Einzelpreis 70 Heller. Zentralorgan 6 Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik 12. Jahrgang. Noch feine Klärung der Bräsidentschaftsfrage. Berlin, 12. Feber. Die Komplikationen in der Präsidentenfrage sind immer noch nicht beErscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Redaktion und Verwaltung: Prag I., Netázania 18. Zelepbon: 26795, 31409.( Nachtrebaltion): 26797 Bolledamt: 57544 Gamstag, 13. Feber 1932 Reaktionäre Wahlreform von der Kammer angenommen Relative Mehrheit entscheidet schon im ersten Wahlgang. Kartell aller Linksparteien zur Folge? Nr. 38. Das Fiasko. Das alles überwiegende Gefühl, das stay bei jedem ehrlichen sozialistischen Arbeiter nach dem restlos mißglückten kommunistischen seitigt und man erwartet erst in etwa zwei Tagen Paris, 12. Feber. Die Deputiertenkammer| stößt er ganz sicher auf den Widerstand des Kampfaufmarsch" des 10. Feber einstellen eine Klärung. Bezeichnend ist, daß die Presse, nahm nach 22stündiger stürmischer Sigung, in Senates. wolle, muß, ist das der Genugtuung darüber, daß die bis jetzt offen für die Kandidatur Hindenburgs der von beiden Seiten alle nur erdenklichen Der Führer der Radikalen, Deputierter es nirgends, wie es in der Absicht der Regis aufgetreten war, heute skeptisch schreibt. Auch Mittel der Geschäftsordnung angewendet worden Herriot, erklärte, daß sich die Linksparteien seure lag, zu größeren Zusammenstößen mit das Blatt der christlichsozialen Gewerkschafts- sind, heute unt 13 Uhr 15 die Wahlreform des in einen Einheitsblock zusammenschließen, der bewaffneten Macht kam und daß die Poorganisationen, Der Deutsche", verzeichnet Ge- Deputierten Tast es mit 322 Stimmen gegen venn der von der Deputiertenkammer soeben anrüchte, daß Kanzler Dr. Brüning zurücktreten vier Stimmen an. Die Deputierten der Linken genommene Wahlreformantrag zur Wirklichkeit lizeigewalt, wie sie gewiß bereit gewesen wäre, oder daß ihn sogar Hindenburg zu verließen bis auf die Kommunisten, wird, und daß auf diese Weise in der französischen in größerem Umfange an armen irregeleiteten Demission aufgefordert habe. Der welche mit der Regierungsmehrheit Stammer zwei Blods entstehen werden, die Proletariern die Härte ihrer Knüppel und die fozialdemokratische ,, Abend" greift den politischen stimmten, vor der Schlußabstimmung nach der einander feindlich gegenüberstehen, ein Bled der Schärfe ihrer Säbel erproben konnte. Dieser Chef des Reichswehrministeriums, General Rede Herriots massenweise den Sigungssaal. Rechten und ein Block der Linken. Die Parteien Kampfaufmarsch", an sich schon ein bodenlos Schleicher, an, den er beschuldigt, daß er sich der Mitte werden vollkommen verschwinden und leichtfertiges Spiel und eine Schädigung der um die Beseitigung Dr. Brünings bemühe und Der Antrag Tastes setzt fest, daß jener damit auch die Möglichkeit einer eventuellen Arbeiterschaft, weil er nicht dem Kampf gegen die Einsehung eines Militärta bi Kandidat zum Abgeordneten gewählt wird, der Konzentrationsregierung. die bürgerlichen Parteien und den Kapitalisnettes anstrebe. Demgegenüber rechnete die im ersten Wahlgang die höchste Stimmenzahl Rechtspresse mit der Kandidatur Hindenburgs, erreicht hat, falls an der Abstimmung mindestens Die gestrige und heutige Debatte über die mus, sondern der infamen Hetze gegen eine wie mit einer fertigen Tatsache und nimmt nun 25 Prozent der