Einzelpreis 70 heller. Redaktion und Verwaltung, Prag, I., Nefazanto 18. Telephone: Tagestedattion: 26795, 31469. Machired attion: 26792. Doftfchecamt: 57544 Inserate werden laut Lari billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß 11. Jahrgang. Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowatischen Republit. Staatssekretär Mellon in London. Donnerstag, 18. Juni 1931 Ender will außerordentliche Bollmachten. London, 17. Juni.( Renter.) Der in London zur Herstellung des Budgetgleichgewichts und zur Lösung der Kreditanstaltfrage weilende amerikanische Schoßsekretär Mellon stattete dem Premierminister Macdonald im Unterhause sinen Besuch ab und hatte mit ihm eine längere Unterredung. Die erste Fühlungnahme. Wien, 7. Juni. Heute traten in der hiesigen ungarischen Gesandtschaft der bevollmächtigte Minister Dr. Friedmann mit dem Führer der ungarischen Handelsvertragsdelegation Gesandten Niti zusammen und gaben einander gegenseitig den Standpunkt ihrer Regierung befannt, worauf sie nach Prag, resp. nach Budapest Bericht erstatteten. Es besteht die Hoffnung, daß bereits in der nächsten Woche die tschechoslowatische und die ungarische Delegation zu neuen handelspolitischen Verhandlungen zusammentreten werden. Bombenanschläge in Turin. Berlin, 17. Juli. Die Vossische Zeitung" meldet aus Mailand: Nach einer Mitteilung ber Agenzia Stefani sind heute nacht offenbar in terroristischer Absicht an verschiedenen Stellen im Zentrum der Stadt Turin drei Sprengförper zur Explosion gebracht worden. Der Eingang einer Bila wurde beschädigt, aber niemand verlegt. Von den Urhebern fehlt ebenso wie bei den Vorkommnissen in Bologna am Tage noch der Hinrichtung des Anarchisten Schirru jede Spur. See the Willen Dezang wird neuerlich eine Hiße und Trodenwelle gemeldet. Wien, 17. Juni.( Eigenbericht.) Heute haben den ganzen Tag über Verhandlungen wegen Beilegung der Regierungskrise stattgefunden. Früh morgens wurden u. a. auch Dr. Renner, Seiß und alle anderen Parteiführer vom Bundespräsidenten über ihre Meinung über die Krise befragt. Am Nachmittag fanden Beratungen der christlichsozialen Vereinigung statt und um jieben Uhr abends begab sich dann Dr. Ender, der sich den ganzen Tag geweigert hatte, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen, aber unter starken Druck der Partei gestellt wurde, wieder zum Bundespräsidenten und erklärte, er könne der Aufforderung des Bundespräsidenten, die Kabinettsbildung zu übernehmen, nur dann Folge leisten, wenn gewisse Vorbedingungen geschaffen würden. Die erste Bedingung sei die, daß das Parlament der Regierung weitgehende anzerordentliche Vollmachten für eine angemessene Zeit erteile, um das Gleichgewicht im Bundeshaushalt wieder herzustellen und in den die Kreditanstalt betreffenden Fragen die nötigen Maßnahmen zu treffen. Dabei wäre die Mitwirkung eines kleinen Parlamentsausschusses vorzusehen. Eine weitere Bedingung sei die Bereitwilligkeit gewisser Persönlichkeiten, die nicht genannt werden, zur Mitwirkung in der neuen Regierung. Der Bundeskanzler soll morgen bei einer Fühlungnahme mit den Parteien und den in Betracht kommenden Persönlichkeiten feststellen, ob diese Bedingungen erfüllt werden, und dann seine Entscheidung darüber treffen, ob er die Betrauung übernimmt. Reichsregierung ermägt Transferaufschub. Die Stimmung in der sozialdemokratischen Partei selbst dürfte dahin zu kennzeichnen sein, ichüßten Bezugs Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post: monatlich vierteljährlich halbjährig ganzjährig Ke 16.48.P 96.BO 192.-. . Rüdftellung von Manustripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich Trilh. Nr. 142. Ein Mann und ein System. Nochmals der Fall Stříbrny. Wenn die Erledigung des Falles Střibrný mehr als die Demütigung oder Beseitigung eines privaten und lästigen Gegners des Herrn Ministers Beneš sein soll, dann wich es nötig sein, ohne alle Illusionen die Män gel bloßzulegen, die nicht nur die Charaftere einzelner öffentlicher Funktionäre, sondern die das ganze System aufweist. Nur wenn die Gesetzgeber den Mut haben, dem Uebel auf den Grund zu gehen, der eben nicht einfach im Geschäftstalent der Brüder Střibrný zu suchen ist, werden sie ihm steuern tönnen. Und ihm zu steuern, wäre eine dringendere und dem Staat nützlichere Aktion als sämtliche Spielereien der Staatserhaltenden, von der militärischen Erziehung der Jugend bis zu den Luftmanövern. Man muß sich vor Augen halten, daß der Fall Stříbrný, sicher nicht der einzige, wenn auch vielleicht der größte Fall öffentlicher Korruption, nur durch eine Reihe von Zufäl len aufgedeckt und zur Diskussion gestellt wurde. Nicht, daß sich die Geschäfte der Bri der Stříbrný im Dunkel abgespielt und daß die Oeffentlichkeit den Führer der fascistischen Liga für einen makellosen Ehrenmann gehalten hätten. Was jetzt im Bericht des UnterBorher erst Besprechungen mit den beiden amerikanischen Staatssekretären. Berlin, 17. Juni.( Eigenbericht.) Der zunächst noch nicht zu übersehen. Auf dem Welt- uchungsausschusses niedergelegt ist, war durch; gestrige Beschluß der sozialdemokratischen Reichs- markt ist eine Beruhigung eingetreten Jahre mehr minder öffentliches Getagsfraktion, nicht die Einberufung des Haus heute hat die Reichsbant etwa für 14 Millioner heimnis und Gesprächsstoff von Politifern, haltsausschusses zu verlangen, sondern auf Devisen einlösen müssen, also für einen weit Journalisten, Geschäftsleuten. Dennoch konnie Grund der Erklärungen des Reichskanzlers in geringeren Betrag, als in den letzten zwei Wochen es erst jest zum Gegenstande einer parlamen Berhandlungen mit der Regierung über die Ab- zu verzeichnen war. Wenn die neuen Verhand- tarischen Untersuchung gemacht werden, weil Die soziale Not in Amerita. änderung der Nowverordnung einzutreten, hat in lungen über die Aenderung der Notverordnung politische Motive den Sturz Stribrnýs rätlich der Presse zu lebhaften Diskussionen Anlaß ge- beginnen, ist noch nicht bekannt. Die Regierung erscheinen ließen. Hätte Jiři Stříbrný sich das Washington, 17. Juni.( Reuter.) Das geben. Je nach der Stellung zur sozialdemo selbst scheint die Absicht zu haben, erst die An- mit begnügt, Provisionen zu fassieren, et wäre Rote Kreuz veröffentlichte soeben einen Tätig fratischen Partei wird der Ausgang der Krise funft, der amerikanischen Staatssekretäre Stim- vielleicht der Führer seiner Partei geworden; keitsbericht, aus dem hervorgeht, welche Ausbrei- als ein Erfolg der Sozialdemokratie oder als ein son für Auswärtiges und Mellon für Fierst als er zu intrigieren und zu rebellieren tung die wirtschaftliche Not in den Vereinigten Sieg des Kabinetts Brüning bezeichnet. In der nanzen, abzuwarten, die ungefähr für den Staaten gefunden hat. Nach den Schäßungen Rechtspreise wird behcmptet, die Regierung habe 20. Juli in Berlin erwartet werden. Die Re- begann, nach der Krone des Parteiführers waren in den 22 Staaten Nordamerikas in den sich an die Sozialdemokratie verkauft, während gierung wird hiebei den Versuch unternehmen, griff und die Kreise des Dr. Beneš störte, warf letten sechs Monaten 2,700.000 Personen die Kommunisten behaupten, daß sich die Sozial- die Frage der Neuregelung der Reparationen auf- man ihn aus der Partei. Und hätte er sich auf die Hilfe des Roten Kreuzes an demokratie Brüning unterworfen habe. zurollen. Daß es dabei zu einem greifbaren Er- wiederum mit der Präsidentschaft der ,, Sparta" gewiesen. In den Südstaaten, die im vergangebnis kommen wird, ist nicht anzunehmen. und mit der Herausgabe von Revolverblättern genen Jahre durch katastrophale Hizewellen heimMan nimmt an, daß die Reichsregierung begnügt, statt eine politische Partei zu grüngesucht wurden, sind noch heute 38.545 Familien auf die Hilfe des Roten Kreuzes angewiesen. Aus daß volle Uebereinstimmung über den brutalen dann den Transferaufschub für die ge- den und die Kampagne gegen die Burg" ins Angriff der Notverordnung die Lebensintereisen der arbeitenden Massen besteht. In einigen Aufschub bezieht sich auf den geschüßten Teil ner jetzigen Gegner eingefallen, ihn vor das Bezirken ist bereits zu der gegenwärtigen Situ- der Jahreszahlungen, soweit er in Gold zu leisten Tribunal zu ziehen. Es ist das tief Bedaueration Stellung genommen worden. So hat ist. Es handelt sich dabei um 308 Millionen Magdeburg- Anhalt sich für die Weiterführung der Mart, die drei Monate nach dem Aufschub des liche an der Reinigungsaktion, die jetzt im bisherigen Politik erklärt, troßdem die unge Transfer in Reichsmart auf das Konto der Gange ist, daß sie gewissermaßen der politischen Einladung zur Weltabrüstungsheuren Schwierigkeiten anerkannt werden, die Bent für internationale Zahlungen zu über- Notwehr und nicht dem Reinlichkeitsgefühl tonferenz. der Agitation der Partei daraus entstehen. Die weisen wären. ihrer Urheber entsprungen ist. Wie mancher Genf, 17. Juni. Wie vom Völkerbundfetre- Berliner Organisation hat, nach einem Referat Allerdings wird die deutsche Regierung sich Mörder wegen Mordes freigesprochen, aber tariat mitgeteilt wird, hat der Generalsekretär des Reichstagsabgeordneten Aufhäuser und zu diesem Schritt nur dann entschließen dürfen, wegen Uebertretung des Waffenpatents, oder des Böfferbundes jetzt die offiziellen Einladungen nach einer lebhaften Diskussion verlangt, daß der wenn sie der Zustimmung der anderen an den wegen Fälschung des Meldezettels verurteilt für die Weltabrüstungskonferenz, die am 2. Feber Kampf gegen die Notverordnung mit den Reparationen interessierten Regierungen ficher wird, so könnte Stříbrný unter Umständen. ist, weil sonst die schwerste finanzielle und wirt wegen Verbalinjurien gegen Beneš verurteilt, 1932 in Genf beginnt, ergehen lassen. Es find schärfsten Mitteln weitergeführt werden solle. Wie die wirtschaftliche und politische Entschaftliche Schädigung des Reiches darans ent- aber des Delifts, das ihm der Untersuchungssämtliche dem Völkerbund angehörende Staaten eingelanden worden, außerdem noch Afghanistan, wicklung in Deutschland weitergehen wird, ist stehen könnte. ausschuß vorwirft, lediggesprochen werden. Brasilien, Costarica, die Vereinigten Staaten von Was gibt uns unter solchen Umständen die Nordamerika, Aegypten, Ecuador, Mexiko, die unsterblich gemacht, indem sie den Bergarbeitern, Gewähr, daß Stříbrný der einzige ist, dec Türkei und Sovjetrußland. Die Eingeladenen als es ihnen vorübergehend ein wenig besser ging, genommen" hat, was beweist, daß er nicht im find gebeten worden, dem Völkerbundsekretariat zu das Wort von den Börseanern der Ar- Heeresministerium ähnliche Praktiken gegebener Zeit die Zusammensetzung ihrer DeleIm Bericht des parlamentarischen Unter- be it" entgegenschleuderte; nun, auch die drei verfolgt hat und eine Untersuchung dieses gation mitzuteilen. suchungsausschusses gegen Stribrny spielt bekannt- Millionen, die das Haus Petschef den Stribrnys Ressorts nur unterbleibt, weil man fein Inlich auch eine Dreimillioen Einlage in den Rachen warf, stammen von„ Börscánern teresse hat, an die geheiligten Traditionen zu des großen Brager Banfiers Pet der Arbeit", find Mehrwert aus der furchtbaren rühren, die sich an Heereslieferungen knüpfen! ichet sch et eine nicht unbeträchtliche Rolle. Diese drei Arbeit der Kohlengräber auf den Petschef- Schäch- lierten Rüstungsfonds, der jährlich Haben wir nicht einen völlig untontrolbeitsfonieren; hat heute in ihrer Vollversammlung Dillionen Petschets, scheinbar zur Sanierung der ten. Warum will die vornehme„ Bohemia 315 Millionen verschlingt und von dem nun beschlossen, die Frage des Mindeſtalters für die Diskontbant hergegeben, sind in die Taschen rade davon nichts wissen? Wenn die Petschefs verlautet, er sei bis 1938 estomptiert? Bulaffung von Kindern zur Arbeit in nichtge- Franz Stribrnys geflossen. Hier handelt Millionen haben, die sie an Korruptionisten ver- Tatsächlich wird, wie über Stříbrný merblichen Berufen auf die Tagesordnung der es sich nach dem Bericht des parlamentarischen schwenden können, warum versucht ausgerechnet jahrelang gesprochen wurde, heute noch über nächstjährigen Arbeitstonferenz zu Ausschusses nicht um eine strittige, sondern um die„ Bohemia", das der Oeffentlichkeit vorzuent- den und jenen geredet. Tatsächlich erzählt jeder feßen. Die Konferen; hat die Aufstellung eines Fragebogens gutgeheißen, der den Regierun- eine erwiesene Sache. Die" Bohemia" halten? Daß da ein Zufall in der Redaktion der Geschäftsmann Schaudergeschichten über die gen zugestellt werden soll, damit sie