Ginzelpreis 70 Heller. Sozialdemokrat Zentralorgan d. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik 12. Jahrgang. Rußland Schüßt seine Grenzen. Militärische Vorkehrungen im Fernen Osten. den. Die Rote Armee in Wladiwostot wurde auf 80.000 Mann verstärkt. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Redaktion und Berwaltung: Prag I., Nelásanta 18. Telephon: 26795, 31469.( Nachtredaktion): 26797 Boltihedamt: 57544 Donnerstag, 11. Feber 1932 1 Nr. 36. Weitgehende Abrüstungsvorschläge Italiens. Vom Kriegsschauplatz Abschaffung aller ausgesprochenen Angriffswaffen. der Abrüstung. Berlin, 10. Feber. Tempo" meldet aus Moskau, daß Montag dort Beratungen des Voltstommissärs für Krieg mit dem Generalstabschef Genf, 10. Feber. In der heutigen Sigung| rung und quantitative Begrenzung der anderen der Roten Armee in Ostasien Blücher in An- der Abrüstungskonferenz wendete sich der ita- Rüstungen gelangen. wejentheit Stalins stattfanden, wobei über lienische Außenminister Grandi gegen die Der Aufmarsch der Fronten zur Genfer die Lage in der Mandschurei beraten und Fortsetzung der unfruchtbaren Aussprache über Abrüstungs- Quadrille ist beendet. Der Tanz beschlossen wurde, daß Rußland trotz seiner aus das Verhältnis zwischen Abrüstung und tionsführer Botschafter Matsudeira, der erklärte, coup, mit dem Frankreich das Fest eröffnet. Nach Grandi sprach der japanische Delega- kann beginnen. Nach dem großen Theaterdrücklich betonten Neutralität umfangreiche Maß- Sicherheit. Die Tatsachen zeigen, daß es trop der unglücklichen Lage in Ostasien sei hat, sind Deutschland und die Vernahmen zum Schuß der russischen Grenzen treffen ohne Abrüstung keine Sicherheit Japan so entschieden wie je dazu entschlossen, die einigten Staaten, Italien und möge, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. General Blücher ist sogleich nach Wladiwostok geben kann. Sache der Abrüstungskonferenz zu fördern und England zu Worte gekommen. In die süßabgereist, wohin Fliegereskadronen entfandt wur. Grandi wendet sich entschieden gegen die Auf den Konventionsentwurf als Grundlage der wei- lichen Schalmeien mit ihren falschen Tönen ist rechterhaltung eines Zustandes, den eines Zustandes, den er das teren Arbeiten anzunehmen, doch dürfe die Regime des Rüstungsübergewichtes nationale Sicherheit" nicht gefährdet auch störend und doch befreiend der Paukennannte. Erst wenn die Rüstungen der verschiedenen werden. Eingehend erörterte er das Flotten- schlag der Vandervelde Rede gefalLänder auf das niedrigste Niveau herabgejezt problem. Den Vorschlägen über das Verbot len. Aber vor allem hören die Völker der fünf werden, dann werde die in Artikel 8 des Völker von Luftbombardements und der Verwendung Erdteile als die dumpfdröhnende und nichts bundspaktes erwähnte gemeinsame Aktion von Giftgafen und Bakterien stimme die japani Gutes verheißende Begleitmusik des Genfer im Falle eines Angriffes wirksamt ein- sche Delegation vollkommen zu. Diplomatenreigens den Kanonendonjetzen können. Der Ruf nach dieser gemeinsamen Als dritter Redner ergriff der polnische ner von Schanghai und Charbin. Daß Aftion werde aber so lange toter Buchstabe bleiben, Außenminister Zaleski das Wort. Er begrüßte die Konferenz zusammentreten konnte, ohne als einzelne Mitgliedstaaten eine so mächtige die französischen Anregungen, denen zufolge der daß ein Wort des Protestes gegen den japaniRüstung behalten, daß jedes Streben nach einem Völkerbund mit einer wirklichen Erekutivgewalt schen Friedensstörer fiel, daß die Vertreter des gemeinsamen Vorgehen vor dem Dilemma eines ausgestattet werden soll, und hält den Konven- asiatischen Räuberstaates an den VerhandMiserfolges oder eines 6Intiaen serie- tionsentwurf, wenn er auch unvollkommen sei, lungen der„ Abrüstungskonferenz" teilnehmen für eine geeignete Grundlage der Hauptdiskussion. Sodann übte Zalesti Stritit an einzelnen Punkten des Konventionsentwurfes. Nach einer Agenturmeldung aus Peting ist es zwischen Chinesen und Japanern in der Mandschurei bei Kintschu zu schweren Kämpfen gekommen. Dabei sollen 1000 Chinesen ums Leben gekommen und 1200 von den Japanern gefangengenommen worden sein. Verschärfung des MemelKonflittes. Bezüglich der Methoden der Abrüstung habe der Regierungschef seines Landes zwei Hauptpunkte aufgestellt: Gleichberechtigung aller Staa ten und Ausgleich der Streitkräfte auf Saft so radital wie Cowietrußland." dem niedrigsten Niveau. ber den japanischen Gewaltatt und über has Genf, 10. Feber. Der litauische Außenmini- ges Salt machen müßte. ster behauptet in einem Telegramm an den fönnen, daß man aus der Rede des Genossen Generalsekretär des Völkerbundes, daß keine Vandervelde den Passus gestrichen hat, in dem Rechtsverletzung im Memelgebiet vorgekommen er die Empörung der sozialistischen Arbeiter sei; die Behauptung der deutschen Note über die Notwendigkeit der dringlichen Einberufung des Die Aufnahme der Rede Grandis. Schweigen der, Konferenz zu ihm ausdrückte, Böllerbundrates wegen einer besonders ernsten all das läßt die Hoffnungen der Völker schon Lage im Memelgebiet entbehre jeder Begrün Die Friedensverträge bestimmen unzweideutig, dung. Die Reichsregierung stehe im gegenivär daß die militärischen Verpflichtungen, die gewisse heutigen Kundgebungen in der Abrüstungs- auf den Nullpunkt sinken und bewirkt, daß Genf, 10. Feber. Die Kommentare zu den beim Beginn der großen Konferenz beinahe tigen Fall den Tatsachen, die zur Absetzung des Staaten übernommen haben, den haben, den Anfang fonferen; find hauptsächlich der Rede Grandis geschon heute jedermann die Konsequenzen beBräsidenten Böttcher führten, nicht fern. Jaunius einer allgemeinen Abrüstung darstellen. widmet, die durch ihre Schärfe überraschte und denkt, über die wir vor einigen Tagen, am erklärte zum Schluß, daß er entschlossen sei, Sie sollten aber nicht für diese Staaten den zu in ihren Forderungen so zugespitzt war, daß, Eröffnungstag der Konferenz, ohne alle Illu Litauen persönlich vor dem Völkerbundrat zu stand dauernder Unterlegenheit schaffen. vertreten, aber zu seinem Bedauern sich nicht Grandi erklärte schließlich die Zustimmung präsentant erst morgen das Wort ergreifen wird, sionen geschrieben haben. vor dem 23. Feber nach Genf begeben könne. feines Landes zu einem„ organischen Plan die Generaldebatte in radikalere Vor- Die französische Rakete, der qualitativen Rüstungseinschränschläge als sie heute der Vertreter Italiens forfun g", der folgende Punkte umfaßt: * Diese Antwort der litauischen Regierung wird den deutschen Vertreter im Völkerbundrat veranlassen, darauf zu bestehen, daß no ch in dieser Woche der Völkerbundrat zusammentriti, um zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen. Diesbezügliche Schritte sind bereits eingeleitet. Stahlhelmführer bei Hindenburg. Berlin, 10. Feber. Der Reichspräsident hat heute vormittags die beiden Bundesführer des Stahlhelms Seldte und Düsterberg empfangen. Auf dem Gebiete der Flottenrüstungen gleichzeitige Abschaffung der Linienschiffe und der U- Boote sowie Abschaffung der Flug jeugträger. Auf dem Gebiete der Landrüstungen Abschafs fung der schweren Artillerie fowie der Tanks jeder Art. wenn man von Sowjetrußland absicht, dessen Remulierte, nicht austlingen fonnte. die als erste Ueberraschung und als wahrer Knalleffekt losgelassen wurde, hat die Welt immerhin nicht länger bezaubern können, als es ein rasch verpuffendes Feuerwerk eben gemeinhin vermag. In London war man fühl, in Amerika ablehnend, in Deutschland wies man mit gutem Grund darauf hin, daß schon die Inszenierung dieses Theatercoups just An die Stelle der nationalen Armeen In deutschen Konferenzkreisen wird die Beurteilung der Kundgebung Grandis in die Worte zusammengefaßt: Was gestern der deut sche Reichskanzler Brüning nicht jagen konnte, hat heute unverhüllt der italienische Min ster Grandi vorgebracht. In französischen Kreisen hat die radikale Auf dem Gebiete der Luftrüstungen Abschaf- Rundgebung Grandis gewisse Besorgnisse jene Art von Ueberraschungspolitik und Ueberfung der Bombenflugzeuge.. erweckt, weil man sich die Frage vorlegt, was sich rumpelungstaktik darstelle, gegen die sich Auf allen Gebieten Abschaffung der Angriffs Der Vertreter Italiens hat in seinen Vor- der Zollunionsaffäre) so heftig gewehrt und von Grandis Vorschlägen verwirklichen lasse. Frankreich bei früheren Anlässen( so anläßlich mittel des chemischen und bakteriologischlägen Die nächsten Tage werden wahrscheinlich die schen Krieges jeder Art sowie Revision der inter- schlägen nicht nur die in den vorangegangenen über die es sich moralisch entrüstet hat. Kundgebungen der Vertreter Frankreichs, Großnationalen Abkommen zur Sicherung eines voll britanniens und der Vereinigten Staaten entEntscheidung darüber bringen, ob Hindenburg neuerlich kandidieren wird. Nach der Auslegung ländigeren und wirksameren Schußes der haltenen wichtigsten Propofitionen zusammen eine Völkerbundsarmee zu jetzen der Rechtsblätter haben sich die Stahlhelmführer gefaßt, sondern auch die Forderung der soge- das wäre freilich ein verlockender Gedanke. die heutige Audienz beim Reichspräsidenten nicht deshalb erbeten, um ihm die Kandidatur anz Die schwersten Opfer in der Abrüstung müßten nannten qualifizierten Abrüstung her- Diese Armee brauchte nur ein Zehntel so stark tragen, sondern bloß deshalb, um anzufragen, von den stärksten Staaten verlangt werden, aber borgehoben, während der vorbereitende Stonzu sein als die heutigen Heere es in Summa welches sein Standpunkt in der Angelegenheit ist das jei nur gerecht. Die am stärksten bewaffneten bentionsentwurf von dem einfachen Standpunkt sind, sie brauchte nur einen Bruchteil dessen Einer anderen Version zufolge hätten die Stahl. Staaten hätten am wenigsten zu fürchten und der Zahl der Stände und der Menge des Mazu kosten, was die Rüstungen jetzt kosten, das helmführer dem Präsidenten mitgeteilt, unter müßen mit gutem Beispiel vorangehen. Sie müßterials ausgeht. Sobal man in der politischen Wettrüsten würde aufhören und Kriege unter welchen Bedingungen sie bereit wären, ihn zuten zuerst auf die Waffen verzichten, die wesentlich Stommission und in den technischen Kommissionen den Völkerbundsstaaten würden unmöglich für einen Angriffstrieg bestimmt seien. Nach die Einzelarbeit in Angriff nehmen wird, werden kandidieren, und ihm vor allem ihre Forderung Abschaffung dieser Kriegsmittel werde man leichter die Aufgaben burch neue& chivierigkeiten in sich werden. Aber Frankreich schlägt ja ganz etivas auf Umbildung des Kabinetts bekanntgegeben. und rascher zu einem Abkommen über Verminde bergende Elemente vermehrt werden. Die regierungsfreundlichen Blätter sprechen dagegen auch weiterhin die Erwartung aus, daß Sindenburg die Kandidatur annimmt und daß sich„ Stahlhelm" und" Kyffhäuser" bedingungslos dafür ausgesprochen haben. In politischen Kreifen verlautete am Abend, daß der Hauptzweck des Besuches der Stahlhelmführer beim Reichspräsidenten gewesen sei, den Zivilbevölkerung. Englische Zölle ab 1. März in Kraft. anderes vor. Frankreich will die bestehenden Armeen höchstens reduzieren und neben ihnen eine besondere Völkerbundsarmee schaffen, es will also beileibe nicht abrüsten, sondern au f rüsten, außer seiner eigenen noch die Völferbundsarmee in den Dienst der berüchtigten ,, Sicherheit", will sagen der imperialistischen Interessen Frankreichs stellen. 30 Liberale, darunter drei Minister stimmen gegen die Regierung. London, 10. Feber. Das Unterhaus nahm| 68 Stimmen angenommen wurde, sieht zusäßReichspräsidenten zu bewegen, eine Kandidatur mit 452 gegen 76 Stimmen eine Entschließung liche Zölle biz zu 100 Pfund des Wertes von Und wie sieht denn der Völkerbund borläufig zurückzustellen, also im ersten an, derzufolge der 10prozentige Einfuhrzolltari Waren aus solchen Ländern vor, die britischen aus, dem Frankreich eine Armee geben will, Wahlgang nicht zu kandidieren, sondern vielmehr den Sonderkandidaturen freien ab 1. März in Kraft tritt. Hierauf wurde mit Waren gegenüber Differentialzölle an- damit er als internationaler Gendarm" über den Frieden wache. Nun er hat ungefähr das Lauf zu lassen Bestätigen sich diese Gerüchte, 430 gegen 73 Stimmen eine Entschließung an- wenden. so würde das bedeuten, daß auch die Stahlhelm genommen, durch die der geplante SondertarifEtwa dreißig Liberale stimmten gegen die Gerechtigkeitsgefühl und die moralische Autoführer im Sinne der Verzögerungstaktik Hugen- ausschuß ermächtigt wird, Zusatzölle aufzuerlegen. Regierung, unter ihnen drei Mitglieder rität, die man gerade noch einem Gendarmen zutrauen würde! Der Völkerbund, bergs gehandelt hätten.n Eine dritte Entschließung, die mit 421 gegen des Kabinetts. der eben jetzt erst im asiatischen Konflikt nicht nur seine Machtlosigkeit- das wäre das vor das Gebäude gekommen waren und die schlimmste nicht! sondern vor allem seine Brandenburger S. A., den Hitler heute abends Im Hamburger tschechoslowakischen Fenster mit Steiner einwarfen. Die Hamburger Unehrlichkeit und Parteilich feit Ronsulat die Fenster eingeschlagen. Behörden haben dem Generalkonsulat ihr Be- bewiesen hat, der Völkerbund, der eine Filialstelle der französische st Hamburg, 10. Feber Heute nachmittag wur- dauern wegen des Vorfalles zum Ausdruck geolitit iſt, erscheint zum Friedenshüter bei der Reichspräsidentenwahl will. Es werde den von bisher nicht festgestellte 1 Tätern die bracht und sich entschuldigt. Fast gleichzeitig wur- nicht geeignet. Ihm eine Armee anzuvernicht mehr lange dauern, bis sie ihren Entschluß Fenster des hiesigen tschechoslowakischen General- den die Fenster im Gebäude des japanischen Kon- trauen, ehe er nicht zum mindesten bewiesen begannt gibt. Das Volk werde ausschreien bor Begeisterung", wenn er bekannt ge- fonsulats eingeschlagen. Es scheint, daß es sich sulats in Hamburg zertrümmert. worden sei. Hitler: Die Welt wird staunen..* Bei einem Appell der Verliner und der im Sportpalast abhiclt und bei dem etwa 14.000 S. A.