Einzelpreis 70 heller. Redaktion und Verwaltung: Refázanta 18. Prag, I Telephone: Tagesredaffion: 26795, 31469. Machired attion: 26797. Postschecamt: 57544. Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. 11. Jahrgang. Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit. Freitag, 21. August 1931 Eine Atempause für Deutschland. Der Bericht der Sachverständigen. eine Atempause von sechs Monaten. Die Regierung sollte jedenfalls die Frage der Bantenkontrolle nicht unterschäßen. Sie hat qußen und kreditpolitische Bedeutung. Es wird weiter an der Zeit sein, endlich mit der Bereinigung in der deutschen $ Bezugs Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus ober bei Bezug durch die l'ost monatlich vierteljährlich halbjährig ganzjährig Kr 16.37 99 48.96.192.SP Rüdstellung von Manustripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Nr. 194. Eine Aufgabe für den Völkerbund. Berlin, 19. August.( Eigenbericht.) Es geht nicht an, daß die Radikalen von links Wirtschaft Ernst zu machen. Es geht nicht Unterdrückung der Ukrainer in Polen Das nach schwierigen Verhandlungen in und rechts jeden Tag den Bürgerkrieg an die an, daß diese Frage hingezogen wird und die Einer der ärgsten und entstellendsten der Nacht zum Mittwoch in Basel zustandege- Wand malen. Welcher ausländische Finanzmann öffentliche Hand weiter Mittel zur Verfügung tommene Kompromis bringt zunächst für wird mit ruhigem Gewissen sein Geld nach stellt, um einen gewissen Teil der Industrie vor Schönheitsfehler der Pariser Friedensverträge Deutschland hinsichtlich seiner turzfristigen Ver- Deutschland verleihen, wenn ihm jeden Tag die kapitalverlusten zu bewahren, die ist, daß er Teile von Völkern, ja ganze große Schuldung Gefahr eines bevorstehenden Bürgerkrieges vor doch einmal fommen müssen. Nationen der nationalen Fremdherrschaft Augen gemalt wird? Inzwischen haben wir ge- Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, unterworfen hat und daß diese Völker heute, sehen, wie günstig der Migerfolg des Volksent- daß mit der wahnsinnigen Kaufkraftver- 13 Jahre nach der Beendigung des Krieges, Während dieser Zeit hat man den Möglichkeiten scheids auf die ausländische Stimmung gewirft nichtung in Deutschland endlich Schluk der angeblich mit dem Siege des Selbstnachzugehen, aus dem Kompromis eine hat. Daraus läßt sich ermessen, wie wichtig es gemacht wird. Enblojung zu machen. Dabei kommt alles ist, daß sich die Republik die kindisch- blöden und Das Ausland hat ein Interesse daran, daß brutal unterdrückt, wirtschaftlich ausgebeutet, bestimmungsrechtes der Völker geendet hat, darauf an, wie Deutschland die ihm gebotene unverantwortlichen Angriffe ihrer Gegner nicht Deutschland, einer der größten Verbraucher in brutal unterdrückt, wirtschaftlich ausgebeutet, Chance ausnutzt. mehr mit der unbegreiflichen Gelassenheit gefal- der Welt, wieder seine Rohstoffe kauft. Aber die politisch gefnebelt, ihrer primitivsten FreiheitsIn diesem Zusammenhang hat der Bericht len läßt wie bisher. Auch mit der deutschen Ju- Aussichten schwinden, wenn Gehalts- und Lohn rechte beraubt, in ihrer kulturellen, sozialen des Baseler Komitees, der nach dem Herausgeber stiz sollte man in dieser Beziehung ein ernstes fürzungen den Verbrauch in Deutschland un- und politischen Entwicklung gehemmt werden. einer bekannten englischen Wirtschaftszeitschrift, Wort reden. natürlich einschränken. Auf Kauftraftvernichtung Ein solches Beispiel der Unterdrückung eines des Economisten, als 2 aytonbericht Erforderlich ist weiter ein wirtschafts- laufen auch die spekulativen Getreidepreissteige- ganzen Volfes, wobei das außersozialistische bezeichnet wird, größte Bedeutung. Der Bericht politischer Kurswechsel. Unter dem rungen, die mit öffentlichen Mitteln durchgeführt Europa ruhig zusicht, sind die Ukrainer, ein Inüpft an zwei große Fehler in der inter Einfluß der Interessentengruppen hat die Re- werden und die die deutschen Getreidepreise auf Bolt von 35 Millionen Menschen, das ganz nationalen Wirtschaftsverflechtung an. Er sagt gierung Brüning in den letzten Wochen eine den doppelten und den dreifachen Betrag der einmal, daß man die Gläubigerstaaten und Politik betrieben, die nicht nur im Inlande, Weltmarktgetreidepreise getrieben haben, hinaus. einfach unter vier Staaten( Rußland, Polen, im Laytonbericht wird unter Gläubigerstaaten sondern auch im Auslande Bedenken ausgelöst Man wird den Schieleschen Exzessen ganz ener- Rumänien und die Tschechoslowakei) aufge vor allem Deutschland verstanden zu sehr hat. Wo gibt es eine Regierung in der Welt, gisch entgegentreten müssen, wie man sich auch teilt wurde. Es ist ein schwacher Trost für mit Zahlungsverpflichtungen über die mit Hunderten von Millionen Privatbanken darüber klar sein muß, daß die Regierung jetzt die Ukrainer, daß an dieser Zersplitterung I astet hat. Er jagt weiter, daß der Proteffaniert und es ablehnt, sich den nötigen Einfluß endlich in der Preissenkungsattion eines ganzen Volkes nicht nur die kapitalitionismus in der Welt die Handelsmöglich- und die nötige Kontrolle bei diesen Banken zu und in der Kartellfrage einen entschei- stischen Siegermächte des Weltkrieges sondern feiten eingeschränkt hat, so daß die Aussichten, sichern? Welchen Einfluß hat die Regierung denden Schritt tun muß. die dem Gläubigerstaat auferlegten Zahlungs- bisher auf die Verwendung dieser Gelder? Das Bajeler Ergebnis ist alles in allem ein auch Sowjetrußland Schuld trägt, das in dem verpflichtungen aus dem Ertrag seiner Wirt Welche Gewähr hat sie bis jetzt dafür, daß die Beweis dafür, daß die Verbundenheit der Völker mit Bolen abgeschlossenen Vertrag von Riga schaft zu erfüllen, unnatürlich und unerträglich Gelder richtig verwendet werden und die Sanie- fein Traum, sondern Wirklichkeit, ist. Es kommt die Masse des ukrainischen Volkes zwischen eingeschränkt worden sind. Daraus ergeben sich rung nicht durch neue Unbegreiflichkeiten illujo jeßt aber darauf an, dieses Zeugnis internatio- fich und Polen aufgeteilt hat. zwei Folgerungen: risch gemacht wird? So wird auch das Ausland naler Solidarität auszu nutzen. Der Wechfragen. Seine Forderung, daß der Staat eine fel, den man in Basel ausgestellt hat, muß ein volkswirtschaftlich richtige Lentung der auslän gelöst werden. Ob und wie das geschicht, das dischen Kapitalien garantiert, ist durchaus hängt schließlich von der künftigen Politik begründet. neue Reparationsverhandlungen mit dem Ziel, die deutschen Reparationslasten der deutschen Wirtschaftskraft anzupassen, und eine Einschränkung des Internationalen Protektionismus. * Deutschlands ab. * Taube Ohren in Washington. Amerita will von Herabfehung der Kriegsschulden nichts wiffen. Besonders in Polen ist die Unterdrüf fung des ukrainischen Volkes geradezut himmelschreiend und mit Schauern liest man die Beschwerdeschrift, welche vor furzer Zeit dem Bölferbund überreicht wurde und in welcher die Lage des ukrainischen Volfes in Polent dargestellt wird. Die darin geschilderten Tatsachen sollten nicht nur den Völkerbund, sondern auch das Gewissen der europäischen Menschheit aufrütteln. Sur unter diesen Umständen kann Deutschland Tangfristige. Sapitalien, die es zur Ankurbelung seiner Wirtschaft braucht, erhalten. Der Laytonbericht sagt uns nichts Neues. Es sind bekannte Wahrheiten, die hier allerdings besondere BedenEs ist nicht ein kleiner Nationssplitter Washington, 20. Auguft. Im Staats- 18. September 1. J. zurüderwartet wird, und des ukrainischen Volkes, der in Polen lebt, tung erhalten, da sie von einem Kreis der besteit internationalen Sachverständigen ausgesprochen departement neigt man gegenüber den Empfeh- teine definitiven Pläne gefaßt werden dürfen, sondern es handelt sich um sieben Milwurden. Der Laytonbericht wendet sich damit an lungen des Wiggin- Ausschusses zu der Ansicht, bis er im Weißen Haus einen mündlichen Bericht sondern es handelt sich um sieben Millionen Ukrainer, die auf einem Terrodie Politiker. Ist die Welt während der daß der gesamte Fragenkomplex einer sorg erstattet hat. fürchterlichen Krise für die im Laytonbericht fältigen Prüfung von taktisch- politischen torium von mehr als 130.000 QuadratkiloAus diesen Gründen wurden europäische enthaltenen Gedankengänge reif geworden, dann Gesichtspunkten aus bedürfe und man gegen Meldungen über eine neue internationale Ron- metern leben, einer Fläche, die fast so groß werden wir zu einer Lösung der Reparations- wärtig nicht in der Lage sei, irgendeinen formel- frenz hier als verfrüht bezeichnet. Insbesondere ist wie die Tschechoslowakei. Die ukrainische krise und zu einer erfolgreichen Auseinanderset- len Schritt anzukündigen. Man glaubt, daß es erklärte man im Staatsdepartement, daß ein Bevölkerung bildet rund 20 Prozent der zung mit dem Krebsübel des Protektionismus fich empfehle, dem am 20. Juni proklamierten angeblicher Plan, die Kriegsschulden durch Gesamtzahl der Bevölkerung kommen, was sicherlich start zur Ueberwindung Sooverplan, der ja sowohl die Kriegsschul- Herabsehung des Zinsfußes zu verringern, Polens. der Weltwirtschaftskrise beitragen wird. Tritt den wie die Reparationen umfaßte und erstmalig hier nie erwogen worden sei. Zu der ander schlimmste Fall ein, ist die Welt nicht reif in der Geschichte der amerikanischen Nachkriegs geblichen Meldung der Londoner Zeitung Daily terung besteht aus fleinen Bauern, die im Die große Masse der ukrainischen Bevöldazu, dann werden wir eine Reihe der bekann- politik die beiden Konten in Verbindung mit wollen hoffen, daß der Welt dieses Schauspiel wirkung zu geben. Sierzu kommt, daß Finanzprobleme ausgearbeitet habe, wurde er- Balizien allein als Saisonarbeiter ins Aus ten Weltkonferenzen ohne Ergebnis erleben. Wir einander brachte, Zeit zur ruhigen Aus- Herald", daß Präsident Hoover bereits einen größten Elend leben. Vor dem Weltkrieg ginneuen Plan für die Lösung der internationalen gen jährlich gegen 300.000 Bauernföhne aus nicht geboten wird und sie reif ist. Staatssekretär Stimson, der sich über die Das geht besonders Deutschland an. Es ist europäische Lage aus erster Hand informierte, lärt, daß der„ Daily Herald" nicht das Sprach- land, fast 50.000 wanderten nach Amerika wahrscheinlich ein Fehler des deutschen Volks nicht vor dem„ Labourday", also nicht vor dem organ der amerikanischen Regierung" sei. aus. In diesem Elendsgebiet hat nun die pol charakters, in politischer Beziehung von einem nische Regierung, statt den Bauern Boden zu Ertrem ins andere zu fallen, himmelhoch jauchAufgabe, die Geschäftsführung der Banken um geben, 80.000 polnische Kolonisten angesiedelt, send und tief betrübt zwischen Erde und Him Doch tein Finanzzoll in England? Interesse der Streditsicherheit zu überwachen, die insgesamt 200.000 Hektar des besteri mel zu schwanfen. Deutschland hat nun bereits einige Wochen in Selbsthilfe" gemacht London, 20. August.( Reuter.) Wie gemeldet ebenso die Einhaltung der Vorschriften des all- ukrainischen Bodens zugeteilt erhielten. Gine und schon eingesehen, daß sich das alles sehr wird, wurde im Kabinett eine Einigung betreffs gemeinen Aftienrechtes in Bezug auf Bilanz- Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoschön anhört, aber unmöglich gut ausgehen fann. der Balanzierung des Staatsbudgets erzielt. Be- abschlüsse und Bilanzprüfung. den scheitert an dem Mangel landwirtschaftJetzt, wo der Baseler Bericht aller Welt bescheis züglich der Einführung eines einheitlichen Einlicher Schulen, es gibt nicht eine ein nigt, daß Deutschland auf die ausländische Kre- fuhrzolles wurde teine Entscheidung Terroratte der kroatischen Emigration? ige ukrainische landwirtschaftdithilfe angewiesen ist, getroffen. Wie verlautet, deckt sich die Entschetbung des Kabinettes nicht in allen Bunften mit Die Bombenfunde in den jugoslawischen Zügen. Ii che Schule in Polen, während in den den von dent Kabinettssparunterausschuß vorge- Wien, 20. August.( Eigenbericht.) Die öfter- zwölf Jahren der polnischen Herrschaft 125 legten Empfehlungen. Ministerpräsident Ma- reichische Regierung bezw. die Sicherheitsbehör- polnische landwirtschaftliche Schulen errichtet Aber nur nicht! Alle Welt wird dem Layton donald und Finanzminister Snowden werden haben eingehende Erhebungen darüber ge- wurden. Man gestattet nicht einmal frais bericht glauben, daß Deutschland ein Kernstid den die Vorschläge der Regierung den Führern pflogen, ob die Bomben, die in den Zügen nachnische Genossenschaften: Anläßlich der Gewaltin der weltwirtschaftlichen Verflechtung ist, daß der übrigen politischen Parteien unterbreiten, Jugoslawien vor einigen Tagen bekanntlich eine taten im Herbst 1930 wurden viele ukrainische ihm nur durch ausländischen Stredit geholfen damit sie sich entscheiden können, ob die Parteien Explosion in Semlin verursachten, Genossenschaften von der polnischen Polizei werden kann und ihm geholfen werden muß die Regierung unterstüßen werden oder nicht. welche in der jugoslawischen Oeffentlichkeit gro- und den polnischen Soldaten zerstört und Aber zwischen Glauben und dem Hingeben von Die Vorschläge der Regierung werden ferner Bes Aufsehen erregte, in Desterreich in die Züge ausgeraubt. Krediten ist noch ein recht langer Weg. Diesen droht die Gefahr, daß alle Karten auf die ausländische Hilfe gesetzt werden. Weg hat Deutschland zu gehen und dieser Weg auch unverzüglich den Vertretern der Arbeiter gelegt wurden. Nun ist durs Erhebungen anter partei vorgelegt werden. bedeutet nichts anderes als die Wiederher= stellung des Vertrauens zu Deutschland. Hier hat Deutschland zu zeigen, was Selbsthilfe ist und was Selbsthilfe fann. Wir müssen uns darüber klar sein, daß die Wiederherstellung des Vertrauens vor allem Initiative der freien Gewerkschaften in der Bantenfrage. Einen Vernichtungsfeldzug hat die poldem Eisenbahnpersonal und durch andere Nachforschungen festgestellt worden, daß in der kritinische Regierung auch gegen das ufraihen Beit auf den Zügen der fraglichen Strecke nische Schulwesen unternommen. Der zwei Männer beobachtet wurden, welche bekannte Schulminister Grabski hat 1925 erklärt, er froatische Emigranten sind. hege die Hoffnung, daß die polnische SchulDie Polizei hat allen Grenzbehörden den politik im Laufe der nächsten 15 bis 20 Jahre Auftrag gegeben, die beiden, sowie sie an die eine vollständige Polonisierung der ukrainischen Bevölkerung in Polen herbeiführen Grenze kommen, zu verhaften. werde. Jm ukrainischen Gebiet werden nur Chicago in Konkurs. polnische Lehrer angestellt. Es gibt nicht Chicago, 20. August.