sich auf der aber verschweigt die ganze Petschef- Deutschen Zeitung Bohemia" gewaltet Korruption der Bürokratie aller Zweige. TaiGrundlage dieses Fragebogens über ihre Stellung geschichte. Warum? Der Auszug des Berichts haben könnte, als sie von den Dingen zwischen dem sächlich kann man an jedem Kaffeehaustisch nahme zu einem internationalen Abfüllt in der„ Bohemia" volle zwei Seiten aber jüdischen Banthaus und den tsch e chi Dinge hören, die manche der Meisterleistungen Tommen schlüssig werden können. über die drei Petschef- Millionen findet sich dort schen Korruptionisten schwieg, wird sie Stříbrnýs als Lehrlingsarbeit erscheinen lasauch nicht eine einzige Zeile! Warum? nie behaupten und wird vor allem niemand glau- sen. Aber wer würde angesichts unserer GesezWarum? Da staunt der Laie und der Fachmann ben tönnen. Also die Gründe, die Gründe! Gibt gebung und unserer Justiz wagen, mit An wundert sich oder wundert sich nicht. Jedenfalls es etwa feinste Beziehungen zwischen Betscher und haben zwei Gesetze, die eine wirksame flagen in die Oeffentlichkeit zu gehen! Wir niöchten Laien und Fachleute gern wissen, ob und Bohemia", so daß dieser das Tattgefühl verbot, Stritit der öffentlichen Korruption einfach verIn Komotan sind die Ofensekergehilfen welche Gründe die„ Bohemia" hat, ihren Lesern die Brüder Betschek mit dem bekannt goldenen hindern: das Gesetz zum Schuhe der Rewegen Lohndifferenzen in den Streit getreten. von diesem Spezialkapitel der sauberen Affäre Herzen, mit der fabelhaften Anständigkeit einmal publit und das Preßgesek. Jenes beZuzug ist fern zu halten! Střibrny gar nichts, aber rein gar nichts mitzu- in einem anderen,„ reineren" Lichte sehen zu straft jede Kritik und Polemit, in die ein teilen. Die„ Bohemia" hat sich einmal traurig lassen? Würdenträger einbezogen wird oder die staatDie Frage der Kinderarbeit auf der Internationalen Arbeitskonferenz. Genf, 17. Juni. Die Internationale ArOfensehergehilfen, Achtung! Stříbrný und Betschef und die Bohemia". tschechi Seite 2 " 1 Donnerstag, 18. Juni 1931. Mr. 142. Gefahr ausjegten, daß ihnen die Werkswohnungen gekündigt werden liche Einrichtungen nicht als das Muster von Plutokraten; der Staatsbürger, der den Spaß bildet. Aber es wird desto weniger gestohien Verläßlichkeit und Solidität erscheinen läßt, bezahlt, ist das Freiwild, das niemand schützt werden, je größere Freiheit der Kritif, je gröals Vergehen gegen den Staat", gegen jenen Die Demokratie fann nicht Bere Macht dem Volfe eingeräumt sind. En g- und sie auf ihre Kosten in ihr Elendsgebiet int sakrosankten Bopanz von Staat, den sich die leben ohne die Demokratie; das land, das Land der weitestgehenden Selbst- Erzgebirge zurückkehren müssen. Die Werksleitung neuen Herren seinerzeit konstruiert haben, um will heißen, daß die Freiheit allseitig sein und verwaltung, fennt die Korruption nur als verlangte nun, daß die Rothauer Arbeiter die Abin seinem Schatten ihren Privatgeschäften sich nicht auf den Mißbrauch beschränken darf. Ausnahmserscheinung; Frankreich mitteilung im neuen Werf, für die sie aufgenommen nachgehen zu können. Das Preßgesetz aber In der Monarchie mögen ja, solange sie start seinem bürokratischen Verwaltungssystem hat mit der Produktion begonnen werden könne. wurden, instandsetzen, damit in 3 bis 4 Wochen schützt die„ Ehre" der Staatsbürger mehr als und entwicklungsfähig ist, die Autorität und jährlich seinen großen Fall; aber es lüftet Nach eingehender Prüfung der Sachlage und ihren Sädel. Preßrichter, die die von teiner Macht der Krone, eine auf die historischen die Amtsstuben von Zeit zu Zeit, indem es Feststellung, daß die verlangten Arbeiten mit der Stenntnis politischer und sozialer Realitäten und auf den Diebstahl nicht angewiesenen den Sturm freier Kritik durch alle Fenster Aussperrung nichts zu tun haben, beschlossen die beschwert sind, verurteilen jeden Redakteur, Klassen geftüßte Bürokratie ein gewisses Koc brausen läßt. Die Verbindung von Freiheit Rothauer Arbeiter: Die Produktionsardessen Zeitung den Buchstaben des Gesetzes rektiv der Geldgier aller„ Aufstrebenden" be- und Maulforb, wie sie bei uns versucht wurde, beiter lehnen jede Arbeit im alten verletzt hat, ohne Ansehung des eigentlichen deuten. In der Demokratie kann die Kor- die den Parvenüs und Arrives nach oben feine und neuen Wert ab. Zu den verlangten InGegenstands. Beschuldigt man einen Korrup- rektur nur von unten erfolgen. Ge- Grenze setzt, aber sie nach unten deckt, züchtet standjegungsarbeiten werden einige Professionisten tionär der Korruption, und nennt man einen stohlen wird überall, wo die so honorige und ein System, für das Stribrny beigestellt, doch verlangen die Rothauer Arbeiter die Dieb einen Dieb, so muß man noch froh sein, vernünftige kapitalistische Wirtschaft, wo also nicht die Ausnahme, sondern den den beteiligten Organisationen behufs Liquidierung umgehende Anberaumung von Verhandlungen mit wenn einem wenigstens Wahrung öffentlicher das Profitstreben, die Basis der Gesellschaft Typus bedeutet! 11 Interessen" zugebilligt wird. Mit diesen beiden Gesetzen hat man jede freie Kritik unmöglich gemacht. Solange diese Gesetze underändert bestehen, wird die Korruption ihr Nuznießer sein. Gegen die kommunistischen Verleumder. Die Niederlagestrategen vor einem neuen Debacle in Karlshütte An die für die Arbeiterschaft katastrophalen Niederlagen von Bleistadt, Unterreichenau etc., reiht sich nun die Niederlage der kommunistischen Katastrophenpolitiker in Karlshütte würdig an. der Aussperrung. Jm Sinne dieses Beschlusses haben Montag 30 Professionisten im neuen Werk die Arbeit aufgenommen. Anstatt den Rothauer Arbeitern für ihre besonnene Haltung und disziplinierte Solidari tät dankbar zu sein, weil sie einzig und allein für Wie oft sind sozialdemokratische Zeitun Als die Werksleitung im alten Wert Karls die Karlshütter Arbeiter die Möglichkeit bietet, aus gen beschlagnahmt worden, weil sie es waghütte den zweiten Abbauversuch machte und 420 der Sadgasse, in die sie die Kapeischisten geführt ten, öffentliche Mißstände aufzudecken und Ledige und noch nicht 3 Jahre im Betrieb Be- haben, ehrenvoll herauszukommen, scheinen die Zensor und Gericht mit eiserner Konsequenz schäftigte auf 14 Tage fündigte und ablohnte, richtig Linierten nur darauf gewartet zu haben, die Auffassung vertraten, die ja tatsächlich der fant es zu Differenzen, die mit der Betriebs- ihren bisherigen Beschimpfungen die Krone aufAbsicht des Gesetzgebers entsprach, daß nicht tillegung feitens der Werksleitung endeten. zusetzen. Die Eisenwerte Rothau- Neudek A.-G. haben Gleichzeitig mit dem alten Wert wurden auch die Die Aussperrungsleitung, die sich bisher nicht die Mißstände, sondern ihre Diskussion und öffentliche Verurteilung gemeinsam mit der Berg und Hütten- A.- G. be Arbeiten im neuen Wert eingestellt und auch die die geringste Mühe gab, mit der Organisation der staatsgefährlich seien! Man hat doch schlossen, das Eisenwerk Rothau nach Starishütte bereits überstellten Rothauer entlassen, von denen Rothauer Arbeiter in Berbindung zu treten, hat nun 3 feinerzeit unser Blatt beschlagnahmt, weil wir verlegen und dort ein neues Werk mit den ein Teil, deren Familien noch nicht übersiedelt plöglich die Adresse des Internationalen Metallarbeiterverbandes entdeckt und Montag folgendes neuesten technischen Einrichtungen zu errichten. Bei waren, nach Rothau zurückkehrten. einen ausländischen Despoten, der die Repu einer im Mai 1930 in Karlsbad stattgefundenen Anstatt nun eine Verbindung mit der Organi- Telegramm an denselben gesandt: blik mit seinent Besuche behelligte, als den Enquete wurde von den Vertretern der Rothauer fation zu suchen, der die Rothauer angehörten, schmierigen Geschäftsmann bezeichneten, der er Arbeiterschaft, für die die Stillegung des Rothauer wurden wieder Leute nach Rothan entsendet, um tatsächlich ist! Wir haben uns schon einmal Werkes eine Statastrophe bedeutete, die Forderung die dortigen Arbeiter über den Kopf ihrer Organis mit den Nebenregierungen, den Staaten in aufgestellt, daß mit der Verlegung des Werkes auch sationsleitung hinweg zu einem Solidaritätsstreik Staate, den Tschechisierungsvereinen und die Verlegung der Belegschaft verbunden. sein aufzufordern. Da nur noch ein kleiner Bruchteil nationalistischen Zeitungen beschäftigt, denen müsse. Diesem Standpunkt traten die anwesenden der Arbeiter im Betrieb war, die Arbeitseinstellung daher für die Aussper. die Hochzucht der Korruption in der Beamten Vertreter der Ministerien und Behörden sowie die Zentraldirektion der Rothauer Eisenwerte A.-G., rung in Karlshütte keinen wie immer gearteten schaft zu danken ist. Das gehört auf ein an lettere mit einigen Einschränkungen, bei. Diese Einfluß gehabt hätte, deres Blatt. Es wäre ungerecht, nicht auch der Einschränkungen wurden infolge Verminderung des lehnten die Arbeiter dieses Ansinnen ab und gaben Gejezze zu gedenken, die einem Stříbrný und Auftragsbestandes vermehrt, so daß eine neuerliche den Kommunisten den Rat, das Riesenwert Trezy allen, die sein Erbe verwahren, diesen Staat Enquete int Dezember 1980 nach Brag einberufen nee, das die Platinen für Karlshütte erzeugt, ein zum Dorado machen. Solange man jeden wurde, wo von der Zentralbirektion das erstemal zustellen. Den gleichen Rat gaben später die Schmuzfinken, der am Staate profitiert und die Notwendigkeit der Einschränkung der Produktion Rothauer Arbeiter in Karlshütte den Ausgesperrten, sich mit den Emblemen des Staates schmücken auch des alten Werkes Karlshütte erwähnt wurde. worauf ihnen geantwortet wurde:„ in Trezyneč jei leitung? Welche Personen zeichnen verantwortlich darf, unter den besonderen Schutz des Staa- Sofort erklärten sich die Bertreter der Rothauer jest so viel zu tun, daß man dort nicht streiken für sie? Wie ist ihre Adresse? tes stellt, solange nicht der Uebeltäter, sondern der ihn beim Namen zu nennen wagt, die größere Gefahr läuft, solange hoffe man nicht auf eine Reinigung der Atmosphäre! Karlshütte auf ihren Standpunkt zu verzichten und Arbeiter bereit, im Interesse der Kollegen der könne." der paritätischen Bejegung des neuen Werkes aus der alten Belegschaft von Rothau und Karlshütte Gerade eine Bürokratie, der man die Machtvollkommenheiten gegeben hat, deren zuzustimmen. Diese Solidarität der Rothauer Arsich die unsere rühmen darf, dürfte des beiter wurde von den Kommunisten, die die alte Korrektivs der öffentlichen Kristarlshütte vollständig beherrschten, mit Entsendung tit nicht entbehren. Wären die Machen die Rothauer Arbeiter und ihre Organisation bevon Delegierten nach Rothau beantwortet, die dort schaften Stříbrnýs möglich gewesen, wenn ihn schimpften und nicht die Bürokraten zu Diensten gestanden die geschlossene Front der Arbeiter sprengen wären? Und kann ein Beamtentum anständig sollten. Die Rothauer gaben den Koperschisten die bleiben, das Herren wie Stříbrný groß wer- gebührende Antwort, was diese veranlaßte, offen den sieht? In diese Zustände hineinzuleuch gegen die Uebersiedlung der Rothauer Kollegen ten, wäre eine danfenswerte Aufgabe für Stellung zu nehmen. jeden, der sich um den Staat verdient machen Als nun auch in der Karlshütte mit Betriebswill. Aber wagt es doch, auch nur einen Sub- einschränkungen vorgegangen murde, änderte sich das Bild, nun sollten sofort die Rothauer in den alternen, von den jeder weiß, daß er ,, nimmt" bereits zu zwei Drittel ftillgelegten Werke in den oder ein Institut, dessen Provisionen taxativ Solidaritätsstreik treten. geordnet und staatsbefannt sind, der Korrup tion zu zeihen! Schutzgesetz und Preßgeseh umhegen mit einem eisernen Paragraphenzaun den großen Reservatforst der Bürokraten und Rachbruck verboten. 