Ginzelpreis 70 Heller. Zentralorgan d. Deutschen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik. 11 Jahrgang. Was geht in Serbien vor? Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb. Redaktion und Verwaltung: Prag II., Relájania 18. Telephon: 26795, 31469.( Nachtredaktion): 26797 Boridedamt: 57544 Freitag, 25. Dezember 1931 Alexanders Pariser Ausflug. Es gärt in der Armee. Der König Alexander von Jugoslawien ist| dieser Tage in Paris eingetroffen, angeblich um sich dort ärztlichen Rat zu holen. Ueber den wahren Charakter dieses Besuches schreibt Genoffe Otto Rosenfeld, der außenpolitische Redakteur des Populaire", im Organ unserer französischen Genossen: Begleitet von seiner Gattin, ist dieser Herr inkognito, wie die Zeitungen sagen, im Hotel Riz abgestiegen. Er ist gekommen, erflärte man in offiziellen Kreisen, aus Gesundheitsgründen. Er habe, scheint es, die Abficht, einen Spezialisten zu fonsultieren, aber alle Welt weiß, daß der König nicht gelommen ist, um einen Doktor der Medizin aufzusuchen, sondern einen Doktor der Finanzen. Alexander braucht Geld, biel Geld. Seine Polizei und seine korrupte Bürokratie tommen ihn sehr teuer. Die Steuern tragen nichts. Wenn man dazu nimmt, daß der Königsdiktator viel Geld ausgeben muß, um im Ausland eine gute Presse zu haben, so versteht man seine dauernden Bedürfnisse nach französischen Franken. Wird er es noch ein mal erhalten troß den neuen Skandalen, die unsere Genoffea der Finanzkommission zur Kenntnis gebracht haben? Friedlose Welt. Nr. 300. Wenn heuer die Kirchenglocken Friede Mordmaschinen in den Dienst der Kriegsden Menschen läuten, so wird dies von Mil- rüstungen der Regierungen gestellt und dunk lionen mehr als sonst als bitterer Hohn auf- Mächte sind überall am Werke, um die Fraße gefaßt werden. Und die Wunden, die ihnen des Krieges wohlgefällig herauszuschminken. Noch eine Sache ist sehr sonderbar. Heute der harte, grausame Daseinstampf geschlagen, Von Abrüstung wird gesprochen, aber zugleich ist der Geburtstag des Königs. Alle Jahre feiert er ihn durch einen großen Ball, im Laufe werden erst recht aufbrechen und bluten. Seit sinnt man darüber nach, wie der kommende dessen er in seinem Palast die Generäle und dem Striege hat es kein trüberes, traurigeres Krieg noch weit herheerender und schrecklicher Offiziere seiner Armee empfängt. Ist die Weihnachtsfest gegeben als dieses. Nicht nur als alle vorangegangenen gestaltet werdent Krankheit des Königs so schwer, daß er sich für jene, die unfreiwillig seit Wochen und kann. Wüßten die Herrschenden nicht, daß gezwungen sieht, Hals über Kopf die Haupt- Monaten ihre Hände feiern lassen müssen selbst wenn es ihnen durch den ihnen zu stadt am Vorabend dieses traditionellen Festes und die von Sorgen beschwert, von Not und Gebote stehenden Lügenapparat ebenso wie im zu verlassen? Diese unerwartete Abreise scheint Elend gequält sind, auch für zahllose andere, Weltkriege gelangt, die Menschen im Rausch eher eine Flucht, als eine normale Luft- die in Kummer dem Morgen entgegenblicken, zur Schlachtbank zu führen, dem Rausche diesveränderung zu sein, und man weiß, daß die das ihnen das gleiche Schicksal bereiten fann. mal viel früher das furchtbare Erwachen folUnzufriedenheit der südslawischen Bevölkerung von Tag zu Tag wächst und daß sie Wenige sind es nur, wenn es überhaupt gen würde, so wäre die Kriegsbestie schon selbst die militärischen Kreise er welche gibt, die der alten christlichen Heils- längst wieder entfesselt worden. Der Kapitagreift, fann man sich wohl fragen, ob der botschaft einen Sinn abgewinnen können, die lismus, der den Widersprüchen und der eidbrüchige König nicht ernste Gründe hat, ein ohne Sorgen das Weihnachtsfest feiern fönnen, Anarchie seiner Gesellschaftsordnung ohnZusammentreffen mit seinen Offizieren zu für die große Mehrzahl ist es bestenfalls eine mächtig gegenübersteht, treibt zum Krieg. vermeiden. Wie immer es sei, der Mann, der kurze von Liebesbeweisen ihnen naher Men- und die Kirche, die heute wie alljährlich zu Land ruiniert und entehrt hat, befindet sich schen erhellte Pause, denn selbst für die, die Weihnachten die Friedens- und Erlösungszur Stunde in Paris. Hoffentlich wird er Ge- noch zu leben haben, entbehrt es inmitten der botschaft verkündet, sie würde abermals in legenheit haben, hier Alfons XIII. zu begeg- bon Jammer, Elend, Härte und Unterdrüf- allen Ländern die Waffen der Kriegführenden nen. Der fönnte ihm ein ge nüßliche Ratschläge fung erfüllten Welt jedes Glanzes, den es fegnen, wie sie jetzt schon in den Ländern des erteilen. Nur vergesse der König nicht, daß früher ausstrahlte. Für jene gar, die ohne zum Losschlagen bereiten Fascismus die Südslawien nicht Spanien ist. Es lohnbringende Beschäftigung auf die schmale Mordwaffen der fascistischen Banditen segnet. ist leichter in Madrid seinen Kopf Ration der Arbeitslosenunterstützung gesetzt zu retten, als in Belgrad!" sind oder oft genug nicht einmal diese erhalten Kein Friede zu Weihnachten! Neben den und denen es oft felbst am Unentbehrlichsten fehlt, um die Blößen ihres Störpers zu bere heulenden Derwischen Moskaus sind es die hüllen und ihren hungernden Magen zu berlogenen Ründer des Dritten Reiches", stillen, hat die Botschaft vom Frieden und deren wüstes Geschrei sich in den Ton der von der Erlösung jede Bedeutung verloren Kirchenglocken mischt und die auch bei uns herrschende furchtbare Not für ihre seelenverund sie antworten ihr mit Hohnlachen. giftende Propaganda auszunüßen suchen. Ihre wahren Absichten, die Haß, Krieg und Knech Seit zweitausend Jahren verkündet die tung des arbeitenden Volkes sind, verbergen Kirche das Evangelium der Liebe und des fie hinter sozialen Phrasen. Nationalen Friedens. Mehr als eine Trösterin ist sie nie Sozialismus" nennen sie das Giftgewächs, gewesen und wollte sie nicht sein. Wirkliche das aber mit Sozialismus nicht abs geringste Hilfe den Mühseligen und Beladenen zu brin- gemein hat. Im Dritten Reich", das, wie gen, lag ihr immer fern. Sie wollte herrschen, bekannt gewordene Dokumente verraten, für suchte die Menschen in Demut und Unter- bie Arbeiter ein mittelalterlicher Slavenstaat Wien, 24. Dezember. Nach hartem Ringen würfigkeit zu erhalten, sie stand zu den sein soll, wollen die Köpfe rollen" lassen, Berlin über die eingefrorenen" deutschen Kremit den Christlichsozialen ist das Gesetz über die Reichen und Mächtigen und so wurde die nicht die der Besitzer des„ raffenden Kapidit berabenden Bankiers folgendermaßen dar: Die deutschen Schuldnerbanken beharren auf Erhöhung der Wiener Wohnbauftener gestern Botschaft vom Frieden und vom Wohlgefallen tals", das zu bekämpfen sie heucheln, sondern bem Standpunft, daß fie nichts oder so spät abend im Wiener Landtag beschlossen wor- aller Menschen zur Phrase. die der Arbeiter, der Sozialisten, Kommunigut wie nichts zahlen tönnen. Sie den. Diese Steuer belastet bekanntlich mit zehn Dem Menschengeist ist es gelungen, un- ften und aller jener, die sich, sei es auch nur verlangen die Konsolidierung von elf Prozent die größten Wohnungen und soll all übersehbare Fortschritte zu erzielen, doch sie im geringsten, gegen die den Massen des Milliarden furzfristiger Stredite, die ein jährlich den Bau von wenigstens tausend neuen dienten in dieser kapitalistischen Gesellschafts- Bolles zugedachte Sklaverei auflehnen wollsie eine Erniedrigung des Binsfuzes. Opposition fordert von der Bundesregierung den ordnung immer nur wenigen, niemals der ten. Strieg, erbarmungslosen Krieg hat der Wissenschaft und Wirtschaft, Kapitalismus der von ihm ausgebeuteten und Die ausländischen Gläubigerbantiers widersetzen Einspruch gegen diesen Beschluß des Wiener Gesamtkeit. Technik und Chentie haben sich bis zu früher entrechteten Arbeiterschaft angekündigt. In sich natürlich diesen deutschen Ansprüchen und Landtages. nie geahneten Dimensionen entwickelt, doch dem ungeheuren Weltbeben der Wirtschaftsfordern zumindest Teilzahlungen und Ga aller Fortschritt hat die Massenausbeutung trise, aus dem er keinen Ausweg finden tann, Paris, 24. Dezember. Wie der Sonderbericht und das Massenelend nicht zu beseitigen ver fühlt er die Grundlagen seiner Herrschaft ererstatter des Petit Parisien" meldet, ist es längs mocht. Gigantische Maschinen vermögen un schüttert und ernsthaft bedroht. Noch einmal der Eisenbahnlinie bei Yinkau zu kämpfen ge- gebeure Mengen Waren herauszuschleudern, will er versuchen, zu retten, was zu retten ist fommen. Es scheine, als ob die Japaner eine alle Ansprüche, von den einfachsten bis zu oder sich doch wenigstens eine Galgenfrist zu Umfassung der chinesischen Armee den luxuriösen der Besitzenden können befrie- fichern. Darum bewaffnet er mit seinem Der Zwed dieses Königlichen Besuches ist also nicht geheimnisvoll, dagegen sind die U mstande ber plöglichen Abreise des Königs reichlich wirr. In Belgrad felbft hat man nur durch das Tekret, daß die König liche Machtvollkommenheit dem Minifterium überträgt, von der Abreise des Königs erfah ren und niemand wußte, in welcher Richtung der König abgereift sei. Die eingefrorenen Kredite. Elf Milliarden Mark Ende Feber fällig. Paris, 24. Dezember. Tem Matin" zuDie südslawischen Informationen des Populaire" find immer ausgezeichnet gewesen." Er hat im Sommer das Verfassungsoliroi wochenlang vorhergejagt. Man darf daher auch der Nachricht glauben, daß es in Südflawien bedent. lich aussieht und der König allen Grund hat, eine Wiederholung der Ereignisse zu befürchten, die im Juni 1903 seiner Dynastie auf den Thron berholfen haben! lage vom Senate vorgenommenen Abänderungen weder die Ziffern noch den Sinn des Textes Ser ursprünglichen Vorlage betreffen. folge stellt sich die Lage der stonferenz der in Erhöhung der Wiener Wohnbaufteuer. tantien Die letzte Forderung der Gläubigerbanfiers ftellte eine 10prozentige Teilzahlung dar, de jedoch von deutscher Seite abgelehnt wurde. Die amerikanischen Bantiers kritisieren sehr scharf die deutsche Unnachgiebigkeit. der Abgeordneten. am Japanische Umfassungsmanöver. dortige " 21 Der Kampf mit der Bank von Frankreich von drei Seiten planen, urt fie nach Weften ab- digt werden. Aber viele der Maschinen stehen Gelbe wo es nur irgendwie geht, die fascisti zudrängen. Der japanische Befehlshaber erklärte heute still, die Feuer der Hochöfen sind er- schen Horden. Wo dies noch nicht geht, bort Sozialisten erzwingen persönliche Berantwortung jedoch, daß er nicht Tschingtschau besehen, aber die loschen. Unſchäßbare Reichtümer birgt die follen die Arbeiter durch gleißnerische BerBanditen Gegend„ bon Paris, 24. Dezember. Sehr viele Deputierte, wolle; er wisse allerdings nicht, wie weit dielerde, Rohstoffe sind in Fülle vorhanden, aber heißungen und dick aufgetragene Verdächti die bereits auf Weihnachtsferien nach Hause ge- Aftion führen werde. Die neue Nanking- Regie- Arbeitermassen, die sie zutage fördern oder gungen der Vertrauensmänner der Arbeiter fahren waren, und die Vorsitzenden ihrer Klubs rung soll ihre Truppen angewiesen haben, verarbeiten, sind zur Untätigkeit verdammt. aus der Gefolgschaft der sozialistischen ParIndessen fehlt es Ungezählten an Kleidern teien losgelöst werden, um die Abwehrkraft Damit betrauten, in den letzten Kammerfizungen Widerstand zu leisten. und Nahrung und obwohl auf den Halden des Proletariats zu schwächen. Krieg wird an für sie zu stimmen, wurden berie früh in Eile Borah bleibt tonfequent. and die Kohle hochgetürmt liegt, ist in den Woh allen Fronten geführt, vor allem an der telegraphisch und telephonisch zu einer Seiligen Abend um 18 Uhr stattfindenden Paris, 24. Dezember. Die Blätter melden nungen der Armen eisige Kälte und vielen Klassenfront. Die Widerstandskraft, die schwer Sizung der Deputiertentammer einberufen. Die Sozialisten berlangen aus Stockholm: Die Tageszeitung Stockholm fehlt sogar ein menschwürdiges Obdach. Schön errungenen sozialen und politischen Errungennämlich die persönliche Anwesenheit Tibningen" legte zahlreichen Persönlichkeiten, und reich ist die Welt, doch Hunderttausende, schaften der Arbeiterschaft sollen vernichtet, auch dem amerikanischen Senator Millionen zerfrißt monatelanges, jahrelanges fie foll aller Rechte beraubt werden, damit und die persönliche Stimmabgabe eines jeden darunter Deputierten bei der Beratung des Abkommens Borah die Frage vor: Wie wird das Jahr vergebliches Suchen nach Arbeit und Brot der Kapitalismus sich aus der Sintflut der das Leben. Neben gefüllten Läden und Maga- Krise errette, darum schickt er sein letztes Aufzwischen dem Staate und der Bank von Frank 1932 beschaffen sein?" Senator Borahs Antwort lautete: Ich zinen darben die Menschen und durchleben gebot, seine fascistischen Söldnerscharen vor. reich. Zur Verwirklichung eines solchen Verlangents genügt in der franzöfifchen Kanumer ein glaube nicht, daß die europäischen Probleme wer- alle Schrecken der Arbeitslosigkeit. von 50 Deputierten unterzeichneter Antrag. Nach den gelöst werden können, ehe nicht die Friedensden Ausführungen der sozialistischen Deputierten verträge und die Frage der Reparationen einer Und der Friede auf Erden? In vielen schen Zeitalter waren die Gegensätze so scharf, fet es notwendig, daß die Regierungsvorlage Revision unterzogen werden. Der gegenüber das zwischen dem Staat und der wärtige Frieden ist auf den Rüstungen begrün phrasenreichen Reden der Diplomaten und der Saß gegen die um Recht, Leben und MenBant von Frankreich getroffene Abkom- det. Die Abrüstung Europas wird unmöglich Staatsmänner wird der Friede wohl geprieschenwürde kämpfende Arbeiterklasse so hell men der Fammer in zweiter Lesung vorgelegt fein, solange der polnische korridor, das werde, da der Senat in dem ursprünglichen ambutierte" ngarn und die russische ſen und von der Abrüstung gesprochen, doch lodernd, nie noch der Kampf so hart. DenTexte gegen den Sannerbellus einig ende- Drohung andauern werden. Die gegenwärtige all die vielen Tagungen und Konferenzen, auf noch: Wie lange kann sich dieses kapitalistische tungen vorgenommen hat. Die Regierung ber- rije wird nur durch die Zusammenarbein denen sie zusammenkommen. haben fein Er System, das unnennbares Elend in die Welt tritt demgegenüber die Ansicht, daß eine zweite Europas mit Amerika überwunden werden gebnis gezeitigt. Während in Verträgen der gebracht hat, noch dadurch halten, daß es deu Krieg geachtet wurde, wurden immer neue Arbeitermassen vom Lebensnotwendigsten wegs Befung nicht notwendig sei, weil die in der Vor- tönnen. * Friedlose Welt! Noch nie im kapitalisti Seite 2 Freitag, 25. Dezember 1931. Nr. 300. nimmt! Auch der Pfeiler des Fascismus wird| glaube, der felsenfest, unerschütterlich in den meine Bildung, auf meine Fähigkeit als Redner, fallen Sammer gesessen und habe mit heißem die bedrohte Ordnung des Kapitalismus auf Hirnen und Herzen der Millionen Ausgebeu- meinen Charakter, alles mögliche. Er hat auch Kopf die erste sozialdemokratische Broschüre gedie Dauer nicht zu retten vermögen! Je drüf- teten und vom Kapitalismus Verelendeten gesagt, daß ich politisch sehr gebildet sei. Ich be lesen. dauere aufrichtig, daß ich nicht in der Lage bin, Von diesem Zeitpunkte an war mir Viktor fender die Fesseln, je größer die Not ist, um anfert. dem Herrn Staatsanwalt dieses Kompliment zu Adler seltsam vertraut. Und obwohl ich nie seine so ungestümter, leidenschaftlicher wird in den In dieser Notweihnacht, in dieser Zeit rückzugeben". Diese Ueberlegenheit, mit der Adler Stimme gehört, nie den lugen Kopf gesehen und unter der Qual dieser Ordnung stöhnenden da die Arbeiterklasse, ja sogar die gesamte seine Verteidigung führte, hat mächtig auf mich in die gütigen Augen geschaut habe, war ich mit Massen die Erlösungssehnsucht. In dem gro- menschliche Kultur vom Kapitalismus bedroht eingewirkt. Mein findliches Bedürfnis nach ihm enger verbunden als mit vielen anderen zen weltgeschichtlichen Kampfe um diese Er- wird, da rings zahlreiche Gefahren lauern, Heldenverehrung fand hier ein geeignetes Objett. Menschen. Und wenn ich aus dem„ Roten", der lösung können Rückschläge und Niederlagen da viele die Not an den Rand der Troftlosig- In meiner jugendlichen Phantasie malte ich mir ich wie viele Jungen aus unserem Weberdörschen eintreten, Nie haben wir geglaubt, daß der feit und Verzweiflung drängt, leuchtet stär- den Hergang dieses Prozesses mit all seinen dra- war, zum bewußten Sozialisten geworden bin, so Kapitalismus, der über gewaltige Machtmittel fer als je das Licht eines Sternes in der matischen Augenblicken aus, ich versetzte mich in danke ich dies meiner frühen Bekanntschaft mit verfügt, mit einem einzigen Ansturme über- Finsternis, das Licht des Sozialismus. Laffet den Schwurgerichtssaal und erlebte die Szene Viktor Adler und der dünnen rosaroten Broschüre rannt werden kann und gegenwärtig hilft ihm eure Herzen daran entflammen, verdoppelt mit. So bin ich damals stundenlang auf unserer über den Reichenberger Schwurgerichtspozeß. die Massennot, seine Kräfte zu sammeln. Trotz eure Kräfte, stärkt euren Mut und eure Zuallem wachsen aber auch die Gegenträfte und versicht! Seid euer eigner Heiland, dann wersie werden ihn stürzen. Das ist der Erlösungs- det ihr die Welt erlösen! Bekanntschaft mit Viktor Adler. Ene Jugenderinnerung. Von Ernst Paul, Die Einheit der Arbeiterklasse. Charles Fourier, einer der Vertreter des Hauptgrund der Spaltung des Proleutopischen Sozialismus, wartete vor mehr als fariats war? Die Zerreißung der proletarischen einem Jahrhundert in seiner Vaterstadt Lyon Reihen ist von den russischen Bolschewiki ausjede Nacht auf den Millionär, der ihm die Mittel gegangen, die im Jahre 1917 die Staatsmacht zur Verwirklichung seiner Utopie zur Verfügung erobert haben und die Herrschaft der Arbeiter stellen würde und Robert Owen, der Begründer Klasse in Rußland ursprünglich nur dann aufwenn auch die Gleich am Anfang muß ich mich berichtigen:[ lich etwas Gedrucktes! Aber ich wurde schwer Aber ich wurde schwer der modernen Sozialpolitik, bemühte sich um eine rechtzuerhalten vermeinten, ich habe Viktor Adler nie von Angesicht zu Ange- enttäuscht, es waren lauter politische Schriften, Audienz bei Metternich, dem reaktionären Lenter Arbeiter der übrigen Länder die politische Macht der Geschicke Europas vor 1848, um diefen ven erobern, daß die Weltrevolution die ficht kennengelernt. Und doch danke ich ihm einen die mein Vater einmal mit nach Hause gebracht der Vortrefflichkeit des Sozialismus zu über- russische Revolution retten werde. Die bolicheder stärksten Eindrücke meiner Jugend. Das hatte. Ich hatte die Titel längst vergessen. Verfam fo: brossen begann ich zu blättern, ohne daß ich etwas zeugen. Die utopischen Sozialisten erwarteten wistische Erwartung, daß der russischen Revobroffen begann ich zu blättern, ohne daß ich etwas bie Durchführung des Sozialismus von der lution die Weltrevolution folgen werde, hat sich Ich war damals ein Junge von etwa zehn fand, das mein Interesse erregt hätte. Nur bei Einsicht der Regierenden und dem nicht erfüllt. Sie konnte sich nicht erfüllen, weil Jahren. Es war die Zeit, da ich das Lesen ent- einer Broschüre wurde ich aufmerksam. Ob der Reichtum der Kapitalisten. die ökonomischen, sozialen und politischen Vordeckt hatte. Was ich an Gedrucktem erlangen hellrote Umschlag, die vielen Auszeichnungen oder Seit Karl Marx wissen wir, daß die Kraft, auslegungen 1918 nicht gegeben waren. Sieger lonnte, verschlang ich wahllos. Die Bücher der die Dialoge daran schuld waren, weiß ich nicht. welche die kapitalistische Gesellschaft stürzen und im Weltkrieg war der Entente- Kapitalismus, die Schulbüchereien sämtlicher Klassen unserer Bolts- Jedenfalls fing ich mitten im Text zu lesen an.. die sozialistische Wirtschaft aufbauen wird, dte Bourgeoisie der Ententeländer war nicht so wie schule reichten nicht aus, meinen Lesehunger zu und hörte nicht mehr auf. Es war die Broschüre arbeitende klasse ist, jene Klasse der das Bürgertum der Mittelmächte aus dem Kriege stillen, es gab in meinem Bekanntenkreise tein über die Schwurgerichtsverhandlung, Bevölkerung, die kein Interesse an der Aufrecht geschlagen hervorgegangen, ihre politische Stellung Märchenbuch, das ich nicht gelesen hatte. Ein die gegen Bittor Adler im Jahre 1893 vor erhaltung des kapitalistischen Systems hat, die war gestärkt, die ersten Wahlen nach dem Krieg Nachbar, der 30 Jahrgänge des Bauernkalenders den Reichenberger Geschworenen durchgeführt vielmehr alles Interesse daran hat, eine Wirt in England und Frankreich geigten die bürger gesammelt aufbewahrt hatte und wie ein kost- wurde. schaftsordnung zu beseitigen, die den Wenigen lichen Parteien in den Alliiertenländern auf dem bares Gut hütete, räumte mir als einzigem Jun Der Name Viktor Adlers war mir damals Glüd, Reichtum und Wohlergehen bringt, wäh- Höhepunkte ihrer Macht. Die russischen Komgen des Dorfes das Recht ein, seine Schwarten schon bekannt. Während der Ferien hatte ich dem rend sie die Vielen in den Aborund eines dürfe munisten haben in ihrer praktischen Politik dem zu entlehnen. Jede freie Stunde verbrachte ich Vater oft das Effen in die Fabrik gebracht. Bei tigen, oft jammervollen Daseins stößt. Sein Ziel Ausbleiben der Weltrevolution längst Rechnung mit dem Lejen. Wenn ich an der Spulmaschine schönem Wetter saßen nun die Weber während kann das Proletariat nur im Kampfe gegen getragen und der Fünfjahresplan bedeutet ja saß und die Pedale trat, fonnte es vorkommen, der Mittagspause oft hinter der Fabrik im Schat- die Nuznießer der kapitalistischen nichts anderes als den Aufbau der ruſsychen daß die Fäden von sämtlichen zehn Spulen riffen ten und verzehrten ihre large Mahlzeit. Die Profitwirtschaft erreichen, int se laisen Industrie aus den Mitteln des Landes elbst, und alle Winden stillstanden, ohne daß ich es Grupe, zu der auch mein Vater gehörte, abon- tam pfe, zu dessen Erkenntnis der seiner Sen- Sozialismus in einem Lande, wie er in merkte. Im Winter aber hatte ich meine liebe Not; nierte gemeinsam die ,,, Arbeiter- Zeitung": bung bewußte proletarische Mensch gelangt. Die einem Staate möglich ist, der mit der das Betroleum war teuer und er mußte gespart Einmal las einer eine Rede oder einen Artikel Erziehung des Proletariats zu diesem Selassen- Weltwirtschaft nur wenig zusam werden. Da hamsterte ich zu Allerheiligen übrig- vor und im Zusammenhang damit wurde wieder bewußtsein und die Zusammenfassung aller menhängt, der genügend landwirtschaftliche gebliebene Kerzenstummel. Und wenn dieser Vor- holt der Name Viktor Adler gebraucht. Ich klassenbewußten Proletarier ist die Hauptaufgabe Produkte( Getreide) und industrielle Rohstoffe rat verbrannt war, blieb als letzter Ausweg die merkte ihn mir, aber wahrscheinlich nur deshalb, der Sozialdemokratie. Das Proletariat politisch( Baumwolle, Erze, Kohle) hat. In dem Wunsche, Flamme des Herdfeuers, die durch das Gitter des weil es im Nachbarort einen Arbeiter gab, der zu organisieren", so heißt es im Hainfelder Sowjetrußland möge der gigantische Aufbauplan Programm 1888/89, es mit dem Bewußtsein gelingen, der Fünfjahresplan möge durchgeführt Ofentürchens ihr spärliches Licht auf die Buch- den gleichen Namen trug. Nun las ich also den Bericht über die feiner Lage und seiner Aufgabe zu erfüllen, es werden, treffen sich Sozialdemokraten und Komjeiten warf. In diesem Zustande unternahm ich immer Schwurgerichtsverhandlung in Reichenberg. Ich geistig und physisch tampffähig zu munisten, und was die Sozialistische Internatio= wieder Entdeckungsreisen durch unser Haus. Die bin heute feft überzeugt, daß ich kaum ein Zehn- machen und zu erhalten ist daher das male vermag, die russische Revolution vor allen Dorshäuser sind ja für Kinder etwas Herrliches, tel des Juhalls der Broschüre verstand. Aber eigentliche Programm der sozialdemo- Angriffen zu schützen, hat sie fett dem Einz greifen der englischen Arbeiter gegen eine be fie verbergen auf dem Dachboden und in den was ich wohl erkannt hatte, war die Tatsache, fratischen Arbeiterpartei in Oesterreich. Rammern allerhand interessante Dinge: alte Klei daß hier ein Mann vor seinen Richtern stand, Das stärkste Hindernis für die Er- waffnete Intervention der Sieger des Welt getan. Was died der, defekte Regenschirme, ungebrauchtes Werk der für eine große und gerechte Sache stritt. Daß füllung dieses Programmis, das Proletariat frieges in der Sowjetunion zeug, furzum Dinge, mit denen sich wundervoll hier ein Mann war, der den Kampf führte gegen tampffähig zu machen, ist in den gegenwärtigen Sozialdemokratie von den Kommunisten trennt spielen läßt. Mir stand aber der Sinn nach alle Mächte des alten Polizeistaats, nur geftüßt Zeitläuften die Spaltung des Prole- ist nicht so sehr die Stellung zu Sowjetrußland, Höherem. Aber wo sollten Bücher und Bilder in auf seine hellige Ueberzeugung, auf ein gewaltariat 3. Die internationale Zerrissenheit der fondern die Frage, ob derfelbe Weg, den einem Arbeiterhaus herkommen? Da führte mich tiges Wissen und eine überlegene Intelligenz. Arbeiterklasse macht heute eine internationale die russischen Kommunisten be einmal die Neugier zu Vaters Kleiderschrank. Mir hat damals die Art, wie Viktor Adler sich Aktion des Proletariats zu einer viel schwie ich ritten haben, auch erfolgreich in Eigentlich war das Herumkramen in ihm ver- rechtfertigte, wie er mit manchem Zengen um- rigeren Aufgabe als jemals zuvor. Gewiß müssen 2e ste u ropa begangen werden kann. boten. Aber gerade deshalb übte er eine ungeheure sprang und wie er mit beißendem Spott dem wir uns in der Tagespolitik mit der Spaltung Die Sozialdemokraten sind der Ansicht, daß im Anziehungskraft auf mich aus. Wenn man ihn Staatsanwalt entgegnete, ungeheuer imponiert. der Arbeiterklasse als einer gegebenen Tatsache Kampfe der Klassen der alten Industrieländer öffnete, roch es so stimmungsvoll nach Motten- Fast wörtlich habe ich im Gedächtnis behalten, abfinden: hat doch die akute Gefahr des Fascis nicht dieselben Methoden der Ergreifung der polipulver. Da hingen nun die wenigen guten Klei wie Viktor Adler einem Belastungszeugen, dem mus in Deutschland nicht zu einem gemeinsamen tiichen Macht angewandt werden können, weil die der meines Vaters: der schwere Ueberzieher, der Pater Beran, vorhielt, daß er wohl seinen Beruf Auftreten der Sozialdemokratie und der Kom- ökonomischen Bedingungen der proletarischen Sonntagsanzug und ein altmodischer Frack. Unten verstehen mag, jedoch nichts von Politit. Und Revolution etwa in Deutschland 1931 anders als auf dem Schrankboden aber stand eine komische der Herr Staatsanwalt mußte sich von Adler sie in Rußland 1917 gewesen sind. Lenin selbst fagen lassen, er war so ungeheuer freundlich, hat die besonderen Bedingungen, die in Rußland Schachtel, fie barg den Zylinderhut. die Revolution 1917 möglich gemacht haben, Wie ich nun so herumsuchte, fällt mir ein meiner bescheidenen Person eine Reihe von aus anerkannt und hat als eine der Besonderheiten, Häuflein Broschüren in die Hände. Hurrah, end- gesuchten Komplimenten zu machen, in bezug auf die Rußland von den anderen Staaten unterfcheiden, die Weite seines Gebietes und die Tats Es ist doch alles Unsinn, was nach deiner Matura| daß ihm auch seine Gemeinheit nichts nüßte. vorgefallen ist. Die Matura selbst war der größte Hier wird es dir vielleicht nicht möglich sein. jache angegeben, daß Rußland auch ohne die Aber im Ausland wird dich niemand nach einer anderen Staaten leben könne. Deutschland, wo heute die Klassengegensäge aufs äußerste gespannt Franzl schüttelte den Kopf. Unjinn? Viel papiernen Reife fragen. Fabre irgend wohin, find, hängt mit der Weltwirtschaft viel starter zuleicht, aber Tatsachen sind es, die ich angeführt gleichgültig, ob es Paris, London oder eine fammen als Rußland. Es braucht aus dem Ausandere Stadt ist, behaupte dich dort aus eigener Tande Lebensmittel, industrielle Rohstoffe und Was kann ich denn hier noch begin- habe. Alles, was ich sagte, sind Tatsachen Erna unterbrach ihn. ,, Glaubst du, daß alles straft eine Zeitlang, ein Jahr, und komme dann Krebit, sonst geht ein Teil seiner Bevölkerung nen? Jeder weiß es. Und wer es noch nicht weiß, wird es erfahren. Wo haben Sie ihr genau so ist, wie du es schildertest? Du zurüd. Lasse dir deine Reise vom Leben anstatt Strebit, sonst geht ein Teil seiner Bevölkerung fur brechen zusammen. Der Versuch des politisch Zeugnis?" Und ich habe keines. Wenn ich sprachst von deinen Freunden, die bereit wären, von der Schule bestätigen. Es ist das ein besseres zugrunde und Deutschlands Wirtschaft und Kul aber durch die Welt raje, ohne irgendwo langen dir die Hand zu reichen. Du nanntest deine Zeugnis..." Ich soll jest wegfahren? Jezt, wo alles zerrissenen Proletariats in Deutschland die Dittatur zu ergreifen, würde zum Boykott des Aufenthalt zu nehmen, verschwinde, bevor man Eltern und noch Georg. Jst sonst niemand auf Landes durch den Weltkapitalismus führen und mich fragt: Wo haben Sie das Zeugnis?", dann der Welt, der dir nahesteht? Niemand, auf den gut zu werden scheint...?" Gerade jetzt ist die richtige Zeit dafür. die Diktatur von links würde wenn Millionen tann ich mich vielleicht über Wasser halten. du dich verlassen tannst?" Niemand", sagte Franzl.„ Wer denn?" Jetzt wirst du dich draußen eher zurechtfinden, da deutscher Proletarier dem Hungertode ausgesetzt Was hält mich denn hier? Wozu soll ich mir du irgendwo, weit weg. jemanden hast, an den wären einer Diktatur von rechts Plah machen, den Kopf an felsenfesten Mauern von Vor- Beinahe heftig klang das. An mich hast du wohl gar nicht gedacht?" du denken wirst. Oder spielen die Kilometer würde zur fascistischen Tyrannei, zur Niederurteilen einrennen, wenn ich es draußen ebenso gut tun kann. Aber draußen bin ich freund, nie- warf Erna ein. Oder willst du mir absichtlich eine so große Rolle bei dir?" manb fennt mich, ich kann im Trubel verschwin- weh tun?" Weh tun? Nein. Aber du weißt doch, was den, ohne daß es jemand bemerkt. Hier würde man mich zwar beobachten, aber helfen...? ich von der mir angebotenen Freundschaft halte; Nein. Nicht mit dem Finger würde man rühren, in Ermangelung etwas Besseren..." Niemand. Wer sollte es auch tun? Die Eltern? Die wüßten von nichts. Georg? Er täte es, wenn er die Möglichkeit hätte, aber er ist Student. Bleibt sonst noch jemand übrig? Wer? Wer denn...?" Dr. Tolpe's Rache. Roman von A. Altschul 35 Er vollführte eine müde Handbewegung, gleichiam als verstünde sie ihn doch nicht. Unsinn... Franzl?" Bitte?" 1 Erna zögerte. Ich hab' dich lieb", sagte sie. Jäh wandte sich Franzl um. Und deine Worte an jenem Nachmittag?" stieß er hervor. Waren..." 11 Unsinn. Sie waren ganz anders gemeint, als du sie verstanden hast..." Sie brach ab. Ganz rubig lag sie da. Ihr Erna hatte still zugehört. Sie besaß jene Gabe zuzuhören, ohne Einwand den andern aus- junger Leib dehnte sich, als wäre ihm seine Hülle sprechen zu laffen, aufmerksam zu lauschen und zu eng geworden, als wollte er ins Unendliche gleichzeitig abwesend zu scheinen. Ohne selbst ein wachsen, um all das aufnehmen zu können, was Wort zu sprechen, erwarb sie sich unwillkürlich sich ihm plößlich offenbarte, das Vertrauen des Sprechers. ,, Weißt du jetzt, was ich unter Freundschaft verstehe?" flüsterte sie.„ Alles..." Alles...?" Du hast früher anders gesprochen", sagte du fie langsam, Du hattest Rachegedanken, bu Du nennst es Liebe, ich nenne es Freund wolltest dich nicht unterkriegen lassen und wolltest dem Tolpe beweisen, daß er Unrecht gehabt schaft. Sie lassen sich schwer voneinander habe. Du wolltest ihn einer Gemeinheit über trennen, diese beiden Begriffe führen und heute...? Heute bist du zerknirscht, nimmst dir etwas zu Herzen, wogegen du dich Sie brachen auf. Jetzt mußt du dent Tolpe das Gegenteil munisten zu führen vermocht! Soll deshalb die Hoffnung auf ein geschlossenes Vorgehen des Weltproletariats auch für alle Zukunft auf gegeben werden? Fragen wir uns zunächst, welches der junächſt, fnüppelung der deutschen Arbeiterbewegung Sie waren beim Hotel angekommen. Auf führen, was für das internationale Proletariat dem Korridor verabschiedeten sie sich. Gute Nacht, Erna." 