12. Jahrgang. Donnerstag, 31 März 1932 Rr 77. Filipo Turati Aus Paris kommt die erschütternde Kunde, Laß Filipo, Turati, der greise Führer nicht nur der italienischen Sozialisten, sondern der demokratischen Emigration Italiens überhaupt, in der Verbannung gestorben ist. Was uns am Tode des 75jährigen so sehr ergreift, ist sein Sterben vor dem Ziel. Millionen freilich sind ins Grab gestiegen, ohne das Land der Verheißung, den Anbruch einer neuen Zeit erlebt zu haben. Turati aber, wie so vielen italienischen Sozialisten, war es verwehrt, an dem Posten zu stehen, an dem er sein Leben lang für den Sozialismus gekäulpft hatte; in der Verbannung, fern von den italienischen Arbeitern, die unter der Knut« des Fascis- mus seufzen, mußte der alte Mann seinen Lebensabend verbringe» und sein ganzes Sehnen hat dem Tag gegolten, da Italien wieder frei sein würde: ,Er hat nun den wirtschaftlichen Zusammenbruch Italiens, die Flammensignale der Bauernunruhen und der kühnen Demonstrationen einzelner noch erlebt, aber er mußte doch von uns gehen, ehe das fluchwürdige, blutbefleckte System des Fascisntus zusammenbrach. Das schmerzt uns zumeist am Tode dieses großen und edlen Mannes, der einer der besten Köpfe Italiens, nicht nur ein Politiker, sondern auch ein Schriftsteller von großem Wurf wär und den der rachsüchtig« Feind als Siebzigjährigen über die Grenze jagte. Turati lvar seit Jahren vielleicht nicht der tatsächliche Gegenspieler Mussolini?— das konnte er bei seinem Alter kaum mehr sein—, aber die sinnbildliche Gestalt, ans die sich di« Blicke aller richteten, die Italien Lik Erlösung von der Schmach und der Last des FascismuS wünschten. Mussolini wird den Tod des gehaßten Mannes, dessen Heroismus und sittlichen Triumph über sei« elendes' Renegatentum er wie einst die Existenz MatteottiS gefürchtet und gehaßt hat, mit dem Gefühl der Erleichterung hinnehmen.' Wir aber sistd überzeugt, daß T ü r a t i n e n e K ä m p> fer nachwachsen werden, daß der Tag kommen wird, da die Arbeiter Italiens die Gebein: Filipo Turatis, die sie nun in fremder Erde zur Ruhe betten müssen, in ein freies Italien zurückführen werden! Londoner Meerendbesprechung zwecklos? Paris, 30. März.(Eigenbericht.) In diplomatischen Kreisen wird der Zusammenkunft TardieuS mit Mardonald durchaus nicht di« Bedeutung beigelegt, die ihr ein Teil der Presse gibt. Man glaubt nicht, daß die Aussprache ein positives Ergebnis haben wird, da Mardonald, der der Anreger der Viermächte-Konferenz ist, sich nicht vor dieser Konferenz gegenüber Tardieu binden kann. Auch find die Auffassungen Frankreichs und Englands in der Frage des Dvuau- projektes wie auch in der Reparationsfrage einander diametral entgegengesetzt. V Der KrMtanstatt-Skandal. Wi«n, 30. März.(Eigenbericht.) In eiäor WählervevstürunluM beschäftigte sich heute der Wiener Finanzreferent Genosse Breitner mit dem Skandal der Kreditanstalt und stellte fest, daß sofort, nachdem im Mai 1931 bekamst gegeben chorden war, daß die Verluste der Kreditanstalt 140 Aliüionen Schilling betragen, her damalige Finanzberater und jetzige Generaldirektor der R^ievuug evklüvt hübe, daß die Verluste c i n Vielfaches dieses Betrages ausmochen, daß die Regierung dies aber der Oofsentlichkeit v e r- schwiegen habe. Nur dadurch könnt« der Nationalrat zur Uebernahnre der Bmrdeshaftuttg bestimmt werden.- Breitner.stellte fermer fest, daß die Bilanzen ebenso dec Bodonkrcditanstalt wie der Kreditanstalt nicht izur falsch sind, sondern nrit Bewußtsein nach lamgen Beratungen gefälscht wtrrden. Keine Kündigung des Handelsvertrages durch Sesterreich. Wie», 30: März. Der heute stastgefundene Ministerrat hat beschlossen, den Handelsvertrag mit Ungarn zum 1. April zu kündigen. Dagegen hat er sich mit der Frage der Kündigung des Handelsvertrages mit der Tschechoslowakei nicht befaßt. Tie Frage wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Ebenso. unterblieb die Kündigung der anderen Handelsverträge. Zusammenstöße im Ostrauer Revier Kampf zwischen Polizei und Demonstranten/ Drei Schwerverletzte Mährifch-Ostra«, 30. März.(Eigenbericht.) Bei Suchau kam es heute zu einem gefährlichen Zusammenstoß zwischen der Polizei und demonstrierenden Arbeitern. Die Demonstranten versuchten trotz dem Verbot jeglichen Aufmarsches gegen den Schacht vorzudringen, woraus di« Polizei sie zerstreuen wollte. Dabei kam es nun zu einem Kampf zwischen den Demonstranten und der Polizei. Angeblich wurden zunächst von feiten der Demonstranten drei Schüsse abgegeben, durch di««in Polizist, der Oberwachmann Pokorny aus Privoz, schwer verletzt wurde(Lungenschuß). Run erst soll die Polizei von ihren Dienstrevolvern Gebrauch gemacht und ihrerseits Schöffe abgegeben haben. Es wurden zwei Arbeiter schwer, zwei leicht verletzt. Bon den Polizisten erlitte« sechs leichte Berletzunge«. Den Demonstranten wurden verschiedene waffenähnliche Instrumente, wie Eisenstangen usw. abgenommen. Verhaftet wurde der Kommunist Fierling«r aus Prag, außerdem soll der kommunistische Senator M i l u l i v e k an der Demonstration b« teiligt gewesen sein. Zur Stunde herrscht Ruh« im Revier, die Polizei hat strenge Bestimmungen erlassen, durch die«ine Art Ausnahmszustand hergestellt wird. Die offizielle Darstellung. Prag, 30. März. Das Tsch. P.-B. meldet: In dem Birkenwald hinter der polnischen Bür- gerschule in der Gemeinde O b e r- S uch a u im Bezirk Freistadt versammelten sich heute etwa 9 Uhr vormittag ungefähr 2000 Personen, um eine illegale Versammlung abzuhalten, da-eine Versammlung im Arbeiterhaüs verboten worden war. Die Demonstranten rotteten sich von allen Seiten in Gruppen von 20 bis 50 Personen zu-, sammen. Als sie die uniformierte Sicherheitswache hinausdrängte, warfen die Demonstranten mit Steinen auf die Wache. Junge Demonstranten griffen in Gruppen bis zu 50 Personen die Wache mit Z a u n l a t t en an. Die Wache wandte gegen die Demonstranten, den.Auiy nji^ knüppel an. Bor der Kolonie„Grafensiedlung" wurden aus den Reihen der Demonstranten drei. Schüsse gegen di« Wache abgefeuert, wobei der Oberwachmann P o k o r n durch einen Schuß in die Brust schwer verletzt wurde. Nach diesen Schüssen stürzten sich ungefähr 500 Personen auf die Wache, di« in zwei Gruppen vorging. Am meisten war die rechte Gruppe der Wache unter Führung eines Polizrweamten bedroht, in * 21.500 Streikende in Nordwest- bödmen. Brüx, 30. März. Ter Streik im»ordwest- böhinischcn Bergbaugebiet nähert sich allmählich den Grenzen seiner Ausdehuungsmöglichkeit. Die Zahl der Streikenden beträgt heute 21.500, die Zahl der stillgelegten Schächte rund 80. Im Brüxcr Revier hat sich der Streik noch auf den kleinen Jgnis-Schacht in Prohn(Brücher Kohlenwerke), im Komotauer Revier aus den Julius-Schacht der Mannesmannröhren- Wcrke, auf die Anna-Zeche der Nestomitzer Zuk- kerraffinerie in B r u n n e r s d o r f, auf die Gruben Rafaeli in Karbitz und Elsa in Deutsch- Kralupp ausgedehnt; die beiden letzten Gruben gehören der Poldihütte, deren Elektrizitätswerk sie beliefern. Im Tepliher Revier wurden seit dem letzten Bericht stillgelegt: Gabriel ,in I ü d e n d o r f, Wenzel in T e p- l i tz(Brüxer Kohlenbergbau-Gesellschaft), Bri- tannia in P r o b st a u und Viktoria in S o b o r- t e n(Vereinigte Britania-Kohlenwcrke A.-G.), ferner Phoenix in S ch a l l a n(Gewerkschaft Maximilian Augustus), Peter und Paul in R c ch w a l i tz(Grohmann), Karl in Zuck- mantel, Albert in Schönfeld(Böhmische Handelsgesellschaft),,Hugo in Settenz(Firma Dudek), Einigkeit in Z u ck m a n t e l(Glasfabriken Fischmann Söhne) und eine Reihe kleinerer Schächte. Insgesamt sind im Teplitzer Revier bisher etlva 20 Schächte stillgelegt. der der Oberwachmann Pokorny, nachdem er verwundet worden war, in Notwehr die Schußwaffe gebrauchte, worauf auch Schüsse aus der linken Grupp« der Wache sielen, ohne daß der Befehl zum Schießen gegeben worden wäre. Die Demonstranten wurden bis hinter die Straße gedrängt und erst zerstreut, als Gendarmerie und Polizeibereitschaft eintraf. Von den Demonstranten wurden verletzt: Ladislaus K ä rvi ns fy aus Ober-Suchau Brustfchuß: Alois Plutnar aus Ober-Suchau Fußschuß und Kopfverletzung durch Steinwurf; Heinrich Muöina aus Dber-Suchau Verwundung an der rechten Hand,' und Rudolf M o- l e'n d a aus Ober-Suchau(Art der Verletzung bisher nicht festzustellen). Bon der Wache wurden verletzt: der Oberwachmann Marek-Pokorny schwere Schuß- vdAetzuN'g in die Brust, die" Lunge getroffen; Re- .Vierinspcktor Ladislaus Bl'ü» anek'Kopfverletzung durch Steinwurf: OberwächmaNN Josef Garoelka Verletzung an-der linken Hand durch einen Lattenhieb: Wachmann Josef Soho t i k, Verletzung am Kops durch Steinwurf; Wachmann Karl K o r ü n e k Verletzung am Fuß durch einen Lattenhieb; Inspektor Josef Schonwald Fußverletzung durch Steinwurf. * Die Lage im Mauer Revier. MLHr.-Ostrau, 30. März. Bon der Nachmittagsschicht streikten heute bei der Berg und Hütten auf drei Gruben 1268 Bergarbeiter von insgesamt 1531, bei der Gesellschaft Or- lau-Lazy auf drei Gruben von 1430 Bergarbeitern 978. Im ganzen streikten also auf sechs Gruben von 2961 Bergarbeitern 2246. Auf den L a r i s ch- Gruben wird nicht gearbeitet.(Feierschicht.) Auf der W i l cz ek-Grube „Johann-Maria" wurde heute normal gearbeitet, auch die Kommunisten und deren Führer kamen in die Arbeit. Auf der Treifaltigkeits- und Emma-Grube ist- Feierschicht. Die Gruben der übrigen Gesellschaften sind vom Streik nicht betroffen. Lellftreik im Revier von Klavuo. K l a d n o, 30. März. Der Streikagitation der Kommunisten gelang es vorläufig, daß die Arbeit auf der„Schöller"- und„May rau"« Grube und bei der Nachmittagsschicht auf der „R o n n a"-Grübe eingestellt wurde. Aus allen übrigen Schächten würde die Arbeit nicht eingestellt. Die öffentlich« Versammlung in LibuSin, zu der sich etwa 300 Personen«ingefunden hatten, wurde ausgelöst. Kein Ausnahmszuftauv. Prag, 30. März. Zu der Nachricht eines Prager Rachmittagsblattes, daß in Komotau heule der Ausnahmszustand erklärt worden sei, wird amtlich erklärt, daß diese Nachricht nicht im geringsten den Tatsachen entspricht. Weder i« Komotau noch sonstwo wurde der Ausnahmszustand erklärt. 3n Oesterreich seht es! Wien, 30. März. Im Jahre 1931 wurden in der Arbeitslosenfürsorge 275.8 Millionen Schilling ansgewendet, von denen 233.6 Millionen (1,150,000.000 K&) durch Beiträge der Ar- nehmer und Arbeitgeber und 42.2 Mil lionen vom Build vorschußweise gedeckt wurden. Da der Bund in den vorausgegangenen sechs Jahren bereits Vorschüsse von 84.8 Millionen nicht hatte hereinbringen können, ist durch di« Arbeitslosenfürsorge nun bereits ein Loch von 126.5 Millionen Schilling entstanden. Germinal Der Kampf der Bergarbeiter „Germinal" heißt der klassische Bergarbeiter-Roman des großen Franzosen Emile Zola; das Wort wäre etwa mit„Gärmond" zu' übersetzen. Ein Streik der, französischen Bergarbeiter, der in die Zeit um März uad April fiel, der die Revolution(seinerzeit den Monatsnamen Germinal gegeben hatte, gab den Anlaß zu dem Titel, der tatsächlich liefere Bedeutung hat, der sagen, will, daß lang Unterdrücktes mächtig zu gären, lang Gedämpftes sich zu regen beginnt; Auf st and und Aufbruch, Kampf und Gefahr liegen in dem Wort. Just um die gleiche Frühjahrszeit, die mit dein Monatsnamen der französischen Re- vökutiön„Germinal" heißt, xsind die Kohlenarbeiter von Brüx und Dux aufgestanden 4 jit einem Kampf, den die Unternehmer seit Jahren provoziert haben. So gefährlich die Taktik der streikenden Arbeiter, so gewissenlos die Demagogie der Kommunisten rst, unser erstes Wort in dieser Sache wird immer wieder eine A n k l a g egegendieGrubenbarone bleiben, gegen deren Uebermut und Harthörigkeit sich ja auch der gefühlsmäßige Ausbruch der Bergarbeiter richtet:. Seit vielen Jahrzehnten, in mancher Zeche seit einem Jahrhundert, graben die Brücher und Duxer Kumpel Braunkohle und schaffen damit Mehrwert für den Grubenbaron. Gewaltige Vermögen, schwer« Haufen Goldes sind' aus den- bräunen Kohlen entständen, aber sie wann bezqhlt mit Schwxiß und Blut ganzer Generationen^.,Um elenden Lohn, unter steter Gefahr.des Lebens, für-spärliche, schandbare- Alters-„Bersorgung", haben die Bergarbeiter geschuftet; kein Friedhof von Komotau bis Aussig, dex nicht reihenweise. Gräber der Bergleute, zählte, die ihr Leben in der Grube lassen mußten, kein.Dorf im ganzen Kohlenbecken, dessen Menschen nicht. die Spuren jahrzehntelanger Schinderei trügen. Millionen und Abermillionen haben die Gru- benberren an den- Schächten verdient.