Einzelpreis 70 Heller. Redaktion und Berwaltung Brag, I. Metazanio 1& Selephone. Segestedaftion: 26795, 31469. Nachtredattion: 26797 Doftichedamt 57544 Inserate werden laut Zarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Breisnachlaß 10. Jahrgang. Sozialdemokrat Rytow abgesägt. Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit. Sein Nachfolger Molotow. Moskau, 19. Dezember.( Taß.) Die Zentralerekutive der Sowjetunion enthob den Vorsitzenden des Rates der Volkskommissäre der Sowjetunion Rytow auf seinen Wunsch seines Postens und ernannte an seiner Stelle Molotow. Entlarbtes Nazi- Manöver. Samstag, 20. Dezember 1930 Bezugs Bedingungen: 8 Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Volt: monatlich Ke 16, vierteljährlich halbjährig ganzjährty.. 48.98.192.Rüdftellung von Manu( tripten erfolgt nur bei Einfendung der Retourmarten Ericheint mit Ausnahme des Montag täglich irüh. Nr. 298. Musolini hält sich durch Lohn- und Gehalts- Die Welt ist krank! abbau aufrecht! Oito Braun über Diktatur, Demokratie und kapitalistische Anarchie. Zum Unterschied von der Engherzigteit, mit der die Radiozensur bei uns vorgeht, werden in Deutschland im Radip auf Grund einer Vereinbarung der politischen Parteien auch politische Vorträge gesendet. Dieser Tage hat nun der preußische Ministerpräsident Genosse Otto Braun auf der Deutschen Welle einen Bontrag über das Thema:„ Ist die Demokratie siderschüttert?" gehalten, der, obwohl für Deutschland zugeschnitten, doch auch anderswo volle Beachtung verdient, weil die in ihm enthaltenen Gedanken Allgemeingeltung haben. Otto Braun sagie unter anderem: A Eine Rede des Duce 900 Millionen Defizit. Keine Einschränkung der Militärausgaben. Mussolini tritifiert die Friedensverträge. Rom, 19. Dezember. Bei der Beratung der man eine Gesamtsumme von mindestens drei Gefeßesvorlage über die Herabsetzung der Be- Milliarden. Mussolini wies darauf hin, daß man amten und Angestelltengehälter im Senat hielt in Deutschland wieder mit dem Pfennig zu rechBerlin, 19. Dezember. Die verlogene natio Ministerpräsident Mussolini eine Rede über die nen beginne und gedachte der„ heldenhaften Mitnalsozialistische Agitation ist im medienbur- Finanz- und Wirtschaftslage und teilte mit, daß tel", durch die Reichskanzler Dr. Brüning das gischen Landtag von der sozialdemokratischen das Defizit im Rechnungsjahre 1930 auf etwa Defizit auszugleichen suche. Ge unterliegt teinem Fraktion wirkungsvoll entlar vt worden. Die 900 Millionen Lire geschäßt werden könne. Es zweifel, fuhr Mussolini fort, daß die FriedensNationalsozialisten hatten einen Gefeßentwurf sei unmöglich, neue Steuern einzuführen oder die verträge in der Form, wie sie aus den von eingebracht, nach dem Landwirtschaft, Industrie bereits bestehenden zu erhöhen, denn der Steuer- Leidenschaft erfüllten Jahren 1919 und 1920 herund Handel zugestanden werden sollte, die drud in Italien sei sehr erheblich. Man habe vorgegangen find, nicht mehr mit dem Steuer in Naturalien zu zahlen, das daher eine Erleichterung des Budgets durch Gewissen der Gegenwart zu verheißt die Landwirte hätten ihre unverkäuflichen Serabseßung der Beamtengehälter einen sind. Die Hauptursache der allgemeinen Kartoffeln und Rüben, die Industrie unanbring herbeiführen müssen. Andere Ersparungsmöglich Krise liegt in dem Mißverhältnis zwischen ErzenDas gesamte öffentliche Leben Deutschliche Maschinen, die Staufleute Salzgurken und feiten gebe es nicht. Auch eine Einschrän- gung und Verbrauch. Er sei indeſſen überzeugt, lands befindet sich in einer schweren Kinderspielzeug dem Finanzamt anstelle von kung der Militärausgaben, die von daß bald wieder eine Erholung für die Welt im Steuern abliefern können. Zur peinlichen Ueber- 650 Millionen in der Vorkriegszeit auf etwa fünf allgemeinen