Knzelvrek 70 Heller. (Einschließlich k Heller Porto). ' Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. V 9t.'öafflon u. StrtMltuag: pro, n, Tttfajanfa is* Xelev».: 16795. 31469,9tach krieg sein; er wird so lange dauern, bis der ein« iKriegführende in seiner gesellschaftlichen Organisation aufgerie-en und erschöpft ist. Ist ein rriog- sührender Teil so schwach, daß man sc:nc Erschöpfung voraus berechnen kann, so hat er den Krieg >chon voraus verloren. Dü Zeucn, wo wirtschaft« lich rückständige Staaren kriegerische Großmächte waren(Türki, Rußland, sind vorüber. Auch i Sowjetrußland scheidet so lange aus, als es nicht einen unvergleichlich höheren Grad der Industrialisierung erreicht hat. Dort aber, wo die Kriegs- > Vorbereitungen auf die Höhe der Zeit gebracht werden sollen, drücken sie nicht nur der Wirtschaft .den Stempel auf, sondern sie zwängen immer vokl- . ständiger die ganze Bevölkerung in di« Kriegsvorbereitung hinein. Frankreich, Italien und Rußland Haven bereits Gesetze, welche die ganze Bevölkerung, Fvapen, Kinder, und Greise mbcgriffen^ zum Kriegsdienst verpflichten, und in den änderet,' Staaten'würden solche Gesetze zu Beginn eines Kriege» ohne Zweifel geschaffen werden. Ju England und besonder» in Amerika schreitet die vor» ! militärische Ausbildung in größtem Maßstab vorwärts. Niedere und höhere Schulen werden vom ^Staate subventioniert, um in militärischen Uebuw gen der Jugerck die Kampfinftinfte zu steigern. Pfadfinderlager führen einen großen Teil der ^Schüler durch eine Art militärischer Ausbildung. Die Colleges(höhere Fachschule» und. Universitäten mit Internat) pflegen den Kriegsgeist. An den technischen Hochschulen werden Reserveoffiziere ausgebildet, die es im Zivilbernf zum größten Teil bleiben. Und auch die Erwachsenen noch«r- balten in„Bürgerlager»", die ihnen materielle Botteile bieten, die Gelegenheit zu militärischer Nr. 78 Sonntag, 27. März 1932 Seit« 3 Ausbildung. Eine der empörenden Einzelheiten teilt der Verfasser aus den offiziellen AuÄnidungs- vorschriften der Vereinigten Staaten Mit; dort heißt cs, daß die Grundsätze des Sportes und die Achtung des Gog:«rs in der militärischen Ausbildung kein« Geltung haben, daß der Gegner auf jede Weise, z. B. durch Blendung der Augen, wehrlos gemacht werden muß. Und ferner: der innere Drang zu Haffen und zu töten muß vom Instruktor gepflegt und ermutigt werden! D:c friedlichen Gegenströmungen des Bürgertums gegen diese Korruption der Gesinnung durch den Kriegsgeist könnten sich nur durchsetzen, tvenn sie stark organisiert wären; heute ist der Staat selbst ihnen feindlich gesinnt und hat die Uebermacht. Wirksam kann der Widerstand nur zusammengefaßt werden unter Führung des Proletariats. Wie kann es den Krieg verhindern? Sicher ist: wenn einmal der Krieg ausbrechen sollte, dann ist a l l e s v e r l o r e n. Denn den einzigen Schutz vor Vernichtung wird dann die Diszifüm bieten und die wird militärisch sein. Wir müssen uns darum mit allen Kräften der kommunistischen JdeÄogie widersetzen, wonach der Krieg sogar her- beizuwunschen ist als Wegmocher Ser siizialen Revolution. Kvri sieht in dieser Adee einen Sadismus, der nur als«ine Pose, eine demagogische Parole zu betrachten sei. In jedem Fall sagt er Mit, Recht, der Wiederaufbau der verwüsteten Wirtschaft bei der eingetretenen Verarmung wäre wieder nur mit ausbeuterischen Mechoden möglich.„Der Sozialismus kann nicht anders kommen, als wenn er das lebende Erbe des Kapitalismus antritt." Der Kriegsausbruch mich verhindert werden; und das einzige Mittel:yn zu verhindern ist die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterbewegung. Mit warmen Worten gedenkt Keri der ungeheuren Verdienst« der endlichen ArbeitcrregieruNgen um die Kriegsbekämpfung, Verdienst«, die von der Arbeiterschaft zu wenig anerkannt werden. Der Kapitalismus kann nicht abrüsten. Der Derfaffer zeigt dies u. a. in einem zutreffenden Hinweis auf die tschechoslowakischen Verhältnisse. „Die Nationalindustrien der Tschechoslowakei, z. B. ihre Textilindustrie, die Rübenzuckerindustrie, sind in eine grundlegende Krise geraten, chr« Schwerindustrie leidet, ihre Holzindustrie ist lahmgelegt, ihr Ackerbau steht schlecht, chrer Glasindustrie, der Gablonzer Industrie sind gefährliche Konkurrenten entstanden. Nur ihr« Rüstungs- und Munitionsindustrie blühen und die versorgen die Streitenden an der Peripherie der Welt. Da kann man natürlich jetzt kaum helfen; gegen die Mißstände unternommene Schritte würden die Arbeiterschaft nur in gesteigerten Nationalismusvielleicht gar in die Arme des Fasei-muS treiben." Alle triegsfeindlichen Machte, der Arbeiter- schäft müssen mobil gemacht werden. Die Wehrbünde müffen ausgebaut werden; gegen die Macht der Bürokratie' muß die Gewalt der demokratischen Regierung durchgreifen; die Macht der mllitärischen Fachmänner, die sich selbst von der englischen Arbeiterregierung nicht hindern ließen, die Schulkinder zur Schaustellung von Ftug- manövern mit Bombenabwürfen zu kommandie- ren, muß gebrochen werden. Nicht früher kann der Kriegsausbruch verhindert werden. Das recht schmale Büchlein— etwa zweihundert kleine'Seiten— ist geeignet, auch manchem Genoffen, der sich noch pazifistischen Schwärmereien hingibl, di« Augen zu öffnen. Cs ist ein notwendiger Behelf für jeden Sozialdemokraten, der in der Kriegsfrage klar sehen will. Jeder Gcnoffe soll, cs lesen. Lrust Bloch. Ei» aussichtsloser Kampf. . Seit Wochen beobachte ich einen zähen, stillen Kampf, den ein altes, schwaches Menschenkind gegen das moderne Zeitalter führt. Hartnäckig, mit eiserner Verbissenheit wird gekämpft, aber wie die Schlacht über kurz oder lang ausgehen wird, darüber besteht kein Zweifel: das Menschlein wird unterliegen, es wird an Entkräftung entgehen. Der Sieg der modernen technischen Zeit ist nicht aufzuhalten. Arden Abend, wenn die erste Dunkelheit anbricht, wenn die ersten künstlichen Lichter auf- 8 ehe», schleicht, schlurft ein schütteres, weitz- aariges Männlein durch die Straßen einem bestimmten Ziele zu. Der Alte ist schäbig, aber äußerst sauber und korrekt gekleidet. Sein Gesicht ist zerknittert, verfallen. Die Augen blicken trübe und demütig. Der Gang hat etwas Müdes, Zögerndes und doch, Nervöses. Bald trippelt er eckig, hastend dahin, bald setzt er langsam, wie nachdenklich, Fuß vor Fuß. Die ganze Gestalt ist zierlich und klein. Der Kopf ruht tief zwischen den vorgebeuaten Schultern. Der zahnlose Mund des Alten scheint ständig Selbstgespräche zu murmeln. Auffallend an dem Greis sind seine Hände, schmale, langfingerige, weihe Hände, die manchmal fahrig in der Luft gestikulieren. Immer zur gleichen Stunde verschwindet der Alte in einem kleinen verschwiegenen Lokal, das in einer Nebenstraße liegt und sich nicht des allerbesten Rufes erfreut. Dieses Lokal, hat schon lange, sehr lange seine Glanzzeit überschritten. Früher ging es dort tagen:, tagaus hoch her. Gläferklingen und Wciberlachen schallte Nacht Ostern im Eis. Auferstehungsglocken— Frühlingsklänge in den Herzen. Doch im Felde streicht der Eiswind; nirgendwo ein grünes Blatt. Hoffnung schweig! Wie höhnend murrt der Märzen und es knarrt das Eis an Lenzesstatt.* Neues Sprießen? Leichenstarr das Jahr, das doch erst werden sollt*. Unterm Eis nur, unter Fesseln: Leben, das den Fesseln grollt.■ Frohlockt nicht zu früh, wenn noch kein Auferstehungsodem streicht! Wenn der tolle Märzen einer Leiche gleicht. Die Sonne glüht noch und der Morgen lacht. Es wird ein neuer Tag wohl auch nach dieser Nacht! Wenn auch der März noch keine Kränze flicht— der Tag ist nah, der alle Fesseln bricht! Hans Honheiser. Wort zur Tat. Die arbeitenden Menschen haben es noch nie so deutlich enlpfunden, wie faul und krank das heutige Wirtschaftssystem und die Gesellschaftsordnung, die von ihm bedingt wird, ist, als in den langen Monaten der jetzigen Kris«. Mit allen Schrecken, die das Leben des Proletariers bedrohen, rast sie durch die Länder und Mvstört den letzten Glauben an den möglichen Bestaw) der jetzigen Verhältnisse. Es wäre nicht auszudenken, in welch graue Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung alles Leben versinken mußte, tvenn nicht der sieghafte Gedanke an den unaufhaltsamen Fortschritt der Entwicklung die Not der Zeit ertragen ließe. Wir wiffen, daß die Krämpfe, von denerl die Welt geschüttelt wird, die Todeskrämpfe der alten, zerfallenden, kapitalistischen Wirtschaftsordnung sind und daß sich hinter ihr die Formen einer neuen, besseren Gemeinschaft zum Lichte ringen. Die geschichtliche Aufgabe der Arbeiterschaft und ihrer Organisation ist, mit allen Kräften diese Entwicklung zu beschleunigen und jede errungene Position zähe zu verteidigen und immer neu« zu erringen. Zn deu großen Erfolgen der Arbeiterbewegung gehört es, daß sie den Frauen die bürgcr- Üche und politische Gleichberechtigung gebracht hat. Ihrer Arbeit ist es zu danken, daß die arbeitenden Franc» bewußt im Leben stehen und gelernt haben, ihr eigenes Schicksal und das ihrer Klaffe mit zu gestalten. Die unermüdliche Aufklärungsarbeit hat vielen alten Schutt auch unter den Auffaffungen der Männer aufgeräumt und die klare, eindeutige Exkeimtnis gebracht«,daßes unmöglich ist, einen so großen und entscheidende» Teil des Menschengeschlechtes, wie es die Frauen sind, in Unklarheit:::id Enge zu halten, sondern daß nur die gemeinsame Arbeit, der gemeinsame Kampf den endgültigen Sieg bringen kann. Die jetzigen Wirtschaftsnöte, die unbarmherzig die Existenz so vieler Hunderttausender und Millionen Arbeiterfamilien zerstören, bringen aber auch die Erkenntnis, wie bedeutungsvoll die Organisation der Wirtschaft für unser Dasein ist. Auf alle Güter der Erde legt der Profitkapitalismus seine gierige Hand und nimmt den Arbeitenden die Früchte ihres Fleißes hinweg. Die übergroße Mehrzahl der Frauen und Männer, die nichts haben als die Geschicklichkeit ihrer Hände, die Kraft ihrer Arme, ihren Geist und ihr Wiffen und mit diesen Gaben der Erde immer reichere Ernten und den Maschinen immer größere Leistungen abringen, werden durch das raffende Kapital um alles betrogen, was durch st« hervörgebracht wird. Wollen wir die Welt von Grund auf ändern, dann kann es nur geschehen, wenn wir die P r o- fitwirtschaft zerstören und an ihre Stelle ein« soziale Gemeinwirtschaft setzen. Unsere Konsumgenossenschafts-Bewegung ist die Wirtschaftsorganisation der arbeitenden Menschen in Stadt und Land und bildet den festen Grund, auf dem das Gebäude der Zukunft errichtet wird. Ihre auf planmäßige Vorsorge gerichtete Bedarsswirtschaft hat in der Verteilung der Güler für die proletarischen Verbraucher.bereits sehr wesentliche Vorteile erzielt. Welche Erleichterung ist es doch für die Frauen, wenn sie wissen, daß sie in ihren eigenen Läden für die wenigen Kronen, die zur Verfügung stehen, Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfes preiswert, in guter Qualität und zu vollen: Maß und Gewicht erhalten. Sie brauchen sich dem P r i v a t h a n d e l, der ein sehr wesentlicher Teil der P r o f i t w i r t s ch a f t ist, nicht mehr j auf Gnade und Ungnade ergeben, sondern sind! durch die Macht des Zusammenschluffes unabhängig geworden. Es ist unmöglich, daß die Frauen an diesen Tatsachen vorübergehen und daß sie diese wichtige Waffe, die ihnen der Zusammenschluß in den Konsumgenossenschaften gibt, nicht nützen. Di« Aufbauarbeit am Sozialismus wird jeden Tag durch die Millionen Frauen tatkräftig unterstützt, die bewußt ihre Bedürfniffc in ihren eigenen Laden decken und den Lockungen des Profithandols widerstehen. Jede klein« Summe, die der Privatwirtschaft entzogen, und der. Gemeiirwivtschast zugeführt wird, trägt eine Krume Erdreich an das genossenschaftliche Insel-, land, das wir heute im Meer der uns uuigebenden Profitwirtschaft noch darstesien. Der leidenschafi- liche Kampf, den wir Frauen um die Erringung einer besseren Wirtschaftsordnung führen, darf nichtLippenbekenntnis bleiben, sondern muß sich jeden Tag in b ew u ß t e T a t umsehen. In engem Zusammenhang mit der Erkämp- fung besserer Lebensverhältnisse steht die Sorge der Mütter und Frauen für die Erhaltung uno Befestigung des Friedens. Wer anders sollte vor allem für den Frieden eintreten als die, die Leben unter Schmerzen geben? Noch sind die Tränen nicht getrocknet, die um Söhne und Männer geweint werden, deren Leiber auf den Schlachtfeldern modern. Unsere Heranwachsenden Kinder tragen die Folgen der Unterernährung sichtbar an ihren schwachen, blutarmen Körpern; die Kraft und Lebensfreude unzähliger Menschen sind zerbrochen. Heute sehen wir klar, daß alle Reden von der Verteidigung der Interessen des Volkes nichts anderes gewesen sind, als Köder, mit denen das Industriekapital, Kartelle und Truste den Völkern das Mordgcschäft als notwendig hingestellt haben. Weder Sieger noch Besiegte haben einen Vorteil vom Kriege gehabt, denn in allen Ländern bezahlen die arbeitenden Menschen mit Hunger, Not, Elend und Entbehrung das„große Stahlbad". Die großen Ausgaben für die R ü st u n g e n der Staaten müssen durch vermehrte La st en hereingebrach: werden. Und alles das geschieht nur zur Sicherung der Profite, die von den großen internationalen und nationalen Kartellen- und Trusten cingeheimst werden. Diese sind auch die Drahtzieher, die am Krieg interessiert sind, denn für sie gelten die nationalen Schlagworte nicht, mit denen die Masse in Tod und Verderben gehetzt wird. Der großen Macht der Kartelle und Truste, dieser Verkörperung des Profitkapitalismus, entspricht auch der entscheidende Einfluß, den sie auf die Lebenshaltung der arbeitenden Menschen ausüben. Die Verbraucher in Deutschland müssen für die künstlich hochgehaltenen Presse der kartellierten Waren beinahe soviel mehr bezahlen als die Reparationen ausmachen. Die Wurzel des Profitkapitalismus wird getroffen, wenn es uns gelingt, die Unabhängigkeit der organisierten Verbraucher von detz Industrie zu erringen. Zu diesem Zwecke baut die Genossenschaftsbewegung unablässig die Eigenproduktion aus. Wir erzeugen durch unseren GEG-Verband ein Zehntel der Bedarfsgüter, die in unseren genossenschaftlichen Berteilungsstellen umgesetzt werden, in den eigenen Betrieben. Di« Lebensmittel aus den eigenen Betriebsstätten sind unverfälscht und hygienisch einwandfrei erzeugt; sie gewähren, den genossenschaftlichen Familien die Gewißheit: gute Waren, gerechter Preis. Die genossenschaftliche Schuhfabrik macht uns unabhängig vom Diktat der großen Schuhfabriken. Mit der GEO Wäschefabrik in Bärringen wurde der Beweis erbracht, daß es möglich ist, Arbeiterwäsche und Bekleidungsartikel qualitativ einwandfrei und unter geregelten Arbeits- und Lohnbedingungen herzustellen. Die schamlose Ausbeutung' der Heimarbeiterinnen in der Wäscheindustrie braucht nicht mehr durch die Arbeiterfrauen unterstützt zu werden, da die genossenschaftliche Wäschefabrik den größten Teil der Wäsche und Kleidungsstücke erzeugt, di« in unseren Familien gebraucht werden. Die genossenschaftliche Eigenproduktion schafft freie Bahn für die Verbindung des Landwirtes, der sich auf seiner Scholle plagt, mit dem Verbraucher in der Weise, daß sie den verteuernden Zwsschenhandel ausschaltet und direkt vom Erzeuger kauft, was in den verschiedenen Erzeugungsstätten verarbeitet wird. Die Kartelle und Truste arbeiten mit einem riesenhaften Aufwand von Reklame für die unscheinbarsten Verbrauchsgüter, und es gelingt ihnen, bei einem sehr großen Teil von Frauen, die klaren Erkenntnisse zu verhindern. Unbewußt dienen diese Frauen dem Profitküpital als Vorspann.für die, Festigung seiner Mqcht, und die Mehrung feines- Profites. Lernen wrrauch in dieser Beziehung klar sehen! Wenn die große Masse der Frauen die Eigenprodukte, denen der Profitindustrie bewußt vorzieht, dann schwindet auch die Macht der großen Kartelle und Truste, der Druck den sie ausüben und die Gefährlichkeit ihrer Organisationen. Der praktische Kampf gegen Krieg und Kriegsgefahr ist untrennbar mit dem gegen die übermächtigen Kapitalorganisationen verknüpft. Die Frauen können sehr viel für die Neuordnung der Wirtschaft, den Aufbau einer bcfferen friedlichen Zukunft tun. Die Verwirklichung des Sozialismus wird durch die zähe ausdauernde Kleinarbeit des Tages erreicht, durch die solidarische Zusammenarbeit der Frauen und Männer in Politik, Gewerkschaft und. Genossenschaft. Die soziale Gemeinwirtschaft wird durch die genossenschaftliche Verteilung und Erzeugung vorbereitet. Die Förderung der Genossenschaftsbewegung bedeutet daher eine notwendige Voraussetzung für die Errreichung unserer Ziele. Riedl, E. für Nacht auf die Straße und manch ein Skan- dälchen, das die Stadt bewegte, nahm hier seinen Anfang. Die allgemeine wirtschaftliche Not, vielleicht polizeiliche Maßnahmen, haben das Lokal still gemacht. In diesem Lokal hat der alte Mann achtzehn Jahre lang das Amt des Geräuschemachers, also des— Klavierspielers versehen. Nacht für Nacht hat er hier auf einem alten Klavier sich musikalisch ausgelebt. Seine Hoffnungen hat er hier zu Grabe getragen, denn in jungen Jahren ersehnte er etwas anderes als Klavierspieler in einem Bumslokal zu werden. Seine musikalischen Fähigkeiten"waren(und sind) nicht unbeachtlich, aber sein Höhenflug in die Kunst wurde an irgendeiner Ecke unterbrochen und er landete verbittert und vergrämt an jenem verstimmten Klavier. Jahrelang hat er gegen sein trostloses Leben, seinen jämmerlichen Wirkungskreis, rebelliert. er wollte immer wieder heraus, aber mit zunehmenden: Alter wurden solche Aussichten schlechter und schlechter und schließlich resignierte der Greis. Er hatte Brot und Lohn und außerhalb der Dienstzeit war er ein fteier Mensch und konnte sich seiner Kunst völlig hingeben. Wenn der Alte abends im Bierdunst und Tabaksaualm sein Klavier behämmerte, so geschah cs mechanisch und geistesabwesend, denn die ewigen Gassenhauer und Schlager waren ihm in seiner empfindsamen Musikerseele tief zuwider. Sein Publikum war nicht anspruchsvoll. Es verlangte Musik, was cs so Musik nannte. Je lauter, je bester, je flotter, je lustiger. Alles andere war Nebensache, auf eine vorbeigegriffene Note, auf eine verstimmte Saite kam es nicht an. Manchmal, in vorgerückter Stunde, wenn der Alkohol seine Wirkung getan hatte, konnte es geschehen, oaß der Alte sich zusammenriß und mit leuchtenden Augen den Besoffenen ein klassisches Repertoir in die Bums legte, ohne daß seine Zuhörer es merkten. Den Beifall, den man ihm dann ebenso wie nach einem Gassenhauer zollte, nahm er mit hängenden Mundwinkeln entgegen. Achtzehn Jahre lang hat der Alte dieses Leben geführt. Achtzehn Jahre lang batte er keine Nahrungssorgen, denn der karge Musikantenlohn genügte für seine anspruchslose Lebenshaltung. Aber dann kam die große Umwälzung: Radio, Lautsprecher! Der Wirt des Lokales glaubte, bei nachlassendem Umsatz seinen Gästen Neuzeitliches, Modernes bieten zu müssen und schaffte eine hypermoderne Lautsprecheranlage, kombiniert mit Konservenmusik in Form eines riesigen Grammophons, an. Der alte Musiker wurde entlassen. Knall und Fall. Eines Tages stand er auf der Straße. Völlig verdattert. Zunächst wollte er seinem alten Leben gewaltsam em Ende machen, doch ein zäher Lebenswille siegte. Er suchte lange nach einer neuen Beschäftigung, aber wer stellt einen alten, weißhaarigen, müden Musiker ein? Als er die Aussichtslosigkeit der Arbeitssuche erkannte, brütete er Rache. An wem? Am Radio! Und nun schleicht der alte Mann jeden Abend in das Lokal, das ihm achtzehn Jahre lang Brot und Arbeit gewährte. Still und bescheiden setzt er sich in eine Ecke und trinkt ein kleines GlaS Bier. Nur seine alten Augen huschen schnell und scharf im Raum herum und böse Seitenblicke streifen ab und zu die elegante Radioanlage. Und wenn es plötzlich:„Achtung! Achtung!" aus dem Trichter erschallt, dann verzieht sich grämlich der Mund des Alten. Und wenn eme muntere Weise aus iy'M Kasten erschallt, dann schleicht der Alte zu dem alten Klavier, das" wegen Unvcrkäuflichkeit immer noch in der Ecke verstaubt, setzt sich auf de» knarrenden Stuhl und hämmert auf die gelben Tasten ein. Seine ganze Kunst, sein ganzes routiniertes Können legt er in sein Spiel und es eentsteht ein wilder Krach, wenn so Klavier und Radio um das lautere Vorrecht kämpfen. Die Angestellten des Lokales kenne:: den komischen Alten und manche haben Mitleid- mit seinem Sparren. Und so kann es geschehen— wenn keine Gäste im Lokal sind—, daß jemand leise an die Radioanlage schleicht und sie abstellt. Dann blitzt das Auge des Alten und Triünchh verzerrt seine Züge: Er hat gesiegt! Sein Klavierspiel hat den Lautsprecher außer Gefecht gesetzt. Aber manchmal muß man ihn auch vom Klavier vertreiben, denn kein Gast kann das Doppelkonzert vertragen. Dann fällt der Alte ganz zusammen, Tränen glänzen in den Augen und müde, gebrochen wankt er aus dem Lokal. Er ist unterlegen. Das Radio hat gesiegt! Am anderen Tage ist der Alte wieder da und Paßt wie ein Luchs auf, um erneut den Kampf der Geräusche zu beginnen...