Einzelpreis 70 Heller Sozialdemokrat Jentralorgan d. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.5.Tschechoslowakischen Republik. 11. Jahrgang. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Redaktion und Berwaltung: Prag II., Netázania 18. Telephon: 26795, 31469.( Nachtredaktion): 26797 Policedamt: 57544 Wieder eine Diktatur erledigt: Freitag, 4. Geptember 1931 Nr. 206. Für die Erhaltung und den Jugoslawien erhält eine Verfassung! Ausbau der Sozialpolitik! Bürgerliche Freiheiten- Zweikammersystem- Ein Manifest Alexander Karageorgjevićs. die Belgrad, 3. September.( Avala.) König Alexander erließ ein Dekret, durch welches eine neue Verfassung mit parlamentarischem Regime eingeführt wird. Die neue Verfassung des Königreiches Jugoslavien stützt sich auf demokratische Grundsätze, hält die geschaffene Einheit des Staates und der Nation sowie die Organisation des Staates aufrecht und führt eine neue Volksvertretung mit einem Zweitammersystem ein. Das Königreich Jugoslavien ist nach dieser neuen Verfassung eine fonstitutionelle, erbliche Monarchie mit der Dynastic Karageorgjevič an der Spitze. Als offizielle Sprache gilt die serbisch- kroatischSlovenische Sprache. Die Verfassung sichert die bürgerlichen Freiheiten, die politischen Rechte, die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze, die Gewissensfreiheit, die Pressefreiheit, die unverletzlichkeit der Wohnung und des Privateigentums, das Briefgeheimnis, das Post- und Telegraphengeheimnis, die Gleichheit der Rechte aller Konfessionen, die volle Unabhängigkeit der Gerichte usw. ** * Darum geht es bei den Gemeindewahlen! Erinnern wir uns, welcher Kleinmut der die nationalistischen Bürgerparteien jede die Regierungsparteien des Bürgerblockes Arbeit verhinderten. Selbstverständlich war das beseelte, als die Wahlen ins Parlament vom völlige Fehlen einer politisch- aktiven Jahre 1929 herantamen. Sündenbeladen Arbeiterbewegung, war die Umbil- standen damals die Bürgerblockparteien, die dung breiter Boltsschichten Voraus Agrarier und Christlichsozialen da, verlegen setzung dieser Diktatur und ihrer Duldung durch stammelten sie in den Wählerversammlungen das Volk. Immerhin aber war die Diktatur in Jugoslawien, so sehr die Manieren des Königs Entschuldigungsworte für das, was sie in den und des Generals Živković oft denen Mussolinis drei Jahren ihrer Herrschaft und Herrlichkeit glichen, in eine andere Kategorie einzureihen als getan hatten. Sie waren beladen mit der die fascistisch- bürgerlichen Diktaturen anderer Schuld an dem unseligen Finanzgesetz, das Länder freilich nur solange, als die Diktatur die Sozialfürsorge der Gemeinden gerade für im Sinne des nationalen Einheitswillens wirkte. die wirtschaftlich schwächeren Schichten der Nachdem die Diktatur die neue Verwal- Bevölkerung in der gröbsten Weise beschnitt, tungseinteilung geschaffen, den Partikularismus sie hatten die Verwaltungsreform gemacht, zum Schweigen gebracht hatte, begriff das Volk welche der Freiheit der Selbstverwaltung ein ihre Notwendigkeit, nicht mehr. Opposition Die Gemeindewahlen ausgeschrieben. Die Landesbehörden von Böhmen, Die Boltsvertretung wird aus dem Senate Stelle kommentierten, haben wir auf ihre sozio- wurde laut, es gährte in Kroatien und Mazedo- Ende bereitet und das letzte Stück natiound der Abgeordneten bestehen. Die Hälfte der logische, politische