Nr. 378. Abonnements-Kedinzungen: Abonnemente» PreiZ pränumerando: vtertsljährl. S.N Ml., monatl. 1,10 Sit., «vöchentltch 28 Pfg. frei ins Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntage» Kummer mit tllustrirter Sonntage- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- PreiZliste für 1898 unter Dr. 737» Unter Nreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungar« 2 Marl, sür da» übrige Auiland 3 Marl pro Monat. (Srschewt füglich«ufter HäonUg». 15, Iahrg Pt» Instrtions-«ebNhr deträgt sür dt« sechigespaltene«olonel» »eile oder deren Raum*0 Psg., sür verein»- und versammlungS-Anzetgen, sowie Arbeiiemarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« t Uhr nachmittag» in der Erpeditivn abgegeben werden. Die Erpeditto» ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bt»» Uhr vormittag» geössnet. Vevltnev Volksblatt. Fernsprecher:»mtl, Nr. 1508. Zelegramm- Adresse: „S»,i»ld»m»kr«t Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19. Veuth-Stratze 2. Sonntag, den 37« November 1898* Expedition: SW. 19, Beuttz-Strahe 3. Zwei Konferenzen. In Rom, der ewigen Stadt, wo einst die weltbeherrschenden, übermenschlichen, mit göttlicher Majestät begnadeten Kaiser nebst ihren Prätorianern gehaust haben, und wo. ihr Reich dann von den Germanen zertrümmert und zerstampft ward.— in Rom. der ewigen Stadt, wo der Stuhl Petri steht, vor dem Kaiser und Könige sich beugten und Dutzende von mächtigen, glänzenden Dynastien vorüber- gezogen sind ins Nichts, in die Vergessenheit— in Rom tagt seit� vorigem Donnerstag, also seit heute vier Tagen eine Gesellschaft von Personen, die es als ihre Aufgabe betrachtet, den kranken Staat und die kranke Gesellschaft von den Uebeln und Gebresten zu befreien, an denen sie, das ist die Staats- und Gesellschaftsretter, leiden. Die A n a r ch i st e n konferenz, die seit Monaten mit Pauken und Trompeten angekündigt ward, sie ist endlich zusammengetreten. Die Anarchisten- konferenz! Seltsamer Name. Sie nennt sich selber auch nicht so. Sie protestirt eifrig gegen den Namen, behauptet, nicht erne Anarchisten-Gesellschaft zu sein, sondern eine Gesellschaft von Anarchisten feinden, und ihr richtiger Name sei: A n t i- Anarchistenkonferenz. Allein der Volksmutterwitz, dem der Sprachgeist unterthan ist, hat seine Entscheidung getroffen, er macht die Taufe nicht rückgängig, und so lange von dieser Konferenz unter den Menschen die Rede sein wird, wird sie heißen: die Anarchisten-Konferenz. Und das von Rechts wegen. Der Volksmutterwitz läßt seiner nicht spotten; er wandelt die Lüge um in Wahrheit, reißt der Heuchelei die Maske ab. und wie er dem Fürsten Bismarck die Reptilien an die Rockschöße gehängt und die Opfer der Reptilien zu Ehren gebracht hat, so übt er auch in diesem Falle Gerechtigkeit und hat den politischen Polizisten und polizistischen Politikern, die sich jetzt in Rom mit dem Modehandwerk der Staats- und Gesellschafts- retterei abquälen, ihren richtigen Namen gegeben. Und er wird ihnen bleiben— sie mögen sich wenden und drehen, wie sie wollen,— wie dem Mann mit dem Zopf trotz alles Wendens und Drehens der Zopf„hinten hing", so hängt ihnen unabschüttelbar der Name an: Anarchistenkonferenz. Was die Herren der Anarchistenkonferenz reden? Das ist zwar noch nicht bekannt, ist auch höchst überflüssig, denn jedes Wort kannten und kennen wir im voraus aus- wendig. Der Gedankenkreis der polizistischen Politik und politischen Polizei ist so eng, der Wortschatz so beschränkt, daß seit den Zeiten der Heiligen Allianz und Metternich'schen Herrlichkeit— also seit nunmehr etlichen achtzig Jahren— immer dieselben Gedanken und dieselben Ausdrücke und Wendungen wiederkehren— nur in den Ausdrücken und Wendungen dann und wann ein bischen Abwechselung, indem die Bezeichnung der zu bezwingenden Uebel und Uebelthäter, der Mode entsprechend, sich ändert. Diesmal gilt es, außer dem stereotypen Hauptziel, das in den Karlsbader Ve- s ch l ü s s e n zuerst mit rückhaltloser Offenheit enthüllt ivard und heute genau dasselbe ist wie damals, den Stein der Weisen zu finden, vermittelst dessen alle den Gewalthabern unbequemen Strömungen erfolgreich unterdrückt werden können, das praktisch. Ziel der Aufhebung deS Unterschiedes zwischen politischen und gemeinen Verbrechen zu erreichen. Ist dies erreicht, wird jeder, der an einem mit Verlust von Blenschen- leben verbundenen Aufstand betheiligt war, zum Mörder, jedennann, der einen Monarchen„beleidigt" hat, zum Zucht- haus-Kandidateu gestempelt, dann ist die Sache außerordentlich vereinfacht, und das Asylrecht hörtauf, da das Asyl recht blos für politische Verbrechen ist. Durch dieses sinn reiche Manöver wären die Gewalthaber mit einem Schlag das böse Asylrecht los, das ihnen schon so viel Kopfschmerzen verursacht hat. Schade nur, daß die sinnreiche Erftndung schon alt ist und daß sie gerade in dem Lande, auf das es abgesehen ist: in E n g l a n d nicht geschätzt wird. Der eng lische Minister, welcher sich bereit erklärte, das Asylrecht Eng lands preiszugeben, wie Lord Palmerston in den f ünfziger Jahren— er würde zum Teufel gejagt werden, noch ehe er Zeit gehabt, ein Wort zu seiner Entschuldigung zu sagen. Und die paar monarchischen Polizei- Staaten des Festlandes, welche das Patent der Erfindung erwerben und zur praktischen Verwerthung schreiten würden, stünden vor dem nämlichen Problem, wie vor AXO Jahren die altegyptischen, altchinesischen, altiüdischen und andere alten Gesetzgeber, welcheMord, Todtschlag und andere„gemeine Verbrechen" durch Köpfen, Hängen, Pfählen, Kreuzigen, Folter und andere schöne Einrichtungen aus- zurotten bemüht waren— und mit deni nämlichen Erfolg. Heute wird noch ebenso viel gemordet, todtgeschlagen und sonst ver- brachen, wie vorüOOOJahren— ja noch vielmehr, weil der Menschen mehr sind auf Erden, und die Quellen des Verbrechens fort- während reicher fließen, und sogar von denen, die das Ver- brechen ausrotten wollen, gespeist und genährt werden. Das Ende der Anarchistenkonferenz wird deshalb das gleiche sein, wie das der 5iarlsbader Konferenz: einige ver- zweifelte Angstsprünge, einige blinde Lufthiebe, viele Ver- folgungen, viele Chikanen, Härten und Grausamkeiten— und vollständiges Fiasko.j Ueberlassen wir die An archistenkonferenz ihrem Schicksal und dem Verdikt der Geschichte, und wenden wir uns einer anderen Konferenz zu: einer A n t i- Anarchistenkonferenz. Das Ziel ist: den Anarchismus an den Wurzeln zu packen und mit den Wurzeln zu beseitigen. Das Elend soll aus der Welt geschafft werden, das zu Verzweiflungsthaten auf- stachelt. Die Unwissenheit soll bekämpft werden, die den Glauben erwecken kann, durch Verbrechen ließe dem Elend sich abhelfen. Die menschliche Arbeit soll vernünftig organisirt, die Organisation der Arbeit und die Organisation der Volks- erziehung zum obersten Staats- und Gesellschaftszweck erhoben werden. Da aber dieses Werk sehr schwierig ist und die un- gestörte Thätigkeit aller gesunden und ehrenhaften Theile des Volkes erheischt, so ist es nothwendig, für einige Zeit alle anarchistischen Elemente, die sich als Riihestörer erweisen und den Gesetzen des Landes den Gehorsam verweigern, an jeder ruhestörerischen Thätigkeit zu hindern. Sintemalen nun diese anarchistischen Elemente, als dasind: Faullenzer, die von der Arbeit ihrer Mitmenschen leben wollen; rohe Patrone, die ihre Mitmenschen schnhriegeln, knebeln, mißhandeln; Kur- Pfuscher in der Art des Dr. Eisenbart, die durch Lockspitzel ein Blutbad veranstalten wollen, um durch einen Aderlaß den Staat zu heilen; Barbaren, die Mord und Todt- schlag, systematisch und im großen ausgeübt, für die höchste Acußerung menschlicher Kultur halten; sogenannte„Staats- männer",„Diplomaten" u. f. w., die sich selber für den Ausbund aller Weisheit, das Volk aber für blöde, unreif und unmündig halten, kurz alle diejenigen Gesellschaftstheile, welche den Anarchismus der kapitalistischen Gesellschaft vertreten und züchten;— sintemalen diese ruhestörerischen Menschen, gleich allen Menschen, Produkte der Verhältnisse sind, und nur des- halb so verkehrt und gcmeinschädlich handeln, wie sie es thun, weil sie in verderbter Umgebung aufgewachsen sind und eine schlechte Erziehung genossen haben, so wäre eseineThorheitundein Verbrechen, gegen sie die nämlichen Mittel anzuwenden, zu denen sie selber in ihrer tollen Verblendung zu greifen pflegten: Galgen, Henkerbeil, Guillotine,— die trockene wie die nasse— Prügel, Peitsche, Zuchthaus, Teufclsinscln u. s. w. Es ist darum Sorge zu tragen, daß diese ruhestörenden Elemente in andere, gesittete Verhältnisse, in eine andere nnd gesunde Umgebung gebracht und emem milden Erziehungskurs unterworfen werden. Es soll ihnen persönlich kein Schade geschehen an Leib und Seele. Im Gegentheil. Es soll ihnen auch kein weiterer Zwang angethan werden, außer dem: in einem abgelegenen Land, wo sie nicht schaden können, ihren Wohnsitz zu nehmen, sich unter dem Schutz humaner Gesetze, den in ihrem Interesse ge- troffenen Anordnungen behufs ihrer geistigen Bildung und moralischen Besserung zu fügen. Jeder, der durch gutes Verhalten, durch Fleiß in den Unterrichtskursen u. s. w. die zum Wiedereintritt in den Staatsverband befähigende Prüfung bestehen kann und sonstige Garantien dauernder Besserung bietet, so daß kein Rückfall zu befürchten ist— tritt mit vollen Rechten in den allgemeinen Staats- und Gescllschaftsverband zurück, und wird von allen Brüdern und Schwestern mit Jubel empfangen. Ein dahingehender Gesetzes- Vorschlag wird einstimmig angenommen, und ein Ausschuß niedergesetzt, welcher die Bestimmungen zu verwirklichen und einen passenden Land- strich, der sich zum A n a r ch i st e n st a a t, oder richtiger Anarchisten- Erziehungsstaat eignet, auszu- suchen hat.--- Einstweilen schreiben wir noch 1898. Der Anarchistenkongreß i st. und der A n t i- Anarchisten- kongreß wird sein. Jener i st im verfaulenden Gegenwartsstaat der anarchistischen Unordnung. Dieser wird sein im aufblühe, iden Zukunstsstaat der sozialistischen Ordnung�_ polikifchv Mebevstchk. Berlin, den 26. November. Die Eröffnung des Reichstages ist durch eine heutige Kabinetsordre auf den 6. Dezember erfolgt. Es werden also nur wenige Sitzungen stattfinden können bis zum Beginn der Weihnachtsferien, und die geschäftlichen Dispositionen des Reichstages sind von vornherein äußerst erschwert. Die un- angenehmste Folge dieses Verfahrens der Regierung aber wird sein, daß für die Verathung sehr wichtiger Angelegen- heiten, besonders der Anträge aus dem Hause, keine genügende Zeit bleiben wird. Auch die bürgerliche Presse klagt lebhaft über die Rücksichts- losigkeit, die sich in dieser Behandlung des Reichstages seiten der Regierung ausdrückt. Aber nicht zum wenigsten die Schwäche dieser selben Presse und ihrer Parteien gegenüber den absolutistischen Neigungen hat bewirkt, daß die Regierung bis zu dem jetzigen Grade der Rücksichtslosigkeit gelangen konnte.— Vom Zuchthausgesctz. In den Blättern wird hin und her geschwätzt, ob die Vorlage„zum Schutz der Arbeits- willigen" bald fertig sei oder noch längere Zeit auf sich warten lassen werde, ob wirklich Zuchthaus darin angedroht werde und in welchem Umfange, oder ob die vom Kaiser angekündigte Bestimmung schließlich gänzlich fallen gelassen werde. Wir geben auf alle diese Redespiele nichts. Fest steht das Eine: Die Vorlage bringt eine weit» gehende Verschlechterung des Koalitions- rechtes, des bei uns schon so schmal ausgestatteten Grund- rechts der deutschen Arbeiterklasse, welches keinerlei Beein- ttächttgung vertragen kann, sondern einer gründlichen Reform im freiheitlichen Sinne dringend bedarf. Zu den Ausweisungen ergreist heute die ministerielle „Berliner Korrespondenz" das Wort. Der Ton ist sehr kräftig, die Logik sehr schwach. Schneidige Nichtigkeiten— so kann man das Machwerk kennzeichnen. AuS Breslau sind keine ungewöhnlichen „Massenausweisungen" erfolgt, blos Ausweisungen„gewöhn- licher Art". Um so schlimmer, daß solche Praktiken„gewöhn- lich" sind. Aus Gronau(an der holländischen Grenze) sind „ a u ß e r Ausweisungen aus polizeilichen Gründen" nur zwölf Ausweisungen erfolgt. Wie viele„ans polizeilichen Gründen" — das ist nicht gesagt. Längere Ausführungen werden den Aus- Weisungen aus Schleswig gewidmet. Je länger die Aus- führungen und je kräftiger der Ton, desto schwächer die Logik.„Seit dem 1. Februar d. I. sind blos 117 Personen mit 18 Familienangehörigen ausgewiesen worden"— also zusammen 136. Blos hundettfünfunddreißig I Dieses„blos" ist ein unbezahlbarer Kulturmcsser. Dann folgen polternde Phrasen von dcr Nothwcndigkeit, die deutsche Nationalität gegen die— dänische zu schützen; lange Tiraden über die Gefährlichkeit der dänischen Dienst- mädchen, welche die politische Gesinnung der deutschen Familien untergraben; klägliche Jeremiaden(um so kläglicher, weil in erzwungen schneidigem UnteroffizierSton vorgetragen)— über die„Organisirung der dänischen Einwanderung". Und stagt man nach einem ernsthaften, vernünftigen Grunde, so schnarrt allen, die da behaupten, die große deutsche Nation könne von der kleinen dänischen Nation garnicht bedroht werden, und das Ausweisen sei das schlechteste Mittel, der deutschen Nationalität zu Macht und zu Ansehen zu verhelfen— so schnarrt uns die Phrase entgegen:„alle diese Behauptungen bedürfen eigentlich keiner ernst- hasten Widerlegung." Und eine„ernsthafte Widerlegung" wird uns auch nicht gegeben. So weit die„Berliner Korrespondenz" nicht alles zugicbt,' widerlegt sie nichts. Und wir haben ein Recht zu sagen: was sie nicht widerlegt, das g i e b t sie zu! Der preußischen Regierung aber rathen wir, wenn sie das Be- dürfniß empfindet, sich zu vertheidigen, dann suche sie sich einen besseren Bertheidiger, als den ungelenken Verfasser dieses Artikels der„Berliner Korrespondenz". Kann nichts Besseres zur Vertheidi- gung gesagt werden, dann lieber schweigen I— Anarchistenbekämpfmig in Italien. Zugleich mit der Tagung der internationalen Auarchistenkonferenz in Roni macht sich die italienische Regierung daran, auf nationalem Gebiete den„Umsturz" zu bekämpfen. Die Art, wie sie diesen Kampf zu führen im Begriffe steht, bietet ein klassisches Muster reaktionärer Regierungsknnst. Die erste gesetzgeberische That, mit der Ministerpräsident Pelloux vor die Kammer getteten ist, bezweckt eine Umgestaltung des bestehenden Wahlgesetzes. Der Kern dieser Wahlrechts-„Reform" liegt in der Vestimmung, „daß ein Wahlkreis, dessen Wahl zweimal nacheinander wegen Be- stcchung, Ränke oder Gewältthätigkeiten oder wegen Wahlunfähig- kcit des Gewählten auf gruud des Artikel 40 der Verfassung in Verbindung mit dem Strafgesetzbuch und dem Wahlgesetz annullirt worden ist,' für drei Jahre des Rechtes, einen Abgeord- netcn in die Volksvertretung zu entsenden, verlustig erklärt Iv e r d e ii soll." Den Anlaß zu dieser Gesetzesänderung giebt die That- fache, daß häufig Abgeordnete, deren Mandat, weil sie wegen politischer Vergehen bestraft worden waren, für ungiltig erklärt wurde, von neuem als Protestkandidaten auf- gestellt worden sind. Diese weithin wirkende Demonstration der Wähler gegen die Schamlosigkeit der reaktionären Justiz soll dadurch verhindert werden, daß solche Wahlkreise fortan des Rechts zu wählen auf 3 Jahre beraubt werden. Dabei ist nicht zu vergessen, daß das Wahlrecht in Italien schon jetzt überaus schlecht ist. Hunderttausende sind von dem Wahlrecht gänzlich ausgeschlossen und Zehntansende wurden durch Crispinische Verwaltungskniffe vor jeder Wahl aus der Liste gestrichen. So sucht die Regierung auf allerlei Art die Stimme des Volkes zu unterdrücken, die friedliche Willenskundgebung der arbeitenden Klassen gewaltsam unmöglich zu machen. Kein Wunder, daß alsdann Wuth und Verzweiflung das heißblütige Volk erfaßtt und wahnwitziges Verbrecherthum um sich greift. So wird durch die verbrecherische Politik der Volks» enttnündigung und der gewaltsamen Repression von den Ein- berufern der Antt-Anarchistenkonferenz selbst der Anarchismus gezüchtet!— lieber den Geschäftsgang auf der Auarchistenkonferenz wird unterm 26. November telegraphirt: Nachdem die Anarchistcn- konfcrcnz ihre gestrige Sitzung der Zusammenstellung der verschiedenen Vorschläge gewidmet hatte, haben heute die eigentlichen Ar- beitcn begonnen. Das Protokoll wird allabendlich in einem eisernen Kassen schrank aufbewahrt, dessen drei Schlüssel dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Sekretär ein- gehändigt werden. Man glaubt, daß eine Verständigung der Delcgirtcn über eine einheitliche Regelung der Anarchisten-Gcsctz- gebung nicht leicht sein und viel Zeit erfordern wird.— Das glauben wir auch. Noch schwerer aber als die Verständigung wird es sein, Erfolge in der Anarchistenbekämpfung zu erzielen.— A* * Deutsches Reich. Anarchistisches. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt heute Abend: Wie wir hören, haben sich sämmtliche deutsche Bundes- regierungen neuerdings über einheitliche Grundsätze bei lleberwachung der anarchistischen Bewegung geeinigt. Zur Beschleunigung des Nachrichtendienstes sollen sich die Polizeibehörden künftig auf direktem Wege bestimmte Mit- theilungen machen; außerdem soll eine gemeinsame Sammelstelle für Nachrichten in Berlin eingerichtet werden. Damit im Zusammenhange dürfte eine Notiz der„Franks. Ztg." stehen, in der es heißt, daß die Reviere, Bürgermeisterämter und Gendarmen angewiesen seien, nach einzelnen Leuten, die als notorische Anarchisten gelten, in geheimer Weise die eingehendsten Nach- vvriqungcn anzustellen, sie zn bcodachten und sofort telegraphisch oder telephonisch Mcldnng zn erstatten. Polizei. Polizei und abermals Polizei— das ist die ganze Welsyvt unserer Staatsleitcr. � � ... llcberwachnng süddeutscher Verhältinsse von Berlin aus wird m d» Bcvvltennig Süddcnischlands sehr unangenchni wirken.— �ei o r m s in Wiichelbach sind nach einer Mitthcikuna des [ct.'u:=l' Tageblatts" 24 beim Tunnelbau beschäftigte italienische Arbeiter wegen a n a r ch i st i s ch e r Umtriebe verhaftet worden. .Ferner bringt die„Franks. Ztg." folgende Meldmig aus Karls- einenr hiesigen Gasthof wurde gestern ein'angeblicher Anarchist, namens Kasimir v. Kowalski, verhastet. Er war von Konstanz avifirt und kam von Baden-Baden her. Verdächtige Papiere sollen indes; nicht bei ihm gefunden worden sei. Auch in Naben- Baden wurden an, Tage der Ankunft des Kaisers mehrere Personen unter dem Verdacht, Anarchisten zu sein, verhaftet. Diese Sensationsnachrichten dürfte sich, wie so viele andere, bald au Schwindel zu reaktionären Zwecken entpuppen. Auch das angebliche Attentat auf den russischen H o l Z u g in Ostpreußen, von dem vor kurzem berichtet lvurde, �iter als Erfindung. Wie Negierungsbaurath Winde der „Heiligenbeiler Ztg." mitthcilt, handelt es sich um einen Unfug, wie er voil rohen Burschen öfter ausgeübt wird. Jedenfalls hätten die Soiziatieu, die, wahrscheinlich um den Bahnwärter zu ärgern, aufs Geleise gelegt waren, leinen Zug gefährdet.