17 9 it 1. g 1 A e C t t Einzelpreis 70 heller. Redaktion and Verwaltung: Brünn, Franzöfifche Straße Nr. 24/26 und Vrag, II., Nefazanta 18 Telephon: Redaktion und Administration 2840. Telegramm- Adresse: Bolts.reund Brünn Poltichedami 48630. Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. 50. Jahrgang. Volksfreund Im Wahlfieber. Tagblatt der Deutschen Sozialdemokratie. Sonntag, 9. November 1930 Ryfow in der Berbannung. Bon Agenten der GPU bewacht. wahlberechtigt sind, wählen die tschechoslowakischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten Wien, 8. November. In den Wiener Stra- die österreichische Sozialdemokratie, die tschechiBen herrscht heute außerordentliche Bewegung. schen Kommunisten gehen mit den übrigen KomDie Wahlagitation hat am Vorabende der Wah- munisten, während die anderen von ihren Parlen ihren Höhepunkt erreicht; die Stadt ist von teileitungen freie Hand erhielten und teils mit den Extraausgaben der verschiedensten Blätter der Schoberliste, teils mit den Demokraten oder und von Propaganda- Flugblättern aller Parteien mit den Christlichsozialen wählen werden. überschwemmt. Intensiv ist der Wahlkampf mit den Plakaten und den Lichtreklamen. In den Arbeiterbezirken sind vielerorts ganze Häuserfronten mit Plakaten und Lichtreklamen bedeckt. Auch zahlreiche Propaganda- Automobile durchfahren die Straßen der Stadt, in den Kinos Paris, 8. November. ,, Matin" berichtet laufen zahlreiche Wahlfilme. Die große Armee aus Moskau, daß sich das Politbüro unter dem der Agitatoren arbeitet von Haus zu Haus, um Vorjize Stalins enschlossen habe, den Vorsißenfür den morgigen Tag den Erfolg ihrer Partei den des Rates der Volkskommissare, Rykow, zu sichern. Die Parteien verfügen über rund zu zwingen, auf Urlaub zu gehen. Im amtlichen 12.000 Agitationslokale. Gewählt wird in 1901 Berichte wurde zwar angeführt, daß Rykow aus Wahllokalen. Die Polizei hat für morgen, aber Gesundheitsrücksichten ein Urlaub in der Dauer bereits auch für den heutigen Abend durchgrei- eines Monates gewährt werde, doch wird in fende Sicherheitsmaßnahmen getroffen, so daß die Wirklichkeit in politischen Kreisen behauptet, Ruhe und Ordnung während des Wahltages als daß Rykow infolge seiner Auflehnung gegen die vollständig gesichert angesehen werden kann. Wie Dittatur Stalins ausgewiesen wurde. Sogewöhnlich gilt auch für morgen das allgemeine gleich nach Schluß der Sizung, in der die obenstrenge Alkoholverbot. angeführte Entscheidung fiel, bemächtigten sich zwei Mitglieder der Kontrollkommission Rylows und transportierten ihn noch am selben Abende in ein Städtchen am Ufer der Wolaa, wo er sich unter der ständigen Oberaufsich von Agenten der G. 11. P. aufhalten wird. Fememörder im Parteivorstand der Hakenkreuzler. * Letzte Manifestationen. Wien, 8. November. Am Vorabend der Wahlen hielten sämtliche Parteien in Wien Wahlmanifestationen ab und trafen die letzten Borbereitungen. Die sozialdemokratische Partei Bezugs Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kč 16.vierteljährlich 48.halbjährig • " 96.ganzjährig 192.· 99 Rüdstellung von Manustripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich Nach mittaa. Nr. 263. Deutsch- Oesterreichs Schicksalsstunde. Wien, 8. November.( Eigenbericht.) Heute abends haben noch einmal in allen Wiener Bezirken große Fackelzüge stattgefunden, die eine noch nicht erlebte Massenteilnahme aufwiesen. In Favoriten marschierten 30.000 Me nschen im Fackelzug und auch in anderen Arbeiterbezirken reichte die Zahl der Demonstranten an diese Stärke heran. Ueberall fielen die zahlreichen Ju gendlichen und Sportler in den Umzügen auf. Die Manifestationen der Sozialdemokratie wurden von der spalierbildenden Bevölkerung mit Begei sterung begrüßt. Alle Veranstaltungen verliefen in vollster Ruhe und Dissziplin. Die Wiener Arbeiterschaft hat die Parole der Partei, die alte Parole Viktor Adlers, treu und gewissenhaft befolgt, sie hat sich nicht einsch i ch= tern, aber auch nicht provozieren lassen. In musterhafter Disziplin ist sie den wochenlangen Herausforderungen der fascistischen Reaktion mit dem Argument der besseren Sache begegnet und tritt mit Zuversicht in den schwersten und schicksalsvollsten Waffengang ein, den sie auf dem Boden der Republik bisher zu liefern hatte. Die Sozialdemokratie hat das Urteil des Volkes nicht zu schenen, sie sieht dem Votum der Wähler in Ruhe entgegen und erwartet vom Ausgang der Wahl, daß er das wahre Bild Desterreichs enthüllen und den verbrecherischen Wahnsinn des Heimwehrputsches bloßstellen wird. * * Kaum einer der großen Wahlentschei- Terror und Bürgerkriegsdrohung die parladungen der letzten Jahre, weder der deutschen mentarische Arbeit der trockenen Fascisten zu vom verhängnisvollen 14. September noch unterstützen. Auf diese Weise wurde Stree= den englischen Wahlen des Vorjahres, viel- ruwit, der letzte wirklich parlamentarische leicht nicht einmal dem Ausgang unserer Kanzler Oesterreichs, gestürzt, so kamen Schoeigenen Parlamentswahlen haben wir in sol- bers Verfassungsreform, das cher Spannung, in so tiefbegründeter Erre Antiterrorgeseh" und die übrigen gung und heißer Sorge entgegengesehen wie verhängnisvollen Maßnahmen des Kabinetts veranstaltete einen großen Fackelzug, an dem auch die Mitglieder der tschechischen Arbeiterdiesem 9. November, da sich ant Jahres- Schober zustande. Die Sozialdemokratie mußte turnvereinigungen teilnahmen. Der Umzug verBerlin, 8. November. Wie die Bayrische tage der deutschen Revolution von 1918 des Mittels der parlamentarischen Obstrut lief in vollkommener Ruhe. Die christlichsoziale Staatszeitung" meldet, sind die aus den Feme- das Schicksal des deutschösterreichischen Stam- tion entsagen, um nicht den Bürgerkrieg zu lief in vollkommener Ruhe. Die