öttia geistesgestörten Eindruck ge- I Was Holitscher über die Selbst.Eniihronuug l der»veißen Rasse durch den Weltkrieg, über die Ursachen der Bewegung, die alle farbigen Böller erfaßt ha», über die zu neuen Kriegen treibend: und unsere Kultur mit kaiaslrophätein Zusaiu- I nieubruch bedrohende iniperialistische Enlivicklung sagte, ist, natürlich^ richtig,»venu auch nicht ncii, sondern für alle Sozialisten Selbstverständlichkeit. I Der Pessimismus, der ihn einen ncucu Weltkrieg jals»lnvernicidbar sehen läßt, entspringt der Eui- i täuschmtg des Dichters, der sein Ideal, aus dessen nahes Wirlliclnvcrdcn er hoffte, ivicder in weile Fern--.geruckt sicht,— und Holitschers Begründung" für den Weiterbestand des Kapitalismus : ist gangbare kommu-nistische Fertigtvare: Neun« zchnhunderlsicbzchil haben die Russen d<»s Beispiel gegeben, aber die Arbeiter haben ihre Macht »licht aüsgeitützt,»veil— die Führer es nicht I»H rtlT hll I c t n» trächiig nebeneinande r aus einer Bank! Das ti» das Bild der kommnuistitmcn Einigkeit, wie sic leibt und lebt! Bel dem Erdbeben in dcr Krim»vurden in Timseropol drei Personen getötet nnd viele verletzt. Iü Korc!»»vurden iniolge eines Mauercln- sinrzes drei P e r so n c»> gelötet. In einigen Tanalorien»vurden mehreie Kurgäste leickn verletzt. Im Gebirge ereignclcn sich Bergeinstürze. j Stabt Balaklawa(südlich llfc» der Südestkustc bei : Institutionen untei Erbbcbenlalastrophc Im Zeichen des Micierschuße?. Brrlvok- tvnaspräswcnt und Gutsbesitzer Dr. Heinrich Schicht, hat am 2. Juni 1927 durch seinen Vertreter seinen geivescuen Pfertdekulschcr Emil Puschel in Radzcin Nr. 22. auf Räninnng sei-! ncr Wohnung geklagt, nachdem Püschek seinen• Dienst aus dem Gute verlassen hatte. Püschek! mußte dies wegen des Verhaltens des dort bc- schäftiqtcn Wirtschafters Lifka tun, dessen arbciler- freunmichcs Bcnchmcn am besten durch den Uni- stand charakterisiert ist, das; er im vorigen Wirt- schoftsjahre nicht lvcniger als acht Schlveizer aufgenomincil und enilasscii hatte. Da Püschcl die Kosten für einen Aiuvalt nicht ailfbrachtc, unterlag er in dem Prozesse. Er wurde mit deut Urteil des Bezirksgerichtes Lobositz, vom 18. Jun» 1927, zur Räumung seiner Dcvntatsivvh- ilung verurteilt. Trotz eifrigstem Suchen gelang cs ihm nicht, irgcndivo in Radzcin oder kn einer Nachbargemcindc für sich nnd seine Familic. die äußer seiner Fran, aus vier kleinen, unmündigen Kindern besteht, einen Wohnraum aufzntrciben. ES war ihm daher unmöglich, seine Wohnung zu räumen. Rücksichtslos mahlic die Gesetzcsmaschine weiter. Präsident Schicht brachte durch seine»» Vertreter am t. Juli 1927 nunmehr den Antrag ans ztvangsiveisc Räumung dcr Dcpntatstvoh- nung ein. Ta Puschel sich»nii amtlichen Bele« gcu auswcisen konnte, daß er noch keine Woh nung gefunden, mußte das Exckutionsrccht wie derum vo»t der ztvangsivciscu Räumung Abstand nehmen. Herr Präsident Schicht blieb hartnäckig, am 26. August 1927, stellte er neuerlich durch seinen Vertreter den Antrag auf Fortsetzung der zwangÄveiscir Räumung. Diese Rönmnng sand am 7. Septcnrbcr 1927, in 2lvwesenhelt dcs Püschel, der von dcr Räumung nicht einmal vorher verständigt»vnrde, natürlich in Antvescn- heit dcr Gritdarmeric statt. Die»venigcu Piövel- stücke»vurden kurzerhand in den Gcnicindcschup- sen in Radzcin eingestellt. Tic arme Frau»vnrdc mit ihren vier kleinen Kindern vom Torsgctvak- tigcn und Vorsteher an ihre Hcimatsgcincindc verwiesen. Es ist so in letzter Zeit das einzige Auskuuftümitlei, bei de» immer mehr überhand nehmenden Wohnungscxekutionen gctvordcn, Wohnuiigslosen an seine Heimatsgemeinde verweisen; die mag sich dann kümmern. ihrer Heimatsgemeinde Türmitz»vandte sich Fran mit ihren Kindern au das Stadtamt, vas ihr notgedrungen, da die Frau doch nicht weiter auf dem Pflaster liegen bleiben konnte, eine Not wohnung znwciseu mußte. Schließlich bleibt noch envähuensivert, daß Herr Präsident Schicht in feinem Anträge an das Bezirksgericht nicht ver gaß, anzuführen, daß Arbeitskräfte zum Hinaus werfen, Pardon! zur Räumnng. beigestelll»ver den. Nm den Abtransport der Möbel dcs Püfchel in die Heimatsgemeinde, kümmerte sich niemand. Ein Reichsvcrband der Kriegsbcfchädiglciior« ganisationcn. Am I I. September fanden sich in Prag die Vertreter der Drganisalion der tsche choslowakischen Verbände der Kriegsbeschädigten, und zwar die„Dru/.iua", mit bcm Sitze in Prag, der Bund der Kriegsverletzien, Wiliven und Wai seil, Sitz Rcichrilberg, der Verband der invaliden Legionäre mit dem Sitz in Prag, der Verband der l schechaslotva l i sch en invaliden Offiziere in Prag, der Verband der Lsichechisäilui christlich-sozialen Invaliden in Brünn, der Verband der Witwen und Hinterbliebenen nach Reserveoffizieren in Prag auf Grund der Einladung de des der invaliden Offiziere zusammen. In dieser wurde dieser Organisationr»» beschlossen und wurde eine gemeinsame Exekutive eingesetzt, mciisetzr ans je zivei Vertretern des Bundes der Kriegsverletzten Vertreter der übrigen Verbände. torische Selbstäildigkeit der bleibt gewahrt. Dcr wechselt und beginnt aus dcr stärksten Organisa tion der„Trnüiua" nnd gehl nach einen» halben Jahre über auf die nächst stärkste, den Bund der xttiegsverletzte»» ns»v. Ausiiahliiüiveise lvurde! geleisteten Kraiikenversicherungsb.'iträge für das erste halbe Iah»: der Vertreter der inva-' zurncken. Im badischen Landtag aber sitzen di Kampstnüöigkeit fand die Ertlärung dafür in der Mechanisierung| der Mc»>scheu, die allen Elan nnlerbiude. Die Amcrila und Asien geschrieben. Meckjanisierung werde erzeugt durch„das lau- er auch einmal eine sende Band", die Intensivierung und Entperiöu- Eine ganz lohnende Aufgabe. Aber Holitscher wird "' l durch die Ratioualisierung. sich bemühen luüsseit, nicht stets mit dem gleichen die Parieidiszipliu/ die»vie ein naive»!