( Reuter.) Der Bür einen ukrainischen Schulinspektor, die BildDarnach soll das Reich grundsäßlich die germeister von Chicago teilte mit, daß 20.000 nisse ukrainischer Dichter wurden aus den haben die Mittel der deutschen Innenpolitit Aufsicht über alle Banken einschließlich der Gemeindeangestellten von Chicago am 1. Sep; Schulen entfernt. In den elf Jahren der polBerlin, 20. August. Der Vorstand des Alleinen völligen politischen und wirt gemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes und des fchaftspolitischen Kurswechsel er Allgemeinen Freien Angestelltenbundes haben forderlich macht. Der Laytonbericht selbst dem Reichswirtschaftsminister Richtlinien für ein betont, daß eine Verständigung Deutschlands Gesetz über die Errichtung eines Bankenmit Frankreich notwendig ist. Unsere Außen- amtes" überreicht. politik hat dem Rechnung zu tragen und hier einzusetzen. Wir müssen in Deutschland, wenn das aus ländische Vertrauen zu uns wiederkommen foll, zu einer politischen Befriedung kommen. Niederlassungen ausländischer Banten haben, nur tember feine Gehälter werden ausbezahlt die Reichsbant jei mit Rücksicht auf die internationale Bindung des Bankengesepes aus zunehmen. Insbesondere habe das Bankamt die werden, wenn die gefeßgebende Körperschaft des nischen Herrschaft wurden rund 3000 Staates Illinois nicht die notwendigen finan- ufrainische Elementarschulengeschlossen, so daß der Besißstand der 20 ziellen Mittel zur Verfügung stelle. Seite 2 Freitag, 21. August 1931. Nr. 194. Prozent der Gesamtbevölkerung Polens aus-[ den primitivsten Menschenrechten, sondern ist 1gab es einen dahingehenden Beschluß des pol- seitigen. Diese Sittlichkeit ist aber nicht durch machenden Ukrainer an ukrainischen Schulen auch eine Verlegung der eingegan- nischen Sejms und zuletzt verpflichtete sich Sittenpredigen zu erreichen zweitausend Jahre in der kurzen Zeit auf faum 2 Prozent aller genen Verpflichtungen Polens. Polen dazu anläßlich der Unterzeichnung der katholischer Erziehungsarbeit beweisen das Schulen Bolens sank. Mehr als 90 Pro- Bolen hat nämlich, so wie andere Staaten, den Entscheidung des Botschafterrates betreffend sondern nur durch den Sturz der unſittlichen zent ukrainischer Kinder im Vertrag zum Schutz der Minderheiten unter- den Anschluß Galiziens an Polen am 15. Bourgeoisie. schulpflichtigen Alter besuchen zeichnet, in dem ausdrücklich des Recht der März 1930. Herr Hotelier Urban, Joachimsthal, nich tukrainische Schulen. Aber auch Minderheiten zur Gründung, Pflege und Kon- Diese Verträge bieten den Völkerbund„ Momentbilder aus Joachimsthal." die noch übriggebliebenen ukrainischen Schu- trolle der Schulen und anderer Erziehungs- genügend Handhaben, um zugunsten von sielen schwinden allmählich. Diese polnische anstalten in ihrer Unterrichtssprache festgesetzt ben Millionen Menschen, die wie Kolonial- schreibt uns: Schulpolitik in den ukrainischen Ländern wurde. Ueberdies hat Polen den Großmächten jflaven behandelt werden und welche der brachte es mit sich, daß mangels nötiger Lehr- gegenüber sich verpflichtet den Ukrainern fascistische Staat Pilsudskis national vernich bilder aus St. Joachimsthal" vom 28. Juli d. 3. Bezugnehmend auf Ihren Artikel Moment anstalten im Schuljahr 1930-31 an 200.000 Die territoriale Autonomie zuten will, einzugreifen. Die Unterdrüterlaube ich mir, Ihnen höft. mitzuteilen, daß der ukrainischer Kinder im schulpflichtigen geben. Zuerst wurde ein solches Versprechen kung der Ukrainer in Polen ist Inhalt desselben unrichtig ist und auf falsche Alter ohne Unterricht blieben. am 25. Juni 1919 anläßlich der Unterzeich eines der vielen Schandmale der Informationen Ihres Berichterstatters zurüdzuWas die Mittelschulen anbelangt, so gibt nung des Friedensvertrages gegeben, dann europäischen Diftaturen. es deren in Polen zur Zeit 777, wovon 271 auf Staatsfosten erhalten werden. Die Utrainer besitzen sechs Mittelschulen, die ihnen nach dem Zerfall Oesterreichs noch übriggeblieben sind, außerdem aber noch 15 auf Privatkosten erhaltene. Die Zahl der ukrainischen MittelA Wozu wurde die Straßenfondsnobelle verwendet? Damit das Geld ungenükt liegen bleibt! führen ist. Es ist unrichtig, daß ich deutsche Hotelbedienstete nur insoweit beschäftige, als es sich um niedrige und schlecht entlohnte Arbeit handelt. Es ist vielmehr richtig, daß ich eine große Zahl der Hotelangestellten deutscher Nationalität auch an führenden Stellen beschäftige, wenn dieselben die tscheschulen beträgt also bloß 2.2 Prozent aller Bon der im heurigen Frühjahr beschlossenen bessergestellte Bezirke, die in der Lage wären, den hische Sprache beherrschen. Alle Angestellten meines Mittelschulen im Staate, oder zehnmal weni- Straßenfondsnovelle wurde allseits eine Be- Straßenfonds in Anspruch zu nehmen, über eine Hauses müssen unbedingt beide Landessprachen vollger als den Ukraifern nach dem Bevölkerungs- lebung der produktiven Arbeitslosenfürsorge gewisse Grenze hinaus nicht berücksichtigt werden kommen beherrschen, die führenden müssen auch der schlüssel zufäme. Es gibt in Polen 119 Leh- erwartet. Sollte sie doch ermöglichen, daß für die dürfen. Außerdem wurde die staatliche Subven- englischen und französischen Sprache mächtig sein. rerbildungsanstalten, aber nur an zweien von staatlichen Straßen wieder entsprechende Sub- in der Mehrzahl der Fälle auf 55 Prozent herab ichen Nationalität aufnehme, wenn er nicht die notwendigen Refonstruktionen auch der nicht- tionsquote, die früher bis zu 70 Prozent betrug, Genau so wie ich keinen Angestellten der tschechi ibnen werden einige Gegenstände in ukrainiventionsgelder scher Sprache gelehrt. Von den 301 auf Ursprünglich waren für diesen Zweck jährlich um so unbegreiflicher, da es sich doch um Beträge nicht solche deutsche Angestellte beschäftigen, wenn bereitgestellt werden können. gefeßt. Diese Haltung des Finanzministeriums ist deutsche Sprache perfekt beherrscht, kann ich auch Staatstosten erhaltenen Fach 90 Millionen vorgesehen, welcher Betrag dann mit gejeßlicher Zived bestimmung handelt, die den sie nicht die tschechische Sprache beherrschen. Eine schulen ist keine einzige ukrainisch. um weitere 30 Millionen erhöht wurde. Diese jetzt üblichen Budgetersparungen gar nicht unter- Ausnahme bildet nur jenes Personal, welches mit Es gibt auch keine einzige ukrai Vorsorge des Parlaments zur Beschaffung von liegen. Oder soll etwa mit den Subventionen den Gästen nicht in Berührung kommt, wie das nische Hochschule in Polen. Wohl hat Arbeitsgelegenheiten wird aber durch die Finanz- für die nichtstaatlichen Straßen zu dem Zwecke Bersonal der Küche, verschiedene Handwerker usw., die polnische Regierung in der Zeit, als sie not der Bezirke und den Fiskalismus des geknausert werden, daß man dann gegen Jahres- wo die Kenntnis beider Landessprachen nicht ersich um die Zuerkennung des Besitzes von Zeil illusorisch gemacht. Nachdem de ueberdotierung der Staatsstraßen übrig hat? Finanzministerium s zum erheblichen schluß wieder einen hübschen Bazen Geld für die fordert wird und ich beschäftige daher fast ausGalizien in den Jahren 1920-22 bemühte, schließlich hiesiges Personal deutscher Nationalität. am 22. Jänner 1922 ein Gesetz erlassen, wo- Bezirke in der Mehrzahl der Fälle den auf sie Wir sind der Auffassung, daß nach dem Um Ihnen ein Bild zu geben, inwieweit Antdurch die Errichtung einer ukrainischen Uni- entfallenden Aufwand nicht decken können, wer- Willen der gesetzgebenden Körperschaften die gestellte deutscher Nationalität in den einzelnen den die Mittel des Straßenfonds nicht aus Mittel versität im Jahre 1924 garantiert wurde. geschöpft. des Straßenfonds unbedingt ihrem Kategorien beschäftigt sind, führe ich Ihnen an: Zwecke der Straßenerhaltung, wie der ArSeither sind neun Jahre vergangen, ohne daß beitsbeschaffung zugeführt werden müssen. zur Durchführung dieses Gesetzes auch nur Man möge die Anforderungen der gutfituierten die ersten Schritte unternommen worden Bezirke im vollen Umfange berücksichtigen und wären. für die schlechtsituierten Bezirke die Subventionsquote auf 80 Prozent hinauffeßen, dann wird es möglich sein, die 120 Millionen für die nichtstaatlichen Straßen ihrer Bestimmung zuzuführen. wer- Willen Für die Rekonstruktion der nichtstaatlichen Straßen find bisher kaum 40 Millionen, also nicht einmal ein Drittel des verfügbaren Betrages an Subventionen bewilligt worden. Ebenso werden alle ukrainischen Volksbildungsanstalten system atisch vernichtet. Im Herbst 1930 wur Dabei stellt sich das Finanzministerium auf den von polnischem Militär und der polni- den unbegreiflichen Standpunkt, daß finanziell schen Polizei 100 ukrainische Volksbildungsvereine, Lesehallen, Büchereien u. dgl. demoliert, ferner löfte die polnische Regierung im Laufe von drei Monaten 23 ukrainische als Heilmittel gegen Wirtschaftsnot und Hunger! Boltsbildungsvereine und 32 ukrainische Turn- und Feuerwehrvereine auf. Opfern und Beten In der Administration: 2 Angestellte. In der Reception: 3 Sekretäre, 4 Pageboys, 6 Kellnerlehrlinge( diese werden nur deutscher Nationalität aufgenommen), 2 Oberkellner, 8 Kellner, 3 erste Zimmermädchen, 5 zweite Zim mermädchen, 1 Obermagazineur. Auch in anderen Kategorien sind Angestellte deutscher Nationalität ziemlich stark vertreten. Unter dem Hilfspersonal und als Handwerker werden fast ausschließlich lokale Kräfte deutscher Nationalität beschäftigt." * Ganz klar ist das ja nicht ausgedrückt und Herr Dostalet wird wissen warum. Immerhin aber kann der bescheidene Sinn, den dieser GalliWir bemerken dazu nur folgendes: mathias verbirgt, doch nur der sein, daß Staat Da zerbrechen sich Wirtschaftspolitiker und und Wirtschaft in Butter wären, wenns nur mit Herr Urban berichtigt eigentlich etwas, was Die polnische Regierung hält die gesamte und Arbeitslosigkeit zu steuern wäre und fommen erfüllt wäre, wenn jede Familie eine Kirche mit, wieviel angestelltes Personal Staatsmänner den Kopf, wie der Wirtschaftskrise der Sittlichkeit, klappte, die hinwiederum restlos nicht zu berichtigen ist. Er teilt vor allem nicht ukrainische Bevölkerung unter fürchter zu feinem Ergebnis die Talentlosen! Die bildete, wenn alle opferten und beteten. Was die Talentlosen! Die bildete, wenn alle opferten und beteten. Was er hat und ebenso ist seine Berichtigung, daß in lichem polizeilichen Drud. Utrai Sache ist doch so einfach! Man braucht dazu nicht die Armen, die selber nichts haben, opfern sollen, er hat und ebenso ist seine Berichtigung, daß in nische politische Parteien werden verfolgt. den Stein der Weisen, sondern nur, gut verdaut, verrät Herr Dostalet nicht. Aber vielleicht hat den anderen Kategorien Angestellte deutscher Ueber der ukrainischen Presse lastet der schwere die Rede, die der ehemalige Minister er es verkehrt gesagt: erst beten und dann, Nationalität ziemlich stark vertreten sind, als Druck der polnischen Zensur, von welcher auch Dostalet, Führer der tschechischen wenn der Erfolg da ist, opfern. Und damit sind eine inhaltsloje Behauptung aufzufassen. die Reden der ukrainischen Abgeordneten im leritalen, am Sonntag auf seinem Landes- sodann, in Gott, alle Wirtschaftssorgen gebannt. Beint Rabium- Kurhotel in St. Joachims Warschauer Sejm nicht verschont bleiben, Ver- parteitag in Pardubisz hielt. Dieser Herr, der mit Vollends in englischem Weiß aber erstrahlt haftungen von Ukrainern, zumeist ohne den in der Regierung sibt, ist mit ihr also mit das Ei des Columbus Dostalet in der Feststel- hal sind gegen 200 Personen beschäftigt und geringsten Anlaß, sind an der Tagesordnung. sich selber höchst unzufrieden, angeblich vor lung", daß eben nur der Mangel sittlicher Werte ihrer Nationalität nach höchstens 40 Deutgeringsten Anlaß, sind an der Tagesordnung. allem deshalb, weil die jezige Regierung nicht schuld daran ist, wenn das Volk hungert, obwohl ich e. Das geht übrigens aus der Berichtigung Die Verhafteten werden monatelang in imstande war, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen", Nahrungsmittel im Ueberfluß vorhanden sind: des Herrn Urban selbst hervor. Im großen ganden Gefängnissen gehalten, ohne daß obzwar das doch gewiß eine ganz einfache Sache alle, alle Not hätte mit einem Schlag ein Ende, zen hat Herr Urban mit seiner Berichtigung mur ihnen die konkreten Ursachen ihrer Verhaftung wäre! Hier das Rezept: wenn nur die sittlichen Werte, als da sind opfern mitgeteilt werden, wobei Mißhandlun „ Die Grundlage aller Grundlagen des Staates und beten, genügend vervielfältigt würden! bestätigt, was wir mit unserer Notiz behauptet gen während der Untersuchungshaft nicht ist die Sittlichkeit. Jede Familie möge eine Aber schließlich hat selbst Dostalets fromme haben. Die Tatsache, daß eben im Radium- Kurselten sind. Die ukrainische Sprache wird im Kirche sein, wo geopfert und gebetet werde. Wenn Theorie einen wahren Kern. Denn tatsächlich hotel 160 tschechische Angestellte 40 deutschen AnAmt verfolgt und selbst in der Kirche zurück- das Boll Not leidet, obwohl große BVorwürde eine jittlichere Gesellschaftsgestellten gegenüberstehen, vermag auch die Begesetzt. räte an Nahrungsmitteln vorhanden ordnung, als es die von Herrn Dostalek geseien, so ist das eben auf einen Mangel an jittlichen Werten zurückzuführen." Dieses brutale Vorgehen der polnischen Regierung ist nicht nur im Widerspruch mit ( Nachbruck verboten.) 