Ur. 16. Absimements-ZedwgWgen: SbonnsmentS- Preis pränumerando: visrteljährl. 3,30 Mr,, monatl. l,10Mk.. Ivöchsnllich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer s Psg. Sonniag», S! ummer mit illustrirler Sonntag», Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung», PreiZliste siir 1899 unter ür. 7820. Unter llreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, sür da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint lüglich außer Monlag», Devlinev VolKsvlskk. 16. Jahrg. Pie Instrttons- Gebühr beträgt sür die sechSgespaltene Zlolonel- «eile oder deren Raum 40 Psg., sür politische und gewerls chaftliche verein»- und Versammlung»-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi»» Uhr nachmittag» in der Srpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Fesitagen bi» SUhr oormittag» geössnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1208. Telegramm- Adresse: „Svlialdemostral Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LW". 19, Veutlz-Strasze 2. Expedition: SW. 19, Beutlz-Strahe 3. Preußische Finanzen. Die Hauptziffern des preußischen Etats haben wir bereits gestern initgetheilt. Es bleibt uns daher nur noch die Auf- gäbe, die setzige finanzielle Lage Preußens mit den Ergebnissen der letzten Jahre zu dergleichen und einige charakteristische Einzelheiten aus den kaum noch übersehbaren Ziffernreihen hervorzuheben. Bei der riesenhaftesten Betriebsderwalwng, die je ein moderner Staat zu leiten hatte, bei den Eisenbahnen, rechnet man weiter mit einer Steigerung der Einnahmen um vier Prozent— eine sehr mäßige Schätzung, denn in den letzten zehn Jahren, die durchaus nicht immer gute waren, hat die Einnahmevcrmehrung aus reiner Verkehrs- steigerung durchschnittlich betragen: beim Personen- und Gepäckverkehr 4,69 pCt.. beim Güterverkehr 4,51 pCt. Für die erste Gruppe würde nunmehr nach der Regierung 1899 eine Gesammteinnahme von 345,31 Millionen Mark, für die zweite Gruppe von 847,45 Millionen zu erwarten sein. Die Berg- und Hütten Verwaltung rechnet„bei der anhaltend günstigen Lage und nach den thatsächlichcn Ergcb- Nissen des Etatsjahres 1897" auf eine weitere Steigerung „der Absatzmengen und zum großen Theile auch der Verkaufs- preise", so daß für„1899"— der Reichs-Schatzsckretär hat mit seiner kühnen Neuerung nunmehr auch in dem anfangs widerstrebenden Preußen Nachfolge gefunden— 149,29 Mill. Mark, gegen 134,8 Millionen im Vorjahre, an Einnahmen in Rechnung gestellt sind. Die Domänen eingänge bleiben mit 26,4 Millionen gegen das Vorjahr(27,2 Millionen) zurück. Die F o r st e n dagegen überholen wiederum das letzte Jahr(71,74 gegen 67,2.- Millionen). Diese Erscheinung, die wesentlich auf die sinkenden Pachten der staatlichen Landwirthschaftsgüter und auf die andauernd günstigen Holzpreise zurückzuführen ist, wiederholt sich nunmehr seit Jahren. Dann zu den direkten Staats st euer n! Die Einkommen st euer- Jsteinnahme betrug im Jahre 1893/90... 122 762 096 M. „„ 1896/97... 126 874 741„ », 1897/98.■, 134 885 381„ zusammen: 384 512 218 M. im Durchschnitt für ein Jahr 128170739 M. Mit Rücksicht darauf, daß das Einkommensteuer- Sollaufkonnnen nach der Veranlagung für das Jahr 1898/99 gegen 1897/98 um rund 11 783 000 M. gestiegen ist, wird der Betrag von 145 000 000 M. als muthmaßliche(Annahme für das Etatsjahr angesehen.— Für die Ergänzungs-(Vermögens)steuer lauten die ent- sprechenden Ziffern: im Jahre 1895/96... 30 302 238 Aä „„ 1896/97... 31069100 ,. ., 1897/93... 31947 457 ,. zusammen 93 318 795 M. im Durchschnitt für ein Jahr 31 106 265 M. Für das Etatsjahr 1899 wird die Einnahme im Hinblick auf das Er- gebniß im Jahre 1897/98 auf 32000000'M. veranschlagt. Besonders bei den großen Staatsunternehmungen stehen natürlich den Einnahmen der Brutto-Etats, wie sie den preußischen im Gegensatz zum Rcichshaushalt kennzeichnen, beträchtliche Mehrausgaben gegenüber, sodaß sich schließlich die gestern von uns wiedergcgebenen Mehr- Überschüsse ergeben. Man muß sich indessen davor hüten, die verzeichneten Mehrausgaben als dauernd noth- wendige anzusehen. Nicht weniger wie 139 Millionen, also 7 pCt. aller dauernden Ausgaben sind, ohne jegliche Anleihe, für einmalige, außerordentliche Auf- Wendungen bereit gestellt, darunter 81,4 Millionen allein sür die Eisenbahnverwaltung, deren Vermögensbestand sich in den letzten Jahren außerordentlich gehoben haben muß, da die starke Verwendung regelmäßig laufender Einnahmen zu außerordentlichen Anlagen und Anschaffungen schon lange in voller Blüthe steht. Herr Miquel darf auf einen solchen Finanz- abschluß in der That mit Befriedigung blicken. Ob jedoch auch nur die Kreise, denen er einige dauernde Mehrausgaben zugedacht hat, seine Art der Fiuanzwirthschaft loben werden, das will uns weiter zweifelhaft scheinen. Das Hauptzugstück im vorliegenden Etat bildet die B e- soldungs-Verbesserung einzelner Kategorien von mittleren Beamten und vor allem der Unterbcamten mit weniger wie 1800 M. Höchstgehalt. In allen Ressorts de- anspracht diese Mehrverwendung zusammen 9,83 Millionen Mark, wovon 8�s Millionen auf die unteren, 1,3 Millionen aui die mittleren Beamten entfallen. Dazu treten dann noch 21/a Millionen durch Erhöhung der Fonds zu nicht- pensionsfähigen Stellen für Unterbcamte. Auf die Einzel- heiter, des Planes wird noch häufig zurückzukommen sein. Herr Miquel hat ihm in seiner Etats-Einführungsrede kein geringes Lob gesungen. Doch welche kleinliche Filzigkeit auch bej dieser Abschlagszahlung immer wieder zum Durchbruch kommt, dafür nur ein Beispiel: Die seitherige Gehaltsklasse von 1100 bis 1500 M. soll auf 1200 bis 1600 M. erhöht werden. Für die Fahr- karten-Ausgeberinuen wird aber„künftig nicht niehr das gleiche Gehalt»viefürdiemänn- l i ch e n Beamten desselben Dienstzweiges, sondern nur ein entsprechend niedrigeres Gehalt in Aussicht genommen werden. Es entspricht dies der gleichen, sachlich auch berechtigten Ordnung, wie sie gegenwärtig schon bei den: Gefangenaufsichts-Personal besteht. Eine Differenzirung der Gehälter der Fahrkarten-Ausgeber und Aus- geberinnen erscheint um so mehr geboten, als der Grund- ssa tz. die w e i b l i ch e n Beamten geringer zu besolden/ als die gleiche Funktionen ausübenden Männer, auch auf den Gebieten der nicht staatlichen Verwaltung, z. B. bei den Lehrern und Lehrerinnen, Anwendung findet. Den: ent- sprechend ist für die Folge, d. h. sür die vom 1. April 1899 ab anzustellenden Fahrkarten- Ausgeberinnen, auch nur ein niedrigeres, als das seitherige Gehalt, näm- lich ein solches von 900 bis 1400 M. in Aussicht genommen, sür die bis zum 1. April 1899 angestellten Fahrkarten- Aus- geberinnen muß es dagegen bei dem jetzigen Gehalt von 1100 bis 1500 M. verbleiben." Welch eine hochherzige Finanz- reform! Herr Thielen zieht dann in bekannter Sparsamkeit aus diesem„Grundsatz" wahrscheinlich die Folgerung, um so mehr Frauen an den Schaltern zu verwenden! Für uns sind weiter noch von besonderer Bedeutung die Arbeiterverhältnisse bei den Eisenbahnen, in den Bergwerken und Hütten. Bei den Bergwerken sind sür Löhne(mit Ausnahme derjenigen zu Bauten) 59,81 Millionen Mark, also 4,3 Mil lionen mehr angesetzt, nicht einer steigenden Lohnskala wegen, sondern„die stärkere Förderung verursacht diese Mehr ausgaben". Bei den Hütten(2,14 Millionen Löhne gegen 2,07 Millionen im Vorjahre) ergiebt sich die kleine„Mehr ausgäbe hauptsächlich in Folge des in Aussicht genommenen stärkeren Betriebes der Friedrichshütte und der Eisengießerei zu Gleiwitz". Bei den Eisenbahnen wird in Folge der Eröffnung neuer, der Verkehrsstcigcrung auf den allen Linien an Beamten, Hilfsbeamten und Arbeitern(jedoch ausschließlich der Zivil-Supernumerare, der ungclöhnten Gepäckträger, so wie der Bahnunterhaltungs- und Werkstättenarbeiter) ein Gesamnitbedarf von 231 6c8 Mann veranschlagt, das sind 9695 Mann mehr wie 1897/98. Daraus würde, also ohne jede Aufbesserung, ein Gehalts- und Lohn- Mehrbedarf von 12,86 Millionen Mark folgen. Von der darüber noch hinaus- gehenden Forderung von weiteren 7,69 Millionen Mark ist ein beträchtlicher Theil lediglich die Folge der Vermehrung der etatsmäßigcn Stellen, die schon im laufenden Etat ein' getreten ist und weiter fortgesetzt werden soll, ferner die Folge der anderen Ortseinthciluug nach dem neuen Scrvistarif- Gesetze des Reiches. Für die Nichtbcanitcn, die Betriebs arbeiter ist eine Lohn-Mehrausgabc von 1,75 Millionen Mark eigens niotivirt als„zum übcrlvicgendcn Theil eine Folge der in den meisten Eisenbahn-Direktionsbczirken gesteigerten Auf Wendungen der Arbeiter für Lebensmittel und Wohnung". Für die U n t e r h a l t u n g der b a u l i ch e rr A>r l a g e n sind 59733 Arbeiter im Jahresdurchschnitt mit einem Gestimmt lohnaufwand von 38 050 000 Mark veranschlagt. Im Jahre 1897/98 betrug die wirkliche Ausgabe au Löhnen bei einer Beschäfttgung von 53 741 Arbeitern rund 33,56 Millionen für das Etatsjahr 1899 sind sonach 5992 Arbeiter und ctwai über 4,4 Millionen Mark Lohn mehr vorgesehen; besondere in industricreichen Gegenden, fügt die Denkschrift hinzu, seien Lohnsteigerungen„unvermeidlich" gewesen.— Für die Werk- st ä t t c n- Arbeiter ist im Ganzen eine Lohnausgabc von 18,18 Millionen Mark angenommen bei wahrscheinlich 45 017 Arbeitern, also 2492 mehr wie 1897/98. Ilebcrall also wohl ein Mehrbedarf an Händen, mit den Löhnen folgt man jedoch nur widerstrebend, wenn die allgemeinen Arbeitsmarkt- konjunkturcn es unvermeidlich gemacht haben; die hohen Lebensmittelpreise absorbiren zum guten Theile die kleinen Steigerungen. Zur Durchführung des bischen Arbeiterschutzes, das die bisherigen Gesetze und Verordnungen in Deutschland ent- halten, werden endlich verlangt: 36 600 M. für 7 neue Gewerbe-Jnspektor stellen und 36 900 M. zur Re- munerirung der nicht festangestellten Beamten der Gewerbe- Inspektion— ferner 99 200 M. sür eine bessere B e- aufsichtigung der Gruben: Gegenüber den in Iben letzten Jahrzehnten mit der Zunahme der Tiefen und der großen Ausdehnung der Gruben gesteigerten Gefahren des Steinkohlen-Bergbaucs erscheint eine Erweiterung der Aufsichtsorganisation unumgänglich. Da dieses Ziel durch' eine Vermehrung der Revierbeamten nicht erreicht werden wurde, so empfiehlt es sich— nach dem Vorgange in anderen Bergbau- ländern— den Revierbeamtcn in den Stcinlohlenbezirken untere A u f s i ch t S b e a m t e beizugeben, welche fortgesetzt die Erkundung und Feststellnng einzelner thaffächlicher Verhältnisse, insbesondere des Sichcrheitszustandes der Gruben vornehmen und damit zu- gleich die Revierbcamten in ihrem verantwortungsreichcn Amte wirksam unterstützen und entlasten sollen. Die Revier-Aufsichtsbcamten, von denen borläufig 11 für den Breslauer, 34 für den Dortmunder und 6 für den Bonner Ober- bergamtsbezirk bestimmt sind, werden im Allgemeinen aus dem Aufsichtspersonal der Staatsbergwerke zu entnehmen sein. Auch diese Aeußenmg scheint darauf hinzudeuten, daß man die wirklichen Vertrauensleute der Bergarbeiter bei dieser Reform abermals umgehen will, weil die rheinisch-westfälischen Grubenlords es so gefordert haben. Im klebrigen nur noch ein Beispiel für die preußische Genügsamkeit, wenn es sich um die Forderung von Äulturaufgaben handelt: Der preußische Land- wirthschaftsminister sieht„erfreuliche Fortschritte" darin, daß sich die Zahl der ländlichen Fortbildungsschulen von 875 auf 975 erhöht hat und wirft baare 40000 M. mehr dafür aus. Dabei hat Preußen über 50000 ländliche Gemeinden und Gutsbezirkc I_ polikifchv Mebevfichk. Berlin, den 13. Januar. Der Reichstag hatte heute seinen ersten Schwerinstag. Eigentlich stünde der Jesuiten-Antrag des Zentrnnis auf der Tagesordnung, allein sintemalen dieser Antrag ein Handclsobjekt ist in dem großen Schachergeschäft zwischen Regierung und Zentrum, und sintemalen das diesjährige Schachcrgeschäft noch schwebt, mußte der Jesuiten- Antrag bis zn passender Zeit verschoben werden. So kam heute der Antrag Älinckow ström auf Bestrafung des Ab- drucks von geheimen oder vertraulichen Erlassen:c. als elfter Gegenstand zur Verhandlung. Ter Antrag verschleiert sein Ziel—„echt jesuitisch", wie Liebknecht zeigte; es wurde sogar gelogen, nur der„Verhökerung" des Staatshaushalts- Etats:c. an Preßorgane solle entgegengetreten werden. Natürlich glaubte das niemand, und Graf Älinckowström plauderte auch mit dankenswerthem Ungeschick die Wahrheit aus: der Antrag richtet sich speziell gegen die sozialdcmo- kratische Presse und bedeutet also nicht nur ein Knebel- g e s e tz, sondern auch ein A u snahmegese tz. Gegen den Antrag sprachen der Fortschrittlcr Lenz- mann, der Sozialdemokrat Liebknecht und der National- liberale Hoffmann— wobei Lenzmanu und Hoffmann hauptsächlich die juristischen Ungeheuerlichkeiten des Antrages be- tonten und Liebknecht mehr das politische Moment zur Geltung brachte. Er wies auf den schmachvollen Mißbrauch hin, den die. Konservativen mit geheimen Aktenstücken getrieben haben— auf diö D e p e s ch e n- D i e b st ä h l e, deren Opfer der Prinz von Preußen in den fünfziger Jähren seitens der I n n k c r k l i q u e geworden,— auf die Veröffentlichung des R ü ck v e r s i ch e r n n g s- V e r t r a g e s mit Rußland durch Fürst Bismarck u. f. w. Letzteres sei geradezu eine I a u d e s v e r r ä t h e r i s ch e That gewesen, und als solche vom„Rcichs-Anzeiger" gebrandmarkt worden. Die Ver- öffentlichung der Gehcimerlasse durch den„Vorwärts" sei dagegen im öffentlichen Interesse erfolgt.„Nicht die Sozialdcmokratie gefährdet den StaatSorganismus, sondern das Junkerthum, das, ein Ueberrcst vergangener Jahrhundertc, in dem heutigen StaatSorganismus ein Fremdkörper ist, der um jeden Preis ausgestoßen werden muß, wenn der Staat gesunden soll." Die sozial- demokratische Presse habe sich durch Veröffentlichung des Erlasses des PrinzenGeorg von Sachsen über Militär- Mißhandlungen, des P o s a d o w s k y- E r l a s s e s gegen das K o a l i t i o n s r e ch t, des R e ck e' s ch e n S t e ch- und S ch i e ß- E r l a s s e s wohlverdient gemacht um das Vaterland: sie habe eine Pflicht erfüllt und werde fortfahren, sie zu erfüllen. Für den Antrag sprachen, sehr matt, die Konservativen und Freikonscrvativen K a r d o r f f. Stumm und Dietrich. worauf das todtgeborene Kind von allen Pa r t e i e n mit Ausnahme der zwei konservativen Fraktionen in die parla- mentarischc Müllgrube geworfen ward. Zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung: dem sozial- demotrattschen Antrag auf obligatorische Einführung von, frei nach allgemeinem Wahlrecht(von Arbeitern und Arbeiterinnen, Arbeitgebern und Arbcitgeberinnen) gewählten gewerblichen Schiedsgerichten, ergriff als erster Redner das Wort Genosse Z u b e i l, der in einstündiger Rede das Thema ebenso gründlich wie wirksam behandelte. An zahl- reichen Beispielen wies Zubcil nach, wie die Schiedsgerichte, wenn nicht obligatorisch, ein Messer ohne Stiel und Klinge sind, und zeigte, daß bei den Arbeit g e b e r n und nicht bei den Arbeitern der Widerstand gegen die Schiedsgerichte zu suchen sei. Zum Schluß appellirte er an die gegnerischen Parteien, die jetzt Gelegenheit hätten, durch die That zu be- weisen, ob ihre Behauptung, daß sie den sozialen Frieden wollten, eine Wahrheit sei oder eine hohle Phrasb. Herr T r i m b o r n, der Zentrumsniann, welcher mit seinem Fraktionsgenosscn Hitze einen Antrag zur Ab- schwächung des sozialdemokratischen eingebracht hat, be- gründete diesen seinen Antrag, nachdem er zu Anfang hatte erklären müssen, daß er mit den Ausführungen Zubeil's zuckt roßen Theil übereinstimme. Nach Trimborn K ö ni g -tum m, dessen Rothkoller sich in der bekannten Rede äußerte, die er uns schon hunderttnal gehalten. Das gelangweilte Haus wurde am Einschlafen verhindert durch eine donnernde Klasse nkampf-Rede, welche der westfälische Bergwerks- Pascha H i l b ck, gewählt in Dortmund, nüt der ganzen er- frischenden Urwüchsigkeit des von der Kultur nicht au- gekränkeltcn, sich sür ein höhres Wesen haltenden Geldprotzen in das erstaunte Haus schleuderte. Ein südamerikanischer Sklavenhalter der patriarchalischen Zeit vor Abschaffung der Sklaverei würde ungefähr ebenso gesprochen haben. Herr Hilbck bereitete deshalb auch den Seinen mehr Erstaunen als Vergnügen. Stach einer sehr arbeiterfreundlichcn und milden Rede des Freisinnigen Rickert'scher Observanz Schräder wurde die Debatte vertagt. Herr Hilbck hat also, gleich seinem König Stumm, bis zum nächsten Sckwcrinstag auf die böse Viertelstunde des Nabelais, das heißt auf die Abrechuug zu warten. Morgen Etat.(Fortsetzung der Debatte über das Reichsauit des Innern(G e w e r b e- I n s pe k t o r e n ic.). Magdeburger Justiz.' Das Magdeburger Gencht scheint das Bestreben zu haben, den Kreis derer, die man wegen Majestätsbeleidiguug zur Verantwortung ziehen könnte, nach Möglichkeit zu erweitern. llnfcr dortiges Parteiblatt meldet nämlich: Wie aus einer am Dienstag stattgefundenen Vernehmung des Genossen Franz B et h g e hcrdorgeht, sucht man jetzt auch den Ver- sasser des Artikels„Wie die Alten sungen" zu ermitteln, um dessentwillen Redakteur Müller zu vier Jahren Eefäuguiß vernrtheilt worden ist.— Svjährige Richter. In der Reichstags-Debatte' über den sozialdemokratischen Antrag auf Aenderung verschiedener Bestimmungen des Ge- Werbegerichts-Gesctzes haben die Redner der nationalliberalen Partei und der Freisinnigen Vereinigung übereinstimmend den Wunsch nach Herabsetzung der Altersgrenze für die Wählbarkeit der Gewerbegcrichts- Beisitzer zurückgewiesen und ins Lächerliche zu ziehen gesucht. Die Herren sollten sich aber erinnern, daß die Richter rn unseren Militärgerichten zum großen Theil zunge Leute von noch nicht einmal 20 Jahren sind. Und diese Militärgerichte haben über alle, auch die schwierigsten juristischen Fragen zu entscheiden und ihre Urtheile verhängen Strafen von vielen Jahren Gefängniß, ja die Todesstrafe. Die Gewerbegerichte dagegen befassen sich nur mit verhältniß- mäßig unbedeutenden Gegenständen, ihre Entscheide rauben nicht Freiheit und Leben und die Richter dieser Gerichte sind Sachverständige in den beruflichen Fragen. Wenn junge Soldaten und Offiziere in Militärgerichten urtheilen können, dann mit hundertmal mehr Recht junge Arbeiter in gelverblichen Schiedsgerichten.— Die russische Note, welche das Programm für die A k> r ü st u u g s. K o n s e r e n z enthält, ist der„Nat.-Ztg." zufolge nn Auswärtigen Amt übergeben worden. lieber den Abrüstuugsvorschlag soll der Zar auch den Grasen T o l st o i, den großen Dichter und mystischen Wcltrcfornicr, befragt baden.„Was ist Ihre Ansicht über meinen Abrüfinngsvorschlag?" forschte Väterchen. Tolstoi soll darauf erwidert haben:„Der Zar müsse allen übrigen Herrschern durch die That der Abrüstuug das Beispiel geben."— «* Deutsches Weich. Das Zuchthansgeset? noch nicht im BuudcSrath. Die »Germania" meldet, die Borlage über den„Schutz der Arbeits- willigen" sei, wie sie erfährt, in ihrer Ausarbeitung noch so weit rückständig, daß ihre Einbringung in den Reichstag wohl noch einige Zeit dauern dürfte.— Ans Podbielski's Reich Neben dem Militärbohkott für Gast- wirthschafteu wird es jetzt auch einen Postboykott geben. Sümmtlichen P o st u n t e r b e a m t e n Dresdens ist eine Ver- fügung unterbreitet worden, durch die sie von der Ober-Postdircktion vor dem Betreten solcher öffentlichen Lokale gcivarnt werden, in denen das Organ der Postunterbcamte», der'„Deutsche Postbote" uusliegt. Es ist seitens der Dresdener Ober-Postdircktion ein unerhörter Mißbrauch ihrer Macht, wenn sie eine solche Warnung wirklich hat ergehen lassen. Unterbeamten gegenüber eine„Warnung" aus- sprechen, das heißt: wenn Du die„Warnung" nicht beachtest, dann wirst Du disziplinarisch bestraft oder entlassen. Die Post- behörde hat aber nicht einmal das Recht, den Unterbcamten das Abouuiren und Lesen irgend welcher Blätter zu verbieten, geschweige denn den Besuch solcher Wirthschafteu, in denen die mißliebigen Blätter ansliegen.— Und es handelt sich nicht euimal um ein sozialdemokratisches oder sonst scharf oppositionelles Blatt, sondern die Dresdener Postbehörde maßt sich das Recht an, den Unterbcamten den Besuch von Wirthschafteu zu verbieten, in denen ein patriotisches Blatt gehalten wird, das die wirthschaftlichen Interessen der Unter- bcaniten vertritt! Sind denn die Unterbcamten unmündige Kinder? Oder haben sie dieselben staatsbürgerlichen Rechte, wie die anderen „Unterthanen"?— Der volus eventualis im Kricgcrverein. Aus Lands- b e r g a./W. wird uns geschrieben:„Der„patriotische Wehrverein" in Scidlitz bei Landsberg hielt dieser Tage seine Generalvcrsamni- lung ab, in der u. A. über die Berufung verhandelt wurde, die ein Mitglied gegen seinen Ausschluß eingelegt hatte. Der Ausschluß war, wie früher der„Vorwärts" mitgetheilt hatte, deswegen erfolgt, weil das Mitglied dem Maurer verein in Landsberg an- gehörte und daraus vom Landrath geschlossen worden war, daß dasselbe sozialdemokratisch gesinnt sei und bei der letzten Reichstags- wähl sozialdemokratisch gewählt habe. Diese Annahme konnte nun in der Versammlung der Vorstand nicht im mindesten begründen, weshalb die Versammlung, mit Einschluß der Vor- standsmitglieder, einstimmig d i e Ausschließung v e r w a r f."— Berliner Getreidebörse. Wie die„Kreuz-Ztg." erfährt, sollen die neuerdings eingeleiteten Verhandlungen der Regierung mit den Vertretern der Berliner Getreidehändler wegen Wiederherstellung der Getreidebörse völlig gescheitert sein. Die Agrarier sind mit ihrem Börscngesctz sehr tief hineingefallen und wünschen nichts sehnlicher, als das Wiederaufleben der Getreide- börscn. Aber die Getreidehändler haben gesehen, daß sie bei dem jetzigen Zustand ganz gut zurecht kommen. Sie rühren destvegen leine Hand zur Wiederherstellung der von den Agrariern so heftig geschmähten und doch so sehnlich gewünschten Getreidebörsen.— Zentrum und Bund der Landwirthc. Auch von der„Köln. Bolksztg." erhält der Bund der Landwirthe eine kräfttge Absage. Auf die Behauptung der„Deutsch. Tagesztg.". das Zentrum habe über seine Stellung zur wirthschaftlichen Vereinigung noch keinen Beschluß gefaßt, erwidert das führende Blatt der rheinischen Zentrums« Partei:„Das Zentrum hat in seiner Mitte selbst eine ivirthschaft- liche Vereinigung gebildet und aar kein Bedürfniß, sich der vom Bunde der Landwirthe geführten wirthschaftlichen Vereinigung anzuschließen. Es brauchte sich darum gar nicht erst hierüber schlüssig zu machen. In früheren Sessionen hat es sich der Vereinigung ja auch schon fern gehalten, und wenn etwa die„Deutsch. Tagesztg." glaubt, der Bund der Landwirthe habe jetzt einen größeren Einfluß im Zentrum, so irrt sie eben".