募 Gute Nacht. Schlaf gut." Du auch. Gute Nacht." Zwei Schlüssel drehten sich im Schloß, zwei Türen öffneten sich und schlossen sich wieder. Das Dreiminutenlicht verlöschte. einen Rückschlag von Jahrzehnten bedeuten müßte. Die Anwendung tommunisti. scher Methoden in in Westeuropa würde mit einer Ratastrophe für die Arbeiterschaft enden und müßte mit einer jahrzehntelangen Reaktion bezahlt werden. Zu einer solchen Politik des Selbstmordes fana die Sozialistische Arbeiter- Internationale ihre Hand nicht bieten. Einsteigen", rief der Schaffner. Die Türen der schweren Schnellzugswagen wurden zuge Daß diese Haltung und Auffassung der interschlagen. Franzl beugte sich aus dem Fenster. Auf nationalen Sozialdemokratie den Tatsachen entdem Bahnsteig standen Erna, Georg und Gret!. spricht, dafür zeugt nicht nur der Umstand, daß Alle waren sie schon von ihrem Sommerurlaub die Bolschewiti fich ihr eigenes Haus bestellen zurüd. Jest begleiteten sie rangl. Er fuhr weit und auf eine Hilfe von außen in der Form, daß weg. Auf ein Jahr. Einfach ins Blaue hinein. Scine Geldmittel reichten Inapp für einen Monat. Bis dahin mußte er etwas gefunden haben. Es mußte gehen. Die Lokomotive pfiff. Auf Wiedersehen", rief ihn noch Erna zu. Auf Wiedersehen", rief er zurüd. Dann mar der Zug schon aus der Halle vor wenigen Wochen noch aufgelehnt haft. Heute betweisen" sagte Erna. Pfeif auf sein Zeugnis, draußen. gibst du ihm mit deinem Vorhaben Recht. zeig ihm, daß er dir nichts anhaben konnte und Ende das Proletariat in den entscheidenden Industrie ländern in der allernächsten Zeit die Alleinherrichaft erringt, gar nicht rechnen, sondern, daß die Russen sogar positiv noch dem Kapitalismus eine gewisse Lebensdauer geben. So sagte der Vorizende der Kommunistischen Internationale. Manuilstij auf einer Konferenz des XL Effiplenums im Mai 1931: Wir bolfchetistischen Revolutionäre wissen, daß kein einziger Widerspruch des Kapitalismus im Rahmen des Nr. 800. Freitag, 28. Dezember 1081. ^e'.te 8 Oie Generationen in unserer Zeit. Gedicht in dieser Zelt. Meine Frau kommt«ach Haus und weint wie «in kleines Lind, in der Fabrik an der Tür hängt ei« maschinengeschriebener Zettel. Weiht du auch. Manu, daß wir jetzt arbeits los sind? Wie laug« lebt mau den» von dem Bettel? Der Chef sagt, daß er nur dauerud verliert: Er hat«uS nur' noch au- Nächstenliebe beschäftigt. Bor fünf Jahren hat er rationalisiert. Inzwischen haben sich seine Finanzen gekräftigt. Nu« fährt er in seinem blauen Auto davon; Welleicht in die Berge? vielleicht auch an'S Meer? Vielleicht gründet er morgen Mayer und Sohn? Für alle Fäll« find seine Tasche« nicht leer. Aber was wird«uu aus uuS? Bis jetzt find wir«och so t-idlich oben geschwommen; Wir lebten, wenn aum manchmal recht knapp. Wir habe« nie mehr Aussicht irgendwo uuter- zukommrn— Nun reiht es auch unS in den Strndel hinab. Willi Mader. nnHuniniRRiuianiuiininiitiiiiniuinmiiiiiiuiiiiiiininiinitnmmuiininnHHiHnnniHiiinHiiHH Kapitalismus gdöft werden kann... aber daraus acht keineswegs hervor, daß der Kapitalismus seine letzte Grenze erreicht hat oder in eine so ausweglose Situation geraten ist, daß ihr bereits soin Tod folgen müßte... Der Kapitalismus hat früher manövriert und wird weiter manövrieren..." Gut. daß daS nicht ein Sozialdemokrat gesagt hat. Es hätte ihm unweigerlich den Borwurf des Klaffenverrates und des Sozialfaseismus eingetragen. Wenn eS aber ein Kommunist sagt, so ist es revolutionäre Erkenntnis. Freilich bleibt noch der Gegensatz zwischen den russischen Sozialdemokraten(Menschewiki) und der regierenden Kommunistischen Partei Rußlands. Trotzdem die Menschewiki niemals und nirgends etwas Konterrevolutionäres getan und niemals ein« gegenrevolutionäre Auffassung vertreten haben, werden sie von der Sowjetbürokratie verfolgt,^ ihre Anhänger ei«gekerkert und ihnen jede Möglichkeit genommen, sich in Rußland politisch zu betätigen. Die terroristische Diktatur über klaffenbewußte Proletarier, die sich zur Sozialdemokratie bekennen, die nach fastistifchen Methoden geübte brutale Unter- vrückunq sozialdemokratischer Arbeiter ist die Schranke, an di« jeder Versuch der Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozialdemokraten stoßen muß. Otto Bauer glaubt, daß in dem Augenblick, da di« Erzeugung von Nahrungsmitteln und industriellen KonsumtionSm'tteln in demselben raschen Tempo steigen wird wie di« Entwicklung?der Schwerindustrie, wird es möglich sein, di« Bedürfnisse der Bevölkerung weit stärker zu befriedigen und wird der Abbau der terroristischen Diktatur und der brutalen Unterdrückung der Sozialdemokratie Rußlands möglich sein. Der Zusammenbruch der kapitalistischen Welt, der sich in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise offenbart, hat dem Kampf d«S Proletariats um eine bessere Welt ungeheure Schwierigkeiten in den Wog gestellt. Sie können nur überwunden werden durch die einheitliche, internationale Aktion der Arbeiter. Der Kapitalismus treibt die Kulturmrnschheit ins Verderben, der Sozialismus allein, der nur das Werk einer einigen Arbeiterklasse sein kann, kann sie retten. Auch die Macht des FasciLmuS, der ein Mitt«l der Kopitalistenklass« ist. der drohenden Entwicklung zum Sozialismus Einhalt zu tun, kqnn durch«ine einige Arbeiterklasse viel eher gebrochen werden. Der hakerckreuzleriische Spuk in Deutschland würde vor einem einheitlichen Sozialismus, der auf di« Indifferenten ein« gewaltige Anziehungskraft ausüben müßte, zerstieben, und auch bei uns in der Tschechoslowakei wäre«S mit dem llebergewicht des AgrariSmuS bald vorbei, der Sozialismus würde zur wirksamsten und umgestaltenden politischen Kraft des Landes werden. Das ganze Bild der Gestaltung unserer Zukunft würde sich ändern. I» dieser schweren Zeit, in den für die Entwicklung der Dlenschheit, für den Bestand der europäischen Kultur entscheidenden Jahren, müßte di« Vertretung dos GesamtintevesseS des Proletariats durch eine einheitliche sozialistische Partei, di« Möglichkeit einer gesamtprol«- tarischen Politik eine ungeheuer« Kraftquelle für die Arbeiterschaft sein. Dies anzu- strehen ist Pflicht jedes Menschen, der davon durchdrungen ist, daß di« Lösung der katastrophalen Kris« der Menschheit nur im Sozialismus liegt.„Die Kommunisten"(lieS Sozialisten), heißt «S im Kommunistischen Manifest,„unterscheiden sich von,den übrigen proletarischen Parteien... dadurch, daß sie... in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets daS Interesse der Gesamtbewegung vertreten." Wer die ewige Dauer der Spaltung des WeltproletariatS predigt, ist ein Schädiger des Sozialismus und hilft nur der Reaktion in den Sattel, die den Kapitalismus, die Unsicherheit der prol«tarischen Existenz, di« Not und daS Elend von Millionen verewigen will. Emil Strauß. Ei« kleiner Ring begrenzt unser Leben, und viele Geschlechter rechen sich dauernd an ihres Daseins uneMiche Kette. Goethe. Lite und Junge Bürger Was sich vor unsere« Augen seit Jahr und Tag in Deutschland abspielt, der raketenartige Aufstieg deS Nationalsozialismus und der unaufhaltsame Zusammenbruch der bürgerlichen Parteien mit der einen Ausnahme des Zentrums, nennen die unmittelbar Beteiligten gern eine Revolution. Politisch und ihrer Zielsetzung nach ist diese Bewegung in Wahrheit keine Revolution, losgelöst von den übrigen politischen und sozialen Faktoren, als Umwälzung innerhalb einer bestimmten Gesellschaftsklasse betrachtet, ist eS eine Revolution, ist es die revolutionäre Lösung eines historisch-biologischen Gegensatzes, der Spannung zwischen jung und alt, zwischen VorkriegS- und Nachkriegsgeneration im deutschen Bürgertum. So widersinnig das klingen mag: mit dem Sieg der nationalsozialistischen Ideologien über das Denken der bürgerlichen Borkriegswelt erst stellt sich das deutsche Bürgertum und vor allem das deutsche Kleinbürgertum auf den Boden der Republik und der neuen, durch Krieg und Inflation geschaffenen Gesellschaft. Stresemanns romantischer Traum vom deutschen BolkSkaiser- tum, von der schwarz-weiß-roten Fahne mit schwarz-rot-goldener Gosch, die Versuche der Demckraten, an die Tradition von 1848 anzuknüpfen, Hugenbergs Hohenzollerntreue, das waren allesamt Versuche, der neuen Zeit mit den Ideen der alten beizukommen. Hitlers Propagandamethoden, die sich bewußt an die Masse urch m der Masse wieder an den Sektor der Denkfaulen wenden, Gottfried FederS Wirtschafts- und Rosenbergs Staatstheorien, so wenig originell und neu sie sein mögen, kommen den Beoürf- niffen der Zeit entgegen, erwachsen aus den Gegebenheiten der unmittelbaren Gegenwart und gewinnt« die Jugend, die politisch agile wie die träge Masse der bisher Indifferenten. Das deutsche Bürgertum und Kleinbürgertum der Vorkriegswelt haben an den Kapitalismus geglaubt; außerhalb der kapitalistischen Ordnung schienen Arbeit, Wirtschaft, Oronung, Kultur undenkbar. Die jungc Generation glaubt nicht mehr an den Kapitalismus. Die Deklassierung der Kleinbürger durch die Inflation, die Wirtschaftskrise, die Rationalisierung haben den Glauben der Jugend an den Kapitalismus erschüttert. Will man sie in den Dienst der Reaktton stellen, so muß man sie durch scheinsozialistische Ideen au gewinnen suchen. Der Nationalsozialismus stellt m Namen und Programm den Zweifel» vielleicht si^ar schon die Verzweiflung der jun- gen Generation am Kapitalismus dar. Nur noch unter der Flagge eines Sozialismus, freilich eines möglichst verwaschenen, gefühlsmäßig unklaren, mit Traditionen und Vorstellungen der alten Zeit durchsetzten Sozialismus geht die kleinbürgerliche Jugend von 1931 für die Klasseninteressen der Kapitalisten ins Feuer; sie bringt das größte Maß an Vertrauen den am wenigsten bürgerlichen Schichten der Reaktion, dem vorkapitalistischen Junkertum, dem vor- kapitalisttschen OffizierSadel, die stärkste Feindschaft der bürgerlichsten Schichte der modernen Gesellschaft, dem Börsen- und Bankenhändlertum entgegen. Aber auch der Nationalismus und Patriotismus der Vorkriegszeit haben sich überlebt, sind unbrauchbarer Ballast der Bourgeoisie geworden; bezogen auf ein Vaterland, dessen Verfassung und Fahne die Bürger hassen, auf eine Nation, deren Einheiüichkeit man nunmehr selbst leugnet, bieten sic dem Wertbcgriff der Jugend keine Haltepunkte. Wenn Hochverrat patriotische Pflicht, Bürgerkrieg nationale Forderung werden, versagen Nationalismus und Patriotismus der alten Prägung. Der Nationalsozialismus ersetzt sie durch neue Ideologien, die nicht weniger verlogen, aber zeitgemäß und für eine antirepublikanische, antidemokratische, antiproletarische Bewegung praktikabel sind. Mit Urgewalt bricht in einem Augenblick der deutschen Geschichte, da Krieg, Umsturz und Erschütterung der Wirtschaft den ruhigen Fortgang von Entwicklung und Geschlechterfolge stören, als revolutionäres Element der Gegensatz der Generationen hervor. Die zeitliche Grenze zwischen jung und alt bildet der Krieg, die Grenzscheide der Generation ist, um mit GläserS Roman zu gehen, der„Jahrgang 1902". (Man kann vielleicht die differenzierten Ueber- gänge von Jahr zu Jahr verfolgen, wie Leopold Dingräve eS in der geiswollen und aufschlußreichen Schrift„Wostehtdiejunge Generation?", Eugen DiederichS Verlag, Jena, versucht hat.) Die Generationen in der Arbeiterklasse. Hier war immer von Bürgertum und Kleinbürgertum die Rede. Wie verhält es sich im Proletariat? Daß die Geschlechterfolge auch in der Arbeiterklasse daS Denken wandelt braucht kaum bewiesen zu werd»«. ES ist ein Gesetz deS Lebens, daß die in der Gesellschaft wirrere Generation, im allgemeinen also die Menschen zwischen dem 30. und dem 60. Jahre, in einen Gegensatz zu den um WiArng ringenden, emporstrebenden Jungen geraten. Jene wollen, was sie in der Jugend gelernt und erfahre» haben, was sie für richtig halten, zur Geltung bringen. Ihre Gedanken durchstrahlen den gesellschaftlichen Körper» durchsetzen ihn mit den Elementen, die ihnen wertvoll, keimträchtig, erprobt scheinen. Die Jugend wächst unter anderen Voraussetzungen heran, lernt und erfährt andere Dinge, setzt sich weiter gesteckte Ziele, will ihrerseits wirken und säen. In dem Maße, als die alten konservativ werden, bewahren wollen, waS sie geschaffen haben und vollendet glauben, und die Jungen die weitere Bewahrung deS Bestehenden als verderblich ansehen, wächst die Spannung zwischen den Generationen. Aber nur selten wird auS der Lösung eine Rebellion; nur dann, wenn sich die alte Generation einer plötzlichen Wandlung im Unterbau der Gesellschaft nicht gewachsen zeigt, wenn sie versagt und den Boden unter den Füßen verliert, wird sie in ge- waltsamem Anlauf von den Jungen hinweggefegt. Das war für das deutsche Bürgertum m den Jahren 1914 bis 1928 der Fall. Es hat ssch weder oem Krieg, noch der Revolution, noch der Republik gewachsen gezeigt. Der Zusammenbruch seines Staates, seiner sozialen Ordnung und seiner Wirffchast bereiteten den Sturm der jungen Generation vor, der 1929 einsetzte. Für die Arbetterklasse trifft diese Voraussetzung nicht zu. Zwar hat die Enttäuschung von 1914— wenn man will, ein„Versagen" vor der Situation— viele Jüngere in Opposition und Rebellion getrieben; sse kamen zum Ausdruck in den Spaltungen und Neugründunaen sozialistischer Parteien von 1916 bis 1921; oer Zusammenbruch deS Kapitalismus aber kann m der Arbeiterklasse nicht die Voraussetzung eines Umsturzes der Generationen werden, well ja auch oie alte Generation diese Auflösung vorauSgesehen und gewollt hat. Was sich heute im deutschen Bürgertum vollzieht, der Niederbruch der alten Parteien, daS Einschmelzen der alten Ideologien und die politisch-geistige Umgruppierung radikalster Art, könnte m der Arbeiterklasse nur unter einer Voraussetzung seine Parallele finden: wenn die Sozialdemokratie im Kampfe gegen den FasciSmuS versagen, die Errungenschaften von sechs Jahrzehnten verspielen sollte. Dann wäre auch die proletarische Jugend gezwungen, ganz von vorn anzufangen. Dennoch wäre«S gefährlich, wenn die beiden Generationen, die heute in der Arbeiterkalffe wirken(eine dritte, die Generation der Gründer, ist ja nur noch'als passives Element vorhanden), sich der Bedeutung deS Generationenwechsels nicht bewußt wären, wenn die Alten glaubten, es könne alles stillstehen, die Jungen, sie hätten keine Aufnah«» zu erfüllen, sonder« nur zu erben. Zum funstenmal stit dem Beginn der bürgerlich-kapi- talistischen Aera wechseln in der Arbeiterbewegung die Generationen: von der ersten zur zweiten war eS der Schritt des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft(dre wissenschaftliche Generation war die um 1820 geborene: Marx 1818, Engel- 1820, Lassalle 1825, Liebknecht 1826), von der zweiten zur dritten war es der Sprung von der Idee zur Organisation, von der wissenschaftlichen Entdeckung zur Verbreitung der Lehre, von Marx zu Kautsky und Bernstein, von Lassalle zu Bebel, von Engels zu Viktor Adler; den nächsten Generationenwechsel verwirren Krieg, Spaltung und Revolution, die Jungen bleiben zur Hälfte stek- ken, zur anderen kommen sie erst nach dem Krieg zur Geltung; Bolschewik! und Austromarxisten, Karl Liebknecht und Hendrik de Man ließen sich gleichermaßen hier einordnen. Man manches unvollendet blieb, was zwischen der dritten und vierten Generation ins reine zu bringen war, erweitert sich heute die Spannung, klaffen unüberbrückbare Lücken zwischen drittem und fünftem Lebensalter, fehlt da und dort ein Ring in unseres Daseins unendlicher Kette.' Ole Aufgaben der jungen Generation. Die Vorkriegsgenerationen der Arbeiterbewegung haben die drei Säulen der^Arbeiterbewegung nach harmonischem Bauplan errichtet. Gewerkschaft und Genossenschaft waren die stärkeren Eckpfeller, langsamer wuchs auf weniger breitem Fundament die Säule der politischen Bewegung(in bedenklichem Mißverhältnis und also schon nicht mehr harmonisch blieb in England der polnische Pfeiler weit zurück). Nun sind die Eckpfeiler zu soliden und gründlich fundierten Massiven geworden, an denen die junge Generation weiterbauen, aber nichts wesentliches mehr ändern kann. Mit anderen Worten, Gewerkschaften und Genossenschaften sind selbständige Gebilde geworden mit einem eigenen Apparat, mit zahlreichen Beamten, mit festbegründeten Einrichtungen, waS sollte, WaS wollte die junge Generation da ändern? Die politische, Säule zu stärken, daS ist eine Ausgabe der jungen Generation; der politischen Partei und ihren Einrichtungen innere Festigkeit und zugleich Beweglichkeit zu verleihen, sie in dem Maße zu verselbständigen, als Gewerkschaften und Genossenschaften ihr Eigendasein abseits der eigentlichen Politik begründen, das ist die große organisatorische Aufgabe der Jungen. Sie stellt sich praktisch so dar, daß die Jugend den Apparat der Parteien, die Presse, die Agitation-- und Schulungsmethoden, soweit sie noch in der bloßen Tradition stecken und den Anfor- dexungen des modernen LstzenS nicht entsprechen, Arbeiter- Jahrbuch 1932 Preis 10 Kronen Das Jahrbuch gehört ins Haus jedes Arbeiters! Aus dem InhaltI Internationale Arbeiter- wbeegung, Goethe- Gedenkschriit. mit aller Ehrfurcht vor dem Erprobten und Gewachsenen, aber auch mit aller Frische und Unbefangenheit, die nottun, den Bedürfnissen der Zeit angleichen. Eine andere Aufgabe, die so gut ein geistiges Problem wie eine organisatorische Frage ist: der Bau der vierten Säule. WaS wir heute proletarische Kulturorganisationen nennen, ist doch ein recht buntes Bukett von Fahnen und Abzeichen, hinter denen sich oft Vereinsmeierei und kleinbürgerlich verspießerte Wichtigtuerei verbergen. Die große proletarische Kulturorganisation zu schaffen, deren Seele ein Kulturprogramm sein müßte, das nicht die Brockensamnllung von der ausgehobenen Tafel des bürgerlichen Liberalismus, sondern die Quintessenz marxistischer Gesellschafts- und Kulturkritik in drei Generattonen wäre— welch gewaltige Aufgabe für dir junge Generation! Voraussetzung hierfür ist nicht nur, daß die Alten sich der notwendigen zeitlichen Beschränktheit ihrer noch im wesentlichen liberalisttschen Weltanschauung bewußt werden und der Jugend Spielraum gewähren, sondern auch Wille und Erkenntnis der Jugend selbst, daß die Wissenschaft nicht im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist und daß die Probleme der Philosophie, das religiöse ekstgeschlossen, der N a t u r w i s- senschäft, der Kunst und des kulturellen Lebens überhaupt aus einem anderen Aspekt erfaßt sein wollen, als ihn das 19. Jahrhundert nnb seine im Wesen bürgerliche Wissenschaft hatten. Die alte Generation hat. in unseren Bereichen mindestens, in der Eroberung der Dem o- Tratte ihr Lebensziel gesehen. Es ist nur"°na-' türlich, daß ihr die Bewahrung»er Demokratie als die höchste konservative Aufgabe erscheint. Sie wird aber verstehen müssen, daß der Jugend das Erreichte nicht genügen kann, daß die Jugend über die formale Demokratie hinaus nach neuen Zielen strebt und be» allem Respekt vor der Ueberlieferung auch Institutionen wie den Parlamentarismus heutiger Gestalt in den Bereich der Kritik einbezieht; Aufgabe der Jugend aber wird eS sein, die demokratischen Grundsätze zu bewahren und die Mängel der Demokratie zu beseitigen, ohne die Idee selbst preiszugeben. Der Sozialismus, der' ehedem ein Traum und eine mit religiöser Jnorunst verehrte Idee war, ist für die Menschen von heute ein aktuelles Problem.„Sozialismus in unserer Zeit"(so formulieren es die englischen Radikalen von der I. L. P., und so ungefähr wollen es auch die jungen Sozialisten verstanden wissen, die sich in Deutschland um die ausgezeichneten und für jung und alt lesenswerten„Neuen Blätter für den Sozialismus" scharen), Sozialismus in unserer Zeit, auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens, das wird die Parole der Jurwen fein. Daß sie dabel weder kleingeistige Reformisten und Gesundbeter der bürgerlichen Ordnung werden, noch sich in radikalen UtopiSmus verlieren, daß sie gläubige Sozialisten der Gesinnung und zünftige Werkleute am Bau der Gesellschaft zugleich seien, das ist ihre große, ihre größte Aufgabe.\ Diese Umschichtung in der Arbeiterklasse, dieses langsame Einrücken neuer Kämpfer in oie alten Fronten mitsamt der allmählichen-strategischen Umgruppierung, die sie bewirken sollen, wird sich ohne Bruch und Rebellion, wenn auch nicht ohne Fieber und Reibung vollziehen, wenn beide Generattonen, die wirkende und die strebende, die bewahrende und die schöpferische, die abtretende wie die kommende, sich oer Bedeutung des Wandels, seiner lebensgesctzlichen Notwendigkeit bewußt sind,, wenn beide erkennen, daß die eine umsonst gewirkt hat, wenn die andere nicht das Erbe bewahrt, unb diese, daß sie nichts erreichen kann, wenn sie nicht auf dem ererbten Fundament weiterbaut. WaS sich in der Gesellschaft so oft unbewußt vollzogen hat, sollten wir als Wissende, geleitet auch hier von marxistischer Erkenntnis historischen Geschehens, vollbringen: Brücke zu sein zwischen den Zeiten, über die Klüfte, ein Bogen, von der Zeichen Kraft gespannt und von fernher kommend, dem nachswn wieder Rückhalt und Wurzel, in die Ferne strebend, im ewigen Rhythmus deS Lebens; so stotz wir begannen, so hoch unsere Sonne stteg, einmal wird eS Abend, und versinkend wollen wir wissen, daß andere da sind, denen verkündet ist: Zu n e u e n U f e r n l o ck t e i u n e u e r T a g! Dr.(hüll SoMI.k Seite 4. Freitag, 25. Dezember 1981. Jtt. 80«. Weihnachten in Liflitß soz.ü istsdisr Gesel s t&hskritik. Eduard Bernstein: ,^amPf-Weihnachten". DaS Bewußtsein der Größe unserer politischen Sendung hat zu allen Zeiten erhebend auf den Elan unserer Kämpfer gewirkt. Mit Stolz haben wir in den Jahren der Jugend der Partei gesungen: „Ein schwerer Kampf ist's, den wir tragen, z Zahllos ist unsrer Feinde Schar." DaS Gefühl wiegt noch heute bei uns allen vor und wird uns mit neuem Kampfgeist erfüllen, wenn wir uns gegenwärtig halten, wieviel Berfolgungeir gewalttätiger Natur die Partei unter den schwierigsten Verhältnissen erlitten und siegreich überstanden hat. Sie ist die größte politische Partei Deutschlands, der Stolz und die Hoffnung der internationalen Sozialdemokratie. - Wohl trifft es noch heute zu, daß„^ihllos unsrer Feinde Schar", und die Kampfesweise der meisten von ihnen gemeiner, verlogener als die schlimmsten der früheren Kampfmethoden., Immer wieder hat es sich jedoch gezeigt, daß die dicksten Lügen die kurzlebigsten sind In diesem Bewußtsein kann der deutsche Sozialdemokrat am Weihnachtstag mit Stolz und Zuversicht iu die Vergangenheit und in die Zukunft schauen. Er feiert das Fest nicht in der Fülle materieller Genüsse, nickt frei von Sorgen, nicht im Taumel der Gedankenlosen. Aber er feiert cs in dem erhebenden Bewußtsein, Mitkämpfer zu sein einer gewaltigen Kulturbewegung, die an Größe ihrer Gedankenweit in unserm Zeitalter ihresgleichen nicht hat, die der Zukunft sicher ist, um so sicherer, je mehr sie sich selbst treu bleibt. Dieser Gedanke, daß Treue an uns selbst die Bürgschaft unseres Sieges ist, sei unsere Parole am Weihnachtstag! So wohnt das befreite Volk in Karpathorußland. Bilder aus Uihorod. Das Elend des östlichsten Teiles unserer Republik ist heute kein- Geheimnis mehr, di« geographische Lage von Karpathorußland ist leider so ungünstig, daß eine enge Annäherung an die historischen Lander nur schwer möglich ist, so daß die Sperrung der Grenzen gegen die illachbarländer Polen und Ungarn dort noch Mel mehr fühlbar wird als bei uns. DaS ganze Land lecket Hunger; im wahrsten Sinn des Wortes urck die Not der Bevölkerung spricht am erschreckendsten aus den elenden Buden, in denen die Menschen dort Hausen; ich kenne kein Land Mitteleuropas, dessen rein äußerer Eindruck boxen Kirche,-heißt bezeichnerckerweise ,^?oloni.e zum SchweinefüIlern"! Dieser Buden, Häuschen oder wie man sie nennen will, gibt es zwei Hauptarten: die eine sieht man im Bild Nr. 1; es ist eine aus etwas größeren Kistenbrettern zusammengeschlagene Bude, in der der Hausbesitzer samt seinem Hausrat nächtigt. Wenn es zu sehr regnet, dann muß ihn einer seiner Genossen aufnehmen, der etwa über eine luxuriöse Villa verfügt, wie wir sie auf Bick Nr. 2 sehen. Dieses Gelaß hat den Vorteil, daß kein Wasier eindringt— wenn nänüich die Dachpappe noch dicht halt— dafür Herr Kubat dekretiert hat, daß das Lagern von Mensch«: beiderlei Geschlechts in Hutten verboten sei! Man sage diesen jungen Eheleuten» daß sie nicht in einem Raum hausen dürften mit ihren kleinen Geschwistern oder Kirchern und man registriere die Antworten für den Historienschreiber der herrschenden Klasse. Das Elend ist das einzige, was der Kapitalismus in Hülle und Fülle verteilt, seine beamteten Hüter aber- erklären es dann sogleich für verboten, für verpönt! niemand hat aber noch den Einfall gehabt, die Moral dieser Welt praktisch zu betätigen und etwa daS Bestreben zu zeigen, den Volksmund Lügen zu strafen durch werktätige Hilfe, damit diese Kolonie„Zum Sch weine- füttern" verschwind«. ES wurde in Ukhorod gebaut: ein Beamtenviertel, eine Riesenpost, es stehen da ein modernes Gefängnis und Gericht, eS gibt ein gutes Hotel und viele Kirchen, eS gibt Vil- Zigeunerlaaer am Fluß unter und di« letzte, ganz in der Gewerkschaften stand, der Bruder des früheren sozialistischen Abgeordneten Amedeo und andere entweder auf die Inseln oder in irgend ein Elendsdorf in Suditalien verbracht worden sind. Ueberflüffig zu bewuen, daß von diesen Tumulten und diesen Maßnahmen in der italieni« scheu Presse kein Wort erwähnt wird, damit niemand Anlaß nehme, an der allgemeinen Zustimmung zum geliebten Regime Benito Muflo- linis zu zweifeln. Dies um so mehr, als diejenigen, die in Italien mit sehenden Augen und hörenden Ohren leben, nicht mehr daran zweifeln, daß der sehr kleine Napoleon Italiens hinter dem Terror und dem Elend sich anschickt, seirst letzte Karte auszuspielen. In Italien spricht man nur noch vom Kriege. Und diese Gerüchte finden ihre Wurzel nicht bloß in der täglichen Feststellung militärischer Vorbereitungen aller 2trt, sondern auch:n noch bestimmterer Form in den Verbindungen, die zwischen dem italienischen und dem deutschen FascismuS in aller Offenheit angeknüpft werden. Es ist natürlich schwierig, über diese Abmachungen nähere Einzelheiten zu erfahren; aber es ist bereits ein Symptom, wenn man öffentlich von der Notwendigkeit eines Krieges ge- genFrankreich spricht, der nach der M a ch t- ergreifung Hitlers ausbrechen soll. Eine psychologische Kriegsvorbereitung, die nicht weniger gefährlich ist, als die militärische, Und mehr als daS! Bon allen Seiten bemüht man sich die Meinung zu verbreiten, daß der Krieg notwendig sei, um der Wirtschaftsdiktatur Frankreichs ein Ende zu bereiten, die als die hauptsächliche Ursache deS Elends Europas und vor allem des Elends Italiens dargestellt wird. Dies hat nicht nur den Zweck, den FasciSmus von seiner Verantwortung gegenüber dem Lande zu befreien, sondern auch den, die Verelendeten und Verzweifelten ibr letztes Heil in einem neuen Kriege suchen zu lasten. muß aber auch Luft und Licht diese Wohnstatt mecken. Gekocht wird nur in den seltensten Fällen im Häuschen selbst, der„kanonck", di« kleine Gulaschkanone, steht gewöhnlich im Freien, um das„Haus" nicht zu gefährden. Fm Winter muß allerdings mit Klaubholz ein kleines Feuer im Raum erhalten werden, doch soll man sich, wie mir übereinstimmend erklärt wurde, ziemlich rasch an den Rauch gewöhnen. Im Raum selbst lebt natürlich alles über- und durcheinander, ganz Wohlhabende besitzen ein Metallbett, Kinder, Eltern, auch jung Verheiratete teilen die Schlafstatt! Für jeden Richter sollte man vor seiner Anstellung eine Pflichtvisite solcher Kolonien einführen; es ist anzunebmen, daß sich unter dem Eindruck dieses Elends die Begriffe von Gut und Böse etwas zugunsten mancher Angeklagten verschieben- müßten. Da wird immer von Sittlichkeit gesprochen, davon, daß der Mensch höher sei al- das Tier! Wer aber diese typischen Anhäufungen des Elends visitiert, der wird die Verlogenheit dieser Moral und ihre verbrecherische Härte erkennen. Man predige diesen Kindern Moral, deren einziges Kleidungsstück ein Hemd ist(Bick 8), man sage ihnen, daß es sittlich sei, die Blöße zu verhüllen und man beantworte dann ihre'Fragen: wie und womit? Man sage diesen Menschen etwas von der öffentlichen Sittlichkeit, die uns etwa len und kleine Palais: aber wie immer ist all diese Wohnungsfürsorge an die geknüpft, deren Geck Gewinn bringt. Die nackte Existenz gibt noch kein Anrecht auf einen Stall, geschweige denn auf eine Wohnung. Und dem Frencken sagt der Schutzmann nur ungern, wo er das Elend finden kann; man schämt sich denn doch der schreienden Armut des befreiten Koloniallandes. Walter Lustig. Wilhelm Sollman«:„Sozialismus und Christen tum." Fest der Verkündigung. Fest der Verhei ßung, Fest der Erlösung, Fest der Liebe:„Siehe ich verkündige euch große Freude, denn euch ist heute der Heiland geboren..." Wir streiten uns nicht mit den Gläubigen um den Stern von Bethlehem. Wir vergleichen den frommen Text mit dieser Welt wie sie ist, neunzehnhundert Fahre nach Christi Geburt und fragen, wo die Weihnachtsbotschaft Wahr heit und Wirklichkeit geworden ist. Unsere Frage kann mit vielen Worten aus der Theologie be antwortet werden, aber die eine Antwort, aus die alles ankommt, heißt: die Welterlösung durch das Christentum ist ausge blieben. Man kann uns in der Rückschau aus die vielen Jahrhunderte Menschen zeigen, die sich opferten in christlicher Hingabe für die anderen. Nicht aber sollte man behaupten wollen, daß die Sittenlehren und die religiösen Kräfte des Christentums zur bewegenden und zur beherrschenden Kraft im Leben der Menschen geworden wären. Das sagen wir Sozialisten den Christen, soweit sie noch immer Gott dienen wollen und dem Kapitalismus. Die Sozialdemokratie ist weder die Partei einer Kirche noch die einer atheistischen Philosophie. Wie der Sozialdemo krat zur Weihnachtsbotfchast steht, ist, Sache sei nes Herzens und seines Glaubens, Wohl aber haben wir das Recht, auszusprechen, w i e schwach das Wort ist, wo Geld und Ge walt gebieten. Was immer rein ökonomisch zugunsten der kapitalistischen Jahrhunderte gesagt werden mag: von den Höhen reifer menschlicher Sittlichkeit gesehen, sind barbarisch, voll Haß und Neid und Blut. „Vom Himmel hoch" mögen Gesänge und Erleuchtung kommen. Auf dieser Erde kann die heilige Nacht und^ können lichte Tage für alle nur durch die brüderliche sozialistische Verbun denheit neuer Menschen in einem neuen anti- mammonistischen Zeitalter Wirklichkeit werden. Max Barthel:„Der Kampf ums Licht". Prometheus, erzählt die griechische Sage, stieg in den Olymp. Ihn jammerte die Menschheit. Hier oben bei den Göttern war Frieden" und Licht. Da unten bei den Menschen auf der Erde war nichts als Nacht. Und da raubte Prometheus für die Menschen vom Zeus das Feuer. Er wurde dafür an den kaukasischen Felsen geschmiedet. Dann kam der Adler und hackte mit krummem Schnabel im Leibe des Gefesselten und fraß seine Leber, Jeden Tag kam der Adler, hackte und sraß. Jede Nacht heilte die Wunde. Jeden Tag wurde sie wieder aufgeristen. Prometheus schrie und litt. Manch mal lächelte er durch- alle Schmerzen. Er ver fluchte die Götter, er liebte die Menschen. Vou seinem Marterstein sah er das Feuer lodern. Das Feuer loderte, aber'es war noch nicht gebändigt. Die Menschen standen int Licht, aber sie standen bald wieder in der Nacht. DaS Feuer versank im Blutnebel vieler Kriege, eS ging unter in den Tränenmeeren geschlagen^ Ge schlechter. Der Schrei nach Prometheus,^ und daS war der Schrei gegen die Götter, der Schrei nach Frieden und Wohlgefallen, der Schrei nach Prometheus ging durch die Jahr tausende bis in unsere Tage. Der Schrei nach Prometheus war der Schrei nach Bändigung des Feuers, der Schrei nach Gerechtigkeit und Erlösung, Und dieser Schrei gebar neue Götter. Prome theus am kaukasischem Felsen undj^..,»» w- aiy ChripuS am judaischen Kreuz wur-jund erfüllende Wesen der Zeit. Fetzt geht'; zu Ende. Von G. E. Modigliani. Dies ist der historische Ausruf, der vor fünfzig Jahren bei den ersten Bauernunruhen in Italien von Mund zu Mund ging. Er besagte, daß man am Ende seiner Geduld angelangt und die Unzufriedenheit im Wachsen war. Man kann in diesem AuSruf zusammenfasten, was sich heute in Italien unter dem Deckmantel der fascistischen„Ordnung und Disziplin" vollzicht. Wahrend die italienische Preste bestrebt ist, glauben zu machen, daß im Lande nichts von größer Bedeutung Vorfälle und daß sogar Anzeichen einer Besserung der wirtschaftlichen Lage festzustellen siien, erhalten wir sehr zuverlässige Nachrichten, die gerade daS Gegenteil beweisen. In Roneado bei Treviso versuchte eine mehrhundertköpfige Menschenmenge, die Besitzer von Getreidelagern zur Auslieferung von Getreide und Lebensmitteln zu zwingen, weil die kleine Stadt geradezu von einer Hungersnot bedroht ist. Aus Furcht vor noch weiter gehenden Protesten wurden die„Rädelssührcr", die man in Hast gesetzt hatte, wieder freigelassen. In S orre n 1, das den Fremden nur durch seine Schönheit bekannt ist, hat der Hunger An- laß zu Tumulten gegeben. Ebenso in L o r e o und in verschiedenen Ortschaften Apuliens. ES muß daran erinnert werden, daß das Signal zu gewaltsamen Erhebungen gegen unerträglich gewordenes Elend in Italien immer in Apulien gegeben worden ist. Zweifellos sind die Dinge in Italien stärker in Bewegung gekommen. In Norditalien ist eine gewaltige Zunahme der Zahl der Verhaftungen und Verfolgungen zu verzeichnen. So in Mailand, Turin und Como. Nicht zu reden von den Zwangsverschickungen, die von der Turiner Polizei vorgenommen wurden und bei denen der Ingenieur R o m i t a, ein ehemaliger sozialistischer Abgeordneter, der bereits früher drei Jahre lang verbannt war, der Schuster Dalbe r t o, der stet- in der vordersten Reihe der so erschütternd wäre, dessen Wohnstätten eine so deutliche Sprache rckcn würden. Selbst in den notleidenden und heute verelendeten Gebieten von Nordböhmen wird nicht der gleiche niederdrückende Eiickruck auf dem Reisenden lasten, denn das Elend pflegt sich gewöhnlich zu verstecken: hier aber grinst eS aus allen Ecken und Enden, hier muß man nicht viel fragen und suchen; denn die Not diese? Landes ist alt, sie ist sozusagen bodenständig, hier wurde immer auch unter der Friedensherrschaft der Ungarn Kolonial Politik getrieben, niemand hat sich jemals darum gekümmeü, wie die naiven und so lange» vernachlässigten Ukrainer und Zigeuner lebe«; aber was die Monarchie der magyarischen Magnaten geducket hat, daS darf der demokratischen Republik nicht gleichgültig sein. Und doch gibt«S in der kleinen Hauptstadt U L h o r o d nicht weniger' als vier N o t- standskolonten— die aber auch in gleicher Art in fast allen andere« Städten zu finden sind—, vier Kolonien, in denen das Proletariat ei» Leben führt, das kein Viehzüchter seinem Haustier zumuten würde. Eine Kolonie besteht aus elenden Lehmhütten, in der zweiten wohnen die Menschen in halb verfallene« EisenbahnwaggonS, die dritte ist ein Zigeunerlaaer am Fluß unter freiem Himmel, und die letzte, ganz in der Nähe ür präch tigen grrech isch-o r th o- ! den Brüder; auS Leck und Opferung soll Freude und Seligkeit kommen. Wir glauben nicht mehr an die strahlenden Helden, die mit verzückten Händen das Volk erlösen wolle«. Wir haben zuviel Strahlenglanz verschwinden sehen, zuviel Hecken haben nch als Narren oder Dummköpfe entlarvt. Das Proletariat befreit sich selbst. Die alte Botschaft von der Erlösung durch den Messias wird vielen Millionen Menschen nichts weiter geben können als ein bitteres Gefühl der Ohnmacht. Die Arbeitslosen wecken nicht satt davon. Ihre Kinder nicht fröhlich. Die Bergleute an der Ruhr, die Obdachlosen in den Asylen, die Metallarbeiter von Berlin und die.Hafenarbeiter in Hamburg hören andere Botschaft, die Botschaft nämlich: Schließt euch zusammen! Vorwärts! Kämpft! Wir wollen schon hier auf Ecken glücklich sein! AuS dem Winter der Not marschieren wir alle in den Frühling unseres sieghaste« Maitags. Das Feuerauf der Erde ist aber erst dann gebändigt, wenn es aus den roten Fahnen der befreiten^Völker leuchtet. Kurt EiSner:„Alle Tage Schenkel. Ich träume vor meinem Schaufenster, über das achtlos meine Blicke und wunschlos meine Pfühle Hinweggleiten, von einer anderen Zeit, einer neuen Zukunft. Man wird sie nicht das Zeitalter der Elektrizität oder des lenkbaren Luftschiffes oder sonst nach einer technischen Eroberung nennen, sondern einfach das Zeitalter des Schenkens. Und dann wird erst die Geschichte- der wahren Menschheit beginnen... Das Schenken wird alle Tage das höchste Gesetz des Daseins bilden. Alle schenken die Kraft ihrer Hände, di« Gedanken ihrer Kopfe, die Schönheiten ihrer Phantasie. Sie geben alles verschwenderisch hin! Freies Schassen und freie- Empfangen regelt alle Wirtschaft und bindet sanft die Beziehungen der Menschen. DaS Schenken ist nicht mehr das Vorrecht eines die übrige Zeit höhnenden Tages und nicht die Gunst einiger beverrechteter Kinder, sondern eS ist das tiefste und umfassende Nr. 300. Ein Schritt vorwärt? Das Ergebnis der Baseler Verhandlungen. Unter dem zeitlichen Druck des bevorstehenden Weihnachtsfestes sind zwei wichtige Ver handlungen, die die Weltöffentlichkeit seit Tagen in Spanung hielten, in