47 -aus der Hand?" fluchte Clay und sah sich nach jeinem neuen Angreifer um. Aber Clay sah nur Pfeile aus dem Jenseits.ie Umriffe von Bings Gestalt. Niemand war weiter zu ſehen. ,, Das war ich!" sagte Bing. Er lachte jetzt sogar ein wenig, und Clay zitterte vor Wut. Aber zum Teufel, Mann, warum haben Sie das getan!" Von Hans- Herbert Varien. Copyright Greiner& Co., Berlin NW. 6. „ Ich erwarte... vielleicht einen Toten! Ich rate Ihnen, sich nicht zu erschrecken!" Aber es fant ein wenig anders. Derjenige, der erschrak, war Bing. Bing trat mit einem Fluch hinter dem Baum hervor. Dieser Fluch war so kräftig, daß Clay ihn dem Dichter Bing nicht zugetraut hätte. Aber auch Clay war erschrocken über das, was er jah. Die kleine Tür hatte sich geöffnet. Langsam und vorsichtig. Plößlich sprang eine Gestalt hervor. Diese Gestalt aber war ein. Neger. Sein Gesicht war gräßlich verzerrt. Die Augen flacerten. Und soweit Bing in dem unsicheren Schein einer schwachen Gaslampe, die vor der Tür stand, sehen konnte, waren seine Hände blutig. Der Neger stieß einen gräßlichen Schrei aus, als er Bing und Clay erblickte. Er zog im gleichen Moment einen schweren Colt- Revolver. Che Clay seinen eigenen Revolver aus der Tasche ziehen fonnte, frachte neben ihm ein Schuß. Der Revolver des Negers fiel zu Boden. Der Neger machte jezt einen gewaltigen Sak und war an Clay und Bing vorbei. Er rafte die Straße herunter Jezt aber hatte Clay seine Waffe flar. Der Neger war noch zu nah, als daß er hätte blen fönnen. Clay hob seine Waffe und zielte mit Bedacht. Man soll nie jemanden in den Rücken schießen. Das ist wie... Mord!" Bings Stimme hatte einen so seltsamen Klang, daß Clay nicht erkennen fonnte, ob diese Worte Spott oder Ernst waren. Clay hatte das sichere Gefühl, daß hier wieder das Geheimnis, das all diese Männer um gab, sein Haupt erhöbe. Sie haben doch auf den Mann geschossen!" sagte Clay. Er verstand die Handlungsweise Bings nicht im geringsten. Hand!" Ich schoß ihm nur den Revolver aus der ,, Das war Absicht?" „ Ohne Zweifel!" Was ist das hier riecht es nach verbranntem Zeug!" sagte Clay und hob seine Nase in die Luft. Oh, das hat nichts zu sagen. Meine Tasche habe ich ein wenig verbrannt!" " Ihre Tasche?" " Ja, denn ich hatte keine Zeit, um den Revolver zu ziehen. Ich mußte aus der Tasche herausschießen!" ter? Und wollten nur den Revolver treffen?" " Sie sahen es!" Bing kicherte lustig. Sagen Sie..., sind Sie... ein Dich ,, Ebenso sicher, wie jener Neger... ein Aber ehe Clay abdrücken konnte, wurde ihm der Revolver aus der Hand geschlagen. Die Toter ist." Waffe entlud sich, und die Kugel schlug so unglücklich in die Gaslampe, daß es plöslich um Clay dunkel wurde. Bum Teufel, wer schlug mir den Revolver erklären." Das verstehe ich nicht, und Sie müssen sich ,, Dazu habe ich leider keine Zeit mehr!" Bing zog eine Uhr hervor und ließ sie repetieren. schütte christlich- fapitalistische ist, den Wahnsinn richtigung des Herrn Urban nicht aus der Welt der Gegensätzlichkeit von Ueberfluß und Not be- zu schaffen. ,, Es ist elf Uhr. Um elfeinviertel habe ich, war jener Schlaf der Nervösen. Er sprach rauhe eine Verabredung. Ein Rendezvous, wenn Sie und wilde Worte vor sich hin. Er warf hier und wollen. Morgen werde ich Sie besuchen. Dann da einen Arm in die Luft. Er fluchte sogar laut werde ich Ihnen vielleicht mehr sagen können ... Auf Wiedersehen!" Clay fühlte eine Hand, die die seine ergriff. Aber diese Hand war eisfalt. .. wenn ich dann noch lebe!" sagte Clay resigniert, denn er dachte an die letzten Stunden. ,, Es wird Ihnen nichts mehr passieren... Mein Wort darauf!" sagte Bing. The Clay recht die Worte Bings begriffen hatte, war Bing schon verschwunden. Er hörte nur noch Bings enteilende Schritte. Fast hörte es sich an, als liefe Bing. Er hatte sich in der selben Richtung entfernt wie der Neger. Clay hatte einen Augenblick den Wunsch, Bing zu folgen. Dieser Wunsch war ganz in tuitiv und entsprang feinem besonderen Gedan kengang. Clay machte sogar schon einige Schritte. Aber dann lehrte er doch wieder um. Es gab teine Begründung für diese Verfolgung. Vielleicht wäre es besser gewesen, Clay wäre feinem Gefühl gefolgt. Sicher hätte er manches Interessante erlebt. ,, Wie kann Bing wissen, daß mir nichts mehr passiert?" murmelte Clay, als er zur Brandstelle und seinen Leuten zurüdeilte. Hinter all den steckt ein verd... Geheimnis, und ich will Zeit meines Lebens ein Narr sein, wenn ich nicht doch noch dahinter fomme..." Clay sah einen Trupp Polizisten auf sich zukommen. Der befohlene Kordon war gezogen. Natürlich ist es zu spät!" fluchte Clay in sich hinein, und eine grenzenlose Wut wurde in ihm wach. XXIX. Besuch in der Nacht. Ueber den Horizont schob sich eben die Mor gendämmerung herauf. Clay wälzte sich unruhig im Bett hin und her. Er schlief, aber es und kräftig im Schlaf. Das alles konnte man Clay nicht verdenken. Der Mord des Commanders war ungeklärt. Von dem Neger war feine Spur in der ganzen Stadt zu finden gewesen. Er hatte seine ganze Beamtenschaft auf die Beine gebracht. Es war ver geblich gewesen. Nur in der Westerton- Bar hatte man einen total betrunkenen Neger gefaßt, der zu betrunken war, um sich auszuweisen. Clay hatte zuerst ein wenig gehofft, als man ihm von der Verhaftung telephonierte. Um so größer war sein Schreck, als er den Nigger sah. Ein fleines miefriges Kerlchen. Eher ein Zwerg. Er hatte nicht die geringste Aehnlichkeit mit jenem großen und sogar dicken Neger gehabt, den Clay aus der Parktür hatte kommen sehen. Das rätselhafte Auto war wie vom Erdboden verschluckt gewesen. Im Hause des Com manders war natürlich auch weiter feine Spur zu finden gewesen. Nein, die Sache war auf einen so toten Punkt gekommen, wie es nur überhaupt mönlich war. Jetzt hatte Clay auch nicht einmal mehr eine Theorie mehr gehabt. Uebermüdet, fluchend, enttäuscht war Clay schlafen gegangen, als der erste helle Strich am Horizont sichtbar wurde. Er hatte jetzt vielleicht eine Stunde in dic sem Halbschlaf gelegen, der eher einer Betäubung glich. Clay sah nicht die unheimliche Gestalt, die an seinem Bett stand. Es war ein Hüne von Kerl. Aber sein Anzug war total zerrissen. Sein Gesicht seit Wochen nicht rasiert. Er machte einen Eindruck, daß ihm bestimmt keiner im Dunkeln hätte begegnen mögen. Wenn Clay erwacht wäre, so wäre er be stimmt mit einem Aufschrei erwacht. Und trovdem schien es höchste Zeit für Clay zu erwachen. ( Fortsetzung folgt.) Rr. 194. Freitag, 21. August 1981. Geile 3 Die KPD oon heute. Bon Kranz K ü n st l« r, Berlin. . Heinz Reumann, der eigentliche Führer der lommunistifchen Partei Deutschlands und das gefügige Werkzeug der russischen Tscheka, hat im Frühjahr in der Berliner„Roten Fahne" die baldige„wahrhafte Bolksrevolution" angekündigt. Aus der Volksrevolution wurde fünf Monate später der Dreibund der Hugenberg, Hitler und Thälmann. Diese Dreieinigkeit von Stahlhelm, Hakenkreuz und Sowjetstern im Kampf gegen die Demokratie und Arbeiterklasse erlebte am 9. August eine katastrophale Niederlage. Der Ueberlauf der Thälmann und Neumann zur weißen Front „der Henker und fascistischen Mordbanditen" hat Millionen kommunistischer Arbeiter die Augen geöffnet. Diese Arbeiter verdienen unsere ganze Aufmerksamkeit. W i r müssen sie überzeugen, daß der Zersplitterung und Zerreißung der deutschen Arbeiterbewegung Einhalt geboten werden muß. Der Empörung der kommunistischen Arbeiter über den Verrat und die Niederlage vom 9. August glaubte» gewisse Stellen in-er Leitung der deutschen Sektion der IH. Internationale dadurch begegnen zu können, daß die blutigen Vorgänge am Bülowplatz in Berlin zum Blitz»! ableiter für das an der Arbeiterschaft begangene Verbrechen ausersehen waren. Alle Uederfälle auf Polizeibeamte und sozialdemokratische Funktionäre vor und am 9. August waren nicht unvorbereitet. Die intellektuellen Urheber sind in jenen Kreisen der kommunistischen Partei zu suche», die sich um da- militärpolitische Mit- teilungsblatt„Oktober" gruppieren. Um dieselbe Zeit als Heinz Neumann im März d. I. ausrief:„Die Kommun« marschiert auf, die Kommune steht drohend im Hintergrund!", wurden in dem militärpolitischen Mitteilungsblatt„Oktober"— einen illegal erscheinden Schrift— Serienartikel über„Die revolutionäre Armee und der Straßenkampf" und„Zur Taktik des Straßenkampfes im bewaffneten Aufstand" veröffentlicht. Selbst vom rein„revolutionären" Standpunkt der Kommunisten auS gesehen, sind di« Veröffentlichungen ein Verbrechen. Nie hat irgendein Generalstüb seinen Feldzugsplan in Broschürenform erscheinen lassen, damit der Gegner Einblick erhält über Ziel und Taktik des militärischen Vorhabens. Die Kommunisten aber besprechen all« Einzelheiten einer gewaltigen Auseinandersetzung und liefern ihre eigenen Leute von vornherein dem Gegner auS. Ist eS Wahnsinn oder Spitzelarbeit? Wer wird diese Frage richtig beantworten können! Beides wird zusammengehören. Ueber die Aufgaben der Abteilun- g«n der revolutionären Armee heißt es in der Aprilnummer 1931 der Schrift Oktober": »Organisierung und Bewaffnung". 1. Selbständig« militärische Aktionen. 2. Führung der Volksmenge. Di« Abteilungen können jede Größe haben, von zwei, drei Mann angefangen. Die Abt«ilungen sollen sich selbst bewaff nen, so gut eS geht(Gewehr, Revolver, Bombe, Messer, Schlagring, Stock, petroleumgetränkte Lappen zur Brandstiftung usw.) Die Abteilungen sollen sich nach Möglichkeit aus Leute« zusammensetzen, dir nah« beieinander wohnen. Fede Abteilung soll im voraus die Methoden und Mittel gemeinsamen Vorgehens auS- arbeiten: Zeichen in den Fenstern, Zuruf«, und Pfiff«, um in der Menge die Gruppengenossen zu erkennen ustv. Auch ohne Waffen wird den Abteilungen aufgegeben eine ,^sehr ernste Rolle" zu spielen: 1. Indem st« die M«nge führen, 2. indem sie bei günstiger Gelegenheit Schutzleute überfallen und ihnen di« Waffen wegnehmen. Ueber die vorbereitenden Aktionen wird wörtlich ausgeführt: „Wir wiederholen, daß auch mit den, praktischen Arbeiten sofort begonnen werden muß. Sie zerfallen in vorbereitende und militärische Opera-, tionen. Zu den vorbereitenden Operationen gehören: Die Beschaffung aller Arten von Waffen und Patronen, di« Auswahl von für den Stra- ßrnkampf geeignet gelegenen Wohnungen(geeignet für den Kampf von oben, für die Unterbringung von Bomben, Steinen, usw. oder von Säuren zur Begießung von Schutzleuten. Arbeit gibt eS dabei genug, und zwar eine Arbeit, bei der jeder, auch wenn er zum Straßenkampf ganz ungeeignet ist, sogar ganz schwache Leut«, Frauen, Halbwüchsige, Greise usw. ungeheuren Nutzen bringen können." Ueber den Einfluß der topographischen Besonderheiten der Stadt als Kampfgebiet auf die Taktik des Straßenkampfes heißt es weiter: „Die Stadt gibt den Kämpfenden eine Reih« von Vorteilen, die insbesondere den schlechter bewaffneten und schlechter organisierten Aufständischen zugute kommen. Das Vorhandensein toter Schießwinkel. in allen Richtungen und solider Deckungen gibt verhältnismäßig viel Schutz vor dem Feuer der Gewehre, Maschinengewehre und der leichten Artillerie. Die Erkundungsmöglichkeiten sind außerordentlich beschränkt. Nachrichten über den Gegner siud nur sehr unvollständig und nur durch fortwährenden Kampf und durch Agenten(Ausnützung der nichtkämpfenden Bevölkerung) zu diesem Zweck bekomme»". Trotzdem aus dem Boraufgesagten klar hervorgeht, in welchem Nachteil sich die von den Kommunisten geführten Aufständischen gegenüber der Staatsmacht befinden, kommt der militärische Fachberater zu nachstehender Schlußfolgerung: „Die Geschichte der vergangenen Ausstände in Westeuropa scheint zu beweisen, daß die Aufständischen unter den modernen Bedingungen einen Straßenkampf nicht gewinnen können. Das ist ein großer Irrtum. Trotz objektiven Schwierigkeiten, trotz der Rückständigkeit in der Taktik des Straßenkampfes haben die Aufständischen selbst in den vergangenen Kämpfen lehrreiche Beispiele gegeben, die beweisen, daß alle Chancen für sie sind. Unsere Sache ist es, die neuen Bedingungen, die neuen Methoden des Kampfes zu lernen, um die alten Fehler endgültig zu über- winden." Es war an der Zeit, gerade jetzt das Hafar- deurspiel der Kommunisten zu besprechen. Diese Richtlinien für den Straßenkampf und Bürgerkrieg sind blöden Hirnen vom Schlage eines ,Massenkämpfers" und Leutnants Scheringer entsprungen. Wenn jetzt Polizeibeamte im Dienst getötet und sozialdemokratische Funktionäre überfallen werden, so sind als die eigentlichen intellektuellen Urheber die zu betrachten, die planmäßig und verbrecherisch Arbeiter zu den gekennzeichneten„revolutionären" Handlungen treiben. In ihrem ganzen Tun und Treiben unterscheiden sich die- Kommunisten nicht im geringsten von ihren fastistischen Bundesgenossen. Der 9. August war der Anfang zu einer Gesundung der deutschen Arbeiterbewegung. Jetzt gilt es, die Arbeiterbewegung von der ansteckenden Moskauer Krankheit zu heilen. Lin Hetzfilm und ein Kitsch obendrein! Ab Freitag beginnt in der Tschechoslowakei — zunächst in drei Präger Kinos— der Film „Engel der Hölle" zu laufen. Gerade wir, die toir den Kampf gegen die Hakenkreuztrottrl, die den Remarqurfllm zum Ziel ihrer Manöver gemacht hatten, mit dem Erfolg geführt haben, daß der Film jetzt in der Provinz überall ohne Störungen läuft und die Oeffentlichkeit sich von der Sinnlosigkeit der Hetze überzeugen kann, haben das moralische Zf echt, einen nationalistischen Kriegsfilm, komme er von welcher Seite immer, aufs schärffte abzulehnen.„Engel der Hölle" ist ein Film, gegen den man nicht scharf genug auftreten kann. Er stellt völlig einseitig die Deutschen als Gewaltmenschen, ekelhafte Karikaturen von Menschen, die Engländer aber als opfernde Helden hin. Einige Beispiele: das Vorkriegsdeutschland wird an einem Münchener Biergarten, in dem eine Familie plötzlich zu rufen beginnt, an einer Fatzke von Offizier und einer Schlampen- von Offiziersdame gezeigt. Beim Zeppelin-Angriff auf London läßt der Kommandant des Luftschiffes, wieder eine Karikatur dümmster Art, den Beobachter, weil das Einziehen der Gondel zuviel Zeit kosten würde, abschneiden oder bester, da sich der Monteur weigert, den Kameraden zu töten, schneidet der Kapitän ihn selbst ab, dazu theatralisch sprechend:„Mit Gott für Kaiser und Vaterland!" Weil das nicht genügt, um das Luftschiff schneller fahren zu machen, läßt der Kapitän die halbe Besatzung abspringen. Das ist alles ebenso blöd wie tendenziös. Einem gefangenen englischen Flieger wird angedroht, daß er binnen zwanzig Minuten erschossen werde, wenn er nicht die englischen Pläne verrate! Warum hat man denn nicht jenen Zeppelinangriff gezeigt, nach welchem der Kapitän eines englischen Handelsdampfers den schiffbrüchigen deutschen Soldaten die Rettung verweigerte? Es gab im Luftkrieg wahrlich auf beiden Seiten so viele abschreckende Barbareien, daß ein ehrlicher Film nicht nur die Deutschen als„Engel der Hölle" zu zeigen brauchte. Der Film kann, wo immer er gezeigt wird, nur die nativ- nalistischen Leidenschaften auf- st a ch e l n, die übelsten Instinkte im Zuschauer entfesseln. Deutsche werden aus innerer^Reaktion heraus nationalistisch werden, Nichtdcutsche werden zum Deutschenhaß aufgepeitsch. Es sei aber auch ein Wort über die„künstlerstwe" Dualität dieses nationalistischen Machwerkes gesagt. In England sagt man„von 400 Amerikanern ist der Statistik zufolge einer irrsinnig; die übrigen 399 singen die Schlager, die er komponiert"; man könnte auch sagen„... sehen sich die Filme an, di« er dreht"; denn nach allem, was seit dem Sieg des Tonfilms aus Amerika zu uns kommt, muß man schließen, day die Film- produktion in die Irrenhäuser verlegt worden ist.