Einzelpreis 70 Heller. (Einschließlich 5 Heller PortoE 12. Jahrgang.'"- Frenag, 2S. MSr» 1S22 Rr 73. China«errichtet nicht. Gegen dte mandschurische „Marronetten-Regierung". Gen f, 24. März. Verschiedene Anzeichen deuten daraufhin, daß China die Absicht hat, die mandschurische Frage erneut vor dem Völkerbund auszurollen. Der Vertreter Chinas, Botschafter Den, der während der Osterpause von Genf aus in ständiger Verbindung mit seiner Regierung bleibt, hat in einem soeben veröffentlichten Schreiben an die Mitglieder der Völkerbundversammlung feierlich gegen die Umtriebe Japans in der Mandschurei protestiert. Botschafter Zen behauptet, daß Re Japaner aus die verschiedenst« Weise der„Marionettenregierung in der Mali» dschurei Vorschub leisten, indem sie u. a. sich für die Beschlagnahme der Zolleinnahmen durch dir Regierung verwenden und sie durch Ernennung von japanischen Sachverständigen unterstützen. Die Japaner bestünden darauf, daß all« Er- neuerungen bestehender Zollvertrage und alle Tarifändernngen der Genehmigung der neuen Regierung unterliegen, widrigenfalls mit der Beschlagnahm« der gesamten Zollrinnabmen gedroht werde. Japan verfolge das Ziel"«ine« Zollunion der drei östlichen Provinzen mit Japan, um auf diese Weise die Mandschurei vollständig von China zu trennen und Japan einzugliedern. Gleichzeitig veröffentlicht die chinesische Te- kegation einen Protest der gegenwärtig in Nanking residierenden Leiter der drei östlichen Provinzen, der den Völkerbund auffordert, der „Marionettenregiernng" in der Mandschurei die Anerkennung zu.versage» und Chinas Rechte in diesen Gebieten wieder herznstellen. Frankreichs Fmanzttiie, Paris»-.24. März. Der. Senat tritt heute in di« Budgetdebatte ein. Der Hanptberichter- statter des Budgets hat dasselbe einer sehr scharfen Kritik unterzogen. Er erklärte, daß das zunehmende Defizit der Eisenbahnen und zahlreiche unvorhergesehene Ausgaben, die infolge der Wirtschaftskrise notwendig werden, zu Eno« des Jahres ei« großes Defizit zur' Folge haben werden, das man ohne Uebertreibung aus sechs bis sieben Milliarden Franken schätzen und das nicht durch neue Steuern gedeckt werden könne. Deshalb müsse die Regierung schon jetzt an bedeutend« Ersparungen in allen Bndgetposten schreiten. Nichtsdestoweniger erwartet. man, daß der Senat kein« großen Schwierigkeiten machen, werde und daß das Budget in zweiter oder dritter Lesung zu dem festgesetzten Termin vom 1. April definitiv angenommen werden wird. Der Senat wird sowohl am Ostersonntag als am Ostermontag den ganzen Tag hindurch Sitzungen abhalten. Die rumänischen Nazi. Berlin, 24. März. Das Wolfs-Bureau mcl- bet aus Bukarest: e Studentische Mitglieder der rechtsradikalen „Eisernen Garde" hatten sich in Jassy' zu einer Protestversammlung gegen das Borgsyen der Polizei bei den Studentendenioustratsonen in Bukarest versammelt. Es kam zu Zusammen- stoßen mit der-Polizei. Zahlreiche Polisisten und Studenten'.wsttden-verletzt. Die Stupeütey v c r w ü st e-t c n vollkommen d i e S y n a i flöge und schlügen in der Hauptstraße die Fem sterscheiben ein. Gendarmerie eilte mit gefälltem Bajonett öeri Demonstranten inl Laufschritt nach. Beim Studentenheim kam es zu neuen Zusammenstößen. Das Heim wurde von- Militär umzingelt.-- Die,-Stadt Jassy ist in höchster- Erregung.'Zahlreiche Militärpatrouillen- durchziehen die- Stadt. Die Universität ist geschlossen. Tie Regierung ist znsammengetretcn, um die nötigen Maßnahmen zur VerhütungL weiterer Zwischenfälle zu beschließen. Barbusse darf nicht nach England. Paris,- 24.- März. Die Blätter melden, aus London, daß wie wir gestern bereits mitteilten — die-englischen Behörden dem französischen. Schriftsteller B a r b us se, der bei einer Av- beiterversammlung über die Arbeitslosigkeit sprechen sollte,i düs Betreten englischen Territoriums untersagt haben. Die Angelegenheit wird heute nachmittags Gegenstand einer" Interpellation im Unterhaus« sein. Zwölf Schachte stillgctegt Wilde Streiks im Dritter Revier. Brüx, 24. März. Die Streikbewegung im norbwestböhmischen Kohlenrevier hat sich heute weiter ausgedehnt. Sämtlich« acht Schächte der Nordböhmisch«» Kohlengewerbsgesellschaft sowie zwei staatliche Gruben und je ein Schacht der Böhmischen Handelsgesell» schast und der Theresia Tiefbaugesellschaft sind stillgelegt worden. Im Revier herrscht— abgesehen von einigen kleineren Zwischenfällen— vollkommene Ruhe. Auf den Gruben der Brüxer Bergbaugrsellschast wird normal gearbeitet, soweit nicht Feierschichten cingesührt wurden. * Brüx, den 24. März. Die Streikbewegung, die gestern und vorgestern im nordböhmischen Brannkohlenrevier eingesetzt hat und unzweifelhaft auf die Initiative der Kommunisten zurückzuführe« ist, hat heute eine weitere Ausdehnung erfahren. Der eigentlich« Anlaß zu dem Streik bildete die Kündigung der Belegschaft des Hnm- boldtschachtes der Nordböhmischen Kohlrywerks- gesellschaft, aus dem 382 Mann beschäftigt sind. Die Entlassung erfolgte mit der Begründung, daß j der Schacht eingestellt und das Flöz vom Zen- trumschacht her abgebant werden soll. 70 Mann der Belegschaft sollten noch auf zwei bis drei Monat« auf dem Zentrumschacht beschäftigt werden, woraus ihre Entlassung bis auf 20 Leute vorgenommen werden sollte. Die Belegschaft hat aus Empörung über diese Kündigung am L3. März die Arbeit eingestellt und ist zum Zentrumschacht gezogen, wo sie die Ausfahrt der Mannschaft und die Einstellung der Arbeit erzwang. Heute haben sich der Bewegung folgende Schächte angeschlossen: C o l u m b u S, H e r k u» leB, Fortuna, Ouido T—in und Quido lt. Außerdem will man auch di« Belegschaft der Staatsschächte zum Anschluß an de« Streik bewegen. Dieser spontane Streik ist«in Ausdruck der ungeheuren Erregung, die infolge der unausgesetzten Masienentlaflungen und der unbegreiflichen Ersparungsmaßnahmen der Werksleitungen hervorgernfen wurde. Die Erregung stieg unter der Arbeiterschaft Nordwestböhmens, als sich infolge der Sparmaßnahmen auf dem Kobinoor- Schachte vor kurzem das schwere Unglück ereignete, das acht Bergleuten das Lebe« kostete. Die Bergarbeiter empfinden diese Rücksichtslosigx keiten der Betriebsleitung als Provokationen und beantworten sie mit derartigen Streiks. Eine ähnliche Situation bildet sich auch im Duxer Bezirk, wo die Brüxer Kohlenberg- kaugefellschast daran geht, etwa 1000 Bergarbeiter zu entlasten. Die Bemühungen der Organisationen sind darauf gerichtet, diese Entlastungen zu verschieben, Betriebseinstellungen zu verhindern und die Reduktion der Belegschaften nach Möglichkeit hintanzuhalten. Es ist ihnen gelungen, die Kündigungen der Belegschaft des Humboldt II auf den 1. April zu verschieben, was selbstverständlich keine Lösung darstellt. Die Gewerkschaften bemühen sich, die Fortführung des Betriebes des Humboldt-II-Schachtes zu erreichen und es wurden diesbezüglich auch bereits Verhandlungen mit der nordböhmischen Kohlenwerksgesellschaft eingeleitet. Zentraldirektor L ö ck e r der nordböhmischcn Kohlenwerksgesellschaft, der zugleich auch Zentraldirektor der Brüxer Bergbaugesellschaft ist, hat diese Abbaumaßnahmen vorbereitet und sich dann auf einen längeren Urlaub begeben. Er soll sich derzeit in Aegypten aufhaltrn. Seine Stellvertreter erklären, daß sie zu Verhandlungen keine Vollmachten besitzen. Darum wäre die nächstliegende Maßnahme die Unterbrechung der En t- lass«« gen durch Einschreiten der Behörden, bis es möglich ist, mit den bevollmächtigten Vertretern der nordböhmischen Kohlen- werksgesellschaft die Verhandlungen fortzusetzen. Der Streik auf den genannten Gruben im «ordwestböhmischen Revier ist zwar aus der allgemeinen Situation begreiflich, aber er bedeutet 1 trotzdem kein wirksames Kampfmittel gegen bie Plane der Kohlenbarone, denen es in der gegenwärtigen Zeit sogar gelegen kommt, wenn durch derartige Bewegungen bte Förderung reduziert wird. Ein Beweis dafür ist die Gleichgültigkeit der Grubenbarone gegenüber diesen Vorgängen. Zweifellos steht hinter der Aktion die kommn- nsftische Partei, die es diesmal allerdings verstand, nicht so offen hervorzutreten, wie das bei früheren. Streikputschen der Fall war. Wir empsehlen den Mitgliedern der Union der Berg- arbeftrr und ihren Vertrauensleuten, sich an keinerlei Demonstral'.onen oder Gewalttätigkeiten gegenüber den Belegschaften anderer Schächte zu beteiligen und die Verantwortung für diesen wilden Streik abzulehnen, insbesondere dann, wenn es sich um die Abziehnng der Sicherheitsmannschaften handelt. Ferner haben dt« Mitglieder und Funktionäre der koalierten Bergarbeiterverbände keine Funktionen in den Streikkomitees anznnehmen. Zur wirtschaftlichen Lage im nordwrstböh- mischen Braunkohlenbergbau muß folgendes festgestellt werden: Der Absatz der nordwestböhmischen Braunkohl« 1 ist in den letzten Monqten aus uiehrfachey Gründen ständig znrückgegangrN..'Zunächst ist dis allgemeine wirtschaftliche Berschlech- tcrüng ans den Absatz nicht ohne Rückwirkungen geblieben. Der Inlandskonsum hat in den heurigen Wintermonaten infolge der geringen Kalte nicht die saisonmäßige Erhöhung erfahren wir in früheren Jahren. Was den Absatz im Ausland anbelangt, so weist auch er eine sinkende Tendenz auf. Einen schweren Schlag hat das nordwestböhmische Braunkohlenrevier auch dadurch ersahren, daß es bei der Vergabe von Staatsbahnliefernugen nicht mehr in dem Maße wie früher berücksichtigt wurde. Di« Zahl der Feierschichten hat infolgedestcn eine Vermehrung erfahren. In Verbindung mit diesem Absatzrückgang vollzieht sich eine weitere systematische Rationalisierung der Betriebe, eine Zusammenlegung von Schächten»nd die Einführung noch schärferer Sparmaßnahmen. Anschluß neuer Schachte. Brüx, 24. März. Heute sand in Nieder- georgenthal eine Versammlung der Betriebsräte statt, in der über die Führung des Streiks und «der die Zulassung von Sicherheitsmannschaften in die bestreikten Schächte beraten wurde. Eine Einigung über dir Einfahrt der Sicherheitsmannschaften wurde nicht erzielt. Morgen soll darüber mit den Belegschaften verhandelt werden. Aus dem Ortsplatz des BergarbeiterdorsrS Riedergeorgenthal sanden sich schon in de« heutige« Vormittagsstunden Hunderte von Streikenden mit ihren Frauen und Kindern ein, um die Beschlüße der Betriebsräteversammlung abzuwarten. Selbstverständlich hatte die Behörde keine andere Sorge, als auch sosort ein Aufgebot von Gendarmerie in den Ort zu dirigiere«, obwohl es nirgends zu Ruhestörungen kam." Dem Streik haben sich heute im Lauf« des Tages auch die Staatsschächte Julius II, III und IV, Eugen- Schacht und der Richard-Schacht angbschlossen. Auf dem Lrtsplatz von Niedergeorgentyal tagte nachmittags eine große Versammlung, in der zum Streik gesprochen wurde. Die sozialistische Politik in Frankreich. Eine interessante Wahlrede Renandels. Paris, 22. März.