eingetragenen Wähler teilge- Wahlreform in der französischen Kammer wer- andere proletarische Partei dienen sollte, wäre den offenen Kampf gegen jie auf. Die offizielle nommen haben, während bisher zur Wahl im den in der Geschichte des französischen Parlamen zu einem ungeheueren Verbrechen geworden, Korrespondenz der Stahlhelmorganisation spricht ersten Wahlgang die absolute Majorität tarismus historische Ereignisse bleiben. Die Er- wenn Menschenleben als Opfer zu beklagen ihr Bedauern darüber aus, daß Hindenburg erforderlich war. In Frankreich besteht nämlich regung und fieberhafte Spannung unter den gewesen wären oder wenn gar, da gemäß der an seiner Kandidatur auch um den Preis eines keine Stimmpflicht, zu den Wahlen stellen sich Deputierten machte sich in zahlreichen Zwischen- taktischen Vorschriften der Kommunisten Kinscharfen Parteikampfes festhalte. gewöhnlich 50 bis 70 Prozent der eingetragenen Fällen Luft. Die Opposition und insbesondere der und Frauen bei Demonstrationen voranDie offiziellen Blätter erklären Hindenburg Wähler ein. Der zweite Wahlgang, die bisherige die Sozialisten wandten alle Obstruktions- zustellen sind, Kinderleben in Gefahr gebracht nun einmütig für einen Kandidaten der Linken. Stichwahl, wird nach diesem Antrage aufge- mittel an, um die Abstimmung über die Wahl- worden wären. Die dem Sahm- Ausschuß bisher gemeldeten hoben. reform, von der Deputierter Blum erklärte, daß Eintragungen für die Volkswahl Hindenburgs Volle Genugtuung fann man auch darDie Zahl der Deputierten ist in dem Antrag die Linksparteien hiedurch um 70 Mandate ge- über empfinden, daß die kommunistische Spebelaufen sich auf 1,740.000. mit 613, fomit um einen mehr als in der bis- schwächt werden, unmöglich zu machen. Alle herigen Rammer festgesetzt. Der Antrag spricht ihre Anstrengungen stießen aber auf die gleiche tulation, für die monatelang die Werbetromferner den Frauen das gleiche Wahl- Bähigkeit der von dem unabhängigen Deputier- mel gerührt wurde, einen Teil der sozialistirecht zu wie den Männern. Hier allerdings ten Mandel fest beherrschten Kammermehrheit. schen Arbeiter als Staffage für die gegen ihre eigenen Parteien gerichtete Aktion zu gewinnen, gänzlich fehlgeschlagen hat. In normalen Zeiten wäre ein solcher Versuch von vorneherein mit dem Fluche der Lächerlichkeit behaftet gewesen, jetzt, da Massen der ArbeiterVaneuropäische Wirtschaftskommission. Sonderabkommen zwischen den Nachfolgeftaaten. Budapest, 12. Feber. In Budapest begann gestern die Tagung der von der Paneuropäischen Union eingesetzten Wirtschaftskommission, an der Vertreter Ungarns, der Tschechoslowakei, Jugoslawiens, Rumäniens und Polens teilnahmen. Lausanner Konferenz für Juni gesichert? Englisch- französische Einigungsformel bezüglich der Reparationen. Die Konferenz, die von dem gewesenen Minister- Genf, 12. Feber. Schon längere Zeit tauch- Aufmerksamkeit erweckten die Beratungen schaft infolge der Wirtschaftsnot von schwerer präsidenten Stephan Friedrich und dem Unter- ten Nachrichten auf, daß bei den Begegnungen des britischen Staatssekretärs des Aeußern Sir materieller und seelischer Pein zerquält sind, staatssekretär a. D. Elemer Hantos einberufen der Staatsmänner auf der Abrüstungs.onferen; John Simon mit dem italienischen Außenmini- glaubten die kommunistischen Führer immerwurde, beschäftigte sich vor allem mit den Fragen ein Ausweg