klnzelprels 70 Keller. Postscheckamt: 57644. Samstag, 5. Oktober 1828. Nr. 288. 8- Jahrgang, Erschetm mu Aurmchmi M Montag tttgltch irüg. iv.- 48.- 00.- isr.- lelephone: Sage« rebattloi: 28795, 31469. Xo4trebattion: 2070t. Kmitralorlllm der Deutschen sorialdemolratischen Arbeiterpartei in der Mechoslowatischen Aepublik. Rückstellung von Manu- Ifrlpten«folgt nur bei Lin fmbung der Reto urm art
« zu einen« Fest getroffen. Das„Jornal do Commerzio" hatte seine»« Leser»« bereits mitgeteilt, daß ihm der König vo»« Portugal gnädigst den Titel eines Baron de Freixal verliehen hatte, und da seine Freunde sich für den komn»e»«do»l Sonntag bei ihn« angcmeldet hatten,»«m Ihn« zu gratulieren, beschloß der neugebackene Aristokrat, sie würdig zu empfangen. In der Siedlung wirkte diese Nachricht sensationell und viele Augen waren auf Miranda- Fenster gerichtet. Jzanra»»nd Leonor erschiene»» regelmäßig,»«in Decken>«nd Teppiche anSznschüt- teln, hielte»« sie jedoch iveit von sich gestreckt und schlossen die Augen, um sich vor der Staubwolke, die bei jedem Schüttel»« oder Schlag aufstieg, zu schützen. Es wurden noch Anohllfodienstboten für das große Ereignis engagiert. Die Parkettböden wurden von. ejn paar Negerjunge»« eingewachst, und in der Küche herrschte ein wahres Tohu- wabo.hu. Dona Estella, in einen« Mvrgenge»va»»d ans Batist, das mit rosa Schleifchen reich verziert»var, eilte hi» und her, erteilte Befehle und fächelte sich, und wen» sie in die Küche kgm oder die nasse Hintertreppe benutzte, hob sie ihre Schleppe geflissentlich hoch. Auch Zlilnlira kam und ging und sah blaß »«nd blutlos aus wie iinmer, und.tzo>lriq«le hals dem alten Botelha beim Uinstellei» der Möbel und andere»» Vorbereitungen für die erwartete Massenversainmlung. Er trug einen weißen Rock und fand immer wieder einen Vorwand, sich einen Augenblick ans Fenster zu stellen, um mit Poinbinha zu kokettiere»», die vor ihrer Tür saß, nähte nnd tat, als merkte sie seine Blicke nicht. Eie l>atte ei>» Bei» überS andere geschlagen und zeigte eine gerundete Wade in blauseidenem Strumpf und einen ausgeschnittenen Schuh und nur ganz selten hob sie die Angen zum Nachbarhaus empor. Eine Gestalt eilte von der Straße i»»S Haus hinein. Es war der neue Baron in Nock»»red Zylinder. 8r rannte hierhin und dorthin und inspizierte die verschiedenen Tätigkeiten seiner Angestellten. Dilrch» Speisezimmer stapfend, visitierte er die Speisekammer»»nd fragte atemlos, ob dies und jenes geschickt worden sei, kostete die Weine, die in Korbflaschen angekoinmen waren, erteilt« Befehle, zog sie wieder zurück, brüllte die Dienstboten an, stürzte wieder aus dem Haus und warf sich in den bereitstehenden Wagen, »m» davonzurasen und sich z»i überzeuge»», ob das bestellte Feuerwerk auch rechtzeitig fertig sei»» ivcrde. Daun kam eine Prozession von Männern mit Champagnerkisten nnd Kiste»«»nit Port- und Bordeauxweinen, mit Bierfässern, unzähligen Körben voll Lebensmittel nnd ebenso viele»« Konservenbüchse». Truthähne ,«nd junge Ferkel, ein Viertel Kalb m«d Hu»«der»e voi« Eiern landeten i>« MirqndaS Haus, uud jedes Fensterbrett war mit Pfanne»» n»«d Töpfen voll Kompott, P»«d- dingS und Gebäck gefüllt, die man zilm Abküh. len an die Luft gestellt hatte. Aber die Hausbewohner könnte»» ihr Interesse nicht ungeteilt diese»» Borbeveitnnge» widmen, denn in der Nähe gingen wichtigere Dinge vor. DomingoS»var»vährend der Nacht ver- schwltnden u»«d ein neuer junger Mann stand jetzt hinter Romaos Ladentisch. Als der ehrenwerte Wirt über den Vorfall befragt wurde, runzelte er die Stirn uud meinte:„Was habe ich den»« überhaupt damit z>» tun? Er ist fort, ich weih nicht,»vohin. Glaubt ihr etwa, ich»verdc hinter ,hm herjagen und ihn am Schlafittchen zurückschleppen?" „Aber Sie haben doch gesagt. Sie bürgen für ibn," erinnerte ihn die alte Mareianna, die in diese»» vierundjlvanzig Stunden um zehn Jahre gealtert schien. „Aber der Hallunke ist mir doch auSgerlickt. Was kann ich da tun? Ihr rnüßt Geduld haben." „Ja, dann werde ich mich wohl nrit dem Geld zufrieden gebe»» müssen." „Mit Geld— mit was für Geld, bist du betrunken?" „Mit-dem Geld, das Sie verspräche»» haben, Sie Geier. Einer taugt ebensowenig wie der andere. Aber ich»verds euch schon zeigen." „Mach jetzt»nal, daß du fortkommst und laß mich endlich in Ruhe." Und Joao Romao drehte ihr den Rücken z>« und sprach mit Bertoleza, die hinzngekom- men war. „Wart n»»r, d>» Schuft," schrie die Mte und hob drohend die Hand,„Gott wird mich und meine Tochter rächen," Aber der Hauswirt blieb gegen ihre Dro« Hungen gleichgültig u»»d ging davor». Die andere» Weiber wäre»»licht ineyr so arlfgeregt wie an« Tag zuvor. Die Sache»var bereits von gestern und hatte daher de»» Reiz der Neuheit verloren. Mareianna ging mit ihrer Tochter.auf die Polizei, kehrte aber entmutigt zurück. Ntän hatte ihr gesagt, daß nichts zu tun sei, ehe»»»an den Schltldlgen nicht gefaßt hätte. Die-beide»» ivare» den ganzen Tag auf de»» Beinen, liefen zu verWas hat die Koalition die Arbeiter gekostet? Nur beim Zttdter! Die erste Tat der Bürgerblockregieruna war die Erhöhung, der Zuckersteuer. Wenn eine Arbeiterin ein Kilogramm Zucker kauft/muß, fie.an Zuckersteuer 1.84 K und SB h Umsatzsteuer; zusammen also 8.09 K an indirekter Steuer bezahlen. Nehmen wir an, daß«ine Arbeiterfamilie 2 Kilogramm Zucker wöchentlich verbraucht, macht die Steuer 4.18 K wöchentlich oder■ . 217.86 K jährlich au». In d«u vier Jahren Bürgerkoalition hat als»«tue Arbeiterfamilie em Znckerstenrr alleM 869.44 K entrichtet! Um diesen Betrag wurde das Einkommen der Arbeiterfamilie nur durch eine einzige indirekte Steuer gekürzt. Nimmt man noch die anderen indirekten Steuern, vor allem die Umsatzsteuer sowie die Zölle hinzu, dann erkennt man erst, welchen erfolgreichen Fischzug die Bür. gerparteicn da unternommen haben. Dinm» weg mit jene», welch« das arbeitend« Volk durch Konsumsteuern aussaugen! l i ch s o z i a l e n, so weit sie Macht haben, die Hausbesitzerinteressen im Payment wie in der Gemeinde wahrnehmen und beschleunigen, könnte e« kein Abgeordneter einer neuen Hausbesitzerpartei. Diese»väre, meint das christlichsoziale Blatt, geradez«» „unfähig, di« Interest«» d«S Hausbesitzers wirklich I« vertret«," »vährend d»e Christlichsozialen ihre Fähigkeit dazu tausendmal glänzend bewiesen! „ES ist nur recht und billig," heißt r< weiter, ,,»v«nn di« Hausbesitzer auf ein« möglichst energische Vertretung ihrer Interessen in d^r großen politischen Partei(IicB: in der christlichsozialen Partei dringen," weshalb nach unserer Meinung jeder Mieter«in Ochs« ist, der die christlichso- zial« Partei wählt. Köstlich ist, daß die„Deutsche Presse" die Hausbesitzer von einer eigenen Parteigründung auch mit folgendem Argument abzuhalte»» versucht:. Jede Stimm«, die einer solchen Partei gegeben wird... kommt wahrscheinlich nur /der Sozialdemokratie, dem erklärten Feind de» HauSbesitzeS zu." Wer da« Wahlrecht kennt, weiß, daß bit Stimmen einer nicht d»»rchqedrungenen Partei den Parteien Unfällen, die für das dritte Skrnti- ninm den größten Stimmrest-ersibrigen. Da» können ebcNsoguj die tschechischen Agrarier wie- die deutschen Christlichsoiialen oder die Sozial-/ demokräten' sein/ Hker lieät also plumper Wahlschwindel vor! Aber selbst vor einem solche»» schrecken die Christlichsozialen nicht' zu» rück, die die Hosen so voll haben, daß sie sich an di« paar tausend HanSbesitzerstimmen klammern. Damit haben»Ich d*e Chrlstlfch- gotWen vDI’lg und e*n fflr allemal al« dnan den KoalitionSkadaver zu galvanisieren und die Bevölkerung von dem politischen und wirtschaftlichen Elend abzulenken hoffte. Selbstverständlich gilt in diesem Lande das Recht auf die Feier von Jubiläen nur für die Patentpatriotcn und Nationalisten. Als unsere Partei vor Monatsftist das Jubiläum ihres zehnjährige» Bestandes feierte und die Mitglied- schaft auü alle» Teilen des Landes zusammenströmte, um ihre Treue zur Partei, ihre Hingebung an die Sache der Arbeiterklasse, ihre Be- geisternng für den SozialisniuS aller Welt zu manifestieren und unserer Partei diesen Anlaß benützte, den in Karlsbad vcrsamnicltcn 60.000 Proletariern einiges von den große» GeisteS- unb Kulturschätzcn deS deutschen Volkes, einiges von den Schönheiten der deutschen und tschechischen Musik zu vermitteln, da fielen die tschechischen und deutschen Nationalisten über uns her und. verunglimpften unsere Feierlichkeit und verhöhnten sic. Da regnete eS geradezu die gemeinsten Beschimpfungen, da setzte ein niedriges Hoch- vcrratSgeschrei ein, dessen man selbst im alten reaktionären Oesterreich nicht fähig gewesen wäre, da erzählte man, dah wir die Karlsbader Illumination geflissentlich auf den 18. August, den Geburtstag des Kaiser Franz Josef angesetzt nnd dadurch diese alte österreichische patriotische Tradition wieder zu Ehre« gebracht haben, da wurden wir wegen Richtanbringung einer uns besehlsgemäh ausdiktierte» Flagge auf das niedrigste angegriffen, da wurde uns tust vor de« nationaldemokratifchen„Rarod", dem Organ einer Partei, die gegen die Wiederwahl des Prästdenten Himmel und Hölle in Bewegung fetzte, vorgeworfen, dah wir an den Prästdenten kein Begrü» hungStelegramm geschickt hatten, obwohl sie gegen und wir für de» Prästdenten votiert hatten, da wurde gegen einzelne unserer Genosse« der fanatisierte Hetz-, Lügen-, Fälschung»« und Verdrehungsapparat in Bewegung gesetzt. All dies, weil wir eS gewagt haben, das zehnjährige Jubiläum des Bestandes unserer Partei auf diesem Boden zu feiern. Die anderen drüben, kommen aus dem Festlichkeiten überhaupt nicht heraus. In keinem anderen Landr gibt eS so viele Jubiläen und Festtvitäten, so viele MilleyiumS- und Zentenarfeiern, so viele Heiligen- und Gedenkkundgebungen, so viele re- publikanischc Manifestationen für monarchistische Autokraten wie König Fuad, König Boris, notabene die Schönheitskönigin Miß Universum, recte Goldarbeiter! Bald ist eS der hellige Nepomuk, bald der heilige Wenzel, bald Zborov, bald die Dreikönigsdeklaration, bald die Prisaha, immer wird geflaggt, immer wird aufmarschiert und ini- mer manifestiert. Bei den Proletariern werden die Kinder aus dem Maifestzügen herauSgeholt, bei«nS die Organisatoren von Kinderfestzügen mit Strafen belegt, bei den Orcl- und Wenzelsfeierlichkeiten dagegen dürfen di« Kinder zu Tausenden Parade stehen nnd Staffage machen und vor den Augen der höchsten Staatswürdenträger, so des Herrn Ministers des Innern, Aufzüge veranstalten, ja sie wtlrde» sogar auf den Hradschin geführt und dort öffentlich au§- gespeist. Genau so wie die tschechische Bourgeoisie sich jetzt mitten im wirtschaftlichen und politischen Elend den Feierlichkeiten und Festlichkeiten ergeht, so machte dies auch früher die deutsche Bourgeoisie, mit der Ferdinand Lassalle in seiner Abhandlung„Die Feste, die Presse" in sehr scharfer Weise zu Gericht ging. Als ob cs der tschechischen Bourgeoisie auf den Leib geschrieben wäre apostrophiert sie Lassalle in folgender Weise: „Während die Lage d«S Landes so ist, daß man in Sack und Asche gehen'sollte, feiern sie Feste wie sie etwa die Franzosen zu feiern Pflegten nach siegreichen Revolutionen, so feiern sie sie nach ihren Niederlagen. Um sich den realen Kampf zu ersparen, stimmen di« Geschlagenen hinter Wein«nd Braten, Siegshymnen an, ja es ist die Umkehr wie bei den römischen Saturnalien. Wie sich dort die Sklaven zu Tisch setzten und als Herren gebärdete», so setzen sich heutzutage die Besiegten zu Tisch und gebärden sich in pomphaftem und geschmacklosen Toasten als Sieger. Wie die römischen Sklaven schon durch die Saturnalien zeigten, daß sie sich durch die illusorisch« Freiheit eines Tages willig abfinden mit der Ella« vcrri eines ganzes Jahres, so zeigen auch unser« Fortschrittler, dnrch ihr« illusorischen Siegesfrste jedem tiefer Beobachtenden hinreichend, daß sie auf realen Kampf und Sieg verzichten." Zu permanentem Freudentaumel, zu ewigen Feierlichkeiten hat aber das tschechische Volk keinen Anlaß. Erinnern wir un»! Noch während des Dezem- ber-WahlkampfcS versuchten es die bürgerlichen Parteien, sich nicht nur auf dem politischen, sonder» auch auf wirtschaftlichem Gebiet als Sieger zu gebärden. Jubelnd schrieb die christlichsoziale„Deutsche Presse":„Die Wirtschaft gedeiht." Die„L a n d» post" schrieb am 11. September 1928, daß die Handelsbilanz aktiv, das Arbeitslosenproblem gelöst sei und die Tschechoslowakei den Konkurrenzkampf mit dem Ausland ausnehmen könne. Herr Abgeordneter W i n d i r s ch verwies auf die ungeheuren Dividenden und auf den Wertanstteg der Jndustriepapiere. Der landbüudlerische Klub» obmann B ö l l m a n n rief seinen beglückten land- bündlerischen Wählern zu, daß unsere StaatSpaPie« auf der New Dorker Börse auf pari stehen und daß der Eintritt der Deutschen in dir Regierung auf der ganzen Welt Eindruck gemacht habe und den Reigen der Glückseligen schloß dann die„Deutsche Presse" in ihrer Nummer vo>n 18. Dezember 1928 durch die Feststellung, daß die neue Regierung eine Regierung der Konsolidierung sei, daß die Wirtschaftskrise einem ungeahnten Aufschwünge Platz niache. wenn wir un» aber heut«, am Abschluss« btft dritten JahreS bei Wirksamkeit btS deutschtschechischen BiirgrrblockS di« wirtschaftlichen Verhältnisse d«S Landes näher besehen, so sindr» wir, daß sich di« wirtschaftlich« Situation seither — unter dem Bürgerregime, unter der Herrschaft der Herren-Koalition, also auch unter der Mitwirkung der deutschen vürgerparteien— wesentlich verschlechtert hat, daß von einem ,,Ae». drihen der Wirtschaft", von der„Wirtschaft auf gesunder Bass»", um mit den Worten der Land- bündler zu sprechen, auf weit» Flur nichts zu sehen ist. Wie schon an früherer Stelle gesagt wurde, leben >vir vielmehr in diesem Augenblick in einem «Stadium der besinnenden WirtfrtzaflSkrrfe i» einer Zeit der Passiven Handelsbilanz, die nach den wörtlichen Erklärungen des Jndustrirllensekre- tärS Dr. HodaS zu ernsten Befürchtungen Anlaß gibt. Wir wollen nicht so weit gehen, wie der Präsident der Prager Mustermesse Dr. B o h a L, der nach der Meldung deS„Pravo Lid»" in der Nummer 195 d. I. gesagt haben soll:„Noch einige solcher Passiven nnd mit der Republik ist cs aus." Soviel ist aber sicher, und wird auch selbst von de» „Narodni Listy", den« Blatte des Finanz- und Bank- kapitaleS, zugegeben, daß die Lage außerordentlich ernst sei. So erweist sich alles, was die deutschen Aktivisten zur Betörung der Massen in ihren seinerzeitigen Wahlaufrufen und Kundgebungen in die Welt Posaunt haben, als eitler Humbug und wir könne» mit Busch sagen: Nun wird eS ruch- und offenbar, Daß alles nur ein Schwindel war. In Wirklichkeit liegen die Dinge so: Während die Handelsbilanz in den ersten zehn Jahren mit einem Aktivnm von 19 Milliarden abschloß, haben di« ersten sieben Monate des heurigen Fahre» ein Passivum von 700 Millionen nnd gegenüber den» Vorjahre ein solche» von 1378 Millionen ergeben. Eine ganze Reihe von Industriezweige», GlaS-, Zucker-, Texttliiwustrie und vor allem die Baumwollindustrie, sind außerordentlich schlecht beschäftigt. Die Arbeitslosigkeit ist im Ansteigen. Die Teuerung greift immer mehr um sich, dies gilt ganz besonders von den Fleisch-, Vieh- und Fettpreisen, welche vielfach bis zu 20 Prozent in die Höhe gegangen sind. DaS Interessante dabei Ist, daß der Großhandelsindex sogar ein Sinken der Preise vermeldet, während die Preise aber in Wirklichkeit immer mehr anstcigen; eine Tatsache, die auch von den„Narodni Listy" ganz offen zugegeben wird. Diese Erscheinungen auf dem LebenSmittel- markt sind um so betrüblicher, als zur gleichen Zeit ein Sinken der Preise der agrarischen Produkte zu verzeichnen ist. Dabei nbnmt der Gtenerdnuk immer mehr zu. Die direkten und indircttcn Steuern betrugen noch im Jahre 1927 774, i»l Jahre 1928 aber schon 817, im Jahre 1929: 879 LL auf den Kopf. Seit der Vorkriegszeit habeil sich die Steuerziffern um das 14fache vervielfältigt, wäh- »end sich die Lebenshaltung nm das lüfache verteuerte nnd die Löhne nur um daS tifache angestiegen sind. Dadurch wurde eine Verschlechterung der S
