Sinzelvreis 70 Heller 11 Jahrgang. Donnerstag, 24. Dezember 1931 Nr. 299. Hoovermoratorium rnt!ttt!ert. Washington, 23. Dezember. Der Senat hat baS Hoovermoratoriüm mit KS gegen. 12 Stint, men ratifiziert. Di« vom Repräsentantenhaus beschlossene ZusatzerNSrung, die sich gegen eine künftige Revision oder Annullierung der Kriegsschulden wendet, wurde vom Senat ohne jede Erörterung gebilligt. Somit hat die Vorlage G«s e tz« s k r a f t erhalten. Bor der Abstimmung war ein Ergänzungsantrag, in dem die Revision des Versailler Vertrages als Vorbedingung des Schuldenseirrjah- res gefordert wurde, vom Senkt« abgrlehnt worden. Operationen gegen Mintichau eingestellt. Tokio, 23. Dezember. Die Operationen Per japanischen Truppen gegen die; Stadt Tschintscha'u, welche sich dieser Tage zu«nt- wickeln drohien, wurden jetzt, wie es scheint, eingestellt. Ten letzten Blättermeldungen. zufolge, hat sich der Großteil der japanischen Truppen nach den Operationen gegen die chinesischen Banden in de Zone der südmandschurischen Eisenbahn zurückgezogen. Ans Tokio wurden ein Flüg- zcugmuNexschiff und«in Kreuzer für den Bedarfsfall nach Port Arthur entsandt. Wirtschafte ver-andlimgen mit Frankreich. Paris, 23. Dezember, Die tschechoslowakisch« Handelsdelegation, die-srikEirc« November en Frankreich weilte, hat gestern ihr« Ber-tungen beendet uttd rst nach Prag' zürückgekehrt.^ Ans beiden Seilen gelangte man zu einet Klärung der wichtigsten Fragen. Tschechoslowakischetseftr wurde insbesondere erreicht,' daß die Devisenkontrolle gegenüber der Tschechoslowakei nicht in Anwendung gebracht wird und daß das bisherige Zollregime zwischen der Tschechoslowakei und Frankreich unverändert bleibt. Jede eventuelle Zollerhöhung Muß den Gegenstand einer S on» derbe!prechung zwischen den Regierungen bildest.■■. 8m uhrkont nllen erung auti n HollflU)./ Haag, 23, Dezember. Die niederländische Erste Kammer hat gestern den Gesetzentwurf über die Einfuhrkontingentierung angenommen. Der Entkyurf gibt der Regierung die Befugnis, nach ihren« Ermesien für bestlmmtr Einfuhrwaren zeitlich begrenzte Kontingentierungsmaßn chmrn zu treffen.■ Ko stitt mit dem LinanzauL^utz Bant von Frankreich soll Psundverluste zum Teil selbst trage«.> i■ Paris, 22. Dezember. Finanzminister F l a n- d i y sprach heute vor dem Senatsausschuh für Finanzen, über das Abkommen zwischen her Regierung und der Bank von Frankreich zur, Abdeckung der Pfund-Verluste der Bank votz Frankreich. Es bestätigt sich, daß der Finanzausschuß sich Wit der Vorlage wie isie von der Kammer verabschiedet worden ist, nicht restlos einverstanden erklärt^ sondern durchzusetzen wünscht, daß die Bank an der Abdeckung der Verluste aus eigen«», Dritteln tcilnimmt, ferner, daß der Staat an dem Gewinn der Bank von Frankreich kn irgendeiner Form beteiligt wird und eventuell im Jahre 1945, falls die Verluste noch Nicht völlig, gedeckt, sein sollten, em neues Abkommen abgeschlossen wird. Trotpre s entuug in Leulschlond. Bcrlin, 23. Tczember. Beim ReichSkom- missar für dia- Preisüberwachung' habe« gestern Verhondlt^ige» mit dem- Zentrakverbande der Bäckerinnüngcn über die Frage der Brotpreis- gestaktung stattgefunden. Den, Blättern zufolge wurde eine Einigung über di« BrotpreiÄenfuug u. a. auf folgender Grundlage erzielt: Die Bäckerspanne(Unterschied zwischen Mehlpreis und Brotpreis) wird einheitlich für das Lanze Reich um IO Prozent, gesenkt. Für. die Bäckerspanne wird allgemein riu Höchstiatz von 14 Pfennig pro Kilogramni Brot festgesttzt. Für Berlin wird sich der Höchstpreis für das Bäckerbrot von 80 auf 45 Wonnig ermäßigen. Bolle Einigung in Basel. [Was tun die Kommunisten? Der Schlußbericht Mittwoch abends unterzeichnet. Basel, 23. Dezember. Die vertraulichen Besprechungen der elf Mitglieder "des beratende« SonderansfchusseS, die nahezu ununterbrochen von zehn Uhr vormittags bis fünf Uhr abends andauerten, sind abgeschlosien worden. Es wurde eine vollständige Einigung über den GefNmttext des Lchlustbe- rtchteS erzielt. Die Unterzeichnnng des Berichtes erfolgte am Abend in einer offiziellen Vollsitzung des AuSschusies. Nach Beendigung der Nachmittagsbesprechungen wurde den Presievertretern mitgeteilt, daß ans technischen Gründe» die Veröffentlichung des gesamten Berichtes in den vier offiziellen Sprache,» erst»ach dem Donnerstag erfolgen soll. Henle wird nur ei» vom Ausschuh genehmigter AuSzng aus dem Bericht veröffentlicht. Der Bericht wird den beteiligten Regierungen und der BIZ von dem Vorsitzenden des AuSfchusieS Beneduce übermittelt werden. Er besteht aus vier Kapiteln und verschiedenen Anlagen, die die Ergebnifle der Arbeiten der NnterauSschüsie für die Auslandsverschuldung und die Auslandsguthaben Deutschlands, für den Reichshaushalt und die Reichsbahn enthalten. Die Lorassiktzsstsr» de; Der Ausschuß stellt im Kapitel 4 in seiner Schlußfolgerung zunächst einmal fest, haß Deutschland den aufschiebbaren Teil der Annuitäten«ach Ablauf des HooverjahrrS nicht zu transftrieren vermag. Er weist indessen aus di« beispiellos« Schwere der Krise hin, beten Ausmaß unzweifelhaft die„verhältnismäßig kurz« Depression" übersteigt, die der„Reue Plan" inS Auge faßt. Der Reu« Plan ging von der ständigen Ausdehnung deS Welthandels aus, innerhalb deren die Reparationszahlungen«in Faktor von abnehmender Bedeutung werde ywür- deu. Tatsächlich ist da» Gegenteil einge- treten. Richt nur ist der Umfang des Welthandels zusammengeschrumpft, sondern daS außer» ordentliche Fallen des Goldpreises hat auch die tatsächlichen Lasten der deutschen Annuitäten wie all« in Gold festgesetzten Zahlungen um vierzig Prozent erhöht. DaS deutsch« Problem, das in weite« Maße df« Ursache für die steigende finanzielle Lähmung der Welt ist, erheischt daher ein gemein- somes Handel», das nur von den Regierungen ausgehe« kann. Tas Problem hat weltweite Bedeutung, und es muß in viel weiterem Maßstab« als dem durch Deutschlands Lag« allein gegebenen behandelt werde«. Der WigginS-Aus- sckuß hat bereits«in« außerordentlich ernst« Warnung ausgesprochen. Die Ereignisse warteten nicht. Die Kris« hat gewaltig« Dimensionen angenommen. Wenn nickt» geschieht, werden di««inqetretenen Schwierigkeiten Vorbote« weiterer Katastrophe« sein. Durch di« Rückwirkungen des Wirtschaftslebens Aiunzoian; nicht erliiilt. auf die politische Lage uud umgekehrt wird di« allgemeine Lage noch mehr verwirrt. Bei diesem verwickelten Problem müflen von den Regierungen die Tatsachen berücksichtigt werden, die, der wirklichen Lage entsprechend, nur nach wirtschaftlichen Gesetzen behandelt werden können. Gewisie Betrachtungen erscheinen dem Ausschuß von größter Wichtigkeit: Transferierungen von einem Lande in einem Umfang«, der die Zahlungsbilanz erschüttert, müflen das augenblickliche Chaos noch verschärfe«. Die Befreiung eines Lande» von nur unerträglichen Lasten würde möglicherweise di« Last auf ein Gläuhigerland abwälzen, daS in seiner Eigenschaft al» Schuldner seinerseits' nicht in der Lage.ist, die Last zu tragen.', Der einzige Schritt von Dauer, der ras Vertrauen wieder Herstellen kann, ist die Anpassung aller zwischenstaatlichen Schulden(Reparationen und an» dereKriegsschuldenjandirgegen- wärtige zerrüttet« Lage der Welt. Endlich sind Schritt« notwendig, um den energischen Maßnahmen, mit denen die deutsche Regierung die Stabilität ihrer Wahrung verteidigt, dauernde Wirkung zu sichern. Der Ausschuß richtet an die Regierungen den Appell, ohne Verzug zu Entscheidungen zu kommen und damit neue Hoffnung auf eine Beflerung der schweren Krise zu erwecke«, die gleichermaßen auf allen lastet. Ana'y'e der vMchey W rMa tskage Das erste Kapitel gibt einen Ueberblick- über die gegenwärtige Lag«. Der Bericht hebt bir besondere Empfindlichkeit der deutschen Wirtschaft gegenüber der Kreditkrise hervor und weist auf die hohe kurzfristige Verschuldung hin. Eine Schatzung der deutschen Zahlungsbilanz für das Jahr 1931 zeige den hohen Anteil,-der von dem Ausfuhrüberschuß für den Zinsen- und Tilgungsdienst der Auslandsschuld e n und der Reparationszahlungen vor dem Hooverplan verwendet werhen müßte. Deutschland habe eine überlegte Preis- und Lohn- senkungspolitik verfolgt, um seine wirtschaftlich« Lage gegenüber dem Auslande soweit wie möglich zu schützen. Der Produktionsindex stehe-b»i 100 Prozent 1928 im September dieses Jahres auf 66 Prozent. E i n D r i t tel d« s w i r t sch östlichen Lebens Deutschlands hab« aufgehört. Di« größten Schwierigkeiten bei der Abfassung des Berichtes hat bekanntlich das zweite Kapitel verursacht, das die Umstände unv Verhältnisse, di« zu der gegenwärtigen Lage geführt hatten, schildert. Der Rückgang-er Konsumkraft breiter Mafien habe ein« Verminderung oder sogar ein vollständiges Verschwinden der Rentabilität,'schwer» Arbeitslosigkeit und einen Niederbruch rn den Börsenwerten herbeigeführt. Die Erhöhung der Zollmauern mehr« di« bereits von dem Wiggin-Komitee geschilderten Schwierigkeiten in den Beziehungen zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern, da Zahlungen von einem> Lande an das ander« schliDlich nur in Form von Waren gemacht werden konnten. Deutschland hätte einen starken Kapitalbedarf gehabt, um die durch den Krieg, sein« Nachwirkungen und die Inflation-geschaffenen Lücken auszuMen. z'7’ Don dem seit 1924 eingeströmten Auslandskapital in Höhr von 18 Milliarden Reichsmark seien 10.3 Milliarden durch Reparationen aufgezehrt. Insgesamt habe Deutschland von ls24 vis 1929 rund 33 Milliarden Kapital investiert, davon 22 Milliarden in öffentlichen Anlagen, Wohnungsbau, Gas, Wasser usw. Diese Summen stammten zum Teil aus Eigenkatzital, zum Teil aus AüÄandskapitcll. Der hohe Anteil de» kurzfristigen Auslandskapitals habe Deutschland b e sonders verwund bar gemacht. In den Jahren 1926 bis 1930 seien ebenso wie die Steuereinnahmen auch die Ausgaben in Reich, Ländern und Gemeinden stark gestiegen, und zwar von 17.2 auf 20.8 Milliarden. Die Ausgaben für Wohnungsbau, Bildungswesen und Wohlfahrts- wesen machten hievon 43 Prozent aus. Start gestiegen waren ferner die öffentlichen Schulden, die 1931 insgesamt 24 Milliarden betrugen. Am Schluß dieses Kapitels wird eine allgemeine Betrachtung angostellt. So außergewöhnlich jetzt auch die Krise sei, so sei doch noch jeder Krise ein Aufschwung. g e f.o l g t. Die starke wirtschaftliche Ausrüstung Deutschlands könne jetzt zwar nicht voll auigenutzt werden, aber wenn man auch den Punkt der wirtschaftlichen Stabilität nicht vorauchehen könne, so sei«S doch Nicht weniger sicher, daß diese Stabilität erst mir HMe der im Kapitel 4 gemachten.Vorschläge erreicht werden könne. ! Das Kapitel 3 schildert die> deutschen Sonde r mä ß n a hm enzurBekämpfung der K.r.i s e. ES wird hevvörgehöben, daß diese zur Verteidigung und Aufrechterhaltung der Stabilität der Währung und des Haushaltes getroffenen Maßnahmen den entschlossenen Willen der R«ichSregierung zu erkennen geben, der Lage gerecht zu weÄen.