Ur 4L AboMements-Kedingunge«: Abonnement»-Pril» pränumerando: vterteljährl. 8,30 Mb, monatl. 1,10 Ml., niöchentltch 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 8 Pfg. Sonntag»- Nummer mit tllustrtrter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,80 Marl pro Quartal. Eingetragen In der Post- Zeitung»- Preisliste für 1SSS unter Ut. 7820. Unter«reu, band für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland g Marl pro Monat. 16. Jahrg. Erscheinl»glich«utzer«onlag». Verlinev VolksvlAtk. Die Instrlions-Vebllhl deträgt für du fechSgelpallen««olonel» zeile oder deren Raum»o Pfg., für politische und gewerlschaflllche verein»- und Versammlung«»Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi»» Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» SUhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher: Bml I, Hr. 1608. Telegramm-Adresse: «Sozlaldemoüral Serlln". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: SM. 19, Beuth-Stratze 2. Freitag, den 17. Februar 1866. Expedition: 19, Benth-Steasze 3. Aus der Schleifsteinzeit. Die„Post" hatte sich offenbar vorgestellt, wir würden die schauerlich-komische Terrorismus> Rede des Oberamtmanns Ring im preußischen Abgeordnetenhause in schlotternder Angst unseren Lesern verhehlen. Ein Blatt, das jeden Augenblick genöthigt ist, Thatsachenmaterial zu unterschlagen, weil es für eine verlorene, nur noch künstlich mit den Zwangsmitteln der Lüge und Verleumdung aufrecht erhaltene Sache ficht, kann sich natürlich nicht in den glücklichen Seelenzustand von Leuten versetzen, die nichts zu verschweigen brauchen, weil ihnen die Wahrheit und die Zukunft gehört. Gerade umgekehrt, wie unsere Gegner, die sich nicht gestatten dürfen, nur eine einzige sozialdemokratische Meinungsäußerung unverfälscht wiederzu- geben, suchen wir mit besonderer Vorliebe die Ansichten unserer Feinde unseren Gesinnungsgenossen zu übermitteln; denn unsere Feinde sind unsere wirksamsten Agitatoren. Das vermag die Unternehmerintelligenz nicht zu kapiren, und so erzählt sie ernsthaft: „Das sozialdemokratische Parteiblatt hat gegen die Richtigkeit dieser Ausführungen nichts einzuwenden, erkennt daher nicht'nur an, daß es die Praxis der sozialdemokratischen Vereinigungen ist, die Arbeiter durch Boykottirung, durch Mißhandlung und selbst durch Gefährdung ihrer Gesundheit und ihres Lebens in ihre Organisation zu pressen, sondern billigt dieses Vorgehen auch offenbar, ja es theilt die AnSfiihruugeu des Abg. Ring ans- führlich mit in der offenbaren Abficht, in de» weitesten Streifen der Arbeiterschaft kund zu thun, waS die Arbeiter, welche sich nicht in die Zwangsorganisation pressen lassen wollen, oder welche sonst sich die Freiheit ihres Entschlusses wahren, zu gr wartige» haben. Das sozialdemokratische Partciblatt erwartet äugen schemlich, daß die Furcht vor der Macht der sozialdemokratischen Organisationen und vor den Nachtheilen, welchen Widerstrebende ausgesetzt sind, den Muth der den Zwangsorganisationen bisher nicht angehörenden Arbeiter brechen und sie zur willenlosen Unter- werfung unter die sozialdemokratischen Organisationen veranlassen werde. � So stark also fühlt sich bereits die sozialdemokratische Organisafion bei uns, daß sie sich offen zum Zwange gegen wider willige Arbeiter mittels Gefährdung ihres Erwerbes, ihrer Gcsustd heit und ihres Lebens bekennt, und daß sie von diesem Terrorismus die Unterwerfung sämmtlicher Arbeiter der bctheiligten Erwerbs zweige unter ihre Organisafion, und damit unter ihre Herrschaft, erwartet." Man möchte eigentlich zur Ehre der journalistischen Zunft annehmen, daß dem Verfasser dieser Enthüllungen der Stunim Dienst einmal zu bunt geworden sei und daß er sich in zurückgebliebener Faschinglaune erdreistet habe, sich über die bekannte Logik seines Herrn und Meisters parodistisch lustig zu machen. ...Indessen mag es sich wohl um einen Fall echter journa listischer Selbstentmündigung handeln, und da möchten wir doch dem Herrn v. Stumm freundschaftlich anrathen, sich klügere Leute für sein theures Geld zu kaufen; denn derartige Dunimheiten sind geeignet, seine Sache noch vor der Zeit zu ruiniren. An den„Vorwärts"-Lesern ist ja doch nichts mehr zu verderben, wenn es auch manche darunter geben mag, die ihn nur aus Furcht abonniren, weil ihnen sonst— i la Max und Moritz I— gewohnheitsmäßig die Balken durchgesägt werden, auf denen sie stehen. Aber was soll man zu der Unvorsichtig- kcit des Herrn Ring sagen, der diese Rede gehalten, was zu der Thorheit der gutgesinnten Presse, die das Anklage- Material geflissentlich weiter propagirt— sie machen doch nun die noch nicht verseuchten Arbeiter, die nicht den„Vorwärts" lesen, mit den Gefahren bekannt, die ihnen drohen, wenn sie nicht den Organisafionen beitreten. Sie Hetzen ein schüchternd— nach der„Post"- Logik— durch die Verbreitung der terroristischen Mittel der Sozialdemokratie die noch„reichs treuen" Arbeiter geradezu in unsere Reihen hinein. Sie er füllen die Treugebliebcnen mit schlotternder Angst, wie denn die theuren Arbeitswilligen, nach der Meinung der Stümm linge, außer der Gewohnheit grenzenloser Arbeitswilligkeit nur noch die eine schätzbare Eigenschaft haben sollen: ewig zu zittern, zu bangen und zu flennen. Die a r b e i t s- willigen Deutschen fürchten Alles auf der Welt— die Herren Ring und Felisch müssen ihre Leute kennen, und wir sind nicht genöthigt, ihnen zu widersprechen. Allerdings sollten die Herren ihre Auffassung von der thränenfeuchten Männlichkeit ihrer Arbeiter nicht übertragen ans die Leute, die sie garnichts angehen, auf die uns„Ver- fallenen". Das thun aber die„Berliner Neuesten Nach- richten" in ihrem sensafionellen Schauergemälde, das sie betiteln „Tic Leibeigenschaft der deutschen Arbeiter". Leibeigene sind nicht etwa die Landsklaven Ostelbiens, nicht die Hörigen Saarabiens, nicht die Unterbeamten, die mit ihrer Arbeitskraft auch ihre Gesinnung verkaufen müssen, � nein, es sind die— Sozialdemokraten selber: „Man vergcgcnwärfige sich das Bild: auf der einen Seite ein Arbeiter, der dem Vertreter der Staatsgewalt gegenüber mit Thräncn in den Augen bekennt, daß er nicht nur in seiner materiellen Existenz, sondern an Leib und Leben bedroht ist, wenn er nicht zur Streikasse zahlt, d. h. an die Sozial- demokratie eine Steuer entrichtet, wie der Staat sie von den Ar- bcitern zu fordern längst nicht mehr wagt. Daneben befindet dieser Steuerpflichtige der Sozialdemokratie sich aber auch noch unrer der fortgesetzten polizeilichen Aufficht der letzteren, die ihn auch für die Dauer seiner Arbeitslosigkeit nicht aus den Augen läßt. Die berühmten Register der heiligen Jnguififion find garnichts einer solchen Organisation gegenüber. Die erstere beschäftigte sich doch nur mit einigen hundert Personen, die als Ketzer'oder politisch verdächtig waren, die Register der Sozialdemokratie schlagen den gesammten deutschen Arbeiter- stand mit allen seinen Familienangehörigen in Ketten und Banden; sie gestatten ihm die Bethätigung keiner anderen Gesinnung als der ihm von der Sozialdemokratie vor- geschriebenen; seine und seiner Familie Existenz ist rettungslos verloren, wenn er es wagt, an diesem Hörigkeitsverhältniß zu rütteln. Es ist dies eine Sklaverei, in der sich die gesammte deutsche Arbeiterschaft befindet, wie man sie am Ende des 19. Jahrhunderts kaum für möglich halten sollte." Das ist noch nicht die ganze entsetzliche Wahrheit! Diese armseligen Sklaven fühlen nicht einmal mehr, wie elend sie sind. So weit ist es gekommen l Sie empfinden sich im Gegentheil als freieste Männer, als Genossen im Freiheits- kämpfe der Menschheit. Und sie bedauern die Leibeigenschaft der anderen. Eine Verdrehung allerBegriffe— ein Tollhaus- zustand— eine ruchlos verkehrte Welt! Diese Aermsten der Armen würden mit allen Mitteln sich der edelmüthigen Absicht der Ring-Mannen widersetzen, sich von ihnen befreien zu lassen. Welches Mittel giebt es nun gegen diesen Freiheitsabschcu, diesen Leibeigenschaftsfanatismus der Arbeiter! Bekümmert klagen die„Berliner Neuesten Nachrichten", daß der ab solute Staat selbst nach dem Zusammenbruch von 1807 nicht so ohnmächtig gewesen sei, wie der heutige parla mentarische Staat. Also zurück zu Jena l Die„B. N. N." schildern dann begeistert diesen absoluten Staat nach dem Zusammenbruch: „Den deutschen Arbeitern muß ihre Freiheit zurückgegeben werden. Der Staat hat die Pflicht, dieser heutigen Leibeigen- schaff ebenso wie einst der früheren ein Ende zu machen und'mit fester Hand ein System zu zerbrechen, das jetzt schon fast mehr als einen Staat im Staate darstellt. Hier handelt es sich um eine erlösende That, die auf ihren Vollbringer wartet!" Wir wußten es längst. Die Reakfionäre von heute sehnen sich nach dem inneren Jena, wie ihre Ahnen einst der fran zösischen Diktatur zujubelten und es den Umstürzlern über ließen, national zu denken. Sie schmachten nach der absolutenF remdherrschaft— der kapitalistischen Ausbeutung.— Dresdener Znchthanskurs. Offiziöse Fälscher. Die Darstellung, welche das sächsische Regierungsorgan„Dresdener Journal" über die Urtheilsgründe im Land'sriedeübruchs-Prozeß gab stellt sich jetzt vollends als grobeFälschung heraus. Wir hatten gleich bei unserer telcgraphischen Ucbernüttelung der Auslassung des „Journals", von der es ganz unklar war, was sie eigentlich vor- stellen sollte, geflissentlich von einem offiziösen Artikel, nicht etwa von einer Wiedergabe der Urtheilsbegründung gesprochen, wie es die reaktionäre Presse that. Jetzt wird nach- gewiesen, daß der Artikel geradezu eine Fälschung ist. Das„Journal" leitete seine Schilderungen mit den Worten ein: Die Hauptverhandlung nahm drei Tage in Anspruch; sie er- gab ein grauenhaftes Bild der Vergewaltigung der„Orgauisirten" gegen die„Nichtorganisirtcn". Der Thatbcstand ist im wesentlichen folgender." Die Einleitung sollte zu der Meinung führen, daß die folgende Schilderung auf de» Ergebnissen der Gerichtsverhandlung beruhe. Wir hatten sofort die Einseitigkeit der Schilderung aufgedeckt. Die„Sächsische Arbeiter- Zeitung" aber ist jetzt in der Lage festzustellen, daß die angebliche Schilderung des Thatbestnndes in der sogenannten Begründung des Urtheils bis auf die fortgelassenen formellen Aktenhinwcise wörtlich der Anklageschrift entnommen ist. Hinzugefügt, so bemerkt die„S. A. Z.", ist dann nur noch die Mittheilung, daß die versammelte Menschenmenge auf 3— luv Mann geschätzt worden sei, und eine möglichst schwarz gefärbte Schilderung der Leiden des Klemm jun. und des Eindrucks, den er vor Gericht macht habe. Dabei ist der Kniff gebraucht worden, diese eigenen Jwtljatcn des ArtikelschreiberS dem Auszuge ans der Anklageichnft ohne Absatz anzuhängen, so daß der unbefangene Leser umso mehr den Eindruck gewinnen muß, er habe es in dieser ganzen Aus- einandersetzung mit richterlich gesichtetem Beweismaterial zu thun. Das offiziöse Organ hat also an Stelle des durch die B e w e i s« aufnähme festgestellten„Thatbestandcs"— der vielerlei MilderungSumstände für die Angeklagten aufwies— die Anklage- schrist, welche alle belastenden Momente besonders hervorzuheben pflegt, untergeschoben. Eine offenbare Täuschung der öffentlichen Meinung! Glaubt daS sächsische RegienmgSorgan etwa, nur mit Lug, Trug, Täuschung und Fälschung die Härte des Dresdener Urtheils zu ver- theidigen zu können? Dabei vermag nicht einmal die Anklageschrift, die den Verhandlungen vorausgeht und nur das einseitige Be- lastungsmaterial enthält, den Eindruck zu erwecken, daß das furchtbare Urtheil auch nur entfernt der Schwere des Vergehens an- gemessen sei. Wie grell würde erst der Widerspruch nach den Ergebnissen der Verhandlung hervortreten! Die reaktionäre Presse, an ihrer Spitze das Dresdener Regierungs- blatt, hat also die Vcrurtheilung der Angeklagten ausgesprochen, bevor le gehört waren. Für sie gab es nur Verdannnte von Ansang an. Die Anklageschrift genügte für sie, es bedurfte für die Reaktionäre nicht nur nicht der öffentlichen Verhandlung, sondern überhaupt keiner Verhandlung mehr! »« Die„Soziale Praxis" des ehemaligen Ministers von Berlepsch gesteht, daß sie mit„tiefer Erschütterung" das Urtheil gelesen hat: Die That trunkener Rohheit erfordert Sühne: die Angeklagten hatten sich schwer vergangen, sie mußten harter Strafe gewärtig 'ein, das erforderte die Gerechtigkeit. Aber diese Strafe überschreitet doch weit jedes zulässige Maß; sie könnte nicht schlimmer sein, wenn jeder von den Vcrurtheilten ein im Zorn vernichtetes Menschenleben auf dem Gewiffen hätte— ja wie oft wird ein Todt- schlag milder bestraft I.... Wir können es verstehen, daß... in der Arbeiterwelt das Dresdener Urtheil die Ucberzeugung bestärkt, die herrschenden Klassen hätten den Anlaß benutzt, ein Exempel drakonischer Strenge zu statuiren. Thatsache ist, daß die Erregung nicht nur in sozialdemo- kratischen, sondern in allen Arbeiterkreisen sehr tief geht... Daß gerade in Sachsen die Gegensätze zwischen Bürgerthum uud Arbeiterbewegung befonders scharf sind, ist bekannt; ein Urtheil wie das über den Löbtaucr Baukrnwall zeigt die Gefahr dieser Zer- klüftung eine? Volkes in bedrohlichem Lichte.— Nachträglich erhalten wir Kcnntniß von einer offiziösen Darstellung des Prozesses im „Dresdener Jonrnal"; wir haben indeß keine Veran- lassung, an unserer Auffassung etwas zu ändern." politische Mebevfichk. Berlin, den 16. Febru«r. Der Reichstag verbrauchte auch noch drei Viertel der heutigen Sitzung, um die Jnvalidenversicherungs-Vorlage in die Kommission(von 28 Mitgliedern) zu befördern. Ueber das Gesetz selbst wurde nichts Neues mehr gesagt. Es wurde eigentlich nur noch über die gehaltenen Reden dcbatfirt. Und da unfere Partei ver- schiedentlich angerempelt und angerüpelt ward, so bedurfte es noch einer Generalabrechnung, die von Singer prompt und oon amore besorgt wurde. Besonders wirksam war der Rohheits-Spiegel, welchen er den Herren Junkern und Junkergenossen vorhielt, und seine Brandmarkung des Dresdener Zuchthausurtheils. Herr Liebermann von Sonnenberg. der gestern gezeigt hatte, daß er die Geschäftsordnung nicht kennt und das Dresdener Zuchthausurtheil bewundert, zeigte heut, daß er die deutsche Sprache nicht kennt, denn er klagte uns der Unwahrheit an, weil wir seine der Wahrheit ins Gesicht schlagende Behauptung, wir hätten den Löbtauer Landes- friedensbruch nicht getadelt, eine Billigung des Dresdener Zuchthausurtheils genannt haben. Etwas Logik, Herr Lieber» mann. Und etwas Unterricht in der deuffchen Sprache! Inzwischen hatte Herr von Hohenlohe sich ein- gefunden, mitsammt einem Schwärm von Bundesraths- Mit- gliedern. Es galt das der Johannsen'schen Jnter- pcllation. Es war schon Vs5 Uhr. Aber da der Herr Reichskanzler sich die Mühe genommen hatte, da zu sein, so mußte er auch sein Sprüchlein sagen. Vom Präsidenten gefragt, ob er gleich antworten wolle, erklärte er kurz, daß er die Interpellation, weil sie eine rein preußische An- gclegenheit sei, nicht beantworten könne. Sprach's und zog ab, mit den anwesenden Bundesräthlern im Gänsemarsch hinterdrein. Es war eine prächtige Szene fiir den„Wahren Jakob". Das Haus beschloß hierauf mit großer Mehrheit eine Besprechung der Interpellation und Johannsen er- hielt nun das Wort zur Begründung. Trotzdem er sichtlich unwohl war und mühsam am Stocke ging, hielt er eine fünfviertelstündige Rede, die von seinem Standpunkte aus vortrefflich war. Das war die Sprache der ehrlichen Ueberzeugung, und wenn er die Leute. die von dänischen Verschwörungen faseln, ohne Umschweife für Lügner erklärte, so war das vielleicht nicht„parlamen- tarisch", aber wahr. Nach Johannsen's Rede vertagte sich das Haus. Morgen Fortsetzung, und dann Anträge aus dem HauS falls Zeit bleibt.—_ Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus überwies heute nach kurzer Debatte den Entwurf eines Ausführungsgesetzes zum Bürger- lichen Gesetzbuch, sowie den Entwurf eines preußischen Ge« setzes über die freiwillige Gerichtsbarkeit an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Im Verlaufe der Diskussion kündete der Jnstizminister Schönstedt für diese Session noch Ausftthrungsgesetze zur Zivilprozeß- Ordnung, zur Grundbuch- Ordnung, zum Gesetz über Zwangsversteigerungen, zum Handels- gesetzbuch sowie den Entwurf eines Gesetzes über eine neue Ge- bührenordnung für Rechtsanwälte und Notare an. Morgen wird der Etat des M i n i st e r i u m S deS Innern weiter bcrathen. Außerdem steht der Etat der Zentral« e n o s s e n s ch a f t s k a s s e auf der Tagesordnung.— Die Militärbehörden ins ZuchthauS möchten die toll reakfionären„Dresdener Nachrichten" schicken. In einem Gedankenaustausch im„Briefkasten" wird folgende Schilderung vom Boykott entworfen: „Haben die Herren vielleicht eine Ahnung davon, WaS dies eine Wort zu bedeuten bat? Wollen wir zu ihren Gunsten an- nehmen, daß dieselben die Tragweite dieses furchtbaren Wortes garnicht ermessen können I Nur das Eine sei gesagt, es ist das schwerste Verbrechen, das es giebt, und es giebt keine Strafe, die schwer genug ist, dieses Verbrechen zu bestrafen. Wer hat denn, so fragt man, mit diesen Unglücklichen, die davon betroffen werden. Mitleid? Mit den armen Familienvätern, die mit einem Schlage ihrer Existenz beraubt und mit Weib und Kind in die bitterste Roth gestürzt werden? Hat man diese armen Kinder schon ge- zählt, die durch diese furchtbare Maßregel ein elendes Dasein fristen niussen; hat man danach gestagt, welche entsetzlichen Sorgen« stunden so ein armer boykottirter Geschäftsmann und Familien- vater durchgerungen hat und wie viele bange schlaflose Nächte derselbe auf seinem Lager mit diesen qualvollen Sorge» durch- wacht hat? Nun. so frage man einmal, und jeder rechtschaffene ehrenhafte Mensch wird sagen: hier müssen unbedingt die schwersten Strafen angewendet werden, denn wo sollte das hinführen, wenn hunderte von unschuldigen Menschen um Hab und Gut und ins bitterste Elend gestürzt werden können. Ein Zeder steht unterm Echutze des Gesetzes, die Behörden haben nicht blas daS Recht, sondern sogar die Pflicht, den durch Bohkott Bedrohten zu beschützen. und da der Boykott dnS schwerste Verbreche» ist, so müssen auch die schwersten Strafen dagegen angewandt werden. Boykott ist noch schlinimer wie Mord, da durch denselben ein langes, qualvolles Elend ganzer Familien erzeugt wird." So klagt der Einsender und die Briefkasten-Redaktion nennt das einen„recht zu Herzen gehenden Nothschrei aus der Tiefe eines gequälten Herzens". Es giebt nun mancherlei Boykott. Der Antisemit fordert auf: Kauft nicht bei Juden I Der Deutsch-Chauvinist: Meidet Polen und Dänen I Die Regierung boykottirt oppositionelle Blätter. Landräthe verhängen die Sperre über Wirthschaften, die für mißliebige Parteien ihre Säle hergeben, und Herr Podbielski setzt auf die Lektüre des„Deutschen Postboten" oder das Am-glcichen-Tische-sitzen mit Sozialdemokraten die Todesstrafe der Entlassung. Bosse boykottirt jüdische Lehrerinnen und sozialistische Schuldeputations-Mitglieder, von dem Berliner Oberbürgenneister-Boykott nicht zu reden. Am durchgreifendsten und prinzipiellsten aber wendet doch die Militärbehörde die Waffe des Boykotts an. Ob sie es einsehen wird, daß Boykott noch schlimmer ist wie Mord. ES begegnet unseren Feinden stets dasselbe Ungemach, was Herrn v. P o s a d o wfs k y jüngst passirt sein soll. Erging aus, um ein Königreich zu suchen und fand eine Eselin. Er spürte nach Material für Arbeiter terrorismus, und er entdeckte den Unternehmer terrorismus. Und jetzt muß er seinen Witz geradezu martern, um eine Zuchthausvorlage für— Arbeiter zu begründen. Die schwarzen Listen. Dieses Verfehnmngsshstem hat Vertheidigung und Verherrlichung gefunden bei unseren Richtern. Das ist das neueste Ereigniß in dem ereignißreichen Walten preußischer Justiz. In einer am 24. September 18S8 in Düsseldorf abgehaltenen Versammlung streikender Holzarbeiter war von einem der Ausständigen öffentlich die Behauptung auf- gestellt worden, daß die Unternehmer in einem früheren Falle von der Polizeibehörde schlvarze Listen erhalten hätten. Verrnfserkläruna der Arbeiter also mit Hilfe der Polizei I Diesen Vorwurf hat der betreffende Arbeiter auch in einer späteren Versammlung wiederholt. Vom Staatsanwalt deswegen unter Anklage gestellt, wurde der Angeklagte vom Gericht frei- gesprochen. Die„Holzarbeiter-Zeitung" ist in der Lage, die Begründung dieses freisprechenden Unheils mittheilen zu können. Eine Stelle desselben verdient der breitesten Ocffentlichkeit bekannt gegeben zu werden. Es heißt da: „... Es mag nmr dahingestellt bleiben, ob überhaupt und speziell durch die vorstehend wicdcrgegcbene Zeugenaussage die Wahrheit der von dein Angeklagten behaupteten Thätsache für er- wiesen st) gelten kann; denn die unter Anklage gestellte Aeußerung tann weder formell noch materiell als eine B e- leidigung im Sinne der KZ 185 und 186 des Strafgesetzbuches angeiehcu werden. Tie Polizeibehörde ist im sozialen Interesse(II) zwctfel- ToS bcfngt, in ruhigen Zeiten eine Ueberwachuug der Ar« beiterbevölkerung nach der Richtung h i n ein- 1 r e t e n zu lassen, daß sie zur Erhaltung guter Beziehungen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern den letzteren die Stameu derjenige« Arbeiter bezeichnet, deren schädlicher Einfluß ans d»e übrigen Arbciterclrmcutenen vor s orgende sll) und künftige Differenzen verhütendes!!) Thätigkcit der Polizeibehörde von irgend jemand erwähnt, so hat er dazu ebenso ein Recht, als wenn er bchanptet, daß daS Publilnm auf den Straßen nicht schutzlos sei, weil eben die Polizei-Orgnue jeden, der die öffent- lichc Sicherheit störe, unweigerlich festrehmeil. Es handelt sieb also inl vorliegenden Falle nicbi»im die Behauptung einer Thatsache, welche die Behörde verächtlich zu machen oder in der öffciulichcn Meinung herabzuwürdigen geeignet ist. Dies ist hier um so weniger der Fall, als die Erklärung des Aiigcllagtcn mir zu dem Zwecke geschah, den Arbeitgebern klar zu machen, daß sie infolge der geheimen sogenannten schwarzen Listen nicht schutzlos seien gegen die angebliche Terrorist rung der Arbeiter." Der znkimftige Krieg. i. Ein Warschauer Bankier, Herr Johann Bloch, oder wenn mm» will, Exzellenz Staatsrath Johann von Bloch, hat unter obigem Titel ein Werk in russischer Sprache erscheinen lasse», welches dcinunchst auch in deutscher und französischer Uebersetzung dem europäische» Publikuin zugänglich iscin wird.*) Herr Murawjew, der russische Minister des Aeußercu, hat der guten Frau Bertha Suttner zu ihrem Leidwesen erklärt, daß, wenn etwas den Zaren beeinflußt haben sollte, es dieses Werl war und nicht ihr so schöner Roman „Die Waffen nieder". DaS Werk wird also voraussichtlich, sobald es in deutscher Sprache vorliegt, ziemlichen Staub anfwerfen. Uns, denen Väterchen Zar alles andere, nur keine Autorität ist. iuteressirt das Werk, nicht weil es mit dem Zaren in Zusammenhang gebracht wird, sondern aus dem Grunde, weil es eine Bestätigung dessen bietet, was die Sozialdemokratie bereits seit Jahrzehnten über den Militarismus gesagt hat. Das Werk ist in der That mit ungeheurem Flcißc gearbeitet und die Angaben sind durchweg zuverlässig. Der Versa sie r geht»n der Weise vor, daß er im ersten und zweite» Bande den Krieg zu Lande, im drittel» den Krieg zur See behandelt: in» vierten Baude die sozialen und lvirthschastlichen Folgen des Militarismus und eines etwaigen europäischen Krieges schildert, in» fünften sodann die Mög- lichkeit eines internationalen Schiedsgerichts erwägt und die praltischcn Fragen untersucht, mn nachzuweisen, daß ein Krieg überhaupt keine Lösung darbietet, während der sechste Band ein Resmnee der übrigen ist und außerdem einige politische Spekulationen in Form einer Ver« Handlung von Staatsmäuuerii enthält. Wir wollen an der Hand des Büches im Nachstehenden den Militärgang Revue passtrei» lassen und uns die Schlußfolgerungen des Herrn Bloch näher ansehen. *•* D» e Enttvickelnng der Waffentechnik. Die Fortschritte in der Technik der Feuerwaffen sind allgemein Bekannt, es genügt an dieser Stelle auf die vorläufig erzielten Resultate kurz hinzuweisen: Das klcinkalibrige Gewehr hat nicht mir eine größere Tragweite und. Durchschlagskrast. es hat vor allem eine größere Rasanz, d. h. die Geschosse dieses Gewehres bestreichen eine nugleich größere Fläche: Das Geschoß des Acht- Millimeter- Gewehres fegt auf der Distanz von 600 Metern alles hinweg, das Geschoß des bereits erprobten fünf Millimeter-Gewehrs. bestreicht eine Distanz von 1100 Metern. Auf weite Entfernungen hat da-5 Gewehr eine»mgieich größere Durchschlagskraft: Während nämlich •) Von der deutschen Uebersetzung sind bereits Band I, III und VI erschienen(Verlag von Puttkmamcr und Mühlbrecht, Berlin). Ist schon das russische Original stellenweise furchtbar salopp gearbeitet,»»dem z. B. die Quellenangaben durchweg mangelhaft sind mid vielfach selbst die Namen der Autoren falich angegeben sind(Kotzky statt Kautsky, Mal» statt Malon u. s. w.). so ist die Uebersetzung nicht nur»n miserablem Deutsch geschrieben, sondern selbst die deutschen Zitate sind rückübersetzt aus dem Russische»». So daS selbst im ZuchthauskurS geradezu bewundernswürdige Urtheil eines Gerichts. Die„Begründung" sagt mit einfacheren Worten nichts mehr und nichts weniger, als daß die Polizei die moralische Verpflichtung hat, eventuell auch durch Ver- Mittelung schwarzer Listen den Unternehmern unzufriedene Arbeiter— deren„schädlichen Einfluß"— und damit unter Umständen Streiks vom Halse zu halten. Da braucht man sich allerdings nicht mehr zu wunden», wenn kein Staatsai»walt gegen solche Unternehmer einschreitet, die schwarze Listen kolportiren. WaS bei den Arbeitern, wenn diese es thun, strafbare Verrufserklärung ist, daS ist, wenn es Unternehmer und Behörden in deren D i e n st e n thun, eme Handlung in» Interesse des sozialen Friedens. •..v.