Einzelpreis 70 Heller. Redaktion und Verwaltung: Brag, I., Netazania 1& Telephone. Tagesredattion: 26795, 31469. Nachtred aftion: 26792 Poftichedamt: 67544 uferate werden laut Tarif billigft berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Dreisnachlaß. 10. Jahrgang. Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit. Hausdurchsuchungen in Oesterreich. In vielen Arbeiterheimen und Parteisekretariaten.- Ergebnis gleich Nuil. Wien, 4. November.( Eigenbericht.) Die angekündigten Hausdurchsuchungen haben satsächlich in ganz Desterreich statt: gefunden, ohne daß auch nur der geringste Erfolg sich ergeben hätte. Ueberall ist ein Riesenaufgebot von Polizei und Gendarmerie und Militär mit Maschinengewehren und spanischen Reitern erschienen. Im so zi a l: demokratischen Parteihause in Wien ist um viertel zehn Uhr ein starkes Polizeiaufgebot erschienen und wies einen Polizeiauftrag zur Hausdurchsuchung vor. Der Auftrag war nicht vom Gericht ausgestellt. Nun wurde das Parteihaus bis zum Boden durchgesucht, im Keller wurden Mauern durch brochen und die Beamten frochen durch die Löcher, um sich zu überzeugen, ob Mittwoch, 5. November 1930. Programmrede Brünings. Eine riskantes Projekt: Preisfentung, Gehaltsabbau, Sparsamkeit. daß das Finanz- und Wirtschaftsprogramm in türzester Frist Gesetz werde. Berlin, 4. November. Die heutige öffentliche Reichsratsfitung fand im Großen Saal des Reichshaushaltausschusses statt, der an Stelle des sonst benußten Kleinen Reichsratssaales gewählt worden war, um durch den größeren Rahmen die besondere Bedeutung dieser Tagung zu interstreichen, Da der Reichstag jest nicht versammelt ist, waren verhältnismäßig wenig Parlamentarier als Zuhörer anwesend, während die Presse außerordentlich stark vertreten war. Unter den Gästen befand sich auch Reichstagspräsident Loebe. Reichskanzler Dr. Brüning erschien früh zeitig in Begleitung des Reichsfinanzministers Dr. Dietrich. Bald darauf erschienen auch die Reichsminister Stegerwald und Curtius. Die Länder waren vielfach durch ihre Minister Preußen durch den präsidenten vertreten. Ministerpräsidenten Braun und Bayern durch den Ministerpräsidenten Held. Reichskanzler Dr. Brüning führte n. a. aus: nichts verborgen ist. Die Aktion dauerte Die jetzige öffentliche Tagung des Reichsrats bis ein Uhr, ohne daß irgendetwas ge- ist die Fortschung der im Laufe der letzten vierfunden wurde. Zur selben Zeit wurden zehn Tage zwischen der Reichsregierung und den auch das Arbeiterheim und die Par- Ländern geführten vertraulichen Berhandlungen teisetretariate in den meisten Wie über die großen Fragen der Wirtschafts- und ner Bezirken durchsucht, ohne daß etwas Jinanzpolitlt. Wir stehen vor einem Geschgefunden wurde. In Wiener Neugebungswert, wie es von so großer Bedeutung stadt erschien die Gendarmerie vor dem seit vielen Jahren nicht vorgelegen ist. Dieses Rathause und verlangte Auslieferung der Geschgebungswert steht in engster Beziehung zu Waffen, die seit der Burgenlandfrise mit unserer Wirtschaftspolitik und vor allem unserer Wissen der Regierung unter gemeinsamen Außenpolitit, ja, es bildet die Vorausseßung für Verschluß der beiden Parteien sich im Rat- unsere Außenpolitik. Nachdem wir die Freiheit hause befinden. Als der sozialdemokratische von der ausländischen Kontrolle durch die AnBürgermeister erklärte, daß er ohne Aufnahme des Youngplanes bekommen haben, muß trag der Landesregierung nichts ausfolgen es die Aufgabe jeder Reichsregierung sein, wie fönne, erklärte der Kommandant, daß er sie auch parteipolitisch zusammengefeßt ist, dafür einen höheren Auftrag habe. Darauf zu sorgen, daß von dieser Freiheit der richtige wurde das Lokal aufgebrochen und es Gebrauch gemacht wird und Sicherungen dafür wurden die Waffen gefunden, von denen getroffen werden, daß diese Freiheit unter allen die Regierung ohnedies wußte. Auf den Umständen erhalten bleibt. Die Freiheit ist Das Straßen waren inzwischen Maschinen auch mit Opfern verbunden. gewehre aufgestellt. Aehnlich er- Biel unserer Finanz- und Wirtschaftspolitik ist, ging es in den meisten anderen österrei- die Aktionsfähigkeit unserer Außenpolitik zu er chischen Industricorten, St. Pölten, weitern. Wir müssen das Vertrauen zu unserer Mödling, Linz, Graz und anderen. Wirtschaft wiedergewinnen, Ausland und InDie ganze Aktion war, wie auch die land, vor allem aber die Wirtschaft, erwarten, bürgerlichen Blätter fonstatieren, fonstatieren, ein M cin wwwwwwww Riefenfiasto. Die„ Neue Frei Presse" schreibt, es sei cine einseitige Entwaffnungsaktion ge: wesen und es bestünden ernste Zweifel an der Gesetzlichkeit. Im Wiener Landtag brachten die Sozialdemokraten heute in einer Interpellation die heutigen Hausdurchsuchungen zur Sprache und erklärten, daß die ganze Aftion verfassungswidrig gewesen sei. * gendamt aufbewahrt wurden. Aber auch diese varen unter der gemeinsamen Sperre, unt Bezugs Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Vost: monatlich.... Kě 16.vierteljährlich halbjährig ganzjährig 48.98.192.Rüdstellung von Manuftripten erfolgt nur bei Ein fendung der Retourmarten Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Nr. 259. Vor den Wahlen in Oesterreich. Prag, 4. November 1930. Um was es geht. Die deutsche Wirtschaft muß unter allen Am Ende dieser Woche wird in OesterUmständen, wenn es gelingen soll, des Problems der Arbeitslosigkeit einigermaßen Herr zu wer- reich gewählt. Wenn auch die Arbeiterschaft den, wieder Bertrauen in die deutsche Finanz- aller Länder schon bisher jede Wahl dort mit gebarung für die ganze Zukunft bekommen. brennendem Interesse verfolgt hat, so bringt Wir haben die feste Zuversicht, daß es bei sie doch den sonntägigen Wahlen eine noch Anspannung aller Kräfte Deutschland gelingen ungleich leidenschaftlicher Anteilnahme entge wird, den Anschluß an die weltwirt- gen. Das verhältnismäßig fleine Desterreich) schaftliche Umstellung zu finden und war schon früher wiederholt ein Brennpunkt daß Deutschland dabei weniger leiden wird als der internationalen Politik, diesmal ist es dies andere Länder. Der Streit bei den kommenden in noch stärkerem und vielleicht entscheidenden Maße. Mieterschuh, Sozialpolitik, SteuerverVerhandlungen wird im Reichsrat gehen um die 100 Millionen Kürzung an den teilung, sie spielen im Wahlkampf eine wich Länder Ueberweisungen, Bauprogramm und um den endgültigen tige Rolle, aber doch sind diese Fragen von Finanzausgleich, den wir in Form eines Rah- untergeordneter Bedeutung gegenüber der mengesetzes Ende dieser Woche ihnen zuleiten Hauptfrage, die zur Entscheidung steht: wird werden. Es wird möglich sein, die Realsteuern Desterreich ein demokratischer Staat bleiben, zu fenten. Das soll der Schlußstein zu den Preis- oder wird er eine Beute des Fascismus werfenkungsmaßnahmen der Regierung sein, denn den? Eine Frage von größter geschichtlicher damit soll das Argument beseitigt werden, das Bedeutung, und nicht nur für Oesterreich allein, steht zur Beantwortung. Vaugoin, icht gegen die Preissenkung im Kleinhandel und die Männer, die bei den Lebensmitteln angewandt wird. bedürfen zur Durchführung der Preissenkung der Starhemberg, Seipel Unterstüßung der Oeffentlichkeit und der Presse. gegenwärtig an der Spitze des Staates stehen, Wir sind auch da überzeugt, daß es möglich sein ihre Vergangenheit und Gesinnung lassen wird, den Wohnungsmarkt in Gang zu bringen. feinerlei Zweifel darüber bestehen, wohin die Wir müssen in diesem oder im nächsten Fahrt gehen würde, wenn die Demokratie Jahre zu einer Ueberleitung des Wohnungs- und der Sozialismus die Schlacht verlieren marktes von der rein staatlichen Unterstüßung sollten oder wenn die Demokratie nur einen zur Privatwirtschaft kommen, weil wir sonst in halben Sieg zu erringen die Kraft hätte. Bei zwei oder drei Jahren vor einem jähen Absturz diesen Wahlen muß noch mehr bewiesen werstehen und jahrelang hunderttausende arbeits- den, als daß eine knappe Mehrheit der Beloser Bauarbeiter haben würden. Unbedingt not- den, als daß eine knappe Mehrheit der Bewendig ist rücksichtslose Sparsamteit auf völkerung für die Erhaltung des demokratiallen Gebieten, denn mit weiteren Steuer- schen Regierungssystems ist, denn dies würde erhöhungen können wir den Finanzbedarf nicht den Fascismus neue Hoffnungen schöpfen lajmehr decken; solche Erhöhung wäre unvereinbar jen. Nur wenn der antifascistische, demokramit unserer Preissenkungsaktion. Zur Kürtische Wille im Wahlergebnis seinen Klaren zung der Beamtengehälter mußten und unzweideutigen Ausdruck findet und die wir greifen, weil einfach ein anderer Weg nicht Schwäche der monarchistisch- fascistischen Konvorhanden war. Wir haben das gewiß nicht leichten Herzens getan, aber wir meinen, daß die Beamtenschaft sich durch dieses Opfer am stärksten in das Volksganze einfügen wird. Wir www terrevolution offenkundig wird, eine Schwäche, die fich heute hinter maßlofer Maulaufreißerei und hinter bombastischen Drohungen verbirgt, ist eine dauernde Reinigung der Luft von den giftigen Miasmen des Fascis gerichtet, worin er unter Hinweis auf die An- mus zu erivarten. Ein Sieg des Heimwehrfrage betonte, daß der Auftrag an die Polizei- banditentums oder auch nur seine schwächliche In Steher wurden 200 Mannlicher- Infan- direktion unter Umgehung des Landeshaupt: Niederlage wäre nicht nur für Oesterreich, feriegewehre beschlagnahmt; sie stammen aus manns erfolgte und daß es peinliches Aergernis Beständen, die im Jahre 1919 mit Wissen der hervorrufen müsse, wenn sich Behörden einer sondern für einen großen Teil Europas von Staatsanwaltschaft und des Militärkommandos Verlegung verfassungsmäßiger Rechte schuldig den schwerwiegendsten Folgen. In Desterreich wird am Sonntag ein dem damaligen Arbeiterrat zur Aufrechterhal- machen, in diesem Falle des Hausfriedensbruchs. tung der Ordnung übergeben worden waren. Derartige Maßregeln, die den Anschein erweden, Stück Schicksal der europäischen Arbeiterklasse Darüber besteht ein amtliches Protofoll, als wären Ruhe und Ordnung in Oesterreich mit entschieden werden! Der Kampf unserer österreichischen Gedas übrigens im Vorjahr, als aus diesen Bestäu- bedroht, müssen im In- und Auslande Aufsehen den die Heimwehr Waffen stahl, neuerdings den erregen und unter Umständen das wirtschaftliche nossen ist ein Kampf um die Demokratie Behörden zur Kenntnis gebracht wurde. Leben schädigen. Europas! An ihren Plakaten sollt ihr sic erkennen.... Christlichsoziale und Heimwehr fürchten, Die mit jo großem Aufwand eingeleitete AfIn Innsbrud find 100 Mannlicher tion der Regierung hatte einen doppelten Zwed. gewehre und zwei Maschinengewehre beschlag- Wien, 4. Noventber. Der Wiener Landtag Sie sollte zunächst in der Oeffentlichkeit die so nahmt worden, was angesichts der von der Regie- war für heute einberufen, um die zuletzt konzialdemokratische Aktion für die innere Abrüftung rung immer betonten sogenannten„ Waffenfizierten Artikel zu immunisieren. In Angeherabsehen und sollte zweitens die Arbeiter 3" freiheit", die