und geistige Besonderheit ver- nien. Dazu kam die Finanznot Jugo- naler Selbstverwaltung der Deutschen mit Mitglieder des Senates wird durch allgemeine wiesen. Die Wendung, die das Schicksal Südsla- Iawiens, die es wie fast alle europäischen der Wurzel ausgerissen hatte. Sie hatten eine Abstimmung für eine sechs Jahre dauernde wiens durch die nunmehrige Proklamation Wahlperiode gewählt. Die Krone behält sich das Alexander Karageorgjeviés genommen hat, be- Länder von Frankreich abhängig machte. Vor Steuerreform gemacht, welche die Gewinne der Monaten schon hat die französische Linkspresse Banken und Industriemagnaten ängstlich Recht vor, die andere Hälfte der Gesamtzahl der stätigt die Richtigkeit unserer seinerzeitigen und Monaten schon hat die französische Linkspresse Banken Senatoren zu ernennen. Das Abgeordne später wiederholten Ansichten: daß die Dittaschonte, dafür hatten sie die Zucker- und tenhaus wird durch allgemeine Abstimmung tur in Südslawien, entsprungen der OhnSpiritussteuer erhöht, die Militärausgaben in für eine Wahlperiode von vier Jahren macht einer im nationalen Hader aufgehenden die Höhe getrieben und die Sozialversicherung gewählt. In den Senat sind alle Bürger wähl- Bourgeoisie und der Uebermacht jener Schichten, für Millionen von Menschen verschlechtert. bar, die im Besitze der bürgerlichen Rechte sind denen der Staat zum Teil seine Entstehung Die Wähler haben ihnen damals eine deutund das 40. Lebensjahr überschritten haben. Ju dankt, der Krone, der Armee und der hohen liche und nicht mißzuverstehende Antwort Abgeordnetenkammer find vollberechtigte Bürokratie, eine bestimmte historische Bürger wählbar, welche mindestens 30 Jahre Mission zu erfüllen hatte, daß sie aber eher Mähren- Schlesien, Slowakei und Kar- gegeben, der gesunde Instinkt der breiten alt find. Das aftive Wahlrecht haben als die anderen Diktaturen abtreten werde, wenn pathorußland haben gestern die Gemeinde- Urteil gesprochen. Massen der Bevölkerung hat damals sein alle Bürger, die das 21. Jahr vollendet ihre Zeit erfüllt sei. Zweifellos hat der König wahlen für Sonntag, den 27. September, heben. Die Abgeordnetenkammer hat ein aus- und haben die Generäle bis in die jüngste Zeit wahlen für Sonntag, den 27. September, In vollstem Gegensatz hiezu fönnen wir gedehntes Budgetrecht, das Recht zu Inter- mit dem Gedanken gespielt, den Wunschtraum ausgeschrieben. Sozialdemokraten mit Stolz und Genugtuung pellationen, Untersuchungen und zur Initiative geträumt, die Diktatur auf viele Jahre einzubehaupten, daß wir nicht fleinmütig, sondern in legislativen Angelegenhe ten. Den Atgeord- richten, unbekümmert um Kritik und Opposition hocherhobenen Hauptes zur Wahl gehen und neten ist die Immunität garantiert. Eine Bor- nach italienischem Muster eine Willkürherrschaft dem König Alexander sehr deutlich verkündet, fönnen vor den gesamten Wählern ruhig für lage wird Gesetz, wenn sie vom Senat und der zu installieren. Dafür waren aber in Jugosla- daß die Diktatur feinen Kredit habe. Abgeordnetenkammer genehmigt wurde. Eine wien weder die innen- noch die außenpolitischen Die Belgrader Diktatoren haben ein feines Ohr unsere nicht einmal zweijährige Tätigkeit in neue Verfassung verbürgt den Banaten, deren Voraussetzungen gegeben. für die Stimmen der Bevölkerung und der aus der Regierung Rede und Antwort stehen. Die Zahl neun beträot, und