- Aber eines Tages wird er nicht mehr kommen. Man wird ihn hinauskarren, dorthin, wo es keine Musik, außer dem Nagen der Würmer, gibt. An dem Tage wird das Radio endgültig den Sieg davvntragen. Bartolus. «eite 4 Sonntag, 27. März W92 Nr. 78 Der Osterirtede Ms„Venkov“ wird damit gefeiert, daß die Orgien der Gehässigkeit. die dort ununterbrochen veranstaltet Werden, nicht etwa einen Tag ruhen, sondern im Gegenteil einen neuen Gipfelpunkt erreichen. Als willkommener Anlaß zu so edler Betätigung muß natürlich der Minister für soziale Fürsorge herhalten, an dem ja die Agrarier beharrlich den Aerger über die Unfruchtbarkeit ihrer Politik abreagiere« und dessen Woh- nungsvorlage schon seit einigen Tagen vom „Befikoh" in seiner Art diskutiert wird. Es wird nach den Vorspielen, die wir er» lebt haben, niemanden überraschen, daß der „Benkov" den Entwurf des Wohnungsaefetzes schlankweg als„Bolschewismus" bezeichnet. Diese Methode, alles, was der Reaktion nicht in den, Kram paßt, als Bolschewismus zu brandmarken, ist weder neu noch originell. Einigermaßen erstaunlich ist immerhin, welche Bestimmungen des Entwurfes zur Begründung dieses so bequemen Argumentes dienen müssen. Diesmal sind es nämlich vor allem d i e gemeinnützigen Baugenossenschaften, die, wahrscheinlich zu ihrer eigenen grüßten Verwunderung, die Rolle des bolschewisti- schon Belzobub spielen muffen. Es tut nichts, daß gerade der Entwurf des Wohnungsgefetzes die lKemeinnützi^eitSerklärnna von Bauvcreini- gungeu an strengere Vorschriften bindet, es tut nichts, daß der Entwurf die Bestimmungen über die Enteignung von Baugründen fast wörtlich aus dem geltende« Rechte übernimmt und nur in den Großstädten Maßnahmen gegen den Bodenwucher vorsieht, di« aber ausschließlich von den Gemeinden gehandhabt werden können: der„Benkov" konstruiert aus Bestimmungen, die im Entwurf stehen, und aus Ideen, die er sich so dazudichtet, den eigenmchen Inhalt des ganzen Gesetzes folgendermaßen: Es werde» sich einige„Rote" zusammenscheu, fick die ihnen passende« Grundstücke aus- sucherr. ihren Eigentümern unter Enteignungsdrohung beliebise Preise diktier«« und dort mit Subventionen ans de» Steuergroschen der armen Agrarier Häuser bauen, du jahrzehntelange Steuerfreiheiten genießen werde»» Kopfschüttelnd stellt man fest, daß alles, was an diesem Gemälde real und nicht reines Phantasiepradukt ist, schon seit mehr als einem Jahrzehnt zu Recht besteht und wir daher offenbar schon mitten im schlimmsten Bolschewismus lehe«. Aber»ach de»„Benkov" ist es auch Bol- schewismus in Reinstlltur, wen» srerwerbende Wohnungen der Gemeind« gemeldet werde» sollen, die si« dann, wohlgeinerkt ohne daß die private Wohnungsvermrtüung ausgeschlossen würde, unentgeltlich vermitteln darf. Bolschewismus in Reiukultur ist es, wen» di« Gemeinde durch ihre Organe Nachschau hält«» kann, ob nicht etwa de» Mietern das Dach über dem Kopf« zusammenstürzt, und wem» sie hie Hauseigentümer-7- natürlich im Rahmen der geltenden Bauordnung— zur Abstellung baulicher Alängel verhalten kann. Gesetze beachte««ruß ja nur der Prolet, von Hausherren so etwas üi verlangen, ist nicht nur«in« böswillige Behelligung Vieser Stützen der Gesellschaft, sonder« Einschränkung des Eigentums mit Sowjetmethoden, ja geradezu di« Einführung einer»«»en 'Wellordnung! Bei einer solchen Geistesverfaf^ua darf es nicht Wunder nehme«, daß der„Benkov" den Entwurf als Beunruhigung der Ocffentlichkeit charakterisiert. Wir»rare» der naiven Meinung, daß er vielmehr allgemeine Beruhigung schafft, well er hunderttausenden Mieter« für lange Frist das Obdach sichert und den Wohnungslosen Behausungen schaffen will, aber der„Beit» kov" wich uns scho« die Erkenntnis beibringen, daß die Beruhigung der Oefsentlichkeit erst eintreten wird, wenn die Hauseigentümer das zahlungsunfähige spack auf die Straße setzen und die zahlungsfähigen Mieter ohne gesetzliche Schranken schröpfen dürfen. Irches wird die Art, in der der„Benkov" zu dem INLalt des Entwurfes Stellung nimmt, noch weit in den Schotten gestellt durch die Art, in der er sich zu der Veröffentlichung seiner Grundzüge äußert. Ein«» Tag, nachdem Herr Petrovicky bemängelt hat, daß diese Verlautbarung so spät erfolgt ist, fordert der„Benkov" ganz unverblümt den Rücktritt des Fürsorgeministers, weil das „Ppager Tagblatt" Auszug« aus der Borlage gebracht hat. Man muß, um iziese Unverschämtheit voll zu würdigen, sich nur vor Augen halten, was alles der Beröffentlichung des „Tagblatt" vorausgegangen ist. Am 15. November 1331 wurde der Entwurf dem Ministerpräsident«» überreicht. Am 27. November hat Herr Dubik k h, der unseres Wissens nicht Mitglied de: Regierung ist, in offener Parlamentssitz»«- Mitteilungen über seinen Inhalt gebracht und dagegen polemisiert. Am 18. Dezember hat sich Herr Kalatz im Abgeordnetenhaus mit der Vorlage auseinandexgesetzt. In Hausbesitzerversammluugen haben sie agrarische Führer— sagen tvlr„kritisiert". Die Leitungen der Hausbesitzerorgau»- sationcn, der tschechsscheii wie der deutschem haben Auszüge aus dem Entwurf« veröffentlicht, die Ha«delstamiu«rn haben zu ihm Stellung genommen: aber der„Benkov" erhebt den Borwurf der Spionage, weil das„Prager Taghlatt"«ine« Tag kicher über den Entwurf geschrieben hat als die tschechischen Blätter. Daß dieser Vorwurf nur in gewundenen Andeutungen gegen die Person des Genossen Ezech zugefpitzt wird, daß im ganz«,« Artikel konsequent die«Kürzung„Min. gebraucht. wird, die vian nach Belieben„Minister" oder„Ministerium^ lesen kann, damit der„Beil- gov", wenn er gestellt wir-, auskneifen kann, vervollständigt nur das Charakterbild der agrarischen Polemik. Zu einer Auseinandersetzung mit solchen Perfidien lasten wir uns natürlich nicht herab. Nicht dem„Benkov", sondern der Oeffmtlichkeit möchten wir nur in Erinnerung rufen, daß schon viele Borlagen vorzeitig der Oefsentlichkeit preisgegeben wurden, daß erst jüngst das Banken- g e s e tz, also nicht eine Vorlage des Fürsorge- ministetiums, dem„Prager Tagblatt" früher zugänglich wurde als allen anderen Blättern. Im interministerielle» Perfahrey erhalle» all« Zentralstellen die legislatorischen Entwürfe, die Spione— die Verantwortung für diesen Ausdruck muß der„Venfov" tragen— mögen als« an sehr hoher Stell« zu suchen sein— im Für- sorgeministerium fitzen sie nicht! Watz sysl man zu solchen Methode» der Ays- emandersetzung sagen? Sollen wir uns über de« Ton entrüsten, in dem der„Benkov", der jede Kritik an einem Polizeimann als Hochverrat strafen möchte, mit einem Minister der Republik zu verkehr«» beliebt? Oder sollen wir uns ixun'.l trösten, daß das intellektuelle Nivea» dieser Publizistik nicht höher steht als ihr moralisches? Mit einem Wort, der„Benkov" läßt uns wieder einmal in dem peinlichen Dilemma zurück, ob es not täte, nach» nasten Fetzen zu greisen oder nach kalte» Umschläge». Die Meterieiitde ritze« sitz. Die Lhristlichsozialen u«v die W»ynungs»orlage. Die Christlichsozialen gehören bei uns wie in Oesterreich zu den schlimmsten Feinden der' Mieter, zu den rahiatqsten Vertretern des großen Hausbesitzes. Sie haben seinerzeit als Regierungspartei ein« starke Erhöhung der Miete» (40 Prozent) durchgeführt und sie sehen es nur mit Schmerzen, daß seit dem Regierungseintritt der Sozialdemokraten der Mieterschutz im tvesentlichen und soweit er die Bedürftige« schützt, intakt geblieben ist. Der neuen Woh- nungsvorlag« des Fürsorgemiuifters gegenüber tvagen sie natürlich nicht ganz offen das reaktionär« Bekenntnis abzulegen, tvas ihnen an der Vorlage mißfällt pnd warum es ihnen mißfällt, gesteht aber ziemlich unverblümt immerhin der Abgeordnete Krampe in der„Deutsch«« Presse". Er schreckt». a.: Der Entwurf wirb bei allen, bi« an die Herausgabe eines endgültigen Mietersckutzgesehe- geglaubt haben, große Enttäuschung Hervorrufen. Und dara» geglaubt hat die gesamte Oefsentlichkeit, die nach den ausdrücklichen P«r- ficherungen aller maßgebenden Faktoren ein endgültiges Mielerschutzgeietz erwarten, mußte. Dir Mietcrfchutzfragc ist im neue» Entwurf überhaupt nicht geregelt. Die Kü ndiguvgsgründe. sinh unverändert und nnvermehrt aus dem bisherigen Gesetze beibehalten. Ja, in gewisser Hinsicht ist die Küybigungsmög- lichkeit sogar noch erschwert, z. B. im Fall« d«s Ablebens des Mieters. Eine Erhöhung der Mietzinse vom 1. Jänner 1988 angefangen um jährlich 40 Prozent ist zugestanden bis zum sechsfachen FriedeuKmiqtzinse, aber sofort durch Ausnahmen wieder>l(u-' sorisch gemacht und auf«inen späteren Zeitpunkt verschoben, nämtich bis di« Regierung erklärt, daß diese Erhöhung fitx Mieter mit einem Einkommen unter 80.000 bezw. 40.Y00 Krone» jährlich, wirtschaftlich tragbar sind. Die Mietzinserhöhungen sinh nicht gleichartig, sondern abhängig von de« sozialen Verhältnissen des Mieters, mü» das ist wohl einer der größte» Fehler der Vorlage, d«nn dadurch verlieren die Mietzinserhö- Hungen ihre sozialen Auswirkungen aus hie Lohu- *und Gehattsfrage. Eine Ueberwälzung der MietzinSerhöhuvgr» durch Lohn- und Gehalts- sorderunge» ist nur hau» möglich, wennn sie allgemein und gleichartig sind. Sonst schaffen sie nur neues Unrecht, das au den Reumietern begangen wird.., Die Reumieter liegen dem Herrn Krumpe, Wie zwischen den Zeile« nur zu Aar zu lesen ist, stagelgrün auf. Was ihn schmerzt, ist di« Tatsache, haß eben ein Schütz der Mieter bestehen bleibt, daß den Wünschen oer großen Haushrrreu Grenzen gefetzt find. Die berühmte„Urder-* Wälzung", mit der sich die Bürgerlichen fett Jahren um die Kernfrage drücke» wollen, ist eine Phantasie. Kein Unternehmer wird den Loh« der Arbeiter auch nur um einen Heller erhöhen, wenn dem Arbeiter die Miete um 56 Kronen gesteigert wurde! Daß weder Staat noch Privatinouftrte an Gehaltserhöhungen denken, daß die Arbeiter und Beamte« zu schwach find. Erhöhungen zu erkämpfen, weiß Herr Ärumpe sehr gut. Er möchte aber trotzdem«in« Erhöhung der Hausbesitzergewmne aus Kosten der Mieter und er geniert sich nicht einmal, die 8er- schiebvng der Mietenerhöhung, di« durch hie Krise gebieterisch erfordert wird, ur kritisieren. Nach manches ander« gefällt dem Herrn Krumpe nicht,' so widerstrebt es seinem katholischen Herzen, daß die Lebensgefährtin des Mannes der angetrauten Gattin, gleichgestellt wird; Var allem aber wollen wir uns merken, daß er in den von uns zitierten Sätzen«in glattes Bekenntnis zum sH.aüsherr» Programm sofortiger und schrankenkoser Mietenerhöhung abgelegt hat. Zu gelegener Stunde werden wir das den Christlich- i sozialen schon vor Augen rücken! Geidl wck Hitler. I» einigen bei nationalsozialistischen Funktionären gefundenen Schriftstücken kommt wiederholt der Name eines Münchener Fabrikanten Schmied vor, der besonders Interesse für die „BolkSsport"-Betvegung in der Tschechoslowakei gezeigt jot. Wie sich nun herausgestellt hat, ist dieser Münchner namens Schmied identisch mit dem Reichsdeutschen Schmied, der im März 1387 mit dem Führer der tschechischen Fascisten Gajda verhandelt hat und auch im Prager Hotel„Gras" zu einer Besprechung war. Damals wurde viel gesprochen, daß Gajda durch die an Schmied ergangene Einladung zu der Besprechung fcstfteüen wollte, ob die deutschen Rationalsoziali- sten im Fall eines fascistischen Putsches in der Tschechoslowakei Neutralität bewahren, ja eventuell den Faseiste« Hilfe leiste» würden. Dieser Beratung, woran auch ein Vertreter ' der zaristischen Rusien teilgenmnmen hatte, folgte eine Besprechung in Eisenstein, die im Juli 1987 stattfand. Mau mag aus diesen Fakte» ersehen, welch hoffnungslose Toren die junge» Menschen Ware«, die sich für den Nationalsozialismus exponiert haben. «e Raffen«ch immer in der Minderheit. Washington, 26. März. Das Repräsentantenhaus lehnte mit 216 gegen 132 Stimmen de» Zusatzantrag zur Steueruovelke ab. durch den bte Herstellung voit Bier mit einein Alkoholgehalt von 2.75 Prozent gestattet werden sollte. 31 Schächte mit 14.000 Arbeiter« im Streik. Sin Teil der Gruden ohne Sicherungsmannschast. Brüx, 26. März.(Eigenbericht.) Der Streikt im nordbähtuische» Braunkohlenrevier umfaßt «unmehr 31 Schachte mit etwa 14.000 Arbeitern. Reu in feen Streif getreten sind feer„Paul Il"° Schacht in Oherleulendsdörf,„Johann II" in Waria-Radschitz,„Alexander iv Dux, wo gestern Demonstranten die Arbeitseinstellung dMch- etzten, der„Nelson" bei Ossegg und der „Bihl" hei Haan. Hier kamen Freitag nach- millqas gegen 5 Uhr aus der Richtung do» Haan ca. 500 bis 600 Menschen zum Bihl, Schacht gezogen und erzwangen von der Betriebsleitung die Ausfahrt der Betriebsräte und Wann- chaste». Unter einem grenzenlose» Terror wurde jod« ander« Meinung erstickt; tue Demonstranten zwangen auch durch Drohungen den Betriebsrats» obmann W««c ich, mit de« Leuten auf den„Adolf- Marie"» und„Bsrhara"-Schocht zu ziehen. Am „Barbara"-«nh Adolf-Marie"-Schacht verlangte« die Demonstranten von her Betriebsleitung Grubenlampen fuhren damit in die Schächte«in. Auch ans feiest« Schächte« wurden die Beleg- ckaften zur Riederlegnng der Arbeit veranlaßt. Im Komataner Revier streikt lediglich der Betty-Schacht. Die Attivn greift«unmehr auch schon aus das T e p l i tz e r Gebiet über. Etwa 1000 Man« 1 zogen heute mittags auf die Schächte„Karl" und „Einigkeit" i» Zuckinantel und forderten hi« Belegschaften auf, am Streik teilzunehmen, Nachdem der größte Teil der Bergarbeiter schon au4- gesahre» war, könnte di« Aktiv» nur einen kleinen Bruchteil der Beschäftigten erfassen. Die Kommunisten kündigten an, Dienktcüz wiederzukommen. Di« Sicherungsmannschast«« fahren auf den Gruhe» n»r zum T«kl«in, st» daß ei» Mvßer Teil der Gruben überhaupt ohne Sicherheitsmannschaft ist. Heute früh farch i« Ri ehe rgeorgen- th»lbei Brüx eine große Bergarheiterverjamm- kung statt, an der 4600 Bergarbeiter und sonstig Arbeitslast teilnahmen. Dst Politische Be»irkSbö- hörde, die aystzngK diese Versammlung erlaubt haft«, erließ später«in Verhat. Der Regie- rungskommifsär teilte dem kommunistischen Ge-, werffchaftssckretär Maki? ans Brüx mit, daß die Versammlung verboten sei, doch billigte er dem Sekretär eme kurze Redezeit zu, um di« erschienenen Demonstranten von dem Verbot zu verständigen und zj»m AnSeinanderqehen j» veranlassen. Malik entsprach dieser Aufforderung und nrachte den Versammelten Mitteilung von dem Welch eine Welt! V«n Wilhelm Solhnann. Mehr noch als im gemeinsamen Kampfe ist an Tagen des Feiern- unstr Gefühl her de« Kreuztrager» dieser finstern Zeit. Die Millionen» gememde der Erwerbslosen, Abgebaüten, irgenh- wst in tiefste Rot Hinadgesthkeuderten mahnt nnS in Stunden^ der inneren Sammlung stärker noch als im Getümmel des politischen Rrngens. Welch eine Welt, Heren strahlende- Gehirn da- Wunder schwellender Knospen und erster zarter Blüten«m uns zaubert und de«« Licht idoch lange nicht stark genug ist, um die Herzen der Mensche» zu erwärore» und ihre Köpfe zu erleuchten, damit sie sich selbst und chre Gesellschaft erneuern. Welch eine Welt, die noch immer nicht die ordnende Kraft zu entwickeln vermag, allen Fleißigen Arbeit und allen Schaffenden Brot und Schönheit zu bieten, die überretch der Erd« geschenll sind..Welch' ein« Well, in der Million«» junger Menschen müde und teLnahnzS- los und kaum noch mit Hoffnung in das Früh- linaserwacheu blicken, das mit elementarer Gewalt die Wälder mit Grün und die Wiesen mit Blumen bedeckt. Welch eine Well, die junger Meirschenkrast da- lärmende Gefühl des ueoer- flüsfigseins aufzwingt, während jeder Boaelruf unv feder Blütenhauch von Freude am Dasein zeugt. Die Welt der Menschen z» erneuern und zu ord»«e«: es bleckt das oberste und edelste Ziel, und darum gehen sozialiftzfches Wölben und sozialistisch« Gläubigkeit dem so unendlich harten und mühsamen Emporsteigen des Menschheitszuges der Millionen voran. Die Sehnsucht nach einer volllvmmcnere« rnensck- lichen Ordnung lebt und wirkt ruck entwickell sich, seitdem Geist und Seel« im Mensche« erwachten. Dieses Sehmu und Wällen offenbart sich in jeder Zeit verschieden, aber es ist die vorwärtsdrängende Gewalt, di« nicht zu händigen ist. E- ist em Trost, daß Ostern immer dicht hinter dem Karfreitag stehst. Das Ausrichten imnier wieder hinter dem Nrederbruch. Anch jetzt im düsterste» Erleben. Wir spüre» die kommend« Auferstehung, das»mhende Osterz» des ArbeilSvolks, wenn wir ui diesem Wutter inmitten unserer sozialisttschen Brüder und Verbot, worauf die Demonstranten in geordneten Züge» i« ihre Heimatdörfer znrückmavschierte«. Heute vormittags fand in Ossegg eine öffentliche Versammlung statt, an der etwa 1500 Personen ttzilnahmen. Diese Versammlung fordert« die Teilnehmer aus, in aste Schächte einzn- feringen und die Einstellung der Arbeit zu erzwingen. Für morgen ist in Ossegg gleichfalls«ine große Bergardeiterversammkung angekündigt worden, in der über die Strecklage berichtet werden soll. Diese Versammlung ist von feer Durer Be» zirksbehärde bewilligt worden. An de« Repierrat in Brüx erging gestern die Aufforderung, eine Revierkonferenz oer Betriebs» rate einznberufe», in der über die allgemeine Streiklage gesprochen und weitere Beschlüsse gefaßt werden sollten. Der Reyierrat hat die Einberufung dieser Konferenz im Hinblick auf seine gesetzlich ftstgelegte Kompetenz jedoch abge» l c h n t und erklärt, daß her Streik lediglich eine Angelegenheit der Bergarbeitergewerffchaften dar« stelle. Uekerffffffige Scharfmacherei der Brürer Bezirkrbekiörve. Di« Brüxer Bezirksbehörde hat«neu Erlaß herauSgegebo», der durch Maueranschlag veröffentlicht wird- Es heißt darin u.«., daß, nachdem die Kchsdiguna auf dem Humboldschacht amtlich eingestellt wurde, der Grund zu weiteren Arbeitseinstelkungen entfallen sei. Alle Ansammlungen und Zusammenrottrmgen welcher Art immer ans öffentliche» Plätzen werden daher verboten. Die BezirkSdehorde macht auf das nachdrücklichst« aufmerksam, daß gegen jeden Versuch, dieses Verbot zu übertreten, mit allen Mitteln(!) eingeschritft« werden wird. Die Oefsentlichkeit wird austsefordert, sich im«Lensten Intereffe vor jäher Teunahwe an Ansammlurkgen auf öffentlichen Plätzen zu hüten; jeder, der diese Warnung nicht bcachke, werde selbst die Folgen zu tragen haben. Gegerz Zuwtderhan^cllldc werde nach alle« gcsetzüche« Vorschriften vorgegangey»»erden. Dieser ungewöhnlich schärfe Ton der rmr» lichen Verlautbarung ist um so««angebrachter, als es im ganzen Revier bisher zu ernstlichen Zwischenfällen nicht gekommen ist Die Gendarmerie, die in der Zahl von etwa 300 Mann im Streckgebiet zusammengezogen ist, hatte bisher ftiue« Anlaß zum Einschreiten. Schwestern standen. Diese Männer und diese Frauen und diese Jungen, ärmer denn je, sinh auch opserwikkiger denn ir. Insofern nämlich, als dir Hingabe des Aermsten an eine große Idee mehr ist an Opfertum als je einer von uns Glücklicheren vergelten könnte. Mögen die Führenden noch so hoch das Banner schwingen: der große chtcrliche Aufbruch kommt aus den Tiefe«. Dieser durckle nebeltalle Winter der erwerbslosen Elendsheere hat eS unalle wieder einmal gelehrt. Wir brauchen dem Arbeitsvolk keine Osterpredigt zu halte«. Die Osterfeuer und die Österchoräl« leuchten und tönen flackernd und vernemnbar durch dies« furchtbar« Zeit. Der Osterwille des Erneuerns kündigt sich im Sturme an. Wir hören auf fein Brausen und wir lausche» auf sein» gewaltigen Melodien; und wir niarschiere« und finge» in feinem , Rhythmus. Was die große nahende Auferstehung vernichten und erneuern, mityeißcn und umgestalten wird: wir mögen es ahnen, aber keiner Menschen Hirn ist groß und wiffend genug, das kommend« Ostern für Deutschland, für Europa, für alle Völker dieser Erde ganz zu erfassen. Schlicht und fest ist unser Glaube: Ich zage nicht, es muß sich wenden, und heiter, wird die Welt ersteh'n, es kann der echte Keim fees Lebens nicht ohne Frucht verloren geh'». Erkenntnis ist viel, Will« ist mehr. Ä'n se r W i ll e, die menschliche Gesellschaft ordnend z» ander», ist»»besiegbar.„Den Blertschen macht sei» Wille groß und klein". Das Wort aus Schillers Wallenstein bleibt Wahrheit für jede» und für Klaffen«ich für Böller. Groß, größer noch als das. Schicksal dieser Zeit sei unser.Wilke, und wir werde« die Größe sozialistischen Werdens durch di« Größe einer machtvollen sozialistischen Bewegung erleben. Di« Zukunft allein ist unser Zweck. Sie zu erobern ist das Ziel des Kampfes unserer Tage, ilnd jedes Ostern kehrt uns den Glauben an d e n S i e g!> Nr. 78 Sonntag, 27. März 1S8L Sette 8 Die Viererkonferenz bereits Anfang April. London, 26. März.(Reuter.) Wie erst jetzt bekannt wird, sind gleichzeitig mit der Ei», ladung Macdonalds an Tardieu zu einer Besprechung über di« Tonaufrageu Einladungen an den deutschen und den italienischen Außenminister ergangen, deren Antworten bis jetzt jedoch noch nicht eiugegangen sind. Ti« Konferenz soll AnfangApril stattfinden und wird, wir man hier annimmt, voraussichtlich ein oder zwei Tag« dauern. Tardieu hatte gesteru eine Unterredung mit dem italienische« Botschafter Grase» M a n- zoui. Di« Unterredung betraf einerseits die Frage der Tonaustaaten, andererseits Reparation-- und Abrüstnugsprobleme, speziell aber die Fragen der Marineabkommen. Tardieu soll hiebei den italienischen Botschafter davon verständigt haben, daß in Kürze ein« französisch- britische EinigungSsormel sowohl in der Donaufrag«, als auch in der Re. parationsfrag« und in Bezug auf die Borbereitungen zur Lausanner Konferenz verwirklicht und bekanntgegeben werden würde. Berlin, 26. März. Wie das Conti-Büro erfährt, ist die Einladung der englischen Regierung, zu einer Konferenz, auf der zwischen den Vertretern Deutschlands, Englands, Frankreichs und Italiens die Donaufrage besprochen werden soll, heute nachmittags hier eingegangen. In maßgebenden Berliner Kreisen stützt man der Einladung sympathisch gegenüber. Ort und Termin der geplanten Besprechungen stehen einstweilen noch nicht fest. Gegen London als Konserenzort hätte man nichts einzuwenden, wenngleich die eine oder andere Macht Bedenken dagegen äußern könnte, da die Abrüstungskonferenz am 11. April ihre Arbeiten in Genf wieder aufnimmt und die Anwesenheit führender Politiker daselbst notwendig macht. Das„Berliner Tageblatt" teilt mit, daß Kanzler Brüning wahrscheinlich an den Beratungen nicht wird teilnehmen können und daher durch Staatssekretär von Bülow vertreten sein wird. Kursnotierungen der Kreugerpapiere susvendiert. Stockholm, 26, März. Wie„Svenska Mor- genbladet", das Blatt der Regierung, meldet, soll die Notierung aller Kreugerpapiere an sämtlichen Weltbörsen suspendiert werden. Die Sachverständigenkommission, die die Lage der A. B. Kreuger& Toll zu untersuchen hat, veröffentlichte chren ersten Bericht. Darnach scheint die vorläufige Uebersicht zu zeigen, daß die Stellung der Gesellschaft nicht zu halten ist und daß bei einer Abwicklung durch Konkurs die Aktiven nicht.mit Gewißheit ausreichen dürften, um alle Verpflichtungen der Gesell- schäft zu erfüllen. Vergleich vor dem Reichsgericht. Berlin, 26. März. Der Vergleich, der vor dem Leipziger Staatsgerichtshof zwischen dem Vertreter der Preußenregierung und dem Vertreter der NSDAP über die Rückgabe des beschlagnahmten Materials abgeschlossen wurde, bedeutet nicht, wie die Blätter melden, irgendeine» Rückzug der preußischen Regierung. Gemäß der Entscheidung des preußischen Innenministers, welche berciis vor der Leipziger Verhandlung getroffen worden war, wiro bloß das straf- und polizeirechtlich nicht zu beanständende Material den Nationalsozialisten rückerstattet, während das übrige«ner weiteren Prüfung unterworfen werden wird. Dem„Abend" zufolge werden die Nationalsozialisten nur diejenigen beschlagnahmten Gegenstände zurückerhalten, die sich unmittelbar auf di? abgelaufenen Wahlen beziehen, wie die Verzeichnisse ihrer Mitglieder, FluMttel u. ä. Hitler, der Kandidat der Reaktion. Der Herzog Karl Eduard von Sachsen- Koburg, der General a. D. von der Goltz un*> Admiral a. D. von Schröder, alles Reaktionäre besonderer Prägung, haben einen Aufruf zugunsten der Wahl des„Arbeiterführers" Adolf Hitler veröffentlicht. Der Aufruf ist charakteristisch dafür, wer die sogenannte Nazi-Arbeiterpartei stützt und wer nicht. Es sind Herzöge, Grafen, Generaldirektoren und andere feudale Herrschaften. Der Bundesvorstand des Reichslandbund e S hat ebenfalls die Parole für Hitler ausgegeben. Im ersten Währung hat der Landbund auf eine Parole noch verzichtet. Er überließ„bewußt den anderen Gruppen der Nationalen Front die Herausstellung der Persönlichkeiten". Jetzt ist Hitler der offizielle Kandidat der.Herren von Kalckreuth, von Rohr, des Fürsten von Eulenburg und der übrigen dreitausend bankerotten Großgrundbesitzer des Ostens. Hitler der Führer der nationalistischen deutschen„Arbeiterpartei, ist immer offenkundiger der Steigbügelhalter der sozialen Reaktion. Deutschlands. Die Schwin^Ipolitik der Hitler- Partei ist unerhört. Sie kann ja alles! Sie kann den Arbeitern gegen die schwerindustrielle Reaktion hohe Löhne und den Bauernsöhnen gegen die ostelbischen Bankerotteure Siedlungsland versprechen: warum soll sie den ostclbsschen. Großagrariern nicht neue Besitzerhaltungssubventionen und Zölle versprechen, die^en Arbeiter