Nr. S79 AbmMkMkÄ»- Dedwgungtn: «bonnsmentS-Prei» pränumerando: vterleljährl. 3,30 Mr.. monatl. 1,10 Ml.. wöchentlich SS Pfg. frei in» Hau«. Einzelne Nummer 3 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post-ZeUungS- Preisliste für ISO» unter Bc. 7676. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrig«»uSIand 3 Marl pro Monat. IS. Iahrgl. Die Instrtwns-Vebllhr beträgt für die sechSgespaltene flotonei- «eile oder deren Raum»0 Pfg., für Vereins- und VersammIungS-Anzeige», fowie ArbetlSmarlt L0 Pfg. Jnfsrats für die nächste Nummer müssen biS t Uhr nachmittags in der Erpedtlio» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bli 8 Uhr vormittags geöffnet. «rfqiwl liglich nutzer»onlag«. Devlinev Volksblskk. Fernsprecher: Amt I, Er. 1608. Telegramm-Adresse: «»ozialdemokrat Serlw». Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: L'W. 19. Beuth-Stratze 2. Dienstag, den AN. November 1898. Expedition: SW. 19, Beuth-Strahe 3. Vezugs- Einladung. Am 1. Dezember 1898 beginnt ein neues Abonnement auf den „Vorioarks" mit UnterhaltungSblatt und der illustrirten SonntagL-Beilage „Die Vene Melt". In der ersten Woche des Dezember tritt der Reichstag zusammen, dessen Berathungen und Entscheidungen von außergewöhnlicher Be- deutuug sein werden— vielleicht von größerer Tragweite, als die irgend einer früheren Reichstags» Session seit Gründung des Reichs. Von der Haltung des im Sommer dieses JahreS gewählten Reichstags hängt es ab, ob der V o r st o ß der Reaktion gegen das Koalitionsrecht zurückgeschlagen wird, oder ob die geplanten Attentate auf die Freiheit, die Ehre und d e n W o h I st a n d des deutschen Volks gelingen werden. Hand in Hand mit dem Vorstoß der junkerlichen Reaktion geht der Versuch, den Militarismus und Mari nismus, die schon heute eine schier unerschwingliche, den wirthschaftlichen Auf- schwung hemmende Last bilden, noch weiter zu kräftigen auf Kosten der Kulturaufgaben, die dem deutschen Volk ob- liegen. Jeder deutsche Staatsbürger und auch jede Staatsbürger in ist an den bevorstehenden Debatten aufs lebhafteste interessirt, und da kein Volk seine Lage zu heben vermag, wenn es nicht Antheil nimmt an der Politik und nicht sich aufklärt über alle schwebenden Fragen, so fordern wir alle unsere Genossinnen und Genossen auf, für die Verbreitung des„Vorwärts" thätig zu sein, der über alle schwebenden Fragen Aufschluß giebt, über die Reichstags-Verhandlungen eingehend berichtet, die Reaktion auf allen Gebieten bekämpft, und die Massen aufruft zum Kampf gegen die Reaktion. Die Maßregelung, mit welcher die Polizei einen unserer Redakteure beehrt hat, ist für uns nur ein neuer Ansporn, unerschrocken und mit höchstem Aufgebot aller unserer Kraft unsere Pflicht zu thun. Wir haben aber auch ein Recht, vondcn Genossinnen und Genossen zu erlvarten, daß, sie uns gegenüber ihre Pflicht zu thun. In allen Abtheilungen deS Blattes werden wir bemüht sein, den„Vorwärts" stets zu verbessern. Zum Erfolg bedürfen wir jedoch der Unterstützung und Mitwirkung der Genossinnen und Ge� nossen. In je höherem Maße uns diese Unterstützung und Mit Wirkung wird, in desto höherem Maße kann und wird der„Voo wärts" seine Schuldigkeit thun; und je größer die Verbreitung des Zentralorgans unserer Partei, desto größer seine Macht im Dien st e der Partei. Im Unterhaltnngsblatt bringen Wir im konimenden Monat eine größere h u m o r i st i s ch e Erzählung von Alfred a Heden st jerna: „Die Badereise der Familie Hellvik." Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspeditcure sowie uiisere Expedition, Bcnthftr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mark 10 Pfennigen frei ins Hans für den„Vorwärts" mit Unterhaltungsbeilage und der illustrirten Sonntagsbeilage „Die Neue ADoU". Für außerhalb nehmen sämmtliche Po st an st alten Be stcllungen zum Preise von I Mark 10 Pfennigen für den Monat Dezember entgegen, s(Eingetragen ist der«Vorwärts" in der Post-Zeitungsliste für 1898 unter Nummer 7576.1 Die Redaktion des„Vorwärts". Die Reichsbank und die Agrarier. Mit jedem Tage tritt es deutlicher hervor, daß sich der Reichsbank-Präsident gleich nach der Parlamentseröffnung auf ein lärmendes agrarisches Kesseltreiben gefaßt machen muß. Er ist es zwar seit Jahren gewöhnt, die Mirbach. Arendt und Kardorff heulend und kläffend hinter sich her zu haben. Dies- mal jedoch ist die Lage ernster, weil der launische Zufall sich im Augenblick auf die Seite der Bündler gestellt hat. Wenn diese früher mit Dr. Koch haderten, weil er, energischer und kampflustiger als andere Regierungsvertreter, an der Goldwährung festhielt, die mit einer Geld- Verminderung und Zinsfußsteigerung gleichbedeutend sein sollte— so sorgte gewöhnlich die thatsächliche Eniwickclung der Goldproduktion rasch und zur Genüge dafür, diese bimetallistischen Behauptungen immer wieder ins Lächerliche zu ziehen. Als die Doppelwährungs-Agitation in Deutschland stärker einsetzte, Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre, hatte man mit einer jährlichen Goldausbeute vou etwa 400 Millionen Mark(1883 393 Millionen) zu rechnen. Heute sind bereits tausend Millionen erreicht(1897 nach Preston 997 Millionen) und der Aufschwung der Gewinnung hält dauernd an. Man mag den Metallbestand irgend eines Landes vorübergehend zu knapp finden; aber von einer all- genieinen dauernden Edelmetallnoth, wenn auch nur vor einer Schaar fanatisirter Bauern, zu sprechen, dazu sind die Zeiten längst vorbei. Darauf stürzten sich die bündlerischen Häuptlinge köpf- über in den Kanipf um die günstigere Lombardirung ihrer landschaftlichen Pfandbriefe. Der Reichsbank wurde zum Vorwurf gemacht, daß sie die Reichs- und Staats- anleihen zu einem den Wechseldiskont nur um Ve pCt. übersteigenden Zinsfuß beleihe, während für alle anderen Papiere der Lombardzinsfuß um ein volles Prozent höher war: der Kours der Pfandbriefe werde durch diese Differential- behandlung ungünstig beeinflußt. Nach langen und zum theil erbitterten Auseinandersetzungen half sich die Bank- Verwaltung in ingeniöser Weise damit aus der Klemme, daß sie die geforderte Gleichberechtigung in der entgegen- gesetzten Richtung zur Durchführung brachte. Sie erhöhte für die Staatspapiere den Lombardsatz, weil sie mit Recht durch ein zu starkes Anschwellen der Lombardforderungen ihre finanzielle Stellung geschwächt und gefährdet sah, die zur Deckung der Banknoten und der anderen täglich fälligen Ver- Kindlichkeiten möglichst viel Baargeld und Wechsel mit kurzer Laufzeit erheischt. Nach der ersten Verblüffung über diesen unerwarteten Schritt hat das die Agrarier nur zu vermehrter Wuth gereizt. Es hat aller Uebertedungskünste des Herrn v. Miquel und sonstiger Führer der Sanimelpolitik be- dürft, um in der letzten Session, kurz vor den Wahlen, die pumpeifiigen, ewig gcldbcdürftigen Heißsporne der Rechten im Reichstage wie im preußischen Landtage von der er- neuten Anschneidung der strittigen Bankfrage zurückzuhalten. Nachdem die Wahlen vorbei sind, verlangt der auf- gespeicherte Thatendraug der Bündler um so drängender nach einer oratorifchen Entladung. Tie parlamentarischen Neulinge des Bundes können das weltgeschichtliche Ereigniß ihrer Antrittsvorstellung nicht erwarten. So wirft denn die dritte der drei so rasch berühmt gewordenen Interpellationen des Bundesvorstandes und seiner Hörigen dem Reichsbank- Präsidenten abermals den Fehdehandschuh hin. Herr Dr. Koch hat durch hohen Diskont die deutsche Produktion gegen- über dem Auslande geschädigt; er ist reif, in die Wüste, hinaus zu den übrigen Vatcrlaudsfeinden gestoßen zu werden; das Maaß seiner Schuld ist endlich voll. Wir sehen den bevorstehenden Auseinandersetzungen in aller Ruhe entgegen. Für die Sozialdemokratie ist das Reichsbaukgesetz durchaus kein Rührmichnichtan, wie für die Bankanthcils- Besitzer und für manche ihrer Anwälte in der Presse und in der Volksvertretung. Selbst die Bank- Verstaatlichung, wenn sie von der sozialdemokratischen Fraktion abhingc, würde von uns nur als reine Zweckmäßigkeitsfrage, nach ihrer Wirkung unter den heutigen Machtverhältnissen zwischen Industrie und Landwirthschaft und staatlicher Bureau kratie bcurtheilt werden. Wir wüßten ferner nicht, warum wir etwaige Anträge, wie die der Erhöhung des Stammkapitals, nicht in allergrößter Seelenruhe mit in Erwägung ziehen sollten, obwohl bei einer Zentralnotenbank das Stammkapital eine ebenso nebensächliche, wie Noten und fremdes Geld die ent scheidende Rolle spielen. Um die öffentliche Aufmerksamkeit auf eine andere Theilung des Reingewinns zivischen dem Reiche und den Aktionären, auf eine Vermehrung der Höchst- betrage des ungedeckten Notenumlaufes hinzulenken, auch dazu bedurfte es wahrhaftig nicht erst der Bündler; aber wenn sie es verlangen, so ist das an sich kein Grund für uns, es zu verwerfen. Jndeß, auf derartige sachliche Diskussionen kommt es ihnen im Augenblick gar nicht an, sondern lediglich ans eine all- gemeine Stimmungsniacherei gegen die verhaßte Goldwährung und deren womöglich noch verhaßteren Anhänger und Vor- kämpfer in der obersten Reichsbankleitung. Der Zins« fuß ist hoch, die Geschäftswelt in Stadt und Land ist zweifellos darüber beunruhigt. Diese Gelegenheit muß nian beim Schöpfe nehmen, um an dem„Bankhalter"— wie Graf Mirbach ihn einst in angeborener Ritterlichkeit nannte— sein Müthchen zu kühlen. Die Schwierigkeiten des deutschen Geldmarktes und in erster Linie der Reichsbank sind bekannt. Der nun schon ein paar Jahre anhaltende bedeutende wirthschaftliche Aufschwung in Deutschland und der dadurch bedingte große Bedarf an Zahlungsmitteln für den inneren Verkehr hatten zur Folge, daß die Reichsbank und die Privat-Noten- Banken in höherem Grade als je zuvor in Anspruch genommen wurden. Die letzteren können die Last der Anforderungen auf die Reichsbank überwälzen, sodaß letztere die ganze Wucht eines außerordentlichen Geldbedarfs allein tragen muß. Im Anfang dieses Jahres trat die Spannung hinzu, welche seitens der Vereinigten Staaten durch die Ein- ziehung ihrer ausländischen Guthaben und durch Heranziehung von Gold für den Krieg hervorgerufen wurde. Am 7. April erhöhte deshalb die Bank von England ihre Zinsrate von 3 auf 4 pCt., am 9. April folgte die Reichsbank mit dem gleichen Schritte. Hohe Preise der wichtigsten Großhandelsartikel, ein fortgesetztes Gründungsfieber, die 149 Millionen Mark deutschen Antheils an der chinesischen Anleihe, das alles steigerte die Inanspruchnahme der Bankmittel. Dazu ist der Horizont nicht mehr ganz wolkenlos; jeder heraufziehende kleine Krach kann ich zu einer großen Panik auswachsen; die Banken müssen ich also auch auf einen möglichen künftigen Ansturm vor- bereiten. So ist vor kurzem der Reichsbanksatz auf pCt., Ende voriger Woche auf 6 pCt. erhöht worden, um nicht allzu leichtherzig die Vaarmittel preiszugeben und um zugleich die Geschäftswelt etwas zur Ruhe und Besinnung zu mahnen. Keine Bankleitung kann in solchem Falle anders handeln, wenn sie nicht ihre Pflicht sträflich vernachlässigen will. Auch unter dem silberfreundlichen Herrn v. Dechend haben wir unter ähnlichen Umständen dieselbe Diskontsteigerung erlebt. Am 3. Januar 1876 stieg der Banksatz von 5 auf 6 pCt.; im Oktober 1880 hatten wir b�pCt., im November 1881 5�/z pCt., im Dezember 1882 6 pCt., im Dezember 1890 bis in den Januar 1891 hinein pCt.— gerade in dem letzten Zeitrauni offenbar wegen der beginnenden Abwickelung der Spekulation und Preistreiberei der vorangegangenen Jahre 1887 bis 1890. Diese letzterwähnte Periode des Aufschwunges ist jedoch nicht entfernt zu vergleichen nnt der Aufwärtsbewegung der jüngsten Vergangenheit. Soll ein Reichsbank-Präsident etwa die guten Jahre hindern, weil sie sowohl auf ihrer Höhe wie in ihrem Umschlage nach unten seinen Geldbestand zu dezimiren drohen? Als 1886 die Geschäfte darniederlagen, beklagte Graf Mirbach im Hcrrenhause umgekehrt das Herab- gehen des Zinsfußes! Aber die Goldwährung war damals natürlich auch an dem Sinken des Zinsfußes schuld! Wenn die Bank von Frankreich seit längerer Zeit einen beträchtlich geringeren Diskontsatz aufweist, so ist das zum theil Täuschung, weil sie sich immer vorbehalten hat, in Silber zu zahlen und für ihre Noten Gold nur gegen eine Prämie herzugeben. Dies bedeutet thaffächlich einen höheren Diskontosatz fürAuslands- als fürJnlandswechsel.Daß eineBank, von der internationalen Bedeutung und Stellung wie die deutsche Reichsbank vor einem solchen Verfahren zurückschreckt, ist zum mindesten begreiflich. Man erinnere sich nur an den Lärm im Auslande, als es einmal hieß, die Reichsbank mache von dem gesetzlichen Rechte, in Silberthalern ihre Verbindlichkeiten zu lösen, auch thatsächlich Gebrauch. Was das Agrarierthum hier der Reichsbank zumuthct, ist in der That eine Herab- drückung ihrer internationalen Stellung. Vor allem jedoch ist der niedrigere Diskontsatz in Frankreich eine Folge des dortigen wirthschaftlichen Stilllebens, das wesentlich mit ver- ursncht ist durch die agrarische Reaktion der Herren Meline und Genossen. Gerade die französischen Verhältnisse sollten uns in dieser Beziehung eine Warnung, nicht ein Vor- bild sein. Doch unsere Agrarier wollen Lärm schlagen, weil sie ihn für ihre Agitation brauchen. Selbst ihren Sammelbrüdern von der Industrie wird bereits vor diesen Bundesgenossen bange. Aber sie werden die Kette ihrer Hörigkeit nicht los. politische Mvbevstchk. Berlin, den 28. November. Der Kampf gegen de» Militarismus ist jetzt in allen Kulturländern entbrannt. In dem unglücklichen Italien, das unter der Last der Eisenrüstung erdrückt wird, führen unsere Genossen eifrig den Kampf; in Frankreich nimmt die autimilitaristische Meinung von Tag zu Tag an Kraft zu; von Deutschland können wir zu unserer Geuugthuung dasselbe vernielden; und auch in B e l g i e n, wo durch den König und einige ehrgeizige Soldaten der Militarismus nach deutschem Muster eingeführt werden soll, sind unsere Genossen auf der Wacht, um das Eindringen des bösen Feindes zu verhindern. In der belgischen Kammer kam es am Freitag anläßlich des russischen Abrüstungsschwindels zu einer hoch- interessanten Debaite, in welcher die Genossen H e k t o r Denis, ehcnialiger Rektor derUniversitätBrüffel, und Bänder- Velde die Gemeinschädlichkeit des Militarismus enthüllten, auf dessen soziale Ursachen hinwiesen und von der Regierung, wenn sie wirklich die Uebel des Militarisnnis beseitigen wollten, eine das Volk befriedigende Politik der Aufklärung und echter Sozialreform forderten. Natürlich hatte die Pfaffen-Regierung kein Verständniß für eine solch' vernünftige Auffassung der Dinge. Desto besseren Anklang fanden die Reden bei den Massen des belgischen Volks, das für die Kaserueu-Dresjur nicht zu haben ist.— Wenn nicht— denn nicht! lieber ein Interview des Regierungspräsidenten v. Koller durch einen Kor- respoiidenten des Kopeuhagener Blattes„Politiken" wird uns be- richtet: „Auf die Frage deS Korrespondenten, welches die Gründe der Ausweisungen leicn, antwortete Herr v. Köller: Die Gründe sind rein lokaler Art. Befehle von Berlin habe ich nicht erhalten. Die Ausweisungen sind nur von den Landräthen auf meine An- Weisung vollzogen worden und zwar aus folgenden Gründen: Ich kenne von meiner Thätigkeit in Elsaß-Lothringen her genau die GrenzverhälMisse. Ein Jahr lang ipielie ich hier den Beobachter und bemerkte, wie die Dänen überall die Deutschen chikanirten. Es wurden Ausflüge nach Dänemark gemacht, Biepelezüge mit demonstrativer Entfaltung der dänischen Flagge jenseits der Grenze. In Bersamnilungen traten dänische Offiziere auf. Scavenius, der frühere dänische Minister, empfing die demonstrirenden Schleswiger, dänische Professoren hielten bei nnS aufhetzende Vorträge, tägliche Ereignisse verriethen, daß die Dänen meinten, uns an der Naie herumführen zu können. D a r u ni schlug ich d' r e i n! Die Ausweisungen bedeuten nur den Ansang ni einer Präsident- schaft. Auf die Frage, wie weit er mit den Ausweisungen zu gehen gedenke, meinte Herr v. Köller: Es giebt hier gegen 26 909 Dänen und Op taute, ausgewiesen find 117. Von' Optanten sind nur einige ausgewiesen wegen Gesetzesübertretungen. Das Ganze i st bisher nur ein Versuch, er st wenn ich die irkung wahrgenommen habe, werde ich meine u eiteren Dispositionen treffen. Optanten könne er mir ausweisen, wenn sie sich gegen die Gesetze vergangen haben. Ans die Frage, welche Gesetze die ausgewiesenen D i e n st- Boten gebrochen' hätten, sagte er:„Keine! Durch ihre Ans- Weisung sollen ihre f a n a t i s ch e u P r i n z i p a l e, die s e l b st nicht ausgewiesen werden können, g e• troffen werde it." „Werden Sie nicht die Landwirthschaft dadurch ruiniren?* Präsident:„Es giebt genug deutsche Arbeitskraft in den Städten, aber ruhige, dänische Besitzer können ihre Leute behalten!" „Wie sollen die Leute also die Ausweisung vermeiden?"—„Sie sollen sich von Ansfliigeu nach Dänemark, von den Volkshochschulen, von dänischen Vereinen, von Versammlungen und der Agitation fernhalten." Werden Personen ausgewiesen, weil ihre Gutsherrn den Dänen gewählt haben?"—„Nein, die politischen Rechte raste ich nicht an, die AuSweisnngen ziele» nur auf die lokale Agitation!" Er sprach dann über die dänischen Abgeordneten, von denen namentlich Haussen und Jessen„Geschäftspoli'tik" trieben und„pro- sessionelle Unruhestifter" seien. Er lese jeden Tag, was sie schreiben. Wenn man keine weitere Ausweisungen wünsche, so möge man sich in K 0 p e n h a g e n der Demonstrationen enthalten. Ob er eine vollständige Germanisimng Nordschleswigs erzwingen tvolle?—„Keineswegs! Die Sprache will ich nicht ausrotten, Zweisprachigkeit ist in den Grenzbezirken nützlich."— Ob er nicht wisse,Zdaf;LaiidrathManve in Ha d e r s l eben mit übergrotzer Strenge vorgehe, die viele Familien inS Unglück brächte?—„Das seien Uebertreibungen der Presse. Er handle durchaus nach seinen Befehlen, streng, aber durchausgerecht. Er fand Widerstand und hat gehandelt. Wenn ein Kutscher Spektakel macht, wirst man ihn hinaus. Wünschen Sie noch mehr Ausweis u n gen, so halten Sie nur Noch mehr De m on st ratio n S- Versa m in lun gen in Kopen- Hägen ab." Warum wurde die Wöchnerin ausgewiesen?— Ueber Einzelfälle könne er sich nicht aussprechen I— Zum Schlub fragte der Journalist, ob die Ausweisiiiigeu vorläufig zu Ende seien?