seit den Befreiungsfriegen in legenheit der Konfiszierung der Arbeiter wohl nicht mit Unrecht, daß der Sonntag für unbesonnenheiten provozieren. Tirol herrscht, nichts Verbotenes ist. Außerdem Zeitung", des, deleinen Blattes" und des„ Extra- sie ein schwarzer Tag werden kann und so Beides ist vollständig mißglückt. Vor allem haben wurden in Linz etwa vier alte Maschinen blattes" wurden zwei dringliche Anfragen gestellt. wenden sie skrupellos die schäbigsten und schufdie Arbeiter, getreu der gestern ergangenen Pagewehre beschlagnahmt. Eine andere Interpellation betraf die heutigen role, sich nicht provozieren lassen, sondern, obwohl in den Provinzorten Gendarmerie mit christlichsozialer und von Regierungsseite aufge- Borgehens des Innenministeriums und der Gunsten zu beeinflussen. In ihren Reden, Das Gesamtergebnis find entgegen den von Durchsuchungen und wies die Ungesetzlichkeit des tigsten Mittel an, um das Wahlglück zu ihren Maschinengewehren und spanischen bauschten Nachrichten im ganzen etwa 3000- Polizei nach, da die vorgeschriebene gerichtliche Flugblättern und Plakaten leisten sie das erReitern aufmarschiert ist und die Parteilokale fanteriegewehre, von denen 2900 der Behörde Weisung fehlte. Die Christlichsozialen störten die denkbar Gemeinſte. Die Sozialdemokratie hat förmlich friegsmäßig zerniert hat, sich in muster ohne dies bekannt waren, und sechs Maschinen Verlesung der Anfragen durch lärmende in dem wüsten Toben ihre Fassung bewahrt hafter Disziplin verhalten. Aber auch das Er- gewehre. Obstruktion, die jede Beratung unmöglich und stellt in den Vordergrund ihrer Wahlgebnis der Haussuchungen ist kläglich. Uebrigens hat die Leitung des Schutzbundes machte. Die Interpellationen wurden verlesen propaganda schöne menschliche Ideen: Frieden, In Wien ist nicht eine einzige verbotene hente vormittage den Behörden die genaue und der Vorsitzende diftierte ins Protokoll den Abrüstung, aufbauende Arbeit, gegen den mor Schußwaffe beschlagnahmt worden. Die behörd- Angaben über Lager von Heimwehr Beschluß, daß er die Anfragen der Bundes- denden Bürgerkrieg! Doch ihre Gegner! Da liche Attion sowohl im sozialdemokratischen Bar- waffen gemacht, doch hat die Behörde es a b- regierung zum weiteren Verfahren abtritt. Hier- leuchtet von den Häuserwänden ein Heimteihaus wie in den Arbeiterheimen und den Bar- gelehnt, diese Anzeigen zur Kenntnis zu neh- auf wurde die Sigung geschlossen. teisekretariaten ist ohne jedes Ergebnis geblieben. men. Auch in Wiener- Neustadt haben die führenwehrplakat, das einen Stiefel zeigt, der naBeschlagnahmt wurden lediglich Waffen, die von den Parteigenossen der Behörde zur Kenntnis getürlich die Heimwehr sein soll und dieser StieWien, 4. November. Die Neue Freie Schüßenvereinen geführt wurden. bracht, daß im Kloster und aus dem Turnplak des In Wiener Neustadt wurde die Waf deutschen Turnvereines Wassen der Heim- Presse" schreibt zu den heutigen Ereignissen fel stoßt einen grellroten, revolverbewaffneten fensuche mit einem außerordentlich großen Auf- wehr verborgen sind. Die Behörde hat in Wien und Desterreich: Mit einem großen Brandstifter und Bombenwerfer, dem der edle gebot von Militär mit Maschinenge- dies zwar zur Kenntnis genommen, aber erklärt, Apparat wurde ein Aktion eingeleitet, die ohne Zeichner ein richtiges Verbrechergesicht gegeben wehren durchgeführt. Es wurden aber ledig- daß sie sich erst in Wien Weisungen holen müsse. größeren Erfolg endete. Die Aftion, be- hat, mit Wucht irgendwo in den Weltraum lich Waffen beschlagnahmt, die in der Zeit der sonders in Wien, endete mit einem absoluten hinaus. Der grellrote Verbrecher ist wer Protest des Wiener Bürger- Mißerfolg. Kleinere Resultate wurden in den denn sonst! Burgenlandfrise von der Landesregierung der -die Sozialdemokratie! Ein anGemeinde zur Verfügung gestellt und dort unter Bundesländern erzielt, doch sind zuverlässige deres Plakat stellt einen forschen Heimwehr Nachrichten noch ausständig. Jedenfalls aber mann als Schweinetreiber dar, der mit gemeinsamer Sperre des sozialdemokratiWien, 4, November, Wie die Rathaus handelt es sich um schen Bürgermeisters Ofenböck und eines christder Reitpeitsche ein paar grellrote Schweine lichsozialen Abgeordneten aufbewahrt wurden. korrespondenz meldet, hat Landeshauptmanu und eine Hyäne vor sich hertreibt. Ganz so Von den 2700 beschlagnahmten Gewehren sind Seiß auf Grund einer in der heutigen Sigung geht es auch in den Versammlungen des tausend Karabinr der Heimwehr abge des Landtags gestellten sozialdemokratischen An nommen worden, die im Einvernehmen mit frage betreffend die Haussuchungen nach Waffen, Klero- Fascismus zu: die sozialdemokratischen Arbeiter sind rote Schweine, Brandstifter und den Chriftlichsozialen im Wiener Neustädter Ju- Jan den Bundeskanzler Baugoin ein Schreiben meisters. * eine einseitige Abrüstungsaktion, die mit der der wirklichen Abrüstungsidee in vollfommenem Widerspruch steht. Auch an der Gesezmäßigkeit dieser Aftion muß man ernstlich zweifeln, Seite 2. Seite der Mittwoch, 5. November 1930. Ichende Antwort geben! Mehlmischungsvorlage im Landwirtschaftsausschuß. * Nr. 259. Neue agrarische Anträge. Verbrecher! Zum dauernden Gedächtnis sei| Ehren das Allerheiligste aussehen! Ach, den- Christus auf Seite der Häuserschieber,[ kurzer Debatte wurde die Borlage unverändert vermerkt, daß das feine Plakat in der Kinder- noch fürchten wir, daß es Gott auch diesmal Steuerhinterzieher, Inflationshyänen und angenommen. Morgen vormittags wird sie noch freundedruckerei des Benediktinerordens in so halten wird wie im Kriege: er wird Arbeitermörder? Nein, die Wähler werden den Ernährungsausschuß zu passieren haben, Innsbruck hergestellt worden ist. Mit der Ge- auf stärksten im Plenum zur Verhandlung kommt. Bataillone darüber anders denken als die frommen worauf sie nach Ablauf der 24stündigen Frist meinheit des Schweinetreiber- Plakats tonfur- sein. Weniger auf Seite jener, welche die Re- Bischöfe und sie werden auf die bischöfliche im Plenum zur Verhandlung kommt. riert erfolgreich das offizielle Plakat der ligion für schmutzige Parteigeschäfte auszu Gotteslästerung am 9. November die entspre christlichsozialen Partei:„ Der brennende Ju- nutzen suchen. stizpalast". Es hat die Technik und den Stil Im Einlauf der Sigung befanden sich auch der berüchtigtesten Kriegsgreuel- Propaganda eine Reihe agrarischer Anträge, die ähnlich wie an sich: Unten der brennende Justizpalast und schon früher im Senat auf die Unterstützung der darüber die Riesenfigur eines Amokläufers Landwirtschaft und auf die Erlassung eines Erentfesselter Gewalt: die brennende Fackel in mächtigungsgesezes zum Ausgleich und der einen, die Petroleumfanne in der anderen zur Stabilisierung der Erzeugnisse, des Absatzes Hand, das Gesicht tierisch verzerrt, nach Blut und der Preisverhältnisse hinzielen. Nach einem weiteren Antrag soll die Regierung ermächtigt und Zerstörung lechzend. Ein weiteres christ- Prag, 4. November. Dem Parlament, das solche strafrechtlicher Natur handelt, von den voliti werden, die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeuglichsoziales Plakat läßt Rote Falken ein Weg heute die Debatte über den rumänischen Han- schen Behörden mit Geldstrafen bis zu 20.000 K, nisse gänzlich zu untersagen oder hiefreuz mit Steinen bewerfen aber das war delsvertrag abschloß, wurde der Regierungsan- eventuell mit Gefängnis bis zu sechs Monaten fur ein strenges Bewilligungsverfahren anzuord- S sogar der Staatsanwaltschaft zu stark und sie trag über die obligatorische Vermahlung einhei- und Verfall der betreffenden Vorräte bestraft; auch nen, falls die Einfuhr die Preisgestaltung aw beschlagnahmte es. Alle diese Blüten christlich- mischen Weizens und Roggens vorgelegt und kann auf Verlust der Gewerbeberechtigung erkannt dem Inlandsmarkt nachteilig beeinflussen sollte. sozialen und Heimwehrgeistes sollen die Wäh- jofort mit 24stündiger Frist an den landwirt- werden, falls die Uebertretung wissentlich begangen Ob derartig weitreichende Gesetze Aussicht auf ler in eine Angstpsychose hineinjagen, sie sind schaftlichen und Ernährungsausschuß weiterge wurde. unveränderte Annahme haben, dürfte wohl auch Das Gesetz soll am 15. Tag nach seiner Ver- den Agrariern zumindest zweifelhaft sein. jelber aber Produkte größter Angst, nämlich leitet. Bereits in der morgigen Plenarsißung es erlischt mit der eigenen, die hoffentlich am 9. November des Hauses kommt die Vorlage als erster Punkt lautbarung in Straft treten: auf die Tagesordnung. 31. August 1931. ihre Rechtfertigung finden wird. Christus im Wahlkampf. Beimischungszwang für heimischen Weizen und Roggen. 31. August 1931. Die Vermahlungsvorlage besteht aus elf Paragraphen. Im ersten werden die Mühlen, die ausländisches Getreide vermahlen, verpflichtet, monatlich eine solche Menge einheimischen Weizens und Roggens zu vermahlen, die wenigstens 75 Prozent des gesamten vermahlenen Weizens und 95 Prozent des vermahlenen Roggens be trägt. Ausländisches Weizen, und Roggenmehl def uur in demselben Prozentsaz mit einheimischen Mehl vermischt in den Handel gebracht werden. Dieser Prozentfaß fonn durch Regierungsverordnung abgeändert werden. -Befristet bis Die Reftgutbefizer fi it fc Im Plenum des Hauses beschäftigte sich Nova! die größte Sorge des Bodenamtes! K ( Nat. Dem.) mit der fürzlichen Rede des AgraDie christlichsoziale Partei hat sich mit riers 3adina und trat entschieden seiner BePrag, 4. November. Am Vormittag befaßte dem blutgierigen Heimwehrfascismus eingehauptung entgegen, als ob der Staat für die sich der Budgetausschuß mit dem Kapitel Landlassen, dadurch ist sie in eine prekäre Lage geLandwirtschaft noch nichts getan hätte. Er ver- wirtschaft, wobei nach dem Abg. Geyer der Präraten. Um ihr nun in ihrer selbstverschuldeten weist auf die wachsende Industriekrise, die sich in sident des Bodenamtes, Voženilet, zu Worte der steigenden Arbeislosenziffer und im Sinken des fam. Bedrängnis zuhilfe zu kommen, haben die Umfages unseres Außenhandels zeigt. Gegen das Er führt an, daß bisher 1,574.000 Seltar, baBischöfe Desterreichs einen Wahlbirtenrussische Dumping fordert er schnellstes Einschrei von 826.000 Selta landwirtschaftlichen brief erlassen, sind von ihrem Piedestal in ten; er benützt diese Gelegenheit, um vor der An- Bodens, an Neuerwerber zugeteilt wurden. Be die politische Arena herabgestiegen und bebahnung von Handelsbeziehungen mit Rußland zu schlagnahmt sind noch 100.000 Hektar landwirtschaftschwören Pech und Schwefel auf jene herab, um eine Kontrolle zu ermöglichen, werden die warnen(!), wobei er zugibt, daß hiebei für seine lichen und 1,160.000 hektar sonstigen Bodens( Wäldie anders als christlichsozial oder fascistisch Mühlen zur Anlegung genauer Berzeichnisse über Partei hauptsächlich politische Gründe maß- der). Von dem zugeteilten landwirtſchaftlichen Boden übergebend seien. Für die Zuckerindustrie verlangt er entfallen 77 Prozent auf die kleinen Bewerber und wählen