~ Gemäß dem ihnen vorgeschriebenen Schema müssen die Kommunisten alles was die sozialistischen Parteien den Vertretern des Bürgertums in hartem Kampfe abringen, schlecht, schädlich und unzulänglich erklären. Das besorgen die kommunistischen Schreier täglich in Wort und Schrift auf das ausgiebigste. Was aber tun sie sonst noch außer Wortemacherei und Maulaufreißerei? Sie beschimpfen die Sozialisten als„Sozialfasci- sten". Sozialfascismus ist darnach, wenn man sich redlich bemüht, den Opfern der Krise. in diesen furchtbaren Notzeiten wenigstens das Leben zu ermöglichen und gegen den Widerstand sowie gegen die soziale Mitleidslosigkeit der bürgerlichen Parteien herauszuschlagen was herauszuschlagen möglich ist, denn die Kommunisten geben sich nicht damit ab. Ihnen ist die Bewahrung der Spaltung der Arbeiterklasse, die verleumderische Hetze gegen die anderen proletarischen Parteien-urch das politische Geschäft, das sie dabei zu machen hoffen, selbst jetzt, da di« Sammlung und Zusammenfassung aller Kräfte der Arbeiterklasse oberstes Gebot sein müßte, wichtiger. Sozsal- fascismus also ist es, in der Bedrängnis zu den Arbeitern zu stehen, alle Kräfte einzu- setzen, um ihnen die bä den gegebenen Kräfteverhältnissen möglichste Hilfe zu bringen, kern Sozialfascismus dagegen ist eS nach kommunistischer Logik, schimpfend abseits vom Kampfplatze zu stehen, mit der Stange im Nebel herumzufahren, der kämpfenden sozialistischen Armee in den Riicken zu fallen und sich tunlichst weit von dort, wo die entscheidenden Tageskämpfe ausgefochten werden, aufzuhalten. Aber es sei die Wahrheit gesagt: etwas haben die Kommunisten doch für die Arbeiter getan. Sie haben im Parlamente ein riesiges Bündel von Anträgen und Resolutionen gelegentlich der BerhaMung des Staatsvoranschlages eingebracht. Sie scheinen zu der„so- zialfascistischen" Mehrheit der gegenwärtigen Regierung ein unbegrenztes Vertrauen zu hegen, ein unbegrenzteres als es selbst die sozialistischen Parteien haben. Alle Not, alles Unrecht, alle Schäden der i kapitalistischen Gesellschaftsordnung werden in diesen Anträgen und Resolutionen mit einem Schlage abgeschafft. Neunundneunzig Prozent von dem, was die Kommunisten in diesem Wust von Papier„fordern", ist noch nicht einmal in Rußland nach über dreizehnjähriger Dauer der Sowjetherrschast eingeführt, doch der Sozialfascismus soll es schaffen. Binnen vierzehn Tagen! Solange ist die Frist, welche die Kommunisten dem Parlamente zu stellen geruhen. Keine Hexerei!- In vierzehn Tagen ist der kommunistische Zukunftsstaat fix und fertig! Das hing lediglich von der Stellung entsprechender Anträge und vom Beschreiben einiger Bogen Papier ab. Jetzt ist das geschehen und nun werden die Arbeiter bald über nichts zu klagen haben. Es ist nicht ohne Nutzen, in diesen Anträgen und Resolutionen der Kommunisten, deren Verwirklichung diese von den Sozial- fascisten verlangen, zu blättern. Wie weichen die Verfertiger bei dem Gedanken daran, in welche gräßliche Verlegenheit die Sozial- fascisten durch diese Papierflui versetzt würden, wohlgefällig geschmunzelt haben! Den Arbeitenden bringen diese Anträge und Resolutionen— es sind weit über hundert!— die sechsstündige Arbeitszeit, einen bezahlten Urlaub, Gratisbeistellung aller Werksbekleidung, vierstürchige Arbeitszeit für Frauen und jugendliche'Arbeiter. Am Falle der Einrijk- kung zum Militär erhalt der Arbeiter vorher einen vierzehntägigen bezahlten Urlaub und während der Einrückung sind die Angehörigen des Betreffenden voll zu versorgen. Die öffentlichen Angestellten- erhalten zur Aufbesserung, ihrer Bezüge den Betrag tzoij, 70 Millionen Kronen aus den von den Unter- Seite 2 Donnerstag, 24. Tezemtzer 1SS1. Nr. 299. nehmern dem Staate schuldigen Steuern, die raschest hereinzubringen sind. Die Arbeitslosen erhalten jeder einen Betrag von 300 Kronen, die Verheirateten von 500 Kronen auf die Hand ausgezahlt, der Mieterschutz wird so geregelt, daß niemand, weder in alten noch in neuen Häusern eine höhere Miete zahlt als im Jahre 1920, alle Kündigungsgründe werden abgeschafst und Streikende, Arbeitslose sowie Ausgesperrte zahlen überhaupt keine Miete. Das Wild in den Wäldern wird frei abgeschossen werden können, allen Landwirten, die weniger als 24.000 Kronen jährlich Einkommen haben, wird zur Bezahlung ihrer Steuern eine dreijährige Frist ohne Zinsenberechnung gewährt und Gewerbetreibende, die weniger als 24.000 Kronen Jahreseinkommen haben, brauchen überhaupt keine Steuern zu zahlen. Daneben tverden alle Reparationsverpflichtungen des Staates abgeschafft, alle Militärverträge mit Frankreich, Jugoslawien, Rumänien u. a. aufgelöst und die militärische Dienstzeit wird auf sechs Monate herabgesetzt. Das alles ist nur ein kleiner Teil der kommunistffchen AllerweltS- beglückungsanträge. Kann man freigebiger sein? Darf noch jemand behaupten, daß die Kommunisten nichts für die Arbeiter und alle Notleidenden tun? So muß man es demnach machen, um kein Sozialfascist zu sein. Man läßt im Parlamente zwei Fuhren Papier abladen, die mit Anträgen und Resolutionen vollgeschmiert sind, die niemand ernst nimmt, auch die Antragsteller nicht. Wie wenig ernst, geht schon daraus hervor, daß beispielsweise bei der Abstimmung im Plenum des Senats über die Resolutionen von den 17 Mitgliedern der kommunistischen Fraktion ganze vier Mann anwesend waren! Aber auch sonst! Wie können vollsinnige Menschen solche Anträge ernst nehmen! Gewiß, es können auch Anträge eingebracht werden, deren Annahme nicht von vorneherein als gesichert anzusehen ist, aber dann muß doch versucht wecken, eine möglichst große Anzahl von Ab- geordneten und Senatoren hinter sie zu bringen, was in diesem Falle nur dadurch zu bewerkstelligen wäre, wenn die Kommunisten die Gemeinschaft mit den sozialistischen Parteien suchen und auf eine feste Grundlage zu stellen sich bemühen würden. Statt dessen reißen sie die klaffende Kluft zwischen den proletarischen Parteien immer weiter auf und schließlich erleben die bürgerlichen Parlamentsmitglieder das lächerliche Schauspiel, daß sich bei der Abstimmung über den Wust von Anträgen ganze vier Hände erheben. Auch die nur zaghaft, denn man kann sich vorstellen, daß den zu solchem entwürdigenden Schauspiel Kommandierten selber nicht wohl zumute ist und sie sich für die ihnen zugewiesene Rolle schämen. Das Gesetzgebungswerk, das die Kommunisten binnen 14 Tagen ausgearbeitet, in Paragraphe gebracht und zur Beratung gestellt sehen wollen, eS würde eine Reihe von Jahren in Anspruch nehmen, Summen von vielen Milliarden und vor allem gründlich verschiedene Machtverhältnifle im Staate als es die heutigen sind, erforderlich machen, Aber über all das zerbrechen sich die Kommunisten nicht den Kopf, sie produzieren beschmiertes Papier und glauben mit dieser Augenauswischerei, die eine Augenauswischerei aber nur für die ganz Beschränkten ist, für die Besserung der Lage der arbeitenden Menschen genug getan ju haben.. Denkende Arbeiter werden darüber an- AsrarUche herzenrergiisse. Die landbündlerischen„Retter" der Kleinlandwirte, der Landwirtschaft überhaupt, wie sich die deutschen Agrarier selbst nannten, reagieren auf die in den Kreisen ihrer Anhängerschaft herrschende Unzufriedenheit mit Ausfällen gegen die — Sozialdemokratie! Die landbündlerischen Herrschaften brauchen dringet einen— Blitzableiter, und den soll unsere Partei abgeben. So sehr wir die Verlegenheit der deutschen Agrarier begreifen, ihre Leut« nicht„retten" zu können, müssen wir doch die uns zugedachte Rolle des Prügelknaben dankend, aber entschieden ablehnen. Wie gegen uns losgedroschen Wick, um sich selbst als die reinsten Unschuldslämmer legitimieren zu können, zeigt klar ein Bericht in der „Nordböhmischen Landheimat" über eine am 7. Dezember tm Reichenberger Rathauskeller abgehaltene landbündlerische Gebietsversammlung. Der Sekretär Plescher aus Freudenberg und Abg. Heller aus Alt-Leipa haben dabei die Methode, die anderen schuldig Wecken zu lasten, nach der Praxis des ertappten Spitzbuben zu schreien:„Haltet den Dieb", ausgiebig ängewen- det. Der erstere behauptet« u. a. fälschlich, keine einzige sozialistisch« Stimme habe sich angesichts der niedrigen Milchpreife der Kleinbauern angenommen. ES sei daS Unglück für die Landwirtschaft, daß von den 300 Abgeordneten nur 58 Agrarier„unsere Vertreter" sind. Der Herr Sekretär hatte über„Existenzfragen der Landwirtschaft" zu sprechen, wobei er di« Milchwirtschaft, Schweine-, iGrslügelzucht usw. erörterte. Aber das war Wohl nur Nebensache. Die Hauptsache war die Scharfmacher«! gegen dta Sozialdemokraten. Di« staatlich« Arbeitslosenfürsorge gab hiebei das Stichwort ab. Herr Pletscher oetonte, es „bestehe die Absicht, innerhalb der Partei ein« Organisation der Gemeindevertreter zu schaffen, welche uns dringend fehlt, die ihren Einfluß auch auf die Arbeitslosenunterstützung und Verteilung der Lebensmittelkarten geltend machen soll." In welchem Sinne der agrarische Einfluß auf di« Verteilung der Lebensmittelkarten geltem» gemacht werden soll, läßt sich lebhaft vor- stellen; sprach doch Abg. Heller spater ausdrücklich von„Arbeit» unlustig en" und„solchen, die« schamlos die Gelder nehmen, damit sie nichts zu machen brauchen, trotzdem sie«S könnten". Die agrarischen Dorsmachthaber sollen offenbar allein entscheiden, wer nach ihrer Meinung unterstützungsbedürftig ist oder nicht, damit ihre Parteifreunde mehr berücksichtigt werden könnten. Herr Abg. Heller warf der Regierung vor, daß sie „trotz Warnung und eindringlichster Mahnung von feiten der bürgerlichen Parteien-den hochgespannten Forderungen der sozialistischen Parteien in unbegreiflicher und fahrlässiger Weis« mehr als die Wirtschaft zu ertragen vermochte, nachgegeben hat. Wir haben die letzten Jahre Milliarden Kronen für Arbeitslosenunterstützung auSgegeben." Wenn die Gelder in Form von Steuerab- schreibungen, Subventionen usw. den großen Bauern zugefloflen wären, ging di« Sach« un- derer Bkeinung sein und sic wecken auf die Frage, was die Kommunisten in. dieser Notzeit zur Besserung der Verhältnisse beitragen, nur die eine Antwort übrig haben: sietrei- ben mit der Not der Dl assen ihr schändliches, verantwortungsloses Spiel! bedingt stn Ordnung. Tie notleidenden Arbeiter unterstützen, heißt nach agrarischer Auffassung jedoch, die Wirtschaft„zu sehr belasten". Auch eine Logik! Herr Äbg. Heller, der durch seine Feindschaft gegen das Frauenwahlrecht„berühmt" ist, warf den sozialistischen Parteien ferner vor, daß „keine einen brauchbaren Vorschlag machen könne, wie man dem Mrnschenüberfluß steuert, der heute keine Arbeit und kein Brot findet." In einem Atmzug wendet sich aber der Genannte