— Bon den Besitzern kleiner Apotheken war dem Kultus- Ministerium im Oktober v. I. eine Denkschrift über ihre Lage über- reicht worden, auf die der Minister jetzt einen Bescheid gegeben hat, in dem es u. A. heißt: Durch Veränderung der Grundsätze für die Berechnung der A r z n e i t a x e scheinen die Erwerbsverhältnisse einiger Kreise der Apothekenbcsitzer ungünstig beeinflußt zu sein; deshalb habe ich für das Jahr 18SH einzelne Aenderungen angeordnet, ivelche die nachgewiesene Schädigung ausgleichen sollen. Mit Ausnahme der durch Schwankungen der Arzneimittelpreise be- dingten Aenderung der Arzneitaxc muß ich dagegen nach Anhörung der Sachverstäudigen weitere Aenderungen der Arzneitaxe ablehnen. Es ist selbstverständlich, daß die an und für sich schon über- trieben theurcn Arzneimittel nicht ans den Wunsch einiger Jnlercssenteiikreise willkürlich noch mehr vertheucrt werden dürfen. Die Ausgaben für Medizin fallen so wie so schon meistens in die Zeit der größten Nothlage der Proletaricrfamilien.— Ausnahmcbestcucrung der Waarenhäuscr. Die Finanz- kommisston des brauuschweigischen Landtages hat beschlossen, den Antrag auf eine besondere Besteuerung der Waareuhäuser abzu- lehnen, da in dieser Beziehung vorzugehen, Sache des Reiches und nicht der partikularen Gesetzgebung sei.— Ein Stoßgebet. Unser Weihespruch für das neue preußische Abgeordnetenhaus in der gestrigen RmiMter hatte den folgenden Wortlaut: „In ein neues pnmkhaftes Gebäude sind die„Volksvertreter" eingezogen. Aber mit ihnen ist auch eingezogen der alte Geist, der Geist der V o l k s a u s b e u t u n g und Volks- Unterdrückung. Jener Geist, der ein halbes Jahrhundert hindurch die herrschenden Klassen in Preußen beseelt hat, er wird auch im neuen Abgeordnetenhause vorherrschen." Die„Kreuz-Zeituug" ist über diesen Spruch in religiöse Ver- zückung verfallen, sie faltet die Hände und stammelt:„Das wollen wir zu Gott hoffe n," Niemals ist dem lieben Gott unserer Junker ein Gebet gewidmet worden, dessen Erfüllung ihm so leicht gemacht worden ist. Die „Kreuz-Zcitung" wird erhört lverden: Der Geist der VolkSansbcutung und Volksunterdrückung, um den sie fleht, wird den herrschenden Klassen trcnbleiben.— Eine Art Wiedcranfnahme-Berfahrcn für den Hänge-Karl. für ihren lieben Dr. Peters, sucht ein hiesiges Blart aus den gestern mitgetheilten Galgcuskizzen Baumann's zu destilliren, weil dieser Afrikaner in dem Disziplinarverfahren gegen Peters diesen als Zeuge belastete. Nun, es ist doch ein sehr erheblicher Unterschied zwischen Oskar Baumann und Karl Peters. Dieser hat mit Wollust das Amt des Henkers ausgeübt, Baumaun hat sich bemüht, eine blutige Satire auf das Shstcni des Hängens zu schreiben. Daß aber der Ankläger seine Sache in jenem ekelhaften Plauderton führt, beweist gerade, wie selbst die an den Unthatcn nicht theiluehmcnden Afrikaner alles feinere sittliche Empfinden verlernt haben; und dadurch sinkt freilich der Rickitcr zur Tiefe des Verbrechers hinab und wird zu seinem Mitschuldigen. Anders freilich müßig man Baumann's Aufsatz bc- urtheilcn, wenn es etwa seine Absicht gewesen sein sollte, aus der Seele eines Peters heraus eine Philosophie des Hängens zu entwerfen, zu zeigen, wie die„Afrikaner" gemeinhin über diese Scheußlichkeiten denkcn und sprechen. Dann läge nur ein publizistisches Ungeschick vor. Beiläufig gicbt das erwähnte Peters- blatt gleichzeitig eine Probe seines Tröpen-Humors ab; es ver- sichert' nämlich, das der„Vorwärts" gestern dem Luccheni eine Lobes- erhebung gewidmet habe.— Das klügste Blatt der alte» Welt ist bekanntermaßen die „Staatsbürger-Zeitnng", die darum auch durch imiigsto Freundschaft mit der Polizei verknüpft ist. Mit welch grandioser Gesckicidthcit weiß sied dieses einstige Organ des Rektors aller Deutschen von Schicksalsschlägen zu erholen. Der Nachweis, daß die vom Gericht gebrandniarkte Spitzcllvirthschaft des ehemalige» Polizei- leutnants keine Erfindung der privaten Delcktivburcaus sei. hat das Blatt aufs tiefste gelräntt. Aber nur nicht merken lassen, dachte die„Staatsbürgerin" und schrieb ciucn Leitartikel über die„Verkommenheit" des von uns neulich erwähnten bespitzelten Studenten. Wir wissen es also: Nicht die Spitzel und die Spitzel- Halter sind die Schädlinge, sondern die Spitzclopfer. Wäre die „Staatsbürgerin" zwei Tage früher zu dieser christlich gernmnischcn Weisbcit gelangt, so hätte sie anläßlich des„Greif"-Prozesses nicht dem Grützmacher, sondern dem„gelockten" Konsul, um desseutlvillcn die Rheinreise inszenirt wurde, einen empörten Leitartikel gcividmct. Wenn lvir übrigens den jungen Mann, der eine arge Polizeisündcrin zu ehelichen gedachte, harmlos genannt haben, so ist dieses ab- sprechende Urtheil die Folge unserer minderen christlichen Gesinnung. Sonst hätten lvir die Handlungsweise edel nennen müssen. Die „Staatsbürgerin" scheint bei ihren tiefgründigen Studien über jüdische Moral noch keine Zeit gefunden zu haben, sich mit der christ- lichen Ethik der Evangelien zu beschäftigen.— Die Verleihrnig von Orden an Türken ist in rapidem WachSthum begriffen. Die letzte Nummer des„Neichs-Anzcigers" bringt fast zwei Spalten Ordensverleihungen vom Großkreuz des Rothen Adler-Ordens in Brillanten bis zum Kronenorden vierter Klasse an türkische Beamte. Unter bei: mehr als hundert aus- gezeichneten Türken finden sich nicht nur Minister, Paschas und der- gleichen, sondern auch die niederen Würdenträger bis herunter zum Leib-Pferdekutscher und zweiten Lctbkutschcr.— Ans Hessen, 17. Januar.(Gig. Ber.) Steuerreform. Zur selben Zeit, wo in Württemberg das geplante Steuerreformwerk ge- scheitert ist, hat der hessische Finauzminister K ü ch l e r den Muth gehabt, den Landständen einen weitangelegteu Stcucrreformplan zu unterbreiten. Er umfaßt vier Entwürfe, in denen die Abänderung des Einkommeusteuer-Gesetzes, die Einführung einer V e r m ö g e n s st e u e r, die Errichtung einer Staatslotterie, die Wiederherstellung der W e i n st e u e r nnd die Verschärfung der Hundesteuer vorgeschlagen wird. Die Gcneralidee der Reform ist, daß die seitherige allgenicine progressive E i n k o m mc n st e u e r das Rückgrat des ganzen direkten Stcuerlvesens bilden soll. Daneben soll als einzige und einheitliche Ergänzungssteuer nach preußischem Vorbild eine Vermögenssteuer eingeführt und dafür die seither erhobenen Grund-, Gewerbe- und Kapitalrenten- Steuern in Wegfall kommen. Das preußische Muster kann aber nicht ohne Weiteres akzcptirt werden, iveil in Hessen seither rund der doppelte Betrag an dwekter Steuer auf den Kops der Bevölkerung erhoben wurde wie in Preußen. Es lvürde also, wenn man mit der preußischen Einrichtung zugleich auch die in Preußen geltenden Steuersätze übernähme, cm erheb- lieber Fehlbetrag entstehen. Man müßte daher, um diesen Fehl- betrag zu verhüten, bedeutend höhere Steuersätze einführen. Dem steht' aber entgegen— so argumentirt die Begründung der Vor- lagen—„daß die erwerbsthntige Arbeit in unserem Lande unter keinen Umständen unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen geübt werden darf, als in dem uns zunächst intcressirendeu preußischen Nachbarstaate". Um also der Gefahr vorzubeugen, daß Rentner und Inhaber leichtbeweglicher Betriebe aus Hessen auswandern, empfiehlt die Regierung daher für die Einkommensteuer noch eine geringe Erhöhung der seitherigen Progression für die höheren Einkomme» bis zu' einem Marimalsatz von 4,5 pCt. für die Einkommen von 100 000 M. ab. Für die Ergänzungssteuer auf Ver- mögen lGrundstücke, Gebäude, Anlage- und Betriebskapital, sowie allen sonstigen rentcnfähigen Besitz) bescheidet sie sich mit einem festen Satz von 55 Pf. pro 1000 M., gegen 52,6 Pf. in Preußen. Ein Theil des auch dann noch verbleibenden Fehlbetrages von rund 2 000 000 M. soll aus den erhöhten Einnahmen aus den Eisenbahnen gedeckt werden. Da dies allein aber noch nicht reicht, so schlägt die Regierung die oben genannten indiretten Eimiahmeguellen vor, zu denen noch eine Erhöhung des VerwalMngsstenchels um 250 000 M. in Aussicht gestellt ivird. Von der Staatslotterie wird eine Einnahme von 600000 M. erhofft. ES ist das„Verdienst" des ulttamontanen Abg. Pennrich. diesen Plan ausgeheckt und seit Jahren mit ftommem Eiser propagirt zu haben. Die verflössene Regierung hat sich aus moralischen Bedenken dagegen gesperrt. Die neuen Männer nehmen das gute Geld, woher fie s kriegen können. Man beabsichtigt sogar, das lukrative Unternehmen einem Privatunternehmer zu üverlassen. Dadurch würde das Geschüft für die Regierung zwar glatter, aber keineswegs moralischer. Was die Wcinsteuer betrifft, so soll sie, im Gegensatz zu den früheren, eine reine Konsmnsteuer werden, die erst beim Ucbergang des Weins vom Produzenten oder Händler in die Hand des Wirthes oder Konsumenten von letzteren zu entrichten ist. Der Wein ist in Rheinheffcn noch Voltsgetränk und der Widerstand dürste in Produzenten- wie Konsnmentenlreisen so heftig werden, daß die Weinsleuer jedenfalls zu Wasser wird. Ilebrigens hat die Regierung bereits den Weg gezeigt, auf dem die Vorlage unschädlich gemacht lverden kann. In Art. 3, 1 ist gesagt, daß„Wein, welcher zum Verbrauch in der Hofhaltung der Mitglieder des großherzog- lichen Hauses bestimmt ist", von der Weinst euer b e- freit sein soll. Wir werden beantragen, diesen Passus dahingehend zu erweitern, daß auch die Hofhaltungen aller übrigen Staatsbürger von der Steuer befreit bleiben sollen. Mit dieser Erweiterung werden lvir dem Gesetz gern zustimmen; da nach der Verfassung bekanntlich alle Hessen vor dem Gesetz gleich sein sollen, so wird auch die Regierung unserem Abänderungsantrag ihre Zustimmung nicht versagen können.— Neber das Schicksal der Hundestener läßt sich nichts voraus- sagen. Die Regierung erhofft durch Erhöhung des Steuersatzes von 5 auf 10 M. pro Huudescele einen Mehrertrag von 165 000 M. zu erzielen. Wir fürchten, ein großes Hundesterben würde diese Hoffnung zu Schanden machen.— Und was den noch im Schooße der Regie- rung schlummernden Entwurf betr. Erhöhung der Stempel- gebühren betrifft, so wäre es das Beste, er erblickte das Licht der Welt gar nicht. Daß man auch noch diesen Plan hegt, beleuchtet an, grellsten das sozialpolitische Programm des neuen Finanz- Ministers. Weil man nicht wagt, die direkte Besteuerung der Neichen und Reichsten kräftig anzufassen, soll die dem gewerblichen Mittel- stand durch Aufhebung der Grund- und Gewerbesteuer zugedachte Erleichterung auf indirektem Wege durch schärfere Heraiiziehung der Armen und Aermsten wieder eingebracht lverden. Dafür sind wir nicht zu haben. Die Regierung soll die Vermögenssteuer progressiv gestalten, der Progression bei der Einkommen- st euer noch einige kräftige Stufen aufsetzen. Will sie das nicht, so mag der ganze Reformplan, so wünschenswerth die erstrebte Vereinfachung und Vereinheitlichung unseres direkten Steuerwescns an sich auch wäre, scheitern. Chronik der Majcstätsbeleidignngs- Prozesse. Der Werth der a n o n y m e n A ii z e i g e n wurde wiederum in einer Auklagc- sache beleuchtet, welche am'Mittwoch vor der dritten Strafkamincr des Landgerichts I Berlin verhandelt wurde. Am 6. Oktober vorigen Jahres ging bei dem Polizeipräsidium eine Anzeige ohne llnterschrift ein, worin mitgetheilt wurde, daß der Kellner Bruno Meier in dem Keller'schen Schanklokale am Kottbuser Ufer am Tage zuvor eine unfläthige Aeußerung mit Bezug auf den Kaiser gez'han habe. Als Zeugen wurden verschiedene Gäste und die Wirlhin des Lokals benannt. Ein Kriminalbeamter wurde mit den Ennitteluiigen betraut. Auch nicht eine einzige der genannten Personen hatte etwas von der fraglichen M aj e st ä t s- B e- l e i d i g u n g gehört. Nun ließ der Beamte den Kellner Meier laden in der' Annahme, daß derselbe daL Opfer einer w i s s e n t- licki falschen Anzeige geworden sei. Aber zur Verwimderung des' Beamten räumte der Geladene sofort ein, die Majestäts-Be- leidigung ausgestoßen zu haben. Es mußte deshalb Anklage gegen ihn erhoben werden. Im gestrigen Termine widerrief der Angeschuldigte sein Gcständmß. Er sei am Tage seiner Vernehmung in- folge häuslichen Elends in einer verzweifelten Stimmung gewesen und da habe er ohne weiteres die ihm vor- gehaltene Majestätsbeleidigung zugegeben. Es wäre ihm gleichgiltig gewesen, wenn man ihn sofort verhaftet hätte. Da diese Behauptung nicht zu widerlegen war, so mußte ein fteisprechendes Urtheil er- folgen, aber mit dem besonderen Hinweise, daß der Angeklagte sich selbst zuzuschreiben habe, daß die Anllage gegen ihn erhoben worden war.— Landsberg a. 22. Strafkammer. Wegen Bedrohung und Majestätsbeleidigung wurde der Arbeiter August Meyer auS Schlanow z u a ch t M o'n a t e n Gefängniß vernrtheilt. Er hatte am 18. und 19. Dezember mit seinem Hanswitth Differenzen, dabei ruhestörenden Lärm gemacht und gegen den Hanswirth Drohungen ausgestoßen. Hierfür wurden ihm' zwei Monate Gefängniß zudiknrt. Für die imsiimigen Redensarten dagegen erhielt er sechs Monate Gefängniß. Ausland. Oesterreich-Nngarn. Fn Ungarn ist noch keine Lösung der Regierungskrise ab- zusehen, da Baron Banffy die größten Schwierigkeiten macht, sich dem Willen der oppositionellen Majorität zu fügen. Am Dienstag hat der Ministerpräsident die Vorschläge der Regierung betreffend die Sanirung der parlamentarischen. Lage dem die Kom- promißverhandlungen führenden Abgeordneten v. Szilagyi, Grafen Csaky und Andraffy mitgetheilt. lieber diese Grundlagen des Kompromiffes mit der Opposition äußert sich der„Magyar Ujsag" folgendermaßen: Dasselbe müsse sich auf die Lösung dreier Fragen beschränken; das seien der Aus- gleich, die Judikatur des Obersten Gerichtshofes in Wahlangelen- heften und endlich eine Aenderung der Hausordnung. Was den Ausgleich anbetreffe. so dürfe man staatsrechtliche Aspirationen nichr über wirthschaftliche Jittereffen stellen; allerdings dürsten staatsrechtliche Garantien nicht verletzt werden. Endlich müsse den Ansorderrmgen, welche die internationale Stellung der Monarchie bedinge, Rechnung getragen werden.. Das Interesse der Großmacht- Stellung müsse gewahrt werden. Die Regierung sei bereit, der Forderung der Judikatur des Obersten Gerichtshofes in Wahlangelegenheiten zu entsprechen, beanspruche dagegen, daß eine Reform der Hausordnung die Wiederholung der technischen Ob- struktion für immer verhindere. Am Mittwoch kam die Krise auch im Abgeordnetenhause zur Sprache. Kardinal-Fiirstprimas Vaszary richtete an die Regierung die Anfrage, ob sie geneigt sei, dem Hause darüber Auskunft zu geben, was sie angesichts der Lage gethan habe und zu thun gedenke. In sofortiger Beantwortung der Anfrage führte Banffy aus, die Regierung sei sich des Ernstes der Lage bewußt, doch könne sie das Verschulden nicht selbst sich zuschreiben, da die Vorlagen dem Hause rechtzeitig zugegangen seien. Banffy ftihr fort:„Die Regierung mußte mit Beginn des Jahres die Geschäfte weiter führen, da das Prinzip des Parlamentarismus einen Sieg der Ob- strnltion nicht zulasse, und da einzig der Wille der Majo- rität maßgebend sei. In jüngster Zeit seien Verhandlungen zur Beilegung der Krise eingeleitet worden. Die Regierung sei ans die Verhandlungen eingegangen, sie habe dabei Gewicht gelegt einer- scits auf Garantien dafür, daß in Zukunft der Willr der Majorität zur Geltung gelange, andererseits auf das Zustandekommen des im Jntereffe des Landes liegenden Ausgleiches. Die Regierung erhoffe und suche einen Ausweg aus der Krise ohne persönliche Rücksichten. Wenn, was Gott verhüten möge, die Lösung der Krise nicht gelinge. werde auch die weitere Aktion der Regierung im Rahmen der Ver- fasstmg und der Gesetze bleiben, da es das hauptsächlichste Bestreben der Regierung sei, daß jene keine Verletzung erfahren." Fürstprimas Vaszary nimmt die Erllärung mit Beruhigung zur Kenntniß. Hierauf stellt Graf Emcrich Szechenyi den Autrag. das Magnateuhaus möge an den König eine Adresse richten, in welcher der Herrscher gebeten werden solle, seine verfaffungsmäßigen Rechte in der Weise auszuüben, daß die verfassungsmäßigen Zu- stände so bald als möglich vollständig wiederhergestellt werden. Dieser Adreßentwurf wird nächsten Freitag zur Verhandlung gelangen.— Schweiz. Zürich, 17. Januar.(Eig. Ber.) Im Züricher Großen Stadtrath kam am letzten Sonnabend das Subventions- gesuch der Arbeiterkammer(Arbeitersekretariat) zur B» Handlung. Der Referent der Kommissionsmehrheit, Ingenieur Linke legte die Nothweiidigkcit und Vortheile der Organisation wie des geordneten Arbeitsnachweises dar und empfahl die Be« willigung von 2000 Fr. Die Opposition vertraten einige kleinere und größere Unternehmer, die mit Unwahrheiten, bornitten Ein- seittgteiten und fanatischem Arbeiterhaß operirten. Von sozialdcmo- kratischer Seite sprachen sehr wirkungs- und eindrucksvoll der frühere Moskauer Universitätsprofessor Dr. EriSmann und Arbeiter- setretär Greulich. Es wurde schließlich die Gewährung von 2000 Fr. beschlösse!! und der Magistrat stellte seine Befürwortung der gleichen Summe für zulünstige Jahre in Aussicht.— Frankreich. Zur TrcyfuS-Affärc liegt heut wenig Neues vor. Esterhazh soll in Paris angekommen und auf einem der Vorort-Bahuhofe ausgestiegen sein.„Echo de Paris" will wissen, die Kriminalkammer habe den Minister des Aeußern um Uebermittelung verschiedener diplomatischer Schriftstücke, unter Anderem um Drahtungen der früheren Botschafter in Berlin und Rom ersucht. Diesem Ansuchen werde stattgegeben werden.— Der Bericht des Kassationshofcs, der bald nach der evenwellen Vernehmung Estcrhazy's gegeben werden soll, enthält, wie der Brüsseler„Soir" wissen will, sensationelle Ueberraschungen. Der Kassationshof soll bisher 17 Fälschungen Hcnry's festgestellt haben. Der Bericht des Kassationshofcs werde in ganz Europa ein sensationelles Aussehcil. in Frankreich selbst aber die grötzte Betrübnisz hervorrufen, da authentische Dokumente den Verrath hochstehender Militärs, deren bloße Mittelsperson Esterhazh war, beweisen. Der„Soir" beruft sich auf die seitens des Kriegsmiuisters Frcycinet offen geäußerte Meinung, daß Dreyfns nichts verrieth, daß der Verrath vielmehr von ganz anderen Leuten ausging. Das Blatt erklärt bestimmt, innerhalb weniger Wochen würden seine Angaben eine eklatante Bestätigung erfahren.— PariS, 18. Januar. Zollstatistik. Nach der amtlichen Zoll- siati,nk betrug in, Jahre 18S8 der Werth der Einfuhr 4 376 19S 000 Fr.. gegen 3 856 027 000 Fr. im Jahre 1897, der Werth der Ausfuhr 3 503 167 000 Fr. gegen 3 597 952 000 Fr. im Vorjahre.— England. Ein„Führer" der englischen Liberalen ist noch immer nicht gesimden. Morlcy, einer der„Chefs", die als Kandidaten in Frage standen, hat soeben in einer Rede erklärt, Harcourt habe recht ge- habt, die Führerschaft niederzulegen, denn seine Autorität sei nicht anerkannt worden. Das ist wahr, hat aber nicht in der Persönlich- kcit Harcourt's seinen Grund. Die englischen Liberalen sind eine geschlagene und zersprengte Armee, ohne Znsammenhalt, die gar u-.cht mehr fähig ist, einen„Führer" zu haben. Mehrere„Führer", ja— wie das Reich Alezander», als es in Stücke zerfiel.— Dänemark. Die a«Sw artige Politik Dänemarks beleuchtete am Mitt- woch bei der Berathung des Budgets des Kriegsministeriums der K r i e g s m i n i st e r: Das militärische Ziel Dänemarks muß sein, die Neutralität zu wahren, so daß eine Großmacht sich bedenkt, uns anzugreifen, falls� wir uns weigern, Forderungen derselben zu erfüllen. Um diese Aufgabe zu losen, sind die jetzigen Vertheidigungs- mittel beinahe hinreichend. Schwede«. Stockholm, 18. Januar. Der Reichstag ist heute eröffnet worden. Die Thronrede enthält sehr wenig von Belang. Wie alle anderen Thronreden, so„begrüßt" auch sie die Abrüstung�- Vorschläge des Zaren— aber:„Schweden muß seine Militärmacht beibehalten und vcrgrößer n." Ein Kredit für versuchsweise Mobilisirung einer Division wird verlangt.— Spanien. Madrid» 18. Januar. Der KricgSminister erklärte cinnn Ansfrager, er habe die Gencralkapitäne angewiesen, gegen alle Offi- ziere, welche sich an politischen Kundgebungen betheiligten, nach dem Militärgesctze vorzugehen. Asien. In China herrscht augenblicklich die Ruhe des Minenkricgs, welche nur durch Explosionen unterbrochen wird. Vorläufig haben die Engländer am Hof in Peking die Obcerhand, was sie zu dem bekannten Eisenbahnvertrag benützt haben. Die Russen sind aber nicht unthätig. und arbeiten' mit aller Macht an einer neuen Palastrevolution._ Inzwischen haben die Dinge auf der Halbinsel Korea, die den Japanesen nach dem Krieg mit China durch den Dreibund fiir Asien: Rußland, Deutschland und Frankreich wieder abgenommen ward, sich derart zugespitzt, daß die Japanische Regierung die militärische Besetzung von Korea angedroht hat. Es ist dies eine direkte Herausforderung Rußlands, zu dem Japan sich sicherlich nicht entschlossen haben würde, wenn cS nicht der Zustimmung und Unter- sttitzung Englands gewiß wäre, Und das ist es, waS dieser Nachricht ihre große Wichtigkeit gicbl.— Amerika. Zur Ausdchnungspolittk der Vereinigten Staaten hielt B r h a n, der lctztunterlegene Präsidentschafts-Kaiididat. in Denver eine Rede, in welcher er erklärte, die Vereinigten Staaten seien nicht in der Lage, sich auf Kolonialpolitit einzulassen. Der Imperialismus könne wohl zur Ausdehnung des Gebietes der Nation beitragen. würde aber ihr eigentliches Ziel beschränken. Die Früchte des Imperialismus müßten, gleichviel, ob sie sauer oder süß seien, den Unterthanen einer Monarchie überlassen werden.— VsvlamenkÄvifrfjes. Zur Anöwcisnngspolitik in Nordschleswig haben die beiden freisinnigen Reichstags- Fraktionen die nachstehende Interpellation eingebracht: Der Oberpräsidcnt von Schleswig- Holstein hat nach einem öffentlichen Zugcständniß in öfteren Fällen Ausweisungen dänischer Staatsangehöriger aus Nordschleswig nicht um deswillen angeordnet, weil diese Personen sich lästig gemacht haben, sondern nur ,u dem Zwecke, um einen Druck auf die dänisch gesinnten Dienstherrschaften auszuüben. Ist eS zutreffend, daß Maßregeln dieser und ähnlicher Art auS der Initiative des Herrn Oberpräsidenten v. Köller hervorgegangen sind, und ist die Staatsregierung geneigt, die von dem Oberprcisidenten angeordneten Matzregeln mit ihrer Verantwortung zu decken? Fliegender Gerichtsstand der Presse. Zu dem Antrage des Abg. M n n ck e l im Reichstag gegen den fliegenden Gerichtsstand der Presse war vielfach bemerkt loorden, daß er unzulänglich sei, weil er die Fälle der P ri v a t k I a g e ausnahm: in diesen ist der fliegende Gerichtsstand ebenso unhaltbar, wie bei der Erhebung der öffentlichen Klage, und gerade bei Privatklogen wird seine An- Wendung am hönfigsten versucht. Der Ab. Munckcl hat nunmehr in Gemeinschaft mit dem Abg. Träger zu seinem Antrage die Abände- rnng beantragt, die Ausnahme für die Fälle der Privatklage zu st r e i ch e n.