und für Italien im besonderen ein- rise. Wie in solchen Fällen üblich, fehlt es nicht an Rezeptemachern und Kurpfuschern, raschung der Nationalsozialisten erklärten die Milliarden gestiegen feien, sei im gegenwärtigen treten werde. Sozialdemokraten ihre Zustimmung zu die Augenblick nicht möglich, wo alle Mächte start Nachdem der Ministerpräsident unter sehr die ihre einzig erfolgversprechenden Heilmethojer Vorlage. Es bedurfte energischen Einschrei rüsten, so viel sie auch vom Frieden sprechen. lebhaftem Beifall seine Rede beendet hatte, wurde den anpreisen. Sie sagen, die Demokratie sei Im zweiten Teil seiner Rede beschäftigte sich die Gesetzesvorlage über die Gehaltstür- schuld, wenn das deutsche Volk aus politischen tens seitens der Regierung, um den Entwurf wenigstens an den Ausschuß überweisen zu las Mussolini mit wirtschaftlichen Fragen. Die Her- zungen vom Senat angenommen. Krisen und Wirtschaftsnöten nicht mehr hersen, wo die Nationalsozialisten nun in aller abfezung der Löhne der Landarbeiauskomme. Rom, 19. Dezember. Wegen des ZusantmenStille ihren Umfall vollziehen können. fer habe zur Folge, daß die italienische Landwirtschaft eine Erleichterung ihrer Ausgaben in bruches des Kredito Polosano, dessen Passiven der Höhe von 1.200 Millionen Lire erfahre. Die mehrere Millionen betragen, wurden der Syndi entsprechende Erleichterung für die Industrie be- tus Cavalliere Marin und der Verwaltungsrat Berlin, 19. Dezentber.( Eigenbericht.) Der laufe sich auf fast eine Milliarde. Rechne man Ferrari verhaftet. Ersterer wurde heute morgens preußische Landtag hat heute den deutschnationa die Ersparnisse durch die Gehaltstürzung in der Zelle. in der er mit drei anderen Gefanlen Mißtrauensantrag gegen den Ministerpräfi- für alle anderen Arbeiter, die Be- genen eingeschlossen war, tot aufgefunden. Die denten Braun und Innenminister Sebeamten und Angestellten hinzu, so erhält Todesursache ist noch unbekannt. Bergebliches Bemühen. ting mit 224 gegen 182 Stimmen abgelehnt. Die Rechte hatte diese Aktion deswegen unternommen, weil Braun und Severing das Ver bot des Films Im Westen nichts Neues" mig billigt hatten. Baden gegen Uniformen politischer Berbände. Karlsruhe, 19. Dezember. Der badische Landtag nahm eine volksparteiliche Entschließung an, die ein allgemeines uniformes Verbot der politischen Verbände von Reichs wegen für erwünscht hält. Schlußigung des Senats. Umsatzsteuer und 150 Millionen Kredit angenommen. Die Leute, die dauernd über die Demofratie schelten, kommen mir immer vor etwa wie ein ungeschickter Holzfäller, der sich mit der Art, anstatt den Baum zu treffen, in sein eigenes Bein schlägt. Er wird sehr leicht unter begreiflichem Schmerz und großer Zornaufwallung die Art fortwerfen und in ihr den Schuldigen jehen. In Wirklichkeit ist er aber zungen des Ausschusses an ihn gestellt worben selbst ungeschickt gewesen und in seiner Erremaren. Die Schuld an der Verschleppung der gung nur nicht imstande, sich das selbst zuzuBrenstzeitverfürzung fchob er diesma! gestehen. Wer eine große und schwere Arbeit auf die anderen Ressorts, die für die verrichten will, muß eben zuerst lernen, die Regelung der Verhältnisse der längerdienenden dazu nötigen Werkzeuge und Instrumente Prag, 19. Dezember. In fast achtstündiger Unteroffiziere tein Verständnis hätten; namentlich richtig zu handhaben. Auch die Demokratie iſt Sigung bewältigte der Senat heute noch das die Einrechnung der Militärdienstzeit bei einer für das Volt, das seine Herrscher des selbstän vorgesehene Vorweihnachtsprogramm und verspäteren Anstellung im Staatsdienst stoße auf für das Volt, das seine Herrscher des ſelbſtän tagte sich dann nach den üblichen Feiertagswün- Schwierigkeiten. Es sei ein unseliger Zustand, daß digen politischen Denkens und