Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.* 9t.'Oattion u. Derwollung: Brog n, Tttfäjanta 18 ♦ Lelepd.: 26793. 31469,7talutzergebnis des zweiten Wahlganges für die Rcichspräsidentenwahl lautet: 10. April 13. März Stimyren Prozent Stimmen Prozent Abgegebene Stimmen .. 30,481.694 37,889.826 18,650.130 Hindenburg.. .. 19,359.642 53 49.6 Hitler...... .. 13,417.460 36.8 11,339.285 30.1 Thälmann.... .. 3,706.388 10.2 4,983.197 13.2 Somit wurde Paul von Beueekend orff und von Hindenburg, der am 2. Oktober d. I. 85 Jahr« alt wird, für eine weitere siebenjährige'Amtsperiode wiedergewählt. Berlin, 10. April. Das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl lag diesmal verhältnismäßig früh vor. Es entspricht in bezug auf den Aus gang, namentlich infoweit di« Stimmenzahl sirr Hindenburg in Frage kommt, den gehegten Er wartungen, denn es ist ein Zuwachs der Hinden burg-Stimmen um über 700.000 eingetreten. Hindenburg hat im zweiten Wahlgang nicht nur die vorgeschriebene relative, sondern auch die absolute Mehrheit erlangt und um mehr als ein« Million Stimmen überschritten. Dieses Ergebnis wäre ohne die Splitterkandidaturen schon ins.Ersten Wgblgang erreiM^wprden., In 31 von den 35 Wahlkreisen ist die Ziffer für Hindenburg gewachsen, in vier weiteren ist sie allerdings nicht mehr als um 1 Prozent, allo weniger als die Differenz der', gesamten Wahlbeteiligung beträgt, zurückgegangen.-- Hitler hat in sämtlichen Wahlkreisen einen Zuwachs zu verzeichnen, mit Ausnahme von Oberbayern-Schwaben, wo ein kleiner»Rückgang eingetreten ist. Ti« Thälmann-Stimmen sind in allen Wahlkveifen stark zurückgegängen, zttm Teil um mehr als ein Drittel. Ueber den durchschnittlichen Zuwachs hinaus hat Hindenburg Stimmen gewonnen in Ostpreußen, Potsdam I, Frankfurt a. d. O., Pommern, Liegnitz, Oppeln, Thüringen, Osthamwver, Niederbayern, Chemnitz, Württemberg und Mecklenburg. Der Zuwachs Hitlers ist besonders start in Berlin, Potsdam I und Potsdam 11/ Pommern, Thüringen und Dresden, d. h. in großen 'Städten, wo die Agitation in den letzten Wochen Wien, 11. April.(AN.) Im Hauptaüsschuß des Nationalrates erstattete heute Bundeskanzler Dr. Buresch einen ausführlichen Bericht über die auswärtige Lage. Er erklärte weiter, der samstägige Ministerrat, über dessen Verlaus vollkommen falsche und nur zur Beunruhigung der Bevölkerung dienende Mitteilungen in einem Montagsblatt erschienen seien, habe beschlossen, daß das Ministerkomite« für wirtschaftliche Angelegenheiten ungesäumt zusammenzutreten habe, um Anträge bezüglich der Einschränkung der Einfuhr und weitere Schritte in handelspolitischen Fragen vorzubereiten. Das Kabinett halte dies für notwendig, um ans alle Fälle vorbereitet zu sein. lieber die samstägigen Beratungen des Ministerrates hatte der„Morgen" berichtet, daß die agrarischen Minister sehr radikale Anträge stellten und verlangten, daß der Bundeskanzler Dr.' Buresch sich unverzüglich nach Berlin und Rom begebe, um mit de« beiden Ländern ohne Rücksicht auf Frankreich und England sofort Präferenzzölle abzuschlicßer;. und daß Oesterreich bereits> am 15. April die Uebcrwei- sung der Zinsen und Annuitäten für die Ausländsanleihen einstellen.möge. Nur. mit großer Mühe sei es dem Bundeskanzler gelungen zu erreichen, daß die Anträge, der Opposition zurückgenommen wurden. Man habe sich schließlich mit der Ankündigung von Einführverboteü und von Präferenzverträgen begnügt. besonders heftig war. Dort standen Hiller auch die meisten Düsterberg-Stimmen zur Verfügung. Berhöltmsmäßig ruhiger Verlauf. Der Wahltag