— sie dachten nicht daran, die, Arbeiter teilhaben zü lassen an ihren Gewinnen. Und als sich die Arbeiter nach dem'Umsturz höhere Löhne erkämpften(die den..Unteruehnrergewinn noch lange nicht äufwogen)'' als der zehnprozentige Gewinnanteil der Revierräte und einige' ar- beitsvechtliche Bestimmungen Gesetz wurden, da ließen die Unternehmer durch einen ihrer frivolsten Söldlinge das Schimpfwort von den „Börseanern.der Arbeit" prägen. Als aber um 1923 die Dau.erkrise der böhmischen Braunkohle einsetzte, da wußten die Unternehmer die Last der Krise, auf die Schultern der Kumpel abzuwälzen. Die Löhne sanken und die Feierschichten wurdeii zur. dauernden Einrichtung. Die Spaltung d e r Arbeiterklasse, die Zerreißung der gewerkschaftlichen Einheit, trug das ihre dazu bei, den Unternehmern die Offensive zu erleichtern. Seit Jahren schon, länger als die Arbeiter irgendwelcher anderen Branche, stehen die Bergarbeiter in Kurzarbeit. Der Lohn,'der auf dem Papier steht, gibt kein. Maß für die Einkomnien, denn die meisten Bergarbeiter hatten nur vier oder drei Schichten in der Woche. Dabei wuchs das Risiko, unter dem sie arbeiteten. Denn auf den alten Schächten ließen die Un- ternehmer alles verfallen, weil es. sich nicht mehr lohnte, Geld in die Grube zu investieren, die modernen Schächte wurden rationalisiert, wobei vor allem die Sicherheitsmaßnahmen in leichtfertiger Weise beschränkt wurden. Die Entlassungen erfolgten in regelmäßigen Ab-) ständen, mehr und mehr Arbeiter wurden durch die Maschine verdrängt und die Gesamtproduktion wurde obendrein eingeschränkt. Hoffend zuerst, dann in stumpfer Gleichgültigkeit, endlich verbittert und verzweifelnd sahen die Bergarbeiter sich und ihre Familien zugruüdegehen. Es wuchs der Haß eeue 2 Nr. 77 Donnerstag, 81. Marz ivs» gegen die Herren, denen sie, ihre Väter und Großväter gefront hatten und die nun den dicken Strich unter die Rechnung fttzten: für sich den Gewinn, für die Arbeiter den Bettelsack. In diese Stimmung platzten wie Bomben die Massenkündigungen und zu allem noch die Nachricht von der Brücher K a t a st r 0 p h e. Die Brutalität der Unter- nehmer und die furchtbaren Folgen der Fehl- rationalisierung sprachen eine zu deutliche Sprache. Lang gärender Unwille brach los. Das Schuldmaß der Unternehmer war gerüttelt voll. Die provokativen Entlassungen brachten es zum Ueberlaufen.. Daß es dahin kommen konnte, ist nicht zuletzt Schuld der Behörden, der Bergbehörden im besonderen, der Politischen in weiterem Sinne. Wiederum hat die Bürokratie ihre Unfähigkeit zu wirklicher Verwaltung erwiesen. Statt vorzubeugen und vorzusorgen, der wachsenden Not zu steuern und die Zentralstellen zu alarmieren, statt den Unternehmern bei der auf Kosten der Sicherheit vollzogenen Rationalisierung in den Arm zu fallen, ließen diese Behörden die Gärung unbeachtet weitergehen, um nun in zwölfter Stunde zu den alten Rezepten des Obrigkeitsstaates zu greifen: zu Verboten, Ausnahmezustand, Gendarmerie- Aufgeboten. Nie und nrmmer hätte es zu der verzweifelten Situation des Brüxer Reviers kommen können, wenn in den Aemtern gewählte Funktionäre der Selbstverwaltung, Männer mit offenem Blick und mit einem Herz für das Volk statt der amtlichen Automaten gesessen hätten! Ist die Verzweiflung der Arbeiter nur zu begreiflich, so muß gleichwohl der Streik als taktisch untaugliches Kampfmittel abgelehnt und di« volle Verantwortung der komm uni stisch- h a- kenkreuzlerischen Verbündeten festgestellt werden. In der Zeit der Massen- Arbeirslosigkeit zu streiken, ist an sich schon aussichtslos; Kündigungen mit dem Streik beantworten, heißt den Unternehmern geradezu litt die Fall« lausen; bei vollen Halden, im beginnenden Frühjahr in den Streik zu gehen, war einfach eine Wahnsinnstat, die freilich nicht von Wahnsinnigen, sondern von verbrecherischen Demagogen inszeniert worden ist. Daß di« Bergarbeiter ihnen Folge leisteten, sich der Ueberredung und dem Terror fliesten, das versteht, wer die Lage im Brüxer Revier kennt. Daß der Streik das richtige Mittel war, der Not zu steuern, das kann nur ein Verblendeter behaupten. Wenn eS endgültig zur Rücknahme der Entlassungen, wenn eS zu einem glimpflichen Ausgang des verzweifelten Unternehmen? kommt, so werden die Bergarbeiter das nicht der kommunistffch- hakenkreuzlerischen Streiktaktik, sondern dem politischen Einfluß der Sozialdemokratie zu danken haben. Wir haben diesen Streik nicht inszeniert, wir halten ihn fiir ein Unglück; aber wir haben im Moment der Entscheidung nicht gezögert, das ganze Ge- tvicht unseres politischen Einflusses m die Wagschale zu werfen, um die Bergarbeiter vor den Folgen ihres verzweifelten Schrittes zu 66 Jan Hns/Der letzte Tag Ein tesdildiOMKr Roman t- Oskar wanne ,tn vüchnkreU-.•.«.».»„«Sä. aj Während man ihm die Lästerung zulegt, er habe sich als die viert« Person der rung zulegt, er habe sich als di« vierte Person der heiligen Dreifaltigkeit ausgegeben, während man ihm sein« Berufung auf Jesus Christus als Richter zum Verbrechen macht, tvährend man ihn anklagt, daß er den päpstlichen Bann auf das Freventlichste mißachtet habe, während man dann die längst gefertigten Urteile verkündet, seine Bücher zum Feuer verdammt, ihn selbst zur schmachvollen Entsetzung seiner priesterlichen Würden, zur Ausstoßung aus dein Schoß der Kirche und zur Auslieferung an die iveltlichc Macht, wippt und wogt draußen auf dem engen Münsterplatz und iu den anstoßenden Gasten noch immer das aufgeregte fleischern« Meer der vielen tausend Zuschauergesichter. Kurz nach der Mittagstunde rückt vom Ober- nrarkt her ein« Schar Stadtsoldaten an. Auf dein Münsterplatz angekommen, treiben diese Gewappneten, von innen ans vorgehend und die quer über di« Brustpanzer gehaltenen Hellebarden als Stößer benützend, einen Kreis in das versammelte Volk. Die Gaffer brauchen nicht lange zu fragen, was dieses Platzmachen bedeute; denn kaum habe«; die Söldner den Kreis ausgewuchtet, da rennt / von der Pfalz her mit lautem Rusen ein scharlach- f rot gekleideter Höllenfürst herbei; dem dichtauf sechs pechschwarze gehörnte Unterteufel folgen. Alle tragen ihre langen Zottelwedelschwänze in den Händen und vollführen damit die tollsten Kapriolen. Kreischend stiebt vor diesem unerwarteten Auszug das Weibervolk auseinander, sanimelt sich fbtt sofort wieder, za, drängt jich ganz nach vorn, bewahren. Wir hoffen zur Stunde noch, daß es gelingt, die Arbeiter vor Schaden zu bewahren. Für alle Folgen des Streiks, vor allem für seine mögliche Weiterführung zugunsten kommunistischer Lizitationsparolen, müssen wir Sozialdemokraten jedenfalls die Verantwortung ablehnen. Die Bergarbeiter können mit dem Streik, der den Unternehmern gelegen kommt(so sehr, daß sich hartnäckig das Gerücht erhalten kann, er sei von ihnen bestellt und bezahlt), nichts erreichen. Nur der marxistisch völlig ungeschulte Arbeiter kann den Streik als Kampfmittel in der Krise onrpfehlen. Es gäbe ein anderes Mittel, eine andere Aktion, mit der inan den Grubenbaronen das Heft entwinden könnte. Wenn die Bergarbeiter sich so geschlossen wie einst vor der Spaltung hinter die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokratie stellen, unter unserer Führung den politischen Kampf aufnehmen wollten, dann könnten wir ihnen als Kampfpreis die Sozialisierung zu neugierig zu sehen, was es bei diesen bockS- füßigen Tagsendkingen der Unterwelt gebe. Kaum lassen sich die Teufel ein wenig Zeit zum Verschnaufen, da gehen sie schon ans Werk, holen Holzhaus den nächsten Häusern, schichten es zu einem Haufen, bringen Herdglut auf einer eisernen Schaufel und zünden mitten im Kreis ein offenes Feuer an. Als die Scheiter recht flackern und prasseln und eine knatternde, Funken hochreißende Lohe aufsteigt, sich gewaltsam aus dem Mantel gelb und schwarz wallenden Rauches befreiend, ha schreit der Scharlachrote die Pechschivarzen an: „Nun tapfer ans Werk, ihr Höllengesellen! Nicht mehr lang gesäumt! Drauf und dran! Die Büchsen geladen und losgebollert! Scheißt gegen das Donncrivetter! Ter Himmel ist hoch und unbefleckt sein Rand!",, Aus diesen Zuruf hin, der bei den Umstehenden tolles Gelächter auslöst, stellt sich die gesamte Teufelsschaft mit dem Hintern gegen das Feuer, geht in die Kniebeuge und schmeißt in dieser Hockstellung di« bei den Vätern eingelieferten und zur Verbrennung verdammten Hus- und Wiklef- Schriften.in die Lohe. Während daß verbrennende Pergament in der Glut Blasen wirst und sich in der Brandhitzc verbiegt und verzieht, daß man meinen kann, es leb« und wälmcle sich vor Schmerz wie ein Aal in der Pfanne und wehre sich aus diese Art gegen das Feuer, legen eS die Teufel darauf an, sich gegenseitig die wergenen Schwänze zu versengen. Wenn dann einer glaset und raucht, so rennt sein Besitzer mit brüllendem„Eio!" und„Weio!" ringsum und schreit die Stadtknechte an:„Waster! Wasser! In Sirbenteufels Namen. Waster!" Freilich ist dieses Wehe- und Flchgeschrei nur erheuchelt; denn der Kübel mit Löschwasser steht vorsorglich schon stit Anfang bereit. Wird der Brand wirklich ernster, so Plätzen die Feuerknaben mit breitem Schwung ihren Hinterteil in d:c Bütte. Dann aber, wenn sie anjsiehen, kommt erst der Gruben Heimbringen. Die Stimmen, di« heute Kommunisten und Hakenkreuzlern zufallen und damit die Reaktion, die Agrarier, Nationaldemokraten und Fascisten stärken, konzentriert auf die Sozialdenwkratic, könnten uns das Uebergewicht im Ringen nut der Reaktion verschaffen. Dann erst, wenn die Bergarbeiter begreifen wollten, daß die Voraussetzung des Sieges die Einheit und Klarheit sind, wenn sie die Spaltung überwinden und statt' der Hilfstruppen der Bourgeoisie der klassenbewußten Arbeiterschaft vertrauen wollten, wäre ihnen-ein Sieg gewiß. Der Streik, unter der Führung derselben Marodeure des Klassenkampfes, auf die heute das Kapital alle Hoffnung setzt, wirft die Arbeiter zurück in die unorgani- siertenAnfängeihrerBewegung, in die Zeit der„Terminal", da so stiel Begeisterung, Kraft und Opfer umsonst vertan wurden! der Hauptspaß, sic spritzen mit ihren näßgewor- «denen Wedclschwänzen tüchtig die Umstehenden ab. DaS gibt von neuem Gefach und Geschrei. Geschrei bei den Getroffenen- Gelächter bei den Verschonten. Doch diese teufliche Lustigkeit stinkt entsetzlich. DaS ist auch die Meinung dcS Mäusefallenhändlers, der in einem der zu summenden Klumpen geballten Zuschauerhaufen steht. „Cs. riecht hier nach versengter Schweinsborste!" rbft er lautstimmig und hält sich wie abwehrend die Nase zu. Der scharlachrot gekleidete Höllenfürst, der eben mit einem eisernen Haken in der Glut herumstochert, kehrt sich bei diesem Zuruf um, wie von einer Wespe in den Hintern gestochen, und sieht dem Mausefallenhändler so nah ins Gesicht, daß der schleunigst so weit zurückweicht, als es die Umstände erlauben. „Was? Versengte Schweinsborsten?!" schreit der Teufel.