und den Bauern gleichermaßen schädigen? T agesneuigkeifen Generalsekretär des Völkerbundes Sir Drummond vor einigen Tagen dem Botschafter Säte . mitgeteilt habe, hast der Völkerbund in dem Mandschureikonflikt Artikel 15 in Anwendung bringen wolle, auch wenn Japan sich dagegen wehren würde. * Die WaffenftWandrderdandluageu kommen nicht vom Fleck. Schanghai, 26. März. Nur dem eifrigen Drängen des Gesandten der Bereinigten Staaten und des englischen Gesandten ist es zu verdanken, daß die chinesisch-japanischen Waffenstill- standsverhandlungen gestern nicht vollkommen gescheitert sind. Diese Gefahr tauchte auf, als cs die japanischen Delegierten auf das entschiedenste ablehnten, das genaue Datum zu nennen, an welchem der Abmarsch der"japanischen Truppen aus dem chinesischen Gebiet beginnen wird. Sie wollten lediglich, annähernd eine Zeit nennen, d. i. sechs Wochen,, während welcher der Abzug der japanischen Truppen aus dem besetzten Gebiet erfolgen sollte. Diese Unsicherheit wollten die Chinesen nicht akzeptieren und erklärten, daß die Japaner dadurch ver- sucheu wollen, das chinesische Gebiet auf längere Zeit besetzt zu halten. Sie erklärten weiters, sie würden die Beratungen nicht fortsetzen, gingen jedoch über Drängen der beiden Gesandten darauf ein, heute, Samstag, mit den japanischen Delegierten neuerlich zusammenzutreffen. Itktillt, kümmert euch um«re Jugend! Unterstützt die Kinderfreundebett«qu n§ und di« Jugendorganisation. Der Sozialismus begmm»ich« in ms Versammlung, sondern in per Familie! natürlich viel zu bedeuten hatte. Als aber dieser starb und sein Nachfolger franzosenfreundlicher Gesinnung war, verzögerte sich der Ausbruch der Revolution, indes Don Pedro bereits mit einer ansehnlichen Flotte scheinbar gegen Algerien und die Mauren losgiug. Bald sollte ins Pulverfaß der Funke des Zufalls fallen. Am Ostermontag 1282, der auf den 30. März fiel, belustigte sich das Volk von Palermo zur Stunde der Vesper mit Ausflügen und Spaziergängen.. Ein Franzose beleidigte bei dieser Gelegenheit ein junges, adeliges Mädchen tätlich. Nun zerriß der. zu straff gespannte Bogen. Es kam zu Streit und Kampf. Im Nu standen die Leute von Palermo unter Waffen und an einem einzigen Abend wurden alle Franzosen, die sie fanden, schonungslos niedcrgemacht. Man sagt, daß man die Verdächtigen em schwer auszuspre- chcndes italienffches Wort habe, nachsagen lassen und daß man daran, wie sie es aussprachen, die Franzosen erkannt habe. Unaufhaltsam griff die Empörung um sich. Ehe der April zu Ende ging, folgte Messina dem Beispiel Palermos und rottete die fremden Tyrannen aus. Karl von Anjou eilte racheschnaubend herbei. Nach der mißlungenen Belagerung von Messina landet« im August Don Pedro mit einem großen Heer, zu dem sich seine Verbündeten von Pisa und Genua gesellt hatten, und drängte den verhaßten Anjou auf das Festland zurück. Die ganze Insel huldigte als dem rechtmäßigen Erben Manfreds dem axagonischen König und seiner Gemahlin. Zwanzig Jahre lang hatten freilich Pedro und seine Sohne Karl und dessen Nachfolger zu kämpfen. Erst 1302 wurde die aragonische Dynastie in einem Friedensschluß von den Anjou feierlich anerkannt. Sie Mob im Besitze, der herrlichen Insel, einem Juwel in der Reihe der spanischen Provinzen, bis 1714 der FriÄe von Rastatt nach dem Spanischen Evbfolgekrieg das Mittwoch. Prag: 11: Schallplatten, 15.30: Norwegische Lieder, 17.10: Marionettentheater, 1825: Deutsche Vom Rundfunk Empfehlenswerte- aus den Programmen. Montag: Prag: ö.00 Kirchenmusik. 11.00 Slowakische Kompositionen. 12.00 Glockengeläut«. 16.45 Tanzmusik. 18.00 Deutsche Sendung:„Prozeß Sokrates" Hörspiel. 21.00 Orchesterkonzert.— Brünn: 16.00 Konzert. 18.00 Deutsch« Sendung: Prof. Treimcr: Durch vulkanisch« Tätigkeit verursachte Naturkatastrophen.— Mähr.-Ostrau: 12.00 Symphoniekonzeri. 16.00 Orchesterkonzert. 20.00 Blasmusik.— Berlin: 11.00 Posaunenkonzert. 18.45 Kammermusik. Breslau: 18.40 Chorkonzert.— Hamburg: 14.00 Frühling. 19.00 Zeiten im Dämmer.— Königsberg: 18.45 Liederstynd«.— Leipzig: 11.30 Bach-Kantat«. 15.45 Alte und neue Tänze.— München: 18.45 Sprechchör«. 20.00 Orchesterkonzert. 21.05„Parsifal" von Wagner.— Wen: 10.10'Symphoniekonzert. 13.50 Eine Stunde bei Josef Strauß. 17.00 Kolisch- Ouartett. Sendung; Arbeitersendung: Rudolf Storch: Er- zi.ehungsgründsätz« im Arbeitersport, 19.20: Jazzmusik, 20.05: Philharmonisches Konzert. — Brünn: 15.30: Lieder, 18.25: Deutsch« Sendung: Dr. Glück: Schamm, ein Brünner Arbeitsdichter.— Berlin: 16.55: Lieder mit Bratsche, 21'.25: Orchesterkonzert, 22.25: Arbeitslosigkeit in der USA.— Hamburg: 19.30: Klavierkonzert.— Königsberg: 20: Kammermusik.— Langenberg: 20.45: Symphoniekonzert.— Mühlacker: 19.55: Saxophonkonzert.— München: 19.35: Chorgesang.— Wien: 19.45: Lieder und Arien aus alten Singspielen. Donnerstag. Prag: 12.20: Schallplatten, 15.20: Lieder,! 17.05: Haydn-Streichquartett, 18.25: Deutsche Sendung, Loch ring: Vom Leben und Schaffen der Bäuerin, 21: Orchesterkonzert.— Brünn: 12.45: Orchesterkonzert, 18.25: Deutsche Sendung:^„Die Geliebte", Frauenstück von Arno.— Berlin: 15.40: Japanische Lieder, 18.15: Kammermusik.— Breslau: 20.30: Josef Haydn.— Hamburg: 20.45: Der Humor gro- ßer Musiker.— Leipzig: 19.30: Konzert.— Wie«' 15.30: Beethoven, 19: Amerikasenduug Mer.'Oester.' j reich. Die Sizilianische Vesper. Am SV. Marz 1288. Bon Phönix. Zwei Miauten Gedenken. Wie alljährlich so wird auch in diesem Jähr am Charsamstag während zweier Minuten der Opfer des Weltkriegs gedacht, der Opfer, welchen Sekunden zur Ewigkeit wurden und deren in zwei Minuten gedacht werden soll, um dann sogleich wieder zur„Tagesordnung" schreiten. Aber sei dem wie immer, die kurze Zeit des Erinnerns soll nicht ungenützt verstreichen und wir widmen die erste Minute dem Jahr 1918! Front, Sehnsucht nach Frieden, Haß gegen die Sinnlosigkeit des Mordens, Zusammenbruch. Fliehende Truppen. Auflösung und doch Sinn im Chaos. Der Soldat will wieder Mensch sein. Ungesagt bleibt das alles, aber irgendwie erfühlt. Vom letzten Maultievwärter beim M.-G.-Zuz bis zum Reserveoffizier, jeder will Schluß und neuen Anfang; erfühlt und erträumt im Marsch auf verstaubten Straßen eine neue Welt so nmde, ach so müde. Ja, wenn wir 1918 nicht so müde und abgekämpft gewesen wären, vielleicht hätten wir das Rad der Geschichte doch mtt einem kräftigen Ruck entscheidend vorwärts drehen können. Augenblicke gewalttger Hoffnung gab es Wohl. Auf dem Heimmorsch zerschlugen un» zerbrachen sie die Waffen, heimkehrende Gefangene grüßten mtt dem Ruf„Evvrva la Pace" und jubelnd dankte man. Versprechungen gab es in Hülle und Fülle, Wilson lieferte seine 14 Punkt«. Aus dem Ehaos sollte eine wirkliche Demokratie geboren werden: Sie wußten sehr wohl, welch ein Fangessen sich einmal aus ihrer Demokratie tverde schmieden lassen! Und wir haben ihnen, froh des Friedens, geglaubt! Offiziere und Mann sollen einander nur mit Bruder ansprechen, die prächtigen Distinktionen, wie Sterne und Goldtressen, Säbel und Goldknöpfe sollen verschwinden; der ganze Hauber gehört nicht mehr in«ine Welt, di« aus breitester demokratischer und sozialer Grundlage aufgebaut werde» soll! Und tatsächlich sprachen einander in den Anfängen der Reugründung der Armee Ofizier und Mann mit Bruder an, war die Unssorm des Kommandanten schlicht, und einfach, wohnte in Millionen Herzen der Glaube, daß es vorwärts geh« in der kulturellen und menschlichen Entwicklung und, um das Maß der Versprechung und der Hoffnung voll zu machen, vernahm man immer wieder, daß dies der letzte Krieg gewesen sei und daß«s ü b e r- Haupt keinen Militarismus mehr geben werde, ja daß eine Miliz komme— kurz daß die Opfer des Krieges für eine große und schöne Idee starben, für eine friedevoll« soziale demokratische Welt, die ihren großen Ausdruck findet in der völkerversöhnlichen Institu'ion des , Völlerbmrdes. Mit diesen Erinnerungen vor Augen widmen wir die zweite Minute des Gedenkens dem Jahre 1932! Militärmusit durchzieht die Straßen, Spießbürger erschauern vor Ehrfurcht und Militarismus ist Trumpf. Mit:en in der Demolratie fanden begeisterte Aufnahme: der Samttragen für den Mantel des Offiziers und irgendein goldener oder silberner Leibriemen für die Unssorm: es' kam der Säbel ihm zugeflogen als Besonderheit vor dem Zivilisten, cs leuchten wieder die güldenen Sterne auf dem Waffenrock und Mantel, cs funkeln und blitzen die Goldknöpfe kurz der ganze Zauber ist wieder erwacht und mehr als jemals lebendig. Alle diese Bestrebungen fanden viel Verständnis und insbesondere die Abschaffung der Ansprache„Bruder", die gleich nach der«"eburtsstunde der Demokratie erfolg.e, aus Gründen der Disziplin, begegnete verständnisvollster Einsicht. Die Disziplin obsiiegte über den Geist der demokratischen Kultur. Soldatenselbstmorde bieten Stoff für Zeitungen, Soldatenschi»» dereien empören zwar die Oeffentlichkeit aber die Militärjustiz ist ihnen gegenüber milde und ei,: Minister darf soweit gehen, zu erklären, daß die Vorgesetzten von den Untergebene» geschützt werden müssen, statt mngekehrt. Die De- mokratie steht Kopf, und Trumpf ist eine waf- enstarrende Welt! Nach Genf enssendet sie ihre Vertreter zur Abrüstungskonferenz und Völker- bundbanketten. mit dem Ergebnis, daß die Rü- tungsindustrie keine Sorgen zu haben braucht, wegen Beschäftigungslosigkeit stillgelegt zu werden oder sich kostspielig umstelle» zu müsse» Der otterbund und die Abrüstungskonferenz, die mit in die Ideenwelt einbezogen wurden, um derentwillen die ganze Welt vorgab, Krieg geführt zu haben, sind durch Mächte, welche lec» der aus dem Chaos neugestärkt hervorgingen, zur Weltposse geworden und was Reibt Äs Ergebnis, die ttaurige Erkenntnis, daß wohl neu« Firmen neu beschildert, sich aufgemacht haben, aber der Geist, in dem sie ge- ührt werden, der gleiche geblieben ist. Es ist der Geist des Hasses, der nationalen Mißgun st und der Hege- moniegelüste. Die letzte Sekunde des Gedenkens sei eine Mahnung an die Machthaber zur Selbstbesinnung, denn die Opfer, deren gedacht werden soll, müssen g«hrt werden durch ! säten, die ihren Tod nicht sinnlos erscheinen lasen und die bis jetzt nicht erfolgt sind. Der Igel. mittel zu erlangen und den Papst für die Sache I schöne, ost hartgeprüfte Sizilien unter die Bot- der Sizilianer günstig zu stimmen, was damals I Mäßigkeit des Hauses Savoyen bracht«. ifflniiimiinmiiiiiiiniiinniitimiinniniiiiiHniiinmmiiiiniimiiniiiiiniinmiiiHmininiiiiiiiiHmmiiinmfiiiiiinnniiinfliiiiiHmininmimimiiinnimininnmimmninimHfflniimfflinffliiiniiiniuni Artikel 15 fite Japan ein Casus belli. Drohungen mtt dem Austritt aus dem vötterdund. Das wunderschöne Land Sizilien kann aus eine reichbewegte Vergangenheit zurückblicken, in der es von verschiedenen Völkern besiedelt, von den verschiedensten Herrschern ausgebeutet wurde. Ursprünglich von Hellenen kolonisiert, dann unter punischer und römischer Herrschaft, wurde die herrliche Insel im 5. Jahrhundert Beute der Vandalen und der Ostgoten- Nach deren Sturz kam es an Byzanz und wmrde um die Mitte des 9. Jahrhunderts von den übermächtig vorwärtsdrängenden Arabern erobert. Und die schufen eine reiche und eigenartige Kultur auf dem Untergrund eines bunten Völlergemisches, bis die Normannen die ganze Insel an sich rissen. Das war um 1091. Und nach, dem Aussterben der romanischen Königsdynastie gelangte das Land durch Erbgang in die Hände der Hohenstaufen. Ihr glanzvoller Sproß, Friedrich.II., führte Sizilien zu einer nie^ wieder erreichten Blüte empor. Nachdem König Mansted, ein natürlicher Sohn Friedrichs, tapfer kämpfend, in der Schlacht bei Benevent im Jahre 1266 gefallen war, riß sein Besiegter, Karl von Anfoü, der Bruder des Königs von Frankreich, die Krone an sich. Seine Regierung war eine Mißwirsschaft schlimmster Sorte. Die übermütigen französischen Barone sogen das Land aus, und der Steuerdruck steigerte die allgemeine Gärung. In diesen sechzehn Jahren französischer Tyrannei aber vereinigte man sich. Still und heimlich glomm im Lande die Glut der Empörung. Ms unvergeßlichen Manfreds einzige Erbtochter Konstanze hatte sich mit Don Pedro, dem König von Aragon, vermählt. Ihm wollte man das Reich gehen. Bon ihm erhoffte man sich die Wiederkehr besserer Zeiten. Der Edelmann Johann von Proceda, ein berühmter Arzt aus Salerno, der von Karl wegen seiner Treue für die Stauffer verbannt worden war, vermittelte die Unterhandlungen zwischen den Sizilianer« und dem Hofe von Aragon. Es gelang ihm, vom byzantinischen Kaiser Geld- Tokio, 26. März. Rach Blättermeldun- gen beabsichtigt die Regierung, dem Völker, bnnd formell mitzuteilen, daß Japan a«- dem Völkerbund« austreten werde, wenn dieser anf der Anwendung des Artikels 18 des Paktes anf dr« mandschurischen Konflikt besteh«. Führende Blätter erörtern die Austrittsabsicht unter ausdrücklicher Betonung deS Ernstes der politischen Lage. DaS Außenministerium und das Kriegsministerium sowie andere Regierungs- tellen hätten eine Einigung in dieser Frage bereits erzielt, so daß die jetzigen Meldungen keineswegs mehr nur den Charakter von Versuchsballons hätten. Die Verhandlungen in Genf hätten gezeigt, daß der Völkerbund nur„ungenügendes" Verständnis für die ostastatische Lage habe. Auch hätten kleinere Mitgliedsstaaten des Völkerbundes unter Außerachtlassung größere: Gesichtspunkte den Konflikt zum Anlaß genommen, ihre eigene Position im Völkerbund durch AuSnützung gewisser Völkerrechtstheorien zu stärken. Beides erschwere und verzögere die direkten Verhandlungen zwischen Japan und China und damit die Liquidation des Konfliktes. Aus diesem Grunde halte Japan das Austreten aus dem Völkerbünde für ratsam. Der Kriegsminister kündigt in dem gleichen Sinne an, Japan sei entschlossen» die mandschurische^ Frag« schnellstens und gründlichst zu bereinigen, eventuell ohne Berücksichtigung der Wünsche des Völkerbundes. Diese Meldungen der japanischen Presse wurden bisher zwar noch nicht bestätigt, doch wird von glaubwürdiger Seite versichert, daß der -eite 6 Sonntag. 27. Mär; 1982 srr. 75 ERSON GUMMIABSÄTZE- die Lebensversicherung för ihre Schuhei in allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Beim Schumacher fachmännisch befestigt. Dauerhafter als Leder. Der Frieden des Noten Nrenzes. 2 Minute« vcrkehrsruhr. Prag, 26. März. Heute vormittags wurde im Sitzungssaal des Abgeordneten Hauses unter dem Protektorate und in Anjvesenheit des Präsidenten der Republik der Frieden iws Roten Kreuzes feierlich proklamiert. Nach der Eröffnung durch den Borsitzenden des Abgeordnetenhauses Malypetr sprachen Senator Dr. Vesely für das Rote Kreuz, Minister für Unterricht Dr. Derer namens der Regierung und der italienische Gesandte Podrazzi. Der Vorsitzende deS Abgeordnetenhauses Malypetr verkündete hierauf feierlich den Frieden des Roten Kreuzes- Die Versammlung begab sich sodann mit dem Präsidenten der Republik an der Spitze durch ein Spalier von Skauts und Schulkindern vor das Abgeordnetenhaus, wo vor der Statue Bturfas „Der Verwundete" den Gefallenen die Ehrenbezeugung geleistet wurde. Ein Kanonenschuß ertönte, worauf die ganze Versammlung in tiefem Schweigen verharrte.- Zur selben Zeit wurde der gesamte Straßenverkehr in der Stadt auf zwei Minuten eingestellt. Eifenbnhnnnsl8«k in Rumänien. Bukarest, 26. März. Der von Bralla nach Bukarest abgefahrene Schnellzug stieß heute nachts in der Nähe der Station Baloovinesci mit dem Personenzug Galatz-Braila zusammen. Die Lokomotive sowie sämtliche Wagen beider Züge wurden erheblich beschädigt. Nach den bisherigen Feststellungen erlitten 20 Passagiere schwere Verletzungen; die Zahl der Toten konnte noch Nicht festgestellt werden. 7-7 Ein Bahnbeamter und der Lokomotivführer des Schnellzuges wurden verhaftet; letzterer soll den Zug trotz dem Haltesignal weitergefuhrt haben. Nach einer Meldung der Agentur Orient- Radio" sollen bei dem Eifenblchnunglück bei Baldovinefci keine Todesopfer zu beklagen sein. Bon den Verletzten"müßten vier Personen ins Spital gebracht' werden,. Eine fest unglaubliche Walfisch- geschichle. Ein Wal von ungefähr 12.000 Pfund wurde, wie, das„Hamburger Fremdrnblatt" aus, Cuxhaven meldet, am Freitag in der Elbmündung von einem Äergungsdampfer gesichtet. Der Wal war zwischen den Staaken dicht unter Land auf Grund geraten und bemühte sich vergeblich, wieder loszukommcn. Der Bergungsdampfer fuhr bis auf 50 Meter an das mit der Schwanzflosse wild um sich schlagende Tier heran, setzte cur Boot mit zwei Mann aus, die mit Unterstützung von zwei Mann an Land mit äußerster Vorsicht eine schwere Kette langsam unter-die Schwanzstoffe des Tieres gleiten ließen. Nach mehrstündigen Versuchen gelang es, eine Verbindung von der Schwanzflosse zum Bergungsdampfer herzustellen. Nach dramatischem Kampf zwischen' dem Dampfer und dem Wal behielt ersterer die Ober» Hand. Nach fünfstündiger Reise traf der Dampfer in Cuxhaven ein. Allerdings war das Tier, dessen Kch>f lange unter Waffer schleifte und durch die Verschiebungen der Gleichgewichtslage unfähig wgr, sich zu bewegen, erstickt. Der Bergungsdampfer setzte mit dem Wal im Schlepptau die Reise nach Hamburg fort, wo er heute erwartet wird. Dir Kommunisten und Herr Katzenellen- bogen. Die Rubelpresse nimmt das freisprrchende Urteil der Berliner Gerichte gegen den Schieber Katzcnellcnbogeu zum Anlaß, gegen die(man brauchte es ja kaum noch zu sagen, so natürlich ist cs bereits geworden)— Sozialdemokraten zu schimpfen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir, ohne uns mit den berufsmäßigen Hetzern und Verleumdern in eine Polemik ein- zülassen, nur feststcllen, daß Herr Katz-nellenboaen doch ein Edelkommunist ist, der z. B. das ganze kommunistische Tbeater des Herrn P i s- rator finanziert hat. Die Gelder, die dem Patzenhyfer-Konzern verloren gingen, sind zum guten Teil wahrscheinlich für me kommunistcsch« „Kunstpvlitik" aufgewendet worden. Die Kommu- nazi sollten also lieber das Maul halten und sich glücklich Preisen, daß Herr Katzenellenbogen lvenigstens nicht Ehvcngeneral L la Suite der Roten Armee oder Inhaber eines Sowjetordens ist! Fabriksbrand in Komotäu. Samstag abends entstand in der Ziegelei Goldberger vormals Neumann in Komotau aus bisher unbekannter Ursache ein Brand, der den ganzen Fabrikskomplex ergriff. Bis Redaktionsschluß waren die Löscharbeiten noch nicht beendet. Ein schweres Unglück hat sich in der Nacht zum Karfreitag auf der elektrischen Gasreini- gungslcitnng der Herzog Julius-Hütte bei Goslar(Harz) ercigüet. Ein dort beschäftigter 27- jähriger Maschinist wurde bei der Ablösung in Osterspaziergang eines Sozialisten. In Begleitung Fausts. Bon Walter Ludwig. Osterspaziergang! Wer erinnert sich nicht hierbei an die Szene„Bor dem Tore" in Goethes „Faust" Dieser Frieden über der Landschaft draußen vor den Toren der Stadt, voller Selbstzufriedenheit die hier spazierenden Menschen. Es gibt kaum eine Stelle in er gesamten Literatur, die so prachtvoll die Sinnesart des Kleinbürgers zeichnet. Geblieben ist durch Jahrhunderte hindurch die gleiche Sehnsucht der Menschen, um diese Zeit des aufkeimenden Frühlings aus der Enge des winterlichen Lobens, aus gesellschaftlichem Zwang hinaus in freiere Weiten zu kommen, geblieben auch jenes Bedürfnis der Menschen, sich innerlich zu erneuern und sich von neuem Lebensdrang erfüllen zu laffen. Verändert hat sich nur der Rahmen, der sich um solche Stimmungen legt, gewechselt nur das Bild, die Landschaft, die Umgebung, in der die Menschen agieren. In recht geschickter Weise hat sich auch hier das Christentum dieses frohen ursprünglichen heidnischen Festes bemächtigt. Ostern war der erstem Feiertag, den das Christentum zu seinem eigenen machte und sich in recht kluger Weise an die Kult- und innersten Bedürfnisse der Menschen anpaßte- Jette©jene in Goethes Faust ober macht sich frei von allem kirchlichen und christlichen Kult und stellt das Frühlingssehnen des Menschen in«ine weltliche Unrgebung. Und lese» wir heute diese Verse, so klingt uns bereits wieder eine schon längst vergangen« Welt entgegen. Damals, als jene große Dichtung entstand, gab es noch keine Wirtschaftsform, die den Menschen so unter ihren Bann stellte, wie die heutige kapitalistische Gesellschaftsordnung. Da war noch genügend Raum für eine solche beschauliche Betrachtung des gesellschaftlichen Zusammenlebens, Raum für«ine innigere Vertiefung in das Werden und Vergehen der Natur, da„grünte im Tal noch Hoffnungsglück", da drang„aus dem hohlen finsteren Tor" noch„ein buntes Gewimmel hervor". Nur ein Bruchteil der Menschen findet heute seinen Weg draußen vor die Tore der Stadt, wo sich noch lange nicht die Natur in all ihrer Freiheit zeigt. Denn an die Peripherie der Stadt hat sich heute die kapitalistische Vergnügungsindustrie festgesetzt, die des. Menschen Drang nach ! Freude sofort in organisierte Formen Preßt und ! in einen Massentrubel auslöst. Im Gewühl überfüllter stickiger Tanzsäle schaut kein Bursch mehr, „wie die wacker» Dirnen schreiten", und kein Bür- ‘ germädchen macht mehr den neidvoll bewuudcrn- deu Ausspruch„Da sich mir nur die schönen Kna-. beu, cs ist wahrhaftig eine Schmach, Gesellschaft könnten sie die allerbeste haben und laufen diesen Mägden nach", Poesie, Natürlichkeit des Menschen aus der geruhsamen Zeit des Biedermeiers. Und wenn der Bursch von anno dazumal nt seinem lebensvollen Uebermut„die schönsten Mädchen und das beste Bier und Händel von der ersten Sorte sucht", so sind eben aus den Händeln und airs dem harmlosen Geplänkel von damals erbitterte politische Zusammenstöße geworden, wo es nicht immer ohne Mord und Totschlag aucgeht. Ta steht nicht mehr kühl lächelnd der Bürger daneben, sondern er hat Mühe und Not, die Form zu finden, um solchen Ausartungen entgegentreten zu können. Damals der Pfahlbürger:„Nichts beffereS weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, als ein Gespräch von Krieg und KriegSgeschrei, wenn hinten weit in der Türkei, die Völker aufeinanderschlagen." Auch nach dieser Richtung hin sind heut die Ostergespräche ein wenig anderer Na- tur. An die Stelle des leicht gruselnden angenehmen Gefühls ist das traurige Gedenken an den letzten furchtbaren Krieg getreten, der sich nicht nur weit hinten in der Türkei abgespielt hat. Und-gegenüber dem harmlosen naiven Gespräch, das man damals über den Krieg und das Kriegsgeschrei führte, treibt man heute bereits wieder anfs neue einem Kriege zu- Die ganze Ruhe damaliger Zeit mit ihrer Sorglosigkeit spiegelt sich in jenen zwei Zeilen: „Dann kehrt man abends froh nach Haus und segnet Fried' und Friedenszeiten". Ein Idyll, das die heutige Zeit immer mehr zerstört, zumindestens sind-s die Millionen Arbeitsloser, die nicht abends ftoh nach Hause kehren können und cbensovielen fehlt jede Veranlassung Fried- und Friedenszeiten zu segnen. Da fehlt das behagliche Heim und in diesem wieder an der sorglosen Geborgenheit. Welten»rennen uns von jenen Zuständen damals und den Verhältnissen von heute. Gewiß die„gut«, alte Zeit" hat cs niemals in dem so oft betonten Sinne gegeben und unser Streben ist nicht