„Vergnügen" jede Milteilniig zur Kennt- Aatürlich denkt Holitscher nur alt j»iS zu nehme»,»vie jeuc des lschechischeil Dsle« I y»*»»»«•*»*v; vvv nuviiiiiiiviniu n vi -„Liga für Meuschenrechtc". über die er freudig j einem Interviewer des Blattes dc'r agrarischkapitalistischen Regierung, der„Prager Presse", erzählte:„Tie Liga habe in der Republik we»»ig zu tun; geschehe cllvas.»vas ein Einschreiten der >Liga erfordern könnte, dann macht! die Reg.erung selber Ordnung." Sie sperrt näntlich die Ord- nuiigsstörer ein. Seine kominunistischeil Freunde I»»'erdcit cS Herrn Holitscher bestäligeu, 'Arthnr Holitscher bekam vielen Beifall. Teile, »veil es die gutbürgerlichcn Zuhörer frrme, daß ei», Dichter die sozialdemolraiischcn Führer „Gelbe" und ,Iöonzen" nannte nni> ihnen dainil aus dem-Herzen sprach,— teils,»veil sie gelvöhnr j sind, jedem Voriragenden Beifall zu klailchen: Rabindranalh Tagorc, dem Bischof Frind, jedeni Philosophen^ jedem Theosophen, jedem Dichter und also auch Arihur Holitscher. Veranstaltet»var der Vortrag von der„Internationalen Arbener- Hilse", die mit dieser und den in der Provinz sol- gcnden Versammlungen die kommunistischen Gc- utz.'iudcwahlvcrsamiiiluiigcu eröffnete, zugleich gutgläubigen Sozialdemokraten vffeitbarcnd,»vie eine Organisation„neutral" und ooch kommunistisch sein kann. I. H. tcn die Wogen da« ! viele der Ecdbebenlalastrophc Beilpssenen weide» mittel verabreicht nnd ärztliche Hilse geleistet. Tie ordenlliche Gcnerolvcrsainmlung der Pan- j cukcvöifchrn Union in der Zjchechejlrlvalifcheu Republik für das Jahr 1927 sind.'! Dicnsiag. den 27. Seplenkbrr, uni 1 Uhr»tacbiniilag» im Saale der Prager Handclc-tammer ftait. Um drei Uhr Bcr- sannicknngen der nationalen Sektionen. Freie'Antrag: find drei Tage vorher im Generalsckreiarialt Aenzeleplatz Nr.-19(Avion) einzureichen. Zutriti I nur mit Mugliedetarten. Freisprechung einer Kindesmörderin. Bon den Kepcnhagener Geschworenen wurde ein LOfährigeS 'Mädchen sreigciprochcn, d.i» sein ueitgobcuene» Kind durch Schuit'c mit dem Taichemucsfer in dcn Hais crniordet haue. Tie Verhandlung baue ergeben, daß das vom beschränkte worden»var. sämtliche Er Rieder MW-H, 11. Teptember 1927. Seite 8. St. Phil. Umlauft ..Trotz des Man- I Be weflu n# ohne Wei st, Arbeiterjugend schon bcs- und Wage», sondern bar- zieht, die Wohl den Geld- Herz voller Begeisterung Freiheitsideale. schwäche» des Gegners '' tärke nicht ver- Und die Stärke der agrarischen In- Fugend ohne Ziel. önr Rekchgtagttng der agrarischen Fugend in Saaz Hrimalforschmig «z ter StammlnmmiiersveNioe Aussig, im September. Herr Franz Josef U>n l a u s t, Doktor der Philosophie und Obmann der Arbeitsgemeinschaft für Heimatforsckmng in Aussig, also sozusagen Gc- iHichtSschrciber unserer engeren Heimat, hat ein Buch„Die Bürgermeister der Stadt Aussig vom Jahre 1788 an und ihre Zeit" heransgcgcbcn. Wir haben bisher die Arbeit der nationale» Heimatgeschichtsschreiber, für die sie Unterstützung aizj öffentlichen Mitteln verlangen und auch bekomme», nicht besonders kontrolliert. Man sah meist auf den ersten Blick, daß alles nach einer bestimmte» Tradition znrechlfrisiert wird, und haß die Heimatforscher darauf bedacht sind, die Frisur derHeimatgeschichte den alten, bürgerliche» Ztammbauinfaittilien und den dcutschnationalen ! und christlichso.zialen Professoren und Schuldirektoren, also, mit Berlaub zu sagen, der„geistigen Potenz Aussigs" gefällig zu gestalten. Tast bei solcher Rücksichtnahme die Objektivität zu kurz'kommt, habe» wir schon einmal naehgewiesen, als wir die höchst einseitigen Gemeindegedcnkbnchaufzeichnun- gen des christlicksozialen Sclmtdirektors Wagner an das Licht des Tages rückten. Gcwis; versucht ab und zu ein Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung die parteifarblose Wahrheit m ergründen, aber Ansnahnien bestätigen auch yier die Regel. Tas kritiklose H'mnchmen der Anfzeichnunge» unserer Heimatforscher betrachtet der Herr pbil. Tr. Franz Josef U m l a u f t als einen Freibrief, der Bevölkerung alles vorsetzen zu dürfen. Sein Buch über die Anssiger Bürgermeister ist, soweit «r selbst daran kontrollos gearbeitet hat, ein Erzeugnis für heil Allpapierhändler. Bei Beirach- mng desselben bekomnn man Mitleid ntil dem Material, das da verschtvendet wurde; denn eS enthält neben Unrichtigkeiten und Stilblüten, die einun Bürgerschüler in der zweiten Klasse zweifellos eine schlechte Note i>i der Unterrichtssprache einirageil würden, auch parteiische Darstellungen übelster Sorte. Ta es sich um ei»„Werk" handelt, das nicht von einem einzelnen Menschen, der nach schlechten Lesebüchern eben auch kein eiiHvand- srcics Gemeindegedenkbuch fertig bringt, erzeugt wurde, sondern hinter deni eine ganze Gesellschaft von Heimatforschern stehl, sollte eiger'tlich Aussigs tMteswelt nicht so gleichgültig bleiben. Das; ein Teil der Heimatforscher seiner Tätigkeit keinerlei Zchranken auferlegt und nach der Methode schreibt:„Greift nur hinein ins volle Menschen- lcben— tvo ihrs packt, da ist es interessant", zeigt das Buch des Herrn Obmannes der Gemeinschaft für Heiinatforschung nur zu deutlich. Bedauerlich ist in diesem Falle, daß d'e irnmerhin iverwollen Anszeichnnngeu Tr. Marians in so schlechte Umgebung egraten. Ntttt seien einige Proben ans dem Büchlein das„der Nachwelt Kunde geben soll vom Wirken und Schaffen edlen Ge- iiieinsinnes innerhalb der Mauern der deutschen Stadt Aussig" als Beweis der Berlästlichkeit des Nussiger Gc sch i ch t s sch re i brs und Stadtarchivars der M i t>v e l t aufgezeigt. Auf Seite 80 erzählt Herr do» der Kriegszeit und schreibt. v.» gels an NahruugSiNttteln und der vielfach beobachteten Unterernährung tv a r d e r G e s u n d» heitszustand der merk; in noch be auch die Abmagernng der allgemeine Erscheinnng Leite 88:„V...