• Aentsches gleich. Die einheitliche Regierung. Die„Nat.-Lib. Korr." schreibt:„Den Gründen, welche von verschiedenen Seiten für Veränderungen in der Staats- regierung angeführt iverden, wird, wie man uns von wohl- uitterrichteter Seite mittheilt, eine derartige weitergehende Bedeutung an maßgebender Stelle nicht zugestanden, wenn auch über die Z u t r ä g l i ch k e i t der Vorlom»u»isse, die zu solchen Annahmen geführt haben, weder innerhalb noch außerhalb des Parlaments Zweifel irgendwo bestehen dürsten." Die Minister sind sich darüber einig, daß Uneinigkeit unter ihnen dem Gesmidhcitszustand des Gesanmittnüiisteriunls nicht zuträglich sei. Aber für bedenklich hält man den Zustand noch nicht, wenn die Minister sich vor versammeltem ParlameutSvolk gegenseitig befehden, wenn das Schweineressort und das Bildnngsressort sich krästiglich desavouiren, wenn der LandwirthschastSminister ganze Partieen femer Reden im Stenogran»m nmlorrigiren muß. Das sind neue leichte Fieberschauer eines preußischen Mtnifters. Wirtlich trank wird ein preußischer Minister erst, wenn der LucanuS-Hauch ihn anweht._ Im preußischen Gefängniß. Unser Parteigenosse Paul Jahn hat wegen politischer Ver- gehen auf einige Monate das Strafgefängnitz zu Tegel beziehen müssen. Wie wir hören, wird er dort einer Behandlung nuter- worfen, gegen die»vir den schärfsten Widerspruch erheben»nüisen. Unserem Parteigenossen wurde Selbstbeschäftigung a b- geschlagen und er»miß Wolle s o r t i r e n. Wie will die Gefäugnißdircltion dieses Verhalten mit den Vorschriften der Gefä»i'gnißordnuug vereinbaren, die namentlich für solche Gefangene, die in ihren» bürgerlichen Berufe geistig beschäftigt sind. Selbst- beschäftigung empfiehlt? Fast unglaublich erscheint es aber, daß dein Genosten Jahn verivehrt worden sei, eine Eingabe an die Oberstaatsanwaltschaft ivegen der Selbstbeschäfttgung zu richten. Und noch mehr. Jahn mußte seine eigene Kleidung ablegen »md lvurde in Gefängnißttacht gesteckt, ein Verfahren, das unseres Wissens in Berliner Gcfängnisten gegenüber polittschen Sündern bisher gänzlich unerhört war. Die Gcfängnißordnung schreibt aus- drücklich vor, daß eigene Kleidung und Wäsche gewährt werden könucir. Warum wird sie in dieiem Falle i»icht gewährt? Wie kommt man dazn, einen ehrenwertheu Mann, der bei seiner Kritik öffentlicher Verhältnisse sich in den Maschen des Strafgesetzbuches verfangen, so«»»glimpflich und selbst gegen den Geist der gewiß »»icht milden Gefangnißordiuing zu behandeln? Wenn die Direktton des Slrafgefäugnisses zu Tegel nicht aus eigener Initiative Wandel in diese»» geradezu unerhörten Verfahren schafft, so wäre es eine Ehrenpflicht des JnstlzministerS, schleunigst einzugreifen._ Der deutsche Haudelötag wird am 2. März seine Plenarver- sammlung abhalten. Auf der Tagesordnung stehen folge»»de Be- rathungen: Gesetz über die private Verstcherungsunternehmungen; Wafferbanverivaltnng in Prentze»»: Schädigung deS Handels durch Kornhausgcnosscnschaftcn und Landwirthschaftskanunern; Aendernng des Bankgesetzes.— Mit einem Autogramm �iebermaun bon Sonncnbcrg'S wurden»vir heute beehrt. Die Schrift- und UrtheilSfähigkeitS-Probe versucht ni»ter der gänzlich unbegründeten Berufung auf den K 11 die Aufnahme im„Vorwärts" zu erliste»». Wir sii»d boshaft genug, das Schreiben Iviederzugebcn, oblvohl wir juristisch dazu nicht ver- pflichtet wären. Es lautet: Berichtigung. In Nr. 40 des„Vorwärts"»vird in der Sknbrik„Politische Uebcrsicht" behauptet: Herr Liebermann von Sonnenberg benutzte daS nn Kriege 1370/71 gebrauchte Mausergewehr einen Menschen- schädel auf der Distanz von 1600 Meten»»»icht mehr durchschlug, durchschlägt das jetzige Gewehr noch auf 3500 Meter starke Ochseuki»ochcn. Dieses Gelvehr durchbohrt auf einer Ei»tfen»»!Ug von 200 Metern 4 bis 5 Mcnschenkörpcr, bei 800 bis 1200 noch 2— 8' Menschenkörper. Dazu kommt, daß das>noderi»e Gelvehr ein Maqaziiigeivehr ist. daß der Schütze eine weit größere Anzahl von Schüssen in der Minute abfeucn» kau»», und je kleiner das Kaliber wird, desto mehr Patronen führt ein einzelner Mann mit sich. Professor H eb l e r hat versucht, die lleberlegenheit des modernen Gewehres gegen das Mausergcwehr von(Kaliber 11 mm) 1370 ziffernmäßig auszudrücken, und kam zu folgenden Resultaten: Setzt man die Wirkungsfähigkeit des Gewehres von 1370 gleich 100, so ist die WirkiingSfähigleit deS modernen ftaiizöstschen Gewehres gleich 438, des deutfchen gleich 474, deS italienifchen gleich 580, des 6-Millimeter-Gewehres der Vereinigten Staaten gleich 1000, des bereits erprobten 5-Mill>meter-GewehreS gleich 1387. Das heißt: wären die Heere im Kriege 1870/71 mit Gewehren ausgerüstet,»vclche heute die amerikanischen Soldaten führen. dai»n wäre die Zahl der Opfer, theoretisch gesprochen, eine zehnmal größere gclvcsen. Dabei ist bekanntlich noch lange nicht das letzte Wort gesprochen. Im Gcgeuthcil. die Fachleure behaupten. selbst das 6 Millimeter- Gewehr sei ein der heutigen Zivilisation durchaus unwürdiger Schießknüppel, die Zukunft gehöre eincin Gewehre mit einen» Kaliber von 4. vielleicht sogar 3 Millimeter, einem Gewehre, das aus Aluminium hergestellt wird und das eine selbstthälige Maschine darstellt, welche eine ganze Anzahl von Schüssen abgicbt. ohne daß der Schütze daS Getvehr von der Backe nimmt. Versuche mit einer von Manier konstruirten Schießmaschine dieser Art sind bereits in Belgien angestellt worden, und wmden dabei 6 bis 7 Schlisse in der Sekunde abgegeben: bei einer größeren Anzahl von Schüssen,»venn ein Reuladen nöthig ist, wurden 60 bis 73 Scfiuß in der Minute abgegeben. Wird dabei der Kaliber bis a»if 4 Millimeter berabgesetzt. so taiu« ein Riann 380 Patrone»», geht inni» bis auf 3 Millimeter herab —575 Patronen mit sich führe». Professor Hebler berechnet, daß der„Nutzeffekt" eines 3 Millimeter-Gewehres 40mal größer fein muß. als derjenige des Gewehres von 1870.— Bloch berechnet nun, was die Neubeiväffi»u>lg der Infanterie kosten würde und kommt zu dem Resultate, daß Deutschland, Franlreich, Rußland. Oesterreich und Italien in diesem Falle zusammen die Kleinigkeit von 3752 Millionen Franken ansgeben würden, wobei Deutschland mit 864 Millionen Franken aufmarschirt. Dieser rapide Fortschritt hält hellte die Staaten noch zurück mit der Neubeivaffnmig vorzugehen, aber es ist nur eine Frage der Zeit und zlvar sehr kurzer, Zeit vielleicht, denn sobald die Versuche mit dem Maschinengewehr befriedigend ausfallen, wird dasselbe eingeführt werden. Doch selbst, weim man von allen weitern Fortschritten in der Technik der Handfeuerwaffe absieht und annimmt, daß in einem zu- küilftigei» Kriege die Ji»fanterie mit den jetzt gebräuchlichen Gewehren ausgerüstet se»n würde, so werden die Opfer doch unvergleichlich zahl- reicher sein. Abgesehen von der größeren Tragwette, Durchschlagskrast und Rasanz, kommt hier in Betracht die bedeutend größere Treffsicher-' in aller Eile noch die Gelegenheit, um zu zeigen, daß er das Dresdener Zuchthaus-llrtheil bewundert. Das»st unwahr. Ich habe nach de»» Stenogra»»»» wörtlich nur gesagt: „ich habe von sozialdemolratischenRohhettsverbrechen inzwischen recht viel gehört; ich erinnere nur an die jetzt offiziell heraus- gegebene Darstellung der Dresdener Vorkoinmnisse, für die die Sozialdemokratie kein Wort der Verurthei-, lung gehabt hat; sie wendet sich nur gegen die hohe Strafe".— Liebermann von Sonnenberg, M. d. R. Berlin, 16. Februar 18S9. Wir sind nicht recht sicher, ob der Erwählte der Schwälmer Amlne>,kolonie— sein Wahlkreis spielt die Rolle eines mittel-, deutschen Spreewaldes— zwischen einer Thatsache und einem U r t h e i l zu unterscheiden vermag. Eine Thatsache kann er berichtigen, aber unser Urtheil über sein Verhalten»»»terliegt nicht der Möglichkeit, mittels des§ 11 angefochten zu werden. Wir habe», das Urtheil ausgesprochen, daß sich seine Aeußeriingen über de» Dresdener Zuchthanskurs als Bewunderung charakterisiren, und wir fassen auch die uns gütigst im Stenogramm mitgetheilte Weiidnng so a»lf. Herr Lieberinann aber ist weiter so liebenswürdig, uns zu be- scheinigei», daß wir kein Wort der Vcrurtheilung für die D r e s- den er Vorkoinmnisse gehabt hätten. Das Dresdener Vor- kommniß ist das Urtheil des Gerichts. Und das sollen wir nicht verurtheilt haben? Andere Letite haben uns ja wegen unserer Krilik der wüstesten Hetze, der Proklainirung des sozialdemokratische»» Staates, der Unterwühlung der Gesellschaft beschuldigt. Sind»vir so zaghaft in ui»serer Vcrurtheilung gewesen, daß der allerdings an derbere Sprache gewöhnte Herr es nicht»nal gemerft hat, daß wir mit dein Urtheil nicht einverstanden sind? , Sollte aber Herr Lieberma»»» meinen, daß wir für die L ö b- t a u e r Ausschreitui»gen kein Wort der Verurtheilung gehabt haben. so ist das eine grobe Unlvahrheit, die wir als wissentliche Umvahr- heit, d. h. als Lüge auffassen müßten, lvenn wir nicht mmehineii könnten, daß dieser Volksvertreter grundsätzlich nur von Dingen spricht, über die er nicht unterrichtet»st. Der Fall sollte für Herrn Liebermann belehrend sein, unter welchen Bedingungen der§ 11 anwendbar ist. Wir hatten ein Urtheil ausgesprochen, das durch de» K 11 nicht oiigegrifici» werden kann. Dagegen hat er eine falsche Thatsache behauptet, so daß wir also in der Lage wären, ihn zur Austiahine einer Berichtigung zu zwingen, wem» er»»icht ganz im Allgemeinen, ohne eine bestimmte Adresse, die Verdächtigung aus- gesprochen hätte.— Wie Unterbeamte durch daS„Wohlwollen"� ihrer Vorgesetzten „zufrieden" gestimmt werden, lehrt folgender Bericht, der uns a»ls Magdeburg zugeht: Als an» 1. Januar 1893 auf Verfügung deS Juslizmmisteriums für die Aufseher preußischer Gefäng- nisse und Zuchthäuser der Z e h n st u n d e n dienst eingeführt wurde, war die Freude der Auffeher groß, denn vor dem Tage der Einführung war der Dienst laut Dienstreglement an keine b e- stimmte Tageszeit gebunden, was zur Folge hatte, daß die Auf- scher ihren»»ngesnnden abstumpfende», geistcstödtenden Dienst 11, 12 oder 15 Sttinden verrichten mußtet». Die Freude über die Ver- kürzung der Dienstzeit konnte aber bei einer Anzahl Beamten nicht recht lebendig»verde», verwandelte sich vielmehr in das Gegentheil. Zu diesen Beamten zählen diejenigen der zirka 400 Insasse»» bergenden Strafanstalt Gommern. Daselbst»st der Zehn- stundentag nie zur Einführung gekommen. Die Aufscher mutzten bis vor Kurzem pro Tag rund dreiviertel Stunden länger als zehn Stunden Dienst verrichten.) Nach einer genauen Berechming wäre nur die Einstellung eine? Iveiteren Beainten nöthig gewesei», um die Aufseher in den Genuß deS Zehnstunden- Dienstes zu versetzen. Trotzdein der Gefängnißverwaltung dieS bekannt und genau vorgerechnet wurde, hat sie eS nicht unternonunen, hin« reichende Maßnahmen zur Realistrung der ministeriellen Ver- fügung zu ergreifen. Die Auffeher jener Strafanstalt haben sogar eine Verlängerung ihrer Dienstzeit erfahren müssen; sie müssen nun von früh 6 bis Abends 7 Uhr im Dienst sein, und wenn sie um 7 Uhr nicht alle Arbeit erledigt haben,„haben sie einfach länger dazubleiben". Also keinen Zehnftundentag, sondern 11 und»nchr Stunoen müssen die Auffeher in Gommern Dienst verrichten. Solche Maßnahmen der Verwaltung dürfte» nicht geeignet sein, die Aufseher zufrieden zu stimmen.— Im Geiste Köller's. Wie unser Kieler Parteiblatt mittheilt. hat der Norburger Amtsrichter Dr. Hahn wiederum eine ganze Anzahl Hofbesitzer, und zwar dieselben wie im Dczettlber v. I., vorgeladen und an sie die Frage gestellt, ob sie nunmehr gewillt seien, ihre Kinder von den dänischen Fortbildungsschulen zunickzurufen. Wenn dies nicht der Fall,»verde er, ebenso wie er bereits gegen Claus Clausen verfügt, ihnen die Elternrechte ei»tziehei». Der Amts« heit des neuen Gewehres, die im Allgemeinen weit bessere Ausbildung der Schützen und vor allem die Einführung des rauchschlvachen Pulvers. Schon allein die Thatsache, daß die Zahl der Patronen, welche ein Mann mit sich führt, weit größer ist, muß dieses Resultat herbeiführen, selbst »venn iin llebrigen gar keine Fortschritte zu verzeichnen wären. Im Uebrigen ist der Beiveis für die Veriiichttingslrast des modernen Gewehres experimentell erbracht: I», Bürgerlriege deS Jahres 1394 in Chile war ein Theil der Kongreßtruppen mit 8 Millimeter-Ge- wehren. System Männlicher, bcivaffnct, ein Theil dagegen mit alten Gewehren; eS wurde nun berechnet, daß je 100 Soldaten »nit den» neuen Gewehr 62 Gegner unfähig machten, je 100 Sol- baten mit dem alten Gewehr dagegen 34.— In den Kriegen unseres Jahrhunderts waren laut Schätzungen der Fachleute 8V, bi» 164 Schüsse nothwendig, um einen Gegner kampfunfähig zu n»achen. Es genügt also jedenfalls die Patronenzahl, welche der Infanterist heute mit sich führt, um einen Gegner niederzuschießen, und wird das 4 Millimeter-Gewchr eingeführt, so genügt die Zahl, um ztvei bis drei Gegner kampfm»fähig zu machen. Es_ ist also die theorettsche Möglichkeit gegeben, daß die Gegner sich gegenseitig vernichten. Zieht man in Betracht, daß die Soldaten heute mehr den» je Deckung suchen, so bleibt trotzdein der Ausspruch nur zu ver- stäudlich, den General Häselcr bei de», Manövern zu Hamburg in Gegenwart des deutschen Kaisers that:„Wenn das so weiter geht. »vei'tz ich nicht, wer übrig bleiben soll, um die Tobten zu ver- scharren." N»»»» hat man bei Einführung der klemkalibrigen Gewehre und Mantelgeschosse behauptet, die von diesen geschlagenen Wunden wären leichter zu heilen; man hat daher das Stahlmantelgeschotz als das„humane Geschoß" begrüßt. Das ist längst widerlegt. Die Untersuchungei», welche 1694 im Auftrage des prenßischen Kriegs- minislerimiis angestellt wurden,»vie auch die Untersuchungen schlveizerischer und österreichischer Militärärzte haben es unwiderleglich uachgelviesei», daß die geschlagenen Wunden»veit gefährlicher find. Das„h»lmane Geschoß"»virlt nämlich direkt»vie ein Spreng« geschoß,»vas folgenderinaßen erklärt»vird: Infolge der uiigcheurci» Schnelligkeit, mit welcher der Anprall selbst bei großer Entfernung erfolgt, drängen die flüssigen Theile des Körpers rück'.värtS und sprengen die Gefäße. Ans diesen» Grunde bohrt daS Geschoß nur eine Emgangsöffiiling, die dein Kaliber entspricht, aber die Ausgangs- öffirnng stellt sich dar als eine klaffende Wunde niit zerfetzten Rändern. Das Geschoß durchschneidet auf seinem Laufe die Blut- gesäße in der Weise, daß die Enden weit auSeinandergeriffen»verde»» »ind daher� innere Blutungen die Regel sind. Schließlich� zermalmt das Geschoß infolge seiner»urchtbarei» D»lrchschlagSkraft die Knochen in der Weise, daß eine nngeheure Zaljl winziger Splitter in die Weichtheile eindringen und die Geivcbe zerstören lunffeii. Auch hat es sich als falsch erwiesen, daß das Mantelgeschoß iveuigcr deformirt»vird, als die frühere Bleikugel, iin Gegentheil die Deformation ist größer und ein Streifschuß, bei den» eine rttoschettrende Kugel in den Körper dringt,»virft wie ein Schliß mit gelochtem Blei. Das alles venmlaßte den Schweizer Militärarzt Dr. Kocher auf dem medizinischen Kongresse zu Rom zu dem Ausspruche: „Die Wttkling des modernen Mantelgeschosses hat die Grenzen deS sittlich zulässigen bereits bei weitem überschritten." Die Artillerie ist natürlich nicht zurückgeblieben. Im Jahre 1891 richter wies auf das TrkenntniS des KammergenchtS w Berlin in Sachen der Wittwe Stamp hin. Sämmtliche Borgeladenen lehnten e s auch diesmal wieder ab, dem Ansinnen des Amtsrichters Folge zu leisten. Dieweil die Familie erhalten werden muß l— Tirpitz'sche„Arbeiter-Fürsorge"� Man staune: Die kaiserliche Werft in Kiel hat eine neue Wohl- that für die Arbeiter gethan, sie hat sich zu einer Arbeitszeit- Verkürzung entschlossen. Zwar hat man es noch nicht bis zum Achtstundentag gebracht, dessen«demoralisirende Wirkung" man fürchtet. Aber man hat sich dazu aufgeschwungen, den Arbeitern innerhalb ihrer zehnstündigen Arbeitszeit nunmehr eine Früh- stückspause zu.gewähren". Diese große sozialreformatorische That geschah durch folgenden Ressortbefehl. Hiermit wird bestimmt, daß in der Zeit von S— 8V« Uhr Vornnttags gefrühstückt werden darf. Die Arbeiten sind dabei möglichst wenig zu unterbrechen. Die Arbeitsmaschinen bleiben daher, wenn die Arbeit dieses gestattet, in Thätigkeit. Zum Beginn. um 8 Uhr. und zum Schluß der Pause, 8'/» Uhr Vormittags, ist in den Werkstätten ein Signal mit der Dampfpfeife zu geben, während an Bord S. M. Schiffe die betreffenden Werkfllhrer Beginn und Schluß der Pause durch Zuruf anzusagen haben. Außerhalb dieser Zeit darf nicht gefrühstückt werden, und sind Zuwiderhandlungen zur Bestrafung(im Original unterstrichen) zu melden. Dieser Befehl ist durch Anschlag den Arbeitern bekannt zu geben. Kiel, den 24. Januar 1833. Der Maschinenbau- Direktor. gez. Meyer. Geheimer Ober-Baurath. Dieser Befehl wurde den Arbeitern des Maschinenbau-ReffortS bor wenigen Tagen bekannt gegeben. Man sagt, daß mit diesem Befehl die letzten Wünsche der Werftarbeiter erfüllt worden seien.— Chronik der Gewaltthätigkeiten. (Vergleiche zum Dresdener Zuchthaus- Prozeß.) Wegen Landfricdensbruch hat die Elberfelder Strafkammer den Arbeiter Heinrich Kauermann zu 2 Jahren, den Müllcrknecht Joh. Chr. Huppertz zu 1 Jahr, den Bergmann Ludwig Stratmann zu 3 Monaten und den Bergmann Michael Buschkamp zu 8 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Angeklagten, sämmtlich in Vosnackau und Biehang wohnhaft, hatten in der Nacht zum 15. August v. Js. eine von italienischen Erdarbeitern bewohnte Kantine gestürmt, durch ein Steinbombardement zum großen Thcil zerstört und die Italiener mißhandelt. Ebenfalls aus Elberfeld wird berichtet: Elberfeld. Die hiesige Strafkammer verhandelte am Dienstag gegen die früheren Schutzleute Czickzeki und Wagner aus Velbert, die angeklagt waren. in der Ausübung ihrer Gewalt zu weit gegangen zu sein. Der zuerstgenannte Angeklagte hatte in der Nacht vom 2. Mai v. I. den Bäcker Pohl ohne jede Ursache mit dem Säbel mißhandelt. Am 18. Mai hatten beide Angeklagte den Dachdecker Wälckcr mißhandelt. Die Angeklagten bestritten das ihnen zur Last gelegte Vergehen. Durch die Zeugenaussagen wurde jedoch ihre Schuld hinlänglich bewiesen. Der Gerichtshof verurtheilte Czickzeki zu drei Monaten 1 Woche Gefängniß, Wagner erhielt 14 Tage Gefängniß. Der Vorsitzende rügte das schroffe und rohe Benehmen der Angeklagten.— Die Berliner Wahl. Den Ehrlichen unter den Liberalen— es sind ihrer freilich gar wenige— ist S fatal, daß sie nur mit konservativer Hilfe an die Möglichkeit der Erhaltung des Mandats denken dürfen. Die maß- gebenden Kreise der Partei aber spielen eine Rolle, wie sie trauriger nicht gedacht werden kann. Die.Vossische Zeitung" bettelt förmlich um die Stimmen der Konservativen und Antisemiten. Sie hält der„Kreuz- Zeitung" vor, was der Freisinn alles bei der vorjährigen Wahl für die Kropatscheck, Löbcll, Pauli aethau habe. Drei konservative Wahlkreise vor den Thoren Berlins icien durch freisinnige Hilfe der Sozialdemokratie.entrissen worden. DaS Blatt vergißt in seiner Sehnsucht nach konservativen Stimmen, wie außerordentlich es seine eigene Partei in den Augen aller völlig freigesinnten Wähler durch die Erinnerung an die Verräthereien des vorigen JahreS diskreditirt. Und dazu noch muß es ertragen, daß die Konservativen die Bettler an der Thür mit Hohn und Spott überschütten. Armseliger„Freisinn" l— stellte Professor Langlois folgende Berechnung auf: Bei gleicher Zahl der Geschosse ist das Feuer der modernen Geschütze fünfmal wirksamer als das Feuer der 1870 gebräuchlichen. Da aber ein Geschütz im gleichen Zeitraum 2'/« bis 3 mal so viel Schüsse abgiebt, so ist die Wirkung des Artilleriefeuers seit jener Zeit um das 12- bezw. 16-fache gestiegen. Aber diese Berechnung gilt heute nicht mehr: Seither haben Frankreich, Deutschland und Rußland Schnellfeuergeschütze eingeführt, und Autoritäten wie General Wille, Professor P o t o tz k y und Kapitän M o ch behaupten, die Wirkung derselben sei mindestens doppelt so groß, wie diejenige der Geschütze von 1631. Demnach wäre diel Wirkung des jetzt gebräuchlichen Geschützes 24 bis 30 mal größer, als diejemge der Ge>chiitze von 1870. Gleichzeitig(wird unabläfsig an der Herstellung immer stärkerer Sprengstoffe und vernichtender Geschosse gearbeitet. Im Jahre 1870 waren Granaten im Gebrauch, die 13 bis 30 Splitter abgaben— heute sind es 240; ein Shrapnell von damals platzte in 37, ein heutiges in 340 Stücke. Was die Platzgranaten anbetrifft, sind die Aeuderungen so groß, daß ein Vergleich nur schwer zu führen ist,■ aber folgende Zusammenstellung giebt einen ungefähren Begriff: Eine gußeiserne, mit Pulver geladene Bombe im Gewichte von 37 Kilogramm zerplatzte in 42 Stücke, jetzt wo sie mit Phroxilin geladen ist, giebt sie 1204 Splitter.— Dabei wurden früher die Kugeln und Geschoßsplitter nur auf kleine Entfernung geschleudert, heute verbreiten sie Tod und Verderben im Umkreise von 200 Metern von der Stelle, wo das Geschoß platzt, und das bei einem Schusse auf 3000 Meter Distanz. Es gilt also für Gewehr wie für beschütz der Satz: Die Wirkung der modernen Waffe ist eine weit größere, als diejenige, welche in den bisherigen Kriegen erprobt war; Kämpfe zwischen ebenbürtigen europäischen Armeen haben mit diesen Waffen niemals statt- gefunden und niemand kann heute voraussagen, wie ein solcher Kampf sich gestalten wird. Dabei stehen abermals für die nächste Zeit durchgreifende Aeuderungen in der Gelchütztechuik bevor, und zwar wird aller Wahr- scheinlichkeit das Geschütz der Zukunft eine automatisch wirkende Schnellsencr-Kanoue sein. Ein ivlches Geschütz besteht bereits als Mitrailleuse, System Maxime. Das Prinzip ist hier, den Rückstoß des abgefeuerten Geschosses dazu zu benutzen, das nächste Geschoß auszulösen und abzufeuern. Eine solche Mitrailleuse braucht nur einen Mann zur Bedienung und feuert 200 Schüsse in der_ Minute. Sie ist bereits im Gebrauche in der englischen Armee(wo sie sich bekanntlich in furchtbarer Weise bewährt hat, zum Beispiel bei Omdurman) und m der schweizerischen. Nun arbeitet aber Maxim an einer Kanone, die nach demselben Prinzip konstruirt werden soll, also einer Kanone, welche große Geschosse bis zu 125 Millimeter Durchmesser auto- matisch abfeuem soll. Bisher ist dieses Ziel nicht erreicht, aber es scheint nahezu sicher, daß es erreicht wird. Die Wirkung eines solchen Geschützes möge sich die Phantasie des Lesers ausmalen. Mit Recht hebt Bloch hervor, es sei fraglich, ob die Nerven der Menschen den Anblick der furchtbaren Verheerung ertragen werden, welche die Geschosse anrichten, um so mehr, da bei dem rauchschwachen Pulver nicht wie früher Dampfwolken die Greuel dem Blicke ent- ziehen werden. niy. Ausland. Schweiz. Bern, 16. Februar. In seiner Antwort auf die Einladung zur Theilnahme an der Abrüstungskonferenz lenkt der Bundesrath, wie der„Bund" meldet, die Aufmerksamkeit der russischen Regierung auf die Nothwendigkeit einer Revision der Bestimmungen der Genfer Konvention und nicht allein einer Ausdehnung derselben auf den Seekrieg. Der Bundes- rath weist darauf hin, daß gewisse Bestimmungen der Konvention nicht mehr der gegenwärtigen Anschauungsweise entsprächen, und dag man in die Konvention auch Bestimmungen hinsichtlich der Kriegsgebräuche aufnehmen müsse.— Genf, 12. Februar.(Eig. Ber.) Die Regierung hat einen Gesetzentwurf veröffentlicht, der die Errichtung von EinigiingS- ämteru zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Unternehmern bezweckt. Der Entwurf bestimmt, daß jede Vereinigung, die zum Streik schreiten will, den Chef des Industrie- und Handelsdepartements davon benachrichtigen mutz. Diese schriftliche Mittheilung soll außer dem Gegenstand des Streites Name, Beruf und Wohnort der Betheiligten oder ihrer Vertreter bezeichnen und ferner mittheilen, wer die Personen sind, die die Gruppen vertreten, an welche sich die betteffende Forderung richtet. Endlich sollen darin die von der reklamirenden Gruppe zur Führung ihrer Sache vor dem Gerichtshof delegirten Personen bezeichnet werden. Die betheiligten Arbeiter und Unternehmer werden sodann durch den Ressortminister ein- geladen, eine Einigungskommission zu bilden, die zusammengesetzt ist aus je 7 Verttetern der Arbeiter und Unternehmer. Kommt hier keine Einigung zu stände, so geht die Sache an die„Commissiori centrale des prud'hommes", eine Art Gerichtshof, welche berechttgt sein soll, nicht blos durch einen Spruch, der nur moralische Wirkung besitzt, sondern durch ein vollstreckbares förmliches Urtheil den Konflikt zu lösen. An die Durchführbarkeit eines solchen Urtheils scheint der Verfasser des Entwurfes, das sozialistische Mitglied der Genfer Kantonsregierung, Thiebaud, nicht gedacht zu' haben. Italien. Die Reaktion an der Arbeit. Die Deputirtenkammer begann am Donnerstag die erste Lesung der Gesetzentwürfe, betr. die öffentliche Sicherheit, die Presse, den Militärdienst für Angehörige des Beurlaubtenstandes, welche im Eisenbahn-, Post- oder Tele- graphendienst beschäftigt sind, und betreffend die rückfälligen Ver- brecher. Die Rednerliste weist 50 Namen auf. Frankreich. Paris, 16. Februar. Eine ganze Reihe Blätter, u. a. auch die „Vetite Republique" geben mit aller Bestimmtheit die Nachricht wieder, die Regierung habe beschlossen, den Gencralprokilrator Mgnau abzusetzen, da er darauf bestanden habe, in den VerHand- lungen über die Dreyfus-Affäre selbst zu funktioniren. Der Nach- folger Manau's sei bereits ernannt. Es sei kein anderer als der Senator Guerin, welcher im Jahre 1834 während des Dreyfns- Prozesses Justizminister war. und der als eifriger Gegner der Sie- vision bekannt ist. Offiziös werden diese Meldungen dcmentirt, die Minister hätten sich mit dieser Angelegenheit noch gar nicht zu beschäftigen gehabt. Französische Erwerbung am Persischen Meerbusen. Ein auS dem Persischen Golfe in Bombay eingetroffener Dampfer bringt die Meldung, daß dem Sultan von Oman am Sonnabend ein Ul- timatum überreicht worden sei. Es heißt, die pachtweise Ueber- lassung von Bandar Jissar an Frankreich gelte für ein Jahr. Dänemark. Zur Prüfung der Frage der Kinderarbeit war vom Folkething ein Ausschuß emgesetzt worden. Die Mehrzahl der Mitglieder desselben(die Rechte, die Moderaten und die Vertteter der Linken) sprechen sich gegen die beantragten Mahregeln ans, mit der Begründung, daß erst eine Statistik beschafft werden müßte und dann dem nächsten Reichstag ein Antrag zugehen möge. Unser Parteigenosse aber verlangte, daß wenigstens eine Kommission aus Regierungsvcrtretern, Reichstags-Abgeordncten und Vertretern der organisirten Arbeiter gebildet werde, die die Sache energisch in An- griff nimmt. Dänemark steht in der Frage des Kinderschutzes weit hinter anderen Ländern zurück.