Ur. 25. Kbomements-Kedingungen: Cbonnemcntä- Preis pränumerando: «ierteljährl. Z,S0 Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich SS PIg. srei ins Hau». Einzelne Nummer S Psg. Sonntag», Nummer mit illustrtrter Sonntag», Weilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- vbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für 1SSS unter Er. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Arsch, Inl täglich ausser SZonlag«. 16, Jahrg. Berliner VolksMntk. Dir Instrtions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum SO Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen, sowie ArbettSmarlt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 1 Uhr abends, an Dann- und Festtagen bi» SUhr vormittags geöffnet. Fernsprechern Sink l, Nr. 1S08. Telegramm-Adresse: »Soiialdemokral Berlin". Dentvalorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschtands. Redaktion: LW. 19. Venth-Stratze 2. Expedition: SW.19, Bentlz-Stvatze 3. Die Offiziers-Pensionirungeu. Es wird uns geschrieben: Eine von den ständigen Klagen, die im„konstitutionellen" Deutschland wirkungslos verhallen, ist diejenige über den großen Aufwand für die Pensionen im Ressort des Kriegs- ininisters. Im Ganzen werden jetzt jährlich über siebzig Millionen für diesen Zweck verausgabt. Für die massenhaften Offiziers- Pensionirungen wird gewöhnlich das militärische Dogma verantwortlich gemacht, daß ein Offizier, der im Avancement übergangen wurde, seinen Abschied zu nehmen habe, dieweilen es richtigem Ehrgefühl widerstreite, unter einem ehemaligen Untergebenen zu dienen. Dieses Dogma bildet jedoch nicht die wahre Ursache der überzahlreichen Pensionirungen, sondern ist nur ein Mittel, uin die wahre Ursache zu verschleiern. Zunächst ist zu erwähnen, daß unser Dogma sehr be- nierkenswerthe Ausnahmen zuläßt, nämlich dann, wenn ein Prinz oder Generalstabs-Offizier Vorleute überspringt. In einem solchen Falle fordert niemand, daß die Uebersprungenen ibren Abschied erbitten; ja wir vermuthen sogar, daß es einem Offizier sehr verübelt würde, wenn er sich weigern wollte, unter einem an Lebens- und Dienstjahren bedeutend jüngeren Prinzen zu dienen. Solche ziemlich oft zu beobachtende Ausnahmen sind ober für die Haltbarkeit des Dogmas äußerst bedenklich, weil sie die Kritik herausfordern, daß wenn einmal das Ehr g e f ü h l etwas verbietet, dieses Verbot vor keiner Person, und mag dieselbe noch so hoch stehen, schweigen darf. Es komnit aber hier noch ein weiterer Umstand in Be tracht, welcher der breiten Oeffentlichkeit noch ziemlich un bekannt ist. Der§ 27 des Reichs-Militärpensions-Gesetzes be stimmt nämlich, daß Offiziere, die vor vollendetem 60. Lebensjahre um ihre Verabschiedung mit Pen s i o n bitten, ihre Invalidität nachzuweisen haben und daß weiter die unmittelbaren Vorgesetzten des Gesuchsstellers die Unfähigkeit desselben zur Fortsetzung des aktiven Militärdienstes pflichtgemäß zu bestätigen haben. Setzen wir nun den Fall, ein Offizier unter 60 Jahren, '..er sich körperlich und geistig noch vollkommen gesund und leistungsfähig fühlt, erhält den sogenannten blauen Brief oder er wird im Avancement übergangen. Der Mann muß darauf- hin um seine Pensionirung cinkommen, was er aber nur dann kann. wenn er ein Leiden angiebt, das ihn zum Invaliden stenipelt. Was bleibt dem Herrn anders übrig, als eine Krankheit vorzuschützen, von der er bisher keine Ahnung hatte? Ob eine solche Zwangslage für einen Mann besonders angenehm und ohne jede Rückwirkung auf das Ehrgefühl ist? Aber nicht genug damit, daß der zu Pensionirende sich plötzlich mit einem Leiden, das ihn zur Fortsetzung des aktiven Militärdienstes unfähig macht, behaftet fühlen muß; es erwächst auch noch den um mittelbaren Vorgesetzten des so plötzlich Erkrankten die Auf gäbe, dieses Leiden pflichtgemäß