hat in Berlin einen verhältnismäßig ruhigen Verlauf genommen; auch im Reich ist er im allgemeinen ohne größere ernste Zwischenfälle verlaufen. Nur in Hamburg kam es am Nachmittag in der Ankelmann- straß« zu einer Schießerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, bei der e i ne Person getütet und mehrere verletzt wur- Hey,..Am.Vorabend, der Wahl.kam cs. mehrfach, noch zu schweren Zusammenstößen; so würden in Her rin gen(Westfalen) am Sonntag nachmittags etwa 60 Mitglieder' des Reichsbanners,' hi« Wahlzettel verteilt«») von" 50' W#■ 10Ö' Kommunisten' ü b e r f a l l e n,. die-mit nägekbesetzten Zaunlatten aüf sie einschlugen und eins'Anzahl Schüsse abgaben./ Zwei. Personen' wurden durch Bauch- und Lungenschüsse lebensgefährlich verletzt; außer ihneni mußten noch drei Schtververletzte ins Krankenhaus'gebracht werden. Eine Anzahl weiterer Personen wurde durch Schläge mit Zaunlatten zum Teil erheblich Verletzt. Kabinett Brüning bestätigt. Reichskanzler Dr. Brüning bot heut« der Gepflogenheit entsprechend, dem Reichspräsidenten die Demission des Kabinetts an. Reichspräsident v. Hindenburg ersuchte den Kanzler, von dieser Demission«Zusehen. Ausländische Kontroile- niemals! Rede Dr. Bauers im Hauptausfchuß. In der Debatte-im Hauptausfchuß erklärte Dr. Bauer(Sozialdemokrat), di« Regierung könne auf die Unterstützung der Mehrheit der Volksvertretung nur dann rechnen, wenn Pläne von Vorzugszöllen von allen außen- und inneupolitischen Kombinationen völlig fretgehalten weichen. Eine ausländische Kontrolle über die Länder und Gemeinden und über die soziale Gesetzgebung würden die Sozialdemokraten niemals zulassen. Wenn sich zeig«, daß ausländische Hilfe nicht oder nur unter entwürdigenden Bedingungen zu erreichen sei, müßte man den Mut haben, di« Frage zu erwägen, wieweit man den Zinsendirnst an das Ausland noch aufrechterhalten kann, denn keinem Staat könne zugemutet werden, seine Bevölkerung zugrundegehen zu lasten, nur damit er die Zinsen an das Ausland in ausländischer Währung bezahle. Bundeskanzler Dr. B u r e s ch erklärte, am Schluß der Debatte, die Regierung stehe auf dem Standpunkt«, Vorzugszölle nicht allein von den Nachbarstaaten^ sondern auch von allen Staaten, die mit Oesterreich im Verkehr stehen, zu verlangen. Der Weg für Oesterreich könne nur dann frei gemacht lverden, wenn man mit den westlichen und südlichen Staaten, nach denen der Export drängt, Präser e n z e n vereinbaren kann. 1 Der zweite Wahlgang der Reichspräsideu- tenwahl hat keine U e b e r r a s ch u n g gebracht. Er bestätigt im großen Ganzen das Ergebnis des ersten Wahlganges vom 13. März. Der im zweiten Gang»geeinigten Harzburger Reaktion. ist es nicht gelungen, ihre Stimmenzahl aus dem ersten Wahlgang zu behaupten. Sie hatte am 13. März für ihre beiden Kandidaten rund 14 Millionen Stimmen aufgebracht. Nun sind es 13.5 Millionen für den Einheitskandidaten Hitler. Die Nationalsozialisten werden sich zwar damit trösten, daß sie wiederum um zwei Millionen gewachsen seien, aber der. ruhige Beurteiler wird sich nicht darüber täuschen lassen, daß die 13.5 Millionen des Herrn Hitler sich auf einige Parteien, zum mindesten auf Nationalsozialisten, Deutschnationalc und Landvolk, verteilen, so daß der Stimmenzahl Hitlers keineswegs, wie bürgerliche Blätter bereits errechnen wollen, 230 Reichstagsmandate der NSDAP entsprechen. Hitler hat zwischen beut, ersten und dem zweiten Wahlgang seine Taktik geändert.. Er verhieß sinn nicht mehr wie vor dein 13. März den sicherenMeg,.sonderst uklärt«, sehr