— „Nein. Die Dänen haben den Krieg begonnen: ich habe kein Interesse, ihn zu führe»: aber ich verlange das Friedenssignal in den schleSwigschen Blättern, und bekomme ich daS nicht, werde ich Ruhe schaffen! Es wird Ruhe werden!" _ Damit war das Interview zu Ende. Der Journalist fügt seinen Aufzeichiiungeu bei, dafi sie zusammengedrängt, aber wortgetreu wiedergegeben seien. ES werde ihnen kein Dementi folgen. Das letztere glaube» auch wir, denn die dem Herrn v. K ö l l e r in den Mund gelegten Aeutzerungen tragen den Stempel der Wahr- haftigkeit. Es ist das ganz die burschikose Art, die wir an dem ehe- maligen Polizeiminister leniieu gelernt haben. Lediglich, um einen „Vernich" zu machen, werden hunderte ruhiger Bürger ins Elend gestofien, Leute, die zum großen Theil weiter nichts verbrochen haben, als daß sie zufällig in Diensten von„fanatischen Prinzipalen" sich befinden. Und noch mehr. Die Dänen, die für die deutschen Behörden unerreichbar sind, brauchen nur in Kopenhagen Protestversammlungen abzuhalten, es genügt, daß Herr v. Kölker mit teutonischem Zorn dr einschlagen will, Mit diesem famosen Küller-„Versuch" werden felbstverstäudlich die Erfolge erzielt werden, welche jede Gewaltpolitik hervorbringen muß— Erbitterung, Haß und Widerspruch. Und wenn alsdann die gepeinigten dänischen Grenzbewohner ihren Groll durch neue Demonstration zum Ausdruck bringen, dann doppelt scharfe Repression, doppelt schneidige Polizeiwirthschaft. Eine widersinnigere, zwecklosere Politik läßt sich nicht erdenken. Herr v. Köller wird aber mit dieser politischen Weisheit ebenso wenig Lorbeeren ernten, wie er sie geerntet hat, als er einst als Polizeiminister das ganze Reich mit der Wohlthat seines Umsturz- gesetzes zu beglücken gedachte. Auch damals meinte er in seiner burschikoS-oberflächlichen Manier: Geht eS, dann geht eS, wenn nicht— dann nicht! Aber mit burschikosen Scherzen, mit polterhaften Studenten- streichen treibt mau keine ernsthafte Politik. Wenn der Herr v. Köller sich über die Roth der Hinaus- getriebenen, der armen Frauen und Kinder, mit dem Kommersbuch- Ulk: Ein Bursch wie ich, was macht sich der dermis?— hinweg trällern zu dürfen glaubt, so wird ihm der deutsche Reichstag zeigen, wie er über eine derartige Auffassung denkt!— Die spauisch-amerikanische Fricdeiiskoniinisfion, so wird auS Paris vom 28. d. M. gemeldet, tagte heute Nachmittag von 2 bis 23/« Uhr. Die Spanier nahmen die Bedingungen der Amerikaner an, nämlich: Aufgabe der Philippinen und des S u I u- A r ch i p e l s gegen eine E n t f ch ä d i- g u n g von 20 Millionen Dollars: Amerika kauft alle Karo Ii neu ins ein. Die Fragen betreffend die kubanische Schuld bleiben in der Schwebe. Die nächste Sitzung der Kommission findet am Mittwoch statt. Damit ist der Friedensschluß so gut wie vollendet. Nur Einzel- Helten bleiben noch zu erledigen. Spanien unterwirft sich allen Bedingungen seines übermächtigen Gegners. Es giebt fast seinen gesammten überseeischen Besitz auf. Das Ende des einst größten und mächtigsten Kolonialreiches des Erdballs ist gekommen. Und als eine neue Kolonialmacht steigt auf das jugendstarke Gemeinwesen der Vereinigten Staaten, den alten obersten Grundsatz seiner Politik verlassend und in neue Bahnen eintretend, in Bahnen, die weit hinaus führen über alle Meere, aus denen die neue ge- waltige Kolonialmacht, die bisher abseits stand von den internatio- nalen Verwickelungen, in wirthfchaftliche Konkurrenz und in politische Rivalität mit den alten europäischen Großmächten eintritt. Eine neue Geschichtsepoche beginnt!— «• • Deutsches Reich. Nufierordentliche Anforderungen stellt der neue Kolonial- etat. Der Etat des Auswärtigen Amts für das NechnungSjahr 1899 fordert an fortdauernden Ausgaben 12 002 192 M., 641 448 M. mehr als im Jahre 1893, und a» einmaligen Ausgaben 16 64b 110 M., 6 850 428 M. mehr als im Jahre 1898. Die einmaligen Ans- gaben entfallen fast ganz mit 16 462 110 auf die Kolonial- Verwaltung.— lieber die ReichStagS-Vorlagen wird der Münchener„All- gemeinen Zeitimg" aus Berlin geschrieben: Die erste Vorlage, welche dem Reichstag zugehen dürste, wird der Etat sein: daß die Militärvorlage und das Jnvalidengesetz schon vor Weihnachten eingebracht werden, gilt nicht als wahr- s ch e i Ii l i ch. Erst nach Neujahr kann unter den Eingängen auch der Gesetzentwurf über die Hypothekenbanken erscheinen. Außer- dem ist eine relativ große Anzahl von Gesetzentwürfen für den Reichstag im Reichsamt des Innern vorbereitet. Außer der bereits genannten Jnvalidengesetz- Novelle ist der Gesetzentwurf zum Schutz der Verhältnisse der Handelsgehilsen, dann derjenige, welcher die Verhältnisse der Patentanwälte reaulirt, zu nennen, fernerhin das Fleischschaugesetz und das ReichSbankgesetz. DaS Privat-Versicherungsgesetz liegt schon den Bundesregierungen vor. Die„Vofsische Zeitung" nimmt dagegen an, daß die Militär« vorläge mit dem Etat zugleich vorgelegt werden wird.— Wohlstandsvermehrung in Preußen? Die„Statist. Korresp." ' stellt eine umfangreiche Berechnung auf, um daS G e f a m m t- einkommender physischen Personen in Preußen zu ermitteln. Für die Einkommen st euerpflichtigen stützt sie sich hierbei auf die Ergebnisse der Veranlagung für 1897/98 und rechnet ein Einkommen dieser aus 9 488 930 Köpfen bestehenden Bevölkerung von rund 6374 Millionen Mark heraus. Dazu treten 39'/» Millionen Mark für die abzugsfähigen Kafsenbeiträge und LebensversicherungS-Prämien, femer 314'/» Millionen Mark für die Ermäßigungen u. s. w. der§§ 18 und 19 des Einkommensteuer-Gesetzes. Ungleich schwerer ist es. das Einkommen der ganz- lich einkommen steuerfreien Personen d. h. derjenigen, die ein Einkommen von weniger als 900 M. haben, festzustellen. Ans statistischen Materialen ergiebt sich kein Anhalt für die Höhe des Gesammtcinkommens dieser auS 8 738 527 Haushaltunqs- vorftäiidcn und Cinzelsteuernden und 21 204 786 Köpfen bestehenden Bevölkeruiigsschickst. Ans allgemeinen wirthschastlichen Verhältnissen glaubt die„Statist. Korresp." annehmen zu können, daß ein Mittel- satz von 450 M. sür jeden cinlonnneiistencrfteieii Haushaltungsvorstand oder Einzelsteuern den zutreffe. Es würde dies einem Tagesverdienste von nur 1,50 M. entprechen, wobei noch der Neben- verdienst der Ehefrau und die Hilfe der übrigen HaushaltungS- angehörigen mitgerechnet ist. Danach würden die Einkommen- steuerfreien ein Gesammteinkomnien von rund 8982 Millionen Mari haben. Unter Ziisammenrechmmg der genannte» Einzel- betrage würde sich als Gesammteinkommen der physischen Personen in Preußen im Jahre 1897/98 die Summe von nahezu 1t> 661 Mill. Mark ergeben. Die„Statist. Korresp." berechnet auch das Einkommen sür das Jahr 1892/93, wobei allerdings die Unterlagen nicht ganz so zuver« lässig sind wie die sür 1897/98. Das Gesammteinkommen der phhsischen Personen hat danach im Jahre 1892/93 958� Millionen Mark betragen, so daß in den letzten fünf Jahreii eineZu- nähme deSGesammteinkömmens um?80 Millionen Mark oder 7,89 v. H. siattgesundeii hat. Da die Gesammt- bevölkenmg im gleichen Zeitraum um 6,13 v. H. gestiegen ist, hat sich da» Einkommen etwas stärker vermehrt alS die Bevölkerung. Bei der Unklarheit über alle thatsächlichen Verhältnisse, die diesen Berechiiimgen zu Grunde liege», wird mau die Schlußsolgernna der„Statist. Korresp." mir mit Vorbehalt aufnehmen dürfen, selbst wenn aber auch die Berechnung durchaus stimmen würde, so könnte doch der von mehreren Blättern daraus gezogene Schluß einer er- heblichen Wohlstandsvermehrung seit 1892 in Preußen nicht ohne weiteres gezogen werden, denn vermehrtes Geldeinkommen bedeutet noch nicht vermehrte Kaufkraft.— Die Qnebracho- ZoNfrnge— so wird uns geschrieben-> taucht in der Tagespresse wieder aus, nachdem sie im Lause des Jahres in einer großen Anzahl von Juteresienteii- Versammlungen den Gegenstand lebhafter Debatten gebildet hat. Die Lederhnudler und die norddeutschen Gerber sind in der Hauptsache ebenso entichiedeii gegen einen Zoll auf fremde Gerbstoffe, wie die ivest- und füd» deutschen Gerber und namentlich die Schälwaldbesitzer für ihn sind. Beide suchen auf die Oeffentlichkeit dadurch Einfluß zu gewinnen, daß jeder Theil von einer nahenden Krise spricht, wenn nicht die ganze Frage in seinem Sinne gelöst wird. Die Anhänger des Zolles lassen sämmtliche Lohbanbauern und drei Viertel aller Gerberei- besitzer z» gründe gehen, wenn kein Zoll eingeführt wird, die Gegner befürchten zunächst das Aufhören des deutschen Ledcrexportes nach Inkrafttreten eines Zolles. Da aber eine sofortige gänzliche Einstellnng der Fabrikation der exportirenden Firmen ansgeschloffen fei, bleibe das Leder und die Lederwaaren auf dem deutschen Markte, und die Folge davon wäre ein sofortiges Sinken der Preise. Zahlreiche Betriebe wären nicht mehr im stände, weiter zu arbeiten, und unzählige Arbeiter würden brotlos nicht nur aus der Gerberei allein, sondern auch ans den Leder verarbeitenden Branchen, z. B. der Schuhsabrilation, der Sattlerwaaren und Porte» feuillesabritation je. Die Vernichtung der kleinen Existenzen unter den Lohbaueru, die von den Zöllnern stets ins Feld geführt wird, stehe damit in gar keinem Verhältnisse. Schon diese nackte Gegenüber- stellimg der Gründe, die von jeder Seite der Interessenten vorgebracht werden, zeigt, daß wir uns den Gegnern des Qnebracho-ZolleS anzuschließen haben. Dabei soll aber nicht übersehen werden, daß durch die neue Gerbmethode mit eingeführten Gerbsnbstanzen das Leder allerdings nicht be»er wird. Eichengegerbtes Leder ist ohne Zweifel weit dauerhafter. Deswegen giebt auch die Militär- Verwaltung dem eichengegerbteii Leder den Vorzug. Für die von ihr beiivthigten Stiefel ist dauerhaftes Leder die erste Bedüignng, da das Schuhwerk erst sieben bis acht Jahre auf den Kammern zu- bringen muß, bevor eS in Gebrauch genommen wird. Wer also ein Paar Schuhe kauft, die aus Onebracholeder hergestellt sind, erspart allerdings 20—30 Pf. gegenüber den Kösten, welche die Anschaffung von Schuhen ans dauerhafterem Eichenieder verursacht. Da aber die große Masse der Bevölkerung— abgesehen von Ansiiahmen, die durch den Beruf bedingt sind— an das Schuhwerk nicht die Ansprüche der Militärverwaltung zu stellen braucht, so liegt auch vom Standpunkt des Konsinneiiten kein Grund vor. gegen das Onebracholeder zu eifern und sich für den Zoll auf ausländische Gerbstoffe zu erwärmen.— Margarine ohne jede ihicrifche Milch soll min auch er- fnndeii fein und zwar von Dr. Michaelis auf grnnd von Anregungen seitens des Geheimraths Liebreich. Wir sind in solchen Dingen etwas skeptisch. Da jedoch in freisinnigen Blättern, vor allem in der „Nation" durch Pank Rathan, viel Aufhebens von der neuen Fabri- kationsinethode gemacht wird und da sie bei größerer Verbreitimg zweifellos zu neuen agrarischen Agitationen heraus- fordern würde, so erwähnen wir sie kurz. Margarine wird bekanntlich hergestellt aus Oleomargarin(dem von Stearin befreiten Nindstalg), auS Pflanzeiiöl und Milch. Die Milch hat dabei vorwiegend nur die Aufgabe, die Fette in einen einulfionsartigen Zustand überzuführen, d. h. daS flüssige Fett in kleine nebeiieinanderliegende Äügelchen umwandeln zu helfen, um es hierdurch verdaulicher' zu machen und so seinen Nährwerth zu er» höhen. Das soll mm nach den MichaeliS'fcheu Versuchen mit der aus süßen Mandeln gewonnenen Mandelmilch ebensogut uiöglick sein, die bisherigen' Margariuefabrileu würden zu der neuen Herstelluugsweife ohne weiteres übergehen, und die so erzeugte Margarine sogar um 10 pCt. billiger liefern können. Diese Hoffnungen der Chemiker und Fabrikanten werden wohl noch mancherlei Einschränkungen erfahren. Dagegen zeigt die Preß- erörtenmg schon jetzt, wie gefährlich und zweiichneidig die agrarischen Uebertreibungen der AnsteckungS- und GesnndheitSgefahren sind, die sie überoll sehen— natürlich soweit das konkurrirende Ausland in Frage kommt. Die Marganne-Jnter- esseiiten drehen jetzt don Spieß mn und rühmen ihre„Mandelbutter", weil die thierische Milch ein Hauptträger von Krankheitserregern, eine unerschöpfliche Infektionsquelle sei:„Diese Bedrohung schwindet gänzlich, wenn für die Margarine überhaupt keine thierische, foiideru nur noch Pflanzenmilch zur' Verweudimg gelangt." Wir wollen uns in diese Auseinandersetzungen zwischen den furrogat-fabrizireuden Rabbis und den butternden Mönchen weiter nicht einmischen. Thatsächlich erreicht haben auf jeden Fall die agrarischen Gesetzgeber gegen die Margarine garnichtS. Nach einer Statistik, die der „Nation" vorliegt und die annähernd richtig sein dürste, steckten im Jahre 1897 in großen Maraarinefabriken etwa 40 Millionen Mark Anlage- und Betriebskapital gegen 30 Millionen vor Erlaß des Gesetzes; und von 1887 hat sich bis 1897 das produzirte Quantum im Werthe von 24 Millionen auf 94'/, Millionen Mark gesteigert: Die Steigerung von dem Zeitpunkt vor Erlaß des Gesetzes bis nach Erlaß benrägt 30 Millionen Pfimd, so daß also das Gesetz genau die entgegengesetzte Wirkung hatte, die die Agrarier deab- sichtigten.— „Anarchistisches". Wir hatten in unserer vorigen Nummer eine SeiisationsnaÄricht des„Berk. Tagebl." wiedergegeben, ivanach in Michelbach bei Worms 24 italienische Arbeiter wegen anarchistischer Umtriebe verhaftet worden seien. Dazu wird uns telegraphisch berichtet:„Tageblatt"-Nachricht Schwindel. In Michelback, daS im Odenwald, nicht bei Worms liegt. viele Italiener beim Bahnbau beschäftigt; wiederholt Schlägereien, deswegen neulich Verhaftungen.„Wormser Zeitung" brachte zuerst Bericht darüber, aber nichts von Anarchisten.— Ueber a u ß e r o r d e n t Ii ck e Absperrungs» Maß- regeln bei der Käiserreise in Süddeutschland meldet das„Südd. Äorrespondenz-Bureau":„Während deS Durchfahrens des kaiserlichen Hofzuges war die württembergische Bahnstrecke polizeilich be- wacht. Die italienische Regierung hatte die württem- bergische verständigt, daß von Italien der als Anarchist geltende Humberto Zanardi. 23 Jahre alt. nach Württemberg gereist ist. Nach Zanardt wird eifrig gefahndet." Entlang der Bahnlinie waren denn auch Landiäger in verhältmßmäßig engen Abständen schußbereit aufgestellt, die nach Eintritt der Dunckelheit Fackeln trugen. Auch aus München sind uns, so schreibt die„Franks. Ztg.", ähnliche Berichte zugegangen, über die Absperrung und Bewachung des Hauptbahnhofes, sowie über die Bewachung der ganzen Bahnstrecke von Pola bis Baden-Baden; selbst die Keller der Stationsgebäude wurden untersucht. Auch hier werden Anarchisten-Nachtichten der italienischen Regierung als Grund angegeben. Offenbar ist die italienische Regierung von der krankhaften Angst besessen, ihre durch maßlose Schan'dwirthschäft zur Verzweiflung ge- triebeuen Unterthanen könnten allenthalben Unheil anrichten.— Einen Erlast des Herrn v. Podbielski veröffentlicht die „Volks- Zeitung". Der Erlaß beklagt, daß mehrfach Beamte un- kündbar angestellt worden seien, obschon ihr Verhalten bereits zuvor zu ernstem Einschreiten Veranlassung gegeben hätte. Desgleichen wild geklagt, daß Beamte, die sich nach Führung oder Leistungen für den Pöstdienst nicht geeignet gezeigt hatten, nicht immer reckt- zeitig aus dem Dienste' entlassen worden sind. Sonst spricht der Erlaß �noch von dem persöistilhen Verkehr zwischen Vorgesetzten und Untergebenen.— Die maffenkjafte Verabschiedung noch diensttanglicher Offiziere, über die wir dieser Tage berichteten, hat»nter dieseii einen förmlichen Nothsiand geschaffen, da die Pension meistens zur Bestrestnng ihrer Lebensbedürfnisse nicht ausreicht und sie nicht unsse», wo sie unterkommen sollen. Dem soll durch einen jetzt veröffenl- sichten Erlaß des Kriegsministers abgeholfen werden. Die verabschiedeten Offiziere haben danach das NeHt. sich bei den Reichs- und Staatsbehörden um alle den Militärauwärteru vorbehaltenen Stellen zu bewerben. Von den in botracht kommenden Stellen sind nicht allein diejenigen, die sich im Bereiche der preußischen Zivilverwaltnngen sowie der Heeres- und der Reichs- Postverwaltung befinden, als besonders geeignet, sondern auch noch andere den Militäranwärtem nicht vorbehaltene Stellen zur Be- setzung mit verabschiedeten Offizieren empfohlen. Dem Schluß des Erlasses ist die Zusage beigefügt, daß den peiisionirteu Osfizieren, welche die durch eine informatorische Be- schästigung bei einer Behörde entstehenden besonderen Ausgaben nicht ans eigenen Mitteln zu bestreiten vermögen, ans be- gründeten Antrag durch Vermittelung des Krieg Simmsteriinns Zuschüsse z ii ihrer Pension gewährt werden dürsen. Ein feines System. Erst verabschiedet man die noch dienst- tanglichen Offiziere, pensionirt sie, und die steuerzahlende Bevölkerung hat die Kosten dcS immer mehr anschwellenden Pensioneeiats zu trägen. Da aber die Offiziere mit ihren Pensionen nichi aus- kommen, so müssen sie in die früher von„Zivilisten" verwalteten Stellungen gebracht werden, die dadurch um Einkommen und Brot und um die Möglichkeit gebracht werden, die Sienern noch weiter zu bezahlen. Der Widersinn dieses dem auf die Spitze getriebenen Militarismus geschuldeten Systems liegt auf der Hand.