— Zum Bureaudirrktor des Abgeordnetenhauses ist der bisher mit der Stellvertretung beaustragt gewesene Geh. Rechnnngs- rath G a l l ernannt worden. Derselbe hat bereits während der Krankheit des früheren Bureaudircktors Kleinschmidt in der ganzen vorige» Tagung hindurch interimistisch die Geschäfte geführt. Nkrrtei-Machvichtett. Ueber die Verurtheilung des Redakteurs August Muller sprach am Montag Abend Reichstags- Abgeordneter Albert Schmidt in einer Volksversammlung in Magdeburg. Voraus ging ein Vortrag des Rcichstags-Abgeordnetcn F ö r st e r aus Hamburg, der unter lebhaftem Beifall über die politstche Lage sprach. Dann erhielt Albert Schmidt das Wort. Er schilderte die systemattsche Verfolgung, unter der seit Jahren die Arbeiter- bcwegung in Magdeburg leidet. Daß der politische Kampf in Magde- bürg so besonders scharfe Formen angenommen hat, erkläre sich aus den lokalen Verhältnissen. Man habe sich noch nicht daran ge- wöhnen können, daß die einstige Hochburg der nattonalliberalen Partei eine sichere Stätte der Sozialdemokratie geworden ist, und sähe mit Angst und Sorge auf den zunchn, enden Ei-tflutz, den die Sozialdemokratie auf das soziale und politische Leben aus- übt. Die.Klassengegensätze hätten sich in Magdeburg auf das denk- bar schärffte zugespitzt, dementsprechend auch die Klassenkämpfe. Der Sozialdemokratie sei ein Kampf nach dem anderen ausgedrungen worden, stets babe sie sich in der Abwehr befunden.� Redner ging dann auf die Verurthcilung des Redakteurs Müller ein. Wenn vorher, so berichtet die„Volksstimme", die Ausführungen Schmidt's fortgesetzt von Beifall unterbrochen worden waren, so herrschte bei der Berührung dieses Punktes eine eisige Ruhe. Sie schwand aber, als der Redner die Ursache der Bestrafting und deren Schwere besprach und sie mit anderen Vergehen in Vergleich stellte. Schmidt erklärte, daß die Richter nach bestem Wissen und Gewissen geurtheilt hätten, die Strafe selbst aber zu hart sei. Zu hart auch aus dem Grunde, weil Müller unschuldig und er(Schmidt) allein die Verantwortung für die Müller zugeschobene Handlung trage, die indessen nicht provozirt, sondern durch absonderliche Umstände veranlaßt sei. die er zunächst nicht schildern wolle. Hatte dieses Geständniß bereits die Versammelten zu tosendem Beifall hingerissen, so nahm der Beifall, die Zustimmung kein Ende, als Schmidt die Erklärung abgab, sich dem Staatsanwalt gestellt zu haben, damit er gegen ihn ein Verfahren einleite. Er wolle nicht, daß für seine Handlungen, die er allein verschuldet habe, ein Unschuldiger leide, er wolle den Verurth eilten, der ein junger Parteigenosse sei, nicht an der Ehrlichkeit und Charakter- festigkeit der Sozialdemokraten zweifeln lassen. Schmidt stellte sich der Staatsanwaltschaft, obwohl das Verfahren gegen ihn bereits am 28. d. M. verjährt gewesen wäre; er stellte sich, obwohl er Weib und Kinder zu versorgen hat, und gedenkt auch auf seine Immunität zu verzichten, damit Müller nach Verbüßung der ihm wegen Preßvcrgehcns und Ver- qchens in Versammlungen zuerkannten Strafen auf freien Fuß ge- setzt lvird. Der Versammelten hatte sich eine tiefe Erregung bemächtigt, sie jubelten dem Redner zu. Auf ein Opfer mehr oder weniger, meinte Schmidt, kommt es im Kampfe gegen die herrschenden Gewalten nicht an— einer stürzt, zehn andere treten an seine Stelle; zu ersetzen sei jeder. Nur Aus- dauer, Entschlossenheit, Gcsctzmäßigkcu führten zum Ziele und hieran werde es die Sozialdemokratie Magdeburgs nicht fehlen lassen. Noch nie durchklang das Hoch auf die Sozialdemokratie so brausend den Saal, als' am Schlüsse dieser Versammlung. In ge- hobener Stimmung verließ alles den Saal, manches Auge war thränenumflort und mancher Händedruck wurde gewechselt! In Grünberg gestaltete sich die Volksversammlung, die am Sonnabend in dem durch den Boykott errungenen Lokal„Luisen- t h a I" abgehalten wurde, zu einer großartigen Kundgebung. Weit über 1000 Personen waren erschienen, um durch den Besuch der Ver- sammlung wider die perfide Kampfesweise unserer Gegner zu demonstriren, die es bekanntlich erreicht hatten, daß sämmtliche Saalinhaber sich weigerten, ihre Lokalitälen zu sozialdemokratischen Versanimlungen herzugeben. Das Referat in der Versammlung am Sonnabend hielt unter tosendem Beifall Reichstags-At-g-ordneter S ei fert aus Zivickau; in der Diskussion sprach der Reichstags- Kandidat des Kreises, Genosse Stolpe. Die Versammlung verlief in der musterhaftesten Weise. Mit brausenden Hochrufen ans die moderne Arbeiterbewegung ging man auseinander. Bemerkt sei noch, daß am S o n n a b e n d für das. Luise nthal" die Polizei- stunde auf 11 Uhr festgesetzt war! Die Parteileitung der Sozialdemokratie Ungarns ver- öffenrlicht über die Thärigkcit der Partei in der Zeit vom 13. Juni 1897 bis 31. Dezember 1898 einen Bericht, worin sich folgende Statistik der Verfolgungen befindet: 44 Arbeiter wurde» von Gendarmen getödtet. 114 Ar- bciter v o n G e n d a r ni e n verwundet. Haussuchungen wurden in 51 Städten bei mehreren hundert Arbeitern gehalten. Versammlungen wurden verboten in 56 Städreir und Gemeinden. Verhaftet und längere Zeit in Untersuchung gehalten wurden 259 Arbeiter. Ausgewiesen und ab- geschoben wurden 216 Arbeiter aus 32 Städten und Gemeinden, Jm Gesängniß blutig geschlagen wurden 34 Arbeiter. Freiheitsstrafen wurden erkannt in Höhe von 171 Jahren und 80 Tagen. Geldstrafen in Höhe von 33 504 Kronen. Statuten wurden an 11 Städten und Gemeinden ohne Ge- nehmigung zurückgesandt. Vereine aufgelöst 28. Und>vas haben die herrschenden Klassen Ungarns durch die Verfolgungen erreicht? Nicht nur hat sich die Zahl unserer Anhänger vermehrt, sondern auch die Einnahmen der Partei sind außerordentlich ge- stiegen, und zwar gerade seit dein Zeitpunkte, wo das Ministerium des Innern die Verordnung erließ, daß alle Geldsammlungcn. die nicht ministeriell genehmigt werden, verboten seien. Aus Grund dieses Ukases hat man die frciivillige Parteistener der Mitglieder für eine verbotene Sammlung erklärt. Aber genützt hat auch das nicht. Der Ausfall an Geldern aus der Partcisteuer und den Sammlungen wurde weit gemacht durch die steigenden Einnahmen, die die Parteipress« und die Parteibuchhandlung machte. Vom 16. Mai 1897 bis zum 15. Februar 1898 betrugen die Einnahmen insgesammt 27 100 Kronen(ü 50 Kreuzer), vom 15. Februar bis 31. Dezember 1898 aber 45 643 Kronen. Die Einnahmen aus dem Zeitungsverkauf stiegen auf das Dreifache. Seit Mai 1898 erscheint das Partei-Organ, die„Nepßava", zweimal die Woche, ferner wird unter dem Namen Arbeiterbibliothek eine Sammlung von sozialistischen Schriften in ungarischer Sprache herausgegeben, deren einzelne Hefte allmonatlich erscheinen. Weiter sind folgende Parteiblätter gegründet worden: in Szegedin„Mun- kaslap", in Csongrad„Csongradi Munkaslap", in Arad„Ujvilag", in Neupest„Szabadsag" und„Haladas". Wenn wir zum Schluß noch berichten, daß die Sozialdemokratie i n 600 Gemeinden Ungarns festen Fuß gefaßt hat, so wird das genügen, um die Dummheil der ungarischen Regierung, die eine solche kräftige Bcwegung noch niederschlagen zu können hofft, in ihrer ganzen Lächerlichkeit zu erweisen. Poliiriliches, Gerichtliches u. s. w. — Wegen Beleidigung militärischer Vorgesetzter wurde der Redakteur der„Weußischen T r i b ü n c" in Gera, Genosse Seyf arth, vom Schöffengericht zu 25 M. Geldstrafe oder fünf Tagen Haft verurtheilt. Das Vergehen soll durch eine Lokalnotiz verübt worden sein, die die Ueberschrift trug:„Interessante Schwimm- Uebungen". — Unabsichtlich, wie nachgewiesen wurde, hatte die„ S ä ch s. Arbeiter-Zeitung" eine ihr zugesandte Berichtigung nicht abgedruckt. Dennoch wurde der verantwortliche Redakteur Beyer vom Schöffengericht der llcbertretung des§ 11 des Preß- gesctzcs schuldig erachtet und zu 20 M. Geldstrafe sowie zu den Kosten verurtheilt.__ Brutalität gegen organisirte Arbeiter im „Lokal- Anzeiger". Es dürfte in Berlin kaum einen Bettieb geben, in dein die Angestellten so der Bevormundung ausgesetzt sind, als die mit dem größten Raffinement arbeitende Zcitungsfabrik des Herrn August Scherl. Was bedeutet das Recke'sche Vereinsgesetz gegen de» Willen eines Zeitungsfobrikantcn, eines August Scherl? In sein«» Betriebe dürfen die Angestellten überhaupt erst das Vereins- recht mit seiner Genehmigung benützen. Was braucht man noch ein Zuchthausgcsetz, wenn der Direktor der Anstalt„ A u g u st Scherl" es allein schon fertig bringt, von seinen Arbeitern die Preisgabe jeder Koalitionsfreiheit der Arbeiter zu verlangen. Unsere Gesctzesmacher sind Stümper gegen einen Mann, der«S versteht, in seinem Betriebe eigene Gesetze gegen die Arbeiter zu schmieden und die Arbetter ihrer staatsbürgerlichen Rechte verlustig erklärt, wenn sie ihre ArdeirSkraft dem Unternehmer des„Lokal- Anzeigers" verkaufen. Ein solches Verlangen enthält die Ge- schäftsordnung dieses Reklamebctriebes. die wir schon einmal Ge- legenhcit hatten zu besprechen. Kein Arbeiter darf einer Organisatton angehören, keine Versammlung darf ohne Erlaubniß des Herrn Ch'efS einberufen werden,— geschieht es dennoch, dann folgt die Strafe ans dem Fuß. Und daß diese Bestimmungen mit un- nachsichtlicher Strenge gehandhabt werden, mußten die Schriftsetzer dieser Tage in unangenehmer Weise erfahren. UnS wird hierüber von einem Betheiligten geschrieben: „Die Setzer des„Berliner Lokal-Anzeiger" sahen sich in an- betracht der lang andauernden Arbeitszeit genothigt, vor Weihnachten bei der Geschästslcitung vorstellig zu werden, hierin un- bedingt eine Aenderung eintteten zu lassen.(Beweis: Fünf Setzer dieser Offizin erschienen an einem Tage bei einem Arzt und konstatirte dieser eine hochgradige Nervosität durch Arbeits- Uebcrbürdung. Dieses war wohl die Veranlassung, daß das Geschäft die von der Kommission gemachten Vorschläge in Erwägung zog, zehn Mann einstellte und eine drcitheilige Arbeitszeit einführte. Von beiden Seiten wurde diese Eintheilung selbstverständlich als Provi- sorinm betrachtet, bis die drei Abthcilungen dieselbe einmal durch- gemacht hätten. Es sollten dann die eventuell sich ergebenden Miß- stände abgeschafft werden. Zu diesem Zweck wurde ein Mitglied der Offizin bei der Geschästslcitung vorstellig, mit dem Gesuch, eine Druckerei- Versammlung einberufen zu dürfen. Dies wurde von der Geschäftsleittmg rundweg abgeschlagen. Da die Mißstände auf eine andere Art nicht zu regeln waren, trat die mit Genehmigung des Geschäfts gewählte Kommission, welcher sich einige für die Sache interessirende Kollegen anschlössen, am Sonntag, den 8. d. M. zu einer Besprechung und Regelung der thatsächlich nothwendigen Acnderungcn zusammen. Die von der'Kommission ausgearbeiteten Bestimmungen zwecks Ein- theilung der Arbeitszeit waren der Geschästsleitung vorher schon eingereicht, damit auch letztere event. Acnderungen vornehmen könne. Auf unerklärliche Weise nun erhielt die Geichäftsleitung Kcnntniß von der Berathung und sandte am Dienstag, den 17. d. M. früh den 24 dort thätigen Buchdruckern folgende Kündigung in die Wohnung, Herrn Schriftsetzer R. N. � Hier.(Straße.) Hierdurch ersuchen wir Sie, Ihre Thätigkeit in unserer Offizin mit dem heutigen Tage einzustellen. Die Rechnung über den Satz der neuen Rechnungswoche wollen Sie uns baldigst's chr ist lich cmreichen. Ihr Krankenkasscnbnch, sowie Ihre Ouitttmgskarte übersenden wir Ihnen als Einschreibbrief. Hochachtungsvoll Verlag des„B e r I i n e r L o k a l- A n z e i g e r". I. A.: Tochtermann. Der Herr Faktor hatte zwar bei einer früheren Besprechung zu den Vertrauensleuten geäußert, daß man gegen Berathungen am Biertische nichts einwenden könne und daß dieselben jedenfalls schon stattgefunden hätten und noch stattfinden würden.— Auf eme Anfrage zweier Gcmaßrcgelten nach dem Kündigungsgrund wurde denselben mitgcthcilt, daß sie illoyal gegen das Geschäft gehandelt hätten und dieses sich auf weitere Ausfühnmgen gar nicht einlassen könne. Zivei noch dort verbliebene Schriftsetzer versuchten hierauf den eigentlichen Grund der Kündigung zu erfahren. Darauf wurde ihnen der Bescheid, daß in der Besprechung die Person des Herrn Scherl in gemeiner Weise angegriffen wäre.— Eme an demselben Abend einberufene Versammlung» in welcher die.4 ge- kündigten Buchdrucker ehrenwörtlich erklärten, Herrn Scherl Www der Geschäfts leitung in keiner Weise zu nahe getreten zu sein, wählte eine Kommission, die folgende Resolution, die in der Versammlung einstimniig angenoniineii war, zu vertreten hatte. „Die an, 17. Januar 1899 im Lonisenstädtischen Konzerthaus tagende Versammlung des technischen Personals vom„Berliner Lokal-Auzcigcr" erklärt sich mit den 24 Kollegen, welche heute ohne Grund plötzlich entlassen sind, solidarisch und erklärt einstimmig: 1. Die Arbeit im Betriebe des„Berliner Lokal-Anzeiger" nicht früher aiifznnehmen, bis die Entlassung der 24 Kollegen wider- rufen und. 2. die Arbeit nicht eher zu begiiinen. bevor nicht sammtlichcn Arbeitern im genannten Geschäft Koalitionsfreiheit in vollem Um- fange garantirt'ist.". Auch dieser Kommission wurde bei sofortiger Eni- lassung bemerkt, daß sich das Geschäft auf keinerlei Unter- Handlungen mehr einließe. Erwähnt sei noch, daß, trotzdem die Mehrzahl der Angestellten der Offizin jahrelang, einige bis zu 12 Jahren, im Geschäft thätig waren, diese sich mit den 24 Gemaß- regelten solidarisch erklärten und sich 118 Mann veranlaßt saheir, durch diese brutale Provokatton dem Geschäft den Rücken zukehren. Soweit der Bericht. Die Leser werden selbst die richtige Be- Zeichnung für eine solche Behandlung der Arbeiter finden die Schilderuug spricht für sich selbst. Ob die übrigen Ar- bciter sich gleichgiltig zu einer solchen Behandlung einer be- sonderen Berufsgruppe Verhalten werden, wird sich in den nächsten Tagen zeigen, auch ihnen droht dasselbe Schicksal, wenn sie nicht den Launen und Tücken eines rücksichtslosen, hochmüthigen Kapitalisten Widerstand entgegensetzen. Aber als ein höchst bedauerliches Zeichen der J»terc,senlos,gkcit in Arbciterkreiscn müssen wir es bezeichnen, daß ein Blatt, in dessen Geschäftsbetrieb die Arbeiter so niederträchtig behandelt werden, noch immer eine große Leserzahl aus diesen Bevölkerungskreisen aufweisen kann. Sollten es nicht die Arbeiter als eine Ehrenpflicht betrachten, nicht zu Mitschuldigen an solchem Treiben zu werden? Jedes Abonnement des„L o k a l- A n z e i g c r s", jedes Inserat aus Ar- beitcrkreisen bedeutet eine Selbstzüchtigung der eigenen Klasse, der eignen Klassengenossen. Ein Blatt, das seine Arbeiter so behandelt, muß aus ihren' Kreisel, verbannt werden I Bemcrkenswerth ist, daß in der gestrigen Abendausgabe des „L o k a l- A n z e i g e r s" mit keinem Wort der Streik erwähnt ist. Das Blatt rühmt sich bekanntlich damit, in allen Orten Korrespondenten, zu unterhalten, um sofort jede Skandalgeschichte mit behaglicher Breite den Lesern auftischen zu können, dagegen hält es das Blatt nicht der Mühe Werth, eine Arbeiterangelegenheit, die in seinen eigenen Räumen sich abspielt, bekaimtziigeben. Das ist die Taktik einer besondere» Art Insekten, die im Koth ihr Lebenselement fühlen und sich todt stellen, ivenn sie verfolgt werden. GeivevkMzÄftlMzes. Gegen die Strciklnst wandte sich der Pfarrer Lic. W e b e r in einem Vortrag, den er in M.-Gladbach hielt. Der Redner führte aus, er halte jeden Streik an sich um der sittlichen Folgen willen, die aus ihm zurückblieben, für ein Unglück. Die Streiks müßten durch obligatorische Einigungsämter und Schiedsgerichte verhütet werden,>vie solche der Gesammtverband der evangelischen Arbeiter- vereine bei dem vorigen Reichstag beanttagt und wie der Reichstag diese Petition der Regierung zur Erwägung über- wiesen habe. Den zum Streik neigenden Arbeitern gab der Redner zu bedenken, welche schweren, auch wirthschaftlichen Gefahren jeder Streik für sie und ihre Familien sowohl als auch für die Gcsammtheit in sich schließe. Der Redner sprach zum Schlüsse die Hoffnung aus, daß die evangelischen Arbeiter ruhig und besonnen bleiben und daß M.-Gladbach überhaupt solche Zustände, wie sie in Krefeld jetzt sind, erspart bleibe» würden. Die Entrüstung über die Krefelder Weber war in diesem Zu- sammenhange doch recht unangebracht, denn der Herr Pfarrer sollte doch wissen, daß dort die Fabrikanten das Eiingungsaint abgelehnt habe», welches die Arbeiter anriefen. Aber Herr Weber Nimmt vor jedem Streik Reißaus, wie er es auch beim Ausstaiid der Bergleute am Piesberge that. Gewiß fordert der Streik große Opfer, aber ist die Lohn'herabsetzung nicht auch ein Opfer, welches man den Ar- beitern abverlangte?— Wie die Ereignisse zeigen, begreifen dies auch die christlichen Arbeiter. Die Lohnkoinmiffion der Magdeburger Schneider hat auf Gnmd der in mehreren öffentlichen Versainmluugen gefaßten Beschlüsse folgende Forderungen an die Arbeitgeber gerichtet: 1. Er- richtung von Betriebswerkstätten. 2. Anerkennung eines festen Lohn- tarifs. 3. Minimallohn von 15 M. für Wochenarbeitcr und Beseiti- gung des Kost- und Logiswesens beim Meister. 4. Eine anständige, eines Menschen würdige Behandlung, Einsetznng einer Kommission zur Austragung etwaiger Streitigkeiten, welche' zu gleichen Theilen aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern besteht.' 5. Anerkennung von Arbeitsnachweisen in Händen der Arbeiter. Die Anforderungen. welche an eine Betriebswerkstätte gestellt werden, sind ausführlich formulirt und der Eingabe an die Arbeitgeber beigefügt. Die Kommission erwartet bis zgm 1. Februar von den Meistern eine Antwort. Die Dresdener Taxameterdroschken-Führer sind in ernst- hafte Differenzen niit ihren Arbeitgebern gerathen. Letztere ver- langen von den Arbeitern die Unterschrist auf einen Kontrakt, welcher für die Arbeiter unannehmbare Härten enthält. Die Innung der Fuhrherren hat nun beschloffen, auf der Unterschrift zu bestehen und diejenigen Droschkenführer auszusperren, welche dieselbe verweigern. Die in Frage kommenden Unternehmer sollen für jede außer Gang befindliche Droschke 8 M. Unterstützung pro Tag be- kommen. Die Droschkenführer 1. Klaffe haben dagegen in einer öffentlichen Versammlung beschlossen, die Unterschrist nicht zu geben und es auf die Aussperrung ankommen zu lassen. Trotzdem die Leute leider bis jetzt so gut wie nicht organisirt waren, hat ihnen der Zentralverband der Handels-, Transport- und Vcrkehrsarbeiter Deutschlands volle und thatkräftige Unterstützung zugesagt. Dem Jahres- Bericht des Verbandes der englischen Maschinenbauer für das Jahr 1833 ist zu entnehmen, daß die Wunden des letzten großen Kampfes so ziemlich wieder ausgeheilt sind. Der Reservefonds. der am Ende des Streiks' kaum 2 Millionen Mark betrug, enthält heute bereits wieder 4 Millionen; dabei sind alle geliehenen Gelder zurückgezahlt. Der Mitgliederstand betrug Ende Dezember 1898: 83 564; der alte Stand von Ende 1897 swährend des Streiks), zu welcher Zeit der Verband über 90 000 Mitglieder zählte, ist also noch nicht wieder erreicht. Zum Theil dürste das auf die hohen Extrabeiträge zurück- zuführen sein, welche der Verband seinen Mitgliedern auferlegen mußte, um möglichst schnell seine Finanzen zü fundiren.— Am Ende des Streiks sJanuar 1898) befanden sich gegen 30 000 Mit- glieder außer Arbeit; heute zählt die Organisation nur die normale Anzahl von Arbeitslosen. In Algier ist ein allgemeiner Streik der Bäckerei- Arbeiter ausgebrochen. Die Ausständigen haben eine Deputation an die Behörden gesandt und diesen mittheilen lassen, daß sie gewillt seien, die Bevölkerung nicht unter dem Wort- bruch der Meister leiden zu lassen. Sie sind bereit, in öffentlichen (kommunalen) Bäckereien das nöthige Brot zu backen. Die Kommunal- behörden wollen versuchen, eine Einigung herbeizuführen. Soziales. Für die Auszahlung der Löhne minderjähriger Arbeiter an deren Eltern oder Vormünder, wodurch einerseits die jungen Arbeiter vor leichtsinnigem Lebenswandel bewahrt und andererseits die Autorität der Familie gekräftigt werden soll, sind die Industriellen durchaus nicht begeistert. Die Versuche der Re- gierungsbehörden, die Gemeinden oder weiteren Kommulverbände zum Erlaß von statutarischen Bestimmungen zu bewegen, die sich auf die Auszahlung der Löhne minderjähriger Arbeiter an deren Eltern oder Vormünder beziehen, scheiterten an vielen Stellen" gerade an dem Widerspruch der Industriellen. Der hauptsächliche Grund ist natürlich nicht, daß die Fabrikanten etwa ein besonderes Wohlwollen für die minderjährigen Arbeiter übrig hätten, sondern man ist gegen die Matzregel, weil mit ihr U n b e g u e m l i ch k e i t e n verbunden sind. Zum Theil ist die Durchführung der Lohnauszahlung an Eltern oder Vormünder aber überhaupt nicht möglich. Die Handelskammer zu Essen weist im letzten Jahresbericht darauf hin, daß in ihrem Bezirke die Arbeiter ans allen Theilen Deutschlands zusammengeströmt sind. Ferner wird angeführt, daß auch bei den angesessenen Arbeiterfamilien die Sitte vielfach nicht stark genug gewesen ist, minderjährige Arbeiter bei ihren Eltern zu halten, daß sie vielmehr häufig aus dem Familienkreise ausscheiden und als Kostgänger bei fremden Leuten leben. Eine durchgreifende statutarische Regelung würde daher auf die allergrößten Schwierigkeiten stoßen und statt der erhofften Vortheile wahrscheinlich große' Unzufriedenheit im Ge- folge haben. Als vor Jähren die Regierungspresse für die in Rede stehende Maßregel Reklame machte, ist von den Blättern unserer Partei ein- dringlich darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Hoffnungen, die man auf die Maßregel setzte, an den wirthschaftlichen Thahsachen scheitern müßte. Wie recht die Sozialdemokratie hatte, zeigt die Verlegenheit, in der sich jetzt die Regierungsbehörden befinden. Die deutsche überseeische Auswanderung im Jahre Z8S8. Im vergangenen Jahre sind über deutsche Häfen sowie über Ant- werpen, Rotterdam und Amsterdam insgesammt 20 837 Deutsche ausgewandert, gegen 23 220 im Jahre 1837.j ' Es wurden befördert über: im Jahre Aus deutschen Häfen wurden im Jahre 1898 neben den vor- genannten 17 173 deutschen Auswanderern noch 83 805 Angehörige fremder Staaten befördert. Davon gingen über Bremen öl 660, Hamburg 31 712, Stettin 433. Beim Gewerbegcricht in Stuttgart sind im Jahre 1893 an Klagen anhängig gemacht ivorden: von Unternehmern 98, von Ar- beitern 1107, msgesamnit 1205 gegen 1229 im Jahre 1897. Wie in Leipzig, so war also auch in Stuttgart ein Rückgang der Zahl der Klagen zu verzeichnen. Erledigt wurden 1118 Klagen aus dem Jahre 1833 und 7 aus dem Jahre' 1897. Die meisten der noch ver- bleibenden 87 Klagen aus dem Jahre 1898 sind außergerichtlich erledigt worden, ohne daß die Parteien die Klage formell zurück- genommen hätten. Der höchste Streitwerth hat 900, der niedrigste i M. betragen. Von der Erhebung der Klage an gerechnet, wurden erledigt: 119 Klagen in 1 Tage, 216 in 2 Tagen, 209 in 3 Tagen, 417 iii 4—7 Tagen, 157 nach mehr als einer Woche. In einem Falle(beim Zimmerer- bezw. Maurerstreik) wurde das Gewerbe- gericht als Einigungsamt angerufen, und zwar von den Abeitern. Die Unternehmerkoalition, der Baugewerk- verein, lehnte es ab, sich auf Verhandlungen vor dem Einigungs- amt einzulassen, dagegen kam unter privater Leitung des Vorsitzenden des Gewerbegerichts noch eine Vereinbarung zwischen den streitenden Parteien zu stände. ' frV Gevichks�ÄeikttNg« ZttchthanskurS und kein Ende. Eine ganz besonders charakteristische Anklage wegen Nöthigung und Vergehens gegen § 153 der Gewerbe-Ordnung beschäftigte gestern wiederum die achte Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Die beiden Angeklagten, Maurer A u g u st Schmidt und Karl Peterson, waren zu- sammen mit 32 anderen Maurern im August v. I. auf dem Neubau Schulstr. 