Nr 48. Abmmkment«-Kcdingungcn: Bbonnement«• Prei» pränumerando: vterteljährl. SL0 Mr.. monatl. l.lvMI., wöchentlich 28 Psg. frei WS Hau». Einzelne Nummer 5 Psg.«onmag«- Slummer mit tllustrirter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zettung». Preisliste für ISSS unter Dr. 7S20. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat. 16. Jahrg. Erscheint täglich außer Montag«. Devliner Volksblatt. Die Inftrttons- Gebühr beträgt für die sschSgelpaltene Kolonei- »eile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschastllche Beretn»- und Versammlung»-Anzeigen, sowie Arbitl«marlt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in»er Srpeditton abgegeben werden. Die Srpedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi« SUhr vormittag» geösfnil. Fernsprecher: Amt I, Dr. ISOS. Telegramm- Adresse: «Pozialdemostral Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redakkion: SM. 19, Beuth-Skratze 2. Vergeudete Geheimrathsstudien. Die Beaufsichtigung der Gruben durch Arbeitervertreter ist eine von den deutschen Bergleuten seit langem erhobene Forderung. England, Frankreich und Belgien sind auf diesem Gebiete dem Deutschen Reich schon längst vorangegangen. Im Vorjahre stellte sich auch der Minister Brefeld unter dem Eindruck des Massenunglücks in der Grube„Karolinenglück" im Abgeordnetenhause sympathisch zu den Forderungen der Bergleute. Es wurde eine Untersuchungskommission in das Ausland geschickt, die sich je 14 Tage in Frankreich und England und einige Tage in Belgien aufhielt. Die Einrichsting der Auf- sichtsdelegirten besteht in England seit 1872, in Frankreich ist sie durch Gesetz vom 8. Juli 1890, in Belgien durch Gesetz vom 11. April 1897 eingeführt. Die Kommission hat nun über ihre Untersuchungen dem preußischen Minister für Handel und Gewerbe einen ausführlichen Bericht erstattet, dem wir für heute Folgendes entnehmen: Die Bergarbeiter Englands sehen in der Kontrolle durch ihre Kameraden die Erfüllung einer wichtigen Forderung. Für sie ist es eine Beruhigung, zu ivissen. daß die Gruben von Leuten, die ihr vertrauen besitzen, auf ihren Sicherheitszustand untersucht werden und daß über etwa vorhandene oder befürchtete Gefahren dem staatlichen Bcrgwcrksiiispektor Anzeige erstattet werden muß. Die Bergwerksbesitzer und deren Vertreter erkennen diese Forderung der Arbeiter als gerechtfertigt an. Sie erblicken in der Einrichtung ein Mttel, durch welches etwaige Gerüchte über vorhandene Gefahren am besten zerstreut werden können. Wenn sie sich auch angeblich durch die Untersuchungen der Delegirten in ihrer Verantwortlichkeit nicht entlastet fühlen, so ist es für sie doch bei größeren Unglücksfällen eine gewisse Befriedigung, wenn sie sich darauf berufen können, daß nach dem letzten Befund der AufsichtSdelcgirten eine nachweisliche Gefahr vor dem Unfall nicht bestanden hat. Obwohl durch die Befahnmgen der Delegirten manchmal unniittelbar Gefahren verhütet werden, so wird doch der hauptsächlichste praktische Nutzen öcr Einrichtung von den Arbeit- geber» und, wie es scheint, auch von den meisten Arbeitern darin gesehen, daß ihr Bestehen für die unteren Grube nbeamten einen Ansporn bildet, die Grube in gutem Zu st and zu erhalten. Die Auswahl der Delegirten giebt den Bergwerksleitern keinen Anlaß zur Klage. Diese erkennen an, daß die Delegirten im Allgemeinen ivahrheitsgetrcue Berichte liefern und selten übertreiben, wenn sie auch zuweilen zu viel Kleinigkeiten bemängelten. Auch die staatlichen Bergwerks- In- spektoren halten die Einrichtung für werthvoll; zwar weniger deshalb, weil durch sie unmittelbar Gefahren verhütet würden, als weil sie die Grnbenbeamten ansporne, die Grnbe in Ordnung zu halten. Wie weit die Einrichtung mittelbar und unmittelbar günstig auf die Unfallstatistik eingewirkt hat, läßt sich auch nicht annähernd schätzen. Die tödtlichen verunglückungen unter Tage beim Bergbau Großbritanniens und Irlands haben betragen auf 1000 unterirdisch beschäftigte Personen im Durchschnitt: 1865—1870 3S9S, 1371 bis 1875 2736. 1891—1895 1704. Sie haben also seit 1872, d. h. seit dem Bestehen der Einrichtung, bedeutend abgenommen. Neben der Verschärfung der Betriebsvorschriften und den frei- willig von den Bergwcrksbesitzenr getroffenen Verbesserungen an den Bctriebseinrichttmgcn wird ein gewisser A n t h e i l an dieser Verminderung der Unfälle auch der Ein- richtung der Anfsichtsdelegirten zuzuschreiben sein. In Frankreich hat daS Dclcgirtengesetz die Wünsche der Arbeiter nicht vollkommen zu befriedigen vermocht. Wie aus.den Aussagen der Delegirten hervorgeht, die im Jahre 1895 von der zur Untersuchung der Arbeits- und Sichcrheitsverhältitisse in den Gruben von der Dcpntirtcnkammer eingesetztensKommission über die Wirk- sanikcit des Gesetzes vom 8. Juli 1890 vernommen wurden, waren damals die Delegirten mit dem Gesetz hauptsächlich deshalb nicht ufrieden, weil es den Delegirten nur gestatte, eine beschränkte ahl von Befahrungen zu machen, und lveil es ihnen zu geringe Befugnisse gewähre. Einerseits genüge die zugelassene Zahl der Befahrungen nicht zu einer wirksamen Beanf- sichtigung, da der Zustand der Gnibe zu schnell wechsele, anderer- seits reiche die Entschädigung dafür nicht aus, die Delegirten völlig unabhängig von den Bergwerksbesitzern zu machen. Außer den ihnen durch das Gesetz gewährten Befugnissen verlangten sie u. A. das Recht zu haben, einen Betriebs- Punkt, den sie für nicht genügend bewettert hielten oder an dem sie sonst das Vorhandensein einer Gefahr vennutheten, bis zur Ankunft des staatlichen Ingenieurs einzustellen und sich bei Unter- suchung der Schlagwetter der Pieler-Lampe bedienen zu dürfen. Sie wünschten ferner, daß sie nickt nur von eingetretenen tödtlichen und solchen Verletzungen, die sich sogleich als schwer herausstellen, sondern von jedem Unfälle in Kcnnttiiß gesetzt würden, durch den ein Arbeiter genöthigt sei, seine Arbeitsstelle zu verlassen, und daß ihnen gestattet würde, in allen diesen Fällen eine Unter- suchung vorzunehnien. Wie die Stimmung der Arbeiter über das Gesetz gegenwärtig ist, konnten wir mit Sicherheit nicht in Erfahrung bringen. Nach den Mittheilungen privater und staatlicher Bergbeamten hat das Jutcrcsse für die Einrichtung bei den Arbeitern mehr und mehr nachgelassen. Die Delegirten selbst ver- halten sich meist ruhig. Zum Theil wird diese Erscheinung allerdings darauf zurückzuführen sein, daß es den Arbeit- geber'n vielfach gelungen ist. die Wahl solcher Delegirten zu verhindern, die den Arbeiter- syndikaten angehören. Die Befürchtungen, die seiner Zeit von den Bcrgwerksbesitzcrn geäußert wurden, daß die Einrichtung der Delegirten vennehrtcn Anlaß zu Streitigkeiten und Ans- ständen geben würde, haben sich, ivcnigstens was die ersten Jahre des Bestehens der Einrichtung betrifft, als nicht unbegründet erwiesen. Heute, nachdem es den Gnlbenverwalttmgen, wk gesagt, vielsach gelungen ist, den entscheidenden Einfluß der Arbe..... I b r e ch die den die Befürchtungen nachgelassen. Ein großer Theil der Arbeitgeber fiat sich daher gegenwärtig mit dem Gesetz abgefunden und ühlt sich durch die Einrichtung nicht mehr belästigt. Eine praktische Bedeutung wird dieser aber auch jetzt nur von wenigen Bcrgwerksleitern zugestanden. Die meisten sind der Ansicht, daß den Delegirten die n ö th i g e n V o r k e n n t n i s s e zu einer wirk- same n Aus Übung ihrerA ufgabe fehlen, und daß die staat- liche Aufsicht durch die Bergingenieure und Kontrolleure völliggenügt. Andere staatliche Bergbeamte legen dagegen der Einrichtung eine nicht unerhebliche Bedeutung beij für die lleberwachnng von Eiuzeb heften des Betriebes leisteten sie nützliche Dienste. Aus der Statistik der beim Bergbau Frankreichs in den letzten 20 Jahren vor- gekommenen tödtlichen Verunglückungen ist ersichtlich, daß die Zahl dieser Unfälle seit 1891, d. h. seit dem Bestehen des Delegirten- gesetzes, erheblich abgenommen hat. In welchem Maße die Delegirteneinrichtiing an dieser Abnahme mitgewirkt hat. läßt sich schwer sagen.... Die Gründe, weshalb mit der Einrichtung der Delegirten in Frankreich weniger günstige Erfahrungen gemacht worden sind, als in England, sind nach Ansicht der Kommission zum Theil ans das D e l e g i r t e n g e s e tz s e l b st zurück- zuführen, das in einzelnen Bestimniungcn erheblich von der be- treffenden englischen Vorschrift abweicht. Ueber die Einrichttmg in Belgien liegen bei deren Neuheit noch keine Erfahrungen vor. Dadurch, daß die Delegirten nicht un- mittelbar von den Arbeitern gewählt, sondern vom Minister ernannt werden, und zwar aus einer Zahl von Kandidaten, die von einer je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitern bestehenden Körper- schaft vorgeschlagen werden und die eine lange praktische Erfahrung und gewisse theoretische Kenntnisse aufzuweisen haben, ist eine größere Gewähr dafür gegeben, daß Leute bestellt werden, die die meiste Sachkenntuiß besitzen und die sich außerhalb ihrer Aufgabe liegenden Bestrebungen fernhalten. Andererseits aber werden die nach deni belgischen Gesetz bestellten Delegirten kaum in dem Maße das Vertrauen der Arbeiter genießen, wie es von diesen frei gewählte Vertreter besitzen, zumal sie während ihrer Aintsthntigkeit ganz ans dem Arbeiter� stände austreten und so zu sagen Beamte werden. Die Arbeiter werden infolge dessen vielleicht zurückhaltender in etwaigen Anzeigen über Zuwiderhandlungen der Beamten gegen bcrgpolizei- liche Vorschriften oder über vorhandene oder besürchtete Gefahren sein. Es liegt in der Natur der Sache, daß bei ihnen die Neigung zur Grubenarbeit mehr und mehr abnehmen wird. Die Vermuthung dürfte daher nicht ganz unbegründet sein, das einzelne Delegirte während ihrer Amtsthätigkeit Alles zu vermeiden suchen werden, was ihre Wiederwahl vereiteln könnte, und zu dem Zweck über nianche llebertretungen gesetzlicher oder bcrgpolizcilicher Vorschriften seitens der Arbeiter oder seitens der Beamten hiiiwegschcn werden, soweit dieS, ohne in den Verdacht einer Pflichtvernachlässigung zu gerathen, möglich ist. So Weit der gründliche und sehr objektive Bericht der Kommission, der fast durchweg übereinstimmt niit den Mit- theilungen über die englische, französische, belgische Gruben- inspcktion, die der„Vorwärts" vor einiger Zeit veröffent- lichte. Welche Schlüsse hat nun der preußische Handelsminister daraus gezogen? Man möchte es kaum glauben: das, was sich im Ausland als vortrefflich erwiesen hat, soll für Preustcn versagt bleiben, und was sich im Ausland als wcrthlos gezeigt hat, damit sollen die preußischen Berg- arbeiter beglückt werden. Der Etat für 1899 sieht, wie mitgetheilt. 99 200 M. für eine„bessere Beaufsichtigung der Gruben" vor. Es sollen den Revierbeamtcn in den Steinkohlenbezirkcn untere Ans- sichtsbeamte beigegeben werden, welche fortgesetzt die Er- kundung und Feststellung einzelner thatsächlicher Verhältnisse. insbesondere des Sicherheitszustandes der Gruben vornehmen und damit zugleich die Rcvierbeamten wirksam unterstützen und entlasten sollen. Diese Revier-Aussichtsbeamtcn, von denen vorläufig 11 für den Breslaner, 34 für den Dortmunder und£> für den Bonner Oberbergamtsbezirk bestinimt sind, sollen im Allgemeinen aus dem gluffichtspersonal der Staatsbergwerke entnommen werden. In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses ließ der Regierungsvertreter erkennen, daß die belgischen Ein- richttmgen ihm am meisten zusagen. Trotzdem will man in Preußen noch hinter den belgischen Einrichtungen zurück- bleiben, wo doch die Arbeiter wenigstens bei dem Vorschlags- recht mit den Unternehmern gleiche Berechtigung genießen. Daß auch in Belgien unter dem dort bestehenden System die Delegirten nie in dem Maße das Vertrauen der Arbeiter werden erringen können, wie frei gewählte Vertreter, wie in der Denkschrift gesagt ist, scheint der Minister ebenso zu übersehen, wie die Thatsachc, daß die Bergarbeiter Belgiens schon zu wiederholten Malen durch ihre Vertreter ihre Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Gesetz bekundet haben. Der Kommissionsbericht läßt die englischen Einrichtungen in einem höchst günsttgen Lichte erscheinen; nicht blos die Arbeiter, auch die Unternehmer sind damit zufrieden, und die staatlichen Bergwerks-Jnspcktoren halten sie für werthvoll. Doch das kümmert den Minister nicht. Nicht kümmert ihn der Hinweis, daß ein gewisser Anthcil an der Verminderung der Unfälle der Einrichtung der Anfsichtsdelegirten zu danken sein wird. Nicht nach deni englischen Muster, wo die Ausführung der Wahlen den Arbeitern selbst überlassen ist, will man die Bcrginspektion reformiren, sondern hier hat man es mehr mit dem„Erbfeinde" gehalten. Die fran- fischen Arbeiter sind von dem Gesetz nicht vollkommen be- friedigt worden; aber auch die Arbeitgeber nicht. Erst, seit- dem es den Grubenbesitzern gelungen ist, die Wahl solcher Delegirten zu verhindern, die den Arbeiter» Expedition: SM. 19, Bentlz-Skraste 3 syndikaten angehören, beginnen sie sich mit dem Gesetz abzufinden und fühlen sich nicht mehr„belästig t". „Die Delegirten selbst verhalten sich meist ruhig." Welch einen idyllischen Zustand haben sich da die Grubenbarone geschaffen, indem sie den„entscheidenden Einfluß der Arbeitersyndikate" brachen. Aber immerhin mußten sie darum kämpfen, die ruhige, ungehinderte Ent- Wickelung der Profitmacherei wurde zeitweise durch den„ver- mehrten Anlaß zu Streitigkeiten und Ausständen" unter- krochen. Was liegt näher, als sich diese Erfahrungen zu eigen machen. Gewiß! Der nationalen Kohlenindustrie muß dieser Kampf mit den Arbeitcrdelegirten erspart werden. Keine Störung! Das liegt im Interesse der na- tionalen Arbeit. Deshalb ist es viel rationeller, die Arbeiter von der Grubeninspektion gänzlich auszu- schließen, ihnen keinerlei Einfluß auf die Besetzung der Stellen(etwa durch Wahlen) zuzugestehen. So konimen sie gar nicht in die Lage,„Anlaß zu vermehrten Streitig- leiten" zu geben, die Unternehmer brauchen gar nicht erst Einflüsse zu„brechen", durch die sie„belästigt" werden und der Friede bleibt von vornherein erhalten— der Friede des Kirchhofs. Warum— so muß man da fragen— hat die preußische Regierung überhaupt eine Kommission ins Ausland gesendet? Um bei ihren vorgefaßten, einseitigen, jeder redlichen Gruben- inspekttons-Refonu Hohn sprechenden Meinungen zu ver- harren, hätte man sich das Geld für die Studienreise sparen können. Um eine„Reform" nach dem Herzen des Freiherrn v. Stumm zu machen, brauchte man wahrlich nicht mit wissen- schaftlicher Einsicht und ehrlicher Absicht begabte Geheimräthe zu entsenden I_ Der Dresdener Znchthansknrs im Reichstage. Die Aeiitzenuigen der bürgerlichen Presse über die gestrigen Reichstagsver Handlungen verrathen deutlich den all- gemeinen Eindruck, daß die s ä ch s i s ck> e Justiz eine vernichtende Niederlage erlitten hat. Sogar die Scharfmacher- Presse kann das nicht verbergen, mit Ausnahme iiatürlich der„Po st", die das Messer wetzen mutz, wenn es auch ihr selbst am Halse sitzt. Wir unsererseits werden dafür sorgen, daß die Verhandlungen der weitesten Oeffentlichkeit bekannt'werden. In der nächsten Zeit wird eine Broschüre erscheinen, in der die denk- würdigen Bcrhandluiigcn nach dem Stenogranini wiedergegeben werden sollen. Die Anschauungen der Herren Stumm und Rüger kommen dadurch, wie sie's verdienen, unters Volk. Von den„Stimmen der Presse" erwähnen wir die folgenden: Die„Post" schreibt: „Trotz aller rasfinirten Rabulisterei der Abgg. Dr. Gradnauer und Heine bleibt die Thatsache bestehen, daß in dem„Dresdener Journal", und zwar dort allein, der Thatbestand des Löbtaucr Falles richtig dargestellt ist, und ebenso steht das Urtheil un- erschütterlich fest, daß die Löbtauer Verbrechen die Frucht der Stimmung sind, welche die sozialdemokratischen Verhetzungen zum Klaffcnhnsse in manchen Arbcitcrkreisen erzeugt haben.... Dann werden die bürgerlichen Parteien„ohne Unterschied der Konsession" angeioinsclt, sie sollten cinmüthig zusammenstehen, um das sozialdemokratische Attentat gegen die Unabhängigkeit und die Autorität der Gerichte abzuweisen: „Wenn es sich darum handelt, die Rechtspflege, diesen Grund- stein der Staatsordnung, gegen die sozialdemokratischen Unter- grabungsvcrsuche zu wahren, muß innerhalb der auf dem Boden unserer Staats- und Rechtsordnung stehenden Mehrheit des Reichs- tageö jeder Partei-Unterschied aufhören.... „Was von den bürgerlichen Parteien im Reichstage gilt, findet in gleicher Weise auch Anwendung auf die Presse aller bürger- lichcn Parteien. Hier handelt es sich um einen planmäßigen Ein- griff gegen eine Institution, welche mit Recht als kuuäamoutum lexuorum bezeichnet wird. Wer immer daher auch nur eine Spur von staatserhaltender Denkungsweisc besitzt, muß mit Eni-' rüstung diesen neuen Versuch, die Grundlagen unserer Staats- ordnuug zu untergraben und zu erschüttern, zurückweisen. „Sie die sozialdemokratischen Versuche, die Wahrheit im Löbtauer Falle zu verdunkeln und sich dieses Verhetzungsobjekt für künftigen Gebrauch zu sichern, gescheitert, so können sie daher vielleicht ivider Willen den positiven Erfolg erzielen, die staats- erhaltenden Elcniente endlich zu einer entschlosseneren Abtvchr gegen ihre Bestrebungen zu sammeln und auch unserem in schwächlichen Optimisnius versunkenen Spicßbürgctthum die Augen über die wirkliche Natur und die Gefährlichkeit dieser Umsturzpartei zu öffnen." Wir können eS den„Post"-Leuten nicht verdenken, wenn sie sich ihre peinliche Aufgabe bequem machen und darum die französische Generalstabspresse überhetzen. DaS.Verhetzungsobjekt für den künftigen Gebrauch" wird freilich doch— in BroschürenformI — gesichert sein; dafür hat Stumm gesorgt.— Die liberale„National-Zeitung" bedauert die Entgleisung de? sächsischen Gcncral-Saatsanwalts und zieht im Uebrigen die für ihre Lernfähigkeit kein rühmliches Zeugnitz ablegende kümmerliche Lehre:„Aus'den mehrtägigen stürmiichen Debatten kann kein anderes Ergcbniß gezogen werden, als daß die Gerichte sich hüten sollen, ohne die dringendste Nothwendigkeit in Fällen von öffentlichem Jiitcresfe die Oeffentlichkeit auszuschließen."— Die„Bolks-Ztg." urtheilt: „Das Ergebniß der gestrigen sehr erregten Verhandlungen läßt sich kurz dahin zusanimenfassen: Die sächsische Justiz und ihr Vertreter, der für diesen Fall Bevollmächtigte zum Bundes- rath, sächsischer General- Staatsanwalt Rüg er, haben eine vollständiae Niederlage erlitten.... „Heine's Rede zeichnete sich durch vornehme Ruhe, strengste> Sachlichkeit und ätzende Schärfe aus! sie bildete den Höhepunkt' der Verhandlung. Frhr. v. Stumm war während dieser Rede im Saale nicht anwesend; er hätte sonst hören müssen, wie Herr Heine seine Entgleisungen auf dem Gebiet der Gesctzeskunde in das gebührende Licht stellte. Das gesammte Haus folgte gespannt dcir ruhigen, klaren Sätzen des sozialdemokratische» Redners; auch die Rechte verhielt sich ruhig. Die ihm folgende Antwort des General- Staatsanwalts Rüg er rief einen Sturm hervor von einer Gewalt, wie er seit Langem nicht in, deutschen Reichstage da- gewesen i st. Der sächsische BuudcSraths-Bcvollmächtrgte ver- mochte sich nicht anders zu helfen, als dast er seine Ausführungen der vergangenen Tage wiederholte und den, Abgeordneten Heine vorwarf, er habe eine Lüge aufflattern lassen. Diese schwere Beschuldigung, welche der zweite Vizepräsident Schmidt- Elberfeld nicht beachtete, da er gerade zufällig damit be- schäftigt war, die sozialdemokratischen Zwischenrufe zu verbieten, entfesselte die Gewalten. Die Sozialdemokraten, welche am ?5»sze der_ Treppe zum Bundcsrathstische Posto gefaßt hatten, erhoben einen gewaltigen Lärm über die Beschuldigung ihrcS Parteigenossen, worauf der Vizepräsident sie aufforderte, ihre Sitze ciuzunehmen. Das geschah nicht, vielmehr dauerte der Lärm fort. Herr Schmidt wiederholte seine Auffordenmg mid droht«, er werde «andere Maßregeln" ergreifen, wenn man ihm nicht Folge leiste. Während dieses Aufruhrs fiel aus der Mitte der Soziaideinokratcn der Ruf„Frechheit". Gegen wen sich der Ausruf eigentlich richten sollte, war in dieser Situation nicht recht ersichtlich. Der Vize- Präsident rief den Rufer zur Ordnung." Die„Vossischc Recht der Kritik von Zeitung" wahrt dem Reichstag entschieden das �crichtSurthcilcn. Volilifchv MvbevNchk. Berlin, den 24. Februar. Der Reichstag stand zu Rufang der heutigen Sitzung noch immer im Zeichen der dreitägigcil Verhandlung gegen die deutsche Justiz' Allgemeinen und die sächsische insbesondere. Zunächst vollzog sich ein Akt der Buße und der ausgleichenden Gerechtigkeit SJcrr Schmidt, der fortschrittliche Vizepräsident, der aus Furcht die Ernsthaftigkeit seines fortschrittlichen Glanbens bckcnntnisses durch die That zu beweisen, sich zum reaktiv� närsten des Präsidentschafts-TrioS gemacht hat, und sich gestern dem� sächsischen General-Staatsanwalt gegenüber ebenso schmiegfani, wie dem Soziadcmokrat Frohme gegenüber ..schneidig" gezeigt hatte, that heute Buhe, zwar nicht in Sack und Ascke, allein mit wch-undjammermüthigcrMiene. Er erklärte, er habe die Worw dessächsischen Gcneral-StaatSanwals im Lärm gestern nicht gehört; nachdem er sie im Stenogramm gelesen mußte er dem Herrn Regierungsbevollmächtigten bedeuten, daß es der Ordnung des Hauses nicht entspreche, so reden, wie er geredet habe. So ist also der zweimal g e t ü g tc N ü g e r über Aacht zu einem dreimal gerügte Rüger geworden— ein Avancement, das dem strebsamen jedoch übelberathcnen und unglücklichen Herrn schwerlich gc fallen wird. Kann aber das Schicksal Einem auch tückischer und grausamer mitspielen, als dem königlich sächsi scheu Oberwächtcr der Gesetzlichkeit, der den leisesten Verstoß gegen das Gesetz als Todsünde betrachtet und strengste Strafe des Todsündcrs fordert,— und der erleben mußte, angesichts der Welt und unter den Augen der lachenden Sozialdemokraten elendiglich zu straucheln, und angesichts der Welt und unter den Augen der lachenden Sozialdemokraten selber als Todsünder gekennzeichnet und dreimal gerügt zu werden? Wir fürchten uns vordem Phrophezcien, allein das wagen wir doch zu prophezeien: der dreinial gerügte Nüger kommt nicht wieder in den Reichstag. Stach dieser Zerschmetterung des armen, zerknirschten General-Staatsanwalts, der so nnternchmungSlnstig in den Zu gab, und zlvar unter Verzicht ans den obligaten Ordnungs ruf. Dieser traf erst während der Debatte über den Reichs- Eisenbahn- Etat ein. und traf das Haupt unseres Genossen Stolle, der an derartige Heimsuchungen schon gewöhnt ist. Der Herr Präsident— diesmal war es Graf Ballestrem— will durchaus nicht dulden, daß man ein Ding und einen Menschen beim richtigen Namen nennt. Das Recht der Redefreiheit hat inr Reichstag vorläufig noch einen Knebel im Mund. Ans wie lange noch? Die Schäden unseres Eiscnbahnstistenis, die herrschende Eisenbahnpolitik, die daraus ausgeht, zu Schaden der ab' gcrackertcn Unterbeamten den Fiskus des Militär-, Polizei und Junkerstaates zu füllen— die Frechheit der Junker, welche die Eisenbahnen ihrer unersättlichen Begehrlichkeit dienstbar zu machen suchen— der kleinliche Krieg der preußischen Staats-Eiscnbahnen gegen die sächsischen und Süddeutschen Bahnen— das Sparsystem, das sich nur nach unten äußert— die Übermäßigen Arbeitsstunden der schlecht bezahlten Beamten— das Alles kam zur Sprache. Unser Standpunkt wurde von Stolle vertreten, während das preußische Eisenbahn-Ministeriuin in Herrn G a m p, der seine Logik jedem Thema anpassen, nach Belieben sie verlängern, verkürzen und erweitern kann, seinen frei- willigen Regierungskommissar fand, und der unvermeidliche Pascha von N e u n k i r ch e n Haud in Hand mit dem Grafen Kunitz, der insofern ein psychologisches Räthscl ist, als er Alles zu glauben scheint, was er sagt— die Wünsche und Forderungen der Schlot- und Krautjunker zum Ausdruck brachte. Der Etat des Eisenbahn- Amts wurde erledigt. Morgen Fortsetzung: Reichs-Eisenbahnen, Zölle, Verbrauchssteuern zc.— Die Bcsoldnngsvorlage im Atgcordnctciihanse. Die heute beendete Bcrathung der Bcsolduiigsvorlage brachte keinerlei Ucberraschungen mehr. Wie vorausznscheii, lehnte die Mehrheit alle freisinnigen Anträge aus Gehaltserhöhung eiiizeluer Bcainteukatcgoricn sowohl, als auch den Antrag Wiemer betreuend die Stellenzulagen ab. Hiernach sollte die Regierung im nächsten Etat eine Neuordnung sämmllicher Stellenzulage» in den Etat vor- nehincn, daß Thcncruugs- und FuiiltionSzulagcn in besondere» Tilctu ausgeworfen und die Bcanitcnlatcgorien, bei deueir Fuutliouszulagcn zulässig sind, ciiizelii aufgeführt lverden. Davon will aber Herr Miguel nichts wissen, und die allzeit gehorsamen Herren auf der Rechten stimmten auch diesen Antrag nieder. Eine kleine Abwechslung erfuhr die Verhandlung, die sonst höchst einförmig verlief, nur durch die Lcrathmig eines Antrags auf Zurück- Weisung der Position„Fahrlartcnausgebcrinnen" air die Budget- kommission. Wie wir bereits früher mitgetheilc haben, beabsichtigt die Regierung, das Prinzip, die weibliche Arbeit schlechter als die männlÄe zu entlohnen, überall durchzuführen. Das gab einigen MitflWcern des Hauses die erwünschte Gelegenheit, eine Debatte über die Frauenstage anzuschneiden, die sich, der Zusammensetzung des Hauses entsprechend, auf einem recht tiefen Niveau bewegte, s Daß auch dieser Antrag abgelehnt wurde, ist selbstverständlich. Morgen: Etat der B e r g v e r w a l t u n g. Herr Riiger, der sächsische General-Staatsanwalt und Bundesbevollmächtigte hat in einer seiner„kalten Zurückweisungen", in denen er seine Spezialität sucht, in der gestrigen Reichstagssitzung nach dem Stenogramm des„Reichs-Anzeigers" Folgendes gesagt: „Unter den Vcrtheidigcrn war ein sozialdemokratischer Abge- ordncter, er hat soeben hier das Wort gehabt, er ist von dein Sachstande ganz genau unterrichtet: als er die Artikel im„Vor- wärts" las, die mit größter Emphase behaupten: hier liegt wieder einmal eine Fälschung des Thatbestandes vor, eine Täuschung der öffentlichen Meinung—, da wäre es nieincs'Erachtens seine Pflicht gewesen— ich glaube. der Weg dieses Herrn zu dem Redakteur de?