„Ja, meinst du vielleicht, es soll nach Lindenblüten riechen, wenn lvir solchen ketzerischen Unflat verbrennen? Aber ivenn du ein besseres Gcdüft in deinen Allerweltszinken kriegen willst, so mache die dreihundert Schritt, die'i von hier sind, und geh über den Gottsacker hinüber zu den hochwürdigen Barfüßer- mönchen. Tic halten jetzt Mittag. Wenn du unterwegs an keiner Schürz« hängen bleibst, wirst du gerade noch zurechtkommen und kannst am Frenidcntisch eine Ecke erwischen. Ja, Mann der Mäusefallen, dein Gewerbe ernährt dich nur kläglich. Trage also schleunigst dein dürres Klappergestell hin! Tas hat ordentlichen Einschlag nötig. Bei den Barfüßern kannst du dich^ran- halten. Vierzig Sauen und ungezählte Spanferkel knuspern die heut!" „Woher, du roter Teufel, willst du das wissen?" tönt's von den Münsterstaffeln her. „Sehr einfach!" schreit der Angcredcte, schwingt seinen Feuerlücken wie einen Metzgerstahl, nimmt seinen Schwanz zur Hand und reichten die Gewinne der Brüx-Duxer Gewerke Beträge von mehr als 206 Millionen Kronen, während bi« Löhne der Bergarbeiter bisher um 50 Pro- rent gesunken sind und auch die Naturalbezüge sich beträchtlich verringerten. Demgegenüber ist in der letzten Zeit die Arbeitsleistung der Bergarbeiter sehr beträchtlich gestiegen, und zwar betragt di« Steigerung fast 50 Prozent! Es muß daher direkt aufreizend und provozierend wirken, wenn in derselbe« Zeit, wo daß Lebensniveau der schwer arbeitenden Bergleute herabgesetzt wird und der Schutz ihrer Gesundheit und ihr«» Lebens sich verschlechtert, di« Gewinn« der Gewerke zu einer so außerordentlichen Höh« ansteigen! Ans den Ausweisen des Statistischen Staatsamtes geht hervor, daß der Bergbau zu den am besten prosperierenden Industriezweigen gehört und daß auch in der heutigen allgemeinen Wirtschaftskrise die Gruben sehr beträchtliche Ueber- schüss« und ihre Besitzer außerordentliche Gewinne ausweisen. Wir müssen daher auf das entschiedenste da§ Vorgehen der Grubenbesitzer ab lehnen, di« hunderte und tausende Arbeiter des Arbeitsplatzes und der allerbescheidensten Exiftcnzmittel berauben, wirtschaftliche Güter vernichten und direkt die öffentlichen und die Staatsinteresien bedrohen. Es ist unbegreiflich, daß di« Bergbehörden, denen dies« durch das rücksichtslos« Vorgehen der Grubrn- bcsitzir geschaffene Situation bekannt sein mußte, nicht das nötig« Verständnis für di« berechtigten Wünsche der Bergarbeiter an de« Tag legten, für Wünsche, die in engem Zusammenhang mit ihre« Existenz und mit der Rettung ihrer Lebens stehe«. Der Ausbruch des Streikes wurde durch diese» Vorgehen, das von einer Brüskierung der Fordermrgen der GewcrVschaftSorganffa.tionen zeugt, mit verschuldet, ganz abgesehen davon, daß in dieser Situation unvevanttvovtliche Element« freies Feld hatten und haben, denen cs nicht um di« Le- benSürteressen der Bergleute geht, sondern um Er- perimeitt«, di« dar schwer darbei^e und bloß vcge- twrende Bergarbeitervolk bezahlen soll. Ebenso wie wir das unmöglich« und provokative Vorgehen der Grubenbesitzer ablehnen, denen di« Lebrnsinteressen der Bergarbeiter völlig gleichgültig find, stelle« wir uns auch gegen di« von extrem«« deutschnationalrn und kommunistischen Kreise« durchgeführten Experimente. Ihnen geht es nicht um dir Bergarbeiter, nicht um den Schutz ihrer Interessen, ihnen liegt nichts an der Sicherstellung von Arbeit, ihnen handelt es sich«m ei« Hasardspiel, das di« Bergarbeiterschaft des nordböhmischrn und vielleicht auch anderer Reviere im Sinne der Wünsche der Grubenbesitzer sehr teuer, das heißt durch Vernichtung ihrer Existenz und durch de» Verlust ihrer Arbeitsplatzes bezahlen soll. Ebenso entschieden warnen wir davor, die Bergarbeiter im Lstrau-Karwturr Revier zu provoziere«. ES liegt kein Grund vor,«m Tausend« Bergarbeiter, deren Leben direkt ein verzweifeltes ist, ans der Arbeit zu werfen. Auch hier können hi« Grubenbesitzer ohne Schwierigkeiten die Anträge der Gewerkschaftsorga- uisatioucn akzeptieren, di« imstande sind, di« schwere Situation zu erleichtern und zugleich weiterhin. die Existenz der Bergarbeiter zu sichern. Di« Drohung, 12.000 Arbeiter zu entlassen, muß von jedem Faktor abgelehnt tverden, der in der Masseneiulas- sung von Bergarbeitern aus der Arbeit nicht nur einvu Angriff auf di« Existenz taufender Familiim sondern auch einen Angriff auf die wirtschaftlicher^ Grundlagen dieses Staates erblickt. Die Grubenbesitzer im Ostrau- Karwiner Revier ebenso wie im nordböhmischcn, im Kladno- Schlankr und in den übrigen Revieren, die in den Zeiten der Konjunktur ungeheuere Summe» verdienten, mässen jetzt Opser bringen, nicht macht damit die Gcbcrde des MesierwetzenS. „Heut in der Frühe, bevor ich hier der Teufel wurde, bin ich bei den Barfüßern der Metzger grweftn, gix, gix!" Tosender Beifall folgt dieser schlagfertigen Antwort, und die Kapriolen der Höllenkopisten gehen weiter.'. Der Slowak hat genug vom Zusehen. Ihn kotzt der ganze krampfige Mummenschanz hier an. Zu lappisch daS alles für einen Fahrenden, zu durchsichtig! Sqlche Spiele mögen die Ammen denjenigen Kindern vorgaukeln, die nie von ihrer nahrhaften Brust kommen! Diejenigen aber, die ihre Nasen in den Weltwind hängen, die bedanken sich für solchen abgestandenen Zimt! Hier wird doch bloß der Teufel markiert, damit di« blöden Augen die Erde nicht merken, die hinter der Hölle steht! Pfui Teufel! Dem Aiann mit den Mausefallen liegt eine bittere Schicht auf der Zunge. Wenn er's recht bedenkt, ist es tatsächlich das Gescheiteste, dem Vorschlag de8 Scharlachroten zu folgen und hinüber zu den Barfüßern zu gehen. Vierzig Sauen und ungezählte Spanferkel, heiliger BauchloPP, das ist ein Wort! Da wird die Fettheit hoffentlich obenauf auf der Wurstsuppe schwimmen und braucht nicht erst Aug um Aug mühselig erfischt zu werden! Freundlich schaut der Bruder Pförtner den Mann mit den Mausefallen an:„Auf dich haben die Köche gerade gewartet!" sagt er.„Hier, stell deine Last ab, stehlen wird sie dir niemand, und dann schleich dich mal hinüber ins Refektorium! Tort, am Katzentisch, der euch Landstraßenpilgern Vorbehalten ist, wird heut mehr abfallen als nur Brosamen! Ja, da hinunter! Du kannst nicht fehlgehen, brauchst nur dem Geklapper der Teller zu folgen!" Drei Reihen Tische stehen in dem mächtigen Speisesaal, alle dick besetzt mit Mönchen, die den Dampf der aufgetragenen Suppe beschnauben. ! Der Abt sitzt an einem Tischlein für sich allein. (Fortsetzung folgt.) GememsamersaMde^ Verstaatlichung aller Kohlengruben. Scharfe Stellungnahme gegen die Raffgier der Kohlenbarone. Prag, 30. März. In de« Beratungen beider Häuser, di« heut« zur Eröffnung der Früh- jahrstagung zusammengetreten waren, spielt« der Bcrgarbeiterstreik«in« a«Sschlagg«bende Rolle, während die zur Verhandlung stehenden Punkt« der Tagesordnung zumeist ganz unbeachtet blieb««. In beiden Häusern wurde von den Vertretern der beiden sozialdemokratischen Parteien«in« gemeinsam« Erklärung abgegeben, di« sich mit größter Entschiedenheit gegen da» unverantwortlich« Vorgehen der Grubenbarone wendet«nd ei« energisches Einschreiten der Regierung fordert. Gleichzeitig wurde die alt« Forderung nach Verstaatlichung der Kohlengruben in einem n«u«n Antrag formuliert; die Sprecher der Klub», die Genosien Biilov«eim Abgeordnetenhaus«nd N o v a k im Senat, forderten übereinstimmend mit aller Entschiedenheit, daß dieser Antrag ungesäumt zur Verhandlung gestellt, bezw. in einem eigenen Ausschuß gleichzeitig mit allen damit zusammenhängenden Fragen durchberaten werden soll. In der gemeinsamen Erklärung der sozialdemokratischen Partei«« wird auSgesührt: Im nordböhmischen Kohlenrevier kam eS in den letzten Wochen zu Massenentlassungen der Bergleute und Arbeiter und weiter« Entlassungen wurden von den Grubenverwaltungen angekündigt. Diese eigenmächtige Arbeitseinstellung auf den. Gruben und die Entlassung der ohnedies nur in Kurzarbeit und zu niederen Löhnen beschäftigten Bergarbeiter wurden veranlaßt durch die Rücksichtslosigkeit und die Raffgier der Kohlenbarone. Nicht einmal die tragischen Unglückssälle, die durch die Fahrlässigkeit der Betriebsleitungen auf den Schächten Mariahilf und Mathias in Zwodan, besonders aber auf der Grube.Johann l in Bruch verschuldet wurden, wobei eine Reihe von Familienerhaltern den Tod fand, haben dem, provokativen Vorgehen der Kohlenbarone Einhalt getan, noch die Entlassung von Bergarbeitern verhindert. Die Bergarbeiter, die bei ihrer schweren, all« Kräfte crschöp- fenden Arbeit an Gesundheit und Leben bedroht und geschädigt werdcn, wurden durch die Bergbaugesellschaften, di« das ganze Risiko der jetzigen Wirtschaftskrise auf die Angestellten überwälzen, um so ihre hohen, aus der Arbeit der Bergleute fließenden Gewinne zu sichern und zu schützen, direkt in daS wirtschaftlich« Verderben getrieben. Die verzweifelte Lage der Bergleute und Arbeiter wurde auch durch di« beständigen Drohungen der Grubenbesitzer und ihrer Vertreter verschlechtert, daß es zu weiteren Entlassungen kommen werde, weiters durch di« Ungewißheit,, ob die Verhandlungen der Betrtebräte und der GewerkschaftSorgantsationen ein günstiges Ergebnis haben werden, zumal di« Vertreter der Revierbergämter in unangebrachter und unverantwortlicher Weise Verhandlungen über den Widerruf der Kündigungen ablehnten, falls sich daran die Vertreter der Gowerkschaftsorgantsationen beteiligen sollten. DaS rücksichtslose Vorgehen der Grubenbesitzer, daS von groben egoistischen Interessen diktiert ist, erachten Wir fiir eine direkte Provokation, bi« nicht nur die Bergarbeiter aufreizen muß, sondern auch wichtige WirtschaftSinteresien, ja direkt Lebrnsinteressen des Staate» bedroht. Ebenso verurteilen wir da» unge- ' eignet«, taktlose und kurzsichtige Verhalten der Bergbehörden. Dies« sollten im höchsten Maße Verständnis für die Bedürfnisse und die LebenSinieresieu der Bergarbeiter zeigen, di« hier eng verknüpft-sind mit»er gesunden wirischaftlichen Entwicklung und mit den Lcbcnsnotwendigkeiten des Staates. DaS ist aber nicht geschahen und viel« Anzeichen sprechen daiiir, daß di«, Vertreter der Bergbehörden einzig und überwiegend auf di« Interessen der Grubenbesitzer und der Bergbaugescllschasten bedacht waren. Die Erbitterung der Bergleute und Arbeiter im nordböhmischen Kohlenrevier ist um so berechtigter, als ihnen die Erträgnisse«nd die ungeheuren Gewinne der Bergbaugesellschafteu bekannt find. Im Jahr« 1980, also in einer Zeit der schweren wirtschaftlichen Krise und starker Arbeitslosigkeit, er Nr. 77 Doittl-Ätag, 81' Mr;«« Sette 3 nur int Interesse der Arbeiterschaft, sondern auch der gesamte« Wirtschaftslebens. Tun sie dies nicht, so müssen sie zu dieser selbstverständlichen Pflicht gerwnngrn werden! Tie sozialdemokratischen Arbeiterparteien haben eckt zeitig ans die Gefahren cmsnterbsam ge- r.le.cht, die sich auS diese»! Vorgehen der Grubenbesitzer ergeben, Hand in Hand mit den Gewerkschaftsorganisationen der Bergarbeiter arbeitend, haben-sie Anträge vorgelsgt,, deren Durchführung den Bergarbeitern nützen und die Gefahr abwenden würde, auf die anscheinend systematisch und absichtlich viele Faktoren in den Reihen der Grubengesellschaften hi narb eit en, Auch fetzt find wir entschlossen und bereit, mit allen Mitteln die Existenz der Bergarbeiter und ihrer Familie« gegen dir Raffgier und Willkür der Kohlrubaron« zu