- Leute zur Stelle waren, erklärte Hitler, die nationalsozialistische Partei wisse genau, was sie um drei junge Leute handelt, die auf Rädern hat, daß er für die Beseitigung der bestehen den Rüstungen auch nur wirbt, hieße den Seite 2 Donnerstag, 11. Feber. 1882. Nr. 86. Jan Uns/Der letzte ftg Ein fieschlditiidierDoinan» Oskar Wohrle (Setlag.Der Bücherkret»'. G«. d. H., Berl'n LW AL Und der Adolf, der Schafheittin, ihr müßt ihn kennen, er hat im Span mit den Solothurnern eine quer über die Backe bekommen, sieht narbig aus wie eine Studen- tenbirne,-her ist nicht faul, läßt sich nicht zweimal heißen, zieht den Blasbalg, daß die Klappen sausen und als müsf er das Hundertfach« an Wind machen und schreit:„Hergehört, ihr Prü- gelträger! Zuerst auf alles, war unrecht Gur sich anmaßt, was praßt und faßt und Luderleben führt, derweil der arme Teufel in Lumpen um fein bißchen Leben hungert! Auf d i e Köpfe geht's zuerst!" Der Meister Burkard stimmt als erster bei, tapfer sein glührot ob»'plitternd Eisen schlagend:„Auf die zuerst!" Und der ganze Haufen schreit nach, nicht nur die verschnürten Ungarn, nicht nur die strupphaarigcn Böhmen, nicht nur der dicke, pflaumenlippige Prager Stu- dente, nein, alles, war um die Schmiede steht, schreit:„Auf die zuerst! Gebt ihnen Saures! Gebt ihnen!" „Auch die Hiesigen schrien?" „Die am allermeisten, Bürgermeister!" „Die Namen müßte man sich merken, Bogt!" HanS Hagen hebt, bös und überlegen grinsend, die messerscharfen Lippen: „Sind schon gemerkt, Bürgermeister!" „Fälbel, für mich und den Bogt noch je «inen Doppelschoppen!" „Goldkrätzer?" „Nichts andres!" „Aber der Schafheitlin gibt keine Ruh. Er läßt's nicht beim ersten Geschnörre bewenden. Nein, er gibt beim Pveiten noch viel lauter und jetziger an'„Dann auf die Sippschaft, die fromm die Augen verdreht, in härenen Kutten durch die Gaffen schleicht, die Haustürklinken Putzt, in Christi Namen winselt, schnorrt und bettelt, doch abends dann daheim, hei, wie das schmort und praffelt und bratenduftig aus den Fenstern zieht! Hernieder auf die kahlgeschornen Schädel!" Auch da stimmt der Meister Burkard, der Schmied, bei, haut das Eisen, daß du meinst, Amboß und Hammer zerscherbe, und schreit mit keiner schrillenden Fistel,» die durch Mark und Bein geht:.„Hernieder auf die kahlgeschorenen Schädel!" Und der ganze Haufen schreit, Ungarn und Böhmlaken wild durcheinander: „Hernieder auf die glattgeschornen Schädel!" „Wieder die Hiesigen mit?" Der Bogt hort wohlig den Strahl des Goldkrätzers in seinen Humpen laufen. „Wieder, Bürgermeister, und wieder am tollsten!" „Soweit sind wir also doch schon gekommen!" ächzte Herr Johann von Schwarzach. Aber diese betrübliche' Erkenntnis hält ihn nicht ab von einem tüchtigen Humpenhuh. Der Vogt wischt mit dem Handrücken den verkniffenen Mund: „Ja, Herren, der Schafheitlin ist auf den Goichmack gekommen. Er hat Gefallen gefunden an seinem Predigeramt. Seine Narbe quer über die Backe hat im Schein de» SchmiedfeuerS geglänzt wie ein aufgeriffener Mund. Zweimäulig also hat er seinen neuen Schandvers in di« Gaff« geschrien:„Zum dritten auf die Ritterbande, die mit ihren Spänen und Händeln uns ewige Not und Kriegsplag in die Häuser schickt! Auf all di« fremden Hunaerleider, die Lanzen, Hellebarden und Armbrüste tragen, die üns zu armen Tagen freffen und unS des BroteS kaum eine halbe Kruste übrig kaffen!" Und aller schreit lautmündig den SegenSwruch:„Hernieder auf die gekvornten Hungerleider!" „Bravo! Bravo!" lagt Herr Johann von Schwarzach.„an dieser Stelle hätt' sogar ich mitgeschrien, wenn ich dabeigewesen wäre, ich, der Bürgermeister!" Und er klopft sich auf die kurzen, feisten Schenkel und lacht, fröhlich angerührt vom Wein und fröhlich angerührt von dem Gedanken an diese Szene. So laut lacht er, daß der meerschweinerne Kropf hinter dem schwanen Bart vor Vergnügen in einemfort schollert und bollert^ Auch der Zunftmeister der Biersieder lacht mit:„Sie fängt an, gut zu werden, deine Pru- gelpredigt! Wenn'» so weitergeht, rücke ich noch einen Zuber Allmannsdorfer Schwarzbier dran!" Bündrichs dicker Bauch bibbert vor Vergnügen und sein zahnlückiger Mund will sich vor Lachdrang gar nicht mehr schließen. Der Bogt dagegen kerbt sich vor Unmut neue Falten ins Gesicht. Er ist verärgert. Er kann es nicht leiden, wenn er den Anlaß gibt, daß jemand lacht. Das ist ihm Sand im Spinat. Außerdem meldet sich sein vrefthaster Magen wicher, der ihn keines Trunkes bis zu Ende froh werden läßt. Seine Stimme nimmt daher Bellens Klang an: „Zu früh gelacht, meine Herren! Dieser Schmiedsknecht hatte noch einen vierten Drein» tchlagSpunkt für seine Prügelpredigt.„Auf di« Aktenbeschmierer und GosehauSläger!" schrie er. „Auf die lateinisch quatschende Brut, die jedes Jahr mit einem Karren neuer Gesetze kommt vom Reich her, daß man bald nicht mehr weiß, in welches MauSloch sich verkriechen vor Paragraphen und Strafen!" Und alles hat mitgeschrien: Hernieder auf die Advokatenbrut! Herniger! Hernieder!" Herr Johann von Schwarzach hat zu lachen '»«ffltfwrt und melkt mit Weichen Griffen seinen BiereÄart. „Sonst haben sie weiter nichts geschrien?" „Nein!" sogt der Bogt. „Nichts vom Stadtregiment?" „Nein!" „Nichts gegen den Großen Rat?" „Nein!" Weltfrieden auf den französischen Bajonetten aufspießen! Me engllsch-llallenlsdie front. England ist der natürliche Gegenspieler Frankreichs unter den ausgerüsteten Staaten. Es will aus mancherlei Gründen, daß diese Konferenz zu einem greifbaren Ergebnis komme und daß sie nicht mit der Festigung der französischen Hegeinonie ende. England Wil ohne Zweifel, bis weit in die Reihen der Konservativen, den Frieden, denn es kann bei einem Krieg nur verlieren, gegen wen und mit wem immer es marschierte England hat aus dem Weltkrieg da- eine gelernt, daß auch der Sieger draufzahlt und die Frage, die Norman Angell seinen Landsleuten schon 1911 gestellt hat„What prlce the warf (Was kostet der Krieg?— deutsch erschienen unter dem Titel„Die falsche Rechnung") wird heute in England wohl allgemein damit beantwortet, daß kein Sieg groß genug sein könne, einen Krieg lohnend erscheinen zu lasten. Aber belehrt durch die Erfahrungen von 1914, ist England auch vorsichtig in seiner Polin! geworden. Es will nicht wieder für eine Festlandsmacht kämpfen, es will sich darum auch nicht mit Frankreich in dem Maße verfeinden wie vor 1914 mit Deutschland. Darum ist die englische Taktik zögernd und kompromißbereit. Damm tanzt Englarrd in Genf nicht in der ersten Reihe. Es hat zunächst einmal Italien den Vortritt gelassen, mit dem eS manche Interessen gemeinsam hat. Die Rede des Herm G r a n d i entspringt zu einem guten Drittel dem Bestreben, England einen Liebesdienst zu erweisen, Die Fordemng nach Verbot der U-Boots- waffe, für Italien selbst nicht dringend» ist eine ErgebenheitSadresse, ein Freundesdienst für England. Natürlich hat Italien auch aus eigenem ein Interesse an der Abrüstung, denn es ist jener Staat, der bei einem weiteren Wettrüsten zuerst zusammenbrechen oder zu einem gefährlichen Krieg als letzter NotauS- kunft gedrängt werden würde. Endlich war Grandrs Rede auch ein Dienst für Deutschland— freilich wohl nur mit der einen Absicht, die Franzosen durch die Unterstützung Deutschlands zu schrecken. Kommt Frankreich mit Italien zu einer Einigung, so wird eS Mussolini nichts verschlagen, wenn Deutschland die Rechnung bezahlt. End Dcutsdiknid? — schlägt, wie es scheint, diesmal eine sehr vorsichtige Taktik ein, die Brünings Wesen und Diplomatie besser entspricht als das Auf- tmmpfen. Deutschland hat viele Trümpfe in der Hand; es ist der einzige wirklich abgerüstete Groß-Staat, es hat 1919 ein Versprechen der Sieger erhalten, dessen Einlösung es nun fordert, es hat in Genf im Grunde nicht» zu verlieren. Die Anwesenheit der deutschen Vertreter in Genf ist mehr als eine Mahnung, sie ist eine cmste Verlegenheit für die Sieger, vielleicht eine leise Drohung. Mit größerem Gewicht als Rußland(das bisher sehr reserviert war) kann Deutschland in Genf auftreten, aber es wäre ein Fehler gewesen, alle Trümpfe in der nicht un getan, waS die Jesuitei» außerhalb des Gesetzes gegangen find, wird die Vorgänge in Wien, di« stellen könnte. S»e sind gleichberechtigte Burger| eine Analogie mit den gegenwärngen Ereignissen der spanischen Republik, aber sie baben a u f g r in Spanien aufweisen, von einem andern Ge- Staatszukchüffe an$eU>t»> vsrwaltnnqskörver m Jahre 1082. Sitzung d«S LandeSauSschnffeS. In der gestrigen Sitzung deS böhmischen Landesausschusses teilte der amtierende Vizepräsident Kron» m>t, daß LandeSpräsi- dent Kubät infolge Uederarbeitung im Amt plötzlicherkrankt ist und sprach den Wunsch nach baldiger Genesung aus. Der Landesausschuß beschloß, den staatlichen Zuschuß für das Land Böhmen im Jahre 1982 unter die Bezirke und Gemeinden im BerhälMis 56 zu 44 Prozent zu verteilen und die Regierung gleichzeitig aufmerksam zu machen, daß eS dringend notwendig sei, daß sie das Budget deS Landes Böhmen sür das Jahr 1932 beschleunigt durchberat- Willens der einen, der hartnäcklgxn Machtpolitik der anderen und ein Obsiegen der friedlichen Tendenzen im bescheidenen Nahmen. Weit eher erwartet sie den Zusammenbruch der Konferenz, die unter dem Donner der japanischen Geschütze eröffnet wurde. Die Arbeiterschaft aber wird, solange die Konferenz dauert; nicht aufhören, den drohenden Worten ihres Sprechers, des Genossen Ban» d e r v e l d e, Nachdruck zu geben und den Druck auf die Herrschenden zu steigern, ihnen in die harthörigen Ohren zu Hammen», was unser Wille ist: Was immer ihr tut, die Arbeiterwerden die Waffen gegeneinander kehren! sichtspunkt aus betrachtet haben. Die„Frankfurter Zeitung" schrieb vom rebellierenden Gefühl des verletzten Rechts, das die Wiener Bevölkerung leitete. Nur die Erkenntnis dieser Tastache wird uns auch das spanische Problem verständlich mache»». Auch die klerikale Presse würde zu einer anderen Auffassung gelangen müssen, wenn sie eS weniger a»rf tendenziöse Berichterstattung und mehr auf ein Studium der Massenvsychologie abgesehen hätte. Aber von ihr etwa- Derartiges zu verlangen, wäre eine unheilvolle Illusion.»V. X. Eingangsrunde auszuspielen und die Konferenz zu sprengen. Wenn Brüning sie im richtigen Moment auf den Tisch wirft, dann kann er die eine oder die andere Karte seiner Gegner stechen. So schwach Deutschland an Rüstung ist, auf dem Kriegsschauplatz der Abrüstung ist es eben dadurch stark und seine Reserviertheit verspricht noch Uebervaschungen. Vor erwarten wir? Schlimmste Befürchtungen haben sich schon in den ersten Tagen der Konferenz als berechtigt erwiesen. Die Arbeiterschaft erwar- ' r''"•' als Schaden, man darf nicht vergessen, daß in einer revolutionären Epoche, wie sie Spanien gegenwärtig durchlebt, solche Vorkommnisse nicht außergewöhnlich sind und schließlich äußert sich in diesen Taten doch nur die Empörung gegen die Ungerechtigkeiten der alten Machthaber— gewiß am unrechten Objekt. Für solche Vorfälle gilt die sinngemäße Anwendung des Werfelsche»'. Romantitel-:„Nicht der Mörder, der Ermor bete ist schuldig!" Aehnlich lagen die Verhältnisse am 15. Jul. 1927 in Wien. Der Brand de» Justizpalastes im der hört, eine politische Größe zu sein. „Wieder brennende Klöster in Spanien!"- tobt der klerikale Blätterwald vor Entrüst"lg. Man möchte den Lesern betveisen, daß die„jüdische Freimaurerregierung" Spanien» eine Beschützerin von Mordbrennern und Räubern sei. Es ist ein willkommenes Argument gegen die verhaßte„demokratische Republik des arbeitenden Volkes", die sich die freieste Verfassung der Welt gegeben hat.. Keinem Sozialdemokraten würde eS einfallen, irgendwelche Ausbrüche i»»dividuellen Terrors, mögen sie sich gegen schuldige Personen oder gegen unschuldige Gebäude richten, zu billigen. Aber vollständig unverständlich sind un» diese extremistischen Ausschreitungen nicht. Bedenken wir doch die Leiden des spanischen Volkes i»n letzte»» Jahrzehnt monarchistischer Herrschaft, wir werden versucht die Bakumnschc Staatsdefinition auf da» untergegangene Spanien Primo de Riveras, der Militärcliquen und de» KleruS anzuwenden und zu behaupten, das alte Spanien war die fortgesetzte Unterdrückung n-'ch Innen und der permanente Krieg nach Außen, wenn sich auch dieser Krieg ,nur" gegen afrikanische„Barbaren" gegen die unbeugsame»» Bergvölker des Atlas richtete. Gerade di« R'f-Äben- teuer waren e» ja, die auf den Widerstand drx Bevölkerung stießen. Als 1909 eine Expedition auSzurücken hatte zum Zweck der„friedlichen" Durchdringung nordafrikanischer Landstriche, brach in Barcelona eine Revolte aus, in deren Verlauf Francesko F e r r ö r, Schnlreformer und Freidenker, hauptsächlich auf Betreiben klerikaler Kreise vom Militärgericht e r s ch o s s e» wurde. Im Jahre 1923 war sogar d e Haltung de» Parlament» einer aggressiven Kolonialpolitik ungünstig, wa» der eigentliche Grund für die Einsetzung der Diktatur war. Heute, da alle Fesseln, die auf der Bevölkerung Spaniens lasteten, gefallen sind, löst die einstige Unterdrückung bei den Massen deS flachen Lande» eine Gegenwirkung aus, deren konkretes Ergebnis jene Exzesse sind, die deutlich da» Merkmal syndikalistischer Beeinflussung aufweisen. Denn alle diese Sabotageakte u»»d Beschädigungen von öffentlichen Gebäuden und Klöstern, wie sie in der letzten Zeit so ost vorkamen, haben doch nicht das Entfernteste mit Sozialismus zu tun, sie sind a n a r ch i st»j ch e r Syndikalismus in Reinkultur. Es wäre aber ein Fehler, in diesen Handlungen»»ur das Verwerfliche zu' sehen, nur den angerichteten Wachstum der tschechischen«oziatsenu». kratie. Der Vollzugsausschuß der tschechischen Sozialdemokratie hielt, wie das„Pravo Lidu" berichtet, vorgestern eine Sitzung ab,»n per der Parteisekretär Gen. D u n d r den Bericht erstattete. Er stellte fest, daß die Partei zum 31. Dezember 1931 4792 Organisationen aufwies, das sind um 62 