Ginzelpreis 70 Heller. Zentralorgan 6. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik 12. Jahrgang. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Redaktion und Berwaltung: Brag II., Netázania 18. Telephon: 26795, 31469.( Nachtredaktion): 26797 Boltihedamt: 57544 Gamstag, 30. Jänner 1932 Verletzung des Völkerbund- Kriegsgreuel ohne Kriegserklärung: paktes. China erhebt Anklage vor dem Rat. Genf, 29. Jänner. Chinas Vertreter erflärte auf Grund neuer Weisungen seiner Regierung in einem Schreiben an den Generalsekretär des Völkerbundes, der zwischen China und Japan ausgebrochene Streit sei jezt auf dem Punkt angelangt, wo er einen sofortigen Bruc zwischen China und Japan herbeiführen könnte. China beantrage in Ergänzung des Verfahrens nach Artikel 11 die Anwendung der Artikel 15 und 16 des Partes. Nächtliches Bombardement Schanghais. Japaner besetzen nach erbitterten Kampfen die Stadt. Shanghai, 29. Jänner. Die Japaner haben nach vielstündigem erbitterten Kampf, unterstüßt durch das Feuer ihrer Kriegsschiffe und durch Fliegerbomben, die Chinesenstadt von Schanghai beseßt. Den Vorwand zu dieser offenen Kriegshandlung suchten die Japaner durch ein Ultimatum an die chinesischen Behörden zu erreichen; als der chinesische Bürgermeister dieses Ultimatum schließlich bedingungslos annahm, verlangte der japanische Kommandant nicht nur, daß sich die chinesischen Truppen hinter die Stadt zurückziehen, sondern, daß sie auch selbst die in der Stadt errichteten Barrikaden niederreißen. Als dies der chinesische General ablehnte, setzte sofort der seit langem vorbereitete nächtliche Angriff der Japaner ein, der unerwartet auf heftigen Widerstand der Chinesen stieß. In der in Brand geschossenen Stadt spielten sich erbitterte Kämpfe ab; namentlich der Bahnhof von Schapei wurde von den Chinesen auf das nachdrücklichste verteidigt, und erst nach siebenstündigem Kampf erlahmte gegen Morgen der Widerstand der Chinesen. * * unterstützt. Nr. 26. Der Kampf um den Notfonds. " 1 Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen nähert sich der halben Million. Das bedeutet, daß die tatsächliche Ziffer 500.000 bei weitem übersteigt. Viele Zehntausende dieser Arbeitslosen sind nun schon seit zwei Jahren ohne Erwerb. Wovon sie leben, wäre schwer zu sagen. Nur die gewerkschaftlich organisierten erhalten durch eine bestimmte Zeit einen Betrag, von dem sie leben können. Alles andere, Im Artikel 15 werden die Formalitäten behan staatliche und kommunale Hilfsaktionen, pridelt, wie der Konflikt zwischen Mitgliedern des Völterbundes vom Rate, eventuell vom Völkerbunde vate Spenden, die solidarische Hilfe, die eint gelöst werden soll. Nach diesem Artikel ist es aber Hungernder dem andern angedeihen läßt, reicht notwendig, daß das betreffende Referat des Rates nicht aus, die Menschen wirklich über Wasser von den Ratsmitgliedern, mit Ausnahme der Verzu halten. Dabei ist ein Ende der Krise nicht treter der beiden Streitparteien, einmütig angeDie japanischen Marineschüßen begannen fischen Heeres wird auf etwa rund 25.000 Mann abzusehen und Tatsache bleibt nur die greit nommen werde. In diesem Falle verpflichten sich die Mitglieder, gegen feine Streit- Partei, die sich gegen Mitternacht nach einem scharfen Bombar- abgeschätzt, während die Stärke des Kerns der zenlose Not, von der ein Fünftel der Bevölke dem Beschluß des Rates unterworfen hat, die Waf- dement der Festungen durch schwere Kaliber der japanischen angreifenden Truppen bloß 5000 rung unmittelbar betroffen ist. Die Vorräre fen zu ergreifen. Wenn es nicht gelingt, eine ein- japanischen Striegsschiffe konzentrisch in die Mann betrug. Die Japaner waren jedoch sind aufgezehrt, es gibt keinen Notpfennig mütige Ratsentscheidung zu erzielen, behalten sich Chinesenstadt einzudringen. In den Gassen der weit besser ausgerüstet und wurden auch tatdie Völkerbundsmitglieder das Recht vor, so zu han- Eingeborenenstadt entwickelte sich auf allen Sei- fräftig durch Flugzeuge sowie auch durch das mehr, keine Reserven an Kartoffeln, Kleideln, wie sie es für die Wahrung des Rechtes und ten ein Kampf von Haus zu Haus, der Bombardement der japanischen Kriegsschiffe dern, an den Dingen, die man im proletarischen Haushalt noch Wertgegenstände" nenim Lichte der brennenden und einstürzenden der Gerechtigkeit für notwendig erachten. nen könnte, weil sie sich in ein paar Kreuzer Int Artikel 16 werden die strengen Maßnah- Häuser vor sich ging. Die japanischen LuftstreitUngeheuere Opfer. auf Brot und Margarine umsetzen lassen. men behandelt, die sämtliche Böllerbundsmit- träfte arbeiteten Hand in Hand mit dem vors Augenzeugen find der Ansicht, daß die Hunderttausende stehen vor dem Nichts. glieder zu ergreifen haben, wenn ein Mitglied den rückenden Heer, und die Chinesen wurden, eine Die Bourgeoisie ist weit entfernt davon, Artikel 15 und die vorangehenden Artikel nicht be- Gruppe nach der anderen, an allen Stellen zer- Zahl der Opfer ungeheuer sein müsse, achtet. Es wird dann einer Behandlung unterzogen, malmt, mit Ausnahme der Bahnhof it a da 200.000 Einwohner dieser chinesischen Stadt Sorge, Verantwortung, Pflichten gegenüber als ob es sich einer triegerischen Tat ge- tion im Norden der Stadt, die sich überaus vollkommen wehrlos von Flugzeugen den Opfern des kapitalistischen Wirtschaftsden übrigen Völlerbunds- heldenmütig hielt und den immer wieder neu durch Fliegerbomben bombardiert wurden. Die systems, der kapitalistischen Wirtschaftsfühmitgliedern hätte zu schulden kommen lassen, einseßenden Angriffen der japanischen Marine- Bewohner fönnen nicht in der ausländischen KonTore gerung, zu empfinden. Seit Wochen het die die gezwungen sind, wirtschaftliche und militä- schüßen Widerstand entgegenseßte. Erst gegen gession Zuflucht nehmen, da deren Tore ge= agrarische Presse, unterstützt von den rische Maßnahmen zu treffen, um gemeinsam dem Morgengrauen schwächte sich das chinesische Ma- schlossen sind. Rechte und den im Völkerbundspakte enthaltenen schinengewehrfeuer ab, und die japanischen MaKurz nach 4 Uhr brach in der Chinesenstadt Gewerbeparteilern und der nationalistischen nicht vielleicht gegen eine Verpflichtungen Geltung zu verschaffen. trosen gingen zum leßten Angriff vor. Japa- Schapei Feuer aus. Die Flammen griffen Revolverpresse nische Armeeflugzeuge, die sodann hierher diri- schnell um sich. Von den Dächern der internatio- ausreichende Versorgung der Arbeitslosen, In der Nachmittagssigung des Rats ton- giert wurden, seßten durch Zündbomben die nalen Niederlassung aus konnte deutlich beobach- nein, gegen die bescheidene Hilfe, die ihnen statierte der chinesische Delegierte mit Bedauern Bahnhofftation in Brand, doch hielt sich trop tet werden, wie ein Haus nach dem anderen in bisher in den Lebensmittelfarten geboten wird. die Wirkungslosigkeit der bisherigen Anstrengun der Flammen, die die Station von allen Seiten Flammen aufgins, während die Luft von dem Der Minister für soziale Fürgen des Völkerbundes. Er betonte, daß die ter- erfaßten, der Rest des chinesischen Heeres hel- Knattern des Gewehr- und Maschinengewehr- jorge hat vom ersten Augenblick seiner Amtsritoriale Gesamtheit seines Landes von den denmütig und schlug den tief einsehenden Anfeuers und dem dumpfen Krachen der fallenden führung an seine wichtigste, seine vorJapanern verlegt wurde und auch die politische griff der Japaner zurück. Schließlich ergab sich Bomben und dem Summen der Flugzeugmoto- nehmste Aufgabe in der Rettung Unabhängigkeit des Landes bedroht ist. Der Rat gegen 6 Uhr 50 morgens das Häuflein der entder Krisenopfer vor dem Untergang, habe die Pflicht zu handeln, denn kräfteten Verteidiger, und die Besekung der die Besetzung der ren erfüllt war. Eine der von japanischen Fliegern abge- der Rettung der proletarischen Massen vor der Eingeborenenstadt war beendet. Bloß hie und da war noch ein Gewehrschuk zu hören, den worfenen Bombe sei in eine Straße der auslän- auch politisch so gefährlichen Deklassierung einige Chinesen gegen japanische Soldaten aus difchen Konzession. Sie richtete beträchtlichen gesehen. Die Novelle zum Genter System, die der Deckung abgaben. Diese Schüßen wurden Schaden an; verlegt wurde jedoch niemand. Lebensmittel-, die Milch-, die WeihnachtsBei der Beschießung der nördlichen Eisenjedoch alsbald zum Schweigen gebracht. bahnstation fiel eine Bombe in die französische aktion, die staatliche Hilfe für die erschöpften Ronzession, wobei fünf Personen getötet wurden. Fonds der Gewerkschaften, sind nur die bedeutsamsten Etappen im Kampf gegen die Not. Waffenstillstand. Aber der Fürsorgeminister hat auch seit langenüber Japan habe einen bewaffneten Angriff durchgeführt, ohne vorher den Konflikt dem Schiedsverfahren zu unterordnen, und somit den Völkerbundpakt verletzt. Hierauf brachte der Delegierte ein umfangreiches Telegramm zur Verlesung, das detailliert die Ereignisse in Schanghai schildert. * Japanischer Vormarsch gegen Charbin. = Der Brennpunkt der Kämpfe lag unweit Der japanische Vertreter bestritt, daß die der Nordgrenze der Internationalen Konzession, japanischen Abteilungen ohne Grund zum An- wo einige Abteilungen der internationalen griff übergegangen wären. Das, was seine Regie Truppen bereitstanden, die für den GebrauchsDer britische und amerikanische General- gem die Unzulänglichkeit dieser rung bisher unternommen habe, entspringe dem fall zum Eingreifen bereit waren. Die Chinesen konsul in Schanghai verhandelten heute mit den Maßnahmen erkannt. Die sozialdemokra Triebe der Notwehr. Der japanische Dele gierte fönne nicht begreifen, daß es sich in diesem letzten einen weit hartnäckigeren Widerstand ent- chinesischen und japanischen Militärbehörden und tischen Parteien und die freien Gewerkschaften Falle um einen Streit handle, der zu einem gegen, als ihn die Japaner erwartet hatten, bewerkstelligten, daß der Kampf um 8 Uhr abends haben die gesetzliche Neuregelung der Arbeitsoffenen Bruch führen könnte, wie er im Art. 15 und die Kommandanten der 23 japanischen örtlicher Zeit eingestellt werde. Die letzten losenunterstützung gefordert. Das Ministerium angeführt ist. Er empfiehlt daher, der Rat möge Striegsschiffe, die in der Mündung des Flusses eingelangten Nachrichten besagen, daß der Waffen hat nun eine weitere Not- Vorlage der interWhanpu vor Anker lagen, wurden jeden stillstand tatsächlich eingehalten wird und daß in ministeriellen Verhandlung zugeführt. Um darüber entscheiden, ob die Behandlung der Frage Augenblick ersucht, Verstärkungen zum den frühen Morgenstunden des Samstag( Orts- diese Vorlage, in welcher wir Sozialdemokraten selbst nur eine Etappe auf dent scheine oder ob es nicht besser wäre, das bisherige Schlachtfelde zu entsenden. Die Stärke des chine- zeit) die Situation im allgemeinen ruhig war. Wege zur Arbeitslosen Versiche= Verfahren auf Grund des Artikels 11 fortzusehen. rung sehen, entbrennt, che sie noch als Druc Generalsekretär Drummond erklärte, daß dem Parlament vorgelegt wird, auf der ganbeide Parteien auf Grund des Artikels 15 eine zen Front des Klassenkampfes ein erbittertes vollkommene Darstellung der Situation mit Rußland verweigert Bahnbenützung für Truppentransporte. Ringen. detaillierten Dokumenten vorlegen sollen. Der Tokio, 29. Jänner.( Reuter.) Die Sow- überaus hartnäckigem Kampfe zurückzuziehen und Generalsekretär wird eine Untersuchung vorDie Arbeitslosenfürsorge nach dem Gennehmen, aber den Gesamtbericht wird der Rat jetbehörden haben auf Weisung aus Mostan die Stadt Charbin in den Händen der japanischen erstatten. Der Generalsekretär verlangte eine hin fategorisch abgelehnt, die Erlaubnis Verbündeten aus der Provinz Kirin und 1000 ter System wird zum Teil aus den MitFrist bis morgen, um eventuelle Vorschläge vor- zur Beförderung von japanischen Truppen auf Mann regulärer japanischer Truppen, die am teln der Gewerkschaften, also der Arbeiter der chinesischen Ostbahn zu geben. bringen zu fönnen. Freitag aus der Stadt Tschangtschun herbeigeeilt selbst, zum andern Teil aus staatlichen Geldern bestritten. Jeder weiß, daß auch an den Ratspräsident Paul Boncour appellierte an Die japanische Regierung beabsichtigt, die waren, zu belassen. Aus Tschangtschun wird gemeldet, daß die Geldern, die der Staat einnimmt und ausdie beiden beteiligten Parteien, sofort Tele- Sowjetregierung für alle weiteren Schäden an gramme an ihre Regierungen zu senden, worin Leib und Leben japanischer Bürger in Charbin Japaner beschlossen haben, die Leitung der süd geben kann, die arbeitenden Klassen als Hauptfie diese an die Pflichten erinnern sollen. daß sie verantwortlich zu machen, die entstehen könnte a, lichen Verlängerung der oftchinesischen Bahn zu zahlungsfaktor beteiligt sind. Nur ein kleiner vorläufig feine neuen Schritte unternehmen, weil Rußland die Benutzung der oftchinesischen sichern. Die sowjetrussischen und chinesischen Teil des Budgets wird ja durch Besitzsteuern gedeckt. Nun hätten die Arbeiter durch das welche weitere, allen unerjegbare Verluste zu Eisenbahn zu Truppentransporten verweigerte. Angestellten weigern sich, unter diesen Umfügen könnten. Die Truppen werden jezt auf dem Luft- ständen ihren Dienst weiter zu versehen. Genter System freilich die Möglichkeit gehabt, wege befördert. Auch Nanking kommt an den Staat zu gewaltigen Ausgaben für die Nach den letzten Meldungen aus dem Arbeitslosen( und damit wahrscheinlich zu einer Hauptquartier wurde die zweite japanische Dis die Reine? Reform der Gesetzgebung) zu zwingen. Wenn vision von Liaujang nach Tschantschun beordert. Nanking, 29., änner. Vor der Stadi find die Arbeiter Klassenbewußt und reif genug Washington, 28. Jänner.