christlichsoziale Brozessen bekannten Oberleutnant Schulz und mes und seines Staates entscheiden soll. Das riskieren, der Desterreich in die Katastrophe Partei hielt nachmittags und abends acht Ber- Feldwebel St I approth in den Vorstand der oft und bei manch unziemlichem Anlaß reißen müßte. fammlungen ab, die sehr zahlreich besucht waren. nationalsozialistischen Partei berufen worden. Die Stimmung bei den Versammlungen war ausgesprochen fampfesfreudig. Die Wiener Heimwehren, die mit den Christlichsozialen gemeinsam * zitierte Wort Freiligraths aus den Oktober- Zwei Momente tamen der Reaktion zu Patriotische Lausbübereien in Warschanen Sinne auf unsere Lippen: Wenn wir sches; der 15. Juli 1927, an welchem Tag von 1848, diesmal drängt es sich im Silfe, ein psychologisches und ein ökonomivorgehen, veranstalteten drei Fackelzüge, wobei es Berlin, 8. November. Das Wolffsche Bureau noch knien könnten, wir lägen auf den Knie'n, eine spontane Demonstration der Arbeiterzu kleineren Scharmüßeln kam, denen jedoch von meldet aus Warschau: Die Warschauer Studen- wenn wir noch beten tönnten, wir massen von Schobers Polizei mit unerhörter der Polizei ein baldiges Ende bereitet wurde. ten veranstalteten heute nachmittags im Hof der beteten für Wien! Brutalität niedergeworfen wurde, bildete, keiVor der Votivkirche fand noch in den Abend- Universität eine große, gegen Deutschland ge= stunden eine Parade der Starhembergschen richtete. Stundgebung. Der Rektor hielt eine An- 1927 um die Behauptung des roten Wien von den fascistischen Methoden Seipels und Es geht diesmal nicht nur wie 1923 und neswegs den Ausgangspunkt einer Abwendung Jägerbataillone statt. sprache, worin er von der drohenden deutschen Gefahr" sprach und zum nationalen Zusammen- und um die Rettung seines großen sozialen Schobers, sondern er stärkte das SelbstbewußtWien, 8. November. Obwohl in Wien nur schluß aufforderte. Dann sprachen noch einige Aufbauwerkes, nicht nur um ein Mehr oder sein der Bourgeoisie, die sich im Proletenzehn Parteien( auf dem Lande vierzehn) kan Studenten, die den Boykott deutscher Waren und Minder an sozialem Fortschritt oder reaktio- blute gesundbaden wollte, und er schuf der Didieren, spielt sich der Wahlkampf in Wien deutscher Filme verlangten. Die Studenten zogen närer Politik in Oesterreich, es geht um die Reaktion den Vorwand zur offenen Förderung eigentlich nur zwischen drei Parteien ab, nämlich dann, etwa 2000 Mann stark, unter Absingung vor einem Vierteljahrhundert erstrittenen poder Heimwehren. Die furchtbare Wirtzwischen Sozialdemokraten, Christlichsozialen( zu- deutschfeindlicher Lieder vor ein Stino, wo gerade litischen Grundrechte des österreichi- fchaftskrise aber erleichterte dem Heimsammengeschlossen mit den Wiener Heimwehren) jetzt ein deutscher Film gegeben wird, wurden schen Volkes, um die vor Jahrzehnten erwehrfascismus den Einbruch in die steirischen und dem Schober- Block. Alle übrigen Parteien. aber von der Polizei abgedrängt. Sie versuchten fämpften primitivsten sozialen Großbetriebe und bereitete das Anti- Gewerkselbst die selbständige Kandidatur der Heimwehr dann, zur deutschen Gesandtschaft zu marschieren, Rechte, um die Gleichheit vor dem Gesetz, schaftsgesetz vor. unter der Denise ,, Heimatblock", die Hitleranhän- doch sperrte ein starker Riegel von Schußmann- Rechte, um die Gleichheit vor dem Gesetz, schaftsgesetz vor. Die österreichische Arbeiter= Abrüftungsausschuß bontottiert die Abrüftung.terreichische Arbeiterfaffe und dies in gleich der Butſch der Seimwehr drobte, entDeutschlands Anträge in Genf abgelehnt. Bauern ger und die Kommunisten sind start in den Hinschaften zu Pferde und zu Fuß die Straße ab, das Koalitionsrecht der Arbeiter, um Preßtergrund gedrängt und haben nur ganz geringe in der sich das Gesandtschaftsgebäude befindet. und Vereinsfreiheit, nicht mehr allein um klasse wurde so in die Defensive geoder überhaupt keine Aussichten auf einen Wahl- Nachdem die Studenten längere Zeit Nieder das Werk der Revolution von 1918, nicht nur drängt. Ihre Hauptsorge mußte der Bererfolg. Die in Wien anfäffigen Tschechoslowaken rufe auf Deutschland ausgestoßen hatten, folgten um das liberale, nein um das Erbe von meidung des Bürgerkriegs gelten, der ja gehen befann Tich seit dem Jahre 1923 nicht sie der Aufforderung des Rektors und zerstreuten 1848. Nicht hinter 1918, sondern hinter 1848 neben anderen Gefahren auch die äußerste der mehr selbständig in den Wahlkampf. Insoweit sie sich. wollen die Starhemberg und Vaugoin, die Berstückelung Deutsch Desterreichs in sich Seipel und Bifft das kleine Staatswesen an barg. Die Wirtschaftskrise verstärkte die Donau zurückwerfen, es geht für die Schwierigkeiten. Als sie hereinbrach und zuSinne des Begriffes, für Arbeiter, schloß sich die Sozialdemokratie zum Kompround Intellektuelle, einfach ums miß mit dem Kabinett Schober, ohne sich über Ganze! die Funktion dieses Kabinetts- die Fasci Genf, 8. November.