mehr als vor der Spaltung. Beim finanziellen Bericht»nachte der Vorsitzende, Genosse H a m p l auf d»e absolute Reinheit in den Parteifinanzen atlfmerksam. Den politischen Bericht erstattete Justizminister Genosse Dr. Meißner, der insbesondere die Notwendigkeit von Investitionen, der Regelung der Selbstverwaltung-finanzen und der genügenden Unterstützung der Arbeitslosen betonte. tet von dieser Konferenz auch heute nicht mehr rls im besten Fall die Bestätigung des guten ticrcditlglicM für Spanien! Zn den klerikalen Die Presse der Nuntiatur ist wieder einmal auS dem Häuschen geraten. Der Katholi zismus ist in Gefahr. In Mexiko flackert der Kulturkampf wieder auf und in Spanien beherrscht das„rote Untermenschentum" die Gasse, dessen Einfluß in der Aufhebung des Jesuitenordens seinen letzten und greifbarsten Erfolg errungen hätte Spanien hat durch diesen bedeutungsvollen Akt»nit dem letzten Rest seiner reaktionären Vergangenheit aufgeräumt. Man nimmt dies zum Anlaß, der spanischen Republik Intoleranz vorzuwerfen. Darin befleißigen sich gerade die, welche am wenigsten zu einer solchen Kritik berufen sind. Waren doch gerade die spa nischen Jesuiten diejenigen, die den aktivsten Faktor der mit so viel Grausanckeiten herbeige führten Gegenreformation darstellten. Unter dem Einfluß der spanischen Jesuiten standen jene Monarchen, die nicht nur»n Spanien mit Feuer und Schwert wütete»». Inquisitionen und Auto- dafäs-7- diese auf spanischem Boden in so rei chem Maße»n Anwendung gebrachten Einrich tungen, die das Symbol der Barbarei und der Unduldsamkeit sind, wären ohne Jesuiten gar nicht denkbar. So kam es, daß man mit dem Be griff der„Gesellschaft Jesu", mit welcher Be zeichnung man da- Wort Jesuiten" harmlos zu umschreioen pflegt. Mißbrauch der Religion, physische Vernichtung der Nichtkatholiken und eine Doppelmoral verbunden hat, die in der bekannten Parole:„der Zweck heiligt die Mittel" ihren klarsten Ausdruck erhält. Selbst einem spanischen Könige von Gottes Gnaden war dieses jesuitische Ireiben zuwider— Karl Öl. ließ alle spanischen Jesuiten in einer einzigen Nacht verhaften und nach Rom abschieben. Wenige Jahre später, im Jahre 1773 war selbst der Papst gezwungen, den Jesuitenorden aufzulösen, wenn auch spater das Verbot wieder fiel. Auch in Spanien haben die Jesuiten ihre»» Einfluß wiedererlangt, der nur in »er kurzen Zeit n»h»e, als Joseph Bonaparte regierte. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die jesuitische Orientierung des spanischen Hofes noch bis in die letzten Tage der Monarchie vorherr- chend war.— War es nun ungerecht oder gar intolerant, als die spanische Republik diese durch nichts ge rechtfertigte Vormachtstellung de» Jesuit«»», diesen Staat im Staate beseitigte, alle Finanz- und son- tigc Unternehmungen der Jesuiten Wohltätig- keits- und Kulturzwecken zu» Verfügung stellte? Bon einer Ausweisung aller Jesuiten aus Spa nien, von der dir flerikale Presse gelegentlich chrieb, kann nicht die Rede sein, von ihr werden nur solche Ordensmiiglieder betroffen, die keine spanischen Staatsangehörige sind Man hat durch Orcuclmeldungcn. das jüngste Gesetz der spanischer» Republik nichts 1927 in Wien."! war nur die Quittung für das" Urteil Schattendorfprozeß und die Heimsuchung „ReichSvost"-Drucke»e» war nur eine Folge der schamlosen Zeilen, mit denen diese» Blatt das Urteil kommentierte. Verhängnisvoll und überlegt ist dieser spontane, durch die Gemütsstimmung deS Augenblicks diktierte Handeln gewiß gewesen. Die Phrase vom„destruktiven Wirken der Massen" gehört zum eisernen-Bestand des Vokabelschatzes der Bulgärpolitiker. Aber jeder, dem die Vorurteile reaktionärer Denkweise noch nicht in Fleisch und Blut über- „Nichts gegen der» Kleinen?" „Nein!" „Nichts gegen den Amman?" „Nein!" „Nichts gegen mich?" „Nein!" „Nichts gegen dich?" „Nein!" „Dann, Bogt, laß die Bande. Prügel predigen, so viel sie will! Solange die Brullerschar nicht nns und unser Amt in- Maul nimmt, mag sie nchig das große Wort schwingen! Wer mit Gebrüll die Kinnlade klaftert, der ist noch weit ab vom Hauen! Jst'S nicht so? Wa» schüttelst du dein weiße- Haupt, Bündrich?" „Unbegreiflich! Unbegreiflich! Ich wundere mich, daß der Haufe nicht geschrien hat wider daS dünne Bier und wider mich, den Zunftmeister der das dünne Ber siedenden Brauer. Daist doch i>» solchen Fällen gemeiniglich das erste!" Der wütende Zuck tm Magen ist vorbei. Jetzt ist die Reihe, herzlich zu lachen, am Bogt. „So einfach, wie ihr'» anseht, Herren» schließt der Laden denn doch nicht. Daß di« Bande im Schreien aufhörtc. hatte einen anderen Grund!" Der Bürgermeister stellt den Humpen ab, den er schon kühl am Mund hatte, und der Biersieder rutscht mit dem^Kopf näher heran und stemmt die beiden Ellbogen auf» al» ob er durch die Tischplatte stoßen wollte. Beide. Glotzaug und Karpsenschnute, fragen: „Welchen?" „Einfach den, daß ich unter sie gestoßen bin, wie der Häher unter die quarrenden Enten. „Der Bogt!" hat einer geschrien, der sich umsah, und al» ich dann vor bin auS meinem dunklen Versteck, beim ersten Schritt, den ich in die Helle tat, da fuhren sie auseinander wie dürres, raschelndes Blattwerk«m Sturmmond November. Ich sag euch, der Platz war leer, eh ich noch „Halt!" schreien konnte. k (Fortsetzung folgt.) Nr. 36. Donnerstag, 11. Feber. 1932. Die Massen sind wieder ausgeblieben! nistische Abg. Dr. Stern befunden haben, der dann von seinen eigenen Leuten verprügelt worden fein. foll. Im Oftrauer Revier Cette 3 Die für Mittwoch mit so großem Tam- Tam] Beginn weggeführt. Bei fleineren DemonstraDie Bilder vom Braunen Haus angesetzten Hungermärsche" der Kommunisten tionsversuchen wurden 23 Personen verhaftet, nach hatten die Stommunisten gleichfalls feinen Erfolg find wieder einmal man möchte fast sagen Feststellung aber wieder entlassen. Eine ernstere aufzuweisen. In Freistadt brachten sie 60 ArbeiDer nationalsozialistische a g" hatte uns programmgemäß" gescheitert. Wenn man den Störung der öffentlichen Ruhe erfolgte nicht. ter vor das Rathaus, worauf Polizei den Plazz seinerzeit, weil wir Bilder aus dem Münchner bis spät abends eingelaufenen meist amtlichen Kladno räumte, ohne auch nur den Gummifnüppel zu ver- Braunen Haus veröffentlichten, der Fälschung Relationen auch nur zu einem geringen Teil In den Industriebetrieben und auf den wenden. Drei Demonstranten wurden verhaftet. In und Lüge geziehen. Wir haben unseren Bejern Glauben schenken darf, so waren diesmal noch schächten wurde normal gearbeitet, normal gearbeitet, bie Rube Fried ef beschränkten sich die Demonstrationen auf gegenüber sofort den Nachweis geführt, daß wir biel weniger Demonstranten auf wurde nirgends gestört. teilweise Umzüge und Ausrufe. In Bielowig feinerlei Fälschung begangen, sondern aus. den Beinen als bei den zahlreichen verkrach- Aus Podmoklice bei Semil melbet ein versuchte der Senator Langer zu sprechen, wurde schließlich beglaubigte Originalaus. ten ,, Roten Tagen" der letzten Jahre. offizieller Bericht 3000 Demonstranten, die nach jedoch daran gehindert. Einige Personen wurden nahmen veröffentlicht haben. Die phrasenhaften Barolen, die die kommu- Semil zogen und eine Deputation zum Bezirks- verhaftet und die Ansammlungen zerstreut. Auf der Ueberdies hat die Redaktion des„ Sozialnistischen Abgeordneten seit Wochen in blutrün- Hauptmann schickten. Von Semil zogen die Demon- Dreifaltigkeitsgrube in Schlesisch- Ostran, wo die demokrat"( in ihrer Funktion als Zentralredaktion ftigen Barlamentsreden zu immunisieren suchten, stranten zur Fabrik Schmidt in Reky, um die Ar- Kommunisten in der Mehrheit sind, fuhr die Beleg find nicht befolgt worden. Die sozialdemo- beiter zur Arbeitseinstellung zu bewegen. Gendar- schaft trotz der Streifagitation früh vollzählig kratischen Arbeiter, die die Kommunisten mitzu- merie auf einem Lastauto tam ihnen zuvor; auf ein. In Mährisch strau selbst kamen nach reißen gedachten, fümmerten sich nicht im minde- Aufforderung der Gendarmen zerstreute sich der Arbeitsschluß auf dem Masarykplay etwa 100 junge sten um all die Lockungen der Moskau- Jäger, die Zug nach kurzem Zögern. Einige Personen wurden versuchte. Die Sicherheitswache zerstreute die Ver Leute zusammen, zu denen Abg. Kliment zu sprechen Arbeitslosen, ja felbst der weitaus größte Teil wegen Zusammenrottung festgenommen. der kommunistischen Arbeiter blieb ruhig zu fammlung und hiellt 20 junge Leute an. Hause und so beschränkte sich der Kreis der Des In Lundenburg Eine nächtliche Flugzettelaktion der Kommu- versuchten vormittags zwei Gruppen von etwa 200 monstranten auf ein paar jugendliche Unentwegte und die kommunistischen Parlamentarier des be- nichen blieb ergebnislos. In allen Fabriken wurde Beuten in die Stadt einzubringen, doch wurden die versuchten vormittags zwei Gruppen von etwa 200 normal gearbeitet. Kommunistische Abgeordnete Demonstranten an der Peripherie angehalten und treffenden Gebietes. Zu größeren Zusammenstößen mit den nur mit eineren Gruppen jugendlicher Arbeitsloser nach Hause geschickt. Die Lundenburger Arbeitslosen 1931 wurde ein Artikel unter der Ueberschrift allzu zahlreich aufgebotenen Sicherheitsorganen suchten vormittags auf dem Freiheitsplatz und dem trotz scheint es nach den vorliegenden offiziellen Mel- Wilsonplatz Gelegenheit zu einer Kundgebung, doch beteiligten sich froh der starken Agitation an feiner Wie die Sozialdemokraten lügen" veröffentlicht, kundgebung. Eine der beiden Gruppen veranstaltete dungen nicht gekommen zu sein; berechtigte Be- löften fich diefe Gruppen auf, als der erwartete nach dem mißlungenen Marsch nach Lundenburg in in welchem der Zeitung Sozialdemokrat", unter schwerden über das brutale Vorgehen der Gen- Buzug ausblieb. Nach Arbeitsschluß suchte auf Podivin vor dem Rathaus eine Stundgebung. Bezugnahme auf die Veröffentlichung von Bildern darmerie und Polizei bei der zerstreuung Kleider Zeile eine Gruppe von etwa 100 Demonstran Später traf dort Gendarmerieassistenz ein, um nach aus dem„ Braunen Haus" in München, der nerer Ansammlungen werden leider wohl nicht ten unter Führung des Abg. Barša vergeblich einigen Demonstranten vom Vormittag zu suchen. Vorwurf der Fälschung, der Lüge und des nur aus Teplit, wie der untenstehende Bericht Anschluß an die heimkehrenden Arbeiter. Vor dem Bei der Feststellung dieser Beute entstand ein Aufmeldet, sondern auch noch aus anderen Orten Bahnhof wurde schließlich eine Ansammlung von lauf, der von der Gendarmerie zerstreut wurde; der Wache zerstreut, wobei Abg. Barša angehalten vier Personen wurden verhaftet. nachträglich einlaufen. * Demonftrationen der Polizeigewalt. wurde. Brünn In Boskowi stellte die Gendarmeria 20 * des politischen Teils aller dem sozialdemokratischen Breffekonzern angeschlossenen Blätter) gegen den Tag" die gerichtliche. Klage angestrengt. Im Zuge des Ausleichsverfahrens hat die Redaktion des Deckung der Kosten des Abdrucks dieser Erklärung „ Tag" sich zur Abgabe einer Erklärung und zur im Sozialdemokrat" verpflichtet. Am 3. Feber ist die Erklärung im„ Tag" erschienen. Sie lautet: Erklärung. In der Folge des Tag" vom 10. Dezember Schwindels gemacht worden ist. Mit Rücksicht auf den, von der Redaktion des Sozialdemokrat" gegen unseren verantwort lichen Redakteur angestrengten Breßprozeß erflären wir, daß wir unsere Vorwürfe und Beleidigungen nicht aufrecht erhalten können und fie deswegen mit dem Ausdrucke des Bedauerns widerrufen. bon Die Schriftleitung des Tag". Personen wegen Zusammenrottung feft. In der Slowakei, wo die Behörden mit Verboten und Präventivverhaftungen am radiTepliß- Schönau. Die Demonstrationen in In Blansko zogen um halb vier Uhr nach- talsten vorgingen, scheinen die Kommunisten Teplitz- Schönau, Dug und Brüg verliefen voll mittags etwa 150 Kommunisten zu der Waschinen relativ noch am günstigsten abgeschnitten zu tommen ruhig. In allen drei Bezirksstädten fabrik der Firma Böhmisch Mährische- Kolben und haben. Aus einer ganzen Reihe von Orten waren starte Aufgebote von Gendarmerie fon- forderten die Arbeiterschaft auf, die Arbeit einzu werden zumindest Demonstrationszüge zentriert worden. In Dug waren 130 Gendar- stellen. Hierauf drangen sie mit Gewalt in die Sef einigen hundert Mann gemeldet. In Klemen, von denen 60 in den Straßen der Stadt Fabrit ein, öffneten gewaltsam das in den Hof nobce griff Gendarmerie mit dem Gewehrpatrouillierten, auch in Tepliz dürften wohl 70 führende Tor und mißhandelten die Mitglieder des folben ein, wobei eine Person einen leichten Gendarmen gewesen sein, die durch 60 Polizisten Betriebsausschusses und einige der anwesenden Ar Bajonettstich erhielt, ebenso in Myjava; auch verstärkt wurden. In Teplitz hielt die Gendar- better. Die Gendarmeriebereitschaft zerstreute die Bajonettstich erhielt, ebenso in Myjava; auch merie und Polizei die Stadteingänge besetzt und Demonstranten, stellte die Namen der Führer fest, im Bezirk Komorn wurde gegen Demonstranten 31. 