( Reuter.) Vier Allem Anschein nach handelt es sich um Vorbe amerikanische Zerstörer in Manila haben Befehl reitungen zum Aufbruch nach Charbin, drei große japanische Kreuzer erschienen und wären, hätten sie durch Massenbeitritt zu den haben Anker geworfen. Sie sollen jederzeit Leit Gewerkschaften dem Genter System erst seierhalten, sofort nach Schanghai in See zu gehen. falls dieser sich als nöti eriveisen sollte. Aus Charbin wird gemeldet, daß die Trup- sein, eine Altion gegen den Siz der chinesischen Die Weisung ist veranlaßt durch das Ersuchen des Befehlshabers der amerikanischen Fluß- pen des chinesischen Generals Tintschau, die Nationalregierung zu eröffnen. Sämtliche japani- nen Sinn gegeben. Da die Masse der indifwachtschiffe auf dem Jangtje. Die Zerstörer fön- Charbin gegen den Angriff der bewaffneten schen Bewohner Nankings wurden bereits eva- ferenten Arbeiter in diesem Punkte versagte, nen im Notfall Schanghai in 35 Stunden er- Streitkräfte der Provinz Kirin, der Verbündeten fuiert. Der Generalkonsul hat sich mit dem Ber- wurd. das Genter System zu einer Belastung reichen. Kontreadmiral Taylor in Manila hat der Japaner, verteidigte, Donnerstag nachts ge- sonal des Konsulates an Bord eines japanischen der Gewerkschaften, aber nicht zu einer ausreichenden Krisenfürsorge. zwungen waren, sich nach einem zweitägigen Kreuzers begeben, streng vertrauliche Instruktionen erhalten. Ameritani che Zerstörer nach Schanghai Seite 2 SamStag, 30. Jänner 1982. Nr. 26. Kommunisten und Hakenkreuz- l e r werden wie immer so auch diesmal der Bourgeoisie beispringen, indem sie ihrerseits gegen den Notfonds hetzen werden. Die Arbeiterklasse möge sich in diesen Tagen bewußt bleiben, daß es um folgen schwere Entscheidungen geht und daß wir nur dann einen Erfolg heimbringen werden, wenn die Proletarier nicht weniger energisch, einmütig und konsequent als di« Bourgeoisie die Interessen ihrer Klasse und deren Vertreter unterstützt! Bor einem uenen Kinogesetz. Die bisherigen gesetzlichen Vorschriften für das Kinowesen fußen auf einer Ministerialvec- ordnung vom 18. September 1912. Nach dieser Verordnung wurde die Berechtigung-u Filmvorführungen auf dem Lizenzwege vergeben. Die Lizenz wurde von der Landesbehörde an vertrauenswürdige Personen, aber auch an Korporationen auf ein bis zwei Jahr« erteilt, besondere Bevorzugung bei Zuerteilung von Lizenzen genossen die Gemeinden und Vereine, so daß pur unter einigen hundert deutschen Kinos rund 160 Korporationskinos haben. Nunmehr hat das Innenministerium einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der in der kommenden Frühjahrsscssion des Parlaments den Volksvertretern zur Beratung und Beschlußfassung vorgelegt werden soll. Ein jahrelanger Kampf der privaten Kinobesitzer um Sicherung und Verbesserung ihrer Existenz geht diesem Gesetzentwürfe voraus. Die Kinobesitzer verlangen, daß ihre Betriebe wie jedes andere Gewerbe behandelt und der Gewerbeordnung unterstellt werden. Das ist durch den Gesetzentwurf mit gewiffen Einschränkungen geschehen. Die befristete Lizenz wird abgeschafft und wer Über eine feste Betriebsstätte verfügt und einigen weiteren Bedingungen Genüge tut, erhält über Ansuchen der Landesbehörde die Kinokon-ession. Es ist richtig, daß die Berechtigung zu Filmvorführungen durch eine Lizenz für den Kinobesitzer eine sehr zweifelhafte und unsichere Befugnis war. Die Lizenz mutzte nach Ablauf der bewilligten Frist nicht verlängert werden und der Kinobesitzer lief Gefahr, sein investiertes Kapital an Liegenschaften und Apparaturen brachgelegt zu feben. Die Investitionen sind nun in der. Zeit des Tonfilms bekanntermaßen außerordentlich gestiegen, so daß der Kampf der Kinobesitzer gegen die veraltete Miuisterialverordnung und gegen das gesamte Lizenzwesen begreiflich und berechtigt erscheint. Es liegt aber doch andererseits der Berech- tigungserteilung zu Filmvorführungen auf dem Lizenzwege ein anerkennenswerter Gedanke zu Grunde. Der Film ist durch seine suggestive Eindrucksfähigkeit auf breite Schichten der Bevölkerung ein B i l d u n g s- und leider auch ein BerbildungSfaktor, an dem verantwortungsbewußte Stellen in Gesellschaft und Staat nicht achtlos vorübergehen können. Der Film ist eben nicht eine Ware wie jede beliebige andere und der Staat hat im Interesse der Allgemeinheit zweifelsohne ein Recht, gerade das Film- geschält in seiner Auswirkung auf Geist und Gemüt weiter Bevölkerungskreise zu kontrollieren. Der Gesetzentwurf des Innenministeriums versucht, den Kinobesitzern entgegenzukommen und Zugeständnisse privatwirtschaftlicher Natur für das die breite Oeffentlichkeit interessierende Kinowesen zu machen. Wir aber müssen von dieser Stelle aus ein für allemal feststellen, daß wir grundsätzlich an einer Vergesellschaftung des gesamten Film- und Kinogeschäftes— von der Erzeugung des Films bis z» ferner Vorführung im Kino— interessiert sind. Wenn wir diese vom Parteistandpunkte aus selbstverständliche Forderung im Augenblicke zurückstellen, so haben wir doch als Volksbildner der breitesten Bevölkerungsschichten eine Reihe von Wünschen an ein neues, auf dem Kompromißwege zustande kommendes Kinogesetz. Nach 8 1 des neuen Gesetzentwurfes sind alle öffentlichen Kinovorstellungen den Bestimungen des neuen Gesetzes unterwerfen; zu den„öffentlichen Vorstellungen" gehöre», was höchst bedenklich, unbegründet und heftigst a n z u f« ch t e n ist, auch die Vorstellungen in Vereinen und anderen geschlossenen Gesellschaften. Für die Veranstaltungen der Bildungsorganisa- tionen Aeibt aber im Rahmen des Entwürfe» Raum, und zwar unter der Einrichtung von sogenannten„G e I e g e n h e i t S v o r st e l l u n- g e n"(8 14), welche von der Be;»rkSbebörde bewilligt werden. Dieser Paragraph läßt also einen großen Spielraum für die mehr oder weniger willkürliche Auslegung eines bewilligenden Beamten zu. In einer Durchführungsvorschrrst, besser im Gesetz selbst, müßten klare Bestimmungen über die Erleichterungen zu diesen„Gelegen- h e i t s v o r st e l l u n g e n" formuliert werden. Dies« Erleichterungen werden in erster Llnie technischer Natur sein. Wir brauchen eine Typist-- runq der Vorführungsapparate, wodurch jene Maschinen festgestellt werben, di« infolge geringster Brandgefahr für das Filmband bei Gelegenheitsvorstellungen" verwendet werden dürfen. Im Zusammenhang mit diesen Erleichterungen entstehen andere, welche den Projektion»- und Borführerraum betreffen. Mit 8 2, Abs. 5, ist. auch ein Wanderkinobetrieb für Ausnahmefälle vorgesehen. Diese Wanderkinos sollten für die Bezirksbildungsausschüsse zur Vorführung„kultnrerzieheri- scher" und künstlerischer Filme reserviert bleiben. Hier erwächst den BezirkSbildunasausschüssen die Pflicht, sich bei den parlamentarischen Verbänden für diese Forderung einzusetzen. Selbstverftändllch haben wir auch bei dem Kapitel Zensur unsere Wünsche. Prinzipiell sind wir gegen jede Zensur, sie ist immer negativ und wirkt hemmend. Vielleicht macht es aber die gegenwärtige schwere geistige Krise verständ- lich, wenn man nicht ohne weiters wünscht, daß der Film mit seiner suggestiven Ueberrumplungs- 'taktik als Kampfmittel in den Dienst sine» hemmungslosen Kulturkampfes gestellt wird und wenn man infolgedessen die Ueberspannung weltanschaulicher Gegensätze nicht durch den Film In das öffentliche Lichtspielhaus getragen sehen möchte. Sein oder Nichtsein einer Zensur steht also bei unseren Erörterungen nicht in Frage, aber auf eine gründliche Umgestaltung des Zensur- beiratS wird Bedacht genommen werden müssen. Die Zensur auch weiter in das Ressort des Innenministeriums fallen, der Beirat wird von diesem berufen werden und feststellen, ob durch die Vorführung eines FilmS nicht der Tatbestand einer strafbaren Handlung begründet oder die Interessen de» Staates, die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört oder der Anstand und die gute Sitte gefährdet werden könnten. Ob ein Film „kulturerzieherisch" zu bewerten ist, entscheidet das Ministerium des Innern im Einvernehmen mit Der N o 1 f o n d s, den die Sozialisten und die Gewerkschaften fordern, soll aus den Beitragen der Unternehmer gespeist werden. Die Vorlage des Fürsorgeministeriums trägt dieser berechtigten Forderung Rechnung. Sie will den Notfonds aus Zuschlägen zu den Sozialversicherungsbeiträgen der Unternehmer(ein anderer Weg wäre Zuschlag zur Erwerbssteuer) in einer Gesamthöhe von 800 bis 400 Millionen schaffen. Der Staat soll 100 Millionen leihweise für die Gründung des FondeS beistellen. Die Ausgaben des Staates für die besondere Krisenfürsorge würden dann entfallen, das Budget entlastet werden, die ausgesteuerten Arbeitslosen erhielten eine generelle, nur nach sozialen Gesichtspunkten(ledig, verheiratet) gestufte Unterstützung. Diese Unterstützung kann, wie jeder sich an den Fingern abzählen kann, wiederum nur ein bescheidener Unterstützungsbei- trag sein, aber sie würde immerhin den Hunderttausenden, die heute einfach subsistenzlos sind, einen minimalen Unterhaltsbeitrag gewähren, die Kaufkraft des inneren Marktes festigen, die Wirtschaft, chor allem die Landwirtschaft befruchten. Die wohlerworbenen Rechte der organisierten Arbeiter sollen und müssen natürlich gewahrt werden. Gegen diese Vorlage, die an sich ja keine sozialistischen Idealforderungen aufstellt, sondern auf die Verteilung der Klassenkräfte in der Koalition Rücksicht nimmt, laufen die Agrarier und die Nationaldemo- kraten Sturm; diese als die Interessenver- treter der Unternehmer, die auch weiterhin die ganze Last der Krise auf die. Schultern der Arbeiter abwälzen möchten, jene keineswegs in Wahrung begreiflicher Bauerninteressen, sondern teils aus Gründen einer bornierten Justamentpolitik, teils in Vertretung der Klasseninteressen jener Kapitalisten, die längst die Agrarpartei zu ihrem Werkzeug gemacht haben. Der Kambs um den Notfonds zeigt wiederum, daß die Koalitionspolitik alles andere als Burgfrieden und Aufgabe des Klassenkampfes ist. Die wichtigste Forderung, die wir im Klassenkampf durchzufechten haben, die Rettung der Krisenopfer vor dem materiellen und moralischen Untergang, wird von den sozialistischen Parteien auf dem Boden der Koalition erkämpft werden müssen. Voraussetzung eines erfolgreichen Kampfes ist di« Geschlossenheit der klassenbewußten Arbeiter und ihre Teilnahme an dem Kampf, den unsere Genossen rm Parlament austragen. Die Besitzklasse mobilisiert mit allerhand scheinheiligen und verlogenen Argumenten schon jetzt die öffentliche Meinung gegen den Notfonds. Die Presse der bürgerlichen Parteien und die der großen Verleger tritt die bürgerlichen Einwände gegen die„Belastung der Wirtschaft" mit Behagen breit und erörtert die Notwendigkeit neuer„Sparmaßnahmen"— als da sind Gehalt- und Lohnkürzungen, die nur zur Verschärfung der Krise führen können. Laut und unverschämt wird die Forderung nach Besteuerung der niedrig st en Arbeitseinkommen erhoben, um an ihnen den Notfonds einzusparen. Jan Hus/Der letzte Tag Ein aesmiditiiaier Roman v Oskar WOhrle (Cettag.TXk Bücher!«!»-, Ä m. d. H., Berlin es. 61.) „Wie hat er gestunken?" „Wie die Pest!" „Gibt's nicht noch was AergereS?" ,D>och, ein Landsknecht, der drei Wochen unbeerdigt im Feld liegt." „Tas ist, was ich hören wollte, Kepka. Genau ,o hat mich vorhin der Anblick der Deutschherren getroffen, wie der Dunstkreis von Hunderten, seit Wochen unbeeidigter Landsknechte. Viele Kübel Blut sind notwendig, bis ich d e n Geschmack je wieder los werde. Diese lebendigen Lei^name. die der T'»el«n möge, haben unfern Hus mit auf dem Gewissen!" „Was?" staunt Kepka.