sollten. Der Wahlhirtenbrief ist ganz die Menge des aufgeschütteten Weizens, bzw. Rog- gebend seien. Für die Zuckerindustrie verlangt er entfallen 77 Prozent auf die kleinen Bewerber und im Stile der jüdischen Heimwehrpropagandi gens, getrennt nach einheimischem und ausländi der Errichtung neuer Fabriken, für die Textilindu- haben bisher 1916 Millionen bezahlt und schulden Konzentrierung der kleineren Fabriken und Verbot 23 Prozent auf Restgüter. Die Bodenerwerber sten Sandor Weiß und Jakob Lippowiß ver- schen Ursprung, verpflichtet. faßt, er bemüht sich, ebenso ungeschlacht zu strie Reorganisation und billigen Kredit. Der An- weitere 750 Millionen; als Entschädigung an die Die Importeure von Mehl find verpflichtet ben trag Badinas auf Einfuhrverbot für Flachs würde Großgrundbesitzer wurden 1100 Millionen aussein wie die Reden des Heimwehrlausbuben der Verzollung den Ort der Mischung des jede Produktion unmöglich machen, da unsere bezahlt; für die Versorgung der ehemaligen Ange= des Starhemberg, mit denen er in seinen Ver- Mehls anzuzeigen; dieser Ort wird vom Zoll- Flachsindustrie zu 80 Prozent auf die Flachsein- stellten des beschlagnahniten Großgrundbesipes wur sammlungen das madaulustige Publikum un amt dem örtlich zuständigen Gefällskontrollamt an fuhr angewiesen ist. Aus seinen statischen Daten den 250 Weillionen verwendet, die Administrative terhält. Da wird gegeifert: Die eigentliche gezeigt. Genaue Daten über den Ort und die Zeit über die Kohlenförderung geht hervor, daß in den erforderte 210 Willionen; die Zahlungsverpflichtun Wahlparole lautet hüben und drüben:„ Sier der Mehlmischung sowie über Ursprung und Menge ersten neun Monaten des heurigen Jahres die An- gen des Bodenamtes belaufen sich auf 850 Millionen. Christus- hier Belial, der Teu sind drei Tage vorher dem Gesällskontrollamt an- zahl der Arbeitstage bei Steinfohle um 1.2 und An nichtlandwirtschaftlichem Boden, also meizuzeigen, das hiezu seine Vertreter entfenden kann fel!" Und damit die Wahl mit einer Nie- ueber die vorgenommene Mischung, die nicht in der Lohnausfall beträgt etwa 100 Millionen. Zum nominen; zu drei Viertel wurden diese Wälder bei Braunkohle uut 1.1 Millionen gesunken ist; stens wälder, wurden rund 750.000 Hektar überderlage Belials ende, versprechen die Bischöfe, mehlverarbeitenden Betrieben vorgenommen werden Schluß spricht er sich gegen die beabsichtigte Rüd- verstaatlicht, der Rest zwischen die Bezirke, Gottes Segen zu erflehen" und sie verordnen darf, find Protokolle zu führen und ein Jahr auf wirkung der Steuervorlagen und gegen ein even- Gemeinden, Waldgenossenschaften und andere juribis zum Wahltag für alle Stirchen die Abhal- zubewahren. tuelles Monopol aus.. stische und physische Personen verteilt. Im weiteren tung eines neuntägigen Gebetes ,, boraus= Früher abgeschlossene Mehllieferungsverträge gefestem Allerheiligsten oder mit sind in gemischtem Mehl zu erfüllen, wenn nicht anschließendem heiligen Segen". Besorgt rufen eine Bartei vom Vertrag zurücktritt; Stritte wegen sie den Gläubigen zu, sich in Acht zu nehmen, eventueller Preisdifferenzen entscheidet das Schiedsdenn dunkle Mächte planen einen gewalt- gericht der zuständigen Produktenbörse. samen Umsturz". Sie meinen damit niemand Mehhändler, die am 15. Tage nach Wirksam anderen als die Sozialisten. Die feit feit des Gefehes mehr als 10 Bentner Mehl lagerne haben, müssen diesen Vorrat dem Gefällskontrollamt Jahr und Tag zum Umsturz rüstenden Heim- binnen drei Tagen anzeigen. Dieses Weht munitäten ausgefüllt. Dann wurde die Sigung Die zweite Sigung war mit einigen Im wehren, die mit Maschinengewehren und muß, bevor es in den Handel gebracht oder ver um halb 3 Uhr geschlossen, um dem Landwirt Dolchmessern, mit Gashandgranaten und Re- arbeitet wird, in dem festgesetzten Verhältnis ge- schaftsausschuß noch heute Gelegenheit zur Be- teilungen beträgt 42.000 hektar. Hinsichtlich der Zuvolvern bewaffnet sind, die Tag um Tag für mischt werden. den Bürgerkrieg eineɣerziert werden und die in jeder Woche heintüdisch ein paar sozialdemokratische Arbeiter morden, diese vertierten Horden machen den Herren Bischöfen keine Sorgen, sie erregen sogar ihr Wohlgefallen, ihr Umsturz wäre ganz nach den Sehnsüch ten der Herren Bischöfe und sie flehen für sie wie für die mit ihnen verbündeten Christlichsozialen den Segen Gottes herab, verordnen für sie neuntägige Gebete und lassen zu ihren Billo, Sohn von Von J. O. Curwood. 1. Rapitel. 1 Die Aufsicht über die Durchführung des Gesezes obliegt den von der Finanzverwaltung bestimmten Organen, die jederzeit Auskünfte fordern und Zutritt zu den Betriebsstätten, Magazinen usw. fordern fönnen. Zwei kommunistische Redner beschließen mit Berlauf der Wälderreform wird der Anteil des den üblichen Phrasen und Beschimpfungen der Staates verhältnismäßig niedriger sein. Nach Sozialfascisten" die Debatte, worauf in einer Beendigung der Wälderreform wird der Staat enva zweiten Sizung, die die Zuweisung der Mehl- ein Drittel aller Wälder der Republik besipen. vorlage an die Ausschüsse ermöglicht, der Han- Redner warnt die Gemeinden, die Zuteilung von delsvertrag mit Rumänien in erster Lesung ge- Wäldern nur nach dem Gesichtspunkt der Sanierung ihrer Finanzen zu betreiben, da die Wälder nehmigt wird. Bezirke wurde Wald in zwölf, an Gemeinden in großen und ganzen nicht sehr rentabel sind. An 21 Fällen zugeteilt; das Gesamtausmaß dieser Zu. ratung der Mehlvorlage zu geben. Nächste Sigung morgen, Mittwoch, um halb 3 Uhr nachmittags. Tagesordnung: Mehl vorlage( im abgekürzten Verfahren). * teilung von Waldkomplexen an Zweckverbände von Gemeinden wurden Richtlinien ausgearbeitet; in bestimmten Fällen sollen Waldgenossenschaften, bzw. Genossenschaften m. b. H. gegründet werden. Der Redner hofft, daß die Wälderzuteilung binnen eines Jahres beendet sein wird. In begründeten Fällen fönnen auf Grund eines Nach dem Plenum tagte der Landwirt- Die Verbücherung der Zuteilungen war zum Gesuches vom Landwirtschaftsministerium im Ein- schaftsausschuß, der im Beisein des Ministers 1. Oktober zu 54 Prozent technisch verarbeitet, wernehmen mit den Ministerien für Finanzen, Bradač die Mehlmischungsvorlage in Verhand- juristisch zu 27 Prozent. Diese Arbeiten dürften Sandel und Boltsernährung Ausnahmen be- lung zog. Bradač erklärte die Vorlage als eine in etiva drei Jahren beendet sein. williat werden. volkswirtschaftliche Notwendigkeit, die den Inter- Bemerkensivert waren ferner die AusUebertretungen werden, falls es sich nicht um essen aller beteiligten Kreise entspreche. Nach führungen Voženileks über die RüdwirWotan der Wolfin und dem Luchs erfahren, in dem bicht neben seiner Mutter auf die Erde nieder- Wotans wie ein fernes Echo zu ihnen orang. Die Welt des Unbekannten. daß seine Wolfsmutter blind ist, aber wie wird zu, und Billo schmiegte sich noch enger an seine hatte seine Mutter dann gehen und kommen er etwas von dem fürchterlichen Kampf zwischen Mutter an. Er hörte dumpf, wie sich Wotan hören. Fast immer ging sie, wenn das Gebell seine Mutter das Augenlicht verloren hat. Nichts fallen ließ. Er fürchtete sich gar nicht, er war noch nie hatte aber Billo das Verlangen gehabt, fann ihm die Natur erzählen von Wotans grau- ja nur grenzenlos neugierig, aber auch Wotan seiner Mutter zu folgen, bis heute, als Wotan samer Rache, von den herrlichen Jahren ihrer selber war sehr neugierig. Er schnupperte. mit seiner dicken, fühlen Zunge sein Gesicht beKameradschaft, ihrer gegenseitigen Treue und Seine Chren hörten scharf in der Dunkelheit, leckt hatte. In diesem herrlichen Augenblick hat ihrer seltsamen Abenteuern in den kanadischen und einige Zeit nachher begann sich Billo zu die Natur das ihrige getan. Bisher war sein In der frühesten Zeit seines Lebens bedeu- Wäldern sie kann ihn nur zu einem echten rühren. Einen Zoll weit rückte er von der Seite Sinn für die Außenwelt noch nicht ganz ausge tete eine große, dunkle Höhle für ihn die Welt. Sohne Wotans machen. feiner Mutter weg. Grauwolf verharrte aber bildet gewesen. Nachdem aber Wotan wieder Ein großer Windbruch, in dem Grauwolf, die Ganz im Anfang( und noch lange nachher) ganz ruhig. Jeder Muskel ihres geschmeidigen fortgegangen war und die beiden im Dunkel zuMutter Billos, ein geschüttes Lager für die erste war er ganz wie die Mutter. Sogar als er Körpers war so hart und elastisch wie Stahl, rückgelassen hatte, begann Billo zu winseln und Zeit gefunden hatte, war seine Heimat, und schon die Augen weit zu öffnen vermochte und wenn sie angespannt aufhorchte. Wieder warnte zu bitten, er möge doch zurückkommen, genau so, Wotan, ihr Gefährte, tam nur hin und wieder als er seine Beine entdeckt hatte und schon ein sie der Instinkt des Wolfes: Billo drohte Ge- wie er sonst nach seiner Mutter gerufen hatte, zu ihr. Dann leuchteten seine Augen wie zwei wenig in der Dunkelheit umberstofpern konnte, fahr. Ohne einen Laut von sich zu geben, wenn sie dem Ruf ihres Gefährten folgte. grüne Kugeln in der dunklen Nacht. In ihnen gab es für Billo nichts und wieder nichts als fletschte sie die Zähne. Ihre Kehle zitterte, sie Die Sonne stand senkrecht über dem Wald erkannte auch Billo zum erstenmal etwas Frem- feine Mutter. Und auch später, als er mit brachte aber feinen Laut hervor. Aus der Dun- und eine oder zwei Stunden nach dem Besuche des, etwas anderes als seine Mutter, in ihnen Holzstückchen und Moos in der warmen Sonne felheit, kaum zwei Schritte von ihr entfernt, Wotans schlich sich Grauwolf davon. Zwischen entdeckte er, was es heißt: scheu. Er besaß die spielte, wußte er immer noch nicht, wie sie aus drang ein leises Gewinsel und ein einschmei- dem Nest Billos und dem Rande des WindFähigkeit zu fühlen, zu wittern und zu hören, jah. Für ihn war sie eben groß und weich und chelndes Knurren an ihr Ohr. bruchs lagen Baumstämme treuz und quer inja aber zu sehen? Hier in dieser schwarzen warm, und sie liebkoste ihn und plauderte mit Billo durchschauerte das Gefühl, sein erstes einander geschoben und teilweise abgebrochen, so Billo durchschauerte das Gefühl, sein erstes daß Höhle, unter den vom Sturme ungeworfenen ihm mit zarter, wispernder Stimme, so daß Bäumen, hatte er noch nie gesehen, bis zu dem Billo plöglich in einem schwachen quietenden großes Abenteuer erlebt zu haben. Er hatte ein Lichtstrahl durchzubringen vermochte. Aber die Dunkelheit fürchtete Billo gar nicht, seinen Vater entdeckt. Augenblick, in dem zwei grüne Augen vor ihm Ton seine Stimme fand. Dann kam der Tag, denn er mußte erst noch tennen lernen, aufleuchteten. Das erstenval war er ganz er- der herrliche Tag, an dem Wotans Augen wie All dies ereignete sich in der dritten Woche hellichter Tag ist. Licht, der Tag, und nicht schrocken, dann geriet er plöslich in Verwirrung zwei grünliche Feuerfugeln auf einmal näher feines Lebens. Er war gerade achtzehn Tage Nacht sollte ihm den ersten großen Schreden und seine Furcht wandelte sich in grenzenlose und näher auf ihn kamen. Sonst hatte Grau- alt, als