Handelns und 3. B. in die Gendarmerie und Finanzwache Leute jeder Verantwortung völlig entwöhnt hatten, schen bis voraussichtlich Mitte Jänner. Bei der Beratung der Umsatzsteuervorlage aufgenommen würden, die nie in der Armee ge- mit ihrem Zwang zur Selbstverantwortung bot sich einer Reihe von Oppositionsrednern dient haben. Gesetzlich sind für Längerdienende nur und der Aufgabe der Selbstregierung ein völnoch die ersehnte Gelegenheit, allerhand Be- 50 Prozent dieser Stellen vorbehalten; mehr fonnte lig neues politisches Instrument gewesen. schwerden über diese Steuer vorzubrigen; an ton- das Ministerium bisher nicht erreichen. Ausführ,, Ueberall Ruhe" in Spanien. frete Vorschläge, wie diese Einnahmsquellen am lich befaßte sich Viskovsty mit der von Klojač beken der Demokratie bei uns zum Teil in sein Die Entwicklung hat leider den GedanNeue Zusammenstöße und Verhaftungen. besten durch andere, gerechtere Steuern zu anständeten Tatsache, daß manche bei der HeberLieferungen beschäftigten Offiziere Gegenteil verkehrt und den Parlamen Madrid, 19. Dezember. Ein großer Teil der erjesen sei, troute fich freilich niemand heran. nahme von Mitglieder der Regierung trat gestern im Striegs- Auch von den bedeutsamen Verbesserungen für später in den Privatdienst zu dem betreftarismus im Volte entwertet. ministerium zu einer Sigung zusammen. Beim die Geschäftsreisenden wurde seitens der Oppofi- fenden Lieferanten übergehen. Enqueten über das Das Volk versteht nicht mehr den Sinn dieser Für und Wider hätten ergeben, daß nichts da endlosen Parlamentsfämpfe und Verhandlun Berlassen des Kriegsministeriums erflärten die tion faum ein Wort gesprochen. Ueber den 150 Millionen- Fonds referierte gegen einzuwenden sei, daß gewesene Offiziere an gen und es zweifelt an der Möglichkeit, auf Minister, es feien ihnen zahlreiche Depeschen aus in einschlägigen Industrien diesem Wege überhaupt weiterzukommen. Dem verschiedenen Gebieten Spaniens zugekommen, Senator Banet. Er hob hervor, daß der Kre- führenden Posten so bestätigte der Ministerpräsident bei einent Daß die Krise noch schärfere Formen annehme; nationen zugunsten des jetzigen Arbeitgebers jet lichkeit gesagt werden: nicht die Demokratie, die bestätigen, daß überall Ruhe herrscht. Eben- Dit eine Präventivmaßnahme für den Fall sei, fiehen; eme Belohnung für e.waige frühere had gegenüber muß mit aller Schärfe und DeutEmpfange der Pressevertreter, daß in Spanien man könne daher nicht mit Sicherheit vorher darin kaum zu erblicken. Um Bestechungen zu be jagen, für welche Swede man diese Beträge ver- gegnen, seien die geltenden gefeßlichen Bestimmun. nicht der Gedanke, daß ein Volk aus freier menden werde. Allzugroße Empfindlichkeit hingen ausreichend. Unkorrektheiten bei der Ueber politischer Entschließung Vertreter wählt, die Madrid, 19. Dezember. Amtlich wird mit sichtlich der Verfassungsmäßigkeit jei hier nicht nahme von Lieferungen seien dadurch erschwest, dann die politischen Geschicke der Gesamtheit geteilt, daß der& o mt munisten Führer am Blah, da es sich um eine einmalige Maß daß Lieferungen nie durch Einzelpersonen, sondern betreuen sollen, haben verjagt. Versagt hat bei uns lediglich ein erheb Alvarez de Sotomayor verhaftetnahme handle, wie sie auch in anderen Staaten immer fommissionell übernommen würden. Hinsichtlich der Einreihung in die Erlicher Teil der deutschen Menreserve wurde. Ferner wird mitgeteilt, daß die Fremden schon vorgekommen sei. Der erste Betrag, den Legion nicht nach Madrid berufen Ruhe herrsche. es nach dem vor Kurzem erfolgten Aufstand auf einem Beschluß des Ministerrates vier Mil 3ahl der Einzureihenden nicht mehr erhöhen könne. Die plötzlich auf seinen Schultern dem Madrider Flugplaße beabsichtigte. losen sein. Es dürfte wahrscheinlich möglich