„Die und HuS?" „Ja, HuS!" bekräftigt 2iita. Doch er kommt nicht dazu, Kepka und dem von Tuba diese kühne Behauptung näher zu erklären und fein Mißfallen über die ihm bis in den Tod verhaßten Deutschordener weiterhin auszutrompeten; denn es gibt unversehens einen ärgerlichen Zwischenfall. Eine Schar Kurrendejungen, angelockt durch 2iLkas laute Rede sind das seltsame Gefäll seiner Sprache, umschwärmt die Gruppe der vier Reiter wie ein Haufe stochlustiger Hornissen. Ursprünglich wollten die Schwarzmäntler den fremden Herren ein frommes Lied singen; denn das haben die Jungen längst heraus: die Ausländischen geben schneller und leichter als die Einheimischen. Nun aber, da sie aus dem ihnen unbekannten Idiom ein paarmal den verruchten Ketzernamen Hus herausgehört haben, knacks, da dreht sich der Schlüsselbart! Aha. die Reiter sind Böhmen. Landsleute des Hus. nun die iollen'» ordentlich besorgt bekommen! Und nach der Weife eine» uralten Verratsliedcs, da» den Fuhrleuten nachgeschrfen wird, wenn einer am Wagen hängt: 's hockt ein Hinte dra, >'s ischt en alte Ma!" hauen sie los mit einem Spotwers, der sicher noch keine Stunde alt ist: „Böhma Böhma Ketzerkopf! Morna brot a Gans im Topf! Mag sie Hila, mag si grina, käjet alli Ketzer ina!" „Verflucht Oehrlein, das klingt nicht angenehm!" knurrt 2iika, als die Schwarzmänteligen zum dritten Male loSgellen. Kepka und Tuba sind der gleichen Meinung. Sogar Karel, der bis jetzt in der Entschlvobeicheit eines TroumeS ritt, hängt den Kops schief und fängt an, diesen Vorstoß in die Wirklichkeit zu begreifen, „Das Maul stopfen, aber schnell!" drängt Duba. „Womit?" fragt Kepka.„Ich hab nicht mal eine Gerte zur Hand!" „Aber. Gech hast du?" „Schmeiß raus, soviel du kannst!" Kepka beeilte sich. Ein Schwung Silberstücke Prallt aufs Pflaster. Ihr Gegrill klingt wie der silberne Schellenbaum bei der Wandlung. Es hat auch die gleiche Wirkung. Alles, was in der Nähe ist, bückt sich zur Erde. Es sieht aus, als neigten sich alle diese Rücken fromm wie vorm Sakrament des Altars vor* den Goldstücken, diesen Hostien aus Silber. Doch der Schein trügt. In Wahrheit machen sie sich dreckige Hände; gierig klauben sie den elenden Mammon aus dem Kot der Straße. „Böhma Böhma Ketzerkopf! Kepka wirft eine zweite und dritte Handvoll. Mörderisches G-rä"k bersaat hintrifft. Jetz. sind«S nicht mehr die Kulrenüqungen allein, die sich um Geld in den Dreck werfen, auöb Bürgersrücken beugen sich. Morna brot a Gans im Topf! Der Spotwers wird dünner und dünner, schließlich bricht er ganz ab. Es läßt sich nicht gut singen, den Kops ht der Gosse und Gieren der Kehle. Die Menge drängt den Reitern noch. Bis zur Pfalz sind noch hundertfünszig Schritt. Sie werden mit zwei weiteren Würfen erkauft. „Gottlob, der'Korb wär' gemacht!" sagt Lirka, al» er im vorderen Hof der Pfalz auS dem Sattel steigt. Er wirft den herbeieilenden Dienern lässig die Zügel zu. Doch die Spottstrophe der Kurrendejungen ist nicht untergegangen. Während die böhmischen Herren die Freitreppe hinausschreiten, hallen bereits die Gassen in der Nähe von«m bläkenden Singiang wider. Karel, der als letzter Sie Stufen nimmt, hört ganz deutlich über den Münsterplatz schallen: „Böhma Böhma Ketzerkopf! Morna pflärrt der Hus im Topf! Mag er Hila, mag er grina, Käjt en tna! käjt en ina!" „Vor zwei Minuten klang es anders", denkt der Knappe.„Respekt vor diesen Konstanzer Lausebengeln! AenderungStüchtig sind sie!" Da legt ihm dei Beschließer die Hand auf die Schulter. „Deine Herren sind im Vorzimmer, da, den Gang hinunter, links, die vierte Türe!" Kartzl kommt gerade noch zurecht, die etwas brüchige Stimme des Pfalzgraftn beim Rhein zu vernehmen- der, seine borstigen AugSbrauen heberw. di" w Gewohnheit gewordene Frage stellt- „In welcher Angelegenheit,»verte Herren?" In di-sem Augenblick erscheint der König selber in der Tür. Die Böhmen erkennend, sagt er rasch: dem Ministerium für Schulwesen und Volkskultur. Wir hielten eine Schulbehörde überhauv: für die berufene Zensurstelle. Mindesten» die zweite Zensur, sagen wir die.^OualitätSzensur", wo man über die Feststellung eine» gesetzverletzen- den Tatbestandes hinausgebt und die bildnerischen und künstlerischen Werte des Films begutachtet, müßte aber vollständig dem Schulministerium überlassen werden, das zu diesem Zwecke eine Kommission zusammengesetzt aus Fachleuten, Erziehern, Volksbildnern, Künstlern, Wissenschaftlern, zusannnenzustellen hätte. Entschieden zu bekämpfen sst die„Nachzensur", welche durch den Gesetzentwurf eingeführt wird. In 8 21, Abs. 5, heißt es, daß das Bezirksamt die Vorführung eines zugelassenen Films verbieten kann, wenn nach den Ortsver- hältniffen die Befürchtung begründet ist, daß durch diese Vorführung die öffentliche Ruhe gestört werden könnte. Jeder Vertreter des Bezirksamtes ist sogar berechtigt, eine laufende Vorstellung zu unterbrechen und zu verbieten,„wenn er derartig grobe Verletzungen und Bestimmungen dieses Gesetzes oder auf Grund dieses erlassenen Vorschriften feststellt". Durch diesen unhaltbaren Paragraphen wird jede Filmvorführung der Willkür und privaten Meinung eine» Beamten unterworfen. Diese im Sinne der BerwaltungSreform von 1927 gedachte Bürokratenwillkür muß arffs schärfste bekämpft werden. Rach dem Gesetzentwürfe des Jnnenministe riums ist die kinematographische Konzession eine „persönlich: Berechtigung" und in der Regel an eine feste Betriebsstätte gebunden. Durch die „persönliche Berechtigung" werden aber die Lizenzen, auf welche unsere Gemeindekinos spielen, nicht gefährdet, da die Konzession auch an juristische Personen(„Gemeindckörperschaiten") erteilt werden kann(8 2, Abs. 1). In dem Gesetzentwurf ist sogar die Möglichkeit offen gelassen» wonach in zwingenden Fällen die Konzession verpachtet werden kann, was in den Lizenzurkunden auf Grund der Verordnung vom Jahre 1912 streng verboten war, welches Verbat aber fast nie beachtet wurde. Dieser Zustand— wonach e» also Kinobesitzer ohne Lizenz oder Konzession und Lizenz- oder Konzessionsinhaber ohne Kino geben kann, wird vom Fachverband der privaten Kinobesitzer nicht zu Unrecht bekämpft. Die Unsicherheit seiner Existenz und die Sporteln, die als Sondersteuer den Kinobetrieb schwer belasten, schaffen für den Kinobesitzer eine unerträgliche Lage. Auf deutscher Seite ist es aber doch so, daß die Gemeinden zumeist unter Aufwendung verhältnismäßig enormer Mittel schöne Kinobautrn aufgeführt haben, in deren sie das Kino in eigener Regie führen. Diese öffentlichen Kunssstätten — wenn sie es nicht sind, s» könnten sie ez doch sein!— müssen in einem neuen K?noa«letz unbedingt Schutz finden. Unsere Bildungsstellen verwenden i.en F.im bei ihrer Arbeit gern und fleißig.(S.„Tribüne" Nr. 9:„Bilanz der Bildungsarbeit" v. E. Paul) und die bei eurigen Konsumvereinen und größeren Bildungsstellen vorhandenen Kofferkinos ermöglichen eine Verbreiterung und Vertiefung dieser Tätigkeit. Es ist folglich für unsere weitere Bildungspflege mit dem Mittel Film von großer Bedeutung, daß uns ein neues Kinogesetz in der begonnenen Arbeit nicht hindert. Es ist aber auch Sache der öffentlichen BezirksbildungSausschüsse. daß sie der nunmehr kommenden Kinogesetzgebung ihr Augenmerk zuwenden und wir werden auch an diesen Stellen unseren Einfluß dahin geltend machen, daß die volksbildnerischen Forderungen an das neue Kinogesetz von geschlossener Front aller Bildungspfleger an d"" Ziesten onoemeldet werden. „Laß Oheim! Die Herren haben sofort Borlaß. Die Ohren klingen mir, ihr kommt sicherlich wegen Hus. Gestern und heute, nicht» andres als Hus! Hus! Immer nur Hus!" „Wahr gesprochen. Majestät! Böhmen vertritt heute nur eine Sache: HuS! Hus! Immer nur Hu»!" Wieder zupft Herr Johann von Schwarzach aufgeregt an feinem KrauSbart. „Ist dein Späher verläßlich» Vogt?" Hans Hagen zuckt rin paarmal ungefüg mtt der Schulter, als ob er die Frage abstoßen wollte. Doch Herr Johanns Blick sticht aus ihn ein wie eine Turnierlanze, da gibt cs nur ein Drauszureiten, kein Ausweichen. „Soviel ein solcher Scheurenpürzler verläßlich sein kann, gewiß. Aber, Druck auf die Warze, Bürgermeister, du kennst dich ja nie bi» zu End auS bei solch schmierigem Gesindel. Ich hab diese Nummer 19 im Verdacht, al» ob st« auf beiden Achseln Wasser trüge. Doch ist daS nur ein Verdacht, also Nebel und keine segelnde Wolke. Geht's gut, so kann ich dem Burschen biS fpätestenS morgen einen vollgewichtigen Beweis an den Hals henken!" „Wieso?" „Ich laß ihn nämlich insgeheim selber über- wachen. Zwei Schrittzähler hab ich ihm auf die Fährte gesetzt. Die schleppt er hinter sich her, wie der Schafbock die Klette." Der Bürgermeister lacht, daß hinter dem schwarzen Vorhang des BarthaarS sein Kopf wie ein nacktes Meerschweinchen wackelt: „Wenn die ehrenfeste Welt wüßte, wieviel Ober- und Untergaunerei not sst, ihre Tugend hübsch brav bei der Stange zu halten!" Auch der Bogt verzieht sein lederne» Jaod- hundgesicht: (Fortsetzung folgt.) Nr. 26. Samstag, 30. Jänner 1932. Jede Genoffin wirbt Fördert die Frauen- Werbeattion! Ministerrat. Delegation für Genf ernannt. Prag, 29. Jänner. Ueber deni heutigen Ministerrat wird folgendes Kommuniquee ausgegeben: nommen. Cette 3 bis Ende März ein neues Mitglied! Eine Abrechnung mit den Neudeler Kommunisten. Kontersei des Abgeordneten Hadet. die Wortführer der Kommunisten mit Handschlag zugesichert hatten, daß sie nicht stören wollen, Deutschlands Reparationszahlungen. Eine offizielle deutsche Gegenrechnung. Berlin, 29. Jänner. Offiziös wird heut Leistungen Deutschlands auf Grund des Friedensvertrages veröffentlicht; eingerechnet sind hiebei vertrages entstanden sind. die unmittelbaren Kosten und Verluste, die Deutschland aus der Durchführung des FriedensFür Mittwoch hatte die Zahlstelle des Inter-[ Solidarität und Einheitsfront der Kommsniften ein Verzeichnis der gesamten wirtschaftlichen Der Außenminister erstattete Bericht über nationalen Metallarbeiter- Verbandes in Neudet empfehlen wir den Arbeitern, besonders in die allgemeine internationale Lage und die eine Vollversammlung der im Eisenwerk beschäf- Karlshütte, zum Studium! aftuellen außenpolitischen Fragen, insbesondere tigten und aussehenden Mitglieder einberufen. im Zusammenhang mit der vom Völkerbund zum 2. Feber nach Genf einberufenen A brüstungs- sich eine Anzahl Kommunisten, die nicht mit das Wort zur Rechtfertigung wegen des VorHierauf verlangte Abg. Hadek das Wort. Schon vor Beginn der Versammlung hatte Da der Vorsitzende zögerte, erklärte Hadek, daß fonferenz; er referierte auch über die vor glieder des Metallarbeiterverbandes, ja nicht wurfes des Abg. Kaufmann verlange, daß er genommenen Untersuchungen in Angelegenheit einmal Eisenwerksarbeiter sind, vor den Berbang beim Zentralbirettor gen für 44.059 Milliarden Reichsmark erfolg, Demnach sind bis 31. August 1924 Leistun= des tschechoslowakischen Legationssekretärs Karl Banet sowie über die diplomatischen Interven- dem Versammlungslokal eingefunden und wen- Doderer denunziert habe. von denen die Reparationskommission aber nur tionen, die von der tschechoslowakischen Regierung dete sich mit dem Ersuchen, an der Versammlung 8.067 Milliarden gutschrieb. Auf Grund des in dieser Angelegenheit bei der Sowjetregierung Genossen Herold. Trotz den üblen Erfahrungen Angriffe weglassen werde teilnehmen zu dürfen, an den B.- A.- Obmann Hadek erklärte nun, daß er alle kleinlichen Dawesplanes wurden später 7.993 Milliarden, unternommen wurden. Die Verhandlungen sind und sprach über auf Grund des Youngplanes 3.103 Milliarden noch nicht abgeschlossen. Ein weiterer hat Genosse Herold, nachdem Rationalisierung, und dann? Dann sprach er ne- geleistet. Bericht wird der Regierung und dem Parlament gen die Führer, die der Arbeiterschaft immer Für inneve Besagungskosten, die Kosten der erstattet werden. Das Vorgehen des AußenRube empfehlen, damit jene hinter dem Ofen interallierten Kommissionen, die militärische und ministeriums wurde genehmigt. Hierauf wurde jizen bleiben können; daß die Sozialdemo- industrielle Abrüstung, Flüchtlingsfürsorge usw. der ganze Bericht des Außenministers vom fraten in die Regierung gegangen sind, um den errechnet die deutsche Darstellung weitere 14,518 Ministerrate zustimmend zur Kenntnis ge- seine Zustimmung gegeben, und es fanden sich Sapitalismus zu retten, daß die Arbei- Milliarden, so daß als Kosten des Friedensveretwa 60 bis 70 Kommunisten, unter Führung ter ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen, sich trages insgesamt 67,673 Milliarden Reichsmark Es wurde die Delegation ernannt, welche des kommunistischen Abgeordneten Ha de k, in der von den Führern loslösen und mit den Somerstellt werden. unter Führung der Minister für Aeuße Versammlung ein. munisten die Einheitsfront bilden In der Aufstellung jei nicht enthalten die res und für nationale Verteidigung Angabe des wirtschaftlichen Wertes der abgezur Abrüstungskonferenz nach Genf entfandi über belehren lassen, was kommunistische ZusaGenoffe Herold mußte sich sehr bald dar- mögen. Unter dem wütenden Geheul der Kommuni- tretenen Gebiete und der Kolonien. Ferner jeien wird, und es wurden die Richtlinien für das gen und Handschlag wert sind. Obwohl er die sten begann nun Genosse Kaufmann seine Ab- alle aus der willkürlichen Zerreißung DeutschVorgehen der tschechoslowakischen Delegation Versammlung als Mitgliederversammlung des rechnung mit den Kommunisien:„ Mit Dumm- land und geilen bertragungen der zwangsweisen der deutschen Vermögenssubstanz erwachsenen eröffnete, über die Anforderung von Verkehrsmitteln für zur Geschäftsordnung und weiter, daß Abg. fammelten die Frage richten, ob sie nach den Aus Berluste nicht aufgeführt. Auch alle mittelbaren Genehmigt wurde der Regierungsentwurt fort ein halbes Duyend Kommunisten das Wort Polemisieren, doch riöchte