gegen die Vierzigstundenwoche, weil sie. eine Abwanderung vom Lande in die Stadt nach sich ziehe! Eine nette Konsequenz! Der„Schlages Heller» ist der Ruf„Zurück aufs Land!" Er propagiert deutlich die Ansiedlung der Arbeitslosen im Osten der Republik, indem er ausführte: „Wir können den Weizen, den wir brauchen, sel» brr bauen auf den weiten, fruchtbaren Flächen, die in Karpathorußland noch brach liegen, und könnten die historischen Länder von den über- flüssigen Menschen entlasten." Herr Abg. Heller spricht dann noch von einem notwendigen Zuwachs ländlicher Siedlungen, so daß er also allen Ernstes an die Ansiedlung der deutschen Arbeitslosen in Kar- pathorußland zu denken scheint. Dabei ist ihm wohlbekannt, wie kostspielig und schwer durchführbar schon die Gründung der Siedlungen von Landwirten ist, geschweige denn die Umschulung von Jndustrirproleten zu Landwirten! Herr Heller machte gegenüber den sozialistischen Parteien hiebei die alberne Bemerkung, m a n l a s s e die Menschen hungern, weil diese Parteien ihre Leute brauchen, um die Zahl der Mandate auf der Höhe zu halten. Stumpfsinn— du mein Vergnügen! Immer wieder mußten die Arbeitslosen herholten— Abg. Heller tat den weisen Ausspruch: „Arbeitslosenunterstützung demoralsiert di« Leute. Bon den Milliarden, zu denen auch wir zuzahlen, können wir mindestens verlangen, daß sie so verwendet werden, daß der Arbeitswillige Arbeit bekommt und der Arbeitiunlustige ausgeschlossen wird. Der Staat muß zum Arbeitswillen erziehen." Die vielen Millionen, ja Milliarden, di« der Landwirtschaft au» Staatsmitteln zufließen, de- moralisieren jedoch nicht die Agrarier, da darf der Staat keine Gegenleistung verlangen! Denn Bauer, das ist wieder was anderes. In der angenommenen Resolution heißt es u. a., daß man die Not der Landwirtschaft nicht sehen will,„um auf Kosten der Landwirtschaft sich weiterhin ausleben zu können". Immer wieder muß man konstatieren, daß die führenden Landbündler in sozialistischen Fragen auf einem erschreckend tiefen Niveau stehen und gegen die Arbeiterschaft eine durchaus feindliche Haltung«inne'hmen. Die Herzensergüste Pleschers und Hellers entspringen demnach nicht bloß rein tocktischen Erwägungen, sondern sie sind agrarisch-kapitalistische Politik in Reinkultur. Mn derlei Leuten Koalitionspolitik treiben zu müssen, aus ihnen Maßnahrnen zugunsten der Arbeiterschaft herauszuholen, ist wirklich keine Kleinigkeit. Recht patzig ton hilft! Es ist zum Lachen, wie die Hakenkreuzpresse ihre Lgser mit allerhand Zeug vollschmiert.. Die Schützer des schaffenden Kapital» geraten allemal in Wut, wenn man chnen ihre Verbindung zum Unternehmertum unter die Nase reibt. Insbesondere der Hakenkreuz-Parvenü Krebs wird rot wie«in Krebs, wenn chm diese altbekannte Tatsache in. Erinnerung gebracht wick. So haben ihnen unsere Genossen vor kurzem im Parlament dies« Sachen wieder um die Oyren gepeitscht" und in erregten Auseinandersetzungen den Hakingern von Krebs bis Kasper gehörig den Buckl gewaschen. Insbesondere haben chnen die Genossen Grunzner und Müller zugesetzt, so zugesetzt, daß die Mutschmannmänner m einen echt germanischen Wutrausch verfielen. Die Peitschenhiebe unserer Genossen sausten trotzdem weiter. Was deü Hitlerablegern da gesagt wucke, war nicht gerade von Pappe. Im„T a g" wird natürlich die ganze Geschichte umgedreht. Man setzt den erstaunten „Tag"-Lesern„Zwischenrufe" des Herrn Krebs in Fettdruck vor,,die wahrscheinlich erst nachträglich gedichtet wurden. Sachen, über die sogar eine germanische Kuh lachen müßte. Na, aer Propagandaleiter Krebs, der sich vor kurzem bei Herrn Hitler EzzeS und MazzeS geholt hat, muß ja wissen, was er seinen Leutchen zutrauen kann. Wahr ist, daß die ganze Nazikorona, der Krebs und der Geyer und die anderen Papageier gehörig was zu hören bekamen und daß sogar Herr Knirsch, der als Parteiaristokrat der Nazi-immer noch daS Dekorum wahren will, ebenfalls wutknirschend nach links abging. Ja so wirds gemacht und da hört man und staunt man in Nazikreisen waS für tüchtig« Kerls doch diese, von sich selbst ernannten„Unsere Führer" sind. Diese ganze Art der Berichterstattung ist ein„Haki-Dreh" und man muß an Herrn KrebS, den Propagandaleiter Wohl oder übel die Frage stellen: Haben Sie nicht auch ein oder zwei Tanten in Drohobitsch? Tschechische Künstler protestieren ' Pr-g, 23. Dezember. Siebzig hervorragende tschechische Intellektuelle und Künstler haben einen scharfen Protest gegen die Vorgänge in Frei» Waldau unterschrieben, darunter der früher« Generaltruppeninspektor der tschechoslowakischen Armee I. S. Machar, zahlreiche Universitätsprofessoren wie Ottokar Fischer, F. X. Saldo, Zdenök Nejedly, der Legionärschriftsteller Joses Kopka, die Komponisten Alois Hüba und Jaroslav Jeiek. Der Protest lautet: „Man kann nicht schweigen— das hasst heute gewiß in jede» wider, der nicht daS letzte Nestchen»aralischer Verantwortung dafür verloren hat, wa» bei uns vorgeht. Man schießt auf Demonstranten. Zn demonstrieren für das Recht ist di« Pflicht eines jede« Menschen, der nicht rin Sklave ist. Jeder von»n« hat. auch zu Oesterreichs Zeiten, demonstriert. Aber damals wurde nicht ge- schoffen. Heute schießt man. Und man schießt Demonstranten in den Rücken, Fliehenden. Wir protestiere«, denn schweige« heißt: Mitschuldig sei«. Und weiter: Wir protestieren im Ramru der menschlichen Einsicht dagegen, was alS Entschuldigung vorgebracht wird. ES muß endlich einmal gesagt werden, daß daS Attentat auf de» menschliche« Verstand find. Der bewaffnete Gendarm muß angeblich schießen— auf Kinder, auf Frauen, ans Fliehend«. Rüste» wir»nS nicht schämen, daß man von unS verlangt, das zu glauben? Wir ' rufe» daher: SS find unser genug, di« wir anders fi»d, mit dem Herze», mit dem verstand, mit allem." 84 Dr. Tolpe's Rache. Roman von A. Aiuchui Sie zog Franzl wie schützend an sich. Der Vater war nach Hause gekommen. Er hatte sich furchtbar aufgeregt, als er alle» erfahren hatte.. Jetzt war er schon wieder beruhigt. „Zeig nur jetzt, daß sie Unrecht haben", hatte er zu Franzl gesagt. Weiter wucke über den Vorfall nicht mehr gesprochen. Jetzt war Franzl zu Hause. Er sollte sich einige Wochen auSruhen. Tann ging es hinaus in» Leben. Ins Leben. DaS Leben lag Franzl so fern. Er kannte es nicht.. Er kannte nur da« morsche, gelbe Gebäude, das die Handelsakademie beherbergte, er kannte nur Tolpes noch morschere Ansichten. Da» war alles. War die» das Leben? Konnte das Leben so gemein sein? War er ausgerüstet für das Leben? Fehlte ihm nicht die Daseinsberechtigung in Form deS Reifezeugnisses? „Sie haben die Handelsakademie absolviert? Und wo ist daS Reifezeugnis?" Das wird man ihn überall fragen und überall wick er die Achseln zucken und sagen müssen: ^Jch habe keine»." Aber warum er keine» habe, wick er nicht erzählen dürfen, denn es wücke ihm niemand glauben. Er wird«inherzichen müssen, wie ein entlassener Sträfling, den di« Menschen krepieren lassen, weil er die acht Jahre seiner Haft nicht verrechnen kann. Auch Franzl batte acht Jahre abgesessen, davon vier in der Handelsakademie. Und diese vier Jahre waren schwerer Kerker. Und doch zog. es ihn hinan» in die Welt, weit weg, wo iyn niemand kannte, wo ßr neben dem Unglück nicht noch den Spott tragen mußte. Paris, London, New Dark, Rio de Janeiro, Nichtwar ihm weit genug, er wollt« umherziehen, ziellos wie ein Zigeuner, am Morgen nicht wissen, wo er abend» schlafen wücke, immer weiter, ohne Rast und Ruh. Wenn Franck an Tolpe dachte, ballte sich seine Hand zur Faust. Franzl kannte sich gut. Er wußte genau, wem er seine Ziellosigkeit zu verdarcken hatte, denn früher ist er ander» gewesen. Es drückt« ihn, doch er konnte nicht dagegen ankämpfen. Tolpe hatte ihm nicht nur di« Reife abgesprochen, hatte ihm nicht nur da» Zeugnis verweigert, Tolpe hatte ihm auch— die Heimat genommen. Franzl war heimatlos. Nur im saufenden Eisenbahnzug fühlte er sich zu Haus«, im Auto, im Flugzeug, an Bock einer Ozeandampfers,— er wurde einer von denen, die ohne ständigen Wohnsitz die Welt durchkreuzen. Vorläufig in Gedanken. Wann in Wirk- lichkcit. Wie lange wick er es hier noch auS- halten? Was hielt ihn denn? Die Eltern? Erna? Sie schrieb doch gar nicht einmal. Endlich kam aber doch eine Nachricht von ihr. Eine Postkarte. Grüße vom Urlaub. Dann ein Brief.' Franzl erholte sich niu danke«, daß dies« Bezeichnung i« heurige« Sommer nicht erfolgte. Run setzten Verhandlungen zwischen dem Ministerium für öffentliche Arbeiten und den kn Frage kommenden Elektrizität-Unternehmungen und deren Verbände ein. Obwohl die Unternehmungen, sowie auch das Ministerium versprochen haben-, die Vertreter der Gewerkschaften diesen Verhandlungen beizuziehen, geschah die» nicht und schon daraus geht hervor, daß di« deutschen Elektri- tötswerke in Bodenbach bereit waren, da» Interesse der deutsche« Arbeiter und Anarstellten ihre« kapitalistischen Interesse« zu opfern. Tatsächlich kam nnn eine solche Vereinbarung zwischen dem Ministerium für öffettt« 'liche Arbeiten und den Unternehmungen zustande, wonach der Staat unter Ausschluß der i^ememden und Bezirke 25% des Aktienkapitals und damit einen erheblichen Einfluß auf die Privatunternehmungen erwerben sollte, wogegen der Staat wiederum den Unternehmungen die Konzession machte, erst nach Ablauf von 30 Jahren weitere Anteile de» Aktienkapitals bis zur Erlangung der Mehrheit zu erwerben. Ein, dies« Vereinbarungen enthaltender Gesetzentwurf war bereits ausgearbeitet. Die Folge desselben wäre«Wesen, daß der Staat ein Viertel des Aktienkapital» erworben und in Verbindung mit den ihm sonst zur Verfügung stehenden Druck- mitteln einen maßgebenden Einfluß auf die im deutschen Gebiete liegenden Unternehmungen erworben hätte. Da hiebei die Gewerkschaften und auch die deutschen Selbstverwaltungskörper vollständig ausgeschlossen waren, wäre eS nur eine Frage der Zeit gewesen, innerhalb welcher die deutschen Arbeiter und Angestellten auS diesen Unternehmungen verdrängt worden wären. Daß di« Leitungen der ElektriznätSunternehmun- jgen, wenn es chr kapitalistisches Interesse erfordert, solchen Bestrebungen keinen Widerstand entgegengesetzt hatte«, beweisen die zahllosen Bei« spiäe, die wir an anderen deutschen Unternehmungen erlebt hüben. Wenn heute der deutsche Arbeiter und Angestellte nicht nur in staattichen Unternehmungen, sondern auch in Privatuuternehmungen so schwer um seinen Arbeitsplatz zu kämpfen hat, so verdankt er da» vor allem den Unternehmern selbst, welch« noch niemals den deutschen Arbeiter und Angestellten geschützt haben, wenn sie durch die Preisgabe der Interessen der Arbeiter und Angestellten für sich einen Vorteil erringen konnten. Der deutsche Arbeiter und Angestellte wäre somit schutzlos dem Einfluss« des Ministeriums für öffentlich« Arbeiten und der