71 beschäftigt. Zwei Maurer hatten, wie die Angeklagten behaupten, schlechte Arbeit geliefert, und da die übrigen'32 nicht die Verantwortung für etwaige Unfälle übernehmen Wollten und der Polier ihrer Beschwerde kein Gehör gab, so legten am 23. August die 32 Maurer die Arbeit nieder. Der Bauherr behauptet dagegen, daß die Arbeitseinstellung erfolgte, weil das Gros der Maurer verlangte, daß zwei Maurer. die be- sonders fleißig waren und deshalb einen höheren Lohnsatz bezogen, vom Bau entfernt werden sollten und dies nicht erfüllt wurde. Es wurden pflichtgemäß Streikposten ausgestellt und am 25. August soll es zwischen den Angeklagten und zwei Arbeits- willigen zum Konflikt gekommen sein. Der Maurer Emil R o st .ZZerant.vortlicher Redakteur: August Jacvbey in Berlin. Für den Jnsera behauptet, daß. als er mit dem elektrischen Wagen auf dem Wege nach dem Neubau Schulstr. 71 gewesen sei, an einer Haltestelle acht bis zehn Personen den Wagen umgeben hätten, die ihm und dem Maurer Schirmer zuriefen:„Kommt' mal runter, Ihr Strolche, Streik- brecher, Lumpe 1" Beide seien auf einen anderen, gerade abgehenden Wagen gesprungen und da habe er von einem unbekannten Mann einen Schlag in das Genick erhalten. Die Anklage behauptet, daß Schmidt der Schläger gewesen sei und Peterson auch Drohungen ausgestoßen habe. Beide Angeklagte bestritten jede Schuld. Die beide» Belastungszeugen, die bei ihrer Polizei- lichen Vernehmung die Angeklagten recht belastet hatten, schränkten ihre Aussagen unter ihren: Eide sehr zu deren Gunsten ein. Der Bauherr, Tischlermeister Heinemann bekundete, daß er durch den Streik in eine sehr mißliche Lage gekommen sei und einen Ver- lust von etwa 15 000 M. erlitten habe. Er habe sich an die sogenannten Akkordmaurer gewandt, diese seien aber von ganzen Trupps Streikender belästigt(I) worden, so daß sie nur unter polizeilichem Schutz auf die Baustelle gebracht werden konnten und er selbst es für gerathen hielt, sich mit einem Revolver zu bewaffnen.— Staatsanwalt Dr. Kleine beantragte selbst die Freisprechung des Angeklagten Peterson. dagegen die Verurthei- lung des Angeklagten Schmidt, dem zwar auch nicht nachgewiesen sei, dem Zeugen Rost den Schlag versetzt zu haben, der aber über- führt erscheine, die Arbeitswilligen durch Drohungen von der Arbeit abzuhalten versucht zu haben. Dann kam die unter dem Zuchthauskurs übliche Rede: Erst neuerdings sei wieder auf die Nothwendigkeit hingewiesen worden, die„Arbeitswilligen" vor den Belästigungen durch die Streikposten zu schützen, die, anstatt für ihre Familien zu sorgen, sich aus der Streik- kaffe mästen. Bei der Abmessung der Strafe müsse darauf Rücksicht ge- nommen werden, daß sie abschreckend wirken solle und deshalb beantrage er gegen Schmidt neun Monate Ge- f ä n g n i tz. Rechtsanwalt Leopold Katz trat dem Staatsanwalt entschieden entgegen und vertrat den Standpunkt, daß dem Angeklagten Schmidt auch nicht ein einziger Schuldbeweis erbracht worden sei. Zu den rechtlichen Bedenken gegen die An- weudbarkeit des§ 163 gehöre auch das, daß durch den Streik gar nicht günstigere Arbeitsbedingungen erzielt werden sollten und die beiden Zeugen an dem betreffenden Tage noch gar nicht die Ar- beit antreten, sondern sich zunächst über die Sachlage auf dem Bauplatze orientiren wollten.— Der Gerichtshof hielt den That- bestand der Nöthigung allen Ernstes für erwiesen und verurtheilte den Angeklagten Schmidt zu sechs Monaten Gefängniß. Unter dem Zuchthauskurs darf man sich über derartige Urtheile ja nicht mehr wundern. Eine Mahnung mehr an alle Arbeiter von Ehrgefühl, sich ihrer O r g a n'i s a ti o n anzuschließen und in den kommenden Stürmen treu zu ihr zu stehen I lieber die Worte des Staatsanwalts natürlich kein Wort weiter. Die im Interesse der klassenbewußten Arbeiterschaft zu wünschende Wirkung wird vollkommen dadurch erreicht, daß wir, wie geschehen, die Worte des Anklagers auffällig im Text hervorgehoben haben, Die Krankheiten des Staatsanwalts. Der Redakteur K n a a k vom„Generalanzeiger für Halle und den Saalkreis" war wegen öffentlicher Anpreisung von Geheimmitteln, die zur Heilung menschlicher Krankheiten dienen sollen, angeklagt' worden. Es handelte sich um ei» Jnferat des Blattes, worin eine Haartinktur und ein chemisches Präparat „Fraucnschutz" empfohlen wurde. Die Staatsanwaltschaft vertrat den Standpunkt, daß Knhlköpfigkeit eine Krankheit und die Schwanger- schaft ein krankhafter Zustand sei. Die hiergegen empfohlenen Mittel sind deshalb ihrer Meinung nach Heil mittel, die zu den Geheimmittcln gehörten, deren öffentliche Anpreisung in Sachsen, wie in den anderen preußischen Provinzen, verboten ist. Das Land- gericht als Berufungsinstanz sprach jedoch den Angeklagten frei und das K a m m e r g e r i ch t verwarf die Revision der Staats- anwaltschaft. Der Senat führte aus, Kahlköpfigkcit könne zwar die Folge einer Krankheit sein, sie sei aber an sich keine Krankheit. Eine Haartinktur, mit der man den Haarivuchs fördern wolle, könne darum nicht als ein Mittel gegen eine Krankheit angesehen Iverden. Ebenso verhalte es sich mit den Mitteln gegen die Befruchtung, denn die Schwangerschaft an sich sei ein normaler Lebenszustand, wenn ihn auch oft Krankheits- erscheinungen begleiten. Wir nehmen an, daß der Staatsauwalt, der diese namentlich vom Standpunkt des Arztes aus originellen Anschauungen vertreten hat, ein keuscher Junggeselle ist und es auch sein Lebelang bleiben wird. Denn wenn er ein Weib nimmt, so liegt— wir sprechen die Erfahrung von Generationen aus— nichts näher, als daß er es vorsätzlich in krankhaften Zustand versetzt; und dann bliebe ihm als einem gewissenhaften und logisch denkenden Mann nichts übrig, als sich wegen Vergehens gegen 223 ff. des Strafgesetzbuchs selber zu stellen.' Und so etwas wäre für einen Staatsanwalt einfach entsetzlich! Wen» man von einem„Vcrbrechcrglück" reden kann, dann hatte es der schon vielfach vorbestrafte Arbeiter Karl S ch ö w e in der Nacht zum 13. August v. I. und am darauffolgenden Morgen. Am Abend des 13. August sollte Schöwe Gelegenheit geftinden haben, einem auf einer Bank eingeschlafencn Maurer die Uhr zu stehlen. Darauf ivollte Schöwe sich ein billiges Nacht- logis suchen. Er fand ein solches in einer behaglich ein- gerickiteten Laube hinter dem Jnvalidenhause. Der Eigenthümer, ein Offizier, hatte die Unvorsichtigkeit begangen, einen Zivilanzug in der Laube hängen zu lassen. Für Schöwe eine willkommene Beute. Bevor er sich in doppelter Bekleidung aus der Laube entfernte, lohnte er dem unfreiwilligen Wirth dadurch, daß er auf den mit einer Decke belegten Tisch stieg und---- Es ist ein allgemein verbreiteter Aberglaube in Verbrechcrkreiscn, daß man den Ort der That verunreinigen mutz, um unentdeckt zu bleibe». In recht zuftiedener Stimmung ging Schöwe bald darauf durch die Jnvalidenstraße. Plötzlich siel ihm ein Ring vor die Füße. Ein Dienstmädchen schüttelte eine Tischdecke zum Fenster hinaus, um sie vom Staube zu befreien. Es hatte nicht demerkt, daß auf der Decke ein Brillantring gelegen. Schöwe hob den Ring auf, entdeckte sofort, daß' der Stein eckt war und eilte mit der Beute davon. Seine Strafthaten wären vielleicht unentdeckt geblieben, wenn Schöwe sich nickt felbst einem Bekannten gegenüber damit gerühmt hätte, welch Glück er gehabt habe. Von fetzt ab verließ ihn das Glück, sein Freund verrieth ihn und Scköwe wurde verhaftet. Im gestrigen Termine vor der achten Strafkammer des Landgerichts 1 bestritt der Angeklagte Alles und mutzte erst durch eine umfangreiche Beweisaufnahme über- führt werden. Der Gerichtshof hatte keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten, der zu vier Jahren sechs Monaten Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen verurtheilt wurde. In Hamburg sprachen am Dienstag die Geschworenen eine Frau frei, die geständig war, ihren Einlogirer im Schlafe überfallen und ihm mit' einem Beile eine klaffende Kopf- wunde beigebracht zu haben, um ihm seine Ersparnisse zu stehlen. Es war die'23jährige Goldarbeiters-Ehefrau Marie Findeisen. Die- selbe war bisher unbescholten und eine fleißige HausfrcP und gute Mutter. Ohne Wissen ihres Mannes hatte sie 35 M. Schulden ge- macht, und um diese sie durchaus nicht drückenden Schulden— sie verdiente mit einer Plätterei etwa 16 bis 20 M. wöchentlich, während ihr Mann einen Wochenlohn von 24 M. bezog und feste Arbeit hatte— zu bezahlen, überfiel sie in der Nacht zum 20. No- vember ihren Einlogirer, den Gartenarbeiter Böttcher, während er schlafend im Bette lag, und versetzte ihm mit einem Beile, wie sie in der Verhandlung selbst sagte, absichtlich und vorsätzlich, um ihn zu betäuben. einen wuchtigen Hieb gegen den Kopf, so daß das Beil bis auf den Schädelknochen drang. Aus Schreck über die That stand sie dann aber vom Raube ab. Sie war deshalb des versuchten Mordes und des versuchten Raubes angeklagt, mutzte aber freigesprochen und aus der Haft entlassen werden, weil die Geschworenen sämmtliche Schuldfragen verneinten. entheil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Nie Aus Halle wird uns vom 17. Januar berichtet: Wegen Be« leidigung durch die Presse war heute vor der Strafkammer der Redakteur der„Graphischen Presse", Genosse Konrod Müller aus Schkeuditz, angeklagt. Es handelte sich um dieselbe Sache, womit sich das hiesige Landgericht und auch das Reichsgericht schon beschäftigt haben. Genosse Müller wurde im Monat August v. I. hier wegen Beleidigung eines Obermaschinenmeisters und eines Ober- lithographen zu 50 M. Geldstrafe evcnt. 10 Tagen Gefängniß ver- urthcilt. Auf eingelegte Revision wurde das Urtheil ausgehoben, da nicht untersucht worden, ob sich die Beleidigung aus der Form oder den Umständen ergebe. Das Gericht erblickte heute die Beleidigung in der Fonn und' den Umständen und erkannte wieder auf S0 M. Geldstrafe event. 10 Tagen Gefängniß. Patriotismus. Die namentlich für Gastwirthskreise bedeuttings- volle Frage, ob in einem umschloffcnen Räume in Anwesenheit be- stimmter Personen, z. B. in einem Gastzimmer, grober Unfug ver- übt werden kann, wurde gestern von der neunten Strafkammer des Landgerichts I als Beruftmgsinstauz in bejahendem Sinne ent- schieden. Die vier Angeklagten, M. und Genossen, waren durch das hiesige Schöffengericht zu je 14 Tagen Hast verurtheilt worden, weil sie in der Nacht vom 27. zum 28. Januar vorigen Jahres bei Gelegenheit der Feier des Geburtstages des Kaisers offenbar in angetrunkenem Zustande in einem hiesigen Schanklokale Stühle, Tische sowie Palmen umgeworfen und einen vor dem Ofen stehenden Kohlenkasten mitten im Gastzimmer umgestürzt hatten. Das Schöffengericht hatte hierin eine Belästigung der übrigen Gäste, also des Publikums, geftinden. Die Angeklagten legten gegen diese Enffcheidung Berufung ein; vor der Sttafkammer äußerte Rechtsanwalt Dr. Felix Meyerstein Bedenken, ob der That- bestand des§ 360 Z. 11 vorliege, da die Oeffentlichkeit als solche nicht gestört gewesen sei, sondern' nur eine bestimmte, in einem um- schloffenen Räume befindlich gewesenen Anzahl von Personen. Das Berufungsgericht war jedoch anderer Ansicht, indem es annahm, daß auch in einem, jedermann zugänglichen Gastlokale durch Belästigung einzelner Personen, die öffentliche Sicherheit verletzt werden könne. Unschuldig verurtheilt. Von der Strafkammer des Land- gerichts Metz wurde kürzlich ein seiner Zeit zu zwei Jahren Zucht- haus Verurtheilter, dem ein schwerer Diebstahl zur Last gelegt war, im Wiederaufnahme-Verfahrcn infolge mangelnder Beweise fteigesprochen. Der Unglückliche hat bereits ein Jahr seiner Zuchthausstrafe verbüßt._ Vevsamml ungen. Die National- Sozialen hatten am Montag Abend nach der Ahrens'schen Brauerei eine öffentliche Versammlung einberufen mit dem für Moabit sehr zeitgemäßen Thema:„Warum wurde meine Miethe gesteigert?" Für eine natioual-soziale Ver- sammlung war der Besuch ein immerhin leidlicher zu nennen, aber diejenigen, die eine Erörterung jener aktuellen Frage erwartet hatten, wurden gröblich enttäuscht. Sowohl der Vorsitzende Herr Tischendörfer als der Referent Kaufmann Pohlmann kamen über allgemeine bodeureformerische Wendungen nicht hinaus. Es wurde zwar als ein Jammer bezeichnet, daß die alten Patteien sich über diebrennende Grund- und Bodenfrage ausschwiegen, daß Reaktion und Freisimt, die sich sonst so scharf bekämpfen, in Fragen des Besitzes und der Rente eine rührende Uebereinstimmung bekunden; aber der Referent erklärte auch, daß er nicht gekommen sei, gegen die bösen Hausbesitzer los- zuziehen, denn sie seien in ihrem guten Rechte, wenn sie die Miethen erhöhen, hätten sie doch auch die schlechte Konjunktur, da ihre Häuser leer standen, überwinden müssen! Als Heilmittel wurde die Rück- kehr zu der gesunden Kommunalpolitik der Urzeit, die den Grund und Boden zum Gemcineigenthum erklärte, und behufs schnellerer Erreichung dieses Zieles den Eintritt in die natioualsoziale Partei empfohlen. In der Diskussion kam die Ent- täuschung der Erschienenen mehrfach zum Ausdruck. Von einer Seite, die der Theorie von der Unabwälzbarkeit der Bodenstcuer skeptisch gegenüberstand, wurde der genossenschaftliche Weg empfohlen, auf dem man ohne Besteuerung lediglich durch die Konkurrenz den ganzen Kapitalismus todt machen könne! Mit einem Optimismus, der wahrlich einer besseren Sache würdig wäre, erklärte schließlich der Vorsitzende es für seine Uebcrzeugung, daß die bodenreformerischen Theorien sich zu gesetzgeberischen Maßnahmen— im jetzigen Staate l — verdichten würden! Orffcntliche Francndersammlnng in Moabit. In der am Dienstag, den 17. Januar im Moabiter Gcsellschaftshaus, von den Frauen einberufenen stark besuchten Volksversammlung sprach an Stelle des verhinderten Reichstags-Abgeordneten Sachße der Reichs- tags-Abgeordnete Baudert- Apolda über die soziale Gesetz« gebung ini Deutschen Reiche. Der Referent erbrachte an treffenden Beispielen in dem über l'/e Stunde währenden, öfters von lautem Beifall unterbrochenen Vortrag den Beweis, daß die „soziale Gesetzgebung" und die„vollendetsten Rechtsgaran- tien", um die uns, nach Ansicht des Herrn Staats- Ministers von Posadowsky, andere Völker beneiden, durchaus unzulängliche sind, und daß die Arbeiterklasse, Männer und Frauen, noch mehr wie bisher im politischen Kampfe danach streben müssen, die politische Macht zu erringen; erst dann werde man auf sozialpolitischem Gebiete den berechtigten Forderungen der Arbeiter« klaffe Rechnung tragen. In der nach dem äußerst interessanten Vortrage folgenden Diskussion sprach Frau C. Mesch und munterte dieselbe besonders die Frauen auf, Schulter an Schulter mit den Männern zur Erringung menschenwürdiger Zustände zu kämpfen. Mit einem dreifachen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung wurde hierauf die Versammlung geschlossen. Rummelsbnrg. In unserem Bericht über das Referat des Gemcindevertreters, Genossen Ritter, ist irrthümlich enthalten, daß ein Anttag unseres Genossen, bctteffend eine Verkürzung der Arbeitszeit der Bureauarbeiter, nicht angenommen Iväre. Die Dar- stellung ist unrichtig, eS muß heißen: Der Anttag ist angenommcii worden. Uetzte Martzvittzken und Vezrefchen. Die Berliner Ringfnhrherrcn haben ihre Drohung, sämmtliche Droschkenkutscher auszusperren, zurückgezogen. Köln, 18. Januar.(W. T. B.) Aus zahlreichen unmittelbar am Rhein gelegenen Ortschaften laufen Meldungen über ein schnelles Steigen des FluffeS von Straßburg bis zur holländischen Grenze ein. Wie es heißt, ist der Betrieb der Eisenbahnsähre zivischen Bonn und Oberkassel eingestellt. Bei Köln stieg das Wasser seit gestern um 80 Zentimeter. Frankfurt a. M., 18. Januar.(B. H.) Die„Franks. Ztg." erfährt cms Madrid: Die Regierung hat beschlossen, sich den Cortcö vollzählig vorzustellen. Sagast'a erklärte, die Cortcs würden in 10 oder 12 Tagen, nach Gutheißen des Friedensvertrages in Washington, zusammentreten. Zunächst wird die Regierung eine Jndemnitätsbill wegen der Abtrettmg der Philippinen verlangen. Sodann wird die Königin-Regentin den Vertrag rnnfizireii. Wien, 18. Januar.(B. H.) Die„Polit. Korreip." meldet aus Petersburg, das Abrüfttiiigsprogramm sei den Mächten am 12. Januar durch die russischen Vertreter überreicht worden, Wien, 13. Januar.(W. T. B.) Wie die„Neue Freie Preffe" meldet, einigten sich nach mehrstündiger Debatte und Erörterung der politischen Lage die Obmänner der deutschen Fortschritts- Partei, der deutschen Volkspartei, des verfassungstreuen Groß- gruudbesitzcs der freien deutschen Vereinigung und der Christlich- Sozialen, jene Forderung der Deutschen in Oesterreich zu formulireii. welche sie gemeinsam sowohl der Negierung als den Parteien der Rechten gegenüber zu vertreten entschlossen sind. Gleichzeitig tagte der italienische Klub und besprach seine künftige Haltung zur Re- gierung und zu den Gruppen der Opposition. Kairo, 18. Januar.(Meldung des„Reuter'schcn Bureaus".) Die gesammte Streitmacht Achmed F e d i l's hat sich. 2000 Mann stark, auf dem Blauen Nil dem Kanonenboot „Metemmeh" ergeben. Achmed Fedil ist es gelungen, in südlicher Richtung zu entkommen. t Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. NttterhältiinzSblait. sr. ig. ig. M«. i Keilllge des JotmW Kerlimr KllighIM 19.?..«« �99. Ner�skÄg. 12. Sitzung, Mittwoch, 18. Januar 1899, 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Nieberding. Zunächst steht auf der Tagesordiiung die erste Berathung der von dem Abg. Graf v. K l i n ck o w st r v m skons.) und Genossen be- antragten Novelle zum Reichs-Strafgesetzbuch. Sie lautet: „Dem Strafgesetzbuch wird vor§ 353a nachstehender Paragraph hinzngefügt: Ein Beamter, welcher amtliche Schriftstücke, deren Ge- Heimhaltung angeordnet ist. Anderen zur Veröffentlichung durch die Presse widerrechtlich mitthcilt, wird mit Geldstrafe bis zu 1(XX) Mark oder mit Gefängniß bis zu sechs Monaten bestraft. Wer Schriftstücke, von denen er weiß oder den Um- st ä n d e u nach annehmen muß, daß sie ihm durch eine Handlung der im Absatz 1 bezeichneten Art zugänglich gemacht worden sind, durch die Presse veröffentlicht, wird mit Geld- strafe bis zu KXX) Mark oder mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft." Abg. Graf Kliuckowström(k.): Unser Antrag hat in der Presse ganz ungewöhnliches Anffchen erregt. Wir haben, das will ich offen sagen, lediglich an die Ver- ösientlichungen der sozialdemokratischen Presse gedacht, die in letzter Zeit solch unliebsames Aufsehen erregt haben. Es hat sich dabei klar gezeigt, daß die sozialdemokratische Presse nur solche Erlasse veröffentlicht hat, die ihr besonders geeignet schienen, gegen gewisse Maßnahinen der Regierung das Volk aufzuhetzen. Es liegt offenbar Diebstahl des betreffenden Beamten vor, gewöhnlich auch Bestechung. Wir müssen unbedingt die beiden Säulen des Staates, die Armee und den Bcamtenstand, von solchen Elementen rein erhalten. Seitens der Presse sind nun einige Einwendungen gegen meinen Antrag vor- gebracht worden. Da wird gesagt, die Beamten stehen ja heute schon unter dem Disziplinargesetz. Das ist doch etwas Anderes. Ein disziplinarisch bestrafter Beamter findet wohl noch private An- stcllung, ich glaube aber nicht, daß jemand einen strafrechtlich wegen groben Vertrauensbruches bestraften Beamten anstellen wird. Ferner sagt man, die Umgehung des Gesetzes wäre zu leicht, da solche Erlasse dann in der Auslandspresse ver- öffentlicht werden würden. Ich glaube nicht, daß die Anslandspresie sich so ohne Weiteres bereit finden würde, und dann wären auch wohl die Kosten zu groß. Daß solche Erlasse dann hier im Par- lament vorgebracht werden könnten, ist ja wahr, mir ist es doch aber sehr fraglich, ob ein Abgeordneter hier öffentlich den Dolus ans sich nehmen wird, und im klebrigen wäre ja auch der Herr P r äs i d e n t wohl in d e r L a g e, die Verlesung eines solchen GehcimerlasscS zu verhindern.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Ich hätte ja den dringenden Wunsch, daß die Regierung bei allen Erlassen gegen die Sozialdemokratie das Wort„geheim" fortließe und ganz offen erklärte, daß die Sozialdemokratie revo- Intionär und antimonarchisch ist.(Sehr richtig I Bravo! rechts.) Aber ganz wird man die geheimen Aktenstücke doch nicht entbehren können; ich erinnere z. B. nur an die militärischen Erlasse. Es handelt sich bei diesen Vertranensbrüchen um eine chronische Krankheit, von der wir noch gar nicht wissen, wie weit sie um sich gefressen hat. Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Ich beantrage Ueberweisung an eine Kommission von 11 Mitgliedern.(Beifall rechts.) Abg. Lenzmann(frs. Vp.j: Wir lehnen den Antrag a limine a b; die Be- gründuna durch den Antragsteller zeigte deutlich den reaktionären Stachel, der in ihm steckt.