deren Abgrenzung durch Wenn gerade in Südslawien der Uebergang ländischen Geldgeber gezeigt, sie liquidierten die Massen der Bevölkerung sind von dem Been neues Gefes festgelegt werden wird, eine zur Diktatur fich fast reibungslos wollzog, wenn Diktatur, ehe das Volk sie liquidiert, ehe der wußtsein durchdrungen, daß die deutsche umfangreiche Autonomie. Die Er von einem Widerstand der Bevölkerung verhält Staatsbankrott sie zur Kapitulation zwingt. Das Sozialdemokratie in der Regie nennung des Banas erfolgt durch den Minister nismäßig wenig zu spüren war die Oppo Schicksal des spanischen Königs mochte dabei die rung, daß der deutsche sozialdemokratische präsidenten und wird durch lönigliches Defret fition einzelner Bekenner und Vorkämpfer aus- Erwägungen Alexanders mitbestimmt haben. Minister die Interessen der ArbeiDaß in diesem Jahr schon die zweite ter bertreten hat. Jeder Mensch weiß Lundgemacht. Der Vanus ist Repräsentant der genommen so lag das daran, daß die DiktaRegierungsautorität in seinem Banate. Die neue tur hier nicht einfach als mutwillige Gewalt- Dittatur in Südeuropa fällt, daß die Verfassung sicht in jedem Vanate einen Basherrschaft, als Vergewaltigung der unteren Nachbarn Italiens im Westen und im Osten heute, daß unsere Regierungsteilnahme feinen nalrat vor, dessen Wahl auf Grund des allge- Volksklassen durch eine Oberschicht erschien, son zur Demokratie zurückkehren, ist für Europa von anderen Sinn hat, als die sozial schwächsten meinen, gleichen und direkten Stimmrechtes dern der nationalen Ideologie stark entgegen- größter Bedeutung. Daß sie auch in dem wirt- Schichten der Bevölkerung zu schützen. erfolgen wird. Die Vollzugsgewalt im Banat it fam. Breite Schichten der Intelligenz, der Bau- schaftlich zurückgebliebenen Bauernlande Jugo- Die etwas über eineinhalbjährige Tätig dem Banolausschuß übertragen, dessen Mitglie- ern, selbst der Arbeiter( so eine Reihe von Geslawien die Diktatur nur zweieinhalb Jahre zu feit innerhalb der Regierungsmehrheit ist der der auf Vorschlag des Banus ernannt werden. werkschaften) sahen in der Diktatur das einzige behaupten vermochte, mag den Diktaturlüfternen lebendigste Beweis hiefür. Während gegen Der Banalrat entscheidet über das Budget des Mittel, den Stammespartikularismus zu über- in Deutschland eine Warnung sein, wie das wärtig in der Zeit der Wirtschaftskrise und Banates, das dann der Genehmigung seitens winden, den nationalen Hader zu begraben, dem los der Belgrader Königsdiktatur dem jungen der Schwierigkeiten der staatlichen Finanzdes Finanzministers unterlegt. Die Organisa- Lande die Grundlagen der nationalen Einheit Herrn in Bukarest hoffentlich eine Warnung Selbstverwal- und einer modernen Verwaltung zu geben. Sie sein wird. Das Jahr 1931 wird, das läßt sich politik in einer Reihe von Ländern die sozialtungsverbände wird auf Grund einer duldeten die Diktatur, weil sie ihnen beffer und ieht sagen, trotz dem deutschen Fascismus, tein politischen Errungenschaften der Nachkriegsfein: zeit mehr oder weniger abgebaut werden, ist ausgedehnten durch die Verfassung garantierten zweckmäßiger zur Erfülluns einer notwendigen gutes Jahr für Diktatoren Autonomie geregelt werden. historischen Aufgabe erschien als die vorangegan- Alphons, Bethlen, Zivković bei uns in der Zeit der Teilnahme der Sozialdemokratie an der Regierung die SozialVerfassung