Grauwolf Wotan erlaubte, die Be- einjagen. So tastete er sich furchtlos den Spuren Neugier. Er suchte immer Wotans Blick zu bewolf Wotan immer ferngehalten, denn Einsam- kanntschaft seines Sohnes zu machen. Und wäre seiner Mutter nach und bellte, daß sie auf ihn gegnen, wenn Wotan den Kopf umwandte und feit galt als oberstes Gesetz für eine junge Mut- es der Blindheit Grauwolfs und jenes Tages warte. Aber, wenn Grauwolf Billos Rufe feine Augen im Dunkel verschwanden. In die ter ihres Geschlechtes. Ein dumpfes Snurren auf dem Sonnenfelsen wegen, an dem ihr der hörte, so achtete sie nicht darauf, sondern trotsem Augenblick schleuderte Wotan noch einmal aus ihrer Keble, und Wotan war immer stehen Luchs die Augen austragte, nicht hier geschehen, tete ruhig meiter, und das traßende Geräusch einen Blick auf Billo zurück, daß dieser unwill geblieben. Aber an diesem Tage ließ sich das hätte sie Billo unter freiem Himmel das Leben Ihrer Krallen auf dem Holz verlor sich langsam fürlich zusammenschreckte und sich dichter an Snurren nicht vernehmen, es erstarb in Grau- geschenkt; dann hätte er fräftige Beine befom- in der Ferne. seine Mutter schmiegte, die immer so seltsam wolfs Rehle zu einem leisen, wimmernden Laut. men. Er hätte die Sonne gefannt und den Diesmal machte Billo nicht halt vor dem zitterte, wenn Wotan lam, Ein Ausdruck der Einsamkeit, der Freude, einer Mond und die Sterne, er hätte gewußt, was zwanzig Zentimeter hohen Stamm, der immer Natürlich wird Billo die Geschichte feiner unendlich sehnsüchtigen Stimmung. Es ist Donner ist und hätte den Biz am Himmel in seinem Bereich hereingeragt hatte. Er fletEltern nie erfahren. Nie wird er hören, daß alles gut io," sagte sie zu Wotan, und Wotan, aufleuchten sehen. So aber konnte er in der terte hinauf und ließ sich auf der anderen Seite Grauwolf, seine Mutter, eine vollblütige Wöl- der einen Augenblick lang stille war, um sich zu dunklen Höhle unter dem Windbruch nichts an- wieder hinunterfallen. Hier, auf der anderen fin, und Wotan, sein Vater, ein Hund war. In vergewissern, antwortete mit einem dumpfen deres tun, als in der Dunkelheit umberstolpern Seite des Baumstamms öffnete sich das Reich ihm hat die Natur bis zu einem gewissen Grade Snurren aus der hintersten Kehte. und mit seiner dünnen, roten Zunge die abge- zahlloser Abenteuer, und mutig tauchte Billo bereits ihr wundersames Spiel der Vererbung Langjamen Schrittes, als ob er es nicht nagten Knochen ablecken, die zerstreut umher unter in der neuen Welt. begonnen. Wohl wird sie ihm beizeiten fagen, recht wagen wollte, ging Wotan auf die beiden lagen. Manchesmal war er ganz allein. Er Fortsetzung folgt.) 6542 FA S 200 CR Nr. 259. Mittwoch. 8. November 1980. Seite 3. kung der Krise auf die Bodenerwer- der. Die kleinen Bodencrwerber bleiben die Raten schuldig— insgesamt sind hier etwa 450 Millionen ausständig; das Bodenamt kommt durch Gtzvährung von Zahlungsaufschub bei mäßiger Verzinsung entgegen. Aerger sei die Situation bei den Kolonisten, denen einheitliche Kredite auf 33 Jahre bei zwei halbjährigen Annuitäten von 4.8 Prozent gewährt wurden. Im Eigentum von Einzelpersonen befinden sich 1583 Restgüter, davon sind 550 Objekte in den Händen ehemaliger Angestellter der Großgrundbesitze, und 418 im Eigentum ehemaliger Pächter. Weitere 365 Restgüter gehören jeristischen Personen. Die Finanzlage jener Restgutbesitzer, die sich über!nveftiert hatten, sei ziemlich schlecht. Unfähige Besitzer werde daS Bodenamt nicht schützen, zur Sicherstellung fähiger Restgutbesitzer, die durch die Krise in Schwierigkeiten geraten sind, treffe das Bodenamt jedoch Hilfsmaßnahmen. Den ehemaligen Angestellten, die Restgutbesitzer sind, wurden Kredit« von 78 Millionen gewährt. Anqestelltenorgani- sationen, die 27 Restgüter besitzen, erhielten Kredite von 23 Millionen. Außerdem beantragte das Bodenamt bei der Regierung, die Frist zur Zurückzahlung des Anfangskredites von 150 Millionen, den es seinerzeit erhielt, angemessen zu verlängern, um auch diesen Betrag zum Teil als langfristige Kredite für bedrohte Bodenerwerber verwenden zu können. Um das nächste Arbettsprogramm. Prag, 4. November. Das Kollegium der politische« Minister verhandelt« auch heut« über daS nächste Arbeitsprogramm der Regierung. Di« Beratungen sind noch nicht zum Abschluß gelaugt, sondern werden morgen nachmittags fortgesetzt werde«. Am Donnerstag tritt der reguläre Miniperrat zusammen. Ein Genrebilddicn von besonderem Reiz ist es, daß sich an unserer Kritik der Staatspreisverteilung an Max Brod ausgerechnet der agrarischen„Benkov" reibt, Das Blatt der Restgutbarone, das leider noch immer, ohne daß der Ministerpräsident dem widerspräche, als sein Blatt bezeichnet werden kann, stellt sich noch bornierter, als es von Haus aus doch ohnehin ist, und meim, man könne es uns nie recht machen. Es leistet sich folgende Polemik: ,Max Brod ist allerdings Jude, vielleicht Zionist, aber er schreibt ausschließlich deutsch und repräsentiert dar deutsche literarische Schassen in unserer Republik" — immer noch eher, könnten wir hinzufügen,! als der ,Menkov" die tschechische Kultur reprä- sentiert; den würden wir nicht einmal für zuständig erachten, in Sachen der tschechischen Kultur auch nur ein Urteil abzugeben, geschweige denn in Fragen der deutschen Kultur, oie ihm doppelt fremd ist, einmal durch di« Sprache und dann durch seine Wesensart, die ihn von jeglicher Kultur distanziert. Was Herrn Brod betrifft, so ist er nicht „vielleicht", sondern ganz zweifelsohne Zionist, nämlich Jude nach dem eigenen nationalen Bekenntnis, und so wenig wir dagegen hätte», daß ihm irgendein literarischer Staatspreis ohne besondere Kennzeichnung verliehen würde, so nachdrücklich müssen wir doch von neuem betonen, daß wir einen als deutschen Staatspreis amtlich spezifizierten Preis den ihrem Bekenntnis nach deutschen Schriftstellern Vorbehalten sehen möchten; wir nehmen di« ganze Sache nicht besonders wichtig, können uns aber auch nach der Belehrung, die von so kompetenter Stelle wie vom„Benkov" ausgeht, nicht entschließen, den Staatspreis d«S Herrn Brod als einen deutschen Staatspreis anzuerkennen. Wir möchten auch bezweifeln, ob es sich Herr Brod zur Ehre rechnet» als Jude von einem Blatt verteidigt zu werden, daS vor wenigen Wochen noch zum Pogrom aufforderte, und als Dichter den Schutz der Journalistik zu genießen, die kürzlich die Konkurrenz Stklbrnhs-zu schlagen hoffte, indem sie den Scharfrichter über den Nutzen d«r Todesstrafe interviewte. Der Unterrichtsmini st er, den das noble Blatt ebenfalls gegen uns in Schutz nehmen will, wird wohl über die täglichen Stänkereien und notorischen Krakeels des Blattes der Boulevard-Agrarier ungefähr daS- stlbe denken wie wir! Böhmische Landervertretmw. In der gestrigen Sitzung kam die Beratung dez Sandesvoranschlatzes nicht weiter, als bis zur Beendigung der Generaldebatte. Es sprachen die Mitglieder der Landesvertretung Mandl(Nat.-Tem.), Itz, fchristl.-Soz.), Kaiser(Landbund), Genosse Ksandr(sich. Soz.- Dem.) und eine Reihe Redner tschechischer Parteien. Der deutsche christlichsoziale Haupt versuchte nochmals die Mitschuld an dem jetzigen Stand der Selbstverwaltung von seiner Partei abzuwälzen und nachzuweisen, daß die deutschen Sozialdemokraten nur das täten, was di« Christlichsozialen wolltcn und jetzt auch tu» würden. Seinen nicht ganz klären Ausführungen folgt- am Schluß nicht einmal der Beifall der eigenen Parteigenoflen. In der heutigen Sitzung wird zunächst der Finanzreferent des Landes das Schlußwort zur Generaldebatte halten und sodann die Debatte über d'c einzelnen Kapitel des Budgets beginnen. Arbeiter und Bauern. Mn Landwirt über Agrar- und Sozialpolittt. Der unsere« Leser» schon bekannte Landwirt Alfred I. Roßmanith(Raase), ei« mit de» Problemen der heutigen Landwirtschaft ehrlich ringender Mensch, der die Austastung vertritt, daß der Laudwirtschast mit den alte« agrarischen Methoden nicht zu helfen ist, sendet uns(und wie er uns mitteilt, auch der„Landpost") einen längere» Artikel, der sich mit dem Verhältnis zwischen Arbeiter« und Bauern befaßt. Der Autor kommt zu dein Schluß, daß die Bauer« ein außerordentliches Interesse an der Hebung der Lebenshaltung der Arbeiter haben. Mr find mit der Meinung des Verfasser» nicht in alle» Einzelheiten einverstanden, bringen aber die Schlußfolgerungen des Artikels, well daraus ersichtlich ist, daß man auch aus einer anderen Blicksphäre zu druselben Fordere« gelangen kann wie wir. Eine Meldung besagt, daß es im kommenden Winter in den U. S. A., die rund 100 Millionen Einwohner zählen, mehr als 16 Millionen Menschen geben wird, die direkt von der Arbeitslosigkeit betroffen sein werden. Aber bleiben wir bei unserem Beispiel von einer Million in einer» Staatswesen vorhandener Arbeitsloser. Arbeitslos sein heißt, seine Lebenshaltung auf das Aeußerfte einschränken mästen, weil das Geld zum Kaufe fehlt. Äm stärksten drückt sich diese Einschränkung in der herabgeminderten Art der Deckung der Ernährungsbedürfnisse aus. Ein Arbeitslostr wird für sich und sein« Familienangehörigen weniger Milch, weniger Butter, weniger Erer, weniger Fleisch, weniger Wurst, weniger Fett, weniger Speck, mit einem Wort weniger an Beredlungsprodukien aller Art kaufen können, al4 er er töte, wenn er Geld hätte, sie zu kaufen. Sin Arbeitsloser, ein schlecht bezahlter Arbeiter oder Beamter kann sich zeitweilig durch die grüßte ihm aufgezwungene Sparsamkeit im Ankauf von Kleidern, Schuhen u. dal., durch Einschränkung seiner sonstigen Lebensbedürfnisse, über die ärgste Not teilweise helfen, er kann zu- sammcngepfercht in unhygienischen Wohnungen Hausen, auf Reinlichkeit und jedes sonstige Kul- turbedurfnis verzichten. Aber noch weher als alle diese drückenden Entbehrungen tut der Hunger. Der Hun- S tut nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsäch- , psychologisch und körperlich weh. Er ist der grausamste Begleiter der Not. Und da der Mensch nicht vom Brote allem leben kann und schon gar nicht bei der Art seiner ihm aufgezwungenen Arbeitsweise und unter unseren klimatischen Verhältnissen, so ist eS der Hunger nach Der- rdlungSprodukten, der den Menschen am meisten peinigt.und den er als erstes und. drin- gendstes Gebot stillt— wenn ar kann. Wenn er aber nicht kann, muß er den Ankauf von Ber- edelungSprodukten einschränken, droffeln und vielfach zeitweilig ganz einstellen. Es ist daher gewiß nicht zuviel in Rechnung gestellt, wenn man annimmt, daß ein Arbeitsloser pro Tag und Kopf unr mindestens 5 K weniger von all den aufgezählten begehrten Kostbarkeiten kaufen wird als er es bei voller Beschäftigung und gutem Verdienst täte.