herauf gerichtet, in wohl recht behagliche aber doch kleinbürgerliche Enge zurückzukommen. Aber wenn wir Ostern dieses Osterspazierganges gcdeüken, dann nur in der Forderung, uns dafür einzusctzen, daß den Menschen die ursprüngliche Freude., an den Menschen, den Dingen und der Natur wiedergegcben Horden ytöge. daß er in Zukunft mehr Lebensraum haben möge. den Morgenstunden in vollkommen verkohltem Zustande aufgefunden. Sein« lebten Aufzeichnungen hatte er nachts drei Uhr gemacht. Dann muß.er mit der Starkstromleitungin Bc- rührung gekommen sein und ist durch den elektrischen Strom versengt worden. Von seinen Kleidungsstücken waren nur noch die Stiefel vorhanden. Ei«« Schul« stürzt ein- In engster Nachbarschaft der ägyptischen Schule in Shebinellom stürzte ein Haus zusammen und riß auch das Schulgebäude mit, in dessen Trümmern 32 Schul er.be grab en wurden. Bisher wurden dreiLeichen und eine Anzahl Schwerverletzter geborgen. ILMndiges Feuergefecht mit einem Wahn- sti.nlgen. In Lake Elmo(Staat Minnesota) begann der Kleinkrämer Ernst Kern in einem vii-tzlichen Wahnsinnsanfall auf die Passanten zu schießet!. Als die Polizei heranrückte, verbar- rilMert« er sich im Laden und hielt 12 Stunden laug mit zwei Revolvern die Polizei in Schach. Schließlich griff die Polizei mit^ränengasbomben an, woraus die Schießerei aus dem Laden aufhörte, Kern wurde in seinem Laden tot ansge- funden. Erft zu früh und dann zu spät. Aus N e n- darf im Bezirk Graslitz berichtet. der„Volkswille": Am Sonntag, dem 20. März, hätte n Neudorf die Gemeindevertretung neugewählt werden sollen. Die Wahlhandlung konnte jedoch entfallen, tveil nur eine Liste(die Liste der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei) ein. gebracht worden war und diese Liste daher als ge- wählt galt. Bei dieser Gelegenheit soll jedoch einmal aufgezeigt werden, welche Geisteskrnder du Neudorfcr Kommuni st en sind. Es wird, den Lesern unseres Blattes noch in Erinnerung sein, daß die Kommunisten schon im September 1931 zur Zeit der allgemeinen Gemeinde wählen auch in Neudorf eine Kandidatenliste beint Gemeindeamtüberreicht hatten. Der Gemeindevorsteher mußte aber damals den Herrschaften mitteilen, daß Neudorf erst im Jahre 1932 wählt, sie sich daher noch etwas gedulden ntögen. Die Moskauer zogen daraufhin unverrrichteter Dinge wieder ab. Diesmal waren sie noch schlauer. Obwohl die Frist zur Einbringung der Kandidatenliste am S 0 n n t a g, den 21. Feber, endete, kamen die Herren Kommunisten erst am Montag, den 22. Feber, daher und wollten ihre Liste überreichen. Der Vorsteher konnte die Liste natürlich nicht annehmen, da sie erst 24 Stunden nach Ablauf der Frist cingebracht wurde. Darauf wurde seitens der Bezirksbehörde aus einem bestimmten Grunde die Frist noch um 14 Tage verlängert, doch siehe da: die Kommunisten kamen überhaupt nicht mehr, ihre Lffte scheint unterdessen verkomme» zu sein. So wird also Neudorf wiederum durch vier Jahre von Sozialdemokraten verwaltet wer- j d^n urch dies— wie sich bisher gezeigt hat— nur zum Vorteil der Gemeitrde. Unsere Genoffen haben bisher in anttkennenswcrterweise in der Gemeindestube und im Ortsschulrat gearbestct, sie werden dies auch weiterhin tun. Mißbrauch mit Goethe. Was die„offiziösen" Goethe-Verehrer in Weimar gutgemacht haben, verderben, wie uns von dort berichtet wird, die spießbürgerlichen. Fast jedes Geschäft der Stadt, es mag Schuhe, Korsetts, elektrische Bedarfsartikel oder Seifen fcilhaltcn, hat eine Goethe- büstc im Schaufenster. Es gibt selbst elektrisch« Goethe-Tilchlampen, Goethe-Gartenhäuser aus Pappe mit Pralinen gefüllt, Goethes sämtliche Werke aus-Marzipan usw. Der Mann, der die „Gretchen-Zöpfe— täglich mehrmals frisch!" verkauft, ist kein anderer als jener„Hofbäcker" Arno Schmidt, der seinerzeit bei Gelegenheit des Daniela-Schwindels so unrühmlich bekannt wurde, weil er dem falschen Prinzen Harry Do- mela mit besonderer Devotion seine Reverenz gemacht hatte. Jetzt macht er sich dadurch lächerlich, daß er in Zeitungsinseraten die Loge seiner Hofbäckerei folgendermaßen bezeichnet: „Gegenüber vom Nachbar Goethe, Frauenplan 10". Hakenkreuz-Moral— Pfafsenmoral! Im „T a g" erschien kürzlich ein Aufsatz unter dem Titel„Reparationen für Mätressen", der innerhalb einer allgemeinen Polemik gegen die deutschen Reparationszahlungen bezw. die! französischen Reparationsforderungen folgende, den Titel näher erklärende und wertvollen Ausschluß über die Moral der Hakenkreuzler gebende .Stelle enthielt: Es ist weder Scherz noch Haß, wenn wir dieser Zusammenstellung der Tributleistungen die Uebrrschrift gegeben haben:„Reparationen für Mätressen", sondern es ist grausig« Wahrheit! In Punkt 8 der Anlage 1 zu Artikel 282 des Versailler Diktates, der von den„compcn- sationS de mem« natur«", das heißt, Won deü pensionsähnlicheN V«rgütungen handelt, di« Deutschland ersetzen muß, heißt«s, daß dazu auch die jährlichen Unter st ützungen zu rechnen seien, die an dt«„compagnes", das heißt, die Gefährtrnnen der Gefallenen oder Vermißten, zu.bezahlen seien, auf deutsch: Deutschland muß nicht nur für die Eltern, Ehefrauen, Kinder, sondernauchfür di«„Freundinnen" der Franzosen bezahlen, also für die Einrichtung des„eheähnlichen Verhältnisses", die die christlich« Kirch« aufs schärfste verurteilt! Hier fällt nun die letzte Maske dieses Systems! Im Namen der Moral, der höchsten Güter der Menschheit, ja, des Christentums wurde Deutschland diese Last aufgelegt, in den Kirchen der Welt wurh.'..Tedcüm" gesungen, und die angelsächsische Kirche hat es«inst als ein ethisch-sitt- licheS Gebot bezeichnet, daß Deutschland Tribut« zahl«! Wir hallen ihr«nd der Welt heute diese Tatsache unter die Augen und ftagen: Darf von diesem System auch nur ein Titelchen bestehest! bleiben, ohne daß die Grundlagen des mensch- sichen Zusammenlebens vergiftet wetdrv? Und wenn man«S anderswo nicht«infehen will,!v muß man wenigstens dem deutschen Volk zu- rufen:„Deutschland, werde hart!" Nötiger wäre es für Deutschland schon, daß cs citdlich vernünftig würde und so weit anständig, daß es mit einer Bewegung aitf- räumte, di« es zwar in der Ordnung findet,^ wenn das deutsche Volk den dcwongelaufenen Fürsten Millionen zahlt, die ins Ausland verheirateten Töchter der deutschen Fürsten noch entschädigt, die es aber für unmoralisch hält, daß „Gefährttnen", denen doch di« christlich« Kirche di« Gleichberechtigung abspricht, den„Ehefrauen" gleichgehalten werden. Diese Hakenkreuzlerei ist wirklich die Endsumme aller schmutzigen, moralinsaueren, finsteren Reakiionsbeftrebungen aller Zeiten,«ine Schande für Deutschland und eine Seuche, der jede andere physische vorzuziehen wäre! Volkssport-Verhaftung. In Luditz wurde, wie uns berichtet wird, der Maurer Anton Peschik im Zusammenhang mit der Volkssport-Affäre von der Gendarmerie verhaftet und dem Gerichte«ingelieiert. — Tschechische Blätter hatten anläßlich der Verhaftung des Rudolf Kretschmer in Eulau bei Bodenbach zu berichten gewußt, daß bei der hierbei durchgeführ. t«n Hausdurchsuchung Pläne und Aufftellungen, die Kreisleitungen bis Mährisch-Ostrau aufwei'«n, vorgefunden worden seien. Dies« Nachricht trifft nicht" zu, denn bei der Haussuchung fielen den amtlichen Organen lediglich einige Broschüren und Zeitungen' in die Hände. Ein Schwindler verhaftet. Aus Kaaden wird uns gemeldet: In der Zeit vom Jahre 1928 bis 1980 hat sich hier ein Mann namens Paul Riedl aufgehalten, der, obwohl er keinen regelmäßigen Er-' werb nachzuwellen in der Lage war, dennoch dauernd über größere Geldmittel verfügte und auf großem Fuß« lebt«. Eine? Tages war Riedl verschwunden,' dafür, aber meldeten sich bei den SicherheitSbchördcn zahlreich« Leute aus Kaaden und auS der Umgebung, die ihr« Bekanntschaft mit Riedl teuer bezahlt hatten: der Schwindler halt« ihnen vorgeflunkert, er würde sie an verschiedenen gewinnbringenden Geschäften beteiligen, lveun st« entsprechende Geldmittel zur' Verfügung stellen würden, hatte in der Tot gelegentliche Reisen zum Zwecke des Abschlusses solcher „Geichäfte" unternommen, aber etwas Rechtes ist dabei nie herausgekommen. Schließlich verlegte Riedl, sich darauf, Leute mit dem Trick dev Besorgung iolfchen Geldes hineinzulegen, ein Vorhaben, das ihm offenbar häufig geglückt sein mochte, denn es verging, erhebliche. Zeit nach, seinem Verschwinden, bis di« Geschädigten, sich meldeten, wobei freilich nusf ein kleiner Teil den Weg zur Polizei gesundes, haben dürft«. Den Nachforschungen der Sicherheitsbehörden ist es nun gelungen, Riedl in Karbitz stellig zu machen und zu verhaften. Dir ausslugsfrvudigeu Wiener. Bis Samstag ftüh. haben etwa 80.000 bis 100.000 Wiener di« Stadt verlassen. Entsprechend einer Schätzung der Bundesbahnen werden, nach dem Kartenverkauf, ! während des Samstags und Sonntags früh weitere 80.000 bis 100.000 Personen aufs Land fahren. Baden, Semmering, Mariazell und ander« Touristenzentren der österreichischen Provinz sind überfüllt. Dieses unerwartet« Anwachsen des Osterver- kehres wurde in erster Reihe durch weitgehend« Fa h r t b e g ü n st i g u'ng e n der österreichischen Bundesbahnen ermöglicht. Zu d«r J«ua«r Familientragödie, die siebcn Todesopfer forderte, bringen die Berliner Blätter näh:re Einzelheiten, denen wir folgendes entnehmen: Tie Familie Meurer war in nähere Beziehungen und in freundschaftlichen Verkehr zu dem Ober- landcsgerichtsrat Dr. Rittwrger und dessen etwa 36 Jahre alten Gattin getreten. Dr. Meurer und Frau Ritttveger hatten einander liebgewonnen. Man war schließlich Lbereingekommen, daß die beiden Ehen friedlich gelöst werden sollten, um so die einer ehelichen Verbindung Dr. Meurers mit Frau Ritt- weger eütgegenstehenden Hinderniffe aus dem Wege zu räumen. Im Feber wurden durch das Landesgericht Weimar die beiden Ehen geschieden. Am AbeiÄ deS Gründonnerstag weilten in der bisherigen Wohnung Dr. Meurers besten alte Ellern, seine geschiedene Ehefrau und Frau Rittweger. Man halt» sich anscheinend zu einer letzten Zusammenkunft Voder in Aussicht stehenden Trennung versammelt Die Hausbewohner wurden gegen Mitternacht durch sieben kurz hintereinander in der Meurerschen Wob- nung fallende Schüsse erschreckt imd alarmiert. Als dann einige Personen in die Wohnung Meurers eindrangeN, bot sich ihnen in den verschiedenen Zimmern«in geradezu grauenhafter Anblick: Sechs Tot« unt furchtbaren Kopfverletzungen und ein tödlich verletzter' Knabe, lieber die Beweggründe der Tat urch den näheren Verlauf derselben lassen sich bis jetzt nur Vermutungen anstellen. Vermutlich hat der hohe richterliche Beamte, der nun endgültig von seiner früheren Frau und seinen beiden Kindern Abschied nehmen sollt«, im letzten Moment di« Nerven verloren. Lm unterirdischer See in Texas. Der ameri- kanisch« Forscher Dr. Franz Nicholson teilt mit, 25 Meilen nordwestlich von der Stadt San Antonio (Texas) eine ausgedehnte unterirdische Höhle ge' fanden zu haben, deren Alter er auf 25 Millionen Jahre schätzt In der Höhle fand er eine große Anzahl blinder Fische, weiße Fledermäuse und milchfarbig« Frösch«. Die Haupthöhle ist«in« Meile läng und grenzt an einen auSgebreiteten unterirdischen See. Die Handelskammer in St. Antonio beschloß, di« weiteren Forschungen in der Höhle, von der sie sich ein« Hauptattraktion für di« Touristik erhofft, zu finanzieren. Las neue Mielswohnhaus des Prager Volkswohnungsvereines. Das elektrisch« Haus des Prager Volkswohnungs Vereines. uitÖ WinE>- Kühlschrank plaziert, welcher mit einer im Keller befindlichen Zentralkühlanlage verbunden ist. Das Schmuckstück jeder Behausung ist.das Badezimmer. Die Badewanne ist eingebaut,, wodurch das Awsammeln von Schmutz unter derselben vermieden wird. Im schön verkachelten Baderaume befinden sich ferner ei» Waschbecken mit Mischbatterie für Warm- und KaltwassA sowie eine praktisch an der verkachelten Wand montierte Handbrause. Bidets für Warmwasserspülungen ermöglichen modernst« Frauenhygiene. Die Armaturen sind zum größten Teile jt. bk Wände versenkt, um die Putzarbeiten der Hausfrau auf ein Mindestmaß hcrabzudrücken. An dch große Vorbild des Wiener, Marx- Hofe- lehnk sich die Anlage der im Souterrain befindlichen Zentralwaschküch« an. Jede Hciusfrau kann in verschließbaren Abtxiis mit dampfgeheizten Kesseln die Vorarbeiten, leisten Der hLasttche Herd— elektrisch. Den Fortschritt, den jede Hausfrqü bei der Näherei von der Hand- zur Maschinenarbeit ,be-, greift und begrüßt, will die moderne, Bauweise auch in die Küche übertragen..Aus der alten Küche wird ein behaglicher Wohttraum und hie eigentliche Kocharbeit spielt sich in. einer Kochnische ab, di« der Hausfrau gerade den notwendigen Raum zum hantieren bietet. Diese Kochnische umfaßt bei einem Ausmaß von ra. 3 mal, 2 Meter alle erforderlichen Einrichtungen. In die Fensternische ist ein Speiseschrank eingebaut, der mit der Außenluft in Verbindung, also güt ventiliert ist. Eine darauf angebrachte Platte, aus Ahornholz macht ihn als Anrichtetisch verwendbar. Daneben der elektrische Herd, für Kochen und Braten eingerichtet. Die Handhabung dieses Wundergerätes wurde den Mieterinnen in eigenen Kursen beigebracht.• Die" Auswahl der Typen nahm der BoWwohnungs-' verein durch mehrmonatliche’ Ausprobung in Privathaushalten vor. Reben dem Herd. befindet sich die Abwasche mit Warm- und Kalt-' Wasserhähnen und Tropfbrett. Das zur. Ablagerung des Geschirrs nach dem Waschen bestimmte, Blech oxydiert nicht und wird durch einfaches Abwischen nach dem'Wäschen'sauber gehalten. Ein daneben angebrachter Serviertisch hat Schubladen für Bestecke und hinter der. geschlossenen Vorderwand ist der Aufbewahrungsort für die. Waschkübcl. Die Einrichtung wird vervöllstän« oberste Geschoß, das sonst als Rumpelkammer dient, für Wohnzwecke auszunützen. Durch Zurücknahme der Front in dem siebenten und hoch sten Geschoß des Hauses wurde Raum für sonnige Terrassen gewonnen. Die Grundrißlösung ist nicht,von dem Gedanken der Rentabilität, sondern von. dem Willen beherrscht, recht viel Licht und Lust sowohl in die Wohn-, als auch in die Nebenraume zu lenken. Diesem Ziel ist auch die Anlage der vier Stiegenhäuser untergeordnet. Der Bau ruht auf einem Fundament aus Betongurten und die'auS ihm aufstrebenden Betonpfeller verleihen dem. Haus« größte Stabilität. Das vorwiegend aus Schwemmsand bestehende Holleschowitzer Bauterrain machte diese Vorsichtsmaßregel notwendig. Das ganze Eisenbetonfundament ruht in einer Wanne aus bestem Jsolationsmaterial, die das Gebäude gegen Erdfeuchtigkeit und eventuell ein brechendes Grundwasser schützt. Der Mangel an ausgelagertem Holzmaterial veranlaßte die Baut fichrung, die sonst üblichen Balkendecken durch Eilenbetonkonstruktionen zu ersetzen.. Eine nach, den neuesten Methoden hevgestellte Schall« und Wärmeisolierung sorgt dafür, daß das Heini des Mieters der ruhige Mittelpunkt seines Lebens ist, wo er von den Stürmen des Daseinskampfes aus» ruhen und neue Kräfte sammeln kann. Aus dem Reiche der Hausfrau. Die Bauführuirg wollte, einmal ein vernünftiges Stück Rationalisierung vollbringe». Sie ging von dem Gedanken aus, daß di« Hausfrau, ob sie nun berufstätig ist, oder sich ganz der Familie widmen kann, den größten Teil der ihr zustehenden Freizeit durch die bisherige unpraktische Einrichtung des Haushaltes einbüßt. Man hat Lösungen, versucht, welche die Hausfrauenarbeit von de» bisherigen zwölf oder vierzehn Stunden auf sechs bls ächt Stunden täglich herabsetzen sollen. Erstes Ziel dabei ist: Herabminderung der Ruß- und Staubplage auf ein Minimum. Kohle, Holz und überhaupt irgendwelche direkte Feuerung sind aus den Wohnungen verbannt; die Heizung wird durch die FerndanHrfleitung von, den elätrischen Unternehmungen der Stadt Prag besorgt. Im Maschinenraum des Souterrains wird der unter langen Straßenzügen zugeleitete hochatmosphärische Dampf auch zur Bereitung von Warmwasser ver- tvendet, das in alle Küchen und Badezimmer strömt. Die Kochherde werden— wie noch zu wildern sein wird elektrisch geheizt, so'daß sich ein großer Teil der mühevollen Hausfrauenarbeit aus einfache Hebelgriffe reduziert. Auch in kleinen Dingen wurde getrachtet, die Arbeitsburde der. Hausfrauen zu erleichtern. Die Türklinken sind aus Weißbronze, welche ohne das übliche stundenlange Polieren stets blank bleiben. Die Stellen, wo Türen und Fenster mit dem Verputz zusammenstoßen, sind gewöhnlich durch mchr oder weniger breite Rrffe, wo Schmutz und Ungeziefer Unterschlupf finden, gekennzeichnet. Hier sehen wir diese Stoßstellen mit Kautschukleinwand ab- Sdichtet. Auf dem Klopfbalkon, der zu jeder ohnung gehört, ist ein Speiskasten sowie ein und dann'bei elektrischen Waschmaschinen das Werk vollenden. Dampfgeheiztc Troaenröume sorgen für rasche Trocknung? Jü dem anschiUhenden Mangel- und Bügelraum kann die Wasche, fertig genracht und nach-vierstündiger Arbeit gebrauchsfähig in die Schranke gelegt werden. Welcher Hausfrau lvürde. nrcht das Herz höher schlagen bei dieser Schilderung der. Erleichterungen,- die khr die moderne Wohnkultur bieten kann, sobald nicht mehr nach privatkapitalistischen, sondern nach gemeinnützigen Prinzipien gebaut wird! Bauen oder nicht bauen— das ist di« Frage, die heute in den Vorständen der Baugenossen- schasten und in den Kollegien zahlreicher Industrie- gemeinden auf der Tagesordnung steht. Der all- gemeine wirtschaftliche Pessimismus liegt dabei mit dem Optimismus des gemeinnützigen Bauführers im Streit. Bauen, das heißt den sozialen Bedürfnissen der Zeit Rechnung tragen, aktive Gegenlvehr ergreifen gegen Wirtschastslähmung und Massenarbeitslosigkeit. Nicht bauen heißt kapitulieren vor den Stimmen der Berzagnis und den Unheilsmächten des Niederganges. Daß trotz aller Wöwrwärtigkeiten baugenossenschaftlicher Wagemut auch in diesen bösen Zeitläuften Großes vollbringen kann, dafür hat ein« der deutschen Bauvereinigungen Prags dieser Tage, ein monumentales Beweisstück vollendet. Das neue MietSwohnhäus deS. Prager BolkSwoh- nungsvereines in Prag VII. ist ein steinernes Denkmal unentwegten Strebens nach höherer Wohnkultur, das sich durch keine Krisennot hemmen läßt. Der Prager BoUswohauagsverer«. Diese Bauvereinigung, die zu den bestfundiertesten d«r Republik gehört, ist 1908 als eine Gründung der Böhmischen Sparkasse entstanden. Ihre Bautätigkeit datiert erst;eit der Nachkriegszeit, wo es galt, für den starken Zuzug des deutschen Angestellten- und Beamtenelements den neuzeitlichen Bedürfnissen entsprechende Wohnungen zu schaffen. 17 Hochhäuser mit 270 Wohnungen zeugen davon, daß sie einen wertvollen Beitrag zur Lösung des hauptstädtischen Woh- irun^sproblems beigesteuert hat. Die jüngste Schöpfung des Bolkswohnungsvereines ist ein dreifrontiges Mietswohnhaus das in unmittelbarer Mhe des neuen Messepalostes auf den sogenannten Geömengründen soeben fertiygestellt wurde. Der Bauaufwand beträgt rund 11 Millionen Kronen. 150 Arbeiter haben ein volles Jahr lang an der Baustell: Beschäftigung gefunden, abgesehen von der vielfältigen Arbeitsgelegenheit, die durch diese Bauführung indirekt geschaffen ivurde. Der in den abnorm teueren Prager Verhältnissen begründete ziemlich hohe Aufwand für insgesamt 71 Wohnungen konnte nur mit Hilfe billiger.Darlehen von Pensionsanftalten gedeckt werden. Hier offenbart sich die wohltätig: Funktion der sozialen Bersicherungsinstitute im Wirtschaftsleben. Die von den Versicherten eingezahlten Beiträge kommen in doppelter Form den Versicherten zugute. Unmittelbar durch Schaffung zusätzlicher Arbeitsmöglichkeiten und menschenwürdiger Wohnstätten, in späterer Zeit durch Rentenanfall auS dem Versicherungskapital, das inzwischen nach sozialen Gesichtspunkten angelegt und in gewissenhaftester Weise verwaltet wurde. Di« neueste Bau- leistung des Prager Volkswohnungsvereines steht nun im Mittelpunkt« sympathischer Aufmerksamkeit der deutschen und tschechischen Oeffentlichkeit, weil«r zum erstenmal« innerhalb der Staatsgrenzen die neuesten Errungenschaften d«r Technik: Fernheizung, Warmwasserleitung, elektrische Kochherde— in den Dienst der gemeinnützigen Bauweise stellt. Wenn auch manches, was da auf Prager Boden unter der Voraussetzung einer hauptsächlich aus Festangestellten rekrutierten Mieterschaft; den gemeinnützigen Bauherrn unserer industriellen Randgebiete nur als schöner Traum vorschweben mag. ist«S dennoch wert, näher beschrieben zu werden als ein Vorbild kommender> höherer Wohnkultur, di« der Sozialismus allen schaffenden Menschen erkämpfen will. Auf festem lvruude. Privates und gemeinnütziges Bauen stehen zueinander in Gegensatz wie Feuer und Wasser. Der private Bauherr hat das Bestreben, eine hohe Grundrente sowie eine möglichst reichliche Verzinsung des Baukapitals hevauszuwirtschafteN. Der gemeinnützige Bauherr strengt sich an, für die aufgclvendeten Mittel den Wohnenden ein Höchstmaß von Kultur, Gesundheit und Behaglichkeit zu bieten. Schon der Gesamteindruck des neuen' Mitswohnhauscs läßt keinen Zweifel offen, daß- in jeder Phase seiner Entstehung die Ide« der i Gemeinnützigkeit eine erfolgreiche Schlacht gegen- den Ungeist des Prosites geschlagen hat. Das! äußere Bild zeigt an, daß in der modernen Archi- I tektnr sehr Wohl strengste Sachlichkeit mit edler< Gliederung der Formen zu Vereinen ist. Die zur i Erweiterung der Wohnfläche geschaffenen breiten> Erker bringen lebendige Abwechslung in die 1 strenge Linienführung der HauSfronten. Unter> Anlehnung an reichsdeutfche Vorbilder wurde die i Flachdachlösung gewählt, um auch das! digt durch einen schmäl«» Besenschrank, an dessen innerer Türseite das Bügelbrett, verwahrt werden kann. Ueber dem Heizkörper sind noch Hand- und Gefchirrtuchtrocknsr montiert. M«S ist yhn«, viel Bewegung mit einem Handgriff erreichbar, «in ideales Arbeitsfeld für die,soiB«nde.Hausfrau, di« in einer solchen Werkstatt, wohl Lust und Liebe zu ihrem Tagwerk und dabei Zeit-zur Kindererziehung und zu geistiger Betätigung finden-kann. i Dienst am Mieter Dieses durch kapitalistische Reklame.viel mißbrauchte Schlagwort Hal indem Neubau noch durch manche andere Einrichtung seinen wahrhaften Ausdruck gefunden. Im Souterrain be«- findet sich ein Bad für di« im Parterre untergebrachten Junggcsellenwyhnungev.. Ein.Haustelephon verbindet die Wohnungen mit Hausbesorger und Waschküche. Durch eine in allem Wohnungen eingerichtete Alarmanlage kann in' Fällen von Gefahr der Hausbesorger alarmiertwerden. Ein Telephonautomat mit Zelle sowi^ Lift stehen den Parteien zur Verfügung. All« diese Errungenschaften— und daS verdient besonders hervorgehoben zu werden— sind einem Klei n- wohnungshauS dienstbar gemacht worden,- das hauptsächlich aus ein- und zweizimmerigen Wohnungen besteht. Die Wohnungen wurden 3 Monate vor Bezug gründlich auSgeherzt, um den Mieter und sein Mobilar vor den bekannten Schäden der Neubau-Feuchtigkeit zu bewahren. Freilich-konnten b«i der ZinSbemeffung- ds« bekannte-teueren Prager Mietpreise nicht umgan-- gen werden, aber das Große an der Leistung ist," daß der Profit, der so den privaten Bauherrn für minderwertige Wohnungen zufallen ivürde, dazu verwendet worden ist, um den Hausbewohnern alle Errungenschaften der modernsten Wohnkultur zugänglich zu machen. Der BolkSwohnüngS- verein hat damit ein Standardwerk gemeinnützi-. ger Bautätigkeit geschaffen. Es ist«ine Pionierleistung in dem Ringen um höher« Wohnkultur und wird in besseren Zeitläuften manchen ge-, meinnützigen Bauherrn als Vorbild und Ansporn dienen. Wenn uns in den engen Sied--' lungsverhältnissen unseres GehieteS vorläufig die. Möglichkeit großzügigen sozialen Schaffens versagt ist, wie es, die Wiener Gemeindeverwaltung darbietet, so ist dieses Haus dennoch ein erfreulicher Beweis, daß die-Wiener Bautätigkeit mächtig ausstrahlend und anregend zu uns her-' über wirkt. Die Feuerversicherung vollzog die Allgemeine Versicherung»« Gesellschaft PHÖNIX 4 in Wien, Direktion für die Öeehoslo-. vakische Republik in Prag II., RevoluSni 20. Telefon Nr. 60010, 60261, 60733.' „Sozialdemokrat" Nr. 76 n &■^4 1 Alle Arten von für J. Koch 1616 ZENTRALHEIZUNGEN SANITÄREN ANLAGEN WARMWASSERBEREITUNGEN I Holz, das den Lichteinfall stört, wohltuend^ Unterbrechung"der großen, in"gelbem Edelputz ausgeführten Fassaden fläche. Der Bau zeigt Gegenwartscharakter, sieht aber gleichzeitig in die Zukunft höherer Wohnkultur in kommender, besserer Zeit, die frei von wirtschaftlicher Not, elektrotechn scbe Autzügeiabrik Prag XI., ' L. p. 238. Postfach r Praha XI-, 78 ; Telefon 538-85. i5oo Krankenhäuser, Sanatorien, Kuranstalten, Bäder, Schulen, Villen, Wohnhäuser etc. jeden Umtanges werden fachmännisch und solid ausgeführt von der auf diesem Gebiet besteingeführten Firma KOMM.