jederzeit vorhandenen Bereitwilligkeit der Unternehmer, chr kapitalistisches Interesse zu wahren, preisgegeben gewesen. Dazu kommt noch, daß auf 30 Jahre der Privatbesitz an den elektrischen Unternehmungen gesichert gewesen wäre. Die Preispolitik der Unternehmungen den Gemeinden und Einzelabnehmern gegenüber zeigt, wie sehr die Unternehmungen das öffentlich« Interesse geschädigt haben. ES werden Preise für elektrische Kraft bezahlt, welche viel zu hoch sind und nur den Unternehmungen einen Riesengewinn garantieren. Allein die Begehrlichkeit der deutschen Kapitalisten ging noch weiter. Nachdem schon alle» vereinbart. worden war,, verlangten sic plötzlich neue Konzessiv it em welche sich inSbeson- der» auf den UebernahmSpvei» bezogen und welche die Bestimmung diese» Preise» auSschließ. lich den Kapitalisten überlasten hätten. Nun riß auch dem Ministerium für öffent- liche Arbeiten die Geduld und es erllärte. unter diesen Umständen den Gesetzentwurf zurückzuziehen und sich vorläufig mit der Verlängerung deS 8 28 de» Gesetzes zu begnügen, d. h, init der Ermächtigung, die Bezeichnung der Unternehmungen, welche für gemeinnützig erklärt werden können, auf da» Jahr 1932 auSzudehnen. Gegenüber der beabsichtigten völligen Entrechtung der Arbeiter und Angestellten und gegenüber der Auslieferung der für da» gesamte Wirtschaftsleben so wichtigen Clektrizitätsunter- nehmungen an da» privat« Kapital auf weitere 30 Jahre war dieser Ausweg für die deustchen Arbeiter und Angestellten zweifellos der günstiger« um» darum entschlossen sich di« deustchen Sozialdemokraten dieser Verlängerung, di« sie doch in Anbetracht der Machwerhältnisse nicht hindern konnten, zuzustimmen. Ungemein bezeichnend ist eS, wenn der Artikelschreiber im„Tag" sagt:„Die deutsche« Sozialdemokraten opfern fieber die deutschen Arbeiter, als sich mit dem deutschen Kapital solidarisch in der Verteidigung des deutschen Arbeitsplatzes z« erklären." Diese Worte bedeute« die vollständige Bankerotterklär nng des deutschen Nationalsozialismus, seine völlige Entlarvung al» Partei der deutsche« Kapitalisten! Nach all den traurige« Erfahrungen, welche die deutschen Arbeiter«nd Angestellten mit den deustchen Unternehmer« gemacht haben, verlangt dieser„Auchsozialist"«in Zusammengehen mit eben diesen deutschen Unternehmern nnd beweist, daß er bereit ist, di« deustchen Arbeiter«nd Angestellten der Willkür«nd Ausbeutung der deutschen Kapitalisten schntzloS preiszugeben. Unser Standpunkt ist ein ganz klarer. Die Versorgung mit elektrischem Strom ist ein so wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen LebenS, daß er unmöglich auf die Dauer der vrivaten Ausbeutung überlassen bleiben darf. Für jeden Sozialisten, der es ernst mit dem Sozialismus meint, ist es eine blanke Selbstverständlichkeit» zu fordern, daß die Versorgung mit elektrischem Strom Sache der Oeffentlichkeit ist. Teicphonanrule der Praller zenirol- redaKIlon sind heute nur bi» halb 17 Uhr möglich, da nach dem Kollektidvertrag di« Setzer nur bis 17 Uhr arbeiten. Eventuell« Anrufe bi» 18 Uhr uuter Nummer 26795 oder 81469, in dringende« Fällen nachmittags von 15 bis halb 17 Uhr ausschließlich unter Nummer 26797. Nur di« besoiweren Verhältnisse im Tschr- choflowakischen Staate erfordern es, daß bei Ueverleituna dieser Unternehmungen in die öffentliche Hand Vorsorge getroffen werden muß, daß die deustchen Arbeiter urw Angestellten in ihrer Existenz gesichert werden. Hätten wir dem Gesetze nicht zugestimmt, so hätte die tschechische Mehrheit das Gesetz trotzdem beschlossen nnd. wir hätten uns jedes weiteren Einflusses begeben. Sache der freien Gewerkschaften und der deustchen Sozialdemokraten wird«8 sein, inso- lange sie einen Einfluß aus die Regierung haben, bei der Durchführung des Gesetzes dafür zu sorgen, daß die deutschen Arbeiter und Angestellten geschützt werden. Einen Schutz der Privatinteressen der deustchen Unternehmer lehnen wir ab und überlasten wir den deutschen Nationalsoziali. strn. die sich damit in den Augen jedes anständigen Arbeiter- selbst gerichtet haben! Kontributionen für aufrührerische Gemeiuven. Larnaka, 23. Dezember. Auf Grund eines heute veröffentlichten Wiedergutmachungsgesetzes werden die Städte und Gemünden aus Cypern, die sich an de« Unruhen beteiligt haben, mit einer Geldstrafe von insgesamt 34.000 Pfund Sterling belegt. Diese Strafen werden in Form von Steuern von allen orthodoxen Christen mit Ausnahme der.Beamten und der Regierungsmit- glirder eingezogen werden. Die Stadt Nikosia, als Haupcherd der Unruhen, hat 14.000 Pfund Sterling zu zahlen. Die Partei der wildgewordeaen Boargeoi«. In einem interessanten Artikel der reichsdeutschen Publizisten Georg Bernhard über Hitler hnß e§ zutreffenderweise: Miller versprach allen alle». Und heute setzt sich deshalb die Partei zusammen auS entthronten Fürsten, auS enteigneten Prinzen, aus den alten Beamten des Kaiserreich», au» abgebautrn Militärs, au» unzufriedenen Mittelstärcklern der Industrie, d«S Handels UNd be» Handwerk» sowie ans Arbeitern und Angestellten. Weit über die Hälfte der Hitlerpartri besteht aus verzweifelten und wildgewordenen Bourgeois. Aber ezn Teil, den man doch auf etwa rin Mertel der Wahlstimmen beziffern muß, besteht au» radikalen Intellektuellen, besonders Studenten, au» Ar- • l>eitern und Angestellten, die ihrer politischen Natur nach bolschewistisch sind und die sich von den Mitgliedern der kommunistischen Partei nur dadurch unterscheiden, daß sie nicht international von Moskau gelenkt werden wollen, sondern daü Ideal eine» nationalen EigensoziäliSnmS pflegen. . Wie soll man nun rin« solche Partei zusammenhalten im Augenblick, wo man gezwungen ist, zu regieren?.: Bemerkenswert ist auch die Tastache, daß die deutschnational eingestellten Großgrundbesitzer und Großbauern, welche im »Landound" zusammengeschlosten sind, zu Hitler überlaufen. Daß die deustchen Großindustriellen Hitlers Partei mit Geld unterstützen,' bestätigt auch Bernhard. Die Bezeichnung„wnv- gewordene Bourgeois" trifft auf Hitlers bunte Garde wirklich zu. Unbestritten ist, daß auch eine Anzahl Arbeiter speziell als Landsknechte mittun. Für die politische Einstellung der Hitlerpartei ist daS jedoch nicht entscheidend. Der Prüfftein besteht darin, daß diese angeblich sozialistische Arbeiterpartei eine Todfeindin deS wahren Sozialismus ist und bleibt. Die Dinta-Nadel. Das Dinta(DeustcheS Jnfsttut für technisch« Arbeitsschulung) ist eine von der Schwerindustrie geschaffene Einrichtung, um die Arbeiter und Angestellten von der Vertretung ihrer Klasseniuterefsen abzuziehen. Es ist eine gelbe Angelegenheit, di« den werkSgemeinschaftfichen Gedanken fördern soll. Damit die Beteiligten sich von gewöhnlichen Sterblichen unterscheiden, ist ein besonderer Dinta- Orden eingeführt worden. Die Institutsmitteilungcn verkünden darüber daS olgende:„Auf verschiedene Anregungen auS un- «rem Freundeskreis« hin haben wir uns ent- chlosfen,«ine Ehrung für Mitarbeiter und Förderer zu schassen, die sich um di« Dintaarbeit besonders verdient gemacht haben. Diese Auszeichnung soll in Gestalt der Dinta-Nadel verliehen werde», di« sonst nur die im Dinta ausgebildeten Ingenien« tragen. Die Verleihung der Dinta-Nad« erfolgt auf Antrag. Voraussetzung dafür ist, daß zwei Dinta-Jngenieure für die Person des Ausgezeichneten bürgen."— Ob st« etwa mit der rotgelben Rudolf Jung- Ros« geziert ist? Agrarisch« Ungezogenheiten. Unter diesem Titel brachten wir in unserer Folge vom 4. Dezember «ine Notiz, in der davon die Rede war, daß'der Gutsbesitzer Franz Klieber aus Budau im Luditzer Bezirk, der in diesem Orte Bürgermeister ist, sein« Privatkorrespondenz dadurch portofrei erledigt«, daß er auf da» Kuvert„Portofrei« Ge- meindedlensstache" schrieb. In dieser Notiz wurde auch mitgeteilt, daß der Genannt« für den Bau einer Stallung sowie für Meliorationen tausende Kronen Subvention erhalten hat. Wie un» nun vom Landeskulturrat für Böhmen, deutsche Sektion, mitgetcilt wird, hat Klicker vom LandrSkulturrat keinerlei Subvention erhalten. StmmbSe. Dundee Elijah gehörte zum Vorschstf. Zwanzig Jahr« lang hatte er die schottische Küste nicht mehr gesehen. In Elgin war er beheimatet. Wir fuhren zusammen durch die Terres-Straße bei Australien. Backstagswind' drückte in den Segeln. Die„Orata" verlor nicht einen Faden Fahrt. Elijah stand am Ruder. Das Schiff war nach Santa Cruz unterwegs. Es geschah um die Zeit der englischen Woche Dundee schnupperte wie ein Seehund in der Lust herum.>,Hallo, Sandy, hallo—- ein Papua soll mich fressen, wenn alle» t« Ordnung geht!. Der Wirch schlägt um!" Der Himmel war flar und von verzehrender Tiefe. Das Meer brannte wie Indigo. Da und dort stieg ein dünner Strahl aus dem Wasser, blieb sekundenlang in der Luft, um als feiner Sprühregen niederzugehen. Die Wal« gingen! Elijah wurde auSgelacht.„He, Dundee, kannst du'n Klavier vom fllachttöps unterscheiden? Drüben gehen die Wale; daS, Wet ter bleibt Kar!" Der zweite Steuermann wollte sich vor Lachen ausschuiten. Elijah behielt recht! Es wurde augenblicklich schwül. Die Segel begannen zu schlagen. Die Brise ward flau wie Kinderte«. DaS Schiff stoppte die Fahrt, und eine güsterhüft« Sülle lag über dem Wüster.„Sturmwind, ahoi!"' rief der Kapitan, von der. Brücke. Segelmanöver wurden gepfiffen. Alle Mann enterten di« Wanten empor, um die Leinwand zu berge». Die Segel waren eingeholt. Auch im Besä» flatterte kein Fetzen Tuch mehr. Als der erste Sturmhauch über da« Woster fegte, zurrte Elijah da» Ruder fest. Hilflo» begann die„Orata" auf der Stell« zu rollen. Urplötzlich, wie aü» dem Meere gezaubert, stand ein« kalte Dunstwand gegen un». Di« See ging stufenweise vom tie- fen Indigo zur grünlichen Farbe geschmolzenen Glase» Wer. Die Kimmung verwischte. Eine Keine, weißlich« Wolle löste sich von der Dunstwand und süeg in steilem Winkel in den Horizont. Sie wmwe immer gröber. Di« Luft war so schwer, daß wir kaum atmen konnten. Elijah wie» aus da» Barometer: wie ei« Sack fiel das Quecksilber in die Tiefe. Im gleichen Moment verwandelte sich di« Weiße Wolle und schoß gleich einem riesigen Trichter auf uns zu. Dunkelheit umhüllte alles. Irgendwoher noch llang Dundees Stimm«:„Sandy, Sandy, das ist des Teufels Großmutter!" Dann brach es los. Ein Höllenlärm Hub 1 an. Die Brassen schwirrten wie Geigensaiten. In großen Schauern fiel Master auf das Deck. Da» war kein Regen mehr; es schmeckte verteufelt nach Salz. Wsche Katschten vor uns nieder und blieben mit imfgeplatzten Leibern liegen, bis eine neu« Woge sie hinwegnahm. Steil süeg der Bug der„Orata" aus der blauschwarzen See. Ueberall nur Master. Di« Wellen schienen steuerbord über den Top zu entern, nur, um backbord mit umso größerer Wucht nirdersau- sen zu könen. Gegen diese Wasterlawin« waren wir yilflo». DaS Schiff torkelte, als sei eS topla- stig. 40 Grad krengte der Eimer. Die Brise ging so hart, daß auch di« größten Wogen zersprühten nnd die Gischt dickflockig wie Watte vor den Gesichtern lag. Es war, al» ob man Lust tränke. Wie lange daS raste, tobte, peitscht« und vfiff, war nicht festzustellen. Dann aber ließ die Dunkelheit schnell noch. Einige heftige Stöße! noch; daS Schiff boste schwer Wer; me weiße „Sturmböe" jagt« leewärts davon, ebenso schnell, wie sie gekommen war. Eine himmelhohe Wand frierenden Masters. Die Mannschaft wurde aufgcrufen. Ohne Verluste war die„Orata" durch di« Sturmböe gekommen, die gefährlichste Wasserhose der Süds«. Dundee Elijah war der Hell» der Wache. Er lag in seiner Dunk und lachte:„Js man good, so'n Wetterchen. Deckwaschen«» ohnehin nicht meine Sache...." Ach Glasen. Di« Glocke rief zur Ablösung. Elijah ging ans Ruder., Ich gesellte mich zu ihm. Mr versprachen das Phänomen der weißen Böe.