^Ungerechnet auf die beispielsweise angenommene Anzahl von Arbeits- loscn macht das pro Tag fünf Millionen oder in 365 Tagen eine Milliarde und 825 Mill io non K aus. In einem Staatswesen mit der angeführten Arbeitslosigkeit beträgt daher das Einnahmenmanko Mr die Landwirtschaft jährlich nahezu zwei Milliarden. Autarkie und Unmöglichkeit deS Absatzes inS Ausland zugrundegelegt, fließen mithin der Landwirtschaft eines solchen Staates jährlich rund zwei Milliarden weniger zu als bei einem gut beschäftigten und gut bezahlten Gesamt- avbeiterstand. Nach der oben zitierten Reutermeldung würde daS für die Bereinigten Staaten von Nordamerika wenigstens das Sech zehnfache, das wären also weit mehr als 30 Milliarden K, ausmachen. Ich rate den amerikanischen Farmern sich mit diesen Ziffern etwas näher zu befassen. Die Zahlen werden wahrscheinlich eine nicht un-bedeutende Erhöhung er- fechren, well der normale Lebensstandard eines amerikanischen Arbeiters wesentlich höher und die Jnnenkaufkraft des Dollars, wie man mir sagt, weitaus geringer ist. Es kann daher den amerikanischen Farmern in ihrem eigensten Interesse empfohlen werden— statt uns mit ihren Produkten zu überschwemmen— lieber dafür zu sorgen,.daß sie ihren eigenen Mitbürgern um oie 30 Milliarden ihrer Erzeugniffe dadurch mehr verkaustn, daß sie ihre Arbeitslosigkeit abschaffen. Wenn wir den Hunger in Zahlen ausdrücken wollen, so könnt« man sagen, es hungern die eigenen Bürger der reichen U. S. A. um einen Betrag, mit dein die Amerikaner das Elend'bei den Bauern Europas auszubreiten systematisch an der Arbeit find. Es ist eine falsche Rechnmlg, Not und WirtschaftS- qualen dadurch beseitigen zu wollen, daß man diesen Furien der Menschheit ei» größeres Wir- kungsscld einräumt. Was sagen unS diese Beispiele? Sie sagen unS mit eindringlicher Klarheit: Die Bauernschaft aller Länder und Erdteile hat,«eben den Arbeitslosen selbst, das allergrößte, vitalste, sozusagen ureigenste Interest« a« der Behebung der Arbeitslosigkeit, an der Besserstellung des Arbeiters,' an der Erhöhung des Lebensstandards der gesamten Arbeiterschaft. Die Bauernschaft aller Lander mutz diese Ziel« mit allen Kräften, mit allen Mitteln und mit ihrer ganzen Politischen Macht fördern und unterstützen. In nichts andrem drückt sich der auch wissenschaftlich begründete Uebergang zur Ernährung mit einem Mehr an veredluugsprodukten stärker ans als bei der breitesten Bevölkerungsschicht, der Arbeiterschaft. Sie hiezu dauernd materiell z« befähigen, ist ein« der wichtigste« Aufgaben jeder modernen, anfbauende» Agrarpolitik. 8» kommen Mr nicht weiter! Die Rede Curtius’ und das tsdiediisdie Echo. Herr Dr. CurtiuS, der deutsche Reichsaußenminister, scheint doch mehr von der alten Schule Preußischer Diplomatie als von der Stresemanns zu haben, sonst hätte er den: sächsischen Abgeocktneten Gradnauer im Außenausschuß des ReichStagg ganz anders geantwortet, als er eS tatsächlich tat. Was Herr Curtius, der heute doch wohl unter allen Außennnnistern der WAt der ist, der das größte Maß von Verantwortung tragt, und am meisten Anlaß hätte, seine Worte auf die Goldwage zu legen, vorige Woche vom Stapel gelassen hat, das war die typisch schnoddrige Antwort des Korpsstudenten auf eine Anrempelung. Herr Curtius hat er offo den Kulturbohkott Deutschlands gegen die Tsche- chostowakei angedroht und die bisher zu diesem Ende unternommenen Schritte autgeheißen. Er hat damit eine neue Welle des tschechischen Nationalismus aufgeruhrt, es den Prager Lichtspielbühnen sehr erschwert, deutsche Tonfilme wieder aufs Programm zu setzen, er hat den versöhnlichen Elementen unter den Tschechen einen Knüttel zwischen die Beine geworfen und weder der deutschen Kunstinduftrie, noch dem Rufe Deutschlands genützt. Stellen wir uns einmal vor, der deutsche Außenminister hätte nicht als forscher Fuchsmajor, sondern mit der abgeklärten Ueberlegen- heit des Diplomaten gesprochen, stellen wir Uns vor, er hätte wirklich die Prager Krawalleure und ihre Beschützer moralisch züchtigen wollen! Was hätte er sagen müssen? Nun ungefähr doch das folgende: Wir sind ein altes Kulturvolk und wir sind eine der größten Nationen der Erde. "Dir können es'uns leisten, über kleinliche Gehässigkeiten zur Tagesordnung überzugehen. Es ist uns freilich nicht gleichgültig, ob man unseren NationSgenoffen die Scheiben einwirft und den Mund verbietet, wir werden nach bestem Können ihre Partei ergreifen, aber es ist unter unserer Würde, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, es ist unter der Würde einer Großmacht- gegen den kleineren Nachbar mit Repressalien vorzugehen, cs ist unter der Würde des deutschen Volkes, auf die Anpöbelung durch tschechische Fascisten mit- dem Kulturbohkott eines ganzen Volkes zu antworten, dessen Kinderkrankheiten im zweiten Jahrzehnt der Eigenstaatlichkeit wir eben verstehen müssen, dem wir gerade durch unser Beispiel zeige« müssen, wie wenig diese Formen des nationalen Geltungstriebes imponieren können, wie urünskutabel sie unter Nationen alter Kultur und Staatlichkeit sind. Durchaus liebenswürdig und bei gleichzeitiger Anerkennung des guten Wlllens auf tschechischer Seite hätte Herr Curtius den Baxa und Konsorten doch eine gut sitzende moralstche Ohrfeige verabfolgen können. Seine Antwort hat diese Herren nicht moralisch gerichtet, sondern ihr Ansehen befestigt; sie dürfen ja jetzt um so mehr glauben, in durchaus europäischem Bahnen zu wandeln, wenn sie das empfehlen, was Herr Curtius seinerseits auch für ein geeignetes Mittel des Kulturkampfes halt. Auf der andern Seite beweist aber das Echo der tschechischen Presse, daß man auch hier nichts dazulernen will. Di« tschechische Presse— von den nationalistischen Jingoblättern ganz abgesehen— verkennt eines: die Wirkung, die vom Baxa a u s g e h t. Die„P r. Press e" vor allem sollte sich doch an das erinnern, was wir ihr erst unlängst sagten, als sie dem Ausland den Artikel des Genossen F. Krejöi vorsetzt«: man kann nicht zween Herren dienen, der Kultur und dem Baxa! Die Regierung hat gegen di« Ruhestörer und ihre polizellichen Patron« energisch durchgegriffen, das ist richtig; die Unruhen wurden erstickt, die anständige Presse hat sich anständig gehalten, die großen Parteien sind von den Gassenjungen abgerückt; die Partei des Außenministers hat sich in ihrer Preffe bemüht, die schmutzigen Hintergründe der Kampagne auf-! zudecken. Alles richtig. Aber was geschah dann? Dann kam der Herr Baxa und feierte die Rowdies als nationale Helden, machte die Deutschen für den^Krawall verantwortlich, sprach von Provokationen, drohte mit der Wiederholung des Klamauks, wenn die Deutschen weiter laut deutsch sprechen würden, drohte den deutschen Journalisten mit Repressalien, wenn sie Uebles über ihn und sein Prag berichten würden, und vor wenigen Tagen erst hat der Primator von Prag seinen Namen an die Spitze eines Aufrufes gesetzt, den 40 Chau- vmisten zeichnen, die sich in holdem Wahn als Intellektuelle" vorstellen und der ein neuer Unser neuer Itoman. Wir beginnen heute mit dem Abdruck eines neuen Romans Billo, Sohn von Wotan. Der Verfasser, I. O. C n r w o o d ist ein bekannter guter Erzähler, mit dessen Kunst sich unsere Leser gewiß bald befreunden werden. Appell zu antideutschen Kraftäußerungen ist. Begreift denn die tschechisch« Oeffentlichkeit nicht, was dreser Mann für den Staat bedeutet? Wissen Herr Dr. Bene8 und seine Presse nicht, daß sie Sisyphus-Arbeit leisten, solange sie Herrn Baxa als den ihren an so sichtbarer Stelle stehen lassen? Man stelle sich doch vor, daß etwa in Wien gegen die Tschechen so vorgegangen würde, wie in Prag gegen di« Deutschen; daß zwar die Regierung und die großen Parteien von den Banden abrückten, daß dann aber der Bürgermeister aufstünde und die Sache abgestraftcr Ruhestörer als nationale Tat feierte, sich selbst an die" Spitze der Hetze stellte! Würde man nicht an der Ehrlichkeit der Verantwortlichen zweifeln?! Wir glauben uns von der Rode deS Herrn Dr. Curtius und von seiner Auffassung der deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen genügend weit distanziert zu haben; wir verurteilen den Kulturbohkott als ein unwürdiges Mittel der Abwehr, das im Affekt verständlich, als Plan aber verdammenswert ist und das obendrein ganz Unschuldige trifft. Aber wir möchten auch dre Aufmerksamkeit der tschechischen Oeffentlichkeit, soweit ihr am Frieden und an der Kultur liegt, auf die Schönheitsfehler des Prager Landfriedens lenken. Daß die Zeitung des Ministerpräsidenten im Chor der schlimmsten Krakeeler mitbrüllt, ist peinlich genug, aber es mag noch hingehen, da sie wenige Fremde verstehen, sehr wenige lesen und kaum einer ernst nimmt. Daß aber an der Spitze Prags der alte Rituälmord-Recke Baxa, der verbohrteste Chauvinist und das leibhaftige Wahrzeichen eines balkanischen Kamelottentums, die Hauptstadt„repräsentieren" darf, das ist wohl der gröbste Schönheitsfehler im demokratisch gepuderten Gesicht dieses Staates! Auf beiden Seiten, diesseits und jenseits des Erzgebirges müßte man anders an die Fragen herantreten, soll der gemeinschädliche Hader einer fruchtbaren Zusammenarbeit weichen! Die australische Arbelterregierung und der Senat. Die australische Arbeiterregierung hat mit sehr ernsten finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und ihre Aufgabe in dieser Richtnng ist keineswegs beneidenswert. Aber überdies Mlt sich ihr noch eine andere Schwierigkeit entgegen: der Senat, der wichtige Gesetze verschleppt. Obwohl die Arbeiterpartei im Unterhaus eine gewaltige Mehrheit besitzt, wird sie durch die Tatsache gehemmt, daß im Senat eine nationalistische Mehrheit vorhanden ist. Die Blätter der australischen Arbeiterpartei beschweren sich über die Art und Weise, in der der Senat die Politik der Regierung hennnt und dadurch den Willen des Bolles, der bei den Wahlen vom Oktober 1929 so Kar zum Ausdruck gekommen ist, verfälscht. Im„Australian Wörter" heißt es zum Beispiel, daß„j«e wichtige Vorlage, die vom Unterhaus m den Senat gelangt, bewußt so behandelt wird, daß die Regierung in ihrer Gesetzgebung zur Ohnmacht verurteilt ist" und an einer andern Stelle,„daß es, klar ist, der Senat wolle es der Regierung unmöglich machen, die Politik durchzuflihren, um derentwillen sie gewählt wurde". Ganz besonders wird auf zwei Beispiele hingewiesen. Der Senat hat die Vorlage über den G e t r ei d e h a n he l bei der ziveiten Lesung mit 15 gegen 12 Stimmen abgelehnt, ja nicht einmal ine Beratung im Komitee zugelassen. Dabei handelt es sich' wie der„Australian Worker" erklärt,„um eine dringende Maßnahme. Das Wohlergehen eines wichtigen Wirtschaftszweiges hing von ihrem sofortigen Inkrafttreten ab. Die Wirtschaft Australiens und, sein Kredit im Ausland waren damit verknüpft. Und die Regierung war vom Boll beauftragt wockten, das Gesetz ernzubringen und durchzuführen". Weiter hat der Senat„das Schiedsge- richtSgefetz abgeändert und wesentlich geschwächt. Das Gesetz war geradezu der Pfeiler der Politik der Regierung. Infolge ihrer Stellung zu dieser Frage hat die Arbeiterpartei die Wähler Mr sich gewonnen, ist das Ministerium Bruce-Page gestürzt. Infolge ihrer Stellung zu diesem Problem ist die nationalistische Partei zusammengebrochen und ihr Führer erlitt als der erste australische Ministerpräsident, der als Abgeordneter