(Eig. Drahtb.) In einer öffentlichen Wahlversammlung erklärte der sozialistische Abgeordnete R e n a u dcrl:„Wenn die Linksparteien bei den nächsten Wahsen loyal die republikanische Disziplin beobachten, wird die Reaktion eine schwere R i e d e r l chg e erleiden. Die sozialistische Partei wird. bereit sein, daraus alle Folgen zu ziehe». Wenn das Land dem Sozialismus eine" Mehrheit gibt, würde die Partei ilicht zögern, alle Berantwor- tuirgen der Regierungsmacht zu übernehmen. Wenn die sozialistische Partei die st ä r k st e Partei einer republikanischen. Mehrheit werden sollte, ivürde sie es ohne Zweifel nicht ablehnen, die Bildung einer Koalitionsregierung zu versuchen. Wenn schließlich aus. den Wahlen eine Parlainerüsfraktion hervorgeht, die einen not- wendigen Teil" für die Bildung.einer demokratischen, Mehrheit.darstellen, würde,' ivürde die sozialistische Partei die Zweckmäßigkeit einer Beteiligung an einer Koalitionsregierung prüfen, die dann eine Fortsetzung der Esnignng der Linksparteien im Lande sein würde." Mit der Polizei gegen den Hunger! Die Polizei ist nun in volle Aktion getreten. lieber. Weisung des von dem der tschechischen Agrarpartei angehörigen slowakischen Ministers Slavik. geleiteten Jnnenministe-' riums hat sie nach der Auflösung des,„Volkssport" und der Verhaftung von. etwa hundert junger hakenkreuzlerischer Personen auch die Organisation der kommunistischen„Internationalen Arbeiter-Hilfe". aufgelöst. Unvermutet und ohne jede vorhergehende Verwar- nung erschien Mittwoch vor dein Hanse in Prag, in dem sich das Sekretariat der„Arbeiter-Hilfe" befindet, zu.einer Morgenstunde,'die für viele noch Nachtzeit ist, ein polizeilicher Autokar und eine starke Pvlizeiabteilung, welche das Haus umzingelte und zugleich wurde der Vorsitzende der Organisation aus dem Schlafe geklingelt, dem von der erfolgten Auflösung der„Arbeiter-Hilfe"■ Mitteilung gemacht wurde. Um acht Uhr wurde das Sekretariat von der Polizei besetzt und das ganze Eigentum des Vereines, darunter eine Anzahl v n Kisten mit Lebensmitteln, Kleidern und Medikamenten, die für Karpathorußland bestimmt waren, beschlagnahmt. Zur gleichen Zeit wurden auch in allen lokalen Sekretariaten der„Arbeiter-Hilfe", iu der ganzen Republik die gleichen Maßnahmen vorgenommen und bei einigen. hundert Funktionären.des Vereines Ha'usdüÄzsuchungeu'. dürchgefuhrt.' In solch gesteigerter Tätigkeit Hal- mgn die Polizei seit. hem. Bestände der' Republik"nicht gesehen, geschweige denn— mit Ausnahme der Zeit des Krieges— im alten Oesterreich. Der Skandal dieser polizeilichen Aktion erscheint um so größer, wenn man berücksich tigt, aus welchen Motiven sie hervorgegängen ist. Sie ist im wesentlichen nichts anderes als ein Racheakt der tschechischen Agrarier für die Enthüllung ihrer Schandwirtschaft in Karpathorußland. Die Zustände iu Karpathorußland sind in letzter Zeit Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit geworden. Dieses tausend Kilometer vom Herzen des Staates entfernt gelegene Land, dein einmal feierlich .sind verfassungsgemäß die Autonomie zuge-^ sichert worden ist, steht statt dessen de fakto usi- ter der Herrschaft der Diktatur der tschechischen Agrarpartei. Was unter dieser Herrschaft aus dem unglücklichen Lande getvorden ist, spottet jeder Beschreibung. Es ist wahr, daß die ! karpathorüssische Bevölkerung schon unter dem magyarischen Regime in traurigen Verhält- nissen lebte,, aber seither wurde sie doch„befreit" und die Friedensmacher, lvelchh das Land im Vertrauen darauf, daß die Tschecho- slolvakei dort eine Kulturmission erfüllen werde, ihr das Land augliederten, konnten ebenso wie die übrige Welt annehmen, daß es wenigstens in absehbarer Zeit gelingen werde, die dem Volke von her magyarischen Oligarchie geschlagenen Wunden zur Heilung zu bringen. Jetzt sind seit der Angliederung dreizehn Jahre verflossen, aber die Zustände sind schlimmer als je. Unter dem Diktat! der tschechischen Agrarpartei herrschen chaotische politische Verhältnisse, und was noch viel ärger ist, wirtschaftlich u. sozial ist dort ein Grad der Verkommenheit erreicht worden, den kein noch so unfähiges Regime anderswo zu erzielen vermocht hat. Zu den verzweifelt schlechten Lcbensverhältnissen, unter denen die Besvoh- ner dieses Staatsgebietes leiden, hat sich eine durch und durch korrupte Wirtschaft. mMmye oft unerhörte und brutale Behandlung.- durch die Organe der Behörden gesellt, im hättzige-t'- Winter überdies der Hunger. Nacktester'^ und furchtbarster Hunger. Das Land ist bedeckt Von großen Wäldern, aber die Bewohner haben kein> Brennmaterial, viele tausende Männer, Frauen und Kinder haben kaum ein Stückchen Brot, vielen Kindern fehlen sogar die notfven- Seite 2 Freitag, 28. Mar; 1932. Nr. 73. dein kata» schbarer Zeit von dieser Seite ohnedies nicht zu erwarten. schon Vor- jetzt Ein Vorwand war bei der Fülle von Fangeisen und Wolfsgruben, die in unseren Polizeigesetzen der Reaktion im Gebrauchsfalle stets bereit zur Verfügung stehen, bald gefunden. Was über diese Berufung auf das angeblich verletzte Gesetz zu sagen ist, sagen wir noch an anderer Stelle. Kein Mensch im ganzen Staate wird an diesen Grund als den wirklichen zur Auflösung glauben. Die„Arbeiter- Hilfe" wird unterdrückt, weil damit bestraft werden soll, daß die skandalöse Wirtschaft der agrarischen Diktatur in Karpathorußland auch für die Blicke des Auslandes aufgedeckt worden ist und um in Hinkunft ähnliche Enthüllungen zu verhindern. Das Elend Karpathorußlands soll zugedeckt, der Hunger der Bevölkerung soll nicht gestillt werden, aber wenigstens soll die Kenntnis von ihm nicht mehr in die Oef- das Reichsinncnmlnisterium wenn nicht «ngünstig, so doch wenigstens skeptisch das gehen Severings betrachtet. Wen» also Minister Groener selbst, der durch seine verschiedenen Konzessionen an die Nationalsozialisten in linksrepublikanischen Kreisen in letzter Zeit in Verdacht kam, auf die Gefährlichkeit eines nationalsozialistischen Putsch nach der Wahl des Reichspräsidenten verwies, so hören alle Zweifel darüber auf, daß ein Putsch tatsächlich vorbereitet wurde. Mit welchen Mitteln die Nationalsozialisten den Umsturz durchführen wollte», wird erst das Ergebnis der Prüfung des beschlagnahmten Materials erweise«, die zur Zeit«och im preußische« Innenministerium fortgesetzt wird und über welche bisher nicht die geringste Mitteilung erschien. Dr. Badt erklärte bloß heute vor dem Leipziger Gerichtshof, daß die Sichtung des Material« bereits zu überraschenden Ergebt nisten geführt habe. digsten Kleidungsstücke, halten sich in den Wohnungen nackt ans oder sind nur mit einem Hemdchen bekleidet. So ist Karpathorußland das richtige Exerzierfeld für die Konununisten geworden, die den Hunger der Bevölkerung für ihre politischen Zwecke auszunützen suchen. Hier fanden sie für ihre„Hungermärsche" alle Voraussetzungen und sie verschrieben sich auch den bekannten kommunistischen Schriftsteller Ludwig Renn, sowie den Engländer Gerald Hamilton, der als radikaler Pazifist nicht unbekannt ist, damit diese an Ort und Stelle die Verhältnisse kennen lernen. Daß den Kommunisten nur darum zu tun war, das auf diese Weise gewonnene Material propagandistisch zu verwerten, mag den schuldigen Behörden nnd der tschechischen Agrarpartei peinlich sein, umso peinlicher, als durch die Berichte der beiden Ausländer auch das Ausland auf die Zustände in dieser tschechoslowakischen Kolonie aufmerksam wurde und natürlich in einer für die Staatsverwaltung nicht gerade ehrenvollen Weise, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß die beiden Herren über ihre Beobachtungen in Karpathorußland so Erschütterndes zu berichten wußten, daß es in jedem , Falle Pflicht des Staates gewesen wäre, mit einer großzügigen Hilfsaktion der dem schrecklichsten Hunger verfallenen karpathorus- sischen Bevölkerung augenblicklich beizuspringen. Es genügt, zu sagen, daß Hamilton behauptet, er sei in den Hungergebieten Chinas und Indiens gewesen, Ende 1918 und Anfang 1919 während der Hungerblockade auch in Deutschland, doch nirgends habe er Hunger und Not so kraß wie in Karpathorußland gefunden. Und Ludwig Renn berichtete, er habe Wohnungen gesehen, die früher Schweineställe waren, Frauen und Kinder, die barfuß im Schnee und Kinder, die nur ein Hemd oder gar nichts anhaben, Kinder, die splitternackt üuf dem Ofen sitzen und zittern, wenn durch Oeffnen der Türe ein kalter Windzug hereinströmt. In vielen Dörfern war in den meisten Häusern nicht ein Stückchen Brot aufzutreiben, manche der Kinder hatten schon aufgetriebene Hungerbäuche und alle sind so zurückgeblieben, daß man Sechsjährige für drei Jahre alt halten kann. Eine Erwerbsmöglichkeit gibt es nicht mehr und damit schwinde auch immer mehr jede Lebensmöglichkeit, so daß die Gefahr des langsamen aber sicheren Verhungerns gegeben sei. Das agrarische Regime reagierte auf diese Enthüllungen damit, daß es durch das offizielle Preßbüro eine Polemik veröffentlichte, in der die karpathorussische Not zum Teil zu beschönigen, zum anderen Teile Gerald Hamilton dadurch herabzusetzen gesucht wurde, daß es von ihm behauptete, er habe verschiedene„Vorstrafen" auf dem Kerbholze, obwohl die Verfasser des lumpigen Schriftstückes sehr gut wissen mußtet, daß er die Strafen nur wegen seiner Pazifistischen Tätigkeit erlitten hat». Diese kleine und niederträchtige Bosheit genügte den betreffenden Stellen, von denen sie ausging, nicht und so hat der agrarische Innenminister dem Racheverlangen der Presse seiner Partei noch dadurch Rechnung getragen, daß er von seiner Polizei die Auflösung der„Internationalen Arbeiter-Hilfe" verfügen ließ. werden sollen, so daß der Zins dann insgesamt das Sechsfache des Borkriegszinses ausmachen würde! Bewußt verschweigt das Abendblatt, daß die MietzinSsteigerung auf zehn Jahre, bis 1942, verteilt werden muß. Daß das„Rudä Prävo" alle Fortschritt«, wÄche der Gesetzentwurf des Ministeriums für soziale Fürsorge gegenüber dem bisherigen Stand bringt, und ebenso alle darin enthaltenen Maßnahmen zur Belebung und Förderung der Bautätigkeit nnt ein paar Worten zu übergehen versucht, ohne — wie es Pflicht eines Blattes wäre, welches den Interessen der arbeitenden Bevölkerung zu dienen vorgibt— seine Leser darauf aufmerksam zu machen, daß die bürgerlichen Parteien einen Generalsturm gegen den Gesetzentwurf vorbereiten, vervollständigt nur das gewöhnte Bild kommunistischer Polemik. Der„Benko v" und sein Nachmittagsableger„B e e e r" entsprechen in ihrer„volkstümlichen" und von persönlichen Gehässigkeiten gegen Genossen Dr. Czech strotzenden Darstellung durchaus den in sie gesetzten Erwartungen. Der Hauptschlager dort ist die geplante Wohnungskontrolle. Wir werden mit der Würdigung dieser„Argumente" später immer noch zurecht kommen. Wie wir die agrarischen Blätter kennen, werden sic den Stuß solange wiederholen, bis selbst dem abgebrühtesten ihrer Leser sich der Magen dabei umdreht. Neue Ideen sind in ab- fentlichkeit dringen, darum und dazu wird die Polizei mobilisiert. Man tvird uns keinerlei Vorliebe für die Konununisten nachsagen können und wir kennen auch die Skrupellosigkeit ihrer Demagogie, mit der sie verzweifelte Massen in ihre Netze zu locken suchen, um sie für ihre Parteizwecke zu mißbrauchen, aber das wird uns daran nicht hindern, der neuesten Tat der agrarischen Gewalthaber auf das entschiedenste entgegenzutreten. Die Polizei ist kein Heilmittel gegen den Hunger. Was verlangt iverden muß, das ist, daß der furchtbarste Not leidenden karpathorussischen Bevölkerung schleunigst Hilfe zuteil und das arme Land von einer Herrschaft befreit werde, die in ihrer sträflichen Unfähigkeit es strophalsten Elend überliefert hat. Berlin, 24. März. Erst heute wurde aus Grund der Aussagen vor dem Leipziger StaatS» aerichtShos über die Borbereitungen der Nationalsozialisten zu einem Putsch Klarheit grschafsrn. Die Aktion der preußischen Regierung, welch« Haussuchungen bei de« nationalsozialistischen Organisationen anordnet«, wurde bisher vielfach als übereilt angesehen. Auch in Kreise«, die der Hitlerbewegung nicht günstig gesinnt find, setzte sich di« Meinung durch, daß es sich bei dieser Aktion eher um einen politische« Schachzug deS preußischen Innenministers, des Sozialdemokra- ten Srvering, handelt. Dies« Zweifel wurde« heut« durch di« Aussagen des Vertreters der preußischen Regierung Dr. Badt und insbesondere durch deffeu Mitteilung zerstreut, daß die Initiative zu der Polizeiaktion gegen di« Nationalsozialisten vom Reichsminister Groener auSging. Dies« Mitteilung ries allgemeine Verwunderung und Sensation hervor, denn bisher wurde behauptet, daß Die Putschpiline Hitlers Groener stellt die Razi bloß. Wer hat geschossen? Wien, 24. März.