Ur. 51, Admmemknts-Kidingunge«: Mdonnsmenls- Preis pränumerando! AZierteljährl. SL0 Mr., monatl. l,10MI., «öchenilich SS Psg. frei in» Hau». «in, eine Nummer S Psg. Sonntag», Mummer mit tlluftrirter Sonntag», Vellage„Die Neu- Welt" 10 Psg. Post, «bonnenient: S.Z0 Marl pro Quartal. «ingetragen in der Post-Zeitung», Preisliste sür 1899 unter Dr. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, fiir da» librtge Ausland s Marl pro Monat. «rscheiul läglich«»her wonkag«. 16. Jahrg. Nevlinev Volksbl�kt. Die Insertions-Gebilhr deträgt sür die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerkschaftliche verein«- und Versammlung»- Anzeigen, sowie ArbeitSmarkt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Di« Expedition ist an Wochen- tagen bt« 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi« SUHr vormittag» geöfsnet. Fernsprecher:»ml I, Nr. 1K08. Delegramm-Adresse: »KozUldrmoKrttl S-rlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei DeutsMands. Rcdakkivn: SW. 19, Beutlz-Strasze 2. Mittwoch, de» 1. März 1899. Expedition: SW. 19, Venklz-Slrasze 3 Das Friedens-Manifest des Zaren muß jedem, der da weiß, was eine allgemeine Abrüstung bedeutet und was der russische Zar ist, auf den ersten Blick entweder als ein schlechter Witz oder als eine Despotenlaune ohne jeden ernsthaften Hinter- und Untergrund erscheinen. Ein schlechter Witz ist es jedenfalls nicht. Eine Despotenlaune — das läßt sich schon eher sagen. Je selbstherrlicher Fürsten sind,_ desto seltsamere Launen schießen in ihrem, von der Selbstherrlichkeit mehr oder weniger angegriffenen Hirn auf; und gerade die russische Luft scheint solche Launen zu begünstigen. Wir erinnern an die phantastischen Pläne der Zaren Paul und Alexander I. Allein die Selbst- Herrlichkeit kann nicht verhindern, daß die in einer all- mächtigen Kamarilla verkörperte„S t a a t s r a i s o n" mit ihrer politischen Konsequenz und konsequenten Politik die Zarenlaunen beschneidet, ehe sie in den Himmel wachsen, und erforderlichen Falls die Zarenlaunen mit sammt dem Zaren von der Weltbühne wegwischt. Deshalb hat man das russische Regierungssystem als„eine Despotie gemildert durch den Mord" bezeichnet(Despotisms modere par l'assassinat). Wohlgemerkt: durch politischen Mord, wie er heut zutage den„A n a r ch i st e n" zur Last gelegt wird, und wie er in Rußland seit Jahrhunderten von F ü r st e n und Adel geübt wird, so daß die Zahl der Zaren, die eines natürlichen Todes gestorben sind,— und aus dem Schlacht selb ist keiner gestorben— weit kleiner ist als die der Zaren, deren Despo tismus durch Dolch, Gift, Säbelkoppeln und ähnliche Mittel „gemildert" worden ist. Daß das Zarenmanifest veröffentlicht wurde, läßt also schließen, daß die russische„Staatsraison' doch etwas Werthvolles, praktisch Verwcrthbares darin ge funden hat; und n:an hat dementsprechend nach irgend einem geheimen Zweck und Motiv gesucht „Rußland braucht Ruhe. Es hat soviel erobert, daß es längere Zeit zur Verdauung braucht. Die furchtbare Hungersnoth. welche die Hälfte des Reichs verwüstet, zwingt die Regierung zu einer Friedenspolitik"— so sagte man sich. Das Alles ist auch ganz richtig, aber schafft nicht die Thatsache aus der Welt, daß das Zarische Rußland nur als Militär und Erobrerstaat bestehen und deshalb unmöglich abrüsten kann. Daß irgend eine europäische Regierung den russischen Abrüstungsvorschlag ernst nehmen, und den schönen Augen des Zar Nikolaus oder der Frau Suttner zu Liebe Armee und Flotte vermindern werde, in der Absicht, sie allmälig ganz abzuschaffen— die kindliche Naivetät, das nur einen Moment geglaubt zu haben, können wir doch wahrhaftig der geriebenen, mit allen Hunden gehetzten Diplomatie nicht zutrauen. Doch für die russische Diplomatie giebt es— außer im eigenen Lande— nicht blos Regierungen, sondern auch Völker. Und auf die Völker konnte man in einer für die Zwecke der russischen Eroberungspolitik günstigen Richtung einzuwirken hoffen. Nicht auf das deutsche Volk, nicht auf das französische konnte man rechnen. In Deutschland war nichts zu holen, und in Frankreich wäre es sogar gegen das russische Interesse, friedliche Stim- mungen zu erwecken. Desto wichtiger ist es, das englische Volk zu gewinnen. England das ist„der Feind"— die große Weltmacht, die den russischen Er- oberungspläncn überall im Wege steht, in den Weg tritt und sich zum Kampf auf Leben und Tod mit Rußland vor- England ist ein Kulturstaat, England und Industriestaat, und in dieser ist es ein Feind des Kriegs. Zunahme der Kultur, des Handels wächst naturgemäß auch die Abneigung Aber der Handel, die Industrie und die beruhen auf seiner Herrschaft über das Meer. Sie ist Lebensbedingung für England. Und gegen diese Lebensbedingung wendet sich die russische Eroberungs- Politik, deren Sieg die Vernichtung der englischen Seeherrschast und damit der englischen Weltmachtstellung bedeutet. Mit allen übrigen Staaten kann England sich leicht ausein- andersctzen. Nachdem die spanische und holländische Seeherrschaft von den Engländern gebrochen und Frank- reich in den Napoleonischen Kriegen zu einer See- und Kolonialmacht zweiten Ranges herabgedrückt war, hatte Eng- land nur noch in den Vereinigten Staaten, seinem ciacnen Kind, einen gefährlichen Konkurrenten, indeß hier schleifen die Gegensätze sich ab, und die einigenden Kräfte sind den trennenden so ungeheuer überlegen, daß an einen Krieg zwischen England und Amerika nicht nur nicht zu denken ist, sondern das lang gehegte Ideal eines englisch-amerikanischenBündnisses seiner Erfüllung zurcift. So bleibt Rußland der einzige Neben- buhler, der Feind, dessen Triumph der Untergang des eng- lischen Weltreiches wäre. Aber— und dies ist es, was der englischenPolitik cinDopPel- gcsicht und einen inneren Widerspruch giebt— während einerseits das englische Staatsinteresse die Bekämpfung der russischen Erobercrungspolitik erheischt und zum Entscheidungskriege mit Rußland zudrängt, erheischt anderseits das englische Handels-, Industrie- und Kulturinteresse gebieterisch den Frieden. In England, als dem ökonomisch entwickeltsten Lande, bildete sich zuerst eine ausgesprochene Friedenspartei, und zwar an- knüpfend an die erste Internationale Industrie- Ausstellung des Jahres 1851, und seitdem ist England, bereitet. Allein ist ein Handels- Doppeleigenschaft Und mit der und der Industrie gegen den Krieg. Kultur Englands stets der Mittelpunkt der sogenannten Friedensbewegung gewesen. Als bald nach der Ausstellung von 1851 die Wolken über dem Orient aufzogen, und Zar Nikolaus den „kranken Mann" entdeckte und England die Theilung der Türkei vorschlug, kam diese Friedensbewegung in scharfen Konflikt mit der englischen Weltpolitik. Die Parteinahme der Friedenspartciführer, welche zugleich die Führer der Frei- Handelspartei waren: Cobden, Bright u. A. für Rußland war damals so ausgesprochen, daß dieselben in den unsinnigen Verdacht russischer Söldnerschaft geriethen. Obgleich sie die meisten Führer der englischen Gewerkschaftsbewegung auf ihrer Seite hatten, so zeigte sich jedoch bald ihre vollständige Ohnmacht gegenüber der in die Massen und das Mark des Volkes eingedrungenen Erkenntniß, daß die von Rußland bedrohte Wcltmachtsstellung Englands sür das englische Volk eine wirthschaftlichc Lebensbedingung ist. Diese Erkenntniß brach auch bei den inneren Kämpfen, die 20 Jahre später, anläßlich des letzten russischen Türken kriegs, in England stattfanden, clcmcntargcwaltig durch und verlieh Disraeli den Sieg über Gladstone. Das war freilich nicht ermuthigend für die russische Diplomatie. Unter allen Umständen aber ist die Friedens strömung in England ein Faktor, der von der russischen Diplomatie in Rechnung gestellt werden muß; und daß sie dies nicht ins Blaue hinein gethan hat, sehen wir seit einigen Monaten. In Frankreich und Deutschland hat das Zaren Manifest nur zu vereinzelten Synipathickundgcbungen geführt. Anders in England, wo der ganze alte Apparat der Friedens bewegung wieder in Funktion gesetzt ist. Wohlgemerkt der ganze alte. Kein neuer und nichts Neues im alten. Die Mitglieder der Friedensgesellschaft, ein Theil der liberal radikalen Parteiführer, ein Theil der Gewerkschaftsführer— das heißt diejenigen, Ivelche im Schlepptau des liberal radikalen Bürgcrthums sind— sie sind alle wieder da— oder wenigstens meistens. Es werden Versammlungen gehalten. werden Zeitungsartikel geschrieben, es werden Flugblätter vcr- breitet, und von Herrn S t e a d, dem sensationellen und politisch nicht gut beleumundeten Verfasser des Londoner „Jungfrauentnbuts", Mr. William Stcad, wird ein eigenes Wochenblatt herausgegeben, betitelt:„"War agarnst War" Krieg dem Krieg. Trotz der überschwänglichen Berichte einiger Blätter über den„wunderbaren Erfolg" dieser Agitation ist der Erfolg nach objektiven Berichten ein sehr mäßiger, die„Riesen-Ver- sammlungen" in St. James' Hall und St. Martin's Town Hall waren nichts Ivcniger als„riesenhaft" besucht, und die englischen Arbeiter halten sich fern— außer so weit der Einfluß der im Schlepptau der liberal-radikalen bürgerlichen Parteien befindlichen Führer reicht. Und alle be deu'tenderen Parteiführer der Liberalen halten sich fern. Kurz, die Friedensbewegung in England ist augenscheinlich nicht so stark, wie zu Anfang der fünfziger Jahre, und es unter- liegt keinem Zweifel, daß sie im E r n st f a l l e wie damals zerstieben wird gleich Spreu vor dem Winde. Wenn die russische Diplomatie also gehofft hat, durch das Friedens- Manifest das englische Volk gegen die englische Re- gierung zu hetzen, so hat sie die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Ja, sie hat, weil ihr Spiel gar leicht zu durchschauen war, die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit eines Krieges mit Rußland in der englischen Bevölkerung blos noch in wei- tere Kreise getragen. Ob nun der Krieg unvermeidlich ist? Leichtsinnig an- greifen wird England gewiß nicht. Es wird blos angreifen, wenn es muß. Und Rußland ist sicherlich jetzt nicht in der Lage, England mit Aussicht auf Erfolg die Stirn zu bieten. Die Hungersnoth im Lande, die Mißverwaltung des schlecht regierten Reichs, die finanzielle Zerrüttung, die jüngsten politischen Niederlogen in China, wo die englische Kultur der russischen Brutalität immer mehr den Rang abläuft, die merkwürdige „Krankheit" des Zaren, der nach den neuesten Berichten in ähnlicher Lage zu sein scheint, wie der Kaiser von China— das Alles muß der russischen Diplomatie die unangenehme Wahrheit zum Bewußtsein bringen, daß R u ß l a n d in die Reihe der kranken Männer getreten ist. Aber kann der Zarismus, der auf die Eroberungspolitik angewiesen ist, von dieser ablassen? Es wäre Selbstmord. Denn nur ein liberales, kon- stitutionelles Regiment könnte auf die Eroberungspolitik ver- zichten. Wie immer dem sei, das Fiasko der russischen Friedens- konferenz, falls sie überhaupt zu Stande kommt, ist un- vermeidlich. Der Militarismus als organischer Auswuchs des modernen Kapitalismus wird erst mit dem Kapitalismus ver- schwinden— verschwinden durch die Thätigkeit der inter- nationalen Sozialdemokratie, nicht durch die Agitation bürger- lichcr Demagogen oder Utopisten, die, so weit sie den Militarismus wirklich bekänipfen, an dem Aste herum- sägen, auf dem sie selb st sitzen. Politische Mrbevfichk. Berlin, den 28. Februar. Der Reichstag atte heute das Glück, den wirthschaftlichen Scharf- und ichachersinn unserer Edelsten der Nation, die sich wie in einem Tournier herumtummelten, bewundern zu können. Zwei Grafen waren es, die heute ihr geschäftliches I Talent ausstellten: der noch immer nicht„leicht" ge- wordene Klinckow ström und Schwerin, der seine gestrige Rede noch einmal hielt; außerdem die drei agrarischen Generalagenten Hahn, Gamp und R ö s i ck e, welche den Herren Grafen zu sekundiren hatten. K a n i tz reservirte sich. Im Namen des kleinen Mannes liefen die Herren Sturm gegen die großen Mühlen, von denen sie sich benachtheiligt glauben und die sie nicht in ihrer Gewalt haben. Mehl- bcsteuerung, Ouebrachoholz und schließlich noch Zucker alles wirbelte durcheinander. Was die einzelnen Redner gesagt, das-läßt sich nicht kurz darlegen— genug, jeder der Herren von der Rechten sprach als„Interessent", und„die heiligsten Güter", für deren Vertheidignng sie sich zusammengcschaart haben, sind„Arbeitergrosche n", die auf dem Wege der Gesetzgebung aus der Tasche des arbeitenden Volkes in die der Junker und Junkergenossen hinüberpraktizirt werden sollen. Betreffs der Zuckersteuer wahrte Gen.osse Wurm in kurzen kräftigen Worten den Standpunkt unserer Partei. Morgen Fortsetzung. Zuckersteuer u. s. w. Der Schwerins- tag ist verschoben.—_ Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgcordnctcnhaus setzte heute zunächst die Debatte über den Antrag H i r s ch betr. Beaufsichtigung der Gruben durch Berg- arbeiter fort. Es kamen nur noch zwei Redner zu Worte, der ultra- montane Graf S t r a ch w i tz, der für den Antrag sprach, und der Nationallibcrale Dr. B e u in e r. der ihn aus technischen und poli- tischen Gründen bekämpfte. Herr Dr. Beumer sieht es als feststehend an, daß die Arbeiterdelegirten vielfach unter dem Einfluß ihrer Wähler stehen würden. Es fei nachgewiesen, daß mindestens die Hälfte aller Unglücksfälle zurückzuführen sind auf die Unvorsichtigkeit der Arbeiter; werden nun die Arbeiter-Delegirtcn bei dem„bekannten TcrrorismnS der Genossen" den Muth haben, in solchen Fällen den wahren Grund festzustellen? Weiter müsse man sich fragen, ob der- artige Einrichtungen wirklich unseren Arbeitern nützen oder ob sie nicht vielmehr lediglich der Sozialdemokratie Vortheil bringen. Alle in den letzten Jahren geschaffenen Institute, mit denen Wahlen ver- bunden sind, hätten zu einer Stärkung des sozialdemokratischen Einflusses gesührt, z. B. die Gcwcrbcgerichte. Bei den geheimen Wahlen zu den Gewcrbegcrichten werde eine vergiftende Agitation entfaltet, es erscheine eine Fluth von Wahlaufriifen mit einer so kräftigen Sprache, daß dagegen die Wahlaufrufe der politischen Parteien die reinen Waisenknaben sind. Ferner werde, wenn man mit Arbeiter- delcgationcn vorgehe, auch der Eiseubahnministor sich der Schaffung ähnlicher Vcrh'ältnisie nicht entziehen können, und auch der Kriegsminister werde sich auf die Dauer»diese Leute" nicht vom Halse halten können. Man sage, die Arbeiter hätten einen solchen Bildungsgrad, daß man ihnen das geheime Reichstags-Wahlrecht habe gewähren können, dann könnte man ihnen dasselbe Recht auch für andere Wahlen geben. Dem gegenüber erlaube er sich die Frage, ob denn das deutsche Volk von dein Reichstags-Wahlrecht immer den richtigen Gebrauch ge- macht habe. Um diese erzreaktionäre Rede völlig würdigen zu können, muß man wissen, daß Dr. Beumer in seinem Privatleben Sekretär des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen im Rheinland und Westfalen und Sekretär der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahliudustrieller ist. Nach der Rede des uationallibcralen Abgeordneten wurde die Debatte geschlossen und der Antrag Hirsch,>uie vorauszusehen, gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen und der freisinnigen Parteien abgelehnt. Ter Rest des Bcrgctats wurde ohne Debatte erledigt, ebenso eine ganze Reihe kleinerer Borlagen und Petitionen. Morgen: E i s e n b a h n e t a t. Wie Stumm zitirt. Die„Sächs. Arb.-Ztg." macht auf folgendes Zitirungskunststück des immer loyalen, selbst einen Fink ivegen Unwahrhastigkeit ab- schüttelnden Freiherrn v. Stumm aufmerksam. Herr v. Stumm leistete sich in seiner Reichstagsrede vom 22. Februar, in der er die Löbtauer Angelegenheit zuerst anschnitt, die Lächcrkeit, daß die Sozial- demokratie eigentlich Schuld sei an den Ausschreitungen. Zum„Beweise" dieser Behauptung führte er wörtlich nach dem amtlichen Steno- gramm aus: ..... ich will doch ein Zitat aus der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" verlesen, die schreibt: Daß den Verurtheilten jedes Schuldbewußtsein gefehlt habe, und daß sie zunächst in durchaus unanfechtbarer Weise (Lachen rechts) ihre Interessen gewahrt und unter dem Ein- druck der berechtigten Nothwehr(Lachen rechts) gegen den schießlustigen Bauunternehmer gehandelt hätten. Ja, meme Herren, wenn in der offiziellen sozialdemokratischen Presse derartige Beschönigungen vorkommen— im„Vorwärts" stehen ähnliche Dinge—, dann darf man sich doch nicht Wundern. wenn diese Hetzereien aufreizend auf die Leute einwirken und auf einen fruchtbaren Boden fallen." In Wirklichkeit ist das, was Herr v. Stumm als Zitat aus der „Sächs. Arb.-Ztg." ausgab, nicht in der„Sachs. Arb.-Ztg." enthalten gewesen, sondern ist ein Zitat aus dem—„Dresdener Journal", aus dem berüchtigten Artikel über die„Löbtauer Landfricdensbrechcr". Und die„Sächs. Arb.-Ztg." hatte bereits ausdrücklich gegen die ihr in jenem Zitat gemachte unwahre Unterstellung protestirt und die Verdrehung des„Journals" richtig gestellt. Obwohl dem Freihcrrn v. Stumm am 23. Februar von sozial- demokratischer Seite erklärt wurde, es sei nicht wahr, daß irgendwie jene Ausschreitungen von der sozialdemokratischen Presse beschönigt worden seien, griff er nochmals auf dasselbe falsche Zitat zurück und sagte: „Ich erinnere weiter an das Urtheil der„Sächs. Arb.-Ztg.", das ich gestern vorgelesen habe, wo ausdrücklich dieVorgänge als ganz harmlos und berechtigt hingestellt wurden." Diese zweite Univahrheit des Freihcrrn ist doppelt gewichtig. Journal" beschränkte sich die Unwahrhastigkeit darauf, daß die . ische Arbeiter-Zeitung" das erste Auftreten der Arbeiter entschuldigt habe. Herrn v. Stumm genügt diese Unwahrhastigkeit nicht, er potenzirt sie zu einer Rechtfertigung dcZ ganzen Exzesses durch die„Sächsische Arbeiter-Zcitimg", welches Blatt aber that- sächlich jene Ausschreitungen selbst in keiner Weise geschützt und be- schönigt hat. Herr v. Stumm ist auf einer groben Entstellung von Thatsachen ertappt. Die„Post" würde ihrem politischen Gegner gegenüber von Fälschung sprechen!—_ Eine Nachricht anö dem Mittelalter findet jetzt erst den Weg in die Oessentlichkeit. Lebte da einmal in Würzburg ein ge- lehrter Professor der katholischen Theologie, der emstglich Bücher aus Bücher schrieb, in denen er die katholische Lehre verherrlichte. Der Mann hieß Schell, er unterrichtete aber in Würzburg die Studiosi der Gottesgelahrtheit. Jcdcnnoch hatte dieser fromme Mann insgeheim einen Mitarbeiter, der nach Schwefel stank und uach� höllischem Feuer, nicht anders wie der leibhaftige-sif-f. Der Papst aber merkte allein die verruchte Mitarbeiterschast und sandte folgendes Schriftstück in die Welt: Die hl. Kongregation der vom hl. Vater Papst Leo XIII. und dem Apostolischen Stuhle mit dem Index der verbotenen Bücher, deren Namhnftmachung, Reinigung und Erlaubnis für die ganze katholische Welt beauftragten und bestimmten Kardinäle hat in der Sitzung vom 15. Dezember, welche im vatikanischen Palast gehalten ist. die nachstehenden Werke veninhcilt, namentlich bezeichnet und in das Verzeichnis der verbotenen Bücher aufnehmen lassen: Katholische Dogmatil, in sechs Büchern, von Hermann Schell, Direktor der Theologie und Philosophie, Professor der Apologetik an der Universität Würzburg. Paderborn, Ferdinand Schöningh, 1889, 1893. Die göttliche Wahrheit des Christenthums. in vier Büchern, von Dr. Hermann Schell, Professor der Apologetik an der Universität Würzburg. Paderborn, Ferdinand Schöningh, 1895, 1896. Der KatholiziSnuiS als Prinzip des Fort- schr itt s, von Dr. Hermann Schell, Professor der Apologetik und derzeitigem Rektor der Universität Würzburg. Würzburg, Andreas Göbel, 1897. Die neue Feit und der alte Glaube. Eine kultur- geschichtliche Studie von Hermann Schell, Professor der Apologetik an der Universität Würzburg. Wiirzburg, Andreas Göbel, 1898. Niemand also, wefi Ranges»ud Standes er immer fei, soll es wagen, die genannten vernrtheilten, namentlich bezeichneten Werke irgendwo oder in irgend einer Sprache hcranS- zugeben oder zu lesen oder bei sich zu behalten, sondern Jeder ist unter der im Index verzeichneten Strafe verpflichtet, dieselben de» Bischöfen oder den Jnquisistoucn zu übergeben. Diesen Beschluß hat Se. Hciligkctt»ach den« Vortrage des unterzeichneten Sekretärs bestätigt und zu veröffentlichen befohlen. Andreas Kardinal Steinhuber Präfekt. ITr. Marcolinus Cicognani 0. P. Sekretär. Das Merkwürdigste an dieser Geschichte aus dem Mittelalter ist, daß sie schalkische Zeitungsschreiber in den Februar des Jahres-- 1890 verlegen.