— Militärfordernnge» für Bayern. Die Münchener„Allgem. Zeitung" meldet: In der dem Reichstage zugehenden Militärvorlage ritdie Bildung eines dritten bayerischen Armee r o r p s vorgesehen. Als Sitz de» Generalkommandos ist Nü rn derg in Aussicht genommen. Das neue Armeekorps soll, wie ver lautet, gebildet werden aus der fünften, sechsten, achten und elften Jnfanteriebrigade, während das zweite Armeekorps in Zukunft aus der siebenten, nennten, zehnten und zwölften Jnfanteriebrigade be stehen soll. RcgenSburg soll einen Divisionssitz erhalten. Für das "eue Armeekorps wird ferner ein Detachemcnt Jäger zu Pferde gebildet. _ In welchem Umfang durch diesen Plan eine Vermehrung der FncdenSpräsenz und eine Erhöhung des Budgets bedingt wird, läßt sich nicht genau absehen. Jedenfalls wird es an Nenfordenmgen in beiderlei Hinsicht nicht fehlen.- Der deutsche Flottenvereiu, der seine Aufgabe darin erblickt, Propaganda für den deutschnationalen Wasservatriotismus zu machen, hatte auch bekannte Mitglieder der Zentrumspartei zum Beitritt auf- gefordert. Dagegen liegen jedoch nach der„Köln. Volksztg." ernstliche Bedenken vor. Das Blatt schreibt: Nachdem die Flottenvorlage angenommen ist, erscheine es wenig angebracht, daß Mitglieder der Partei im Rahmen eines solchen Verems auf die Ausgestaltung weiterer Flottenpläne drängen denil darauf laufe die Sache praltsich hinaus. Die Zentrumspärtc habe keine Veranlassiing, zu immer weiteren Forderungen ftir die Flotte systematisch zu cnmlnteru; eher dürfte es ihre Aufgabe sein, mäßigend einzuwirken. Natürlich, auch noch Propaganda für die Vermehrung der Kriegs- schiffe zu machen, dazu ist das Zentrum zu schlau. Die Hauptsache bleibt ja, daß die Herren Zentrumsleute immer im entscheidenden Moment für die Annahme der Flotten- und Militärvorlngen neigen und dem deutschen Volke die Millionenlasten aufbürden. Wann werden die Zentrumswähler dieses Spiel der Ultramontanen mit den Vollsinteresseu endlich durchschauen?— Die Produkteuh > Bersammlmigcn der Getreide-«ud Händler beschäftigten am Freitag den dritten Senat des Ober-Verwaltungsgerichts. Der Verein Berliner Gc treibe- und Produktenhändler hatte bekanntlich im Januar 18S7 die heiligen Hallen der Berliner Börse verlassen und den Feenpalast aufgesucht, um dort regelmäßig Versammlungen abzuhalten und Geschäfte abzuschließen, weil seinen Mitgliedern die neue, auf grund des Reichs- Börsengesetzes zu stände gekommene tusammensetzung des Börsen- Vorstandes nicht gefallen hatte. >er Berliner Polizeipräsident machte im höheren Auf- trage den Vcrsan,mlungcn bald ein Ende. Sie wurden verboten, weil sie eine nicht genehmigte Börse darstellen sollten. Der Bezirksausschuß gab jedoch der gegen das Verbot eingereichten Klage statt, worauf der Polizeipräsident Berufung einlegte. Die erste Perhand- lnng darüber blieb rcsultatlos. sodatz der jetzige Termin nothwendig wurde. Wie am 2. Juli, kam cs auch gestern wieder vor dem Oberverwaltungsgericht zn großen Redeschlachten, denen eine größere Anzahl Börseaner aufmerksam beiwohnten. Die Vcr treter der Regierung und der des Polizeipräsidenten«lachten geltend, daß es sich bei den iuhibirtcu Versammlungen des Vereins der Getreide- und Prodnktenhändler um eine Börse handele, wenn- gleich die Börsen-Eiurichtungen gefehlt hätten. Entscheidend seien nicht die Einrichtungen, sondern dasWes en der Börse. Dazu gehöre vor allem. daß ein engerer Kreis von Personen Geschäfte abschließe, die eine wirthschaftliche Wirkung über diesen Kreis hinaus äußerten. Wejenb lich sei auch die Gleichartigkeit der Vertragsabschlüsse und die Regel- Mäßigkeit der Zusammenkünfte. Diese Voraussetzungen für das Vorhandensein einer Börse träfen hier zu. Die wirthschaftliche Wirkung nach außen liege in der Preisbildung und in dem Bekannt- werden der Preise in der Oeffentlichkeit. G I e i ch g i I t i g sei, daß nicht eine dazu bestimmte Person die Preise festgestellt habe, und ebenso wenig komme in betracht, wer die Preise der Oeffentlichkeit übermittelt habe und wie dies geschehen sei. Justizrath Katz als Vertreter des Vereins Vorstandes blieb Einrichtungen und eine" genüber dabei, daß eine Börse besondere Organisation haben müsse. Beides wäre bei den Versammlungen im Feenpalast in keiner Weise vorhanden ge- wesen, sie könnten deshalb auch nicht als Börse angesehen werden. Es seien lediglich private Vereinsversammluuaen gewesen. Nach- richten über die Preise, die die Geschäftsabschlüsse ergaben, könnten nur auf Umwegen in die Presse gelangt sein. Nach siebenstündiger Verhandlung entschied daS Ober-Ver- waltungsgcricht: Das Urtheil deS Bezirksausschusses wird aufgehoben und die Klag.e des Vereins Berliner Getreide- und Produktenhändler abgewiesen. Gründe wurden nicht verkündet. Die Regierung hat also gesiegt. Ihr„Sieg" hat aber gar keine Bedeutung, denn die Händler haben sich längst so eingerichtet, daß sie auch ohne derartige Zusammenkünfte ihre Geschäfte abwickeln können.— ReichSbank. Der dem Reichstag zugehende Entwurf wegen der Verlängerung des Privilegiums der Rctchsbauk wird auch eine Erhöhung des Grundkapitals und eine Abänderung der Be- stimmungen über die Kontingentining des Notenumlaufs ent- halten.— Ter Tank deS KleruS. Nach einer Meldung der„Köln. Volkszeitnng" beschloß der Episkopat auf Anregung des Kardinals Kremcntz, an den Kaiser eine Dankadresse anläßlich des Geschenkes der Jerusalemer Dormition an die deutschen Katholiken zu richten. Die Beziehungen zwischen dem Kaiser und der katholischen Kirche werden immer inniger. Wie sich doch die Zeiten ändern. Während der Kulturkämpfe wurde der Erzbischof von Köln ins Gefängniß ge- steckt, 189S drückte der Kaiser über einen wesentlich durch das katholische Zentrum zu stände gekommenen Reichstagsbeschluß seine chelle Entrüstung aus— und heute fliegen die wohlwollenden Tele- gramme und Adressen zwischen dem Kaiser und den deutschen Katho- liken nur so in der Luft herum.— l Dem Geheimmittcl-Unwescn soll entgegengearbeitet werden. Bor einigen Tagen hat, wie wir meldeten, in Berlin eine sehr um- fangreiche Kommission zur Berathung der sogenannten Gcheimmittel- frage getagt. Als vorläufiges Ergebnitz der Berathungen wird jetzt mitgetheilt, daß„ein scharfes Anpreisungsverbot der Geheimmittel in Aussicht steht".- Fall Lippe. Das„Neue Wiener Tagblatt" veröffentlicht aber m als Mittheilungen von„wohlinformirter Seite" über die Lippe'sche Angelegenheit, wonach„fast" sämmtliche deutsche Bundesfürsten die Denkschrift des Grafregenten von Lippe mit„sehr höflichen Antwort- schreiben" erwidert haben sollen. Das Blatt erzählt ferner, daß, als der Erbgraf zu Lippe vor zwei Jahren in Kafsel dem deutschen Kaiser ein Schreiben des Graftegenten überreicht habe, worin letzterer seinen Rcgcntschaftsantritt notifizirte, der Kaiser ihn in der Jagdjoppe empfangen und nur kurze, wenig gnädige Worte an ihn gerichtet hätte. Auf der anderen Seite beginnt man nach der Rückkehr des Kaisers Stimmung gegen die Lippe'schen Beschwerden zu machen. Der Münchener„Allgemeinen Zeitung" wird aus Stuttgart tele graphirt,„infolge der persönlichen Rücksprache des Kaisers'mit König Wilhelm und dem Prinz- Regenten Luitpold in München sei in der Lippe'schen Frage eine Wendung eingetteten, welche allen Vaterlands- fteunden zur Befriedigung gereichen könne. Zwischen dem Kaiser und der Mehrzahl der größeren Bundesfürsten sei Uebereinsiimmung dahin erzielt, daß auch in der Behandlung dieser Frage die großen nationalen Gesichtspunkte den Ausschlag geben müßten, denen gegen- über kleinere Divergenzen zurückzutreten' hätten." Mit den großen„nationalen Gesichtspunkten" scheint man also den unliebsamen Vorgang begraben zu wollen. Von einem neuen Strnfrcglcment der bayerischen Eisenbahnverwaltung hatte die„Frankfurter Zeitung" dieser Tage berichtet. Danach sollten wesentliche Milderungen des Straf- reglements für die Unterbeamten in Aussicht genommen sein. Das offizielle Organ der deutschen Eisenbahnverwaltungen stellt nunmehr fest, daß allerdings eine Aenderung des bestehenden Straf-Neglcm ents beabsichtigt wird, daß dagegen die in den Zeitungen hierüber enthaltenen Einzelheiten in den meisten Punkten nicht zutreffen. Vermuthlich sind die öffenilichen Mittheilungen insofern falsch, als sie von Milderungen gesprochen haben. Natürlich: wie konnte man beim gegenwärtigen sozialpolitischen Kurs auch an eine mildere Behandlung der Unterbeamten glauben! Aus dem Postreich. Es wird uns aus Königsberg nachfolgende Mittheilung gemacht: Eine der PodbielSki'schen Postteformen besteht bekanntlich in der Stärke an Heranziehung von jungen Damen bei der Telegraphie und im sonstigen Postdi'enst. Auch in Königsberg sind eine Anzahl junger Damen vor Monaten in den Postdienst getreten. Verschiedene davon haben lohnende Stellungen aufgegeben. Die Damen bekamen einige Monate lang das bescheidene Anfangsgehalt. Kürzlich ist mm jungen Posibcamtinnen eröffnet, daß sie einige Monate kein Gehalt erhalten würden, und thatsächlich ist jetzt bot denselben die Gehaltszahlung eingestellt. Die Erregung und der Unwille bei den von dieser befremdenden Maßregel Be- ttoffenen ist natürlich groß. Bei der Einstellung ist den Damen nicht mitgetheilt, daß sie eine Zeitlang umsonst arbeiten müssen, sonst hätten verschiedene ans die Anstellung verzichtet. Nun sind eine Anzahl der jungen Mädchen in eine recht unangenehme Lage. versetzt, da sie sich nicht zum bloßen Vergnügen in den Dienst der Post gestellt haben, sondern auf das Gehalt angewiesen sind. Die sonderbare Art, die Ueberschüsse der Post durch unbezahlte Arbeit zu vermehren, fordert den schärfsten Protest heraus und wird hoffentlich schleunigst Aenderung geschaffen.— Die Konkurrenz deS Bundes der Landwirthe liegt den Konservativen immer noch stark im Magen. So beklaP die kon- scrvative!„Elbingcr Zeitung" den Mangel einer eigentlichen kon- servativen Parteiorganisation in Westprcußen. Bis zu einem ge- wissen Grade werde diese ja durch den Bund der Landwirthe ersetzt; dieser Bund könne aber die Partei nimmermehr ersetzen. „Es hieße zudem sich etwas in die eigene Tasche lüge», fährt daS Blatt fort, wenn man verschweigen wollte, daß manche konservativen Städter über die Verquickung der Partei mit dem Blinde verschnupft sind. Es ist nuzweifelhaft, daß das bei den letzten Wahlen hier und da sogar in iiationalliberaler Stimmabgabe oder in Stininieilthalhmg zuin direkten Ausdruck kam. Die konservative Partei, welche sich mehr und mehr aus einer Standes- zu einer Volkspartci entwickelt hat, die den Jntcrcsicn aller Klassen und Berufe dienen will, hat nicht nnr ein prinzipielles, sondern ein vitales Interesse daran, ihre volle Selbständigkeit zu wahren und nicht zu einer Filiale dos Bundes z u werden. Der Bund der Land- winhe bezeichnet sich gern als die Wölbung, unter der alle Parteien mit Ausnahme von Freisinn und Sozialdemokratie Platz finden. Eine Wölbung ist aber undenkbar ohne Stützen, auf denen sie ruht, und der Bund sollte nie vergessen, daß die konservativen Elemente die Hauptträger der Wölbung sind." Leider liegt die Sache jedoch für die Konservativen so, daß die demagogische Hetze des Bundes der Landwirthe auf die landwirth- 'chaftlichen Wählcrmassen weit besser gewirkt hat, als die Vorttäge der vor der Regierung in schuldiger Subordination verharrenden reinen Konservativen—wenn cssolche noch geben sollte. Denn die Konservativen ind längst die demagogischen Wege des Bundes derLandwitthe gegangen und wir wollen keinesivegs sagen, daß sie bescheidener wären, wo cs Raubzüge gegen die Taschen der anderen Bcvölkerungsklassen zu gunfte» der Agrarier gilt. Aber sie sind etwas verschämter und verbrämen ihre Absichten mit salbungsvollen Phrasen,— während die Bmidesleute weniger verschämt und ganz allgemein verständlich aufs Ganze geben, die Massen für sich einfangen und ihre Kassen allen. Mögen die konservativen Städter sich daher so gut organi- Iren, wie sie wollen und können: bei den beutegierigen Agrariern ohne Phrase ist für absehbare Zeit der Bund der Landwirthe Trumpf.— Neb er LeuteuotH ist wieder einmal, und zwar in der Land- wirthschaftskammer zu D a n z i g geklagt worden. Keiner der an- wescnden Agrarier wollte natürlich eingestehen, daß zum allergrößten Thcil sie selbst schuld daran seien, wenn die landwirthschaftlichen Arbeiter immer mehr die Flucht in die Städte ergreifen. Als Ab- Hilfe wußten sie nur die bekannten Mittel in Vorschlag zu bringen: Beschränkung der Auswüchse der Freizügigkeit" und„strengere Bestrafung des KontraklbruchS". Die Regierung müsse zum Freizügigkeitsgesctz ein Ergänzungs- Gesetz einbringen, wonach die„j u n g e n L e u t e bis z u e i n e m bestimmten Alter ihren Kreis nicht verlassen dürfen". Die russisch- polnischen Arbeiter, die jetzt auch schon anffässig werden, sollen dadurch rechtlos und zu vollständig willen- losen Sklaven der Junker gemacht werden, daß man ihnen an der deutschen Grenze von besonders zu errichtenden Aemtern ihre rufst- 'chen Papiere abnimmt und ihnen dafür Arbeitsscheine aus- händigt. Ohne einen Arbeitsschein zu besitzen, würden sie nicht be- 'chäftigt werden, und da sie ohne die russischen Papiere nicht über die Grenze zurück dürfen, ivären sie in der Zwischenzeit auf Gnade und Ungnade den Junkern überantwortet.— Grobe Mißstände im Jrrenhcilwesen. Aus dem Elsaß wird uns geschrieben: Unter den wenigen Anträgen unseres Genoffen B u e b, die in der eben zu Ende gegangenen Hcrbstsession des Bezirkstages ür Oberelsaß zur Annahme gelangten, befindet sich auch der- enige, der die Körperschaft auffordert, sich zu gunsten der Ver- taatlichung des Jrrenheilwesens auszusprechen. Wie 'ehr dieser Antrag unseres Parteigenossen einem dringenden Bcdürfniß entspricht und geeignet ist, thatsächlich vorhandenen schweren Mißständen abzuhelfen, daS geht aus dem üngsten Jahresbericht hervor, den die Verwaltung der vereinigten Bezirks-Jrreiianstalt Stephansfeld-Hördt veröffentlicht hat. Derselbe enthält u. a. die folgenden Stellen: Eine genauere Berechnung ergiebt, daß die Tagesräume nur für 435 Kranke Platz bieten, thatsächlich jedoch mit 830 belegt sind. Danach wären in den Tagesräumen in Stephansfeld etwa 400 Kranke zu viel untergebracht. Ein alter erfahrener Psychiater spricht sich in dieser Hin- ficht dahin aus:»Die Ueberfüllimg' ist, wenn fie einmal einen gewissen Grad erreicht hat, nichts anderes, als eine Tag und Nacht fortgesetzte Mißhandlung der geisteskranken Pfleglinge der Anstalt an Leib und Seele; ein thatsächlicher Betrug an den Hoff- nungen und dem Vertrauen der Kranken und ihrer Angehörigen, eine Vernichtung d-r Arbeitsfreudigkeit und des Pflichteifers der Aerzte, deren Bemühungen fruchtlos bleiben müssen, und endlich noch ein unfehlbares Mittel, um den willigen und eifrigen Wärter zu entmuthigen und zur Diensikündigung zu vc- wegen, die Rohheiten und Nachlässigkeiten der schlechren Wärter aber zu beschönigen." Unter Hinweis auf diese Auslassung bemerkt der Bericht: In der hier geschilderten zersetzenden Weise haben sich bei uns die nachtheiligen Folgen der Ueberfüllimg bisher nicht bemerkbar gemacht; aber weit entfernt von solchen Zuständen sind wir nicht." Die Annahme dürfte nicht unbegründet sein, daß auch in andern Theilen des Reiches die Jrrenfürsorge sich in einem ähnlichen Zustande befindet. Im Ausschuß der preußische« Aerztekammern, der dieser Tage in Berlin eine Sitzung abhielt, hat nach der„Berliner Aerzte-Korresp." unter anderem für die Abtrennung d e r Medizinal-Abtheilung vom Kultusministerinin sich nur eine Minderheit ausgesprochen. Die Forderung hingegen, daß die Mcdizinal-Angelegenh'eiten durch einen ärztlichen Direktor versehen würden, nahm der Ausschuß einstimmig an. Zu einer langen Verhandlung führte der Berliner Antrag: Besprechung der Stellung der Aerzte zu den Krankenkassen. Man war sich darüber einig, daß, nachdem das Kranienkassengesetz den ärztlichen Stand ethisch und wirthschaftlich geschädigt habe, eine Denkschrift an den Minister nach Anhörung der Kammern gerichtet werde. Diesen werden vorher eine Reihe Fragen vom Ausschuß vorgelegt, unter denen die wichtigste ist:„Soll an den Orts-Krantenkasien die freie Arztwa' gesetzlich eingeführt werden?" Die letztere Frage hat der Aiisschr.„ der preußischen Aerztekammern einstimmig bejaht. Fleischnoth ist nach den in Baden stattgefundenen amtlichen Erhebungen im Großherzogthum Baden, wie die offiziöse„Südd. Reichs-Korr." mitthcilt, nicht gesunden worden. Der Fleischverbrauch nehme bei der städtischen, wie bei der landwirthschaftlichen Bcvölke- rung in steigendem Maße zu. Ob diese Zunahme aber auch gleichen Schritt gehalten hat mit der Zunahme der Bevölkerung, ist aus den Zeitungsberichten nicht ersichtlich. Bezüglich der Höhe der Fleisch- preise wird eine wesentliche Erhöhung derselben nur für das Schweine- fleisch zugegeben. Machenschaften unter den Händlern, die auf eine Preistreiberei hätten schlichen lassen, sind nicht beobachtet worden. Die Agrarier behaupten bekanntlich, stets» daß nur die Händler an den hohen Preisen schuld seien.—. München, 23. November.(„Köln. Ztg.") Die Alters- und Jnvaliditätsversicherungs-Anstalt des Kreises Picquart freisprechen sollte. Die Veranstaltung des Prozeftes Picquart ist incht nur der Schlußakt eines von langer Hand vorbedachten Justizverbrechens. Sie ist zugleich eine Auflehnung der Militärgewalt gegen den obersten Gerichtshof. Die Dreyftls-Revision sieht in engstem Zusammenhang mit den Anklagen gegen Picquart. Der Kassationshof, der gerade in diesem Augenblick Picquart als Zeugen vernimmt, kann nicht umhin, seinerseits den bekannten Rohrpostbrief, die hauptsächliche Grundlage der militärischen Anklage, auf seine Echtheit zu prüfen, sowie die nachträglich von den Fälschern des General st abes daran ver- übten Fälschungen(Ausmerzung und Wiederaufschrcibung des Namens Esterhazy auf der Adresse). So lange also die Nevisionsverhandlungen vor dem Kassationshofe schweben, hätte die Militärgewalt mit ihrer Rache- Aktion gegen Picquart warten sollen, ebenso wie das zivile Zuchtpolizeigericht aus demselben Grunde den„Spionage"-Prozeß gegen Picquart-Leblois bis zum Abschluß der Revisionsverhandlungen vertagt hatte. Aber die Militärgewalt, diesmal vom General Zurlinden, dem Pariser Militärgouverneur, angeführt, wollte eben nicht warten— aus der sehr begründeten Furcht, der Kassationshof möchte ihr im voraus das Spiel verderben. Und die Regierung? Die läßt es, wie ü blich, bei ihren schönen Worten von der'„Oberhoheit der Zivilgewalt" bewenden. Der zivile Kriegsministcr Freycinet zittert vor Zurlinden, wie die früheren Kriegsminister sich freudig vor den Boisdcffre und Konsorten beugten. Das Retultat ist das gleiche: die Militärgewalt darf un- gezügelt das öffentliche Gewissen herausfordern... Die Revisionsfreuude veranstalten einen mit Unterschriften ver- scheuen Protest gegen den Prozeß Picquart. Wird nichts helfen I Nur der Kassationshof könnte Zurlinden in den Arm fallen, wenn er die Akten in Sachen Picquart einzufordern wagte.— Affäre Picqnart. Wie verlautet, beabsichtigen Millerand, Ribot und Poincars am nächsten Montag einen Antrag einzubringen, welcher bezweckt, Picquart der Jurisdiktion des Kriegsgerichts zu entziehen. Es solle entweder eine Abänderung des Militär-Straf- gesctzbuches beantragt iverden, dahin lautend, daß die Kriegsgerichte lediglich für nrilitärische Delikte zuständig sein sollen,' oder es solle ein Gesetzentwurf eingebracht werden, wonach der Kassations- Hof berechtigt sein soll, Verweisungen an die Kriegsgerichte zu annulliren. Der Protest gegen die Verfolgung Picquart's trägt bereits tarflende von Unterschriften, darunter diejenige von Adolf Carnot, dem Bruder des verstorbenen Präsideuten. Spanien. Madrid, 26. November. Wie der„Jrnpareial" meldet, enthalten die an Montero Rios gesandten Instruktionen die Weisung, iveiter für die Aufrechtcrhaltuug der OberhohcitSrechte Spaniens über die Philippinen einzutreten, jedoch den Friedensvertrag ohne Protest unterzeichnen,»>n eine Angelegenheit zum Abschluß zu bringen, welche die größten Gefahren für Spanien mit sich bringe» könnte.