— Ruhland. Im Lande deS„FriedenS-Zaren". In B e l o st o k(West- Rußland) findet zur Zeit ein Ausstand s ä m m t l i ch e r Schneidergesellen statt. Aus Anlaß dieses Ansstandes sind zahlreiche Verhaftungen unter der Arbeiterschaft dieser Stadt vor- genommen worden. Gegen 20 jüdischen Arbeitern, welche in den Gefängnissen der Städte B e l o st o k und Minsk internirt sind, ist dieser Tage der in ihrer Sache gefällte Urtheilssprnch zugestellt worden— sie sind zu drei Jahren Verbannung nach dem östlichen Sibirien verurtheilt worden. Die in Belostok Verurtheilten sind Weber, welche mit dieser hohen Strafe ihre Betheiligung an dem Streik des vorigen Jahres büßen müssen— darunter ist ein hochbejahrter Greis. Die Minsker Arbeiter haben vor ihrer Vernrtheilung eine zweijährige Untersuchungshaft absolvirt. Ende Januar und Anfang Februar sind verhaftet worden in Perm(Ostnißland) ein„Intelligenter", dessen Name uns unbekannt ist, und in Kungure(Gouvernement Perm) sieben in der Leder- waaren-Jndustrie beschäftigte Arbeiter sowie ein Schüler der techni- scheu Schule, namens Pomorzew.— Rumänien. Tie Banernmirnhen kamen infolge einer Interpellation des Sozialisten M o r tz u n in der Deputirtenkammer zur Besprechung, Der Minister des Innern hielt eine Rede gegen die Sozialisten und erklärte, die Unruhen seien durch die Auflösung der bäuerlichen Klubs beseitigt worden. Von einer Beseitigung der Nothstände der Bauern, die unter der Bojarenherrschaft leiden, sagte der Minister nichts. � Serbien. Belgrad, 15. Februar. Von gut unterrichteter Seite verlautet, mehrere hervorragende Staatsbeamte seien wegen inkorrekter polittscher Haltung und wegen des Versuches, die radikale Partei neu zu organisiren, penstonirt worden. Zölle und Verbraltchssteuern. In der Budgetkommision des Reichstages stand am Donnerstag der Etat der Zöllle und Verbrauchs- steuern zur Verhandlung. Referent Müller- Sagau glaubt aus den Einnahmen(netto zusammen auf 742 260 360 M. für 1839 ver- anschlagt) ein stetiges Fortschreiten der EntWickelung konstatiren zu können, wenn auch nicht in dem Maße wie in den früheren Jahren. Staatssekretär Fchr. v. Thielmann: Es sei ein Jrrthum, wenn infolge der Diskussion im Abgeordnetenhause in der Presse ange- nommen worden sei, es bestehe zwischen ihm und dem preußischen Landwirthschafts-Mrnister eine Differenz hinsichtlich der Auffassung der kubanischen Zuckerfrage. Kuba werde in absehbarer Zeit kein gefährlicher Zucker- konkurrent werden, da infolge des Krieges die Zuckerfelder vernachlässigt, mit Unkraut bewachsen und deshalb schwer wieder zu bepflanzen seien. Dazu komme der Mangel an Arbeitern. Von der Weißen Bevölkerung seien 60 pCt. infolge der Revolution und des Krieges verschwunden, von der farbigen'Bevölkerung ebenfalls ein beträchtlicher Theil und es sei fraglich, ob sich brauchbare Arbeits- kräfte in den nächsten Jahren beschaffen lassen würden. Die ameri- konischen Neger sind der schweren Arbeit ganz ungewohnt und würden nicht nach Kuba gehen. Aus diesem Grunde glaube er nicht, daß in den nächsten Jahren bedeutende Zuckermengen aus Kuba kommen würden. Die Abgeordneten Paasche und Frese sprechen sich in demselben Sinne aus.•«, In der Spezialdiskussion bringt Dr. Paasche bei dem Titel „Z u ck e r st e u e r"(Nettoeinnahme des Reichs für 1839: 92 134 000 Mark) seinen früheren Vorschlag zur Sprache, den Handel mit de- naturirtem Zucker zu Gunsten der Verfütterung in der Landwirth- schaft zu fördern. Der Regierungsvertreter sagt dies zu, die Ver- suche seien aber noch nicht abgeschlossen. Bei dem Titel„S alz sie u er"(47 249 000 M.) erklärt Direktor v. Körner, deren Schwankungen beruhen auf einem Zufall. Die Ergebnisse entsprechen sonst konstaut dem Verbranch der Bevölkerung. Abgeordneter Möller(nationalliberal) führt Beschwerde über die Behandlung des denaturirten Salzes seitens der Behörden. Müller-Sagau meint, solche Klagen seien durch den Bureaukratismus des Reichs-Gesundheitsamtes hervor- gerufen. Beim Titel„Branntweinsteuer" wünscht Dr. Paasche ein besseres und billigeres Denattirirungsmittel, namentlich im Interesse der Steigerung des Verbrauches von Leuchtspiritus. Diriktor v. Körner: Die Frage unterliege eingehender Prüfung. Am 2. März trete zu diesem Zweck eine Konferenz von Sachver- ständigen zusammen. Wahrscheinlich sei Benzol das beste Denatu- riningsmittel. Bei der„Brausteuer" bemerkt Dr. Paasche, die An- Wendung von Saccharin zur Bierbrauerei sei zwar gesetzlich ver« boten, gleichwohl werde dieses Surrogat in Massen abgesetzt. Er möchte wissen, in welchem Umfange der Absatz der Saccharinfabriken sich ausgedehnt habe. Direktor v. Körner: Die mißbräuchliche Anwendung des Saccharins zu verhüten sei Sache der Polizei. Graf Stolberg, Müller- Fulda, v. Kardorff befürworten nach- einander die Einschränkung des Sacchariuhandels. Saccharin dürfte nur in Apotheken verabreicht werden. Bier dürfe nur aus Malz und Hopfen hergestellt werden. Bei den„ S t e m p e l a b g a b e n" wird vom Abgeordneten v. Kardorff wenn nicht ein Verbot, so doch wenigstens eine Kontingentirung der Staatslotterien angeregt. Dr. L i e b e r meint, man solle entweder alle Staatslotterien aufheben, oder alle gestatten. Das aber sei ein Unrecht, daß Preußen das Spiel in deutschen. nichtpreußischen Lotterien verbiete. Graf Stolberg spricht sich für Kontingentirung aus. M ü l l er- Sagau meint, die Kontingentirung würde das Lotteriespiel verewigen. Er ist für völlige Abschaffung des Lotterie-Unwesens. Prinz Arenberg will die Lotterie nur zur Wohlthätigkeitszwecken gestattet wissen und verweist auf das Beispiel von England. Frankreich, Holland und Belgien, die sämmtlich die Staatslotterie abgeschafft haben. Die Ansätze des Etats wurden im Uebrigen durchweg n n v e r- ändert genehmigt. Morgen wird die Berathung der M i l i t ä r- wo r l a g e fortgesetzt._ NaVlsmenkÄviZiches. Der BundcSrath ertheilte in seiner Sitzung vom Donnerstag dem Ausschutzanttage zu dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau sowie dem Ausschußberichte über die Vorlage betteffend den Entwurf einer Fernsprechgebühren-Ordnunz seine Zustimmung.— Von der sozialdemokratischen Fraktion ist ein schleuniger Autrag im Reichstage eingebracht worden, daß das gegen den Ab- geordneten S ta d t h a g e n beim Landgericht Berlin I wegen Be- leidigung sämmtlicher preußischer Landräthe, der diesen' unter- geordneten Polizeibeamten, der preußischen Offiziere und Unter- offiziere, der preußischen Richter und Staatsanwälte, des Land- gerichtsdirettor Brausewetter und des Polizeipräsidiums zu Berlin schwebende Strafverfahren während der Dauer der gegenwärttgen Session eingestellt werde. Die bereinigten Privatpostanstalten haben dem Reichstag eine eingehende Denkschrift gegen den Postgesetzentwurf überreichr. Sie weisen nach, welche Bedeutung die Privätposten für den Mittel- stand und den kleinen Mann haben. Es ist interessant, aus der Ein- gäbe zu ersehen, daß die hiesige Packetfahrtgesellschaft, die für 10 Pfennig Packete durch ganz Berlin befördert, täglich 8000 Packcte erhält, während die Reichspost nur 200 bekommt. Die Privatposten bitten, die Ausdehunng des Postregals grundsätzlich abzulehnen, für den Fall der Annahme des Entwurfs aber ihnen wie ihren Angestellten, auch denen unter 13 Jahren, volle Entschädigung zu ge- währen, der Postverwaltuug auch die Befugniß zur Schließung der Privatposten zu verweigern._ Vsvkei-Marhvichfen. Genosse Parvus, der, wie bekannt, wegen seiner Ausweisung beim reutzischen Ministerium Beschwerde erhoben hatte, erhielt darauf eine vom 4. Februar datirte, am 11. Februar zur Post gegebene Zuschrift folgenden Wortlautes: „Auf Ihre am 1. d. M. hierher gelangte Eingabe erwidern wir Ihnen, daß die in derselben behaupteten Thatsachen für uns ohne Interesse sind und uns nicht den geringsten Anlaß bieten, den Ihnen seiner Zeit behändigten AuSweisbefehl wieder zurückzunehmen oder auch nur dessen Wirksamkeit vorübergehend zu sistiren. gez. v. Hinüber." Hierzu bemerkt Gen. Parvus:„Das Ministerium, gez. v. Hinüber, verschiebt den Sachverhalt, um eine ausweichende Antwort zu geben. Nicht um meine Rückkehr handelte es sich, sondem um die offizielle Zurückweisung der polizei-offiziösen Verleumdung, durch welche meine Ausweisung öffentlich begründet wurde. Ich lvill nicht annehmen, daß das Ministerium, weil es selbst warm sitzt, gar kein Interesse daran habe, ob es mit Recht oder Unrecht die Ruhe einer Familie gründlich gestört hat, aber dessen bin ich sicher, daß die Oeffentlichkeit, besonders das Volk der Arbeiter, das ich, obwohl Ausländer, besser zu. kennen glaube, als die Eingeborenen in den Ministcrialbureaus, m solchen Fällen ein äußerst peinliches Gerechtigkeitsgefühl zeigt, das ein ganz bestimmtes Ja oder Nein verlangt und alle Ausflüchte mit Entrüstung zurückweist." Der in Zürich domizilirendc LandesanSschich der deutsche» Sozialisten in der Schweiz beruft auf Oster- Sonntag eii.e Landeskonferenz nach L u z e r n ein. Auf der Tagesordnung derselben stehen außer dem Thätigkeitsbericht des Ausschusses die Frage der Agitation, der Verschmelzung der deutschen und öfter- reichischen Organisation. Statutenrevision, Uitterstützungswesen-c. Todtenlisto der Partei. In F o r st i. L. starb am Montag der Genosse R e i n i s ch im Alter von 58 Jahren. R.. welcher Anfang der 70er Jahre dorthin gekommen ist, hat als Kolporteur unserer Literatur seine Schuldigkeit für die Verbreitung unserer Ideen gethan. Er hat auch während der Zeit des Sozialistengesetzes es verstanden, trotz vieler Haussuchungen, alles richtig an den Mann zu bringen. R. war bis in die letzte Zeit noch rüstig. Ei» Revolutionsvetcran gestorben. Wieder ist einer der alten Achtundvierziger aus dem Leben geschieden. Genosse Friedrich S ck> l i m m e r, Tischler in K a i s e r s l a u t e r n, ist am Montag im Alter von 70 Jahren gestorben, Schlimmer, zu Zwei- brücken geboren, diente beim Ausbruch der Revolution in der Pfalz im 3. Jnfanterie-Regiment in Landau, ging zu den Rebellen über, wurde in dem Entscheidungsgefecht bei Waghäusel durch einen Säbelhieb über den rechten Arm schwer ver- wundet, flüchtete in die Schweiz und wurde, als er später von Heim- weh getrieben, zurückkehren wollte, beim llebcrschreiten der Grenze verhaftet. Vor ein Militärgericht gestellt, wurde er, weil er in der Revolutionsarmee eine Charge bekleidet hatte(er war unter dem zur Revolution übergegangenen und später dafür in den Landauer Wallgräben erschossenen Leutnant Graf Fugger Sergeant gewesen). zu 2 0 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Nachdem er 9 Jahrs 8 Monate verbüßt hatte, wurde er begnadigt. Während seiner Strafzeit zog er sich auch noch 14 Tage � Dunkelarrest zu, weil er einen seiner Schicksalsgenossen, der die Haft mit ihm theilte, den Rechtsanwalt Zinn, der für irrsinnig erklärt wurde, von der Zwangs« jacke, die man ihm angezogen hatte, befreite. Schlimmer, de» wahrend der ganzen Dauer seiner Strafthat Fesseln an den Füßen trug, hatte Zettlebens an den Folgen des Zuchthauses und der ihm zu thcil gewordenen Behandlung zu leiden. Durch Krankheit der- hindert, konnte er voriges Jahr der S0 jährigen Gedenkseier der Märzrevolution nicht mehr beiwohnen. Nun ist er. kurz vor der 60jährigen Wiederlehr der Pfälzisch-badischen Revolution ver- schieden. Pulizeiliches, Gerichtliches u. f. w. Beschlagnahmt wurde der von den Königsberger Ge- Nossen verbreitete Kalender„Der Landbote". Diese Maßnahme ist vom Staatsanwalt Hechl in In st er bürg angeordnet worden, dem- selben Herrn, der auch seinerzeit die von den Königsberger Partei- genossen verbreiteten Wahlflugblätter lonfisziren ließ. Die Der- breiter jenes Flugblattes wurden sämmtlich vom Gericht frei- gesprochen: Herr Hecht will sich wohl eine neue Niederlage holen. — Das Opfer eines frivolen Lügenbolds ist der Genosse WaberSky, Redakteur des„Hamburger Echo", geworden. Nach gewissenhaftester Prüfung veröffentlichte er die Erzählung eines Arbeiters U r b a ch, welcher behauptete, schuldlos wegen Bettelns verhaftet zu sein und knüpfte daran eine Kritik. Eine ihm zugestellte Berichtigung nahm er sofort auf, trotzdem wurde er wegen Polizei- und Schutzmanns-Beleidiguug angeklagt und zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt, während sein Gewährsmann sechs Monate erhielt. — Begräbnist„lingcwöhnlichcr Art". Fünf Genossen in Erfurt wurden zu 15 bezw. 21 M. Geldstrafe verurtheilt, weil sie durch Reden am Grabe, und dadurch, daß sie das Absingen von nichtkirchlichen Liedern gestatteten, ein Begräbniß ungewöhnlicher Art ins Werk gesetzt, bezw. eine unerlaubte Versammlung unter freiem Himmel abgehalten hätten. Zu einem Monat Gefängnist wurde Genosse Rudolph, Redakteur der„Tribüne" in Erfurt, wegen angeblicher Beleidigung eines Polizisten verurtheilt._ GemeMsstzÄfklMze-s. Berlin und Umgegend. Der Verband städtischer Arbeiter beruft zum Montag, nach Stcchert's Festsälen, Andreasstraße 21, eine Versammlung der in städtischen Betrieben thätigen Arbeiter ein, in welcher zu der Maß- rcgelung der beiden Arbeiter auf den Friedrichshagener Wasserwerken Stellung genommen werden soll. Bekanntlich hat es der Berliner Magistrat abgelehnt, vor dem Einigungsamt des Gewerbcgerichts die Differenzen zum Austrag zu bringen. Der GcscllenanSschust der Bäckerinnung Germania ver- handelte gestern mit dem Vorstand der Innung über die Forde- ruugcn der Gesellen. Die Meister erklärten, daß sie weitere Zu- gcständnisse als die in einer voraufgegangenen Sitzung genannten nicht bewilligen könnten. Vor allem lehnten sie es ab. das Kost- und Logiswesen abzuschaffen, sowie einen paritätischen Arbeits- Nachweis einzuführen. Dagegen zeigte man sich geneigt, für die ver- hcirathcten Gesellen das Kost- und Logiswcscn abzuschaffen. Weitere Zugeständnisse wurden nicht gemacht. Die weiteren Verhandlungen wurden dann von den Meistern mit der Weisung abgebrochen, die Gesellen mögen sich später noch einmal an die Innung wenden. Deutsches Reich. Zur Lohnbewegung der Krcfcldcr Weber. Wie uns be- richtet wird, ist der Ankündigung des Herrn Dr. Bertram, des Vorsitzenden der sozialen Kommission des städtischen Kollegiums, die That gefolgt und sind Unterhandlungen im Gange. Die drei Arbeiterverbände haben die Einladung erhalten, zu einer Sitzung, die an, Sonnabend im RathhauSsaal stattfindet, je zwei Delegirte zu eittscnden. Die Stimmung, die in den Kreisen der christlichen Textil- arbeiter zu den Lohnkämpscn sich geltend macht, kennzeichnet treffend ein Bericht über eine Versammlung des christlichen Verbandes der Textilarbeiter in A a ch c n. Die Versammlung beschäftigte sich zunächst mit dem Streik in Eupen. Sännntliche Redner ver- nrthcilten das Zweistnhlsystcm und befürworteten ein gemeinsames Vorgehen. Ueber den Krefclder Streik berichteten sodann zwei Mitglieder des christlichen Verbandes Krefeld. Mit„Dankbarkeit" erwähnten sie es, daß die Fabrikanten ihnen eine Besprechung gc- währt haben u. s. w.: von ihrem Bestreben, die Arbeiter zu bewegen. die Arbeit versuchsweise aufzunehnren und den Lohuausfall aus der Verbandskasse zu decken, kein Wort. Nach diesen Rednern kam Hörster(Krefelds zum Wort und er wies auf das zweifelhafte Benehmen der Führer des christlichen Verbandes hin. Er erwähnte das Anerbieten von Unterstützung und die Zurückweisung von Seiten der christlichen Führer, die ihren Mitgliedern immer erklären, es wäre kein Geld da. Von Seiten des Gewerkschaftskartells seien den Ausständigen 0000 M. angeboten. Im Uebrigen kennzeichnete er das Bestreben der christlichen Führer, nnt den Fabrikanten allein zu verhandeln, da sie doch nur den zehnten Theil der Streikenden ausmachen. Durch dieses einseitige Vorgehen wird die Arbeiterschaft schwer geschädigt, indem die Fabrikanten hoffen, durch die Uneinigkeit der Arbeiter im Trüben fischen zu können. Ei» christ- licher Krcfelder versuchte ihr einseitiges Vorgehen zu entschuldigen mit den Worten:„Sie, die christlichen Führer, wollten in ihrem Verband nnt de« Fabrikanten selbst verhandeln und dann eine etwa erzielte Einigung den anderen Verbänden unterbreiten." Ein be- merkcnswerthcr Zug aus dieser Versammlung war die Ansicht, die verschiedentlich in der Diskussion zum Ausdruck kam, daß die Ar- beitcr gemeinschaftlich handeln müßten, und zwar wurde dies auch von Mitgliedern des christlichen Verbandes betont. Folgende Re- solution wurde einstimmig angeuommen: „Die Versammlung erkennt nach Anhörung der Berichte über die derzeitige Lage das Vorgehen der Krefelder Weber voll und ganz als berechtigt an und verpflichtet sich, dieselben in moralischer und insbesondere in finanzieller Hinsicht nach besten Kräften zu unterstützen." In der MUnchcner Artilleriewerkstätte erhielten am Sonn- abend 100— 120 Arbeiter, Sattler, Mechaniker und Schmiede, ihre Kündigung. Weitere Entlassungen sollen bevorstehen. Soziales. Minister coair» Grubcn-Repräseutaut. Aus Oberschlesien wird uns geschrieben:„Vielfach kommt es vor, daß bei Gruben- Unfällen niemand gefunden wird, der für die BetriebS-Einrichtungen verantwortlich ist. Ein Beamter schiebt die Schuld auf den anderen, am Ende wird keiner gefaßt. In einem oberschlesischen Gruben- betriebe handelte es sich bei einem Strafakte darum, ob der Berg- verivalter oder der Repräsentant der verantwortliche Leiter sei. Amt- lich war der Bergverwalter als Betriebsleiter angegeben worden, der Repräsentant hatte jedoch dessen Befugnisse u. A. dadurch beschränkt, daß er ihm die selbständige Korrespondenz in Angelegenheiten des Werkes untersagt hatte, wodurch eine Strafanzeige erheblich verspätet worden war. Gegen diesen Repräsentanten ist in einem Minister- erlaß betont worden, daß der Berqverwalter nicht in dieser Weise in der Leitung beschränkt werden dürfe: dem Repräsentanten wird für jeden Fall neuer ungerechtfertigter Beschränkungen der Befugnisse des Betriebsleiters die Einleitung' des gerichtlichen Strafverfahrens an- gedroht. Der oberschlesische Berg- und Hüttenmännische Verein ist init diesem Ministerialerlaß sehr unzufrieden und will dessen Zurück- nähme fordern." Streikklausel der Züricher Arbcitsbörse. Die Züricher Ar- beitsbörse hat folgende Bestimmungen für Strcikfälle in ihr Reglement aufgenommen: 1. Bei Eintritt eines Streiks oder einer Aussperrung stellt der Arbeitsnachweis seine Thätigkeit für den betreffenden Ge- schäftszweig ein. 2. Die Wiederaufnahme des Arbeitsnachweises hängt vom Beschluß eines zu gleiche» Thcilen aus Arbeitern und Unternehmern bestehenden Einignnasrathcs ab. 3. Im Falle die Aufnahme des Arbeitsnachweises aus Grund eines solchen Beschlusses vor Beendigung des Streiks erfolgt, behält sich die Arbcitsbörse das Recht vor, Arbeitsuchende von der Andauer des Streiks in Kenntniß zu setzen. 4. Weigern sich die Arbeitgeber, sich einem Einigungs- verfahren anzuschließen, so behält sich die Arbeitsbörse das Recht vor, nach Gutdünken im Einverständnitz mit dem betheiligten Arbeiter- verband vorzugehen._ Gevi�tzks-"Bcilung. Gefährdung der Sittlichkeit durch den Berliner Arbeiter Kalender für Das im Verlage von Meyerhofer's Nach folger erscheinende Büchlein erhält in seiner diesjährigen Ausgabe unter Anderen auch eine kleine Novelle von Guy de Maupässent „Am Rande des Bettes". Der Verfasser geißelt die Unsittlichkeit solcher Ehen, wo der Mann neben seiner rechtmäßigen Frau noch verschiedene bezahlte Liebesverhältnisse unterhält, indem er in Form eines Dialoges schildert, wie die Gattin eines selchen Ehemannes für die Gestattung ehelicher Liebesfreuden nun ebenfalls Bezahlung von ihrem Gemahl verlangt. Die genannte Arbeit ist in allen Sammlungen Maupassentffcher Novellen zu finden. sie wurde auch vor Jahren von Klara Zetkin übersetzt und ist damals durch eine Korrespondenz unbeanstandet verbreitet worden. Diese Zetkiny'che Uebersetzung hat der Verleger Steding(Inhaber der Firma Meyerhofer Nachfolger) in den Berliner Arbeiter Kalender für 1899 übernommen; er mußte sich deshalb am Donnerstag vor der 9. Strafkammer am Landgericht wegen Verbreitung einer unzüchtigen Schrift verantworten. Nach langer Verhandlung, welche unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, wurde der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 100 M. ver- urtheilt, außerdem erkannte das Gericht auf Einziehung der noch vorhandenen Exemplare des Kalenders, unter der Begründung, daß die genannte Maupassent'sche Arbeit objektiv unzüchtig und geeignet sei, das sittliche Gefühl gröblich zu verletzen. Da sich der An- geklagte auch dessen bewußt gewesen sei, mußte er bestraft werden. Im ZuchthauskurS. Arg zusammengeschrumpft ist gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht II eine Anklage- fache, die unter der grellen Beleuchtung des Zuchthauskurses überaus drohend aussah. Wegen Nöthigung und lvegen Vergehens gegen 8 153 der Gewerbe- Ordnung waren die Porzellandreher Max Z i n s e r und Paul Klinke angeklagt. Es handelte sich um eine Episode aus der Arbeitseinstellung, die im August und September in der Porzellanmanufaktur Helden- Weng er, Inhaber B. Schwarz, ausgebrochen war. � Schwarz besitzt eine Fabrik in Spandau und eine in der Sesenheimer- straße zu Charlottenburg. In der erstercn war auf sogenannte Lampenblaker, angeblich, weil dieselben nicht mehr genügenden Absatz fanden, eine erhebliche Lohnreduktion proklamirt worden, mit welcher die Dreher nicht einverstanden waren. Sie legten die Arbeit nieder und die Arbeiter der Charlottenburger Fabrik schloffen sich ihnen im Gefühle der Solidarität au. Nun sollen Zinser und Klinke_ am Abend des 15. September den Dreher Vogt, der zuerst sechs Wochen mitgestreikt, dann aber die Arbeit wieder auf ; e n o m m e'n hatte, verfolgt, beschimpft und bedroht haben. Ferner oll Klinke am Abend des 18. September den Nachtwächter der Fabrik, Porzellanarbcitcr Quoos, beschimpft und mit Steinen geworfen haben. Vogt erklärte gestern als Zeuge, daß er zu seiner Braut im Hause Schillerstraße 80 gegangen sei. Ob die Angeklagten ihm gefolgt seien, wisse er nicht, denn Zinser wohnte in derselben Straße und sogar auf derselben Seite. Derselbe habe ihn gefragt, ob ihm der Werkmeister schon wieder ein Paar in die Fresse gegeben habe, wo- raus er erwiderte:„Wer mich schlägt, kann wegen Körper- Verletzung auf drei Monate zum Sitzen kommen!" Nun habe Zinser zu Klinke etwas gesagt, etwa als wie„Hau ihm ein Paar runter!", aber er könne es nicht auf seinen Eid nehmen, ob die Worte so lauteten. Es sei richtig, daß Klinke ihm mit er- hobcner Hand nachgelaufen sei, ob derselbe aber habe schlagen wollen, wisse er nicht. Beeinflußt, die Arbeit niederzulegen, sei er niemals worden.— Staatsanwalt:„Warum standen denn nun die S t r e i k p o st e n vor der Fabrik?"— Vertheidiger S ch m i l i n s I i: „Die Streikposten standen dort, um den Zuzug von außer- halb abzuhalten!"— Zeuge Vogt:„Die Arbeitenden sind nicht belästigt worden!" Der Fabrikwächter Quoos hat in der Nacht vom 18. zum 19. September den Angeklagten Klinke mit zwei Anderen aus dem gegenüber der Fabrik liegenden Lokale von Bartsch kommen sehen. Diese Leute hätten ihn beschimpft und mit Steinen nach ihm geworfen. Zunächst giebt Zeuge zu, daß eine Einwirkung aus ihn, am Streik lheilzunehmen, nicht tnttgefunden hat und auch nicht stattfinden konnte, da er nicht in Arbeit stand, sondern nur als Wächter angestellt war. Zeuge hat zunächst nicht gewußt, daß es Klinke war, der mit Steinen nach ihm warf und ihn beschimpfte. Er hat seinen Strafantrag auf der Polizei gegen die beiden unermittelten Begleiter Klinke's gestellt und erst später ist es ihm eingefallen, daß es Klinke war. Die zur Verlesung gelangten Strafanträge, gut st i l i s i r t von Polizei- beamt'eii aufgesetzt, besägten bedeutend mehr, als wie die Belastungszeugen gestern aussagten, das wurde aber durch das Zeugnitz des Revierleutnants Hinz erklärt, der eine ziem- lich k r a s s e Schilderung der Ausschreitungen der Streikenden gab. Unter Anderem erzählte er, daß neun Mann wegen Streikpostenstehens verurtheilt worden seien. Der Vertheidiger setzte erklärend hinzu, daß jeder der Angeklagten vom Schöffengericht wegen groben Unfugs verurtheilt worden sei. Hier siel ein Richter ein:„Aber Streikposten st ehe» ist ja gar kein grober Unfug!"— Vertheidiger:„Die Leute wurden nur zu 5 M. verurtheilt und um sich selbst nicht weitere Scheerereien zu machen, beruhigten sie sich!" Der Staatsanwalt sah selbst ein, daß Nöthigung und Vergehen gegen die Gewerbe-Ordnung nicht vorliege, indessen liege Beleidigung vor, und da diese Beleidigungen aus dem Bestreben hervorgingen, die A r b e i t s w i l l i g e n z u d r a n g s a l i r e n. so sei eine Geld- 'träfe nicht am'Platze. Er beantrage für Zinser 3 Wochen Gefängniß, für Klinke einen Monat Gefängniß und 2 Wochen Haft.' Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Schmilinski, bezeichnete zu- nächst die gestellten Strafanträge für rechtsungilttg. Der Gerichts- hos hielt die Strafanträge für zutreffend, zog auch bei der Ab- Messung der Strafe die ganze Situation(also den Arbeiterkampf) strafschärfend in Betracht, weshalb im Prinzip auf Gefängnitzstrafe erkannt wurde, doch wurden die Angeklagten nur wegen Beleidigung zu je einer Woche Gefängniß, Klinke außerdem wegen Steinwerfens zu drei Tagen Haft verurtheilt. Gelegentlich eines Streiks hatten am 10. Mai 1898 vier Spandauer Zimmerer(Reinke und Genossen) einen jüngeren Kollegen, der vom Bau nach Hause gehen wollte, davon ab- gehalten und ihn in eine Kneipe hineingeschoben, um ihm dort einen Vortrag über Solidarität zu halten. Er erklärte sich dann auch bereit, die Arbeit niederzulegen. Später erzählte er den Vor- gang dem Meister und erklärte seine Nachgiebigkeit da- mit,' daß er geglaubt habe, die Leute„würden" ihn todtschlagen. Darauf wurden die vier Betheiligten des Vergehens gegen deii§ 1ö3 der Gewerbe-Ordnung angeklagt und auch in den beiden ersten Instanzen verurtheilt. Auf ihre Revision hob gestern der Straf- senat des Kammergerichts das Urtheil des Landgerichts auf und verwies die Sache' mit folgender Begründung in die Vorinstanz zurück: In dem Verhalten der Angckiagten auf der Straße könne ein körperlicher Zwang im Sinne des 8 1ö3 nicht gesehen werden, denn da sei es ihnen nur darum zu thnn gewesen, den jungen Mann am Nachhauscgehen zu hindern. Es frage sich indestcn, ob nicht der Thatbcstand des 8 240 Reichs- Strafgesetzbuchs(Nöthi- gung) gegeben sei. Andererseits sei nachzuprüfen, ob nicht die Vor- gänge in der Kneipe die Anwendung des 8 1ö3 rechtfertigten. Sechs Parteigenossen ans Glciwitz hatten am Himmelfahrts tage des vorigen Jahres Wählflugblättcr im Orte Kieferstädtel öffentlich'vertheilt. Sie wurden vom Schöffengericht wegen groben Unfugs und wegen Vergehens gegen die Polizei-Ver- ordnuug vom 9. März 1896, die für Sonn- imd Feiertage jede öffentlich bemerkbare Arbeit verbietet, zu Geldstrafen verurtheilt. Die Strafkammer in Gleiwitz sprach sie jedoch mit folgender Begründung frei: Die Flugblatt- Verbreitung, die von Nachmittags 1 Uhr ab v o r Beginn des Nachmittags-GotteSdiiffste» erfolgte, habe zwar die Aufmerksamkett deS Publikums erregt, fei aber im Uebrigen geräuschlos vor sich gegangen, so daß sie ein besonderes Aufsehen nicht bewirkt habe. DaS Publikum habe sich erst in größerer Menge neugierig zusammen- gefunden, als der Bürgermeister zum offenen Fenster hin- aus einen Gendarm beauftragt habe, einigen inzwischen arrettrten Flugblattverbreitern die übrigen Blätter abzunehmen. Auch in diesem Moment hätten die Angeklagten keinen Lärm gemacht. Die ganze Szene habe nur 10 Minuten gedauert. Das allen polittschen Parteien durch 8 � Absatz III der Gewerbe-Ordnung gewähtte Recht, zwischen der Bekannt- machung des Wahltermins und dem Wahltage selbst Wahlschristen ohne vorherige polizeiliche Erlaubniß öffentlich zu ver- theilen, müsse auch der Sozialdemokratie zu- gestanden werden. Es sei hier weder von einem groben Unfug, noch von einer bemerkbaren Arbeit zu reden. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urtheil insoweit Revision ein, als dadurch die Angeklagten für nicht schuldig befunden wurden, an einem Feiertage eine öffentlich bemerkbare Arbeit verrichtet zu haben. Der Sttafsenat des Kammergerichts, vor dem Rechtsanwalt Heine- mann die Angeklagten vertrat, gab gestern der Revision des Staats- anwalffchast statt, hob das fteisprechende Urtheil auf und verwies die Sache nochmals an das Landgericht, indem er ausführte: Zu Unrecht sehe das Landgericht in dem Vertheilen und Tragen der Flugblätter keine öffentlich bemerkbare Arbeit. Es sei einzig und allein maß- gebend. daß das Publikum das Austheilen und Tragen der Blätter sehen konnte. Die Polizeiverordnung sei nicht irrthümlich a n g e- wendet worden, denn 8 13 der Gewerbe-Ordnung enthalte nur gewerbepolizeiliche Bestimmungen, während es sich hier um die Heilighaltung der Feiertage handele. Schwere Mißhandlungen ihres Dienstmädchens führten gestern den Schankwirth Rudolph H o f f m a n n und dessen Ehe- stau Christiane Hoffmann vor die IV. Strafkammer des Landgerichts I. Die Hauptbelastungszeugin, die unverehelichte Dahlke, bekundete, daß sie im Herbst v. I. bei den Angeklagten in Dienst getreten sei. Sie habe fortgesetzt eine so schlechte Behandlung seitens ihrer Dienstherrin erfahren, daß sie wiederholt' darauf gedrängt habe, entlassen zu werden. Schließlich habe Frau Hoffmann sich damit einverstanden er- klärt, daß die Zeugin am 30. November ziehen könne. Als die Zeugin am Abende des genannten Tages um ihr Dienstbuch bat, sei Frau Hoffmann wieder anderen Sinnes geworden und habe sie nicht ziehen lassen wollen. Die Zeugin habe nun ihren Reise- korb forttragen wollen, Frau Hoffmann habe aber den Griff an der anderen Seite des Korbes gepackt und beide hätten nun hin- und hergczcrrt, um in den Besitz des Korbes zu gelangen. Um die Zeugin zu bewegen, den Griff loszulassen, habe' die Angeklagte ihr fortgesetzt heftige Schläge mit einem Schlüssel auf die Hand versetzt. Als sie ihren Zweck hierdurch nicht erreichte, ergriff Frau Hoffmann sodann die brennende Küchenlampe uiid hielt den heißen Zylinder so dicht gegen die Stirn der Zeugin, daß deren Haare abgesengt wurden. Auf die Hilferufe eer Gepeinigten eilte die Porttersfrau herbei, riß den Arm der Angeklagten mit der brennenden Lampe zurück und ver- anlaßte dadurch die Angeklagte, sich nach der Schankstube zurück- zuziehen. Hier erzählte sie ihrem Manne, daß das Mädchen in Gemeinschaft mit der Portiersfrau sie schwer mißhandelt habe. Der Ehemann Hoffmann eilte nach der Küche, versetzte zunächst dem Mädchen mehrere Schläge und darm der auf dem Korridor stehenden Portiersfrau zw ei Fußtritte gegen den Unterleib. Die Beweisaufnahme bestätigte die Angaben der Be------ U--'' Verantwortlicher Redalteur: August Jacobcy in Berlin. Für den JnserateiUheil verantwortlich: Th. Glocke üi Berlin. Druck uitd Verlag von Mar Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen«. ltnierhaltu>izshl«A? »t. 4i. i6. mm. i KeillM des„Amiills" Dttliner DslksblM. Frelt-S. 17. Mmr 18SS. Vstchsksg. 34, Sitzung, Donner st ag, 16. Feb. uar 1809, 1 Uhr. Am Tische des Bundesrathes: Graf v. P o s a d o w S k y. Die erste Berathimg des neuen JnvalideiivcrsicheriMgS- Gesetzes ivird fortgesetzt. Abg. Oertel(kon.): Gewisse Aeußerungen aus der gestrigen Verhandlung zwingen Mich- zunächst einige mit ders' Vorlage wenig zusammen- bangende Gebiete zu streifen. Auch in die Berathuug dieser eminent sozialen Vorlage spielt die alte Verwechselung zwischen sozial und sozialistisch hinein. Zwischen dem gesunden sozialen Sinn und dem ungesunden sozialistischen Unsinn(Heiter kcit links.) ist eine himmelweite Kluft. Der gesunde soziale Sinn spricht sich ans in dem Sprichwort: Alle ftir Einen und Einer für Alle, der sozialistische Unsinn ist eine Treibhauspflanze, die nur im stickigen Dunst einer überniüthigen Hochkultur gedeiht.(Sehr richtig rechts, stürmische Heiterkeit links.) Er zwingt den Einzelnen, unter zugchen in einer gestaltlosen Masse und erreicht nur den Kamp Aller gegen Alle.(Bravo! rechts.) Vor dem gesunden, sozialen Sinn brauchen wir uns nicht zu fürchten, unsere gesammtc Versichernngs-Gesetzgebung steht auf dem Standpunkt des selben. Herr Wurm hat nun gesagt, für die ganze soziale Gesetzgebung sei die Furcht vor der Sozial dcmokratie bestimmend. Unter Furcht versteht man erstens die blasse Angst vor einem unabwendbaren Schrecknitz.(Sehr wahr! rechts, Heiterkeit links.) Diese Art von Furcht dem Kanzler nachzusagen, der das geflügelte Wort geprägt har, datz der Appell an die Furcht beim deutschen Volke nie Gehör finden werde, das kann ich nur als groteske Komik bezeichnen.(Sehr richtig 1 rechts.) Zweitens bedeutet Furcht indetz auch die Ueberzeugnng von der Nothwcndigkeit, einen Schaden oder einen Schädling(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) abzuwehren. Ich will nun nicht leugnen datz die Nebenabsicht bei der sozialen Gesetzgebung war. dem Schädling in Gestalt des sozialistischen Unsinns entgegcu zutreten, die Hauptabsicht aber war, den sozialen Frieden zu fördern. Wir haben die Wirkung dieser Gesetzgebung niemals überschätzt, und wenn wir auch hoffen, daß der weitere Ausbau derselben dazu dienen wird, der Sozialdemokratie einen Theil ihrer Anhänger zu entziehen, so wissen wir doch, datz die fnnatisirte Masse niemals überzeugt werden kann. Und wenn wir ihr die eine Hand füllen, die andere wird sie doch immer in der Tasche ballen.(Sehr richtig! rechts.) Herr Wurm mag recht habe». datz für manche Kreise der Gedanke bestimmend gewesen ist, eine Erleichterung der Armen- Gesetzgebung'herbei zuführen und ferner die Hoffnung, datz man sich durch die soziale Gesetzgebung von der Sozialdemokratie loskaufen tonne, aber doch nur für die Kreise, welche von dem christ lichcn Grunde der sozialen Gesetzgebung und von der deutschen Auf fassung noch Abstamniung und Race keine Ahnung haben können. (Heiterkeit links.) Herr Wurm hat ferner auch Veranlassung genommen, auf die brennende Frage der Landflucht der Arbeiter einzugehen, er fühlte wohl das Bcdürfnitz, das hier vorzubringen, weil es den Herren, Gott sei Dank, im preutzischen tLaudtage noch nicht möglich ist. Herr Wnnn führte als einzigen Grund für diese Landflucht den an, den der Dichter Heine in seinen schönen Versen von den bungcrigcn und satten Ratten ausgesprochen hat. Meine Herren, überlegen Sie sich doch, datz Heinrich Heine, dessen lyrische Begabung ihm unbenommen sein mag, weder unseres Stammes noch im Grunde seines Herzen« unserer Religion war.(Sehr wahr! rechts. protze Heiterkeit links.) Für diejenigen seiner Mitbürger, die ihm persönlich am nächsten standen, ist ja allerdings, auch nach meiner Meiuung, die Ucbcrsüttigung erst der Anlatz zur Heimathsliebe. (Lcbh. Bravo I rechts, Lachen links.) In unserem deutschen Volke wird das Heimathsgefühl unter allen Umständen mächtig bleiben, aber es liegt in ihm doch ein seltsamer Zug in die Ferne, der durch allerhand andere Gedanken bestimmt wird. Die Lage der Land- arbcitcr ist durchaus nicht so schlecht, wie sie Herr Wurm sicherlich nicht aus eigener Erfahrung schildert. Will nian sie mit derjenigen der Jndustric-Arbcitcr vergleichen, so mutz man auch ihre Naturalbezüge in Betracht ziehen und diese nach Berliner Preisen berechnen.(Lachen links.) Vergessen Sie auch nicht, datz in Ostpreutzen die meisten Gutsbesitzer ihre Leute nicht nur gegen Invalidität allein sichern, sondern auch alle anderen Versicherungen mit übernehmen und in der Regel die Kranken auf das Sorgsamste und Beste verpflegen lassen. Auch ist das ganze Leben der ländliche» Arbcitcr viel gesünder, als das der Industrie- Arbeiter. Es ist zweifellos, datz die Vergnügungssucht der jüngeren ländlichen Arbeiter eine Hanptursache der Landflucht bildet. Wenn Sie dem- gegenüber immer auf die vielfachen Vergnügungen der Gutsbesitzer, speziell der Mitglieder deS Bundes der Landwirthe hier in Berlin in den Ballsälen hinweisen, so möchte ich Sie nur einmal auf die Nummer des„Vorwärts" vom 12. Februar er. hinweisen. Ich habe da im ganzen 12 Ballanzeigcn, 10 Anzeigen von Spezialitäten- bühnen und 4 Anzeigen von Wiener Maskenbällen gesunden. (Grotze Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nun, diese An- zeigen sind sicher nicht für die„nothlcidenden Agrarier" oder für Fabrikbesitzer und deren Söhne beslininit, sondern für die Arbcitcr, und Sic werden nicht leugnen, datz solche Anzeigen einen grotzep Anreiz für ciiicn Landarbeiter bilden müssen, dem vielleicht— was Gott verhüten möge— dieses Blatt in die Hand konimt. Er kann zii� leicht auf den Gedanken kommen, wie schön mutz es doch das werkthätigc Volk in Berlin haben!(Heiterkeit bei den Sozial demokraten.) Ruch das faniose Thema der P r ü g e l st r a f e hat Herr Wnnn wieder in die Debatte gezogen. Mein Fraktionögenosse v. Löbcll hat schon erklärt, datz wir die Prügelstrafe bei Rohhcits verbreche» Minderjähriger für augcmessc» halten. Ich gehe noch weiter und halte sie bei gewissen thierischcn Rohhcitsvergehen auch für ältere Leute für sehr nützlich. Freilich, unsere Anschauungen über das, was eine Rohheit ist, gehen lvcit auseinander.(Sehr ivahr l bei den Sozialdemokraten.) Wenn ich daran denke, lvie gewisse Herren über einen Fall denken, den ich hier nicht besprechen will, wie man bei viehischen Verbrechen gegen einen Halbtodtcn schreiben konnte: wir denken menschlich über Menschliches— so kann ich eine solche Ausfassnug nur als eine Fratze, als ein Zerrbild der Humanität bezeichnen.(Sehr ivahr! rechts. Lachen links.) Nun komme ich zur Sache.(Heiterkeit links.) Ein erheblicher Theil meiner Freunde hat dein ganzen Gejctzcntwnrf gegenüber grotze Bedenken. Der Zu« sannnenlcgung der verschiedenen BersicheningSanstalteii hätte man durchaus näher treten müssen. Die Einführung der Rcutenstellen erfchivtrt die Organisation antzcrordcntlich. Herr Rösicke sprach seine Befriedigung darüber aus. datz das Haus von dem Antrag Plötz verschont geblieben sei. Ein Preisgeben der Grundsätze desselben liegt in dieser Schonung indetz nicht. Herr Wurm hat gemeint, der Antrag Plötz sei abgeschrieben gewesen von dem sozialdemokratischen. Dagegen hat Herr Mollenbnhr 1897 wörtlich gesagt: Nun kann man freilich Herrn Plötz recht geben, er hat nichts abgeschrieben I(Leb- hafter Widerspruch des Abg. Molkenbuhr.) Uebrigens komnit es doch auch häufiger vor, datz eine minder scharfsichtige Henne ein brauch- bares Ei legt(Grotze Heiterkeit), also de» Vorwurf des Abschrcibens lönue» Ivir ruhig auf uns nehmen. Weiter müssen wir fordern, datz auch die Betricbsuntcrnchnier, die unter LG» M. Vermögen haben, in die Invalidenversicherung einbe- zogen werde», denn ihnen geht es ebenso schlecht, wie den Arbeitern. Wir stehe» grundsätzlich auf dem Standpunkt, das-, die Lasten der Alters- und Jnvaliditätsversichcrung von der G e s a m m t h e i t getragen werden müssen, datz die Versicherung nur bestehen kann im Sonnenlichte des praktischen Christenthunis. �Heiterkeit.) Von einem Privateigcnthnm der einzelnen Anstalten kann keine Rede sein. Jeder aus der großen Bolksgenosscnschaft hat theil daran. Die Wittel sollten eigentlich durch Einkommensteuer aufgebracht werden; dem stehen aber zur Zeit praktische Bedenken entgegen. Dringend nothwendig ist aber die schleunige Hebung der Nothlage einzelner Anstalten, vor allem der ostpreutzischen. Zurückweisen mutz ich ferner das, was Herr Wurm gegen die Aerzte gesprochen hat. Der deutsche Aerztestand ist einer der ersten der Welt. Er ist parteiischer Urtheile gar nicht fähig. Wir wollen an dem Gesetz mitarbeiten, in der vollen ehrlichen Absicht, Verbesserungen zu erzielen; aber man mutz auch, und das ist mein Eetsrnm oensso, vor allem an den Mittelstand denken.(Beifall rechts.) Wer soziale Gesetz- gebung treibt und nicht an den Mittelstand denkt, gleicht einem Manne, der die Steine anS dem Fundament eines HanseS reitzt, um damit die Lücken der oberen Geschosse zu füllen. Wenn Sie nicht stets des Mittelstandes eingedenk sind, so kommt für ihn vielleicht bald die Zeit, wo er sagen nnitz: Man kann nicht mehr, als man kann.(Lebhafter Beifall rechts). Abg. Bräsicke(frs. Vp.) Das Klebegesctz hat in Ostpreutzen nicht nur keine Synipathien, sondern vielfach grotze Entrüstung hervorgerufen. Die Lasten des Gesetzes ruhen da gänzlich auf den Schultern der Arbeitgeber. Dazu kommt noch die in der That nicht geringe Unbequemlichkeit des Klebens. In vielen Fällen ist deshalb auch jahrelang nicht geklebt worden. Ein Antrag auf Nachkleben fand aber wenig Gegenliebe. Derartigen Vorkommnissen mutz durch eine Verbesserung dcs'Gcsetzes vorgebeugt werden.(Beifall.) Abg. Stöhel(Z.): Die Forderung der Aufbringung der Beitrage durch allgemeine Neichseinkommcnsteucr, die Herr Oertel heute vertreten hat, ist ja auch eine alte sozialdemokratische Forderung. Ganz rechts und ganz links, das reicht sich da ja die Hand. Zum Glück ist ja wenig Aussicht vorhanden, datz wir dergleichen je bekommen. Ebenso'wird auch der Vcrmögcns-Ansgleich, der eigentlich springende Punkt dieser Vorlage, schwerlich Annahme finden. Er beruht auf einer V e r- m ö g e n s-- K o n f i s k a t i o n und würde im Lande allenthalben nur Unwillen hervorrufen; dadurch würde das ganze Gesetz noch weniger beliebt werden, als es jetzt schon ist.(Sehr richtig I) Redner wendet sich sodann gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Sachse über die Knappschaftskasscn. Herr Sachse hat gesagt, datz sich heute die Bergarbeiter schlechter stehen als früher, weil die Knappichaftskaffen alles Mögliche einrechnen; datz sie auch die Militärpenstonen einrechnen, ist mir freilich neu. Aber ich kann nicht recht begreifen, weshalb die Leute früher nichr bekommen haben sollen. Wenn früher zehn verunglückten, so war es ganz sicher, datz neun davon nichts erhielten. Der jetzige Zustand bedeutet eine grotze Verbesserung in diesem Punkte. Die örtlichen Rentenstellen halte ich für eine ganz gute Ein- richtnng. Eine zweckmäßige Besetzung der Beisitzer ist aber noth- wendig. Es würde dem Arbeiter ein Gefühl der Sicherheit geben, wenn er Arbeitsgenossen auch in der entscheidenden Stelle wüßte. Das mündliche Verfahren wird gleichfalls den: Arbeiter eine ganz andere Gelegenheit geben, seine Ansprüche vorzubringen, als bisher die vielen beschriebeneu Bogen. Er hat wenigstens, ivcnn er glaubt, datz ihm ein Unrecht geschehen ist, die Möglichkeit, sich ordentlich auszusprechen. Wir hoffen,'datz das Gesetz aus der Kommission als ein recht brauchbares herauskommen und den Unwillen vermindern Ivird, der jetzt so allgemein gegen das Vcrsichcruugsgesctz herrscht.(Beifall im Zentrum.) Abg. Lanzinger(bayer. Bb.) fordert eine Befreiung der Landwirthschaft und des Kleingewerbes von dem ganzen Gesetz, das schon so viele traurige Folgen gezeitigt habe. �■ Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Ich stimme darin mit den meisten Vorrednern übereilt, datz die Vorlage eine ganze Anzahl nützlicher Verbesserungen bringt. Aber sie macht nur halbe Arbeit. Ich habe schon vor zwei Jahren hier betont, datz man zu einer Reichsanstalt oder zu Landesanstalten übergehen müsse. Der vorgeschlagene Ausgleich ist nur ein Palliativ- mittel. Alle die Bedenken, die man gegen die theilwcisc Vermögens- konfiskation vorbringt, würden hinfällig sein, wenn man Landes- anstaltcn schaffen würde. Wenn man sagt: der industrielle Arbeiter darf für den landwirthschaftlickien nicht leiden, so müßte man viel weiter gehen, man müßte für jede Arbciterkategorie in jedem Ort eine eigene Versicherungsanstalt einrichten. Und da ficht man wfort die prinzipielle Ünhaltbarkeit jenes Einwurfs. Kommt der hier vorgeschlagene Ausgleich nicht zu stände, so ist nicincs Erachtcns die preußische Regierung geradezu verpflichtet, die provinziellen Versicherungsanstalten zu einer großen Landes- anstatt zu vereinigen. Ich höre, datz eine solche Vorlage bereits vorbereitet wird.(Hört! hört!) Dem Wunsche des Abg. Hitze, datz die Relikten der Arbeiter mit in die Versicherung aufgenommen werde» möchten, schließe ich mich an und hoffe, datz die Kommission dazu Mittel und Wege finden wird. Für ganz ungerecht halte ich das System, datz die höher entlohnten Arbeiter nicht nur höhere Rente bekommen, sondern auch früher in den Besitz derselben ge- langen. Gerade diese Arbcitcr sind in der Lage, Ersparnisse zn machen. Wenn indetz die Wittwcii- und Waiscnversichcrung einbezogen wird, würde ich diesen Mangel mitindenKanfnchmcn. Diellnappschasts- lassen mutz ich gegen den Abg, Sachse in Schutz nehmen; sie leisten mindestens soviel wie die Provinzial-Versichernngsaiistalten. Daß die Vcrsichernngs-Gesetzgcbnng ans Furcht vor der Sozialdemokratie entstanden ist, ist nur sehr theilweise richtig, unsinnig ist aber die Folgerung, datz sie daher ein Verdienst der Sozialdemokratie sei. Wenn ein Bauineistcr aus Furcht vor Dieben an seinem Hanse Ver- bcsserungcn aufführen läßt, ist dann etwa der Bortheil, den die Ein- wohner haben, ein Verdienst derDiebc?(Heiterkeit.) Die Sozialdemokratie weiß ans allem Guten, das für die Arbeiter geschieht, nur das Gift zn ziehen. Wir thun trotzdem, was wir für unsere Pflicht hatten, müssen aber endlich der Hetzarbeit von jener Seite ein Ziel setzen. Sie raubt nicht nur den Arbeitern ihre Freiheit, sondern untergräbt auch die ganze Grundlage des Staates.(Lcbh. Bravo I rechts.) Abg. Lücke(Bund der Landwirthe). Auch ich bin der Ansicht, datz die Ilntcrnehmer des Mittelstandes in die Invalidenversicherung mit einbezogen werden müssen. Ebenso wichtig ist die Einführung der Wittweii- und Waisenvcrsicherung. Abg. Graf Bernstorff-Uelzcn(Welse) findet in den dielen Ab- änderungsvorschlägen zu der Vorlage der Bestätigung seiner Ansicht, daß das Gesetz auf falschen Grundlagen aufgebaut ist. Die Koni- Mission werde eine schwere Arbeit haben, wenn etwas Brauchbares zzv stände kommen solle. Der vorgeschlagene Vermögensausgleich se» für ihn unannehmbar. Abg. Liebcrnian» von Sonnenbevg(Antis.): Die Debatte dauert nun vier Tage, ick möchte wünschen, datz auch für unsere anderen Invaliden, die Mlitärinvaliden, der Reichstag einmal soviel Zeit ülirig hätte, wie für die Invaliden der Arbeit. Zum Worte habe ich mich gemeldet, um mich gegen die hcnttge Behauptung ckes Vorwärts" in der Politischen Ucbersicht zu wenden, ich hätte das Dresdener Ilrthcil beivnndert. Im Parlamentsbericht des Vorwärts" steht richtig, was ich gesagt habe. Der„Vorwärts" täuscht also seine Leser absichtlich und wider besseres Wisjen.(Siehe Notiz unter„Deutsches Reich". D. Red.) Abg, Singer(Soz.): Herr von Stunim hat die Behauptung aufgestellt, meine Partei- genossen wollten in den Krankenkassen die Aerzte zn sozial- demokratischen Agenten machen. Herr Stumm hat diese Behauptung ganz bewußtlos aufgestellt.(Zuruf rechts: Wird schon kommen.) Ich glaube, der Beweis wird nicht zu erbringen sein. Charakteristisch für Herrn v. Stumm war weiter der Hinweis, datz er 1887, nachdem das Sozialistengesetz gegeben war, d� Noth- ftir Mr ist um wendigkeit empfunden hat, nunmehr etwas Positives für die Arbeiter zu schaffen. Das ist die Theorie des Zuckerbrotes und der Peitsche, und die Arbeiter danken für ein Zuckerbrot, welches gleichzeitig mit der Peitsche des Sozialistengesetzes verbunden ist. Auf die Ein- brechertheorie des Herrn v. Stumm einzugehen, habe ich keine Per- anlassung. Der mangelnde Beifall seiner Freunde wird ihn viel- leicht belehrt haben, wie fehlerhaft dieser Vergleich war. Herr v. Stumm hat gesagt, die Sozialdemokratie verstehe es, aus allem Guten, was für die Arbeiter geschehe, nur das Gift zu ziehen. Ich nehme Akt davon, datz Herr v. Stumm damit zugegeben hat, daß auch Gift in der sozialen Gesetzgebung vorhanden ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dies Gift ist der Zwang, der auf die Freiheit der Arbeiter ausgeübt wird; alle schmalen Vortheile sollen sie dannt bezahlen, datz sie sich der Gewaltherrschaft der Unternehmer unterordnen. Herr v. Stumm war wahrlich der Berufenste, hier wieder für die Freiheit der Arbeiter einzutreten. Herr v. Stumm, der in seinen Betrieben keine andere Meinung duldet, als die er haben will, der seinen Arbeitern verbietet zn lesen, was sie wollen, und ihnen vorschreibt, was sie lesen sollen, der ihnen gebietet, nur mit seiner hohen Bewilligung zu heirathen. Ich wende mich nunmehr zu Herrn Oertel. Ich habe mehr von ihm erwartet. Zunächst hat er die Behauptung des Abg. Wurm unrichtig erklärt, datz die Invalidenversicherung auch Entlastung der Armenpflege dienen solle. Herr Oertel jedenfalls noch nicht lange genug im Reichstag, die parlamentarische Gewohnheit zu kennen, sich erst das Material anzusehen, che man über eine Sache spricht.(Heiterkeit.) Ich verweise ihn auf die Regierungsvorlage. Da heißt es:„Dazu konimt noch die Erwägung, datz durch die Alters- und Invaliden- Versicherung eine erhebliche Erleichterung der öffentlichen Armen- pflege eintritt. Die jetzigen Träger der Armenpflege werden, wie von' keiner Seite bestritten ivird, durch die Arnteugesctzgebung so ungleichmäßig betroffen, datz die Uebernahme eines Theiles derselben aus die Schultern des Reichs wiederholt angeregt worden ist. Die Jnvalidengesetzgebung bietet den Weg, um den in dieser Beziehung laut gewordenen Wünschen in der Gestalt des Reichsbeitrages ent- gegenznkommen." Nun hat sich Herr Oertel lebhaft erregt darüber, datz wir unS gegen die Prügelstrafe ausgesprochen haben. Er und seine Freunde sind ja für die Prügelstrafe bei Minderjährigen. Ich hoffe aber, datz Herr Oertel unter die Rohhcitsvergehen der Minderjährigen auch die Rohheiten und llnfugsvergehcn der Offiziere und Studenten rechnet.(Sehr gut! links.) Wenn aber schon gewisse Rohheits- vcrgchen bestraft werden sollen, dann glaube ich, werden die Herren vom Bunde der Landwirthe die ersten sein, gegen die sie angewandt ...erden mutz, denn etwas Aerrohendercs, als diese Herren in der Art ihrer Agitation leisten, ist nicht denkbar.