„Woher kennst Du die Anzeichen so genau?"—„Ha, Sandy,— siebenmal habe ich den Spaß mitgemacht. Da sitzt e» in der Nase, und das erste Mal, heiliger Piephahn, da war's am schlimmsten. Grad als ich den Anrselfängcr fuhr." Amselfänger——? Ich horchte auf. So nannte man m diesen Breiten Schiffe, die* nach den Inseln fuhren, um schwarze Frauen zu erhandeln, die anderweitig verkauft wurden. Amselfänger ist der poetisch« Name modernen Sklavenhandels. So oft ich >te Südsee befahren, auf keinem Eimer hatte ich einen Tiefwastermatrosen getroffen, der je einen Amselfänger gefahren war. Ich bat Elijah, mir die Geschichte dieser ersten Sturmbö« zu erzählen „Das war auf der„Thornsby". Damals, als hier herum der Damps noch nicht dem Meere di« Straßen gezogen hatte. Das Schiff hielt Kurs auf Malaui. In zwanzig Tagen wollten wir in Brisbane sein. Siebzehn schwarz« Frauen hatten wir eingehandelt. Der Rum floß unter der Back. ES ist ja so merkwürdig, wie schwach die Nerven der Amselfänger sind, wenn ihnen die Besinnung kommt. Bei jedem Schrei schwarzer Frauen, der au» den Schiffsluken tönt, läuft ihnen ein Grauen die Haut hinauf. Da hilft nur Rum und wieder Rum, Sandy. Ist erst mal der Bau befriedigt, dann wird auch das Her^ wieder wohlauf. Alles, was aus den Anrselfangern getan wird, kommt aus dem Bauche. Sechs Knoten lief das Schiff. Wir lagen gut am Winde..Da sprang das Wetter um. Ein« Säule stickiger Lust stand über un». Die „Thornsby" begann zu rollen. Der Altt, nicht gerade nüchtern, erkannte zs« spät die Gefahr. Als wir aufenterten, um d:e Segel zu bergen, knallten di« ersten schweren Böe« an die Stengen. Wir arbeiteten, daß der Schweiß an den Wanten herunterlics. Zwei Mann gingen dabei kapseis Wer die Rahen. Vergeben-!— Dreißig Fuß hoch wurde das Schiff empor- gehoben, und dann fauste es steuerlos hinein in den Strudel der Sturmböe. Es rollte, stöhnte, Stengen splitterten, die Segel fuhren aus den Seais. Wir waren verloren. Mit der Nase tief im Master furchend, wurde da- Schiff nach Lee abgedrückt und kreiselte, bis es barst. Als ich mW Wiedersan-, lagen drei schwarze Frauen, der zweite Steuermann und ich auf dem Quarterdeck eine» verdammten Kanonenluggers. Er brachte un» nach Neu- Caledomen!—— Da» war da» erste Mal, daß ich der Böe begegnet bin. Seitdem habe ich den Geruch der snckrgen Luft nie verloren!" Dundee Elijah drehte da» Schiff in den Wind. Din Lusthauch strich durch die Taue.' Die prallen Segel raschelten. Dom Vorschiff her- llang der Ruf de» Logg»:„Sieben Knoten Fahrt l" S.^Richards. geile 4 Donnerstag, 24 Dezember 1981. Nr. M. Tgtiesneuigkeiten Die Verwaltung,- dem Die I - Protokollverlesungen. Kronen jährlich benötigt zu haben, zur . Rechenschaft zu ziehen. Dieser Mann, der auS diesem mysteriösen Geschäft eingestandenermaßen sieben Millionen Kronen verdient hat, erklärt mit Deelen ruhe weder Interesse an dem Geschäft, noch Einfluß darauf gehabt zu haben. Die Provision habe Herr Bankier FuckS aus purer Freundschaft ihm überlassen. Im Verlauf der Aktenverlesung erklärt Sttt- brnv. den Sichrovsky früher nur in der Delikateffen- bandlung Pauk« rt gesehen zu haben, wo er belegte Brötchen aß und Wein trank. Tann gelangt der■ Brozeßakt kontra Red. D y m a zur Verlesung, der dadurch begründung Stkibrny Vom Rundfunk IrmpfchlenSwertrS an» Bett Programmen. Freitag. Prag: 10.00 Sinfonie der Arbeit, Funkszene. 11L0 Weihnacht-lieder. 15.00„Rusalka*.Oper von Dvokak. 18.00 Deutsche Sendung: Marien- lieber von Dolf. 20.20„Heiliger Abend*, Kantate von Bendl.— Brüu«: 15.00„Mignon* Oper von Thomas.' 18.00 Deutsche Sendung:" Weih- nachtsszene.— Berlin: 20.00„Der Troubadour*, Oper von Verdi. 28.00 Orchesterkonzert.— Hamburg: 17.45 Deutsche Tanzmusik. 19.10 Geistliche Wcihnachtsmusik.— KSnigSwusterhausen: 19.00 Beethoven-Konzert.— Leipzig: 11.80 Bach-Kantate. 18.30„Tannhäuser*, Oper von Wagner.— München: 19.00 Liederstunde von Bender. 20.00 Populäres Konzert.— Wien: 17.30 Kammermusik.' An alle Abonnenten und Kolporteure! Anläßlich der Weihnachtsfeierlage erschein! untere Weihnathts-Ausgabe am 25, Dezember zur gewohnten Stunde, Die Aufgaben vom 26, und 27, Dezember entfallen. Die nächste Nummer erscheint wieder am Dienstag, den 29, Dezember zur gewohnten Stunde. Schiffsunfall im Rebel. Der den Verkehr zwischen Borkum und Emden versehende Dampfer „Prinz Heinrich* erlitt auf der Ems infolge dichten Nübels einen Unfall. Das Schiff fuhr in der Nähe des Hafens von Emden gegen ein Spülgerüst und bei dem Versuch, wieder frei zu kommen, nach rückwärts auf einen Steindamm auf.„Prinz Heinrich* verlor den vorderen Mast und wurde auch sonst schwer beschädigt. Personen kamen nicht zu Schaden. Lieferungen für das Eisendahnministerium. DaS Eisenbahnministerium vergibt im öffeütl. Konkurs- chege die Lieferung von fünf vierachsigen Personenwagen Type BCa, fünf vierachsigen Personenwagen Type-La, 60 zweiachsigen Personenwagen Type Le, acht zweiachsigen Dienstwagen Type I)ck, 20 zweiachsigen Dienstwagen Type v, 23 Anhängewagen zum Motorwagen, zweiachsig, Type 61, 35 zweiachsigen Anhängewagen zum Motorwagen Type LV1, drei Ayhängewagen Type CDv/U zu Schienenautobussen, 50 Wagen Type Zbv, 50 Plattformwagen Type?ck, neun vierachsigen Postwagen Type Fa, acht Zweiachsigen Postwagen Type F und fünf zweiachsigen Postwagen Type F». Offertfrist bis 14. Jänner 1932. Nähere Angaben in den Amtsblättern und in Mitteilungsblatte des Eisenbahnministeriums. Lin Mensch ohne Vorurteile. DaS war in der Holzklasse des Moskauer Zuges., Ein rundlich auSsehender Bürger schnitt sich ein Stück Brot ab und ließ dabei daS Messer fallen.. „War daS ein Messer oder eine Gabel?" fragte die Nachbarin oeS rundlichen Bürgers neugierig. „Ein Mester," antwortete der Rundliche unwillig, während er am Boden herumsuchte. „Dann kommt ein Mann," sagte die Bürgerin.„Wenn ein Mester herunterfällt, kommt bestimmt ein Mann..." Mein Nachbar, ein Mann in mittleren Jahren, der eine« Sack hinter sich liegen hatte, entrüstete sich. Er lief sogar rot an vor Zorn.„Sie ollten sich schämen, sich im zwanzigsten Jahrhundert noch mit solchen Vorurteilen abzugeben!" Die Bürgerin sah erschrocken zu meinem Nachbarn herüber.„Das ist doch so ein Vorzeichen," sagte sie.„Wenn ein Mester herunterfmlt, kommt, ein Mann, bei der Gabel eine Frau. Ich hab. hoch nur, Genosse... Das ist doch so ein Vorzeichen." interessant ist, daß in der Urteilsangeführt wird, daß dem als hervorragender Vertreter ein« „Arbeiterpartei" In der Polemik des„N a r. O s v.*, für welche Dyma die Verantwortung trug, Handlungen vargeworfen werden, die gleichermaßen gegen das SiaatSinter- efse, wie gegen das der arbeitenden Klaffe verstoßen. Nach anderthalbstündiger Paule wird die Verhandlung um halb ein Uhr fortgesetzt. Es kommen Polizeiprotokolle zur Verlesung. Schließlich vertagt der Vorsitzende die Verhandlung zum nächsten Montag, den 28. Dezember, an welchem Tage dje Protokollverlesung beendet werden dürfte. Am folgenden Tage sollen die Plaidoyers beginnen, so daß daS Urteil am Mittwoch oder Donnerstag(30. oder 31. Dezember) zu erwarten stehr. Bei„Profeffor Lütower". Tätowierungen find unmodern geworden, betrogene„tätowierte Dame". Sicher war es kein Zufall, daß der Mann» der'sich in einge weihten Kreisen des Spitznamens „Professor Tätowex" erfreut, in der Nähe des Lehrter Bahnhofs in Berlin wohnt, denn die meisten Patienten, di« diesen kuriosesten aller Wunderdoktoren konsultieren, kommen aus Hamburg und Bremen, aus den deutschen Hafenstädten, und haben nicht diel Zeit zu verlieren. Es sind Seeleute, Matrosen aller Nationen, di« «den Hauptbestandteil der Patienten ausmachen. fDi« meisten von ihnen haben, der Seefahrt zugunsten einem„bodenständigen" Beruf und nicht selten auch den Lockungen der Ehe entsagt, sind das ist das Seltsame, daß zahlreiche Patienten von ihren Bräuten buchstäblich zu „Professor Tätowex" geschleppt werden, nicht säten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, denn die meisten Seeleute trennen sich nur schwer und ungern. von den Hafenerinnerungen, die sie- immer mit sich hcrunrtragen, von ihren Tätowierungen nämlich Tatsächlich werden ost noch im Wartezimmer des„ProsestorS" erbitterte Dispute im guten! Aber nein:— ein Mester fällt herunter— eS kommt ein Mann: der Pope ist ihr begegnet— eS gibt ein Unglück; es stößt ihr auf — wieder ein Vorzeichen... Pfui Teufel!" „Sind Sie wirklich nur derhÄb auseinandergegangen?" „Bei Gott, nur deshalb. Und überhaupt war sie in der letzten Zeit ein bißchen sehr leichtsinnig geworden... Ich hab sie im guten gebeten. Aber mit einer Dummen kann ich nicht leben..^Und jetzt fahr ich nach Moskau. Und soll ich in Mos- kau eine richtige anständige Bürgerin finden, eine ohne Vorurteile, so werde ich sie bestimmt heiraten. Aber schwerlich wird sich so eine finden. Ich Meiste sehr." Mein Nachbar schwieg, drehte sich eine Zigarette und zündete sie an. Dann stieß er leise auf und sagte nachdenklich: jemand denkt an mich..." „DaS ist sicher deine Frau, deine Geschiedene, die wird Wohl an dich denken," sagte die Bürgerin mitfühknd.