25 Alle Rechte vorbehalten. Die Rothauer lehnten es ab, der Werksleitung die Handhabe zu bieten, auf so billige Weise die plötzliche Liquidation der Rothauer Stilllegungskatastrophe durchzuführen. Metallarbeiter. Sefretariat internationaler verband, Komotau. Kopřivnice 115 27/23 15 1500 Ausgesperrtenleitung Karlshütte protestiert gegen 3wang der hiesige deutsche Arbeiter zum Streifbruch treibt wir verlangen sofortige Widerrufung des Streitbruchbefehles Ausgesperrtenleitung. Wenn man dieses Telegramm liest, weiß man nicht, die Feigheit dieser Ausgesperrtenleitung soll man sich mehr über die Anmaßung oder über wundern. generale fönnten nicht arrogantere Befehle geben wie Eine Schar abgetadelter Weltkriegsdiese Ausgesperrtenleitung, die am Ende ihres Bateins angelangt ist. Wer ist die Ausgesperrten Wagen die Mitglieder derselben nicht, mit ihrem Namen öffentlich das, was in Karlshütte bisher geschah, zu verantworten? Bevor die Ausgesperrtenleitung dem Internationalen Metallarbeiterverband Befehle erteilt, und die Rothauer Arbeiter verleumdet, soll sie erst einmal thr Gewissen erforschen, warum in der sechsten Aussperrungswoche nahezu 800 Arbeiter aus ihrer Gefolgschaft zur Arbeit zurückgekehrt sind und warum sie das nicht verhindert hat. Die Arbeiter des Rohmaterial liefernden Wertes, dessen Stillegung alle Werke der Berg und Hütte zum Stillstand gebracht hätte, tönnen fich an einem Solidaritätsstreit nicht beteiligen, den Arbeitern eines in den legten Zuckungen liegenden Werkes, in dem der Großteil der früheren Belegschaft nichts mehr zu sagen hat, wird dies zur Pflicht gemacht. Das ist kommunistische Logik und Strategie. In Karlshütte felbft fehrten bald größere Gruppen Die Rothaner Arbeiter sind teine Heloten, die der Ausgesperrten zur Arbeit zurüd, so daß in der auf Befehl arbeiten, sie handeln nach bestem Wissen sechsten Aussperrungswoche bereits 400 Arbeiter im und Gewissen und über Beschluß der Mehrheit der alten Wert beschäftigt waren. Aber nicht nur im Kollegen. Wir wissen ja, daß es die Kommunisten alten Wert, sondern auch im neuen Werf, nahmen im Fall Karlshütte nicht anders treiben werden die der Aussperrungsleitung die Gefolgschaft ver- wie in früheren Fällen, die Rothauer Arbeiter stehen fagenden Arbeiter, die bis zur sechsten Wochen noch während des ganzen Kampfes, der von den Kommu feine Streitunterstützung erhalten hatten, die Arbeit nisten in der ungünstigsten Zeit provoziert wurde, auf, so daß Ende der vorigen Woche bereits nahezu über allen Verleumdungen und werden dies auch bis 800 Arbeiter in den Betrieben beschäftigt waren. zum Abschluß und darüber hinaus sein. Sie tönnen Montag, den 8. Juni, gab die Werksleitung einen aber damit auch nicht das Ansehen des Internatio Anschlag heraus, daß keine Arbeiter mehr auf- nalen Metallarbeiterverbandes herabjeßen, der in genommen werden. An die Rothauer Arbeiter ungezählten Rämpfen planmäßig und tros aller wurde seitens der Werksleitung die Aufforderung Störungen der Kommunisten seine Mitglieder zu gerichtet, ebenfalls zur Arbeit zu kommen, doch Erfolgen führte und sich ein unerschütterliches Berlehnten die Rothaner ab, obwohl sie sich der tranen bei denselben erwarb. mich über jeden vorbeifliegenden Meilenstein; Aus der Ebene wächst eine Stadt; nur wenig| fichtslos wird von Wäsche ausgemustert, was als bald, sehr bald bin ich zu Hause. Durch das Schornsteine ragen über die niedern Häuser. einzubiel" erscheint. Der Anzug wird nachgeHinter englischem Stacheldraht. alboffene Fenſter des Coupés fegt die Frühlings- Bangjamer fährt der Zug, die Bremsen tuirschen schen, oft sogar eine Naht aufgetrennt, man will Bon August Wostupatsch. luft und treibt ab und zu die grauen Rauchfeßen und mit einemt kaum merklichen Rud stehen die sich überzeugen, ob nicht in ihm Geld oder sonder Lokomotive herein. Räder. stige Schriftstüde eingenäht sind. ,, Krieg? Fast vier Jahre?"- Hier kleine, In Biererreihen" geordnet und im gemüt Biele, die Aufzeichnungen führten, hat man Dort, wo die Möven fleine, weiße Striche in schnell vorüberhuschende Ortschaften mit durch lichen Tempo marschieren wir durch die Stadt; monatelang in diesem Gebäude zurüdgehalten, das Blau des Himmels zeichnen, ist der Hafen wegs roten Dächern und umgeben von saatgrünen die uns begegnenden Leute bleiben nicht einmal erst freigelassen, wenn sich die Havmilosigkeit der von Douglas und einige Fußstunden von ihm Feldern; dort vielstöckige, sich langhinziehende stehen, nur hie und da ein Kopfschütteln, wenn Notizen ergab. Das Mehr" des festgesezten entfernt leben Menschen, die in meine Tante- abriken mit qualmenden Schloten die in das einer der hinten gehenden Begleitsoldaten Zu Geldbetrages wird abgenommen, wird durch eine deine Tante" die aus der Heimat geschickten Freß flare Blau häßlich graue Wolken stoßen. Mit Quittung erjeßt. Aber strenge Strafe trifft den, pakete verspielen, find Hunderte, die in Hütten unter sehe ich halbwüchsige, spiciende Kinder, die bei dem versteckte Nachrichten geffunden werden; beim Schach und Damenspiel" sigen, ist laut auffreischen und winken, einander jagende nach Verbüßung der ihm zudiktierten Haft wird Treue und Falsch, ist Liebe und Haß und Hunde und zu diesem ewig gleichbleibenden Gesetz er dem Lager überstellt, aus dem die Repa alle eint Sehnsucht, gemeinsames Leid. der Natur rattern die Räder, die uns westwärts triierung erfolgte, und nie wieder kommt seine führen. vorzeitige Freilassung in Betracht. * 1 rückbleibende zum schnelleren Gehen auffordert, diese dann kraftiger mit dem Krückstock auf das Pflaster schlagen. An einer Gassenede stoßen sich mit dem Ellenbogen Kinder; fast alle haben den Zeigefin ger im Mund und sehen uns erstaunt, wie fraMit einem wartenden Sanitätsauto werden Durch Derby" mit den vielen Tälern und gend an. Sie sind wohl blaß, aber nicht abge- Fünf solcher Unglücksraben sind vom letzten die nicht Marschfähigen zu dem nahen Bahnhof Schluchten, mit seinen aneinandergeschachtelten zehrt und die Kleidung, besonders das Schuh- Transport zurückgeblieben, zwei siten schon faft gebracht und wir andern gehen langsam, nur von Fabriken, durch die Marschen und die im frischen werk ist gut. ein halbes Jahr in diesem Gebäude und man einigen Soldaten begleitet, gleichfalls zur Bahn. Grün prozenden Weiden der Grafschaft Lin- Die typischen englischen Vorstadthäuser und kann sich nicht mehr der Heimkehr freuen, wenn Start ist der Verkehr in den wenigen coln" rast der Zug ohne Aufenthalt. Die Gegend das eine sieht genau jo schmucklos und einförmig folch ein blaffer Mensch, um dessen Glieder die Straßen, die wir passieren. Sofort fällt mir wird flach apie eine sich endlos hinziehende Tisch- wie das andere aus; vor jedem ist ein kleiner Kleidung schlottert, in dem schmalen, gewölbten das viele Schwarz der Kleidung auf, und sieht platte, die Wälder hören zur Gänze auf. Garten und die blütenlosen Rosenstöcke, die Gang auftaucht, den Kopf stummt zur Seite drest, man einen Menschen im Khaki, so fehlt ihm sicher Cheshire". Zu beiden Seiten der Bahn regungslose in ihren noch ungegrabenen Beeten um nur nicht den mitleidigen Blick zu sehen. eine Hand oder ein Fuß. Kein Droh- oder dehnt sich bis an den Horizont das Grasland stehen, scheinen im Zwielicht der Dämmerung Schon der Gedanke, hier bleiben zu müssen, wäh Schimpfwort fällt, als wir die Menschenmenge aus, auf dem Schafe weiden, Gruppen von Bap- an den weißen Stäben emporzuwachsen, rend all die Andern, mit denen man die Reise passieren, die vor dem Eingang zum Bahnhof pelit stehen. In einem uralten Gebäude, das jahrhun gemeinsam unternommen hat, nun auf dem steht und neugierig die sechzig Gestalten mustert, Ist es ein Traum? Heute morgen noch derielang ein katholisches Kloster war, werden Danfpfer sizen, der zur Heimat fährt, treibt das von denen die Hälfte förperliche Strüppel sind. hinter dem Stacheldraht, auf einer zwischen Jr wir einquartiert und hier erwarten wir den end Blut zu hastig pochenden Schlägen. Aber furchtEin Tommy mit„ Bajonett auf" fist in land und England liegenden Insel und jetzt noch gültigen Abschub aus Feindesland. In jedem bar muß der empfinden, der die würgende Hand jedem Abteil. Unnsinn, keiner von uns wird im hellen Sonnenschein, schon auf der andern Zimmer stehen bier bis sechs Betten und bei des Knochenmannes fühlt und, am Fenster aus dem Zug springen, auf einer Station, in der Seite des Kingdom, an der Nordsee." Und schon jedem Schritt Inarren die alten, wurmstichigen stehend, den Abfahrenden nachsicht, die das Auto der Zug eventuell hält, desertieren. Aber uns wandere ich in Gedanken vom Bahnhof der Hei Bretter des Fußboden. zum Fahrdampfer bringt. flößen die Gewehre auch feine Angst ein, denn mat durch lange nicht mehr gesehene und doch so Das vergitterte Fenster gibt den Blick auf Und ich friege Angst, scheußliche Angst. die meisten der Träger haben die Knarre gemüt vertraute Gassen, bleibe an der grüngestrichenen eine hügellose Gbene frei, in der eine Gruppe Der Ledergürtel wird sofort abgelegt, hinter lich zwischen die Knie gestellt, machen nach einigen Haustüre ein bißchen stehen. von Pappeln steht und in deren Gezweig runde, einem an der Wand stehenden Kasten verstaut Stationen schon ihr Ricerchen und wir buffen fompakte Klumpen hängen. und im leisen Frösteln halte ich die immer wie fie selbst, wenn ein Offizier durch den Waggon Der Schein der untergehenden Sonne färbt der herrunterrutschenden Hosen mit den Händen geht, sich von der Ordnung und unsern Wohlbie ipfel rot und schattenschwarz friecht es über fest und rühre mich nur aus dem Zimmer, wenn befinden überzeugt. die Stadt; langsam verlöschen die noch hellen mich die gemeinsam einzunehmenden Mahlzeiten Streifen im Westen. dazu zwingen. 9 ,, Dieses dumme Herzklopfen; ich bin doch frei und brauche nichts zu fürchten." ,, Take You ready boys: it's coming Boston." ( Macht euch fertig Junts; es fommt Boston.) Die in meinem Abteil sizzen, sind alle mäde Sie, die selbst so müde sind wie wir, flopfen uno den Stehplag am Fenster macht mir niemand an ihren Uniformen, richten die Koppels und streitig. Wie ein reichbeschenkter Junge freu ich helfen bei der Herabnahme der Gepäckstücke. Rochmals eine aber sehr gründliche Unterjuchung aller mitgeführten Gegenstände; rück ( Fortfehung folgt.) Rr. 142. Donnerstag, 18. Juni 1931. Seite 3 Katastrophale Wirtschaftstrije nicht zur Der makellose Ehrenmann. Bei der folgenden lionen, waren also um 5.5 Millionen geringer| suchte. Bezüglich der ordentlichen Gebarung als die Voranschlagsbedeckung. Die tatsächlichen konnte der Referent immerhin geltend machen, Konfrontation mit dem Sektionschef Černy in der Borzellanindustrie. ,, Ersparungen" in der Investitionsgebarung be- daß im Jahre 1930 Ausgaben gemacht werden läßt sich dieser die Möglichkeit offen, daß er den Im letzten Jahre, besonders in der zweiten trugen somit 24.8 Millionen, da sich die reinen mußten, die im Voranschlag nicht sichergestellt Auftrag, das Offertverzeichnis dem Franz Stříbrny Jahreshälfte 1930 hat auch die Wirtschaftskrise in Investitionsausgaben bloß auf 14 Millionen waren, wie die Weihnachtsbeiträge der Landes in die Bant zu schicken, nicht direkt vom der Porzellanindustrie im starken Maße eingesetzt. beliefen. Daraus aber geht hervor, daß das Land angestellten, die Neuregelung der Ruhe- und Minister bekam, sondern daß ihm der Oberrat Dieser Zustand hat sich nun in den ersten Mona- den größten Teil der bewilligten Investitions- Versorgungsgenüsse usw. und die die Gebarung salit gesagt habe, daß der Minister es so wünsche. erschütterten. Eine befriedigende Den Ersatzvertrag für Stejskal habe Černy selbst ten 1931 noch bedeutend verschärft und die Arbeits- arbeiten Durchführung des Landes erschütterten. losigkeit und Kurzarbeit nimmt in der Porzellan- brachte, auf diese Weise also zur Verschärfung Aufklärung über die mangelhafte Investitions- beantragt. Der Referent verweist dann darauf, daß industrie geradezu katastrophale Formen an. Be- der Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit tätigkeit des Landes konnte allerdings auch der Stribrny behauptet, er habe von dem Ersatzvertrag in Mähren- Schlesien beitrug. reitssieben Betriebeder PorzellanFinanzreferent gewähren, in den er die Schuld gerade deshalb nichts wissen wollen, weil Steistel Die Debatte über den Rechnungsabschluß daran der schleppenden Tätigkeit einiger Staats- der Gesellschafter Franz Střibrnys war. Stříbrny industrie mit 970 Beschäftigten sind wurde vom Finanzreferenten Prof. Drobny, ämter zuzuschieben versuchte, dem eigentlichen erinnert sich jest, dem Antrag des Sektionschefs gänzlich still gelegt, und zwar: Plak u. Rößner, Buchau; Wehringer n. Co., Horn; Gebr. mit längeren Ausführungen eingeleitet, in denen Schuldigen, der Brünner Bürokratie, feine 3ustimmung gegeben zu haben( durch den Pohle u. Co., Taschwiz; Gebr. Spigel, Budau: er das ungünstige Ergebnis zu erklären ver- aber natürlich nicht auf den Namen fam. Möschl u. Co., Altrohlan und ein Betrieb der Porzellanindustrie in Klösterle. Von den übrigen 29 Betrieben mit 10.563 Beschäftigten im westböhmischen Gebiet haben alle bedeutende Entlassungen vorgenommen oder Feierschichten eingeführt. 