(Sehr richtig I links.) Ich könnte Herrn Oertel Beweise für diese Behauptung was ihm nahe stehenden Kreisen bringen, die geäußert haben, das; gegenüber dieser Agitation die der Svzialdemotratie gar nicht in Frage käme. daß diese sanft zu nennen sei gegenüber der Agitation des Bundes der Landivirthe. Herr Oertel hat uns zugerufen, datz unsere An- sichten über Rohheit auseinander gingen und ich erlaubte nur, ihm ein„sehr richtig" zuzurufen. Ich'wiederhole jetzt in der Diskussion, datz ich allerdings erfreut und beglückt darüber bin, daß die Auf- fassung meiner Partei über Rohheit diametral gegenübersteht der Anffasjung, die Herr Oertel znni Ausdruck gebracht hat. Wir nennen Rohheit'z. B. die Vernichtung des Koalitionsrechtes der Arbeitet, nne sie seitens der Unternehmer versucht wird,(sehr richtig! beiden Sozialdcniolratcn)— wir nennen Rohheit die Behandlung der länd- lichcn Arbeiter(sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), lvie es vielfach von Seiten der Gutsbesitzer geschieht, wir nennen Rohheit das B!!x„ langen nach einer Znchthausvorlage gegen die Arbeiter Seitens der Konscrvation und das Verlangen, daß gegen Arbeiter anders ver- fahren werden müsse, wie gegen alle anderen Menschen. Als Bei- spiel, was wir unter Roheit verstehen, habe ich hier ein Zirkular in der Hand, das von der Organisation der Töpfermeister Nürnbergs versandt worden ist. Die Töpferineistcr lverdcn dadurch unter An- drohung voll Bcstraftmg seitens des Verbandes gezwungen, auf dem Eutlasiungsschein jedes Gesellen folgende Punkte auszufüllen: Der Entlassene soll gekennzeichnet werden entweder als Blaumacher oder als Hetzer, Frecher, Brauchbarer oder Flcitzigcr. Ein solches Ver- fahren nennen wir eine Rohheit, weil es dadurch jedem Arbeiter, der ans irgend einer Veranlassung niitseincmMcister auseinandcrgekommen ist, unmöglich gemacht wird, in seinem Berufe Stellung zu finden. Bei Ihnen ist alles roh. was die Arbeiter thun, und was die Mitglied« der anderen Klassen thun, entschuldigen Sie mit jugendlichem Leichtsinn und allerlei anderen Dingen. (Sehr richtig t links.) Der Herr Abg. Oertel hat uns einen Vorwurf daraus gemacht, daß wir gelegentlich eines Urlheils gesagt haben, datz wir' menschlich über Menschliches denken. Er hat gemeint: wenn wir einen solchen Satz aussprechen, so sei unser Widerstreben gegen die Rohheit ein Zerrbild, eine Fratze der Humanität. Ich konstatire, datz Herr Oertel die Pflicht gehabt hätte, wahrheitsgemäß zu zitiren. Herrn Oertel, der jene Stelle ja doch gelesen hat, tonnte nicht ent- gangen sein, daß wir ausdrücklich gesagt haben:„Es war unter den gegebenen Verhältnissen selbstverständlich, daß die Arbeiter wegen ihrer Ansschreitlmgell bestraft lverdcn mutzten, aber eS handelt sich nur darmn. ob die so furchtbar harte Strafe, die verhängt wurde, im Verhältnitz stehe zu den begangenen Thatcn." Ich will jetzt auf das Urthcil selbst nicht weiter eingehen, davon wird an anderer Stelle die Rede sei». Ich will Ihnen nur Kenntiiitz von einem anderen Urtheil geben, lvelchcs angesichts dcs Löbtaucr Urtheils wohl Ihre Beachtung verdient:„Auf dem Rittergut Jaiikcnlvalde hatte der Gärtner Robert Wittstock die beim Ltübeiibau beschäftigten polnischen Arbeiter und Arbeiterinnen zu beaufsichtigeii. Als am 22. Juni v. I. die polnische Arbeiterin Frau Nedzivlka sich einen Angenblick vom Unkraut- jäteil emporrichtete, schlug Wittstock die Frau so brutal, daß sie hinfiel. Das Weib schrie auf. worauf Wittstock sie mit der Erklärung, datz sie nicht weiter arbeiten solle, gewaltsam vom Felde brachte. Der entstandene Lärm lockte die Mitarbeiter und Mit- arbciterinnen der Gcmitzhalidelten heran, und einige Leute, darunter auch der Ehemann der Geschlagenen, gingen auf den Aufseher zu, nm ihm die nothwcndigen Vorhaltungen' zu machen. Wittstock zog darauf einen Revolver hervor und rief den Arbeitern ein„zurück" entgegeii. Mit Ansiiahme des empörten Chemannes folgten sämmt- lichc Arbeiter der Warnung. Als Nedziolka weiter vorschritt, um sich seiner Gattin anzunehmen, drückte Wittstock los und traf den Arbeiter mit einem lvohlgczieltcn Schutz in die Brust, so datz der UiigliKklichc todt zusammenbrach.(Hört, hört!> Die Geschworenen fanden an Wittsiock keine Schuld und»ahmen Nothwehr an, worauf dieser freigesprochen wurde.(Zurufe und anhaltende Bewegung.) Wir brauche» nichts weiter zu thun, als diese beiden Urtheile gegen einander zu stellen. Hier ein Mann, der getödtct hat, freigesprochen, dort Leute, welche roh gewesen waren, für ihr Leben vernichtet 1 (Sehr richtig! links. Unruhe rechts.) Ich will also auf dies Urtheil nicht weiter eingehen. Aber ich sage Ihnen, und man mutz es den« Bürgerthum zur Ehre anrechnen, daß weit über unsere Kreise hinaus sich ein Schrei der Ent- rüstung n n d Empörung erhoben hat über dies Urtheil.(Große Unruhe rechts.) Daö Urtheil wird allent- halben alS Bluturthcil empfunden(Unruhe und starke Bewegung rechts), e s Ivird eine blutige Saat sein für die Sozialdemokratie.(Enirüftnngsschreie rechts, stürmischer Beifall links.) Herr Oertel hat die Lage der Landarbeiter sehr hell gezeichnet. Wir sind darüber ctivas anderer Meinung, und ich kann mich da auf einen guten Zeugen berufen. Herr von Böttichcr sagte bei der Bernthnng des Alters- und Jnvalidcn-Gesetzes: er kenne ganze Landstriche, in denen cS geradezu Gewohnheit gewesen sei. für den Landarbeiter, in dem Moment, wo er aufgehört habe, zu arbeiten, gar- nichts zu thun I(Hört! hört! links.) EsgebeArbeitgcber, diedcmArbeiter am Sonntag nichts zu essen geben, weil er am Sonntag stich nicht arbeite.(Hort, hört! links, linrnhe rechts.) vicdncr giebt weitere Beispiele von den Zuständen ans dem Lande und dem Leben der Landarbeiter. Wenn jeder Versuch einer sozialen Ncfonn innner mit den: Hin weis auf die Sozialdemokratie bekämpft wird, so sind das eben Gründe, die nicht in der Sache selbst liegen,�> sondern in dem Widerwillen, der Arbeiterklasse durch die soziale Gesetzgebung diejenigen Rechte zu geben, die ihr gebühren. Einer meiner Kollegen hat einmal mit einem gewissen Recht gesagt: Gebt den Arbeitern das volle Koalitionsrccht und wir schenken Euch die ganzen Arbeiter- versichernngs-Gesetze zc. sZurnfe rechts.) Etwas Wahres ist in dem Ausspruche. Die Zeiten sind vorüber, wo die Arbeiterklasse in Deutschland dankbar die Hand des Herrn küszte, der ihr ein Stück Brot reichte. Sie hat gelernt, sich als gleichwcrthigen Faktor im wirthschaftlichen Leben zu fühlen. Und wenn die Sozialdemokratie, welche die politische Organisation der Arbeiterklasse ist, diesen Grundsatz im Lande, in der Presse und hier ini Hause vertritt, dann erwirbt sie sich Anspruch ans gröberen Dank der Arbeiterklasse, als die Herren, welche für die Arbeiter nichts Anderes haben, als etwas Zuckerbrot und recht viel Peitsche I(Große Unruhe rechts. Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Eßlingcr(bayer. Bnucrnbündlcr) schließt sich den Ans führungen des Abg. Lanzinger an. Am besten wäre es, die Land wirthschaft wäre von dem„Mappcrlgcsctz" ganz verschont gc- blieben. Die Diskussion wird geschlossen. P e r s ö n l i ch bemerkt Abg. Freiherr l>. Stumm: Herr Singer hat sich über mangeln den Beifall meiner Freunde geäußert, ich antlvorte ihm, daß tvir keine Klagen haben. Er hat weiter gesagt, ich hätte am Schluß meiner Rede die Znchthausvorlage verlangt. Ich habe nicht die Zuchthansvorlage, sondern ein Sozialistengesetz verlangt, also noch viel mehr.(Heiterkeit.) Abg. Ocrtel(k.) persönlich: Herr Singer hat mir den Rathschlag gegeben(Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballcstrem: Die Rathschläge des Herrn Singer können Sie nicht zum Gegenstände einer periönlichen Bemerkung machen. Abg. Dr. Oertel spersönlichj(fortfahrend): Herr Singer hat gemeint, ich verurtheilte nur RohheitSvergehen der Arbeiter. Er hat mich da mißverstanden. Ich verurtheile die Rohhcitsvergehen in alle» Kreisen, auch bei solchen Arbeitgebern, die ihre weiblichen Air gestellten auf unsittlichen Nebenerwerb hinweisen. Die Vorlage wird auf Antrag des Abg. Schmidt-Elberfeld einer Kommission von 28 Mitgliedern iiberwiefeu. Es folgt die nachstehende Interpellation des Abg. Johannsen (Dane): „Erachtet der Herr Reichskanzler die außerordentlichen Maß regeln und die damit iu Verbindung stehenden Ausweisungen dänischer Untcrthanen, welche von der preußischen Staats- regiernng in den uordschleswigschcn Kreisen ergriffen worden sind, für gerechtfertigt und den Interessen des Reiches cnb sprechend?"— Präsident Graf Ballestrem: Ich frage zunächst den Herrn Reichskanzler, ob und wann er die Interpellation zu beantlvvrtcn gedenkt. Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe: Ich gestatte mir auf die Frage des Herrn Präsidenten folgendes zu erwidern: Das Recht der Ausweisung von Ausländern ist der Ausfluß eines Landes-Hoheitsrccht der Bundesstaaten, dessen Aus- führung weder nach der Reichsverfassung noch nach den Rcichsgesetzen der Beanfsichtigung des Reichs unterliegt. Die Bestimmung des Artikels 4 Absatz 1 der Rcichsvcrfassung, wonach die Fremden der Beaufsichtigung des Reichs unterstehen, kann auf die Ausweisung von Ausländern nicht bezogen werden. Diese Bestimmung ist im Jahre 1867 auf Antrag des Abg. Michaelis in die Verfassung aufgenommen worden. Ihre Absicht und ihr Anlaß gingen lcdiglich'dahin, die Mvg- lichkeit auszuschließen, daß etiva auf dem Wege der eiuzclstaatlichcu Fremdcnpolizei die rcichsrcchtlichcn Bestimmungen über Jndigenat und Freizügigkeit illusorisch gemacht werden. Dagegen ist eine Ein schränkung bcs Rechts der Einzelstaaten zur Ausweisung von Aus ländcrn aus dieser Bestimmung nicht abzuleiten. Es werden also die Maßregeln der preußischen Regierung, welche den Gegenstand der Interpellation bilden, davon nicht berührt. Aus diesem Grunde muß ich cS ablehnen, die Interpellation zu beantworten und auf dieselbe sachlich einzugchen. Sollte trotzdem eine Besprechung der Interpellation beschlossen werden, so würden sich die Vertreter der verbündeten Regierungen nicht daran bcthciligen können.(Beifall rechts.) Abg. Singer(Soz.): Ich beantrage, daß das Haus trotz dieser Erklärung iu eine Besprechung der Interpellation eintritt. Präsident Graf Ballestrem: Die Besprechung einer Jnter- pellation äst zulässig, auch wenn die Regierung eine Antwort vcr- weigert, sobald 50 Mitglieder eine Besprechung verlangen. Für die Besprechung stimmen die Sozialdemokraten, Freisinnigen, die süddeutsche Volkspartei, der Abg. Rösicke und die große Mehrheit des Zentrums. Die Unterstützung ist mehr als genügend und das Haus tritt in die Besprechung der Interpellation ein. Der Reichskanzler, Graf Posadowsky und alle Regierungs- konnnissarc verlassen den Saal. Abg. Johannsen(Däne): Die Massenauslvcisungen dänischer Unterthancn, die beim- ruhigcnden polizeilichen Maßregeln, die seit vier Monaten in Nord- Schleswig an der Tagesordnung sind, dauern fort. Herr v. Köllcr und im preußischen Abgeorduetenhausc die Regierung haben offen erklärt, daß ihre Ausweisungen, soweit sie sich gegen Personen richten, die in der Landwirthschaft thätig sind, nicht der Ausgewiesenen selber, sondern ihrer Arbeitgeber wegen erfolgt sind. Wirkliche Dänen giebt es in Nord-Schlcswig noch nicht 2000. Die 19» bis 20 000, von denen die preußische Regierung immer spricht, sind nicht in Dänemark geborene Dänen, sondern geborene Nord-Schlcswigcr, die nach dem Wiener Vertrag von 1864 das vertragsmäßige Recht besitzen, bei uns unbehelligt an Person und Eigrnthnni zu wohne». Sie besitzen das Recht des Jndigcnats bei uns. Im Lichte dieser Thatsachcn müssen wir die Ausweisungen betrachten. Die 2000 Dänen in Nord- Schleswig sind friedliche, ruhige Arbeiter, sind Knechte, Mägde, Handlungsgehilfen, Mciereigehilfcn und Tagelöhner, und diese ruhigen Ilntcrthaneu eines befreundeten Staates werden in großer Zahl ausgewiesen. Durch diese Aus- lucisuugcn schafft man bei uns nicht blos Unzufriedenheit, sondern auch Leutenoth. Die Regierung und ihre Anhänger behaupten/ die dänische Agitation und die danische Presse habe Schuld au den Ausweisungen und an den neuen polizeilichen Matzregeln. Die parlamentärischen Vertreter der nordschleswigschcn Bevölkerung werden als dänische Agitatoren bezeichnet. Halten wir vor den Dänen iu Nordichlcswig einen Vortrag über Par- lamentarischcs. so werden wir der dänischen Agitation be- zichtigt, Verdächtigungen kommen gegen uns zum Vorschein, als ob wir in diesen Versammlungen laudesverrätherisches Treiben uns erlaubten. Meine Herren, das stimmt nicht, das ist eine Unwahrheit, alle die, die solche Behauptungen aufstellen, sind Lügner. Wie ist eS auch nur gewagt worden, uns eine Anklage wegen Landeövcrraths an den Hals zu werfen. Gegen so schändliche Beschuldigungen sind harte Worte am Platze. Ich wiederhole, das sind Lügner, die Der- artiges sagen. Auch im preußischen Abgeordnetenhause wiedcrholle die Regierung Behauptungen, die sich nicht beweisen lassen und griff, statt ans die Sache sclber'einzngchen, die Person des Abg. Hansen an.(Glocke dc-s Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Sie haben diejenigen, die Bc- schuldigungen gegen den Abgeordneten aus Nord- Schleswig vor- bringen, mit großer Emphase Lügner genannt, nunmehr tragen Sie vor, daß von Seiten der preußischen Regierung gegen diese Personen Vorwürfe erhoben worden seien. Das ist nicht zulässig. Sie dürfen nicht die Mitglieder einer Bundesregierung Lügner nennen.(Beifall rechts.) Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung.(Beifall rechts.) Abg. Johanuscn(fortfahrend): Das hat nach meiner Auf fassimg in meinen Worten nicht gelegen, ich habe nur gesagt, daß die preußische Regierung gegen den Abg. Hansen Beschuldigungen aus einer Schrift erhoben...(Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Herr Abgeordneter, das ganze Hans wird den Eindruck gehabt haben(Rufe links:»ein! nein!), daß Sie mit großer Geschicklichkeit Ihre Worte gegen die preußische Re- gieruilg gerichtet haben. Ich glaube, iu Ihrem Innern werden Sie selbst davon überzeugt sein, daß ich recht habe. Abg. Johanuse»(fortfahrend): Die Schrift, die gegen den Abg. Hansen vcrwerthet worden ist, ist eine Schmähschrift gegen das Dänenthum und enthält eine unendliche Menge von Lügen gegen das Dänenthnm in Nordschlcswig. Es beweist also ricsenhaftc llnkcinitiiiß. wenn man diese Schrift gegen den Abg. Hansen benutzen will. Die Rede des Hern» Miguel war kurz, sie hätte noch kürzer sein können.(Heiterkeit.) Man hat unsere Presse und unsere Verciue angegriffen. Die Presse steht unter dem Prcßgcsetz, die Vereine unter dem Vcreinsgcsctz. Man hat ihnen nichts anhaben können. Wenn das aber genügt, die Ausweisungen zu rechtfertigen, dann muß ich ausrufen: 0 ternpova, o mores(O Zeiten, o Sitten). (Große Heiterkeit.) Was will mau dem» mit den Ausweisungen be- zwecken? Die Ncgicrnng sagt, die Sprache will sie nicht verfolgen, die Schlcsiviger können so viel dänisch sprechen, wie sie wollen Das wäre auch sehr schwer. Aber in der Schule ist jetzt die dänische Sprache bis ans den Religionsunterricht ausgemerzt. Früher dachte man ja noch anders. Ein gut deutscher Professor hat einmal gesagt, die Gerichte sind des Volkes wegen. nicht das Volk der Gerichte wegen da. Das Volk hat ein Recht darauf, daß ihm Recht gesprochen wird in seiner Sprache. In Deutschland hat man diesen Rath nicht befolgt. Ich meine, im Gebrauch der Muttersprache kann doch keine Agitation gegen die deutsche Nation gesehen werden. Aber iveil selbst die dänischen Privatschulcn verboten ivurden, haben die Nordschlcsivigcr ihre Kinder in Dänemark in die Schulen geschickt. Wie kann man einem Volke den Gebrauch der Muttersprache verbieten. Jetzt werden die Leute, die ihre Kinder in dänische Schulen schicken, ans- gewiesen, das betrachten die Nordschleswiger als große Ungerechtig kcit, ja als Rechtslvidrigkeit. Das kleine Völkchen fühlt sich nncnd- lich bedrängt in seinem Recht auf Freiheit, die auch ihm als Theil des deutschen Volkes zu gute kommen sollte. In diesem ungleichen nationalen Kampf fühlt sich dieses kleine Völkchen umsomehr zum Mutterlande hingezogen. Herr von Kölker hat sich gewundert, daß ich nicht zu ihm gckommeu bin und gesagt, ich müßte wohl ein böses Gewissen haben. Herr v. Köller irrt sich, nicht mein böses Gewissen, sondern mein kranker Fuß hat mich verhindert, zu ihm zu gehen.(Heiterkeit.) Er muß aber über die Dänen sehr falsch berichtet worden sein, sonst wäre» seine harten Maßregeln gar nicht zu erklären. Der chauvinistisch- deutsche Verein, der sich in Nordschleswig gebildet hat, treibt ein schändliches Dennnziationshandwcrk gegen die dänische Bevölkernng. Der Verein glaubt den Patriotismus gepachtet zu haben. Das ist aber kein reiner Patriotismus. Die Tbatsache, daß in Nordschlesivig viel dänisches Gesinde beschäftigt wird, wird als dänische Agitation gedeutet. Aber nur die Leutenoth führt die dänischen Arbeiter nach Deutschland. Herr v. Köller sagt, er will Ruhe haben. Jetzt hat er die Unruhe geschaffen. Es sind viele unschuldige dänische Volks ungehörige ausgeiviesen worden. Ich frage, sind solche Maßregeln des deutschen Volkes würdig? Die Beantwortung dieser Frage überlasse ich Jhncu, den Vertretern des deutschen Volkes.(Beifall links und im Zentrum.) Ein Vertagnngsantrag wird a n g e n o m ni e n. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Fortsetzung der Bcrathung der Jiitcrpcllätion Johannsen. Außcrdeni: Wahlprüfimgcn. Antrag Rickert, betr. Wahrung des Wahlgeheimnisses. Antrag Heyl zu Herns heim über Beaufsichtigung der mehreren Staaten gemeinsamen Wasser 'traßcn. Antrag Liebcrmann von Sonnenberg über dnS Schacht verbot.) Schluß 6'/i Uhr._ Vonttnunsles. 6. Stadtverordneten- Versammlung. Sitzung vom Donnerstag, d e n 16. F e b r u a r 1899, Nachmittags 5 Uhr. Auf der TageSordinnig steht zunächst die Berichterstattung des itadtv. Dr. H e r ni e s über die Vorlage betr. die Ordinariate üdi scher Lehrkräfte an den hiesigen Gemeindeschulcn, ivozu die in gestriger Nummer bereits mitgctheilten Anträge des Anschusses und des Stadtv. Dr. Prcnß vorliegen. Es wird beschlossen, den Gegenstand für heute ab- und auf die nächste Tagesordnung zu setzen. Die brennende Frage einer städtischen Zentralbibliothek soll wenigstens Provisoriich gelöst iverden. Die Magistratsbibliothek und die Göritzffchc Bibliothek, elftere bis auf eine im Rathhausc ver- bleibende Geschäfts- und Handbibliothek von 20—25 000 Bänden, sollen»ach den bisherigen Räumen der zweiten Sparkasse in der Z i m m e r st r. 91 verlegt werden. Zugleich wird von dem nieder- gesetzten Ausschuß folgende Resolution emfoblen: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, bei der Anf- stellnng des Etats für 1900 dafür Sorge zu tragen, daß die Mittel' für Vergrößerung der Bücherbestände der städtischen Bibliothek erheblich vergrößcrc werden." Stadtv. H o r w i tz bedauert, daß dieser so wichtige Gegenstand anscheinend ans Rücksicht auf die Etatsbcrathung etwas über das Knie gebrochen Iverden soll. Die Stadtvv. Schwalbe und Gerstenberg, sowie der Referent K a I i s ch zerstreuen die Befürchtungen des Vorredners. Der Antrag des Ausschusses und die Resolution gelungen zur Annahme. Ungewöhnlich früh ist in diesem Jahre der Versammlung vom Magistrat der E t a t s e n t w u r f für 1899 vorgelegt worden, dessen erste Bcrathung den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildet. Stadtkämmcrer Maaß: Unser Etat erfordert diesmal eine Aus- zabe von rund 99 Millionen Mark; gerade 55 Millionen davon sind mrch Steuern zu decken. Die festen Steuern ergeben 3 317 000 M.; die restirenden 52 Millionen müssen durch die Grund- und Gebäude-, Gewerbe- und Eiiikommensteuer gedeckt werden. Dazu wird der alte Satz von 100 pCt. Eiiikomincnstcucr und 150 pCt. der andern ausreichen. Grund- und Gcbäudesteucr ergeben 17 400 000 M. oder 5,8 pCt. des auf 300 Millionen angenommenen Nutzbetragcs der städtischen Grundstücke. Die Gewerbesteuer ist mit 8 100 000 M., die Einkonnnensteuer mit 26 880 000 M. angesetzt. Seit 1887 ist die Einkommensteuer von 12 Millionen auf 26 Millionen er- höht, wobei die verschärfte Einschätzung in Betracht kommt, o daß wir mit der Einschätzung der Wirklichkeit bereits ,anz nahe gekommen sein dürften und nennenswerthe Uebgp- chüsse über den Anschlag nicht inehr zu erwarten sind. Im Einzelnen nid u. A. für Neu- und Umpflastcrnngeu 4 809 000 M. vorgesehen. Was die städtische Finanzlage im Allgemeinen betrifft, so dürften wir immerhin eine» nicht»ingünstigeu Abschluß haben, sofern nicht noch Elcmcntarereignisse, wie große Schneefälle u. dergl., eintrete», die den Ansgabc-Etat belasten. Stadtv. Singer: Mit Genngthnung konstatire ich, daß der Etat uns diesmal früher als sonst zugegängen ist: unser Drängen t also nicht erfolglos geblieben, und der Kämmerer wird sich jetzt zu dem geflügelten Wort bekennen:„Es geht auch so!" Ich kann nur wünschen, daß noch im Laufe der Etatsberathung uns zur Kenntniß komme, wie sich der Abschluß des laufenden Etats- jahrcs stellt. In Rücksicht auf die laufenden Ueberschüsse, die vielleicht in Aussicht stehen, könnten ja dann doch am Etat noch Aendernngeu vorgeuommen werden. Für uns ist eine Ueberschreitnng der Einkommensteuer über 100 pCt. keineswegs das Schreckgespenst, wie für viele andere Mitglieder.(Unruhe.) Das stets angeführte Motiv, die Nothwendigkeit der Genehmigung des Etats durch die Aufsichtsbehörde zu vermeiden, hat ja gewiß, zumal unter den heutigen Verhältnissen, seine Berechtigimg; aber die Stadt wird doch niemals Etats machen, welche die Approbation der Aufsichts- bchörde zu scheuen haben. Die Finanzlage Berlins kann auch ich als günstig bezeichnen. Die Etatsberathnng fordert zu einigen all- gemeinen Betrachtungen auf. Die Bürgerschaft wünscht endlich die Beendigung der oberbürgernreisterlosen, der schrecklichen Zeit. Wir haben einen Oberbürgernieister vor bald 8 Monaten gewählt, der bis jetzt nicht bestätigt, auch nicht nichtbcstätigt ist. Wir stehen alle unter dem Eindruck. daß hier eine Behandlung der Stadtverwaltung stattfindet, die geeignet ist, die größten Verlegenheiten zu bereiten. Wenn die loyale Ver- sammlung so oft in der Lage ist, in Allerhöchsten Schreiben Dank und Anerkennung für ihre Thätigkeit zu erhalten, dann steht damit u Widerspruch die Thatsache, daß nun schon seit Monaten der Stadt idiejenigeu Verlegenheiten bereitet werden, welche aus dem Fehlen' des ersten Chefs der Verwaltung entstehen. Die Schäden liegen nicht in dem formellen Fehleu des Ober- bürgermeisters, sondern in dem Fehlen einer Arbeitskrast für die Leitung der städtischen Geschäfte. Da wir angeblich in einem konstitutionellen Staate leben, so wende ich mich an die danach ver- antwortliche Stelle, den preußischen Minister des Inner». Ich kann es nnr als eine Mißachtung der Verwaltung und der Bürgerschaft bezeichnen, daß man eine solche bedeutsame Entscheidung Monate und Monate lang in der Schwebe läßt. Der Minister hat im Landtage die Verantwortung dafür übernommen. daß kein Unglück daraus entsteht, wenn die Bestätigung sich noch verzögert.(Heiterkeit.) Hat er vielleicht geglaubt, die städtische Ver- waltnng würde mit Stangen und Spießen vor sein Palais ziehen, um seine Nachtruhe zu stören? Ich glaube im Gegenthcil, die Bevölkerung wünscht dem Minister solange und soviel wie möglich Stühe, auch für seine ministerielle Thätigkeit und namentlich soweit Berlin in Frage kommt.(Heiterkeit.) Mit Scherzen fertigt man solche Dinge nicht ab; der Minister hat keine Verantwortung zu tragen, Berlin kann ihn nicht verantwortlich machen. Im Zniannncnhnng damit steht das Aus- bleiben der Bauerlaubniß für den Friedhof im Friedrichshaiu. Er- freulicherweise ist, wenn auch spät, dem Magistrat die Ge- duld in dieser Sache endlich gerissen. Der Minister hat im Abgeordnetenhause davon gesprochen, daß die Ver- zögerung der Bauerlanbniß deswegen nothwendig geworden sei, weil Rückfragen uöthig gewesen wären, neue Pläne hätte» vorgelegt werden müssen-c., als ob ein dauernder Verkehr in dieser Frage zwischen der Stadt und dem Polizeipräsidinm stattgefunden hätte. Davon ist aber nicht ein Wort richtig. Der Magistrat hat nur mit- getheilt, daß er die Bauerlaubniß nachgesucht, nach Monaten daran erinnert und wieder erinnert und endlich, nachdem sich im ministeriellen Walde garnichts gerührt hatte, eine Beschwerde an den Oberpräsidenten gerichtet hat. Ich habe die Empfindung, als ob noch andere Einflüsse, Motive und Wünsche an bestimmten Stellen vorhanden sind, Ivclche in gar keinem Zusammenhang mir den schwebenden Fragen stehen; ich habe so im Stillen die Meinung, als ob der künftige Oberbürgermeister erst über die Schloß- t e r r a s s e ins Rathhnns' einziehen wird.(Sehr gut!) Unsere Erfahrungen ans diesem Gebiete zivingen uns ganz ent- schieden, alle Vorsicht zu üben; die Würde der Bürger- schaft wird au» allerbesten dadurch gewahrt, wenn an keiner Stelle auch nur der Versuch gemacht wird. derartigen Lockungen zu folgen. Je fester die Bürgerschaft auf ihren Rechten besteht,' desto sicherer wird sie Beeinflussungen widerstehen, wie sie lider sie hereingebrochen sind. Was uns bestimmen kann, den Mnth nicht zu verlieren, ist, daß der Herr, um den es sich hier handelt, seit jener Zeit durch Verdoppelung seiner Arbeitskraft uns die Nothlage, in � die er und wir versetzt sind, möglichst vergessen zu machen gesucht hat.(Lebhafter Beifall auf allen Seiten.)— Iii der Stadtverwaltung muß zunächst an dem dringendsten Punkte die Reform einsetzen, bei den Armen- gcldern. Hier sind noch Sätze in Geltung, die absolut nicht den be- scheidensteil Ansprüchen genügen. Komint der neugewählte Chef der Armcnvenvaltnng diesen» Bedürfniß entgegen, so wird er sich den Dank der Stadt pcrdienen. Aber ein lebhafteres Tempo n»utz eingeschlageu werden. Berlin muß sich überhaupt be- aucmcn, die für eine humane, verständige Verwaltung nöthigen Kosten nicht blos ans den städtischen Werken und den Steuen» auf- zubringen, sondern die Quelle der Abgaben von Aktien- gescllschaften ergiebiger zu machen. � Für die Folge darf die Politik der Ilebergabe der Straßen»lud Plätze an das Privatkapital nicht weitergetricben werden. Das»vird»im so nöthiger sein, als wir nach dem Geschenk der vorigen Sitzung m» die Hausbesitzer(Widerspruchs zivcifcllos nicht niehr dem An- drängen auf Vcrbilligung des Gases widerstehen können. Eine Herabsetzung muß erfoigcn, die Einnahmen iverden etwas geschmälert werden,»nid die Erschließung neuer Einnahmequellen wird deshalb nnr nm so dringender.