91, wobei die Bestimmung des§ 14, des urließ keine Demonstranten durch. Lediglich einem und verhaftete zehn Erzedenten. Etwa eine Stunde mit Gummifnütteln und Gewehrkolben Trupp Demonstranten gelang es, von Turn her später versuchte eine Menge von etwa 100 Personen auf den Schmeykalplatz vorzubringen. Es dürfeuerlich eine Zusammenrottug in der Nähe der erten etwa 150 Personen gewesen sein. Sturze Zeit wähnten Fabrit. Die Gendarmerie zerstreute die darauf erschienen Polizisten und Gendarmen in Menge und verhaftete vier Personen wegen 3u einer Stärke von etwa 50 Mann auf dem sammenrettung. Schmeykalplatz und trieben die Demonstranten auseinander. In Olmüh gegangen. sprünglichen Gesetzes über das Verbot der HerabEin verhältnismäßig ernster Zusammenstoß jehung des Zeitlohnes in Gültigteit bleibt. Diese wird aus Perečin in Karpathorußland gemel- Maßnahme ist vollkommen begründet, sowohl det, wo etwa 1000 Personen aus den Nachbar- durch die Entwicklung der Industrie, was Zahl gemeinden in die Stadt einzudringen versuchten; der Betriebe und Lerabjegung der Arbeiterzahl fie sollen wieder die berüchtigten Eisenstangen", betrifft, wie durch die Herabsetzung der Erzeu nüppel und Steine mitgeführt haben. Bei dem gungszeit, die für eine gewisse Menge von ProZusammenstoß sollen 16 Gendarmen, darunter Duften erforderlich ist." fünf ernstlich verwundet worden sein, während 60 Demonstranten Siebe mit dem Gummiknüppel erhielten, ohne daß sich jemand als verletzt meldete. Eisenstangen sollen auch in Munka cz von Demonstranten verwendet worden sein, worauf Gendarmerie mit dem Gummifnüppel vorging. In Presburg selbst soll die Demonstration aus 150 Demonstranten und zwei kommunistischen Parlamentariern bestanden haben. Rationalisierung macht Arbeitszeitverfürzung notwendig. Gendarmen und Polizei wurde gegen eine Gruppe von angeblich nur 100 gingen rü dsichtslos und an einzelnen Bersonen aus einem Vorort ein Polizei- und Ka Stellen geradezu brutal vor. Dabei soll valleriekordon eingesetzt. Im Stadtinnern eine Frau von einem Polizisten mit einem tam es nur zu fleinen Zusammenrottungen, die von Gummifnüppel geschlagen worden sein, von der der Polizei leicht zerstreut wurden. 13 Personen Polizei wird dagegen behauptet, daß die Frau in wurden verhaftet. der Nordstraße gestürzt ist. Sie hatte jedenfalls Ju Mähr.- Schönberg Verlegungen am Kopfe und mußte ins Stranten- wurden 42 Personen wegen Nichtbefolgung der Anhaus eingeliefert werden. Sie heißt Berta Vier- ordnungen der Wache festgenommen. Unter ihnen mud und ftammt aus Kosten. An anderen soll sich nach einer Privatmeldung auch der kommuStellen der Stadt gab es wohl vereinzelte Rusammenstöße, jedoch ohne ernsten Charakter. Vier Personen wurden wegen Widersetzlichkeiten verhaftet, aber noch in den Abendstunden wieder freigelassen. Die Teilnahme an den Demonftrationen war ziemlich schwach. In Duy, wurde den Demonstranten gestattet, in Fritsch's Gasthaus eine Versammlung abzuhalten, an der zirka 300 Personen teilnahmen. Es wurde befchloffen, morgen eine zweite Versammlung abzuhalten, in der eine Deputation gewählt werden soll, die beim Bezirkshauptmann die Freilaffung der vorgestern verhafteten Kommunisten, Es tritt eine Herabsehung der Zahl der die über die Platate, in welchen die Kundmachung verboten wurde, Streifen mit dem Arbeiter, insbesondere der qualifizierten Arbeiter, Worte konfisziert" flebten, verlangen foll. auf, an deren Stelle unqualifizierte Arbeiter und Außerordentlich provozierend wirkte die Tatsache, Frauen treten. daß die Gendarmen heute früh auf dem Marktplaße Feldübungen abhielten. So wurde unter anderem Gewehr anlegen" geübt. * Aufsig. Nach der amtlichen Meldung kamen von Karbig am Nachmittag etwa 300 Perionen nach AusFeststellungen des Fürsorgeminifteriums. Zusammenfassend werden in dem von uns einiger Körperteile, durch die Beschleunigung des mehrfach besprochenen Gewerbeinspektionsbericht Arbeitstempos, durch die notwendig größere ge aus der Rationalisierung in der Tschechoslowakei stige Anstrengung etc., was eine größere Arbeitsdie nachstehenden Folgerungen für die Arbeiter ge- ermüdung zur Folge hat und was auch zu zogen: rascherer Erschöpfung der Lebensfräfte und zu häufigerer Sterblich= feit führen fann. Die Rationalisierung dient hauptsächlich dem Nußen der Unternehmer, während sie vorläufig auf die sozialen Verhältnisse der Arbe terschaft einen weitgehenden ungünftigen Einfluß ausübt... Die dadurch entstehende struktuelle Arbeitslosigkeit wächst in ein furchtbares Ausmaß." Troß dieser ungünstigen Erscheinungen muß das Ministerium für soziale Fürsorge mit der Rationalisierung als mit einer Tatsache rechnen, die nicht beseitigt werden kann. Gemäß seinen Aufgaben bemüht es sich nicht nur ihre schäd lichen Forgen abzumildern, sondern auch vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Mit dieser Aufgabe sind die Gewerbeinspektoren betraut, und man muß anerkennen, daß diese mit Arbeit überlasteten Beamten bestrebt sind, diese Der Raziverrat an Südtirol. Hitler- Dementi widerlegt. Die christlichsoziale Tiroler Presse hatte vor einigen Wochen mitgeteilt, daß hatentreuzler am fascistischen Siegesdentmal in Bozen einen Kranz niedergelegt haben. Die Satentreuzler bestritten wütend diese Meldung. Die Tiroler Christlichsozialen haben nun auf Grund verläßlicher Erhebungen" unter anderem festgestellt, daß es Personen gibt, welche die nationalsoziali stische Huldigung vor dem Siegesdenkmal wie das Halentrenz unter dem Huldigungszeichen wahr. genommen haben wollen. In der Krypta des Siegesdenkmals ist das früher dort aufliegende Buch der Eintra gungen verschwunden. Seit 14. Dezem ber liegen nur noch lose Blätter auf, die offensichtlich aus dem früheren Buche herausge rissen worden sind. Am 9. Dezember wurden zwei nationalsozia listische Persönlichkeiten aus dem Reiche beint Passieren der österreichisch italienischen Grenze am Brenner von Fascisten feierlich empfangen, in ein Abteil erster Klasse gebracht und nach Bozen geleitet. Wie bei der Julfeier der Meraner NaziOrtsgruppe, so auch bei einem Sprechabend der Meraner NSDAP.- Ortsgruppe erschienen wei Beamte der Quästur( Polizeidirektion), von denen sich einer für den Sieg der Hitler. Partei aussprach. Am 21. v. M. wurde in Bozen eine nationalsozialistische Ortsgruppe gegründet Der Raum war mit Fahnen Hitlers und der Trikolore geschmückt. An den Wänden hingen Bilder von Hitler, Mussolini und Straßer. Als Ehren. gäste erschienen Offiziere der Fascisten miltz und Beamte der Quästur Man huldigte sich gegenseitig mit den Rufen: Evviva Mussolini! Evviva Hitler!" sig, die in fleineren Gruppen auf dem Marktplatz Viele qualifizierte Arbeiter werden zu unqualifi- Aufgabe bewußt und mit Anstrengung aller herumgingen und sich schließlich ins Bahnhofsvestizierter Arbeit für weit niedrigeren Lohn ver- Kräfte zu meistern. bül begaben, vermutlich um sich dort zu wärmen. urteilt. Die Rationalisierung hat aber auch Soweit es sich um die Gesamtlösung des Die Wache verdrängte sie von dort und griff beim„ einen ungünstigen Einfluß auf das sittliche Ver- Problems handelt, ist es das Bestreben des MiniBahnhof der ATE mit Gummiknüppeln ein. hältnis des Arbeiters zur Arbeit; dem Arbeiter fteriums für soziale Fürsorge, dahin zu wirken, Neun Stommunisten waren am Abend vorher in wird immer mehr und mehr die Möglichkeit ge- daß die Rationalisierung nach einem genau Präventivhaft genommen worden. nommen, seine schöpferischen Fähigkeiten zur Gel- durchdachten Plan eine wirkliche wissenschaftliche In Reichenberg nung zu bringen, er ist durch Jahre zu einer ein Beitung der Arbeit werde, welche die wichtigen ist der Tag ziemlich ruhig verlaufen. Einige Male zigen, eintönigen, uninteressanten, seine Kräfte Intereffen des menschlichen Faktors in der Prowurden der Tuchplatz und der Altstädterplatz von erschöpfenden Leistung oder zu bloßer Aufsicht duktion beachtet, denn dann kann den Konsumen berittener Polizei geräumt. Bei dieser Gelegenheit über die Arbeit der Maschine verurteilt und ber- ten ein billigeres Produkt gegeben, der Arbeiterfielen einige Zwischenrufe. Gegen sechs Uhr abend ltert so eine wichtige Voraussetzung zufriedenen schaft ein gerechter Anteil an den erreichten Erster Deutschösterreichs und Kolb gezeichnete Bewar von Verhaftungen noch nichts bekannt. Lebens und der Freude an der Arbeit. Tritt dann sparungen in Form erhöhten Verdienstes und richt schließt mit der Erklärung: Wir können es In Hohenelbe dazu das Bewußtsein ungenügender Arbeitsent verbesserter Arbeitsbedingungen gewährt werden, getrost dem Urteil der Bevölkerung überlassen, ob lohnung, ist es begreiflich, daß ein Teil der Arbei- die allgemeine Lebenshaltung erhöht und auch das Verhalten der Nationalsozialisten in und gegenter, insbesondere der qualifizierten, die Rationali- dem Unternehmer ein angemessener Gewinn be- über Südtirol verräterisch ist oder nicht. fierung als ihren Feind betrachtet. Die Regelung lassen werden. Dabei ist es aber notwendig, die des Lohnes ist unter den heutigen gesellschaftlichen Gesamtarbeit im Staate auch auf die Hundertversammelten sich am Nachmittag auf dem Marktplas etwa 500 Personen, die über Aufforderung der Gendarmerie auseinandergingen. Prag Der von Schuschnigg- dent neuen JustizminiEinstellung der Textilwerke Kosmanos. Die Abg. Kopecky versuchte nachmittags beim Berhältnissen Sache privater Abmachung von tausende Arbeiter zu verteilen, welche infolge der Erwartung, daß die Zivno- Bank die FinanzieArbeiter und Unternehmer und man darf sich des- strukturellen Krise dauernd arbeitslos geworSchichtwechsel vor der Zižkover Kapfelfabrik eine Rede zu halten, wurde aber angehalten und wegen nicht wundern, wenn nach Durchführung den find. nach Legitimation freigelaffen. Um 17 Uhr ber- bon arbeitsvarenden Maßnahmen oft der Lohn der Arbeiterschaft sinkt, besonders wenn die ArByfosuchte Abg. Hruška vor der Kolbenfabrik in ho- beit erleichtert wurde und daß die Erhöhung des čan sein Glüd vor einer Gruppe von 100 Beuten; Lohnes, wenn es dazu kommt, nicht immer der Hruška wurde abgeführt und nach Legitimation freigelassen, vier Personen sichergestellt. In 8ie- erhöhten Leistung entspricht. ben brachten die Kommunisten etwa 100 Leute zusammen. die nach Prag ziehen wollten, von der Polizei aber zerstreut wurden. Pilfen Bor 14 Uhr versuchte auf dem Husplaye Abg. Dvořal eine Rede zu halten, wurde aber gleich bei Die Ernährung dieses großen Teiles der Arbeitslosen wird nicht möglich sein ohne Berkürzung der gefeßlichen Arbeitszeit, wobei die Initiative der Regierung und den gesetzgebenden Körperschaften zukommt. rung der Textilwerke der Firma Rosmanos in Josefsthal übernehmen wird, hat sich nicht er. füllt. Die Verhandlungen mit der Wiener Kreditanstalt, welche bisher diese Firma finan ziert hat, find gescheitert. Der Betrieb wird daher nach und nach eingestellt, die einzelnen Das Ministerium für soziale Fürsorge hat Abteilungen hören am 10., 17., 24. Feber und seine Bereitwilligkeit dazit gezeigt durch Vorlage 2. März zu arbeiten auf. Die Arbeiterschaft eines Regierungsentwurfes auf gesetzliche Einfüh vermerken, welcher insbesondere bei der Fließ- rung der vierzigstündigen Arbeitswoche, durch hat bereits die Kündigung erhalten, betroffen arbeit am laufenden Band durch den Mangel an Aenderung und Ergänzung des Gesetzes über die werden durch die Betriebseinstellung gegen 1000 Bewegung leidet, durch die einseitige Anstrengung achtstündige Arbeitszeit vom 19. Dezember 1918, Arbeiter. Schließlich muß man auch den schädlichen Enfluß auf die seelische und förperliche Gesundheit des Arbeiters Seite 4 Tagesneuigkeiten Die Ermordung des japanischen Erminifters. Donnerstag, 11. Feber. 1932. Wie man eine Gemeinde schädigt. Umgehung einer Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichtes. Zwei Prager Advokaten und die Landbündler. Nr. 36. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag. Prag: 11: Schallplatten. 15.25: Schallplatten. 17.05: Stammermufit. 18.20: Deutsche SenWien: 20.20: Aus neuest Baris, 10. Jeber. Zur Ermordung des ehemaligen japan chen Finanzministers Inouye seriege die Arbeiter, Häuster und Kleinbauern in waltungsgerichtes außer Wirkung setzen sollte. Sie Philharmonisches Stonzert. 22.20; Schallplatten. Es ist noch in guter Erinnerung, wie vor dem Gemeindebeschluß, der die Entscheidung des Ver- dung: Stinachrichten. 19.05: Blasmufit. 20.05: werden folgende weitere Einzelheiten gemeldet: den Landgemeinden von den Großbauern, welche führten folgende Komödie auf, die man ganz gut Sendung: Dir. Ferand: Der bewegte Mensch. Brünn: 16: Orchesterkonzert. 18.25: Deutsche Als der ehemalige Minister um 20 Uhr durch das Dreillassenwahlrecht fast ausschließlich die Betrug an der Gemeinde nennen fönnte. Die land( nach mitteleuropäischer Zeit mittags) sein Auto- Gemeinden beherrschten, behandelt wurden. Biele bündlerischen Genteindevertreter begannen schein Berlin: 20: Mephistopheles", Oper von Boito. mobil in der Tobioter Borstadt verließ, um an tausend Hektar Boden als Gemeindegut haben sich halber mit den Rustikalisten einen Ausgleich beim Der Winter in der Mufit. 18.45: Mandolinisten. Breslau: 16.25: Schlager. Rönigsberg: 16.30: einer politischen Bersammlung teilzunehmen, die Großbauern angeeignet, welcher für immer für Bezirksgerichte zu ingenieren, denn die Rustika bund. 21.20: Heitere Mufit.- Leipzig: 16.30: überfiel ih plötzlich ein 22jähriger jun- die Gemeinden verloren ist, und viele Zahlungen listen, welche dem Bund der Landwirte angehören, Phantastische Tänze. 19.30: Rongert. Mühlader: ger Mann, der vier Revolverschüsse gegen wurden den Kleinen ungerechterweise auferlegt. Ein find zugleich Gemeindevertreter in einer Person. Inouye abgab. Drei der Schüsse trafen den Mi- Recht fanden die Kleinen weder in der Gemeinde- Merkwürdigerweise haben sich für dieses Manöver Orchestertonzert. 21: Fahren Sie mit der Post19.45: Mandolinentonzert. München: 19.35: nister, ein Schuß ging mitten in die Lunge. vertretung, noch in dem Bezirks- oder Landesaus zwei bekannte Prager Advokaten hergegeben, und Nach 10 Minuten verschied der Mini- schuß. Sie waren einfach rechtlos. zwar der Dr. Wewer! a und Dr.