getroffen, um in berücksichtigungswürdigen(?) ag, noch nicht gewachsen war und Alicante, 19. Dezember. Aufständische stürz- sein, den ganzen Kredit aus laufenden Staats- Fällen eine nachträgliche Uebersetzung in die Evjay- mit dem Parlamentarismus dareserve zu ermöglichen. her noch nichts Rechtes beginnen ten mehrere Tramwaywagen um. Die Zivilcinnahmen zu decken. In die Debatte griffen nicht weniger als Weiters wäre noch hervorzuheben die Zusiche konnte. garde mußte einschreiten. Zwei Führer der Sodann aber wird systematisch am UnterStreifenden wurden verlegt. Ein Advokat wurde elf Redner ein, worauf der Kredit unverändert rung des Ministers, daß das Arbeitsverhältnis der genehmigt wurde. Endlich wurde auch noch de- Arbeiter der Militärverwaltung derart geregelt verhaftet. battelos die Elektrifizierungsnovelle genehmigt; werden soll, daß bewährte Arbeiter eine e gange des Parlamentarismus dadurch gearsämtliche Vorlagen wurden im dringlichen Ver- sorgnisse haben müssen, daß die Militärverwaltung beitet, daß Männer und Parteien in das ParDie wankende Regierung Steeg. ihr Kündigungsrecht aus fleinlichen oder vorgelament hineingehen, die geschworene Todfeinde Paris, 19. Dezember. In Besprechung der fahren in beiden Lesungen angenommen. In seiner Schlußansprache brachte Dr. täuschten Gründen anwende. Ein diesbezüglicher des parlamentarischen Systems, der Selbstgestrigen Abstimmung in der Kammer betonen Soukup die schon oft fritisierte mangelhafte Entwurf sei bereits ausgearbeitet. Zur Behebung regierung des Volkes, sind und deshalb um Sie Blätter; daß die von der Regierung Steeg Unterbringung des Senats zur Sprache und gab der Arbeitslosigkeit mache das Ministerium im jeden Preis die Verhandlungen des Parlaerzielte Mehrheit eine der schwächsten ist, die in der Hoffnung Ausdruck, daß der Budgetausschuß Rahmen des Budgets das Möglichste; so merden ments durch ihr Verhalten in den Augen des den Annalen, des französischen Parlamentaris heuer das leztemal in seinem Stellerlokal ge- jetzt Sieferungen von Wäsche, Uniformen, Pelzen Volkes diskreditieren wollen... Nur durch muts verzeichnet Bedaß durch die gestrige Abstimmung die von den arbeitet habe. Er gab eine Uebersicht über die und Pelzanzügen im Werte von fast 10 Millionen eine, jede einseitige Interessenpolitik von sich Sozialisten bei der Debatte so stürmisch ge betonte die Arbeitsfreudigkeit des Senats, der forderte Auflösung des Parlaments verhütet wurde. Die Demiffion von drei Mir gliedern des Stab netts unmittelbar vor dem Zusammentritt der Kammer wird im ganzen sehr ftreng beurteilt. Die Linablätter erären fie als ein im letzten Augenbl'd erfolgtes Manöver. Die durch die Unterſtübung der Sozialiſten in eine Oppositionsvreffe wirst der Regierung vor sie sei Situation geraten, die das Kabinett sofort lebensunfäbig machen werde, sobald wieder normale Berhältnisse eintreten. für immer ein nüßliches Glement in der tomplizierten Gesetzgebungsmaschinerie sein wolle. ** Wer hintertreibt die Dienstzeitberkürzung? * Ministerrat. Prag, 19. Dezember. Heute sollte der letzte Ministerrat vor Weihnachten stattfinden; die Beratungen, in denen wohl der vertragslose Zu stand mit Ungarn eine große Rolle spielte, dauerEine offizielle Meldung Biskopsty schiebt die Schuld auf andere Refforts. wurde, wie leider üblich, nicht ausgegeben. Es Im Wehrausschuß beantwortete heute früh heißt lediglich, daß noch am Montag ein Mini Verteidigungsminister Bistovity eine Reihe stervat stattfinden wird, der die unerledigten pon Anfragen, die in den vorausgegangenen it Personalangelegenheiten fertigstellen soll. weisende und den grundsätzlichen und demagogischen Widerstand der antiparlamentarischen Opposition hinwegfegende entschlossene Regierungspolitik kann die Reichsregierung heute das große