(Eigenbericht.) Bor dem Grazer Schöffengericht farw heute ein Prozeß statt, der«in Nachspiel zu den blutigen Vorfällen in B o i tsb e rg war. Angeklagt war ein Kommunist, der einem Gendarmen das Gewehr entrissen und gefeuert haben soll. Daraufhin habe die Gendarmerie die Salve abgegeben, die drei Todesopfer forderte. Da aber Zeugen aussagten, es sei aus einem hakenkreuzlerrschen Ver- sammlungSlokal ein Schuß abgegeben worden, wurde die Verhandlung zwecks neuen Zeugeneinvernahmen vertagt. „... Hie Grenzen seiner Artigkeit überschritten..." In der Begründung, die das Innenministerium schandenhalber seinem Racheakt an der „Arbeiterhilfe" gibt, werden als belastende und die Auflösung bedingende Momente angeführt, daß der Derein „von seiner Gründung an die Grenzen kiiw» Tätigkeit überschritten hat, di« er sich in. den genehmigten Statuten gesetzt hat.. Es wird dann wiederholt, daß der Verein seine Statuten überschritten habe, daß er ein un- politischer Verein gewesen und dennoch kommunistische Agitation getrieben habe. Wir wisten nicht, ob einem Verwaltungsjuristen daS hier Behauptete wirklich als zwingend und logisch erscheint. Dem Normalmenschen wird man so nicht Weismachen können, daß es sich um mehr als einen Gewaltakt aus ganz gewöhnlichen Rachcmotiven handelt. Denn die Grenzen seiner Tätigkeit überschreitet doch jeder Verein und am meisten diejenigen, die sich der wärmsten behördlichen Förderung erfreuen. Jeder Feuerwehrverein, der an einem nationalen Fest mitwirkt, überschreitet die statutarischen Grenzen, wird man ihn darum auflösen? Der Sokol, der ein Turnverein sein soll und eine große nationalistisch-politische Organisation ist, überschreitet er nicht mit 90 Prozent seiner Tätigkeit die Grenzen der Statuten, in denen er sich mit bescheidenen zehn Prozent hält? Die verschiedenen Narodni Jednota sind klassische Beispiele für dauernde grobe, wir möchten sagen notorische und beinahe schon wieder statutarische Ucber- schreilungen ihrer statutarischen Tätigkeit. Vereine, die mißliebige Beamte entfernen und ihnen genehme avancieren lasten, die dreinreden, wenn der Staat eine Sparkaste saniert, die Schulbauten diktieren, Gerichtsverfahren aufhalten, die müßten von rechtswegen aufgelöst ivcrden, well sie ihre Statuten in gemeingefährlicher Weise überschreiten. Derartige Vereine sollen aber hierzulande recht ungeniert ihr Unwesen treiben können... Klerikal« Fürsorgevereine, die politisch agitieren, Tischgesellschaften, die in Fascismus machen, Standesver- eine, die gefährlich viel Politik treiben, bleiben ungeschoren und sollen es unseretwegen auch bleiben. Aber man bekenne sich, wenn man Arbeitervereine verbietet, wenigstens zum Prinzip der Gewalt, der Willkür und der Rachsucht und hülle sich nicht in ein fadenscheiniges Gewebe von Logik und Recht. Die Grenzen ihrer Tätigkeit hat in diesem Staate keine Institution in dem Maße überschritten wie die so gern prügelnde, willkürlich einschreitcnde und auflösende Polizei, die nun leider darüber wacht, daß andere die Grenzen einhalten, die sie dauernd verletzt! Ei» würdiger Anfang. Agrarische und kommunistisch«„Ungenauigkeiten" über bas Wohnungsgesetz. Während die sozialistische Presse den Entwurf des Wohnungsgesetzes mit Befriedigung aufnimmt, und die bürgerliche Pveffe, soweit sie sich nicht mit der bloßen Inhaltsangabe begnügt, ihre Meinung nur vorsichtig und ohne sich sestzulegen äußert, haben die kommunistischen und agrarischen Blatter Mit wüteichen Angriffen geantwortet. Was sie vorzubringen wissen, ist zwar nicht viel, aber um so bezeichnender. Das„Rud« Prüvo" sucht in der Frühausgabe in einem Vierspalten titel bei naiven Lesern den Eindruck zu erwecken, als sollten die Zinse Heuer um 90 bis 170 Prozent gesteigert werden. Daß es sich dabei auf das„Prager Tagblatt" beruft, wo das offizielle Kommunique des Ministeriums für soziale Fürsorge vorlag, sei nur nebenbei bemerkt. Während es aber im Text selbst noch andeutet, daß es sich dabei um eine Gesamt- 'teigcrung gegenüber dem Jahre 1914 handelt rnd die Zinse tatsächlich nur um höchstens 40 Prozent gesteigert werden dürfen,— bekanntlich auch das nur unter gewisten Bedingungen!— läßt es in der Abendausgabe die letzte Scheu allen und behauptet, daß nach der Vorlage die . liitfc um 90 bis 170 Prozent im ersten Jahre, im nächsten Jahve bis um 500 Prozent erhöht Jan Illis/Der letzte Tag Ein tesdildillldKr Boman v Oskar Wöhrle (Verla«„Der Bücherkrcil".®. n. b. Sntia Dv. Gl.) Ammon Weikli läßt den Mausefallenhändler stehen und geht abschätzend um den Holzstoß herum, mit denselben wiegenden Schritten, wie der Erschaffer der Welt am siebenten Tag um das Werk seiner Hände. Er schaut an, was gemacht ist, und siehe, er findet es ebenfalls gut! „Brav!" sagt er zufrieden,„das mag so bleiben! Ein Stoß, wie gescnkelt! Ein Stoß, der sich unter Stößen sehen lassen kann! Der Böhm darf sich drob freuen! Auf einem Schönerem als dem ist noch nie kein Chaib nicht zur Hölle gedampset! Es fehlen nur noch die Kirmesbändel und die bunten Pöppelen daran!" „Keine Sorge, Meister, die wird das zuschauende Weibsvolk mitbringeu!" „Will's hoffen, Bläsi, daß der Stoß ausgeziert ist, bis wir zurückkommen! Zu schade, wenn er ungeschmückt brannte! Aber jetzt, Gesellen, bevor der scharfe Dienst anfängt, die Herzen zu Gott! Packt das Werkzeug zusammen! Wir müssen uns drarchalten, um noch zur Zeit an die Kommunionbank zu kommen und des Leibs Christi zu genießen! Loset, im Münster sangen schon die Älok- ken an!" In der Tai, die Münsterglocken sind mit großer Schallmacht aufgestanden, streichelt breit- schwüngig über Stadt und Landschaft und rufen mit ihren weithin hallenden erzenen Stimmen die frommen und gelehrten Väter des Konziliums zum Gottesdienst und zur Entscheidung in Hustens Prozeß. Eine volle Stünde hindurch läuten die Glok- ken. Immer nur den einen Ton' Hus! Hus! Hus! Die ganze Stadt hallt und widerhallt von dem bronzenen Ruf: Hus! HuS! Hus! Wo zwei sich sehen und begegnen, das erste Wort: Hus! Wo zwei auseinandergehen, das letzte Wort: Hus! Wird er sich beugen und widerrufen? Die Glocken wissen nichts anderes als: Hus! Hus! Hus! Wir er starr bleiben und brennen? Die Glok- ken dröhnen ihr metallenes: Hus! Hus! Hus! Hus! sagt der Bürger; der Zunftsknecht sagt's nach. Hus sagt jeder Ritterbürtige, jeder Geschlechter. Es sägt's der Vogt, es sagt's der Rat. Der Kaufmann in seinem Gewölbe sagt Hus! Die Magd, die am Karren die Milch holt, sagt Hus! Hus! sagt der Bettelmönch. Der feiste Klosterabt sagt Hus! Die Nonne schaut den Gekreuzigten an und murmelt Hus! Die Lippe des Kardinals spricht zwar den Namen des Gefährlichen nicht aus, aber seine tiefgefurchte Stirne denkt nichts anderes als Hus! In den Schreibstuben, in den Kanzleien: Hus! An den Tischen der Wechsler: keine klirrenden Münzen heute, Hus, nichts als Hüs! Für wenige Stunden hat die Stadt des Krames den Drang nach Gewinn vergessen. Nicht mehr Sanktus Profit ist der strahlende Heilige, nein, für einige Stunden ist Hus der Stadt Konstanz pochendes Herz! Er aber, der Mittelpunkt, zu dem die Gedanken aller hinströmen, steht indessen in einem schmalen Gang des Barfüßerklosters und wartet auf seinen Abtransport. Das Kloster scheint eher eine Rüstkammer und ein Zeughaus als ein Bethaus zu sein: vor und hinter Hus klirrt es voll Waffen. Doch dieser Lärm wird übertönt von quiekendem Geschrei, daS aus dem anliegenden Küchenhof tönt. Auch die Klosterküche trifft ihre Vorbereitungen für Hus. Der Endtag eines solchen Ketzers muß gebührend gefeiert werden, und womit feiert der Orden lieber als mit Speise und Trqnk! Die Mönchsmägen sollen heute/ am Brandtag des Ketzers,«in Essen von solcher Fülle aufgetischt erhalten, daß sie noch nach Jahren mit Wasser im Munde an dieses herrliche Fest zurückdenken. Vierzig Schweine sind auf dem Küchcnhof zusammengetrieben und warten des Metzgermessers. Sie quieken vor Hunger; denn seit zwei Tagen haben sie nichts zu fressen gekriegt. Das ist bei den Barfüßern so Brauch, die dienenden Brüder in der Küche wollen am Schlachttag mit dem Ausputzen der Därme so wenig als möglich zu tun haben. Tas Geschrei bei den Eingeschlossenen wird stärker. Zwei Brüder mit aufgekrempelten Aer- meln kommen, eine blaue Arbeitsschürze über die braune Kutte gebunden. Sie machen Jagd auf die durcheinanderstiebenden Schweine und fesseln denen, die sie fangen können, die Hinterfüße mit Stricken. Die Tiere liegen da wie brüllknde Säcke. Sie versuchen, sich mit den Vorderpfoten fortzuschleppen. Aber sie kommen nicht weit. Kaum sind sie ein Paar Spießlängen gekrochen, ist. einer der Blauschürzigen da, packt sie an den Hinterläufen, hebt sic daran hoch und schmeißt sie mit aller Gewalt auf eine der Holzplanken, die mit einem Ende auf der niedern Mauerbrüstung liegen. Zehn solcher Dielen sind da. Auf jede wird ein Schwein gebunden. Nichts ist mehr frei, als der abwärts hängende Kopf. Alles übrige, ist dermaßen verstrickt, daß sich die Tiere nicht mehr rühren können. Bald hängen zehn in einer Reihe ausgerichtet auf den schiefen Planken. Die Schweine schreien. Sic schreien entsetzliche Aus ohnmächtiger, rasender Wut schreien sie. Sie möchten davon und können nicht. Furchtbar schnauben sie und beschlcimen die Rüsselteller mit wütendem Auswurf. Sie versuchten zu beißen, aber sie beißen nur in Luft. Ta setzen sie wieder zum Schreien an. Die noch nicht Gebundenen schreien ebenfalls. Sie sind von der Wut der anderen angesteckt und zornquieken gleichsam zur Ge sellschaft mit. Dabei schießen sic, obwohl sie nicht mehr gejagt werden, wie tollgeworden von«in'k Ecke des Hofes in die andere, sich gegenseitig anrempelnd und überrennend. Große, irdene Schüsseln werden gebracht und unter die Hälse der angebundenen Tiere gestellt. Jetzt kommt ein Metzger mit langem Messer, das er bedächtig an einem Metzgerstahl wetzt. Bei diesem Wetzgeräusch wird das Schreien der Schweine noch toller. Sie rennen jetzt nicht mehr wild im Hof umher, sondern drücken sich in eine Ecke, aus der sie sich nicht mehr rühren. Sie spüren den nahen, mefferwetzenden Tod. Bei den Schweinen, die auf den Dielen angebunden sind, kippt das Schreien der Wut um zu einem Schreien der Verzweiflung. Grauenvoll zieht es sich hin, herausbrechend aus der tiefsten Tiefe der Kreatur, die wie ein Mensch vor dem Nichts, vor der Auslöschung schaudert. Der Gefangene im Klostergang kann das Schreien nicht mehr ertragen. Es erinnert ihn an das Gekreiße einer gebärenden Fra«, das er einmal gehört hat und das genau so hoffnungslos und schrill und langgezogen klang, als ob es nie enden wollte. Jahrelang ist ihm dieses Schreien nachgegangen, das den Eintritt des Lebens in die Welt begleitet. Dann vergaß er's unter der Fülle und dem Andrang andern Geschreis. Jetzt haben es diese Schweine wieder aufgewühlt aus dem Schlick der Erinnerung. Diesmal ist es letzte Waffe des Lebens gegen den Tod. Wie tief sind sich doch im Grunde die Kreaturen verschwistert! Ter Metzger hört mit dem Wetzen seines Messers auf und steckt den Stahl in den hölzernen Köcher an seiner Hüfte. Wie der Griff eines Edel- manns-DegenS schaut er heraus, alS der Schlächter sich zum ersten Schwein niederbückt, um ihm die Schwarte am Halse zu ritzen. Da, das Schreien steigert sich zu seiner entsetzlichen Höhe! (Fortsetzung folgt.) Karpathorußland—das Hunserland Persönliche Eindrücke. Die Kommun.fteu als Ratgeber der ümerue.jmer. Wenn irgendwo eine Bewegung unter der Arbeiterschaft auSbricht, so fühlen sich dir Kommunisten in ihrem Element«. Die Gewerkschaft kann handeln wie sie will, auf all« Fäll« wird sie von den Kommunisten des Verrates an der Arbeiterschaft bezichtigt. Sie stellen sich besonders immer dort mit ihren weisen Ratschlägen«in, wo ste selbst keine oder nur«in« sehr schwache Organisation haben. Es ist daher begreiflich, daß sie sich die Vertragskündigung in der Metallindustrie in Nord, und Ostböhmen nicht entgehen liehen und sofort mit ihren Äampfmethoden«injetzten. Der Vertrag war kaum gekündet, so verbreiteten sie sofort das Gerücht,-ah der Lohnabbau von den Gewerkschaften schon vereinbart ist. Obwohl sie sehr gut wissen, daß die einzige Abwehrmöglichkeit in einer gui disziplinierten Gewerkschaft besteht, wurde dennoch die Arbeiterschaft aufgrfordert, über den Kops ihrer Organisation hinweg Aktionen durchzuführen. Konferenzen wurden«inberufen, in welchen dar Vertrauen zu der freien Gewerkschaft untergraben werde» sollt«. Di« Kommunisten wissen ganz gut, wenn d«r Einfluß der. Gewerkschaft gebrochen ist, die Unternehmer dann rücksichtslos ihr« Wünsch« den Arbeitern gegenüber durchsetzen können. Es geht ja den Herren der revolutionären Linie nicht um die Interessen der Arbeiter, sondern sie wollen nur di« Zerstörung der sr«i«n Gewerkschaft. Bor allem Predigen sie immer den Kampf. Si« schein«» vergessen zu haben, welche Folgen für die Arbeit«! überall dort«ingetreten sind, wo si« ungehemmt ihrer Kampfeslust Zügel schießen last«» konnten. Gemaßregelt« Arbeiter, reduziert« Löhne und U«bergab« des Feldes an di« gelben Organisation«». Beispiel« geben die Glashütten in Unterreichenau, Bleistadt, der Bergbau Mähr.