„Vorwärts" ist nicht z» weit—. zu diesem zu gehen und zu sagen: Lieber Freund, Du hast an einem falschen Punkte angesetzt, Du kannst Dich vielleicht beschweren darüber, daß die Ocffcntlich- keit ausgeschlossen ist— darüber läßt sich— abgesehen von den Verhältnissen des konkreten Falles— theoretisch streiten,— Du beklagst, daß die Strafen zu hart sind— auch darüber läßt sich vom menschlichen Standpunkt aus ein Wort reden—, aber wenn Du sagst, daß die Darstellung, die da gegeben ist, falsch sei, so wiederholst Du eine grobe Lüge, die Dir auf- gebunden worden ist; ich muß es besser wissen, denn ich bin da- bei gewesen. Aber dieser Herr hat das nicht für nothwendig er- a cktct, er hat die Lügen in die Lust flattern lassen, ohne sie zu widerlegen." Genösse Heine hat gestern dem Manne der kalten Ab- Weisungen bereits gebührend geantwortet. Da aber der „Vorwärts" den Anlaß gegeben hat zu dieser vom Prä- sidenten Schmidt allzu höflich und erst nachträglich gerügten indirekten, aber nichts destoweniger ganz unzweideutigen Beschuldigung eines Abgeordneten, so sei dein General- Staats- anwalt der sächsischen Justiz auch an dieser Stelle eine Antlvort gewidmet. Herr Rügcr hat entweder nicht jene Pflicht der Gewissen- haftigkeit für einen sächsischen Bundcsrathsbevollmächtigten verbindlich gehalten, der sich ein Volksvertreter unterwirft, jene Pflicht, nur über Artikel zu urtheilen, die er zuvor ge« lesen hat. Oder aber er hat in seiner parlamentarischen Nothlage nicht mehr vermocht, die verschiedenen Aeußerungen auseinanderzuhalten. Es sei also festgestellt: Der„Vorwärts" hat kein Wort über den Löbtaner Fall gesagt, das nicht der genauen Wahrheit entspricht. Ter„Vorwärts" hat eimnal erklärt, daß der vom„Dresdener Journal" gebrachte Thatbcstand „einseitig" wiedergegeben sei, er hat weiter es für eine „Fälschung" erklärt, daß das„Dresdener Journal" den Anschein zu erwecken suchte, als gebe es das Ergebniß der Hauptverhandlung wieder, während es in Wirklichkeit im Wesentlichen die Anklageschrift abgeschrieben hat. Eine größere Fälschung als diese'ist gar nicht denkbar. Oder ist Herr Nüger in seiner staatsanwaltlichen Anschauung schon so weit vorgeschritten, daß eS für ihn keinen Unterschied macht, ob ein Staatsanwalt oder ein Gericht einen Thatbestand dar- stellt? Das hieße die Gerichte auf's Schwerste beleidigen Wie dreist die Fälschung des amtlichen Blattes ist. für das Herr Rüger feine Ehre verpfänden zu müssen glaubt das geht au8 dem neuerlichen Nachweis hervor, den di „Sächsische Arbeiterzeitung" führt, den Nachweis. daß mr Schilderung deS angeblichen ThatbcstaudcS bis auf geringfügige Aenderungen der Wortlaut der Anklageschrift benutzt wird; '.ES ionlmc» einige S a tz n mstellu ng e n vor. die den Sinn gar nicht verändern und die auch augenscheinlich mir aus stilistischen Rücksichten gemacht worden sind. Tan» ist einmal der Ausdruck, die Thür der Baubude sei„ausgewuchtet" worden, verändert in„erbrochen". Ein andermal ist der Ausdruck „Mißhandlungen" durch das Beiwort„scheußlichen" verstärkt worden. Wie in diesem letzten Falle zeugen einige andere mi-Zfiihrlichere Aenderungen von dem Bemühen des Artikel- schreibers. den für die Bcrurthcilten uiigmistigru Eindr-nck der Slnttagcschrtft noch z» verstärkeu. So ist. lvic erzählt wird, die Arbeiter seien aus den Klciwn'fchen Bauplatz zu gecill, hinzugesetzt ivordcn. ihre Arbeitgeber hatte sie gewarnt:„Mackt keine Tlinimhcitcn!" Fortgelassen dagegen ist der wichtige Satz: „Auf dem Wege dahin unterhielteil sie sich sehr lebhaft über die noch arbeitenden Zimmerlente, ohne daß sie jedoch im einzelnen verabredet hätten, in welcher Weise sie vorgehe» wollten." Bei Schilderung der Angriffe auf Klemm stt dann bin- rmd wieder ein einzelner genannt. Ivo die Anklageschrift davon redet, daß mehrere geschimpft oder geschlagen haben. � Wer- schärf» ngcn cnlbaltcn wieder zwei Stellen: die eine sagt, was in der Anklageschrift nicht steht, daß Klemm bei der Baubude von einem Z i c g e I st ü ck ins l i n k e A u g e getroffen wurde, während an einer anderen Stelle in der Anklageschrift acsagt wird:„bei dieser Gelegenheit hat Pfeiffer geständigerniaßen l/« Stück Ziegelstein nach Kleinm ja geworfen, o b n e ihn in- dessen zu treffen; ebenso warf S ch a e r mit Steinen, traf aber nicht." Tie letzten gesperrlen Stellen sind fortgelassen. TaS ist alles I Statt des vorgespiegelten Ergebnisses der Hauptverhandlung wird die Anklageschrift noch dazu in tendenziöser Verschärfung— oder sollen wir sagen Fälschung— kopirt. Ans der Rede deS Herrn Nüger erfährt man nun freilich— was niemand hat ahnen können—, daß der Verfasser des Artikels nach den Angaben des Vorsitzenden des Schwurgerichts und dctz Staatsanwalts gearbeitet hat. Ilm so schlimmer ist der Vorlvnrf. der dann den Verfasser trifft. Er hat sich die Sache erleichtern wollen, die Anklage- chnst nachgeschrieben und seine Gewährsmänner dann dadurch hnfc» 0 v* hrtn otrtar ÖVtTPhPTrtrtht» hpf ißßrBtlltMurtQCn 0£' anderen aber, um nochmals klarzustellen, daß die eigentlichen Urheber des Löbtauer Verbrechens die Agitatoren der Sozial- demokratie selbst sind, die deshalb nicht minder wie ihre Opfer in das Zuchthaus gehörten. Wir harren gespannt und wiederholen der„Leipziger Ztg." was wir gestern dem„Dresdener Journal"— leider mit einem entstellenden Druckfehler— gesagt haben:„Wenn das „Dresdener Journal" im Bewußtsein seiner Unfähigkeit, sich selbst gegen die unwiderleglichen Anschuldigungen zu ver- thcidigen, zum Kadi läuft, so beweift dies eine Art familiären Vertrauens zur Justiz, das mehr geeignet ist, sie zn kompromittiren, als irgend eine Kritik sozialdemo- kratifcher Blatter."_ EI»«euer englisch-französtscher Zwischmsall. Wie wir vor einigen Tagen berichteten, hatte Frankreich sich durch Verträge einen Hafen oder eine Kohlenstation im Sultanat Oman mir Persischen Meerbusen gesichert. Dagegen hat jedoch Eng- laird, in dessen Interessensphäre jenes Gebiet fällt, protestirt, und der ParlanicntS-Untcrsekretär Brodrick hat am Donnerstag im eng- tischen Unterhause erklärt, der Pachtkontrakt, welchen der Sultan von Oman mit Frankreich abzuschließen beabsichtigte, habe zu dem Vertrage des Sultans mit England im Widerspruch gejranden und sei'deshalb nicht perfekt geworden. I» welcher Forin sich der englische Protest bollzogen hat, darüber thcilen briefliche Meldungen aus Maskat, die in Bombay eingetroffen sind, daS Folgende mit: Der Sultan habe sich geweigert, dem britischen Agenten Mittheilnngcn bezüglich seines mit Frankreich ge- schlössen«» Vertrages zu machen. Der Kommandant der„Sphinx" entsandte infolge hiervon eine bewaffnete Macht nach Bau- darjisseh nnd ging nach Jask, um an die englische Regierung zu telcgraphire». Bei seiner Rückkehr trurrden des Sultans monatliche Hilssgelder nicht mehr bezahlt. Der Sultan, der ans das Erscheine» von französischer Hilfe wartete, verhielt sich störrig. Da» Flagschiff „Eclipse" stieß am 14. Februar zu den Kanonenbooten„Sphrnx" und „Redbrcast", was große Bestürzung hervorrief. Am 16. Februar vrrwarnte der Admiral den Sultan, er werde, falls er einem um 2 Uhr auf dem Flaggschiff anberaumten Dnrbar nicht beiwohne, nur 2 Uhr 20 Minuten das Bombardement eröffnen. Die Konsulate wurden verständigt. Die ganze Stadt kam rasch in Auf- rcgniig. Der Sultan wurde von seinen Rathgebern gebeten, nachzugeben. Inzwischen wurden die Kriegsschiffe klar zum Gefecht gemacht und»ahmen ihre Stellungen ein. Infolge hiervon stellte der Sultan an Ivciihin sichtbaren Plätzen Zeichen ans, daß das Abkommen nichtig gemacht sei rmd sandte seinen Bruder ans das Flaggschiff als seinen Vertreter. Der Admiral lehnte es ab, ihn zu empfang«». Kurz vor 2 Uhr kam der Sultan selbst auf das Flaggschiff und verweilte daselbst drei Stunden. Es wird berichtet, er habe den fraiizösischen Vertrag dem Admiral aus- geliefert. In dem großen Durbar im Palast am nächsten Tag wies der Sultan öffentlich rmd in Gegenwart des AdmiralS das fran- zösische Abkomnrcn zurück. Wie es scheint, wird diese neue diplomatische Schlappe in Frank- irtch ohne sonderliche Erregung hingenommen. Wenigstens liegen bis jetzt gegenthcilige Meldungen nicht vor.— Deutsches Weich. Caprivi- Briefe. Da?„Berliner Tageblatt" veröffentlicht eine Anzahl Briefs des zweiten Reichskanzlers an einen Redakteur," l. -/ düpirt, daß er von einer Wiedergabe der Verhandlungen ge abelt hat. Aber warum ist der Artikel nicht aus Grund der Vcrhandlungs Protokolle gearbeitet? Wenn unser Weg zu Herrn Rügcr nicht so weit wäre, so würden wir zu ihm sagen:„Lieber Freund! Wenn Du sagst, daß der„Vorwärts" irgend eine unrichtige Behauptung auf- gestellt hat. so wiederholst Tu eine grobe Unwahrheit, die Dir auf- gebunden worden ist; wir müssen das besser wissen, weil wir das Material beherrschen und weil wir nicht so unkritisch und leichtfertig sind, uns in so wichtigen Fällen etwas aufbinden zn lassen, sondern vielmehr uns für unsere Behauptungen nur auf einwandfreie Gewährsmänner stützen." Daniit Herr Rüger gegen nnS nicht einmal den Vorwurf erheben kann, wir hätten ihn nicht, wie es aus unserer besseren Kenntniß Pflicht gewesen wäre, gehindert, die Lügen in die Luft flattern zu lassen, so thun wir ihm gegenüber gern unsere aufklärende Schuldigkeit, die nach seiner irrthüm- lichen Meinuitg Genosse Heine dem„Vorwärts" gegenüber unterlassen hat. Was das„Dresdener Journal" anlangt, so leistet ihm seine königliche in Leipzig residirende Zlvillingsschwester energische Beihilfe. Tie„Leipz. Ztg." erklärt nämlich: Die amtlich veröfsrntlichte Darstellung des Löbtauer Falles entspricht aufs g e n a u e st e d e n E r g e b n i s s e n d e r B e rv e i s a u f n a h m e. Die Behauptuna Stadthagen'S und seiner Presse, daß sie nur auf der Anklageschrift beruhe, ist eine d resi sie Erfindung, die als solche vor den Strafrichter gehört. Die gerichtliche Aburtheilung dieser Ber- l e u m d e r ist nöthig, einmal um der Wahrheit selbst willen, zum> die wieder die einfach- ehrliche Erscheinung des ManneS sympathisch hervortreten lassen— eine wahre Erholung»ach dem dreißigjährigen Genielultut der grrmd» satzloscn Brutalität. lieber da» Bismarckthum schreibt er am 2S. Februar ISVS: „Ein nicht unerheblicher Theil meiner Motive hatte Bezug auf den Fürsten Bismarck, und ich darf so viel wohl Ihnen gegenüber aussprechen, daß ich bei aller Anerkennimg des Glanzes seiner Person und unserer Hcldenzeit, schon che ich Kanzler wurde, erkannt zn haben glaubte, wie schwere Schäden die Kehrseite jcilcr glänzenden Medaille zeigte. Der Nation behilflich zu sein, daß sie, ohne an den neiigewoiinenen nationalen Güter» Schaden zu leiden, in ein Alltagsdasein zurücklehrte, in dem sie ihre alten Tugenden wiederfände, schien mir das nächste, voraus- sichtlich mir im Laufe der Jahre zn erreichende Ziel. Fürst Bis- inarck hatte, wie ja schon oft ausgesprochen ist, die innere Politik mit den Mitteln der äußeren geführt, und die Nation war in Gefahr, ihren sittliche» Standard sinken zu sehen." Dieses Urlheil des zweiten Reichskanzlers über seinen Vorgänger giebt in einem Satz die E n d w e r t h u n g wieder, die einst die Geschichte in noch schärferer Form dem großen Krilturverderber widinen wird. Die Nation war nicht nur in Gefahr, sondern sie i st— soweit das Bnrgcrlhnm reicht— gesunken, gesunken bis zn den Grimassen des militärischen Fendalisinus. Caprivi hat ein klares Gefühl dafür gehabt, daß seine reinliche Lebensauffassung in dem verseuchte» Klinia einer sich genialisch düiilcndeii Bcrdcrbniß mir Haß errege» mußte. Dieser«Durchschnitts- mensch", diese„Unteroffiziersnatnr" stand weit einsamer als der Heros von Friedrichsruh, dessen Stärke die geistreich spielende Trivialität war, und der darum dem verständnißvollen Anstaunen be- schränkter Köpfe des gebildeten Pöbels, der M a s>' e n der Massen- feinde— die einfältigste Heerde bilden die Renommisten der Heerde»- triebfreien l— reichlichsten Stoff darbietet. Am 2ö. Februar 1896 schreibt Caprivi lvehmnthig. „ES ist schwer, im Handeln ans Zustimmung derer, für die man handelt, verzichten zu müssen, ichwerer»och im Alter von den Kreisen, init denen„tan durch ein langes Leben zusammen- gegangen ist, getrennt zu werden, am schwcrstan aber mit ge- b n n d e n e II Hände» der öffentlichen Mißachtung an-Zgcsetzt zu werden und zusehen zu müssen, wie das, ivaö man znni Besten deS Staates geschaffen zu haben glaubt, wieder ein- gerissen wird." Achnlich ein Jahr später: „So freundliche Glückwünsche von einem politrschen Gegner zu erhalten, ist für»nich um so wohlthuender, als ich durch diejenigen, denen ich meiner ganzen Lebcnsauschaunng nach früher nahestand, nicht verwöhnt werde. Ich habe manche sehr liebe Be- ziehungen aufgeben nr ü s s e it.»im den U e b e r- zeugungen, die ich mir erst als Reichskanzler mühsam erwarb, treu bleiben zu können. Daß dies gerade mein Schicksal sein würde, habe ich nicht vorcherseheu können, aber ich habe es am letzten Abend, den ich in Hannover unter meinen Kameraden verlebte, ansgesprochen, ich wäre mir darüber klar, daß ich schließlich von dem Glanz nnd dem Schimmer nichts be- halten würde„als die Muh' und die Sch», erzen nnd ivofür wir uns halten in unserem Herzen." Ich bin mit diesem Trost des Wollenstein'schcn Kürassiers einverstanden, das ist Soldatenschicksal. Ich glaube, ich bin meinem Könige und mir selbst treu geblieben, diesen Glauben kann mir niemand nehmell, im übrigen mag die Welt denken und sagen, was sie will." Im März 1893 lehnt es Caprivi.>vie er es auch in dem neulich veröffentlichten Schreiben an Prof. Schneidewin thar, mit aller Ent- schiedcnheit ab, sich selbst direkt oder indirekt eine literarische Ehren- rcttnng zu setzen: � „Es ist und bleibt falsch, und auch daS abweichende Benpie! eines großen Mannes ändert daran nichts, wenn frühere Offiziere und Beamte gegen eine Regierung, unter der sie gedient haben, öffentlich auftreten. Denn daß mein Auftreten. ob ich wollte oder nicht, als gegen die jetzige Regierung gerichtet angesehen werden würde, ist mir zweifellos; meine politischen Gegner würden gewiß unschwer die Mittel finden, es dahin zu bringen. Daran würde es wenig ändern, wenn ich meine persönliche Einwirkung aus die Schrift so wenig wie möglich hervor- treten ließe. Und was liegt daran, ob ich verkleiuert, ja be- schimpft werde, ob mein Bild verdunkelt aus die Nachwelt übergeht, wenn man mir nur den Ruf eines anständigen ManncS, eines selbstlosen Patrioten nicht nehmen kann? Und auch wenn ich selbst garnicht die Feder eintauchte, würde ich nicht sicher sein, in die garstigen Kämpfe, die voraussichtlich mit den nächsten Wahlen verbunden sein werden, persönlich hinein- gezogen zu Iverden? Ich würde die Ansichten, die ich als aktiver Staatsmann vertreten habe, nicht aufgeben wollen und können, ob ich aber jetzt, wo ich noch als General � la suite geführt werde. die Berechtigung hätte, für die Handelsverträge zu schreiben, kann zweifelhaft sein. Und was würde ich denn leisten können? Ich bin schnell gealtert. Er erwähnt in diesem Briefe auch, daß er seine persönlich ge- schrrcbencn Notizen, Auszüge aus Büchern, Gedächtnitzhilfen bei seinem Ausscheiden habe zerstören lassen, um nicht etwa einem Arnim-Prozesse oder dergleichen in die Hände zu fallen. Der Hätz der Junker und ihrer publizistischen Hörigen, der Eaprivi bis übers Grab hinaus verfolgte, wird immer verstandlicher. Vielleicht erfüllte auch Bismarck nicht nur der Groll, dah Caprivi ihn„verdrängt" hatte, sondern auch der unbewußte Neid gegenüber der, r t t l i ch e n Persönlichkeit.— Die Ningiade, die der Charlottenburger Oberamtmann neulich im preußischen Abgeordnetenhause zur Freude aller Feinschmecker der Komi! gehalten, wird nun von der amtlichen„Berliner Korre- sp ondenz" der Ehre gewürdigt, in ihrer ganzen stenographischen Schönheit der staunenden Leserwelt der„Kreisblätter" prascntirt zu Iverden. Wir halten das für sehr unklug. Denn in der Rede wird der Anschein erweckt, als ob der sozialdemokratische Staat bereits ctablirt sei oder wenigstens die„Eröftnung" unmittelbar bevorstünde. Wie wir die Philister kennen, wird diese Menschengattung, die leider die Mehrheit der Ziation bildet, aus solchen Uebertreibungen nun den Anreiz entnehmen, schleunigst sozialdemokratisch zu werden, um sich rechtzeitig mit den Machthabern von morgen gut zu stellen. „Ein monströses Urthcil"—„un jugement monstrueux"— wird das Dresdener Zuchthausurthcil genannt von einem der angesehensten Blätter Belgiens, der bürgerlich- demokratischen „Reforme" in Brüssel, welche dem Prozeß, der mit diesem Urtheile geendigt hat, einen Leitartikel widmet. Diesen Artikel können wir irdoch, gleich andern Artikeln über das gleiche Thema in der aus- ländischen Presse, ans pretzgesetzlichen Gründen nicht überfetzen.— Zlufreizuug zum Masscntodtschlag. Die„S t a a t s b ü r g e r- Zeitung" verbreitet in iBcrlin jenes Flugblatt des Grafen P ii ck l e r über das Judenthum. Wir halten die gräfliche Geistes- arbeit für die Ausgeburt eineS siechen Gehirns. Der„Staatsbürgerin" aber spricht der Graf Piickler ganz aus dem Herzen und so werden jetzt die Einwohner— in den Tagen des Dresdener Zucht- bauSkurscs— ebenso bringend wie formvollendet aufgefordert die Judcii�todtzuschlagcn: �schcS Volk, erwach, erwache! Der Tag mchen die Flammenzcichen auf den t glänzen; jetzt müsicn wir die nie, jetzt müssen wir siegen oder In, schnell und energisch, oder wir , eines fremden' hergelaufenen �.istnttthig und geduldig, freund- lange Zeit; aber wenn sein Zorn „Drum auf, mein der Freiheit ist gekomme Bergen, im Osten seh' Sklavenketten brechen, j untergehen: jetzt heißt werden ewig Sklaven Volkes. Der Deutsche lich und langmüthig ciiynol erwacht, dann ist er furchtbar und nicht mehr zu bändigen, dann erhebt er die gewaltige Rechte zum Schlage und drifcht und drischt und drischt, ,o lange, bis es nichts mehr zum Zerhauen girbt, bis das Judeuthmn ver- »richtet und zerschmettert im Staube liegt." Fehlt nur noch, daß die„Staatsbürgerin"— nach dem Vor- gang ihrer Pariser Glaubensgenossen— cm Regiment zu verleiten sucht, dieses Todtdreschen auszuführen, und daß ein Berliner Gericht den— Dresdener Zuchthauskurs steuert. Welch sanfte, schmeichelnde Liebkosung ist doch jene«:„Schlagt den Hund todt"— gegenüber diesem dreimal tödtlichcn Georesch des verehrten Grafen der „Staatsbürgerin".— m®et S.esehe»twurf zur Besteuerung der Waarenhiiuscr ist vom Munster des Innern den Handelskammern miigctheilt worden. Die Gutachten werden bis zu Anfang März gefordert.— Born Kampfe gegen den LlnarchiSmuS in Hannover. Der in H a n n o v e r gegen eine Anzahl Anarchisten eingeleitete GcheimbundSprozetz wird, obwohl die Bcthciligtcn aus der Haft entlassen sind, von der Staatsanwaltschaft fortgeführt. Die Vernehmungen gehen weiter. Die Staatsanwaltschaft stützt sich auch auf den vor einiger Zeit im„Sozialist" von den dortigen Anarchisten gegen die sog. Anarchistcnhetze erhobenen Protest. Der als Anarchist ockannte Kunsthandwerker Rischmüllcr, der in Hannover die Kunst- gewerbeschule besuchte, wurde durch Magistratsbeschlutz vom Be- such des Instituts ausgeschlossen. Auch das Angebot des Rischniüller, Lehrgeld zahlen zu wollen, wurde zurückgewiesen.— Kollcr'S Fackeln— Patent Nerv— rauchten am Donnerstag wieder einmal und zwar in Schleswig. Herr v. Köller empfing eine Abordnung der Fackelträger, er dankte gerührt im Namen der Siaats- regierung.— Ans Baden. lEia. Bericht.) Das badische Parlament arbeitet flott. Am Donnerstag lag der Z w e i t e n K a m m e r der Gesetz- entwurf vor über die Zwangsversteigerung, Zwangs- Verwaltung und Zivil-Prozeß-Ordnung sAusführungsgcictz zuni Bürgerlichen Gesetzbuch). Im Verlauf einer Stunde war das Werk dieser Legislatur vollbracht, sowie zwei Amendements zn diesem und zu der in der vorigen Sitzung angenommenen Grundbuch-Ordnung erledigt. Außer den Berichterstattern sprach ein einziger Abgeordneter, am RegierungStische herrschte tiefes Schweigen. Sobald die Generaldebatte beendet war, beantragte der Vorsitzende der Budgetkommission die Enbloc-Annahme. Mit Ein- stimmiakeit votirte die Kammer die Anträge. Am Sonnabend dürfte ebenfalls ohne erhebliche Debatte das Gesetz über die„Freiwillige Gerichtsbarkeit und das Notariat" unter Dach und Fach gebracht werden. AnS Baden. sEig. Ber.) lieber die staatliche Dotation an die Geistlichkeit der beiden christliche» Äonsessioncu stritten sich die Mitglieder der Dolalionstoninnisioir im Parlaments- rondell zu Karlsruhe mit Zähigkeit. Die Regierung hielt nach wie vor daran fest, daß der Subventionskurs ai pari stehen. d. h. der katholische wie der protestantische Thcil aus den Taschen der badischen Steuerzahler je 300 000 Marl Ausbcsserungs- gclder für die mangelhaft bezahlten„Arbeiter im Wein- berge des Herrn" in die Tasche stecken soll. Das badische Zentrum und mit ihm ein nationalliberalcs Mitglied des Ober- L/ Schulrathcs fanden es für gerechtfertigt, der katholischen Geistlichkeit� einen größeren Antheil(350 000 M.) bei dieser Theilcrei zu sichern? hi Da bis jetzt wegen der grundsätzlichen Negation auf sozialdemokra- tischcr und demokratischer Seite von den kirchlichen Kostgängern dcS Staates keine siegte, keiner wich und die Negierung auf ihrem Schein bestand, trat die Angelegenheit in ein Stadium, das vom Volks- freundlichen Standpunkt begrüßt werden konnte. Die Regierung gab den Willen kund, das Pfarr-Dotalionsgesctz vollständig verschwinden zu lassen. Die Herren desZentrums bekamen noblePassioncn underklärten: entweder unsere geforderten 350 000 M. oder keinen Heller, wir wünschten die Erlaubniß, die uöthigcn Mittel durch die Äonfcssions- gcmcinschaftcn selber aufbringen zu dürfen. Da erschrak der nationalliberale Abgeordnete Fieser und hielt das schwimmende Wrack deS KirchendotationSgesetzcS noch Mal durch einen Kompromiß« Vorschlag über Wasser. Er beantragte zum K 10 deS RcgierungS- Vorschlages(Parität der Bezüge) einen Znsatz: „Reicht die Summe des StaatszuschusseS von 300 000 M. in Verbindung mit dem aus dem Ertrag der allgemeinen K i r ch e n st e u e r zn gewährenden Zuschuß nicht hin. um die römisch-katholischen Pfarrer in der durch§ 6 Absatz. 4 bis 7 bezeichneten Weise aufzubessern, so erhöht sich der Staats- Zuschuß siir diese Pfarrer um die fehlenden Beträge; derselbe darf jedoch in diesem Falle die Summe von 350 000 M. jährlich nicht überschreiten." Das Zentrum hat sich daraufhin auf diese goldene Brücke be- geben und damit ist die geistliche Geldnoth vorläufig beseitigt.-- > Z» der Berurthcilung dcS Genosse»» Schulz in Erfurt zu neun Monaten Gefängniß wegen M a j e st ä t s- bekeidigung bemerkt unser Erfurter Parteiblatt, die „Tribüne"': Es versteht sich von selbst, daß Genosse Schulz nicht in unverantwortlichem Leichtsinn eine Majestätsbeleidigung begangen hat. Er betonte seine subjektive Schuldlosigkeit in seiner Bertheidigung mit dem Hinweis, daß er eine absichtliche Majestäts- beleioigung fiir eine publizistische Frivolität halten würde, die er weder vor seiner Partei, noch vor seiner Familie verantworten könne. Es ist somit Genosse Schulz der „indirekten" Majestätsbeleidigung zum Opfer gefallen, indem der Staatsanwalt annahm, daß in einer großen Zahl von Personen, die in dem Weihnachtsartilcl der„Tribüne".„Friede auf Erden" mit scharfen Worten charakterisirt worden waren,„hauptsächlich und in erster Linie" der deutsche Kaiser gemeint sei. Der Blick auf Magdeburg und Dresden, so bemerkt die „Tribüne", sowie das Bewußtsein, ein Opfer für seine Ueberzeugung zu bringen, wird den Genossen Schulz die schwere Zeit leichter ertragen lassen.—_ Chronik der Gewaltthiitigkeiten. sBergleiche zum Dresdener Zuchthaus- Kurs.) Der„Volks-Ztg." wird geschrieben: Vor dem Schöffengericht in Sinsheim in Baden standen 18 Burschen wegen Wider- stands gegen die Staatsgewalt und Ruhestörung, drei außerdem wegen Beleidigung und einer wegen groben Unfugs. Im November vorigen Jahres gebot in der Nacht des auf die Kirchweihe folgenden Sonntags der Polizeidiener in Weiler bei Sinsheim im dortigen Gasthaus zum Löwen zu mehreren Malen Polizeistunde. Die Gäste, unter denen sich viele junge Bauernburschen befanden, kehrten sich an die Mahnungen nicht, sondern zechten lustig weiter. Der Polizei- diener wurde beschimpft und verhöhnt; so machte sich ein junger Bayer das Vergnügen, unter dem Jubel der Anwesenden das schöne Lied„Ist's nicht in einer Viertelstund', so ist'S in einer halben Stund'" anzustimmen und dabei seine Jodlerkunst zu zeigen. Als der Beamte nun seine Aufforderung wiederholte, wurde er thätlich angegriffen. Er flüchtete nach dem Hause des RathSschreiberS, wohin ihm etwa 40 bis 50 junge Leute folgten. Der durch den Lärm emporgeschreckte Rathsschreiber goß dadurch Oel inS Feuer, daß er vom Fenster herab die»ncist betrunkenen Leute mit Schimpfworten traktirte. Nunmehr fielen die Burschen über den Polizeidiener her. Es ertönten Rufe, wie„Haut ihn!"„Heute kriegst Du Dein« Prügel", verrecken must der Hund!" Man schlug den Mann blutig, riß ihm, al« er sich mit seiner Waffe zur Wehr setzte, einen Theil der Säbelkoppel weg und versetzte schließlich dem Polizeidiener mit einem harten Instrument, wahrscheinlich einem Messerrücken, sechs bis sieben Schläge auf de» Kopf, von denen einer bis ans den Schädel durchdrang. Die Menge machte Miene, das Hauö des RathSschreiberS zu stürme»; man warf die Fenster ein und setzte eine Leiter an. um in die Wohnung einzusteigen. Einer der Burschen— derselbe, der wegen groben Unfugs angeklagt war— vennehrte den Krawall dadurch, daß er die Sturmglocke des Ortes in Bewegung setzte. Von den Angreifern wurden verschiedene durch Säbelhiebs des Polizeidieners verletzt, so daß der herbeigerufene Bezirksarzt die ganze Nacht zu„flicken" hatte. Der Skandal erreichte erst nach drei Stunden sein Ende. Bei der gerichtlichen Beweisaufnahme verglich einer der Zeugen das Toben der Menge mit dem Schlachtgeschrei der Zuaven und TurkoS bei Scdan und ein anderer, der gleichfalls für historische Dinge ein besonderes Interesse an den Tag legt«, behauptete, ihn habe der Vorfall an den„Aufruhr im Bauerukrtege" er- innert. Die Anklagebehörde sah dos Vorkommniß lediglich als einen Exzeß von Leuten an, die in ihrem Zustande nicht sähig waren, die Tragweite ihrer Handlimgen zu ermesse». Auch das Gericht stellte sich auf diesen Staubpunkt. 13 Angeklagte wurden wegen Widerstands, bczw. Ruhestörung und Beleidigung, thclls zu Gcfängnißftrafcn von 4 biS Wochen, thcilS zu Haststrafen von 2 biS 3 Wochen vcrurthcilt; in einem Falle wurde außer- dem auf eine Geldstrafe von 20 M. erkannt. Der Bursche, der die Stunnglocke läutete, hat diesen Unfug mit 20 Tagen Hast zu büßen. Vier Angeschuldigte wurden freigesprochen. Natürlich ist das kein Vergleich zum Löbtauer Prozeß; denn die Lvbtauer waren— Sozialdemokraten und die rohen Erzedcntcn von Sinsheim vermuthlich— sehr gutgesinnte Baucrnburschenl—_ Chronik der MajcstätöbeleldkgungS-Prozrsse. Eine Anklage wegen Majestätsbeleidignng wurde gestern vor der nennten Strafkammer des Landgerichts I Berlin gegen den Apothekcnbesitzer Peter Unkel verhandelt. Wie aus der Urtheilsverlündigung hervorging, hatte der Angeklagte, der Inhaber der Apotheke in der Beniielllraße ist. gelegentlich einer Unterhaltung mit seinen beiden Gehilsen grobe Schinäbungen gegen den Kaiser äusgestoßcn. Der Staatsanwalt hatte eine FestungS- strafe von drei Jahren beantragt, der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. I v e r S, dagegen als strafmildernd geltend gemacht, daß der Angellagte unter den Nachwirkungen schwerer früherer Kraiik- heilen zu leiden habe, die ihn leicht in so � hochgradige Erregung versetzten, daß er für seine Aeußerungen nicht voll ver- anlworllich gemacht werden könne. Der Gerichtshof trug diesem llmslande Rechnung und erkannte nur auf eine Festungshaft von d r e i M o n a t e n. Zu einein Jahr Gefängniß wurde in der Strafkammer- sitznug zu Verden der Schneider und Armenhäusler Kar l F i n k c aus Lavelsloh vcrurthcilt und sofort�i» Haft g e n o m m e n. Finte hatte in der Wohnung des Händlers Quellborst in Bramkamp, als dort über die Ermordung der Kaiserin von Oester- reich gesprochen wurde, eine recht gewagte Aeußcrung über den Kaiser gemacht._ Ausland. Sensationelle Szenen haben sich doch noch nach dem in aller Ruhe erfolgten Leichen- begängnisse Fanre's in Pari» ereignet. Döroulede, der Gründer der Patriotenliga und große Revancheheld. hat am Donnerstag nach dem Leichenbegängniß noch versucht, Weltgeschichte im Großen zu machen, ist dabei aber kläglich hineingefallen und befindet sich jetzt hinter Schloß und Riegel. Er hatte versucht, einen General und eine Tnippenkolonne zum Marsche auf das E l y s e e zu veranlassen, wohl zu dem Zweck, daß dort der neu« gewählte Präsident verhaftet und irgendwelcher Staatsstreich im Deroulöde'schen Sinne unternommen werden sollte. Man hat eS jedoch vorgezogen, sich deS exaltirten Herren und eine? seiner Mit- Hetzer zu versichern. Ueber die Vorgänge entnehmen wir den Pariser Berichten die folgenden Einzelbciten. Einigen Ligaleuten war es gelungen, auf der Place des Nations eine größere Menschenmenge zusammen- zubringen. Gegen sechs Uhr erschien, vom Pöre Lachaise kommend, die Jnfantcrie-Brigade, die General Roget befehligt; dieser General ist als Hauptzeuge gegen Picquart vor dem höchsten Gericht während der Untersuchung viel genannt worden, er spielte in den Betrachtungen der nationalistischen Presse immer«ine große Rolle. Das scheint Dsronlöde auf einen tollen bracht zu haben. Als General Roget die Place erreichte, sprang Döroulöde auf ihn zu und rief:„General! Nicht in Ihre Kaserne zurück! Ins Elysvel Das Volk folgt Ihnen! Retten Sie Frankreich!" Der General verzog keine Miene und ritt weiter. Die Ligaleute brachen aber in die Reihen der marschirenden Soldaten ein, suchten sie zu umarmen, steckten ihnen Zigarren zu, schmückten ihre Gewehrläufe mit Blumensträutzchen und riefen ihnen fortwährend zu:«Ihr seid die Retter! Befreit uns von den Verräther nl KommtmitunsinsElysee, werft denPanamisten hinaus!" Einige Offiziere warfen die Eindringlinge aus den Reihen hinaus und die Soldaten marschirtcn ruhig weiter, die Glieder fester zusammenschließend. An der Ecke der Rueilly- straße, wo die Kaserne der beiden Regimenter von Roget's Brigade liegt, biegt der Weg ab. der die Saint Antoinestraße entlang gerade zum Elysöe führt. Döroulöde schrie hier außer sich:„Geradeaus, General, geradeaus!" und wagte es, seinem Pferde in die Zügel zu fallen. General Roget schlug mit der flachen Klinge leicht auf Deroulöde's Finger, die losließen, beruhigte das sich bäumende Pferd und lenkte, immer wortlos, links ein. Dsroulöde ließ noch immer nicht ab, sondern folgte den Truppen, wie unsinnig auf sie losredcnd, bis zur Kaserne, wo er zugleich mit ihnen eindrang. Marcel Hadert und drei oder vier Ligaleute folgten ihm. Im Kasernenbof angelangt, befahl General Roget ihm, die Kaserne sofort zu verlassen, da er andernfalls Befehl ertheilen würde, ihn zu ver- hasten.