(Heiterkeit.)' Der Antrag richtet sich gegen die Sozialdemokratie. Wir sind Gegner aller Ausnahme- ge setze, auch solcher gegen die Sozialdemokratie. Die jetzige Zeit ist nicht geeignet, neue Strafgesetze überhaupt zu erlassen! Wir leben in einer Zeit engherzigsten BurcaukratismuS. Wenn reformirt werden soll, dann mache man eine Neuregelung dcS Strafgesetzbuches. Der Beamte, der das Amtsgchcimniß bricht, ist ehrlos, aber etwas Anderes ist es, sich eines solchen Amtsgcheimnißbruchcs zu bedienen, wenn man die Publizität des Geheimnisses für ivünschenswerth hält. Viel zu weit geht es, eine solche Veröffcnt- lichuna unter Strafe zu stellen. Eine nothwcndige Folge der Annahme dieses Gesetzentwurfs wäre die häufige Anwendung des Zeugnißzwangs- Verfahrens, eines sehr unmoralischen Zwangsmittels. Die Bestimmungen des Entwurfes sind viel zu dehnbar, als daß sie den erwünschten Erfolg haben könnten. Die heutige Zeit leidet an mehr als einer Krankheit. Aber es bringt keine Heilung, wenn man die Aufdeckung von Schäden erschwert. Wir haben keine Veranlassung, der Regierung die Wahrung ihrer Staatsgeheimnisse zu erleichtern. Handelt es sich wirklich einmal nm Geheimnisse, dann mag die Regierung sie besonders gut wahren. (Beifall links.) Präsident Graf v. Ballcstrem: Der Abg. Lenzmann hat gesagt, die jüngeren Kollegen ans der Rechten wüßten jedenfalls noch nicht, was parlamentarischer Anstand sei. Das ist nicht zulässig und der alte Parlamentarier Abg. Lenzmann hat damit seinen jüngeren Kollegen kein gutes Beispiel gegeben.(Heiterkeit.) Abg. Hoffmann(Dillenbnrg, natl.): Wir Verhalten uns dem Antrag gegenüber im Wesentlichen ablehnend. Wen» das Bcdürfniß dafür wirklich vorliegt, dann hätte die Regierung die Pflicht, einen solchen Entwurf einzubringen. In diesem Falle würden wir ihn näher prüfen. So scheint uns die Ausnahmegesetzaebung nicht gerechtfertigt. Man sollte vor Allem nicht alle Erlasse als geheim bezeichnen, viele der unbefugt ver- öffentlichtcn verdienen diese Bezeichnung nicht. Die Bestimmungen im Gesetzentwurf sind zu wenig exakt, als daß sie nur wirklich Miß- bräuche treffen würden. Abg. Liebknecht(Soz.): Wer sich die Unterschriften unter dem Antrag durchgelesen hat, der wußte sofort, weß Geistes Kind er war. Von jener Seite kommen nur Anträge, die einen Griff in die Tasche der Steuer- zahler oder ein neues Maulkorbgesctz bedeuten. Schon in der Presse bemerkte man eine eigenthümliche Behandlung des Antrages. Zu- nächst sagte sich jeder: von dieser Seite muß ein Antrag kommen, der die Presse knebeln soll; es handelt sich gewiß um ein Preß- kneblungs-Gesetz. Darauf wurde uns erklärt: Das fällt uns gar nicht ein! Wir sind nicht die Wölfe, für die Ihr uns haltet, wir sind ja Lämmer I(Heiterkeit links.) Nicht die sozialdemokratischen Veröffentlichungen, sondern die V e r- hökerungen des Etats gaben uns den Anlaß dazu. Die offiziöse„Norddeutsche Allgemeine" stimmte dem zu. W i r haben uns aber keinen Augenblick über die Ziele und Zwecke des Antrages täuschen lassen; und die Rede, welche der Herr Antragsteller selbst soeben gehalten hat, führte eine dankenswerthe Klärung dessen her- bei, was beabsichtigt wird. Es soll nicht nur ein Knebel- g e s e tz, sondern auch ein Ausnahmegesetz werden, � das heißt also eines jener schimpflichen Gesetze, welche in Deutsch- land versucht worden sind zu jener Zeit des Sozialistengesetzes und des Kulturkampfes, eines jener schimpflichen Gesetze, welche wesent- lich daran schuld sind, daß diese chronische Krankheit den deutschen Staatsorganismus ergriffen hat, über welche der Herr Ab- geordnete Graf v. Klinckowström sich beklagt hat. Was soll denn durch dieses Gesetz erreicht werden? Der Beamte soll strafbar sein, welcher geheime Erlasse veröffentlicht. Brauchen Sie deshalb neue Gesetze? Können Sie nicht gegen Ihre Beamten vorgehen und weit Schlimmeres über sie verhängen, als durch diesen Paragraphen geschehen soll? Und dann soll es heißen: Wer Schriftstücke, von denen er weiß oder den Umständen nach annehmen muß, daß sie ihm durch eine Handlung der im Absatz I bezeichneten Art zugänglich gemacht worden sind, durch die Presse veröffentlicht, wird mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark oder mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft. Glauben Sie denn, meine Herren, daß ein Redakteur weiß, welche von den Erlassen, die ihm zukommen, verboten sind oder nicht? Glauben Sie, daß der Beamte, der einen solchen Erlaß mittheilt, auf die Redaktion kommt und sagt: „Halten Sie meinen Namen ja geheim aus den und den Gründen; für Geld oder aus Sympathie zu Ihnen bringe ich's nur?!" Sie werden doch nicht so naiv sein I Man weiß nie, woher solche Erlasse kommen und jede Redaktion, die ans Ehre hält und die in derartigem etwas Routine hat, sorgt dafür, daß sie von nichts weiß.(Oho! rechts. Zurufe links.) Welcher Redakteur wird ein Vertrauen miß- brauchen, das ihm entgegengebracht wird I(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das kommt einfach nicht vor. Nim ist es sehr merkwürdig, daß die Herren drüben gerade darüber eine so große Entrüstung empfinden! Sind Sie etwa jemals'bei Staatsgeheimnissen so besonders heikel gew esen? (Sehr gut! Heiterkeit links.) Haben Sie vergessen, daß ein Prinz von Preußen vor 50 Jahren von einem Mitgliede Ihrer Partei überivacht worden ist, daß seine Korrespondenz bestohlen, geheime Aktenstücke damals veröffentlicht worden sind? (Sehr gut! links. Unnihe rechts.) Haben Sie vergessen, daß Fürst Bismarck, obgleich er ans dem Amte entlassen worden war, den Gehcimvcrtrag mit Rußland in den„Hamburger Nach- richten" veröffentlicht hat, und dies vom„Reichs- und' Staats- Anzeiger als Verrath bezeichnet wurde, ohne daß deshalb G e s e tz e e r l a s s e n w u r d e n? Ich sage Ihnen, meine Herren, während die Veröffentlichung solcher Erlasse, denen Sie zujubelten, gegen das Staats- und öffentliche Interesse waren, ist die der Aktenstücke, die der„Vorwärts" mid unsere Presse publizirt hat, nur im öffentlichen Interesse geschehe».(Sehr richtig! links. Widerspruch rechts.) Und wenn es nicht Ihr Staatsinteresse ist, dann liegt es daran, daß Ihr ganzes Partei- Interesse den Staats-Jnter essen feindlich gegenübersteht.(Sehr richtig! links. Oh! rechts.) Die chronische Krankheit, über die Sie sich beklagen, steckt gerade in dem Staatskörpcr drin als ein Fremdkörper, der veraltet, verknöchert, versteinert ist; weil Ihre Partei nicht mehr mit ihren Wurzeln in der Neuzeit haftet, deshalb bringt dieser Fremdkörper den Staatsorganismus selbst zum Stocken. Was hat der„Vorwärts" veröffentlicht? Erstens der Erlaß des Prinzen Georg über die S o l d a t c nm i ß h a n d l u n g e n. Ich frage einen Redakteur, der Ehre im Leibe hat, ob er es nickst, als er diesen Erlaß sah, für seine Pflicht hat halten müssen, die öffentliche M e i nu n g wach zu rufen, damit jene Schandwirthschaft gegen- über den Soldaten, jene Mißhandlungen aufhörten!(Sehr richtig! links.) Das kann nicht geschehen durch Geheimerlas s e. sond crn nur dadurch, daß derartige Dinge in die Oeffentlich- keit gebracht werden.(Sehr' gut! links.) Und wenn eine Wandlung stattgeftinden hat, in Bezug ans die Militärmißhaiidlnngen, so war es von dem Momente an, wo der„Vorwärts" diesen Erlaß veröffentlicht hat.(Sehr gut! links.) Der zweite Erlaß, der im vorigen Jahre veröffentlicht wurde, war der des Grafen P o s a d o w s k h, der Strcikcrlast. Da ist es durch uns bekannt geworden, daß die Rcgicrnng unter dem Ein- flusse Ihrer Partei sich gezwungen fühlte, das zweite große Grund- recht des deutschen Volkes neben dem allgemeinen Wahlrecht, das K o a l i ti o n s r e ch t den Arbeitern zu belchränken, und jede Be- schränkung dieses Rechtes bedeutet gerade so wie jede Beschränkung des Wahlrechtes eine Veniichtnng desselben. Dieses Attentat, das man plante, haben wir der Oeffcntlichkeit dcnunzirt, und wir werden ja sehen, inwieweit es möglich gewesen ist, es zu ver- eitel». Von dem dritten Erlaß hat allerdings der Graf Klinckow- ström gesagt, seine Veröffentlichnng habe ihm sehr gefreut. Der Erlaß dcS Herrn v. d. Recke ist ja sehr schneidig. Die Flinte schießt, der Säbel haut, das wurde uns schon früher von dem Grafen Eulenburg hier verkündet. Hier heißt es: die Flinte soll gleich scharf schießen, der Säbel gleich scharf hauen! TaS mußte tzaS deutsche Polk wissen und ich sage, der deutsche Zcitnngsredaktcnr, der diesen Erlaß kannte und ihn nicht in die Oeffcntlichkeit gebracht hätte, der wäre e i n V e rr ä t h c r gewesen an der Freiheit und an der Ehre seines Volkes.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Was nun den vorliegenden Antrag betrifft, so wird er ja nicht angenommen werden, da ja sogar die natioualliberale Partei nicht für ihn zu haben ist. Herr v. Klinckowström hat aber gemeint, wenn etwa die Tribüne des Reichstages dazu benutzt werden sollte, nm derartige Dinge zu verlesen, dann könnte ja der Herr Präsident die Verlesung verbieten. Aber, meine Herren, in Deutschland haben wir blas eine Stätte noch, wo das Wort frei ist. Der Reichstag ist das letzte Asyl des obdachlosen freien Worts, und dieses letzte Asyl soll der Präsident des Reichstages dem freien Worte nehmen! Das wäre ja eine Schmach für den Reichstag, wenn er der- artiges duldete, das wäre die Abdaiikung des Reichs- tage's!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich wieder- hole, was schon der Kollege Lenzmann Ihnen gesagt hat: statt daß Sie sich vor der Oeffcntlichkeit fürchten, sorgen Sic lieber dafür, daß allcö, was Sic thun, derart ist, daß es das Licht nicht zu scheuen hat. Und was uns Sozialdemokraten betrifft, so inachen Sic da drüben(nach rechts) meinetwegen Gesetze wie Sie wollen, wir werden unter allen Umständen unsere Schuldigkeit thun. So lange unsere Presse besteht, wird sie die Rechte des Volkes ver- theidigc'n, und sollte es Ihnen möglich werden, abermals Ausnahme- gcsetze zu machen, dann werden wir kämpfen und werden mit Ihnen gerade so fertig werden, wie wir früher mit Ihrem Herrn Bismarck fertig geworden sind.(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Es ist eigentlich bedauerlich, daß ein derartiger Antrag aus der Mitte des Reichstags hervorgehen mußte. Er hätte eigentlich von der Regierung ausgehen sollen; aber da haben wir jahrelang ver- geblich gewartet; es scheint, als ob die Regierung nach dieser Rich- tung hin keine Initiative hat. Der Abg. Liebknecht sprach von den großen Zwecken, die die Veröffenttichung von solchen Erlassen rechtfertigen. Wohin sollten wir aber kommen, wenn bei uns der Grundsatz:„Der Zweck heiligt die Mittel", eingeführt werden soll? Der Antrag tritt der De- moralisation des'Beamtenstandes entgegen, wir werden daher für ihn eintreten. Hierauf schließt die Diskussion. Das Schlußwort erhält der Abg. Dietrich(k.): Der Antrag stellt eine Befriedigung des Rcchtsbedürftiisses dar; man kann ibin zustimmen, ohne Rücksicht auf irgend welche politische Zugehörigkeit. Es handelt sich lediglich um ein moralisches Gebot. Der Stoff wird der Sozialdemokratie ja trotzdem nicht fehlen; sie haben dann ja immer noch solche Apokryph-Erlasse, wie neulich den vom Kriegsminister und dem Chef des Militärkabinets gezeichneten. Die Verweisung des Antrag?.a« eine K o m m i s 1 1 o n wird hierauf gegen die Stimmen der beiden konservativen Parteien abgelehnt. « jt* Es folgt die erste BerathMst des Antrags Agster und Genossen. PodbielSki erwidert, die bisherigen Versuche seien noch nicht geglückt. Es sei zur Entlastung des Straßenverkehrs ein Erfolg sehr zu wünschen. In Frankfurt a. M. sei der Versuch geglückt, die elckttische Bahn zur Beförderung von Massengütern zu be- nutzen, das(stelle sich billiger, als der Transport durch Pferde. Abg. Singer hofft, daß auch in Berlin die Ver- waltung sich mit den städtischen Behörden in Verbiiidnng setzen werde, um die elektrische Bahn zur Packetbeförderung zu be- nutzen. Ohne wesentliche Debatte wird der Rest des Ordinariums oe- willigt, ebenso die zweiten und Schlußraten, ivelche im Extra- ordinarmm gefordert sind, ferner erste Raten für Berlin zum Erweiterungsbau deS Poftgrimdstücks an der Königs-, Spandauer-, Heiligegeift- und Kleinen Poststraße; für ein neues Postgebände Prinzessiiincnstraße 25 und neue Postgebäude Eckcrnförde, Frank- furt a. O., Reuukirchen, Ncusirelitz, Neuwied und Stargard in Pommern. Zur Erwerbung eines Bauplatzes für ein neues Gebäude am Tcmpclhofer User in Berlin werden 1050 000 M. bewilligt. Auf Anfrage des Abg. Singer theilt Staatssekretär v. Podbiclski mit. daß es sich auch hier nur um ein einfaches Vcrkehrsgebäude mit großen Sälen handle. Die Post zahle jetzt in Berlin noch fast eine Million fiir Miethe, dabei seien die Räume vielfach unzulänglich. Der Briefverkchr in Berlin sei von 1887 bis 1897 von 171 auf 234 Millionen gestiegen. Die bisherige Organisation fei nicht mehr genügend. Es müßten drei große Postämter errichtet und die Briefbearbeitung und Bestellung anders organiffrt worden. Er hoffe einen neuen Organisationspla» fiir Berlin noch im Laufe dieser Session vor- legen zu köimeu. Bei den Neubauten müsse auch für das Publikum mchrRamn geschaffen werden. Die Abgg. Singer, Müller-Fulda, Dr. Lieber und Graf Stollberg(kons.) gaben ihre Befriedigung darüber Ausdruck, daß man das System der Luxnsbautcn aufgeben und mehr die praktischen Forderungen des Verkehrs berücksichtigen wolle. Es werden sodann die geforderten Neubauten für Breslau, Darmstadt. Düsseldorf, Essen, Groß-Lichterfelde. Jena, Kalk, Peine, Pirna und Stettin bewilligt, ebenso die erste Rate zur Einführung des Toppelleitnngsbettiebes im Fern- sprechivescu, sin Betrage von 2 Millionen Mark. Damit ist der Post- Etat erledigt. An den Ansätzen des Etats ist nichts gestrichen worden. Morgen steht der Etat der R c ich s d ruckerc i und der Etat von Ki autsch ou zur Be- rathuug._ Weiteres aus dem preußischen Staatshaushalts- Etat. Wie bereits erwähnt, sind im Etat des Fmanzministeriums 12 332 000 M. ausgeworfen zu BesoldungS verbesserun gen in allen Ressorts. Ausgeschlossen von der Aufbcffcrnng sind diejenigen Unter- b eamt'en. deren Gehalt sich schon jetzt ans 1800 M. oder darüber veläuft. Die bisherige GehaltSklasse 1200 bis 1600 M. erfährt eine Erhöhung ans 1200 bis 1800 M., die Klasse 1100 bis 1500 M. eine solche ans 1200 bis 1600 M. Von den Beamten der Gchaltsklasie 1000 bis 1500 M. sollen nur einige, fast ausschließlich im Exekutiv- bezw. Außendienst thätige Beamte auf 1200 bis 1600M. aufgebessert werden; ebenso sind von der Gehaltsklasse 900 bis 1200 M. nur wenige Beamrenkategorien berücksichtigt, die gleichfalls meist im Exekutiv- oder Außciidicnst thätig sind. Von der Gehaltsklasse 800 bis 1200 M. rücken die Wagenwärter und Weichensteller in die Gchaltsklnffe 900 bis 1400 M. ein. die übrigen Beamten erfahren eine Erhöhung auf 900 bis 1200 M. Die Klasse 700 bis 900 M. wird allgemein auf 700 bis 1000 M. erhöht werden. Für' einige Beamtenklassen, deren Gehalt erhöht wird, ist damit zugleich eine Verlängern ngderFri st fürdic Erreichung des Höchstgehalts verbunden, während andere Beamten- kategorien, z. B. die Lademeister und Werkführer der Eisenbahnen, die Grenz- und Steneraufseher, die Gefangenenausi eher, die Gerichts- diener bei den Ober-LandeSgerichtcn und die Bahnwärter, in Zukunft das Höchstgehalt in kürzerer Frist erreichen sollen. Bon der Bcsoldnngs-Anfvcsscriing für einzelne Kate« g orten von mittleren Beamten werden betroffen die Förster, deren Gehalt ans 1800 M., die Zugführer und Steuerleute, deren Gehalt von 1100—1500 auf 1200—1800 M. unter gleichzeitiger Erhöhung der Aufsteigeftist von 15 auf 18 Jahre erhöht wird. Die Lokomotivführer sollen ihr Höchstgehalt in Zukunft in 15 statt wie jetzt in 18 Jahren erreichen. Auch Schiffsführer, Brückenmeister und See-Obcrlootscu sind bei der Gehaltsaufbesserung berücksichtigt. Außerdem sollen zur Ausgleichung von latenten Theuerungs- vcrhnlwisjen und für besonders schwierige Dienste an Unterbeamte des Außen- und Exekntivdieiistes Stellenzulagen gewährt werden, die jedoch den Betrag von 200 Mark nicht überschreiten dürfen. An interessanten Einzelheiten aus dem Etat heben wir hervor: Der Etat derHandels- undGe Werbeverwaltung sieht eine geringe Vermehrung der vorhandenen Gewerbe- Inspektor- St e l l e n vor, und zwar handelt es sich im Ganzen um 7 Stellen, wovon 6 bestimmt sind fiir bisher nur auftragsiveise beschäftigte Gewerbe-Inspektoren, und die siebente für einen dem Regierungs- und Gewcrberathe in Berlin bei- zugebenden besonderen gewerbetcchnischen Hilfsarbeiter. Der Fonds zur Rcnnuicrtrung der nicht fest angestellten Beamten der Geivcrbe- Inspektion ist um 36 000 M. erhöht worden. Neue Inspektionen sollen eingerichtet werden in den Negierungsbezirkeii Potsdam, Breslau, Liegnitz, Hildcsheim, Stade, Minden und Trier. Die Jnspektionsbezirke Iserlohn. Hagen und Bochum sollen in je zwei Inspektionen zerlegt, die Gewerbe-Jnspektion Stettin n soll einem besondere» Inspektor unterstellt werden.— Die Ausgaben für das gewerbliche Unterrichts Wesen sind um 456 999 M. erhöht worden. Drei Bcamtenstellen sind neu vorgesehen für die Bearbeitung der gewerblichen Schulangelegcnheiten; der Umfang des Unterrichts soll bei verschiedenen Schulen erweitert und in Stettin und Kattowitz sollen im Herbst 1899 neue Baugewerkschulen er- öffnet werden. 50 000 M. mehr sind eingestellt zur Vermehnmg der gewerblichen Fortbildungsschulen in Westpreußen und Posen,»nd 20 000 M. zur Unterhaltung der in Schlesien zur Förderung der Hausindustrie eingerichteten Stickschulen. Der Fonds zur Für, derung der Entwickeluug des Genosseuschasts« Wesens im Kleingeiverbe ist auf 20 000 Vi. erhöht. Im Etat der Berg-, Hütten- und Salin en-Ver- w a l t u n g sind 50 Stellen von Revieraufsichtsbeamten vorgesehen, und zwar 11 für den Breslauer, 34 für den Dortmunder und 5 für den Bonner Oberbergamts- Bezirk. Diese Beamten, die den oberen Werlbeamten erster und zweiter Klasse gleichgestellt werden, sollen als untere Aufsichtsbeamte den Revier- beamten in den Stcinkohlenbezirken beigegeben iverden. Ihre Auf- gäbe besteht darin, fortgesetzt einzelne lhatsächliche Verhältnisse, ins- besondere den Sicherheuszustand der Gruben, zu erkunden und zu- gleich die Revierbeamten in ihrem Amte zu unterstützen und zu cnt- lasten. Ob das die ganze, im vorigen Jahre mit so großem Rede- schwall angekündigte Reform des Herrn Brefeld ist, ist aus dem Etat nicht zu entnehmen. Jedenfalls wird die Etatsberathung noch Aufschluß darüber geben müssen, ivann endlich die gewiß bescheidene Forderung der Bergleute auf Anstellung von Hilfskontrolle nren aus ihren eigenen Reihen, wie es in England, Belgien und Frankreich der Fall ist, erfüllt wird. Der Kostenpunkt kann hierbei keine Rolle spielen, da die Mehreinnahmen aus den Bergwerken wieder auf 12,3 Millionen, aus � Hütten auf 1,3 Millionen und aus den Salzwerken auf l gleicht man aber für jeden Stadttheil die Zahl der daselbst gestorbenen � ß v)?i riiniTOlt niT/rnfiiüf VrnS ♦urtlflr'rtttS fr»*« O.'xt*««»*«* Vrtv» C13 � vi.-..'l"\ l � � � s.-.. V,.. i-_________/- �. Y____ i_r<... n\ f._________ 0,6 Millionen angesetzt sind, während für Löhne in den Bergwerken nur 4,3 Millionen und in den Hütten und Salzbergwerken nur je 0,2 Millionen mehr veranschlagt sind. Monrnrunnles. Nene Vadc-Austalten. Der Ausschuß der Stadtverordneten- Versaumrlnng zur Vorberathung der Magistratsvorlage betreffend die speziellen Entwürfe zum Neubau des Wohngebäudes der Volks- Bade-Anstalt in der Dennewitzstr, 24» und den speziellen Entwurf zum Neubau der Volks-Bade-Anstalt Oderbcrgerstr. 57/59 hat be schlössen, die Annahme der Projekte nach Maßgabe des Magistrats antrages zu genehmigen. Zu dem Entwurf des Wohngebäudes in der Dennewitzstraße ist zu bemerken, daß ein solcher bereits von der Stadtverordneten- Versammlung im Dezember 1897 genehmigt worden ist. Der Ausführung desselben stellten sich aber insofern Hindernisse entgegen, als das Projekt der elektrischen Hochbahn, die über den nördlichen Vorbau der Badeanstalt hinweggeführt werden soll, noch nicht zum Abschluß gelangt war. Diese Zeit der Muße nutzte die Banverivaltnng aus und fand bei der weiteren Durch fnhrung des Projektes, daß bei umvesentlichen Abänderungen des Grundrisses und bei geeigneter Verschiebung einzelner Räume sich nicht von der Hand zu weisende Verbesserungen erzielen ließen. Durch die Vereinfachung bei der neuen Bearbeitung gelang es jedoch, trotz Einfügung der höheren Materialicnpreise die bereits bewilligte Gesammtbausumme von 138 000 Mark einzuhalten. Bei dem speziellen Entwurf in der Oderbergerstraße ist zu bemerken, daß die Kosten der Badeanstalt sich auf 819 000 M. stellen. Diese Badeanstalt wird die größte derartige Anlage werden. Das Schwimmbassin hat einen Flächeninhalt von 209 Quadratmeter gegen 162 Quadratmeter in Moabit, 138,6 Quadrat tnctcr an der Schillingsbrücke, 202,50 Quadratmeter in der Dennciuitz straße und 176.50 Quadratmeter in der Bärwaldstraße. Außerdem sind 63 Wannen- und 63 Brausebäder vorgesehen. Die Straßen front zeigt den Charakter der deutschen Renaissance. Die Zahl der sfcnstcr der Anstalt beträgt 691 lgegeuüber z. B. 372 Fenster der Anstalt in der Bärwaldstraße). Trotzdem ist auch jetzt der Einheits- satz für das Ktlbikmeter Raum mit 24.27 M. noch um 2,16 M. geringer als der bei der Badeanstalt in Moabit, um 2,51 M. geringer als der bei der Badeanstalt an der Schillingsbrücke. Die Ersahrungen mit der Potsdamer Brücke scheinen unsere Stadtväter gewitzigt zu haben. Aus dem Rathhause meldet man: Der Ausschuß der Stadtverordnetcn-Versammlung zur Vor- berathung der Magistratsvorlage� betreffend den Umbau der R o ß st r a ß e n b r ü ck e hat beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, sich mit dem EntWurfe für den Umbau der Roßstraßen- brücke einverstanden zu erklären, jedoch die Beschlußfassung über die Errichtung einer Säule mit dem springenden Rosse auf so lange aus- zusetzen, bis vom Magistrat durch ein Modell in natürlicher Größe ans der Brücke selbst die architektonische Wirkung derselben veran- schaulicht ist, ferner sich damit einverstanden zu erklären, daß in dem Etat für das Jahr 1899 Fürsorge für die Bereitstellung der Baar- mittel getroffen werden. Die Gesammtkosten des Brückenbaues sind auf 260 000 M. veranschlagt. Lokales� Den Parteigenofscu des ersten Wahlkreises zur Nachricht. daß heute Abend 80, Uhr in Cohn's Festsälen eine öffentliche Ver- sammlung stattfindet, in welcher Reichstags-Abgeordnetcr Rosen ow referirt. Vortragsthema:„Biirgerthum und Arbeiterklasse in einer neuen Zeit". Zahlreicher Besuch ist erwünscht.— Zahlstellen des Vereins sind bei Mörschel, Jiidenstr. 35; Preuß, Neue Friedrich- straße 20; Moll, Klosterstraße 101; Sommer, Grünstraße 21; Plnger. Friedrichsgracht 16; Schmidt, Fleusburgcrstraße 24. (Siehe Annonce.) Der Vorstand. Der sozialdemokratische Verein für den fünften Berliner Rcichstags-Wahlkrcis hält heute im Schützenhaus, Linienstr. 