aus der Sadgasse gesucht werden ster Grandi, der morgen mit bestimmten Vor- hin darauf rechnen zu können, wenigstens wirtschaftlicher Sonderabmachungen zwischen den wird, in der sich das Reparationspro schlägen nach Rom abreisen soll. Nach seiner Bruchteile sozialdemokratischer Arbeiter durch Nachfolgestaaten, die dem gegenseitigen Waren- blem befindet. Gleichzeitig war befannt, daß der Rückkehr würden in Genf Vorverhandlungen der ihre Phraseologie und ihre hemmungslose verkehr volle Freiheit und den Warenaustausch britische Botschafter in Paris gerade in der Re- Vertreter der sechs Mächte( England, Belgien, Agitation verwirren zu können. Daß daraus mit anderen Staaten gewisse Begünstigungen pavationsangelegenheit mit den maßgebenden Frankreich, Italien, Japan und Deutschland) be- nichts wurde und noch weniger als nichts, sichern sollen. Die Beratungen werden streng ver- französischen Kreiſen in ständiger Fühlung steht. ginnen. Schon jetzt soll es sicher sein, daß die Ne- beweist Treue und Disziplin der sozialdemotraulich geführt. Die skonferenz wird am 22. Jest wind in hiesigen diplomatischen Streifen er parationskonferenz im Juni in Lausanne ausam fratischen Arbeiter, beweist aber auch, daß alle tlärt, daß eine geeignete Formel ge mentritt. Feber in Brünn wieder zusammentreten. Anstrengungen des kommunistischen Werbefunden wurde, welche eine Fortsetzung der Verhandlungen direkt in Genf ermögliche. apparates denkfähige Arbeiter nicht einmal mehr vorübergehend zu beeinflussen vermögen. Und dies, obwohl es die Kommunisten nicht verschmähten, die Behauptung, daß die ,, Sungermärsche" eine kommunistische Parteiunternehmung seien, als ,, Verleumdung" zu erklären und sich bemühten, die Aktion als eine Arbeitern beschlossen auszugeben! Die Möglichkeit, daß wenigstens eine Anzahl sozialdemokratischer Arbeiter auf dieses hineinfallen fönnten, Landespräsident Rubat gestorben. Gestern ist in Prag der Landespräsident von Böhmen Hugo Kubat gestorben. Kubat wurde 1873 in Kladno geboren und Sobald Sir John Simon die Pariser RopaDie britische Regierung soll gegenüber den fran- rationsvereinbarungen gebilligt hat, werden Bezösischen Wünschen einen sehr verföhnlichen sprechungen mit der deutschen ReGeist" gezeigt haben; die französische Regierung sei dafür in der Frage der 15prozentigen Zoll- gierung durch Vermittlung des deutschen Botaufschläge auf britische Kohlen entgegengekommen. schafters in Paris folgen. China appelliert an das Völkerbundplenum.leichermohen von Communiſtiſchen und fozialMontag Entscheidung des Rates. W trat 1899 in den politischen Dienst als Peamter der Statthalterei in Böhmen, wo er vor dem Umsturze im Präsidium tätig war. Nach dem Umsturze tam er ins Innenministerium, wo er Vorstand des Präsidiums wurde. 1926 wurde er zum Präsidenten der politischen Landesverwaltung ernannt und bliebt auch nach der Verwaltungs- Genf, 12. Feber. Der chinesische Delegierte lichen Völkerbund Versammlung gelangt. Es Täuschungsmanöver reformi an der Spitze der Landesverwaltung. Den en hat dem Generalsekretär des Völkerbundes wurde beschlossen, dem Völkerbundrat in seiner war nicht ganz von der Hand zu weisen, doch neuen großen Aufgaben, die dann an ihn heran- eine Note überreicht, in welcher der Rat erneut Sigung am Montag die Entscheidung über den wie sich herausstellte, hat auch dieses nicht traten, war er nicht immer