-GES. Prag II., Klimentska 7 a Telephon 601-71, 652-04 Erstklassige Referenzen. Verlanget Ingenieurbesuch. Elektrische Personell- und Leslenaulziiqe liefert in solider Ausführung die Firma Werk»»d Mitarbeiter. Einige anerkennende Worte gebühren auch den Bereinsftinktionärcn und Mitarbeitern, die am Gelingen des Werkes Anteil haben: Das Projekt— es zeigt den Fachmann, auf dem Gebiete genossenschaftlichen Kleinwohnungsbauens— stammt von Herrn Arch, Adolf F o e h r. Diesem war auch die Bauaufsicht und Leitung anvertraut, ihm zur Seite stand Herr Baumeister Rolf S ch i ck e t a n z, der mit Fleiß und Energie seine Aufgabe löste. Die WohnungS- typc. die durch Einfügung einer Kochnische der bisher üblichen Einzimmer-Wohnung zwei vollwertige Wohnrämne gibt— ein« Neuheit auf dem Gebiete des Kleinwohnungsbaus hierzulande— entstammt einer Idee des Vorstands- und Bau- komitee-MitgliedeS Arch. Hildebrand. DaS Baukomitee, bestehend aus fünf Mitgliedern deS Vorstandes, vertrat die Interessen deS Prager Vslkswohnungsvereines als Bauherr mit jenem Verantwortungsgefühl und jener Gewissenhaftig- keit, wie es die Verwaltung freucher Gelder, wie es gemeinnütziges Bauen erheischt. Die einzelnen Lieferungen wurden im Offertverfahren vergeben. Nicht immer war hiebei der Preis der erstmaligen Herstellungskosten ausschlaggebend, eS wurde vielmehr Qualität und Dauerhaftigkeit bei schönem Aussehen und guter Wiickung, bei kleinstem Auf- M W -M Genosse Josef Roh«, Geschäftsführer deS Prager Volkswohnungsheimes. und LÜFTUNGEN EMIL STÖHR wände angestrebt. Billige Lieferungen bedingen meistens allzu früh« Ausbeflerungs- und Echal- tungSacheiten, di«, auf die Dauer kostspielig, daher unwirtschaftlich sind. Ban den vielen Verhandlungen mir den Lieferanten sei jene mit den Prager städtischen Unternehmungen hervorgehoben. An der Spitze dieser Unternehmungen steht Herr Direktor Jng. B 8 siftsk Wir wünschten, daß alle staatlichen und kommunalen.Erwerbsurfternehmungen über ein« derartig cmaktfizierte Leitung verfügten. Um vieles besser stünde eS dann um Budget und Bilanz, F- Beim Abschiede werfen wir nochmals einen Blick auf das mächtige Gebäude. Breite Fenster mit tvenig Holz, das den Lichteinfall stört, zieren die Fronten. Dunkelgelbe Srms« sorgen für wohltuende Unterbrechung der großen, in gelbem Edelputz ausgeführten Fassaden fläche. Der Bau zeigt Gegenwartscharakter, sieht aber gleichzeitig iw die Zukunft höherer Wohnkultur in kommender, besserer Zeit, die frei von wirtschaftlicher Not, mit der uns d«r untergehende Kapitalismus heute noch pritscht. Wir sehen ein Werk neuzeitlicher Baukunst vor uns, daS sich durch Sachlichkeit und größte Einfachheit, Hygiene und Wirtschaftlichkeit aus- zeichnet,, Prag avancierte von einer Provinzstadt zur Hauptstadt. Der große Borsprung ausländischer Hauptstädte im modernen Wohnbau scheint durch diesen Bau wenigstens teilweise eingeholt. Ungehemmt durch Vorurteil«, fanden moderne technische Erkenntnisse und Errungenschaften größte Berücksichtigung, denn auch für^dcn gc- memnützigen Bauherrn gilt das Wort: Stillstand, bedeutet Rückschritt. W hvaienisdie Wohnhaus. Motto: Das tägliche Bad sich so angenehm wir möglich zu gestalten, ist gewiß der entschuldbarste Luxus, der sich denken läßt In wenigen Tagen wird in Holeöovü „11 Vozovky" das modernste Wohnhaus Prags (Projektant und Bauleitung Arch. Baurat A. Foehr) seiner Bestimmung übergeben. Das HauS wurde mit den neuesten Errungenschaften auf technischem Gebiete auögestattet un^ größtes Augenmerk der sanitären Anlage zugewandt. Das Haus mit feinen 71 größtenteils Ein- und Zweizimmerwohnungen besitzt eine zentrale Warmwasserversorgung, welche den Wohnungsinhabern gestattet, zu jeder TageS- und Nachtzeit genau so wie kaltes Waffer so auch warmes Wasser zapfen zu können, wobei jedwede Manipulation an Elektro- oder Gasautomaten entfällt. Natürlich bleiben Unannehmlichkeiten, hervorgerufen durch Reparaturen oder, durch Reinigen Dieser Apparate erspart. Eine wesentliche Rolle spielt s auch bei Entfall dieser Gasautomaten oder Oeftn der dadurch gewonnene Platz. Jede Wohnung besitzt ein Badezimmer, welches mit einer gußeisernen, innen weiß emailierten, eingebauten, resp. seitlich verfliesten Wanne, einem Waschtisch und einem Bidet ausgestattet ist. In dey^Küchen ist je ein zweiteiliger Fayencespültisch mit Einlage-. rosten, sowie.mit seitlich angebrachtem, aufflopp-- barem Hartholztropfbrett montiert. Jeder der vorangeführten Apparate ist mit soliden» messingene«^ vernickelten„Thiergärtner-Armaturen" aus-> gerüstet und sowohl mit Kalt- als auch nut Warmwasser versehen. Bei der Wann« ist außerdem eine Handbrause, mit messing-vernickel- tem Spiralschlauch montiert und für Seifenablag:' ein Fayence-Kästchen i« die verflieste Wand über der Wanne eingebaut. Jede Wohnung besitzt einen Warrnwafsermesssr zur Registrierung der verbrauchten Warmwassermenge. Rach dieser Methode bezahlt di« Wohnpartei Warmwasser gc-' nau entsprechend dem Bedarf. Es zst sowohl, die Warmwaffer- als auch Kaltwasserleitung absperr« bar».um bei vorübergehender Nichtbenützung der Wohnung, durch Entleerung der Leitung eventuell entstandenen Schäden Vorbeugen zu können. Um bei Auswechslung von Dichtungen oder Ersatzteil«« der Armaturen an den Apparaten nicht di« Was-' serversorgung der ganzen Wohnung ausschalten zu müssen, ist Vorsorge getroffen, daß auch jeder Einrichtungsgegenstand nochmals, separat außer Betrieb gesetzt werden kann. Um>as unangenehme Aufwischen des nach dem Baden am Fußboden sich sammelnden Wassers zu vermeiden, ist ^ine Fußbodenentwäsferung mit vernickeltem Ein- laufseiher,voogefrh«n..Die Waschtische stellen ein<^7 qanz neue, zweckentsprechende Type dar und sind freistehend vor der Wand montiert, um jedwedes Ansammeln von Schmutz zu vermeiden und ein leichtes Reinigen zu ermöglichen, wie auch überhaupt bei sämtlichen Apparaten auf bequeme Zugänglichkeit und Reinigungsmöglichkit Rücksicht genommen wurde. Eine besondere Beachtung in dieser Hinsicht verdienen di« formschönen, musterhaft in die Berfliesung eingeordneten Badebatterien. Die Aufwärmung des Wassers geschieht in vier voneinander unabhängig, oder gemeinsam in Betrieb zu nehmenden Boilern, welche durch Ferndampf vom Prager Elektrizitätswerk beheizt werden.•‘ Die Verlegung der gesamten Rohrleitungen erfolgte durchwegs in Mauerschlitzen, tadellos gegen Schall- und Wärmeabgabe isoliert. Es stellt di« cintvandfrei« und bis ins kleinste Detail durchdachte Rohrmontagc ein Musterstück sorgfältiger, auf. jahrzehntelanger Erfahrung aufgebauter Werkmannsarbeit dar.' Di« ganze Anlage, wie vorerwähnt, ist.in kürzester Zeit einwandfrei und musterhaft von der Firma Emil Stöhr, Kommanditgesellschaft, Prag H., Klimentska 7a, zur vollsten Zufriedenheit des Bauherrn durchgeführt worden. J.W. SWachstromeinMtukigen in Den zinshiiuskrn vom„Bolkswohnungsverein." ' Im Parterre befinden sich Briefkästen, welche mit Telefonapparaten ausgerüstet sind, die den Verkehr zu den einzelnen Wohnungen gestatten. Jede Wohnung hat ihr eigenes Briefkastensach, bei welchem auch ein Taster angebracht ist. DaS Fach ist mit einem Hahnschloß ausgestattet. Eine Einrichtung umfaßt zirka 20 Briefkästen. Bon dem Telefonapparat in der Wohnung kann außer mit dem Briefkasten auch jederzeit mit dem Hausmeister und der Waschküche gesprochen werden. Eine Verbindung einzelner Wohnungen untereinander.ist über Wunsch in einfachster Art möglich und liegt ein besonderer Vorteil.darin, daß befreundete Parteien dadurch eine Haus- telefoNverbindung besitzen. Außerdem ift jede Eingangstür der Wohnungen mit Alarmkontakt ausgerüstet. Bei Abwesenheit eines Mieters z. B.(Urlaub usw.) kann dieser Alarmkontakt eingeschaltet werden und zeigt dann dem Hausmeister unbefugtes Betreten der Wohnung am Vorstehende Anlagen sind von einer besonderen Akkumulatorenbatterie mit Strom versorgt, Diese Batterie wird vollkommen automatisch vom Starkstromnetz aus aufaeladen. Alle Apparate find neuester. jtonstruktion, teils aus Metall, teils aus spezieller Isolation^ mässe hergestellt. ConttUfl, 27. März 193? NI T R 1506 A K 1512 Anton Fischer // 1522 // PRAG II., Hybernskä 12 Leichtbaumaterial ♦ Steinholz-Fußböden ♦ Isolierungen lill < WIR BAUEN: 1321 1514 II Smil 3(lmgenslein Prag XI., palackdho tr.11 Zentralheizungen W asserr einig ungen Lufttechnische Anlagen Telephon: 20987,32595. HEIZUNGSANLAGEN UND APPAR ATE-BAU- A.G. PROTOS-ELEKTR. HEIZ- UND KOCHGERÄTE WASCHMASCHINEN STAUBSAUGER UND EUSSBODENBÜRST E N IM Ing. Gröger, Hewerka u. Co. V Prag-Bubenec, Cechova 15. 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Die Verwendungsmöglichkeit ist vielseitig: Geschirre, Konserven, Verpackungen, Apparate, Knöpfe, Bauzwecke, Möbel, Behälter, Kessel etc. etc. Die inländische Blechindustrie ist gerüstet, auch den höchstgestellten Ansprüchen nachzukommen und scheut keipe Mühe und kein Opfer, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, in der festen Überzeugung, daß Stahlblech das Material der Zukunft MW Bau- und Kunstklempfneral vollführt alle Bauarbeiten.— Erzeugung von Kupferwaren. . Spezialerzeugung vo£ Kaminen nnd Windfangern.— Dachfenster. Fallschirme. Badewannen. Auf Verlangen Berechnungen. PRAG XI., Kräsovä ul. 12. Telefon 336 94 1629 Telefon 336.94 o Unveränderliche Pyroxylinanstriche, Kunstarbeiten, Schleiflack und Pati- nierte Anstriche, Schrift- und Holz malerei, Transparente. Prag IVI Duskova 13. Smichov Telefon 4LL-3V laclcieransdold 1505 Rr. 78 «mnttag, 97. Mir, 1939 Seite 7 Eine Arbeiterfamilie berfditel über die Sowjelunion Desadi bei einem RaOiand-ncimKchrer. In das fuL-böhmssrhe Dors S lad Le im Bezirk« B.-Krumau ist vor wenigen Wochen der Arbeiter Franz U l l m a n n nach sechzehnjähriger Abwesenheit aus Rußland heimgekehrt. Ullmann lebte also in der Sowjetunion, seit deren Bestände. In Kiew, einer Stadt mit 500.000 Einwohnern, war er jahrelang als Vorarbeiter in einem Elektrizitätswerk tätig. Ms solcher ging es chm nach seiner eigenen Aussage nicht am schlechtesten; es fehlte ihm nur ein Rang bis zur Kategorie der Techniker, die im Sowjetstaat bekanntlich eine bevorzugte Stellung einnehmen. Gegeirwärtig sitzt der Mann mit seiner Familie beseh äftigungs- los- in seinem verlassenen Heimatsdorf. Mit dem Beginn der Bautätigkeit wird er, falls er eine Arbeitsstelle findet, wieder auf seinen ursprünglichen Beruf zurückgveifen und als Maurer für die Bedürfnisse seiner Familie sorgen müsien.. In Begleitung eines hier bekannten tschechischen Genossen aus B.-Krumau besuchte ich Ullmann in seinem Heimatsdorf. Das von ihm bewohnte Haus am Eingang des Dorfes gehört schon zu den nrinderwertigsten seiner Art. Ueber einen sanften Hügel gelangt man zur Haustür und betritt ein Vorhaus, rn dem allerlei Wirtschaftsgeräte«inen Platz gefunden haben., Von da führt eine Tür in den Raum, der, wie das auf den Dörfern noch sehr häufig Wich ist, Küche, Wohnraum und Schlafstube zugleich darstellt. Ein großgewachsener Mann kam uns entgegen und begrüßte uns in freundlicher Weise. An di« Begrüßung mischten sich auch fremde Laute. Ullmann hat in Rußland geheiratet und nun seine Frau mitgebracht, die uns in der Sprache ihres weiten Heimatlandes ebenfalls willkommen bieß. Auf den Armen trug sie ein Kind, das, erst ein halbes Jahr alt, schon die große Reise von Kiew hierher mitgemacht hat. Die dickwangige Kleine blickte uns aus hellen Guckauyen furchtlos art und schaute auch nicht zurück, wenn man während der Unterhaltung nut ihrem Vater Anbandelungsversuche mit ihr machte. Me allgemeine GOternol und Ihre Auswirkungen. Während der Unterhaltung zeigte sich Ullmann als ein rntelligenter Arbeiter, tvr auch über seinen näheren Umkreis hinaussehen und Auskunft über die Lebensverhältnisse fast aller Gebiete Rußlands geben konnte. Vor allem äußerte er sich sachlich und ohne persönlichen Groll gegen das Sowjetsystem, wie«r überhaupt von seinen persönlichen Geschicken sehr wenig mit- tgilte. Mit Rücksicht darauf, daß erst vor mrzem im Blatte, die Schildcrung eincs Rußiandarbciters über die dortigen Lebensverhältnisse erschien, können viele Einzelheiten aus Ullmanns Erzählung Wegbleibefl. Sie decken sich mit dem, was in dem erwähnten Artikel mitgeteslt wurde. DaS trifft zunächst in bezug auf die Angaben über dre einzelnen Arbeiterkategorien und die Versorgungswirtschaft zu. Auf den Rationskarten stehen gewöhnlich Pier Waren, zwei Lebensmittelgattungen und zwei sonstige Verbrauchsgüter. Doch, so meinte Ullmann, wäve es falsch, den Lebensstandard der russischen Arbeiter nach ^er auf diesen Karten ausgesprochenen Anspruchsberechtigung zu beurteilen. In mehr als dcr Hälfte der Fälle wird dem die Waren verlan genden Arbeiter in den staatlichen Konsumvereinen die Antwort zuteil:„Das ist nicht!" Für die Charakteristik des vielgerühmten „freiwilligen Wettbewerbes" zur Durchsetzung des Fünfjahrplanes erscheint mir folgendes aus den Mitteilungen Ullmanns bedeutsam. Fett und Butter sind nur im sogenannten Arsenal erhältlich. Allerdings da nm für bolschewistische Funktionäre und solche Arbeiter, welche eine„üdarnaja karteska”, eine Bescheinigung über verdienswoll« und. beispielgebende Arbeitsleistung im Zuge des Fünfjahrplanes vor- weisen können. Es scheint also— das war besonders einer Schilderung von Ullmanns Frau zu entnehmen— das treibende Motiv beim„freiwilligen Wettbewerb" vor allem die Aussicht auf den materiellen Vorteil zu. sein. Bei der Warennot Rußlands ist das durchaus verständlich! Besser als der allgemeine Durchschnitt stehen sich in dcr Lebensmittelversorgung die großen Industriezentren. Für dies« gibt es die sogenannte Zentral Versorgung, was PraktiDh mehr und bessere Lobensmittel bedeutet. Ti« staa tl ichen K o n sumv e re i nc beschränken sich immer mehr nur auf die Vermittlung der auf den Rationskarten zugesprochenen Waren. Schuhe und Textilien müssen am freien Markt zu bekanntlich erhöhten Preisen erworben werden. Es wurden nun in den einzelnen Stödten Verkaufsstellen eingerichtet, welche sich nach den Preisen des freien Handels richten, obwohl sie auch nichts anderes als staatliche Genossenschaften sind. Der Zweck dieser Einrichtungen ist, demSowjetstaat höhere Einnah- meuzu sichern. Die Sowjetbehörden durchbrechen auf dies« Weis« selbst die für die Konsumvereine festgesetzten Preise. Die W a r e n n o t bringt nicht nur mit sich, daß die Menschen darben müssen, sie zwingt sie bekanntlich auch zum stundenlangen Anstellen und schließlich blüht gegenwärtig in Rußland ein lebhafter Kleinhandel. Ist eS einem Arbeiter einmal geglückt, ein Kilogramm Butter z. B. zu erwerben, so wird er in den meisten Fällen zum Krämer. Er begibt sich damit auf öffentliche Verkaufsplätze, um aus dem Erlös für die Butter billiger« Waren, Brot und Mehl, zu kaufen. Der wöchenÄich« Erholungstag wird unter diesen Umständen zumeist der Jagd auf. Lebensmittel und Gebrauchsgüter gewidmet, wodurch seine eigentlich« Bestimmung hinfällig wird. Da beginnen die Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben. Der Begriff des Vergnügens urrd der Erholung, so erzählte Ullmann, wird immer unbekannter. Mangel an Zeit ertötet den Sinn dafür. Nach der Arbeitszeit und der Hetzjagd durch Lis Kon- fumvereine sucht der Arbeiter Zuflucht iw Kresse leiner Familie und so kommt er, daß sich die nach der Revolution überall errichteten Arbeiterklubs leeren und fast nur mehr der Treffort der Jungkommunisten sind. Im gleichen Maße läßt das Leben auf den Sportplätzen nach, denn die schlecht ernährten Arbeiter, auch die jungen Leuten haben nicht die nötige Spannkraft für regelmäßige körperliche Hebungen. Gerade diese Auswirkungen des Sowjetshstems sind äußerst'ernster Natur, zeigen sie doch auf, daß die russischen Arbeitermassen unter den gegenwärtig besteherwen Verhältnissen nicht einmal die nicht zn leugnenden kulturellen Errungenschaften der Revolution ausnützen können. Zum F ü n f j a h r p la n meinte Ullmann, : daß mit viel Planlosigkeit an seiner Durchsetzung gearbeitet wurde. So verwies er z. B. darauf, daß die Kohlenzufuhr zu dem Elektrizitätswerk, in dem er arbeitete, nicht ausreichte. Tas hatte vor allem s«ine Ursache in dem Versagen des Transportwesens. Man behalf sich nun damit, daß man mit Torf heizte/ Allerdings machte das in ganz kurzen Zeitabständen die Reinigung der Kessel notwendig und die Folge waren fortwährende Stockungen im Betrieb. "Anerkennend lauteten die Neußerungen über das neue Gesundheitswesen. In jedem Rahon bestehen Polykliniken, wo den Arbeitern und ihren Familien in der Zeit von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends kostenlose ärztliche Beratung und Behandlung zusteht. Es besteht die Einteiluna, daß am Vormittag Kinder und Frauen, am Nachmittag ausschließlich die Arbeiter aus den Betrieben zugelassen werden. Zum Schluffe noch folgende Fälle aus den Angaben von Ullmanns Frau über den nor- »nalen Verlauf der Einkäufe/ Sie kaufte in einer der. oben erlvähnten Verkaufsstelle Stoff für eine schwarze Jacke, den Meter um 50 Rubel(1 Rubel ist gleich 16 K). Dor allem mußte sie«inen„Avans", einen Vorschuß leisten. Dann war es notwendig, einige Tage hindurch in der Verkaufsstelle nachzufragen, bis sie den Stoff tatsächlich ausgefolgt bekam. Das Futter für die Jacke wurde ihr als„Seide" mit 15 Rubel per Meter berechnet. Das Macherlohn eingerechnet, kam die Jacke auf fast 200 Rubel zu stehen. Wenn man ihren Wert mit 200 X angib:, so ist er sehr hoch einqeschätzt. Ein anderesmal kaufte sie Schuhe für ihren Mann. Um 10 Uhr wurde der Verkauf eröffnet, aber die Frau stand schon seit fünf Uhr früh in der Reihe, um bestimmt«in Paar Schuhe zu erhaschen. Ahtallsersdieinuniten? Mehr als die Mitteilungen Ullmanns interessierte mich die Haltung seirrer Frau. Der Manu urteilte ja doch nach westeuropäischen Maßstäben, während sich in dieser die Auswirkung der Sowjetentwicklung auf den russischen Mensch«" verkörperte. Allenfalls waren ihre Aeugerungen für die Beurteilung der Beziehung zwischen Menschen und Sowjetsystem ausschlaggebender. Die bei den Russen immer wieder betonte größere Erduldungsfähigkcit traf auch bei ihr zu. Sie war in ihrer Beurteilung viel milder, und öfter sprach sie während der Darstellungen Ullmanns abschwächend dazwischen. Es mußte ihr äußerst schwer gefallen jein, ihrem Manne nach dessen Heimat zu folgen und sic machte gar kein Hehl daraus, daß sie sofort wieder zurückfahren möchte. Als ich gar mehr scherzhaft als ernst bemerkt«,. mir Rußland auch einmal gründlich 'ansehen zu wollen, da leuchteten ihre Augen auf und in rascher Folge zählte sie aus, wo überall ÄrbeitSgelege>chert wäre. Und äls sie aus den: geheimsten Winkel des Schrankes einen Rubel hervorgeholt hatte und wir ihm mit Interesse besichtigten, da strahlte ihr Gesicht vor Stolz. In diesem Augenblick erinnerte nichts in ihrem Gesicht« an die trüben Tage, wo siefftundemang um einen Liter Petroleum in der Reihe stand. Letzten Endes dürste eS nur die Mutterliebe gewesen sein, die ihr befahl, von Kiew zu gehen, denn als wir über die Kindersrage sprachen, äußert« sie sich folgende„Solange si«(die Kinder) klein sind, geht eS ja,.