zu bestätigen. Man wird uns vielleicht erwidern, daß der blaue Brief einen Offizier nicht direkt zur Bitte um seine Pensionirung zwinge, sondern der Adressat ja in seiner bis herigen Stelle so lange verbleiben könne, bis er eben gegen seinen Willen pensionirt werde. Wir sehen hier von dem äußerst zweifelhaften Vergnügen, gegen den Willen der Vorgesetzten weiterzudienen, gänzlich ab, sondern möchten nur auf die Thatsache hinweisen, daß z. B. in Bayern, wie vor Gericht konstatirt worden ist, eine kriegsministerielle Ordre existiert, die bestimmt, daß jeder Offizier, der der Auf- forderungl, um seinen Abschied einzukommen, nicht Folge leistet, nach seiner später doch stattfindenden Pen- sionirung als nicht ehrenvoll verabschiedet zu gelten hat. Es ist immerhin sehr' leicht möglich, sogar wahrscheinliche daß in Preußen eine gleiche Verfügung vorhanden ist. Wenn also jemand behauptet, es würde niemand zum Abschiednehmen gezwungen, so ist dies um keine Nuance richtiger, als der bekannte Ausspruch, daß der Offizier nicht zum Duell genöthigt werden könne. Die Folgen einer Weigerung sind eben derart, daß man lieber in den weniger sauern Apfel beißt. Der Leser sieht, daß unser militärisches Dogma vor der nüchternen Kritik so wenig Stand hält wie ein solches der katholischen Kirche. Aber es wird dennoch mit eiserner Be harrlichkeit weiter gepredigt, und zwar deswegen, weil man es zur Austechterhaltung des jetzigen Heeressystems unbedingt nöthig hat, was sich wie folgt verhält. Die im Kriege nach Millionen zählende deutsche Armee bedarf im Ernstfalle einer solchen Unmasse von Führern, daß der Bedarf von den vorhandenen aktiven Offizieren sowie den Reserve- und Landwehr-Offizieren kaum zur Hülste gedeckt werden kann. Die weitaus größere Hälfte muß dem Pensions st an de entnommen werden. Infolge dessen aber muß der letztere nach Tausenden zählen. So haben wir jetzt in Preußen allein nicht weniger als 531 pensionirte Generäle, 2100 pensionirte Stabsoffiziere, 2200 pensionirte Hauptleute und 1100 pensionirte Subaltern- offiziere. in SunlNia 5931 verabschiedete Offiziere. Nun kann man aber einem Haupünann oder Major doch nicht gut schreiben: „Euer Hochwohlgeboren werden ergebenst ersucht, um Ihren Abschied einzukommen, dieweilen uns im Kriegsfalle ein Bataillonskommandeur für ein Landwehrbataillon fehlt". Dies wäre doch auch für den begeistertsten Offizier ein zu starker Tabak. So wurde denn unser Dogma geschaffen, das auch gründlich aufräumt, denn es ermöglicht keinem Offizier länger zu bleiben, als er als avancementsfähig gilt. Kommt in seine Qualifikation der schwerwiegende Satz: „Eignet sich Wohl für seine gegenwärtige, aber nicht für die nächsthöhere Stelle", so ist er reif zum Abschied, auch wenn er an seinem gegenwärtigen Platz noch Jahre lange bleiben könnte und möchte. Es ist somit eine falsche Anklage, wenn man dieses arme Dogma für die Millionen, die das Volk den pensionirten Offizieren bezahlen muß, verantwortlich macht. Nein, d i e Millionenheere sind es, die den Pensionsetat in die Höhe schrauben, und zwar ganz entsprechend ihrer Kopf- zahl. Wer Militärvorlage auf Militärvorlage bewilligt, der darf sich auch nicht wundern, daß dieser Etat ständig anschwillt. Und wenn das Zentrum, das den Militär- und Marinevorlagen früher durch Stimmenthaltung zum Leben verhalf und jetzt durch direktes Eintreten dafür den gleichen Liebesdienst erweist, über die Ausgaben des Pensionsetats klagt, so ist dies nichts als eine jener Spiegelfechtereien, die diese Partei besonders auszeichnet. Wer dem deutschen Volke auch die Last, die ihm der Pensionsetat für Offiziere der- ursacht, wirklich erleichtern will, für den giebt es nur die Ablehnung jeder Militärvorlage. BoiUifche Mebevfichk. Berlin, den 28. Januar. Der Reichstag beendigte heute den Etat des