- tvisie Weinstuben besucht, d e n n Die agrarische Bewegung möchte mit solchen Aufzügen die Massenfeste der Arbeiterschaft kopieren. Bergebliches Beniühen! Es fehlt ihnen der kraftvolle Rhythmus und den Marschierenden fehlt das genieinsame Wollen und das gemeinsame Ziel. Wer je die Hinreistende Wirkung eines sozialistischen ReichSjugendtageS erlebt hat, die grandiose Wucht unserer Turneraufmärsche, die selbst den Gegner zur Begeisterung zwingt, der wird diese Leere doppelt empfinden. Eine starke Bewegung ist die Landjugendbewegung unbestreitbar, aber eine„,",-•- o h n e Ideale. Gewiß umfaßt sie arbeitötüch- lige strebsame junge Menschen, aber sie kann ihnen nicht mehr geben,, als engen Berujsstolz, verstaubte völkische Begriffe. Bauernkriege, Bauern- bofreiuug in allen Ehren. Aber wo ist eine Stellungnahme zu denl hcisten Ringen der Gcgcn- wart? Hans Kudlich soll man gewiß feiern, doch soll man nicht gleichzeitig zu de»t soziale» Frage» unserer Zeit den selben reaktionären Standpunkt einnehmen, wie die Gegner Kudlichs anno 1848. Ta gefällt uns unsere ser, die nicht mit Rost fützig;n ihren Festeit beutel leer aber das hat und den Kopf voll , Indem wir auf die Hinweisen, solleit wir auch seine schweigen. gcndbewegung liegt darin, dast sie in den Dörfern drauszen ein Monopol auf dem Gebiete der Geselligkeit besitz:. Der lebenshnngrige Arbeiterjunge und das abgeplagtc Kleinbauernmädel sind froh, wenn man sie beim Osterreiten, beim Tanzkränzchen und beim Maskenball mittun lästt. Für die arme Tienstmagd ist es ein große« Erlebnis, ivenn sie auf geschmücktem Erntewagen in die Stadt mitfahren kann und ihre Mutter ist so erfreut über diese,Ehre, das; sie am nächsten Wahltag als arme Häuslerin dankbar die Agrarzöllncr und Sozialverfichernngsfeindc wählt. Kleine und kleinliche Dinge spielen im engeit Lebenskreis des Torfes eine größere Rolle als die leitenden Ideen des Jahrhunderts. Und daß auf solche Weise nicht nur die agrarische Jugend, sonder» auch die Arbiter- und Kleinbauernjngend des Dorfes im konservativen, antisozialen Sinne erzogen wird, das birgt für die Zukunft eine große Gefahr in i Sozialisten erwächst daraus eine gewaltige Ausgabe. l nniig zu tun, die noch heute in den Seelen der Eltern traurige Erinnerungen wachrufen, die ge- lvist ein wichtiges geschichtliches Ereignis bedeuten, schreibt er einen einzigen, nichtssagenden aber un- richligen Satz hin. Das Denkmal für die Kriegsopfer am Friedhof läßt er auf Gritnd eines Beschlusses des Stadtrates mir 20. Feber 1917 erstehen, obwohl zwischen diesem Beschluß und dem Zeitpunkt der Errichtung des Denkmals die Kleinigkeit des Politischen Umsturzes steht und sich die im Jahre 1919 gewählte Gemeindevertretung um solche Beschlüsse nicht im mindestens zu kümmern hatte nnd auch nicht kümmerte. Tast die am 6. Novemlvr 1918 geschaffene OrtSstellc für Arbeitslosenfürsorge keine Arbeitsgelegenheiten schaffen konnte, und daß Herr Krebs im Jähre 1920 nicht Abgeordneter nnd Gen. Beutel nicht Senator war, sollte ein Geschichtsschreiber mich wissen.. Dieser schülerhaft-schlanipigen Darstellung ist der Stil angepaßt. Wenn Herr Dr. Phil. Umlauft die tschechischen Rameu nicht richtig schreibt, kann man das verzeihen, obwohl man an einen Geschichtsschreiber, der ein Buch verfaßt, höhere An- fordernngeu stellt, als an einen Lokal blattredak- teur. Weniger verzeihlich sind aber folgende Sätze: „Die Zahl der Eheschließungen war zu Kriegsbeginn verhältnismäßig groß lKriegstrauungen), während des Krieges aber außerordentlich gering und die Folge davon war der spärliche Nachwuchs an Kindern, was seit dem Jahre 1920—21 die Zusamineuziehuug und Auflassung der Schulklassen zur Folge hatte."(Seite 86.) Oder:„Bei all der großen Not gab es aber doch auch Leute, die sogenannten Kriegsgewinnler und Schieber, die Lebensmittel fiir jeden Preis an- kanften und ein schtvelgcrisches Leben führte». Die meisten mußten froh sein, wenn das stundenlange„Anstellen", das oft schon in der flacht begann, bei der Milchhalle, Mehl- nnd Zncker- ausgabe einen Erfolg hatte."(Seite 80.) Oder „Recht nnatlgenehin tvurde der Mangel an Seife nnd Waschmitteln empfunden, weshalb im Septeniber 1917 auch Seifenkarten eingeführt tvaren."(Seite 85.) Es ist schon richtig, daß die armen Leute damals Seifeukarten aber keine Seife bekamen, aber der Herr Dr. Umlauft meint das sicher anders. Das sind mir Proben. Der deutsche Sprachverein in Schreckettstein, der bisher die Aufschriften au Geschäften und Kiindmachilngstafeln kunstgerecht sezierte, wird sicher noch mehrere Beanstäuduugstafeln zu machen haben, tvenn er das Buch einer strengen Prüfung unterzieht. Das wird er hoffenkich tun, denn er könnte es»licht verantworten, ivenn Aussig sprachlich einwandfreie Firmatafeln, dafür aber unt so mangelhaftere Geschichtsbücher hätte, die noch dazu den Kindern in deii Volks-, Bürger- >md Mittelschulen als Lehr- und Lernbehelf in die Hand gegeben werden. Diese Erziehungsarbeit kann auf Erfolg rechnen; erfolgloses Beginnen tväre wohl der Versuch, aus dem Obmann der Arbeitsgeineinschaft fiir Heimatforschung einen objektiven, gcwifseichasten und ernst zu nehmenden Geschichtsschreiber zu machen.-zl. Bevölkerung i m- r i e d i g e>> d,>v e n n Leute eine iv a r", und ,Äm besten waren das Kino und ge- durch die Äuszahlung der U»terhaltSbeitrage fü r die ring c r ii ck! cn M Sune r, waren manche leichtfertige Frauen i» der Lage, sich ans ihre Weise zu vergnügen". Zur iinkenntniS der wirklichen Perhältnisse eine Beleidigung! Denn, daß der Herr Heimatforscher Dr. Phil, Umlauft an die Ossiziersdamen dachte, als er den Satz von den „leichtfertigen Frauen" niederschrieb, ist kaum an- zunehinen, obwohl dieselben geiois; noch in greifbarer Nähe sind. Gedacht hat er dabei an die „U n t e r st ü tz>l n g S iv e i b e r", die von der bürgerlichen Prcßjottrnaille schon während der kricgszcit beschimpft ivnrdeu. Getroffen sind damit die Arbeiterfrau e n, die von Kummer, Rot nnd Sorge gegiiält und hungrig in langen Reihen vor de» Geschäften standen, um ein Achtel lsilo Mehl>i»d ein halbes Brot zu bekonnnen, die bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft halbe Tage lang um die paar Kronen Unterstützung Marten mußten, in steter Angst um ihren Ernährer inr Felde, um ihre Kinder, während die bessere Gesellschaft noch immer im Ueberflnst schwelgte. Ja, es gab schon Festgelage in Anssiger Weinstuben und Privathänsern mit„leichtfertigen Frauen", über die manches zu erzählen wäre, aber die meint Herr Tr. Umlauft sicher nicht. Die stolzieren heute in allen Ehren herum und der Heimatforscher wagt sich nicht an sie heran. Aber auf dir„Weiber", die manchmal dein furchtbaren Druck, der auf ihnen lastete, durch ein weniger freies Wort Lüft machten, die mit ihren Kindern in her Volksküche oft ivie die Schweine abgefütiert Murdcn, nicht in die Weinstube gehen konnten, Meil die Unterhaltsbeiträge nicht einmal fiir das Alernotwendigste reichten, lver wird auf sie Rücksicht nehmen? Ter Satz hätte dem Herrn Dr. Umlauft vielleicht als Mitarbeiter der seligen Russig.