gewachsen. Insbe aufgefordert wird, wirksame Maßnah- chinesischen Antrag zu überlassen. Wenn die verfangen. sondere, als die böhmische Landesvertretung zunt men gegen Japan zu ergreifen. Die Note Chinesen auf ihrem Antrag bestehen, so wird Neben den Gefühl der Genugtuung, das erstemnal zusammentrat, zeigte es sich, daß er soll darauf ausgehen, daß der Völkerbundsrat nach den Bestimmungen der Völkerbundsazung nicht die politische Geschicklichkeit besaß, die für die Völkerbundsversammlung mit auch ohne die Zustimmung des Völkerbund so das Fiasko des neuesten ,, roten Tages" zuden Vorsitzenden einer solchen Körperschaft not- dem Konflikt befassen soll. rates die Versammlung einberufen werden rüdläßt, erweckt es noch ein anderes Gefühl, das der Bewunderung vor der Größe der wendig ist. In seiner Eröffnungsansprache in der Die Mitglieder des Völkerbundrates, mit müssen. böhmischen Landesvertretung gebrauchte er auch Ausnahme der Vertreter Chinas und Japans, Von japanischer Seite werden bereits Ein- Lügenhaftigkeit, mit der kommunistische Stridie deutsche Sprache, als aber nationalistische sind in der heute Nachmittag abgehaltenen zwei wände gegen die etwaige Einberufung einer Sieg umfälschen möchten. Mit Ausnahme Blätter dagegen auftraten, sprach er niemals stündigen Sizung zu einem endgültigen Be- wände gegen die etwaige Einberufung einer benten diese offenkundige Niederlage in einen weniger Orte, etwa solcher in Karpathorußmehr ein deutsches Wort. Auch in dem bekannten schluß über die Einberufung einer außerordent-| Völkerbundsversammlung gemacht. land, wo der Analphabetismus und schreckliche Tramp- Erlaß hat er keine glückliche Hand gezeigt. früh das Feuer eröffnet und so den Waffenstill- Elendszustände einen guten Reimboden für Entgegenkommen. I'm persönlichen Verkehr war er von höflichem Bermittlungsversuche während neuer Kämple. Keine Einlagenstener. Friedensverhandlungen im Beisein der fremden Gesandten? stand gebrochen hätten. Den ganzen Abend hörte den kommunistischen Giftſamen bilden, war man an der Grenze der amerikanischen und der der Verlauf des„ Kampfaufmarsches" überall Das Begräbnis der Verstorbenen findet englischen internationalen Konzession heftiges fläglich. Vorher hieß es, nachdem der AufMontag, den 15. Feber, um 15 Uhr, von der Shanghai, 12. Feber. Bei Wusung, Geschüßfeuer. marsch verboten worden war, großmäulig: St. Wenzels- Basalita in Smichow aus statt. Die 20 Kilometer von Schanghai, hat heute früh ein Beisetzung erfolgt auf der Malvazinka. scharfer Kampf zwischen japanischen und chineTrotz alledem!" und es wurde verkündet, die Arbeiter und werftätigen Bauern in sischen Truppen begonnen. Der japanische Admiral Nomura ersuchte der ganzen Tschechoslowakei" hätten be den auf der Höhe von Wusung liegenden britischen Die diplomatischen Vertreter Englands, schlossen, am Mittwoch, den 10. Feber ihre Prag, 12. Feber. Von maßgebender Seite Kreuzer Berwid", bis 15 Uhr diesen Platz Frankreichs und Amerikas in Nanking besuchten Stimme zu erheben und zu demonstrieren, wird dem tschechoslowakischen Pressebüro mit zu verlassen. Man schließt daraus, daß die Ja Schanghai, um an den nichtoffiziellen was ohne Rüdsicht auf das Verbot geteilt, daß die Meldungen einiger Blätter über paner die Stellungen der Chinesen unter Feuer Friedensberatungen mit dem japani- auch geschehen werde. Eine Partei, die das