„Verhaften Sie mich, ich gehe nicht," erwiderte Döroulsde.! General Roget ertheilte feine Befehle, Döroulöde's Begleiter bis auf Hadert wurden durch Unteroffiziere hinausgeworfen und die Kasernen« thore geschlossen, Döroulöde und Hadert aber auf mittlerweile ein- gezogene Instruktion beim Minister-Präfidenten Dupuy verhaftet. ES fehlt übrigens nicht an Stimmen, die Döroulöde für geistig gestört erklärten und für ihn keine Verfolgung, sondern die Unter bringung in eine Heilanstalt verlangen. Nachdem die Leichenbegängnisse vorüber, die Truppen in die Kaserne» abgerückt und die Deroiilöde'sche Komödie wohl auch schon bekannt geworden war, veranstalteten allerlei Antisennten, Ligaleute, Monarchisten und dergleichen lärmende Demonstrationen und� Schlägereien ans den Straßen. ES kam zu zahlreichen Verhaftungen. von denen, wie auS Paris gemeldet wird, 70 aufrechterhalten werden. Hierzu verzeichnen wir noch folgenden Drahtbericht: Paris, 24. Februar. Welchem Gericht Döroulöde und Marcel Hadert überlvicfen werden, wird davon abhängen, ob/ die Untersuchung Thatsachen ergiebt, welche unter Artikel 25' des Gesetzes vom IL. Dezember 1893 oder unter Artikel 87 deS Strafgesetzbuches fallen. In dem ersten Falle werden Döroulöde und Marcel Hadert vor die Geschworenen gestellt, im zweiten werden sie vor den als Staatsgerichtshof konstituirten Senat kommen. Man glaubt, daß sie die Erklärung abgeben werden, sie hätten die Regier» ngsform auf plebiszitärem Wege ändern wollen. In diesem Falle würde der StaatSgerichtShof zuständig» fein. Der Deputirte Millevohe, der am Donnerstag ebenfalls ver- haftet wurde, wird vorläufig auf freien Fuß gefetzt und wahr« scheinlich vor daS Zuchtpolizeigericht wegen Beamtcnbeleidigung ge- stellt werden. (Art. 25 des Gesetze« vom Dez. 1993 besagt, daß jede an Militär- Personen gerichtete Aufforderung, welche bezweckt, sie von ihrer Pflicht abwendig zu machen, mit Gefängniß von einem bis zu fünf Jahren und'Geldstrafe von 100 bis 3000 Franks belegt wird. Im Art. 37 deS Strafgesetzbuches ist für ein Attentat, welches bezweckt, entweder die Regierung umzustürzen und zu ändern ooer die Bürger aufzu- reizen,'sich gegen die Staatsgewalt zu beivaffnen, Deportation mit streng er Einschließung vorgesehen). (Siehe auch unter Depeschen!) Einfall ge/ des NationS j Die deutschen NeichStagSverhaiidlnngen über die Nord- schleswig'sch«» Kvllereien haben in der gesammten Presse dcS Auslandes einen außerordentlich günstigen Eindruck gemacht. Sie haben daS tiefgesunkene Ansehen Deutschlands wieder einigermaßen gehoben und der Welt gezeigt, daß das deutsche Volk nicht auf dem niedrigsten Kulturniveau des preußischen JunkerthumS steht. Nament- lich in Dänemark ist die Wirkung eine ausgezeichnete. Und mit Stolz erfüllt es unsere dänischen Genossen, daß es auch in Deutsch- land die internationale Sozialdemokratie lvar, der dieser Akt der Gerechtigkeit und Humanität zu danken ist. Seitens der dänischen Partei ist uns ein warmes Dankschreiben zugegangen.— Oesterreich-Ungarn. Wicdcrciubcrnsung des Rcichsraths? Wie in parlamen» tarischen Kreisen verlautet, soll der Reichsrath Anfang Mai ein- berufen werden, um die Wahl ber Delegationen vorzunehmen. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht ans Grund des§ 14 ein« kaiserliche Berordnung, durch welche für das Jahr 1899 die Geltungs- dauer der Festsetzung der Rekrntenkontingente verlängert und die Aushebung derselben bewilligt wird. Wien. 24. Februar. Der statistische Ausweis des Außenhandels im Januar 1899 stellt fest, daß die Einfuhr 65 Millionen Gulden betrug, d. i. 8,1 Millionen mehr als im Januar des Vorjahres. Die Ausfuhr betrug 63,7 Millionen, d. i. 9.9 Millionen mehr als im Januar 1893. Somit beträgt das Passivum der Handelsbilanz 1,3 Millionen gegen 10,4 Millionen im Januar des Vorjahres.— Schweiz* Zürich. 22, Februar.(Eig. Ber.) Im Kanton Zürich hat am nächste» Sonntag das Bolk über drei Gesetzes» vorlagen abzustimmen, wovon die eine eine kleine Ber- sassungsänderung. die andere die Reorganisation der Regierung und die dritte eine Neuregelung der Schifffahrt auf den drei Seen des Kanton» betrifft. Die ersten beiden Vorlagen hängen zusammen. indem der neue. zur Aufnahme i» die Verfassung vor- geschlagene Artikel besagt, das;„im klebrigen das Ge>etz die Organisation des Rcgicrnngsrathcs und seiner Direktionen, sowie der kantonalen Verwaltung überhaupt bestimmt". Die Organi- sation der Regierung wird insofern geändert, als das De- partcmcnt des Sanitäts- und ArmenwesenS aufgehoben und das crstcre der Militärdireltion. das andere der Direktion des Innern zugetheilt wird. Die erstere heißt dann: Direktion deS Gesundheitsuno deS Militärwesens. Die Direktion der öffentlichen Arbeiten wird umgeändert in eine solche der öffentlichen Bauten. Neu- geschaffen wird die Direktion der Volkswirthschaft, welcher die Land« »nd Forstwirthschaft, Gewerbe, Industrie und Handel, die Arbeiter- schutz-Gesetzgcbung»c. zugewiesen werden. Im Uebrigcn bleiben sieben Direktionen oder Ministerien wie bisher. Nciigeregelt sind auch die Kompetenzen der Gesammtregicrung und der einzelnen Direktionen. Eine weitere Neuerung der Vorlage besteht darin, daß die Besoldung der RcgienmgSräthe nicht mehr durch besonderes Gesetz und durch die Volksabstimmung, sondern durch Beschluß des Kantonsrathes geregelt werden soll. Da diese Ordnung für zahlreiche Beamte schon besteht, so könnte man die vorgeschlagene Neuerung als einfache Konsegnenz dieses Znstandes betrachten. Allein auf mancher Seite erblickt man darin eine Be- schränkung der VolkSrcchte und bekämpft daher das ganze Gesetz, dessen Annahme deshalb auch nicht sicher ist. Die dritte!Vor- läge betreffend die Schifffahrt, hat in der Hauptsache nur lokale Bedeutung. Die Sozialdemokraten stimmen für alle drei Vor- lagen.~ Spanien. In der spanischen Deputirtenkammer sind dieser Tage sehr lebhafte Angriffe auf die Regierung erfolgt, weil_ diese nicht verstanden habe, den Kolonialbesitz zu erhalten. Besonders die Re- p u b l i k a n e r thaten sich bei diesen Angriffen hervor, indem sie behaupteten, um die Monarchie zu retten, würden die Interessen Spaniens hintangesetzt. Im Senat brachte am Freitag E o m a S einen Autrag ein, nach welchem alle Schulden, selbst die von Kuba und den Philippinen in eine einzige in hundert Jahren amortisirbare Schuld von 3 pCt. Zinsen, zahlbar in Pesetas, konvertirt werden sollen. Der Senat wird über diesen Antrag demnächst berathen.— Serbien. Milan will wieder pumpen, Taschen zu! Gelegentlich der neuen serbischen Anleihe richtet der Zentralausschuß der radikalen antidynaftischen Partei an europäische Kapitalisten ein längeres Manifest, in welchem es unter Anderem heißt: In Erwägung, daß sich der alte König in einem offenen Kriege mit dem serbischen Volke befindet und daß alles was heute in Serbien unternommen und ausgeführt wird, ohne die Bewilligung des Volkes sondern nur nach der Willkür des alten Königs geschieht; in Erwägung ferner, daß Serbien schon überschuldet ist und daß der größte Thcil der erborgten Summen dazu verwendet wurde, die persönlichen Bedürfnisse Milan's zu be- friedigen oder die Kosten seiner abenteuerlichen Unternehmungen zu bezahlen; in Erwägung, daß unter den heutigen Verhältnissen, wo das Volk keine Kontrolle über die Verwendung der geliehenen Summen ausüben kann, es mehr als wahrscheinlich ist... daß die Anleihe hauptsächlich gemacht wird, um Milan aus irgend einer Geldverlegen- heit zu ziehen; m Erwägung endlich, daß vor acht Jahren das serbische Volk beschlossen hat: daß die Eisenbahnen Eigenthum de Staates bleiben müssen, weder veräußert noch verändert werden dürsten, betrachtet es der Ausschuß der radikalen, anti-dynastischen Partei als seine Pflicht, im Namen des ganzen Volkes, das selbst jeder Möglichkeit einer Willensäußerung beraubt ist, zu erklären, daß das Land, welches bei den Unternehmungen Milan's und seiner Regierung unbetheiligt ist, auch für Verpflichtunge desselben nicht verantwortlich sein ka n n. daß die neue Anleihe infolge dessen als eine persönlich Anleihe des alten Königs betrachtet werden muß, daß das Volk entschlossen ist, wieder Herr der Eisenbahnen zu werden. Durch dieses Manifest wird die Realisirung der Anleihe vielleicht nicht verhindert werden, aber es lehnt mindestens— und das ist auch sein einziger Zweck, sagt uns der Ausschuß der antidynastischen radikalen Partei— jede Verantwortlichkeit des sorbischen Volkes ab für die Krise, die nothwendigerweise) nach dem Sturze Milan's alle Diejenigen verschlingen wird, die ihm irgend Vorschub geleistet haben.— Asien. Der philippinische Spczialvertreter Agoncillo, der sich nach Europa eingeschifft hat, erhielt von Aguinaldo den Austrag, bei sämmtlichen europäischen Höfen die Aufwartung zu machen und gegen das Vorgehen Amerika's zu Protestiren,, sowie um Unterstiitzung der gerechten Forderungen der Philippiner zu bitten.— Peking, 21. Februar. Die Schwierigkeiten, welche sich anläßlich der Entlastung des Direktors der nördlichen Eisen- bahn Hu über die Frage des Direktoriums der Eisenbahn ergeben haben, haben jetzt fast den Charakter einer Krisis angenommen. Der britische Gesandte Mc Donald, dessen Depesche an das Tsung li-Damen, in welcher er erklärte, daß eine Acudcrung im Direktorium nur mit Zustimmung der RonKkong ancL Shanghai Banking Corporation erfolgen könne, bisher noch ohne Antwort geblieben ist, wird umgehend ein weiteres Telegramm an das Tsung-li-Uamen richten, in welchem er auf einer unparteiischen Untersuchung der gegen Hu erhobenen Beschuldigungen besteht.— Afrika. Aus Marokko. Sämmtliche in Tanger beglaubigten Ver- treter europäischer Staaten, mit einziger Ausnahme des französischen Gesandten, übersandten der marokkanischen Regierung gleichlautende Noten, woriir dieselbe dringend aufgefordert wurde, die noch unerfüllten Forderungen betreffs Leistung von Genug- thuung und Entschädigung für die an europäischen Staatsangehörigen begangenen Gewaltthaten schleunigst zu erledigen, andernfalls Zwangs maßregeln zu gewärtigen seien.— Vavkvi-Mctrfjviijjken. Gegen das Dresdener ZuchthanS-Urtheil. Die Ham b u r g e r Arbeiterschaft protestirte am Mittwoch und Donnerstag Abend in vier Volksversammlungen gegen daS Dresdener Zuchthaus-Urtheil. Sämmtliche Versammlungen waten überfüllt. Als Redner fungirten die Parteigenossen Legten, Bürger. E. Fischer und E. Krause. In allen Versannnlungen Ivurden Nesolutionen an- genommen, in denen die Versammelten energisch gegen das Dresdener Urtheil protestirtcn und als einziges wirk sames Gegenmittel den Eintritt der gesammten Arbeiter- -fchaft in die politischen und geivcrkschaftlichen Organisationen anerkannten. In allen Versammlungen wurden Tellersammlungen zu Gunsten der Vcrurtheiltcn vorgenommen, die recht erheblich träge ergaben. Bemerkenswerth dürfte noch sein, daß die Ver- sammlungen auch viel von bürgerlichen Elementen besucht waren. Verschiedene Diskussionsredner, die ausdrücklich erklärten, keine Sozial- demokratcn zu sein, sprachen sich über das Dresdener Urtheil ebenso schroff aus, wie die sozialdemokratischen Redner. Pvlileiliches, Gerichtliches u. f. w — Von der Anklage, die Magdeburger Polizei und das dortige Richterkollegium beleidigt zu haben, ist der Genosse Rchdolph, Redakteur der„Thür. Tribüne" zu Erfurt, frei- gesprochen worden. — Nachwehcn des Zuchthausknrses. Durch Abdruck des A u f rufs der sozialdemokratischen Reichs tagsfraktion und noch in einem anderen Falle soll die„Sächsische Arbeiter- Zeitung" die das Geldsammeln ohne vorherige Genehmigung ver- bietenden Verfügunggn verletzt haben. Ihr Redakteur Genosse H a e n i s ch hatte in dieser Angelegenheit bereits Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter. — Wegen Offiziersbcleidigung, begangen dnrchZAbdruck einer Korrespondenz aus Münster, hatten sich am Mittwoch der verant- wortliche Redakteur unseres Straßburger Parteiorgans, der„ F r e i e n Presse", Genosse L u b n o w, sowie der Drucker des Blattes, Herr B a r t l, vor der Strafkammer des Landgerichts Straßbnrg zu verant- Worten. Die inkriminirte Korrespondenz erzählte von einer seltsamen Jagdgeschichte im Münsterthalcr Gebrrgswald. bei der eine große Anzahl von Hunden einer bürgerlichen Jagdgesellschaft durch auf- gestellte Militärposten niedergeschossen oder mit Knüppeln nieder- geschlagen wurden, als Sie im Begriffe waren, die angrenzenden Staatsivaldungen zu betreten, die zur Ausübung der Jagd an ein Konsortium von Colmarer Jägcroffizieren verpachtet sind. Die letzteren fühlten sich durch die Notiz ver„Fr. Presse" in ihrer Gc- sammthcit beleidigt und stellten gegen das Blatt Strafantrag wegen Vergehens gegen 8 lbS des Strafgesetzbuchs. Ein als Zeuge geladener Leutnant des klagenden Bataillons gab eine Darstellung der erwähnten Jagdvorgänge, die sich mit derjenigen der „Fr. Presse" in allen ivesentlichen Punkten deckte. Er habe den ersten Schuß auf einen der Zivil-Jagdgesellschaft gehörigen Hund abgegeben; dies sei das Signal für seine Kameraden gewesen, diese Thiere sämmtlich niederzuschießen. Die Zahl der Opfer an Hunden habe mehr als 20 betragen. Die Staatsanwaltschaft hält den That- bestand der Beleidigung als zweifellos gegeben; der inkriminirte Artikel sei nichts als ein wüstes Geschimpfe ,' man wisse, was man von einem derartigen Blatte zu hallen habe. Die That- fache, daß beide Angeklagten nicht vor- bestraft, sei im vorliegenden Falle kein Milderungsgrund: es empfehle sich im Gegen- theil, durch eine strenge Bestrafung sofort ein gehöriges Exempel an ihnen zustatuiren. Erbe- antrage gegen Lubnow eine Gefängnißstrafe von sechs Wochen, gegen Bartl eine Geldstrafe von 300 M. Das Urtheil des Gerichts blieb weit unter den staatsanwaltlichen Anträgen, es zog vielmehr die Unbescholtenheit beider Angeklagten als Strafmilderungsgrund in Betracht und vcrurtheilte Lubnow zu 200, Bartl zu 20 Mark Geldstrafe sowie beide zur Tragung der Kosten. GetVevksrhslftlirhVS. Berlin und Umgegend. Achtung, Vergolder! An die deutschen Kollegen richten die dänischen Vergolder das dringende Ersuchen, Dänemark bis auf Weiteres zu'meiden. Ueber die Fabriken in Slagelse, Ringstcd sAktienfabrik. Direktor Bergemann) und Odense, O. Krause, ist von den dänischen Vergoldern die Sperre verhängt. Bcrgemann sucht namentlich in Rirdorf und Stendal Arbeitswillige. Kollegen, laßt Euch nicht als Streikbrecher nach Dänemark locken! Nähere Aus- kuuft ertheilt der Verbandsvorsitzende W. Schnorre, Chausseestr. 43. Deutsches Reich. Die Arbeiter der Firma Schiff tt. Komp., Fabrik elektrischer und galvanischer Kohlen inSchwechat, zirka 180 Personen, stehen im Streik. Einführungen, die der neue Direktor Ornstein anoronete, abzielend auf eine intensivere Aus- uützung der vorhandenen Arbeitskräfte, sowie die Besetzung von Maschinen durch billigere, weibliche Arbeitskräfte sind die Ursache des Streiks. Zur Lohnbewegung der Krefclder Weber. Wie die „Krefelder Zeitung" schreibt, haben die Sammetfabrikanten beschlossen, in keine Erörterung der ihnen von den Arbeiten« vorgelegten Lohn listen einzutreten. Welches Resultat die von der sozialen Kommission unternommenen Einigungsversuche gezeitigt haben, ist uns bisher nicht berichtet. Jedoch ist nach den Mitthcilungen aus der bürgerlichen Presse zu entnehmen, daß die Verhandlungen erfolglos verlaufen sind Die Vorschläge der sozialen Kommission haben in den Kreisen der Streikenden lvenig Anklang gefunden. Damit dürste der Kampf mit der zähen Ausdauer fortgesetzt werden, mit der er begonnen wurde, auf eine bedingungslose Aufnahme der Arbeit können die Fabrikanten nicht rechnen. Mögen die Arbeiter Deutschlands dafür sorgen, daß den Ausständigen in dem gerechten Kampf die nöthige Unterstützung zu theil wird. Die Mllnchcncr Bäcker haben in einer Versammlung, die von mehr als 1000 Gehilfen besucht ivar, beschloffei«, der Innung folgende Forderung zu unterbreiten: 1. Beköstigung und Wohnung darf nicht mehr liom Meister gestellt werden. 2. Der Mindestlohn beträgt bei 3 Gehilfen für den letzten Gehilfen 18. für den Mischer 21 «ind für den Postler 24 M. wöchentlich. Wo der Lohn schon mehr beträgt, als im Tarif angegeben, darf er unter keinen Umstände» gekürzt werde««. Für Aushilfsarbeiten sind 3, 4 und 5 M. pro Nacht zu zahlen. 3. Die Arbeitszeit ist durch die Bundesrathsvcrordnung festgelegt(also inkl. einer einstündigen Pause eine 13stiindige). Für Betriebe mit 6 und mehr Gehilfe«« wird die Arbeitszeit auf 12 resp 11 Stunden herabgesetzt. Die nach der Bundesrathsverordnung er- Raubten Ueberstunden werden mit 40 Pf. vergütet. 4. In der Nacht vom ersten auf zlveiten Oster-, Pfingst- und WeihuachtSfciertag wird in keinem Betrieb gearbeitet. 5. Die Arbeitsvermittelung ist un- parteiisch zu führen. Wird eine Beschwerde gegen den Vermittler, Aktuar Jäger, erhoben, so soll sie durch eine Kommission von drei Meistern und Gehilfen geprüft werden und ist eventuell seine Ent- Hebung zu beantragen. 6. Maßregelungen dürfen nicht vorgenommen werden. Ausland. Aus Dänemark. Der Kopenhagener Buchbinder- st r e i k dauert noch immer an. Der Gesellenvcrband hat der Meistcrinnung noch einmal angeboten, zu verhandeln, auf das Schreiben aber gar keine Antwort bekommen. Betreffs des g roßenSchlächterstreikS fanden inKo p en- Hagen drei große Versa in mlungen statt. Es waren auf den überfüllten Versammlung eu Vertreter aller Gelverkschafts- verbände zugegen, um den Fleischergesellen ihre Sympathien im Kampf um das Orgauisationsrecht auszusprechen und ihnen pekuniäre Hilfe zuzusagen. Außerdem«vurde beschlossen, daß alle organisirten Arbeiter nur bei den Fleischern kaufen wollen, die die Forderungen der Gesellen erfüllen, oder man wolle sollst für einige Zeit auf den Flcischgeuuß verzichten._ gängig erscheinen. wenn eine offeirtliche Interesse vorläge. kommt dieselbe gewöhnlich ginnt, selbst«venn die recht giebt, für diesen lich nach einiger Zeit Soziales. Zum Beschwerderecht der Arbeiter wird uns aus Zwickau geschrieben:„Hier wurde am Sonnabend der dritte,«n diesem Monat im hiesigen Revier tödtlich verunglückte Bergmann begraben. Auch iin O e l s n i tz e r Revier hören die Unglücksfälle nicht auf. Manche Strecken sind, wie uns alte Bergleute versicherten, in einem 'olchen Zustande, daß es ein Wunder ist, daß nicht noch mehr passirt. ks ist zlvar in den Arbciter-Ordnungen den Leuten zur Pflicht ge- macht, auf Gefahren im Betriebe sofort die Vorgesetzten aufmerksam zu machen. Beschwert sich nun Einer bei der Bcrginspektion, so , sofort zur Besichtigung, aber damit be Bergbehörde den Beschwerdeführern eine schlimine Zeit, die gelvöhn mit Entlassung aus der Arbeit endet. Ei» Bergmann wurde letzthin schon entlassen,«veil er den« Obersteiger erst mit einer Bergbehörde gedroht hatte. Ein Anderer, der die Bcrginspektion auf die Mängel einer Strecke auf merksam gemacht hatte,«veigcrte sich auf ergangene Ladung allein zu dem Direktor zu gehen, weil sich derselbe schon mehrfach an Arbeitern vergriffen haben soll; der sich Weigernde wurde 8 Tage später entlassen. Man sieht die Beschiverdepflicht der Bergleute nimmt sich ehr gut auf dein Papier aus, aber in Wirklichkeit entbehrt sie der iiolhivendigen Garantieen und lvird«vohl deshalb nicht immer zur rechten Zeit Gebrauch davon gemacht,«vas manche«, Unglücksfall erklärlicher erscheinen läßt." Aus dem oben Gesagten erhellt«viederum, Ivie nothwendig die Heranziehung technisch ausgebildeter, von den Grubenbesitzern, aber gänzlich unabhängiger Bergleute zur Gruben- k o n t r o l l e i st. Milde Richter. Der Maurenucister Olias zu Königs- b e r g i. P r. hatte, wie durch zahlreiche Zeugen bekundet wurde, leinen Arbeitern regel, näßig die Beiträge für die Krankenkasse ab- gezogen, das Geld jedoch nicht richtig an die Kasse abgeführt, sondern 'ür sich verwandt. Dadurch wurden die Kasse der Arbeiter und Faktore und die Maurerkasse resp. die Arbeiter selbst recht empfind- lich geschädigt. Gerichtsvollzieher und Magistratsboten, die die Bei- träge von ihm einziehen wollten, hatten keinen Erfolg, weil der Herr„nichts hat", das heißt, es istihm nichts zu nehmen. Er wurde von der Königsberger Strafkammer zu ISO M. Geldstrafe ver- urtheilt, die Kosten zahlt der Staat, so daß er, wenn man in Be- tracht zieht, daß es sich bei der Unterschlagung uin einige hundert Mark handelte, noch iinmer ein ganz passables Geschäft ge- macht hat. Eine Fahrradsteucr einzuführen hat der Bürgerausschuß zu Lübeck beschlossen. Auch diejenigen Radler, welche das Rad zum Fahren nach der Arbeitsstätte benutzen, sollen, wie alle anderen, Mark Steuer jährlich zahlen.— Diese Maßnahme wird nament- lich die Arbeiter sehr hart treffen, aber auch in anderen Kreisen «vird sie auf Widerspruch stoßen. Das Fahrrad ist längst kein Luxus- artikel mehr, sondern ist ein Transportmittel geworden, besonders ür kleine Geschäftsleute und Private. Zur KonsnmvcrcinSfrage hat sich vor Kurzem auch der neue Regierungspräsident von Erfurt, Herr v. D e«v i s, geäußert, Einer ihn interpellirendcn Kommission Erfurter Kaufleute antivortete er naK Berichten bürgerlicher Blätter folgendes: Meine Herren! Beamte,«velche sich zu einem wirthschaftlichen .weck zusammenthun, stehen dabei— wie jeder andere Staatsbürger — auf dem Boden der Verfassung, des Genossen schafts- g e s e tz e s und aller der auf Selbsthilfe basirten Organisationen. >vie sie durch Schulze- Delitzsch zuerst in größere«» Umfange ins Leben gcrnfen«vorden sind. Ich bin nicht gelvillt. auf die Beamten eine Einwirkung zu unsten eines Konsum-Vereins auszuüben. Ebenso wenig habe ick aber die Veranlassung, sie vom Beitritt u eine in solchen abzuhalten. Das würde höchstens an- ganz belondere Tesayr sur oas Eine solche vermag ich darin nicht zu erkennen, wenn ein Versuch gemacht wird, Einrichtungen hier zu schaffen, wie sie in fast allen größeren Städten(Magdeburg, Kassel, Meiningen ze.) ohne Nachtheile für Andere zum Vortheil der Theil- Haber bestehen. Ich' glaube außerdem, daß Umfang und Bedeutung der Sache von Ihnen stark überschätzt lvird. Von einer sozialen Jsolirung des Beamtcnstandes, einer geflissentlichen gesellschaftlichen Scheidung oder Loslösung von dem Bürgerthum kann dabei doch «ncht wohl im Ernst die Rede sein, wenn ein Theil der Beamten— es ist doch wohl einstweilen nur von den derzeitigen Mitgliedern des Thüringer Beamtenvereins die Rede— sich zu gemeinschaft- lichem Beziige von einem Theil ihrer Wirthschaftsbcdllrfnisse zu- sammenthut'; oder würde es Ihnen lieber sein, wenn sich ein all- gemeiner großer Konsumverein, der sich nicht auf einen Theil der Beamten beschränkt, bildete? woran doch gewiß niemand gehindert werden könnte und dürfte. Das sind im Ganzen recht vernünftige Ansichten. Und was für die Beamten recht, ist aber für die Arbeiter billig. MnkevnvhmVv-Vevbände. Das Kohlensyndikat für Rheinland und Westfalen wird am 1. April die Exportbonifikation, die es gemeinsam mit dem Roh- eisenverband den Walzwerken gewährte, zurückziehen. Man gab der Meinung Ausdruck, daß es den Interessenten der Walzwerke nun- mehr gelingen müsse, ohne diese Vergünstigung den Absatz ihrer Produkte zu betreiben. Dagegen sind natürlich die Interessenten der Eisenindustrie über den Rücktritt des Kohlen- syndikat sehr ungehalten, besonders, da mit dem 1. April d. I. das Kohlensyndikat eine weitere Preissteigerung der Kohlen vor- genommen hat und, wie behauptet«vird, die Eisenindustrie für Roh- material deshalb so hohe Preise zahlen müsse,«veil die Preise für Kohlen und Koaks so erhebliche Steigerungen erfahren haben. Ein Verband sächsischer Acctylcn- Industrieller ist vor Kurzem in Dresden gegründet worden. Dieser Verband, in dessen Absicht es liegt, die Rechte einer juristischen Person zu erwerben, soll in erster Linie die berechtigten Jntcrefsen seiner Mitglieder nach allen Richlingen hin vertreten. und ferner benifen sein, durch gc- meinsamcs Vorgehen das Mißtrauen, tvelchem dein Acethlengas, hervorgerufen durch einige Vorkommnisse, welche bei anderen Be- leuchtuugsmilteln bei Außerachtlassung der nöthigen Vorsicht sich ebenfalls ereignen können, entgegengebracht wird, zu beseitigen und kleinlichen Vorurtheilen entgegenzutreten. Der Verband soll ferner dahin wirken, durch Abschluß mit den ersten Carbidiverken seine Mit- glicder vor Mangel an Calcium- Carhick zu bcivahren und die Preise dieses Stoffes auf einen billigen, gleichmäßigen Standpunkt zu bringen. Der Sitz des Verbandes ist Dresden. Platinsyndikat. Die Platinindustrie des Ural ist, lvie der „Industrie" von dort geschrieben wird,«vähreud der letzten Zeit in einem vollkommenen Wandel begriffen. Ein Konsortium ausländischer Kapitalisten hat nämlich im Jahre 1898 eine Gruppe der reichsten und ergiebigsten Platimväschereien des Ural angekauft und mit den Besitzern der bedeutendsten übrigen Platinwerke dieses Produktions- gebietes, dem Grafen Schuwalow und den Erben des Fürsten Dalvidow von San Donato, ein Uebereinkommen hinsichtlich der Gewinimng und Verwerthung des Rohplatins abgeschlossen. Das Syndikat hat auf diese Weise 80 pEt. der gesammten Platin- ausbeute des Ural in seinen Händen vereint und dainit thastächlich ein Weltmonopol der Platinindustrie für sich geschaffen, da be- kanntlich die übrigen Produktionsgebiete dieses Edelinetalles, Borneo und Südamerika, kaum 10—12 pEt. des jährlichen Wcltbedarfes zu decken vermögen. Das Platin steht jetzt im Ural hoch im Preise, «vodurch die Inangriffnahme auch minder gehaltvoller, bisher unbeachtet gelassener Schivemmlager ermöglicht wird; man be« absichtigt jetzt aber auch,«vas für das Platin bisher ganz unter- lassen«vorden ist, gleichwie für das Gold, das Urgestein, das dies kostbare Metall führt, aufzusuchen und direkt aus ihm das Platin bergmännisch zu gewinnen. Uvtzke MarizvitHken und Depeschen« Die Affaire Dsroulede vor der Depntirtenkammer. Paris, 24. Februar. Das Haus ist stark besetzt, eS herrscht lebhafte Bewegung. Präsident Deschanel theilt dem Hause mit, er habe ein Gesuch um Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung der Deputirten Dsroulöde und Marcel-Habert erhalten. (Rufe: Vorlesen.) Deschanel verliest das Schreiben des General» Staatsanivalts, nach«velchem General Roget erklärt hat, eine von Döroulöde und Habert geführte Bande se« seiner Brigade gefolgt und theillveise in den Kasernenhof eingedrungen. Döroulöde und Habert hätten sich mit Fragen und Zuinuthungen an die Offiziere ge>vandt und sich gelveigert, die Kaserne zu verlassen. Nach ihrer Verhaftung hätten Dsroulöde und Habert erklärt, sie hätten die Truppen zu einer aufständischen Bewegung fortreißen«vollen, um die parlamentarische Republik durch die plebiscitäre zu ersetzen. Der General- Staatsanivalt sucht in seinem Schreiben schließlich um die Er- mächtigung nach, Döroulöde und Habert gerichtlich verfolgen zu dürfen! weil sie die Truppen ihrer Pflicht ablvendig machen«vollten. Eastelin bringt einen Antrag ein. Dsroulöde und Havert vorläufig in Freiheit zu setzen, ohne der«veiteren Verfolgung der Angelegen- heit vorzugreifen. Redner betont die Liebe Dsroulöde's und Habert's zur Republik und giebt der Ansicht Ausdruck, daß seine Freunde nicht in dem Maße schuldig seien,«vie man behaupte. Minister« Präsident Dupuy erklärt, die Frage der gerichtlichen Verfolgung müsse in kürzester Frist entschieden werden, und beantragt, die Kammer möge sofort in den Bureaus die betreffende Kommission ernennen. damit der Bericht noch heute eingebracht«verde.(Beifall.) Lasies (Nationalist) sagt, er sei bis zum Kasernenthor in der Gesellschaft Deroulädc's und Habert's gewesen, und verlangt,' in die gerichtliche Verfolgung einbegriffen zu werden. Nach der Erklärung des Prä- identeu Deschanel, die Kammer«verde in den Bureaus zusammen- treten lvird die Sitzung suspendirt. Paris, 24. Februar. Sämmtliche Mitglieder der von den Bureaus der Kammer gebildeten Kommission zur Berathung der Frage der gerichtlichen Verfolgung Doroulöde's und Habert's sind 'ür Einleitung gerichtlicher Schritte und gegen den Antrag Eastelin's, beide provisorisch freizulassen. PariS, 24. Februar.(W. T. B.) Der Ehef des Sicherheits» dienstes hat heute Nachmittag begonnen, am Sitze der Patrioten- i g a in der Rue des petits Ehamps Haussuchung zu halten. Zur Oeffnung der Schlösser«vurde ein Schlosser hinzugezogen, die Haussuchung dürfte längere Zeit in Anspruch nehmen. Paris, 24. Februar.(W. T. B.) D 6 r o u l ö d e und Habert wurden heute Abend 6 Uhr in das Prison de la Sante übergeführt. London, 24. Februar.(W. T. B.) Der„Star" meldet in seinem Abendblatt ausPuntaDelgada: Die„Bu I g a ri a'«var 11 Tage durch die Reparatur der Maschine und des Ruders aufgehalten worden; ein- Nkann der Besatzung ertrank bei diesen Arbeiten. Der Dampfer Attillian" hatte zwei Stunden vergeblich versucht, die„Bulgaria" zu bugsiren, worauf die„Bulgaria" allein die Reise nach Punta Delgada fortsetzte. Washington, 24. Februar.(W. T. B.) General Otis meldet aus Manila unter dein heutigen Datum: In den Nächten des 21. und 22. Februar und gcstcri« früh gelangten die Truppen der Insurgenten bis zu den Ausläufern der Stadl in den Rücken der amerikanischen Linien. Etiva 1000 derselben hatten sich verschanzt. Sie wurden gestern vollständig geschlagen und hatten einen Ver- Inst von etlva SOO Tobten und Verwundeten; 200 wurden gefangen genommen. Der Verlust auf amerikanischer Seite ist sehr gering. Die Stadt ist ruhig; das Vertrauen der Bevölkerung ist«vieder her- gestellt, und der Geschäftsverkehr nimmt seinen Fortgang._ Verantwortlicher Redakteur: August Jaeobry w Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilage»». i».