— Dänemark. Kopenhagen, 24. November. Dem dänischen Felke- t h i n g lagen zwei Unfallversicherungs-Gesetze(für Landarbeiter und Fischer) vor, die beide von den Moderaten gestellt waren. Der Minister des Innern Bardenfleth sprach sich dagegen ans. da bereits ein Unfallgesetz vorhanden sei und man vorläufig nicht weiter gehen wolle. Unser Parteigenosse Jansen führte aus, daß diese Anträge nur beweisen, ivie falsch es war, nicht den Vorschlägen der Sozialdemokraten zu folgen, die das Unfallaesetz auf eine viel breitere Basis stellten wollten. Aber der Hauptfehler dieses Antrages sei, daß es keine bestimmte Ersatzpflicht giebt und zuviel dem Gutdünken überlassen ist. Auch sei der Jahresbeitrag von 5 Kronen für die Fischer zu hoch ge- griffen. Der Antrag wurde einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen.— Griechenland. Athen, 26. November. Die Gesandten der vier Mächte notifizirten heute die Ernennung des Prinzen Georg zum Ober- konnnissar ans Kreta. Der König gab seine Genehmigung zur An- nähme deS Amtes, wobei er gleichzeitig seinem Danke Ausdruck ver« lieh. Der Prinz erklärte, er werde nach Kräften danach trachten, der Insel den Frieden wiederzugeben.— Asien. Russische Beschwichtigungsversuche, Das offiziöse„Journal de St. Potersbourg" schreibt: Die eng lische Presse hat unter Hinzu- fllgung von aller Art Kommentaren ge tvisse Gerüchte über die an- gebliche Besetzung der Stadt Rintschwang durch russische Truppen in Umlauf gesetzt. Nach Erkundigungen aus guter Quelle sind ivir in der Lage, festzustellen, daß' die Nachrichten keinerlei Begründung haben. Was den Vorwand zu diesen Gerüchten hat geben können, ist wahrscheinlich die Anwesen- hcit einer getvissen Anzahl Mitglieder des Wachtpersonals � der chinesischen Ostbahn in Niutschwana. Was die von den Korrespon- deuten englischer Blätter übermittelten tendenziösen Nachrichten über die Besetzung der Provinz Tichili angeht, die von Rußland geplant sein sollte, so entsprechen diese ebensowenig der Wahrheit. Trotz dieses Versuches, das russische Vordringen in Nordchina möglichst harmlos erscheinen zu lassen, besteht über die Absichten Nußlands,' Nordchina mit Einschluß der Hauptstadt Pcling seiner Bvlmäßigkeit zu unterordnen, kein Zweifel.—- Amerika. Washington, 26. November. Gestern Abend 10 Uhr fand ein vom Präsidenten Mac Kinley einbernsenec außerordentlicher Minister- rath statt, der über die von den Friedenskommiss arien in Paris ein- gegangenen Nachrichten berieth. Wie verlautet, berichteten letztere über'die von den Spaniern in nicht formeller Weise gemachten Gegenvorschläge. Nach demKabinetsrathe sandte Präsident Mac Kinleh an die Friedenskommissare eine Depesche, in der er die früheren Instruktionen wiederholte.— Beglaubigte Abschrift. Abth. 143. B. 823/98. In der Privatklagesache des Rittergutsbesitzers Dr. Rösicke in Görsdorf, Privat- klägers, gegen den Redakteur August Jacobey hier, geboren am 2l. März 1854 in Frankftcrt a. O., Dissident, Angeklagten, wegen öffemlicher Beleidigung, hat das kgl. Schöffengericht I zu Berlin am 7. November 1898 für Recht erkannt: Der tzliigeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung zu 100— einhundert— Mark Geldstrafe. im Nichtbeitreibungsfalle zu 20 Tagen— zwanzig Tagen— Ge- sängniß kostenpflichtig verurtheilt. Der verfügende Theil des Urthcils ist im„Vorwärts" und zwar im Hanptblatt auf der zweiten Seite mit derselben Schrift wie der inkriminirte Artikel abzudrucken, und zwar binnen einem Monat nach eingetretener Rechtskraft des Urtheils. Dein Privatkläger wird die Befu'gniß zugesprochen, während der- selben Frist den verfügenden Theil des Urtheils durch einmaliges Inserat in einer hiesigen Tageszeitung, deren Auswahl ihm frei- gestellt wird, auf Kosten deS Angeklagten bekannt zu machen. Das erste Blatt des Hanptblattes der Nr. 187 des„Vorwärts" vom 12. August 1893 ist in allen Exemplaren, welche sich im Besitze deS Verfassers, Druckers, Herausgebers, Verlegers befinden, oder welche öffentlich ausliegen, einzuziehen. Zentrum und Sozialdemokratie. Wahlstatistisches. ES wird unS geschrieben: In einem Leitartikel der„Köln. Volksztg." wurde vor einiger Zeit der Versuch gemacht, an der Hand esnes umfangreichen Zahlen- Materials den Beweis dafür zu erbringen, daß die Fortschrttte der deutschen Sozialdemokratie, gemessen an den Ergebnissen der Wahlen zum Reichstag, in nichtkatholischen Gegenden stärkere Prozentsätze aufwiesen als in katholischen. Die vergleichende Zusammenstellung- des führenden Organs der deutschen Zentrumspartei war dabei! jedoch nicht auch auf die Wahlen vom 15. Juni ds. Js. ausgedehnt, weil dem Verfasser des erwähnten Artikels deren Einzelziffern theils noch garmcht zu Gebote standen, theils nicht auf qrund unbedingt sicherer Feststellungen. In den öffent- lichen Versammlungen des kurz darauf zu Straßburg i. E. ab- gehaltenen praktisch-sozialen Kurses des katholischen Volksvereins be- trachteten es die Redner der Zentrumspartei ebenfalls als eine ihrer Hauptaufgaben, durch den Hinweis auf den angeblichen Schntzwall, den der Klerikalismus gegen die Ausbreitung der Sozialdemokratte bilde, die staatserhaltendcn Qualitäten der katholischen Kirche in eine möglichst günstige und auffällige Beleuchtung zu rücken. Inzwischen sind nun die Ergebnisse der Junnvahlen von ver- schiedener, auch von amtlicher Seite in ihrem ganzen Umfange bekannt gegeben ivorden. Es sei uns deshalb gestattet, an der Hand dieser Veröffentlichungen die Resultate der jüngsten Reichstagswahlen daraufhin zu untersuchen, inwieweit die konfessionelle Schichtung der einzelnen G c b i e t s th e i l e des Reiches einen be st im Menden Einfluß auf das Tempo des Fortschrittes auszuüben im stände ivar, den der sozialistische Gedanke in dem fünf- jährigen Zeitraum zwischen den Reichstags- Wahlen von 1893 und denjenigen von 1898 dort ge- macht hat. Wir theilen zu diesem Zwecke das gesammte Reichsgebiet nach dem zahlenmäßigen Verhältniß, in welchem die beiden christlichen Konfessionen in seinen einzelnen Theilen sich gegenüber stehen, in drei Gruppen ein: Gruppe I: Diejenigen Gebiete, welche annähernd dem Reichsdnrchschnitt der konfessionellen Schichtung(63 Pro- testanicn, 36 Katholiken unter je 100 ortsanwescnden Personen) ent- sprechen; Gruppe II: Die Gebiete mit überdurchschnittlicher Katholikenvertretung; Gruppe III: Die Gebiete mit überdurchschnittlicher Prote st ante Übertretung. Zu Gruppe I zählen wir: die preußische Provinz Hessen- Nassau<69 Protestanten, 27 Katholiken), die Rheinpfalz (54: 43), Württemberg(68: 30), Gro hherzogthum Hessen (67: 30). Oldenburg(76: 23).' Der Gruppe II Westen wir zu: Die preußischen Provinzen West- Preußen(47 Protestanten, 51 Katholiken), Posen(31: 66), Schlesien(45: 53), Westfalen(47: 52), R h e i n l a n d mit H oh enz ollern(26:72), das Königreich Bayern r. d. Rh. (24:76), Großh. Baden(38:02) und das Reichskanb Elsaß- Lothringen(21: 76). Die Gruppe III würde dann alle übrigen Reichsgebiete, also die preußischen Provinzen O st Preußen, Brandenburg mit Berlin, Pommern, Sachsen, Schleswig-Holstein, Hannover, ferner das Königreich Sachsen, beide M e ck l e n- b n r g, endlich die thüringischen Kleinstaaten und die freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck umfassen. Das Zahlenverhältniß der beiden christlichen Konfessionen schwankt hier zwischen 86:13(Ostpreußen) und 99:0,5(Schwarzburg- Rudolstadt). Welchen Antheil haben nun diese drei Gebietsaruppen an dem Anwachsen der sozialistischen Stimmen, oder bester gefragt: in welchen Prozentsätzen sind die sozialistischen Stimmen der einzelnen Gruppen zwischen den Rcichstagsmahlen von 1893 und denjenigen von 189 8 angewachsen? Es stiegen die sozialistischen Stimm enzahlen zwischen 1883 und 1898: in Gruppe I(also den Gebietstheilen mit dem Reichsdurch- schnitt annähernd entsprechender Konfessionsschichtung) von 162 731 auf 221 644, also um 53 863 oder t4<» pCt.; in Gruppe II(überdurchschnittliche Katholikenvertretung) von 431 897 ans 557 025. also um 75 128 oder 16 pCt.; in Gruppe III(überdurchschnittliche Protestantenvertretung) von 1 142 060 auf 1 330 436, also um 188 376 oder 16 pCt. Da die Gesnmmtzunahme der sozialistischen Stimmen im Reichs zwischen 1893 und 1893 rund 18pCt. betrug, so ergiebt sich auS Vorstehendem als wichtigstes Resultat die Thatsache, daß die Gebiete mit annähernd normaler Konfessionsschichtung(Gruppe I) den Reichsdnrchschnitt der sozialistischen Stimmcnzunahme um genau das Doppelte überstiegen haben, während sowohl die Gebietstheile mit überdurchschnittlicher Ver- tretung der Katholiken(Gruppe Ii) wie auch die» jenigcn mit überdurchschnittlicher Vertretung der Protestanten(Gruppe III) hinter demselben, wenn auch nur unwesentlich, zurückg eblieben sind. Von Interesse dürfte dabei die Feststellung sein, daß der Zu- nahmeqnotient der in Gruppe I vereinigten Gebietstheile im ein- zelnen nicht unter 21 pCt.(Oldenburg) herabgeht und bis zu 75 pCt.(Rheinpfalz) ansteigt. Die Gebiete mit überdurchschnittlicher Katholikenvertretung(Gruppe II) erreichen in S ch l e s i e n mit 28 pCt. und B a d e n mit 34 pCt. ihre höchsten Zunahmeprozentsätze. hinter denen die Mehrzahl der protestantischen Territorien weit zurückbleibt. Nach alledem dürfte die von klerikaler Seite aufgestellte Be« hanptung von der„Widerstan dSkraft der katholischen Kirche gegen das Ucberwuchcrn der Sozialdemokratie" endgiltig widerlegt sein. NArkei-'MNjszvilszkett» In die Redaktton deS„Vorwärts" tritt am i. Dezember an stelle unseres aus Preußen ausgewiesenen Kollegen Dr. Adolf Braun der Parteigenosse Dr. Kurt Eisner ein. Bei der Stadtverordneten- Wahl in Dessau erhielten die sozialdemokratischen Kandidaten 575—798 Stimmen. Die letztere Stimmenzahl bekam Genosse Pens. Die Gegner brachten es auf 1163—2246 Stimmen. Von 4325 Wahlberechtigten stimmten 2586, d. i. etwa 60 pCt. Im Vergleich mit den früheren Wahlen ist das Wahlergebniß folgendes. Es erhielten Stimmen: im Jahre unsere Gegner unsere Kandidaten g�hlwn�Knnd�' 1892 761—1776 23—235 761-1776 � 1894 412-1269 244—264 805—1269 1896 818-1937 nicht betheiligt 818-1937 1898 550-2246 575-798 1163-2246 In Magdeburg wurden bei der Stadtverordnetenwahl im Vezirt A l t st'a d t für unsere Kandidaten in der 3. Klassr Stimmen abgegeben: für Finle 1563, Lankau 1565, Bethge 1548, Meyer 1546, Böhme 1544, Buchlow 1569. Die gegnerischen Kandidaten brachten es auf 1872— 4034 Stimmen. Gewählt sind 4 gemeinsame Kandidaten des Kartells und der liberalen Vereinigung. 2 Kan» didatcn des Kartells, die 2242 und 2030 Sttmmen bekamen,(haben sich mit 2 Kandidaten der libera len Vereinigung einer Stichwahl zn unterziehen. Letztere beide Kandidaten erhielten 1987 und 1872! Stimmen. Heute entscheiden unsere Parteigenossen in einer Ver» sammlung über ihre Stellung zur Stichwahl. Der nächste Wahltampf spielt sich im Jahre 1899 im Bezirk« Buckau ab. Im Jahre 1900 sind Wahlen zur 3. Klasse in der Alt-s und Neustadt und in Sudenburg vorzunehmen. re / w fo: Die«fnbfbcrotbncicftsurtljlcit in Erfurt endeten für unsere Partei damit, daß zwei Sozialdemokraten in die S t i ch w a h I kommen. Von unseren sechs Kandidaten erhielten Stimmen (r. Fritz 639, H. Böhm 638, U. Kilian 635, M. Heim 624, P. Reiß haiiä 619 und H. Pappe(bei der Ersntzwahlj 623. In der Sticht Wahl konimen Fritz und Pappe. Fritz' bürgerlicher Gegenkandidat bat 77o Stimmen erhalten. Pappe's Gegenkandidat 746. Von den Kandidaten der Gegner siegten vier mit einer Stimmenzahl von 1092—1230. Nach einer Durchschnittsberechmiiig der„Tribüne" sind bei den Wahlen in den letzten drei Jahren Stimmen abgegeben worden im Jahre 189? B° .... löJb Ersatzwahl 1898 für die sozialdemokratische Liste 644 440 631 fiir die bürgerlichen Listen.. 1713 1105 1373 . den Stichwahlen zum Stadtverordneten- Kollegium IN Frankfurt a. M. sind unsere drei Kandidaten unterlegen. Sie waren im Bezirk Bockenheini aufgestellt und erhielten Stinimen Opificius 516(gegen 375 bei der Hauptwahl), Orten stein 440(Hauptwahl 274), Knackmuß 279(Hauptwahl 250). Für Opificius und Ortenstein hat ein Theil der Demokraten und Freisinnigen gestimmt, viele Wähler aber sind diesem Beschluss «hrer Parteiführer nicht nachgekommen. Sie strichen au ihren Zetteln die Namen Opificius und Ortenstein, um tfjren Kandidaten Nicolaus an die erste Stelle zu dringen. was denn auch gelungen ist. Nicolaus erhielt 583 Stimmen gegen 243 bei der Hauptwahl. Außer ihm wurden noch gewählt die Nationalliberalen Meller und Knodt mit 583 und 636 Stimmen gegen 391 und 314 Stimmen bei der Hauptwahl. Von 1552 Wahlberechtigten stimmten 994 gegen 840 bei der Hauptwahl, Das Gesammtergebniß der Stichwahlen in Frankfurt ist Gewählt sind 5 demokratisch- fortschrittliche Kandidaten, 1 Kom nmnalvereinler, der nach seiner Parteistellung„demokratisch sein will, und 5 Nationalliberale. Die Hauptwahl brachte 7 nationalliberale und 8 dcmokratisch-fortschrittliche Mandate. Das gesammte Wahlresultat beträgt mithin: 13 Demokraten und Fortschrittler, 1 Kommunalvercinler und 12 Nationalliberale Vakant waren 8 nationalliberale, 7 fortschrittliche und 11 demo kratische Sitze. Die Nationalliberalen haben also einen Zm wachs von vier Mandaten. Die„Volksstimme" urtheilt über das Wahlergebniß wie folgt:„Es ist eine nicht mehr wegzuleugnende Thatsache, daß bei den kommunalen Wahlen ein ganz bedeutender Rück' schritt zu tage getreten ist und daß die Kosten dieses Rückschrittes und dieser Indolenz die bürgerliche Demokratie und der Freisinn zu tragen haben. Darüber können alle statistischen Berechnungen der„Frankfurter Zeitung" nicht hinwegtäuschen Die Arbeiterschaft wird um so energischer arbeiten, um in zwei Jahren das zu erreichen, was ihr diesmal versagt geblieben ist. Wenn die„Frankfurter Zeitung" sagt, das neue Jahrhundert werde voraus- sichtlich nicht anbrechen, ohne daß die Arbeiterpartei im Rathhausc vertreten ist, so kann sie Recht haben. Aber das wird dann auch das Ende fiir die demokratische Herrlichkeit sein." An dem Stiidtchcn Vlotho in Westfalen wurde der Partei genösse Schräge mit 126 gegen 45 Stimmen, die der bisherige bürgerliche Inhaber des Mandats erhielt, als Vertreter der dritten Klasse in das Stadtverordneten- Kollegium gewählt. Der Vlothoer Korrespondent der Bielefelder„Volksmacht" ruft in der Bielefelder „Volksmacht" den Wählern zu: Dieses Resultat zeigt Euch, daß es doch nützt, wenn jeder seine Pflicht erfüllt und sein Wahlrecht ausübt. Darum darf nicht gerastet, sondeni es mutz mit aller Kraft weiterjfgearbeitet werden. Die dritte Abtheilung darf nur durch Ar- bester vertreten sein. I» Eßlingen in Württemberg haben Volkspartei und All- gemeiner Bürgervcrein gemeinsam unseren Parteigenossen den Vor schlag� gemacht, die Namen von vier Kandidaten für die Bürger- ausschußwahl gegenseitig auszutauschen. Unsere Parteigenossen haben in einer Versammlung diesem Vorschlage zugestimmt und ihrer- seits vier sozialdemokratische Kandidaten aufgestellt, deren Namen nun auf die gemeinsame Liste der drei Parteien kommen Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" verbreitet in einer Notiz über den Fall Lütgenau eine Aeußening des früheren Berg- manns Schönwald in Dortmund, der in einer Versamnilung daselbst gesagt hat, der im Geschäft der„Rheinisch-Westfälischcn Arbeiter-Zeitung" thätige Parteigenosse Lehmann habe erklärt, i h n werde der Parteivorstand nicht hinauswerfen, er würde sonst den gesnmmten Parteivorstand vor den Staatsanwalt bringen. Demgegenüber erklärt L e h m a nn in der„Rheinisch-Westfälischen Arbeiter-Zeitung", daß sich Schönwald diese Behauptung aus den Fingern gesogen hat. Wir wollen abwarten, ob die der Reichs- regierung nahestehende„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ihre ' lfche Mittheilung berichtigen wird Genosse Richard Fischer ersucht uns um Veröffentlichung folgender Erklärung: Eine Verdächtigung? frägt der Berliner Korrespondent der„Leipziger Volkszeitung" gegenüber dem Berichte des„Vorwärts" über meine Ausführungen zur Taktik in der Versammlung des 2. Berliner Wahlvereins. Er findet die V e r d ä ch t i g u n g in der Stelle: „Ich sehe in der Partei nicht die kleinbürgerlichen Tendenzen, die erst kürzlich noch der Berliner.Korrespondent der„L. V." kon- slntirt hat. Dieser erklärt sie sich aus denr Hinüberziehen von Elementen aus kleinbürgerlichen Kreisen. Vor sieben Jahren ist der gleiche Vorwurf von den Unabhängigen erhoben worden, diese wiesen aber auf die fetten Parteiposten, auf die Budiker und Zigarrenhändler in der Partei hin, welche die kleinbürgerlichen Elemente in der Partei seien und gar kein Interesse mehr an der Aendcrnng der heutigen Gesellschaftsordnung hätten." Und er fügt bei:„ S o>v e i t Genosse Fischer". Nun bin ich für die Fassung des Berichtes nicht verantwortlich, ich habe damit soviel und so wenig zu thun, wie der Korrespondent der„L. V." selber. Ein solcher Bericht— er mag im allgemeinen durchaus zrstreffen— ist ja kein Stenogramm,' sondern nur ein Resümee; giebt also nicht nreinc Rede wörtlich wieder, sondern die Auffassung, die meine Rede bei dem Berichterstatter gefunden hat. Ich habe einfach zwei Erklärungen für das Vor- handeiffcin einer kleinbürgerlichen Richtung in der Partei einander gegenübergestellt: die jetzige des Korrespondenten der „L. V.", der einen gewissen Einfluß der sog. kleinbllrger- lichen Elemente in unserer Partei— denn ein Vorhandensein solcher habe ich nicht bestritten, sondern ausdrücklich zugegeben— ans dem Ilebertritte einer Anzahl bürgerlicher Ideologen zu unserer Partei erklärte; und die vor Jahren von den„Unabhängigen" vertretene Auffassung, daß diese Richtung ihre Erklärung in der sozialen Position einer Anzahl von Partei- genossen finde. Die damaligen Verdächtigungsmotive einzelner Unabhängiger dem Korrespondenten der„L. V." zu unterschieben, hatte ich weder Anlaß noch Absicht; für mich handelt es sich einfach darum, den Genossen darzulegen, daß von einem so weitgehenden Einflüsse, als ob darunter der proletarische Klassencharakter der Partei Gefahr laufe und die Partei daher die Pflicht habe, ihr Anathcma auszusprechen, heute so wenig die Rede sein könne, wie danmls. Nebenbei gesagt, finde ich auch in der summarischen Fassung des„Vorwärts"-Berichtes keinen Anlaß zur Aufsuchung einer„Verdächtigung". Und vielleicht ist der Korrespondent der„L. V." damit zufrieden, wenn ich erkläre, »aß ich an eine Verdächtigung seiner Auffassung gar nicht gedacht habe: andernfalls hätte ich schon den Muth der deutlichen Ausdrucksweise gehabt. Am gleichen Ort kommt der Korrespondent der«L. V." auch darauf zu sprechen, daß ich gegen seine Ausführungen nicht geant- antwortet habe, die er kürzlich wider meine Auffassung, der Möglich- keit der Mandatserlangung bei den preußischen Landlagswahlen(in den Versammlungen des 2., bez. 4. Wahlkreises) in der„L. V." gemacht habe. Ich habe deshalb nicht geantwortet, weil ich die Dis- kusfion nicht über den Nahmen hinaustragen ivollte, in dem ich sie allein für Vortheilhaft halte, dem der Berliner Genossen. Für mich handelt es sich nicht darum zu entscheiden, ob ich Recht erhalte oder andere Leute, sondern nur darum, eine unter den Berliner Genossen schwebende Streitfrage an der Hand der praktischen Wahlbctheiligungs-Rcsnltate ruhig zu diskutiren und möglichst zu klären. Ich habe deshalb auch g e g e n jede A b st im m u n g mich ausgesprochen, obgleich ich an der Thatsache nicht zweifelte, in den betreffenden Versammlungen die Mehrheit der Genossen für meine Auffassung zu haben. Im „Vorwärts" hätte ich nur dann vielleicht Anlaß zur Antwort gehabt, wenn der„Vorwärts" jene Einwände der„L. V." übernommen oder wiedergegeben hätte. Was ich»-sachlich gegen jene Einwände vorzu- bringen habe, werde ich wohl gelegentlich der Fortsetzung jener Ver- sammlung dort sagen. Richard Fischer. Polizeiliches. Gerichtliches ec. — Wegen Beleidigung der königl. Bezirks-SchulinspektiSN in Plauen i. S. wurdesder Parteigenosse Friedrich Big ger, jetziger Geschäftsführer der„Rhein.