„Hell's Angels" stellt in seinem nicht-mili- tärischen Teil das äußer st e an Schmiere dar, daS sich denken laßt. So kindisches und schlechtes Spiel sah man zuletzt etwa um 1912! Ein Frauenzimmer, besten schauerliche Blondheit, Magerkeit und Geschmacklosigkeit szenenweise noch koloriert gezeigt wird, läßt einen geradezu übel werden; aktelang ist man versucht, mit brachialen Mitteln gegen den Stumpfsinn und die widerlichen Erscheinungen auf der Leinwand zu protestieren. Man muß sich nur wundern, daß eine Verleiher-Firma wie die U n i t e d A r t i st s, die bisher fast ausnahmslos Qualitätsware importiert hat, diesen Film in die Tschecho- slowakei bringt. Richt Wundern wird man sich über unsere Filmzensur, die diesen Film mit allen Schweinereien unbeanständet durchgehen ließ und sich dafür an guten Filmen schadlos halten wird. Von diesem Konsortium hat man nichts anderes erwartet. Das streicht zwar aus einer Wochenschau das republikanische Deutschlandlied, weil eS staatsgefährlich wäre, läßt aber in der gleichen Wochenschau ungeniert das„God save the king" spielen, dessen Melodie doch die des deutschen Kaiserliedes und doch Wohl genau so„staatsgefährlich" ist wie die des Deutschland-Liedes. Nein diese Filmzensur hätte uns nur überrascht, wen» sie ausnahmsweise einmal einen Film verboten hätte, den zu verbieten Anstand, Kulturpflicht und ethisches Gefühl geboten hätten! Selbstverständlich hat sich auch der gute Europäer Beneö für nicht befugt und berufen erklärt, gegen den Dreckfilm einzuschreiten. ES wird an Deutschland sein, die Konsequenzen zu ziehen, wenn man einmal in der umgekehrten Lage ist. Denn wenn auch die deutschen Firmen nicht vier Millionen Dollar auf einen Dreck anwenden können, ein paar Paralytiker, die einen den „Hell's Angels" künstlerisch und moralisch gleichwertigen Film drehen könnten, würde niaii schon auftreiben. Die deutsche Provinz sei jedenfalls vor dem Machwerk gewarnt! Dr. E. F. Streckenarbeiter bei Karlsbad vom Sage überfahren Karlsbad, 20. August. Heute früh fuhr der Schnellzug Eqer— Reichenberg, der Karlsbad um 7.4o Nhr verläßt, zwischen den Ortschaften Dallwitz und Neubau, unweit des Ortes Sotten in eine Gruppe von Streckenarbeitern. Zwei von den Arbeitern, der 28- jährigc Streckenarbeiter P o v l a d a, verheiratet und Vater zweier Kinder, und der 26jährige ledige T.cckenarbeiter Hönel wurden von der Lpkomotive erfaßt, zu Boden gestoßen und getötet. Beiden wurden die Glieder vom Leibe getrennt.- Ein weiterer Arbeiter erlitt infolge des grausigen Awblicks einen schweren Nerven- chock. Die übrigen Arbeiter kamen glücklicher- wesse mit dem bloßen Schrecken davon. Die Ursache des Unglücks ist darauf zurückzuführen, daß der Reichenberger Schnellzug heute früh aus verkehrstechnischen Gründen auf einem sogenannten „falschen Geleise" fuhr, welches in der Regel nur zu Fahrten in entgegengesetzter Richtung benützt wird. Scheinbar sind die Arbeiter von dieser Tatsache nicht unterrichtet worden, so daß sie der Richtung von Karlsbad keine Aufmerk- samkeiO schenfien. Nach den Erhebungen ist zwar von Karlsbad aus eine Verständigung an die Arbeiter abgegangen, doch ließ sich bisher nicht feststellen, ob sie dieselbe auch erreicht hat. Gleichzeitig wurde auch festgestellt, daß der Partieführer Hönel plötzlich verschwunden ist. Man nimmt an, daß Hönel, der als tüchtiger und verläßlicher Vorarbeiter bekannt ist, eS verabsäumt hat, seine Arbeitskollegen von der diesbezüglichen Aendevung zu verständigen und daß er aus Grqm über sein Versehen Selbstmord verübt hat. Karpathorussischeö. Zusammenschluß der Parteien gegen die Agrarier. Für Dienstag hatten die tschechischen Sozialdemokraten die Vertreter aller übrigen Parteien Karpathorußlands zu einer Beratung eingeladen, zu der alle Parteien mit Ausnahme der Agrarier und Kommunisten erschienen. Die bratenden Parteien stellen einen Block dar, welche bei den letzte» Wahlen 137.000 Stimmen erhielte», während auf die Agrarier 95.000 und auf die Kommunisten 30.000 entfielen. In der Beratung wurde der tiefsten Unzufriedenheit mit den Behörden Ausdruck gegeben, die kein Interesse für die notleidenden Kleinlandwlnr und Arbeiter haben. Tie Subventionen>verden ausschließlich an Angehörige der Agrarpartei verteilt, der Landespräsident kümmert sich nicht um die Anftagen, die an ihn in der Landesvertretung gestellt werden. Die versammelten Parteienvertreter werden sich für die sofortige Einberufung der karpathorustischen Landesvertrettmg einsetzcn, sowie dafür, daß der di« Bevölkerung schädigenden agrarischen Diktatur, der sich der Landespräsident willig fügt,«in Ende gemacht wird. Abd el Krim entflöhe«? London, 20. August. In der spanisch:» Hauptstadt läuft ein Gerücht um, daß der berühmt« Führer des Rifaufstandes Abd«l Krim von der Insel R ä u n i o n, wo er interniert ivar, entkommen sei und eftien neuen Auf st and gegen die Spanier in Marokko vovbcreit«. Dieses Gerücht habe, so weiß der Reuterkorrespondcnt in Madrid zu berichten, in Madrid große Sorge verursacht, besonders da die spanisch« BesahungSarmee in Marokko völlig demoralisiert sein soll. ES heiße sogar, daß einzelne Soldaten Waffen an die Eingeborenen verkauften, und es sei allgemein bekannt, daß Marokko von kommunistischen Agenten überschwemmt sei. In spanischen konservativen Blättern, so heißt eS in der Meldung des Korrespondent» des Reuterfchen Büros weiter, wird die Politik der Regierung, die Heeres- stärk« herabzusetzen, abfällig kritisiert, und ein führendes Mitglied der Cortes, Garem, erklärt« gestern,«ine Wiederholung des Gemetzels von Anoual im Jahre 1921, wo 10.000 Spanier ums Leben kamen, liege im Bereiche der Möglichkeit. Schwierige Regierungsbildung in Budapest. Bethlen Außenminister? Budapest, 20. August. Graf K a r o l y i führt Besprechungen nicht nur mit den Mitgliedern des bisherigen Kabinettes, sondern mit Mitgliedern aller Parteifchattierungen der Einheitspartei und der christlichsi^ialen Wirtschaftspartei, da er besonderes Gewicht darauf legt, daß die volkswirtschaftliche« Refforts solchen Händen anvcrtraut weroen, denen gegenüber nicht nur alle Parteischattierungen, sondern das ganz« Land vollkommenes Vertrauen entgegenbringt. In dieser Frage bestehen große Schwierigkeiten, weil es wegen Parteirücksichten sehr schwer ist, sachverständige Beamte für die Übernahme der Portefeuilles zu bestimmen. Andererseits ist es sehr schwer, unter den Mitgliedern der beiden Regierungsparteien solche Männer zu finden, die die- & Anforderungen in den Augen des ganze« des voll entsprechen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Graf Karolyi im Laufe des morgigen Tages vorläufig jene Portefeuilles anbieten, bei denen die Personenfvage keine Schwierigkeit verursacht, und zwar das Justizportefeuille dem biS- herchcn Justizminister Dr. Zsitvav, das Portefeuille des Hanvedministers dem bisherigen Hon- vedmintster G ö m b ö s, das Portefeuille für Kultus und Unterricht dem bisherigen Wohlfahrtsminister E r n s z t, das Ackerbauporteseuillc dem bisherigen Finanzminister Dr. Wekerle oder irgend einem anderen landwirtschaftlichen Finanzmanne. Hinsichtlich der Besetzung des Finanzportefeuilles führt Graf K a r o l y j Ver- tandlungen mit dem ehemaligen Minister des Aeußeren W a l k o und einigen anderen Fachleuten. ES scheint auch nicht ausgeschlossen, daß Graf Bethlen sich vor der ungeteilte» Forderung des ganzen Londes beugt und ebenfalls in das Kabinett eintritt, indem er das Portefeuille des Auswärtigen übernimmt, sofern es sein Gesundheitszustand ermöglicht. Man hält die Lösung kür möglich, daß Graf Bethlendas Portefeuille des Auswärtigen übernimmt und vorläufig einen längeren Urlaub zur Wiederherstellung seiner Gesundheit antritt. * Budapest, 20. August. Der Präsident der Einheitspartei Pest hl stattete heute mit einer Delegatton dem bisherigen Ministerpräsidenten Grafen Bethlen einen Besuch ab und bat ihn, auch weiterhin dem politischen Leben der Partei anzugehören. Graf Bethlen erklärte, seine Demrsston sei die Folge einer politischen Ueber- legung gewesen. Wäre er nicht überzeugt davon, daß da« Land in der gegenwärtigen finanziellen Situation alle Hoffnungen zur Entwirrung der Lage besäße, so hätte er es für seine oberste Pflicht gehalten, auch weiterhin mff seinem Platze auSzuharren. Echt nationalsozialistisch! Der„Angriff" wegen Verleumdung eingestellt. Berlin, 20. August.(Eigenbericht.) Das in Berlin erscheinende nationalsozialistische Blatt „Der Angriff" wurde heute wegen einer unerhörten Verleumdung beschlagnahmt und auf sechs Tage Verbote». Das Blatt hatte in größter Aufmachung die verleumderische Behauptung gebracht, das Eisenbahnattentat in Jüterbog sei von der Schutzformation des Reichsban- n e r s verübt woroen. Das Reichsbanner habe damit gerechnet, daß die in der Nähe auf einem Truppenübungsplatz stationierte Reichswehr auf den Schauplatz des Attentates abrücken werde und daß dann das Reichsbanner Gelegenheit haben werde, sich auf dem Uebungsplatz liegende Waffen der Reichswehr anzueignen. Als Unterlage wurde ein anrüchiges Schreiben eines angeblichen„Verbandes der Bahnschutz- Polizisten" bezeichnet, welcher seinen Sitz in Berlin haben solle. Einen solchen Verband gibt es nach amtlicher Auskunft nicht, ebenso keinen Verband der Eisenbahner ähnlichen Namens, der seinen Sitz unter der im„Angriff" angegebenen Adresse hätte. Die BundeSleituntz des Reichsbanners bezeichnet diesen unerhörten Vorwurf als bewußte Lüge und Verleumd»ng, offenbar zu dem Zwecke veröffentlicht, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung von den sich täglich häufenden Gewalttaten der Nationalsozialisten abzulenken. Wahrscheinlich Bolttentschelb-Sebatte! Gesek«, 21. August. Die Nationak- s o z i a l i st e n hatten für gestern abends nach Anröchte eine Versammlung einberufen, zu der sich auch etwa 100 Kommuni st en einfanden. Kurz nach der Eröffnung kam es zu Streitigkeiten, die bald in eine wüste Schlägerei ausarteten. Die Gegner gingen mit Tisch- und Stuhlbeinen, mit Gläsern und Mestern aufeinander los und zertrümmerten die Saaleinrichtung sowie die Fenster und die Türen. Die alarmierte Polizei sand die Gegner noch im heftigsten Kampfe und mußte mit der blanken Waffe eingreifen, um die Streitenden zu trennen. Acht Kommunisten, zwei Nattonalsozialisten und ein Polizeibeamter wurden in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus geschafft. Die Zahl der Leichtverletzten konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Die Polizei mußte die ganze Nacht hindurch auf Posten bleiben, um neue Zusammenstöße zu verhindern. Seite 4 Tagesneuigkeiten Harmloles, gedankenloses Kinderspiel Zweiter Aft: Masaryks. den. Freitag, 21. August 1931. fahrer aus seinem Heimatsort Königsberg a. d. 1. bewohner befreien. Kurz darauf ist jedoch noch Eger bis nach Bodenbach gekommen seinen einer der verprügelten Zigeuner gestorben. Die Eltern durchgebrannt zu sein und die Absicht zu überlebenden zwei Zigeuner liegen im Krankenhaben, nach Amerika auszuwandern. Von hause in Agonie. Bodenbach aus wollte er die Reise über die Das fünftige Prager 300. Vom Rundfunk 103 Nr. 194. In der Prager deutschen Arbeitersendung am Mittwoch, den 26. Auqu st, um 18 Uhr 30 abends, spricht Genosse Franz Seidel aus Grenze antreten. Die Polizei beförderte den Christentum in Schluckenau. Dieser Tage Teplit Schönau über über das Thema„ Der Beleidigung Masaryks, Gendarmen, dort ins Spiegelsberger Erziehungsheim, von Schluckenau, der, wie ortsüblich, die Sterbesem Vortrag wird zum Ausdruck kommen, aus abenteuerlustigen Jungen nach Aussig und von starb die Frau eines Gewerbetreibenden in kulturelle Inhalt der Arbeiterbewegung". In die Gerichtssaal! wo aus die Eltern des Knaben verständigt wur- glode für die Verstorbene läuten lassen wollte. welcher fozialen Lebenslage sich das Proletariat Aus dem Gerichtssaal in Asch bringen die den, damit sie ihn in Empfang nähmen. Ob- Aber der Herr Erzdechant war anderer zu seiner heutigen Stellung emporgearbeitet hat Blätter einen Bericht, den zu glauben man sich wohl die beunruhigten Eltern ungesäumt die Meinung; er verbot nicht nur das Läuten, und wie tief und breit heute schon seine tulturellsträuben würde, wenn man nicht eben schon ein Fahrt antraten, tamen sie in Spiegelsberg zu sondern ließ auch die Tafel, welche den Todes- geistigen Bestrebungen gehen. Dutzend Jahre in der Tschechoslowakischen Re- spät an: der amerikalustige Elfjährige hatte eine fall an der Kirchentür anzeigen sollte, entfer- Gin blinder Passagier verdient seine Reise vor publik auf dem Buckel hätte.. günstige Gelegenheit erspäht und war neuer- nen. Das löbliche römisch- katholische Pfarr- dem Mikrophon. Unter den Reisenden des Ozean Ein faum fünfzehnjähriger lich ausgerissen halb wohl aus Furcht amt ist nämlich der Meinung, daß Leute, die dampfers Malolo" wurde in einem Neger ein Junge vertrieb sich die Zeit damit, daß er vor der zu erwartenden väterlichen Züchtigung, aus irgendwelchen Gründen sich standes blinder Passagier entdeckt. durch ein Brennglas Papierfetzen in Brand Halb aus seiner unstillbaren Ameritasehnsucht amtlich trauen ließen, tein Anrecht wurden solche Passagiere rücksichtslos mit KohlenIn früheren Zeiten setzte. Seine kleine Schwester brachte ihm neues heraus, die ihn diesmal wohl auf Fußpfaden den auf dieselben Rechte haben wie andere Christen. schaufeln beschäftigt, um ihre Ueberfahrt zu ver Material" aus dem Haus; es war ein Bild, Hebertritt in die nächste Etappe feiner Reise, Daß diese unchristliche Handlung der geistlichen dienen. In diesem Falle handelte es sich jedoch Sem der Junge nun Augen, Mund und Naje Deutschland, versuchen zu lassen veranlassen Herren in Schluckenau abfällig beurteilt wird, ist um einen bekannten Negersänger, der nun statt in ausbrannte. Dann warf er das Stück Papier dürfte. begreiflich; aber noch begreiflicher wäre es uns, den Maschinenraum, vor das Mikrophon gesten. weg. Die zehnjährige Vlasta Dlouha wenn die freiheitlich orientierten Bewohner der wurde und auf diese Weise ein improvisiertes hob den Fetzen auf und gab es ihrem Vater, Stadt den einzig richtigen Weg, nämlich den Programm ermöglichte, welches von mehreren einem Eisenbahner. aus den Reihen der Alleinseligmachenden gingen. Schiffen auf hoher See übertragen wurde.