— Ziiuftlerischcs. Der Minister für Handel und Gewerbe, Brefeld, hat, wie wir schon mittheilten, unter dem 20. September dieses Jahres eine Verfügung an die Provinzialbehörden er- lassen, derzufolge dieselben in eine nähere Prüfung darüber ein- treten sollten, ob und welche von den zur Zeit in Preußen be- stehenden 7759 Innungen den Vormissetznngen des neuen Haudwerkergesetzes entsprechen. Es befinden sich nämlich unter diesen Jnumigeii 1579 mit weniger als 10, und 4172 mit weniger als 20 Mitgliedern. Es war dann in der Verfügung gesagt, daß die Beibehaltung dieser kleinen Innungen weder den Interessen des Handwerkes noch den Absichten der Gesetzgebung entspreche, wozu noch der Umstand trete, daß die Wahl der Mitglieder der Handwerkskammern durch das Bestehen der vielen kleinen Innungen ungebührlich erschwert werde, ganz abgesehen davon, daß bei der nicht zu umgehenden Abstufung des Stimmenverhältnisses gerade den kleinen Innungen ein nicht zu rechtfertigendes Uebergewicht gegenüber den größeren Innungen und ein erheblicher� Einfluß auf die Ziisammenfetziing der Handiverkerkammern eingeräumt werde. Weiter wird in der Verfügung darauf hingewiesen, daß der Zweck, auch schon der früheren Jimimgsgesetzgebung, nur der fein kann,.leistungsfähige Innungen" zu bilden. Zu solchen könne man aber die Innungen mit etwa zehn oder zwanzig Mit- gliedern nicht rechnen. Es sollte deshalb von den Provinzialbehörden generell die Schließung der tleincn Innungen verfügt bezw. auf dem Klagewege erzwungen werden. Gegen diese Verfügung hat mm der«V o r st a n d d e s Zentral- AusschussesvereinigterJnnuiigsverbände Deutsch- l a n d s dem Mnister Brefeld eine umfangreiche„Vorstellung" unter- breiiet. Die Herren Ziiiistler scheinen wohl zu begreifen, daß bei strenger Turchsührung dieser Verfügung von der erträumten Jnmings- Herrlichkeit nicht viel übrig bleiben würde. Besonders hervorgehoben wird in der Eingabe der Jiiiiuiigsmaiineu der dein Zentralausschutz angeschlossene Steins etzer- JnnungSverband. Bon den etwas über 600 in Deutschland überhaupt bestehenden Steinsetzerei- Betrieben gehörten mehr als die Hälfte den über 20Steinsetzer-Jiniungen an, welöhe jämmtlich ihrem deutschen Verbände sich angeschlossen haben. Zu dieser Behauphmq wird uns aus Fachkreisen geschrieben: „Hätten sich die Herren, ehe sie dieses schrieben, von dem ersten besten Adressen-Nachweis-Biirean einen Katalog schicken lassen, so hätten sie ans diesem ersehen können, daß man hier allein schon über die Adressen von ca. 1000 Steinsetzer- und Pflasteimeistern verfügt. Das sind aber lange noch nicht alle, die es in Deutschland giebt. sondern nur die in den großen und mittleren Städten wohnhaften. Es giebt aber gerade im Steinfetzgewerbe eine verhältnißmätzig große Anzahl von Unternehmern, die auf dem Lande ihr Domizil haben, die in den Adreßbüchern nicht aufgeführt sind. Unseres Erachteus konnte man überhaupt keinen besseren Griff thun, um zu beweisen, daß das Jiniungswesen sich vollständig überlebt hat, als indem man den Steinsetzer-Jnnungsverband anführt. Wenn irgendwo die Grundlagen für eine gedeihlicke Jnnnngsthätigkeit vorhanden sind, so sind sie im Steinsetzgewerbe vorhanden: Rein handiuerksmäßige Herstellungsweise, ausichließlich Produktion für den lokalen, säst ganz genau auf längere Zeit hinaus festzustellenden Bedarf und Ausführung nur nach vorangegangener Bestellung. Dazu noch einen in finanzieller Hinsicht sicheren Kundenkreis, da die meisten Arbeiten auf Rechnung von Behörden ausgeführt werden. Und trotz alledem vermochte es der Steinsetzer-JunungSverband nicht über eine Mitgliederzahl von ca. 800, also höchstens 20 pCt. aller selbst- ständigen Gewerbetreibenden zu bringen I Und wohlgemerkt, weist der genannte Verband diese Mitgliederzahl schon seit nahezu einem Jahrzehnt auf. ES ist also feit der Zeit eine vollständige Stagnation eingetreten. Es muß sehr schlecht um die Sache der JnnimgSschwärmer be- stellt sein, wenn sie keine besseren Beweisgründe anführen können. Gegen die„Landstreicher" wird von einer gewissen Klasse von Politikern nnauSgesetzt gehetzt. Arbeitslosigkeit und sonstiges soziales Elend lassen sie nickt gelten als Erklärung für Bettelei und Land- streicherei. Nur Prügelstrafe. Verschlechterung der Kost in den Ge- fäilgnissen, harte Disziplinarstrafen würden in ihren Augen gegen das„Beitelninvesen" helfen. Ganz anderer Meinung ist der Direktor des Berliner Stadtvogtei-Gefängnifses, Amrc-« richter a. D. Klein. der sich in den„Blättern für Ge- fängnißkunde" über daS Thema ausspricht. Er bestreitet z. B. die Möglichkeit, die Kost noch zu beschneiden, die schon jetzt so schmal fei, daßstenurdas abfolutNöthige enthalte. Dann fährt er fort: „Sentimentalität und absoluter Optimismus sind Ersckei- nungen, die in der Strasrecktspflege nicht Raum haben dürfen. Härte und übermäßiger Pessimismus aber sind auch vom Uebel. Ueber die durchgängige Gefährlichkeit der Vagabondage herrscht jedenfalls vielfach eüie übertriebene Meinung... Ich erachte eine unterschiedslose strafrechtliche Reaktion gegen die aus§ 361 Nr. 3—8 verurtheilten Personen theilS für unbillig, theils für überflüssig, theilS für nutzlos. Die Grenze zwischen verschuldeter und uu- verschuldeter ArbeitSlosikleit. Bettelei. Obdachlosigkeit u. s. w. ist gewöhnlich weder für den Strafrichter, noch den Strafvollzugs- Beamten erkennbar. Die überwiegende Mehrzahl arbeits- und mittelloserLeute nimmt willig ge- botene Arbeit. Freilich hilft ihnen die gelegentlich und meist nur vorübergehend gebotene Beschäftigung, die außerdem in der Regel ihrer Vorbildung und Neigung nicht entspricht, nicht dauernd aus. Wenn man aber z. B. sieht, wie' der Berliner Verein zur fürsorge für entlassene Strafgefangene in jedem Jahre mehrere ausend beschäftigungsloser Leute, die meist Landarbeit oder ähn- liche Arbeiten nicht kennen, zu solchen Arbeiten auf das platte Land abschiebt, so kann man nicht leugnen, daß viele Bettler, Obdachlose, Landstreicher u. f. w. ehrlich bemüht sind, wieder in die Höhe zu kommen." Wer lesen kann, der sieht aus diesen Darlegungen, daß es nicht verbrecherische Neigungen und böser Wille sind/die viele Leute wegen Landstreicherei und Arbeitsscheu in die Gefängnisse und Korrektio'ns- anstalten führen.— sondern das soziale Elend. Wir meinen, daß das Urtheil dieses Fachmannes schwerer wiegt, als die blutigen Hetzreden jener konservative» Herren, die den Reichstag durch Pcritionen und eingereichte Gesetzesvorschläge zur Verschärfung der Strafgesetze drängen wollen.— Unerwünschte Wirkungen haben die neueren von den Agrariern, den Zünftlern und den.Mittelstandsleuten" erfundenen wirth schaftlichen Gesetze vielfach für die Agrarier selbst gehabt. Erinnert sei beispielsweise an das B ö rs en g e s e tz, das den Getrcidehandel der Oeffentlichkeit fast ganz entzogen hat, so daß die auf die Preisbildung wirkenden Faktoren viel schwerer erkennbar sind, als früher. Erinnert sei auch an den Fclbzng gegen die Margarine. Grade die agrarische Hetze hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Nahrungsmittel gelenkt. Auch auf einem anderen Gebiet hat die gekennzeichnete Gesetz- gcbung für die Urheber unangenehme Folgen gehabt. Es hat nämlich das Gesetz betr. die Erwerbs- und Wirth- schafts-Genossenschaften, durch welches man die Konsumvereine einzuschränken hoffte, auf diese nur fördernd gewirkt. Ter Jahresbericht der Leipziger Gewerbekammer konstatirt dies und bemerkt, daß diejenigen, die früher auf Umwegen Waaren aus diesen Vereinen bezogen hatten, nun wirkliche Mitglieder wurden. Vielleicht werden alle diese Erfahrungen dazu beitragen, die agrarischen und die Mittelstandsfanatiker bei der Erpressung neuer Gesetze etwas vorsichtiger zu machen.— Gutsherrn- Allmacht. Die„Preußische Schulztg." bringt Nachfolgende Annonce: „Zum 1. Januar 99 po f. glaub, u. konserv. Lehrer gestichr für Goßmar bei Sonnewalde. Grundgehalt 909 jW. und 250 M. für kirchliche Leistungen. Gute Wohnung und schöner Garten. Standesherrl. Patronat zu Sonne- Walde N.-L." Der Gutsherr hat daS Recht, seinem Gutsbezirk einen Lehrer aufzudringen, der seinen persönlichen, politischen und kirchlichen An- schauungen entspricht. Mag die gesammte Einwohnerschaft des Be- zirks andere Wünsche haben, der Gutsherr hat zu gebieten. Seinen Anschauungen, und wären sie noch so bornirt und rückständig, wird die Erziehung der Kinder des Gntsbezirks unterworfen. Fürwahr, reizende Schulzustände I Eine» Verband ostdeutscher Industriellen zu gründen haben eine Anzahl Industrieller aus den Provinzen Ost- und Westprcußen, Pommern und Posen beschloffen. Dieselben laden ihre Berufs- genossen zu einer begründenden Versammlung auf den 10. Dezember nach Danzig ein. Danzig soll auch der Vorort des neuen Verbandes sein, dessen Zweck die Förderung der industriellen Interessen in den genannten Provinzen bildet. Ter Ruf des Herrn v. Goßler hat also bereit? seine Wirkung geübt. Wie werden die Junker murren und knurren, daß die In- dustrie eS wagt, in ihre Gefilde einzudringen!— Tast daS Ttumm-Organ vor einer Konferenz gegen den Anarchismus Angst haben würde, war zu erwarten. So schreit es denn heute ganz mörderlich über die von uns in Aussicht gestellte Möglichkeit einer gründlichen Reinigung des Staates und der Gesellschaft von den anarchistischen Elementen. Herr Stumm mag sich trösten. Wenn einmal die Herrschaft der Anarchisten und Anarchistenzüchter vorüber ist, wird niemandem Gewissens- zwang angethan werden, und so lange die Anhänger des Anarchismus ihre verderblichen und unsinnigen Theorien nicht gewaltsam in die That umzusetzen versuchen. wird kein Mensch ihnen ein Haar krümmen. Wenn sie aber das Gesetz gewaltsam verletzen und ihm den Gehorsam verweigern, so wird man dem Gesetz allerdings Gelhing verschaffen müssen. Das wird Herr Shimm doch nicht bestreiten oder bemängeln wollen. Oder doch? Wie mehrere Verurtheilungen beweisen, ist sein Respekt vor dem Gesetz freilich nicht sehr groß. Nun— schlimmstenfalls wird er nach Beseitigung des anarchistischen Gegenwartsstaats noch immer anständiger behandelt werden, als heutzutage irgend ein ehrlicher Arbeiter, der sich, weil er ein ehrlicher Mann ist, seinen — des Herrn Stumm— Zorn zugezogen hat. Die.Post" kann sich also beruhigen.— Von neuen BilSwcisnngcn auS NordschleSwig weiß die „Franks. Ztg." zu berichten. Danach sind aus Ev n verbürg am Sonnabend wieder 19 Dänen ausgewiesen worden. Seit dem 17. November haben 73 Personen, darunter auch 8 Schweden, diese Gegend verlassen.— Karlsruhe, 28. November.(Privat-Telegramm.) Die Kammer ist für den 6. Dezember einberufen worden.— Chronik der MajestiitSbeleidignngS» Prozesse. Wegen Majestätsbeleidigung ist in R a t i b o r der Gerber Carl Mor- cinek aus Zabrze zu 2>/i Jahren, in Beuthen der Schuhmacher Buzomitz zu 3 Monaten und ebenfalls in Beuthen der Tage- arbeiter T h. I a r o s ch zu 1 Jahr Gcfängniß verurtheilt worden.— Oesterreich-Nngarn. Budapest, 28. November. sAbgeordnetenhauS.) Bei Berathung der JndemnitätSvorlage sagt Graf A p p o n h i, der ftanips wende sich gegen den Ministerpräsidenten, weil die Opposition in ihm die Verkörperung des K o r r u p t i o n s s y st e.m s erblicke. Unter den jetzigen Verhältnissen werfe sich von selbst die Frage auf: was sucht die Opposition noch im Rahmen dieses Schein-Parlamen- tarismns? Redner hebt hervor, er würde eS nach 2öjäbriger Thäligteit als eine Erlösung betrachten, wenn er, ohne eine Pflicht- Verletzung zu begehen, das Parlament, diesen Schauplatz frMhtlosen Kampfes. nicht mehr zu betreten brauchte, Redner reicht für den Fall, daß sein an die Krone gerichteter Adrcssenentwurf abgelehiq wird, eine Resolution ein. die eine dringende Verhandlung der Aus- glcichssragen fordert. Falls diese nicht vorgenommen würde, möge das Haus aus Mißtrauen zu jener Regierung, welche ihre Absichten bezüglich des Ausgleichs verheimliche, die Indemnität verweigern. sLcbhaftcr Beifall links.) Ministerpräsident Baron B a n f f y erklärt, er wolle sich nur mit dem auf den Ausgleich bezüglichen Theil der Resolution Apponyi's beschäftigen. Der Minister fügt hinzu, er sei sehr geneigt, einer Verlängerung der Sitzungen um einige Stunden beizustimmen, um parallel mit der Jndemnitäts- vorläge die Ausgleichsvorlagen verhandeln zu können. Der Ab- geordnete M e z e y(liberal) bringt nach längerer Polemik mit dem Grafen Apponhi einen Beschlußantrag ein, welcher der Regierung die Indemnität votirt und volles Vertrauen zur Regierung auS- spricht.— Frankreich. Affare Picquart. Aus Paris wird vom 27. November berichtet: Senator B a r b e h begab sich am Nachmittag im Auftrage der republikanischen Gruppen des Senats zu der Besprechung mit dem Ministerpräsidenten D u p u y, dem Kriegö» minister Freycinet und dem Justizminister L e b r e t in der Angelegenheit des Ausschubs für das Erscheinen Picquart's vor dem Kriegsgericht. Dupny erwiderte, er habe beschlossen, morgen in der Deputirtenkammer die denselben Gegenstand betreffende Interpellation zn beantworten und bitte den Senat, die Antwort, welche er, Dupny, morgen ertheilen werde, abzuwarten.— Paris, 27. November. Die„Droit? de l'homme" melden. E st e r h a z y habe sich vorgestern in Amsterdam nach Amerika eingeschifft. Nach Meldungen der Blätter hat Frau D r e y f u S folgende Depesche von ihrem Gatten erhalten:„Ich fteue mich mit Euch allen; meine geistige und körperliche Verfassung ist gut."— Asien. An der Nordwestgrenze Indiens bereiten sich neue Kämpfe vor. Wie das Reuter- Bureau erfährt, ist bei dem Indischen Amte die Meldung eingegangen, daß der Mullah von Hadda kriege- rische Operationen im Swat-Thale begonnen habe. Der Mullah habe den Nabob von Dir aufgefordert, sich ihm bei feinem An- griffe gegen die Engländer anzuschließen; er würde ihn sonst an- greifen. Infolge dieser Aufforderung sandte der Nabob seine Truppen gegen den Mullah. Eine Abtheilung Infanterie und eine Eskadron Kavallerie haben den Befehl erhalten, vorzurücken.— Aus der Jnvaliditäts-Versicherungs-Novelle. Allgemeines Befremden mutz es erregen, in welcher Weise fort- dauernd und unbeirrt durch alle Proteste der Presse die Gesetz- entwürfe der Regierung in die Oeffentlichkeit gebracht werden. Es geschieht dies nämlich ratenweise in ganz kleinen Portronen und auf meistens recht dunklen Wegen. In dieser Weise wird neuerdings der Etat stückweise in verschiedene Blätter lancirt. Ebenso das preußische Beamtenbesoldunas- Gesetz und die im Bundesrath bereits genehmigte Novelle zum Jnvaliditäts-Versicherungs- Gesetz. Auch diese gelangt auf uns nicht näher bekannten Wegen bruchstückweise in die Oeffentlichkeit. Da muß man fragen: wenn die betreffenden Entwürfe im Staatsministertum bezw. Bundes- rath genehmigt sind, warum verhökert man sie ratenweise, anstatt sie vollinhaltlich der öffentlichen Kritik zu unterbreiten? Haben Beamte ein p e k u n i ä r e s I n t e r e s s e an dieser Verhökerungs- Praxis— oder will man der Kritik die Kraft rauben, indem man ihr die Gesetzentwürfe fetzenweise hinwirft? Der neuesten der Oeffentlichkeit bekanntgegebenen Rate der Novelle zum JnvaliditätS-VersichcrungS-Gesetz' entnehmen wir die folgenden Mittheilungen: „Indem Entwurf eines Jnvaliden-VerficherungS- Gesetzes ist das Markensystem für die Beitragserhebung bei- behalten worden. Zur Begründung wird geltend gemacht: „AuS Gründen der Billigkeit mußte an der Bemessung der Renten nach Arbeitsdauer und Lohnhöhe festgehakten werden; dann aber erschien die Beitragsmarke als das sicherste und leichteste Mittel, um dem Versicherten einen zuverlässigen Nachweis über die Dauer seiner Beitragsleistung und demgemäß über die Höhe seiner Ansprüche, dem Arbeitgeber und der Versicherungsanstalt aber einen bequemen Nachweis über die Entrichtung der erforderlichen Beiträge zu ermöglichen. Die Beibehaltung des auch für ähnliche Einrich- hingen üblichen Markensystems erschien um so unbedenklicher, als der Entwurf dieses System im einzelnen wesentlich verbessert hat. Zu- nächst ist über Bclästignngen geklagt worden, die dem Arbeitgeber durch die Beschaffung der Onittungskarten erwachsen. Diese Belästigungen werden dadurcki wesentlich vermindert, daß der Versicherte bei Strafe verpflichtet wird, selbst für die Beschaffung und Vorlegung seiner Ouittungskarte Sorge zu tragen. Der Mangel einer solchen Vorschrift hat bei der praktischen Durchführung des Gesetzes Verlegenheiten herbeigeführt, zumal eine besondere Ver- pflichtung des Arbeitgebers, seinerseits für die Beschaffung der fehlenden Karten zu sorgen, nicht besteht und nicht einmal immer Erfolg verspricht, da der Arbeitgeber namentlich bei un- ständigen Arbeitern die für die Ausstellung der Quittungskarte erforderlichen Personalien des Arbeiters oft nicht kenne» wird. Die Mühe des Markenklebens ist dadurch obne Roth vermehrt worden, daß gegenwärtig nur Marken für je eine Beitragswoche bestehen. Die Novelle greift deshalb auf den Negierungsvorschlag, der schon in dem ersten im Jahre 1888 dem Reichstage vorgelegten Gesetzentwürfe enthalten, aber damals vom Reichstag abgelehnt worden war, zurück und sieht die Einführuiig verschiedener Appoints von Beitragsinarken vor. Hierdurch wird die Verwendung weniger Marken für größere Zeiträume zulässig. Die einzelnen Appoints soll das Rerchs-Versicherungsamt bestimmen; dasselbe wird voraussichtlich neben Wochenmarken auch Marken für je 2 Wochen und für je ein Vierteljahr zulassen. Während gegenwärtig die Marken immer bei der Lohnzahlimg eingeklebt werden müssen, ermöglicht der Entwurf die Beibringung der Marke» zu anderen Terminen. Nur sollen die Marken in allen Fällen spätestens in der letzten Woche des Kalenderjahres oder bei früherem Aufhören des Arbeits- Verhältnisses spätestens bei deffen Beendigiuig beigebracht werden. Hierbei kann den Wünschen und Interessen der Arbeitgeber in weite st em Maße Rechnung getragen werden. Die Mühe des Markenklebens wird für die Arbeitgeber ferner da- durch erleichtert, daß die Befugnitz der Versicherten, die Marken selbst einzukleben, näher geregelt wird. Versicherte, die die Marken selbst einkleben, haben gegen den Arbeitgeber einen Erstattungs- anspruch auf die Halste des für die Lohnklasse vor- geschriebenen Beitrags, sobald die Marke vorschriftsmäßig eniwerthet ist. Außerdem sucht der Entwurf die Ein- ziehung der Beiträge von Amts wegen, wobei die Mühe des Markenklebens den Arbeitgebern ganz abgenommen und auf Kranken- kasscn oder besondere Einzugsstellen übertragen wird, zu fördern, was sich für ständige Arbetter im allgemeinen bewährt hat. Weiter sieht der Entwurf aber auch die Anlegung von Sammel- karten(Konten) für die einzelnen Versicherten vor, in welche der Inhalt der Onittungskarten zu übertragen ist. Die Einzelkarten können alsdann vernichtet werden. Hierdurch wird die kostspielige Aufbewahrung der außer Verkehr gesetzten Vcr- sichcrungsurlunden wesentlich eingeschränkt: es können dann die vielfach bemängelren„Kanenpaläfte" einzelner Versicherungsanstalten für andere Verwaltungszwecke nutzbar gemacht werden. Stach Durch- führung aller dieser Verbesserungen werden die Klagen über das Markensystem nach und nach verschwinden." Die„Verbesserungen" scheinen uns im allgemeinen darin zu bestehen, daß die Arbeiter bei Strafe angehalten werden, verschiedene Verpflichtungen selbst zu übernehmen— und daß man den Unternehmern durch allerlei Bequemlichkeiten die Sache so angenehm wie möglich macht.