verteidigen. Wir wollen aber» datz alle verantwortlichen Faktoren in diesem Staat« so handrln und dir Bergarbeiter und das BolkSvrrmdgen gegen die Ausbeutung durch rücksichtslos« Kapitalisten schützen. Wir sind über- zrngt, datz das heutige System in der Kohlenförderung und in der Bewirtschaftung drr Kohlcngru- bkn im Interesie der Oeffentlichteit beseitigt werden muh, und wir beharren daher auf der Forderung«ach BerftaaMchnng der vmben. Indem wir einen Antrag auf vrrstaatlichnng drr Groben vorlrgrn, verlang«« wir, datz da« Ab- grordnrtrnhau» unverzüglich an deffrn Brr« Handlung fchreit«, beziehungsweise datz ei« rigr« «er Parlamentsausschuh errichtet werde, der dir ganze Kohlenwirtfchaft und de« Antrag auf Brrstaatlichung drr Gruben verhandel« soll, , Wir haben heute vornMag denr Herrn Mnt- ftrr fiir öffentliche Arbeiten die Forderungen der GeivexftchaftSorganisatiouen drr Bergarbeiter vor- gelegt. Wir fordern, datz dir Regierung durch Ber- mittlung des Arbeitenministerium» dir berechtigten Forderungen drr Btrgarbritergewrrkfchafte« unterstütze, datz di« Kündigungen drr Bergarbeiter im gesamte« nordböhmischen und Ostrau- Karwiner Revier widerrufen und weitere Entlastungen von Bergarbeitern eingestellt werden«ad datz endlich über di« writ«r« Regelung drr Brrhältnistr im Bergbau mit den zuständigen Gewrrkschaftsorganisationen und Rebirrräten der Bergarbeiter»erhandelt werdr. Zer VMM der ksMMWNtMv. Der gemeinsame Antrag der beiden sozialdemokratischen Parteien ans B« r st a a t» lichung der Kohlengruben, der von den Genosten Br»Lik, Tayerlc, Klein, Pohl und K a tz überreicht wurde, hat salzenden Wortlaut: 8 1. Die Regierung wird ermächtigt, zu- aunstrn de» Staate» alle aus dem Gebiete der Tschechoslowakischen Republik befindlichen Betrieb« zur Förderung von Kohl« zu enteignen, und zwar auch mit den Kohle verarbeitrnden Rebenbetrieben, wie Kokereien, Brikett« sabriken oder Betrieb« zur Gewinnung von Rrbenprodukten an» Kok», ferner alle Grubenanteile und Grubenmassc, ob fie sich nun bereit» im Betrieb« befinden oder noch nuauS- genützt find. 8 2. Für da» Förderung»- und Schürfrecht sowie für Investitionen» die dnrch da» Erträgnis de» Unternehmen» bereit» amortisiert find, werde» kein« Entschädigungen gezahlt. Di« Entschädigung für die übrigen enteigneten Werte wird durch ein eigene» Gesetz bestimmt. 8 3. Da» Gesetz tritt mit dem Tag« seiner Verkündung in Kraft.' 8 4. Mit drr Durchführung diese» Gesetzes wird die Regierung betraut. * Abgeordnetenhaus Im Abgeordnetenhaus wurde die Debatte über zwei Zusatzprotokolle zu den Handels- verträgenmitderSchweiz und Frankreich abgeführt, über die die Referate bereits in der Sitzung vom 11. Feber erstattet worden ivaren; die Debatte wurde aber auch heute nicht abgeschlossen und geht in der nächsten Sitzung weiter. Der Beginn der Sitzung und auch ihr späterer Verlauf gab den Kommunisten wie auch später den Hakenkreuz lern wiederholt ausreichend Gelegenheit, alle ihre demagogischen Kunststückchen ansznpacken und sich im Gegensatz zu den sozialdemokratischen Regierungsparteien als di« einzigen und„garantiert echten" Vertreter der bedrohten Arbeiterinteressen aufzuspielen. Dabei hatte noch Herr Knirsch die Stirn, jedweden Gedanken der parteipolitischen Ausschrotung des Streikes mit gut gespielter Entrüstung von sich zu weisen. Herr Krebs wieder setzte sich wegen der Bolkssportverhaftungen in Positnr und erschöpft« sein«» nicht geringen Vorrat an ebenso bohlen wie pathetischen Phrasen und seine ge- !ämte Lungcnkraft, um in geschickter Ausnützung »er unglaublichen Blößen, die sich ein großer Teil der tschechischen Press« in der aufgeregten Aufbauschung drr Affäre tagtäglich bis zum Ueberdrnß gibt, bas.Hakenkreuz als den alleinigen Retter aus aller sudctendeutschcn Rot und sich selbst als den großen Heros hinstellen zu können, der selbst da« Gericht nicht scheue, sondern direkt darauf brenne, in öffentlicher Gerichtsverhandlung seinen Mann stellen zu können. Ob die sudetcndeurschc Jugend wirklich keine andere Erlösung ans ihrer Rot kennt, als unter Führung de» Herrn Krebs fleißig in der Hitler-Uniform zu paradieren, und nichts Höheres sich erträumen kann als vor irgend einem„Führer" habtacht zn stehen und sich von MkitMWliM Wett üllk WWW. Die Lstrauer Verhandlungen gehen heule weiter. Prag, 30. März. Während sich die kommunistisch« Streikagitation in Rordböhmen und im Ostrauer Gebiet ungezügelt austobt, hat heute vormittags ein« sozialdemokratisch« Abordnung, bestehend aus den Vertretern der„Union der Bergarbeiter" und des ,,Svaz hör» n i k ü" sowie der beiden sozialdemokratischen Parlamentsklub» in einer Borsprach« beim Arbeitsminister Dostalrk durchgesetzt, daß das Ministerium noch heut« di« Zurücknahme der Kündigungen auf de« Gruben„Nelson" und „Humboldt", di« dir unmittelbar« Veranlassung zu der Streikbewegung gab, von amtSwegen anordnete sowie bestimmte, datz bi» zum Abschluß der amtlichen Erhebungen auch keine weiteren Massenkündigungen erfolgen dürft«. Auch bezüglich des Ostrauer Reviers sind Verhandlungen im Ministerium mit beiden Streitteile« bereit» im Zug«. Auch bezüglich de» Ostrauer Revier» gab der Minister drr au» den Abgeordneten Tayerle, Bifiove« und Taub, deut Senator N o v a k und dem Obmann des Svaz Budil bestehenden Abordnung die Versicherung, datz er alles daran setzen werd«, um auch hier eine befriedigende Lösung durchzusetzen. Diese Ankündigung verifizierte Arbeitsminister Dostalrk dann am Abend in einer in beiden Häusern der Nationalversammlung abgegebene« Erklärung. Tostalek gab rinlciirnd eine genau« Uebrrjicht über die Entwicklung des Konfliktes im nordwvft- b ohmischen Revier und di« von den Bergbehörden angestcllten Vermittlungsversuch« und stellte ftst, daß die-Stillegung der Grube Humboldt II. bereits morgen Gegenstand einer amtlichen Untersuchung sein iverde. Heute kam«8 im Ministerium zu Brrhaud- lungen mit dem Zentraldirrkt« Löcker. Deren Ergebnis ist rin bereit« vom Ministerium Herons, gegebener Erlaß, der der Brfixrr Kohlengrftllschaft und den Nordböhmischen Kohlri,werken anordnet, daß die Kündigung drr Bergarbeiter auf den Gruben Humboldt und Nelson an gen blick! ich widerrufen und daß dies« Entscheidung der Belegschaft durch ein« Kundmachung brkanntgrge- brn werden muß. Gleichzeitig hat der Minister «lgrordnet, daß au» öfftntlrch-rrchtllchen Gründen keine weiteren Massenkündigungen gegeben werden dürft», solange nicht dft erwähnt» amtliche Untersuchung über dft Zulässigkeit drr Kündigungen beendet ist. Drr Zentraldftlektor Löcker habe dies« Entscheidung zur Kennt»!» genommen und erklärt, daß ersichihrfüge. Durch diese Entscheidung seien dft Verhältnisse im nordböhmischen Revier drvairt geregelt, daß für«in weiftreS verharren im Streik kein Grund vorlftge. DeS weiftren befaßt« sich Minister Dostalrk in seiner Erklärung ausführlich mit den Verhältnissen im Ostrau-Karwiner Revier, wobei er nicht vrrhrhlte, daß die Meinungen" der beiden Streitparteftn über dft Art der Lösung der Krise noch lveit auseinandergehen, da die Unternehmer auf die Forderungen der Gewerkschaften nach abwechselnder Arbeitsaussetzung der Belegschaften nicht eingehen wollen und nach wie vor auf einer ausgedehnten Restriktion der Belegschaft verharren. Das Ministerium hat bereits vor 1t Tagen in den Kon- -flikt«ingegriffen und für heut« dir Vertreter der Gewerkschaften zu Besprechungen in das Ministerium geladen. Morgen vormittag werden die Vertreter der Ostrauer Tirckioreukonftrcnz empfangen iver« den, während am Nachmittag bereit» die ersten gemeinsamen Verhandlungen stottfinden sollen. Der Minister erklärte, er werde sich bemühen, eine für beide Parteien annehmbare Vereinbarung herbeizuführen. Er betonte, daß der im Revier au-gebrochene Streik ausschließlich«in Streik der kommunistischen Partei sei und daß di« aickcren Gewerkschaften, die Kontrahenten des KollektivvrrtrageS sind, sich über diesen Streik absolut ablehnend ausgesprochen haben. Dostalek erklärte weiter, er habe auch grgrn- übtr den Vertreter« der Direktoreukons«r«nz nachdrücklich betont, daß im Inter,sie v,r Ruhe im Revier von Entlassungen für dft Zeit drr Brr« Handlungen unbedingt abgesehen werden müsse. Er sei berrit, in d«n Grenzen seiner Kompetenz alles z« unternehmen, damit der ruhig« Betrftb in drn Kohlenrevieren gesichert und dir Belegschaft von keiner Seit, überflüssig beunruhigt werd«.„Es ist uuftr« gemeinsam« Pflicht", erklärte Dostaftk zum Schluß, „in dieser schweren Zeit die wirtschaftlich Schwachen zu schützen. Ich bitt« das hohe Haus, mich in diesem Bestreb«,, zu unterstützen." iiHiunmniiinniiiiiRniiii!innnniuiiiiiiiiHiniHiinnnnmiinninuininiiiiunniniiinuinnniinnnuiiuimuimiiiiuiuiHiiiiuuiuiiiiinNiNMiiiuiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiuuMiuinim)iiHmiHHUuuiniiiiuuou Gegen Schluß der Sitzung leisteten die»einen Sepalrwen Gewoffe In«. Ernst Winter, der ihm anschnauzen zu lassen, wollen wir doch lieber dahingestellt sein lassen. Die Kommunisten wieder brachten saft ein Dutzend der verschiedensten Anträge ein, deren Hauptzweck cs war, die„Aozialsascistcn" wieder' emMÄ„We.r taic s" uw), h^ich- tigen zu können, wenn" sie nicht sofort alles unbesehen annehmen. Dft Fabrikation derartiger Anträge ist natürlich ein leichtes; aber die Herren Kommunisten müßten erst einmal selbst auS- k o ste n, was es heißt, auch nur einen geringen Bruchteil derartiger Forderungen im Rahmen einer Koalition durchzüsetze», in der sich die bürgerlichen Parteien fest auf die Bundes- genofsenschäft der Kommunisten verlassen können in dem gemeinsamen Bestreben, di« verhaßten Sozialdemokraten um- jeden Preis niederzu- kämvfen. Wenn die Konimunisteii der Arbeiterschaft wirklich zn Erfolgen verhelfen wollen, dann genügt diese sattsam benannt«„Entlarvungs- tzolitn" allein nicht; da müßten sft sich schoit gründlich um st eilen und dann würden sie auch sicher in ihren Anträgen und Aktionen viel bescheidener werden. Nach der an anderer Stelle erwähnten Er- klärung des Arbeitenministers beschloß das HauS, die Debatte über diese Erklärung in der nächsten Sitzung abzuführen. Mit Rücksicht aus die noch schwebenden Verhandlungen wurde diese Sitzung erst für Donnerstag, den 7. April 3 Uhr nachmittags anberaumt. Ter Außenausschuß des Abgeordneton- hausrs tritt morgen, Donnerstag zusammen, nm zn dem BeueS-Expoftc Stellung zu nehmen. * Senat. Di« Sitzung des S c n a t- s wurde mit einer Trauerkundgebung des Vorsitzenden Genosien Dr. Soukup für die verstorbenen Senatoren H a b r- m a n und B a l o u S e k eröffnet, deren Plätze mit umfiorten Blumengewinden geschmückt waren. Das Haus hörte die Rachruse stehend in tiefem Schweigen an. Zur Verhandlung stand das Hopfen- abkonimen mit Deutschland vom November des Vorjahres, das bereits provisorisch in Kraft gesetzt wurde. In der Debatte gab Genosse N o v a k namens beider sozialdemokratischer Klub« die oben erwähnte Erkärnng zu dem Bergarbeiterstreik ab, während später 8 n k s ch(B. d. L.) vorwiegend gegen das letzte Benes- Exposee polemisierte und erklärte, die Agrarier könnten nnter keinen Umständen zulasten, daß wir verpflichtet lver-en, die Agrarübrrschüfle der Südoststaaten und Ungarns zu bevorzugte» Zöllen hereinzulaffen, weit dies eine weitere Schädigung der heimischen Landwirtschaft im Gefolge hätte. Dem Tardjeuplan müßte man schärfsten Widerstand entgegensetzen, weil er eine Uebcrslutung unseres Marktes mit billigem Gc- trcidc und einen weiteren Sturz der Getreide- uud Viehpreise zur Folge hätte. In di« Bcrgarbetterdobattr griffen außerdem tschechischen Genosten K o u k a l noch mehrere Redner von nationalsozialistischer und komm» nistischrr Seite ei», wobei es einigemale zu schär seren Auseinandersetzungen fallt. an steile Haibrmans nachrückt, und Iug. Leopold Kvubek(tsch. Älerik.) als Rachfolger Balau- ösks di« Angelobung, woraus schließlich der Ar- beiteuunuiftcr nach 8 Uhr abends seine Erklärung aibgab, die sich mit der im Abgearbneten- hauE vorgetragcncn völlig deckte. * Die nächste Plenarsitzung wird auf schriftlichem Wege, wahrscheinlich erst nach etwa drei Wochen einberufen tverden. Für nächsten Dienstag ist der Außenausschuß des-Senats oiuberu- fen, um die Debatte über das BsneS-Expm've zu eröffnen. Die Btiubenvorlage, die heute aufgelegt und den Ausschiifsen zugswicsen wurde, soll erst in der übernächsten Woche von den Ausschüßen durchbc raten tverden. Erft nach ihrer Erledigung in den Ausschüssen wird das Plenum zusammen treten, nnt die Vorlage dann endgültig zu verabschieden. Debatte in der«ShrW'WeMen Lanüesverlrelunst. Brün«, 30. März.