5350 Arbeiter und Arbeiterinnen, also mehr als 50 Prozent der Belegscha f= Brag, 17. Juni. Im Untersuchungsaus. Ilieferungen schiebt er wieder auf den verstorbenen ten wurden von der Arbeitslosigkeit schuß des Parlaments erhielt heute Abgeordneter Sektionschef Burger, der gewußt habe, daß er und Kurzarbeit in der Porzellan Stribrny das Wort zu seiner Verteidigung. nach der Demission der Regierung( von der damals industrie betroffen. Im gleichen Verhält- Vorher hatte der Vorsitzende erklärt, daß gestern niemand eine Ahnung haben konnte! D. Red.) zum nis ist auch die Arbeitslosigkeit in den Porzellan- nur irrtümlich die Debatte als geschlossen ex- Minister prädestiniert sei und der für diesen Fall betrieben des Tepliger Gebietes und Nordböhmen klärt wurde und daß sie vielmehr weitergehe. dann keinen Waggonmangel haben wollte(??). Er Angesichts der zahlreichen, durch Zeugen wiederholte, mit Sichorovsky nie gesprochen zu zu verzeichnen. Die große Arbeitslosigkeit kommt auch bei den aussagen bestätigten Feststellungen des Refe haben. Auch gegen Stejskal habe er immer eine Unterstügungsfällen des Verbandes der Glas- und rentenberichtes gehörte von seiten Stribrnys schon Aversion gehabt. Die Bildergeschichte schiebt Stři Keramarbeiter und-Arbeiterinnen zum Ausdrud, eine tüchtige Stirn dazu, sich auf den makellosen brny wieder ganz auf den Zeugen Infeld. Mit den welcher aber nur einen Teil von den wirklich Ehrenmann auszuspielen und den Bericht des Tabalgeschichten und dem Bahnhofsbau in Trübau Arbeitslosen in seiner Statistik erfassen lann. In Referenten als parteiisch und tendenziös hinzu- will er nichts zu tun haben; seine Billa jei zwei der genannten Gewerkschaft wurde für die Fachstellen. Weiters beschuldigte er den Referenten, Jahre früher gebaut worden. Gegen die Petschefgruppe der Porzellandindustrie Unterstüßung an- daß er für Stribrny günstige Zeugenaussagen Einlage habe er sich, wie Oberthor bestätigte, gegewiesen: verschwiegen, den Belastungszeugen aber Glauben wehrt; ein Gesuch um die Sanierung der Diskontgeschenkt und Suggestivfragen gestellt habe. Sonst bant habe er nie unterschrieben. Eine Sanierung Jänner bis Mai 1930 478 Fälle oder 8.2 arbeitete er mit allerhand Drohungen und Sin- jei unter seinem Bruder, die zweite unter Franke Prozent der Mitgliedschaft, weisen darauf, daß er von seiner früheren Partei erfolgt. Jänner bis Mai 1931 2085 Fälle oder Stříbrnýs Berteidigung vor dem Ausschuß. * Unangenehme Fragen. Bermerk Bidi. J. Střibrny" im Vormerkbuch des Sektionschefs). Černy erklärt, daß die Eintragung einer Lieferung von 240.000 Tonnen für zwei Jahre in ein privates Anmerkungsheft sonst nicht üblich war. Für die Höhe des Kontingents der Diskon: bant will sich Střibrny erst post festum interessiert haken, als die Lieferungen schon vergeben waren. Cerny bestätigt, daß sich Stříbrn; in die Frage der reisbildung nicht hineingemischt habe. Nach Verlesung zweier Protokolle wird die Debatte weitergeführt, in der Štětka( Komm.) wieder wie gestern sich in allen möglichen Angriffen und Verdächtigungen ergeht. Nächste Sizung morgen vormittags. Die Bezirksanstalten für allgemeine" nentAm Vormittag hatte Stribrny dem Ausschußmitglied Moudry( Nat.- Soz.) zugerufen: Was wollen Sie? Sie haben selbst von mir 50.000 Kronen bekommen! Moudry erklärte mun amt Schluß der Sigung, die 50.000 Stronen hätte Střibrny als Funktionär, der die Kasse verwaltete, zur Deckung des Defizits des Pilsner Parteiblattes Ceffy směr" überwiesen. Die Pressekommission konnte auf keinen Fall feststellen, ob das Geld aus unreellen Geschäften stammt. Klein( tsch. Soz.- Dem.) reagiert auf die gestrige Frage Štětkas, wie viel Aktien der Anglo,, noch mehr" wisse, ging aber auf konkrete Fälle Direkt föstlich ist eine Polemik gegen den An- bank Minister Bechyně erhalten habe und erklärt, 35.9 Prozent der Mitgliedschaft. nicht ein, ebenso wie er alle Feststellungen des Be- trag des Berichterstatters, die Angelegenheit den daß Bechyne niemals Aftien angenommen habe, Gegenüber der gleichen Zeit im Vorjahre richtes, soweit er ihnen gegenüber ratlos war, zuständigen Behörden zu überweisen: durch also auch nicht Aktien der Anglobank. Die Verdäch haben sich in der Porzellanindustrie die Unter- einfach fühl überging. In der Frage der Bank die Einleitung des Gerichtsverfahrens wolle man tigungen Štětkas weist er auf das entschiedenste ſtützungsfälle um das Viereinhalbfache vermehrt. Kontis und des Büchels Rokycany" z. B. glaubt es ihm unmöglich machen, sich mit der ganzen An- zurück. Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß bereits er schon makellos dazustehen, wenn er darauf ver- gelegenheit journalistisch zu befassen, unter zu Anfang des Vorjahres die Porzellanindustrie weisen kann, daß er mit diejen Beträgen jahre hinweis auf die schwebende Untersuchung.( Das feine normale Beschäftigung mehr hatte, weil sich lang nicht gerührt und sie erst vor drei Jah- fann man Herrn Střibrny aufs Wort glauben, daß das Fehlen des amerikanischen und englischen ren für seine verschiedenen Presseerzeugnisse her- er seine Affären lieber im„ Expres" und seinen son- geltliche Arbeits- und Dienstvermittlung befin Marktes für unsere Porzellanwaren schon start angezogen hat. stigen Presseerzeugnissen als vor Gericht austragen den sich, wie uns aus diesen Kreisen mitgeteilt fühlbar machte. Durch den Abbruch der Handels- Die Kohlenprovisionsaffären will er dadurch möchte!) Man wolle nur nicht, daß er öffentlich wird, derzeit in einer sehr ungünstigen Lage. bertrags- Verhandlungen mit Ungarn und den abschwächen, daß er behauptet, daß alles hier auf die Rechnung lege, wie viel Millionen sein Bruder der Der Aufwand auf sie wird eingeschränkt mit darauffolgenden Boykott unserer Industrieprodukte eine Zeugenaussage des Stejskal gestellt sei. 3u- nationalsozialistischen Partei gegeben habe, deren dem Hinweise, daß die Bezirke nicht genügend jeitens Ungarn, jeste eine sprunghafte Steigerung meist habe er von den Sachen erst aus den Zeugen- Funktionäre durch Jahre Geld für die Partei und finanzielle Mittel haben, die Zuteilung neuer der Arbeitslosigkeit in der Porzellanindustrie ein, protokollen erfahren. Die Provisionen seien zu- einige auch für sich genommen hätten. Er selbst sei Sträfte kann nicht erreicht werden, in mancher die zu mehr als 30 Prozent auf das meist an Stejskal überwiesen worden; ob er wirklich mittellos(?) und wollte darüber den Manifestations- sogar auch die Schreibmaschine. Weit dem HinAnstalt fehlt noch das Telephon, in mancher Fehlen des ungarischen Abjaymart- die Hälfte abgeliefert habe, darüber sei Franz eid leisten, was ihm verwehrt worden sei. Zum sogar auch die Schreibmaschine. Mit dem Hintes zurüdzuführen ist. Stříbrný nicht befragt worden. Er verlangt die Schluß zieht er gar pathetisch alle Register auf: Weise auf die schwere finanzielle Lage der BeZudem ist keinerlei Aussicht auf eine Beffe- Einvernahme der Mitglieder der Finanzkommission Vor fünf Jahren habe man ihn zu einem Para- sirke wurde es sogar versucht, einige Anstalten rung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Por- der nationalsozialistischen Partei darüber, daß sich Ihtifer stempeln und nach Veleslavin bringen wollen, aufzulassen. Die Agend a der Anstalten iſt zellanindustrie vorhanden, im Gegenteil, es tritt sein Bruder wiederholt beschwert habe, daß er bei heute wolle man ihn ins Kriminal bringen. Aber icdoch ungemein gestiegen und neben noch eine weitere Verschärfung ein. Wie überall, ihn wenig Verständnis für diese Geschäfte finde, und die große oppositionelle Bewegung im Bolt( die die heuer viel schwieriger und mit einer viel der eigentlichen Arbeits und Dienstvermittlung. versucht auch hier ein Teil der Unternehmer die daß er einen weit größeren Gewinn gerade unter Liga šejdrem!!) werde man nicht unterdrücken; das größeren Mühe als je früher mit Erfolg durchgroße Arbeitslosigkeit und bittere Not der Porzel- der Ministerschaft Dr. Frantes erzielte. Bei würden die nächsten Wahlen zeigen. geführt werden kann, ist hier die ungemein lanarbeiter und-Arbeiterinnen auszunüßen, denn den Oftrauer Kohlenlieferungen bekommt er gar große außerordentliche Arbeit bei der Arbeitsdie Angriffe in den Betrieben auf die bestehenden noch etwas heraus; er habe es verhindert, daß das Der Referent Koudelka stellte dann an Stříbrny losenfürsorge, zum Teil bei der Evidenz und Lohn- und Arbeitsverhältnisse mehren sich. Der Ostrauer Kartell die Kohlenpreise, wie geplant, einige weitere Fragen, worauf die Sihung bis Kontrolle der Arbeitslosen, zum Teil bei den Abwehrkampf der Arbeiterschaft gegen diese bru um 10 Prozent hinaufgesezt habe. Durch das billi- 6 Uhr abends unterbrochen wurde. öffentlichen Notstandsarbeiten, für welche das talen Angriffe ist ein heroischer und wird erschwert gere Offert habe die Diskontbant bezw. ihre KohlenMinisterium für soziale Fürsorge die Beiträge durch das große Elend, welches unter einem Teile stelle das Kartell zerschlagen. Er fönne sich nicht gewährt und auf welche die Arbeitsder Borzellanarbeiterschaft zu verzeichnen ist, weil erklären, warum die nachträgliche Zensur aus dem fräfte prinzipiell durch die Be ein erheblicher Prozentsaz von den Unterstühten Bericht jeden Hinweis auf die nationalsozialistische bereits ausgesteuert wurde. Die Einbezie- Partei unterdrückt habe. Bor Schluß der Sigung stellte der Referent 3irtsarbeitsvermittlungs- Anstalhung dieser Industriegruppe in die Ebenso sei sein angebotener Beweis unterdrüdt Soudelka dem Abg. Stříbrný noch einige sehrten aufgenommen werden sollen, Krifenunterst i ung sowie ein ehebal worden, daß auch die übrigen politischen Parteien unangenehme Fragen, wobei Střibrny zunächst zu- zum Teil bei den Investitions- und sonstigen diger Abschluß des Handelsverbis heute an der Kohle verdienen. Der Unterschied geben mußte, er könne sich nich: erinnern, ob die zwecks Linderung der Arbeitslosigkeit durchge trages mit Ungarn sind die dringen sei bloß der, daß dies auch Parteien tun, die feinen lausel in den Kohlenverträgen, wonach die Liefer- führten Arbeiten, die den Bezirksanstalten geten Gebote der Stunde. Wenn das Lek- regulären Kohlenhandel haben. Er habe vergeblich firmen die anderen Kunden nicht billiger beliefern meldet werden, weil diese dann mit den sowie mit den tere nicht bald geschieht, hat unsere Porzellan- gefordert, daß dem Ausschuß das offizielle Proto- dürften als die Staatsbahnen, von ihm stamme. Unternehmern Durchführern Her industrie ein weiteres wichtiges Abfaßgebiet ver- foll darüber vorgelegt werde, daß Bertreter der Koudelka stellt fest, daß Stribrny noch in seiner eigentlichen Unterbringung loren; ein Berlust, der nicht wieder gutzumachen politischen Parteien im Beisein eines aktiven Mi- ersten Eingabe dieses Verdienst ausdrücklich für Arbeiten zweds wäre und der uns doppelt hart trifft, da uns ja nisters das Kontingent polnischer Kohle unter sich ob er mit der Kohlenfirma Weinmann- Aussig, belen. Der bisherige Vorgang erschwert jedoch ich reklamiert habe. Auch bei weiteren Fragen, der Arbeitslosen verhandeln jolbereits der größte Teil der Absatzmöglichkeit aufgeteilt hätten. Auf den Oberbaurat Halit, der unserer Porzellanprodukte in Amerils und Eng- mittlerweile gestorben ist, fann Stribrny leicht alles siehungsweise deren Direktor Lederer verhandelt die Arbeit der Anstalten und macht es ihnen oft land verloren ging. abwälzen. Der habe zu Stejskal untorrefte San- habe, und ob er im Ministerium angeordnet habe, überhaupt unmöglich, sich bei der rechtzeitigen abwälzen. Der habe zu Stejskal unkorrekte Han- von Arbeitskräften geltend zu delsbeziehungen unterhalten, während er, Stribrny, daß der Firma für 1925 das Kontingent nicht ver- Zuweisung immer nur mit dem Sektionschef Cerny verhandelt Ebenso weicht er der direkten Frage aus, ob er Mitwirkung der Anstalt besonders bei den fürzt werden dürfe, verläßt ihn das Gedächtnis. machen. Die Aufnahme von Arbeitskräften ohne hätte. Weiters verdächtigt er die neue Zeitung der wußte, daß Kommissionär dieser Firma sein Arbeiten, für welche der Staat einen Beitrag Debatte über den Rechnungsabschluß. Diskontbank( die vor kurzer Zeit die Herrschaft des Brünn, 17. Juni.