ging gestern die Bildung einer politik aufgebaut worden. Eine einfache nationalen Regierung voraus, in die außer den Mitaliedern der bisherigen Regierung Aufzählung dessen, was geschehen ist, beweist dies augenscheinlich. Es wurden die Arbeitsauch einige Persönlichkeiten eintraten, welche in Barcelona. losenunterstützungen auf 26 bzw. 39 Wochen früher im politischen Leben eine hervorragende berlängert und damit zehntausenden von Stellung engenommen hatten. Paris, 3. September. Journal" berichtet Menschen geholfen; es wurde die produktive Gestern um 19 Uhr fand im föniglichen aus Madrid, daß die in Barcelona verhafteten Arbeitslosenfürsorge eingeführt, für die Palais unter Vorsitz des Königs Alerander ein Syndikalisten in den Hungerstreit 50 Millionen Kronen ausgegeben wurden und Ministerrat statt, an dem Ministerpräsident getreten seien. Der Zivilgouverneur habe sich General Zivkobe und sämtliche Mitglieder der ins Gefängnis begeben, um mit den Verhafteten Barcelona, 3. September. In Barce. mit Hilfe derer Bauten unternommen worden nationalen Regierung, mit Ausnahme der außer Fühlung zu nehmen. Diese Gelegenheit hätten lona brach heute morgens der Generalstreif ans. sind, die ein Mehrfaches dieses Betrages darhalb Belgrade peilenben Minister Marinkovic, die Häftlinge, die alle bewaffnet gewesen 300.000 Arbeiter traten in den Streit. Sie for stellen. Es wurde eine Ernährungsaktion durchAndra Stanic und Pugelj, teilnahmen. In feien, benußt, um die Gefängniswärter dern den sofortigen Rücktritt des Gouverneurs. geführt, für die 9 bis 12 Millionen K monatd'ejem Ministerrat dankte der König der Regie zu überwältigen und die Zellentüren ihrer Die Verkehrsmittel und der Betrieb in den lich verwendet werden, eine Weihnachtsaktion rung Zivkovic für ihre zugunsten des Landes Mitgefangenen zu öffnen. Sie hätten auf diese Elektrizitätswerken ruhen. Die Läden sind ge- für Arbeitslose, eine Milchaktion für die Keingeleistete Arbeit, hob ihre Erfolge hervor und Weise etwa 200 Türen ausgehoben, sie in einer schloſſen. Bei Zuſammenſtößen zwischen Strei- der von Arbeitslosen( Weihnachten wurden erklärte, es sei nunmehr jener Augenblid ge- Gefängnisgalerie aufgeschichtet und in Brand tenden und der Polizei wurde ein Demonstrant allein hierfür vier Millionen Kronen her kommen, von dem er in dem Manifeste vom gestedt. Eine Kompagnie Infanterie babe getötet und mehrere verlegt. tion der fleineren Der historischen Kundmachung der neuen gene Parlamentsherrschaft einer Kammer, in Europa wartet: Der nächste, bitte! Revolte gefangener Syndikalisten tor abgesetzt. Gestern Abend sei von der Ortsgruppe der kommunistischen Gewerkschaften für heute als Protest gegen diese Zwischenfälle der Generalstreit angeordnet worden. * Generalstreit in Barcelona. gegeben), die Rente der Schwerstinvaliden und Witwen wurde erhöht, die Staatsbeamten betamen eine Weihnachtszulage, den Altpensionisten wurde geholfen, dem Ueberstundenwesen wurde erfolgreich entgegengetreten, der wurde Jugendschutz ausgebaut und ein 6. Jänner 1929 gesprochen habe, nämlich der herbeigeholt werden müssen und auf die GefanAugenblick, wo dem Königreiche Südflawien genen gefeuert. Den vereinigten Kräften und Feuerwehrleuten sei es Laval und Briand Ende September eine neue Ronstitution gegeben werden könne. von Militär und Der Minister des föniglichen Hofes verlas so