aller Eile zu Ende ge= führt worden: In Washington hat der Senat das Hoover- Moratorium ratifiziert und in Basel hat der Sonderausschuß der Bank für internationalen Zahlungsausgleich seinen Bericht über die deutsche Zahlungsfähigkeit fertiggestellt. Gehören diese beiden Weihnachtsbotschaften zu denen, die den Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" zu bringen geeignet find? Die Ratifizierung des Hoover- Planes war eine Selbstverständlichkeit, seme Ablehnung wäre ein internationaler Standal gewesen. Statt der erforderlichen Zweidrittelmehr heit hat der Senat sogar mehr als eine Fünfsechstelmehrheit zugunsten der Initiative des Prafidenten aufgebracht. Allerdings kann Hoover von Glück reden, daß er seinerzeit so vorsichtig war, sich im voraus der Zustimmung von 69 Senatoren in feierlicher Form zu versichern. Bis auf eins haben ihm alle diese Mitglieder trop einer leidenschaftlichen Opposition bis zuletzt Gefolg schaft geleistet, um sich nicht selbst zu des abouieren. Aber ohne die seinerzeitige Festlegung der Senatoren durch Hoover wäre das Abstim mungsergebnis wahrscheinlich ein ganz anderes gewesen. Jedenfalls ist das Prestige Ho0vers, gegen den von der Minderheit außer ordentlich schwere Anklagen erhoben worden sind, aus diesem Kampfe alles eher denn gestärkt hervorgegangen. Die Aussichten für weitere Schritte der amerikanischen Regierung im Sinne eines Entgegenkommens gegenüber den europäischen Staaten sind fast auf den Nullpunkt g2= funten. Die Resolution des Abgeordnetenhauses, die sich gegen eine Streichung und selbst gegen eine Herabjebung der interalliierten Schulden richtet, hat die Bewegungsfreiheit Hoovers für die Zukunft außerordentlich eingeengt. Dabei scheinen vorwiegend inner politisch e Gründe die Stellungnahme der meisten amerikanischen Parlamentsmitglieder bestimmt zu haben. Die Partei der Demokraten, die bei den letzten Teilwahlen start zugenommen hat, wollte den Präsidenten, der aus dem Lager der Republikaner hervorgegangen ist, ihre Macht fühlen lassen. in Aber welche Beweggründe auch bei diesem parlamentarischen Kampf in Washington maßgebend gewesen sein mögen, die Wirkung der dortigen Beschlüsse auf Europa dürfte taum ausbleiben. Für die Franzosen war die schroff ablehnende Haltung großer Teile des amerikanischen Parlaments gegen weitere Zugeständnisse in der interalliierten Schuldenfrage ein Grund oder zumindest ein Vorwand für die von ihnen geforderte Aufrechterhaltung des Youngplanes. Kein Zweifel, daß der Verlauf der Debatte in Washington den Verlauf der Beratungen Basel start beeinflußt hat. Mit äußerster Hartnädigteit hat sich der franzöfifche Delegierte im Sonderausschuß, Professor Rist, unterstützt von dem belgischen und dem füdslawischen Vertreter, dagegen gewandt, daß in den Bericht irgendwelche fontreten Vorschläge aufgenommen werden, die im Widerspruch zu dem Wortlaut des Young- Planes stehen würden. Ursprünglich hatte sich die französische Gruppe überhaupt da gegen gewehrt, daß die Reparationslasten entsprechend einer Forderung Deutschlands in Busammenhang gebracht werden mit der Wirtschaftskrise, unter der nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt so schwer leidet. Aber die Freitag, 23. Dezember 1981. Die Arbeitslosigkeit in der Tschechoslowakei. Seite 5 Petit Parisien" führt weiter aus: Soweit sich aus dem kurzen gestrigen Auszug des Rapportes des Baseler Beratenen Sonderausschusses Nichtuntergebrachte Bewerber nach Monaten in den Jahren 1928-1931 Schlüsse ziehen lassen, ist der Rapport weni250.009548.808320.398 300.00 288.008288.880248.009220.009290.009 0.000 88.000 168.088128.088109.008L80848.00820.068 Gumme Fabritsberufe in der freien Natur tätige Berufe 1928 1929 ** 1938 193 Uebersicht des Außenhandels vom Oktober 1930 bis Oktober 1931 Mill. Και Einfuhr insgesamt Einfuhr v. Rohstoffen Mill. Kö Ausfuhr insgesamt 1700 Ausfuhr von Fertig1700 1600 waren 1600 1500 1500 1400 1400 1300 1300 1200 1200 1100 1100 1000 1000 900 900 800 800 700 700 600 600 500 500 400 400 300 300 X. XI. XIII. 11. III. IV. V. VI. VII. VIII. IX. X 1930 1931 360.000 340.000 320.000 300.000 260.009 208.000 248.000 -220.000 200.000 180.000 0.000 140.000 120.000 100.000 <-80.000 80.800 48.000 20.000 Die beiben Darstellungen find den„ Bor läufigen Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes der Tschechoslowakischen Republik" ent nommen. Der Baseler Bericht. " ger schlimm, als wir befürchtet haben. Er enthält nicht einen einzigen Say, der die Verantwortung für die finanzielle und wirtschaftliche Lage Deutschlands den Reparationen zuschreiben würde. Die Schrumpfung der österreichischen Wirtschaft. Wien, 24. Dezember. Nach dem Monatsbericht des österreichischen Institutes für Kon junkturforschung ist in den letzten Monaten der Arbeiterstand in nicht weniger als 7 Branchen unter die Hälfte des Arbeiterstandes im Durchschnitt des Jahres 1929 zurüdgegangen, und zwar bei den Sensenwerken, in den Lokomotiv- und Waggonfabriken, in den Eisenkon struktionswerkstätten, Automobilfabriken, Hutfabriken, in der Magnesitindustrie und in der Maschinenerzeugung. Lediglich in zwei Branches ist gegenüber 1929 eine Vermehrung des Arbei terstandes zu verzeichnen gewesen, und zwar in der Zuckerwarenerzeugung um 2 Prozent, in der Schuhwarenerzeugung sogar um 4 Prozent. Der arithmetische Durchschnitt des Rückganges in der Beschäftigung der gesamten Industrie beträgt 35.3 Prozent. Amnestie in Frankreich. Paris, 24. Dezember.( Havas.) Die Depu tiertentammer hat heute um 6 Uhr früh, wie bereits berichtet, in Anwesenheit von 584 Depu tierten einmütig die Amnestievorlage an genommen, die sich auf alle bezieht, welche wegen autonomistischer Verschworung, wegen Arbeitsdelikten, Pressedelikte, ausgenommen Ehrabschneidung von Offizieren, ferner wegen militärischer DeIitte, einschließlich Desertion ins Aus land, wenn der Deserteur wenigstens ein Jahr diente und wenn über ihn im Tagesbefehl eine belobende Erwähnung getan wurde, verurteilt wurden. Weibliche Delegierte auf der Abrüstungskonferenz. Washington, 24. Dezember.( Reuter.) Eines der Mitglieder der amerikanischen Delegation für die Abrüstungstonferenz wird auch die Direktorin des höheren Mädchenpensionats am Mount Holyoke Mary Emma Wooley sein. Die Delegierte ist gleichzeitig Direktorin und Vizepräsidentin der Filiale der Association der Freunde des Völkerbundes im Staate Massachus setts und einflußreiches Mitglied zahlreicher religiöser und Wohltätigkeitsvereine im ganzen Lande. Japanischer Dampfer gesunken. Fünfzig Passagier: bermißt. Totio, 24. Dezember. Der Küstendampfer ,, Yachama Maru" ist heute früh infolge Zusammenstoßes mit einem anderen Küstendampfer in den Binnensee gesunken. Fünfzig Passagiere werden vermißt. Cowjetwechsel. Sachverständigenausschuß an die Welt gerichtet Deutsch- russische Vereinbarungen, hat, wird von der Londoner Morgenpresse in Dem russischen Außenhandel sind, wie wir Die dents ne Presse nicht unbefriesist. ihrer ganzen Tragweite kritisch gewürdigt. vor einiger Zeit in einem Leitaufsatz berichtet Berlin, 24. Dezember.( Contibüro.) Wenn Times" weisen darauf hin, daß der Be- haben, infolge der Entwicklung der Weltwirt Drohung des deutschen Vertreters, Dr. Melichior, auch die Berliner Morgenblätter sich im wesent- richt einen unverkennbaren Wint gebe, daß die schaft im letzten Jahre gewisse Schwierigkeiten daz er einen Bericht nicht mitunterzeichnen lichen auf eine Wiedergabe des Auszuges des Zahlung der ungeschützten Annuitäten angesichts erwachsen. Die Rohstoffe, welche Rußland auskönnte, der den offenkundigen Zusammenhang Baseler Gutachtens beschränken, ohne ausführ- der Schwere der Krise unerwünscht sei. führt, sind im Preise stärker gefallen als die Inzwischen Reparation und Wirtschaftskrise nicht lich dazu Stellung zu nehmen, so zeigt der erste Der diplomatische Korrespondent des Daily duftriewaren, welche Rußland einführt, so daß ausdrücklich erwähnen würde, scheint den fran- Eindruck doch schon, daß die Feststellungen der Telegraph" will wissen, daß die bittersten Zu- Rußland für seine Ausfuhr weniger fremde Devizösischen Delegierten im Sonderausschuß der Baseler Sachverständigen die besondere Lage sammenstöße bei den Beratungen des Baseler sen und Valuten erhält, als es zur Bezahlung 133. schließlich doch zum Einlenten veranlaßt Deutschlands und den verhängnisvollen Ausschusses mit dem Gold problem zusam seiner Einfuhr braucht. Bisher hat Rußland zu haben. Dagegen soll die Forderung des eng- Einfluß der Reparationen auf die menhingen. Die französische Regierung sei ent seinen Lieferanten in Form von Wechseln gezahlt, lischen, des amerikanischen und der neutralen deutschen wirtschaftlichen und finanziellen Verschlossen, eine Erörterung dieser Frage auf der welche eine Laufzeit von durchschnittlich achtzehn Vertreter, daß der Bericht die Priorität der hältnisse voll würdigen. kommenden Reparationskonferenz zu verhindern. Monaten hatten. Diese Wechsel wurden in Privatschulden gegenüber den ReparationsDie Vossische Zeitung" stellt besonders die Der liberals News Chronicle" bezeichnet Deutschland bei den Banten eingereicht und von laften ausdrücklich bejaht, nicht in Erfüllung ge. Forderung nach Anpassung aller zwischenstaat als logische Schlußfolgerung des Baseler Be- ihnen diskontiert, was die Banken tun konnten, gangen sein. Immerhin dürfte der Berichtlichen Schulden an die Weltlage in den Vorder- richtes die Einberufung einer internatio. weil die Deutsche Reichsbank ihrerseits diese manche Partien enthalten, die der Gesamtlage grund. Deutschlands weitgehend Rechnung tragen, denn Das Berliner Tageblatt" nennt den Benalen Konferenz, die das Problem der Wechsel angenommen hat. Die oben erwähnten sonst wäre die Zustimmung der Reichsregierung richt eine ernste Mahnung. Das Gutachten sei prüfen müsse.„ Times" beurteilt in einem Leit geraten ist, suchen die Sowjets dadurch zu be Schulden und der Reparationen gleichzeitig Sahlungsschwierigkeiten, in die Rußland nun zu dem Baſeler Ergebnis nicht ausgesprochen natürlich ein Kompromiß, zu dem aber Deutsch- artikel die Aussichten einer solchen Reparations- beben, daß fie die Laufzeit dieser Wechworden. Wesentlich ist natürlich der Wort land unbedenklich ja sagen fönne. fonferenz ziemlich optimistisch. Die britische el von achtzehn auf vierundzwanzig, beziehungsIaut des Berichtes, wesentlich besonders hinDer Vorwärts" threibt, vor allem ſei Regieruna dränge bei der französischen und weise dreißig Monate verlängern und das fichtlich der Beurteilung, ob ale ist die Feststellung wichtig, daß sich die Lage anderen Regierungen auf eine endgültige lösung dürfte auch der Inhalt des Vertrages sein, der Schritt vorwärts bedeutet und die Welt Deutschlands und der Welt seit den Haager Kon- der ganzen Frage. ferenzen grundlegend geändert habe. Der YoungDie Auswertung des Baseler Beschlusses Plan sei überbolt. wird Anfang Jänner auf einer Konferenz der an dem Youngplan interessierten Regierungen der Bericht in den Schlußfolgerungen dem deutvorgenommen werden. Aber es muß heute schon schen Standpunkt, wenn auch nicht voll, so doch Frankreichs Standpunkt durchgesetzt. gesagt werden, daß alle, die guten Willens sind weitgehend entspreche. Paris, 24. Dezember. Zum Abschluß der und an die Ueberwindung der WeltwirtschaftsAmerika nicht überrascht. Arbeiten des Baseler Beratenden Sonderkomitrife mit Mut und Weitblick herangehen wollen, Dieser deutsch- russische Vertrag muß in der London, 24. Dezember. Wie Reuter aus tees meldet Petit Parisien", es sei im legten den Bericht des Baseler Sonderausschusses nur einem Tschechoslowakei größte Beachtung finden. in dem Sinne werden auslegen können, daß das Washington meldet, lehnen die amtlichen Augenblick in der Expertensizung zu ganze bisherige System der Reparationen schleu- Stellen jede Aeußerung zum Baseler Sachver: Zwischenfall zwischen dem britischen Delegierten Unsere Exporteure sind gegenüber den Deutschen night beendet werden muß. Troydem darf ständigenbericht ab. Man fönne aber sagen, daß Walter Layton und dem französischen Dele- dadurch im Nachteil, daß sie hierzulande die man sich nicht darüber täuschen, daß ein solcher die Feststellungen des Ausschusses feine be- gierten Rist gekommen. Der britische Delegierte Russenwechsel nicht zum Diskont einreichen fönkühner Beschluß von der Jännerkonferenz fondere Ueberraschung hervorgerufen nämlich war bemüht, in Kapitel 2 des Rapports nen. Außerdem steht der Verdichtung des Wirtzwischen Rußland und der Die Haltung des ameri- haben. Im allgemeinen vertrete man den Stand- die Formel betreffend den Vorzug der schaftsverkehrs faum zu erwarten ist. kanischen Barlaments hat den französischen Na- punkt, daß den nächsten Schritt Europa tundeutschen Privatschulden gegenüber Tschechoslowakei die Tatsache entgegen, daß die tionalisten neue Argumente geliefert, und wenige müsse, wobei es sich voraussichtlich um die Ein- der Reparationsregelung wieder einzuverleiben. Tschechoslowakei Rußland noch immer nicht de Wochen vor den französischen Neuwahlen wird berufung einer allgemeinen Reparationstonfe- Das Drängen des britischen Delegierten und die jure anerkannt hat. Dies ist um so unverständ Die Bariser Regierung sich nicht dem Vorwurf renz handeln werde. Man zweifele jedoch, ob ganze Debatte waren so lebhaft, daß sich der licher, als soeben die Russen sowohl mit Bolen französische Delegierte gezwungen fah, den als auch mit Frankreich über einen politischen aussehen wollen, daß sie die deutschen Repara- Amerika daran teilnehmen werde. Sizungssaal zu verlassen. Auf Zu- Vertrag verhandeln. tionen ohne entsprechende amerikanische Zugeständnisse preisgegeben habe Deshalb wird auch die Jännertonferenz wahrscheinlich nur eine Teillösung bringen, der aber bald eine endgültige Klärung folgen muß. an einem neuen Wendepunkt steht. Die Börsenzeitung" ist der Auffassung, daß Londoner Presse für eine Reparationskonferenz. London, 24. Dezember. Die ernste War nung vor einer Katastrophe, die der Baseler Keine Bevorzugung der Privatschulden. dieser Tage zwischen Deutschland und Rußland abgeschlossen wurde. Außerdem wurde zwischen den beiden Ländern ein Kompensationsvertrag abgeschlossen, wonach Deutschland den Russen 200.000 Tonnen Roggen, 100.000 Tonnen Wei zen und 100.000 Tonnen Gerste abnimmt, wogegen Rußland bon Deutschland Industriepro dukte kauft. reden der übrigen Kollegen kehrte er erst zurüd, Angesichts der sich immer mehr verschärfenals er volle Genugtuung erhalten hatte und als den Wirtschaftskrise in der Tschechoslowakei wäre jegliche Erwähnung über die Priorität der Pries allerhöchste Zeit, wenn wir in ein besseres vatschulden in dem Rapport gestrichen wurde. Verhältnis zu den Sowjets gelangten. Seite 6 Freitag, 25. Dezember 1931. Eine Chriftsommernacht in Kapstadt. Genossen! Nr. 300. Ihr müffet un ausgesetzt für Gin Kartellgefeß in der Zschechoslowakei. Das Justizministerium hat den anderen Ministerien soeben einen Gesetzentwurf über Kartelle und Privatmonopole zugesandt. Darnach unterliegen Kartelle und Monopole einer be- Südafrika, das Kap der Guten Hoffnung, teurer Spaß, sich ein eigenes Haus zu bauen! So ein. In das Heim des Arbeiters gehört die sonderen Aufsich f. Als Kartelle werden jene tropische Commernacht, Christnacht. Die euro- sieht man elende Holzhütten, erbärmliche Bretter- Arbeiterpresse. Darum, Im Wirbel der Rassen. die Verbreitung unserer Zeitung agitieren Segt euch überall für unsere Parteiprefe Vereinigungen ſelbſtändiger Unternehmer be- päischen Straßen der Solonialhauptstadt Stapstadi buden, wunderbar zusammengefügte Behausun- Shenollenz, Genoffinnen agitiert trachtet, die den Zwed haben, durch gemeinsames sind festlich erleuchtet. Hinter den Häusern steigen gen, aus alten Konjervenbüchsen, verrostetem Vorgehen und Absatz, Kreditgewährung und aus blauer Nacht Raketen gleich brennenden Wellblech und den in Afrika jo verbreiteten BenHöhe des Zinsfußes, Lieferungen, Bertaufs-, Sternen, entladen sich knallend über dem funkeln zintants. Die Banten fegen den Zinsfuß herab. Wie wir bereits gemeldet haben, hat die Tschechoslowakische Nationalbant den Binsfuk um ein halbes Prozent herabgesetzt. Der Verband ter tschechoslowakischen Banten teilt nun mit, daß auch die Privatbanken beschlossen haben, angesichts des Vorgehens der Nationalbant ihre Esfontfäge um ein halbes Prozent herab zusetzen. Die Kommunisten und die Religion. Opportunistische Auffassungen. Die Weltkrise und die Krise des Reformismus. Deutsche Profefforen. Lieferungs-, Zahlungs- und andere kaufmän- den Horizont. Ferne tönen Kirchenglocken, Weih- Jeden Abend verlassen die Kaffern, von „ Sie Lümmel, Sie dumme nische Bedingungen, sowie die Preise. Als Pri- nachtslieder dem kalten Norden entstammend, deren Arbeit die weiße Stadt lebt, ihre Arbeits- Junge! Wenn Sie noch weiterlachen batmonopole werden solche Unternehmungen verwischt durch das Brausen einer Großstadt. Die plätze und wandern ihren ärmlichen Behausun- und mich noch weiter beleidigen, aufgefaßt, welche mit Rücksicht auf ihren Umfang sonst zur Nachtzeit wie ausgestorben erscheinende gen zu, die zu verlassen ihnen von Abend bis triegen Sie eins hinter die Ohren, oder ihren Charakter imstande sind, einen ent- Stadt wimmelt von einer nach Tausenden zählen Morgengrauen verboten ist. Und würde heute Sie Lümmel!" Also sprach nicht ein Korpsscheidenden Einfluß auf den Markt zu üben. Die den Menge. Die Masse Mensch, ein buntes Ge- einer dieser Armen in seiner findlichen Neugier student im dritten Semester, geschmückt mit Band Vorlage bezicht sich nicht auf Staatsmonopole wirr von Rassen, Nationen und Religionen, wie es wagen, ohne Paß seine Augen in das Getriebe und Hakenkreuz und dem Schmiß auf der Backe, und jene staatlichen Unternehmungen, welche ge- es nur Südafrikas Boden hervorzubringen ver- feiner weißen Brüder zu stecken, so steckte man auf der Kneipe zu einem anderen Korpsstuden meinnüßigen Zwecken dienen. Die Aufsicht über mag. Nähertretend findet man diese Masse von ihn morgen schon für Wochen hinter festere ten, so sprach vielmehr der sehr geehrte, im gedie Kartelle führt eine besondere Kommission, unsichtbaren Wänden getrennt. Rassenstolz und Gitter. Da siten sie nun in ihren Lokationen, setzten Alter befindliche, als deutscher Professor genannt ,,, Staatliche Wirtschaftskommission", an Rassenhaz zieht unsichtbare Mauern. In einer denken, daß heute Christnacht, die Nacht der Ver- und Autorität sehr bekannte Professor deren Spiße ein vom Präsidenten der Republik nadien Geschäftsstraße amerikanischen Musters jöhnung, die Nacht des Heiles ist, wie es ihnen Hans Much zu dem ebenfalls sehr bekannten ernannter Vorsitzender sowie dessen Stellvertre findet man zwei Welten, Europa und den Orient, der weiße Gottesmann lehrte. Doch wehe, sollte und sehr geehrten Professor Schürmann ter stehen. Die Kommission besteht auch achtzehn Auf der einen Seite der Straße dominiert der Kaffer es einmal wagen, die geheiligten Hal- in der Verhandlung des sogenannten CalmetteMitgliedern, die von der Regierung ernannt werdas sogenannte Herrenwolf der Weißen, vertre- len eines Gotteshauses der ,, Weißen" zu betreten, Prozesses in Lübed. den und in der die beteiligten Ministerien, Ver- ten durch die in der Kapprovinz lebenden Buren wo diese mit ihren hundert Konfeffionen in ihren Der Herr Professor hat sich nachträglich entfreter der Konfuntenfen, der Gewerkschaften und und Briten. Zwei feindliche Nationen, die sich ein Stirchen int alleinigen Rechte thronen. schuldigt und dann war alles wie zuvor. Man Unternehmer sihen. Die Aufgabe der Kommis- Jahrhundert lang den Luxus des gegenseitigen Denn: das weiße Volk duldet keine Gleich- nennt das Honorigteit! Die Herren haben fion ist es Aufsicht über die Kartelle zu üben, Berfleischens geleistet haben. Heute allerdings sind beit zwischen Farbigen und weißen Einwohnern nicht das Gefühl, daß sie bei solchen Gelegenhe damit diese nicht auf Kosten öffentlicher Inter fie friedlich vereint. Und so durchzieht das vom des Landes, weder in der Kirche(!) noch im ten die Waste fallen lassen. Da zeigt sich, daß essen die freie Konkurrenz beschränken. Es wird Gigendünkel geschwellte Bolk der Kolonisten, Staat." So die schönen Worte eines Grundge- fie im Laufe der Jahre, n denen sie alt und ein besonderes Kartellregister eingeführt. Auch welche das Treiben einer Christnacht weit vom fetes in der südafrikanischen Union. würdig geworden sind, zwar wohl Fachwissen die Interessen der Kartellmitglieder gegenüber Lande in die Straßen von Kapstadt gelodt hat, m Den Sprößlingen des Orientes, die es durch angesammelt haben, daß sie sonst aber in Geist der Kartelleitung werden geschützt. Strafrecht billigen Masten, papierene Peitschen schwingend, ihren Fleiß oft zu einem gewissen Wohlstand ge- und Benehmen im ödesten Korpsstudententum liche Sanktionen sind vorgesehen. fingend und gröhlend, die Stadt. Im Gewühl bracht haben, mußte das Gesetz mehr Rechte ein- steden geblieben sind. Das sind die würdigen. wird nach Frauen und Mädchen gehascht, werden räumen, obwohl sie in den Augen der Weizen Herren, die durch ihr Beispiel die Studenten fie verfolgt und gefüßt, um dann scheinbar ent- ebenso minderwertio sind wie die Eingeborenen. davon abhalten sollten, hinter dem nationalsozia rüftet freigegeben zu werden. Tüdische Feuer- Trotz der gesetzlichen Gleichstellung wird dem listischen Ungeist herzulaufen. frösche entladen sich zur allgemeinen Beluftigung Farbigen der Zutritt zu jedem Hotel, Teeraum, Dieser Zwischenfall lehrt mehr über die unter den Füßen ahnungslos Dahinschreitender. Kino oder Theater verweigert. Von den Straßen Ursachen der Ausbreitung der Hakenkreuzbruta Papierpeitschen gehen rücksichtslos auf jedermann fann man sie allerdings nicht verbannen gleich lität an den deutschen Hochschulen, als eine lange nieder. Unter Masten und alkoholgetränkt ver- demt armen schwarzen Mann. Und so stehen sie soziologische Dissertation! lieren plößlich die so steifen und sich als bessere ausgestoßen von der Gemeinschaft der Weißen Herren fühlenden Engländer und frömmelnden auf der anderen Seite der Hauptstraße Kapstadts, Buren ihre immer zur Schau getragene 2iffer in der sich das nächtliche Christtreiben abspielt. tion. Orgienhaft toben sie sich in den Straßen Jung und Alt schaut verächtlich herüber auf die aus. In hellerleuchteten Teeräumen und Klubs andere Welt, auf Europa mit seinen vertierten Im Organ des reformistischen Flügels der hüpft und lärmt man nach den ewigen Klängen Repräsentanten. So stehen sie da, sich wundernd Sozialiste"( Paris) vom 7. November wirft Sozialistischen Partei Frankreichs La Vie on Jazz. Der Alkohol strömt in die trockenen über die Dummheit der Weißen, die mit fort- Bouis Ballon die Frage über die Strise des Kehlen des weißen Mannes und manch ehrbaren schreitender Nacht immer mehr dem Alkohol ver- Reformismus und die Aufgaben des interRichters, der morgen wegen verbotenen Alkohol- fallen, immer gewalttätiger werden. Warum steht nationalen Sozialismus in der heutigen Weltgenusses Dubende von Kaffern zu wochenlangen fast regungslos der Orient da? Starrt und trife auf: Gefängnisstrafen verurteilt. Das tropische Klima itaunt? Fast scheint es, als ob er hierher kommt, Eine Frage drängt sich auf: tritt durch die heischt seinen Tribut in drückend heißer Christ um der Jugend europäische Stultur als gegenwärtige Strife ein Wandel in den Möglichabschreckendes Beispiel zu zeigen. Man feiten der reformistischen Aktion ein? Bis in die Auf der anderen Seite der Straße aber sieht die tiefe Verachtung und die drohende Span- Jahre hinein bewahrte der Kapitalismus einen staunt und starrt in erhabener Ruhe aus tausend nung, die von diesen Entrechteten ausgeht, er- fortschrittlichen Charakter... Ohne den Kapitaentsegten Augen der Orient. Malaien, Hindus, mariend, daß sie sich bei einer der sich immer meh- lismus in seiner ökonomischen Struktur anzuInder, malerische Gestalten, oft in eleganten renden Anrempelungen durch die Weißen ent- greifen, gab die reformistische Tattit den organieuropäischen Kleidern, mit roten und schwarzen laden muß. Den angetrunken verliert der Weiße erten Arbeitern die Möglichkeit, ihren Einfluß Fez. Meistens sind sie Nachkommen der einst von sein überall zur Schau getragenes Rassenbewußt- im Staat auszudehnen und tollettive Organis den Holländern hierher verschleppten Stlaven. sein. Er beginnt die Reihen der Orientalen zu jationen zu schaffen, die zu einer aufbauenden und dann in tausend Varianten das Volk der durchziehen, deren Viertel er zur Tageszeit nie Verwaltungstätigkeit fähig sind... Nunmehr Farbinen, die Sünde des weißen Vaters, der betreten würde, allzu lüsterne Blicke auf die muß die ganze reformistische Politik, die sich beDie Kommunisten behaupteten noch immer, weißen Mutter, von Schwarz und Weiß ver- Schönheiten des Orientes werfend. Denn gleich mühte, die Verteilung der Güter zwischen den daß dieser Standpunkt der Sozialdemokratie nicht achtet. thren männlichen Rassebrüdern bestaunen indische sozialen Klassen durch Steuerpolitik und Sozialprinzipiellen sondern opportunistischen Gesichts- Von den hier als„ rechtmäßige Herren" und malaische Mädchen und Frauen fittsam, oft versicherung zu verbessern, eine schlimme Schlappe punkten entspringe und daß sie allein die ein lebenden Schwarzen, von denen bekommt man tief verschleiert in prächtigen seidenen Gewän- erleiden; die englische Erfahrung ist der beste zigen wirklichen Bekämpfer der Religionen nichts zu sehen. Ihnen ist es verweigert, an dem dern, das für sie unfaßbare Treiben ihrer weißen Beweis dafür. Es ist die kapitalistische Produkseien. Welch bodenlose Demagogie die Kommu- Treiben einer Christnacht teilzunehmen. Weitab Schwestern. Mit Etel und Verachtung aber wen- fion mit ihren ellatanten Widersprüchen in einer nisten auch in dieser Frage entwickeln, dafür sei von der weißen Stadt und all dem Luxus der ten sie sich stillschweigend weg, wenn weiße Hände allzu engen Welt, die man angreifen muß, wenn ein Beweis eine Stelle aus den Richtlinien, Weißen liegt die schwarze Stadt, die Lokationen, zudringlich werden. Und nun geschieht das Un- man die Situation heilen will. Die Zeit des Rewelche die kommunistische Partei Deutschlands von Stacheldraht umgeben, von schwarzen und glaubliche, daß die farbigen Kavaliere mit nur formismus ist vorbei; die Arbeiterklasse darf sich in der letzten Zeit herausgegeben hat. Bei diesen weißen Beamten bewacht. äußerlicher Ruhe den Weißen an den ihm allein der Notwendigkeit und der Pflicht, die Vereinheit Richtlinien handelt es sich darum, die kommuni Kleine steinerne Häuschen in langen Reihen, reservierten Platz verive sen, auf die andere Seite lichung und Umgestaltung der Welt zu überneh stische Agitation in den katholischen Gegenden von der Städten erbaut, welche so das mühsam der Straße, andeutend, daß Weiß zu Weiß ge- men, nicht entziehen... Der Sozialismus muß Deutschlands, dort wo das Zentrum noch sehr verdiente Geld des schwarzen Mannes in Form höre. Alle Beleidigungen ertragen sie ruhig und in dieser Stunde betonen, daß die Zeit des Verstart ist, zu steigern und erfolgreicher zu gestal- von hohem Zins für die Benützung derselben gelassen, vergnügen sich mit einem ruhigen Her- teilungsreformismus vorbei ist und daß die so ten. Es heißt da: aussaugen. Es ist dem Eingeborenen ja verwei- überstarren in die andere Welt, auf den gegen- zialistische Arbeit auf dem Gebiet der Produktion In unserer Politik und Arbeit muß im gert, sich irgendwo nach eigenem Sinn niederzu überliegenden Bürgersteig, auf Europa. dringend notwendig ist... Jm nationalen RahVordergrund stehen die Aufrollung der sozialen lassen. Nur wenigen Glüdlichen ist es möglich, Dort stehen jest an allen Eden Sanitäts- men ist die Aktion fruchtlos, sogar unmöglich, sie fann nur international vorgenommen werden. rote Einheit schaffen und dabei eine gewiffe Frei. Stüdchen Grund, um daselbst eine eigene Wohn- wir schon emmal sind, nicht im eigenen Rote fache, dag in jedem Zande der Stapitalismus, oft umfommen zu lassen. die Arbeiterbewegung in seine eigenen Wider heit in den religiösen Weltanschauungsfragen bei ftätte zu erbauen. Aber wieviel Glückliche gibt es, In den Straßen von Kapstadt brausen die sprüche hineinzieht: Nationalismus und Zünftlerden christlichen Arbeitern und Angestellten, be- die einen guten Lohn beziehen und imstande sind. sonders auch bei den werftätigen Bauern walten eine beffere Baulichkeit zu errichten. Und selbst Bogen zweier Raffen im dumpfen Gewühl der tum bedrohen die Geschlossenheit einer interwenn dem Kaffer" die Möglichkeit geboten ist, Waffen, unheilverkündend für kommende Zeiten. nationalen sozialistischen Aktion. Nur eine starte aus eigenen Mitteln ein fleines Steinhäuschen Weder tönen Kirchenglockenden Frieden einer Internationale, die ihre Tätigkeit auf das Weit anderen Worten, man wird den Leuten zu errichten, muß er immer damit rechnen, daß heiligen Nacht verkündend. Doch, wo ist der Einigende und nicht auf das Trennende stützt, ihren Glauben lassen und nicht viel über Reli- er heute oder morgen seinen stolzen Sitz, an dem Friede? Fernab an den Klippen des Kap der fann eine wirkliche Lösung der Probleme, die die gion reden. Wenn Wenn das ein Sozialdemokrat er mit seinem ganzen Herzen hängt, verliert. Guten Hoffnung, wo die Wogen zweier Meere sich Arbeiterschaft aller Länder interessieren,' herbeiirgendwo fagen würde, wäre das Verrat am wird er wegen Erkrankung oder aus anderen brausend vermischen, der Indische und Atlantische führen. Ihre dringende Aufgabe ist, mit Hilfe Sozialismus, wenn es aber ein Kommunist sagt, Gründen arbeitslos und kann den hohen Pacht- Ozean, wo unter dem Kreuz des Südens die eines prattischen und fortschrittlichen Planes der ist es im höchsten Grade revolutionär. Ein Kom- ins für den Grund und Boden nicht bezahlen, Welt strahlend erleuchtet dort ist eine wirkliche Arbeitsverteilung unter den Ländern eine internationale Organisation der Produktion zu schaf munist fann machen was er will, er fann sich beschlagnahmen ihm die heutigen we hen fla- Weihnacht Chriftsommernacht. Dr. Ferdinand 3 a ch( Johannesburg). auch räuspern, immer ist es eine vevolutionäre venhalter sein Haus und verauktionieren es. Ein fen, die unter die demokratische Kontrolle der Arbeiter gestellt wird, und die durch VereinHandlung. barungen der Regierungen jener Länder, in denen Es ist bekannt, daß die Kommunisten die Sozialdemokratie beschuldigen, daß diese nicht mit der nötigen Energie den Kampf gegen die Religionen führe. Im sozialdemokratischen Pro- sommernacht. gramm wird die Religion als Privatsache erflärt und es ist die Aufgabe der Partei alle proletarischen Elemente, ohne Rücksicht auf die veligiösen Auffassungen des Einzelnen zum Klassentampfe gegen Bürgertum und Kapitalismus zu sammenzufassen. Dabei wird den Organisationen der Freidenker, die sich den Kampf gegen die Kirche zur Aufgabe gemacht haben, kein Hindernis in den Weg gelegt. Kampffragen. Auf diesem Wege müssen wir die solche Wohnungen zu beziehen. Die weniger Be ambulanzen, um den weißen Bruder, human, wie Die größte Schwierigkeit erwächst aus der TatTajjen. mittelten mieten innerhalb der Lokationen ein ww wwwww daß Der Reichsverband der Friseurgenossenschaftend zu machen und zweitens, daß bei dem Lohn durch die Gehilfen bekommen. Es ist nur bedie Arbeiter an der Macht sind, erzielt werden ten glaubt, mit einem Kuff die Gehilfen um die Ueberstunden, egal in welcher Anzahl gele:- dauerlich, daß sich ernste Menschen, und solche foll." In einem besonderen Abschnitt wendet sich ihre gefeklichen Rechte zu bringen. In den legten ftet, bereits mit enthalten sind. Es wäre gibt es doch unter den Genossenschaftsangehöri Wochen hat der Reichsverband der Friseurgenes interessant, den Schlauberger dem Namen nach gen, nicht gegen solche Bauernfängerei der Ge- Vallon den politischen Aufgaben der Arbeiter. senschaften Lohnlisten drucken lassen, in denen an 84 bennen, denn er müßte eine besondere Aushilfenschaft gegenüber ihrer genossenschaftsfüh- laffe zu: der Kampf um die Demokratie jei für der Spike der Name des Geschäftsinhabers ge- zeichnung erhalten für die Liſt, mit der er die renden Personen zur Wehr sehen, weil damit das Proletariat identisch mit dem Kampf um die Gehilfen ums Ohr haut. Wir wollen den Schöp- auch den Meistern durch die Frreführung fein Madht. schrieben wird und es dann heißt: In dem Augenblid, wo die Bourgeoisie ,, Ansprüche aus irgendeinem Titel betreffend fer dieser Idee vor aller Offentlichkeit aufmer! Dienst erwiesen wird. Schließlich sind wir ja doch Lohn und Arbeitszeit müssen bei der jeweiligen sam machen, daß diese Vorgangsweise nicht weit in diesem Staate noch nicht so weit, daß sich bei bereit ist, zum Faschismus und zum Krieg geführt von einer Erpressung an den Gehilfeit liegt, denn gerichtlicher Feststellung über das Lohnrecht eines zu werden, darf das Proletariat den Kampf um Lohnauszahlung geltend gemacht werden." wenn dieser den famosen Bogen nicht unter Friseurgehilfen ein Richter finden wird, der eine die Demokratie und den Frieden nicht aufgeben.. Sodann erfolgt die Unterschrift des Arbeitneh- schreibt, wird er nicht aufgenommen, und wenn wöchentliche 60- bis 70stündige Arbeitszeit mit Der gegenwärtige Kampf zwischen dem Promers. Dann folgt noch nachstehender Say: er bereits in Stellung ist und ihm diese Druck- einem Lohne von 70 Kronen als gerecht bezeich- letariat und der kapitalistischen Bourgeosie um Wochenlohn einschließlich der jeweilig ge- forte ur Unterschrift vorgelegt wird, bedeutet nen toird. Die Friseurgehilfen aber mögen aus die Eroberung der Mittelschichten ist sicherlich leisteten Ueberstunden zufriedenstellend erhalten." die Verweigerung der Unterschrift die cheste dieser Tatsache wieder erkennen, wie notwendig einer der wichtigsten Faktoren des Sieges oder Und nun folgt eine Tabelle, in der für jede Kündigung für den Betreffenden. Es werden da es ist, sich in der Gewerkschaft zusammenzu- der Niederlage des Sozialismus in der nächsten Woche das Tatum, der ausbezahlte Betrag ein- ber die Bestimmungen des allg. bal. Gef. B., wie fchließen, um überhaupt gegen die Borniertheit Bukunft. Ein anderer nicht minder wichtiger zusehen ist und in einer Unterschriftrubrik der ein Vertrag zustande kommen muß. durch solche innerhalb dieses Berufes aufkommen zu können. Faktor ist die Wiederherstellung der Einigkeit. Empfang des Geldes jede Woche bestätigt werden Kunststüdchen nicht beseitigt und jeder Gehilfe Ihr zuständiger Verband ist die Fachbereini- Tatsächlich ist die Erfüllung der Aufgabe einer soll. Dieses doppelseitig bedruckte Formular