& ofte eta futſche? Hörfolge. fter auf dem Transport zum Hospital. Operetten. Daß es auch heute noch so etwas geben tann, in Prag. Diese vei Advokaten brachten tatsächlich Der Mörder, der an Ort und Stelle ver sollte man nicht für möglich halten und doch ist beim Bezirksgerichte in Mies einen nach allen haftet werden konnte, heißt Sel Konima. Eres so. Seit neun Jahren führen die Häusler und Seiten anfechtbaren Vertrag zustande. Der Vor- Stassa, die 10.000 Frants enthielt. Den Zugsstellte zavar vorerst in Abrede, seine Tat aus poli- Arbeiter der Gemeinde Guratin im Bezirke sisende des Bezirksgerichtes Oberlandesgerichtsrat führer schlossen sie in den Gepäckwagen ein. tijchen Motiven verübt zu haben, gab jedoch spä- Mies mit den dortigen Bauern als Rustikalisten Stoftial scheint diesen zwei Advokaten aufgesessen ter zu, die Finanspolitik des Ministers in einen erbitterten Rampf um das Gemeindegut. Die zu sein, denn er verurteilte die Gemeinde, die durch burg wurde ein Bierfutscher der Schultheiß Mord. Auf der Chauffee bei Oranien den letzten Jahren nicht gebilligt zu haben. Kleinbauern, Häusler und Arbeiter als Wähler und die Kleinhäusler den Prozeß gewonnen hatte, su brauerei ermordet. Der Führer eines Lastkraft Der ehemalige Minister Inouye war, als er das Steuerzahler verlangten, daß der Gemeindebefig, Bahlung von 7300 K, das heißt, der Advokat wagens fand den Rutscher mit Schußwunden tot Finansportefeuille innehatte, wegen seiner Er welcher im Grundbuche als Gemeindegut einge Softecta schiďte eine Rechnung mit obigem Betrag auf dem mit zwei Pferden bespannten Brauerei sparunga gspolitit unpopulär. Außerdem tragen war, nach dem Gesetze vom 17. Juli 1919, an die Gemeinde, wobei er sich auf das Urteil wagen. stellte er sich in der letzten Zeit gegen den Kriegs- Nr. 421, in Gemeindeſtammbermögen umgewandelt berief. Das Urteil aber lautete, daß die Gemeinde minister, als dieser die Entsendung von 1½ Di- werde, damit die Nutzungen der Gemeinde zugute den Rustikalisten( das sind wieder die Gemeinde- früh sprang bei der Station Senomath- Sanov bei 1% Ein hartnäckiger Selbstmörder. Mittwoch visionen nach der Mandschurei gefordert hatte. tommen. Endlich im Jahre 1931 entschied das vertreter) das gesamte Gemeindeſtammvermögen Stladno der 23jährige Arbeiter Koteš unter Durch seine Opposition im Parlamente trug er Oberste Berwaltungsgericht, daß das Gemeindegut um den Preis von 30 K per Heftar verpachtet einen heranfahrenden Zug. Er wurde am Fuße beträchtlich zunt Sturze des Kabinetts Wakatsuki in Stammvermögen umzuwandeln ist. und gugleich die Zustimmung zur Verbücherung des bei, der unlängst erfolgt war. Bereits im Vormonate war vor der Villa des Ministers eine Bombe geworfen worden. Da zu dieser Zeit jedoch das Haus unbewohnt war, richtete bie Erplosion der Bonube bloß Sachschaden an. Den letzten Informationen zufolge wurde festgestellt, daß die Waffe dem Mörder durch die geheime Gesellschaft ,, Der schwarze Dra che" zugestellt worden war. Diese Vereinigung hat be reits mehrere politische Morde in Japan auf dem Gewissen. Deutsche Nationalsozialistin tschechoslowakische Epionin. Die Kleinhäusler haben also einen mühevollen, Bachtes erteilt habe. Die Gemeinde wird alio erft schwer verletzt. Das Zugspersonal nahm ihn aber glänzenden Sieg errungen. Nicht unerwähnt in gwölf Jahren durch den Pacht die Gerichtstoften fofort im Zuge mit. Der verletzte Stokes benützte soll bleiben, daß ihre Organisation, der Zentralver- deden. Im freien Bacht würde die Gemeinde min- einen Augenblid, als sich das Zugspersonal entband der Kleinbauern und Gänsler, und die sozial destens das Zehn fache eingenommen haben! fernt hatte, und sprang abermals aus demokratische Partet ihnen treu mit Rat und Tat Jit an dieser Gemeinde ein Betrug begangen wesenheit bemerkte, kehrte er mit dem Zuge zu dem Zuge. Als der Zugsführer seine Abzur Seite gestanden sino. rüd, um nach den Vermißten zu forschen. Der Selbstmörder war jedoch unter die Räder des Zuges gesprungen und auf der Stelle tot geblieben. Run trat aber das Unglaubliche ein. Die Gemeindevertretung, welche nur aus Mitgliedern des Bundes der Landwirte bestand, faßte einen worden oder nicht? Auf diesen Vorgang machen wir das Justiz ministerium und die Advokatenkammer aufmerksam. Dominit Leibl. Herenglaube ordentlich produktiv( er hat etwa 140 Romane 70.000 2ögel beisammen. Es handelt sich im richt von Kenya( Britisch Ostafrika) berurteilte -70 Todesurteile! Das Geund Hunderte von Erzählungen ver- Großteil um Zeisige, Meisen, Finken, Drosseln, 70 Eingeborene zum Tode. Die Angeklagten faßt) und arbeitet unglaublich schnell. Den Seidenschwänze, Serummschnabeln, Gimpeln und hatten ein als Bauberin verehrtes altes Weib Roman Die seltsame Gräfin vollendete er noch um eine ganze Reihe anderer unbekannter vom Wakamba- Stamm beschuldigt, ihren eigenen innerhalb von vier Tagen. Seine Bücher find Bögel. Es ist dies ein Naturschauspiel, das sich Stammeshäuptling mit einer schweren Krank Aus Neudet im Erzgebirge wird uns be auch in fremde Sprachen übersetzt worden, ins bisher niemand erklären kann. In dem Walde, heit verhert zu haben. Die Zauberin sollte den richtet: Vor kurzem berichteten die Tageszeitun Deutsche wohl sämtliche seine Detektivromane, die in welchent sich der Vogelschwarm niedergelassen Stammeshäuptling wieder enthegen, arbeitete gen über die Verurteilung der Frau E. Göh durch die schier unerschöpfliche Phantasie ihres bat, herrscht ein ohrenbetäubendes Gezwitscher aber nicht zur vollen Zufriedenheit der Schwarzen aus Neudek durch das Berliner Kammergericht Autors, durch seine Erzähler- Geschicklichkeit und und ein Gesang in den mannigfachsten Variatio- und wurde deshalb erschlagen. Von den 70 zum wegen Verrates militärischer Ge- die richtige" Dosierung von Blut und Witz nen. heimnisse zu Gunsten eines ausländischen Millionen und Abermillionen Leser gefunden ( des tschechoslowakischen) Staates zu einer se ch 3 haben und die selbst solchen Gaumen, die anderes jährigen Zuchthausstrafe und zu zehn und besseres verlangen, zuweilen der Abwechslung Jahren Ehrverlust bei gleichzeitiger Einziehung halber als genießbar erscheinen. des im Besize der von der politischen Polizei Festgenommenen befindlichen Barmittel im Be trage von etwa 8000 ronen. Interessant ist nun die Tatsache, daß die Verhaftete Mitglied der Neudeker Ortsgruppe der deutschen nationalsozialistischen Partei war und sich in der Dr. ganisation eifrig betätigt hat. Siehung der Klaffenlotterie 70.000 Kč: 70337. 20.000 Kč: 1754. 10.000 Kč: 8750, 42412, 45492. Eine sechstöpfige Familie ermordet. Paris, 10. Feber. In der Gemeinde Moirag, in der Nähe von Agen wurden heute früh sechs Mitglieder einer Häuslerfamilie bis auf den Familienvater, der an diesem Tage nicht zu Sause war, ermordet aufgefunden. Nähere Einzel heiten und der Grund dieser schredlichen Tat sind 5000 Kč: 8530, 23454, 48128, 57240, 62132, bisher nicht bekannt. 69899, 72731. 2000 Kč: 1961, 6627, 8192, 8804, 9080, 12140, Tode Verurteilten wurden 10 Jugendliche der Gnade des Königs empfohlen". Journalistische Figigkeit. Die„ Pr. Abendseitung" sab sich veranlaßt, die Meldung über das Attentat an dem Nationalsozialisten Schäffer durch die fire Wiedergabe eines Porträts des Opfers zu würgen. Leider hat sich der Regisseur, was allerdings der Großteil des Lesepublikums nicht gemerkt haben dürfte, in dem Bilde ver griffen. Es stellt nämlich unseren Genossen Schäfer( Reichenberg) vor, der wahrscheinlich als Das Sterben der Bergarbeiter. Auf der Ab- Abgeordneter Schäfer im Bildarchiv des Mercy16557, 16968, 17049, 17258, 17276, 18603, 19629, teilung 5 der Sosnika- Grube bei Sinden- Verlages vorrätig war und kurzerhand für den Mordanschlag auf einen ehemaligen 19876, 21295, 28628, 30528, 33433, 37336, 38512, 41686, 42870, 45705, 45850, 50609, 51884, burg wurden Dienstag abend durch Zusammen- Nationalsozialisten Schäffer ausgegeben wurde. nationalsozialistischen Abgeordneten. 56247, 56675, 62402, 68026, 71623, 82071, 92544, bruch einer Strecke zwei Bergleute ge- Wahrscheinlich passiert das dem fixen Blatt des geöfteren, nur fann man solche fleine Verwedylungen 3wvidau, 10. Feber. Die Polizeidiceftion 96557, 99476, 103364. mitgeteilt von der„ Glüd tötet. Der Gendarmenmörder von Karwin seit nicht jederzeit kontrollieren. ( die vielleicht nicht immer unabsichtlich geschehen) 3widau teilt mit: In der Nacht zum 10. Feber stelle" Josef Stein, Prag I., Bergstein 2. hat ein Unbekannter auf den aus den Vergestellt. Der Gendarmerie- Fahndungsstation in Mähr.- Ostrau gelang es festzustellen, daß der Hochzeitsschlacht. Bei einer Bauernbochzeit gängen in Hessen bekannten früheren nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Schäfer einen Gendarmeriewachtmeister Dýra aus Narwin von in Negowan( Bulgarien) entstand ein blutiger Mordanschlag begangen. Dr. Schäfer hatte ant dem 31jährigen ledigen Bergmann Rudolf Streit wegen des Anführens beim Rundtanz. Reichenberg, 10. Feber. Heute Nachmittag 3 wierzawa aus Freistadt erschossen wurde. Die Rauferei und Schießerei, an der mehr als Dienstag abends in Werdau gesprochen. Er war dann nach Zwickau gefahren und hatte hier eine gegen 4 Uhr wurde auf den Bankangestellten Nach der Tat war der Mörder zu Hause, wo er 100 Bauern und Bauernburschen beteiligt waren, Gastwirtschaft aufgesucht. Nach halb 12 Uhr besef Fotr in Friedland ein frecher Raubüber- geftand, bei Burys in Sarwin einen Einbruch dauerte über 3 Stunden. Es gab 30 Verlebte fand er sich auf dem Wege nach seinem Hotel fall verübt. Fotr trug für seinen Dienstgeber berübt zu haben und dabei von dem Gendarmen und vier Tote, unter ihnen die Brautführerin. Als er über den Rathenau- Platz ging, fiel plöŋ- segen 12.000 kronen zur Post. Das Geld hatte ertappt worden zu sein, wobei es zu dem Unglüc Neue archäologische Entdeckungen in der Slolich ein Schuß, der ihn am rechten Ober lich ein Schuh, der ihn am rechten Ober- er in einer schwarzen Ledertasche verwahrt. In tam. Nach der Tat flüchtete der Mörder. Die walei.„ Slovenska Krajina" bringt eine beachtensarm verlegte. Dr. Schäfer fonnte nicht an der Turnergasse schloß sich ihm ein Mann an, Gendarmerie hat die Nachforschungen aufge- werte Weldung über Entdeckungen und Ausgra der ihn dann in der Rädergasse einholte. In nommen. geben, wer den Schuß abgegeben hat. Er hat bungen im Bezirle von Trenčin hinter Joaauch niemand in seiner Nähe gesehen. Als der drohte ihn und verlangte von ihm mit vorgenachmittag ist eine Lokomotive auf der Strecke Bašta tam man beim Steinklopfen die Steine dieser Gasse sprang der Fremde vor Fotr, be- Ein Fuhrwerk vom Zug erfaßt. Mittwoch novce. In einem Steinbruche auf dem Berge Schuß fiel, fuhr ein Kraftwagen, der nicht haltenem Revolver die Ausfolgung des Geldes. Kralup- seladno in der Nähe der Gemeinde werden für die Regulierung der Waag verwendet erkannt worden ist, an ihm vorbei. Kurz darauf Fotr sprang jedoch in das nahe Gasthaus Zum Brandýsef bei Kladno auf einer ungeschüßten auf eine große Menge von Gegenständen, Ge haben einige Personen einen jungen Mann Skanni" und rief um Hilfe. Obwohl die im Gast- Bahnübersehung auf einem Bauernwagen aufgefäßen, Knochen und Borrichtungen aus der neoli im blauen Anzug ohne Kopfbedeckung die Wil- hause anwesenden Gäste und anderen Personen fahren, wobei der Kutscher Burger auf der Stelle thischen Zeit. Weitere archäologische Arbeiten des helmstraße, Richtung Hauptmarkt, entlang rennen ben Fremden verfolgten, tonnte er entfommen. Gin Raubüberfall in Friedland in Böhmen. Verwalters des Trendiner Museums, Juži Mádlas; sehen. Es ist anzunehmen, daß dieser junge Der Ueberfall erregte, da er am hellichten Tage getötet und das Gefährt zertrümmert wurde. Mann der Täter gewesen ist. Dr. Schäfer has in unmittelbarer Nähe des Marktplates geschah, freit. Aus Nom wird berichtet: Auf Grund tümlichen Feuerstätte im Durchschnit Ein Achtzigjähriger aus dem Kerker be- führten zur Auffindung einer ausgedehnten aftereine so schwere Verlegung erlitten, daß er in das 3widauer Krantenstift übergeführt werden mußte. Er sollte heute abends in Zwickau in einer Bersammlung sprechen. großes Aufsehen. Beweisverfahren im Sinta- Prozeß geschloffen. von eines höchst interessanten Camorra- Pro 6 Metern. Sie war mit Asche dicht angefüllt. seisas aus dem Jahre 1912, bei dem über Weiter wurden zahlreiche Flitsteine und Jaspise die Ermordung des Neapolitaners Cuocolo verein überaus wertvoller Fund- und handelt wurde, ohne daß mehr als ein Indi- wei Stelette aus der neolithischen Zeit aufgefun Edgar Wallace gestorben. Eger, 10. Feber. Im Sinta- Prozeß wurde sien beweis erbracht werden konnte, wurde den. Das Trenčiner Museum erfährt hiedurch eine beute abend am Schlusse des elften Verhandlungs- ein gewisser Sartin o als der eigentliche Mör- wertvolle Bereicherung. Edgar Wallace, der bekannte englische Verschüttet. Von abrutschender Kaolinmasse tages das Beweisverfahren geschlossen. tages das Beweisverfahren geschlossen. Sinka der und ein Professor Rapi als Anstifter Romanschriftsteller, ist gestern in Hollywood wurde über Antrag des Berteidigers auf Beschlug verurteilt. Nunmehr wurde auf Grund des neuen wurde der in einer Karlsbader Grube beschäftigte gestorben. Mit ihm verliert Wenn man jo lagen darf die gesamte Striminalromane lesende des Gerichtshofes aus der Verwahrungs- Strafgesetes Sartino, der stets seine Unschuld Arbeiter Josef Lorenz verschüttet. Obwohl er fagen darf die gesamte Striminalromane lesende haft entlassen, weil teine Stollusionsgefahr beteuert hatte, auf freien Fuß gesetzt. Der nahezu von seinen Arbeitskollegen schon nach furzer Zeit Welt ihren reichsten und geschäßtesten Lieferanten. mit den Zeugen mehr bestehe. Morgen werden 80jährige Rapi wird wegen guter Aufführung befreit werden konnte, hatte er doch so schwere Ber Wallace, 1875 geboren, wuchs in London die Plädoyers gehalten und wird vielleicht bereits und, weil er früher unbescholten war, aus dem letzungen erlitten, daß er ins Karlsbader Krankenheran und trat dann in den englischen Heere das Urteil gesprochen werden. Gefängnis entlassen. haus übergeführt werden mußte. dienst ein. Nach sechsjähriger Militärzeit wurde Ertrunken. Aus Röskin wird gemeldet: Mit dem Auto ins Meer. Ein geschlossenes Der sehr unruhigen See find drei Menschen- Personenauto, das mit vier Personen besetzt war, leben zum Opfer gefallen. Das Boot des Fi- fuhr in der Dienstag- Nacht in Cadiz gegen ein schers Tarnow aus Nest, in dem sich außer ihm Geländer, das eine am Strande entlang führende selbst auch die Brüder Evald und Gerhard Holz Straße vom Meeresufer trennt. Das Auto stürzte Zehntausende Gingvögel über Bad