„Wer weiß, wie eS ihr jetzt- geht, der Guten..." „Dar kann schon sein. Vielleicht denkt sie an mich. Aber sie hat selber Schuld," erwiderte mein Nachbar, auf den Boden spuckend. (AuS dem Russischen übertragen von A. Lepcre.) fern. Er«ch so Insulin neben den normalen Seruminjektionen zwei« bis dreimal täglich 10 bis 20 Einheiten, daneben eine lOprozentige Traubenzuckerlösung zum Trinken. Nur wenn diese Zuckerlösung nicht ausgenommen und wieder- erbrochen wurde, so schritt er auch hier zu Einspritzungen. Professor Kosthal hat angeblich mit Vieser Methode sehr gute Erfolge erzielt und in einzelnen Fallen noch eine Rettung erreicht, wo diese nach den normalen Erfahrungen eigentlich nicht mehr zu erwarten war. Reichspost senkt die Tarife. DaS deutsche Reichskabinett stimmte der Senkung von Postgebühren mit Wirkung vom 1. Jänner'1932 zu. Die Senkung soll sich, um bei der Höhe des zur Verfügung stehenden Betrages von 120 Millionen Mark wirksam zu sein, auf zwei wichtige Verkehrszweige, den Paket» und den Fernsprechverkehr erstrecken. Bereits am 28. Dezember wird der Arbeitsausschuß des ReichSpoftverwaltungS- rates und am 29. das Plenum deS Verwaltungsrates zusammentreten, um die endgültige Entscheidung zu treffen, insbesondere um die Einzelheiten der Gebührensenkung festzusetzen. Wegen unheilbarer Krankheit stürzte sich in der Nähe von Laun die 25jährige Marie Erkal auS Citolib vor die Lokomotive eines Personenzuges. Die Unglückliche, die als eines der schönsten Mädchen von Citolib und Umgebung galt, wurde buchstäblich in Stücke zerrissen. Die Ueberreste der Lebensmüden! waren auf eine Strecke von mehr als 50 Metern verstreut. Verkehrs- Einschränkung wegen Gefahr. Die uns berichtet wird, hat die Postauwmobilverwaltung den Auwbusverkehr auf der Strecke Karlsbad— Joachimsthal— Weipert mit Rücksicht auf das bei Schneefall und Kälte sehr gefährlich werdende Terrain insoferne eingeschränkt, als bi- aus weiteres nurmehr kleine Auwbuffe verwendet und lediglich an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen Fahrten durchgeführt werden. Bei weiterer Verschlechterung der Straßenverhältnisse ist mit noch einschneidenderen Maßnahmen zu rechnen.> Calmette-Kehraus! Die Beweisaufnahme im I Lübecker Talmette-Prozeß ist bis auf einen kleinen Rest, der nach den Feiertagen rasch erledigt werden arm, endlich abgeschlossen. Am Dienstag erstattete Professor Hahn sein Schlußgudachten, das er in die Worte zusammen faß de:„Meiner Meinung nach kann man mft hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die TodesfAle und Erkrankungen dadurch entstanden ind, daß bei der Im Pfstossherstellung im Laborato- rium unabsichtlich ein Versehen unterlaufe« ist. Vermutlich find durch dieses Versehen virulente Bazillen in den Impfstoff gelangt." Der Stribrny-Prozeß. Kein Interesse mehr.- Prag, 23. Dezember. Das anfänglich« Interesse dei Publikums an diesem Prozeß hat derart nach« gelassen, daß das Auditorium fast leer ist und auch di« Journalistenbänke nur von einigen wenigen „Horchposteu" besetzt sind. Im Lauf« des heutigen Verhandlungstages kamen lediglich Protokolle zur Verlesung. Der Vorsitzende teilt mit, daß er die von der Verteidigung verlangten Aktenstück« des Untersuchungsausschusses studiert und konstatiert hab«, dgß st« sich auf das vorliegende Prozeßthema nicht erstreck«. Die Verteidigung nimmt diese Mit teilung zur Kenntnis. j Dennoch, ist die Aktenverlesung nicht ohne, I«stress«. So liegt beispielsweise ein Brief des GeneralirektorS Schiff vor, in dem dieser dem Bankhaus„Arons und Walte r" mit eindring lichen Worten in Erinnerung bringt, daß „der abgegangene Esienbahnminister uns heute gar nichts»ehr nützt*. (Das war nach dem Sturz der damaligen Regie rung, der am 13. September 1920 erfolgte. Anm. der Red.) Unter Berufung auf diesen Umstand ver suchten die Geschäftemacher in Berlin von Sichrov sky einen Nachlaß seiner bescheidenen Provision von rund sieben Millionen Kronen zu erzielen, wobei immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden muß, daß sich dieser Uhrmacher Sichrovsty bei Ab gabe seiner Personaldaten als vermögenslos hingestellt hat, zum Ruhm einer Justiz, di« keine Mittel findet, einen Menschen, der sich zynisch dazu bekennt, für seinen Lebensunterhalt nur 200.000 Der Schloßbrand in Stuttgart. Ter dritte Feuerwehrmann den Verletzungen erlegen. Stuttgart, 28."Dezember. Die Feuerwehr war auch heute um halb 8 Uhr noch damit beschäftigt, den Brand im Nordflügel des Alten Schlvffcs zu löschen. Im Laufe des Vormittags soll der obere Teil des Nordostturmes, für den ernste i Einsturzgefahr besteht, umgelegt werden. Der Wasserverbrauch für die Löscharbeiten betrug bis gestern abends nach einer Feststellung des Waswrwerkes 1.54 Millionen Kubikmeter. Während der vergangenen Nacht haben sich keine Unfälle mehr ereignet. Einer der schwerverletzten Feuerwehrleute ist gestorben, so daß die Zahl der Todesopfer drei beträgt. Der Seckenelnsturz im Vatikan. Tret Tote geborgen, vier Arbeiter noch vermißt. Stadt des Vatikan, 23. Dezember. Die ganze Rächt wurde hindurch an der Wegräu- tnuug der Trümmer der eingestürzten Decken in der vattkanischen Bibliothek gearbeitet. Die Rettungsarbeiten für die Verschütteten sind längere Zeit hindurch vom Papst persönlich geleitet worden. Unter den Trümmern wurden noch die Leichen von zwei Arbeitern und eines Besuchers der Bibliothek geborgen. Vermißt werden noch vier Arbeiter, die während des Einsturzes in den Kellerräumen tätig waren. Die Zahl der beim Einsturz mitgerifsenen Bücher wich auf 20.000 geschätzt. Man hofft jedoch, die meisten der Werke und Harwschriften unversehrt bergen zu können. Die Reiseerschwerungen für Lesterreicher Wien, 23. Dezember. Zu den Mitteilungen der Oesterreichffchen Nationalbank, Auslandsreisen im Interesse der österreichischen Wirtschaft womöglich zu unterlassen, weiß die„Neue Freie Presse" zu berichten, daß vom heutigen Tage an di« Vorweisung des Passes und der österreichischen Fahrkarte nicht mehr genügen, um auch nur für den Gegenwert von einem Schilling ausländische Noten zu erlangen. ES ist vielmehr die Vorweisung einer für ein« Strecke im Ausland gültigen Fahrkarte im Gegenwert von mindestens 15 Schilling notwendig, um Valuten im Gegenwert von IM Schilling frei erwerben zu können. Ist man im Besitze einer Auslandsfahrkarte im Gegenwert von 30 bis 50 Schilling, so erhält man das Recht, Baln- ten um 2M bis 5M Schilling zu erwerben. Di« Zuteilung von Valuten aus Äutotriptiques wird mit dem heutigen Tage überhaupt vollständig eingestellt. Ucber di« Wiener Bestechnngsaffäre wegen der geplanten Einrichtung von Radiovermittlungszentralen in Oesterreich melden die Blätter, daß an den in Untersuchung stehenden Sektionsrat Dr. Matz angeblich von zwei Konkurrenzgruppen herangetreten wurde. Die eine, zu der die größte Wiener Radiofirma und auch die Telephonfabrik vorm. Berliner gehört, stand tn Verbindung mit der amerikanischen Firma Standard Compagnie und strebte bei der Postdirektion durch Direktor Matz eine Monopolkonzef- s i ö n an» für di« sie Dr. Matz eine Dw-cktorstelle oder eine Geldguwendung tum etwa 1M.0M Schilling angeboten haben soll. Die Konkurrenzgruppe mit dem Radiogroßhändler Eugen Goldschmied an der Spitze suchte diesen Plan zu vereiteln und wandte sich durch einen Freund Dr. Matz, den Fabrikanten Ullrich, als Ver- mittlunAsperson ebenfalls an Dr. Matz und versprach chm 15.000 Schilling, wenn er die Erledigung deS Konzessionsgesuches wenigstens um ein Jahr hinauSschiebe. Goldschmied und Ullrich sind wegen Verleitung zum AmtSmißbrauch in Hast genommen worden und es sollen noch wettere Verhaftungen bevorstehen. Argumente der Kommunisten. In dem Bcrgarbeiterdorf Gleuel bei Köln wurde ein früherer kommunistischer Funktionär, der die KPD nach dem Volksentscheid im August verlassen hat, von zwei führenden Kommunisten in seiner Wohnung ausgesucht und atifgefordert, für ein« Viertelstunde zu einer kommunistischen Funktionärsitzung zu kommen. Der frühere Kommunist lehnte diese Aufforderung ab. Während er mit setnen ehemaligen Gesinnungsfreunden diSkutterte, löste sich in der Tasche des einen Kommunisten aus einem Revolver ein Schuß, der sicherlich dem Abtrünnigen auf dem Wege zu der Funktionärversammlung gegolten hat. T«r Staat als Lotteriegewinner. Dienstag fand di« im ganzen Lande unter fieberhafter Spannung erwartet« Borweihnachtsziehung der spanischen Staatslotterie statt, deren Gesamtgewinne 55 Millionen Peseten erreichen. Der Haupttreffer— 15 Millionen Peseten— fiel heuer auf«in unverkauftes LoS, fällt somit a n de n S ta a t, der zweite Haupttreffer— 8 Millionen Peseten, d. s. etwa 30 Millionen K — fällt an d e Städte Santander und Sevilla. Neues Heilverfahren bei Diphtherie. Die „Medizinische Klinik" berichtet Über Versuche von Professor Kostyal, der ein neues Verfahren zur Diphtherie- Bekämpfung gefunden zu haben glaubt. Die Methode besteht zunächst in der üblichen Bekämpfung der Krankheit durch Serum in den normalen Dosen. Da aber in der letzten Zeit starke Zweifel an der Richtigkeit dieser Be- handlüngsmethode aufgetaucht sirw, so hat Professor Kostyal vorgeschlagen, durch zusätzliche Gaben von Insulin und Zucker die stark umstrittene Methode in ihrer Wirkung zu verbes- Mein Nachbar lachte höhnisch.„®a können Sie sehen," sagte er zu mir,„alles wird elektrifiziert, und hier solche Vorurteile,.. Der finsterste Aberglaube!" Mein Nachbar schwieg. Daun fing er plötzlich wieder an zu sprechen. Er wandte sich an mich, doch so, da alle ihn hören konnten.^Ja, so ist ei; alles wird elektrifiziert;' weiß der Teufel, was für große Ideen da verwirklicht werden. Kämpf gegen Religion und ähnlichen Aberglauben, und daneben— Sie sehen selber— völlige Unwissenheit und die spießbürgerlichsten Vorurteile." '„Nä, das ist doch nicht überall so," sagte ich. „Davon ist mir nicht leichter," erwiderte Ntein Nachbar finster.„DaS ist auch per Grund, weshalb! ich mich von meiner Frau.getrennt habe:"' ,MäS Sie nicht sagen!" Mei Gott!" sagte er.„Wenn ich auch nur ein parteiloser Mensch bin, aber mit einer Spie- ßerin kann ich nicht zusammenleben. Sechs Jahr« hab ich mit ihr gelebt, aber jetzt kann ich nicht Mehr. Die Zeiten sind nicht danach. Wie oft hab ich sie im auten ermahnt: Katarina Wassiljewna, laß deine Dummheiten, laß deine spießigen Bor- urteile und deinen Aberglauben; ich rat eS dir hörbar. Di« Angehörigen deS schönen Geschlechts wollen keine„verunstalteten Männer".,, Der alte Herr, dessen Berliner Aufenthaltsort bald ausgekundschaftet wurde, war früher ein prominenter„Tätowiever"! Wenn er erzahtt, dann ist beinohe etwas Feierlichkeit iu dem Sprechzimmer. Erinnerungen werden lebendig. Romantik der Seefahrt und Zunftsinn der Handwerker leuchten auf! Unzählige Dankesschreiben liegen aus. Der kurioseste Fall aber ist dieser: Der„Profeffor" wurde von einer sogenannten „tätowierten Dame" mit Bitten überlaufen, cr möge sie von den Darstellungen, die ihren Körper bleckten, befreien! Die sehr schöne- Tom« hatte nämlich einen spleenigen Herrtüskandidateu aus Ueberste gefunden, der sie vom Wohnwagen der Schauleut« weg zur Herrin seiner Vüchsen- fleisch fabriken und Hotels in Kalifornien machen wollte, wenn sie ohne Tätowierungen in di« Eli« eintreten würde. Immer dringlicher wurden daher di« Bitten der Dame, bis„Tätowex" endlich zur Operation schritt, di« durchweg glückt«. Nun aber begann der Tragödie zweiter Teil. Denn der Heiratskandidat entpuppt« sich als Schwindler. Und die„tätowierte Dame" war ihrer. Existenz beraubt! MS wird in d'r chemischen Großindustrie wieder heftig an der Vervollkommnung von Roh- stoffen zur Entfernung von Tätowierungen gearbeitet," sagt der Profeffor, ,^s gibt auch bereits Spezialfabrikate, die jedoch meist keinen durchschlagenden Erfolg haben. ES bedarf, eben einer individuellen Behandlung, nm die in die Haut geritzten Zinnober- und Methlenfarbstoff« auszutil- aen. Wahrend früher die ftunft des Tätowierens bei den Handwerkern und Seeleuten selbst stark verbreitet war, während früher der Brauch herrscht«, den Handwerkern schon während der Lehrznt vom Meister oder einem älteren Gesellen das Wahrzeichen der Zunft emtätowiereft zu lasten, so ist daS heute fast lediglich Sach« der berufsmäßigen Tätowiever«worden, die meist in gewisten Kneipen der großen Häsen anzutreffen sind. Die neue Zeit hat auch mit diesem Brauch aufgeräumt. Und so kommt«S denn vor, M mich jährlich Hunderte von Leuten auffuchen, die wahrhaftig nicht mehr di« Jüngsten sind, um sich die Evknnerungen an die frohe, aber harte Jugend entfernen zu lasten." Gerdland. Nr. 299. Donnerstag. 