hat auch weiterhin das Recht, für seine Mehr- gung der Friseurgehilfen" im Verband der Be- grundlegenden internationalen Reorganisation reicht für 52 Arbeitswochen und soll für spätere arbeit und geringe Bezahlung, die er erhalten fleidungsarbeiter, Siz Reichenberg, Luftgaffe 10, der Produktion unter der Kontrolle des zur Herr Ansprüche des Angestellten den Nachweis erbrin- hat, seine geltenden Rechte zu fordern. Es wer- wo fowohl Einzelanmeldungen als auch die schaft gelangten organisierten Proletariats im Gehilfenschaften entgegengenommen internationalen Maßstabe ohne politische und ge gen. daß er erstens es unterlassen hat, bei der den daher on Stelle tor Ueberstundentlagen nun panser wertschaftliche Einigkeit unmöglich." wöchentlichen Auszahlung seine Ansprüche gel- die Herren Meister Schadenersagtlagen werden. Nr. 300. Tagesneuigkeiten Sentsche Weihnacht 1931. Von Rhedo. Die Zukunft ist wie eine Stall Laterne, Man sieht tein Licht und riecht Karbid. Keiner blickt mehr froh in sie und gerne Sletterte er auf die höchsten Sterne Und sänge dort sein Weihnachtslied. Macht uns Hitlers braunes Heldenfeuer Sünstig notverordnend klein? Wird es wiederum die alte Leier, Werden alle Preise wieder teuer Und nur die Löhne niedrig sein? Heutzutage denkt man nur ans heute Und ist aus Prinzip erbost. Langsam machen auch die reichen Leute Widerwillig, aber sicher Pleite, Und das ist der einz'ge Trost. Die Jahre fommen und die Jahre gehen Und was sie bringen, ist nichts wert. Man möchte gern mal etwas and'res sehen Und sieht nur Hammel sich im Kreise drehen Und dreht sich mit, wie sich's gehört. Alles fließt und feiner mag's verstehen, Die Politik ist wie ein Brei. Ob Hitlers oder Stalins Banner wehen, Am Ende muß doch jeder stempeln gehen Und zwei mal zwei bleibt weiter drei. Der Stuttgarter Brand eingedämmt. Noch tagelange Löschungsarbeiten nötig. Freitag, 25. Dezember 1931. Statt in die Heimat in den Tod. Seite 7 eine Garantie von 2000 Dollars pro Person diesem Produkt noch immer sehr erheblich ist. Die Erniedrigende Kriecherel wurden die Inhaber dieser Bars in Freiheit Finanzwachorgane sind kaum mehr in der Lage, gesetzt. An dieser Razzia nahmen 65 Agenten den erhöhten Anforderungen des Dienstes nachder Nazis vor Itallen. teil, die in mehreren Gruppen Angriffe auf zukommen. Bei fast allen Schmugglern, die auf diese speak easy"-Bars unternahmen. frischer Tat betreten werden, handelt es sich um Innsbruck, 24. Dezember. Anläßlich Opfer der Wirtschaftskrise, Leute, die trotz guten der Gründung einer nationalsozialistischen OrtsWillens keine Arbeit und keinen Verdienst fin- gruppe in Bozen wurde von reichsdeutschen den konnten und auf diese Weise zu den verbotenen Grenzgängen verleitet werden. Da diese sakenkreuzlern, die zum Teile Asylrecht in JtaLeute nicht in der Lage sind, die von den Zoll- lien genießen, am italienischen Siegesdenkmal organen vorgeschriebene Strafgebühr zu erlegen, ein 2 or beerkranz mit einem Bande wandern sie fast ausnahmslos auf je ein bis in den italienischen Farben niederzwei Tage in den Arrest. Da die Not im Grenz gelegt. gebiet in der letzten Zeit stark zugenommen hat, muß aber wohl weiterhin damit gerechnet werBillingsley( Staat Alabama), 24. Dezember. Zwei Fliegeroffiz ere der Vereinigten Staaten, die zu einem Fluge in ihre Heimat gestartet waren, um die Weihnachtsfeiertage zu Hause zu verbringen, sind infolge eines Motordefektes abgestürzt. Beide Flieger fanden den Tod. Eisenbahnunglüd in Italien. den, daß arbeitslose Familienväter, die den Sun- gab das ihm zur Last gelegte Verschulden ohne Foggia, 24. Dezember. Zwischen Bologna ger ihrer Angehörigen stillen wollen, immer wie- Weiteres zu, betonte aber, nicht gewußt zu haben, und Foggia entgleiste heute ein Eisenbahnzug und der Gefahr der Bestrafung die Möglichkeit sollen. Der Bezirksrichter verurteilte ihn zu und Foggia entgleiste heute ein Eisenbahnzug. der sich der Gilde der Grenzläufer anschließen daß er hätte eine Bewilligung hiezu einfordern Vier Personenwagen, der Post- und der Packwagen stürzten um. 3 wei Personen wur- entgegenhalten, für einige Tage Lebensmittel für 150 K Geldstrafe, im Uneinbringlichkeitsfalle zu drei Tagen Arrest unbedingt. den Haushalt beschaffen zu können. den getötet, sechs verletzt. Termine für die Waffenübungen im Jahre Jeder neunte Einwohner arbeitslos. Ein Lebendiger Sozialismus. Wie oft ist nicht 1932. Die im fommenden Jahre übungspflichti- erschreckendes Licht auf die Auswirkungen der gegen den marxistischen Sozialismus und die gen Reservisten, welche gewichtige Gründe dafür Wirtschaftskrise in einer Stadt, die sonst unter Sozialdemokratie der Vorwurf des Dogmatismus, haben, daß sie in einem bestimmten Monate zur Arbeitslosigkeit fast überhaupt nicht zu leiden der Erstarrung und Lebensfremdheit erhoben Uebung einberufen werden und die wollen, daß hatte, wirft die Tatsache, daß nach statistischen worden! Zumeist sind es jene von unseren Geg- auf diesen Wunsch nach Möglichkeit Rücksicht ge- Erhebungen gegenwärtig in Sa a z jeder neunte nern, die auch nicht den kleinsten Bruchteil der nommen werde, werden im eigenen Interesse Einwohner erwerbslos ist. Insgesamt zählt die marxistischen Literatur wirklich kennen, die sich nachdrücklichst aufmerksam gemacht, daß sie so- Stadt Saaz gegenwärtig bereits über 1800 arderartige Urteile über Marxismus und Sozia- fort im Wege des Bezirksamtes ihres Aufent- beitslose Menschen, deren Ernährung immer lismus anmaßen. Wie lebendig der Sozialismus haltsortes ihrem Grundbuchkörper ein unge- mehr in Frage gestellt erscheint, da die staatlich in Wahrheit ist, beweist immer aufs neue die stempeltes Gesuch um Einbringung zur Uebung und städtische Fürsorge mit der schnellen AufFülle seiner literarischen Produktion, ihre Viel- in der von ihnen angestrebten Zeit einsenden. wärtsentwicklung der Arbeitslosenziffer nicht seitigkeit und tiefgründige Sachlichkeit. Da er- Derartigen Gesuchen ist das Militärbuch nicht mehr Schritt zu halten vermag. scheint nun im zweiten Jahre in Deutschland beizuschließen; der Gesuchsteller hat jedoch das Verhaftete Aktienfälscher. Unter dem drineine sozialistische Zeitschrift Neue Blätter Geburtsjahr, den Assentjahrgang, die Heimats genden Verdacht der Mitgliedschaft an einem für den Sozialismus“( Zeitschrift für zuständige Gemeinde und deren politischen Bezirk internationalen Aktienfälscherkonsortium wurden geistige und politische Gestaltung, herausgege- im Gesuche anzuführen. Uebungspflichtige Perso- von der Berliner Kriminalpolizei der 45 Jahre ben von Eduard Heimann, Frizz I att, nen mit nachgewiesener Saisonbeschäftigung fön- alte Johann Nevinger und der 69jährige KaufStuttgart, 24. Dezember. Das Feuer August Rathmann, Paul Tillich; Verlag nen um Einberufung für die Monate April oder mann Friderici verhaftet. Sie werden beschulim Ostflügel des Alten Schlosses ist einge- Alfred Protte, Potsdam), die zu den schönsten Mai bitten.( Amtlich.) digt, gefälschte amerikanische Wertpapiere im dämmt, aber noch nicht vollkommen zum Beweisen für die Lebendigkeit sozialistischen Appell an die Regierung. Man meldet uns Betrag von etwa 100.000 Dollar in Umlauf geStillstand gebracht. Im Mittelbau des Ost- Denkens und für die Aktualität sozialistischer aus Grasli: Mit einer bemerkenswerten Ent- seht zu haben. Nach weiteren Spuren der Fälflügels und am Südturm wird von der Feuer- Weltanschauung gehört. In ihr kommen feines Ent- sept wehr weiter anstrengt gearbeitet. Es dürften wegs nur die Sozialisten zu Wort, die den Her- schließung, die der Regierung überreicht werden scherbande wird gefahndet. wird, beschäftigte sich die hiesige Stadtvertretung Urteil gegen 138 Angeklagte. In den sizilianoch Tage vergehen, bis der Brand als voll ausgebern geistig naheftehen, religiöse Sozia- in ihrer letzten Sigung nach Durchberatung verständig gelöscht gelten kann. Die Ruinen listen, Anhänger des vitalistischen Sozialismus find fast völlig vereist. Nach Neujahr soll Heimanns, hier von verschiedensten Blickpunkten schiedener aktueller wirtschaftlicher Fragen, wobei nischen Städten Tarapani, Enna und Sciacca mit den Aufräumungsarbeiten begonnen wer- her wird freimütige und fachliche Kritik geübt, die Unmöglichkeit einer geregelten Fortführung wurden drei Riesenbrozesse gegen die Maffia den, die mehrere Monate in Anspruch nehmen niemals ohne den Versuch, positiv und einen der Gemeindegeschäfte unter den gegenwärtigen Durchgeführt. 138 Angeklagte erhielten insgeWeg weisend zu kritisieren; alle Probleme der Verhältnissen festgestellt worden war. In dieser samt 469 Jahre Zuchthaus. Der braunschweigische Nazi- Minister Klagdürften. jungen Generation finden ihren Niederschlag in Resolution wird vor allem auf die Differenz zwiden„ Neuen Blättern". Von der Justament schen den aus dem Kapitel soziale Fürsorge, ges hatte im November den sozialdemokratischen Schachmeister E. D. Bogoljubov in Prag Kritik der linken Opposition in der SPD und Schaffung von Arbeitsgelegenheiten usw. erwach- Volksfreund" in Braunschweig auf 7 Tage verEiner der fünf größten Schachmeister der von dem unfruchtbaren Radikalismus dieser senden Aufwand an Gemeindemitteln und den boten. Der Reichsminister des Innern hob dieGegenwart, der Sieger der großen Turniere in Richtung unterscheiden sich die Neuen Blätter immer geringer werdenden Gemeindeeinnahmen fes Verbot sofort nach Eingang der Beschwerde Bistiany 1922, Mostau 1925 und Kissingen 1928, durch ihre Sachlichkei tund geistige Beweglichkeit. hingewiesen. Die zum Gemeindefinanzwirtschafts- des braunschweigischen Verlags auf. Daraufhin nach Aljechin der erfolgreichste Spieler im heurigen Ihr Dezemberheft gibt einen Spiegel des We- gefet beschlossene und am 1. Jänner 1931 in wandte sich Nazi- Minister Klagges beschwerdeJahre( II. Sieger auf der Olympiade in Prag sens der Zeitschrift. Es bringt an leitender Stelle Kraft getretene Novelle könne fich infolge der stets führend an das Reichsgericht. Diese Leschwerde und II. Sieger des Turniers in Beldes), ehemaliger einen äußerst instruktiven Artikel. Sipsinkenden Steuereingänge nicht auswirken, so daß ist inzwischen vom Reichsgericht verW. eine weitere Hilfe nötig sei. Sie tönnte in einer worfen worden. Damit ist die angekündigte Champion Rußlands und neuester Champion lers Die Einkreisung Brünings", Deutschlands, tommt am 2 und 3. Jänner der sich mit einer Reihe, zum Teil in unferent neuerlichen Novellierung des erwähnten Gefeßes Schadensersatztlage des Braunschweiger nach Prag. Anläßlich seines Besuches werden Blatte gelegentlich ebenfalls kundgegebenen Ar- bestehen durch Wiederzuweisung des seinerzeit be- Verlags gegen Nazi- Klagges fällig geworden. Verunglückter Bergarbeiter. Wie uns berich in den Räumen der Blatá bufa"( II. Stod) ab gumenten gegen die weitere Tolerierungspolitit standenen Gemeindeanteiles an der Umsatzsteuer. 17 Uhr folgende Veranstaltungen stattfinden: Am wendet, einen theoretischen Aufsatz von Hei- Auch die Art der Unterstützung Arbeitsloser 2. Jänner eine Produktion mit Zeitkontrolle gegen mann Warum SPD?", eine ausgezeichnete müsse auf neue Grundlagen gestellt werden, westet wird, wurde auf dem Grohmannschachte in zehn bedeutende Prager Spieler. Am 3. Jänner und mutige Kritik Walter Glengows an balb die Gemeindevertretung Graslig den beab- Eisenberg der Bergmann Perthold aus Tür40 Spieler. veralteten Parteieinrichtungen Politik und sichtigten Gesebentwurf auf Schaf- maul durch niedergehende Kohle verschüttet und Simultan produktion gegen Eintritt für jede Veranstaltung 5 K oder für beide gitation" und eine Reihe anderer Bei- fung eines Notfonds begrüße, zu dem dabei so schwer verletzt, daß er ins Komotaner Beranstaltungen 8 K. Anmeldungen beim Ge- träge, von denen noch eine Auseinandersetzung auch die Unternehmer beizutragen Krankenhaus überführt werden mußte. Erwischt! Dienstag nachts verursachte im fünften schäftsführer der UJČS. J. Louma, Prag- Jinonice mit der Tat" und ihrem Herausgeber 3e h- hätten. Schließlich spricht sich die Entschließung Nr. 172. Die Produktion gegen zehn starte Spieler er besonders genannt sei. Die Neuen Blätter für die Verkürzung der Arbeitszeit Wiener Bezirk ein Betrunkener dadurch Alarm, daß bei Zeitkontrolle ist die erste Veranstaltung dieser sind unstreitig die lebendigste, interessanteste, auf 40 Stunden in der Woche aus. Die Ab- er die Tafel eines Feuerautomaten zersching. Beim freimütigste Zeitschrift des deutschen Sozialis sendung dieser Eingabe an die Regierung wurde Eintreffen der Feuerwehr erkannte diese, daß es nirgends brennt, doch konnte sie den Mann festnehmen, Art in Prag überhaupt. lus überhaupt. Sie seien vor allem jungen und einstimmig beschlossen. lernbegierigen Sozialisten empfohlen. Solange Reklameautofahrten müssen angemeldet wer- der den falschen Alarm verursachte. Der Feuer Amerikanisches Vorweihnad tsfeit. wir solches Schrifttum haben, braucht uns um den! Vor dem Bezirksgerichte Taunwald hatte automat war nämlich mit einer neuen Einrichtung New York, 24. Dezember. Die New Yorker die Sozialdemokratie und ihren Nachwuchs nicht sich dieser Tage der Obmann eines genossenschaft versehen, welche nicht nur bei der Feuerwehr, sonfr. lichen Konsumvereines deshalb zu verantworten, dern auch in der Umgebung des Feuerautomaten Prohibitionsagenten unternahmen in bange zu sein! Not und Schmuggel. Die Arbeitslosigkeit, weil er vor einiger Zeit mehrere Kraftfahrzeuge Alarm verursacht. So geschah es, daß Fußgänger das der Nacht auf heute, Donnerstag, eine Voracht Personen- und Lastautomobile mit Alarmsignal hörten und, da sie kein Feuer ashen, weihnachtsrazzia auf geheime Bars und die vielfach die Leute zwingt, von Tür zu Tür Nachtlokale in den Theaterbezirken, wobei ihnen zu gehen und Almosen zu erbitten, hat im nord- Reklameaufschriften versehen nach Gablonz, den von dem Automaten flüchtenden Mann anhielSpirituosen im Werte von 50.000 Dollars und böhmischen Grenzgebiet zu einer erheblichen Zu- Wiesenthal, Morchenstern usw. hatte fahren ten. Der Mann wurde der Polizei übergeben. Mit von nahme des Schmuggelwesens geführt. Vor allem lassen. Da er eine behördliche Bewilligung zur dieser Einrichtung wurden in der letzten Zeit zahlverschiedene Bareinrichtungen im Werte einer Million Dollars in die Hände fielen. Die wird Salz in großen Mengen aus Deutschland Veranstaltung dieser Reklamefahrt nicht einge- reiche Feuerautomaten in Wien versehen, um ein Agenten verhafteten hiebei 104 Personen. Gegen nach Böhmen gepascht, da der Preisunterschied in holt hatte, wurde er unter Anklage gestellt. Er böswilliges Alarmieren der Feuerwehr zu verhindern. " Hitler probt Diktatorenkostüme. Zeichnungen von Ot. Mrkvička in den Lidové Noviny". F Als Cäsar Imperator? Als Germanenhäuptling? Wie wär's mit einer Kopie Napoleon, auch nicht übel... Oder doch gleich als Mussolini! des ollen Fritz? Seite 8 Spaziergang zu Weihnachten. Freitag, 25. Dezember 1931. Die größte Ghau der Welt. = r. 300. Nachrichten des Arbeiter- Turnund Sportverbandes. Der nächste Verbandstag- Pfingsten 1932. Der durch die Kreisvertreter erweiterte Bundes Nun hat das Christkind wieder sein Warensortiment in tausenden Schaufenstern ausgebrei- Ein Zirkus mit 100 Clowns. Eigene Schule, Aerzte, Anwälte und tet und es mit Lichtern, Watteflocken, Tannen- Detektive.- 5 Monate Borbereitungen im Winterquartier in Florida. und Mistelzweigen garniert. Dem Glanz der Wenn an den Häusereden der Stadt New| werden darin durchschnittlich 4800 Mahlzeiten täglich vorstand hat in seiner Sigung vom 12. und Weihnachtsbäume geht der Glanz der Auslagen orf die Reklameplakate von Ringling Bros, verabreicht, für deren Herstellung und Auftischen 13. Dezember beschlossen, den nächsten Verbands.ag voraus. Die Kaufläden haben ihr Festtags Barnum& Bailey Combined prangen, 70 Köche, Kellner und Gehilfen beschäftigt sind. zu Pfingsten nach aussig einzuberufen. Der Vergelvand angelegt, nie fah man sie so freundlich dann strömen die Massen zum Madison Square Bum Unterhalt des Personals und der Tiere wer- bandstag wird am Samstag vormittags eröffnet verführerisch lächeln wie jetzt. Garden, dem größten Sportpalast der Erde; denn den pro Tag benötigt: 270 Pfund Butter, 2000 und bis Montag nachmittags tagen. Am Freitag Da, hinter den großen Spiegelscheiben, sie wissen, die neuesten Aufführungen des umfang- Brote, 3000 Gier, 1850 Pfund Gemüse, 500 Pfund abends werden die Spartenkonferenzen abgehalten. stehen Damenstiefel habtacht in voller Wichs. reichsten Zirkus aller Weltteile haben begonnen. Bucer, 45 Pfund Schweineschmalz, 1200 Apfelsinen, Der Verbandstag wird sich mit folgenden TagesSie sind bereit. für dich, süßes Mädel, durch In der Tat, auch wer sich für eine solche Unter- 50 Tonnen Heu, 20 Tonnen Stroh, 350 bushels ordnungspunkten zu beschäftigen haben: Berichte, dick und dünn, durch den Schnee zu stampfen. haltung nicht zu begeistern vermag, wird staunen Safer und 4 Klafter Holz. Organisationsprobleme( darunter die Uniformfrage, Seidenstrümpfe liegen geschmackvoll gefaltet. Die über die Fülle des Gebotenen und vor allem über Die Vorbereitungen zu einer Spiel das Einheitsstatut usw.), Erziehungsfragen und Schaufenster der Delikatessenhandlungen mit gan die Organisation, die von keinem ähnlichen Unter- eit dauern fünf volle Monate und Gestaltung des technischen Betriebes. Die Auszen Körben voll Köstlichkeiten ließen einem das nehmen übertroffen wird. erfolgen im Winter, währenddessen keine Vorstellun schreibung des Verbandstages wird bei der MitWasser im Munde zusammenlaufen, wenn es Das erste, was den europäischen Besucher über- gen stattfinden, am Sitze der Gesellschaft in Sara- gliedschaft mit großem Intereſſe aufgenommen, da nicht schon vorhin vor der Konditorei mit den rascht, ist der Umfang des Programmheftes jota int Staate Florida. In der gleichen Zeit einige Beschlüsse von wesentlicher Bedeutung für unwahrscheinlich sympathischen Torten geschehen ist es doch nicht weniger als 100 Seiten rühren die eigenen Geschäftsstellen des Unternehmens die weitere Entwicklung des Verbandes zu fassen wäre. Ach die vielen, vielen Auslagen! Bücher start, ein Wust von Papier wie bei jeder größeren in New York und Chicago eifrig die Werbetrommel find. gibt es da! Da fann man sich bis zum über- amerikanischen Zeitung oder Zeitschrift. Wer hier- und die Agenturen in Berlin, Hamburg, Paris, Frauen- Werbeaktion. nächsten Weihnachtsfest nicht durchlesen! Von nach bei Beginn der Vorstellung noch glaubte, jie London, Melbourne, Konstantinopel, Beking und 1932 gilt als Frauenwerbejahr für den Atus. deinen„ veilchenblauen Augen" schwärmt, weih bis ins fleinste verfolgen zu fönnen, sieht sich Johannisburg sind bemüht, die besten Artisten und Die erste Aufgabe, die im Rahmen dieser Werbenächtlich animiert, der Lautsprecher über dem schwer enttäuscht. Denn, um das Riesenprogramm das auserlesenste Tiermaterial zu gewinnen. Außer- altion gestellt wurde, besteht darin, neue weibEingang des Radiogeschäftes. mit seinen zwei Duhend Vorführungsnummern ver dem verfügt der Zirkus über eine Werkstatt in Ii che Mitglieder für die Arbeiter- Turn- und Die eigentlichen Beherrscher der Schaufen- folgen zu können, wird teilweise in fünf Rin Stoke- on- Trent in England. Sind die Vorbereitun- Sportbewegung zu gewinnen und sie für proletarister sind aber die Stinder. Sie sind es, die dem gen gleichzeitig gespielt. Es wäre somit gen abgeschlossen, so wird die Spielzeit im Frühsche Körperkultur zu interessieren. Neue Menschen Wihnachtsgeschäft erst die Poesie geben. Für ein fünfmaliger Besuch der Vorstellung erforderlich, fahr in dem eingangs erwähnten„ Madison Square sollen auf dem Wege über die Turnbewegung für die kleinen" steht auf der Tafel an Stelle des um sie in allen Einzelheiten gesehen zu haben. Garden" in New Dort eröffnet, deren Einwohner die Arbeiterbewegung gewonnen werden. Eine Geschäftsschilds. Buppen liegen mit geschlossenen Damit man sich von dem Umfang des Programms dann stolz darauf sind, daß die größte Schau der weitere Aufgabe liegt in der Seranziehung Augen da, als ob sie schliefen und erst unter dem und des Zirkus' selbst ein Bild machen kann, sei Welt, wie fich der Zirkus bezeichnet, seine Rundreise der weiblichen Mitgliedschaft für die Christbaum erwachen möchten. Eine kleine Eisen- von der Menagerie nur soviel gesagt, daß sie sechs in der größten Stadt der Erde beginnt. Nur an Organisationsarbeit. Durch die aftive Christbaum erwachen möchten. Eine kleine Eisenbahn rennt ununterbrochen im Kreise. Und die Elefantenherden, das sind über dreißig Elefanten, diesem Plas werden Vorstellungen in einem fremden Mitarbeit am Organisationsleben soll auch das und rund 1000 wilde Tiere beherbergt. In den Gebäude gegeben, während sonst nur in eigenen Interesse für alle Fragen der Bewegung vertieft größte Herrlichkeit von allem, ein Weihnachts- Ställen befinden sich 735 Pferde. Außerdem treten Belten gespielt wird. von denen das größte 15.000 werden. Bezirksweise Schulen und Kurse der Turbaum steht funkelnd und glitzernd, mit elektrischen Lichtern, mit Stringeln, blinkendes Glas in jeder Vorstellung 800 Artisten auf, wovon 3ersonen Platz bietet. und Süßigkeiten und künstlichem Schnee darauf, Deutsche. Einen besonderen Erfolg hatte denn in 100 eigenen Eisenbahnwaggons, von denen ein Die Fahrt von einer Stadt zur anderen erfolgt in der Mitte der Auslage. Wie viele Kinder- auch in der letzten Spielzeit die deutsche Wallenda Teil maleich als Wohnungen eingerichtet sind. Daß näschen haben sich schon vor ihm an die kalte Truppe in einem Drahtseilaft von atembeklemmen- Teil zugleich als Wohnungen eingerichtet sind. Daß ein solcher Wagenpark von Nuken ist, mag daraus Spiegelscheibe gedrückt, wieviel Kinderaugen der Kühnheit zu verzeichnen. Die Leitung des hervorgehen, daß der Zirkus in einer Saison durch haben sehnsuchtsvoll seinen Glanz bestaunt? Unternehmens unterläßt aber auch nichts, um ihr Nun strömen Menschen durch die Geschäfts- geeignet erscheinende Künstler für sich zu verpflich schnittlich 32 000 Km. zurüdlegt. In einem SomStraßen und wundern sich, wieviel Menschen da ten und es ist durchaus nichts Ungewöhnliches, mer ist er beispielsweise von Maine, dem nord öftlichsten Staate der amerikanischen Union, nach " strömen" und freuen sich, was man alles kau- wenn ein Artist zum Antritt seines Engagements Ralifornien und von Kanada bis zum Golf von Günstige Entwicklung des Kinderturnens. fen kann, wenn man es fann. Alles ist eine Reise von einem Erdteil zum anderen antreten merito gereist, während welcher Zeit 400 Borstel- Sportverbande befindet sich in den letzten Jahren leicht erregt. Viele drängen sich in geschäftiger muß. Andererseits ist man bestrebt, einen tüchtigen lungen in 85 Staaten und Territorien gegeben Eile durch die Menge, andere gehen in zögernder Nachwuchs heranzuziehen und hat zu diesem Zweck wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß allein die in ständiger Aufwärtsentwicklung. Im Jahre 1929 Unentschiedenheit von Schaufenster zu Schau- für die 60 Artiſtenkinder, die sich bei der Gesellschaft Menagerie 102 Stäfige enthält. Wenn aber jemand waren insgesamt 9000 Kinder beim Verbande ver fenster. Manche aber lassen sich einfach vom befinden, eine besondere Zirkusschule einStrom treiben, sie kaufen nicht, aber sie genie- gerichtet, wo festangestellte, Lehrer den glaubt, daß der Aufbau aller Zelte an einem Ort sichert. 1930 waren es 14.500. Im Jahre 1931 zen die Erregung der Käufer mit allzujehr Unterricht erteilen. Die Wahrscheinlichkeit, daß die viel Zeit in Anspruch nimmt, dem sei gesagt, daß wurden bereits 16.000 Rinder angemeldet, Nach abteilungen der Arbeiterturnvereine weitere 5000 ähneln sie den Hungrigen, die, da sie feinen Schüler auch in Zukunft dem Artistenberuf treueine Stunde nach Ankunft des letzten Teiles des durchgeführten Erhebungen dürften in den KinderBraten essen können, wenigstens seinen Geruch bleiben, ist daraus zu entnehmen, daß fast alle Zirkus' die Schau unter Dach und Fach ist. Zur Kinder turnen und spielen, ohne daß sie beim Verin die Nase einziehen. Und ihrer sind viele, allzu erwachsenen Künstler ihr erstes Auftreten schon in Beförderung ihrer Bost besitzt sie ein eigenes bande versichert wurden. ihrer frühesten Jugend gehabt haben und 3 Rechtsanwälte und nicht zu vergessen eine Bostamt, ebenso wie sie eigene Aerzte, Dentisten, Für die Käufer trägt jede Ware im Schau- 95 Prozent aus Artistenfamilien stammen, Die Gesamtzahl aller Angestellten beläuft sich nzahl besonders geschulter Detektive mit sich führt. fenster eine unsichtbare Aufschrift für sie" oder Der heutige Riesenjirtus ist die Verschmelzung Für ihn". Mit sorgenvoller Gewissenhaftigkeit auf 1600. Bei dieser Menge nimmt es nicht wunder, überlegen sie, wie ihr" jenes Halsband und daß sich verschiedene Gruppen gebildet haben. So der drei früher felbſtändigen Unternehmungen: ihm" jene Strawatte stehen würde. Sie, die besteht ein Frauen- Klub, ein Verein der Clowns. Gebrüder Ringling, Barnum sowie Cooper und Die Leiter der beiden letztgenannten. ein kosmopolitischer Klub, eine Baseballmannschaft, Bailey. Berliebten, geben immer zuviel Geld aus und ein Streuzworträtsel- Klub, eine Rotfrenz- Kolonne Betriebe vereinigten sich unter der Firma Barnum fürchten, es wäre zu wenig. usw. Bewegt man sich unter dem Personal, so& Bailey, welcher Name auch in Europa nicht Geschente taufen ist die Vorfreude des glaubt man sich in den Turm zu Babel versetzt. unbekannt ist. Später ging auch dieser schon beben Schenkens. Im Wählen genießt der Käufer Alle Sprachen der Welt klingen einem in die Ohren, tende Zirkus in dem noch größeren Unternehmen Stück für Stüd den Augenblick des Gebens. Wie denn mehr als 20 Nationen sind vertreten. Die Ringling Bros, Barnumt und Bailey Combined auf würde, ihr das gefallen? Was würde er dazu Verpflegung diefer Leute erfolgt in einent beson- So hat die wirtschaftliche Konzentrationsbewegung fagen? Und das macht den Weihnachtseinkauf deren Belt, dem sogenannten„ Segeltuch- Hotel". Es auch hier um sich gegriffen. aut einer so ernsten und gleichzeitig frohen Beschäftigung. viele. Aber wie schwer ist das heute! Wer möchte 100 Clowns sind. Die besten unter ihnen sind 1 nerinnen bilden den Auftakt für die Werbeaktion. der Turnerinnen llegt auf dem Wege zu der For Die gesamte Attion für die Werbung und Schulung derung, die wir uns als Endziel unserer Arbeit derung, die wir uns als Endziel unserer Arbeit im Frauensport gestellt haben: förperliche und geistige Erwedung und Ermutigung der Frau und ihre Geranbildung und Erziehung zur Mitfämpferin für die Arbeiterbeweung. spät Das Kinderturnen im Arbeiter- Turn- und Wintersportversicherung. Wir machen nochmals aufmerksam, daß die Wintersportmarte, in diesem Jahr K 8.- pro Mitglied foftet. Außerdem hat die lente erweiterte auch für Kinder WintersportunfallversicherungsBundesvorstandssitzung den Beschluß gefaßt, daß marken vorzusehen sind. Wir können für diese Saison nun nicht mehr Listen und Marken für die Kinderversicherung herstellen, da diese dann zu hat an die Vereine hinaustämen. Vereine, die Kinder versichern wollen, sollen die Kinder namentsich unter Beischluß von 4 K pro Kind an den Bezirk melden. Die Meldung soll doppelt geschehen. Mit der Meldung und Betragserlegung gilt das Kind als versichert. Für den nächsten Winter werden wir dann eigene Listen und eigene Marken für die landwirtschaftliche Produktion und die Pro- Kinderwintersportversicherung ausgeben. Bundesvorstand. ben aus der Bergbaustatistik und über den nicht mehr schenken, als er sich erlauben kann? Volkswirtschaft und Sozialpolitik duftion der landwirtschaftlichen Induſtrie, AngaWem wird nicht immer das Geld in der Tasche Das Jahr 1930 im Lichte statistischer Daten. Außenhandel, den Verkehr, den Verbrauch, die zu wenig? Wie erschütternd ist der Verzicht der Mutter, die ihrem Mäderl ein Bilderbuch kau- Das Statistische Staatsamt veröffentlicht in Einlagen, die Nationalbank, Postsparkassa, über fen will, und wie sie den Preis erfährt, erst Nr. 173-179 seiner Mitteilungen" viele durch die Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. Lange, lange zögert und dann leise und verlegen Diagramme ergänzte aufschlußreiche Aufsäte über S., Genossenschaften, Konkurse und Ausgleiche. fagt:„ Ich werde es mir noch überlegen!" Und alle Gebiete unseres öffentlichen Lebens. In Auch die Zinssätze in der Tschechoslowakischen wie viele Kinder sind in diesem heiligen interessanter Weise sind hier wiedergegeben die Republik und die Devisenturse sind angeführt. Abend" vor einen leeren Tische gesessen, auf Ergebnisse der statistischen Erhebungen über die Die Mitteilungen sind für 7 K durch alle Buchdem kein Baum strahlte? Nie spüren sie natürliche Bevölkerungsbewegung, über das handlungen bei der Firma Bursit& Kohout in stärker den Fluch der Armut als an Schulwesen, die Auswanderungsbewegung, ferner Prag II., Vaclavske nam., zu beziehen. diesem Tage. Daten aus der Sozialstatistik, Preisstatistik, über Ein Weihnachtsmärchen. Von A. Altschul. Es war einmal ein Vater, der lebte mit seinner Frau und seinem Töchterchen irgendwo weit weg, in einem Heinen Dorf hart an der Grenze. Sie waren sehr glüdlich, trotzdem sie arm waren. Der Mann mußte hart arbeiten, damit er das tägliche Brot verdiene, aber abends, wenn er heimkam und im Streise seiner Lieben saß, fühlte er sich so froh, daß er mit feinem Prinzen getauscht hätte. Eines Tages jedoch tamen Soldaten in das Kleine Torf und alle Männer mußten mit ihnen gehen. Der Thronfolger war im Nachbarlande ermordet worden und der König hatte deshalb den Krieg erklärt Aber das Blut, das geflossen war, warf sei-| gefannt hatten, erfrischten ihre. Nerven durch nen Schein über das ganze Land, glühendrot allerhand Kuren, während einige Meter tiefer Loderte die Empörung gegen den König auf, der unzählige Lungen ungehindert von der SchwindMillionen Menschen gemordet und ebenso. viele sucht zerfressen wurden. Das Weihnachtsfest rückte näher. ,, Hunger!" Familien unglücklich gemacht hatte und mächtig erscholl der Ruf: Freiheit!" Die blutgetränkten erscholl es von allen Seiten, aber diese Hilferufe Fahnen flatterten drohend im Winde, das Volt wurden von einer erstaunlich fig arbeitenden Zenverlangte unerbittlich sein Recht, der König mußte fur unbarmherzig unterdrückt. Da faßten jene abdanken und wurde verbannt. Das Volt aber Leute einen verziveifelten Entschluß. Mit ihren wählte seine Führer, von deren Ehrlichkeit es abgezehrten Leibern wollten sie die Umwelt auf überzeugt war und denen es blindlings vertraute. sich aufmerksam machen. Sie wollten in geschlosDreizehn Jahre vergingen so, die Begeiste- iener Reihe Brot und Arbeit verlangen. rung berebbte, die Sorge um das tägliche Brot Inmitten dieses Elends lebte die Witwe trat in den Vordergrund und so kam es, daß dem jenes Mannes, der mit so vielen anderen im Volfe die allmähliche Außerachtlassung aller Ber- Kriege verblutet war, Kümmerlich fristete sie ihr Dasein und die einzige Freude, die ihr geblieben fprechungen seitens der Führer entging. Hungersnot fam ins Land, weil eine gewisse war, war ihr Kind. Aber das fleine Mädchen bon Staffe nicht auf ihre Millionenverdienste verzich ein war heute schon lange fein kleines Mädchen Kuckuck 30 Groschen 20 Pfennig 30 Rappen 1-60& A Die größte illustrierte Wochenschrif Ezscheint jeden Sonntag Überall erhältlich wwwww www ,, Laßt uns in die Stadt! Wir haben Hunger!" Salt!" ,, Gebt den Weg frei! Gebt uns Arbeit! Wir haben Hunger!" Halt! Im Namen des Gesetzes...!" Weg mit dem Schießprügel! Hunger! Wir frepieren Feuer!" Sieben Tote liegen auf der Straße. Unter ihnen das Mädchen, in der verkrampften Hand das Geld haltend, für welches es eine Kleinigkeit zu Weihnachten laufen wollte. Dreizehn Verwun dete winden sich in schrecklichen Schmerzen. Die übrigen flüchten entsetzt. Der Hunger geht weiter und das WeihnachtsAbend da. fest rückt immer näher. Endlich ist der Heilige Es ist eine tlave Winternacht, Ruhig liegt der tent wollte, hunderttausende Arbeiter und Be- mehr, es mußte von früh bis abend in einer grofleine Dorffriedhof da. Plöglich aber wird das Die Männer, welche nun auch Soldaten waren, wurden in große, für 40 Mann oder preisgegeben, die alten Polizeivorschriften traten arbeiten. Troydem hatte sie sich ein paar Stronen eiserne Tor geöffnet und eine gebückte Gestalt 6 Pferde bestimmte Wagen gepfercht und unter wieder in Kraft, furz, der Wind von einit blähte er part und wollte nun in der Stadt eine Kleinig schleicht herein. Langsam geht sie an den vielen Hurrarufen ging es irgendwohin nach dem Süden wieder die Segel, diesmal nur unter anderer feit für die Mutter besorgen. Der Weg war weit treuzen vorbei, die hier in Reih und Glied stehen. Vor einem frischen Grabhügel macht die Mutter in den Krieg. Als aber die ersten Granaten Flagge. und einsam und als sie hörte, daß das ganze einschlugen und viele hundert Menschen in Fezen Es war im Dezember. In jenem kleinen Dorf in die Stadt ginge, schlok fie sich dem Salt. Sie sinkt nieder, preßt das Gesicht gegen die falte Erde. Stunden vergehen. Der Frost dringt zervissen, machten die Hurrarufe einer dumpfen Grenzdörfchen wütete der Hunger besonders arg. Zuge an. Angst Play. Gs floß viel Blut. auf beiden Seiten, Die einst schmucken Häuschen waren zerfallen und Noch waren sie nicht weit gekommen, da durch die dünnen Kleider in die schwachen Glieder, aber der erlauchte Thronfolger war noch nicht verwahrlost. Das Geld reichte nicht auf die standen sie einer Anzahl Gendarmen gegenüber die allmählich erstarren und ihre natürliche gerächt. Der König be abl zu kämpfen und diesem nötigste Nahrung, wer hätte da also Ziegelsteine Drobend faben die Gewehrmündungen aus und Wärme verlieren Befehl mußte gehorcht werden. faufen können. Das Weihnachtsfest stand vor der die Baionette blitz: en aufreizend in der matten Tür, Kinder freuten sich auf Geschenke, Eltern Winterfonne. Hunger!" riefen die Leute. Wir haben fnurrte der Magen. Hoch über dem Dorf, auf einem Berg, stand Hunger!" " Halt!" antworteten die Gendarmen und in großer Palast, benannt Grafenburg. Dort trafen Menschen zusammen, die niemals Hunger gaben den Weg nicht frei, Vier volle Jahre dauerte dieser schredliche Krieg und als er schließlich zu Ende war, waren unzählige Frauen Witten und unzählige Kinder Waisen geworden. Auch jener Mann aus dem fleinen Dorf ist nicht mehr heimgelehrt. Zur gleichen Zeit ertönen in der Hauptstadt die Glocken einer eben fertiggestellten Kirche, deren Bau ungezählte Millionen verschlungen hat und bon deven Ranzel eifviq Nächstenliebe gepre digt werden wird. Rt. 300. Die Weihnachtsfeuerzeuge. Bon Weare Holbrook( New York). Ist es Ihnen schon aufgefallen, daß niehaar am Rodärmel. Nichtsdestoweniger bleibt ein Streichholz in der Zeit nach Weihnachten ein gefährliches Ding, fast ebenso gefährlich wie ein blondes FrauenWo ist das Feuerzeug," fragt die Gattin, ,, das ich dir zu Weihnachten geschenkt habe?" Sier", antwortet der Gatte triumphierend, nachdem er haftig alle seine Taschen durchsucht hatte. Freitag, 25. Dezember 1931. ,, 3nspiration". Der neue Garbo- Film. Seite 9 und Red. Lohovec und Cernit sehr richtig erklärten, nur durch ideologische Erneuerung geholfen werden: es muß endlich auch den Könnern und Wissern ein entscheidender Einfluß auf die Wahl des Themas und die Besetzung eingeräumt werden; das Protektionssystem, dessen Sauberkeit namentlich bei den weiblichen Mitwirkenden aufliegend ist, muß aufhören; öffentliche Abstimmungen in Bierlokalen über die Qualität der eingereichten Musikstücke, so wurde die Musik zum letzten Burianfilm gefunden", zeigen die erschreckende Hilflosigkeit und Geistesarmut der Faktoren, die sich einreden, selbst und richtig über ihre eigenen Gelder disponieren zu können. Denn das ist das Pikanteste an all diesen Affairen: die Produktion unternimmt etwas, wovon sie fast nichts versteht, und meint, daß jahrelanges Handeln mit Filmen auch zum Urteil über die Qualität eines zu schaffenden Wertes legitimiert. Nur wenn die tschechischen Geldgeber selbst ihren Einfluß einschränken und nicht immer an dem festhalten, was ihren bescheidenen Erfahrun gen bekannt ist, fann ihnen geholfen werden; da dies aber in einer tapitalistischen Wirtschaft kaum zu erreichen ist, wird das Problem des tschechischen Tonfilms in ihr niemals gelöst werden. einen ihrer Direktoren nur schwer die Notlage des tschechischen Tonfilms beweisen können, der ihnen s jest so eine gute Melttuh gewesen ist; niemanden wird es bekümmern, wenn die Aktienbesizer- und mand in der Woche zwischen Weihnachten und Der Film Romanze", der hierzulande ein| Augenblicke, ihre Stimme ist von dunkler Schönheit das sind ohnehin nur sehr wenige Glückliche- etwas Neujahr imstande ist, sich seine Zigarette selbst glatter Durchfall war und den man nur der Garbo trop dem mangelhaften Englisch und wo sie sich aus weniger verdienen sollten, aber niemals darf es anzuzünden? Bevor man auch nur eine Vorbewegen ansah, scheint den Amerikanern so gut ge- der ſtarren Schablone löst, wird sie menschlich geduldet werden, daß dieser jüngste Kulturfaktor reitungshandlung getroffen hat, sieht man sich kopieren und die Garbo wiederum in einem ganz daß mit diesem Film wahrscheinlich das äußerste stapital keinen Goldstrom mehr aus ihm ziehen ka n. fallen zu haben, daß sie ihn inhaltlich und thematisch ergreifend. Dennoch muß man es offen aussprechen, etwa deshalb ausgeschaltet werden soll, weil das von einer Schar Bekannter umringt, die nur darauf warten, ihre Taschenfeuerzeuge, welche sie lächerlichen Babbit- Film herausstellen.