Luhatschowik. er Journalist. Zur Zeit des Burenkrieges ( 1899-1900) war er Kriegsberichterstatter des Reuterbüros. Er blieb dann auch nach Beendigung des Burenkrieges eine Zeitlang in Südafrika als Korrespondent des Blattes Das Bad Luhatschowitz genießt in diejen Daily Mail" und gründete schließlich in Tagen einen herrlichen und bisher von allen aus eft befanden, wurde bald, nachdem es den in das an dieser Stelle 20 Meter tiefe Meer. Nur Johannesburg eine Zeitung. Durch seine Leuten noch nie erlebten Anblick. Vor vier Tagen Restrehafen verlassen hatte, von einer Welle er- einer der Insassen konnte sich retten. Die drei Detektivromane wurde Wallace einer der ließ sich nämlich über Luhatschowitz ein Riesen- faßt und zum Kentern gebracht. Keiner der drei anderen ertranten. Tropfsteinhöhlen. Slovensky Vychod" berichte, bekanntesten Schriftsteller in England und wurde ich warm von Vögeln nieder. Es war dies Insassen konnte sich retten, auch die Nachfordort, was die Verbreitung seiner Schriften und ein vollkommen undurchsichtiger schwarzer Vogel- schungen nach ihnen sind ergebnislos geblieben. daß in der Dornica- Höhle bei Bleißniz neue ausgeraubt. Höhlenräume mit schönen Tropfsteinwäldchen ent die Höhe feines Einkommens anlangt, nur noch schwarm. Von diesem Tage an fliegt dieser Schnellzug Marseille--- Paris von Bernard Shaw übertroffen. Im Jahre 1928 Riesenschwarm von Abhang zu Abhang und Der Führer des Schnellzuges Ventimiglia Paris dedt wurden, die bis zu 2 bis 3 Meter hoch sind. verdiente er allein durch seine Theaterstücke, scheint gar nicht die Absicht zu haben. die wurde gestern, turz nachdem der Zug den Bahn- Einige der Tropfsteingebilde sind etwa 10 Meter die gleichzeitig auf drei Londoner Bühnen und Luhatschowißer Niederung zu verlassen. Jene hof von Marseille verlassen hatte, von zio e hoch und messen 2 Meter im Durchschnitt. Außer auswärts von drei Gastspieltruppen aufgeführt Stellen, die von diesem riesigen Vogelschwarm Banditen überfallen, die sich die Unifordem wurden zahlreiche prähistorische Geschirre bon wurden, 3000 bis 4000 Pfund pro Woche. aufgesucht werden, bieten dann der Bevölkerung men von Schaffnern angezogen und im verschiedenartigen Formen, Inöcherne Nadeln und Auch sonst erwies er sich als sein eigener Ber- einen seltenen Anblick. Nach Schäzungen von Gepäckvagen verstedt gehalten hatten. Sie Ines Geräte aufgefunden, mit denen die indenen Gefäße Teger sehr geschäftstüchtig. Wallace war außer- Fachleuten sizen hier mindestens 60.000 bis belien den Zugsführer und bemächtigten sich der geschmückt waren. Nr. 86. Mt S Donnerstag, 11. Feber. 1982. Kleine Chronik Fakir-Ralerel in der Mo chee von Knironon. Haben Sie schon„richtige" Derwisch« und Fakir« gesehen'? Solche, die ein Seil hochschlendern, daß es wie ein Stab in d«r Lust stehen bleibt, an dem der „heilig« Mann"'vor aller Augen hinaufklettert?— Solche, die sich ein Jahr lang vergraben lasten und nach diesem Urlaub vom Leben wieder inS Dasein -urückkehren, als. wäre nichts geschahen?— Oder solch«, die sich Messer in den Leib stoßen, stundenlang in die Sonne blicken, auf Nägeln stchen, Die Abenteuerin von Tunis. Di« besannt« Filmschauspielerin Men Richter im Kreise von Eingeborenen, die bei den Aufnahmen zu ihrem neuen Film mitwirsten. Schlangen beschwören und ander« grausliche Sachen machen?. So«ine Filmreise muß doch wundervoll sein... nein, wie ich Sie beneibel So eine Reise ist auch wundervoll, besonders wenn man allmorgendlich um fünf Uhr aufstehen und sich dick mit Schmink« anstreichen muß, w«nn man mittags um zwölf bei 48 Grad in engen Stra» ßen der Eingeborrnenstadt zwischen fallenden Küchenabfällen tonfilmt und schön daraus achten muß, daß di« S-Laute nur so heraukspritzen, damit das Publikum später nicht glaubt: di« lispelt als„Abenteuerin von Tunis"! Mer Derwische und Fakire habe ich zum Lohn dafür zu sehen bekommen, die besten in Mavseill« im Variete, in Berlin im Lunapark und in Kopenhagen km Tivoli. Was man sonst den Fremden in den Hafenstädten des Orients zeigt, ist genau derselbe Humbug. Angelernte Tricks, di« jeder routiniert« Artist nachmach«n kann. Wirklich« Fakire zeigen ihre Bußübungrn nicht öffentlich. Für sie sind es religiös« Handlungen. Neugierig« Europäer, insbesondere Frauen, bekommen nur Gauklertruppen zu sehen, denn der Eintritt in«ln« Moschee ist ihäen' weist"überhaupt nicht, keinesfalls aber wahrend der Gebeistunden erlaubt. . Kairouan ist nach Mekka'die heiligste Stadt der Mohammedaner. Hierhin pilgern sie, um in den uralten Moscheen zu beten, hier.hat man dl« Mara- bouS— di« Heilig««— zur letzten Ruh« geb«tt«t. Aus einer kleinen Moschee dringt der einförmige Klang beS Tamtams und der Ruf der Muezzin zum Gäbet. Die Tür ist offen, ich tret« näher, der Wächter läßt'mich ungehindert paisi««n. Hält er mich für einen" Mann, weil ich Reithosen, hohe Stiefel und Tropenhelm trag«? Er weist wortlos auf«ine Holzbank in der Ecke. Als ich mit dem Fuß«inen kleinen Gebetteppich berühre, nimmt«r ihn behutsam fort und legt, bedeutungsvoll auf die Beter zeigend, den Finger an die Lippen. Um den Priester, einen alten, sehr intelligent auSschenden Mann mit goldener Brille, hocken zwanzig Araber, in zwei Reihen sich gegenüber sitzend, aus dem Boden. Dumpf klingt der Trommel- schlag auf dem Tamtam, dessen Kalbsfell von Zeit zu Zeit über einem Kohlenfeuer erhitzt wird uich sich zu hellerem Ton spannt. Eintönig leiern di« Beter die Sprüche des Priesters nach. DaS geht so »nunt«rbrochen zwei Stunden. Dann aber stellen sich plötzlich zehn Männer in einer Reihe an der Wand auf. Zum Rhythmus der Tromm«! heben sie den rechten Fuß, den linken Fuß, schneller, immer schneller wiegt sich der Körper von r«chtS nach links, Von links nach rechts. Jetzt auch der Kopf — immer mehr,— immer mehr. Stärker wird der Schlag des Tamtams und wilder das Wiegen der zuckenden Körpers.-Der Kopf rollt wie ein« Kugel auf der Stang« des dünnen Haffes. Di« Aug«n nehmen einen sti«r«n Glanz an. Der Priester singt, der Tamtam dröhnt, die Männer biegen sich nach recht»— nach links— nach recht«— nach links.— Nach«irrer halben Stunde sind sie in vollkommenem Trancqustand. Der erste reißt sich di« Kl«idung vom Leibe, stürzt an ein Gerüst, in dem lange, spitze, florettähnlich« Degen sticken, reißt einen heraus, hält ihn an die Halskette,«in anderer schlägt wie toll mit einem Holzhammer auf den Degenknauf, ohne daß di« Spitze trotz der gewaltigen Schläge mehr als di« Haut durchdringt. Bon seinem Marterer gefolgt, springt«iner durch-i« Moschee, stillt sich vor mir auf, r«ißt einen scharfen Säbel von der Wand, packt ihn mit beiden Händen und schlägt sich mit d«r scharfen Klinge gegen den Letb. Kein Tropfen Blut fließt. Hinter Gittern verborgen hocken die Frauen. Mit.schrillem Kitsch«» bogl«tten sie den grausigen Kult. Immer mehr Tollgeworden« stoßen sich Mester durch die Wangen. Gellen- dröhnt die Hall« wider von den Schlagen, mit denen sie di« spitzen Degen sich in di« Brust, in den Hals, in den Rücken treiben lasten. Schweiß läuft über di« braunen Körper. Jetzt holt «in kleiner Brrwachkener«inen Skorpion, dessen Gift dem der Schlangen an Gefährlichkeit nicht nachsteht, aus einem Papier, hält ihn vor den g«. öffneten Mund und frißt ihn dünn mit Haut und Haaren. Hinterher kaut«r ein zerbrochenes Weinglas, da- vielleicht einmal«in Europäer bei der Fahrt durch diesen weltfremden Ort aus dem Auto geworfen hat. Langsam läßt die Ekstase nach. Demütig taumelt jeder zu dem Ob«rpri«ster— man könnte ihn, wär« seine Haut nicht braun— dem Aussehen nach für einen Gymnasiallehrer oder Universitätsprofeffor hallen—«r flüstert dem Betäubten, der seinen Kopf an ihn lehnt, einige Wort« in» Ohr. Ein kurzes Aufwachen, und der Mann mit dem Skor- Pion im Leibe verläßt die Moschee und geht seinem »hrsantzcn Schustergeweibe wi«der nach. Ellen Richter. Literatur-Anekdoten Der Verleger. An einem sonnenhellen Jnflationstage wurde mir ein Herr vorgestellt, der einen Berlag zu gründen beabsichtigte und meinen Rat zu hören wünschte. Es erwies sich, daß ihm di« literarischen Grundbegriffe restlos fremd waren; dagegen hatte er zu günstigen Bedingungen einen großen Posten Druckpapier von mäßiger Qualität gekauft. Dieser Einkauf bildete die solide Grundlage seines Plans. Außerdem hatte er sich einen swlzen Firmennamen eintragen lasten. Ich entwickelte ihm diesen und jenen Gedanken aus dem Stegreif, was er müßig und bewundernd aufnahm. Als Gegenleistung erhielt ich zwei Tasten Kaffee, einen Kognac, eine Zigarre und einen Händedruck. Damit war di« Unterredung beendet. Einige Wochen hindurch hörte ich täglich nichts von dem Manne; dann begegnete ich ihm zufällig auf der Straße. Nach den"üblichen Begrüßung-- reden fragte ich:„ und war macht Ihr Ver lag?"—„Ja, sehen Sie,— nicht wahr?" sagte er. ,^Jch hatte doch dar Papier gekauft. Und da wurde mir dann eine- Tage- für di« Partie ei« sehr vorteilhafter Preis geboten. Und— nicht wahr?— da habe ich sie dann weggegeben. Und daraus haben sich dann andere Geschäfte entwickelt." Brr eine« Wirt«... Zwei junge Herren in Sportanzügen sahen sich vor langen Jahren einmal nach einem ausgiebigen Waldbummel rings um die Wartburg nach' einem Gasthaus um und entdeckten auch alsbald eine einladende Stätte, die ihren Ansprüchen zur Atzung geeignet schien. Sie ließen sich vor der Tür des Hauser an einem hübsch gedeckten Gartentische nieder und bestellten bei dem Wirt, einem behaglichen, graubärtigen Manne mit einem schwarzen Samtkäppchen und gutmütig heiter leuchtenden Brillen- gläsern, zweimal Spiegeleier mit Bratkartoffeln, Bier und Käse. Er brachte alles höflich und gewandt herbei und hielt auf leutseliges Befragen mit seiner Meinung über das Wetter und die neueste Revolution in Südamerika nicht zurück. Schließlich klopfte einer der Herren mit einem Fünfmarkstück auf den Tisch und rief:„Zahlen!" Da nun baute sich der freundliche Wirt vor dem Tische auf, stemmte die Arme in die Hüsten und sagte:„Nein, meine Herren! Sie haben Spiegeleier, Bratkartoffeln, Bier und Käse verlangt, und ich habe sie Ihnen gegeben. Nun ist aber Schluß. Geld nimmt Fritz Reuter nur für seine Bücher". Wedekind und der Kritiker. Im Münchener Kreis« umFrankWedekind tauchte gelegentlich ein Literat auf, der durch seine bescheidene und zurückhaltende Art angenehm auffiel, so daß der schwer zugängliche, mißtrauische Wedekind ein« gewisse Zuneigung zu ihm faßt« und sich sein« maßvollen Lobreden stumm gefallen ließ. Derselbe Herr indeffen, irgendwo und irgendwie zum Schauspielkritiker aufgerückt, schrieb gleich zu Anfang feiner neuen Laufbahn einen anmaßlichen, von boshaften Bemerkungen wimmelnden„Verriß" ein«S Wedekindschcn Stückes. Wedekind hörte schweigend zu, al- seine Freunde sich über diese „heimtückische Biecherei" ereiferten; dann sagte er mit seinem unvergeßlichen Lächeln, in dem sich Zynismus und hilflose Traurigkeit seltsam mischten: „War wollt ihr? Da kann man nichts machen. Wenn Gott dem Skribifaxer ein Amt gibt, so nimmt er ihm den Verstand". Karl L« r b S. tagen, vom Straßenniveau ab gerechnet, 22 Stockwerke vollendet. Die Hauptaufgabe der Ingenieure bestand darin,' die Standfestigkeit zu sichern, und die größte Schwierigkeit^ür oie Arbeiter war, in der schwindelnden Hohe absturzsicher zu arbeiten. In 305 Meter Höhe wurde mit dem Aufbau des 85. Stockwerks begonnen. Nun folgte die Krönung: die Errichtung eines 61 Meter hohen Turmes über dem 85. Stockwerk, durch den das Gebäude eine Gesamthöhe von 881 Metern erreichte. Gesamtbauzeit: 8 Monate. 40.000 Menschen erhielten Platz zum Arbeiten. Ein fast groteskes Wunderwerk der Baueile in diesem Land, das heftig wie noch ni« von der Wirtschaftskrise geschüttet wird. Volkswirtschaft and Sozialpolitik «WWWWWMWWWWWWWWWWMWWMWWWWWWWW, Familienzulagen in Belgien. Am 1. Jänner dieses Jahres ist in Belgien ein Gesetz in Kraft getreten, durch da» di« Familienzulagen„für alle Arbeiter von Industrie, Handel und Landwirtschaft sowie der freien Berufe und, ganz allgemein, für alle Personen obligatorisch werden, die durch einen Arbeit-Vertrag erfaßt werden oder sonst irgendwelch« Dienstleistungen verrichten, vorausgesetzt, daß sie mindesten» 12 Tag« per Monat bei«mem oder mehreren Arbeitgebern und mindesten» 4 Stunden per Tag beschäftigt sind". Die Hohe der monatlichen Zulage stellt sich wie folgt: bei einem Kind 15 FrS., bei zwei Kindern 35 FrS., bei drei Kindern 75 FrS., bei vier Kindern 145 FrS., bei 5 Kindern 245 Frs., für jedes weitere Kind 100 FrS. Die Zulage wird unt«r allen Umständen bis zur Erreichung dcS 14. AltersjahreS bezahlt. Alle Unternehmer, die«ine oder mehrer« Personen beschäftigen, gleichviel, welchen Alters und Geschlecht«- und gleichviel, ob die Beschäftigten für Kinder zu sorgen haben oder nicht, haben einer Kompensationskasse anzugehören und rhr für jeden Arbeiter«ine Summe von FrS. 0.60 sfür Frauen FrS. 0.30) per Arbeitstag zu entrichten. Abgesehen von diesem für die Auszahlungen bestlmmten Betrag, haben di« Unternehmer den auf sie entfallenden Teil, der Ver« waltUngSkosten der Kaffe sowie einen zusätzlichen Betrag an den Vorsorgefonds zur Kass« zu zahlen. Dieser zusäPiche Betrag belauft sich auf 5 Prozent der gesamten für die Auszahlung geleisteten Beiträge. Er muß solang« bezahlt werden, bis der BorsorgefondS dl« Hohe der Gesamtbeiträge an die Kasse für zwei Monate erreicht hat. Bei der Berechnung der Beiträge der Unternehmer gelten auch jene Tage als Arbeitstag«, die we^en Krankheit, Unfall, unfreiwilliger Arbeitslosigkeit oder auS irgendwelchen gesetzlichen Gründen (z. B. di« Sonntage) versäumt werden. Siu Ausflug in das Zeitalter des zweistündigen Arbeitstage«. Der Pro-feffor Dr. E. C. Furnas hat in New Dock ein Buch herausgegeben unter dem Titel: Amerikas morgiger Tag. Ein Ausflug in das Zeitalter des Zweistunden-Arbeitstages." Wie wir einer Besprechung dieses Buches entnehmen, stellt sich der Verfasser in bewußten Gegensatz zu jenen, die in