(die Kinder beziehen die Weiche Lebensmittelration wie die Frauen), es fällt zunächst auch etwas für die Eltern ab, wer- Genofscnl«Senosfinnenl - Jo Rter iüenteMBetiammtunu, ItOer Gewerkschafttversammlunu. leixr Genossenschafts veriammlunq. Jeter Wählerversammluns, i eter Frauenversammlung, eter volitischen Versammlung, Jeter Versammlung oder Sitzung einer proletarischen Organisation soll» Ihr für die MIM* Mitt intensivste Werbearbeit leisten den sie aber größer, so wird es schwer, sie durchzufüttern." Vom gesellschaftlichen Leben drüben schien sie jedoch losgelöst. Zu den Veranstaltungen in den Arbeiterklubs bemerkte sie kurz, daß sie-chas Theater schon lange nicht- mchr mitgespiclt" habe. Das ssts auch wenn nur ein noch Keiner Teil dqz russischen Arbeiter so denken sollte, insofern ein» ernste Erscheinung, als dadurch dargetan wird, daß kulturelle Erruirgenschaften der Revolution nicht ins Massenwollen übergehen könnten. Man müßte sich allerdings durch längeren Augenschein in der Sowjetunion selbst davon überzeugen können, ob das allein die Folge der gegenwärtigen kargen Lebensverhältnisse fft, oder ob es zum Teil auch in der Handhabung der Bildungs- und Erholungseinrichtungen seine Begründung findet. Weiters sind derartige Aeußcrungen auch deshalb sehr bedenklich, weil unter solchen Umständen das Aufbauwerk im Sowjetstaat nicht mehr als Sache der russischen Arbeitermassen«»gesprochen werden könnte. Damit kommt man zu einigen grundsätzlichen Erwägungen. Vie große Belastungsprobe. Wenn man in Diskussionen mit unbedingten Rußlandanhängern feststellt, daß all« Aufbaubemühungen noch nicht in die soziale Befreiung der russischen Arbeitermassen umgeschlagen haben, bekommt man immer wieder die Antwort, datz sich das mit der Steigerung dcr Produktivkräfte von selbst ainstellen werde.. Eine Erhöhung der Produktivkräfte im kapitalistischen System bedeutet aber größere Ver- clerrdung der Arbeiterschaft. Gegen diese Ansicht ist theoretisch nichts einzuwenden. In der Praxis aber scheinen die russischen Machthaber den für jede f oktale Gesellschaftsgestaltung wichtigsten Faktor, den Menschen, nicht hoch genug einzuschätzen. Gegen die Jn-Aussichtstelluna einer eintretenden Verbesserung der Lebensverhältnisse hat man im Zeichen des ersten Fünsjahrplanes von den Völkermassen des Sowjefftaates die größten Opfer gefordert. Man tut cs im zweiten Jüns- jahresplan wieder, ohne den ersten Wechsel einlösen zu können. Bei allem Verständnis für gewisse zwangsläufige Maßnahmen der sowjetisti- schen Machthaber kann nicht übersehen werden, daß sich di« Entwicklung der tätigen Mitgestaltung der Arbeiterinassen zu entziehen anschickt, wenn sich nicht bald wirklich soziale Auswirkungen einstellen. Unter diesem Gesichtspunkt spitzt sich tzegen- tvärtig alles Erträgen über die fernere Gestaltung der Sowjetverhältnisse auf di« Frage zu, tvielange die BAkermassen der Union diese Belasturrgsprodo noch ertragen können. Wir jedenfalls wünschen, daß sie es über all- Aufbaulchwierigkeiten hinweg imstande sind! W, W. Revolutioiiöre Demokratie. I« einer Marxsche« Staate»«ad Rechtelehre. Bon Defiber Hort. Karl Renners ebenso geistvolle wie mahnend« Worte: Marxens Buchstaben gelten heute nicht wie am ersten Tag— d. h. nicht zitiert« Buchstaben, sondern di« Art und Weise/ über das Sozial« zu denken, es gestalten zn wollen, erhebt einen Gedanken,«ine Schrift, eine Bewegung in di« marxistisch.sozialsstisch« Höhe—, können vor allem auf die Staats, und Rechtstheori« des Marxismus angewendet werden. Heute gibt uns nicht der Marxsche Buchstabe, nur der Malisch« Geist:.di« Marxsche Methode der Wahrheits- und Wissenssuche, Antwort auf die Frag«, was heißt Staat und Recht, was Demokratie und Revolution. * Auf die„Produktion" der Güter, auf di« Art und Acts«, wie di« Naturstoffe in Nahrungsmittel und ander« Verbrauchs« und Gebrauchsmittel umge- wandelt werden, erhebt sich überall, auch im primi- twstcn Gemeinwesen, eine„rechtlich-politische Organisation", di« die gültige Ordnung nach innen und nach außen'aufrechterhält: ein System der Rechts- normen, die Verhaltungsregeln für sozial-wichtige Handlungen und Unterlassungen vorschreiben, und ein« die Rechtsordnung' garantierend«,„öffentlich« Mdcht", deren Organe gegen„Zuwiderhandelnde" einschreiten. Dies: die Rechtsordnung und die sie aufrechterhaltend: Machtapparatur sst der Staat. Tie öffentliche Machtapparatur(oder ZwangS- institütion) zur Sicherung' der. jeweilig gültigen Rechtsordnung ist aber in der ganzen„Vorgeschichte der Gesellschaft"*)«ine klassengesellschaftlich«: nicht da» ideale, allen gemeinsam«, man möchte sagen gerechte Recht, nur das„Recht" der jeweiligen herrschenden Klasse, daS immer«in„Recht" der Enirech- *) Zitat« ohne nähere Angaben sind von Marx. tung und Unterdrückung der breiten arbeitenden Massen ist, wird durch rohe Gewalt und„allerlei Kniffe"(wie bereits der edle Thomas Morus weiß) gesichert.-■.- Dieser klassen-,.gesellschaftliche Zustand" des Herrschaftsrechtes und deS Herrschaftsstaates führt zu einem immer schärferen Gegensatz« zwischen Arbeit und Eigentum— auch in dem Klassenstaat, wo bereits daS gültig« Recht kein« persönlich« Knechtschaft kennt: im kapitalistischen Staate: wo der Arbeiter (wenn er Arbeit findet) den gesellschaftlich-gültigen Wert seiner Arbeitskraft im Lohn erhält; wo aber ,di« gesamte Arbeitskraft ebenso umsonst einer privilegierten Schicht— ,-der Eignerin der Produk- ticnSmittel"— arbeitet, wie in«der sklavisch-feudalistischen Epoche. Ja, das„technisch-ökonomisch" hervorgebracht«,„rechtlich-politisch" aber der herrschenden Klasse zugewiesene Mehrprodukt(oder Mehrwert) ist im Kapitalismus bedeutend größer als. in früheren Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen, wo di« Technik noch nicht entfaltet und daher auch die Produktivität der gesellschaftlichen Arbeit nicht so hochstehend war. Kurz: auch der Kapitalismus ist eine Form der Arbeitsknechtschaft; auch die kapitalistische Arbeitsknechtschaft wird durch ein« Rechtsordnung aufrechterhalten, welch: eine entsprechet« Gewaltapparatnr garantiert. Was dennoch di« kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und damit di« kapitalistische Form der Arbeitsknechtschaft von früheren, den sklavischen cder feudalistischen, unterscheidet, dar ist die freie Organisations- und Erziehungsmöglichkeit deS MassemvillenS: di« Möglichkeit, daß di« arbeitenden Massen sich ihres Schicksals richtig bewußt werden und ihren Willen zur Aenderung ihres Schicksals «insetzen können. Denn dies vom Proletariat in langen Kämpfen errungene Recht der bewußten Umgestaltung der sozialen Verhältnisse, das Recht des Kämpfen-Kön- nens nm ein wahrhaftes Recht, das kein arbeitk- loses Einkommen mehr garantiert, heißt Demokratie. Diese Demokratie ist heute in Deutschland, und damit in Europa, in höchster Gefahr. Was im allgemeinen„Gesellschaft" genannt wird, daS ist letzten Endes nichts andere! als rin G e s a m t w i l l« n, d. h. die Tatsache, daß die einzelnen sich in ihrem Tun und Lassen nicht nach persönlicher Willkür, sondern nach einem überpersönlichen Willen, eben dem Willen der Gesellschaft zu richten haben. Wo Gesellschaft ist, dort ist Bindung, dopt ist Gesellschafts-Will«. Die politische Technik, diesen Geiell- schafts-Willen zu schaffen und damit dem Verhalten der einzelnen Richtung zu geben, ist durch den Ge- samtstil-er Gesellschaft bestimmt. In einem„genossenschaftlichen Ur- und Frühstaat"(Fritz Kern) entscheidet die Gesamtheit in ursprünglich-unmittelbarer Demokratie über ihr Schicksal. Im„Herrenstaat des Eroberertums" gebietet und verbietet«ine schmale bewaffnete, herr- scheud« Schicht; die mehr oder weniger besitz- und rächtlos Arbeitenden haben nur zu gehorchen. Das Gcwaltzeitaltcr kennt nur eine politische Technik: die schrankenlos« Willkür der Gewalthaber. Der absolut« Monarch— dies erste Kapitel wieder werdenden Rechtes— räumt seinen Verbündeten, Handwerk und Handel treibenden Körperschaften(dritter Stand!), politische, d. h. Gesamtwillen gestaltende Rechtes ein: gegen Steuer leistet er mit seinem stehenden Heer gegen feudale Willkür Rechtsschutz! Der modern« Staat ist im Keime vorhanden. Mit dem„citoyen actif"; dem in einer gewissen Höhe Steuer zahlenden Bürger erscheint der Zensus: nicht nur ererblicher Adel, auch erworbener cder ererbter Reichtum wird zu einem Faktor, der politisches Gesamtschicksal mitgestaltet. Die absolute Monarchie von Louis VIX. wird zur Zensusmonarchie(mon- archie censitaire; Henry S«e) des Bürgerkönigs. Das Proletariat bricht den Zensus, die politisch« Macht deS Besitzes. All« sind gleichberechtigt, an dem Gestalten des Ge-amtwillens teilzunehmen, Vertreter in gesetzgebende Körperschaften zu wählen, die Verwaltung der Gesetze zu kontrollieren. Damit aber, da di« überwiegend: Mehrheit besitzlos ist, wir- ,ch«r Nichtbesitzende zum Gesetzgeber der Besitzenden"(Marx, Iudensrage); wird die Klasse„in den Besitz der politischen Macht gesetzt", LebenSinteresse die Abschaffung des wirtschaftlichen Privilegs,„die Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft"(Marx, Klassenkämpfe in Frankreich) vrr- langt. Der Rest ist Erziehungsfrage. Tenn Demokratie ist nicht bloß ihr letztes Wort: allgemeines Wahlrecht. Sie ist auch di« Pflicht, richtig zu wählen, vertretend« Gesetzgeber und Verwalter, richtig— klassenmäßig—' kontrollieren zu wollen. Sie sst die frei« Möglichkeit, Menschen— auch(und darauf kommt«S an!) di« Besitzlosen— zu bewußten und aktiven Mitgliedern ihrer Klasse zu erziehen. « Kurz: Maschinenzeit ist Zeit werdender Demokratie. Eine Gesellschaft, bereu Arbeit in zunehmendem Maße Natnrkräfte verrichten, denkt immer mehr— auch quantitativ, was die Zahl der Denkenden an^ belangt. Es ist nur selbstverständlich, daß die zunehmende Mehrheit dieser immer mehr Denkenden di« Gesellschaft ihrem Interesse gemäß umzugestalten; daß st«, richtig aufgeklärt, daS Besttzprivileg abzubauen und auf solche Weise di« Grundlage einer gerechteren nnd freieren Gesellschaftsordnung zu errichten sucht. Wo diese Sehnsucht durch Massenwillen und -organisation in die Phase ihrer Verwirklichung tnkt; Wo, mit anderen Worten, denkende und aktiv« Massen ihren Willen, daS Besitzprivileg abzubauen, durchzusrhen vermögen, dort beginnt die revolutionäre Epoche der Demokratie. Wir haben in Deutschland diese Phase erreicht. Darum will di« Bourgeoisie, in ihrer Babanqu«- Stimmung, die Demokratie— koste eS. was es wolle — vernichten. Darum gilt es aber für uns, dicneuen Besitzlosen, den proletarisierttzw Mittel- stand, aufzuklären; di« Demokratie auch für sie, wenn auch vorläufig noch gegen sie, verteidigen zn wollen. Denn gelingt es uns, den Angriff der Verzweiflung und der sozialen Bewußtlosigkeit dieser Massen abzuwehren, sie ihrer Klassenlage gemäß aufzuklären, dann wird hinter dem Trommler Hitler bald„nach einem anderen Rhythmus"(E. Nölting) Schritt gefaßt werden. Sehe 8. Sonntag, 27. März 1882 3h. 75 Die HinridituDD ties Bauernliilm Kozina. Wie die freien Chodenbauern zu Leibeigenen wurden. Telephonänderung unserer Prager Zentralredaktion: NaAlredaklion m 21 mr) neu: 338-58 (früher 267-07) bei Tag unverändert: 267-95, 314-69 Kurhaus„Aescuiav" ia Trentichin-Tkv!!tz wir» heute rröüuet. Heute eröffnet Li« Erst« Prager Kran» kenverficherungsanstalt der Handels'' und Prlvatangestellten ihr neues Kur» haus„Aeseu'lap" in Bad Trentschin- T« Plitz und übergibt es dem zugedachten Zwecke — kostenloser Behandlung, Unterbringung und Verpflegung der Mitglieder. Diese Krankenversicherungsanstalt besitzt feit mehr als zehn Jahren eigen« Kurhäuser in Karlsbad und Franzensbad, wo die Mitgliedschaft auf Kosten der Kranken Versicherungsanstalt nicht nur Wohnung, ärztliche Behandlung und Bäder, sondern auch erstklassig« Verpflegung erhält. Di« Erste Prager Krankenversicherungsanstalt der Handels- und Privatangestellten, die älteste Anstalt dieser Art auf dem Gebiet« der Tschechoslowakischen Republik, wurde im Jahr« 1858 als ein di« Krankenversicherung freiwillig durchführender Verein gegründet. Durch das Gesetz vom Jahre 1888 ist dieser Verein in«ine Bereinskrankenkassa umgewandelt worden, in welcher Form di« Anstalt auch heut« weiterbesteht. Dies« Anstalt hat bereits im Jahr« 1912«in spezielles Arbeitsprogramm auf dem Gebiet« der Heilfürsorg« ausgearbeitet und sich Ziel« gesetzt, welche zum größten Teil« bereits erreicht wurden. In den letzten Jahren wurde sogar mehr geleistet, als di« Krankenversicherungsanstalt im Programm« hatte, und zwar aus dem Gebiete der präventiven H«ilfürsorg«, welche Leistung weit über den Nahmen des Gesetzes reicht. Auf diesem Gebiete wurde«in« ganze Reihe außertourlicher freiwilliger Mehrleistungen eingesührt. Durch mehr als 20 Jahre widmet die Krankenversicherungsanstalt ein besonderes Augenmerk den Volks- und Berufskrankheiten und hier speziell der Tuberkulose und Nervenerkrankungen. Für die Heilung dieser Krankheiten sorgte di« An- stalt in der Weise, daß mit einer Anzahl von Sana- torien und Heilstätten Verträge abgeschlossen wurden, wo bereits seit Jahren die Mitgliedschaft auf Kosten der Krankenversicherungsanstalt fachgemäße Behandlung findet. Die Eröffnung-es Kurhauses in Trentschin- Teplitz bedeutet für die Krankenversicherungsanstalt eine neu« Etappe der Wirksamkeit aus dem Gebiet« -er Heilfürsorg«. Das Haus„Aesrulap" liegt im Zentrum des Ortes Trentschin-Teplitz in unmittelbarer Nähe der Bäder und des Kurpärkes, enthält 54 Zimmer mit <8 Betten, welch« eigene Balkons haben, große luftig« und hell« Speisesäl«, Räum« für den TageS- aufenthalt der Mitglieder, ein besonderes Schreibzimmer für Patienten, in jedem Stockwerke Bad:- zimmer, ferner Zentralheizung, in allen Zimmer fließendes,warmes und kaltes Wasser. Ein Personenaufzug steht den Patienten zur Verfügung, so daß auch in dieser Hinsicht für die Bequemlichkeit der Mitglieder gesorgt ist. Auf dem flachen Dache des dreistöckige» Gebäudes befinden sich schöne Liegehallen, ausgestattet mit zweckdienlichen Garten, und Korbmöbeln und Duschen, so daß auch für Sonnenbäder gesorgt ist. Beim Hause befindet sich ein schattiger und gemütlicher Garten. Zur weiteren Bequemlichkeit der Mitglieder wurde i m Hause ein« ärztliche Ordination errichtet. Di« Krankenversicherungsanstalt hat unter Berücksichtigung sämtlicher Wünsche der Mitglieder da Bestreben, das Kurhaus modernst und zweckdienlich auSzugestalten und hat auch die dort befindliche Küche mit den modernste» und hygienischen Ein- richtungen versehen. Wenn unsere Bauern in ihrer Mehrheit noch gegen di- Arbeiter stehen, so zeigt das, daß ie ihre eigene Geschichte nicht kennen. Sie wissen nicht, daß auch sie einmal Proletarier waren, ja, weniger noch als Proletarier: nämlich Leibeigene, Eigentum von Adeligen, ihrer Freiheit beraubte, im Elend schmachtende Arbeitsmenschen, denen erst die Revolution des Jahres 1848 die Freiheit brachte. Aber sie wissen auch nicht, daß sie einst freie Männer waren, daß sie aber durch brutale Gewalt ihrer Freiheit beraubt wurden — von den Ahnen jener, die jetzt die wütendsten Feinde des Aufstieges der Arbeiter sind. Unermeßlich ist die Zahl der Bauern, hie in den Kerkern gemartert wurden, weil sie nicht willig das Sklavenjoch trugen, groß die Zahl jener Bauern, die am Galgen starben, weil sie die Wortführer ihrer Klassengenossen waren. Unter den Märtyrern der Bauernklasse, unter den Blutzeugen ihrer gewaltsamen Unterwerfung ragt ganz besonders einer hervor:' Johann Sladky, genannt Kozina, der allerdings von >en tschechischen Bauern noch immer verehrt wird, namentlich seitdem ihm der tschechische Dichter Jirasek in seinem Roman„Pso- hlavci"(Hundsköpfe)— inS Deutsche übersetzt, unter dem Namen„Chodische Freiheitskämpfer — ein Denkmal setzte, der aber leider den deut- chen Bauern und auch den deutschen Arbeitern !qum bekannt ist. Und doch ist gerade die Gerichte Kozinas, die Geschichte des Widerstandes der. Chodenbauern gegen die Leibeigenschaft, äußerst lehrreich und sie könnte den Bauern zeigen, wo ihr Platz auch in den heutigen Klassenkämpfen wäre. Dir freien Bauern vom Habsburger an einen Günstling verschenkt. Länger als die andern Bauern Oesterreichs hatten die Choden ihre Freiheit erhalten. Es waren die Bauern, die an den Böhmerwald- Pässen siedelten und dort die böhmische Grenze regen Einfälle aus Bayern bewachten. Um Dachau und Pfraumberg herum waren eS Deut- che, bei Taus Tschechen. Der Name stammt aus dem tschechischen„choditi“(gehen), weil sie die Grenzgegenden durchstreiften, um den Einbruch remden Kriegsvolkes rechtzeitig zu melden und abzuwehren. In einer deutschen Urkunde aus dem sechzehnten Jahrhundert werden sie Lotten- raurn" genannt,„wegen ires ambt von dem.Pe- hamischcn Wortlein Kodwe, das ist des Walds umgeer". Sie hatten sich schon 1040 bei der Verteidigung der Pässe hervorgetan, als das Heer Heinrichs III. von Bretiflav besiegt wurde. Wegen ihrer wichtigen Funktion hatten sie von den böhmischen Königen auck zahlreiche Privilegien erhalten, deren erstes von Johann von Luxemburg aus dem Jahre 1325 stammt. Aber schon im fünfzehnten Jahrhundert verloren die deut- chen Choden ihre Freiheit; die tschechischen bei Taus erhielten noch im Jahre 1528 von Kaiser Ferdinand eine Bestätigung ihrer Privilegien. Aber auch ihre Lage verschlechterte sich im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts. Sie wurden zuerst an die Herren von Schwamberg verpfändet, dann folgte ihre Verpfändung an die Stadt Taus. Als nach der Schlacht am Weißen Berg die Stadt Taus, ihre Herrin, wegen der Beteiligung am Aufstand bestraft wurde, wurden die zwölf chodi- chen Dörfer an den Günstling des Kaisers, den Grafen Wolf Wilhelm Lamingen von Albenreüt verpfändet und 1630 ihm um einen Spottpreis verkauft— obwohl sich die königliche Kammer dagegen ausgesprochen hatte und obwohl die Choden sich' am Aufstand nicht beteiligt hatten, a gerade aus Haß gegen die Stadt Taus zu dem Habsburger gehalten hatten.*) Der Kampf beginnt. Mit dem Verkauf an Lamingen, einen skrupellosen Höfling, beginnt die Zeit der Leibeigenschaft, beginnt aber auch der Kampf um ihre Freiheit, der erst nach mehr als einem halben Jahrhundert mit ihrer völligen Unterwerfung zu Ende geht. Es gelingt Lamingen, dem Kaiser einzureden, daß rm Interesse des katholischen Glaubens seine Herrschaft dort notwendig sei, obwohl schon damals die Hälfte der Choden katholisch war und obwohl die Choden der Katholisierung keinen Widerstand leisteten. Es war ein reiner Älassenkampf, den Lamingen aber in einen religiösen Kampf umfälschen wollte. Als 1658 Leopold I. den Thron besteigt, bemühen sich die Choden wieder, ihre alten Freiheiten zurückzuerlangen. 1668 werden sie abgewiesen und es wird ihnen„ewiges Stillschweigen" auferlegt. Sie sollen sich nicht einmal mehr *) Ein eben erschienenes Buch„Döjiny Chodü u Doinazlic”(Geschichte der Choden bei Taus), von Dr. Franz Roubik(Verlag des tschechoslowakischen Innenministeriums) gibt auf Grund umfangreicher Quellenstudien die erste aktenmäßige Darstellung der Schicksale der Choden und widerlegt auch viele der bisherigen irrtümlichen Anschauungen, unter denen besonders die ist, daß die Choden wegen ihrer Beteiligung am böhmischen Aufstand bestraft wurden. Uns interessiert hier besonders der Kampf der Choden gegen di« Leibeigenschaft und die Gestalt Kozinas, worüber auch schon Emil Strauß in seiner Geschichte der Bauernausstände in den Sudetenländern kurz berichtet hat. Auch der Name des neuen Herrn war bisher nicht richtig wiedergegeben. Er heißt nicht Lamminger, i sondern Lamingen. In der Traditio« der Choden lebt er als Lomikar. beschweren dürfen. Wlrflich werdeü zwei Bauern, die als Abordnung nach Wien geschickt würden, uni ihr Recht zu beweisen, verhaftet und zu Zwangsarbeit verurteilt. 1680, im Jahre des böhmischen Bauernaufstandes, erzwingt Lamingen von ihnen die Rückgabe ihrer Privilegien. Aber sie geben ihm nur zweiundzwanzig Pergamente, während sie die restlichen zwei gut verstecken. Am Bauernaufstand hatten sich die Choden nicht beteiligt, sie hatten noch gehofft, daß ihre Bemühungen in Wien gut ausgehen würden. Im Jahre 1688 wurde aber Lamingen zu einem der königlichen Statthalter ernannt, mll> nun kann er seinen Einfluß noch viel unmittelbarer gegen die Choden einsetzen. Im Jahre 1682 begibt sich wieder eine Abordnung der Choden nach Wien. Ihr Führer ist diesmal Johann Sladky— nach seinem Hof in Onj^d auch Kosina genannt. Zugleich beginnen die Choden die Robot zu verweigern. Darauf werden in Wien sofort die Mitglieder der Abordnung verhaftet und in Ketten nach Pilsen geschickt. In Wien scheint man damals schon ein doppeltes Spiel gespielt zu haben. Der Kanzler Graf Kinsky soll damals zu Kozina gesagt haben, er sei selbst für die Aushebung der Leibeigenschaft, obwohl er neun Herrschaften habe. Auch der Kaiser soll ihnen Hoffnungen gemacht haben, daß chre Wünsch: erfüllt werden. In Wirklichkeit hatte er aber die Choden mit einem Hinweis auf seine Entscheidung vom Jahre 1668 abgewiesen. Als diese Entscheidung den Choden vorgelesen wurde, erklärten sie sie für eine Fälschung und begannen wieder die Robot zu verweigern. Wieder schickten sie«ine Abordnung nach Wien und dieser wurde nur di« Erledigung schriftlich mitgogeben, die' sie dem Statthalter übergeben sollte. Die Choden mußten glauben, die Entscheidung sei zu ihren Gunsten, in Wirklichkeit enthielt sie die Aufforderung, den Widerstand der Choden zu brechen und ihre Pergamente zu der- nichtcn. Ms das vor ihren Augen geschah, waren sie natürlich sehr enttäuscht. Während aber die Abordnung noch in Prag weilte, kamen Lamin- genS Burggraf und Verwalter nach den Choden- dörfern, um dort nach verdächtigen Briefschaften zu suchen. Dabei kam es zu einer Zusammenrottung, wobei der Burghauptmann vom Pferde gerissen und von den Choden als Geisel gefangengehalten wurde, ohne daß ihm auch nur daS Geringste zuleide geschehen tväre. DaS ivar aber auch die einzige Gewalttat in diesem„Aufstand", der vornehmlich in der Verweigerung der Robot und in Abordnungen bestand; denn ells dann Militär kam, leisteten die Bauern keinen Widerstand, sondern flohen in die Wälder, wobei sie allerdings vielfach Fenster und Oefen zerstörten. Aber das genügte Lamingen, sich direkt beim Kaiser zu beschweren, daß die Choden Rebellen seien, und chre strengste Bestrafung zu verlangen. DaS Gericht für di« Chod«n. Mer obwohl der Kaiser strengste Untersuchung anorduete, konnte das Prager Gericht nur zu, einer milden Strafe kommen. Von den verhafteten Mitgliedern der Abordnung wurden nur zwei als Anführer, nämlich Georg Syka und Johann Sladky-Kozina, zu einem Jahre Zwangs-, arbeit in Eisen verurteilt, vier andre sollten sofort veigelassen werden, wenn sie Gehorsam ver- prachen: auch der Advokat der Choden, ein Baron' Blasius Tunkel, würde zu einem halben Jahve Gefängnis verurteilt. Aber das Gericht empfahl zugleich Lamingen, di« Choden nicht als Rebellen zu behandeln, weil das nur zu einem Unglück fuhren könne. Auch sollten die Choden nicht über das Robotpatent hinaus belastet werden. DaS Urteil fand in Wien, wo Lamingen seinen Einfluß spielen ließ, keine Gnade. Es wurde ein zweites Gericht eingesetzt, dem auch zwei der früheren Beisitzer angehörten. Auch dieses gab ein Gutachten ab, daß es sich nicht um einen Ausstand handle, sondern um ein„öffentliches Verbrechen", well die Choden nicht ohne Ursache das Joch der Untertänigkeit abwerfen wollten, sondern sich nur auf ihre Privilegien beriefen, die sie dem Kaiser zur Entscheidung überließen. Es sei auch zu keiner Widersetzlichkeit gegen das Militär gekommen, well die Choden in die Wälder flüchteten und die in Prag verhaftet« Abordnung sei ja gar nicht dabei gewesen. Ausdrücklich wurde erklärt, daß Kozina nicht der Anstifter sei. tzlber Lamingen dürstete nach Blut. Er verlangte in einer Zuschrift, daß wenigstens die Haupsschuldigen mit dem Tode bestraft würden. Inzwischen wurden aber neue Verhaftungen vorgenommen und die Statthalter übten einen Druck auf di« Untersuchungskommission aus und verlangten ausdrücklich exemplarische Strafen. Die Richter hatten nicht die moralische Kraft, diesem Druck zu widerstehen. Bezeichnend ist, daß man die Verhafteten hungern ließ, da Lamingen di« Unterhaltungskosten, zu denen er verpflichtet war, nicht leistet«. Die golden« Krone der Libnfla. Während sich diese Dillge abspielten, hatte Lamingen noch ein Argument gegen di« Choden in Erfahrung gebracht, das beim Kaiser die Wirkung nicht verfehlen konnte. Ihre Mordnung habe nach Wien eine vergoldete eisern« Krone der Fürstin Libussa mitgenommen, von. der es schon während des Bauernaufstandes hieß, es werde mit ihr ein Mann aus dem Volke gekrönt werden, um sich an di« Spitze der Bauern zu stellen und Lum 100. Todestag Coelbes: Goclhc-Ocdcnksdirin (Sonderdruck des ArbeMenahrbudies) Herausgegeben vom Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Beiträge von Alfred Kleinberg, Emil Franzel, Ludwig Kohler; Nachdruck« aus Goethe, Mehring, Marx, Karl Kraus. preis 2 Kü Kü, für Organisationen 230 KC. Bestellungen an die Bildungszentrale. Prag IL, Nekazanka 18 Böhmen wieder ein« Zeit des Ruhmes und der Freiheit zu verschossen. Tatsächlich war der Kaiser dadurch beunruhigt und ordnete ein« streng« Untersuchung an. Später erst stellte sich heraus, daß Kozina in d«r Wohnung des Anwalts Tunket eine alte Kron« aus vergoldetem Eisenblech gefun-' den hatte, die offenbar die Türken währew» der Belagerung Mens aus einer Kirche weggeschleppt hatten, die aber nicht einmal zwei Groschen wert Ivar. Tunkel hatte sie mit altem Eisen gekauft und Kozina erbat sie als Geschenk für die Kapelle des' heiligen Antonius in Taus, vergaß sie aber dann im Gasthaus. Die Hinrichtung auf dem Stadtplatz in Pilsen. Inzwischen aber leistete diese Nachricht noch gute Dienste. Am 8. Februar 1696 legen di« Statthalter dem Kaiser einen neuen Strafantrag des Gerichtes vor. Tas Konzept war zu« erst Lamingen vorgelegt worden, der daran auch einige stilsstische Aenderungen vornahm. Der Antrag verlangt für drei Verhaftete, Johann Seiner, genannt Cwerak, Christoph Hruby und Johann. Sladky-Kozina, die Todes- trafe. Für die andern Zwangsarbeit von ver- chiedener Dauer. Da dieser Antrag in Wien längere Zeit liegen blieb, urgierte im Mai Lamingen di« Erledigung. Der Kaiser wollte zunächst die Geschichte mit der goldenen Krone geklärt haben, und es wurde der 9. September, bis er‘ das endgültige Urteil fällte. 