-Westf. Arbeiter-Zeitung" in Dortmund, wegen einer Korrespondenz zu 100 M. vernrtheilt, die er als früherer Verantlvortlicher Redakteur der„Vogtländischen Volkszeitung" in Falkenstein veröffentlicht hatte uird die eine Kritik der Behandlung eines Schulkindes betraf. — Wegen Veröffentlichung der Briefe, die auf das Darlehns- gesuch einer Dame von sogenannten Lebemännern eingegangen waren, ist gegen den Parteigenossen A d o l f Th i e I e in Halle a. S. als Redakteur des„Volksblatts" ein Prozeß anhängig. Die Staatsanwaltschaft erblickt in der Veröffentlichung den Thatbestand der Verbreitung unzüchtiger Schriften. — Zu 6 M. Geldstrafe wegen Beleidigung eines Sckonde- Lieutenants wurde der frühere verantwortliche Redakteur der„Mainzer Volkszeitung", Genosse Lieb mann, vom Mainzer Schöffengericht verurtheilt. Er hatte eine Notiz veröffentlicht, die das Stichwort „Rohheit" trug und worin gesagt war, daß ein Sekonde-Lieutenant mit seinem Rade eine Fran überfahren und sie, ohne sich um sie zu bekümmern, liegen gelassen habe. Letzteres bestreitet der Offizier. Ge m e eü ches. Berlin und Umgegend. Zum Streik der Stockarbeiter. Am Mittwoch versuchte die Agitationskommission der Stockarbeiter, mit den Inhabern der Firma Alphonse Ludwig u. Komp., Berlin, Alexandrinenstr. 108, in Unter- Handlung zu treten. Die Herren äußerten, daß sie es gar nicht nöthig haben, auf die Forderungen einzugehen, und wie sie iveiter bemerkten, wollen sie einmal sehen, wie lange es die Streikenden aushalten können. Schon recht! Dieser Wunsch kann erfüllt werden. Die Streikenden werden solange stand halten, bis die Firma nachzugeben sich bereit erklärt. Die Herren Alphonse Ludwig u. Komp. werden auch noch zu der Einsicht gelangen, daß organisirte Arbeiter kein Spielzeug sind. Da genannte Herren den dort anfragenden Arbeitern die Auskunft geben, daß der Streik bc- reits zu Ende ist, so möchten wir konstatircn, daß dieses nicht der Fall ist, und ersuchen wir die bethciligtcn Arbeiterkreife, dafür zu agitiren, daß der Zuzug streng ferngehalten ivird. Tie Agitationskommission der Stockarbeiter. Deutsches Reich. Während des Streiks der Brandenburger Bauarbeiter und Zimmerer bezw. Maurer sollten die Maurer Chr. Kluge und Hermann Meid n er einen Streikbrecher, den Maurer Milbrandt durchgeklopft und sich dadurch der Körperverletzung, sowie durch Be- leidigung des Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung schuldig gemacht haben. Kluge wurde freigesprochen, Weidner aber zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Neber de» Ausfall der Aeltcstcnwahlen zu den Knappschafts- lassen schreibt die„Berg- und Hüttcnarbeiter-Zcitung": „Am Schlüsse der Redaktion lagen uns 158 sichere Wahlresultate vor. Davon sind 107 sichere Oppositionelle, 11 zw eise l- hafte und 40 Z e ch e n k a n d i d a t e n. Die absolute Majorität beträgt 131. Wir sind also nahe daran; von den noch ausstehenden 102 Wahlresultaten kvimen wir noch ein knappes Drittel für die Opposition rechnen." Der Streik der Zimmerer in Flensburg ist nach einer uns zugegangenen Berichtigung noch nicht beendet, vielmehr wird der Kampf mit Unterstützung'der Organisation fortgesetzt. In Danzig haben die Buchdrucker in den Druckereien von Schroih und Bäcker die Kündigung eingereicht. Die Gehilfen ver- langen die Einführung des Tarifs. In Düsseldorf befinden sich bei der Firma Springorum (Schwarzblechwaaren-Fabrik) 36 Klempner wegen Maßregelung des Werkstattdelegirten im Streik. Van den Ausständigen gehören Mann dein deutschen Metallarbeiter- Verbände an. Der Erfolg 'ür die Streikenden, die nebenbei berechtigte Beschwerden über Miß- tände in diesenr Betriebe führten, ohne daß Abhilfe geschaffen wurde, kann nicht ausbleiben, wenn der Zuzug von Schwarzblcch- Klempnern ferngehalten wird. Briefe und Anfragen sind zu richten an Rudolf Wallbrecht, Düsseldorf, B ü r g e r st r. 12. Tie Dreher»nd Hobler der Maschinenfabrik von Wille in Braunschweig haben die Arbeit niedergelegt. Der Zuzug ist ernzuhalten. Der K 153 der Gewerbe-Ordnung war vor dem Schöffen- gcricht in Fürth in drei verschiedenen Füllen Gegenstand der Ver- Handlung. Der frühere Brauer und jetzige Gastivirth Mich. Hofmann war angeklagt, während des Brauerstreiks bei Evora u. Meyer den zugereisten Brauer Jos. Lang durch Drohungen von der Aufnahme der lrbcit bei genannter Firma abgehalten zu haben. Trotzdem Lang bei -einer kommissarischen Vernehmung auf das Bestimmteste behauptet hatte, der Angeklagte habe die bedrohenden Aeußerungen gebraucht, bekundeten in der Verhandlung zwei Zeugen, daß Hofmann' den Lang nur gefragt habe, was er sei und woher er komme. Das Gericht konnte sich von' der Schuld des Angeklagten nicht überzeugen und sprach ihn 'rei.— Ebenfalls freigesprochen wurde der Schreiner I. H. Meyer, ?er während des Holzarbeiterstreiks am 10. Oktober in einer Wirth- 'chast den Drechsler F. F e n z e l beleidigt haben soll, weil derselbe sich nicht am Streik betheiligte. Die Zeugen bekundeten, daß Meyer betrunken war.— Die Schreiner I. Lex und I. Frank waren an- geschuldigt, am 18. Oktober während des Holzarbciterstreiks die Arbeiterin C. Stöcker bedroht zu haben, wenn sie sich am Streik nicht betheilige. Lex erhielt 14 Tage, Frank 3 Wochen Gefängniß. Die Differenzen in der H e m m e r s b a ch e r' schen Spiegel- rahmen- Fabrik in Fürth sind beseitigt, nachdem die Firma die Akkorblohn-Rcduzirung zurückgezogen hat. Die Metallschläger- Bewegung in Fürth geht ihrem Ende entgegen, da bereits zirka 60 Meister bewilligt haben. Nur einige Meister sträuben sich noch, bei denen nächste Woche die Arbeiter m den Streik eintreten, wenn keine Einigung erzielt wird. Bei der Gewerbcgerichtswahl in Z e r b st siegte in der Klasse der Arbeitnehmer die Liste des Gewerkschafts-Kartells. Sozittlrs. Achtung, Versichernngspflichtige! Nach ß 104 des Jnbaliditäts- und Altersversicherungs-Gesetzes verlieren die Quittungskarten ihre Giltigkeit, wenn sie nicht bis zum Schlüsse des dritten Jahres, das dem am Kopfe der Karten verzeichneten Jahre folgt, zum U m- tausche eingereicht werden. Es sei deshalb daraus aufmerksam gemacht, daß'die im Jahre 1895 ausgestellten oder von einem Tage des Jahres 1896 ab giltigen'Quittungskarten bis zum 31.' Dezember des laufenden Jahres zum Umtausch in gereicht werden niüssen, wenn sie nicht ungiltig werden sollen. Das Gesetz sieht zwar vor, daß der Vorstand der Versicherungsanstalt des Beschästigungsortes auf den Antrag des Versicherten die fortdauernde Giltigkeit der Quittungskarte anerkennen kann, jedoch ist Bedingung hierfür der Nachweis, daß der Ver- icherte ohne sein Verschulden den rechtzeitigen Umtausch versäumt hat. Arbeiter- Risiko. In der Röhl'schen Druckerei in Quedlinburg wurde ein 16jähriger Lehrling von der Trans- Mission erfaßt und auf der Stelle getödtet. Verunglückungen des Eisenbahn- Personals bei der Prüfung der Fahrkarten im rollenden Zuge gehörten be- kanntlich früher zu den regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen. Dies hauptsächlich gab den Anlaß, die Fahrkarteiipriifung von den Zügen an die Bahnsteige zu verlegen und die B a h n st e i g s p e r r c einzuführen, eine Maßregel, mit der in Preußen am 1. Oktober 1893 begonnen wurde, und die nunmehr fast vollständig durchgeführt ist. �i'e natürliche Folge war, daß die Zahl der Unfälle, die sich bei er Fahrkartenprüfung ereigneten, fortgesetzt zurückging. Seit dem Jahre 1895 kamen tödtliche Verunglückungen hierbei überhaupt nicht mehr vor und im laufenden Jahre sind auch keine Verletzungen bei der Fahrkarten- Prüfung mehr zu verzeichnen gewesen. Die amtliche„Berliner Korrespondenz" macht noch darauf aufmerksam, daß auch in anderer Beziehung die Einführung der Bahnsteig-Spcrre von großem Nutzen gewesen ist. Die Witterungseinflüsse, denen die auf den Trittbrettern sich bewegenden Beamten namentlich in der rauheren Jahreszeit ausgesetzt waren, erwiesen sich für den Gesund- heitsznstand derselben geradezu verderblich. Jetzt sind sie den Witterungseinflüssen weniger ausgesetzt. dabei ganz gut stehem der Kutscher wiesen dagegen wältigen Lohnvcrhältnissen zu ernähren, um so weniger, VvvftttttUtlttNigvn. Eine Troschkenkutscher-Versammlung, die am Freitag in Stechert's Saal tagte und sich eines zahlreichen Besuchs erfreute, beschäftigte sich mit der laut Beschluß vom 15. d. Mts. eingeleiteten Lohnbewegung. Der Referent stellte zunächst eine Mittheilung bürgerlicher Blätter, der zufolge die Fuhrherren bereits einen Tage- lohn von 1,50 oder 1,25 M. bewilligt haben sollen, richtig. Die be- zeichnete Mittheilung sei falsch. Dagegen sei ein befriedigender Erfolg der Lohnbewegung zu verzeichnen. Verschiedene Fuhrherren haben die Forderungen der Kutscher bewilligt, um es nicht erst zu einem Streik kommen zu lassen. Die Mehrheit der Fuhrherren sträube sich entschieden gegen die Forderung der Kutscher, unter dem Vorgeben, es sei nicht möglich, einen Tagelohn von 1,60 M. zu zahlen. Es gelte jetzt, in der Erringung der gestellten Forderung nicht nachzu- lassen, und nach und nach auf den einzelnen Fuhrhöfen vorzugehen, jedoch nur auf solchen, wo alle dort beschäftigten Kutscher einig sind. Von dem beabsichtigten Vorgehen müsse aber der' Agitations- Kommission unbedingt Mittheilung gemacht werde»,' und dürften keine von den Forderungen der Kutscher ab- weichende Sonderabmachungcn mit bestimmten Fnhrherren getroffen werden. Wenn die Kutscher einig zusammenstehen, dann sei ein gutes Resultat der Lohnbewegung mit Sicherheit zu erwarten. In der Diskussion nahm ein Fuhrh'err Weber das Wort. Er be- hauptcte, daß es nicht möglich sei, mehr wie 1 M. Lohn und 25 pCt. der Einnahme zu zahlen und daß sich die Kutscher Mehrere Redner aus den Reihen darauf hin, daß es bei den gegen- nicht möglich sei. eine Familie da die Lebensweise des Kutschers, der den ganzen Tag auf der Sttatze seinem anstrengenden Beruf nach- gehen müsse, eine kostspieligere sei, wie die manches andern Arbeiters. — Die Versammlung machte die ain 15. d. M. angenommene— seinerzeit von uns mitgetheilte— Resolutton zu der ihrigen, erklärte sich mit den Ausständigen solidarisch und verpflichtete sich, dieselben in jeder Weife zu unterstützen.— Die Kutscher der Fuhrherren Ehlert und Hübner erklärten sich bereit, zunächst ihre Forderungen zu stellen._ Vehke Llttihviitzkett und Depefttzen. Glauchau, 26. November.(W. T. B.) Der von Zwickau nachts 12 Uhr 26 Min. hier eintreffende Güterzug stieß mit dem 12 Uhr 4 Min. von Glauchau nach Gößnitz abgehenden Personenzug zu- sammen. Beide Lokomotiven sind entgleist. Ein Bremser erlitt Armquetschungen, Reisende wurden nicht verletzt. Nach vorläufigen Erhebungen hat der Güterzug bei starkem Nebel das auf„Halt" stehende Signal überfahren, trotzdem die üblichen Knallsignale aus« gelegt waren. Der Verkehr konnte eingcleisig aufrechterhalten werden. Reichenau, 26. November.(B. H.) Letzte Nacht um Lffe Uhr wurde hier ein starkes Erdbeben wahrgenommen. Köln, 26. Noveniber.(B. H.) Die„Kölnische VolkSzeitung" meldet aus Berlin gegenüber den Nachrichten von der Ein- richtung einer türkischen Gesandtschast beim Vatikan, in Berliner politischen Kreisen sei hiervon nichts bekannt. Da- mit erledige sich auch die Meldung von einer Vennittelung, die Deutschland angeblich dabei gespielt haben soll. Dagegen sei richtig, daß Frankreich sich von allen Protektoratsansprüchen über die katholischen Unterthanen anderer Großmächte zurückgezogen habe. Wie», 26. November.(W. T. V.) In der heuttgen Sitzung der Oesterreichisch-Ungarischen Zentralkommission für die Betheiligung an der Pariser Weltausstellung hob Handelsminister Dipauli in warmen Worten das Einvernehmen mit dem Vertreter des Deutschen Reiches, solvie die thatkräftige Unterstützung durch den Minister des Aeußeren, Grafen Golnchowski, hervor. Der Minister theilte mit, daß die Regierung eine angemessene Erhöhung des diesem Zwecke dienenden Kredits erwäge. Budapest, 26. November.(B. H.) In Ujfcherta brach während des Jahnnarktes eine Bauern-Revolte ans. Die Gendarmerie machte von der Schußwaffe Gebrauch, wobei drei Bauern getödtet und mehrere verwundet wurden. Paris, 26. November.(W. T. B.) Die Präsidenten der Gruppen der Linken des Senats unterbreiteten heute dem Ministerpräsidenten Dupuy, dem Kriegsminister Freycinet und dem Justizminister Lebret das Verlangen, daß das Urtheil gegen Picquart ausgesetzt werde, bis der KastationShof seine Entscheidung in der Dreysus-Sache ge- fällt habe. Die Senatoren Volland und Monis, welche die Delegirten begleiteten, führten aus, die Regierung sei berechtigt, im politischen Interesse eine solche Maßnahme zu ergreifen, oder es könne ein Kommissar der Regierung beim Kriegsgerichte die Vertagung der Angelegenheit verlangen. Die Minister hörten die Senatoren an, ohne die geringste Bemerkung zu machen. Ministerpräsident Dnpuy beschränkte sich darauf, zu sagen, daß er mit den übrigen Ministcrn den Schritt der Senatoren besprechen und morgen seine Antwort ertheilen werde. PariS, 26. November.(W. T. B.) In den Wandelgängen der Kammer sprachen mehrere Deputirte die Absicht aus, am Montag einen Antrag einzubringen dahingehend, gewisse Bestimmungen des Militär- Strafgesetzbuchs abzuändern, namentlich in ber_ Richtung, daß künftighin gegen Verfügungen, betreffend die Verweisung einer Sache vor ein Kriegsgericht, die Nichtigkeitsbeschwerde bciin höchsten Gcricht zulässig sein solle. Die Nationalisten beabsichtigen, in der nächsten Sitzung der Deputtrtenkammer die Maßregelung jener Professoren und anderen Staatsbeamten zu beantragen, welche den Protest gegen die Verfolgung des Obersten Picquart unterzeichnet haben. London, 26. November.(W. T. B.) Das Handelsamt hat die Untersuchung über den Untergang des Dampfers„Mohegan" von der Atlantic Transport Line, der am 14. Oktober bei Kap Lizard scheiterte, abgeschlossen. Der Spruch lautet dahin, daß das Schiff in gutem, seetüchttgem Zustande und der Untergang desselben durch Einfchlagen eines falschen Kurses veranlaßt war. Der groß» Menschenverluft rührte daher, daß das elektrische Licht bei dem Un- fall des Schiffes erlosch. Pola, 26. November.npsc um erträgliche Lebensbedingungen beraubt werden. Die Leiden der proletarischen Mutter werden gesteigert werden, wenn der Reichstag die ungeheuren Mchrforderungen für Militär- und a n d c r e t u l t u r w i d r i g e Zwecke bewilligt, denn das Proletariat hat die Zeche zu bezahlen. Um die Kosten aufzubringen, wird in der Regel in die wasche des Armen gegriffen, indem die Lebensmittel» preise durch erhöhte Zölle, Stenern und Grenzsperren immer im« erschwinglicher werde». Auch werden die Agrarier aufs neue versuche», zu gunstcn ihrcS eigenen Geldbeutels Maßnahmen vom Reichstage zu erlangen, die ihnen erhöhte Einnahmen für Brotkorn n. s. w. sichern. Als letztes noch Verschlechterung des Schulwesens, Vernachlässigung aller Kulturanfgabcn für das Volk. Die Signatur des Reichstages wird sein:„Reue Steuern und Ziuhthausvorlagcn." Damit nun die Frauen und Mädchen des" arbeitenden Volkes davon überzeugt werden, wie wichtig es ist, daß sie mit Aufmerksamkeit und Verstimdniß den Vcrhandlimgen des Reichs- tagcs folgen und gegen volksfeindliches Beginnen ihrer Mci- mmg und ihrem Willen energisch Geltung verschaffen, wird am Mittwoch, den 80. d. M t S., abends acht Uhr. im großen Saale von Keller, Koppen st ratze 29, eine Bolkö- Bcrsainmlmig stattfinden. in der unser Genosse Reichstags- Abgeordneter W. Liebknecht über:«Die Frauen und die nächste R c i ch s t a g s s c s s i o n" sprechen wird. Genossinnen und Genossen! Agitirt für zahlreichen Besuch dieser Versammlung. Die Eiiibcrufcrin. Dritter Wahlkreis. Heute, abends 0 Uhr, findet in de» Arm in hallen, Kommandantenstr. 