(Eigenbericht.) Die mährisch-schlesische Landesvertretung, die heute zu ihrer 14. Tagung zusammentrat, beschäftigte sich in einer umfangreichen Debatte mit der Frage der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Grundlage hiezu bildet ein ausführlicher Bericht des Landespräsidenten, aus dem hervorgeht, daß die im Jahre 1931 im Land« zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durchgeführten öffentlichen Arbeiten«inen Aufwand von 681 Millionen erforderten. Aus der staatlichen Ernährungsaktion wurden den mährisch-schlefischen Bezirken 24% Millionen Kronen zugewiesen. Im Rahmen der produktiven Arbeitslosenfürforge wurden Notstandsarbeiten mit einem Gesamtaufwand von 155 Millionen Kronen durchgeführt. Gleichzeitig wurde der Landesvertretung ein neues Jn- vestitionsprogramm für 1982 vorgelegt, das einen Gesamtaufwand von 632 Millionen auftveist. Hievon sind bisher 500 Millionen finanziell silbergestellt. Zllr Bedeckung weiterer Notstandsarbeuen beantragte der Landesausschuß die Aufnahme mehrerer Laudesanleihen in einer Gcsamthöh« von 24 Millionen Kronen. Namens unserer Fraktion nahm» Genosse Morgenstern zur Frage der Arbeitslosigkeit Stellung und führte unter anderem anS: Der Bericht des Landespräsidenten zeigt uns im Hand einiger Zahlen, wie furchtbar dft Krise in unserem Londe wütet. Es gibt keinen Jndustrft- zweig, der von der Arbeitslosigkeit verschont geblieben ist und die deutschen Bezirk« marschieren un der Spitze der LandeSskriche, in denen di« Kris» die meisten Opfer erfordert hat. Aber selbst dft bloßen Zahlen, die uns der Bericht vermittelt, und die das furchtbare Elend zum Teil« illustrieren, zeige»„och nicht die ganz« Summe des ungeheuren Elends in unserem Lande, Die größer« Zndu., strialisierung hat die deutschen Bezirke in die furchtbarste Rot hin«i ngas Talent", sagt er,„lag freilich in wir, dadurch und durch vielen Fleiß schritt ich vorwärts". Bo» seinen eigenen Kompositionen sagte er in bescheidener Weise:„Sunt mala mixta bonis; es sind wohl und übel geratene Kinder und hie und da hat sich auch«in Wechselbalg eingeschlichen." Gegen feinen hohen Brotgeber, den Fürsten Esterhazy, verstand eS Haydn, seine Musikautorität zu lvahren, zeigte also einen für die damalige Zeit beachtlichen Freimut. Als ihn der Fürst nämlich bei einer Prob« zn tadeln für gut befand, antwortete der Meister:„Fürstliche Durchlaucht! Dies zu verstehen ist meine Sach«!" Das Joch seiner unglücklichen Ehe— seine Frau, war eine richtige Tantippe— trug.Haydn mit staunenswerter Gelassenheit; aber in seiner Selbstbiographie bemerkt er doch, daß sie eine „beftm infernale" sei. Um sich eine Vorstellung von-HaydnS musikdienstlichen Verhältnissen beim Fürsten E st e r h a z y, dessen treuer musikalrscher Diener der Meister jahrzehntelang war, zu wachen, sei «in Auszug aus der fürstlichen D i e n st- ordnnng Haydns in Eisenstadt mitgeteilt: „Von-cm imnmehr als HauSoffizier angesehenen und gehaltenen Bicekapellmeiitcr wird erwartet, daß er sich nüchtern und niit den ihm untcr- gcbenrn Musikern nicht brutal, sondern beschei den, ruhig, ehrlich aufzuführen wissen wird. Daß ferner bei Produktionen vor der hohen Herr- zchaft Ei'. Vicekapellmeister samt den Musikern allezeit in Uniform und nicht nur Er, Joseph Heyden selbst sauber erscheine, sondern daß er auch feine Untergeben«« dazu anhalte, daß sie ihrer erteilten Vorschrift gemäß in weißen Strümpfen, weißer Wäsch«; eingepudert und entweder in Zopf oder-Haarbeutel, jedoch alle durchaus gleich, sich sehen lassen. Daher er auch jede Familiarität: Geineinschaft in Essen, Trinken und anderem Umgang zu vermeiden hat, um den ihm gebührenden Respekt nicht zu vergeben, sondern ckufrecht zu erhalten. Tann solle er jede anbefohlene Komposition sofort ausführen, jedoch Niemandem mitteilen, noch weniger sie abfchrei- ben lassen, auch ohne eingeholtc Erlaubnis für andere nichts komponieren." Mit seinen Orchestermnsikern stand Haydn übrigens auf dem besteu Fuße und er trat stets für sie ein in der Not. Bei der strengen Zucht des Fürsten Esterhazy kam es sehr oft vor, daß die Musiker Haydns mit Geld- und Freiheits-Strafen oder sogar mit Entlassung bestraft werden mußten. Dem„guten Papa" Haydn gelang es fast inimer, Begnadigung für sie zu erwirken. Seine„Abschieds-Sinfonie^ hat er ihnen zu Nutze»! komponiert, um einen unerfreulichen Landaufenthalt abzukürzen und die Rückkehr nach Eisenstadt zu Frau und Kind durchzusetzen. Der Grundzug des heiteren und naiven Wesens brach auch beim Dirigenten Haydn durch. Bei humoristischen Stellen,' auf die er beinr Komponieren besonderes Gewicht gelegt hatte, schmunzelt« er tm voraus und beobachtete den Eindruck, den sie hervorriefen. Mozart widmete eine Reihe seiner Ouar- tette seinem älteren Freunde Haydn und fügte hinzu:„Tas war Schuldigkeit, denn ich habe von Hühdn erst gelernt, wie man Ouartette schreiben muß." Und bei anderer Gelegenheit läßt sich Vom Rtmdhmh Empfehlenswertes aus den Programmen. Freitag. Prag: 11.00 Schallplatte«. 12.45 Orchesterkonzert. 15.30 Violinkonzert. 18.20 Deutsch« Sendung: Kregier: Modern« ,Frauenkleidung.' 19.05 Konzert aus Wien. 28.20 Schalllpatlen.— Brünn: 16.00 Orchesterkonzert. 17.05 Blasmusik. 18.25 Deutsch« Sendung: Prof. Szeppan: Di« Seehäfen des Weltverkehrs.— Hamburg: 19.20 Rossini-Renaissance. 22.46 Jnstrumental-aKabarett.— Langenberg: 20.05 Dariets für Orchester.— Mühlacker: 20.00 Sinfoniekonzert.— München: 20.00 Josef Haydn.— Wien: 16.10 Konzert. 22.35 Tanzmusik. Grauenvoller Mädchenmord. In der Nähe von Paderborn fänden Spaziergänger Fleischstücke, die s sich bei der polizeilichen Untersuchung als Teile eines inenschlichen Körpers erwiesen. In einem in der' Nähe gelegenen Teich fand man beim AuSpumpen f weitere sieben Teile einer weiblichen Leiche. Die s Nachforschungen förderten auf dem Strohboden des Paderborner Viehhändlers Mrycr Blutspuren,; Fleisch- und Knochenreste zutage. Als die Persönlichkeit der Ermordeten wurde die 24jährige Haus- angestellte Martha Kasper, die bei Mayer seit zweieinhalb Jahren in Stellung war, ermittelt; ak? Mörder der 26jährige Sohn Kurt des Viehhändlers. Kurt Meyer wurde verhaftet. Er leugnete zunächst- das Verbrechen, legt« jedoch später unter der Last des zusammengetragenen Beweismaterials«in G:-E ständnis ab. Er erklärt«, die Leich«, deren Kopf bisher noch nicht gefunden wurde, völlig zerhackt;n haben. AlS Motiv des scheußlichen Verbrechens gab' Kurt Meyer an, daß er mit der jungen Martha Kasper«in Verhältnis gehabt hätte, das nicht ohne ' Folgen geblieben sei. Auch der Vater-eS Mörde/s wurde verhaftet; gegen ihn besteht nach Meinung der Kriminalpolizei der Verdacht der Mittäterschaft. Pech des Rrkordflicgers. Ter- englische Flieger I. A. Mollison legt« die Strecke von London nach' Kapstadt in der neuen Rekordzeit von vier Tagen 16 Stunden und elf Minuten zurück, stürzte aber bei der Landung in Kapstadt ab. Mvllisons Flug-. zeug wurde schwer beschädigt, der Pilot selbst, blieb i unverletzt. Eastmans Millionen. Ter kürzlich durch Freitod verschiedene amerikanische Photokönig nnd Allein-’ inhaber der Kodak-Werke Georg« Eastman hat ein Vermögen von zehn Millionen hinterlassen. Tas . Testament wird«rst iu einigen Tagen erössnet werden, aber schon jetzt machen Dutzend: von„Verwandten" Erbschaftsanjprüche grliend. Zwei Kinder verbrannt. Iu Abwesenheit ihrer. Eltern verbrannten in Ganderkesee bei Bremen zwei Kinder. Sie hotten mit Streichhölzchen gespielt... „Unzerbrechlich." Ein Pariser Gericht wird demnächst«ine harte Nuß zu knacken haben: war ist «ine„unzerbrechliche Puppe"? Ein Vater hat sei---« nein Kind in einem Spielwarengeschäft rin« Puppe für 24 Franken-gekauft, die der Verkäufer als un« zerbrechlich bezeichnete. Das Kind hat es aber fertig- gebracht, die Puppe zwei Mal mit einem Hammer, entzwei zu schlagen. Ter Vater tauschte deshalb di« Puppe beide Male um. Beim-ritten Mal riß- zwar nicht dem Baier, aber-em Verkäufer sie Ge»< duld. Er verweigerte die Ersatzleistung und er- i klärte,„unzerbrechlich" heiße nur„schwer zu zer-- brechen". Der Vater besteht aber auf einer neuen Pupp:. Das Gericht soll nun entscheiden. Kubelik im Konkurs. Tas Wiener Zivillandcs- gcricht hat über. Leu bekannten Violinvirtuosen Jan Kubelik und sein« Frau Marianne das Konkurs- rer fahren eröffnet. Die beiden sind Großgrundbesitzer] in Rothenrurnr im Burgenland. Ihr Besitz ist mit' 900.000 Schilling passiv. Kubelik gibt an, infolge- der großen Kursstürze seiner im AuSlan- liegenden Papier« nicht in-er Lage zu sein,-en Verbindlich-- keilen nachzukommen. Mozart folgendermaßen über Haydns Tonkunst ouS:„Keiner kann alles: schäkern und erschüttern, Lachen erregen und tiefe Rührung^ unalles gleich gut als Haydn." Dagegen hatte Richard Wagner von Josef Haydn gar keine gute Meinung. Er bezeichnete ihn- als geborenen Greis". Bon Haydn nnd Mozart sagte der Bayreuther Gott:^Flüchtigkeit in der Konzeption und in der Ausführung nach angeeigneter Routine wird der HaupterklärungS- grund für den Charakter ihrer Werke." Ueber Haydns große Londoner Erfolge, in denen sich auch der Ruhm des greisen Tondichters widerspiegelt, gibt ein Londoner Zeitungsbericht aus-em Jahre 1790 Aufschluß. Es heißt dort unter anderem:„DaS Konzert, von Cramer geleitet, bot eine Auswahl der besten Meister, un- die Ausführung war wundervoll. Bor Beginn der schlugsinfoui« trat der berühmte Herr Haydn in den Saal un- wurde von-en Söhnen der Hannonie mit allen Zeichen der Achtung und Aufmerksanckeit begrüßt. Tas Orchester spielte eine seiner besten Slnfonien, über derer» Ausführung er sich außerordentlich lobend äußerte. Nach Beendigung derselben zog er sich unter den Beifallsbezeugungen der ganze» Versammlung zurück." Zum Schluß noch einige Daten über HaydnS quantitatives tondichterisch e s S ch a f f e n. Er galt und gilt als einer der fruchtbarsten deutschen Komponisten aller Zeiten. Die Gesamtzahl seiner tondichterischen Werke beträgt wert über 1000, darunter über 100 Sinfonien und über 200 Kammermusikwerke. Es gibt kaum ei« Gebiet der schaffenden Tonkunst, auf dem er nicht mehr oder minder Bedeutendes geschaffen hätte; als Sinfoniker, als Kammermusiker, als Oratorienkomponist, als Komponist von Messen, Chören, Klavierstücken, Liedern, ja sogar als Opernkomponist. Edwin Ja«e t sch e k. stk. 77 löttnertfag, 31. März 1932 ettte o In wenigen Monaten- Frei von Zahnstein I Vom gefährlichen Zahnstein befreit bleiben die Zähne, wenn Sie regelmäßig Kalodont zu ihrer Pflege verwenden. Nur Kalodont enthält das gegen Zahnstein wirksame Sulfo- rizinofeat nach Dr. Bräunlid). Unschädlich für Zähne und Mund, löst es die organischen Substanzen, die den Zahnstein verkleben. So verliert er allmählich seinen Haft an den Zähnen, bröckelt ab und wird mit einer harten Zahnbürste fortgeräumt. Einfach und bequem erhält Kalodont die Zähne fest und gesund! SteiGe Leute. Amerikanische PoltzeimrtHoden. Etwa 40 Ttu- denten, die aus verschiedenen Universitäten der Union in MiddleSboro zusammenkamen, nm die Streikverhältnisse im südöstlichen Kohlenbecken von Kentucky zu studieren, wurden, entgegen ihrem Proteste,.