-Ostrau usw. Wie sich die Folgen dieser Kampferziehung durch-i« Kommunisten bei der Arbeiterschaft auswirken, zeigt folgendes Beispiel. Die Firma Roscher in GeorgSwalde trat aus der Unternchmerorganisa- tio» aus und gab der Arbeiterschaft durch Anschlag bekannt, daß ab 1. März die Löhne abgebaut werden. Herr Wenderlich von der kommunistischen Partei hielt einig« Versammlungen ab, bei denen er den revolutionären Kampf predigte und selbstverständlich dabei tüchtig über den Internationalen Metall- arbeiterv«rband loSzog. Unser« Organisation schlug de» Abwehrkamps vor und fand darüber«ine Abstimmung mit Stimmzettel in d«m Betrieb statt. Di« Arbeiter, welche zum größten Teile Partcianhänger des Herrn Wenderlich sind und von ihm erzogen wurden, haben mit Dreiviertel-Majorität beschlossen, anstatt in den Kampf zu treten, den Lohnabbau, welcher 1ü Prozent bei dem Stundenlohn und 16 Prozent bei den Akkorden betrug, zu akzeptieren. Darüber hat sich ab«r der„Vorwärts" ausge- schwiegrn, fährt aber weiter fort, die frei« Gewerk- schäft zu verleunwen. In der Nummer vom 16. März b. F. wird geschrieben, daß di« Unternehuier im Reichenberger Gebiet« auf den 14 Prozent verharren. Es kann dies als«in indirekter Rat an di« Unternchmer betrachtet werden, sie brauchen davon nichts nachzulassen. Di« Verhandlungen am nächsten Tage haben es aber bewiesen, daß es den frei«n Gewerkschaften möglich war, diese Forderung bis auf 8 Prozent herabzudrücken. Di« Konrmunisten versuchen in der weiteren Folg« des Artikels ihr« Absicht den Sekretären der freien Gewerkschaft zu unterschieben. Sie sage« hier: „Sie werden jetzt einige Zeit vertragsloS bleiben, di« Unternehmer werden dann betriebsweise den Versuch eines noch größeren Lohnabbaues unternehmen. Die Arbeiter sind darauf nicht vorbereitet und werden dann bereit sein, den Sekretären die Vollmacht zur Unterfertigung des von den Unter- nehmern geforderten Lohnabbaues zu erteilen, um «inen, noch größeren Lohnabbau zu verhindern und wenigstens einen Vertrag zu erhalten." Sie sagen in diesem Artikel an einer anderen Stelle weiter: „Die Unternchmer werden deshalb noch lange nicht auf ihren Plan verzichten, weil die Arbeiter diesen Beschluß gefaßt haben und die reformistischen Sekretär« einige Kraftwort« gebrauchen." Kann man«S den Unternehmern schöner in den Mund legen als eS hier geschehen ist? Dort, wo ihre Anhänger die Entscheidung fällen, stimmen sie gegen den Kampf und-für den Lohnabbau und dort, wo si« nicht entscheid«» können, weisen si« den Unter- nehmern den Wog, den sie zu gehen haben, um zum Ziele zu gelangen. Hauptsache ist und bleibt, daß der freien Gewerkschaft«ins versetzt wird. DaS Interesse der Arbeiter ist Nebensache. In Ostböhmen wurden durch die Verhandlungen die Forderungen der Unternehmer stark reduziert und«in neuer Vertrag abgeschlossen, um d«n vertragslosen Zustand zu vermeiden. Dafür wird der International« Bietallarbeiterverband beschimpft und des Verrates bezichtigt. In Nordböhmen wird er wilder beschuldigt, daß er durch einen vertrag-losen Zustand di« Arbeiter der Willkür der Unternehmer ausliefern will,, damit sie noch m«hr als vorgr- schlagen, abbauen können. Machst du«S lo, bist du «in Spitzbub, machst du es anders, so bist du auch ein Spitzbub. Wenn die Kommunisten hätten manches tun können, was di« freien Gewerkschaften getan haben, so würde es als ein großer Erfolg hinauSposaunt worden sein. Wenn es aber die freie Gewerkschaft macht, so ist eS ein B«rrat an der Arbeiterschaft. Alle dies« Borfäll« zeigen, daß sich dies« Bewegung immer mehr in falsch« Bahnen verliert und zum.Schluß zu einer Schutztrupp« d«S Unternehmertums hrrabsinkt. Ihr Auftreten hat noch nirgends ein« Stärkung der Position der Arbeiterschaft geschaffen, sondern sie nur geschwächt und.,di« Position der Unternehmer gestärkt Der Zustrom zum Internationalen Metallarbc:rerv«r- band zeigt, daß di« Metallarbeiter erkennen, wo sich ihre Interessenvertretung befindet. smte. Vom Flugzeug aus sieht der Reisend« an der Peripherie von Uihorod auffallend und differenziert« Flecken: di« Notkolonien, wie der Flugzeugführer softirl erklärt und da gleich bei der ein«» Kolonie weithin das goldene Dach«in«r modernen orthodoxen Kirch« leuchtet, findet man den W«g zu di«s«m ersten Dokument einer vollsbeglückenden Landesverwaltung sehr leicht. Ein holpernder Autobus führt i»S Herz der unregelmäßig angelegten Stadt, in der sich wahrhaftig alles konzentriert, was da- Land zu bieten hat:, auf Schritt und Tritt Polizisten und Gendarmen,«in nageln«u«S Beamtenviertel,«in Riesenkreisgericht mit«rftklassig«m Gefängnis, Kinos,«in Hotel, etwas Asphalt,«inen Dom und längs des Usokflusses einen Quai. Wer sich mit dem innersten Teil der Stadt begnügt, wird den Eindruck haben, im Zentrum«ine» orientalisch angehauchten Landes mit ziemlichem Leben zu seins aber die golden« Kuppel der Kirche und der dunkle Fleck daneben machen neugierig, und so kommt man schon am ersten Tag zu jener Muld« am Fluß, wenig« hundert Meter von der Prachtkirche entfernt, wo«int Notkoloni« steht, die treffend^u de» Schweineställen" heißt. Ich habe«ine derartige Elendianhäusung im unmittelbarsten Amtsbereich eines StadtphysikatS noch niemals für möglich gehalten;«S stehen hier ungefähr sechzig Wohnstätten, von den Obdachlosen aus Latten, Lehm, Pappe oder gefundenen Luftziegeln zusammengestrllt, all« Häuser haben«ines gemeinsam: die gute Muller Erde als Fußboden. Mitten in der Kolonie stehen zwei Hänichen, di« so etwas ähnliche- haben wie Mörtel- bewurf, dafür guckt aber di« liebe Sonne äußerst neugierig durchs Dach und die Mauersprünge scheinen unverstopfbar. In Hütten, die nicht einmal einem ausgewachsenen Mann«in aufrechtes Stehen erlauben, leben in einem Raum von 6 bis 10 Quadratmetern sechs, bis zwölfköpfig« Familien, in größeren Häusern leben ganze Generationen neben« und durcheinander, Kinder und Eltern, Schwestern und deren Geliebter, alles haust hier beieinander, um wenigsten-«in Dach über dem Kopf zu haben. Man spricht sehr viel in dieser Kolonie, besonders wenn«in Fremd«r kommt, der den Kindern auffällt; gut zwei Drittel der männlichen Bevölkerung sind arbeitslos, ohne Unterstützung, man ftägt lieber nicht, wie diese Geschöpfe leben, Ich habe diese Kolonie unmittelbar nach einem Platzregen besucht: die Männer waren gerade eifrig dabei, das Wasser aus den Räumen zu schöpfen. Kinder wärmten ihre nackten Körper an der Sonn« und einige erklärten ihr« besondere Zufriedenheit, weil die„Häubchen" überhaupt standgrhalten halt«». Ein Blick in die„Stuben" gibt immer das gleiche Bild:, der Raum unter dem Bett bient als Vorratskammer, der Platz vor dem Eingang als Küche, weil der brennende Ofen im„Hacks" ein« zu groß« Gefahr bedeutet. Im Winter heizt man angeblich mit offen brennendem Hotz. Unweit von dieser Siedlung gibt es«ine Halbinsel in dem Fluß, wo Zigeuner ohne Dach, direkt unter den hohen Ulmen hausen; während des Regens wird der Hausrat unter rin gemeinsames Segeltuch getan, di« Menschen können eher naß werden. Auf der anderen Seit« des Flusses, im Angesicht der neuen Kirche, gibt ein Gendarm darauf acht, daß die Badenden nicht durch die nackten Proleterckinder gestört werden; wer dann die Stadt durchschreitet, sich am Prachtbau der neuen Post erfreut, findet bald ein« zweit« Kolonie, etwa 3V Lehmhütten, von Zigeuner« bewohnt;«in« eisern« Bettstatt und wenig« zusammengenagelt« Bretter sind ost das Hauptmobilar, auch bei Familien ,deren Männer Arbeit haben und verdienen; 2 bis 2J50 Kc Pro Stunde, Mädchen und Frauen 1L5 bis 1.86 Lö; das spart man lieber für di« Hungerpvriode der Arbeitslosigkeit. Unweit davon entdeckt man«ine dritt« Kolonie auS alten, auSrangierten Eisenbahnwaggons, die etwa 25 an der Zahl, in diesem Wohnmilieu noch den Gipfel des Luxus darstellt. Di« Jauchegrub«, ein Herd von Myriaden von Bazillen, ist den Menschen vom LandeSamt noch rbensowenig verboten worden wie das Leben; damit ist aber die Fürsorge der regierenden LandeSväter in dieser Hinsicht erschöpft. Wer glaubt, daß dergleichen Kolonien nur in UShorod zu finden sind, wird seinen OptimiSmuS bald revidieren; das gleiche Bild bietet" sich in M u n k ä c z, der Stadt mit 26.000 Einwohnern und 26 Millionären, nur daß die ärgste Ansiedlung Proletenelends unmittelbar an«in neues Kinderheim angrenzt. Ehust, di« Stadt des vorjährigen Blutvergießens, ist sichtlich in die«igentliche, gebaut« Stadt und dann d«n großen Rotteil im Norden \«ingeteilt; hier stehen die Hütten mitten i« Stückchen Feld, das der glücklich« Stadtbewohner selbst bebaut. Die typisch karpathorussische Wohnkultur wird hier bereits getrieben: Kind, Kegel, Birh und Futter Hausen friedlich unter einem Dach. Ueberall das gleich« erschütternde Erleben: Hungernd« betteln um Brot. Menschen, deren Augen glänzen vor Gier ° Goethes Bild auf allen möglichen und unmöglichen Bedarfsartikeln gibt, eine Weinhandlung die Käste durch das ausgehängte Verzeichnis der bei Goethes Tode in seinem Weinkeller gezählten Sorten anlockt, waren Reporter und Filmlcute den Gästen dauernd auf den Fersen und brachen zudringlich und schamlos immer wieder in die Ar» der FMzrit der Arbeiterjuge»dbt>ve».«!ig. Unter dem Titel„Kamps und Aufstieg" hat Karl Heinz(Wien)«in im SASJ.« Verlag für Jugend- und Sportliteratur, Wien V., Margaretengürtel 186, die Geschichte der sozialistischen Arbeiterjugend- bewcgung Oesterreichs geschrieben, di« bei uns besonderes Interesse deshalb finden wird, weil ja unsere deutsche Arbeiterjugendbewegung in der Tschechoslowakei und die Arbeiterjugendbewegung im benachbarten Oesterreich einem und demselben Stamme entsprossene Zweig« sind. Das Buch ist sehr volkstümlich geschrieben(eignet sich sehr zur Lektüre für uiffrr« Jugend- klchen) und mit vielen Bildern geschmückt, die später« Führer der Arbeiterbewegung in jungen Jahren darstellen. Wir geben auf Grund dieses Buches nachstehend einiges aus der Entstehungsgeschichte der österreichisch«« Arbeiterjugendbewegung wieder: Schon im Jahre 1848 trat die Arbeiterjugend hervor. Im Laufe der revolutionären Ereignisse kam es zu einem ausgesprochenen Lehrlingsstreik. Am Sonntag, den 2. April 1848, erklärten die Schüler der Wiener Lehrlingsschulen, daß sie den Sonntagskreuzer— wie.das Schulgeld genannt wurde— von nun an mch: mehr bezahlen werden und verließen die Schulen. Tatsächlich wurde am 27. April 1648 dem Verlangen der Schüler Rcchnung getragen -und auf die weitere Entrichtung des Schulgeldes verzichtet. Die soziale Lage der Lehrlinge war in jenen Zeiten und noch Jahrzehnte später eine furchtbare. Das Kleingewerbe führte seinen Konkurrenzkampf mit der Großindustrie Haupt- Feierlichkeiten ein, jede Stimmung der Weihe zerreißend. Auf die große Feier in dcr Weunarhallc,'bei der Profeffor Petersen, Präsent der Goethe- Gesellschaft, die Gedenkrede hielt, folgte die Kranz- niederlegung an der Grifft Goethes. Der Nachmittag war einer Festaufführung des„Torquato Tas so" durch das Wiener Burgtheater-Ensemble cingeräumt, am Abend fand die Stunde der deutschen Volksgemeinschaft statt, die von den Herren Walter von Mola und E. G. Kolbe n> Heyer zur Propagierung ihres reichlich gekünstelten nationalistischen Goethe-Bildes auSgewützt ivurde. Im Laufe der Woche finden weitere Fest» auffühnmgen und Vorträge statt. Neun Sbdachlose in einer Scheune verbrannt. Reval, 24. März. Beim Brand einer Scheune, die von Obdachlosen als Nachtquartier benutzt wurde, kamen neun Menschen in den Flammen um. ES ist möglich, daß unter den Trümmern noch mehr Leichen gefunden werden. 388 Todesopfer des Tornados. New Jork, 24, März.(Reuter.) Den neuesten Meldungen zufolge betragt die Zahl der Todesopfer LsS Tornados in den Südstaaten insgesamt 358 Personen, wovon auf den Staat Alabama allein 288 entfallen.\ Auto und Motorrad. Donnerstag vormittags stieß unweit von Slavkov bei Brünn ein von dem Kaufmann Robert Frey aus Prag XII. gelenktes vierzylindriges Tatra- Auto mit einem Motorrad zusammen, auf dem der 25jährige Apothekerasfistent in BySkov Otto Ztikarsky saß, zusammen. Die Folgen des Zusammenstoßes waren furchtbar. Stikarsky wurde der Kopf abgeriffen, der in den Straßengraben fiel. Auch der Rumpf war schrecklich verstümmelt. Kaufmann Frey kam mit einer-geringen Verletzung davon. Beide Fahrzeuge wurde vollkommen zertrümmert. Frey blieb nach ärztlicher Behandlung durch die Hilfsstation des tschechoslowakischen Roten Kreuzes bis zum Eintreffen der Gendarmerie, welch« den Fall untersucht, an der Unglücksstätte. Stalin ernstlich erkrankt? Aus Berlin wird gemeldet, daß zu dem erkrankten Stalin ein bekannter deutscher Internist und zwei polnische Proseffoven berufen wurden. Der eine der Warschauer^Professoren soll ein Krebsforscher sein. Ferner verlautet, daß fich die Warschauer Sowsetgesandffchaft mit dem dortigen Radium- knstitut in Verbindung gefetzt habe. Bei der Totenfeier für den Genossen Umdreit sprach, wie unS aus Berlin gemeldet wird, für die deutschen Gewerkschaften G r a ß m a n n, für die österreichischem und auch im Namen des für die deutschen Gewerkschaften aus der Tschechoslowakei anwesenden Genoffen Schäfer sprach Genoffe S chor sch(Wien).