— Für die städtischen Arbeiter sind in den Spezialctats drirchwcg Lohnerhöhungen vorgenommen. Wem» sie auch gering sind, es ist doch ein kleiner Fortschritt zu konstatiren. Um aber die Fordernngen der Arbeiter zu befriedigen, rcichcn kleine Lohncrhöhnngcn nicht aus. Wir müssen in der sozialen Fürsorge für die städtischen Arbeiter zu ganz anderen Mitteln und Maßregeln übergehen. Die moderne Zeil hat mit der Auffassimg aufgeräumt, als' ob die Arbeiterklasse eine gnantits neAligeabls wäre; das geht heute nicht»nehr. Die Gleichbcrcchtignng der Arbeiter ist anerkannt, und wenn wir es in den städtischen Be- trieben noch immer an den Einrichtungen fchlcn lassen, die das zum Ausdruck bringen, wie PensionSkasscn und dergl., so ist das doppelt zu beklagen, nachdem uns andere deutsche Städte längst darin vorangegangen sind. Bon allen Großstädten der Wclt� steht Berlin ii» dieser" sozialen Fürsorge noch am tiefsten. Frankfurt. Stutt- gart, Mannheim, Bremen, Hamburg haben derartige Einrichtungen, inn die»vir»och immer kämpfen müssen. Die Sicherstellniig des Koalitions-»md PctitionsrechtS ist in unseren Vcrwaltnngen nicht vorhanden. Entlassungen sind erfolgt aus politischen Gründen. So ist ein Manu entlassen worden, der den Vorsitz in der Filiale des Vcr- bandes der städtischen Arbeiter Fricdrichshagcn übernommen hatte. Alle Bcamtenkategoricn haben sich iu Verbänden zusamniengeschlossen, kein Mensch legt ihnen einen Stein in den Weg, aber dann muß den Arbeitern billig sein, was jenen recht ist.(Sehr richtig!) Ein anderer Arbeiter von den Wasserwerken hat erzählt, der Bctriebsingenieur Anklam hätte ihm vorgeworfen, daß er eine Petition uirtcrschricbcn habe, lind hätte hinzugefügt: Solche Elemente werden bei uns nicht geduldet. Herr Anklam hat allerdings bestritten, diese Worte gebraucht zu haben. Nim ist der Arbeiter entlassen ivordcn, iveil er angeblich falsche Gc- rüchte über den Herrn verbreitet hat; die Gründe für seine Entlassung sind ihm nicht angegeben worden. Der Stadtrath Haack hat eine Deputation der Wasserwerks- Arbeiter nicht einpsangcn, während die Stadträthe Namslau und Marggraff ohne Weiteres ähnlichen Gesuchen nachgekonimen sind. Ich hoffe, diese Beispiele werden erziehlich auf Herrn Stadtrath Haack wirken.(Große Heiter- kcit.) Es scheint überhaupt so in der Luft zu liegen, daß alle Forde- rungcn der Arbeiter innerhalb ihrer Betriebe aus sozialdemokratische Agiration zurückgeführt werden, man nimmt an, die städtischen Arbeiter stchei» in steter Verbindung mit uns, den sozialdemokratischen Vertretern, und wir sagten ihncn, was sie fordern sollten. Das ist eine ganz nnzntreffende Anffasstmg. Mängel in unseren Betrieben sind auch sonst vorhanden. Bei den Gaswerken ist ein Arbeiteransschnß ein- gesetzt, tritt aber nicht zusammen. Die Forderungen der Arbeiter der Wasserwerke, welche in dem Verlangen nach einem Arbeiterausschuß gipfelten, sind abgelehnt worden, soweit der Arbeiteransschnß iu Frage kommt. Bei den Kanalisationswerke» hat man einen Arbeiter- ausschuß rundweg abgelehnt, während allerdings an einer Arbeits- ordnung bereits gearbeitet werden soll. Alle solche Einrichtungen muß sich doch eine Stadt wie Berlin nicht erst abringen lassen, sie muß ihren Stolz darein setzen, sie zu haben und' musterhaft zu haben. Nicht Armen- und Krankenpflege allein macheu eine tädtische Verwaltung zu einer Selbstverwaltung. sondern die soziale Fürsorge ist es, welche heute einen Betrieb über dm andern hinaushebt. In einer Stadt mit einem 100-Millionen-Etat. zu dem noch 60 Millionen aus den städtischen Werken kommen, sollten doch auch alle den Arbeitern in der Gewerbe- Ordnung garantirten Ein- richtungen, wie Arbeitsordnung, ArbeiterauSschüsie ic. endlich zur Durchführung gelangen. Der Magistrat kann nichts Besseres thun, als Gelegenheit zu geben, diese Einrichtungen zur Ausführung zu dringen. Heute herricht in unseren Betriebsverwaltungen noch die reine Anarchie. Wenn diese meine Anregungen etwa he Ausgaben vennehren sollten, kann der Magistrat sicher sein, einen Widerspruch von uns nicht zu erfahren, und ich hoffe, dah auch die Mehrheit sich schließlich inimer mehr überzeugen wird, daß zur vollständigen Er- fülluug der Aufgaben der Versammlung in erster Reihe die Fürsorge für die Arbeiter gehört.(Beifall.) Stadtv. G e r st e u b e r g: In der Oberbürgermeister-Frage kann die Versammlung nicht das mindeste Verschulden treffen. Wir müssen uns bescheiden, daß wir vor einer unerklärlichen Thatsache stehen. Wir wissen, was wir an unsernr Bürgermeister haben, wie er arbcits- eifrig und charaktervoll seines Amtes waltet, lieber die Gründe des Ausbleibens der Bestätigung kann auch Herr Singer nur Ver- mnthungen haben. Herr Singer hat übcnehen, daß die Arbeiter aus eigenen Mitteln eine Pensionskasse begründen wollen, deren Aufsicht die Stadt führen soll. Das ist der richtige Weg, der Weg der Selbsthilfe, den Ivir immer empfohlen haben. Die Einzelfälle, die Herr Singer vorgebracht hat, können wir nicht prüfen, im Etatsansschnß und m den Verwalinngsdeputationen wird sich darüber reden lassen. Fälschlich hält man die Stadt für stein- reich. Der Ueberschuß des letzten Jahres rührt nicht aus den Steuern, sondern aus außerordentlichen Einnahmen her. so beinahe vier Millionen ans den Rückeinnahmcn aus Straßenverbreitcrungcn. Unsere städtische Schuld beträgt 27g Millionen, wovon freilich 206 Millionen durch die städtischen Werke gedeckt werden. Wir sind also nach wie vor auf Sparsamkeit angewiesen, wenn wir auch auf die musterhafte Ordnung unserer Finanzen stolz sein können. Die Vcrbilligung des Gases läßt sich nicht durchführen, ohne die Einkommcrstcuer zu erhöhen, und darauf können wir unmöglich eingehen. Nach unserem letzten Bcschlnffc wegen des Wassertarifs muß ja auch für den Einnahme- ausfall andcrivcitc Deckung gesucht werden. Stadtv. K a l i s ch hält die Finanzlage für nicht ungünstig, aber für iininerhiu ernst. Der jetzige Etat sei noch immerhin günstig, aber blos weil die Steuern so hoch geschraubt seien. Diese Schraube müsse doch einmal versagen. Im Gclde werde die Stadt vom nächsten Jahre an nicht mehr schwimmen. An eine Ermäßigung des Gasprciscs fd unter solchen Umständen schwer heranzutreten. Dem Vorsteher spricht er für die mannhaften Worte, die er im Abgeordnetenhanse aus Anlaß der Oberbürgermeister- Frage gefunden, unter lebhaftem Beifall der Versammlung den Dank aus. Stadtv. M omms en schließt sich der letzteren Erklärung an und wendet sich dann gegen Singer's Ausführungen betreffend die soziale Fürsorge. Herr Singer sei heute bescheidener als sonst in seinen Forderungen gewesen. Durchans einer Meinung mit ihm ist Redner bezüglich der Nothivendigkeit der Pensionskassen. Dagegen singt er selbstredend das Lob der Privatverwaltiing; auch der Gasetat beweise das, denn der Privatbetrieb wäre sicher pro- fitabler. Damit schließt die erste Berathung. Der Etat wird einem bc- sonderen Etatsausschuß überwiesen, der sofort nach der Sitzung ge- wählt werden soll. Die Stadtv. W. Gcricke, Spinola, Dinsc, Gcrstcnberg und Buchow haben folgenden An trag eingebracht: /.Den Magistrat zu ersuchen, durch Verhandlungen mit Seit betreffenden königlichen Behörden eventuell durch eine Jmmcdiat- eingäbe an Se. Majestät den Kaiser und König dahin zu wirken, daß das zum kleinen Thiergarten gehörige Gelände westlich der Heilandskirche zwischen Thusnelda- Allee, Ottostraße und Alt-Moabit nicht bebaut, sondern als Park erhalten werde." Nach einer Begründung des Stadtv. W. Gericke und nachdem Stadtv. Spinola sich in gleichem Sinne geäußert, wird der An- trag einstimmig angenommen. Die Vorlage wegen Erwerbung bezw. AnZtauschs von Ländereien in Gütergotz zu Rieselzwecke» wird trotz des Widerspruchs des Stadtv. Wallach genehmigt. Zum Zwecke der Beschickung der Pariser Weltaus- st eilung 1900 werden 34000 M. verlangt. Es sollen eine Anzahl Modelle, Pläne und Photographien von städtischen Bauten u. s. w. zur Ausstellung gelangen. Stadtv. Friede mann wünscht Absetzung deS Gegenstandes bezw. Ansschutzbcrathnng zur Erwägung darüber, ob sich die vom Magistrat getroffene Auswahl der Objekte empfiehlt, rcsp. ob sich bei der heutigen Rcchtsunsicherhcit in Frankreich eine Beschickung überhaupt empfiehlt. Stadtv. Singer: Ich hätte gegen beides nichts einzuwenden, aber nach dieser Begründung würde ich Absetzung wie Vertagung für verwerflich halten. Wie so wir aus Anlaß der Pariser Ausstellung uns zu Richtern über die inneren Verhältnisse Frankreichs machen sollen, erscheint mir unerfindlich.(Zuruf: Dreyfus I) Die Berliner Stadtverordneten« Versammlung ist doch die letzte, Ivo der Fall Drehfus zur Verhandlung steht. Es ist eigenthümlich, daß wir gegenüber einer Weltausstellung, einem friedlichen Wettkampf der Völker für die Kultur, hier über die innerpolitischcu Verhältnisse des Landes aburthcilen solle». Bei aller Hochachtung vor den Ausstellungsobjekten Berlins, so werthvoll sind diese für Frankreich nicht, daß es sich gefallen lassen könnte, sich von uns in seine inneren Zustände hineinreden zu lassen. Stadtv. Hugo Sachs: Die persönlichen Gefühle, die uns vielleicht beherrschen, stehen auf einem ganz anderen Blatt. Ein Ausschutz wäre aber erwünscht, um Auslese unter den architektonischen Modellen u. s. w. zu halten, welche Berlin repräsentiren sollen. Nachdem noch die Stadtvv. Friede mann und Singer sich kurz zur Sache geäußert, wurde der Antrag ans Ausschuß- berathung abgelehnt und die Vorlage angenommen. Schluß gegen S'.s Uhr. Die Bankatastrophe in Halcnsee hat natürlich vor allem die an Bauten beschäftigten Arbeiter lebhaft erregt und ihnen eine mit Eifer benutzte Gelegenheit gegeben, sowohl das Walten des Staates im Z u ch t h a u s k u r s e zu beleuchte», als auch die Pstichtvergcsscnhcit betrügerischer Bauunter- n e h in c r an den Pranger zu stellen. Wie weit die Unternehmer gehen, um die Organe der Behörden zu betrügen, lehren manche an uns gerichtete Zuschriften, von denen einige auch für das Publikum von Bedeutung sind. Ein Dachdecker berichtet uns:„Vor längerer Zeit kam die Baukommission nach Halcusce, Ivo von ihr zwei Neubauten zu gleicher Zeit abzunehmen waren. Vorschriftsmäßig steckten alle Anker an der richtigen Stelle und die Mitglieder der Kommission, die den Bau von oben bis unten betrachtet hatten, gingen befriedigt von dannen. Kaum hatten sich die Herren von diesem ersten Bau entfernt, so packte der Polier mit Hilfe einiger Maurer die Dekoration— denn etwas Anderes waren die Anker nicht— schnell zusammen, schaffte sie nach dem anderen Vau und nahm dort dieselbe Komödie vor. Die Anker wurden einfach in die Wand gesteckt und ans die Balken genagelt; Ankersplinte waren nicht vorhanden. Als nunmehr die Baukommission den zweiten Bau betrat, war auch dort alles vorschriftsmäßig verankert. Hätten die Herren mit mehr Sorgfalt nach den Ankersplintcn geforscht, so wäre der S ch w i n d e l e n t'd e ck t worden, so aber würden sie irregeleitet." Von einem Maurer wird uns Folgendes mitgetheilt:„Ich kann wohl ans einiger Erfahrimg sprechen, und da muß ich denn beim Lesen Ihres Berichtes über die Katastrophe in Halensce lebhaft an die Art von Kalkbereitung denken, die ich verschiedentlich beobachten konnte. Ich war vor einiger Zeit ge- zivungeu, von einem in der Rostockcrslraße aufgeführten Bau der Behörde MittHcilnng zu machen. Tort bestand der zum Grau- kalt verwandte Sand aus nichts als der schwarzen Erdmasse, Wie sie eben oberflächlich ausgegraben wird. Als der Beamte kam, hatten die„arbeitswilligen" Bauarbeiter, die auf irgend eine Weise von meinem Vorhaben Wind bekommen hatten, schnell hellen Sand aufgeschüttet. Sobald der Beamte fortgegangen war, mußte ich selbstverständlich unter dem Hohn dieser Meisterknechte büßen." Ferner wird nnS geschrieben:„Betrügen heißt im modernen Bauwesen die P a r o l e. Mag der Baniuspcklor alle Tage kommen, was ja zuweilen geschieht, so wird ihm unter heutigen Verhältnissen doch ein X für ein U gemacht. Nur während der Ä»Wesenheit dieses Herrn muß vorschriftsmäßige Arbeit geliefert werden, während der übrigen Zeit ist um des heiligen Profits willen Pfuschen und Staaken die Regel. Auf meinem letzten Bau in Charlottenburg, wo ich verunglückt bin, wurde ganz be- sonders nach diesen einträglichen Grundsätzen gearbeitet. Nach nieiner Meinung trägt bei dcni Bau in Halcnsee die Baukommission ebenfalls die Verantwortung, weil sie bei der ersten Abnahme nicht das Fehlen der Verankerung bemerkt hat. Selbst- verständlich tragen Polier und Bauunternehmer die schwerste Schuld, aber auch die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter, die um weniger Mark Mehrvcrdienst willen derartige Pfuscharbeit liefern, sollten in sich gehen und trotz Z u ch t h a u s ä r a standhaft die Fertig- stcllnng solcher gcmeingcsährlicher Bauten verweigern." Alle diese Zuschriften beleuchten vortrefflich die'Gewissenlosigkeit und Niedertracht jener Unternehmer, die ihre gemeingefährlichen Be- trügcreien von Gesetzes wegen mit dem Mantel des Anstandes drapirt sehen möchten, indem sie die Gefängnißstrafe, die sie jetzt in gar zu argen Fällen bei gerichtlicher Vernrtbeilung trifft, in die anheimelnde „Strafe" der F e st u n g s b u m m e l e i umgewandelt wissen wollen. Für die Arbeiter aber, die sich mit Hilfe der Gcwcrkschaftsorganisation ihres Lebens zu wehren suchen, soll für solchen Frevel an der Heiligkeit des Kapitals die Zuchthausstrafe gerade gut genug sein. Wie mag den Herren, die den Zuchthaus-Gesctzentwurf auszuarbeiten haben, im Angesicht der Halenseer Affäre zu Muthe sein?_ Die Aerztekammer für die Provinz Pvandcnburg und den Stadtkreis Berlin trat gestern Vormittag im hiesigen Provinzial-Stündehause. Matthäikirchstr. 20/21, zu einer ordentlichen Sitzung zusammen. Der zur Verhandlung stehende Antrag des Ausschusses der Berliner ärztlichen Standesvereine verlangt wegen der in Aussicht stehenden Einrichtung der ärztlichen Ehrengerichte den baldigen Erlaß einer Standesordnung für die Aerzte. Der Antrag wird der für die Ehrengcrichtsangelegenheit bestehenden Kommission zur weiteren Veranlassung überiviescn. Zum Punkt Bekämpfung der Kurpfuscherei, liegt ein Schreiben des Ministers für Medizinal- angelegenheitc» vor, welches von der Aerztekammer Stellungnahme zu einer etwaigen Aufhebung der Knrirfreiheit und dem Erlaß eines Knrpfuschereive'rbots verlangt. Dem Begriff des Kurpfnscherthnms wird von der Aerztekammer die weiteste Ausdehnung gegeben. Manche Aerzte schämen sich nicht, auch ihre Kolleginnen, die, dank unserer rückständigen Gesetzgebung, nothgcdrnngcn ihre Appro- bation im Auslände ablegen müßten, als Kurpfuscherinnen zu be- schimpfen. Es wird beschlossen, aus den Mitteln der Aerztekammer zur Bekämpfung des Knrpfuscherwcsens tausend M a r k zu bc- willigen, ivclche zur Drucklegung einer populär gefaßten Schrift ver- wendet werden sollen, ferner die Angelegenheit zur weiteren Ver- folgung auch an den Acrztekammer-Ausschuß zu bringen. Des Weiteren soll durch die Medizinalbehörde der Minister des Innern ersucht werden, eine Anordnung zu erlassen, wonach in den Statuten der Krankenkassen eine Bcstinimung ansgcnommcn wird, daß zur Ausstellung von Bescheinigungen für die Kasse nur die nach Jj 29 der Gewerbe-Ordnung berechtigte» Personen zugelassen werden. Endlich sollen die Aerztekammern von den Krankenkassen ihres Bezirks die Statuten zur Prüfung daraufhin einfordern, ob die event. vom Minister er- lassene Bestimmung in die Statuten aufgenommen ist und im Nothfalle den Klageweg beschreiten. Oberpräsident Dr. v. Achenbach erklärt hierzu, daß er ganz der A n s i cht der Kammer ist und dieselbe beim Minister vertreten wird. Ein An« trag des Geschäftsausschusses der ärztlichen Standesvercine wegen Abänderung des W a h l v e r f a h r e n s für die Aerztekammer, welchen Dr. Lewandowsky vertritt, wird hierauf abgelehnt. Es folgt nach einer Pause die Berathung über die Stellungnahme der Aerzte- kammcr zu den ihr vom Aerztekammcr-Ausschuß vorgelegten Fragen betreffend das K r a n k e n k a s s e n- G e s e tz. Es werden folgende Anträge des Dr. Alexander und Genossen angenommen: Die jetzt giltigen Bestimmungen des Kraukciiversichernngs- Gesetzes bedürfen 'nach folgender Richrung einer Aendcrung bezw. Ergänzung: 1. Zu ärztlicher Behandlung«§ 6 des Nrankcnoersicherungs- Gesetzes) sind ausschließlich in den Bundesstaaten approbirte Aerzte berechtigt. 2. Die Bedingungen, unter denen die Ausübung kasscnärzt- sicher Ausübung zu erfolgen hat, werden durch einen schriftlichen Vertrag zwischen Arztund Krankenkassen-Vorstand festgesetzt. 3. Der Vertrag bedarf der Genehmigung durch eine staatlich anerkannte StandcSverrrctnng der Aerzte. S.'Streitigkeiten, welche aus der Festsetzung der Vertrags- bcstimmungen oder aus deren Inhalt entstehen, werden durch eine gesetzliche Instanz, deren Mitglieder zur Hälfte Aerzte sein müssen, entschieden. 5. Die Honorirung der kassenärztlichen Leistungen erfolgt nach den Sätzen der Gebührenordnung der einzelnen Bundesstaaten. 6. Unter den srid 1 bis 5 genannten Voraussetzungen müssen alte Aerzte. welche im Geschäftskreise der Krankenkassen ihren ständigen Wohnsitz haben, zur Ausübung kaffenärztlicher Thätigkeit zu- gelassen werden. 7. Versicherungszivang und Pcrsichcningsbcrechtignng sind nur zulässig, wenn das jährliche Gesomnrteinkoinnien nicht über 2000 M. beträgt. Außerdem werden diejenigen Anträge des Dr. Mugdan angenommen, welche von der gesetzlichen Fest- legnng der freien Arztwahl und dem Schutz der bestehenden freien Arztwahl handeln. Damit ist die Anfrage des Aerztekammer- Aus- schusscs erledigt. Es soll hierüber eine Denkschrift an den Minister abgesandt werden. Wir haben schon bei früherer Gelegenheit betont, daß für die in den Krankenkassen versicherten Arbeiter und Arbeiterinnen, die namentlich die weiblichen Aerzte zu unterstützen alle Ursache haben, die hier beschlosseneu Anträge der Aerztezunft zum Thcil un- annehmbar sind, lieber manche Dinge, so namentlich bezüglich der Arztwahl ließe sich bei gutem Willen ans beiden Seiten allerdings sehr wohl eine Verständigung zwischen Aerzten nnd Krankenkassen erzielen. Ucbcr eine Duellprügelci iweiß wiederum das„Verl. Tgbl." zu berichten: Mit einer Duellaffäre hängt dem Vernehmen nach die im vorigen Monat ersolgte Beurlaubung eines Offiziers vom 3. Brandcnburgischen Trainbataillon in Spandau zusammen. Der betreffende Offizier, der auch ans Rennplätzen bekannt ist, ver- kehrte recht freundschaftlich mit einem Berliner Sportsmann. Da kam eö plötzlich zum Bruch, nnd eine iveitere Folge der Affäre war ein Duell zwischen dem Offizier nnd dem ehemaligen Freunde: der Zweikampf fand bei Spandau statt; Pistolen waren die Waffen. Gleich darauf schoß sich, wie erzählt wird, der Offizier noch niit dem Bruder der Frau des Sportsmannes. Die beiden Duelle sind jedoch vollkommen unblutig verlauseii, und der Offizier ist, wie Ein- gangs bemerkt, auf Urlaub gegangen. Die Dresdener Vcrnrtheilten uud die Berliner Studenten- schaft. Uns wird geschrieben: Der heutige„Vorwärts" meldet, daß die Züricher Studenten in einer Resolution gegen das Urtheil protcstirt haben. Auch einige Berliner Studenten wollte» das und beantragten beim Direktorium der Akademischen Lesehalle, die Fa- milicn der Zuchthäusler zu unterstützen. Aber in dieser erwählten Vertretung der Berliner Stlldeiiteiischaft fand sich auch nicht ein ein- ziger, der' den Muth gehabt hätte, die Annahme des Antrages zu fordern. Bon Herrn Rechtsanwalt Dr. Bieber erhalten wir folgende Zuschrift: Eine hochwohllvbliche Redaktion bitte ich gütigst Folgendes zu den Ihnen vom Hilfsvcrein für weibliche An- g e st e I l t e und Frau C a u e r zugegangenen Berichtigungen, be- treffend meine Aeußmingen über die gemeinsame Thätigkeit der Vorsitzenden des Vereins Juaendschntz und mir einerseits und dem kanffnäimischen Hilfsvcrein für weibliche Angestellte andererseits. veröffentlichen zu wollen. Der Verein Jligendschntz hatte wiederholt Gelegenheit gehabt, junge Mädchen gegen ehrenrührige Angriffe ihrer Arbeitgeber zu vertheidigcn. Vor Jahr und Tag kam nun die Leiterin des Stellennachweises des Hilfsvereins für weibliche Angestellte, Fräulein Hcrrmaim zu der Vorsitzenden: des Jugeudschutz und zu mir. Sie erzählte, daß dem Hilfsverein eine ganze Reihe von Arbeitgebern bekannt sei, die sich unerlaubte llebergriffe gcgcii ihre weiblichen Angestellten zu schulden kommen ließe». Es sei sehr schwer, die jungen Mädchen zu bewegen, gegen ihre Arbeitgeber aufzutreten: sie hätten sich aber vorgenommen, in jedem Fall des Einverstäiidnisses der Beleidigten denselben die Rechtshilfe zu gewähren. Sie sei beauftragt, uns zu bitten, ob wir in etwa vorkommenden Fällen auch unsererseits die Sache in die Hand nehmen wollten. Wir erklärten uns dazu bereit. Ich wies jedoch darauf hin, daß, soweit ineine Person als Rechtsanwalt in Frage stehe, der Hilssvercin ja selbst zwei Rechtsanwälte als ständigen Beistand habe. Frl. Herrnianu erwiderte, daß gerade ich mich der etwaigen Sachen annehmen solle, ans besonderen, in meiner Person liegenden Gründen. Infolge dieser llnterhaltnng sandte nimFrl. Herrmann wiederholt beleidigte Mitglieder des Vereins zu uns; wiederholt kam sie auch zunächst selbst. Die Korrespondenz ist stets mit dem Hilfsverein für weibliche Angestellte als solchen, vertreten durch Fräulein Herrmann, geführt worden. Sie crgiebt, daß es sich in allen Fällen um Schützlinge des Hilfsvercins handelte, t dieIv o n i h in Schutz verlangt hatten und die dann zu der Vorsitzenden des Vereins Jugendschntz sowohl wie zu mir gesendet worden sind. Als nun in einem Falle eine Freisprechung erfolgte, wurden in einem Theile der Presse der Verein Jugendschntz und Frl. Herrmann heftig angegriffen. Hierauf veröffentlichte der Vorstand des Hilfsvereins eine Er- klärung, daß der Verein mit dem Verein Jugendschutz in keiner Ver- bindung stehe und mit der ganzen Angelegenheit nichts zu thun habe. Wie wenig dies der Wahrheit entspricht, beweist die Thatsache, daß gerade in diesem Fall der Hilfsvcrein dem als Nebenkläger bei- getretenen Vater der Beleidigten die ihm auferlegten Gerichtsko'te» erstattet hat.— Trotzdem erklärte Frau Cauer, als sie von J r- schiedenen mit den Hergängen vertrauten Personell über diese Erklärung interpellirt wurde, die Veröffentlichnng sei im Interesse des Vereins uöthig gewesen, er müsse Nücksicht auf die Chefs nehmeii." Bald darauf ereignete sich der Fall Köppen. Frau Caner weigerte sich damals, mit der Vorsitzenden des Vereins„Jugend- schütz" die geplante Versaminlnng gemeinsam einzuberufen, weil sich dann der„Hilfsvcrein" nicht an der Versammlung bcthciligen würde. Früher war das anders. Frau Cauer schreibt in ihrer Zeitschrift„Die Fraucnbclvcgung", vom 15. Juni 1895:"„In Berlin sind jetzt 3 Vereine, welche treu und fest znsammclihalte» und in allen allgemeinen Fragen geschlossen vorgehe», trotzdem diese Vereine sehr verschiedene Ziele und Thätigkeiten Huben. Der Verein„Frauen- wohl",„Jugendschntz" und„Hilfsverein für weibliche Angestellte...". Ob die obigen Thatsache» mit den von dem Vorstande des Hilfs- Vereins für weibliche Angestellte gemachten Veröffcntlichnngen über« einstimmen, überlasse ich dem Urtheil des Publikums. DaS im Konknrs befindliche Olyiiipia-Thcatcr G. m. b. H. hat am Mittwoch Abend für immer seine Pforten geschlossen. Der Konkursverwalter, Herr Dielitz. hatte den Artisten und dem Personal gestattet, weiter zu spielen, um so die Masse eventuell zu vergrößern und den Mitwirkenden Gelegenheit zu geben, noch für einige Zeit Bezüge zu erhalten. An» Dienstag Mittag erschien jedoch Herr Rechtsanwalt Dr. Bollert in dem Dircktions-Bnrcau der Olyinpia und erklärte, daß Herr Kommissionsrnth Renz als Vermiether des Ge- bäudes die sofortige Räumung desselben verlange. Nun wandten sich die Artisten und das Personal in einem längeren Telegramm an Herrn Renz in Hamburg, ihnen doch noch kurze Zeit die Vorstellungen im Olympia-Theatcr zu gestatten. Sie appellirten in ihrer Bittschrift an das edle Herz und die Menschenliebe des Herrn Kvmmissions- rathcS und baten dringend, Mitleid mit ihnen zuhaben. Am Dienstag Abend traf ein Telegramm des Herrn Franz Renz hier ein, in dem der genannte Herr erklärte, daß er kein Mitleid empfinde, denn e s hätte auch mit ihm» i e m a n d Mitleid empfunden und er befände s i ch i n e i n e r w c i t e n t- s e tz l i ch e r e n L a g e. Er bestehe auf sofortigem Schluß. Trotz dieses sehr merkwürdig kliiigcndcn abweisenden Bescheides unternahm es der bisherige Bar tonist nin Olympia-Thcater, Herr Reicher, persönlich nach Hamburg zu fahren, um Herrn Renz umzustimmen. Dies gelang ihm nicht, wie ein am Mittwoch Abend hier ein- getroffenes Telegramm verkündete: Herr Renz blieb unerbittlich. Allerdings ist der genannte Herr durch de» Konkurs des Olympia» Theaters ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Olympia- Theatcr-Gesellschaft hatte für diese Saison das Gebäude von ihm zum Preise von 120 000 M. gemiethet und hat ihre Verpflichtungen infolge des bckamiten schlechten Geschäftsganges gegen den Ver- miethcr nicht voll erfüllen können: sie ist ihm 40 000 M. Miethsrate schuldig geblieben. Als Deckung für diese Schuld fällt Herrn Renz die sehr werthvolle Bühne und der gesammte Fuildus zu. Infolge dessen hat sich Herr Konkursverwalter Diclitz veranlaßt gesehen, das Olympia-Thcater gestern Abend gänzlich zu schließen. Gegen die geplante Verlegung der königliche» Bibliothek nach Charlottcnbnrg hat Mittwoch Abend eine Dclcgirtcnvcrsamnl- lniig von wissenschaftlichen, literarischen und Grnndbcsitzervcreinc» Stellung genommen. Auf Antrag des Geh. Raths Pros. Ewald von der Berliner Medizinischen Gesellschaft wurde folgender Antrag genehmigt:„Die am heutigen Abend versammelte» Vertreter wisscnschastlicher Gesellschaften, Vereinc, Korporationen zc. sprechen sich e i» st i m m i g dahin ans, daß die Erhaltung derkönig- lichen Bibliothek im Zentruni der Stadt nut alle» angänglichen Mitteln zu befürworten ist. Die Verlegung der Biblioihck nach der Peripherie der Stadt sieht die Versammlung als eine Beeinträchtignug der Interessen weiter Kreise der Stadt an nnd beschließt die Bildung einer K o ni ni i s s i o» zu weiterer Agitation in diesem Sinne." In der Zentral- Markthalle wurden vorgestern mehrere Doppclzentncr verdorbener Zander und gestern 112 Stück Hasen als zum Genuß ungeeignet beschlagnahmt und der Abdeckerei über- wiesen. Die Zahl der öffentliche» Fuhrwerke Berlins betrug am 31. Dezember 1898: 6097 Droschke 1. Klasse(davon 5111 mit Fahrpreisanzeiger), 1842 II. Klasse(davon nur 3 mit Fahrpreisanzeiger). 