*1*4. «ahme» des tschechoslowakische« Staate» führt unserer Ehrlstlichsozialen zu spreche« übrigen Staaten Europa- heute noch ungelöste Pro autonomen der allerwurde". offenkundige Verletzung de- Minderheitsschutzver- trage- dar. Wir erklären daher feierlich, daß wir keine- dieser Gesetze al- für»n» verbindlich anerkennen. Für un- Deutsche, die wir an keiner Abmachung über die Errichtung de- Staate- Anteil hatten, find seine Staat-- und Regierungsformen, fein Verhällnis zu un- und der Nationen zueinander, die staat-grundgesetzlichen Rechte und Frei- und wie es seither vom Vock gestiegen ist. Nicht- ist von all diesen großen Worten übriggeblieben, al«— um die Marienbader Rede de- Minister« Mahr-Harting vom SS. September zu zitieren— daß der Eintritt der Deutschen die allnatjonal« Koalition zerbrochen, dem Grundsatz der Gleichen zu Gleiche» zur Anerkennung verhalfen— hier kommt der Pferdefuß— der sozialistischen Vorherrschaft ein End« gemacht wurde. Für einen Regie- rungSblock, der nicht« anderer ist und sein will und bekannt, daß di« Deutschen, wenn sie Dienst tun, auch ehrlich dienen, ohne Murren und ohne Widerspruch. Damit hat niemand treffender Anhalt und Bedeutung der deutschen aktivistischen Regierungsteilnahme charakterisiert, niemand aber auch drastischer die ganz« Sinnlosigkeit einer solchen Regie- rung-teilnahme enthüllt, als dies Herr Präsident - die-Wirtschaft o-d-iht". tulturelleck Selbst» erwaltuna im ten, in einer ganzen Reih« von parlamentarisch, Anträgen, wie besonder« in dem Antrag« unser verstorbenen Freunde« Hillebrand, in den in- unserer Fraktion überreichten Ausgleichsanträge in einer ganzen Reihe von un» ouSgegebt!^ Broschüren, in hunderten und aber hunderte, Presteabhandlnngen de« W«a der zur LSs««a de» Problem» der nationale« und die Agrarier und die Industriellen miteinstimmen I — kein Gehör schenkten und nicht verstehen wollten, daß «»er durch Stärkung des inneren Marktes, durch Schaffung steigender Berbranchsmiiglichkeiten für die ganze Bevölkerung, durch wirtschaftliche Bef» ferstellung aller arbeitende« Schichten, der geistig wie der physisch arbeitenden Menschen, der Angestellten, Arbeiter, der aktiven und pensionierte« Bedien« fteten, der Kriegsbeschädigten, Alters» rentner eine wirkliche Gesundung des Wirtschaftslebens dieses Landes her» beigeführt werden kann. Ast e« nicht traurig, daß die tschechoslowakischen Machthaber nicht begreifen, daß hiezu ein wohldurchdachter WirlschaftSplan erforderlich ist, denn I wörtlich: DI« Klerikalei« mack)«» nach all der Volks- feindlichen, arbeiterfeindlichen, reaktionäre» Po litik des Bürgcrblocks jetzt int Augenblick des WahlkamvfeS eine weiter^ Schwenkung nach rechts: sie werden noch rückschrittli cher und arbeiterfeindlicher! Wir tafelt schon darüber berichtet, daß so wohl die lschcchisck-en als auch die deutschen Kle rikale» die Verklerikasisierung der Schule nach den Wahlen angekiindigt tafelt. Run wollen sie auch den Einfluß, den di« christlichen Gewerkschaften innerhalb der kle rikalen Partei bisher gehabt haben, beseiti gen, um unbeschwert r«tn bürgerlich« Klas senpolitik treiben zu können. Diese Msicht kommt darin zum Ausdruck, daß man im Ostrauer Wahlkreis den bisherigen Abgeordneten 6 u k i k. de» Führer der christlichen Gewerkschaften, abgesagt hat. Man hat ihn statt tvie bisher an erster Stelle nunmehr an dritter Stelle aufgestellt. AngestcktS dieser Zurücksetzung, zu der die Parteilcittntg der Klerikalen ihre Zn- stimmung gegeben hat, hat 6 u k l k auf die Kandidatur verzichtet. Die christlichen Gewerkschaften Hafen nun für Sonntag eine Konferenz einbentfen, welche auf die BrüSkie- Richtung. De„Deutsche Landpost" schrieb damals wörtlich: „Die Politik, die wir verfolgen, das sei vorne weg bemerkt, Ist auf«ine ziemlich kurze Formel zu bringen. Sie bezweckt nicht mehr und nicht minder al« die Unterlage für«inen nationalen Frieden, die Vorbedingung für rin gedeihliche« wirtschaftlicher Arbeilen im Staate zu schaffen." Noch im Dezember 1928 sagte Minister Spina vom Gesichtspunkte der Demokratie und ungehinderter nationaler Freiheit gelöst werden können. Wir verwerfen daher die Fabel vom rein tschechi schen Staat, von der tschechoflowakischen Nation und der tfchrchostowaklschen Sprache als mit.den Tat sachen handgreiflich in Widerspruch stehend. Wir werden niemals aufhören, die Selbstbestimmung unsere- Volke« zu fordern. E- mußte wieder einmal an alle«-a- erinnert _ werden, um zu zeigen, wie da- deutsche Bürgertum Verhalten'der deutschen Minister, wclche'Hcht'müde| anno dazumal hoch^u Roß^zum Kampfe auszog werden, immer. und immer wieder zu erklären und^“"“ « V,\~ m.zu„beweisen", daß ein„Au-gleich", eine vertrag-- Basi« diese» Staate». Durch Beseitigung des Spra-1 mäßige„Verständigung" aussichtslos sei und daß die zurückliegenden 50 Aahre dies bewiesen hätten. Daß die» falsch ist, kann vor allem an dem flowaki- schen Exempel erwiesen werden. ES genügt aber auch ein bloßer Hinweis auf den sogenannten „Mährischen Pakt", welcher einen kompletten Ausgleich zwischen dem tschechischen und deutschen Volk in Mähten darstellte,«inen Bestand von mehr als zu tun, die durch die liugelösthcit der kardinalen Probleme des Landes mit verschuldet ist. Wie es nm das slowakische Problem bestellt ist, das hat der Tula-Prozeß— im Ganzen und in allen Eiiizelheiten— aller Welt erschlossen. Wie nach der slowakischen Seite, so glauben die jetzigen Machthaber da» Unzähligemale haben wir die» den Agrariern I fuhren. Drei Jahre^stnd Jfclt dieser Programm auSeinandergesetzt, sie unzähligemale'***““**“*"““ aus den Weg de» Gelreidemonopole- verwiesen. Al- Antwort darauf wurden wir al» Feinde der Bauern bezeichnet und nun wird selbst von agrari scher Seite die Einführung de- Gctreidemoiiopolcs allen Ernste- diskutiert. Ist e» für die Politik die ses Staate- und die Unbelehrbarkeit seiner Macht haber nicht geradezu charakteristisch, daß sie trotz der schwierigen Lage unseres Landes die im Jahre 1928 in Genf vereinbarte Konvention über die Auflassung von Ein» und Ausfuhrverboten al» einzige» Land — neben Polen— sabotierten, daß sie den War nungsruf de» gewesenen Finanzministers Dr. Eng- lii gegen die Verschärfung de» Protektionismus un gehört verhallen ließen, daß sie der Forderung derfdigt.......„,.,.,.„ Arbeiterschaft nach Maßnahmen zur Besserung de- de- Staate» ist da- deutsche Problem tatsächlich be- wiederholt werden. Wa» wir aber feststrllcn müsse», I einschließlich der oktroyierten Verfassung stellt eine inneren Markte»— in welchen Ruf plötzlich auch l"it» gelöst. Ans dem Kongreß der tschechischen I jsi, paß selbst ernste tschechische Politiker, denen man' *-«-—-*-—— I Agrarier erklärte nämlich der jetzige MinisterprSsi- sicherlich StaatSPatriottSmu» nicht absprechen oder dent Udrial, daß di« Regierung viele wichtige>^r übermäßige Lieb« zum deutschen Volk zubilligen und große Werke vollbracht habe, darunter vor kann, den Wert der deutschen aktivistischen Politik allem, daß e« gelungen sei sozusagen über Nacht ganz gering einschätzen und sie al« positiven Faktor einen Modus vivendi mit den Deutschen zu finden, int Sinne der Konsolidierung de» tschechoflowaki- obwohl rS Jahrzehnte lang nicht möglich war, zu ich,,, Staat» ablehnen. einem Ausgleich zu kommen. Also ist der„AuS-1 Der tschechische Nationalsozialist JiSe setzte........., gleich" bereit- fertig— da» scheint die Ausfasiung kürzlich in einem Leitartikel de-„ürskä Slovo" vom s Helten seiner Bewohner und seine Stellung zu de» de» Ministerpräsidenten Udrial zu sein, der schon j. September 1929 auseinander:“■ „daß die Mitarbeit der Deutschen in der Regie-,blenü^ntw wir fordern, daß^sie einzig"und allein rung keine Lösung der deutsch-tschechischen Frage“"*'"*“*"““ k bedeutet, so lange diese Frage.nicht auch im Innern de» Staat«- im Verhältnis der Deutschen und Tschechen in der staatlichen uich Verwaltung geklärt sein wird. Wir fürchten— sagt Jiite, „daß in dieser Richtung auch nicht kleinste Schritt nach vorwärts getan So denken tschechische Politiker über da- deut sche Problem. Wie armselig ist demgegenüber da- Völkerfamilie die Existenz und freie nationale Ent wicklung verbürgt werden, nicht durch den toten DM. MDD Buchstaben fe- Gesetze», sondern durch die Art und I öin«^''Jahr^nt"hatt«''und Vch'dur"ch' den^Krieg! siin" kann, att«sn Exponent'der in' Wirklichkeit Weise der Verwaltung." sig« den.Haufen geworfen wurde und in welchem I regierenden Agrar-, Industrie. und Finanzkapital-, Da-ist schon etwas anderes. Was fragen wir, die nationalen und kulturellen Rechte der beiden Itw die» der eigentliche Kernpunkt, die eigentlich« ist von diesen Idealen UdrLals verwirklicht, daß er I Völker genau umschrieben und abgegrrnzt und durch! Grundidee der Regierung-wei-heit. Da« ist auch von einer Gleichberechtigung, noch dazu von einer I Schaffung eine« nationalen Kataster« und der I v" einzige Punkt, in dem der deutsch-tschechische idealen Gleichberechtigung beider Völker sprechen Kurial-BetoS gesichert wurde, ohne daß dadurch da» Bürgerblock nicht versagt hat. In dem kann. Nichts! Gemessen daran, was die Tschechen! Land Mähren au» den Fugen geraten, der Staat im alten Oesterreich nach sprachlicher und kultureller atomisiert worden wäre. Auch unsere Partei hat Richtung in Böhmen besaßen, rein nichts. Das sowohl in dem Brünner Programm, al« auch in hinderte allerdings- den Herrn Vizepräsidenten I einer ganzen Reihe von Partrikundgebunge« sowohl Z i e r h u i nicht, in einer Rede festzustellen, daß I während unserer Zugehörigkeit zur österreichischen beutfdie ffitoblcn stit Udräal an der Spitze der Regierung steht, Gesamtpartei, als auch während des Bestände» w TT„.„ nach verhältnismäßig kurzer Zeit ein- Erleichterung unserer selbständige» Partei, ganz besonder« aber dadurch gelöst zu haben, daß sie je zwei deutsche auch nach nationaler Richtung feststellen läßt. Als in unserem Teplitzer Programm, in wei- Dignitare auf Ministerstühlen plpeierten. Aber I die deutschen Aktivisten seinerzeit in die Regierung I terer Folge in einer ganzen Reihe von Politischen man vergaß ganz, daß auch die Tschechen sich im gingen, hatten sie andere Aspirationen in nationaler I und parlamentarischen Kundgebungen und Opera- vor einem Jahre in einer Versammlung in Nassa-1 berg am 24. September 1928 sagte, daß sich dir! Deutschen in diesem Lande„einer geradezu idealen! Gleichberechtigung erfreuen". Es hat Zeiten gegeben, da Herr Minister Udrkal über seine gerechte Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen ander- dachte. In einem im Jahre 1918 in der Zeitschrift „Neue» Oesterreich" erschienenen Artikel sagt er ....'„Kein neue» Reich,«in Oesterreich, da mit Recht erllärle EngliS, daß der Wirtschaflsplan I zu jeder Zeit für alle seine Völker«in wirklicher in der Zukunft da» schwierigste Problem sei, dessen! Hort der Gerechtigkeit ist, da» ist da» erstrebenswerte Lösung mit politischen und wirtschaftlicheit Krisen Ideal aller wahren Oesterreicher. Wer di« natio- verbunden sein wird. Aber nicht ander- als in der I nale Gleichberechtigung^ verletzt, unterwühlt^ die Wirtschaft sieht e» in der Politik de- Lande- au-, p“”"''' Man möchte diese Krise gerne als eine gewöhn-1 chengesetzeS, diese- ewige» Zankapfels, des ewigen liche Parlaments« und Regierungskrise hlnstellen I Sprachstreites ist auch für die Friedenszeit der Weg und alle Schuld für die heutigen verfahrenen Per- j freigemacht, der jedes Mißtrauen und jede Gelegen- hältniffe dem Parlamentarismus aufpelzen. lpe»P gegen da» aeveßtendr DoH, I gegen die sozialdemokratische Partei, gegen den I Sozialismus, hat der deutsch-tschechische Block seinen i Mann gestellt. Auf diesem Gebiet hat er sich eint I ganze Reihe von Denkmälern gesetzt, die ihm den I Ruhm des reaktionärsten aller bisherigen Regle- s vnngSgebildr für immerwährende Zeiten sichern Verdienst- und EinkommenSverhältnIsie der Arbeiterschaft herbeigeführt, da ja jede Verteuerung der Lebenshaltung die Wirkung einer Lohnvcrkiirzung zeitigt. Zudem wolle mau noch bedenken, daß nach den Verlautbarungen der Zentralsozialvcrsichcrungs- anstalt nur 18.9 Prozent der Arbeiterschaft einen TageSlohn über 81.80, 8.5 Prozent zivischen 81 bi» 34.51 und nur 9.48 Prozent Löhne über 31.51 beziehen, daß also nur 10 Prozent der Arbeiter mehr al» da- Sleucrcxistcnzniiuiinuiii per 193 X pro Woche verdienen. Wenn man bedenkt, daß die Textilarbeiter durchschnittlich 180 1 littrch^nser- p-ln,kq-n durch unser« wallonischen und slami» ' scheu Genosse« Belgien-, durch unsere deutsche««ud slowenischen Genossen ESrntenS, durch unsere deutschen und dänischen Genosse« Deutschland-, durch unsere deutschen und polnische« Geuofseü PreuszenS, in«in« gchalttn'en'pöliftschm Red'.""d°b erst« I sv^'e Wbttch auch durch'Mstre deutschen und Mission der tschcchisch-deutschen Bjtrgerngierung£*$4« Genossen Oesterrttch» erweisen. Unser« sei, alle» für einen Ausgleich vorzubereiten. Nicht» preußischen, karntnerischen, Wiener und belgischen ist geschehen,°I« daß den tschechischen Beherrschern hoffen haben, wa» ff«. in fezug auf da» Zu- diese« Staate» die Möglichkeit gegeben wird, sich s-mmenleben-der Minderh-itSvölkerProgrammatich der Regierung-trilnahm- der nationalen Minder- verarbeitet haben, inzwischen auch bereits in die he,ten zu rühmen, wie die» jüngst erst die Herren T«»"mg-s-tzt.«ber da^u gehört nicht nur die Minister BiSkovskY u,w der Präsident Malyp.tr Ansicht fernötlge Miikder nöttge Mlle, taten von denen der erste in einer Rede vom 18.^™’’° t W ftt"2 bUtc’ September 1929 erzählte, daß die Bestrebungen, die“«•* von allen materiellen Zielen, deren Zurück- nationalen Minderheiten zu versöhnen, gerade in^?vng ü^nüfer dem großen Kulturproblem«in der letzten Zeit aus internationalem Forum Anrr-i^ag der Selbstverständlichkeit ist. kennung gefunden haben, während Herr Präsident! Hier aber beginnt dle groß« Schuld der deutschen Malhpetr in Laun erzählt, in der Regierung sitzen! akttvistischen Parteien, heißt Dienst an der Oeflentlichkeit tun uNd e» ist s die— al- ihnen da« Plätzchen an der Sonne winkte “— sofort bereit waren, ihr« Erstgeburt um einen Topf Linsen zu verkaufen. Noch am 19. Dezember 1925 gaben sie durch den Minister Spina eine staatsrechtliche Erklärung ab, daß sie die Friedensverträge von Versailles, St. Germain und Triano» nicht anerkennen, den nationalen Aufbau des Staate» für die ihm rinverleibten Völker für unerträglich erklären, da» herrschende-System und seine Auswirkung rücksicht-lo» bekäinpfen und auch die staati- ..„_HMM..„, WM, rechtliche Erklärung vom 2. und 4. Juni 1920 in den zwei große» Völkern diese» Lande» auf» I nur dir sozialdemokratische, über diese Regierung«-1 voller Weise erneuern, deren Kernpunkt wir un» rung der katholischen Arbeiterorganisationen durch die klerikale Partei die Antwort geben soll. Aign kann nun auf de» Kainpf, der sich zwischen dem Arbeiter« Und fei» bürgerlich-reaktiomtren Flügel innerhalb der Klerikalen drei Wochen vor den Wahlen absplelen ivird, gespannt sein. Die klerikalen Parteien in der Tschechoflo- wakci waren seit jeher noch rückschrittlicher al» ctiva da» Zentrnnt in Deutschland. Sie haben ein« kapitalistische Steuerreform beschlossen, eine Zollpolitik im Interesse der besitzenden Klassen betrieben und die Sozialversicherung verschlechtert. Dies geschah alle», trotzdem sie in ihre» Reihen Gewerkschaftsvertreter hatten— war doch gerade öitHt Vorsitzender fes sozialpolitischen Ausschusses des Slbgeordnetenhause«. Lukkk wird aber ansgcschifst, weil er dem P. 8ram«k unbequem geworden Ist und weil.die Klerikalen ihr« bürgerliche Klassenpolitik nicht nur fortsetzen sondern noch verstärken wollen. Irder^Wä^ler^nö^sich^o^des^en^bewus^^ daß er, wenn er klerikal wählt, sich für«in« bür» Die Klerikalen schmeißen die Arbeiter hinaus! Bruch zwischen der tschechischen Volkspartei und den Christ* liehen Gewerkschaften? Die Hauptverantwortung für diesen wirtschaftlichen Verfall sowie für die wcitere Senkung de« Lebens niveaus der arbeitenden Klaflen, für die vollständige Verarmung der proletarischen Schichten tragen die.^„ Oesterreich nicht durch Ministerstühle au»! Ä^Ä^»" fe« Staate», die er durch^thre"ationa-^ih Konzept bringen ließen, wie man überhaupt listische Politik, d,e sie auch auf die BollSwUctschaft vergesien hat, was man sich als gute Lehre, übertragen tafelt, durch die vollständige Derken- i»g, den tschechoflowakischen Staat au« Oesterreich nung der wirklichen Notwendigkeiten dieses Staa- mit auf den Weg nehmen können. Denn noch te« al» eines ausgesprochenen Exportstaates, durch I schwieriger al» um das slowakische ist c» um daS eine geradezu verkchrt- HanfelrvcrtragSpolitik uiw I PrMem bestellt, welches der StaatSpräsi- ganz besonders durch ihre Absperrungspolitik die wiederholt als das brennendste und— wie er Wirtschaft dieses von der Natur so reich bedachten I j n c|)tct| c j ncr Botschaften einmal wörtlich sagte— Landes ventabcl zugrunde gerichtet haben. Durch I das einzige große Problem des Landes be- ihrc Zollpolitik glaubten sie die Begehrlichkeit der ,xtch,wtr « b Ä‘hn/S; Bisher waren die Tschechen immer' der Mei- d^lE^^^rise v" Augm daß sich ein- Lösung nach dem Svchlaschen IßUSchwier,gkeitti b-w-rkst-llig-n kaffe, einer Agrarkrise nicht zu bewahren vermögen. der Programmerklärung vom 14. Oktober Schwarz auf weiß kann man eS in der„Deutschen 11926 glaubte man daS ganze Problem durch die Landpost" vom-1. Oktober d. I. nachlesen, daß die Worte abtun zu können:„Heute können wir dank jetzig- schwierig- Lage der Landwirtschaft nicht als dem Siege de» GÄankenS der Demokratie in unft- Folge der innerpolitischen, sondern der weltwir«. rem Staate al« freie Bürger ohne srenide Sinfluffe schaftlichen Lage anzusehen ist._| direkte Verhandlungen offen als Gleiche zu Bleichest crklöning vergangen. Bon den sogenaiiiiten„direk ten Verhandlungen als Gleiche zu Gleichen" ist auf weiter Flur keine Rede. Nichts hat sich seither ge rührt! Abgesehen von einer vrosamenpolttik schäbigster Sorte, von den paar Sub ventionen uud Protektionen und son stigen Neinen materiellen Vorteilen ist, wie offen zugegeben wurde, nicht-, rein nicht- erreicht worden. Dagegen wurde der Gedanke der BSlkerverstän-1 Malypetr getan hat. Wie wir und" mit uns«in digung, der Gedanke^deS Friedensschlusses zwischen| Großteil der deutschen Bevölkerung, und zwar nicht schwerste kompromittiert nnd aus» schwerste grschä» i teilnahme denken, da» haben wir bereit» wiederholt I in Erinnerung bringen wollen. "'.^Nach der Meinung der jetzigen Machthaber gesagt und muß an dieser Stelle nicht erst nochmal» s„Die gesamte tschechofloivakische Gesetzgebung '‘",. heit zu gegenseitigen Angriffen beseitigt. In Oester. Sn Wirklichkeit Hafen wir ea heute'— ob man| reich muß den einzelnen Mitgliedern der ganzen e» zugeben will oder nicht— auch mit einer etootöfrife