Erbe des deutschen Volkes vor dem Berfall schützen und uns vor dem Aeußersten bewahren. Nur so vereiteln wir die Taktik der antiparlamentarischen Gruppen, erst die Arbeit des Parlaments lahmzulegen und dann hohnlachend in alle Welt hinauszuschreien: Seht doch, das Parlament versagt; das ist Seit« 3. SamStag, 30. Dezember 1980. Nr. 298. dos Ende des parlamentarischen Regimes, nur dep Diktator kann uns retten!" Nein, kein Diktator kann uns r e t t e n. Wir selbst müssen uns helfen, indem wir die Scheu Vor der Verantwortlichkeit bei unS allen und hei den Parteien vor allem bekämpfen/die sich verantwortungsbewußter Mitarbeit versagend Es ist natürlich viel leichter, dem Volke zu erklären, daß man keine neuen Steuern brauche, damit das Reich sich finanziell leistungsfähig erhalten kaim; man solle nur die Tributlastenzahlungen einstellen und alles sei gut. Wer den Massen so etwas sagt, hat bei ihrer Not und bei ihrem begreiflichen Zorn gegen unsere finanzielle Blutleer- machung durch das Ausland naturgemäß ihr Ohr. Weit schwerer ist es, vernünftig und ruhig zu sagen, daß daS so mit Gewalt nicht angeht. Würfe Deutschland sich heute in einem ZrrsinnStaumel einem Diktator etwa von der Art des Herrn Hitler in die Arme, was wäre damit gewonnen? Zwei Möglichkeiten gäbe eS nur, entweder Herr Hitler täte als Diktator das, waS er und seine Leute Tag für Tag in unzähligen Versammlungen den Massen versprechen. Dann würde mit einem Schlage das Vertrauen, das Deutschlands wirtschaftliche Arbeit und Kraft heute immer noch in der Welt besitzt, und das wir vermehre« wollen, zum Teufel sein. Die gesamten bei uns arbeitenden ausländischen Gelder würden fluchtartig zurückgezogen. Milliarden strömten ab. Die Bankert wären dadurch gezwungen, sofort Hals über Kopf die an ihre Kundschaft gegebenen Kredite zu kündigen. Große Industrieunternehmungen konnten nicht einmal mehr die nächste Lohnzahlung vornehmen. Riesenhafte Arbeiterentlassungen wären die erste Folge. Zusammenbrüche der mittleren, kleinen und kleinsten Geschäftsleute würden in ganz Deutschland in noch nie dagewesenem Maße eintreten. Außenpolftische Schwierigkeiten ohne End« würden folgen und im Innern d«S Landes würden Bürgerkrieg und Hungerrevolten dar ihrige tun, um unser Vaterland explosionsartig auseinanderzusprengen und die einzelnen Teile in völliger politischer Ohnmacht jedem außenpolitischen Gegner als willkommenes Opfer hinzuwerfen. Und die zweite Möglichkeit: Einmal in den Besitz der ihn lockenden Macht gelangt, würde Herr Hitler seine hauptsächlichsten Programmpunkte vergessen und so, wie er es — allerdings ohne die ihm folgenden Massen davon in Kenntnis zu setzen— ja dem Aus- lande gegenüber und auch gegenüber der Großfinanz getan hat, seine ehemals stolzen Pläne ganz jämmerlich reduzieren. Um das Ausland zu beruhigen und um das Kapital nicht gegen sich zu haben. Dann würden die von ihm enttäuschten Massen fühlen, daß sie irregeführt find und würden in blutigen Kämpfen versuchen, seine Diktatur durch eine andere, radikalere, abzulösen. So oder so also Chaos und Untergang, nirgends aber durch das Mittel der Diktatur Aufstieg oder Besserung. Auch der Diktawr kann, selbst wenn er ein Genie wäre, nicht mehr wachsen lassen, als der Boden hergibt, und er kann vor allem nicht mehr Arbeit schaffen, weil der Weltmarkt nicht daran denkt, mehr Ware abzunehmen als lvir heute, wo uns überall hohe Zollschutzmauern den Weg versperren, absetzen können. Unsere deutsche Not von heute ist nicht nur auf uns beschränkt und gar nicht einmal mit deutschen Mitteln— am allerwenigsten durch Diktaturgeschwätz oder gar Diktatureinrichtungen allein heilbar. Die Welt ist krank, sie leidet an den Folgen eines Krieges, der sie gerade in ihren höchst kultivierten Teilen bis ins Mark getroffen