\ Radio Brünn Im Dienste der Arbeitsvermittlung. Seit einiger Heil gibt der Brünner Server seinen Hörern freie Arbeitsstellen bekannt. Damit hat Brünn als erster Sender eine Anregung aufgegriffen, die schon vor einem Jahre in der Press« aufgegeben wurde. Das Vorgehen der Brünner Sendestation ist sicher dankbar zu begrüßen. Leider sind jedoch die ausgegebenen Nachrichten unvollständig. Sollen derartige Sendungen einen Wert haben, so müssen sie vollständig sein und zu einem günstigeren s Zeitpunkte verbreitet werden. Vielleicht wäre es möglich, in einer früheren Vormittagsstunde die freien Arbeitsstellen belllnntzugeben. Es wäre unbedingt notwendig, daß- die Sendcqesellschaft sich diesbezüglich mit den staatlichen Arbeitsvermittlungsämtern ins Einvernehmen setzt und mit ihnen zusammen arbeitet. Diese müßten gleich am Morgen der Scndcstation den Bericht über die Arbeitslage übergeben und der Sender könnte damt diesen sofort im Rundfunk verbreiten. Bor allem Ware es aber notwendig, di« Sendezeit für diese Nachrichten genau festzuset- 'zm. Rur dann hat der Arbeitslose von einer derartigen Sendung irgendwelchen Nutzen.(PR) Tod dreier Tourist«« in den Kärntner Bergen. Mittwoch wurden auf dem Uebergang zwischen dem Riffl- Tor und der Oberwald- hütte drei Touristen und eine Touristin aufge- funden. Man vermutet, daß sie in ein Schneetreiben geraten find und sich in dem gefährlichen Gebiet, das alle Jahre sein« Opfer fordert, verirrt haben. Drei Personen, darunter die Touristin, waren bereits tot, während der Ueber- lebende mit schweren Erfrierungen zur Oberwaldhütte gebracht wurde. Man nimmt an, daß es sich um reichsdcutschc Touristen handelt. Bei einem der Verunglückten wurden Papiere auf den Namen Hans Kagerer. aus München gefunden. Selbstmord eines Bürgermeisters. Der 42- jährige Bürgermeister von Ollersdorf in Nie- der-Oefterreich, Franz Schrammel, hat sich in der Gemeindekaichlei eine Gewehrladung Schrot in den Kopf gezagt und war auf der Stelle tot. Schrammel hatte Selbstmord verübt, well man ihm ein«, unlauter« Geldgebarung zum Borwurf machte. Verschleppt. In Lincoln(Nebraska).ist eine 30jährige Masseuse, die in einem Friseursalon, dessen Mtinhaberin sie ist, beschäftigt war, von Unbekannten verschleppt worden. Wie es heißt, verlangt man als Lösegeld 10.000 Dollar(etwa 330.000 Kronen).— Die Nachforschungen nach den Entführern des kleinen Linvbergh in Hopewell haben keinerlei Fortschritte gemacht. Die Polizei verfolgt vorläufig eine Spur in Gr ec«Port in Long Island, wo sie auf der Suche nach einem gewissen Harry Fleischer, dem ehemaligen Führer der bekannten Detroiter Schmugglerbaude„Purpur", und deffen Mitglied A. Wagner ist. Die Polizei erwartet von den beiden Gesuchten wertvolle Informationen Wer di« Entführung. Polizeiliche Nachforschungen in zahlreichen Häusern von Greenport, wo Flesscher und die anderen Ban- drnmitglieoer vermutet werden, sind ergebnislos geblieben. Knabe wird vom Lastauto getötet. Wie uns aus Karlsbad gemeldet wird, ereignete sich in der Fffcherner Hauptstraße ein schwerer Vcr- kchrsurrsall, dem ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Drei Knaben, tvelch« hie Fischerner tschechisch« Schule besuchen, hätten«inen zwei- spannigen Lastwagen, bestiegen und. waren damit «in Stückchen Weges gefahren. Der 11jährige Glasarbeiterssohn Franz Walter sprang schließlich von dem Wagen und wollte über die Straß« auf den Gehsteig laufen, geriet aber dabei unter die Räder eines gleichzeitig dem Pferdefuhrwerk vorfahrenden Lastautomobils, wobei er so schwere Verletzungen erlitt, daß er auf der Stelle verschied. Den Chauffeur des Lastautos trifft, wie durch Zeugenaussagen einwandfrei festgestellt werden konnte, an dem Unglück keinerlei Verschulden. Der Tod in der Grube. In der Grube „Louise" bei Domsdorf in Sachsen creig- ncte sich ein schweres Unglück. Als eine Lokomotive der Grubenbahn über einen Damm fuhr, gerieten die Landmassen in Bewegung und die Waschine stürzte den Damm hin- luyter in ein Wafferloch. Der Führer und 'der Heizer der Maschine rmtßten mit Schweiß- Nr. 73. rum roo. Todestag Goethes: Gocttic-Gcdcnksdirltt (Sonderdruck des Arbeltenahriradies) Herausgegeben vom Parteivorstand der Deuffchen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Beiträge von Alfred Kleinberg. Emil Franzes, Ludwig Kohler; Nachdrucke aus Goethe, Mehring, Marx, Karl KrauS. Preis 2.601& M Oroanlsatiim 2.30 Kc. Bestellungen a« die Bilduugszentrale. Prag H., Nekazanka 18 geraten aus ihrer Lage befreit werden. Beide wurden schwer verletzt dem Krankenhause zuge- führt, wo sie ihren Besetzungen erlegen find. Drei Sonnen. Gestern in den frühen Morgenstunden erschienen über der Tatra im Scheine der ausgehenden Sonne zwei Regen- bvgen. Später entstand eine Sonnenspiegelung, 1 und man erblickte am Horizonte dreimal das f Bild der Sonne. Diese Naturerscheinung hat in Sille in und Umgebung große Anfmerffam- feit erregt. Ei« seltener Fischfang glückte dieser Tage einigen Mitgliedern des Fischereiklubs PYZtian. Unweit von PyStian fingen sie in der Waag einige Welse im Gesamtgewicht von 126 Kilogramm. Unter ihnen biffand sich ein seltenes Exemplar mit einer Lange von 2 Metern 10 Zentimetern, das allein 54 Kilogramm wog. Bankraub. In der Mttwoch-Nacht sprengten in der Filiale der Bank der Zuckerindustrre in Bielitz Einbrecher den Geldschrank und raubten 7000 Zloty. Schmuggler mit Pauzrrauto. Zollbeamte aus Krefeld und Geldern, di« an der Landstraße bei Luellingen in einem Versteck auf der Lauer läge», beschossen Mittwoch nachts ein holländisches Schnniggleräuto, das schon öfters dort über die Grenze gekommen war. Das Auto setzte jedoch seine Fahrt mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Daraufhin stellte sich ein Zollbeamter dem Schmugglerwagen mit einem Kraftwagen in den Weg und ließ seinen Scheinwerfer so stark spielen, daß die Führer des Panzerautos.geblendet wurden, die Sicherheit verloren und gegen«inen Straßenmast Fuhren, wo der Wagen beschädigt stehen blieb. Den Insassen gelang es, in der Dunkelheit zu entkommen. Der Wagen war mit 12 Millimeter-! Stahlplatten gepanzert; er enthielt etwa" 12 Zentner Kaffee und Tabak. Das Panzer-' auto wurde zur Hauptzollfahndungsstslle irr" Krefeld geschleppt. Schülertraaödien. In Anklam erschoß sich «in 18jahriger Unterprimaner, weil er nicht versetzt wurde. In Hamburg schied ent 20jähriger junger Mann auf di« gleiche Weise aus dem Leben, obwohl er die Reffeprüfung bestarw;■; Grund des Freitods: Schwermut infolg« lieber- arbeitung. Die schlesisch« Grippe. Die Grippe-Epidemi« in Schlesien hat fich weiter ausgebrcitet. Besonders in den Städten Brieg, Grünberg und Reichenbach(Eulengebirge) find zahlreiche Bewohner,.| vor allem auch Schulkinder, erkrankt. Mord in Köln. Im Kölner Stadtwald wurde «ine Frau BrangS aus Kerpen mit einem. Schuß jn den Rücken ermorde t aufgefunden. Frau Brangs war am Freitag durch den Brief eines Mannes, zu dem sie vermutliche Beziehungen unterhielt, zu einer Reffe nach Amsterdam aufgefordert worden. Bor Antritt der Reffe hob Frau Brangs vom Sparkaffenkouto ihres Ehemannes 2000 Mark ab. Da dieses Geld b«i der Leiche nicht gefunden wurde, vermutet man einen Raubmord. Der Name des Amsterdamer Bekannten ist der Polizei nicht bekannt. Luftbehälter fliegt in di« Luft. Jn der Gas- apparatc-Fabrik Max Bessin&. Co. im Nordosten Berlins explodierte ein Luftbehälter, der zur Prüfung von Gasdruckreglern dienen sollte. Der 37jäyri« Sohn des Inhabers der\ Fabrik wurde von dem herauSgeschleuderten Boden des Behälters tödlich getroffen. Ein gleichfalls in dem Raum anwesender Schlossermeistes erlitt schwere innere Berletzun- ae n und ein 17jähriger Lehrling trug schwere Kopfverletzungen dcwon. Die Berufung Al Capours gegen seine Verurteilung wegen Einkommrnsteu«rhinterzi«hung ist wiederum verworfen worden. Er war zu elf Jahren Gefängnis und 80.000 Dollar Geld- stras« verurteilt worden. Vom Rtmdhmh Empfehlenswertes aus den Programme«. Dams tag: Prag: 15.80 Harfenvorträg«, 1825 Deutsche Sendung: Volkner: Populär« Goethe-Gebühr«. 19.00„Unter dem Apfelbaum", Legend« von Zeyer. -- Brünn: 16.10 Orchesterkonzert, 1825 Deutsche Sendung: Orgelkonzert.— Rährisch-Oftran: 1826 Blasmusik, 2225 Bunter Abend.— Berlin: 23.00 Gustav Mahler, 2. Sinfonie.' Breslau: 20.15 Goethe-Ouvertüren.— Hamburg: 17.80 Zitherkonzert.-1 Leipzig: 17.00 ländert.— München: 1320 Passionsmusik, 18-33 Chorkonzcr: 20.00 Orchesterkonzert.— Wie«: 1628 Berühmte Künstler,. 17.00 Orchesterkonzert. sächlich mit Hilfe und auf dem Rücken der jugendlichen Arbeiter. Noch im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts wurde Mit der Jugend ein förmlicher Menschenhandel getrieben. Jugendhändler lieferten damals den Wiener Gewerbetreibenden um die Vermittlungsgebühr von zwei bis drei Gulden Lehrlinge. Diese Jugend Händler refften auf dem Lande, vor allem in den tschechischen Gebieten umher und nahmen die überschüssigen Kinder mit. In Wien angelangt, fand die junge und billige Menschenlvare leihenden Absatz. Eine fünffahrige Lehrdauer war vor« berrswettd. Die tägliche Arbeitszeit währte in der Regel von 5 Uhr früh bis 8 Uhr abends. Die Mittagskost bestand meist aus einer Wassersuppe und eingebrannten Kartoffeln. Wurde oen Lehrlingen zu wenig zu essen gegeben— Prügel haben sie um so mehr und bet jeder Gelegenheit erhalt««. Die Schlafstätten der Lehrlinge waren zumeist menschenunwürdig, sie bestanden auS Holzpritschen, die zwei- uns dreifach übereinander gelagert waren. Niemand kümmerte sich um die Reinhaltung dieser Schlafstellen, die meist Brutstätten von Ungeziefer darstellten. So wie der Lehrling frühmorgens seine Schlafftelle verließ, so kroch er abends wieder in dieselbe, ohne daß die Betfftelle gereinigt worden Ware. Trotz dieser äußerst ungünstigen Verhältnisse begannen sich die Lehrlinge im alten Oesterreich ziemlich frühzeitig zu organisieren. Der erste LchrlingSverein bildete sich auf gegenwärtig tschechoslowakischem Gebiete, nämlich in P r e ß- bürg entstand schort 1873 ein Buchdruckerlehrlingsverein. In Wie n bildeten sich zu Begin» der neunziger Jahre in den Arbeiterbezirken Ottakring und Währing kleine Jugendgesellschaften, bei«men es sich nicht um regelrechte Vereine, sondern uni zwanglose Zusammenkünfte junger befreundeter Arbeit«! handelte. Scho» der Name der Währinger Lehrlingsgeseüfchoft, die sich„Bücherskorpion" nannte, zeigt, daß trotz der außerordentlichen Ungunst der äußeren Umstände von asiem Anfang an das Bildungsbedürfnis eine der hauptsächlichsten Triebkräfte der österreichischen Arbeiterjugendbewegung dargestellt hat. Di« ersten Male traten die Wiener Jugendlichen beim Gang der Wiener Arbeiterschaft zum Grabe der Märzgesalknen im Jahre 1894 und bei einer großen Jugendlundgebung am 3. Juni 1894 hervor. Am 4. November 1894 sand die Gründungsversammlung des„Vereines jugendlicher Arbeitet in einem Gasthauie in Margareten statt. Reben der Bildungsarbeit trat der Lehrlingsschutz bald in den Vordergrund. Einige Jahre später hatten sich auch i n Böhmen und Mähren, besonders in Aussig, Teplitz-Schönau und Brünn. Vereine jugendlicher Arbeiter gebildet, so daß man im Jahre 1903 an die Bildung eines Verbandes der jugendlichen Arbeiter Oesterreichs schreiten konnte. Am 13. März 1903 fand die GrünLungs» konserenz des Reichsverbandes statt, jein Organ wurde die seit 15. Oktober 1902 erscheinende Monatsschrift„Der jugendliche Arbeiter". Besonders in Böhmen entwickelte fich di« Organisation sehr rasch, am 31. März 1909 bestanden in Böhmen bereits 108 Ortsgruppen, während in Niederösterreich nur 80 waren. 