den Maschine» eine Hauptursache der Rot unserer Zeit sehen wollen. Seiner Meinung nach liege nicht in der Beschäftigungslosigkeit, zu der die Maschinen führen, das liebet, sondern in dem Mangel an Existenzmitteln. Diese Ansicht ist unzweifelhaft zutreffend.. Wenn alle Menschen die notwendmen Existenzminel hätten, erübrigte sich nur noch, die Verwendung der Produktionsmittel mit dem Bedarf in Einklang zu bringen, und dann müßte die Arbeitslosigkeit aus- sterben. Das Festhalten an einer überlangen Arbeitszeit bei der bereits so weit gediehenen Mechanisierung der Produktion, ist unvernünftig und daraus erwachsen zu einem wesentlichen Teil die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, für die Arbeiter und Angestellte die Kosten zu tragen haben. Man kann annehme», daß heute im Weltmaßstäbe ungefähr zwei Milliarden mechanische Pferdekräfte zur Verfügung stehen. Professor Furnas kommt auf Grnrät dieser Tatsache zu der Konstatierung, daß jeder Mensch heute 165 Sklaven in der Gestalt von Kupferdrähten oder Benzin-Tanks zur Verfüg»im hat. Al» sich die ersten Ansiedler in Nordamerika ansässig machten, standen jedem durchschnittlich die Kräfte dreier Sklaven in Form von Menschen- oder Pferdekräften oder auch von Wasserrädern zur Verfügung. Auf Grund dieser Entwicklung mußte daher dre Arbeitszeit auf den 65. Teil von damals verkürzt fei». Dr. Furnas sieht den einzigen Weg zur Rettung darin, daß die von Maschinen den Men- schenkrasten übrig gelassene Arbeit in jedem Lande durch Verkürzung der Arbeitszeit verteilt werde. Er sieht die Zeit nicht mehr so fern,, da vier Stunden Arbeit täglich genügen, die später aus drei, ja sogar aus zwei sinken werden. Dies« Zeit wird genügen, um allen Bedarf der Menschen herzustellen. Dann kommt das Zeitalter der Muße, di« Zeit, in der auch de« arbeitenden Menschen die Möglichkeit gegeben sein wird, ihr Leben lebenswerter zu gestalten. Die Wistenschaftler wissen also schon den Weg, wie wir au» der schweren Wirtschaftskrise herauskommen können. Da nun das Unternehmertum aus dieser Entwicklung freiwillig nicht di« richtige Konseauenz ziehen will, bleibt nichts anderes übrig, als daß durch die. Gesetzgebung der verschiedenen Länder die Wirtschaft von den Fesseln deS überlangen Arbeitstage» befreit wird und daß zunächst die 40- Stunden- woche gesetzlich zur Einführung kommt. Dße Äauveestavt der Zukunft. Da« Wunder im von gtrto cyor».-^Dreimal M Stoa«verte WoH fit** SernsevNno. New Dort, tm Feber.(Eig. Bericht.) Die amerikanisch- Presse hat ihr« große Sensation: trotz der Mißgunst der Zett soll im Zentrum von New Don Radio^lüty di« berühmte überdimensionale Radiostadt der Rockekeller, erbaut werden. Man hat bereits mit den Vorarbeiten begonnen. Der Bauplatz liegt der katholischen St. Patrick-Kathedrale genau gegenüber. In den vergangenen Jahren wurde der Boden nach und noch zu fantastische» Preisen, die' zahlreiche Hausbesitzer zu reichen Leuten mochten, aufgekauft. Nur ein« kleine französisch« Schneiderin hatte e» sich in den Kopf gesetzt, mit d«m reichsten Mann der Welt in den Ring zu treten, und weigerte sich, ihre Rechte an Rockefellers Beauftragte abzutreten. Der mächtige Rockeseller wurde k. o. geschlagen— vielleicht das erste und einzige Mal in seinem Leben. Er muhte warten, bis der Pachtvertrag her keinen Französin abgelaufen war. Das geschah am 81. Jänn« 1932. Heute, am 1. Feber,«ne Minute nach Mitternacht, sausten die Spitzhacken in die Wände deS baufälligen Gebäudes, das in weiter Runde als einziges dem Willen des reichsten Mannes der Welt zu trotzen vermocht hatte. In wenigen Augenblicken war es dem Erdboden gleichgemacht. Die übrigen Häuser hatte man bereits ttn vorigen Herbst abgerissen. Radio-City wird aus drei Häuserblöcken zu je 66 Stockwerken bestehen. Drei mächtige Kuppeln krönen den Komplex. Ihre Silhouette wird im New Uork der Zukunft sein charakteristisches Gepräge geben. Amerika bat den Rekordwahn: „das größte Hotel der Welt" und„die riesigsten Mietzinshäuser der Erde" will man einbauen; vor allem aber wird in Radio-City „das größte Theater der Welt", das erste Weltrundsunk-Theater, das später als internationales Fernsehkino auS- gestaltct werden soll, untergebracht werden. Freilich tverden durch die Pupillen de» Weltauges von Radio-City nur die Bilder jener Ereignisse dringen, die die Rockeseller oder ihre Nachfolger für geeignet halten. Im übrigen wird Rockefellers Launen« Stadt den Geschäftsabsichten und Neigungen des reichsten Mannes der West entsprechend würdig auSaestattet sein. Bon Anbruch der Dunkelheit an viS zum tagenden Morgen werden die drei Riesentürme Radio-Citys durch Scheinwerfer in eine blendende Lichtfülle getaucht, die die Nacht »um Tage macht. Prächtige Dachgärten stehen den Besuchern der Häuser zur Verfügung. Im Schatten von echten Cypressen tvird man um künstliche Seen und illuminierte Springbrunnen spazieren können. Mehr als 1000 Fahrstühle stehen bereit, um die Erholungslustigen in die ersehnten Höhen zu befördern. Die Kosten für den auf mehrere Jahre berechneten Bau der Zukunftsstadt. im Herzen von New Kork belaufen sich nach vorläufiger Schätzung auf 250 Millionen Dollar. Sie wurden von der Rockefeller-Dynastie zur Verfügung gestellt. Die Rockefellers sind davon überzeugt, daß die Erstellung ihrer Zauberstadt einen ungeheuer finanziellen, technischen und zivilisatorischen Fortschritt bedeuten wird. Ob dieser Triumph des vollkommenen Amerika- niSmn» gleichzeitig auch als hoher Kulturbeweis bewertet werden kann, ist eine Frage, deren Beantwortung der Zukunft überlassen bleiben muß. Ta» höchste Hau» der Welt. Einen anderen Rekord habe» die New Yorker neuerdings auch praktisch geschlagen: da» neu errichtete 381 Meter hohe„Empire State Buildings ein BurogÄäude, genießt den RMy, daS, tzchste Haus der. Welt zu sein. ES überragt das Singer-HauS, das Wool- worth-Haus, da» ChrySler-Hau» und die übrigen Wolkenkratzer, die auf dem kostbare» Boden des New Dorker Hafen- und GeschäftSviertelS errichtet wurden.• Nach langen Planungen und Ueberleguugen wurden in einem bekannten New Dorker Ingenieurbüro die Berechnungen durchgeführt, die dem Aufbau des Riesenturmes zu Grunde lagen. Die Beherrschung der bei einem solchen Bau auftretenden statischen Kräfte setzt umfangreiche Vorarbeiten voraus. Auf Grund der Berechnungen wurden die Zeichnungen angefertiat, auf der jedes Blech, jeder Träger, jeder Niet, jede Schraube, jede Schweißstelle verzeichnet waren. Dann begann in den Eisenwerken der Carnegie- Steel-Corporation eine emsige Tätigkeit. Weißglühende Blöcke wurden in di« Walzenstraße gepreßt, und in schwere Träger oder Stohlplatten umgeformt. Riesige Fräsmaschinen, vielspindlige Bohrmaschinen, automatisch arbeitende Lochstanzen schnitten die einzelnen Telle— Profile, Platten, Knotenbleche— auf die gewünschten Längen zu und versahen sie mit den notwendigen Löchern. Nun kamen die Monteure, vernieteten die einzelnen Profile und Blech« zu schweren Trägern, von denen jeder einzelne nicht weniger als 44 Tonnen wog, wobei auf das laufende Meter ein Gewicht von 6.8 Tonnen kam. Solche gewaltigen Stahlmassen erforderten natürlich umfangreiche Gründungsarbeiten. Um die Montage des stählernen Hauses rasch durchzusühren. hatte man mitten im dichten Trubel des New Dorker Verkehrs neun Krane errichtet. Jeder Kran bestand aus Stütze und ÄuSleger uno war durch Stahlseile genau so befestigt wie man die Funktürme befestigt. Alles, war so gut durchdacht, daß ein reibungsloser Auchau ermöglicht wurd«. Jeder Kran hatte eine eigene Nummer, und jede Stütze, jeder Träger und jedes Blech war in der Werkstatt mit der Nummer des Kranes und der betreffenden Dauteilnummer versehen worden. Schwere Autos rollten mit den Lasten der Stahlkonstruktionen heran,. jedes einzelne hielt vor dem richtigen Kran, und die schweren Telle konnten in der richtigen Reihenfolge entladen und sofort aufgebaut werden. Zum Aufstapeln der angesahrenen Telle war weder Platz noch Zeit vorhanden, denn die Bauzeit war so bemessen worden, daß nach der Montage der in die Betonfundamentr einzubauendcn Grundstützen an jedem Tage ein Stockwerk fertiggestellt werden mußte, d. h. 85 in Stahllonstruktion ausgeführte Stockwerke mußten in rund drei Monaten vollendet sein. Die gewandten Stahlarbeiter wurden gezwungen, das Letzte herzugeben. Aber die in den Werkstätten vorbereiteten Konstruktionstelle paßten mit der größten Präzision zueinander. Es gab nicht den geriesten Aufenthalt. Kaum standen dre ersten Stutzen, da roll- ten auch schon die für die einzelnen Krane bestimmten Deckenträger heran, die mit jagender Eile emporgehoben Und eingefügt wurden. In jedem Monat wurden jetzt 10.000 Tonnen Stahl empor getürmt und so in 23 Arbeit». Cette 6 Donnerstag, 11. Feber. 1932. PRAGER ZEITUNG. Gerichtssaal Wieder ein Gattenmörder vor den Geschworenen. Einbernahme der Stieftochter des Angeklagten, beiwohnen. In der Titelpartie Else Lord a. G. Regie: Cutr Wollram. Dirigent: Ernst Baigand. Anjang 7.30 Uhr.( 103- III.) Nr. 36. Kinderfreunde Brag. Ju Vorbereitung: Der Marques von Keith." Eines der bedeutendsten und bühnenwirksamisten Freitag, den 12. Feber um 20 Uhr im Kleinen bei deren Vernehmung der Vorsitzende die Werte von Frank Wedekind, sein Schauspiel der Saal des Handwerkervereines in Prag II., Smečka Oeffentlichkeit ausschloß. Marquis von Keith", fontmt nächste Woche in neuer( Urania") findet eine Film vorführung stat. Es verlautet, daß zwischen der Getöteten und dieser Einstudierung zur Aufführung. Das packende, in Es wird der Film „ Kinderrepublik Seekamp" Tochter scharfe Gegensätze bestanden, die ihren seiner satirischen Weltbetrachtung gang aftuelle Stüd Grund in dem Verhältnis des Stieffeit mehr als zehn Jahren am Prager Theater borgeführt werden. Ein mysteriöser Fall. Freispruch. baters zur Stieftochter gehabt hätten. nicht gegeben worden. Die Regie hat Mag 2iebl Die für Samstag nachmittags anges Prag, 10. Feber. Nach dem gestrigen Todes. Jedenfalls kommt dieser geheimen Vernehmung Die Titelrolle spiels Hans Göt. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Ton- fagte Filmborführung für die Kinder muß umstände. halber auf unbestimmte Zeit verschoben artell gegen den Gattenmörder Zižala hatte sich das ausschlaggebende Bedeutung für die Beurteilung des Falles su. nerstag, 8 Uhr: Dittatur der Frauen werden. hiesige Schwurgericht heute abermals mit einem Die von DGR. Nedvěd geleitete Verhand- Lustspiel von Heller und Schüß.( 100- IV.) FreiMörder seiner Frau zu befassen. Es handelt fichung zog sich bis gegen 4 Uhr nadumittags hin. tog, 7.30 Uhr:„ Der Troubadour", Oper von um den Fall des 50jährigen Ladierermeisters Fer- Da die Geschworenen die ihnen vorgelegte Schuld- Berdi.( 101-1.) Samstag, 8 Uhr: Premiere: dinand Hanzl, der im Oktober v. 3. feine frage auf Word mit acht gegen vier Stimmen opf in der Schlinge".( 102- II.) SonnFrau auf den Feldern unweit von Ban- verneinten und nur die Uebertretung fag, 7.30 Uhr: Premiere:„ Me a da me L'Archi- durcheinander wirbeln. Beide Arten von Kriminalfraz durch einen Schuß in die Schläfe getötet hatte. Der Täter, der sich nach geschehenem nach dem Waffenpatent als gegeben er- duc", Operette von Offenbach, tertliche Erneuerung tonfilmen der jetzigen Filmperiode treffen sich eben Mord selbst der Polizei stellte, erklärte, er habe achteten, verurteilte der Gerichtshof den Angeklag- von Karl Kraus.( 103- III.) Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, feine Frau auf ihr eigenes hartnädiges en unter Freispruch von der HauptBerlangen hin getötet, um sie von ihrem anlage zu 48 Stunden Arrest. rb. 8 Uhr: Tartuffe".( Ab.) Freitag( Kultur schweren Nervenleiden zu erlösen. Er babe sich nachher selbst töten wollen, aber der Mut zum Sterben jei ihm vergangen. An dieser Ver antwortung hielt er auch bei der heutigen Hauptverhandlung fest. Kunst und Wissen Arbeitervorstellung Die Anlage glaubt dieser Darstellung nicht und bemüht sich nachzuweisen, daß es sich dem am Sonntag, dem 14. Feber 1932, um halb Mörder lediglich darum gehandelt habe, sich der 3 Uhr nachmittags, im Neuen deutschen Theater Verdis Oper Othello. Gastspiel Josef Schwarz als Jago. Iranten Frau zu entledigen und er sich jetzt der billigen Ausrede bediene, er habe nur den Willen der Zoten vollstreckt. Geklärt ist die Sache feinesfalls, denn belastende und entlastende Momente halten sich so ziemlich die Waage. Es sind Karten zu billigen Preisen täglich von 8-3, 4 bis wohl Abschiedsbriefe des Angeklagten 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Grabent, Palais Koruna. vorgefunden worden, in denen von gemeinsamem Tod die Rede ist, aber nicht eine Beile von der Hand der Frau. Das Familien Leben der beiden wird von einer Reihe von Zeugen als musterhaft geschildert. Der Mann soll 3 seiner franten Fran sehr liebevoll gewesen sein. Er habe jogar häusliche Arbeiten verrichtet, sogar den Fußbodeu gefeuert und andere Verrichtungen auf sich genommen, die ihm jumeilen Jelbst den Spott der Nachbarn eintragen. Andere Bekannte des Ehepaares wissen wieder von häuslichen Szenen und Streitigkeiten zu berichten, zu denen meist die Kinder der Frau, die nicht vom Angeklagten stammen, Anlaß gaben. Einer der Stiefföhne, der das Ladierergeschäft Hanzls übernehmen sollte, wählte die Laufbahn eines Berufsbogers, was dem Angeklagten viel Aerger bereitete. So habe ihn allmählich alles verdrossen" und er sei den Todeswünschen seiner Frau immer geneigter geworden. Schließlich machte er sein Geschäft zu Geld und brachte vor dem beabsichtigten genteinsamen Ende seine Angelegen heiten in Ordnung. vielleicht die Roman des Fascismus. 