hat, und von denen sie sich noch auf lange Zeit hinaus nicht zu erholen vermag. Dariiber hinaus krankt di« Welt an dem zur Zeit geltenden Wirtschaftssystem unserer Gesellschaft. Jede einzelne Nationalwirtschaft schließt sich ängstlich und eifersüchtig von allen anderen ab und umgibt sich mit einem Kettenpanzer von Hochschutzzöllen. Jede sucht die Einfuhr fremder Waren durch tausend zolltechnische und finanzpolitische Mittel und Mittelchen abzuwenden, und doch gleichzeitig im vollendeten Widersinn ihre eigene Produktion möglichst unter Unterbietung der fremden auf den Weltmarkt zu werfen. Es gibt leider noch keine Weltwirtschaft in dem Sinne, daß die Menschen aller Erdteile und Länder etwa wirtschaften nach den Gesetzen der Vernunft und einzig allein unter dem Gesichtspunkt, daß jede Bodenbearbeitung und alle Warenproduktion, die deute nur im Hin- blick auf die Rentabilität vor sich geht, in Wirklichkeit nur dann Sinn und Zweck hat, wenn aus ihren Erzeugnissen die Menschen des Erdballs gesättigt und geneidet lverdcn können und in ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenleben sich höher entwickeln. Eine Wirtschaft kann nicht gut sein, bei der an der einen Stelle Lebensnotwendiges in ungeheurem, nicht zu bewältigenden Ueberflusse vorhanden ist und am andern Orte Notwendiges so fehlt, daß H u n- gerundNot die Menschen schlägt urü> vernichtet. Nicht gut kann eine Wirtschaft sein, die zulassen kann, daß überschüssige, so wichtige Produkte wie beispielsweise Weizen, Baumwolle und K a s f e e teilweffe ihrer natürlichen Bestimmung entzogen, isoliert, ja absichtlich zerstört werden, nur um durch ein geringeres Angebot auf dem Markte den Preis zu halten oder höhere Priens« zu erzielen. Solche sogenannte Valorisation ist nicht verständlich, wenn anderwärts auf der Erde Menschen aus Hunger und Not elend zugrunde gehen muffen. Me Räder der Wirtschaft der Welt sollten so ineinandergreifen, die Berteilungsorganisation sollte technisch so ideal gestaltet sein, daß jeder, solange die Erde nur das Notwendigste hergibt, auch die Möglichkeit und dar Recht zu leben hat, wenn er nur will. Ein Volk allein ist machtlos, nur wenn die Völker zusammengehen, zusammen handeln und zusammen organisieren, werden sie imstande sein, den Kampf gegen die Not zu bestehen. Was die Welt braucht, ist Solidarität der Volker im rein Menschlichen und im Wirtschaftlichen, und darüber hinaus Logik und politischen Verstand. Man fordert von uns Deutschen als Verewigung der Tributzahlungen auS dem verlorenen Kriege in einer in der Menschheitsgeschichte noch nie gekannten Form und Härte jährlich Milliarden. Jeder Verständige weiß, daß wir diese Milliarden, wenn überhaupt, so höchstens nurinSach- l i e f e r u n a e n, in Waren, in Erzeugnissen deuffcher Arbeit und deutschen Gewerbefleißes und deuffcher Jngenieurkunst leisten können. Aber man nimmt uns die Waren nicht ab und erschwert zudem ihren Absatz auf dem Weltmarkt durch übertriebene Sperr- und Zollmaßnahmen. So müffen Millionen fleißige Hände bei uns feiern, und aus einer aufs schwerste um ihren Absatz kämpfenden Wirtschaft und aus einem verarmten Volke müssen wir trotzdem die Reparationslasten herausholen. Wahnsinnige Folgen des größten Wahnwitzes, den die Weltgeschichte je gekannt hat Ei» Kuliursekt der Misse. Aus mühseligen Tagelöhnern der In-: dustrie wollen wir alle zu schönen, starten Menschen werden; denen di« Welt gehör: als rin ewig unversiegbarer Quell künstlerischen Genusses. Richard Wagner. Unser soziales Streben drängt in der Richtung zu höheren und edleren Lebensfoxmen. Wir sind keine Anhänger des trostlosen Augenblicks und schott gar nicht von dem Wunsche beseelt, daß er verweilen soll, sondern unser ganze» Denken und Handeln muß einem großen! Ziele gewidmet