vorsichtig, yr.werde„mehr' Stimmenrin ersten Wghlgang" erhalten. Das war unschwer zu.erraten, da die Düsterberg-Wähler, ihm zum größten Teil sicher wären'. Die agitatorischen Anstrengungen der Nazi aber, die in der Woche vor dem zweiten Treffen alles überstiegen, was Europa oder Amerika auf dem Gebiet politischen Marktschreiertums bisher erlebt hatte, gelten doch auf einen größeren Erfolg als die bloße Behauptung der Harzburger Stimmen ab. Die Nazi hofften vor allem, daß die Wähler der republikanischen Front ermüden und der Urne fernbleiben würden, während die Rechte die letzten Kräfte anspannen könnte. So schien es immerhin. möglich, daß Hindenburg auf 16 oder 17 Millionen sinken, Hitler auf 14 bis 15 Millionen' anwachsen könnte, was einen gewaltigen moralischen Erfolg des Fascisntus bedeutet hätte. Diese Erwartung yder Hoffnung der Nationalsozialisten ist nicht eingetreten. Obwohl Hitler— wie vor 1 allem die Berliner Wahlkreise zeigen— Zuwachs von den Kommunisten bekommen und vier Fünftel der Stimmen Düsterbergs an sich gezogen hat, bleibt seine Wahlzahl vom 10. April um eine halbe Million hinter der Stimmenzahl der Harzburger vom 13. März zurück. Dagegen konnten die republikg»tischen Parteien trotz des Rückganges der Wahlbeteiligung— es sind fast eineinhalb Millionen Wähler weniger an der Urne erschienen als im März— ihrem Kandidaten 700.000 neue Stimmen erobern, so daß die absolute Mehrheit für Hindenburg, zu der im ersten Wahlgang ein halbes Prozent fehlte, nun mit 53 Prozent der Gesamtstimmzahl erreicht wurde. Diese Ziffer enthält vor allem die Stimmen der Sozialdemokra- t i e und man kann wohl sagen, daß ein beträchtlicher Teil des Zuwachses an Hindenburg- stimmen der Sozialdemokratie gutzuschreiben ist, da ja Hindenburg höchstens 400.000 Düsterberg-Stimmen erhalten hat. Trotzdem darf man die Hoffnungen für die Landtagswahlen in Preußen nicht zu hoch spannen, da gerade die Wahlkreise, die sich mit gewaltiger Mehrheit für Hindenburg entschieden habett, zum guten Teil außerhalb Preußens liegen, während die agrarischen Kreise Ostelbiens auch diesmal Hitlers beste Burgen waren. Deutlicher noch als im ersten Wahlgang zeigte sich iHHniiiiHnniiiiiiiniiiinHiiiiiiniiiiiiniitiiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiHimiiuiiiiiiiiiHiiiiuumHiuiiniHiiiiuiiuiiiiiiiiiiiinfiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiniiuuiuiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiUHiiiiiuiiiiuH Weitere Notmatznahmen in Vesterreich. Einstellung der Zinszahlungen an das Ausland erwogen. Seite 2 Dienstag, 12.«peil 1832 Rr. 87 der Chamkter der NSDAP als einer'Partei des reaktionären Agrarlandes. Vernichtend ist die Niederlage der K o m m u n i st e n, die in vier Wochen 1,300.000 Stimmen verloren haben. Selbst wenn man annehmen wollte, daß der Rückgang der Gesamtwählerzahl ausschließlich die Kommunisten geschädigt habe, wäre es für sie ein trauriges Ergebnis; wahrscheinlich haben sie aber nicht nur Stimmen an die Armee der Nichtwähler, sondern an Hindenburg(bezw. die Sozialdemokratie) und vor allem an Hitler verloren. Daß zwischen Kommunismus und FasciSmus ein dauernder Wähleraustausch vor sich geht, tveil die beiden einander schein- bar extrem feindlichen Parteien in Wahrheit ideologisch und in ihrem Haß gegen die Sozialdemokratie eng verwandt sind, scheint neuerlich erwiesen. Tie republikanische Front kann mit dem Wahlergebnis zufrieden sein. Es ist ihr gelungen, den Zauber zu brechen, dein Hitler seine Siege hauptsächlich zu danken hatte; nun da er zweimal geschlagen wurde, wird der