über die Grenze des Staates deportiert. Die Behörden verlangten von den Studenten eine Geldgarantie, daß sie die Ruhe und Ordnung.nicht stören würden. Als die Studenten, dieser Forderung nicht nachkommen konnten, würden sie gezwungen, in Autobusse eingufteigen, die sie dann rasch über die Grenze brachten. Die Behörden erklärten, sie hätten sichere Informationen erhalten, wonach die Studenten unter der Arbeiterschaft eine Propaganda entfalten wollten. Fund eines Mamnmtzahns. Bei den Elbe- Regulierungsarbeiten in Srnojedy bei Pardubitz wurde Freitag ein Teil eines. Mannnutstoßzahnes von 1 Meter 30 Ztm. Länge in einer Diluvialanschwemmung, 6 Meter unterhalb der Erdober- päche, gefunden. Der Fund wurde dem Museum übergeben, wo er konserviert werden wird. Wann ist die Erde übervölkert? Die Statistiker und Bevölkerungswissenschaftler schätzen heute die Zahl der auf der Erde lebenden Menschen auf etwa 1870 Millionen. Im Jahre 1800 schätzte man die Bevölkerungsziffer auf der Erde nur auf 775 Millionen Menschen. Wenn diese Schätzungen und Br« rechnuuaen zutreffen, so müßte also im Laufe von 180 Jahren die Menschheit um 1100 Millionen Menschen zugeuommen haben. Wenn die Vermehrung der Menschheit so fortschreitet, so würde da» bedeuten, daß schon in weniger al» 300 Jahren selbst unter Erschließung aller bisher unbesiedelten Gebiete in Sibirien, Mexiko, Südamerika und Australien die Erde übervölkert wäre. Sie würde dann nicht mehr in der Lage sein, die auf ihr lebenden Menschen zu ernähren. Krise des akademisdien Proletariats. (Bon Dr.. med. Hugo Rarchfeld.) Die Wirtschaftskatastrophe macht tn ihrem mörderischen Tempo auch vor den sogenannten intellektuellen Kreisen nicht halt. Diese, die stch stets in kapitalistischen Gedankengängen bewegten, erfahren nun am eigenen Körper, in welch einem PerPveiflungSbamf^ mit niederdrückender seelischer und materieller Rot die kapitalistische WirtschaftS- ordnung die Intellektuellen hineingetrieben hat. Mit dem Gefühle, nicht einmal theoretisch Anspruch auf Arbeit zu haben, sehen sie sich einem Arbeitsmarkt gegenüber, auf dem da» Angebot beiweitem die Nachfrage übersteigt. Täglich lesen wir von weiterem Gehaltsabbau oder Massenentlassungen >o» Beamten in den Aemtern und Betrieben. Gin sauzes Heer von fertigen Ingenieuren ist ohne Posten, hungert und darbt und ist glücklich, einen schlechtbezahlten' Straßenmeisterposten zu erkämpfen. Diese, unhaltbaren'Anstände sind nicht mehr Sache der intellektuellen Kreise allein, sondern auch ein Problem, mit dem sich da» gesamte Proletariat unserer Republik heute schon beschäftigen muß, da sonst ihre mißgeleitettz Aktivität sie in da» Lager der Arbeiterfeinde hineintreibt. E» mutz daher Re- sem akademischen Proletariat zum Bewußtftin ge- bracht werden, daß sie eine wichtige Aufgabe in der sozialistischen Produktion». und Wirtschaftsordnung zu erfüllen haben werden. Alljährlich verläßt eine große Zahl junger Menschen unsere Hoch- und Mittelschulen in dem Glauben an eine einigermaßen sichere, und glückliche Zukunft. Statt sich in praktischen Berufen, wo durch sinnlose Ueberrationolisierung der Betriebe die Arbeitsplätze stark vermindert sind, zu betätigen, jagen unsere Intellektuellen nach den freien Berufen, mit und ohne akademische Bildung. Unsere Hochschulen sind überfüllt. Die Zahl■ der Studierenden auf den Hochschulen in unserer Republik beträgt.zirka 34.000. Die Zahl der Studierenden ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl unserer Republik viel zu groß. Daher ist auch da» Neber» aNgebot auf dem akademischen Arbeitsmarkt ein sehr großes. Selbstverständlich benützen die rechtsstehenden Kreise diese- Chaos unter den Intellektuellen dazu, um einerseits gegen die fremden Studenten an unseren Hochschulen loszugehen, andererseits wieder gegen den Bestand der deutschen Hochschulen eine kulturlose Propaganda in Szene zu setzen. Unter den 34.000 Hochschülern gibt es zirka 5000 fremde Studenten; da< sind beiläufig 15 Prozent. Bis zum Jahre 1034 sind et Jugoslaveik und Ukrainer. Boni Jahre 1926 an sind e» hauptsächlich Polen und Ungarn. Fremde, die Geld ins Land bringen, nm dann nach vollendetem Studium In die Heimat zurückzukehren. Eine etwaige Nie- derlasiungsmöglichkeit verhindert das Gesetz. Teilweise ist eS bereits dem verantwortungslosen Treiben der rechtsstehenden Kreise gelungen, die Fremden von unseren Hochschulen zu vertreiben und sie verlassen schon massenhaft unsere demokratische Republik. To sehen wir klar, patz dieser Kampf gegen die fremden Studenten und gegen die deutschen.Hochschulen kein Existenzkamps unseres akademischen Proletariats ist, sondern ein roher Klassen- und'Rassenkamps nationalistischer Berufshetzer. Mit diesen Mitteln lassen sich nicht die furchtbaren Auswirkungen der kapitalistischen Katastrophe in den Kreisln unserer Intellektuellen mildern oder beseitigen. Für unser akademisches Proletariat gibt er nur einen Weg ins Freie «US diesem Chaos, aus diesem Elend, und da» ist die s^ialistische Wirtschafts- und GesellschastSord- nuug. Tke. Intellektuellen dürfen keine privilegierte Monopolstellung einnehmen, sondern müssen mit der gesamten Arbeiterschaft vereint, ein wichtige» produktives Werkzeug in der sozialistische» Wirt- Ichastsordnung werden. Irgendwo muß doch das Geld der Erde geblieben sein! Während das Gebäude des Kapitalismus in allen Fugen kracht, scheinen einige wenige Säulen des morschen Baus fast unberührt von der wirtschaftlichen Evolution geblieben zu sein. Die dritte Garnitur der Finanzherrscher hat teilweise schon vom Schauplatz abtreten muffen; die zweite muß Wertminderung und Abbröckeln der Welttrusts erleben; und nur noch der allerersten KröfuSgarnitur hat das Schicksal ein furzfristigeS Moratorium gewährt. Noch immer beherrscht sie den Großteil des Geldes, daS e» auf der Erde gibt. Der reichste Mann der Welt ist ein Inder: der Nizam von Haid«rabad. Er ist Herr über 13 Millionen Eingeboren«; sein Vermögen wird auf acht bis neun Milliarden Mark, sein jährlicher Einkommen auf 170 Millionen Mark geschätzt. In seinem Privatschah befinden sich allein über zwei Milliarden Man in Goldbarren und gemünztem Beide. Niemand vermag den Marktwert seines KronschatzeS zu berechnen. Während des Weltkrieges stellte er der englischen Regierung ein Darlehen von fast 250 Millionen Mark zur Verfügung. Trotzdem er mehrere Frauen besitzt, ist er ein Geizkragen. Nur auf Reisen gibt er Geld aus: er besitzt allein einen Autopark von 400 Wagen,, und un vergatvaenen. Lahre fuhr er in einem Hofzuge von 22 Pullmän-Wagen von seiner Residenz nach Delhi; vier Güterzüge folgten mit dem Gepäck. Nach ihm komint der alte, jetzt 92jährige John D. R o ck e s e l l c r, der dir berühmt« „amerikanische Karriere" gemacht hat: vom armen Teufel zum Milliardär. Eine annähernde Schätzung seines Vermögens ist deshalb unmöglich, weil sein Trust, die Standard Oil Co.— die größte Firma aller Zeiten!.—, mit allem Drum und Dran von Produktion»-, Handels«, Finanzierungs-, Grundstücks- und Holdingsgesellschaften wohl da» unübersichtlichste Unternehmen der Welt ist. Sein Sohn, John D. Rockefeller junior, beschäftigte sich in der Hauptsache damit, das Geld seines Vaters aus anständige Art auSzugeben. Er versucht,-dieses schwere Problem dadurch zu lösen, daß er religiöse und wissenschaftliche Wohltätigkeit betreibt und die Rockefeller-Foundation, die größte wisseitschast- liche For;chungsstiftung, beaufsichtigt. Auch Deutschland wird von dieser Stiftung oft bedacht. Bon Andrew Mellon au» Pittsburgh, USA., weiß man nicht viel. Er ist der Schatzkanzler der amerikanischen Regierung und kontrolliert den größten mneramcnkanischen Bankenkonzern. I. P. M o r g a n ist der Finanzier der Welt. Morgan& Co. beherrscht die Börse aller fünf Kontinente und einen wesentlichen Teil aller Großproduktionsstätten. Aga Khan ist der kleinere Kollege des Nizam von Haiderabad. Auch er beherrscht einige Millionen Inder, und sein Vermögen dürfte ebenfalls in die Milliarden gehen. Viktor Emanuel, König von Italien, ist der reichst« Bürger seines Landes. Nur weiß niemand, was sein Privatbesitz, und was Eigentum der Krone ist. Als nächster folgt ein Toter: Ivar Kreust er. Er besaß mehr als 150 Zundholzfabriken in 33 Staaten; in 14 davon gehört seiner Stammfirma, Kreuger& Toll, da» Zündholzmonopol. Sein Trust kontrolliert etwa 90 Prozent deS Zündhvlzbedarfs der Welt. Es scheint,■ daß Kreuger» Selbstmord den Trust bis auf weiteres gerettet hat: amerikanisches Kapital soll jetzt diesen kunstreichen Turmbau stützen. Lord Derb h, der sein Geld und seinen Besitz geerbt und ihm nur sein« Leidenschaft für Pferderennen hinzugefügt hat, dürfte der reichste Mann Englands sein. Der Herzog von Westminster, der Reeder Sir John Ellermann und Lord Jveagh, der Brauer de» Guinneß Stout- Biers, sowie die Brüder» Joel, afrikanisch« Minenbesitzer, stehen ihm an Reichtum kaum nach. Henry Ford und sein Sohn Edsel sind die größten Fabrikanten der Welt. Man hat den Wert von Henry Fords Fabriken auf über eine Billion Dollar geschätzt, wenn auch sein Privatvermögen nicht jo groß sein soll wie das jeiues verstorbenen Freundes Edison. Der reich sie Mann Deutschland» ist immer noch— Exkaiser Wilhelm von Doorn. Trotz Revolution, Inflation und„Verbannung" besitzt er nach wie vor etwa 2 50 Millionen Mark in Geld, Juwelen, Jndu- striepapieren, Porzellanfabriken, Gütern und Schlössern. Fritz Thyssen, der Finanzier Hitlers, steht seinem kaiserlichen Herrn an Vermögen nicht viel nach. Hinter ihm kommt der Stahlmagnat Friedrich Flick, während der Besitz des ehemaligen Kanonenfabrikanten Gustav Krupp von Bohlen-Halbach durch die Umstellung nach dem Kriege wesentlich an Wert gesunken ist. Der reichste Südamerlkaner ist der Zinnkönig Simon I. P a t i n o aus Bolivien. Er war ein kleiner Angestellter, dem ein Schuldner statt Bargeld ein Stück Bergland in Bolivien vermachte, wo Patino Zinn entdeckte. Heute ist er der größte Ztnnproduzent der Welt. Sein Deflationsstreich war da- Zustandebringen eines internationalen Abkommens, das die Zinnproduktion der Welt zum Zwecke der Preishaltung einschränkte. Er besitzt ein herrliches Palais in Paris und eine Tochter, die«inen Bourbonenprinzen geheiratet hat. Frankreichs Krösus ist der Parfümfabrikant und nationalistisch« Deutschenfresser Coty, dessen Vermögen auf'über 200 Millionen Mark geschätzt' wird. Er besitzt eine Reih« chauvinistischer Tageszeitungen, an der Spitze db'n''Jigarö" und Lat Hetzblatt„Amt du peuple"(BolkSfreund"!), als dessen Herausgeber und Leitartikler er zeichnet, ferner«ine lange Reihe von Kriegervereink^eit- schriften. Trotzdem werden sein« Fabrikate in Deutschland auch von Anhängern des„Dritten Reiches" mit Vorliebe gekauft. Seine Landsleute Andrä Citroen und Louis Renault, die Autofabrikanten, haben ebenfalls riesenhafte Kapitalien angehäuft, während der einst sagenhaft« Besitz der Pariser Rothschilds durch seine Verteilung auf eine große Familie nicht mehr seine frühere Bedeutung hat. DaS Vermögen Str Basil Z a h a r o f f§, dek schweigsamen Alten, ist von unendlichen Strömen Bluts zufammengeschwemmt worden: er ist der größte Munittonslieferant der Welt und gibt zudem noch an Staaten, di« Kriege führen wollen, da» nötig« Geld zu entsprechenden Wucherzmsen. Zur zweiten Kapitalsgarnitur Italiens gehört der frühere Finanzminister Senator Giuseppe V o I p i. Von den indischen RabobS muß noch der Gaestvar von Baroda erwähnt werden, der sich die Arme bis zu den Ellenbogen mit Juwelen bedeckt. Im Paradies der Steuerpflicht ist der Landesvater, Fürst Franz H. von urü) zu Liechtenstein, der reichste Mann, während Oesterreich nach dem Zerfall des Rothschildschen Vermögens keinen Kapitalisten von Weltformat mehr besitzt. In Japan ist Ken Kichi Kagami der einflußreichste Finanzmann. Er hat schwere Sorgen, denn sein Ausfuhrgeschäft geht immer mehr zurück. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß er einer der Inspiratoren des Schänghaier Abenteuers ist. Spaniens reichster Mann ist auch nach Alfons Absetzung Juan March, der Hauptaktionär der größten spanischen Schiffahrtsgesellschaft. Die kleineren Länder dürfen tm Chor deS Wellkapitals ebenfalls mitreden: in Ungarn besitzt Fürst Paul Esterhazy ein Sechzigstel oeS Grund und Bodens; in der Tschechoslowakei ist! nach Ignaz P e t s ch e k s, des Braunkohlenkönigs, Tode bet Schuhfabrikant Thomas Baka, der „unbekannte Diktator" von Zlin, der reichste Mann: in Polen herrschen die Großgrundbesitzer Graf Alfred P o t o c k i und Prinz Janus Rad- z i w i l l; in Litauen besitzt ein deutscher Einwanderer, der Eisenhändler Richard Tillmann, das größte Vermögen; in Jugo- siawien ist Arthur D r a ch der reichste Mann und in Rumänien Dinu Mibail, der 25 Millionen Mark„schwer" sein» soll. Das ist die Parade der reichen Leute, die es immer noch in der Welt gibt. Die internationale Krise des Kapitalismus bat ihre Reihen kaum dezimiert, ihre Werte nur wenig vermindert. Wann wird der letzte Sturnt anbrechen, der die Zeit des wirtschaftlichen Mittelalters endgültig liquidiert'? Egön Larsen. Geriditssaal Ein Priester unter Anklage der PrLsidentenbrleidignng. Prag, 30. März. Ein überaus merkwürdiger Prozeß wurde heute beim hiesigen Kreisgericht vor dem Strafsenat des OGR. MaryZka verhandelt. Es handelt sich um eine Anklage nach§ 11 des Schutzgesetzes(grobe Verunglimpfung des Staatspräsidenten) und ans der Anklagebank saß der Pater Josef Novotny, 27 Jahre alt, Professor und„b i s ch ö f l i ch e r Noiarius" da^i. Tie Anklage legt dem hochwürdigen Herrn zur Last, in der„Nürodni KavSrna" verschiedene Zeitungsexemplare mit Randglossen versehen zu habe», die geeignet waren, die Person der Staatsoberhauptes der Verspottung preiszugeben, wie es der 8 11 des obgenanntem Gesetzes verbietet. Ter Antrag des StaatSaüWaltos' ailf Ausschluß der.Oeffentkichkeit wurde vom Gerichtshof abgelehnt. Der Herr Professor uich bischöfliche N o t a r i u s wirb beschuldigt, mehrfach EzeMpfare de»„Poledni list" mit Bemerkungen versehen zu haben, die wir aus Gründen der demokratischen Zensurpraxis hier nicht wiederholen können, die aber eine verzweifelte Aehnlichkeit mit dem Inhalt ver- schiedener Klosettkritzeleien aufwekjen. Die solcherart verunzierten Exemplare erregten Aergernis unter: einigen Stammgästen der„RLrodni Kävärna" und endlich glaubte einer derselben, der Schriftsteller Ottokar Hanns, den Täter in der Person de» bischöflichen Notars entdeckt zu haben. Eß kam bei dieser Gelegenheit zu einer unerquicklichen Auseinandersetzung und in. weiterer Folge zu der Verklagung des bischöflichen. Notarius nach§ 11 des Schutzgesetzes. Hochwürden erklärte, literarisch tätig zu sein und verschiedene Pressestimmen für seine Tätigkeit als Mitarbeiter einer katholischen Revue zu sammeln. Er unterstreich: daher gewohnheitsmäßig b einer k enswe r te.Aeuß erungen der Tagespresse und mache sich Randbemerkungen dazu.. Diese Randbemerkungen seien aber ausschließlich für den Privatgebranch bestimmt. Vorläufig ungeklärt ist die Behauptung, daß der literarische Priester auch ein gespannte Blätter mit solchen(tatsächlich widerlichen) Bemerknn gen geschmückt haben soll. Hochwürden bot Zeugen für sein« Behauptungen an. Die Berhandlung mußte vertagt werden. ich Vötrovsk^— geistig gesund? Prag, 30. März. Die gerichtsärztlichen Sach- verständ^en Doz. Dr. K n o b l o ch und Dr. Bondy haben den dreifachen Mörder Vätrovskh einer eingehenden Untersuchung unterwürfen. In einem 130. Seiten umfassenden. Gutachten, gelangen die Sachverständigen' zu deut- Urteil,, daß B ä t r o v s k y bei der'. Begehung der gräßlichen Mordtat-., sich keinesfalls in einem geistigen.Zustand befunden habe, der die Zurechnungsfähigkeit im Sinne unseres Strafgesetzes au§! schließt. Der Mörder wird noch' in der April-Session de» Schwurgerichtes vor den-Geschworenen erscheinen. ry. Kleine Chronik Feier-Abend. Bon Robert Lehler., Zch bin heut allein durch den Wald gegangen. Tie Sonne war schon am Horizont versunken, der zwischen den rötlichen Stämmen«ine zartblasse Linie zog....... Meine Schritte knirschten im Schnee. Dies war der.einzige harte Laut im.Schcheigen des Waldes. Alles lag wie von Müdigkeit erstarrt. Nur von den Baumästen senkte sich.dann u>td wann, schwankend im Abendhauch: ein silbriger, rauschender Schauer. Atemlose Stille herrschte rings, da ich plötzlich stehenblieb. Diese Stille setzte-sich. an mir an, gewissermaßen wie au einem Kristall, der wächst, Mittelpunkt einer wirkenden, unaufhaltsamen, entschlossenen Kraft. Leise fiel über mich jene längst bewußte, leicht schmerzliche Lust aller Einsamen und Sehnsüchtigen, die-Hände heben, unwissend' wohin. Aber meine Ohren, taub geworden im Gedröhn der Maschinen tagsüber,^ begannen das sonderbar Musikalische dieser gläsernen Regungslosigkeit aufzunehmen und langsam zu lieben: Stille und Kraft. Sammlung und Drang. Heute und. Morgen. Werktätiges Morgen... Mit dem Bewußtsein eines unvorhergesehenen Glücks schritt ich gefaßt den aus dem Abenddnnkel springenden Lichtern entgegen.:'' Strahlendes Morgen!- Autoversolgnng mit Farbbomben. Die Londoner Polizei erprobt zur Zeit ein neues Mittel, um flüchtende Automobilisten und Motorradfahrer I leichter verfolgen zu könmn. Man hat Handgrana- ten hergestellt, di« etwa di« Größe eines'Tennisballs besitzen: Sie sind aus dünnem Blech gefertigt und mit einer klebrigen schnell haftenden und. ebenso schnell trocknenden leuchtenden Flüssigkeit gefüllt. Versucht nun ein Automobil sich der Verfolgung und der Feststellung durch die Flucht zu entziehen, so werfen die Polizisten diese Granaten nach dem Auto. Wird das Autontobil getroffen, so entleert sich der Inhalt der Granate über dem Wägete und die stark riechende, grellfarbige Flüssigkeit.überzieht Teile des Wagens. Ta sie schnell haftet und trocknet, kann sie auch von den Insassen' nicht beseitigt werden. Tie Passanten müssen' also ebenso wie die Polizisten auf das Auio bald aufmerksam werden, das dann schnell festgestellt werde» kann. Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 31. MSrz 1932 Nr. 77 HFRRENMODE— F RÜBJAHR 1932. DER FRÖHLING IST DA— LEGEN SIE DIE HOHEN WINTERSCHUHE AB— TRAGEN SIE UNSERE HALBSCHUHE. Modell 3627-22 Halbschuhe aus schwarzem Box. Bequeme, breite Passform. Ein sehr beliebtes Model). In braun KE 89.- Modell 7237-61 Kombinierter Halbschuh aus schwarzem Mattbox mit Lack. Gefälliger Schnitt.- FCr die Gesellschaft und für die Promenade. Pflegen Sie Ihr Schuhwerk mit unserer Schuhcreme für Kc 2., Modell 7637-59 Eleganter Herrenhalbschuh aus schwarzem Box, reich perforiert. Dasselbe Modell mahagonifarben oder braun KE 89.- Modell 7627-63 Ein einfaches und sehr elegantes Modell aus feinstem, braunem Boxcaff.• Halbspitze Facon. B-55. Die bequeme, breite Facon des Schuhes ist ebenso elegant als die schlanke. Tragen Sie passendes und zweckmässig gewähltes Schuhwerk PRAGER Kunst und Wissen Im Kunstverein für Böhmen(II., PStroßova Nr. 12) eröffnen heute vier Prager Künstler Ausstellungen. Das Ehepaar I. Mekka und 8. Ondruö-Melka zeigt Gemälde und Aquarell«, -er Bildhauer Alois M. K r o u p a interessante Keramiken in Großformat und Josef M y s l b e k, der Sohn bei berühmten Bildhauers, sehr ansprechende Landschaftszeichnungen. Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 5 Uhr geöffnet. Eintritt 5 X. Morgen„Kabale und Liebe" von Schiller. Als »Lady Milford" gastiert Hilde Weißner vom Schauspielhaus Hamburg auf Anstellung. SamStag, den S. April:„Der Mikado". In neuer Inszenierung als Revue geht Sullivans „Mikado" am 9. April zugunsten des Pensionsfonds der Solisten In Szene. Regie: Max Liebl. Dirigent: Georg Szsll. Der Barverkauf hat bereits begonnen. Spielplau des Reuen Deutschen Theaters. Donnerstag, halb 8 Uhr:„Der Freischütz" (188—II).— Freitag, halb 8 Uhr: Kabale und Liebe"(139—111).— Samstag,. halb 8 Uhr: Max Pallenberg:„Eine gut« Empfehlung". „Eins, zwei, drei..."— Sonntag, 11 Uhr: Kammermusik; 2 Uhr:„F a it st"(K.-B. und Arbeitnehmer); halb 8 Uhr:„Nemo-Bank" (Max Pallenberg).— Montag, halb 7 Uhr: „Faust"(140—IV). Spielplau der Kleinen Bühne. Donnerstag, halb 8 Uhr: /Diktatur der Frauen".— Freitag, halb 8 Uhr:„Der Mann mit den' grauen S ch l ä.f e n"(Kulturverbandsfreunde).— Samstag, 8 Uhr:.Der Mann nii den grauen Schläfen"(Monnemewt).— Sonntag, 3 Uhr:„Intimitäten"(Abonnement); 8 Uhr: „Die ungeküßte Eva"(Abonnement).— Montag, 8 Uhr:„Der Mann mit den grauen Schläfen"(Abonnement). Sport«Spiel* KöinerpneBe Osttrspiel« unserer Arbeiterfußballer. Bon den wenigen uns bisher bekannt gewordenen Ergebnissen ist zu ersehen, daß unser« Fußballer sehr schöne Spiele aufgezogen haben. Di« Gegner aus dem Reich« gefielen durchweg und all« Spiele waren werbend. Run die Resultate: Weiskirchlitz: Dresden-Löbtau gegen Gleichheit 3:3(3:0).— Ko Pitz: FR. Komotau I gegen ASK. 5:1(3:1). — Eidlitz: AFK. gegen MK. Sporitz 3:2(2:1). ZEITUNG. — Hirschberg: AFK. gegen Freiheit Warnsdorf 4:1(3:0)..'— Altstadt: AFK. gegen Pre-litz- Aussig 5:3(3:1).— Bensen: ASK. gegen B.» Kamnitz.7:1 und komb. gegen Bocken 11:2.— Krochwitz: Lassalle II gegen Reinhaidsdorf(Sachsen) 5:3(2:1).— Te plitz: Fußballring gegen AFK. Nestersitz 1:1.— Niederleutensdorf: Fußballring Teplitz komb. gegen AFK. 5:3.— Lang-Ujest: Hertha gegen Brüx 6:1(3:1) und gegen Dresden->Löbtau 2:4.— Kleinaugrzd: Freuiütschaft gegen Eintracht Gößnitz(Thüringen) 2:1(0:0).... Spiele unserer Arbeitersußballer im Ausland. R u m b u r g spielt« im Dresdener Bezirk, und zwar gegen Radeburg 8:3(3: 1), gegen Reichenberg 0: ü und gegen Wilschdorf 1:8.— Sobrusan spielte in Langenau t. Sa. 5:5(2:2) und 2:9(1:5).— Niederaltstadt wurde in Lindau(Sachsen) mit 1:4(1:0) geschlagen. Dresdener Arbeitersußball. Helios gegen Görlitz 2:1, DBB 15 gegen Görlitz 10:1, DBB. 15 gegen Vorwärts Chemnitz 9:1, Kötzschenbroda gegen Vorwärts Chemnitz 4:8, Birkigt gegen Kleinnaundorf 3:4, Burgk gegen Radebeul 5:1, Dölzschen gegen Eintracht 2:5, Ottendorf gegen Helios 0: 4, Neustadt gegen Deuben 3: 2, 1885 gegen Friedrichstadt 2:5, Lockwitz gegen Röderau 5:1, Wurgwitz gegen Pesterwitz 6: 8, Cotta gegen DSV. 2:2. Wiener Arbeitersußball, Die Osterfeiertage brachten ein« große Zahl von Turnierspielen, di« nicht nur sehr schönen Sport zeigten, sondern auch zahlreiche Zuschauer aufwiesen. In der ersten Klaff« trug Ostbahn Simmering das fällige Meisterschaftsspiel gegen Auto aus und siegt« äußerst knapp 4:8 (2: 2>.