( Eigenbericht.) Die mähr. Franz Stribrny in der Bank abgelöst hat), daß sie Bruder war, und führt nur an, unter welchen gewährt, oder die mit der Bedingung fchlej. Bandesvertretung trat heute zu ihrer 11. einen Kredit von 10 Millionen bekommen und alle sie verschiedenen Firmen Weinmann offeriert habe. vergeben werden, daß die Arbeiter Tagung zusammen, um als ersten und wichtig- Bücher und Korrespondenzen zur Verfügung gestellt diese Verkaufsstelle, bezw. der Kommissionär Franz anstalt aufgenommen wird Koudelka: War Ihnen bekannt, daß gerade schaft durch die zuständige Bezirks ften Bunft einer äußerst umfangreichen Tages habe, um Belastungsmaterial gegen die Brüder Stribrny, der Bahn Kohle, und zwar Nuß I für ursacht dem Unternehmer, bezw. dem Durch ordnung den Rechnungsabschluß des Stribrny beizubringen. Er stellt weiter in Abrede, 1488 und Nuß 00 für 1329 Kronen lieferte, wäh- führer der Arbeit oft ziemliche Unannehmlich Landesfonds für 1930 zu verhandeln. Der Rech von den verschiedenen Kontis und Sparbücheln rend dieselbe Kohle privaten Kunden um 800 und feiten, bezw. kann ihm solche verursachen. Die rungsabschluß weist infolge der an und für sich etwas abgehoben zu haben. Einen größeren Betrag auch um 670 Kronen verkauft wurde? schwierigen Situation des Landes, dann aber für eine politische Attion habe er erhalten, aber aus Bezirksanstalten haben Hunderte, ja sogar Tau auch infolge der Auswirkungen der Wirtschafts- dem Büchel„ Rokycany" habe er erst im Jahre ich halte das nicht für erwiesen. Stříbrný: Das war mir nicht bekannt, aber jende von Arbeitslosen in Evidenz und bitten daher alle Arbeitgeber, die nötige Arbeiter günstiges Ergebnis aus. Nach dem an ordneter war. Der Kohlensachverständige Bohry- Banksachverständige prüfen lassen. Ich möchte also Dienst personal Koudelka: Wir haben die Bücher durch schaft aller Kategorien sowie desbudget für 1930 erreichte das Gesamterfor- set jei ein Konturrent; während der Untersuchung gern wissen, ob Ihnen bekannt war, daß der Kom- durch die nächste Bezirksanstalt und Lehrlinge dernis der ordentlichen Gebarung eine Höhe von 851 Millionen, die Bedeckung eine Höhe von boten anscheinend, damit Stribrny nicht von Bohrh- vertrat, der Bahn Kohle um 400 bis 500 Kronen nur sich selbst, sondern auch den Arbeitslosen habe Bohryzek ihm zweimal ein Stompromiß ange- missionär Franz Stribrny, der die Firma Weimann aufzunehmen, Sie werden dadurch nicht 341 Millionen, so daß der Voranschlagsabgang Geschäften rede. Während seiner ganzen Wi- missionär Franz Stribrny, der die Firma Weinmann dienen, außerdem aber auch der Anstalt, die bei nisterzeit habe er die Kohlenpreise herabgedrückt. ren Abnehmern verkaufte? habe rede Rechnungsabschluß hingegen verzeichnet Ausga Fast alle politischen Barteien fämen mit ihren einer größeren Vermittlungstätigkeit cher eine ben in einer Höhe von 345 Millionen und an Mitgliedsbeiträgen nicht aus und müßten sich zwei nicht bekannt und ich hätte es auch nicht einen wendigkeit derfelben nachweisen wird, wodurch Střibrny: Etwas derartiges war mir absolut bessere Ausstattung erreichen, beziv. die NotEinnahmen 322.5 Millionen, weist also einen Drittel ihrer Mittel auf andere Weise beschaffen, Augenblick geduldet. Ich halte es für ausgeschlossen, wieder den Arbeitgebern und Arbeitnehmern totsächlichen Abgang von 22.5 Millionen aus. was man nur nicht zugeben wolle. Franz Stříbrný weil niemand mich darauf aufmerksam gemacht gedient wird, weil die besser ausgestat Das tatsächliche Ergebnis ist demnach gegenüber sei nicht bloß sein Bruder, sondern auch ein Funktio- hat und ich jetzt davon zum erstenmal höre. dem Voranschlag um über 12 Millionen unteten Anstalten für sie dann mehr In der Nachmittagssigung wurde über Antrag werden leisten können als bisher. günstiger. Besonders bedauerlich ist jedoch das när der nationalsozialistischen Partei gewesen, deren aus der Rechnungsabschluß hervorgehende Berührer von den Geschäften alles gewußt hätten. des Referenten beschlossen, den Anträgen Stříbrnys Mit der einheitlichen gesetzlichen Regelung der jagen ber Investitionstätigkeit Menn on Brovisionen nachgewieſen ſeien, jo habe auf neuerliches Befragen des Sektionschefs Cerny, Arbeitsvermittlung im ganzen Staate kann für des gandes. Das veranschlagte Investitions- niemand bestätigt, daß dadurch der Staat geschädigt der Verlesung der Aussagen der Beamten Bečený die nächste Zeit kaum gerechnet werden und in des Marschhausen von der aktiven Kontrolle und Böhmen kann diese Regelung für die Bezirks trug 46.5 Millionen und nach Abrechnung der Namen manipuliert. Der Streit um die Mutějo- des stenographischen Protokolls der Aussagen anstalten keine Aenderung mit sich bringen. Es genehmigten Bebedung von 7.3 Millionen beviser Stohle ſei vor Gericht; er könnte schon ent- Stejskals zu entsprechen; die anderen Anträge( u. a. muß daher auch weiter nur mit dem Intereffe lief fich has reine Inveſtitionserfordernis auf 39 schieden sein. Den Zeugen Wittenhofer erklärt auf Einvernahme Kramars und Sveblas dar- und mit der Unterstützung der öffentlichen allgeMillionen. Die tatsächlichen Ausgaben in der er für unglaubwürdig. Stříbrný gibt zu, gewußt über, ob Stříbrny während des Streiks beauftragt meinen unentgeltlichen Arbeits- und DienſtverInvestitionsgebarung betrugen jedoch nur 16 zu haben, daß die Mutèjowiher Stohle über die war, Kohle um jeden Preis zu verschaffen) wurden mittlung seitens aller Mitglieder der Bezirks Millionen und waren daher dem Budget, gegen Grenze und wieder zurück gehe, aber erst vom Refe abgelehnt, ebenso eine Reihe von kommunistischen ausschüsse, Bezirksvertretungen und der diesüber um volle 30 Millionen geringer. Die tafrenten(??) habe er erfahren, daß dies geschehe, um Anträgen. bezüglichen Bezirkskommissionen fachlichen Einnahmen beliefen sich auf 1.8 Mil- die Bergarbeiter zu hintergehen. Die WaggonMährisch- schlesische Landesvertretung. werden. ver= gerechnet Seite 4. Tagesneuigkeiten Die Schamlosigkeit des„ Prager Tagblatt" Donnerstag, 18. Juni 1931. 511 Todesopfer. Die Berluftlifte des., St. Philibert". Vom Rundfunk Donnerstag. Fr. 142. Prag: 11.30: Schallplatten, 14.30: Nachmittags fonzert, 18.25: Deutsche Sendung: Winfe zur Paris, 17. Juni. Heute vormittags wird in mißten, die nach der Erklärung der Verwandten Einrichtung einer landwirtschafti. Buchführung, Nantes das Massen begräbnis von 77 bis oder Bekannten an dem Ausflug teilgenommen 22.35: Schallplatten. Brünn: 12.30: Mittagsfon im Kampf um Gerechtigkeit für den Bankier jest geborgenen Opfern der Schiffskatastrophe von hatten, im ganzen 511 Namen. Heute wird zert, 17: Schallplatten, 19: Siegfried, Oper von Auspik. St. Nazaire stattfinden. Gestern hat das Meer unter Beihilfe von Militär und von Matrosen der R. Wagner. Mähr.- Oftrau: 11.50: Schallplatten, Das„ Prager Tagblatt" brachte Dienstag ieben weitere Leichen ans Ufer gespült, Versuch unternommen werden, das Schiff zu 14.30: Nachmittagstonzert, 17: Leichte Mujit, 18.30: einen aus Wien datierten illustrierten Auffah darunter die Leiche des Kapitäns des St. heben. Im Schiffsrumpf sollen sich noch Deutsche Sendung: Maria Stona liest aus Philibert", Ollive. Auf der dritten Bermißtenliste, mindestens zweihundert geichen be- eigenen Werken. Preßburg: 11.30: Schallplatten, über die„ Villa Auspiz". Das ist ein Berlin: 14: Richard Wag Schlößchen, das der kürzlich zum Schaden tau- die vom Stadtamt Nantes ausgegeben wurde, be- finden. Die Leichen, die nun auf dem Meeres- 18.10: Gesangskonzert. sender Sparer verfrachte Wiener Bankier sich findet sich auch der Name des tschechoslowakischen grunde liegen, werden nach den Erfahrungen der ner, 21.10: Balladen. Hamburg: 20.30: Sinfonic vor einem Jahr, als er längst um die unaus- Staatsbürgers Hugo Kotyza, der in Nantes wohn- Matrosen erst in drei bis vier Wochen an die fonzert. München: 21.05: Sinfonieorchester. Wien: 15.20: Aus Operetten und Tonfilmen. weichliche Pleite wußte, sich hat noch erbauen haft war. Bis jetzt enthalten die Listen der Ver- Oberfläche auftauchen. Moskan: 15: Nachmittagskonzert, 21: Abendkonzert. und einrichten lassen. Mit jenem liberalen Mut, Freitag. den das„ Prager Tagblatt" in der Verteidigung Drei Fliegerkatastrophen großer Geldleute auszeichnet, tritt es den Gerüchten" entgegen, die das ,, naive VoIt" glauben machen, es handle sich bei der Villa uspit um einen luxuriösen Bau. Diese Schlech tigkeit der Welt fann und will das so gerechte, anständige und ehrliche Prager Tagblatt" nicht dulden. Und drum stellt es fest, daß die Villa Auspis nur eine recht fleine, nicht mehr als vier Zimmer enthaltende Villa" sei. " www vier Zote. Toben der Szabo war so entsetzlich, daß selbst der Scharfrichter laut aufschluchzte, als er die Erefution vornahm. Brag: 11.30: Schallplatten. 14.30: Nachmit Rom, 17. Juni. Ein Aufklärungsflugzeug tagskonzert. 17.15: Schallplatten. 18.25: Deutsche der Flugschule von Passignano, das von einem Sendung: Sommerfrische in Raijerivald. Aus Flugschüler gelenkt wurde, ging aus einer Höhe dem Nachlaß Franz Kaftas. 19.30: Tschechoslowafivon 1600 Metern im Schraubenfluge nieder. Der Geld oder Leben? sche Volkslieder. 21: Liederzyklus. 22.15: Leichte Flieger konnte den Hydroavion nicht wieder ins Hantau, 17. Juni. Die Räuber, welche fünf Musit. Brünn: 11.30: Schallplatten. 18.25: Gleichgewicht bringen, sprang aber rechtzeitig italienische Missionäre gefangen halten, fandten Deutsche Sendung: Baneuropa. 19.03: ab, so daß er, da sich der Fallschirm vorschrifts- der Missionärzentrale ein Ultimatum, worin sie Orchesterkonzert. 20.10: Lieder hanatischer Slowaken. mäßig öffnete, heil am Boden landete. erklären, daß die gefangenen Missio- 22.15: Leichte Musik. Mähr.- Ostrau: 11.30 Schaff Der Hydroav on zerschellte. näre getötet würden, falls binnen 10 platten. 17: Schallplatten. 21.30: Violintongert.Hingegen stürzte ein Touristenflug- Tagen das Lösegeld nicht bezahlt sei. Breßburg: 11.30: Schallplatten. 18: Ungarische also über den vuinösen Lugus eines Bankiers er- zeug des Flughafens von Pisa mit einem der chinesische Priester, den die Räuber frei Stunde. Berlin: 20.30: Fahnen am Matterhorn. eifern könnten, durch das Prager Tagblatt" ge- euinant und einem Unteroffizier ausdrücklich es handle sich nicht bloß um eine Ein- von Schallplatten. ließen, damit er das Ultimatum abgebe, erklärte Leipzig: 12.05: Orchesterkonzert. Uraufführung. nügend vorbereitet sind, in der„ Villa Auspiz" an Bord durch einen Fehler bei der Lenkung aus schüchterung. Die Missionäre, um die es sich München: 19: Kammerorchester. 16.30: Nordische Muftt. nicht etwa ein Symptom fapitalistischen Aus- 200 Meter ab. Beide Flieger wurden 20.85: Kinders handelt, sind Bischof Ricci und vier ita tragödie, Schauspiel von Schönherr. Wien: 12: wuchses zu sehen, wird das Innere der Villa also geschildert: lienische Priester, die nach einem Ueberfall Berühmte Sänger. 13.10: Klavierwerke von Chopin. des der katholischen Mission bei Laohokau geschleppt 20.10: Gasparone, Operette von Millöcker. Mostau: 15: Rachmittagsfongert. 21: Abendkonzert. Nachdem so jene Leser des Prager Tag blatt", die nicht Bankdirektoren sind und sich für den Gebrauch eines Junggesellen zurecht geschnitten und und vielleicht nur insoweit Iuguriös, als ein erlesener Kunst= geschmad mit edlen Materialien einfache und ruhige Wirkungen bewerkstelligt hat..." Also eine bessere Hütte, wie sie sich schließlich jedermann leisten kann. auf der ,, ein Gast zimmer, ein Badezimmer und als Gipfel und Ausgangspunkt allen Geraunes. über märchenhafte Verschwendung Dachterrasse ein kleines Bassin mit Warm- und Kaltwasserleitung.. in sündhaft türkisblauer Farbe..." Wirklich unerhört dieses Geraune! tötet. ge= Ein Aufklärungsflugzeug Sajens von Ferranovo Pausania Hafens von Ferranovo Pausania mit einem wurden, Oberleutnant und einem ginien schiffsleutnant bemannt, stürzte bei einem Lynchjustiz in einer meritanischen Kirche. Ein deutscher Kommunist während des Gottesdienstes gehenkt. aus: Eine Seeschlange, ganz exotisch, aus dem Deutschkurs für Ausländer am Bayerischen Ucbungsfluge unweit des Flughafens ins Meer, fernen Often, hat gestern im Prager Presse- Rundfunk. In Verbindung mit der Teutschen wobei beide Flieger ums Lebenbüro Unterschlupf gesucht und gefunden. Der Afademie in München veranstaltet der Bayerische tamen. Volkswirtschaftler in der dortigen Redaktion Rundfunk in diesem Jahre wieder einen deutschen drückte das liebe Tier zärtlich an seinen Busen Sprachkurs nach der Singmethode Lapper. Der und ließ sie dann die Redaktionen des Prager Surs ist für Ausländer, die keine Vorkenntnisse Tagblätter aufsuchen. Die Seeschlange sieht so besigen, aber auch für Kinder und Angehörige beut icher Familien, denen die Uebung in ihrer Sprache Tofio, 17. Juni. Der fürzliche Beschluß der fehlt, von großem Wert. Die Sendungen finden japanischen Regierung, die Beamtengehälter herab- avochentlich Donnerstag 14.50 Uhr stait zujeßen, hat eine beachtenswerte Wirkung aus und werden von folgenden Sendern übertragen: geübt. 