4Wte B. Samßtag, 5. Oktober 1989. Huf Schritt und Tritt, im außenpolitisch««, innenpolitischen, volkswirtschaftlich««, sozialen Bereich, kann man den Spuren seiner erzrcaktlonären, volk»- seindlichen, antisozialistischen Wirksamkeit in Hüll« und Fülle begegnen. Sollen wir alle Einzelheiten aufzählrn? Wir können ei uns ersparen, da alles noch in frischer Erinnerung steht, da die Wunden, die uns dainternationale Bürgerregime geschlagen hat, noch weichin klaffen, da es doch im ganzen Lande keine Familie gibt, kein Heim, keinen arbeitenden Menschen, der nicht ein Stück des Leides, da- der Bürgerblock am Gewissen hat, abgekriegt hätte. Sollen wir aufzrigen, was der deutsche Regir- rungSaktiviimuS einst versprochen und war er eingelöst, waS er, als er noch in Opposition stand, uns alles an nationalem Verrat anzukreiden, uns fälsch- lich anzulasten versuchte, und was er dann in den RegierungSbänken, in knechtischer Unterwürfigkeit zehnfach überboten hat? Alles da» können wir unS ersparen und zweifeln nicht daran, daß alles dies den Regierungsdeutschen mit ZinS und Zinseszinsen hrimgezahlt werden wird. Denn di« Geschichte pst, wie Lassalle prächtig sagt, für.all« Irrtümer, für alle Ueder^ugungen Verzeihung, nur nicht für UeberzeugnngSlosigkeit. Doch nicht den Bürgerblock allein trifft für daß Ungemach, da» daß Bürgerregim« angerichtet, die volle Verantwortung vor der Geschichte, sondern ganz gleichermaßen auch je«, di« dieses fluchwürdige System ermöglicht, ihm durch Zerschlagung der proletarischen Reihen die Wege geebnet haben. Ri« und nimmer hätte sich in dem der Mehrheit nach proletarischen Lande ein so haßerfülltes Bürgerregime aufrichten können, wenn nicht die Geschlossenheit und Schlagkraft de« Proletariates aller Rationen dieser Landes durch Spaltung seiner Reihen, durch Unterwühlung der vertrauens in di« führend«« Funktionäre, durch Verwilderung des Kampfe», durch den Wahnwitz ihrer Kampfmechoden und Parolen, durch den impotenten Wortradikalismus gelähmt, der kapitalistischen Bourgeoisie aller Nationen dadurch«inen Generalpardon gewährt und ihr so wieder zur politischen Macht verhalfen hatten. ES bewahrheitet sich dar alte Wort: Wenn zwei sich streiten, freut sich ber Dritte, und der lachende Dritte war dabei daS Bürgertum, daS so der eigentliche Nutznießer der kommunistischen Herostratentums gewesen ist. Bei dieser Sachlage gibt«S keine Gesundung der Arbeiterbewegung und keine ander« Nettnng fit die Ar beiterklasse al4 die Riedertverfung der bolschewistischen Verderber des Proletariates. Ihnen, aber auch den Rationalisten aller Schattierungen, den Nationalparteilern gleichermaßen wie den Nationalsozialisten, die sich unser« alt« Forderung nach nationaler und kultureller Selbstverwaltung ausgeborgt haben und sie nun als Erfindung, Patent und Monopol der Hakenkreuzlerei anigeben, gilt gleichermaßen unser Kampf. Wieder wird, wie in allen bisherigen Wahlkämpfen die ganze Wucht unserer Gegner auf dl« Auseinandersetzung mit nnS, auf unsere Nieder- ringung konzentriert werden. Tn diesem Kampfziel siw» sie sich alle einig. Die sogenannten Aktivisten wie di« Negativistrn, von den Arbeitsgemeinschaft- lern— bis hinunter zu den Hakenkreuz!««. Wieder ^vird er gegen den Marxismus, gehen, den sie schon zehnmal niedergeworfen, zwanzigmal ins Herz getroffen, hundertmal begraben und eingesargt haben. Wieder wird vom Niedergang der sozialistischen Ide« gefaselt, ihr wieder jede Lebensfähigkeit abgesprochen werden. Aber Genossen, wenn jemals, so hat der Sozialismus gerade in den letzten Monaten ein« Vitalität gezeigt, die ihm die Achtung von Millionen arbeitender und leidender Menschen gesichert, ihn zur einzigen großen Hoffnung der nach endlicher Befriedung der Welt zitternden Menschheit gemacht hat. Durch ein ganzes Jahrzehnt ist der Kamps um den Böllerfrieden immer wieder an dem Widerstand der imperialistischen und kapitalistischen Machthaber der Ententemächte und vor allem Frankreich und England gescheitert. Der Völkerbund, als der Träger der Friedensidee inS Lebe» gerufen, ist zum willenlosen Instrument der internationalen kapitalistischen Bourgeoisie geworden und konnte als solcher nur ein Schattendasein führen. Alle Bemühungen, ein« Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland herbei- zuführen, die Reparationsfrage, das Räumung-- Problem zur Lösung zu bringen, sind an dem hart- näßigen Widerstande der konservativen Staatsmänner der Ententeländer immer wieder zerschellt. Auf weite Sicht gab rS keinen Ausblick, gab eS keinen Hoffnungsstrahl, bis der Systemwechsel in England, der Antritt der englischen Arbeiterregierung, der Eintritt Macdonalds und Hendersons in die Außenpolitik, ihr Eingreifen in die Haager und Genfer Verhandlungen den Bann brachen und den imperia listischen und niilitaristischeu französischen Kriegstreibern, die das Rheinland und Saargebiet am liebsten annnektizrt hätten, einen getvaltigen Strich durch die Rechnung machten. Heute liegt bereit« eine Verständigung Deutschlands mit der Entente und besonders Frankreich über die Reparationen vor vor. Langsam und für die ganze Welt als erstes Anzeichen der Befriedung Europas deutlich sichtbar verlassen die Entente-Truppen deutschen Boden. D»» find keine blöde» Worte »ehe, da« find keine schleimige« Redensarten. keine bombastische« Frledensphrasen. keine ölige« Ueie- denenerheihnngen. Da» ist die Lat, da» ist die vinlSsnng der Berpslich- tnng. die die Giozialiftische Arbeiter- Internationale in ihre« Kampfe«m die Besriedignng der Wett Sder- «»«men hat. Die Reise Macdonalds nach Amerika zur Verständigung über den Abbau einher Kreuzer ist noch lange nicht di« Abrüstung der Welt, ist noch lange nicht di« Sicherung des Friedens, ebenso wenig wie «S der Kellogg-Pakt ist, ebensowenig wie es der Völkerbund selbst unter kapitalistischer Führung sein könnt«. Denn da« Abrüstungsproblem, daS mit der kapitalistischen Gesellschaft aufS engst« verknüpft ist, kann nur mit dem Sturze des kapitalistischen Systems gelöst, der Frieden nur innerhalb der sozialistischen Gesellschaft gesichert werden. DaS verstehen wir sehr gut und darum über schätzen wir die Haager und Genfer Leistung absolut nicht. . Nichtsdestoweniger aber die groß« Leistung unserer englischen Freunde al« ein« neue Etappe auf dem Dege der Befriedung der Welt und damit auch al« Etappe auf dem Vormarsch des Sozia- lismär auf b«S he,pichst« bSgrüßt und al« foyiali- stissh. tat mit Stil» registriert werden. Pich« vetmag du» Ammenmärchen von dem negatwistischen und destruktiv«, kharakter des Soziali-mu« besser zu zerstreuen, al« da« Wer« Hendersons, de« Vorsitzenden der sozialistischen Arlbelter-Jnternationale, der durch sein« entschlossen« Tat, vor allem aber durch die Sprengung der Entente rordiale— de« größten Hindernisse« für den Weltfrieden— Millionen und ober Mil lionen von arbeitenden und nach dem Frieden lechzenden Menschen offenbar gemacht hat, daß der Sozialismus kein« bloßen Worte macht, sondern an ihre Stelle die entschlossene Tat setzt. Go wirb unsere Idee immer sieghafter, so wird sie immer fruchtbarer, sie gewinnt die Herzen und Hirne der kämpfenden und leidenden Arbeiterklasse immer mehr. Für di« kommenden Kämpfe ist dieses sozialistische Vorspiel«in guter Austakt. E» wird de« internationalen Sozialismus dieses Landes, dem sozialistischen Proletariat« aller Rationen«ich« Früchte tragen, dem Gedanken der Zusammenarbeit und d«S innigen Zusammenschluss«» der Arbeiter aller Rationen neuen Schwung, de« im Herzen unseres Proletariates, verankerten Wunsch« nach möglichster Kampsgemeinschast des deutschen und tschechische« Proletariates neue Rahrung geben und unser« Entschlüsse reisen lassen, dies, Kampsgenossenschaft in unlösbarer Verbundenheit Mnszngestälten. Mnun stör ml» dann wirb auch ans Man Boden Naser« historisch« Mission«füllt, dann, ab« nur dann werd», wir anch hier siegreich sein, unser nächste» Ziel ist, all« Kraft ans den Kampf gegen da« absolutistische deutsch-tschechische Bürger-Regime zu konzentrieren und mit diesem so gründlich aus- zuräumen, daß r» niemals und In keiner wie immer gearteten Form Wiedererstehen kann. Mit Lassalle ruft« wir den Arbeiter« zu: tzaven hetzt tztraelßtzende«rkatzeunaen se- fatnmclt, trat an setze«, traut der alte oie^oluttöntite •ft. Dann ater Vein Konraeranßtz mit iynt, sondern nur den Danraen anso ranne und die Haie an die 3>rnft."(Langanhaltender, stürmischer Beifall.) * Nach dein Referat des Genossen Dr. Czech trat«ine kurze Pause ein. Hierauf erstattete Genosse Kremser den Bericht über die Wahl- kreiskonferenzen und die Verhandlungen zwischen Kreisen und Parteivorstand. Er unterbreitete der Konferenz die Vorschläge der Kreise und de» Parteivorstand«», di« einmütige Zustimmung fanden. Mit einigen anfeuernden Worten schloß Genosse Dr. T z e ch die Konferenz, die den Kampfwillen und die Geschlossenheit der Partei erwiest» hat. D«^^oawaa^Wahl8chlager^t SpMMSChe Hl len kiM«W Agrarier ui Wirtsdiaitsgcmclnsdiäit reklamieren den„Erfolg“ Mr sMl— Ein rnstnfl rar Krampe und naur-nariing. Die Reiter der Schluckenauer Sparkasse haben sich, wie wir bereu« gestern richtig vermuteten, aufs äußerste beeilt, sich der erstaunten Oeffentlichken in vollem Glanz zu präsentieren. „8chlackenau endgültig saniert!“. so posaunt es die gestrige ,bohemia" in feiten Lette,« in alle Welt hinaus. Heil den edlen Männern, die gerade jetzt vor den Wahlen im Handumdrehen schafften, was allen drei deutschen Regierungsparteien zusammen in sangen Jahren nicht und nicht gelingen wollte! Wer wollte in diesen Jubel nicht einstimmen? Und wer sind diese Wackeren? „.. al» Vertreter de» Bunde» der Landwirte die Herren Minister Dr. Spina und Vizepräsident Zierhut, in Vertretung der Deutschen Arbeit»- und Wirtschaftsgemeinschaft die Herren Prof. Dr. Kafka und Dr. Rosche" haben nach der„Bohemia" mit zwei Fachleuten am Donnerstag im Finanzministerium Vorgesprächen und in einer kurzen Unterredung diese Herkulesarbeit geschasst,-die 400.000 Einlegern der Schluckenauer Sparkasse als ein achtes Weltwunder, als ein unverdientes Geschenk einer allgütigen Vorsehung erscheinen muß. Lebten wir noch im alten Griechenland, diese Wackeren müßten— zumindest als Halbgötter— in den Olymp versetzt werd«:; in unserer nüchternen demokratischen Zeit wollten sie sich jedoch damit bescheiden, an der Spitze einer möglichst großen Schar gleich edel Gesinnter iw— das neue Parlament einzuziehen. Merk st du wa», lieber Leser? „Ein Ersatz des Bundes der Landwirte und der Deutschen Arbeit». und Wirtschaftsgemeinschaft," verkündet stolz die„Bohemia", und wenn wir das österreichische Preßgesetz hätten, dann müßte sie dieser Meldung noch ein Kreuzel vor- anstelle«, um sie als Inserat zu bezeichnen, al» eine groß aufgemachte Reklame für den neuen Wahlblock, der hinter den Kulissen schon perfekt ist und mit einem feinen Schlager seinen Eintritt in» politische Leben vorbereiten will!! Sanierung der Schluckenauer Sparkasse... Wer erinnert sich da nicht sofort zweier geschäftiger Gestalten, die seit Jahr und Tag aus allen Versammlungen der Schluckenauer Einleger Herumreisen und dort die Sanierung für spatesten» übermorgen verkünden. Wo bleibt der so sympathische Herr Krumpe, Prinzenerzieher a. D. und Abgeordneter der deutschen christlichsozialen Bolkspartei, wo Herr Minister Mayr-Harting, der schon am 82. Jiiner 1927 in öffentlicher Versammlung erklärt hat: „Ich kann jetzt mit voll«, Berant- Wortung im Namen der Regierung di« Erklärung abgeben, daß die Schluckenauer Frage di« endgültige Lösung im Laus« diese» Jahres(1927!) gewiß erfahren wird?" Wie können diese Zwei, nun kurz vor dem Endsieg, in dem erlauchten Kreis der Schluckenauer Retter fehlen? Und wo bleibt Herr Sten zelsvollbart, der von Recht» wegen doch auch an diestr edlen Tat gebührenden Anteil haben müßte? Wie Schuppen muß es von den Augen der blindesten klerikalen Wähler fallen: Verrat! Verrat! vor heimtückischeste Dolchstoß von hinten, den die sudeten deutsche Geschichte kennt! Mehr als drei Jahre haben unsere Klerikalen im Dienst der Agrarier die unpopulärsten Dinge gehorsam geschickt und dadurch alle ihre Wähler ununterbrochen vor den Kops und von sich weg gestoßen und nun, in der Stunde der höchsten Gefahr, da da» Strafgericht der Wähler über die Herren Mayr-Harting und Konsorten hernieder zu saußen droht, gehen diestlben Agrarier her und teilen sich in den einzigen Wahlschlager, der auszutreiben ist, die„fast" sicher zu erwartende erfolgreiche Liquidierung der Schluaenauer Sparkasse, wie es im offiziellen Bericht so hübsch unverbindlich heißt, nicht mit den Klerikalen, sondern ausgerechnet mit dem Herrn Kafka, den sie noch vor vier Jahren, als die Einzelliste gegen die Sozialdemokratie so gründlich verkracht war, al» nicht ebenbürdig kalt abgewimmelt haben. Soll einen da nicht der Schlag treffen, wenn man Krnmpe oder Mayr-Harting heißt und ein Herr Kafka einem die— wenn auch noch so mageren— Früchte einer mehrjährigen Agitation so plötzlich wcgschnappt? Wohl reklamiert die„Deutsche Presse" diesen angeblichen Erfolg krampfhaft auch für sich und beglückwünscht sich selbst dazu, aber den Wahlschlager hat halt doch schon Herr Kafka und die Klerikalen haben das Nachsthen. UebrigenS: Wie schaut denn dieser Erfolg bei Tageslicht aus! Die„Deutsche Presse" ist, durch Erfahrung gewitzigt, am vorsichtigsten, sie schreibt bloß, der Widerstand der Banken gegen die Sanierung sei überwunden und e» werde„jetzt von maßgebender Seite verstchert, daß die völlige Liquidierung in allernächster Zeit durchgeführt werden wird." Die„Bohemia" dagegen ergeht sich in hochfliegenden Ankündigungen: Schon in der nächsten Woche werde die BerwaltungSkommission der Sparkasse zusammentreten und eine Kundmachung(An meine Völker!) erlassen» in'der „ratenweise gleichmäßige Befriedigung sämtlicher Einleger mit dem vollen Kapitalsbetrag" und obendrein noch 8 Prozent Zinsen versprochen werden. Die Auszahlung der ersten Rate wird vorsichtshalber erst für die nächsten Wochen (jedenfalls nach dem Wahltag) in Aussicht gestellt. Und der amtliche Bericht? Dia» schaut eS gar windig aus: Man„k a n n" erwarten, und auch das nur„fast", daß eine erfolgreiche Liauidierung der Sparkasse gesichert sein werde, und die Auszahlung wird gar auf den Termin „ehestens" verlegt. Genau dieselbe Terminologie ALPA Reiben Sie ihren Körper mit s Alpa* ein, er stärkt ihre Muskeln und macht Ihre Nerven elastisch. Körperliche Geschicklichkeit und geistige Fähigkeit im Sporte und Berate erwerben Sie leicht durch Massage mit Menthol-Franzbranntwein ist aber schon seit vielen Jahren gebräuchlich und die Schluckenauer, die alle dies« Phrasen sicher schon auswendig kennen, haben immer noch keinen Kreuzer gesehen! Aber selbst wen« dies« neuesten Versprechungen nun wirklich einmal kein Schwindel, sondern bare Münze waren?„Und wenn schon!" pflegt man in den rein arischen Kreist» um Herrn Kafka auf so eine müssige Frage zu erwidern. Ware daS ein Erfolg angesichts der vielen Hunderte von Millionen, die in derselben Zeit, da die Schluckenauer vergeblich um die geringste Anzahlung au» deutschen tSeuergeldern kämpfen, in die Kasse« so vieler verkrachter tschechischer Nachkriegsbanken geflossen sind? Darf sich ein Herr Spina mit diesem Erfolg seiner dreijährigen Ministerschaft vor di« Wähler trauen? Wird auch nur ein vernüstiger Wähler auf diesen Erfolg hin in Begeisterung für die Agrarier und die Kafka-Leute entflammen? Die Mühe ist vergeben»! Die Herrschaften werden sich also um einen anderen Schlager umsehen müssen, denn s o politisch vernagelt ist kein deut» scher Wähler, daß er ihnen aufdiese Leimrute ginge! -le Faseisten unter neuer Firma! Gajda und Stribrn^ kandidieren als„Liga gegen di« gebundenen Listen". - In einzelnen tschechischen Blättern wird eine Diskussion über den Wert oder Unwert der ge- bltndenen Listen geführt. Ursache dazu gab das Stklbrn-blatt„Polednl list", welches seit einigen Tagen gegen da» Proportionalwahlrecht und die gebundenen Listen heftig zu Felde zieht. Nurr wird bekannt, warum oaS alles geschieht und>vaS dahinter steckt. Diese Liga wird nämlich bei den Wahlen kandidieren und die Kandidatenliste führt in Prag im Wahlkreise A Stttbrn- und im Wahlkreise 8— Gajda! ES sind also ausgesprochen faseistlsche Li st en und die verkrachte Fascistengenieinde sucht unter der Firma„Liga gegen die gebundenen Listen" die Wähler anzulocken. Darüber sind die Nationaldemokraten natürlich empört, denn sie wollten die sascistilchen Stimmen für sich haben und legen dar, daß sie schon bei der Beratung der Verfassung 1920 gegen die gebundenen Listen aufgetreten sind. Man weiß nnn, waS man von der„Liga gegen die gebundenen Listen" zu halten hat. Nicht die demokratischen Rechte zu vergrößern ist der Zweck der Liga, sondern um den Faseisten neue Anhänger zuzuführen und dem Herrn Gajda zu ein.em Mandat zu verhelfen! Die Angst vor der Kritik. In der gestrigen Sitzung des mährisch- schlesischen LandeSauSschusseS wurde die für 8. Oktober einbernscnc dritte Sitzung der Landesvertretung auf den 89. Oktober verschoben. Die Angst der Bürgerblockvarteien vor der Kritik an ihrer reaktionären Tätigkeit hat sie dazu veranlaßt, während der Zeit bis zu den Wahlen di« öffentliche Tribüne nicht zu betreten. In der Sitzung des Landesausschusses wurde eine Reihe laufender Angelegenheiten erledigt. Die Beschlußfassung über die Vergebung der Arbeiten für den Taya-Talsperrenbau wurde für die nächste Sitzung, die am 11. d. M. stattfindet, verschoben. Gleichfalls verschoben wurde die Ernennung der MitglieMr in den mährisch-schlesischen Landesschulrat. Beschlossen wurde weiter mit der ersten Mährischen Sparkassa in Brünn bezüglich einer Anleihe von zehn Millionen Kronen zu Konversionszwecken zu verhandeln. Dr. Gatt»erlStzt die KPÖ. Ungvar» 8. Oktober. Blätterineldungen zufolge trat der bisherige kommunistische Abgeordnete Dr. Gati au» der kqnrmunistischen Partei KarpathorußlandS au».