nicht wiedergewählt wurde, eine schwere persönliche Wahlniederlage. Wenn die nationalistischen Mitglieder des Senats in ihrer Gesamtheit damals vor das Boll hätten treten muffen, hätten sie das gleiche Schicksal erleiden müssen. Arm Unglück mußten sie sich nicht dem Urteil der Demokratie unterwerfen und deswegen können sie uns heute das ungeheuerliche und groteske Schauspiel zeigen, daß eine entscheidend geschlagene Partei das unverkennbare Urteil der Wähler mißachtet. Seite 4. Zagesneuigkeiten. ,, Gensation im Montagsblatt". ,, Verlobung Feilchenfeld- Kubinzfy." Nun hat das Prager bürgerliche Deutschtum endlich auch ein Blatt, das sich würdig neben das Poledni list" stellen und den Rang der Wiener Stunde" zu Betessys Zeiten streitig machen kann. Nun ist es so weit. Von der er regten Szene zwischen Else Lord und Sonja Scheucher" weg eilt die Feder zum Selbstmordversuch der Liane Martiny", um mit kundiger Hand über Kulissen und Mord und Scheidung und Selbstmord und ,, Wirtschaft" hinweg auch in jene Gebiete des Privatlebens getaucht zu werden, auf welchen bisher nicht viel zu holen war. In das Reich der Verlobungen, und darüber hinaus vielleicht noch zu Vermählungen und zu Geburten, aller Art von legalen bis zu distreten. Allerdings nur im Reiche der oberen Zehntausend" rentiert sich ein derartiger VerTobungsbericht( dessen Randbemerkungen zum besseren Verständnis von uns stammen). Fräulein Mia Kubinzky, die Tochter des be fannten Prager Textilindustriellen Eugen Kubinzky, hat sich mit dem Prokuristen der österreichischen Creditanstalt f it r Handel und Gewerbe, Hans Feilchenferd, dem Sohne des Direktors der Böhmischen Escomptebant und Creditanstalt, Otto Feilchenfeld, verlobt. Ein Ereignis weil sich zwei gefunden haben, ihre Millionen wechselseitig zu umschlingen. Aber das ist noch nichts gegenüber dieser, uns mit Freude erfüllenden weiteren Nachricht: Wie verlautet, dürfte Feilchenfeld junior, der Mittwoch, 5. November 1930. müssen sie im neuen Dienstorte vom ersten Tage| 41.365, 42.755, 49.503, 51.443, 51.642, 57.405, 57.927, an Schulden machen, wenn sie nicht verhungernt 59.261, 62.467, 65.936, 67.020, 67.325, 76.093, 76.963, wollen. So muß sich ein Volksbildner in seiner 84.882, 89.502, 89.547, 93.568, 94.795, 98.287, Schulgemeinde einführen! Daß er tatsächlich Mo- 101.731, 102.169, 102.353, 105.342, 107.121, 107.625, nate hindurch keinen Gehalt bekommt, das glaubt 107.798, 111.496, 113.456, 113.498, 113.616, 116.884, ihm niemand und man wird geneigt sein, den 118.692, 120.000, 120.981, 122.715, 123.788, 126.001, jungen Erzieher als Windhund zu betrachten. 127.083, 128.415, 129.110, 131.569, 131.824, 134.466, 137.468, 137.892, 140.797, 142.860, 143.323, 144.444, 145.335, 145.997, 146.218. Die Lehrerschaft hat schon wiederholt auf diese gan; unhaltbaren Zustände aufmerksam gemacht. Wo liegt eigentlich die Schuld? Sind es die Bezirksschulausschüsse? Ist es die Landesbuch haltung? Ist es der umständliche Amtsschimmel? Der päpstliche Luruszug. P. A. Sat sich heraufgebort! Nr. 259. Wer noch nicht das Arbeiter- Jahrbuch bezogen hat, beging eine schwere Unterlassungs sünde. Nach dem einstimmigen Urteil aller Lejer ist das neue Arbeiter- Jahrbuch New Yorf, 3. November. Im Laufe eines der beste Kalender des Jahres Prozesses, den ein ehemaliger Veranstalter von Boylämpfen O'Mara gegen den vormaligen und übertrifft alle bisherigen. Der Weltmeister Tunney auf Zahlung von 400.000 Kalender, der in seinem reichen Inhalt sowohl Eine Schwester aus dem 23 öchne Dollar als Entschädigung für Propagandaauf- in der wissenschaftlichen wie in der unterhaltenrinnenheim in Warnsdorf schreibt wendungen angestrengt hat, wurde heute festge- ten Abteilung jedem etwas bringt, kostet nur uns: stellt, daß Tunneh durch sein Bogen insgesamt 10 Kronen. Er ist zu beziehen bei allen Buchhandlungen, Kolporteuren oder direkt bei der Zentralstelle für Bildungswesen, Prag II., Nekazanka 18. Unlängst las ich in der Reichenber- 742.280 Dollar( 2% Mill. Ke) verdient hat. ger Zeitung" von dem neuen päpstlichen Eisenbahnzug. Unter anderem war auch die Inneneinrichtung solcher prunkvoller Waggons beschrieben, z. B.: Das Attentat auf den Großrufsen Szabor. Montag nachts fällte der Geschworenensenat des Kreisgerichtes in Užhorod das Urteil über die beiden Personen, die das AttenDie für den heiligen Vater bestimmten Wag tat auf den Repräsentanten der großrussischen gons, der Thronwagen, der Salonwagen und der Salonwagen und Parteirichtung, Szabov, verübt haben. Fedor Waggon, in dem eine Kapelle eingebaut wurde, a jinow wurde zu einem Jahre Kerker un- daß er sich 1919; ur Mehrheitssozial ,, Genosse" Hitler. Adolf Hitler hat bestritten, werden mit Karminlad bestrichen werden und bedingt, und Stefanie Novakovska zu 5 erhalten außerdem ein tönernes päpstliches Wap Jahren Rerter unbedingt verur völlig unglaubwürdig. Diejenigen, die damals in demokratie bekannte Sein Dementi ist aber pen als Verzierung. Im Innern werden die teilt. Der Staatsanwalt meldete die der Kaserne Zeugen seines Bekennermuts gewesen Waggons mit Damast ausgelegt sein, die Berufung gegen das niedrige Strafausmaß sind, halten ihre Behauptungen im einzelnen aufDede wird mit Gold verziert werden. In der an. Die Verteidiger haben die Nichtig recht und Hitler weiß zur Widerlegung kein jach Mitte der Decke wird eine Relief Tiara eingeteitsbeschwerde angemeldet. lassen, die mit drei Schlüsseln versehen sein liches Wort zu erwidern. Noch peinlicher sist sein Geschenke transportiert werden... wird. Die Mööbel, die in den Waggons aufge- Als Ursache der Maybach- Katastrophe wird, Jutimus, der Fememörder Heines, in der stellt werden, werden aus Mahagoniholz einer Meldung der Frankfurter Zeitung" aus Tinte. Die Münchener Post" teilt jetzt mit, daß verfertigt sein. Außerdem werden mit diesem Quierschied zufolge, eine vorgefundene Ben- Heines nach dem Krieg ungefähr um die gleiche Zuge alle der Stadt des Vatikans übersandten Schuslappe über dent Drahtsieb abgeschraubt geschriebenes Mitglied der sozial. in sicherheitslampe vermutet, deren Zeit wie Hitler nicht nur Anhänger, sondern einEigentlich schreibt die Schwester macht war und noch nicht gefunden werden konnte. Be mofratischen Partei war. macht An dem Sieb sollen deutliche Zeichen vorhanden nicht nur ein gründliches theoretisches Studium man sich von der christlichen Lehre ganz andere sein, daß es geglüht hat. Nach einem amt= Die italienische Tragödie. 30 Jtaliener, die absolviert, sondern sich auch in England und Begriffe, als man sie da in Wirklichkeit befolgt, lichen Bericht über die Ursache der Gruben hard wollten, sind auf dem Marsche über die Amerita auf langen Studienreisen umfassende findet. Christus lehrte Bescheidenheit und lebte tatastrophe in Alsdorf kann die Annahme Eis- und Schneefelder in die größten Schwierig praftische Erfahrung angeeignet hat, später feinen felbst in größter Armut seine Stellvertreter Wohnsitz von Wien nach Prag verlegen; er wird aber streben nach Reichtum und Macht. Es ist einer Explosion über Tage noch nicht teiten geraten. 14 von ihnen erfroren. voraussichtlich in die Prager Textilfirma ein bei vollen Schüsseln und auf gol Zündung von Schlagwettern durch Schießarbei- Der Rest wurde in halberfrorenem Zustande von isgeschlossen werden. Untertags erscheint eine gufuoren. schweizerischen Grenzbeamten aufgefunden und per Eisenbahn nach Italien zurüdbeMörder Luftmilitarismus. Montag frühfördert. stürzte auf einem Felde in der Nähe von Ramsgate( England) ein BombardierflugKommunistischer Lohnabbau. Das Aus eug ab und verbrannte. 3wei Intragepersonal für„ Die Rote Fahne"," Berlin fassen des Flugzeuges wurden getötet, ein am Morgen" und„ Welt am Abend"( drei komDritter, der zur rechten 3eit ab- munistische Zeitungen) mußte sich von den prang, wurde verlegt. „ Führern der Weltrevolution" einen Lohnabbau treten. denen Thronen wohl leicht, Demut und Bescheidenheit zu predigen während ta u= Es scheint also, daß die Textilindustrie trossende arme Familienväter nicht der Krise noch immer genug zum Leben abwirst, wissen, womit sie Frau und Kinder denn sonst würde doch kaum der Sohn des Herrn ernähren sollen. Es wäre vielleicht besser, Bankdirektors Feilchenfeld, der doch ein ganz wenn die erhabenen Stellvertreter Gottes in gutes Leben zu führen gewohnt zu sein scheint, mitten all ihrer Herrlichkeiten ein wenig etwa jich gerade auf jenes Gebiet begeben, über dessen der Opfer des Grubenunglückes in Alsdorf gefrisenhafte Ertragslosigkeit man immer jammert. denten würden, che sie weiter Geschenke in die Eugen Kubinsky ist einer der größten und Vatikanstadt transportieren lassen. reichsten Textilindustriellen der Tschecho flowakei. Also haben wir mit dem eben Gesagten nicht daneben geraten Bier Refordwahnsinnige wollen im Motorboot über den Ozean. Halifax( Neuschottland), 4. November. und ist, nachdem er vor einiger Zeit auf seinen Aus Michigan sind hier vier Männer eingeBerwaltungsratsposten in der Böhmischen Union- troffen, die in einem zehn Meter. Iangen Motorboot über den Atlantischen Ozean aber nicht vielleicht, um die Tantiemen, welche nach Deutschland zu fahren beabsichtigen. dieses Amt abwarf, an die weniger begüterten Sie nehmen bereits die für ihr waghalsiges Beamten zur Verteilung bringen zu lassen, son- Unternehmen erforderlichen Vorräte an Bord. dern ist nur Bank verzichtet hat," ten ausgeschlossen. Die gestohlene Verfassung. Die Berliner von 33% Prozent gefallen lassen. Um wieder Kriminalpolizei beschäftigt in erhöhtem auf den früheren Verdienst zu kommen, müssen Maße mit der Aufklärung des sensationellen die Austräger und Austrägerinnen 1% Stunden Diebstahls im Reichstag, bei welchem dem Dieb länger arbeiten. Also Lohnabbau bezw. Ardie historische Verfassungsurkunde von 1849 und beitszeitverlängerung bei den drei Zeitungen der einige wissenschaftliche Werke in tommunistischen Zentrale Deutschlands. Auf die Hände fielen. Die Arbeiten der Polizei wer- ganz russische Art werden die Arbeitskräfte der den besonders dadurch erschwert, daß sich der PD. behandelt. Die Rote Fahne" tröstet die Tag des Einbruches nicht mehr genau feststellen armen Teufel mit dem folgenden Satz: Die ließ und daß der Einbruch möglicherweise schon Rote Fahne" wird aber dabei viele tausende Mart ein Jahr zurüdliegt. in den Verwaltungsrat der Creditanstalt Wien Die Ueberschwemmung in Breußisch schaft, wobei a cht Frauen und sieben Kinder, eingetreten. Woselbst wieder der junge Feilchenfeld Prokurist ist. Jafreie Bahn dem Tüchtigen. Und da mit das Bild dieser Verlobung von Beziehungen untereinander vollständig ist, fügt das„ Montagsblatt", noch als Abschluß hinzu: Schlesien. Tas Wasser steigt weiter. Reusalz a. d. Oder, 4. November Die Hochwassergefahr ist seit heute erschreckend gewachsen. Der Wasserstand betrug vormittags 10 Uhr 5.21 Meter. Die Däm nie bei Kusser und Modris sind teilweise eingejun ten. Die Oderbrücke ist am Sonntag mit schweren Steinen beschwert worden, damit sie nicht weggerissen wird. Das Wasser reicht bis an die Brücke heran. Aus Aufhalt wurde Seine Gattin ist eine Tochter des Feld marschalleutnants und Kriegsministers a. A. Georgi. Was wieder im Strieg nicht so ganz ohne ge- nicht weggerissen wird. wesen sein mag. Flammentod. In Bangkok( Siam) ser störte ein Brand die Kanzlei einer Filmgesell die im ersten Stockwerke wohnten, in den Flam men umfamen. art pro Monat sparen." Jawohl, sparen auf Kosten des geplagten Austragepersonals. Viel leicht ruft die KPD. die Geschädigten zum Streit auf. Oder nicht? Eine furchtbare Katastrophe ereignete sich infolge eines Erdrutsches in dem Bergland von Tödlicher Unfall im Prezburger Gaswerk. Sockaboemi auf Sumatra. 