2, eine Versammlung ab. in der Genosse Leopold Liepmann über das Thema.Die Sozialdemokratie und die Waarenhäuser referircn wird. Da die Besteuerung der Waarenhäuser in nächster Zeit Gegenstand der Verhandlung im Landtag sein wird, so machen tvir die Genossen besonders auf die Wichtigkeit der Tagesordnung aufmerksam. Der Vorstand. Freie Volksbühne. Die s e ch st e S e r i e der Aufführungen beginnt am 12. Februar für die erste Abtheilung und folgen die Vorstellungen am 19., 26. Februar und 5., 12., 19. März. Zur Auf führung gelangt nach dem Beschluß des Ausschusses: In B e � Handlung, Komödie in 3 Aufzügen von Max Dreher. Ort der Handlung: Eine pommersche Hafenstadt. Die Aufführungen dieser Serie finden wiederum im Friedrich-Wilhelm- städtischen Theater unter der artistischen Leitung des Ober- Regisseurs A. Steinert vom Lessing-Theatcr und Mitwirkung be- währter Gäste statt. Die sechste Abtheilung nimmt bei baldiger Meldung noch neue Mitglieder in allen Zahlstellen auf. Die Generalversammlung tagt am' Donnerstag, den 26. Januar, in Cohn's Festsülen. 4. Abtheilung am kommenden Sonntag:.Wallen- stein's Tod". Der Vorstand. I. A.: G. W i n I l c r. Arbeiter-Bildungsschule. Heute, Abends 9 Uhr, beginnt in der Annenstr. 16. 1 Treppe, der Kursus in Rede-Uebung(Re- ferate und Diskussion über Themata aus dem wirthschaftlichen, sozialen und gewerkschaftlichen Leben); Vortragender: Rechtsanivalt Roth. Die Bibliothek wird um 8 Uhr geöffnet.(Siehe Lehr- Plan im Jnseratentheil.) Zu zahlreichem Besuch ladet ein _ Der Borstand. Die Kindersterblichkeit ist in Berlin von iv es entlicher Bedeutung für die Gesammtsterblichkeit. Nach Angabe des Berliner.Statist. Jahrb." starben hier in den Jahren 1894, 1895, 1896 überhaupt 32 571,35 279,32 319 Personen(einschl. Todtgeborene), das sind 19,82, 21.24, 19,02 pro Mille der durchschnittlichen Bevölkerung der betreffenden Jahre. Darunter waren aber allein 12 251, 13 333, 11 793 Kinder des ersten Lebensjahres(einschl. Todtgeborene), 7,47, 8.06, 6,94 pro Mille der Bevölkerung. Die 20 320, 21 896, 20 526 Sterbefälle von über ein Jahr alten Personen waren also nur 12,35, 13,18, 12,08 pro Mille der Bevölkerung. In den einzelnen Stadttheilen Berlins ist die Gesammtsterblichkeit verschieden hoch. Sie ist, wie wir kürzlich gezeigt haben, in den ärmeren Stadttheilen höher als in den wohlhabenden; 1394, 95. 96 lag sie zwischen 11,38, 11,68, 11,55 pro Mille der Bevölkerung in der wohlhabenden Friedrichstadt und 26,02, 28,04, 24,35 pro Mille auf dem vorwiegend von Arbeitern be- wohnten Wedding. Theilweise erklärt sich das aus dem eingangs erwähnten Einfluß der Kindersterblichkeit auf die Höhe der Gesammtsterblichkeit. In den Stadttheilen ist nämlich vor allem die Kindersterblichkeit sehr ver- s ch i e d e n h o ch. 1894, 95. 96 zwischen 2,57, 2.25, 2,17 pro Mille der Bevölkerung in der Friedrichstadt und 12,09, 13,11, 11.12 pro Mille auf dem Wedding.(Die Sterbefälle von über 1 Jahr alten Personen waren in der Friedrichstadt 8,81, 9,43, 9,33, andererseits ans dem Wedding 13,93, 14,93, 13,23 pro Mille der dorügen Bevölke- rung.) Dementsprechend schwankte der Antheil der Kindersterblichkeit an der Gesammtsterblichkeit. 1394, 95, 96 waren unterje 1000 Gestorbenen ganz Berlins 375, 379. 365 Kinder des 1. Lebensjahres, aber unter je 1000 Gestorbenen der Friedrichstadt nur 226, 193, 188, dagegen des Weddings 465, 467, 457. Diese Unterschiede wiederum sind zum Theil darauf zurückzuführen, daß die ärmeren Stadttheile kinderreicher sind als die wohlhabenden, weil dort Kinder mit der der dort geborenen(5 Siebentel der Geborenen desselben Jahres und 2 Siebentel derjenigen des Vorjahres ge- rechnet), so bleibt immer noch ein beträchtlicher Unterschied in der Kindersterblichkeit der einzelnen Stadttheile, und es zeigt sich, daß der oben durch Beispiele veranschaulichte Gegensatz zwischen den wohlhabenden und den ärmeren Stadttheilen doch mir zu einem geringen Theile durch die Verschiedenheit der Geburtenziffer erklärt wird. 1894, 95, 96 kamen auf je 1000 Geborene ganz Bcrlin's 245, 273, 237 Sterbcfälle von Kindern des 1. Lebensjahres; aber auf je 1000 Geborene der Friedrichsiadt nur 181, 161, 155; dagegen des Wcdding/s 301, 328, 284. Zwischen diesen beiden Extremen folgen sich dieStadttheile im allgemeinen nach der abnehmenden Höhe der durchschnittlichen Wohlhabenheit ihrer Bevölkerung. In dieser Reihen- folge gelangt die oft bewiesene Thatsache, daß der Unterschied des Einkon, Niens ausschlaggebend für den Unter- schied der Kindersterblichkeit ist, überzeugend zum Aus- druck. Wo die Erwerbsverhältnisse am unsichersten sind und das Einkommen am dürftigsten ist, wo die Wohnverhältnisse am un- günstigsten und die Möglichkeit einer guten Ernährung und sorgfältigen Pflege der Kinder am geringste» ist: da hält auch der Tod die reichste Ernte unter dem Nachwuchs der Bevölkerung. Das sind die Früchte der schrankenlosen Ausbeutung der besitzlosen Klasse durch die Besitzenden. Uno trotz- dem heißt es, die schwersten Strafen den Arbeitern, die in gemeinsamem Kampf gegen das Unternchmcrthum sich bessere Arbeitsbedingungen erringen möchten, um sich und ihrer Familie eine weniger erbärmliche Lebenshaltung zu ermöglichen. Berlin und die Vororte im prenßischc» Etat. Im neuen preußischen Staatshaushalts-Etat sind für Berlin und die Vororte eine Reihe von Forderungen enthalten, von denen wir die allgemein intcressirenden hier anführen. Der Etat für die Verwaltung der direkten Steuern sieht 32 neue Regierungs- sckretär-Stellen bei der Dircttion für die Verwaltung der direkten Steuern in Berlin vor; der Etat des Finanzministeriums cuthält unter den 12 in Aussicht genommenen neuen Regierungsraths-Stellen auch eine solche bei der Direktion der Verwaltung der direkten Steuern. Im Extra-Ordinarium des Etats der B a n v e r w a l t u n g sind aukgeworfe» 200 000 M. als erste Rate zur Erweiterung des P l ö tz e n s e e- C h a r l o t t e n b u r g e r Verbindung skana ls, 188000 M. zum Neubau bczw. zur Anfhöhung der Ufern, auer längs der Straße„An, Kupscrgraben" zwischen der Stadtbahuübcrsührnng und der Ebcrtsbrücke, 200 000 M. als erste Rate zum Neubau der Schlotzbrücke in Charlotte„bürg und 4 Millionen zum Ankauf des Grundstücks Wilhclmstr. 63 in Berlin und zur ersten Baurate. In den, neuen Gebäude soll das Staats,, linisteriun,, die General-Ordenslomniission sowie die Gcneral-Lottcricdircktion untergebracht und eine Dienstwohnung für den Handclsininister ge- Ichaffcn werden. Im Etat des J»stizmintstcriim,s befinden sich unter den bcab- sichtigten neu zu sck, äffenden Stellen solche für einen Scnatspräsidcnten benn Ko.mmergericht, für fünf Ober- Landcsgcrichtsräthe beim Kammergericht, für einen Landgerichts-Direktor in Berlin II, für je einen Staatsanwalt an den beiden Berliner Landgerichten. Für Köpenick ist ein ncnes Amtsgericht vorgesehen. Im Etat des M i n i st e r i u m s des Inner n wird die Er- richtung einer kö n ig l. Polizeiver waltun g in Rixdorf sowie eine Ver, nehrung des Polizcibca inten- Personals in Berlin, Charlotten bürg, Scbönc- berg und Rixdorf um 314 Stellen verlangt. 843000 M. sind unter den einmaligen Ausgaben zum Ankauf des Grundstücks Schadowstr. 10/11 bchnfs Erweiterung der Geschäftsräume des Ministeriums des Innern ausgeworfen.' Der Etat der lan dlvirth schaftlichen Verwaltung verlangt 154 400 M. zum Neubau eines hygienischen Instituts der thier ärztlichen Hochschule in Berlin. Für die Berliner Universität plant der Knltusctat die Er- richtung je einer außerordentlichen Profcssur für Staatsivissenschaft und Archäologie. Ferner soll in der königlichen Bibliothek ein Ab- theilungsdireltor neu angestellt werden. Im Extraordinarium des Äultuseiats sind eingestellt 30000 M. zur Errichtung einer Sammlung von Photographien nach Gemälden bei den Kunstmuseen in Berlin und 400 000 M. als erste Rate zum Erweiterungsbau der technischen Hochschule. Unser Parteigenosse Arons schreibt uns:„Durch die Berliner Blätter geht eine Notiz, wonach ich„unter die Erfinder gegangen" sei und meiner„Erfindung in fachwissenschaftlichen Kreisen große Be- deutung beigemessen werde." Da ich auf Grund dieser Korrespendcnz eines zeilcnhungrigeu Berichterstatters mit mündlichen und schrift- lichen Anfragen in lästigster Weise überschüttet werde, möchte ich fest- stellen, daß es sich um eine kleine fachwissenschaftliche Publikation handelt, wie sie alljährlich zu Dutzenden ans den physikalischen Laboratorien-hervorgehen. Wie gering deren Bedeutung speziell in diesem Fall ist, ergiebt sich am klarsten aus dem Umstand, daß ein völlig ähnlicher Avparat bereits 1893 in Amerika benutzt und be- schrieben worden ist, ohne daß es mir und vielen meiner Fachgenoffen bekannt war." Stadtgcmeindc und englische Kasgcscllschaft. Obwohl die Stadt Berlin bereits seit 184/ ihre eigenen Gasanstalten hat und seitdem die Beleuchtung der Straßen selber besorgt, befindet sie sich doch noch gegenwärtig in einem cigcnthümlichen Abhängig- keits-Verhältniß zu der englischen Gasgesellschaft. Sie muß nämlich seit 1861 einen Theil ihrer Straßenlaternen wieder durch diese Gesellschaft mit Gas versorgen lassen: es sind die Laternen in dem früher zu Schöneberg gehörigen Stadttheil (Potsdamerstraße und Unigegend), der 1861 dem Berliner Gebiet einverleibt wurde. Die Engländer hatten ihren Vertrag mit Schöneberg so vorsichtig abgefaßt, daß die Stadt Berlin noch heute, beinahe 40 Jahre nach der Ein- verleibung. in Bezug auf die Straßenbcleuchttmg nicht völlig Herrin dieses Gebietes ist und für die öffentlichen Flammen nicht Äbnchmerin ihrer eigenen Gasanstalten sein darf. Nach dem letzten Bericht über die Verwaltung der städtischen Gaswerke wurden auf dem ehemals Schönebergcr Gebiet Ende März 1898 1004 Straßen- flammen(Ende März 1897 935) von den englischen Gasanstalten aus versorgt, wofür natürlich bezahlt werden mußte. Im Jahre 1860, vor der Einverleibung, waren in dem betreffenden Stadttheil erst 71 Straßenflammen vorhanden gewesen. Der Tribut, den die Stadtgemeinde an die englische Gesellschaft zu entrichten hat, ist seitdem auf daS Vielfache gestiegen. Mit der Möglichkeit einer EiSnoth beginnen die hiesigen Brauereien, die bei dieser Angelegenheit wohl am meisten interessirt sind, für den künftigen Sommer ernstlich zu rechnen. Schon im ver- gangenen Sommer stellte sich die Nothwendigkeit heraus, daß die Brauereien ihren Kunden zu dem Bier ein angemessenes Quantum Eis liefern mußten und es war dabei schwer zu vermeiden, daß Kunden einer Brauerei zu einer anderen Brauerei übergingen, weil diese in der Eislieferung freigebiger war als jene; selbst der enge persönliche Verkehr, in welchem die Vertreter der Brauereien mit- einander durch die Zugehörigkeit zum Vereine der Berliner Brauereien stehen, konnte diesen Knndenwechsel nicht ganz verhindern, obwohl es dort als Grundsatz gilt, Kunden einer anderen Vereinsangehörigen Brauerei, die aus einem nicht gerechtfertigten Grunde von derselben abgehen, nicht anzunehmen. Die Eismaschinen der Brauereien, die bisher meist nur auf Kälte- Erzeugung innerhalb der Brauereiräume eingerichtet waren, sind in mehreren Brauereien gegenwärtig auch zur Herstellung von Blockeis um- gewandelt worden. Ueber die Nützlichkeit der Einfuhr von schwedi- i'chem Eis gehen die Meinungen auseinander. Der Einkaufspreis stellte sich im vorigen Jahre auf etwa 1 M. ab Hafen Berlin; doch die Geburtenziffer viel höher ist als hier(aus dem Wedding ver- hing dieser verhältnißmäßig hohe Preis damals wesentlich zusammen hältnißmäßig fast dreimal so hoch wie in der Friedrichsiadt). Ver- i mit der ungewöhnlich warmen Witterung im April und Mai und I mit dem einiger», aßen verspäteten Transport der großen Eisblöcke. die auf dem Transport vom Kahn bis zu», Eiskeller manchmal über die Hälfte ihres Gewichts verloren. Brauereien, die in der Provinz Zweignicderlagen haben, lassen diese mit dem dünnen Eise versehen. das von den dortigen Gewässern bereits gewonnen werden konnte; es wird jedoch bezweifelt, daß daniit im Sommer auszukommen sein ivird. An der Tcchuischcn Hochschule sollen zwei neue etatsmäßige Professuren errichtet werden, eine für Metallhüttenkunde und eine für Markschcidekunde und Feldmesser. Die beiden bisherigen Dozciitcnstellen werden dafür eingezogen. Die Errichtung der Professuren geschieht, um die bisherigen Kräfte der Hochschule zu erhalten. Das bisher von einem Privatdozenten abgehaltene Kolleg über Ornamcntzeichnen soll in das Programm der Hochschule auf- genonimen und dafür ein Dozent bestellt werden. Außerdem soll ein einstündiger Vortrag über elektrische Bahnen und ein vier- stündiges Kolleg über Schiffsmaschinen gehalten werden. Für die hiesige höhere Wcbcschule ist aus Staatsmitteln eine Stoffsammlung beschafft worden, die namentlich dazu bestimmt ist, einen besseren Unterricht in, Musterzeichncn zu ermöglichen.� Diese Sammlung ist in der Hauptsache fettig gestellt und soll zugleich mit der Stoffsammlung der Lehrmittel-Anstalt für die preußischen Fach- schulen der Texttlindustrie demnächst auf mehrere Tage im Kunst- gewcrbe-Musenm öffentlich ausgestellt werden. Der Minister für Handel und Gewerbe hat den Magistrat und die Stadtverordneten- Versanimlung eingeladen, diese Sammlung am 19. d. M. in Augen- schein zu nehmen. Der preußische Gcincindcbcnintentag, der im Anschluß an den preußischen Städtetag in diesem Jahre tagen soll, wird Soimtag, den 29. d. M. eröffnet werden. Die Verhandlungen sollen im Prälaten(Stadtbahnboqen) stattfinden. Der Hauptgegenstand der Tagesordnung ist: Die Rechtsverhältnisse der Komniunalbeamten. Ueber den Nachlaß der Gipsfchnltzcn berichtet die„Vossische Zeitung": Die von den hiesigen Blättern gebrachte Nachricht, daß die Hinterlassenschaft der von dem Schuhmacher Gönczh ermordeten „Gipsschnltzen" in der Königgrätzerstraße an die Erbberechtigten, eine Schwester und einen Neffen der ermordeten Frau, in Höbe von 1300 000 M. ausgezahlt worden sei, während das Gettcht(!) etwa 110 000 M. für hmterzogene Steuern eingezogen habe, bestätigt sich nicht. Das Gegentheil ist der Fall, die nächsten Verwandten sind kürzlich nnt ihrer Klage gegen den Nachlaßpfleger vom Landgericht abgewiesen worden. Eine Berufung hiergegen ist noch nicht erfolgt, dürfte auch„ach den, klaren Wortlaut der Testamente der beiden Ermordeten keinen Erfolg haben. Wahrscheinlich wird der Fiskus de» Nachlaß erhalten, was aber noch nicht feststeht und erst in einigen Jahren sich entscheiden wird, weil sich eine große Anzahl entfernter Verwandter gemeldet hat, die ihre Ansprüche ebensalls im Prozeßwege geltend machen wollen. Umfangreichen Diebstählen ist mnn_ in(den Waarenhänsern von Jandors u. Komp. am Spittelmarkt auf die Spur gekommen. Der Schanlwirth Theodor Mayer ans der Skalitzerstr. 104, dessen Freigebigkeit allgemein auffiel, wurde verdächtigt, und da er früher in, Jandorstschen Geschäft thätig gewesen war und Hansdiener dieses Geschäfts bei ihm verkehrten, so benachrichtigte man die Polizei. Diese nahm eine Haussuchung vor und fand bei dem Wirth ein an- sehnliches Waarciiiagcr, das aus dem Jandorflschen Geschäft her- rührt. Mayer gestand die Diebstähle ein und gab an,_ daß auch andere Hausdiener und ein Beamter der Firma bctheiligt wären. Eine sofort vorgenommene Haussuchung in den Wohnungen der Hausdiener förderte eine große Menge Waaren aus dem Jandorf- scheu Geschäft zu Tage. Die Bcthciligtcn wurden sofort in Haft genommen. Zwaugöinnnng für Maler. Der Obcrpräsident zu Potsdam hat untern, 9. d. M. niigeordnet, daß zum 1. Mai d. I. eine Zwangsimm, ig für das Malcr-Handwerk in dem Bezirke der Stadtgcmeindc Berlin mit dem Sitze in Berlin errichtet werde. Von dem genannten Zeitpinikt ab gehören alle Gewerbetreibende, welche das Maler- Handwerk betreiben und der Regel„ach Gesellen oder Lehrlinge halten, dieser Innung an. Zugleich ist von dann ab die Schließung der zur Zeit hier bcstchcudeu Maler-Jmumg angeordnet. Seinen schrecklichen Brandwunde» ist der 39jähriae Tischler Lamprecht erlegen, der in der Klavintnrfabrik von Merseburg. Drcsdcnerstraße 97. seit Jahren beschäftigt war. Dienstag Abend 7'/, Uhr war Lamprccht noch allein in der im victten Stock be- legcnen Tischlerei beschäftigt, während sein Chef mit zwei anderen Jicrrei, sich im anstoßenden Koniptoir befand. Durch Unvorsichtigkeit atte L. eine kleine brennende Lampe umgestoßen und dadurch die Hobelspähne in Brand gesetzt. Anstatt um Hilfe zu rufen, ver- suchte er das Feuer n,it den Füßen auszutreten, wobei seine Kleider von den Flammen erfaßt wurden. Lichterloh brennend stürzte er nun ins Koniptoir, wo es erst»ach einigen Minuten gelang, durch Aufwerfen von Handtüchern und dergl. die Flammen zu löschen, Obgleich furchtbar verbrannt, zeigte der atte Main, doch noch soviel Willenskraft, sich an den Löschungsarbeiten in der Tischlerei so lange zu betheitigen, bis die herbeigerufene Feuerwehr erschien. Dann brach er zusammen»nd die Untersuchlmg ergab, daß der ganze Unterkörper bis hinauf zur Brust fürchterlich verbrannt war. Während er auf einer Tragbahre die Treppen hinabbefördert wurde, befand er sich noch bei vollem Bewußtsein und beauftragte einen Schutz« mann, seine Familie von dem Unglücksfalle zu benachrichtigen. Dam, verfiel er in Bewußtlosigkeit. Im Krankenhause am Urban, wohin er geschafft wurde, ist er gestern früh 3 Uhr seinen Wunden erlegen. Einen schweren Unglücksfall hat, wie nachträglich bekannt wird, der vorgestrige Sttmn zur Folge gehabt. Der 15 jährige Sohn des Schiffseigners Kowalski, deffen Zille am Treptower Park dicht an der Verbindungsbahn auf der Spree verankert ist, wollte am Morgen ans Land gehen. Als der Knabe die Laufplanke überschritt, wurde er von einem starken Windstoß erfaßt, verlor das Gleich- gewicht und stürzte in die Spree. Der Unfall war von dem Vater des jungen Mannes bemerkt worden. Derselbe sprang sofort in das Wasser, um den Sohn zu retten, jedoch vergeblich. Der Körper des jungen K. war durch die hochgehenden Fluthen abgetrieben und es gelang erst»ach längerem Bemühen, den verunglückten Knaben zu landen, leider zu spät. Die angestellten Wiederbelebungsversuche bei dem kleinen K. erwiesen sich als erfolglos. Eine kaum glaubliche Frechheit bewiesen gestern Nachmittag zwei Spitzbuben bei der Ausführung eines Gauncrstückchens. Um die gcnannte Zeit betrat ein junger Mann das Herrengarderoben« geschäft von D. in der Gr. Frankfurterstraße und verlangte einen Winterüberzicher zu kaufen. Ein besonders guter Eskimopaletot schien ihm sehr zu gefallen. Während man mm um den Preis handelte, trat noch ein junger Mensch in den Laden und verlangte einen Anzug. Die jungen Leute ließen sich darauf in ein Gespräch über die Güte der Stoffe ein, wobei sie in einen heftigen Wottwcchsel gettethen. Als nun aber der mit dem Paletot ein grobes Schimpf- Wort gebrauchte, verfetzte ihm der Andere einen wuchtigen Schlag WS Gesicht. Natürlich ließ sich dies der Geschlagene nicht gefallen und stürzte sich wüthend auf seinen Gegner. Dieser entschlüpfte jedoch schnell durch die Ladenthür und raunte auf die Straße, während sich sein Widersacher, der den neuen Paletot noch von der Anprobe her auf dem Leibe hatte, hinter ihn her machte. Der Vorgang spielte sich so schnell und so wahrheitsgetreu ab, daß es dem Kaufmann zu- nächst garnicht in den Sinn kam, daß das Ganze nur ein gelnilgeucr Gaunerkniff war. Erst als die Burschen um die nächste Straßenecke, um die sie verschwunden waren, garnicht mehr zum Vorschein kommen wollten, wurde ihm klar, daß er geprellt worden war. Er lief nun zwar den Gaunern nach, diese waren aber bereits spurlos ver- schwunden. Im Untersuchnngs-Gefängnisse erhängt hat sich der Damen- schneider Karl G r o t h, welcher kürzlich wegen SittlichkeitSverbrechens zu zwei Jahren sechsMonaten Gefängniß verurtheilt wurde und in nächster Zeit seine Strafe antreten sollte. Den Tod Im Wasser suchte gestern Morgen um 8'/- Uhr eine alte Frau mit weißem Haar, deren Persönlichkeit noch nicht fest- gestellt werden konnte. Die llnglnckliche sprang von der Jungfern- brücke m den Spreekanal, wurde jedoch von Leuten, die dazu kamen, gerettet und bewustlos nach der Unfallstation V in der Brüderstratze gebracht. Von hier mußte man sie ihres bedenklichen Zustandes wegen nach der Charitee bringen. Die Lebensmüde kam einen Augenblick zur Besinnung, konnte andeuten, daß sie in der Roß- straße wohne, die Hausnummer und ihren Namen aber nicht mehr getrieben�' � Aeußcrcn nach hat wohl Roth sie ins Wasser Verschwunden ist seit Sonntag vor acht Tagen der Hansbesitzer und Schuhwaarcii-Großhändler G. Potolowskh aus der Alten Schon- Hausirstraße Nr. 46.. An» Sonntag vor acht Tagen erzählte er einem Geichaftsniann. daß er verreisen müsse, und seitdem hat man ihn hier nicht mehr gesehen. Auch seine Familie hat keine Nachricht von ihm bekommen. Mit der Reise scheint es aber eine besondere Be- wandtniß zu haben. Denn jetzt ist über das Vermögen des Ver- ichwundcnen das Konkursverfahren beantragt worden. Sein Auf- enthalt wird in der Bekanntmachung nach dem üblichen Amtsstile als„zur Zeit unbekannt" bezeichnet. Wunderliche Vertheidiger. In letzter Zeit sind mehrfach Falle bekannt geworden, in denen Vertheidiger in Strafsachen ihre Ausführungen gegen den Angeklagten selbst gerichtet haben. Ein Vertheidiger in Hannover bezeichnete in seinem Plaidoyer seinen Klienten als ein schmutziges Individuum, für das die Pritsche das geeignetste Strafmittel wäre. Vor dem Berliner Schwurgericht hat jüngst ein Offizialvcrtheidiger seine Ausführungen damit be- gönnen, daß er sein Bedauern aussprach, nicht in der Rolle des ösientlichen Anklägers vor die Geschworenen treten zu dürfen. In der„Deutschen Juristen-Ztg." untersucht Rechtsanwalt Dr. Löwenstein-Berlin die Frage, ob ein solches� Verhalten des Vertheidigers den Pflichten seiner Stellung entspricht und kommt zu einer uneingeschränkten Verneinung dieser Frage, indem er ausführt: Durch die sämnitlichen die Vertheidigung betreffenden Gesetzesbestimmungen zieht sich der Gedanke, daß seine Mitwirkung nur den Interessen des Angeklagten dienstbar gemacht werden soll. Schon sein Name beweist. daß er zum Schutze des Angeklagten seine Funktionen auszuüben bestimmt ist. Die Vertheidigung des Anoellagten rsi sein einziges Recht und seine wichtigste Pflicht. Kann er sie nicht ausführen, ohne mit seiner inneren Ueberzeugung in Widerspruch treten zu müssen, so hat er die Vertheidigung niederzulegen. Steht ihm als Offizialvertheidiger dieses Recht nicht zu, so muß er schweigen, wenn er nicht zu helfen Iveitz. Schon die Bestimmung. daß dem Vertheidiger im Erniittelungsvcrfahren ein Recht auf Akteneinsicht nicht zusteht, beweist, daß der Gesetzgeber von ihm eine objektive Mitwirkung zur Klarstellung des Sachverhalts auch gegen die Interessen seines Klienten weder verlangt, noch er- wartet. Auf einem Balle wurde am Montag Abend ein strammer Berliner Junge geboren. Die„Staatsbürger-Zcitung" berichtet darüber: Einer größeren Privatfestlichkeit, welche im Norden Berlins anläßlich des 25jährigen Dienstjubiläums eines Beamten stattfand, wohnte auch der Häuseragent L. aus der Müllerstraße in Gesellschaft seiner Gattin bei. Letztere nahm an den Ruudtänzen nicht thcil, ließ sich aber nach einigem Sträuben bewegen, einen Kontre mitzu- machen. Bald darauf wurde sie in der Privatwohnung der Gast- geber untergebracht und genas, noch ehe man eine Assistenz herbeigeholt, in einem an den Ballsaal anstoßenden Zimmer eines Knaben. Der in einer so ungewöhnlichen Umgebung zur Welt gekommene ' Junge wurde gleich nach seinem Eintritt ins irdische Dasein von der Tanzgesellschaft mit einem flotten Tusch begrüßt. Mutter und Kind bcsindcn sich wohl, werden aber, da ihre llebcrstedclung in ihr eigenes Heim vorläufig unthunlich erscheint, zunächst einige Zeit in der Wohnung, in der der Ball stattfand, verbleiben. Vermißt wird seit Montag der 27 Jahre alte Mechaniker Karl Rogge aus der Brunnenstr. 