24. Dezember 1981. Seite 5 der Behörde in Derwahrung. Also mußte entweder dieses Paar gestohlen und zum Einbruch verwendet worden sein, oder aber—: die beiden Kassierer steckten unter einer Decke! Für die zweite Möglichkeit ergaben sich jedoch bisher noch keinerlei Anhaltspunkte. Andererseits hegt man Verdacht gegen einige früher in der Behörde beschäftigte Personen, die entlassen wurden und sich vielleicht durch den Diebstahl schadlos halten wollten. Alugvilanz 1931. Lvte fernen tön wen wir fliegen f DaS Jahr 1931 brachte wieder eine Reihe großartiger Flugleistungen, von denen am bemerkenswertesten die Rekordflüge England-Australien, die zweite Atlantik» und Grönland-Ueberqurrung v. Gronaus und das zum letzten Mal stattgefundene Rennen umden Sch neide r- P o k a l in England waren. Am 13. Tkptember fand auf dem Solent, Englands historischer Rekordstrecke fiir Flugzeugrennen, zum letzten Male dar Rennen um den Schneiderpokal statt. Nachdem England aus den beiden letzten Rennen schon siegreich hervorgegangen war, fiel ihm mit dem diesjährigen Erfolg der Pokal endgültig zu. Im Rennen selbst, das der. Flirgerlcutnant Boothmann im Alleingang flog, wurde eine Geschwindigkeit von 545.7 Kilomcter-St. über eine Strecke von 850 Kilometer erreicht, also nur 11 Kilometer mehr als im Jahre 1929. 658 Kilometer! Bei de» anschließenden Rekordversuchen, die wegen der schlechte« Witterung erst acht Tage später stattfanden, erreicht« dann Leutnant S r a i n f o r t h die größte bisher gemessene Geschwindigkeit von 610 Kilometer-St. nach den Wettbewerbsbedingungen, die Hin- und. Rückflug über eine-Streck« von 8 Kilometer vorschreiben. Neuer Rekord vom 28. September: 658 Kilometer pro Stunde. Verschiedene Berichte au- dem Training sprachen von wesentlich höheren Geschwindigkeiten, so soll der Geschwaderführer Orlebar, der Rekordmann des Jahre- 1929, Geschwindigkeiten von 738 Kilometer» St. erreicht haben. Di« Nachprüfung dieser Ergeb- nisse hat jedoch gezeigt, daß dies unmöglich der Fall gewesen sein kann» denn eS ist nicht anzunehmen, daß die Flieger di« außerordentlich teuren Maschinen im Training mehr beansprucht haben alS bei den später stattsindenden offiziellen Rekordversuchen. Außerdem stellte sich heraus, daß bei der Nachrichtenübermittlung während der Rekordversuch« Fchler gemacht wurden. Bis kurz vor Beginn des Rennens wurde noch fest mit der Teilnahme Frankreichs und J t al rem S an'dem Wettbewerb gerechnet. Daß dir beiden Länder die Vorbereitungen strnftnähmen, ist- schon daraus zu stheNf'bäß sowohl Italien als auch Frankreich den Verlust je eine» Flugzeuges samt Besatzung zu beklagen hatten. Die Leiden Opfer waren gezwungen, wegen Motorstörungen aus geringer Höhe aufs Wasser niederzugehen, was ihnen bei den großen Geschwindigkeiten, dir durch einen ausreichenden Gleitflug nicht mchr ermäßigt werden konnten, zum Verhängnis wurde. Italien, dessen Expedition zum Teil schon unterwegs nach England war, sagt« seine Teilnahme erst kurz vor dem Wettbewerb mit der Begründung ab, daß seine Maschinen doch noch nicht genügend erprobt seien. Nach dem Wettbewerb berichtete« die Italiener allerdings, daß es ihrem Fliegerchampion, Major Bernardi, gelungen sei, über dem Lomosee in Oberitalien bei BrrsuchSflicgen die fast undenkbare Geschwindigkeit von 748 Kilometer-St. zu erreichen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die italienischen Maschinen, wenn sie schon fliegen, außerordentlich schnell sind, doch muß man nach den englischen Ergebnissen diese Leistungen anzweifeln. Dl«„Tamrnspende". Wenn wir unS fragen, ob sich für solche Wettbewerb« beute noch die Opfer und die aufgcwandten Mittel- lohnen, so begegnen wir vielfachen Zweifeln; wir dürfen nicht.vergessen, daß die„Unternehmer" die HeercS» bezw. Marinübehörden sind, deren Zi«l« im allgemeinen andere sind, als die der Zivilfliegerei. Schon dieser Mal Warrn di« Schwie rigkeiten in der Beschaffung d«r Mittel so groß, daß nur durch großzügige Unterstützung ein«r sportbegeisterten Dame Englands Teilnahme ermöglicht werden konnte. Di« weit die Ablehnung Italiens mit finanziellen Fragen zusammenhing, ist nicht bekannt geworden. Irgendein« praktische Vorstellung der Geschwindigkeiten, wie sie. bei diesem Flugzeugrennen erzielt wurden, ist unS normal nicht mehr möglich, beträgt doch der bei 400 Kilometer in der Stunde zurückgelegte Weg schon 111 Meter pro Sekund« und bei 700 Kilometer in der.Stunde über 194 Meter pro Sekunde. Diese Geschwindigkeit werden wir mit erdgebundenen Fahrzeugen wohl nie erreichen können, denn die Rekordfahrten mit Automobilen, di« uns heute bis auf 395 Kilometer in der Stunde ge- bracht haben, erfordern schon dieselbe maschinell« Leistung, di« jene Rrnnflugzeuge besitzen. Und ob es einem Menschen gelingen wird,«in« mchr als 2000 PS. starke Maschin« bei noch größerer Geschwindigkeit zu führen, selbst unter Anwendung aller mechanischer Hilfsmittel, dürft« fraglich sein. Di« JunkerS-Pläne. Eine ganz andere Stellung müflen wir zu den Versuchen der Junkerswerke in Dessau«innehmeu. Junkers plant feit längerem den Flug in die Stratosphäre, jene Luftschicht, die Professor Piccard im Frühjahr dieses Jahre» zum ersten Male mit seinem Ballon erreicht hat. Dort oben in den Regionen der ewigen Sonne, d. h. 15 bis 20 Kilometer über der Erdoberfläche, ist die Luft so I dünn, daß Menschen nur noch in besonderen Druck- I luftklammern bestehen können. Flugzeug«, dir in solch« Höhen Vordringen wollen, müssen deShaD solche Kammern für die Unterbringung der Besatzung haben, und außerdem zusätzliche Einrichtungen, die den Druck in die Kammer immer aufrecht erhalten. Aber nicht nur der Mensch braucht m solchen Höhen seine gewohnt« Luft, auch der Motor arbeitet nur, wenn er genügend Luft zur Verbrennung bekommt. Mit Gebläsen besonderer Konstruktion erreicht man, daß sowohl Mensch wie Maschine arbeiten können, und erst diese BorauSfetzun- ge« lassen«in«N Fluss ilt» dstpm Pöhtst ja.' Rech- iierssche Ucbe.rlegungen sagen uns. nun, daß die Gc- schwindigkeijest, die tn diesen tzckhen erreicht werden, über doppelt so groß sein müssen, als sie bisher in Sond«rfällen wie Rennen erzielt wurden. Da» Junkersflugzeug, das für dies« Zweck« geschaffen wurde, hat in diesen Tagen seine ersten Probeflüge absolviert, die allerdings nur in geringer Höhe stattfanden und nur zur Kontrolle der allgemeinen Flug- eigenschaften dienten.' Sowohl Unterdruckkammer wie Gebläse werden«rst eingebaut werden, wenn man sich über die allgemeinen Eigenschaften voll im klaren ist. Den dann kommenden Höhenflügen werden wir mit außerordentlichen Interesse ent- aeglnschen, und wir bei PiecardS Flug werden wir Stunden in höchster Erregung und Spannung verleben. St. M Werrm in MM n.©lieöern, Rheuma, Gicht und Ischia» wirken Togal- Tabletten rasch und sicher. Togal scheidet die Harnsäure au», da» verheerende Gift im menschlichen Körper, deshalb wurden selbst in veralteten Fällen, in denen andere Mittel versagten, mit Togal überraschende Erfolge erzielt. Unschädlich für Magen, Her, u. a. Organe. Wenn mehr als 6000 Aerzte diese» Mittel empfehlen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen! Besorgen Sie sich in der nächsten Apotheke Togal. Wo nicht erhältlich, dann direkt bei Brauners Apotheke.Zum weißen Löwen", Prag H., Pkikopy 12. Jedenfalls muß der Dieb mit den Oertlich-1 'eiten sehr genau vertraut gewesen sein und gewußt I haben, daß im Büro zwar große Geldbeträge auf-! bewahrt, aber überhaupt nicht bewacht wurden! Ueber diesen Leichtsinn empört sich nun dir schwedische Oeffentlichkeit. Die für die Steuerverwaltung verantwortlichen Persönlichkeiten.entschuldigen sich mit— hier gewiß besonders gut angebrachten!---'„Sparmaßnahmen". Ma. Ei» gefräßiger Esel. Ein Dauer, der ans d*m Markt von Plcwna(Bulgarien) ftrne beiden Ochsen verkauft hat:«, zählte auf dem Nachhauseweg zu. fricdeu seinen Gewinn: 16.000, Lewa. 15.009 Lewa hast« der Bauer in Banknoten erhalten. Nachdem er die Noten durchgezählt hatte, legte er das Bündel sorgsam neben sich um den Restbetrag in Münzen nachzuzählen. Als er im besten Zuge war, hörte er hinter sich' ein kauendes Geräusch. Er mußt« zu seinem Schrcckn foststellen, daß der Esel lein« Banknoten aufgefyesfen hatte. Im Galopp gings zurück zum Tierarzt nach Plewna, aber auch der kannte keine Hilf« mchr bringen. Ein starrsinniger Büffel. In der Nähe von Titvala. bei Bombay fuhr ein Zug gegen«irwn Wasserbüffel, der sich auf die Schienen g«stell hatte und durch kein Pfeif-Signal vertrieben werden konnte. Der Zug entgleiste, die Lokomotive und sämtliche Wagen stürzten um: eine Penion wurde getötet, zwei erlitten Verletzungen, Der Büftel wurde zermalmt. Der geheimnisvolle Schlüsse!. Rieseneinbruch im„Land ohne Verbrecher".— Eine halb« Million Kronen Steuergelder i» Stockholm - gestohlen. SPD. Stockholm, Mitte Dezember.