— Eine Trauerbotschaft kommt aus Dortmund. Am Sonn- tag Abend 3 Uhr schloß dort einer unserer bewährtesten Partei- genossen, der Redakteur des Gewerkschaftsblattes„Bruder Schmied" und Mitredakteur der„Rheinisch-Westf. Arbeiter-Zettuiig", Fr. Theiß, die Augen für immer. Eine Herzlähmung machte seinem Leben ein Ende. Theiß, der ein Alter von 51 Jahren erreichte, hat der Arbeiter- bcwegung sowohl auf gewerkschaftlichem wie auf politischem Gebiete sehr schätzenswerthe Dienste geleistet. Durch seine öffentliche THätig- feit für die Interessen des Proletariats zog er sich mehrere Gefängniß- strafen zu, die in ihn wohl den Keim zu der langwierigen Krankheit gelegt haben mögen, die schkießlilb dem Wirken unseres Mitkämpfers ein Ziel setzte. Die Leiche wird Donnerstag Morgen 9 Uhr zur Erde bestattet. Die deutsche Arbeiterschaft wird Fr. Theiß dauernd ein ehrendes Andenken bewahren l In Leipzig wurden gestern die Stadtverordneten- wählen zur dritten Klasse vorgenommen. Ueber das Ergebniß wird uns telegraphirt: Der Besitzstand bleibt durch die Wahl un- verändert. Die Kartellparteien behaupteten den ersten und zweiten Kreis, die Sozialdemokraten den dritten und vierten. I« Stockelsdorf, einem bei Lübeck gelegenen oldenburgischen Orte, gelang eS unseren Parteigenossen, nicht nur zwei Vertreter der Nichtbesitzer in den G e m e i n d e r a t h zu bringen, sondern auch vier ausgesprochene Arbeiterfeinde aus der Klasse der Besitzer durch Personen zu ersetzen, die für die Funktion eines Gemeinderaths- Mitgliedes besser geeignet sind. Die Liste unserer Parteifreunde er- hielt 201—205 Stimmen, die Gegner brachten nur 115—117 Stimmen zusammen. Von 148 Wahlberechtigten nahmen 832 an der Abstimmung theil. Bei der Gemeinderathöwahl in Greiz in Reuß ci. L. sind unsere vier Kandidaten sämmtlich unterlegen. Gegenüber der Wahl von 1896 ist leider auch ein Rückgang unserer Stimmenzahl ein« getreten. Damals betrug unsere höchste Stimmenzahl 856, diesmal! nur 316. Wie früher so war auch jetzt die Wahlbetheiligung außer«! ordentlich stark; von 1265 Wahlberechtigten, zirka 100 mehr als im' Jahre 1896, haben 1162 gewählt. Die Ursache der Niederlage er« blickt die„Renß. Volksztg." darin, daß Greiz der Sitz der Äour«� geoisie und des Hofes ist und daß der seßhafte Handwerkerstand! seinem überwiegenden Theil nach antisemitisch gesinnt ist, ferner daj� die Erwerbung des Bürgerrechts mit 15 M. Gebühren verknüpft ist» Das ungünstige Resultat dürfe also nicht wunder nehmen; ehev könne man sich darüber wundern, daß es uns vor zwei Jahren ge< lang, zwei Kandidaten in den Gemeinderath zu bringen. Zur Dortmunder Angelegenheit schreibt das Bochume� „Volksblatt" in Beziehung auf den Artikel, der im„Vor«' wärts" vom 21. November über den Fall Lütgenan veröffentlicht ist 5 Diese Erklärung dürfte wohl bei dem größten Theil der Genoffen des westlichen Westfalens in dem Punkte auf Widerspruch stoßen, wo sie besagt�, daß �der Uebergab e des Dortmunder Blattes an die dortigen Genossen von feiten des Partei« Vorstandes nichts im Wege stehe. Wir kennenjqerne an.jdaß der erPartei« vorstand durch das Verhalten Lütgenau's und seiner Freunde in eine verzwickte Lage gerathen ist, trotzdem er in dieser Sache durchaus seine Pflicht gethan hat, aber wir halten es für durchaus falsch, daß er gerade in diesem Punkte nachgiebt. Bereits der Parteitag in Bochum hatte sich mit der Uebernahme des Blattes durch die Dortmunder Genossen zu befassen, dort lehnte man die Uebernahme ab gegen die Stimmen der Dort« mundcr Delegirten, die selbst nicht einmal alle für die Uebernahme des Blattes stimmten. Der Beschluß der Kreis« konfercnz, das Blatt zu übernehmen, kam auch nur mit einer Majorität von zwei Stimmen zu stände. Wir bezweifeln überhaupt, daß die Kreiskonferenz berechtigt war, einen solchen Beschlutz zu fassen, das ist Sache des Provinzial-Parteitages und wir sind überzeugt, daß sich die Genossen des sonstigen Verbreitiingsbezirks der„Rheinisch- Westfälischen Arbeiterzeitung" nicht mit dem Dort- mundcr Beschluß einverstanden erklären werden. Es sind das die Genossen der Wahlkreise Hagen-Schwelm und Uima-L>amm-Soest. Auch die Wahlkreise Bochum und Lüdenscheid- Altena, die ihre Zeitungen in der Druckerei der„Rhein.-Westf. Arbeiterzeitung" herstellen lassen und an der Besetzung der Redaktion und Geschnftsleitung ebenso interessirt sind, wie die Dortmunder Genossen, werden Front dagegen machen, daß die Druckerei in die Hände der Dortmunder Genosten übergeht. Ueber jden Provinzial- Parteitag hinweg kann weder die Dortmunder Kreiskouferenz noch der Parteivorstand die Uebergabe des Blattes beschließen. Die Einberufung eines solchen dürste unbedingt nöthig werden, wenn der Parteivorstand an dem in seiner Erklärung verttetenen Standpunkt festhält. Wir können verstehen, daß der Parteivorstand die Ungerechtigkeit nicht mit- machen will, die darin liegt, daß er die Genossen Lehmann und Block von ihrer Stellung entfernen soll, was die Kreiskonferenz in die milde Form„versetzen" übersetzte. Aber wenn der Parteivorstand die Regelung der Sache jetzt den Genoffen über- lassen will, dann hat er sich an die Genossen deS Verbreitungsbezirks der„Rheinisch-Westfälischen Arbeiterzeitung" und deren Kopfblätter zu wenden, deren Einverständniß ist erst einholen muß. Wir haben bisher darauf verzichtet, uns in die Streitigkeiten der Dort- munder Genossen zu mischen, so sehr wir sie verurtheilen. Wir haben nicht Oel ins Feuer gießen wollen, aber sagen müssen wip doch, daß die„Gründe", die für Lehmann's und Block's Ent-� lasstiiig bisher vorgeführt wurden, den Provinziak-Parteitaa nicht dazu bringen würden, die„Versetzung" zu verlangen. Kraftworte sind keine Gründe. Sollte dem Provinzial-Parteitag die Garantie geboten werden, daß durch den Weggang der Genossen Lehmann und Block die endlosen, alle Parteithätigkert hemmenden Zänkereien aushöreu würden, dann würde sich vielleicht auch dort eine Majorität finden, die den beiden Genossen den Rath geben würde, sich möglichst nach einer anderen Stellung umzusehen.' Aber würde man eine solche Garantie bieten können? Wir fürchten— Nein I Im übrigen halten wir an der Erklnrnng des Genoffen Gerisch fest(und wir hoffen das auch vom Parteivorstand), die er auf der Kreiskonferenz in Dortmund abgab und die darin gipfelte, daß ohne die berufene Vertrettmg des Verbreitu nasbezirks, das ist ohne den Parteitag für das westliche Westfalen, nicht über die Druckerei der„Rheinisch-Westfälischen Arbeiterzeittmg" ver» fügt werden kann. In Düsfeldorf wurde zum 1. Vertrauensmann Karl Porge» (Kontordienstraße 95, pt.), zum 2. Vertrauensmann I. Schrievers (Bilker Allee 167) gewählt. Der Bericht des LandeSvorstitndeS der sozialdemokratischen Partei Badens an die am 11. Dezember in Offenburg tagende 9. Landesversammlung ist dieser Tage erschienen. Die Landesversammlung— die zweite in diesem Jahre— war ursprünglich auf den Januar 1899 anberaumt, sie mutz aber wegen der Roth- Ivendigkcit, die Pretzfrage(Verlegung des. VolksfreundL" nach Karlsruhe) vor Anfang deS neuen Jahres zu erledigen, früher ab- gehalten werden. Aus dem Bericht des Landesvorstandes geht hervor, daß der deutsche Parteivorstand unter der Bedingung einen namhaften Zu» schütz zu dem Unternehmen leisten wird. Daß die badischen Partei- genossen aus eigenen Mitteln 1—5000 M. aufbringen. Der vom 21. d. M. datirte Kassenbericht quittirt als bis dahin für den Preß« fonds eingegangen 2112,09 M. Bis heute dürfte diese Summe auf 2500 M. angewachsen sein. Wenn die Landesversaimiiluiig die Ber« legung beschließt, dann wird der„Volköfreimd" in Karlsruhe in einer von Genossen Adolf Geck noch einzurichtenden Druckerei hergestellt werden. Der Bericht empfiehlt sodann der Landesversammlung die Herausgabe eines Bauer nkalenders zum Preise von 25 Pf. Bei den Reichstags ivahlen bespricht der Bericht die drei Wahlsiege im 9., 10. und 11. badischen Wahlkreis, konstatirt aber. daß in den übrigen Wahlkreise» unsere Stimmenzahl nicht in der erwarteten Weise gestiegen ist. Der Zuschuß der Parteikaffe zu den Wahlkoften betrug 3500 M.; der Laiidesvorstand glaubt, bei den nächsten Wahlen auf die Unterstützung von Berlin verzichten zu können, da schon dieses Mal das weitaus große Mehr von den badischen Genossen selbst aufgebracht werden konnte. Die Zahl der für sozialdemokratische Kandidaten in Baden abgegebenen Stimmen betrug rund 50 100 gegen 37 500 bei der vorletzten Reichstagswahl. Der Stimmenzuwachs bettägt 31 pCt. Der„Völksfreund" kam dieses Jahr ohne den Staatsanwalt durch; sein Gerichtskonto ist nicht belastet. Bei der Maniibeimer „VolkSflimme" sind unseres Wissens eine kleinere Freiheitsstrafe und einige Geldstrafen zu verzeichnen. Die Landcsorganisation zählt gegenwärtig 88 Mitgliedschaften mit 8706 Mitgliedern. Der Kassenbericht verzeichnet 6802,11 M. Einnahmen, 6560,22 M. Ausgaben und 241,59 M. Kassenbestand. Polizeiliches, Gerichtliches tc. — 8lu3 Magdeburg. Redakteur Albert Schmidt soll in einer Rede, die er in Aschersleben über die sogen. Zuchthausvorlage gehalten hat, den Kaiser beleidigt haben. Schmidt, der am Sonn- abend über diese Anschuldigung vernommen wurde, konnte nur er- klären, daß er die ihm zur Last gelegten Redewendungen nicht ge- braucht hat.— Die Verurtheilung des Redakteurs August Müller zu sechs Wochen GefSiignitz wegen Reichskanzlerbeleidigung ist vom Reichsgericht bestätigt worden. — An die Zeiten des Sozialistengesetzes erinnert ein Urtheil, da? am 25. November vom Landgericht in Z w i ck a u i. S. bestätigt 1 wurde. In Hohenstein-Ernsttda! war der Arveiter-Turnderein„Vor- warts" verboten worden. Zwölf Mitglieder desselben schlössen sich der— vcrmnthlich neu gegründeten— Turnabtheilung des dor�t bestehenden Volksvcrcins an. DieS wurde als Fortsetzung des ver- botencn Vereins„Vorwärts" betrachtet. Das Schösienqcricht ver- urth eilte 8 Turner zu je 12 M.. 3 zu je 6 M. und 1 zn 3 M. oder entsprechender Freiheitsstrafe. Der Vcrthcidiacr NccbtSanwaltMclos suchte vor dem Landgericht vergeblich die Aushebung des UrthcilS xu erwirke,�_ 0 Deutsches Reich. Bei der GcwcrbcgcrichtSwahl in Görlitz wurden die Kandidaten der Gewerkschaften mit rund 1300 Stimmen sgcwählt; eme gegnerische Liste war nicht aufgestellt. Sämmtlichc Arbeiter der Maschine»- und Fcilcnfabrik iu Auimeudors bei Halle stellten wegen Maßregelung dreier Kollegen die Arbeit ein. Zuzug ist streng fernzuhalten. In Liincberg gedenken die Holzarbeiter iu eine Lohnbewegung einzutreten und den Unternehmern nachstehende Forderungen zu unterbreiten: t. Verkürzung der Arbeitszeit auf 9>/2 Stunden. 2. Einführung eines Miniinallohncs von 32 Pf.. für Ueberstundcn 40 Pf.. Mimmallohn bei Zimmermeistern 38 Pf.. 3. Lohnsicherung der Akkordarbeit. 4. Einführung von Lohnbüchern. ö> Lohnzahlung am Freitag. Metallarbciter-Konfereuz in Bochum. Arn 20. November er. tagte m Bochum eine Konferenz der Zahlstellen des Metallarbeiter- Verbandes aus dem engeren Ruhrbezirk. Vertreten waren 11 Zahl- stellen durch 16 Delegirte. Auf der Tagesordnung standen die beiden Punkte: Wie heben wir die Organisation der Metallarbeiter im Ruhrrevier'i Arbeitslosen-Unterstützung. Nach eingehender Dar- stellung über die der Organisation im Ruhrrevier entgegenstehenden Hiudermsse machte der Referent D üw e ll folgende Vorschläge. Im Ruhrrevier soll ein besoldeter Vertrauensmann angestellt werden. Dieser mus; möglichst überall Zwcig-Zahlstcllcn errichten. Um für deitnumte Fragen: Arbeiterschutz-Vorrichtung, Arbeitszeit, Kassen- Wesen ec. Massenbewegungen der Metallarbeiter einzuleiten, soll der Vertrauensmann die Verhältnisse in der Metall- industrie in der Arbeiterpresse eingehend erörtern und so zur allgenieinen Kcnntniß bringen. Zu diesem Zwecke soll er mit be- stiminten Personen aus den einzelnen Orten im ständigen Verkehr bleiben, um so alle sich ergebenden Mißstände in Erfahrung zu dringen und zusammenstellen zu können. In den Vorträgen, die regelmäßig vom Vertrauensmann gehalten werden, soll er besonders die„christliche" Gewerkvercinsbewegung in ihrer, die Arbeiter ver- hetzenden Taktik beleuchten. Eine Resolution, welche von der nächsten Generalversammlung verlangt, daß sie den obigen Vorschlägen näher tritt, gelangte zur Annahme. Dagegen stimmten die Dclegirten aus Dortmund, Witten und Hagen, welche wohl für Anstellung der Vertranenslente sich aussprachen, aber die Eintheilung der Bezirke dein Vorstände iiberlasscn wollten. Beim zweiten Punkt der Tagesordnung: Einführung einer ArbeitSloscn-Uiitersliitzung, entspann sich eine lebhafte Diskussion. Schließlich wurde eine Resolution an- genommen, welche sich für Einführung der Arbeitsloscn-Untcrstützung ausspricht. Gegen die Arbcitslosen-Untcrstlltzung waren die Dcle- girten von Dortmund, Witten und Hagen. Ausland. In Bukarest ist der Streik der Ofensetzer in der Basalt- Aktiengesellschaft beendet. Der Streik ging verloren, da unter den Ausständigen einige wankclmüthig wurden. Nicht niinder hat die Polizei dazu beigetragen, den Ausständigen den Kampf zu er- schweren. Sofort bei Beginn des Streiks wurden zwei deutsche Arbeiter mit ihren Familien ausgewiesen. Einer von ihnen war gar nicht am Streit bctheiligt. Dabei ist interessant, wie der deutsche Konsul in Bukarest die deutschen Staatsangehörigen schützt. Auf die Beschwerde der Frau eines der Ausgewiesenen erhielt diese von dem Herrn Konsul die Weisung, sie möge sich an den Fachvcrcin wenden. Selbstverständlich geschah vom Verein alles, was man thun konnte, um die Roth zu lindern, aber nach einem Schutz der Deutschen ini Ausland sah der Bescheid des Herrn Konsuls nicht ans. Allerdings, wenn die deutsche Regierung selbst die größte Intoleranz gegen Ausländer walten läßt, kann sie von einer anderen Regierung keine wohlwollende Stellung zur gleichen Frage verlangen. SozinletiZ. Die soziale Gesetzgebung zum Gegenstand des ärztlichen (5 t u d i ii m s an den Universitäten zu machen durch Errichtung einer besonderen ordentlichen Professur in der medizinischen Fakultät empfiehlt die„Kölnische Volkszcitung". Wenn jede Universität einen berufenen Vertreter und Kenner dieser Materie habe, so würden sich die Acrzte dort ebenso gerne Rathes erholen wie die BcrnfSaenossenschastcn, Schiedsgerichte sc. Die„Köln. Volksztg." bc- ruft sich für die Nützlichkeit ihres Vorschlags auf zwei Fälle, wo durch Betriebsunfälle verletzte Perjonen trotz vollständiger Erwerbs- Unfähigkeit keine Unfallrente erhalten konnten, weil sie den crfordcr- lichcn Antrag viel zu spät gestellt hatten. In beiden Fällen handelte es sich um Unfälle, die erst nach langer Zeit zu völliger Erwerbs- Unfähigkeit der Verletzten geführt hatten. Wenn die Acrzte, die die bcndcn Verletzten behandelten, das Unfallvcrsicherungs-Gesctz gekannt Härten, so hätten sie die Verletzten darauf aufmerksam gemacht, sich ihr Recht an die Unfallversicherung beizeiten zu sichern. Die Stellung der Aerzte zn den Krankenkassen wird der hauptsächlichste Gegenstand der Verhandlungen des nächsten deutschen Aerztetages sein, der im März 1899 in Dresden abgehalten werden soll. Als Referenten für dieses Thema sind voin Geschäfts- onsschuß des deutschen Aerztevereins-Bundcs die Herren Landsberger aus Posen und Weiß aus München bestimmt worden. GeftlndhcrtSgeführlichkcit der Goldbuchniacherci. Als ein Handwerksbetrieb s ch l i m m st e r Art wurde in einer Sitzung des Nürnberger Polizeisenats die Goldbnchmacherei bezeichnet. Auf Anregung des Fabrisinspertors hatte die Polizei die Werkstätten der Goldbuchmacher von einem medizinischen Sachverständigen untersuchen lasten. Es ist dabei folgendes festgestellt Wörden: Damit die Heftchen, worin das Schaumgöld aufbeivahrt wird, nicht das Gold annehmen, werden die Blätter mit Röthelfarbe oder Champagner- kreide eingerieben. Hierbei entsteht Staub, der für die mit dieser Arbeit beschäftigten Personen— es werden Mädchen dazu verwandt— höchst gesundheitsschädlich ist. Dennoch wird den Mädchen zugcmnthet, täglich 10— 12 Stunden lang diese verderbenbringende Arbeit zu verrichten. Ihr Wochenverdienst soll 15—16 M. betragen. Der Polizeiscnat beschloß, die bayerische Regierung zu ersuchen, beim Bnndesrathc zu beantragen, daß das Reichs- Gesundheitsamt Versuche anstellen solle, ob das Einreiben der Goldbnchblätter nicht auf inechanischem Wege zu bewerkstelligen wäre. Da die Nürnberger Goldbnchmachcr nur kleine Geschäftsleute seien, köliiic man ihnen derarttge kostspielige Versuche nicht zuinilthen. In Fürth, wo sich vier Goldbuchmacher befänden, lägen die Verhältnisse ganz ähnlich. Veesanrmlnttgen. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Zinkgicßer und Stiirzer hielt am 15. November seine ordentliche Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Kassirers bcliefen sich die Einnahmen im letzten Vierteljahr auf 86,70 M., die Ausgaben auf 5,10 M., mit dcnl alten Bestand von 443,08 M.. verbleibt so- mit ein Kassenbestand von 524,68 M. Der Lergnügniigssoiids beträgt 382,45 M. Die hierauf vorgenommenen Ersatzivahlen des Vorstandes ergaben: Max Schulz erster, Karl L ü ck e zweiter Vorsitzender, Franz Voitländ er zweiter Kasjirer und Hermann P u r s ch k e Revisor. Die Mitglieder Fritz Rüben, Emst Kunze und Karl Gerstmann wurden wegen Nichterfüllung ihrer Pflichten ans dem Verein ausgeschlossen. Hierauf gelangten noch einige gewerkschaftliche Angelegenheiten zur Erledigung. Die Ztabitzputzer lFilialc lll des Zcntralvcrbandcs der Maurer) wählten in ihrer letzten Verscynmlnng als Delegirte zu der am 30. November bei Znbeil, Lindenskr. 