1913 entfielen von 351 Ortsgruppen des österreichischen Jugendverbandes nicht weniger als 222 auf Böhmen» von der Gesamtmitgliederzahl von 14.104 enffielen auf Böhmen 7168, auf Riederösterreich mit Wien 4238. Bemerkenswert ist, daß die deuffchböhmische Arbeiterjugend die Vorkämpferin der gemeinsamen Organisation von Burschen und Mädchen^ in einem Verein war. Um di« Ovaanisatton und Polittsche Ausbildung deL Nachwuchses im alten Oesterreich hat sich die Arbeiterjugendbewegung Verdienste erworben, von denen wir noch heute zehren. Nr. 73. Freitag, 25. März 1932. «eire o Einen S»nd«L«8flugSzug in di« Hahe Tatra veranstaltet die Staatsbahndirektion Prag-Süd in den Tagen vom 2. biS 11. April für Wintersponler zum Preise von K ö86—, in welchen inbegriffen sind beide Fahrten, Verpflegung, Wohnung in Ltrbenskö Pleso.und na Hresiicku. Informationen und Anmeldungen mit 100 K Angabe und 2 K Einschreibgebühr nimmt bk Kasse Rr. 13 d«S Wil- sonbahnhofes entgegen. In den Zug werden auch «in Schlafwagen und ein Wagen 2. Klaff« gegen «inen Zuschlag«ingereiht werden, deren Inanspruchnahme vorher beim Referent für Ausjlugszüge der Staatsbahndirektion Prag-Süd, Hooverova(Telephon 25151) gemeldet werden möge. Gelftrelch von Beruf. Luftig« Anekdoten. Auch ein Honorar. Ter englische Satiriker Swift war von schwerer Krankheit genesen. Mir bewegten Worten dankte er seinem Arzt.„Niemals werd« ich Ihr« Mildes vergessen, Ahr« Aufopferung, Ihre Hilfsbereit»! schäft..." „Vergessen Sie vor allen Dingen nicht die zwölf Besuch«, di« ich Jhnen abgestattet habe*, sagte der! Arzt und zwinkert« vielsagend mit den Augen. „Oh, ganz, im Gegenteil!" rief Swift auS,„ich werde Sie Ihnen all« erwidern." Dar Autogramm. Ein« englische literarisch« Zeitschrift hat ausgerechnet,-atz. der Dichter Shaw für jedes Wort aus feiner Feder ein. Honorar von sechs Schilling erhalten hat. Ein leidenschaftlicher Antogrammsammler, der diese Mitteilung las, sandt« an Shaw sechs "Schilling und schrieb dazu:„Sehr geehrter Mister Shaw!— Ich sende Ihnen anbei sechs Schilling und bitte um ein. Wort." Einige Tag« darauf erhielt der Autogrammsammler den sehnlichst erwarteten Brief von Shaw. Er enthielt nur daS«in«-r- mit Schreibmaschine geschriebene Wort:.Danke!" Set Kmrft'chiitzr. Don Viktor Helling. Berdoletti, der Kunstschütze, sah am Schanktisch des Cafe Denti und starrte in das glucksende Wasser, das aus der gebogenen Kupferröhre in das Kühlbaflin plätschert«. Er trank drei und sah nicht die anderen Gaste. Er sah nur Maraherrta, die nicht da war. Er sah sie lächeln und sah Küsse auf ihrem wollüstigen Mund brennen. Küsse eines anderen! Wut wallte in ihm. Die ael seiner knochigen Rase zitterten. Dreimal ucht der Tag, wo er Gaston Surre in seine Truppe ausgenommen hatte! Damals, ja damals hatte ep Gaston Surr« Silich gut brauchen können. Der Kerl schoß er, er gefiel vom ersten Abend und war ein vollwerter Grsatz sür den Nolaner Tertullo, der mit der Kaffe nach Südamerika durchgebrannt war.■ Damals war auch Margherita noch ein Kind gewesen.. ^Hinauf, lieber Freund! Umziehen!" mahnte Gabriele, der Degenschlucker, und legte seine Hand auf Berdolettis Schulter.„Die Bude ist bis unter die Sparren voll. Die Susa trällert schon ihren zweiten Schmachtfetzen herunter." „Gut," sagte Berdoletti und ging mit Gabriele durch die schmale Tür, die direkt vom Cafö in das„Museo Denti" führte. Direktor Denti kannte keinen Spatz, wenn einer unpünktlich>var. Durch ein kleines Fenster auf dem Gang konnte man in den Zuschauerraum sehen. Gabriele hatte nicht gelogen: das Barictv war heute endlich einmal wieder gut besucht. Matrosen, heute erst mit dem„Conte Rosso" eingetrone'n, waren in hellen Scharen erschienen. Mädchenlachen girrte. Vergnügte Gesichter folgten den übermütigen Bewegungen,- mit denen Srgnorina Susa, die^korinthische Nachtigall", ihre lästigen Schlager begleitete. Berdoletti streifte sein Kostüm über die Schulter und schminkte sich das Gesicht weiß. „Wo sind die andern?" Scheinbar beiläusig fragte er den jungen Giacomo, den vierten der Kunstschützengruppe— einen großen Fungen, der, schon in seinem schwanen Clownkostum mit dem langen Hahnenschwanz auf der Mütze, in der Ecke der Garderobe mit einer Katze spielte. „Schon fertig angezogen. Schon hinaus. Warten ni den Kulissen"; antwortete der Junge. Berdoletti stutzte.' Die Antwort klang wie eingelernt. Er beeilte sich und ging hinaus. Sein Argwohn, daß er weder Margherita, noch den.Franzosen in den Kulissen finden würde, bestätigt« sich. Er ging den halbdunklen Gang entlang, nirgends waren sie zu sehen. Auch bei den Schießständen und den Flinten, die zum Hincintragen aus dir Szene bereitgestcllt waren, standen sie Nicht. Die Eifersucht, die Berdoletti seit Tagen zerfleischte, wuchs ins Grenzenlose. Ohne zu überlegen, was er lat, riß er dir einzelnen Türen der Ankleidezimmer aus, die auf den Flur mündeten. Ueberall starrte man ihn erstaunt an. Die halbbekleideten Damen schrieen empört. Der Clown ries ihm nach:„Bist du besoffen, daß du dich verläufst?" Berdoletti hörte ihn gar nicht. Jetzt war er an der Tür der Susa, die drautzcn stürmisch beklatscht wurde. Ihre Garderobe war verschlossen. «Wozu? Warum?" fragte sich Berdoletti. Das war hier nicht Sitte. DaS war verdächtig. Alle Austretenden liehen ihre Tür offen, wie jetzt auch Gabriele, der"ans den Gang trat. Ganz, genau konnte er von hier aus die Tür der Susa beobachten. Damr kam-die Srrsa, schweißgebadet und lächelnd. Bor ihrer Garderobe blieb sie stehen i Uiä hob das Kleid. Dann zog sie den Schlüssel ^hewor-, „Die Lust ist rein", rief sie, als sie die Tür! aufgesperrt hatte. Eine Sekunde später floh Margherita über den Korridor. Gaswn Surrö entfernte sich nach der anderen Seite. Ganz schlau ausgedacht! Auf diese Weise kam das Pärchen von verschiedenen Setten, in die Kulissen. Berdolettis erster Gedanke war, sich auf die■ Kupplerin zu stürzen. Aber was war damit geholfen? Damit war nicht Surrö gestraft, wenn er die Susa züchtigte. Er konnte sich auf sie stürzen, ohne daß sie Zeit hatte, einen Schrei auszustoßen, aber sie würden ihn sofort finden, denn sie hatten ihn ja in den Garderoben gesehen. Und was war damit gewonnen, wenn er die Susa mit seine« Händen erwürgte? Es war überhaupt nichts mehr zu gewinnen. Fn einem Gefühl der Ohnmacht ließ Berdoletti die Hände sinken. Er ging langsam nach der eigenen Garderobe zurück, in deren Tür der halbwüchsige Giacomo auf das Klingelzeichen des Bühnenmeisters wartete. Bei den Flinten stand Margherita, an ihrem Knieband nestelnd. Gelaffen schlenderte Surrö von der anderen Seite heran und sagte:„Da find Sie ja endlich, Berdoletti! Signorina Margherita hat überall nach Jhnen gesucht." Wie er lügen kann! Wie fie lügen können! dachte Berdoletti. Denn auch Margherita sagte jetzt: ,^a, wir warten. Wo stakst du denn so lange?" „Es sollen ihre letzten Lügen sein",— ei stand bei Berdoletti fest, noch ehe sein geschärfter Blick auf der Schulter Surrös ein kupferglan- zendes Haar entdeckte. Dann standen fie auf der Bühne. Surrö schoß zuerst. Nach den Eiern, nach dem Karo-As, nach den von Margherita und Giacomo hochgeworfenen silbernen Glaskugeln, Peitschenhieb auf Peitschenhieb, so klang es. Und dann schoß Margherita die Lichter aus, zwölf Lichter, oder nur elf. Eines blieb brennen. Eines bleibt brennen, dachte Berdoletti und räumt mit Giacomo den Apparat zur Seite. Hand in Hand verbeugten sich lächelnd Surrö und Margherita vor dem bcifallklatfchenden Haut. Nun war schon rechts di« weiße Leinwandscheibe aufgebaut. Linrs rückte sich Berdoletti fernen kleinen Sessel hin. Er beugte sich wie ein Schlangenmensch darüber, ganz sacht« die Büchse über den Kopf bochrichtend. An der weißen Lern- wand standen die anderen. Wie Giacomo, so hatten letzt auch Surrö und Margherita Kappen mit Hahnenschwänzen auf. Die Federn würde Berdoletti, über Kopf schießend, herunterholen... klack, klack, klack ging das sonst. EL würde auch heute klack, klack, klack gehen. Schon lag Berdoletti über dem Bock... sah die drei Federn.„Ein Licht bleibt brenoen", dachte er. Damit faßte er Giacomos Feder in die Kimme. Die Musik brach ab. Klack, klack, klack.'.. und dann zwei Aufschreie. Neben dem kreidebleichen Giacomo walzten sich zwei Getroffene! Sie stießen mit den Köpfen zusammen. Entsetzte Schreie durchgellten daS Haus. Biele liefen auf die Bühne. Eine Faust riß Berdoletti hoch. „Ein Licht bleibt brennen", sagte er, als man ihn rüttelte. Dann stand er auf beiden Füßen..„Die Büchse hat versagt! Bitte, überzeugt euch! Ich kann beweisen, daß die Büchse gestreut hat. Nie- malS schoß ich GracomoS Feder so ttef, so hart am Kopfe weg. Und daß ich die anderen traf, ist die Folge des Streuens." Bcrdolettt zerschlug seine Buchse. Surrö war das rechte, Margherita war das linke Auge auSgeschoffen. Man verhaftete ihn. Nach zehn Wochen sah er die Freiheit wieder. Man hatte ihm nicht« nachzuweisen vermach^ als„einen beklagenswerten Betriebsunfall". Noch am selben Tage verschwand er aus Neapel. Keiner sah ihn wieder. PHAGBIt Gerichtssaal Kommunistische Obstruktion l» der Prager Stadwertretung. Verurteilung nach de» Trrrorgesitz. Prag, 24. März, Tas hiesige Kreisgericht entschied in zweit«r Instanz über«in« interessant« Rechtsfrage. In der• Sitzung der Prager Stadtvertretung vom 13. April 1931 vollführte der kommunistische Vertreter Rudolf Veti,Ika eine der üblichen revolutionären„Aktionen", indem er in der Debatte über eine Kommunikationsangelegenheit, statt zur Sache zn sprechen, in seinem Referat irgendwelche allgemeine Anklagen und Proteste vortrug und auf die mehrfache Mahnung des Vorsitzenden nicht reagierte, sondern im Gegenteil sein« Stimrn« nur steigerte. Schließlich wurde ihm das Wort rnt- zogen, ohne daß er sich in s«in«m Monolog'stören ließ. Selbst als der Berhandlungsleiter das Wort einem anderen Redner erteilte, sprach Vetiöka weiter und machte so di« Fortführung der Sitzung unmöglich. Der Vorfall wurde weitergrgeben und der obstruierertd« Stadtverordnet« nach§ 4 des sogenannten„Terrorgesetzes"(Ges. v. 12. August 1821) angeklagt, der die Störung der Verhandlungen«ines öffentlichen VertretungSkörpers verbietet, insbesondere auch durch Mißachtung d«r Weisungen, di« zur Aufrechterhaltung der Berhandlnngsordnung erforderlich sind. Die Verteidigung wendete ein, daß sich dies« Bestimmung nicht auf«in Mitglied einer solchen Körperschaft beziehen könne, sondern nur auf außenstehende Personen, also die Zuhörer solcher Beratungen. DaS Bezirksgericht schloß sich dieser Anschauung aber nicht an und verurteilt« d«n Angeklagten zu«in«r Strafe von 100 Kronen, bezw. 48 Stunden Arrest unbedingt. Infolge Berufung des Verurteilten hatte sich der BerufungSsenat deS OGR. 6 er« vinka in zweiter Instanz mit dies«: Sache, zu bcfafsen. Das Berufungsgericht bestätigt« das erste Urteil vollinhaltlich. In der Begründimg wird auSgeführt, daß der Text deS§ 4 des genannten Gesetze« kein« Ausnahmen statuiere und also nicht Maßgebend s«i, ob di« Person, di« sich der „Störung" schuldig gemacht hat, selbst der Körperschaft angehörr, oder nicht. Diese Entscheidung ist bemerkenswert, weil hier zum erstenmal Obstruktionstätigkeit unter die Bestimmung«« dtS Terror'grsi£'«•«■' snbinMieik Wird rb. Kunst und Wissen „Torquato Tasso.