„ Inspi- erreicht ist, was Amerika uns bieten kann. Noch ein Dem tschechischen Tonfilm kann, wie Reg. Ma chaty ration", auch Yvonne" zu Weihnachten geschenkt bekommen haben, in der Deffentlichkeit zu erproben. Erst nach dem genannt, zeigt die Garbo ersten Jänner kehren normale Verhältnisse wie- wieder als Dame von Welt, der. Die Benützung von Streichhölzern gilt nicht die große Sturtisane, diesmal länger als eine Taktlosigkeit und die industrielle in einem Pariser KünstlerLage Schwedens nimmt eine Wendung zum milieu, die sich in einen junBesseren. gen Burschen, diesmal einen Studenten, verliebt. Dieser tumbe Jüngling, ein reiner sei der erste Mann im Leben Tor wie Parsifal, glaubt, er der schönen Yvonne und ist empört, als er es anders erfährt. Daß die Frau nur ihn liebt, kann er nicht glauben, da sie ja andere Männer Laß mich das Feuerzeug einmal sehen." vor ihm hatte. Nach manSie knipst es einmal, zweimal, dreimal an. Es chem Hin und Her einer ist leer! Als ich es dir gegeben habe, hast du völlig undramatischen, langHandlung ohne mir versprochen, daß du jedesmal an mich den weiligen fen wirst, wenn du es benützt. Du hast also Rhythmus überwindet er sich überhaupt nicht an mich gedacht." doch und will die gefallene Frau zu sich erheben. Wie in der„ Romanze" opfert sich die Frau aber auch in der Inspiration", geht dem Geliebten aus dem Wege und ebnet ihm die Bahn zum bürgerlichen Familienglüd. Daß jie diesmal nicht ins Kloster geht, sondern einen heiratet, der sie wirklich liebt, so liebt, daß er für sie gestohlen hat, ist der große Fortschritt. Dafür ist die Figur des geliebten Toren noch unglüdlicher geraten als in der Romanze". Also: SpieSpießer is bermoral, tragit, Ritso! " Mama hat Papa ein Feuerzeug für den Schreibtisch, Papa Mama ein Tischfeuerzeug für ihre Bridgepartien geschenkt, Willy hat von Molly ein kleines Feuerzeug für seine Uhrkette bekommen und Willy vebanchiert sich, indem er Molly ein Döschen verehrt, in dem sie gleich seitig ihre Zigaretten anzünden und ihr Näschen einpudern fann. " Manche Leute schenken Feuerzeuge in gerechter Notwehr. Da war zum Beispiel Herr Wisp Er rauchte nur Zigarren, während sein Töchterchen Gladys deren Schwester und deren Mutter Zigaretten rauchten, besonders leztere, da sie erst in reiferen Jahren zur Erkennt nis gelangt war, daß Zigarettenrauchen modern ist und mit aller Kraft versuchte, Versäumtes nachzuholen. Es war Herrn Wisp Aufgabe, nicht nur für den Zigarettenbedarf seiner Lieben zu jorgen, sondern auch für das Anzünden. Er ent- Außer der Garbo ist dedte nämlich, daß sie ungeachtet all ihrer Re- an diesem Film alles schlecht, densarten über die Gleichgültigkeit der Geschlech für europäische Berhältnisse ter schlechterdings außerstande waren, sich ihre geradezu unmöglich. Daß man Zigaretten anzuzünden. In solcher Lage boten die Handlung nach Paris sie niedliche Beispiele weiblicher Hilflosigkeit und verlegt, macht die Geschichte jede Zigarette war ein Appell an die Ritter- doppelt albern. Denn die lichkeit des männlichen Geschlechtes. amerikanischen KleinbürgerinGRETA GARBO Metro- Goldwyn- Mayer W. Lg. Kleine Chronik Indien lebt von Schlamm. Von der Straßendede bis zur Tabakspfeife aus„ Mutti". alles Von Stadt zu Stadt fährt man in Indien auf schönen festen Straßen, die, wie man hört, längst in diesem Zustande waren, ehe man noch in Europa daran dachte, Asphaltstraßen zu bauen. In jedes fleinste Dorf führen diese Straßen und die Bauern aus den Dörfern, arme, magere, braune Gesellen, treiben ihre Ochsengefährte, Karren mit mächtigen hölzernen Rädern, daher, stüßen sich in der Last des Marsches unter der brütenden Sonne auf ihre mannshohen, oben mit Messing beschlagenen Stäbe, die„ lathis", wie sie genannt werden; Frauen tommen vorbei, ihr Haar glänzt schwarz und an den braunen Armen blizen und klappern silberne und tupferne Armspangen, ihre Kinder auf dem Rüden tragend. Und alle diese Wege und Straßen, die von endlosen Baumreihen beschattet werden, sie alle sind gebaut mit Hilfe von Mutti, dem Baustoff, der in Indien zu allem dient. Herr Wisp vermutete nicht mit Unrecht, nen, mit ihren nichtssagenden Gesichtern, diese| Garbo- Film dieser Serie und der Name Garbo wird daß solche Hilflosigkeit nicht ohne Mache sei. Gab erlesenen dummen Gänse, die das Kapitol der in Europa nicht mehr als Sensation, sondern als es doch eine Zeit, da eine Frau imftande war, Filmkunst von Hollywood nicht retten werden, sehen abschreckende Antireflame wirken. Es ist traurig, zu Mutti ist die kostbarste Schlammerde, der das die Aufmerksamkeit auf sich zu lenten, ganz ein- als Bariserinnen so tomisch aus, daß der Film sehen, wie ein schauspielerisches Genie an der Bor- indische Tiefland seine Entstehung verdankt. Von fach, indem sie eine Zigarette rauchte. Einige in Frankreich unzweifelhaft nur Gelächter auslösen niertheit der amerikanischen Filmproduktion zu dem höchsten Gebirge der Welt, dem Himalaya im waren entrüstet, andere belustigt, aber alle Män- tann. Die Künstler, die man wohl als Parifer grundegeht und es ist eine der typischesten und tra- Norden, haben Gletscher und Flüsse diese Ablagerung ner blickten auf sie und das war schließlich die Boheme ansprechen soll, machen desgleichen den gischesten Erscheinungen der Zeit, daß Greta zurückgelassen, oftmals in mehr als dreißig Meter Hauptsache. Aber bald war der Reiz der Neu- Eindruck amerikanischer Gummifabrikanten. Geredet Garbo doch wohl nur des Geldes wegen ihre Zeit Tiefe rings den Erdboden bildend, der Indien heißt heit verschwunden. Die zigarettenrauchende wird wie in allen amerikanischen Tonfilmen so und ihre Talente in Hollywood verspielt, statt sich an den Ufern des Indus und des Ganges. Gleich Dame erkannte, daß sie nicht länger im Mittel- monoton gleichgültig, daß auch der Europäer, der dem letzten deutschen Regisseur in die Arme zu wer- feinem Staub, feiner als die feinste Walderde, die punkt des allgemeinen Interesses stand. Sie ver- englisch versteht, sich dabei langweilen muß. Dabei fen, der noch immer mehr aus ihr machen würde Mutti eigentlich auch ist, füllt die Schlammerde das doppelte ihre Anstrengungen und mimte eine ge- ist der Film auch technisch unzulänglich, als der erste amerikanische. In der Tragödie der ganze Land. Millionen von Jahren haben sie gewisse tokette, findliche Hilflosigkeit, die ja recht hat zu viele Innenaufnahmen, eine unplastisch Garbo offenbart sich die Tragödie der Kunst schaffen und dann in der Tiefe abgelagert. Geht niedlich ist, vorausgesetzt, daß die Mimikerin graue Photographie und erinnert stellenweise an die in unserer Zeit überhaupt. Alles wird man über die Felder, so seht sich die Mutti wie Anfänge des Films. Unter den Partner der Garbo Geschäft und Mechanit, der Glanz des Genies ver- Buderstaub auf das Gesicht und man kommt heim, Um sich also ein wenig Ruhe zu verschaf- ist nur Lewis Stone erträglich, der Geliebte mag die Schatten nicht zu durchbrechen, die der weiß wie ein Müller aus der Mühle. fen, taufte Herr Wisp einige automatische Biga- der großen Yvonne aber, ein Herr Montgomery Göße Mammon über alles Leben wirft. rettenanzünder, die so einfach zu handhaben sieht so unmöglich aus, daß auch die ärgste Ver Wer irgend Gelegenheit hat, sein Weihnachtswaren, daß jedes Kind und sogar jede Frau irrung nicht erklären würde, daß eine schöne Frau vergnügen bei der entzückenden Dolly Ha a s ober damit umgehen konnte. Er verteilte fie in der sich in ihn verliebt. in sonst einem netten deutschen Kitschfilm zu suchen, ganzen Wohnung und tatsächlich konnte er fich Die Garbo wird rein dekorativ verwendet, aber fast vierzehn Tage lang ungestört der Lektüre des nicht einmal wie in früheren Filmen als förper- wird jedenfalls gern auf die Garbo verzichten, die Abendblattes hingeben. Aber dann kamen die liches Phänomen, sondern geradezu als Mannequin, er nur mit der Zuvage des unerträglichen ameriVerwicklungen, Schlafzimmer und Mädchenzimmer brauchten neue Zündsteine, der Docht im als Toilettenständer. Sie hat freilich einige große tanischen Blödsinns erhält! nicht deine Gattin ist. an Salon war ausgebrannt. Und von nun mußte Herr Wisp einen beträchtlichen Teil seiner Mußestunden damit zubringen, lockere Teile zu befestigen, allzu feste Teile wieder zu Todern, Um den tschechischen Tonfilm. fr. Mehr noch als der fruchtbare Nilschlamm ist der Bodenreichtum Indiens die Grundlage für das Leben der vielen hundert Millionen Menschen, die Saas das Land bevölkern. Die Kornfelder brauchen nicht gedüngt zu werden; der Bauer fät nur und erntet alle Jahre immer dieselbe Frucht. Die Bewässerung durch den Fluß, die heiße Sonne und vor allem diese tostbare wirkliche Muttererde tragen so reich. Mutti saugt nach den mächtigen Regenfällen in der Regenzeit das kostbare Naß in sich auf wie ein Schwamm und in den Monaten der Dürre gibt sie den Wurzeln der Pflanzen langsam die Feuchtigkeit ab, zugleich Die Prager Fachorganisation der Filmkritiker,| tommt, wofür man in einem unmöglichen Raum mit allen Nährstoffen, die sie so verschwenderisch Benzin mittels eines Tropfenzählers einzufüllen der Filmklub", veranstaltete einen Vortrags einen Film drehen darf; was dabei herauskommt, reich besitzt. und Gebrauchsanweisungen zu studieren. Die zyklus von vier Abenden über den tschechischen mußte man bis jetzt schon allzu oft bedauern. Wie Alles, was am indischen Bauernhause ist, das waren mit prachtvollen Diagramen ausgestattet, on film, um den beteiligten Kreisen Gelegenheit weiter mitgeteilt wurde, kostet also ein Tag alles in Saus selbst, der Hof, die ganze Einrichtung und in welchen die verschiedenen Teile mit Buch zur öffentlichen Aussprache zu geben; das sollte allent 50.000 K, ein Film daher mindestens eine viele Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens staben bezeichnet waren. Um einen Docht einzu- teine wissenschaftliche oder streng kulturpolitische runde Million; davon sollte Brag in seinen großen alles ist aus Mutti gefertigt. Die Schlammerde wird ziehen, mußte man zum Beispiel aufschrauben, Debattenreihe über die ideologischen Möglichkeiten Kinos allein eine halbe Million aufbringen, damit mit Wasser zu einem festen Brei angerührt, überE hinausziehen, B in a ſteden,& lodern und des Films im allgemeinen und des tschechischen der Herr Produzent sein Geld wieder sehe; und das einander geschichtet und wenn er troden ist, stehen D befestigen! Tonfilms im besonderen sein, man wollte eine sei eben so selten zu erreichen; und deshalb müsse die Hauswände da. Der Fußboden, die mit einem So wurde Herr Wisp eine anerkannte gemeinsame Plattform schaffen, um Wege zu finden, man in aller Eile drehen, und deshalb müsse man Strohgeflecht zusammengefügte Dede, sogar die Bettstatt, Tische, Stühle, natürlich der Stall für das Autorität für Feuerzeuge aller Art. Verwandte bie eventuell zu einer Sanierung des nicht nur drehen, was dem Publikum gefällt, Dazu ist vor allem zu sagen, daß dieses Gefallen Vich wird so aus Mutti hergestellt. Und mehr noch: und Bekannte baten ihn um Konsultationen. fünstlerisch, sondern auch finanziell schwer fämpfenVorbildliche Maturitäts- Themen an den Stod Seine Diagnosen waren scharfsinnig und streng den tschechischen Tonfilms führen könnten. In dieser sich jetzt schon fast immer in der finanziellen Pleite in denen das Korn aufbewahrt wird, das Spielzeug wissenschaftlich. Sogar Fremde riefen ihn in vers Sache muß eines vorangeschickt werden: zum Unter- ausdrückt und daß niemandes Ziel ist, ins Kino zu der Kinder, die Pfeife, die der Mann sich anzündet zweifelten Fällen mitten in der Nacht an und schied von der reichsdeutschen oder amerikanischen gehen, um sein Scherflein zu des Produzenten Reinjein Ruf verbreitete sich in der ganzen Stadt. Stritit hat sich ein Großteil der tschechischen Kritiker gewinn beizutragen, sondern um eine verstandes- Mutti hat als Stoff zu ihrer Herstellung gedient. Was blieb Herrn Wisp schließlich übrig, als für Tagesblätter eine ziemlich unabhängige Stellung mäßig noch zu ertragende Unterhaltung zu finden. Sturzum, alles das, wozu bei uns Klempner, Zimmerfeinen Beruf aufzugeben, um seine ganze Zeit zu bewahren verstanden und darum die geistige Warum der Verstand bis jetzt in den meisten mann, Maurer und noch viele andere Handwerker und seine ganze Persönlichkeit den Feuerzeugen, Armut und Geschmacklosigkeit der tschechischen Pro- heimischen Tonfilmen eine nur untergeordnete Rolle Solz, Eisen, Ton, Zement und eine Menge, oftmals feinen eigenen und denen der gesamten Nachbar- duktion in schärfster Weise angeprangert. Sämtliche zugewiesen erhielt, das wurde mit dem Geschmad schwer herbeizuschaffender Materialien verwenden, schaft zu widmen? Besucher einer gewissen ge- Serren nun bis auf Regisseur Machaty, und des Publikums erklärt, das nach der Version der wird aus der kostbaren Schlammerde Indiens hergestellt. schlossenen Anstalt in der Nähe New Yorks fön- die vortragenden Mitglieder des Filmklubs haben Serren Produzenten eine Horde von Halbidioten zu nen einen Patienten beobachten, der ein bis sich in ihren Reden in einem Punkt vereint: Die fein scheint. Niemand, weder der Herr Direktor nun ungelöstes medizinisches Rätsel in einer Kritik ist an den Mizerfolgen fchuld. Reiter noch Herr Dir. Schmitt, noch die helmer Mittelschulen. Die Themen, die die schwediEde den ganzen Tag tauert, Feuerzeuge ausein. Die Kritik versteht die Schwierigkeiten und die Regisseure Inne mann oder minet, funte fchen Maturanten aus der Muttersprache erhalten Verantwortung" der Produktion nicht zu würdigen; eine Antwort darauf geben, wie sich das Gewinn haben, zeugen von dem fortschrittlichen Geiste an Zündsteine erneuert, und dabei einen verklärten bas ist vor allem die Kalkulation. Ein Tag ton. interesse der Produktion mit dem Unterhaltungs- ben schwedischen Schulen. Wir führen hier einige Gesichtsausdruck zur Schau trägt, der dennoch filmen fostet an Miete allein 12.000 K, die und Bildungstrieb von Hunderttausenden noch nicht an: 1. Das Arbeitslosenproblem unserer Zeit als einer gewissen Nachdenklichkeit nicht ermangelt. in die weiten Taschen einer der notleidenden Firmen, vollkommen Verdummten vereinen ließe; von den Problem der Gesamtheit. 2. Die Bedeutung von der A- B- Film- Aktiengesellschaft fließen, für die ideologischen Möglichkeiten und Pflichten des Films, Japans Großmachtstellung. 3. Die Auflösung der ( Berechtigte Uebersetzung aus dem AmerikaUeberlassung einer Bretterbude, die früher mit viel der zwar keine reine Stunft, aber Stulturfaktor Union zwischen Schweden und Norwegen im Jahre Erfolg als Bierlofal und Brauereipromenade benügt gewesen ist und bleiben muß, hat man an den vier 1905. 4. Gustav Adolf in Deutschland. 5. Berichte Arbeiter fümmert euch um eure Jugend! wurde und jetzt die Stätte darstellt, von wo aus der Abenden nur in den Debatten gehört, die größten über einen Verein, dessen Mitglied du bist. 6. Wie Unterstüßt, die Kinderfreundebewegung und iüngsten, groß und epochal" aufgezäumten tschechi teils von den Mitgliedern des veranstaltenden Klubs erfolgen die Wahlen in den Reichstag. 7. Werner ichen Kunst Heil und Sieg kommen soll. Die Herren bestritten wurden. Geschäftskalkulationen gehören in oon Seidenstam. 8. Die modernen technischen Hilfs. Batentinhaber haben ferner weitere 13.000 K an die Situngen der Verwaltungsräte; Gesellschaften mittel in der Hauswirtschaft. Unsere Runensteine Bizenzen zu bekommen, so daß ein Tag ohne wie die„ Elekta", die nur tausend Prozent und ihre Zeichen. 10. Die Museer und die BoltsDach- und Personalaufwand auf nur 25.000 KiDividende auszahlen fonnten, werden durch bildung in Schweden. andernimmt, einzieht. zusammensett, Dochte nischen von Leo Korten.) die Jugendorganiſation. Der Sozialismus beginnt nicht in der Bersammlung, sondern in der Familie! Seite 10 Freitag, 25. Dezember 1931. Unsere Zuckerindustrie. Während im Jahre 1913/14 die europäische Rübenproduktion 41.6 Prozet gegenüber der überseeischen Zudererzeugung von 58.4 Prozent betrug, hat sich dieses Verhältnis im Durchschnitt der letzten Jahre auf 25 Prozent für Europa und 75 Prozent für die Ueberseeproduktion verschoben, das heißt, Rübenzücker wird systematisch auf dem WeltBuder ansfuhr Q Rampagne Zudeverzeugung berbrauch 1918/19 6,423.984 3,178.169 1,606.046 1927/28 12,541.398 3,932.333 8,129.538 AT. 300. Wohl kein anderer Produktionszweig bat jund die Zuderversorgung der Nachfolgestaaten| machte, ist also zweifacher Natur. Es handelt höhten Inlandsbedarf auszugleichen, denn im Laufe der letzten Jahre so tiefgreifende also auch nach dem Umsturz auf die Tschecho- sich um eine Preistrise, da das mach- unser Inlandsverbrauch ist noch Wandlungen durchgemacht, wie die Zuder- Slowakei angewiesen war. Dieser Umstand sende Angebot Preissenkungen auf dem Welt steigerungsfähig! industrie. Auf dem Weltmarkte wird die trug zur wirtschaftlichen Vormachtstellung der markte nach sich zieht, und außerdem um eine Die Tschechoslovakei weist heute einen Situation charakterisiert durch die Konkurrenz Tschechoslowakei in den ersten Nachkriegsjah Absazkrise, welche aus den gleichen jährlichen Durchschnittsverbrauch von 24.3 zweier wichtiger Rohprodukte, durch den Kampf ren wesentlich bei, da der Zuckerbezug aus| Ursachen entstanden ist. Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung auf zwischen Rübe und Rohr, wobei die letztere unferem Staate mit schweren Stompensatio- Die bisher angewendeten Mittel zur und steht damit an achter Stelle! Sogar Gattung ganz zweifellos als Sieger hervor nen erkauft werden mußte. Der Aufschwung, Beseitigung dieser Krise haben nicht den Desterreich mit seiner schwächeren Kauftraft gegangen ist. den unsere Zuckererzeugung und vor allem gewünschten Erfolg gezeitigt. Die inter- weist einen größeren Verbrauch auf.( Däneunsere Zuckerausfuhr in den ersten zehn Nach- nationalen Verhandlungen der letzten Zeit mart ca. 54 Kilogramm!) friegsjahren genommen hat, ist am besten aus zielen auf eine allgemeine Einschränkung der nachstehender Tabelle ersichtlich: In erhöhtem Maße macht sich dieses Welterzeugung hin. Die KonzentrationsbeInlands strebungen in unserer inländischen Industrie mangelnde Verständnis für den Inlandssollen die Verbilligung der Erzeugungs- konsum auch in der zuckerverarbeitenden methoden bezwecken. Besonders in Mähren Industrie( Schokolade und Kanditen geltend, sind eine Reihe von Zuckerbetrieben diesen trotzdem sich diese weit über die Grenzen des Rationalisierungsmaßnahmen zum Opfer Staates großer Beliebtheit erfreut. Der inmarkte durch Rohrzucker verdrängt. Beson- ten Jahren grundlegend geändert. England aber bei all diesen Sanierungsmaßnahmer Jahren auch in manch anderer Beziehung Diese Verhältnisse haben sich in den letz- gefallen. Einen wichtigen Faktor hat man ländische Verbrauch wurde in den früheren heimische Zuckerproduktion, welche als größ- Budererzeugung aufnahm das einst ein Viertel unserer gesamten außer acht gelassen, und zwar den Inlands ſtart vernachlässigt. Unsere Zuckerindustrie ter. Rübenproduzent und vor aller als größ- Silfe von Schutzöllen eine eigene Zucker- daß heute die gesamte Zuckerindustrie mit straffsten Organisationen darstellt und daher konsum, trotzdem ruhig gesagt werden kann, ist in einem Kartell vereinigt, das eine der ter Rübenzuderexporteur von diesen Erschei- industrie geschaffen und ist heute nicht nur dieser Frage steht und fällt. Während die Möglichkeit hat, seinen Willen gegenüber nungen am stärksten betroffen wird. unabhängig von fremder Einfuhr, sondern auf der einen Seite der Export um jeden den Verbrauchern unbeschränkt durchzuſeßen. Unsere Zuderindustrie, welche noch vor tritt auf dem Weltmarkte bereits als Ston- Preis gehalten wird und tschechoslowakischer Unsere Konsumgenossenschaften werden sich einigen Jahren nahezu die Hälfte der gesam- furrent gegen unsere heimische Industrie auf. 3uder im lezten Jahre mitunter zu einem noch sehr gut jener Jahre erinnern, wo sie ten englischen Zuckerimports bestritten hat, ist Desterreich, das einst unsere Zuckerlieferungen Breis von Kö 1.- pro Kilogramm ins es nur ihrer zentralen Einkaufsorganisation mit einem so großen Prozentsatz an unserer mit seinen wertvollsten Rohstoffen, wie Eisen- Ausland exportiert wurde( also effektiv unter zu verdanken hatten, wenn manche Härten Handelsbilanz beteiligt( unser Zuckerexport und Magnesiterzen, kompensieren mußte, deckt dent Gestehungspreise), verzeichnen wir im gemildert wurden. beträgt 12 bis 14 Prozent unserer Gesamt- beute ca. 70 Prozent seines Bedarfes in Inlande schon seit einer Reihe von Jahren Wenn wir also die hohe volkswirtschafts ausfuhr), daß ihre Entwicklung zu einer eigenen inländischen Fabriken. In allen ehe- einen Konsumpreis von ungefähr Ke 6.- liche Bedeutung unserer heimischen Zuckergroßen volkswirtschaftlichen Frage geworden maligen Bezugsländern tritt das Bestreben( An diesem Preis partizipiert allerdings der industrie vollauf würdigen, so muß doch an ist. Ihre Hauptbedeutung verzeichnete die zutage, sich von fremdem Zuder unabhängig Steuerfiskus mit mehr als Kč 2.-) Der dieser Stelle mit aller Klarheit der Wunsch Industrie in den Kriegs- und Nachkriegs- zu machen, oder sogar selbst Absatzgebiete für 3uderexport wird also tatsächlich nur auf ausgesprochen werden, daß auch der hohen jahren, da der weitaus größte Anteil an der die eigene Produktion zu suchen. Kosten des Jnlandskonsumenten fünstlich Bedeutung eines anderen wirtschaftlichen gehalten. Dabei besteht die Möglichkeit, den Hauptfaktors, nämlich des Verbrauchers, Ausfall des Zuckerexports durch einen er Rechnung getragen wird. ders fühlbar ist dieser Umstand für unsere --hat sich mit Zuderproduktion der alten Monarchie auf Die Krise, welche die tschechoslowakische dem Gebiete der Tschechoslowakei gelegen war Zuckerindustrie in den letzten Jahren mit Heute, Freitag, halb 3 Uhr: Rumpelstilzchen", be t", Komödie, von Harwood( Ab.); Nachtvorstel erftes Gastspiel des Deutschen Märchentheaters. Iung, 10.15 Uhr, Erstaufführung: immere Alles für die Damen. Morgen, Samstag:„ Rottäppchen". Uebermorgen, i& um melie", Schwant mit Musik von Feh Der kleinste Schnupfen hat seine Gefahren, Gnädigste Beugen Sie rechtzeitig, wenn Sie eine leichte Erkältung haben oder sein wenig Husten< mit Lakerol- Tabletten vor. Jeder Arzt kann Ihnen über die Heilwirkung der LakerolTabletten berichten und liegen von prominenten Persönlichkeiten Gutachten auf. 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Dezember und 1. Jänner: Heute Freitag für Abonnenten. Ab morgen, Samstag, allgemeiner Vorverkauf. Für die Nachtvorstel fungen am 31. Dezember befizen die Theaterschecks. teine Gültigkeit. Fred Lamond gibt am 9. Jänner in der Börse V. Beethovenabend mit einem Standard von Niemanden gespieltem Programme der schönsten Veethovensonaten: Mondschein. Waldstein. Op. 26. Pathetische. Appaffionata. Starten( 8-30) fchon im Vorverkaufe. deau, Nad und Grün, Freitag, 3 Uhr: n. timitäten"( Ab.); abends halb 8 Uhr: Ju. welenraub in der Kärntnerstraße". Samstag, halb 8 Uhr: mmere dich um Samstag, halb 8 Uhr: immere dich um Amelie". Sonntag, 3 Uhr:„ Nina", Stoma die von Bruno Frank( As.): abends hal6 8 Uhr: in der Kärntner Straße". Montag, 8 Uhr: Kopf oder Schrift", Lustspiel von Berneuil.( Ab.) Juwelenraub Vereinsnachrichten ., Arania" Weihnachtsprogramm. di po Heute, halb 11 Uhr: Die Lüneburger Heide" und ,, Kärnten". Doppelkulturfilm Programm. 2-8 K. Heute, 8 Uhr: Friz Kerten: Schlager abend. Wit Gesang und Tanz die neuesten Kompofitionen. Weitwirkend: Hebi Turnauer, juba Herr mann, Fredy Löring. 6-15 K. Samstag, halb 11 Uhr:„ Das schöne WestIndu1375 Mittellung aus dem Bublitum. wenn bas Das Rezept des Augenarztes ann nur dann leinen gwed erfüllen Augenglas fachmännisch angepakt wird dassen Sie br Rezept bei Optiker Deutsch. Prag. Graben 2 Balais Koruna" ausführen Aus der Partei Jugendbewegung. S. J. Prag, Gruppe 1. 3u unjerem Silvefter. abend laden wir alle Geno sinnen, Genossen und Freunde unserer Organisation herzlichst ein. Buntes Programm, Silvesterpost, den SJ- Tee. Anmeldungen mit einent fleinen Unkostenbeitrag nimmt ent gegen für Gec: Genosse Sitora, USP: Genoffin Lochner, alle Uebrigen: Zwinzscher. Neues Deutsches Theater. Nachstehend verfalen." Kulturfilm in ein Land voll reidet anbu Sozialdemokratische Bildungsstelle, Prag. Funktionärkurs: öffentlichen wir die voraussichtlichen Daten der strie, alten und neuen Städtebildern, historischen Abonnementsvorstellungen in der Zeit vom 5. bis Erinnerungen. 2-8 K. Samstag, halb 5 Uhr: Urania- Rammer, Partei Gewerkschaft 11. Jänner 1932: Dienstag, den 5., und Samstag, quartett Johann Strauß, feine Vorgänger und Genossenschaft." dent 9., Serie I. Mittwoch, den 6., und Sonntag, Beitgenossen". Dr. Otto Staper! Stapellmeiſter den 10., Serie II. Donnerstag, den 7., Serie III. Herrmann. Offenbach: Aus seinen Meisterwerfen Montag, den 4. Jänner 1932: Freitag, den 8., Serie IV. Montag, den 11., Abon- usw. 4 und 5 K. nement aufgehoben. Sonntag, halb 11 Uhr: Maw a s." Erstauf. führung. Auf der Jagd nach dent Orang- Utant. Einzigartige Aufnahmen von Affen, Krokodilen, Panthorn und Tigern. 2-8 K. # Wran- UraniaKino. K. ,, Geschichte der Sozialdemokratischen Partei." Montag, den 11. Jänner 1932: Die Aufgaben der Sozialdemokratischen Partei." Dienstag, den 19. Jänner 1932: Die Organisation der Sozialdemokratischen Partei." Montag, den 25. Jänner 1932: Sozialpolitische Aufgaben der Sozialdemo fratischen Partei." Montag, den 1. Feber 1932: ,, Die Aufgaben der Gewerkschaften." Dienstag, den 9. Feber 1932: Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Mon. tag, 8 Uhr: Don Pasquale", fomische Oper Sonntag, halb 5 Uhr: Urantia- Rammerquartett. von Donizetti( 61-1).- Dienstag, halb 8 Uhr: Die Dubarry", Singspiel von Millöder- Mat- Besonders ausgewähltes Programm. Beethoven teben( 62- II).- Mittwoch, hals 8 Uhr: Pro- Mozart. Strauß. Schubert usw. 4 und 5 K. feffor Bernhardi", Komödie von Schnikler Sonntag, 8 Uhr: 2. Schlagerabend Fris 63- III). Donnerstag, halb 7 Uhr: Die Duerten. Neues Programm mit populärsten Schla barry"( Seriensprung 65-1); Nachtvorstellung, gern. 6-15 K Montag, 8% Uhr: Mawa 3." Ein Film aus 10.15 Uhr, Erstaufführung: 3ur goldnen Liebe", Operette von Benatty( A6. aufgehoben). dent dunkelsten Urwald der Insel Borneo. 2-8 Gründung des Reichsverbandes deutscher bilden- Freitag, halb 3 Uhr: Im weißen Rö!", ,, Die Ziele der Genossenschaften." der Künstler in der Tschechoslowakischen Republit. Singspiel von Müller- Benazly; abends halb 8 Uhr: Zur Teilnahme an diesem Funktionärturs Am Samstag, den 19. Dezember 1. 3. fand unter 8ur goldnen Liebe"( 64- IV). Samstag, sind eingeladen: Alle Funktionäre der Bezirksorganisation und ihrer Sektionen, die Funktio starker Beteiligung der Künstlervereinigungen die 7 Uhr, Gastspiel Kerstin Thorborg:" Aida", Oper von Verdi( 66- II). Sonntag, halb 3 Uhr: ,, Die gründende Hauptversammlung des Verbandes unter Dubarry"; abends 8 Uhr: Codtail", mustMein Freund, der Millionär." Premiere des näre der Sozialistischen Jugend Prag, die FunkBorsitz des Prof. Franz art, Aussig, statt. Die talisches Luftspiel v. Bollmoeller- Benagly( 67- III). neuesten Herrmann Thimi g- Films!( Der Strah. tionäre aller deutschen, freien Gewerkschaften und Sabungen wurden genehmigt und die Einteilung Montag, halb 8 Uhr:„ Der Troubadour", but joiner Majestät.) Glänzendes Lustspiel! Heute, proletarischen Kulturorganisationen Brags, die der Sozialdemokratischen Partei als Mitglieder Samstag und Sonntag 2, 4, 6 und 8% Uhr. des Wirkungsgebietes in fünf Gaue beschlossen. Der Oper von Verdi( 68- IV). Silvester Nachtvorstellung 10% Uhr:„ Die angehören. Zwed der Gründung ist die Zusammenfassung aller Spielplan der Aleinen Bühne. Montag, 8 Uhr: fidele Sängerfabrt."( Syriz- Pyriz.) Erst- Anmeldungen müssen sofort schriftlich an deutschen bildenden Künstler in der Tschechoslowafi. Liebling, Adieu!", musikalisches Lustspiel von aufführung! Mit den beliebtesten Komitern: Mar Bezirksvertrauensmann Richard Schönfel schen Republik, um ihnen durch eine mach: volle Bertuch, Sachs u. Rosen.( Ab.)- Dienstag, 8 Uhr: Adalbert, Paul Sörbiger, Paul Heidemann, Bender. der, Prag II., Fügnerovo nam. 4, vorgenom Juwelenraub in der Kärntnerstraße". Große Kabarett- Vorführungen. Tonfilm- Schlager: men werden. Lokal und Zeit werden den Te: 1Organisation die Erfüllung ihrer ideellen und wirt- uftspiel von Fodor.- Mittwoch, 8 Uhr: n Mizzi Barstorfer. Seitere Vorträge: Kurt Wieder. nehmern schriftlich mitgeteilt, schaftlichen Forderungen zu ermöglichen. Sum Cbtimitäten", Komödie von Cowar.( Ab.)- Don Maberne Tänze: Didi Lederer. Kunstpfeifer: Fred mann wurde Prof. Franz Harti, Ausfig, gewählt. nerstag, halb 7 Uhr: Der Gerichtsvollzie- Zom. Am Klavier: Roman Dent. Tombola usw. $ Weihnachts- und Silvester. programm. Nr. 300. Sport- Spiel * Freitag, 25. Dezember 1931. Seite 11 Körperpflege unterhalten, ohne fich als begehrlicher Pro- seinen Ausführungen noch die sportliche Erziehung Das vorerst für 25.000 Buschauer berechnete FasLage seiner Klasse und die Möglichkeiten zu ihrem Bollsgesundheit. Besonders hob Dr. Altrod in Meter Länge sowie zwei Schwimmsportanlagen. Aufstieg letorier von verbohrten Spießbürgern über die zur Ehrlichkeit und Ritterlichkeit zum adeligen ,, Voll- jungsvermögen dürfte bald nicht mehr ausreichen, da Schulter ansehen zu laffen. menschen" hervor. das allgemeine Sportinteresse in Griechenland im Eine günstige Gelegenheit ist im Winter auch mer mehr wächst. Heute hat man bei LeichtathletikBaden und Schwimmen im Winter. Bringt man gelegentlich das Gespräch auf den für Richtschwimmer und Schwimmschüler gegeben. Arbeiter- Radfahrer wollen die Wiener Renn- und Fußballkämpfen bereits 10.000 bis 20.000 3Schwimmsport im Winter, so kann man immer Rönnen sie doch in der schwächer besuchten Schwimm bahn übernehmen. Der Bundestag des Astö wird schauer. Man rechnet in Griechenland damit, daß hören, wie gefährlich das Baden in der falten Jah- turde viel intensiver von den Funktionären in die im nächsten Jahr im April stattfinden. Als die auf den modernen Sportanlagen auch weit bessere reszeit sein soll. Wohl immer sind die vorgebrach- Schwimmkunst eingeführt werden, als zur Somerste Organisation haben die Arbeiter- Radfahrer be- Leistungen erzielt werden als auf den alten Kampften Gründe gänzlich unzutreffend, und nur aus teszeit in den meist überfüllten Badebetrieb. Wer reits einige Anträge bekanntgegeben, die sie beim stätten mit ihren schlechten Laufbahnen und unzueiner gewissen Willensschwäche ist die Tatsache her noch nicht die Schwimmerei beherrscht, sollte daher Bundestag stellen werden. Unter ihnen ist jener be- reichenden Ausmaßen. zuleiten, daß den meisten Menschen der, Trieb nach nicht erst im Sommer mit dem Unterricht beginnen, fonders bemerkenswert, der den Wunsch ausdrückt, einem erfrischen, falten Bade außerhalb der heißen sondern die günstigere Möglichkeit in der.