-Karbitzer-Bolközeitnng Ehre gemacht, für bas Buch ist er, auch als nngewollte Entgleisung, rin Schumtzsleck. Noch einmal leistet sich Herr Tr. Umlauft ritte ähnliche Wendung. Auf Seile 93 berichtet er, »ast sich die„breiten Massen der Bevölkerung".in brn Jahren 1918 und 1919„hauptsächlich dem Sonntag fand in Saaz eine Reichstag gu»g der agra ri schen I»ge nd, verbun den mit einem festlichen Aufzuge statt. Der in der landbündlerischen Presse erschienene Verhand- lnngsberichi läßt nicht erkennen, was auf dieser Tagung alles gesprochen nnd verhandelt wurde; nur soviel ist zn erfahren, daß in den Referaten nur Erwachsene zn Worte gekommen find, wie ja auch die„Landjugendsührer" durchwegs gesetzteren Altersklassen angehöre». Tas El»rrak- teristiknm dieser„Ingendbewegung" scheint also zu sein, daß die Fugend darin überhaupt nicht zur Geltung kommt und dazu verurteilt ist, sich bis zum heiratsfähige» Akter von Berufenen und Unberufenen sckmlmeislern zu lassen. Ter hohe Wert der geistigen und organisatorischen Selb st- b e t ä t i g u n g der Jugend ist bisher nur im Lager der Arbeiterschaft erkannt.worden. Wie die Perhandlungen der Reichstagnng, so sollte auch der anschließende Festzng die geistige Dürftigkeit der Landjngendbewegnng offenbaren. Die Erwartungen waren reichlich hoch ge spannt. Ein in den Slrastcn verkauftes Fcstzugs Programm zählte 77 Bilder aus dem Bancrn- leben in Vergangenheit nnd Gegenwart auf, die das neugierige Publikum zn sehen bekommen werde, darunter, eine Reitergruppe, wandernde Germanen, Banerngericht, Bauernheer, die Dauernbcfrcier Josef II., Kudlich, Reiffeisen, bäuerliche Arbeitsgeräte aus alter nnd neuer Zeit, landwirtschafiliclie BerusSgrnppen, gewerb liche Zünfte, ja sogar die sagenhafte„Tvrstieiuein- schast" sollte man zum erstenmal in lebendiger Darstellung sehen. Ter Umzug selbst brachte eine schwere Enttänschung. In kaum einer Viertel stunde trabten Reiter und Fußgänger vorbei, roll- ten die geputzten Wagen dahin und— ans wars. Hätte nicht mitten in einer Hopfenpflückergruppe eine alte Frau mit dem Doppelliler Bier in der .Hand Anssehen und Heiterkeit erregt, so wäre die reichlich erschienene.Zuschanerschast ganz kalt ge blieben. Biele der Bilder, obwohl an ihnen zweifellos viele Mühe nnd Arbeit vertan wurde, nahmen sich reichlich kitschig an«. Tie„wan- derndeu Germanen" kamen sich offensichtlich in ihrer harmlosen Wildlieit komisch vor, viele der braven Torsbnrschen nnd Mädels mochten sich in den historischen Kostümen recht unbehaglich füh len, in die sie ein deutschiumelndcr Oberlehrer fsich. Für die jungen gepreßt hatte. Taumel des Vergnügens Hingaben", nnd glaubt das mit dem Hinweis auf die Tanzunterhalliingc» hinreichend zn begründen, bei denen„die jungen Leute das Bedürfnis befriedigte», iiachzuhvle», was sie im Kriege versäumt haben". Herr Tr. Umlauft hätte es sehr nölig, sich eine andere Brille auzuschaffen. Ter Herr Heimatgeschichts forscher findet es auch fiir wichlig, ans Seite Kl zu berichten, daß das„Berauben" der Kirchen durch Wegnahme der Orgelpfeisen nnd Glocken „die Bewohner unserer Stadt und Törfer mit Bitterkeit nnd Wehmut erfüllte", daß„die Tele pathen Kara Jki nnd Bellini großen Zulaus hatten", er hält es aber nicht für notwendig, einiges darüber zu sagen, wie die arbeiten de Bevölkerung unter de in K r icgs- leistungsgesetz nndder h e h ö r d l i ch e» Knute seufzt e.„Tic Leute waren eben glück lich, dast ihnen gestattet wurde, aus den Fugen der Waggons die verrollten Erbsen nnd Linsen heranskratzen zu können"(Seite 87!). Tie großen Kundgebungen nnd sonstigen neinienSlverteji Ereignisse hält Dr. Umlauft in allherkömmlipier Art fest und:eigt so seine Fähig keiten zum bürgerlichen Geschichtsschreiber. Er nennt bürgerliche Redner und verschweigt die Red ner der Arbeiterschaft; anch dann, wenn es sich dabei um bedeutendere Kundgebniigen handelt; er nennt die Namen der bürgerlichen Leiter von Ein- richtungeu und Körperschaften, aber nicht ihre sozialdemokratischen Kollegen, während er nicht vergißt, den bürgerlichen Stellvertreter neben dem sozialdemokratischen Leiter zn nennen. Es wird sich keiner der vom Herrn Stadtarchivar in die Versenkung fallen gelassenen Arbeitervertreter darüber anch nur im mindesten anfregcn, weil der Geschmack verschiede» ist, es soll»nr registriert werden. Natürlich wurden die Kaiser, Könige und Fürsten nicht zur Abdankung gezwungen oder gar verjagt, sondern„sie stiegen von den Thronen", und der österreichische Staat hatte aufgehört zu bestehen, als bei den Aemlern und Tabaktrafiken in Aussig die Adler abgenvmmen ivnrdeu. (Seite 92.) Die Geschichte, die der Herr Tr. Umlauft da geschrieben hat. weist auch Unrichtigkeiten ans. Tie Anssiger, die int Jahre UM7 infolge der großen Kälte litten, wissen nichts von den Wärmestttbeu, die nach Angabe des Heimalforschers Umlauft, auf Seite 85 seines Buches, in Aussig errichtet wurden. Im Jahre l 9> 9 lästt Herr Dr. Um lauft ganz eigenmächtig„zahlreiche arme und unterernähr'-! Kinder unter Führung von Lehrern nach Oberösterreich und Ungar» als„Kind zu Gast" auf Erholung wandern.