( Wolff.) Im Vorbe- stellung der Mehrheit des Ausschusses zu den Als es Seipel 1927 auch mit seiner anti- sierung auf kaltem Wege zu fördern einer reitenden Abrüftungsausschuß wurde heute die wesentlichsten Punkten der Abrüstung sich nicht int vorigen Jahre vertagte Diskussion über die geändert hat, gab Graf Bernstorff eine marristischen Einheitsliste nicht gelang, den Täuschung hinzugeben. Bei allen Einbußen, Dauer der Dienstzeit und ihre Fest- furze, aber sehr scharfe Erklärung ab, in der Vormarsch der Sozialdemokratie aufzuhalten, die das Proletariat unter dem Schober- Regime als der Ansturm der gewaltigen politischen zu verzeichnen hatte, war es das einzige legung im Entwurf der Abrüstungstonvention er ut. a. folgendes fagte: fortgesetzt. Dem Ausschuß lag auch vom Mai Wenn eine Abrüstungskonvention die Heeresmacht, die sich unter des Prälaten Füh- Mittel, den Bürgerkrieg zu vermeiden und vorigen Jahres noch ein Antrag des Grafen ausgebildeten Reserven ausläßt angesichts der rung, mit dem Segen der Kirche und dem die Auseinandersetzung nochmals auf demoBernstorff vor, der davon ausgeht, daß die Tatsache, daß heute in einer Reihe europäi- Gelde von Banken und Industrie gerüstet, fratischer Basis zu suchen. Herabsehung der Dienstzeit, die im Entwurf vor- scher Staaten der Mensch von der Wiege bis zum Sturm auf die Bastionen des roten Christlichsoziale und Heimgesehen ist, allein noch nicht als eine wirksame zum Grabe so behandelt wird, daß er nur Wien anschickte, als diese Generaloffensive der mehr aber fürchteten diese demokra Abrüstungsmaßnahme angesehen werden kann, noch Soldat ist, dann ist eine solche Kon- Bourgeoisie an der Einheitsfront der öster- tische Auseinanderseßung, fürchteund der folgerichtig auch eine vention nicht die Tinte wert, die für reichischen Arbeiterklasse zerbrach, trat Dester- ten die Abhängigkeit des Kabinetts Schober Herabseßung und Beschränkung des jährihre Unterschrift verwendet wird. reich in eine ganz neue Phase seiner vom Ausland und von dem gemäßigten Kalichen Truppenkontingents Sodann kam man zur Abstimmung der innerpolitischen Entwid I un g. pital, fürchteten die wachsende Erbitterung fordert, u. zw. derart, daß die hiefür festgelegten wesentlichen Teile des deutschen Antrages, der Diese Phase ist gekennzeichnet durch die Wen- der Volksmassen über die korrupte christlich mit 12 gegen 6 Stimmen und zahlreichen Zahlen von keinem der vertragschließenden Staa- Stimmenthaltungen abgelehnt wurde. Für den dung der österreichischen Bourgeoisie zum soziale Klingelwirtschaft. Darum stürzten fie ten überschritten werden dürfen. Weiters for Antrag stimmen die Vertreter Hollands, Norascismus. Er tritt uns in doppelter Schober und ließen durch das Minderheitsderte der deutsche Antrag, daß die Ausbildungs- wegens, Schwedens, Chinas und Rußlands. Gestalt entgegen: als der„ trocene" Fajcis- fabinett Vaugoin, in dem ein Heimwehrbanzeit und aktive Dienstzeit getrennt angege- Die Bertreter Großbritanniens mus der großen Bürgerparteien und der dit Innenminister ist, den Nationalrat vorben werden müssen und daß über die Personen, und der Vereinigten Staaten ent- finanzkapitalistischen Kreise und als der bezeitig auflösen. die ihrer militärischen Dienstpflicht genügt ha- bielten sich der Stimme. Unter den waffnete, terroristische Heimwehrfascismus, Es kann kein Zweifel darüber bestehen, ben, teine Listen mehr geführt werden Bändern, die gegen den deutschen Antrag stimm- den Adel, Großgrundbesitz und einzelne Indu daß Christlichsoziale und Heimwehren mit dürfen. en, befinden sich die Vertreter Frankreichs, Ja strieverbände( Alpine Montan) finanzieren. feinen Wahlerfolgen ihrer Listen rechnen. Sie pans, Jtaliens, Belgiens und der Türkei. In den letzten Jahren hat sich eine Zusam- sind sich darüber klar, daß sie weder die SoNach der Abstimmung erhob sich Graf Bern- menarbeit zwischen beiden Richtungen ergeben, zialdemokratie ernstlich erschüttern, noch die storff noch einmal zu einer furzen Erklärung, in der er sagte, daß die deutsche Delegation an den die besonders in dem Zwischenspiel des Kabi abtrünnig gewordene bürgerliche Mitte schwä Abstimmungen über die zu dem betreffenden netts Schober zum Ausdruck kommt. Der chen werden. Sie rechnen mit ganz anderen Am Schluß der Debatte, aus der sich ergab, Artikel noch vorliegenden Anträge fein Inter- Heimwehrfascismus hat dabei die Funktion, Größen als mit Mandaten und Wählerstimdaß die bisherige völlig negative Gin- esse mehr habe. durch stete Beunruhigung des Landes, durch men. Schon während des Wahlkampfes verDer deutsche Antrag wurde nach einer aus gedehnten Debatte, an der sich namentlich die Vertreter der großen Militärmächte beteiligten, von einer großen Mehrheit des Ausschusses abgelehnt. Seite 2. Der wortfarge Hoover. Washington, 7. November. Etwa 30 beim Weißen Hause akkredidierte Pressevertreter ver Sonntag, 9. November 1930. Böhmische Landesvertretung. sammelten sich heute voll Erwartung im Arbeits- Handel und Gewerbe; Gesundheitswesen und soziale Fürsorge. - Reden zimmer des Präsidenten zur ersten Pressekondes Genoffen Grund und der Geno sin Schaffer. ferenz nach den Wahlen vom Dienstag, die der Aus der letzten Sizung der böhmischen die Schaffung größerer Schulsprengel und eigener republikanischen Partei und, wie viele behaup- Bandesvertretung tragen wir nachstehend die Fortbildungsschulgebäude. Die Schwie. ten, auch der Politik des Präsidenten eine so Rede der große Niederlage brachten. Hoover empfing Genossin Schaffer und entließ die Pressevertreter mit einem zum Kapitel ,, Handel und Gewerbe" nach: einzigen Sah, der folgenden Wortlaut hatte: Unser Land hat jetzt mehr denn je die Aufgabe, seine Aufmerksamkeit auf Maßnahmen zur Zusammenarbeit im Interesse der wirtschaft lichen Erholung zu konzentrieren. rigkeiten, welche diesen Forderungen entgegenstehen, sind nicht so groß, daß sie mit einigem Willen nicht überwunden werden können. Zum Kapitel„ Gesundheitswesen" sprach Genosse Grund, Rr. 263. Aus einem Irrenhaus. In den Blättern der mostowitischen Ban trotteure las man dieser Tage: Hartwig rief Rordač zu Hilfe. Angesichts dieser fieberhaft gesteigerten Kriegshee der Romkirche tritt am 15. November in Bodenbach der Internatio nale Freidenkertongreß zusammen, der die Aufgabe hat, den kulturellen Klassenkampi des Proletariates im Weltmaßstabe zu organi sieren. Aber gerade hier zeigt sich die Rolle der sozialdemokratischen Führer als verläßlichste Bundesgenossen des Papstes und der Kulturreaktion. Die Hartvig, Sievers und Seßler bereiten diesen Kongreß im