— Prof. Schell hat sich übrigens bisher Rom nicht unterworfen. Er wurde zu Beginn seiner Vorlesung beim Erscheinen von den Zuhörern mit stürmischem Beifall begrüßt. Er beleuchtete eingehend seine Bestrebuugcil und erklärte, auf alle Opportunität verzichten und ein beharrlicher Vorkämpfer für die Wahrheit bleiben zu wollen:„Sie werden mich stets bereit finden, der Wahrheit zu dienen.* Dieselben Blätter, die sonst für jede DiSziplinirung schwärmen, finde» den Widerstand gegen Rom löblich. Wie die klerikale Presse über die Angelegenheit urtheilt, ersieht man aus der Bonner »Deutschen ReichSzeitung": »Wir sind überzeugt, daß er daS Gute gewollt hat und daß er diesen guten Willen beweisen wird durch eine katholische Unterwerfu u g." „Trotzdem stehen wir nicht an, das Dekret der Jndexkougre- gation zu begrüßen, denn die Richtung, ivelche durch die ge- naimten Bücher Schcll's in Deutschland anfing besonders bei den Jüngeren maßgebend zu werden, war eine gefährliche. Es war eine Konzession an den falschen liberalen Geist unserer Zeit, den man Aufklärnng nennt und der eine gewisse negative zersetzende Wisscnschaftlichkeit über die Kirchlichkcit zu setzen versucht. „Kein Wunder, daß der ganze Liberalismus mit seinem Streben nach Zllgellosigkcit Bestrebungen wie jenen des Herrn Professors Dr. Schell hellauf zujubelte und mit einer großen ängstlichen Spannung darauf wartete, ob die Kirche schivcigcn tviirde,� ob die Gelegenheit komme, endlich Bresche zu legen in den festen Thurm der Kirche, welcher seinen Schutz und seine Stärke findet in den positiven Lehren und Bestimmungen, welche die Aufgabe haben, die Zügellosigkcit niederzuhalten. Causa finita!(Die Sache ist erledigt!) Für UNS die Sache allerdings insoweit nicht erledigt, als das Dekret durch das Ver- bot früher erschienener Bücher'einen deutlichen Wink und Finger- zeig gicbt auf die einzuschlagende Richtung in d e r Zukunft.* Für uns tönen solche Worte wie aus einer anderen, fremden Welt. Dagegen ist es eitel Heuchelei, Ivenu unsere evangelischen Papisten, mögen sie sich nun liberal, frcikonservativ. national oder sonst wie nennen, sich laut entrüsten. Es ist der gleiche reaktionäre Geist, der den Gedanken knebelt, die Freiheit zerrüttet, und im Staatsanwalt den heiligen Hüter der Ordnung erkennt. ES ist dieselbe Welt, in der die Bosse delbriicken, die Recke nach den Beinen schießen, die Posadowsky, Stumm und Rüger fürs Zuchthaus eifern. Es ist die Rückständigkeit der Junker vom Halm und vom Hochofen, die jede Aufklärung ihrer durch das Elend an die Scholle gefefselten Sklaven zu vereiteln trachten, und das„Los von Rom* ist bei Weitem nicht so dring- lich wie— in gewissem Sinne— das„LoS von B erlin!* Und gar unsere Professoren, die ihren Kollegen mutbig schweigend dem Köller überließen, welches Recht haben sie, über katholische Unduldsanikeit zu bramarbasiren? Der weltgeschichtliche Kampf zwischen Licht und Finsterniß wird heute auf einem anderen Felde ausgefochten. Unser Feind ist die Klerisei des vereinigten Kapitalismus, die den freien Gedanken, das freie Handeln, die freie Selbstbestimmung des Volkes in Ketten schmiedet, die der gemeinsten Selbstgier die aufsteigende Kultur und ihre Vorkämpfer schamlos ausliefert, die die wahre Wissenschaft wie den wahren Glauben an die Menschheit verleumdet und verhöhnt— das ist das moderne Pfaffcnthum, das mit Inquisition, Folter und Iudex wilder und verderblicher wirlh- schaftet als jene Tempelhüter der allein selig machenden Gläubigkeit. „Kulturkämpferische* List wird uns niemals verführen, den wahren Feind zu vergessen.— �* Aeutskhes Weich. Eine Bestätigung. Die offizielle„Berl. Corresp.* berichtigt: „Die„Freisinnige Zeitung" und die„Münchener Neuesten Nach- richten" enthalten Erörterungen und Meldungen, welche den Ein- druck zu erwecken geeignet sind, als beständen Gegensätze zwischen einzelnen der Herren Ressortminister und dem Herrn Präsidenten des Königlichen Staatsministeriums. Alle diese Mittheilungen entbehren jeder thatsächlichen Unterlage." Indem die„Berliner Corresp." also„berichtigt", bestätigt sie die Mittheilung, daß der Reichskanzler und preußische Minister- Präsident, sintemalen Herrn v. d. Recke's Einfluß nicht hinreiche, sich der Oberbürgermeister-Frage angenommen habe und versuchen wolle. ob er befähigt sei, der Stadt Berlin ein Oberhaupt zu verschaffen.— Der Chefredaktenr der„Post" ist nicht bei Laune und seine unabhängigen Mitarbeiter lesen in der Seele des Gewaltigen, daß unser gestriger Artikel so albern zu befinden sei, daß es sich nicht verlohne, darauf näher einzugehen.„Die Blamage, welche sich der „Vorwärts" durch feine jüngste That zugezogen, wird durch diese klägliche Erwiderung nur noch verstärkt." Leider verzichtet die„Post" darauf, unsere Blamage dadurch zu vollenden, daß sie die Briefe Stumm's ebenso wortgetreu abdruckt, Ivie wir es mit ihrer Komödie„Lorenz und Lorenzen" gcthan haben. dieser prächtigen Dichtung des Halbergcr's. Dagegen hat die„Post" allerlei Helfershelfer gefunden: 1. Die„Staatsbürger- Z e i t u n g". die drischt,' drischt und drischt, bis von der zerhauenen Sozialdemokratie nichts mehr übrig bleibt. 2. Die„Deutsche Wart e", das Blatt mit den Redakteuren auf 24stündige Kündigung, das natürlich das angenehm unabhängige Verhältniß zwischen Stumm und seinen Scheerenschleifcrn tief bewundern muß. 3. Die „Tägliche Rundschau", die ihre beste Kraft durch eine leidige nationale HeirathSverinittelimgs-Geschichte eingebüßt hat und die an diesem Unglücksfall ihr Anstandsgefühl und'ihre sittliche UrtheilS- fähigkcit bis zu einer unglaublichen Feinheit geschliffen hat. Sachlich den Hieb zu pariren versucht nur die„Staats- bürger-Zeitun g". indem sie eine Enthüllung über sozial- demokratischen Terrorismus zum Besten giebt. Sie hatte mit den Stumm-Briefen ein Zirkular der Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker in Verbindung gebracht, das den Beweis liefern sollte, welch' böser Terrorismus in der Sozialdemokratie sein Wesen treibt. Das„terroristische" Schriftstück lautet: Berlin, Poststempel. Werther Kollege l Auf die Beschlüsse vom 21. Dez. 97 und 18. Januar 93, be- treffend Theilnahme der Vereinigung am Gewerlschaftshause mit 500 M., sind Sie verpflichtet, bis zum 15. Februar dieses Jahres zu diesem Zweck vier Monatsbeiträge im Voraus zu zahlen. Sollten Sie diesen Ihren Verpflichtungen(!) bis zum 15. Febr. 93 nicht nachgekommen sein, haben Sie in kürzester Zeit zu gewärtigen: 1. Abzug bei Geschäften deS Arbeitsnachweises; 2. Ausschluß vom Arbeitsnachweis auf längere Zeit(!) Z 3 Ausschluß aus dem Verein. Vorstehende drei Punkte werden unnachsichtlich(!) durchgeführt. Der Vorstand. Wir haben unS die Mühe genommen, uns über dies Schriftstück näher zu unterrichten und da' stellt sich heraus, daß das Zirkular niemals eine Bedeutung gehabt hat. Schon die nächste Mitglieder- Versammlung des Vereins, die am 22. Februar 1898 stattfand, be- schloß, das Vorgehen des Vorstandes zu mißbilligen und es wurde mithin den angedrohten Maßregeln keine Folge gegeben. Damit ist gewiß deutlich gezeigt, daß dem Mißgriff, der wesentlich durch den Vorsitzenden verschuldet war, sofort die nöthige Korrektur folgte. Die„Post" und die„Staatsbürgerin", die Eides- Helferin Stumm's. können aus dieser Gegenüberstellung ersehen, wodurch sich sozialdemokratischer Terrorisinns von dem ordnungs- parteilichen Tcrrorismus unterscheidet. Geschehen bei uns gclcgent- lich Dinge, die auch nur den Schein des TerroriSmus haben, so werden sie allgemein vcrurtheilt und alsbald mit allem Nachdruck aus der Welt geschafft. Hingegen, wenn die Stiimmlinge terrorisiren, dann loben das die Staalsbürger-Mannen und schimpfen nur auf die, so sich hcraiisnehmen, die Gewaltthaten der Ocffentlichkeit preis- zugeben.— Die Flegel- Bilder- Sprache deS Grafen Pückler hat der „Staatsbürgerin" den Besuch der ihr sonst so befreundeten Polizei zugezogen. Es wird gemeldet: Eine Haussuchung bei der„Staatsbürgcr-Zcitnng" sollte Dienstag Vormittag von der' Polizei auf staatSanwaltliche Verfügung vor- genommen werden. Den Anlaß dazu gab die Nummer vom 9. d. M.. ie die vielbesprochene Rede des Grafen Pückler, des AmtövorsteherS in Klein- Tschirne, enthielt. Seitens der Geschäftsstelle der „Staatsbürger-Zeilung" wurden die noch vorhandenen Exemplare der Rede freiwillig herausgegeben, worauf die Beamten sich zufrieden gestellt entfernten. Gleichzeitig mit der Geschäftsstelle der„Staats- vürger-Zcitung" wurden auch alle öffentlichen Lokale einer Durch- suchung nach der Rede nnterworfen. Wir bedauern, daß durch den polizeilichen Eingriff dem Publikum die Gelegenheit entzogen worden ist, sich— in den Tagen des Zucht- Hanskurses— ei» Urtheil zu bilden, wer zu Gewaltthätigkeiten aufreizt.- Ziemlich deutlich war gestern im„Reichs- Anzeiger" der „Deutschen Tages-Zeitimg" Bescheid gesagt worden, die ihren Hammersteiii von dem Verdachte reinigen wollte, er sei Miturheber der Fleischschan-Gesetze. Der„Reichs-Anzeiger" hatte mitgetheilt, daß der Entwurf auf einmüthigeu Beschlüssen des preußischen Staatsministeriums beruhe. Heute poltert nun die„Deutsche Tagcs-Zcitung" zurück: „Wir glauben, daß der„RcichS-Anzeiger" sich diese Belehrung hätte ersparen können. Daß schließlich das Ministeriimi als solches eine Vorlage an den Bundesrath bringt, ist selbstverständlich. Daß aber auch U e b e rstimmu n g en stattfinden, weiß außer der Redaktion des„Rcichs-Anzeigers" jeder Mensch im Deutschen Reiche." Wenn den Nndeiitungen der agrarischen Zeitung thatsächliche Vorkonimnissc zu Grunde liegen sollten, dann würde ein recht be- zeichnendes Licht auf die Zuständ" innerhalb der Regicrimg fallen. Ahlwardt darf doch in S a ch s e n- W e i m a r Versammlungen abhalten. Unsere Notiz kürzlich war irrig. Es wäre auch schade, wenn die Sachscn-Wcimaraiicr um diesen seltenen Hochgenuß gekvninien ivären.— Die Delegirten deS Zentralverbandes der Industrielle» waren am Dienstag in Berlin versammelt, um ihr Veto gegen ederlei Sozialpolitik einzulegen. Der bekannte Generalsekretär des Verbandes Herr B n e ck spielte die erste Rolle. Er erklärte sich 'charf gegen die Anträge des Zentrums und der freisinnigen Volks- Partei betreffend die eiiigctragciien Berufsvereine, ebenso gegen den iiationallideralcn Antrag ans Einrichtung obligatorischer Schiedsgerichte von Arbcitgevern und Arbeitern in örtlichen berufSgenosseiisthasilichen Bereinigungen zwecks Bcrathung gemeinsamer Angelegenheiten. Alle diese sv überaus milden fozialpolitischen Forderungen selbst der natioiiallibcralen Partei sind den Herren vom Zentrnlvcrband in der Seele verhaßt, weil dadurch angeblich nur die Sozialdemokratie Stärkung erfahren würde. Auch gegen die Jnvaliditäts- Novelle, oweil sie heilsamere Vcstimmimgcn enthält, wendete sich die erlauchte Groß-Käpitalistenversammlung. Landtags- Vorlagen. Nationalliberale Blätter geben eine Aenßening des Fiiianzininisters v. Miquel wieder, wonach mit den rückständigen Vorlagen für den Landtag auch die Kanal-Vor- läge noch vor Ostern dem Landtage zugchen wird. Das K o m- munal-Wahlgesetz werde in etwa acht Tagen dem Landtage zugehen. Eine Kreditvorlage fordert 5 Millionen Mark für A r b e i t e r>v o h n u n g e n.— Ein neneS Kiautschou? Wie aus Peking der offiziöse Draht meldet, sind in Tientsin, und zwar in der Stadt selbst, am 25. d. Mts. Abends mehrere Deutsche beschimpft und thätlich angegriffen worden, so daß sie durch Seitenstraßen flüchten muhten. Die„Voss. Ztg." fügt dieser Mitthcilmig gleich hinzu, welche Vorzüge die Stadt Tientsin besitzt: Tientsin, der Vor- Hafen von Peking in der Provinz Potschili, liegt an der Mündung des Kaiserkanals in den Pei-Ho, etwa 50 Kilometer von der Küste und zählt gegen 1 Million Einwohner. Wittcrl man vielleicht ein neues Objekt für einen Pachtvertrag i la Kiaiitschou? Aber dann hätten doch die beschimpften Deutschen auch iiiindcstens ermordet werden müssen. Auch Herr v. B ü lo w, der Staatssekretär des Aeußeren, hat bereits zu der Angelegenheit gesprochen. In der Budgetkommission machte er am Dienstag die folgenden Mittheilungcn: „Aus Tientsin ist uns gestern Abend ein Telegramm zugegangen. nach welchem am 24. d. M. Abends mehrere Deutsche in der Stadt angegriffen und insultirt worden sind, die genöthigt wurden, sich in die engen Seitenstraßen zu flüchten. Wir hatten schon vor einigen Wochen die Meldung erhalten, daß sich in China eine gewisse Ge- reiztheit gegen die Fremden geltend mache und namentlich im Süden von Shantung eine Gährung vorhanden sei. Wir haben schon da- mals der chinesischen Regierung nicht verhehlt, wie nothwendig es sei, daß sie mit Bezug aus' die'öffentliche Sicherheit größere Wach- samkeit zeige. Infolge des gestern aus Tientsin eingegangenen Telegramms habe ich unseren Gesandten in Peking angewiesen, der chinesischen Regierung keinen Zweifel darüber zu lassen, daß, falls derartige Vorkommiiisse nicht strenge geahndet werden oder gar sich wiederholen sollten, dies für die chinesische Regierung ernste Folgen nach sich ziehen würde. Wir haben weder eine Veranlassung noch die Absicht, uns in die inneren chinesischen Verhältnisse einzumischen. Aber wir haben die Pflicht, darüber zu wachen, daß Leben und Eigenthum unserer Reichs- angchörigen. unserer Missionäre und ihre' Anstalten, unsere Kauf- lente und ihre Handelsuiiternehmungen, kurz unsere ethischen und materiellen Interessen durch die inneren chinesischen Wirren nicht berührt werden. Wir werden die Pflicht vor Augen behalten und die gewichtigen Interessen, welche wir in China besitzen, mit Nach- druck schützen." Das klingt ja sehr unternehmungslustig.— Ninerikanifche Kommission in Deutschland. In Hamburg ist eine amerikanische Abordnung eingetroffen, die Deutschland be- reisen soll, um festzustellen, wie die jetzt bestehende Fleischschau gehandhabt und in welchem Umfange amerikanische Fleischwaaren bisher beanstandet wurden.— Ans Oberschlesien. Ein eigenthllniliches Verhalten zeigt die obersch lesische Polizei in den Bielschowitzer Versammlungen. Zweimal hinter einander hat sie jetzt das er« hobene Eintrittsgeld koiifiszirt: auch hielten sich mehr als zwei Polizeibcamte im Versanimlimgslokal auf, und die überzähligen zwei verließen es nicht, obgleich sie hinansgewiesen wurden. Diirch Beschwerden und Strafanträge wegen der l'leberschreitung gegen die betheiligtcn Beamten wird versucht werden, Abhilfe zu schaffen.— Dresden. 28. Febr.(Eig. Ber.) Dem Beispiel anderer großen Städte folgend, ist mnimehr in den letzten Tagen ein Arbeiter- vertreterverein ins Leben gerufen worden. Diesem Verein sollen die Vertreter der verschiedenen Arbeiterversicheriingen, Orts- imd Hilfskrankeiikassen, Berufsgenoffenschafteii, Alters- und Jnvalidi- tätsversickicrimg u. f. Iv. angehören. Die Hauptaufgaben des sicherlich sehr nützlichen Vereins werden sein: Tie Negelung der Vertreter- wählen zu den in Frage kommeiiden Anstalten und Verbreitung der Keimtniß der LersichermigS-Gesetzgebung.— Chronik der MajcstätSbeleidignngS-Prozesse. Der Bergarbeiter H a d u l l a aus Michalkowitz bei Kattowitz ist vom Benthener Landgericht von der Anklage der M a j e st ä t s- beleidig ii n g freigesprochen worden. Ein ehemaliger Kollege Morawietz, mit dem er sich wegen einer Ziege verfeindet hatte, war der Deiiunziniit. Sein Zeugniß war so unglaubwürdig, daß der Staatsanwalt selbst die Freisprechimg beantragte. Morawietz hak indcß seinen Mitarbeiter schon wieder wegen desselben Vergehens angezeigt. Das Denunziantenthum blüht in Oberschlesien leider noch allzu sehr._ Chronik der Gewaltthätigkeiten. (Vergleiche zum Dresdener Zuchthaus- KurS.) Das Dienstmädchen L. kam am 1. Mai v. I. von RegenSbnrg nach München und trat bei dem Jiigeiiicur Ludwig Heckelmann, Somicnstr. 3, in Stellung. Die Stellung behagte dem Mädchen nicht, weshalb es am 15. Juli kündigte und sich nach anderer Stellung umsah. Nun hatte das Mädchen die Hölle im Hause. Kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist verlangte Hcckelmann das Dicnstbotenbuch, das sich schon in den Händen der zukünftigcnHerrfchaft befand. Und als das Mäd- che» erklärte, daß es auf ein Zeugniß von dieser Stelle verzichte, fiel der gnädige Herr über die Wehrlose her, drosselte sie, warf ie zu Boden und traktirte die Arme mit Fuß» tritten. Das Mädchen begab sich, wie die„M. Post" berichtet, ans die Polizei, um Anzeige gegen den rohen Patton zu stellen und wurde von hier aus sofort de'in'Kraiikeiihnufe zugeführt. Das linke Auge und die linke Wange waren infolge der Mißhandlung mit Blül unterlaufen und auf dem linken Ohr hörte daS Mädchen längere Zeit überhaupt nicht mehr. Hcckelmann wurde um ganze 50' Mark bestraft._ Der badtsche Fabrikinspektionö-Bericht. Ans Karlsruhe wird uns geschrieben: Im neuen FabrilinspektioiiS-Lericht findet sich ein ganz merk« würdiger Lapsus. Es handelt sich um die Stellung, welche die Fabritinfpeltion zu den Anträge» der sozialdemokratischen K a m m e r f r a k t i o n bczw. zu den Beschlüssen der Kammer ninunt, welche den Landtag im Frühjahr 1898 beschäftigten. Auf Antrag der Petitionskommiision beschloß die Kammer im Wesentlichen mit großer Mehrheit: 1. Die großh. Regierung zu ersuchen, in den größeren Industrie- bezirken des Landes Ünterinspektionen z u errichten. 2. Die Regicrimg aufzufordern, zwei zur Fabrikaufsicht geeignete weibliche Personen auszuwählen und ausbilden zu lasten und im nächsten Budget die Mittel vorzusehen, damit dieselben als Assistentinnen der' Gcwerbe-Jnspeltion angestellt werden können. 3. Die Regierung aufzufordern, für Bestellimg von Vertrauens- Personen als Veniiitlelimgsorgane besorgt zu sein und bei der An- stellimg von nichtakademisch gebildeten Beamten der Gewerbe- Jnspeltion den Arbeitern daS Vorschlagsrecht einzuräumen, Welches Erstaunen erweckt eS nun, wenn man Seite 2 des Jahresberichtes liest, die Kammer hätte folgenden Antrag an- geiioinmeii: „Den Antrag auf Errichtung von Unter» Inspektionen abzulehnen, dagegen die Regierung zu er» tiichcn, die Frage der Dezentralisation weiter zu prüfen und sie ins Werk zu setzen, wenn alle der Gewerbe-Ordnimg unter- worfenen Anlagen der Gelverbe-Aufsicht unterstellt seien." Der Fabritinspeilion passtrte hier ein Lapsus, der fast unvcr- zcihlich ist. Einen Trost niag sie darin finden, daß das Organ der badischen Zeiittilinsfraktioii, aus deren Milte der sehr fleißig ausgearbeitete Bericht der Pctitionslommissiou zum sozialdemo- kratiichen Antrag stammte(Abg. Schüler), jetzt den allgemeinen Theil des Jahresberichtes bespricht, ohne auf den großen Widerspruch mit deni Kammervotum aufnierksam zu werden. Aber, Herr Dr. Wöris- hoffcr, das kommt davon, wenn die Fabrikinspektion am Regieriuigs- tische der Kammer nicht zugelassen ist!— Anstand. Bei der Bchmidlnng der NevisionSvorlage im französischen Senat hielt, wie wir unseren Depeschen in gestriger Nummer nachtragen, der Senator Bereuger eine sehr wirlimgSvolle Rede gegen die Vorlage. Unter Anderem führte er aus: Niemals kann ich zulassen, welche Umstände auch eintreten mögen, daß man unserem Lande ein solches Gesetz aufdrängt, das allen, von zivilisirtcn Völkern anerkannten Prinzipien Hohn spricht, und das Alles mir, um einem Ministerium aus einer augenblicklichen Verlegenheit zu helfen I Was micki untröstlich macht, ist die leicht- herzige Vcrleugnuiig aller Grundsätze, die ich bisher für heilig hielt. — Ein Volk känn schließlich ohne Freiheit leben, aber niemals ohne eine geachtete Justiz, ohne den Schutz der Bürger und das Recht der Vertheidigimg!