ich an alle Ver- unabschätzbaren indirekten Schäden und militärische Zwede in Friedenszeiten und foladek die gleiche Redezeit als Kontrared führungen des Herrn Hadek nun wissen, was die Leistungen, z. B. die Zinsen und Nußungen. die gende Verordnungsentwürfe: Ueber die Regelung den Empfängern aus den deutschen Leistungen des Zolles auf Tonerde für einige Produktionsdes Zolles auf Tonerde für einige Produktions- ner erhalte wie der als Referent erschienene Arbeiter machen sollen?" Keiner der Kommu- erwachsen sind, seien unberücksichtigt geblieben. zweige, weiter über die Abänderungen und Er- Verbandsobmann Genosse Abg. Kaufmann. Den nisten konnte eine Antwort geben, was mit einem Endlich sei die Belastung des deutschen Kredites zweige, weiter über die Abänderungen und Er- wiederholten Hinweisen auf die Art der Ver- Gelächter der Eisenwerksarbeiter quittiert wurde. durch den Kapitalwert der Young- Anleihe und gänzungen der Durchführungsverordnung zum Bunzierungsgesetz und schließlich über die Zu- sammlung und Tagesordnung antworteten die Genosse Kaufmann sprach dann über die Be- die Belastung aus dem Hoover- Jahr nicht ansammensetzung und den Verkauf des Franz- Kommunisten mit einem wüsten Geschrei. branntweines in der Slowakei und in Karpatho- Genosse Kaufmann erklärte demgegen rußland. über: Diese Versammlung ist eine Versammlung unseres Verbandes, die wir uns von niemandem stören lassen; die Zeit ist vorbei, da wir aus Schamgefühl vor den bürgerlichen Gegnern die Gegensäße zwischen der Arbeiterschaft aufzuzeigen, alles über uns ergehen ließen. Stoßt ihr nach uns, werden wir zurückbauen! genehmigt. Genehmigt wurde das von der Landesvertretung beschlossene Budget des Landes Mähren Schleifen für das Jahr 1932. Ferner wurde die Alenderung der Statuten des pomologischen Landesinstitutes in Prag genehmigt. Arbeitsamtes. waffnung der Arbeiter und erinnerte die Kommunisten an Duy und Freiwaldau. In folchen Augenblicken gehört der Vertrauensmann. so wie es die sozialdemokratischen Vertrauensmänner zur kritischen Zeit in Graslitz, Rothau und Neudet gemacht haben, zwischen die Gendar men und die Arbeiter und nicht hinter die Gendarmen, wie es Herr Hadek nach seiner eigenen Angabe im Parlagegeben. Die Wiener Hochschultrawaite. Protest der sozialistischen Studenten. Wien, 29. Jänner. Der Verband sozialistischer Studenten hat nach den gestrigen Ereignissen an der Wiener Universität eine Stund gebung erlassen, in der es heißt: Die blutigen Strawalle der vergangenen Jahre sind von den akademischen Behörden gefördert und gebilligt ment in Freiwaldau gemacht hat. worden. Wenn auch der jetzige Rektor Marejch Wenn der Vertrauensmann der Arbeiter sich augenblicklich gegen die Feigheit der Natio erkennt, daß das, was die Masse will, zum Ver- nalsozialisten stellt, so nimmt die sozialistische berben für die Arbeiter ausfallen muß, muß er Studentenschaft dazu eine abwartende Stellung sich, wenn notwendig, gegen die gesamte Arbei- ein. Die sozialistische Studentenschaft wird bei terschaft stellen und mit ihr um das Richtige rin- Eröffnung der Universität öffentlich gegen alle gen. Der Vertrauensmann, der dies nicht tut Urheber der gestrigen schändlichen Schlägerei und den Leuten zu willen redet, um sich bei den demonstrieren. Sie fordert die endgültige AufArbeitern in Gunst zu sehen, ist ein Schurke, der hebung der Organisation der Deutschen Studen der Funktion und des Titels Vertrauensmann" tenschaft und die Aufhebung der Hochschulautonomie, die heute nicht mehr die nicht würdig ist. Lehr- und Lernfreiheit, sondern die Prügelfchen Sturmabteilungen garantiert. freiheit der nationalsozialistiDie Polizei will einschreiten? Genehmigt wurde der Entwurf der tscheche slowakischen Antwort auf den gemäß dem Be- Genosse Herold berichtete dann über die ichluß der Internationalen Arbeitskonferenz hin- Verhandlungen bei der Zentraldirektion und über sichtlich der Altersgrenze der Kinder für ihre die Lage, in der sich die Werke des Unternehmens Zulassung zu nichtindustriellen Berufen heraus- befinden, Als er auch die Forderung des B.-A. gegebenen Fragebogen des Internationalen erwähnte, das Neudeker Wert voll gehen zu lafsen und das neue Werk in Karlshütte dafür Schließlich wurde der von den Wirtschafts- einzustellen, riefen die Kommunist en ministern erstattete Bericht über dringende Bravo und flatschten Beifall. Angelegenheiten wirtschaftlichen Charakters behandelt. Genoffe Kaufmann verwies darauf, daß der Verbandsvorstand auf dem Standpunkt stehe, Das Bankengesetz beschäftigte auch heute Das Bankengesetz beschäftigte auch heute daß gegenwärtig an einen Kampf in der Form noch fast den ganzen Tag das eingesetzte Banken- der Arbeitseinstellung zur Erlangung der vollen fomitee; wie man hört, sollen die Verhandlun- wäre gerade das, was sich die Werke wünschen, Verhandlun- Betriebsaufnahme nicht zu denken sei, denn das gen gute Fortschritte machen. eHute fand auch eine Sigung der Woh- weil sie dann die vollständige Betriebsnungskommission der koalierten Parteien statt; einstellung damit begründen fönnten. Die das in Aussicht genommene offizielle Kommu- Forderung nach Stillegung der Karlshütte zu- nen Besuch beim Zentraldirektor Doderer kein Wie die Neue Freie Presse" erfährt, ist die niquee wurde bisher der Presse noch nicht zu- gunsten von Neudek ist unbillig. Wenn auch die Wort gesagt hat. Ich stelle fest, daß ich meinen Wiener Polizei nicht mehr gesonnen, weiterhin gestellt. Karlshütte ein neues Werk ist. haben die Arbe: Vorwurf, daß Hadek den Verband bei der Zusammenstößen innerhalb der Wiener Univerter bei der Werke Anspruch auf Arbeit. Wenn Zentraldirektion denunziert hat, aufrecht- fität untätig zuzusehen. Sie war bereits früher Friedmann * Ich stelle fest, daß Herr Hadek, obwohl er zu Zum Schluß erklärte Genosse Kaufmann: einer Rechtfertigung das Wort ergriff, über seiholt sich neue Instruktionen. unseren von Rothau hinversetzten Leuten gehan- erhalte. Hierauf schloß der Vorsitzende die in der Hochschule erschienen und wird nun bei Budapest, 29. Jänner.( MTJ.) Der Führer delt haben, so stehen ir auf dem Standpunkt, Versammlung. Donnerstag ereigneten, ganz besonders aber, der tschechoslowakischen Handelsdelegation Dr. daß wir bei der Interessenvertretung unserer Den Kominunisten und Herrn Hadek, die wenn der Tatbestand eines Verbrechens vorliegt Friedmann ist zur Einholung neuer Instrut Rothauer Kollegen in der Karlshütte auch die dann neuerdings mit Geschimpf und Geheul ein- oder zu befürchten ist, auf keine Art von Proteſten tionen heute abends nach Brag abgereist. Er wird Interessen der anderen Kollegen wahrnehmen. und auch auf fein Gewohnheitsrecht mehr Rüdsetzten, wurde mit auf den Weg gegeben, daß sie sicht nehmen, sondern auch auf akademischem Anfang nächster Woche wieder nach Budapest zu- Es ist bezeichnend, daß die Neudeker Komrückkehren. Die Sachverständigen der tschechoslo- munisten jest Stillegung der Karlshüte und da- die Hände von unseren erzgebirgischen Eisen- Boden amtshandeln. wakischen Delegation bleiben auch weiterhin in mit Arbeitslosmachung jener Arbeiter verlangen, werksarbeitern lassen mögen, wenn sie nicht einBudapest. die durch Jahre ihre Anhänger waren. D'efe mal ein paar Derbe auf die Finger haben wollen. Uebergangstabinett Buresch. Ohne Großdeutsche. Im Frühjahr soll Seipel kommen. Ein schlagendes Beispiel der Mechanisierung als Krisenfaltor. Das Märkische Elektrizitätswerk, das int Besitz von Staats- und Kommunalbehörden ist, eröffnete vor nicht langer Zeit in Hennigsdorf das größte Dieselkraftwerk Europs. Betritt man das Wert, so überrascht einen die Leere, denn es ist kaum irgendein Mensch zu entdecken. Tatsäch lich wird dieses große Kraftverk, in dem zwei Dieselmotoren von zusammen 22.000 Pferdefräften arbeiten, die mit je zwei Schwungradgeneratoren von je 11.000 Kilowatt Leistung gefuppelt sind, von nur vier Leuten beDeutsche Treue. Zu dem in unserer Donnerstagfolge unter diesem Titel erschienenen Artikel schreibt uns Herr Karl Ansorge:„ Sie veröffentlichten in Ihrer Folge vom 28. Jänner einen Bericht über den Prozeß, den Dr. Prunar in Angelegenheit des Marienbader ,, Gemeindeblattes" gegen den ehemaligen Drucker und gegen den seinerzeitigen verantwortlichen Schriftleiter Wien, 29. Jänner. Zwischen den Christ- dem tritt in das Kabinett der Industrielle Has dieses Blattes angestrengt hat. Nach Ihrer Dar- lichsozialen und dem Landbund ist eine prin- la cher, Mitglied des Landbundes, ein. Das Kabinett ist provisorisch und soll stellung würde sich die Frage ergeben, warum zipielle Einigung über die Bildung eines Min- in den Frühjahrsmonaten durch eine Seipeldenn gerade Dr. Brunar, nicht aber Abg. Hor- derheitskabinetts Buresch auf der Regierung abgelöst werden. pynka oder ich Klage erhoben haben. Der Vor- Basis erfolgt, daß zwei Landbündler in das Die Mission Buresch schien am Vormittag wurf, bei irgendeinem Blatte mitgearbeitet zu haben, fann, juridisch betrachtet, an sich natürlich Kabinett eintreten, darunter wieder Minister bereits gescheitert, da griff in den Mittagsstunden dient. Nirgends in der Technik ist die MechaBundespräsident Miklas selbst in die Verhand- nisierung so weit gediehen. wie gerade in der keine Ehrenbeleidigung darstellen; da ich aber Winkler. lungen ein. Er berief den designierten Bundes- Elektrizitätswirtschaft. Der Anteil der Löhne am weder an Sißungen des parlamentarischen Klubs Im Kabinett Buresch Nr. 2 sind fast alle kanzler Dr. Buresch und den Innenmnister erzeugten Produkt ist hier außerordentlich niedrig. noch des Vorstandes der Deutschen Nationalpartei Minister des ersten Bureschkabinetts, es fehlen Winkler zu sich, und es gelang ihm nach voraus- Sicherlich wird aus dem Mißverhältnis zwischen teilgenommen habe, kann ich auch keinen Ver- nur Dr. Schober und Dr. Schürff. Das gegangenen Beratungen mit den Parteiführern, den zur Erzeugung von Gütern usw. nötigen trauensbruch, betreffend die Beratungen in dieser Vizekanzleramt übernahm Innenminister Win- das Kabinett Buresch Nr. 2 zu retten. Um 3 Menschen und der in Anbetracht der großen Körperschaft, begangen haben. Der Vorwurf eines ler, das Außenministerium Bundeskanzler Dr. Uhr nachmittags legte es den Eid ab und um Mengen der erzeugten Güter notwendigen Verfolchen Vertrauensbruches mußte aber den gewe- Buresch und das Justizministerium der christ- 5 Uhr fand die erste Kabinetts- Sigung statt, braucherwirtschaft die Umwandlung des heutigen fenen Parteivorsitzenden Dr. Brunar besonders lichsoziale Abgeordnete Sch uschnigg. Außer- wobei die Programmerklärung vorbereitet wurde. Wirtschaftssystems hervorgehen. Man kann die start berühren und deshalb hat er lage geführt. Abg. Horpynto wiederum wurde vom Parteivorfizenden Dr. Schöppe selbst, wenn ich mich recht China rüstet zum Widerstand. erinnere, wegen eingetretener Verjährung von der Klage abgeraten." Der Weltverband der Völkerbundgesellschaf Nanking, 29. Jänner.( Reuter.) China für die Produktion überflüssig werdenden Menschen nicht einfach vernichten, wie stan brasiliaWeitere Verstärkungen unterwegs. nischen Kaffee vernichtet, insbesondere dann nicht, wenn alles zu ihrem Unterhalt Notwendige in Tokio, 29. Jänner.( Reuter.) Ein Geschwa- größtem Ausmaß erzeugt werden kann. Das ist ten hält am 30. Tänner und den folgenden Ta- will jetzt gegen das japanische Vorgehen Wider- der, bestehend aus drei Kreuzern, zwei Flugzeug- die eindringliche Lehre, die man beim Durchten hält am 30. Jänner und den folgenden Tastand leisten. Die Reserven der 19. kantonest chen fehl erhalten, zur Abfahrt nach Schanghai fich fierten Betriebes empfängt. Solche Fortschritte mutterschiffen und vier Zerstörern, hat den Beschreiten eines solchen, auf das höchste mechanigen in Genf eine Versammlung ab, die den Auf- Armee, die gegenwärtig im Gebiete von Nanting bereit zu halten. Ein Kreuzer und vier Zer- der Mechanisierung beweisen eindringlicher als takt zu der Abrüstungskonferenz des Völkerbundes teen, und die dritte Division der Nationalgarde störer find heute früh bereits von Safebo nach wie alle anderen kapitalistischen Berechnungen bilden soll. Die Deutsche Völkerbundliga in See gegangen. An Bord der die Notwendigkeit der Einführung der mird bei der Tagung durch ihren Bräsidenten find mobil cemesht und verladen worden, um Schanchai nach Schanghai abzugehen. Senator Dr. Wilhelm Medinger vertreten. Schiffe befinden sich Landungskommandos. 40 Stundenwoche. Sitte 4 Samstag, 30. Jänner 1932. Ar. 26. Die ArbeitslMkeit in der TeMindnftne der Tschechoffowalei in den Fahren 1921—1931. T agesneuigkeiten Heil Metznerr Im Reichenberger Stadttheater rief man gestern stürmisch:„HeitMetzner." Nicht dein großen Bildhauer und nicht Karl Metzner, dem unermüdlichen, opferbereiten Schulmann in Leitmeritz, der es sich in den Kopf gesetzt hat, eine Mittelschule zu schaffen, die die jungen Menschen ohne Terror und Nervenerschütterung erzieht- sondern ganz im Gegenteil, Adolf Me-feiter, dein.Führer der nationalsozialistischen Studentenschaft in Prag.