hypnotische Bann, mit dem er Hunderttausende von Wahl zu Wahl in seine Gefolgschaft zwang, sich lösen. Zu wünschen bleibt freilich, daß die republikanischen Parteien so einig, wie sie in der Abwehr waren, auch in der weiteren Zusammenarbeit bleiben. Ist Hitler nicht Reichspräsident geworden, so wivd er doch, da ihm über kurz oder lang nur die Wahl zwischen Putsch und wirklicher Legalität(also Auflösung der SA und SS) bleiben wird, den Versuch machen, als Koalitionspartner an di« Macht zu gelangen. Das wird vielleicht auf die Dauer nicht zu verhüten sein und es fragt sich auch, ob man es, wenn die Gefahr eines Staatsstreichs beseitigt ist, überhaupt verhüten und nicht viel inehr anstreben soll. Auf jeden Fall wird aber dann die Geschlossenheit der verfassungstreue n Parteien nötig sein, die Gefahren zu bannen, die auf lange hinaus Deutschland und seiner Arbeiterklasse von Hit- ler drohen. Eines beweist auch diese Wahl wieder: der ganze fascistische Spuk ist doch nur durch die schäbige Berräterrolle der Komintern denk-! bar. 23 Millionen haben für Hindenburg und Thälmann, 13.5 Millionen für den FasciSmus gestimmt. Wären die 23 so einig wie die Fasci- sten, wären sie nicht durch die kommunistische Politik zerrissen und böte nicht der Kommunismus dem FasciSmus dauernd Gelegenheit zu billigen Erfolgen, so brauchte die deutsche Arbeiterklasse Hitler nicht zu fürchten. Das wird in zwei Wochen, nach den Preußenwahlen ja noch deutlicher werden. Auch um Preu- ßen brauchten wir nicht zu bangen, wenn nicht der Kommunismus auf dem Sprunge wäre, die Staatsmacht dem Nationalsozialismus auszuliefern. Die Wiederwahl Hindenburgs schafft dem Kabinett Brüning freie Bahn. Hoffen wir, daß Herr Brüning die Macht, die ihm aus den Händen des neugewählten Präsidenten zufließt, vernünftig anwende, daß er die Zeit nicht mit sinnlosen Experimenten vertue, wie er es leider seit 1930 des öfteren getan hat, sondern sich auf die Bekämpfung der Krise Jan ms/Der letzte Tag Eia öcMhltfiiiKfter Roman v. Oskar Wöhrle («etiaj Di, easotnu*,•.«.».«, wt> em.«u 32. Genau zur gleichen Zeit, da Hus im Brande des Scheiterhaufens seinen letzten Schrei ausstieß, der bis ins Geltinger Tor hinein zu hören war, und der allen, dje ihn vernahmen, sogar den dreitausend Gewappneten, das Herz zusammenfahren ließ in der Brustkammer und ihnen schier das Blnt in den Adern gerinnen machte ob seiner Qual und ob seiner Heftigkeit, ob des ungeheuerlichen Schmerzes, der sich darin ausdrückte, genau zur gleichen Zeit schrie auch Sigmund auf, der römische König deutscher Ration, der sich nach den Bormittagsstrapazen seines Herrscherlichen Amts in die Arme und Betten der schönen Jmperia geflüchtet hatte, jener begehrtesten und vornehmsten Buhlerin des Konzils, die durch den gestrigen Tod des hochwürdigsten Fürstbischofs von Xanten so Plötzlich verwaist Ivar. Zwar hatte di« schtvarze, quecksilbrig bewegliche junge Französin dem so jäh erloschenen niederländischen Kirchenlicht keine Träne nachgeweint, nein, nicht einmal den Schimmer einer solchen. Rur eine steile Sovgenfalte hatte sich senkrecht in ihr« elfenbeinern glänzende Stirne gestellt und diese in zwei zuckende Vierecke geteilt, als sie einen flüchtigen Ueberschlag machte und darüber nachsann, woher sie. nun in der Eile, so vor» einer Stunde auf di« andere, die Gelder zur Weiterführung ihres kostspieligen und luxuriösen Haushalts bekommen sollte. Erübrigtes beiaß sie nicht, auch niemaikden, an den sie sich in ihrer augenblicklichen Verlegenheit um Aushilse hätte wenden können. Tenn ihr vermögendster