135. Er verließ Morgens um 6 Uhr seine Wohnung, um seine Arbeitsstätte in den Allgemeinen Elektrizitätswerken in der Brunnenstraße aufzusuchen, ist dort aber nicht angekommen und auch nicht wieder nach Hause zurückgekehrt. Selbstmord ans Noth. Im Thiergarten hat sich der 43 Jahre alte Kellner Heinrich B. aus der Stcinmetzstr. 36i>. erhängt. B. war früher in der Philharmonie und im Zoologischen Garten' beschäftigt. Da er sich infolge eines Nervenleidens in seinem Berufe nicht mehr zurccht fand, so hatte er seit dem Schlüsse des letzten Sommer- geschäfts keine Arbeit mehr. Seine Frau ernährte ihn durch Näh- arbeit mit. Schon am Neujahrstage machte er einen Selbstmord- versuch, indem er in Treptow in den Parksee sprang, wurde aber gerettet. Gestern Morgen erhielt seine Frau die Nachricht, daß ihr Mann, der seit Freitag verschwunden war. sich als Leiche im Schau- bause befinde. Er hatte sich im Thiergarten in der Nähe der Lichtensteiu-Allee erhängt. Die Volkshochschule Humboldt- Akademie hat neuerdings auch das Gebiet der K i n d e S h y g i e n e in ihr Unterrichtsprogramm aufgenommen. Der Dozent hierfür, Kinderarzt Dr. Michael Cohn, eröffnet seine Lehrthätigkeit ain Freitag, den 20. d. M., in der Lehr- stätte Luisenstadt, Prinzenstr. 51 sViktoriaschule). Der erste Vortrags- zyklus über„Entwickclung und Pflege des Kindes in den ersten Lebensjahren" beginnt um 8 Uhr, der zweite über„Gesundhcits- pflege der Schuljugend" um S Uhr pünktlich. Ausführliche Pro- gramme werden in Selmar Hahne's Buchhandlung, Prinzenstr. 54, unentgeltlich ausgegeben. Der Zutritt zum ersten Vortrag ist frei. Feuerbericht. In der Deutsch- Amerikanischen Schuhfabrik S p i t t e l m a r k t 12 entstand Dienstag Abend ein Ladenbrand, der wiederholt gemeldet war und daher mehrere Löschzüge zur Brand- stelle rief, die jedoch bald wieder abrücken konnten, da man schnell Herr des Feuers wurde. Kurz darauf gingen Wrangelstraße 70 Wäsche und Kleidungsstücke in Flammen auf, während B n l o w- st r a tz e 61 Papier und der Fußboden eingeäschert wurden. Ein Zimmerbraud verursachte eine Alarmirung nach K u r f ü r st e n- straße 172. Gardinen und Möbel wurden hier beschädigt. Am Mittwoch war Berlin bis in die Abendstunden hinein feuerfrei. Aus den Nachbarorte». Charlotteuburg. Die Mitglieder des Wahlvereins werden auf die heute Abend 8>/z Uhr in„Vismarckshöhe" stattfindende General- Versammlung aufmerksam gemacht; wir erwarten zahlreichen Besuch. (Siehe auch Inserat in gestriger Nummer.) Außerdem fordern wir alle restireuden Mitglieder dringend auf, bei Vermeidung des Ausschlusses ihren Verpflichtungen bis spätestens 1. Februar'd. I. nach- zukommen. Der Vorstand. Die neue Stelle eiueS StadtschulratheS von Charlottenburg gelaugte endlich in der gestrigen(Mittwochs-)Sitzung der Stadt- verordneten- Versammlung zur Besetzung. Die Stelle ist schon seit dem 1. April v. I. errichtet worden, es kam aber bisher wegen der vergeblichen Bemühungen, dem Stadtschulrath auch die staatliche Schulaufsicht zu sichern, nicht zur Wahl. Der Ausschuß zur Vor- bcreitung der Wahl hatte drei Kandidaten vorgeschlagen, einmal den Oberlehrer am städtischen Realgymnasium in Charlottenburg Dr. Neu- fert, sowie die beiden B c r Ii n e r Stadtschul- Inspektoren Dr. v. Gizy cki und Dr. I. Kaute vom S. und 5. Berliner Schulkreis. Bei der gestrigen Wahl erhielt Dr.Neufert 33 Stimmen. Dr. v. Gizycki 29 Stimmen. Ein Zettel war unbeschrieben. Der einheimische Kandidat Dr.Neufert ist somit zum Stadtschulrath auf die gesetzliche Amts- daner von zwölf Jahren gewählt.— Zu dem Allgemeinen preußischen Städtetag, der am 23. und 24. dieses Monats in Berlin stattfinden wird, entsandte die Versammlung ihren Vor- stehcr Dr. I a f f ö. Außerdem werden zwei Mitglieder des Magistrats die Stadt Charlotteuburg auf dem Tag vertreten.— Bezüglich der Uebernahme einer Garantie für die Kosten des Baues und Betriebs des Mittellandkanals hatte der Magistrat beantragt, daß die Gemeinde Charlotteuburg sich an der Aufbringung der jährlichen Unterhaltungs- und Betriebskosten, sowie der Verzinsung und Tilgung eines Theils des anschlagmätzigen Baukapitals für den Kanal der Stadt Berlin gegenüber mit 1,7 pCt. des Gesammt- erfordernisses betheilige. Die gesammte Garantie, die Charlottenburg zu übernehmen hatte, wurde von Baurath Sympher auf 121 800 M. veranschlagt und zwar für die ersten sieben Jahre zusammen. Vom achten Jahr an wird angenommen, daß der Kanal seine Betriebs- kosten sowie die Zinsen des für ihn aufgewendeten Kapitals selbst aufbringe, ja eine Rückzahlung der geleisteten Gewähr ennöglicht werde. Nach dem Antrag des Referenten wurde die Vorlage einem Ausschusse der Versammlung zur Vorberathung überwiesen. Charlottcnbnrg. Der Bezirksausschuß hat das Ortsstatut betreffend die Ausdehnung der Kranken-Ver- sicherungspflicht auf die in Kommunaldiensten oder in Kommunalbetrieben im Gemeindebezirk Charlottcnburg gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Personen bestätigt. Die nächste Magistrats- sitzung wird sich mit der Beschlußfassung über die Bildung einer be- sonderen Krankenkasse auf Grund dieses Ortsstatuts, das am 1. April in Kraft treten soll, befassen. Die Miethssteigerungen in Charlottenburg beschäftigten seit einigen Tagen mehrere, von den verschiedensten Seiten einberufene Volksversäinmlungen, die sich eines guten Be- suches erfreuten— ein Zeichen dafür, welches Interesse die Bevölkerung dieser für sie so wichtigen Frage entgegenbringt. Am Mittwoch Abend fand eine vom Bund für Bodenbesitzreform veranstaltete Versammlung statt, in der Kaufmann Pohlmann über das Thema sprach:„Warum werden wir in der Miethe gesteigert?" Am Dienstag referirte in einer von den Freisinnigen einberufenen Versammlung Dr. Bernstein über das Thema:„Die steigende Wohnungsnoth und die ungünstige Lage unserer Gewerbetreibenden, Mittel zur Abhilfe." Die Versammlung nahm nach kurzer Debatte folgende Resolution an:„In Anbetracht, daß die gegenwärtig in Charlottenburg herrschende Wohnungsnoth in sozialer, sittlicher und hygienischer Beziehung die schwersten Schäden für das ganze Gemein- wesen herbeizuführen geeignet ist, erscheint es dringend nöthig, daß seitens der städtischen Behörden unverzüglich die erforder- lichen Mittel zur Anwendung gelangen, den Nothstand zu beseitigen. Als ein solches Hilfsmittel dürste sich vor allen Dingen empfehlen, die noch nicht kanalisirtcn Theile der Stadt schleunigst an die Schwemmkanalisaston anzuschließen, damit neue Straßen- züge angelegt und Wohnhäuser nach Bedarf erbaut werden können.— Die Versammlung wendet sieb zu diesem BeHufe an die Stadt- verordneten- Versammlung mit dem Ersuchen, den Magistrat auf- zufordcrn, die hierzu erforderlichen Arbeiten schleunigst' in Angriff zu nehmen." Die Polizeidirektion Rixdorf, deren Errichtung zum 1. April bereits kurz angekündigt worden ist. wird ein Personal von 145 Köpfen erhalten. Dem Polizeidirektor wird ein Polizeirath und zwei Polizei- Assessoren beigegeben werden. Polizeisekretäre sind 12 vorgesehen, Meldeamtsbureau- Assistenten 8, Kanzlisten 6. Polizeiboten und Vollziehungsbeamte sollen 2, Polizei-Gefängnißaufseher 1 angestellt werden. Die Exekutive wird einem Polizcihauplmann unterstellt, dem 4 Polizeilcutuants beigegeben werden. Kriminal-Kommissariate werden 2 errichtet. Außer einem Abtheilungs-Wachtmcister werden 8 uniformirte Wachtmeister und 85 Schutzmänner eingestellt. Krimiual-Wachtmeister sollen 2, Kriminal-Schutzmänner 18 an- gestellt werden. Außerdem sind 2 Stellen für Polizcianwärter und eine für einen Kanzlei-Hilfsarbcitcr vorgesehen. Auch die Polizei- Verwaltung von Schöneberg wird nach dem Muster von Charlotteuburg als eine selbständige Polizeidircktion eingerichtet. Für die Exekutive ist dort ebenfalls ein Polizei- Hanptmamr neu vorgesehen. In Rixdorf sind die Thaten einiger Gendarmen noch in zu frischer Erinnerung, als das; die Bevölkerung dem nunmehr verschwindenden Zustande eine Thräne nachweinte. Allerdings wird die Frage, ob es hinfort besser wird, nicht allzu optinlistisch zu beantworten sein. Oer Vertrag zwischen der Gcmciudc Steglitz nnd der westlichen Vorortbahn gelangte in der fünften Sitzung der Ge- mciudevcrirctung zur Vorlage. Derselbe enthält unter anderen folgende Bestimmungen: Am 1. April 1899 gelangt auf der Strecke Steglitz(Schloßpark)— Berlin lAlexandcrplatz der Zwölfminuten- verkehr, und mit Beginn des Jahres 1901 der einheitliche Zehn- Pfeimig-Tarif zur Einführung. Den beantragt gewesenen Acht- mimiten-Verkehr hat die Direktion der westlichen Vorortbahn Vorortbahn ablehnen zu müssen geglaubt. Für die Zeit der vom 1. April 1899 bis 31. Dezember 1908 verpflichtet sich die vorläufig an die Gemeinde Steglitz jährlich die Summe von 2000 M., für die Zeit vom 1. Januar 1909 bis 31. Dezember 1919 jährlich die Summe von 4000 M., und für die Zeit vom 1. Januar 1920 bis 31. Dezember 1938 die Summe von 6000 M. zu zahlen. Die Regelung der Giltigkeit der Fahrscheine beim Umsteigen in Schöneverg soll auf dem'Verordnungswege erfolgen. Ueber die Art und Weise der Vergebung der Lieferungen stir die Gemeinde war unter den Gemeindcvertretcrn ein heftiger Streit entbrannt. Die Streitaxt ist nunmehr begraben, alle von den ver- schiedenen Parteigruppen diesbezüglich gestellt gewesenen Anträge sind zurückgezogen, und es ist einstimmig eine Kommission gewählt worden, welche den Auftrag erhielt, Normativbestinmmngen für die Vergebung von Lieferungen für die Gemeinde auszuarbeiten und dieselben der Gemeindevertretung zur Beschlußfassung vorzulegen. Die Frage der Müllabfuhr ist dahin erledigt worden, daß die Charlottenburger Müllabstihr-Gesellschaft gleichwie für andere Vor- orte auch für Steglitz die Müllabfuhr übernimmt. Die neue Haltestelle des Südringes„Hermannstrastc" ist nur ein provisorischer Bahnhos, ähnlich den meisten kleinen Bahn- Höfen des Südringes. Der mit Mosaik gepflasterte Bahnsteig ist zum Schutz gegen den Regen mit einem einfachen Holzdach versehen; an Baulichkeiten befinden sich dort nur das kleine Dienstgebäude sowie die ans Backsteinen hergestellte Wartehalle. Der Zugang von der Hermannstratze zu der Haltestelle wird durch eine steinerne Treppe vermittelt. In Verbindung mit der bei dem Neubau nothwendig gewordenen Geleisänderung ist auch das dritte und vierte Geleise für den Südring an dieser Stelle gelegt worden. Es fehlen jetzt nur noch die beiden Erweiterungsgeleise auf der Strecke von der Hennann- straße bis Tempelhof, die voraussichtlich noch in diesem Jahre gelegt werden und somit eine vollkommene Trennung des Güterverkehrs von dem Personenverkehr auf beiden Ringen ermöglichen. Bei dem stürmische» Wetter sind vermuthlich ztvei Knaben, Söhne des Schießbudenpächters W a l d o w in Schildhorn in der Havel ertrunken. Die beiden zehn- und zwölstährigen zwaben besuchten die Gemeindeschule in Pichelsdorf, wohin sie nur auf dem Wasserwege gelangen konnten. Morgens pflegten sie in einem Ruderboot über den Gatower See zur Schule zu fahren und Nach- mittags auf demselben Wege nach Hause zurückzukehren. Montag Nachmittag traten sie die Heimfahrt bei orkanartigem Sturm an; der Lehrer hatte sie vor der Fahrt noch zur Vorsicht ermahnt. Die beiden Knaben waren bis gestern nicht in Schildhorn eingetroffen und es muß befürchtet werden, daß sie im Sturm auf dem Gatower See umgekommen sind. Aus Groß- Lichtcrfelde berichtet man uns: Die jüngste Gemeindevertrcter- Sitzung beschäftigte sich zunächst mit der pro- jektirten Verlängerung der Martha straße. Schöffe Lange als Referent der in dieser Angelegenheit thätigen Kommission führte aus, daß die Kosten jener Verlängerung sich auf etwa 40 000 M. belaufen würden, also viel zu hoch seien, um von der Gemeinde getragen werden zu können. Die Verhandlungen mit den Adjacenten seien resultatlos verlaufen, da deren Wünsche und Forderungen un- möglich zu erfüllen seien. Er beantrage Ablehnung der Vorlage. G.-V. Koska spricht sich zu Gunsten der Vorlage aus, während Gemeinde- Vorstand Schulz und Baurath Tietzen sich den Aus- führnngen des Referenten anschlössen. Es erfolgte Ablehnung der Vorlage. Die Ordnung betreffend die Erhebung eines Zuschlage's zur Brau st euer und Bier st euer wird angenommen; Schöffe Patzig hofft, daß die behördliche Genehmigung so zeitig eintreffen wird, daß die Steuer am 1. Februar in Kraft treten kann. Die Vertreter der kapitalistischen Klasse können es kaum erwarten, daß der Segen der indirekten Steuern sich über die unbemittelten Einwohner unseres Ortes ergießt.— Die M a I e r- I n n u n g ersucht um eine pekuniäre Beihilfe von 200 M. für ihre Fachschule. Gemeinde- Vertreter Racke macht darauf aufmerksam, daß sich eine Gemeinde- Vertretung hütenmüsse, einen besonderen Stand zu berücksichtigen, er stimmte aber für Gewährung dieser Unterstützung, nachdem der Malermeister Lehmann nnd Schöffe Patzig für dieselbe gesprochen hatten. Die 200 M. werden bewilligt. Die Gemeinde- Vertretung hätte besser gethan, das Gesuch der Maler-Jnnung abzulehnen. Abgesehen davon, daß der Steuersäckel der Gemeinde nicht dazu da ist. um Privatpersonen oder privaten Korporationen Subventionen zu gewähren, liegt bezüglich des Volks- schulwesems in Lichterfelde so Vieles iin Argen, daß die 200 M. besser nach dieser Richtung hin hätten Verwendung finden können. Es sei nur daran erinnert, daß in der Giesensd'orfer Schule ein Lehrer 70 Kinder zu unterrichten hat. Was mag wohl bei diesem Unterricht herauskommen?!— Den Rest der Verhandlungen bildeten die geradezu miserablen Zustände der Straßen. Leider sind die Kritiken in dieser Beziehung nur zu berechtigt. Wer bei der jetzigen Witterung die Chausseestraße passirt. muß ein Schlammbad nehmen, und die Brauerstraße gleicht eher einem pontinischen Sumpfe als dem Verkehrswege einer kultivirten Gemeinde. Die schlechte Beschaffenheit der Wege erklärt sich auch daraus, daß dieselben zum Theil dem Kreise gehören, der natürlich für Meliorationen ungenügend sorgt. Hoffent- lich nimmt dieser Eigenthumsdualismus bald ein Ende. Zu der Entdeckung einer angebliche» Petrolcumquclle in der Gesellschaftsstraße zu Reinickendorf erfahren wir noch: Das Wasser des Brunnens auf dem Grundstück Gesellschaftsstr. 31 hat seit der letzten Untersuchung zu Weihnachten noch eine weitere Steigerung des Erdölgchalts erfahren, welches jetzt auf ca. 90 pCt. zu beziffern ist. Die Möglicbkeit des Vorhandenseins von Petroleum ist umso weniger ausgeschlossen, als sowohl im nördlichen Berlin wie in der Umgebung von Reinickendorf bei Brunnenbohrungen viel- fach auf Kohlenlager gestoßen worden ist. die eine Mächtigkeit von 15 bis zu 105 Zentimeter aufweisen. Ob jedoch die vorhandene Erdölmafse so reichlich ist, daß sich ihr Abbau verlohnen wird, werden die im Frühjahre vorzunehmenden Bohrungen zeigen. Un- richtig ist jedenfalls das stark verbreitete Gerücht, nach welchem in früheren Jahren bei verschiedenen Brunnen in Reinickendorf Petroleum vorgefunden sein soll. Ein Verein zur Hebung der landwirthschastlichcn, industriellen und Verkehrs-Berhältnisse des Havellandes ist nunmehr in Nauen konstituirt worden. In erster Linie wird die Schaffung eines Schifffahrtskanals zwischen Havel und Elbe mit gleichzeitiger Entwässerung des Havelluchs angestrebt. Dem Verein sind mehrere Abgeordnete, der Landrath Steinmcistcr in Nauen, sowie die hervor- ragendstcn Grundbesitzer und Industriellen des Havellandes solvie der Städte Spandau und Potsdam beigetreten. Somit ist reiche Aussicht vorhanden, daß der Verein auch seine Talente in der Unter- drückung der Arbeiterschaft bethätigen wird. Quittung. Vom Arbeiterverein in Nowawes durch Genossen W. Kreth für den Ziethen-Fonds 5(fünf) Mark erhalten, die ich hiermit dankend quittire. Berlin, 18. Januar 1399. W. Liebknecht. Eingelaufene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 17. Heft des 17. Jahrganges erschienen. AuS dein Inhalt heben wir hervor: Der eigentliche Nährboden.— Justus Möser als Geschäftsphilosoph. Von P. kamvffmeyer.— Herr Oppenheimer, der neueste Ueberwindcr des Marxismus. Von I. Karski.— Der Fall Hogerhuis, eine niederländische Drcpsus- Affäre. Von W. H. Stiegen.— Ein Wort stir die sozialistische Arbeiterpartei in Amerila. Von Frank Leitner(San Antonia, Texas).— Literarische Rundschau.— Feuilleton: Aesthetische Streifzüge. Von Franz Mehring.(Fortsetzung.) Vernrifchkes- An Ems wurde gestern früh ein kurzer Erdstoß verspürt. Auf einer Lübecker Baustclte am Elbe-Trave-Kanal wurden bei der Nachtschicht zlvei Arbeiter durch Nachrutschen von Erdmassen verschüttet. Der eine ist todt, der zweite wurde noch lebend aus- gegraben. Schiffsungliick. Der von Odessa mit 2000 Tons Getreide nach Kopenhagen bestimmte Dampfer„Nordpol" ist bei Brest gescheitert. Ueber das Schicksal der Mannschaft ist Näheres nicht bekannt. Der Brauercibcsitzcr Karl Jakobscn hat dem Magistrat von Kopenhagen mitgetheilt, daß er alle seine Kunstsammlungen der Stadt Kopenhagen zu schenken beabsichtige unter der Bedingung, daß für die Kunstzwecke ein zweckentsprechendes Gebäude geschaffen werde. Der Werth der Sammlungen wird auf über 5 Millionen Kronen geschätzt. Aus Lemberg wird berichtet: Die Gutsbesitzerin Rakowska in Bohorodczany übergoß ihren schlafenden Mann mit Petroleum und zündete dasselbe an, wodurch der Mann verbrannte. Die Mörderin wurde verhaftet. Rothschild am Baumast. Aus London wird berichtet: Baron Leopold Rothschild blieb gestern gelegentlich einer Fuchsjagd in der Nähe von Buckingham an einem B a u m a st hängen, wurde vom Pferde gerissen und brach das Nasenbein. Die Ver- lctzung ist nicht gefährlich. Eisenbahnunglück. AuS Bilbao wird telegraphirt: Ein Eisenbahnzug stieß im Bahnhof der Station Zumarraga auf den Prellbock. Einige Wagen wurden zerschmettert, sieben Personen schwer, mehrere leicht verwundet. Ein deutscher Reisender wurde infolge einer schweren Verletzung am Kopfe wahnsinnig. Politischer Tanzzwang. Ein französisches Blatt schreibt: Der Gouverneur von Warschan, ein Russe von vornehmer Herkunft, empfing dieser Tage die Bliithe des polnischen Adels und hielt bei diefer Gelegenheit folgende lakonische� aber vielsagende Ansprache, die sehr gut als Motto auf irgend einem Karnevalprogramm figuriren könnte:„Man sagt mir, meine Herren, daß sie wahrend der dies- jährigen Karnevalszeit nicht tanzen wollen. Es soll das eine patriotische Kundgebung sein. Ich gebe Ihnen aber den guten Rath: veranstalten und besuchen Sie Ballfeste, sonst werde ich Sie dazu zwingen." Das nennt man ftei von der Leber sprechen, bemerkt dazu das genannte Blatt. Der polnische Adel ist als einer der stolzesten bekannt, deshalb ist es sehr wahrscheinlich, daß er sich um den in so ungewöhnlicher Form gegebenen aufrichtigen Raih des Gouverneurs nicht kümmern wird.— Dann wird es heiße;:: Tanzen oder Sibirien! Witterungsübcrsicht vom 18. Januar 1899, Morgens 8 Nhr. Wetter-Prognose für Donnerstag, den 19. Januar 1899. Etwas wärmer bei wiederauffrischenden Winden nnd znnehinender Be» wölkung; nachher Regen. Berliner Wetterbureau. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobeh in Berlin �Or den Jnseratentbeil verantwortlich. Dh.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. a,. i«. in w,,,,,. 2. MW des Jotmätls" ßtdiiict lolksWutf.»'«--!