- Und dies nicht etwa darum, weil er ein Monument geschaffen oder einen neuen Schultypus -erfunden hätte, sondern einfach^darum, weil er während des dritten Aktes laut ausrief:„Schweinerei!" Man gah den„Arzt am Scheidewege" von Bernhard Shaw und es spielte Moissi mit. Adolf hatte- cs also beträchtlich leichter als die beiden anderen. Nun ist meiner Meinung nach allerdings mit Moisir nicht viel los. Ich will mich mit niemand in Erörterungen entlassen. Mir ist er der Mann der Mätzchen. Also etwa: der Göbbels der dramatischen Kunst. Aber nicht darum wurde er angeblasen, sondern weil sein Name Moissin an Möyses erinnert, und man daraus auf seine Fremoblütigkeit höchst bedenkliche Schlüsse ziehen kann.• Mir würde die Klangverwandschaft der beiden Worte zmso bedeutungsvollen Schlüssen nicht genügen. Ich würde nie von Metzner aufMetzeles schließen>— aber der Reichenberger völkischen Jugend genügte das vollständig zu einem wüsten Krawall im Tempel der Musen. Also: Adolf Metzner schrie in den vollen Saal: Schweinerei!" und die Gefolgschaft schrie: „Heil Metzner!" Ich wäre für die umgekehrte Zeitfolge: „Heil Metzner?"—„Schweinerei!" Mit„Heil Metzner" ließe ich meine Ge- dankcngänge nur dann schließen, wenn ich mich Karl Metzners erinnerte, der durch seine Schulreform gesunde, vernünftige, sachliche, duldsame Menschen heränbildcn will, die sich vorteilhaft untersichcden von den dummen, plumpen, gewalttätigen Rüpeln, welche heutigentags die Mittelschule der Hochschule weitergibt. ' Alfa. Mordversuch und Selbstmord in Gablonz. Reichenberg» 29..Jänner. Im Hause Malergasse 9 in Gablonz wurde heute ein Mordversuch und ein Selbstmord verübt. Vor acht Wochen zogen in ein Zimmer dieses Hauses die vierundzwanzigjährige Irma Havranek, Hilfsarbei- terin bei der Firma Jakoby, und der dreiundzwanzigjährige Felix Schweitzer, ein jetzt beschäftigungsloser Hilfsarbeiter. Die beiden wollten in vier Wochen heiraten. In den letzten Tagen kam es zwischen ihnen zu heftigen Auseinandersetzungen. Gestern mußte die Havranek Polizei zur Hilfe rufen. Sie erklärte den Schweitzer nun nicht zu heiraten. Die Nacht von gestern auf heute brachte sie in der Wohnung ihrer Eltern zu. Um halb 12 Uhr vormittag horte man im Zimmer der Beiden heftiges Streiten. Eine Nachbarin rief der Havranek durch die verschlossene Tür zu, sie möge in ihre Wohnung kommen, Schweitzer folgte der Havranek mit einem Revolver in der Hand und bedrohte auch die Nachbarin. Diese eilte aus ihrer Wohnung, kurz darauf fielen zwei Schüsse, man fand die Havranek mit einem Schuß in der rechten Schläfe auf dein Boden kauernd und Schweitzer lag tot im Zimmer., Tie schwerverletzte. Havranek wurde in das Bezirkskrankenhaus überführt.- Man hofft, sic am Leben erhalten zu können. Die Beweggründe der Tat dürften Eifersucht sein. Die Skoda-Gelder für Hiller. Ter französische sozialistische Abgeordnete Paul Faure sprach in Dresden in einer öffentlichen Versammlung. Er erzählte unter anderm: Das Pariser„Journal" hatte unter den Geldgebern der deutschen Nazis auch die tschechischen Skoda-Werke, genannt, deren Aktienmehrheit dem französischen Munitionsfabrikanten Schneider-Creuzot gehört. Auf eine Anfrage in der Oeffentlichkeit hat nun Faure den Bestich eines Direktors von Schneider bekommen, der erklärt habe, nicht die Skoda-Werke selbst, sondern die deutschen' D i r e k.t o r e n der Skoda-Werke seien als Geldgeber des' deutschen F a sc i s m u s bekannt. Faure fügte hinzu, wenn Schneiders Angestellte deutschen Kriegshetzern Geld gäben, sp wüßten sic genau, daß ihr Chef nichts dagegen habe. Prozeß gegen Katzenellenbogen. Das ganze Generaldirektorium auf der Anklagebank. Berlin, 29. Jänner. Unter starkem Andrang von Schaulustigen begann heute in Moabit der Prozeß gegen die Schultheiß-Direktoren Ludwig K a tz c n e l l e n b o g e n, Erich Penzlin, Dr. Walter Sobernheim, Ernst Kulmay und Rudolf Funke vor der Großen Strafkammer. Der. Prozeß ist kriminalgcschjchtlich ein Novum, denn es ist noch nie dagewesen, daß das gesamte Generaldirektorium eines großen wirtschaftlichen Konzerns unter Anklage gestellt worden ist.- Die Anklage lautet gegen sämtliche Angeklagten auf Bllanzverschleierung, ferner gegen Katzenellenbogen und Penzlin auf Prospektbetrug und schließlich gegen Katzenellenbogen allein auf handelsrechtliche Untreue. „M 2" aufgegeben. London, 29. Jänner.(Reuter.) Die Admiralität erklärte, cs bestehe jetzt keine Hoffnung mehr, die in dem gesunkenen Unterseeboot„Ll 2" eingeschloffene Mannschaft lebend zu bergen. Tödlicher Anfall In Gablonz. Auf dem Gablonzer Hauptbahnhofe ereignete sich am 28. Jänner abends beim Verschieben ein schwerer Unfall. Der Verschieber, Rudolf Heß geriet unter den letzten Zug, der uin halb zehn Uhr aus Tannwald in Gablonz eintraf. Die Räder gingen ihm über den Unterleib. Ter Schwerverletzte starb auf dem Wege ins Krankenhaus. Balas englische Fabrik. London, 29. Jänner.(Reuter.) Es wird gemeldet, daß der tschechoslowakische Großindustrielle B a k a defiitiv den Ankauf von 600 Acres Boden in T i l b u r y abgeschloffen hat, wo er umfangreiche Schuhfabriken errichten wird. Mit dem Ban derselben wird Ende März begonnen werden.'' Die blutige Grenze. Bukarest, L9 Jänner. In der Nacht auf heute überraschtedie Grenzwache unweit der Stadt Tighina vier Individuen, die den Fluß Dnjester zu durchschwimmen versuchten, um nach Sowjetrußland zu gelangen. Nach dem vorschriftsmäßigen Anruf ergaben sich drei Männer, während der vierte die Flucht ergreifen wollte. Er wurde auf der Stelle erschossen. Es handelt sich uni sowjetrussische Emissäre(?). Graf-elldorf verhaftet. Berlin, 29. Jänner. Graf Helldorf, gegen den, in der gestrigen Verhandlung des Knr- fürstendamm-Prozeffes Haftbefehl erlassen wurde, ist im Laufe des gestrigen Abends in Nürnberg fcstgenommen worden. Er wurde heute nach Berlin gebracht, sofort in das Untersuchungsgefängnis eingcliefert und um 9 Uhr in den Bcrhandlungssaal geführt. Frauen und Abrüstung. Die zur Abrüstungskonferenz nach Genf gesandte Petition des englischen Zweiges der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit enthält über zwei Millionen Unterschriften. Ellen Snowden hat sie „die Stimme d»r einfachen Leute Englands"(the simple- soll of the country) genannt. In Amerika sind unter der Petition weit über vier Millionen Unterschriften gesammelt worden. Selbst im rüstungsfreundlichen Frankreich hat eine Million Frauen unterschrieben. Prozentual am stärksten ist die Beteiligung in der Schweiz. Tort schätzt man die Unterzeichner der Petition auf ein Drittel der Gcsamtbe- völkerung. Mussolini als Modediktator. Ministerpräsi- dent Mussolini hielt in der Versammlung italienischer Aerzte eine Rede, in der er sie auffor- derte, sich endlich energisch gegen die unvernünftige Schlankheitsmode der Frauen zu stellen. Mussolini erklärte, daß diese Exzesse die Raffe schwächen und auch andere ungünstige wirtschaftliche Folgen zeitigen. Dampferzusammensiotz. Aus Hamburg wird gemeldet: Auf der Unterelbe bei Schulau stießen heute früh das deutsche Motorschiff„Presi- dcnte Gomez" und der norwegische Passagierdampfer„Leda" zusammen. Beide Schiffe wurden schwer beschädigt. Mit Schlepperhilfe kehrte„President«: Gomez" nach Hamburg zurück und ging sofort inS Dock. ,»Lcda" konnte die Reise nach Hamburg mit eigener Kraft fortsetzen. Ein Straßenbahner aus Rache gelyncht. Einem furchtbaren Racheakt ist der Straßenbahnschaffner Ruffo in R o m zum Opfer gefallen. Er hatte einen Fahrgast namens Mazzuchelli gerügt, weil dieser die Füße auf die Sitzplätze aufgestützt hatte. Als dcr Straßcnbahnzug die Endstation erreicht hatte, eilte Mazzuchelli in die nahegelegene Wohnung, ergriff einen derben Stock und eilte niit einer Anzahl seine Familienangehörigen zur Straßenbahn zurück, wo die ganze Sippe über den Schaffner herficl und diesen mit wuchtigen Hieben zu Boden schlug. Ter Schaffner ! wurde sterbend ins Krankenhaus transportiert. I Mazzuchelli und einige seiner Angehörigen, die ! an der Bluttat beteiligt waren, wurden in Haft f genommen. Ein„zahmes Leopard zerfleischt ein Kind. I Ein entsetzlicher Unglücksfall, dein ein zweijähriges Mädchen zum Opfer fiel, ereignete sich in dcr Wohnung des Kunstmalers von Othegraven in ! Berlin-Wilmersdorf. Othegraven hielt dort einen völlig gezähmten, ausgewachsenen Leoparden, den er angeblich für Filmvorstellungen abrichten wollte. Als Freitag mittags die in dem gleichen Hause wohnende Frau des Tankstcllcnoesitzers Charys mit ihrem zweijährigen Töchterchen Erika das Zimmer betrat, riß sich der Leopard plötzlich von der Kette, los und stürzte sich auf das Kind. Die Mutter wurde zur Seite geschleudert. Bevor noch der Besitzer des Tieres zu Hilfe eilen konnte, hatte die Bestie dem Kinde derartige Biß- und Kratzwunden beigebracht, daß eS kurzer Zeit später seinen Verletzungen erlag. Aussichten.„Was soll man nur seinen Jungen studieren lassen heute? Schwierige Frage!"—„Tie ganz« Welt ist jetzt ein RarrenbauS.— laß ihn dach Psychiater werben." Hausse. Ein Börscnmann liegt im hohen Fieber. Ei srag: die Krankenschwester, wie hoch die Temperatur gegenwärtig sei.„41 Grad", antwortete di« Vom Rundhink Empfehlenswertes aus Sen Programmen. Samstag: Prag: 11.00 Schallplatten. 15.30 Heitere Lieder. 1825 Deutsche Sendung: Emil Kläger: Aus eigenen Werken.— Brünn: 16.10 Orchesterkonzert. 18.25 Deutsche Sendung: Biolirssonaten.— M8hr.-Lftrau: 15.30 Biblische Lieber. 18.25 Slowakisches Volkslied. — Königsberg: 16.15 Blasmusik. 18.45 Haydns Klaviersonaten.'— Königswusterhouscn: 20.00 Blas- orchesterkonzert.— Leipzig: 19.80 Leichte Musik.— München: 18.30 Volk in Not.— Wie«: 17.00 AuS alten Operetten. 20.00 Sinfonie aus Oesterreich. 22.20 Konzert. Schwester.—„Gut", sagt der Kranke,„bei 42 verkaufen Sie!" Arzt: ,Trinken Sie denn Karlsbader Wasser eine Stunde vor dem Esten?"— ,Ha, Herr Doktor, ich habe es versucht, aber länger als eine Biertel- stnnde halt« ich das Wassertrircken nicht aus." Graukopf. Bon Rhedo. Graukopf fror. Er kauerte dicht am Rande eines fingeren Abgrundes, der in einen ungeheuren Steinhaufen führte. Der Steinhaufen war er« Haus und der finstere Schacht ein Schornstein. Am Rande des Schlotes hatte Graukopf die Nacht verbracht. Die entsetzliche, grauenhafte, endlose Nacht bei 20 Grad Kälte. Der messerscharfe Frost griff ihm unter« die Federn, packte die Haut, zog sie zusammen, löste sie von den Knochen, daß es den Vogel schüttelte wie ein Fieber. Graukopf war ganz nahe an den Rand des Schornsteins geklettert, so nahe, daß er jeden Augenblick hinabfallen konnte. Er wußte, daß die Menschen, die da unten wohnten, die Gabe besaßen, Wärme zu erzeugen, wohlige, kosende Wärme, die aus dem tiefen Schlund herauskam, mild wie Sonne, aber so schwarz und beißend, daß man sie nur mit zusammengepreßtem Schnabel ertragen konnte. Sonst platzten die Lungen. Graukopf hatte sich aufgeblasen, daß er aussah wie ein großer, schwarzer Ball. So Ivar ihm wärmer. Die Menschen, die den Ofen, der zu dem Schlote gehörte, heizten, hatten keine Kohle, daher strömte keine Wärme gegen das Dach und Graukopf sah vergebens sehnsüchtig in die schwarze Tiefe. Das letztemal hatte der Ofen am vorhergehenden Tage gebrannt. Beißender, ätzender Rauch war emporgestiegen und hatte die Ziegel erwärmt und den Schnee vertrieben und Graukopf hatte die Augen geschlossen und den Atem angehalten und war in dem dicken Qualm geräuchert worden wie ein Schinken. Aber die Wärme war ihm unter die Federn gekrochen und hatte seinen armen, starren Körper aufgetaut, sein Blut lebhafter strömen und sein Herz kräftiger schlagen lasten und etwas wie neuer Lebensmut war tn ihm erwacht. Graukopf fror und träumte von der schwarzen Wärme, die nicht kam. Er kroch noch mehr tn sich und blies sich noch mehr auf und sah groß und dick aus; obwohl sein magerer Körper |uf die Hälfte seines normalen Umfanges geschrumpft war. Es war windstill, in der Ferne erhob sich ein machtloser, glühender Ball, vor dem der Nebel kochte, eine Sonne, die erfroren schien, und die Kälte brannte wie Feuer.i In dem Körper des kleinen Vogels wühlte der Hunger. Packte mit unerbittlichen, gierigen Fingern die leeren Därme und zerrte an ihnen, verklumpte sie zu einem Gewirr züngelnder Schlangen. Graukopf zitterte vor Schmerz. Jede Bewegung ließ ihn Frost und Hunger schärfer empfinden. Er hob die Flügel, sic waren steif wie Holz. Mit Mühe schleppte er sich zunt Rande des Daches. Rund herum war iveiße, eisige Wüste. Graukopf versank bis zur Brust in dem Schnee. Mit Mühe drehte er das Köpfchen nach allen Seiten, me matten Augen suchten qualvoll und sahen nichts als die bizarren Formen starrer, weißer Kristalle. Rings um ihn war Tod und Vernichtung. Aber noch etwas anderes sah Graukopf, etwas, das einen frohen Glanz in seine Auge« treten ließ. Tief unter ihm saßen zwei Amseln auf einem Fensterbrett und bewegten die Köpfe emsig hin und her, wie im Takte. Graukovss Augen wurden groß. So sehr packte ihn di« Gier, daß seine Flügel zitterten, als er sich mit letzter Kraft vom Dach stieß. Er flog, nein, er flatterte, nein, er fiel, fiel, die Augen auf das rettende Brot gerichtet. Matt schlugen die Flügel und versagten den gewohnten Dienst. Und langem, taumelnd, schwebte ein schwarzer, kleiner Ball, dicht am Fenster vorbei, in die Tiefe. Tie Amseln flogen erschreckt auf. Tief sank Graukopf in den weichen Schnee. So tief, daß nicht einmal das Köpfchen sichtbar blieb. Die weiße flockige Decke schmiegte sich an de« armen, mageren Körper. Wie eine zarte, weiche Frauenhand faßte ihn der Tod. Graukopf schloß die Augen. Er träumte von dcr Sonne, von Wärme, von Licht. Der Arbeitslose. Bon Robert Oehler. Gran ist wein Morgen. Erwachtsein spricht zu mir von Sorgen und trauert nach dem Traum, der mich geborgen. Die Straße schreit von stete» Schritte«. Bon tausend Interessen. Mitten t» ihnen einsam steht mein Fragen: Wohin soll ich mein Leben tragen? Nr. 26. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Europas fehlerha te Rohlenwirtschaft. In der Kohlenkonferenz des Völkerbundes Samstag, 30. Jänner 1932. PRAGER ZEITUNG. Wer versteht am weni sten? lid bebe barüber, baß der Stribrný die Gelegenheit Oder: einer kleinen Hakenkreuzdemonstration zu einer fleinen antideutschen Heze ergreift; als ob die nationale Hege ein Reservat der deutschen Fascisten wäre. Daß beiden Blättern der erste Preis in der Konfurrenz gebühre, konnte für die Jury keinen Augenblick zweifelhaft sein. einem An die Spize ihrer Kritik" stellt die Deut sche Presse" die Feststellung", für Hodann sei die sexuale Frage nichts als eine Drüsen frage". Und da natürlich die Drüse des einen " Seite 5 Besuchet und beschicket die XXIV. Internationale Prager Frühjahrsmesse vom 13. bis 20. März 1932. Allgemeine Messe Technische Messe. Baumesse. Sondergruppe für sparsame Wirtschaftsführung im Haushalte. Radiomesse. Möfel- und Pianomesse. Pelzmesse. Autobörse. Spielwarenmesse. Musikinstrumente. Messe für Motocyklen und Autozugehör. Internat. Filmausstellung. Die größten in- und ausländischen Firmen als Aussteller. Zahlreiche Auslandsgruppen. Messepalast mit Exportmusterlagern ganzjährig geöffnet. Legitimationskarten zu Kč 25.- bei 33proz. Fahrpreisermäßigung bei allen Auslandsvertretungen der Tschechoslowakischen Republik und beim Messeamt in Prag VII., Veletržní třída 200 erhältlich. Bäderausstellung. XXV. Prager Herbstmesse vom 4. bis 11. September 1932. 1434 Daß die Gonorrhöe( Tripper) für die Frau bei weitem gefährlicher ist, als für den Mann, das ist durchaus nicht, wie die„ Bohemia" glauben machen will, ein Argument gegen Hodann, das erst Herr was folgt aus dieser furchtbaren Tatsache? Daß man Dr. Resek in der Debatte entdecken mußte. Denn die Frauen und Mädchen geistig und materiell ausrüstet, sich gegen Infektionen schützen zu können, damit nicht die Mädchen, nachdem sie sich„ aus Ehr" " It. zu Genf gaben die Vertreter aller Gruppen der Kohlenländer Lageberichte. Ausnahmslos wurde Die Arise der Intelligenz, anerkannt, daß in Europa eine Organisas tion der Kohlenwirtschaft geschaffen werden nämlich jener Intelligenz, die diese Blätter schreibt müsse, um den wirtschaftlichen Verwüstungen und liest und beides in gutem Glauben zu tun Einhalt zu gebieten. Von den Bergarbeiterver- scheint. Geschieht auf dieser Welt irgendetwas, was Schwieriger lag die Entscheidung schon bei der tretern wurde insbesondere auf die sozialen Ver- das Weltbild der Ahnungslosigkeit jener Jugend, Deutschen Presse". Ihr Vertreter wurde schlechterungen hingewiesen, die die Kohlenkrise die sich in geziemender Bescheidenheit, als die beim Vortrag gesehen und ellenlange Zitate bezeu bis jetzt mit sich gebracht hat. Ein Millionenheer deutsche Jugend schlechthin zu bezeichnen pflegt, gen, daß er fleißig notiert hat. Und doch so viel jei im internationalen Bergbau arbeitslos. Bei erschüttern fönnte, dann ist sie furchtbar empört. Aus Stumpfsinn in der Sexuellen Barbarei"! Man steigenden Produktionsziffern seien die Arbeits- ihrem empörten Herzen aber macht sie feine Mör- glaubte schon, der Stumpfsinn sei absichtlich, um die bedingungen ständig verschlechtert worden. Die dergrube, sondern schreit es laut heraus, aus empör- Konkurrenz in Ehren bestehen zu können, weshalb Am Start war auch die Bohemia" erschienen. ten, rauhen Kämpferkehlen: Fort mit der jüdischen die Jury bereits erwog, die Deutsche Presse" wegen Sie ist nicht mehr die jüngste und konnte die scharfe Demokratisierung, Hodann verrecke! Heil Hitler, Verstoßes gegen das fair play zu disqualifizieren. Konkurrenz nicht durchhalten. Sie schied aber nicht Schöne weißeZähne in Ewigkeit Amen! Sie ließ diese Absicht aber wieder fallen, nicht nur freiwillig aus dem Wettbewerb aus, sondern verSie wollten es verhindern, daß Mar Hodann um einem Rekurs der Deutschen Presse" zu ent- suchte sich durch unfaire Kniffe zu halten. Der unter Beseitigung des häßlich gein Prag spreche und weil sie am Verhindern ver- gehen, die mit Recht hätte darauf hinweisen können, Schiedsrichter wies sie jedoch vom Plaze. Im Gehindert wurden, sind sie furchtbar gekränkt und daß das fair play als Rampfregel für die reaktio- wande scheinbarer Objektivität wird bloß befärbten Zahnbelages erhalten Sie lassen durch den„ Tag" und die„ Sudetendeutsche" näre Presse teine Geltung besize, sondern auch des richtet und die Dummheiten werden listig gerade dort durch ständigen Gebrauch der guten einer beschränkten Oeffentlichkeit ihre Empörung halb, weil die Jury zur Ueberzeugung gelangte, daß angebracht, wo man sie nicht vermuten sollte. mitteilen.*) Dem Objekte ihrer Empörung stehen eine derartige Verdrehung kaum einem ausgewach Chlorodont- Zahnpaste sie mit der nur ihnen eigenen Art von Ahnungs- fenen Jesuiten gelänge, geschweige denn mit dem herrlich erfrischenden lefigkeit gegenüber. Daß weder der Berichterstatter stümperhaften Anfänger. So mußte auch ihr mit Pfefferminz- Geschmack. Tube Kč.4.des„ Tag" noch der der„ Sudetendeutschen" dem der Zubilligung des guten Glaubens der große Preis Vortrag des Genossen Hodann beigewohnt haben, zuerkannt werden. steht für jeden fest, der sich ihre Ergüsse zu Gemüt Schuld daran schieben führende Gewerkschafter, geführt hat. Die anwesenden deutschen Eltern mußten mit aber auch bürgerliche Volkswirtschafter mit Entfeßen feststellen, daß sodann 12jährigen Kindern Recht auf die vielfachen Fehlrationali den freien Verkehr unter dem Motto: die Eltern Menschen die Drüse des anderen nichts angeht, furcht vor dem Serus und der Persönlichkeit", wie sierungen. Auf 250-300 Millionen Mark geht das gar nichts an", anempfiehlt erzählt die unterschiebt das fromme Blatt, selbst im Unter- bie Bohemia" mit Prof. Max Loewy annimmt, Kosten schätzte vor einiger Zeit bereits die Sudetendeutsche" ihren bemitleidenswerten Lesern. schieben noch unlogisch, dem Genossen Hodann, er die Birginität erhalten haben, spätestens in der Ehe Frankfurter Zeitung" den übermäßigen Ausodann hat zwar nichts derartiges empfohlen, wie vertrete ein Recht" der Jugend auf Onanie. anstecken. Denn von den Männern verlangt die bau der Kokereien im Ruhrgebiet. In den überhaupt alle diejenigen, die sich von ihm Emp- Ohne jedes Interesse für ihre Drüsen gestehen bürgerliche Moral ja diese Ehrfurcht vor dem anderen Stohlenrevieren liegen die Verhältnisse fehlungen" erhofften, nicht auf ihre Rechnung famen wir den Herren, die, soweit sie ledig sind, in Be- Serus und der Persönlichkeit" nicht. Darüber nachnicht viel besser: Fehlinvestitionen der Borsig- die diesbezüglich Bedürftigen unter den Mitglie- achtung ihrer sonstigen moralischen Anschauungen zudenken, über den himmelschreienden, unmoralischen Werk A.-G. und anderer oberschlesischer Kondern der„ Deutschen Studentenschaft" seien auf Ban sich kaum anders helfen können, dieses Recht ohne Widerspruch der bürgerlichen Sittlichkeit", die vom zerne, in Niederschtefien die große Stidstoffpleite der Velde verwiesen, der für jede Lage und Stellung weiteres zu. Während dem Schreiber der Bohemia" Mädchen Jungfräulichkeit verlangt, dem jungen der Grubenverwaltung des Fürsten Pieß. im Leben beides weiß aber die deutschen Eltern" gerade die„ Berherrlichung der sozialistischen Welt- Manne es aber als allerhand anrechnet, sie ihm Die freien Gewerkschaften und die sozial- mußten es wahrnehmen. Da kann man nichts anschauung" zu tiefst zuwider ist, hält sich der zu rauben, darüber nachzudenken, fällt der„ Bodemokratischen Parteien fämpfen seit Jahrzehn- machen.„ Wenn man das Gesamtergebnis des Vor- der Deutschen Presse" darüber auf, daß Hodann hemia" gar nicht ein. Da wundert sie sich, wenn ten für die Beseitigung der privatkapitalistischen trages betrachtet, so bedeutet es nichts anderes, als mit der Religion jede Weltanschauung abfie und ihre ganze große Gruppe, die keinem dieser Wirtschaftsführung und für eine planmäßige zügellose Freiheit des Geschlechtslebens", radebricht lehne. Daß man fremde Weltanschauungen nicht zwei Lager( Katholizismus und Sozialismus) angefellschaftliche Seontrolle der Wirtschaft, der„ Tag" und weiß wahrscheinlich selbst nicht, was versteht, kommt vor, daß man aber außer der eigenen gehört", nicht gezählt werden. Ihre ganze scheindurch die allein die furchtbaren Mißstände der er mit dem Satz anfangen soll. Getragen von ritter- auf der ganzen Welt keine wahr haben will, dazu bare Objektivität, die nichts ist als eine geschickte privaten Wirtschaft überwunden und ein men- licher Entrüstung, damit der Deutschen Presse", mit gehört schon die ganze, nur Klerikalen eigene Ver- Montierung von Zitaten, Antworten und Inhaltsschenwürdiges Dasein für die breiten Massen der wir uns noch beschäftigen werden, ins Hand- stocktheit, die mit einer Sonderprämie belohnt wer- angabe, ist in Wirklichkeit eine einwandfreie reaktiogeschaffen werden kann. Die Sozialisie wert pfuschend, stottern beide völkische Blätter zwei den soll. Welchen Wert eigentlich die Frommen der näre Stellungnahme. Die Montierung ist geschickt rung des Bergbaues und der Schlüsselindu- fette Zweispalter voll, nach deren Lektüre man die Jungfräulichkeit" beimessen, sagen sie leider auch genug, daß sie für die Konkurrenz als liberales strien gehört zu unseren Grundforderungen. deutschen Studenten, wüßte man es nicht besser, diesesmal nicht. Die Ansicht Hodanns, daß ihr Dumping anzusehen ist, weshalb die„ Bohemia" ja Bezeichnenderweise haben sich nun die christlichen für die keuschesten Geschöpfe der Welt halten müßte. lediglich ein ökonomischer Wert zukomme( beffere auch disqualifiziert wurde, aber noch lange nicht Gewerkschaften Deutschlands unter Führung Da verwechselt der„ Tag" sodann mit Bet- Aussicht auf eine Bartie"!), widersprechen sie sehr geschict genug, um nicht durchschaut werden zu Imbusch dieser Forderung angeschlossen. tauer( soll das vielleicht ein Wint für einen SA- heftig, machen es aber Hodann im gleichen Augen- fönnen. Mordbuben sein? Bettauer, über dessen Untvert als blid zum besonderen Vorwurf, daß sie für ihn Prager Produktenbörse.( Offizieller Be- Dichter wir nicht im Zweifel sind, wurde von einem nicht einmal"( gesperrt von der„ D. P.") ökoricht vom 29. Jänner.) Das Geschäft an der Nazi niedergeschossen( auf die Frage soll der Tag" nomischen Wert hat. Also hat sie diesen ökonomischen Studentendemonftrationen in Prag. heutigen Börje stagnierte vollkommen bei einem antworten!), spricht die Sudetendeutsche" von Wert für sie doch? Durchschnittsfreitagsbesuch. Auch auf dem Getreide- schamlosesten Fragen" etc. Sie erregen sich schließ- Die wenigen Kostproben christlichsozialen„ Geistes" Die tschechischen Mediziner und Techmarkte, wo sich wenigstens einiges Interesse zu genügen für den Nachweis, daß auch die" Deutsche niker hielten gestern Vormittag in Anwesenzeigen pflegt, famt es zu feinerlei Geschäftstätigkeit.