400 Arbeiter und Angestellte Stuttgart. der Hoda- Soy- Werke haben sich an die Ge- Königsberg schäftsleitung mit dem dringenden Ersuchen gewandt, ihre Söhne in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftsdepression her abzufoten. Diese Forderung stieß auf den Wider Wellenlänge 31.38 Meter stand der Arbeitgeber, doch sahem sich Nähere praktische Auskünfte werden in der ersten diese schließlich zum Nachgeben ge- Kursstunde Donnerstag, den 18. Juni, zwungen und ermäßigten die Löhne 14.50 Uhr, gegeben. um 10 Prozent. Wir haben uns sofort nach Tokio gewandt Merifo, 17. Juni. In der Kirche vont Santana Maya in Morelos ist ein deutscher KomGewiß, der Erbauer dieses Kleinen 2ust- munist gelyncht worden. Er hatte während des besizes" Gottesdienstes begonnen, an die versammelten ,, hat an Makassar- und Zitronenholzbertäfelungen, Gläubigen eine antireligiöse Rede zu an farbigen Sperrholzplatten und schalldämpfenden halten. Die wütenden Dorfbewohner zogen ihn Gummifußböden nicht gespart," von der Kanzel herunter und hängten ihn an einen Querballen der Kirchendecke auf. aber nur böswillige Lumpen werden behaupten, daß dies nicht das Mindeste sei, was sich ein Banfier zu leisten hat, che er Konkurs anmeldet! Japanische Strohgeflechte in grüner Farbe, glänzend wie Seide, bedecken die Wände des Wohnzimmers," furzum, das Bescheidenste, das sich ein Jung geselle vorstellen fann! Und für den Fall, daß er es sich doch nicht vorstellen könnte, bringt das Brager Tagblatt" eine Abbildung der ein fachen kleinen Villa, „ Die wie ein orientalisches Fort die Höhe beherrscht" Blutbad wegen einer Zwangsräumung. . . . Wellenlänge 360.1 Meter Wellenlänge 376.5 Meter u. 217 Meter Wellenlänge 1634.9 Meter Deutsche Welle Deutscher Sturgwellensender Sydney( Neu- Südwales), 17. Juni. Als die und dort weiter erfahren, daß die Arbeiter bereits angesprungen und vom Rade heruntergerissen, Bolizei in einem Hause den Befehl zur Zwangswegen dieser Forderung in Streif getreten mobei er so schwere Verletzungen erlitt, daß er räumung einer Mietspartei durchführen wollte, waren. Es kam zu blutigen Szenen und ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte, stieß sie auf den heftigen Widerstand von Kom- erst als etliche Fabriksdirektoren ge- woselbst er seinen Verletzungen erlegen ist. fallen waren, entschloß sich das Werk, den Zugsunglück im Rheinland. Die Lokomotive munisten, die außerdem Arbeitslose zur Verstär- Arbeitern so weit entgegenzukommen. Doch erklär- und vier bis sechs Waggons eines Personenzuges fung herbeigeholt hatten. Durch Barrikaden aus tent die überlebenden Werfleiter, daß sie sich eher der Strecke Düren- Heimbach stürzten Dienstag verschiedenstem Material und mit Hilfe von vierteilen ließen, als daß sie der revolutionären abends furz vor elf Uhr unmittelbar hinter dem Stacheldraht wurde das Haus im wahren Sinne des Wortes in eine Festung umgewandelt. Es Forderung der Arbeiter, ganz umsonst zu Dürener Hauptbahnhof einen Bahndamm hin arbeiten, nachgäben. Wir sind überzeugt, unter. Nähere Mitteilungen über das Unglüd tam zu einer wilden Schießerei, bei der sechs daß das Pressebüro auch von diesen Wirkungen liegen noch nicht vor. Insbesondere ist im Augen Polizisten und sechzehn Kommunisten verwundet wurden. Erst später nahm eine wußte und sie nur unterschlug, um die tsche- blic auch noch nicht bekannt, ob Personen dabei vierzig Mann starke Polizeiabteilung das Haus im hoflowakischen Unternehmer nicht zu zu Schaden gekommen oder getötet worden sind. 15 Tote bei einem Erdbeben. Die„, Times" und ein Bild des Dachgartens, der in Wahrheit jo raffiniert luguriös eingerichtet ist, daß die Prager Bankdirektorsgattinnen vor Reid zerspringen und nicht eher ruhen werden, bis ihnen das Prager Tagblatt" zu den Sturm und verhaftete sechzehn Kommunisten. ängstigen! Plänen der Villa Auspizz verhilft! Was sich nun das ,, naive Volk" denkt? Es wünscht sich, einem solchen aufreizenden Schmie ranten einmal das Staberi fühlen zu lassen. Es muß durchaus nicht gerade aus Makassaroder Zitronenholz sein! Das reine Lamperl. in Zwei Frauen hingerichtet. Frau Die Zigaretten in den Pinderhojen. Ausge- teilen mit, daß sich in Bendschahair, nördlich sprochenes Schmuggelpech hatten drei Artisten von Kabul, ein Erdbeben ereignet hat, dem Zwei Schülerselbstmorde. cines in Martliffe im deutschen Grenzgebiet be- 15 Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Etwa Stettin, 17. Juni, Die 15jährige Schüfchäftigten Zirkusunternehmens, die am Sonn- 50 Häuser sollen eingestürzt sein. Lord Cecil in Prag: Der befannte englische lerin eines hiesigen Lyzeums machte heute im tag einen Ausflug ins Böhmische" unternahmen Toilettenraum der Schule ihrem Leben durch Er- und sich daselbst mit original tschechoslowakischen Staatsmann und mehrmalige Minister wird schießen ein Ende. Die zur Tat benützte Waffe Bigaretten versahen, die sie, in die Tiefen ihrer während seines Aufenthaltes in Prag einer die internationale Direktor Stummel in Köln gestellt. gehörte ihrem Vater. Vermutlich hat sich das sogenannten„ Pluderhosen" versenkt, über die Vortrag über und zwar Donnerstag, Mädchen einen Tadel so zum Herzen genommen, Grenze bringen wollten. Beim Zollamt in Hart Abrüstung halten, daß es zur Waffe griff. mannsdorf famen den diensthabenden Beamten den 25. Juni, um 19 Uhr 45 Minuten int Sit die weiten Beinkleider verdächtig vor, weshalb zungssaale des Abgeordnetenhauses.( Interessen Eger, 17. Juni. Zur Klärung der Angelegenheit der Bau- und Wirtschaftsgemeinschaf Budapest, 17. Juni.( MTJ.) In Kispest hat sie darauf bestanden, daß die drei Künstler der ten fönnen sich bis Samstag, den 20. d. M. beim Manege sich der Ungetüme entledigten und Barlamentssekretariat schriftlich um Eintritts Roland" G. m. b. S. in Eger haben sich der der sich ein Gymnastalschüler der sieben dabei kamen die tschechoslowakischen Glimmsten tarten melden. Die Eintrittskarten werden zivei zeitige Geschäftsführer, Landesvertreter I und ten lasse wegen des schlechten Jahreszeug gel zum Vorschein. Da die drei armen Teufel die Tage vor dem Vortrage in der Portierloge am der Egerer Rechtsanwalt Dr. Wolf nach Köln nisses in der Klasse nach Uebernahme des Zeug a. Rh. begeben. Von diesen ist jetzt eine Nachricht niffes zwei Revolverfugein in den Kopf gejagt Geldstrafe von 1000 Reichsmart nicht erlegen Aleštai ausgegeben werden.) fonnten, mußten sie solange im Zollhaus ver- Der Titel der Schönheitsfönigin der Welt in Eger eingelangt, daß es gelungen ist, den und war auf der Stelle tot. bleiben, bis über telephonische Verständigung der fiel bei der Schönheitswahl in Galvestone( 11. flüchtigen Direktor Stummel Zirkusdirektor diesen Betrag erlegt hatte, worauf S. A.) der Vertreterin Belgiens zu. Köln zu stellen und seine Vorführung vor die völlig niedergeschmetterten Artisten den Heim- Die brünette, langhaarige Schönheit errang den die Kölner Staatsanwaltschaft zu veranlassen. Stummel wurde gezwungen, die Wech- Budapest, 17. Juni. In Szolnok wurden weg antreten durften. Am gleichen Tag lief Breis gegen ihre Mitschwestern aus Ameriko, Budapest, 17. Juni. In Szolnok wurden den Grenzwächtern ein Mann in die Arme, der Australien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, jelafzepte in Höhe von 100 Millionen K heute früh 6 Uhr die beiden wegen Ermordung 50 Pädchen Tabak über die Grenze zu bringen Norwegen und Schweden. herauszugeben, deren Präsentierung durch mehrerer Personen zum Tode durch den Strang versuchte. Da er nicht in der Lage war, die ihm Selbstmord am Grabe der Gattin. Der aus eine gutgläubige Person den sofortigen Sonkurs verurteilten Giftmischerinnen zudiftierte Geldstrafe zu erlegen, wurde er in der Tschechoslowakei stammende 35 Jahre alte ber Roland" hätte herbeiführen müssen. Szabo und Frau Csardas hingerichtet. Haft genommen. Mauer Karl Sykora hat sich in Ritzbühel Stummel trat sehr selbstbewußt auf, bestritt jede Schuld und suchte die Angelegenheit als Im Hause vom Bliß getötet. In Doglas- am Grabe seiner Frau acht Tage nach deren Abnur zivilrechtlich hinzustellen. Er erklärte u. a., grün bei Wintersgrün in Westböhmen schlug, leben, vergiftet. Katastrophale Feuersbrunst. Im Güter daß die Genossenschaftler, ihre Funktionäre und wie uns berichtet wird, bei einem der letzten alle anderen Leute in Eger zu wenig Gewitter der Blitz in das Häuschen des Arbei- bahnhof von Annemasse( Departement intelligent seien, um seine hochflie= ters Güttl und tötete den Besizer. Der Vater Haute- Savoie, Südfrankreich) brach ein Feuer genden Pläne zu verstehen. Infolge seiner Güttls wurde vom Blitz gestreift und erlitt aus, das sich alsbald ausbreitete, sämtliche Ge Berträge habe er Ansprüche von mindeschwere Verlegungen, so daß er ins Krankenhaus bäude erfaßte und außerdem noch eine ganze stens drei Millionen K a it die überführt werden mußte. Am gleichen Tage ge- Reihe von mit Waren angefüllten Waggons ver Roland". Er habe die Wechsel verwerten Nebeneinander wurden inmitten von riet durch Blitzschlag in der Ortschaft Rohmeißlichtete. Blößlich stürzte ein Gebäude ein und wollen, um sich von dem Gelde diese ihm zu Blumenbeeten vom Scharfrichter Rocaref das Wohnbaus des Landwirtes Bartl in Brand, begrub drei Personen in seinen Trümmern. Nach Beseitigung die zwei Galgen aufgerichtet. Während aus und Scheuer brannten nieder. der Trümmer fand man einen kommenden drei Millionen zu verschaffen. Toten und zwei Schwerverlette. Die Die Entscheidung über die Einleitung eines der ganzen Nacht tobten die beiden Der Tod bei der Arbeit. In der Kaolin- durch den Brand verursachten Schäden werden Strafverfahrens wird die Kölner Staatsanwalt Delinquentinnen furchtbar vor Todesschaft nach Eintreffen des gesamten Materials der angst in der Armenfünderzelle. Die Csardas schlamme ,, Margarethe" in Wintersgrün wurden auf mehrere Millionen Franks geschätzt. Die abgehackte Hand. Das Schöffengericht o Egerer Behörden fällen, da der vorliegende Sted- mußte bewußlos von den zwei Senfers- durch Einbruch eines Schlickerteiches drei Leute brief zum Einschreiten gegen einen deutschen fnechten zum Galgen geschleppt werden. berschüttet, von denen der eine, der Arbeiter burg verurteilte den 30jährigen Mechaniker Alfred Staatsbürger nicht genüge und Stummel überdies Nach der Hinrichtung umgab man den Galgen Kragl aus Doglasgrün, nur mehr tot geborgen Schad aus Waldjassen wegen Versicherungsbetrugs erflärt, in Köln bei seiner Familie bleiben zu mit einer spanischen Wand und schleppte die werden konnte, während die übrigen mit schwe- an einem Jahr Gefängnis. Schab, der ein tieines Mechanikergeschäft betrieb und in Schulden geraten wollen. Ueber Anregung der Kölner Staatsan- 58jährige Szabo zur Richtstätte, Angesichts des ren Verlegungen zu Tage gebracht wurden. Ein Pferd tötet einen Radfahrer. Der 20- war, hatte sich in der Nacht zum 31. Dezember 1990 waltschaft wurden auch Verhandlungen über Galgens fuchte sie sich gewaltsam von den HenWiedergutmachung und event. vorläufige Dedung fern zu befreien, die beinahe zu schwach waren, jährige Erwin Hansel aus Gablon; wurde, die linke Hand abgehackt, um auf diese Weise in de des verursachten Schadens eingeleitet. um die Berzweifelte, der der Schaum als er auf seinem Fahrrade durch die Neudorfer Besis einer Becsicherungssumme von 36.000 Mar auf den Sippen stand, zu überwältigen. Das Straße fuhr, von einem schen werdenden Pferde zu gelangen. Schandervoll! Die Prager Abendzeitung" läßt sich dazu aus Budapest folgende Schilderung geben, vor der man wenn man nicht gerade Anhänger der Todesstrafe ist verstummt. - Ät. 141«. Donnerstag, 18. Juni 1881. Sette 5. T«s eines Rekordslimd nehmen Platz, Ein paar Kvufleute und ein marokkanischer Scheich, der zur Kolonialausstellmig will Schließlich mich zwei Damen, insgesamt sieben Fahrgäste. Der Frachtraum ist voll geraden. Postsäcke aus Südamerika, spanische Zeitungen, Frühgemüse und Erdheeren ans Algier für die Pariser Äurus-Speistftätten. Schließlich noch: vier Körbe Bienenvölker, die in dem erwachenden Norden sozusagen ans Sommerfrische fahren. Der Pilot und der Mechaniker steigen ei«. Es ist Zeit. Ein Glockensignal ertönt, der Direktor des Flugplatzes kommt aus seinem Büro. Zlbfahrt. Wenige Sekunden später hebt sich der große Bogel von der Erde. I» fünf Stunden soll Paris erreich: werden. Ohne Zwischenlandung. Unterwegs. Die Propeller summen Die Köw* der Bienenvölker sind im Fracht raann etwas zurückgerutscht. In einem der Mrbe, der schlecht verpackt wurde, öffnet sich ein Spallt. Ein paar vorlaute Tierchen wagen sich heraus. Die Bienenkönigin ist unternehmungslustig. Sie kriecht hervor. Im nächsten Augenblick folgt der ganze Schwarm. Man hört einen Aufschrei im Passagier.raum. Eine der Damen ist aus ihrem Sessel gesprungen und schlägt ver« Zweifelt mit ihrem Taschentuch um sich. Ein« Sekunde'darauf ist di«.Katastrophe" geschehen. Ter Bienenschwarm fällt wie ein Platzregen über die Fahrgäste her Alles springt aus. renatt durcheinander, das Muazcny versiert das Gleichgewicht und schwankt bedenklich. Der Pilot blickt zurück, begreift nicht und macht ein entsetztes Gesicht. Nur der marokkanische Scheich bewahrt mit dem Weichmul des Orientalen die Fassung. Er' zieht die weiße Kapuze seiner Kleidung weit Wer den Kops und bleibt sitzen, em verhüllte« Wandbild. Di« Bienenkönigin laßt sich auf dem Haupt des Marokkaners nieder, der Schwarm schart sich um sie und nur einige.