(Seite 91.) Die gesamte Bevölkerung Aussigs weist, das; eü im Jähre 1919 gar nicht mehr möglich war, Kinder nach Ungarn zn schicken, weil doch im Herbst 1918 das alte Ungarn znsammcngebrochen, zum Teil aufgeteilt, der Rest eine selbständige Republik war, deren Regierung andere Sorgen hatte, als Kinder ans Dentschböhinen zu Gast zu nehmen; nur der Herr Heimatforscher und Geschichtsschreiber weiß das nicht. Anstatt mit einigen Sätzen jener furcht baren Kindertodesfahrle» nach Ungarn Erwäh- BolkswlrWast. Aus dem nordmShrlfchen Baugewerbe. Der Lohnfchiedsspruch für Nordmähren und den Schonhengstgau gefällt. Nach langwierigen Verhandlungen, wobei dreimal' Vertagungen angcorduet werden mußten, fällte das Brünner Lohnschiedsgericht am 8. September l. I. die Entscheidung über die eingebrachte Lohnklagr de» deutschen Bauarbeiterverbandes, gegen die Organisation der Baumeister des Schön- hengstgaues und der Genossenschaft der Baumeister in Olmütz. Die nordmährischen Baumeister, die die elendste» Löhe ihren"Arbeitssklaven.zahlen, jedoch mit den Baukosten jenen Bezirken gar nicht nachstehen, wo weil bessere Löhne bezahlt werden, sind diesmal schlecht weggekommen, da das(h)e richt erkannt hat, daß in diesen Bezirken wirklich Hungerlöhne bezahlt werden, die in der ganzen Republik nicht ihresgleichen fittden. Obzwar das Urteil den Forderungen der Bauarbeiter nicht ganz entspricht, fo ist eS doch beachtenswert, schon deshalb, weil selbst ein tschechisches Gericht die deutschen Bauunternehmer zur Zahlung hülierer Löhne verhalten must, tveil die de»!scheu„Brotväter" über die Forderungen ihrer Arbeiter kaltblütig zur Tagsordnnny übergegan- gen sind. Ja diese Herren haben noch die bodenlose Frechheit zu erklären, daß die Mehrzahl der Bauarbeiter, ininderqualifiziert, zu deutsch Prant- sclier sind, die sich nicht einmal die gezahlten Löhne verdienen obzwar die Herren bei der Betverbung stets erstklassige Arbeit offerieren. Das Lohn- zchiedsgcricht war anderer Auffasiung und hat außer den Arbeitsbedingungen auch die Löhne fest- gesetzt. Für die Gerichtsbezirke M.-Schönberg, Wiesenberg, M.-Altstadt, Sternberg, R o in c r st a d t nnd Z w i t t a u wurden folgende Löhne festgesetzt: Lohn K a t e g o r t c per Stund« KG Ku Maurer im 1. Jahre nach der Auslehre 2.70 bis 3,_ Maurer im 2. Jähre nach der Anslrhre 8.-„ 3.80 Für alle anderen Maurer 3JK„ 8K0 Zimmerer int 1. Jahre n. d. Anslrhre 2.80„ 3.10 Zimmerer!m 2. Jahre n. d. Auslchre 3.10„ 3.41) Für alle anderen Zimmerer.... 3.65„ 3.90 Fassademaurer 4.10„ 4.50 Maurer- nnd Zimmerervorarbeiter 4.20 Betonarbeiter .3.50 Hilfsarbeiter über 18 Jahre alt... 2.50 Arbeiterinnen und Jngendlichc... 2— Für die Gerichtsbezirke M.-Trü bau, M.- Neu stad t, Müglitz, Schildberg und Stadt-Liebau gelten nachstehende Löhne: Kategorie Lohn per Stunde Maurer int I. Jahre nach bei Auslchre Maurer im 2. Jahre nach der Auslchre Für alle anderen Maurer Zimmerer im 1. Jahre n. d. Auslchre Zimmerer int 2. Jahre n. d. AnSlehre Für alle anderen Zimmerer.... Fassademaurer Maurer- und Zimmerervorarbeiter.. Bctonarbeiter.. Hilfsarbeiter über 18 Jähre alt... Arbeiterinnen und Jngcndlichc... KG Ke 2.50 bis 2.70 2.80 3.10 3.20„ 3.50 2.60 2.80 2.90„ 8.20 8.80„ .3.60 4.10„ 4.50 4.20 8.30 2.40 1.80 Die Lohnerhöhung beträgt demnach 25 bis 80.Heller per Stitnde und die Löhne gelten ab 12. September 1927 bis auf weiteres. Nach be- kanntgewordenen Aeußerungcn der Unternehmer wollen sie deit Schiedsspruch ignorieren und die sogenannten„Patzer" entlassen, die ihnen durch Jahre hindurch ihre Taschen füllen halfen. Die Bauarbeiter werden daher klug handeln, wenn sie jetzt schon die notwendigen Vorarbeiten(reffen, unt den nordmährischen und Sckiönhengstgatter Baumeistern, die bei Gericht mit den bekannten „freiwilligen" Unterschriften der Arbeiter und mit Bleistift geschriebenen Originallohnlisten gegen die Bauarbeiter operierten, zu jeder Zeit entsprechend entgegentreten zn können. Auch soll der Oeffentlichkeit das OleständniS der Baumeister nicht vorenthalten werden, daß sie die Bauten mit der Bedingung übernommen haben, daß bei einer eventuellen Lohnerhöhung die Bauherren nicht mehr zu bezahlen haben, als nrit ihnen vereinbart worden ist. Damit ist der Belveis erbracht, daß di« Baumeister die Lohufor- dernng der Bauarbeiter, die ihnen schon feit oem Frühjahr bekannt Ivar, schon in ihre Kalku- lat t o n e i n b e z o g e n haben. Infolgedessen darf der Baumeister von stinem Bauherrn auf Grund erfolgter Lohnerhöhung keine Mehrzahlung verlangen. Die Aenßernng des Herrn Jakob Swatek ans M.-Trnban, daß die Lohnschiedsgerichte nur bis Ende 1928 dauern und es dann wieder anders kommt, beweist, daß die Baumeister ohne Kampf nicht leben könne» nnd die Banarbeiter lverde» sich darnach einzurichten wissen. Devpenlurle. Prager Kurse am 13. September. 100 bolländisckie Gulden 100 Reichsmark 100 Belgas 100 Schweizer Franks. 1 Pfund Sterling.. 100 Lire 1 Dollar 100 französische Franks 100 Dinar 100 Pengüö 100 polnische Zlotp•.. 100 Schilling 7..... (Selb 1.440.55 800.55 408.12'/, 649.12"- 16B.40 152.02'-- 88.00 181.72"- 59.10"- 588.87"- 876.75 474.85 Mar« 1855.56 804 55 471.18", 052.18"- 164.00 184.82"- .18.90 138.98'» 69.69'', 591.87", 878.75 477.85 Ute C Sozialpolitischer Stillstand. Die Aröeitslosenversicherung im Auslande und die Arbeitslosen« unterstlihung bei uns. Gerichtssaal. Darf ei« Angestellter die Geschäfts- briefe öffnen? Bor den, Brünner G e w e r b e g e r i ch I ftmd kürzlich ein Prozeß statt, dessen Abschluß vor dem Lmrdesgericht als Bernfuugsgericht für die Beamten und Angestellten von weittragender Be> doutung ist. Die Privatbeambin einer gewissen Firma öffnete in der Früh ans Wunsch ihres Chefs die einlangenden Geschäftsbriefe und teilte ihm deren Jn- HM telephonisch in seine Wohnung mit. Nun geschah es ornnral, daß sie die Geschäftsbriefe öffnet«, ohne von ihrem Ches dazu den besonderen Auftrag erhalten zu haben. Sie lat es in der Meinung, daß sic dazu berechtigt tväre. Der Dienstgeber tvar jedoch anderer Mornuug und entließ die Angestellte auf der Stelle, ohne die gesetzliche Kündigungsfrist einznhallen oder sie für diese Zett zu bezahlen. Die Entlassen« strengt« «gen den Chef die Klage ans Zahlung des Gehaltes str di« Zeit der gesetzlich vorgeschricbencn Kündl- gungdfrist an. Das Gewerb.'gcrickzt verurteilte den Dienstgeber zur Zahlung des Gehaltes. In der Urteilsbegründung wurde erklärt, daß man Im Ocffnrn