teilt v. Samstag, 5. Oktober 192V. Seipels Gefolgsmann. G. P. Wenn wir die Stellung der neuen Regierung verstellen wollen, müssen wir eins die Demission der Regierung Seipel znrückgehcu. Man erinnert sich, faß man damals nicht recht verstand, wieso Seipel, der eben erst so provozie- rend ausgetreten war, jetzt Plötzlich dazugekoni- men war, 8ic Flinte ins Korn zu werfen und einer anderen Regierung, von der er wusste, daß sie doch nur eine andere Politik machen werde, die Lösung der Krise zu überlassen. Man mußte damals annchmcn und aus der lvortrcichen Erklärung, mit der er seinen Rücktritt begründete, konnte man das Bekenntnis ebenfalls herauSle- sen, daß er einsehe, mit seiner Politik der Scharf- macherci gegen die Sozialdemokratie Schiffbruch gelitten zu haben und aus der Sackgasse keinen Ausweg mehr finde. Auch in den Wochen, in denen man dann nach einer neuen Regierung suchte, konnte man--nur bemerken, daß Seipel seinem Nachfolger Schwierigkeiten zu bereiten suche. Das wahre Motiv seines Rücktritts trat erst allmählich zutage. Seipel war zurückgetrcien, weil er die Pläne, die ihm vorschwebten, an der Spitze der Regierung und als ihr Verantwortlicher Chef nicht durchführen konnte. Als Bundeskanzler des auf das Wohlwollen und vor allem auf die Kredite des Auslands angewiesenen Kleinstaates mußte er sich in der Begünstigung der Heimwchren und ihrer Putschpläne doch einige Reserve auferlegen. Als Privatmann aber brauchte er diese Rücksicht nicht zu üben. Und in der Tat begann auch bald nach seinem Rücktritt die ganz offenbar von ihn» inspirierte Hetze der christlichsozialen Prelle, vor allem des ganz unter seinem Einfluß stehenden christ« ltchsozialen Hauptorganes der„Reichspost", gegen den Parlanientarismlrs, ivorauf nicht nur Die .Heimwehrführer ganz offtp niit der Verjagung des Parlamentes zu drohen begannen, sondern auch Seipel seine- theoretischen Begründungen für den HcimwehrfasclSmnS vorbrachte. Schon als noch der Kampf um die Zusammensetzung des Ministeriums tobte, begründete die„Reichspost" das Verlangen nach Beibehaltung des Hec- rcsministers Vaugoin, Seipels BertraikenSman- ncs in der neuen Regierung, mit den» Argument, daß„nur Vangoins Wiederwahl der neuen Re« gieruug das Vertrauen jener Kreise wicderge- Winnen könne, deren Glaube an das Parlanrent und den Parlamentarismus, ja vielfach selbst an die Demokratie erschüttert ist." Nut» als Seipel von der Mittelmcerreise, die er nach seinem Rücktritt unternommcit hatte, zurückkehrte, erklärte er, auch diese scheinbar private Reise habe einen politischen Zweck gehabt, uänilich den, durch die Abwesenheit von zu Hause sein politisches Konzept durch die Arbeit anderer vollenden zu las- sen. Immer deutlicher wurde er dann, je mehr er die Stimmung vorbereitet glaubte. Ans der Kartellversammlutlg der katholischen Studenten, wo der Obmann des Festausschusses voit dem Ruf nach nationaler Selbstbestimmung sprach, der nie verstimimen werde, warnte er davor, „die österreichische Idee aus der Ungeduld unserer Herzen heraus selbst zu verfälschen", und er erklärte, für die österreichtsckie Idee seien die Wasser, die durch das Land strömen, die besten Wegweiser..Hatte er hier vornehmlich die Ab sichten feiner Heimwehrbegeisterung«»gedeutet, die für jeden Oesterreicher verständlich tvaren, so sprach er in Tübingen ivieder für das Ausland, indent er über die„Nebel der Parieiherrschast" klagte, daß die Abgeordneten„unter dem Einfluß der hinter ihnen stehenden Wähler bleiben". Nun werde» nicht nur die Gründe verständlich, die ihn zu seiner Demission bewogen, sonder» auch die Absichten, die er mit seiner Hetze für den Bürgerkrieg verfolgte, imnter deut» kicher. Seipel, der dem letzten österreichische» Ministerium angchört hatte, dem Ministerium Lammasch, das noch int letzten Augenblick die Dynastie zu retten versuchte und der, wie die Protokolle dieses Ministerrates beweisen, in diesem Ministerium, das sich nach außen als Mini- sterillin gab, das Oesterreich den Frieden verschaffen sollte, nur die eine Sorge hatte, daß die Monarchie erhalten bleibe, denkt auch jetzt an nichts anderes als an die Wiederherstellung der Monarchie. Tie Wässer, die die besten Wegwci- ser sind, gehen nämlich nach Ungarn und der Zusammenschluß mit Ungarn ist ihm die„österreichische Idee", die nicht„aus der Ungeduld unserer Herzen" etwa durch den Ruf nach nationaler Selbstbestimmung verfälscht werden soll. Daß diese seine Sehnsucht nicht anders erfüllt werden kann als in einer neuen Weltkalastrophe, niacht ihn zum Katastrophcnpolitiker, der auch vor dem Bürgerkrieg nicht zurückscheut. So fuhrt ihn zweierlei zur Heimwehr: vor allem sein Haß gegen die Soziasdemokratie und die Republik, da er hofft mit Hilse der Heimwehren selbst, wenn es nicht zum Putsch konimt, die Sozialdemokratie einzuschüchtern, sie immer weiter zurückzndrän- gen und sic schließlich, wenn sie der Konzessionen müde von den Arbeiter» auf die Straße gezwungen ivürdc, dort durch die Machtmittel des Staates zur Strecke zu bringen: dann aber seine Hoffnung,. daß es ihm gelingen werde, wenn in Oesterreich alles drunter und drüber gehe, vor der Entente den Zusammenschluß, nicht mit Deutschland, sondern mit Ungarn, asso die, wenn auch verkleinerte, Habsburgische Monarchie als die einzige Rettung zu erweisen. Daß er von vornherein Schober an die Spitze der Regierung stellen wollte, ist natürlich nicht zu erweisen. Ebenso ist eS auch klar, daß ihm von feinen beiden Plänen der der Niederringung der Sozialdcinokraten, den er ja mit seinem berühmten Worte von der Beseitigung des„revolutionären Sckmttes" schon längst an die Spitze seiner politischen Konzeption gestellt hatte, als der ak- tuellere erscheint, da der zweite Plan ja nur in einer Mltkatastrophe durchzusctzcu iväre. Daß er aber an Schober bei seinen Plänen dachte, das bciveist die Tatsache, daß er ihn nicht nur im Dezember vorigen Jahres, als er selbst die Würde des Präsidenten der Republik anstrcbte, der Augenblick aber noch nicht günstig>var, plötzlich als Präsidentschaftskandidaten vorschlug mit dem Hintergedanken, daß Schober ihm helfen solle, der in Oesterreich derzeit ganz bedeutungslosen Würde den von ihm gewünschten Inhalt zu geben, ivoranf er dann diese Würde übernehmen wollte, sondern auch, daß er ihn im Jahre 1921, als die Negierung Mayr infolge des Einspruchs der Entente gegen die Länderabstimmungen über den Anschluß an Deutschland zurücktre- tcn mußte, zum Bundeskanzler machte. Vom Juni 1921 bis zunr Juni 1922 Ivar Schober der Platzhalter Seipels und hat damals alle Befehle Seipels ohne Murren erfüllt. Seitz hat damals diese Regierung bekanntlich als„die Regierung Seipel— genannt Schober" bezeichnet. Und so ivar cS immer. Was Schober im Juli 1927 getan hat— die Frage seiner direkten Schirld an denl Gemetzel voin 15. Jiili sei hier anSgcschaltet— ober was er nachher getan hat, die Deckung der Schuldigen, die Verweigerung der Untersuchung, die Dekorierung der von der Oefsentlichkeit als die Haupt» schuldigen bezeichneten Polizeibcamten, das'.provokatorische Vorgehen gegc>t die Sozialdemokraten, die Verbarrikadierung des Polizcigcbaudes bis zur Hausdurchsuchung!m sozialdemokratischen ParteihauS, das ist alles auf direkten Befehl Seipels geschehen. Dieseit Mann hat nun Seipel zum Bundes» kanzler gemacht und es ist kein Zweifel, daß die Stellen seiner Regierungscrllärung, die auf eine Anerkennung der Heimwehrbowcgung hinauSlau- fen, von Seipel redigiert wurden.?US Mann der starke».Hand, als starker Mann wird Schober empfohlen, aber dieser starke Man» ist weiches Wachs in deir Händen Seipels. Daß er keinen Putsch mache» wird, kann inan ihm glauben, daß er die Heimwehren an einem LoSschlqgen verhindern will, dafiir mag schon sein Bithlen um die Gunst deS Auslandes bürgen. Daß er aber in seiner ganzen Politik nur die Befehle Seipels ausführen wird, als fein treuer Gefolgsmann ist zumindest ebenso sicher. Und deshalb wird die Arbeiterschaft auf der Wacht sein und sich nicht auf die Putschfeindlichkeit der Regierirng„Seipel — genannt Schober", sondern nur ans ihre eigene Kraft verlassen. Mayer und Kallina verurteilt. 1099—2999 Ui Geldstrafe wegen der Egerer Kappenaffärc. Eger» 4. Oktober. Nack mehrtägiger Ver- Handlung wurde heute endlich das Urteil gegen die ehemaligen Abgeordneten Mayer und Kaklina gefällt, die im Jahre 1925 bei einen. Fest der Egerländer„Gmoi" mit Staatspolizisten, die ihnen die verbotenen Couleurkappen und Bänder herunterrcißen wollten, in tätliche Auseinandersetzungen geraten waren. Beide wurden der tätlichen und wörtlichen Wachebeleidigung sowie des Vergehens gegen das Schutzgesetz, begangen durch Schmähung der tschechischen Nation, schuldig erkannt und Mayer zu 1900, Kallina zu 2090 Kronen Geldstrafe unbedingt verurteilt. Von der Anklage wegen öffentlicher Gewalttätigkeit und wegen Auf. wregelung gegen die Einheitlichkeit der Republik wurden sie frcigekprochen. Sowohl der Proku- rator als auch die Verteidiger meldeten die Nichtigkeitsbeschwerde an. Schwere Kümpfe bei Mandfchuii. C h a r b i n, 4. Oktober.(Reuter.) Der Kampf, der Mittwoch zwischen chinesischen und sowjetrusfi. scheu Truppen bei Mandschuli ftattfand, war der heftigste der Kämpfe, die bisher ausge- fochten wurden. Es nahmen auch Sowjetflugzev^« teil, die Bomben abwarfen und Maschinengewehre in Tätigkeit setzten. Nach amtlichen chinesischen Meldungen wurde der Kampf von russischer Seite eröffnet. Die Sowjettruppen mußten schließlich Donnerstag abends den Rückzug antreten. Auf chinesischer Seite werden die Verluste auf 299 Mann geschätzt. Auch die Verluste auf russischer Seite sollen groß sein. DK Zwischenfälle in der Pariser Sowjetbolschaft. Paris, 4. Oktober. Die Uebersiedlung deS Leiters der Sowjetbotschaft Befcdowskv aus dem Botschaftsgebäude in em Hotel bildet einen interessanten diplomatischen Fall. Da Besedowsky ausdrücklich erklärt hat, daß er seine Funktion als Leiter der Botschaft nicht niederlege, und sie bis zur Rückkehr deS Botschafters Dowgalewski aus London beibchalte, befindet sich die durch die Exterritorialität geschützte Botschaft eigentlich in dem Hotel, in welchem Besedowsky einquartiert ist. Auf der Sowjetbotschaft bat man die Abgabe jedweder Aufklärung über den gestrigen Zwischenfall verweigert. „Excelsior" veröffentlicht eine Erklärung DowgalewskiS, derzusolge Botschaftsrat Besc- dowsky schon seit längerer Zeit in Moskau nicht Person grata war. Der Botschafter fährt heute auS London nach Paris zurück und wird die erforderlichen Schritte einleiten. DaS kommunistische Blatt„Humanitü" nennt den Fall einen Polizeiroman und bezeichnet Besedowsky als Gegenrevolutionär und Verräter.' Trauerfeler für Slrefemann. Berlin, Oktober. Die Ueberführung der sterblichen Hülle Dr. Stresemanns in den Reichstag ist für SamStag abends vorgesehen. Bei der Trauerfeier im Reichstag, an der Reichspräsident von Hindenburg teilnimmt, wird die Trauerrede, den Blättern zufolge, Reichskanzler Müller halten und bei der Kundgebung vor dem Reichstag wird Reichstags-Vizepräsident von Kardorff-sprechen. Zur Totenparade wird voraussichtlich eine Kompagnie Reichswehr komnrandiert werden. Sine englische Genosst« Vorsitzende der Exekutiv« der Arbetterpartei. London, 4. Oktober.(AR.) Ter neuge- wählte Exekutivausschuß der Labourpartei wählte in seiner gestrigen Albendsitzung Miß Susan Lawrence für ein Jahr zu seiner Borsitzen- den. Stanley Hirst wurde Bizevorsitzender. Miß Lawrence, die Abgeordnete der labouristischen Partei und Parlamentssekretärin des Gosund- heitSministeriums ist, ist die e r st e Fra u, die in der Labour Party zur Vorsitzenden des Exe- kutivauSschusseS gewählt wurde. Wahlen in Aegypten. Kairo, 4. Oktober.