>»» z- ilism t8S9. Ll nte vn ehttrev-Veeb iittde. Nhciilisch-Westfälisches Kohleusyudikat. Nach dcr in der Zecheubesitzer-Bersainmlung uom 10. cr. gemachten Mitthcilung bc- trägt die lhatsächliche Fördercinschränkung für den Monat Dezember 18gd— J,ö3 pCt. Gegen das Jahr 1897, für welches sich die durchschnittliche Fördercinschränkung auf 6,92 pCt. stellte, hat sich dieser Satz erhöht, er stellt sich nämlich ans 7,49 pCt. im Durch- schnitt. Bei der endgiltigcn geldlichen Abrechnung dürfte die durch- schniltlichc Fördernngseinschränkung für 1898 noch eine Ermäßigung erfahren durch Abfetzung derjenigen Mengen von den Betheiligungen, für welche den Zechen Auftrage vorlagen, welche aber von den erstcren durch eigenes Verschulden nicht ausgeführt werden konnten. So trat nachträglich für 1897 eine Ermäßigung auf 2,2 pCt., 1896 aus 7,31 pCt. ein. Vereinigung von Vorax-Gcsellschastc». Die jüngst erwähnte Ama.gamirnng dcr größten Borax-Erzeuger Englands ist nun in ihr letztes Stadium getreten. In diesen Tagen tritt in London die Borax Consolidated Company ins Leben, welche ungefähr ein Dutzend dcr größten Borax- Erzeuger unifaßt. Das' Aktienkapital betrögt 2 400 000 Pfd. Steil. Als Profit wird für die letzten Jahre durch- schnittlich 165 000 Pfd. Sterl. per Jahr ausgewiesen. Die Emission ist gegen eine Provision von 2'/s pCt. bereits garantirt worden. Tie Trusts und der Sozialismus. In die gesetzgebende Versammlung des Staates Massachusetts sind, zum ersten Male in Amerika, ztvci ausgesprochene Sozialisten gewählt worden, und ein dritter hatte große Aussicht, gewählt zu werden. Die Stadt Haverhill, der Sitz einer blühenden Schuhindustrie, hat den anderen Wahlkreisen dieses rühmliche Beispiel gegeben. Der Korrespondent eines englischen Blattes macht nun für das Auskommen des Sozialismus in Amerika die Trusts oder Monopole verant- ivortlich. Cr sagt nach Angabe des„Hamburgischen Correspon- deuten": Dcr Bericht des Statistischen Amtes beweist, daß trotz dcr Kon- kurreuz dcr im Süden entstandenen Baumwoll-Fabrikeu die Baum- Ivoll-Arbcitcr des Staates Massachusetts ökonomische Fortschritte zu verzeichnen haben. Ihre Löhne sind gestiegen, und sie haben mehr pro- dizirt per Kopf als früher. Man sollte glauben, daß jetzt Zufriedenheit unter den Lohnarbeitern von Massachusetts herrschen werde! Weit cntfcrnt! Was ist die Ursache? Das immense Wachsthum dcr Monopole. Wenn die eine Hälfte des industriellen Kapitals einer Ration in lauter Monopolen angelegt ist. sind die Aussichten der Arbeiterklasse nicht sehr glänzend. Wie sollen die Arbeiter dagegen aufkommen? Sie müssen zu dem Glauben kommen, daß es kein anderes Heilmittel giebt, als daß dcr Staat die Kontrolle über das industrielle Kapital übernimmt, das sich jetzt in privaten, uick>t verantwortlichen Händen befindet. Die Arbeiter von Massackmsetts wissen es natürlich schon längst, daß alle Versuche,„Trusts" zu zerbrechen, völlig vergeblich sind, daß es siäi um weiter gar nichts handelt als S t a a t s c i g e n t h u m oder Sklaverei... Man kann mit Recht sagen, daß sich die Vereinigten Staaten bc- züglich der Arbeiterfrage in einer Gährung befinden. Man dürfte sich nicht wimdern, wenn sie jäh in eine neue Richtmig umictzte. Roch verwickelter wird die Sache dadurck, daß die amerikanischen Arbeiter glauben, die Folge der neuen Gcbietscrwcrbungeu werde sein, daß sie die Konkurrenz dcr billigen Arbeiter von Kuba, Porto- rico und den Philippinen(bcsouders den letzteren) zu bestehen babeir dürsten. Dcr kubanische Zucker mag de» Louisianas aus dem Markte treiben und der Tabak dcr Philippinen den dcr tabakbanendcn fiid- lichen Staaten der Union verdrängen. Vevpsltmttltmgeu* Ucber da.S Thema: Schnlmedizin und Natnrhcilmethode fand ani Dienstag in einer gut besuchten Versammlung des Wahl- Vereins für den vierten RcichStags-Wahllrcis eine intercfsante und anregende Debatte statt. Ter erste Retereut Dr. W e y l vertrat den Staiidpunlt dcr Naturhcilmcthodc, das heißt desjenigen Heilverfahrens. ivelches die Anwendung von Medikamenten verwirft und geeignete Diät, Licht, Luft, Wasser, Massage und dcrgl. als Heilmittel gebraucht. Der Redner legte Verwahrung dagegen ein, daß die nichr appro- birtcn Aerzte, die Laicnpraktikantcn. welche das Naturhcilverfahrcn aus- üben, schlechtweg als Kurpfuscher bezeichnet würden. Ebenso, wie es unter diesen tüchtige Heilkünstler gebe, könne es auch unter den npprobirtcn Schulmedizincril Pfuscher geben. Ter Redner führte tveitcr aus, daß das Rawr-Hcilverfahren zuerst von Laien aus- geübt wurde, daß aber die Schulnicdizin, welche dcr Natur- Heilmethode lange Zeit ablehnend gegenüber stand, doch in letzter Zeit die Mittel des Natnr-Heilverfahrcns zum Theil an- genommen habe, das letztere auch immer ivcitere Fortschritte mache und vom Publikum sehr günstig aufgenommen werde.— Ter zweite Referent. Dr. Alfr. Bernstein, führte aus: Ein abge- schlosscnes Gebiet der Heilmethode gebe es nicht. Weder die Arznei- bchandlung noch die sogenannte Raturheilmethode üben eine sicher bestimmende Wirkung auf den Verlauf der Krankheit aus. Kein Arzt könne sagen, daß nur ein Mittel aus der Apotheke einen Kranken geheilt habe, aber auch die Vertreter der Naturheilmethode seien nicht im Stande, das fliehende Leben auszuhalte». Er sRedner) erkenne den Einfluß, den Licht, Luft. Diät w. in Krankheitsfällen haben, ebenfalls an, cr wisse aber auch, daß es chemische Mittel giebt, die in bestimmten Fällen eine wohlthncnde Wirkung ausüben, wie z. B. Morphium als schmerzstillendes Nüttel. Ebenso seien operative Eingriffe in gewissen Fällen geboten.— Dr. Wehl erklärte hierauf, daß auch er sich den beiden letzt- genannten ärztlichen Hilfsmitteln gegenüber nicht unbedingt ablehnend verhalte, und daß er seinen Kollegen Beinstein, nachdem er dessen Ausführungen gehört, nicht für einen Vcr- tretet ddr Schulmedizin halte.— Dr. Freudenberg, der sich als ein Anhänger der Schulmcdizin bekannte, polcmisirtc gegen die von den beiden Referenten vertretenen Anschanuugen. Er meinte, die diätetisch-hygienischen Mittel des Natnrheilverfahrens tuende auch die Schulmedizin an. Der Streit zwischen den beiden Heilmethoden sei für alle Nichtärzte eine Glaubcnssache. Er bedauere, daß in dcr letzten Wahlbetvegung Reichstagskandidaten in dieser ihrer Eigenschaft für die Natiirheilmethode eingetreten seien. Die Stellung zur Heilkunde dürfe man nicht zu einer Partei- ftage machen, sie müsse vielmehr, ebenso wie die Stellung zur Religion, Privatsache sein. Er könne es auch nicht billigen, daß man die sozialdemokratische Reichstags- Fraktion, wie es ein auf dem Stuttgarter Parteitag von impf- gegnerischer Seite eingebrachter Antrag beabsichtigte, gegen'den Impfzwang festlegen lvollc.— Hierzu bemerkte Dr. W e y l, der betreffende Antrag habe nicht dezweckt, die Fraktion gegen den Impf- zwang festzulegen, sondern es sollte nurcrreicht tvcrden.daß über die Impf- frage, die eine fchr strittige sei, durch das Eingreifen des Reichstages eine Ivisscnschaftlichc Erörterung derAngelegcnhcit herbeigeführt werde. Da dcr Impfzwang cine reichsgcsetzlichc Einrichtung sei, so lönutcu die Gegner desselben, wenn sie ihn beseitigt sehen wollen, doch nicht anders, als sich an die Reichstags-Abgeordnctcn wenden. Weiter verwahrte sich Dr. Wehl dagegen, daß er. ans den sich die betreffende Bemerkung des Dr. Frendenberg beziehen solle, in seiner Eigenschaft als Reichs- tagS- Kandidat die Naturhcilmcrhode zn einer Parteisache habe mächen wollen.— Im klebrigen bot die Diskussion zwischen den Aerzten»och manche interessante Erörterungen auf dem Gebiet der Heilkunde, die aber im Rahmen eines Versammluugsberichts nicht mit dcr erforderlichen Ausführlichkeit wiedergegeben werden können.— Außer den genannten Rednern bethciligten sich an der DiS- kussion die Genossen: I r m e r, Peter, Möse, Schulz und Wagner. Unter Vcreinsangelcgenheitcn wurde auf eine am 5. März statt- findende Urania-Vorstcllung, sowie auf eine am 24. d. Mts. ab- zuhaltende öffentliche Versammlung in der Wrangelstraße hin- gewiesen. Es wurde ferner darauf aufmerksam gemacht, daß die Mitglieder, welche verzogen sind, die Pflicht haben, dem Vorstand ihre neue Adresse anzuzeigen. Ter Verein der Maschinisten, Heizer nnd Bcrnfögcnossc» hielt am 15. Januar seine Gcucralversammlung ab. Aus dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß im vcr- slosscnen Jahre 22 Vorstandssitziingen sowie 18 Vcreins-Vcrsamm- liingen stattgefunden haben. Aufgenommen wurden 150, aus- geschieden linklusive eines Ausgeschiosscncn) sind 78. verstorben 10. am Schlüsse des Jahres waren vorhanden 810 Mitglieder. Als arbeitslos ließen sich 276 Mitglieder einschreiben, davon wurden durch den Arbeitsnachweis 201 Personen in feste Stellung gebracht. 11 Personen konnte vertretungsweise Arbeit nachgewiesen werden. Bei 50 Kcssclrciuigungcn wurden 112 Mitglieder beschäftigt. Zu Anfang des neuen Jahres tvaren 11 Mit- glicdcr arbeitslos. Die Bibliothek, die 138 Bände aufzuweisen hat, wurde von 125 Mitgliedern dcuützt. Dcr Kasscuabichluß ergab bei einer Einnahme von 7453,56M. und einer Ausgabe von 7152.70 M. einen Ucbcrschuß von 305 M. 86 Pf. Ter Kaffeubcstand am Schlüsse des Jahres betrug 8992 M. 5 Pf. llutcr den Ausgaben siguriren unter Anderem für den Verband 2761 M. 95 Pf. Für Agitation wurden 907 M. 21 Pf. ausgegeben. An ArbcitSlosen-Uuterstützung wurden gezahlt 559 M., Sterbe-Unterstützung 320 M., Zeitschriftvcrscndung 350 M. 8 Pf. Tic ausscheidenden Vorstandsmitglieder Kassirer Freund. Schriftführer Zabel, Ncndant Boche und Beisitzer Lenz wurden wiedergewählt. Zu Revisoren wurden ernannt: Hammer, Schnell und K a» s m a n n. In einer Versammlung des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen, welche am 10. Januar in den Arminhallen, Kom- mandantcnstr. 20 tagte, hielt. Dr.(luvt Frendenberg einen Vortrag über das Thema:„Arbeiterschutz und Volksgcsundheit."' Die interessanten Ausführungen des Referenten wurden mit Beifall auf- gcnonnncn. Nach einer Diskussion, an der sich S t u b b e, Witte, Klei n und K l a u ck im Sinne des Referenten bctheiligtcn, und nach Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten schloß der Be- vollmächtigte die Versammlung. Ripdorf. Das Gewcrkschaftskartell beschäftigte sich in seiner letzten Versammlung zunächst mit dem Kongreß dcr Bauarbeiter Deutschlands. Thüriug gab hierzu das einleitende Referat, indem cr die Mißstände im Baugewerbe und den überhandnehmenden Banschwindel einer treffenden Kritik unterzog. Darauf wurde be- schlössen, die Versammlungen der in Frage kommenden Gewerkschaften abzuwarten, um alsdann einen genauen Bericht über die Beschickung des Banarbeiter-Kongresscs in einer öffentlichen Versammlung gebeir zu können. Stubbe berichtete hicranf über die Bäckcrei-Arbeiter und hebt hervor, daß es mit dcr Organisation der Bäcker sehr schlecht bestellt ist. Zu einer öffentlichen Versammlung seien die Jnnungs- meister eingeladen worden, aber nicht erschienen. In einen» schreiben hätten die Meister erklärt, daß sie nicht gclvillt seien, über die Bäckereiarbeiter-Frage zu diskntiren. Der Bericht über die Holz- arbeiter wurde vertagt. Zcntralverband der Konditoren.(Mitgliedschaft Berlin.) Heute Abend Ubr bei Schiller Rosenthalersir. 57: Versamnilung. Tages- ordniing: Fortsetzung der Berathung der Anträge des Zeiitralvorslandcs zun» Berbandötag.— Das Erscheinen säumitlicher Mitglieder ist Pflicht. Gäste willkoniuien. Zentralvcrcin dcr Bnrcan-Nugestellten Teutschlands. lMitglied-' schaff Berlin.) Heute Abend S'/s Uln. dci Schiller, vioscnlhalcistrabe 57: Bcrsaininlung. Vortrag des Herrn Brille über:„Die kUinst im Dienste der Bollsbcivegung". Gäste willkviumen. Briefkasten der Redaktian. Wir bitten, bei jeder Anfrage eine Chiffre l.pvei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter dcr die Auttvort erthcilt werden soll nnd die letzte Abciinementsquittmig beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beantwortet und schriftliche Antwort wird nicht erthcilt. Di« juristische Sprcchstuude wird Dieustags, DouuerstagS«ud greitags abcuds von 7Vz biS S'/j Uhr abgehalten. Glogau 101. Die pieusülche Gendarmerie ist militärisch orgauisiit und untersteht dem Kriegsminlsterimu. Auch nntersteheu die Gendarineu den Mililärgesetzen. Sie sind demnach als S o l d a t e n zu betrachte», ob- gleich sie polizeilichen Dienst ihn». Kiautschou. Die G e f u n d h e i t s v er h ä l t n iss e in Kiautschou scheine» nicht besonders zu sein. Dcr amtliche Bericht schreibt, das; mit dem Eintritt der Regenzeit häusige Darmkatarrhe austreten. Mit der Vcr- bcsscrimg dcr Wohnung?- und Trinffoäfferverhältniffe ist nach dein Beiickit eine Besserung der GesundheitsverMtniffe bis zu dem Grade zu erwarte», „daß sie denen in der Hciuiaih nicht wescntlicki nachstehen". («. E. 90. Stein.- P. M. Ja.- M. 1000. Zunächst gericht- llchcr Rückkehrbefehl und darni Klage.- BS. F. 15. Angemessene Hübe. Eine besliiumte oöhe ist»ickit vorgeschrieben. Bis 2. April.—(0. St. 8. Ii Hängt vom Eriucffcn des Gerichts ab. 2. Amtsgericht. 3. 10 Monate nach Rechtskrast des UrtheilS. 4. EhescheidiingSurtheil mit RechtkraftSattest. — Hamburg. Nein.— F. K. 101. Ja.— M. B. 39. Es ist dringend davon abzurathen. dasi Sie es ans die Klage ankommen lasten. BS. R. 72. Unter einer Pserdckrast versteht man eine bestimnUe Aibcitsleistuiig w jeder Gekiindc, nämlich 75 Kilogramm einen Meter hoch zu lieben. Eine Maschine besitzt also z. B. drei Pferdekräfte, wenn sie in seder Sekunde eine Arbeit leistet, die mit dem Heben von dreimal 75 oder 225 Kilogramm um einen Meter gleichwerthig ist. Die Frage, ivic viel Kilogramm auf eine Pscrdekraft kommen, ist also iiiigeschickt; die AibeU, ein Kilogramm einen Meter hoch zu heben, nennt man ein Meierkilo, nnd daher ist eine Pfcrdekrast gleichwerthig mit einer Arbeitsleistung von 75 Meterkilo in jeder Sekniidc. Mit einer Almolphäre ist eine Pserdckrast ebnifo wenig vergleichbar, wie niit einem Kilogramm; denn eine Affnospliäre stellt cbenfalls keine AibeitSIeistmig dar, sondern einen Druck, und zwar einen Druck von l Kilogramm und 33 Gramni auf jeden Quadrat- Zriitinietcr. Herrscht also in einem Dauipslessel ein Druck von beispielsweise 4 Atmosphären, so drückt dcr Dampf aus jeden Quadrat- Zentimeter init einer Kraft von 4 Kilogramm iilld 132 Granu». Mit Arbeits- Icisiiingb», die durch Pserdekräfte gemessen werden, hat das aber gar nichts !U �5.' W. 23. 1. Das 19. Jahrhundert begann im Jahre 1801. Das 20. beginnt 1901. 2. Amtsgericht I., Jiideiistr. 58/N0, Nene Friedrichstr. 12/13, Amtsgericht II(Zivilsachen), Hallcschcs User 29/31. R.<6.. Bellealtinurestrasic. Besten Dank für Ihren Hinweis, den wir geeigneten Falles beachten werde»!. P. H. H. Wenden Sie sich an das Bureau dcr Metallarbeiter, Aniieiistr. 39. Weber F. Sch. Ihre Arbeit soll in diesen Tagen veräffen sticht werden. Allst inigl i. Wahlkreis. A>ist>"lg! Heute» To»»crstag. den 19. Januar, AbcndS 8>/z llhr, l&Q in Colin'» FestsiUen(beide tl. Säle), Beuthstr. 20: OeffentMcli© Versammlniig' des W a l, l v e r e i u s. Tagcs-Orduung: 23S/1 I. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten H. Roienow über„Bürger- thu'.n und Arbeiicrllaffe am Ansang einer neuen Zeit". 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Resuch bittet_ Do? Vorstand. Mlilverem" für dru 3. Sciliiift Reichstags-WhlKms. Tonuerstag, den 19. Januar, Abends Uhr: Gvuevnl �Devscuumlmrg in Zliillsr« Zentral-FestsHlen, Alte Jakobstr. 32. TageS-Ordnuug: I. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Äassirers siir daS 4. Quartal 1898. 3. Vorstandswahlen. Tie Zahlstellen bcniidcil sich bei folgenden Genosien: Wilhelm Börner, Zigar»eu-Fabri.'a»t, 3litiersi>ahe 15: Gottfried Schulz, Zigarren-Geschäft, Admiiglstraffe Iva: Eniii Göttc. Brandcnburgstrabe 18; Ernst Lier, Alte Jatobslratzc 129; Flick, Siineousiraffc 23. Die Mitgliedsblicher müssen an der Kontrolle vorgezeigt werden. 240 2'____ Wer Vorstand. -.~ i__ f«' pn 10 Jalire Garantie. Vollkoinmen schmerzloses Zahn- f iPlr-wr f swi riehen I M. Plomben 1,50 M. Thellzahl. wöchentl. I b". bKl.ICU tm Iii, Xivhnavr.t"IVoIf. Lelpzloerstr. 22. Spreelist. 9-7. IItilischcr Holzlirbeiter-VttlilNld sZnhlstclle Berlin). Sonntag, deu 22. Januar, Borin. 10 Uhr, im reon-Dalaat, Burg- und Wolsgangstrasten-Ecke: Generell- Derleltnznlnng. T a g e s- O r d n u>» g: Kassenbericht vom 4. Quartal. Bericht des Vorstandes, dcr Bezirks- lciter, deö Arbcitövcrmittlerö und der Werkstatt-Koiistollkoiiimisston. Bericht des Gauvorstandes und der Delcgirtcn vom Gantag. Wahl deö Gau- Vorstandes. Berbandsaugelegenheiteii. (Eintritt nur mit Mitgliedsbuch, Um pünttliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 76/17 DI« OrtsvoravaUnnj;. Schonung der Pferde Sickeres fahrei 11. ßien aufglattenWegen(Eis, Schnee, Asphalt, Holz etc.) kann nur erreicht werden durch Benutzung der ra Stets scharf! Kronen tritt unmöglich! Um vor werthlosen Nachahrnungeu zu schützen, ist jeder I| einzelne unserer H•Stoilou mit nebenstehender Schutzmarke 1 Oq 1 versehen, worauf mau beim Einkauf achten wolle. I � I Preislisten und Zeugnisse gratis u. franco. Mftrke' Patent- Inhaber und alleinige Fabrikanten;> Leonhardl& Co., Schöneberg-Berlin. Verein der Tischler Berlins u. Umgegend. HersammSung am Don u crstag, den 19. Januar 1898. Zlbeudö pnukt 8 Uhr, iu Dlilel'» Festsälen. Fruchtstr. 30 a: Tagcs-Orduung![1266 1. Vortrag des Genoffen Keßler über„Das»icue Handwcrker-Gesetz". 2. Diskussion. 3. Vcrsckiicosnes. Kollegen als Gäste willkommen. vor Vorstand. rca Freie Volksbühne. Die sechste Serie der Vorstellungen beginnt am 12. Februar für die I. Abtheilung mit der Komodie von Max Dreyen In Behandlung. Die Vorstellungen finden im Friedrlch-Wilhelinstädtlschen Theater unter der artistischen Leitung des Ober-Begi sseurs A. Steinort vom Lessing-Theater und unter Hitwirkung bewährter Gäste statt und folgen am 19. und 20. Februar und am 5.. 12. und 10. März. Hitglieder zur VI. Abtheilnng finden nur bei schleuniger Anmeldung noch in allen Zahlstellen Aufnahme. Sonntag; IV. Abthcil.: Wnllcnstein's Tod. G eneral-Uersammlung Donnerstag;, den 26. Januar. 228,6 Der Vorstand. I. A.: C. Winkler. Verband der Maler etc. Filiale I. Sonnabend, de» 28. Jauuar 1899;' Großer Wiener Maskenball Quarg's Feslsäle iHMMMttM Billeis ä 50 Pf. sind iu den Zahlstellen Stramm, Nitterstr. 12,3; Lenz, Alte Jakobsir. 69; Werse, stiostizstr. 50; Behrendt, Blunicii- thalstr. 5; P c r s ch k c, Havelbergerstr. 37; Bergen» a»», Pasewalkerstr. 3; H e ii l c, Langestr. 102, und Hayn, Stralanerstr. 48, zu haben. 124/2 Das. Komitee. Hcnte und lblg;cndc Tage: I Prima frische Zander proprumi 40«• Itcbeude Karpfen pro Pfd. 70 Pf. Eis-„.... 45„ JTütl. Sehellfiscli pro Pfd. 25-30 Pf. „ Kahlian....»5 30.. Alle anderen Flsclisortcn in reichster Auswahl sen Aiisnahiucprelsen. 16. Dragonersfrasse 16. Otio tfnndermann. auf Theilzahl. Oranienslr. 13!. Kvulante Ii 1 M 1 pu/pnf Beamte» �ahl.-Bed."• � Lldi/uMl. ofptc "Grokze Seiten 12 M. (Od«rd»i. Unl-rdktt, zwei mit grveiniaten nc>l-K Ncdcrn dci «iistovLuslia. Berlin«..P-inzni- ilraße 46. I!i-l»lisl- toilrnlrei. Diele tz. Anerkenniinzoldireibeu. � Achtung! Vereine. Zivei Zimmer, 20 u. 40 Pcriouen saffciid, euiPsichlt Drnst l.icr, Alte Jakobstraße 119.* Steppd., Gardffi., Portieren, , Stores, Wäsche, Waffeldedeii. - Anzüge, Hosen. ,Rcg»lat.,Nc»lon- toir-Uhreu, Opcrngl. vertauff svottbiliig Dlandieiiie Lieaudcrstrafte 0. � ZälHielSSM. Reparaturen. 2M.,sch»ieist> Zahu>ieh.iM., Ploinbcn 1 M. zc. I',. l'uOrEiiunii, Dentist, Schwedterftr. 245 a, Ecke Kastanien-Allee. Gö5L« rfüt!>k» Jiikmlt der Inserate «-dernimmt die Nedakn»», dem P»l>!is»i,i gegenüber keinerlei Aergnlinortnng, WMVLWWMMWLWS»«« Tfiootrv. Donnerstag, 19. Januar. �;>en>lm»ö. Loheiigrin. Anfang 7 Uhr. Schanspielhnns. Julius Cäsar. Anfang 7Vz Uhr. Deutsches. Fnhnnann Senfchcl. � Ansang 7-/2 Uhr. Lrssing. Das liebe Ich. Ausana 7Vz Uhr. Berliner. Fanst(I.THeil). Anfang 1 »iesidenz. Der Schlafwagen- Kon- irollcur. Vorher: Zum Einsiedler. Ansang 7'/. Uhr. Neues. Der Sohn der Frau. An fang 7>/z Uhr. st.'Ictrepol. Die kleinen Michisis. Hierauf: Die Engclöjäger. An- lang 7>/z Uhr. Schiller. DaS Lumpengesindel. An fang 8 Uhr. Westen. Der Troubadonr. Ansang „"hr. Hrntral. Die Pnppe. Ans. 7>/, Uhr. Unisen. Othello, der Mohr von Venedig. Anfang 8 Uhr. Dhali». Mein Leopold. Anfang 7'/2 Uhr. Belle-Slllianee. Der Schlagbaum Anfang 8 Uhr. Ostriid. Der Brandstifter. Ansang �« Uhr. Nriedrich- Wilhelinslädlisches. Frauentrcne oder: Nach 25 Jahren Anfang 8 Uhr. ililernnderplaii. Vervotcne Liebe. Anfang 8 Uhr. Parodie. Genovefa, Pfalzgräfiu am Rhein. Anfang?:/, Uhr. Ilrania. Danbensirasie 4«— Ii». Naturlnndlichr AnSstellnng. Dag- lich geSsfnet von ll) Uhr Bor- inittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr:„Die Urzeit des Menschen". Juviilidenstrasje 57/«!ä. Täglich AbendS von 5— 10 Uhr: Stern- warte, Operntelephon. Apollo. Spezialitäten- Borstellnng Ansang?>/, Uhr. Reichshallen. Stetlincr Sänger. Anfang 8 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Bor- slcllung. Passage- Panoptikum. Spcziali tälen-Borstellnng. SllMtl'-Tlitnier erMoh!!W» Venedig Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Freitag: vi» bezähmt« Wider* spänstlge. Sonnabend Nachm. Z Uhr: Schüler- Borstellnng zn besonders ermäßigten Preisen: Wilhelm Te». Abends 8 Uhr: vor Kaufmann von Venedig. Sonntag Rachm. 3 Uhr: Bolks- Borstelliing zu kleinen Preisen: vi« bezähmte Widei-apänzfige. Abends 8 Uhr: Ans vielseitiges Verlange»: vm's liebe Velletropol-7dsater. Bch renftr. 53,57. Dir. Rieh. Schultz. Heute zum 24. Male: Die kleineu Michu's. Operette iu 3 Alten v. Andrä Mesiager. Hierauf: Die Euqclsjäger. Tanzpoäm in lt Bildern von H. Regel und R. Bayer. Morgen Freitag; Zum 25. Male; Die kleinen Plichu'ft und Die Eugelsjäger. Soiinabend, den 21. Januar: 11. gl*. Melropol-Maskeuball. (Berliner Redoute). Sonntag und die folgenden Tage: Die tleinen Michu s und Die Engels- läger. LstM-Curl Weist-Thtiittt. Er. Frankfiirterftr. 138. Zum 28. Male:. Wirkliches Wasser! Novität! Der Brandstifter Sensationelles AusstattungSstlick mit Gesang in 5 Alten(12 Bildern) von G. Olonkowsly. Musik von L. Fall. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert. Vorzugsbillets Haben Giltigkeit. Morgen und folgende Tage: Der V> andstifler. Sonntag Nachmittag: l.vrbeerbaum end Bettelstab. Urania Taiibenntrasse 48/40. Im Theater: Zum ersten Male: Das Land der Fjorde. Im Hörsaal: Dr. Splca; lieber einfache Maschinen. InTalUlcnstr. 57/68: Sternwarte. Passaoe-Panoiillcum. Im Kaisersaal nur noch wenige Tage: Ädrienne Gaston. Im Völkersaal stündlich: 40 Kriepr des Mahdi. 888,1 Castan's l!SI*| Pauopticam. Die SIOUXh INDIANER sind da! CentrÄl C hrnter Direktion: loss Ferenczv. Die Puppe(I.A ponpee) Operette in 3 Akten»nd einem Vorspiel von Ordvmiean und Sturgeß. Musik von Ed. Audrau. Die Pansen siuden nach dem zweiten und dritten Bilde statt. Morgen und folgende Tage: Die Puppe cha Poupee). Sonntag Nachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Der Vogelhändler. Von ilarl Zeller. Oippia-Tlieater Karlstr.(Clrcus Renz) Karlstr. Nur noch kurze Zeit. Abends 8 Uhr: llene Tekel. Jeden Sonntag Nachm. 3:/. Uhr: Dornrös�.rn. Halbe Preise. 1 Kind frei, Sonnabend, de» 28. Januar: II. Gr. Maskenball. Circus Renz-Riesen-Tunnel. Direktion: J. M. Hütt. Täglich: Groase« Konzert der HauSkapelle nutet Leitung des MnsildirektorS Herrn vtto Börner und Grosse LiiezisIiMen-Voi'stellung imter Regie des beliebten Humoristen Lustav Kluck. vas vollständig neue danuarpregramm. Ans. Wochenl. öt/. Uhr, Sonnt. 5 Uhr Entree Wochent. 18 Pf., Sonnt. 30 Ps. ReiehshsIIen. Stetiiner Sänger (Akiepsel. Pletro, Britto». Steibl, Krone, Siiilil. Schneider und Schräder.) Zum Schluß(vorletzte Woche): Ptstilli um.' Aricht. Ensemble von Meysel. Ansang 8 Uhr. Fntree(Parqnet durchweg) 50 Pf. Vcrverkauf 40 Pf. dlumerlrt 75 Pf.— 2 M. Tageskasse von 11—1 Uhr. Morgen Freitag: Neues Programm: MM. ?v5e« Dvnuorstag, Iv. Januar IbiSS. Abends 7>,'z Uhr: Gr. brillant«'Voraitelliin jf. P E R S I E N. Besonders hervorzuheben: Ritt Uber die hundert Fuss hohe Burginauer. Außerdem: Apsel des Paris, ger. von 4 Damen. Direktor Busoh mit seine» neuen FreilieitSpserden. Austreten deS Gigerl- Elowns Mtred vanlels als Kmistschiltze. Clown Bogaaowskv: Prof. d. Magie. Ver- schwiiideii einer Dame aus der Milte der Manege. Austreten des bertihmten Schillreilers Burckhardt-Feottlt. Austreten der Elite- Akrobaten Relam- pagos, Morgen Abend 7»/, Uhr: Pcrsien. Keine Fieisehnoth mehr! 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