«. Mm. i, DU des Jotroiitte" Dlnift WsM->"»»»»»»■«». Neichsksrg« 41. Sitzung, Freitag, 24. Februar 1899, 1 Uhr. Am Bundesrathstische: Nieberding, v. Posadowsky Vizepräsident Schmidt verliest zunächst folgende Erklärung Nach Ausweis des stenographiichen Berichtes hat in der gestrigen Sitzung der sächsische Bundesrathsbevollmächtigte General-Staats- anwalt R ü g e r ausgeführt, von Seiten des„Vorwärts" seien Be Häuptlingen aufgestellt, welche er als Lügen bezeichnen müsse. Er hat weiter ausgeführt, der Abgeordnete Heine habe aus seiner besseren Kenntnis; heraus diese Lügen berichtigen müssen, das habe er nicht gethan, sondern habe die Lügen in die Luft flattern lassen. Die letzten Worte des Herrn Dr. Rüger konnten bei der großen Unruhe des Hauses vom Präsidium nicht verstanden werden. Ich nehme an. der Herr Bundesrathsbcvollmächtigte hat damit nicht sagen wollen, daß der Abg. Heine ivisseutlich und absichtlich die Ausstreuung einer Lüge geduldet habe. Andernfalls müßte ich diese Bemerkung als parlamen- tarisch unzulässig und der Ordnung dieses Hauses nicht entsprechend bezeichnen.(Bravo! links.) Präsident Graf Ballestrcm: Vor Eintritt in die Tagesordnung n, ächte ich noch folgende Mitthcilung niachcn. Wir Häven bei Titel 1 des Justizetats eine ausgiebige Gencraldiskussion gehalten utid ich bitte die Herren Kollegen, bei Bcrathung der übrigen Titel des Justizetats sich auf diese zu beschränken und nicht auf die General- diskussion zurückzugreifen. Ferner bitte ich Sie, bei keinem der Titel eine Besprechung und Kritik richterlicher Erkenntnisse vorzunehmen, da auch� dies bei der Generaldiskussion in ausgiebiger Weise ge� schehcn ist. Ich würde, wenn dieser meiner Bitte nicht Folge ge geben würde, annehmen müssen, daß die betreffenden Redner von der Sache abweichen. Ich richte diese Bitte besonders im Interesse unserer Geschäftslage an die Herren Kollegen. Wir stehen damit sehr zurück.(Sehr richtig!) Wir haben die Verpflichtung, den Etat vor dem 1. April zu erledigen. Der 1. April bedeutet aber bei der dies« jährigen Lage des Osterfestes für uns den 22. März.(Heiterkeit.! Daher bitte ich die Herren Kollegen recht dringend, dieser meiner Bitte Folge zu leisten. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein und setzt die Speziab bcrathung des Etats der Rcichö-Justizverwaltung fort. Beim Kapitel„Reichsgericht" ist die Errichtung eines siebenten Zivil- Knats un Etat vorgesehen. Abg. Stadthagcn(Soz.): Meine Herren, es werden bei dicscni Titel in diesem Jahre ein Scnatspräsidcnt und sieben Räthe beim Reichsgericht mehr verlangt. �n den Motiven des Etats wird gesagt, daß dies nothwendig sei behufs Errichtung eiiicS siebenten Zivilsenats und wegen der voraus- sichtlich größeren Lasten, die dem Reichsgericht infolge der bürgcr- lichcn Gesetzgebung zufallen werden. Nun ist eS ja möglich, daß in- folge des Bürgerlichen Gesetzbuches mehr Revisionen in Zivilsachen an das Reichsgericht gelangen werden; aber ich glaube, diese rein mechanische Lösung ist doch nicht die richtige. Entweder man läßt in � Zivilsachen, die für das gcsammte Volksleben die wich- tigstcu sind, ihrer Größe nach allgenicin die Revision zu. — also für Arbeitsverträge, Ha'ftpflichtsachcn u. s. w.—, oder man muß gewärtigen, daß' der plutokratischc Charakter, den der Reichstag seiner Zeit bei Bcrathnng der Zivil- Prozeß-Ordnung abgelehnt hat, immer mehr in der Praxis und schließlich auch in der Gesetzgebung auch beim Reichsgericht sich zeigt. •och habe herausgefunden, daß die Arbeitslast, soweit Strafsachen in Betracht kommen, außerordentlich gewachsen ist, die Arbeitslast in Zivilsachen jedoch lange nicht in dem Maße. Und ich muß sagen, ich würde es viel eher verstehen, wenn hier ein neuer Senat vcr- langt werden würde; denn je mehr die cinzelnen Herren in Straf- lachen überlastet werden, desto schlechter, desto weniger llberein- stimmend mit dem Rechtsgefühl müssen die Erkenntnisse werden. Die Vcrnichruilg der Zivilsachen beträgt etwa ein Viertel oder ein Fünftel. Ich habe mir nun erlaubt, auszlircchnen, wie viel der deutsche Staatsbürger für jede einzelne Zivilsache zahlt. Das Gesammtgchalt der Herren SenatSpräsidentcn und Reichsgerichtsräthc— abgesehen vom Herrn Reichsgerichtspräsidentcn— beträgt gegenwärtig 558 OOO M.; da es 2584 Zivilsachen waren, kommt also auf jede einzelne 223 M.(Heiterkeit.) Strafsachen waren 4813, also beinahe doppelt so viel. Dafür sind 392 000 M. ausgesetzt, so daß auf jede Strafsache nur 91 M. kommen. Strafsachen also, wobei es sich um Leben und Tod, um Freiheit, um die Ehre von Deutschen handelt, werden demgemäß in der Rechtsprechung nicht nur, sondern auch im Etat für minderlverthig erachtet, für nur ein Drittel so viel Werth, als wenn ich nüch um Mein und Dein in einem Zivilprozcß, der 1500 M. übersteigt, schlage. Das ist ein Zeichen vom Wachsen der plutokratischcn Ansicht, der meines Erachtens der Reichstag alle Vcr- anlassuiig hat, mit Entschiedenheit entgegenzutreten. Tie Sache wird aber noch schlimmer, ivenn ich die einzelnen Sachen mit 7 multiplizire, weil je 7 Herren bei jeder einzelnen Sache bctheiligt sind. Ich kann unmöglich dafür stimmen, daß nun noch 1 Senats- Präsident und 7 Räthe eingestellt werden. Das ist nicht im Sinne der Gerechtigkeit. Es ist in der Begründung ausdrücklich gesagt worden, daß damit lediglich der wohlhabenden Klasse ein Dienst gethan werden soll. Man sollte sich doch in acht nehmen, aus Reicksmittcln neue Mittel hierfür zu gewähren, so lange nicht Garantien gegeben sind, daß auch die Rechtsprechung in Strafsachen eine dem Rechtsgefühl mehr entsprechende ist. als zur Zeit. Die Zahl der Revisionen würde auch auf weit über die Hälfte sinken, wenn man endlich zu der An- schaumig zurückkehrte, die vor 1849 in Deutschland herrschte, daß auch nicht eine Staatsbehörde gegenüber dem Gericht als höhere Behörde auftrete und ihrerseits die Revision einlegen kann, mit anderen Worten: wenn man endlich der Staatsanwaltschaft dieses dem Staate durchaus nicht dienende Mittel der Revision nähnic. Daß die Staatsanwaltschaft selbst glaubt, das Reichsgericht urtheilc nicht nur über Rechtsfragen, sondern selbst in Thatsachcn, das ist zu meinem großen Erstaunen hier in öffentlicher Gerichtsverhandlung konstatirt worden. Ich habe vor mir die stenographische Nachzeich- mmg der Rede eines hiesigen Staatsanwalts.(Glocke des Prä- sidcnten.) Präsident Graf Ballestrcm: Der Herr Vorredner entfernt sich jetzt von dem Titel II und macht allgemeine Erörterungen, die in die Gencraldiskussion nicht gehören. Ich bitte ihn, bei Titel II zu verweilen, bei dem er bisher verweilt hat. Abg. Stadthagcn(fortfahrend): Dem Wunsche des Herrn Präsidenten werde ich selbstverständlich nachkonimcn. Ich habe es wohl nicht klar genug ausgedriickt, daß gerade dieser Punkt darauf abzielt, die Last des Reichsgerichtes zu verringern, für die jetzt acht neue Richter angestellt werden sollen. Es gicbt doch andere Mittel, um dem entgegen zu treten. Ich ivollte vorhin nur einige Worte zitircn, die ein Staatsanwalt über die Aufgabe des Reichsgerichts in Straffachen gesagt hat. Ich halte es direkt für eine Beleidigung, einem Rcichsgcrichtssenat zu imputiren, daß er durch die Art der Begründung habe durchblicken lassen, er wünsche eigentlich eine andere Entscheidung auf thaffächlichcm Gebiete. Hier ist ganz deutlich gesagt worden von einem Manne, der die RcichsgcrichtS-llrtheiic kennt, daß das Reichsgericht deutlich durchblicken lasse, welche Auffassung«S that- sächlich hat. Leider hat das Reichs-Justizamt ja weiter kein Mittel, als sich an die Einzelstaaton zu wenden und zu bitten, daß derartige überflüssige Belästigungen des Reichsgerichts wegfallen. Die Last des Reichsgerichts würde ferner sehr erleichtert werden, wenn cnt- weder auf administrativem oder gesetzgeberischem Wege der Anklage- behörde untersagt wird, nach ihrer Ansicht im öffentlichen Interesse B c l e i d i g u n g s klagen anzustengen, wo cin öffentliches Jnter- cffe nicht vorliegt.(Beifall links.) Staatssekretär Nieberding: Der Herr Vorredner irrt, wenn er meint, es handle sich bei der Schaffung des neuen Zivilsenats darum, die Richter in Zivilsachen günstiger zu stellen als die in Strafsachen. Der Herr Präsident des Reichsgerichts hat nur zwei Zivilsenate als überlastet bezeichnet, ich nehme' also an. daß er die Strafsenate nicht als überlastet betrachtet. Die Vermehrung der Zivilsenate wird um so mehr zur Nothwendig- keit, als mit der Einführung des Bürgerlichen Gesctzbnlhcs die Zahl der Revisionen sich zweifellos vermehren wird. Der Titel wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten be- willigt, ebenso der Rest der Ausgaben. Auch die Einnahmen werden genehmigt. Damit ist das Reichs-Justizamt erledigt. ES folgt der Etat für den"tag, der narb unerheblicher Debatte bewilligt wird. Hierauf wird der Etat für das Reichs-Eiscnbahnamt be- rathen. Abg. Miinch-Ferber wünscht im Interesse der sächsischen Textilindustrie eine Beschleunigung des Güterverkehrs von Sachsen nach England und eine Herabsetzung der Tarife. Direktor im ReichS-Eisenbahnamt Dr. Schulz: Infolge der vorjährigen Anregungen im Reichstage haben Vcr- Handlungen zwischen dem Reichs-Eiscnbahnamt und den in Frage kommenden Landes-Eisenbahnverivaltungcn stattgefunden und es ist auch eine Herabsetzung der Transportdaucr sowie der Tarife ein- getreten. Seitdem haben sich die Beschwerden über die Verzögerung in der Güterbeförderung erheblich vermindert. Jedenfalls wird das Reichs-Eisenbahnamt auch weiterhin die Sache im Auge be- halten. Abg. Dr. Pacht, icke(frs. Vg.): Im vorigen Jahre hat der Reichstag eine Resolution auf Ver- einfachung und Vcrbilligung der Pcrfoncntarife angenommen. Leider hat dieselbe beim Bundesrath nickt die Aufnahme gefunden, auf die man gerechnet hatte. Redner beschwert sich weiter über die hohen Gebühren bei Beförderung von Fahrrädern. Das Fahrrad ist in der letzten Zeit aus einem Sportsmittel zu einen, sehr verbreiteten Verkehrsmittel geworden, die Eisenbahn-Verwaltung hat aber auf diese Eni Wickelung keine Rücksicht genommen. In Be- zng auf die Personenbeförderung wünscht Redner vor allein� Abschaffung der vierten Klasse in den preußischen Eisenbahnen. Es ist nicht zu befürchten, daß die Landflucht der Arbeiter dann noch zunehmen wird, denn nach der geplanten Reform würden die Arbeiter dasselbe Fahrgeld, das sie jetzt in der 4. Klasse zahlen, dann in der 3. Klasse auck zahlen. Die Ab- schaffuug der 4. Klasse liegt aber lediglich im Interesse des Mittel- standes,' für den ja die Herren auf der Rechten angeblich besonders viel thun wollen. Präsident des Reichs-Eisenbahnamts Dr. Schulz! Vom 1. Oktober des Vorjahres ab sind die vielfach gewünschten Vorschriften zur Verhütting von Zugunfällen eingeführt worden. Vor allem Vorsignale vor den Einfahrtssignalen, eine strengere "ckreckenkoi, trolle und eine Herabsetzung der höchstzulässigen Achsen- zahl. Die Abnahme der Unfälle bietet einen Beweis für das unablässige Streben der Eisenbahnvcrwaltung nack dieser Richtung hin und die unerschütterliche Pflichttreue der Beamten. lieber die Reformen der Pcrsonentarife kann ick nock keine nähere Auskunft crtheilen. Im Sommer haben statistische Erhebungen stattgefunden und noch vor Kurzem hat sich eine Konferenz mit dieser Frage be- öhästigt. Die Ergebnisse der Verhandlungen derselben sollen aber treng vertraulich gehalten werden. Jedenfalls ist allseitig das Be- trebcn vorhanden, bald zu einer befriedigenden Einigung zu gelangen. Abg. Bräsicke(Frs. Vp.) bittet namentlich im Interesse der östlichen Provinzen, der Einführung der Staffeltarife baldigst näher zu treten. Ich«verde immer wieder mit dieser Anregung kommen, in der Hoffnung, Ausdauer führt zum Ziel. Präsident des Reichs- Eisenbahnamts Dr. Schulz: Die An- ächten über die Nützlichkeit der Staffeltarife sind noch sehr getheilt von manchen Seiten werden sie direkt für schädlich gehalten. Abg. Stolle(Soz.): Nach 28jährigem Bestehen des Deutschen Reiche? haben wir noch immer keine Einheitlichkeit der Tarife. Die Betriebskosten sind doch in Norddcutschland nicht theurcr als in Süddeuffchland, un, für Norddcutschland thcurcre Tarifsätze zu rechtfertigen. Bor Kurzem tagte hier in Berlin eine Konferenz von Vorstehern der verschiedenen Eisenbahn- Direktionen. Auch hier hat man über die e i n h e i t- iche Regelung und Herabsetzung der Tarife debattirt, konnte aber infolge der widerstreitenden Jnter essen zu keiner Einigung gelangen. Worin liegt denn der Grund dafür, daß man sich noch immer gegen eine Ve'rbilligung der Tarife sträubt? Da verweise ich auf die Verhandlungen in, preußischen Abgeordnetenhausc. Dort hat der preußische Finanz- minister v. Miqncl geäußert, eS sei nicht richttg, daß jede Tarif crmaßignng auch mehr Einnahmen bringe. Herr v. Miquel sagte weiter: Wenn wir auf die Mehreinnahmen aus den Eisenbahn ertrügen verzichten wollen, dann sind wir nicht mehr in der Lage, die Knlturaufgaben zu erfüllen, dann müßten neue Steuern cin- geführt werden und die will niemand nichr bezahlen. Gewiß, gegen neue Steuern sind wir auch, aber ich inciue, jeder Betrieb darf die Kulturaufgaben nur seinen Mitteln gemäß erfüllen ivollcn und der arme Reisende darf nicht unter den hohen Tarifen lcidei,, damit die Waggons 1. Klasse möglichst lukrativ ausgestattet werden können. Das übrigens Tarifermäßigungcn auch immer mit Mehreinnahmen ver- Kunden sind, beweisen doch die Erfahrungen anderer Länder, die uns in dieser Beziehung weit voraus sind, wie Ungarn und Belgien. Ebenso sind die Frachttarife in den einzelnen Bundesstaaten ganz verschieden, was eine große Schädigung für Industrie und Land- wirthschaft bedeutet. Besonders leidet die Industrie unter der Kon- kurrcnz der verschiedenen Eisenbahn-Berwaltungcn, die stets darauf bedacht sind, den Gütertransport durch ihr Gebiet zu leiten. So nicht die preußische Eisenbahn-Verwaltung den gesammlen Transport- verkehr über ihre Linien zu leiten und schädigt damit vor allem die 'äcksischeu Eisenbahnen. Von dem gcsamniten Export Deutschlands nach England wird die größere Hälfte aus Sachsen ausgeführt. Heute kann man von der deutschen Waare nicht mehr sagen, sie sei billig und schlecht. Infolge des deutschen Gewcrbcflcißes, dant der deutschen Arbeiterklasse kann die deutsche Waare heute mit jeder ausländischen konkurriren. Daher muß auch die Rcichs-Eisenbahn dafür sorgen, daß die Verkehsmittcl verbessert und verbilligt werden. Ilcbrigens muß ich noch auf die Zustände beim Viehtran spart verweisen. Ich habe mich schon längst gewundert, daß man aus landwirthschaftlichcn Kreisen nicht mehr Klagen darüber vernimmt. Vor allen, muß der Transport beschleunigt werden, wie das auch in Sachsen zum Beispiel der Fall ist. Gegen die heutigen Zustände beim Bichtransport müßte ich schon der Thierschutzvcrein ins Mittel legen.— Ich komme nun auf die U n f ä l l e. Es sind doch noch inmier eine erhebliche An- zahl von Personen verletzt und getödtet worden. Vor allem muß für erhöhte Betriebssicherheit dadurch gesorgt werden, daß die Arbeitszeit der Eisenbahn- Angestellten einheitlich geregelt und vermindert wird. Bei den Bahnwärtern kommt noch immer eine Arbeitszeit von 10—12 Stunden, bei den Weichenstellern sogar eine Arbeitszeit von 13—14 Stunden vor. Dabei find' in diesen, Jahre an Einnahmen 62 Millionen mehr in den Etat eingestellt worden. Würde man nur auf einen kleinen Theil dieser Summe verzichten, so könnte man damit eine ganze Anzahl neuer Weichensteller anstellen. Auch bei dem Zugbegleitungspersonal kommt noch 12— 14ftündige Arbeits- 1 zeit vor. Bei einer solchen Ueberanstrengung des Personals ist die Sicherheit des Betriebes stets in hohem Grade gefährdet. Die Rücksicht auf die Sicherheit und Wohlfahrt des reisenden Publikums und auf die Gesundheit der Angestellien erfordert es, daß hier schleunigst Wandel geschaffen werde.(Bravo! bei den Soz.) Gcheimrath v. Misani: Der Herr Vorredner sollte wissen, daß es sich bei den 12—14 Stunden, die er anführte, nicht um Arbeits zeit, sondern um die Die n st zeit handelte. Darunter wird der Zeitraum verstanden, der zwischen zlvci völlig dienstfreien Pausen von acht Stunden liegt. Diese Dienstzeit ist aber durchaus nicht ununter- brochcne Arbeitszeit. Der Wunsch des Herrn Vorredners auf ein- hcitliche Regelung der Dienstzeit ist bereits erfüllt. �Es sind im vergangenen Jahre'einheitliche Grundsätze für die Bemessung der Dienst- zeit der Eisenbahuangcstcllten zwischen den einzelnen Bundes- regierungen vereinbart worden, und wenn diese durchgeführt sein werden, wird von einer Ueberanstrengung der Beamten nicht mehr die Rede sein können. Abg. Gamp(Rp.): Wie stellt sich der Abg. Stolle die 10 ständige Dienstzeit für einen Lokomotivführer vor, der einen Schnellzug 12 Stunden lang führen soll? Sollten etwa, wenn der Zug nach 10 ständiger Fahrt mitten in der Nacht vielleicht in Stendal angekommen ist, die Passagiere ihre Fahrt unterbrechen, weil die Dienstzeit des Lokomotiv- fllhrers zu Ende ist.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Herr Stolle hätte auch berücksichtigen sollen, daß von den 62 Millionen 52 durch Mehrausgaben absorbirt werden und zwar zum großen Theil durch Mehransgaben, die durch Verkürzung der Arbeitszeit der Angestellten entstanden sind.— Die Vertreter der Landwirthschaft haben sich direkt gegen Herabsetzung der Tarife für Viehtransporte ausgesprochen,(Abg. Stolle: die Großgrundbesitzer!)— nein, die kleinen Besitzer sind auch da- gegen. Herr Packinckc fordert die Abschaffung der vierten Klasse. Wozu denn? Die vierte 5llasse ist sehr gut eingerichtet, sogar Heizung ist Vorhände». Die Personcntarife für die dritte und vierte Klasse sind niedrig genug; eher kann man sagen, daß die Fahrpreise für die erste und zweite Klasse zu hoch sind. Die Herstellung eines Waggons zweiter Klasse kommt schließlich nicht viel höher, als die eines Waggons dritter Klasse. Es liegt mir aber fern, eine Herabsetzung' der Fahrpreise für die erste Klasse zu fordern. Staffeltarife im Sinne des Abg. Bräsicke möchte auch ick haben; es war ein Fehler, sie überhaupt'abzuschaffen. An einer Vereinheitlichung der Tarife würde auch ich gern mitarbeiten. Aber solche Verbilliguugen. wie sie kleine Staaten eingeführt haben, sind bei uns in Preußen wegen der Ausdehnung des Eisenbahnnetzes von vornherein ausgeschlossen. Alle diese Wünsche gehören übrigens vor die Landtage. Abg. Möller- Dortmund(natl.): Die Staffeltarife an sich sind auch mir sympathisch, aber die Staffeltarife speziell für Getreide können erst wieder eingeführt werden, wenn der Identitätsnachweis wieder eingeführt wird. Eine Reform der Gütertarife ist viel dringlicher, als die der Personentarife. Eine Vereinheitlichung der Persoiientarifc ist auch mir erivünscht. Als ersten Schritt' dazu werde ich im Abgeordnetenhause die Einführung einhcitlickcr Retourbillets mit zehntägiger Dauer be- antragen.' Die preußische Eiscnbahnverwaltung hat aber auch hier- gegen Abneigung. Abg. Graf Stolberg(k.): Mit dem Mahbach'schen Projekt, Herabsetzung der Tarife und Beseitigung der(vierten Klasse sowie aller RückfahrtS- und Saison- karten bin ich einverstanden. Ich spreche aber nur für meine Person. Beim Güterverkehr befürworte ich die Einführung aller Staffeltarife.. Abg. Schräder(frs. Vg.): Wir müssen zu möglichst großer Vereinfachung und möglichst billigen Tarifen kommen. Wenn die Tarife wirklich erheblich billiger sind,' dann können auch die Retonrkarten zc. abgeschafft werden. Die Landwirthschaft wird keinen großen Schaden haben. Aber eine Ver- billiguug würde eine ganz kolossale Entwickelung des Verkehrs zur Folge haben. Ich bestreite übrigens, daß eine einigermaßen zuver- lässige Selbstkostenrechnung aufgestellt werden kann, aus der hervor- gehen könnte, daß der Personenverkehr die Selbstkosten nicht decken könnte. Ich besorge nicht einen Einnahme-Ausfall. Wir haben alle Veranlassung, das Reichs-Eiscnbahnamt zu ersuchen, energisch auf eine endliche Verbilliguug der Personentarife zu dringen. Abg. Frhr. d. Stumm(Rp.): Das Beste wäre ein RcichSeisenbahn-System gewesen. So lange wir das nicht durchsetzen können, haben alle unsere Reden wirklich nur akademischen Werth. Ich bedauere, meinem Gönner, dem Grafen Stolberg, in der Frage der Staffeltarife widersprechen zu müssen. Für Gc'rreide sind die Staffeltarife überhaupt nur möglich, wenn der Identitätsnachweis wieder eingeführt wird. Abg. Graf Kanitz(k.) hält die Einführung der Staffeltarife für durchaus geboten. Dem Abg. Möller erwidere er, daß die Aushebung des Jdentitäts- Nachweises keineswegs schädlich gewirkt habe. Wenn der Landwirthschaft der ihr gebührende Schutz zugesichert sei, dann werden auch seine Freunde in Westdeutschland der Entwickelung der Tarifpolitik ohne Sorge entgegensehen können. Die billigen Tarife des Berliner Stadt- und Vorortverkehrs locken die ländlichen Ar- bciter nach Berlin.(Heiterkeit links.) Das ist eine ganz irrationelle Ermäßigung. Ehe man an eine allgemeine Reform des Personen- tarifs denken kann, muß jedenfalls eine Aenderung des Gütertarifs eintreten.(Beifall rechts.) Abg. Stolle(Soz.) (auf der Tribüne schwer verständlich): Der Herr Bundesraths- Bevollmächtigte hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß ich den Unterschied zwischen Arbeits- und Dienstzeit nicht in Betracht gc- zogen hätte. Ich kann nicht zugeben, daß eine zweistündige Pause in einer 13- bis 15stündigcn Dienstzeit so viel ausmacht. Während dieser kurzen Zeit kann der berreffende Angestellte weder schlafen noch Kräfte sammeln. Ein Zugführer oder Schaffner kann sehr gut untcrtvegs aussteigen. Man könnte wohl Kolonnen zur Auswechselung aufstellen, lieber die Dicnststuiiden giebt ein Bericht aus Stral- sund merkwürdigen Aufschluß. Dort ist die dienstfreie Zeit der Betricbsbcam'tcn von 2 auf 1 Tag pro Monat herabgesetzt. Hier muß Wandel geschaffen werden. Herr Gamp har auf eine beiläufige Aeußerung von mir hin ge- incint, ich habe Sachsen gelobt, dann könne es dort doch nicht' so scklecht sein. Ich erkenne an: die Eisenbahnverhältnisie sind dort besser geworden— auf unsere Anträge hin— auch sind dort von den Gemeinden viel mehr Aufwendungen für Schulen und Wegebau gemacht worden. Ich werde aber nie und nimmer loben die Ehikanen, die die Polizei gegen den ruhigen Geschäftsmann, das brave arbeitsame sächsische Volk verübt. Das ist eine Schande für das Königreich Sachsen... Präsident Graf Ballestrcm(unterbrechend): Der Herr Ab- geordnete hat eben gesagt: das ist eine Schande für das Königreich Sachsen. Das ist nickt zulässig. Ich rufe den Herrn Redner zur Ordnung. Ich bitte ihn überhaupt, zum Gegenstand der Tages- ordnung zurückzukehren. Er spricht über alles Mögliche, aber nicht über die Eisenbahnen.(Heiterkeit.) Abg. Stolle(fortfahrend): Ich habe nicht von Staffeltarifen gesprochen, sondern von Verbilligung der Vieh- und Getreidetarife. Bahnen müssen nicht einzig und allein im fiskalischen Interesse aus- genutzt werden. Jede erhöhte Einnahme sollte der Tarifvcrbilligung zu Gute kommen. Bei einigem guten Willen wird man die von mir besprochenen Uebelstände beseitigen können. Allerdings werden die Einzelstaaten der NcichS-Eiscnbahnvcrwaltnng manche Schivicngkcitcn bereiten, aber gcstiitzt auf das Verlangen der Industrie und des Reichstages wird es ihm gelingen, für eine größere Vcrbilligung der Tarife und eine größere Sicherheit des Verkehrs zu sorgen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten,) Abg. Bcckh(frs. Vp.): Es ist nicht einzusehen, wc-Shalb, wie Graf Kanitz meint, die Gntertarif-Rcform der Personcntarif-Reform voran gehen müsse. Beide können gleichzeitig in Angriff ge- »onlmcn werden. Bei uns in Bayern achtet man noch etwas mehr auf den Willen der Bevölkerung, als man es im Norden gewöhnt ist. In Preußen kommt man nicht einmal zur Einführung der zehn- tagigcn Nctonrbillcts. Abg. Gcrstcnberger(Z.): Herr Graf Kanitz meinte, die Er- orternng der Staffeltarife hätte nur akademischen Werth, Aber es wird doch dadurch Stimmung dafür gemacht. Und dagegen müssen wir Protestiren, wegen der enormen Schädigungen, die die Staffeltarife Süddentschland bringen würden. Wir in Süddeutsch- laud sind doch sozusagen auch deutsche Brüder.(Heiterkeit,) Abg, Schräder(frs. Vp,) meint, der Schatzsekretär würde wohl kaum die Uebernahme der Staatsbahnen in Reichsbesitz befürworten, Damit schließt die Debattte. Persönlich bemerkt Abg, Graf Kattitz, er denke gar nicht daran, die süddeutsche Landwirthschaft schädigen zu wollen. Wir Ostpreußen sind auch Deutsche, Präsident Graf Ballcstrcm: Das Letztere war nicht persönlich, (Heiterkeit,) Der Titel wird bewilligt, ebenso der Rest der Ausgaben; dcsglclchcn die Einnahmen. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr.(Etat für den Rechnungs- Hof. für das Rcichsschatzamt u. a.) 1 � Schluß 53/4 Uhr._ VÄvlkttttenkKVtfches. Budgetkommission des Reichstages wurde am Meitag zunächst der Etat des allgemeinen Pensionsfonds unvcr- ändert genehmigt. Demnächst stand der Etat des Reichs- Invalid ettfotchS zur Bcrathung. Der Referent Müller- Fulda ermneri an die im vorigen Jahre gefaßte Resolution, wonach den völlig erwerbsunfähigen Konibattanten der drei letzten Kriege durch- weg jährlich 120 M. zu bewilligen seien. 20 000 Veteranen erhalte» oie sc Unterstützung, dagegen müssen sie etwa noch 6000 entbehren. i rr''C' ker Meinung gewesen, die Mittel müßten jeden- falls flnfstg gemacht werden, ivenn sie aus den Ucbcrschüsscn des Jnvalidenfouds nicht zu entnehmen seien. Er beantrage daher die Wiederholung der Resolution vom vorigen Jahre,' Der Kor- rcfcrcnt Graf Oriola bemerkt, die Veteranen haben zuerst gebeten, jedem Kricgstheilnehmcr eine Pension zu gewähre». Das loimte mit Rücksicht ans die Finanzlage nicht gewährt werden. Nach- dem jich nun die Veteranen bei den Jicsvlutioncii des Reichstages beruhigt, sei ihneu verboten worden, sich zu vereinigen, um ihre Fordeningen durchzusetzen. Das sei in hohem Grade b e- da u c r l i ch, Tic Veteraiienvcrcine seien durch und durch patriotisch. Generallielitcnant v, V i c b a h n: Die verbündeten Regieningen waren nicht eingeschritten, wenn nicht die Vereine, besonders der Leipziger' Vetcrauenverein, die Grenzen, die Disziplin und Autorität erfordern, überschritten hätten. Staatssekretär Freiherr v, Thiel- m n n it legt dar, es sei ein Fnndamcntalirrthnm, von„berechtigten Unfordenliigcn" der Veteranen zu sprechen. Der Etat wird darauf genehmigt und die beiden vorjährigen Resolutionen wiederum ei n st i in ni i g a n g e n o m m c n. Jnvnlidettversichcrnngs-Kommission. 2. Sitzung am 2s, Febr. "Lp � 9 werden zosaniincn verhandelt. Zu Z g beaurragt v. Salisch(k.), daß alle siebzigjährige» Versicherten die Invaliden- rente erhalten(anstatt der niedrigeren Altersrente) und daß alle Personen für invalid erklärt werden, welche in derselben Gegend nicht entsprechend Lohnarbeit finden. Sachse(Soz.) befürwortet den sozialdcinolratischcn Antrag zu§ 4, daß die Erwerbsunfähigkeit nicht erst aus ein Drittel gesuukeir sein soll, uni rentenberechtigt zu werden. sondern ans die Hälft c. Die Arbeiter würden eventuell höhere Beiträge zahlen, wenn sie nur wirklich dafür einen nennenswerthen Rentenbezug erhalten. v. Löbellch die Größen selbst aufsuchen. Das andere Personal aber, die Spieler der kleinen Rollen, die Choristen und die Bühnenarbeiter, kurz, das sogenannte technische Personal, besorgt der Agent. Anstatt daß diese Leute ihr schmales Gehalt unverkürzt bekommen, muß es doch auch für die oft recht lange Ferienzeit ausreichen, kommt der Agent und zieht seinen Gewinn vorweg ab. Für seine geringe Mühe nicht nur einmal, wie es zum Beispiel beim Gesinde üblich ist; nein, er kommt jeden ersten und jeden sechzehnten. oe> jed�r Gehaltszahlung und mahnt den armen Theaterprolctarier an seine Hörigkeit. Die Thcaterbeflissenen sind nämlich trotz aller ihnen nach- gerühmten Leichtlebigkeit nichts Anderes als Proletarier. Die manchmal bekannt werdenden, verlockenden Einkommen sind nur wenigen Ausnahmen beschicden. Die meisten haben nur ein Jahres« einkommen von tausend Mark und wenig darüber, wie jeder andere Arbeiter. Viele aber, sehr viele erreichen diese glänzende wirth- schastliche Lage lange nicht. Doch der Agent kommt auch zu ihncit und hält seine Hand auf. Je niedriger ihr Verdienst, je höher im Verhältniß seine Spesen. Da nimmt sich allerdings die beliebte Leichtlebigkeit mie Galgenhumor ans. Endlich nun soll der Versuch gemacht werden,«ine Art Arbeits- Nachweis für das Theaterpersonal einzuführen. Die Arbeiter- kategorien, deren Gewerkschaften über Arbeitsnachweise verfügen, werden diese Einrichtung zu schätzen wissen. Ist doch dadurch allen Schiebungen und»»gerechtfertigten Bcvorzuglmgen der Boden g.» nommen. Daß sich aber ein derartiger Brauch auch in's Theater- leben einführen wird, wollen viele mit den Verhältnissen Bekannte nicht hoffen. Nirgends wird mehr auf persönliche Empfehlung, auf Protektion n»d dergleichen korrupte Dinge gegeben wie am Theater. Da ist natürlich der nahrhafteste Boden für Schmarotzer. Die Größen dürsten sich aus diesen und manchen anderen Gründen nicht dem Stellennachlveis zur Verfügung stellen. Damit ist die Einrichtung schon durchbrochen. Und die anderen werden sehr bald wieder dem Agenten verfallen. Ja, wenn sie ernsthaftes Klassenbewußtsein hätten! Aber das Solidaritätsgeftihl fehlt ihmn wie noch manchen anderen Proletarierkreisen. Die Hauptsache ist aber, daß die Theater-Agenten, deren wir in Berlin ungefähr soviel wie Bühncii haben, wenn nicht gar mehr, fast ohne Ausnahme ihr Kapital zur„Hebung der Kunst" vcrwenvcn; das heißt, sie haben ihr Geld ini Geschäft, im Theater-Unternehmen, zu stecken, der Theaterdirektor ist ihr Schuldner. Da ist«s doch selbstverständlich, daß er seine Kräfte von seinem Gläubiger bezieht. Eine Hand wäscht immer die andere. Da daS in unserer kapitalisti- scheu Gesellschaft stets so bleiben wird, so werden wir noch lange oie lächelnden Mienen im schillernden Bühnenlicht für erzwungei,, unter Sorgen und Kiimmer erzwungen nehmen müssen. So lange, biS sich die Thcatcrproletaricr darauf besinnen, was sie sind.