„ stilleren daß der Astö die Wiener Radrennbahn in seine auror Sommertage gänzlich verlorengeht. Vor allem die Zeit" benuten. Verwaltung nehmen möge. Es ist begreiflich, daß Furcht vor einer Erkältung" hält die meisten dem die Arbeiter- Radfahrer diesen Antrag stellen. Die Radrennbahn wurde nicht von der Gemeinde Wien auf besonderen Wunsch des Askö, der aus diesem Grunde nicht nur die Haftung für die Baukosten übernahm, sondern sich überdies verpflichtete, diese zurückzuzahlen. Die bürgerlichen Radfahter haben bisher für die Rennbahn nicht mehr gegeben als eine Unmenge Ratschläge, wie man das und jenes besser machen könnte. Daraus können sie also sicher nicht irgendwelche Ansprüche auf die Rennbahn ableiten. Schwimmbade jern. Wie verkehrt das ist und ge- Bei Schmerzen in Gelenken u. Gliedern, gebaut, sondern durch die Stadionbetriebsgesellschaft rade die ungenügende Abhärtung ständige Erkältung und„ Sichkrankfühlen" nach sich zieht, fann jeder bestätigen, der auch im Winter seinen Wassersport betreibt. Vielen läuft geradezu eine Gänsehaut über, wenn sie auch nur an das falte Wasser denten. Das bel ist diese Vorstellung gänzlich abwegig; denn die Schwimmhallen sind„ mollig" geheizt, im richtigen Verhältnis zur Temperatur des Schwimmbades. Nur scheinbar ist die Temperatur des Wassers im Winter niedriger; denn sie ist mit 19 Grab im Durchschnitt immer noch höher als im Sommer. Vor allem ständige und fräftige Bewegung im Schwimmbad. Rie das falte Bad, sondern das zu Sonntag, den 27. Dezember, um halb elf Uhr vormittags im Kino„ Bejeda", Prag II, Smečka- Gaffe Sowjetfilm 29 Rheuma, Gicht und Jachias wirken TogalTabletten rasch und ficher. Togal scheidet die Harnsäure aus. das verheerende Gift im menschlichen Körper, beshalb wurden felbft in veralteten Fällen, in denen andere Mittel verjagten, mit Togal überraschende Erfolge erzielt. Unschädlich für Magen, Herz u. a. Organe. Wenn mehr als 6000 Aerzte dieses Mittel empfehlen, fönnen auch Sie es vertrauensvoll faufen! Besorgen Sie sich in der nächsten Apotheke Togal. Wo nicht erhältlich, dann direkt bei Brauners Apotheke Bum weißen Löwen, Prag II., Přitoph 12. Sport und Sittlichkeit. Aufschwung des Arbeiter- Eishockeys in Defter Es war ein Jahr der Bestleistungen. In abgelaufenen Jahre haben die Arbeitersportler von den insgesamt fünfzig Bestleistungen, die in Oesterreich geführt werden, 37 ber. bessert. Von diesen wurden 27 von Sportlern und 10 von Sportlerinnen erzielt. Auch vier Darüber sprach in fesselnder Weise vor einer neue Weltbestleistungen wurden aufge jehr großen Interessentengruppe im Auftrage der stellt, und zwar je zur Hälfte von Sportlern und Ortsgruppe Leipzig der Deutschen Gesellschaft zur Sportlerinnen. Bekämpfung der Geschlechtsfrankheiten Professor Dr. Altrod. Einleitend begründete er zunächst die Ursachen des gewaltigen Aufschwunges der Turn- reich. Das Eishodeyspiel findet unter den öfterund Sportbewegung seit Kriegsende und wies dann reichischen Arbeitersportlern immer größeren AnMit einleitendem Vortrag( tschechisch) an Hand von treffenden Beispielen nach, wie jahr. lang. Noch vor wenigen Jahren waren in dieser über sibirisches Gefängniswesen. mundertelang die Pflege des Leibes hinter der des Sportart die Bürgerlichen tonangebend, heute werVorraum des Kino: Wandzeitung und Geistes zurüdstehen mußte. Diese einseitige Ver- den sie bald eingeholt fein, denn die Zahl der ausländische Filmzeitschriften. Nume- standeskultur sei munmehr abgelöst worden durch Mannschaften, die sich mit Eishodey befassen, wächst rierte Karten á 3.- Kronen im Vorvers eine neue Richtung, in der Seele und Körper gleich von Woche zu Woche. Wie berichtet wird, gibt es Tauf: Odeon, Prag II., Jungmannstraße berechtigt sind und nicht mehr zu trennen feien, derzeit schon 32 Arbeiter- Eishockeymannschaften, und und an der Kino- kasse. Dann tam Professor Dr. Altrock auf die ethischen weitere Neugründungen werden noch erwartet. und sittlichen Werte des Sportes zu sprechen und Großzügige Sportförderung in Griechenland. erläuterte flar und anschaulich, von welchem großen Die griechische Regierung ist bestrebt, den Sport 8nchthaus in Gibirien". Centralbank der deutschen Sparkassen in der Čechoslovakischen Republik. Hauptanstalt: Prag II., Bredauergasse 14. Zweigniederlassungen: Aussig, Brünn, Eger, Jägerndorf, Reichenberg, C. Teschen, Trautenau, Troppau. Die Bank der deutschen Sparanstalten und Gemeinden. 1008 KINO- PROGRAMM vom 25. Dezember bis 31. Dezember 1931. Wran- Urania- Kino Cinziges deutsches Kino Prags. 2976 Tel-0.129 Beste Unterhaltung beim neuesten Herrm.- Thimig- Lustspiel ,, Mein Freund, der Millionär❝ ( DER STROHHUT SEINER MAJESTÄT). Ein besonders anmutig- liebenswürdiger Film mit Thimig, Tiedtke, Lieselotte Schaack. Ab Freitag um 2, 4, 6 und viertel 9 Uhr. Wo verkehren wir? lange Serumstehen mit aufkommendem Frostgefühl Nutzen die Leibesübungen besonders in den Buber mit allen Mitteln zu fördern. Das Ministerium Café„ Continental", Prag, Graben bewirkt die Erkältung. Freiübungen am Bassin- tätsjahren sind. Durch das gemeinsame Tummeln für Volksgesundheit hat große Summen für die rand sind sehr zu empfehlen. Kräftiges Frottieren auf den Sportplähen set der Begriff der Scham Hebung des Sports in der Provinz und auf dem des Körpers und, wenn Gelegenheit dazu ist, zwed- gegen früher ein ganz anderer geworden. Die so Lande bewilligt und widmet auch dem Ausbau der mäßige Massage nach dem Bade, steigern den an sich viel berpönten Refordleistungen hätten wiederum Sportplätze im ganzen Lande größte Aufmerksamträgen Blutkreislauf und bewirken einen regeren das Gute, daß sie den Sportler dazu zwingen, in feit. Eine der größten. Sehenswürdigkeiten ist das Stoffwechsel, Wird die Uebungsstunde eines Ver jeder Beziehung höchst enthaltsam zu leben. Das neuerbaute Stadion in Athen auf dem eines, der in der glüdlichen Lage ist, am Orte ein freiwillige Verzichten und Unterordnen im Sport Boden des alten Velodroms von Nen- Phaleron. Hallenbad zu haben und es benüßen fann, regel- sel somit von großem sittlichen Wert sowohl für den Das Stadion enthält neben einem Fußballfeld und mäßig bejucht, dann wird mit der Zeit das einzelnen als auch für die Staatsgemeinschaft und einer Rundbahn eine gerade Laufbahn von 200 Schwimmlad zu einem unentbehrlichen Bedürfnis, und die so bewirkte Abhärtung des Körpers be[ chränkt die Möglichkeit der Erkältung und des Kranfwerdens auf ein Minimum. Welch ein Hochgefühl gesteigerter Lebensfreude ist es, wenn man nach der Uebungsstunde durch die winterliche Abendluft seinem Heim zustrebt. Ein angenehmes Wohlgefühl überrieselt den Körper, und nicht nur die Lungen, auch sämtliche Hantporen trinken fich jatt an der ozonreichen Winterluft. Für den Arbeiter der Hand und des Kopfes sollte es daher keine Frage darüber geben, ob er Schwiramsport neiben soll; denn Schwimmen ver mitielt ihm ja demnach die Voraussetzungen zur Erhaltung feiner Arbeitskraft im stärksten Maße. Auch in welchem Verein er die Uebungsstunde befucht, dürfte eigentlich keine Frage sein: Nur in einem Arbeiter Turn- und Sportver ein. Dort findet er genügend Gelegenheit, die Kunst des Schwimmens zu erlernen. Dort wird er nicht zurüdgesetzt vor irgendwelchen„ Kanonen". Er kann sich mi: gleichgesinnten Gefährten über die das Heim des flafenbewußten Arbeiters gehört d. Zentralorgan. der Deutschen fozialdemokr. Arbeiterpartei „ Sozialdemokrat ELBE 99 Billiger Neujahrsabverkauf Skianzüge für Kinder, Knaben und Mädchen von Kč 240-, Skihosen in allen Größen von Kč 95, Jünglingsraglans u. Mäntel von Kč 250-, Kindermäntel von Kč 180-, Knickerbocker von Kč 85-, Lumberjacken von Kč 90-. Schutzmarke „, Hirich“, Gastwirtschaft LIDOVÝ DŮM ( Gen. Wilhelm Opatrn Tiglich PRAG II., Hybernská Konzert. Original Nr. 7. Hid, Pra Pilsner Bier Železná 14. 978 Verlangen Sie in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firms HEGNER& Cle.. PILSEN Selchwaren der Fa. 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Dann schwang der Spender sich himmelan: ,, Mehr läßt sich leider nicht machen. Ein Engel selbst kommt heute nicht an Gegen die Wirtschaftstatsachen." h Jonathan Er stammte zwar aus der besseren" id Welt, Doch wußte er, daß auf der Erde Auch Weihnachtsseligkeit nur für Geld Dem Menschen geliefert werde. S Gründer des Christentums schon bei Lebzeiten Unter diesen Umständen ist es nicht ver- ziemlich genau übereinstimmt mit derjenigen, die Wie hat Christus ausgesehen? das Augenmerk der damaligen Weltöffentlichkeit wunderlich, daß wir außerordentlich wenig über Johannes von Damaskus gibt, und daß beide in hohem Maße auf sich gelenkt habe. Jesus die äußere Erscheinung Christi wissen. In einem Beschreibungen wieder mit den ältesten byzanEs gibt feinen stärkeren Interpreten des war einer von den vielen im Lande umherziehen- apokryphen, im elften Jahrhundert bekannt ge- tinischen Christusbildern, zum Beispiel denen in menschlichen Wortes als das zu ihm gehörende den Propheten, einer von den vielen Märtyrern, wordenen Briefe, den Lentulus, der Vorgänger Ravenna und Rom, harmonieren, vermag die menschliche Gesicht. Unser Interesse für eine die, gwar nicht ihrer Lehre, wohl aber ihrer Ver- des Pilatus, an den Römischen Senat gerichtet weifel nicht wesentlich zu entfräften, die sich Tat des Willens oder des Hirns ist unlöslich verlegung der geltenden Kulturvorschriften wegen, haben soll, wird Jeju ein männlich schöner Ge- gegen die Beweistraft jener Stellen erheben. Bei Inüpft mit dem Wunsch, ihren Träger lennen zu von der heidnischen Intoleranz ans Streuz ge- fichtsschnitt zugeschrieben. Ferner existiert aus der Beurteilung der auf uns überlommenen lernen, über ihn etwas zu erfahren. seine Per schlagen wurden. Keineswegs hat der lebende der Mitte des achten Jahrhunderts eine Auf- Christusbilder müssen wir natürlich alle die un fonalien zu ermitteln. Im höchsten Maße trifft Jesus die Gemüter des gesamten Judentums zeichnung des Johannes von Damaskus, in der endlich vielen aus unserer Betrachtung ausicaldas auf die Person Jesu Christi zu, der, auch bewegt oder gar für die Lenker des römischen Bezug auf verloren gegangene Apokryphenlitera- ten, die reine Kombinationsprodukte sind. Im weny man nur einen allen menschlichen Bedin- Imperiums, die, wenn überhaupt, dann gewiß tur genommen wird, die den geschichtlich nicht Verlaufe von zwei Jahrtausenden hat keine Gegung unterliegenden Stifter einer neuen Ethit nur ganz oberflächlich über ihn orientiert waren, erwiesenen, wenn auch von dem Kirchenhistoriker stalt der Weltgeschichte so intensiv und so häufig Eufebius bestätigten Briefwechsel, den Jesus mit die Phantasie der Maler und bildenden Künstler in iha sieht, zu dem halben Dußend der wir irgendeine Rolle gespielt. Ganz allmählich erst, mit zunehmender zeit- dem König Abgar Uffama von Edessa gepflogen beschäftigt, wie die Gestalt Chrifti es getan hat. fungsmächtigsten und schidsalshaftesten Menschen zählt, die die Geschichte unseres Erdballes fennt, licher Entfernung von seinem Tod wächst die haben soll, in Verbindung mit einem Bild bringt. Aber selbstverständlich können auch künstlerisch so der vom Standpunti einer rein journaliſtiſchen Bedeutung seiner Persönlichkeit, weitet sie sich das Jesus einem diefer Briefe beigelegt habe hochstehende Gemälde, wie etwa die van Dyds Betrachtungsweise vielleicht als berühmtester aus und hält seine Gemeinde ihren Einzug in und auf dem er einen schmerzlich düsteren Ge- und Dürers, da Vincis und ThotMenich aller Seiten und Länder zu bezeichnen die Kulturdiskussion der Alten Welt, um nun fichtsausdruck aufweise. Im übrigen soll diefes waldsens, Raffaels und Cornelius, ist und dessen Name selbst bei vorsichtiger Ab- immer schärfer in ihren Brennpunkt zu rüden Bild, das über Edeffa und Konstantinopel nach nicht den geringsten Anspruch auf Porträtähnlich ſchäßung auch in abermals zweitausend Jahren und nie wieder aus ihr zu verschwinden. Noch Rom gewandert ist, Jesus als einen Mann von feit erheben. Sie alle bringen einen verklärten Tacitus kennt den Namen Jesus überhaupt stattlichem Wuchse zeigen, der zusammengewach- oder schwärmerischen Idealchristus, den ihre noch Klang und Geltung haben wird. Die Geschichtlichkeit der Person Jein ist ver- nicht, sondern hält den Beinamen Chriftus für fene Augenbrauen, schöne Augen, eine regel- aläubige Seele sich nach Impreffionen aus ber fchiedentlich angezweifelt worden. Am gründlich einen Berfonennamen. Gueton erwähnt wohl mäßige Naje, kurzes lodiges Haar, einen schwar- Lehre Christi vom Mitleid und der Nächstenliebe ften wohl von dem vor etwa zwanzig Jahren 100 Jahre nach Christus- so ganz nebenherzen gespaltenen Bart und weizengelbe Gefichts- zurechtkonstruiert haben mag, der aber sicher unviel po ich reben machenden, Arthur die„ neue Religion", weiß aber von„ Chreftos" farbe befaß. Das ist alles etwas aus zweiter richtig und möglicherweise völlig irrtümlich ift. von Drew 3. Seute darf man sagen, daß bei aller nur zu berichten, daß er Aufruhr angeftiftet und dritter Hand. Außerdem schlösse eine solche Kritit, die die wissenschaftliche Forschung ver- habe". Dio Cassius wirft hurtig die Be- Beschreibung eines Bildes die Möglichkeit unge- Chrifti geht ins giveite Jahrhundert zurüd, stellt pflichtet ist. der Authentizität der christlichen und griffe Juden und Christen durcheinander und nauer und von fubjektiven Elementen beeinfluß ein Relief an einem Säulenfartophag dar und latinisierte jüdische Schriftsteller Jofeter Die älteste uns erhaltene Nachbildung Jesus weist hier ein sehr jugendliches, weit größere phus kommt nur an zwei Stellen, deren Echt- ferner an dem Mangel daß Bilderbeschreibun- venna. Wahrscheinlichkeit doch dafür spricht, daß Jesus heit noch dazu bezweifelt wird auf das Chriften- gen ja immer nur höchst unvollkommen das Bild fast findliches und wenig charakteristisches Getatsächlich, gelebt hat. Andererseits ist bestimmt tum zu sprechen und tut es dort mit ein paar felbst zu ersetzen vermögen Auch die Tatsache ficht auf. Sein Saubthaor it lodig. fein Antlitz die vielfach verbreitete Borstellung falsch, daß der dürftigen Worten ab. daß die Beschreibung Chrifti im Lentulus- Bries bartlos und seine Züge sind mild und wenig «- Sctrnkn 1ML Br. 800. Der Wßihnaclitsabenil des alten„Haudegen“ Wenzel. Von Ignät Herrmann. Berechtigte Uebersetzung aus dem Tschechischen von J, Reismann. Dem alten»Haudegen* Wenzel habe ich schon ein« Füll« von Reminiszenzen gewidmet— denn ich erinnere mich seiner als eines guten und anständigen Kerls» der einstmals kühn und verwegen zum Kampf« in die Welt ausgezogen war» bis dort hinunter nach Italien— zur päpstlichen Armee. Doch dieser Ruhm sollt« nicht allzulang« währen. Bald kehrte Wenzel wieder in seine Heimat zurück, um bann sein ganzes weiteres Leben hinter einem zweirädrigen Karren oder unter einem schweren Ranzen aus grober, grüner Sackleinwand zu verbringen. Wenzel wurde nämlich Diener in einer Druckerei und ganz« Jahrzehnte hindurch fuhr er und trug er di« neuesten Früchte der Literatur nach allen Prager Buchhandlungen. Ach ja, während seiner jungen Jahre und auch während seiner ManneSzeit waren die Druckereien noch wirkliche Heiligtümer der schwarzen Kunst und keine lärmenden Fabriken wie heutzutage, di« höllenschlundmäßig jetzt daS bedruckte Papier auSzusPeien pflegen. Heiligtümer waren rS, wo man jede- Blatt zehnmal rund herum dreht«, prüft«, einer zehnmaligen Korrektur und Revision unterwarf, wo man mit Ueberlegung und ohne jede Hast druckte, jedes Blatt dann in den„Glanzdeckrl" rinlegt« und es in einer schwarzen Press« zusammenpreßt«, damit es wieder di« ursprüngliche Glätte und den früheren Glanz erhalt«. Denn dazumal wurde alles auf Büttenpapier gedruckt, das durch das Wasser dann rauh würde. Dazumal hatte man in jeder Druckerei wohl auch nur einen einzigen Diener. Wenzel war lange hindurch solch«in einziger Stiefelknecht", wie er sich selber nannte. Und er genügt« auch lang« Zeit hindurch. Gab es weder«ine Wagenlast, noch«inen Ranzen, bann pflegt« Wenzel den Autoren di« Korrekturen und RevisionSbogen zuzustellen, später di« Bürstenabzüge, und endlich da» erste fertige Druck- «xemplar. Die alten Literaten, Gelehrten, Archivare, Bibliothekar« erinnern sich sicherlich noch seiner schmalen Figur. Aber auch sie sind im Aussterben. Rüht doch der alte Haudegen" Wenzel selbst mehr al» eineinhalb Jahrzehnte auf dem Wolschaner Friedhof«, und er war hochbetagt, al» er von hinnen ging, als ob er mit seinen leisen, schlürfende» Schritte« bloß einen Spaziergang „hinüber" gemacht hätte. So leise ging«r von dannen, daß es so mancher unter uns überhaupt inicht wahrnahm. So leis«, als ob irgendein leichter Zugwind aus der Fern« die Türe hinter ihm ganz und gar zugemacht hätte. Und jetzt taucht er plötzlich wieder vor meiner Erinnerung auf, vielleicht deshalb, weil bi« Weihnachten da sind. Wenzel liebte di« Weihnachtin, denn während dieser Zeit pflegte er den Kundschaften de» Geschäft«» und den geschätzteren Autoren Kalender mit einem Neujahrsglückwünsche zu übermitteln — und wessen Hand wäre da nicht in die Tasche gerutscht, um den alten Haudegen" mit einem Sechser ober gar Zwanziger zu belohnen? Dieser Zustellen von„Gratiskalendern* war sein« Akzidenz, sein Srparateinkommen, und an diesen Tagen konnte man in Wenzels Taschen wirkliche Silbermünzen klimpern hören. Zwar ein verfälschtes, rötliche» Silber, al» ob e§ sich schämen würde, daß«» so stark mit Kupfer amalgiert war, aber trotzdem Silber, für das man all da» be- kommen konnte, was Wenzels harte Lebenstag« zu versüßen in der Lage war: Würste und Bier. Man breche nicht sofort den Stab über ihn, denn er vertrug nicht allzuviel von diesem Biere. ES gab Augenblicke, da ihn«in einziger Halbliter berauscht«. Sein schwächlicher Magen vertrug nicht viel. Und so rückten also wieder einmal di« Feiertage heran, es war dazumal ungefähr in der Hälft« der siebziger Jahr« des verflossenen Jahrhunderts und es war gerade d«r Wrihnachtstag, als noch«in ganzer Haufen Kalender übrig war, di« bis zum energisch. Aehnlich tritt er uns auf einer Statuette in der barberinischen Bibliothek zu Rom und auf einem späteren, etwa aus dem sechsten Jahrhundert stammenden Gemälde entgegen, das sich in der Kikche von San Vitale zu Ravenna befindet. Beide Darstellungen geigen ihn auf einem Thron sitzend, das Weltrichteramt ausübend. Wirklich aufklärend über Gesicht und Statur des geschichtlichen JesuS vermag indessen keines der genannten und auch keines der sonst noch vorhandenen, auS dem dritten, vierten, fünften oder gar einem späteren Jahrhundert stammenden Christusbilder zu wirken. Wie das ganz« neue Testament, einschließlich deS Ecksteins der kritischen theologischen Forschung, der PauluS- briefe nämlich, von denen mindestens der an die Römer, Korinther und Galater heute allgemein als echt anerkannt wird,... wie dieses ganze Neue Testament auch nicht einen einzigen Jesu zugeschriebenen Satz oder Ausspruch enthält, der unbedingt gerade so und nicht etwa nur ähnlich von ihm gesagt worden wäre, so besitzen wir auch keine verbürgte und dokumentarisch belegte bildliche oder beschreibende Darstellung seine» Aeußeren. Vielleicht braucht eine kommende Zeit über da» geschichtliche Gesicht Christi nicht so gänzlich im Dunkeln zu tappen, wie wir das noch tun müssen. Der Evangelist LukaS soll welche verfertigt haben, von Petru» und Paulus wird berichtet, daß sie hei ihren Predigten welch« benutzten und EuseviuS schreibt, daß er viele gesehen Habs, leider aber beschreibt er sie nicht. ES ist nicht gänzlich ausgeschlossen, daß irgendwann einmal solch ein ältestes ChristuSbild entdeckt wird, wenn die Wahrscheinlichkeit dafür auch nicht allzu hoch wird veranschlagt werden dürftn. Abend« den Kunden zugestellt werden sollten. Die alt« Traditton gebot, daß dies am Weihnachtstage geschehe, damit di«„Parteien" die Kalender zu den Feiertagen in Händen haben sollten. Christtag— StefanStag— Muß« in Hülle und Fülle, und so wird sich ihm mancher mit Andacht durchlesen. Gab es doch dazumal unter den Abnehmern der Druckerei Kunden, di« auS der Literatur unseres Volkes nicht m«hr kannten, al» was im Kalender abgedruckt war. „Bei allen Henkern noch«inmal*, fluchte vielleicht schon zum zehnten Mal« der Herr Faktor Pietschmann,„wohin hat der Satan wieder einmal unser Hermelin entführt? Da hat er doch di« Kalender zuck Austragen." Von Wenzel war nirgends«ine Spur zu erblicken. Keiner hatte«ine Ahnung, wohin man ihn geschickt hatte und in welcher Kommission, und man konnte auch durchaus nicht erraten, wann er wieder aus der Bildfläche anstauchen werde. Und di« Stunden gingen wie im Flug« vorüber. Endlich,«üblich kam er herangefackelt. „Wo hat man sich denn wieder mal herumgetrieben, gottverfluchter Satanssohn— da warten die Kalender auf Si«— und Sie haben sich mal wieder irgendwo gedünstet, was?" Das war sicherlich«in Unrecht, denn«in großes Künsten" stand mit der„Tragfähigkeit* unseres Wenzels keineswegs im Einklänge. Nun, man kennt das ja, wenn man aufgeregt ist, fällt so manche» Wort, da» man gar nicht so ernsthaft meint. E» war auch möglich, daß der Faktor irgendeinen Anstand mit dem Alten gehabt hatte, mit dem Prinzipal, man kennt das ja, wie das zuzugehen pflegt. Der Stufenleiter nach bekommen dann all« der Reihe nach ihr« Prise zum Schnupfen, bi» zum letzten Mann herunter. Also inzwischen ließ der Faktor an unserem alten Haudegen" seinen Zorn aus. Denzel hatte zwar irgendein« Ausrede zur Hand, aber sie war irgendwie ungeschickt, unpassend, unbeholfen. Es wurde offenbar, daß wenigsten» die Hälft« der Zeit auf da» Konto irgendeines Aufenthaltes, einer Plausche», vielleicht sogar auch eines SchlückleinS Rosoglio, das ihm jemand spendiert haben mochte, zu buchen war. Ein Dort gab das ander«, der liebe Faktor geriet immer mehr in Wut und redete sich in«inen solchen Zorn hinein, obgleich er«in guter und kameradschaftlicher Mensch wär, bis ihm endlich, in der höchsten Rag«, mit Fistelstimm« der Satz eut- fuhr: „Und es ist schon mit Ihnen nicht mehr zum Aushalten! Also jetzt werden wir Schluß machen! Zu Neujahr gehen Sie!* - Das glaübte natürlich kein Einziger. Und wir waren überzeugt, daß auch.Wenzel der Sache keinen Glauben schenkte. Weil-er«s ja nicht zum ersten Male hörte. Auch der alte Faktor hatte ihm mehr als einmal den„Lauspatz* gegeben, selbst vom „Alten* hatte er schon einmal di« Kündigung be- kommen— natürlich nur für den Augenblick, da er es ausgesprochen hatte. Und wir wußten all«, daß es dann wieder beim alten bleiben werde, konnten wir denn überhaupt ohne Wenzel existieren? Er gehörte zu unserer Druckerei, wie'«in Bodenfenster zu einem Dache gehört, wie ein Rad zu einer Schnellpresse, wie«in Punkt auf«in„i". Stets war es nur«in« Drohung ohne jede ernstlich« Bedeutung, und selbst Wenzel pflegte si« stet» mit philosophischer Ruh« hinzunehmen. Er brummte dann gewöhnlich irgend etwa» Unverständliches in seinen gelblichen, bemah« grünlichen Schnurrbart, etwas, was. er natürlich kaum mit fettem Druck« dem Alten oder dem Faktor ins Gesicht laut wiederholt hätte. Und wenn dann der nächste Samstag heranrückte, da wußte bereits niemand mehr etwas davon. Man hatte längst an diese Kündigung* vergessen. Und wir hätte» uns all« nicht wenig gewundert, wenn Wenzel sein« sieben Zwetschken gepackt, sich verabschiedet und vittleicht gar sein Zeugnis verlangt hätte. Aber diesmal war«s doch anders. Wenzel war ungemein weich gestimmt. Vielleicht deshalb, weil es bereits WeihnachtStag war. Vielleicht auch deshalb, weil am WeihnachtStag« noch niemand di« Kündigung erhalten hatte. Niemand ahnte indes, was in seinem Herzen vorging, und do jeder mit sich selber genug zu tun hatte, schenkte man Wenzel keinerlei Beachtung. Di« Hast vor dem Weihnachtsabende war im ganzen Haus« lärmend zu spüren. Nur zur Mittagsstunde rannt« jeder auf einen Sprung fort, um irgendwo in der Nähe einen Teller Suppe herunteizuspülen, man wechselt« einander ab, erledigt« die Arbeiten schon voll Aufregung, allmählich brach di« Dunkelheit herein. Jemand kramt« noch irgendeine vergessen« Adresse aus und flebte sie auf«In Kalenderpaket. „Sakra, an das da hätte» wir ja beinah vergesse»! Wo steckt denn der Wenzel?" Ja, der Wenzel! Niemand vermocht« sich zu erinnern, wer ihn zuletzt gesehen hatte, niemand wußte, wohin er gegangen war. Der Faktor, besah sich di« Adresse. „Nun, der Teufel wird den Herrn Blaustein l auch nicht holen, wenn er seinen Karpfen ohne | Kalender verspeisen wird. Morgen ist ja auch ein Tag. klebrigen» liegt es unS ja gerade am Wege, jemand von unS kann bei ihm«inkehren, bis er heimgeht.* Heft»! Stets kehrten wir dieser Packerei gern« den Rücken, wie denn nicht gar am Deihnachtstage! Wenn wir nur schon di« Druckerei hinter unS sahen! Im Geist« rochen wir schon den Karpfen, knusperten wir schon mit den Nüssen, und zu guter Letzt re Ute uns bereit» der Geruch eines scharfen, heißrn Punsches die Nasenflügel. Wir liebte« de» Weihnachtsabend deshalb so sehr, weil sich an ihn der erst« Weihnachtsfeiertag anschloß— und di« Packerei an diesem Tage ganz stillrstand. Wo ist all di« Freude von dazumal dahin? Rasch noch ein« flüchtig« Inspektion, ob alles geschlossen war, damit kein Funken in der Herdglut bleibe und nirgends«in GaShahn offen bliebe. Durch einen schmalen Gang tappten wir in den rückwär- tigen Raum, der mit Büchern, Papier und alten Stricken vollgestopft war. Ter Gashahn war dort nur auf Dreiviertrl abgedreht, so daß ein bläu- liches Flämmchen daS geteilte Zäpfchen des Bren- n«rs gleichsam ableckte. „Welcher böse Geist hat denn da nicht abge- dreht?", brumme ich vor mich hin, und streckt« die Hand aus, um den GaShahn zu schließen. Da plötzlich«in Geräusch— nein, bloß die Ahnung von einem Geräusch, al» ob ich nicht allein wär«. Sofort drehe ich den GaShahn wieder zur Gänze auf, di« Gasflamme zischt mit einem mächtigen Gesurr in die Höhe, im Raume wurde es hell. Und da bietet sich mir«in überraschendes Bild dar: Ich gewahre den alten Haudegen" Wenzel, der auf dem Fußboden unterhalb deS Fensters kniet, an der Klinke des oberen Fenster» ist«in alter Strick befestigt, Wenzel hat seinen Hals in einer Schlinge weiter unten stecke», fein« Hände hält er krampsthaft gefaltet, sein« aschfahlen Lippen bewegen sich, und er murmelt tonlos irgendein Gebet herunter. Mit starren Augen glotzt er ins Leer«, als ob er nichts ahnte, daß jemand hrreingekommen war, al» ob er die plötzliche Beleuchtung gar nicht wahrnehm«, al» ob er bereits in irgendein« ander« Welt schauen würde. „Wenzel, was treiben Sie denn da?* Wenzel gibt kein« Antwort, nur sein« Lippen rühren sich und fein« gefalteten Hände beben. „Wenzel!", ruf« ich mit lauter Stimme. Aber im nächsten Augenblicke reihe ich schon mein Messer aus der Tasche, springe zum Fenster, schneide de» Strick durch, gerade an der Klinke, dann löse ich dtm, alten Haudegen" die Schling« vom Hals«, packe ihn bei der Achsel und rüttle ihn. „Sind Ei« d«nn närrisch geworden, Wenzel?" Wenzel starrt mich wie«in Sterbender an, betet sein Sprüchlein zu Ende, und dann stammelt er fast heulend: „M— Lassen Sie mich, mja, ich habe schon genug von dem alle»— mja, wohin soll ich denn gehen, wenn ich di« Kündigung bekommen hab— mja, ich war ja eh schon halb im Himmel." ,-„Daß Sie sich nicht schäme», Wenzel, Ei« ein alter päpstlicher Soldat— und daheim wartet Ihr« Frau mit dem Fisch auf Sie— da hätten Si« sich ja«in schön«» Stücklein geleistet! Vorwärts, gehen wir heim, wir wollen schließen!" Ich half Wenzel auf di« Bein«, dann packle ich ihn bei der Schulter, dreht« das Gas ab und stieß den alten Haudegen* durch den dunklen Gang vor mir her. Auf halbem Wege dreht« er sich um, packte mich bei meinen Händen und zischelt« vor sich hin: „M— Jessesmariantjosef, sagen Sie es niemandem— ich könnt« am Ende noch einmal di« Kündigung bekommen." „Niemandem werd« ich etwas davon sagen—- aber sputen Sie sich, damit wir nach House kommen." Der Faktor war schon längst fortgegangen, nur ein Kolleg« in der Kanzlei zog sich noch an. Er kragt« nicht«ftimal, woher Wenzel denn komme, wo er gewesen war, und so löschten wir die Lichter aus, sperrten die Kanzlei ab und brachen auf. Erst jetzt packt« mich der Schüttelfrost ob der vorangrgangenen Szene. Ich ärgert« mich sogar über den«fiten„Haudegen". Di«» am Weihnachtsabende!.^ . Auf den Stiegen de» Treppenhaus«» erwischte mich Denzel wieder beim Rockzipfel: „M— warum haben Sie mich nicht hängen lassen? Ich konnte so«inen warmen Tod haben. Jetzt muß ich mich von der Brück« in di« Moldau stürzen—- da» ist schlimmer* Verflixter Wenzel! Er wohnt« ja dort droben in der sogenannten„Neuwelt", wahrlich, er mußt« ja seinen Weg über di« Karlsbrücke nehmen— daß er am Ende wirklich gar.■..... „Wenzel, wenn Si« noch ein Wort sagen, ruf« ich die Polizei auf Sie! Und jetzt kommen Sie, ich muß nämlich auch denselben Weg über bi« Kleinseite." CS blieb kein anderer Ausweg, ich entschloß mich also, daß ich ihn heimbringen werde. Der Spa- ziergang war zwar ein bißchen lang, aber man konnte Wenzel ja heut« nicht vertrauen. Er lief wie ein Lämmchen neben mir her, und unterwegs bemüht« ich mich, ihn aufzuheitern. Als wir aber di« Spornergass« durchschritten, di« Alt- städterstiegen heruntergestiegen und in die Lorrtto- gasse«ingebogen waren, begann Wenzel schon zu kapieren, daß. mein Wag auf di« Kleinseit« nur«in bloßer Vorwand gewesen war. Am Lorrttoplatzr blieb er plötzlich stehen und fing an zu betteln: „M— nein, gehen Si« schon nicht mehr weiter. Sie wollen zu mir nach Haus«, ich weiß es, Sie wollen«» meiner Alten sagen,—m— aber, nein, gehen Sie nicht mit. Ich geh ja schon allein— wenn ich schon so weit gekommen bin— zur Brücke geh« ich nicht mehr zurück" „Rein, ich gehe nicht zu Ihnen hinauf, aber bi» zum HauStor«. Vorwärts!" Und trotz seinem Protest« führt« ich den lieben alten Haudegen* bis zum Vorhof« des Hauses, wo er wohnte, und wartet« dann so lange, brS die Tür zu seiner Wohnung ins Schloß gefallen war. Da waltet« ja bereit» Wenzel» Gattin, sein Sohn war zu Haust, und Denzel befand sich also in Sicher- heit. Veftiedigt kehrt« ich heim. Am folgenden Tag«, dem W«ihnacht»age, fand ich keine Ruh«, ich mußte mich davon überzeugen, wie es dem unglücklichen Selbstmörder gch«. Erich Kästner. Du sahst Gewalt und Polini. Dn walltest all« Mensch« frei Und Friede» ans der Otfe Du wußtest, wie da» Elend tnt Und wolltest alle Menschen gut, Damit e» schöner werde. Zweitausend Fahr« sind es fast, Sett du die Wüt verlasst» hast. Du Opferlamm» des Lebens! Du gabst de» Arme» ei»«» Gatt, Du littest durch die Reiche» Spott Und tatest es vergeben». Du kämpftest tapfer gegen sie Und gegen Staat und Industrie Und die gesamte Meute, vis mau an dir, well nichts verfing, Justizmord, kurzerhand, beging, E» war genau wie heute.... Du warst«in Revolutionär Und machtest dir das Lebe» schwer Mit Schieber» und Gelehrte». Du hast die Freiheit stet» beschützt Und doch de» Mensche« nichts genützt. Du kamst an die verkehrten! Ich machte mich also nachmittags auf den Weg, es dunkelte bereits, als ich zur„Neuwelt" kam. Und so stieg ich ass» in die enge Behausung Wenzel» hinauf. Sein« Fran hieß mich willkommen. „Nun, und wo steckt denn Ihr Alter?" „Ach, der ist zur Goldenen Birne(«in WirtS- hau» in der„Neuwelt") gegangen, mit dem Sohne. Der Sohn spielt dort nämlich auf der Harmonika." „Run, und hatten Sie«inen fröhlichen Weih- nacht-abend?" Mergelt» Gott, junger Hen! Rur der Ml« war «in bißl närrisch geworden. Da fällt ihm plötzlich «in, daß er sich erhängen müsse. Er findet irgendwo einen Strick, macht sich«in« Schling«,»first sich sie um den Hals." „Und hat er sich erhängt?", fragte ich atemlos. -Ich hätte ihn Mores gelehrt! Ich sagte bloß zu ihm: Du, alter Karre», dos willst du mir am Weihnachtsabend« anstelle»?— Dann hab ich Punsch gekocht—- der Alt« hat sich nachher zu Bett gelegt und bis in der Früh geschlafen. Aber den Strick ließ er sich nichts vom Hass« nehmen— er schlief mit der Schling« um den Hals«in...* Bermaledaiter Wenzel! So ist ihm da» asso in den Kopf gestiegen? Ich packt« mich augenblicklich zusammen und sucht« den lieben Wenzel also in der „Goldenen Birne." Der Jung« spielt« di« Harmonika. Wenzel saß hinter d«m Tisch«, raucht« ei»« .Sturze* und hört« mit Wohlgefallen dem Konzert« zu. Bis i» die Mitte de» Raumes reicht« der Spar- herd, auf dem Leberwürstchen und Blutwürste schmorten. Um den Ofen herum tanzten zum Klange der Harmonika einige Pärchen. jessesmariantjosef, wie kommen denn Sie her? ....", rief mir Wenzel überrascht zu. Er hatte heute sein vollständiges Gleichgewicht wieder gewonnen und zischelte auch nicht. Di« Weihnachtsruh« hatte ihn mit dem Bewußtsein de» ungestörten Ausruhen- dürfen» und„Genießen»" dieser Welt auch in ihren Bann gezogen. Er trank auf mein Wohl und stieß einen Eingeborenen" Reuweltlrr etwas unsanft zur Seit«, damit ich n«ben ihm Platz nehmen könne. „Und Si« können auch tanzen", meint« er daun gönnerhaft. Ich neigt« mich leise gegen ihn zu und flüstert«: „Ich war bei Ihnen daheim, Denzel." Wenzels Augen schienen aus den Höhlen zu treten. „WaS haben Sie denn dort wollen?" jch habe Sie gesucht, um zu erfahren, wie r» Ihnen nach dem Gestrigen geht." jessesmariantjosef",- erschrak der alte„Hau- degen",„Sie haben es doch am Ende nicht gar der Alten gesagt?" jch habe ihr nicht» gesagt, aber Ihre Frau hat mir von selber erzählt, war Sie dann noch nachher getrieben haben. Wenn Sie damit nicht aufbören werden, werbe ich es dem Faktor erzählen, und eventuell sogar dem Chef." „Na, seien Si« so gut, ja", bracht« Wenzel jetzt abgehackt hervor, geradezu schreckenserfüllt. Denn vor dem Faktor hatte«r mehr Angst al» der Teufel vor einem Kreuz«. Und dann fügte«r noch hinzu: „Nicht wahr, Si« werden nichts sagen?" Jch gab zur Anwort: „Wenn Sie verstand annehmen werden, werd« ich nicht» sagen. Aber schenken Si« mir doch ein Stückchen von diesem Strick«, den Sie die ganz« Nacht um den Hals getragen haben, ja? Sie der- stehen wohl,«» ist de» Glückes wegen.