16 Wohnungen eines In der Preßburger Dissous Gasanstalt der indonesischen Dorfes wurden durch das niederDynamit- Nobel A.-G. ereignete sich Dienstag stürzende Gestein vernichtet. Acht Männer, vormittags aus unbekannter Ursache eine Explo ebensoviel Frauen und zahlreiche Kinder fanden sion, wobei ein Arbeiter tödlich verwundet wurde. den Tod. Der Erdrutsch ist auf den gewaltigen Das entstandene Feuer wurde von der Betriebs- Sturzregen zurückzuführen, der in der letzten feuerwehr bald gelöscht. Der ganze Schaden ist Zeit in dem Unglücksgebiet niederging. durch Versicherung gededt. Die Ursache der Explosion wird amtlich untersucht. Das Buch des ehemaligen Sekretärs Hanussens, Erich Juhns ,,, Leben und Taten des Hellsehers Sanussens für die Tschechoslowakei inhibiert wurde, Henrid Magnus", das seinerzeit auf Veranlassung ist nunmehr laut der Gerichtsverhandlung von Nur eine Frage; warum bringt das Mon- heute früh größter Alarm gemeldet. 50 Mann trachten ihre Abart des Fascismus als Export Zurück hinter 1860. Die Hakenkreuzler betagsblatt" diese Nachricht unter den Tages Feuerwehr und Hilfsarbeiter sind dort abgegan- ware. Wie sie die Judenheze führen, so empfehneuigkeiten, wo die Veröffentlichung dieses Ergen, eignisses in der Rubrif Börse" oder" Bom Das Wasser steigt weiter. Man erwar- len sie den Amerikanern verstärkte Heze gegen 29. Oktober des Bezirksgerichtes in Warnsdorf tet den Wasserstand von 1903 mit über 5.50 die Neger. Der Völkische Beobachter" jetzt ihnen wieder freigegeben und Hanussen fostenpflichtig tet den Wasserstand von 1903 mit über 5.50 auseinander, daß Abraham Lincoln mit der abgewiesen worden. Wirtschaftsmarkt" weit eher am Blaze wäre. Der Jgel. Wie man Lehrer behandelt. Man bleibt ihnen monatelang ihre Beziige schuldig! Metern. ** erinnern. Abschaffung der Regersflaverei in Amerika eine Ausstellung der Kunst Stradivaris. Dieser Tage furchtbare Gefahr für sie heraufbeschwo- wurde im Museum der Stadt Cremona in AnSturm und Hochwasser in Frankreich. ren habe. Die kulturelle Rückständigkeit der wesenheit hervorgender Vertreter der Kunst in Paris, 4. November. Auch im Laufe des nationalsozialistischen Bewegung fann nicht bef- Stalien und des Auslandes eine Ausstellung des gestrigen Tages haben Regen und Sturm, die fer zum Ausdrud kommen als in diesem Ver- weltberühmten Violinbauers Stradivari, der im feit vorgestern fast alle Gegenden Frankreichs, such, die Geschichte hinter 1860 zurückzudrehen! 17. Jahrhundert lebte, eröffnet. Die Ausstellung Wenn ein Dienstgeber seinem Arbeiter den besonders auch Paris, heimsuchten, angedauert. Wann werden sie die Wiedereinführung der umfaßt etwa 1300 Gegenstände, die an Stradivari Lohn vorenthält, so kann dieser den Klageweg be- In Paris sind verschiedentlich Schäden ange- Leibeigenschaft fordern? treten und sechs Prozent. Verzugszinsen fordern. richtet worden. Auch der Wasserstand der Seine Anders beim Staate. Seine Angestellten müssen und anderer Flüsse ist wieder beträchtlich ge- ter bringen folgende Meldung aus Stodiche Richter Andrew Bruce, Präsident des ameri Kompromißlos im Galawagen. Die Blät Kriminalität und Jugendliche. Der amerikanies fich gefallen laffen, monatelang auf den Gehalt stiegen. Eine Ueberschwemmung wird aus dem warten zu müssen, ohne vom Rechtswege Ge- Gebiet eines linken Nebenflusses der Marne tanischen Institutes für Kriminalogie, veröffentlicht Frau Alexandra Kollontay, ein Werk über den Anteil der Jugend bei Verbrauch machen zu dürfen. gemeldet, wo die Landstraßen zum Teil überdie als Nachfolgerin des kürzlich verstorbenen brechen. Er stellt fest, daß 85 Prozent der VerSowjetgefandten Vigtor Kopp zur Leiterin brecher auf junge Männer enfallen, die zwischen der Sowjetgesandtschaft in Stock 16 und 25 Jahre alt sind. In Chikago fommen holm ernannt wurde, wurde gestern vom alljährlich etwa 60.000 Jugendliche in Konflikt mit König von Schweden in feierlicher den Strafgesetzen. An den Volks- und Bürgerschulen werden schwemmt und unpassierbar geworden sind. An unverbindliche Gegenstände unterrichtet, für die der Küste hat der Sturm unter den Fischerdie Lehrpersonen eine eigene Befähigung haben booten Schaden angerichtet. Ein in den Hafen müssen, wie z. B. für Fremdsprachen, Stenogra- von Lorient zurückgekehrter Fischerkutter hat phie, Maschinenschreiben u. dgl. Die Sonder den Verlust eines Matrosen, der über entlohnung für diese Nebengegenstände ist so Bord gespült wurde, zu beklagen. niedrig, daß es die als Strafe betrachten müssent, Die eine solche Prüfung abgelegt haben und nun diese Fächer unterrichten müssen. Eine Stunde wird innerhalb der Lehrverpflichtung mit 2 K 30 h und 2 K 70 h bezahlt, außerhalb der Lehrverpflichtung mit dem Doppelten dieser Ansätze. Sehr unterhaltend ist es aber, zu erfahren, daß diese fabelhafte Entlohnung vielen Lehrern noch nicht einmal für das vorige Schuljahr angewiesent wurde. Biehung der Klaffenlotterie 90.000 K: 99.150. 80,000 K: 4771. 20.000 K: 30.985. 10.000 K: 30.466, 136.251, 139.688. 5000 K: 44.568, 48.332, 51.162, 81.625, 139.287, 110.209. 2000 K: 10,521, 10.924, 14.968, 19.204, 19.351, Noch übler sind die Aushilfslehrer daran, für 21.166, 25.678, 26.546, 34.081, 35.921, 37.564, 40.658, die noch nicht einmal in den November- Zahlungs- 41.178, 44.481, 46.498, 48.236, 48.499, 48.509, 50.065, listen der Monatsbezug eingesetzt wurde. Nun 52.446, 52.607, 53.684, 56.657, 73.064, 74.995, 76.880, wird ein solcher Lehrer nach jahrelangem War- 87.180, 93.027, 109.982, 111.128, 114.944, 118.831, ten endlich in einer entfernten Gemeinde ange- 123.407, 125.231, 127.433, 132.014, 133.982, 135.979, stellt und bekommt durch Monate hindurch nicht 142.681. einen Heller ausgezahlt. Wenn diese jungen Leute nicht die Möglichkeit haben, von Eltern oder Verwandten einen Vorschuß erhalten zu können, To 1000 K: 424, 3614, 5146, 6609, 6726, 7389, 10.629, 11.944, 17.327, 20.035, 21.501, 21.744, 23.015, 24.823, 26.837, 32.337, 34.542, 35.873, 36.156. 38.902, holm: Audienz empfangen. Die schöne und Neunfacher Alkoholtod. In New York sind elegante Frau Kollontay, die seineun Personen nach dem Genuß von verfälschtent nerzeit als läftige Ausländerin aus Schweden Alkohol, den sie in einer Brauerei in Manhattan geausgewiesen worden war, wurde wie üblich, offen hatten, gestorben. im Galawagen abgeholt, vor dem Schloß durch die königliche Leibgarde im Parademarsch empfant= gen und durch ein Spalier von in alter= tümlichen Trachten aus der Zeit Karl Bom Rundfunt. Donnerstag. bis 18.55 Deutsche Sendung, Schallplatten. Mähr.- Ostrau: Operetten- Schallplatten. 18.00-19.30 Nachmittagstonzert. 19.30 XI. und Karl XII. gekleideten Traban- Brag: 11.15-12.00 Shallplatten, 12.30-13.30 Mittagston ten sowie Rammerherren und amsert, 16.30-17.30 achmittagstonzert, 22.20-23.00 Orgelfonzert. merjunkern zum König geleitet. Natür- Brünn: 11.15-12.00 Schallplatten, 16.30-17.30 Stonzert, 18.00 lich hatte sich auf dem Wege vom Grand- Hotel, 11.00-12.00 Schallplatten. Brekburg: 11.30-12.00 Opernin dem Frau Kollontay Wohnung genommen phantasien( Schallplatten). 13.30-18.45 Schallplatten. 16.00-16.30 hat, bis zum Schloß eine schaulustige Menge bis 22.00 Die verlaufte Braut, Over von B. Smetana. eingefunden, die Zeuge des einzig dastehendent Schauspieles sein wollte. Hoffentlich hat Frau Kollontay bei dieser urkomt munistischen Angelegenheit ihre revolutio näre Haltung bewahrt. Samburg: 20.00 Tonfilmmufit. Köln: 20.00 Leichte Musit. Königsberg: 22.00 Jgor Strowinity spielt feine Sonate für Klavier. Königswusterhausen: 20.00 Fidelio, Oper von 2. van Beethoven. München: 19.50: Rundfuntorchefter. Wien: London I: 20.00 Ordhestertonzert. 19.35: Volksliederabend. London II: 21.00 Orchesterkonzert, Rom: 21.05 Die Afr fanerin. Oper von Meyerbeer. tztt. 25V. Mittw*,» 5. November 198V. «eite S. Scharfkantige Kristalle können tiefe Schrammen in Ihre Zähne reihen. Eine gute Zahnpasta enthält keine Kristalle, Sie ist unfühlbar weich, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt Odol-Zahnpasta ist weich wie Sammet. Wie es den italienischen Deportierten ergeht! beitersendung unmöglich gemacht. Usbrr Einladung des Herrn Direktor Frankl hatte Genosse Goldschmidt, der seit dem Bestand der Arbeitersendung für deren Programm sorgt und die Interessen der proletarischen Kulturoryanisationen am Rundfunk betreut, einen herzlichen und durchaus auf den Ton der Feier gestimmten Vorspruch sowie«inen längeren, die Bedeutung der Arbeitersendung würdigenden Artikel für die Festschrift geschrieben. Der Artikel konnte begreiflicherweise nicht nur Worte des Lobes enthalten, er mußte den Anlaß derLustrumSfeftr doch auch benützen, um nnfeien Wünschen Ausdruck zu geben, für deren Verkündung di« der Oefsentlichkeit und den offiziellen Faktoren zugängliche Brosckür« daS geeignet« Forum schien. ES hätte unseres Erachtens weder der Festschrift noch darüber hinaus der deutschen Sendung geschadet, wenn auch von anderer Seite«in kritisches Wort gefallen und das Leitmotiv des Tages nicht«itel Lob und Preis gewesen wären. Aber das mag nun jeder halten, wie es ihm gut dünkt; von dem Vertreter der Arbeitersendung war jedenfalls weder zu verlangen noch zu erwarten, daß er sich darauf beschränken würde,«in« Obliga t-Sti mm« im Jubelorchester zu sein. Der Artikel des Genossen Goldschmidt war im übrigen— und wir sind jederzeit bereit, ihn zur Ganze oder auszugsweise zu publizieren— keineAvegs so kritisch, daß er bas Bild der Festschrift gestört hätte. Er war zu guten vier Fünften seines Inhaltes«ine anerkennend« Würdi- gung des Geleisteten und wies nur in zwei Punkten auf Mängel hin, die der deutschen Sendung nun einmal' und wohl unbestrittenermaßen anhaften: auf di« lächerlich niedrig« Honorierung der Vortragenden, die das Niveau der Sendung drücken und im Vergleich mit den Honorarsätzen ausländischer Sender einfach schäbig genannt werden muß, und auf die Systemlpsigkeit des Programms, als» aus das Fehlen eines auf lange Sicht systematisch ausgebauten Programmes(welcher zweit« Uebelstand mit dem erstgenannten zum Teil zusammenhängt und durch die Remedur der Honorarfrage leichter zu beseitigen wäre). In beiden Punkten gab der Artikel des Genossin Goldschmidt in maßvoller Weise unsere Bedenken und Wünsche kund. 1 Herr Direktor