20, eine öffentliche Vcr- sanmilung statt, in der Genosse Dr. R. Fri edcberg einen Vor- trag hält. Hieran schließt sich ein geselliges Leisanimensein. Gäste haben Zutritt. Um rege Betheiligung der Parteigenossen und deren Familien ersucht Die Vcrtraucnsperson. Für den sechsten Wahlkreis(Rosenthaler Vorstadt) findet am Dienstag, den 29. November, abends 8l/2 Uhr, im Swincmüudcr Gescllsthaftshans. Swine Münder st raße 42, eine Volksversammlung statt, iiidcrNcichStagS-Abgcordiictcr W. Pfann- kn'ch das Thema„Kriegsgefahr— FricdcnSbürgschaft" behandeln wird. Pflicht der Parteigenossen ist eS, für regen Bestich dieser Versammlung Sorge zu tragen. Heute, nachmittags 0 Uhr, findet im KöslincrHof, KöSIiner- strafte 8, eine Volksversammlung statt, in der Genosse Dr. Wehl einen Vortrag hält über„Medizin und Politik". Z» zahlreichem Besuch der Genossen und Genossinnen laden ein Die VcriranenSpcrsouen. Bo« der„Anhänglichkeit" der HanSagraricr an ihren Grundbesitz. Das„Grmideigcnthnm" hat kürzlich bestritten,„daß beim Grundbesitz nichts weiter vorläge als ein unpersönlicher Besitz, nur bestimmt für den Zweck der möglichst vorthcilhaftcn Ansnntzimg". Wer die heutigen Grimdbcsitzvcrbältniffe genauer betrachte, dem könne es nicht zweifelhaft sein,„daß mit jedem Besitz anck, ein reiches Maß von Anhänglichkeit des Besitzers an fein Besitz- thum verbunden ist". Die genauere Betrachtung bestätigt diese Behauptung für Berlin nia>t. Von den bei der 1895er Zählung hier vorhandenen bewohnten Grundstücken gehörten den zeitigen Eigcnthümcrn 20,5 pCt. seit vor 1870, 8,0 pCt. seit 1870— 80, IliO PCt. seit 1881-85, 20,7 PCt. seit 1880-90, 33,8 pCt. seit 1801 bis 1895. Ein Drittel aller Gnindftücke gehörte also erst seit höchstens 4"-» Jahren ihren Eigcnthiimcr»!'Das sieht nicht nach einer besonderen„Anbänglichkeit" der Grundbesitzer an ihrem Besitz ans. Nun sind diese Zahlen allerdings nicht mehr so ungünstig, wie die bei der 1890er Zählung ermittelte». Damals waren sogar 45.9 pCt. aller bewohnten Grundstücke, also ziemlich die Hälfte, erst seit höchstens 4U/is Jahren im Besitz ihrer zeitigen Eigcnthumer. Die Beweglichkeit des Grundbesitzes hat sich demnach seit 1890 vermindert. Liegt das aber daran, daß die „Anhänglichkeit" der Hauseigenthümcr an ihre Miethskasernen seit dein zugenommen hat? Die Ergebnisse der Berliner Statistik der freiwilligen und unfreiwilligen GrnndstückSvcrkänfe. der vcrmietheten und imvernncthctcn' Wohnungen, der MicthS erhöhungen und Micthscrmäßigungen deuten auf eine andere Ilrsache hin. Von den Zahlen der 70 er Jahre wollen wir absehen, weil diese Zeit mit ihrer wilden Banspeknlation, ihrem rücksichtslosen WohnunasNmchcr und dem darauf folgenden Krach außergewöhnliche Verhältnisse bot. Gegen die Zahlen der 80cr und 90er Jahre aber kann dieser Einwand nicht gemacht werden. Sie er- geben mit hinreichender Deutlichkeit, daß die Neigung, seinen Grundbesitz zu veräußern, im allgemeinen dann wächst, wenn die Zahl der unvernneth eten Wohnungen zurückgeht und— im Zusammenhange damit— die Zahl der M i e t h s m ä ß i g u n g e n ab-, die der Micths- erhöhungen zunimmt. ES ist(meist sehr gleichmäßig oder mit nur geringen Schlvankungen) der Antheil der unvcrmietheten Wohnungen an der Zahl aller Wohnungen vom 1. Quartal 1879 bis 1. Quartal 1887 von 7.8 pCt. auf 2.1 pCt. gesunken, die Zahl der Miethöermätzigungcn von 1379 bis 1883 von 40 280 auf 2144 gesunken, die der Miethserhöhungen von 1379 bis 1887 von 2338 auf 44 990 gestiegen, das Verhältnis der Zahl der fteiwilligen Verkäufe von Grundstücken(bebauten und unbebauten) zur Zahl aller im Miethssteucr-Kataster geführten Gnmdstücke von 1879 bis 1889 von 7,0 pCt. auf 13,9 pCt. gestiegen, das Verhältniß der Zahl der Subhastationen zur Zahl aller Grundstücke von 1879 bis 1888 von 4,1 pCt. auf 0.2 pCt. gesunken. Die Hausbesitzer haben mithin ihre Grundstücke um so eifriger verkauft, je leichter und Vesser sich die Häuser vermictheten, je mehr Freude sie also ihren Eigentbümeni machen mußten; das heißt: die„Anhänglichkeit" an den Grund- besitz war gerade in der Zeit am geringsten, wo sie am größten hätte sein' sollen. DaS ist nicht so verwunderlich, wie cS auf den ersten Blick erscheint. Es kommt eben den Hausagrariern, trotz gegentheiliger Versicherung des„Grundeigenthums", doch nur an auf„möglichst vortheilhafte Ausnutzung" ihres Besitzes, fei es durch Vermicthung, sei es durch Verkauf. Sobald Miethshäuser ge- sucht sind, also im Preise steigen und mit Vortheil verlaust werden können, vergessen die Eigenthümer die.Anhänglichkeit" an ihre lieben Häuser imd schlagen los. Wir wollen ihnen das nicht verdenken, aber man thue doch nicht so, als sei den meisten Besitzern ihr Haus etwas anderes als ein Ausbcutungs- objekt. In dem Jahrfünft 1890—95 nun trat für den Berliner Grundbesitz tvicder eine Bewegung ein. die der oben dar- gelegten entgegengesetzt war. Die Zunahme der Bauthätigkeit in der zweiten Hälfte der 80 er Jahre und hinterher die Abnahme dcS Zuzugs in der ersten Hälfte der 90 er Jahre bewirkten, daß die un- vermictheten Wohnungen von 1887 bis 1895 von 2,1 pCt. lviedcr auf 0.8 pCt. anwuchsen, die Miethserhöhungen von 1887 bis 1894 (nur bis hierher liegen Angaben vor) von 44 990 auf 5013 sanken, die Micthsermäßignngcn von 1883 bis 1894(nur bis hierher Angaben) von 2144 ans 19 475 stiegen, die freiwilligen Verkäufe von 1889 bis 1895 von 18,9 pCt. auf 3,0 pCt. sanken, die Subhastationen von 1883 bis 1895 von 0,2 pCt. auf 1,0 PCt. stiegen. Die Hansbesitzer konnten in dieser Zeit ihre Grundstücke nur schwer mit Vortheil los werden, darum zogen sie es vor, sie zu behalten. Auf diesen Umstand, nicht etwa ans eine Zunahme der„An« hänglichkeit" der Hansbesitzer an ihre MicthSkascrnen, dürfte eS zurückzuführen sei», daß 1895 die erst vor weniger als 5 Jahren in anderen Besitz übergegangene» Häuser in erheblich vcnnindcrtcr Zahl erscheinen. Kirchenlichter engroS. Allerlei„Intimes" von der Orient- reise erzählte nach den Berichten konservativer Blätter Prediger Weser in einer Versammlung des Gustav-Adolf-Vcrcins. Prediger Weser war früher Geistlicher in Jerusalem und hat als solcher im Jahre 1872 die Mnristankapelle eingeweiht, in der bisher die cvan« gclischen deutschen Gottesdienste abgehalten worden find. Die dieS- jährige große Reise nach dem heilige» Lande hat er an Bord der „MilternachtSsomie" ausgeführt. Bon diesem Schiff scheinen die Reisenden sehr wenig erbaut gewesen zu sein. Lic. Weser verglich cS dem fliegenden Holländer. In den Kabinen herrschte eine Hitze, wie sie im Novcnibcr selbst in Afrika ungebräuchlich sein dürste. Wer auf der„Mitternachtssonne" nicht Exzellenz war, spielte eigentlich gar keine Rolle. Ein Superintendent war da schon blos noch ein ganz kleines Wesen. Allein an 20 bis 30 General- Silpcrintcndeiitcn waren an Bord, so daß Propst v. Freiherr von der Goltz sich zu der Bemerkung gedrungen fühlte:„Wenn man die Gcncral-Snpcrintendentrn so' h e e r d en>v c i s e zu- s a m m e n s i e h t. machen sie doch nicht mehr solchen Eindnick!" Im AlterthumS- Mnscnm zu Kairo wurde König Rhainses II. als „Lntifemitcnheiliger" am meisten aiigeftamit,„der ja zu Mose Zeiten die Juden tüchtig unterdrückt" hat.— Nach der Ein- weihnug der Erlöscrlirche soll Wilhelm II. in einer Ansprache an die Geistlichkeit gesagt haben:„Für uns evangelische Deutsche ist gegenwärtig die günstigste Zeit, um ans die armen Unter- l h a n c n der T ü r k e i Eindruck zu machen." Ob damit dieselbe Art von Eindruck gemeint ist, die bis jetzt ans die„Untcrlhanen" in Deutschland ausgeübt wurde? Die Berliner AilivaltSkammer hielt am 20. November im Kamwcrgericht eine ordentliche Versammlung über den Geschäfts- betrieb dcS Vorstandes und des Ehrengerichts der Anwaltskammcr ab. Im ganze» sind 39 Mitglieder aus der Kammer � geschieden; neu zngclasscu wurden 73, darunter 3 beim Kammergcricht. 50 bei den Landgerichten und 14 bei den Amtsgerichten. Im Kammer« gcrichtSbczirk sind gegenwärtig 975 Rechtsanwälte zugelassen, darunter 74 beim Kammergcricht, 579 beim Landgericht I Berlin, 153 im LandgcrichtSbczirk Berlin II, 32 im LandgcrichtSbczirk PotSdem, 24 im LaudgcrichtSbczirk Prcuzlau, 21 im Landgerichts« bezirk Ncu-Ruppin, 23 im LandgcrichtSbczirk KottbuS, 20 im Land- gcrichtSbczirk Frankfurt a. O., 24 im LanogcrichtSbezirk Guben, und 25 im LandgcrichtSbczirk Landsberg a. W. Der Vorstand der Berliner Anwaltskammcr hat während des letzten Gcschästsjahres 513 Be« schwcrdrn und 92 Gesuche um Zulassung als Rechtsanwalt entgegen- genommen. Von den 5t3 Beschwerden sind nur 17 als begründet erachtet worden. DaS Asyl siir männliche Obdachlose in der Wiesen» strafte ist jetzt nach dem Eintritt der kälteren Witterung all- abendlich überfüllt, und auch das F r a n c n- A s y l in der Füsilier st raße kann kaum die Zahl der Bcsncherinncn fassen, die sich vielfach in Begleitung v o n K i n d e r n zur Aufnahme melden. Gerade der Anblick dieser Kleinen ist meistens im höchsten Grade bcjanmrcrnSwenh, da ihre Kleidring so mangelhast ist, daß sie gegen Kälte und Rasse kaunr nothdürftig geschützt sind. Hier können also wohlthätigc Menschen sehr viel gutes thnn, indem sie dem Vorstände dcS Asyls alte Kleider und Schuhe zur Vcr- fügimg stellen, die auf eine vorherige Anzeige gern abgeholt werden. Die Hofliescrantcuscicr ist gestern in programmäßiger Be- gcistmnig verlaufen. Ganz nach Wimsch des Komikers Guthery hatten nicht allein sämmtlichc am Patriotismus materiell interessirten GeschästSlcutc, sondern auch manche Wirthe und Hotelbesitzer,� die sich vom Wohlwollen der Polizei abhängig fühlen mochten, die Häuser wstlich mit Fahnen geschmückt. Auch die Angestellten der in betracht kommenden Patrioten waren freudig bewegt, denn sie sagten sich, daß das einfache Herausstecken der bunten Flaggen das Spesenkonto ihrer Prinzipale nicht belasten könne, und so den patriotischen Unter« »chincm kein Anlaß erwachse, sich zur Deckung von Unkosten an den ihnen zugedachten Wcihnachtsgratifirationen schadlos zu halten. Auch die staatlichen Gebäude hatten Fahne» aufgezogen, desgleichen die kaibolischen Kirchen, von wegen der Schenkung der Dormition, wie der„Rcichsbote" schreibt. Dies Blatt scheint offenbar mit Hof- lokaie» Fühlung zu haben, denn es meldet außerdem noch. daß sich„Bekannte" zugerufen hätten:„Es ist doch gleich zu merken, wenn der Herr wieder nach Hause kommt." Sehr bedauert wurde von den königStreucn Herren und Damen, daß die Theater und Vcrgnügimgslokale von dem Jubel des deutschen Volkes fast gar keine Notiz genommen haben. Nur zwei Theater trugen dem festlichen Tage m ihrem Programm halbwegs Rechnung. Das„Theater des WcstcnS", indem es in sinniger Symbolik der Reise ins gelobte Land„Die Jüdin" gab, und die Nnscha-Butze« Bühne, die mit„Hofgunst" aufwartete. Drei garantirt echte Vismarrk-Hnare enthält jeder der nach- folgend abgebildeten drei Schmnckgegenstände. Jedem Gegenstand wird ein E ch th eit S- A tt e st eines kgl. preußischen Notars bei- gegeben I So zu lesen in dem Schaukasten eines Juweliers in der Wilsnackcrstraße. Damit ist wahrlich der Personenkultus auf die höchste Spitze getrieben. Wie unendlich erhaben mag sich wohl der glückliche Besitzer eines derartigen drcihaarigen Schmuckgcgcn- standes fühlen. wenn er diesen seltenen Talisman spazieren führt. Da die Natur diese dem Fürsten einst gegebene Kopf- zierde in geizigster Weise wieder zurückforderte, ist anzunehmen, daß der geringe Lagerbestand bald geräumt sein wird. Doch vielleicht tritt Bismarchs früherer Haarschneider, dem einstmals Bismarchs „Polka-Locken" zum Opfer fielen, mit dem findigen Juwelier in Geschäftsverbindung. Denn daß Bismarchs treue Verehrer infolge einer unliebsamen Verwechslung sich in ihren heiligsten Gefühlen gekränkt fühlen könnten, das wäre denn doch zu—— haarig I I» Sache» der jüdischen Lehrerinnen hat auch die Rc« präsentauten-Vcrsammlimg der Berliner Jüdischen Gemeinde Stellung genommen. Sie beschloß, eine erneuerte Eingabe an den Kultus» minister zu richten, miter besonderem Hinweis darauf, daß die am 14. April 1890 wegen Zurücksetzung der jüdischen Lehrkräfte abgesandte Petition bisher unbeantwortet geblieben ist. Der erste Müllverbrennungsofen in Berlin soll— wie ein Berichterstatter wissen will— am 1. Januar 1899 in Betrieb gesetzt werden. Der Probe-Ofcn. den die Gesellschaft„Müllschnielze", Patent Wegncr, vor einem halben Jahre in der Gitschinerstraßc auf- gestellt hatte, hatte sich gut bewährt, konnte aber nicht in Gebrauch behalten werden, weil er sich gesenkt hatte. Der Platz nämlich, wo er stand, gehörte früher einer Aunnoniakfavrik, deren Säuren das Erdreich durchsetzt hatten und nun dnrch die große Hitze des Ofens gn schmelzen begannen. Infolge dessen mußte der neue Ofen IVO -lceler weiter gerückt werden. Er ist ans einer ganz besonderen Art von Sternen gebaut, die eine Hitze von über 2000 Grad Ncaumnr r nrü?flcn' Was bei dem ersten Ofen nicht der Fall war. Die Ge- ' Im-lr � r �stt, vom 1. Januar ab bis auf weiteres täglich 1000 Ctr. -Uull beseitigen zu können, und wird vorerst nur de» Müll der Wirth- Ichastsgeiio ssenschaft Berliner Grundbesitzer verarbeiten, s Zur Husarcnpolittk. Wegen Unterstützung des von Podbielski bohlottlrteii„Deutschen Postboten", vor dem der Staatssekretär des llteichspostaints die Unterbeamtcir seines Ressorts bekanntlich durch einen amtlichen Erlaß gewarnt hat, haben auch in Berlin Vernehmungen stattgefunden. Der Postnntcrbeamten- Verein„Norden" veranstaltete am 6. November eine gesellige Zu- sammenkunft. Dieselbe war in der voraehenden Nummer des„Deutschen Postboten" von dessen Vorstand, jedoch ohne Namensunterschriften, angezeigt� worden. Die vier Vorstandsmitglieder des Vereins, oif. �cn Postämtern 87 sSchwedterstraße), 28 sAnklamerstraße), L0 iPrtnzen- Allee) und 39 lReinickendorferstraße) bedienstet sind, wurden deshalb am Sonnabend, den 12., zum ersten Male gleich- zeitig ans ihren Acmtern von Postinspektorcn vernommen. Die Beamten erklärten übereinstinimend, daß sie die Anzeige schon im Sommer, noch ehe der Erlaß des Staatssekretärs gegen den„Post- boten" erschienen war, der Redaktion des Blattes und zwar mit ihre» Namen eingesandt hätten. Die Anzeige wäre damals schon eingereicht worden, da man sich so frühzeitig des vielbegehrtenLokals, in dem das Ver- gnügen abgehalten werden sollte, vergewissern niußte. Als dann die Warnung ,m Amtsblatt des Rcichspostamts erschien, hätten sie die Anzeige zurückgezogen. Die Redaktion des Fachblattes habe jedoch die Anzeige trotzdem später veröffentlicht, allerdings die Namen der Vorstandsmitglieder weggelassen. Sie hätten auch für die Anzeige nichts bezahlt. Neue Vernehmungen haben in der Angelegen- heit vorgestern stattgefunden. Die Denunziationspest. Eine Aufsehen erregende Verhaftung fand am Donnerstag Abend in der H.'schcn Weinstube statt. Ein Herr, der in Begleitung einer Dame das Lokal besuchte, führte, augenscheinlich in angeregter Stimmung, mit derselben eine so laute Unterhaltung, daß nothgedrungen auch die an den Nebentischen sitzenden Gäste davon Kenntniß nehmen muhten. Das Gespräch drehte sich um den Kaiser. Plötzlich stieß der Herr eine Majestäts- beleidigung aus, und sofort fand sich ein zum Denunziren bereiter Gast bemüßigt, einen Schutzmann herbeizurufen nnd den Herrn sistiren zu lassen. Ans der Wache gab derselbe sich als der Amerikaner Frank Knaak zu erkennen, welcher seit September im„Kaiserhof" wohnt und die Absicht hatte. sich hier dauernd niederzulassen. Er ist seit 1882 in New-Dork an- sässig und war einer der ersten, der es verstand, die Wasserkräfte des Niagara-Falles zu gewerblichen Zwecken auszunutzen. Er wurde wegen vorliegenden Fluchtverdachts in Haft genommen. Sein Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, hat sofort bei der Nordamerikanischen Gesandtschaft Schritte gethan, um die Freilassung des Verhafteten zu erwirken, da der Botschafter aber zur Zeit in Italien weilt, so hat sich der Botschaftssekretär mit dem Unterstaats- sekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn v. Richthofen, in Ver- binduna gesetzt, um nach der erwähnten Ricbtnng hin Maßnahmen zu treffen. Wenn wir recht unterrichtet sind, haben die amerikanischen Ge- sandten hiersclbst ihre Landsleute schon mehrfach vor den Gefahren des Aufenthalts in Deutschland gewarnt. Unter den beschämenden Zuständen von heute wäre die Wiederholung einer solchen Warnung sehr am Platze. Die Nikolaikirchc hat am Freitag einen militärischen Wachtposten erhaten, der während der Nachtzeit diese älteste Kirche Berlins zu bewachen hat. Um 6 Uhr nachmittags, also um die Zeit, zu welcher in der Berliner Garnison des Winters der Dienst für die Nachtposten beginnt, zog plötzlich zum Erstaunen der Bclvohncr des stillen Nikolaikirchhofs bei der Kirche ein Grenadier auf Posten und begann sofort, uni dieselbe herum zu Patrouilliren. Die Kirche er- hält nämlich zur Zeit neue Eingangsthüren, und um zu verhindern, daß abends oder zur Nachtzeit jemand durch die nur ungenügend gesicherten Thüröffiiungen in die Kirche eindringt, wird diese bis zur Beendigung der Arbeiten auf Veranlassung des Kirchenvorstandes durch einen Nachtposten der Schloßwache bewacht. Die innigen Bc- ziehungen zwischen Kaserne und Kirche könnten übrigens sehr sinn- voll dnrch ständige Wachtposten vor den Kirchcnthiircn' veranschaulicht werden. vei den Arbeiten in der Siegeö-Rllee tödtlich verunglückt ist gestern Mittag der 36 Jahre alte Kutscher Karl Gerch. Um das Gelände für die neuen Standbilder herzurichten, holzt man dort jetzt auch auf der östlichen Seite einen Streifen des Thiergartens ab. Gerch war damit beschäftigt, die gefällten Bäume abzufahren. Als er einen Wagen vollgeladcn und wegfahren wollte, gericth er beim Anziehen der Pferde zwischen den Wagen und einen stehen- gebliebenen Baum. Der Unglückliche erlitt am Unterleib so schwere Quetschungen, daß ein Schutzmann ihn mit einer Droschke in ein Krankenhaus bringen mußte. Hier starb er schon nachmittags um L Uhr an einer Darmzerreißung. In einem Krampfanfallc vom Kutscherbock gestürzt ist vorgestern Mittag der Droschkenkutscher Karl Sisch in der Neuen Wilhelmstraße. Durch einen anderen Kutscher und einen Schutzmann wurde er bewußtlos in die Charitee gebracht. Plötzlich gestorben. Vorgestern Abend gegen 10 Uhr sah ein Schutzmann in der Potsdamerstraße vor dem Hause Nr. 10 eine betagte Frau stehen, die sich an der Schaufensterstange eines Ladens krampfhaft festhielt. Als er sie ansprach, um ihr seinen Beistand anzubieten, holte sie einigemale Athem, wandte sich dann um und fiel dem Beamten besinnungslos in die Arme. Der Beamte brachte die Kranke mit einer Droschke schleunigst nach der Charitee. Hier starb sie schon während der Ausirahme, ohne das Bewußtsein wieder- erlangt zu haben. Nachträglich wurde sie festgestellt als die 62 Jahre alte Wittwe des Landgerichtsdirsktors Pannenberg aus der Stuben- rauchstr. 5 zu Schöneberg. LiebeSgram. In dem Wagen eines StadtbahnzugeS versuchte sich vorgestern Abend die 22jährige Verkäuferin Martha H. zu vergiften. Die H., Ivelche bereits die Aufmerksamkeit der Mitpassagiere durch ihr auffälliges Gebühren erregt hatte, zog plötzlich ein kleines Fläschchcn aus der Tasche und setzte es an die Lippen. Ehe sie jedoch von dem Inhalt winken konnte, entriß ihr ein Herr daS Fläschchen, welches. wie sich alsbald herausstellte, mit Oleum gestillt war. Als Grund für den Selbstmordversuch gab die H. Liebesgram an. Das Polizeipräsidium theilt mit: Am 17. d. M. ist hinter einer offenstehenden EingangSthür zu einem Geschäftsladen in der Neuen Königstraße ein schwarzer Livreerock mit weißen Metall- knöpfen mit dem Buchstaben G. versehen, aufgefunden worden. Da anzunehmen ist, daß dieser Rock aus einem Diebstahl herrührt, wollen sich eventuelle Geschädigte in den Vormittagsstunden im Polizeipräsidium, Zimmer 326. melden.— Einem festgenommenen Knaben ist eine gelbgraue Pferdedecke mit breiten rothen und blauen Qncrstreifen, an den Kanten mit rothgclber Wolle Ireuzweis über- näht abgenommen worden. Der Knabe will die Decke am 9. No- vember in der Nähe der Nikolaikirche vom Bocke einer Droschke ge- stöhlen haben. Der Eigenthümer kann die Decke in den Vormittags« stunden im Zimmer 330 dcS Polizeipräsidiums in Empfang nehmen. Straßensperrung. Das Holsteiner Ufer von der Brücken- Allee bis zur Claudiusstraße wird behufs Herstellung eines Boll- Werkes vom 23. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Die Kunst-Schaubühne(Direktion: Dr. Köppen und Dr. StödMer) veranstaltet heute nachmittag 5 Uhr im wissenschaftlichen Theater der alten Urania Jnvalidenstr. 67, ein- Wiederholung deS Proieltionsvortrages: Moderne Karikaturen" vom Redakteur Fritz Stahl. lieber Hochschul-Pädagogit spricht Herr Dr. HanS Schmidkunz am Montag Abend 81/, Uhr in der Aula des Friedrich-Werderschen Gymnasiums, Dorotheenftratze 13/14. Es ist dies der zweite der angekündigten acht Vorträge über das Thema„Schule und Hochschule". Preis der Eintritts- karten 1 M. Fcuerbeilchi. Sonnabend Nachmittag würde die Feuerwehr nach O r a n i e n st r a ß e 105 gerufen, wo in der Herberge zur Heimath mehrere Bodenkammern in Flammen standen. Da dos Feuer rechtzeitig bemerkt war, konnte größerer Gefahr leicht vorgebengt werden. Ein weiterer Dachstuhlbrand verursachte einen Alarm nach R e i n i ck e n d o r f e r st r. 64. Die Dachkonstruktion wurde theilweise eingeäschert und außerdem der Schornstein stark beschädigt. Aus den Nachbarorten. In Charlotteuburg spricht am Montag Abend in der bei Hermcrschmidt, Ecke der Benßelstraße und Kaiserin Angusta-Allee stattfindenden Volksversammlung Genosse Paul Hirsch über die Bedeutung des Koalitionsrcchts.' Die Parteigenossen jenseits der Spree werden namentlich auf diese Versammlung aufmerksam gemacht. In Rixdorf wird heute Mittag 12 Uhr im„Apollo-Theater", Hennaniistr. 