* Denzel pafft« an s«in«r Zigarre und dann brummt« er etwas, das für den Fußboden unter dem Tische bestimmt war. Und dann sagt««r laut: „M— ich hab' mich ja noch nicht erhängt!" Aber jetzt zischelt« er schon wieder, wie«S seine Art war. Nr. 800. Breitag, 25. Dezember 1931. Die Botschaft. Und wieder nun läßt aus dem Dunkeln die Weihnacht ihre Sterne funkeln! Die Engel im Himmel hört man sich füssen und die ganze Welt riecht nach Pfeffernüssen. ( Arno Holz.) wber die Welt. des Juden Mathäus und des Griechen Lutas ,, Ein Kind ist geboren" die eindringlichsten und bildhaftesten sind. Die Weihnachtsgeschichte Seite 15 Wir haben auch nach dem Aufblißen des mitten im Dreißigjährigen Krieg auf der Höhe ein. Der wachhabenbe Offizier Generalleutnant Sterns von Bethlehem Völkerkrieg und Klassen- seiner Macht. Norddeutschland liegt zu seinen Bendre wird von den Empörern erschlagen. Der tampf gesehen, Herren und Sklaven, die einen Füßen und seine schweren Kanonen rollen durch Polizeipräsident schwer verwundet. Zugleicher regieren, die anderen darben. Geld, Gewalt und Pommern nach Greifenhagen, um ausgerech Zeit wird das Warschauer Arsenal von den EmAusbeutung- genau wie vor Christi Geburt! net am Weihnachtsabend die Stellung der kaiser- pörern geplündert. Waffen werden unter das Wieber leuchtet die Weihnachtsbotschaft liche Behre. Tie materielle Welt, der Macht- Kaiserlichen" sich beim Weihnachtsgottesdienst blutig niedergeschlagen wird. Die Rädelsführer Die Geschichte war stärker als die christ- lichen Armee sturmreif zu schießen. Während die Volk verteilt. Eine Straßenschlacht setzt ein, die Cleptiker wie Seinrich Heine und Arno staat hat noch Jahrtausende über dem Men- in der Kirche befinden, gibt der Schivedenkönig werden verhaftet und kurzerhand an die Wand den Feuerbefehl. Gegen Mittag des Weihnachts gestellt. Holz verziehen den Mund, Fanatiker, wie die schentum der Weihnachtsbotschaft triumphiert. Die kapitalistischen Jahrhunderte haben tages stürmen die schwedischen Musketiere die Friede auf Erden Bolschewisten verbieten" das Weihnachtsfest. nach wie vor im Zeichen der Barbarei gestanden, Stadt. Die Kaiserlichen rächen sich und seßen Friede auf Erden der voll Haß und Neid--- und lediglich in mit ihrem verlorengehenden Pulbervorrat die aber stebt wieder einmal unter dem ungeheuren der Weihnachtsnacht hat man sich darauf beson- ganze Stadt in Brand. So ist dieses Fest, daß dem Frieden auf Erden geweiht ist, im Lauf der Jahrtausende Bann dieser einen Nacht. Weihnachten 1704. Der spanische Erbfolge- immer und immer wieder zum Schlachten und Tas Weihnachtsfest ist tief verwurzelt innen, daß die chriftliche Ethik eine höhere menschden Weihnachtsgeschichten, einem halben Dugendliche Sittlichkeit und ein veredeltes Menschen- trieg braust über den europäischen Kontinent. Morden heruntergewürdigt worden. tum verlangt. Bayern wird von kaiserlichen Truppen besetzt. Lediglich im vergangenen Weltkrieg hat man altchriftlicher Legenden, von denen die Berichte tum verlangt. Die oberbayerischen Bauern begreifen den Sinn sich offenbar gescheut, gerade in der Weihnachtsder„ spanischen Erbfolge" nicht recht und be- nacht große Schlachten zu schlagen. Erstens war Gewiß. Aus der schlimmsten Nacht der Bar- waffnen sich gegen die österreichischen Reiter, die das Wetter meist nicht dazu angetan. Man barei find wir ja allmählich doch zu einer Art in den Münchener Kasernen liegen, mit der Pa- fonnte keine größeren Transporte ausführen und Stultur gelangt. In Griechenland und im alten role: Lieber Bayerisch sterben als österreichisch nicht lang genug beobachtetes Artilleriefeuer bes Ein griechischer Intellektueller", Lukas, Rom hatte der pater familias", der Hausvater, verderben". Die Besatzung von München be- nuben. Darum ist das Weihnachten des großen die christliche Ueberlieferung hat ihn den das unbeschränkte Recht, sein Kind zu töten, zu kommt Wind davon, daß der Schmied Balthasar Krieges meist eine stille nachdenkliche Nacht und Maler" genannt, obwohl er von Beruf Arzt verschenken und zu verkaufen. Auch im alten Mayer von Kochel mit einem Bauernhaufen ein fiefinnerliches Erlebnis der einfachen Muschgewesen ist, hat diese Geschichte geformt, zu Juda hat man gelegentlich von dieser barba- vor der Stadt bei Sendling steht. Sie wird foten gewesen. sammen mit dem Juden Mathäus, der den gans rischen Sitte Gebrauch gemacht und ebenso wie arlarmiert, rüdt aus, schließt den Bauernhaufen zen Kunstsinn und die ganze Dichterkraft der in dem benachbarten Aegypten die Kinder aus ein und haut die schlecht bewaffneten Bauern zen Welt. Noch stehen wir an der Schwelle einer Noch herrscht Krieg und Gewalt in der ganaltjüdischen Gedankenwelt in die Weihnachts- gefekt". nieder bis auf den letzten Mann. Seitdem geht Epoche von Barbarei und Bestialität. legende geworfen hat. Jm altgriechischen Sparta aber war man die Blutteihnacht von Sendling" wie ein GeDie Romanze von dem Proletenpaar Joseph Heute kann es wieder losgehen! Morgen: und Maria, die vom rauhen Griff eines römi- nach grausamer. Dort hat man alle mit irgend spenst durch die Weltgeschichte. Uebermorgen! welchen Fehlern behafteten Kinder im Taygeschen Steuerinspektors getrieben, nach Bethlehem tus- Gebirge den wilden Tieren zum Fraß vor- Weihnachten 1776. Mit dem Mut der Ver- Mit Gas und Bomben! Mit Phosgen, Senffamen, dort in der armseligen Hütte zwischen Kühen und Eseln ihr Kind in Empfang nahmen geworfen. In Japan und in China ist noch zweiflung fämpft Georges Washington gegen den gas und Dichloräthyfulfið! Mit Giftgas, das den Menschen die Augen und in einem Futtertrog betteten, diefe herrliche jebung das Recht der Familienbäter gewesen. Das Schicksal des freien Amerika hängt an zerstört und die Lunge zerfrißt! Mit dem„ Bakpor einem halben Jahrhundert die Kindesaus- englischen General Howe am Delaware- Fluß. Weihnachtsgeschichte mit dem„ Hirten auf dem Felde", die von dem armseligen Kind die Be- Einer der ersten nach China entsandten Missio- einem Haar. Washington bekommt am Weib- teriologischen Krieg", den Milzbrandbazillen und nare hat damals nach Hause berichtet, daß man nachtsabend unerwartet Verstärkung und geht dem Explosivbleistift! freiung aus ihrem Elendsdasein erwarteten, willkürlich die kleinen Kinder im Haus getötet, mit seinen Truppen über den gefrorenen Dela Noch herrscht das System der Knecht wird gekrönt von der nächtlichen Botschaft" auf die Straße geworfen oder im Fluß ersäuft ware- Fluß gegen die Engländer zum Angriff schaft und der Unterwerfung des Menschen Friede auf Erden und hat. Besonders die Mädchen hat man nur in bor. Er überrumpelt sie im Bajonettangriff unter das Joch des Kapitals. bestimmten Ausnahmefällen am Leben gelassen. und gewinnt die Schlacht, den Auftakt zu dem Noch dreht sich dieser gespenstige Am grausamſten ist man noch vor einem großen Sieg von Sagatora, der das Schicksal Tanz um das Friedensbils von Bethlehem: Von den Legionären des alten Rom, Jahrhundert in Hindostan mit den Kindern um- der Vereinigten Staaten entschieden hat. Weihnachten 1800. Rein großes friegerisches den Panzerreitern Gustav Adolfs, den Pikenieren gegangen, wo man die Neugeborenen als Futter Ereignis befleckt diesen Weihnachtstag. Eine Wallensteins, den Husaren und Panduren der für wilde Tiere verwandt hat. Es hat erst der„ verfeinerten Kultur" unse- Episode. Am 24. Dezember fährt Napoleon, der Sendlinger Weihnacht bis auf die Armeekorps auf die Tangerer letzten Jahrhunderte bedurft, um dem grau- erste Konsul der französischen Republik in die Napoleon Bonapartes und samen Schicksal der Neugeborenen ein Ende zu große Oper von Paris. Ein Komplott royali- schwader der Weltkriegszeit! machen. Kein Wunder, daß gerade im Augen- stischer Verschwörer hat die Absicht, den Wagen Ein düsterer Reigen um das Symblid dieser einen Nacht der Engel sein„ Fürch- durch einen Bombenwurf in die Luft zu spren- bol von Frieden und Menschenrecht. gen. Der Kutscher aber hat einen Schlud Wein Erst wenn der Sozialismus die tet euch nicht!" über die Felder ruft. oder Cognak zu viel getrunken. Er raft mit sei Historische Weihnachten ner Karosse durch Saint Nicaise so schnell, daß Harmonie herstellt zwischen Ethik und Realität, Wenn man die Weltgeschichte rüdschauend der Attentäter die Lunte der Höllenmaschinemischen Völkerrecht und Menschenrecht, zwischen bis auf diese eine Nacht überblidt, dann jucht nicht mehr rechtzeitig entzünden kann. Eine Alltag und Weihnachtsidee die Weihnachtsbotschaft man in diesen fast zweitausend Jahren ver- furchtbare Explosion zertrümmert 46 Häuser, gebens nach dem Geist christlicher Menschlichkeit. tötet 8 und verwundet 60 Menschen. Napoleon Wirklichkeit geworden sein! Erst dann wird man am Tag der Erfülaber bleibt unversehrt. Fürchtet euch nicht" Heiland geboren" " den Menschen ein Wohlgefallen." Keine Botschaft und feine Verheißung, kein Schlagwort und feine Parole hat jemals das Erdenrund derartig in Bewegung gesetzt, wie dieser nächtliche Satz über dem Ader von Bethlehem. Aber hat sie die Welt gewandelt ,,, vor und nach Christi Geburt?" ,, Fürchtet euch nicht!" Ist es nicht typisch, daß der Engel, der da bom Simmel tommt, die erschreckten Hirten zu erst beruhigen muß: Fürchtet euch nicht!" Ist es nicht förmlich ein Symbol, daß die ses Jahrtausend vor und nach dieser einen Nacht mit Schred, Haß und Zorn erfüllt ist? Wir haben und hatten Staaten und Völker, die sich seit der Botschaft von Bethlehem christlich nennen und dennoch ihr Staatsgefeß auf Gewalt, Mord und Totschlag gründen. Bon Jahrhundert zu Jahrhundert Haß und Tod. Selbst in der einen Nacht steht der ewige Kampf zwischen den Menschen und den Völkern nur selten still. Wir haben in Zeiten zweier christlicher Jahrtausende nach wie vor den harten Daseins kampf vor uns zwischen Staat und Staat, zwi- fen schen Volt und Voll. Unter Berd. Von Erna Büsing. Greifen wir ein paar Weihnachten aus die zwei Jahrtausenden heraus! Weihnachten 1630. Gustav Adolf, der Schwedenkönig, steht Wird Weihnachten 1830. In Warschau bricht eine lung fagen: Fürchtet euch nicht! Es soll von nun ab Revolte aus. Ein bewaffneter Haufe von Unterfähnrichen der Infanterie und Zivilisten begibt nur mehr Frieden geben auf Erden, keinen sich in das Schloß des Zarewitsch, feuert unter Herren mehr und keinen Knecht! Sozialismus und Menschenrecht! den Fenstern des Thronfolgers einige Schüsse ab und bringt dann in die Gemächer des Zarewitsch H. Sch. Bühne und Arena und hoch am Turmseil brachte ihrer Tasche gefallen. So schloß die Vorstellung| schnappten nach dem Grün der Tannen. Die man zwei fladernde Laternen an, als Nach- mit eine Demütigung für die Armen. Tiere waren so hungrig und derart der pferdeahmung allermodernster Lichtreklame. Punft Nun lagen die fahrenden Leute in diesem bekömmlichen Nahrung entwöhnt, daß sie das 8 Uhr begann die Vorstellung. fleinen Gebirgsdorf, sie hatten fein Geld und stachelnde Grün nicht fürchteten. Die Leute trochen aus den fleinen Häusern feine Arbeit. Eigentlich hätten sie selbst unter Gegen Morgen tam Unruhe in den Wald In einem fleinen Gebirgsdorf blieben sie De der fleinen Dörfer. Mit der rührenden Dankbar- Dach und Fach gemußt und ein bescheidenes und Menschen und Tieren wurde unheimlich ums Tiegen. Sie fonnten einfach nicht weiter. De der kleinen Dörfer. Mit der rührenden Dankbar- Dach und Fach gemußt und ein Wagen stedten im Dreck und die paar langen feit einfacher Menschen freuten sie sich über die Zimmer mieten müssen, denn der Wohnwagen Herz, ohne daß sie wußten, was war. Es tamen Bretter, die eine primitive Sigeinrichtung vor Abwechslung. Weit gereifte Leute famen zu ihnen, ist viel zu falt für den Aufenthalt im Winter. Wölfe. Gin mächtiges Rubel. Irgendwoher ver stellten, waren der oft verregnet, daß sie be- das war ein Erlebnis. Menschen der Landstraße Sälte und Nässe haben unweigerlich Rheumatis sprengt, hungrig, gierig, angriffsbereit auf Beute. lebten plötzlich unter ihnen, den Erdgebundenen, mus im Gefolge und der ist der Todfeind des Die Pferde wurden angespannt, sie liefen ums reits faulig rochen. Leben. Sie jagten durch dunkle Wege, überSo nahm ihre Saison ein Ende. Sie waren das war absonderlich. Und auf dem Teil ging Artisten. Aber es reichte nicht für ein Zimmer und sie schattet vom Wald, und die Wölfe folgten. Der nämlich Artisten. Aber feine von denen, die im jemand, den sie nicht einmal dem Namen nach Flugzeug von Engagement zu Engagement rei- fannten, über ihren Köpfen hinweg, das war ein blieben im Wohnwagen und trugen an besonders Mann schlug mit der Beitsche, legte ganze Straft fen, die mit vielen Roffern die Garderobenräume Wunder. Der in die Einsamkeit Eingesperrte falten Tagen noch ihre abgeschabten Schlafdecken in diesen Schlag. Ein Wolf fam unter ben und mit blendend schönen Requisiten die Bühne aber staunt gern. Die Bauern und die Bauern- in den erbärmlich zugigen Stall, und deckten ihre Wagen, das Rad holperte über ihn weg, ein Wutfüllen. Sie waren noch die fahrenden Leute von frauen warfen den Kopf in den Nacken. Wenn Pferde zu, damit die Tiere nicht gar zu sehr schrei, ein paar schnappende Rachen, ein Abgleiten gieriger Zähne an Haaren, ein zermaleheden, die letzten Romantiker ihres Standes. sie auch aus Sparsamkeitsgründen und weil unter der Kälte litten. Die Pferde waren ihr einziges Vermögen. mendes Zupaden. Die Wölfe fraßen ihren JagdToch d'e blaue Blume der Romantik gedich nicht man den Seilläufer doch überall jah" feinen in ihren mitgeschleppten Blumentöpfen. In Sperrsiz genommen hatten, so griffen sie trop- Sie machten fleine Fuhren. Bogen für einen kameraden und balgten sich um den Zerrissenen. Weiter, weiter flohen Menschen und Tiere. denen gedieh Suppenkraut, damit die Hausfrau dem in die Tasche, wenn der Sammelteller die Sattlermeister aufgearbeitete Matraben über Land und nach einem alleinliegenden Bauernhof Im fahlen Zwielicht tauchten die Umrisse eines mal eine allzu magere Brühe würzen konnte. Runde machte. Die fahrenden Leute stellten keinerlei An- mußten sie einmal nicht nur eine Chaiselongue, Dorfes auf. Schließlich polterte der Wagen ins Kein Zeitungsreporter gudte früh morgens oder spät abends in ihre Wohnwagenfenster ängstlich sprüche ans Leben. Es erschien ihnen lebenswert sondern auch noch einen Staften mit Christbaum- Dorf, doch ein Pferd brach zusammen, sterbend. besorgt um eine Unterredung und eilfertig, da- und inhaltsreich, falls fie arbeiten und essen durf- schmuck und ein Schaukelpferd bringen. Es war Verletzt von Wolfszähnent, verlassen von seinem mit ihm die Konkurrenz nicht zuvorkomme. In ten und in kleinen Orten das passende Stopfgarn Adventszeit. Der Bauer erwartete zum Fest seine legten Restchen Straft. Am Abend war Vorstellung. Federnd schritt ihre Fenster lugte die Sorge. Aber Frau Sorge für die zerrissenen Trikots bekamen. Dennoch hat verheiratete Tochter und sein Enkelkind sollte er nistet sich wohl fest ein, jedoch macht sie nie viel ten sie es diesen Sommer schwer gehabt, sehr zum erstenmal sehen. Daher war er weich ge- der Vater über das hohe Turmseil. Das darunter stimmt. Die erbärmfchen Pferde tamen in den gespannte Nez war morsch, wenn er fiel, würde schwer. Aufhebens von ihren Gastgebern. Die Arbeitslosigkeit hatte sich schon ins Land Stall und bekamen richtigen Hafer zu freffen. Sie er es durchschlagen, das wußte er. Doch fümmerte Im Verein mit ihr zogen sie durch de Lande, der Vater als Turmjeilläufer, die Kinder machten eine kleine Luftnummer, arbeiteten als hineingefressen. Nicht nur die Städte waren Ries/ waren schon seit langem nur noch an Kartoffel- er sich nicht darum, das Netz wurde nur gespannt, Spaßmacher. Die Mutter war früh verbrauchi, Bande gab es Fäuste, die arbeiten wollten und so schnell kauen, wie sie gerne wollten und sie Die Jungens turnten. Beifall erscholl. Frischer Parterreakrobaten und spielten auch noch die fenbehälter der Verzweiflung, auch auf dem schalen und Hädsel gewöhnt, sie fonnten gar nicht um den polizeilichen Vorschriften Genüge tu fun. man fonnte fie als Artistin nicht mehr heraus für die man nichts zum Zupacken fand. Holz feierten daher nicht nur mit richtigem Hafer, son- Mut straffte ihre Glieder. Die Bariern wußten ftellen. Sie faß an der Kaffe, sie ging mit dem fäller fungerten dem Sommer den Tag ab. Ma-/ dern auch mit Kinnbadenweh und Bauchschmer- von dem Unglüd, fie gaben reichlich. Etliche zahlZive Pferde hatten sie, elende, abgeklepperte Güter und Arbeiter sahen ihre unbarmherzigen renden Leute schlugen im fleinen Gebirgsdorf sich kochen. Sammelteller, fie stellte die Requisiten. schinen liefen über die Riesenanbauflächen der sen ihr Weihnachten. Die so unliebsam seßhaft gewordenen fahdurch. Der mitleidige Krämer überließ ihnen die genden Gerätewagen mühiam von Ort zu Crt ballten die Hand zur Faust in der Tasche. Lafe der Salzheringe und sie stippten ihre Pell- der Nacht zu Tisch setzte und die warmen Effens fchleifen. Kein buntes Blakat verkündete das Biele junge Leute, die einft abgewandert maren Kommen der Rirkusneiellibaft. Die kleine Rara- indie Induſtrieſtädte, lehrten heim ins Dori, wane schlepp'e sich über die Landstraße, fah in der berärgert, müde, aufgerieben. Ferne eine& rchturmivite, dann das erste Saus fartoffeln hinein. Die Landstraßen waren noch Lehm, als die fahrenden Leute bereits wieder auf die Wanderfchaft gingen. Se mußten fort, es ging nicht anders. ang Die Pferde schlangen eine erbettelte Portion Man fam nur mühsam vorwärts. Es grauten in Naturalien und hatten Lebensmittel mitgebracht. Die Mutter fonnte ein richtiges Essen Als man sich nach der Vorstellung spät in düfte die Hungrigen umwoben, stützte der Vater den Kopf in die gefalteten Hände und sagte: Unser Pferd." Das war der Nachruf und Dant ans verendete Tier und Wehmutsschrei. Und die anderen sagten: ,, Unser Pferd" und Tränen liefen in die Eknäpfe und obwohl die Körper gebieterisch ihr Recht verlangten und die Hungrigen das Effen hineinschlangen, hatten sie doch das Gefühl, 11 Die Artisten hatten zahlreiche Zuschauer, des Dorfes und war bernach auf einmal da und sie konnten über mangelndes Interesse der lief von Tritans zu Instanz und bat um Spiel- Baungäste wirklich nicht flagen. Doch wenn der erlaubnis, Wurde sie erteilt und hatte man das Sammelteller sich ihnen nahte, flohen fie er- Seu hinein und dann gings los. Geld für die Platm'e'e beikommen. ergaben die schreckt und beschämt. Sie hätten gerne gegeben, die langen Bretter ben Sperrfis, ein haar sie wollten sich nicht drücken, doch hätte man ſie pelte, als man im Walde Salt machte. Sier als bliebe es ihnen in der Kehle stecken. aneinander gefnotete Wäscheleinen umgäumten auf den Kopf gestellt, es wäre kein Pfennig aus mußte man die Nacht verbringen. Die Pferde Seite 16 Freitag, 25. Dezember 1931. Str. 300. Eine Adler- Biographic. 3ch bin mein eigener Weihnachtsmann. baben ihre Bertrauensleute in feiner Eule - " Man sagt mir, Edison habe ihn erfunden. Das will mir nicht in den Sinn. Josef Hofbauer. österreichischen Arbeiter, ihre Rusammenfassung er sich zum neununddreißigsten Wiegenfest eine im Haushalt noch in der Schriftstellerei. Sie Mißverstandenes aus deutschen Weihnachtsliedern. Bon Friz Müller. hebt weber Aderbau, noch Viehzucht. Sie tut, als arbeite fie tüchtig, doch es tommt nichts dabei heraus, als etwas Pfeifen. Ich gestatte mir biel Pfeifen. Damit sie was vom Leben hat. Und damit sie einen 3ived erfüllt. Und dann halte ich Die Singweise Morgen fommt der don Magneten dran und bestaune sie durch das Weihnachtsmann ist gewig recht bolts. faputte Verkleinerungsglas und lasse mich von füntlich. Der Wortlaut aber wird von den Keletihr mit Bewährungsfrist ins Kinderland benen nicht recht verstanden. Da soll der Weihfördern. Sie nicht zu übersehen, haben die Arbeiter, Schule gelernt. Und deshalb werden sie, fönnen sic Sehr zu bedauern ist es, daß keiner der alten Von Hans Reimann. Ermers' Auffassung vom Werden des Sozia Mitkämpfer und Weggefährten Victor Adlers die Zu Weihnachten wie zum Geburtstag habe zehn Tagen alles auf einmal getauft. In einem lismus, von dem, was jetzt not tut, nicht zuZeit fand, ein Lebensbild des großen Führers zu ich mir jedes Jahr immer wieder dasselbe Anjall. Und zwar hat er sich getauft: ein Ver- stimmen. Experiment fut not und Charakter zeichnen, oder daß Ehrfurcht vor der Größe gewünscht und habe es nie bekommen. Ich habe Kleinerungsglas ein Mitrostop einen Stärke." Charakterstärke ja. Experiment Adlers den etwa aufteimenden Willen lähmte. immer ganz andere Dinge bekommen. Dinge, Magneten und eme Dampfmaschine. nein! Ermers sagt: Sozialismus ist eine ethische Zu verstehen ist beides. Denn die Genossen, die die ich gar nicht gern geschenkt mochte. Dinge, Das Berkleinerungsglas ist schon faputt. Es Angelegenheit. Die Menschheit muß fich endlich mit Victor Adler in der Partei arbeiteten, es die ich brauchte und ohnehin hätte bekommen hat seinen 3wved redlich erfüllt. Vielleicht hat es überlegen, ob sie mit der auf der Erde herrichenunter seiner Leitung lernten, haben weiter müssen. Und dazu sind Weihnachten und einen Webfehler. Denn was man betrachtete, den Unordnung und Ungerechtigkeit fertig wergearbeitet bis zu ihrem Tode oder sie arbeiten Geburtstag gewiß nicht erfunden worden, damit wurde nicht natr liliputanerhaft, sondern auch den, ob sie länger ertragen will, daß neben einer heute noch, und politische Tagesarbeit und poli- man Dinge bekommt, die man ohnehin befom- zur Karitatur. Die Augen haben uns geschmerzt, verhältnismäßig geringen Anzahl Begüterter ein tischer Kampf, die den in der Partei Tätigen men muß. Strümpfe und Handschuhe und so intensiv haben wir jeden Gegenstand und den Milliardenheer verängstigter Hungerleider eris ganz in Anspruch nehmen, mit der Ausbreitung Taschentücher und derlei Praktisches. Dackel und Photographien und uns selber begudt. ftiert, die sich in unsicherem Zustand von einem der Arbeiterbewegung und dem Wachsen ihrer Nie habe ich das bekommen, was auf dem Das Mitrostop werde ich benutzen bis an Tag auf den anderen fortfretten." Sozialis Aufgaben mehr denn je zuvor, gönnen faum Wunschzettel stand. mein feliges Ende. Es fostet fünf Mart und ist mus ist gewiß auch eine ethische Angelegenheit. einem Politiker die Zeit zu einem Werke, das Natürlich war es auch ohne die Erfüllung umentbehrlich für Schatle und Heim. Eigentlich Aber nicht bloß wie die alten Utopisten nicht in ein paar der Pflicht abgestohlenen Stun der Weihnachts- und Geburtstagswünsche schön dient es der Untersuchung trichinösen Schiveine meinten eine ethische. Die Menschheit wird den geschaffen werden kann. Und es mag auch auf der Welt. Man konnte sich Doppeltirschen Fleisches, aber man kann auch dem Blütenstaub, sich nichts überlegen- so, daß ein einhelliges sein, daß jedem, der je an ein solches Werk dachte, übers Ohr hängen oder ein Stiefmütterchen in den Flügeln von Stubenfliegen mittlerer Größe Ergebnis zustande käme. Die verhältnismäßig es als Wagnis erschien, nicht nur das Leben und die Erde verbuddeln und eine Glasplatte drüber und den Fäden der Baumwolle damit zu Leibe wenigen Begüterten ertragen es schon, daß neben. die Arbeit, sondern das Wesen des nicht nur ver- deden und dann Tag für Tag heimlich nach- rüden. Nimmt man ein paar Tröpfchen Wasser unter ihnen ein Millionenheer in Armut uno ehrten. des geliebten Führers zu schildern, daß schanzen, ob es unverändert und frisch geblieben aus einer Blumenvase, so sagt man halblaut: Unsicherheit lebt, denn sie können nur Begüterte die Befürchtung, fein Bild nicht so formen zu ist, oder man konnte ein Eichenblatt im Lexikon Gi du Donnerwelter!" oder etwas Aehnliches, fein. weil die anderen, die Millionen, es nicht fönnen, wie es in der Erinnerung des Herzens( Band Jurta bis Ob) preffen und nachher, wenn fintemalen es unter der Lupe von Lebewesen sind. Und um es zu bleiben, werden die verlebt. vor dem Versuche abschredte. es schnorpsig und troden war, so lange mit der wibbelt und fribbelt. Der Rüssel einer Motte hältnismäßig Wenigen immer wieder veriuthen. Es ist also wirklich eine Lücke, die Max Kleiderbürste bearbeiten, bis es mur noch aus jagt einem panischen Schrecken ein. Gewöhnliche, bie Millionen niederzuhalten, durch Gewalt und Ermers mit feiner Adler- Biographie*) zu Stelett bestand, oder man konnte sich Seifen- abungslose Haare, teck der Kopfhaut entpflückt, dadurch, daß sie wenigstens einen Teil diefer schließen sucht. Er selber jagt: zu schließen schatim its Geficht schmieren und vor dem wachsen sich zu Urwald- Niesen aus, und wer Millionenarmee in ihre Gefolgschaft bringen, und ucht", denn er meint, die Vorarbeiten für eine Spiegel Wallenstein und Napoleon III. spielen, ettvas Herrlicheres erblickt zu haben behauptet, fei es auch mit Hilfe der so gehakten foziafritische Biographie Victor Adlers seien noch nicht oder man fonnte soeben heruntergepurgelte als die vergrößerten Kristalle von Stüchenfalz, liftischen Idee, die sie verfälschen, verflachen, ing geleistet und so müsse sein Buch notwendig ein Staftanien aufpellen und mit ihnen spielen, bis der ligt bewußt. Für fünf Mart ein Schlüssel Gegenteil umbiegen und umlügen. Nichts erscheine Torfo bleiben. Aber wenn es Einwände gegen te allen Glanz verloren und Mihachtung ver- zum optischen Paradies! mir deshalb falfcher als Ermers' Meinung, das dieses Adler- Buch gibt, so können sie nicht davon dienten, oder man konnte Fragen schneiden, was Der Magnet ist eine Enttäuschung. Gut, er der Klaffenkampf seine historische Aufgabe zum eusgehen, daß zu wenig Material verarbeitet besonders ausgiebig und gemißvoll war, weil es zicht an. Aber das ist sehr einseitig und wirkt großen Teil bereits vollzogen hat". Nein, ich worden sei. Denn es kommt nicht darauf an, verboten war, weil sonst das Gesicht so stehen auf die Dauer etwas fade. Immerhin ist es ein glaube, da das Proletariat nicht nur inmitten jede Aeußerung Adlers zitieren zu können, fon- bleibt. Wunder, daß er angieht, und daß er obenberum fchwerer Stlaffentämpfe steht( nicht zuletzt das tern darauf, ein lebenswahres Bild des Men- Bum Geburtstag gab es regelmäßig eine io rot und untenberum so bliblant ist, aber ich öfterreichische!), sondern daß es noch schwereren ichen, des Politikers zu geben, seine Leistung zu Torbe, da war mit Marzipanbuchstaben der fürchte, er wird ausschließlich dem Einsammeln entgegengeht. würdigen, sein Werk. Und die Frage, ob Ermers Nante Johannes" drauf, denn Hans war fahnenflüchtiger Grammophon- Nadeln dienen. Manches von dem, was Ermers über die das gelungen ist, kann nur mit Einschränkungen erstens zu kurz und zweitens nicht feierlich genug. Gefahren der Erstarrung der Parteien jagt, über bejaht werden. Aber Johannes erwischte immer das kleinste die Aufgaben der Jugend, über das Erkennen Das Buch führt mit einem guten Rapitel Stüd. Obwohl er das Geburtstagsfind war und Die Dampfmaschine hingegen übertrifft die und Sicheinverleiben neuer Formen des Lebens über Desterreich„ Vor und nach 1848" in als solches Anspruch gehabt hätte auf die ganze fühnsten Jugendträume. Sie sieht seriös aus,( ich will über diesen Teil des Buches in einent das Wesen jenes Staates ein, in dem Adler ge- Torte. Aber es war zu viel Besuch da. Und der streng wissenschaftlich und neusachlich. Der nied anderen Aufsatze sprechen). wind für die fämbwirkt hat. Es schildert die seltsame österreichi Besuch versehrte die Torte, und das giftete den liche deffel wird mit Spiritus geheizt. Das fende Arbeiterklasse sehr nüßlich und sehr wichtig sche Welt, in die Adler gestellt war. Notwendig Johannes über die Maßen, und er schrieb aus Wasserstandglas ist goldecht. Wenn das Wasser fein. Aber ich glaube sagen zu dürfen, dak hie ist eine solche Darstellung, um Leser, die mit no jebes Jahr auf den Wunschzettell: Reine tocht und sich in Dampf verwandelt, fann man in ihren Köpfen um so beffer beſtehen wird. ie altösterreichischer Geschichte weniger vertraut Torte!" und doch gab es immer wieder eine, fie preifen lassen. Das Rad saust wie wild. Gime beffer sie im Geifte Adlers handelt, befeelt von find, die ganze Fülle von Schwierigkeiten und weil Vater intim war mit dem Konditor Hen Drosselklappe ist auch vorhanden. Ein Receiver gleichem Idealismus, gleichem Ethos, gleicher Widrigkeiten verstehen zu lehren, die Adlers nersdorf im Gewandgäßchen. Und als Johannes nicht: Das scheint nicht nötig zu sein. Auch die Umsicht und gleichem Mute wie er! Schaffen entgegenstanden, von denen sich um so voriges Jahr nachdem er nu also mit Gottes Transmission fehlt. Sie hat überhaupt teine beller leuchtend sein Wert abhebt: die Samm- Hilfe ein alter großer Lümmel geworden an Weission. Sie ist ohne jegliche Tendenz. Sie lung, Organisierung, Bildung und Schulung der die Tortenmifere seiner Kinderzeit dachte, kaufte erfüllt teine positiven Aufgaben und müßt weder in einer starten, geschlossenen 9rtei, die es prachtvolle Torte mit dem Namen Johannes", aber auch verhinderten, daß Adler auch das und ehe er sie aufschnitt, griff er mit beiden wurde, was er unter günstigeren Verhältnissen Händen hinein, und alsdann popelte er das fan geworden wäre: ein bedeutender, neugestaltender dierte Geschatörtel aus der Mitte heraus und gab Staatsmann. feinem der Antvesenden auch nur das winzigfte Zu knapp ist das Kapitel über Adlers Rind- Bißchen ab, sondern holte aus Leibeskräften nach, heit und Jugend. Gerne hätte man mehr er was ihm die Kinderzeit vorenthalten hatte. Nie hat Johannes bekommen, was er fich fahren über die früheste Entwicklung. Schade. Aber da hat es wohl wirklich zu wenige Quellen sehnlich wünschte. Und das hat er sich vor viergegeben, es war wahrscheinlich über die Knabenund Jünglingsjahre Adlers allzu wenig zu er- Freundschaft zu Engels, er versucht, ein Bild des wie sie zu ihm standen. Ich glaube fagen zu Menschen zu geben, wobei er auch Adlers Kunst- dürfen, daß nie ein Mann aus dem Bürgertum, Gar nicht zu verstehen ist, warum nun ein freundschaft hervorhebt, aber irre geht, wenn er ein Intellektueller, der zu den Arbeitern kam, so ganzes Kapitel yppolyt Tausch inity wiederholt von einer„ tüchtigen Portion Genie- ihr Vertrauen genoß, mehr noch: ihre Liebe, wie gewidmet ist, den Ermers in maßloser Ueber fchäzung einen„ Victor Adler vor Victor Adler" Bertum" spricht, die Adler aus dem Bürgertum Adler! Es war ehrfurchterfüllte Liebe, aber es nennt. Tauschinsky war ein weicher, schwär- mitgebracht, ja daß Adler eigentlich immer Bour- war Liebe, echte Liebe. Darüber wäre nicht merischer Mensch. Sicher auch ein sehr wohl- geois geblieben sei. Worin soll dieses bourgeoise wenig zu sagen, wie in den Betrieben, wie in den merischer Mensch. Sicher auch ein sehr wohl Genießertum bestanden haben? Darin, daß Arbeiterwohnungen über Adler gesprochen wurde, meinender, ein Freund der Arbeiter. Aber wie Adler gerne Rarten spielte, gerne rauchte( fo- auch von Arbeitern, die der Bewegung nur lose tann man einen politisch unklaren Menschen, der lange es ihm sein schlimmes Herzleiden nicht ver- verbunden waren, und nicht nur in Wien, soneinmal, nachdem er sich von der Arbeiter bot), daß er gerne einmal der Atmosphäre des dern auch in den Alpenländern, in den Sudetenbewegung zurüdgezogen hatte, eine neue religiöse Rampfes entfloh und etwa am Gardasee Er- ländern. Und auch darüber wäre viel zu Sefte gründete, der später, freilich zermürbt durch holung und Entspannung suchte und fand? Die sagen, wie lebendig Adler noch heute ist, wie des behördliche Verfolgungen, ein Gnadengejuch an Gesinnung macht vor allem den Bourgeois, ihr feine Arbeit, wie vor allem seine Erziehungsden Kaiser richtete und froh war, schließlich eine aber hat Adler sich völlig entwunden. Lebens- arbeit fortwirkt. Staatsstellung zu bekommen, wie fann man freude und Lebensgenuß stehen nicht im Widerdiesen Dr. Tauschinsky mit dem genialen Politi- pruch zum Sozialismus. Im Gegenteil, Adlers fer, dem flaren Denker, demt unbeugsamen Reebensarbeit war es. die Arbeiter zu den Mög- itung. Ein Mann, der nicht der Partei anges So hörte ich Kinder ein bekanntes Lied fin. volutionär Adler vergleichen? Auch Tauschin lichkeiten der Lebensfreude und des Lebensgenuj- hört und ihr, obgleich Sozialiſt, ſehr fritisch fthe Erscheinung mag zur Darstellung loden. jes zu führen, und was er als falsche Freude, als gegenübersteht und also auch Adlers Werf. bat, gen. Es ftellte sich heraus, daß sie keinen Wis Aber sie hat kaum einen begründeten Platz in unechten Genuß erkannte, wie etwa den Alkohol- angezogen von Adlers Persönlichkeit, diese nach machen wollten, sondern die Wendung„ g naeiner Biographie Adlers. genus, hat er, nachdem er zum Abstinenten ge- fermend zu gestalten versucht. Aber nicht, daß den bringende Weihnachtszeit tatFroher wird man dann der Kapitel, die worden war, mit glühender Leidenschaft be- er auch an Adler Stritit übt, wedt Widerspruch. fächlich nicht so verstanden hatten! In einem Liede heißt es: Adlers politischen Weg schildern, sein fozialisti fämpft und wenn in der österreichischen Sozial- Adler wurde auch in den eigenen Reihen oft ,, Denn er ist Davids Reis." sches Werden, die mühsame Einigung der Radi- demokratie( und zum Teile auch in der judeten genug fritisiert und hat Kritik gut ertragen. Und Ein leiner Junge fand es merkwürdig, daß talen und Gemäßigten, dieses fluge, vorsichtige, deutschen) es mehr Verständnis für die Bedeuda felbstverständlich auch der grökte Politiker gielbewußte, schrittweise Zusammenführen, die tung der Alkoholfrage gibt als in anderen sozia- und auch ein Taktiker, der seinesgleichen in der Jefus dem David den Reis weg ist. Bei der Zeile Schaffung des Hainfelder Programms, Kampf liftischen Parteien, die Zahl der entschiedenen Arbeiterbewegung nicht hatte, Fehler macht, so un die Maifeier und Aufbau der Partei und Alkoholgegner unter den führenden Genossen ist auch rüdschauende Kritik an seinem Werte Wahlrechtskämpfe, Ringen mit den Behörden größer ist als in anderen Parteien, so ist das selbstverständlich, ja notwendig. Es ist vor und ihre Erziehung, jawohl, ihre Erziehung, denn Adlers Verdienst, der sich so sehr darum gemüht allem die Einstellung Ermers zum sozialistischen wird mancher Leser in seiner Kinderzeit gedacht Adler hat die österreichischen Behörden auch zur hat, die Arbeiter vor dem Versinken in soge- Werden, die zum Widerspruch zwingt. Gesetzlichkeit gegenüber den Arbeitern erzogen. nannte„ Gemütlichkeit" zu bewahren. Jene ge- Im Schlußkapitel wird diese kritische Wür- lehem Ephrata mit nichten die kleinste Stadt Nicht nur deshalb fesseln diese Kapitel, weil sie legentliche Flucht aus Arbeit und Kampf aber digung versucht. Ermers behauptet, Adler habe in Juda sein. Da glauben viele Kinder, um die vor dem Auge des Lesers das Heldenzeitalter der war Lebensnotwendigkeit, ohne sie wäre Adler an die Automatik im sozialen Stampf geglaubt, Einwohnerzahl zu heben, die hätten die Leu: c österreichischen Arbeiterbewegung erstehen lassen, viel früher den ungeheuren Anstrengungen seines daran, daß von selbst. ohne äußeres Zutun zu Bethlehem zur Volkszählung ihre Nichten sondern auch weil sie Adler als Meister der Arbeitslebens erlegen. und Wollen, das geschichtliche Geschehen dem eingeladen! Taftit zeigen, aber auch als den gütigen, warm- Unmöglich ist es, den ganzen Inhalt des endgültigen Umschwung entgegentreibe. Nein, herzigen, treuen Freund der Arbeiter. der bei Buches widerzugeben, alle Einzelheiten zu bespre- das hat Adler nicht geglaubt, denn wenn er auch aller unerschütterlichen Erkenntnis der Notwen- chen. Es führt den Leser durch alle Kämpfe und mehr politischer Praftifer war als Theoretiker, digkeit, die Arbeiter fämpfen zu lehren sie in Leiden Adlers bis zu seinem Tode. Es ist ehr- so war er doch mit dem Marxismus wohl ver den Kampf zu führen für ihre eigene Befreiung, lich bemüht, ein getreues Bild Adlers zu zeichtraut und marristische Geschichtsauffassung ist den. Die Kinder fingen entweder von einer ju ndoch ängstlich darauf bedacht war. Opfer zu vernen. Es versucht, alle Züge seines Wesens zu nicht Geschichtsfatalismus. Schon der Say bon gen Frau aus ohren, oder sie nehmen gar meiden, und dem nicht minder wichtig als die erfassen, ihn als Arzt, als Denter, als Taftiler, Mary: Die Menschen machen ihre an, die Mutter sei eine Jungfrau aus dem Sinleitung der Arbeiter zu sozialistischer Er- als Politiker, als Menschen darzustellen. Und eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht Chor! Jesu Vater soll nach Meinung mancher fenntnis die Silfe für die Leidenden war, der doch: man hat das Gefühl, daß etwas fehlt. Nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, verkleidet in die Elendshöhlen der Ziegelarbeiter gan; wird das Einzigartige, das Unvergleichliche fondern unter unmittelbar vorgefundenen, ge- Kleinen Josef Zimmermann geheißen Froch und dann in aufwühlenden Aufiäben ihre feines Wesens lebendig. O, Adler hatte gewiß gebenen und überlieferten Umständen"( Der acht- und nicht in Nazareth gewohnt haben, sondern un grauenvolle Verstlavung schilderte. feineswegs auch seine Schwächen und er, der Kluge, der zehnte Brumaire des Louis Napoleon") wider- azarett. Die drei Weisen aus dem Morgen blog aus agitatorischen Gründen, sondern um große Menschentenner, war sich ihrer wohl be- spricht allem Fatalismus, fagt, da er ausspricht. den Verelendeten zu helfen. wußt. Und er war doch ein ganz großer Mensch, daß die Menschen ihre Geschichte selbst machen, Lan de verwandelt findliche Einfalt nicht nur n Ermers, der bei seiner Arbeit sicher von ein Mensch, der in manchen Situationen ins daß es sehr wohl auch auf äußeres Rutun, auf Waisen knaben, sondern auch im Weise aus Verehrung für Adler geleitet wurde, schildert Uebermenschliche wuchs. Vielleicht durfte man das Wollen ankommt. Und Adlers Werk war dem Mohren lande und läßt sie Gold, Silber. Möhren mitbringen! dann Adlers innige, von Verehrung erfüllte auf den alten Adler eine Bezeichnung anwenden, zu einem guten Teile auch Willenserzie Weihrauch und die nur sehr, sehr selten einem Menschen gebührt: hung des Proletariats. Freilich: Adler hat da- Die Wendung und fie gingen zu Herrn bei nicht einen Augenblick lang die Begrenztheiten Rode 3" beweist, daß die Kinder denken, der er war weise! Wenig wird darüber gesagt, wie die Ardes Wollens übersehen die Fülle der vorgefun- graufame König babe Rodes geheißen und fei beiter Adler saben, wie sie ihn werteten, denen, gegebenen und überlieferten Umstände". mit err angeredet worden. fahren. *) Max Ermers: Victor Adler Aufstieg und Größe einer sozialistischen Partei.