106, stattfindenden KreiSkonferenz W. Müller und F. R e i ch a r d t. Femer wurde beschlossen, die Streilkartcn für 1898 bis längstens 30. Dezember mit einem Schluß stempel zu versehen. Im nächsten Monat soll eine Agitations Vcrsaniniluug stattfinden. i» der K. B ö m e l b n r g- Hamburg Über„Zentrale und lokale Organisation" rcferiren wird. Billcis zum Vergnügen sind, wie mitgcthcilt wurde, am Soimtag im Vereinslokal zu haben. Eine Versammlung der Tapezirer, die am 23. d. M. tagte. beschäftigte sich mir der Stclluugunhiiic zu der konibiuirten Ver sauimlinig des Verbandes. Leo Schmidt erklärte eingangs der Verhandlungen, daß die Agitatiouskommijsiou mit der Einberufung der Versammlung nichts• zu thun habe, Die Debatte gipfelte in heftigen Anklagen gegen die AgitationSkomunssion und betheiligten sich an derselben Gaschke, Biester, Holzhammer Schrödter, Stratzer, Seidel, Kielmeyer und Menge, während Engel einen entgegengesetzten Standpunkt ein- iiahm. Am Schluß crmahnte der Vorsitzende, trotz des Streites fest au dem Verbände zu halten und sich durch incmaudcn beeinflussen zu lassen. Die Handels-, Transport- und Vcrkchrsarbciter lzcniraler Richtlmg) hielten am Sonntag im Englischen Garten eine Versomm» lung ab. in der Rechtsanwalt F r e u d'e n t h a l über den elektrischen Betrieb der Straßenbahnen und die ZZ 315 und 316 des Strafgesetz- buches referirte. Der Redner erläuterte in seinen Allsführnngen die Bestinniiuiigen der genannten Paragraphen, die»ach den Reichs- gerichts- Eutschcidiiiigcii wohl nicht auf den Betrieb der Pferde- Eifcnbahuen, wohl aber ans den der elektrischen Straßenbahnen, weil hier die mechanische Kraft in betracht kommt, Anwendimg finden. Im Anschluß Hiera» machte er auf den Unterschied aufmerksam, der zwischen den Tanipf-Eisenbahnen und den elektrischenStraßenbahnenbesteht. Im Gegensatz zu den ersteren seien die elektrischen Strahcnbahii-TrainS sehr schnell und ans sehr kurzer Strecke zum Halten zu bringen und bei praktischen Eiiirichtuiigen und bei genügender Vorsicht können Unfälle leicht vermieden werden, so daß die Anwendung der Bestimmungen in den§Z 315 und 316 in der gegenwärtigen Fassimg nicht an- gebracht erscheint und deshalb sich eine Aenderung des Gesetzes uotst wendig mache. Im weiteren verweist der Redner auf den Wider- spruch, der sich aus! den Bestimmuugcn der ZZ 316 und 230 deS Strafgesetzbuches crgiebt. Während der Z 316 die Geldstrafe aus- schließt und solgedesieu bei fahrlässiger Gefährdung des Bahnvcrkchrs auf Freiheitsstrafe erkannt werden muß, ist die Geldstrafe zulässig, wenn damit gleichzeitig eine Verletzung von Personen verbunden ist, da dann der§ 230, der anderseits schärfere Strafbestininumgen aufivcisi, nach der Gcrichtspraxis zur Amvendling kommt. Daher sei es sehr leicht möglich, daß jemand, der einen iiiicrheblicheu Zusammenstoß mit der Straßenbahn fahrlässig verursacht hat, ohne daß dabei Per- sonen verletzt wurden, mit Gefäugniß bestraft wird, während sofort auf Geldstrafe erkannt werden kann, wenn Verletzungen von Personen stattgcfulidcn haben. Ter Referent hält insbesondere die Abändernng des Z 316 für iiothwendig, dahingehend, daß auch bei AiNvenduiig desselben Geldstrafe zulässig ist, und spricht sich im weiteren für den Erlaß einer Polizei-Vcrordnung ans, welche die Interessen des Pilblikiims wahrt und! Bestimniungen enthält, wodurch den Straßenbahn- Gesellschaften Maßnahmen auferlegt werden, die geeignet sind, die Gefahr in den Straßen Berlins zu beseitigen. Dein mit lebhaftem Beifall aufgenommenem Vortrage folgte eine längere Diskiission. in der von einigen Rednern mehrere Unfälle durch die elektrischen Straßenbahnen geschildert wurden und in der die Kutscher von SpeditionSwagen anführten, daß insbesondere ihre Kollegen durch den Betrieb der elektrischen Bahnen schwer zn leiden haben. Von mehreren Rednern wurde darauf hingewiesen, daß die meisten Unfälle durch Ucberanstrcnglmg der Führer der elektrischen Wagen, die hänsig auch nichtgeniigcndvorgcbildctsind.vcrursachtiverdcii und ferner dadurch, daß die nur auf hohe Dividende bedachte Strnßcnbahn-Gescllschaften nicht die uothwendigen Vorsichtsmaßrgclu ciurichtcu. Bekannt gegeben wurde, daß sich bereits ein Theil der Wagenführer der Organisation angeschlossen haben um bessere Arbeitsbediiigmigen zu erringen. Hierauf wurden zn dem in Kassel stattfindenden Bcrnfskougreß Oerrel, Schulz, Wolf, Streitner und S ch u h m a n n als Delegirte gewählt. Eine längere Diskussion entspann sich über die geplante Errichtung ciiics Arbcitersekretariats in Berlin. Hierbei gaben verschiedene Redner der Meinung Ausdruck, daß die Gewcrk- schaft der zentralen Richtung nicht genügend berücksichtigt wurde, daß der Sekretär der Gewerkschaftskonimission in den verschiedenen Fragen parteiisch und zu gimsteii der lokalen Nichttnig gehandelt habe iliid der jetzige Sekretär dem Posten, den er inne hat. im all- gemeinen nicht gewachsen sei. Die Versamnilimg erklärte sich ichließlich im Prinzip mit der Einstellung eines zweiten Beamten lind zwar eines Statistikers einverstanden, jedoch soll in einer späteren Versanunlnug die Frage noch einmal eingehend diskutirt werden. In einer öffentlichen Metallarbeiter- Brrsammlnug in Tpandau referirte am Donnerstag Genosse Ledebour über das Thema:„Bedürfen die Arbeiter in den Staatswerkstärten des Koalitionsrechts?" Redner entledigte sich seiner Aufgabe in an- sprechender Weise, indem er sich über die Geschichte der deutschen und englischen Geiverffchaftsbewcgnng und über die Bedeutung der kapitalistischen Vereinigungen in Trust, Kartellen u. s. w. des näheren verbreitete. Rüther-Berlin gab bekannt, daß zu dieser Ver- sammlung der nciigewähltc Vertreter für den Reichstag. Tischlermeister Paul i-Potsdam. schriftlich eingeladen worden sei; dieser habe jedoch ablehnend gcantivortet,„da sei» Standpunkt zn dieser Frage ibc- trcficud Koalitionsrecht der Staatswcrksiätten-Arbeitcr) im Wahl- kreise bekannt sei, und er auch nicht die Erfahr nn gen, die sein Vorgänger, Pastor Schall, in solche» Ver- s a m in l u a g e n gewonnen hätte, an sich wiederholen möchte." Rüther schloß daraus, wie wahr das Sprüchwort sei, daß sich die bürgerlichen„Volksvertreter" nur vier Wochen vor jeder Wahl etwas um die Arbeiter kümmern, dann aber die Freund- schaft aufhört. Friedrichsberg. Im hiesigen Arbeiter- Bildnngsverein sprach am Dienstag Genosse K o tz k e über das Thema:„Mittelftands- Politik". Der Sinn seiner AnSführuiigen war, nicht Mittelstand-, sondern sozialdemokratische Politik wollen die Arbeiter. In der regen Diskussion sprachen sämmtliche Redner im Sinne des Vortragenden. Der Verein beschloß, die Parteitags- Protokolle anzukaufen und sie den Mitgliedern zu einem geringen Preise, 20 Pf. pro Stück, ab- zugeben._ Vrkzke Mschv iahten nnd Deprpszen. Der Dichter Conrad Ferdinand Meyer ist am Montag Nachmittag aus seinem Gute Kilchberg am Züricher See infolge eines Schlaganfalls gestorben. C. F. Meyer war neben Gottfried Keller der bedeutendste schlveizerische Dichter. Insbesondere seine Novellen hatten sich in den letzten Jahrzehnten einen großen Ver- ehrerkrcis erworben. Wir werden auf das Wirken des Verstorbenen zurückkommeir._ Wien, 28. Novbr. lW. T. B.) Die.Abendpost" schreibt: Die Abendpost" schreibt: Die Montagsblätter läuten die Jnbilänms- woche mit Festtlängcn ein und prälndircn dem Feste des Kaisers und seiner Völker mit begeisterten Betrachtungen, worin sie den Tugenden des Monarchen als Menschen und Regenten huldigen und mit be- rechtigtem Hochgefühle des Unterschiedes zwischen einst und jetzt ge- denken. Hier und dort werden an den festlichen Moment Ausblicke auf die heutige politische Lage der Monarchie im Innern und nach außen angeknüpft mid überall klingt der Wunsch an, die Jubelfeier des Kaisers möge der Ausgangspunkt einer friedlicheren Gestaltung im Innern werden. i Graz, 28. November./s Jahren traf. Zu gunsten Rennthalcr's veranstaltet der Karthaus-Kummerflche Mäunerchor, dessen Mitglied der Verurtheilte noch vor seiner Ver- Haftung war. am zweiten Weihnachts-Feiertage in Stecheif s Festsälen, Andreassw. 21, eine Matinee, worauf wir hiermtt besonders ausmerksam machen wollen. Die Zahl der öffentlichen Bcdiirfnißanstaltcn betrug Ende April dieses Jahres 163; darunter befanden sich nur drei für Frauen und drei für Kinder. Der Wasserverbrauch dieser Anstalten stellt sich für die Stunde pro Stand auf 125 Liter oder auf drei Kubik- mcter täglich. Eine siebenständige Anstalt erfordert täglich 21 Kubik- meter, jährlich 7665 Kubikmeter Wasser, welches, zu 15 Pfennig für das Kubikmeter berechnet, 1150 M. ergiebt. Da sämmtliche 163 Be- dürfnißanstalten zusammen 868 Stände haben, läßt sich der jährliche Wasserverbrauch auf 950 000 Kubikmeter berechnen. Die Versuche, die Wasserspülung durch Oelverschluß zu ersetzen, fielen so günstig aus, daß die neu zu errichtenden Anstalten fortan nur noch mit Oelverschluß nach dem System Rössemann u. Kühnemann hergestellt, die älteren Anstalten aber nach und nach aptirt werden sollen. Im schäbigen Dennnziren ist das Pastorenblatt„Der Reichsbote" allen anderen ordnungsstützenden Preßorganen ständig um mehrere Pserdelängen voraus. Am Sonntag wurde im Falk-Gymnasium von Freunden der F e u e r b e st a t t u n g durch eine Art Experiment der Beweis geführt, daß anch die Bcstattungs- weise der Zukunft weihevoll ausgestattet werden kann. Anch ein Pastor, Herr D. Runze, suchte in einer Ansprache darzulegen, daß das Christenthum nur der Feuerbestattung vereinbar sei. Bei der Gelegenheit wurde ferner eine„liturgische Nänie"(Klagelied) zu Gehör gebracht. Das ist ein gesimdeneS Fressen für das Demmziantenblatt. Es schreibt:„Was wohl die kir ch li ch en B o rg e s e tz t en zu dieser ornamentalen rhetorischen Umrahmung einer Nänie durch einen evangelischen Geistlichen sagen werden und ob sie wohl der Ansicht sind, daß das den Obliegenheiten eines evangelischen Pastors ent- sprechend ist?" Nun erst die himmlische Freude, wenn der Pastor v. Runze wirklich gematzregelt ist! Ein Muster- SchnlhauS darf das Gebäude der„Höheren Privat-Mädchenschule zu St. Georg" genannt werden. Das auf dem Hinterland des Doppclgrundstückcs Neue Königstr. 85 und Keibelstr. 30 belegene, 1897 neucrbaute Schulhans ist vor einiger Zeit von der„Vereinigung für Schul- Gesundheitspflege", einer Gnippe des„Berliner Lehrervercins", besichtigt worden. Herr Lehrer Otto Jauke, der um die Förderung der Schulhygiene ver- diente Vorsitzende dieser Vereinigung, hat über die Befichtignng einen ausführlichen Bericht erstattet—„zu Nutz nnd Frommen für den Neubau und die Ausstattung aller Schulhäuser Verlins, seien es private, seien es kommunale". Nach den Ausführungen Jankers ist das Schulhaus ein Muster in bczug ans die Fcuersicherheit der Baulichkeiten, die Bodcnfläche, die Höhe und den Luftraum der Klassenzimmer und Korridore, die Heizung, Beleuchtung und Lüftting aller Räume, die Zweckmäßigkeit der Kleidepablage(ans den 3 Meter breiten Korridoren) und der Klosets(ini Winter geheizt). Jntcr- essant ist, daß die Anstalt(außer dem geräumigen, nnt Linden be- pflanzten Hof und den als Wandelgänge verwendbaren Korridoren) über ein besonderes E r f ri s ch u n g s z imm e r verfügt, in welchem den Schülerinnen in den Pausen Gelegenheit gc- boten ist, ein Glas abgekochter Mich zu trinken. Die Anstalt hat auch bereits einen Schularzt. Die Schülerinnen werden, sofern die Eltern ihre Zustimmung dazu geben, alle halbe Jahre einmal dem Hausarzt des Direktors vorgestellt und ans den Zustand der Ohren, der Augen, der Nase, des Nasenrachen-Ranmcs und des Halses untersucht.— Direkt neben dieser Musterschule liegt übrigens eine andere Schule, die 84. Gcmeinde-Wiädchenschule, Keibelstr. 31/32, deren Gebäude in allen Stücken das Gegentheil bon einem Muster-Schulhaus ist. Die Rückkehr von Jerusalem. Hiesige Blätter berichten: „Eine freie Nacht" unter gänzlicher Aufhebung der Polizeistunde hatten aus Anlaß der Rückkehr des Kaisers von der Palästinareise einzelne Spezialitäten lokale im Chantanviertcl am Oranien- burger Thor. Die Lokale hatten Soimabend und Sonntag g e- flaggt und illuminirt und ihrem>v e i b li ch e n Personal das Tragen von schwarz Iveißen Schärpen anbefohlen.— Hebungen im Knix machen fanden am Freitag in Potsdam in einigen oberen Klassen der Mädckicnschulen statt. Es geschah dies anläßlich der am Sonnabend stattgehabten Ankunft des Kaiserpaarcs, bei welcher die Potsdamer Schulen Spalier bildeten. Mangel an Bedürftigen? In dem mit dem städtischen Waisendepot verbundenen„Fraucke'schen Waisenhaus für Revier-Arme" sollen, nach der testamentarischen Bestimmung des Stiftes,„mindestens" 12 Kinder evangelischer Religion ans dem 23. Polizeirevier, bei denen die Voraussetzungen der sog. Wohlthätig- keits-Armenpflege vorhanden sind, verpflegt und erzogen werden. Es ist aber schon seit einer Reihe von Jahren nicht möglich gewesen, sämmtliche Stellen zu besetzen, da es an geeigneten Kindern gefehlt hat. Am 1. April 1897 waren nur vier Kinder, ain 1. April 1893 nur drei in der Anstalt. Im Waisenverwaltungs-Bericht pro 1897/98 findet sich wieder die seit langem ständige Bemerkung, es sei nicht gelungen, für die unbesetzten Stellen den Bedingungen entsprechende Bewerber zu finden, obgleich die betreffenden'Armenkommissionen, Waisenräthe und Kirchcnräthe um Vorschläge ersucht tvorden sind. Für das Franckeh'che Waisenhaus' besteht also ein dauernder Mangel an BkSürftigen. Das erklärt sich aber nur daraus, daß das 28. Polizeirevier in einer verhältniß- mäßig nicht armen Stadtgegend liegt(Kreuzung der Oranien- und Alexandrincnstraße). Anderswo würden sich geeignete Bewerber in Menge finden,— aber die Bestimmungen des Testators dürfen nicht verletzt werden. Die Sinnlosigkeit solcher beschränkenden Be- stimmungen tritt an dem Beispiel des Franckeh'chen Waisenhauses recht drastisch zu tage. An der einen Stelle müssen die verfügbaren Mittel unbenutzt bleiben, weil es an geeigneten Bedürftigen fehlt, an der anderen müssen die in Masse vorhandenen Bedürftigen ohne Hilfe bleiben, weil keine Mittel verfügbar sind. Unter den„Weihnachtsbitten", welche zum nahenden Weih- nachtsfeste in dem deutschen Blätterwalde wie Pilze heroorschießcn, ninimt sich besonders kläglich diejenige aus, ivelche ein Komitee erläßt, an dessen Spitze der Vorsitzende' des deutschen Kriegerbundcs, General von Spitz, steht. In derselben wird darauf hingewiesen, daß zwar von den Veteranen der Freiheitskriege nur noch ein einziger am Leben ist, daß aber mehr als hundert hochbetagte Frauen und Töchter von Freiheitskämpfern existiren, welche durch- weg schivach und hilfsbedürftig auf die Fürsorge der Behörden und gutherziger Menschen angewiesen sind. Es ist mindestens traurig, daß in einem Militärstaate toie Preußen, wo für militärische Zwecke Unsummen verausgabt und Offiziere in den besten Jahren Massen- Haft pensionirt werden, für die Hinterbliebenen von Kämpfern aus den„Freiheitskriegen" der Klingelbeutel gerührt werden muß. Das „dankbare Vaterland" hätte wohl die Pflicht, in auskömmlicher Weise für die schwachen und hilfsbedürftigen Frauen und Töchter der ver- ftorbenen Veteranen aus den„Freiheitskriegen" zu sorgen. Dem Ziethen- Komitee sind in den letzten Tagen viele neue Mitglieder beigetreten, u. a. der Reichstags- Abgeordnete Lenz- mann, der sich der Sache schon früher angenommen hat; Spiel- Hägen, der Dichter der„Problematischen Naturen",„In Reih und Glied"-c.. der seinerzeit auch dem Komitee für die Opfer der spanischen Pfaffen- nnd Säbeljustiz in M o n t j u i ch beigetreten war; Paul Lindau, Intendant des Meiniuger Hos-Thcaters und Verfasser einer trefflichen Abhandlung über den Fall Ziethen. Die Volksversammlung am nächsten Sonntag, in der außer Oberstlieutcnant a. D. von E g i d y noch verschiedene andere Redner auftrete» werden, beginnt Punkt 12 Uhr.— Der„Lokal-Anzeiger" brachte vorigen Freitag folgende Notiz: Der Fall Ziethen beschäftigt nun wieder einmal die Behörden und die Oeffentlichkeit. In einem kürzlich erschienenen offenen Briefe, dessen Verfasser der Redakteur A n a r ch i st Landauer ist, wird der frühere Polizeikommissar G. bezichtigt, dieVerurtheilung Ziethen's durch Fälschung von Belveismitteln durch polizeilichen Uebereifer herbeigeführt zu haben. Der einzige praktische Erfolg, der vorläufig mit diesem zu gunsten Ziethens pnblizirten offenen Briefe erzwlt wurde, besteht, wie schon erwähnt, darin, daß gegen Landauer der Strafantrag wegen Verleumdung gestellt worden ist. Landauer will den Wahrheitsbeweis für seine schwerwiegende Beschuldigung erbringen. Gleichzeitig hat auch der Bruder Ziethen s, der hiesige Gastlvirth H. Ziethen, einen hervorragenden Berliner Rechtsanwalt, welcher auch Landauer vertritt, mit der Aus- arbeitunq des Antrages zur Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den Verurtheiltcn beauftragt. Das Resultat der gegen Landauer geführten strafgerichtlichen Untersuchung dürfte Aus- schlag gebend für alle weiteren im Interesse Zietheiüs zu unter- nehmenden Aktionen sein. Dies die Notiz. Wir möchten den„Lokal-Anzeiger" fragen. Ivas der Umstand, daß Landauer Anarchist ist, denn mit seiner, rein menschlichen Gefühlen entspruiigenen Thätigkeit zu gunsten eines seiner Ueberzeugnug nach unschuldig Verurtheilten zu thun hat? Entweder hat diese Erwähnung zum Zweck,_ die Bewegung für das Wiederaufnahme-Verfahren in Mißkredit zu bringen, oder sie ist sinnlos. Wahr ist, daß einer der angesehensten Rechtsanwälte von Berlin und Deutschland Landauer vertheidigen wird und auch für Ziethen das Wiederanfnahme-Verfahreir vorbereitet. Zu mancherlei Schuhricgelrir» dürfte eS hinfort im Betriebe der Straßenbahn kommen. Das Ministerium des Inneren hat der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn nämlich auf ihren An- trag wegen Erthcilung der Bahnpolizeibeamten-Qualifikationen� für einzelne Beamte die Zustimmung ertheilt. Die bahnpolizei- lichen Befugnisse, welche auf grund der Thatsache, daß die elektrischen Straßenbahnen immer noch dem Kleinbahngesetz unter- worfcn sind, gegeben worden sind, dürften wahrscheinlich an die Kontroleure der Gesellschaft übertragen werden. Durch diese Ein- richttmg soll angeblich die Betriebssicherheit auf den elektrischen Straßenbahnen wesentlich erhöht werden, da die mit Polizei- qualifikation versehenen' Bcanitcn berechtigt sind, bei allen im äußeren Betrieb der Straßenbahn eintretenden Vorfällen selbständig einzuschreiten und Personalfeststellnngcn vorzunehmen. Berliner Brotprcise. Im Oktober 1898(bezw. 1897, 1896, 1805) war, nach den Ermitteluugen des Berliner Statistischen Aintes, der Durchschnittspreis für 1 Kilogramm Roggenbrot rund 25(23�/i», 21 yw, 21) Pfennige. für 1 Kilogramm Weizenbrot rund 42Vl0(389/io, 353/io, 845/i0) Pfennige. Man bekam f ü r 50 Pfennige dnrchschnittliih 2002(2151, 2367, 2375) Gramm Roggenbrot, 1172<1285, 1421, 1148) Gramm Weizenbrot. Der im Juli eingetretene langsame Rückgang der Brotpreise dauert fort. Tie Preise standen aber im Oktober dieses Jahres immer noch höher als in demselben Monat der letzten Vorjahre. Um einen höheren Preis zu finden, muß man bis auf 1892 zurückgehen. Der Verein Berliner Droschkenkutscher hatte an die städtische Bandepntation eine Bittschrift um Verbreiterung der Corneliusbrücke und der Kommandantcnftraße in der Nähe der Bcnthstraße gerichtet. Er hat darauf folgende Antwort erhalten:„Auf Ihre Eingabe vom 21. Oktober erlviden, wir Ihnen ergebenst, daß wir bezüglich der von Ihnen erwähnten Mißstände ans der Corneliusbrücke Erwitte- lungen anstellen lassen und Ihnen von dem unsererseits gefaßten Beschlusfc Kenntuitz geben werden. � Hinsichtlich der Verbreiterung der Konnnandantenstratze theilcn wir Ihnen mit, daß die erfordcr- lichen Verhandlungen zur Herbeiführung einer Verbreiterung dieser Straße bereits eingeleitet worden sind." Gcneralversammlnngcn der Union nnd der Lötve'sche» Gesellschaft. Am 