sei», das wir vor uns sehe» und hartnäckig zu erreichen bestrebt sind. Aus all dem Elend, mit dem wir uns schleppen, müffen wir heraus^ Uns gehört die Welt! Die schaffenden Menschen de» Erdball» erzeugen mit Bienenfleiß alle Wert«, Schätze und Güter. Jahrhundertelang unter großen Entbehrungen und Erniedrigungen. Nun tritt diese Masse aus ihrer Objektstellung heraus und gestaltet ihr Sein. Sie schreitet in die Geschichte, di« von uns mit neuen Motiven gefüllt wird. AuS einer dumpfen, gleichgültigen und interesselosen Masse wurde'«in kulturhungriges Geschlecht. Nur da» Beste ist uns gerade gut genug. Menschliche Geistigkeit und tiefe Schönheit sind die Bestrebungen des Heute; reinstes Empfinden und edelstes Tu« die Pflicht für morgen. Alles für eine bessere und schönere Welt! Kan« auch ein Fest.unserer Sache dienen? Die ,Feste des Bürgertum»,-und-bis- vor Are JeS letzten Jahrzehnts auch jene der Ar- beiterklafse, waren ein" gelungenes Mittel zur Ablenkung der Menschen von ihren wahren und eigentlichen Interessen und notwendigen Aufgaben. Das Bürgertum hat keine Ideale mehr; sein« Fest« und Veranstaltungen befriedigen den Spieß«r nur in dem Maße, wie ihm Gelegenbeit geboten wird, seiner kulturlosen Lebensauf- faffung zu genügen. Alkoholkonsum und primitiver Kitsch bilden sein Programm. Wie der Alltag, so daS Vergnügen: leicht und geistlos. — Arbeitersost«, von Sozialisten veranstaltet, müssen höhere Offenbarung unserer Idee sein, Erhebungen au» dem Grau des Alltags. Schönheiten und Erleben. Gemeinschaft und Solidarität. Freude und Kampfeslust. Unsere proletarischen Feste siyd von stolzer Kraft erfüllt und dienen höheren Zielen. --7 des Weltkrieges, mit seinen 12.5 M i lli o n e« Toten und dem nur mühsanr verhüllten wirtschaftlichen Ruin Europas! Doppelter und dreifacher Wahnsinn aber, unter derartigen Umständen mit dem Gedanken ,enres n t u e n K r iegsabenteuers zu spielen und von einer Vergrößerung der Katastrophe ins.Maßlose die Heilung zu erhoffen! Nür wenn man überall den Mut zur Abrühst izng findet und gleichfalls zu der Erkenntnis, daß es«ne wirtschaftliche Solr- darrtät der Menschheit gibt, die man praktffch durch eine falsche und törichte Wirtschaftspolitik nicht dauernd ungestraft verleugnen darf, darf die heute lebende Generation auf eine Besserung ihrer Lage rechnen... Nur Minderwertigkeit»• Gefühle, nur Schwachheit und Scheu vor der Selbstverattt- wortung bringen Völker dazu, sich in die Arme, eines Diktators zu flüchten, der uns zu suggerieren sucht, daß er der Starke sei, der uns retten könne. Im Juni nächsten Jahre- wird im wunvrr- schönen Nordböhmen(B o d e n b a ch-T etschen) das Lied unserer Klaffe erklingen. Der Deutsch e Arb e i te r-S ä n g e rb u nd in der 6SR. veranstaltet sein Arbeiter-Sänge r- Bundesfest und ruft alle Arbeitenden zur Teilnahme auf. Arbeitersang. Verklärende Schönheit apbci- tendet Maffen. Im Liede ertönt chr Leid und ihr« Klage; im Gesang lebt ihr Hoffen und ihr« Freude. Durch das Kampflied dringt di« Empörung der Benachteiligten und Bedruckten, der Stolz des Kämpfenden und sein Mut. Schon ost wurde erwähnt:„Es gibt keinen Chor der Schwerindustriellen". Mer wir haben'e'nxn Chor der Arbeiter und Angestellten, durch welchen ihre soziale Lage zum Ausdruck kommt. Welcher Strom der Begeisterung flutet auS einem proletarischen Massenchor; welche Kunst liegt im geschulten Singen unserer Klassenbrüder und Klaffenschwestern. Dieses Singen ist hinreißende und erlösende Kraft, wenn unser Kampflied, ertönt, dessen Sprache und Rhythmus aus unserem Dasein flammt. Dann hebt sich unser Wollen zu überquellender Freude. Es zündet und weckt, es ruft und sammelt. Das kämpfende Proletariat singt seine Idee, vermittelt in der Musik sein Bestreben. Die tiefste Sehnsucht einer niedergedrückten Klaffe wird in den gesungenen Bersin der Dichter zum Gelöbnis,. MN Programm: Dos höillgr Feuer schüren wir zum hochaüf- loderybet» Brande.