(Stürmischer, wiederholter Bestall links und im Zentr.) Berenger führte weiter aus, wie säininttiche Ver- 'assunaen seit 1789 die Bcsliinmuiig enthalten, daß Nieniaiid seinen natürlichen Richtern entzogen Wersen kann. Im Augenblick kann man die Verfassung nicht ändern, man ändert aber die Richter. Man agt, daß die Vorläge eine vennehrte Garantie schafft. Das ist die Sp räche aller Staats st reichel(Stürmischer Beifall und Händeklatschen links. Minutenlange Erregung.)— Statt die be- schuldigten Richter vor ihren natürlichen Richter, das eifct da« Disziplinargericht, zu stellen, wo sie sich rechte fertigen könnten, brandmarkte man sie, ohne sie zu hören. Dieics Nichtanhören erinnert mich, wie oft ich mich fragte und mit welcher Beklemmung, ob man dem Verurtheilten, um dessen Schicksal es sich heute handelt, nicht auch das Wort verweigerte zur Bertheidigung? Soll denn die Regel werden, dah man dem An geklagten das Recht der Bertheidigung wegnimmt? Als alter Richter Protestire ich gegen die unwürdige Art, womit gegen die Richter deS Kassationshofes die Enquete geführt wurde. Mail spionirte gegen die Richter. Ein Mitglied des höchsten Gerichtes selbst verkaufte an die Presse Verleun, düngen gegen seine Kollegen. Zi allen Zeiten, in allen Ländern fanden sich Schriftsteller, solche Hmid lungen zu brandmarken, und ich brauchte vor Duquy nur die Bücher aufzuschlagen, um heute noch glühende Stellen zu finden. Man hätte die Revision wegen Illegalität machen können, aber es fand sich ein Kriegsminister, der sagte. Drehfus sei rechtlich und geietzlich verurtheilt. Die spätere Regierung beschloß, nach dem sie zuerst gezögert, die Revision, der Kassationsho beschloß die Enquete und dürfte heute im Besitz der Wahrheit sein Hüten Sie sich, jetzt einzugreifen, es könnten sonderbare Dinge geschehen. Sie sind besonders streng gegen die Zivils, istiz, aber gegenüber der Militärjustiz soll nicht einmal die Frage gestattet sein, ob die einfachsten Regeln'derJustiz 1834 deachtet wurden. �Bewegung.)— Ich bin entschlossen. all diese Schleier aufzuheben, wenn ich auch alte persönliche Freunde verletze. Die Rede mit ihrer Ankündigung von Enthüllungen machte tiefen Eindruck. Nach derselben vertagte sich der Senat auf Dienstag.— Oesterreich-ltngarn. Die erste wichtige Folge der innerpolitischen Neugestaltung in Ungarn wird die Auflösung der appony rschen Ratio ualpartei bilden. Diese Partei wird Donnerstag in einer Konferenz beschließen, daß sie infolge der mit Szell und mit der liberalen Partei hinsichtlich der wichtigsten obschwcbenden politischen Fragen getroffenen, voraussichtlich auf Jahre hinaus geltenden Bcreiilbaruilg als Partei zu bestehen aufhört. Der größte Theil der Mitglieder wird sodann in die liberale Partei eintreten.— Die D issidenten, die wegen der lex Tisza aus der liberalen Partei ausgetreten waren, beschlossen am Dienstag, wieder in den Schoos; der Mutterpartei zurückzulehren, darunter Szilagyi und die Grafen Aiidraffy und Csalq.— Frankreich. Paris, 27. Februar.(Gig. Ber.) Ein sozialistischer Wahl sieg. In Narboiine wurde im ersten Wahlgang Genosse Ferrou in die Dcputirtenkammer gewählt. Damit ist das gefälschte Wahl ergebniß vom Mai vorigen Jahres wieder gutgemacht. Der damals als gewählt proklamirte Möline'sche Kandidat hatte immerhin so viel Scham, nicht von neuem zu kandidircn, nachdem seine„Wahl" kassirt tvorden war. Ferroul erhielt 6758 Stimmen gegen 4700 auf den OrdnungSmann gefallene Stimmen. In« Mai v. I. hatte Ferroul lni ersten Wahlgang 6202 Stimmsn erhalten.— Der Sitz vmi Norboniie ging für die sozialistische Partei 18S3 verloren, ebenfalls uiwlge von Wahlfälschungen. Der beharrliche Kampf hat nun endlich den Fälschern das Handwerk gelegt.— Die Haussuchungen und Vernehmungen in Paris fördern interessante Dinge anS Tageslicht. Unser Parteiblatt, die„Pente Rspublique", veröffentlicht eine Unterredung mit dem Senator Büffet. in welcher dieser das Berlangen äußerte, vor einen StaatsgcrichtSho gestellt zu werden, wenn man glaube, daß er an einer Konspiration lheilgenommen habe. Das Blatt glaubt zu wissen, daß in den be scylagnahmten Papieren die Namen der Präfekten und sonsttgen Beamten enthalten sind, die nach dem Gelingen deS Staatsstreiches sogleich an die Stell« der gegenwärtigeil gesetzt werden sollten. Der StaatSstteich sollte stattfinden, sobald ein General, besten Name nicht angegeben wird. Äriegsminister gc worden wäre., .®er»Figaro" meldet, er habe ebenfalls erfahren, daß die bc schlagnahmten Schriftstücke die vollständigen Einzelheiten über die z n künftige Einrichtung der monarchistischen Re gier un g und die Verzeichnisse der von dem Herzog von Orleans nach seinem Erscheinen in Frank reich zu ernennenden Beamten enthalten. Gleich- wohl glaubt der„Figaro", daß man das Bestehen eines Komplotts nicht werde nachweisen können, odschon sehr belastende Briefe gc ftindcn ivorden seien, von denen z. B. einer lautet: Sehen Sie doch zu, ob General X..... würde marschiren wollen I Wenn ja, a»t- worte» Sie mir sofort und ich werde die Antivort weiterschicken. Daun würde Alles gut gehen I Mehreren radikalen Blättern zufolge geht aus bei dem Senator Büffet beschlagnahmten Pagieren unzweideutig das Bestehen eines orleanistischenKoniplotts hervor. Gewisse auswärts Souveräne hätten Geld für das Komplott hergegeben. Dieses sollte von einem aktiven General ausgeführt iverden, von dem es meß, daß er demnächst Kriegsminister würde. Die Orleäiiistcn sollten nur die Eniennung des Generals zum Kricgsniinistcr ab- warten, um zu handeln. Dsroulöde habe den ganzen Plan zerstört. Ob es sich wirklich um eine„Verschwörung", oder mehr um ein Privatvergnügen der Monarchisten gehandelt hat. die auf dem Papier eineu König und eine neue Verwaltung einsetzten, muß die weitere Untersllchung lehren.—, Dänemark. Ju« Folkcthtng stand der von der Linken beantragte Gesetz entivurf betreffend da« kommunal« Wahlrecht(ausgenommen Kopenhagen) zur Berathung. Der Antrag ist vom Ausschuß in der Weise geändert, daß an Stelle des vorgeschlagenen gweiklasscn Wahlsystems die Verhältnißzahl« Wahl Methode ein- geführt wird. Aber auch die Linke hat das von der Sozialdemokratie geforderte vollständig allgemeine kommunale Wahlrecht nicht akzcptirt. Sic stellt zur Bedingulig, daß man Steuern zahle, und schließt damit alle Diciistbotcu aus. Die jozialdcmolratischen Anträge wurden mit allen Stimmen gegen die unserer Vertreter abgelehnt, der Autrag der Ausschußmehrhcit angenoniincii.— Spanien. Madrid, 27. Februar. Im Senat brachte General Barges eine» Zusatzantrag zu dem Gesetzentwurf über die Abtretung der Philippinen ein, nach welchem die Regierung ermächtigt sein soll, alle Inseln, welche Spanien noch im äußersten Orient gc- blieben, auszutauschen, zu verkaufen oder überhaupt auf- zugeben. Immerhin versucht Spanien, sich wieder in den Besitz einer Kriegsflotte zu setzen. Auf der staatlichen Werft bei Eadix fand am Freitag die Kiellegung für den Panzerkreuzer statt, welchen die spanischen Staatsangehörigen in Mexiko ihrem Vaterlande zun, Geschenk bringen. Die Gasammtkoslen des Schiffes betragen 4'/« Millionen Peseten. Der von den in Argentinien lebenden Spaniern geschenkte Panzerkreuzer„Buenos Ayres", welcher in Havrc für 5;/a Millionen Franks erbaut wird, soll bis Juni fertig werden. Die bei Beginn des Krieges begonnene Nationalsammlung für die Verstärkung der Kriegsflotte wird nach einem königlichen Dekret am 26. Februar geschlossen. Die etwa 10'/» Millionen Peseten betragende Sammlung soll zum Bau eines neuen großen Schlachtschiffes erster Klasse verwendet werdem-- Asien. Die Zwistigkcitcn zwischen Rußland und England wegen ber chinesischen Angelegenheiten hören nicht auf. Die„Times" melden aus Peking vom 27. Februar: Der russische Ge- sandte in Peking richtete einen svnncllcn Protest an den Tsung- li-Damen gegen die Bestimmungen des Vertrages bezüglich der neuerdings in London aufgelegten Anleihe zum Zwecke der Fort- fiihrung der Niutschwang-Eiscnbah». Der russische Ge- sandte beschuldigt deshalb den Tsung-li-Vameii des Vertrauens- b r u ch e s. In einem Artikel der„Times", in welchem die obige Pekinger Meldung besprochen wird, heißt es, es sei das Vorgehen Rußlands in dieser Angelegenheit schwer vereinbar mit dem in Petersburg ausgesprochenen Wunsche, mit England bezüglich der Angelegen- heiten ini äußersten Orient eine steundschaftliche Verständigung herbeizuführen, und man hoffe, es werde sich herausstellen, daß sowohl der jetzige russische Gesandte in Peking von Giers, wie der frühere russische Geschäftsträger Pawloff etwas weiter gegangen seien, als ihnen ihre Instruktionen gestatteten. Australien. Neber die Wirren auf Samoa sind nun briefliche Nach richten gekommen, die aber das Wirrsal nicht entwirren. Es ist wie bei einer allgemeinen Prügelei— und geprügelt hat man sich—, wo Jeder auf den Andern die Schuld wälzt und Keiner unschuldig ist. Der Tropenkoller grassirv auch in Samoa, und er bringt es mit sich, daß alle Gebote der Sitte und des Anstandes mit Füßen ge« treten werden. Zum Glück scheinen die Regierungen vernünftig zu sein, und allem Vermuthen nach wird die Sache damit enden, da die Skandalmacher, die allen drei„Nationen" angehören, von ihren Regierungen an Orte geschickt werden, wo sie weniger Gelegenheit zu Unfug haben.—_ Der Stadtrath zu W erb au scheint als» der Ansicht zu sein/ daß das Urtheil eine uneingeschränkte Kritik nicht gut vertragen kann. So recht er damit haben mag, wird anderseits doch für weiteste Verbreitung gesorgt werden. GewevkMslftliches« VAvlmnenksvifches. Justiznovelle. In der sechsten Kommission,»— Antra Rintelen, Novelle zur Gerichtsverfassung, Straf-Prozeß Ordnung zc.— wurde gestern der Rest des �Artikel II, sowie Artikel IV und V betreffend das In-Kraft-treten und die Ver- kündigung des Gesetzes erledigt. Morgen beginnt parallel mi der bezüglichen Vorlage derRegierung die Berathung des Slbschnittes über die Eidesfrage. Bankuobelle. In der RcichStagS-Kommission für die Novelle zum Bankgesetz wurde am Dienstag§ 13, der den KreiS der lombardfähigen Papiere erweitert, nach der Regierlmgsvorlage angenommen. Zu Artikel 6 beantragt Abg. v. H e r t l l n g(Z.) zu bestimmen, daß die Rcichsbank vom 1. Januar 1901 ab nicht unter dem von ihr gemäß ß 16 des Bankgesetzes geweilig öffentlich bekannt gemachten Prozentsatz diskontiren darf, sobald dieser Satz 4 pCt. erreicht oder überschreitet. Die Privatnotenbanken sollen sich dem entsprechend verpflichten, nicht unter dem Prozentsatz der Reichs dank zu diskontiren, sobald dieser Satz 4 pCt. erreicht oder über schreitet, und im Ucbrigen nicht um mehr als'/s pCt. unter dem Prozentsatz der Reichsbank zu diskontiren, oder falls die Reichsbank selbst zu einem geringeren, den Privatnotenbanke» mitzutheilcndcn Satze diskontirt, nicht um mehr als'/« pCt. unter diesem Satze. Bankprästdcnt Dr. Koch erblickt in dem Antrage v. Hertling einen akzeptablen Vorschlag. Die Fortsetzung der Bcralhung wurde au Mittwoch vertagt. Der„Bmld deutscher Fraueuvereftre" hat dem Abgeordneten Hause eine Eingabe überreicht, in der er um die Anstellung weiblicher Gewcrbe-Aufsichtsbeamten bittet. NÄvkei V-irtelliteratur. Der Ober-Scharfmacher Stumm und der sächsi.we Gcncral-StaatSanwalt R ü g e r werden es den Sozial deniokraten sicherlich Dank wissen, ivcnn ihre Lobreden auf das Dresdener Urtheil auch in den Kreisen der Arbeiter verbreitet iverden. Und bei dem Vertrauen in ibre gute Sache wird cS auch in ihren Augen nichts von der Wirkung neymen, daß auch noch die Reden der sozialdemolratischen Abgeordneten angefügt sind. Die ! u ch h a n d l il ii g Vorwärts gicbt nämlich unter dem Titel Das Dresdener Zuchthmls-Nrthctl vor dem Reichstag diese Reichstags- Verhandlungen im stciiographischen Wort laute heraus, nur ist. des besseren Verständnisses wegen, in einer Einleitung eine knapp- Darstellung der Vorgeschichte des Prozesses vorausgeichickt. Die Broschüre wird vier bis fiin' Bogen Großoktav umsaffen, der Preis beträgt 20 Pfg. pro Sliick. Bei der vormissichtlich hohen Auflage sind die Genossen gebeten. ihre Bcstelluiigeu möglichst umgehend an die Buchhandlung Vorwärts, B e u t h st r. 2, Berti n SW., zu richten. Zur Aus gäbe gelangt die Schrift Ende dieser Woche. Zu Kreuze gekrocheu sind die Stadtverordneten zu B u r g- lädt Sic beschlossen in geheimer Sitzung, sich beim Beschluß des Bezirks-Schuliuspektvrs, der die Wahl deS Genossen Landgraf in den Schulausschliß bcaiistandct, bescheiden zu wollen. Hille 5irelSko>ifcreiiz hicllcn die Genossen des 1. hessischen Wahlkreises am Sonniag, den 20. Februar, in Hausen lOber Hessen) ab. Nach dem Bericht des Kreis- Vertrauensmannes hat sich die Einführung einer einheitlichen Landes- Beitrags- marke vortrefflich bewährt. Dem Kreis- Wahlvercin geboren jetzt ca. 600 Mitglieder an. Ans den einzelnen Orten wird von den Dclegirten viel gellagt, doch ging ans dem Bericht des Kreis- Ver traiieiismannes hervor, daß diese Klagen der Unzufriedenheit pflichl eifriger Genossen entspringen, die schneller vorwärts kommen wollten, als„im einmal möglich sei. Bei den kommeiidcii Landtags-Wablcn all mit Energie in die Agitation cingetreten werden. uin den Landkreis Gießen zu erobern. Kandidat ist Gen. S ch e i d e m a n n. Gen. K r u m m berichtete über die Presse. Er hält die Bewegung im Kreise Gieße» für stark genug, um in absehbarer Zeit an die Herausgabe eines Tageblattes denken zu köiineu. Durch cincn ein- timmig angenommenen Autrag wurde die Preß- Kommission bc auftragt, die Herausgabe eines wöchentlich in e h r e r e m a l s er- cheincnden Blattes zu erwägen. An der Kanfercnz nahmen ca. 100 Genossen thcil. Mit Mandaten waren 27 Gonossen von zehn Orten anwesend. Die Krankheit des Gcnosicn Agstcr scheint bedauerlicher Weise enistercr Natur, als erst angenommen wurde i er mußte nach der Heilanstalt Pfullingen gebracht iverden. Mehrere Partei gciiosicii holten ihn in seiner Wohnung in Pforzheim ab und brachten ihn zum Bahnhofe. Er scheint von dem Wahn besangen zu sein, daß er verfolgt werde. Einige Tage vorher hatte er schon cincn Anfall von VerfolgungSwahii gehabt; fein Zusiand hatte sich aber wieder gebessert, sodaß er im Slande ivar, noch vor wenigen Tagen cilicu Vortrag zu halten. Seitdem hat sich die Krankheit aber wieder verschlimmert, sodaß sich seine Ueberführung in die Heil- anstalt als nothwcndig heraubslellte. Hoffen wir, daß der Genosse A g si e r bald wieder hergestellt sein möge. Polilrilichrs, Gertchtlichrs u. s.siv. Wege» verspäteter Aufnahme einer Bertchttgung im Volsblatt" wurde in Halle der Redakteur Genosse S iv i e n t y qr 30 M. Geldstrafe event. 6 Tagen Haft verurtheilt. Er hatte eine ihm am 23. Dezember v. I. vom Gutsbesitzer Meusdorf in Pohritzsch bei Delitzsch ziigesandte Berichtigung, in der in Abrede gestellt wor- den, daß ein Ochscnjunge gezüchtigt wäre, aus Versehen erst am Januar veröffentlicht. — Groben Unfng soll der Genosse A u g u stK ü h n in Langen- i e l a u durch Abdruck des Fraktionsaufrufs, betr. das Dresdener nchthnusurtheil, verübt haben; außerdem soll er eine nicht erlaubte Kollekte veranstaltet haben. — Ueber das Dresdener Zuchthansurthril darf nicht gc- prochen iverden. Der Stadtrath zu Werdau verbot, den Punkt:„Was lehrt uns der Dresdner Bauarbeiter- Prozeß", in einer Volksversammlung am letzten Sonntage zu er- vrtcni, unter Berufung auf A 6 des Vcrcinsgesetzcs, indem er folgende Begründung gab: Aus der Behandlung, welche der vor dein königl. Landgericht Dresden vcichandelte Prozeß— um den es sich im fforliegcndcn Falle handelt— in der sozialdemokratischen Presse erfahren hat, geht zur Genüge hervor, daß das gefällte Urtheil von der sozialdemokratischen Partei, zu der sich sowohl der Einberufer der Bersammluiig, als auch der angemeldete Redner bekennt, zur Aufreizung der Menge gegen die richterliche und staat- liche Autorität und zur Herabwürdigung der Obrigkeit benutzt iverden soll. Die Versammlung hat demnach in so weit den Zweck, eine unsittliche Handlung zu begehen. Berlin«»d Umgegend.'„. Achtung. Putzer! Laut Beschluß der Versammlung vom 27. Februar ist das Bureau der Lohnkommijsion der Putzer Rosen- thalerstraße 67, Restaurant Schiller, wieder eröffnet. Während �der Frosttage können die Kollegen auch in den Vonnittagsstunden ihre Arbeitskarten in Empfang nehmen. Mit dem Umschlag der Witterung beginnt die Bantcnkontrolle und ist das Bureau nur in den Nachmittagsstunde» von 3 Uhr ab geöffnet. Die Beiträge zum Streikfonds können während dieser Zeit jeden Tag abgeliefert werden. Dir Arbeitslosen-Abstempelimg erfolgt Donnerstag und Freitag Nach- mittag. Der Beitrag zu», Streikfonds beträgt laut Beschluß pro Arbeitswoche 26 Pf. An Sonn- und Festtagen ist das Bureau ge- schlössen. Die Kollegen werden ersucht, sich recht zahlreich zu be- theiligen und die Arbeitskarten in Empfang zu nehmen. Die Lohnlommisfion. Deutsches Reich. Zur Lohnbewegung der Krefelder Weber. Am Sonntag hielten die streikenden Weber eine Versanunlung ab, die überaus zahlreich besucht war; mindestens 2000 Menschen hatten in dein großen Versammlungslokal Platz gefunden. Die Versammlung gab einer kampfesmuthigcn Stimmung Ausdruck, die bezeugt, daß die Streikenden gesonnen sind, unerschütterlich an ihren Forderungen festzuhalten. Bemerkenswcrth war das Auftreten eines Führers deS Christlichen Textilarbeiter-Verbandes, des Herrn Pesch, dessen Ausführungen den- jeniqen der anderen Redner an Schärfe nichts nachgaben, ja sie stellen- weise übertrafen. Er meinte, die Freiheit sei nach und nach derartig zugestutzt worden, daß nichts davon übrig geblieben sei, als nur noch die Freiheit, seinen Gefühlen AuSdnick zu geben. Das wolle er nun thun. AlS die Fabriken errichtet worden seien, hätten die Fabrikanten alles gethan, um die Arbeiter in sie hinein zu locken, ja man gab ihnen Lehrgeld, bezahlte ihnen das Andrehen und gabsthnen anständige Löhne. Nach und nach ward das anders, man entzog den Arbeitern die Ver- gütnngen für Nebenarbeiten und reduzirte die Löhne. Man verwandelte die Fabriken in eine Art Kerler und wußte die Arbeiter jedem Willen der Fabrikanten preiszugeben.(Sehr richtig!) Man machte für kleine Fehler hohe Abzüge, führte eine lleinliche Äufpasferci ein und erlaubte sich den Arbeitern gegenüber Ausdrücke, die er in seinem Wörter» lexlkon nicht finden könne. Man setzte dem Ganzen durch die neue Lohnliste der Fabrikanten die Krone auf. In der Oeffentlichkeit suche man die Meinung zu erwecken, als bedeute diese Liste eine Lohn- erhöhung, das Gcgentheil sei der Fall: sie stellte eine weitere Herabmm» deruiig der Löhne dar, trotzdem die Miethcn und Lebensmittel im Preise gestiegen seien. Er wisse nicht, ob es Dummheit oder Bosheit der Fabrikanten sei, z» behaupten, es handle sich um eine Aufbesserung der Löhne. Die Arbeiter seien nicht so dumm, das zu glauben, da- für hätten sie in der Schule rechnen gelernt. Im vorigen Jahr habe es zivischen den einzelnen Verbänden»och Mißverständnifse und Borurtheile gegeben, heute fei das anders, heute stehen die Ar- bester als geschlojsene Phalanx da, um dem Ausbeutcrthum ent- schloffen entgegciizutreteii. Es heiße: fort mit dem, was uns trennt um das im Auge zu behalten, was«ns eint. Die Fabrikanten hätten Berechnungen an die Oeffentlichkeit gebracht, die in schlauer Weise ausgestellt ivorden seien. Bei Peltzer Gebrüder sollten durch- schnittlich 27 M. wöchentlich verdient ivorden sein. Er erlennc an, daß diese Firma die besten Löhne mit bezahle, aber nach dem Material, welches den Arbeitern vorliege, stelle sich der Durchschnittslohn auf 22 M.. ziehe man hiervon noch das Krankengeld. Strafen und sonstige Abzüge ab, so blieben 20 M. übrig. Nach der neuen Lohnlifte blieben noch 17—16 M. übrig und man erreiche damit deiiienigen Satz, den die Fabrikanten-Bersammlung in Düsseldorf für angebracht gc- halten habe.(Tosender Beifall.) Bei F. W. Deußen solle der Durch- schnittsloh» 23 M. betrage». Er habe zwei Jahre dort gearbeitet und müsse sagen, der Durchschnittslohn betrage keine 18 geschweige 19 M.