schließlich gelungen, den Brand zu löschen, der nach Berlin. dann die neue Verfassungsurkunde, die heute im auf das ganze Gefängnisgebäude überzugreifen drohte. Während dieser Zeit hatten mehrere Paris, 3. September. Von informierten Amtsblatt veröffentlicht werden wird. Schwadronen das Gefängnis umzingelt. Kreisen wird die Meldung bestätigt, daß MiniAls wir vor zweieinhalb Jahren den Abends sei die Ruhe wieder hergestellt gesterpräsident 2 a val und Außenminister Bri- Jugendinspektorat gegründet; der Schutz der Staatsstreich des Königs der Serben. Kroaten wesen. Während des Zusammenstoßes innerhalb and dem deutschen Reichskanzler Brüning in fremder Pflege befindlichen Kinder wurde und Slowenen, der die sogenannte Vidovdau- der Gefängnisräume sei ein Gefangener und dem Außenminister Dr. Curtius in den organisiert, wobei zum ersten Male demi Verfassung des vereinigten Königreiches aufhob durch einen Schuß schwer verlegt worden. Tagen des 26. bis 28. September ihren Gegen- Prinzipe der nationalen Selbstverwaltung zum Durchbruche verholfen wurde; das Aliund eine Militärdiftatur begründete, an dieser Der Zivilgouverneur habe den Gefängnisdirek besuch in Berlin abstatten werden. Seit« 2 Freitag, 4. September 1931. Str. 2US. Ein frecher Hetzpf aff! Der„Moral-Theolog“ und das achte Gebot oder auch: Christlichsoziale und„nationaler Verrat“. arbeitet, kümmert euch um eure Jugend! Unterstützt die Kindersreundebewegung und die Jugendorganisation. Der Sozialismus beginnt nicht in der Versammlung, sonder« in der Familie! mentationsgcsetz wurde verbessert, für deu Schutz der Radiumbergarbeiter wurde gesorgt, eine neue Verordnung über den Schutz der Bauarbeiter wurde herausgegeben, auf dein Gebiete der Sozialversicherung wurden Gegen« seitigkeitsverträge mit Deutschland und Oester« reich geschlossen, die für tausende von Men« scheu eine große Hilfe bedeuten; die Angestellten bekommen durch Anrechnung der nickt versicherten Dienstzeit höhere Renten. ES ist wahrlich eine Aufzählung, die sich sehen lassen kann und wodurch die Versprechungen, die der Minister für soziale Fürsorge in seiner ersten Budgetrede gab, zum großen Teile erfüllt worden sind. Es hat sich gezeigt, daß die Sozialdemokratie Ernst macht mit der Sozialpolitik und daß es niemanden im Staate gibt, der so unbeirrbar und beharrlich, zäh und energisch für den Ausbau der Sozialpolitik tät>igift wie eben die Sozial- d e m o k r a t i e. An den Wählern liegt es zu entscheiden, daß diese Sozialpolitik nicht nur aufrecht bleibt, sondern daß sie auch noch weiterhin ausgebaut wird. Jeder Erfolg der bürgerlichen Parteien am 27. September würde diese ermutigen unter dem Vorwande der Sparsamkeit im Staatshaushalt gegen diese bisher betriebene, intensive Sozialpolitik Sturm zu laufen und die Ausgaben des Ministeriums für soziale Fürsorge, die die Ausgaben für die Allerärmsten und Allerelendsten sind, zu drosseln. Jeder Erfolg der Sozialdemokratie am Wahltag ist eine Gewähr dafür, daß der sozialpolitische Schutz derer, die seiner bedürfen, ungemindert aufrecht erhalten und daß die Sozialpolitik der tschechoslowakischen Republik ausgebaut wird. Es harren der Sozialdemokratie noch Aufgaben, die gerade durch die jetzige Wirtschaftskrise brennend geworden sind: die Beseitigung der Anarchie auf dem Arbeitsmarkt durch ein modernes Arbeitsvermittlungsgesetz, ein Gesetz gegen