^ i.-rrrzKStz hinunter in alle Landes Dann leuchtet fit grell in tÄS Elend hinein; eiü warnendes Ungeheuer-.. ^wir stehen beim flackernden Flammenschein mW schüren das heilige Feuer.' Dsi Flamme des Kampfgesanges leuchtet ins Elend und ruft die Müden und Zagenden. So wird uns das Lied der Maffe zum haltvollen Strom der Ausstieges. Einmal versanken wir in Qual und Not— heute strebt nn Gesang eine Klaffe zur Höhe. Beweist nicht der Massengesang schaffender Menschen ihren Aust bruch aus tiefster Erniedrigung. Bon den arbeitenden Kindern des vergangenen Jahrhunderts zum Klnderchor des Jahres.1930, vom rechn, losen Proleten zum Sanger der„Neunten Symphonie" von Beethoven. 40| geschickt, m'sieu," sagte er.„Auch ich habe die Dillo, Sohn von Wotan, JhreSpur gestoßen/^ Nein, daS war nicht die Stimme Pierrots! Eiskalt durchschauerte eS McTaggart, und langsam gab er Nepeese frei. Sie fiel, zu Boden, und McTaggart richtete sich langsam aus. „Stimmt's nicht, Herr?" fragte Pierrot Noch einmal.„Bin ich nicht zur rechten Zett gekommen?" Was war das für eine Gewalt— was für von J. O. Curwood. (Copyright bh Feanrksche VerlagShandlung, Stuttgart.) Mit einem wahnsinnigen Schrei des Triumphes ließ er sie los und dann m feine Arme zurückfallen. Ihr.Haar fiel lang.zur Erde, die Augen waren halb geöffnet. Sie ahnte wohl etwas, war aber in ihrer Unwissenheit gänzlich hilflos. Da brach McTaggart aufs neue in ein Lachen aus, und gleich darauf hörte er die Tür gehen. War das der Wind? Er drehte sich um, während er Nepeese noch in seinen Armen hielt. Auf der Türschwellr stand Plerrot. 21. Kapitel. Rc peele trifft die Wahl. Endlos schienen die nächsten Augenblick«>« der- kleinen Blockhütte am Grey Loon; ein paar Sekunden dehnten sich zu einer Ewickkeit, die irgendwo liegt, zwischen Leben und Tod. I» diesen Augenblicken rührte sich Pierrot nicht von der Stelle. Er blieb unter der Tür Gehen. Auch McTaggart rührte sich nicht mit seiner Last In d«n Armen; starr blickte er aus Pierrot. Da öffnete„Die Weide" die Augen. Lin krampfartiges Zucken ging durch Billo» Körper. Er lag noch imtner drüben an der Wand, man hörrc ihn nicht atme«. Daun wurde diese Totenstille von einem Seufzer aus Nepee- s«S Münd unterbrochen. Da kehrte Pierrot zum Leben zurück. Wie McTaggart hatte auch er den schweren Rock und die PLzhandschuh« draußen aolassen. Er sag« etwas, aber seine Stimme klang nicht wie die Stimme Pierrot». Ein Fremder schien zu sprech««. „Gott hat mich zur rechten Zeit»ach Haus« eine mächtige Furcht vielleicht, dre ihn zähmte, daß er mrt dem Kopf nickte und daß seine wulstigen Lippen die heiseren Worte stammelten: — zur rechten Zeit?" Und-och war e» nicht Furcht, ti war etwa» Größeres, Mächtigere» al» das. Pierrot sagte mit derselben eigenartigen Stimme:. „Ich danke dem Großen Gott!" Zwei Wahnsinnig« starrten einander in die Augen; zwischen ihn«« stand der Tod. Die beiden wußten dar,-und beide glaubten zu sehen, in welche Richtung seine knochigen Finger weifen. Beide waren ihrer Sache sicher. McTaggart» Hand griff nicht nach dem Revolver im Gürtel, und Pierrot nicht noch dem Messer. Als sie endlich aneinandergerieten, da packten sie sich an der Kehle; zwei Bestien statt einer, denn Pierrot »var jetzt von der fauchenden Wur der Katze, des Panthers und des Wolfes besessen. McTaggart war der größere und schwerere Gegner, ein Riefe an Kraft, doch Piekrots Wildheit trieb ihn rückwärts, daß er über den Tisch hinweg mit einem lauten Krach zu Boden fiel. Schon so manchesmal hatte er einen Kampf ttr seine« Leben ausgefochten, aber noch nie hatte er«inen solche« Griff an seiner Kehle gespürt wie den Pierrots. Der n