(Sehr richtig!) Wenn dem so sei, so sei es an der Zeit, die falschen Behauptungen und Aufstellungen der Fabrika»rtcn zu Ivider- lege», man müsse ihnen die Larve vom Gesicht reißen. Geiviß sei ein solcher Lohn genügend für Sparbutter. Malzkaffee, Niercnfett und Palmas. Aber dem Arbeiter stehe rechtmäßig mehr zu, als demjenigen, der nichts thut, als hinter einer feinen Marke sitzen. Es heiße, das müsse so sei», es könne aber auch anders sein. Wir sind ungern in den Kampf hineingegangen, man hat ihn uns durch die neue Lohn- liste aufgezwungen.' Die Arbeiter stehen geschlossen da und sagen: Für die neue Liste thun ivir keinen Schuß I(Lebhafter Beifall.) Wenn die Fabrikanten der Beseitigung der neuen Lohnliste ein schroffes Nein entgegensetzen, nun gut, so mögen sie dies lhu». Der Arbeiter ivciß ebenfalls, was er zu thun hat. Man hat uns den Fehdehandschuh hingeworfen, wir nahmen ihn auf, und es gilt einen Kampf auf Leben iind Tod. Wir werden fcststehen wie der Fels im Meer, an dem sich die Wogen brechen. Er sage mit den Soldaten des Korsen: Die Garde stirbt, sie ergiebt sich aber nicht.(Anhaltender Beifall.) Die übrigen Redner sprachen gleichfalls ohne Ausnahme für die Fortsetzung des Kampfes und gelangte in diesem Sinne eine Re- olution zur Annahme. Der Verlauf der Versammlung zeigte deutlich, daß durch die ablehnende Haltung der Fabrikanten der Widerstand der Arbeiter nur gesteigert ist. Die Arbeiter Deutschlands aber werden dafür sorgen, daß die kämpfenden Weber nicht durch den Mangel an Untcrstiitzung zum Nachgeben gezloungeu werden. Die Maurer von Pinneberg und den benachbarten Ortschaften bcsindcii sich in einer Lohnbewegung und bitteil deshalb dringend, den Zuzug nach dort fern zu halten. Die Ffornier der Eisengießerei von Griese u. Komp. in Delmcn- Horst sind in den Ausstand getreten, nachdem der Chef der Firma es ablehnte, mit ihnen zu imtcrbandeln. Die Former verlangen Er- höhung des Lohnes und bessere Arbeitsbedingungen. Die Bremer Schneider haben am Montag allen Geschäfts- inhabcrn einen neuen Lohntarif vorgelegt und liis zun, 13. März Antwort erbeten. Zu gleicher Zeit haben sämmtliche Arbeiter, die in Kündigung stehen, gekündigt, um am 13. März bei einem Streik 'rcie Entschließung zu haben. Schwarze Listen. Ueber dieses beliebte KampfeSmittel der Unternehmer-Orgamsationen entnehmen wir dem„Volkswillen" in Hannover folgende Schilderung, die wiederum charakteristisch ist für die Kampfcsweise gewisser Unternehmerkreise:„Ein für die Organisation in seiner Branche seit einigen Jahren recht thätiger Bild- und Stein- haner bekam auf seiner letzte» Stelle beim Bild- und Steinhaner- meister Kramer in Hannover in, November vorigen Jahres Streit ivegcn Lohndifferenzen, was zur Folge hatte, daß das Arbeits- verhältniß gelöst wurde. Seitdem ist es dem betreffende» Arbeiter nun nicht mehr möglich, in seinen, Berufe Arbeit zu erhalten, ob- wohl derselbe eine anerkannt tüchtige Arbeitskraft ist. Daß das Unternehmerthum den Betreffenden auf die berüchtigte schwarze Liste gesetzt hat, ist zweifellos. Als der Arbeiter z. B. kürzlich im Sanderffchen Geschäft Arbeit bekommen konnte»nd er seine Papiere abgab, da hieß es plötzlich:„Nein, Sie kann ich doch nicht brauchen." Und als derselbe dann etwas später wieder beim Stein- Hauermeister Gebhardt in Arbeit treten sollte, da ging es ihm genau so. Vor einigen Tagen»un ward es dem betreffenden Arbeiter noch deutlicher zu verstehen gegeben, daß das Unternchmerthum ihm eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe. Er hatte nämlich in dem bekannten Bleckcrt'schcn Geschäfte Arbeit erhalten. Als er dann aber Mittags anfangen wollte zu arbeiten, da hieß es wieder: „Neil,, ich darf Sic' doch nicht einstellen." Und als der Arbeiter dann fragte, welcher Grund denn vorläge, hieß eZ:„Das brauche ich Ihnen nicht zu sagen!" Der Zuzug von Böttchern nach gerbst ist zu vermeiden. Die dort in der Faßfabrik von Karl Braunsdorf beschäftigten Böttcher unterbreiteten am 19. Februar dein Unternehmer einen neuen Lohn» tarif. AIS Antwott erhielten am 2d. Februar sämmtliche Böttcher die EiUIassluijV Die Tischler in Wiesbaden sind nachträglich doch gezwungen worden, in einigen Werlsiätten in den Streik einzutreten. Jedoch sind bis jetzt bereits 35 Werkstätten mit ca. 200 Arbeitern die orderungc» bewilligt. Es imrd dringend ersticht. Zuzug von chrciner», Maschinenarbeiter» und Polstergesteliarbeilern streng fern zu halten. Ausland. In Norrland in Schwede» legten bei den EleltrizitätSanlagen 800 Arbeiter die Arbeit nieder. da sie seine Lohnzulage ooii 5 Ocre pro Stunde verlangen. DaS Werk[mich fertiggestellt sein, bis die FrüblingSslulh kommt; dennoch will die Direktion die Zulage nicht bewilligen. In Malmit besinden sich die Stockarbciler einer größeren Firma im Aussland. Sie bitten, daß aus Deutschland der Zuzug ferngehalten wird. Soziales. Die königl. prenstische Ministerial-Baukommlfsion hat in einer Verordnung die Bedingungen niedergelegt, welche bei der Ver> gebung von Arbeiten und Lieferungen im Bereiche der Allgemeinen Bauverwnltung, der Staatseisenbahn» und Vergverwaltung zur An- rvendung kommen sollen. Der 8 8 handelt von der Erfüllung der dem Unternehmer Handwerkern und Arbeitern gegenüber obliegenden Verbindlichkeiten. In diesem Paragraph wird bestimmt.'»Sollte das �angemessene Fortschreiten der Arbeiten dadurch in Frage gestellt tverden, daß der Unternehmer Handwerkern oder Arbeitern gegen- über die Verpflichtungen ans dem Arbeitsverträge nicht oder nicht pünktlich erfüllt, so bleibt der bauleitenden Bc- Hörde das Recht vorbehalten. die von dem Unternehmer geschuldeten Beträge für dessen Rechnung unmittelbar an die Bc« rechtigtcn zu zahlen. Der Unternehmer hat die hierzu erforderlichen Unterlagen, Lohnlisten zc. der bauleitendcn Behörde bezw. den bau- leitenden Beamten zur Verfügung zu stellen.' Hier ist wohl die Verpflichtung des Staates anerkannt, für Einhaltung der vereinbarten Arbeitsbedingungen gewissermaßen mit zu sorgen, die Berechtigung und V e r- pflichtung dcS Staates, die Arbeitsbedingungen selbst zu be- einflusscn und so zu gestalten, daß sie den berechtigten Wünschen der Arbeiter entsprechen, bleibt davon jedoch unberührt. Gerichts-Seitung. Abermals ein ehrenhafter Arbeiter wegen Erpressung bernrthcilt! Im Zeichen des Z u ch t h a n s k u r s e S mehren sich natürlich auch die Fälle, in denen Arbeiter, die nach Ansicht der bürgerlichen Gerichte auf ihresgleichen einen»Zwang' ausüben, um sie zur Erfüllung ihrer Organisationspflicht anzuhalten, wegen an- geblichcr Ehrlosigkeit zu schwerer Gefängnißstrafe verurthcilt werden. In diesem Falle handelte es sich um eine Anklage gegen die Maur-v Richard Schulz und August Damke, die sich gestern vor der 1. Strafkammer am Landgericht ll zu verantworten hatten. Die beiden Angeklagten arbeiteten im August v. I. auf einem Neu- bau des Bauunternehmers F r o m h o l z iii Pankow unter dem Polier Both e. Die auf dem Bau beschäftigten Maurer waren sämmtlich organisirt und verlangten von jcdein, der aus dem Bau arbeiten tvollte, daß er auch zur Streikkasse beitrage. Die Kontrolle über die richtige Zahlung der Beitrage führten die beiden Angeklagte» in ihrer Eigenschaft als Baudcputirte. Als eines Tages ein Maurer seiner maralischen Verpflichtung nicht nachgekommen war, entstanden Disicrenzen. Der Polier»ahm Akkordmaurcr an; nachdem er mit diesem Arbcilermatcrial zur Ge- uüge vicsehen war, begann eine Denunziation ob des Zwanges, den die beiden Angeklagten angeblich ans Kollegen und auch auf den Polier ausgeübt haben sollten, indem sie diesem für den Fall, daß er nichtorganisirte Arbeiter beschäftige, mit Arbeitsniederlegung ge- droht Härten. Nach nationalem Brauche wurden vom Staatsanwalt mit Rück- ficht auf den»gemeingefährlichen TcrroriSmuS' für Schulz 3 Monate und für Damke 3 Monate und Ii Tage Gefängniß beantragt. Der Verthcidiger Rechtsanwalt Dr. Herzfcld plädirte auf , Freisprechung. Das llrtheil des Gerichtshofes lautete dahin, daß Schulz wegen wiederholter Erpressung zu drei Monaten G e- s ä n g n i ß verurtheilt, Damke dagegen freigesprochen wurde. Bezüg- lich des Damke war angenommen worden, daß das ArbeitSverhältniß gelöst war und die Arbeiter in ihrem Rechte waren, wenn sie vor Wiederaufnahme der Arbeit ihre Bedingungen stellten. Sie hätten für den Fall der Nichtbewilligung mit einer Unterlassung gedroht, das sei aber keine Bcdrohimg im Sinne deS Gesetzes. Bei Schulze liege die Sache anders. Dieser habe sich der Drohung schuldig gemacht, indem er sagte, die Leute würden aufhören, wenn die beiden ihnen nicht genehmen Maurer Pitschke und Krüger nicht entlassen würden. Die Leute hatten kein Stecht zu verlangen, daß P. und K. zur Streikkasse zahlten. Mau könne auch durch Aus- Übung eines Rechts jemandem ein Nebel zufügen und wenn jemanden gedroht werde, durch Ausübung eines Rechts ihm ein Nebel zuzu- fügen, so sei dicS eine Erpressung. Der Vermögensvortheil liege vor. Die dritten Personen, denen derselbe zugewiesen werden solle,' seien diejenigen Personen, denen die Sammlung von Streikkassen-Geldern zu Gute kommen sollte. Es seien dies zwar nicht bestimmte „Dritte", so doch immerhin Dritte; denen aus den Sammmlungcn für den Streikfonds ein Vermögensvortheil erwachsen solle. Diese „Dritten" hätten aber kein Recht, zn verlange», daß jemand wider seinen Willen gezwungen werde, zu dem Fonds beizusteuern. Vor solchem Zwange seien die Arbeiter energisch zu schützen I Ein sauberer ArmenkommissiouS- Vorsteher. Einen fatalen Ausgang für den„Beleidigten" hatte eine Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung und verleumderischer Beleidigung, die die Frau Anna Ilrban gestern vor die 9. Strafkammer des Landgerichts I führte. Die An- geklagte, die mit der Roth des Lebens zu kämpfen hat, da ihr 'Mann kränklich und im Erwerbe behindert ist, wandte sich mit einem Unterstützungsgcsuch an die zuständige Armenkommission und führte eines Tages über diese Angelegenheit ein Gespräch mit dem recherchirenden Mittzlicde der Arinenkonnnission, dem Molkereibesitzer Heinrich Schmidt. Dieser soll ihr, tvie sie später in einer Beschwerde behauptete, ein unsittliches Anerbieten gemacht und ihr in Aussicht gestellt haben, daß sie, wenn sie diesem Winke entspräche, auf Bewilligung ihres Gesuches würde rechnen können. Sie will diese Beleidigung mit Entrüstung zurückgewiesen und dann keine Unterstützung erhalten haben. Sie hatte sich nun wegen ihrer das Ärmenkommissions- Mitglied be- keidigenden Behauptung zu verantworten. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oessentlichleit statt. Aus der Urtheils- Verkündigung ging hervor, daß die Angeklagte fest dabei verblieb, nur die Wahrheit behauptet zu haben und daß das Armen- kommissions-Mitglied Schmidt vorgezogen hatte, die Aussage über den fraglichen Punkt zu verweigern. In Ucbcr- einstimmung mit dem Staatsanwall hielt der Gerichtshof nicht für erwiesen, daß die Angeklagte Ividcr besseres Wissen ihre Beschuldigung vorgebracht habe. ES wurde deshalb auf Freisprechung erkannt. DaS VcreinSgesct; gegen die Arbeiter. DaS Kammergericht hatte sich gestern abermals mit einer Strafsache gegen den Partei- genossen W a s s i I aus Tilsit zu beschäftigen. Wassil hatte sich in einer ländlichen Privatwohnung vor 15 bis 18 Personen ausführlich über die Regelung von Lohn- und Arbeitsverhältnissen ausgesprochen und einen Gendarm, der in die Wohnung hineinkam, als Eindringling bezeichnet. Er wurde deshalb' in der Berufungsinstanz wegen Beleidigung deS Beamten zu einer Geldstrafe von 10' Mark und tvcgcn Vergehens gegen die§§ 1 und 12 des Vereins- Gesetzes zu einer solchen von 50 Mark verurtheilt. Das letztere Vergehen soll Wassil dadurch begangen haben, daß er in einer polizeilich nicht angemeldeten Versammlung, die die Erörterung össcutlicher Angelegenheiten bezweckt habe, als Verantwortlicher Redalteur: August Jacobey in Berlin. Für den Ins« Redner aufgetreten sei. Der Strasienai verwarf gestern die von W. eingelegte Revision insoweit, als wie sie das Vergehen gegen das Vereinsgesey betraf. Hinsichtlich der Beleidigung'wurde die Vor- entscheidung aufgehaben und die Sache nochmals an das Landgericht verwiesen. Dieses soll nachprüfen, ob die Bezeichnung des Gendarmen als Eindringlinz mit Rücksicht aus den Ort und die Zahl der An- wesenden als öffentliche Beleidigung gellen könne. Wegen deS unerhörten Verbrechens, daß er den g u t s- herrlichen Schweinen die Nahrung stahl, um damit seine hungernden Kinder satt zu machen, ist dieser Tage ein Proletarier— natürlich— zu der schweren Strafe von einem Jahre Gefängntß verurtheilt worden. Die Gerichtsverhandlung trug sich zu in der Hauptstadt deS OborritenlandeS. Unferm mecklenburgischen Parteiorgan wird über den Fall auS Schwerin geschrieben:»Am 27. November 0, I. wurde bei dem Schweinefütterer Adalbert Przykodo aus dem Gute Gr.-F löte Haussuchung gehalten, wöbet im Bettstroh ein Beurel mit vierundzwanzig Pfund noch unge- kochtem Roggen und Erbsen gesunden und beschlagnahmt wurde. Der Angeklagte räumte vor' der Strafkammer in Schwerin unter Thronen seine Schuld ein und bekannte, daß er sich aus Roth das bei ihm gefundene Korn, von dem für die Schweine bestimmten, angeeignet habe, um eS in feiner Familie zu benutzen. Der Angeklagte wurde zu einem Jahre Ge- sängnitz verurtheilr."— Die Agrarier sollten das nationale Schwein auch nach dieser Seite hin durch ein Spezialgesetz schützen' Bildung. In der Nacht zum 12. Januar kamen drei Studenten in angeheiterter Stimmung aus dem Cafö Steuer am Oranien- burger Thor. Vor der Thür hielt eine Reihe Droschken. Die drei Studenten trieben, die Reihe entlang, mit den Pferden allerlei Allotria. Der Droschkenkutscher Lütke, ein bejahrter Mann, wollte verhüten, daß mit seinem Pferde ein Gleiches geschähe, er stieg vom Bock und stellte sich vor sein Fuhrwerk. Der Student Schwarz richtete eine Frage an ihn. die Lütke mit der Mahnung beantwortete, doch nach Hause zu gehen. Nun schlug Schwarz ihm auf den Hnt mit den Worten:»Beruhigen Sie sich doch, altes Haus I" Lütke war dieser Beruhigungsmethode nicht zugänglich, als er einen zweiten Schlag auf den Hut erhielt, stieß er den Angreifer zurück. Nun versetzte Schwarz ihm zwei so wuchtige Hiebe auf den Hut. daß derselbe dem Geschlagenen bis auf die Ohren herabgetriebrn wurde und Lütke eine blutende Verletzung am rechten Ohre erlitt. DaS Schösiengericht hatte Schwarz wegen Körperverletzung zu nur 20 Mark Geldstrafe verurtheilt. Im gestrigen Termine bor� dem Berufungsgericht erhob der Flegel den Einwand, daß er üch im Zu- stände der N o t h w e h r befunden habe. In der wohlwollendsten Absicht habe er dem Droschkenkutscher auf den Hut„getippt" und derselbe hätte keineSwezS nöthig g e h n b t. ihn darauf z u r ü ck z n st o ß e n. Der Gerichtshof konnte' sich dieser Auflassung nicht anschließen, sondern verwarf die Berufung. Versammlungen. Die Lohnbewegung der Bäckerei- Arbeiter stand auf der Tagesordnung einer sehr stark besuchten öflentlichen Versammlung der Bäcker, die am Dienstag in Kcller'S Saal tagte. Wie be- richtet wurde, sind die Verhandlungen der Gesellen- Ausschüsse mit den JnnungS-Vorständen als gescheitert zu betrachten. Die Innungen wollen die Abschaffung von Kost und Logis im Hause deS Ministers nur den verheiralhctcn Gesellen bewilligen, von einer Einführung paritätischer Arbeitsnachweise wolle» sie nichts wissen. Die angeblichen Zugeständnisse betrachten die Gesellen nicht als einen Vortheil. Im Gcgentheil hält man die Vcrhcirathctcn dadurch für benachtheiligt, daß sie, wenn ihnen anstatt Kost und Logis eine Geldentschädiguug zu gewähren ist, sehr schwer Arbeit bekommen würden. Die Freigabe einer Nacht au den hohen Festen ist ztvar bewilligt worden, ob dies Zugeständniß aber auch wirklich allgemein durchgeführt tverde, sei zweifelhaft. Die Redner meinten, es könne den Arbeitern, die ihre fteie Nacht verlangen, ebenso gehen, wie denen, welche auf strikte Durchführung der BundeSraths- Wer- ordnungcn halten, sie würden nämlich keine Arbeit mehr bekommen. Hätten sich die Innungen wenigstens bereit erklärt, daS Mittagessen und Logis abzuschaffen niid dafür eine Gcldcntschädigung zu zahlen, dann würden die Vertreter der Gesellen daS ihren Kollegen gegenüber vertreten haben. Wie die Dinge jetzt liegen, würden die Gesellen erst dann wieder in Verhandlungen eintreten, wenn die Meister sich zu wirklichen Zu- geständnisscu bereit erklären. ES wurde weiter bemerkt, daß die Gesellen-Vertretcr dem Jnnungs-Vorstand Germania gegenüber den Wunsch ausgesprochen haben, ihre Forderungen in einer Versammlung vor den Meistern zu vertreten. Der Vorstand habe sich diesem Wunsche gegenüber zwar nicht ablehnend verhalten, aber gemeint, nutzen werde eine solche Versammlung nichts, nachdem die JnnungSvorslände bereits Stellung genommen haben.— Nach kurzer Debatte wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung spricht den Gesellen-Ausschüssen für ihre korrekte Haltung den Innungen gegenüber ihr volles Vertrauen ans und erklärt die sogenannten Zugeständnisse der Innungen als völlig werthloS, ja sogar als eine wirthschaftliche Schädigung der verhciratheten Kollegen.— Im Hinblick auf die ablehnende Haltung der Jnnnngen verpflichten die Versammelten ihre Vcr- ircter, auch ihrerseits an den laut Versammlungsbeschluß vom 13. Dezember 1803 aufgestellten Forderungen festzuhalten. Die Ver- sammlung drückt ihr lebhaftes Bedauern über den unversöhnlichen, kurzsichtigen Standpunkt der Innungen aus. namentlich aber der Innung „Germania", deren wohlhabende Vorstände den Gesellen weit weniger zubilligen, als die weniger gut situirten Meister der „Konkordia".— Die Versammlung überläßt diesen Herren die ganze, schwere Verantwortung für' die unabwendbaren Folgen. erklären aber heute noch, daß sie trotz alledem zu Verhandlungen immer noch geneigt sind, und bezeichnen die Vorschläge einiger ver- nünstiger Arbeitgeber, Logis und Mittagbrot abzuschaffen, die übrige Kost aber dcni Meister zu überlassen. als annehmbar, vcr- pflichten ihre Vertreter demgemäß, dies als Basis zu weiteren Ver- Handlungen mit der Meisterschaft unter Wahrung der Würde der Arbeiterschaft zu betrachten."— Wie weiter ausgeführt wurde, denken die Bäckereiarbeiter nicht daran, sogleich wegen ihrer Forderungen in den Streik einzutreten, es soll vielmehr zunächst die Organisation ausgebaut und in Bezirks- Versammlungen eine intensive Agitation für die Bestrebungen der Arbeilcr entfaltet werden. AdlerShof. Die Arbeiter hiesigen Orts fühlten sich veranlaßt, ebenfalls das 25 jährige AmtSjubiläum des Amtsvorstchers v. Oppen, und zwar in Form einer öffentlichen Volksversammlung zu be- gehen. Daß der Herr Amtsvorstehcr sich durch die in dieser Ver- sammliing gefallenen Reden aber ebenso beglückt fühlt, wie durch die Ansprachen von bürgerlicher Seite, wird man ivohl nicht an- nehmen können, trotzdem die Ausführungen der verschiedenen Redner durchaus sachlich gehalten waren. Der Referent schilderte zunächst den fortgesetzten Kampf, den die Arbeiterschaft bezüglich der Lokal- frage mit dem Amtsvorsteher führt. Er erinnerte an die Lassalle- seier im Jahre 1887, wo Herr v. Oppen sich besonders dadurch her- vorthat, daß er in ein öffentliches Gartcn-Lokal ritt und das Fest der Arbeiter zu stören suchte. 1894 verbot v. Oppen am 18. März zwei Versammlungen, mit dem Hinweis, daß die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört werde. 1805 am 31. August ließ v. O. das Lokal von Wöllstein durch Gendarmerie von 6 Uhr Abends au sperren, tveil dort eine Versammlung sich mit den,„Scdanrummcl" beschäftigen wollte. Dagegen bezeichnete v. O. in einer am darauffolgenden Tage gehaltenen Festrede einen Thcil des deutschen Volkes als»Un- gezieser". Weiter wurde ein Maskenball des Arbciter-Turnvereins Abends 10 Uhr aufgehoben. Da diese Anordnung überschritten wurde, erhielt der Vorsitzende ein Strafmandat in Höhe von 3 M., wodurch später noch ca. 60 M. Kosten entstanden. 