*) Daß ihnen mitten in der Empörung das Presse" den Preis mit vollem Recht erhielt. Die heit von Vertretern des Lehrkörpers und der Außer Mangel an Kauflust war auch das Angebot Geständnis entschlüpfte, daß sie demonstrieren wollten Deutsche Presse" wäre aber fein richtiges fleritales tschechischen politischen Parteien start besuchte zurückhaltend, so daß sich der Geschäftsverkehr zwi- und nicht etwa debattieren, wie sie treudeutsch an- Organ, würde sie ihre Stellungnahme" nicht mit Versammlungen ab, in welchen sie die Ausgeschen den einzelnen Parteien bloß auf ein Sondieren gaben(... zu begrüßen, daß die deutschen Stu- einer niederträchtigen Verdächtigung garnieren: staltung der tschechischen Hochschulen, Beschrän und Ueberprüfen der Verhältnisse zwischen den denten Prags in gesunder Initiative..." ,,... sind offenbar die„ Sexualforscher" da, kung des Studiums von Ausländern und AbBreisforderungen und dem Geldangebot beschränkte.. um gegen diese demoralisierenden Ausführun- die dann mit ihren Vorträgen ein schönes Stück stellung der angeblichen Bevorzugung der deutDie Preise hielten sich im allgemeinen auf Diens- gen Stellung zu nehmen, waren ungefähr 300 Mit- Geld verdienen." Wenn die geistlichen schen Hochschulen verlangten. In beiden Vertagsniveau. Dies gilt in erster Reihe für den glieder der Prager deutschen Studentenschaft er- Herren in ihren Ansprüchen an den Staat so be- sammlungen versuchten fascistische Studenten die Getreidemarkt, zugleich aber auch für die anderen schienen..."), daß ihnen also der Einlaß mit Recht scheiden wären, wie es jeder sozialistische Referent Anwesenden auf ihre Seite zu bringen und Warengattungen. Die amtlichen Notierungen er- auch dann verweigert worden wäre, wenn noch Platz den veranstaltenden Genossen gegenüber jedesmal sein Andersdenkende zu terrorisieren. Beide Versammfuhren heute feine Veränderungen, nur amerikani- vorhanden gewesen wäre, was nicht der Fall war; muß, der Staat könnte an der Congrua ein schönes lungen wurden unter verhältnismäßiger Ruhe sches Fett verbilligte sich um 10 K unb notierte der Berichterstatter der" Bohemia" beginnt: Jm Stüd Geld für die unverschuldet Arbeitslosen ein- beendet, auf der Straße kam es jedoch zu Anübervollen Saale..." das nur nebenbei. sparen. sammlungen von Střibrny- Anhängern, welche tehrenden Soldaten spielend leicht Verbrecher wurschärfte Kampf ums Dasein, hat den Menschen Geistig und seelisch kommt sie ihrem Ehegatten, den, die auf Diebstähle, Plünderungen und Raub- Fähigkeit und Lust geraubt, innerliche Vertiefurg zu einem wohlhabenden jüdischen Kaufmann niemals züge ausgingen, oft genug auch unter politischer suchen, und abgehetzt, wie sie dieses Leben machte, nahe, auch die Geburt Felicitas vermag den GegenFlagge. Das Buch gibt eine packende Darstellung der strömen sie hither in die Kins um billige zerstreu- sah zwischen den Eheleuten, bedingt durch die grund., Sittengeschichte der Inflation." Zusammenstöße und Kämpfe jener unruhevollen eng, Ablenkung, süße Traumgebilde zu suchen. Be verschiedene Abstammung und Erziehung, nicht zu Wirtschaftskatastrophe, Wirtschaftskrieg aller Tage und geht dann zur Schilderung des wilden rissene Spekulanten, die Zuckor und Zelnik, die Cohn überbrücken. Hungrig nach dem erträumten und gegen alle, Erschütterung der Staatsfinanzen, Un- Streisens des wirtschaftlichen Karussells, des tollen und Abraham, die Laemmles und Atkinsons, meist unerfüllten Lebensglück glaubt die Frau dieses Glück sicherheit der Währungen der tolle Herenfabbath, Taumels der Inflationszeit über, in den die Men Beute, deren Wiege nicht in der neuen Welt gestan- in der Person eines, wie sich herausstellt, höchst in den die europäische Menschheit hineingerissen ist, schen hineingerissen wurden. Von Tag zu Tag fant den, sondern irgendwo in einem fleinen ungarischen zweifelhaften Kavaliers gefunden zu haben und nun, macht die Vision der furchtbaren Leidenszeit des der Wert des Geldes, oft stürzte es in schier unvor oder galizischen Landstädtchen, hatten rechtzeitig den da die Auflösung der Ehe bevorsteht, beginnt, wie es deutschen Volkes, die Jahre der Inflation, zu einer stellbare Tiefen und namenlose Not der Massen war Riecher" für dieses Zeitbedürfnis und lieferten aus so oft der Fall ist, der Kampf um das Kind. Wie aktuellen und drohenden Erscheinung. Aktuell schon die Folge, denn die sich wild überstürzende Preisent- ihren Filmfabriken die Träume, nach denen das Pu- nun dieses in den häßlichen Streit hineingezogen deshalb und auch für uns, weil sich sogar hier ver- wicklung ließ den Wert des Geldes unter den Händen blikum begehrte. Ehrenburg hat eine hervorragende wird, wie es darunter namenlos leidet, bis es sich einzelte Stimmen fanden, die in kaum mehr miß- zusammenschmelzen. Neben den vielen Verlufttragen- Sachkenntnis und aus dieser heraus schildert er mit endlich entschließt, sich selber aus dem Wege zu zuberstehender Weise den Ruf nach einer Währungs- den gab es auch Gewinner der Inflation; Schieber äbender Satire, was aus dem Film unter der Ein räumen, das wird niemand ohne tiefe Bewegung senkung erhoben haben, ohne sich offenbar darüber und Wucherer hatten reiche Ernten und Hundert wirkung der herrschenden kapitalistischen Mächte urd lesen und, auch wenn er den Schluß nicht völlig Skrupel zu machen, welche ungeheuerlichen Folgen tausende wurden von der Spielwut ergriffen, so daß des Profitbedürfnisses der Filmproduzenten geworden glaubhaft finden sollte, doch heilfroh sein, wenn er ein dann leicht unaufhaltsam werdendes Hinab- die Börse Hochsaison hatte. Deutschland war für die ist, wie er süße Träume von einem nicht existieren- schließlich erfährt, daß es beim Versuch geblieben ist rutschen auf der schiefen Ebene für die überwiegende Ausländer, die das Land überschwemmten, ein Pa- den Leben erzeugt, die Wahrheit und Wirklichkeit ver- und dieses erschreckende Ereignis dazu beiträgt, die Mehrheit der Bevölkerung haben müßte. Darum ist radies der Billigkeit, in den vornehmen Hotels floß fälscht, Nationalismus und Kriegsstimmung fabriks- Ehe wieder herzustellen. Das Buch dürfte geeignet es verdienstvoll, daß sich Hans Ostwald der der Seft in Strömen. Der Umwertung aller Werte mäßig erzeugt. Es ist gerade die große Weltbedeu- sein, so manchen Ehegatten die Gefühls- und GeArbeit unterzogen hat, das höllische Bild der Infla- im Wirtschaftlichen entsprach die Umwertung der tung, die der Film erlangt hat, die die weiteste Ver- dankenwelt des Kindes zu erschließen. tionszeit in Deutschland in einem soeben im Ver- Sitte und Moral. Genußsucht, Vergnügungstaumel, breitung des Buches wünschenswert erscheinen läßt, ,, Ernte", Roman von Jean Giono. S. Fischerlage Neufeld u. Senius, Berlin, erschienenen Nadttänze und eine Scheidungsepidemie charakteri das die Gefahren, die vom Film ausgehen, Verlag, Berlin. Der Autor wird vom Verlag als Buche„ Sittengeschichte der Inflation. fieren diesen Zeitabschnitt. Das Buch ist ein Kultur- schonungslos aufdeckt. Träger eines französischen, eines amerikanischen und Ein Kulturdokument aus den Jahren des Mart- dokument, aber auch eine Mahnung und Warnung.„ Kleine Freundin". Roman einer Zwölfjährigen. eines englischen Literaturpreises vorgestellt und hat Sturzes"( mit mehr als 130 Bildern, Preis Mr 4.80) Von Ernst Lothar. Paul Zsolnay- Verlag, Wien man das Buch gelesen, ist man überzeugt, daß felten zu entwerfen. Wie schon der Titel besagt, will das Aus liebevoller Beobachtung der Kinderfeele hat berechtigter einem Dichter Literaturpreise zuerkannt Wert nicht eine eigentliche Geschichte der Inflation Die Traumfabrik". Eine Chronik des Films. Ernst Lothar diesen Roman geschöpft, der, obwohl wurden, wie hier. Denn„ Ernte" ist ein prächtiges sein, es ist im wesentlichen eine Sammlung von Von Jlja Ehrenburg. Malit Verlag, Berlin. feine Hauptgestalt ein Kind ist, doch nicht etwa eine Buch, fraftvoll, naturnahe und prächtig in der MenDokumenten in Wort und Bild aus jener Zeit, eine In dem Reigen der heiligsten Güter" der kapitalisti Kindergeschichte ist, sondern in fleinem Ausschnitt schengestaltung. Ein entlegenes Bergdorf im Süden Reportage, aber eine glänzende, und es wird seiner schen Gesellschaft, den Ilja Ehrenburg darzustellen ein Zeitbild genannt werden kann. Inmitten einer wird von seinen Bewohnern verlassen, weil der Bestimmung, ein sittengeschichtliches Gemälde zu sich zur Aufgabe erwählt hat, führt er nun in einem zerrütteten Ehe wächst dieses Kind, Felicitas, heran Boden sie nicht mehr zu ernähren vermag. Uebrig sein, in vollem Maße gerecht. Manche der Erschei- besonderen Buche,„ Die Traumfabrik". Bilder über und wie es unter den im Elternhause herrschenden bleibt nur einer, Bantürl, ein Koloß, der allein in nungen, die Hans Ostwald vor den Blicken des das Werden und Wesen des Filmgeschäftes vor. In Verhältnissen mit zunehmender Einsicht leidet, das dent verfallenen Dorfe haust. Der Zufall führt ihm Lesers erstehen läßt, sind wohl nicht allein auf die feiner Zeit waren die Bedingungen für die Entwick hat der Dichter hauchzart und mit tiefem Verständ- ein Weib in den Weg, das er raubt. Das Glück des Folgen der Inflation zurückzuführen, wie zum Bei- lung des Filmgeschäftes so günstig, wie in der nis für die Kinderfeele wundervoll geschildert. Der Zusammenlebens mit dem jungen Weibe stählt seine spiel die Warennot und die Lebensmittelhamstereien, Kriege- und Nachkriegszeit. Bordem gab es so etwas Autor hat die Geschichte dieses Ehekonflikts in ein Kräfte und es gelingt ihm, dent brachliegenden, sie waren eine Folge der vierjährigen Zerstörungs- wie eit Leben und Wohlbehagen in der Häusukett bürgerliches Haus verlegt, doch ist dies ohne Belang dürren Boden wieder reiche Ernte abzugewinnen. arbeit durch den Krieg, aber sicher ist, daß sie, wie wohl erzeugte der Kapitalismus auch schon damals für die Auffassung, daß was sich hier ereignet, sich Das ist die ganze Fabel, sie ist höchst einfach, doch alle übrigen Erscheinungen dieser Jahre, ins Groteske Kilowatt und Knechtschaft, aber noch fanden die ebenso in jeder anderen Umwelt ähnlich wiederholt das Entscheidende ist, wie sie der Autor gestaltet. und Ungeheuerliche erst durch die Inflation gesteigert Menschen muße. Bücher beim gemütlichen Schein und daß daher dem Roman, welcher Rahmen ihm Urkraft der Erde und der menschlichen Triebe strahlt wurden. Der Autor hat ein reiches Material gesam- der Petroleumlampen zu lesen. Die Unruhe der Bette auch immer gegeben sei, Allgemeingültigkeit zu dieses Buch aus und doch ist es voll Sanftheit und melt, seine Schilderungen sehen am Ende des Krie- berhältnisse die folgte, die durch die Rationaliste kommt, Felicitas Mutter, Sproffin einer armen Bartheit. ges ein, da aus manchen der aus dem Kriege heim- rung des Arbeitsprozesses bewirkte Saft, der ver Adelsfamilie, ist von ihren Eltern verkuppelt worden. 810-820. Bücherschau. -r. -r.. -r. ―r. Seite 6 Samstag, 30. Jänner 1932. Nr. 26. Für Abrüstung und Weltfrieden! Für die sozialistische Gesellschaftsordnung Gemeinsame Abrüftungstundgebung am Sonntag, den 31. Jänner, um halb 10 Uhr vormittags im großen Saal des Volkshauses in der Hybernergasse sich zu einem Demonstrationszuge for- leichtere Verlegungen davon. Die beiden Vermierten. Nach einiger Zeit schritt die Polizei wundeten wurden auf die Klinik des Professors ein und trieb die etwa 250 Mann starke Menge Schloffer gebracht, von wo Vejšovec in häusliche auseinander. Pflege entlassen werden wird. Ein Arbeiter in der Bodoler Fabrik tödlich verunglückt. Mitteilungen aus dem Publikum. Das Rezept des Augenarztes Prag, 29. Jänner. Heute um 8 Uhr stürzten die bei der Maschinenmontage in der Podoler Zementfabrik beschäftigten drei Arbeiter fann nur dann seinen 3wed erfüllen, wenn das Srba, Mleziva und Bejšovec von einem etia zwölf Meter hohen Gerüst. Der Arbeiter Franz Augenglas fachmännisch angepaßt wird. Lassen Sie Srba war sofort tot, der zweite Arbeiter, Georg Jhr Rezept bei Optiker Deutsch, Prag, Graben 2, Mleziva, erlitt einen Bruch der WirbelBalais„ Koruna". ausführen säule, der dritte Jaroslaus Bejšovec, trug Gerichtssaal Der letzte Verhandlungstag„ Bohemia- Bank". Heute Plaidoyers. Urtell am Montag. der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie in Pra Redner: Genosse Dr. Robert Wiener Kunst und Wissen Jedermann. Ensemble- Gastspiel Alexander Moiffi. Centralbank der deutschen Sparkasse in der Cechoslovakischen Republ Hauptanstalt: Prag II., Bredauergasse 14 Zweigniederlassungen: Aussig, Brünn, Eger. Jägerndorf. Reichenberg, C. Teschen, Trautenau. Troppau. Die Bank der deutschen Speranstalten und 1427 Gemeinden. Wenn in der einzigartigen Dom- Umwelt Salzburgs dieses Hofmannsthal'sche Spiel vom Sterben Poesie dieser funstvoll- einfachen Verse in ihrer des reichen Mannes voltsstüdartig anhebt, wenn die altertümelnden und zugleich zart vom österreichischen lich Moissi und ein auserlesenes, peinlichst abgeDialett berührten Tönung erflingen, wenn schließ stimmtes Ensemble durch das, was wirklich Kunst 7 Uhr:„ Kabale und Liebe", Schauspiel von an Mag Reinhardt ist, mit dem dort naturgegebenen Schiller.( 93-1.) Freitag, 8 Uhr: Der TarStil zu einer höheren Einheit verschmelzen dann, ja dann mag Erhebung und Erlebnis aus diesem affe"( 94-11.) Samstag, 7.30 Uhr: Neneinstudiert: Don Giovanni", Oper „ Jedermann" für jedermann erfließen, eben auch Mozart.( 95- III.) Sonntag, 7.30 Uhr: für den, der eine gewisse Distanz zu diesem Myste- Gestern und heute", Schauspiel von Christa rium und dieser Symbolit gar nie ganz überwin- Winsloe.( 96- IV.) Montag, 8 Uh: Ter " 1 Tartuffe".( 97-1.) voit den kann, der hinter diesem sogenannten Welttheater" den var gerechten Ankläger des böjen Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, SamsReichtums, aber einen so unendlich milden Richter wäre, wenn er sich für's Erdenleben läutern ließe, Morgen, Conntag, nachmittags 3 Uher sieht, daß jedermann in Gottergebenheit ein Narr tag, 8 Uhr: Uraufführung: Dittatur der sieht, daß jedermann in Gottergebenheit ein Narr Frauen", Lustspiel von Heller und Schüß. wo doch die himmlische Gnade und Vergebung tot Graue", Schauspiel von Forster.