157 Gepäckdroschken, inSaesammt 8096 Droschkcngesährte. Jnter- essant ist die stetige Zunahme der Droschken mit Fahrpreisanzeiger. Gegen deii Bestand vom 1. Oktober 1893 waren von diese» Ge« fährten am 31. Dezember 1893 wiedcrxml 151 mehr vorhanden. Die Zahl der vorhandenen Omnibusse betrug 651. Thorwagen giebt es 231, Straßenbahnwagen(für Pferdebetrieb und elektrischen Be- trieb) insgesammt 1842. Ehrenkarten für nothleidcnden Landwirthe. Ein Bericht- crstatter meldet:„Vor dein Versammlungslokal des Bundes der Landwirthe traf man Verthciler von„Ehrenkarten" für hiesige B a l l- L o k a l e, zu denen der Zutritt nur sonst gegen Entgelt gestattet ist. Die Inhaber der Tanzböden aber, die in den Tänzern deren gefüllte Börsen lieben und ihre Pappenheimer zu kennen pflegen, müssen nach diesen Anzeichen von einer Nolhlage der Landwirthe nicht überzeugt zu sein." Diese Schlußfolgcrnng lanu unrichtig sein. Vielleicht werden die Ehrenkarten nur aus Mitleid mit der unverschämten Armuth der Nothleidenden verthcilt. Von zwei Zlngestelltcn der Berliner Packetfahrt erhalten wir zu unseren Ausführungen in Nr. 34 eine Zuschrift, deren Zweck nicht recht ersichtlich ist. Die beiden Herren korrigiren unsere Mittheilung über das Schicksal des PeustonSfonds für die Angestellten dahin, daß in jedem Jahre wirklich eine Sitzung in Sachen des Pensions« fonds stattgeftlnden habe. Das Geld sei vorhanden und koinme.bedürfl flgen Wittlven verstorbener Angestellten und kronlen Beaniten zu Gute. Das ist altes recht schön, aber damit ist der Kern der Frage nicht berührt. Im Statut der Pensionskasse ist den Angestellten sinn- gemäß ein Anrecht auf Pension und Unterstützung gegeben und nunmehr Haugen und bangen sie im Grunde an nichts anderem als an der Gnade ihrer Dircktion. Wenn die Herren weiter behaupten, die Angestellten hätten keine Beiträge geleistet, so steht diese Mit- theilung völlig im Widerspruch mit dem§ 2 des Statuts, das die Beitragszahlung der Beamten vorschreibt und kollidirt gleichfalls mit früheren Abmachungen. Ferner bleibt es leider dabei, daß den Interessenten seit dem l. April 1896 keine Abrechnung in der vom 8 16 des Statuts vorgeschriebenen Form vorgelegt wurde. Seiner Vcrhaftnng entzogen hat sich am Mittwoch der Ü7 Jahre alte Pförtner und Zigarrenarbeiter Robert Klibor ans der Lessingstr. 33. Er hatte sich im Punkte der Sittlichkeit schwer ver- gangen und öffnete sich die Pulsadern, als die Polizei ihn abführen wollte. Vorläufig ist Klibor als Gefangener einem Krankeuhause überwiesen. Reiche Beute haben Einbrecher gemacht, die gestern Morgen um 58/i Uhr ihre Arbeit in dem Kaufladen von Rudolf Fisch in der Puttkamcrstraße 11 beendigt hatten und mit einem vollbeladenen Handwagen abzogen. Der Werth des gestohlenen Gutes beträgt tOOO M. a Der wegen Kautionöschwindeleien verhaftete Agent M. Kristeller ist eine in Artistenkreisen sehr bekannte Persönlichkeit, die sich auch schriftstellerisch für hiesige Spezialitäten-Theater und Schaustellungen bethätiat hat. K., ein Oestcrreicher. ist besonders dadurch bekannt geworden, daß er als sogenannter.Hausdichler" «mem kleinen Barietö- Theater nahe gestanden haben soll. Pietät. Ein Parteigenosse schreibt unS: In der landwirth- schaftlichen Maschincn-Fabrik von Carl Beermann, vor dem Schlesischen Thor, verstarb am 14. Februar plötzlich am Herzschlag der Kern- wacher Gelfert. Rixdorf, Kirchhofstraße, wohnhaft. Der Verstorbene war seit 30 Jahren in der genannten Fabrik thätig. Diesem Um- stände ist es ivohl auch zu danken, daß die Fabrikleitung in der hunianstcn Weise insofcni verftihr, als sie den Tobten nicht mittels Schubkarrens, was doch so einfach gclvcseit wäre, sondern auf einem Rollwagen, mit Sacklcincwand znae- deckt, nach seiner in Rixdorf belegenen Wohnung schaffen ließ. Wer angesichts dieser herzzerreißenden Fürsorge immer noch nicht glauben will, daß die Herren Unternehmer ein warmes Herz für ihre Arbeiter haben, der verdient fürwahr ob seiner Undankbar- kcit gehängt zu werden. UebrigeiiS steht dieser Fall nicht vereinzelt da mit dem vor längerer Zeit verstorbenen Meister Herrn Rcichelt verfuhr die Fabriklcitnug in derselben Weise. Die Fabrik feiert am 1. April d. I. ihr öOjährigcs Geschäftsjnbilänm. Vielleicht schafft sie dann einen anständigen Transportwagen für ihre tootcn Ar- dcitcr an. Betriebsame Diebe. Ein ganzer Wagen mit Stoffen ist der Firma Casparius u. Co. gestohlen ivorden. Die Diebe arbeiteten Mit merkwürdiger Fixigkeit, denn während der Beftohlcne zur Polizei eilte, um Anzeige von dem Diebstahl zu mache», hatten sie bereits die Waarcn im kgl. Lcihamt versetzt und sich mit dem erhaltenen Gcldc ans dem Staube gemacht. Die goldcucn Schmucksachen einer Frau wurden bor drei Wochen am Spree-Ufer unweit der Schloßbrücke in Charlottenbnrg gesunden. Man vcrmnthctc mit Recht, daß hier eine Lebensmüde den Tod im Wasser gesucht habe. Die Leiche der Selbstmörderin ist nun vor einigen Tage» bei Pichelswcrder gelandet I sie ist ein vierzig- jähriges Fränlcin Wiese ans Mvabit. Selbstmord. Gestern Vormittag sprang am Tcmpelhofcr Ufer ein etwa 40 Jahre alter Mann in den Landivehrkanal und ertrank. Bei der Leiche wurden auf den Namen Hermann H. aus der Frank- furtcrstraße lautende Papiere aufgefunden. Feuerbcricht. In den letzten vieruudzwanzig Stunde» er- folgte nur eine Alarmirnng und zwar nach Schöncberg. Hier war Donnerstag gegen Mittag Neue Steinmetz st raße 3 ein größerer Kellerbrand ausgebrochen. Auch am vorhergehenden -rage waren nur wenige kleine Brände zu verzeichnen. L ü tz o w- st r a ß e 51 und K o p p c n st r a ß e 46 mußten kleinere Zimmer- brände, die Gardinen, Möbel und Decken einäscherten, beseitigt iverden. Ein Küchenbrand verursachte einen Alarm nach Land- wehrstraßellO. Gubener st raße 12 hatte Fleisch Feuer ge- fangen. Endlich erfolgte noch ein AnSrücken der Feuerwehr nach B e l l e a l l i a n e e ft r. 60. Dort handelte es sich um einen Dach- stuhlbrand._ Ans de» Nachbarorte». Friedrichsfelde. Wir weisen die Genossen auf die am Sonw tag Nachmittags 4Vs Nhr bei Bube stattfindende ordentliche Ver fammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für Friedrichsselde und llmgcbnng hin. in welcher Genosse Hübner über:„Die Ans- beustmg des Volkes— ein Knltnrfortschritt" spricht. Wir erwarten recht regen Besuch. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Der sozialdemokratische Agitationsverein für Groß-Lichterfelde hat, wie früher bereits gemeldet, sich für die Betheiligung an den hiesigen Gemeindewahlen ausgesprochen, soweit die dritte Klasse in Betracht kommt. Da es sich, bei der im März stattfindenden Ersatzwahl nur um einen Vertreter aus der zweiten Klasse handelt, so ist von einer Bcthciligung an dieser Wahl abgesehen worden. Die Gememdevertretcr der dritten Klasse scheiden erst im nächsten Jahre aus, so daß den Parteigenossen die Gelegenheit geboten ist, bei den Neuwahlen für diese Klasse alsdann wohlgerüstet in den Wahlkampf einzugreifen. I. A.: R. Wenzel. DaS Lokal von Hertel„Zum Wafserthnrm" in Groß-Lichterfelde, wo der Verein„Nymphe" Sonnabend seinen Maskenball abhält, ist gesperrt.— Der Vorstand des Verbandes der Fabrik-, Land Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen erklärt, daß von ihm kein Mitglied auf dem Programm für das Vergnügen des Krafttirrnvercins „Siegfticd" gestanden habe und auch niemand von ihnen Mitglied dieses Vereins sei. Allerdings sei es vorgekommen, daß e i n Vorstands- Mitglied bei den Hebungen des Vereins„Siegfried" im Lorcnz'schen Lokale bethciligt war. Wir wollen bemerken, daß in Groß-Lichter- fcldc mir das Lokal von Pagel, Ehanssccstr. 104. frei ist. Die Lokalkommission. Tie Charlottenburger Wohnungönoth hat sich im Laufe des Jahres 1898 bedeutend v e r s ch l i m m e r r. Das Charlotten- bnrger Statistische Aint hat die im Mai 1398 angestellten Er- mitteltiitgen über die Zahl der leerstehe!t den Wohnungen und Geschäftslokale n. s. w. t ni N o« v c m b e r wiederholt.(Das Ergebniß ist veröffentlicht im letzten Heft der„Monatsberichte" des Charlottenburger Statistischen Amts.) Von Mai bis November haben sich die leerstehenden Wohnungen ohne Gcwcrberänme von 1021 ans 789 vermindert, die leerstehenden mit Wohnungen verbundenen Gcschästslokale n. s. w. von 164 auf 254 vermehrt, die leerstehenden nicht mit Wohnungen verbnndcne» Geschäftslokale u. s. w. von 210 ans 63 vermindert. Gruppirt man die Wohnungen ohne Gewerbcränmc nach der Zimnicrzahl, so crgicbt sich, daß nur bei den kleinen und mittleren Wohnungen eine Verminderung der l c e r st c h e n d e n eingetreten ist. Von Mai bis November haben sich vermindert: die leerstehenden Wohnungen mit 1 Zimmer von 221 auf 78, die mit 2 Zimmern von 208 auf 109, mit 3 Zimmern von 205 auf 140, mit 4 Zimmern von 123 ans 83, mit 5 Zimmern von 64 ans 58; dagegen vermehrt: die mit 6 bis 8 Zimmern von 171 auf 236, mit 9— 10 Zinmrern von 26 auf 32, mit 11— 15 Zimmern von 5 auf 18.(Dazu kamen im Mai 3 und im November 17 Wohnnngcn ohne Angabe der Zimmerzahl und im November 9 Wohnnngeii mit 1 Zimmer, aber ohne Küche.) Dieses Ergebniß entspricht vollkomnien der Thatsache, daß(wie ans der Statistik der Charlottenburger Neubauten von 1897 hervorgeht) in letzter Zeit ungewöhnlich wenig neue Wohnungen kleinen und mittleren U m f a n g c s fertig aelvorden sind. Die große Mehrzahl der im November 1898 als leerstehend ermittelten Wohnungen ohne Gewcrberäume lag übrigens in den Bezirken längs der Stadtbahn, wo noch am meisten gebaut worden ist; doch waren hier die kleineren Wohnungen nur ganz spärlich ver- treten. Dagegen fanden sich v erh ältnißmäßi g wenig leer- st e h e n d e Wohnungen in denjenigen Bezirken, die nach den Ergebnissen der. Volkszählung von 1895 als eigentliche Arbeiter- viertel bezeichnet werden müssen, in sden Bezirken IV mit IVa, in Vin und IX, auch II und III,— zusammen nur 77 Wohnungen, darunter nur 26 mit 1 Zimmer und 22 mit 2 Zimmern. Vergleicht man hinsichtlich der leerstehenden Wohnungen ohne Gewerberäume die Ergebnisse der Ermittelungen vom Mai und November 1393 mit dem Ergebniß der Volkszählung voni Dezember 1393, so zeigt sich erst mit voller Deutlichkeit, wie sehr sich in den letzten Jahren die Miethsverhältnisse in Charlottenburg geändert haben. 1895 standen noch 4354 solche Wohnungen leer, im Mai und No- Veniber 1898, wie gesagt, nur noch 1021 und 789. Unter den leer- stehenden Wohnungen waren 1895 noch rund 23 pCt. mit 1 Zimmer und 30 PCt. mit 2 Zimmern, im Mai 1893 rund 22 pCt. mit 1 Zimmer und 20 pCt. mit 2 Zimniern, im November 1893 nur noch rund 10 pCt. mit 1 Zimnier und 14 PCt. mit 2 Zimmern. Diese Zahlen lassen auch erkennen, daß es— wie immer in solchen Fällen— die unbemittelten Kreise der Charlottenburger Be- völkerung sind, die am meisten unter der Wohnungsnoth zu leiden haben. Mastregeln znr Abhilfe der Wohnungsnoth in Charlotten- bnrg verlangt eine Petition an die Stadtverordiieten-Vcrsammlnng, welche jetzt in zahlreichen Läden ansliegt und viele Unterschriften findet. Die Petition ersticht die Stadtverordneten, den Magistrat anfznfordern, unverzüglich die erforderlichen Matznahmen zu treffen, imi die in Charlottenburg herrschende Wohnungsnoth zu beseitigen, zu welchem Zlvecke in erster Linie erforderlich sein dürfte, daß weitere Flächen des städtischen Areals für die Bcbannng nutzbar gemacht werden. Nochmals das Bannuglttck in Halcnsee. Wie uns mit- getheilt wird, befinden sich die Angehörigen der Männer, die am Sonnabend auf dem Bau Ringbahnstr. 121 verunglückt sind, in einem um so tieferen Elend, als sie von dem Ban-Untcrnchmcr Walter immer noch nicht den von ihren Ernährern verdienten Lohn für die letzte Woche voll ausgezahlt erhalten haben. Die Frau des verunglückten Maurers Rudolf, die sich kümmerlich mit Waschen durch die Welt schlagen mutz, hatte bis gestern erst acht Mark Vorschuß erhalten. Die Anstellung von Schulärzten hat jetzt auch in Schön e'- b e r g die städtische Schuldcpntation im Prinzip beschlösse n. Mit der Kostenfrage werden sich die städtischen Behörden schon in der nächsten Zeit zu beschäftigen haben. Opfer der Arbeit. Die beiden Monteure Schönfcld und Iwan anS Halle, die vorgestern im Betriebe der Allg. Elcktrizitäts- Iv c r k c in Oberschönewcide verbrühten, sind beide ihren entsetzlichen Verletzungen erlegen. Das Kcsselrohr war. wie uns mitgethcilt wird, schon am Freitag undicht; es bleibt hiernach unerklärlich, warum dieser Maschincndcfckt nicht rechtzeitig beseitigt würde. Ein sehr gefährliches Feuer entstand gestern Mittag ans noch nicht crinitteltcr Ursache in Schöncberg in einem Keller des Hauses Nene Steinmctzstr. 3. Die Flamnicn gefährdeten nicht allein das Erdgeschoß, sondern auch die Treppenaufgänge. Als die Berliner und Schönebcrger Wehren erschienen, war das Hans schon theilwcise verqualmt, wodurch die Hausbewohner beunruhigt wurden. Es gelang schließlich, nachdem der Keller thcilweise unter Wasser gesetzt worden war, die Gefahr zu beseitigen und das Feuer auf den Keller, der ausgebrannt ist, zu beschränken. ilSlttcrniigSübcrficht vom 16. Februar 1899, Morgens 8 lllfr. Stationen Livinenide. Homburg Berlin Wiesbaden München Wie» aS o= n- Z« 761 Still 757:30 761;so 761 Still 764 S 766 Still Wetter i-T -v 0 bedeckt Zbedeckt 2 bedeckt vbcdeckt Zwolkenl ONebel Stationen Hoporanda Petersburg Cork Äbcedeen Poris 6= = s 757,5k 757 W 756 BW 755 i® 761 SSW 2; Weiter 2 wolkig chedeckt öbcdeckt 3M. bed 2hlb.bcd. «SÄ i b = te» Wetter-Prognose für Freitag, den 17. Februar 1899. Ein wenig lühlcr, zunächst ziemlich trübe mit leichten Regenfälliii mäßigen südwestlichen Winden; nachher aufklarend. Berliner Wetterburean. -18 1 7 3 8 und AM»«! 2. Wahlkreis. Acht»»»! Kmtilg, 17. Febrim, MM 8� Uhr, iu Bilkcl's Sillsn, .Hasenhaide 52—53: Partei-¥ er�ammliiog1 Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehende Neuwahl. Referent kleliarck ri�oUer. Z. DtSknsflon. 3. Aufstelliniz dcS Kandidaten. L10/V BBT" Frauen hoben Zutritt."TWg Zu zahlreich«»! Bc>nch ladet ein IM« TertranenoperBon. DtMer MMbkittt-Nttlmil. Heute Freitag. Slbcndö 8>/« Uhr, bei Colm, Bruthstraste 20-21: Sitzung der OrtSTerwaltnng. Ueretn der Zimmerer Berlin« und Uingogcnd. Sonntag, den 19. Februar, Vormittags 10 llhr, im Lokale dcS _ Herr» Colin, Veuthstraste 21: Mitglieder- Versanimlttng. Tagesordnung: 1. Verelnsangelcgciiheitcn. 2. Bortrag. Referent: Kamerad 1'.. OI>*t. 3. DiSknssio». 4. Verschiedenes. Die Berfanimlung 'r- ird pünktlich eröffnet. Allseitiges Erscheinen erwartet 257/3 I»«r Vorstand. Acht«»«! Maurer. Acht«««! Sonntag, 19. Februar, Vorm. 10>/z Uhr. im Lokal Bnllsclunledcr «qrostcr Saal). Badftr. 10 i orMicdö Milglieder-Yersaimiilimy des Vereins zur Wnhrnng der Ziiterciseil der Maurer Berlins und Umgegend. Tages-Ordilniig: I. Bortrag über: Das»ranken- und Unfallverstcherungs-Eesctz und die Arbeiter. Referent Genosse 11. Biliar�. 2. Diskussion. 3. Bereins- ailgelegcnheit. 129/4 Um rege Theilnahme ersucht Der Vorstand. Tilcliloo-Voveizr. Sonnabend, den 18. Februar, Abends S'/a Uhr, Melchiorsir. 15: TV D o v X« nt«i l u n g."HHZ Tagisordinliig: BerciiiSaiigclegcnheiten. Billcts zu der am 5. März, Mittags 1 Uhr, siattsindenden Urania-Borstellimg sind in der Versammlung fioa/si Der Borstand. zu haben. [193/5] Fachverein der Holz- u. Bretterträger Berlin« nnd Umgegend. Sonntag, den 19. Februar, Bormittags 10'/, Uhr, im Lokale des Herrn IVlIKe, AndreaSftraft« 20: IPflF" Mitglieder- Versammlung. Tq.geS-Ordnung: 1. Bericht der Kommission über de» Lohntarif, 2, Ausnahme neuer Mitglieder. 3. Gewerkschaftliches. Es ist Pflicht eines' jeden Kollegen, in dieser Versanmilmig zu erscheinen. 84/2 l>cr Vorstand. P. Karnnl. Kranken-llnterMunas- nnd Begräbnißverein der Ban- nnd gtiverblichen Hils'sarbeiter Berlins. Sonntag, den 19. Februar. Vormittags lOst� Uhr, Langestraste 05 M Auberordtntlillit Gcneral-BcrMmlnng. 38 Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Mitglieder zur Hcrabsei stütznngsgeldcs? 2. Bercinsangclcgettheiten und 3 Jedes Mitglied ist verpsiichtet zu erscheinen, ung des Kranlen-Unter- erschiedencS. Der Vorstand. Griinan. ElDISCtÄ©!* ��iinntt. Vvrlins und Mmgogend. Sonntag, den 19. Februar 1899: Winter-Aiisslna nach Griinan. Treffpunkt Nachmittags 3 Uhr im Lokale von<3. Lindenhayn. {MF** Mitgliedskarte legitimirt."MHZ Ber Vertrauensmann. Die Geschäftsstelle der Produktiv- n.Einkanss-Gtnöstenschast für Radfahrer ÄV««™ MarsilinS-Ztrahe Ii) tLaden). Geschäftszeit von 7—9 Uhr Abends. Bestellungen auf Anzüge werden den ganzen Tag entgegen geiiomnien.(982b) Der Vorstand Empfehle meine beiden Lokale: „PsttdehA" b" mwh«. „Sitttmil"°" (15 Minuten gerader Waldweg). Sonntag. 19. Febr., in„Klokemal": Erster Wiener Maskenball. wozu freundlichst einladet W. IHagdcbnrg. Reparaturen Zätinel 5BM.m''rfnu"f buiniw"''Zahnzich.iM., Plomben 1 M. sc. E. Enhrmann, Dentist. Schwedterstr. 245 a, Ecke Kastanien-Allee. 8280* Arbeitsinarkt. Achtung! iollariifiter. Bei ber Firma Üarl Ijntr.e (ZtdlerShof) habe» fammtüchc Tischler wegen Differenzen dir Arbeit eingestellt 76/26 Zuzug ist seruzulialtc». Bie Ort* Verwaltung. Ei» Zur Bereine, Bersammlnugen, Hochzeiten k. ist mein Saal(150 Personen) mit Parkettboden nebst anschliehendem Ber- etnszimmer(76 Personen) noch an mehreren Sonnabenden, Wochen- nnd Sonntagen unter konlantcsten Bedingungen zu vergeben. Glas Bier 16 Pf. und die grohe Weihe nur 26 Pf. vnjl,, UMIita Berlin O.. 8168* rlllA nllllC, Aiidreasstrasic 20. Zähne 2 M. 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzlose« Zahnziehen I M. Plomben 1,50 m. Thellzahl. wbchentl. I M. Znlmnrzt Wolf, telpzlgerstr. 22. Sprechgt. 9-7 Am 16. Februar starb nach langen Leiden mein inniggelicbter Mann, der lliestaurateur OkfI Itand tin 40. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am 18. Februar, Nachm. 3a/« Uhr, von der Anstalt Dalldorf anS statt. Um stille Theilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen Berlin, 16. Februar 1899. 1666b Una Eand. Prenzlaiicr Allee 32. AMtk'NntttHnugKblmd der Schneider. Unser Mitglied tttdert«Aryuki'l! ist am 12. d. M. verstorben. Die Beerdigung findet am Frejtag, den 17. d. M.. Nachm. IV, Uhr von der Leichenhalle des MarlnSkirchhofö w Wilhelmöber�, aus statt. 166/3 Örtsverwaltung. Berbnnd der snbrik-, Lnnd-, Klssnrb. n. Arbeiterinnen Trntschlandö(Zahlstelle Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege 64/4 Ulbert Malcliow am 14. d. M. Nachm. 3>'2 Uhr ver- storben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, Natfim. 4 Uhr von der Leichenhalle des städtischen Kranken- Hauses Charlottenbnrg, Kirch- u. Wall- strahc-Eckr, ans statt. Ehr« seinem Andenken I Zahlreiche Betheilignng wünschen Die VevoUrnächtigten. Mir M Rick fettige vochfeiue Anzfige nach Mah, für 36 Mk. fertige feine Sommcr-Paletots Ä*06- Riesenstofflager Kran«enstr. 14. 1(kein Laden). Kanartenhähne, vielf.präm. Stamm, verk. Krebs, Köpiiickerstr. I54a, IV. Loknlrednktenr gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen unter 1,. S befärdett die Expedition dieser Zeitung._ Fnntafie-ztdern. 47/4' Geübte Arbeiterinnen bei hohem Gehalt und dauernder Stellung ver- langt Wilhelm Freystadt, Kommandantenstr. 80/81, 2. Etage. Kartoiiarbciteriniie» verlangt Pape. Wasscrgafse 3(Ecke Rungestr.). Kravatt.-Borarbciterin, Lchrinädch., Verl. Schmidt. Krauiciisir. 76.(375b !8ehilrzien- Steppcrimien im Haufe verlangen Streue«& Gio., Bluinenstr. 65. Jfnnge IHUdclicn für leichte Handarbeit und zum Knöpfe annähen verlangt Liamhrecht, _ B c r n a n c r st r a b e 49. 11 a m h e 1 1 s auf Kinder-Jacketts verlangt Liamb recht, Bernauer st raße 49. Tüchtige StUrkerin verlangt Wäschefabrik Walfradt& Wolft, 994b Stralanerstr. 56. Arbeiterinnen auf Wasch- Untcrröcke finden nnfer Vorlegung von Probc-Arbcit Beschäftigung bei bäh&. Oertelt, Mohreilstr. 42. Geübte Mädcheujacketts- Ar- beitcri» im und antzerm Hause ver» langt Bol«, Rrinickcndorserstr. 41. Gtlerilter Hllildlvtrker, 27 Jahre alt, bescheid. Wesen, nicht unbedeutende Kenninific, gute Hand- schritt, sucht Beschäftigung als ttomptoirarbeiter. Offerten unter 11. v an d. Erp. d.„Bonv". 825b Rock- Arbeiterinnen in und außerm Haufe finden dauernde und lohnende Beschäftigung.(g84b Ztrelitzer& Kasket, Leipzigerstrast« 58. ftotbinn(f)(c n���u4mö6tt fi,(fit straße 41). Fcohner, Naunyn- ������■0886 Tücht. Vcrsilbercp verlangt 9956 Gr. Frantfurtcrstr. 84. Marmorlror verlangt ttleschäfts- büchcrfabiik Riefenstahl, lumpe ft Co., Holzmarftstr. 67. Barbier-liehrling verlangt Zossenerstr. 19.[9936 Tüchtige Stepperinnen auf Blonsen- hemden verl. Rixdorf, Kaiser Friedrich- straße 1b, 1 Tr. r. 8586 Aiisfertigcrin, die auch Mädchen- jackctls arbeiten kann, gegen hohen Wochenlohn ohne Pause verlangt g78b) Ilo 1«!, Reiiiickendorfcistr. 41. AiildtrliiiWl-Arbcitttiiliitil geübt auf Hütchen, Kapotte», Knaben» baretts, welche Posten lief, könneii, find. dauernde Beschättiginig bei|ll>lb Fraenkel, Seydelstr. 24. Blltaslt-Mcrn. 9905 Geübte Arbeiterinnen find, dauernde Beschäftigung bei hohem Berdtcnft. Schmidt ft Konemann, Bluinenstr. 8. Knrbelsttpperin. Sontache in und anxer dem Haus« bei hohem Wvchenverdienst verlangen lisronibaeh&.Stein, _ Pruijlnutrilr. 17. EMeWtWarbcitmMN und Garnirerinnen siliden bei uns im Hause dauernde Beschäftigung. Beniak& Silber, Schirmfabrik. Kraufenstr. 39, I. Blonfe»- u. Ziiarbeitoriii verlangt Schmidt, Großgorsdiciifir. 23.(9836 Kartouarbeitcrinnei» außerm Hauie verlangt 991b Gustav Frankel, Kaftanien-Allee79. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey w Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Bettag von Max Babing in Berlin. iviaschincniiäheriiineii aus gute Schneiderei bei dauernde, Arbeit Verl. Frau Köhn, Metzerstr. 39 u. 2. KeilU des Jnmltlf Kerlim MMM.»».«■»»«-» Nr Hie Angehörigen der Vernrtheilten in Dresden gingen bei der Expedition des„Vorwärts" folgende Beiträge ein Franz Treunert, ges. unter Freunden h,2ö. Hamburger, Berlin 3,— Emma 2,25. 2 Dorfjöhren 1,—. Vom dicken und dünnen Zithersritze 3!ix dors 1,—. Zentralisirte Lederarbeiter durch Knoblich 50,—. Stahlflaschen fabril Weiler, Moabit 12,50. Won den Gesellen der Kunstschmicde-Werlstatt Methling u. Gleichauf, Charlottenburg 24,15. Fortschritt Specht 1,45. Zlgarrenfabrik Tietz, Charlottcnburg 4,-. Tischlerei Franz Behrens, Peters- burgerstrahe 17,75. Arbeiter der Eisengießerei Granert, Stralau 27,15. In Erinnerung an einen unvergeßlichen Verstorbenen 20,—. Goldleistenfabrik Schmidtstraße ßa 30,65. Gesauunelt von den Arbeitern der Firma Redlich u. Co., Wcinmeistcrstraße 14 7,—. Rauchklub Dornröschen b,—. Stuckatcure Boswau u. Knauer 6,50. Jacobshof, durch Mtty_ Kracker 13,70. Personal der Firma Gebrüder Rudolf 3,15. Gcinüthlichcs Eisbeinesicn, d. H. T. 4,—. Von den Stcindmckern aus der Fcnnstraße 7,50. Ges. C. Weihnacht, Fennstr. 61, 21,45. Lese- u. Disklltir Ilub„Süd-Ost" 25,—. Tischlerwerkstatt Lion Kießling 12,25. Junges Hühnchen 2,—. Grausprenkclchen 1,50. L., Oderbergerslr. 48, 1,—. Brüder- schaft Nord-Wcst 1885 15,-. Drei Mobelpolire von S. Rödel 1,50. Müller, Schöneberg 1,35. Ein Kommissionsmitglied der Gewcrbestcuerklasse 4, 2,—. Durch«ehrend, Blumenthalstr. 5, 15,40. Geburtstag Wöhlertstraße 3,50 Planofabrik Weber, Brückenstr. 13a, 1. Rate 23,50. Ein Berliner EiigroS Budiker aus der Gr. Frankfurterstraße 5,—.„Vorwärts" Red. u. Buch' 60,—. P. W. 0,60. F. I. 2.—. Gesammelt durch H. Riegelsly 8,5 Neuer Trudelbecher 0,50. Gesamuielt im Maschinenbau von Rudolf u. Kühne 24,35. Won den Buchbindern Prinzenstraße 43, 4.—. F.«t. 1,—. H. u. M. Jemsalem durch Sch. 10,—. Eetzersaal „Morgenpost", 1. Rate 4,50. Marie und Emilie 2,-. Ges. bei G. Löfsler 2�0. Skakklub Null, Rixdorf 5,25. Adolf-,50. Vom Arkonaplatz 3,30. Gcsangv.„Frohe Stunde" und„Sencfclder" 8,56. Ges. beim Bockbier in Stralau 6,50. Bau Weidenweg 2,50. Lithographie Elisabethhof 11,30. Buchdruckerei M. 8,30. Buchdruckerei Denier u. Nicolas 10,-. Arbeiter der Lederwaarenfabrik v. H. Lcwy 7,05. Schuhfabrik von Sänger u. Stock- Wald Klosterstr- 1 11,90. Ein Theil der Arbeiter von Büttner u. Ko ch—. Kurbelsticker u. Stickerinnen der Firma D. N. u. Ko. 15,50. Stuckatcure S. S. 4,—. Wer ist da noch sicher? 2,—. Tischlerei von Hausmann, Prinzenstr. 22, 4,50. 5 Skatbrüder 5,50.„Wir protestireil" 21,50. Skatklub„Pech" 10,-. Skatspiel Rostockcrstt. 