1898 am 18. März abermals Verbot der Versammlung und der Illumination. Diesem Ereigniß folgten 122 Strafmandate atemheil verantivortlich: Th.Glocke in Berlin. Druck und Verla» von M t 15 M.; die endgilsige Erledigung dieser Angelegenheit beschäftigt noch, wie bekannt, die höchste richterliche Instanz. Im Juli 1893 wurde auf Veranlassung des Herrn v. O. eine Aus- Weisung gegen den Arbeiter Witzke erlassen. Witzke beschritt den Klageweg und die höchste Instanz, das Ober-Verwaltungsgericht mußte die Ausweisung W.'s, indem diese jeder Begründung cnt» behrte, zurücknehmen. Der Amtsvorsteher v. O. empfahl auch den früheren Gemeindevorsteher Misel den Gemeindevcrtrctern von Adlershof warm zur Wiederwahl; Misel sei der tüchtigste und be- fähigste Gemeindevorsteher im ganzen Kreis. Nachdem die Wahl des Misel von der Regierung nicht bestätigt wurde, stellte der jetzige Gemeindevorsteher Reinsch fest, das der Etat der Gemeinde um 85 000 M.' überschritten wurde. Der Herr Amtsvorsteher mußte es erleben, so führte der Referent weiter aus. daß selbst der Regierungs« Präsident sich bemüßigt sah, seinen Ausweisungspraktiken die Zügel anzulegen. In dem Schreiben des Regierungspräsidenten heißt es unter anderem: »Die von Euer Wohlgeboren gestellten Anträge wegen Ausweisung von bestraften Personen sind wiederholt un- voll st ändig gewesen, so daß Rückfragen nothwendig ge- worden sind. Ich sehe mich deshalb veranlaßt. Sie darauf auf- merksam zu machen, daß aus den Ausweisungsanlrägen namentlich hervorgehen mutz: 1. Wann und wo die betreffende Person geboren, wann und von wo sie dort angezogen, ob sie verheirathet ist, wieviel Kinder vorhanden sind, und ob die Familie ebenfalls dort bezw. mit dem Auszuweisenden in einem Hausstände wohnt. 2. Welche Strafen der Betreffende erlitten und ob, bezw. wo er redlichen Erwerb gefunden hat. 3. Ob derselbe eine selbständige Wohnung oder nur eine Schlaf- stelle hat. Außerdem mutz die Gemeingesährlichkcit für die öffentliche Sicherheit daselbst begründet werden, sofern dieselbe nicht schon aus den Bestrafungen sich unzweifelhaft ergicbl. Uebrigens habe ich in letzter Zeit die Wahrnehmung gemacht, daß in'mehren Fällen die betreffenden Personen, wenn Ihnen die Ilusweisungs- Verfügung behäudigt werden sollte, bereits wieder verzogen waren, sich also an dem betreffenden Orte nur vorübergehend aufgehallen haben. Zur Verminderung der AnSweisungsanträge empfiehlt es sich daher, zunächst durch protokollarische Vernehmung sestzustellen, ob überhaupt ein dauernder Aufenthalt bc- absichtigt wird u. f. w. Im bejahenden Falle werden die- jenigen Personen, deren Ausweisung Sie ftir nolhivendig halte», darauf aufmerksam zu machen sei», daß ihre Ausweisung be! mir bcautragt werde, falls sie den Ort nicht innerhalb einer be- stimmten Frist wieder verlassen haben sollte». Erst ivenn die Bc- treffenden innerhalb einer vielleicht 8—14 Tage zu bemesseudcn Frist nicht gezogen sind oder wenn sich dieselben überhaupt iveigern sollten, den Ort freiwillig zu verlassen, ist bei mir uiiter Vorlegung der bc- züglichen Verhandlung und der Personalakten der NuSweisungsantrag zu stellen. Hat der Betreffende eine größere Anzahl von Bestrafungen er- litten, so ist der Uebersichtlichkeit wegen ein besonderes Straf- verzeichniß mit vorzulegen."... An den Herrn Amtsvorsteher in Adlershof. Gegen den Gastwirth Lindenhayn erließ V. O. 18 bis 19 Straffnandate, dadurch entstanden Lindenhahn 33 Termine, aber nur in vier Fällen wurde er verurtheilt. Auch gegen den Gastwirth Schmauser in Adlershof sind sehr viel Strafmandate erlassen, von denen der dritte Theil nur von den Gerichten als berechtigt an- erkannt wurde. So sieht die Politik des Herrn Amtsvorstehers aus l Der Amtsvorsteher als Beamter ist für die Unkosten, die von den so betroffenen Personen gedeckt tverden müssen, nicht regreßpflichtig, folgcdessen haben die zu Unrecht mit Strafmandaten belegten Per« son'en selbst die Kosten zu tragen. Da nun der Amtsvorsteher und Jubilar sieht, daß er mit den ordentlichen Gerichten oft einen Reinfall zn gewärtigen hat, so ver- sucht er es auf dem Verwaltungswege. Er hat den Wirthen bei 30 M. Strafe verboten, ihr Lokal an Vereine oder sonst an Privat- Personen herzugeben, da in einem solchen Arrangement doch nur eine öffentliche Tanzlustbarkeit zu erblicken sei. Der Referent schloß mit dein Hinweis, daß wohl in keinem anderen Amtsbezirl des Deutschen Reiches solche Zustände herrschen. als in dem des Herrn v. Oppen. Die imposante Ver- sammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der sich die An- tvescnden verpflichten, mit aller Kraft für die Erringung der Ziele der Arbeiterschaft einzutreten und dafür Sorge zu trägen, daß die arbeiterfeindliche Presse, namentlich der„Berffner Lokal- Anzeiger", aus den Arbeiterwohnungen verschwindet. Uetzko Vachvichken und Depefthen. Köln, 28. Februar.(B. H.) Die„K. V.-Z." berichtet zur ueuen Militärvorlage, daß die maßgebendste Stelle mit Rücksicht auf die zahlenmäßige Ueberlegenheit der russischen Kavallerie viel mehr als 10 Schwadronen gefordert habe. Dem Kriegsminister sei es gelungen, die Wünsche im Interesse des ZustaudekommeuS der ganzen Vorlage hcrabzustiminen. Köln, 28. Februar.[B. H.) Die„K. V.-Z." meldet aus Berlin: Zu den Jesuitenanträgen des Reichstags tvird der Bundesrath voraussichtlich schon in der nächsten Zeit Stellung nehmen. Gutem Ver- nehmen nach begegnen die Anträge auf Beseitigung des K 2 des Jesuiteugesctzes bei der Mehrheit der Bundesregierungen keinen Bedenken mehr. Ferner soll die Bundesraths- Verordnung, welche noch die Lazaristen und den Orden Sacre Coeur ausschließt, auf- gehoben werden. Paris, 28. Febr.[B. H.) Der Senat bietet heute noch ein lebhafteres Bild als gestern. Zuerst ergreift das Wort Senator Tillaye. Die Frage sei, ob wir das Land retten wollen durch Annahme dieses Gesetzes, welches Friede und Eintracht verspreche. Mcdner spricht über eine Stunde für die Negiennigsvorlage. Nachdem noch verschiedene Redner das Wort für die Vorlage ergriffen, erklärte der Justizmiuistcr, die Vorlage der Negierung sei berechtigt. Die Regierung habe wichtige Maßregeln getroffen, damit die Verband- hingen vor dem Kaffationsh ose öffentlich und kontradiktorisch sein werden. Alle Schriftstücke und Dokumente würden dem Kassationshofe über- inittelt. Keine geheime Verhandlung werde stattfinden. Das llrtheil des Kassatioushäses tverde die Dreyfus-Affäre endgiltig abschließen. Tie Regierungsvorlage ivurde mit einer Majorität von 30 Stimme» angenommen. Nach einer Meldung der„Patrie" hat Beaurepaire dem Senator Bsrenger wegen dessen Angriffe in der gestrigen Sitzung des Seuat» seine Zeugen gesandt.— Marseille, 28. Februar.(B. W.. T.) Die frühere Königin von Madagaskar, Ranavolo, ist mit einem aus etwa 10 Personen bestehende» Gefolge hier eingetroffen. Dieselbe wird in der Nähe von Algier inteniirt werden,' wo ftir sie eine prachtvolle Villa für den Jahres- preis von 24 000 Fr. gemiethet worden ist. Rom, 23. Februar.(W. T. B.) Der Papst muß wegen Un- päßlichkcit daS Bett hüten. Derselbe hatte einen lange andauernde» Ohnmachtsanfall. Rom, 28. Februar.[W. T. B.) Wie„Fanfulla" meldet, hat die chinesische Olegieruug Italien die Sanniun-Bay abgetreten. Gloucckter iMassachusetts), 23. Februar.(W. T. B.) Der Fischerschooner.Mondego" berichtet, er Hab» den Dampfer„Moravia" auf der uordöstlichen Barre der Sable- Insel entzweigebrochen gesehen. Die„Moravia" war offenbar dem Sturm. welcher vom 12. bis 13. Februar wüthete, begegnet. Da die Stelle, an welcher die„Moravia" strandete, zwölf Meilen vom Lande entfernt ist und„Mcndcgo" zwei Tage hindurch nichts von der Mannschaft sah. glaubt der Kapitän des»Mondego", daß die Mannschaft verloren sei. ix Boding in 93 erlitt. Hierzu S Beilagen u. llnterhaltungsblatt. St. 51. 16. 1. KW des Joniiiitls" Ktlinn loMIdt Miwoch, 1. Miit! 1899. Veichsksg« 44. Sitzung, Dienstag, 28. Februar 11899, 1 Uhr. Am Buiidesrathstische: Graf v. Posadowsly, Freiherr d. Thielmann. Zunächst erfolgt der Bericht der Geschästsordnungs-Kommission über den Antrag Agster(Soz.) und Genossen wegen Einstellung der gegen den Abg. Stadthagen bei dem königlichen Landgericht Berlin I wegen Beleidigung sämmtlicher preußischen Landräthe er schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der Session. Die Kommission hat sich einstimmig für Annahme des Antrags Agster ausgesprochen. Abg. Rom»(Z.): Ich bitte den Antrag zur nochmaligen Bcrathung an die Kom Mission zurückzuverweisen. Zunächst scheint es mir. als ob der Reichstag am iü. Dezember vorigen Jahres einen Antrag auf Ein- stellnng von Strafverfahren gegen den Abg. Stadthagen bereits an- genommen hat, der genau dieselben Strasthaten umfaßte, wie die im vorliegenden Antrag genannten. sWiderspruch bei den Soziald. Ferner bin ich auch der Ansicht, daß es sich hier garnicht um ein Strafverfahren im Sinne des H 31 der Verfassung handelt, sondern nm ein Vollstrcckungsverfahren. Im letzteren Falle wäre der Reichstag garnicht befugt, die Einstellung deS Verfahrens zu be- schließe». Auch diese Frage wird also die Kommission vielleicht unter Hinzuziehung eines Vertreters aus der Justizverwaltung noch erneut prüfen müssen. Abg. Gröber(Z.) schließt sich diesen Ansführungen an. wünscht aber, daß die Komnnssion, da es sich um eine prinziell wichtige Frage handle, schriftlichen Bericht erstatte. Abg. Stadthagen/z Millionen geschädigt. Eine einzige Miihle hat da int letzten Jahre S— 700 000 M. Vortheil davon gezogen. lHörtl hört! rechts.) Das neue Mühlenrcgulativ ist voller Widcriprüche und weit schlechter als das frühere. Das Typenmehl ist so schlecht, daß ich sagen kann: ich habe so etwas Schlechtes nie wieder gesehen. Wenn Jemand es wagen würde, dies Mehl den Mitgliedern des Hauses anzubieten— ich weiß nicht, was mit ihm geschehen würde. ES ist die höchste Eile geboten, da grundlegende Abänderungen zu schaffen. Schatzsekretär Frhr. t>. Thielmann: Ich habe die Materie gestern bereits erschöpfend behandelt und will heute nur hinzu- fügen, daß mir von einer Zusage einer maßgebenden Persönlichkeit, in der Frage der Aufhebung der Zolllrcdite eine baldige Entscheidung herbeizuführen, nichts bekannt ist. Abg. Gampvärtige Amt. Tic Forderungen seien recht beträchtlich. Es sei bei der jetzigen Lage nicht leicht, den Geschädigten zu ihrem Recht zu ver- helfen, auch wc»de Deutschland Alles aufbieten, daß die geschädigten Deutschen nicht schlecbtcr»vcgkommcn. als die Geschädigten anderer Staaien. Tie deutsche Regierung habe sich deshalb bereits»nit anderen Regierungen in Verbinoung gesetzt. Auf Weitcrc Frage Richte r'S»vcgcn der deutschen Interessen iu Manila erklärt Staats- sckrctär v. B ü l o»v, es gebe eine große Zahl deutscher Handels- Häuser in Manila, die unter amerikanischem Schutz gesichert seien. Der „Irene''-Zwischenfall sei eine Ente. Es befinde sich nur ein deutsches Schiff, die„Angusta", bei den Philippinen. Bei dem Konsulat Marokko erklärt der Staatssekretär v. Bülolv auf Anregung des Abg. Dr. Hasse, die deutsche Regierung habe die Neklamatioiren der Deutschen beim dortigen Sultan energisch vertreten und»vürde nicht zögern, falls eS nöthig sein sollte, ein Schiff nach Marokko zu entsende»». Morgen lvird die Berathung fortgesetzt. Invalidenversichermtgs-Komnussion. 5. Sitzung vom 28. Februar. Molkenbuhr befiirio ortet die sozialdeiiiolratischen Anträge zu§ 12(Heilverfahre n). 1.§12 Abs. 2 hinter dem ersten Satze hinzuzufügeit:.Das Heilverfahren m»i ß eingeleitet»verde»,»venn, unter Zustimmung des Versicherten, dasiclbe vom Vorstände der Krankenkoffe. der der Versicherte an- gehört, beantragt»vird; 2. in» Absatz 2 Zeile 8 die Worte„auch dann' zu streichen; 3.§ 12 Absatz 2 dem letzten Satz folgende Fassung zu geben:„Wenn der Versicherte Invalidenrente erhält, tili, i» dieselbe auf die Angchörigemmtcrstützung angcrechnet werden'; 4. Absatz 3 Zeile 3 hinter dem Worte.unterliegen' die Worte: „und keine Angehörigen zu ernähren hat" einzuschalten; 5. Abs. 3 folgenden Zusatz zu geben:.Muß der Versicherte»vährend des Heilverfahrens von seiner Familie getrennt leben, dann ist der von den Krankenkassen zu zahlende Betrag an die Angehörigen auszuzahlen,»velche der Versicherte bis« her aus seinem Arbeitsverdienst unterhalte» hat.' Molkenbuhr »veist darauf hin.»vie dadurch, daß nur das halbe Krankengeld gewährt wird, die Familie des Erkrankten so in Elend geräth, daß nach der Genesung der Ertränkte wieder durch Roth und Ueberarbeit krank »verde»»nuß. Rösicke giebt das zu, ist aber gegen die Anträge, durch welche den Krankenkassen zu große Lasten auferlegt»verde»»; den Antrag 5 befürivortet er, bei Antrag 1 hat er Bedenken, daß die Krankenkassen sich dann auf Kosten der Jnvalidenversichcrung entlasten könnten, indem sie dieser das Heilverfahren überweisen. Rösicke beantragt:„Die Versicherungsanstalt kann das Heil« verfahren durch Unterbringung deS Erkrankten in einem Kranken- hause oder in einer Anstalt für Genesende gelvähren. Hat der Er« krankte eine eigene Haushaltung oder ist er Mitglied der Haushal« tmig seiner Familie, so bedarf es hierzu seiner Zllstimniung. Di« Zustimmung kann durch die untere VerivaltnngSbehörde seines Alls« eitthaltSortes ergänzt werden." Zu§ 12o,»velcher bestimmt, daß dem Versicherten der Anspruch auf Invalidenrente entzogen wird,»venn er sich nicht in eine Heil- anstalt bringen läßt, beantragt Rösicke, diese Entziehung nur ei,»- treten zu lassen,»venn der Versicherte sich„ohne triftigen rund" der Heilanstalt entzieht. Der sozialdeinokratische Antrag verlangt E t r e« ch n n g des§ 12c. Wurm verthcidigl die sozialdeinokratischen Aiiträge»nter Hinweis auf die Broschüre„Zur Schivindsuchtsbelänipfmig. Denkschrift der Zentraltominission der Krankenkassen Berlins und Umgegend." Diese Denkschrift weist»tach,»vie die in Heilanstalten Unter« gebrachten„aus Sorge um ihre Familie" das Heilverfahren unter- brechen; deshalb muß ausreichende Versorgung der Familie gewährt »verde»». Nach§ 12o wird demjenigen, der sich nicht in eine Heil- anstalt aufnehmen lassen ivill, die Rente entzogcn, und damit die Strafe des Verbungerns für diejenigen festgesetzt, welche sich »icht, auch aus berechtigten Gründen, ihrer Fainilie elitzieheii »vollen. Antrag 1 R ö s i ck e wird mit 16 Stimmen angenommen, die s o z i a l- demokratischen A n t r ä g e 1, 2. 4, S werden abgelehnt, der sozialdemokratische Antrag 3 angenommen. § 12c nach der Regiernngsvorlage wird abgelehnt, der Antrag R ils i ck e hierzu einstimmig a n g e n o m m e n, K 12 ä, Z 13 werden cmgenonimen. gn§ 13 a beantragen Molkenbuhr u n d Ge- irossen, daß der letzte Satz gestrichen wird, durch den eiil in einer Heilanstalt Anfgenonnncner„auf ein Jahr" an den Verzicht auf die Rente gebunden ist und, wenn er die Erklärung nicht spätestens drei Monate vor Ablanf des Jahres zurücknimmt, jedesmal ans ein weiteres Jahr gebunden bleibt." Abg. Salisch beantragt: 6 Monate mit V* jähriger Kündigung, Abg. Zwick beantragt: 3 Monate mit einmonatlichcr Kündigung. Abg. R ö s i ck e beantragt: hinter „ I n v ali d e n h au s" zu setzen:„oder in ähnliche von Dritten untcrhaltenej Anstalten." Staatssekretär Posado wsky weist daraus hin, datz auch wohlthätige An st alten (einschließlich religiöser) an Stelle der Jnvalidcnhänscr be- nutzt werden können. Molke nbuhr und Wurm befürworten den sozialdemokratischen Antrag; Wurm frägt an, ob der Invalide, sobald er den Antrag gestellt hat, in eine Anstalt aufgenommen zu werden, auch verpflichtet ist. in jede ihm zugewiesene Anstalt z» gehen. Das könnte zu schlimmen Belästigungen besonders religiöser Art bei den Invaliden führen. Eine Abneigung der Arbeiter gegen Anstalten im Allgemeinen. Ivie sie der Staatssekretär voraussetzt, sei nicht stets vorhanden, sondern nur dann, wenn in den Anstalten schlechte Verpflegung und Aufiiöthigung oder Verbot gewisser Lektüre üblich sei. A n g e n o ni m e n werden die Anträge Rösicke und Zwick, ebenso die ßZ 14—16, Nächste Sitzung: Mittwoch. Herr Ztugust Scherl und der Guteubergbuttd. Am Montag Abend fanden in Berlin drei Volksversammlungen statt, die sich mit den Vorgängen im„Berliner Lokal-Anzeiger" be- schäftigten. Die Versammlungen waren so stark besucht, daß viele Nachkommende keinen Einlaß mehr finden konnten. In der Vcr- sammlung im„Künigshos", Bülowstraße, referirte der Buchdrucker M a s s i n i. Redner führte folgendes ans: Der Kampf ums Recht, der augenblicklich gegen den Besitzer des„Berliner Lokal-AnzeigerS", Herrn August Scherl, von Seiten des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer geführt wird, hat in allen Kreisen der Bevölkerung, namentlich unter den Arbeitern und Arbeiterinnen, uns die lebhaftesten Sympathien und thatkräftigste Unterstützung eingebracht. Es ist dies auch sehr erklärlich, da Herr Scherl mit seinen drakonischen Maßnahmen gegen die Verbandssetzer sich in das größte Unrecht gesetzt hat. Der Vor- wand, den Herr Scherl benutzte, um die Verbandssetzer aus seinem Geschäft hinauszumaßregcln, ist bereits hinlänglich durch frühere Versammlungen und durch den„Vorivärts" bekannt gegeben. Fest steht, daß Herr Scherl die Verbandssetzer ge maßregelt hat, Weil sie einer Organisation angehörten, die die materielle und g e i st i g e Förderung ihrer Interessen in den Vordergrund stellt. Der ehemalige Äolportaoebuchhändler Scherl hat sich zu einem herrlichen Vollblutbourgeois entwickelt. Die ihn groß gemacht haben. schleudert er jetzt weit von sich. Das ist der Dank vom Hanse Scherl!— Zur R e ch t f e rt i g u n g seines ganz unverständlichen Verhaltens der gemaßregelten Schriftsetzer erklärte Herr Scherl: die Setzer hätten ihn beschimpft, beleidigt und Jahre hindurch hätten die Verbandssetzer mit ihren Mitkollegen in stetem Unfrieden gelebt. Herr Scherl hat aber noch zu Neujahr seinen Setzern für ihretreue n Dien st e und fiir das gute Einvernehmen seinen besonderen Dank aus- gesprochen! Es fehlt mir jeder parlamentarische Ausdruck, um ein derartiges Doppelspiel genügend zu kennzeichnen. Das wagt man zu behaupten, wo der Gutcnbcrgbündler Albreghs seine Verbands- kollegen im Bunde mit der Geschäftsleitung schon vor Jahren brotlos machen wollte? Derselbe Albreghs, für den unsere Mit- gliedcr noch in den letzten Monaten, nachdem Herr Scherl seiner überdrüssig. eine Lanze gebrochen haben?— Wir können aber die Behauptung des Herrn Scherl gar nicht besser widerlegen als durch die Thatsache, datz die N o t h h e l f e r des Herrn August Scherl mit den 30 stehen gebliebenen Setzern sich bereits im Kriegsznstande befinden. Vor 14 Tage» ließ der juristische Bcirath des Herrn August Scherl, Herr Dr. Paul Sandstein, eine Kommission zu sich beordern und zwar drei Nichtvcrbandsmitgliedcr und vier Gutenbergbüudler, um die auSgebrochene Fehde unter dem neugewonnenen Personale zu schlichten! Die Nichtvercinsmitglicder erklärten, daß die Gute n- d e r g b ü n d l c r sich ihnen gegenüber in einer Weise benehmen, die gar nicht mehr schön sei: und daß die Behauptungen der Geschäfts- leitung, die entlassenen Vcrbandsmitglicder hätten sie gemein behandelt, u n w a h r s e i e n. sie wären sehr gut zusammen ansgckommen: Tablcau! Der Herr Doktor machte ein sehr verdutztes Gesicht, meinte aber, es wäre denn doch besser, wenn sie, die 30 NichtverbandSmitgliedcr, dem Gutenbergbund würden beitreten.(Stürm. Heiterkeit.) Wir sind gespannt auf die weitere Entwickclung der Dinge inner- halb- dieser treuen Waffenbrüderschaft.