— Auch ein Stimmungsbild aus derZuchthans-Acra. Ueber Arbcitcniilrlihen berichtet die„Spandauer Zeitung" folgendes: „Unter den Arbeiten,, welche an dem Neubau der Firma Siemens n. Halske ans den Nonncnwiesen beschäftigt sind, ist abermals ein Krawall ausgebrochen. Gegen 1 Uhr heute Mittag wurde iinscre Polizeiverwalwiig von der Bauleitung tclcphouisch dringend »m Hilft ersucht, da die auf der Baustelle beschäftigten Leute auf- lässig geworden und eine drohende Haltung angenomine» haben. Polizeikonimissar Klicnie nebst 4 Sergeanten haben sich so rasch als möglich inUtels Droschke an Ort und Stelle begeben, um die Sliihe wiederherzustellen. Bei dieser Gelegenheit hat sich wieder gezeigt, wie dringend uothwcudig es ist, ständig eine größere Anzahl Beamten ans der Wache zur Hand zu haben, denn es mußte heute Mittag erst in die Wohiumgen verschiedener Polizei- Sergeanten gesandt werden, um mir einige Leute zur Verfügung zu haben." In ähnlicher Weise beriditen einige Berliner Blätter, die der Sache ciiicu sensationellen Anstrich gaben.' Von dem ganzen Krawall hat kein Mensch etwas gemerkt. Diese Mittheilnng ist genau softer erfunden, ivie die seinerzeit aus derselben Quelle hervorgesprudelte Schancrinähr, daß streikende Maurer in Spandau deü Schuppen der arbeitswilligen Italiener angezündet hätten. Die verlogene Nach- richt verfolgt sichtlich den Zweck, die Stimmung der Bürgerschaft, die der beantragten Vermehrung der Polizei abhold ist, zu be- ciiiflilsscn. Die Differenzen, die ans dem Bau entstanden sind, waren von ziemlich untergeordneter Bedeutung; sie sind ans Strcitigleiten mit dem Kantinciiivirth zurückzuführen. Der Polier entließ deshalb vorgestern Abend sämmtliche Arbeiter, ungefähr 120 Mann, die dann ohne eine Störung mit ihrem Handwerkszeug von dem Bau ab- zogen. Gestcnl hat die Organisation der Bauarbeiter die Differenzen bereits geschlichtet und daher soll heute früh die Arbeit wieder aufgenommen werden. Mit welcher unverschämten Dreistigkeit das Spandauer Blatt aufgeschnitten hat, ist daraus zu ent- nehmen, daß am Mittwoch um 1 Uhr schon von einem Krawall berichtet wurde, während die Maurer ruhig bis 6 Uhr gearbeitet habe»! Eine Arnachistengcschichte von der so sehr beliebten grausigen Sorte bringt ein Berichterstatter: In Untersnchunashast befindet sich seit etwa vier Wochen der Anarchist O s k a r L 0 f f l e r. Die Staats- aiiwaltschast glaubt Grund zur Annahme zu haben, daß Löfflcr Mitglied eines anarchistischen Geheimbundes ,ei. dessen Mit- glieder als Erkennungszeichen eingebrannte Male an den Armen tragen.(Hu! hn! hu!) Bei einer Durchsuchung der Löffler'schen Wohnung sind verschiedene verbotene anarchistische Schriften gefunden haben, deren Verbreitung der Verhaftete sich «Benfalls schuldig gemacht haben soll. Lössler, der dem Rechtsanwalt Dr. SchoepS feine Vertheidigung übertragen hat, bestreitet feine Schuld nach jeder Richtung hin.— Wie so manche andere Anarchisten- geschichte, so dürfte' auch diese kaum das romantische Sehnen der Dunkelmänner stillen, durch die Erfahrungen der letzten Zeit sind wohl selbst unsere Anarchisten so gewitzigt worden, daß sie sich imgern die Finger, geschweige denn den Arm zur Wonne der Reaktion verbrennen. Wegen Ermäßigung der hohen Straßenbahu-Abonnemeutö steht die städtische VerkehrS-Deputation, wie der Vorsitzende des HanSbesitzervereinS„Süden", Hermann Schulz, in der letzten Vereiirsversammlung mittheilte, infolge des dahingehenden Antrages des HauSbesitzervereiuS„Süden" mit der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn in Unterhandlung. Es dürsre Aussicht vorhanden sein, daß die für Berlin so dringend noth- wendige Ermäßigung schon mit dem 1. April dieses Jahres in Kraft tritt. Ans der Berliner Straßenbahn beträgt das Mindest- abonnement nach wie vor noch 8,50 M. sür den Monat, während die Monatskarten im Vorortverkehr von 1—3,5 Kilometer 2,50 M., von 3,6— 10,9 Kilometer 662/3 Ps. sür 1 Kilometer III. Klasse kosten; sür Angehörige desselben Hausstandes ermäßigen sich noch die Preise um die Hälfte. Charlottenburg hat auch Straßenbahn-AbonnementS monatlich von 3 M. oder jährlich von 30 M. an. Unseres Erachtens »inß schon ein ganz derber Druck ausgeübt werden, wenn die abonnentenfeindliche Straßenbahndirektion' sich zu solcher Konzession verstehen soll. Dem siebzigjährige» Friedrich Spiclhage» wurden an seinem gestrigen Geburtstage mannigfache Ehrungen zu theil. Ein Komitee von Schriftstellern, an deren Spitze Ernst Wichert steht, überreichte dem Dichter einen goldenen Lorbeerkranz„als das Votum der deutschen Schriftsteller, daß Spielhagen ihr Meister ist." Aus Wichert folgte Julius Wolfs, welcher die zu dieser Ehrengabe gehörende Adresse überreichte. Wolff hatte der Adresse die Form eines Gedichtes gegeben, daS er mit Begeisterung sprach, bevor er es dem Gefeierten überreichte. NamenS des Vereins Berliner Presse waren Professor Delbrück, Vollrath und DahmS erschienen. Auf Delbrücks Ansprache, welche die Beziehungen zwischen Buch- und Zeitungsliteratur behandelte, betonte Spielhagen, daß er bei seiner regen Antheilnahme an dem politischen Leben sich stets auch als! TageSschriststeller gefühlt habe. Die Berliner„Freie literarische Vereinigung" ernannte den Jubilar zu ihrem Ehren- Präsidenten, während ihn die Prager„Coneordia" und die Ham- burger Literarische Gesellschaft zum Ehrenmitgliede erwählt hatte». Der erste Bürgenneister SchustehruS und der Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Jaffs von Charlottenburg erschienen Mittags um 8/4l Uhr und überbrachten dem Jubilar die Glückwünsche der Stadt. Bürgermeister SchustehruS theilte mit, daß der Magistrat und die Stadtverordneten-Versammlung beschlossen haben, ihren verdienten Mitbürger dadurch zu ehren, daß für eine der neuen Straßen CharlottenburgS der Name„Friedrich Spielhagenstraße" vorgeschlagen werde. Gleiche Beschlüsse sind von seiner GeburtSstadt Magdeburg und Stralsund, wo Spielhagen längere Zeit gelebt hat,' gefaßt worden. Am Sonntag wird sich die Berliner Schnststellerwelt Spielhagen zu Ehren zu einem Festessen vereinigen. In der Spielcraffäre soll einem hiesigen Blatte zufolge der Regieningsassessor v. M., der am Mittwoch einem längeren Verhör unterzogen wurde, gestern zur Hast gebracht worden sein. ES haben übrigens im Laufe der letzten acht Tage zahlreiche Vernehmungen aktiver Offiziere in der Angelegenheit des„Klubs der Harm- losen" stattgefunden. Wie eS heißt, sollen auch zwei jüngere Prinzen in die Angelegenheit verwickelt sein. Vom Finanzgenie der Wissenschaft. Eine außerordentlich hohe Rente hatte die Universität für die Benutzung deS Kastanien- Wäldchens durch die Pferdebahn von der Stadt Berlin beansprucht. DaS Polizeipräsidium jhat aber als Enteignungsbehörde dahin ent- schieden, daß die für die Pferdebahn benutzten Flächen nicht als Bauland zu bewerthen, sondern nur als Theile eines öffentlichen Parks anzusehen seien. Der Werth dieser Flächen, welchen die Universitär aus rund 1 526 000 M. angegeben hatte, ist auf Grund de» von den Enteignungs-Sachverständigen abgegebenen Gutachtens auf 12 336 M. festgestellt worden. Daraufhin' hat das Polizeipräsidium die jährlich zu zahlende Rente auf 616,80 M. mit der Maßgabe fest- siesetzt, daß mit der Einstellung des Straßenbahnbetriebes die Rente rn Wegfall kommt. Allerdings steht gegen die Entscheidung des Polize, Präsidiums der Universität der Rechtsweg offen. Die Stadt der Intelligenz. Ein hiesiges demokratisch- ftei- sinniges Blatt, das im redaktionellen Theil nicht schlecht über Reaktion und Volksverdummung wettert, bringt unter seinen„Kleinen Anzeigen" neben 40 verschiedenen Empfehlungen von Karten- legerinuen ec. auch folgendes Inserat:„G l ü ck S s ch e u e r l a p p e n von Schöneweide, in eine andere Straße kommt täglich die Glücks- srau, verkauft täglich 500 Scheuerlappen die Wunder tvirken, Gottes Segen, Gesundheit, Zufriedenheit, Lotteriegewiune, stets Beschäftigung, wo die HlückSmutter einkehrt. Gott segne die Kunden der Glücks- mutter."— Schlimmer kann es mit der Förderung der Dummheit auch im dunkelsten Ostelbien nicht stehen. Bequemc Erledigung. In Sachen der Aufnahme weiblicher Aerzte in die Berliner Medizinische Gesellschaft theilte in der letzten Sitzung der Gesellschaft der Vorsitzende, Professor Virchow, mit, daß der Vorstand den nochmals zur Berathung an ihn verwiesenen Antrag, eine außerordentliche Generalversammlung zur Erledigung der Frage einzuberufen, wiederum abgelehnt habe. Die Antrag- steller sind auf die nächste ordentliche Generalversammlung— die erst im Januar nächste» Jahres stattfindet— Verlviesen worden. Verhaftung des Willi Lange. Der in der Verlagsbuchhand- lung von W. Th. Bruer, Hafenplatz 4, beschäftigte Willi Lange, der den Betrag von 40 000 M., den er bei der Deutschen Bank einzahlen sollte, unterschlagen hat, ist gestern Vonnittag in einem Restaurant in der Elsasserstratze verhaftet' worden. Ein Kellner deS Lokals, das der Flüchtige gestern besuchte, erkannte Lauge und veranlaßte seine Festnahme.. Im Besitze deS jungen MaimeS fand sich nur»och ein Betrag von wenig über 3 Mark vor. Er behauptet, daß ihm die »nterschlagene Summe gestohlen ivorden sei, und erzählt über seine Abenteuer folgendes:„Am Mittwoch, als er daS Geschäft von Bruer mit den 40 000 Mark verlassen, sei er mit zwei Männern, die er nicht näher zu bezeichnen vermöge, bekannt geworden. Er will mit diesen Männern eine Bierreise unternommen haben und bei Gelegenheit derselben eine» Tansendmarkschein ge- wechselt haben. Dann sei er von ihnen nach dem Tempelhoser Felde verschleppt worden, wo sie genächtigt hätten. Hier wäre ihm daS Geld, daS er bei sich getragen, gestohlen worden. Nur ein kleiner Betrag wäre ihm verblieben. Lange lvar bei seiner Verhaftung neu gekleidet, er hatte sich seit seiner Flucht auch in Charlottenburg eine Wohnung gemiethet. Die Polizei nimmt an. daß er das unterschlagene Geld versteckt hat. Sie hat gestern Vormittag unter Lange's Führung Beamte an die Orte geschickt, an denen er gewesen zu sein behauptet, um nach dem Gelde zu suchen. Die Nach- sorschnngen blieben ergebuißloS. Fe, irr in der Knnst-Zlkademic Unter de» Linden. Gestern früh kurz nach 7 Uhr brach in der Kunst-Akademie ein Brand aus, der leicht unabsehbaren Schaden hätte verursachen können. Ich dem östlichen an die UinversitätSstraße angrenzenden Flügel befinden sich die Zeichensäle. In dem ini ersten Stock de» HanseS Nr. 9 war nun im Zeichensaal deS Herrn Professors Boese dadurch Feuer tutstanden, daß Zeichenutensilien der Schüler dem Ofen zu nahe standen und dadurch in Brand geriethen. Als letzterer bemerkt wurde, war nicht nur der Saal ausgebrannt, sondern auch die Decke nach dem darüber liegenden Ze'ichensaale des Herrn Professor Friedrichs bereits durchschlagen. Branddirektor GierSberg war selbst am Brandherde erschienen und leitete die Löschungsarbeiten. Man wurde zivar bald Herr des FeuerS. doch ist der verursachte Schaden immerhin erheblich. In dem unteren Saale wird allerdings nur der Verlust von Gemälden und Zeichnungen, die an den Wänden hingen, beklagt, dagegen sind im Zeichensaale deS Prof. Friedrichs ein Schrank mit werthvollen Zeichnungen und außerdem die ge- samnite Einrichtung zerstört. Ein sehr bedauerlicher Ungliiiksfall ereignete sich vorgestem Vormittag auf den: Grundstück deS Fahrunternehmers Tabbert in der Mühlenstraße. Der dort in Arbeit stehende Kutscher Anton hatte erst vor kurzem durch eine» Unfall mit Pferden eine Quetschung am Knie erlitten. Nach zehnwöchigem Krankenlager war er am Montag wieder in seine Stellung eingetreten. Als er am Mittwoch Pferde einfuhr, gingen die Thiere durch, überrannten den Kutscher und zogen den schweren Rollwagen über seinen Körper hinweg. Mit gefährlichen Verletzungen wurde der 58 Jahre alte Mann in ein Krankenhaus gebracht, nachdem ein Arzt den ersten Verband an- gelegt hatte. lieber einen Aufsehen erregende» Vorfall meldet der Polizeibericht: Zwischen einem Bäckermeister in der Dauzigerstratze und seiner Frau waren in der letzten Zeit Zwistigkeiten entstanden, die zu einer Trennung führten. In Begleitung von sechs Männern erschien nun gestern Abend die Frau in dem Laden. Einige der Männer stürzten sich auf den Bäckermeister, hielten ihn fest und schlugen ihn. Inzwischen lud die Frau mit den anderen ein Wäsche- spind aus einen vor dem Hause haltenden Wagen. In dem Schranke befanden sich angeblich 200 M. Sobald der Schrank aufgeladen war, ivurde der Bäckermeister in seinem Laden eingeschlossen, worauf sich die ganze Gesellschaft entfernte. Einem Schutzmann gelang es, einen der Thärer festzunehmen und auf die Polizei zu bringen, wo die Persönlichkeit desselben festgestellt wurde. Der Grenadier Schiefer vom Augusta-Regiment, der das Fräulein Borchert auf dem Tempelhoser Felde überfallen hat, soll der„Dtsch. TageSztg." zufolge geistig nicht normal sein. Der im ersten Jahre dienende, nicht unbemittelte Soldat zeigte vom ersten Augenblick des Eintritts an Unlust zum Dienst und ein abiveisendeS Verhalten gegen die Kameraden. Am Freitag voriger Woche lvar er plötzlich verschwunden; niemand hatte eine Ahnung von seinem Aufenthaltsort. Am dritten Tage fand man ihn auf dem Boden eines anderen Bataillons, wohin er sich Brot mitgenommen hatte. Hierfür harrte seiner eine Disziplinarstrafe. Seit Mittwoch Morgen war er tviedenim fort, verübte Abends den Ueberfall auf Fräulein Borchert und kehrte dann in die Kaserne zurück. Hierhin hatte der Gendanneriewachtmeister Höhne, nachdem der Soldat in der Richtung auf die Kaserne entflohen war, schon durch den Fernsprecher Meldung gemacht. Als Sch. nun erregt und blutbefleckt anlangte, sagte man ihm den Ueberfall aui den Kopf zu, und er gestand unumwunden ein, daß er dem Mädchen einen tüchtigen Hieb versetzt habe. Seltsam, daß man die Unzurechnungsfähigkeit des Soldaten erst jetzt wahrgenommen haben soll. Ein großer Wucherprozeß wird demnächst zur öffentlichen Verhandlung kommen. Die Opfer sind kleine Leute, die in Geld- Verlegenheit waren und sich zu diesem Zwecke an den Agenten G. wandten, der in der Kaiserstraße ein Hypothekengeschäst betrieb. Die Leute sollen nun an den Vernnttler bis zu 50 pCt. der verlangten Sunirne haben zahlen müssen. Dem G. wird zur Last gelegt, daß er die Nothlage seiner Klienten kannte und sie ausgepreßt habe, soweit er nur konnte. Er befindet sich jetzt in Untersuchungshaft. Dasselbe Schicksal ist seinem Schreiber Th. beschieden, der als „rechtsgelehrter" Beistand deS Bureaus fungirte. Auch der Händler St., der als Geldgeber auftrat, ist in Untersuchungshaft genommen worden. Ebenso wird gegen eine Geldgeberin und einen Friseur, der sich im Nebenamt mit Geldgeschäften befaßte, vorgegangen werden; die letzteren Beiden befinden sich jedoch auf freieni Fuße. Ans dem Gelände der in Abbruch befindlichen städtischen Wasserwerke in der Stralauer Allee wurden vorgestern von Mann- schasten deS Eisenbahn- Regiments Mauertheile" eines überdachten Filters gesprengt, ivobei durch die starke Lusterschütterung mehrere Fensterscheiben in der Stralauer Allee und der Warschauerstraße zer- trümmert wurden. ~ Fcucrbericht. Freitag früh 3 Uhr wurde die Wehr ans gering- fügiger Ursache»ach G a r t e n st r a ß e 45 gerufen. Donnerstäg Abend waren verschiedene kleinere Brände abzulöschen. Markus- stratze 11 gingen Kleidungsstücke und Wäsche in einer Kannner in Flammen ans, während M a n e r st r a ß e 83 Packheu und Kisten in einem Keller eingeäschert wurden. Außerdem wurden Steinmetz- straße 49 Gardinen und Möbel vom Feuer beschädigt. Ans den Nachbarorten. Adlcrshof. Die Parteigenossen werden nochmals darauf hin- siewiesen, daß heute, Sonntag, den 26. Februar, Nachmittags 4 Uhr. im Lokal von Schmauser eine Volksversammlung stattfindet, in der der Gemeindevertreter W a d e p u h l über die Thätigkeit des hiesigen GeinenideratbeS berichten wird. Außerdem wird Genosse Mass ini über„die Koalitionsfreiheit der Arbeiter im„Berliner Lokal- Anzeiger" referiren. Die Wichtigkeit der Tagesordnung ver- pflichtet jeden Parteigenossen zum Besuch und zu reger Agitation für die Versammlung. Der Vertrauensmann. Teinpelhof» Mariendorf, Marieufclde. Am Sonntag Nach- mittag 3 Uhr spricht in der Versammlung des Arbeiter-BildungS- vereiuS bei Teutschbein, Marienfelde. Genosse JeziorSky über daS KoalilionSrecht und den ZuchthauSkurS. Da die indirekte Saal- abtreiberei frisch im Gange ist, wird zahlreicher Besuch erwartet. Der Vorstand. Rixdorf. Parteigenossen! Die Listen zu den Stadtverordneten- Wahle» liegen bis zum 26. Februar in folgenden Lokalen aus: , 1. Bezirk: Canner Chaussee, Cannerstraße. Gärtner-, Hertzberg-, Kiefholzstraße, Kirchgasse, Mittelbuschweg. Richardplatz, Richard-, Treptowerstraße, Straße 88a. Herrmann, IZigarrengeschäft, Kirchhosstr. 1. 2. Bezirk: Bergstr. 52—68, JonaSstraße, Kirchhosstr. 1—9 und 35—49, Schönweiderstraße. Herr mann, Zigarrengeschäft, Kirch- hofftraße 1. 3. Bezirk: Mühlenstraße. Rosenstraße. Göthestraße. Bergstr. 43 bis 51 und 110—150. Oskar Preil, Restauration, Rosen- straße 24. 4. Bezirk: Bergstr. 1—42 und 151—163, Mittelweg. Steinmetz- straße 1—19 und 63—87, ThomaSstraße, WaßmannSdorferstraße. W i l h. M ü n z e r, Restauration. Bergstr. 162. 5. Bezirk: Verlinerstr. 41—61, Erkstraße. Jägerstr. 1—40 und 65—78, Jsarstraße, Müncheuerstraße. Wilh. S y, Restauration, Jägerstr. 69. 6. Bezirk: Berlinerstr. 1—40 und 62—107. Beruh. Schenk, Restauration, Hobrechtstr. 9. 7. Bezirk: Elsenstraße, Friedelstraße. Hobrechtstraße, Mainzer- straße, Straße 20, Ecke 25(Nansenstraßes, Pannierstraße, Reuterstraße, Wildenbrnchstraße. Otto Klein, Restauration, Kaiser Friedrich- straße Ecke Pannierstraße. 8. Bezirk: Hennannplatz. Kaiser Friedrichstraße. Kottbuser Damm, Lohmühlenstraße. Maybach-Ufer, Schinkestraße. Otto Klein, Restauration, Kaiser Friedrichstraße Ecke Pannierstraße. 9. Bezirk: Hasenhaide, KarlSgartensrraße, Wanzlickstraße, Wißmannstraße. Wilh. K ö p k e, Restauration, Hermannstrahe Ecke K'arlSgartenstraße. 10. Bezirk: Hermannstr. 1—93 und 167—258. Emil R e tz e r a u, Zigarrenladen, Hermannstr. 50. 11. Bezirk: Herrfurthstraße, Jägerstr. 41—64. Lessingstratze, Mahlowerstraße, Selchowerstraße, Weisestraße. Emil Retzerau, Zigarrenladen. Hermannstr. 50. 12. Bezirk: Falkstraße und Ziethenstraße. R u d. Preßler, Restauration, Ziethenstr. 69. 13. Bezirk: Prinz Handjerystraße. Philipp ThomaS, Apollo-Theater, Hermannstr. 47—49. 14. Bezirk: Steinmetzstr. 20—67 und Kopfstraße. August Ringe, Zigarrenladen, Kopfstr. 39. 15. Bezirk: Hermannstr. 99—166, Herthastraße, Kirchhosstr. 10 bis 34, Knesebeckstraße, Mariendorfer Weg, Ringbahnstraße. Wilh. Anders, Knesebeckstr. 138, am Herthaplatz. 16. Bezirk: Bendastrahe, Bergstr. 69—109, Bruno Bauerstraße, Delbrück-, Emser-, Glasow-, Julius-, Thüringer- und Walterstrahe, Wilh. Anders, Knesebeckstr. 138, am Herthaplatz. Die Parteigenossen von Rixdorf wollen sich Sonntag Morgen 7�/3 Uhr an den bekannten Stellen zahlreich zur Flugblatt- Vertheilung einfinden. Der Arbeiter-Bildungsverei» von Ober-Schöneweide und Umgegend hält heute, AbeneS 8Ve Uhr, im Lokale des Herrn Haferland. SiemenSstr. 5, seine Vereinssitzung ab. Stcglitz-Friedenau. Sonntag Vormittag 7Vz Uhr findet eilte FIugblatt-Vertheilnng statt. Treffpunkt für Steglitz bei Schellhase, für Friedenau bei Grube. Zahlreiche Betheiligung wünscht der Vertrauensmann. Wrißensce. In der Versammlung deS Arbeiter- BildungS- vereinS am Dienstag spricht ReichStagS-Abgeordneter R o s e n o w über:„Die bürgerliche Gesellschaft und die Sozialdemokratie." Eine Petition der Schöncberger Haus- und Grundbesitzer an den dortigen Magistrat verlangt ein polizeiliches Verbot des AuSrufenS und AuSkl'ingelnS von Milch in den Häusern und auf den Straßen. Man macht geltend, daß die Firma Bolle in Schöneberg ein lohnendes Absatzgebiet gefunden habe, ohne irgend welche Gemeindesteuern zu zahlen. Man schädige dadurch die am Orte wohnenden Milchhändler, die für ihre Läden hohe Miethen zahlen müssen; man hofft, daß Bolle gezwungen, sich Geschäfts- lokalitäten in Schöneberg zuzulegen, auch zu den Kommunal« steuern herangezogen werden wird. Diese Hoffnung dürfte kaum erfüllt werden. Wilmersdorf. Der Voranschlag der Gemeinde für daS Rechnungsjahr 1899/1900 ist soeben fertiggestellt. Die Aus- gaben betragen 885 060 M.; dieselben werden eingebracht durch Einnahmen an Zinsen, Erträgen ec. 117 000 M., Hunde-, LustbarkeitS- und Umsatzsteuer 236 000 M. Zuschlag zur Einkommensteuer von 90 pCt. von 293 000 M.— 260 000 M., Gewerbesteuer 135 pCt. von 193 000 M.----- 260 000 M. In den Ausgaben ist ein Posten von 15 000 M. vorgesehen zur Errichtung eines Kinderheims. lieber ein recht pietätloses Begräbniß wird uns aus Neu- RahnSdorf berichtet: In der berufsgenossenschaftlichen Heil- anstatt starb am 27. Januar während einer Operation der Arbeiter S ku n n auS Baderhausen im Harz. Um dem Verstorbenen, der fern von seiner Familie, in der Fremde sein Leben ausgehaucht hatte, die letzte Ehre zu erweisen, beabsichtigten die Insassen der Anstalt ihrem dahingeschiedenen Leidensgefährten das Geleit zum Friedhof zu geben. Sie suchten die Erlaubniß dazu bei der AnstaltS- leitu'ng nach, aber der Anftaltsarzt wollte nur gestatten, daß auS jedem Saal 3—4 Personen, und zivar solche, welche weder Bier noch Schnaps trinken, der Beerdigung beiwohne» durften. Man schien also anzunehmen, daß die Patienten daS Leichenbegängniß ihres tobten Kameraden wahrnehmen würden, um unterwegs ein Gelage abzuhalten. Waren die Arbeiter schon über eine derartige Zumnthnng aufs Höchste beleidigt, so fühlten sie sich in ihren Gefühlen noch mehr verletzt, als sie sahen, wie die Beerdigung des verstorbenen Proletariers vor sich ging. Zur Hinterthür, die sonst nur bei lvirth- schaftlicheu Verrichtungen benutzt wird, trug man den Sarg hinaus und setzte ihn auf einen bereitstehenden Arbeitswagen, der die Leiche sang- und klanglos nach dem Friedhof überführte. ' Im Dienste deS Unternehmers verunglückt, während der Be- Handlung in der durch die Berufsgenossenschaft der Unternehmer errichteten Heilanstalt gestorben und schließlich in denkbar wurde- losester Weift unter die Erde gebracht, das mußte natürlich den gerechten Unwillen der Leidensgefährten des Dahingeschiedenen erwecken. Keine Jnristen. Schon im Laufe vorigen Jahres war in der Stadtverordneten-Versammlung zu Charlotten bürg von ver- schiedenen Seiten, darunter auch von einem Rechtsanwalt, mehrfach über das allzu starke Vorwiegen deS juristischen Elements besonders in der Vertretung des dortigen Magistrats Klage geführt worden. Die Bestrebungen gegen den kommunalen ÄsscssoriSmuS haben neuerdings zu dem Beschluß des EtatSauSschusseS der dortigen Stadtverordneten-Versammlung geführt, daß mit Rücksicht auf die im laufenden EtatSjahre erforderlich gewordene Einstellung zweier juristischen MagistratS-Hilfarbeitcr diese für daS nächste Jahr gegen eine JahrcSeutschädigung von je 3000 M. beibehalten werden sollen, daß jedoch, sobald eine neue MagistratS-HilfSarbeiterkraft uoth- wendig wird, diese nicht aus den Kreisen der Juristen genommen werden möge. A»S Gros?- Lichtcrfcldc berichtet man uns: Die hiesige Gemeindevertretung ist gegenwärtig mit der Frage der Einführung von elektrischem Licht und elektrischer Kraft in nnserm Ort beschäftigt. Sie scheint in dem Glauben zu lebe», daß derartige, die Ocffentlich- kcit in besonderem Maße interessirende Angelegenheiten am ersprieß- lichsten hinter verschlossenen Thüren sich realisiren lasse». Der böse Neinfall, den die Gemeinde bei den Vertragsabschlüssen mit der Lichterfeldcr Gas-, Wasser- und Terrain-Aktiengeiellschaft, beziv. deren Rechtsnachfolger, den Charlottenburger Wasserwerken und der englischen GaSgesellschaft erlitten hat, müßte— so sollte man an- nehmen— sür die Gemeindevertretung eine Warnung sein, derartige, die Interessen �der gcsammtcn Einwohnerschaft tief berührende Fragen einfach in die geheimen Sitzungen zu ver- bannen. Die Verträge der Gemeinde Lichterfelde mit den obengenannten Gesellschaften anS de» Jahren 1883 und 1892 können als abschreckendes Muster für andere Gemeinden gelten. Sie zeugen von einer krassen Kurzsichtigkcit und totalen Unkeimtmß kommunaler Wirthjchaftspolitik seitens der damaligen Gemeinde- Vertretung. Die Gemeinde ist diesen Gesellschaften zum Theil auf Gnade und Ungnade nicht nur für die VertragSdaner, sondern in inancher Beziehung für alle Zeiten ausgeliefert. So z. B. hat sich die Lichterfelder GaS-, Wasftr- und Terrain-Aktiengesellschaft daS Recht vorbehalten, ihre Rechte und Pflichten an dritte zu zediren. Sie� machte von diesem Rechte Gebranch; die Charlottenburger Wasserwerke und die Englische GaSgesellschaft wurden deren RechtS- uachsolger und die Gemeinde hat mit zwei Kontrahenten zu arbeiten, welcher Umstand die Geschäftsführung naturgemäß bedeutend erschwert. In dem Vertrage mit dieser Gesellschaft findet sich eine Bestimmung. wonach 13, in dein Rezeß von Carsten— deS Gründers von Lichterfelde— aufgeführte Straßen derselben für alle Zeiten ohne jede Entschädigung zur Nutznießung ausgeliefert Werden. Im Nachtragskontrakt vom 17. September 1892 findet sich die mibe- greifliche Bestimmung. daß die GaSgesellschaft auch noch nach Lösung des Vertrages mit der Gemeinde daS Recht hat. die Nöhrenleiwngen weiterliegen zu lassen und Private am Orte weiter mit GaS zu versorgen. Sie kann also jede» neue Untemehinen und schließlich auch»och die Gemeinde selbst. will sie einmal die Beleuchttmg in eigene Regie übernehmen. niederkon kurriren! Diese kleine Blüthcnlese aus den Verträgen wird genügen, den Stenerzahlern von Lichterfelde vor Augen zu führen, wie noth- ivendig und richtig es ist, rechtzeitig vor Abschluß der neuen Bcr- träge Kenntniß von deren Inhalt zu erhalten und erforderlichen Falles die Gemeindevertretung energisch zu einer Revision zu ver- anlasse». Aus Treptow wird uns berichtet: Die Einwohner von Treptow und Baumschulenweg waren bis jetzt an Sonntagen gewissermaßen vom Verkehr abgeschlossen, und mußten daher, da alles Petitionircn an die Eisenbahnverwaltung ohne Erfolg war, zur Selbsthilfe greifen. So verkehrt denn von morgen Mittag 2 llhr stündlich ein O m n i b u s zwischen Bahnhof Rixdorf und Bahnhof Baumschulen- weg einerseits und Treptow— Untergrundbahn— Cannerchaussee—, Königshaide andererseits. Die Wagen fahren bis 11 Uhr Abends;! der Fahrpreis beträgt 15 Pf.— Zum Frühjahr erhält Treptow GgS-j beleuchtung, eine Neuerung, die von den HauZIvirthen hoffentlich nicht wieder zu neucnMiethssteigerungen benutzt wird.— Für dieSchuIzustäudc am Orte ist es bezeichnend, dafc der Unterricht Inder lctztenKlasse Mittwochs und Sonnabends von 1!— 1 Uhr und dann wieder von 2— t Uhr erthcilt wird. Inzwischen müssen die Kleinen unter Zurücklaffung ihrer SchuluteNsilicn nach Hause marschircn. Von 8— 11 Uhr werden in demselben 5llassenzimmer natürlich andere Kinder unterrichtet.