“ Es mag Wohl mehr Zufall alt Absicht gewesen sein, daß just der„Tasso" den abschließenden Abend der Goethefeiern des Prager Deutschen Theaters bildet«; aber dieser Abfichtslosigkeit wurde ein tiefer Sinn zuteil: Möglichkeit der beglückenden Erkenntnis, daß dieser angeblich dem lebendigen Theater so sehr widerstrebende, mehr auf die Wirkung nur durch das Buch angewiesene„Taffo" in Wahrheit, wenn«r durch ein« vollwertig«, in Stil, Geist und Gefühl sichere Knnstlerschaft vermittelt wird, in eben einzig richtiger Wirkung des Klassischen durch di« ewig« Gültigkeit des Ideellen, des Menschlichen, deS Erhebenden und Erschütternden, deS an di« letzten inneren Ding« rührenden Tragischen, so wir die Iphigenie", letzt«, höchst« Läuterung durch ZEITUNG. das Theater zu bringen vermag, jene voU Schiller geforderte moralische Nebertvältignng unseres gan z«n Ich. Der„Taffo" bringt sie nicht durch die Fülle des Geschehens im Aufprall vieler Meinungen, Begebenheiten und Katastrophen; sondern durch den Zusammenstoß eben des erhabenen Inner« eines großen Menschen mit der äußeren Welt, de» rr, weil er einer besseren Welt zngewandt ist, nicht begreifen und meistern kann/ Das Bessere, das restlos Reine, scheitert«in realen Leben—-er Ideenflug endet iur tödlichen Nichts durch den Zwang der Wirklichkeit, wenn man will, durch iR elenden Notwendigkeiten dessen/' was man Real- poliiik nennt. Das ist zeitlos. Das zwingt in die Knie, gleichviel, ob der Dichter alte Griechen' oder Renaissancemenschen oder Geschöpf« unseres Zeitalters zu Wesen seiner Knnst macht, gleichviel ob man nm d«n historischen Tasso weiß oder nicht. Und eingehüllt ist das in das herrlichste Gewand, das je ein Deutscher auS unserer Sprache wob, in Wort« und Verse, in Gedanken, in Skalen des Gefühl« und I Rhythmen-es Geists, di« gerade Goethe ali den musikalischesten aller Dichter enthüllen. Bon der Erscheinung solcher musikalischer G«. burt her gebührt im„Tasso"-Enjrmble des Burg- theaters Elf« Wohlgemut die Krone, di« sie, auch lvenn nicht« ihren Scheitel deckt, wie«ine Königin d«s Geist«« und des Herzens, der Kultur, des Anstands z>l tragen weiß; auch wenn manchmd! ihr leises Wort unverständlich blieb—> di« Haltung, der Gesang der wundervollen Stimme, der hohe Abglanz auf diiser Stirne trug es doch mit voller zarter Gewalt- ins Gemüt— wie eben die wortlose Sprache der Musik. Wenn sich di« Wohlgemut aber erhebt, tvenn fie sich hörbar ganz erschließt, dann wirkt sie so bezwingend, daß umncher nicht en fick halten kann und trotz d«r sicherlich erfühlten Weihe bei Augenblicks zn befreirndcr BeisallsSußernng sick> hingerissen sicht. Herr Raoul Aslan Hai starte Momeuic, ein« virtuose Sprechweise. und viel Ausdruck de» Kraft in Leid und Freude; aber es, will schein««, als flösse das doch nicht ans-cm Juyersteu, als vibrierten hier mehr die Nerven,■. denn daß das Blut rauschte: und vor allem: cs entsteht ein Mittelding zwischen altem Burgtheater und dem Versuch moderner Spielweis«, so daß«in Bruch in der Erscheinung fühlbar. wird. Dieser Taffo tat einem Wohl leid, aber die letzte Sympathie sand man nicht für,ihn,v sondern— wie MiUeiluagen aus Sem PutzMiim. Eine vorzüglich« Puderunterlagr bilde? Nne leichte. Austragung von Eren«: Leödor, der herrlich duftenden Hautcreme'fä? vornehmen Welt? Tube Kö 5.— und Kö 8.—. Versuchüberzeugt. 1194 Bafa baut eine Halle für Sport- und Gesellschafts-Veranstaltungen. Oberhalb des neuen Zlin:r Kinos, das sich an der Westseite, des«lfstöckigen Hotels befindet, wird in diesem Frühjahr ein großes Gebäude errichtet, das ausschließlich für. große Sport» und Gcsellschafts-Peranstaltnngen bestimmt ist. Tie Zlin«r„Madison Square Garden" wird eine riesige Halle von 1900 Quadratmeter Fläch«, besitzen, in welcher di« Box- und Leichtathlctikkänipfe, als auch Tennisturniere und andere sportlich« Beranstal- tnngen stattfinden»rerden. Tie Halle wird anß«rd«m derart eingerichtet sein,' daß sie leicht in«inen Tanzsaal oder Turnsaal, eventuell in einen Vortragssaal o. ä., nmgestellt werden kann. Ti« Halle wird eine ausgedehnt« Galerie besitzen mit große:! Garderoben- und Waschräumen,. Duschen und ge- ränmigem Foyer. Gleichzeitig, sobald es das Wetter erlaubt, soll mit der Vollendung des llstöckigen Hotels begonnen werden. 1518 „Es lebt die Freiheit.« 9ten£e Claire» dritter Tonfilm. Man erzählt Legenden davon, wie diesmal gearbeitet worden ist: gewiß wird keine der Geschichtet! über hermetisch abgesperrten Ateliers, über die souveräne Tyrannei des Regisseur-Autors beim Drehen jenes Kömien wiedergeben, von dem dieser Film in jedcnl seiner ungezählte« Details Zeugnis ablegt. Und über all« Erkenntnis, daß hier der begabteste aller Tonfilmmacher an der Arbeit war und wieder zeigt, was der Film kann, wird diesmal der Einwand stehen, daß auS dem Sujet des Filmt noch mehr und wesentlich anderes herauszuholen war. Der Mensch ist frei; nach Recht und Gesetz. Er hat das Recht auf Arbeit und sogar die Pflicht, als freier Mann zu arbeiten, das Gesetz schützt ihn, es erzieht die Außeuseiier zu„ordentlichen Bürgern": im Gefängnis. Rens Claire zeigt daS Gefängnis und di« moderne Arbeit, di« mechanisierte, rationalisierte Arbeit, die nichts anderes ist als erlaubte Knechtung, Versklavung, die das dem Menschen innewohnende und von Recht uns Gesetz der bestehenden Ordnung getretene Streben nach persönlicher Freiheit, nach Betätigung des individuellen Willens, nach Leben deS persönlichen Lebens unmöglich macht. RenS Claire hat ideologisch Fortschritte gemacht; er faßt ein Zeitproblem, das der kapitalistischen Mechanisierung, der Arbeit und Entrechtung des einzelnen zwecks Ausbeutung und steht damit über seinen beiten ersten Tonfilmen. Aber seine Mittel.sind dieselben geblieben, sind eklektisch an- früheren Werken und den Effekten der Russen, ohne deren Aufrichtigkeit und Kraft auch nur iui entferntesten erreichen zu können. Erst bot unS RenS Claire ein lebensechtes, unübertroffen wahres Bild von Paris, dann eine vollkommene, in Rhythmus von Ton■ und Bild unerreichte Operette und jetzt«in Teudcnzsrück, das keines ist,«ine Operette, di« k«ine ist, und etwas Realismus, der sich bescheiden versteckt und sofort wieder um der Wirkung willen stilisiert, also selbst aus deu Angeln hebt; es ist sine Stilvermischung, wie sie trefflicher und netter nicht gebracht lverden kann. Ter Inhalt ist der: zwei Pariser sitzen im Gefängnis und kleben Spielzeug; der«ine ist rin froher, lachender Junge mit rundem Gesicht, dem die Lebensbejahung auS jeder Pore■ guckt, der zweite lacht auch gern, aber mit etwas seniimenialrm Ernst. Er sehnt sich immer ans den Mauern, aus dem Leben in di« Freiheit. Die Gefängnismauern übersteigt mit Erfolg nur der ein«,«r lvird Gram- mophonhätwler, Grammophonerzeuger, Gramino« Phonfabrikant, Grämmophonindustrieller und Gram- mophonkonzrrnoberdirektor. Da kommt sein Ker« kerkamerab; er will ihn erst verleugnen, aber das kann«in lachender Pariser doch nicht, er nimmt ihn zu sich als Kameraden. Sie tollen viel; unterdessen vollendet man die neue Fabrik, wo Menschen überhaupt nichts mehr zu suchen haben lverden und nur hie und da die Maschinen«in wenig ölen müssen. Dieies Wunderwerk wird eröffnet, funktioniert tadellos. Ander« K«rkerkamerad«n melden st'/ auch, der Herr Direktor bekommt es langsam mit der Sehnsucht nach Freiheit ohne Tailorsystem und Maschinen und geht kurzerhaitd mit d«m alten Kameraden wieder als Stromer auf die Landstraße:„E s lebe die Freiheit!" Eine zu billige Lösung des Rationalisierungs- Utd GesellschafiSProblems, aber«in« wirkungsvolle, zumal in der meisterhaften Darstellung Renö Claires. Da gibt«8 nichts, was nicht durchdacht wär«; di« Fabrik ist so gebaut, daß man sie einheitlicher, bedrückender und sauberer zugleich nicht zeigen kann, das Gefängnis ist ein Gefängnis und hat doch ungezählte Uebergänge zum sogenannten freien Leben und da» Fabrikmilieu ist rin« Arbeitestatt, von der nur eins sicher ist, daß sie eben zum Gefängnis werden muß. Und zum Schluß, da die Maschinen die Grammophons schon ganz rationell, eben ohn« Arbeiter herstrllien, gibt es rin« Bilderfolge, die ebispielgebe:^ sein muß,.für filmisches Können und wirkungsvollen Humor: man sieht erst Arbeiter ruhig Schach spielen rind dann ungezählte Grammophone und gleich dahinter friedliche Arbci- tersischer und ans einer Terrasse, unter flatternde::' Weißen Bändern die rverktätigc Menschheit froh tanzen, während die Maschinen fleißig und brav Grammophon auf Grammophon.ausspeien: und jenseits dieses Idylls wandern zwei Strolche Arm in Arm, fröhlich tollend, fn ein« milde. können- durchleuchtete Landschaft. Mit des Regisseurs hohem Können hätte«in hinreißendes, tendenzklares Werk geschaffen werden können; leider, wurde aus dem so ausbaufähigen Grundgedanken nur ein Spiel, das souverän und technisch tadellos gestaltet ist. Die Photographie ist einzig schön, erinnert oft au di« Symbolik der Rus- s«n; es gibt kaum einen Film, tvo man mit so viel Kunst in SiimmlUtg versetzt wird wie hier, wo so viel und so wirkurigsvoll vorgegaukelt Werder: kann. Wenn man an dieses Werk strengen Maßstab anl«gt, so ist man dazu verpflichtet, eben weil in Renö Claire mehr steckt, als rr diesmal zeigen will; er wird hier erlaubter Spaßmacher. Die Musst des bekannt«» Komponisten A u r i e ist rein illustrativ, programmatisch richtig gesetzt und thematisch um einen Einfall gruppiert; mit vi«l Humor wird mancher Effekt erzielt, wenn auch die.Instrumentation ungeeignet und der Ton darum manchmal etwas grell erscheint. Großartig sind di« Darsteller, von dem Regisseur bi» ins kleinste Detail richtig geführt; es sind Henri Marchand, Raymond Cord», Paul Oliver und die entzückende Rollo France. Der Film verdient über all« prinzipielle Einwände hinweg größte Beachtung, denn er bleibt geschmack- und wirkungsvoll bis in» letzte Detail. Walter L u st i g. Seite fi „Sozialdemokrat" DER 9STBIEINKAIIF KAIill NICHT MEHR AUFGESCHOBEN WERBEN Morgen ist der letzte Tag vor dem Fest. BESUCHEN SIE UNS NOCH HEUTE Verein der deutschen sozialdemokratischen Aerzte in der 6. S. R. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Samstag, den 2. April d. I., nm 2v Uhr spricht Gen. Univ. Prof. Dr. Julius Landler, Wien über Arzt und Wirtschaft in Prag I., Odborovy dum PerStyn (BcrtolomejskL 14). Gäste willkommen! Di« Jahresversammlung des Vereines deutscher sozialdemokratischer Aerzte findet Sonntag, den 3. April d. I., um 9 Uhr vormittags in dem Klubsaal der deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten und Senatoren(Parlament) statt. merkwürdig!— für Antonio Monteeatino, der doch wahrhaftig vom Dichter mit keinem gewinnenden Charakter ausgestattet wurde, der aber in Ewald Balsers Hand zum ergreifendsten Menschen wird, dizrch die heldische Verhaltung der Not zwischen der Erkenntnis von den harten Notwendigkeiten des realen Hebens und dem höheren Strebers der armen, gequälten Seele. Mit sehr viel glaubhafter und überzeugender Würde, in vornehm höfischer Temperatur zwischen verstandeskühl und herzenswarm, spielt Fred Hennings den Herzog. Etwas abseits von Geistes Ferraras lächelt Ebba Johannsen als Leonore Sanvitale ihr leider gar nicht im guten Sinne gräfliches, sondern ein fast kammerzöfliches Lächeln, auf einenl Gesicht,'dem die größere Leonor« wohl nie ihr« Freundschaft geschenkt hätte. Die Aufführung, di« unter der Regie Albert Heines nicht nur noch viel süßen Duft vom leis« verblühenden Baum alten Burgtheaterstils, sondern auch sanften Luftzug eines neuen Theaters verspüren ließ, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck,- mit dem man diese Goethe-Wochen gern und dankbar beschließt. L. G. Goethes Dramaturgie. Unter diesenr Titel hat Dr. Guido Glück, derzeit Dramaturg des Brünner Deutschen Theaters, mitHjelFleißund Liehe und in geschickter"Auswahl aus Goethes Schrifttum und aus Gesprächen Bemerkungen des so vielseitig Großen über das Theater zu einem Büchlein zusam-» mettgestellt, das der Bühnenbund in Brünn wirklich finnig herausgab und in schmuckem Gewände allen Bühnenkünstlern und Theaterfreunden anläßlich-es Goethejahres überreicht. Soviel man auch über Goethes Kenntnis Und Erkenntnis des Theaters schon gewußt haben- mag, fühlt man sich dennoch durch dies« Möglichkeit, das einmal nun in Einem in sich aufnehmen zu können, bereichert, durch manches„Neue" belehrt, imd durch alles geistig erquickt. Goethes Gedanken über Theaterleitung, über Spielplanbildung, sein« Regeln für Schauspieler und vieles ander« tragen so sehr de« Stempel des allen Dingen auf den Grund gehenden, sie nrit Phantasie, Klugheit und Erfahrung durchleuchtenden Geistes,' daß auch hier di« Flammen der Bewunderung für bieseti Größten neuerdings aus einem schlagen. Zu. dem aber enthält Goethes Weisheit auch über das Theater so viel einige„Aktualität", daß wirklich jeder Schauspieler und jeder Theaterfreund heut« und immer daraus mit vollen Händen schöpfen kann. Also kann dieses Büchlein bei ihnen allen einer freudigen und freundlichen Aufnahme sicher sein. I. g. „Siegfried" im Rationaltheater. Ganz große Premier«; Smoking und Jugend ungefähr gleich vertreten. Das Nationaltheater entdeckt sozusagen urdeutsche Kunst; besser gesagt, sie soll entdeckt werden. Denn Vieler, was uns wesentlich erscheint bei der Wiedergabe dieses noch immer einzigartig dramatisch wirkenden Werkes, hat man vermißt. OstrHils musikalische Leitung ist zu weich, zu sehr