anschen und dem chinesischen Minister und wahrangebliche Pläne der Finanzverwaltung, eine nehmen wollen. Steuer auf Einlagen, Vermögen Das Ersuchen der Chinesen um eine Ver- einlich auch mit den Kommandanten der japa- fündigt, muß sich der Verantwortung, die sich und Kupons einzuführen, jeglicher Grundlage längerung des Waffenstillstandes in Schapci, da- nischen und chinesischen Streikräfte teilzunehmen. für sie daraus ergibt, bewußt sein, sie muk entbehren. Eine Reihe von Prager Blättern mit mehr Zivilpersonen die Stadt verlassen könn-| Es verlautet, daß es sich hiebei um den legten auch wissen, ob sie tatsächlich ihre Anhänger war gestern wegen derartiger Meldungen der ten, ist von den Japanern mit der Begründung Versuch handelt, eine große Schlacht abzu- so in der Hand hat, daß sie solche Zuversicht zur Schau tragen darf. Nicht so die kommuni Beschlagnahme verfallen. abgelehnt worden, daß die Chinesen heute wenden. Beite 9 Samstag, 13. Feber 1939 Nr. 88 Vom Rundiunk Sonntag. Prag: 10: Geistliche Musik. 11: Tschechische Musik. 12.05: Blasmusik. 18: Deutsch» Sendung: Vokale Kammermusik. 19: Lustige Stunde 19.30: Neapolitanisch« Lieder zur Mandoline. 80: Lustiger Abend. 22.20: Jazzmusik.— Brünn: 18- Drutsche Sendung: Klavierkonzert Prosesso, Frotzler.— Mähr.»Ostrau: 18: Orchesterkonzeri.— Berlin: 11: Drei Tenör« singen Opernarien. 18.50: Musik um Goctb.'. 20: Wügnerabend.— Breslau: 11.30: Ufa«Tonfilm'chlager.— Hamburg: 1630 Blasmusik.— Königsberg: 15.45: Modern« Liederstunde, 21.30: Aus Wiener Operetten.— Leipzig: 12: Wagnerkonzert. 16.10: Orchesterkonzeri. 18.20. Der volkstümliche Schubert.— München: 15.18: Schrammelkonzert. 20: Populäre- Konzert.— stische Partei, der e» offenbar nur darum zu tun war, die Reihe ihrer Blamagen um eine neue zu vermehren, was ihr in der Tat absolut gelungen ist. Denn nicht nur, daß die Sirenenrufe, mit denen die sozialdemokratischen Arbeiter und Arbeitslosen gelockt wurden, keinerlei Wirkung hatten, in den meisten Orten sind nicht einmal die kommu- nistischen Arbeiter der von ihrer Parteileitung ausgegebenen Parole gefolgt. Dennoch unternimmt es die kommunistische Presse, von einer„siegreichen Erkämpfung der Straße" zu faseln. Bon Leuten, die im Rauschzustande sind, sagt man, daß sie alles doppelt sehen. Wie groß muß die durch die kommunistischen Phrasen hervorgerufene Besoffenheit der Berichterstatter der kommunistischen Presse, da sie die Zahl der Kampfaufmärschler nicht nur doppelt, sondern sogar fünf- und zehnfach gezählt haben und dabei in Anbetracht des wirklichen Umfanges der Demonstrationen zu geradezu astronomischen Zahlen gelangen. Doch selbst wenn man diese Zahlen als wahr annehmen wollte, so wäre das Resultat noch immer ein beschämendes, keineswegs eines, daß gesagt werden könnte, die Straße sei beherrscht worden„mit einem Mute und einer Entschlossenheit, wie dies bei keiner bisherigen Kampfdemonstration geschehen ist". Da der 10- Feber ein Fiasko von gigantischem Format war, kann man sich nach dieser Feststellung vorstellen, wie jämmerlich die früheren »Kampfdemonstrationen" waren. Den Mißerfolg gestehen die Beranstalter übrigens selbst ein, indem sie zum Schlüsse ihrer Jubelhymnen sagen, daß auch sie„natürlich" mit dem Ergebnis der Aktion vom 10. Feber nicht zufrieden sind, da es„noch keineswegs überall gelungen ist, die Massen in einem solchen Maße in Kampfbewegung