(AR.) Die neue ägyptische Regierung wird von Adlh Pascha Jcg- hcn gebildet werden. Man evwartet, daß, bis Ädly Pascha sein neues Ministerium gebildet haben wird, die ParlamentSlvahlen für den Monat November ausgeschrieben werden. Adly Pascha wird schon zum drittemnale Ministerpräsident. Mutiger Wahlkampf. Warschau, 4. Oktober. Während einer von der nationalen Arbeiterpartei in O st r o w o in Verbindung mit der, bevorstehenden Gemeinde- ratSwahlen einberufenen Wahlversammlung kach es zwischen Sozialisten und einer größere'. Gruppe von den Rechtsparteien angehö- renden Bürgern der Stadt zu einem blutigen Kampfe, welchem erst durch eine größere Polizeiabteilung ein Ende gesetzt tvurde. Zahlreiche Teilnehmer der Versammlung erlitten teils schwere, teils leichte Verletzungen, die meistenteils von Messerstichen herrührten. W MUMM(tylertn- W WlW. Dänemark geht voran. Kopenhagen, 4. Oktober. Der sozialdemokratische Verteidigungsminister R a 8 nr u s s e n brachte heute im Reichstag den AbrüstungS- Vorschlag der dänischen Regierung ein. Er schlägt die Umbildung von Heer und Flotte zu einem WachkorpS und einer Staatsmarine vor. Die jährlichen Ausgaben sind auf achtzehn Millionen Kronen veranschlagt, während die Durchführung deS geltenden WehrgeseheS ungefähr sechzig Millionen Kronen erfordert. Die neue Vorlage weist jeden Gedanken einer Verteidigung mit militärischen Machtmitteln zurück und be trachtet als Ziel Dänemarks die Aufrecht» erhalt u na der Neutralität in Ueber- stimmung mit den bestehenden internationalen Abkommen. Das Krieg»- und Marineministerium wird deshalb aufgelöst. Die allgemeine Wehrpflicht wird abgeschafft. Jährlich werden 1600 Soldaten im WachkorpS und 700 Matrosen in der StaatSmarine ausgebildet; gegenwärtig sind eS unter der allgemeinen Wehrpflicht noch 10.000 Soldaten. Macdonald in New Nork. Abrüftungsappell an alle Rationen. New Sjork, 4. Oktober.(Reuter.) Premierminister Macdonald betrat um 16 Uhr europäischerZeit das Land. Er wurde von einer großen Menschenmenge begeistert begrüßt und die im Hafen liegenden Schiffe ließe» die Sirenen ertönen. Der Premierminister begab sich zunächst in das Rathaus, wo eine offizielle Begrüßung stattfand. Den Pressevertreter» gegenüber gab Macdonald eine Erklärung ab, in der er ausführte, der König habe ihm telegraphisch die beste» Wünsche für den Erfolg seiner Mission über- j mittclt. Er fühle instinktiv, daß diese seine Mis- sion bis weit über die Grenzen beider Länder sich günstig auswirken werde. Amerika und wir, so betonte der englische Premierminister, appellieren durch unser Beispiel an alle Nationen, sich um den Beratungstisch des Friedens zu versammeln. Die AbrustungSprobleme enthalten viele verborgene Schwierigkeiten und eS bedarf einer geduldigen Arbeit in der Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens, um dieser Schwierigkeiten Herr zu werden. Cmtlus übernimmt provisorisch bas Aubenmlnisterlum. Berlin, 4. Oktober.(Eigenbericht.) Die Be. auftragung des volksparteilichen Reichswirtschafts» ministerS C u r t i u S mit der einstweiligen Wahrnehmung der Geschäfte dcü Reichsaußenministcrs hat allgemeine Ucberraschung hervorgerufen. Diese Besetzung wird inoffiziell damit begründet, daß Curtius der Mitarbeiter Stresemanns bei den Verhandlungen im Haag gewesen sei und deshalb besonders die Materien kenne, die mit dem ?)oung-Plan im Zusammenhang stehen. In der eigentlichen Außenpolitik hat er allerdings noch keine Rolle gespielt. Es ist deshalb anzunehnien, daß er nur formell bis zur Ratifizierung des Abkommens vom Haag die Geschäfte leiten wird. Wer der eigentliche Nachfolger sein wird, ist noch ganz unbestimmt. ES ist wahrscheinlich, daß die definitive Neubesetzung erst Ende November nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages erfolgen wird. Die von einigen Blättern ge brachte Meldung, daß entweder Wirth oder der Sozialdemokrat Breitscheid das Außenministerium übernehmen werden, eilt den Tatsachen voraus; mit den beiden ist bisher noch nicht einmal Fühlung genommen worden. Deutschland ratifiziert den Achtstundentag. Berlin, 4. Oktober. Der Reichsarbeitenminister«nd der Reichsminister des Auswärtigen haben unter dem 1. d. M. dem Reichsrat«inen Gesetzentwurf vorgelegt, in dem di« Zustimmung zu dem Washingtoner Uebercinkommen über den Achtstundentag ausgesprochen wird. DaS Zustimmungsgesetz soll gleichzeitig mit dem Arbeitsschutzgesetz und dem Gesetz über die Arbeitszeit in den Bergwerken in Kraft treten. Der Gesetzentwurf macht die Ratifizierung durch Deutschland nicht abhängig von der gleichzeitigen Ratifizierung durch andere Staaten. StrSflingsmellterei mit 38 Tsteu. Artillerie und Dynamit in Verwendung.— Selbstmord der Rlldelrführer. Canon City(Colorado), 3. Oktober. Tausend Insassen des hiesigen Staatsgefängnisses meuterte» heute und bemächtigten sich deS Arsenals der Anstalt, wo sich große Mengen Waffen und Munition befanden. Bei dem Kampf wurden drei A u f s e h e r g e t.ö t e t. Die Meuterer halten die übrigen Beamten, mehrere Dutzend an der Zahl, in Schach und sind Herren des Gefängnisses. Eine Haubitzenbatterie der Nationalgaroe von Colorado würbe alarmiert und alle versüg- hare» Bürger der Stadt und ihrer Umgebung wurde» zur Hilfeleistung aufgerufen. Als der Direktor des Gefängnisses di« Forderung der Meuterer nach freiem Abzug und nach Automobilen nicht bewilligte, haben diese vier Gefängniswärter, die ' sie als Geiseln festaehalten haben, erschossen und ihre Leichen über die ÄesängniSmaner geworfen. Hierauf wurde ein energischer Angriff auf das besetzte Gebäude beschlossen. Ein Priester erbot sich, eine D y n a m i t l a d u n g an den Eingang deS Gebäudes zu bringen. DieS geschah unter dem Schutz von Maschinengewehrsalven, Da die Ladung nicht explodierte, machte der Priester den Gang zum zweiten Male, ohne daß die Explosion vor sich ging. Das Gefängnis wirb von etwa 1000 Mann belagert. Die Sträflinge, dl« nur drei Gewehre . und zwei Pistolen besitzen sollen, haben einen der GefangenenwSrter freigelassen, damit er ausrichte, daß die Gefangenen, falls man ihnen nicht die Freiheit schenken würde, sÜmtlicheGefangenenwärter er schlagen und dann Selbstmord begehen werden. * New N»rk, 4. Oktober. Die Meuterei im Staatsgefängnis von Canon City, über die bereits berichtet wurde, hat heute am frühen Morgen mit der bedingungslosen Kapitulation der 150 im Gefängnisgebäude verschanzten Sträflinge geendet, nachdem die drei Führer der Meuterei Selbstmord begangen hatten. Die Eingeschloffenen verließen mit aufgehobenen Händen ihre Stellungen. Die Tumulte haben insgesamt 30 Todesopfer gefördert'
•dte 7 SamStag, 8. Oktober 1929. Das Hauptziel der Klerikalen Ver. ist Welchenberg. Fichrung (daß btt Ein Indischer Kommunist aber die hommnnistisdie Partei In der Tschechoslowakei. Der Inder Mauabendra Rath Roy war viele Jahre lang Kommunist. Er war kem xbclic- Liger, sondern eener der Begründer der Kommunistischen Internationale. Er war ein denkender Kommunist, was natürlich sein Verhängnis wurde. Die Moskauer Drahtpuppenzie« her schlosse» ihn als„Renegaten" aus der Kom- munistifchen Internationale ans. Roy schreibt darüber in dem Organ der kommunistischen Opposition(„Gegen den Strom", Nr. 39, vom Schutz den schwangeren Frauen und Mädchen! Kampf gegen die Schande des 20, Jahrhunderts, TOM Qroßbezug Tfärmittäfabrik Ed.&aa* „Idi bin ein erbärmlicher Hornochse!** So redst dis hommanisfiadte Partei* tsiteng Belgien« über shh selbst. Brüssel, 8. Oktober. In letzter Zeit waren in Belgien Gerüchte im Umlauf, wonach die belgische Kommu- ntstlsch« Partei, di« niemals besondere Erfolge aufzuweisen hatte und tvährend de» letzten Jahres immer mehr verkümmerte, von einer Katastrophe bedroht sei. Moskau sollte ihr di« Gelder entzogen haben und infolgedessen sollte auch das Parteiorgan „Draprau Rouge"(„Rote Fahne") sein Erjchei- n«n vom 1. Oktober ab einstellen. Diese Gerüchte sind nicht ganz ohne Grund- loge, und zwar ergibt sich da« aus einem h ö ch st sonderbaren Dokument in der lebten Nummer der Brüsseler„Roten Fahne". Ea ist eine sogenannte Selbstkritik" des Vorstandes der belgischen Kommunistischen Partei, in dem verntchtend« Angriffe gegen di« Leitung der Partei, also gegen die Verfasser de« Schriftstücke« selbst, gerichtet„werden. U. a. wird tn dem Dokument au«, geführt, daß die Partei in ihrer Aufgabe da« belgische Proletariat au« der Gefolgschaft der Sozialverräter aufzurütteln, vollständig versagt habe. DI« Leitung stehe mit dem Proletariat in keiner wirEuchen Berührung vom 9taMM Empfehlenswertes an» den Programmen. Sonntag. Pi»ß! 16.00 Noiijerc, 17.30—18.00(Sendung nach Brünn, Madr.-Oftrau,, Prrßburg) Uchrchitcher Nrdett'rvortrao. 18.00 Irullche Stiiduiiqr Pr«llein>chrlchi»n, all« Lortura> Non,er! KOa Gart (Sopran), Kelthlno Sarabe(Bartton): Xrirn und Tuen». 31.83—33.00 Mavlerkonirrl Srn>. Schulbott.— BrDnN: 18,00 bl» 17.80 lKendunu Brag, Mädr.-Lllran. Brrbbural Kon- »erl. 10.10-10.15(Senduna nach Prag unb Mühr.-Lftrau) Suverlürcn. 31.33-33.00en mit Chlorsäure gestillten Behälter. Die sofort alarmierte Sanitätsmannschaft konnte sechs von ihnen nur mehr als Leichen bergen, während vier weiter« Arbeiter mit schweren Verätzungen au« dem Bereich der tödlichen Gase gerettet werden konnten. Bergarbeiter-Lo». Essen, 3. Oktober. Auf.der Steinhalde der Zechenanlage„Zollverein 1/2" in Essen-Katern» berg wurden vier Arbeiter und ein Steiger von plötzlich sich loslösenden glühenden Haldenmassen zum Teil verschüttet. Alle fünf erlitten mehr oder minder schwere Brandwunden und mußten sofort in« Knechtsschaftslazarett nach Gelsenkirchen gebracht werden. Dort ist einer von den Verunglückten bald nach der Einlieferung seinen schweren Verbrennungen' erlegen. Der Zustand eines Steiger« ist ernst, der der drei andere» Verunglückten zufriedenstellend. 8> Zwei Bergarbeiter getötet. Kattowitz, 4. Oktober. Aus der Kohlengrube „Giesche" in Nikiszowc« wurden heute acht Bergarbeiter von hcrabstürzenden Kohlenmassen verschüttet. Zwei Bergarbeiter fanden hiebei den Tod. Die übrigen konnten gerettet werden. Ein furchtbare« Drama hat sich in der Kremjierer Irrenanstalt ereignet. Die Anstalt beherbergt zahlreiche, sehr gefährliche Geisteskranke und leidet unter starkem Platz« mangel, so daß vielfach mehrere Irre in einer gemeinsame» Zelle untergebracht werben müssen. So wurden auch auf der Frauenabteilung der Anstalt ineine m Zimmerviergei st es- kranke Frauen interniert, von denen einige bereits Tobsuchtsanfälle erlitten hatten, in letzter Zeit sich ober vollkommen ruhig verhielten. Al» Donnerstag früh die Wärterin die Zelle öffnet«, bot sich ihr ein schreckliches Bild. Die 43jährige Frau Antonia Dateula au» einem Dorf in der Nähe von Mährisch-Weißkir- chen lag mit furchtbaren Wunden tot am Boden der Zelle. Die Augen der Unglücklichen waren herausgerissen und sie wies schreckliche Verletzungen auf. Die linke Hand war direkt aus dem Gelenk her- auSgerijsen. Es war sofort klar, daß die Unglückliche von ihren wahnsinnigen Zellengenossinnen ermordet worden toav. Lin« Untersuchung des Falles Ist schwer möglich, da ein Verhör' mit den Zellengenossinnen bei ihrem Zustand kein Bild über die Vorgänge, di« sich in der Nacht abgespielt haben müssen, ergeben. Merkwürdigerweise haben die Wärter während der Nacht au« der Zelle kein verdächtiges Geräusch gehört. Der Fall wird streng untersucht. Balkanfahrt d«S„Graf Zeppelin". Den 13. und 14. Oktober unternimmt„Graf Zeppelin" eine Fahrt nach dem Balkan, in deren Leerläufe Budapest, Belgrad, Bukarest und bei günstiger Witterung auch Sofia besucht tvcrden sollen. Den Schwiegervater erschossen. Wie die Blätter melden, geriet gestern int Garten seiner Besitzung in Rckawinkel Direktor Zuckerman» mann mit seinem Schwiegersohn Kakvorian in einen heftigen Streit, in dessen Verlauf Zuckermann seinem Schwiegersohn ein« Ohrfeige versetzte. Kakvorian zog hierauf einen Revolver aus der Tasche und feuerte vier Schüsse gegen seinen Schwiegervater ab. Direktor Zuckermann wurde in ein Sanatorium übergeführt, wo er seinen tödlichen Verletzungen erlegen ist. LehrlingStod. Ans Kaschau wird berichtet: Bei Erdarbeiten an einem Neubau wurde der 15jährige Lehrling Josef Magyar von Erdmassen verschüttet und getötet. Gegen den Bannicister wurde die Strafanzeige wegen Fahrlässigkeit erstattet. Explosion im Versammlungslokal. In einem Versammlungslokal der Arbeiterschaft in Martan (Indiana) ereignete sich tvährend einer Versammlung von Glasarbeitern eine Explosion. Zwei Personen wurden getötet und ein« schwer verletzt. Der Saal wurde beschädigt. Heuschrecken. Vom Sudan her nähern sich Aegypten große.tzeufchreckenfchtvärm«. di« eine große Gefahr für die Ernte bedeuten. Längs der ägyptischen Grenze wurden Abwehrmaßnahmen getroffen. Selbstmord wegen einer gestohlenen Gau». Auf dem Friedhof in Hruschau bet Mährisch- Oslrau erhängte sich dieser Tage der Arbeiter Josef D. au» Furcht vor Strafe. Er hatte nämlich vor einigen Tagen aus dem Felde eine Gan- gestohlen und sollte für d!«se Tat gerichtlich verfolgt werden. Win Sheriff unter Mordanklage. Au« Marion(Nord-Earolina) wird gemeldet: Der Sheriff, der bei den Streikunruhen die Polizei befehligt hatte, und 18 Stellvertredende Sheriffs sind unter der Anschuldigung des Mordes verhaftet worden. Es handelt sich um di« Schießerei vom 8. Oktober, bei derdreiStrei- kende getötet und 18 Männer und«me Frau verwundet wurden.