Zeichen der Spaltung der Freidenferinternationale, im Zeichen des Ausschlusses des„ Svaz" und selbst der„ Gott losen der Sowjetunion" vor, sie eilen dem Stordač im Kampfe gegen den Bolschew'ismus und gegent das Bollwerk der Kulturreaktion, die Sowjet union, zu Hilfe. Weil sich die Internationale der Freiden Die Ursachen der Krise des Gewerbes liegen in der Konkurrenz, die den Handwerksbetrieb durch die fabriksmäßige Erzeugung und die Rationalisierung erwächst. Nicht zuletzt aber sind die der unter anderem sagte: einen Weister die Opfer der Wirtschafts. In den Irrenhäusern ist Gewicht auf die krise, die die Arbeiter brotlos macht. Hier ge- Behandlung zu legen, da die Internierung allein rade können wir beobachten, daß an dem Wohl nicht genügt. Auch würde es die Deffentlichkeit engehen oder dem Notstand der Arbeiter alle Streise interessieren, zu erfahren, ob in allen Anstalten die der übrigen arbeitenden Bevölkerung partizipieren. modernen Heilmethoden, beispielsweise die Masuchten sie die Arbeiter auf alle möglichen der Generaldebatte fiel der Ausspruch: bat lariaimpfung für Paralytiker, angewendet Weise zu provozieren, um den geringsten An- der Bauer Geld, hat's die ganze Welt." Das läßt werden. Er konstatiert, daß das Land Böhmen fer der kommunistischen Spalter und Stänkerer laß dann zum Staatsstreich zu benüßen. Es sich viel treffender auf die Arbeiter anwenden. Geht eigentlich der einzige öffentliche Faktor ist, der in entledigen bezw. ihnen ein wenig die Kandare ist ihnen bis zur letzten Stunde nicht gelun- es dem Arbeiter schlecht, spüren das alle, die ihn der Bekämpfung der Tuberkulose Boji- anlegen will, wird sie sofort der offenen Bun gen, die österreichische Arbeiterklasse zu einer als Ronfumenten brauchen. Durch die Strije wer- tives leistet( Stindertuberkulose- Anstalt Chroustovice desgenossenschaft mit Kardač geziehen und der Ünvorsichtigkeit zu verleiten. Die große teln gedrängt, um ihre Existenz zu erhalten. Freilich ist mit Rücksicht auf den Umfang dieser Stordač zu Hilfe" gebracht. Die umgekehrte den die Gewerbetreibenden zu allen möglichen Mit- und Zwickau, geplante Masaryk- Tuberkuloseanstalt). Schwindel unter dem Alarmtitel ,, Hartwig ruft Frage ist nun, was nach den Wahlen Eines dieser Mittel ist ein Ersaz des Gehil- Bolksfeuche alles in dieser Rücksicht Geleistete noch Faffung, daß Kordae Hartwig zu Hilfe gerufen geschehen wird. Wir alle sind überzeugt, daß fen durch den Lehrling. In den meisten Fällen viel zu wenig. Er verwies auf den Mangel von habe, hätte ja, so albern sie wäre, immer noch sich die österreichische Sozialdemokratie glän- wird das Kind in die erste sich bietende Lehrstelle Anstalten für Lupuskranke und die unge- im Hirn eines Kommunisten als typischer Sozend schlagen wird. Aber alle Sozialisten und gegeben und in diesem Zusammenhang ist es not- nügende Behandlung des immer dringender wer- zialfascismus glaubhaft wirken können, die VerDemokraten fürchten, daß die Reaktion ihren wendig, auf die Bedeutung der Berufsberadenden Problemes der Krebsbekämpfung. Er be- sion, daß Hartwig sich die Hilfe des Kordač eigenen Wahlmißerfolg mit dem Bürgerkrieg tung zu verweisen. Diese hat den Zwed, zu erbauerte, daß aus der ursprünglichen Fassung. des erbeten habe, erschiene jedoch als der Gipfel des quittieren wird. Darum gilt unsere heiße forschen, welchen Beruf das Kind gerne ergreifen Budgets ein Betrag von 1 Minion Kronen für die Frrsinns, wenn dieser nicht erst in dem fol Sorge den Stunden und Tagen nach der wollte, um zu prüfen, ob es die Eignung zu die Biechenhäuser gestrichen wurde, was für die genden Fettdruck erreicht würde: Wahl. Wir wissen, der Kampf beginnt sem Berufe besitzt. Arzt, Psychiater und Bädagoge Entwicklung des Siechenhauswesens die schwersten erst, wenn die Urnen geleert, die Stimmen müssen da zusammenarbeiten, um zu verhindern, Folgen haben könne. Die Zuschüsse für 19 Siedaß Existenzen infolge verfehlter Berufswahl scheichenhäuser bleiben dadurch gänzlich ungebedt gezählt sind. Aber wir sind überzeugt, daß sich tern, teils weil sie keine Liebe zu dem Berufe haben, und die Bewilligung neuer Zuschüsse an neue AnSie Sozialdemokratie aus dem teils weil sie in dem überfüllten Berufe ftalten wird dadurch unmöglich gemacht. Er überVotum des Volkes die moralische teine Arbeit finden fönnen. Es ergeben sich dar- reichte und begründete schließlich einen Antrag, in Legitimation holen wird, die Republik aus zwei Notwendigkeiten. Der Berufsberatung den Siechenhäusern eigene ranten immer und die Demokratie gegen den Staatsstreich muß ein größeres Augenmert geschenkt werden, zu errichten und geschultes Pflegepersonal anStaat und Verwaltungskörperschaften müssen ihre zustellen. der Fascisten zu verteidigen. ergänzt werden durch den Ausbau des Fortbil Errichtung fördern. Der Lehrmeisterunterricht muß dungsschulwesens. Genoffin Schaffer Angesichts der bevorstehenden Volks zählung, mit welcher die Hungerregierung Czech drzal- erámek den Pfaffen eine 2egitimation für die erhöhte Songrua ausstellen will, müssen Massenaustritte aus der Kirche organisiert verben, als beste Antwort auf den Kriegsruf Kordač. Ist schon an und für sich schwer einzu sehen, wieso die Volkszählung den Pfaffen als Vorwand zur Kongruaerhöhung dienen sollte sprach weiter über die Soziale Fürsorge" und( vielleicht, weil sie die Zahl der Stirchengläubigen offenbart, die aber doch aus den Matriken jederführte u. a. aus: zeit zu errechnen ist!), so ist die Auffassung, die zu diesem Zweck, vollends idiotisch. Es Regierung veranstalte die Volkszählung eigens haben anscheinend noch nie Volkszählungen stattgefunden! Und wozu finden in Rußland welche Es geht heute um die österreichische Republit, vielleicht um die Existenz Deutsch- Defter