48,50, ein vom polnischen Klub Jaroslaw Dabrowski veranstaltetes Konzert gegeben, auf welches wir unsere Leser hin- weisen. Der Ucberschuß kommt einem kranken Parteigenossen zu gute. Programm 25 Pfg. Im Paradicögartcn z« Birkcuwerdrr findet nach sechs- jähriger Pause, die dnrch die behördlichen Maßnahmen erzwungen war, heute Nachmittag 2 Uhr zum ersten Male wieder eine Volks- v e r s a m m l u» g statt. Die Parteigenossen von Berlin, Weißen- see ec. werden ersucht, sich nach Kräften an dieser wichtigen Ver- sammlung zu betheiligen; auch wolle man das genannte Lokal bei Ausflügen berücksichtigen. Abfahrt vom Bahnhof Gesundbrunnen heute Mittag 12 Uhr 41 Minuten. Abends veranstaltet der Wirth eine Unterhaltung für seine Gäste. Der Vertrauensmann von Weißensee. Pankow- Niederschönhansen. Zu dem am Dienstag Abend 9 Uhr bei Settekorn in Niederschönhausen stattfindenden Leseabcnd wird zahlreicher Besuch erwartet. Der Vorstand. Die Petition an die Rixdorfer Gemeindevertretung um Errichtung eines Gcwerbcgerichtes ist von letzterer in ihrer jüngsten Sitzung vertagt worden unter Ueberweisung der Petition an die Etatskommission. Maßgebend für die Vertagung war dies- mal die angebliche Rücksicht auf den Umstand, daß Rixdorf sehr bald Stadt sein wird und man der künftigen Stadtverordneten- Versammlung nicht vorgreifen dürfe. Dieser das erforderliche Material zu beschaffen in der Gewerbegerichts-Angelegcnheit wurde die Etatskommission beaustragt. Genehmigt wurde dagegen die Petition der Handarbeits-Lehreriimen um feste Anstellung. Gegen- wärtig sind 7 Handarbeits-Lchrerinnen an den Rixdorfer Schulen thätig, jedoch ohne fest angestellt zu sein. Die Schädigung, welche die Kleingewerbetreibenden und mehr noch die Arbeiter durch die Gefängnißarbeit erleiden, wurde dnrch einen Vortrag im Schöncberg'er Handwerkerverein an einigen Beispielen dargelegt. Im Bromberger Gefängniß kostet das B e- sohlen von einem Paar Stiefel mit Zuthaten 1,20 M., dabei be- trägt der Arbeitslohn 0,50 M. Der freie Handwerker hat seinem Gesellen an Lohn allein mindestens 0,70 M. zu zahlen, die Sohle kostet 0,80 M. Wachs, Stifte, Abnutzimg des Handwerkszeugs soll mit 0,10 M. berechnet werden, so daß er allein schon an Selbstkosten 1,60 M. hat. Hierzu kommen noch die Ausgaben für die Familie, für Miethe, Licht, Gewerbesteuer, Krankenkasse u. s. w. Dabei ist der Broniberger Preis noch ein hoher. In anderen Anstalten kostet das Besohlen gar nur 0.85 M. Auch im Schneider-Hand- werk wird bei Gefängnißarbeit nur etwa ein Drittel desjenigen Betrages gezahlt, den ein solider Handwerler für sich beanspruchen muß.' um existiren zu können, und ähnlich ist es in allen anderen geschädigten Betrieben, wie Cigarrenfabrikation, Stuhl- flechterei, Korbmacherei, Buchbinderei k. Zur Frage der Erhöhung dos Schulgeldes au den höheren Schule» in Charlotteuburg ist der Magistrat dem Beschluß der Deputation für die höheren Lehranstalten beigetreten. Demnach soll vom April 1899 an eine Erhöhung des Schulgeldes an den Vor- schulen, in den höheren Klassen und in einigen Klassen der höheren Miidcheiischnle eintreten. In Obcrsekunda. Ober- und Unterprima soll das Schulgeld auf 110 M., in der Vorschule auf 100 M., in den Klassen sieben,' acht und neun der höheren Mädchenschule auf 80 M. erhöht werden. Durch Sturz auö einem Fenster des fünften Stockwerks nn Hause Nenmcisterstr. 1 zu Spandau hat am Freitag das 1>/zjähr!ge Kind des Schlossers Nimtz vom Feuerwerks-Laboratorium, das ohne Aufsicht in der Wohnung zurückgelassen worden war, seinen Tod ge- funden. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Ehestkev. Wochen> Spielplan der hiesigen Bühnen. Freie Volks- b ü h n e, 23/i Uhr, Friedrich-Wilheloi städtisches Theater III. Abtheilung(graue Karten):„Liebelei" und„Lumpeiivagasch". L e s s i n g- Theater I. Abthciluna(rothe Karten):„Nora".— Opernhaus: Sonntag:„Mignon". Montag:„Der Ring des Nibelungen". 3. Abend. „Siegfried". Brünnhilde: FrauZ Senger- Beltaque, kgl. bayer. Kammer- sängerin, Alberich: Herr Fritz Friedrichs, als Gäste. Anfang 7 Uhr. Dienstag:„Don Qnixote". Mittwoch:„Der Ring des Nibelungen". 4. Abend:„Götterdämmerung". Brünnhilde: Frau Seiiger-Bettaque, Alberich: Herr Friedrichs als Gäste. Anlailg 61/} Uhr. Donnerstag: „Hansel und Gretel".„Die Puppensee". Freitag:„Falstass". Falstaff: Herr Viktor Manrel ans Paris, als Gast. Sonn- abend:„Carmen". Carmen: Frau Senger-Bcttaque, als Gast. Sonntag, 4. Dezember:„Tannhäuser". Anfang 7 Nhr. Montag, 6. Dezember:„Don Giovanni".(In italienischer Sprache.) Don Giovanni: Herr Viktor Manrel auS Paris, Donna Anna: Frau Lilli Lehmann, als Gäste.— Schauspielhaus. Sonntag:„No. 17". Montag:„Maria Stuart". Ansang 7 Uhr. Dienstag:„Auf der Sonnenseite". Wulkow: Herr Emil Thomas, als Gast. Mittwoch:„Faust". Anfang 7 Uhr. Donnerstag:„Auf der Sonnenseite". Herr Emil Thomas, als Gast. Freitag: Neu einstudirt: „Don Carlos". Anfang 7 Uhr. Sonnabend:„Auf der Sonnenseite". Herr Emil Thonias, als Gast. Sonntag, 4. Dezember:„Auf der Sonnenseite". Herr Eniil Thonias, als Gast. Montag, 6. Dezember:„Don Carlos". Anfang 7 Uhr.— Neues Königliches Opern-Theater. Sonntag:„Der Kauf- mann von Venedig". Sonntag, 4. Dezember:„Die Ouitzows".— Das Deutsche Theater bringt in der nächsten Woche Wiederholungen von „Fuhrmann Henschel" außer am Sonntag Abend noch am Dienstag, Mittwoch, Freitag und nächstfolgenden Sonntag Abend; an den drei übrigen Abenden der Woche tritt Josef Kainz nach seiner Rückkehr vom Wiener Gastspiel wieder in seine Rollen ein und zwar am niorgigen Montag als„Cyrano von Bergerac", am Donners- tag als„Hamlet" und ani Sonnabend als„Johannes".— Im S ch i l l e r- Theater wird das Volksstück„Das vierte Gebot" von Anzengruber an allen Tagen der Woche, mit Ausnahme vom Freitag, gegeben werden, an welchem Tage Philipp Langiiianii's Drama„Bartel Turaser" angesetzt ist.— Das Repertoir des Residenz-Theaters wird mich in der kommenden Woche ausschließlich der Schwanl „Mamsell Tourvillon", vorher„Der Küchenjunge", beherrschen.— Das Metropol-Theater veranstaltet am Sonntag um 3 Uhr nach- mittags das Zweite Große Militar-Promenaden-Konzert unter Leitung des Kapellmeisters Max Graf. Abends um V28 Uhr geht die Operette„Die Blumen-Mary" in Szene. Der Operette folgt dann das große Ballet:„Die Sünden der Frauen".— Das Belle-Alliance-Theater kündet für Dienstag die fünfzigste Aufführung von„Napoleon" mit Gustav Kober als Gast" an. Donnerstag wird zum ersten Male„Die Stedmger", historisches Volksschauspiel von G. Burseler gegeben.— Von„Mene-Tekel" findet am Sonntag die letzte Nachmittags- Vorstellung, in welcher jeder Er- wachsen- das Recht hat, ein Kind frei einzuführen, statt. Für die Nach- inittage im Dezember bereitet die Direktton ein Märchenstück vor.— Theater des Westens: Sonntag und Dienstag„Die Regiments- tochter", Montag und Donnerstag„Der Freischütz", Mittwoch„Lustige Welver", Freitag„Zar und Zimmerniann", Sonnabend„Die Jüdin".— Im Thalia-Theater wird die ganze Woche„Der Hypothekenschuster" gegeben.— Im Zentral-Theater heute Nachmittag„Der arme Jonathan", abends die ganze Woche„Die Geisha".— Im Ostend-Karl Weiß-Theater geht heute Nachmittag 2»/, Uhr„Der Hüttenbesttzer" in Szene.„Onicl Jonas" bleibt abends auf den, Repertoir.— Am Mittwoch geht als 4. Schülervorstellung„Don Carlos" in Szene, j Nach 8 75 deS Krankenberstchermigs-GesetzeS haben die eingeschriebenen Hilfskassen allen ihren versicherungspflichtigen Mit- gliedern in, Krankheitsfälle vorbehaltlich der Höhe des Krankengeldes die in Z§ 6 und 7 des KrankenversicherungS-Gesetzes vorgeschriebene freie ärztliche Behandlung zu gewähren. In einem Streitfalle hat nun da? Landgericht entschieden, daß unter ärztlicher Behandlung diejenige zu verstehen sei, die ein wissenschaftlich vor- gebildeter approbirter Arzt zu leisten vermag; zu ihr gehöre auch die Behandlung durch einen sogenannten Spezialarzt, falls die Behandlung spezielle Kenntnisse und Kunstfertigkeiten erforderlich mache. Wenn eine solche Hilfskasse statutenmäßig anordne, daß die ärztliche Behandlung nur durch bestimmte vom Vorstande angestellte Aerzte zu gewähren sei, und daß die durch Jnansprnch- nähme anderer Aerzte entstandenen Kosten von der Kasse nicht gezahlt werden, so müsse eine solche Bestimmung voraussetzen, daß die Kasse in ausreichendem Maße geeignete Aerzte ihren Mitgliedern zur Verfügung stellt, insbesondere auch für Fälle, in denen eine spezialärztliche Behandlung nöthig ist, solche Spezialärzte anstellt. Andernfalls hat sie die Kosten der vom Kassenarzt für nothwendig erachteten Heranziehung eines Spezialarztes zu tragen. Sechs Monate Gefängniß hatte das Schöffengericht gegen den Blichdrucker Rudolf Woitschätzke erkannt, weil er eine anstäiidige Frau auf der Straße beleidigt hatte. Das Schöffengericht war bei der Strafabmeffung von dem Grundsatze ausgegangen, daß dergleichen Ausschreitungen nicht streng genug geahndet werden' könnten. Am Nachmittage deü 3. Juli wurde die Frau des Fabrikbesitzers N. in der Andreasstraße von dem ihr ent- gegenkommenden Angeklagten angerempelt. Die Dame that, als merkte sie es nicht und suchte schnell davonzukommen. Der Angeklagte folgte ihr und überhäufte sie mit den gemeinsten und uiiflälhigsten Schimpfworten, bis die völlig fassungslose und geängstigte Frau beim Publikum Schutz fand. Im gestrigen Termine vor der'Berufungsstrafkamnier suchte der Angeklagte mit Hilfe seines Vertheidigers, Rechtsanwalts Timendörfer, eine Herabsetzung des Strafmaßes zu erzielen, indem er nachzuweisen bestrebt war. daß er an dem fraglichen Tage sinnlos betrunken gewesen sei. Einige Zeugen bekundeten auch, daß dies der Fall gewesen sei, andere dagegen be- zeichneten ihn nur als angetrunken. Der Prinzipal des Angeklagten stellte ihm ein gutes Zeugnis; aus, er habe nur den einen Fehler, daß er sich ab und zu betrinke und in diesem Zustande die tollsten Sachen mache. Der Vertheidiger beantragte noch die Ladung aller früheren Arbeitgeber des Angeklagten, welche ihm ebenfalls das glänzendste Zeu'gniß ausstellen würden. Einen solchen Menschen wegen einer ersten und einzigen Ausschreitung gleich mit sechs Mo- naten zu bestrafen, sei eine Härte, die sich nicht billigen lasse. Der Staatsanwalt fand das erste Urtheil nicht anfechtbar, die Strafe sei der außerordentlich rohen Ausschreitung gegenüber durchaus angemessen. Die beleidigte Zeugin bat den Gerichtshof thränenden Auges, den Angeklagten, der vcrheirathet sei und acht Kinder zu ver- sorgen habe, doch möglichst mild zu verurtheilen. Der Gerichtshof lehnte die weiteren Beweisanträge des Ver- theidigers ab und setzte mit Rücksicht auf die Bitte der Zeugin die Strafe auf eine Geld st rase von 300 M. herab. Wegen Beleidigung des mecklenburgischen Ministeriums und mehrerer Richter ist vom Landgerichte R 0 st 0 ck am 14. Juli der Redakteur der„Mecklenburg. Volksztg.", Franz Star osson, zu 7 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Von der Anklage, das Husarenregiment in Stendal beleidigt zu haben, ist er fteigesprochen morden. Ans die Revision des Staatsanwalts und des An- geklagten hob gestern das Reichsgericht das Urtheil auf, soweit eS sich auf Ministerbeleidigung(Nr. 62 der„Mecklenb. VolkSztg.") be« zieht, verwarf aber im übrigen sowohl die Revision deS An- geklagten als des Staatsanwalts. Unter der seltenen Zlnklnge der Entführung im Sinne des Z 237 des Strafgesetzbuchs hatte sich der Bnreauvorftehcr Z. vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten._ Der Angeklagte, welcher vcrheirathet ist, aber eine Zeit lang vorübergehend von seiner Eheftau getrennt lebte, wurde beschuldigt, das 17'/zjährige Lehrmädchen S. mit ihrem Willen, jedoch ohne Einwilligung der Eltern entführt zu haben, um sie zur Unzucht zn verleiten. Das Mädchen war als Lehrmädchen in einem großen Geschäft in der Roscnstraße thätig. für welches der Angeklagte als Prozcßvertreter fungirte. Sie verliebte sich sterblich in den weit älteren Mann und letzterer ließ sich dazu herbei, mit ihr ein inttmes Verhältniß ein- zugehen. Das Mädchen hatte wegen seines Verkehrs mit demAngeklagten zu Hanse einen schweren Stand und ihr Vater züchtigte sie wieder- holt wegen ihres LebenSivandels. Mehrfach schon hatte sie dem An- geklagten geklagt, daß sie es zu Hanse nicht mehr aushalten könne imd sich wohl noch ins Wasser stürzen werde und der Angellagte hatte ihr diesen Gedanken ausgeredet und ihr anheimgegeben, im höchsten Nothfalle bei ihm eine Zuflucht zu suchen. Dieser Fall trat am 18. Februar ein. Gerade als der Angeklagte an diesem Abend auf einer Kegelbahn in der Rosenthalcrstraße sich befand, kam das Mädchen dort in voller Aufregung an und bat, sie nunmehr auszunehmen, da sie unmöglich mehr nach Hause zurückkehren könne. Der Angeklagte erfüllte diese Bitte und nahm die S. über Nacht mit in seine Wohnung. Am nächsten Tage begleitete sie ihn nach Hohen-Neuendorf, der An- geklagte kehrte von dort allein nach Berlin zurück, während das Mädchen dort noch mehrere Tage verblieb. Ihr Vater nahm, als seine Tochter nicht wieder heimkehrte und ein Brief von ihr ein- getroffen war, wonach sie angeblich eine Stelle als Stütze der Hausfrau angenommen habe, die Hilfe der Polizei in Anspruch, die das Mädchen auch bald' ermittelte imb_ zurück schaffte. Der Angeklagte ist inzwischen des Mädchens überdrüssig geworden und so kam es, daß sie bei der Verhandlung der Anklage wegen Entführung, die der erzürnte Vater veranlaßt hatte, die Rolle der Hauptbelastungszeugin spielte. Auf grnnd ihrer Bekundungen be- antragte der Staalsanivalt 14 Tage Gefängniß. Der Gerichtshof war jedoch mit dem Rechtsanwalt Halpcrt der Ansicht, daß diese Belastung doch nicht ausreichen könne»nd der Beweis dafür fehle, daß der Angeklagte das Mädchen der Machtsphäre der Eltern habe entziehen wollen. Es erfolgte deshalb die Freisprechung. Im Auftrage der Frau des Sargfabrikantcn R a d t k e, die am vergangenen Dienstag vom Schwurgericht wegen Brandstiftung zu l'/e Jahren Zuchthaus verurtheilt worden ist, hat Rechtsanwalt L e 0 p. Meyer die Revision eingelegt. Frau Radtke, die übrigens am Tage nach der Fällung des Urtheils eine Art Tobsuchtsaiifall ge- habt haben soll, behauptet nach wie vor, daß sie von der Brand- stiftniig nichts wisse und ein Opfer falscher Angeberei ihres Neffen Wenzel sei. Eine neue Niederlage von weittragendster Bedeutung hat der hiesige Magistrat erlitten. Der Geometer Hoffmann vom städtischen Vennessungsamt war am 1. Mai 1897 unter der Motivirung ent- lassen, daß das Personal in dem betreffenden Ressort verringert werden müsse. Da Hoffmann längere Jahre in städtischen Diensien thättg war, erhob er unter Berufung auf K 56 der Städte- Ordnung Klage und erzielte gestern vor dem Landgericht I ein obsiegendes Erkenntniß dahin, daß der Magistrat ver- urtheilt wurde, vom 1. Mai 1897 an den Kläger jährlich 2160 M. zu zahlen und ihn als lebenslänglich angestellten Beamten anzu- erkennen. Da wie bereits mehrfach in neueren Hilfsarbeiterprozesien auch diesmal das Urtheil für sofort vollstreckbar erklärt wurde, laiin es der Kläger ruhig darauf ankommen lassen, ob Berufung seitens des Magistrats eingelegt wird. Er ist in der angenehmen Lage, nicht nur den rückständigen Bettag, sondern auch allilionatlich das laufende Gehalt durch den Gerichtsvollzieher erheben lassen zu können. MaSkenscherz«nd Polizeiderorduung. Mehrere Mitglieder deS Kamevalvereins„Lustige Brüder" in Biebrich fuhren am 13. Februar als. Chinesen verkleidet in einem offenen Wagen durch die Stadt nach ihrem Vereinslokal. Zur Gesellschaft hatten sie sich einen ausgestopften Storch»sit- genommen. Durch die Fahrt, die natürlich in der kleinen Stadt Aufsehen machte, soMen sich die lustigen Brüder gegen eine Regieruiigs-Polizeiverordmuig vom 1. August 1891 vergangen haben, wonach Schaustellungen, Lustbarkeiten zc. nicht ohne polizeiliche Erlanbnitz unternommen werden dürfen. Die Beschuldigten wurden indessen vom Schöffengericht und vom Landgericht freigesprochen. Die Strafkammer führte begründend aus, es liege hier weder eine Schaustellung noch eine Lustbarkeit im Sinne der angezogenen Ver- ordnung vor. Der Vorgang sei vielmehr ein harmloser Scherz, wie er im Nheinlande Brauch sei. Der Staatsanwalt legte gegen das Urtheil die Revision ein, wurde aber damit abgewiesen. Das Kammergericht hieb die Vorentscheidung gut VevsÄmmIunsen. Die Lederarbeiter(Weißgerber, Lohgerber, Farber sc.) hielten am Freitag eine Versainmlung ab. Zun: ersten Punkt der Tages- orduung, betr. die Anstellung eines zweiten Beamten im Gewerk- schafts-Bureau, referirte Busse in ausführlicher Weise, indem er die Nothwendigkeit dieser Forderung gemäst dem Antrag der Aus- schusscs darlegte; nur will der Redner sich für die weitere Ent- Wickelung der geplanten Einrichtungen als Arbeitersekretariat, beziehungsweise der Zustimmung zu derselben noch freie Hand be- halten. In diesem Sinne lautete ein von ihm gestellter Antrag: daß die Lederarbeiter(Lohgerber, Färber sc.) Berlins sich mit dem Antrag des Ausschusses der Gewerkschastskommission einverstanden erklären, soweit er die Anstellung eines zweiten Beamten betrifft, sich aber für weitere Forderungen die Beschlußfassung vorbehalten. In einer längeren Diskussion, an der sich abwechselnd Haberland, Trapp, Brinkmann, Busse, B e is s i n g e r u. a. im all- gemein zustimmender Weise betheiligen, wurde aber die bereits in Angriff genommene Erweiterung des Bureaus in ein Arbeitersekretariat und die zur Bestreitung der Kosten gestellten Forderungen für nothwendig erklärt. Busse gab schließlich seiner Genngthuung über diese Zustimmung Ausdruck und änderte seinen Antrag dem- entsprechend, daß nunmehr die Versammlung dem Antrag des Aus schusses der Gewcrkschaftskommission, wie er seinerzeit von Litfin in der öffentlichen Sitzung erläutert und vom„Vorwärts" mitgetheilt worden ist,� v o l l und ganz zustimmt. Eine längere Diskussion zeitigte ein von Busse gestellter Air trag:„Die Versammlung der Lederarbeiter(Weißgerber, Lohgerber, �Lederzurichter, Färber:c.) beschließt, daß zur Erleichterung der »Agitation den Lohgerbern und Lederzurichtern gestattet ist, je nach -Bedarf öffentliche Versammlungen einzuberufen. Die Kosten dieser Versammlungen sind vom Vertrauensmann zu bestreiten. Auch kann in einer solchen Versammlung die Wahl der Delegirten zur Gewerk- schasts-Kommission, soweit sie die Lohgerber und Lederzurichter be- trifft, vorgenommen werden." Nach Annahme dieses Antrages folgte die Besprechung über die Maßregelungen, welche nicht nur durch die Lohnbewegung, sondern auch in letzter Zeit an Berufskollegen, die sich in agitatorischer Weise bethätigt haben, vorgenommen wurden. Baensch verlangt, daß in Zukunft eine andere Taktik gegenüber den Fabrikanten eingeschlagen wird. Redner hat seine Vorschläge in einer längeren von ihm ausgearbeiteten Resolution zusammengefaßt, deren Inhalt er erläutert und der Ver- sammlung zur Annahme empfiehlt. Danach sollen Arbeits- einstellungen möglichst vennieden und von den