Wie 8. Samstag, 5. Oktober 1929. Kotter und-SettfGe in- Amerika. Die ieuertte H»eitf«ye tßt Immer no<9 DIHioer üM ftotf Sage8ae0o*t einem einzigen mefüngn^anffeOeM. Ein furchtbare« Familiendrama spielt» sich am Sonntag in der Schivar^cnbcrgschen Breit säge bei Frauenberg- Zamost ob. Der dort beschäftigte Johann Hruby lebte mit seiner 52jährigen Gattin in Unfrieden, so daß es zu einer Trennung ihre« gemeinsamen Haushalte» kam. Sonntag erschien plötzlich die Frau in der Wohnung ihre« Gatten in Frauenberg, sie hotte angeblich von ihm einige Leuchter verlangt cs kam zu einem Streite, in dessen Verlauf die Frau den Mann mit einem Kücheimiefser erstach. Der Mann wurde von einer Jnwohiterin in einer Blutlache liegend tot aufgcfunden. Nach der Tat flüchtete die Frau, inan vermutet, daß sie Selbstmord begangen hat. Deutsch« Staatsprüfungskommission für da« Lehramt der Musik in Prag. Die nächsten Prüfungen finden vom 11. November 1929 an im Gebäude der deutschen Musikakademic in Prag IL, Bladiflavgasse 23, statt. Schriftliche, vorschriftsmäßig gestempelte Gesuche(ntit Beischluß de« Heimatscheines, de« Wohlverhaltung«- und letzten Schulzeugnisses) sind bi« längsten« 1. November 1929 auf den vorgeschriebcnen Einrei- chungSformularirn unter obiger Adresse cinzuvei- chen. Einreichungsformulare sind gegen Vorri n- sendung von 20 Kronen in Briefmarken dnrch dos Sekretariat erhältlich. Prüfungstoxc: Eine Bollprüfung 200 Kronen, eine Teilprüfung 100 Kronen. Der Schnellzug London— Cambridge stieß gestern früh einige Meilen von London entfernt put einem Gütrrzug zusammen. Die Schnell zugSIokomotive stürzte um. Der Heizer wurde verletzt. Sieben Reisende, die einen Nervenschock bzw. Verletzungen erlitten hatten, wurden in rin Krankenhaus gebracht. Mehrere Wagen des Güter» zugeS wurden zerstört. S«S Feuer damit! Ein junger Mann sandte au Mark Twain ein Paket Gedichte mit der Bitte um wohlwollende Begutachtung.„Ich habe doch andere Eisen im Feuer", schrieb er in dem Begleitbrief. Mark Twain antwortete ihm: „Nehmen Sie die Elsen raus und Inn Sie die Gedicht« rein!" Verirrte Triebe. Eine neue Abart jener Wahn- hefangencn, dir infolge ihrer verirrten Triebe anderen Menschen Schäden zusügen, oder sie sogar zu verletzen suchen, ist in New Park aufgctaucht. Seit Wochen war es ausgefallen, daß sich vom Verdeck der Autobusie tödliche Abstürze ereigneten, dir nicht auf dir üblichen VcrkebrSunföllc zurückgrführt werden konnten. Die Kriminalpolizei nahm deshalb eine unauffällige Beobachtung der Autobusie vor. Einer der Beamten beobachtete schließlich eines Tages, wie ein junger Monn an einer verkehrsreichen Stelle ein Mädchen, das unmittelbar neben dem Geländer des Verdecks stand, mit einer' jähen Wendung herunterzustoßen versuchte. Der Beamte stürzte hinzu und verhinderte im letzten Augenblick das Unglück. Er stellte aus den Personalien drS Täters fest, daß es sich um einen arbeitslosen Schneider handelte. Der Schneider gestand, daß mehrer« tödliche Unfälle dieser Art aus ihn zurück- zuführen seien. Er habe aus einem ihm selbst unerklärlichen Drang gehandelt. Späte Rach«. Bon den Konstantinopler Gc- rirbtc» wird augenblicklich ein Mordprozeß verhandelt, der eine geradezu romanhafte Borgeschichte har und wieder einmal zeigt, wie lebendig in den Orientalen auch heute noch das Gesühl der Aerpflichtung zur Blutrache ist. Ter Angeklagte, der kaukasische Türke Mehmüioglu Ali ist geständig, einen anderen kaukasischen Türken Hisir in einer einsamen Gegend am Bosporus erschlagen zu haben. Er erzählt folgende Geschichte: Der Ermordetete. Hisir, und der Mörder wohnten vor zehn Jahren in einem kleinen türkischen Dorfe bei Datum auf russischem Gebiet. Hisir geriet in Schulden und sein kleines Landgut wurde im Wege der Zwangsversteigerung verkauft. Käufer war der Bruder des Angeklagten, Abdi. Obwohl Abdi gar nicht zu den Gläubigern des Hisir gehört att«, beschloß dieser, sich an ihm zu rächen. Beim bolschewistischen Umsturz bezichtigte er den Abdi, eine Bombe gegen eine kommunistische Demonstration geworfen zu haben und ein„rotes" Tribunal ließ den Abdi hängen. Als der jetzige Angeklagte Ali aus dem Kriege zurückkam, beschloß er, Ter Pranger, diese« gefürchtete Folterwerk, zeug früherer Jahrhunderte, ist heute so gut wie ganz aus dem Strafvollzug der Kulturländer verschwunden. Nur in verschiedenen Staaten der nordamerikanischen Union, besonder« in Vir. ginien, den beiden Carolina»Territorien, also in Äegetrden, in denen die farbige Bevölkerung überwiegt, ist der Pranger heute noch zu finden. Dem Prinzip nach ist diese Art des Strafvollzüge» nicht allein den Negern Vorbehalten. Alle Burger der betreffenden Staaten, die sich gewisser Verbrechen schuldig gemacht haben, können angeprangert werden. In der Praxis aber kommt e« so gut wie gar nicht vor, daß einmal rin Weißer seine Sünden am Schandpfuhl büßen muß. Die Auvvangcrung von Ne, gern dagegen ist ein Schauspiel, daß sich den Be« wohnern der genannten Staaten sehr häufig bietet. Verschiedene Methoden kommen dabei in Betracht. Leichtere Vergehen werden durch mehr- stündige» Einspannen ocs Kopfes in den Hals- eisen, das seinen Standort auf einem belebten Platze des betreffenden Ortes hat, bestraft. Abge- sehen von der seelischen Qual, ist diese Art der Folter mit keinen körperlichen Schmerzen ver- Kunden. Diese„milde" Methode der Bestrafung wird jedoch nur äußerst selten angewandt. Weit größerer Beliebtheit erfreut sich folgende Art de« AnprangernS: Der Kopf des Verurteilten, dessen Hände auf dem Rücken gefesselt sind, wird in ein Loch zwischen.zwei Balken geschnallt, die w a g e- recht in Brusthöhe an einem Pfhal befestigt sind. Der.Hals des Delinquenten unterliegt einer starken Biegung nach vorn, daß er sich schon seinen Bruder zu rächen. Nach langem Suchen brachte er in Erfahrung, daß Hisir nach Konstantinopel verzogen war. Er verfolgte ihn daraufhin vier Sah«. Sm letzten Frühjahr gelang e» ihm endlich, Hisir ausfindig zu machen und sich mit ihm anzufteundrn, da Hisir ihn nicht kannte. Nach wochenlanger Bekanntschaft machten dir beiden«inen Ausflug nach dem oberen Bosporus. Hier erschlug Ali den Denunzianten seine» Bruders mit einer schweren Eisenstange. Der Angeklagte erklärte dem Gericht, er fühle sich frei von aller Schuld, denn er hab« nur seine hrilige Drrpslichtung zur Blut- rache erfüllt. Was mit ihm geschehen werde, sei ihm völlig gleichgültig. Wildwest. Sn dem Städtchen Borger, Texas, ist der Staatsanwalt Sohn Holmes auS dem Hinterhalt erschosien worden. Die Behörden baben strengste Untersuchung de» Mordes angeordnet, zumal der Tod de« Staatsanwalts weitere Kreise zu ziehen scheint, da di« gesamten Akten und do» sehr tvichtig« Beweismaterial im Prozeß gegen den bekannten Texaner Bankräuber William Walker, der wegen Ermordung von zwei Polizeibeamten im Sahre 1927 hinter Schloß und Riegel sitzt, ver- sAyvunden sind. Ans Anordnung de» StaatSgouvrr- neuri wird, falls erforderlich, das Standrecht über Borger verhängt werden, da sich dort zahlreiche Komplizen Walkers aufhalten. Gestohlene Gemälde znftandegebracht. Die Berliner Kriminalpolizei hat Freitag abends vor einer Bierhalle im Zoo zwei Männer angrhalten, deren Verhalten den Beamten aufficl. Zwei Pakete, dir einer von ihnen unter dem Arm trug, erwiesen sich al» ein Ruben» nnb ein Tischhrin, die im August d. I. bei einem großen Einbruch in einer bekannten Leipziger KunschaMung gestohlen worden sind. Dir gesamte Beute hatte einen Wert von ungefähr 100.000 Mark(800.000 K8). Auf dem Polizeipräsidium wurde einer der beiden Festgenommenen als ein Arbeitsloser festgestellt, der, um einige Groschen zu verdienen, das Tragen der Pakete übernommen hatte. Sein Begleiter, ein 80 Sahre alter Sohanu Brauner, der Im Westen von Berlin einen Sportverlag betreibt, wurde bi» zur Aufklärung des Sachverhaltes einstweilen in Gewahrsam behalten. Er erklärte bei seiner Der- nach wenigen Minuten nicht mehr auf den Füßen zu halten vermag und buchstäblich mit dem Kopfe an dem Querbalken in der Lust hängt. Die amerikanischen Gesetzgeber hielten e» für eine Tat der Menschlichkeit, diese furchtbare Art de» Strafvollzuges aus zwei Stunden zu begrenzen. Aber e» kommt doch nur selten vor, daß cm Verurteilter nach Ablauf der Frist noch imstande ist, auf eigenen Füßen nach Hause zu oefcn. Vielfach dient der Pranger' auch zur Auspeitschung des Delinquenten. Die Arme de» Verurteilten, dessen Oberkörper entkleidet ist, werden um den maimeSstarken Schandpfahl gelegt rmd an eisernen Ringen gefesselt. Der Sheriff fimgiert auch al« Buttel. Ihm obliegt die Ausgabe, das Urteil, da», je nachdem, auf fünfzehn bi» dreißig Peitschenhiebe lauten kann, zu vollziehen. Man sagt, daß die Neaer eine geringere Schmcrzcmpfindlichkeit als di« Weißen besäßen. In der Tat hat es Neger gegeben, die die Auspeitschung ohne einen Schmerzenslaut ertrugen. Di« Prügelstrafe wird in Amerika nur bei qeringfügigen■ Vergehen angetvandt. Verübt ein Farbiger einen besanglosen Diebstahl oder Betrug, so spart man gewöhnlich die Unterhaltung», kosten einer GefätlgniSstrafe und wendet statt dessen die Strafe de» AnprangernS und AuSpcit- schrn« an. Ein hoher Beamter der Union hat einmal in diesem Zusammenhänge mit zynischer Offenheit die Ansicht der amerikanischen Gesetzgebung geäußert:„Die teuerste Peitsche ist immer noch billiger al» da« Ta- geSgehalt eine» einzigen Gefäng- niSauffeherü!" nehmung, er habe weder von dem Schicksal noch von dem Inhalt der Pakete eine Ahnung gehabt. Da«„heiligste Recht" de« Ehemann« es. Die Richter der amerikanischen Stadt St. Laut» sind vorbildliche Menschenfrcunde und wohl sämtlich— verheiratet. Diesem Umslairde verdankt Peter H. Pack seine Freisprechung. Leine ungetreue Gattin Viola aber muß nach erfolgter Scheidung auf jegliche Unterstützung ihres ehemaligen Gatten verzichten. Der sogenannte„Dritte", William C. Rheat- mrr, wurde zur Tragung der Kosten verurteilt, war um so auffälliger war, als er zunächst in der Rolle de» PrivatklägerS ouftrat. Der Vorfall stellte eine Alltäglichkeit dar: Peter, der Ahnungslose, überraschte die flatterhafte.Viola mit ihrem Freunde William im— Automobil und verprügelte kurz entschlossen den„fahrenden Liebhaber". Dieser ver- klagte den impulsiven Ehemann wegen Körperverletzung, hatte damit aber wenig Glück, denn die Richter fällten do» wahrhaft salomonische Urteil, daß es das heiligste Recht des Ehemannes sei, den Verehrer seiner Frau zu verprügeln, wenn er dir beiden überrascht.— Das ist Amerikanismus in „gesundem Sinne"! Der Genrralzensor. Der Eisenbahner W. E. Woodward in Cambridge kann den höchst eigenartigen Ruhm für sich beanspruchen, der „Genrralzensor" der gesamten britischen Literatur zu sein. Die Romanschriftsteller und Novellisten AlbiouS fürchten seine Randbemerkungen weit mehr als die Aufsätze der Benifskritiker. ES handelt sich nicht etwa um ästhetische Meinungsäußerungen, sondern um Fahrplan fehler, di« Wood ward, dieser Schrecken der englischen Schriftsteller, in sämtlichen Werken der schönen Literatur mit peinlichster Gewisienhaftigkeit festgestellt und jährlich einmal in einer Zeitschrift veröffentlicht. So entdeckte er in einem kürzlich erschienenen Roman einen„epochemachenden Bock": der Verfasser ließ seinen Helden von Calais mit dem Luxuszug nach Spanien fahren, wiewohl gerade auf dieser Strecke überhaupt kein Luxuszug verkehrt. Die Herren Literaten sollten die Fahrpläne gründlicher studieren, meinte der brave Eisrnbahnrat; dann könnten sie derartige„sinnentstellende Dummheiten" leicht vermeiden. Rcuerding» kontrolliert der Herr Genrralzensor auch„fliegerische" Irrtümer. einer Novelle landet da« Flugzeug des Bräutigan um sieben Uhr tn Marseille, und der Fluggc wollte unterweg»(stilgemäßerweise, denn er befoi sich ja auf der Fahrt in» Blaue) den sogenannte „blauen Zug" gesehen haben.„Wie konnte de Mann den„Blauen Zug" um sieben Uhr begegnen wenn dieser erst um neun den Bahnhof verläßt? lautete die berechtigte Frage Woodward», und de: Verfasser war nicht in der glücklichen Loge, der Vorwurf zurückweisrn zu können, denn natürlich hatte der Fahrplanprofessor wieder einmal vollkommen recht. Den vielgeplagten englischen Schriftstellern wird wohl nicht« andere» übrig bleiben, al« Woodward in der Eigenschaft eine«— Fahrplauberaters für ihre Organisation zu ver- Pflichten. Sn Amerika wäre da» schon längst geschehen.. Sinclair Lewis und der Ausfratichler. Ter berühmte amerikanische Dichter Sinclair Lewis, desien Roman«„Babbitt",„Die Haup.straße", „Mautrap",„Der Erwerb" und andere zu Weltruf gelangt sind, muß seiner Berühmtheit denselben Zoll entrichten, wie so viel« andere große Männer dieser Zett: er ist keinen Tag vor den ZeitungSauSsratsch- lern, Interviewern und Schmöckrn sicher. ES Ist in der Tat eine Kunst, sich der Zudringlichkeit dieser Leute zu erwehren, aber man rplrd Sinclair Lewis das Zeugnis nicht versagen können, daß er diese Abwehr mit bestechender Liebenswürdigkeit und witziger Laune besorgt. Da erhielt er vor einigen Tagen aus einer Stadl des mittleren Westen» Amerika« folgenden Bries eine« für Zeitungen schreibenden RechtSanwaltS: St. Clair Lewis, CoSmopolitan Magazin«. Lieber Lewi«! Habe einige Ihrer Werke gelesen und möchte Ile um einiget bitten: Bitt«, senden Sie mir«in« Lifte Ihrer Erzählungen, Ihr Autogramm, Ihre Photographie sowie einen Brief mit Ihrer Lebensbeschreibung. Wie viel« Kiirder haben Sie und wie heißen sie? Im voran» besten« dankend, Ihr I. I. Jone». Sinclair Lew!« wurde nicht grob, sondern im Gegenteil. Mit sanfter Freundlichkeit antwort« er dem Herrn Jone«: Mein lieber Jim! Nur eine« in Deinem netten Briese war mir nicht ganz recht: er war ein bißchen zu formell und steif. Es ist schon wahr, daß wir un» noch nie gesehen hoben, und irgendwie hab' ich eine Ahnung, daß es auch nicht dazu kommen wird. Aber schließlich, leben wir nicht in einem demokratischen Lande? Also sag' ich Jim zu Dir und Du kannst mich Dickerchen nennen oder sonst einen netten Namen. Nun, Jim, ich habe kein Photo hier, aber Ich werde in die Stadt fahren und mich aufnehmen lassen. Eine Lebensbeschreibung für Dich habe ich schon angefongen, aber ich habe ein ziemlich lange» und schlechter Leben hinter mir, und so wird cs wohl ein paar Wochen dauern, bis ich damit fertig bin. Aber inzwischen, Jim, möchte ich furchtbar gern etwas über die Rechtsanwälte erfahren. ' Schick« mir freundlichst Deine Photographie, Bilder Deiner Wohnung und Deines Büros, eine Liste Deiner Außenstände und Verpflichtungen, Dein durchschnittliche« Monatseinkommen und ein Verzeichnis der Bücher, dir Du seit 1914 gelesen hast, falls Du welche gelesen hast. Bitte, schreib' mir, ob Du schon einmal Alkoholschmuggler oder Schriftsteller vertreten hast, und in welchen Angelegenheiten. Würde mich auch über sonstige intercsiante Berichte freuen, zweck» Verwertung beim Geschichtenschreiben. Wie kommst Du mit Deiner Frau au»? Schreib' mir ausführlich all« Elnzelheiten. Im Vorau« dankend, verbleibe ich Dein Dich liebender Sinclair Lewis. ES ist hundert zu«Ins zir wetten, daß der Herr Ion«« diesen Brief wirklich ernst genommen und auf alle Einzelheiten ausführlich geantwortet hat. WWWWWWWWWWWVWWWWMffWWWWWWWWWWWWWWWV „Wir haben keinen Patienten!" Sie fragt den Steward:„Wo ist die Kajüte meines Sohne»?" Sie nennt seinen Namen. Wiederholt Ihn. Der Steward hat verstanden. Er blickt verlegen zur Seit«.„Ich»veiß nicht, liebe Frau; wollen Sic nicht den Kapitän fragen?" Der Kapitän kommt gerade von der Kommandobrücke herunter.„Entschuldigen Sie, Herr Kapitän, aber«S handelt sich um meinen Sohn, Herrn Dicirzc, Robert Diellz«. Er ist also doch nicht mit diesem Schff gekommen?" Die Möwen- umschaukel-n das Schiff— die Sonn« strahlt— das Meer ist so schält und ruhig.„Gewiß, Frau Dieuze", sagt, der.Kapitän und sieht die kleine verhutzelte Frau mitleidig an.—„Sic muffen sich aber auf etwas Trauriges vorbereitep. Sehen Sie mal..." Er I)ält inne. Er kann nicht fortfabren. Wie soll cr'S nur sagen? Sie hat aber schon verstanden..; „Er ist tot? Ist das wahr, daß er tot ist? Ach, mein Gott— mein Gott?" Der Kapitän drückt sie sanft auf eine Bank nieder. Dann wischt er sich die Stirn. Ach, wie schwer ist das doch! Er nimmt eine Uhr, eine Brieftasche und einen Ring hervor und übergibt ihr alles.„Das ist olles, was er hinterließ." Sie schluchzt. Sie versteht nichts. Nein— sie begreift es nicht— kann es nicht fassen. Er ist tot— tot. Auf einmal hört sie schwer« Schritt«. Bier Marmer trogen einen Sarg. Die schwarzgcflei« dete Witwe folgt. Plötzlich erhebt sich Frau Dieuze:„Wo ist der andere Sarg?"—„Der andere?"— ,Ja— wo ist der Sarg meines Sohi«»?"—„Sehen Sie", sagt der Kapitän .zögernd,„Ihr Sohn starb doch auf der Reife— und wurde deshalb ins Meer versenkt."—„Ins Meer?"—„Ja— so fordert cs das Reglement." „Aber der a»rdere?"— Frau Dieuze starrt den Kapitän verwirrt und verständnislos an. „Der andere Sarg ist doch hier?"—„Ja— sehen Sic, die Sache liegt so,— der starb ja au Land!"—„Ja— und?"— ,^Ja— sehen Sie — wir haben einen Tarif- für Transporte— falls die Erben den Transport des Sarges bezahlen wollen, daun... aber tvenn einer an Bord stirbt— ja— wenn zufällig die Frau dabei ist oder jemand anders, der bezahlen will, dann nehmen wir natürlich die Leiche nut— aber wenn er allein ist..." „Wenn er allein ist— aber. diejenigen, die ihn erivarten— die sich nach ihm sehnen— meinen Sic nicht, daß auch d i e bezahlen würd- den?" j,Ja— ja— in der Regel... aber oftmals ist mentand da— und di. Gesellschaft kau» das Risiko nicht traget«." Frau Dieuze starrt wie versteinert vor sich hin. Ta tragen die vier schweigsamen Männer den Sarg über den Landungssteg. Die trauernde Witwe folgt. Die Slücklickie. Bon Pierre Rill«. SPD. Der Hofen von Marseille Äitzerte in der Sonne. Dtächtige Schiffe durch- fuhrcn langsam das Wasser— die Kais wimmeln von Menschen aus aller Herren Ländern. Chinesen, Syrier, Neger, Araber— und ganz draußen am Bollwerk stehen, wie eine Blauer, alle, tne auf Verwandte und Freunde warten, die jeden Augenblick konnnen muffen. Der Postdampfer aus China nähert. sich. Wie ein Schwann weißer Vögel flattern die Taschentücher der sich Nahenden an Deck. Vom Lande wird wieder gewinkt. Alles ist frohe Erwartung. Spannung. Di« Frauen haben sich so schön gemacht— sic gleichen vom Kopf bis, zu den Füßen einem einzigen großen Lächeln. Auch die Frau Dieuze hat sich schön gemocht, noch besten Kräften natürlich, denn sie ist eine alte, verarbeitete Frau. Sie will ihren einzigen Sohn abholen. Er hat ihr von Indo-China aus telegraphiert, daß er käme. Er hat Urlaub erhallen, damit er sich einmal erholen könne; er hätte cs nöttg. Diese Erlaubnis wurde ihn« nur von einem wohlwollenden Arzt erteilt—:„ich bin nur ein wenig müde mrd abgespannt."— Müde? Sie wird ihn schon ordentlich pflegen und ihn wledvr frisch und munter machen. Nur ein« einzige Frau unter den Warten den ist in Trauer gehüllt. Sie ist gekommen, um einen Sarg in Empfang zu nehmen. Ihr Sohn ist da draußen gestorben— und sie wolire cs nicht leiden, daß er in der fremden, kastei» Erde ruhen sollte. Sie wartet auf einen armen, cntfcciten Leib— dar ist olles... Frau Dieuze betrachtet sie mitleidsvoll— es ist doch ein Jammer. Dennoch kann sie eine«wisse egoistische Zufriedenheit»richt unterdrücken. Mein Sohn lebt, denkt sie, ach— mein Junge— wie werde ich dich umarmen und küssen— rS sind ja nur noch einige Minuten... Das Schiff hat angelegt. Die Troff«»» werden ausgeworfen. Jetzt wird die Landungsbrücke hernntergelaffcn. Die'Passagiere dränge»» sich. Ach— welche Freude! Man ruft— man umarmt sich... aber— wo bleibt mein Sohu, denkt Fra»r Dieuze. Warum kommt er »richt?, Plötzlich erfüllt sie Angst. Sie drangt sich weiter nach vorn und starrt jedem einzelnen Paflagicr ins Gesicht. Ist cr'S? Warum kommt er nur nicht? Fetzt sind nur noch die zurück, die zu spät gekommen sind. Und die wenigen Ein. samen, die nienronden ertvarten. Der Platz ist fast leer. Nur die ttauergeklcidctc. die auf ihren toten Sohn tvartet, harrt noch geduldig. Aber Frau Die»rze fft auch noch da— sie erwartet einen Lebenden. Ihre Angst wächst. Während sie über di« Landungsbrücke wankt, ist sie sehr bleich. Er muß krank sein, deirkt sie, '„Wo ist da» Krankenzimmer?"