reichs überhaupt. Aber es geht weit über das Maß der solidarischen Anteilnahme hinaus, Heute wird vielfach die Einführung eines in Desterreich um unsere Sache, um piele Gründe. Zuletzt wurde es auch als eines der neunten Schuljahres verlangt. Dafür sprechen unser aller Saut. Von Litauen über mittel genannt, die zur Bekämpfung der Arbeits- die Folgen des Weltkrieges haben die Ursachen der Die Produktionsmethoden des Kapitalismus und Bolen, Ungarn, Südslawien, Bulgarien bis losigkeit dienen fönnen. Könnte man sich nicht törperlichen und geistigen Gebrechen bedeutend verAlbanien reicht heute der Gürtel der fascisti- mit dem Gebonden vertraut machen, nach beendeter mehrt. Wer die Ursachen dieses Elends verfolgt, schen und diktatorisch regierten Staaten. Ein Lehrzeit durch ein Jahr Fachschulunterricht wird ermessen können, wie viel vorbeugende tatt? Bindeglied fehlt noch, diesen Gürtel der Bar- praktisch und theoretisch das Wissen des Handwer Fürsorgearbeit notwendig ist. Vor allem Nein, lieber Guttmann, die Volkszählung barei mit Italien zu verbinden. Fällt Dester- ters zu vertiefen? Die Fortbildungsschule muß zur muß eine vernünftige, ausreichende Wohnungs- findet nicht der Kongrua wegen statt, sondern reich in die Hände des Fascismus, der heute Bflichtschule werden. Gegentvärtig werden politik getrieben werden, durch welche auch die zur Vorbereitung des Krieges geauch Deutschland bedroht, dann sind wir auf viele Gewerbe noch nicht oder schlecht erfaßt. Vor Bekämpfung anderer Uebel, wie der Tuberku- gen Rußland. Und noch etwas wollen wir einer Insel, dann wird auch unserem Fascis- allem Bauhandwerker, Maurer, Schlosser, Installa- lo se bedeutend gefördert wird. Es wäre daher zu dir verraten: die Viehzählung, die im teure usw. Auch der Ausbildung des Verkaufs begrüßen, wenn auch das Land und die Bezirke die vorigen Sommer veranstaltet wurde, hatte ledig: mus neue Lebenskraft zuwachsen. Es geht personals im Kleingewerbe wäre ein Bemühungen des Ministeriums für soziale Fürsorge lich den 3 wed, die genaue Zahl der darum, ob die Westgrenze der Despotie von größeres Augenmerk zuzuwenden. Wichtig ist die um die Förderung des Baues von Volkswoh Ochsen zu ermitteln, die noch als boljchewi der Leitha an den Rhein gerückt werden soll. Fortbildungsschulung der Mädchen, wo die Genungen unterstügen würden. Das Land wird stische Zeitungsleser und Parteigänger in BeEs geht um die Demokratie in ganz fahren schlechter Berufsausbildung noch größer find. auch seine Pflicht auf dem Gebiete der produk- tracht kommen! Mitteleuropa. Das Schicksal der euro- Hier müßte das Fortbildungsschulivesen sich audriven Arbeitslosenfürsorge erfüllen müspäischen Demokratie steht wie in Oftober auf die Vorbereitung für die Hausfrauen und sen. Wir hoffen, daß durch die provisorische Novel1848, wie im Frühjahr 1919 in Wien zur Mutterpflichten erftreden. An den Fortbildungs- lierung des Gemeindefinanzgesetzes den Selbstver Achtstundentag brachte freizeit Entscheidung. Wir wissen, worum es geht. Schulen wäre überall der Wertstättenunterricht ein waltungstörpern wenigstens wieder so viel BeUnsere Gedanken sind bei den Wiener Arbei- Buführen und der ganze Lehrplan im Sinne regungsfreiheit gegeben wird, daß sie die dringendtern, unsere Herzen schlagen für die Sache einer größeren Bewegungsfreiheit zu modernisten Bedürfnisse der sozialen Fürsorge werden besieren. Der Abend und Sonntags- friedigen können. Ueberall gibt es viel nachzudes österreichischen Volfes, wir zählen die unterricht muß abgeschafft werden. hofen zum Wohle der arbeitenden Bevölkerung. Stunden dieses schicksalsschweren Tages und ebenso wie in Deutschland, sollen auch bei uns wir hoffen zuversichtlich, daß un- obligate Meisterprüfungen eingeführt werden und sere Brüder in Desterreich den nur geprüften Weistern das Recht, Lehrlinge zu Die nächste Sigung der Landesvertre Kampf bestehen werden! halten, eingeräumt werden. Voraussetzung hiezu ist tung findet am tommenden Dienstag statt. 5 und Muße für den Arbeiter proletarischen .Gesang zu pflegen. Das 2. ArbeitersängerBundesfest am 27., 28. und 29. Juni 1951 auf der Schäferwand in Bodenbach wird ein Kulturfest der proletarischen Massen werden. Rüstet und sparet! stehen und horchte lange. Das Heulen war ver.| in dem Augenblick, als sie den Boden berührte ,, steif und hart geworden, weil es stark geblutet ftummt, dafür begann es im Westen dumpf zu trachte es ganz unheimlich über den Wipfeln. hatte, und wann er mit seiner wunden Naje Baumwipfeln auf und ein traurig fäuselnder einer riesigen Art gespalten auseinander. Split- fchrie. Sein Fell war von dem getrockneten Von J. O. Curwood. Wind ging dem eigentlichen Gewittersturmt vor- ter und Erdbroden flogen Billo so dicht um die Schmutz ganz verkrustet, es starrte vor Schmutz, Vier schimmernde Wellen in dem öligen Was- aus. Jmmer näher rüdte das Rollen des Don- Nase, daß er vor Schrecken einen einzigen wil- und wo er gestern noch rund war und glänzte, ser waren die einzige Bewegung, die sie hinter- ners und ein zweiter Blizz schien Billo zu suchen, den Schrei ausstieß und sich noch tiefer in der war er jetzt dürr und elend. Und wie hungrig er ließen. Was aber nun geschah, das ließ Billo der zitternd unter dem Schirm einer riesigen flachen Höhle unter der Wurzel vergrub. war! Ja, bisher hatte er wirklich nicht gewußt, einen Augenblic lang sein Mißgeschick vergessen. Tanne stand. Das war bereits der zweite Mit der Vernichtung der alten Zeder was es heißt: Vom Hunger gequält werden. Nit war bisher unter dem Wasser verschwunden Sturm, den er erlebte; schon der erste hatte ihn schienen Bliß und Donner ausgetobt zu haben. Gänzlich entmutigt schlich er sich in der Richgewesen und tauchte nun plötzlich mit einer damals so furchtbar