( PR. zwei Gendarmen mit Prag, 20. August. Dem Tschst. Pr.- Bur. Es ist nebensächlich, ob das Pfarramt aus eige aufgepflanztem Bajonett erscheinen wird aus Hamburg geschrieben: Die Firma nem oder im Auftrage des Kirchenobersten han demokratie nicht ausschließt, daß dieser Gegner bei dem Jungen- einem argen Uebeltäter, Starla gen bed in Hamburg hat foeben die delte, sondern entscheidend ist der Nachweis, daß Kommunist sei; gerade als Kommunist wird er Hagen denn das ausgebrannte Bild war ein Druckbild Pläne und das plastische, farbige Modell des fünf- christliche Rache und Bannfluch ſelbſt an der ja vor allem Gegner der Sozialdemokrate gewesen an er tigen Prager Zoologischen Gartens fertiggestellt, Schivelle des Todes nicht halt machten( obwohl sein. Und wenn Herr Dr. Broda selbst feststellt, Dritter Aft: Gerichtssaal. Die Schwe- die in den nächsten Tagen nach Prag gefandi in diesem Falle die Verstorbene sogar gut katho- daß er auf dem Boden der bestehenden Gesell ster des Angeklagten" jagt aus Kinder und werden. Das Modell berücksichtigt auf einer lisch gewesen sein soll!). Narren jagen die Wahrheit, daß sie aus dem Fläche von 35 Hektar das ganze Gebiet des schaftsordnung stehe, so heißt das noch lange nicht, Schulheftchen dieses Bild herausgeriffen habe, fünftigen Zoologischen Gartens mit der Uferfläche Teiche in Oschitz bei unnersdorf im Rei- munisten, die auf dem Boden der bestehenden GeGeheimnisvoller Leichenfund. Aus einem daß er fein Kommunist sei. Es gibt viele Komweil sie grad das derwischt" hat. Der bei der regulierten Moldau, einschließlich des Ab- chenberger Kreis wurde der Leichnam eines sellschaftsordnung stehen und lediglich Gegner der ,, Angeklagte" er heißt Gustav Bareuther, hanges bei Troja mit dem Hochplateau. vielleicht wird er einmal ein berühmter Mann Mannes geborgen, der an Händen und Füßen Sozialdemokratie sind. Wozu also die Uebernahme behauptet, er hätte nicht, wie man ihm Beim Haupteingang befindet sich ein Vergefesselt war und eine Kopfwunde aufwies. Der derartiger Dementis? Es ist sehr zu bezweifeln, schrecklicherweise vorwirft, das geschändete" gnügungspark. Die einzelnen Abteilungen Tote hatte an seinem Gürtel ein Dachdeckerwerk- ob man die Meldung auch weitergegeben hätte, Bild mehreren Kameraden gezeigt, sondern nur des Zoologischen Gartens sind auf Grund aller zeug befestigt. Man nimmt an, daß der Unbe- wenn Frau Maret ihrem Bruder nachgerühmit einem. Der wird nun auch vernommen wer- Errungenschaften und Erfahrungen der zooli kannte einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, hätte, er sei immer ein Gegner der Agrarier ge„ Entlastungszeuge" ist ein Elfjährigischen Technik sehr zweckmäßig ausgestattet und und hat in dieser Richtung die Nachforschungen wesen. ger, der die Aussagen des fleinen Gustav be- einerseits nach den Weltteilen, andererseits nach aufgenommen. Typhus in Basel. In Basel sind 32 Fälle stätigt. Und nun? Nun wird's drauf antom- den Klimaten gruppiert. Die gesamte Fauna soll Beim preußischen Schwertadel". Ritter von Typhus festgestellt worden. Die Unter men, was der eine Junge, der das verbrannte auf moderne Weise derart untergebracht werden, Bild gesehen hat, aussagen wird. Eine längere daß sie den Besuchern nicht in vergitter- gutsbesitzer Modrow auf Rittergut Fraßig in fuchung hat ergeben, daß sämtliche Erkrankten Bause also bis zum vierten Akt, der wie- bern im freien Gelände, in söhlen, Teichen, auf 7 Mart( sieben Mark!) von dem kümmerlichen Restaurants in Basel sind, die am gleichen Pause also bis zum vierten Akt, der wie- en Käfigen zur Schau gestellt werden, son- der Grenzmark hat einem seiner Gutsarbeiter Gäste oder Angestellte eines alkoholfreier der im Gerichtssaal spielen wird der Steppe, auf Felsen, auf dem Rasen usw., wie Wochenlohn abziehen lassen, weil 12 fleine Tage ihre Mahlzeiten in diesem Restaurant einDer von der Gendarmerie und Justiz gequälte Junge iſt höchstwahrscheinlich so unschul- Sindernisse, die die Flucht oder einen An- of gekommen waren. So unglaublich dieser an Unterleibstyphus gestorben. quälte Junge ist höchstwahrscheinlich so unschul- dies der Umgebung in freier Natur entspricht. Ententüken des Arbeiters auf den herrschaftlichen genommen haben. Eine Kellnerin ist bereits dig, wie Präsident Masaryk daran, daß man jenen vor die Richter geschleppt hat. Vor Rich- griff auf die Zuschauer vereiteln sollen, sind in Bericht klingt, beruht er gleichwohl auf Tat- staurant wurde behufs Desinfektion geschlossen. ter, deren Gedächtnis möglicherweise noch in individueller Weise auf Grund der detaillierten sachen. In der Gemeinde Eckertsberge im jene Zeiten zurückreicht, da die alte Firma, t. t. Kenntnis des Lebens und der Fähigkeiten der Kreise Deutsch- Krone brach ein Schulstreit Die Urlaubs- Reise- Organisation, Bodenbach, Am Desterreich, jährlich ein paar Millionen an einzelnen Tiergattungen hergestellt und so unter- aus, dem sich alle Eltern angeschlossen haben. Graben Nr. 1083, veranstaltet am 6. September Strafgeldern für Majestätsbeleidigungen ver- gebracht, daß sie dem Blick des Zu- Der Grund zu dieser Protestaktion ist, daß die 3. wiederum eine eintägige Wanderfahrt um dient hat. Der Unterschied zwischen damals und schauers verborgen bleiben und den An- Raumverhältnisse der Schule geradezu den Gesamtpreis von K 65.-, in welchem die heute ist nur der, daß seinerzeit ein vierzehn- blick der Tiere nicht stören. Abgeschlossene Sä- unglaublich sind. Der Klassenraum ist in Fahrt ab Bodenbach nach Dresden und zurüd, jähriger Bub faum zum Kadi zitiert worden fige haben in einem modernen Zoologischen Gar- einer alten, halbverfaulten Schnittertaferne Mittagessen, Eintritt in die Ausstellung und 300wäre, wenn ihm ein Bild Franz Josefs unter ten überhaupt keinen Platz. Der Plan zeigt in untergebracht, die im Winter durch Heizen nicht logischen Garten sowie Führung durch die Stadt das Brennglas gekommen wäre; man hätte ihn panoramaartiger Weise die Lage des Zoologischen erwärmt werden kann. Dadurch sind im letzten inbegriffen sind. Anmeldungen sind direkt an die mit ein paar guten Lehren und Warnungen lau- Gartens, wie sie insbesondere beim Anblick von Winter mehrfach Erkrankungen der Schulkinder Uro" Kanzlei in Bodenbach zu richten. dieses Jahr war der Einen Sonderzug in das Riesengebirge fertigt fen lassen. Aber vielleicht ist da doch noch ein der oberen Restauration, die als Aussicht angelegt Bau einer neuen Schule in Aussicht gestellt wordie Staatsbahndirektion Prag Süd in den Tagen anderer Unterschied! Ein altösterreichischer deut- ist, zu sehen ist. Nach dem Studium des Modells und der den, der jedoch jetzt auf unbeſtimmte Zeit zurüd- vom 12. bis 13. September für den Preis von scher Eisenbahner hätte, von seinem eifrigen Töchterchen unterrichtet, dem, sagen wir tschechi- Durcharbeitung der Einzelheiten wird es möglich gestellt wurde. Diese Maßnahme hatte den ein- 95 K ab. In dem Breise sind inbegriffen die Fahrt schen lebeltäter höchstens eins hinter die Ohren sein, den Umfang und den Kostenpunkt der Erd- mütigen Schulstreit zur Folge. Möchten Nazi hin und zurück, Auto, Mahlzeiten, Unfallversiche gegeben, nicht aus Patriotismus, sondern weil arbeiten sowie den Gesamtaufwand für das Pro- und Kozi ihren adeligen Freunden nicht bessere rung und Führung. Anmeldungen mit einer AnSitten beibringen? man eben manchmal Kinder nachdrücklich auf jett festzustellen und nach Sicherung der notwenböse Folgen dummer Spielevei aufmerksam digen Voraussetzungen, insbesondere der finan- Die Sorgen des tschechischen Preßbüros wol- Wilsonbahnhof entgegen. Die Teilnehmer werden macht. Jetzt, mit der Grenzszenerie ziellen, an die Realisation des Projektes zu schrei- len nicht abreißen. Wenn es keine föniglichen den Oftteil des Riesengebirges von den Grenzbauden Hochzeiten zu beschnüffeln und mit republikani- aus die Schneekoppe, den Fuchsberg und den Asch im Hintergrund, sehen die Dinge eben lei- tent. der anders aus. Das ist sehr, sehr traurig. VielSoweit die Zuschrift aus Hamburg. Wie schem Eifer in allen Details u schildern gibt, er- Schwarzen Berg sehen. leicht wird man im Ausland, das die Geschichte man sieht, alles laut tönende Zukunftsmusit. wachsen der amtlichen Nachrichtenstelle wieder Crafters Kußtompf. Dr. Craster, der bekannte hört, lächeln. Die Geschichte ist aber fast zum Prag hat jetzt ein Modell, das sich schließlich auch andere Aufgaben. So muß sie sich zum Beispiel amerikanische Förderer der„ Antikußbewegung", hat Weinen. Präsident Masaryk selber sollte dafür jede andere Stadt genau so verschaffen kann; mit aus Wien es foftet immerhin ein Telephonge ich nach England eingeschifft, um dort gleichfalls jorgen, daß seinen wahren Beleidigern der der Verwirklichung des Prager Groß- Tiergar- spräch und die Reproduktion für die Zeitungen für seine Theorie der Gefährlichkeit des Küssens Stopf zurecht gesetzt wird, nämlich jenen mit dem tens" hat es, wie jedermann aus dem Schluß- folgenden Tratsch melden lassen: Anhänger zu werben. In Newart, der Hauptstadt Arm der Gerechtigkeit ausgestatteten Wesen, absatze der Hamburger Zuschrift ersehen kann, Wien, 18. August. Im Hinblick auf gewisse des amerikanischen Staates New Jersey, in der Dr. deren kleine Ascher Komödie nach einem Satiri- freilich noch gute Wege. Zeitungsnotizen richtete die Gemahlin des Crafter als Chefarzt des Städtischen Kranken Prager österreichischen Gesandten hauses wirft, befamen u. a. sämtliche Babys auf fer großen Stils ruft. Dr. Maret an die„ Reichspost" eine Zuschrift, ihre Läßchen den Satz gesticht:„ Bitte füssen Sie worin sie feststellte, daß ihr Bruder, der mich nicht, ich möchte gesund bleiben." Dr. Crafter Nationalökonom Dr. Ernst Broda, niemals hält zwar nicht das Küssen selbst für eine Strank Kommunist und Zeit seines Lebens heit, vertritt aber die Meinung, daß durch diesen ein Gegner der Sozialdemokratie förperlichen Aktivismus zu leicht Strankheitsteime gewesen sei. übertragen werden. Aus dem gleichen Grunde ist g. Blutschande, Muttermord und Selbstmord. Eine Armenhaus- Tragödie. Die Abendzeitung" berichtet: Im Armenhaus der Gemeinde Ned we dis( im böhmisch- mährischen Höhenzug) lebte der 66jährige, Arbeiter um polič mit seiner Frau Franziska und seiner Tochter Franziska Prochazta. Die Tochter verheiratete sich vor einigen Jahren, war aber nur einen Tag und eine Nacht bei ihrem Mann und kehrte dann zu den Eltern zurück. Sie lebte dann mit ihrem Vater in einem Raum zusammen, während die Mutter in der Küche hausen mußte. 3 wei SinRumänische Bauern lynchen Zigeuner. Bukarest, 20. Auguft. Unweit von Ismail 9 Das ReReife in die Hygiene- Ausstellung nach Dresden. gabe von 20 K nimmt die Kassa Nr. 13 auf dem in Bessarabien überraschten gestern Dorfbewohner fieben Zigeuner beim Pferdediebstahl. Die Zigeuner wurden derart verprügelt, daß vier Was der Frau Maret entgangen ist, fönnte Er. Crafter auch ein Feind des Lippenstiftes, dessen von ihnen an Ort und Stelle star ben. Die immerhin einem Redakteur des Tsch. P.-B. ein- flebrige Schicht auf Bakterien dieselbe Anziehungs Gendamerie mußte die anderen Zigeuner mit fallen, daß nämlich die, zeit eines Kapitalisten fraft ausüben soll, wie eine Fliegentüte auf Waffengewalt aus den Händen der erbosten Dorf- lebens gewahrte, Gegnerschaft gegen die Sozial- Fliegen. Ein Brief Vanzettis. Zum vierten Jahrestag der Hinrichtung Saccos und Vanzettis. • worden. gekleideten puritanischen faltblütigen Mörder eine Epidemie von Verbrechen ein. Zwei Tage Massachusetts haben uns jede Hoffnung auf darnach haben in Queanen- Maß zwei Kinder, Rehabilitierung und Freiheit genommen. Am ein 13 und ein 15jähriges Mädchen, eine Frau 1. Jänner 1927 habe ich mir gewünscht, in die- beraubt. In Meadlebooro hat ein Gefangener sem Jahr von hier heraus zu kommenleben dem Aufseher den Kopf abgeschnitten. Eine Am 22. August jährt sich zum biertenmal dig oder tot- und ich hoffe, daß dieser Wunsch Menge Verbrechen sind im Lauf von fünf Tagen der entstammten dem Verhältnis der Todestag der italienischen Arbeiter Sacco in Erfüllung geht. Ich denke dabei nicht an einen nach dieser dreifachen Hinrichtung vollbracht zwischen Tochter und Vater. Zwischen und Vanzetti. Seitdem hat der elektrische Stuhl Selbstmord Mutter und Tochter kam es zu Streitigkeiten. nicht aufgehört zu arbeiten. Erst vor kurzem Am 6. Jänner, halb ein Uhr nachts hat Ich bin überzeugt, daß Fuller sich geweigert Dieser Tage begann nun die Tochter die Mutter war die Oeffentlichkeit wieder einmal beunruhigt der Staat Massachusetts drei Menschen durch den hat, das Urteil gegen die Mörder von Carbarn im Berlaufe eines Streites zu würgen und zu wegen des drohenden Elektrotodes von acht elektrischen Stuhl hingerichtet: Fuller, Präsident und gegen den Neger, die bereits früher vers drosseln, tötete sie, legte sie auf das Bett und Negerknaben in Alabama. geworden, wird uns alle sieben verbrennen. Am brannt wurden, zu ändern, um unangenehmen ging zum Totengräber, dem sie sagte, die Mutter Während der langen Jahre, die Sacco und B. Jänner erfuhr ich, daß drei Menschen un- Auseinandersetzungen mit unseren Freunden sei gestorben und er solle das Grab vorbereiten. Vanzetti