SamStag, 5. Oktober 1929. Seite 0. Die Spraeycn Oer Welt. 91 Tmatentn SNanseyen fpredOen 2>tntf<0. Kartoffelacker km Herbff. Lurch di» aufgerissenen geilen hasten di« Klauber. Dritben schwelt«in Teuer in den Siovemberhiminel. Austauchende Menschen und Tiere sind,.wie spuk« 'Hafter Zauber, 8n da» Schweigen de» HerbfttagS llingt Kuhglocken- gebimmel. Tot ist die Lust. Di« Rebel nur trieft», ,. Nirgendwo laut« Stimmen, di« de» Tag hrrausrieftn. In den Säcken Hausen sich die Knollen, Lugen in dir senchle Morgrnliihl«. Drohen dir Gefängnisse zu sprengen, ihr« übervoll««. Natternhast rollt sich am Boden rin« Siel«. lieber da» Feld eilen slüchtig« Führ: Wegbereiter de» Frühling». Lauter lebendige Grüße. Weich verhüllt liegt di, Welt. Und rin Sperling ruft übrr da» F«ld: Schlaft ihr auch, schlaft in d«n Winter hinein— 8» wird doch Frühling, kommt'Sonneuscheln. Han» Honheiser.. Jas Katapultslugzeug. SPD. Bei der Rekvrdfahrt der„Breme n" Ist viel die Red» grwesen von dem-jogenaunren Kata- pultslugzcug. Unter Katapulten verstand man im Altertum Wursmaschtuen, Sie l^cschojft auf vlrund der TorsivnSkrasi, d. h. der Kraft, die bei der spiralige» Aufdrehung eine» Seile» entsteht, ftrt- fchleiiderlrn. Mit diesen Katapul.en, die von zwei Mann bedient wurden, konnten Geschosse von etwa hundert Pfund Gewicht drei- bi« vierhundert Meter weit geschleudert werden. Heute verwendet man selbstverständlich zum Antrieb Maschinenkräste, und zwar Trnckluftzyllndtr. Da» Katapult, da» sich auf der„Bremen" zwischen den beiden Schornsteinen aus dem Sonnendeck befindet, besteht au« dem Schienenlräger, dem Startschlit- len und der Beschleunigung-Vorrichtung. Ter Schienenträger dient al« Ablaufbahn für den Starrichlit- ien; damit da» Flugzeug jederzeit gegen den Mnd starten kann, ist er nach allen Seiten drehbar. Ter Schlitten selbst gleitet auf dem Schicnenträgrr mir Hilft von vier Gleitschuhr». Die Beschleunigungsvorrichtung besteht vor allem au» einem Preßluft- zyllnder und ist durch ein Zugseil mit dem Vorder ende de» Schlitten» verbunden. Da» Zugseil zieh« den auf dem Schienenlräger befindlichen Startschlitten nach vorn, nachdem auf diesem da« Katapultslug, zeug befestigt worden ist. Da» Flugzeug ist 1 Meter breit und wftgt ohne Ladung 2550 Kilogramm, wozu noch rin« Nutzlast von 080 Kilogramm kommt. Di« Höchstgeschwindigkeit beträgt Llö Stundenkilometer. Da« Maximal» fluggrwicht für Flugzeug«, die mit dem H«ink«l» katapult abgeschlrndert werden können, beträgt eswa 3500 Kilogramm. Die. Beschlcuntgungtstrccke de» Katapult» ist L0 Meter, lang: wenn tyr Schlitten am Ende der Gleitbahn angelangt ist, io wird er automatisch abg«bremst, während da» Flugzeug ebenso automatisch seine.Befestigung aus dem Schlitten gelöst hat und mit eigener Kraft weitersliegt. Um da» abgeschossene Flugzeug wieder vom Wasser ausnehmen zu können, befindet sich an beide«« Seiten de» Sonnendeck» je eine Krananloge. Bevor man übrigen» da» Heinkelkatapul« auf der„Bremeü" praktisch verwendete, hat nfan aus der Ostsee zloei Jahre lang auf einen« Schwimmdock zahlreiche Probcslüge auSgesühr«. Ein»lter Brauch. Bon Michael Kosyrew. SPD. Die Einwohner de» Dorfe« Zagorje erörterten nach einem Feiertage, an dem nicht we- »ige Raufereien und sogar ein Todschlag vorgekommen waren, in einer Bersammlung die Frage de» AikoholitmuS.„Man mutz diese Unsitte«« au»m«c- zeu", sagte der Borsteher.„An jeden« Feiertage sind alle Leute besoffen! Die Wirtschaft geht zugruiioe, und man sieht, wa» für Unglückssälle ,»ch ereignen können. An allem ist der Schur.pr schuld. Ach beantrage, folgenden Beschluß zu fasftni Jn der Eooperative darf kein Schnaps geführt wecden, ebenso darf niemand selbst Schnaps brennet oder trinken." „Vollkommen richtig!" riesen alle. „Bringen wir eine Resolution zur Abstimmung: mit heutigen« Tage wollen wir mit dem uralte«« La« Die Bedeutung einer Sprache hanht nicht in erster Linie davon ab, vo>« wieviel«« Muschel« sie gesprochen wird, sondern von ihre»« künstlerische» und wissenschaftlichen Wer«. So wird z. B. dachChi- nestsche von dem vierten Teil der ganzen Menschheit, von 435 Millionen Menschen gesprochen, ohne daß man dar»»« auf die Jd«e kä«n«, sie alS.die /,erste Sprache" der Welt zu bezeichnen..,. Reben dem BildungStveri einer Sprache, den da« Französische und Deutsche zum Beispiel, onlhal- «en, ist für die Wichtigkeit eine Spache vor allem bestimnleitd, wi«vietei« Menschen sie anßerhaib ihre« Staininlande« al» znrrii«, angenommene Sprache, al» sogenannte„HandtlS- und Berkchr»spra«he" ge- läusig ist. Da ist r« di« e n g l i s ch e Sprache, die von allein 163 Millionen Menschen als Muttersprache und eigentlich in allen Erdteilen al«„Fremdsprache" gesprochen wird. Rund 56 Millionen Menschen sprechen sie etwa in England und alleil« 116 in USA. nnd Kanada, dann ist sie.neben Nordamerika l«nd den englischen Kolonien ebensalls in Aegypten, Ehina, Japan, Persien und Rordasien al« Handels, und Verkehrssprache eingeführt und I» Indien, Afrika nnd Australie«« gebräuchlich. Ter.Zahl nach folgt mit 116 Millionen da» R n s s I s ch e und«nit 91 Millionen da» Deutsch«. An nächster Stelle ran. giert da« Spanisch«, von etwa 60 Millionen ge- sprachen, doch ist«» anher in Spanien selbst eben nur in Amrrika vrrtreien. Eine ganz andere, viel größer« Bedeutung, wenn auch ohne irge««d besonderen kulturellen Wert, kommt jetzt dem Portugie- stschrn zu, da» von zwar nur 40 Millionen gesprochen, aber al» Ser- und Kolonialsprachr ihrer Wichtigkeit entsprechend, wenn auch in weitern Abstand, aus da» Englisch« folgt. Sehr erstaunlich ist, wie stark die französisch« Sprach« an Boden verloren hat. 45 Millio- nen sprchrn sie, und, obwohl sie zwar immer noch al» „Jremdspraihe" der Gebildeten gilt, so verlor sie ihre internationale Bedeutung doch ganz an England. Nach der französischen Sprache liehen sich eben, fall« noch Italienisch, Japanisch und Koreanisch al» Sprachen nennen, die mit 41 und 86 Millionen die Grenze der Weltgeltung erreichen, obwohl sie eigentlich nur aus heimatlichem Boden gesprochen werden, da die etwa zwei Millionen nach Auierika autgewandrrten Italiener sich.fast ebenso leicht und schnell assimiliert haben wie die deutschen Auswanderer. So kann man z. B. statistisch kaum seststellen, wieviel Deutschsprechende e» denn eigent- ster der Trunkenheit brechen und verbieten" in uiise- rem Orte den Gebrauch voi« Spirituosen, ebenso wir dfn von Hau-schnap» und dergleichen. Wer dä- 'für ist— heb« die Hand!" Aber pur zwei, drek Hände.wurden erhoben... .„Was soll da», Bürger?" Die Bürger rutschten auf ihren Stühlen unruhig hin und her, sagten aber nicht». „Nun, wie denkt ihr darüber?" „Wir wisftn nicht recht. 8m allgemeinen wär' e« eine gute Sache, aber dennoch sind da gewisse Bedenken." „Wer Bedenke«« hat, der spreche sie aut." Au« der Menge trat eil« junger Bursch.„Ich sehe ein", sagte er,„daß man da« Sausen lassen muh. Dar bringt nicht» Gute». Aber wie soll man »S in folgendem Falle halten:(in einer Woche will ich heiraten. Und da» tut«nan nur einmal. Da muh man von der Jugend Abschied nehmen. Dann beginnt ein neue« Leben. E» kommen Kinder und die Sorgen. Und bei einen« solchen Anlaß soll man nicht trinken?" „Richtig gesprochen", sagttn viele anerkennend. „Bei einer Hochzeit kann man eine Ausnahme machen." Ter Vorsteher gab die» ebensalls zu.„Es ist wahr. Eine Hochzeit ist eine große Sache. Sie kann al» rin AuSnahmefall behandelt werden. Wir, bkeiben bei der alten Resolution, fügen aber hinzu: mit An-nahme einer Hochzeit. Stimmen wir ab! Wer ist dafür?" Wieder waren nur rin paar Hände zu zählen. „Nun, wa» gibt e« noch?"— Wir haben noch immer Bede««ken!"-„Welcher Art?" Ein Bäuerlein tritt vor.„Meine Alte kriegt einen Jungen. Da» Ist schon nahezu sicher. Di« Heb- Ilch in Amerika gibt, da da« Amerikanertum da« Deutsche erschreckend schnell ersetzt«., Di« Ueberstch« darüber, von wftvtrlen Menschen aus der Erde ein« Sprache verstanden, aber nichtgesprochen wird, sieh« natürlich wesenlich, ander» au«. So stehen also, abgesehen von dem Chinesischen und den indischen Natlonaljprachcn, an erster Stelle, da« Englische 1166 bi» 226 Millionen),, damr unmittelbar danach da« Russische(116 bis 176 Mil- livnrn), dann da« Deutsch« mit 160 Millionen. Französisch verstehen nngesähr 86 Millionen, italienisch 56. Bon de» anderen europäischen Sprachen sind«roch die h,ol ländische(bi« 12 Millionen) und die g r i c ch i s ch e(8 Millionen) außerhalb Europa» verbreitet. Deutsch ist für den Ausländer nicht l«icht zu erlernen und bietet rein praktisch nur wenig Borteile, während das Englische alS die Wohl am leichteste«« erlernbar« Sprach« eben auch als BerständignNgS- mitlel in der ganze» Welt von Vorteil ist. Ein Bericht de» englischen UuierrichiSmInistrriümS aus dem Vorjahre gibt an, baß da» Deutsch« Nur In wenig cnglischrn Schulen gelehrt würde. Bei dei« Reise- prüsungen in« Jahre 1628 wurden 54.600 Schüler im Französischen geprüft und nnr 8887 in« Deutschen. Die Prüfung im Spanischen absolvierten damal« in ganz England 719 Schüler. Doch ein« kürzlich, in diesem Jahre,, erlassene Derfügung der englischen IlntcrrlchtSministrriumS ordnet an, daß in Zukunft in dei« Schulen dem Unterricht der depl- fchen Sprache eine größere Aufmerksamkeit al» bisher zuzuwenden sei. ES wird daraus hfngewicsen, daß die Kenntnis der deutschen Sprache für den Engländer von heute immer wichtiger tvrrde, angesichts d«s starken Aufschwunges, den der deutsche Handel nnd' die deutsche Wirtschaft, genommen, habe, nnd besonders im Hinblick aus den führenden Einfluß des 'deutschen Geisteslebens und der deutschen Wissenschaft. Da» Ministerium hat besondere Richtlimrn ausgestellt, nach denen das Deutsche, da« bisher nur saknltattv unterrichtet wi«rde, dem Französischen als obligatorisches Unterrichtsfach gleichgestellt werden soll und desgleichen bei dei« Prüfungen besonderer Wert ans die Kenntnis der deutschen Sprache gelegt werden müsse. Z»m Bergleich dieser beiden Sprachen mag als interessant noch angeführt werden, daß znm Beispiel in dem entstehenden Staate Palästina, der doch Zu-- zug ans der ganzen Well erhält, die Erlernung der deutschen Sprache zu der englischen im Verhältnis fünfhundert.;» hundert steht. amme Akulina hat erklärt: DaS sicht man am Bauche, daß es ein Sohn fein wird. Das wird mein erster Sohn fein. Und an einem solchen JrrndeNtage nicht trinken? Da» darf nicht' sein." „So ist es," pflichtete»- viele im Chore bei. „Darum sage Ich: I» diesem Falle kann man ebenfalls eine, Ausnahme machen.".—„Versteht sich!"— „Also meinetwegen", gibt der Vorsteher nach.„Schreiben wir demnach: Mit Ausnahme einer Hochzeit und der Geburt eines Sohnes." „Eine Totcher ist un« nichts schlechter!" ries ein- Frauenzimmer aus den hinteren Reihen.„Auch eine Tochter bringt Freude."—„Ucberhaupt haben wir seht die Gleichberechtigung der Geschlechter. Da nlüsscic wir uns in gleicher Weift freuen."—„Was tvahr ist, ist tvahr!" stimmte der Borsteher zu.„Tas weibliche Geschlecht dürfen wir nicht zurücksetzcn. Das wäre gegen die Prinzipien der Revolution. Es wird also heißen: Mit AllSnahmc einer Hochzeit und der Geburt eine» Sohnes oder einer Tochter. Wer ist dafür?" EI», paar Dutzend Hände tvnrdc» erhoben, doch zur Majorität fehlte noch viel.„Was seid ihr für Leute?" erboste sich der Vorsteher.„Zuerst schreien alle: richtig, i«nd wenn es zur Abstimmung kommt, ist keiner dafür. Was hat das für eine Bcwändt- iiis?"—„Wir haben noch imnier Bedenken!"— „Heraus damit!" Ein anderer Bürger tritt vor.„Es gibt alle möglichen Gründe. Zum Beispiel: ich kauft ein Pferd, nachdem Ich fünf Jahre lang Geld- gespart habe. Und da soll man sich nicht freuen?" „Gelviß, die Freude ist nicht gering." „Man kam« eine Kuh kaufen", sagte das Frauenzimmer.„Das ist auch von Bedeutung.- Dem Manne sein Pferd, der Frau die Kuh!" Wollen Sie stets trockene u. warme FO0e bewahren? . Trauen Sie einzig Schuhe mit Sohlen von ßditem Plantagenoununi Die Plantagen• Crepesohle Ist unverwüstlich, leicht, elsstlsch, wasserdicht and echliefit Er müdung ans. Verlantfcii Sie schuhe mit Planülgengummi in leier Schuhnlederlade. The Rubber Growers Association London. w »—II „So will er dir Gleichberechtigung," riesen auch einige Männer.„Und wenn sich einer einen neuen Pelz machen laßt?" fiel einem ein.„Und da kaust sich Wanjka neue Stiefel. Ist er denn ein Ungeheuer, daß er da niemauden zu Gaste lädt, wegen. dieser dummen Resolution?" Der Vorsitzende sann angestrengt nach,„WaS gibt'- da viel zu denken! Einfache Sache. Für solche Fälle kann man-Ausnahmen machen. Wir schreiben doch selbst die Resolution, niemand sonst."—„Wie meint ihr?" ereiferte sich der Bor? sicher.„Fassen wir.dir Resolution oder nicht? Mache«« wir der Trunkenheit ein Ende oder nicht?". „Selbstverständlich wird Schluß gemacht!" „Darum handelt es sich." „Merke bloß in der Resolutioi« die Ausnahme», vor: in diesen und in diesen Fällen darf man..." Der Borstcher notiert: beim Kauf eines Pferdes, einer Kuh, von Stiefeln, eines Pelze-... „Eines Rockes", schreit einer von hinten.„ES gibt Röcke, die teurer sind als ei» Pelz."—„Schreib' noch dazu: an Namenstagen! Das ist nur einmal im Jahre." Aller ist anfgeschrieben. Der Vorsteher kiest die Resolution vor.„Nun werden wohl alle dafür sein." Abermals nur wenige Hände in der Höhe.„Noch immer Bedenken?"—„Gewiß," sagt ein würdiger GrelS.„Das Saufen ist von Urbck, und man müh es auSmerzen. Keineswegs sollen wir aber unfern schönrn alten Brauch vernichten. Man kann sich auch sonst freuen, nicht nur beim Kaufe..Ein/ anderer, Mal..lauft,.man nfchtS, beginnt indessen eine groß« Sache. Bor dem Beginn einer großen Sache muß. ,es,.meiner Ansicht nach, ebenfalls gestattet fein." „Wacker gesprochen!" Der Vorsteher knickte zusammen.„War soll ich »ur mit euch anfangen? Schreiben wir also>«ock>: vor dem Beginn einer großen Sache. Sind jetzt alle dafür?— Es scheint, daß alle. Hebt die Hände!" Alle erhoben sich wie ein Mann.„Ende gut, alles gut", freute sich der Vorsteher.„Jrdeirsall- haben wir eine Resolution gegen den Alkohokksmns gefaßt. Wir können die Bersammlung schließen. Der Alte, der den letzten Passus beantragt hatte, "trat vor nnd rief:„Wie dürfen wir auSeinander- gehen? Haben wir nicht eine große Sache begonnen? De» Kampf gegen bett AlkoholiSmuS." „Freilich ist es eine große Sache!" „Und zu Beginn einer so großen Sache sollten wir an unfern« alte«« Brauch nicht.festhallen? Zn Begin» einer so große«« Sache nicht trinken?" „So würde es sich gehören. Aber für wessen Geld?" „Welche Frage? Ist das nicht eine Sache der sozialen Fürsorge?" „Freilich." „DaS heißt: wir trinken für Geld äuS den Mitteln der sozialen Fürsorge. Deshalb schlage ich vor, das entlegene Grundstück an der Lichtung zu verkaufen. Ta hätten wir gleich Geld. Hierüber mußte nicht erst abgestimmt werden, vielmehr wurde der Antrag des Alieu per?lkkla- «nation angenommen... (AuS dem Russischen übertragen von S. BoriSsoff.)