die willkürliche Betriebsstillegung, die Erweiterung der Kompetenz des Verpflegsministeriums, was eine Mögltchkeit der staatlichen Preiskontrolle bieten würde, der Ausbau der Fürsorgeerziehung, die Schaffung von Arbeiterkam- mern, wodurch die Arbeiterschaft und die Angestellten eine ähnlich öffentlich-rechtliche Interessenvertretung bekämen, wie sie dir Kapitalisten in den Handelskammern haben, ein Bankgesetz, durch welches der Einfluß des Staates auf das Kreditwesen verstärkt und die liebermacht des Finanzkapitals gebrochen würde. Die Wähler haben die bisherige Linie unserer Politik gesehen, an ihnen liegt es, d i e Macht und die Kraft der Sozialdemokratie zu erhöhen und damit den Schutz zu vergrößern, den die sozial Schwächeren in einer so schweren Zeit haben, wie wir sie jetzt durchleben. Der Partcivorsitzende der Christlichsozialen, Pater Hilgenreiner, Professor ausgerechnet der M o r a l t h e o l o g i e an der Deutschen Universität in Prag, gibt in der„Deutschen Presse" das Signal zum Beginn des Wahlkampfes. Er spricht in seiner salbungsvoll jesuitischen Art eingangs von der Notwendigkeit unpolitischer Arbeit in den Gemeinden, um dann sofort zu rein politischen Argumenten überzugehen. Seine Wahlparole ist, wie nicht anders zu erwarten: Gegen die Sozialdemokraten! Wie er diese Parole aber begründet, das übersteigt doch die Grenze der gerade von klerikaler Seile gewohnten Frechheit. Hören wir, was Herr Hilgenreiner den Sozialdemokraten vorzuwerfen hat: „Eines sollte dabei trotz aller Kampseshitze unbestritten sein: Front gegen den gemeinsame« nationalen Feind! Wo»S gilt, national« Stellungen zu halten, sollte« all« deutschen Parteien im gleichen Lager steh». Parteien, die an'drrs handeln, übe« nationalen Betrat. Leider kann dieser Borwurf de« Sozialdemokraten, von de« Kommunisten ganz zu schweige«, nicht erspart werden. Sir setzen wieder dir Klass« vor die Ration und schließen von vornherein Wahlbündnisse mit andersnationalen Parteien, die zu deutsche« Verlusten führen könne«. Zwei Jahr« arbeite« nun unsere deutschen Sozialdemokraten Schulter an Schulter mit ihrer tschechischen Vrnderpartei, und was habe« sie von ihnen in nationaler Hinsicht er. reicht? Soviel wie nichts. Hier und da schöne Worte, nichts mehr. Man hat'den Mund gespitzt, aber nicht gepfiffen. Es ist soweit gekommen, daß in.Koalitionskreisen von deutschen Forderungen nicht einmal mehr gesprochen werden darf. Man gibt, aber man bekommt nichts; wir Deutschen zahlen dabei auf der ganze« Linie drauf. DaS ist eine schlechte Politik. Di« deutschen Sozialdemokraten, sie, dir auch bei den jetzigen Gemeindewahlen eine antideutsche Haltung einnehmen, dürfen sich nicht wundern, wenn sich alle deutsch«« Parteien durch Koppelung gegrn de Sozialdemokraten und Kommunisten zusammenschließ««, um ihre« Einfluß in der Gemeindeverwaltung soviel als möglich einzuschränken." Genau das war der Ton, auf den di« Wahlen im Jahre 1925 von christlichsozialer Seite gestimmt wurden. Was aber geschah nach diesen Wahlen? Die Christlichsozialen(und die Agrarier) gingen, ohne auch nur ihre Verbündeten im bürgerlichen Lager, die Deutschnationalen und di« mit Klerikalen und Agrariern in einem Verbände vereinigten Nationalsozialisten zu fragen oder zu benachrichtigen, in die Regierung, bildeten eine Koalition mit Tschechischklerikalen und Agrariern und jedes Gesetz, das