Freund, d«r habichtsuäsige Bischof von Ragusa, und die Lösung der außenpolitischen Fragen konzentriere: Nur wenn die Wiederwahl Hindenburgs und Befestigung der Regierung Brüning positive Ergebnisse zeitigt und die fasci- Mime bei Gemeinäewalileii Am Sonntag haben in einer Reihe von Ge- meinden im deutschen Siedlungsgebiete der Tschechoslowakischen Republik Wahlen stattgefunden, die zum Teil für uns ungünstig verlaufen sind. Besondere Aufmerksamkeit haben die Wahlen in den drei großen westböhmischen Kurorten, Karlsbad, Marienbad und Franzensbad auf sich gezogen, wo unsere Partei, wie die unten stehenden Wahlresultate zeigen, einen Rückgang an Stim- men und Mandaten ausptweisen hat. Geringer ist dieser Rückgang in Marienbad, wo wir ein Mandat, in Franzensbad, wo wir zwei Mandate verloren haben, größer in Karlsbad, wo wir von unseren bisher innegehabten 13 Mandaten fünf eingebüßt haben und somit auf acht Mandate zurückgegangen sind. Während unsere Partei bei den letzten Gemeindewahlen 4079 Stimmen auf sich vereinigen konnte, vereinigen wir diesmal auf unsere Kandidaten nur 2698 Stimmen. Wir müsien zugeben, daß dieses Wahlresultat einen schmerzlichen Rückschlag für unsere Partei bedeutet. Gelegentlich einer WahlniederlE der Sozialdemokratie— die Geschichte der Sozialdemokratie ist, wie unsere Genossen wissen, nicht nur reich an Siegen, sondern fie hat auch Rückschläge aufzuweisen— hat Viktor Adler einmal gesagt, baß für die Sozialdemokratie eine Niederlage eine Aufgabe sei. Dieser Aufgabe wird auch die Partei Nachkommen. Bor allem muß untersucht werden, welchen Umständen der Rückgang, insbesondere in Karlsbad zuzuschreiben ist und es wird sich die Martei sowohl iw Kreis- als auch im Reichsmaßstabc mit den Ergebnissen der Wahlen vom Sonntag eingehend beschäftigen. Diesen Beratungen und den zu fassenden Entschlüßen wollen wir hetlte nicht vorgreifen. Dennoch wollen wir unserer redaktionellen Auffassung Ausdruck geben und zum Ergebnis der Wahlen einiges sagen. Zweifellos sind die Gemeindewahlen nicht mit den Wahlen ins Parlament zu vergleichen. Bei den Wahlen in die Gemeindevertretungen treten die örtlichen Besonderheiten viel stärker hervor, wahrend das Bekenntnis zur Partei oder zu einer Weltanschauung oft zurücktritt. Solche örtliche Berhält- nisse haben sicher auch das Ergebnis der Gemeindewahlen in Karlsbad und anderswo beeinflußt. Allerdings reicht dieses Argument nicht aus, um den Verlust von mehr als tausend Wählerstimmen zu erklären. Sicherlich ist das Ergebnis der Gemeindewahlen mitbedingt durch die Stimmung der Wählerschaft. Die außergewöhnlichen wirtschaftlichen Verhältnisse, was die Menschett in den letzten Jahren miterlebt urw mitgemacht haben, di« Ausweglosigkeit der Situation, in der ganz Europa sich befindet, hat unter di« Menschen Verwirrung und Verzweiflung getragen. Taufende von Menschen gibt es und es ist dies insbesondere die Heranwachsende Generation, welche bei der AhMbe des Stimmzettels nicht nach Gründen der Bernunft, ruhiger Abwägung der politischen, sozialen und ökonomischen Verhältnisse urteilen, sondern Stimmungen folgen und Schlagworten nachjagcn. In einet solchen Zeit, wie in der, die wir jetzt durchmachen, ist die Schulung der Massen notwendiger als je. Es ist unsere Aufgabe, diejenigen Menschen, die bei den Gemcindewahlen vor hatte damals, als sie sich ihrer Bequemlichkeit halber mit dem Fürstbischof von Xanten einließ, dem Konzilium wutschnaubend den Rücken gekehrt. Unter Ausstoßung zahlreicher Flüche, die sich anhörten wie lostrachende Petarden, war