— Sonntag Vormittag S Uhr 88 Minuten seihten die Mitglieder des Vereins„Vorwärts" mit ihren Frauen von der Ringbahnstation zum Besuch des O b d a ch l o s e n« A s y 1 s in der Wiesenstratzc ab. Rege Betheiligung wird erwartet. In Westend soll das in der Gründerzeit errichtete Denkmal von Ernst Moritz Arndt seiner Baufälligkeil Ivegen aus Polizei- lichcs Verlangen abgebrochen werden, da es zu nahe an der Straße steht und sein Einsturz Vorübergehende gefährden könnte. Das Denkmal wurde von dem Gründer der Villcnkolonie Westend, Heinrich Quistorp, auf einem seiner Grundstücke in der Eschen- Allee errichtet. Ans dem Reiche des Herrn v. Podbielski. Allgemeines Schütteln des KopfeS erregt die Neuordnung der Dinge betreffend die P o st b e st e I l n n g für die Amvohner des Bahnhofes Blumenthal, welche die Behauptung, daß wir im Zeichen des Verkehrs leben, seltsam illnstrirt. Bisher wurden die Postsachen für die aus Geschäftsleuten, Handwerkern und Arbeitern sich zusammen- setzenden Anwohner— zusammen 1» Haushaltungen— täglich zweimal, um 8 Uhr Morgens und um 1 llhr Nachmittags, bestellt. Jetzt ist dies anders geworden. Auf Veranlassung der Postverwaltung ist die zweite Bestellung in Wegfall gekommen. Nach der verbliebenen Morgcnbestellnng um 8 Uhr trifft der Berliner Hciuptzng um 9 Uhr 20 Minuten aus Bahnhos Blumenthal ein. Die mit diesem Zuge ankommenden Postsachen bleiben nun bis zum anderen Morgen liegen, kommen also erst nach 24 Stunden in den Besitz der Adressaten. Die Postsachen gar. die Sonnabends mit dem Berliner Zuge um 8 Uhr 20 Minuten auf Bahnhof Blumenthal ein- treffen, bleiben, da Sonntags überhaupt nicht bestellt wird, 48 Stunden, bis Montag früh, liegen, bevor sie an die Adressaten ausgeliefert werden. Diese Einrichtung ist um so ivunderbarcr. als die Wohnungen der Anwohner nicht über 10 Minuten Wegstrecke vom Bahnhof Blumenthal entfernt liegen. Soziale Vertzkspflege. Die nnkcnntlichc ArbettSordming. Der Bnchbindcrmeister Vogel hatte in seinem Betriebe die vorgeschriebene Arbeitsordnung nicht, wie allgemein üblich, in Form eines Plakates, sondern in Buchform ausgehängt. Der blaue Umschlag dcS Buches enthielt keine Aufschrift. Der Buchbinder R., der Vogel wegen unberechtigter Entlassung beim Gewerbegcricht verklagt hatte, erkannte die so cius- gehängte Arbeitsordnung nicht als rechtsverbindlich an. Die Kammer VIII des Geiverbegcrichts war ebenfalls der Meinung, daß hier von einem Aushang der Arbeitsordnung im Sinne der Gewerbe- Ordnung nicht gesprochen werden könne. Es wäre indessen etwas Anderes, wenn jeder sehen könnte, daß der Buchumschlag die Arbeitsordnung enthalte.— Die Sache selbst war noch nicht spruch- reif; es mußte ein anderer Termin anBeraumt werden. Unznständigkeit dcS GrwcrbegerichtS. Der Bierfahrcr St. hat die Jnhabvnn eines Bierocrlagcs wegen rückständigen Lohnes beim Gewerbcgericht verklagt. DieKamme'r VII stellte fest, daß der Kläger sich die meisten Kunden erst werben mußte. Nur wenige hatte ihm die Beklagte überlvicscn. Der GerichtShoj wies ihn wegen sachlicher Unzuständigkeit ab und Gewerberichter Meier führte bc- gründend aus, die Thätigkcit des Klägers sei keine gewerbliche gc- Wesen, sondern ähnele der eines Verkäufers, ctiva eines Stadtreisendcn. Bezeichnend sei der unbestimmte Kundenkreis. Gevichks �Äeiknng. Die Tragikomödic des entmündigten Prinzen Heinrich XXVI- Rciift beschäftigte gestern die 143. Abtheiluug des Schöffengerichts unter Vorsitz des Amtsgerichtsraths H a a ei in einer Privatklage des Schriftstellers E r n st v. M a a ck gegen den Chefredakteur des„Lokal- Anzeiger" H. v. Kupffer und den Redakteur I. K e l l e r. Es handelt sich um zwei Artikel in Nr. 261 vom 6. Juni 1897 und in Nr. 482 vom 10. Sept. 1897. Die persönlich nicht erschienenen An- geklagten wurden vom N.-A. Pinn er, der Privatkläger vom R.-A. Galland vertreten. In dem ersten inkriminirten Artikel wurde kurz mitgetheilt, daß der angebliche Schriftsteller Ernst v. Maack, der aber in Wahrheit Agent des bekannten Hofliefcrantcn-Diplom- Händlers Dr. Reiter zn Friedrichsberg sei, wegen Diplom- schwindels, Erpressung und Urkundenfälschung verhaftet sei. Der zweite Artikel unter der Ueberschrift„Irrwege e i n es deutschen F ü r st e n s o h n c s" besprach die ganzen un- glückseligen Verhältnisse, die schließlich zu der Uebcrftihrung des Prinzen Heinrich XXVI. in die Maison de sante und zu feiner Entmündigung geführt haben, v. Maack ist s. Z. ein spezieller Ver- trauter, eine Art Sekretär des Prinzen gewesen und hat in Ver- bindung mit Dr. Reiter eine rege Thätigkcit entfaltet, um dem Prinzen in seinen finanziellen Nöthen durch die Einnahmen eines Handels mit sübrigens ungiltigcn) Hof- liefcrautcn-Diplomen entgegenzukommen. Schließlich ist v. Maack, der zahlreiche sehr intime Briefe des Prinzen hinter sich hatte, unbequem gcivorden. Der zum„prinzlichcn Gütcrdirektor" avancirte Geologe Schlvengcrs, der für de» Prinzen später den famosen Ankauf des Gutes Petris bei Arad inszenirte, trat an seine Stelle und es kam zum völligen Bruch zwischen dem Prinzen und v. Maack. Letzterer machte eine Zivil- fordcrllng über 750 M., die ihm brieflich versprochen waren, wenn durch feine Bemühungen der Prinz„Gouverneur v o n K r e t a" würde, geltend, der Prinz betraute den Kriminalkommissar a.D. Grütz- macher mit Gegenmaßrcgcln, und dieser richtete eine Eingabe an den Staatsanwalt, die zur Verhaftung des v. Maack führte. Er mußte ober bald Iviedcr in Freiheit gesetzt werden, v. Maack sühlte sich durch die in den Artikeln von seiner Person gegebene Charakteristik de- leidigt.— Einige kommissarisch vernommene Zeuge» bestätigten den Handel in it Hoflieferanten- Titeln, bei denen v. Maack als Bevollmächtigter des Prinzen auftrat. Der als Zeuge vernommene Dr. phit. et med. Reiter, der sich „Privatgelehrter" bezeichnete, erklärte. Herr v. Maack, der Vertreter und Kabinctssckretär des Prinzen Rcuß gewesen sei, habe für ihn die Rolle eines„Lieferanten" gespielt: er habe gegen eine bestinimte Bezahlung die Ilnterschrift Se. Durchlaucht zur Besorgung von Hof- liefcrantcn-Titeln zu liefern gehabt, v. Maack habe in dieser Be- ziehung in einem kontraktlichen Vcrhältniß zu dem Prinzen gestanden. Von dem durch den Titelhandel einzuheimsenden Geldc sollte er, Reiter, der als„Archivar" des Prinzen figurirte, einen Theil, v. Maack und der Prinz zwei Theile erhalten! Der Zeuge protestirte gegen eine Zeitungsnachricht, wonach er auch Ordens- auszeichnun'gei, vermittelte. Seine Spezialität sei der Hoflieferanten-Titel. Interessant war die Aussage dcS Dr. meä. Georg Schlesinger, dem Herr v. Maak seiiwr Zeit flüchtig im Schriftstcller-Klub vorgestellt worden war. Er erhielt eines Tages den Besuch deS Herrn v. Maack und dieser wollte ihn dafür interessiren, dem Prinzen Heinrich XXVI. Reuh eine Summe von 3000 M. vorzuschießen, da der Prinz Gouverneur von Kreta werden wolle und dazu das Geld gebrauche, v. Maack fügte Hinz». daß, wenn der Plan gelänge und Prinz Reuß Gouverneur von Kreta werden würde, ihm, dem' Dr. Schlesinger, eine glänzende Zukunft erblühen würde. Dr. Schlesinger bekundete, daß ihm die ganze Sache humoristisch erschienen sei und er den v. M. von vornherein für einen Schwindler gehalten habe. Um zu sehen, wie sich die Sache entwickeln würde, habe er gesagt, er würde sich die Sache überlegen. Zu seiner Uebcrraschung sei dann zwei Tage darauf dieDurchlaucht selbst zu ihm gekommen und habe ihm thatächlich mitgetheilt, daß er Gouverneur von Kreta werden wolle, dazu zunächst eine Reise Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey i nach Konstantinopcl machen müsse und zu diesem Zwecke 30 M. gebrauche. Dann sei Schwengels bei ihm erschienen und hatte die 3000 M. habe» wollen, um dein Detektiv-Jnstitut„Greif", welches die Angelegenheit des Prinzen in die Hand genommen habe, zunächst einen Vorschuß von 2000 M. zu zahlen. Als Herr Schwengers auf den Zeugen mit der Meinung eindrang, daß er das Geld geben müsse, da er es versprochen habe, habe dieser ihm die Thür gewiesen, das Geld aber nicht gegeben.— R.-A G a l l a n d verlas dann das Schreiben des Prinzen Reuß an den Herrn v Maack, dessen Original sich in den Händen dcS Kaisers befindet. Dieses Schreiben, das den Effekt hatte, daß Prinz Reuß statt nach Kreta in die dlsison de sante kam, schloß mit der Unterschrift„Gegeben zu Kiel, 2. April 1897". ES wird darin sür den Fall, daß der Prinz Gouverneur von Kreta würde, den Herrn v. Maack eine be- stimmte Summe für seine Bemühungen und Unkosten zugesichert, außerdem eine hervorragende Stellung versprochen, wogegen von Herrn von Maack verlangt wird, daß er dem Prinzen„seine o r i e n- talischen Erfahrungen" zur Verfügung zu stellen habe.— Der Schriftsteller Dr. R e u b u r g e r wurde darüber vernommen. ob von Maack wirklich ein S ch r i f t st e l l e r sei. Er be- kündete, daß v. M. zwei Artikel für die Fachzeitschrift „Technik" geschrieben habe. Er sei früher Buchhändler in Zürich. dann Antiquarials-Buchhändler in Chemnitz gewesen, habe dort Pech gehabt und sei dann nach Berlin gekommen, um Schriftsteller zu werden. Hier sei er Mitglied des Schrifrstcllerklnbs geworden. Der Gerichtshof verurthcilte beide Angeklagte zu je 50 M. G e I d st r a f e evcnt. 5 Togen Gesängniß. Die Uusittlichkcit des von den Unternehmern mit besonderer Inbrunst angewendeten Systems der schwarzen Listen erhellt aus dem Verlauf einer Zivilklage, die ein Bäcker vor einiger Zeit gegen die Bäckerinnung angestrengt hatte. Die Angelegenheit ist insoweit noch besonders interessant, als sie zeigt, wie nolhwendig auch im Bäckereigcwerbe der von den Meistern beharrlich verweigerte A r b e i t s n a ch>v e i s auf unparteiischer Grundlage ist. Der Bäckergeselle S. arbeitete im Oktober 1896 bei dem Bäcker- meistcr W. Die Gesellen beklagten sich schon längere Zeit über große U n s a li b e r k e i t und schlechte Beköstigung. Am 17. Oktober kam eS zur Arbeitsniederlegung der dort bc- jchäftigtcn drei Gesellen, unter denen sich auch S. bc- fand. Dieser als Werkmeister wurde von W. beim Jnnungs- vorstand beschuldigt, ihm. dem Meister, mit Absicht Material- schaden zugesügt und den Wciterbetrieb der Bäckerei in Frage gestellt zu haben Ans Anordnung des Obermeisters wurde der Werksührer darum von der Arbeitsnachweis- Liste der Innung gestrichen. S., der von diesen Vorgängen keine Ahnung hatte, erhielt erst nach etwa drei Monaten durch Zufall hiervon Kcnntniß, und wurde dann, nachdem er die Haltlosigkeit der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen überzeugend nachgewiesen hatte, auf Anordnung des Jnnungs- Vorstandes ivicder in die Arbeitsnachweis-Liste eingetragen. Es sei hier bcinerkt. daß die Innung in diesem Falle ganz gegen ihr Statut g c h n n d c I t' h a t. Der Obermeister und der Jnnungsvorstand hat kein Recht, derartige Verordnungen zu treffen, es ist dies vielmehr Sache der Kommission für Sprech- und Helbergs- Wesen, die aus zwei Meistern vom Jnnungsvorstand, den beiden Altgesellen und einem Meister als Vorsitzenden zusammengesetzt ist. Diese Kommission war vollständig ignorirt tvorden. S., der nun ziemlich 5 Monate arbeitslos war, verklagte die Innung auf S ch a d e n e rs a Y für die Zeit, in der er von der Arbeits- nachweis-Liste gestrichen war, indem er ausführte, die Streichung von der Arbeitsnachweis-Liste sei ohne sein Vorwissen und ohne Sacbuntcrsuchnng vom Sprechmeistcr Cölte zu Unrecht erfolgt. Es ei ihm dadurch ein Schaden von 363 M. erwachsen,»für den die Innung haftbar sei. S. wurde jedoch durch Urthcil der 23. Zivil- kammer des Landgerichts I zu Berlin am 7. Oktober 1897 ab- gewiesen. Die hiergegen eingelegte Berufung winde vom 18. Zivilsenat des kgl. Kanimergerichts zu Berlin am 7. Oktober 1898 zurückgewiesen. Zur Begründung führte daS Kammergericht aus: „Die beklagte Innung ist eine auf Grund der Novelle vom 18. Juli 1881 zur Gewerbe-Ordnung begründete neue Innung. Zu den Aufgaben einer solchen gehört auch die Fürsorge für die Nach- Weisung von Gesellenarbeit ijj 97 Ziffer 2a in der Fassung jener Novelle.) Diese Fürsorge bildet sogar eine besonders wichtige und wesentliche Aufgabe der neuen Jnnungsverbände. Die Novelle vom 18. Juli 1831 verfolgt namentlich auch den Zweck, eine Wieder- belebung des Arbeitsnachweises durch entsprechende Organisinmg der Jnnungsverbände herbeizuführen und hat deshalb die Einräumung derRecyte der Innung auch von derUcbernahme dieser Aufgabe sArbcits- vermittelung) abhängig gemacht.(Vergleiche Landmamüs Kommentare zur Gewerbe-Ordnung.' Anm. 3, Abs. 2 zu N. 97. Gewerbe-Ordnung in der Fassung der erwähnten Novelle und daselbst mitgetheiltcn Motiven zu dickem.) Unter diesen Umständen kann es keinem gerechtfertigten Zweifel unterliegen, daß die vom Vorstände der beklagten Innung zur Besorgung des Arbeitsnachweises bestellten „Sprechmeistcr" hinsichtlicki des ihnen zugewiesenen, eine Haupt- aufgäbe des Innung bildenden GeschäftskrciscS, der Arbeitsvcr- Mittelung, als Willensorgane der Beklagten anzusehen sind. D i e Beklagte muß also auch auf außerverantwort- lichem Gebiete für schuldhafte Handlungen und Unterlassungen ihrer Sprechmeistcr haften, insoweit diese als ihre Willensorgane, innerhalb deS ihnen zugewiesenen Geschäftskreises thätig gewesen sind. sVergl. n. a. Entscheidungen des Reichsgerichts, Bano 31, Seite 249.) ES muß jedoch dahingestellt bleiben, ob den Sprcchmeistern der Innung, als sie den Kläger von der Arbeitsnachweisliste strichen, ein Verschulde» zur Last gelegt werden kann, für das die Innung haftbar wäre. Nach der zeugeneidlichen Aussage des Sprcchmeistcrs C. hätte Kläger, auch wenn er von der ArbeitSnachweisliste nickt gestrichen worden wäre, voraussichtlich vor Ablauf von 3 Monate keine seinen Ansprüchen als Werkmeister genügende Stellung erhalten. Kurz nach Ablauf dieser Frist von 3 Monaten erhielt Kläger auch iviedcr Stellung als Werkmeister bei Bäckermeister K. am 29. Januar 1897, die cr freiwillig nach 9 oder 12 Tagen wieder aufgab. Es ist also dem Kläger durch seine Streichung von der Arbcitsnachiveislistc des Jnnungs-Sprcch- meisterS ein Schaden nachweislich nickt c n l st a n d e n und mußte deshalb seine gegen das Erlenntniß erster Instanz eingelegte Berufting zurückgewiesen ivcrdcn." Für uns ist das Erkenntniß des KammcrgcricktS doppelt intcr- essaut. Einmal stellt es die Haftpflicht der Innungen bei Uebergriffen und Pflichtwidrigkeiten der JnnungS-Sprcchmeistcr für den dadurch dem Einzelnen zugestigten Sckadcn fest. Zum andenr ivirft es ein grelles Schlaglicht aus die von der Innung gerühmte„unparteiische" Handhabung deS Arbeitsnachweises. Auf einen, von einem Bäckermeister aus sehr ziveifelhafteir Motiven ausgesprochenen Ver- dacht hin wird ein völlig unbescholtener Mann von der Arbeits- nachweis-Liste gestrichen. Weder der Obernicistcr noch seine Helfers- Helfer haben es nöthig, sich nach dem von der Innung beschlossenen und von der Behörde genehmigten Statut zu richten. Der Ober- meister, der für strikte Jnnchaltnng des Statuts sorgen müßte, ver- fügt eigenmächtig mit Umgehung der Kommission sür Sprech- und HcrbergSwcseil die Maßregelung eines braven Familienvaters, gegen den auch nicht der Schatten eines Beweises vorliegt. Man läßt ihn monatelang täglich von Sprechmeistcr zu Sprechmeistcr laufen, ohne ihn von seiner erfolgten Streichung zu benachrichtigen. Dem schwersten Verbrecher gicbt man Gelegenheit, sich zu ver- thcidigcn; man sagt ihm wenigstens, warum und wie er bestrast wird. Der Jnnungsvorstand thut dies jedoch nicht. Würde der Geselle S. nicht durch Zufall seine Streichung von der Liste erfahrcil haben, wer weiß, wie viele Monate man ihn immer von einem Tag zum anderen vertröstet hätte, trotz- dem er schon lange gestrichen war. Wie oft mögen ähnliche Fälle vorgekommen sein, ohne daß die davon Betroffenen ihr Schicksal je erfahren haben. Der Sprechmeister theilt selbst auf bestimmt ge- stellte Anfrage dem Gesellen die bereits erfolgte Streichung nicht mit, sondern ist mit Ausreden, als:„Es ist für Sie nichts Passendes dagctvescn, wenn eine passende Arbeit kommt, sollen Sie zuerst berücksichtigt werden," immer bei der Hand und doch kommt das Passende eben nie. Solche Zu- 1 Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. 3 stände sind unhaltbar, und es ist sehr begreiflich, daß die Arbeiter alles aufbieten, um das Arbeitsvermittelnngswcscn auf u n- parteiischer, der Billigkeit und Gerechtigkeit entsprechenden Grundlage zu regeln. Die verbotene Grabrede. Eine am 3. Februar 1896 für den Regierungsbezirk Düsseldorf erlassene Polizeiverordnung bestimmt, daß sich strafbar mache, wer trotz Verbots auf öffentlichen Begräbniß- Plätzen Grabreden halte. Hiergegen sollten sich die Genossen Eberle und Ullenbaum bei einem Begräbniß in der Gegend von Elberfeld vergangen haben. Es wurde deshalb gegen sie ein Straf- verfahren eingeleitet. Der eine Angeklagte hatte am offenen Grabe eincS Parteigenossen einen Kranz mit den Worten niedergelegt:„Diesen Kranz lege ich am Grabe unseres Genossen nieder," während der Andere erklärt hatte:„Die letzte Ehre trotz alledem!" Schöffengericht und Strafkammer sprachen die Angeklagten mit der Begründung frei, daß in ihren Reden die Merkmale von Grabreden fehlten. Grabreden seien längere Reden, die den Ge- fühlen der Leidtragenden Ausdruck gäben-, letzteres könne man aber von den dürstigen Worten der Angeklagten nicht behaupten. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und machte geltend, wenige Worte könnten sinniger sein, wie manche lange Rede. Das Kammergcricht verwarf jedoch gestern die Revision und führte aus, das Rechtsmittel scheitere an den lhalsächtichen Feftstellnngen. Wege» Veranstaltung einer nicht genehmigten öffentlicheu Tanzlustbarkeit war seinerzeit der Schuhmacher Holzhnnscn als Vorsteher der Zahlstelle Preetz deS Vereins Deutscher Schuhmacher angeklagt worden. H. wandte ein, daß die betreffende Lustbarkeit ein Vereinsvergniigcn gewesen sei. Es hätten daran mir Mitglieder und kingesiihrile Gäste theilgenommen. Nichtorganisirte Kollegen seien erst dann zugelassen worden, als sie schriftlich ihren Beitritt zum Verein erklärt hätten. Schöffengericht mid Landgericht verurlheilien jedoch den Beklaglcn zu einer Geld- strafe, indem sie davon ausgtngen, daß jene Beitrittserklärungen nicht ernst zu nehmen seien. Es handele sich um Sinuilatioiien, durch die den Leuten die Theilnahme an dem Vergnügen ermöglicht werden sollte. Der Angeklagte legte Revision ein»nd bestritt, daß die Leute ihren Beitritt nur zum Schein erklärt bnttcn. Sic seien thatsächlich Vercinsmirgliedcr gcivorden und zum Theil seien sie es auch geblieben. Das Kammergericht verwarf jedoch die Re- vision mit der Begründung, daß daS Landgericht die thatsächlichen Feststellungen richtig gewürdigt habe. Von der Verpflichtung zum Besuch der Volksschule ent- bindet im Gebiet des Allgemeinen Landrechts an sich noch nicht die Vollendung deS vierzehnten Lebensjahres. Der Kaufmann Israel aus Bochum, der wegen Schulversäumniß seiner bereits vierzehn Jahre alten Tochter zu einer Geldstrafe ver- urthcilt worden war, hatte in der hiergegen eingelegten Revision den Standpunkt vertreten, daß er das Mädchen nack Vollendung des vterzehnten LebenZjahreS einfach aus der Schule habe herausnehmen dürfen. Das Kammer gerickt verwarf jedoch die Revision mit der Begründung, daß nach dem All- gemeinen Landrccht die Schulpflicht erst mit der förmlichen Entlassung des Kindes durch die Schulaufsichtsvehörde ende.— In Ost- nno Wcstprcnßcn sind die Rechtsverhältnisse andere. Dort gilt eine bc- sondere Schulordnung, wonach die Schulpflicht im Angemeinen mit dem vollendeten 14. Lebensjahre endet. Vevmifttztes, Die„Bnlgaria" gerettet. Eine hocherfreuliche Meldung, die nach den letzten beunruhigenden Nachrichten kaum noch erhofft werden durfte, bringt ein Telegramm aus Pontadelgada (Azoren). Dort traf die„Bnlgaria" im Schlepptau eines der von der Hambnrg-Amerika-Linie ihr nachgesandten Dampfer gestern früh ein. An Bord ist Alle? wohl, die Passagiere sind schon nach Liffabon unterwegs. In Lemberg ist der Direktor der galizischen Sparkasse. Zimn. verhaftet worden, desgleichen der Oberbuchhalter der Sparkasse, WendrychoivSki. Die Pest in Indien. Im Laufe der letzten fünf Tage kamcn in Kalkutta neun sporadische Pestfälle vor. Gegenwärtig werde» dort die auf der Bcncdiger Pestkonferenz anfgestellten Vorschriften zur Anwendung gebracht. Neber das Schicksal deS NordpolforscherS Rndree kursircn immer noch Gerüchte und Rlittheilungen, deren Werth selbstverständ- lich schwer abzuschätzen ist. Heute kommt abermals eine Mittheilung ans Petersburg: Die Zeitung„Sibirischer Anzeiger" veröffeut- tickt folgenden sonderbaren Brief:„Beeile mich, Ihnen mitzntheilen, daß der Ballon Andrejs gefunden ist. Ich lief in Schnee- schuhen hinter Elchivild im südjemsscischcn Urivald und stieß dabei auf A n d r e e's S p u r e n. Von KrassnojorSk waren es 350 Werst, von den Goldwäschercicn in Sowinich 100 Werst abwärts am PitfHiß. Der Ballon und die Stricke waren zerrissen, dabei lagen drei Leichen, von denen eine einen Schädelbruch zeigte. Bereiten Sie Hilfe vor; den Ballon und die Leichen kann man bis Sawinich zur Wäscherei schaffen, aber nur in Schneeschuhen. Für das Faktum garaiitire ich. bin bald in TomSk. A. Ljalin." Die Redaktion legitimirt diese Persönlichtcit als bekannten Jäger; hier dürfte also wohl die Quelle zu suche» sein, aus welcher die Tnngnsen die Nachricht geschöpft und in die Well gesandt haben. Auch gegenüber dieser Nachricht dürfte trotz dcS bestiinmten Tones, in dem sie gehalten ist, Vorsicht geboten sein. Briefkasten der Redaktion. Wir bitte», bei iedcr Anfrage eine Ckilsre(zwei Buchstaben oder eine ZabO anzugeben, uiiler der die Antwort erlheilt werden foN inid die leiste Aboniiemcntsauittung beizulegen. Fraacn ohne solche werden nicht bcanl- wvrtct und schristliche Aiitwart wird nicht ertheitt. Tic juriitliche Tpreniiiiinde wird TirusiagS, DvunerslagS und Freitags abends vo» 7i/z vis 8>/, llhr abgehalten. Heizer T. Im Eisciibahiidienst und im Schis>sdieiist riiiiffcn die Heizer eine Prüfung ablegen, der Besuch einer besonderen Schule ist hierzu nicht erforderlich. G. K. 200. DaS Friedrich Wilhelm-Hospital ist an der Prenzkalier Allee und Fröbelstraste(NO). Dir. Wille. I. Nieder. Wiederholen Sie die Anfrage, Sic erhallen sodann Ant- wort.— O. S. 55. Wiederholen Sie die Aufrage unter Angabe, wieviel Miclhe Sie zahle» sollten und was Sie Über die Aullöjung des Vertrages mit dein Wirth vereinbart habe»— Ak. B., Strausberg. SIcllcn Sie Autrag auf Jnvalideureuic.— Tarlrhn. 30 Jahre.— Gisenbahusirafic. So lange ihm lein Befchlub seitens der hettesfeiidcn BehSrde zugestellt ist, nicht.— E. B. 10. Nein.— Gliickniis Lichtenberg. Nein.— E. D. 20. Dagegen labt sich nichts thun.— O. H. 43. I. In- validitäts- Anstalt hier Kiostersirabe. 2. Schriftlich. 3. Drei Monate seit der Verheirathung.— 100. Bis Abends 6 llhr.— Z. Ja. — R.. iviaxstrahe. Sie können die Sache aus ichriftlichem Wege, wie Sie angebe», erledigen.— K. 000. 1. Nein. 2. Die Frage ist unversicindiich. Witlernngsiibersicht vom 24. Februar 1809, Morgens 8 llhr. Wetter-Prognose für Sonnabend, de» 23. Februar 1809. Zeitweise heiter, vielfach wolkig»itt etwas ftrengercm Frost und niabigen nordöstliche» Winden; keine erheblichen Niederschiiigc. Berliner Wetterbureau. und Verlag von Max Bading in Berlin. it. 48, i6. MMg. 2. Deilllge des„ Joni) W§nkn WlksM. 2-. mm UikevKrrfrfze MunvfiHsu. Berthold, Dr. Arthur, Spemann'S Deutsches Reichs- buch. Politisch-wtrthschaftlicher Almanach. 33V Seiten kl. 8» XI II, Tabellen und Portraits. Berlin und Stuttgart. W. Spemann. Dem Beispiele des freisinnigen ABC-Buchs folgend, haben fast alle größeren Parteien des deutschen Reichstags, auch die sozial- demokratische, politische Handbücher herausgegeben. Für den Ge- brauch ihrer publizistischen und agitatorischen Vertreter und ihrer sonstigen Anhänger, die sich ernsthafter über die Stellung ihrer Partcl zu den Tagesfragen informircn wollen. So werthooll diese Werke für den praktischen Politiker und Publizisten sind, so versagen sie doch dann, wenn man rasch die Stellung aller großen Parteien zu einer Frage feststellen will. Nicht jedem sind alle Handbücher zu- gänglich, sie sind auch nicht ganz nach einer Schablone rcdigirt und endlich kostet die Feststellung eines Punktes von oft blos neben- sächlicher Bedentung unverhältnißmäßig viel Zeit. Diesem Uebel- stände zu begegnen, scheint der Zivcck des hier angezeigten Bnches zu sein. Leider fehlt jedes Wort einer Einleitung über die Ziele der neuen Publikation, über die Absicht regelmäßigen Erscheinens und dergleichen. Wir glauben, daß der Gedanle des Buches ein ge- sunder ist, wenn auch der Plan vorläufig mehr Vorzüge aufweist als die Ausführung. Bei allen wichtigen Artikeln sind die in den konservativen, agrarischen, nationalliberalcn, freisinnigen und sozialdemokratischen Handbüchern niedergelegten Ansichten angeführt, dagegen fehlt fast stets eine Mittheilung üher die Stellung der anderen Parteien, selbst über die heute im Reichstage ausschlaggebende, die Zentrumspartci. Das beweist, daß der Vertasser sich'seine Aufgabe zwar leicht ge- macht hat, daß er aber sich dort Beschränkungen auferlegt hat, wo das bequeme Arbeiten mit der Scheere nicht möglich war. Auch sonst finden sich viele Ungleichheiten in der Auswahl des Stoffes. Während z.B. über Oesterreich, Frankreich, England lange, wenn anch recht dürftige Artikel und Perfonalnvtizcn Aufnahme gefunden haben, konnten wir keine Erwähnung der Vereinigten Staaten und Mac Ztmlel�s finden. ©in Buch, wie das hier versprochene, ist in vielen Partien raschem Veralten ausgesetzt, deshalb vermissen wir sehr, daß nicht auf jedem Bogcn� der Zeitpunkt des Redaktionsschlusses angegeben ist. Auch das bei einem Werke dieser Art besonders lvichtige Register ist leider nicht mit der nöthigen Sorgfalt ausgeführt; so fehlt z. B. der mehr- fach im Texte erwähnte Mehring, dann v. Kröcher, Durant k. Bei der Behandlung des Landtagswahlrechtcs ist bei einigen Bundes- siaaten der Wahlzensus angegeben, bei anderen fehlt die Angabe der Art desselben, dann vermißt man die Mittheilung über Beginn und Ende der Legislaturperioden der Landtage; so würde man sich vergeblich informircn können, ob in diesem Sommer in Bayern Wahlen zur Abgeordnetenkammer stattgefunden haben oder nicht. Die Biographien der politisch im Vordergründe stehenden Personen sind überaus dürftig, sie rcpcrtircn lediglich äußere Vorgänge im Leben der Erwähnten. Anch die Geschichte der Parteien ist unge- nügend, über die soziale Schichtung ihrer Anhänger, ihren wirth- schaftlichen Untergrund, ihre topographische Vcrtheilung erfährt man leider nichts. Wenn es auf S. 80 heißt, daß das Umsturzgesetz„infolge" des Attentates Cascriös auf Carnot dem Reichstage vorgelegt wiirde, so wird man ivohl meinen, daß dies„anläßlich" dieses Ereignisses aber nicht„infolge" desselben gegeben wurde. Wenn die Korrektur besser gelesen worden wäre, hätre wohl auch S. 1ö8 beim Hinweis auf den Posadowsky-Erlatz nicht an Stelle der Punkte„SS. 242 f." fehlen dürfen. Wenn wir diese Mängel hervorheben, so geschieht es nicht zum mindestens deshalb, weil wir eine bessere Ausführung des glüh- hellen Gedankens, der das Buch hervorgerufen hat, wünschten und weil wir überzeugt sind, daß dieses Buch wegen seiner trotz aller Mängel großen Brauchbarkeit auch in die Hände manche» Lesers dieses Blattes kommen wird. Man findet in knapper Form über viele Fragen und Personen rasch Aufschluß, wo einen andere Nachschlagewerke früher in Stich gelassen haben. Die Ausstattung des bequem, leichtgebundenen und handlichen Buches ist recht gut, die Porträts sind trotz der Anwendung des für diese Zwecke sich wenig eignenden Meisenbachh'chen Verfahrens recht gelungen. Neben den Porträts v. Bismarck, Hohenlohe, Miquel, Kunitz, Stöcker, Stumm, Bennigsc», Dr. Lieber und Eugen Richter findet man auch ein treffliches Bild Liebknechts nach einer nur im engsten Kreise bekannten Aufnahme. Leider ist das Auffinden der Bilder dem Zufalle überlassen, man sollte sie bei dem betr. biographischen Artikel oder bei der Partei, die die Staatsmänner oder Politiker repräsentiren, aufsuchen können, statt dessen finden wir Stöcker bei Stauffenberg und Sterblichkeit. Miquel beim Landtag von Sachsen- Weimar, Liebknecht zwischen Handwerkergesetz infHausindustrie, Lieber bei den Schulzc-Dclitzschh'chcn Genossenschaften, Hohenlohe beim Artikel Dr. Barth, den Grafen Könitz beim Artikel—„Caprivi" und das Porträt des Freiherr» v. Stumm inmitten des großen Artikels über— Wilhelm H. Es würde unS freuen, im nächsten Jahre über eine gründlich und sorgsam revidirte neue Ausgabe des deutschen Rcichsbuchcs berichten zu können.' A. B— n. Le loolaliame an Jonr la Jonr.