erschreckt, daß er sich tief Der Donner verzog sich nach Südosten und tung davon, die er tags zuvor schon eingeschlagen solchen Geschwindigkeit unmittelbar unter seiner unter das schützende Dach des Windbruchs ver- wurde immer schwächer, wie das Rollen von hatte. Seine Wachsamkeit und Neugier hatten ahnungslosen Gefährtin auf, daß sie bis zur Froch. Der beste Unterschlupf, den er heute fand, Tausenden von Wagenrädern, und auch das Zuk- nachgelassen, er verspürte nagenden Hunger. Aber Hälfte aus dem Wasser geschleudert wurde. war eine Höhle unter der mächtigen Wurzel ken der Blize wurde immer seltener. Es reg- stärker als das körperliche Hungergefühl war das Aber im nächsten Augenblick war Nit schon eines Baumes. Er winselte voller Angst, als er nete unaufhörlich weiter. Sogar noch eine Heimweh nach seiner Mutter. Er sehne sich nach wieder verschwunden, und wütend nahm das sich dorthin verkroch, das war das Nufen des Stunde, nachdem Billo den letzten Blitz hatte ihr wie noch nie in seinem Leben. Er möchte Weibchen die Verfolgung auf. Billo sah das Kindes nach seiner Mutter, nach der Heimat, aufflammen sehen, regnete es noch in Strömen. feinen kleinen, zitternden Körper einmal wieder gar nicht mehr nach Spiel aus, als sich zwei der nach Wärme und Schutz. Während er winselte kleinen Ottern auf die dritte stürzten, die ver- und heulte, wütete der Sturm mit aller Macht zweifelt um ihr Leben zu kämpfen schien. Billo in den Aesten und Zweigen der Bäume. vergaß sein eigenes Ach und Web, und sein Blut Noch nie in seinem Leben hatte Billo einen begann wieder rascher zu fließen. Er vergaß solch tosenden Lärm gehört, noch nie hatte er sich gänzlich und brach in ein freudiges Gebell den Blizz in solchen Feuergarben am Himmel Aber diesmal mußte er lange warten. Als spannte. Billo winselte und schaute ganz betrübt aus, aber da waren die Ottern wie ein Blitz auflodern sehen. Bisweilen schien die ganze sich der Himmel nach dem Regen wieder geklärt in die Welt. als er das Flußufer entlang weiterverschwunden. Eine kleine Weile sah man noch Welt in Flammen zu stehen und die Erde unter hatte, war die Nacht hereingebrochen. Billo zog. Wellen und Kreise auf der öligen Fläche des dem Krachen des Donners zu beben. hätte die Sterne über den Baumwipfeln sehen Mit der Zeit wurde der Wald lichter und Sees, dann war alles vorbei. Schließlich zog Billo hörte auf mit Heulen und vertroch fönnen, wenn er nur den Kopf aus der Höhle das ermutigte ihn ein klein wenig. Die Sonnensich Billo in die Büsche zurück und wanderte sich noch weiter unter die Wurzel, so gut es ging. gestredt und zum Himmel hinaufgeschaut hätte. wärme finderte seine Schmerzen, der Hunger seines Weges weiter. So schütte er sich ein wenig bor dent peitschen Er blieb aber tief in seiner Höhle vergraben. wurde dafür immer qualender. Bisher hatten Es war wohl drei Uhr am Nachmittag und den Regen, der in Bächen an den Baumstäm- So verstrich Stunde um Stunde; erschöpft, halb Wotan und Grauwolf für Nahrung gesorgt, sie die Sonne hätte eigentlich um diese Zeit noch men zur Erde rauschte. Es war jest jo unheim ertrunten, wund an den Füßen und hungrig, hatten ein großes Kind aus ihm gemacht, und am Himmel stehen sollen. Im Walde begann lich dunkel, daß Billo die Bäume in nächster tonnte oder wollte er sich nicht von der Stelle baran war zum Teil die Blindheit der Mutter es aber bereits zu dunkeln und die fremde Um Nähe nicht mehr zu unterscheiden vermochte, rühren. Schließlich fielen ihm aber doch die schuld; dem Tage der Geburt Billos war sie mit gebung und die Furcht hießen Billo die Schritte wenn nicht gerade ein Blig flammend rot am Augen zu, und er schlief unruhig und bellie ab Wotan nicht mehr auf die Jagd gegangen. beschleunigen. Und wieder blieb er alle paar Himmel aufzudte. Nicht sehr weit von Billo und zu nach seiner Mutter. Als er sich endlich So war es nur natürlich, daß sich Billo eng Schritte stehen, um zu lauschen. Da, auf ein- entfernt, ragte ein riesiger Baumstamm auf, der wieder aus der Höhle hervorwagte, war es hell- ant feine Mutter anschloß, obwohl er mehr als mal hörte er einen Laut, der ihm ein freudiges jedesmal, wenn sich die Blige am Himmel jag- lichter Tag, und die Sonne stand hoch am einmal sehnlichst gewünscht hatte, Wo'an begleiten Getinsel entlocte. Es war ein Heulen in weiter ten, wie ein Gespenst vor ihm stand, als ob er Himmel. zu dürfen. Die Nature war mun daran, einen Billo, Sohn von Wotan rollen. Ein greller Blik zudte zwischen den Der feſte alte Stamm erbebte und barst wie von schnuppern wollte, ſchmerzte sie, daß er laut aufIn die Höhle, in der er Schuß gesucht hatte, war dicht an seine Mutter schmiegen, ihre warme, allmählich Wasser eingedrungen und Billo schmeichelnde Zunge spüren und das Winseln wurde bis auf die Haut durchräßt. Er klap- hören. Es trieb ihn auch nach Wotan, nach dem perte vor Frost mit den Zähnen und wartete, alten Windbruch und dem großen Stück blauen was mun geschehen würde. Himmels, das sich gerade über dem Windbruch Ferne, das Heulen eines Wolfes. Billo dachte diesen Blißen trogen wollte, und sie ihm nichts Anfänglich vermochte sich Billo faum auf den Ausgleich zu schaffen. Sie suchte Billo zu lehren, aber gar nicht an Wölfe, nur an Wotan, und anhaben könnten. Schließlich traf aber doch Füßen zu halten, so verkrampft waren seine daß es jetzt Zeit wurde, sich selber nach Nahrung er rannte durch den dämmrigen Wald, bis er einer! Eine bläuliche, züngelnde Flamme rafte Glieder. Jeder Knochen schien ihm aus den Ge- umzusehen. völlig außer Atem mar. Dann blieb er wieder den alten Baumstamm entlang in die Erde, und lenken gerissen zu sein. Das wunde Ohr war Fortsetzung folgt.) yrt« ztxi« Sonntag, V. November 1930. Gelte 8. Vom Prager»ealschen Aiiadsant. E Die