Reichsamts des Innern, soweit er sich nicht vor der Budgetkommission befindet. Charakteristisch war ein Versuch des freisinnigen Abgeordneten B e ck h(aus Nürnberg), Maßregeln zum Schutz der bei der Fabrikation von Pinseln und anderen Borstenwaaren beschäftigten Arbeiter gegen Ansteckungen zu hintertreiben. Die Ansteckungsgefahr sei gar nicht vorhanden. Graf Posa- dowsky versicherte aber, die Sachverständigen urtheiltcn anders, gab übrigens keine bestimmten Versprechungen. In der vorigen Session sprach Genosse Oertel, der heute nicht anwesend war, über die sehr schweren Gefahren dieser, namentlich in Nürnberg betriebenen Industrie. Beim Titel des Gesundheitsamts gelangte noch die Jmpffrage und das Irren Wesen zur Sprache. Abg. E n d e m a n n, ein nationalliberaler Ilrzt, legte sich für den Jnipfzwang ins Zeug, befürwortete einige Sicherheitsmaßregeln gegen Ver- senchung durch unreine Lymphe und eiferte gegen das ärzt- liche Frauenstudium. Zu einer Debatte kam es indeß nicht. Graf Posado wsky versicherte, daß die Regierung nicht daran denke, den Impfzwang aufzuheben, jedoch bemüht sei, alle im Interesse der Volksgesundheit nöthigen Garantien zu schaffen. Jedenfalls hat die Agitation gegen den Jinpfzwang den Vortheil gehabt, Mißstände, die bisher zweifellos vor- Händen waren, zu beseitigen und die Verseuchungsgefahr durch unreine Lyniphe zu mindern. Gegen die heutige Regelung des Jrrenwesens erhob sich wieder nachdrücklich der fortschrittliche Abgeordnete Lenz mann; er verlangte Regelung durch das Reich und be mühte sich, an einem Fall nachzuweisen, daß geistesschwache Personen, die nicht gemeingefährlich seien, jetzt unberechtigter weise in Irrenhäusern festgehalten würden. Beim Titel des Reich s-Versicherungsamtes befürwortete der„Wilde" R ösike ein Reichs- Museum für soziale Praxis— ein Museum, das alle Vorrichtungen zum Schutze der Arbeiter zur belehrenden Anschauung bringe. Graf Posadowsky meinte, es sei unmöglich, alle solche Vorrich- tungeuic. auf einem Punkte zu sammeln, worauf ihm geantwortet ward, wenigstens das Mögliche solle man thun. Unser Genosse Wurm stellte fest, daß die Reichsregierung sich vonAnfang an dem Pu?ne feindlich gestellt habe. Auf eine Anfrage, ob die Re- gierung' die /äugst in Aussicht gestellte Novelle zum Unfallversicherungs-Gesetz nicht bald einbringen werde, gab Graf Posadowsky eine ausweichende Antwort. Und Freiherr v. S r u m m. der„König im sozialen Reich" meinte, für zwei„Avße Sozialgesetze" reiche eine Session nicht aus. und jetzt seit" wir schon mit der Alters- und In- validengesetz-Novelle genügend belastet. Aus dem sprungweise� Hin- und Herreden— von einer Debatte kann man nicht spt'chen— sei nur noch eme klassische Aeußerung des Agrar- H a h i?' s erwähnt, der hmauskrahte. auf Bewachung der einzelnen tfwse bei Seuchengefahr komme es nicht an. nur auf die Absp>errung der Grenzen — mit welchem Weisheitsspruch � Gehemunß derer um den Agrar-Hahn aller Welt verraifien ist, wenn alle Welt es nicht schon gewußt hätte. Schluß der Sitzung Abends 6�Uhr. Nächste Sitzung Montag: Marine._ Abgeorductciihaus.> Das preußische Abgeordnetenhaus nahm a?s Sonnabend nach unerheblicher Debatte einen Gesetzentwurf betr., die Synagogen- gemeinde-Verhältnisse in Franks u-'- 1,1"ll61 Lesung an und erledigte sodann eine Reihe kleine �wt». von denen nur wenige eine Diskuffion hervorriefen. Beim Et � der Lotterie- Verwaltung regte Abg. Dr. Arendt(fk.j, wie bereits in früheren Jahren, zur Beseitigung der durchaus ungleichen Lotterie- Verhältnisse in den Einzelstaaten die Schaffung einer Reichslotterie an. Minister Dr. v. Miguel hielt diese Anregung für dankens- Werth, betonte aber gleichzeitig, daß ein früherer ähnlicher Vorschlag beim Reichskanzler kein Entgegenkommen gefunden habe. Im Gegen- satz dazu verlangte Abg. P I e ß