24. d. M. fanden die Generalversammlungen der beiden Gesellschaften statt. Die Versammlung der Union beschloß, das Grundkapital von 15 Millionen Mark ans 18 Millionen Mark zu erhöhen, und beschloß ferner, die elektrotechnische Fabrik der Firma Ludwig Lölve n. Komp. in Marttnickenfelde mit allen Ein- richtungen nnd Beständen per 1. Januar 1899 auf Grundlage eines vereinbarten Vertrages zu erwerben. Nach letzterem gehen die Grundstücke für den Preis von 3112 000 Mark, frei von allen Hypothckenschulden, in den Besitz der Union über. während der Preis für Maschinen. Utensilien, fertige und halbfertige Fabrikate nnd alle sonstigen Immobilien nach einer per 31. Dezember 1898 aufzustellenden Inventur vereinbart werden soll. Die zur Zeit zlvischen der Firma Lndw. Löwe it. Ko. und der Union bestehenden Fabrikations- bezw. Liefernngsverträge werden aufgehoben, so daß die einlaufenden Aufträge vom 1. Januar 1899 ab für eigene Rechnung der Union ausgeführt werden. Die Paletotmarder treiben in der Universität ihr Unwesen. Ein Student hatte sich aus Paris einen iverthvollen Paletot mit- gebracht und ihn hier am Sonnabend zum ersten Male angezogen. Da er sein Schloß zn einer der gegen die Diebstahle in der Universität angebrachten Sichcrhcitsketten vergessen hatte, so hängte er den Mantel an einen Riegelpflock im zweiten Stock. Nach dem Kolleg war der Mantel verschwunden. Die Firma Siemens u. Halske theilt uns nnt, daß die er- iveiterte Strecke Gesundbrunnen— Mittelstraße nicht, wie wir irrthüm- lich gemeldet hatten, anfangs mit Pferden, sondern vom Eröffnungs- tage an elektrisch betrieben tvird. Kleinere Diebstahle wurden in der letzten Zeit fortgesetzt auf dem Potsdamer Ringbahnhofe verübt. Aus den Automaten wurden allerhand Leckereien entivendet nnd dem Zeitungshändler, der dort seinen Stand hat, kamen nach und nach Bücher im Werths von 38 M. abhanden. Der Nachfolger, der diesen Händler ablöste, ent- larvte den Dieb. Einen Uebcrzicher und einen besseren Rock mit Weste, Sachen, die er unterwegs trug, hängte er bis nach Be- cndignng der Verkaufszeit in der Pfvrtnerstube neben seinem Stande auf. Er sah nun, daß die Sachen, die morgens um 7 Uhr noch da gehangen hatten, eine Stunde später verschwunden waren, und richtete fernen Verdacht auf einen von drei Arbeitern, die nach Beendigung der Nachtschicht auf dem Oberbau der Bahn von der Pförtnerstübe aus den Heimweg angetreten hatten. Bei seiner Rück- kehr stellte er diesen dann zur Rede. Der that sehr entrüstet und drohte mit einer Anzeige wegen Beleidigung. Der Händler lieh sich aber nicht irreführen. Er fuhr nach Schöneberg in die Wohnung des Mannes und sagte seiner Frau, er sei beaustragt, die Klcidungs- stücke, die ihr Mann morgens mitgebracht hatte, abzuholen. AhnnngS- los gab ihm die Frau seine Sachen, und der Dieb wurde dem Staatsanwalt übergeben. Versehe» mit einem Militärpostcn. Der Militärposicn an der Nikolaikirche, über dessen am Freitag Abend erfolgte Aufstellung berichtet wurde, ist noch an demselben Abend wieder eingezogen worden, da er nur aus Versehen dort aufgestellt worden und eigentlich für- das Lagerhaus in der Klosterstraße bestimmt gewesen war. Nachdem der Posten, der um 5 Uhr nachmittags aufgezogen war, bis gegen 6 Uhr an der Nikolaikirche gestanden hatte, erschien plötzlich eine Patrouille, holte den Posten ab und brachte ihn nach dem Lagerhans. Mit Stichwunden im Kopfe wurde in der Nacht zum Montag der 28 Jahre alte Arbeiter Hennann Brosin vor dem Hanse Bad- straße 26 bewußtlos aufgefunden und von einem Schutzmann des 101. Reviers in ein Krankenhaus gebracht. Brosin giebt an, er habe mit Gästen einer Schankwirthschaft in der Soldincr- straße 44 Streit gehabt und sei später auf der Straße von dem Sohne des Wirthes, der in der Badstr. 26 wohne, überfallen und mit dem Messer gestochen worden. Diese Angaben haben sich als falsch erwiesen. Was Brosin bewogen hat, sie zu machen, ist noch nicht festgestellt. Zluf dcm Heimwege von einer Hochzeitsfeier wurde in der Nacht zum Montag der Rentner Jakob Brasch aus der Königgrätzcr- fhajje 87 fcrm Tode ereilt. STnS Fest hatte in der Liitzowstrvße statificstuidcn. An vorgerückter Morgcnsilmde mochte sich Brasch wohl mid munter auf den Heimweg. In der Äoniggrätzerstraße an der Christuslirche plötzlich von einem Unwohlsein befallen, mußte er sich aus den iöorspruiig der QJittcnnaucs setzen. Schutzmänner fanden iqn und wollten ihn mit einer Troschke nach der Charitee bringen. «üä sie hier ankamen, war Brasch schon todt; sie brachten nun die Leiche in das SchauhanS. _©inen Sclbflmord NN? GIsorsncht unternahm die Echan tpielenn Hedwig C. Sie war gerade in dem Atelier ihres Bniutigamö, eines Zahntechnikers, als sich eine Dame anmelden lietz. Sie zog sich aus Rücksicht sür die Kundin in das anstoßende Zimmer zurück. Bald aber horte sie durch die dünne Wand ein («ejprä h, welches sie erkennen ließ, daß ihr Bräutigam zu der Dame m sehr vertrautem Berhälluiß stehe, und daß sie'schmählich hinter aangen sei. In dem Schmerz ihrer Eifersucht griff sie nach einer , Hasche, in welcher sie Gift bernmthete. Kaum aber hatte sie das Gefäß, welches Schwefelsäure enthielt, au die Lippen gesetzt, alS sie esZ unter Hilferufen von sich warf. Der Bräutigam mußte ihr in Gegenwart der zweiten Dame Hilfe leisten'und sie dann nach Hause bringen lassen. Die Verletzungen, die Fräulein C. erlitten hat. sind nicht bedeutend. Das Gnde vom Licde. Wenn die jungen Herren aus den ..befferen Ständen" ihr Leben genossen haben und schließlich Schiff bruch leiden in dem Strudel des Lebeut, dann areifen sie zum Revolver und jagen sich eine Kugel durch den Kopf. Das ist dann das Ende vom Liede. Nach diesem bewährten Rezept handelte auch der LS Jahr« alte Alexander S. aus der Havelbergerstraße. AlS Sohu eines ehemaligen Rittmeisters führte er ein„standesgemäßes flottes Leben, ging dabei weit über seine Verhältnisse hinaus, ver brachte Uusumuiou Geldes, machte Schulden über Schulden, sodaß selbst seinen Anverwandten dieses Treiben zu schneidig wurde und sie sich von dem jungen Lebemann völlig lossagten. Der letzte Ncttuiiasankcr des Leichtsinnigen war seine in der Reuterstraße zu Nixdorf wohnhafte reiche Braut. Doch auch diese zog sich von ihm zurück, nachdem ihr die Augen über den Lebenswandel ihres Kavaliers geöffnet worden waren. Vergeblich waren dessen Bemühungen� den entwischten Goldfisch wieder in sein Netz zu bekommen. Am Freitag Abend, als er sie zum letzten Male in ihrer Wohnung auf gesucht hatte, erfolgte der endgiltige Bruch. Seine Braut hatte das Verhältnis zu ihm für immer gelöst. So vor das Nichts gestellt, war sein Entschluß schnell gefaßt. L. begab sich in ein Restaurant, schrieb Abschieds bliese an seine ehemalige Braut und seine An- verwandten, ging dann vor das Haus. in welchem seine Braut wohnte. und schoß sich eine Kugel in das Herz. Er hatte out ge troffen, denn ans dem Amte, Ivohin der Nachtwächter Pätzold den Selbstmörder verbrachte, verschied dieser noch vor Eintreffen des herbeigeholten Arztes. Im VerfolgimgSwah» ins Waffer gegangen ist die Köchin Marie Jakob, die bei dem Gastwirth Grosser in der Wienerstraße in Stellung war. Drei Einbrüche sind in der Nacht zum Sonntag im Südosten der Stadt verübt worden. Watdeniarstr. 64 haben Diebe das Komptoir des Lanipenfabrikanten Haas mit einem Nachschlüssel ge öffnet, mit Meißeln das Pult erbrochen iind etwa 50 M. erbeutet, Außerdem iiahmen sie die Sparkassenbücher der Haasffchen Kinder mit.— Bei dem Gastwirth Fietz. Wraugelstr. 68, drangen die Spitzbuben ebenfalls mit einem Nachschlüssel ein nnd erbeuteten die Kasse des Lotterievereius„Krone", die hinter dem Ladentische stand und 37 M, enthielt, drei Billardkugeln, zwei Röcke des WirtheS lind eine Wurst.— Der dritte Einbruch fand in der „Drachenburg" statt, einer Schankwirthschaft mit Tanzsaal un, Nittel bar vor der Schlesischen Brücke, einem der wenigen Gebäude, die von der Gewerbe-Ausstellung von 1866 stehen geblieben sind. Die Diebe haben vom Hofe ans Fensterscheiben eiu'geschlaaen und sind durchs diese in den Tanzsaal eingedrungen. Hier nahmen sie die Mechselkasse an sich, zerschlugen die Automaten und beraubten sie ihres Inhaltes. Eine schwere Tchlägerct zwischen Zivil- und Militär persvnru gab es in der Soiintagnacht im Süden der Stadt. Drei betrunkene Männer rempelten an der Ecke der Frieseustraße drei Soldaten der Eisenbahn-Brigade an. Die Eisenbahn-Pioniere ließen sich das nicht gefallen, jund so war bald eine schwere Schlägerei im Gange. Vier Schutzmännern gelang es schließlich, die Streitenden auSemaiider zu bringen und der Sache ein Ende zu machen. Zwei der Rempler wurden auf die Rcbicrwache in der Heimstraße gebracht. Einer der Cisenbahn-Pioniere war so in Wuth gerathen, daß er sich noch nach der Festnahme der Gegner immer von neuem wieder aus sie und das Publikum stürzen wollte. Man mußte ihn daher auf die Wache des Königin Augusta-RegimentS abführen. Orgel-Konzert. In der Manenktiche werden bei freiem Ewtritt Mitt woch, den 30. November, mittags 12 Uhr, Orgel- lind Violw-Dorträge, ein Quartett, zwei Duette und andere Gesänge ausgeführt durch Herrn Musib direkter Otto Dienet, Fräulein Gertrud Maulsch, Fräuiem Lotte Dieueh Herrn Alexander Cnrth, Herrn Karl Rachs, Herrn Konzertmeister Leop. Hartmaim und Herrn Franz Schmidt. Mepertoir der Urania, Theater: Dienstag, Donnerslag und Freitag „Die Urzeit des Menschen". Mittwoch nnd Sonnabend„Quer durch Oester- reich".— Hörsaal: Dienstag Herr G Witt:„Die Fixsternwelt". Mittwoch terr Baron von Sieben- Frauzburg:„Reisebitder aus Deutsch-Ostafrita". wnnerstag Herr Franz Görke:„Malerische Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Freitag Herr Dr. Rast:„Das Bier". Sonnabend Herr Dr. P. Sp-es:„Telephon mid Telegraph". Theater. DoS Schiller-Theater bereitet Heinrich Wittens Dollsstück„Die ehrliche Arbeit" vor. Die erste Aufsührnng wird Ende nächster Woche stattfinden. Vor Weihnachten geht dann Shatespeare'ö „Othello" mit den Damen Alwine Wiecke und Therese Leithner und den Herren Ferdinand Gregors lind Willy Froböse in Szene, Unmittelbar nach den Feiertagen ist die Premiere von Biirckhardts vie, altiger Komödie„Die Biirgernieistenvahl". Unter den mannigfachen, während der jüngsten Zeit im Berliner Aquarium eingetroffene» Thieren ist auch eine Gesellichast der zartesten aller MeereSbewohner eingekehrt, nämlich kleine blänlich-weiste Quallen, die durch den Farbenhauch, die eigenartige Gestaltung und Gliederung des Körpers und die annilithigen Bewegungen die Besucher immer von neuem zur Bewunderung hinreisten und insolge des kleinen flachen Schirmes um so zarter und duftiger erscheinen. Dieser Eindruck wirb noch gesteigert, wenn man an unser schlummerndes Naturleben, das nun m die Herrschaft des begiimenden Winters gegeben ist, denkt. Lsn unsere sommerliche Pracht wird man auch eriiiiicN bei Betrachtung des neu- angekouinieneu Regeubogenfisches aus dem Mittelmecr, einer Art, die dem aus der Adria hergesandten Psanenfisch hinfichtlich der Farbenpracht den Rang streltig macht und von vielen als der schönste curopätsche Fisch angesehen wird, von früheren Forschem sogar sür den allerschönsten unter den Meer- fischen geschildert und gefeiert wurde. In der That macht der Regenbogen- fisch mit seinen leuchtenden, in einander überspielenden und je nach dem ein- fallenden Lichte wechselnden Farben: Gmnlichblau, Orange, Roth, Veilchen-, Purpur- und Silberfarbe, dem ihm beigelegten Namen alle Ehre. Fcuerbericht. Am Sonntag erfolgten sieben Alarmirungen, von denen drei auf Zimmerbrände zurückzuführen waren, und zwar L i n d e n st r. 68, F r u ch t st r. 39 und S ch l i e m a n n st r. 46. Nur der letztere erforderte längeres Wassergeben. Möbel und Betten wurden eingeäschert. In drei Fällen lag den Alarmirungen»blinder Lärm" zu gründe. Montag über war Berlin feuerfrei, Ans den Nachbarorten. Tozialdcmokrattschcr Arbeiterverein sür Köpenick und Umgegend. Heute Abend 8 Uhr Versammlung im Lotale des Herrn Ludwig. Marienstraße. Vortrag des Genossen Paul Jahn. Da in dieser Versammlung, laut Beschluß des Vereins, die unent- geistliche Vertheilnng von Broschüren an die Mitglieder stattfindet, so ersuchen wir um recht pünktliches Erscheinen. Der Vorstand. Spandau. Zu der am 2. Dezember er. stattfindenden Ersatzwahl eines Stadtverordneten der dritten Abtheilung an stelle des aus wirthschaftlichen Gründen ausgeschiedenen Stadtverordneten Grußnick, haben unsere Parteigenossen in einer gut besuchten Wähler- Versammlung am Somiabend den Genoffen August Schröer als Kandidaten aufgestellt. Der Wahlkainpf scheint diesmal sehr heftig zu werden, da außerdem noch drei andere Kandidaten von dem Mischmasch, dem Mieihervirein und dem städtischen Verein aus« j„Dziennik pozn* einen Artikel gebracht, in welchem er * 1'........-."'" er„Deutschen Ztg. Schluß zog, daß gestellt sind, lstnsewehr ist cS Pflicht der Spmidaiicr Arbeiterschaft,! gleichlautenden Artikeln der„Pöst", der recht energisch die Agitation für lmseren Kandidateii Schröer Leipziger„Neuesten Nachrichten� zu betreiben und für dessen Wahlsieg einzutreten. Am Donners« tag wird in Spandau ein Flugblatt verbreitet. Die Parteigenossen werden dringend aufgefordert, sich an der Verbreitung thatkräftig zu betheiligcn. Treffpunkt abends von 6 Uhr ab bei Ducksch. Bismarck- st r a ß e 6.— Die Wahlhaiidlung wird am Freitag, den 2. D o z e m b e r. in der Zeit von 10 bis 1 Uhr vormittags und 4 bis 8 Uhr nachmittags vorgenomnien; stimmberechttgt sind nur die Wühler der drittenAbtheisting, welche bereits in der borjährigen Wählerliste eingetragen waren, und zwar wählen dieselben in sol- genden Lokalen:»j diejenigen Wähler, deren Zuname mit einem der Buchstaben A, B, C, D und E beginnt, in dem Saale des Restai'rant Kleinert, Ritterstraße 7; b) diejenigen, deren Znname mit einem der Buchstaben E. G, H beginnt, in dein Saale des Restaurant Frccse, Fischerstr. 8 bczw. Linden-Ufer 21; c) diejenigen, deren Zuname i»it einem der Buchstaben I, J, K und 1- beginnt, in dem Saale des Restaurant Sawade, Schönwalderstr. 93/99; d) diejenigen, deren Znname mit einem der Blichstaben �5, N, O, P, Q und ü beginnt, in dem Restaurant Conrad, Schönwalderstr. 2; e) diejenigen, deren Zuname mit dem Buchstaben 8 beginnt, in dem Saale des Restauralit Rother, Potsdamerstr. 35• f) dieienigen, deren Zuname mit einem der Buchstaben T, ü, V,"VV, Y und Z beginnt, in dem kleinen Saale des„Rothen Adler", PotSdamcrstr. 6. Ter Poltzetkampf gegen den Gastwirth Ltndenhnhn in Grünau dauert ungeichwächt fort. Die neueste Strafe androhung gegen den Mann, der zum Verdruß des Amts� Vorstehers v. Oppen seine Räume zu sozialdemokratischen Bev soninilungen hcrgiebt, ist zur Veränderung von einem Herrn Rhein- baben»nterzcichiiet. Sie trägt das Datum des 26. November und lautet: „Der Vorstand de? Vereins„Fortschritt" zu Berlin zeigt heute an, daß er morgen Sonntag, den 27. November, von ilochmittags 4 Uhr an, in dem großen Saale Ihres Etablissements ein Familienkränzchen abhält. Die Abhaltung dieses Vergnügens ist dem Verein untersagt worden, wovon sie hierdurch Kennt riß erhalten. Nachdem nun amtlich s e st g e st e l l t ist. daß Sie wiederholt Familien- bezw. Vereinsfesllichkeiten nur vor- geschützt haben, um öffentlichen Tanz abzuhalten, untersage ich hienrnt die Abhaltung des ans den 27. d. Mts. angemeldeten Familienkränzchens. da dasselbe wieder zur Umgehung der be- stehenden Vorschriften dienen soll. Sollten Sie dennoch dem ge- nannten Verein ihren Saal zur Benutzung überlassen und dieser «ieiner Aufsorderung nicht Folge leisten, so werde ich in Gemäß- heit des§ 132 des Landesverwaltungs-Gesetzes eine hiermit an- lungen, die er dank dem Vorgehen des Amtsvorstehers emszustehen hatte, noch niemals nachgewiesen worden ist, daß er Fremden zu den bei ihm abgehaltenen Vereinsvergnügungen Zutritt gewährt hat. Daß der»un schon die Jahre hindurch immer von neuem ins Werl ge- setzte Krieg von selten, der Person, der die Regierung die Würde eines Amisvorstehers anvertraut hat, mit weit mehr Eifer als Recht geführt wird, geht aus deu vielen empfindlichen Niederlagen hervor, die das Vorgehen des Herrn v. Oppen vor Gericht davon- getrogen hat. Die dringend nothwendig gewesenen richterlichen Pinsnngen hatten folgendes Resultat: In fünfzehn bis jetzt gegen ibn verhandelten Anklagefällen mußte der bedrängte Gastwirth Lindenhayn elf mal freigesprochen werden und nur in vier Fällen wurde er zu Strafen in Höhe von drei bis zwanzig Mark verurtheilt. Trotz alledem kämpft der Amts- voisteher unentwegt weiter? zur Zeit find etwa sieben neue Fälle beim Amtsgericht anhängig I Welch eine ein- schneidende Wirkung das ämtlichc Lorgehen auf das Rechts- be wußtsein der Bevölkerung ausüben muß. das braucht von niis wahrlich nicht erst geschildert zu werde». Aber auch die von den Arbeiterfeinden im Bereiche des Herrn von Oppen gehegte Hoffnung, daß der Gastivirth Lindenhayn bei den vielen Prozessen einen matcriellell Ziisainineiibruch erleiden werde, dürfte sich als trügerisch erivcisen. Hunderte Arbeitervereine in Berlin 'ühlen sich mit den belämpftcn Parteigenossen in Adlershof und Grünau solidarisch und helfen' ständig, die gege ie gerichteten Schläge zu Pariren. Die Hoffnung daß unter solchen Umständen d e n n o ch die sog. Ordnung im Amts bezirke Glienicke siegen werde, dürfte somit elend in die Brüche gehen. Ucbcr die Bclhctlignng an den Laudtagswahlcn in Chao lottenhirg hat das Statistische Amt der Stadt loeben eine lehrreiche »nd auch st'ir andere Bezirke maßgebende Ziisammenstcllilna ver- öffentlicht. Daraus ergicbt sich, daß die Bethciligung seit 1893 sehr gewachsen ist. Sie hatte vor 5 Jahren noch 11,83 pCt. der Ur- Wähler betragen, jetzt betrug sie 19,28 pCt. In der ersten Ab theilimg stieg sie von 50,51 auf 56,75 pCt., in der zweiten von 30.42 auf 41,65 lind in der dritte» von 8,94 auf 15,72 PCt. Von 100 Urwähler» gehörten 1898 2,54 zur ersten, 9,71 zur zweiten und 87,75 zur dritten Abthcilung. Die Stimme eines Ur> Wählers der ersten Abtheilung hat also soviel Gewicht, als die von 4 Wählern der zweiten und 35 Wählern der dritten Abtheilung. Eine anonyme Vriefschreiberin in Spandau, die fünfzig .