auf die Vollstreckung der Todesstrafe mittelbar nach Mitternacht getötet werden soll- aus dem Wege zu gehen, falls diese um unsere Humpolie war vor dem Streit aus der Wohnung warteten, sind von ihnen viele Briefe an ihre ten. Da die Vollstrecker der Todesstrafe und die Begnadigung nachsuchen sollten. Also der Neger fortgegangen. Ein zehnjähriger Bube war teil Freunde geschrieben worden. Einer dieser Briefe Zeugen gewöhnlich nach der Vollstreckung eine ist ermordet, die drei jungen Menschen gleich weise Zeuge des Mordes, und die Gendarmerie von Banzetti an seinen Genossen Blackwell vont Wahlzeit einnehmen, so wurden in der Küche falls. Madeiros wird der fünfte sein. Jerr nahm die Prochazka fest. Der alte Humpolič, der 10. Jänner 1927, sieben Monate vor seiner drei Schinken gekocht. seiner drei Schinken gekocht. Wir erhielten hiervon Pollak der sechste, dann tomt die Reihe an später zurückkam, ging in die Steingrube, wo er Sinrichtung, verdient ganz besonderes Interesse. Kenntnis. Ich beschloß, die ganze Nacht über zu uns. Insgesamt sechs Menschen sollen verbrannt Beschäftigt war und verübte mit einer Dyna- Das bisher unveröffentlichte Schreiben ist voller wachen, um von meiner Zelle aus die Hinrich- werden. mitpatrone, die er in den Mund nahm, Pessimismus. Es heißt darin unter anderem: tung zu verfolgen. Doch gegen meinen Willen Ferri wurde verurteilt, obgleich es keine Die letzten sechs Jahre erhalten wir zu fchlief ich ein; als ich erwachte, erfuhr ich von Indizien gegen ihn gab. Zwei Tage später töte Weihnachten eine Kinovorstellung und gutes der Tötung der Drei. Drei Paar. Augen für ten und beraubten zwei junge Menschen den Der Abenteuerbrang eines Elfjährigen. Essen; hinterher werden wir bis zum nächsten ein Baar, drei Leben für ein Leben. Ich hätte Gemüsehändler. Also noch drei Kandidaten für Morgen in der Zelle eingeschlossen. Dies ist ein Kapitel darüber schreiben können Dies ist ein Kapitel darüber schreiben können vielleicht den elektrischen Stuhl. Einige meinten, falls Aus Bodenbach wird uns berichtet: mein sechstes Weihnachtsfest im Gefängnis. Ich schildere ich es noch, dieses faltblütige Menschen- Fuller sich von unserer Unschuld überzeugen Vor einigen Tagen stellte ein Wachmann einen blicke zurück: die Vergangenheit war schlimm. morden. Man muß wahnsinnig sein oder scham- ließe, würde er alles tun, um uns zu retten. ihm verdächtig erscheinenden elfjährigen Jungen Was uns erwartet, ist noch schlimmer. Welch los, um sich der Säuberung Massachusetts von Fuller will sich aber nicht überzeugen lassen, wie auf dem Bodenbacher Bahnhofe in dem Augen- bitteres Weihnachtsfest! den Verbrechern zu rühmen, während in Wirk- foll man ihn da überzeugen! Er muß uns töten, blid, da der Knabe den Dresdener Zug besteigen Ich weiß nur zu gut, daß der Staat lichkeit das Verbrechen noch nie so verbreitet um die Würde und die Ehre des Staates 51 wollte. Bei dem Verhör gestand der Junge Massachusets uns nach vier Monaten hinrichten und so gräßlich war, wie im Augenblid. Un- retten...." Selbstmord. er heißt Wilhelm Mayer und war als Schwarz- wird... Die Worte und Taten der in schwarz mittelbar nach der Hinrichtung setzte geradezu) -rr. 194. Frettaff, 91. August 1981. veitr o Grundsätze. Im„Werwolf" findet man die folgende Briefkartennotiz:„Soweit wir informiert sind- hast Du recht. Die Abteilung A r- beitsvermittlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei hat einem Betriebe in Hornberg(Baden), dessen Belegschaft in Lohnstreik getreten war, Arbeitskräfte vermittelt. Der Direktor des betreffenden Werkes ist, nach unseren Informationen, fremdrassig." Die Grundsätze der Hitler- vartei sind angeblich: 1. sozialistisch, 2. antisemitisch. Deswegen hat sie gelbe Streikbrecher an einen jüdischen Kapitalisten vermittelt. Das nennt man noch Grundsatzfestigkeit! Teurer Schnupftabak. Eine bös« lleberraschung wurde dieser Tage auf dem Zollrcvisionsamt des Greiqbahnhofes Bodenbach a. b. Elbe einem alten Herrn aus Bad Oyirhausen bereitet, der wie alljährlich nach Karlsbad zum Kuraufenthalt fuhr. An seinem Reisegepäck sanden die tschechoslowakischen Zollbeamten einige Päckchen Schnupftabak, die dem alten Herrn— es handelt sich um einen 72jährigen Hotelier aus Bad Oynhausen— von feiner fürsorglichen Tochter cchne sein Wissen mitgegeben worden waren. Dem unfreiwillige»« Schmuggler wurde eine Zollstrafe von 1749 K vorgeschrieben, wvlchen Betrag er sogleich erlegen mußte... Die schwedischen Gefängnisse leeren sich immer mehr. Schweben Hot bekanntlich gegenüber anberen Staaten Europas eine sehr kleine Kriminalität, bie im Gegensatz zu anberen Staaten stänbig im Abnehmen begriffen ist. So melbet ein Bericht des schwedischen Gefängnisdepartements, daß die gegenwärtige Anzahl der in den schwedischen Gefängnissen Verurteilten 1984 beträgt, während die Zahl im Vorjahre 2113 ausmachte. Als besonders merkwürdige Tatsache wird darauf hingewiesen, daß in den letzten Wintermonaten Personen, die zu Geldstrafen verurteilt wurden, es vorzogen, statt dieser die Strafen lieber abzusitzen. Die Tatsache erklärt das Bureau mit der äußerst humanen Behandlung in den schwedischen Gefängnissen und mit der sozialen tage. Der Raubmörder als Segelflieger. Jeder weiß, daß die Segelfliegerei eine schöne, ungefährliche Sache ist für den, der sie versteht, aber wenige kennen den ersten Segelflieger, der es wagte, sich mit einem primitiven Holz- und Federgestell der freien Luft anzuvertrauen. Niemand wird wissen, daß dieser erste Segelflieger«in Verbrecher, ein Raubmörder war! In den Uranfängen der Segelsliegerei, da noch kein Mensch, selbst der Erfinder nicht, der neuen Erfindung recht traute(— die übrigens auch bald darauf wieder rinschlirf—), war es naturgemäß schwer, jemanden zu finden, der sich freiwillig zu diesem ersten Experiment hergab. Keiner wollte— trotz ausgesetzter hoher, Belohnungen — den„Sprung ins Ungewisse" wagen, einen Fallschirm kannte man nicht— also war guter Rat teuer... Ta tat man kurzerhand das, was die Gelehrten in solchen schwierigen Fällen häufig tun: sie holten sich einen gefangenen Schwerverbrecher und stellten ihn vor die Alternative: Fliegen oder Vollstreckung des Urteils! Bei Gelingen des Fluges— dir Freiheit, bei Richtgelingen — der Tod, der dem mehrfachen Raubmörder aber ohnehin bestimmt war! Ein durch das Gesetz zum Tode Verurteilter wird sich in solchen Fällen nicht lange besinnen. Einen Kopf hat er nur zu verlieren. So oder so. Tie Guillotine der Justiz war ihm bei einer Verweigerung seines Einverständ- nisies gewiß, der Flugversuch aber konnte glücken... Am 29. September 1777 gab der Raubmörder Dominik Dufort zu Port LouiS in der Bretagne die Einwilligung zu dem ersten Segelflug mit Hilfe eines leicht konstruierten, mit Federn besetzten umschnallbaren Flugmantels, erfunden und erbaut Volkswirtschaft und Sozialpolitik Winde, schaukelte und stürzte und begann dann, langsam und gravitätisch zu sinken. In allernächster Nähe der Absprungstelle gelangte der moderne Ikarus wohlbehalten zu Boden, umjubelt von der begeisterten Menge. Beschenkt mit einer hohen Belohnung, die durch die sofortige Sammlung unter den Zuschauern aufgebracht wurde, zog er nach einem reichlichen Festmahl von dannen.... der Mörder Dominik Tufort hatte sich„frei geflogen." Sp. von A. Tefontage. Man reichte Tufort ein herzstärkendes Medikament und führte ihn auf das etwa 80 Fuß hohe Dach des Zeughaus-Turmes. Man überprüfte nochmals das Gestänge des Feveraufbaues. Dufort schnallte sich darin fest und sprang bei starkem Winde in die Tiefe hinab. Ueber zehntausend Menschen, der Gouverneur Graf Aegouillon und die Akademie der Wissen» schaften wohnten dem Absturz bei. Tuforts primitive Segelflugmaschine flattert« eine Zeitlang im derartiger Beschluß noch nicht besteht, so stellt einen diesbezüglichen Antrag! sozialdemokrat. Gemein defuuktionär UlUlHI Mit m«».„SMrtit«taetnr. QIntunft in Tieto Dorf. 21 im» Gern Tagevury eines jungen 2irüeiterS Das Panama der Rordwolle. Der Riesenskandal des deutschen Rordwolle- Konkurses hat weit über die Grenzen Deutschlands ein grelles Schlaglicht auf den Zustand der kapitalistischen Wirtschaftsordnung geworfen, die ein Wirtschaftsverbrechen von nie gekannten« Ausmaß duldet, Die bdrühmte Unternehmer„«nitiative" hat hier ihre„Triunrphe" gefeiert. Mehr als 250 Millionen Verluste, Stillegung zahlreicher einst blühender Betriebe, Bankenzusammenbrüche usw. waren das Ergebnis. Mit diesem Skandal und seinen Urhebern, der Familie Lahusen, beschäftigt sich die Schrift „Das Panama der Rordwolle" von A. Faust,*) Chefredakteur an der„Bremer Volkszeitung. Er hat aus nächster Nähe die Entimckluna des Konzerns verfolgt und schreibt nun die Geschichte vom Aufstieg, vom Glück und Ende der Firma. Jaust berichtet über den Gründer der Dynastie Lahusen, der als Wirt einer Bremer Hasen, schenke die vielfach aus Länderlose bestehende Heuer der Matrosen in Schnaps unüvandelte und nach und nach riesigen Landbesitz in Südamerika und Australien zusammcnbrachte. Sein Sohn vertauschte die Kneipe mit einem Fellhandel. Ter Enkel schließlich führte den Wolltrust. Bon der Schenke zum Weltkonzern, vom Händler zum Herren über 40.000 Arbeiter. Zu dieser schwindelnden Höhe ist die Familie Lahusen durch die rücksichtsloseste und brutalste Ausbeutung von Textilarbeitern aufgestiegen. Ueber das Elend ihrer Opfer und das Luxusleben in den Schlösser«« bringt Vie Schrift weitere bisher unbekannte Einzelheiten. Hochinteressant ist der politische Hintergrund des Skandals, bei dem die deutschen Nazis eine besondere Rolle spielen. Faust weist in seiner Schrift an.Hand ebenfalls neuen Materials auf die Verbindungen zwischen diesen Wirtschafts- ,,führern" und der reichsdeutschen„nationalen" Opposition hin. Die Broschüre ist fesielnd geschrieben. Sid ist von internationaler Bedeutung und eine wertvolle Waffe im Aufilärungskamps. Ihr Inhalt muß weitergetragen werden zu denen, die noch nicht wissen, wo die Schuldigen des Massenelends sitzen. *) Alfred Faust:„Das Panama der Rordwolle". Herausgeber: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Berlin, SW 6, 1931. 16 Seiten. Mit Umschlag und Illustrationen. Haben in Mer Gemeinde AM schon alle Funktionäre ihr W kommunalpolilMes Statt a Saal untergebracht, in den das Licht durch vergitterte Fenster fällt. Es ist halbdunkel darin und die Luft ist entsetzlich. Es stinkt nach Schweiß, schmutziger BÄsche und Knoblauch. Die Frauen kommen in einen anderen Saal, der gleich an den unsrigen grenzt. Ich mache die Be- kanntschaft eines jüdischen Jungen in meinem Alter, der auch allein hier lst. Er beginnt Geschichten zu erzählen, bei denen ich rot werde, aoer sie gefallen mir ganz vortrefflich. Wir teilen unS eine Zigarette und gehen aus die Toilette, um sie zu räuchern Ein Wärter erwischt mich dabei und bietet mir Ohrfeigen an. Ich bin beschämt und gekränkt, und ein kleiner, schwindsüchtiger Mann, der etwas Englisch kann, gibt dem Dürer recht und erzählt im Ernzen Saal, was für ein Lümmel ich sei. Dann marschieren wir gemeinsam in einen großen Saal, wo wir Abendbrot kriegen. Ich bin hungrig und es schmeckt ausgezeichnet. Mir gegenüber fitzt ein junges Mädchen, die mir ab und zu einen Blick zuwirft. Ich bin ihr dankbar dafür. Ich bin müde und gehe bald zur Ruhe. Es wird lange nicht still. Es hustet und stöhnt und schimpft. Ich schlafe ein, träume schlecht und wache bald wieder auf, weil mir die Wanzen über den Körper laufen und mich beißen. Bald fühle ich, wie es überall anschwillt. DaS Jucken ist kaum zu ertrage««. Ich stehe auf und verbringe die Nacht auf der Toilette. Der zweite Tag wird zur Ewigkeit. RauS dürfen wir nicht. Das ist verboten«mo sic passen ziemlich scharf auf. Es sind Leute da, die monatelang hier einaesperrt find. Die zweite Nacht verbringe ich auf der Erde. Mir graut vor dem ver- wanzten Bett. Ein junger Pole wird erwischt, als er zu den Frauen hineinschleichen will. Sein Mädchen ist dort drin, und eS kommt beinah zu einer Prügelei. Zum Glück merken die Wärter nichts davon, denn sonst hätte man ihn sicher gleich wieder deportiert. Am andern Morgen ist mir mächtig übel und der Kopf tut mir weh. Mein Freund und ich beschließen, auf den Hof hinunter zu gehen. Wir gelangen auch inS Freie. Drüben liegt New Bork und dazwischen der lebendige Hafen. ES ist ein sonniger Morgen und die frische Luft und der Wind tun uns gut. Dann bemerkt unS ein Wächter und wir werden abgeführt. ES gibt ein langer Verhör, wir verstehen kein Wort und unS ist ein bißchen bang« vor den Folgen. Bis dann jemand au' Deutsch zu uns sagt,„also auSreißen wolltet ihr! Bengels!" Die haben wirklich gedacht, wir wollten nach New Äork rüber schwimmen, und jetzt müssen wir doch lachen. Am Nachmittag deS dritten Tages ruft" ein Beamter laut meinen Namen. Ich kriege einen Schreck. Die Furcht, als hätte ich etwas verbrochen, steckt mir in den Gliedern. Denn hier ist ja alles verboten.„Nimm deine Sachen mit, du wirst abgeholt." Ich packe schnell zusammen . und sage Aufwiedersehn. Man beneidet mich, daß : ich gehen kann. Mir ist, als käme ich aus dem Zuchthaus«, als wären«S Jahre her, seit man : mich hier eingesperrt hat. Und durch daS Fenster ■ sehe ich wieder die Statu« der Freiheit, rot von l der Nachmittagssonne. In vielen Gemeinben wurde>chon beschlösse«^ allen Gemeindesunktioiüiren, ohne Unterschieb der Partei, ein kommunalpoutischeS Organ»ach freier Wahl des betreffenden Funktionärs, auf Gemeindekosten zuzustelle«. Ein derartiger Beschluß ist zweifellos sehr wichtig, weil es eine Aufgabe der kommunalen Berwalwng ist, für die Schulung der tätige« Gemeindesunk- tionäre zu sorgen und ihnen wenigstens «inen kleinen Teil der zu ihrer ständig-» Information nötigen Behelfe zur Verfügung zu stelle««. Genossen! Wenn«n eurer Gemeinde ein Ich bin über den Ozean gefahren, bin tage-\ lang seekrank gewesen und plötzlich liegt vor mir< das„Land der Freiheit". Ich yabe natürlich: vorher«ein bißchen Englisch gelernt; nun brenne t ich darauf, den Leuten zu zeigen, was ich schon: alles gelernt habe.'