^disziplinlose" Tiere fahren in ihren Angriffen aus die Fahrgäste fort. Der Mechaniker stellt endlich fest, Wok vorge.fallen ist und brüll: dem Piloten einige Worte ins Ohr. Der dränst ans, denkt an den ZeitverilNft, entschließt sich aber doch schließlich zur Notlandung. Ms dak Flugzeug auf«wer Wiele in Mi:«-l- srankreich wohlbehalten niedergeht, wird der marokkanische Scheich endlich von seiner gefährlichen Last besteit. Durch d«n Stoß fällt der Schwarm von -seiner Kapuze, fliegt aul dem Fenster, kleb< sich an«inen Baum Und wird schließlich wiedei eingefangen..■■■ So endete der tragikomischc Zwischenfall, del leicht gefährliche Folgen hätte haben können. Das Flugzeug kras mit einer Wunde Verspätung m Paris ein. Fast alle Fahrgäste mußten sich mit gefährlich zerstochenen Gesichtern umgehend'in ärztliche Behandlung begeben. Nnr der klug« MaroWamer ging unbeschädigt ans der stachligen Affäre Herder. Ein Monstm-Ehorwrizert in Riza, Das lettische Volkslied ist eines der kulturellen Güter, dir sich dieses kleine Volk durch Jahrhunderte lang während der Zeit seiner politischen Knechtung erhalte« hat. In der jungen Republik erfährt das Bolt«lieb eine besonder« Förderung. Erne groß« Anzahl dieser Volkslieder wurde für d«r Chorgesaug bearbeitet und Heuer ist man daran geschritten, eine Liederscier in Riga zu veranstalten, wie sie das Land und vielleicht das ganze Baltikum noch nicht erlebte. In der Zeit vom 19. bis SB. Juni d I. weiden nicht weniger als 960 lettische Chöre-mit 17.000 Sängern in Riga gastieren, darunter befinden sich L6 Chöre, die in R«ga bestehen. Die Proben zu diesen Konzerten finden schon seit Oktober vorigen Jahr«? statt. DaS Fest wild durch daS Tragen der alten , lettischen Volkstracht einen besonderen Charakter haben.. Während der Zeit der Sängerfeiern findet in Riga auch eine Ausstellung lettischer bildender Kunst und PolkSkunst statt. Di« Feierlichkeiten st-.chen unter dem Protektorat deS Präsidenten van Lettland. Ad acta. Bon Pierre Lorent. Ein engmaschiges Gitter läuft quer durch den Raum, der muffig düster unter einer Dek- kenwölbung wuchtet. Ein quadratischer, kahlgeschorener Schädel, weiß-schwammige Backen und leuchtende Augen stehen dahinter wie ein Mal der Vergeltung. „Wie geht es dir?" Eine Frau flattert herein und bleibt auf der anderen Seite des Gitters stehen. In Hellem Sommerkleid. Mit grellen Lippen, hell hoher Stimme. Schärfster Gegensatz zum Sträfling auf der anderen Seite des Gitters springt auf. Knappe Worte schleichen durch die Drahtmachen. Dazwischen liegen Pausen, drückend wie Lasten. Was hätten sie einander auch zu sagen? Worte können in Schmerzen geboren werden. Die Augen suchen Verständigung, doch der Raum ist düster, und das Gitter läßt de« Blick verschwimme«. Ins Wesenlose hinüber. Jenseits oller Hoffnung. ,Lch habe Pappo getroffen!" Der Sträfling schneidet eine Grimasse. „Was will er von dir?" „Nichts. Nur so." Sie sagt es nebenbei. Dann wieder eine Pause, in der das Herz des Sträfling fieberhaft arbeitet, pochend bis an die Schädeldecke schlägt, als wollte es sie sprengen. „Schluß!" Die schnarrende Stimme des Aufsehers jetzt der Besuchszeit ein Ende. Der Sträfling geht durch hallende Gänge in seine Zelle zurück. Die Frau flattert in den sonnigen Tag hinaus.. Zwei Monate später steht der Sträfling wieder hinter dem Gitter. Erwartung in den Augen, Bitternis im Hirn, Sehnsucht auf den Lippen, Haß im Herzen. Haß gegen alles: das Gitter, die Sonne, das Leben. Die Frau flattert herein. Ein Herbstkleid in satten Farben. Ein still lächelndes Wesen voll sinnlicher Sattheit in den Augensternen. Ein Mann steht neben ihr.„Ich habe Pappo mitgebracht", meint sie. Der Sträfling nickt schweigend. Was soll er dazu auch sagen? Pappo spricht nichts und scheint betreten zu sein. Dafür spricht die Frau, als ob sie Verlegenheit fortwischen wollte, Schuldbewußtsein vernichten. Der Sträfling horcht und sieht. Er erfühlt und erlauscht mehr als andere Menschen, denn Kerker verfeinern die Innerlichkeit. „Wir werden gehen!" meint die Frau. „Dann geht eben!" gibt der Sträfling zurück. Pappo nickt hastig und folgt der Frau, die in den leuchtenden Herbst hinausflattert. Der Sträfling blickt ihnen sinnend nach, und der Auffeher muß ihn in die Gegenwart zurückrütteln... Ein Brief fliegt in die Zelle. Unbeholfene Buchstaben reihen sich zu unbeholfenen Worten aneinander.„Ich und Pappo fahren nach Italien zu seinen Eltern. Er übernimmt das Geschäft. Wir werden heiraten. Du wirst es verstehen. Wir beide kommen doch zu nichts.— In bester Erinnerung Dein«..." In der folgenden Nacht findet man den Sträfling mit durchschnittener Kehle in der Zelle. Er hat sich die todbringende Wunde mit einem geschärften Löffelstiel beigebracht. Und nun weiß man auch den Namen der Frau, für die der Sträfling gestohlen hatte. Aber durch seinen Selbstmord ist alles zweck- und sinnlos geworden. Der Fall wird ad aeta gelegt.——— Seit« 6 Donnerstag, 18. Juni 1991. Rr. 142. <►<» e<•><»< Hmtcrfrainbc Prag. Sonntag, den 21. Juni 1931, findet am Pohobeletz-Turnplatz der DTJ(beim Brevnovklosterj der Kindertag statt. Programm: Lieder, Sprechchöre, Rezitationen der Kinder und Roten Falken; Kinderturnen und Fahurnschwingen der Roten Falken; Stegreifspiel: Eine gefährliche Bisite im Zeltdorf der Roten Falken. Spiele und Belustigungen für Kinder und Eltern. Beginn: Halb vier Uhr nachmittags. Wir laden di« Eltern in allen proletarischen Organisationen«in, ihre Kinder an dem schönen Erlebnis des Kindertages teilnehmen zu lassen. ,* SamStag, den 20. Juni 1931, bauen die Prager Roten Falken am Festplatz ihr Aeltdorf auf. Alle Genossinnen«nd Genossen sind «ingelade«, ab halb acht Uhr mit uns einen schönen Falkenabend z« verbringen. * Für Speise»nd Trank wird am Sonntag vorgesorgt. Freundschaft. Geriditssaal -er bestochene Verfolger. Eine nnromantische Räubergeschichte. Prag, 17. Juni. Ms sich eines Morgens Ser in Kroöehiav wohnhaft« Meister Londin der Kläduoer Poldihütte zu seiner Arbeit begeben wollt«, wurde er an der Türe seines Hausgartens von zwei Leuten überfallen, die ihm nach kurzem Kampf« die Aktentasche entrissen, di««r unter-dem Arm trug, und davonliefen. Die Täter mußten mit den peisiönlichen Verhältnissen Londins wohl vertraut '«in, denn in der Aktentasche befanden sich an.16.000 Kronen Lohngeld, das der" Meister an diesem Tage auszuzahlen«erd daS er tags vorher bei der Bartk abgehoben Hatte. Er rief um Hilf« und alsbald setzten einige Passanten den Räubern nach. Bor allem zeichnete sich dabei Emil I a n ö i l aus, der oben auf seinem Fahrrad in die Arbeit fuhr und nun mit aller Kraft di« Verfolgung der Täter aufnahm. Er war, denn auch bald den Uabeltätern bis auf wenige Schritte.aahcgekommen und de« Blicken der übrigen Verfolger beinahe schon entschwunden. Bald aber holten sie ihn«in, denn er hatte di« Jagd abgebrochen und saß neben seinem Rad am Straßenrand. Er erklärt« das damit, daß ihm die Räube-r mit Erschießen gedroht hätten, wann er nicht zurückbleibe und da«r ohne Waffen war, hält« er sich auf keinen Kampf einlassen können, was denn auch jeder ohne weiteres einsah. JamSik blieb also vorläufig der Heid des Tages. Aber nicht lang«. Denn schon am nächsten Tage waren die zwei Räuber festgenommen und das geraubt« Geld zustandegebracht. Es fehlten nur einig« hundert Kronen und die Räuber«Märten, 700 K dem Ja nkrk„aüf di« Straße geschmissen" zu haben, worauf er von der Verfolgung abließ. Eine weitere, geringere Sumnr« hatte sich die Geliebte eines der Kumpane angeeignek, di« in den Anschlag eingeweiht war. Die Aktentasche war im Dickicht eines nahen Waldes versteckt worden und die„Räuberbraut", di« im Zivilboruf Friseurin ist, hakte noch vor der Teilung der Beute einen Griff ins Dolle getan. Di« beiden Attentäter kamen vors Schwurgericht und wurden wegen RaubsS ab geurteilt, das Verfahren gegen IanöiI und die Friseurin wurde ausgeschieden und nun vor dem Senat des LGR. Novotny verhandelt. Janöik leugnete, aber di« beiden Täter, di« heute als. Zeugen auftraten, schi idente,n anschaulich, wie sie ihm' zugerufen hätten:„B leib stehn— w i r schmeißen di>r was hin.!", worauf die Antwort erfolgt«:„So schmeißt!"— Sie warfen dann 700 K auf die Straße, die er aushob und die Verfolgung«instellte. Auch die Friseurin behauptete, von dem Anschlag nichts zu wissen, wurde aber durch di« Aussagen ihrer früheren Freunde überführt. Das Urteil lautet« für Jan-ik auf vier Monat« schweren Kerkers unbedingt, während die Frisenrin mit drei Monaten bedingt davonkam. rb- Kunst und Wissen Deutsche Musikakademie. Heute, Donnerstag, Absolyenten-Orchesterkonzert in der Börse um halb 8 Uhr abends. Beechoven: Klavierkonzert Nr. 1; zwei Lieder aus ,-Egmont". Mozart: Violinkonzert A-Dur. Weber: Arie der Agathe. Schubert-Liszt: Wanderer-Fantasie. Karten bei Wetzler und an der Abendkafsa. Sonntag, den 21. d. M. in der Kleinen Bühne, XII Uhr vormittags, Matinse der Opern- und Schauspiel-lassen. In Vorbereitung. Oper: Freitag, den 26. ds. gekannt die komische Oper ,^D«r Widerspenstigen.Zähmung" von Hermann Götz zur Aufführung. Dirigent: Georg Szsll. Regie: Ewald Schindler.— Schauspi el: Am Samstag, den 27. ds. Russischer Komödien-Abend. Unter der Regie Friedrich Hätzlins werden erstaufgeführt:„D i e Spieler" von Gogol,„Der Doppelgänger" von Äwertschenkp und„Heiratsantrag" von Tschechow.— Operette: Sonntag, den 28. dü. erscheint Anzengrubers Posse mit Gesang„Der Doppelfelbstmord" nach vielen Jahren wieder im Spielplan. Regie: Stadler. Dirigent: Waigand. Wochenspielplan beS Reuen Deutschen Theaters. Donnerstag, 7.80 Uhr: ,/D« r Hauptmann. von Köpenick".— Freitag, 7.30 Uhr:„Der Richte r von Zalamea"(203—3).— Samstag, halb 8 Uhr:„Im weißen Rößl".— Son>ntag, 7.80 Uhr:„Im weißen Rößl".— Montag, 7.30 Uhr: ,^Die Entführung aus dem Srräil"(204—1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 7.30 Uhr:„Cocktail."— Freitag, 7.30 Uhr: „Roxv schiebt Kulissen."— Montag, 7.30 Uhr:„Voruntersuchung." Aus der Partei Jugendbewegung. 2. I. Prag, Gruppe l.(Wanderungen.) I. Partie: Nachtwanderung nach Br and eis. Trasjpunkt Samstag nachmittags um halb 5 Uhr bei. der Endstation der ISer-Elektrrschen„Na Harfö" in BhsoLan. Führet: Pauer.