1 Es war milder als daS frühere Urteil. Es sollte nur eine r g«hängt werden, nämlich der, den man in Prag als den Schuldigsten ansehe, die beiden andern sollten je zehn Jahre Zwangsarbeit, sechs sollten Zwangsarbeit von emem und zwei Jahren erhalten, alle andern sollten gegen Revers freigelassen werden nach dem lateinischen Grundsatz: ut sit poena ad paucos, t'error autem ad inultos(Strafe für wenige, Schrecken für viele). Nun hatte also wieder die Prager Kvmmll-« ssion zu entscheiden,"''wdr der Schuldigste sei. Erleichtert wurde ihr das dadurch, daß der mutige Tosenauer Dorfrichter Hruby an den Folgen der schweren Haft gestorben war. Entgegen ihrem früheren Gutachten, worin sie Seiner an erster Stelle angeführt hatte, entschied sie nun, daß Kozina der.Hauptschuldige sei, d«r durch sein« Beredsamkeit die andern mitgerissen habe. So wurde am 28. November 1695 auf offenem Platze in Pilsen Kozina mit dem Strange hingerichtet. Sechsundsechzig Choden, die Schössen und Richter der Gemeinden, mußten mit ihren Kindern zusehen, damit auch in der nächsten Generation Schrecken verbreitet werde. Legenden um den Märtyrer. Aber das Ende Kozinas schreckte, nicht ab. Noch nach Jahrhunderten lebt fein Andenken unter den Choden fort und die Sage schmückte cs weiter aus. So hieß es, Kozina habe, als er schon mit dem Strick um den Hals auf der Leiter stand, sich noch zu Lamiügen gewendet und ihm zugerufen:„Lomikar!Lomikar! B innen Jahr und Tag stehen wir miteinander vor Gottes Richterstuhl!" Tatsächlich sei Lamingen innerhalb eines Jahres gestorben. Diese Version gibt auch Jirasek in seinem Roman wieder. Aber Roubik stellt fest, daß dies« Szene ungeschichtlich ist. Sie wird zum erstenmal in einer Chronik vom Jahre 1799, also nach hundert Jahren, erwähnt. Wohl aber ist es richtig, daß Lamingen noch vor Jahresfrist, nämlich- am 2. November 1696, gestorben ist. Seine Witwe verkaufte schon im Jahr« 1697 die Herrschaft an«inen Grafen Stadion, in dessen Geschlecht sie bis ins neunzehnte' Jahrhundert verblieb. Die Sage berichtet auch von der Fahne der Choden mit dem Bild eines Hunds- kopfes. wonach die Choden sich Hundsköpf« genannt hätten. Der Verfasser des Buches stellt fest, daß auch das der historischen Wahrheit widerspricht. Eine solche Fahne ist nirgends belegt. Auch hätten nicht die Choden sich HundS- köpfe genannt, sondern sie seien wegen ihrer Hartnäckigkeit von den Gegnern sogeschimpft worden, und daraus erst sei wohl die Sage von der Fahne entstanden. Mit Recht faßt der Autor sein Urteil über den Prozeß so zusammen: Der Prozeß gegen Kozina ist ein beredtes Beispiel der damaligen parteiischen Justiz, die keine moralsschen Skrupel hatte, wenn es sich um bloße Untertanen handelt«. Ki^ina mußte sein Leben auf der Pilsener Richsstätte lassen als unschuldiges Ovier des schlechten Gewissens des damaligen Adels, der mit Recht einen Ausstand. der bedrückten, überlasteten Untertanen fürchtete. Gustav Pollatjchek. Ur.?S Sonntag, 27. März 1232 Teite S- Der alte Maalrl»atz der mt Pelz. Bon Pater Lansing- Er kam verfroren in das Cajs, um sich bei einer Taffe Fleischbrühe anfzuwärmen. Mißmutig hing er seinen alten, abgetragenen Mantel an den Garderoheftänder. Dieser Mantel war soeben erst von einem Leihhausbeamten untersucht und zurückgeaebcn worden. Jetzt befand er sich in der Gesellschaft eines eleganten Pelzes, der zwischen anderen Mänteln am Garderobenständer hing. War dem Pelz diese Nachbarschaft etwas peinlich, oder hatte der verfrorene Mann seinen alten Mantel nur ungeschickt aufgehängt, jedenfalls kam der Pelz plötzlich in Bewegung und fiel vom Haken. Der Mann hob ihn verlegen wieder aus und stellte dabei fest, daß der Pelz viel Geld weit war. Der arme Mann fetzte sich dann an einen Tisch in der Mhe detz Garderobeftänders und bestellte eine Taffe Fleischbrühe. Seine Augen hingen wohlwollend und zärtlich an dem kostbare« Kleidungsstück und sielen dann unwillig über seinen abgetragenen Mantel her. den Has Leihamt nicht mehr beleihe« wollt«. Sie zerfetzte« ihn förmlich. Dany kam die Fleischbrühe» und der Mann trank. Sei« Ragen erwärmte sich. Er schlug di» Beine übereinander und schien jetzt Appetit auf eine Zigarette zu verspüren. Doch sei« Geld mochte augenblicklich nur für eine Tasse Fleischbrühe reichen. Mechanisch griff er eine auf dem Tisch liegende Zeitung uns versuchte zu lesen. Dabei ginge« seine Blicke immer wieder zum Pelz, striche« ihn zärtlich und hatten etwas von dem Locken, mit de« man fremde Hunde zu beruhigen und an stch zu bringen jucht. „Wem gehört der Pelz?" arbeiteten die Gedanken des Mannes. UeTeraö an den Tischen saßen Gäste, denen der Pelz gehören konnte. Sie lasen, rauchten, tranken. Hin und wieder stand ei» Gast auf, trat zu einem der Garderobeständer und zog sich einen Mantel über. Stand nicht endlich auch der feine Herr aus und nahm sich seinen Pelz? Der arme Mann studierte die Speisenkarte, konnte sich aber nichts mehr bestellen. Sein Appetit auf eine Zigarette hatte sich inzwischen zu einer krankhaften Sucht gesteigert. Seine Finger trommelten aus der Tischplatte. Der arme Monn war ein anständiger Mann. Er hatte noch nie gestohlen. Noch nie einen Zigarrenstummel auf der Straße aufgehoben. Sqiy einziges Laster war bisher, ein Stück seiner Hab« nach dem andere» auf das Leihamt zu trägem Jetzt befaß er nichts mehr als diesen Mantel, für den ihm kein Leihhaus der Welt etwas gehe» würde. Aber für den Pelz, der dort noch immer hing, würde er eine anständige Summe erhalten. Ein anderer Gast an einem Rebentisch hatte diese« heimlich sich entwickelnden Prozeß lauernd beobachtet. Der arme Manu stand plötzlich auf und ging zum Äarderobeständer, wo er erst mtt zittrige« Fingern über seinen alte» Mantel strich uyd dann in einer eiskalte« Entschlossenheit den Pelz vom Haken rwchm, I« gutgespielter Gleichgültigkeit, als wäre er jeden Tag gewohnt, eine« 80V Mark-Pelz zu tragen, wollte er das Cafe verlassen. Er war auch schon durch die Drehtür gekommen, als hinter ihm lautes Geschrei einsetzte, Schritte dröhnten und plötzlich härte Hände nach ihm packten. Am Rebentisch hatte sich inzwischen der andere Gast erhoben und war zum Garderoben-' ständer gegangen. Er zog sich in aller Ruhe den alten Mantel des eben Verhafteten über. Me- wMd hinderte ibn daran. Unbehelligt konnte er ,er am j, den Szene ab. Der arme Verhaftete verlangte nämlich, ehe»tau ihn zur Wache brachte, heftig nach seinen Mantel. Aber es fand sich kein alter, ab- geträgeuer Mantel mehr am Garderobenständer. Man lachte den Armen aus, hielt seinen Protest für einen Trick und spedierte ihn mit sanften Rippenstößen durch die Drehtür des Casös hinaus die kalte Nacht... an der allgemeinen Aufregung des Lokal- verlassen. Draußen pries er sich glücklich. Er war nämlich noch ärmer als der arme Mann, der den Pelz hatte stehlen wollen, um ihn auss Leihhaus M bringen. Er war sogar ohne Mantel in das Cafv gekommen. Er hatte auch seinen Kaffee nicht bezahlt- Im Cas« spielte sich noch eine tragikomische Dar Lied vom brave« Man«. Bon Herman« Drechsler. '«de stnnige , UM, seine müden Knochen ausruhen zu können. Und sechs Kinder hat er anfgezEn von seinem kargen Verdienst. Er hätte keinen Pfennig von dritter Stelle angenommen. ES svax sei«[ Stolz,{ein« Familie selbst zu ernähren. Henn seme Jüngeres auch nichts weiter geworden, als ÄrbeitsleuM, wie er, sä'freute er sich doch, wie ein König, der fein«« Kindern Lander zum Brautgeschenk gehen konnte. Kannst du, der du dein weiches Brtt erst zn verlassen pflegt, wenn die Sanne dich weckt und j eilfertige Hände dir bereits den Morgenkaffee auf-f gewarnt! getischt haben, dir einen Begriff davon machen, was es heißt, zehn Stunden täglich zu schuften und sechzehrt Kilometer zu laufen? Nein, Has kannst du nicht. Du weißt nicht, was Arbeit und Mühsal ist. Der Alte schritt seit seiner frühesten Jugend rmrch Sturm u»td Wetter, wie in Sommerhitze und Winterkälte. Immer rastlos vorwärts, Heu Blick auf den Boden geheftet, die Kilometer an den Chausseebäumen ahzählend, zuweilen sein Pfeifchen schmauchend, immer freundlich und wohlgemut, obwohl unerbittlich die Peitsche der Not hinter ihm war. Ob auch die Kitte wankten. Immer rastlos vorwärts ging es. Ein Schritt wie der andere, wie mit dem Metermaß aus gemeffen. Drei Schritte sinh zwei Meter. Acht Kilometer bedeute» 12.000 Schritte. Jeden Tag 24.000 Wegschritte und zehn Stunden Arbeit! Jede Woche 144.000 Schritte, sechzig StmHe» Arbeit und fünfzehn Mark Lohn. Seit seinem dreizehnte» Jähre machte er täglich denselben Weg. Fünsundsechzig Jahre lang rede» Tag sech zehn Kilometer. Jedes Jahr 4800 Kilometer, in ninfundsechzrg Jahren 312.000 Kilometer, also fast achtmal um den Aequator Herumgelanfen ist er' Ist Has nicht ein stilles Heldentum der Arbeit! tttch dieser Held mußte am Straßenrand sterben! Dieser Held, den die Sorge um fei« und seiner Familie Leben achtmal uni den Äequator trieb, gegen Sturm und peitschenden Retzen, in Schneematfch und Kälte, während du noch iyr Betts lagst! Der zehn Stunden täglich schuftete, um Mehrwert zu erzeugen, de» Reichtum her Fabrikbcrren zu steigern! Ihr Herren von der Industrie und Hochfinanz: Steigt euch da nicht Schamröte ins Ge- !^cht? In was unterscheidet sich dieser am Straßenrand verkommene Petero« der Arbeit vonz Sklaven oder vom Sträfling, der zeitlebens an seine Galeere gekettet war? Fünfmällechzig Jahr« hat er gearbeitet und in fernem achtund- siebzigsten warf ihn die Krise in die Rethen der Erwerbslosen. Rach der Aussteuerung stand ihm nur noch die Altersrente zur Verfügung. Zwei- unddnißig Mark im Monat. Da er zu seinem Sohn im Vorort hinter dem Wald. Der War arbeitslos, wie er, und untröstlich wie der Vater, daß er untätig sei« mußte. Run hatte er nur noch fünf Kiloureter, west« er zur Stadt ging, auf den Stock gestützt, wie in den Jahren, da er noch arbeiten durfte. Sein Rücken wurde krumm und krümmer, seine Lebenslust«ahm ah, weil ihm der Lebensinhalt fehlte. Gern erzählt« er voll den alterr Zeiten, wo man zehn biz zwölf Stunden arbeitete und kaum im Bett warm wurde, ehe man wieder raus mußt«. Deine Hand, Alter! Bist wirklich em prachtvoller Mensch gewesen und hättest einen anderen Tod verdient, als am Straßenrand in Schmutz und Unrat zu sterben! D«S Alten Fall ist kein Einzelfall. Tausende und aber Taufende gehe« täglich einen ebenso Weiten od«r noch weiteren Weg. Di« aste laufen von Chauffecbaum zu Chausseebaum zusammengereiht die ungeheure Strecke nm den Bauch der Welt. Einmal, zweimal— achtmal. Ein Heerwurm von ungeheuren Massen wälzt sich um die Erde. Wehe euch, wenn er stockt! Wenn er rückläufig wird! Dan» wird der harmlose Heerwurm zum Mahlstrom, der alles hinabreißt. Euren Reichtrun, den die Sklaven erschuftet, eure schönen Hauser, eure Schätze, eure Theater, Kirchen, Paläste, von denen erbaut, die ncnneu- laS, wie der Alte am Straßenrand verkamen. Alles reißt er hinab! Hütet euch, ihr seid D«r Verfasser hat hei der Berlagsanstalt „Courier", Berlin 80 16, ein Buch„Aktenstaub", Aus dem Tagebuch eines Wohlfahrtsdezernenten, erscheinen lassen(Preis Mk. 2.—, geb. Rk. 2,30), das auf Grund von Akten eines Wohlfahrtsamtes eine große Reihe von menschlichen Schicksalen, Opfern der Gesetze des bKr- gcrlichen Staates und der kapitalistisch«« Gesell- schaftsordnung ohne literarische Ambition, aber darum nicht weniger lesenswert ist, weil das Tatsachenmaterial von erdrückender Wucht ist und weil es vom Autor mit hohem sozialem Verständnis gesichtet, durchforscht und bearbeitet ist. Nachstehend ein Teil eines der Kapitel des Buch«-: Da liegt ein stark abgegriffener Band:„Unaufgeklärte Todesfälle,"—„Rekognoszierung von Leichen." Mit dem Briesäffuer fahre ich in die aus» gefranste« Seiten. Wahllos. Und auf der aufgeschlagenen Seit« finde ich folgende Eintragung; „Am Montag, den 8. November, wurde an der Staatsstraße»rach Leitzenberg die Leich« einrS unbekannten Mannes gefunden, den offenbar ei» Schlaganfall getroffen hatte. 12, November. Die Leiche des Unbekannten wurde heute rekognosziert. Ee handelt« sich um den achtzig Jahr« alte« Arbeiter Heinrich Kum- j mer aus Lerdenberg. Koste« sind m der Sache nicht erwachsen. Bewendet.* Damit ist der Fall erledigt, das Amt hat Zweiter kein Interesse daran. Piernand wird mehr !»m dieses Falles willen etwas unternehme». Aber dennoch dürfe« wir den traurige« Fast des achtzig Jahr« alten Arbeiters Kummer aus !Leidenberg nicht bew«»che« lassen. Es muß ans Licht der OefseytlWeit, was hinter jenen dürf- tiaen Zahle« steht. Wenn ein Achtzigjährig«-— Wege stirbt, ist das kein gewöhnlicher Fall, man ernfach bewende» läßt. Das KreiSamt weiß Bescheid. Er ist absolut unbescholten gewesen. Aber er hat»ine grobe 'Taktlosigkeit begangen. MK rettete er emem Knecht das Leben und der Herzog geruhte gnädigsh ihm die RettungSmedaUe am Band zu verleihen. Kummer aber lehnt« di« Auszeich- .uung ab. Bravo, Alter! Du bist unser Interesse wort! Ich sehe dich deutlich in stner Gewitternacht. Ein Unwetter, wie selten, raste über ist» Erde, warf ganze Wälder nieder, vcririchtete die Ernte durch Hagelschlag, zerstört« und verfchlämmte die Felder... Nacht unb Grauen herrschte. Höher und hühsr stiege» die Wasser. Der Bach war zu emem reißenden Strom geworden, der Häuser und Ställe drohend umspült«. Das ertrinkend« Bich brüllte in den Ställe». Du, sprangst den Nachbar» bei, selbstlos, wie du dein ganzes Lechen gelebt. Und als der Knecht vom Gute» von den Mute« ergriffen, tzavongetriebm» w«rd«> sprangst du ihm nach und rettetest ihn mit eigener Lebensgefahr vom sicheren Tode, Ohne ein Auge geschloffen zu haben, liefst du. nqch. bxeichetem Reumuwwerk im Eilschritt davon, um ja noch zur rechten Zett in hie Fabrik M komm«», Und für solches Heldentum hatte man nichts übrig, als eine blecherne Medaille! Gut, daß du sie ausgeschlagen hast! Damit hast du gewonnen in den Augen aller aufrechten Menschen. Und so ein Leben mußte am Straßenrand beschlossen werden! Das Schicksal des Alten muß ans Tageslicht, darf nicht der Vergangenheit anheimfallen. In seinem Schicksal spiegelt sich der Leidensweg einer ganze« Klasse. Achtzig Jahre zählte der alte Proletarier, der da in einer rauhen Novembernacht am Straßenrand von einem Schlaganfall getroffen, über Nacht im Chausseegraben lag und am andern Morgen als ein unbekannter Man« aufgehoben wurde. Nach einem langen Leben voll Rechtschaffenheit war es ihm nicht einmal vergönnt, im Belt M sterben. Wie ein Tier verendete er zwischen Straßenschmutz und Unrat. Der Pfarrer wird nichtsdestoweniger hei seinem Begräbnis mit zum Himmel gerichteten Blick gesagt haben:„Unser Leben wahret siebenzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es ^achtzig Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, dann ist es Müh» und Arbeit gewesen." An Mühe und Arbeit hat es in einem solche» Leben kaum gemangelt. Aber köstlich war es sicherlich nicht. Es war eine Last, eine Plage, eine einzige Schinderei. Sechzehn Kilometer hatte der Alte täglich zurückzulegen. Acht Kilometer von seinem»Heim zur Arbeitsstätte und abends vyn dort acht Kilometer zurück. Im Winter sah er sei« Heim nur an Soun-! und Feiertagen. Wenn er frühmorgens aufstand, war es noch finstere Nacht, und wenn er abends sheimkehrte, lag wiederum alles in tiefster Dunkelheit. Nach dem Abendessen tastet« er sich schon schlaftrunken zu seiner Lagerstatt und lvenn er morgens zur rechte« Zeit wie ein Uhrwerk erwachte, tastete er sich wieder nach unten. Er brauchte kein Licht. Jede? Schritt, de« er tun mußte, war ihm ab gewählt, jede Stieg«, jeden Winkel fand er im Fmsteren. Acht Kilometer mußte er laufen, um zehn Stunden täglich schuften zu können, acht Kilometer lief er, von der Peitsche der Not getrieben, immer iy der Ängsl, die Sirene könnt« brüllen, ehe«r Las Fabrikstor erreichte. Und w«.»n die zehn Stunden Arbeit geleistet waren, hatte er in sein»« beste» Jahren zwei Mark und fünfzig Pfennige verdient. Jede Stunde brachte ihm fünfundjivanzig Pfs—' ein. Dann mußte er acht Kilometer lauf« Ate« i» gerikttle». Wochenend«, Durch bas farbenfreudige Zentrum der Altstadt mit seinem vielstimmige» Gekreisch tz«S beginnende» Wochenendes, seinem Gemisch von Knoblauch-, Zic- genmist- und Beduinen schweißdüsteu bewegt sich ein Häuslein schwarz gekleideter Europäer. Der Schattenriß-er Altstadt,-es Tempel Platzes mir-er Omarwoschee hebt sich scharf gegen-en violetten Abendhimmel ab. Die Linie-er tausend Zinnen wir- unterbrochen durch zahlreiche Minaretts, auf-e«» die Gebettruser mit schallender, pst recht tmmelodiöjer Stimme daran erinnern,-aß«S außer Allah keinen Gott geb« und Mohammed sein Prophet sei. , I» halber Hohe der burgartig anstreben-eu Stadt schlängelt sich die Straß« von Jericho hinaus. Fabelhaft gut imstand, gewalzt und asphaltiert, den» sie ist»ine englische HeereSstratz«. UneudLch lange Kamelkarawaneu kommen auf ihr aus dem Jordantal heraufge schaukelt, voran«in B.duinc, der auf einem Welchen sitzend an einem langen Seil di« mit Kalksäcken befrachtete Karawane Vinter sich herzieht. Es folgen Ziegen- und Schafherden, das Ganze beleuchtet vom grellen Schewwerferkicht überholender Autos, di» sich mit viel Getute und Schimpfrede« durch Menschen und Biehmcngcn drängen müssen. Dazwischen tönt»in vielstimmiges Geschrei der Treiber und Getriebe»»«», manchmal auch ein Gelächter »der da» stille Lied«ms frommen Pilgers, denn auch dem Arader ist Jerusalem eine heilige Stadt. Li« Toeenjea-l. Aus der arideren Seite des Lidrovtalrs dagegen ist Totenstille. Tort ist ja auch die Lotensta-t, Ei» Geschachtet Von nuübersreigbarcn Mauer«, hinter denen fade Religionsgemeinschaft ängstlich ihre Hei» ligkümer behütet und verbirgt. Tort am Fuß« des Oelberges ist jeder Zoll des steinige» Erdbodens heilig und darum auch ein Vermögen wert! Rechts der jüdische Friedhof! Unzählige Gräber, viereckige Steinkästen. Hier ist der heilige Ort, Wo sich am jüngsten Tag die Gerechten versammeln werden. Mancher fromm« Israelit hat keine müden alte« Knochen um die halbe Erdkugel geschleppt, hat Heimat und Familie verlassen, um hier an heiligster Stätte ruhe« zu können.. Der moÄemittjcho Friedhof nebenan unterscheidet sich vom jüdische» nur dadurch, daß ab und zu zwischen den etwas anders gefarmten Gräbern eine fingerdicke, bestaubte, kümmerliche Aloe wuchert. Hier, wo— nach arabischer Ansicht—» am jüngsten Tag das goldene Seil über das Kidrontal gespannt wird, aus dem-i« Gerechten hinüberwandeln ins göttliche Jerusalem, während die Sünder in die Tiefe stürzen, liegt die„Creme" der arabischen Gesellschaft begrabe»». Gethsemane. Derjenige Teil-«s Oelbergabhauges, der wegen seines Gortencharaktere darauf Anspruch erhebe« kann,-ar historische Gethsemane zu-bergen, ist nicht »ehr groß. Da aber jede Religiansgewemschast mindestens ei« Stückchen de» heftigste« aller Er-streisen besitze« mochte, Hai man-aS ganze Tal aufgeteilt und tu hohe Maser« eingeschachtelt. ■ Da steht das russische Gethsemane: Line A»f- hänsmrg riesenhafter Zn>iebelknppeln Inmitten finsterer Zypressen. Eilest erglänzten dies» Kuppel» in echte»» Gold, doch Sowjetrußland Hai Win Interesse an solchem Glanz, und nun sieht alle- abgenützt, abgeschabt aus und die Mönch» und langzöpsigen Priester, die dor: Hausen, nicht minder. Daneben steht eine Kirche, deren prunkhaft« Fassade an eine» Tempel in jonische«» Stil erinnert. Ewst standen dort sahrhunderte aste Oelbänme im ■ Garten, zwischen Blumen und bekiekten Wegen. Jetzt (der Bau dürste etwa fünf Jahre akt fein'» yat man -lest ehrwürdigen, knorrigen Olwmbäunw, die übrigens ihrem Alter nach bestimm» Christus erlebt habe» köniren, überbaut« und ein Dutzend Glaskugeln überwölben-LS heilig«, Erdreich. Mehr oder minder gleichen die zahlreichen Gethsemanes einander. Doch nun;ur evangelischen Gemeinde! Sie ist-ft einzige christliche Gemeinschaft, di« im„Grundbuch des Gartens Gethsemanes" nicht eingetragen ist. Drum sucht sie sich auch ein stilles, abseits gelegenes Plätzchen, das einem Privatmann christlich«« Bekenntnisses gehört und der den alljährlichen Besuch tz«r evangelischen Gemeind« stillschweigend duldet. Auch dort sind uraltt, knorrig? Olivenbäume, genau wie drüben unter Gold und Gl cis. Drüben polier» englische Panzerwagen die steile Bergstraße hinaus zur hochgebauten Stadt. Es ist nämlich auch für die moskemitisch« Welt Festtag: Der Fastenmonat Ramadan ist zu Ende, und zum Nebi-Mnsa-Fest zieht zu Fuß uud Pferd« das halb» Land nach KudS(Jerusakm).— Weil eS aber drs dieser Gelegenheit niemals ohne Prügel zwischen Arabern und Iriden abgeht, sorgt-i« R^ierung vor An-en ehrwürdigen Stadttoren stehen Doppeipostev und Maschinengewehre und aus-en Straßen der Neustadt stehen Panzerwagen fahr- und schuhberett. Fremdenverkehr. Trotzdem hat Jerusalems Fmm-erroerkehr Hoch, konjunktrir. Sämtliche Gasthäuser und«Hotels stnd übersüllt, jytzes Hospid rind viel« Privatkente haben Ein-partierungen. Bom armen Globetrotter(sprich Wan-«rbursche) bis zur seidendeftruwpften amerioarn Lady sind alle Gattungen gläubiger oder sensationslüsterner Gaste vertret«». Hier«ine griechische 'Weinkneipe, wo die Amerikaner ihre Trockenheit vergess«« und die Dayrdsbura mit ihren hemoosten Riesenquadern mit fröhlichen Augen bewundern l können. Taschenspieler, Gaukle«. Händler ar»s allen Ländern und Erdteilen,'chreiend und gestikulierend, pürschen sich qj> di« amerikanlscken Geldsäcke heran, für die fie eine feine Witterung haben.—'Dort steht «in Grieche,-er in fließendem Tngttsch— sprach«,. gewandt sind die Jerusalemer, wie kaum»in Bolk auf-er Erde—-»inen Amerikaner davon überzeugt, daß«r sterben wir-, wenn er ihm nicht«In«» weiße»' Korkhelm abkauft, der ihm so gut zu Gesicht steht ... und erst de« Damen..