Werlstattkollegen erst reiflich erwogen, sowie mit dem Vertrauensmann, bezw. mit der Agitationskommission genügend Rücksprache genommen werden; darauf soll, wenn die Forderung der Arbeiter gerechtfertigt, mittels eingeschriebenen Briefes der Fabrikant ersucht werden, mit dem Vertrauensmann, beziehentlich Delegirten der Arbeiter über die gestellten Forderungen zu unterhandeln. Man gedenkt da- mit zahlreiche Matzregelungen zu vermeiden. Falls eine Einigung nicht erzielt wird, ist das weitere zu veranlassen bezw. der Instanzen- weg zu beschreiten, ob eine Arbeitseinstellung erfolgen soll oder nicht. Diese Resolution soll im Druck vervielfältigt und jedem FavrikS-Quittungsbuch beigefügt werden. Beissinger, Brink- mann, Trapp, Busse und Ruske sind im allgemeinen mit der Resolution einverstanden, wünschen dieselbe aber kürzer gefaßt und ausführlicher erörtert, wozu die Zeit schon zu weit vorgerückt sei. Entsprechend einem Antrage des Vertrauensmannes K n o b l i ch beschließt die Versammlung, daß im Verlaufe der nächsten Woche eine Versammlung eigens zur Besprechung und Beschlutzfassung dieser Resolution einberufen werden soll, damit eine schleunige Regelung dieser Frage herbeigeführt wird. Die Maurer der zentralen Richtung hielten am Freitag eine stark besuchte öffentliche Versammlung bei Keller, Koppenstraße, ab, in der Silberschmidt über das Ergebniß der vorgenommenen Kontrolle, die Mißstände auf den Bauten betreffend, referirte. Den Ausführungen des Redners war zu entnehmen, daß die Kontrolle eine weit umfangreichere war sowohl in bezug auf die Zahl der kontrollirten Baustellen, wie auch in bezug auf die Zahl der gestellten Fragen, als bei den ähnlichen Kontrollen in den früheren Jahren. Kontrollirt wurden diesmal 475 Baustellen. Von diesen waren 303 mit genügenden R ü st u n g e n versehen. Im Berhältniß zur vorjährigen Kontrolle ist demnach auf diesem Gebiete eine kleinere Verbesserung zu verzeichnen. Trotzdem aber ist noch ein großer Theil Bauten vorhanden, bei welchen die Rüstungen so primitiv sind, daß die darauf beschäftigten Arbeiter in steter Lebens- gefahr schweben. Besonders häufig sind ungenügende Absteifungen l vorgefunden worden. Außerdem ist die Abdeckung des Treppen-! Hauses und der Treppenflure vielfach so mangelhaft, oder fehlt sogar auch gänzlich, daß bei der größten Vorsicht sehr leicht Unglücksfälle entstehen können, zumal die Zugänge zu denselben ge- wöhnlich nicht abgesperrt sind. Durch das Fehlen einer ge- nügenden Abdeckung der verschiedenen Oeffnungen, die vom Keller bis in der letzten Etage vorhanden sind und von den Arbeitern als Wolfsgruben bezeichnet werden, kann es sehr leicht kommen, daß Arbeiter bei dem geringsten Fehltritt von der obersten Etage in die schwindelnde Tiefe' stürzen. Meistens fehlen auch die Nothgeläuder an'den Treppenaufgängen, die Brustweyren auf den Rüstungen und die Schutzdächer auf den Leitergängen und über den Ladeplätzen der Stein und Kalkträger, wodurch die Arbeiter einigermaßen bor dem Herabstürzen geschützt wären und weniger von dem herunterfallenden Material verletzt iverden könnten. Ein besseres Berhältniß zu früher ist in bezug auf die Baubuden bei dieser Kontrolle konstatirt worden. Wenn auch die Zahl der Baubuden, gegenüber dem vorigen Jahre prozentual nicht zugenommen hat, so ist doch in der Ausstattung derselben ein Fortschritt zu verzeichnen. Es wurde ein höherer Prozentsatz Baubuden gegen früher vor- gefunden, in welchen Tische und Bänke vorhanden waren, die mit luchtdichten Seitenwänden, mit Fenstern, mit verschließbaren Thüren, mit wasserdichten Dächern und mit Oefen versehen waren und eben- falls solche, in denen das nothwendige Verbandsmaterial für eventl. Unglücksfälle enthalten war. Auch in bezug auf die Räumlichkeiten ist eine kleine Verbesserung eingetreten, aber fast niemals entsprechen sie den berechtigten Forderungen, daß sie nöthigenfalls für alle in bewacht kommenden Arbeiter Unterkunft bieten.' Die Verbesserung der Baubuden ist lediglich darauf zurückzuführen, daß die Arbeiter besonders im verflossenen Jahre mit Energie für diese Forderung eingetreten sind. Daß bei 475 Baustellen nur 433 Buden vorhanden sind, beweist, mit welcher Hartnäckigkeit das Unternehmcrthnm sich weigert, auch nur die selbstverständlichsten Wünsche der Arbeiter zu erfüllen und im weitern, daß die Behörde zu wenig ihr Augenmerk auf diesen Uebelstand richtet. Nicht nur, daß auf 42 Baustellen überhaupt keine Buden vorhanden sind und die Arbeiter ihre Kleider jc. nirgends aufbewahren können, sind eine große Anzahl Buden so primitiv, daß sie keineswegs Schutz vor den Unbilden der Wittening bieten, daß die Arbeiter außer stände sind, in denselben ihre Mahlzeiten einzunehmen oder überhaupt sich darin während der Pausen aufzuhalten. Vielfach lagert in den Buden auch eine Masse Bau- material.�oder sie bcfinden'sich sonst in einem�Zustaude, daß die Arbeiter sich nicht einmal darin unikleiden können. Während Baubuden vor- gefunden nmrde», die sich im nassen, dumpfen, völlig finsteren Keller befanden, hat der spekulative Unternehmer auf dem Bau der Markus- kirche den Glockcnthurm, der nur mit Lebensgefahr zu erreichen ist, als Baubude eingerichtet, so daß inSbesouders die älteren Arbeiter, um sich nicht Hals und Beine zu brechen, auf die Benutzung derselben verzichten müssen. Der Zustand in bezug auf die Aborte hat sich seit der letzten Kontrolle wesentlich verschlimmert. Nur auf 439 von den 475 Baustellen sind überhaupt Aborte vorhanden. Auf bei« anderen Baustellen und dazu gehört auch der Bau der Marknskirche, sind überhaupt keine Be- dürfnißanstalten eingerichtet und die Arbeiter sind gezwungen, zur Verrichtung ihrer Bedürfnisse, wenn sie gegen Sitte und Moral nicht verstoßen wollenH die Wirthschaften aufzusuchen oder die Gnade der Bewohner der Nachbarhäuser in Anspruch zu nehmen. Aber ab- gesehen davon, daß in den allermeisten Fällen die Einrichtungen für die Zahl der Arbeiter ungenügend sind und auch den bescheidensten Ansprüchen nicht entsprechen, befinden sich die Aborte sehr oft in einem Zustande. der es den Arbeitern im Interesse ihrer eigenen Gesundheit verbietet, dieselben zu benutzen. Die weiteren Mißstände bestehen darin, daß bei vielen Ab- orten keine Sitzbretter, Dächer, Thüren und dichte Seitenwände bor- Händen sind und dadurch die darin befindlichen Personen von außen und von den Nachbarhäusern von jedermann beobachtet werden können.— Der Referent weist zun» Schluß seiner Ausführungen darauf hin, daß die 88 120s. und 120b der Ncichs-Gcwerbe-Ordnnng iin Baugewerbe absolut nicht beachtet werden und daß die Bau-Ordnung in Berlin in dieser Beziehung völlig unzulänglich ist. Der Redner erinnert an Bau-Verordnungen in anderen Städten, in denen sür den Schutz der Arbeiter wenigstcus einigermaßen gesorgt ist, und an die erst kürzlich erlassene Ver- ordnung in Mainz, deren Bestimmungen thatsächlich geeignet sind, die oben gerügte» geradezu skandalösen Zustände wirklich zu be- scitigen. Jedenfalls hätten die Arbeiter angesichts des Ergebnisses der Kontrolle alle Ursache, über Mißstände auf den Baustellen zu klagen und die Abschaffung von den Unternehmern zu fordern, die in so unverantwortlicher Weise mit dem Leben und der Gesundheit der Arbeiter verfahren, aber nicht genug zetern können, wenn einige Pfennige Lohnerhöhung ver- langt werden. Nachdem auch Zöllner, der an der Kontrolle theilgenommen hat, noch eimge besonders krasse Mißstände geschildert hatte, gelangte eine Resolution zur Annahme, in der sich die Ver- sammelten verpflichten, jeden vorkommenden Unfall auf der Baustelle der Lohnkommission sofort zu melden und zwar mit wahrheits- gemäßer Angabe aller in bctracht kommenden Umstände. Außerdem foll für die Abschaffung der Mißstände auf den Bauten durch Ver- Handlungen mit dem Unternehmer gesorgt werden und wenn dadurch nichts erreicht wird, soll dem zuständigen Polizei- revier Anzeige erstattet werden, hingegen sind Arbeits- niederlcgungen möglichst zu vermeiden. Ferner beschloß die Versammlung, das zusammengetragen� Material an Silberschmidt zur weiteren Verwerthung zu überweisen. Wie Silberschmidt mittheilte, beabsichtigt er. eine allgemeine Lauhandlvcrker-Ver« sammlung zu arrangiren, die sich mit den Mißständen im Bau- gewerbe beschäftigt und eventl. eine. Kommission wählt, welche eine» Gesetzentwurf ausarbeitet resp. Maßnahmen trifft, um den noth» wendigen Arbeiterschutz für das Baugewerbe in die Wege zu leiten. Außerdem soll dann das gesammte bisher erzielte Material bezüglich der Mißstände und die event. Vorschläge zu einer Broschüre ver- wandt werden. Nach längerer Diskussion wurde sodann beschlossen, das Saimneln zum Streikfonds für dieses Jahr am 10. Dezember einzustellen. Vom 12. Dezember ab sollen die Sammelkarten mit einem Schluß- stempel versehen werden. Der Wiederbeginn der Samnstungerr wird von einer später stattfindenden Versammlung bestimmt werden. Nachdem noch beschlossen worden war, daß sämmtliche Verbands- büchcr der Mitglieder der Filiale II zum Zwecke der Eintragung einer Ortsnummer durch die Bezirksführer nach dem 1. Dezember eingezogen und von diesen nach Fertigstellung die Bücher wieder ausgegeben werden sollen, gab Fritsch das Resultat der' Kontrolle über die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse bekannt. Die am 22. und 23. November vorgenommene Baukontrolle erstreckte sich auf 621 Baustellen, auf welchen insaesammt 6967 Maurer beschäftigt waren. Von diesen arbeiteten 6352 Maurer auf 567 Baustellen zu einem Stunden- lohn von 60 Pf.; 36 Maurer auf 5 Bauten zu 57>/e Pf.; 371 Maurer auf 40 Bauten zu 55 Pf.; und 77 Maurer auf 2 Kanalisationsbauten unter 55 Pf. Stundenlohn. Auf 7 Baustellen wird von 131 Maurern in Akkord gearbeitet. Auf den gesammtcn Bauten wurden 416 Lehrlinge gezählt. Die Arbeitszeit betrug auf 1 Bau 7 Stunden, auf 1 Barl 7'/-, auf 169 Bauten 8, aus 389 Bauten 8>/s, auf 49 Bauten 9 und auf 5 Bauten 10 Stunden. Die längste Arbeitszeit wurde, wie dies gewöhnlich der Fall ist, auf allen denjenigen Bauten festgestellt, wo der übliche Stundenlohn von 60 Pf. nicht, sondern darunter bezahlt wird. Hierauf wurden noch 11 Delegirte zu der am 30. d. Mts. bei Znbeil stattfindenden Kreiskonferenz der Verbandsfilialen gewählt und nach einigen weiteren Mittheilungen die Versammlung geschlossen. Die Gold- und Silberarbeiter hatten am 22. November ihre regelmäßige Monatsversammlung anberaumt. Zunächst erstattete das Mitglied Unruhe den Bericht der Bibllothek-Kommission. gkedner bedauerte, daß die Inanspruchnahme der Bibliothek seitens der Mitglieder so gering ist. Im Anschluß hieran fand die Wahl von vier Bibliothekaren statt. Gewählt wurden Unruhe, Schubert. U h l r i ch und Busch. Es folgte hierauf ein Bor« trag des Mitgliedes Wagner über Volksbildung und Klassen- bewußtsein, der eine rege' Diskussion hervorrief. Zum Schluß gab der Vorsitzende bekannt, daß der Arbeitsnachweis gut siorirt. Da mehrere Stellen zu besetzen sind, bittet er die Anwesenden, dies ,n ihren Kreisen zu verbreiten. Verein Frauenwohl. Montag, den 28. November, abends 7>/z Uhr, im Falk-Realgymnastum, Lützowstr. Sie, Vortrag von Frau Ria ClaabewauS München über:„Die Entdeckung der Fra» in der neuen Literatur. Gäste willkomme».„ Freie Vereinig, ing selbständiger Barbiere. Friseure»nd Per. rückcninacher. Montag, den 28. November, abends 10 Uhr bei Schiller, Rosentbalerstr. 57: Monatöveriammlnng. Vllgenieine Familien- Sterbckasse. Heute Zahltag: Ackerflr. 12Z bei Dicke und Orauienstr. 185 bei Bnkow. Theatcr-Berein Crescendo. Heute Abend 7 Uhr Sitzung, Lmlen- ' �Freie Vereinigung der Badenser. Heute, abends 6 Uhr, Dragoner- strabe 15 bei Lange: Geselliges Beisammensein. � Samariter< Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen Montog, abends 9 Uhr bei Neumann, Brunnenstr. 150, Vortrag des Herrn Dr. Weist über:„Quetschungen, Knochcnbrüche und Verrenkungen." Nachher praktische Uebnngew_ Briefkasten der Kedaktivn. Die juristische Sprechstunde wird Dienstags. Donnerstags nnd Freitags abends von 7,/z bis 8,/, Uhr abgehalten. äß. B. 15. Bebel ist in Köln a. Rh. geboren. Italien gehört noch zum Dreibünde. Die dritte Frage verstehen wir nicht. M. D. 13. Uns nicht bekannt. A. K. 100. 1. Nach den landläufigen Begriffen: Ja. 2. Die Frage läßt sich in einer Bricskaftcnnotiz nicht beantworten. U. 67. 1. Sander s Sprachbriefe. 2. Lieblnccht's Fremdwörterbuch. Witteriingsiidersicht vom S«. November 180«, morgens 8 Uhr. Stationen Swincmde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» LS Hß gn «S 741 OSO 739 O iiolo 741 SO 744 SW 1 Wetter üstvolkig INebel �bedeckt 2bedcckt 6jRcflcn öS gt» «- Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris S- 755 740 745 739 s s s s SO N NO S Wetter ' Wedeckt 5hlb.bcd stbcdeckt 3bcdeckt i.» : t* -9 Wetter-Prognose für Sonntag, den S7. November 1868. Ein wenig kühler, zeitweise heiter, vielfach wollig mit geringen Nieder» schlagen und mäßigen südöstlichen Winden. Berliner Wetterb ureau. Freie Volksbühne. I. Ablheilnng: Sonntag, naclimittags 23/4 Uhr, im Lestlng- Theater;"Sora. III. Abtheilang: desgl. im Friedrich-WllhelmstSdtischen Theater: Lilebelel. I.ninpenbagavch. Nächsten Sonntag: II. Abtheilung: Nora.> IV. Abtheilung; Liebelei und Lumpenbagasch. Mitglieder zur VI. Abtheüung könneu sich in allen Zähl- stellen melden. f 231/5] Der Vorstand. C. Winkler. MimOttck„Mehr LW" _ Heute, Sonntajc, abends 7 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstrasse 75:"TMS Vortrag des Schriftstellers Herrn krieüricds über: Hypnotismus und Spiritismus. Diskussion. 121/7 Nachdem: Tanzvergnügen. Hierzu ladet höflichst ein Ter Vorstand Am 28. November, morgens■ 41/2 Uhr, verstarb an Lungen-« schwindsucht derBnchdruckerHerr Bietau Georg im Alter von 33 Jahren. Die Beerdigimg findet am Mittwoch, den 30. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Kranken- hause Urban ans aus den: Thomas-Kircbbofe zu Rirdorf, Hcrmannstr. 79— 83, statt. Vorstehendes theilt den Freunden und Kollegen des Verstorbenen in dessen Ans- trag mit. 2480b Panl Magna», Rttterstr. 94. Die glückliche Geburt eines gesunden Mädchens zeigen hierdurch an(39/13 Zahnarzt Semmel und Frau Thea. Berlin 28. November 1898. Lonis Keller's Festsäle. Koppenstrafle 30, Koppenstrafle 30. Grösstes n. sclionsles Efablissement der Besidenz. Sonntag, de» 27. November: Grosse Spezialitäten-Vorstellung Konzert; mit darauf folgendem Hüll.. Entree 30 Pf. 2 Orchester. Anfang 5l/j Uhr. Douls Keller. Märkischer Hof, Anfang 4 Uhr. Ende 2 Uhr.' Admlralstrasse> 0. 18 c. [' Jeden Sonntag: Gr. Fest- Ball! Anfang 4 Uhr. Ende 2 Uhr. Große Orchester-Musik. Am 1. Weibnachts- Feiertag ist der obere Saal, am 3. Weihnachts-Feiertag sind beide Säle an Vereine zu vergeben. Die Repaurationsräume stehen den geehrten Familien auch Sonntags zur Verfügung. Meine Säle stehen zu Hochzeiten, zu allen Festtichkeiten und Versammlungen zur Verfügung. Mehrere Bereinszwrmer find noch frei._ Karol Weil's Seifenextrakt ist der Freund aller wirklich sparsam e n Hausfrauen Todesanzeige. Allen Verwandten, Freunde» und Kollegen die traurige Nach- richt, daß mein herzensguter Mann, unser sorgsamer Bruder und Onkel, der Steindrucker ködert Levroeter nach schwer. Leiden am Donners- tag früh V«4 Uhr sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bittet Die tiestrauernde Wittwe dlarle Schroetergci.Stephan n. Nichten. Die Beerdig, findet am Sonn- tag, den 27. d., nachm. 3_V2 Uhr, von d.Leichenhalle d. Gethsemane- Kirchhofs(Nicder-Schönhausen) aus statt. 2458b Danksagung. Für die vielen Beweise treuer Theil- nähme und überreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben 'Mannes Wilhelm Petermann sage ich allen Freunden und Kollegen meinen innigsten Dank. 2450b Wittwe Petermann. Allen Freunden u. Bekannten sagen wir hiermit besten Dank sür die nnserm theuren Verstorbenen, d.Kassenbeamtcn Helnrick Molis erwiesene letzte Ehrung. Besonders danken wir den Vorständen der Orts- krankcnkasfo der Schloffer u. Berufs- genossen u. der Hetzcl'schcn Sterbckassc sür ihre zahlreiche Bctheiligung, sowie Herrn Pfarrer v. Raule für seine trost- reich. Worte am Sarge d. Entschlasencn. Die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Empf. mein Lokal nebst Vereins- zimmcr allen Freunden u. Bekannten. I«n«o Hanfe, Gcrichtstr. 79. Nonnenberg's Restaur., Treptow, Parkstrasse. Grosser Saal.— Grosser Garten. Jeden Sonntag: Bali. s8277L* Empfehle mein Lokal zu Festlichkeiten . r,. v alle» Freunden u. Bekannten mein Weiss-, Bairlschbler- und gr. SpelsegeschUft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abciidtisch a la carte von 30 Pf. an. 2 Vereinszimmcr mit Klavier für 20—50 Personen.* H. Stramm, Rest., Ritterstr. 123. ArbeitsmM. Acht«ngsStockarbeiter! Der Swetk bei /tlphonse u. Richard Ludwig, Alexandrincnstr. 108, dauert unverändert fort. Zuzug fernhalten. Die Agitations-Kommission der Stockarbciter. Achtung, Nolzarbeittr! Bei der Firma 501% Krelzselimar& Co. Barnimstr. 13, (Magazin Jannowitz- Brücke), babc» iämmtiiche Tischler� wegen Diffc- renzen und in der Blliitisllilemp.Ltelmaliilc, Wrangekttr. 56, haben 24 Tischler wegen Abzügen die Arbeit niedergelegt. Xiaxiig fernhalten! 108 Die Ortsvcrwaltting. Achtung! Flektrotechnik. Am 1. 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Dezember, abends 8 Uhr, im Saale der Aktien-Krauerei Friedrichshain(früher Lipps): tfolks-HfersammSung. TageS-Ordnung: l. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten über:»Was haken wir vom kommenden Reichstag zu erwarten?" 2. Diskussion.— Zahlreiches Erscheinen erwarten Dl« Tertrancnspergonen. Mtunal ii Mahlk�i« Achtum, Sonntag, den 27. November, nachmittags« Uhr. Kösliner Hof, Köslinerstrasie 8: im UolKs- Uerjammlnna Tages-Ordnung: 1. Vortrag beS Genossen vr. über:„Medizin und Politik". 2. DlSkusflon. 229/19 Zu recht zahlreichem Besuch der Genossen und Genossinnen ladet ein Per Tertranenamann. MMai O. Wahlkreis. MüT Dienstag, de» 29. November, abends»Vz Uhr, im Swinemiinder Gcsellschaftshans, Dwineinunderstrasse 42: Kolks- Uersammlnng TageS-Ordnung: 1. Kriegsgefahr— Friedensbllrgschaft. Referent Reichstags-Abgeordneter Vlldvlm?tallvlellvd. 2. Diskussion. 229/11 Zahlreiche BetheiNgung erwartet_ Der Vertraueusman». Deutscher Holzarbeiter-VerB (Zahlstelle llerlln.) Branche der Korbmacher. Hontag, den 28. Voveiiiber, abends 8 Uhr, Im I,okal des Herrn Wllke, Andrcasstrasse No. 26: Verfetttttttlnng.-MZ Tagesordnung: 1. Die Unwahrheiten der zweiten Broschüre deS Korbmachers Fischer. Referent Kollege Vogt. 2. Kassenbericht. 3. Branchenangelegenheite». 4. Verschiedenes. 5. Fraaekasten. Korbmacher Fischer ist zu dieser Versammlung persdnlich eingeladen. Es ist Pflicht eineS jeden Kollegen, zu dieser Versammlung wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung pünktlich zu erscheinen. Branche der Parkettbodenleger. Am Montag, den 28. November, abends 8'/- Uhr. im Lokal des Herrn SehUnlng, Köpenirkerstr. 08: VoviÄlnttnlttna.-H» Tages- Ordnung: 1. Der Nutzen der Organisation. 2. Branchenangelegenheiten und Ver- schiedenes. 109/17 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Die Kommisston. Achtung:"MZ Achtnng! Bttbenh iier m Helsbellrbeituugs-Wrikell iinD euf§o(ji)li|fii beschäftigtell Arbeiter DelitWanbS. _(Filialen Berlin I und n.) BV Montag, de» 28. November 1808, abends 8 Uhr,-W« im„Englischen Garten«. Alexanderstr. 