sie in dieser Koalition gemacht haben, war ein Schlag gegen das deutsche Volk. Jetzt aber kommen, beladen mit der Sündenschuld des Bürgerblocks, die Christlichsozialen unter Führung ihres geistlichen Vorsitzenden, und wollen den deutschen Sozialdemokraten Verrat vorwerfen! Selbst wenn die deutschen Sozialdemokraten nichts anderes erreicht hätten als jene Verordnung über den Pflegeschutz, di« immerhin bedeutet, daß 100.000 deutsche Kinder der Aufsicht autonomer Organe des deutschen Volkes unterstellt und vor der Entnationalisierung bewahrt werden, hätten sie hundertmal mehr erreicht als der Mayr-Harting, selbst dann wäre das Wort des Genossen Czech vom Himalaya unserer Ertungenschaften im Vergleich mit den christlichsozialen richtig. Aber wagt Herr Pater Hilgenreiner zu bestreiten, daß wir Hun- derttausenoe deutscher Familien durch die Verbesserung der Arbeitslosenunterstützung, durch die Schaffung einer Krisenfürsorge vor dem Ruin bewahrt haben, daß wir Tausenden Invaliden, Zehntausenden Pensionisten eine bessere Existenz ermöglicht haben? Was immer die Sozialdemokratie in der Koalition durchgeseßt hat, und was der bürgerliche Klassenpolitirer, der vom unchristlichen Klassenhaß des Bürgers erfüllte Priester Hilgenreiner„Klassenpolitik" nennt, war Politik gerade im Interesse des deutschen, von der Kris« so schwer betroffenen Volles. Der Herr Hilgenreiner wird, wenn er kommt,„Gericht zu halten", sich sehr schnell aus einem Anlläger in einen Angeklagten verwandeln, es wird keiner Versammlung, die nicht zu 90 Prozent mit Kerzelweibern besetzt ist, erzählen können, daß w i r„nationale Interessen verraten" haben. Wir werden ihn dann mit aller nöiigcn Deutlichkeit an das erinnern, waS seine Partei, unter seiner Führung und des Mayr-Harting Ministerschaft seinerzeit„erreicht" hat: Erhöhung der Zucker- und Spiritussteuer, aber Herabsetzung alle, Besitzstemern, starre Zölle auf alle Leben-mittel, Verschlechterung der Sozialderficherung, Verlängerung der Militärdienstzelt, Fixierung des Militärbudgets und Schaffung des Rüftungsfonds. und als-einzige Errungenschaft: die Ko n grua! DaS-waren Ihre Errungenschaften, Herr Hilgenreiner; aber die größte, die national« Errungenschaft fehlt noch! Erinnern Si« sich an die Totengräberarbeit, wie Spina selbst die Zustimmung zur Berwal- tungSreform und zum Gemeindefinanzgesetz genannt hat? Am sechen Tage, da Hilgenreiner es wagt, den Sozialdemokraten„antideutsche Haltung" vorzuwerfe», schreibt ein deutsch-natto- nales Blatt, die„Sudetendeutsche Tageszeitung", die sicher keinen guten Faden mit uns spinnt:! „Aber darüber hinaus haben sie eine un-I gemein wichtig« politische Bedeutung. Unsere deutschen Gemeinden sind eigentlich die letzten Bollwerke der snd ete nde u tsch en Selbstverwaltung. Wiederholt schon wurden von gegnerischer Seite in dieses Bollwerk Breschen gelegt, um un? Deutschen auch noch die letzte Institution zu nehmen, in welcher wir früher nach unserem eigenen Willen selbst bestimmt haben. So bestimmt haben, wie es im Interesse des Gemein- wesens, dessen ersprießlichen Fortentwicklung und zu Nutz und Frommen der Bewohnerschaft gelegen war. Wenn früher über«inen Teil der Bewohnerschaft Sorge um das tägliche Brot kam, wenn ihn Arbeitslosigkeit drückten, di« Gemcirde war und ist immer sein« letzte Hoffnung gewesen, sein Beistand, der über die schrecklichsten Tage hinweghaff.