• Endlich ist Amerika bckorkhrlmr>u»d läßt sich stolz Z» Es«l knipsen. Geritten wir- zwar nicht, das tzicti« zu lange auf und Cook hat im Programm nur wem«« Stunden pro Schub am laufeiwen Pond vorgesehen. Der Korkhelm ist im geschlasstne« Auw zwar höchst über- flüssig, aber was schadcts? In-er Altstadt staut sich-er- Verkehr in-en citgen,. überbauten Gäßcken. Sie sind mit grünen Pfefserzwoigen geschmückt, und allerlei Schmalz» gcrüche-urchdrii^en die stickigen Lüste dieses Labyrinths. Das Fastenend« der, Bishauttuedayer lockt mit seinen Schmausereie». Das Pflaster ist mit Fellen und Häuten bedeckt, a»»ch mit kostbarer Perserteppichen, denen weder Kamelmist noch die Qnav» i«n der Kopte» und Abessynier etwas qnhohen könne». Bor-er Grabeskirche, die mitte» tu dem Durch» eiaaiScr der auf und abführenden Gäßchen gelegen ist, staut sich die andächtige. BolkSu»euge. Dröhnend tönen die Glocke» der deutsche» Erlhserklrche und mischen sich mit dem Gebimmel der griechisch«, Kdr« chenglocken, die glockenspielartig a« Drahtseilen rhvthmnch in Bewegung gesetzt werden. Segnend erheben di« Priester ihre Arn»« über-re kniende Menge. : Judesjeu sticht der griechische Luoipwirt am Jaffator ein frisches Faß bayerische? Bier an, denn der Tag ist heiß uud von Coots amerW»nische>d Reifeibüro wird soeben telephonisch gemeldet, daß ein fri- ! scher Schub mit 20 Autos di« Vorstadt passiert hab«. [— Die schwarzen Hotelboys bürsten sich ihre sgtt- :glanzenden Haare zurecht zu«» Antrete« am Portal, , und Mister Du-leehs Ori-inai-Negerjazzkapelle Ttimmk-bereits die Jnstrmnenke. William Warr»». Tritt 10. Somltag, 27. März 1932 Nr. 78 „Gustav mit der Hupe“ und„Emil**, Hane Joachim Schaufuß und Rolf' Wenkhaus in dem Ufa-Tonfilm„Emil' und die Detektive**, der nach dem erfolgreichen Werk unter der Regie von Gerhard Lamprecht gedreht würde. Phot, üf» Hane Albrecht Lohr,.' der jüngste der Detektive in dem Ufa Tonfilm „Emil und die Detektive** Phot, üf* Der Dreibund der Detektive. In der Mitte Rolf Wenkbaus als„Emil“, links Ernst Eberhard Reling, rechts Hans Joachim Schaufuss in dem Ufa Tonfilm „Emil und die Detektive** Aus dem prächtigen Jungenfilm der Ufa„Um» und die Detektive." PRAGER ZEITUNG en gros& en detail EieCNS ERZEUGUNG Das schicke Kostüm, den schönen Mantel nur von PRA6 PSlKOPV ja (Mine a. brauens) AI nwJ^Stock^ Eingang innen im Hause. (Bus dilo Damen* uMädchsn-Kleidung töne da- J An arns Xr. An dphiil Das aparte Kleid fßüStft; nur von MWeUuvgeu aus Dem PublUum. Sommerfrische Rötha« bei Graslitz(Erzgebirge), ruhige, waldreiche Gegend von hoher landschaftlicher Schönheit. Bequeme Spaziergänge nach allen Richtungen im Hochwald. Preise für Wohnung und Verpflegung mäßig- Auskünfte und Prospekte sendet über Verlangen das Gemeinedamt. 1525 Wie Sand am Meer werden hustenstillende Zuckerl'n. dgl. angeboten, so daß der Verbraucher, der den, Arzt nicht zu- Rate zieht, schwer das Richtige findet.' Es sei dem Leser ins Gedächtnis zurück- gerufen, daß L a k er o l> Tabletten vom Arzte zur Hygiene von Mund und Hals bei Erkältungssällen, Rauchcrbeschwerden usw. vieltausendfach verordnet werden. Der Laie merke sich: Zur Stimme-, Mnnd- und Halskultur, nimm L a k e r o l»Tabletten nur. Beachten Sie das heutige Inserat. 1193 In Tranersällen finden Sie, Gnädigste, jegliche Trauer-Kleidung(Kleider, Mäntel, Kostüme, Com- pletS) für jede— auch die stärkst« Figur—, in der separaten Trauer-Abteilung der Firma' Büsch, Damen- und Mädchen-Kleidung en gros und en. detail, Prag, Pklkopy(Mitte des GrabenS), nur I. Stock, Eingang im Hanfe. Auch mittags geöffnet. 1528 Fröhling im Hinterhof. Im Hinterhof kündet sich der Frühling nicht „mit Brausen" an. Kein Gras sprießt zwischen den Pslastersteinritzen, weil gar zu viel Füße täglich dar» überhinweggehen. Und wenn irgendwo ein kümmerliches Bäumchen sicht, so muß es sich seine Kraft so mühselig aus der verbauten Erde holen, daß es nur sehr langsam zum Grünen kommt. Und doch merkt man es auch hier, sogar stärker als anderswo, wenn es Frühling geworden ist. Plötzlich sind alle Fenster weit geöffnet und blank geputzt. Betten sonnen sich im ersten-Strahl, der für«in« kurze Stunde übers Dach« gewandert kommt, und der Hof ist voller Kinderlärm. 'Denn man hat den ganzen Winter über besonders gespannt äwf den Frühling gewartet. Deshalb verpaßt ihn hier niemand. Einer reißt morgens das Fenster auf, gleich ist das für di« andern ein Signal: nun heraus mit dem Frost, mit der kranken Feucht« auS den Wänden, aus den Bitten, aus den Kleidern. Man erlebt den Frühling nur an der Luft, nur an dem bißchen Sonne, das in den Hof hinauskann. Und an dem Bäumchen, das vielleicht irgendwo in einer Ecke stcht. Die Mauern bleiben weiter schmutzig, häßlich, der Hof weiter aus nacktem Stein. Aber man begrüßt den Frühling inbrünstiger als er jedes Jahr von denselben Luxusreisenden an der Riviera begrüßt wird. Es dauert ja auch nicht lang«. Der Sommer ist schon wieder«ine Qual im Hinterhaus. Di« Hitze brütet zwischen den Mauern, die Luft ist stickig, der Müllkasten verpestet die Lust. Und der Baum läßt seine Blätter traurig und dürstend hängen. Im August schon gibt er«s auf und verwelkt. Er braucht einen langen Schlaf,, um im Frühling Kraft zum Sprießen zu haben. Di« Menschen um ihn herum aber brauchen einen langen Frühling, um Kraft zum Weiterleben zu haben. Tana. x. JD AromAei Die Arößte illustrierte VocAenscArift trs■•’ Di« Schriftsachverständigen Red. F l a n d« r k a uüd.Dir. Tarantik hatten ein neues eingehendes Gutachten erstattet, das angeblich zu keinem neuen Resultat gelangt. Da der zweit« Sachverständig« Tar antik wegen ernstlicher Erkrankung nicht erschienen war und der Verteidiger auf seiner per- sünlichek Anwesenheit beharrte,- mußt« di« Verhandlung, die im übrigen bereits reif zur Urteilssällung war, noch einmal auf unbestimmte Zeit vertagt werden. Die Verteidigung stellt« noch eine Reihe von Beweisanträgen, die insgesamt als belanglos abgelehnt wurden. Die behördlichen Personal! ausweise bemerken, daß gegen den Angeklagten sonst nichts Nachteiliges vorlieg«, doch sei er als Sonderling und ungeselliger Mensch bekännt. rb. Kunst und Wissen Uraufführung„Wirbel in her Zirbeldrüse". Rach dem Erfolg des„Jasager" haben der.^Deutsche literarisch-künstlerische Verein" und die„Concordia" durch Vermittlung des Merlin-Verlages, Baden- Baden, die Uraufführungsrechte der dramatischen Groteske„Wirbel in der Zirbeldrüse" von Walter Seidl und O. W. erworben. Diese szenische Schöpfung demonstriert die Folgen der mißverstandenen piychoanalytischen Heilslehre. Die Aufführung findet in der zweiten Aprilhälfte auf der Bühn« des „Mozarteums** statt. In den Hauptrollen: Renner, Walter Taub, Fe« von Reichlin, Bertram, Leit geb. Spielleitung: Hölz lin, Dekorationen: Emil Pirchan. Heut«:„Faust" 1. Teil. Anfang pünktlichst halb 7 Uhr(134—11). Morgen:„Die Meistersinger von Nürnberg." Dirigent: Max Rudolf. Anfang 6 Uhr(135—111'). Ensemblegastspiel Max Pallenberg:„Eins, zwei, drei."—„Die Remo-Bank." Max Pallenberg wird Samstag, den 2. April, und Sonntag, den 8. April, mit eigenem Ensemble gastieren. Am ersten Abend gelangt„Eins, zwei/ drei" von Molnar zur Aufführung; am zweiten Abend findet die Premiere von „Die Nemo-Bank" von Berneuil statt. Beide Abende bei aukgehphenem Abonnement. Anfang halb 8 Uhr. .„Mikado." Neues Deutsches- Theater,, am 9 April. Borbestellungen Telephon 52821. Conrördia-Goethe-Feier. Kleine Bühn«, gm 6. April.' Arbeitervorstellung„Marquis von Keith", eines der berühmtesten und bühnenwirksamsten Schauspiele von Frank Wedekind, am Sonntag, den 10. April, um halb 3 Uhr nachmittags im Reuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8—2 und 4—6 Uhr bei Optiker Deutsch, Graben, Palais Koruna. Wochenspirlplau des Reuen Deutschen Theaters. Sonntag, 2 Uhr:„Madame Dubairh"; halb 7 Uhr:„Faust"(131—11)..— Montag,«Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg"(135—III). — Dienstag, hakb 8 Uhr:„Madam« Dubarry" (136—IV).— Mittwoch, halb 7 Uhr:„F a u ft" (137—1).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„D«r Freischütz"(138—11).— Freitag, halb 8 Uhr: .Kabale und Liebe"(139—III).— Samstag, halb 8 Uhr: Max Pallenberg:„Eine gute Empfehknnfj!"„Eins, zwei,' drei..."— Sonntag, 11 Uhr; Kammermusik; 2 Uhr: „Faust"(K.- D.- Arbeitnehmer); halb 8 Uhr: „Nemo-Bank"(Max Pallenberg).— Montag halb 7 Uhr:„Faust**(140-IV). Wocheuspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 3 Uhr:„Der Mann mi t den grauen Schläfen"; 8 Uhr:„Die ungeküßte Eva." Montag,-8 Uhr:„DerMannmitdengraueu Schläfen."— Dienstag, 8 Uhr:„Ri na" (AbonneMeNI),.— Mittwoch, 8 Uhr:„Der Ma*nn mit den grauen Schläfen"(Abonnement).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Diktatur der Frau«N."— Freitag, halb 8 Uhrt„Der Mann mit den grauen Schläfen"(Kulturverbands, freunde).— Samstag, 8 Uhr:„Der Mann mit den grauen Schläfen"(Abonnement).— Sonntag, 3 Uhr:.Intimitäten"(Abonne- ment); 8 Uhr:„Die ung«küßt« Eva"(Abonne« I' meni).— Montag, 8 Uhr:„Der Mann mitden -grane»:Schläsen"-(Abonnement).. Der Film Konrad Beidt als Ra putin. Keinem andern deutschen Schauspieler des Films könnte man den Rasputin in Filmverfälschung weniger glauben als Beidt; das ist das Einzigartige a» diesem Künstler, daß sein Können über den engen Rahmen manches schlechten Manuskripts hinweggekommen ist zu wahrer und echter Menschlichkeit. Ter-Film schildert den Wundermönch und Beherrscher des letzten Zaren vor allem als Quartalsäuser und Frauenwüstling ungustiösester Art; schon im Dorf vLrsppist dieser Uebermensch Frau auf Frau und auch am Zarenhof führ«« alle weiblichen Weg« z>> ihm aufs Lag«r. In Wirklichkeit dürste er aber mit dem Petersburger Normalmaß der Ausschweifung ganz zufrieden gewesen sein.und daß der Film gerade diese historisch« Unwahrscheinlichkeit zur Grundlage der Verschwörung gegen Rasputins Leben nimmt, ist das Unmögliche dieses Films. Rasputin ist hier nicht jener klerikal« Pazifist, der voll der Militär- Partei, die gegen den Zaren revoltiert, ermordet wird, fein Filmpazifismus entspringt dem Alkohol und Wahn— hier trifft sich deutsche Produzentenmoral mit der Frankreichs im„Ende der Welt".— Aber wie dem auch immer sei, der„Böse** wird eben zur Seite geräumt'4« 100 50 20 « 50 Mein lieber, guter Mann Ing. Otto Ditmar 3076 0 ri qi pal-Packungen, Kc5~u.1O'. 23 Filialen. 3 Exposituren. Selchwaren der Fe. MEGNER ck Cie., PILSEN. SIND DIE ALLERBESTEN! Wilhelm und Berta Ditmar. Eltern. Vertonst» An in feder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Rrme HEGNE» A CI«.. PILSEN folge in Temesvar in Rumänien eine Zentralstelle für>«n Mädchenhandel aufgestöbert wurde, die. ihre durch Agenten in Oesterreich, der Tschechoslowakei und m Süddeutjchland aufgebrachte War« nach den Balkanländern vertrieb. Hauptfiguren in dem Buche sind Mister W. I. Brown, ehemaliger Artist und nunmehriger amerikanischer Theaterkönig und Millionär,-er, skrupellos im Geldverdienen aus den schmutzigste» Quellen seinen Reichtum schöpft, aber doch ängstlich darauf bedacht ist, daß seine Tochter Gaby von den Quellen seines Reichtums nichts erfährt. Eben weilt er zum Abschluß einer neuen Lieferung von Tanzmädchen in Wien, als in dem Revue-Theater, in dem die sechs Girls auftreten, ein Brand ausbricht, der sie, brotlos macht und ihre Geneigtheit, ein anderes„Engagement einzugehen, steigert. So verpflichten sie sich zu> einer Balkantournee, doch sie werden dabei von Gaby, der Tochter des gewissenlosen Mädchen Händlers, begleitet, das sich ihnen anschließt, um den Geschäften ihres Vaters fatagli-Ta&ettcD sind für Alt und Jong das Spezifikum hyjie- ■iseber Atem-, Mund- und Halskultur, besonders bei Ver-, ■scWehnung, Hustenreiz, Raucherkatarrh, Mundtrockenheit usw, F, Ahlgrena, Teknlska Fabrik. Gefle, Schweden. KiMWcli in jeder Apotheke und Drojene. Wo nicht^rh^t- Heh, dann können Sie direkt nun GtaunMhpot: Brawn Apotheke nm v«Bm i li vW, N«t U, Whopy N, besielwn. am?6. März 1932. Renee Ditmar. Gattin. Helene. Tochter. Rene Georg. Sohn. starb nach ganz kurzer Krankheit am Donnerstag, den 24. d. M., in Prag. Die Einäscherung rindet Dienstag, de» 29. d. M., um 10}» Uhr im alten Wol- schaner Krematorium statt. Horn! Cernoäice— Praha, Karl Ditmar, Julius Ditmar, Brüder. Prag, Na Prikop£ 30. Gegründet 1860. seltsamer Mensch und«in toller Geselle. Groß und dick, schwer wie ein Ochs«, war er ein Genießer wie nur einer, er soff, was Zeug hielt, ein Prasser und Spieler, der schließlich davongejagt und vor ein Hofgericht gestellt wurde. Seinem plötzlichen Tode gingen vier Jahre auf der Burg zu Breslau voran. Ebenso glänzend charakterisiert wie dieser lebenslustige Fürst sind die anderen Gestalten des Romans, so-er ihm zur Seite stehende Marschall von Schwei- nichen, ebenso dürr und ewig verdrossen wie sein Herr beleibt und fröhlich und immer zu Streichen gelaunt, dann Heinrichs Leibarzt Doktor Schramm und der Pag« Silvano. Das ganze ist übergossen von einem prächtigen Humor.—r. „Beine, und Banditen." Der Roman einer Girl- Truppe von Pa u lEd m ust d v on H a h n.' BM lag Knorr u'Hirttz, München..Den noch immer schwunghaft betriebenen Handel mit Menschenfleisch tu einem Roman därzustrllen, dazu scheint den Ber- fasser«ine Zeitungsnotiz angeregt zu haben, derzu- !»■ Die unterzeichnet« Organisation schreibt hiermit-zu sofortiger Besetzung den Posten eines 0Ktö|enretäM für die Agitationsgebietc Aussig, Bodenbach, Böhm.- Kamnitz aus. Gefordert wird: Alter unter 40 Jahren, möglichst Kenntnisse der tschechischen Sprach«, der Stenographie und des Maschinenschreibens, mindestens 5jährige Zugehörigkeit zu einer freigewerkschaftlichen Organisation. Bewerbungen sind bei gleichzeitiger Vorlage der notwendigen Unterlagen und Empfehlungen bis zum 15. April l. I. einzubringen. Verband der Arbeiter und Bedienstete« in Handel, Transport und Verkehr mit dem Sitze in Aussig. spruch Gemeingut ersteht, an welchem teilhaben alle, di« in der Zielsetzung eines Sozialismus Heil uns Befriedigung der Menschheit sehen. Französisches Turn- und Sportfest. Der letzt« Kongreß des französischen sozialistischen Arbeitersportverbandes hat seiner elsässischen, Sektion di« Organisierung-es.5. Bundessestes Pfingsten 1983, das internationalen Charakter haben soll, übertragen. Die Stadt Gueöwiller am Fuße der Vogesen, in der Nähe des im Weltkrieg bekannt gc- wordenen Hartmannsweiler Kopfes, ist als Festort ouSersehen Worten. Bürgernreister der Stadt ist der Sozialist Fouilleron. Die Verbände der Sozialistischen Arbeitersportinternational« sind zu dem Fest eingeladen. iraegom Holland Auroras weltberühmte auf den Grund zu kommen. Run muß Brown selber di« Roll« des Befreiers der verfchackierien Müschen übernehmen. Der Autor weiß di« Erlebnisse der Tanzgirls und die Jagd nach ihnen recht lebendig und anschaulich zu erzählen.—r. rew~»• ,,sm Präs V1L, VhnHkä io***■->« Generalverfretun» der Firma H. Honold, Rolladenfabrik Leipzig, Dresden, Königsberg ■ililgsle UcieruaseD von Jalousien und toullenui 1534 15 lebende Pflanzen der allerverschiedensten Arten! 10 Hyazinthen Candieans(Kaplilien), die Königin der Blumen. 50 Anemonen, die beliebten Blumen mit ihrem Farbenregenbogen. Ranunkeln, die„kleinen Rosen" in allen schönen Farben. Oxaus Deppei, die sogen.„Glückswurzel". Montbretien in verschredencn Farben. Dahlien„Auroras Roem". 350 Blumenzwiebeln und Pflanzen für XL 96.—. Doppelkollektion(700 St.) für XL 180.—. Prompte Bedienung. Lieferung frachtfrei an heu Bestimmungsort. Ein Gesundheitsattest vom Phtzto- pathologilchen Institut ist feder Sendung beigefügt. Alle Bartetäten sind etikettiert und seperat verpackt. Illustrierte Kulturanweisungen in deutscher, englischer oder französischer Sprache sind den Senoungeu gratis beigefügt. Jeden Bestellungen, die wir zugleich mit dem Gelbe erhalten, fügen wir noch gratis sechs unserer Neuheiten„Auroras weltberühmte , Tigerlilien" bei. 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Di« Geschichte des Herzogs Heinrich XI. von Liegnitz, di« Alfred Neumann die Historie nachdichtend erzählt, führte in längstvergangene Zeiten, aber man liest sie mit brennendstem Interesse, wie es nu* wenige Gegenwartsromane zu erwecken vermögen, denn d«r Verfasier weiß nicht nur di« Zeit wunderbar lebendig zu machen, er weiß auch di« Gestalten des Romans ebenso Plastisch wie köstlich zu gestalten. Auch ist die Handlung reichbewegt, was aber den Haupworzug des Buches bildet, das ist di« selten« Erzählergab« des Autors und di« gepflegte Sprach«, in der er schreibt. Es geht oft recht derb in diesem Buche zu, denn dieser Herzog von Liegnitz war ein Gericht. Roman von Stefan poNotschek. Seltsam ermüdet verließ der Rechtsanwalt die trotz der Vormittagsstunde in Dämmerung liegende Wohnung des Arztes und fühlte sich trank, schwach und irgendwie sehr benommen von dem plötzlichen Anfall. Noch langsamer schritt er aus, das Gehen schmerzte ihn, seine Gedanken waren unklar, er wollte nicht weitergehen, doch mechanisch setzte er, seine Schritte fort, bis er die Gasse durchschritten hatte und sich einem weiten Platz gegenüber befand. Ein weitläufiges, schmutzig aussehendes Gebäude fiel ihm auf, und Nützlich erkannte er es, das war ja der Bahnhof. Ohne zu denken, ohne zu überlegen und ohne zu pudern schritt er zur Kasse und nahm eine Fahrkarte zweiter Klasse nach Paris. Im Coups lehnte er sich in die Ecke, Bahnhofhalle, das hastige Treiben, die Rufe, Reisende und Begleitpersonen, alles kam ihm unwirklich und gespenstig vor. Kaum setzte sich der Zug in Bewegung, die ersten rhythmischen Bewegungen des Dahingleitens waren noch nicht richtig. emp- findbar, als Doktor Westen in einen liefen Schlaf verfiel, der viele Stunden lang anhielt. Bon unsanften Männerhänden geweckt, war er sich seiner Situation absolut nicht bewußt. ES stellte sich heraus, daß der Erwecker aus dem. schönen Schlaf ein Grenzbeamter war, der den Paß des Reisenden durchaus zu sehen verlangte. Dr. Westen griff mechanisch nach seiner Brusttasche und im Augenblick war sein Plan fest umrissen. Er heuchelte Erstaunen, hielt nach seinem nicht existierenden Gepäck Umschau und brach dann in ehrliche Klage aus, daß ihm während des Schlafes wohl Gepäck und eine Dokumententasche, die er bei sich trug, gestohlen worden sein dürsten. Zum Glück hatte der Dieb d»e Geldtasche, nicht gefunden, die in einer Innentasche untergebracht war und die jener Unhold nicht entdeckt habe. Der Beamte drückte sein Bedauern aus, doch ändere dies nichts an feiner Instruktion, der Herr müsse aussteigen und mit ihm zu dem in einer Halle am Perron amtierenden Grenzamt mitkommen. Dort mußte Dr. Westen neuerlich die ganze Diebstahlsgeschicht« erzählen, die zu Protokoll genommen wurde und die er nun mit seinem Namen unterschreiben mußte. Nicht eine Minute zögerte er und uvter- schrieb mit ruhigen Zügen:„Dr. med. Brunner." Nun meinte der Grenzbeamte, daß er für diesen seltenen Fall eigentlich keinerlei Weisungen habe, und daß er über die Identität des Dr. Bonner in seiner Heimatstadt telegraphisch die näheren Recherchen einholen müsse. Bis zum Einholen derselben müsse sich der Herr wohl hier gedulden. Aber Westen begehrte nun auf, wie sich das Amt die Sache wohl vorstellc. Er sei Arzt und ein Jugendfreund, der die Marotte habe, sich nur von ihm behandeln zu lasten, liege in Paris krank danieder. Er habe kein« Zeit, bürokratische Verhandlungen abzuwarten, von feinem rechtzeitigen Eintreffen hänge Gesundheit, ja vielleicht sogar das Leben eines Menschen ab, das sei doch keine Kleinigkeit. Vor der Holzhütte hatten sich nun mehrere Reisende eingefunden, die alle auf irgendwelche zollamtlichen Erledigungen harrten. Mit verblüffender Sicherheit wählte Westen aus- der Reihe der Wartenden eine Dame, die er höflich begrüßte und die seinen Gruß erwiderte. Westen meinte nun zu dem Beamten, daß hier«ine Dame wäre, die seine Identität gewiß bezeugen könne, und schritt gewandt auf jene Dame zu, die ihn sofort mit-en Worten begrüßte:„Guten Tag, Herr Doktor!" Westen war einen Moment lang verblüfft und spielte dann seine Rolle mit Virtuosität zu Ende. Er erzählte von dem peinlichen Mißgeschick, das ihn getroffen, das Unangenehmste sei jedoch der Verlust des Passes,-er die Fortsetzung der Reise in Frage stelle. Doch .es sei ei« Glück, daß er nun die Dame getroffen habe, die seine, Dr. Brunners Identität beweisen könne. Die Formalitäten waren nun binnen kurzem zu Ende, und Dr. Westen saß bald wieder in seiner Coupeecke, sich lebhaft wundernd, was -er Mensch alles könne, was alles in ihm beschlossen liege. Er dachte daran, daß ex seit geraumer Zeit nicht die Unwahrheit gesprochen hatte, daß er die Lüge seit jenem seltsamen Vorfall im Vaterhaus tatsächlich haßte, und wie er nun mit einem Male so vollendet gelogen und Komödie gespielt habe, als wäre er sein ganzes Leben Hochstapler gewesen. Dr. Westen verspürte Hunger und begab sich in den Speisewagen. An einem kleinen Tischchen saß allein jene Dame, die ihm bei der Grenzkontrolle geholfen hatte, er grüßte höflich und bat um die Erlaubnis, der Gnädigen Gesellschaft leisten zu dürfen. Dies wur-e gewährt, und'bald war er in eines jener harmlosen und nichtssagenden Gespräche vertieft, die er sonst haßte und das ihm heute zu führen«in gewisses Behagen bereitete. Er erfuhr, daß die Dame zum Besuch ihres Bruders nach Lyon fahre und dann mit ihrem Gatten in Paris zusommentreffe, um von dort" aus eine gemeiusamc Reise nach London zu unternehmen. Die Dame klagte über arge Kopfschmerzen und fragte, ob der Herr Doktor nicht irgendein Beruhigungsmittel mit sich führe. Lei- der sei ihm, so antwortete Westen, auch seine Medikamententajche mit dem Gepäck gestohlen worden, und er bedauere daher außerordentlich, für den Moment nicht helfen zu können, es sei denn, daß die Dame gegen eine leichte Kopfmassage nichts einzuwenden habe. Dr. Westen, bei? selbst in Erstaunen geriet, welck>e Worte aus seinem Munde kamen, und der stets glaubte, daß irgendein andrer Mensch aus ihm rede, während der wirkliche Dr.' Westen vielleicht zur gleichen Zeit daheim in seiner Kanzlei saß und Briefe schrieb oder Konferenzen abhielt, bemerkte ein leichtes Feuer im Auge seines Gegenübers, das Versprechen oder Gewährung verhieß. Nach eingenommener Mahlzeit begleitet« Dr. Westen die Dame in ihr Coup« und bat sie, mit der Massage beginnen zu dürfen. Die Dame legte sich aus dr« Bank, Dr. Westen kniet« sich vor ihr nieder, strich ihr das Haar aus der. Stirn und begann mit irgendwelchen Bewegung über ihre Stirn zu streichen. Die Röcke der Dame hatten sich verrückt und Dr. Westen sah, während er mechanisch die Stirn strich, ein paar wundervoll geformte Beine. Er verspürte lange nicht empfundene Begierde, wie zum ersten Male ward sein Körper erschüttert, und nicht achtend der unversperrten Mr und der sonstigen Gefahren, stürzte er sich auf tzäS Weib, das ihn scheinbar nicht ungern empfing. Als Dr. Westen wieder in seinem Coups saß, sucht« er sich über all das Vorgesallene Rechenschaft zu geben, aber es gelang ihm nicht. (Fortsetzung folgt.) itt«*S«ekec- Ltzeleetzeltta« JtiekM*.— Bar«a»totfli4««tatest: Dr. CatU Vta«.*-»ruck:„Sytf UJk Seite»«-«* vuch>>ni«,— 8*5»««aMnti*: Otto Mit, K£» riSL'L ÄÄSTÄ Lv: SÄ tÄÄ“*-*■> Sonntag, 27. März 1931 Nr. 78 S«it« 12. .3» N. RELLA& NEFF GESELLSCHAFT M. B. H. £ BETONBAU: 1610 / BANKHAUS PETSCHEK& Co TELEGRAMM-ADRESSE: PETSCHEKOMP. 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