(Der Sozialismus im Kampf von Tag zu Tag.) Von Jules Guesde. Paris, V. Viard u. Z. Briöre. Preis 3,50 Fr. Das vorliegende Buch giebt sich von der ersten bis zur letzten Seite als eine fortlaufende, scharfe, durch packende Argumente ge- stützte Polemik gegenüber den Gegnern des Sozialismus. Wo man es aufschlägt, steht man mitten im Kampf. Es ist wie ein Brenn- spiegel, m dem die Strahlen der gcharnischen Rüstungen und der blitzenden Waffen sich sammeln. Natürlich ist dieser'Kampf keiir physischer. Die Gegner und Feinde der sozialistischen Bewegung ver- schmähen zwar den Appell an die materielle Gewalt nicht; im Hinter- gründe ihrer sogenannten geistigen Verschanzungen stehen die abgeprotzten Mitrailleusen und die neuesten Kleinkaliber- Büchsen. Aber die französische Sozialdemokratie wie diejenige aller Länder ist zu sehr über die Todtschlags- und Kartätschcntaktik der Gesellschaftsvertheidigcr a la Thier? und Genossen hinaus- gewachsen, um nicht die ungleich größere Fruchtbarkeit eines fort- gesetzten Ideen cnistausches mit den letzteren begriffen zu haben. Und so schwingt denn Guesde die bewährte Klinge des Geistes— und er schwingt sie mit so viel Wucht, Gewandtheit und Stoß- sicherheit, daß es sich auch für den ausländischen Leser verlohnt, ihn auf seinen täglichen Waffengängen mit dein Gegner zu begleiten. Den Inhalt des dreißig Bogen starken Buches bilden eine Reihe von Aufsätzen, deren größter Theil aus den Jahren 1884—1886 stammt. Guesde begründete den Neudruck dieser zu jener Zeit im „Cri du Peuple" erschienenen Artikel mit dem Hinweis auf den Mangel an geeigneter Propaganda-Lektüre, der sich innerhalb der fran- zösischen Arbeiterpartei je länger desto mehr fühlbar macht. Frankreich ist in diescrHinsicht jetzt an jener glücklichenWende seiner proletarischen Klnssenpolitik angelangt, wo die Nachfrage nach sozialistischer Nahrung das Angebot übersteigt. Wir sagen glücklichen Wende, weil durch sie das Erstarken der proletarischen Bewegung in unzweifcl- hafter Weise dokuineutirt wird. So lange eine Armee mehr Führer als Soldaten zählt— und wären diese Führer alle von der strate- gischen Bedeutung eines GucSde—, ist von ihr keine kraftvolle Aktion zu erwarten. Wie man in Deutschland vor nicht allzulangcr Zeit sich veranlaßt sah, die älsercn Schriften bewährter Vorkämpfer in größeren Auflagen neu herzustellen, so sucht man jetzt in Frankreich das Beste aus den propagandistischen Materialien der letzten Jahr- zehnte heraus, um dem angedeuteten Bcdürfniß abzuhelfen. Mit Gucsde's Buch bat man in dieser Beziehung in mehrfacher Hinsicht einen guten Griff gethan. Die Artikel, die es enthält, sind zum größten Theil— trotz der anderthalb Jahrzehnte, die seit ihrer Niederschrift verflossen— von unleugbarer Aktualität. Trotz der weiteren und beschleunigten Ver- schiebnng der gesellschaftlichen Grundlagen durch die kapitalistische Konzentration— oder vielleicht gerade infolge derselben— weist der Charakter der sozialökonomischen Erscheinungen keine derartige innnere Wandlung auf, daß durch sie eine wesentliche Acndcrung in der sozialistischen Taktik bedingt-wäre.„Was ich wieder aufnehme," schreibt der Verfasser,„ist der Klassenkampf, ist die Orgauisirnng der Rekruten- und Kriegsschule, die wir im Jahre 1877 eröffneten und in der wir alle politischen und wirthschaftlichcn Ereignisse ohne Aus- nähme unter das Sezirmesscr der Kritik nahmen und sie zwangen, gegen jene neue finanzielle, industrielle und kommerzielle Fcudalität Zcugniß abzulegen, die es— und zwar mittels des gleichen Ver- fahrcns— in die gemeinsame Gruft der Geschichte zu versenken gilt, in der die ehemalige Fcudalität des Grund- bcsitzcs und des Säbels begraben liegt." Und an einer anderen Stelle:„Die französische Arbeiterpartei, die nichts ist als ein Glied in der Kette der Arbeiterparteien Enropa's und Amerika's, setzt sich zun, Ziel: Die Expropriirung der Kapitalisten- klaffe und die kollektive Besitznahme der Prodnktions- und Ans- tauschnnttel. Das Mittel dazu ist die Vereinigung der Prole- rier zu einer Klassenpartei, die auf revolutionärem Wege die politilche Gewalt an sich zu reißen bat, um die Umgestaltung des privaten Eigenthums in öffentliches Eigenthum durchzuführen." Was die Propaganda zu Gunsten des prolctarisch-sozialistischen Ideals in Frankreich immer— und namentlich in den letzten Dezennien— stark erschwerte, war in erster Linie der Glaube an die Rezepte des Radikalismus. Während in Deutschland schon in den sechziger Jahren der kühne Barde Lassalle das Tischtuch zwischen dem linken Flügel der Bourgeoisie und der Arbeiterpartei zcrschnit, erhielt sich die bürgerlich-radikalistische Demokratie Frankreichs ihren Einfluß auf die' Proletaricrmassen weit länger. Andererseits trug das Fehlschlagen des Kommune- Anfst'andeS eine lang andauernde Entmuthigyng in die Reihen der letzteren, während die feindlichen Brüder von links, die Anarchisten, in rührend einträchtigem Bunde mit den Opportunisten die„Stimm- zcttel-Agitation" in Mißkredit zu bringen trachteten. Dem auf breiter und legaler Basis operirenden, je nach dem Verhalten der Gegner aber die Anwendung revolutionärer Mittel nicht ver- schmähenden Sozialismus freie Bahn schaffen. hieß all diesen antagonistischen Strömungen innerhalb der Arbeiter- Gedankenwelt wirksam Rechnung tragen, das heißt, sie alle überwinden. In dieser Richtung seine ganze Kraft aufgewandt zu habe», ist das hervor- ragende Verdienst Jules Gnesdc's. Harte Sträuße ficht er aus mit den Adepten Gnmbetta'S, den Frcycinct, Locroy, Wolbeck, Pcllctan u. s. f. Er schält das Gute aus ihrem Programm heraus, um dieses selbst als Waffe gegen sie zu verwenden. Denn sichcl die Gnimnipolitii des Radikalismus ist unfähig zur Durchführung dieser Programme. Harte Kämpfe führte er gegen die Opportunisten mit ihrer Brotvcrthcucnnigs- und Kolonialpolnik. mit ihren, Geschrei nach Knebelung der Arbeiter und ihrer zügel- losen Profitgier. Schritt für Schritt sucht er den Feinden— den offenen und versteckten— Bode» abzugewinnen. Und zwar nicht nur durch das Mittel der Presse, eigentlich am wenigsten durch dieses. Mehr als zwei Jahrzehnte lang durchzieht er Frankreich nach Nord und Süd, Ost und West, um in mündlicher Propaganda die Gleich- gilligen aufzurütteln und den Samen des Sozialismus zu'ver- breiten. Denn Guesde Ivar und ist einer der bedeutendsten Redner, die die sogenannte„parlamentarische Phase" des Emnnzipations- kampfcs der Arbeiter aufweist. Sein machtvolles Temperament, seine dialektische Gewandtheit ließen ihn, die Waffe des gesprochenen Wortes immer doppelt vortheilhaft erscheinen. Zu theoretischen Elaborationen zog es ihn nur gelegentlich allzu spitzfindiger Argumentation der akademischen Vernichtcr des Sozialismus, der Herren Bcaulieu, Leon Say u. s. f. hiin Das Buch aber, den, er den bezeichnenden Titel: Oo sacialisms au jour le jour sDer Sozialismus von heut auf morgen) gegeben, erscheint wie ein kurzes Rcsnms all der propagandistischen Krisen und Stürme, an denen der Sozialismus jenseits der Vogesen während der letzten Jahrzehnte so reich ist. Diese wenigen. Hinweise müssen zur Charakterisirung des Gncsdc'schcn Büches genügen. Wer eine sozialistisch-polemische, immer den Kern der Dinge suchende Schrift von lobenSwerther Klarheit und unnachsichtiger Schärfe lesen will— ein Buch, in dem zwar ein gewisser Optimismus hinsichtlich des Bewegungs t e m p o s durchglüht, in dem aber die Bewegung der Parteien und Geister selbst in scharfen Konturen gezeichnet wird, der greife zum „Loeiali8me au jour 1« jour". öl. Tn. Sommerfeld, Dr. Th.: Die gewerbliche Milzbraudinfektion. Sonder« abdruck ans der„Zeitschrift der Zentralstelle für Arbeiter-Wohl- fahrtscinrichtungen", 1833, Nr. 16—19. 24 S. Nach einer kurzen Schilderung des Milzbrandbazillns— des Krankheitserregers— und der Formen, unter welchen die Krankheit auftritt, bespricht der Verfasser die verschiedenen Berufszweige, in welchen die gewerbliche Milzbrandvergiftung eine Rolle spielt. Obenan stehen in dieser Beziehung die Roßhaarspinnerei und die Bürsten- und Pinsclfabrikation. Hier erscheint die Desinfektion durch gespannten Wasserdampf sd. h. Wasscrdampf, der in, geschlossenen Apparat und darum unter höhcrem Druck als dem der atmosphäri- fchcn Luft entwickelt ist) von mindestens 110 Grad Celsius deshalb als das geeignete Mittel zur Abtödtnng der Krankheitserreger, weil es diesen Zweck an, allersichersten erreicht, ohne daß bei vorsichtiger Anwendung das Material geschädigt wird. Nicht allein wissenschaftliche Untersuchungen, wie sie u.a. der WienerHhgicniker G ru b e r vorge- nommen hat, sondern auch die praktische Anwendung des Verfahrens in der Münchcner Dampf-Noßhaarspinncrei von Hönigsberger u. Co. be- weisen dies, lind es erscheint daher„befremdlich", daß der Entwurf zu einem Bundesrathserlaß, welcher auf Grund einer Berathung im Rcicbsgesuildheitsanite aukgestcllt würde, einmal die inländischen Thicrh'aare von dem Dcsinfektionszwange ausschließen will, und zweitens anch für die ausländischen neben der Dampfdesinfektion zwei andere Verfahren zuläßt, welche nachweislich weniger zu- verlässig sind. Auch in den Gerbereien kommen Milzbrandvergiftungen vor. Als wirksames Vorbcugnngsmittel erweist sich hier die Fluorwasser- stoffsäüre in einer Lösung von 2—5: 1000. Die Anwendung dieses äußerst billigen Desinfektionsmittels beeinträchtigt den Werth und die Beschaffenheit der Felle nicht, während Wasserdampf hier nicht anwendbar ist. Die zum Gerben des Leders dienenden Verfahren tödtc» das Milzbrandgift nicht ab. Die als„Hadernkrankheit" oder„Wollsortirerkrankheit" be- schriebe»«» Erkrankungen sind, wie seit längerer Zeit bekannt, eben- falls auf Milzbrandvcrgiftung zurückzuführen. In Deutschland sind Fälle dieser Art bisher nicht bekannt geivorden, doch erklärt sich dies vielleicht so. daß„im Gegensatz zu englischen, französischen und russischen Fabrikärzten die Fabriklrankenkassen-Aerzte Deutschlands in der Regel keine Veranlassung nehmen, einen etwaigen Zusammen- hang der Krankheiten der Fabrikarbeiter mit der Veschiistigung zu ergründen." Verf. unterläßt es, hieraus den Schluß zu ziehen, daß auch in Deutschland eine Desinfektion der Hadern(Lumpen)„oth- wendig sei, obwohl diese Forderung schon deshalb angemessen er- scheint, weil auch andere ansteckende Krankheiten, z. B. Pocken, auf diesem Wege Verbreitung gefunden haben. Die Anwendung des Wasserdanipfcs würde in diese», Falle das verwandte Material in keiner Weise schädigen. C. F. Flesch, Professor Dr. Max:„Prostitution und Frauen- kranlhciten." Frankfurt a. M., Johannes Alt. 1833.— 76 S. Preis 1,80 M. Von der in Nr. 83 des„Vorwärts" 1893 besprochenen Broschüre F.'S liegt nunmehr die zweite Auflage vor. Die seinerzeit von uns erhobenen Einwände berücksichtigt der Verfasser nur insoweit, als er sich gegen die zwei verhältnißmäßig nebensächlichen Punkte in einer Aunlertnng auf S. 58 wendet. Da dieser Widerlegungsversuch unS nicht als gelungen erscheint, und da im Uebrigen die Broschüre bei der Neubearbeitung nur an Breite, nicht an Tiefe gewonnen hat, ver- zichtcu wir aus eine abermalige eingehende Besprechung, die nur zu Wiederholungen führen würde.' C. F. Kaff, Sigmund, Taschen-Kalender für die Interessenten und Organe der österreichischen Arbeiter-Ver« sicherung. Ein Hilfsbuch zur Handhabung der Arbeiter-Ver- sichcrungsgcsetze ec.:c. Nach amtlichen Quellen zusammengestellt und herausgegeben. 1. Jahrgang. Wien 1399. Verlag der Ersten Wiener Volks- Buchhandlung(Jgnaz Brand). 232 Seiten Text. Preis 1 fl. ö. W.(1,70 M.). Dieser in Leinen gebundene, gut ausgestattete, mit einem Tage- buch für das Jahr 1899 und sonstigem Rann, für Notizen versehene Taschenkalcndcr enthält mit Ausnahme der den Jntereffenten eines solchen Werkes nicht fremden und leicht beschaffbaren Gesetzestexte alles Wissenswerthe über die österreichische Arbeiterversichcrung in gedrängter und dabei doch leicht faßlicher Form, so die Organisation 'der ans die Altersversicherung Einfluß nehmenden Behörden, ein Bcrzcichniß der Gewerbe- Inspektoren mit genauer Abgrenzung ihres Wirkungskreises, alle wichtigen, seit 1337/1883 ge- fallenen Entscheidungen und erlassenen Verordnungen der obersten Gerichtshöfe und der Ministerien 1. für die Unfall-, 2. für die Krankenversicherung und zwar in präziser und sehr gut an- geordneter Fassung. Ferner findet man in den, Büchelchen die gesetzlichen Be- stimmnngen über die Kapitalsanlagcn bei Krankenkasfen und den anderen Versicherungsanstalten und für den praktischen Gebrauch nützliche Tabellen zur Berechnung von Prozenten, von Beiträgen und Unterstiitzungen für Ärantenlassen, von Unsallrenten, die Beitrags- tarife der UnfallverfichcrungS- Anstalten und endlich Belehrungen über Gebühren und Stempel. Das praktische Werkchcn ist natürlich in erster Linie bloS für das Bedürfniß der österreichischen VcrsicherungS-Organisationen und deren Bcamtcn bestimmt, es wird aber auch für diejenigen, die sich für die Arbeiterversichcrung überhaupt intercssire», nicht werthloS sein, auf diesen Taschenkalender aufmerksam gemacht zu werden. Füilster Verbandstllg derBllil-, Erl>-«nh gewerblichellHilfsarlieiterDtiltschllllliiZ. Magdeburg, 22. Februar 1899. (Vormittags-Sitzung.) DaS Streikreglement bestimmt in§Z 1 und 2, daß Streiks einen Monat vor Ausbruch dem Vorstände angezeigt werden müssen und der Genehmigung des Vorstandes bedürfen. Nach der Begründung sind diese Bestimmungen zwecks Ver- mcidung planloser Streiks in das Streikrcglement gesetzt worden. Es sei vielfach vorgekommen, daß nur die Stimmung einer öffent- lichen Versammlung maßgebend gewesen ist zur Jnszenirung eines Streiks, aus dem schließlich ein Generalstreik entstand. Die Mehrheit der Delegirten ertheilte denn auch dem Vorstande daS Streikgenehmigungsrccht und beschloß außerdem noch, daß ein Streik nur von der in Frage kommenden Zahlstelle des Verbandes und mir mit einer Zweidrittel-Mchrhert beschlossen werden kann; die Abstimmung muß eine geheime sein. Auch die Bestimmung über die Pflicht der Zahlstellen, jeden Streik einen Monat vor Ausbruch de», Vorstande anzuzeigen, wurde angenommen. Nach einer kurzen Begründung wurde alsdann dem Vorstande daS Recht gegeben, jeden Streik durch einen Abgesandten kontrolliren zu lassen und die Genehmigung wie Unterstützung eines Streiks von den jeweiligen ArbcitSverhältniffen und der Stärke der Organisation, sowie den zur Unterstützung vorhandenen Mitteln abhängig zu machen. In§ 13 will der Hanptvorstand die Unterftütznngs- berechtignng von einer 26wöchcntlicbei, Beilragsleistnng abhängig machen.— Bremen beantragt, daß bei einem Streik nur die Mitglieder Unterstützung beanspruchen dürfen, welche vor dem Streik 16 Wochen den, Verbände angehören. Die Delegirten nehmen beide Antrage mit dem Zusatz an. daß der Vorstand in außergewöhnlichen Fällen berechtigt ist. Unterstützung anch bei kürzerer Zeitdauer der Mitgliedschaft zu gewähren. Die Festsetzung der Höhe der Unterstützung ist Sache des Vorstandes. Nach längerer Debatte wird weiter beschlossen: Kinder unter 14 Jahren erhalten in Streikzeiten einen wöchentlichen Zuschuß ge- zahlt; eine Erhöhung der Unterstützung aus Mitteln, die außer den vom Vorstand gesandten zur Verfügung stehen, ist nicht erlaubt: bei der Streikunterstützung ist ein Unterschied zwischen Ledigen und Ver- hcirathetcn nicht zu machen; die ersten acht Tage erhalten die Mit- glieder die Hälfte der durch 8 14 lbezw. Hauptvorstand) festgesetzten Höhe. Nach Erledigung dieser Paragraphen>vird die gestern von den Berliner Delegirten eingebrachte Resolution gutgeheißen, somit den Berlinern in Sachen der Lohnbewegung ein Rcscrvatrecht ein- geräumt. Zur Verhandlung kommt Punkt 5: Referat von B. Frundt- Neumünster über die Frage, ob in der Baubranche die Gründung eines Unterstützungsstatuts durchzuführen sei. Frundt führt an, bis- her hätte der Verband Unterstützung bei Streiks, Maßregelungen, in ZlcchtSschutzsachen und auf der Reise. Die Frage sei, ob daS Unter» stützungswesen weiter ausgedehnt werden könne(Kranken-, Sterbe- fälle, Umzug, Arbeitslosigkeit). Die Einführung einer Arbeitslosen- Unterstützung hält er bei den Bauarbeiten, für nicht durchführbar. da die Bauarbeiter Saisonarbeiter sind und nicht gewillt sind, höhere Beiträge zu zahlen. Auch spreche die Thatsache gegen die Durch- fllhrung einer Arbeitslosen- oder Kranken- Unterstützungskasse, daß in keiner Branche und in keiner Organisation ein so starker Personen- Wechsel zu verzeichnen ist als in der Vaubranche. Somit sei vor der Gründung eines UnterstütznngSinstituts zu tvarnen. Während B e h r e n d- Wilmersdorf jede weitere UnterstützungS- lasse im Verbände ablehnt, da er befürchtet, der Organisation könne der Klassenkampf-Charakter verloren gehen, plädirt Ramdohr« Bremen für die Gründung einer lokalen Sterbekasse.— Sabbath- Hamburg meint, auch die Bauarbeiter könnten nicht immer gegen den Strom schlvimmen. Die Kämpfe der Zukunft würden höhere Anforderungen stellen. Organisationen, die einem Taubenschlage glichen, könnten diese Kämpfe nicht gut führen; eine größere und festere Kämpfcrzahl gehöre dazu. Da müßten Mittel zur Feffelung der Arbeiter geschafft iverden. Es müßten Institute geschaffen werden, welche materielle Vortheile bieten; aus purem Idealismus komme die geringste Zahl zur Organisation. Es wäre gut, trenn der Vorstand zur nächsten Generalversammlung Material herbeischaffe, auf Grund dessen eine weitere Erörterung über die Schaffung irgend eines weiteren UnterstütznngSmstituts möglich ist. NachmittagS-Sitzung. � Bei Eröffnung der Sitzung verliest Vorsitzender Krens folgende Resolution:„Die Generalversammlung erklärt sich im Prinzip für Gründung einer Unterstiitznngseinrichtung innerhalb der Organisation, nimmt aber heute von einer bestimmten Beschluhfasmng Abstand, weil der Generalversainmlniig jegliche Unterlage über die ein- schlägigen Verhältnisse fehlt. Die Generalversammlung beauftragt den Vorstand, während seiner Geschäftszeit Material zu sammeln und dieses der nächsten Generalversammlung vorzulegen. Gleich- zeitig verpflichten sich die Delegirten, für die korrekte Durch- führnng der hierbei in Frage kommenden statistischen Auf- gaben Sorge zu tragen." Zur gleichen Sache reden noch eine größere Anzahl von Dele- gierten. Die Anhänger des UnterstütznngsivesenS sprechen im Sinne der Resolution; eS ist dies die Mehrheit der Redner.'Im Schluß- wort erklärt der Referent Pfungst, daß er prinzipiell für die UuterstützungSinstitute ist, die Möglichkeit der Realifinuta derselben ober aus praktischen Gründen verneinen müsse. Hierauf wird die Re- solution mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die Regelung der Gehaltsfrage und alsdann der Bericht des Beschiverde-Ansschusses. Der Bericht enthält einige intente BerbandSangelegenheiten, welche für außerhalb des Bauarbeiter-Verbandes stehende Personen wenig Interesse erwecken können, weSbalb wir über denselben nicht referireti. Dem Ausschuß und Vorstand wird Decharge ertheilt. Bei der Wahl der GeschäftSleitnng des Verbandes wird gewählt als erster Vorsitzender Krens- Hamburg, als Kasstrer Lange- Hamburg, als Redakteur Töpfer- Hamburg. Als Delegirte des nächsten Gewerkschaftskongresses werden Krens- Hamburg und Neun thaler- Berlin gewählt. Zu Revisoren lverden� D re w s- Hamburg, Albrech t-Kiel, Gröning- Schwerin bestimmt. Damit sind die Aufgaben des Verbandes erledigt. Vorsitzender Krens weist in seinem Schlußwort ans die in Aussicht stehenden Kämpfe hin, mahnt zum ruhigen Handeln und schließt mit einem begeisterten Hoch.— Der nächste VerbandStag stndct m Braunschweig statt. VevsÄnttnlnugezr» Der sozialdemokratische Wahlvercin für den ersten Berliner Reichstags- Wahlkreis hielt am Donnerstag in den „Spreehallen" eine Versammlung für das Hansavicrtel ab, in der Reichstags-Abgeordneter A l b r e ch t Über„Deutschland unter dem ZuchthausknrS" referirte. Der Redner entrollte in seinem Vortrage ein interessantes Bild über die Ilmwandlung Deutschlands zu einem Jndustriestaate und über die damit verbundene Eutwickclnng der modernen gewerkschaftlichen und politischen Arbeiter- bewegnng. Er erinnerte an die verschiedenen Vorkommnisse in der letzten Zeit, an die harten, durch den Klassenkampf beeinflußten GerichtZnrtheile gegenüber Arbeitern, er erinnerte an die letzten Reichstags« Debatten, die keinen Zweifel darüber lassen, was die herrschende Klaffe gegen die Arbeiterschaft im Schilde führt. Nachdem der Redner noch das arbeitcneindliche Verhalten der Regierung gebührend gekennzeichnet hatte, führte er den Versammelten vor Augen, daß die gcgenlvärtigen Zustände die arbeitende Bevölkerung mehr denn je veranlassen mimen, in gc- schlossencr Phalanx zusammenzustehen, um der herrschende» Reaktion ein Paroli zu bieten. Dem recht beifällig aufgenommenen Vortrag folgte eine ftirze Diskussion,� in der Genosse T ä t e r o iv gleichfalls znin Anschluß an die Organisation und zur regen Agitation für die- selbe aufforderte. Nachdem noch für bessere Betheilignng an den Flugblatt-Verbreitungen und an den übrigen Arbeiten des Wahl- Vereins plädirt worden war. erfolgte Schluß der Versammlung. Eine VolkSdersammlnng für die Schönhauscrvorstadt tagte am Donnerstag in Picht, nann'S Saal. Der Referent, Reichtags- abgeordneter Hoch, ging davon aus, daß anläßlich der Kritik des Dresdener NrtheilS die Gegner unserer Partei die Sozialdemokratie nicht nur für die AnSschreitnngcn der Löbtauer Arbeiter, sondern überhaupt für die Rohheiten, welche hier und da im Volke vorkommen, verantwortlich machen. Der Redner schilderte dann in anschaulicher Weise die Klassengegensätze in der heutigen Gesellschaft und führte an?,'daß gerade die herrschende Klaffe die leider noch vorkommenden Rohheiten verschulde, indem sie den Bemühungen der Sozialdemokratie, die Arbeiterklasse rniL Rvhheit und Elend emporzuheben auf eine höhere Stufe der Bildung und Gesittung, in der denkbar schroffsten Weise entgegen- tritt. Wo eine starke Arbeiterbewegung bestebt, wo die Sozialdemokratie Einfluß auf die Arbeiter hat. da kommen RohheitSvergehen viel seltener vor, wie in'jenen Laudestheileu. Ivo die Junker unbeschränkt herrschen. Nachdem der Redner am Schluß seines wirkungsvollen, mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags noch die im Dresdener Urthcil zum Ausdruck kommende Härte ge- kennzeichnet hatte, erinnerte er daran, daß cS Pflicht eines jeden Arbeiters sei, sich der Organisation anzuschließen und theilzunehmen am Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft. Die Genossen A u g u st i n, Alb. K o h n, Becker und andere sprachen sich in ähnlichem Sinne aus. Ferner wurde der Kampf gegen de»„Lokal-Auzeiger" den Anwesenden in Erinnerung gebrackit und zum Schluß eine Resolution angenommen, in der fiel) die Versammlung mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärt und cs jedem Proletarier zur Pflicht macht, für die Verbreitung der Ideen der Sozialdemokratie Sorge zu tragen. Im Bereit» Franctitvohl behandelte am Donnerstag ReickistagS- Abgeordneter Dr. W i e m e r das Thema:„Die Frauen im Staats- dienst." Unter Hinweis auf das Eisenacher Programm der Frei- sinnigen Volkspartei führte er aus, daß letztere mit der Erlvciterung des ErirerbSgebieteS der Frauen einverstanden sei. wenngleich sie auch nicht alle Fordeningen der Frauenrechtlerinnen unterschreibe, sondern daran festhalte, daß das vornehmste Gebiet der Frauen- thätigkeit im Haufe und in der Familie zu suchen sei.— Für die Frauenarbeit im Staatsdienste kommen»enerdingS hauptsächlich zlvei Gebiete: daS Post- und Eisenbahnfach', in Frage. I» anderen Ländern ist man uns hier weit vorausgeeilt. In England find bereits rund 23 pCt. aller Postbeamten weiblich und ihre Zahl belänft sich dort bereits auf 20 000 Köpfe. Dabei stehen ihnen nicht mir die nnteren Stellen, sondern diejenigen bis hinmif in die Zentrale offen. Nach den amtlichen Berickiten hat sich die Franenthätigkeit im Postsache trefflich bewährt. Aehnlich lirgen die Dinge in Frankreich, Amerika und Schweden. In Preußen waren l897 erst 107 weibliche Personen mit durchschnittlich 1500 M. im Postfache angestellt. Ein beschleunigteres Tempo nahm die Fern- sprcchdienft-Vcrwaltnng an. Der Trlephondicnst beschäftigt in Deutschland bereits 3000 Frauen, von denen 1000 ans Berlin ent- fallen. Neuerdings sollen die Frauen auch im Schalterdienst und in der Bedienung der Schreibmaschine mehr berücksichtigt werden. An der Debatte bcthciligtc fich auch der Abg. Dr. Müller- Sagau. Er erklärte, daß er seit längerer Zeit heftigen Anfeindungen durch die Francn ausgesetzt gewesen sei, weil viele sich in ihrer Hoffnung auf Anstellung im Postdienste getäuscht fänden. Hier liege aber die Schuld an der Postbehörde, die in den letzten Jahren gegen 13 000 Bewerberinne» vornotirt habe, von denen mir ein ver- schwindender Prozentsatz jemals zur Anstellung gelangen wurde. Fräulein Dr. A u g s p u r g befürwortete die Organisation der Bc- mntimicn und stellte den anwesenden Reichstags- Abgeordneten eine von den verschiedenen Frauenvereinen besürtvortete Petition in Aussicht, die eine Erweiterung der Frauenrcchte nach dem neuen Bürger- lichcn Gesctzbnche anstrebt. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer hielt am IS. Februar zwei Mitglieder-Versammlungen ab. In der ersten, welche bei Ballsckmiedcr. Badftraße 16, tagte, referirte Rudolf Millarg über:«Das Unfallverfichermigsgesetz und die Arbeiter". Redner erläuterte in eingehender Weise daS Unfallversicherungsgesetz und wünschte die Ausdchnnng desselben auf die im Handclsgelverbc sowie im Speditionsbetriebe thätigen Arbeiter. Einer herben Kritik mlterzieht Redner die Organisation der Berufs- Genossenschaften, sowie die Institutionen der Renten- quetschen und das System der Vertrauensärzte, die nicht das Ver- trauen der Arbeiter, wohl aber da? der BerufSgenosienschasten haben. Ferner empfiehlt der Referent, einen jeden Uigall zu melden, sei er auch noch so geringfügiger Natur, denn es kommen dann bei späteren Krankheiten die Verletzten um ihre berechtigten Ansprüche. An der Diskusfion über den mit reickem Beifall belohnten Vortrag bethei- ligten sich Müller und Metzle im Sinne dos Referenten. Be- schlössen wurde sodann, das diesjährige Stiftungsfest bei Ball- fchmieder. Badstraße 16, abzuhalten. Ferner wurde Karpe zum Bibliothekar gewählt. Derselbe giebt außer Sonntags jeden Tag von S Uhr Morgens bis 3 Uhr Nachmittags und Montag Abend von 8—10 Uhr Bücher ans. Die zweite Mitglieder-Vcrsammlung tagte im Paradiesgarten zu Birkeuwerdcr. Schulz referirte über„Zweck und Nutzen der Organisation". Den Ausführungen des Referenten folgte eine lebhafte Debatte, an der sich das Verbandsmitglied M e n k ans Weißensee in hervorragender Weise betheiligte. Alsdann wurde Ludwig zum Hilsskassirer gewählt. Ferner forderte der Vor- sitzende die Mitglieder auf, dafür zu sorgen, daß die Arbeiter das Lokal besuchen, welches ihnen auch zu Versammlungen zur Ver- fiigung steht. Im Verein der sozialdemokratischen Gast- nnd Schank- wkrthe hielt am 16. Februar Adolf Hoffmann einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über: Die neuesten Dresdener Zuchthäusler nnd die reichstreuen Knüppelhelden. Eine Diskussion fand nicht statt. Aufgeiiommen wurden zwei neue Mitglieder. Einem Mitgliede, der viel mit der Polizeibehörde zu känipfen hat, wurden 100 M. Unterstützung und 200 M. Darlehn gewährt. Ferner wurden den Angehörigen der Dresdener Berurtheilte» und den streikenden Krefelder Webern je 100 Rk. bewilligt. Im Vcrciu der Kistenmachcr sprach am 10. Februar Herr Dr. W o l I h e i m in einem interessanten Vortrag über die geschicht- lichc Entwickelung der Menschheit. Die übrigen Gegenstände der Verhandlung betrafen interne Vereinsangelegenheiten. Der Masken- ball dos Vereins findet am 23. März statt. Ter Fachvercin der Holz- und Bretterträger beschäftigte sich am 10. Februar mit einer Reihe geschäftlicher Angelegenheiten. Der Vorsitzende gab bekannt, daß der Vorstand 20 M. für die ausständigen Deselder Weber bewilligt habe. Sodann wurde den Mitgliedern empfohlen, den„Lokal-Änzeiger" abzubestellen. Einem kranken Mitglieds gewährte die Versammlung 20 M. Unterstützung. Eine öffentliche Versammlung der Konditorr» nnd verwandten Bcrnfsgrnöffen, die sehr stark besucht war, fand am Donnerstag Abend bei Wernau, Schwedterstraße, statt. Damit auch die durch die leidige Ueberstmidenarbcit bis in die Nacht hinein fest- gehaltenen Kollegen die Versammlung besuchen konnten, wurde sie spät eröffnet nnd der Saal erwies sich als dicht gefüllt, lieber die Lage der arbeitenden Klaffen in Deutschland und die Mittel zur Verbesserung derielbeu mit besonderer Berücksichtigung des Berufs der Konditoren referirte Reichstags-Abgeordneter R o s e n o w. Seine Ausführungen, die darin gipfelten, daß die Lage auch der Konditoren sich immer mehr verschlechtere und die Arbeiter nicht mehr daran denken könnten, einmal selbständige Meister zu werden, wie die Ueberstnndenwirthschaft der Saison die Arbeitslosigkeit befördere, so daß gleich nach Schluß der Saison die Gehilfe» als Aushilfskellner, Agenten, Anstreicher u. s. tu. ihr Brot kümmerlich suchen müßten, fand lebhaften Beifall. In der Diskussion wurden von de» Berufskollegen eine Menge Mißstände ans Berliner Be- trieben zur Sprache gebracht, die das traurige Bild der Lage ver- vollständigtcn. Von den anwesenden Bäckern ergriff sowohl Höpfner, der Vertrauensmann der zentralifirten Bäckerg'ehilsen Deutschlands, als auch Sckmeidcr, Vertrauensmann der lokalorganisirte» Bäcker, das Wort. Sie verwiesen darauf, daß die Verhandlungen mit den Meistern der Innung, die den Zweck hatten, das leidige Kost-»nd Logiswesen der Gesellen bei den Meistern abzuschaffen, sowie den Arbeitsnachweis zu regeln, an dem Widerstand der Meisler gescheitert seien. Die Konditoren sollten sich solidarisch niit den Bäckern er- klären und dieselben bei ihrer Bewegung gegen die Meister unter- stützen. Die sich entwickelnde Diskussion zog sich bis Nachts 1 Uhr hin, zu welchem Zeitpunkt die Versammlung ihren Schluß fand. Ter Verein der Zimmerer hielt am 10. Februar seine regel- mäßige Mitgliederversammlung ab, in der Genosse Obst in einem beifällig alisgenommeneu Vortrage über den§ 6 des VereinSstatuts, betreffend den Rechtsschutz der Mitglieder sprach. Redner wünscht, den 8 6 des Statuts dahin abzuändern, daß den Mitgliedern bei einem Klage-Obiekt von über 100 M. der Rechtsschutz versagt bleibe, ausgenommen in Nnfallsachen. Sodann wurde der Versammlung bekanntgegeben, daß der Besuch der Knnst-Schaubühne lalic Urania) aus den' 0. April festgesetzt ist. Billets find bei Lehmann,- Hofs, N ö l t e und P ä s l e r zu haben. Der Verband der Vcrgoldcr hatte am 20. Februar eine Ver- smmnlung anberaumt, in der Rod. Schmidt über die Handwerks- organisation sprach. Redner empfahl in seinem Vortrag. sich an allen Wahlen zu den Vertretungstvrperschaften innerhalb der Innung und ihren Nebenorganisationen zu betheiligen. In der Diskussion wurde dem nicht widersprochen. Von einem Redner wurde eine treffende Kritik an dem Dresdener Urtheil gefällt, die in eine Auf- sorderung zum Beitritt in die Organisation ausklang. Nebrr die Politik nnd die Frauen sprach Genosse Liebknecht am Mitttvoch in Eharlottenburg. Es war eine imposante Versamm- lung, die den Saal des Lokals„Bismarckshöhe" bis in die äußersten Winkel füllte. Als Liebknecht eintrat, begrüßte ihn die Menge mit lebhaften Hochrufen.