Festwoche ist vorbei. Di« seinen Wort« über di« hohe Mission des Rundfunks sind verhallt. Das Fest ist aus und der Ansager gibt Gramms- Phonmusik an und wiederholt in geschäftiger Weise die Bestellnummer der Schallplatten. Alles wird wieder beim Alten bleiben. So haben wir das erwartet. Ein Zwiegespräch über„Deutsch« Kunststätten in Böhmen" ging dem Festende voran. ES war nichts Bedeutsames und bot keine sicheren Ausblicke, Eine Plauderei war es, wie sie in«in«r PHILIPS MINIWATT EMPFANGEN Dauer von zehn Minuten eben sein kann. Und trotz der Kürze wurde sie an einigen Stellen langweilig gesprochen. Die Hörer wurden mit der Sonntagsendung entschädigt. Da sang uns Alfred Schütz vom Deutschen Landascheater mit seiner klangtiefen Stimme italienische und französische Opernarien. Da gab uns die Pianistin Magda Szak- marh ein kleines Klavierkonzert. Wir hörten Mendelssohn und eine Konzert-Etüde von Emil Sauer. Die beiden Künstler haben den vielen unsichtbaren Hörern große Freud« bereitet. Die Vortragsreihe„Der Sagenschatz unserer Heimat" wurde am Montag von dem bekannten Schulmanne Fachlehrer Ignaz Göth aus Jglau fortgesetzt. Göth ist ei« guter Rundfunkfpre- cher und erzählte in einer recht angenehmen Art Hirtensagen aus dem Kuhländchen; vom Hirten, der das Brot verflucht«, von der versunkenen Stadt im Sühneteich, vom Schmiedt aus Mährisch-Ostrau, der schwarze Steine sand, di« an seinem Feuer anfingen zu brennen; es waren Steinkohlen. Mit einigen Strichen zeichnet« Göth die abendliche Landschaft des mährischen KöhlengevieteS. Wir in Nord- westböhmen kennen und lieben die Reize dieser eigenartigen Industrielandschaft. Sie ist bei uns von der gleichen Ant. Dann hörten wir Erich Kästner, den Dichter, der den Alltag einer Zeit in seinen Versen besingt, di« ihre Brutalität hinter einer verlogenen Sentimentalität verbirgt. Den Menschen dieses Alltags spürt der Dichter nach und er läßt sie mit ihren schmucklosen Worten die Satire auf das Leben dieser Zeit sprechen. Erich Kästner leitete sein« Vorlesung mit der Mitteilung ein, daß ihm di« Zeit zum Borlesen zu kurz bemessen und daß er der Tatsache, keine« Anstoß zu erregen(wir wittern hinter die- ftn Worten die Drohung des amtlichen Zensors), Rechnung trägt und die Hörer aufmerksam macht«. daß sie ihn deshalb von der harmlosesten Seite kennen lernen werden. Er gab sodann seinen„knappgefaßten Lebenslauf bekannt.„Ich kam zur Welt und lebe trotzdem weiter". Dann folgte«in Herbstgedicht„Eine Elegie nach allen Seiten", dann die ,Ballade vom Mißtrauen",„Ein Beispiel von eigener Liebe", das„WiegenliÄ väterlicherseits", das Gedicht„Einsamkeit" und zum Schluß„Raster No vember". Wer von den Rundfunkhörern Kästner wirklich kennen lernen will, der wirb zu seinen Büchern greifen mästen. Äm Rundfunk wurde er zum harmlosen Dichter degradiert.— Am Donnerstag sprach in der Arbeitersendung Genosse Jng. Otto Ditmar populär und instruktiv üb« di«.„Zertrümmerung der Atome". Rudolf Rückl. Die österreichilchen Wahle«. Wie wird gewählt?- Stärke der Parteien.- Wahlausfichten. . Oesterreich wählt, wie di« meisten europäischen Demokratien auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheime» Verba l t n i 8 w a h l r e ch t s für Männer und Frauen, die älter als 21 Jahre und unbescholten sind. In der Durchführung unterscheidet sich daS österreichische Wahwerfahren von dem unseren. Die Stimmen werden in den Wahlkreisen gezählt, in denen auch die erst« MandatSverteälung stattfindet. Wer die Wahlzahl erreicht, erhält schon rm Wahlkreis ein Mandat, das sogenannt« Grundmandat, wer aber ein solches Grundmandat nicht erreicht, der kann im WahlkreiSverband kein Restmandat erhalten. Der WahlkreiSverband ist die zweite Zählungsgruppe und zum Unterschied von unserem Wcchlsystem auch di« letzte. Während ber uns noch oaS dritte Skrutinium stattfindet, gibt es in Oesterreich keine Reichsliste, sondern neben den Grundman- daten nur die Restmandate im Wahlkreisverband. Es gibt 25 Wahlkreise(die ersten sieben entfallen auf Wien) und die Wahlkreisverbände Wien, Niederösterreich, Steiermark mit Kärnten und Burgenland, Oberösterreich mit Tirol und Salzburg. Wenn nun eine Partei auch in einem Wahlkreis em Grundmandat erhalten hat, so ist nicht gesagt, daß ihr alle Reststimmen zugute kommen, sie erhält vielmehr die Reststimmen nur indem Wahlkreis- verband, in dessen Bereich ihr ein Grundmandat züfiel. Daher sind die Wahlaussichten der kleinen Parteien in Oester- reich immer schlecht. Sie kandidieren gewöhnlich von vornherein nur in dem Wahlkreisverband, in dem sie auf ein Grundmandat hoffen können. Genoste Dr. Friedrich Adler schreibt darüber in der Int. Information: „Diese Bestimmung schließt alle Splitterparteien aus. So werden weder die Kommu-- n ist en, noch die Monarchisten ein Mandat erringen, wie sie seit dem Bestarw der Republik auch niemals eines innegehabt haben. 14 Kandidatenlisten wurde« eingereicht, aber für di« tatsächliche Zusammensetzung des künftigen Parlaments kommen neben den beiden großen Par- teien, den Sozialdemokraten und den Christlich- sozialen, nur der Schoberblock, der sich offiziell„Nationaler Wirtschaftsblock und 8 a n d b u n d" nennt, in Betracht Dieser Block sollt« das nichtklerikale Bürger- und Bauerntum und di« Intelligenz zusammenfasten. Der Plan ist gegen die Absichten Schobers nur zum Teil verwirklicht worden, da die Großdeutschen darauf beharrten, ihm ein antisemitisches Gepräge zu geben. Die jüdischen bürgerlichen Parteien kandidieren auf eigenen aussichtslosen Listen und die große liberale Börsenpreste tritt nur mir geteilten Gefühlen für den Schoberblock ein." Die Wahlzahl dürft« diesmal 22.000 bis 2 8.0 0 0 Stimmen in einem für ein Mandat betragen(also weniger als bm uns). Wichtig ist, daß feit der Berfaffungsreform Schobers nicht mehr die Gemeinden, sondern die Polizei die Wählerlisten anlegt. Damit ist gewissen Wahlschwindeleien Borsöhub geleistet und es ist m^lich, imß die Sozialdemokratie auf diese Weise geschädigt wird. * Der österreichische Nationalrat zählt seit 1923(wo eine Reduktion der Abgeordnetenzahl stattfand) 165 Mitglieder. Sie verteilte« sich auf die Partei«» bei den beiden letzten Wahlgängen folgendermaßen: 1923 Christlichsozial« Partei 1 82 Großdeutsche Bolkspartei/^ 10 Sozialdemokratische Partei 68 Landbund für Oesterreich 5 1927 3b■ 71 9 Insgesamt 165 166 An Stimmen erhielten die Parteien 1927: Absolut Prozente Einheitsliste(Christlichsoziale und Großdeutsche). 