Frankl erhob zunächst nur gegen di« textliche Fassung der kritischen Stellen Einspruch, worauf Genosse Goldschmidt sich in entgegenkommender Weis« zu gewissen Äenderungen bereit erklärte. Es vergingen einige Tag« und di« Sache schien bereinigt, als Herr Direktor Frankl, der inzwischen für sein« Festschrift ein Glückwunsch- telegramm des Genossen Dr. Czech«chatten Hane, plötzlich zU verstehen gab, er könne den Artikel überhaupt nicht publizieren, womit wohl ein« Pression dahin ausgeübt werden sollte, die kritischen Bemerkungen zur Gänze fallen zu lassen., Er habe das Manuskript den Herren vom Radiojournal gezeigt— di« der Inhalt dieser FMchrift, es sei vorweg bemerkt, einen Ouark anging— und di« Herren hätten Anstoß an der Kritik ge- nommen. Da Herr Direktor Frankl von seinem Standpunkt nicht abzubringen war, mußt« Genosse Goldschmidt im Einvernehmen mit den Funktionären des Radiobundes und der Bildungsstell« di« Konsequenz auHm Zensur-Attentat ziehen,und seinen Artikel sowie nun natürlich auch den Vor- späuch zurückfordern. Bon zwei Gesichtspunkten aus erscheint uns bös Veralten>b«s'Herrn'Professor' Fa'nkl bedenklich und unvereinbar mit der Funktion, die— wenn nrcht als Leiter eines angeblich neutralen und allgemeinen Volksbildungsinstituts >— so doch als Verwalter.der deutschen Sendung, di« nicht«imnal eine Prager Lokalangelegenheir, geschweige denn«ine Privatangelegenheit des Uranialeiters sein darf, ausübt. Herr Direktor Frankl hat seine Festschrift dem Radiojournal gewissermaßen zur Vorzensur vorgelegt und mindestens an einem Artikel diese Vorzensur üben wollen. Das zeigt ihn in bedenklicher Abhängig- keil vom Radiojournal, dem wir mit Licbe- dienerei die Ausgestaltung der^deutschen Sendung nicht abkaufen werden, dem gegenüber der Verwalter der deutschen Sendung sich doch als Repräsentant der deutschen Höver, als Treuhänder einer sudetendeutschen Kultursache fühlen mutz. Wir wollen nicht die Frag« aufwerfen, warum Herr Frankl dem Radiojournal so knieweich«ntgegenkontmt, daß«ft ihm feine Festschrift zur Zensur vorlegt und es vor jedem Hauch bescheidenster Kritik behütet; wip stellen nur fest, daß diese Haftung unwürdig und der Sache, di« Herr Frankl zu dertrevcn hätte, iy höchstem Maße abträglich ist. W:r sehen aber auch in der Behandlung, di« Herr Frankl d«r Arbeitersendung zuteil werden ließ, in der Ablehnung des Artikels, in letzter Stund« nach vor-' hergegangenen Unterhandlungen über diskutabl: Äenderungen, in d«r faktisch bewirkten Ausschaltung der Aibeitersendung aus dem Bilde der Festschrift, j eine Brüskierung der sozialistischen Kulturbewcgung, ein« Mißachtung der proletarischen Bildungsfaktoren und damit«in Abgchen des Herrn Direktor Frankl von jener Linie der Neutralität, die ihm seine Funktion vor,schreiben müßte. Wir sind nicht gesonnen, dies« Brüskierung ruhig hinzunckhnren und wir sind vor allem entschlossen, für die Zukunft■ ähnlichen Vorkommnissen«inen Riegel vorzuschieben. Es sicht nirgends geschrieben, daß di« deutsch« Sendung immer von der Prager Urania verwalt«» werden muß und es ist doch di« Frag«, ob di« größte deutsche Kulturbewegung des Landes, hinter der immerhin die Macht auch der größten politischen Partei des Sudetendeutschtums sicht, sich von der Urania, der«in Amt zu treuen Händen und kein Kommando übergeben wurde, muß maßregeln lassen. Wir erwarten, daß sich die Leitung der Urania beizeiten besinnt und sich, ihrer Stellung im deut», scheu Kulturleben und vor allem der Pflichten dieser Stellung bewußt wird. Andernfalls wäre diefts Nachwort nur das Vorwort zu einer gründlicheren Aussprache. Roch 400.000 Analphabetheu in Italien. Die Zahl der italienischen Kinder, die sich dem Schulunterricht entzogen, betrug, soweit sie von der Statistik erfaßt werden konnten, im Jahre 1924 noch 800.000 und ist, wie aus Rom gemeldet wird, bis zum vergangenen Jahre au' 400.000 gesunken. Um die üblen Folgen des Analphabetismus, die sich namentlich im Süden und auf den Inseln zeigen, noch weiter herunterxudrncken, sind die politischen Faktoren und die Schulbehörden bestrebt, durch weitere en von Schulen— im ver- Nachwort zum Jubiläum der Prager deutsche« Sendung. Anläßlich des fünfjährig«« Jubiläums der deut- chen Sendung beim Prager Radiojournal hat die Verwalterin dieser Sendung, die damit zu einer Treuhänderin fudetendeutschen Kulturgutes bestellt ward, di« Prager„Urania",«ine Festschrift erscheinen lassen, di« zum festlichen Anlaß einen Ueberblick über das bisher Geleistete und Glückwünsche mannigfacher Art bracht«. Den Leftrn dieser Fesffchrift wird es aufgefallen sein, daß in ihr mit keinem besonderen Wort« der deutschen Arbeitersendung gedacht war, daß weder unter den Vorsprüchen noch im eigentlichen Text«in Vertreter der proletarisch-sozialisti- chen Rundfnnkbörer' und’ des Freien Radiobundes zu Worte kam. Läge hier nur ein Mange! schlechthin vor, ein Ueberfehen, sei es aus Ab- icht, sei«8 in d«r Eil«-der redaktionellen Arbeit, c bliebe der Defekt zwar bedauerlich, aber es ge- lüigte, ihn ftstzustellen und für alle Zukunft den Wunsch auszusprechen, derartig auffallende Mängel doch nicht passieren zu lassen. Leider liegen aber die Dinge noch anders, weit unerquicklicher, als er im Falle«ine» übersehens der Arbeiter sendung schon wäre. Der Leiter der„Urania" hat als Redakteur der Festschrift wohl das Bedürfnis empfunden, im Rahmen der Bilanz der Arbeitersendung«inen angemessenen Raum zu überlassen, aber er hat dann, und zwar in letzter Stunde, durch«in ganz unbegreifliches Vorgehen di« Mitarbeit eines Vertreters der sozial.i- rischen Rundfnnkhörer und der Ar- Kamps ums Dasein. Bon Rhrdo. Ein halbverhungertes Krokodil Fraß«inen Neger, der im Nil Eine fette Wasserratte Die einen Fisch im Magen hatte, Mit einem Speer erschlagen hatte Ein Jäger schoß das Krokodil, Weil ausgerechnet auf. den: Nil Ihn eine Firma aus Paris Krokodile schießen ließ. Durch Konkurrenz der Schlangeichäute, Ging die Lederfirmä pleite Und den Jäger fraß am Nil. Schließlich irgend ein Reptil. Eröffnungen von Schulen— im vergangenen Jahre waren es cttva 1000, Heuer sollen es weitere 2000 sein— sowie durch die Einführung der vierten Volks- s ch u l k l a s s e, das Bildungsniveau erheblich zu vergrößern. Die Ruinen von Alt-Chersonesus unter dem Meeresspiegel. An der Stelle, die Strabo als Standort Von Neu-Chersonesus angibt, sind bereits seit etwa hundert Jahren archäologische Ausgrabungen im Gang. Einer Expedition des Moskauer Archäologischen Instituts ist es jetzt gelungen, die Ruinen von Alt-Chersonesus zu entdecken, das ebenfalls bei Strabe erwähnt ist. Die Ruinen von Alt-Chersonesus befinden sich 16 Kilometer westlich von Seba- stopol, nur 60 bis 70 Meter vom Ufer entfernt, und liegen 4 bis 20 Meter unter dem Meeresspiegel. Im östlichen Teile der versunkenen Stadt sind bereits zahlreiche Bauten ermittelt worden. Im Zentrum der Stadt haben Taucher einen gepflasterten ovalen Platz entdeckt, dessen Durchmesser 40, bezw. 70 Meter beträgt. Der Platz überragt die umliegenden Straßen um etwa 50 Ztm. und dürfte«inst das Forum der Stadt dargestellt haben. Di« Stad: war von Quadermauern umgeben^ die an hellenische Stadtmauern aus dem 4. Jahrhundert vor Christus erinnern. Ueber den Mauern ragen runde Türme empor, die an die Türm« von Neu-Chersonesus ge- mahncu. Insgesamt sind bereits 16 Türme entdeckt worden. Die Ursachen, die den Untergang von Alt- Chersonesus herbeigeführt haben, und auch der Zeitpunkt der Katastrophe, sind noch nicht bekannt Strabo hat di« Stadt noch im ersten Jahrhmrdert am Meeresstrande wahrgenommen. Bier I» den Kanalisationsröhre«. In den Kana- lrsationSanlagen im Zenirum der Stadt Jonkers bei New Jork wurde ein Schlauch entdeckt, d«r dazu diente, Bier aus einer geheimen Brauerei nach einem entlegenen Lagerplatz zu befördern. Da di« Anlage des Schlauches, der in seiner Gesamtlänge«inen Wert von 25.000 Dollar besitzt, nur mit Wissen der zuständigen Beamten erfolgt sein kann, wurden deren sechs verhaftet. Familiendrama an der KirchhofSnumer. In dem Kurort Nesselwang(Algäu) erschoß der Augsburger Fabrikbesitzer Gollinger seine beiden Kinder, «in dreijähriges Mädchen und einen siebenjährigen Knaben und tötete sich dann selbst Gollinger war durch einen Betrüger, einem früheren Offizier Faß- Wider aus Düsseldorf, d?m Yt.zu Geschäftszwecken ^Wrächtliche Geldwerte anvrrtraüt hatte, um sein ganzes Vermögen gebracht worden. Gollinger glaubt« sich nicht wieder in die Höhe arbeiten zu können. Nachdem er Abschiedsbriefe an seine Angestellten und Freund«, die er um Sorge für sein« Frau bat, gerichtet Hal:«, kauft««r sich noch ein neues Auto und fuhr'mit seinen beiden Kindern nach Nesselwang bei Füssen. Kurz vor der Ankunft erschoß er di« beiden Kinder und fuhr dann noch mit den beiden Leichen , bis zum Friedhofseingang von Nesselwang. Auf dem Friedhof schnitt er an beiden Händen die Pulsadern auf und verstarb wenig« Stunden später. Milch ftisch aus dem Bach. Eine Milchpanscherin, die in ihrem üblen Gewerbe etwas allzu weit gegangen war, wurde in Caen(Frankreich) verhaftet. Die Frau benutzte zur Verdünnung ihrer Milch aus Sparsamketsgründen das Wasser eines nahen Baches. Dabei widerfuhr ihr das Mißgeschick, daß in einer ihrer Milchkannen zwei kleine Fische gesunden wurden. Kriegsreden in Livorno und Florenz— die Gefangenen werden blutig geschlagen. Außerordentlich peinlich für die Berufsehre des Berichterstatters der ,,Stampa" ist die Feststellung Giopps, daß seit einem Jahr die Deportierten nicht mehr, wie die„Stampa" behauptete, sehr leicht die Erlaubnis erholten, isoliert zu wohnen, das heißt in zu WuchermiÄen gemieteten Fischerhütten. In Wahrheit wird diese Erlaubnis immer seltener erteilt und die Deportierten, die keine Familie haben, sind genötigt, in Gemeinschaftshäusern zu wohnen. Diese Gemeinschaftshauser such die Zellen der Gefängnisse, die unter den Königen von Neapel für die Galeerensträflinge errichtet wurden. Fenster 50 Zentimeter hoch, der Bodenbelag vor Mer zerfallen, keinerlei hygienische Einrichtungen, die Mauern triefen von Feuchtigkeit, kein Sonnenstrahl dringt in die Zelle. Und so leben aus Ponza 400 Menschen, die kein Verbrechen begangen haben, die kein Richter verurteilt hat, die durch bloße Berwaltuuysanordnung in das Gefängnis der Galeerensträflinge der Könige von Neapel verschick wurden. Beim Eintritt in das Gefängnis haben die Opfer der Freiheft eine kleine Genugtuung: ein Gedenkstein erinnert an die Neapler Patrioten, die vor fast einem Jahrhundert wegen ihres Patriotismus auf die gleichen Inseln verschickt tvurden. Freilich danims gab es einen Gladstone, der feine Stimme erhob, um gegen die Könige vo-n Neapel,-als sie auf dem Gipfel ihrer Macht waren, zu protestieren, und ihre Politik als eine„Lästerung Gottes" verdammte. Heute segnet der Papst den FascismuS... Der Ingenieur Giopp aber bringt uns noch eine erfreuliche Kunde. Diejenigen, die als erste vor drei oder vier Jahren administrativ verschickt wurden, waren fast alles