40 1,58. Bautischlcrci Wcgener, Dcutsch-Wilmersdors 7,85. Die verwahrlosten Droschkenkutscher des 177. Stadtbezirks 6,—. Von den Schuhmachern Barutherstr. 22 2,—. Louise Boms- dors, Zigarrengeschäft, Licbcnwalderstraße 3,-. Die Tischler Wrangelstr. 107 durch Wann 4,50. Theaterverein„Proletariat" durch W. Gerland 10,—. Von den organisirtcn Gastwirthsgehilsen aus der Kronenbraucrci Moabit 2,30. Julius R. Israel. Lankwitzstr. 4, 10,-. Personal des„Berliner Tageblatt" 52,—. Rothe Brüder, Deutsche Waffen- und Munitions-Fabrik Martinickenfcldc 38,30. Ges. beim Abendtisch in der Bahnstrabe 10,50. Mitsch, mehrere Kollegen I. Rate 3,—. Auch in Hinterpommcm wird es helle 3,— Kabelwerk Obersprce 17,10. Ortsverein Vegesack 1,90. Buch- und Stein- drnckeret Karb u. Thomas durch St. 5,25. Koupeesammlung Spandau- Berlin 3,—. Verein Niete durch Z. 6,-. Hausdiener bei Fräukel u. Röhr 9,—. Arbeiter der Fabrik v. Laborenz, Rixdorf 24,10. Baurischlcrei v. Heyl, Maxstraße 7 in Schöneberg 8,75. Monopol- Fahrradwerke, Fricdrichsfclde 20,—. Entlassene Genossen von Schwartzkopff 2,—. Pianofabrik Janowski durch Schily 7,10. Geburtstagsfeier Beuffelberg 44, 5,80.„Zwei Genossen", Kirchstr. 27, 3,—. Maler vom Bau Pctersburgerstr. 40 d. P. L. 4,50. Bit, zum 15. Februar in der Exp. d.„Nordd. Vollsblatt" in Bant-Wilhelms- Häven 120,—(darunter von Varel(Oldenburg) 41,—). Die Graveure aus d. Koppenstr. F. M. 3,45. Berein d. Plätterinnen Berlins 25,—. Müglich, Fricdrichsberg 1,—. Zentralverein der Böttcher, Duisburg a. Rh. 28,35. Bon den fremden Handwerkem vom Kurhaus Flinsburg durch Kaiesse 12,85. Fünf Sattler in Haßloch durch Dittmann 4,—. D. R. P. 5,-.„Unerhört" F. K. K. S. K. I. 3,-. Freie Turner auf Kneipe 3 ges. 5,80. Skatklub Grünspan 5,—.„Verein Lustige Schwestern 3,-. Goldleistenfabrik, Grcifswaldcrstr. 13 4,—. Gesangverein„Liederlust" Mitgl. d. Arb.-S.-B. 10,—. Bürgerlicher Klub, sozialistisch durchseucht 5—'. Beerdigungsverein der Berliner Zimmerleute durch König 50,-. Tischler von Kutsch, Saal 2, 2,80; Saal 1 S. u. R. 0,70. Gesamuielt auf einer HochzettSfeier in Moabit 2,30.„Fridolin" 2.—. Summa 1206,24 M. Bereit» quittirt 5935,10 M. In Summa 6141,34 M. Vovpantmltmgen. Die Dresdener Zuchthäusler und die rcichStreuen Kniippel- 4Mve» lautete das Thema, über welches Adolph Hoffmann am Mittwoch in einer Volksversammlung des vierten Wahlkreises sprach, die den Keller'schcn Saal bis auf den letzten Platz füllte. In der Einleitung seines Vortrages führte der Redner aus. daß man angesichts mancher Vorgänge der letzten Zeit daran zweifeln müsse, daß die durch die Verfassung gewährleistete Gleichheit vor dem Gesetz in der Praxis zur Durchführung komme. Seit einiger Zeit könne man sehen, daß diese Strafen, sofern sie vermeintliche Gegner der heutigen Ordnung treffen, immer höher und höher geworden sind. Man glaube, durch recht harte Strafen abschreckend zu wirken. Die Geschworenengerichte, die uns als demokratische Einrichtung gepriesen werden, leiden heute unter dem Nebelstand, daß zu Geschworenen meist nur Angehörige der Bourgeoisie berufen werden, die bei der Verschiedenheit der Rechtsauffassung, welche in der Bourgeoisie einerseits_ und in der Arbeiterklasse andererseits herrscht, selbst bei der größten Gclvissenhaftigkeit nicht im Stande sind, das Denken und Empfinden der Arbeiter zu verstehen. Unter diesem Gesilhtspunkt müsse man das in Dresden gefällte Urtheil gegen die Löbtauer Bauarbeiter betrachten. Im Hinblick auf die Schwierigkeit, eine Revision eines Schwurgerichtsurtheils durch- zusetzen, haben die Dresdener Verurthcilten Recht gethan, wenn sie auf die Revision verzichteten. Im anderen Falle hätten sie zu der erkannten Strafe vielleicht noch ein Jahr Untersuchungshaft auf sich nehmen müssen. Wenn wir sehen, wie passiv sich die bürgerliche Presse gegenüber dem Dresdener Urtheil verhält, so kann man zu der Ansicht kommen, daß der Bourgeoisie solche harten Urtheile angenehm sind, und sie meint, daß dadurch die von ihr ersehnte Kirchhofsruhe eintritt.— Wenn wir auch die verurtheilten Bauarbeiter, deren Handlungsweise wir nicht beschönigen wollen, von einer gewissen Schuld nicht frei- sprechen können, so müssen wir doch fragen, wer die Mitschuldigen sind. Dahin gehören— abgesehen von dem, der durch Revolver- fchüsse die angetrunkenen Arbeiter gereizt hat— diejenigen, die durch Ueberstundenmachen die in schwerem Kampf errungene verkürzte Arbeitszeit bedroht und dadurch an den Jutcr- essen ihrer Berufsgenossen sich schwer versündigt haben. Die große Masse der Indifferenten ist es, die auf allen Gebieten den Fortschritt hemmt. Der Redner vergleicht die Thaten der Kolouialhelden Leist, Wchlan, Peters und' deren nülde Bestrafung sowie die Affären in Blumberg, Spenge und Eisleben mit den Löb- tauer Vorgängen und führt als einer der Hauptbctheiligten am Eislebener Prozeß viele charakteristische Einzelheiten aus demselben an.— In Dresden ist die Oeffentlichkeit ausgeschlossen worden, weil, nach offiziöser Darstellung, die Erregung der Bevölkerung eine Störung der öffentlichen Ordnung befürchten ließ. In Eisleben war dagegen nach Ansicht des dortigen Bürgermeisters die Erregung so groß, daß er vom 31. Mai, dem Tage der That, bis zum 1. November keine Versammlung abhalten ließ, eben mit Rücksicht auf die Erregung. Trotzdem wurde in Eis- leben öffentlich verhandelt, ohne daß die Ruhe gestört wurde. Die Befürchtung, daß die Zellgen durch Leute im Zuhörerraum beeinflußt werden könnten, wird gleichfalls zur Begründung des Ausschlusses der Oeffentlichkeit in Dresden angeführt. In Eislebcn aber hatte man keine Sorge wegen etiuaigcr Zeugenbeeinflussung, obgleich im Verhandlungssaal in unmittelbarer Nähe des Zeugeil- standcs zwei höhere Bergbeamte saßen, die jedes Wort, welches die als Belastungszeugen der rcichstreuen Kuüppelhelden vernommenen Bergleute aussagten, sorgfältig notirtcu. Diese Zeugen wußten sich denn auch meistens— es ivar ja schon eine längere Zeit nach der That verflossen und ihrem Gedächtniß vielleicht manches entschwunden — nicht mehr der Vorgänge zu cntsiunen.— Der Redner führt viele Einzelheiten an. aus denen hervorgeht, daß es sich in Eislebcn um ein seit langer Zeit vorbereitetes Attentat gegen die Sozial- deniokratcu handelte. ivclchcS schließlich sogar von.Polizcibeamten begünstigt wurde. Schon am 20. November 1800 wurden die bekannten Kaiserdelegirten Bunte und Siegel bei ihrer Anwesenheit in Eisleben von den reichstreuen Bergleuten arg bedroht. Später wurde unser Genosse Franke, nachdem er in einer sozialdcmo- kratischen Versammlung referirt hatte, auf dem Nachhausewege von zwei Reichstreuen schwer bedrängt und mißhandelt und zwar vor der Wohnung eines höheren Bcrgbeamten, der den Vorgang von seinem Fenster ans mit ansah. Die beiden Prügelhelden kamen mit Geldstrafen von 20 und 25 M. davon. Franke trug seit jenem Vor- fall mit behördlicher Erlaubuiß einen Revolver zu seinem Schutz bei fich. Von dieser Waffe machte er dann bei dem Krawall am 31. Mai 1891 Gebrauch und zwar in dem Augenblick, als von den Sozial- demokraten nur noch sechs im Saale anwesend waren, die von der wütheuden Menge in eine Ecke gedrängt wurden und zweifellos niedergeschlagen worden wären, weiin Franke nicht in jenem Augenblick höchster Roth geschossen hätte. Die durch die Schüsse erschreckte Menge zog sirfi einen Moment zurück und diesen Augenblick benutzten die Angegriffenen, um sich in die Küche zu flüchten, von wo sie aber später durch den Polizei- sergeanten Köhler den wüthendcn Kuüppelhelden überliefert wurden. Köhler ist noch längere Zeit nach diesem Vorfall im Amte geblieben, und nachdem er aus demselben geschieden, beim Mansfeldcr Berg werk angestellt worden.— Wen» wir nun die Vorgänge in Löbtau mit denen in EiSleben vergleichen, dann sehen wir, daß es sich hier um eine wohlüberlegte und lauge vorbereitete That handelt, daß die Thätcr mit vcrhältuißmäßig geringen Ge- fängnißstrafcn belegt und vor Verbüßung derselben begnadigt wurden; daß wir es in Löbtau dagegen zu thun haben mir einer unbesonnenen Handlung betrunkener Arbeiter, die Zuchthausstrafen bis zu 10 Jahren erhielten.— Gegenüber solchen Zuständen, wie sie in dem Dresdener Urtheil zu Tage treten, ist mit bloßer Entrüstung und Annahme von Resolutionen nichts gethan. Zivar wollen wir unseren Gegnern nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern mit geistigen Waffen den Kampf für bessere Zustände führen. DaS können lvir aber nur, wenn die große Masse der Bevölkerung hinter uns steht. Diese für unsere Ideen zu gewinnen, sie aufzuklären, zu bilden und zu organi siren, muß unsere erste Aufgabe sein. Es sollte auch kein Arbeiter mehr jene Presse unterstützen, die unter dem Deckmantel angeblicher Unparteilichkeit die Geschäfte der Reaktion besorgt. Wenn wir in dieser Weise den Kampf führen, dann wird bald das letzte Stlindlein unserer bevorrechteten Gegner geschlagen haben.— Rauschender Beifall folgte den l'/sstündigen Ausführungen deS Genossen Hoff- mann.— Won einer Diskussion wurde abgesehen und folgende Resolution einstimmig angenommen: 1. Die Versammlung ist mit den Ausführungen des Vortragen den völlig einverstanden, sie spricht ihre Ueberzcuglmg dahin aus. daß der Dresdener Urtheilsspruch mit dem Rechtsbcwußtsein der großen Masse des deutschen Volkes nicht in Einklang zu bringen ist, und ersieht darin zugleich einen Vorboten des nahenden Zucht- Haus-Gesetzes. 2. Die Versammlung fordert alle Arbcitcrkreise auf, dafür Sorge zu tragen, daß ein Blatt wie der„Lokal-Anzeigcr", welches auch nach diesem Urtheil nichts Besseres zu thun lvußte, als jede Kritik todtzuschwcigen, aus ihren Reihen verschwindet. Ferner fordert die Versammlung die Vertrauensleute auf, wenn nöthig, von Zeit zu Zeit diejenigen Geschäftsleute durch ein Vcrzeichniß zu veröffent- lichen, welche in Zukunft noch im„Lokal-Anzeiger" annonziren. Nachdem Hoffmann noch zu reger Betherligung an den Samm- lungen für die Angehörigen der Verurtheilten aufgefordert hatte schloß der Vorsitzende Wengeis die imposante Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Die Maler nahmen in einer Versammlung, die am Dienstag in den Arminhallen tagte, Stellung zum diesjährigen Bauarbeiter Kongreß. Link betonte die Nothwendigkeit der Beschickung des selben, da auch die Maler, ebenso wie die anderen Bauarbeiter, unter den materiellen und sanitären Mißständen im Baugewerbe zu leiden hätten. Die Maler könnten sich im Wesentlichen den Forde rungen der Maurer und Zimmerer anschließen, außerdem müßten sie aber noch energisch die Beseitigung der gesundheitsschädlichen Koals- körbe, sowie bessere Rüstuiigen, Waschvorrichtungen und eine Viertel- stunde vor den Pausen zum Reinigen verlangen. Daß sich der- artige Schutzbestimmungen durchführen lassen, beweise das Vorgehen mehrerer großer Städte in Süddcutschland, wo die Bauarbeiter nach langem Kampfe endlich ihre Absichten durchgesetzt hätten. Wie nothwenvig Schutzbestintmmigen, und zwar rcichsgesetzlich festgelegte seien, bezeuge das Halensee'er Bauuuglück, bei dem die polizeilichen Vorschriften durchaus nicht genügt haben. Nach einer längeren De- batte wurden Link und Marck zu Delegirtcn für Berlin gewählt, und zwar mit dem Auftrage, eventuell auch Mandate für die Städte der Provinz Brandenburg zu übernehmen, da sie am besten niit der Materie vertraut seien. Dann wurde noch die Erivartung aus- gesprochen, daß der„Lokal-Anzeiger" nicht mehr bei den Kollegen zu finden sein werde; der Jndifferentismus müsse endlich im Hin- blick auf den Dresdener Prozeß aus den Arbeiterfamilien verjagt werden. Die Handels-, Transport- und Vcrkehröarbcitcr waren am 12. d. M. sehr zahlreich im„Englischen Garten" versammelt, um zu dem Antrage der �sozialdemokratischen RcichstagSfraktio» auf Abänderung des§ 316 des R.-Str.-G. Stellung zu nehmen. Vor Eintritt in' die Tagesordnung machte Hoffmann die Versammelten auf die Agitation gegen den„Berliner Lokal-Anzeigcr" aufmerksam. Das Referat hatte Schumann übernommen, der in längerer oft von Beifallsbezeugungen unterbrochenen Rede die Ent- Wickelung des Transport- und Verkehrswesens schilderte. Alsdann zeigte Redner, wie unhaltbar und widerspruchsvoll die An- Wendung des§ 316 des Strafgesetzbuches in Bezug auf den Betrieb der elektrischen Bahir geworden ist. Nach dieser Bestimmung werde eder, auch der germgste Zusammenstoß mit der elektrischen Bahn an dem Kutscher des anderen Gefährts mit Gefängnitz bestraft. Redner weist zum Schluß auf den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion hin, der diese Härten beseitigen will. Er hält aber in diesem Autrag das Strafmaß bis zu 500 Mark zu hoch. In der Diskussion prachen Adler. Hoff mann und Dreher. Letzterer weist darauf hin, daß der Zentral-Verband der Handels-, Transport- und Verkchrsarbcitcr jedem Mitglicde, welches wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes angeklagt wird, unentgeltlich Rechtsschutz gewährt. Darauf wurde eine Resolution angenommen, die sich mit >em Antrage der Fraktion ciilverstauden erklärt, jedoch die Höchst- träfe auf 300 M. festgesetzt wissen will. Zum Einigungskougreß in Leipzig wurden Schumann, Kaßler und O e r t e l gewählt. Oertel ersuchte, alle llcbertretungen der Sonntagsruhe an das Bureau, Bisch ofstr. 13. zu melden. Schumann gab bekannt, daß in näckister Zeit sich die Transportarbeiter mit der Firma Jacob und Vallentin beschäftigen müssen, da diese Firma ihren Angestellten ver- biete, sich dem Verbände anzuschließen. Die Holzarbeiter hielten am Mittwoch Abend im großen Saale der Brauerei Fricdrichshain eilte öffentliche Versammlung ab, in der Reichstags-Abgcordnctcr K l o tz- Stuttgart über die„Werth- chätzung der menschlichen Arbeitskraft" rcferirte. Redner betonte einleitend, daß von bürgerlicher Seite der Grundsatz aufgestellt werde. die Arbeit ist der Zweck des Lebens. Dcnt widerspricht Redner und zeigt an zahlreichen Beispielen, wie wenig die Arbeit heute Achtung und Wcrthschätzung findet. Niedere Löhne für lange mühevolle Arbeit stehen überreichen Dividenden und Einkünften gegenüber, die mit viel weniger Gefahren für Leben tmd Gesundheit crlvorben werden, als die magere Entlohnung zahlreicher Arbeitsschichten. Mit einem trefflichen Hinweis ans die in letzter eit ergangenen Urtheile gegen die im Lohnkampf stehenden 'lrbciter' ststließt Redner seiuen beifällig anfgenontmcnen Vortrag. Nachdem in der Diskussion M a r k m a n n und Rod. Schmidt ich im Sinne des Referenten geäußert hatten, beschließt die Ver- sainmlung, den Ertrag der Tellersnmmlung den Webern in Krefeld zu übermitteln, worauf der Vorsitzende ermahnt, die Arbeiterschaft m ihrem Kampfe gegen den„Lokal-Anzeiger" zu unterstützen, sowie sich an den Sammlungen für die Verurtheilten Löbtaner Bauarbeiter rege zu betheiligen. Die i» Holzbearbeitungö-Fabriken und auf Holzplätzen beschäftigten Slrbeiter tagten am lö. Februar im Englischen Garten, um den Bericht des Vertrauensmannes entgegenzunehmen. An Einnahme im zweiten Geschäftshalbjahr hatte er zu verzeichnen 4378,40 M., darunter einen übernommenen Bestand von 2836,25 M. Ausgegeben wurden 291,95 M., sodaß auf das nächste Jahr 4046,45 Mark übergehen. Zlvei Differenzen zwischen Unternehmern und Arbeitern waren zu erledigen. Da eine gänzlich unvorbereitet und ohne Vorbesprechung mit dem Vertrauensmann ausgebrochen war, mußte der Vertrauensmann vor solchem unüberlegten Vorgehen warnen. Darauf wurde I a e ck, Oppeluerstr. 44, zum Vertrauensmann und Gewerkschaftsdelegirten wiedergewählt, und H o f m a n n, Wrangel« straße 106, zum Stellvertreter des Delegirten zur Gewerkschafts- kommission ernannt. I a e ck schlug dann vor, das schon im Bericht über die vorletzte Versammlung veröffentlichte Reglement über die Beiträge zum Streikfonds anzunehmen. Mit den Marken werde jetzt Unfug getrieben, sodaß keilte Kontrolle möglich sei. Dem stimmte die Versammlung mit großer Mehrheit zu. Das Reglement soll am 1. Juli in Kraft treten und vorher in einem Flugblatt veröffentlicht werden. I a e ck wünscht, daß die Unfälle zeitig an die Filialen gemeldet werden, da am ersten April die Unfallstatistik herausgegeben werden soll. Zum Schluß entspann sich eine lebhafte Debatte. Simpel empfahl die Theilnahme an einer von den Fräscreibesitzern eiii- zuberufeuden Versammlung, in der die Arbeitgeber geineinsam mit den Arbeitnchinerit gegen die von einer Firma betriebene Preis« drückcrei Front machen'wollen. W i e I a tt d und Pankow sprachen sich dagegen aus, daß die Arbeiter den Unternehmern die Kastanien aus den Feuern holen. Es sei die Maßregelung derer zu befürchten, die in der Versanmilung die Mißstände besprechen würden. I a e ck, Simpel und Sauerzapf äußerten jedoch, daß die Herab« drücktittg der Preise Vorwnnd zu Lohnreduziruttgen geben werde, die schließlich zum Ausstand führen müßten. Es sei also ein Vortheil der Arbeiter, wenn die Preise gehalten werden könnten. Da die Arbeiter eingeladen seien, müßten sie auch hingehen..- Nixdorf. Die Maurer und Putzer hatten am 12. d. MtS. eine Versatninlung anberaumt, in der Schulz in eingehender Weise den Nutzen der Gewerkschaft darlegte, sowie die Schäden des Akkord« systems schilderte. Die Bersmtttnluttg gab ihre Zustimmung zu dem Referat dadurch zu erkennen, daß sie ciitstimtnig eine Resolution an» nahm, die sich im Sinne des Referats bclvegte. Rixdorf. In einer Versammlung der Bauarbeiter, die vom Gewcrkschaftskartcll einberttfen war, sprach am 13. d. M. Reichstags« Angeordneter Hoch in einem interessanten Vortrag über die Miß« stände im Baugewerbe. Die Diskussion, an der sich mehrere Redner bcthciligten, brachte zahlreiche Uebelstände zur Besprechung und ver« laugten alle Redner im Verein mit dem Lieferenten eine gesetzlich» Regelung der Materie. In diesem Sinne gelangte eine Resolution zu Annahme. Berichtigung. Der in der Nummer vom 15. Februar ent« haltene Bericht aus Rixdorf bezeichnet irrthümlich die Versamm« lung als eilte Sitzung des Gewerkschaftskartells. Die Versammlung war eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung. Charlottcnburg. Am 12. d. Mts. fand hier eine gut besuchte allgemeine Buchdruckerversammluna statt. In derselben erstattete der bisherige Delegirte des GewcrkschaftskartellS Bericht über die Thätigkeit im verflossenen Geschäftsjahre, dem eine längere Debatte folgte, worauf Wilhelm Franke und Emil Arnold zu Delegirten in das Kartell gewählt wurden. Unter Verschiedenem kritisirte Bachmann die Ver» Hältnisse in der Druckerei des Stadtraths Gertz und zieht eine Parallele zwischen dem bekannten Jnselforscher und Reklamedntcker August Scherl und Herrn Gertz. Die rechte Hand des Herrn Gertz, dcr FaktorHedwcr. ein eifriger Anhänger des GutenbergbuudeS, versteht es, die Schriftsetzer mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dem Bunde der Arbcitslvilligen zuzuführen. Die Versammlung beschloß, eine Petition an die kommunalen Behörden zu richten, tn welcher der Wunsch ausgesprochen wird, bei Vergebung von Druckarbeiten nur tariftreue Druckereien zu berücksichtigen. Zum Schluß wurde noch darauf hingewicseit, daß am 11. März d. IS. ein Maskenball stattfindet, dcffcn' lleberschuß für die Krefelder Weber bestimmt ist. Berliner Kranken< Ilntcrsiütznngs- und Bcgräbnih-Bercin für Frauen und Mädchen, gegr. 1892. Jeden Freitag, Abends 7 Uhr, Zahlabcnd bei Mehrwald, Alte Jakobstr. 54/55.— Neue Mitglieder werden daselbst ausgenomnien. Hnutanistische Gemeinde. Sonntag, den 19. Februar, Vormittags 10V- Uhr, Zicgelstr. 10: Wortrag des Herrn Dr. Pcnzig über:„Verant- wortlichleit". Sozialdemokratischer Verein für Johannisthal nnd Nieder- Schöiietocide. Sonnabend den 18. Februar, Abends B/- Uhr, bei Rau: Mitgliederversatitmluitg. Vortrag des Herrn Dr. Paruw über:.Gesmtd' heitölehre."_ Vevtnifitzkes. A»S Hamburg wird über einen SchiffSunfall berichtet: Nach dem Bericht des Kapitäns Kärlowa vom Dampfer„Pretoria", der. wie bereits gemeldet, infolge eineS Schadens am Steuer nach Plhmouth zurückkehren mußte, ist an Bord Alles tvohl. Unter den Passagieren ist kein Unfall vorgekommen. DaS Schiff hat sich unter schwierigen Lerhältnissen vorzüglich bewährt. Da die Re» paratur des Schadens einige Zeit in Anspruch nehmen wird, werden die Passagiere mit der am Sonnabend, den 18. d. M., von hier ab- gehenden„Pennsylvania" nach New-Aork weiter befördert werden. Bei einem Brande im JohanniSspital zu Leipzig fand eine S5jährige Frau ihren Tod in den Flammen. Das Feuer konnte bald gelöscht werden. Eisenbahn-Ungliick. Londoner Blätter melden aus Montreal Kanada), der von Portland kommende Expreßzug der Grand-Trunk- Eisenbahn sei gestern Abend ist der Nähe von Sherbrooke ent» gleist, wobei sieben Personen getödtet seien. A»S Ncw-Bork wird berichtet: In der Maschinenbauwerkstatt deS Staats-SchiffSbauhofcS brach in der Nacht zum Donnerstag sen er anS, durch welches das Gebäude zerstört wurde, in dem die Maschinciimodelle aufbewahrt wurden. Der Schaden wird auf über eine Million Dollars geschätzt. Unter den verbrannten Gegenständen befindet sich auch das' Modell der„Maine". Ueber die Entstehung des Feuers verlautet bisher nichts. Eine Fcuersbrunst in Melbourne vernichtete in dem Waarenlager von Henty an der Ecke der Spencer Street und slinders Latte eine Million Pfund Thee und große Mengen Wein und Spirituosen. Der Gesammtschaden ist noch nicht festgestellt. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten, bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder ein« Zahl) anzugeben, niiter der die Antwort ertheilt«erden soll und die letzte AbonneuientSquitMng beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant» wartet und schriftliche Antwort wird n ich t erthetlt. Tie juristische Svrcchstuude wird TieuslagS, TouucrstagS und Freitags abends vo» 7V- bis 8V, Uhr abgehalten. Sl. B.. Mitskauerstraste. Leider nicht zu verwenden. B. KS. 37. Mit der nächsten Linie 327 Kilometer. G. H. Singer wurde 1886 aus Berlin ausgewiesen. Verein. Theilcn Sie uns noch einmal mit, wann und wo die regek- mäßige» Sitzungen pattfinden._ Briefkasten der Expedition. Abonnent Tarmstadt. Won den verlangten Nummern sind nur noch drei vorhanden. Die anderen sind vergriffen. Miit fceu Jubalt der Inserate überuimiut dt« Redaktion dem Vudlikum gegeunber keinerlei Verantwortung. Tlzvnfov. Freitag, 11. Februar. Opernhans. Tristan und Isolde. Ansang K'/z Uhr. SchausPielhanS. JultuS Cäsar. Anfang llU Nyr. Deutsches. Cyrano von Bergerae Anfang 7»/, Uhr. Lessing. Die Zeche. Unter blonden Bestie». Ein Ehrenhandel. Liebes� träume. Anfang 7>/, llhr. Verliner. Bickh. Anfang 7t/, Uhr Rrsideuj. Der Schlafwagen- Kon- trollenr. Borher: Zum Einstedler. Anfaiig 7»/, llhr. Rencö. Der Sobn der Frau. An- sang 7l/, Uhr. Metropol. Die kleinen Michas. Hierauf: Die Engelsjäger. Anfang 7»/, Uhr. Schiller. Der Dornenweg. Anfang 8 Uhr. Weste». Zar und Zimmermann. Anfang 7>/z Uhr. «keutrai. Die Puppe. Ans. 7»/, Uhr. Thalia. Schiddebold's Engel. An- fang 7»/, llhr. Luise». AllHeil! Monsteur Herkules! Das Fest der Handwerker. Au- fang 8 Uhr. velle-Zllliance. Der Pariser Tauge- nichts. Ansaug 8 llhr. Ostend. Der Brandstifter. Anfang 8 Uhr. Friedrich< Wilhelmstiidiische». Der Trompeter von Säkkingen. Ansang 8 Uhr. llllexanderplatz. Eine schwache Stunde. Anfang 8 Uhr. «Polio. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 7>/, llhr. Urania. Tanbenstraste 48—4». Nalurknndliche AnSstellnug. Täg- lich gevssuet von lv Uhr Vor- mittags ab. Eintritt öS Pf. Abends 8 llhr:„Das Land der Fjorde". Operntelephon. Juvalideustrasl« 57,«ä. Täglich Abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. RrichShallen. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten- Bor- ftellung. Passage> Pauopilkuiu. Speziali- tätcn-Vorstellung._ SWer-Theater (Wallncr-Xhcntcr). Freitag 8 Uhr: ver voi'nenvox. Sonnabend 8 Uhr: vtkvllo. Sonntag Nachm. S Uhr: Hiibi»«!«» Himmelfahrt.' Hierauf: Aba Seid. AbendS 8 Uhr: HaaerblUmchen. Thalia-Theater. DreSdcuerstr. 7S/7Z. Gastspiel Lmtl Thomas Schiddedold's Eugkl. Posse mit Gesang tu 4 Akten von W. Mannstädt. Musik von demselben. Kouplets von Alfred Bender. Anfang 71/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Lnisen-Theater 54. Sleichenberaerstrasje 54. Abends 8 Uhr: All LZril! Schwank in 1 Akt von Meo Breo. Hierauf: Aovsieur Herltule8. Schwank in 1 Akt von Georg Belly. Zum Schluß: Das Fest der Handiverker. Komisches Gemälde ans dem Volksleben in 1 Akt von Angely. Sonnabend Abend: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend Nachmittag 8 Uhr: 17. Schöler-Vorutellungr zn besonders ermäßigten Preisen: Das kstäthchcu vo» Heilbrouu._ Metropol-Theater. Behrens, r 55/57. Dir. Rieh. Schultz. Heut« Freitag: Zum 51. Male: Die kleineu Michn's. Operette in Z Akten v. Andrs Messager. Hierauf: Die Engelsjäger. Tanzvoömin 14 Bilden: von H. Regel nud I. Bayer. Souuabeud: Auf allgemeines Verlangen: Vierler Nelropo!- Idekler-iilsslcellbsll. lhotztor). Sonntag:»Die kleinen Michu'S" und„Die EugclSjäger"._ Lstenh-Karl Weij- Theater. Gr. Frankfurterftrafie 15». Zum bv. Male: Der Brandstifter SeufatiouelleS Aiiöstattungöstück mit Gesang in S Akten(12 Bildet«) von G. Okonkowöky. Mnsik von L. Fall. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr au Frei- Konzert. VorzugsbilletS haben GIltigkcit. Motto: lmmse halb und halb Herr Prinzipal. Morgen und folgende Tage: Der Brandstifter. Sonntag Nachmittag: Lorbeer- bäum und Bettelstab. Ul'SNis j Seefische Volksnahrang-. Blcsigs© Fällgf© nnserep Dampfer ermöglichen un» Cabliau per Pfd. 16 Li., im Ausschnitt ca. 20 Pf-i ScllGliflSCllS per Fid. 13 23 FL Während dieser Woche In unseren hiesigen Terkanfsstcllen abzugehen. Tanbenstrasse 48/40. Im Theater: Das Land der Fjorde. Im Hörsaal: Dr. Behzrahn: Die Urzeiten der Erda.(Erdgeschichte X.) 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