(Eig. Der.) Ganz Schweden ist in Heller Aufregung; man Hot hier den größten Diebstahl entdeckt, der je im klassischen Land der Ehrlichkeit, im„Land ohne Verbrecher" verübt worden ist! Nicht weniger als 500.000 schwedische Kronen in bar fielen dem Dieb in die Hände. Die Kriminalpolizei steht trotz eingehender Recherchen vorläufig vor einem Rätsel. In der Hedwig Eleonora-Straße zu Stockholm befindet sich— im gleichen Hause wie die Oester- malmS-Markthallc— das schwedische Kronsteuer- Amt. Gerade in den letzten Tagen war dort Hochbetrieb. Die Kronsteuer war fällig, und da der schwedische Steuerzahler auf Pünktlichkeit in der Erfüllung seiner Verpflichtung noch viel Wert legt, lagerten in den im oberen Teil des Gebäudegelegenen Büroräumen jeden Tag beträchtliche Summen, oft anderthalb Millionen Kronen. Zu ihrer Verwahrung dienten drei gepanzerte Geldschränke neuester Bauart. Im Innern enthielten dies« Schränke je zwei besonder» verschließbare Kassenfächer.. Um an da» Geld heranzukommen, mußte man also zunächst die äußere Schranktür, dann die beiden Fächer ausschließen. Zwei Kassierer hatten die Schränke zu überwachen. Sie sollten sich gegenseitig auf die Finger sehen; deshalb hatte man dem einen die Schlüssel für die Schranktür, dem andern denjenigen für die Jnnenfächer anvertraut. So mußten jedesmal beide Beamte dabei sein, wenn Gelder au» dem Schrank entnommen oder in ihn emgeschkossen werden sollten, •»> Als die beiden' Beamten an einem der letzten Tag« zur gewohnten Zeit ihren Dienst antraten, sanden sie zunächst nicht», was ihre Aufmerksamkeit im besonderen hätte erregen können. Nur die Tür zn den Büroräumen war nicht verschlossen; aber dabei konnte es sich auch um eine Nachlässigkeit der Reinemachefrau handeln, die schon einige Stunden vor Schalteröffnung die Räumlichkeiten zu säubern hatte. Auch als man den größten der Schränke aufschloß, nm. die am Vortage eingegangenen Gelder in die Depots der Reichsbank zu schaffen, lag alle» an seinem gewohnten Platz. Kaum hatte jedoch der eine der Bamten da» innere Grldfach geöffnet, als er mit einem Entsetzensschrei entdeckte, daß der größte Bargeldbeutel weg war! Er enthielt eine halbe Million Kronen in bar und außerdem noch einen kleineren Betrag in Wechseln. Sofort verständigten die beiden Kassierer die Kriminalpolizei. Doch man suchte vergeblich nach irgendwelchen Anhaltspunkten. Nicht ein einziger verdächtiger Fingerabdruck konnte gefunden werden, auch sonst waren keinerlei Spuren zu entdecken, so daß keine andere Annahme übrig blieb, al» die: der Kassenschrank mußte mit einem Originalschlüssel geöffnet sein! Denn e» erschien ausgeschlossen, daß der sehr komplizierte Geldschrankschlüssel nachgemacht worden wäre, wenn auch die Tür zum Kontor möglicherweise mit einem Dietrich geöffnet sein könnt«.' Run existieren von dem Geldschrankschlüssel überhaupt nur zwei Paar. Dai eine war im Besitz der beiden Kassierer; das andere hatte der Chef Ei» EeheimIÄrlltlelrr. Eine der angesehensten wissenschaftlichen V«r- «inigungen der Welt, die British Association in London, hat zu ihrem Präsidenten für dat Jahr 1932«inen Mann gewählt, der den Ausgang des Weltkriege» vielleicht entscheidender beeinflußt hat al» viele englisch« Regimenter: Sir Alfred Ewing, den Meister der Tcchijfrierkunst, von dem Lord Balfour einmal. gesagt hat:„Dem Zimmer 40, dessen Erfolge aus dem Ingenium Sir Alfred Ewing» beruhten, hat die englische Nation eine ungeheure Dankesschuld abzustatten... Geheimhaltung. war die wesentlichste Voraussetzung, und niemals ist vollkommene Geheimhaltung geübt worden." Sir- Alfred Ewing, Professor für angewandte Mechanik an der Universität Cambridge, später Referent der Admiralität für da» Marlneschulwesen, hatt« sich schon lang« vor dem Krieg« mit der Chiffrier, und Dechiffrierkunst beschäftigt. Al» di« englisch« Admiralität bald nach dein Ausbruch des Weltkrieges ein« eigene Abteilung für di« Ent- zjfserung der feindlichen Geheimtelegramme schuf, wurde er mit-der Organisation und Leitung deS berühmten Zimmers 40 betraut, in dem zuletzt etwa 50 Beamt« beschäftigt und an manchen Tagen bi» z». 2000' von den Engländern auigefangene deutsche Chissretelegramme entziffert wurden. Der erste Lord der englischen Admiralität mag, als«r von der ungeheuren Dankesschuld sprach, die England dem Leiter des Zimmer» 40 abzustatten hat, wohl vor allem die prompte Dechiffrierung eines der unheilvollsten Dokumente der deutschen Weltkriegspolitik im Auge gehabt haben: di« Dechiffrierung de» berühmten Zimmermann» Telegramms, das der mexikanischen Regierung ein Bündnis gegen dir Vereinigten Staaten vorschlug. Ties« Depesche wurde bekanntlich Wilson übermittelt, der sie schleunigst der amerikanischen Presse bekanntgab. Ein Aufschrei der Entrüstung war di« Folg«, und di« öffentliche Meinung Amerikas war endgültig für den Eintritt in den Weltkrieg gewonnen. Der Ausgang des Weltkriege» war entschieden. Mit welcher Präzision der Apparat des Zimmers 40" arbeitet«, geht daraus hervor, daß sein Leiter sich rühmen konnte, n!« länger al» vierundzwanzig Stunden an der Dechiffrierung einer Geheimdepesche gearbeitet zu haben. „Durch einen besonders glücklichen Zufall"— so hat Sir Ewing einem amerikanischen Journalisten erzählt—„gelangten wir in den Besitz einiger feindlicher Code-Bücher. Um jedoch von ihnen Gebrauch zu machen, mußten wir immer wieder dem Schlüssel, der stet» von neuem geändert wurde, auf di« Spur kommen. Im Jahre 1916 gingen die Trutschen dazu über, den Schlüssel zu ihrem wichtigsten Code-Buch« täglich um 12 Uhr Mitternacht zu ändern. Aber mein Personal hatte sich inzwischen so eingearbeitet, daß dies« täglichen Aenderungen dem Beamten vom Nachtdienst nie ernstlich« Schwierigkeiten bereiteten. Zwei bi» drei Stunden nach der Aenderung wurden bereit» di« Chiffretele- gramme mit dem neuen Schlüssel gelesen." Auch di« drahtlosen Botschaften der deutschen Unterseeboot« und Zeppeline wurden von den Engländern fast vollzählig aufg«fang«n und stet» de- chiffriert. Tie Meldung de»„17 20" über die Versenkung der„Lufirania" traf wohl fast gleichzeitig bei der deutschen und bei der englischen Admiralität rin. Als die schwierigsten Aufgaben während seiner Tätigkeit führt Sir Alfred Ewing di« Dechiffrierung de» vom deutschen Botschafter in Washington, Graf Bernstorfs, verwendeten Code» und die Enträtselung der sogenannten„Kammbotschaft" an. Dies« bestand au» einem Kamm, durch desstn Zähn, in mehrfachen Windungen«in Zwirn-faden gewunden war, wobei jeder Zwischenraum zwischen den Zähnen einen Buchstaben bedeutete. Im Arbeittzimmer de» siebenundsi«bzigjahrigen Gelehrten findet sich heute nicht» mehr, was an st ine frühere Tätigkeit al» Leiter de» Zimmer- 40 gemahnt. Sir Alfred Ewing spricht nicht gern von dieser Zeit. ,Hch war nicht» andere«", so sagt er, \„als ein amtlicher Lauscher an der Wand. Und da» ist doch kein« sehr vornehm« Beschäftigung, nicht wahr?" Die größte UbuMerte 1focften»ttlicher Jtebattt« Dr. tntH s11«» z, D«,— D«ck: u.» 1«, Aettuna. na»«»chdrick.«t«a— Rir»en Druck i ’“«•— Di» 8«itun-ckm°Ueirtr«nk°nu Kutte tat der v»». ju XefaMMub«eftltrn mit«dnk St 13.80WvnnS30 betoiaigt-'9«>iglI>ebinm:nieK: Sei L-«cllmt, M b«-»«der bet ve»u«»»ich bie N-ft menattltb M l«.-, Mttiitti« U«anuattta K« im,-,— Jnt-Mle werdet, laut Zattf htLia»«et Mttua«alte&uMea Sji“■——----‘ Tschechische Weihnachlsfttme. Di« drltt« Kompagnie. ES ist«in'Film der Legionärkämpf« und schildert die bekannte Schlacht bei Zborow am 17. Juni 1917.' Damals unternahm die neugegründet« russisch« Legion der Tschechen einen Generalangriff auf -di« österreichische Stellung, die vom Pilsner Hau-« regiment verteidigt wurde. Di« Front der Oesterreicher. konnte damals tatsächlich nicht gehalten werden und die Stadt Lemberg schien ernstlich bedroht; weil aber di« Rusien nicht mehr off«nsivlustlg waren und. die deutschen Divifionen zu einem mächtigen Gegenstoß ausholten, wurde-er Erfolg der Legionen vollkommen illusorisch, des Bormarsch verwandelt« sich in verzweifelte Rückzugsgefechte, weil die verbringenden, Formationen von beiden Seiten bedroht wurden. Der Regisseur Jnnemann bemüht sich, so .etwas'M« einen Kollektivgeist der tschechischen Armee darzustellen, allerdings werden die Vorgänge in; Galizien derart undeutlich dargestellt, daß nur ein mit der Geschichte Vertrauter verstehen kann, wieso c- plötzlich zu Kämpfen um Tarnopol kommt, nachdem nur Erfolg gezeigt wurde. T«r Film bemüht sich, ohne übertriebenen Patriotismus objektiv zu zeichnen, es ist aber bis auf vereinzelte gute Bilder bei diesem Willen geblieben; die Mittel sin- viel:z»- bescheiden, um«ine.Armee glaubhaft darstellen zu können und die Gestalt des Leutnant- Suk ist ebenso zu sehr im Vordergrund wie die Liebes- qeschichte des Emil Jäger, die bis nach Prag hinführt.' Die Schauspieler mit dem begabten Longen an der Spitze find recht schwach und spielen mit klassischen Gesten Menschen, di« wahrscheinlich auf den gedruckten Heldenmut im Stahlbad nicht gut zu sprechen sein, werden.. Man ist wieder einmal mit unzureichenden Mitteln an«in großes Problem herangetrrten; davor konnte auch do- interessant« Experiment nicht schützen, di« Russen von russischen Emigranten in russischer Sprache spielen zu lassen. Di« Geschichte des Paul(amrda. , 7 Der Roman des Jgnat Herman zeigt Prager Kolorit; wenn etwa? davon in diesem Film«r- n dar Seim des klasieubemchle»■■ Melkers gehört d. Zentralorgmi. I Deutschen sozialdemokr. Arbeiterpartei I 8 „Sozialdemokrat"— 11 Spiclplan der«lein«n Bühne, Heute.geschloffen! — Freitag, nachyrittags 8 Uhr;„Profe,; Vr Bernhardt"(Ab.); abends'7% Uhr: Erstaufführung;^ywelenraub in d«r^ Käriner- st räße", Lustspiel von Fodor,-r- Samstag.Nach» mittags 3 Uhr:„Nina";' abends 7,». Uhr: „IUw«l« nraub iu der K'ürn tnk'rstr.a ße«, — Sonntag, nachmittags 3 Uhr:„Liebling, adie ul", musikalischer Lustspiel von, Bert.uch, Sachs und Rosen. o. Prag für die Provinz. Ein« Sammlungsaktion. Einige begeisterte und arbeitsfreudige Jugendgenossinnen und Genoss«» ergriffen vor einigen Wochen die Initiative zu einer Sammlung unter den Mitgliodern der Prager sozialdemokratischen Organisationen. Ihre Absicht, der die Frauenorganisation und di« Arbeitersürsorge ihre Unterstützung lichen, konnte mit gutem Erfolg der- wivklicht werden. Getragene, aber gut erhaltene KleidunMtücke aller Art, Lebensmittel und Geld wurden den eifrigen Sammlern in großer Menge zur Berfügung gestellt. Es konnten nicht weniger als ach t Kisten"mit Kleidungsstücken, vier Kisten mit Lebens Mitteln und zwei große Pakete mit Spielwaren versandbereit gemacht werden. Die Geldsammlung, durch die die ständigen Abgaben der Prager Parteigenossen natürlich nicht berührt werden, ergab einen Betrag von 600.— K. Das Sammlungsergebnis wurde zu Zeichen Tellen au zwei von der Arbeitslosigkeit hart betroffen« Gemeinden versandt.. Eine Sendung ging in den Glas- arbeiterort Falkenau(Bez. Haida), die andere'.nach^Schwarzach-Oberyütt: (Bez. Bischosteinrtz), wo ganz besondere Not hervfch-t. Weny auch nur zwei Orte aus dem großen Notstandsberoich unseres sudetendeutschen Gebietes bedacht werden konnten, so ist die Sammelaktion doch ein Beweis für di« Solidarität der Prager Genossen. Auch von Funktionären der Zeitullg„Der neue SchuWmpss^ wurde eine Geldsammlung veranstaltet, die 800 K ergab und den Arbeitslosen von Außergefild überwiesen wurde. Sonntag, den 27. Dezember, um halb elf Uhr vormittags im Kino„Beseda", Prag n„ Smeäka-Gasse Sowjetfilm „Zuchthaus in Sibirien". Mit einleitendem Vortrag(tschechisch) über sibirisches GesänguiSweseu.— Im Vorraum des Kino: Wandzeitung und ausländisch« Filmzeitschriften.— Numerierte Karte« 4 S.— Kronen im Barverkauf: Odeon, Prag H., Jungmannstraße und an der Kino-Kass«.