27e: Kombinirte Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 32/lg 1. Berathung und Beschlußfassung des Reglements betreffs der Kranken- Miterstlltzung. 2. Gewerkschaftliches. NL. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu«scheinen. __ Ple Vorstttnde. Verein deutscher Schuhmacher. Versammlungen am M o u t a g, de» 28. d. M., abends 8'� Uhr. Zahlstelle I bei Feind, Weinstr. 11. Vortrag üb«:„Die Geschichte b« englischen Gewerkschaftsbewegung". Zahlstelle II bei I.unge, Dragonerstr. 15. Zahlstelle UI bei Colin, Beuthstr. 20. Zahlstelle IV bei Holl, Adalbertstr. 21. Zahlstelle SchOnebcrg bei Obst, Grunewaldstr. 110, Dortrag vom Koll. llamacdsr. Zahlstelle Friedrich«borg bei Waklawlack. Frankfurter Allee 150. Zahlstelle Wclsscnsee S. PfeirenmUllcr, König-Chaussee 38. Zahlstelle Charlottcnbarg bei Beyer, Wallftr. 86. 272/17 Die Ortsverwaltang. Die Kollegen der Zahlstelle IV werden ersucht, ihre Adresse behufs Zu- stellung des Fachblattes an Koll. Hohler, Kottbus« User 61, Hof II bei Ogldert abzugeben._ 272/20 zlmbevorstehettdenM stelle einen grossen Posten Veypiede-»« Ausverltöuf, s°wt- Gardinen, Portieren, Ghaiselongue-Decken, Tischdecken, Stepp- und Schlafdecken _ enorm billig. TM?" Ganz besonders mache ich die geehrte Kundschaft auf meine Äpezialttcit in echt chinesischen Fellen anfmerksam, Angara ». echten Thierstückcn. A»ch sind Schlittcndeckcn, Chaise longue-Dcckcn nnd Kutscher- kragen in grosser Anölvahl.�W Der geehrten Kundschaft bietet sich hier wirtlich Gelegenheit, den Bedarf schon vorher zu decken. Hermann Kobert, Leipzigcrftrasie 79, ___ am Tönhossplass.[2158* Nur nach Maass Die feinsten WintcrpalctotS für 36-45 Mark. Wer Stoss hat, fertige Paletot für 18 Mark, An- zug 18 Mark.[23526 lleymann, Fricdrichstr. 18, 1, Markthalle. MiWmASNi! Postkarte. 11. Fllcrinann, _ Wiesenstraste 29, Laden. 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Sonntag, den 27« November 1898: Ausflug des Gesangvereins„Fortschritt S?" zu Lindenhayn nach Grüna«**8 wozu alle Freunde und Bekannte eingeladen werden. D. B. 44 Jungen, starken Ziehhund verkauft llalow, Swinemiwderstr. 41.[23956 Kartoffel- n. WliMM plötzlich eingetretener Umstände halber sofort zn verkauf. Gut. Geschäftsgang garantirt.(Reell.) W., Kahlerstr. 4. Restauration zum WUstenvogel. Palitfadenftr. 71, bestens empfahlen. Cnstav Htrunss, Schankwirth. Parteigenossen![23666 Bereinszimmer bis zu 60 Personen zu vergeben, Prenzlauer Allee 11. Vsrsinszlmmsr, 25—30 Personen fassend, zu vergebe», Grüner Weg 110. Restaurant mit VereinSziuimer, 40 P., Umstände halber billig zu verkaufen.[2397b Näheres Grüner Weg 120 im Lokal. Mache alle Parteigenossen Schöne- bergs auf mein Cigarren- Geschäft Scdanstr. 40 aufmerksam. 24496 W. Sltschke. !! Montag!! Dienstag Rsstei�Verkauf zu Knabsn- anzllgsn,».Herrenanzügen übrig, spottb. Schneiderei llngsl, Munzstr. 36, P. 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Nov., abends ä1/, Uhr. bei Buske, Grenadierstr. 33. � Tages-Ordnung:(53/12 1. Borschläge und Ausstellung von Kandidaten zn Vertrauensmännern der Jnvaltditäts- und Altersversichcrungö-Anstalt Berlin. 2. Verschiedenes. Die Mitglieder werden dringend ersucht, vollzählig zu erscheinen. Per Vorstand. !8lo«kH]*IK«it«P! Sonntag, den S7. November d. I., abends SV, Uhr bei Heller, Koppenstr. SS(oberer Saal): Große öffentliche Versammlung � mit Franeu.: Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Wagner:„Die Stellung der Frau".— 2. Diskussion. 175 M Nach dem Vortrage: Gemüthliches Beisammensein und Tanz. Gaste willkommeil. Der Einbernfer. I. A.: O. E b e l i n g, Schulstr. 37. vkrliliiid dt«WkrSchlieii>erll.SAtldrtlNNk!t _(Filiale Verl, u)._ DetTtiutmlttng am Dienstag, den 8v. Nov., abends 8Vz Uhr, in den Arminhallen. Kommandanteiisir. 20. 162/15 Tages-Ordnung: 1. Vortrog deö Genossen Sassendaeli über:„Vom JnnungSzwong znr Gewerbekreiheit". 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Wahl der OrtSverwalttmg. Tie Ortövcrwaltnng. V sploeincl der Tapezirer Mitglieder- VerHanimlnngen am Dienstag, den 29. November 1898, abends 8 Uhr: Filiale Word: 178/12 Restaurant 4*rflndcl, Brnnncnstrasse 188. Vortrag des Genossen Wagner über Kurpfuscherei. Diskussion. Bericht der Bibliothekare und Neuwahl. Vereiiisaugelegenbeit. Filiale»dd: im Lokale von Knbell, Lindenstrassc 106. Vortrag des Dr. Wurm: Die Erhallung der Sehkraft mit Denionstrationeii. Diskussion. Bericht der Bibliothekare und Neuwahl. Ergänzungswahl des Vorstandes. Bereinsangelegcnheit. 01« OrtsverwaltungetK� PT" Aelitnng!"WA Dandels-, Transport- nnd Ueckehrsarbetter. Heute. Sonntag, den 27. November, abends präz. 6 Uhr: �r.«i�entiiebe VersninniinnA im„Englischen Garten", Alcxandcrjtrasse 87 o. Tages-Ordnung: 1. Der elektrische Betrieb der Straflciibahnen, feine Gefahren für imfere Kollegen und die HZ 315 und 316 deS St.-G.-B. Referent: Der Verbands- sondilus. 2. Dtskniflon. 3. Wahl der Delegirtcn zum Benisökongrest tn Kassel. 4. Die Errichtung eines ArbeitersekretariatS in Berlin. Referent: Kollege H 0 f f m a n n. 67/16 Nach der Versammlung: Gesellige? Beisammensein und Tanz. Die Vertrauensleute. Achtung� Nutzer! Mittwoch, de» SS. November 18V8. abends 6 Uhr, findet Rosen- thalerstr. 57(Schiller), ein«»othwendige Baudeputirten-Versammluug der Pnber Berlins und Umgegend statt. Jeder im Putz begriffene Bau muft vertreten sein. Da durch die Saumseligkeit vieler Kollegen gegen 200 Be- rechtrgre den Abschluhstenipel noch nicht erhalten haben, unsere Abrechnung sich gleichfalls dadurch um eine Woche hinausschiebt, so, ersuchen wir die Baudepntirten, dafür Sorge zu tragen die Kollegen dazu zu veranlassen, laut Befchluft ihre Pflicht zu erfülle». __ Die Lohnkommisflon. Täglich bou 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends: Berkaus srisili gek. schni. perl), miii siun. AleW. Rindfleisch.... pro Pfd. von 30 Ps an, Schweinefleisch..„„ 40 Pf.[61311.« Vervaltuux der Koclianstalt Städt. 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Dmck und Verlag von Max Babing in Berlw. Nr. 278. 15 --»»» Z KilW Ks„Wmiirls" Krrliim AcksdlM. SsittilG, 27. Noiiemdcr l8W. Llntevnelzntev-Vcvbiittde. AuS der Eisenindustrie. In Köln tagte am 23. November eine Versammlung der Interessenten der Drahtfabrikation, in der übet Bildung eines Verbandes für gezogene Drähte verhandelt wurde. lieber das Ergebnih kann mitgctheilt werden, dafe sehr stark der Wunsch nach Znstandebringen einer solchen Vereinigung hervor- trat.— In der Sitzung des Roheisen-Syndikats wurde eine Preis- erhöhung angeregt, aber ihr stimmte nur die Minderheit zu, so daß an den bisherigen Preisen festgehalten wird. Ilebcr den rheinisch= westfälischen Eisenmarkt schreibt die „Bosnische Zeitung": Unter dein Einflüsse der ungewöhnlich regen Beschäftigung der Walz- und Stahlwerke hat das Geschäft auf dem Roheisenmnrkt in der letzten Zeit sich in einer sehr erfreulichen Weise belebt. Tie rheinisch- westfälischen Hochofenwerke sind bei vollem Betrieb in der Lage, ihre gesammte Produktion zu den vom Syndikat festgesetzten Preisen schlank abzusetzen. Die Lagcrbestände sind infolge dessen nur noch ganz gering, was auch bei den Ver- brauchern der Fall ist und die daher gezwungen sind, flott abzu- nehmen, um nicht in Verlegenheit zu konmien. Visher hat es das Roheisen- Syndikat verstanden, die Produktion dem Absatz anzupassen. Zu erwähnen ist, daß die vermehrte Nachfrage sich mehr oder weniger auf sämmtliche Roheisensortcn erstreckt. Auf dem Walzeisenmarkt ist die Geschäftslage noch günstiger. Wenigstens tritt auf diesem das Steigen des Bedarfes noch deutlicher hervor als auf dem Roheisenmarkt. Die Nachfrage in Stab- und Bandeisen gegenwärtig bleibt eine ungewöhnlich rege. Ebenso dauert die gute Beschäftigung der Grob- und Fcinblechwalzwcrke an, nachdem die letzteren eine längere Zeit mit grasten Absatzschwierigkeiten und un- lohnenden Verkaufspreisen zu kämpfen gehabt haben. Wo auf dem Walzeiscnmarkt Klagen laut werden, betreffen sie fast ansschliestlich die verhältnihmätzig hohen Preise für Halbzeug. Nun ist es aller- dings Thatsache, daß einzelne Fadrikarionszweige, namentlich aber Wa'lzdraht-Jndustrie, noch nicht in der Lage gewesen sind, ihre Ver kaufspreise in dem Maße aufzubessern, wie es in anbctracht der Rohstoffpreise berechtigt erscheint. Der Betriebsgewinn der Draht' Walzwerke bleibt infolge dessen hinter dem der übrigen Wal� werke noch immer erheblich zurück und zwar um so mehr, als die Drahtindustrie mehr noch als die übrigen auf die Ausfuhr an- gewiesen ist, bei welcher sie mit der billiger erzeugenden ausländischen Konkurrenz zu kämpfen hat. Die vom Halbzeugverband zu- gestandenen Ausfuhrprämien reichen nicht auS, um die'Prcisdifsercnz genügend auszugleichen. Eine Veranlassung zu Klagen über die gegenwärtige Geschäftslage haben am allerwenigsten die weiter ver' arbeitenden Werke, wie die Maschinenfabriken, Eisengiehereien, Kon- truktionslverkstätten und die Bahnwagenfabriken. Alle diese Betriebe erfreuen sich der regsten Beschäftigung und erzielen dabei Betriebs- Überschüsse, wie sie feit Jahrzehnten nicht mehr zu ver- zeichnen gewesen. Die fortwährenden Ncuanlagen und Be- triebserweitcrungcn in diesen Betrieben legen dafür Zeugnist ab. Ter Münchcner Arbeitgeber-Vcrbani» hat an die Vertreter der einzelnen Korporationen zwecks ZustimmungScrklänlng sein Statut versandt. Ans dem 18 Folioseiten enthaltenden Schriftstücke geht hervor, daß der Verband vorerst nur für München thätig sein wird, es sei aber eine Verbindung mit bayerischen und anderen deutschen, ähnlichen Vereinen zu suchen. Als EintnttSgcld werden 25 Pf. von jedem Tausend Mark im Jahre verausgabter Löhne, oder beiLiefcrungs- Geschäftsinhaber vom Umsätze erhoben, jedoch beträgt das Eintritts- geld nicht unter 3 M. und der jährliche Beitrag nicht unter 5 M. Der letztere wird ebenfalls in ähnlicher Weise berechnet und sollen die Lohnlisten resp. die an die Vaugewcrks-Berufsgenossenschaft ge- zahlten Beträge hierfür den Maststab bieten, womit sich jedes Mit- glicd einverstanden zu erklären hat. Je nach der Höhe des Beitrages regelt sich das Stimmrecht der Mitglieder. Jedes Mitglied hat sofort oder in Raten oder in Wechsel 60 M. Kaution zu erlegen, welche bei Ausschluß u. s. w. verloren geht. Alle Gelder werden bei einer Bank dcponirt und haben der 1. evcnt. 2. Vorstand mit dem Kassirer Erhebungsrecht. Das Geld dient zur Abweisung von Streiks und zur Unterstützung von durch solche in Schwierigkeiten gcrathenen Mitgliedern. Wird bei einein Ver- bandsnütgliede von den Arbeitern eine Forderung aufgestellt, die das'bestehende Verhältniß zu ändern beabsichtigt, so ist der Verband zu verständigen. Der Verband führt alle weiteren Ver- Handlungen. Bei größeren Ausständen sind nach den Quittungskarten der Jnvaliditäts- und Altersversicherung vom Sekretariate des Verbandes Listen der Ausständigen herzustellen. Diese Verzeichnisse>v erden an alle Mit- glieder uird auch an NichtMitglieder ab- gegeben. Arbeiter auS Orten, in denen gestreikt wird, dürfen nicht eingestellt, müssen eventuell sofort entlassen werden. Bei einem Streik ver- pflichten sich die Mitglieder, keine Arbeiten an Nicht Mitglieder abzugeben. Die neuen Satzungen sollen am 1. April 1899 in kraft treten. Der Verband umschließt die früher bekannt gewordenen Geschäftsbetriebe und ziehen bei Unter' Handlungen die' Bau- und Maurermeister auch einen Tiefbau meister dazu. Ein kostbares Material für die Berathungen über die Arbeiter- Zuchthaus-Vorlage und ein prächtiges Seitenstück zu den kaiserlichen Worten:„die schwerste Strafe demjenigen, der den Nebenmenschen an der freiwilligen Arbeit hindert". Den Miinchener Scharfmachern unsere Anerkennung für die rechtzeitige Publikation ihres sauberen Planes. Berliner Sehenstvürdigkcitcn. Aquarium. Unt. d. Linden 68». Täglich 9-7. Eintritt 1 M.. Sonntags SO Pf.- Ausstellung des Vereins Berliner Künstler. Will, eimslr. 92/93(im„Architekten- Hause"). Täglich 10-4, Sonntags 11-2. Eintrittspreis äy Pf.- Aus- stellung moderner Kunstwerke von Eduard Schulte, Kunst- Handlung. Unter den Linden 1, Ecke Pariser Platz. Täglich 10-7 Sonn- tags 10-3.- Bibliothek, Königl. Am Opernplatz. Besichtigung Montag und Freitag 1-2.- Botanischer Garten. Potsdamer- strafte 75. Täglich v. 8-7 und jeden zweiten Sonntag im Monat v. 2-7. Uncntaeltlich.- B o t a n i s ch e s M u s e u m. Grunewaldstr. K-�7. Montag und Donnerstag 3-ö.- Zentral-Viebhof. Eldenaerstrabe.(Mittwoch Vormittag Hanptverlchr.) Besichtigung des Viehhofs frei, der Schlacht- Höfe gegen Karten, die man im Verwaltungsbureau erhält.— Hygiene- Museum. Klosterstr. 32/35. Sonntag 12-ö, Dienstag u. Freitag 10-2.— Institut f. Glasmalerei, Königl. Charlottendurg, Berlmerstr. 9. Wochen äglich 9-11 n. 1-4.- K un st g e w e r b e- M u s e u m. Prinz Albrcchtstrabe. Täglich, anber Montag und die ersten Feiertage sowie Char- frcitag, Hinmielfahrt und Bußtag, 9-3. Sonntag 12-0.- Märkisches Provinzial-Mufeum. Breitestr. 20a. Sonntag von 11— l1/-, Montag und Donnerstag n-2y2.- Museum(alt und neu). Am Lustgarten. Besuchsordnung siehe Kunstgewerbe-Museum.- Museum der Land- w i r t h s ch a s t l i ch e n H o ch s ch u l e. Jnvalidenstr. 44. Werktaglich, auster Sonnabend, 12-2, Sonntag 12-0.- Museum für Naturkunde. Jnvalidenstr. 43. Montag und Sonnabend 11-3, Sonntag 12-6.- Museum für Völkerkunde. Königgrätzerstr. 120. Besuchsordnung f. Kunstgewerbe-Museum.- Museum Deutscher Volkstrachten. Klosterstr. 36. Tägl. außer Mittwoch 1l-2. Eintritt 50 Pf.— National- G a l l c r i e. Musen mstraße. Sonntag 12-6, Dienstag b. Sonnabend 10-3.— Panoptikum(Castan, Friedrich- und Behrenslr.-Ecke). Tägl. 9-10.— Passage-Panoptikum. Unter den Linden 22.— Panoramen. i. Hcrwarthstr. 4, 2. Bahnhof Alexanderplatz, 3. An der Moltkebrücke, 4. Bachstr. Tägl. 9—8,- Porzellan-Manusaktur, Königl. Wegelystr.(Thiergarten). Dienstag bis Freitag 9-12 Uhr.- R a t h- haus. Tägl. außer Donnerstag und Freitag 11-3.(Thurm tagl. 20Pf.) — Rauch-Museum. Klosterstr. 76. Außer Sonntags 10-4.- Reichs- Postmuseum. Leipzigerstr. 15. Tägl. 11-2, außer Mittwoch und Sonn- abend, Sonntag 12-2.- Reichstag. Besichtigung Wochentags SV, bis 91/,, sonntags 2-4. 50 Pf.- Ruhmeshalle(Zeughaus). Tagl. außer Soiinab. 10-2, Sonnt. 12-3.- Schulmuseum. Stallschreiber- straße 54. Sonntags 11-1, Mittwochs 3-4, Sonnabends 3-6.- Technisch e H 0 ch s ch u l e, K ö n i g l. Charlottenburg, Berlmerstr. 151. Gips- museuui Sonnabend 10-12. Bcnth-Schinlclmuseum Dienstag u. Donners- tag 10—12 Mittwoch 12—3. Architektenmuseum Montag und Freitag 10—3, Dienstag und Donnerstag 12—3. Mittwoch 10—12.— Urania. Taubenstraße und Jnvalidenstraße.— Zoologischer Garten. Hamburger Engros-Lager C. Spfffelmarkf 16-77, SW. ßelle- JHliancesfr* 1-2, 77m der Verkehrsstockung, die sich durch den grossen Andrang in den Nachmittagsstunden in unseren VVoarenhä'usern entwickelt, abzuhelfen, haben wir uns entschlossen, von Montag, den 21. November bis Weihnachten•denjenigen Käufern, welche in der Zeit bis��Uhr�Vormittags� ihre Einkäufe machen einen tzxira-tfabaif von S'l» zu gewähren, welcher sofort an unseren Kassen ausgezahlt� wird. Die gezahlten Beträge werden ausserdem noch in die Rabatt- Sparbücher angetragen, für I pt. i stück Metallfingerhut I pf. i Dutzend Zfiekelknöpke I pf. i Dutzend Hosenknöpfe I pf. i stück Schneiderkreide trMg 2 pf. s stück Stiefel knöpfer 2 pf. ein Seidenpompon � 3 pf. ein Tassensieb 4 pf. ein Cenfimefermaass 4 pf. ein Wasserbecher e-pre-K 4 pf. i Packet 3 stück Pfefferkuchen 4 pf. 200 stück Stecknadeln" 5 pf. ein stück gute Mandclseife 5 pf. ein Corsetsenkel vewcb. p-rd-n 6 pf. ein Seiflappen°n 8�« 6 pf. i Carton 3 Dutz. Sicherheitsnadeln 6 pf. ein paar Corsetstangen 6 pf. ein Dutzend Kragenknöpfe 7 pf. ein Knäui Häkelgarn 8 pf eine Trompete 9 Pf. ein Paar gute flpmbläffeP 9 pf. ein Kaffeebecker b-m-ü.* i 0 pf. 3 stück weisses Band 10 pf. eine Ein der-Tasse b-m.,.. weiss n. crime für 1 0 Pf. eine complette KaffCCtaSSß««ippt IOpt. einen Kohlenlöffel 1 1 pf. eine Butterdose eepresst 4- 12 Pf. eine Polle Stlgar-CaCSS 1 2 pf. vorzugi. 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Montag: Krisis. Nicht zu Hause. Zum Schluß: Die Manöver- braut. Schiller. Die Hanbenlerche. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Was ihr wollt. Montag: Das vierte Gebot. Wietropol. Die Blumen- Mary ■ Hieraus: Die Sünden 5er Frauen. .• Anfang 7V, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Promenaden-Konzert Montag: Die Blumen-Mary. Hier ' aus; Die Sünden der Frauen. Central. Die Geisha. Ans. 7'/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Der arme Jonathan. Montag: Die Geisha. Thalia. Der Hypotheken- Schuster Anfang 7Vz Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Luise». Berliner Raketen. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. ' Montag: Berliner Raketen. Ostend. Onkel Jonas. Anfang 7V, Uhr. Nachm. V/z Uhr: Der Hüttenbesitzer Montag: Onkel Jonas. Belle- Zlllianec. Napoleon. A» fang 8 Uhr. Nachmittag: Der Pfarrer von Kirch- s-ld. Montag: Napoleon. Friedrich- WilhrlmsliidllscheS. Fregoli-Gastspicl. Ansang 8 Uhr Montag: Fregoli-Gastspicl. Sllepandcrplab. Auch ein Fall Grünenthal. Anfang 8 Uhr. . Nachm. 4 Uhr: Rothkäppchen und der Wolf. 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Das Reichs- Versichernngsamt gab der hiergegen ein- gelegten Revision statt und wies Rummel mit seinem'Äuspniche aus Invalidenrente unter folgender Begründung ab: Der§ 17 des Alters- und Jnvaliditäts- VcrsicherungSgesetzcS fei vom Schieds- gcncht falsch angewendet worden, da nach dem Absatz 4 dieses Paragraphen bei Krankheiten, welche ununterbrochen länger als ein Jahr währen, die über diesen Zeitraum hinausreichcnde Dauer der Krankheit nicht mehr als Beitragszeit auf die Warte- zeit in Anrechnung komme. Sei dies aber nicht möglich, dann habe Kläger bei der Erhebung des Anspruches die Wartezeit nicht erfüllt gehabt. Das lirthcil des Revisionsgerichts lasse indessen trotz seiner Rechtskraft dem Kläger noch einen Weg offen, den Anspruch auf eine Rente für dauernde Erwerbsunfähigkeit weiter zu verfolgen. Zunächst könne er für die Zeit vom 19. Oktober 1893 bis zum 30. April 1894, also für den Theil der Krankheitsdauer, der im gegenwärtigen Rechtsverfahrcu bei der Feststellung der Wartezeit ausgeschieden werden mutzte, eine Theilrente auf gritüd des§ 10 verlangen, worin es heihe:„In- balideurcnte erhält auch derjenige nicht dauernd erlverbsuufühige Versicherte, der ivähreud eines Jahres ununterbrochen erwerbs- unfähig gewesen ist. für l'ie weitere Dauer dieser Erwerbs- Unfähigkeit." Nachdem der Anspruch aus§ 10 ai, erkannt worden sei, könne Kläger wegen seines jetzigen Zustaudes wieder die Daucrrente fordern, und zwar mit mehr Recht wie das erste Mal, denn nun könne er sich auf§ 33 Absatz 3 berufen, wo- nach bei einer N e u b e w i l li g ,l n g der Rente die Zeit des früheren Rentenbezuges dem Versicherten ebenso wie eine bescheinigte KrankheitszeitelckelI»e«A'- a. l8taeI»«ll»«ei'»Wela h Flasche»/i Liter 75 Pf. Broinbccr- u. Wci'iiinth-Weln — deutscher— k Literflasche Ml. 2,10. 2,50, 3,-. 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