ährige Eigenthümerin Banle, hat sich der ihr nach Entdeckung ihres Treibens drohenden Bestrafung am Sonntag durch Selbstmord ent- zogen. Bon etncm bedeutenden Schadenfeuer ist am Sonntag das königliche Feuerwerks-Laboratorium in Spandau lauf' der Havelinsel Eiswerderl zum zweiten Male in vierzehn Tagen betroffen worden. Gegen 7 Uhr morgens kam in einem umfang reichen Betriebsgebäiide. worin sich die Tischlerei defindet, ans bisher noch unaufgellarte Weise Feuer aus, das unter dem vorhandenen leicht bremibaren Material schnell um sich griff. Der mehrere Stunden wülhende Brand hat die Tischlerwerkstatt nebst großen Vorräthen an 'ertigen Fabrikaten und Nutzhölzern vernichtet. Bon Wilddieben erschossen wurde vorgestern Abend zwischen 5 und 6 Uhr der Jagdaufseher Borcheri von dem Rittergut Lüderitz bei fftathenow. llmet dem Verdackit der Thäterschaf't steht der 22jührige Kellner Fritz Schulze aus Lüderitz,»velcher flüchtig ist und ich, den angestellien Erniitlelungen zufolge, über Rathenow nach Berlin gewandt hat. Er ist 1,56 Meter groß, hat einen kleinen Schnurrbart nnd dunkle Bartkoteletts. Unter seinem Reisegepäck soll ' ch auch ein Fahrrad befinden. Borcheri wurde in dem Augenblick erschossen, als er auf freiem Felde mit mehreren Arbeitern den Wilddieben entgegentrat; er hinterläßt Frau und Kinder. Berliner Fahrraddiebe haben in Potsdam einen willigen Abnehmer in der Person des Kauftnanns Remlingcr gefunden, Ein Kaufmann Nörten in Berlin betrieb gewerbsmäßig Fahrrad- diebstähle, wurde aber endlich dabei abgefaßt, so daß festgestellt werden konnte, daß er die gestohlenen Räder in Potsdam verschärft hatte. Auch ein anderer Berliner Fahrraddieb wurde in Potsdam 'estgenommen, als er bei Remlinger ein gestohlenes Rad verkaufen wollte. GevichkS-ÄettunK. Der„polnische Kriegsschauplatz" wird jetzt häufig in das Sitzungszimmer des hiesigen Schöffengerichts verlegt nnd dort der Kampf zwischen Deutschthum und Polenthum ausgefochten. Gestern hatte das Schöffengericht wieder eine Privatklage der Vorstands- Mitglieder des Vereins zur Förderung des Deutschthums in den Ost- Marten jH. K. T.-Verein), Hermann v. Hansemann. v. Kenne- mann und v. Tiedemann gegen den Redakteur des„Dziennik poznansli" H o j n a ck i zu erledigen. Ueber die Vereitelung des s. Z. geplant gewesenen polnischen AerztelongresseS hatte der den Schluß zog, gegen den Aerztekongreß eine künstliche gewesen, Kongreß zu diSkredilireu. Es wurde ausgesprochen, Hetze, die als Fabrikat anzusehen sei, Zengmß ablege Perfidie, dem Pharisäerthum und der Hinterlist Schüler des Hekatismus".�— R.-A. Wagner: aus vre: ' und der die Hetze um den daß die von„der der"Meister und Selbst ein Vor- staiidsmitglied des H. K. T.-Vereiiis beantragte die Besirafuiig des Angeklagten. Der Vorstand, der bis vor kurzem derartige beleidigende Angriffe unbeachtet gelassen, habe beschlossen, nunmehr in jedem Falle gegen die Beleidiger vorzugehen, um der polnischen Presse zn Gemüthe zu führen, daß. sie nicht das Recht habe, mit dem Mittel der persönlichen Beleidigung zu kämpfen.(I) Rechtsanwalt Kodier bestritt dagegen den Privat- klägern die Mtivlegitimation. Der Kampf gegen die Polen sei schon älter als der Verein und mit der Anwendimg des Wortes Heka- ttsmus habe man die Kläger keineswegs persönlich genannt. Dies Wort sei nur gewissermaßen als Kriegsruf hingestellt worden, um die antipolnischen Bestrebungen überhaupt zu tennzeiÄnen, wie man seinerzeit mit dem Namen �Kulturkampf alle Erscheinungen in dem Kriege gegen die katholische Kirche bezeichnet habe. Der Vertheidiger erbot sich auch zum Beweise der Wahrheit, daß in öffentlichen Or- gancn vielfach in hinterlistiger, pharisäischer und perfider Weise gegen das Polenthum vorgegangen werde und führte eine ganze Blllthen- lese ans verschiedenen Zeitungen vor, um zu zeigen, mit machen Waffen die Gegner des Polenthums lämpfen. Wenn ein solcher Krieg entbrannt sei, in welchem Hiebe von hüben und drüben ausgetheilt werden, dann solle man sich nicht wundern, daß diejenigen, denen in der„Ostmark" fort und fort systematische Verhetzung boraeivorfen werde, sich mit allem Nachdruck wehren.— Rechtsanwalt Wagner erwiderte, daß alle diese Zeitungsslimmeil nur lose mit der Privatklage zusammen hängen. Hier handle es sich lediglich darum, ob die Leiter des H. K. T.-Vereins in perfider Weise den Aerztekongreß diskretirt haben und dies werde aufs entschiedenste bestritten.— Der Gerichtshof hielt die Aktivleaitimation der Privatkläger nicht für zweisel« hast; es fei gerichtsbekannt. daß man mit HekatiSmus die Angehörigen und in allererster Reihe die Leiter des qu. Vereins zu bezeichnen pflege. Die beleidigenden Worte gehen weit über das jelbst im Kampfe'erlaubte Maß hinaus und gestatten nicht die An- Wendung deS§ 193. Mildernd falle die politische Erregung, in welcher der Artikel geschrieben wurde und die Thatsache ins Gelvicht, daß Angriffe gegen die Nafionalttät das menschliche Hcrz besonders tief berühren. Der Gerichtshof hat deshalb auf grund des§ 185 Strafgesetzbuchs auf 75 M. Geldstrafe event. 25 Zlage Gefängniß erkannt und den Beleidigten das Recht zu- '' chen, das ilrtheil im„Dziennik poznanski" in polnischer Sprache eine wn" gedrobte Strafe von 50 M., an deren Stelle im Unvermögenssalle.... eine fünftägige Haft tritt, gegen Sie festsetzen. x�Pberojfeimicheii. Zur Keimzeichnlma des Verhältnisses, in dem die in dieses r Slcues vom Amtsrichter Grodtke in Spandau. Drohlliig aufgestellten Behanptimgeii zur Wahrheit stehen. t« Aeußerung«Ihr Streikbrecher, Euch werde ich bemerkt, daß dem Gastwirth Lindeiihayii in den vielen Prozeßverhano- zeigen!" ivurde am Freitag der Maurer Busse i» Spandau vom Wegen der das schon id wpi / Kö, dortigen Schöffengericht zu einer Gefängnißstrafe von einer Woche verurtheilt. Vom Amtsaiiwalt waren dieserhalb sogar sechs Wochen Gefängniß beantragt worden. Das Gericht hatte in der Aenßening, welche von dem Angeklagten während der letzten AllSsperrung gegen zwei Arbeitswillige gebraucht wurde, eine„Be- drohung" und' damit ein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbe» Ordnung geflindeil, obgleich der Vertheidiger Rechtsanwalt Heine darauf hinwies, daß es sich in diesem Falle nicht um eine„Ver- abredung zum Zwecke der Erlangiing besserer Lohn- und Arbeilsbediiigiingen. sondern um eine Aussperrung der Ar- beiter durch die Unternehmer zum Zwecke einer Herab- s e tz n n g des Lohnes gehandelt hätte. Als einer der Be- lastimgszengen, der seinerzeit den„Arbeitswilligen" gemacht hatte, in seiner Aussage erllärte, er könne sich ans den Vorgang nicht mehr geilau besinnen, meinte der Vorsitzende. Amtsrichter Grodtke, der Zeuge hätte wohlAngst. Prügel zubekommen, j!) Ter Zeuge sah sich genöthigt, gegen eine solche Auffassuilg des Richters energisch zu p r o t e st l r e n. UebrigenS äußerte dieser Richter gegenüber dem Angeklagteii,„bei den Arbeitern hätte es sich bei jenem Lohnkampf doch ivohl nur um„das Prinzip", nicht aber um die von den Uiiteniehiiiern bezweckte Herabsetzung des Stundeiilohnes um 3 Pf. gehandelt."— Eine solche Snffasfung über Lohnkämpfe bei einem preußischen Richter zu finden, wundert ug» iter nicht. Bersuchte Berleiinng zum Meineide, wkederholtE schwere KörperverletzungihrerDicnstniädchen sowie FreiheitSbcranbnug derselbe» wurden der Kaufmanns- Ehefrau Lamprecht, geb. Engelhardt, zur Last gelegt, welche gestern vor der dritten Straf- kammer des Landgerichts 1 stand. Als Hauptbelastungs- Zengimteil traten die beiden früheren Dienstmädchen der Angeklagten aus. Sie beknildeten, daß sie während ihrer ganzen Dienstzeit bei der Frau Lamprecht fortgesetzt und ohne jeden Grund den schwersten Mißhandlungen ausgesetzt gewesen seien. Die Angeklagte habe sie mittels eines Schrnbberstiels, Ansklopfers oder was ihr gerade zur Hand lag, in der rohe st en Weise gemiß- handelt, sie bis tn die Nacht hinein zur Arbeit angehalten und durch Verschließen der Thüren am Verlassen des Dienstes verhindert. Am Morgen des 2. Juni, gegen 6 Uhr, hatte eine der Zeuginnen. das Dienstmädchen Krüger, einen Fluchtversuch gemacht. Sie hatte eine Zuckerschnur am Feustertrenz der Küche befestigt und sich an derselben von der ersten Etage auf den Hof yinabgelaffen. Die Schnur konnte die Last nicht tragen, die Krüger stürzte ans das Pflaster und erlitt einen Bruch des Oberschenkels.� Als das Ver- fahren gegen die Angeklagte eröffnet war, soll sie sich zu einem der mißhandelten Mädchen begeben und es gebeten haben, zu ihren Gunsten auszusagen. Nach dieser Richtung hin ergab die Beweis- ausnähme, daß die Angeklagte das Mädchen nur zur Wahr- heit ermahnt hatte. Auch die Strafthat der Freiheiis- bermibmig wurde nicht als erwiesen angesehen, weil den Mädchen noch ein zweiter AuSweg außer dem verschlossenen zur Verfügung stand. Dagegen wurden zwei Fälle der schweren Mißhandlung für erwiesen erachtet. Der Staatsanwalt beantragte, auf eine Geldstrafe von 200 M. zu erkenne». Ter Gerichtshof konnte sich dieser milden Auffassung nicht anschließen, sondern verurtheilte die Angeklagte zu einem Monat Gefängniß. Oberschlcsische Zustände. Vom Ratiborer Landgericht ist der Genosse Max Nowak wegen Hausfriedensbruch zu sechs Wochen Gefängniß verurtheilt worden. Nowak hatte vor der Reichstagsivahl Flugblätter verbreitet, war dabei in eine Pfarrei gerathen und hätte diese nicht so schnell wieder verlassen, als es der Pfarrer wünschte. Ter Prozeß Wittc-Stöcker ist gestern dadurch vom Kammer- g e richt erledigt worden, daß der Gerichtshof die Revision zurück- wieS, die Witte gegen die Freisprechung Stöcker's eingelegt hatte. Die Beleidigungssache hat das Kammergericht dreimal beschäftigt, im ganzen ist der Fall in sieben Instanzen behandelt worden. Eine fast krankhafte Sucht, Gottesdienste zu stören, führte gestern den Schuhmacher Gregor P a r z d z i e r n y vor die siebente Strafkammer des Landgerichts I. Ter Angeklagte ist swon zweimal wegen desselben Vergehens mit sechs Monaten bezw. einem Jahre Gefängniß vorbestraft. Am 25. Ollober befand er sich in der Pius-Kirche in der Pallisadenstraße und störte vlötzlich das Gebet des Kaplans durch laute Bemerkungen, so daß die Andacht in nnliebsamer Weise unterbrocheii wurde und einige empörte Kirchgänger den Störenfried hinausbriiigeii mußten. Er wurde zu 1�2 Jahren Gefängniß verurtheilt. Sollte eS denn bei dem Manne auch ganz richtig sein? Heimkehr vom Kriegervereinöfest. DaS Schwurgericht zu Limburg verurtheilte den 82 Jahre alten verheiratheten Berg- maiin Best von Waldginncs zu drei Jahren Zuchthaus. Best hatte auf die Schienen der Verlin-Wetzlarer Bahn zwischen Gießen und Wetzlar in der Nacht zmn 5. Juli d. I. vier bis zu zehn Pstuid schwere Steine und eine eiserne Schwelle gelegt. Der Angeklagte gab die That zu, erklärte aber, nicht gehnjfet zu haben, wie er dazu oelommen sei. Er sei an» getrunken vom Wetzlarer Kriegerfest gekommen." Zum Fall Rothenbnrg. In Sachen der bei dem Landgericht Stargard und den» Oberlandcsgerichi Stettin schwebenden Klagen der svrau Baumeister Rothenburg aus Wiedergewinnung des ihr während rarer Jnternirung entzogenen Vermögens, das seitens des Landgerichts Stargard auf etwa'/, Million Mark bekanntlich bereits festgestellt ist. macht jetzt Fräulein M. Rcekner zu Phr-tz in zweiter Instanz allerlei Einwände. Ilm das der Frau Baumeister Rolheichurg günstige Zcugnist ihre? Sohnes, Ne ercndar Rothenb urg, abzuschwächen, behauptet die Dome, es sei mir aus ihre indirekte Veranlassung hin zur Zeit ein schleuniges Enimiindigungsverfahren gegen diesen Zeugen seitens der hiesigen Staatsanwaltschaft l einaclcitet, weshalb die Prozesse eventuell zu sistiren wären. Es musste der am 15. November d. F. bereits zu: Entniündigung angesetzte Termin vertagt werden, weil derselbe Richter, der jede Aufhebung der Entmündigung der Frau N. vcr- weigerte und auch über den Sohn R. jetzt das Verfahren einleitete, — als„befangen" abgelehnt werden muhte, ebenso wie der gleich- "'de Richter Langerhans, letzterer wegen seines vcr- hältnisjes zu dem Srndtverordneten-Vorstehcr und Mitgliede des Kuratoriums für die städtischen Irrenanstalten Dr. Langerhans. Letzterer stellte bekanntlich diesen Fall in der Sitzung des Reichstages vom 80. März völlig unzutreffend dar. Es dürften nunmehr in nächster Zeit wichtigere Beschlüsse der betreffenden Gerichte zu erwarten�sein, welche die merkwürdige Auglegenheit vorwärts bringen dürften. Daö Ober-VrrtvaltnngSgerickit entschied dieser Tage in einem zwischen dem Magistrat und der Gcneralverwaltung des Völker- inuscnms schwebenden Rechtsstreit, daß das Museum von den Strahenanliegerbeiträgen frei zu lassen sei. weil unter den ob- waltenden Verhältnissen nicht von einem Nutzungswcrthe der frag- lichcn Gebäude gesprochen werden könne. Verperntmlungen. Eine öffentliche Versammlung der Bäcker tagte am SS. November im alten Schützenhause. Ritsch ke sprach über die Delegirtenwahlen zur Orts- Krankenkasse, die Wichtigkeit derselben hervorhebend. Er ersucht die Anwesenden, sich zahlreicher an den Wahlen zu betheiligen als dies bisher der Fall war. Der Kassirer Alb recht von der Lrts-Krankenkasse bedauert, daß die Mitglieder derselben so wenig Interesse zeigen. Die meisten kennen das Statut und somit ihre Pflichten und Rechte nicht, was er an ntehreren vorgekommenen Fällen nachweist. Nach einer kurzen Debatte, die sich hieran knüpfte, machte Fischer auf die nächste Altgesellen- Wahl aufmerksam. Höpfner sowie andere Redner wandten sich gegen den Altgesellen Most, der die hierzu erforderliche Ver- sammlung einberufen habe; nur die Vertrauensmänner seien hierzu berechtigt gewesen. Der Altgeselle Möller erklärte, von nichts zu wissen und stellt den Vorgang als einen Schachzug des Altgesellen Most dar. Hets chold giebt bekannt, daß der Fachverein keine gemeinschaftliche Liste mit dem Verband zur Altacsevcnwahl aus- stellen wolle, was er sehr bedauere. Er beantragt, folgende Personen aufzustellen: K l a m e ck, als ersten, H e t s ch o I d, als zweiten Alt- gesellen. Ferner sollen vom Fachvercin vier und vom Verband fünf Kollegen in den Ausschuh entsendet werden. Dieser Vorschlag wurde gut geheißen und alsdann die Versammlung geschlossen. Die Zahlstelle deS Verbandes der in Bnchbindereien te. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hielt am 21. November eine auh erordentliche Generalversammlung ab. Nach einem kurzen Hinweis Brüekner's auf die am 28. November stattfindende Delegirtenversammluug der Orts-Krankenkasse der Buchbinder referirte Bergmann über den.Ausbau des Unterstützuugswesens". Redner macht die Anwesenden kurz mit dem Inhalt der in den verschiedenen Nummern der.Buchbinderzeitung" enthaltenen Artikel bekannt und emp fiehlt zum Schluß die Einführung der klasseuweiscn Arbeitslosen- Unterstützung als Agitationsmittel, die ohne Erhöhung der Beiträge eintreten könne. In der folgenden Diskussion erllären sich Schmitz, Eberhardt, Brückner, P. Hoff mann mit der Einfuhrung einer klassenweisen A rbeitslosen- Unterstützung ein- verstanden, während fich P. Schneider, Jost, C. Schultz e hiergegen ablehnend verhalten. Wegen der sehr stark ge- Ii chreten Versammlung wurde beschlossen, weder über die gemachten Vorschläge zum Ausbau deS UnterstützungSwesens, noch über eine dahingehende Resolution Eberhardis einen Beschluß herbeizuführen. Der vorgerückten Zeit wegen wurde der zweite Punkt der Tages- ordnung betreffend die»Verlegung des VersammIungstageS" ab- gesetzt. Charlottcnburg. Eine sehr gut besuchte Versammlung fand hier am 25. d. M. in„Bismarckshöhe" statt. Bebel sprach über: „Die politische Lage". In seinem 2'/»stündigen Vortrage bot Redner der Versammlung ein Bild der ganzen politischen Lage Europa'«. Ausgehend von den im letztenSommer bis zu dieserZeitsich abspielenden und bedeutsam zu bezeichnenden Ereignissen auf der Weltbühne, wie der spanijch-amerikanische Krieg, das Zarenmanifest, das Attentat auf die österreichische Kaiserin, die Ankündigung der Zuchthausvorlage und den Drcyfus- Skandal in Frankreich sowie die Jerusalem- fahrt des Kaisers von Deutschland, kritisirte der Redner zunächst in nicht mißzuverstchcnder Weise die Machenschaften, speziell deS industriellen Unternehmerthums, die schon jetzt den§ 158 der Gewerbe- Ordnung in einer Form angewendet wissen wollen, die nicht allein diesen sondern mich den Z 152 als nur für die Arbeiter geschaffen und deshalb gewiffermaßcn als eine Art Ausnahmegesetz erscheinen läßt. Die schweren Strafen, die ohne ZuchthauSgesetz von ver- schiedenen Gerichten über streikende Arbeiter verhängt wurden, lassen erkennen, daß eine Art System in der Beurtheilung obiger»Ver- gehen" schon jetzt Platz gegriffen, und wenn vor einigen Tagen selbst Ehrverlust neben sechsmonatlicher Gefängnißstrafe ausgesprochen wurde. so muß man der Ansicht zuneigen, daß das gesetzlxh gewährleistete Koalittonsrecht in der Zukunft als nur auf dem Papier stehend und die Handhabung desselben von vornherein für strafbar gilt. Bebel erinnert demgegenüber an die Auslassungen eines englischen Staatsministers'in den 80er Jahre», der nicht allein dem Acht- stundentag in den staatlichen Betrieben das Wort redete, sondern auch die Ausübung des Koalitionsrechts seitens der Arbeiter als der Gesainmtheit dienlich und förderlich bezeichnete. Bebel wendet sich dann dem Attentat in Genf zu. die That und den Thätcr selbst als die Folge einer von der heutigen Geiell- schaft fanktionirten, durch und durch verfehlten Erziehung kenn- zeichnend und die ganze Schuld auf die Regierungen wälzend. die der Verelendung der Massen glcichgilfig gegenüberstehen. Er weist ferner darauf hin. daß nicht einmal in Oesterreich, deffen Kaiserin daS Opfer des Attentats war, das Geschrei nach Ausnahme- gesetzen angestimmt sei wie bei uns, und daß dieses bezeichnend für gewisse Kreise ist. um zum Schluß das wahre Gesicht unserer heutigen Bourgeoisie zu zeigen, deren ganzes Trachten bei dieser Gclcgenhcft auf Unterdrückungsmaßregeln gegen die Arbeiter'gerichiet ist. Man darf demgegenüber gespannt sein, sagt Bebel, wie der Reichskanzler sein im Reichstage gegebenes Versprechen ausführen wird in bczug des Aufhebens'des Z 8 des VercinsgesetzeS, was jetzt endlich und entschieden gefordert werden mutz. Auch findet er es bezeichnend, wie selbst ein großer Theil des heutigen Bürgerthums, welchem das Vercinsgesetz vor 50 Fahren reaftionär war, mit demselben heute einigermaßen zufrieden ist. Scharf iuS Gericht geht Redner dann mit den schreienden Agrariern, die die Regierung zu volksfeindlichen Maß- regeln beeinflussen und die Grenzsperren und Lebensmittel- zolle nur zur Füllung ihrer Taschen durchdrückten, und zeigt an der Hand drastischer Beispiele, wie diese Verfechter