er in seine Heimat gereist, von wo er Wohl von Zeit zu Zeit, wenn wieder der Mond anschwoll und der Wunsch nach Weibesuähe in sein Blut stieg, lyrisch beschwingte Briefe nach der hochgegiebelten Stadt am Bodensee sandte, aber kein Geld, keine Anweisung auf einen der- florentinischen Wechsler rund um das Kaufhaus. Aber der Umstand, daß ihr König Sigmund, sobald es ihm gelungen war, ihr gutverstecktes Liebesnest auszukundschaften, das seidene Kissen und zugleich ein perhzesticktes Täschlein voller güldener Rosinobel schickte, hatte das Stirnzucken der schönen Kurtisane und die Sorgenfalte rasch glattgestrichen, und so opferte sie denn ihrem neuen königlichen Liebhaber diesen wundervollen Sommernachmittag, trotzdem sie, wie sie sich selber ehrlich eingestand, lieber den fremden, böhm- ländischen Ketzer hätte schmoren sehen. „Tenn so etwas regt das innerste Sonnen« gesiecht auf", sagte sie,„und tut für drei Vierteljahre gut. Das wirkt wie Jugendelexicr. Eine Kreatur sterben schert durch Gewalt, gießt Kraft >n das eigene L«b«n!" In dieser seltsamen Meinung traf sic, di« Dame von Welt, sich ganz mit dem fettacdun- srnen, rotfleckigen, stinkigen Ammon Weikli, der heut mit seinen drei Gesellen im Schweiße seines Angesichts sein schauerliches Tagwerk getan hatte nach all den komplizierten Satzungen seines Amtes und der höchlichst befriedigt war von dem wohligen Summen und Singen seiner Henkers- nerven. Schade, daß nicht alle Tag«, die Gottes Allmacht werden ließ, solch ein Kapitalfall unterlief! Dann hätte das henkerliche Dasein wenigstens einen Sinn gehabt! Ander« aber» ganz anders, werkten die Gedanken in Sigmund. stische Gefahr dauernd bannt, hat der Sieg vom 10. April und haben Disziplin und Opfermut der sozialdemokratischen Wähler einen Sinn gehabt. vier und fünf Jahren, sowie bei den Parlamentswahlen von 1929 nrit uns gegangen sind, jene schwer beeinflußbaren Massen von Mitläu- fcrn, mit den Ideen des Sozialismus zu erfüllen. Unser Parteiapparat ist intakt, unsere Vertrauensmänner halten auch in den Stürmen der Gegenwart treu zur Bewegung, sie leisten opfervolle Arbeit, scheuen keine Zeit und keine Mittel, um der Partei zu dienen. Was von uns in Karlsbad abgebröckelt ist, sind die Mitläufer, di« wir zum Verständnis unserer Politik zu erziehen und mit dem Geiste des Sozialismus zu erfüllen haben. Gerade der empfindliche Stimmenrückgang in Karlsbad, wo die mittelständi- schen Schichten einen großen Teil der Wählerschaft ausmachen, zeigt die Abwanderung eines Teils der dem Proletariat nicht««gehörenden aber benachbarten Schichten, von denen viele alles Heil vom Hakenkreuz erwarten. Wir müssen die Menschen, die hoffnungslos geworden sind, aufrichten, wir müssen ihnen sagen, daß die Ursache der Uebel, die so sehr auf der Arbeiterschaft lasten, di« Ursache all des Jammers und Elends in der Welt, die kapitalistische Wirtschaft ist und daß all die Widersprüche und Unsinnigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft erst durch den Sozialismus gelöst und bereinigt werden können. Was die Sozialdemokratie unter den heutigen Umständen tun kann, daß ist, sich der Opfer der Krise anzunehmen und zu versuchen die Schläge aufzufangen, mit betreu der Kapitalismus die arbeitenden Klassen peitscht. Den Opfern der Krise dient unsere positive Arbeit und diese positive Arbeit dem Verständnis der Massen nahezu- bring««, ist besonders unsere Aufgabe, in deren Dienst unser ganzer Parteiapparat, unsere Vertrauensmänner und unsere Bildungsarbeit gestellt werden nrüssen. Die ge- toaltigc Arbeit, welche