— Heute hat sich das alles geändert. Die Gemeinden sind heute nicht mehr jenes stark« Bollwerk, in dem der sudetendeutsch« Wille der Selbstverwaltung sich erfolgreich durchsetzen kann. Dafür haben die zahlreichen Gesetze Sorge getragen, die in echt demokratischer Form wohl den Pflichten- nnd Aufgabenkreis der Gemeinden bedeutend erweiterten, aber die Rechte verkürzten, ja zum Teil überhaupt entzogen. Der schwer st e Schlag wurde unseren Gemeindeverwaltungen durch die Verwaltungsreform und das Gemeindefinanzgesetz versetzt. Die Schäden, die diese Gesetze, besonders das Gememdefinanzgesetz auslösten, sind unübersehbar. Vielleicht genügt«s für heute, nur festzustellen, daß der Großteil unserer Gemeinden vor dem finanziellen Zusammenbruch steht.. Tas Tragische, und zugleich vom völlischen Standpunkt aus tief B e- dauerlich« an all dieser Entwicklung ist di« Tatsache, daß es deutsche Parteien waren, die seinerzeit für diese Gesetze ihr« Stimmen gab«n." Stecken Sie sich das auf den Jesuitenhut, hochwürdiger Herr Professor! Und gehen Sie recht bald zur Beicht«, um Ihr Her; und Ihr Gewissen zu«rleichtern. Denn was hat kürzlich in dem Blatt gestanden, in dem Sie nun vom nationalen Verrat der Sozialdemokraten zu sprechen wagen? Folgendes Urteil über «inen Berufskollegen von Ihnen: „DaS christliche Boll nennt solche„Diplomatensprache— Unwahrheiten, und weil diese Unwahrheiten von beiden Stellen i n voller Kenntnis der Wahrheit veröffentlicht wurden, bewußte Unwahr- heiten— Lügen und Sünden gegen das achte Gebot." Da ihnen, Herr Professor der Mora- theologie, einerseits sämtliche Lehren über die Auslegung des achten Gebotes llar, andererseits kein Fall von nationalem Verrat und antideutscher Haltung der Sozialdemokratie bewußt sein dürfte, wird es Ihnen nicht schwer fallen, Ihre Ausdrucksweise entsprechend zu charakterisieren. Darüber hinaus, daß Sie Um Wahrheiten im Druck verbreiten lassen, bedeute: aber di« Tatsache, daß Sie als der für die Zustimmung der Christlichsozialen zu Berwal- tungsresorm und Gemeindeftnanzgesetz, zu wirklich antideutschen und die Interessen der Nation preisgebenden Taten, verantwortliche Parteichef so tun, als wüßten Sie nichts von diesen Untaten, einen Grad von Frechheit, den wir selbst einem Loyola-Schüler nicht zugetraut hätten. Aber wir haben eben nie in Ihrem Kolleg über Moraltheologie gesessen und haben daher wahrscheinlich keine Kare Vorstellung von dem, was im Bereich der jesuitischen Sittenlehre erlaubt und nicht erlaubt,„probabile" und„probabilius" ist. Soweit Sie als Politiker sprechen, wird Ihnen die Wählerschaft die Antwort nicht schuldig bleiben, was aber Ihre Haltung als Priester betrifft, so dürfen Si« und Ihr« geistlichen Obere« sich«icht wundern, daß die Zahl derer wächst, die mit einer Kirche nichtgemein haben wolle«, deren Moral durch Sie und Ihresgleichen repräsentiert wird! 59 l Nachdruck verboten.) Pfeile aus dem Jenseits. Von Hans-Herbert Varien. Svptzrtght Greiner& Co.. Berlin NW. 6. Davis lachte leise in sich hinein und Clay biß sich wütend über diesen Spott auf die Lippen. ... nein, er hatte Angst, der Nigger könnte ihn erwischen. Nie haben Männer mehr Angst gehabt als die, die den Nigger als ihren Todfeind wußten. Uebrigens hatten sie alle Jahre mit diesem Nigger zusammengelebt, ohne ihli zu erkennen. Sie erkannten ihn erst, als sein Mund d