der Geschäftsbriefe höchstens eine U e b e r l r e t u n g der gescliSMichen Disziplin, keineswegs aber einen Verstoß gegen die Vertrauenswürdigkeit erblicken könne. Tin Vergehen gegen die Ordnung fei jedoch kein Grund zur Kündigung. Gegen dieses Urteil legte der Chef Berufung ein. Das Landcsgericht Brünn als BernfungS» gerichi hob das erste Urteil auf und wies die Klage der Beamtin auf Ausbezahlung ihres Gehaltes mit der Begründung ab, daß das Ocffucn von Geschäftsbriefe» ein Verstoß gegen das Gesetz soi und zur sofortigen Einlassung berechtige. Man wird trotz dieser letztinstanzlichen Ent- scheidung mit dieser Urteilsbegründung kaum ein« verstanden sein, wcil Im vorliegenden Falle daS frühere Ocffncn der Briose die Beamtin sehr leicht dazu veranlassen konnte, die Post auch ohne besonderen Auftrag der Chefs ans Geschäftsinteresse zu öffnen und sic ni gntcni Glauben gehandelt haben konnte. Jedenfalls ist der Fall aber fiir alle Ange» stellten sehr wichtig. guhiilter und„nationale Befreiung". Leipzig, September. Der Znhörerraum gerammelt voll, Spannung bis anfs höchste gestiegen, cS steht eine große Sache an, groß allerdings mir für die dann enttäuschten Sensationslüsternen: Kuppelei. Die Verhandlung wird eröffnet, die Anklage- schrift verlesen, prompt wird die Oofsentlichkcit ausgeschlossen, dir Presse kann aber bleiben. Angcklagt ist ein kleiner, gut bürgerlich seriöser Angestellter, der im Kött würdevoll Platz nimmt. Vor ein paar Monaten ging er einmal ans dem Hanptbohnhos spazieren, wollte„was erleben", lernte im Wartesaal ein junges Mädcl kennen, ging mit ihr spazieren, nahm sic mit nach Hanse. Am nächsten Tage steUle sich heraus, daß sic ein Straßcnmcidel war, frisch eingewandcri ans Halle. Er behielt sie bei sich, kaust« ihr auch ein Paar Schuhe, wurde arbeitslos und schickte das Mädcl ans den Strich. Ter junge Mann, vorher in edler' geistiger Einfalt Mitglied zahlreicher RechlSvrganisalionen, wird Zuhälter. Seine„Tätigkeit" gefiel ihm auch ganz gut, wenig Arbeit, eine„gesicherte Existenz", Zeit für seine national-völkilchcn Propagandalonren durch die diversen Kneipen und Wirlslokale- Eine Meile ging die Sache ganz gut, doch wie das Mädel heimischer in den gastlichen Gefilden der Messestadt Leipzig winde, begann sic sich z»„emanzipieren". Sic suchte sich neben ihren Bcrnssbckannischaftcn noch andere Frennde. denen sie nicht nnr von ihrer Liebesfähigkeit Beweise, sondern auch von ihrem Erworbenen manche Mark abgab. Jetzt kommt die große Wandlung im Verhältnis der beiden. Bis dahin hatte es gut bürgerlich bestanden; sic vcrdienlc, er leitete den 'Haushalt, besorgte Nahrungsmittel, bekümmerte sich um die Wäsche. Auch eine Sparbüchse war gekauft worden, als sie voll war, wurde ein Bankkonto angelegt. Abends ging sic ans den Strich und er machte in nationaler Wicdcrgesnndnng TcnlschlandS. Das Mädel begann sich also auch mit anderen Zuhältern— denn ter junge Mann und nationale Held war das inzwischen geworden— anznfrenndcn, die Miete wurde nicht mehr prompt bezahlt, zum GlaS Bier langte cs nicht mehr; Wirtschaftskrise in der völkischen Bewegung. Was war da zu machen, sollte er wieder arbeiten? Nein, das vertrugen seine Ideale nicht mehr, das halbe Jahr Drohnenexistcng hatte schon genügend ans ihn cingrwirkl. Wie, wer, ivas denn? Wenn ein Geschält nicht mehr geht, muß der Firmcninhabcr rationalisieren. Der Rcchtsput- schbst und Znhältcrelcve hatte cs leichter, er prügelte solange, bis er Geld bekam. Das„Geschäft" ging nun wieder, er wurde fröhlich und konnte wieder wohlgemut auf die Jndenrepnblik schimpfen. Bis eines Tages der große Schlag kam, er Verlobte sich mit einer anderen und heiratete auch. Den Geschäfts, betrieb hielt er aufrecht, cs mußten doch damit die Einrichlnngskostcn für das neue, erst zu erwerbende Heim des jungen Paares verdient werden.„Die christliche Ehe ist die Grundlage der Kultur und deS Staates", so heißt cs wohl irgendwo.— DaS Geschäft ging gut, die Frühjahrsmesse war eine goldene Zeit. Der junge Mann dirigiert« den ganzen Verkehr, stand a»f der Straße, lvenn sein Mädcl „Freier" anqüatschte, beschützte sie vor der lästigen ausländischen Konkurrenz ans Berlin, lvartcle vor seiner Wohnung b's die Angelegenheit erledigt war und leitete dann den Wiederausmarsch der Streitkräfte in das Kampf- und ErwerbSgeläude. Ekles Tages steckt das Mädcl einen Mann.an, der Strafanzeige erstattet.. Es erfolgt polizeiliche Vernehmung, in der sie von ihrem Freund und„Be- schühor" erzählt. Die Staatsanwalt'ichasl leitet ein Verfahren wegen Kuppelei und Zuhaltcrei ein. Vor Gericht versteht der- nationale Jüngling die Well In den ersten Jahren des Bestandes der Ischechoflolvakischcii Republik haben Regier,»lgs- kreise bei ihrer Auslandspropaganda stets darauf hingewiefe», daß die Tschechoslowakei in der sozialpolitischen Gesetzgebung der Nachkriegszeit an der Spitze marschierr. Wenn uns die Negierung des Bürgerblvcks noch lanigc erhalten bleibt, wird bald das Gegenteil wahr sein, die Tschecho- slowakei lvird nänrlich nach und«ach,>vas ge« wisse sozialpolitische Einrichtungen betrifft, eines der r ü ck st ä n d i g st e n I n d u st r i e. lau der. Daß diese Entwicklung eintritt, kann inan augenblicklich an dem Stande der A r» b e i t s l o s e n f ü r s o r g e seihen. In Deutschland ist vor kurzer Zeit ein neues Gesetz über Arbeitsvermittlung und Ar« beitsloscuversichernng veröffentlicht worden, welches am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft tritt. Der Träger der Arbeitslosenversicherung wird die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar« btzilslosenversicherung sein, die finanziellen Mittel werden durch Beiträge der Arbeitgeber und Ar- beitnehiuer, und zlvar je zur Hälfte aufgebracht. Sogar in G r i e ch e u l a n d, einem Lande, das ja in der industriellen Entwicklung hinter der Tschechoslowakei weit zurück ist, wurde dem Ab« geordnctcnhaus ein Gesetzenttvurf vorgelegt, wel. eher die Einführung der obligatorischen Arbeitslosenversicherung für Angestellte, Arbeiter nnd .HauSgehilfcn bezweckt. Ebenso arbeitet in Lettland die Regierung, einem Beschluß des Parlaments entsprechend, einen Gesetzenttvurf ans, lvonach die odl'gatorische Arbeitslosenversicherung auf alle der Krankenversicherung unterstehenden Personen ausgedehnt werden soll. Ueberall ist also die Arbeitslosenversichernng auf dem Vormarsch mrd verdrängt alle andcrcn Methoden der ArbeitSloscnsnr,sorge. Jin der Tschechoslowakei gibt mass Jahr nm Jahr weniger für Arbeitsloseuunter« tiitzung ans, cs besteht das Bestreben, die Ar- bcitsloseuuntcrstütziing auf das geringste Maß zu beschränken. 