SamStag, 8. Oktober 1928. Hüll i. I« Abends soll eine bei festlicher Be- Für Montag sind Umgebung Aussig« die den bii Sind Sie geistig oder körperlich ermüdet? Massieren Sie Ihren Körper! Dies geschieht am erfolgreichsten mit unverdünntem Franzbranntwein »Ul Pa". Eine solche Massage verbessert den'Blutkreislauf,■ stärkt die Muskeln und erfrischt dir Nerven. Beraten Sie sich mit Ihrem Arzte über die Art der Massage. be- die im den mit weißgekleidete Leibgardisten hängen, zumindest wenn bevölkerte Ortschaften durchquert werden. In zwei Autobussen mit je vierundzwanzig Sitzplätze» nimmt sodann dir bis an die Zähne bewaffnete Leibwache Platz. Ihr folgen die„Haremswagen", fensterlos, mit Oberlicht jchoch versehen. Elektrische Ventilatoren sächsln Kühlung für die vierundzwanzig Frauen und ihr«„Hofdamen", di« je zu sechs in ihren zeitgemäßen Käfigen kauern und durch die Wüste auteln, bi;■'Ma ruft".., Herausgeber: Dr. Ludwig zech. Ehesredakteur: Wilhelm Sl»eyn« r. Aeeannvorlllcher Redakteur: Dr Enni S< rautz. Prag. Druck: Rota A.-V. kür Zeitung» und Luchdruck, Prag Zür den Druck oerannvortlich: Otto H o»> k. Prag. Lj« Zitt»»ee«art«njraataNlr wäre« voe dr« Polt» a. IiUatapbe«. '•t-h-o» m i AN«»«r 187«tilwll»» an tt.«»- btnia'et PütkktlichcS und sicheres Erscheinen aller Partei« Mitglieder notwendig. Bas Baste für ihre Augen 1ff** Optiker iDeutsch, frag, Palai» Korona. 1883 Kleine Chronik. -er Schrecken der RlMonSre. Bon Argo». Begeisterten Lesern von Kriminal-Romanen wird der Name Raffle«, des Gentleman-Einbre- cherS. der von einem englischen Schriftsteller in hunderten von Bändchen verherrlicht wurde, nicht unbekannt sein. Weniger orientiert aber Ist die Oeffent- lichkcit wahrscheinlich darüber, daß die Flgur RasslrS, des geschworenen Feindes aller wohlhabenden Bösewichter und des passionierten Rächers der Enterbten, kein Produkt dichtenscher Phantasie Ist, sondern ans dem Leben.selbst gegrlssen wurde. Dem englischen Autor diente der berühmte amerikanische Gentleman-Berbrecher Arthur Kolli». al» Modell, jener berüchtigte Mann, der jahrelang hindurch vor dem Kriege der Schrecken aller Millionäre und der Freund aller Armen in USA. genannt wurde. Bor etwa sechs Jahren gab Kollin-RassleS seinen„Beruf" auf, um von nun an ein Leben als solider Rentner zu führen. In Philadelphia ließ er sich ein prächtiges Palais erbauen. Er durfte <» unbesorgt tun, denn kein amerikanische« Gericht konnte sich rühmen, Kolltn je verurteil: zu haben. Immer mußt« er wegen Mangel au Beweiseir freigesprochen werden. Während seiner„Tätigkeit" halt« er sich«in beträchtliches Vermögen erworben, däs, irgendwo auf einer geheimnisvollen Bank deponiert, ihm gestattete, auf sein« alten Taz« ein luxuriöses Leben zu führen. Arthur Kolli» war jedoch ein Mann, dem auch i« Alter noch Abenteurerlust im Blut« gärte. Die Vergangenheit folgt« ihm wie ein Schatten, und die Tage, vielmehr di« Nächt« nrrvenaufpeltschender Erlebnisse tänzelten so verführerisch vor seinen Augen, daß er eines Tages beschieß, wenigstens zeitweise und sozusagen nur. zum Schein in sein früheres Dasein zurückzukehren. Arthur Kolli« mietete sich in einem verfallenen Gebäude Philadelphias eine armselige Kammer, in der er, alt Betler verkleidet, lange Nächte im Gedenken an sein« ausregendsten Abenteuer verträumte. Mehrere Tage verbrachte er so, in Lumpen gehüllt, zu, selbstverständlich^ ohne sich der Gefahr auszu- setzen, durch ein Verbrechen mit der Polizei in Kon» {Itft zu kommen. Dann kehrte er schließlich durch «in« Settentür in sein Palais zurück. Am andern Tage war Arthur Kollin wieder«in untadelhastirr Gentleman, dessen Eleganz und dessen guter Geschmack lebhafte Bewunderung erregten. Leider war nun Kollln nicht der einzig«, der sich ab und zu an di« Tage der Vergangenheit erinnerte. Seine Opfer, deren Geldbeutel er früher einmal geschröpft hatte, ohne daß ihm gerichtlich etwa» anzuhaben war, vergaßen diese Zeit ebenfalls nicht. Während der. letzten sechs Jahre wurden mehrere geheimnisvoll« Attentate auf de« Genilemau- Verbrecher verübt, di« aber niemals Erfolg hatten. Sein PalalS wurde von einem Dutzend treu ergebener Leute bewacht, sein« Luxusautömobil« waren gepanzert und er selbst' trug ständig«in stählernes Schutzhemd anv Körper.... Und dennoch sollte er- d e r Rache s e-i jti c« Opfer nicht entgehen. » Dieser Tage sand di« Polizei von Philadelphia kn einer verlassenen Straß« die' Leiche eines Mannes, der durch sechs Revolverschüsse durch den Kopf Die Tagung de» erweiterte« Wundeaosrftande». Samstag, den 23. und Sonntag, den 2V. September tagten in Aussig'alle SpartenauS- schüsse und der erweiterte Bundesvorstand. Die Spartenausschüsse hatten vor allem di« für die B o r a r b e i t e n zum II. BundeS- turnfest notwendigen Unterlagen zu beschließen. Gleichzeitig war aus den Berichten auch die Ent- Wicklung nach vorwärts gut zu beobachten, sodaß mit einer ziemlichen Sicherheit ein prächtige» Gelingen des DerbandsfrsteS vorauSgesagt werden kann. Aus dem prosicktierten Festprogramm sei angesührt: Freitag, den 4. Juli Beginn, abends Festfeiern. SamStag, den 5. Juli werden neben den Wettkämpfen aller Sparten die Kinder besonders in Erscheinung treten. ES besteht die begründete Hoffnung, daß auch die Kinderfreunde an diesem Tage Mitwirken, so daß bereit» heute vom„Tag de« Kindes" gesprochen wer- den kann. Abends soll ein große- Fackrlspiel, das auf den umliegenden Höhen deS Anssiger Stadions beginnt und im Mittelplatz seinen besonderen Abschluß findet, durchgeführt werden. Genosse Slama(Wien), der da« Karlsbader Festspiel chuf, arbeitet bereit« für da» Festspiel, da» durch Tausende Fackelträger ungeheuer wirken wird. Der Sonntag(8. Juli) sieht für den Bormittag den großen Festzug. Nachdem diesmal Reichsdeutsche, Oesterreich« und Tschechen bestimmt in großer Stärk« teilnehmen, wird der Festzug.eine wuchtige internationale Demonstration werden. Selbstredend werden sich unsere Kulturorganisa- tlonen ebenfalls daran mit beteiligen. Mit besonderer Freude muß aber hier erwähnt werden, daß der Part ei vor st and der deutschen sozialdemokratischen Partei alles auf- bieten will, um auch unsere Parteiorganisationen neuerdings in Erscheinung treten zu lassen. Schon aus diesen Zeilen heraus dürfte jeder den Eindruck gewinnen, daß da- Nussiger BerbandSfest 1988 eine riesige Veranstaltung werden soll. Der Sonntag bringt dann noch daS Auftreten zu den Masienübungrn, ferner da» Auftreten der Arbeiterradfahrer und Arbritersänger. Dampfichiffahrt auf der Elbe, leuchtung den Tag abschlirßen. dann Ausflüge in die schöne geplant. Dee zeitgemäße Harem. Ebe Saud, der'König des HedschaS, hat sich modernisiert. Er hat sich bei einer Londoner Firma mehrere. SpezialauroS stellt, eine ßanze Kraftwagenkarawane, welche Strecke von Mekka nach Medina in' Zukunft Siebzigkilometertempo zurücklege» wird. Für König, selbst wurde ein schwerer Toureiüvagen besonderen Außengriffen ausgestattet, an denen MlMmtar Versicherungs- Aktien« gesellschaft in Wien .Direktion für die 6. S. R- In Prag. General-Agentschaft Reichen bei g empfiehlt sich rum Abschluß von Feuer-, Unfall-,• Haftpflicht*, Einbruch-, Aula-, Trans vereilisnachrWen. SamStag, den 12. Oktober veranstaltet der Deutsche Amts- und Bürogehilfcnverei» in den Räumen deS HandwerkervercinshauseS(Urania), Imetschkagasse 22, sein alljährliches, DielbelicbteS Weinlesefest. Im großen Saal Tanzmusik, in der Heurigenschänke spielt ein beliebte» Dudelsackqnartett au» Tuschkau. Eintritt inkl. Steuer Ku 15.—. Anfang 8 Uhr. Ende früh. Ter Ausschuß. Sevoffe Baudervelde, der Vorsitzende der Sozialistisch«» Arbeiter- , Internationale spricht Sonntag, den 6. Oktober 1929, in der großen SntttMtiMoltn Kimdgelnmg der deutschen nnd tschechischen Jngendorga. nisationrn von Prag. Lidovh dum, Hhbernska ul., halb 19 Uhr ' vormittag». Eintritt frei. Wir laden all« Partei« nnd Jugendgenosien, sowie all« sozialistischen Organisationen Prag» zur Teilnahme«in. S. I. Prag. Glühlampen mit Innenmattierung für allgemeinen Gebranch. Mattierte Glühlampen sind für da- Auge bedeutend vorteilhafter al» die blendenden ÄlarglaS-LamPen. Selbst wo di« Glühlampen nicht sichtbar sind, soll man aus lichttechnischen Gründen mattiert« Lampen verwenden. Weil ab«r die außenmattierte Glühlampe infolge der rauhen Oberfläche leicht verschmutzt und schwer gereinigt werden kann, bringt die OSram-Gesellschaft bei ihren Lampen jetzt die Mattierung innen an. Diese neuen Lampen haben also eine glatte, weniger leicht verschmutzende Außcnfiäche nnd übertresfen in jeder Hinsicht dir bisherigen außcnmattierten Lampen und die KlarglaS-Lampen. Man sollte deshalb künftighin ganz allgemein nur innenmattierte OSram- Lampen verwenden. 898 O—. Wer Bundes-Turn» und Sportfest. Bo« 4.— I. Mi 1|M iw tfaffis Xomby ist ein Kaubonbon, aber kein Kaugummi. Es ent- hält alle Vorteile, aber nicht die Nachteile der bisherigen KaubonbonS. Man kann mit Herzenslust in Tomby beißen und daran kauen. Trotzdem bleibt e» bi» zum letzten Moment von herzlichem Geschmack und ist ganz löslich. ES entspricht nicht dem Geschmack der Europäer, Gummi im Munde zu haben, der nach nicht» mehr schmeckt und überstarke Speichelentwicklung hervorruft und dadurch zu dem unangenehmen AuSspucken reizt. Tomby reinigt und pflegt Ihre Zähne, ist aber dabei ganz löslich, wobei Sie während der ganzen Zeit des Tomby- KaurnS den herrlichen Geschmack nach Ihrer Wahl haben. Kunst und Wiste«. Hauptmannn-Feier im Burgtheater. Tie Direktion de« BurgtheaterS hat das Werk Gerhart Hauptmanns,„Spuk", welches die beiden Stücke „Hexenritt,, und„Die schwarze Maske" umfaßt, zur Uraufführung erworben, die Ende November in Anwesenheit des Dichters, dem bei dieser Gelegenheit dlr Burgtheaterring der„Concordia" feierlich überreicht werden wird, stattfinden wird. Zu Ehren Gerhart-Hauptmann- wird da» Burgtheater außerdem«in« Gerhart Hauptmannn-Woche veranstalten. Spielplan de» Neuen Deutschen Theater». SamStag(4—4), 7 Uhr:„Carme n". Sonntag, 2% Uhr:„Prosit, Gipsy",'M Uhr(5—1): „Weekend im Paradies". Montag(6—2), 7K Uhr:„Grandhote l". Spirlpkan der Kleinen Bühn«. SamStag: Premiere:„Weekend im Paradies". Sonntag, 8 Uhr:„Leinen au» Irland"; M Uhr: „Der Film st a r". Montag(Bankbeamten 1): „Die Perle von Chicago". Versuchet die schmackhaften Plerdefleischkonserven! und billigen Reicherts Im Nu ein. schmackhaftes Mittagmahl, wenn Sie Gulaschhonserven 1. kg,*jj Jtg, 35 dkg,' 25 dkg, Haschekonserven 1 kg,$ kg, 35 dkg, 25 dkg, verwenden. Erhältlich in allen Konsumvereinen! > poft-, Pferde- nnd Vieh Versicherungen zu! kulanten Preisen.< Bargarantiemittel in der C.S.R. 56 Millionen.' Büros: Prag* Narodnf tf. 17.\ Reichenberg, Schützeng. Nr. 21.| Brünn, Theatergasse Nr. I, M»»»»M»MMM«HMMMH«m Die Techniker. Die Sitzungen der Techniker vom. Samttag und Sonntag, die gleichfalls in Aussig stattsanden, befaßten sich auch mit den kommenden P a r l a- ment»wohl en und pellt sich der Verband mit seinen Mitgliedern überall zur Wühlarbeit zur Perfügung. Die Spaltung lieh den Mit- gliedcrstand im April auf 34.860 Mitglieder sinken. Seitdem wurden aber bereit» wieder Ber- einSgründungen in diesem Gebiete vorgenommen, sodaß nahezu 2000 Mitglieder schon wieder der Bewegung zugeführt werden konnten. Nicht befriedigend ist die Entwicklung dr» Frauen- nnd'KinderturnenS. Entsprechende Beschlüsse wurden hier gefaßt. Die- Schachsparte trat bereits zweimal vor die Oeffentlichkett nnd sind auch hier die neuen Beschlüsie für die Weiterentwicklung eine gute Gewähr. Die sich bildenden Gewerkschaft Ssportvereine werden im Einvernehmen mit der ZentralgewerkschaftSkom- mission dem Verbände eingegliedert. Staatliche Zuschüsse Hai unsere Organisation fast keine erhalten.(Man gibt aber dafür den Bürgerlichen in Hülle und Fülle.) Dafür macht man Schwierigkeiten bei der Einreichung von Statuten und erhält man hier ein Bild darüber, daß man di« Arbeiter als Bürger zweiten Grades betrachtet. Für den Herbst find bereits 28 Kurse für Funktionäre fest- gclrgt und beginnen dieselben mit l. November. Der Punde» Wintersporttag, der mit in den Rahmen de» BundesfcsteS gehört, wird in Bärringen veranstaltet werden. An der SonntagSsitznng nahm auch als Vertreter der Partei, Genosse Hofbauer(Prag), teil, der nochmals den Dank der Partei für die Mitwirkung am Reichsarbeitertag in Karlsbad aussprach. Gleichzeitig verwies er auf das kom- getötet Worden war. In den Taschen de» Ermordeten fand man Papier«, die auf den Namen Arthur Kollin lauteten. Zunächst hielt di« Polizei einen Irrtum für vorliegend well der Tote einen völlig verwahrlosten Eindruck macht«. Leut« jedoch, die Kolli« persönlich kannte», bestätigten schließlich, daß der Ermordete ohne allen Zweifel mit dem berühm- ten Gentleman-Berbrecher identisch sei. Es gelang der Polizei bald daraus, den Unterschlupf, in dem Arthur Kollin sich in Bettlerkleidung ausgehalten hatte', ausfindig zu machen. Pa» armselig« Zimmer bot ddn Anblick eines wüsten Kampfplatzes. Wahrscheinlich hatte man ihn hier überfallen, erschoss-:» und dann später auf die Straße geworfen. Dl« Sehnsucht nach der Vergangenheit ist dem Geiztle- man-Dcrbr«chcr zum Verhängnis geworden. wende BuydeSfest, wo neuerlich die Verbun denheit der Partei mit der Turn- und Sportbewegung aufgezeigt wird. Tie Sitzungen der Techniker wie de« Bundes vorstandes zeigten, daß die Spaltung die Entwick lung nicht hindern konnte. (Hm Ausstellung am Bu«de«sest 19A0, Laut Bundesturntagsbeschluß soll anläßlich deS Bundesfestes eine Ausstellung die Ge schichte des Verbandes aufzeigen. Ge zeigt soll werden: 1. Entwicklungsgeschichte(Doku mente, behördliche Ukäsir, Bilder usw.); 2. Der zeitiger Stand der Bewegung nach Sparten.(Gra phische Darstellungen sollen die» unterstützen.) Run hat der Krieg viele» vernichtet, doch dürfte in den einzelnen Vereinen und Bezirken sicherlich noch manch wertvolle» Material vorhan den sein.(Geographische»: Landkarten, Skizzen, In- dustricverteilung, Turnhallen, Sportplätze, Bäder, erzieherische Arbeit, markante Landschaftsbilder usw. Beherrschende Jndusttien: durch Erzeugnisie, Rohstoffe u. dgl. Ferner Bilder, Literatur, Proto kolle aus dem BrreinSleben u. v. m.) Auch dürft« in manchen DereinSschrank anderer Organisationen für di« Ausstellung Geeignete» vorhanden sein.' Um eine Uebersicht zu erhalten, ob und in wel cher Form die Ausstellung gebracht werden kann, werden alle Vereine und Bezirke ersucht, diesbe zügliche Nachlese zu halten. Die Vereine schreiben dir» alle» auf uiid senden da» Verzeichnis bi» 1. Dezember an die Bezirk«. Di« Bezirke senden DrreinSverzeichnisse al» Bezirksverzeichnis an Kreis.(Bis 10. Dezember, nachdem die Kreise 15.. Dezember den Bund berichten müssen.) Allgemein wird erwartet, daß überall Material für die Ausstellung zu finden ist. Seid daher pünktlich mit der Einsendung der Verzeichnisse, da mit dann daS weitere unternommen werden kann. Wendet euch an die alten Genosien. Die Fatzballsparte wächst. Von Woche zu Woche steigt die Bewegung. Wenn wir dir Schwierigkeiten berücksichtigen, denen unsere Fußballbewegnng entgegentreten muß, dann ist die Entwicklung um so freudiger zu begrüßen. Während in den mährischen und schlesischen Ge bieten vorläufig sich noch keine Bast» finden ließ, um dir sogenannten„wilden Vereine" zu erfasien, sind in Böhmen die OrganisattonSverhältnisie sehr gut zu nennen. So zählte bis zum 80. September der 5. Kreis(Teplitz) 65 Vereine mit 1852 gemel deten Spielern. Der 6. Kreis(Karlsbad) Hai 87 W wLd,AWAAit Vt&©!n'S5N.aL P-dnerVG-nosse,Dr/Emil stranzel. cingcglicdcrt und besitzt derzeit 9 Bersin.« mit 287' Spielern. Zusammen haben diese drei Kreise 111 Vereine mit 3215 gemeldeten Spielern. Doch ist diese Ziffer heut« schon wieder überholt, außerdem stehen weitere 4 Vereine in Neugründüng, so daß bis zum IahreSschluß mit 3500 gemeldeten Spie lern bestimmt zu rechnen ist. Der Stand zu Jah resbeginn ist nm 50 Prozent erhöht wor den, trotz Spaltung. Aus Berichten der Ver eine war zu entnehmen, welche Mittel die Bür gerlichen anwenden, um die Arbeiter für ihr« Be wegung zu kapern. Di« Vereine sollen daher in Hinkunft alle derartigen Fälle der Zentrale oder wenigstens ihren Kreisleitungen bekanntgeben. Die Zahl der Schiedsrichter hat sich gehoben und ist auch die Qualität gegen früher bedeutend gestiegen. Ländertreffen wurden nur zwei gegen die öster reichischen Genosien ausgetragen,. die für unseren Verband erfolgreich verliefen. DaS Fehlen einer tschechischen Arbeiterfußballbewegung wird lebhaft bedauert und hofft man auf die internationale Tagung in Prag, die Abhilfe bringen soll. Wenn derzeit di« bürgerliche Bewegung die Arbeiterfuß- baller auch scheinbar negiert, in Wirklichkeit küm mert sie sich doch darum. Sichen den deutschen aber noch tschechische Arbeitrrfußballer zur Seite, dann wird der bürgerliche Fußballsport bald die Kon kurrenz der Arbeitersportler verspüren. Die Ver hältnisse gewährleisten auch für da» kommende Jahr eine günstige Prognose, so daß wir um die Entwicklung der Fußballersparte nicht besorgt sein brauchen., Aus her Partei. Deutsch« sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag. Dienstag, den 8. Oktober 1929, um acht Uhr abends im Saale des„Goldenen Kreuzel", Nekazanka, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die Wahlen in das Abgeordnetenhaus und den