( Berlag Dr. Hans Epstein, Wien.) Ermers' Buch ist eine beachtenswerte Lei" nachtsmann Musketier und Grenadier" bringen. Ta im Anschluß daran von Beitelbär und Panthertier" die Rede ist, denken die Kinder, die genannten oldaten gehören auch ins Tierreich und fingen: Muskel- Tier und Grena- Tier." Im Lied Alle Jahre wieder heißt c Rehrt mit jeinem Segen ein in jedes Haus." Oft wundern sich die Kinder, waruin jemand, der in jedem Haus fehren will, ſtatt Besens Sägen mitbringt! „ O du fröhliche, o du selige, Knaben bringen das Weihnachts geig." Dein König, 8ion, tommt zu dir!" haben, der kommende König heiße 3ion. Nach der bekannten Verheizung soll Beth,, Euch ist ein Kindlein heut gebor'n von einer Jungfrau auserfor'n." Diese beiden Zeilen werden oft misverstan Nr. 300. Weihnachtsmonolog des Herrn Generaldirektors. ... und den Menschen ein Wohlgefallen... Quatsch! Diese Kalendersprüche wer wohlgefällt mir?... Natürlich, deutsche Weihnachten, Tradition, Zucht und Ordnung... ts schon rich tig... und an die heiligsten Güter des Volkes joll man nicht tasten... rühren... Die Volksseele tocht dann und haben wir nötig?... Reich und arm wird es immer geben... Naturgesetz und alles andere ist fostenlos... Mist... Schließlich und aber... was soll der Kaufmann tun, wenn nicht das heilige Chriftfest... und unsereiner macht den Zinnober mit... versteht sich, und wo sich die Leute so lange darauf freuen... Vom Himmel hoch und stille Nacht und so... Da liegt Gemüt drin und so in Weihnachtsbaum im SaIon mit den elektrischen Lämpchen... manchmal wollen mir auch die Tränen kommen... und wenn ich so anders hätt' als man hat, ich würde alle Menschen glücklich machen, aber bei 14 Prozent Dividende?... Allmächtiger Gott, das sind miese Zeiten und jeder muß sich einschränken... Weihnachtsgratifitation fällt aus... Not...' türlich, jollen froh sein die Leute, daß ich sie nicht entlasse, wo doch sowieso Schluß is nach Weihnachten mit unferer Fabrikation... fönnen mir die Hände füs sen, daß ich rechtzeitig an Umstellung dachte... Man plagt sich und sorgt sich für seine Arbeiter und erntet nicht als Undant... Bin ich schuld an den miesen Zeiten?... Man muß sich einschränken, dann fommt man mit seinem Einfommen aus... Auch ich beispielsweise... tann ich meiner Frau den neuen Belz faufen?... Rann ich nicht, soll zufrieden sein, wenn ich ihr den fleinen Sportwagen taufe... Alle wollen sie was von mir, als ob ich der Weihnachtsmann wäre... Sehe ich so aus?... Nein, weiß Gott, man macht den Quatsch mit, aber' ne Freude,' ne richtiggehende Freude hat man nicht davon... Wenn ich so dente, bestimmt, mein Portier in der Fabrik hat es besser... So ein Mann hat sechs Kinder und seit Wochen denkt man bei ihm an nichts als an Weihnachten... Deutsches Fami lienleben, anständige Leute... Das leistet sich einen Baum, also ich sage ihnen, zweifünfzig hoch..., fann das unsereiner? Und aus altem Pappfarton flebt der Alte Geschenke und die Frau bädt Pfefferkuchen... Meine Frau lann nicht baden, wir müssen alles faufen... und dann redet man von sozialer Ungerechtigkeit... Was meinen Sie, die Portierfamilie ist am Heiligen Abend glücklich... ich werde wohl telephonieren, von der Strippe nicht wegkommen und die wer den singen vom Himmel hoch und stille Nacht und so... Nein, gehen Sie mir weg... meine rau, na, wenn ich an die Szene denke... päh, feinen neuen Belz... ich danke schön... mal jehen, vielleicht kaufe ich ihn doch, denn wer liebt schließlich Krach und Tränen am Heiligen Abend... Nun, wissen Sie, Weihnachten... na ja, Freitag, 25. Dezember 1931. 5 5 FASEN Adolf, Sohn Wotans. aber schließlich sind wir doch aufgeklärte Leute, Der neue teutsche Heiland: wenn man auch jeden Sonntag in die Kirche geht... aber... Weihnachten... nein, soll mich der Affe lausen... Quatsch... schenkt mir einer was... Die Gratifikation, die mir meine Gesellschaft zahlt?... War nicht Weihnachten, friegt ich das Geld als Tantieme, is ja basselbe... die Zigarren, die Pullen Kognat, den Schlips und den Rauchtisch... Gewiß, meine Frau hat mir die Wünsche von der Stirn abgelesen, foft' aber mein Geld und billiger hätt ichs, wenn ich alleine faufen würde... jie, fie muß doch min destens ein Seidenkleid dabei rausschinden. Manchmal, wissen Sie, und gerade jetzt in der Weihnachtszeit, denke ich so dran,... am liebsten, bestimmt, Sie werden lachen... aber manchmal ist mir so, da beneide ich den Mann des Bplfes, der stempeln geht... wirklich, Ehrenwort!... Der Mann hat feine Sorgen, sein Geld friegt er jede Woche... So ein Mann ist anspruchslos und glauben Sie nicht, daß mir manchmal das Generaldirektorsein zum Halse raustommt?... Was sehne ich mich manchmal nach einer Rost... einer Wurst, einem Stück Butter und Brot, dazu eine Flasche Bier und eine Bigarre, glauben Sie mir, das würde mir genügen, aber nein, das muß man immer ein langes Menü vertilgen. Wein trinken, man muß reprä jentieren... Pfui Teufel! Schlicht und einfach, das ist meine Sehnsucht... ich fenne das Leben und gehungert habe ich auch schon... erst gestern... wir essen stets Punkt zwei... aber das Geschäft, ein Abschluß, wissen Sie... 100.000 Stüd zu 12.50... schönes Geschäft, gewiß, aber ich lam erst um 4 Uhr zu Tisch... und was soll ich Ihnen sagen, so einen Hunger hat ein Arbeitsloser noch nicht gehabt... Und da denten die Leute, so ein Generaldirektor, der hats gut... Gehn Sie mir weg... Und gerade jept. Weihnachten, da kommt das in einem so hoch... Christ ist erstanden, oder so... jawohl, für wen?... Für uns Generaldirektoren OV Tragödie einer Jugend. Von Fritz Kleist. Aber es blieb alles erfolglos. Bette 17 Mir war zumute, als ob ich mit Gewalt jollte zugrunde gehen. So irrte ich nun verlassen, müde und hungrig in der Welt herum. Wenn h an das Geschäft fam, wo meine kleine Schwester lernte, so gab diese mir immer ihre Frühstücsschnitten. Wenn ich so in den falten Novembernächten durchfroren und hungrig in der Nacht, wenn der Bahnhof geschlossen war, unter den Fenstern meiner Geschwister vorbeiging und dachte, wie die jetzt in den warmen Betten liegen! und: ich!!! 96 Da tam es mir manchmal in den Sinn, me nem Leben ein Ende zu machen, aber, wie? Denn auf irgendeme Beschäftigung durfte ich nicht mehr rechnen! Nachdem ich mich vierzehn Tage geschlep hatte, nahm ich, da meine Füße wundgelaufen waren und ich mich vor Schwäche nicht mehr halten fonnte, eine Schlafstelle an, wo ich die ersten drei Tage wie tot schlief. Die Leute fragten mich, ob ich frant fei. Aber ich konnte und durfte nich: s sagen. Nun borgte ich mir von einem Bekannten Geld, um es abermals mit einer Annonce zu versuchen. Vergebens! Der Erste kam heran. Ich konnte meine Miete nicht bezahlen. In meiner Angst und Verzweiflung, mich wieder auf der Straße herumtreiben zu müssen, stellte ich einen Zettel aus, indem ich schrieb, daß ich beschäftigt wäre und ich gab ihn der Wirtin, damit sie wieder auf kurze Zeit beruhigt sei. Immer noch hoffte ich, Stel lung zu finden, und dann wäre ich in der Lage gewesen, meme Schulden zu bezahlen. Aber 28 ging nicht, wie ich dachte. Die Wirtin tam dahinter. Sie erstattete Anzeige. Ich kam, in das Gefängnis. Dort! Als ich mich zum erstenmale in einer Zelle befand und als der Wachtmeister hinter mir abschloß, wie hinter einem Schwerverbrecher, da tam es mir erst zum Bewußtsein, welches Verbrechen ich in meiner Verzweiflung auf mich gelaben hatte. Ich stürzte tränenüberströmt auf meine Lagerstatt nieder und bat den lieben Gott, mir noch ein einzigesmal beizustehen, mir zur Seite zu sein und mir ein zufriedenes, arbeitfames Leben zu schenken. Ich werde dieses Weihnachten und dieses Neujahr nie wieder vergessen, die ich das erste mal im Gefängnis verleben mußte... Wenn ich den großen Bahnhof um 1 Uhr nachts verließ und allnächtlich von 1 bis 3 Uhr morgens durchfroren und hungrig in der Stadt umherirren mußte dann bin ich manchmal in menschenleeren Straßen im Dauerlauf gelaufen, um mir meine Schuhsohlen waren schon dünn und ich fror mächtig an den Füßen die Füße warm zu laufen. Wenn ich dann, was sehr häufig borkam, Bekannte von mir traf, so erbot ich mich immer, fie ein Stück zu begleiten, um daß ich wieder mal Abwechslung hatte, obwohl es mir sehr schwer fiel, bei der Unterhaltung meine eigene Not nicht sagen zu dürfen, und es mir noch viel schwerer fiel, wenn der andere sich mit dem Bemerken verabschiedete, er sehne sich nach seinem warmen Bett. Wie mußte ich da meine ganze Energie zusammenreißen, um nicht herauszuweinen, ich, der ich schon tagelang fein Bett gesehen hatte. Wie gern hätte ich noch weiter Nicht Literatur, sondern Leben ist es, das| Die Geschwister nahmen ihn auf. Er galt ihnen hungern wollen, wenn ich nur eine Nacht hätte das Buch enthält, dem der nachfolgende furze aber nicht als ebenbürtig. In seinem Fach fand in einem Bett schlafen dürfen. Aber ich mußte Auszug entnommen ist. Fritz Kleist hat be- er keine Arbeit. Er nahm eine Stellung als hungern und den Schlaf meiden und ich ertrug reits eine lange Reihe von Schriften veröffen aufgeben, da er in seinem gelernten Berufe eine tonnte. Eigentlich hatte ich dies alles ja selbst reits eine lange Reihe von Schriften veröffent. Haushalter an. Nach ver Wochen konnte er sie dies mir auferlegte Schicksal so gut, wie ich es licht, in denen er sich mit dem Problem des Anstellung fand. Strafvollzugs im allgemeinen und mit jenem des Jugendstrafvollzugs im besonderen aus einandersetzt. Sein legtes Buch heißt du gend hinter Gittern"( Preis Mt. 4.50 und Mr. 6.) und ist im Verlag Karl Zwing Wie ist mir jede Nacht, bis der Bahnhof in Jena erschienen. Der Autor verficht in wieder geöffnet wurde, zur Ewigkeit geworden. beredter Weise die Anschauung, daß Strafen Als meine Schwester hörte, daß ich wieder Es war mir stets eine Wohltat, wieder ins an sich noch keinen Menschen in die soziale ftellungslos bin, so entzog sie mir, trotzdem ich Gesellschaft zurückführten und er fezt sich für nicht schuld an meiner Entlassung war, von dem Warme zu kommen. So sehr ich auch das Bedie Anwendung sinnvoller Maßnahmen ge- Tage meiner Entlassung an jegliche Nahrungs- dürfnis hatte, mich auszuruhen; denn ich mußie sellschaftsförderlicher Art gegen die jugend- mittel mit dem Bemerken, wenn ich würde ge- oft die wenige Straft, welche ich noch hatte, anlichen Rechtsbrecher ein. Er will Berücksichung gehundert haben, würde ich mich schon bef- wenden, um mich aufrecht zu erhalten; denn oft tigung der sozialen und Milieuverhältnisse und blieb nichts übrig, ich mußte eine Stelle als war mir, als müßte ich jede Minute zusammender„ Täterpersönlichkeit". Das Buch sollte gewöhnlicher Aderknecht annehmen. Obwohl mir brechen, leider, es war schrecklich, sobald ich wievon allen Richtern und Politikern, aber auch die ungewohnte Arbeit sehr schwer fiel und ich der etwas auf der Bank saß, sokam der Bahnvon allen anderen Menschen gelesen werden. alle Sträfte zusammenreißen mußte, um die mir beamte und sagte:„ Wer keine Fahrkarte hat, bat I'm Nachfolgenden wird die Geschichte eines übertragenen Arbeiten zur Zufriedenheit meines den Bahnhof zu verlassen!" So habe ich mich oft Arbeitgebers zu verrichten. Auch bemühte ch hinter sterkergitter geratenen jungen Menschen mich, während ich noch als Snecht tätig war, unter großen Qualen und Schmerzen am Körerzählt: nach einer Stellung in memem Berufe. Aber ver- per auf die Straße begeben müssen. Und dort gebens. Als die Erntezeit vorüber war, wurde mußte ich wieder frieren von früh 4 bis 6. 11hr ich abermals entlaffen. Und die Not und Ver- dann wurde der Bahnhof aufgemacht, bis auf Not und Verund hungrig auf dem Bahnhofe. Nach Hause Der Vater des H. B. war ein feiner BeamHelmut. Eine 4 Nach drei Vierteljahren wurde von ihm und berschuldet. Ich habe es in jenen falten Nächten emem älteren Mitgefellen beiseite gestellte Ware fehr bitter bereut, daß ich auf die Mahnungen gefunden und dies als Diebstahlsvorbereitung ge- meiner Geschwister niemals gehört habe und vor beutet. Er erhielt die Entlassung. Die Ange- allen Dingen, daß ich eigensinnig ihr Saus mied, legenheit wurde nicht eindeutig geklärt. sehr eigenmächtig war. Und dann! Helmut erzählte. Ich fand alles bestätigt! ser nach neuer Beschäftigung umsehen. Mir bestimmt nicht... Fürs Volt, natürlich.. da ter. Er starb, als drei Kinder beruflich versorgt zweiflung waren mir nah. Nun stand ich ratlos dem großen Bahnhof der Verkehr reger wurde. haben Sie es wieder. gehen konnte und wollte ich nicht; denn dazu war Denn ich mußte der Bahnpolizei aus dem Wege ich zu ftols, mich abermals anzubetteln. Auch gehen, wie ein gesuchter Verbrecher. batte ich zu meiner Schwester damals, als ich die Um 11 Uhr mittags war mein Weg immer Wohnung wir nicht schreien, nein... Wir müssen den Kurs- schulpflichtigen Alter. Auch die Mutter starb. Die zettel, studieren, ob Weihnachten, Pfingsten oder älteren Geschwister von Helmut, ein Bruder, eine Reujahr... wir lernen leiden, ohne zu klagen, Schwester, find Beamte in bescheidenen Mittelwie unser Herrgoft mal fagte... jawohl... ftellungen. Helmut lernte auf eigenen Wunsch ein er belästigen werde, bis ich mich emporgearbeitet Oft bin ich, wenn Zeitungs- oder Laufburschen Laffen Sie nur, der einfache Mann hat es Sandwerk. Seine Lehrzeit beendete er mit einem nung berließ, gesagt, daß ich sie nicht eher nach der..... straße, zur Zeitungsausgabeſtelle. beffer... ich würd mit ihm jeden Tag tauschen, guten Lehrzeugnis, schon um meine Frau los zu werden... wenn wiedergeben kann. Aber leider wollte es das gesucht wurden, schnellen Schrittes nach der beSchicksal anders. Ich bin statt höber, immer tie- treffenden Stelle gelaufen immer vergebens: denn andere, die Räder hatten, waren schneller, fer gesunken. als ich. Die Lehrlingsfabrik hatte ihre Schuldigkeit wir uns auch liebhaben, ia... man muß das ja getan. Gesellen hält man sich nicht. Das kann das schon... aber sonst... dem Luder wünscht ich Geschäft nicht tragen. Die find zu teuer. Die la wirklich, das ich mal stempeln gehen müßte, dann sen fich nichts mehr sagen. Lehrlinge tun ja d'ewürde sie vielleicht auch ein richtiges deutsches selbe Arbeit. Lehrlinge foften fast nichts. Weihnachten feiern: denn sehen Sie, irgendwo Helmut fand eine Stelle als Junggeselle in fist einem das deutsche Gemüt ja doch... im... im... na, Sie verstehen... vergnügte eier einem anderen Betriebe. tage... ja... ich muß mal schnell... Bartolus. Volle vierzehn Tage bin ich ohne Bett und ohne Warmes im Magen gewesen; denn das wenige Geld, das ich hatte, verwendete ich dazu, Wegen ,, Nationalisierung" dieses Betriebes um eine Annonce in die Zeitung wegen Arbeit zu wurde er nach einem halben Jahre entlassen. fezen, Ich sollte und durfte diesmal fein Weihnachtsfest haben. Dies alles, was ich habe erlei den und ertragen müssen, wünsche ich mir kem zweitesmal..." Gelte 18 Freitag, 88. SC|eMlie Polizei würde sowohl aus Gründen der aiene, als auch solchen der Sittlichkeit all- _ eich einschreiten. Das„romantische" Heim gehört einem Invaliden der Arbeit. Er ist schwerer Rheumatiker geworden. Zwei seiner Söhn« sind arbeitslos, der dritte, ein junger Bursch, bringt am Samstag 126 Kronen heim. Die Leute leben von ihren Untermietern. Und diese Untermieter? ES sind solche Flüchtlinge vor Not und Hunger, die in der Heimat keine Arbeit mehr gefunden haben. Ein Bursche auS dem böhmisch-mahriicken Hügelland, einer auS dem Glasgebiet, wo die Not so ungeheuer geworden ist, daß sie alle Vorstellungen übersteigt, und einer aus dem Riesengebirgsvorland, ein Textilarbeiter auS einem jener Dörfer, die ganz von dem„Fabrikherrn" abhängen, der sich«inst hier niedergelassen hat, weil die Arbeitskräfte hier so billig waren, und seinen Betrieb sofort gesperrt hat, als er nicht mehr rentabel genug war. Wer in aller Welt könnte diese Atmosphäre von Trost- und Hoffnungslosigkeit schildern, die über diesen Menschen liegt? Es ist nicht einfach, sie zum Sprechen zu bringen. WaS der Hausherr in kurzen Worten erzählt, ist die typische Tragödie deS Proletarierlebens. Schufte— schufte, biS du nicht mehr kannst, und dann beeile dick im eigenen Interesse mit der Reise m das Jenseits, das schon deshalb ein„besseres" sein muß, weil etwas Aergeres einem solchen Erdenleben ja nicht folgen kann. Und dann erzählen di« drei jungen Arbeiter da vor mir. Erzählen davon, wie die Not zu Hause immer größer wurde und der Arbeit immer weniger. Alle drei sind sie fortgeoangen, weil sie die kargen Bisse» den Leuten daheim nicht noch verkleinern wollten. Seit Monaten sind sie unterwegs. Zur Erntezeit haben sie hie und da Arbett bei Bauern gefunden,— was sie von dem Lohn erzählen, klingt unglaublich für den, der nicht weiß, wie das Ueber- angebot von Arbeitskräften heute die Entlohnung herabgedrückt hat. Bei der Hopfenpfkücke haben sie sick kennengelernt und sind seither beisammen geblieben. Sie erzählen mit furchtbarer Ruhe und Selbstverständlichkeit von der vergeblichen Arbeitssuche, sie erzählen von den Regennächten auf der Landstraße, von den Racht- ouartieren im Strohschober, von Schikanen und Ouälereien, Hunger und Frost Roheit und Gefühllosigkeit mit einer ruhigen Selbstverständlich keit, die erschütternder wirkt als die leidenschaftlichsten Anklagen. Nun sind sie in Prag. Ter eine arbeitet in einer Fabrik, die gerade noch zwei Wochen im Saisonbetrieb steht. Täglich geht er zwei Stunden weit in die Arbeit. Der zweite bietet sich vor den Bahnhöfen als Gepäckträger an und bringt oft keine zehn Kronen am Abend heim. Und der dritte ist vor drei Tagen zum erstenmal„klopfen" gegangen. Bon Tür« zu Türe. Ter Arbeiter, der noch nie in seinem Leben gebettelt hat!— Hilflos— ratlos sitzt man diesem Elend gegenüber.„Zweifelhafte Element e!" O ja, vielleicht werden sie eS einmal sein, diese drei armen Burschen, die heute noch meinen, die Schande einer Heimreise„per Schub" nicht überleben zu können. Vielleicht werden sie es einmal sein. Nachdenklich sagt der deutsche Jser- gebirgler:„Am besten wärs— zwei Meter unter der Erde!" Und sein Kamerad fügt dazu:,, oder im Krankenhaus!" Und vielleicht wird einmal einer von ihnen ergänzen: „ oder im Kriminal!" Denn da istS warm und zu essen gibts auch. Es ist still und dunkel in der Stube. Durch die einfachen Fenster pfeift ein. scharfer Hauch und die dünnen Wände hauchen eisige Kälte.— Weihnachten 1931! Geo. Keuchend wie ein verliebter Staubsauger. In den Bereinigten Staaten gibt«S nicht nur Rekorde im Apfelkuchenesien, Auf-einem-Baum» sitzen und Zigarettenrauchen; auch die Metaphern und Redefiauren treten miteinander in Wettbewerb. Frank I. Wilstach in Rew Kork, der Verfasser eines ^Lexikons der Vergleiche", gibt alljährlich eine „Sammlung der besten Gleichnisse deS Jahres" her- auS. Die Ernt« deS Jahres 1981 war besonders reich an zeitgemäße» und einprägsamen Redefigu- ren. In den folgenden Beispielen spricht der ame» rikanisch« Humor und Mutterwitz, Mark« 1931, viel- leicht am deutlichsten zu unS. Langsam wie eine Schnecke beim Leichenbegängnis ihrer Großmutter. Unbeliebt wie ein BerkehrSpolizist am Sonntag. Sine so unumwundene Feststellung wie daS Gebrüll aus dem Behandlungsraum eines Zahn- arzteS. Humorvoll wie«ine Einkommensteuervorschrei» bung. Unglaubhaft wie ein Revuegirl ohne Appetit. Ihr Herz war kalt wie die Fingerspitzen«ine» Straßenkehrers lm Feber. Fehl am Platze wie ein Schmetterling in einer Kanonenfabrik. Lebhaft wi« die Farbe eine- nach dem Postkatalog bei einem Bersandgeschäft bestellten Anzuge». Sie blieb kälter al» ein warmes Roastbeef in einem Nachtlokal. Zufrieden wie der Hund eines Küchenabfälle- samwlers. Er wird so sicher zugrunde gehen wie die Eierschalen von unser« gestrigen Frühstück. Leo Korten. Je to z plechu » pfedhonf to blechu, nenf to iiv£ a dilA to divy, leze to po zemi a po papife z Prahy az do Pafile. WaS ungefähr auf deutsch heißt:. ES ist nicht lebend und tut Wunder ES ist auS Blech und eS ist kein Plunder ES überholt dem Floh und jede» Tier. Läuft auf der Erde und auf Papier, Bon Prag bi» Paris! ruft ein solcher Straßenverkäufer aus und hat an einer Schnur einen Blechkäfer, der, einem großen Sonnenwürchen ähnlich, auf dem Trottoir läuft, oder er hält in der Hand Gummiköpfe, die beim Zusammendrücken Zunge und Ohren au»« strecken, oder luftgefüllte Gummischweinchen und -Hündchen.— Einen originellen Sprachschatz von volkstümlicher Poesie und eigenem unverwüstlichen Humor schüttet mancher dieser Verkäufer vor den Vorübergehenden aus und gewinnt so auf seine eigene marktschreierische Art die Käufer, die ihm die angebotenen Artikel gerne abkaufen. Vergoldete Mistelzweige, Kunstblumen und Artikel aller Art werden von den Leuten angeboten und re finden Absatz, denn die meisten Leute haben gute Herzen; das hat man bei der Aktion des Roten Kreuze» feststellen können, die eine Unmasse von Kleidung-- und Möbelstücken einbrachte, die durch die Soziale Hilfe an di« Arbeitslosen zur Verteilung gelangt. Ob und wieweit sie in gerechter Weise erfolgt, entzieht sich meiner Beurteilung, aber soweit ich in der Poradna, im Asyl »ick in den Wärmestuben von den Arbeitslosen mit eigenen Ohren vernommen habe, hörte ich viel« abfällige Urteile über die Verteilung' der Gegenstände. Dem gegenüber wiederum steht die Tatsache, daß viele der Arbeitslosen die KleidungS- tücke wieder verkaufen, um in den alten Lumpen oder ohne Winterrock herumlaufen, und auf diese Art und Weis« das Mitleid der Angebettelten zu weiteren Gaben leichter wecken zu können. Das ind Leute, die von nichts anderem leben als vom Bettel und ihre ganze Existenz auf daS Schnorren einrichten. Die Krise verdirbt nur zu leicht schwächere Charaktere nnd vermehrt die Zahl der Asozialen, die nicht nur auf solche Art und Weise, sondern auch durch Diebstähle, Einbrüche, Ueberfälle sich ihren Unterhalt verdienen und die Situation der Arbeitslosen verschlechtern, denn gerade durch sie werden wieder andere Arbeitslose in den gefährlichen Strudel hineingeriffen; lies Wesen der Großstadt ist eS, an den Menschen alle möglichen Versuchungen zu stellen, denen ein junger arbeitsloser Bursch gar bald unterliegt. Ich wurde Zeuge eines Gespräches zwischen Arbeitslosen, auS dem zu ersehen war, Daß sie homosexuellen Verkehr zu ihrer Erwerbsquelle machten. Während«in« große Anzahl Arbeitsloser sich durch Gelegenheitsarbeit ihren Unterhalt schafft, gehen viele andere betteln und werden auf diese Art jeder Arbett abhold, neigen zur Vagabundage, die ganz profeflionSmäßig ausgeübt wird. Die jungen Burschen sind noch einer Erziehung fähig und eS wird au» ihnen mancher brauchbare Mensch zu machen sein. Ihre Schulung lohnt sich. Die Rettung der Krifenopfer ist auf die Dauer nur möglich durch Schaffung von Arbeit; läßt man die Arbeitslosen zu Bettlern und Vagabunden werden, so gefährdet man die Gesellschas! überhaupt! Vor fünfzehn Jahren. Weihnachten im Feld. Von L Goldaohmidt. Biele», unendlich viele« vom albhaften Erlebnis der Frontjahre ist, wohl für immer, dem Gedächtnis, entschwunden. Großes und Kleines. Und wieder andere», längst Vergessenes, nie mehr Gedachte», taucht urplötzlich aus dem Nebel auf, steht wie aus dem Nichts h«rvorgequollen altneu in der Erinnerung an daS stumm« Mulden und Leiden, an Blut und Dreck, an Hunger und Strapaz, an das Untermenschliche und Hebe«menschliche, an da» Unmenschliche der furchtbaren Jahre. Dergeffe» habe ich, wie der vom Erdboden weggefegt« galizische Ort hieß, an den in unserer Schützengrabenstadt 1916 nur mehr ein tiefer Brunnen erinnerte; vergeffen habe ich fast alle Namen der Kameraden von damals; vergessen auch den Namen de- baumlangen Infanteristen aus meinem Schwarm, jene» Wiener Kutschers, den der Tod auf dem Felde der Ehre so grimmig-banal erwischt«, daß wir im traurigen Gedenken dran ickmer wieder ein kleines Lächeln niederzwingen mußten— was die Tragik noch tragischer machte. Wie wir all«, Pflegt« er— nennen wir ihn Baumer— am Sonntagmorgen Leib, Wäsche und Kleider zu entlaufe«. Solche Bilder entlausender Helden in der Deckung oder im Graben hat wohl jedes akttve Weltkriegsmitglied im Gedächtnis. Weil «der damal», im Dezember 1916, an unserem Abschnitt wenig gekämpft wurde, di« Rusien so wie die Oesterreicher nur hie und. da einen Schuß abgaben— gewissermaßen, daß man* ja nicht vergessen möge, daß Krieg sei— und weil in den Mittagstunden di« winterliche Sonnet oftmals recht warm und einladend sttahlt«, so kam es vor, daß wir zuweilen die Köpfe etwa- ftecher au» dem Graben steckten, ja manchmal sogar bei hellichtem Tag« einen kleinen Spaziergang wagten, wa- freilich alles streng verboten war. Aber die russischen Gräben lagen an die zweitausend Schritt« von den unseren entfernt in seliger Ruh« und so kletterten halt immer wieder etliche au» den Löchern inj Frei«. E» war«in Spiel mit dem Leben, denn zuweilen krachten in diese» Idyll überraschend etliche Gewehrschüße, vermutlich eines russischen Scharfschützen, der sich so, mehr sportlustig als blutdürstig, die Langeweile zu vertreiben schien. Solche kleine Schießerei jagte dann wie ein Sturmwind di« Spaziergänger in den Graben zurück. Erwischt hat'» nie jemanden— nur damals eben den Baumer. Der war also, während wir im Graben Läuse fingen, gemütlich in die Sonne gesttegen, saß droben am Rand des Grabens, in den er die Bein« hän-, gen ließ, seelenruhig, sucht« in den Falten von Hemd' und Hosen unb beantwortete unsere ohnehin nicht sehr besorglichen Warnungen vor der russischen Schießlust mit kräftigen,, echt wienerischen und durchaus nicht feinen Beteuerungen seiner Wurschtigkeit und unserer Echeißhaftigkeit. Bis— na bis plötzlich eine oder mehrere Kugeln geflogen kamen, die ihm galten, da er doch em so„schönes", ruhige» und großes Ziel abgegeben hatte. Wir standen, Mann an Mann, der ganze Schwann und bald der ganze Zug, entlang der Grabenwand, als di« Sanitäter ihn wegtrugen. Keiner brachte ein Wort über die Lippen— nur Baumdr selbst, der, blutübersttömt, tonlos eine Zigarette verlangte. Der Zug-führer steckte sie ihm in den Mund, der sich noch in derselben Stunde aui dem Hilfsplatz für immer schloß. Ein paar Tage ging unsere Kompagnie in die Wovm leben die Krilenopser? von einem Arbeitslosen. Di« Krise, dies« übelriechende, llaffende Wunde deS wirtschaftlichen LebenS, durch welche die Unhaltbarkeit de» kapitalistischen Wirtschaftssystems am besten offenbart wird, hat ein Heer von Menschen geschaffen, die durch sie auS ihrer geordneten Lebensbahn herausgeschleudert wurden und denen die menschliche Gesellschaft statt der segenbringenden Arbeit Brosamen hinwirst. ES ist eine alte erwiesene Tatsache, daß durch Unterstützungen, seien si« welcher Art immer, da» Niveau eines Menschen kaum gehoben wird, und die moderne Soziologie ist bereits auf dem Puntte angelangt, daß sie Krüppel, die Opfer deS Weltkriege-, so weit ausbildet, daß sie sich ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen können, um nicht betteln zu müssen. Um so weniger ist für einen vollkräftigen und gesunden Menschen die bisherige Praxis der Unterstüuntzgen, wie sie in der Form von Geldgaben, Suppen etc. geübt wird, auf die Dauer geeignet, da» Niveau dieser Menschen zu heben, Arbeit und wiederum Arbeit ist eS, die den Menschen edelt und die ihn manche- Nebel vergeffen läßt, hauptsächlich das Uebel des Nichtstuns, und die kriminelle Statistik wird am besten beweisen, inwiefern dieses Uebel sich in dem menschlichen Leben auswirkt. Die kapitalisttsche Welt hat nun dies« Menschen aus ihrer Bahn geworfen, ohne sich auch nur im geringsten um sie zu kümmern, denn, Reserve, di« wenige Kilometer zurücklag. Keiner hatte den Baumer besonders geschätzt, keiner wußte Näheres von ihm oder den Seinen. Unsere Trauer war wortkarg. Wenn im Gespräch einer seinen Namen oder auch nur den Vorfall streifte, dann wurde für ein paar Sekunden alles still. Ein wenig trauriger lächelnd suchten wir Läuse. Und zwei Wochen später war es halt eine Selbstverständlichkeit, daß wieder einer weniger war.» Ln der Reserve„feierten" wir Weihnachten. Sie begannen für uns am Heiligen Abend um vier Uhr nachmittag- mit einer beffereu Menage. Ich weiß noch genau, wie traurig ich in der traurigen Reihe stand und wi« mir der Leutnant sagte, ich hätte doch Anlaß zur Freude, denn zu mir käme heute ein besondere- Christkindl. Ich wußte mit dieser Versicherung nicht viel anzufangen und verstand sie erst eine Stunde später, als beim Befehl meine Beförderung zum Korporal verlesen wurde. Gleichzeitig wurde ich Schwärmkommandant und vielleicht habe ich mir deshalb den Abend so gut gemerkt. Diesen Abend, der schließlich allen noch ein« Freude brachte. Denn wenn wir auch keinen Wekh- nacht-baum hatten und noenn auch zumindest im Unterbewußtsem eines jeden die Frage klaffte, ob daS für ihn nicht die letzten Weihnachten sein würden— trotzdem—oder eben deswegen fielen wir—und weil wir ausgehungert waren, ausgehungert vor allem nach etwa- Gutem— über die Post her, die eine Meng« Kisteln und Pakete abwarf. Da» meiste war zwar schon im Laufe der letzten Tage bei der Kompagnie eingelangt, aber der Oberleutnant hatte nichts austeilen lassen, hatte richtige» Ehristkindl gespielt, so daß alle zur gleichen Zeit ihre Weih» nachtsgäben empfingen. Und wer dennoch gar nichts bekam, den gaben die anderen von dem ihren. So war es eigenüich ganz gemütlich, ja lustig in unserer Baracke. ES wurde gegessen— eigentlich gefressen— und geraucht, gekocht und gebraten, Briefe wurden gelesen und verlesen, Erinnerungen ausgetauscht, von den Urlaubern geredet, die vor dem Neujahr zurücksein mußten, damit andere auf ein paar Tage in die Heimat gehen konnten. Es war wirklich Feststimmung da. Ich hatte., gerade Mutters Weihnachtsstritzel etwa bi» zur Hälfte vertilgt, als ich zum Kom» pägniekommandanten gerufen wurde. Dort bekam ich einen Punsch und allerhand gute Ratschläge für den neugebackenen Unteroffizier. Und dann kam dir Frage:„Uebrigen», für den Baumer ist auch ein Kistel gekommen— wollt Ihr da» haben? Der arme Teufel— na, zurückschicken wäre ja unsinnig — willst Du'« für den Schwarm mitnehmen?" Äch weiß nicht» was oder ob ich überhaupt eNva» antwortete.- Weiß nut, daß ich mit Baumers Kistel, in den Händen zu den Kameraden zu» cückkam, daß ich e» wortlos auf der Pritsche nieder- sttllte, daß sofort alle um mich herumstanden, die Adresse lasen, mich anschauten und daß wir alle zusammen schwiegen. Einer vom Nachbarschwarm, der mit un» die Baracke teilte, hat später das Kistel aufgemacht. Ich ließ ihn gern gewähren, denn ich wußte schon, daß er zu jenen wenigen in der Kompagnie gehörte, die am Heiligen Abend leer auSgegangen waren. Ich ließ ihm den Inhalt, bis auf ein paar ungelenke Zeilen von dir Hand einer Mutter, die an diesem Abend wohl schon ihren Sohn beweinte.... wenn wir hie und da in den Blättern lesen, daß diese oder jene Aktiengesellschaft oder irgendein gutherziger Millionär ein paar Tausend für Arbeitslosenunterstützung spendet, sind da» nur Ausnahmen, im großen unb ganzen ist da- kapitalistische System gemein und herzlos, und sein Hauptbestreben ist wiederum darauf gerichtet, auS dem Menschen, sofern es ihn benötigt, soviel al» möglich herau-zuholen, um ihm so wenig als möglich dafür zu geben. Gegen diese- System der Getoalt:„Wenn du nicht arbeitest, so mußt du verrecken", hilft ebenfalls nur Kampf. Dazu muß die arbeitende Gesellschaft sich organisieren, sie muß eine Phalanx der Abwehr schaffen. Ist der Zusammenschluß aller arbeitenden Kräfte notwendig, um diese vor den Mißgriffen und Ueberfäl- len der kapitalistischen Machtordnung zu schützen, so bedürfen um so mehr die Arbeitslosen, die Krisenopfer, einer Organisation und einer organisierten Fürsorge, die ihnen bisher in nur unzureichender Weise gewährt wurde. Ich habe über drei Monate in einem großen Asyl zugebracht, in dem viele Arbeitslose zusammentreffen, und die Verhältnisse sowohl dort als auch in dcy anderen sozialen Einrichtungen kennengelernt. ES sind unter den Arbeitslosen viele Menschen, deren Hauptbestreben es ist, sich ihr Geld, ihren Lebensunterhalt durch irgendeine Leistung durch Arbeit oder Handel zu verdienen. Man sieht sie in der Großstadt an den Ecken der Hauptstraßen, sie verkaufen Briefpapier, Manikurappa- rate, Postkarten und kleine Spielzeuge für Kinder, Putzmittel und Rasierapparate.