< Da ist eine Dame, die an einer deutschen Mädche,«-Mittelschule Unterricht gegebe«« hat. Sie' ist mit Leib und Seele Lehrerin und ihr gegenüber wird jeder zuin Schüler. Sie fragt mich, „weißt Du auch wer Amerika entdeckt hat?" Ich weiß eS natürlich, eS fällt mir nur vor Aufregung nicht gleich ein. Sie nimmt mich bei der Hand und zerrt mich in den Damensalon. Draußen braust der Trubel des New Borker Hafens, und ich muß meine geschichtlichen Kenntnisse von ihr prüfen lassen. Ich bin ganz verwirrt, und sie ist etsetzt:„Du weißt ja gar nichts, aber auch gar nichts!" Ich bin wahrhaftig schrecklich dumm. Meine Augen hängen an einem der runden Guckfensterchen des Damensalons, an dem das Panorama der Wolkenkratzerstadt vorüberzieht. Die Lehrerin erzählt die Geschichte von George Washington und dem Kirschbaum-. Ich«««öchte hinaus. Ich kann nicht mehr still sitzen. Aber der mustergültige deutsche Schulbube steckt mir in den Knochen. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte die Hände gefaltet.„Also, wann hat General Grant gelebt?" fragt die Lehrerin. Sie spricht mit kreischender Stimme und macht böse Augen. Da rutsche ich plötzlich vom Stuhl herunter und sause an ihr vorbei zur Tür hinaus. Ter Fluß wimmelt vor Jollen, Schleppern und Booten. Es heult und pfeift. Wir fahren langsam an einem Denkmal vorbei, das im Wasser steht; und der Amerikaner, der sich über mein Englisch immer totlachen wollte, steht nicht weit von mir und sagt lachend zu seiner Frau: „Da wären wir wieder, die alte Dame drüben hat sich inzwischen auch nicht verändert". Es war die Statue der Freiheit. Ein Steward in einer weißen Jacke packt mich am Kragen, daß ich zusammenschrecke und schimpft auf mich los.„Wo steckst du denn? Bor« wärtS! Der Arzt will dich sehen." Der Arzt ist ein amerikanischer Offizier, der mir in die Augen guckt und dem ich die Zunge rausstrecken muß. Aber ich bin gesund und kann wieder gehen. Alles macht sich zur Landung fertig. Die Lehrerin schleppt Hutkartons und Schachteln aus ihrer Kabine, sie ist ganz rot im Gesicht und so aufgeregt, daß sie mich gar nicht beachtet. Dann liegen wir plötzlich fest, und die Landungsbrücke wird herabgelassen. Die Lehrerin verabschiedet sich von einem junge«« Schiffsoffizier und schenkt «hm einen Band lyrischer Gedichte. Ich darf das Schiff nicht verlasse««, muß zurückbleiben und komme nach ElliS-JSland in die Einwanderungshällen. Fast alle Bekannten von der Ueberfahrt sind verschwunden. Ich bin ziemlich aufgeregt, die Leute um mich herum sprechen alle verschiedene Sprachen, ich verstehe kein Wort, es ist alles furchtbar fremd. Kleine Kinder brüllen, Frauen jammern, die amerikani- schen Beamten fluchen. Ich werde in einem Der Stgtbimb mit dem Sirta. Der alte Bärenführer Murki war ein ganz sonderbarer Kauz. Seit zwanzig Jahren führte er Bären durch die Welt, soweit sie nicht durch Wasser abgeschlossen war. Als Murki zwanzig Jahre alt n>ar, kauft««r seinen ersten Bären. Er kam damals mit seinem krummen Bein vom Militär frei, Und als er freudestrahlend zu seinem Vater zurückkehrte, drückte der ihm einen Beutel mit Dukaten in die Har«-. Er selbst, der alte Vagabund, lag auf seinem Sterbelager. Ganz schnell war es gekommen. Murki küßte seinen Vater auf die Stirn und die Augen, kniete nieder urrd betete. Murki zählte seine Dukaten. Zwanzig Stück, lind wie sie klangen, wenn mar« sie aufschlug. Immer wie eine Glocke, oder wie die Stimme eines jungen, schöne»« Mädchens mit schwarzen Zöpfe»« und Grübchen im Kinn. Murki kaufte seinen ersten Bären in einem Torfe an der russischen Grenze, ganz unten, in Bulgarien. Es war ein gutes T«er, ein Weibchen. Murki zog mit chr durch ganz Bulgarien, Rumänien, Ungarn bis nach Oesterreich. Dort, in einer kleinen Stadt, traktierte man seine Bärin mit Gefrorenem. Und daran starb das Tier. Murki reiste nach Rußland und holte ein neues Tier. Diesmal»var es ein männlicher Bär. Eigentlich war eS eine junge; spielende Katze, wälzte sich auf der Erde, spielte mit Steine,« und wäs es sonst zwischen di« Klauen be- kam. Aber eines Tages faßte der Bär Murki, im Spiel natürlich, mit seinen Zähnen ins Ge nick. Murki zog sein« Pistole heraus und schoß »«ach rückwärts in den Bauch des Bären. Unb lag drei Monate im Krankenhaus. Der dritte Bär, den Murki kaufte, stammte aus dem Ural, wo man ihn im zartesten Kinde salter von der Mutter Nxggefangen hatte. Er schlief gern«, der Bär„Moritz", wie ihn Murki Sm Andenken an seinen Vater gewinnt hatte, ie eine Kugel lag er da, den Kopf zwischen den Hinterbeinen, und schnarcht«. Murki schlief neben ihm im Stolle irgendeines Gasthauses oder einer Herberge. Der Bar träumte! Mm»»«— mmm— kam es aus seinem Rachen. Er drehte sich auf die andere Seite, kratzte sich» genau wie Murki, und schlief weiter. Frühmorgens n>ar der Bar früher auf als sein Herr. Er wollte Milch. Murki holte drei Liter. Ter Bär trank sie, legte sich nieder und schlief.„Auf, Cäsar!" schrie Murki. Der Bär wischte sich mit seinen Pfoten den Schlaf aus den Augen, rüttelte verdrießlich an seiner Kette, seufzte und erhob sich zähnefletschend. ,, Eine besondere Vorliebe hatte„Moritz" für Polizisten und Gendarmen. Sie. retirierte», unwillkürlich, n>enn„Moritz" den Rachen aufriß. Unä niemals hatte ein Bär so schön getanzt wie er. Eines Tages kam Murki mit seinem Bären in ein Dorf im Badischen. Dort hatte-sich ein Zirkus eingefunden, der zur Reklame vor dem Zelt eine Bärin im Käfig zeigte. Ein niagerer Clown machte seine Witze, eine Musikkapelle spielte. f- Als Murki mit seinem Bären an dem Zirkuszelt vorbeikam, stutzte„Moritz". Die Bari» im engen.Käfig rannte unruhig hi« und her, drei Schritte nach rechts, drei Schritte nach links. ,^komm, Moritz", sagte Murki., und klopfte seinem Bären auf der« Kopf.„Laß die' alte Schachtel!" Aber Moritz dachte anders. Er r«ß sich mit Bärenkraft los und stürmte auf die Bärin zu. Entsetzt sprang die Menge vor dem Zirkus auseinander! Moritz, der Bär, suchte einen Eingang in den Käfig der Bärin. Die hatte sich in eine Ecke geduckt und wimmerte vor Angst. Murki, der Bärenführer, riß an der Kette seines Baren. Aber ein Tatzenhieb beförderte ihn auf die Straße. Da kam Hrony, der Besitzer des Zirkus, auS dem Zelt geschlichen mir einer ganz kleinen Pistole in der Hand. Sie war nicht größer als eine Hand. Er drückte auf den Bären ab, tra ihn ins Gehirn, und„Moritz" stürzte hin mit krampfhaft zuckenden Pranken. Murki war wieder allein. Zu seinen Füßen lag das Fell seines Bären. Zusammengerollt. In seinen Hände»« knisterte das Strafmandat über dreißig Mark, weil er——? Weil er seinen Bären nicht genügend beaufsichtigt hatte. Und überhaupt war ihm di« Berechtigung entzogen worden, in Deutschland Bären zu führen. Bor dem Zirkus aber lief die Bärin hin und her, und nie»nals hatte der ZiruS so gute Geschäfte gemacht, als nach dem Tode des Baren Moritz, den der Zirkusbirektor„unter eigener Lebensgefahr", wie die Zeitung«»« schrieben, er- legt hatte. Murki hat wieder einen Bären. Aber er paßt auf, daß er nicht wieder mit einer Bärin zusammenkommt. Es ist ein stumpfes Tier, das noch nie di« Freiheit gefühlt hat. Dir Kette ist ihm Bedürfnis. ES tanzt nach der Pfeife, frißt und schläft. A. Stolz. Geriditssaal !ö»e oegrauoue Kurort des scheidungsluftigen Gatten. Pro«, 20.'August. Bekanntlich begeht dar Verbreche«« der„gefährlichen Drohung" derjenige, der einen anberen durch eben diese in „begründete Furch«" versetzt. Ferner ist der Gatte der Alimentarionspflicht an seine Frau entbunden, wenn die Ehe durch ihr Verschulden geschieden wird. Ter Herr L hatte die Absicht, sich nach 17jähriger Eh«>»»« seiner verblühten Frau scheiden zu lassen. Er ließ sich also, als guter Rechner und tüchtiger Geschäftsmann durch einige aufgeregte Worte der Frau„in begründere Furcht" versetzen und brachte sie wegen des genannten Verbrechens auf die Anklagebank. Ihr Verteidiger bietet dem Gericht ärztliche Zeugnisse an, die auf verschiedene Mißhandlungen seitens des Galten zurückgehen, desselben Gatten, der heute als Zeuge seine„begründete Furcht" bekunden soll. OGR. Hellriegel erklärt ihm, er habe als Gatte das Recht, sich der Aussage zu entschlagen. In diesem Fall werden alle sei««e bisherigen Angaben als nicht existierend betrachtet. Zugleich aber appelliert der greise Vorsitzende mit eindringlichen Worten an das Gewissen und das Gefühl des Zeugen. Dieser zögert. Ein« Verurteilung wäre für den Scheidungsprozeß ein unüberstechlicher Trumpf. Aber er merkt wohl auch, daß das Gericht seine eigene Meinung über die Sache hat. Und so verzichtet er mit großmütiger Gest« auf die > Aussage und die Angeklagte; die, von stummem Schluchze» geschüttelt, aus ihrer Bank sitzt, wird sreigesproche». Seite 6 Freitag, 21. August 1931. fit. 194. Spekulationen um die Ehe. Eine Heiratsschwindlerin und ihre Partner. Prag, 20. August. Vor kurzem wurde vor dem hiesigen Gericht eine 56jährige Frau abgeurteilt, die Heiratsschwindcleien in größtem Stil betrieben und zehn heiratswütige Greise um nahezu eine halbe Million geprellt hatte. Heute gelangte ein ähnlicher Fall zur Verhandlung, der sich sreilich in Weit bescheideneren Grenzen hält und sich auch dadurch von seinem Vorgänger unterscheidet, daß die Angeklagte und die Geschädigten einander kaum etwas vorzuwerfen haben. Tie Anklage führt kurz folgendes aus: Die 36jährige Katharina Jelinek, die in T o b o t k a mit einem gewissen B a z l e r im Konkubinat lebte, bot sich aus ein Inserat hin dem Josef Ludwig in Prag als Haushälterin an. Nach kurzer Korrespondenz kam es außerdem zu einem Abkommen, daß die Jelinek ihren Dienstgeber nach einiger Zeit heiraten werde. Nach dieser brieflichen Exverlobung zog sie zu ihm, um die Hauswirtschaft zu übernehmen, die sie angeblich so ausgezeichnet führte, daß Ludwig nach seiner Behauptung nur von Kaffee und Brot lebte, weil ihm seine Haushälterin und Braut eben nichts kochte und auch sonst sich um den Haushalt wenig kümmerte. Als er erkrankte und ins Spital kam, verließ sie die Wohnung und kehrte zu B a z l e r zurück. Angeblich hat der Bräutigam ihr in der Hoffnung auf baldige Eheschließung zusammen 8.220 Kronen gegeben und beschuldigt sie nun betrügerischer Machinationen. Nummer Zw e i ist ein 70jähriger Kohlenhändler in S m i ch o v. Diesmal hatte die Jelinek selbst die Initiative ergriffen und ein Inserat erscheinen lassen, durch daS sie einen Gatten suchte. Sie gab sich als„schuldlos geschiedene Frau aus, die durch einen„trunksüchtigen und rabiaten Gatten um ihr Vermögen gekommen sei und jetzt an der Seite eines alten Mannes Beruhigung für ihre aufgeregten Nerven suchte"— wie sie ihn ihren Briefen so schön schreibt. Er war bereit, ihr diese Beruhigung zu verschaffen, richtete eine zu diesem Zweck gemietete, gemeinsame Wohnung ein und daS Eheglück hätte seinen Anfang nehmen können, wenn nicht die Angeklagte inzwischen Nummer Drei, einen Herrn aus Pilsen durch ein weiteres Jnserat gekapert hätte, den sie in der von Nummer Zwei neu eingerichteten Wohnung empfing, der aber bald Lunte roch und ohne Schaden davonkam, während der Kohlenhändler 23.852 Kronen Defizit zu buchen hatte. Nebenbei borgte sie sich von der Tochter der Bräutigams-Kohlenhändlers eine Nähmaschine im Werte von 2000 Kronen aus, von der später nichts mehr aufgefunden wurde, als der Versa tz zettel.— Inzwischen hatte Bräutigam Nummer EinS, als er aus dem Spital heimkehrte die Strafanzeige erstattet und.sie beeilte sich, ihren früheren Lebensgefährten B a z I e t eine fix und fertig ausgearbeitete Zeugenaussage zu schicken, in der dieser das Blaue vom Himmel beschwören und bestätigen sollt«. Er tat dies freilich nicht, sondern übergab den Brief der Polizei und das Resultat war eine Anklage wegen mehrfache« Betruges, Veruntreuung und Verleitung zur falschen Zeugenaussage. Wie sich schon aus den geschilderten Unternehmungen ergibt, ist diese Frau eine glänzende Komödiantin und ihr Auftreten vor Gericht entsprach dem auch vollkommen. Sie ist nach ihrep Erklärungen nicht nur keineswegs schuldig, sondern im Gegenteil ein armes Opfer. Dem Bräutigam Nummer Eins habe sie nicht nur nichts gekostet, sondern noch ihr Geld geopfert. Der Kohlenhändler habe sie selbst einem Bekannten a b t r e t e n wollen, während sie in Ehren seiner begehrte und ihm eine treue Gattin sein wollte. Nie hat sie Gek verlangt. Was dir Nähmaschine betrifft, so hat sie eine köstliche Erklärung zur Hand. Als sie nämlich die Wohnung des Kohlenhändlers räumen mußte und die übrige Einrichtung,(die er ihr zum Geschenk machte) bei einem Spediteur einstellte, bekam sie Angst, die fremd« Nähmaschine könnte in dem möglicherweise feuchten Magazin rosten und daher trug sie sie in das trockene Versatz- amt. Das wäre alles sehr schön— wenn nur nicht eine so umfangreiche Korrespondenz gegen sie zeugen würde. Was nun aber die Geschädigten betrifft, so erschienen auch diese in sonderbarem Licht. Nummer Eins soll eine sehr problematische Existenz sein und hauptsächlich vom Hasardspiel leben. Ein Zeuge meint, daß er 8.200 K vermutlich niemals beisammen gesehen hat, geschweige denn besessen. Der Kohlenhändler soll die Braut tatsächlich infolge des Widerstandes seiner erwachsenen Kinder seinem Freund Bene» mitsamt der Wohnungseinrichtung angeboten haben, aber das Geschäft zerschlug sich. So scheint es also, daß die handelnden Personen einander so ziemlich würdig sind. Trotzdem di« Angeklagte heftig schluchzte und jammerte und während des Plädoyers ihres Verteidigers förmlich« Duette mit ihm vorführt«, ließ sich der Gerichtshof(OGR. M a s ä k) nicht rühren. Sie wurde, bei teilweisem Freispruch von einigen Punkten, doch in im Wesentlichen schuldig erkannt und trotz bisheriger Unbescholtenheit zu einer unbedingten Kerker st rafe von drei Monaten verurteilt. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß bei der Art, wie die Angeklagte«in arbeitsloses und ange- nehmes Leben auf Kosten anderer zu führen wußte, die Verbüßung der Strafe geboten erschein«. Man wird di«s«m Argument seine gründ- sätzliche Zustimmung nicht versagen können und freilich den Wunsch beifügen, daß allen, die «in„arbeitsloses und Angenehmes Leben auf Kosten anderer führen" mit diesem Maß« gemessen werden. Kunst und Wissen Kleine Bühn». Dienstag, den 25. August, Eröffnung der neuen Spielzeit mit der Erstanfführung des Lustspiele „Intimitäten" von Eoward. Regie: HanS Götz Mitwirkende: Carpentier, Meller, Götz, Ströhlin. Erst« Wiederholung am Mittwoch, den 26. ds., nächste Aufführung Sonntag, den 80. ds. Donnerstag, de« 27. d«. wird der russische Komödien-Abend„Spieker",„Doppelgänger",„Hei- ratSantrag", der gegen Schluß der Spielzeit beifälligst aufgenommen wurde, mit der bekannten Besetzung wiederholt. Freitag, den 28. ds. gelangt als 1. Operetten- Abend dieser Spielzeit das musikalische Lustspiel „Lockt a i I" von Ralph Benatzky zur.Ausführung. SamStag, den 29. ds. findet hie Premiere der Komödie„Moritat" von Otto Bernhard Wendler statt. Die Rolle des Kremp ist mit Josof Renner besetzt. In den übrigen Rollen sind beschäftigt: Medelsky, Ondra, Rohm, Bauer, Janisch, Ludwig, Padlesak, Reinhardt, Stiegler, Beit. Snszenierung: Friedrich Hölzlin. Erste Wiederholung am Montag, den 31. ds. Rene» Deutsches Theater. Donnerstag, den 27. ds. Beginn der neue« Spielzeit.— Reueinstndirrung:„Der Arzt wider Willen". Komische Oper von Gounod nach der gleichnamigen Komödie von Moliere. Dirigent: Max Rudolf. Inszenierung: Oskar Schuh. Besetzung: Ried, Schwarz, Szakmarh, Bandler, Berkmann, Hagen, Reiter, Roller..Anfang 7.30 Uhr (213—1). Freitag, de« 28. dS>, zur Feier von Goethe- Geburtstag: Neueinstudiert:^Vorspiel auf dem Theater."—„Die Mitschuldigen."—„Die Laune de- verliebten." 8n den von Max Liebl inszenierten Stücken sind beschäftigt: Carpentier, Warnholtz, Alda, Hölzlin, Leitgeb, Rösner, Schindler, Ströhlin, Taub. Anfang 7.30 Uhr(214—II). Nächste Wiederholung Moniag, den 31. ds. Anfang 7.30 Uhr (217—1). Samstag, den 29. ds.„Der Troubadour", Oper von Verdi/Dirigent: Kurt Adler. Anfang 7.30 Uhr (212—111). Sonntag, den 30. ds.„Im weißen Rößl", Sing- spiel von Hans Müller. Musik von Ralph Benatzky. Inszenierung: Max Liebl. Anfang 7 Uhr(216—IV). * Der Aartenvorverkauf für alle Vorstellungen im Neuen Deutschen Theater und in der Kleinen Bühn« beginnt heute! Vereinsnadiriditen Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 23. August: Abfahrt nach Uvaly, Masaryk-Bahnhof'6 Uhr 40 Minuten. Führt Schaffer. Der Film Siu ausgezeichneter Kulturfilm: „Die Gefahren der Liebe." Unter Kulturfilm stellt sich die Oeffentlichkeit gemeinhin«NvaS vor, was in erster Linie fad, nicht zum sagen fad ist und was man sich nur ansieht, weil es eben eine kulturelle Verpflichtung ist, sich einmal für sein Geld mit Langerweile zu Plagen. Bon diesem Gesichtspunkt aus ist der vom Lloyd Film-B er leih dieser Tag« vorgeführte Tonfilm deutscher Erzeugung„Di« Gefahren der Liebe" kein Kulturfilm. Denn«r ist spannend wi« nur ein Spielfilm(also etwa tausendmal unterhaltender und anregender als ein amerikanischer Tonfilm), er zeigt tadelloses Spiel, saubere Regie und hält sich frei von Kitsch jeglicher Art, also von Romantik, Rührseligkeit und komischen Moritaten. Alles, was hier geschieht, sönnte im Leben so geschehen sein, geschieht wohl auch bald da, bald dort so oder nicht wesentlich anders und ist erschütternde Anklage unserer verworrenen Moral, unserer mangelnden gesellschaftlichen Für- 'rge, unserer Justiz. Der Film spielt auf einem Versuchsgut, auf -.in eine botanische Versuchsanstalt untergebracht ist. Der Verwalter, der das Gut leitet, ist der Typus d«S. brutalen„Frauenbezwingers", ein Säufer, Schürzenjäger, Leuteschinder. Er steckt Arbeiterinnen und dann auch eine wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Syphilis an, schwängert sie und drückt sich um di« Verantwortung. An dem Schicksal des einen Mädels, der wissenschaftlichen Hilfsarbeiterin Ilse Thorn, wird nun«in leider typisches Frauenschicksal gezeigt. Ihr Verlobter, der sie zu seiner Frau gemacht hatte, läßt das Mädel, in hem nun die Sinnlichkeit, das Triebleben.geweckt wurde, monatelang allein. Ne Folge sind nervöse Zustände, Trübsinn und als Ende ein Alloholrausch, in dem das Mädel, halb vergewaltigt, halb verführt daS Opfer des syphilitischen Verwalters wird. Der Verlobte kehrt zurück. Kein Arzt will Ilse die Frucht nehmen, der doppelte Fluch unerwünschter Schwangerschaft und gefährlicher Erklärung treibt st« zum Aeußersten; sie schießt den Verwalter, der ihr mit zynischem Hohn begegnet, über den Haufen. DaS Gericht spricht sie frei, di« ärztliche Kunst heilt sie, sie wird dem Leben wiedergegeben. Nes die ergreifende, ohne kitschigen Beigeschmack bleibende Handlung. In dieses Spiel wird nun die sonst in trockerrer Form gebotene„Austläruna" eben spielend, zwanglos natürlich eingeflochten. Man begleitet Ilse zum Frauenarzt, man sieht eine Wassermann-Station, blättert mit der Kranken in einem medizinischen Werk, sieht die Syphilis-Station einer Hautklinik, di« Zellen der Paralytiker und die Tabetiker, man hört von den Heilverfahren und. empfängt Warnung und Trost ohne jede schulmeisterliche Geste(Für die tschechischen Kinos sind di« wissenschaftlichen Teile des Dialogs ins Tschechische tranSponi::: worden.) Der ausgezeichnete Regisseur des Filmes ist Eugen Thiele di« wissenschaftlich« Beratung besorgt« Dr. G u t t m a n n, dir Musik Leo L e u x (Erzeugerfirma Rowik& Roell, Berlin). Unter den Mitwirkenden seien nur Albert und Else Bässe r m a n n, HanS Stüwe, Schlettow(Ver- walter), Kurt Lilien genannt. Das Mädchen spielt Toni van Eyck, deren kindliche Gestalt und naives Spiel ergreifend menschlich wirken. Ter Film ist allen Lichtspielhäusern, aber auch Bolksbildung»- organisationen wärmstens zu empfehlen.(Steuerfreier Kulturfilm!) Dr. E. F. „Ist Mary Dngan schuldig?" Es war sicher ein Wagnis, einen Kriminalfilm zu drehen, der zu neun Zehnteln im GerichtSsaal spielt und sich vom Filmischen so weit entfernt, daß er nur noch photographiertes Theater ohne Szenenwechsel ist; das Originelle, Eigenartige des Films geht dabei verloren. Wenn der Film trotzdem spannend ist und man während der langen Gerichtsverhandlung nicht ermüdet, so liegt es an dem ausgezeichneten Spiel einzelner Darsteller(vor allem Arnold K o r f f s, am schwächsten ist di«.Heldin selbst, von Nora Gregor kaum gespielt, sondern nur dekorativ dargestellt) und an dem Tempo, das der Regisseur der Gerichtshandlung und den Dialogen zu geben wußte. Zu empfehlen ist der Film vor allem deshalb. weil er ein anschaulicher Bild d«s amerikanischen Prozeßverfahrens gibt, dessen himmelschreiend« Albernheit so viele Menschenleben vernichtet und in Europa diel zu wenig bekannt ist. Diese Karikatur eines Prozesses, an den mittelalterlichen JnquisitionSprozeß erinnernd, wird in dem Film mit treffender Satire iest- gehalten. fr. Heransqeber: Siegfried Tand. Chefredakteur: Wilhelm Nießner Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Vrag. Druck:.Rota"' Sl.-B. für Zeitung» und Buchdruck. Prag. Für den Druck verantwortlich: Otto Holik Prag. Die ZetlungTmerkenfmnkaNir wurde von der Poft n. Tetegravhcn- direktio» mir Erich Nr. 13.300/VII/1930 bfflrlUjt l KINO PROGRAMM l > vom 21. August bis 27. August 1981. Wran-Urania-Kino 4)76| ChnKei#eu!«he: Hins er«*'' lai-O.v?9 „Brand In der Oper“. (BARCAROLE). Alexa Engstrom, Jamila Novotny, Gustav Fröhlieh Gustav Grundgens. Wo verkehren wir? | falt„Continentar, Prag, üratea] .137 iiDovi Diin (Qcn. WIBIielin OpalrnM Konzert. PRAG II Die Deutsche Bezirksjugendfürsorge Mähr.-Altstadt ..sucht eine MtrforgefWtvefter Gesuche mit kurzer Lebensbeschreibung und Ge- haltSansprüchen sind bis 18. September einzubringen. 1283 Erlebnisse mit Katze«. Bon Fedor von Zabeltitz. Als leidenschaftlicher Tierfreund hatte ich auch immer Katzen im Hause. Es gibt Menschen, die Katzen nicht leiden können, weil sie sie für falsch halten. Aber das ist durchaus unrichtig. Die Katze ist ebenso gutmütig wie der Hund— wenn sie liebevoll erzogen wird. Das ist die Hauptsache. Ich habe deshalb stets nur ganz junge Katzen zu mir genommen und bei ihnen d:e Erfahrung gemacht, daß sie sich sogar ausgezeichnet dressieren lassen. Die Katze ist ungemein klug. Gehör und Gefühl sind bei ihr außerordentlich scharf entwickelt. Die ani feinsten dressierte Katze besaß Ernst von Wildenbruch. Er und seine Gattin hatten eine wahrhafte Passion für diese Säugetiergattunq. In ihrer Wohnung wimmelte es von Zehengängern beiderlei Geschlechts, und damit sie ungehindert von einem Zimmer in das andere schlüvfen kostnten, waren unter den Türen schmale Oeffnunqen mit Klapven angebracht, um dem lieben Viehzeug die Passage zu erleichtern. Einmal besuchte ich Wildenbruch und wurde von ihm auf das schmale Biedermeiersofa am Fenster seiner Arbeitsstube genötigt. Und da saß plötzlich ein Lebewesen wie ejn junges Tigertier neben mir. Es war aber bloß ein riesiger, schwarz und rotgelb gefleckter spanischer Kater, den Wildenbruch einmal von einem Verehrer geschenkt bekommen und der sich lautlos in das Gemach geschlichen hatte. Dieser Kater konnte auf zwei Beinen laufen, Kopfstehen, sich auf Befehl wie eine Kugel zusammenrollen und noch sonst mancherlei Kunststücke, die Frau von Wildenbruch tzm beigebracht hatte. Einen so gelehrten Kater habe ich sreilich nie besessen, dafür aber einmal ein höchst seltenes! Katzengeschöpf, nämlich ein schwanzloses, das auf der Insel Man im Irischen Meer beheimatet sein sollte. Ob alle diese schwanzlosen Katzen von Man kommen, weiß ich natürlich nicht. Sie hieß Betsy, hatte sehr schöne, bernsteinfarbige Augen mit Opalglanz und einen häßlichen Körper. Ihre Hinterbeine waren nämlich länger und kräftiger als die vorderen und infolgedessen sah sie in der Dämmerung wie ein junger Känguruh aus. Auch war das eine Hinterbein schwarzgelb gestreift und daS andkre schwarzweiß. Aber dies verrückte Vieh hatte eine akrobatische Begabung, die man bewunden: konnte, und sie produzierte sich sichtlich gern in ihresi' Salonnummern. An den Ast einer Buche im Garten hatte ich einen langen dicken Strick aushängen lassen, und eß machte ihr besonderen Spaß,. an diesem Strick mit fabelhafter Geschwindigkeit hinaufzuklettern und sich dann in den Baumwipfeln zu schwingen, wo sie in un- gehenreft Sätzen von Ast zu Ast sprang.- Sie war eine ganz ungewöhnliche Springerin. Später ging sie«in Liebesverhältnis mit einem gewöhnlichen Torfkater ein. Das endete insofern unschön, als Betsy fünf Junge von einer unsagbaren Schauderhaftigkeit zur Welt brachte. Es waren durchwegs Karikaturen der Gattung Helis domesfika. Da es Sommer war, so hatte Betsy ihr Wochenbett im Freien. Und da sah man nun eines Morgens ein wunderliches Schauspiel. Ein kleiner Junghase, der sich in den Park verirrt hatte, säugte an ihren Zitzen, und sie ließ sich dies nicht nur ruhig gefallen, sondern leckte den Fremdling auch noch mit zärtlicher Mütterlichkeit. An einem Lenztage, vor längeren Jahren, schickte mir Ernst von Wolzogen einmal einen Angorakater zu, mit der Bitte, ihn zu behalten I und mit aus das Land zu nehmen. Er mußte nach dem Zusammenbruch seiner Bunten Bühne Berlin verlassen und wollte sich nicht mit dem Kater Herumschleppen. Dies Biest war prachtvoll, ein Riesentier mit langem, weißem, seidenweichem Haar, funkelnden Augen, kirschroten Lippen und Fußsohlen. Aber es war auch bösartig und un- sauber. Ich taufte es Achmed, weil es aus einer Gegend stammte, wo manche Leute so heißen. Da ich zunächst allein auf meinen Landsitz fuhr, so verpackte meine Frau Achmed in einen geräumigen Korb, legte Labung dazu, und ich gab den Korb als Bahngepäck auf. Im Kltpee traf ich einen verehrten Bekannten. Und der geriet in eine nicht endenwollende, Heiterkeit, als der Schaffner in Fürstenwalde singend in das Kupee rief, ob sich hier ein Passagier, befände, der eine lebendige Katze aufgegeben habe. Ich meldete mich natürlich, und da erklärte der Schaffner weiter, ich möchte mich sofort in den Gepäckwagen begeben, der Kater sei auSgebroche» und sitze nun oben auf einem großen Schrankkoffer und wolle nicht mehr herunter, er beiße und kratze und zeige auch sonst ein ungebührliches Benehmen. So war es in der Tat. Im Gepäckwagen gab ich mir alle Mühe, das wilde Tier Zu beruhigen und wieder in seinen Korb zu locken. Es gelang mir aber nicht. Achmed ließ sich wohl von mir anfaffen und streicheln, wollte indes durchaus nicht die Höhe seiner Situation verlassen. So blieh mir denn nichts anderes übrig, als bei der Weiterfahrt zwei Stunden lang im Gepäckwagen stehen- zubleiben, die Hand in Achmeds Fell vergraben, !denn wenn der Expedient sich ihm näherte, so begann der Kater zu fauchen und zeigte die Krallen. Wir haben an diesem Tier aus Angora keine rechte Freude gehabt. Einmal, im Spätfrühling, verschwand Achmed spurlos, kehrte aber zu Herbstbeginn völlig verwildert wieder zurück. Er hatte sich monatelang im Walde umhergetrieben. Achmed richtete nur Unheil an und vergriff sich sogar an den Hühnern. Kein Wunder, daß er tragisch endete. Im Kampfe mit einer dicken Wasserratte, die wohl von ausgelegtem Gift gefressen hatte, erlag er seinen Verletzungen. Achmed war auch die einzige Katze, die sich mit meisten Hunden nicht vertragen konnte. Sonst waren Hund und Katze in meinem Hause immer die besten Freunde. Sie balgten sich miteinander herum, sie fraßen zuweilen auch aus demselben Napfe. Aber wenn die Katze davonlief und durch den Garten preschte, war eS sofort mit der Freundschaft aus. Dann regte sich der Instinkt, der uralte Widerstand im Blut, und kläffend jagten die Köter dem Katzentier nach. Sie Pflegten ja selten die Katze zu erwischen, die im letzten Augenblick immer auf einem Baum oder sonst einer Höhe Deckung findet, aber ich habe es dock eplebt, daß ein Foxterrier ein Kätzchen, mit dem er sonst in idyllischem Frieden lebte, bei einer solchen Jagd im Genick packte und, vielleicht gegen seinen Willen, nur in der Sportlust des Augenblicks, totbiß. Mein letztes Katzerle habe ich jüngst in Berlin verloren. ES war ein sogenanntes Karthäuserkätzchen, ein süßes Schmeicheltier mit pfiffigem Gesicht und schwarzen Lippen, spielig und zärtlich. Es stürzte vom Balkonrand drei Stockwerke tief auf die Straße, war aber im Fall nicht zu der berühmten traditionellen Wendung gekommen, die es der Katze gestattet, mit den Füßen zuerst den Boden zu berühren; es brach sich das Rückgrat und starb nach wenigen Minuten. Seitdem besitze ich weder Katze noch Hund. Meine Frau meint, man würde doch recht einsam im Alter. i