zu bringen, wie das notwendig wäre und vor allem war die Mobilisierung der Betriebe noch ungenügend". Wenn die kommunistischen Führer sich den Trost spenden, das an« 10. Feber Nichtgelungene„beschleunigt nachzuholen", so soll man den Blamierten diesen mageren Trost nicht rauben. Um nun immer wieder erneut mit der Nase, darauf gestoßen zu werden, daß die Arbeiterschaft ohne Unterschied der Parteistellnng es satt hat, sinnlos und zlvecklos für die Experimente der Bolschewiken mißbraucht zu werden, dazu sind solche Unternehmunaen notwendig? Die Arbeiterschaft hat von ihnen keinen Nutzen, sie trägt nur den Schaden davon. Und einen Schaden bedeutet es, wenn eine! Partei, welche die Interessen der Arbeiterschaft zu wahren behauptet, dazu beiträgt, daß das Gefühl der Ächerheit und das Selbstbewußtsein der Bourgeoisie wie der Staatsgewalt eine Stärkung, die sich einstellen muß, wenn eine große proletarische Bewegung, wie es die kommunistische in der Borstellung der Machthaber noch immer ist, vor jedem Verbot der Staatsgewalt kläglich zusammenknickt und die keine andere Aufgabe kennen will, als gegen eine andere proletarische Partei zu Hetzen und zu schüren. Aber Vernunft wird man von den kommunistischen Führern, da ja nicht sie die Politik und Taktik ihrer Partei bestimmen, sondern sie von Moskau aus bestimmen lassen müssen, vergeblich erwarten und darum muß sich die Arbeiterschaft, wie es am 10. Feber geschehen ist, auch in Hinkunft selber schützen, indem sie den Hasardeuren aus dem Wege gebt- Nicht unerwähnt und unkritisiert darf aber auch das Verhalten der Polizeigewalt bleiben, die am 10. Feber wie stets vorher die Gelegenheit benützte, um mit ihrer eingebildeten Wichtigkeit zu paradieren. Sie wird gewiß glauben, daß lediglich ihrer Bereitschaft, ihrem Säbelgerassel und ihrem Massenaufmarsch in den Straßen das Ausbleiben größerer kommunistischer Kundgebungen zuzuschreiben ist. Was sie aber erreicht hat— und man möchte glauben: erreichen wollte— das war, daß sie dem 10. Feber eine gewisse Bedeutung gegeben und in der Bevölkerung die Befürchtung über ungeheuere aus dem „Kampfauftnarsch" der Kommunisten ihr drohende Gefahren geweckt hat. Wiederum haben nicht die Massen, es hat nur die Polizei demonstriert. Für die Arbeitslosen aber, an die sich die kommunistische Werbetätigkeit in erster Linie gewendet hat, ergibt sich aus dem Verlauf des „roten Tages" die Lehre, daß der kommunistischen Partei jedwede Kraft und Fähigkeit abgeht und Nicht minder der Dille, ihnen in ihrem Elend beizustehen. Sie werden eine Verbesserung ihres traurigen Loses erreichen, wenn sie erkennen, daß sie nicht Figuren aus dem Schachbrett der verantwortungslosen kommunistischen Spieler sein dürfen, sondern zur Stärkung der Einigkeit der Arbeiterklasse unter der Führung der Sozialdemokratie beitragen müssen. Staalskapttalismvs in-er Tschechoslowakei. Aus de» Molwesbericht zum Baskeugesetz- Dean Entwurf zum Bamengesotz ist ein Mo tiven-bericht angealiedert, der mehr als 50 Seiten umfaßt. Er besteht aus einem kürzere» allgemeinen TeÄ und einem besonderen Test, in welchem die einzelnen Paragraphen der Gesetzes erläutert sind. Dem allgemeinen Teil entnehmen wir Fotzendes: ES wird zunächst dargslvgt, daß dec Entwurf den weiteren Weg zum Ziele weist, der schon mit dem Gesetze vom 9. Oktober 1924 bestritten wurde und durch die ein besonderer Fonds zur