-In den Turnierjpielen gab es u. a. nachstehende Ergebnisse: Neu-Kettenhof gegen Phönix Schwechat 2:1(1:1), Phönix Schwechat gegen Simmering 5:4(4:1), Technische Union gegen Guntramsdorf 4:2(2:1), Donaufeld gegen Brigittenau 8:1(2:1), Zentralverein gegen Mariental 1:1(1:1), Donau gegen Elektra 2:1(2:1), Meidling gegen Columbia 1:0(0:0), Columbia gegen Donau 1:1(0:0), Elektra gegen Meidling 1:1(1:0), Helfort gegen Nord-Wien 5:2(4:1), Red Star gegen Postgewerkschaft 4:1(0:0), Rod Star gegen Nord-Wien 3:1(1:0), Helfort gegen Postgewerkschaft 5:4(2:2), Neutral gegen Rudolfs- Hügel 3:3(2:1), Favoriten« AC. gegen Gaswerk 1:2(1:0), Gaswerk gegen Neutral 6:0(5:0), Rudolf-Hügel gegen Fav. AC. 2:2(2:0), Union 14 gegen Ostbahn Favoriten 3:2(1:0), Feuerwehr gegen FC. 33 1 r 0(1:0), FC. 33 gegen Ostbahn Favoriten 3:0(1:0), Feuerwehr gegen Union 14 | 2:1(1:0), Minerva gegen Felten 8:1(4:0). Vorträge iinfl Veranstaltungen Verein der deutschen sozialdemokratischen Aerzte in der Tschechoslowakischen Republik. Jahresversammlung am 3. April d. I., 9 Uhr vormittags im Klubsaal der deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten im Parlament, Prag I. Tagesordnung: 1. Begrüßung; 2. Bericht des Borsitzenden; 3. Bericht des Kassenführers; 4. Bericht Dr. Th. Gruschkas über Sexualberatungsstellen; 5. Wahlen; 6. Freie Anträge. Der Vorstand des Vereines: MUDr. Holitscher, Vorsitzender; MUDr. Epstein, Schriftführer. Hans Albers in seiner neuesten Rolle'als Telegraphist in dem Ufa-Tonsilm„D e r- S i e g«t“. „Zwei Herzen und ei« Schlag." Was sich in dieser(FilmMeli abspielt, ist mit dem Titel ziemlich vollständig erklärt; was sonst in einer sehr realen, tvenn auch nicht ganz so bevorzugten Welt ohne Film vorzugehen pflegt, darüber gibt un- die volksbeglückende Produktion aller kapitalistischen Staaten nur äußerst selten Auskunft. Das Geschäft ist bekanntlich nach ebenso heiliger als auch teurer Ansicht der Gewaltigen der flimmernden Leinwand bedingt von dreierlei: vom Glück des armen Jungen, vom Glück deS armen MädelS und von der Aussicht des Publikums, auch einmal in diese angenehme Situation zu kommen. Rach diesem AllerweltS- rezepi ist auch ThieleS— sonst«in ganz begabter Regisseur— neuester Film gemacht, deffen Nam« ein durch mäßig« Bariation des Dreivierteltakts er zielter Effekt fft. Ein Herz, das ist Lilian Har- v« y als Halbweltsängerin mit Aussichten• auf Glück und Reichtum beim alten Mann, deshalb geht sie auch ihrem jungen Gatten durch, und noch ein Herz, das ist ein Rivierahotelkellner, in deffen Haus wie auch Herz jene lachende Sonne blüht, di« von Geldbeglückien bei ihm— will sagen beim Hotel— mit teuren Franken, in der andern, weniger glücklichen Welt mit Kinoentrees bezahlt wird. Um diese Sonn« geht es, die Klein« wirst sich dem alt««, dicken, aber netten, weil reichen Wallburg an de« Hals und nach«in paar kleinen Verkleidungen und Kämpfen-kommen beide Herzen in Fluß zu jener Harmonie, die im Titel nett ausgedrückt wird. Wo sich di« beiden Liebesherzen im Film noch vereine« werden, sei der Phantasie des Lesers- überlassen. Für Liebhaber kristallisierter Ungeistigkeit in netter und darum noch widerlicherer Aufmachung kann der Fil«, empfohlen werden.. W. Lg. Aus der Partei Jugendbewegung. Heute abends halb 7 Uhr Kr«islritungsfitzu«ß im„Sozialdemokrat". Pünktlich sei«! Arbeitsgemeinschaft für Ftftkultur. Morgen Aussendung. 6 Uhr Bildungszentrale. Literatur. Ludwig Huna:„Der Mönch von San Marco." Gzl«. M. 8.50. Verlag Grethlein 6c Co., Leipzig-^ Zürich. Die von gewaltiger Tragik erfüllte Feuerseele des berühmten Florentiner Dominikaners Satz o n a r o l ä bringt Huna in seinem jüngste« Roman auf dem Untergrund einer reichbewegie«, farbenglühenden Handlung zur kräftigsten Gestaltung. Huna hat in jene Bereiche'zurückgesunden. In denen er sich am wählst«« fühlt, Zeit per italienischen Renaissance, teils historische Begebenheiten, teils phantasiebeschwingte, vom Achter glühend gestaltete Ereignisse, im Mittelpunkt Leidenskamps und Ende des berühmten Mönches von San Marco, dessen tief« Frömmigkeit u>rd heiliger Eifer im Wust von Lastern, Sinnlichkeit und Parteienhader untergehen müssen. Der Dichter gibt das prächtige Kolorit in aller Buntheit und Sattheit. Mitten tu di« wankende, von taumelnder Sinnengier und wilden Bacchanalien erfüllte Welt schleudert der gewaltige Mönch Savonarola sein« Feuerbrände sittlicher Entpörung und zerrt das sodomitische Florenz vor den Richterthron seines Gottes. Bon Leidenschaft durchglühte Lieb« rauscht wie«in Fcuerstrom durch dieses Buch. Huna, der ausgezeichnete Schil- dcrer dieser versunkenen Welt, gab einem gewaltigen Ereignisse der Weltgeschichte dichterisches Leben. GertGt. Roman von Stefan Vollatschet. Der Professor entließ ihn überaus freundlich und wohlwollend, und Westen-Bourdet nahm sich auf dem Weg zum Verleger vor, das Werk mit sehr schmeichelhaften Worten dem liebenswürdigen Gelehrten zu widmen. Der Verleger war bereits im Bilde,. als Westen vorsprach, man einigte sich bald über alle Einzelheiten, und als Westen das weitläufige Gebäude verlieh, hatte er in seiner Brieftasche einen Scheck, der ihn immerhin für etliche Monate seiner dringendsten Sorgen enthob. Als er den Schein bei der Bank präsentierte, erinnerte er sich,-aß er einmal— wann war es wohl gewesen und wo?— bei einer Bankstelle, die ganz ähnlich aussah, solch einen Scheck vorgewiesen und viel Geld bekommen hatte, Er konnte sich aber nicht recht besinnen. Als er die Bank wirrer verließ, sah er plötzlich doch ein Bild: War er sda nicht bei einem Arzt gewesen, einem Herrn m einem weißen Kittel, der von Aegypten und von Amerika sprach? Ja, so war es wohl. Und wo war er nun? In Paris und vertat seine Zeit, seine kostbare Zeft mit Büchevschreiben. So heftig erwachte in ihm der Wunsch nach fernen Ländern, daß er in Eile sein vorhandenes Geld züsammenzählte, und so wie' er war, in die nächste Schiffsagentur eilte. Er erkundigte sich hier nach einer bequemen Verbindung nach Aegypten, als eine Stimme ihn aufhorchen ließ, Diese Stimme gehörte einer Dame, die ihn auf-en ersten Blick faszinierte. Sie war nicht meyr ganz jung und wohl auch nicht sehr schön. Aber sie hatte jenen geschweiften Mund und vor allem, jene aus den Winkeln sehenden Augen, die ihn schon einmal verrückt gemacht hatten, er dürfte damals etwa zweiundzwanzig Jahre alt gewesen sein, und er erinnert«' sich, daß er damals einer Frau wegen das Vaterhaus und die Stadt auf einige Zeit verlassen hatte, um nur in der Nähe jener Frau leben zu können. Und er erinnerte sich weiter an einen klugen, alten Herrn, der dies zwar nicht billigte, aber verstand; war das nicht sein Vater gewesen? Wer wird meinem Sohn Helsen, wenn er in solche Lage kommt? mußte da Westen mit aller Klarheit denken, aber mit einem Male war diese Klarheit toieder ins Wesenlose getaucht, un- er hörte nun, wie sich jene Dame nach einem Dampfer nach Amerika erkundigte,«inen Platz belegte, bezahlte und sich dann entfernte. Zur Ueberraschung-es Beamten erklärte er,-aß er seine Pläne plötzlich geändert habe, er wolle nicht nach Aegypten, sondern vorerst nach Amerika, und rasch entschlossen, bezahlte er seinen Fahrschein. Seine Erregung war so groß, daß er gar nicht die Frage stellte, wann das Schiff abgehe, un- erst der Verkäufer ihn aufmerksam machen mußte, daß die„Columbia" in zwei Tagen bereits in See gehe. Auf seinem ZimmÄc angelangt, fand er,-aß er eigentlich für solche Zwecke gar nicht gerüstet sei. Er kaufte sofort Frack, Smoking, Wäsche. Lackschuhe und Krawatten, ja sogar an die Schiffsmütze vergaß er nicht, ließ alles in einen eleganten Koffer packen, und eine halbe Stunde vor Abgang-es Schiffes stieg ein elegant gekleideter Herr^der etwa fünfzig Jahre alt sein mochte, aufs Schiff, und wurde zuvorkommend in die für Monsieur Alphonse Bourdet gemietete Kajüte geleitet. Am Abend fand endlich die mit aller Kraft ersehnte Begegnung statt. Er saß, selbst sehr elegant, mitten in festlicher Gesellschaft, hatte schon hier und-ort mit verschiedenen Menschen Worte gewechselt, als plötzlich jene Dame eintrat, aber— o weh!— in ihrer Gesellschaft befand sich ein jüngerer, glattrasierter vornehmer Herr. De Zufall wollte es,-aß eine jener Herren, mit denen er vorhin belanglose Worte wechselte, ihn der Dame vorstellte. Es war eine Sängerin, Madame Armand, deren Name ihm außerordentlich bekannt vorkam, der junge Mann an ihrer Seite ein bekannter Bankier aus Paris. Nach dem Abendessen gelang es ihm, in Gesellschaft der Dame einige Minuten allein auf Deck zu verbringen. Er hörte sie reden, aber seine Stimme erklang ihm ganz fremd, als er sie fragte, ob sic wohl wisie, warum er nach Amerika TCt)«. Ohu« die Antwort abzutvarten, erklärte er ihr, daß er ursprünglich nach Aegypten zu fahren beabsichtigte, sie aber im Reisebüro erblickt« und seine Absichten sofort geändert habe. "Madame Armand schwieg, un--er Herr im Smokilig,-er einmal Dr. Westen war, wußte gar nicht, ob sie sein« Worte vernommen hatte. Nachher wurde von einem portugiesischen'Herrn ein kleines Spielchen im Rauchsalon arrangiert. Es fing als heuchlerisches, gottgefälliges Gesellschaftsspiel an und war nach wenigen Minuten in ein wil-es Hasardspiel ausgeartet. Stundenlang wurde diese Uebung fortgesetzt, Dameu und Herren saßen mit erhitzten und aufgeregten.Gesichtern, ohne ein Wort zu sprechen, um einen Tisch herum, auf-em Banknoten aller Herren Länder lagen. Westen saß gegenüber-er Sängerin, die, eine Zigarette nach der andern rauchend, keine Miene verziehend, ihre Einsätze machte un- die routinierte Spielerin betonte. Sie pausierte nach einem verfehlten Einsatz stets, nahm nach einer Weile das Spiel wieder auf, und wenn sie gewann, setzt« sie immer ohne Unterbrechung bis zum ersten Fehlschlag, um dann» sofort wieder auszusetzen. Das Päckchen vor ihrem Platz war schon ziemlich ansehnlich, zur großen'Enttäuschung Westens, der sehr stark im Gewinn war und stets hoffte, daß die Axmand alles verlieren und«r ihr ritterlich zur Seite werde stehen können. Indes gewannen beide und Doktor Westen so viel, daß er di« allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Namentlich«ine Dame rückte bedenklich in seine Nähe, und als das Spiel dann lange nach Mitternacht abgebrochen wurde, hatte er den Vorzug, jene Dame— es war eine allein reisende Rumänin— bis zu ihrer Kabine und noch ein Stückchen weiter zu begleiten. Am nächsten Morgen kaufte er in dem Juwelierladen an Bord ein« schön« Kett«, di« fast seinen gesamten Gewinn aufzehrte, und sandte sie der Rumänin. Er wollte sich gerade m einen jener bequemen Korbstühle legen, als er Armand mit ihrem Jüngling sah. Beide waren sportlich gekleidet und begaben sich zum Tennisplatz. Wie beflügelt erhob sich Westen— wo aber Sporthemd und Tennisschläger hernehmen? Doch eS erwies sich, daß man auf einem Zauberschiff suhr— alles war zu hckben, und kaum zehn Minuten später erschien Westen auf dem Tennisplatz. Er sah ein« Zeitlang zu und konstatiert«, daß Madame Armand meisterlich spielte. Sofort engagierte er den Trainer und übte täglich zwei bis drei Stunden; seine Hoffnungen, mit der Sängerin zu spielen, sollten sich jedoch niemals erfüllen. (Fortsetzung folgt.) etcilgtim CiHfrteb tut— CktfnHttiar. SBiltoi» SMtftatx—«etnnttvortn^et Stebateur: Dr Sm« 9u«.—»ruck:.Stete* für uto»uchdri«, tm.— SJäi tea Druck tuaUteettft«: Otte twtit, Itoo.— Di« Lritmtesuuirteirirauk-tur wurLr»on der»oft. V Telegrepd-ndirrNwu mit Ella» Rr t3.80Wvn>l®0 betoiUigt— 8euigU>rtin{nmgu:»ei Zuftellu», in» Hau«-ter tot 8«,u« durch die M»rnratlich U 16.—.»tertelittrlich K* 48,—, d-tbi-tote Kc 96.—,^uqjähria K« lau.—. äoftmte wcrtou lout Tarif driu«jl berechnet,»et«iere»«nichnkiuter» vretenechi-s.— NückfleLun, den Moruflripie» ersel«» wer toi SteseNdnn« ter SteMamfae.