1,763.346 48.2 Sozialdemokraten.. 1,539.088 42.3 Landbund 229.977 6L Udeverband.... 35.428 1.0 Bölkisch-sozialer Block. 27.142 0.8 Kommunisten... 16.181 0.4 Demokraten.... 14,472 0.4 Jüdische Partei... 10.717 03 Partei der Kärntner Slo- Venen 9.384 0.8 4 weitere Parteien.. 1,027 — Zusammen 3,636.712 100— Dis Sozialdemokraten haben im Jahre 1927 an 300.000 Stimmen gewonnen. Der Mandatszuwachs war gevina. Das rührte daher, daß 1927 durch die„Einheitsliste" die bürgerlichen Reststimmen fast zur Gänze erfaßt wurden, während 1923 zahlreiche bürgerliche Reststimmen verloren girren und die Sozialdemokratie damals mehr Mandate erhielt, als ihrer Stimmenzahl nach dem strengen Proporz entsprochen hätte. Diesmal besteht; di« Möglichkeit, daß die Sozialdemokratie von der schon oben geschilderten Zersplitterung der Bürgerlichen Nutze« zieht und«inen Mandatsgewinn erzielt, der im Verhältnis zum Stimmengewinn größer ist als 1927. * War die Wahlaussichten der Parteien überhaupt betrifft, so scheint nur das eine völlig sicher zu fern, daß die Christ- Am V nabend der Wahlschlacht Wien fiebert. Was wird sich noch ereignen? Niemand außer den Hahnenschwänzlern und den Christlichsozialen wünscht einen ernsten Zwischenfall, der di« Wahlen gefährden könnte, jeder bangt eher vor den kommenden Stunden. Nach den Konfiskationen d«r sozialdemokratischen Zeitungen und der Flugblätter, den Heim- und Haussuchungen nach Waffen, nach den pvrsonel- kn Vorbereitungen der Polizeimacht und vor allem bei dem unglaublich provokatorischen Verhalten der Hahnschwänzler würde es fast als Wunder erscheinen, wenn eS nicht zu dem von Hahnenschwairz und Schwarzkutt« gewünschten Zusammenstoß käme. Jeder verantwortliche Funktionär der Arbeiterbewegung beruhigt in diesen Stunden, weiß man doch, daß die Auslösung der auf beiden Seiten zurückgedämmten Leidenschaften nicht mehr der Wahlzettel, sondern die brutale Gewalt entscheiden würde, mit welchen Methoden Oesterreichs Geschick in der nächsten Zeit geleitet werden soll. Uniformierte Heimwehrleute durchziehen in Trupps oder in Autos di« Straßen Wiens, am liebsten, jene, in denen zu 99 Prozent Arbeiter leben. Trompetengeschmetter dient dazu, das kriegerische— oder besser gesagt das räuberische Aussehen der Banden zu steigern. Abends Fak- kelzüg« der tzahnenschwänzler in den Arbeiterbezirken so läut als möglich; Starhemberg und seine Polizei warten auf ihre Opfer. Die Arbeiterschaft ist, bis auf einige bedeutungslose Zwischenfälle, ruhig geblieben, das will, bei dem, der den Vorwitz des Wieners kennt, immerhin etwas heißen. Disziplin der Arbe» terschaft auf der günzen Linie. In allen Versammlungen sagen di« Redner immer und immer wieder: nicht«inschüchtern, aber auch nicht provozieren lasten! Das verstehen di« Arbeiter und man läßt in diesen Tagen das Heimwehrgesindel toben. Der Sonntag muß mit dem Stimmzettel die Entscheidung bringen. Der österreichische Arbeiter und vor allem der Wiener, ist in kaum zu verstehender SiegeS- strmmung. Man muß di« Versammlungen dieser Tage miterleben und dann weiß man, waS für gläubige Sozialisten die Wiener Arbeiter sind. Donnerstag abend Versammlung Ottakring. Di«„Arbeiter-Zeitung" meldet keine Zeit für Wahlerversammlungen. Die Redner teilen die Zeit untereinander auf, da jeder der bedeutenden Führer jeden Abend in ein paar Versammlungen sprechen muß. Hier sind Friedrich Adler, Dr. Schärf, urtd S« v« r als Redner vorgesehen. Di« Bezirksorganisation Ottakring hatte Weisung gegeben, die Versammlung um halb 8 Uhr zu beginne»!. Um 6% Uhr ist der groß« Theatersaal, die Galerie bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Menschen sind von Mauer zu Mauer eingepreßt. Auf dem Gesimsen stehen sie, sie sitzen auf den Fenster». Man fürchtet ein Unglück. Abe« draußen stampfen sie weiter in endlosen Kolonnen an. Di« Nebenräume, di« wahrlich nicht klein sirch, werden besetzt, der weite Garten des ArboiterheimeS füllt sich, de« Zustrom gebt weiter, um halb 8 Uhr ist die Straße vor dem Heim zum Ber- sammlungsplatz geworden. Man sieht zwar hier stundenlang nichts, aber die Maste bleibt unbeweglich, sie wartet auf Friedrich Adler, sie will den Führer sehe». Im Saal haben di«„blauen Blusen" längst das Vorspiel beendet. Beißender Spott hat di« Reaktionäre Oesterreichs alles Ernstes entkleidet, nach Schlagormelodien singt man steirisch« Vers« auf Baugoin, Seipel und „Wenn der Strafe»!« net unsere Bundesbahnen hätt'". Dann kommt Adler, umjubelt ohne End«, einKönigderArbeiter. Ruhig schildert er den Weg und den Kampf der österreichischen Arbeiterklasse, ihre Erfolg und die Gefahren, di« nun vor ihr stehen. Jedes Wort«ine Feststellung.„Bor 40 Jahre» war unsere Partei nicht größer als diese Versammlung. und doch haben wir di« Reaktion besiegt, kann jemand glauben, daß wir jetzt besiegt werden können?" Und tausendfach ruft man ihm die Antwort zu: „Nein!" Seine Rede überzeugt. Ruhig bleiben, warten, die Demokratie wird siegen! Am Schluffe«ine Reminiszenz über die Habsburger und die Habsburgertendenzen der Zita, die zu dem Gelöbnis führen:„N