— Der Gutenbergbund — die ScherTsche Rausreißer-Kompagnie— ist ein nach dem ver- unglückten Streik von 1301/32 von Faktoren(Geschäftsführern) begründete und geleitete sogenannte Organisation zu dem Zwecke, den Prinzipalen Nothhelferdienste zu verrichten und den Verband zu bekämpfen. Der Faktor Leineweber war ihr erster Vorsitzender und nian nannte sie deshalb kurzweg die„Leineweber". Jener Bund sucht die Rolle, die er gespielt hat, damit zu rechtfertigen, indem er im„Typograph" erklärt, es wäre ja keine tarifliche Forderung gewesen, um die es sich beim Ausstand handelte. Richtig, tun die materielle Seite handelte es sich nicht, aber um die ideelle. Ist denn nicht einem unter dieser Nothhclfertrnppe klar, daß ohne das Koalitionsrecht materielle.Erfolge nicht zu erzielen sind? Datz diese Bundes-Genossenschaft zur Rettung des„Lokal-Anzeigers" eine Broschüre vertreibt, und die verloren gegangenen Abonnenten des Herrn Scherl dadurch wieder zu gewinnen sucht, indem sie in knechtsseligem Tone über die Bedrückungen des Verbandes darin seufzt, ist bezeichnend für diese Art„Arbeiterorganisation". Datz aber diese Gesellschaft den traurigen Mnth besitzt, in der A e r a der Verfolgungen und Entrechtungen der deutschen Arbeiter zu dem Mittel greift, ihre Sudelei in dem Bureau des Reichstags niederzulegen Und den Abgeordneten aushändigen zu lassen, um zur g e- gebenen Stunde als Material zur Beschränkung des Vereinsgesetzes und Schutzes der„Arbeits- willigen" benutzt zu werden, das ist empörend nnd treibt jedem ehrlichen Menschen die Schamröthe in das Gesicht. Zum Beweise, wie in dieser Broschüre mit der Wahrheit umgesprungen wird, habe ich Folgendes zu erklären. Auf Seite 8 unter 7 heißt es in derselben:„Im September 1803 lehnte der Ober-Maschinen- Meister H. W. in der Buchdruckern von Hasenstein u. Vogler in der Wasserthorstraße den Beitritt zum Verbände mit der Moti- virung ab, derselbe verfolge sozialistische Tendenzen, wes- halb von Massini seine Entlassung wegen«Beleidigung zweier Maschinenmeister(Verbändler) gefordert wurde. Er nintzte ivegen der Beitrittsablehnung unter Ausbezahlung seiner Kündigungsfrist sofort aufhören." Eine größere Infamie als wie diese Beschuldigung ist mir noch nicht vorgekommen. Der Herr Ver- treter Stein der Firnia H. u. V. weiß, warum er den Ober- Maschinenmeister entlassen hat, und ich will im Interesse der M a s ch i n e n m e i st e r über die Ursachen und Gründe seiner Ent- kassung schweigen. Hat er aber dem Gutenbergbnnde gegenüber mich beschuldigt, so erkläre ich diese Behauptungen als eine ganz infame Lüge! Ebenso wie diese eine Behauptung sind auch alle an- deren in der Broschüre aufgestellten Behauptungen entstellt oder aus der Luft gegriffen. Verehrte Anwesende! Wir befinden uns noch nicht am Ende unseres Kampfes, er kann noch lange dauern! Wir haben es hier mit einem der rücksichtslosesten Untenichnier zu thun, dem nur durch Ausdauer beizukommen ist. Der Boykott, den die Berliner Arbeiterschaft in vielen Volksversammlungen über das >, unparteiische" Blatt„Lokal-Anzeiger" verhängt hat, hat Herrn Scherl, nach unseren Informationen, schon 80000 Abonnenten gekostet und er versucht jetzt nun mit allen Mitteln. den verlorenen Besitz wieder zu gewinnen. Es geht rückwärts statt vorwärts mit dem„Lokal-Anzeiger", das mag für Herrn Scherl schmerzlich sein, aber es ist nicht unsere Schuld. Und Sie, verehrte Anwesende, werden uns bei unseren gerechten Zielen unterstützen, dessen sind wir gewiß. Es ist k e i n e M a ch t- probe, um die es sich für uns handelt, sondern es gilt nur unser Recht, das wir uns durch Herrn Scherl nicht dürfen rauben lassen!(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) In der Diskussion nahm zunächst Herr Schneidermeister S trewe das Wort. Es müsse den Inserenten mehr auf die Finger ge- sehen werden. Er empfehle, sämmtliche Firmen, die im„Lok.-Auz." inseriren, auf dem nächsten Flugblatt zu veröffentlichen. Zum ersten Mal nahmen auch einige Gutenbergbündler Vcr- anlassung, sich gegen die erhobenen Vorwürfe zu vertheidigcn. Ein Herr Bade wußte nur die Unwahrheit nachzubeten, die Verbands- Mitglieder wollten die Entlassung der Gutenbergbündler bei Scherl erzwingen und Herr Glaser bekräftigte die Behauptung unter Hinznfügung der schrecklichen Enthüllung, ein Mitglied der Gewerkschaft habe ihm mitgetheilt, die Verbandsmitglicdcr wollten im Herbst streiken. Im Ucbrigen billigte er alle Maßnahmen, die seitens der Leitung des Gutenbergbundes ergriffen.— D ö b I i n nahm darauf Veranlassung, den Herren vom Gutenbergbund ein Spiegelbild vorzuhalten und die Frage an sie zu richten, ob es schon dagewesen sei, datz ein die natürlichen Rechte scncr Arbeiter unter- drückender Unternehmer zur Rechtfertigung seiner Handlungsweise nur das Organ einer Arbeiter orgamsation verbreiten brauche; ob es schon dagewesen sei, daß zu einer Zeit, wo die deutschen Arbeiter mit einem Zuchthansgesctz zwecks Beschränkung ihrer Freiheit bedacht werden sollen, eine Arbeiter organisation be- müht ist, der Gcictzgcbung Material zur Knebelung der eigenen Klasscngcnosscn zu überliefern, ja sogar soweit geht, in ihrer Dcnunziationswuth die eigenen Mitglieder(im Falle Schneider u. Ko. in Berlin) zu denunziren! Wer solcher Handlungsweise seine Zustimmung geben kann, richte sich selber. Betreffs der Handlnngs- aieise des Herrn Scherl bemerkte Redner, datz er der lieber- zcugnng sei, Herr Scherl habe längst eingesehen, datz seine Hand- lnngswcise sich nicht rechtfertigen lasse, dafür sprechen seine Aus- sührungen bei dem von ihm unternommenen Einigungsvcrsuch! seine Rathgebcr scheinen ihm jcdocli den Glauben beigebracht zu haben, datz es sich mit der in seinen Kreisen üblichen Moral nicht vertrage, ein begangenes Unrecht gut zu machen oder nur einzusehen; dafür spreche die Haltung des Herrn Dr. Sandstein. Nachdem der Referent in seinem Schußwort die Gutcnbcrg- bllndlcr an ihre„Arbeitswilligkeit" bei den verschiedensten Gelegen- heften in Berlin erinnert und den Anwesenden nochmals die strikte Durchführung der Beschlüsse der früheren Volksversanmilungcn ans Herz gelegt, erfolgte unter allgemeiner Begeisterung und unter Annahme der bekannten Resolution(der auch die Gutenbergbündler zustimmten!) Schluß der Versammlung. Im Schweizer Garten am Königsthor tagte unter dem Vorsitz des Genossen Wels eine sehr stark besuchte Versamurlung. Alle Plätze des geräumigen Saales waren besetzt, viele Thcilnchmer mußten sich mit Stehplätzen in den Gängen begnügen. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Ncfcral des Buchdruckers F a b e r sprachen zunächst einige Genossen für energische Weiter- führung des Kampfes gegen den'„Lokal-Anzeiger". Dann suchte ein Gutenbergbündler unter lebhafter Mißbilligung der Versammlung die Handlungsweise seiner Bundcsbrüder zu verrhcidigcn. Stürmische Entrüstung riefen die Auslassungen eines anderen Redners hervor, der die bekannten, längst veralteten Verleumdungen gegen die Sozial- demokratie aufzuwärmen sich bemühte und für das unumschränkte AuSbcutnngsrecht der Unternehmer eintrat, wodurch er jedoch den Unwillen der Anwesenden derart steigerte, daß er abtreten mußte, ohne seine Lobrede auf die Ausbcutuugsfreihcit beendet zu haben. In seinem Schlußwort fertigte F a v e r diesen Redner unter allgemeinem Beifall gründlich ab. Dann wurde die bekannte Resolution einstimmig' angenommen und die Versammlung mit einem brausenden Hoch aus die Arbeiterkoalition geschlossen. Der Saal der Norddeutschen Brauerei in der Chansseestraße war nahezu überfüllt. Auch hier zeigte der Verlauf der Versammlung, daß die Arbeiterschaft willens ist, den Kampf gegen den Tcrrorismns des Herrn Scherl energisch weiter zu führen. Buchdrucker Wachs schilderte in seinem Referat die Ursachen des Ausstandcs, während nach ihm einer der Ausgesperrten noch mancherlei aus seinen persönlichen Erfahrungen hinzufügte. Mit lebhafter Entrüstung nahmen die Anwesenden Kennlniß von den im„Lokal-Anzeiger" üblichen Praktiken und gaben durch reichen Beifall ihr Einverständnitz mit dem Vorgehen gegen dasselbe kund. Ruch hier stimnite man der Resolution zu. Der Ertrag der Teller- sammlung wurde den Krefcldcr Webern und den Familien der in Dresden Verurtheilten zugcivandt. NomtttttNÄles. Ter Etats Zlnsschust der Stadtvcrordiietcn-Vcrsammlung hat sich in seiner am Montag abgehaltenen Sitzung mit den Etats der Schnlverwaltung beschäftigt. Bei den Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealichnlcn ivurden folgende Resolutionen beschlossen und der Versammlung zur Annahme empfohlen: Die Versammlung ersucht den Magistrat: 1. Die Pflichtstunden der Zeichenlehrer zu erhöhen und die Stunden in gleich- mäßiger Anzahl zu vertheile», 2. die Löhne der Heizer an den Schulen in entsprechender Weise zu erhöhen. Gegen die Etats der Realschulen iHöhcre Bürgerschulen) und höhere Mädchenschulen fand sich nichts zu erinnern, dieselben gelangten unverändert zur Annahme. Bei den Etats der Turnhallen der höheren Lehranstalten empfiehlt der Ausschutz der Versammlung, an den Magistrat das Ersuchen zu richten, die Pflichtstmiden für die Turnwarte und Tunifachlchrer zu erhöhen und danach das Gehalt derselben zu rcguliren. In dem Etat der verschiedenen Einrichftmgen für die städtischen höheren Lehranstalten sind zur Unterstützung' an Studirende der hiesigen Universität, wie in dem Vorjahre, 3600 M. ausgeworfen. Der Ausschuß schlägt der Versammlung vor, den Ma- gistrat zu ersuchen, die Position auf die Summe von 10 000 M. zu erhöhen. Beim Etat der Gemeindeschulen, welcher unverändert zur Annahme gelangte, hatte der Magistrat beantragt: denjenigen Lehrern, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, kann die Zahl der Pflichtstunden auf ivöchentlich 24 ermäßigt werden. Im Ausschüsse wurde vou einer Seite vorgeschlagen auf die Ermäßigung der Pflichtstundenzahl einzugehen,'jedoch nur unter der Bedingung, daß diese Lehrer extra honorirte Stunden an Fortbildungs- Gewerbe- jc. Schulen nicht crthcile». Beide Anträge erhielten indessen nicht die Mchrbeit der Stimmen nnd wurde» abgelehnt. Die Etats der Taubstummen- und der Blindenschulen nebst Beschäftigungsanstalten blieben unbeanstandet und gelangten unverändert zur Annahme. Um die fortdauernd sich steigernden Ansprüche an die 'tädtischcn Krankcnhänscr für den nächsten Winter genügend be- friedigen zu können, hat die Deputation für die städtischen Kranken- anstalten und der öffentlichen Gesundheitspflege unter Vorsitz des Stadtraths Bail beschlossen, bei den städtischen Behörden zu be- antragen, auf dem Grundstücke des städtischen Krankenhauses im FriedrichShain zwei zweistöckige Fachwerk-Baracken zur Aufnahme von 130 Kranken provisorisch zu errichten. Dieselben sollen im bevorstehenden Sommer fertiggestellt»nd bis nach Errichtung des vierten städtischen Krankenhauses aushilfsweise benutzt werden. UokAlvs. Im 2. Wahlkreis finden am F r e i t a g, den 3. März, zwei Volksversammlungen statt, die eine bei Schultz(früher Martens), F r i e d r i ch st r a tz e 236, die andere inKliem'sVolksgarten, Hase»Haide 14/1S. In beiden Versammlungen steht: Die bevor st ehe ndeNen wähl auf der Tagesordnung. Die Genossen nnd Genossinnen werden zu zahlreichem Erscheinen aufgefordert. Tic HilfStriiPpc des Freisinns. Der Parteirath der konservativen Partei Berlins hat be- schlössen, bei der Nachwahl im zweiten Berliner R e i ch s t a g s- W a h l k r e i s in die Agitation einzutreten, und ernannte den Negicrungsrath W i t o w s k i als Kandidaten. Der konscrvalive Kandidat hat sicherlich den einen Vorzug, in den weitesten Kreisen unbekannt zu sein. Wir sind neugierig, welche Anstrengungen eS sich Herr Witowski kosten lassen wird und welchen Mammon die Berliner Konservativen bereit stellen werden, um dem Freisinn unter die schwachen Anne zu greifen. Helfershelfer dcS ZnchthanskurscS. Zur Konstitnirung des Deutschen Arbeitgeber-Bundes für das Barr- g e w e r b e sind die lokalen Arbeitgeber-Verbände für das Bau- gewerbe aus ganz Dentschland zu einer Generalversammlung ein- geladen worden, die am 15. März er., Nachmittags 2 Uhr. im illrchitektenhause, Wilhelmstr. 02, stattfinden soll. Die Gründung des Arbeitgeber-Bundes ist ans dem vorjährigen Delegirtentage des Jnnun'gs-Verbandes Deutscher Baugciverks-Meistcr zu Breslau be- schlössen worden und soll ausgesprochenermaßen die Arbeitgeber in die Lage bringen, der geschlossenen Koalition der Arbeitnehmer er- folgrcich entgegentreten und sich die„Selbständigkeit" in ihren Be- trieben wahren zu können, das heißt, die Arbeiter nach Herzenslust zu knebeln und zu knechten. Der provisorische geschäftsführende Ausschuß, der die Einladung zu der Generalversammlung erlassen hat, besteht an? den Baumeistern B. Fe lisch, H.«imon, Zimmcrmeistern A. E s m a n n und R. A r a n s und Baumeister F. D ö b I e r. Geschäftsführer ist Herr W. König, Kochstr. 3. Vom Thiergarten. Die Ausrede, daß der angeblich zu dichte Baumbestand im Thiergarten die befremdlichen Abholzungcn recht- fertigte, trifft nach einer von der„Volks-Ztg." gebrachten Meldung völlig daneben. Das genannte Blatt schreibt: Den Auftrag zur Ab- Holzung kann natürlich nur die fiir die Parkangclegenhciten zuständige amtliche Stelle geben. Etwas anderes ist es um die Anregung zu der Durchlichtung des Thiergartens, lins wird mitgetheilt, datz in parlamentarischen Kreisen erzählt wird, die Anregung gehe von der Berliner Polizei-Ver waltung aus und zwar von der Stelle, welcher die Sorge für die persönliche Sicherheit des Kaisers übertragen ist. Der Sicherheitsdienst für den Monarchen, welcher häufige Spaziergänge im Thier- garten zu mache» liebe, werde, so heißt es, erheblich erschwert, wenn der dichte Baumbestand in Verbindung mit dem gcbüschähnlichen linterholze den freien Ausblick auf die von dem Monarchen durchschrittenen Partien des Parks unmöglich mache. Die Ver- Hinderung der Annäherung Unberufener und solcher Personen, die etwa den Kaiser belästigen wollen oder noch schlimmeres beabsichtigen könnten, sei unter den neuen Verhältnissen mit größerer Sicherheit zu erzielen, als unter den bisherigen Zuständen des Parks. Die jetzt durchgeführte Durchlichtung gestatte die Beherrschung eines weiten Ranmcs dlirch das Auge der Sichcrheitsbcamtcn, die für die persönliche Sicherheit des Monarchen persönlich verantwortlich sind. VcrfrommungSstrebcil am Palmsonntag. Entgegen der Mit- theilung eines hiesigen Blattes, wonach voraussichtlich der Palm- s o n n t a g auch in diesem Jahre zur A b h a l t u n g v o n T a n z- lu st barkeiten freigegeben werden dürfte, ivird vom Syndikus des Vereins der Saalbesitzer Berlins und Umgegend, Rechtsanwalt Dr. Schlesinger, auf eine an das Polizeipräsidium gerichtete Anfrage erwidert, daß die erwähnte Mittheilung nicht zutrifft. Allerdings sei im Vorjahre mit Rücksicht aus die Entscheidung des Kammergerichts vom 20. Januar 1338 der Palmsonntag zur Abhaltung öffentlicher Tanzlustbarkeiten freigegeben worden. Nachdem indessen die damals in Anwendung gebrachten Bestinimungen des§ 12 der Polizei- Verordnung vom 10. Oktober 1836 inzwischen durch die Polizei« Verordnung vom 19. März o. I. eine Abänderung erfahren hätten, erscheinen.' die Ausführungen in dem Erkenntnisse des Kammer- gcrichts nicht mehr zutreffend. ES müsse deshalb künftig wieder an dem auch früher hier vertretenen Standpunkt festgehallen iverden, daß der Palmsonntag im Sinne der Vorschrift des§ 12 Ziffer 2 der Polizcivcrorduung vom 19. März 1838 zur Charlvoche zu rechnen sei. Die Reviervorslände seien in diesem Sinne instruirt und ange- wiesen worden. Merkwürdig weit gehen die Ansichten der zur Erhaltung der heutigen Staats- nnd Gesellschaftsordnung verurtheilten Leute über den Werth des Geldes auseinander. Während der Hanswurst unter den staatscrhalteudcn Blättern, die„Deutsche Tageszeitung", froh- lockt, weil für die L ö b t a u e r Verurtheilten reinweg gar- nichts zusammen komme, bringt die„Kons. Korr." einen von Gift und Neid getränkten Artikel über die O p f e r w i l I i g k e i t, die von den Arbeitern auch bei dieser Gelegenheit bekundet werde. Der Acrgcr des reaktionären Organs giebl sich in folgenden Worten kund: „Für die Löbtauer Opfer der sozialdemokratischen K l o s s c n v e r h e tz u n g ist, ivie der Parteikassirer Gcrisch im „Vorwärts" niftlheilt. ins jetzt die Summe von 37 657 M. ein- gegangen. Das ist, selbst in Anbetracht des llniftandes, daß auch vielfach„Bourgeois" wieder durch ihr„Huinnnitätsgefühl" sich haben verleiten lassen, die sozialdemokratische Klingelbcutcl-Propaganda zu unterstützen, ein glänzendes Ergebniß, welches die Sammlungsorganisation der Sozialdemokratie in einem hellen Lichte zeigt. Der Aufruf zur Unterstützung wurde am 7. Februar veröffentlicht und am 25. dieses Monats— also nach Verlauf von zwei und einer halben Woche— ist die obige Sunime zusammengekonimen. Wie eifrig die Sammlnngsnnteriiehiiidr ihr Geschäft betrieben haben, ist ans dcni llinstande ersichtlich, daß allein ini zweiten Berliner Rcichstags-Wahlkreise„auf Listen" 510 M. gesammelt worden sind." Wenn die konservative Kriegskasse einmal Ebbe zeigt, sollte man getrost bxi der„Deutschen Tageszeitung" eine Anleihe machen, für die 37 000 M. ja selbst dann keine Rolle spielen, wenn sie von Arbeitern gesammelt sind. Dast der Fcnerwrhrbicnst sehr aufreibend ist. beweisen auch die zahlreichen Pensionsanträae, die der Polizeipräsident durch Ver- Mittelung des Magistrats zeitweise an die Stadtvcrordnctcn-Ver- sammlung gelangen läßt. In dieser Woche liegen allein 13 solcher Pensionsiachen vor. Sie betreffen zum großen Thcil Leute, die noch im besten Manncsalter stehen; der älteste von ihnen. Feuer- mann Fromni, hat allerdings schon das 60. Lebensjahr erreicht, aber auch er ist durch einen Unfall auf der Brandstelle dienstunfähig ge- worden. Unter den jüngeren Invaliden befindet sich der 33jährlge Oberfenermann Rothe, der bei dem großen Brand der Schering- scheu Fabrik(2. Juni 1897) durch' Einathmen von giftigen Gasen so schwere innere Beschädigungen erlitt, daß er, nach langem Krankenlager einigermaßen wieder hergestellt, zur Fort- setzung seines Dienstes dauernd unfähig geworden' ist.(Bei dem- selben Brande verunglückte, wie erinnerlich, auf gleiche Weise der Oberfenermann Krüger, der seine Verletzung nur um einen Tag überlebte.) Von den mechanischen Verletzungen abgesehen, bilden Erkrankungen der Athmnngs- und Ernährungsorgane, Rheumatismus und Augenleiden die Hauptursachcn der frühzeitig eintretenden Dienst- untauglichkcit. Nur wenige der Feuerwehrinvaliden werden von den Aerzten zur Verwendung im städtischen Untcrbeamtendienste füv tauglich befunden; die meisten müssen sich mit der kargen Pension durchschlagen, die durchschnittlich etwa tausend Mark jährlich be- trägc. Der Zusammenstosi eincS elektrischen StrastenbahnwagenS der Linie Zoologischer Garten— Schlesischcs Thor mit einem Pferde- bahnwagen der Linie Alexanderplatz— Nollendorfplatz erfolgte gestern Vormittag 8 Uhr am Halleschen Thor. Der Straßenbahnwagen � wollte eben in langsamer Fahrt die Haltestelle verlassen, als der ihm in schnellem Tempo nachfolgende elektrische Wagen mit großer Wncht ans den Hinterperron ausstieß. Die Fahrgäste wnrden stark durch- einandergerüttelt, kamen aber glücklicherweise ohne Beschädigungen davon. Znm Besten von Lonis Ncuiithalcr, der als Vernrkhciltcr im Hochverraths-Prozeß Kamin kürzlich nach S'/jähriger Strafe das Zuchthaus verlasse» hat, war bekanntlich vom Karthans-Knmmer'schcn- Männerchor eine Matinee veranstaltet worden. Der Ucberschuß aus dieser Veranstaltung ist in Höhe von 530 M. dem schwergeprüften Märtyrer zugewiesen worden. Der Gesangverein bittet uns, an dieser Stelle allen, die zum Erfolg des Konzertes beigetragen haben, den Dank des Vereins zu übermitteln. In ErstickmigSgefahr befand sich Dienstag Vormittag 10 llhr der 40jährigc Brunnenarbeitcr Rinke, der in der Maikäfcr-Kaserne mit Arbeiten an dem Hauptabzugrohre beschäftigt war. Am ersten Eingange san der Kesselstraße) war ein etwa 21/2 Meter im Geviert und ebenso tiefes Loch gegraben, in dem R. sich an dem Rohre zu schaffen machte. Feldwebel Harbach und Unteroffizier Knebel be- fanden sich in unmittelbarer Nähe. Jedenfalls waren nun die Grubcnwände nicht genügend abgesteift, denn eine Seite gab nach und vergnib den R. Harbach und Knebel eilten dem Verschütteten zu Hilfe und suchten namentlich den Ein- stürz der übrigen Wände zu verhindern. Schon war R. fast befreit. als ein weiterer Nachsturz erfolgte. Daraufhin wurde die Feuer- wehr alarmirt, bei deren Ankunft jedoch der Verschüttete bereits thcilweise aus seiner gefährlichen Situation erlöst war. Er war anfangs vollständig gelähmt und sprachlos und wurde sofort mittels Droschke nach der Eharitee befördert, von wo er jedoch bald wieder entlasten werden konnte. Er wäre sicher erstickt, wenn nicht, glück- lichcrweise sein Kopf zwischen zwei Holzstückcn eingeklemmt worden wäre, wodurch ein freier Raum zum Athmcn blieb. Grostc Aufregung entstand gestern Nachmittag um 4 Uhr in der Frauzvsischen Straße zwischen der Charlotten- und Friedrich- straße. Dort erfährt das Grundstück 47 der Firma F. u. H. Borchardt einen Erweiterungsbau in Sandstein, und der Steinmetzmeister Zeidler ließ einen 126 Zentner schweren Stein nach dem 4. Stock hinaufwinden. Vier Taue hielten die Last. Während oben Arbeiter das Hinaufziehen besorgten, bemerkte ein Maurer im zweiten Stock, bis wohin der Stcinblock emporgezogen war, daß zwei Taue zerrissen waren. Da zu befürchten war, daß die beiden anderen Taue die Last nicht aushalten würden, und der Block nach der Straße hinabstürzen möchte, so wurde die Polizei benachrichtigt, die sofort die Straße sperrte. Mit Hilfe von Schlingen hielt man den Sand- stein so lange fest, bis neue Flaschenzüge beschafft und die Last in der gegenwärtige» Höhe festgelegt werden konnte. An ein Hinauf- Ichaffen war nicht mehr zu denken, weil erst größere Vorbereitungen erforderlich sind. Die Absperrung der Straße wurde für Fuhrwerke wegen der verursachten Erschütterung aufrecht erhalten, der Fuß- gängerverkehr konnte sich auf der gegenüberliegenden Seite bewegen. Eine große Menschenmeage umlagerte den Ort und sah ängstlich der Arbeit zu. Zeugen gesucht. Die Personen, welche Zeugen des Unfalles waren, der am Sonnabend, den 27. August v. I. Abends in der siebenten Stunde durch einen Wagen der Bergschloß-Braucrei in der Kaiser Wilhelmstraße verursacht wurde, lverden gebeten, sich bei Karl Faust, Rixdorf, Karlsgartenstr. 