Linderung der aus den Nachkriegs- Verhältnissen erwachsenen Verluste so wie ein allgemeiner Fonds der Geldinstitut« geschaffen wurde. Dieses Ziel besteht darin, die Sicheichett der Einlagen zu erhöhen und die Organisation unsere- Kreditwesens zu vervoMonnnnen. Die Erfahrungen, die aus eurigen bedenklichen Erscheinungen im Bankwesen hauptsächlich im Ausland gewonnen wurden, erfordern,„daß die Verantwortung der führenden Faktoren in den Banken für das ordentliche Wirtschaften mit dem anvertrauten Vermögen sowohl zivilrechtlich alS auch strafrechtlich verschärft werde". Es ist notwendig, daß diese Faktoren alle Kraft dem Interesse des Institutes widmen,„unbeschwert von der Jagd wach Eigengewinn und unzersplittert durch ein Uevermaß von Neben funkt ion en". Es muß auch im Interesse der Aktionäre gesorgt werden, daß das Kapital erhallen bleibe und nicht„zur Zahlung der oft übermäßigen Einkünfte der führenden Bankfunktionäre verschleudert werde".-- Das Gesetz ist auch im Interesse jener Unter- ncbmer, die bei den Banken Kredit verlangen und die heute durch eine imerkrögjliche Zmftmaft bedrückt werden. Die bisherigen Gesetze haben den angestrebten Zweck nicht ganz erfüllt, ihre schwache Seite besteht darin, ,Haß man in der Schaffung der Verantwortung für ehrliches und ordentlicher Wirtschaften im den Banken und der Bankenaufsicht man aus halbem Wege stehen gobl-rhcn ist". Diese Mängel werden zu beseitigen sein. Wertere Zwecke des Gesetzes sind lle Bereit stellung der Mittel für di« Heiden Fonds, die Vervollkommnung der Rechtsgrundlagen, auf die sich der Wnlogevschutz stützt, sowie dähimzustrciben, „damit an der Spitze der Lanken hauptsächlich sittlich qualifizierte Faktoren stehen..., die ihre eigenen persönlichen Interessen oder die Interessen von ihnen nahestehenden Personen" nicht gölten lassen. Ein wichtiger Mangel der Gesetze 237 und 238 aus dem Jähre 1924 ist, daß f a st die ganzen Sanierungslasten aus die Schultern der Öffentlichkeit gewälzt wurden. Dom sucht die Vorlage durch jene Bestimmungen aibzUhelsen, die Sicherungen schaffen sollen, daß dem bedrohten Institut finanziell« Hilfe geschaffen werden soll, sowohl durch die Aktionäre, als auch durch die führenden Funktionäre, durch di« letzteren eventuell m Form der Rückerstattung von Einnahmen, auf die sie moralisch und viÄwch nicht einmal rechtlich Anwruch hatten. Das Bestreben der Regierung, in Instituten, welche aus öffentlichen Mitteln saniert werden, Ordnung zu schaffen, würde bei der jetzigen Rechtslage, welche die Autonomie der KapitälSgesÄlschaften astevllnnt, oft wegen der Unfähigkeit der betreffenden Anstalt, wenn nicht manaeW guten Willens dieser Organe di« Wirtschaft der Institute dem öffentlichen Wohl« anzupassen, wicht zum gewünschten ZÄ« führen. Deswegen werden weitere Bestimmungen hingng-- fügt, welche es der Staatsverwaltung ermöglichen sollen, daß durch zu dies« Ausgabe besonders gewählte Personen selbst konsequent eine Reorganisation dos sanierten Institute- herbeiführrn. Bei einem solchen direkten Einfluß der Staatsverwaltung auf ein saniertes Institut wird es möglich sein, für dasselbe ohne Gefahr für die Staats-, kassa die Garantie für dessen weitere- vorteilhaftes Bestehen zu übernehmen." An diesem Motiveubericht, der vom Ministerpräsidenten UdrLal und vom Finanam'ni- st« Trapl verantwortlich gKeichnet ist, ist interessant die