11 verband): Dittatur der Frauen". Samstag: Nin a". Sonntag, 3 Uhr: Nina". ( Ab.) Der Film Werner Krauß als Vord( Usa). Aus der Filmwoche. Das Geheimnis der dritten Nacht. Wenn Amerikaner Detektivfilme machen, dann 040 in diesent Punkt: die unschuldige Frau friegt ihn denn doch noch. Diesmal ist es ein Kommisjär der andere wird rasch erschossen und auch sonst ist für Abwechslung Sorge getragen, da man an D- Bug, Flugzeug und Lachgas nicht vergessen hat. Allerdings ist es mehr als merkwürdig, wenn man Spieleisenbahnen im Atelier aufnimmt und uns heute weismachen will, daß es um Wirklichkeit geht. Details der Handlung werden wohl niemals flar werden, aber diese Problematik ist im Interesse der Spannung ganz gut. Gespielt wird ganz nett, über Wallburg wird viel gelacht. Der Strohwitwer. Er ist diesmal Fris Kampers, mit rollen dem Aug. Der sieht sogar der Schwiegermutter Adele Sandrodins zerfurchte Antlig; seine Frau ist die Delschaft und sein vermeintliches Kind die ewig junge und resche Maria Baubler, die uns nicht erspart bleibt; Paul Morgan darf als Filmregisseur ins Irrenhaus, warum sie das mit den Autoren dieses neuen, volkswirtschaftlich bedeutenden Kunstwerks nicht tun, ist in der fehlerhaften Gesellschaftsordnung begründet, sonst aber unverständlich, ebenso wie die FilmhandIung. Da geht es nämlich darum, daß zwei Men schen nebeneinander wohnen und Karl Braun heißen wie toll doch die Phantasie ist 10110 daß die Tochter des einen zum anderen kommit uno dort noch dazu nur seinen Freund Walter Jannsen fennen und lieben lernt; nebenbei wird auch im Arrest gesungen und getanzt; das Ganze hat Jacoby gedreht, ohne Tempo und entseglich langweilig. W. Lg. Sport- Spiel- Körperpflege * Eport und Politit in Lettland. Der Vorsitzende des lettischen Sport- und Schußbundes gibt darüber folgende Auskunft: ,, Voruntersuchung" in den tschechischen Kammer spielen. Im Theater des Gesellschaftsluftspiels wird jetzt das erfolgreiche Tendenzstüd des Berliner Amvalts May Alsberg gegeben, das anläglich seiner Aufführung im Prager Neuen Deutschen Theater bereits eingehend gewürdigt wurde. Die Stärke der Aufführung bei den Tschechen ist vor allem die Regie von Gabriel Hart, der es verfteht, die Spannung der Voruntersuchung in allen ihren Frrwegen dauernd zu steigern und selbst in den oft gefährlich weichen Familienszenen das Tempo nicht zu verlieren. Sehenswert find ferner die Episodenrollen besetzt: Korbelař spielt den Rezitator Klatte mit seltener Glaubhaftigkeit,& obařit ist als detektivelnder alter Scherr gewiß ebenso gut wie Julins Falfenstein im Film und die Aufräumefrau der Bečvařová die eine vergröberte, aber nicht schwächere Neuauflage der verstorbenen Hübnerová sein wird ist in Geſte, Sprache und Figur tadellos. Der irrende Gerichtsrat Bienert, der fast zum Antläger seines eigenen Kindes wird, ist in der Darstellung des Herrn Anschaulich schildert er unter heftigen Schluch Vrbst etwas zu fonventionell steif, der faft gezen, wie seine Frau vor ihm niedergetnie: sei und benkte Student Bernt wird von Herrn Bladdieben sie eine Hare und leicht verständliche Hand- Seit 1921 gehört der Arbeiter- Sport- und um die Kugel gebeten habe. Zweintal habe nur äußerlich glaubhaft gezeigt und sein Freund er ihr die Mündung an die Schläfe gesetzt, ohne Walter ist fehlbesetzt, besonders wenn man an die ung, die sie dadurch zu würzen verstehen, daß in chuzbund der SAS3. an und feit dem Leipziger die Kraft zum Abdrücken zu finden. Sie selbst außerordentliche Leistung Brausewetters im Ton beliebter Gangstermanier hie und da aus harmlosen Feft 1922 hat der lettische Bund allmählich in fast habe noch den Hut zur Seite geschoben, film denkt. Dagegen scheint in der jungen al- geschlossenen Autos Leichen fallen und daß die per allen Sparten einen regen internationalen Berlehr damit er den Lauf der Waffe sicher ansehen fonnte. ová eine talentierte Naive der tschechischen Bühne föuliche Scharfschießerei mit aller Deutlichkeit ge entwidelt. Besonders mit Teutschland haben sich Enst beim drittenmale, als ihn die Frau mit ge- beranzureifen. Alles in allem ist aber die Auffüh- anns Meyer, der Regisseur lieben die schen Beziehungen aufrechtzuerhalten und weiter zeigt wird; die Deutschen es ist diesmal die Verbindungen gut verbreitet. Tiele ausländi falteten Händen beschwor, ein Ende zu rung fehr sehenswert und der schwächere Besuch unklarheit. Da es doch Lebensaufgabe des Tetet auszubauen, ist nicht immer für den jungen lettimachen, habe er gefeuert. Dann ging er in ein wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß bisher tivs ist, zu entdecken und das natürlich mit Schwie ichen Bund eine leichte Arbeit gewesen. Lettland Wirtshaus, wo er einige Biere trant und rauchte viel zu viel Konversationstomödie gepflegt wurde; rigteiten, so werden vor allem die Schwierigkeiten ist ein feines Land mit nur zwei Millionen Einund fehrte dann zur Toten zurüd, unt sich selbst das Publikum wird dadurch mit Recht etwas miß- übereinander getürmt, man sicht den Dicken wohnern. Dazu ein Agrarland mit wenig entM. La. zu töten. Als er dann aber die Kraft zum Selbst- trauisch. Wallburg und zwei dünne Kommiffäre widelter Industrie. Taher fann der lettische Bund mord nicht aufbrachte, begab er sich unverzüglich Die Offenbach- Operette Madame L'Archiduc" Stü we und Brausewetter- und dann das einen nur fleinen Mitgliederstand aufweisen. Zur auf die Pankrazer Polizeistation und stellte sich dort. gelangt Sonntag, den 14. d. zur Erstaufführung. blonde Mädchen Gerda Maurus, die Beit sind es 6000, die in 93 Vereinen und ach: Krei Ten Schlüssel zum Verständnis des Falles bot Sarl Straus, der Autor der neuen Tegtfassung, wieder einmal ihr absolutes Filmuntalent durch en vereinigt sind. Ter Bund ist also flein und wird den beiden letzten Proben und der Aufführung tadellose Regungslosigkeit des Gesichts dartut, seine gelbliche Leistungsfähigkeit eine geringe. Wenn es frondem gelungen ist, aus dieser fleinen Organi lienischen Volles sei angenommen, daß das von sei| Nacht sinnt er daher darüber nach, wie Italien, das fation eine innerlich tatkräftige Bewegung zu ge nem Duce preisgekrönte Werk vom Großteil mit doch die Krone der Schöpfung darstellt, nod) größer stalten, die auch auf internationalem Boden man denselben Efel vor dem Beweihraucherungs- Erzeh gemacht werden könnte. Zur Machtbehauptung hen guten technischen Erfolg erzielen konnte, so beSeitdem der große Tuce für das italienische gegenüber Mussolini und mit demselben Lächeln braucht es Stohle, Erdöl und Erze und ein so ge- ruht das hauptsächlich auf einer guten und straffen Bolt alles Tenten in eigene Regie übernommen hat, über den darin aufgehäuften fascistischen Phrasen- benedeiter Boden wie der zu Ehren Mussolinis ge. Organisation des Lettischen Bundes. ist die italienische Literatur steril wie die Wüste bombast aufgenommen werden wird, mit dent es schaffene Boden Italiens muß sie wohl enthalten, In Lettland besteht nur eine Arbeitersportieder nüchterne Nichtitaliener aufnehmen dürfte. nur wurden sie, was gewiß Schuld des verrotteten organisation. Jede Verzettelung der einzelnen Da nun jcgt ein italienischer Roman erschieDer Geld der Handlung ist der junge Graf parlamentarischen Systems war, bisher nicht ge- Sträfte auf mehrere Verbände ist vermieden worden. ren ist, der wert befunden wurde, ins Deutsche Falco, selbstverständlich ein Muster aller fascistischen funden. Also erfindet er, was für ein fascistisches Der lettische Bund umfaßt zur Zeit acht Sport übertragen zu werden, aus der engsten Umgebung Tugenden. Sein Vater ist ein alter Familien- Genie nicht schwer ist, einen Apparat, der Miparten: Fußball, Turnspiele, Wintersport, SchwerMussolinis stammt, als der große Fascistenroman despot", der nicht begreifen kann, warum sein Herr Strahlen" erzeugt, mit denen man die Erde athletit, Leichtathletik, Wassersport, Schießen, Mo: pr in Italien" angepriesen wird und mit einem Sohn, anstatt sein Geld mit eleganten Frauen, Pfer- durchleuchten fann! Zwischendurch jetzt er beim und Radfahren. Der lettische Bund unterscheidet 50.000 Lire Preis ausgezeichnet worden ist, so greift den, Gesellschaften und Gelagen durchzubringen, mit Duce durch, daß sein Vater, der alte Graf, enteig- sich von den deutschen Verbänden wesentlich noch man neugierig nach dem Buche, um zu erfahren fascistischen Idealen vollgestopft ist. So sind die net wird, weil er sein Gut vernachlässigt, prügelt dadurch, daß zu den Sportsparten noch die Sparten wie sich das erneuerte" Italien des Fascismus Väter im fascistischen Italien, während die Söhne, einen antifascistischen Bankdirektor so durch, daß der Samariter, des Arbeiterschachs, Rote Bioniere darin spiegelt. Im Vorworte des Romans( Der natürlich nur soweit sie Fascisten sind, aller Lebens der stolze, reiche Mann nur mehr ein Bündel( Kinderabteilungen, den Roten Falten ähnlich) und Fascist", Italiano di Mussolini. Ein Roman lust der goldenen Jugend entfagt haben und nur aus Blut und schmusbededten lei die Wehrsparte hinzukommen. Alle Vereine des der neuen Aera von Mario Carli. Schleifen an das Baterland, seine Größe und an ihn, den dersezen" ist, heiratet eine amerikanische Ku- Bundes besigen neben verschiedenen Sportabteilun Berlag, Berlin W35) wird versichert, der Berfasser Herrlichsten von allen, denken. Im Kriege fuhr der fine, die ebenso wie er im Handumdrehen ergen auch überall Schustruppen. Es ist in Lettland fei eine der literarischen Stüßen des neuen Re- junge Graf auf die Feinde wie ein gereistes lernte fascistische Phrasen zu deklamieren ver- vollkommen gelungen, den Arbeitersport in den gimes, sozusagen dierechte Hand des Duce", Raublier" Ios, erntete alle möglichen Auszeichnun steht und deliriert von der„ majestätischen Größe Dienst des proletarischen Abwehr. er habe vom Duce selber den Auftrag erhalten gen, was bei einem Musterfascisten gar nicht anders Roms", das das„ Herz der Welt" ist. Als er sich tampfes zu stellen und organisatorisch zu einer ( in dem erneuerten Italien werden Dichtwel fein bann und schon damals war er überzeugt, daß schließlich im Flugzeug auf die Suche nach den Einheit zu entwickeln. Auch Wehrsport und Schie offenbar nur über Auftrag" geliefert), Mussolini nach dem Kriege eine Revolution tommen müsse, fascistischen Sohlenflözen und Ergadern begibt, steigt Ben wird viel gepflegt. Wie schon der Name fast, habe ihm auch selber den von irgend einem Gradenn die herrschenden Klassen würden in ihrer Un ei, wie denn anders, bis zu 9500 Metern Höhe auf, ist der lettische Bund ein Sport- und Schußbund.. fen Labia gestifteten Preis guerfannt und es sei dies fähigkeit der Jugend doch niemals zu einer männ wobei er stets nur das majestätische Gesicht des Politisch ist die Lage insofern günstig, daß der der erste Roman des neuen Italienlichen Erziehung verhelfen. Als daher die Morgen- Duce, die blauen Augen seines Sohnes und das iettische Fascismus heute völlig bedeutungslos geNachdem man so darauf vorbereitet ist, daß der röte der Revolution ausbrach, sie hieß Mussolini", füße, gute Geficht seiner Frau" vor Augen hat, worden ist. Eine fascistische Gefahr besteht nich Roman die Punze des Duce trägt, beginnt man u gründete er die schwarze Stavallerie", als deren doch der Flugapparat scheint ein Antifascist zu sein mehr. Im neuen Barlament, das erst vor kurzem lejen. Hat man sich durchgerungen, jo beib: ein Führer er die falschen Hirten"( gemeint find die und stürzt mit ihm 9500 Meter hinunter, was den gewählt wurde, hat die fascistische Nationale Vereinziger Gedanke übrig: Alio das ist die Kunst, Sozialisten) nach Gebühr vertrieb oder tötete. Tod des jungen Helden zur Folge hat und verschul- einigung" ihre lehten zwei Mandate verloren. Die wie sie unter demi Fascismus gepflegt und preis- Wörtlich:„ Die hervorragendsten und gefährlich- det, daß Italien auch weiter ohne Kohle und Erze Regierung ist von verschiedenen bürgerlichen ParSetrönt wird! Von der ersten bis zur legten Zeile sten Antifascisten nahm er persönlich aufs Storn, bleibt. Die in dem Buche enthaltenen Tiraden über eien, die aber Anhänger des Parlamentarismus ist es eine den stärksten Brechreiz crweckende Verschlug sich mit ihnen herum, wo er ihrer habbaf: die Sendung" Mussolinis, die Raunzereien über sind, zusammengesetzt. himmelung Mussolinis, eingeflochten in eine Gemerden fonnte, und überfie! fie fogar in die Seuche des Parlamentarismus" und manches schichte, die einen würdigen Platz in einer Samm ihren eigenen Redaktionszimmern." andere lesen sich wie eine Konzentration der Leit Lung von Humoresten einnehmen würde nur daß Ob dieser junge Held" auch unter den Matteotti artifel des„ Tag", nur daß Mario Carli in der es sich hier unt unfreiwillige Komit handelt. Wel- Mördern war, wird nicht gesagt. Mit dem Anzün fascistischen Phraseologie talentierter ist. Iches Maß von Verblendung und Verbohrtheit mag den, Plündern der Arbeiterheime und mit dem Ab. dazu gehören, um dieses Buch zu verdouen, oder gai chlachten sozialistischer Arbeiter war der Ehrgeiz daran Gefallen zu finden! Aber zur Ehre des ita difes Musterfascisten nicht befriediat. Tag und befzebatteur: Wilhelm Rieker Berantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Streng, Brag. Drud:„ Rota A.-G. für Settung und Buchdrud, Brag. Herausgeber: Siegfried Zerb. - Für den Drud verantwortlich: Otto Bolif, Bezugsbedingungen: Bei Buftellung ins Haus oder bei Bezug durch die Bost monatlich Ke 16.-, vierteljährlich Ka 48.Die Zeitungsmartfenfrentatur wurde von der Bok u. Telegraphendirektion mit Erlag: 13.800/ VII/ 1930 bewilligt balbjährig Kč 96,-, gangjährig Kö 192.-. Inferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Breisnachlaz. Rüdstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung bez Retourmarten. Sobi. Brag. Um zu zeigen, welch eine Art von Kunst und Literatur der Fascismus erzeugt, mußte über das Buch ausführlicher berichtet werden. Die Arbeiterschaft und auch der lettische Bund haben in den letzten Monaten immer schwerer unter der allgemeinen Wirtschaftstrife zu leiden. Wie überall, so hat die Strise auch im Nordosten Europas große Arbeitslosigkeit hervorgerufen. Von den 100.000 Industrie- und Transportarbeitern Lettlands sind schon 30.000 arbeitslos.