— D erRedner beleuchtete zunächst die Stellung der Frau bei den Kulturvölkern des AlterthumS und des Mittelalters, er zeigte dann, daß das weibliche Geschlccbt bis auf den heutigen Tag ein unterdrücktes und rechtloses geblieben ist. so daß wir aucli gegenwärtig neben der Trennung der Gesellschaft in zwei Klafieü— Bourgeoisie und Proletariat— noch die Gegensätze in der rechtlichen Stellung der beiden Geschlechter haben. Nachdem der Redner der herrschenden philiströsen Anschauung, daß die Frau in der häuslichen Thätigkeit ihre eigentliche Bestimmung babc, entgegengetreten war, zeigte er, daß die Frauen an den öffent- liehen Angelegenheiten ein ebenso großes Interesse babcn. wie die Männer.' Wenn wir sehen, wie die herrschenden Klassen jetzt darauf ausgehen, die Arbeiter zu knebeln und rechtlos zu machen, ihnen das Koalitionsrecht, dieses Mittel zur Erlangung besserer Lotm- und Arbeitsverhältnisse, zu raube», geht das die Francn nichts an? Wenn der Kapitalisnms, nachdem er das ganze männliche Prole- tariat sich dienstbar gemacht hat, auch die Frauen, ja sogar die Kinder in die' Fabriken treibt um sie auszubeuien, haben die Frauen nicht dasselbe Interesse, gegen solche Zustände anzukämpfen, wie die Männer? Außer mit der RechtloSmachung des Volkes beschäftigen sich die herrschenden Klassen im Reichstage damit, durch Auferlegung indirekter Steuern den ärmeren Schichten des Volkes das Geld aus de» Taschen zu ziehen zu Gunsten der Besitzenden. Wenn das Kind des Proletariers seinen Bissen Brot verzehren will, dann schiebt sich zwischen Brot und Mund die Faust des Junkers, der den Kornzoll in die Tasche steckt. Und bei der Gesetzgebung, die so etwas ennöglicht. soll die Frau nicht mit- reden? Die Frau.'welche stolz darauf ist. nur eine gute Hausfrau zu sein, verdient keine Bewunderung. Sie soll höher' streben, sich geistig ausbilden nnd mitstreiten in dem Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse. So wie die Befreiung der Arbeiterklasse nur das Werk der Arbeiter selbst sein kann, so kann auch die Gleichberechtigung der Frau nur erreicht werden, wenn sie Schüller an Schulter mit dem Manne kämpft. Tacitus erzählt uns. daß die alten Germanen, wenn sie im Kampf zurückivichen. von den hinter dem Heere stehenden Frauen angefeuert und aufs neue in die Schlacht getrieben wurden. So haben auch wir nöthig, daß in unserem Kampf für die Befreiung der Arbeiterklasse die Frauen hinter uns und neben uns stehen. (Brausender Beifall.) Da eine Diskussion nicht entstand, so schloß die Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemo« kratie, in welches die Anwesenden lebhaft einstimmten. Charlottenbnrg. Eine Versammlung deS Textilarbeiter-Verbandes nahm am 21. d. M. folgende Resolution an: Die Arbeiter und Arbeiterinnen erklären sich mit der Nothwendigkeit der Er- richtung einer Filiale des Texilarbeiter-Verbandes einverstanden und verpflichten sich, dieselbe in jeder Weise zu fördern. Hierauf wurden folgende Personen in den Vorstand gewählt. Bevollmächtigter: 53 i l h. Bartsch; Stellvertreter: R i ch. M e h r l e; Schriftführer: Franz Kuhnke: 1. Kässirer: Paul Nückel; 2. Kassierer: Horm. Heuer; Revisoren: Ulrich, Abel und Lüdecker. Charlottenbnrg. Die Maler und verwandten BerufSgenoffen hielten am 10. d. M. in der„Gambrimis-Brauerei" eine gut be- suchte öffentliche Versammlung ab, in der P a u l Hirsch in einem interessanten Vortrag über das preußische Junkerthum sprach. F l e m m i n g erörterte hierauf die Bedeutung des im Monat März in Berlin stattfindenden Bauarbeitcr-Kongresses. Lange trat für eine Vertretung zu dem Kongreß ein, worauf F l e m m i n g ein- stimmig als Dclegiricr gewählt wurde. Den Anwesenden wurde empfohlen, den„Berliner Lokal-Auzeiger" nicht mehr zu abonniren. FriedrichShagrn. Am 18. Februar hielt im hiesigen Arbeiter- Bildungsvcrcin Herr Dr. Wollheim einen Vortrag über:„Natur- erkenntniß und Weltforlschritt". Der Vortrag wurde beisällig auf- genommen. Es gelangten sodann interne Angelegenheiten zur Bc- jprechnng. Ter Vorsitzende machte ans das Dresdener Urtheil auf- merksam und wünscht, daß fleißig für die atme» Familien gesammelt wird. Alk-Glicnicke. Hier wurde in einer sehr gut besuchten Ver- sammlung. die am 10. d. M. tagte, nach einem Referat des Genossen Köster über die Aufgaben der kommunalen Vertretung Otto Spieker als Kandidat für die Wahl zum Gemeinderath aufgestellt. Freireligiöse Gemeinde. Somiiog, den 26. Februar, Vormittags g Uhr, im groben Festiaal der Berliner»iessource, Kommandanteustr 67: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um 11 Uhr Vormittags ebendaselbst: Vortrag deS Herrn Professor Dr. Albert Gchrke:„Die Humanität und der Krieg." Gäste willkommen. Eharlottenburg.„Freier Derein für Naturheillunde und Gesundheitspflege." Am Sonntag, den 26. Februar, Abends 7 Uhr, in der Gambrinns- Brauerei: Vortrag über„Wohnruigshygieue". Nachdem: Geselltges Bei- jammeniein. Groh-Lichtcrfclde. Tnniverem„Froh und Frei"(M. d. A.-T.-B.) übt jeden Dienstag und Freitag von 8Vj— lO'/j Uhr bei Pagcl, Chauffeestr. 101. Für die Weber in Krefeld gingen bei der Berliner GewcrkschafiS- Kommission folgende Beiträge ein: Schasskopsipielm 1,—. Verein der Goldleisieugrundirer 6,—. Organisirte Biireauangestellte der Mitgliedschaft Berlin(Berein der Bureauangcstcllten Deutschlands) 11,60. Möbelfabrik W. Kümmel d. Lawes 18,35. Schwalbe 12,55. LawS 3,75. Gunimifabrit Wcitzensee d. Sander 12, 6o. Arbeiler der Firma Sielafs. 1. Rate 11,15. Tischler, Polirer, Bildhauer der Firma M. Barth 12,15. Gesaiigverein Rheingold d. Degenhard 10,—. Bureau- angestellte deS R.-A. Steiner 1,-. Verein der Lithographen, SteindruSer und BemfSgcnofsen, Filiale Berlin, d. Sch. 37,10. Ortsverein der Handschuhmacher Berlins durch Leid 20.-. Spitzenpapier- Fabrik N. Hcinemann u. Co., zweite Rats 5,65. Tischlerei Friedrich Fruchtstr. 30, 12,85. Arbeiler der Schraubenfabrik Schulze. Mitlenwalder- stratze, 15,30. Verein f. Wäsche- u. Kravatteiifabrilaiivii, Berlin, 2. Rate, 25,—. Arbeiter d. Firma W. A. Hirschmann, 3. Rate, 23,15. Verband der Möbclpolirer Berlins und Umgegend, t. Rate, 50,—. Äscherslcbcn,„ziel- bewuble Arbeiter" d. R. Gr. 30,—. Goldleistengrimdirer Andreashos 3,—. Tischlerei Equitz, Franksmtcrstr. 125, 10,—. Telephoiischraiiksabr. Fischer n. Co. Elisabelhufer 11, 12,-. Stereotypeure d. Mosse'schen Offizin 6.75. Mecha- »ische Fabrik Rudolf Krüger, Michaellirchstr, 11(mit Ansnahnie der frei- sinnigen Vereiiiigung), 3. Rate, 25,75. Banarbeller Wetbensee d. H. Riester 15,—. Tellcrsammlung d. Holzarbeiter am 15 Februar IVOS in Brauerei FriedrichShaiu(darunter 15,— Zigarettenfabrik„Mdphisto") 43,25. Geburtslagsseicr Max Krämer bei Gondl, Berlin Südost IV, 2,—. Bergwerk Norddeutsche Schleis« 2,70. Pianosabrik Herbst, 3. Rate, 8,70, Karambolagen-Klub„Kerkau"(darnnter Klubmulter 1,—) 4,—. Ueberschutz einer Kranzspende Ludwig Löwe n. Co. 6,75. Bnchdrncksrci Krebs, 5, Rate 3,80. Tischlerei Rusterbarth u. Sohn, Alte Jalobstr. 132, 2. Rate 10,—, Kffleiimacher Berlins durch H. 50,—, Tischleret Anders, Königs- bergerstr. 29, 9,10. Verband der Gold- und Silderarbeiler Berlins, 2. Rate 100,—. Mctallgicstem Blumcnstr. 70 15,45. Arbeiter- Radjahreivirein „Greif", Rixdorf, d. B. 5,—. Tischlerei Dreher, Weberstr. 19, 3,10. Bon Schuhmachern durch Pristap 7,60. Gesammelt durch A. Beyer 1,40. Mälzer und verrottete Gährkcllcröurschen des Böhmischen Brauhauses 5,75. Buchdnickcrei Felgentrefi u. Co. 6,50. Zahlstelle der Bauarbeiter. Schüneberg 20,—. Buchdruckerei u. Kontobüchcr-Fabrik v. Eyck«. Fried- länder 4,20. Buchdnickerel Günther u. Sohn(Verdaudsmttglicder) 2 Rate . Tischlergesellen und 11 Polirer der Firma Zöllner u. Plathen, 3 und 4 Treppen 25,50. Buchdruckmi Gebr. u., 6. Rat« 12,50. Gesangverein Eelscnburg d. N 7,50. Berein der Chemigraphcn zu Berlin 37,—. rganisirte Schuhmacher v. Wenzel u. Sieker 20,—. Sozialdemokratischer Verein für Johannisthal und Niederschönewcide 15,—. Buchdruckern H. u. S. Löweuthal 7,—. Arbeitcr und Arbeiterinnen der Zilhersabrik Menzrnhauer u. Co., 3. Rate 18,55. Sproiteukiste A. G. 5,—. Maschinenmeister der Bnchdruckerei H. S. Hermann 8,60. Ein- siedler o. N.-Barnim 2,50. Tischlerei Voigt, Weberstr. 3 4.70. Rauchklub„Mehr Licht", Weibensee, gesammelt beim Maskenball 3,85. Ge- sammelt nach der Uebungsslunde im Gesangverein„Septime" 2,—. Organi« stete Buchdruckerei- Hilfsarbeiter Berlins, durch St. 2o,—. Tischlerei Fülle, Fruchtstr. 35(ander einem Auch- Rollegen) 10,05. Agiiationsflub für den Osten Berliii?. d. Reibetanz 12,—. Personal der Buchdruckerei H. S. Herr- mann, 3 Rate 48,60. Tischlerei Stein d. Knlicke, 6. Rate 5,10. Verein aller in Schriftgiestereicn bcschäfligtcn Arbeiter nnd Arbeiterinnen Berlins und Umgegend 100,—. JUamaiuriabrik C. Sckiwohls u. Comp., Köpnickcr- stratze 154 a, 12,50. Pianosabrik von Sievert, Urbanstr. 102, 4,b0. Weitere Beiträge nimmt im Berliner Gewerkichaftsbnreau Rudolf Millarg, Annenstr. 10, I, entgegen. Geöffnet Wochentags 0— 1 Uhr Vormittags und 0—8 Uhr Nachmittags. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde wird DicustagS, Donnerstags und Freitags abends von T'/s bis 8Vj tthr abgehalten. H. Z. Wenden Sie sich an ellicn Arzt.— Stadtbriefe frankiri man mit 10 Pi. In Ihrem Fall 17 Pf. Nachporto. Marieuftrafie. Besten Dank für Ihre Mitiheilung, der ans jeden Fall näher aus den Grund gegangen werde» soll. R. 32. Wenden Sie sich damii an das Standesamt.— M. K. 70. 1. Ja, wenn dazu Material, das dem Meister gehört, verwendet ist. 2. 5 Jahre. — H. W. 100. Der Betrestende kann das Kind verlangen. Jedoch können Sie dem Bornumdschaftsrichter darlegen, datz dies dem Rind nachtheilig ist. In diesem Falle können Sie das Kind behalten. Rnichke. Wir kommen hiermit Ihrem Wunsche nach und bestätigen, daß in der„Möbelfabrik von Eckerl. Ruppinerstl. 9" 14,65 M. ans Liste 455a »nd in der„Goldleistensabri! von Werkmeister, Vruniieustr. 191" 23,85 M. auf Liste 1509 gesammelt»nd an Ihre Adrcfic abgeliefert wurden. H. F. 11. Ein solches Buch kennen wir nicht, wir köinicn Ihnen übrigens nur abrathen, auf diese für Arbeiler höchst ungünstige Kolonie Ihre Gedanle» zu lcnlen. B. Die Kündigung ist nur zulässig vom 15, d. M. zum Erste«, sonst müssen Sie den ganzen Monat bezahlen. E. L. Die Frage ist bcreiis in der vorgestrigen Nummer beaniworiet. Daraus crgiebl sich auch, daß Ihr Brief an I. angekommen ist! Zl. G. 400. Wenden Sie sich an den Arbeilönachweis der Metall- arbeiler, Annenstr. 39. M. S.. Köpenick. Wenden Sie sich an den Kasstrer Hennig, Berlin 1s.. Hussitcnstr. 21. A. F. 3. Nein. Einsporn. Theilen Sie uns Namen und Adresse des Vermittelungs- burcaus mit. Streitende. Derartige Zlnzeigen dringen wir doch nicht. Z. P. 00. Wiederholen Sie die Anfrage unicr Angabe, ob ein Steck- brief erlassen ist.— Vtarhland. Kommen Sie in die Sprechstunde.— 89. 130. 1. Ja 2. Kommt auf die Höhe des Gehalts und die AnstellungS» bediiigimgen an.— A.B. ll 2. Ja, wenn derselbe dies wissentlich verschwiegen hat. — F. B. 31. 1 und 2. Hier unbekannt. 3. Gotha.— Zögert. 1. 5 Jahre. 2. Ja.- A. 8. Köpenick. 1. Ja. 2. Ja.- 9)1. W. 50. An sich hört die Versicherungspflicht dann auf. Eine Rückforderung findet nicht statt. Die im§ 2 des Gcieyes bezeichneten kleinen Bctriebsunternehmer einschließlich des HailSgewerbetreibenden haben jedoch das Recht der freiwilligen Selbstver- sicherung. 2. Ja. 3. Ja.— G. W. S. Ja, das Laos muß aber aufgeboten werden. — M.®. 34. Der Empfanget des Brieses hat dazu keinerlei Recht, so daß Ihrem Bruder gar nichts passiren kann.— 100 Stranßbergerstr. 1. Nein. 2. Nein.(S. P. 100. Oberhausen. So lange die Mutter lebt, haben Sie keine Ansprüche.— F. R. 80. Soll bald erledigt werden. Berliner TehenSwürdigkeite«. Aquarium. Unt. d. Linden SS». Täglich 0—7. Eintritt 1 M., SonntagS öS Pf.- Ausstellung deS Vereins Berliner Künstler. Wilhelmstr. 92/93(im„Archtteiten- vause"). Täglich 10—4, Sonntags 11—2. Eintrittspreis SO Pf.— Ausstellung moderner Kunst werle von Eduard Schulte, Kunst- Handlung. Unter den Linden 1, Ecke Pariser Platz. Täglich 10—7, Sonn- tags 10— 3.— Bibliothek, König l. Am Opernplatz. Besichtigung Montag und Freitag 1—2.— Botanischer Garten. Potsdamer- sttatze 75. Täglich v. 8—7 und jeden zweiten Sonntag im Monat v. 2—7. Unentgeltlich.— Botanisches Museum. Grunewaldstr. S-7. Man tag und Donnerstag 3—6.— Zentral-Biehhof. Eldenaerstraie. iMitt- woch Bormittag Hauptverkehr.) Besichtigung des Viehhof» frei, der Schlacht- Höfe gegen Satten, die man im Verwaltungsbureau erhält.— Hygiene- Museum. Klosterstr. 32/35. Sonntag 12— S, Dienstag u. Freitag 10—2.— In stitnt f. Glasmalerei, König l. Charlotteuburg, Berlinerstr. 9. Wochenöglich 9—11 u. 1—4.— Kunstgewerbe-Museum. Prin, Albrechtstrahe. Täglich, auber Montag und die ersten Feiertage sowie Char- frettag, Himmelfahrt und Bubtag, 9—3, Sonntag 12—6.— Märkisches Provtnztat-Museum. Breitestr. 20». Sonntag von 11—1»/-, Mon« tag und Donnerstag 11— 2>/i.— Museum(alt und neu). Am Lustgarten. Besuchsordnung sieh« Kunftgewerbe-Museum.— Museum der Land» wirthsch östlichen Hochschule. Jnvalidenstr. 44. Werktäglich, auber Sonnabend, 12— 2, Sonntag 12— 6.— Museum für Naturkunde. Jnvalidensrr. 43. Montag und Sonnabend 11—3, Sonntag 12—6.—. Museum für Völkerkunde. Königgrätzerstr. 120. Besuchsordnung s. Kunstgewerbe-Muscum.— Museum Deutscher Volkstrachten. Klosterstr. 36. Tägl. auber Mittwoch 11— 2. Eintritt 50 Pf. Fiir de», Inhalt der Inserate nberninimt die Redaktion de», Publikniii gegenüber keinerlei Beranmiortimg._ Climtri». Sonnabend, 25. F s b r u a r. Opernhaiis. Der Maurer. Vergib- mcinnicht. Ansang 7t/z Uhr. Schaiispiclhans. Ans der Sonnen- feite. Anfang TV- 11 Hr. Teiitschcs. Fuhrmann Henschel. Anfang Thh Uhr. Lcssing. Ii» weißen NW. Anfang . Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Kon- trollenr. Vott>cr: Zum Einsiedler. Anfang 7»/- Uhr. Neues. Hofgunst. Anfang 7»/- Uhr. Ntetropol. Die kleinen Michu's Hierauf: Die EngelSjäger. Am taug 7V, Uhr. Schiller. Der Dornenweg. Anfang 8 Uhr. Westen. Zar und Zimmermann. Anfang 7»/, Uhr. kkentral. Die Puppe. Ans. 7»/, Uhr. Thalia. Schtddebold's Engel. Anl sang 7»/- Uhr. Luise». Der golden« Zylinder. Am saug 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Da» Käthche» von Heilbronit. Belie-Zllliance. Der Pfarrer von Kirchfeld. Anfang 8 Uhr. Ostend. Der Brandstifter. Anfang 8 Uhr. Friedrich. WilhelnistadllscheS. Fuhrmann Henschel. Anfang » Uhr. Nachm. 4 Uhr: Don TarloS. SUexnnderplatz. Studenten-Trud- chen. Anfang 8 Uhr. glpollo. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang?>/, Uhr. Urania. Tanbenstraste 4.8— 4S. Naturkundliche Ausstellung. Täg- lich geöffnet von 10 Uhr Bor- mitlagS ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr:„Das Land der Fjorde". Operntelephon. Invalide, iftraste S7/Uz>. Täglich AbcnbS von 5-10 Uhr: Stern- warte. ReichShallen. Steitiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Feeu. Pala st. Spezialitäten- Vor stellung. Passage- Panoptikum. Spezialt- tätcn-Vorstclluilg. Llhilltr-Theater (Wallner-Theater). Sonnabend 8 Uhr: v«? vornenrvogs. Sonntag Nachm. 3 Uhr: Viiv I!tti-g:vrinel»tvr,vnltl. Hierauf! Schneider Flpa. Abends 8 Uhr: Hnnemann'« Töchter. Luisen Theater 34. Vteicheubergerstrassr 34. Nachmittags 3 Uhr: 78. Sehttler» Vernteilnngs zu besonders ermäbigten Preisen: Abends 8 Uhr: Novität! Zum 4. Male: Novität! Der goldene Cylinder. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: Voltii-Voretollung ru klolnan Preisen. Das Mhchen voll ßeilbrM. AbendsSUhr: Ser goldeiie Ciiliiider. 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Im Tunnel von 7'/2 Uht an Frei- Konzert. Sonntag Nachmittag: Lorbeevi bann» und Bettelstab. VI. fioack's Theater Urnnncnstr. 16. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Große Extra-Thenter-Borstellung Marie, Die Tochter des Regiments. Vaudeville in 2 Abthcilungen(4 Akte») von Fr. Blum. Musik von Donizetti und Müller. Sllung- Tailzkraltzlhelt. Metropol-Thoatsr. Behrenstr 55/57. Dir. Rieh. Schultz, Freitag: Die kleinen Michu'S. Operette in 3 Akten v. Andre Meftager. Hierauf: Die Engelsjäger. Tanzpoem in 14 Bildern von H. Regel _ und I. Bayer. Crnkral Thvakev Direktion: lose Feranczy. Die Kuppe(La Ponp�e) Operette in 3 Akten und einem Vorspiel von Stnrgeb und Ordonneau. Musik von Ed. Audran. Montag und folgende Tage: Die Puppe(La Poupee). Sonntag Nachm. zu halb. Preisen: Der Bettelstudent. Garde Walde vom Karl Schnitze- Theater in Hauiburg als Gast. Gircus Renz-Riesen-Tunnel* Direktion: J. M. HOtt. � Täglich:-«z Grosses Konzert unter Leitung des Musikdirektors Herrn Otto GBrnar. Spezialitäten- Vorstellung unter biegte des beliebten Humoristen Gustav Kluok. StetS wechselndes Programm. .Älmai'> Theater Dresdenerstr.S2/S3.City-Passage. Direktion: Richard Winkler. Markthalle VII oder: Ein Kostümfest. Ausstattuugsposse mit Gesang von Oskar Victor-Röder. Jeden Abend unter stürmischem Beifall: Carl Jörgensen, der beste Mimtker der Jetztzett. „RIsmarok vorn JUngllng bis zum Greise." Ell! bengMec Tiger. Lustspiel von Brtse-Barre. Allftllll,* Wochent. 7-/, Uhr. ailllllly. Sonntags 6'/, Uhr. fillltl'pp* Wochentags 30 Pf. ÜIUIU» Sonntags 40 Pf. Vorzugsbillets haben Ailtigkeit. Apollo-Hientei'. ViRiiZauit- L'aktKeiiiDSrgSr. Leo de Bacha Irene Kirch. Broth. Braatz. Mr. Segommer. Geschwisler Alexia etc. Gewihnliche Preise! Anfang y1/: I hr. Torverkanf tägl. im Theater tt. beim„Künstlerdank", Unter den Linden 89. Feen-Palast- Theater Burgstr. 33. Burgstr. 33. Dienstag zum letzten Male: Direktor Wilhelm Fröbcl in der urkomische» Gesangsposse Berliner XovfejltjooeuLell sowie das mit kolossalem Erfolg aufgeführte riesengrobe Spezialitäten- Programm. Mittwoch zum ersten Male: LerlinttWostliemahel. Durchweg neues Programm. Sonnabend, den 4. März: Grosses Bockbier-Jubel-«. Trubelfest. Vorstellung, Tanz, GrattS- Berloofung. Anfang 7l/z, Sonntags 6 Uhr. Btllet-Borv. Bonn. v. 11-1 Uhr. Tanbenatraase 48/40. Im Theater: Das Land der Fjorde. Im Hörsaal; Baumeister Bodo Ebliardt: -Deutsche Burgen." (Einzel- Vorträge VIL) Invalidcnstr. 57/03: Tägl. Sternwarte. Nachmittags täglich 6—10 Uhr. Passaye-Panopilcum. Letzte Woche; 40 Krieger des Mahdi. Im Theatersaal von 6 Uhr ab: VhöÄtrs vsrlete. Hente 25 Fl. Entree. w Castan'a Panopticnm. Jtal. Sänger- u. Tänzer-Cesollsch.] „Santa Lucia". Die berühmten„lebenden Bilder". Neu! Dreyfus-Esterhazy. oucertliaus liUlpzlgorstr. Xo. 48. Täglich: Hoffmann's Quartett». Humoristen Sonnabend: Tbeaterskandal. Morgen Sonntag: Theaterskandal. Moabiter Gesellscbattsliaus, Alf-Boabit 80-81. Jede» Sonntag: Ball. Anfang 4 Uhr."WH Jeden Mittwoch: Bippvl's Btettiiier Gesellschaft. Anfang 8 Uhr."WO Fasse-partouta haben Gtlligkeit. C, Peters. anarg's Spezialitäten-Theater lm Grand HAtel Alexanderplatz. Hedwig Günther! Willy Walde! The Threvelly 1 lionia Höhnt Lebende Photographien! Anfang 8 Uhr.— SonntagS 7 Uhr. Am 28. d. M. Benefiz für Köhler und Ajatla�_ Reichshallen. Täglich: Stettmer Säuger (Mehfel. Pietro. Britto», Steidl, Krone. Röhl. Schneider und Schräder.) Heute: NeiltS Aite-Pregraluw. Antsng 8 Uhr.— Entree SO Pf,, Vorverkauf 40 Pf., Num. Balkon 75Pf., Galkonloge 1 Mk., Orchester- Loge 1,50 Mk., Fremden-Loge 3 Mk. Tageskasse von 11—1 Uhr. Morgen: Frauen-Emanzipation. aar Einsegnungs-Anziige in filnuu. schwarz Kammgarn u. Cheviot zu schrvilltgen, aber festen Preisen ! Julius Liiideiibaiim,Gr.Frankfurterstr.l39. Feste Preise. Spezialität: Anfertigung nach Maass. Kein Lade«! 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Vorführung der Spieler Polo ä bicycleite. Debüt der deutschen Krasttumer Sandor Trio. Auftreten des Mr. Ben Boom mit seinem Sporting Act. Quadrille aus der Zeit Friedrichs des Graben, ge- ritten von 4 Dame» und 4 Herren auf 8 Schulpferden. Auftreten des berühmten Schulreiters Burkhardt- Foottit. Direktor Busch mit seinen neuen Freiheitsdressuren. Die besten Clowns mtt ihren neuen Spähen. Morgen Sonntag, den 26. Februar: 2 grobe Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr, Abends 7Vi Uhr: Peralen. fPSF" Cylinder-Hüte Cliapeaux claqnes SP Eittsegmmgs- Hüte �fe""' Filzhüte zu billigsten Preise» direkt in der Fabrik f' ]*rax Radtke, Blumeusir. 33, Der PlektrotechnlHChe tieworkverein für Berlin and Umgegend fordert hiermit die Kollegen Deutschlands auf, die ge- sonnen sind, oben genanntem Berein bei der Gründung eines Deutschen Elektrotechnischen Gewerksverbandes behilflich zu sein, Meldung ergehen zu lasien an(Snsvltzhy. Berlin SW., Mittenmali) erfnabe 60, Telephon Amt IV 3930, und Welshnhn, Berlin NW., Alt- Moabit 100. Kommissio» für Gründung des Verbandes. izibb Prtltftl und Polfterwaaren. LI LI LL Ganze Einrichtungen zu billigen __ Franz Twtzaiier, Brnnnei Reelle Arbeit. billigen Preisen. f657L» Brnnnenstrassc 152. ZMeZI«. 10 lehre Garantie. Vollkommen schmerzloses Zahnziehen 1 M. Plomben 1,50 M. Theilzahl. wbohenll. 1 M. jgahnarzt Wolf, Leipzlgerstr. 22. Sprechst. 9-7 Echte Kornbranntweine ans reinem Boggen and Balz gebrannt Wick'scher Liter 65 Pf., Richtenberger 95 Pf., Münsterländer 1,10 M Brcs- lauer 1,25 M., Steinhäger, Doornkaat,«qnavtt x., in Originalfüllung. Cognac in grober Auswahl, FL 1,10—25,00 M. Feinste in- und aus. ländische Liqnenre, Ilngarweine zc. empfiehlt die Weinhandlung von r BTillnmoit«lexanderftr.«2. Potsdamerftr. 48(Eingang . WtUUMVtbKurfürstenstrabe) und Skalttserstr.-ä- Danksagnng. Für die so zahlreiche Betheiligling beim Begräbniß meines lieben Mannes Guftab Seifert sagen wir den Wer- waliungsbeamten der Zentralkranken» lasse Berlin H, der Verwaltung Berlin A, de» Genossen des 4. Wahl- kreises, dem Klub der Freunde, dem Skattlub Revolution, dem Verband der Holzarbeiter, den Genossen dep Werkstatt Quchl und besonders dem Gesangverein Doppel-Quartett Nord- deutsche Schleife für den so ergreifen- den Gesang am Grabe, sowie allen Freunden und Genossen den innigsien Dank., vis trauernde Witt«« u. Geschwister, Danksagung. Für die mir in so reichem Maße bewiesene Thcilnahme an der Beerdi-. gung meines lieben Mannes, des Zimmerers Panl Seyfert, sage ich allen Freunden, Kameraden und Mitgliedern des Verbandes meine» innigsten Dank. Bertha Seyfert geb. Mendt. Achtung! Angehörige deS ver- storbenen aus Oberhelorunge» stam- »lenden Adolf Fricke bitte in ihrm Interesse ihre Adresse zu senden ai» Franz Kapphay», Oberheldrungen. Gris-MMfiitlisse. der Strumpfmirller.� Montag, d, 6. März, Abends 8Va Uhr Mitglieder-BersMiulung in Feind s Salon, Meinstr. Iii Tages-Ordnung:' 1. Ersatzwahl von 14 Delegirtm. 2. Verschiedenes. Die großjährigen Kassenmitglieder werden um pünltl. Erscheinen ersucht.! ver Vorstand.! Filz- und Seidtllhüttll, in de» neuesten Fatzvns und Farben, ällberst billige Preise._ Klchard Klose, Anklamerstr. 41, zweites Haus von der Brunnenstrabe. Eingang vom HanSflur. — Bitte genau auf die Hausnuminer zu achten.■ Vereine«nd GmerWfteil! Empfehle mein Weiss-». Bairifch-! Bierlokal nebst franz. Billard und. Vereinazimmer für 40—50 Per-' fonen, auch geeignet für Zahlstellen,' Gl nrlniiij« Kommandanten8tr.65,i • l-"MuVlriy, nahe Alte Jakobstrabe,! Empfehle meine drei Reetanrantat! BUbezahl, am Müggelsee, Tcnfclssce, Müggelberge, Barienlnst. a. b, Dahme, zwischen Grünau und Prledrlchshagen, bei Fubpartien über die Müggev berge. 6548« v. Slreiedliko. 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Tages-Ordnung in allen Versammlungen: Die Knebewngsversuche an Verbands- Mitgliedlern dnrch Herr» Angnst Scherl und Zwecke«nd Ziele der Kantzreißer- Kompagnie, gen. G«tenberg-Knnd. Diskussion. Die Leser und Inserenten des„Berliner Lokal-Anzeigers" werden auf diese Ber- sammlungen ganz besonders aufmerksam gemacht; die am Verlage des„Berliner Lokal- Anzeigers" betheiligten Bankfirmen(Berliner Handels- Gesellschaft und Dresdener Bank) werden ersucht, Vertreter zu entsenden. 35/9 Der Ausschuß der Berliner Gewerkschafts-Kommissio». ._ R. Mlllarg, Sekretär. Königpsbank(Inhaber: Breuer) 117 Gr. Frankfnrtepstr. 117. Sonnabend, den 25. Februar 1899: Grosser Wiener Masken-Ball arrangirt von Mitgliedern der Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Tischler:e. Hamburg. Oertliche Verwaltung Berlin 8. zum Besten ihrer Invaliden. 1�/3 BilletS 50 Pf.- Anfang 9 Uhr.__ Das Komitee. Breuer'» Zur Wtigslml!" Grosse Frnnkforterstr. 117 empfiehlt feine Festsäle mit Theaterbühne und Garten zu Ver- sammlungen und zu jeder Privatfestlichkeit(biS 1000 Personen). Jeden Sonntag: Grosser»»II. Anfang 4 Uhr._[658C* Achtung! Oeffeutliche Achtung! Bautischler-Versammlnng am Montag, den 27. Februar, Abends 8 Uhr, im Ellglislhea Carte«(grojer Saal), Alexanders. Z?c. . Tages-Ordnung: , 1. Stellungnahme zn dem am IS. März d. I. stattfindenden < erste» Bauarbeiterschuh-Kongresk. Referent: Kollege ttUlmsr. ; 2. Diskussion." 3. Wahl von Delegaten zum Kongreh.'tl/1 ,. Pflicht sämmtlicher Bautischler, Einsetzer und Bodenlcger ist es, IN dleser Bersanlmlung zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Oeffeutliche Versaiiiiiiliiiig der Möbeljialirer . � Montag, den 27. Februar. Abends 8�/. Uhr. «m Lokale deS Herrn RUIu-lne tMärkifcher Hof), Ädmiralstr. 18c. Tages-Ordnung: 1. Rechenschaftsbericht des Bertrauensmannes. 2. Neuwahl des Vertrauensmannes. 3. Wie feiern die Möbelpolirer den 1. Mai? 4. Stellung- nähme zum Braunschweiger Kongreß der lolalorganisirten Gcwerlschasten. 7*0/8_ C. licderhaose, Vertrauensmann. Achtung! Cliariottenburg. Achtung! Freier Vereilt für Naturheilkuude nud Gesundheitspflege. Sonntag, de» 28. Februar, in« Saale der Gambriuus-Bräucrei, Walistraste: 1. Tortrag deS Herrn Bor» über: Wohnungshygiene. L. Diskusston. Nachdem: Geselliges BelsammcDseln. IVfi _______ Per Vorstand._ Beutsclier Senefelder-Bund Berlin. Montag, den 27. Februar, iin Vereinslokal Stralauerstrafte S7: Außerordentlillie Mitglieder-Versamlung. Tagesordnung: Rcchnungsbericht pro lV. Quartal 1898 und Neuwahl. DM- Mitgliedsbuch legitimirt."MS 265/19_ I. St.: Panl RHhrlng, Plan-Ufer 41. Bereist der Tischler Berlins „nd ttingegeud. Montag. 27. Februar. Abends 8 llhr, in Rautcnberg's Ball-Salon, Qranienftr. 180: 2B5/20 SKP VersÄmmlung.-MZ Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen Kater über: Die nächsten Aufgaben der Gewerkschaftsorganisationen. 2. Diskussion. 3. 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