( Ab.) sicher ist. 7.30 Uhr: iftatur der Frauen". Inhalt und Form dieser Dichtung kaum mehr Mittwoch, 8 Uhr: Intimitäten". Komödie Wenn aber in dürftigem Theaterrahmen von tag, 8 Uhr: Diktatur der Frauen" übrig bleibt als der groß und edel tönende Motii, Donnerstag, Abends Mon wenn man diesen Jedermann zwar grandios genina", Komödie von Bruno Frank( Ab.) Don Colvard.( Ab.) 11hr: Prag, 29. Jänner. Der Verhandlungstag feste gerechtfertigt zu verlassen. Der jegige un mit einer stundenlangen Kontroverse der Vergewisse Zustand habe ihm auch schon schweren teidiger mit den Sachverständigen ein, wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Wobei deren Gutachten selbstverständlich von verschiedenen zu temerfen ist, daß das heutige Monatsein Seiten angegriffen wurde. Dr. Záčet zog auch tommen dieses Schwergeprüften nach polizeilicher die gestrigen Prozeßberichte der Zeitungen Auskunft 10.000 K beträgt. Heftig polemisierte er zu einer Polemik heran, weil einige Blätter die auch gegen die sanierten Banten und deren Redewendung des Sachverständigen Kripner: Leiter, die es nur der Staatshilfe zu danken zeichnet, aber vor lauter Routine und Virtuesität Samstag. 8 Uhr: Dittatur der Frauen". Es wäre unbegreiflich, wenn es in haben, wenn sie heute nicht hier auf der Anklage gar nicht mehr innerlich lebendig sieht und wenn bieser Sache teine Schuldigen geben bant jizen und Pensionen von vielen Hundert rings um ihn ein unterdurchschnittliches Ensemble ten".( Ab.) Abents 7.20 Uhr: Professor Sonntag, nachmittags 3 Uhr:„ Intimitä follte", gebracht hatten und der Anwalt der An- tausend einstreichen können. das sinnige Spiel durch schlechtes und äußerliches sicht ist, daß eine solche Aeußerung die Befugnisse Dem folgten die Plaidoyers der sechs Ver- Spiel erniedrigt, dann weiß ich in aller Bescheiden- Bernhard i", Komödie von Schnißler Ab.) eines Sachverständigen überschreite. teidiger, zum Teil rhetorisch recht gut. Jeder heit mit dieser Erneuerung" alter Boltsbeglüdung nahm sich seines Klienten in besonderer Art an, durch christkatholische Sündenvergebung im Jenseits für alle gemeinsam berief sich die Verteidigung schon gar nichts anzufangen. auf die damalige Krisenzeit, deren Opfer die Angeflagten feien. Die Verhandlung dauerte bis Zum Schluß erstattete noch Sachverständiger Jirát, der mit größter Sachfenntnis und Schlag fertigkeit die Fragen der Verteidigung zu parieren wußte, auf Antrag des Staatsanwalts ein detail: lieries Referat über die Firma Lanna, deren abends. Aktienkapital die Bank zum großen Teil erworben Der morgige Tag, wie auch der folgende Sonnhatte und in der sie eine gewichtige stile tag sind der Urteilsberatung gewidmet. Das Reserve" jah. Als Abschluß des Beweisver- Urteil wird Montag um 11 Uhr verkündet werden fahrens mögen zur Abrundung des Bildes noch die Ziffern dieses Geschäftes" angeführt sein. Von den 10 Millionen Aftienfapital diejer Wasserbaufirma blieben 1.25 Millionen in der Verlassenschaft des verstorbenen Firmainhabers und die Bant erstand die Firma für Die Marienbader Geldbriefe. Weitere Zeugen im Sinta- Prozeß. rb. nur 4.8 Millionen, aber mit der Verpflichtung, Eger, 29. Jänner. Heute kamen zwei Zeugen alle Aktiven und Passiven zu übernehmen. zu Wort. Postassistent Schreiter berichtet von Im Zuge der Liquidation wurde die Firma Lanna der großen Erregung der Briefträger, die oft ge mit einem aufgelaufenen Verlust von 20.8 Millionen öffnete und wieder zugeklebte Briefe zum Ausverkauft. tragen befamen und durch die sich ständig mehrenNun brachte die Verteidigung noch, insgesamt ten Reklamationen in eine üble Lage versetzt waren. fünf Beweisanträge ein, die erweilen Er hat wiederholt bemerkt, daß Sinka die Aus sollten, daß nicht die führenden Leute, sondern die lands post sortiert hat, obwohl er nichts mit Zeitverhältnisse an dem Krach schuld seien. Als dieser Agenda zu tun hatte. Ursprünglich habe man 3e uge" dafür wurde Direktor Nessel von der allgemein Revisionsabjichten des Vorgesetzten verAnglo- und Prager Kreditban! ange- mutet, aber niemals seien von seiten Sintas irgend führt, außerdem eine zeitgenössische volkswirtschaft- welche Beanständungen erfolgt. liche Arbeit Dr. Rašins sowie die Motiven Postdirektor Frie sagte aus, es habe fein berichte zu einigen Gefeßen, die das Thema der Grund zu den vom Angeklagten behaupteten RacheSanierung betreffen und das Urteil gegen die gefühlen seiner Untergebenen bestanden. Er jei im Funktionäre der Deutschen Bant" in Rei- Gegenteil persönlich nicht unbeliebt gewesen. Seine chenberg, die unter ähnlichen Umständen ver Lebenshaltung babe seinen Einfünffrachte und deren Verwaltungsräte und ten nicht entsprochen. Taraus habe der Funktionäre im März v. 3. freigespro- Zeuge Verdacht geschöpft. Aus der Partei iDe prachtvolle Sprache Moi[ sis, deren vielleicht unfreiwillige, jedenfalls immer wieder be- Sozialistische Jugend, Prag. Tienstag, den 2. fremdliche Manier durch die wahre fünstlerische, Feber entfällt der Gruppenabend. Mittwoch, den musitatische Qualität wiederum mehr als wett- 3. Feber Monatsversammlung. Gencije gemacht wird, die majestätisch freie Bewegung die- chönfelder: Partei und Jugend." Tas ses großen Darstellers, das Ergreifende an seinem politische Referat hält Genosse Wanka. Ergriffensein der Höhepunkt ereignet sich später, im„ Baferunser", all dies fesselte neuerdings und bannte Blick und Ohr auf die Bühne, bis, nun bis die entscheidende Szene, das Gaftmahl, in fast allen Einzelleistungen außer der Mofis und Renée Gugil's( Buhlschaft) und dadurch Vereinsnadırichten Wir erwarten Sie Allgemeiner Angestellten- Verband. Ortsgruppe Prag. en emblemäßig zum Vericger wurde. Auf einmal nerie Gencfsinnen und Genossen bestimmt heute ichten es, als feien alle vom Kothurn herunter- abends bei unserem Masten- und Kostümgepurzelt. Wenn man nicht Zeit oder sonstwie nicht ball im Heineiaal, Weinberge, Fochova. Möglichkeit hat, für solches wenigstens einigermaßen genügende Studierarbeit zu leisten, dann soll man eben derlei Gastspiele lassen; das gilt für Herrn Moissi und seinen Regisseur Richard Mezi, wie für die Veranstalter dieses Gastspiels, als die man meines Wissens die„ Urania" und die Theaterbireftion ansprechen darf. Der Film Programm der Brager Rich vielbühnen. Unter den Gastierenden waren es die Damen, Wran- Urania( einziges deutsches Tonfilm Kino): neben der oben erwähnten, bildhaft- schönen. Gugit, die den Anforderungen des Spiels gerecht wurden; Die Mutter der Kompagnie." vor allem noch Jenny Werner als ergreifende Alfa: Trader Horn." Adria:„ Sestlich von Borneo." Mutter und Jda Stödering als hoheitsvoll- Beránek:„ Die britte Stompagnie." milder Glaube. Die Herren- Sprecher fönnte man sie beim besten Willen nicht nennen verjagten fast durchwegs. Vor dent Haus, das ausverkauft war, hatte Fénix:„ Die Fledermaus." A. Ondra, J. Petrovich. Flora: Meine Frau, d. Hochstaplerin." St. v. Nagy. Gaumont: Puder und Benzin." " chen wurden. Das Gericht gab teilweise der An- Bemerkenswert ist, daß Briefe, die aus eine Auffahrt stattgefunden, die zeigte, wie sehr wollywood: Die Fledermaus." Ondra, Petrovich. trägen auf Berlefung des angeführten Mate- dem Ausland nach Marienbad geschickt wurden, Jedermann" und Moijft als Ereignis gelten, die Svezda:„ Deftlich von Borneo." rials statt und so war es schon 12 Uhr mit häufig mit der Bemerkung auf dent Kuvert der Moissi begoa: man zwei- einig gesehen haben muß". Ter Beifall Julis:„ Tie Frau, von der man spricht." tags, ehe der Vorsitzende das Beweis ver- lehen waren:„ Stehlen zwedlos. Rein Kapitol: Der bebende Berg." war start, aber bedeutend weniger grandios. Kinema: fabren schließen und Staatsanwalt Doktor Geld inliegend." ,, Aktualitäten und Grotesken." Caslabsfy mit seiner Anklagerede beginnen konnte. Koruna: Die dritte Kompagnie." Kotva: Die spanische Fliege." nennt." 2. G. Er begründete zusammenfassend die Anklage Die Chrudimer Brandstifter verurteilt. folonien findet am 3. März im großen Lucerna Lucerna:„ Die spanische Fliege." Das Jubiläumsfestkonzert der deutschen Ferienund beantragte zum Schluß seines halbstündigen Plaidoyers die Bestrafung sämtlicher Angeklagten Chrudim, 29. Jänner. Nach zehntägiger Ver- faale statt. In Würdigung der humanitären Be- Metro: Ronny." Willy Fritsch, Käthe v. Nagy. im Sinne des Strafgesetzes. handlungsdauer wurde heute vormittags vom strebungen des Vereines hat anläglich des 50jähri Clympic: Liebeskommando." Fröhlich, D. Ha a s. Was man Liebe Tann nahm, während die anderen Angeklagten Senatsvorsitzenden D.-G.-R. Dr. Charvát das gen Jubiläums Herr Präsident T. G. Masary! das Praha:„ Das Tal des Todes." das Wort ihren Anwälten überließen, Tir. Dr. Urteil über die 29 angeklagten Holiger Bürger Protefiorat für das Konzert übernommen. Frau Bisecty, auf dessen Konto das amerikanische gefällt, welche beschuldigt waren, im Verlaufe Thorborg wird Lieder von Schubert und Radio:„ Die dritte Kompagnie." Geschäft geht, selbst zu seiner Verantwortung das von mehreren Jahren eine Reihe von Bränden Brahms zum Vortrag bringen, die Herren Schna Rogy: Tie dritte Kompagnie." Wort. In ziemlich pathetischer, mit vielen Zitaten gelegt zu haben, um die Versicherungssummen bel und Széll spielen Stonzertstüde für zwei Staut: Die dritte Kompagnie." volkswirtschaftlicher Autoritäten gespickter Rede be- zu erhalten. An den Versicherungsbetrug waren Klaviere von Mozart, Chopin und Reger. Světozor:„ Die Fledermaus." A. Ondra, Petrovi). rührte er auch vermeintliche„ politische Hinter auch Mitglieder der Feuerwehr betei. Arbeitervorstellung„ Don Juan", Oper von Avion: Sein Scheidungsgrund." gründe", wobei er auf das Banfengefeß an ligt, welche in einzelnen Fällen, statt den Brand Mozart, am Sonntag, den 14. Feber, um halb Favorit: Die dritte Kompagnie." spielte und erklärte, er freue sich über den zu löschen, Gegenstände ins Feuer war 3 1hr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Louvre: Im Geheimdienst." Fritsch, Helm. Prozeß, der endlich den ständigen bangen Erwartunen, um die Schadenssumme zu vergrößern. Sech- Karten ab Dienstag bei Optiker Deutsch, Graben, Macesta: Im Geheimdienst." Fritsch Helm. gen ein Ende machen werde. Ex hoffe, das Gericht zehn Angeklagte wurden wegen Versicherungs. Palais Koruna. Vajsage: Um eine Näsenlänge." Siegfried Arno Valdek: Miz Europa." Alma: Die Försterchristl." Bajkal:„ Die dritte Kompagnie." Sozialdemokratische Bildungsstelle, Prag Funktionärkurs: Nächster Abend Montag, den 1. Feber 1932, 8 Uhr, Küchensaal Prag II., Fügnerovo nám. 4. Thema: ,, Die Auigaben der Gewerkschaften" Vortragender: Gen. Abgeard. Schäfer, Reichenberg " 11 bis auf eine unbedingt. 13 Angetlagte fang, Horn, Posaune und Klavier. Eintritt 5 K, Belvedere:„ Der Adler der Luft."-„ Die Herrin der Tropeninjel." betruges, bzw. Versuches und Beihilfe zu Kerker- Deutsche Musikakademie. 2. Interner Abend am Strafen bis zur Dauer von sechs Monaten ver Donnerstag, den 4. Feber, um halb 8 Uhr im Saale schärft durch Fasttage verurteilt. Die Strafen des Lyzeums, Charvátova 5. Werke für Violine, G2 wurden freigesprochen. Die Verurteilten Studenten 3 K. haben die Kosten des Verfahrens und die, Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Bejeda:„ Die Nacht der Entscheidung." C. Veidt. Kosten für die Rechtsvertretung der Privatbeteilig. Seute, Samstag, 8 Uhr:„ Der Tartuffe", Carlton: Die Dame und ihr Chauffeur." tosten für die Rechtsvertretung der Privatbeteilig. Seute, Samstag, ten u tragen. Bei sämtlichen Berurteilten Komödie von Molière- Blümner.( 88- IV.) Felig Bressart. wurde der Verlust des Wahlrechtes aus- Morgen, Sonntag, 7.30 Uhr:„ Die Boheme", Domovina: Berge in Flammen." 2. Trenter. gesprochen. Die Privatteilnehmer werden auf dem Oper von Puccini.( 90- II.) Montag, 7.30 Uhr: Illusion: Ein Auto und fein Geld." Zivilrechtsweg verwiesen. Der Staatsanwalt Ir. Tiefland", Oper von d'Albert.( Freier Verfanf Ronvitt: Die dritte Kompagnie." abmeldete wegen der Freisprüche die Nichtig und Bankbeamten Gruppe I und II.) Dienstag, Letná: Die Nacht der Entscheidung." Conrad Beid!. feitsbeschwerde an und brachte wegen der 7.30 Uhr:„ Die Entführung aus dem gido: Unter Geschäftsaufsicht." Burian. Söhe des Strafausmaßes und wegen der bedingten Serail". Oper von Mozart.( 91- III.) MittVerurteilung des Josef Provaznit die Berufung woch, 7.30 Uhr: Vittoria und ihr Husar", Die gesperrt gebrudten, Filme Overette von Abraham.( 92- IV.) Donnerstag, empfohlen werden. ein. önnen Herausgeber: Stegfried Taub. befrebatteur: Wilhelm tegnet. Berantwortlicher Nedakteur: Dr. Emil Strang. Prag, Drud: Rota" A.-G. für Zeitung und Buchdrud, Prag Für den Drud verantwortlich: Otto Holit, vierteljährlich Kč 48.Die Zeitungsmartenfranfetur wurde von der Post u Telegraphenbirektion mit Erlaß 1 13.800/ VII/ 130 bewillig Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus der bei Bezug durch die Bost monatlich Ke 16. halbjährig Ke 96,-, ganzjährig Ke 192,- Suferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnaglag. Rüdstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmatten, Brag 9