ausgesprvchen staatskapitalistische Tendenz, die aus ihm spricht. Leistungen öerMe aüarbeilerverbanves Ueber 1.6 Millionen für die Arbeitslosen. Die Leistungen des Internationalen Metall- arbeitervcrbandcs(Komotau) für die Arbeitslosen werden erst durch die trockenen Ziffern so recht sichtbar. Im Dezember wurden vom Verbände nicht weniger als LS 1,689.896.55 mit dem Ministerium für soziale Fürsorge verrechnet. DaS betrifft aber nur di« abgeschlossenen Fälle der Arbeitslosigkeit, keineswegs sind dies aber alle Aufwendungen des Verbandes für die arbeitslosen Kollegen. Gegenüber November, in dem LS 1,228.706.80 verrechnet wurden, sind im Dezember LS 460.689.—, also fast eine halbe Million mehr, in den abgeschlossenen Fallen ausgezahlt worden. Dies zeigt wohl zur Genüge, wie sehr die Arbeitslosigkeit zunimmt. Zugenommen hat die Zahl der Arbeitslosenfälle von 2935 im November auf 3792 im Dezember, also um 857 Fälle oder 28 Prozent. Die Zahl der Unterstützungstage stieg von 99.247 auf 135.310, also um 36.063 Tage oder 36 Prozent. Die Dauer der Arbeitslosigkeit wird also immer länger. Die tägliche Unterstützung ist von 12.37 LS nn November auf LS 12.48 int Dezember gestiegen. Auf einen Fall von Arbeitslosigkeit kommen durchschnittlich 35.68 lag« gegen 33.81 Tage im November. Alle dies« Ziffern beweisen, daß der Verband in dieser Krisenzeit den arbeitslosen Kollegen eine willkommene Hilfe gewährt. Ne verzichte« voraus, anständig nnd gebildet zu sei«. Die Nazis natürlich! Das ist Nicht» Neu und von uns schon oft festaestellt, von, ihnen aber stets mit heilig« Entrüstung„zurückgewiescn" worden. Nun geben sie es aber selbst zu.„Gauführer" Otto Weber schreibt m der JugeNd- veuage des„Tag" vom 27. Eismond einen Artikel„Wo steht die Jugend?", den der„Tag", um zu beweisen, von welchem„Geiste" auch„unsere Jugend erfüllt ist",„v o ll i n h a l t l i ch" abdruckt, das tut er doch sonst auch, wovon wir uns bei unserer Mitarbeit an seiner Grubenhunderubrik überzeugen konnten. Mit seltener Offenheit erllärt„Pa." Web«:„Wir verzichten darauf, anständig und gebildet zu le i n..(gesperrt im„Tag"). Der Verzicht wird ihnen nicht schwer fallen. Außer dieser interessanten Feststellung und dem Eingeständnis, daß jene„deutsche Jugend, die die deutsche Hoffnung sm Herzen, die Banner ergreift und vorwärts trägt",„emvorwächst auS dem Sumpf der Großstadt, auS den verspießerten Kleinstädte» und Provinzen", enthält der Aufsatz»och einige Proben nationalsozialistischen Stils und hitleri- scher Grammatik:„D i e Jugend hat mit dem ihr eigenen Scharfblick das aufgeblasene Gebilde der Internationale erkannt... und hat daraus feine Schlüsse gezogen... Unsere jungen Schultern sind wund von dem harten Druck des Geschehens, aber wir heben die Fahne des deutschen Sozialismus hoch zum Himmel und rufen durch alle Sudetengaue!"— Arme Jugend wunde Schultern, leer« Kopf und doch so selbstlos, sie fordert nichts für sich selbst— was die Unternehmer gerne sehen— dafür alles fürs „Deutschvolk. Ihnen„ist eS gleich, von w o der junge Mitstreiter kommt", sie„sehen den Arbeiter neben dem Student, den Büv- goosohn. nebendenLehrling", dritten oder vierten Fall, welcher mag der richtige lern? Ueber alle jene aber, die nicht die Kraft aufbr'ngen zu solch grammatikalischen Visionen,„werden die Kolonnen derer binwegschreiten, die das Schicksal 29 Jan Illis/Der letzte Tag Ein«es