19 zu melden. Ein gefährlicher Brand. Dienstag Mittag erging der Ru „Mittelfeuer" nach L u ck a u e r st r. 16. Hier besitzt in der dritten Etage die Schneiderm Zaljewsky eine aus zwei Ziinmern und Küche bestehende Wohnung. In dem nach der Sttaße zu belegenen Zimmer war die Wohnungslnhaberin damit beschäftigt, ihr Haar zu brennen, als ein junges Mädchen eintrat, um sich Klcidcrnmster anzusehen. Beide gingen in die nach dem Hofe zu belegene Stube, nachdem vor- her die Spirituslampe, die unbedachterweise in die Nähe der Gardinen gestellt war, gelöscht war. Letzteres muß aber wohl nicht vollständig geschehen sein, denn als die Frauen nach wenigen Minuten zurück- kehrten, stand das Vorderzimmer bereits in Flammen. Anstatt nun sofort um Hilfe zu rufen, suchten beide die Flammen selbst zu löschen. Als dann die Feuerwehr eintraf, hatte der Brand nicht nur große Ausdehnung erlangt, sondern auch die vierte Etage derart verqualmt, daß ihren Bewohnern der Ausgang abgeschnitten war. Frau Schade, eine korpulente Frau, konnte nur mit Mühe von den auf Haken- leitern eingedrungenen Feuerwehrleuten von dem Sprunge in die Tiefe abgehalten werden. Sie hat durch Rauch und Aufreguna stark gelitten. Nach etwa einer halben Stunde galt die Gefahr für bc- seitigt. Die ganze Wohnung ist ausgebrannt. Zwei flüchtige Wechsclstubenbrsitzer sind aus Wien hierher gemeldet worden. Es sind dies die Bankiers Siegmund Drechsler, 36 Jahre alt, und Wilhelm Schönberger, 4ö Jahre alt. Beide haben bedeutende Unterschlagungen begangen und sich dann ans dem Staube gemacht. ... umfangreiches Zerstörungswerk haben Einbrecher aus- gemhrt, die Dienstag früh dem Kaufhaus von Gebrüder Wolff in der Gartenstr. 25 einen Besuch abgestattet haben. Nachdem sie die Hausthür muthmaßlich mit einem Nachschlüssel geöffnet hatten, traten schon die Brechwerkzcuge in ihre Rechte. Vom Flur führt in den Loden eine eiscnbeschlagene Thür, die noch durch eine vorgelegte fliicnstange mit Schloß versichert ist. Das Schloß wurde nbgciprciigt und die Thür, die sich nicht herausheben ließ, mit Brecheisen geöffnet. Der infolge der angewandten Gewalt beschädigte Eingang wurde nun von innen mit Zeug zu- gehängt, so daß kein Lichtstrahl ans dem Laden drang. Nun ging die eigentliche Arbeit los. Im Komptor wurde der Geldschrank von unten zu sprengen versucht, widcrstaiid aber den Werkzeugen. Dagegen erbrachen die Spitzbuben mehrere eiserne Kassetten, in denen sie jedoch anstatt des vermutheten Geldes nur Geschäfts- Papiere fanden. Lohnender war die Arbeit im Laden, wo sie drei Kassen sprengten und insgesammt etiva llOO M. erbeuteten.®aiin_ verfielen ihrer Wuth noch die übrigen verschlossenen Behälter, die siimmtlich gewaltsam geöffnet wurden. Bon dem aus Oberhemden, Kragen, Taschentüchern, seidene» Unterröcken ec. bestehenden Inhalt suchten sie mit Kennerblick das Beste heraus und zerstreuten die zurückgelassenen Gegenstände über den Raum, Erbrochen wurden ferner 5 Kisten mit Schmnck- >achen und Portemonnaies, die des Mitnehmens für Werth erachtet wurden. Nachdem alles erbrochen und durchstöbert war, zogen die Diebe mit der beträchtlichen Beute unbemcrtt ab. Theater. Im S ch i I l e r- T h e a t e r findet heute die erste Auffübrung des drelattige», nach cinein Zwischenspiel des Cervantes von Emil Goett bearbeiteten Lustspiels.Verbotene Frilchte" statt. Das zweiaktige Schauspiel -Die Neuvermählten" von Bjärnson eröffnet den Abend.- Im Deutschen Theater geht heute Gttllparzer's historisches Trauerspiel„Die Jüdin von Toledo", neu einstudirt, mit folgender Besetzung in Szene: König Alfons- Joses Kainz; Königin Eleonore— An nie Trenner; Manna uez— Hermann Müller; Garceran- Ed. v. Winterstcin: Jsaac- Hanns Fischer; Esther- Louise Dumont; Rahel— Maria Reiscnhofer; Reinero— Richard Ballentin. Fcucrbcricht. Dienstag früh von 3l/e bis SVs Uhr wurden in kurzen Zwischcnrätimen nicht weniger als vier Anschlagsäulen bös- willig in Brand gesetzt und zwar Ecke Markgrafen- und Zimmer- straße, Ecke Markgrafen- und Leipzigerslraßc, Ecke Jcrusalcmer- und Schützcnstraße und Ecke Kominandanten- und Lindcnsttaße. Offenbar rühren diese dummen Streiche, die der Haupt- Feuerwache unnütz mehrere Nachtstunden raubten, von ein lind derselben Person her, die jedoch bedauerlicherweise nicht ermittelt wurde. Kurz nach Mitternacht war PutbuserstraßeW ei» Kcllcrbrand abzulöschen, der die Balkenlage und Schaldecke stark beschädigte. Ein anderer Kellerbrand war früh 6 Uhr Greifs- W a l d e r st r a ß e 39 zu beseitigen. Montag Abend entstand Tempelhofer Ufer 18 ein Dachstuhlbrand, der verschiedene Bodenverschläge mit Inhalt und einen erheblichen Theil der Dach- konstruklion einäscherte. Außerdem gingen Neue Friedrich- straße 5 Packmaterialien und N i g a e r st r a ß e 125 Gardinen mid Möbel in Flammen auf. Aus den Nachbarorte». Rixdorf. Freitag Abend 8'/s Uhr findet im großen Saal von Klemke, Bergstr. 136/137, eine Volksversammliing für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: 1. Die Stadtverordnetenwahle» und die Kompromißpartei. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten für die 2. und 3. Abtheilung.(Siehe Annonce und Sänlcnanschlag.) Zahlreichen Besuch erwartet Das Wahlkomitee. Rixdorf. Ans der letzten Gcmeindevertrcter-Sitzung ist noch nachzutragen, daß nach einer Mittheilmig des Gcmeiiidevorstchers die Polizeiverhältnisse im Ort vorläufig dieselben bleiben wie bisher, nur daß die Polizei dem Bürgermeister unterstellt wird. Die könig- liche Polizei werde durch ein besonderes Gesetz eingeführt werden. Der Gemeindevorsteher hat an zuständiger Stelle beantragt, die bis- her mit Polizeisachen beschäftigten fest angestellten Bureanbeamten bei Einführung der königlichen Polizei in den Staatsdienst zu über nehmen. Stadtbcrordtictcn-Sitzung zu Schönebcrg am 27. Februar. Vor Eintritt in die Tagesordnung richtete Stadtvcrordneten-Vorsteher Gustav Müller folgende Anfrage an den Magistrat:„Welche Stellung nimmt der Magistrat ein zu der Absicht des Ministers des Innern, s ä m m t l i ch e Zweige der st ä d t i s ch e n Polizei vom 1. April d. I. ab der königlichen Polizei zu übertragen?" Bürgermeister Wilde beantwortete die Frage dahin, daß dem Magistrat offiziell von einem derartigen Schritte nichts bekannt sei; man wisse nur, daß die Regierung zu diesem Zwecke eine Summe im Etat eingestellt habe. Sämmtliche Zweige sollten einem Kommissar unierstellt werden. Da nun die Oberleitung nicht in den Händen des Regierungspräsidenten von Potsdam, sondern in denen des Polizeipräsidenten von Berlin ruhen solle, bedürfe es eines besonderen Gesetzes. Sache der Städte Charlottenburg, Rixdorf und Schöncberg müßte es sein, beim Minister vor- stcllig zu werden, um eine derartige Absicht nach Möglichkeit zu hindern.— Es folgte eine erneute Vorlage des Magistrats, be- treffend das Ausscheiden aus dem Kreise. Die Stadt- verordneten hatten in der Sitzung am 6. Februar den zwischen dem Landrath Stubenrauch und dem Magistrat vereinbarten Vertrag wegen des Ausscheidens der Stadt Schönebcrg aus dem Kreise zum 1. April angenommen. Die Annahme wurde vom Magistrat be- sonders deshalb befürwortet, weil die im Vertrage enthaltenen Be- stimmimgcn über die Benutzung der KreiS-Krankenhäuser für Schönebcrg günstig seien, indem man annahm, daß nur der feste Betrag von 2,49 M. pro Bett zu zahlen sei. Gegen diese" Auffassung ist vom Landrath Einspruch er hoben worden. indem er geltend macht, daß zu diesem Einheitssatz von 2,49 M. noch 2 M. an Verwaltungsgebühren hinzu- kämen. Nur unter diesen Bedingungen sei er in der Lage, daS Ausfcheidcn Schönebergs zu befürworten. Es crgiebt dies für Schönebcrg eine Mehrbelastung von 49 999 M. jährlich oder bis mm Endpunkt des Vertrages eine Summe von nahezu 299 999 M. Trotzdem empfiehlt der Magistrat die Annahine des Vertrages, welche auch einstimmig erfolgte. Eine sehr lange Debatte ergab' die erste Lesung des Etats für 1399. Kämmerer Gerhardt betonte in längeren Ausführungen die Wichtigkeit der Aufstellung des ersten städtischen Etats. Er könne hierbei die erfreuliche Mitthcilnng machen, daß die Steuern eine Erhöhung von 259 999 M. aiifwicscn, ohne daß es nothwendig erschienen sei, den Steuersatz zu er- höhen. Nachdem er noch in eingehender Weise die einzelnen Etatspositionen beleuchtet hatte, konstatirte er ein, wenn auch lang- sames, doch ständiges Fortschreiten der günstigen finanziellen Lage SchönebergS. Stadtverordneten-Vorsteher Müller ivandte sich energisch gegen die Umsatzsteuer. In Berlin betrage dieselbe»nr t/z pCt., hier dagegen verlange man 1 pCt. Auch die Errichtung einer höheren Töchterschule müsse sobald als möglich vor sich gehen. Sehr erheiternd wirkten die Ausführungen des Herrn Stadto. Hanse, der die. Aufhebung der Wochcnmärkte verlangte. In Rixdorf habe Herr Boddin nicht nur das AuSklingeln von Milch, sondern auch die Abhaltung des Marktes verboten und die S o z i a l d e m o- traten hätten Herrn Boddin deshalb einen Fackelzug gebrachtll! Das auf dem Markt verkaufte Fleisch sei ungenießbar. Die Fleischer mogelten; er als Fachmann müsse das wifsen. Auch gegen die Erhöhung des Fenerwchr-Etats habe er seine Bedenken. Große Leistungen seien trotz Einstellung eines Brandmeisters ans Berlin nicht vorgekommen. Nach diesem komischen Intermezzo gelangten von einzelnen Stadtverordneten kleinere Monita zur Erörterung, die vom Magistratstischc aus ihre Aufklärung fanden. Eine Familientragödie bildet gegenwärtig den Gegenstand einer Untersuchung beim Landgericht lt. In einer kleinen Kolonie bei Liebenlvalde lebt der Landwirth B. Er hat drei Töchter, von denen nur die eine gesund ist. Die anderen beiden, die bereits über 39 Jahre alt sind, kamen völlig gelähmt zur Welt. Ihr Geist ist äußerst beschränkt, ihre Sprache nur ein inivcrständlichcs Lallen. Sie müssen von einer Stelle zur andereii getragen und wie kleine Kinder gefüttert werden. An eines dieser unglücklichen Mädchen machte sich vor etwa 15 Jahren ein Wüstling, und es fiel ihm nicht schwer, das halbblödc Mädchen seinen thieriichcn Gelüsten dienstbar zu machen. Inni Entsetzen der Mutter und Großmutter zeigten sich nach einiger eit die Folgen des Umganges. Beide Frauen bewahrten das neue Unglück als ihr Gchcimniß. Das Kind ivnrde heimlich geboren und gleich nach der Geburt im Keller vergraben, lieber die Sache war längst Gras gewachsen. Der Verführer entging der im zustchcndcn Strafe, weil die Sache geheimgehalten wurde. Vor cinigen Jahren 'tarb die Mutter des Mädchens, und so blieb die 83jährigc Groß- mutier die alleinige Hüterin des Geheimnisses. Sie glaubte es wenigstens, denn sie wußte nicht, daß eine der Schtvesiern Kcnntniß davon hatte, tind diese Schwester plauderte eines Tages. Die Sache fproch sich herum und gelangte schließ lich zur Kenntniß der Behörden, welche Recherchen anstellten. Angesichts des nahenden Unheils nahm sich die 83jährige Groß- mnttcr das Leben, sie hing sich an der Decke ihres Himmelbettes auf. Die Recherchen der Behörden führten zu einer Durchsuchung des Kellers und bald wurde das Skelett der kleinen Leiche gefunden. Die Lcichenreste wurden dem zuständigen KreiSphysikns Dr. Schulz zur Untersuchung übergeben, doch konnte jetzt nicht mehr mit Sicher- ieit festgestellt werden, ob das Kind vor seiner Beseitigung gelebt at bczw. ob ÄindcSmord vorliegt oder nur Beisciteschaffung einer Leiche. Ob überhaupt eine Anklage wird erhoben werden können, ist noch sehr zivcifclhaft, denn Mütter und Großmutter sind todt, und die Tochter, die Mutter des bescittgten Rindes dürfte kaum verhandlungsfähig sein. Tic kgl. Wasscrbauverwaltung hat der Schifffahrt treibenden Bevölkerung durch Anschlag an den Schleusen mitgcthcilt, daß die Spandauer Havclschlcusc wegen Ausbesserung der Schleusenthore bis zum 19. März gesperrt ist. Qn der Riihlcschen Mordsachc ist die Aufmerksamkeit der die Untcriuchung leitenden Behörden ivicder auf eine schon früher ver- ölgte Spur gelenkt worden. Gleich nach Ermordung des Handels- mnnnes Rühle auf der Schönwaldcr Chaussee bei Spandau bezichtigte die Arbeiterfrau Schulz, am Schiffbauerdamm in Spandau wohn- Haft, ihren eigenen Mann, von dem sie verlassen tvar, der That. Später widerrief sie die Beschuldigung, und zwar, wie jetzt von anderer Seite behauptet wird, wider ihr besseres Wissen unter dem Einfluß der Verwandten des Mannes. Ein Bekannter des Letzteren hat nun gegen Schulz die schwere Beschuldigung von Neuem erhoben. Es muß abgewartet werden, ob diesmal etwas Greifbares dabei herauskommt. Gcmciusin«. Ans Spandau wird berichtet: Der Weiter- bau eines neuen Gemeindcschillhanses ivurde dieser Tage hier ein- gestellt und zivar auf Anordnung des Landgerichts II Berlin infolge einer Klage, die der Stadtverordnete Ncupcrt gegen den Magistrat angestrengt hat. Der Kläger besitzt in der Straße, an der das Schulhans gebaut wird, ein Wohnhaus. Obwohl die Straße noch nicht 8 Meter breit ist, ist der Schulhansbau 19 Meter 59 Zentt- meter hoch geplant. Wegen dieser der Bau-Ordnung zuwider- laufenden Höhe deS Schulhauses, das seinem eigenen Hause gegen- überliegt und diesem daS Licht schmälert, hat Herr Neupert Klage erhoben. Schlimme Streiche hat ein Soldat des 3. brandcnburgischen Pionierbataillons in Spandau vollführt. Als er neulich Nachts auf dem Kascrnenhofe Posten stand, legte er Gewehr und Helm ins Schilderhaus, begab sich in die Kaserne und eignete sich, während noch Alles schlief,' in einer Mannschaftsstube aus den Schränken der Kameraden verschiedene Gegenstände, auch Geld an. Nachdem er seinen Uniformrock mit dem eines Gefreiten vertauscht und sich niit allem Röthigen verschen hatte, verließ er die Kaserne und blieb mehrere Tage verschwnnden. Endlich wurde sein Aufenthalt ermittelt. Er hatte fich nach Ketzin(Osthavelland) zum Besuch seiner Braut begeben, wo er als„Urlauber" sorgenlos lebte. Er ist jetzt nach Spandau zurücktransportirt worden und sieht seiner Bestrafung entgegen. Es ist dies das zweite Mal, daß er seinen Truppentheil ohne Urlaub verlassen hat. Er ist der Sohn eines Lehrers in Charlottenburg und hat seinem Vater auch sonst schon viele Sorgen bereitet. Ans Pankow schreibt man lms: Die Miethssteigerungcn in Pankow, über die>vir kürzlich berichteten, haben eine derartige Höhe erreicht, daß die Unterbeamten in einer Petition an das Abgeordneten- haus um Erhöhung des Wohiiungsgeld-Zuschusses gebeten haben. Zur Zeit beträgt dieser Zuschuß für die am Rangierbahnhof zu Pankow angestellten Unterbeamten 144 M., für Lokomotivführer ic. 249 M., während in Berlin 249 und 369 M. gezahlt werden. Immerhin sind diese Beamten»och besser daran, als die Hilfspostboten, die mit 2 M. 69 Pf. den Tag auskommen müssen. Der hiesige Rangierbahnhof, der heute schon der größte Umladebahnhof in Deutschland' ist, ivird abermals vergrößert. Es ist nämlich zu diesem Zweck ein größerer Landkomplex an der Prenzlauer Chaussee angekauft ivorden. Zur Zeit lverden die Arbeiten zur Anlage deS dritten und vierten Geleises auf den VorortSstrcckcn Berlin— Blanken- bnrg und Berlin— Hcrmsdorf vorbereitet.— Die Villenkolonie Waldcshöh bei Stolpe hat mit dem Forstfiskus vor einigen Tagen einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem den Bewohnern der Kolonie der angrenzende Wald im Flächeninhalt von 49 Morgen gegen eine Jahrcspacht von 199 M, zu Spaziergängen-c. über- lassen wird._ Vevmifrlzkes� Stürme auf dem Ozean. Diel englischen Blätter bringen spaltenlange Berichte über die Stürme im Atlantischen Ozean. Bon nicht weniger als 27 Dampfern fehlen zur Zeit Nachrichten, und es wird vielfach befürchtet, daß ein Theil dieser Schiffe verloren gc- gangen sein könne. Der Sturm begann am 12. Februar; die in den folgenden Tagen in Ncw-Dork cinlausende» Dampfer waren mit Eis bedeckt und trügen außerdem mannigfache Zeichen der durchgemachten fürchterlichen'Wctterunbill. Unter diesen ivarcn die großen Passagierdampfer„Paris",„Spaardam",„Ancoria".„Cartania". Alle berichteten über das stürmische Wetter während der Ueber- fahrt. Die„Ancoria" hat ihre sämmtlichen Rettungsboote, alle Mäste, Krahne und andere auf Deck befindlichen Apparate verloren. Ein Matrose wurde von einer über Deck schlagenden Woge mit solcher Heftigkeit zu Boden geschlagen, daß er augenblicklich todt war. Der Kapitän des Dampfers„Cartania", dessen Berichte sich mit denen der übrigen decken, berichtet, einem Dampfer begegnet zu sein, welcher nin Hilfe signalisirtc. Die„Cartania" gab zur Antwort, sie sende Rettuiigsboote entgegen, um den Kapitän und die Mannschaft des unbekannten Dampfers aufzunehmen; an eine Rettung des Schiffes fei nicht zu denken. Aber der Kapitän des Dampfers weigerte sich in seinem Rncksignalcment, sein Schiff zu verlassen, und kurze Zeit darauf verschwand das fremde Schiff in den Wogen. Der Dampfer „Ormiston", welcher England am 13. Januar verlassen hat, ist noch nicht in Ncw-Dork eingetroffen. Der Dampfer„Gcrmanic". eitler der größten Passagierdampfer der White Star Line in Liverpool. begann, während er Kohlen in Ncw-Dork einlud, zu sinken, er dürfte aber, dank den energischen Pnmparbeiten, bald wieder flott gemacht werden. Der Sturm scheint am heftigsten zivischen Savannah und Boston gewüthet zu haben und hat sich ettva noch 159 Kilometer iveit über das Land erstreckt, wo er ganz fürchterliche Verwüstungen angerichtet hat. Aber auch an den englischen Küsten war er noch so heftig, daß eine ganze Reihe von Unfällen und Verlusten zu beklagen ist. In Dresden ist der hochbctagte Maler G. Jöhring dieser Tage, als er in einen Wagen der Straßenbahn steigen wollte, von einem Geschirr tödtlich überfahren worden. Jöhring. ein Schüler Ludwig Richtcr's, galt als vortrefflicher Porträtist und hatte ehren- vollen Anthcil an dem Hanfftacngelffchen Gallericwerle. In Pforzheim schoß der Messingarbcitcr Goob auf die Ehe- frau eines Kaufmanns solvie auf feine Tante, die 62jährige Wittwe Goob, und erschoß dann sich selbst. Vermuthlich ist die That eine Folge von Geistesstörung. Aus JitttSbruef wird berichtet: Sonnabend Nachmittag brannte binnen drei Stunden das große AlpenvereinhauS„Hinter- bärenbad" bei Klifstein ganz nieder.' Das Haus war mit 23 999 fl. versichert. Zehn Jahre wiithet jetzt die Grippe mehr oder weniger heftig in fl o ii d o n. Jede Woche treten Hunderte von neuen Fällen auf, aber sie sind nicht so schwer wie bei den Seuchen früherer Jahre. Dennoch darf man die Krankheit auch jetzt nicht leicht nehmen. Letzte Woche sind in London 74 Personen an der Influenza gestorben. In der vorhergehenden Woche betrug die Zahl 59. Die Zahl der Todesfälle an der Grippe war in der letzten Woche größer als in irgend, einer Woche seit Februar 1898. Die meisten an der Grippe Sterbenden stehen im Alter von 59— 69 Jahren. In den 59 Jahren vor 1839 hat man in London nichts von der Grippe ge- hört. Auch im Norden von England greift die Grippe seit einigen Wochen schnell um sich.