— II. Partie: Treffpunkt Sonntag um halb 7 Uhr früh an derselben Endstation. Musikinstrument« und Legitimationen. mitbringen! Vereinsnachrichten Arbeiter-Turn- unv Sportverein Prag. W heut«, Donnerstag, den 18. Juni, findet das Turnen für Turner und Turnerinnen gemeinsam jeden Dienstag und Donnerstag am Sommerturnplatz der D. T. I., Prag II., HokejZi, statt. (Endstation der Achter-Linie.) Alle Wienfahrer haben bestimmt zu erscheinen! Der Film Aus-er Tonfilmwoche. . Der Grock-Film bewahrt sein« Anzichungs- kraft; viel« Tausende haben diesen in seinem Können wirklich einzigartigen Künstler bewundert, sein« VarietSszen«, die fast den ganzen zweiten Teil des Films erfüllt, ist einzigartig: wenn«r sozusagen das Klavier überlistet, wenn er di« Geige auf einen -falschen Ton stimmt oder seinem winzigen Marterinstrument nette Töne entlockt, wenn er sich an der Süße der von ihm nicht nur gespielten, sondern noch mehr hingeworfenen Weisen begeistert, dann wirkt er bezaubernd. Der übrige Film ist trotz Lian« Haid ganz jämmerlich, es genügt, wenn man nur zum zweiten Teil der Vorstellung geht. -» „Wenn die Geige« schluchzen", nach Wahl auch, weim sie klingen,"ist das Programm des Urania- Kinos, das seit einigen Wochen ausschließlich Filme wählt, die mit Vernunft recht wenig zu tun haben. lieber diesen Film ist schon anläßlich der Aufführung seiner tschechischen Urfassung genug geschimpft worden, auch die deutschen Schauspieler— Jan tsch, Götz, Schmerzenreich— können hier, nichts bestellen und so bleibt nur der kleine Feh er, dessen Talent augenfällig ist. * „Der Andere" ist. ein Koriue r-Film nach Ideen von Paul. Lindau. Albert Basser- mann hat schon im stummen Film die Rolle des Staatsanwalts gespielt, der ein Doppelleben führt und. die Nächte als Schwerverbrecher in Spelunken verbringt; Fritz Kortner weiß diese problematische Figur mit Sicherheit zu deuten, macht die Wandlung vom angesehenen Bürger zum Verbrecher recht glaubhaft und packt in den Szenen mit seiner Verbreche«geliebten, die von der Käthe v. Nagy xecht temperamentvoll dargestellt wird. All« Wer- ragi aber Heinrich Georg« als urwüchsiger Kaschcmmenwirt; man wird diese Ruhe kaum«in zweites Mal so dopgestellt finden. Der Film hat Tempo, er hat sogar Schnitt, leidet aber an einem unmöglichen happy-end, das gar nicht motiviert Wird; der Staatsanwalt heilt sich nämlich selbst! W. 8. Literatur „Die große Kluft." Roman von Erich Eber- M a y e r. Paul Zsolnay Verlag, Wien. Kriegs- und NachkriegSjugen», zwei verschiedene Welten—. der Autor stellt sie in den Gestalten zweier Studenten einander, gegenüber. Jürgen Ried, achtzehnjährig, war. ein Kind, als der Weltbrand raste, nur allerlei Kriegsspielzcug, das irgendwo in den Bodenkam- merp vergraben liegt, bildet für ihn die Erinnerung an.den Krieg, längst überwuchert durch die Eindrücke her Jugendjahre. Sonst gemahnen ihn nur eine Reihe von Jahreszahlen und Namen wie Marr;«, Tannenberg, Brest-Litowsk ufw., die er für das Abitur lernen muß, an di«„große Zeit". Jürgen ist«in„normales Kind seiner Zeit", zu- Sozialistische Jugend Prag. Ortsgruppe I. Heute, um acht Uhr abends, in der Gec Diskussionsabend über Der Leipziger Parteitag Es spricht Abgeordneter Genosse I a k s ch. Kommet recht zahlreich und pünktlich! gehörig' einer Jugend, der der Sport eine Art Glaubensbekenntnis ist, erfüllt vom satten sicheren Glücksgcfühl des Jungseins. Zwischen ihni und der heutigen Jugend überhaupt und Tom Forster, den ihm der Dichter als Repräsentant«: der Vovkriegs- jügend gegenüberstellt, klafft di«„große Kluft". Tom ist ein Entkommener des Krieges", hinter ihm liegt Grauen, Wahnsinn, in seinem Körper ist noch das Gift der Vergasung oder das der elf Operationen. Aber wäre auch all die» Nicht gewesen, er liefe doch mit einem Knax in der Welt herum, wie die anderen Hunderttausend« von Männern, die der Krieg verschont" hat. Tom sucht diese Kluft zu überspringen, an dem leichten spielerischen Treiben der neuen Jugend möchte er genesen, doch dauernd kann er drüben au der anderen Seite des großen Kluft nicht Fuß fassen, es gibt keine dauernde Angleichung der zwei WÄten. Erich Ebermayer ist ein guter Gestalter und ausgezeichneter Erzähler. Er hat hier«in Wenk geschaffen, das zu dem behandelten Problem einen höchst beachtenswerten Beitrag davstellt. r, „Auf der Suche nach einem Weg." Aufsätze. Bon Klaus M a n n. TranSmare-Verlag, Berlin. Neben der Jugend, der das He» nur der Muskel für ihre sportliche Betätigung ist, gibt.es auch«ine, die sich in diese erschütterte, in ihrer ZivMsäton wankende Weit hinausgestellt sieht, denkend ihre Zeit miterlebt und nach einem Weg aus dem Wirrsal hinaus, nach festen Grundlage» unter ihren Füßen sucht. Klaus Mann, der Sohn Thomas Manns, ist ein solcher Suchender und Ringender, er ist von dem Gedanken beherrscht, den Anatole France als letzte« Eindruck, von dieser Welt mit ins Grab nahm, daß die heutige Kultur am Rande des Abgrundes stehe, daß eines Tages ihr radikaler Zusammenbruch erfolgen könne und Neues, Fremdes, UnerMrliches erstehen werde. Alles scheint ihm in Frage gestellt. Er sieht sich, die gesamte Jugend zwischen Extreme gestellt— wohin, wohin führt wohl der Weg? Aus der ihn erfüllenden Unruhe heraus schreibt er und setzt sich mit den Erscheinungen der Zeit, mit, dem, was er liost, auseinander. Er ist kein Politiker, weiß nichts von den wirtschaftlichen Zusammenhängen, er sieht nur den künstlerischen, den literarischen Niederschlag des Zeirgeschehens, irgendwie empfindet er demokratisch, pazifistisch. Vielleicht wird Klaus Mann am besten durch di« eigenen Wort« charakterisiert, di««r über di« Hauptperson eines Romans von Hans Natonek schreibt:.„Der Gewissenskonflikt dieses Weichhardt ist der Konf/M jedes denkenden Menschen, der aus bürgerlichgeistigen Herkütvften hinaus und zu neuen Bindungen drängt; der der sozialen Klasse schon halb entwachsen ist, an der«r andererseits mit seinem Lebensnerv hängt. Es handelt sich um di« G«- WisftnArisis des Individuum?, das im Kollektivum die Zukunft spürt und so zwischen zwei Welten pendelt..." Man wird die Aufsätze Klaus Mann? gewiß mit Interesse und Nutzen lesen.—r.• Hera»Sacker: Sieatried Taub. Chefredakteur: Wilhelm Nießner.. Verantwortlicher Redakteur: Dr. EmU Streu ß Prag. Druck:.Nota' A.-G. für Zeitung- und Buchdrnck, Prag. Für den Druck verantwortlich: Otto H o l i k. Prag. Die Zelrungemertenfrentanir»Uwe vo»»er Bau- a. felegtatfica. »ireknoa mit Trlat 9tc. 13.S00/Vlt/tMÖ detaillier Die Kartenlegerin Sie wohnt« in einer der grauen Mietskasernen im Norden der Stadt. Ihr Alter war schwer zu bestimmen. Mit ihren grauen Haaren sah sie in der Stube, in der immer Halbdunkel herrschte, wie eine Sechzigjährige aus, während die. helle,- sprunghafte Stimme diese Annahme sofort zu widerlegen schien. Es war ein eifriges Gehen auf der Treppe und in ihrer Wohnung. Ihr Gewerbe hatte regen Zuspruch, ohne Reklame, nur durch Weiterempfehlung von Mund zu Mund, in den Sälen der Fabriken, in den Büros, an den Straßenecken, in den Geschäften,, überall, wo arme, gehetzte Proletarierhirne noch nicht erkannt hatten, daß die Zukunft nur im Menschen selbst liegt, und versuchen wollten, mit mystisch verschwommener Orakelbefragüng das Kommende, Bevorstehende zu ergründen,„Gehen Sie zur Möbius!" flüsterten die Frauen und Mädchen sich heimlich zu. „Die Möbius legt Ihnen die Karten wie keine andere. Jede? Wort trifft ein!" Sie hauste, eine moderne Pythia,: in ihren beiden Stuben, die sie nur zu den notweltdigsten Besorgungen verließ. Am frühen Nachmittage begann das Kommen und Gehen in ihrer Wohnung. Manchmal saßen drei, vier Frauen zu gleicher Zeit in der einen Stube und warteten, während sie im Nebenzimmer eine Besucherin abfertigte. Männer kamen selten; nur von Zeit zu Zeit drückte sich ein niedergeschlagener Mann in die Stube, wartete mit scheuen, unsicheren Augen, bis er an der Reihe war, und schlich sich nachher wieder befangen davon. Arbeitslose, die nach langem, untätigem Warten auf den Nachweisen in ihrer Not und Verzweiflung nach der letzten Hoffnung griffen, die Karten befragen ließen, ob sie bald wieder auf Arbeit und Brot rechnen durften. Die Kartenlegerin forderte kein Honorar, Forderungen zu stellen verbot das Gesetz. Sie antwortete auf dahingehende Fragen nur:„Rach Belieben"— und strich mit gleichmütiger Miene und ohne ein Wort des Dankes die Mark ein, die ihr die Besucherin nach einem stillschweigenden Brauch auf den Tisch legte.—— Eine junge Frau saß vor dem Tisch, an besten anderer Seite die Karteirlegerin Platz genommen hatte. Die Augen der Möbius glitten forschend über di« vor ihr Sitzende, die verlegen und unsicher nach unten sah.„Sie sind zum ersten Make bei mir?" fragte sie. ,>Jawohl, wir sind erst vor kurzem hierher gezogmt." Die Fragerin nickt«.„Zeigen Sie mir mal Ihre Hand!" Ihre Augen glitten suchend über die Hande bis zu den Armen hinauf. Es war vieles, was sich dem geübten Blick da verriet; die Fingernägel zeigten noch Spuren einstiger Gepflegtheit, doch waren sie jetzt nicht mehr so sorg- sältig beschnitten und gefeilt. Die Fingeffpitzen waren zerstochen, wie bei Menschen, die viel mit der Hünd nähen. Um den Arm lagen zwei goldene Armbänder, ein stärkeres und ein dünnes, sogenanntes Freundschaftskettchen. Die Kartenlegerin sah wieder die Besucherin an.„Sie sind in anderen Umständen?"— Die Frau nickte.—„In welchem Monat?" Lm sechsten. „Mischen Sie die Karten und denken Sie an das, was Sie wisten wollen!" Sie reichte ihr ein. Spiel Karten hin. Schweigend sah sie zu, wie die junge Frau die Blätter mit unsicheren Händen ineinander schob.„Heben Sie ab!" Langsam zog sie eine Karte nach der anderen herunter und verteilte sie auf den Tisch. Dann betrachtete sie nachdenklich die bunten Blätter. „Es ging Ihnen früher bester— jetzt liegt eilt Kreuz über Ihrem Leben. Ihr Mann bat seine Stellung verloren"— ein flüchtiger, aber aufmerksamer Blick streifte die Besucherin, die, ohne es zu wisst«, genickt hatte.„Er hatte ein gutes Einkommen, aber schon feit längerer Zeit ist er außer Stellung. Sie arbeiten jetzt, nähen, aber Sie verdienen nicht viel—---—" l „Wird mein Mann bald wieder eine Stellung bekommen?" unterbrach die Besucherin sie. Eine bange Gespanntheit klang aus ihrer Stimme. „Vorläufig nicht— doch, halt, ich sehe hier eine Möglichkeit"— sie verglich die Karten—, „aber nein, die geht wieder vorüber; die Karten liegen nicht günstig. Ein Blonder steht Ihrem Mann im Wege... Sie haben Geld zu erwarten. Aber bis dahin dauert es noch einige Zeit; man kann aus den Karten den Zeitpunkt noch nicht^enau feststellen." Sie verteilt« die Karten anders über den Tisch, nahm dort ad und legte da zu. Dann fuhr sie fort:„Die Karten zeigen ein Kind. Sie werden ein Mädchen bekommen, aber hier schräg liegt der Pik-Bube" Erschreckt fuhr die junge Frau zusammen: „Das bedeutet doch Sterben?" Die Kartenlegerin schüttelte den Kopf.„Nein, junt Sterben liegt er nicht. Aber Sie werden eine schwere Geburt haben"— sie verglich die Karten, murmelte vor sich hin: Das liegt hier im Wege, daneben die Traumkarte, Stahl und Eisen sie fuhr zu der Besucherin, die sie angstvoll an- starrte, fort:„Es wird eine Zangengeburt oder ein Kaiserschnitt sein; die Karten zeigen Metall, das sind die Instrumente, und der Traum wird die Narkose bedeuten!" Sie fügte noch ein paar allgemeine Bemerkungen hinzu. Dann stand sie auf:.„Mehr ist heute nicht zu sagen. Vielleicht kommen Sie später noch einmal wieder!" Schweigend legte die junge Frau ein Markstück auf den Tisch und verließ mit einem leisen „Guten Tag" das Zimmer. Erich Winkelmann sah seine Frau nachdenklich an.„Was hast du denn, Annie? Du bist ja heute so sonderbar?" Die Gefragte wehrte hastig ab.„Nein, nein, Erich, das kommt dir bloß so vor." Dann nähte sie, eifrig weiter. Als sie abends im Bette lag, warf sie sich unruhig hin und her. Ein paarmal schluchzte sie leist auf, bis ihr Mann, der noch am Tische saß, darauf aufmerksam wurde. Er setzte sich zu ihr auf den Bettrand.„Nun sag mir mal, Annie, was dich bedrückt," fragte er leist die junge Frau. Als sie wieder Ausflüchte zu machen versuchte, nahm er ihr Gesicht in seine Hände: „Aber Annie, du bist doch bis jetzt immer ehrlich gegen mich gewesen." Da erzählte sie ihm unter Tränen, was die Kartenlegerin zu ihr gesagt hatte. Er schüttelte erschrocken den Kopf.„Aber Annie, wie konntest dü da Hinsehen? Mußt du dir denn nicht selbst sagen, daß kein Mensch das Kommende Vorhersagen kann? Und nun hast du Angst?" Sie nickte. Er streichelte ihr beruhigend das Gesicht,„Richt bange sein! Morgen gehen wir zum Arzt, und du laßt dich untersuchen. Dann weißt du, woran du bist!" Der Arzt lachte.„Kleine Frau, es ist alles in bester Ordnung bei Ihnen. Nur keine unnütze Angst, haben! Aber/'— er wurde ernst—„den Weibern mit ihrem verdammten Kartenlegen sollte man bald mal das Handwerk legen. Wieviel Unheil ist dadurch schon angerichtet worden, besonders bei sensiblen und furchtsamen Menschen!" Eine leichte Unruhe blieb aber doch in Annie Wiukelmann zurück, bis endlich die Entbindung die letzten Schatten verlöschte. Sie verlief glatt und schnell. Es war ein Junge. Als alles vorbei war, trat der glückliche Vater an das Bett seiner Frau. In den Händen hielt er das kleine, quäkende Bündel Leben.„Was sagst du nun, Annie? Wenn du erst wieder auf bist, dann nimmst du den Jungen und gehst mit ihm hin zu der alten Hexe. Dann kannst du ihr zeigen, wie ihre Prophezeiungen eintreffen!" Sie lächelte mit frohen Augen zurück.„Rein, Erich, davon bin ich kuriert. Nie wieder gehe ich zur Kartenlegerin. Kein Mensch weiß, wie alles kommt. Durch solche falsche Voraussagen verliert man den Mut. Und den brauchen wir in die!" Zeiten nötig genug— aber zu anderen Dingen!" Walter Schirmeier.