1923 betrugen die Ausgaben für die Avbeitlolcininterstühniia 882 Millionen. 1824 nnr noch 148 Millionen, 1928 fast 28 Millionen nnd im Voranschlag für 1927 zehn Millionen. Selbst von den Arbeitslosen, die von der amtlichen Statistik erfaßt werden, tvcrden n n r ungefähr ein Drittel unterstützt. So l?at cs im Mai 52.470 Personen gegeben, die sich bei öffentlichen ArbeitsvermittlungSstellen bewarben und nicht nittcrgebracht lverden konnten nnd nnr 18.058 haben eine Unterstützung bekommen. Rach nicht mehr, bestreitet alle?, gibt dann wieder zu, hält aber sein Tun für einwandfrei. Er erzählt von einen Verdiensten jür das Volkstum, schimpft über die„semitische Sittcnvcrwildcrung", Zoll nm Zoll ein nationaler„Befreier".— Da das Gericht die Aussagen der Prostituierte» nur teilweise für wahr hält, wird er nur zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er zieht empört ab, der RcchtSradikalismuS in ihm hat einen nrucii Antrieb erhalten. Arbeiterrisiko. Prag, 13. September. Die Gemeinde Prag läßt in KrL bei Prag ein ZcnttawersorgnngShcim ans- führen. Vorläufig Hal der Pau dieses Heims nicht sehr viel Bedürftigen und Armen Gutes gebracht, dagegen haben em paar Arbeitern durch den Leichtsinn nnd die Schlamperei, die dort beim Baue zu herrschen scheinen, ihr Leben eingcbüßt. Vor dem Bane tvar auf der Straße eine sumpfarligc Pfütze, daß cS fast nmnöglich war, die Straße zu passieren. Am 23. Oktober 1920 büßte ein Arbeiter, namens Johann Wagner, diese mangelnde Instand- Haltung mit seineni Lebe»; er wurde von einem Auto nicdcrgestoßcn, wcil er nirgendshin ausweichen konnte. Am 31. August 1920 sollte eine Telephonlinie gelegt werden. Bei einer Krcnznngsstclle mit anderen elektrischen Drähten kamen tvieder zwei Arbeiter, Gottlieb Hruby nnd Karl H a ö r k, ums Leben, zwei andere Arbeiter wurden durch die Drähte lebcnsgefählich verletzt. Staatsanwalt Tr. P a p i k hatte mit Recht eine mehr als sechs Seiten umfassende, eingehende Anklage mit allen Gründen des Gewerbcinspektoratcs für Banarbeitcn, das von einem sträflichen Leichtsinn spricht, erhoben und so hatten sich heute die Telegraphenmontenre Franz K o l a k und Rudolf 6 e r n o h o r s k y als die verantwortlichen Aufseher bei dieser Arbeit tvegcn des Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens, 8 835 des StGB., zn verantworten. Ans der Anklage ging ferner hervor, daß sich da^ Elektrizitätswerk vorher crbötig gemacht hatte, den Starkstrom für die Zeil der Arbeit miszuspanncn und daß trotz einer früher erfolgten Mahnung von dem Anbote des Werkes ans sträflichem Leichtsinn kein Gebrauch gemacht wnibc. Der Senat Unter deni Vorsitze des OLGR. H l o n 8 c k verurteilte die beiden Angeklagten sehr milde, jj ii drei Monate n einfachen Ar- rcsteS l-cdingt ans. zwei Jahre. Kleine Chronik. WohnungSelend in Großbritaniilen. In den letzten drei Jahren sind in England über 300.009 Wohnungen»en gebaut worden, abn diese Neubauten kommen tvegcn der teuren M'c preise nur znni geringsten Teile der nnbemittclten Bevölkerung zugute, die in den sogenannten„slumö"(Elendsvierteln) lebt. So wird nach angcsrelltcn Almersnchnngen das WohnungSelend in den ärmeren Wohnvierteln Lo ti lg Wochen ist der'Arbeitslose ausgesteuert, er sicht dem Nichts gegenüber, her Kurzarbeiter, der nur einrn kleinen Teil seines normalen Verdienstes cinninunt, bekommt überhaupt nichts. Das gegenwärtig in Geltung stehende Gesetz über den StaatSznschuß zur Arbeitslofemniter- stütznng weist außer diesem Mangel noch eine ganze Reihe anderer Fehler a»tf. Die Gewerk- sckpinen müssen vermehrte Vertvaltttngsarbcit in Kans nehmen, die höhere Ausgaben verursachen, ohne daß ihnen der Staat die verlangte entsprechende Entschädigung zubilligt. Die Gewerkschaften zahlen den StaatSznschuß aus, den ihnen aber der Staat lange schuldig bleibt. Vorschüsse gibt die Finanzvcrwaltung nicht her, so daß ein großer Teil der Getverkschaftsgelder fest gebunden rst, außerdem miiffen de Gewerkschaften den Zinsenverlust tragen. Die Gewerkschaften sind seit jeher grundsätzlich für die Arbeitslosenversicherung, so wie sic gegenwärtig in Deutschlamd, in Griechenland, in Lettland, in Oesterreich eingeführt tvird, i» Eng. land schon lange'besteht, cingetreten. Bei der Verhandlung des Sozialvcrsichcruugsgesehcs haben wir die Eingliederung der Arbeitslosenfürsorge in die allgemeine Sozialversicherung gc- fordcrt und zuletzt haben die Gewerkschaften im Feber in dem von ihnen aufgestellten Wirlschafts- nnd sozialpolitischem Programm die Schaffung eines entsprechenden Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung gefordert nnd zunächst die so- fvrt'ge Novellierung des Gesetzes über den Staatsbeitrag zur gewerkschaftlichen ArbcitS- losciiunterslützung verlangt. Insbesondere wurde die Erhöhung deS Staatsbeitrages gefordert und die Verlängerung der Auszahlung nach Ablauf der gewerkschaftlichen Unterstützung bis zu einem Jähre.' Bei der Art, wie der Bürgerblock regiert, und angesichts der reaktionären"Aufgaben!, die er noch durchführen will— Abbau des Mieterschutzes, Verschlechterung der Sozialversicherung — ist kaum daran zu denken, daß die Regierung die Initiative zur Beseitigung der Arbeitslosenschande ergreift. Nnr wenn bei den Ge« mc i ndewahle n die Wähler ihr Urteil sprechen werden über die Polt, tik der Regierungsparteien, dann i st zu h o f fc n, da ß w i r a u S dc m sozialpolitischen Stillstand h c r a u S k o m« men und die Arbeiterschaft auf dem Wege