des Mittelstandes es verstehen, durch Assoziationen den kleinen Händler, den Kaustnann, den kleinen Gewerhetreibcuden und Handwerker der Vernichtung entgegenzutreiben. Auch die durchdie Zölle bedingten Gegen- maßregeln anderer Nationen beleuchtete er in recht intercsianter Weise. Des weiteren erwähnt Bebel die ungeheuren Lasten für die in kürzester Zeit von der Regierung geforderte Vermehrung von Heer und Marine und konimt im Anschluß hieran anSstihrlich auf das Manifest des Zaren zu sprechen. Zum Schluß wendet sich derVortragcndc in scharfen Worten gegen die Politik der Ausweisungen in Nord- schleswig und anderen Gegenden, sowie des Genossen Braun vom „Vorwärts", und endet dann unter tosenden, Beifall seinen Vortrag mit der Empfehlung nachstehender Resolution zur möglichst einstimmigen Annabme: Die Versammlung erklärt: Die Ausweisungen, welche die preußische Regierung gegenwärtig wieder einmal gegen Angehörige der verschiedensten Staaten sHolland, Dänemark, Rußland, Oesterreich) in Szene setzt, sind Handlungen würdig eines Barbareustaates, aber unwürdig eines Kulturstaaies. Diese Ausweisungen sind geeignet, das Ansehen Deutschlands im Ausland herabzusetzen und Haß und Erbitterung der betroffenen fremden Völker gegen das deutsche Volk hervorzurufen. Diese Ausweisungen zeigen ferner, daß die Mahnung, die der deutsche Kaiser und König von Preußen aus seiner Reise nach dem Morgenlande in Jerusalem verkündete: daß die wcrkthätige Liebe des wahren Evangeliums Christi den Boden für den Verlchr der Christen unter sich— also doch auch der christlichen Völker— bilden solle, von der preußischen Regierung mißachtet wird. Endlich sind diese Ausweisungen auch aus dem Grunde zu ver- urtheilen, weil kein Volk mehr als das deutsche zahlreiche Anhänger in last allen Ländern der Erde hat, die dort ihren Aufenthalt ge- nommin und ihre Existenz gefunden haben, also auf die DuldunD und das Wohlwollen der fremden Staaten angewiesen sind. Das deuffche Volk. daS in so hohem Maße die Gastfreundschaft fremder Völker in Anspruch nimmt, muß erröthen über das Schau- spiel, das die preußische Regierung durch die Ausweisungen der Kulturwelt bietet.' Die Versammlung erhebt gegen diese Politik der Kletnuchleit und der Kurzsichtigkeit auf das nachdrülklichstejstrotest._ Die Reiolution wurde gegen eine Stimme angenommen. Diskussion fand nicht statt und wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. In der Generalversammlung der Orts-Krankenkasse der Schneider wurde die Einführung der freien Arztwahl beschlossen. Eingelaufene Druckschriften. Di,«ozialiltischen Moualshefie(Redaktion und Verlag B-rllN 0., Ste'.n'tr. Iis haben soeben doS lt.Hest des IV Jahrgang« ertchetnen lassen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: Paul Hirsch: Die Lehren der vreuhlichen Landtagswahlen.- Jsegrii»: Skizzen aus der sozialpolttischen Literatur und Bewegung. IV. War Friedrich Engels milizglaubig?— Emst Gvsnow: Ävolutianislische Logtk.— Heinrich Herbatschek: Der Dualtsmus Ocsierreich-Ungarns und seine wirthichaftltchen Konseguenzen.— Bruno Borchardt: Eteklnzllät und.ikultursoitschrttt.- Dr. Jgnaz Zadeck: Natur- Heilkunde und Sozialdemolratie.— Julian Borchardt: Welche Bedeutung hat die W'.sienichast für die Bestrebungen des Sozialismus?- Rundschau: Bücher. Varia.- Der P r e i s des Hesteö beträgt b» Pf.; pro Quartal l.bv M. Man abvnnirt in allen Buchhandlungen und aus jeder Postanstalt. Briefkssten der Redaktion. Dle juristische Sprechstiinde wird DIenstagS, Donnerstags und Freitags abends von?>/, bis 8'/, Uhr abgehalten. R. K. 148. Eine eigentliche Heiianstalt für Stotterer giebt eS unseres Wissens hier mcht Vielleicht giebt Ihnen der Zahnarzt Herr Albert Werken- thin, Frtedrtchstr. 105 b II, Austunst, der im versiosscuen Frühjahr in einer hleiigeu Gemeindeschnie einen Kursus sür stottemve Männer veranstaltet hatte. H. Th.. Haag. Ist uns schon bekannt M. P. St. 1. Es kommt darauf an, wie man„mahnt". Näheres in der juristischen Sprechstunde. 2. Das ersahren Sie ganz genau bei der Firma Auer u. Ko. Etdtkuhnen. BetdeS unrichtig, da Marktflecken. A. K.(Tischler) Katzbachstr. 8 I, vormittags 11 Uhr, nachmittags 5 Uhr. F. S. 100. 500 M. und weniger, sowie 5000 M. und mehr. Bildhauer I. Derartige Mtttheilinigen über Zustände in Werkstätten und Fabrilen je. veröffentlichen wir nur, wenn sie von gewerkschaftlicher Seite toiilmen oder von der Organisation beglaubigt sind. W. D. 1(10«. Die Mutler erbt soviel, wie jedes der Geschwister.— Moabit 5. Der Betreffende ist im Recht.— A. O. Ein anderes Mittel, als baff Sie mittelst Ihrer väterlichen Autorität das Mädchen zu Hause zn bleiben zwingen, giebt es nicht.— W. Tch. Nur wenn den Wirth ein Ver- schulden trifft, z. B wegen mangelhafter Trcppcnbclciichtung.— A B. ZK. Verjährt nicht Wenn in der Versügung nur Berlin genannt ist, bezieht sie sich eben nur aus Berlin.— Waise 1898. Klagen Sie beim Jnnunzs- schiedsgericht auf Herausgabe Ihrer Papiere Werden Sie dort abgewiesen, so können Sie dagegen im ordeiitllchen Rechtsweg Berufung einlegen.— Mitschke. Wir können schristliche Antwort nicht ertheilen. In der Sache selbst giebt eS nur den Zivilprozeß, den der Betreffende ja auch angistreugt hat. In welcher Weise derselbe zu sühten ist, säht sich natürlich nur auf grund der Hnndakten des Anwalts des Bctreffcudcn beurtheilen. — 1VV®. A. Rommen Sie in die Sprechstunde.— W. M. SS. 1. Sie sind völlig iNl Recht. 2. Am ersten 3:§ 123.— P. F. Ja. Die Erben hasten noch sechs Monate nach Ablaus des Quartals, in dem der Beiressende verstorben ist.— Wach. Ja.—/- Uhr, im Lokal deS Herrn IZIscUncIiimilt, Neue Prinz Albertftraste 70(Kietz): CteKeiRtilehv Versammlung; des SDMmkrMm Vereins sür strlllltn-RiiZnmtlsbnrg und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Tic Taktik der Partei. Referent Genoff« Rlclmi'tt Flsclicr. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Partei- genossen, tu der Versammluiig zu erscheinen. Neue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Her Vorstand. Wei DMche VeiMmIilWil der DrsWeilkutscher Berlils: 1. Am Dienstag, de» 29. November, abends 9 Uhr. im Saale der 9iorck«lentnel»ei» Brauerei, Chanfseestraste 57. 2. Am Donnerstag, den 1. Dezember, abends 9 Uhr. In» Saale von Ahrens Brauerei, Thurntstrassc. Tagesordnmig in beiden Versammlungen: 1. Unsere weitere Stestuugnahme zur Lohnbcwcgiing. 2. Diskiisston. Die Herren Fuhrherreu sind hiermit besonders eingeladen. Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen ersucht 52/4 Bas Agltatloud-Komitec. Orüuan. Sonntag, 4. Dezember; Orünau. AM»! torer Rixdorf-Britz. AM»! Am Donnerstag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, im WirthöhauS/-. Bergstraffe Nr. 1SK/1Z7: »Deutschen Gr. DM MMer-VkiMmtuilg. Tagesordnung: 1. Dortrag de» Reichstags- Abgeordiicten Frlt> Zubell— Bctliit. 2. Diskussion. 3. Bericht des Gewertschafts-Delegirten und Neuwahl des» selben.— Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 264/10 __ Per Kinbernfer. n 18 w Jahre Garantie. Vollkommen schmerzloast Zahn. /JinpR/ Rk ziehen I M. Plomben 1,5031. ThellzahL wöchentl. 1 M. ■»UHIill S»'"« Sprechet. 9-6. Zahnarzt Wolf, Lelpzlgeretr. 22.* BV Günzei' l-o�rwgkrstr. 52. Laffalle, Iii an: ic. in Elgarrenipitze», Pioifen, Nadeln, Broch«», Knöpfen, Büsten, Bildern u. dgl., sowie jede DrechSlerwaar« u. Repar.(Man Verl. Preiskurant.) Großes Schlachtefest. Zum Frühstück: Wellfleisch mit sächsischen Klötze». Von 10 Uhr ad: 210L äJBT- Frische Wurst."VQ BIST Die geehrten Vereine, die mich an diesem Tage mit ihrem ve- suche beehren, wollen mich durch Karte davon benachrichtigen. ___ Gustav BlndenhayM. Oranlen-Hallen Am llorltzplfata. Oranlenstr. 51. Am ftlorltzplata. 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Anfang 8 Uhr, Parodie. Tugend, Anfang 8 Uhr, Urania. Taiibenstraste Naturkundliche AnSstellniig. Täglich geöffnet von tll Uhr vor- initiagS ab, Eintritt bl» Pf, Abends 8 Uhr: Abwechselnngs- weise„Die Urzeit des Menschen" und„Quer durch Oesterreich", Jnvalidenstrasie Täglich abends von 5— l8 Uhr: Sternwarte, Operntelephon Apollo. Spezialitäten- Vorstellung, Ausana 71/2 Uhr, Neichshallen. Stettiner Sänger, Anfang 7 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Bor- stellnng, Passage- Panoptikum. Spezialt- täten-Vvestellnng SPcr-Thcliter lWallner-Thentcr). Dienstag 8 Uhr: Das vierte Gebot. Mittwoch 8 Uhr: Das vierte Gebot. . Donnerstag 8 Uhr: Das vierte Gebot. CentvAl Direktion: öoib 8vroneiv. Dir Grisher oder: Eine japanische Theehaus- Geschichte. Operette in 3 Akte» V, Sidney Jones, Morgen und die folgenden Tage: IM« ticislia. Sonntag, 4. Dezember, nach»:, 3 Uhr, zu ermähigten Preisen: Nanon. Operette in 3 Akten von Rich, Wense, Willi-Im'l Weijj-TKtlltcr. Gr. Franksiirterstr. l»». Zum 15. Male: Onkel Jonas. WolkSstück mit Gesang in 5 Alien von Oskar Klein, Musik von Alb Wiechel Anfang 8 Uhr, Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert.— Morgen: Dieselbe Vor- siellung,— Mittwoch, nachnl, 3 Uhr: 4, Schüler-Vorstellung: To» Garloö. Schauspiel von Fr, v Schiller, Be- deutend ennüßigte Preise,— Sonnabend: Erste Kinder-Weihnachts-Vor- siellung: Bibi. der Gänsekönig. Urania TaubenatraBBe 48/49. Abwechslungsweise Die Urzeit des Menschen und Quer durch Oesterreich, Im Hörsaal: Experim. u. Projekt-Vorträge Invalldcnstr. 57/69: . Sternwarte. Passaye-PanopticuDi. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Heute zum letzten Male: Der Storch» mensch Castan's HIBi Panopticnm. Heut! Heu!! Lebendig begraben!! Thalia-Theater. Tresdcncrstr. 79/73. GaBtBplel llclinepding. DerDypothekenschuster Posse mit Gesang in drei Alien von Leopold Ely. Musik von Cornelius Schüler. Ansang 7>/z Uhr Morgen: Dieselbe Vorstellung Metropol-Tlieater. Brhrenstr 55/57. Sir Rieh. Schultr. Zum 12 Male: Die Blttmen-Mary Operette in 3 Akten von C Weinberger ti e r a u f: e» der Frauen. Grostcö Ballet arrangirt vom Ballelmstr, Eundlach, Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung,— Sonntag, 4, Dezbr,: 3. gr. Militär-Promenaden-Konzert. Knijen- Theater 34. Ncichenbergerstraste 34. Abends 8 Uhr: Extra- Vorstellung, veranstaltet vom Verein der Griindeigenthümer Berlin 30. Sie Regimeutstochter. Vaudeville in 4 Akten von F Blum, Marie: �nna lklUllrr. Mittwoch: Dttliner Raketen. Schwank in 3 Akten von B, Jacobson, Sonnabend, den 3, Dezember, nadimittags 3 Uhr: kcdiilei'-'VorBtaniinx: zu besonders ermästigtcn Preisen: Die Räuber. - Theater Drssdenerstr.53/53.Clty-Passage. Direktion: Richard Winkler. Neu! Neu I Neu! Tante Preziosa. Gr, Posse mit Gesang in 3 Akten von S, Haber und H Willen Musik von R, Bial, In Szene gefetzt von Otto Mendt Dazu: Auftrete» des gesammte» neu eugagirten Künstler- und Spezialitäten-Personals in ihren Glanznummern. tfttfott« ♦ Wochent, 7y, Uhr. JlU|Ung» Sonntags ß'/z Uhr, KlftfCP- Wochentags 30 Pf, ulUlu. Sonntags 40 P|. Dorzugsbillets haben Giltigkeit, ? Olympia-Tbeater? Karlstr.(Clrcus Renz) Karlstr.— Täglich 8 Uhr abends: Mene Tekel Berliner Ansstattttngsstück Morgen: Dieselbe Vorstellung, Zircus Renz-fliesen Tunnel. Direktion: J. M.»litt. Täglich:'obbcb Konscrt der Hauslapcllc unter Leitung des Musikdirektors Herrn Otto Oörnei und Extra Spezialitäten-Vorstellung tinler Regle des beliebten Humoristen Gustav Klnch. Das neue gr ostartige November- Programm. Ans Wochent, Ii1/. Uhr, Sonnt, 5 Uhr Entree Wochen:, 10 Ps,, Sonnt, 30 Pf, keen-Palast- l'hvaien vurgstr. 22. Burgstr. 22. Grober Erfolg! Grober Beifall! Athletik Professor Theseus. Carl Jörxcnscn. der beste inimifchc Darsteller. Sensationell! IdiBniaroii vom lüngllng bis Prlodrlchsruh, loska's lebend Bilder-Gallerie, Clrcus P tischet u. s. w. Nur noch kurze Zeit die erfolg. reiche Gesangsposse Nostil m Nsrdtil. Anfang 7V,, Sonntags 6 Uhr. 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Male Offenbach's Operette Insel Tulipata». Bereins.Billets mit erheblicher Preisermäbigung er- halteu Vereinsvorstände im Bureau, V olbs- Vbeater im Velt-keLtnnrant Dresden er-Strasje 97. Dir.: A liollg. Art, Leiter: A Runge Täglich: Gr. Theater, und Spezialitäten- Vorstellung. Heu! Sixnora Haccaronl Neu! Original-Posse mit Gesang, Urkomisch! Urkomisch! Urkomisch! Sensationell! Dtajestät kommt k Ans: Wochent, 8 Uhr, Sonnt, 0 Uhr Bons haben Giltigkeit. Mähr's Theater Oranienstr. 24. Täglich-WZ Spezialitäten-«nd Theater- Porstellmig. rn v r Z Burleske mit Gesang und Tanz, Drothera Alexander. Hulda LueaS. Grete Gastani zc. Anfang an den Wochentagen 8 Uhr Sonntags S Uhr, BonS haben Wochentags Giltigkeit, A Reichshallen. Mtililer Siiilger (Mehscl. Pietro. Britton, Steidl. Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schlnb. neu: Pepita vor Gericht. Neuestes Ensemble von Meysel. Anfang 8 tthr. Entree 50 Pf, Vorverk, 40 Pf, Num, Balkon 75 Pf, Balkon-Loge 4 M, Orchester-Loge 1.50 M, Fremden-Loge 2 M Tageskasse 11—1 Uhr Rcichshallen-Restaurant. Täglich Konzort. Entree frei W. Noack's Theater atrnnnenstr. 16. Heute Dienstag, den 29 November: In Sans und Draus. Originai-Posie mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Jacobsohn 11, Hahn Musik von Michaelis Vollung- Tanzkräitzcheit. Mittwoch: In Saus und BrauS. W5erlrßiiig-?si'h HnillerStiosse 178. Norddeutsche Sängrer Bleglet, Woff, Hohenberg etc. Entree 20 Ps„ VorzugSbillets 15 Ps Achtung! Uerewe. Die Sonntage der Winter- Saison sind an Vereine zu ver- geben, Frit» Nagel. Feldschlöstche»". Müllcrstr. 142 Ps). 8t«t 50 Ps,, 4 H. Albrecht's Ei 1 Bttckerei Wrangelstr S. Krautstr IS. Falckenstcinstr. 28. Lausiperstr. 2. Beim Monatswechsel empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: Berlin vierter �nklkrelB O.: Robert SB en gel 8, Fruchtstrabe 30, Hof II,— SQ.: Fritz Thiel, Skalitzerstr, 35 V, pari,— tSceliBter �VaklkrelB(BoaMt): Karl Anders, Salzwedeler- strabe 8, pari, im Laden,— Weddlngr und Oranienburger Vorstadt; Emil Stolzenburg, Wiesenstrabe 14,— Oesnnd- brnnnen; Wilhelm G a b»i a n n, Grünthalerstr,(54/65,— Bosen thaler Vorstadt und Schönhauser Vorstadt: Karl M a rS, Kastanien-Allee 95/36.— Charlottenbnrg: Gustav Scharnberg, Schillerstr, 94. v, 1 Treppe,— Dentsch-vyilmers- dorf: Frau ff üb(er, Sigmaringenstr, 34, und Frau Heine mann, Siginaringenstr, 35,(Hier ist auch die„Brandenburgische Volks-Zeiwng" zu erhalten,)— Blzdiarr: O st e r ui a n n, Erkstrabe 6,— lüichttnc- berg: Wilhelm B ä u m l e r, Belzigerstr, 59,, Seitenflügel pari,— dohannlsthal-Xleder- und Ober-Schöneweide; Otto John, Ober-Schöneweide, Siemensstrabe 7, Zigarrengcschäft. Annahme- stellen: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäft, Johannis- thal: Sen st leben, Restaurateur,— Vrledenan-Steglltz: H. Bernsee, Kirchstrabe 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H, Mohr, Düppelstrabe 8, und Fr, S ch e l l h a s e, Ahorn- straße 15a,— Bannischulensveg: Gockel, Baumschulstr, 32 B. III. Auberdem ist säuuntliche Parteiliteratur, sowie alle wisscnlchastlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts» entgegen genoinmcn. Um AvttttNv Allgobe der Adresse wird dvingvnfcMjebeteu. Bitte ansschneiden! Karol Weil's Seifenexirakt ist hunderte Male nacligeabmt, aber nie erreicht worden; achtet deshalb beim Einkauf darauf, dass Ihr graue Paokete mit Schutzmarke Waschfass erhallet. Möbel und Polsterwaaren.®rÄee«r Arbeit, äuberst billige M Preise, empsiehlt Rcichenbergerstr. 5. Auch Theilzahlung!(* Fordern Sie nur den vorzüglich schmeckenden prelsgklttiintkn diiniHeil Dantkiiak auS der größten Tabaksfabrik Dänemarks O. IV. 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Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dab unser lieber Vater, der Schraubendreher s2461d August Dergeman« Sonntag früh 2'/2 verstarben ist, Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30, November, vom Trauerhause, Langestr, 93/34, aus nach Wilhelms- berg statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Sozialdemokratisclier Walilverein f. den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. (Osten.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dab unser bewährter Parteigenosse, der Metallarbeiter 243/13 Au!I»z1 Bergemann an der Proletarierlrankhett am Sonn- tag, den 27, November, verstorben ist, Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30, d, M., nachm, 3 Uhr, vom Trauerhause, Langestr. 93/94, aus nach Wilhelmsberg statt, Um rege Bstheilignng ersnckit Der Verstand. Deutscher Metlilllirbtitcr-Berbdiih. (Verwaltungsstelle Berlin,) Todes-Slnzeige. Am Sonntag, den 27, November, früh L'/z Uhr, starb nach langem Leiden unser laugjähriges Mitglied, der Schraubendreher 114/6 August Bergemaim an der Schwindsucht, Bhre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause, Langestr, 93/94, aus nach dem Be- gräbnibplatz in WilhelmSberg statt. Tie Ortsverwaltung. zeiltral-Krankeil u. Ztki'be- '* her Tischler und anderer gewerbl. Arbeiter. Filiale Berlin D. Moabit. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass das Mitglied Znedrich Wiudhorst am 26, November gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29,, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Bredowstr, 7, auS nach dem Heilands-Kirchhof statt, Um rege Betheiligung ersucht 182/16 Die Verwaltung. Todes-Anzeiae. Den Mitgliedern deS FachveretnS d, Musikinstrumenten-Arbeiter Berlin? und Umgegend zur Nachricht, dass unser Mitglied 143/10 Herrmann Foth am 27. d, M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mtttwoch, den 30, d, M,, nachm. 3 Uhr, von de» Leichenhalle des Heiligenkreuz- Kirch- Hofes in Mariendors ans statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der 2tand. Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 27, d M,, ver« schied unser Sangesbruder 143/11 Herrmann Foth. Beerdigung siehe oben, Um reg« Betheiligung ersucht ver Vorstauä des Gesangv.„Sängerkreis" d. Musikinstrumenteii-Arb. Kranzbinderei n. Blumen- handlang von 6150S* Robert Meyer, Xo. L Marlaunenstr. Xo. L. Widmungs-Kränze, Guirlanden, Ball- stränhchen, BonquelS ze, werden sehr geschmackvoll und preiSwerih geliefert steriedlljeber Vei'kaul! In der Sebastian Groebel'sche» ff onturssache versteigere ich am Freitag, den 2, Dezember er,, 10 Uhr, im Restaurant L e t t m a n n, Brnnnen- strahe ll pt: 25 Ballen unversteuerte auf dem Packhofe lagernde Tabake, als Java. Sumatra. Carmen. Felix Brasil. Pfälzer. 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Verantwortlicher Redakteur: August Jaeobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.