- Bsttteliiiiasiibersicht vom 28. Februar 1899, MorgenS 8 llbr. Etationeu~a Ewiiiemde. Hamburg Bcttiu Wiesbaden Müucheii Wien «2 a- if 772 WNW 776 NW 775 WNW 778 Still 777 775 W NNW Weiter 4 bedeckt 2 bedeckt 4bcdcckt — cheiter Zhciter öbedeckt (öS «1 3 2 1 4 -4 -3 Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeeu Paris L B E I« 11 »- 754 762 778 SSW N SSW 772 SW 779 N Wetter dsK i« H 2 bedeckt l'ijcilcr 4 heiter bedeckt woltcnl -7 —8 8 4 Wettcr-Proguose für Mittwoch, den t. März 1899. Etwas wärmer, zeitweise austlarend, vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen nnd ziemlich frischen westlichen Winde». Berliner W e t t e r b u r e a u. Allen Freunden und Verwandten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, der Tischler und Einsetzer Wilhelm Brose am 27. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am 2. März, Nach- mittags 2i/, Uhr, vom Traucrhause, Bernauerftr. 44, aus statt.(14296 Danksagiing. Allen denen, welche meinem geliebte» Gatten die letzte Ehre erwiesen haben, sprechen wir hiermit uiiseren lies- gefühlten Dank aus. 13g4b Die trauernden Hinterbliebenen Wittwe D i t t m a n ii nebst Kindern, Lausitzer-Platz 1. Blumengeschäft, 1Z95b gutgehend, 17 Jahre bestehend, billig zu verkaufen. Nähere Auskunft ertheilt Thiel, Skalitzerstr. 35, part. Allen Freunden und Bekannten sagen wir hierdurch für die rege Be« thciligung und die zahlreichen Kranz- spenden unsere» innigsten Dank. Alwine N o w a ck liebst Kindem. 34 nfullsache«. Klage», Eingaben &V l'utggcr, Stcglitzerstr. 65» Masken kost ü nie, elegant und sauber, verleiht billig Petschelis, Prtnzenstr. 81, Moritzplatz. 13v9b Verelnsrlinniei' noch einige Tage in der Woche zu vergeben Kolbergerstr. 2. 14<19b Dem geehrten Publikum empfehle ich mein Schanklokal bei guter und reeller Bedienung. Warme Speisen zu jeder Tageszeit zu soliden Preisen. Mittagstisch mit Bier 50 Pf.(l393b Hochnchtuiigsvoll F. Szillat. Konunandaiitenstr. 16, QMlr fbcriiimmt hc» Inhalt her Inserate hie Rehaktian hem Vnbliknui«egennber keinerlei Verantworinnst. Tljrntrv. Mittwoch, den 1. März. Opernhaus. Cavalleria rusticana Die Abreise. Bergißmeinnicht. Anfang?>/- Uhr. Tchanspielhans. Auf der Sonnen- feite. Anfang 7Vj Uhr. deutsches. Die Jüdin von Toledo Anfang?>/, Uhr. Lessing. Die Zeche. Unter blonden Bestie». Ein Ehrenhandel. Liebes träume. Ansang'>/, Uhr. Berliner. Zaza. Anfang 7-/, Uhr Residenz. Der Schlafwagen- Kow trollenr. Vorher: Zuni Einsiedler. Anfang 7>/z Uhr. Neues. Hofgunst. Anfang 7% Uhr Metropol. Die kleinen Michas Hierauf: Die Engelsjäger. Air lang 7Vj Uhr. Schiller. Verbotene Früchte. Vor- her: Die Neuvermählten. Au- saug 8 Uhr. Xvesten. Der Husar. Hieranf: Am Wärther See. Ansang 7V, U Ventral. Die Puppe. Ans. 7»/, U Thalia. Schiddebold's Engel. An- fang 71/3 Uhr. Luisen. Der goldene Zylinder. An- fang 8 Uhr. Beile-Sillianee. Die Jungfrau von Orleans. Anfang 8 Uhr. Osleiih. Der Brandstifter. Anfang 8 Uhr. griedrich. WilHelnistähiische« Fuhrinann Henfchel. Anfang « Uhr. »llexanherplat,. Studenten- Trud che». Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten- Vorstellung Anfang 71/2 Uhr. ttrania. Tanbenstrafte 48— 4i>. Naturkundliche Ausstellung. Täg- lich geöffnet von lv Uhr Vor- millagS ab. Eintritt öll Pf. AbendS 8 Uhr:„Das Land der Fjorde". OpemtelcpHo». Jnpalidenstraste 57/«�. Täglich AbendS von S— 10 Uhr: Stent- warte. Reichshalleu. Stettiner Säuger. Aufana 8 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Vor- stellung. Passage- Panopliknin. Speziali täien-Vorstellung. SlsKtr-Theilter (BöaNner- Theater). Mittwoch 8 Uhr: Zum ersten Male: Vv»'I»«tviiv »ttvlite. Borher: Dil« Xeavvrinttlilten. Donnerstag 8 Uhr: Verdaten« Frücht«. Borher: IM« Vcavcrmühlten. ZM-Karl Wtid-TlMtcr. ®r. Frankfnrterstraste 13». Vorletzte Woche! Zum 72. Male: Der Brandstifter Sensationelles AuSstattuugsstüä niit Gesang in b Akten von G Okonkowsky. Musil von L. Fall. Ansang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Giltigkeit. Im Tunnel von 7 Uhr au Frei- ttonzert.— Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag Rachm.: Die Waise aus Lotvood. Voranzeige! Sonnabend, tl. März: Auf vieles Verlangen zum Benefiz für Herrn Dl»: Der deutsche Michel. VKalia-rkester. DreSdenerstr. 7L/7S. Gastspiel Euiü Thomas Schiddebold's Engel. Puffe mit Gesang in 4 Akten von W. Mannsiädt. Musik von demselbeu. SouplctS von Alfred Bender. Ansang 7i/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Knifett-Theater 34. Reichenbergerstrafte 34. AbendS 8 Uhr: Novität! Zum 8. Male: Novität! Der goldene Cnlinder. BolkSstück mit Gesang in 4 Akten nach einem vorhandenen Stoffe für die Bühne des Luisen- Theaters frei bearbeitet von Richard Brodel. Musik von Fritz Krause. Donnerstag: Der goldene Cylinder. Freitag: Benefiz für Rrthnr Winckler. Ilnsnis Taubcnstrasne 48/40. Im Theater; Das Land der Fjorde. Im Hörsaal: Professor Dr, Müller:„Die Welt der BlUthenpflanzeni'(Biologie 7.) Invnlldcnstr. 57/6»: Tägl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5— 10 Uhr. Passage- Panoplicum. Geöffnet von kl Uhr früh bis 10 Uhr Abends. Von K>/z Uhr ab: Thlfttre v a r I e t 6. Um 81/, Uhr: Die Palästinafahrt 8r.«as.d. Kaisers in hundert Sö gm grob. Pro- jektionsbildern m. erläut. Vortrag. Zollte 25 Pf. Entree. Casian's■■ Panopticum. Jtal, Sänger- u. Tänzer-Gesellsch. „Santa Lucia". Die berühmten„lebenden Bilder". Neu! Dreyfus-Esterhazy. Cenf vnl-C l»vntev Direktion: öosä Perenory. Die Puppe(I-a Poupee) Operette in l! Akten und einem Vorspiel von Sturgeh und Ordonncau. Mnstk von Ed. Andran. Morgen und folgende Tage: Die Puppel« Ortnverwaltnny Silttler, Riemer, Wiier! Donnerstag, den 2. März Abends 8�« llhr, bei Brochnow, Gebastianstrahe SS: WGT VeLlÄUttnlnng.-HM TageS-Ordnung: 1. Die neue Zwaugs-Jnunng für das Sattlergewerbe»nd der Gesellenansschuff. Referent: Kollege Satnsenbaeb. 1Sfi/R 2. AuffteNnng der Aandidateu zum Gesellenausschuft.' Der Borstand der Innung und der bisherige, nur dem Magistrat bekannte GesellenauSslbuß sind brieflich eingeladen. Die Herren Meister werden ebenfalls um ihr Erscheinen gebeten._ Der tsinberufer. Ornnau. Sanntag. de» S. März: tzrR'älRaRK. (nIP. MBl-Sit-USG«», wozu ergebenst einladet«n»tav Lindenhayn. Mein Saal steht den geehrlen Vereinen zu Versammlungen und -~........ D. O. Jede erfahrene # K Haiisfrau verwende Fahlberg, List& Co's ärztlich empfohlene Saccharin-Tabletten, den besten und gesnndesten Sössstoff. Der Ersatz von 1 Pfand Zucker kostet nur !lO— Pfennige! Daher grosse Erspavniss. 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Geübte Kartonarbeltlrinnenl auch«chrmäbche». nicht unL 16 I, verlangt �.nd««» Zsssokr� Inh.- O. Berger, Fürstenstr. 7.[1242 Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnserateutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. lt. 51. 16. ZahlMg. 2. Jfilnüt Ks, Amiirls" Icilinn AMstt. Mllmch, 1. Miirz 1899. Mir Sie Aigchirize« der Jerulheiitm i> Dreide« gingen bei der Expedition des„Vorwärts" folgende Beiträge ein Hofschläger'sche Buchdruckerei und Familie Jahn 4.30. Goldleistenfabrik Methlow u. Co.. Köpenickerstr., 2h, ib. Arbeiter der Firma Heckel, Neander strafte 3, 3. Rate S,—. Typographia Gesangverein 30,—. Eugen Rosenberg 20,—. Hydro-Sandstein-Werke Stralau 13,—. Fanter u. Baabe, 1. Rate 5,95. Geburtstagsfeier Budiker P. S. 2,—. Bruder Lebegeist, Geburtstag, 1,50. Ein Proletar.— ,50. Geburtstag M. Balke 6,50. Organ. Glaser b. Stramm 3,—. Werkstatt Schripp u. Ritter 15,70. Möbeltischlerei Dietze, Königsbergerstr. 29 außer einem 3,70. 3 Mann aus dem Atelier Schillerstr. 113, Charlotten- bürg 6,—. Von Genossen in Ritterhud» durch I. B. 10,15. Rauchklub „Veilchendust" 10,—. Gesammelt in der Tischlerei d. Werkstatt Hegelmann, Thomasstraße 16, Rixdorf 4,50. Tischleret von Krause, Fruchtstrabe 72, 5,50. Buchdruckerei Klarbaum, 3. Rate 4,20. Von den Schleifern der Firma Mehlich 12,30. Grcthe's Geburtstagsfeier durch Felow 2,50. Tischlerei Kästle, Bellermannstr. 93, und Budiker 5,70. Möbeltischlerei Scheffler, Memclerstr. 40, inkl. Budiker 5,—. A. Jäckel 2,—. Gesangverein„Treptow", Mitgl. des Arb.-Sängerb. 10,—. Pflanzer-Verem Ncu-Transvaal, Rummelsburg 1. Rate 4,50. Ueberschuß bei einer Kranz- spende G. V. 1,80. Gesammelt C. Spaedtke von L. C. H. 1,75. Rauchklub„Heimliebchen" 10,—. BrcSka 3,—. Mauerstr. 86, 1,10.„Berl. Morgenpost", 2. und 3. Rate 7,40. M. W. 3,—. Alexanderwerk, Abthlg. Waagenbauer 17,— Ges.. von d. Arbeitem Völzkow, Sebastianstr. 76, 4,25. Tapczirer, Beuthstraße, 4,50.' Von den Ärbeikern der Maschinenfabrik P. Tomafchessky 7,15. R. R., Reinickendorfcrstr. 39, 6,—. Die letzte Weiße verauttionirt in der ausgepfändeten Destillation Landsbergerstraße, 8,—. Von den Steinträgern.vom.Bau Geßlerstraße, Schöneberg, 2. Rate 3,—. Ges. in der Mctallwaarcnsabr. v. G. Schulz, Dresdenerstr. 99, 3,—. Schuh- sabrik von Krause, Weinbergsweg 3, 2. Rate, darunter vom Chef(5,—) 21,55.„Ungenannt" 50,—. Vom Bau Helmholzstraße, von den Maurern v. H. u. F., abgel. d. Wilb. Kröger, Lortzingstraße 8,55. Ges. durch I. L., Rixdorf, Selchowcrstraße 3,75. Eisbeinefsen bei Schenk, Rixdorf 3,—. Die Tischler von Sticnes, Barutherstr. 15, 4,50. Schade's Buchdruckerei 11,90. Vianosortesabrik von Mittag Nachf., Köpenickerstr. 124, 12,85. Personal der Druckerei Ashelm 6,55. Vom Lcicrkastcnniann beim Maskenball der Lederarbeiter, Ortsverein Berlin II gcs. 4,70. Männer- Gesangverein „NamenloS" 20,—. Schildermaler- Katakomben, Mauerstr. 86, 3,50. Bessere Gürtler von Schwintzer u. Graf, 3. Rate, 5,85. 22 v. M. W. 12,05. Wcngler u. Mohnnann 6,95. Tapezierwerkstatt O. Schöll 10,50. Goldleisten- Fabrik C. Barthels 6,55. Badewannen- Fabrik von Ernst Schiegnitz, Skalitzerstr. 10, 2. Rate 7,30. Hochstein, Admiral- straßelss 7,25. Gesammelt bei einer Taufe in Luckenwalde 3,—. M. Sch. 1,—. Organistrte Metallarbeiter bei Lange u. Gutzeit 3,70. Arbeiter der Firma Lautenschläger, 2. Rate 26,50. Freie Turnerkneipe der 1. und 8. Männer-Abtheilung 10,—. Pianofortefabrik von A. Möhler 9,05. Stern- Fahrrad-Werke, 2. Rate 4,90. Maschinenbude Baumann, Alte Jakobstr. 7 2,50. Siemens u. Halske, Charlottenburger Werk, Abtheiluug'16, 18,35. Tischlerei Baunigartcn Söhne, Gr. Franksurterstr. 29, 1. Rate 12,90. Durch den Abg. Ad. Geck tu Offcnburg(Baden) 50,—(darunter: Von einem Forcllensteund in Offenbnrg 5,—, von einem rothen Domino am Fastnachts- Dienstag in Offenburg 5,—, beim Schriftsetzer-Abschied gesammelt 4,—, unter Zigeunern an Fastnacht gesanmielt 3,05, von Dr. ASp in Karlsruhe 10,—, von zwei Demokraten in Karlsruhe 20,—, von der Steinarbeiter- Bersammlutig in Frciburg 2,95). Tape.ucr-Werkstatt Kochstr. 2,50. Piano- sabrik Hoff u. Komp. 7,—. Verein der Fcilenhauer 20,—. Sommcrsest_ der Fcilenhauer im Grunewald, zum Schluß ge- sammelt 3,05. Buchbinderei-Personal und ein Lithograph der Buch- und Steiudruckerei von Anton Bertinxtti, Brnnnensttaße 10 3,30. Summa 684,85 M. Bereits quittirt 291,- M. In Summa 975,85 M, Soziales. Zur JnvaliditätS- und Altersversicherung. Der B e r« liner Arve itervertreter-Verein und die Zentral- kommission der Krankenkassen Berlins beschloß die Einsendung einer Nesolutiou an den Reichstag, in der verschiedene Einwendungen gegen im Entwurf der Regierung enthaltene Beslim- mungen erhoben und entsprechende Abänderungen des Jnvaliditäts- Gesetzes gefordert werden. Zunächst wird gegen die Fassung des § 3», protestirt und gefordert, daß 1. ausnahmslos jede Person, welche das 16. Lebensjahr iiberschritten und gegen Lohn oder Gehalt bc- schäftigt ist und nachweislich jährlich nicht über 20(1(1 M. verdient, der Versicherungspflicht zu unterwerfen ist. Mit einbegriffen sollen auch diejenigen Gewerbetreibenden und kleinen Handwerksmeister sein, welche nicht dauernd mindestens einen Lohnarbeiter beschäftigen und deren Jahrcs-Arbeitsoerdienst nicht über 2000 M. hinausgeht. Auch Personen, welche in Arbeitshäusern und Strafanstalten internirt sind, sollen ebenfalls der Versicherungspflicht unterliegen. 2. wird gewünscht, die Rente unmittelbar nach Ablauf der Krankenunterstützung eintreten zu lassen und zu gleicher Zeit das Kranken-Vcrsichenmgsgesetz dahin abzuändern, daß die Mindestleistung der Krankenkassen auf 26 Wochen erhöht wird. Laßt eine Versicherungsanstalt bei Versicherten, welche der Reichs- oder landesgesetzlichen Kränkenfürsorge unterliegen, zur Abwendung der Invalidität ein Heilverfahren eintreten, so sollen die gesetzlich oder statutarisch vorgesehenen Kassenleistungen dem Kranken gegen- über durch dieses Gesetz nicht berührt werden. Die dann noch ver- bleibende Ungleichheit in der Gewährung der Angehörigen-Unter- stützung, kann durch die Ausdehnung des Kranken-Versichcrungszwanges auf die in landwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen be- seitigt werden. Daß Versicherungsanstalten einen Rentenempfänger an Stelle der Rente einem Jnvalidenhause überweisen können, ist unbedingt zu verwerfen. 3. Wird die im§ 20s, vorgeschlagene Trennung des Vermögens in eine Gemeinlaft und Sonderlast als unannehmbar erklärt, weil dadurch die finanziell gut gestellten Versicherungsanstalten in ihrem Verniögensstande stark benachtheiligt werden und dies eine Maßnahme bedeutet, die es ihnen unmöglich macht, die Organisation der Krankcnfürsorge in den: Umfange durchzuführen, wie es im Jnter- esse der Versicherten durchaus nothwendig und wünschcnswerth ist. Zur Ausgleichung der verschiedenartigen Belastung genüge eine Be- stimmung, daß die Versicherungsanstalten gemeinsam die zur Aus- zahlung' gelangenden' Gnmdbeträge zur Rente im Verhältniß zur Kopfzahl der Versicherten decken. 4. Wird in Vorschlag gebracht, daß die Festsetzung der Beiträge nicht nach dem durchschnittlichen Tagelohn, Ivelcher zur Berechnung der Krankcnkassenbciträge maßgebend ist, sondern daß die Ver- sichcrung nach dem wirklichen Arbeitsverdienst erfolgt, und die für die Berechnung maßgebeuden Lohnsätze bekannt gegeben iverden. Die Verfichcrung soll wie folgt»ormirt werden: Lohnklasse I, diejenigen Personen, welche bis 7,— M., II,„„„ von 7,— bis 11,— M., . HI.„„. 11- bis 17,- M., IV.„„„„ 17,— bis 24,- M., und in Lohnklasse V alle Diejenigen, welche über 24,— M. wöchentlich verdienen. Damit auch diejenigen Personen ihrem Einkommen gemäß versichert werden können, welche»eben dem Lohn oder Gehalt freien Lebensunterhalt beziehen, oder als theilweisen Ersatz für die Ar- beitsleistung Naturalien, Produkte zc. gewährt erhalten, ist der Werth derselben nach den am Orte festgesetzten Marktpreisen zu bemessen und zu dem baaren Gelde hinzuzurechnen. 6. Bei der Berechnung der Reuten wird die Beibehaltung der alten Steigerungssätze gewünscht und darauf hingewiesen, daß die für die Versicherungsanstalten dadurch entstehende Mehrausgabe durch die Mchreinnahme völlig gedeckt würde, wenn die Beiträge nach dem wirklichen Arbeitsverdienst eingezogen würden. 6. Wird empfohlen, den K 31 dahin zu erweitern, daß auch die« jenigen Versicherten, die innerhalb der Karenzzeit dauernd erwcrbs- unfähig iverden, die eingezahlten Beiträge zurückerstattet erhalten. 7. Wird gegen die in dem Entwurf vorgesehene Aenderung in der Aufsichtsführung über die Versicherungsanstalten, sowie gegen die in Aussicht genommene Einflußnahme der Garantieverbände auf die Feststellung des Etats, aus finanziellen und auch anderen Gründen, besonders aber, weil damit eine bedeutende Beschränkung der Selbst- Verwaltung beabsichtigt ist, auf das Entschiedenste Verwahrung ein- gelegt. 8. Wird die Bildung von Rentcnstellen und die ihnen zuge- wiesenen Obliegenheiten m der im Gesichentwurf vorgeschlagenen Form mit dem Hinweis auf die außerordentlich hohen Verwaltungs- kosten, mit welchen die Versicherungsanstalten belastet würden, und aus mehreren anderen sehr wesentlichen Gründen unbedingt ver- warfen. Außerdem wird angeführt, daß der vorgeschlagene Wahl- modus, wonach die Mitten' Jrmüngs-, Betriebs- u. s. w. Kassen berufen sind, die Beisitzer zu wählen,' während die großen zentrali- sirten Kassen wiederum von dem Wahlrecht ausgeschlossen sein sollen, trotzdem die letzteren verpflichtet sind, die im§ 12a vorgesehenen Bestimmungen zu erfüllen, � keineswegs geeignet ist, das Vertrauen der Arbeiter zu fördern. Wenn diese Einrichtung aber dennoch ge- schaffen wird, so müßten die Beisitzer von den Versicherten direkt, etwa analog den Wahlen zum Gewerbrgericht, gewählt werden. S. Wird die Verwendung von Marken für längere Zettabschnitte nicht gut geheißen und die Beibehaltung der bisherigen Praxis empfohlen. Es wird darauf hingewiesen, daß selbst unter den gegenwärtigen Bestimmungen viel Unregelmäßigkeiten vorkommen und sogar in Berlin wegen Nichtklebens, fahrlässigen Klebens oder wegen Verwendung von Marken einer niedrigeren Lohnklasse viel Bestraftmgen zu verzeichnen gewesen, welche von Jahr zu Jahr im Steigen begriffen sind. ES sind bestraft 1895: 1209, 1896: 2072 und im Jahre 1897: 1909 Arbeitgeber. Von diesen festgesetzten Strafen mutzten im Jahre 1896: 503, 1897: 444 zwangsweise beigetrieben werden. Eine Anzahl von'Straffestsetzungen konnte nicht eingezogen werden, weil die Zwangsvollstreckung fruchtlos ausgefallen war. Es ist deshalb anzunehmen, daß in denjenigen Anstalten, die sich über größere Landesthcile erstrecke» und infolge dessen die Kontrolle eine schwierige ist, auch die Zahl der Fälle bedeutend höher sein niögen, in welchen die Arbeitgeber garnicht oder nur zum Theil den gesetzlichen Bestimmungen nachgekommen sind. Würde man nun gar noch den Arbeitgebern gestatten, Marken für längere Zeit- abschnitte nachträgliche zu benutzen, so sei zu erwarten, daß den Ver- sicherungsanstalten viel Geld imrch die Umgehung des Gesetzes seitens unsolider Arbeitgeber verloren gehen wird. Diese Resolutton wurde in einer sehr zahlreich besuchten Ver« sammlung des Arbeitervyrtreter,- Vereins und der Krankenkassen« Vorstände und VerwaltungS- b e a m t e n, die am Montag in der„Berliner Ressource" tagte, nochmals eingehend berathcn und dann einsttmmig gutgeheißen. Beim Monatowrchsel empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: straße 8, pari, im Laden.— leUnz: und Oranionbarger Vorstadt: Sinti Stolz enburg. Wiefcustraße 14.—<4vs„nd- btnmnen; Wilhelm Gaßmann, Grünthalcrstr. 64/65.— Koscn- tbalcr Torstadt und SichUnhanscr Torstadt: Karl MnrS, Kastanien- Allee 95/96.— Cbarlottoabarg: Gustav Sch arnberg, Schillerstr. 94, v. 1 Treppe.- IScatscb-tVlImcrs- dorf: Frau Kubier, Sigmaringenftr. 34, und Frau H e i n e m a n n, Sigmartiigenstr. 35.(Hier ist auch die„Brandcnburgische Volks-Zeitung" zu erhalten.)- lUxdort: Osler mann, Erkstraße 6.— Schdne- borg; Wilhelm Baumler, Bclzigerstr. 69, Seitenflügel pari. Jolianninthul-Klcder- und Obcr-Schiincircidc: Otto John, Oder-Schöneiveide, Siemens straße 7, Zigarrengeschäft. Annahme- stellen: S-ieder-Schöneweide:Karl Weber, Zigarrengeschäft. Johannis- lbai: Senstleben, Restanrateur.— I-'rlodonan.SStogllta: H. Bernfce, Kirchftraße 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in «tcglitis: H. Mohr, Diippelstraße 8,»nd Fr. S ch c l l h a s e, AHarn- straße 15s.-«aamscbuivnu'og: Gockel, Baurnschulstr. 32 v. III. Außerdem stnd sämintliche Parteiliteratur sowie alle wisscnschastltchen Werte dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Um genaue Angabe der Adresse wird dnnnnvntr gebeten. Achtung! In 6 Monntkn flelitroiitonfntr! „Elektra",(«.«. b.»> Prinzellstr. 55 (gegenüber der Turnhalle). Am Freitag, den 3. März<*. beginnt ei« Arnev Nbrndknrfus sör Elektromonteure, Installateure, Maschinisten und alle die- jenigen Herren aus anderen Branchen, welche ihre Stellung verbessern wollen. Keine Vorkenntuisse nöthig. Theoretischer«nd praktischer Unter- richt für alle Montagearbcitcn unter Leitung praltischer Ingenieure Ledillssieuglljss— 8leIIuug8llsebvei8. 3Ä3 Neuaufnahmen. Anmeldungen jederzeit bis Abends 10 Uhr. Sonntag« bis I Uhr. Honorar 6 Mark. Prospekte mit Stundenplan gratis. —mm Telephon Amt IVa 6000. Import. Export. Cigarren Engros. Versand. 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