der sozialpolitischen Gesetz- g e b u n g neue Fortschritt« erzielt. d o n S imitier schlimmer. Noch bedenkliche.' sind die Wohnungsvcrhältnijse in andern: Städten Großbritanniens. In Glasgow in Schottland leben nach einem Bcrich'c k".s Gesundheitsamtes dieser Stadt in 811 Häusern des Südostviirteis zwischen 5 und 11 Personen in rinzimmcrigen Behausungen, nnd im Rordvicrtcl werden Einzimmerwohnungen von bis zu 13 Personen bewohnt. Im ganzen sollen 02 Prozent tta gesamten Bevölkerung von Glasgow in Einzimmerwohnungen leben. Familie» mit erwachsenen Kindern, ja, sogar mehrere verschiedene Familien sind nach dem Bericht in einen einzigen Raum zusammengedrängt. Im allgemeinen find in England genau wie bei uns die Kleiuwohnnngen überfüllt, während die größeren nnd geräumigeren Häuser nicht voll bewohnt sind. Kmkt«nd Willen. Ein großer Künstler, aber ein noch größerer Arldschneidrr. Wie das„'Neue Wiener Tagblatt" hört, hat Schaljapin für vier Abende, von denen einer für Wien, einer für P rag nnd zwei für Berlin bestimmt sind, ein Honorar von 3000 Dollars pro Abend zugesicheri erhalten. Ein Heft unbekannter Jugendliebe von Hugo Wolf erscheint jctzi im Musikalienhandcl. Das vom Komponisten selbst noch druckscrtig gemachte Manuskript trägt die Aufschrift„Licdcrstranß, sieben Gedichte aus dem Buch der Lieder von Heinrich Heine". Das künstlerisch ganz geschlossene Werk ist im Jahre 1878, also kurz vor den Mörike Liedern, entstanden, aber bisher aus unbekannten Gründen nicht veröffentlicht worden. Es bildet nicht nur eine wertvolle Bereicherung der deutschen Konzert- nnd Hausmusik, sondern auch einen bedeutsamen Beitrag zur Hugo Wolf Forschung. Die Martz Mgman-Schule Hai ihrem großen Dresdener Unterrichtsinstitnt eine Zweiganstalt in Berlin angcglicdert, die von zwei Mcisterjchülerin- nen der Künstlerin geleitet wird. Auch Martz Wigman selbst wird in der neuen Berliner Schule nnterrichten. Die jugendliche Gitarre-Virlnosin Luise Walter gibt ihr zweites Solo-Gitarre-Konzcrt Dienstag, de» 20. Scptembr 1927, nm 8 Uhr abends im großen Urania-Saal. Die Vortragsfolgc umfaßt u. a.: Bach, A. Mozart, Schumann. Karten-Vorvcrkauf: Hauptleitung des Bunde» Deutscher Gitarren- und Lanteiespivler in der Tschechoftowakei, Prag XII., Voeelova 2/IlI. Bio-Kassa„Urania", Prag II., Smotschkagassc 22. Prager Bücl-erstube. Prag II., Bredanergasse. Em. Wetzler, Prag II., Rarodni tk. Spiclplan des Reuen Deutschen Theaters. Milttvoch(227—3), VA Uhr:„Volpon e". Donnerstag(229—1), 7 Uhr:„Der liebe Augustin". Freitag(280—2), VA Uhr:„Der Frei- schütz". Samstag, 7 Uhr:„Der Walzer- träum", Sonntag, 2ft> Uhr:„Vasant asena"; Mittwoch, 14. September 1927. 7 Uhr:„Der Walzertraum". Montag(281 —3), 7 Uhr:„M a s k e n b a l l". Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch:„Adi en M i m i". Donnerstag:„E i n besserer Her r". Freitag:„S e l d e n st r ü in p f e". Samslag: „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bede u t u n g". Montag:„S e i d c n st r ü m p s c". Der Film. Roch eine Operette. Die Fox erwarb von Leo Fall die VcrfilmnngSrechte seiner Operette„Die Dollarprinzessi n". Freiheitskämpfer im Film, Die I u st i z-Filmgesellschaft in Berlin hat ein Manuskript mit dem Titel„1848" erworben, in welchem die großen Freiheitskämpfer Lassalle, Ludwig K o ß h u t, Alexander P c t ö f i, Garibaldi, im Rahmen einer großen Spiclhandlnng in Erscheinung treten. MoSjukin in Deutschland. Iwan M o S j n k i n, der berühmte russische Filmschauspieler, der in dem Film„Der Kurier deS Zaren" einen Welterfolg errang, nnd der in dem Großfilm„Casanova" diesen Erfolg noch vergrößern wird, ist ans Amerika, wo er für die Universal tätig war, in Deutschland cingctroffcn. Er wird in Berlin für die deutsche Produktion der Matador(Universal) tätig sein. Einzelheiten stehen noch nicht fest. Pauline Frederick, die bekannte englische Filmdarstellerin, wird die Titelrolle eines Filmes spielen, der die Tragödie der im Jahre 1915 in Brüssel erschossenen cnglischon Krankenschwester C a v c l l behandelt nnd den Titel„D ä m m er» n g" führen wird. MarcuS Loew, der Präsident der Metro- Goldwtzn-Mayer-Filmgescllschaft, ist dieser Tage plötzlich einem Herzschläge erlegen. Loew war etwa 57 Jahre alt und hat seinen ungewöhnlichen Aufstieg als Zeitungsvcrkänfcr begonnen, um endlich Präsident eines Unternehmen zu werden, das Weltruf genießt. Er hat ein Vermögen in der beträchtlichen Höhe von cttva 30 bis 40 Millonen Dollar hinterlassen. «Ms Der Partei. Jngenvbewegnna- 8, I. Prag. Heute um 8 Uhr abends im Bcc- cin deutscher Arbeiter Sprcchchorprobe. Anschließend Liederabend. Turnen und Spott. 'Arbeitersport. Fuftball. Vorrunde nm die Bundesmeisterfchast in Runiburg. Dux gegen Roichenberg, Sieger Reichenbcrg 3:2, nach cinstüudigcr Verlängerung. Meinl-Elf, Wien, gewinnt an« Samstag, den 10. September in Dux gegen Ladowitz 3:1; Meinl-Elf, Wien, verliert am Sonntag, den 11. September in Zuckmantel gegen „Gleichheit" Weiokirchlitz 3:1. Kreisspiel des 5. gegen den 6. Kreis in Konwtau, Sieger 6. Kreis mit 5:1. S. K. Drcihunken gegen S. K.„Wacker", Pihan- kcn 1: 8. Raffball. Settcnj 1 gegen WeiSkirchlitz 1 5: 2. Setten; komb. gegen Eichwald 4:4. Srttrnz(Schüler) gegen Znckmantel(Schüler) 1:1.' Genossen r Xraget bei jeder OelegetoOelt«Euer WaeteiavLetGen! Herausgeber: Dr. Ludwig T z.' ch Veranlivortlicher Medailleur: Dr. Emil Strauß. Trudt Deutsche.-ieiluogs-Alilicn-lSeleUschat! In Prag Für den Druck oerantwortUch: Otto H o 11 h, Prag. Sie ScilunnSniaitenkantatur wurde von der Poll- u. Telegravhen- dlreklion mit Erlab Nr. 127.45t'VlI/27 am II. Mal ISN bemlllfgl. Allen Genossen und Genossinnen empfehlen sich zur Herstellung sämtlicher Drucksorten Nordböhmische Druck- u.Verlass- Anstali Gärtner& Co«, Bodenbach a. E. G. in. b. H. UroUbuoliilrucIcorel» Stereotypie. Buelibhiderel. neueste Setz« und GlcOmniiclilnon mit einer Tairow iolHtunic von 500.000 BiicliNtnbcn. llottitlonamaHchlnon uilt einer TairoHprodiiktlon von 250.000 Zeitungen. Pcrnapreelior Nr. 271 PÖRtHparkawsn Nr. 127 863.