bestrebt, Klangwirkung zu erzielen; der Dirigent versäumt di« stärksten dramatischen Effekte, direkt traurig wirkten die Schmiedelieder, bie ganz weich und kraftlos gebracht wurden; umso besser gelang dann das Waldweben und das musikalisch« Zwischenspiel zum letzten Bild. Den LiebeSsang Siegsried- Brünhilde, dies« riefe Vorahnung der Triftanwelt, rettete wieder nur die Z i k o v ü, deren Leistung als Brunhild« stimmlich wie auch darstellerisch das Best« des Wends war. Die Inszenierung versucht die Romantik Wagner durch sachliche Moderne zu ersetzen;«in vergebliches Bemühen des sonst geschmackvollen Mastimil H o f m a n. Nicht umsonst hat Wagner verlangt, daß der Lindwurm nicht aus jener Quell« herauskriecht, di« ihm Labung geben soll, nicht' gedankenlos fordern seine Regiebemerkungen vor Neidhöhl dunkle Nacht und keine feuerspeiende Felfenklust; und ganz dumm war«S auch nicht, wenn man Erda nicht leibhaftig am Felsen sitzend zeigt— noch dazu mit großen Gesten— und wenn bis jetzt die„Spitze einyg Felsenberges" nicht als dunkles Felsenloch und di« Waberlohe nicht durch blaues Licht symbolisiert wurde. Siegfried darf auch nicht leibhaftig mit dem Schwert das Feuer durchkämpfen und Alberich wird besser kleiner dargestellt als Wotqn. Der Siegfried Ol 8 ofskys, der aus Brünn gastieren kam, ist stimmlich zu schwach, hat kein« dramatischen Akzent«, M u L zeigt einen netten und lieben Wotan, der bescheiden durch komplizierte Leben wandert;.dafür konnte» Konstantin als Alberich und di« Pixovü als Erda befriedigen. Im ganzen und großen«in Abend, besten künstlerischer Wert kleiner ist als der sichtlich vorhandene Wille zu ehrlicher Arbeit; überraschend gut ist die Uebersetzung, di« unser Ohr kaum verletzt. W. Lg. Oster-Spielplan de« Reuen Deutsche» Theaters. Sammag„P a rfi fäl". Gastdingent: Prüf. Dst Neu deck, Intendant des Mtuelde ul scheu Rundfunks. Anfang 6 Uhr(132-n-IV).—- Sonntag abend „F a ust" 1. Teil. Mephisw: Ewald Schindler. Anfang,., pünktlich halb 7 Uhr.£134—11).— Sonntag nachmittags„Madame Dübärry", Operette näch/Millöcker. Anfang L Uhr. Klein« Preise.— Montag„Die Meistersinger von Nürnberg". Dirigent: Max Rudolf. Anfang 6 Uhr. Oster-Spielplan der Kleinen Bühne. Samstag Premiere„Der Mann mit den grasten Schläfen". Lustspiel von Leo Lenz. Regie: Hans Götz. Hauptrollen: Ondra, Schmerzenreich a. G., Bauer, Götz; Anfang 8 Uhr.— Sonntag abend „D i e u n g e k ü ß t e E v a", Operette von Martin Knopf. Anfang 8 Uhr.— Sonntag nachmittags „Der Mann mit den grauen Schläfen". Anfang 3 Uhr.— Montag ,^Der Mann mit den grauen Schläfen", Anfang 8 Uhr. Der Film Anny Ondra als Mamsell Nitouehe in dem gleichnamigen Tonfilm nach der weltberühmten Herveachen Operette Ein neuer Film mit Dolly Haas. In. Paris hat Regisseur Thiel« unter Mitarbeit von Siödmak im Auftrag von„Gaumont" einen sehr, sympathischen Film gedreht, dessen wahre Stars aber nicht die kleine Dolly Haas, sondern Lucy Mannheim und Reinhold Schünzel sind- Es ist. sehr zu begrüßen, daß sich der Regisseur gleiche Mühe mit allen drei Mitwirkenden gegeben hat und darauf verzichtet«, die rotblonde Berlinerin wiedep. als übertrieben lustige Göhre hinzustellen. Der. Film heißt ,Hhr erster Ball" und zeigt «in« Str'umpfhändlcrfamilie, die plötzlich reich wird, ein'protziges und dabei doch nicht ganz geschmackloses Heim baut; Vater Kampf besucht die Rennen," wird mit einem Grafen bekannt, dem wieder die nette, Win«- Frau Kampf gefällt,«S kommt zn einem Flirt,-das Ehepaar wird sogar in die hohe Gesellschaft eintz«führt, die Frau glaubt mit Hilf« des.Grafen„endlich" ety>as vom Leben kennen zu lern«»'und verliert dabei ganz den sinn-für Sie kleine Tochter, di« langsam sehenden Auges wird. Man lijdt die hohe Aristokratie«in, aber das Kind wirft di« Einladungen in die'Seine; der große Hausball verläuft überhaupt nicht, es erscheint nur «ine..alt« Tante und das Kleinbürgerglück zu drill ist wieder hergestellt. Man kann über dergleichen Sentenzen vom Heimchen am Herd verschiedener Ansicht sein; gegen diesen. Film wird sich aber kein Widerspruch'regen, denn alles erscheint humorvoll uud.döch mit leichtem Hinweis auf den wahren Ernst der Situation, so daß nicht alles auf die bekannt« Diktion ausgeht: seid froh ob eurer Armut, die- Reichen habens auch nicht besser. Dolly Haas.spielt«in unmündiges' Töchterchen mit- so viel Charme, Jugendlichkeit und Beweglichkeit, daß der.Erfolg sicher ist; wundervoll ist Schünzel in der Rolle des behäbigen, humorerfüllten Familienvaters, der plötzlich energisch wird, da es um sein Glück geht, und Lucy Mannheim als spät cr- ,wachende, jugendliche Frau Mama. Würde im Film etwas weniger Pappchen, Muttchen und Goldchen gesprochen, dann wäre alles noch bester. Der Film bietet einen vergnügten Abend mit einem Minimum von Sentimentalität. W. Lg. Aus der Partei Jugendbewegung. S. I. L Osterfahrt auf die„Burg Bösja". Wir treffen uns Samstag nist 2K Uhr beim „Wilsondenkmal" vor dem Bahnhof.. Wir fahren nach Melnik, von dort gehen wir nach„Haufla", wo wir übernachten werden. Den nächsten Tag gehts auf den Bösig. Montag gehen, wir nach Jung-B uuzlau und von dort per Bahn wieder nach Haufe. Achtung: W a r m a n z i« h e n, Decke Mitnahmen und. die B. W. A.- Legttimation nicht vergessen! Die Fahrt kostet hin und zurück mit Ermäßigung 23 Kronen.' Arbeiter, kümmert euch um eure Jugend!' Unterstützt die Kinderfreundebrwegung und die Jugendorganisation. Der Sozialismus beginnt nicht in der Versammlung, sondern in der Familie! Vereinsnadiriditen . Ortsgruppe Prag. S a m s t a g, den 28. März, Abfahrt Tenisbahu- lws 16.30 Uhr nach Liboch. Führt Kapuschinsky.— Am. 3..April End- station der Ser Elektrischen in Byso- öany, Jtrnaer Wälder. Führt Hajek. KINO PROGRAMM vom 26. M&rz bl« 3t. März 1982. Wran-Urania-Kino*• ■z’ttei eW'Cie< n»>ra>«'u<: „Zwei nimmclblanc Augen“ (Junge Mädchen bv\ uuugafl ieiche Herren). Fibnlustspiel. Er: Tiermann T h I nr I g- JK— Sie: Ch^riolto Ander. Schnörrbdrger: Sisi Hofer, der in Präs‘noch unvergeßliche Charakicrkoiniker, den das Publikum gern wieder-, • sehen wird., Wo verkehren wir? W„Continental", Prag, Granen| GerrGt. Roman von Stefan fZollatschek. „All das," sagte nach einer Pause der Polizeipräsident,„bietet nicht viel Anhaltspunkt«, und ich bedauere das für Sie und Ihren Herrn Sohn besonders." „Warum?" „Weil ich gern vermieden hätte, gegen ihren Sohn einen Steckbrief zu ertasten." „Sie wollen^ einen Steckbrief gegen Franz erlassen? Ja, mein Gott, ist das unbedingt notwendig? Muß das sein?" „Jawohl, Herr Doktor, ich hätte es ihnen gern erspart." „Mir ersparen Sie nichts, ich benötige dos mcht." „Ja, wenn ich den Aufenthaltsort Ihres Sohnes wüßte, könnte ich in aller Stille seine Vorführung zwecks Aufklärung veranlaffen, wenn ich eine Ahnung hätte, würde ich telegraphieren und alle Hebel in Bewegung setzen. DaS fehlt aber, die Belastungen gegen ihn liegen immerhin vor, aus Ihrer- Aussage, Herr Doktor, geht überdies hervor, daß Ihr Herr Sohn eine längere Abwesenheit plant, und überdies, daß er sich möglicherweise nach Amerika wenden dürste, denn wozu sonst die Dollars?" „Na schön, aber müssen Sie gleich den Steckbrief in Anwendung bringen? Könnten Sie nicht einfachere Mittel benützen?" ,^Jch wüßte nicht, welche. Aber ich mutz gerade in diesem Fall« mich strenge nach allen Vorschriften halten." „Was soll das heihen,„in diesem Falle"? Wird gegen ihn der Steckbrief angewandt, weil er mein Sohn ist?" „Gewissermaßen schon— in diesem Falle. Tenn denken Sic doch, Herr Doktor, was die Leute sagten, wenn si! erführen, daß wir jemanden des Mordes verdächtigen uitd nur deshalb nicht verfolgen, weil er der Sohn eines ehemaligen Ministers und einflußreichen Politikers ist?" „Nun gut. Haben Sie noch eine Frage an mich?" Die Herren erhoben sich. „Nein, danke, Herr Doktor. Ich hoste, Sie wissen mein Amt von meiner Person zu trennen." ..„Ich-V^iß vieles, Herr Präsident." „lind ich bedauere aufrichtig, daß ich es war, der Ihnen diesen Schmerz..." „Smerz? Tas ist-doch kein Schmerz. Vorläufig sehe ich nicht allzuviel Belastendes für meinen Sohn. Ich danke Ihnen immerhin für die Fürsorge, die Sie meiner Person schuldig zu sein glaubten— aber, ich danke nicht gern umsonst.. Gestatten Sie also, daß ich mich revanchier^ freilich nur mit einem Rat. Nämlich: Seien Sie vorsichtig, Mörder ist mein Sohn nicht!"/ Der Präsident, allein geblieben, war irgendwie unbefriedigt. Es war nicht die letzte Warnung, die dieses Gefühl hervorrief, sondern die .Haltung des Abaeordenten. Denn wenn er auch nicht glaubte, daß Dr. Bürger die Rolle des gebrochenen Vaters svielen würde, so mußte er doch der tadellosen Haltung des Mannes Achtung schenken. An dem prallt alles ab, mutzte er denken. Jeder Mensch würde an ferner Stelle- gesagt haben: ,>M«in Sohn ist kein Mörder!-st er sagt:. ,,Mördey ist^mein. Sohn nickt!" Dr. Bürger schritt ein wenig vorgeneigt,die Stufen hinab. Als er seinen Wage» besteigen wollte,- wurden' schon Extraausgaben verteilst in denen sein Sohn als der mutmaßliche Aiörder der Prostituierten Lizzi Richter bezeichnet wurde. „Prompte Arbeit," murmelte Dr. Bürger vor sich hin und bestieg das Auto. Reste mit Unterbrechung. 'Der Privatdozent Dr. Bürger reist« während dieser Zeit in Deutschland uncher. Er war zunächst in München, Nürnberg, dann in Rothenburg, Stuttgart/ Darmstadt, Frankfurt und Berlin. Als cr das erstenmal in München einen Meldezettel' ausfüllen mußte, floß ohne sein Zutun; ganz automatstch, der Name„Aladar Karoly aus Budapest" aus der Feder. Als er das Geschriebene las, war er ehrlich erstaunt und verärgert, denn von allen Völkern, die er kannte, mochte er die Ungarn am wenigsten leiden. Er ging in fremden Städten spazieren, besuchte Theater, Vorlesungen, Museen und Ausstellungen, all dies, mechanisch, wie auf höheren Befehl. Er sprqch mit keinem Menschen, ließ sich einen > Bart wachsen, den cr sorgsam Pflegte, einen kleinen französischen Spitzbart und einen leichten englischen Schnurrbart. Dieser Bart war eine Qual für ihn, denn stets verachtete er den .Haarwuchs im Gesicht als ein„Ueberbleibsel aus der Affenperiode", wie er sich ausdrückte; jedes Härchen km Gesicht bereitete ihm Schmerzen, mitunter ließ er sich zweimal des Tages rasieren, und nun trug er einen Bart. Der Dozent befand sich auf einer Reste nach dem Norden des Reiches. In einer kleinen Stadt au der Ostsee hauste sein von ihm über alles bewunderter und geschätzter Dichter. Den wollt« er besuchen, um ihn in einer wichtmen Sach« zu sprechen. Er hatte seinen Besuch von Berlin aus angemeldet, und als er im Städtchen ankam, ging er sofort zur Billa deS Dichters. Er mutzte viel fragen.- Das Häuschen war außerhalb der bewohnten Gegend, dicht am Meer. Der Dozent mußte lapge warten, bis er vorgelassen wurde. Der Dichter arbeitete, und kein Mensch wußte, wie lange das dauern könnte.-Bürger saß einstweilen in einem geräumigen Vorzimmer, las in ausliegenden Büchern und Zeitschriften, sah dann eine Weil« bewegungslos hinaus aufs Meer und wundert« sich, wie er dahergekommen sein mochte..: Endlich trat der Dichter aus einem Gemach, müde und still, illur seine Augen gewannen Farbe/ als er den Besucher sah. Er empfing" ihn aufs herzlichste und führte ihn in sein Arbeitszimmer. Langsam kam das Gespräch in Gang, und Bürger war es, als sei hier der gesichertste Räum der Erde, als sei dieser Mann der-beste Tröster, der der Menschheit erschienen. '„Sie sickd sehr verändert, lieber Freund", meint« der Dichter.„Auch rein äußerlich, i Warum denn der Bart? Was soll er verdecken?" ,fDas hängt mit der Frage zusammen,. die ich an Sie zu richten habe, Meister, mit der Frage, um derentwillen ich hierher kam."’ „Das klingt ja vielversprechend, nnn, fragen Sic", erwiderte der Dichter, fick lässig in seinen bequemen Stuhl lehnend. /Korlletzuna tölat.izÄ, Heia»»««der:«-aftie» I.ed-(hfitliliiit QitMm«ttlata-«ewtrtrt»rtH<&et_«ebtttteut: 9t.« ft•■«m«.-®tu<£ Jlata*«.-» ft, ZmSL**«*«*£?"*• «MO.-»i« atltunatmsdenfMnhmt loutb« wb der-Soft-» r«I°,r-»dendir»i-N»t, Url-d Rl IS.M/VUUR0 dewtm,,- ve,ift»i«d^Bn,«R:»«, Susl-llun« t,» tz-u»«der bN»urA b"**»L.:.. U tzaidjätzrft Kä SS,—, sa-Nähri« K4 1«.—,— J«j«ra!« touba laut Laris dillftp berrch««, Bei«Narra SuchtzayM»«!» Pleil»aihlatz.— RWtUuna wn Kauuilrq>lu> wf’Ut W bei«mjeadun, dr, Raourmar!««.