die Sozialdemokratie unter den schwierigsten Umstände» int Interesse der Arbeiterklasse leistet, muß in Flugblättern und durch di« Presse, durch Versammlungen und von Mann zu Monn der Masse nahegebracht werden/ Eane Tatsache, die wir auch angesichts des Ergebnisses der Wahlen am Sonntag nicht aus den Augen verliereir dürfen, ist die/ daß es uns nicht gelungen ist, jenen Teil des Wählerinwachses, den wir auf Grund unserer Stärke in der Bevölkerung beeinflussen müßten, für uns zu gewinnen. Die Erziehung der jungen Menschen, deren politischer Sinn in den letzten Jahren vielfach abgetötet wurde, zum Sozialismus, in den jungen Menschen die Begeisterung zu erwecken für die Ideale der Arbeiterbewegung und für die hohe geschichtliche Rolle des Proletariats, das. ist eine weitere Ausgabe, der wir mit aller Energie und nimmermüder Beharrlichkeit nachgehen müssen. Es ist eine Schande, daß zahlreiche junge Menschen den hohlen Schlagworten des Hakenkreuztums erliegen. Wir sind überzeugt, daß die Ernüchterung von den Jllusioneu kommen wird und daß die nebelhaften Phrasen der Hakenfreuzler vor den Taten der klafsenbewußtcn Arbeiterbewegung verfliegen werden. Allerdings wird das, wie auch das Wahlresultat in Deutschland Zeigt, nicht leicht sein. Aber die Sozialdemokratie, die in ihrer Geschichte mit ganz anderen Gegnern fertig geworden ist, wird auch diesen Gegner niederwcrfcn. Darum besteht in unseren Reihen zu einem Pessimismus durchaus kein Anlaß. Wenn das Ergebnis der Wahlen von» Sonn- Um vor sich selber davonzulausen, uur den urcheimlich«« Blick de« böhmischen Magisters zu bannen, der ihn bis ins Innerste getroffen hatte und. der ihm schier die Seel« verbrannte mit der Glut seines Vorwurfs, hatte er diesen Nachmittag, Ivährend auf dem Brühl draußen die grausam« Brandschau ins Werk gesetzt wurde, sich in alle Täler, Tiefen und Abgründ« der Wollust versenkt. Das Denken abstveise» um jeden Preis! »Kannst du Vergessen schenken, Jmperia?" Bejahend hatte die Kurtisane genickt und ihn mit silbrigem Gelächter und gleichzeitig mit hundert aufreizenden Liebkosungen überschüttet. . Was cs gibt au Ausgelassenheit des Körpers, an Tollheiten des Genusses, an Verwegenheiten der Lust, an Auspeitschung der Nerven, ward ihm in sinnverwirrender Fülle von der freniden Buhlerin kredenzt. Gewiß, sie war gekauft, war nur Handwerkerin der Liebe. Aber sie verstand ihren Beruf so meisterhaft, so virtuos, hetzte ihren Partner dermaßen hinein in die tiefste Daseinslust der Kreatur, daß er über ihrem zuckenden Stöhnen brüllen- anfschric wie ein Tier in der Brunst der Erfüllung, eben in demjenigen Augenblick, in dem sein unglücklicher Gegenspieler anfschrie angesichts des fressenden Abgrunds der Vernich- tung, den er erst im Absturz des letzten Sekundensandkorns als das erkannte, was er ureigentlich war: das Nichts und die Auslöschung! Nach seinem Aufschrei lag Sigmund erschöpft, wie tot. Die Kurtisane machte sich durch eine brüske Drehung von seiner Umarmung frei. Das weiße Leinen war von seine«: Körper abgeglitt«n, in voller Nacktheit lag der König da. Angewidert, verächtlich betrachtete sie das neben ihr liegende Wrak eines Liebhabers, diese über die Brust über und über mit blauen urw gelben runden Flecken gezeichnete Mannsruine. Der Schweiß sickert« ans dem rötlichen, stark England beharrt aas de« irischen Treueid. London, 11. April.(Reuter.) Der Staatssekretär für die Dominions Thomas erklärte heute im Unterhaus in Beantwortung einer Anfrage: Di« britische Regierung betont in ihrer Anttvort an den Vorsitzenden der Regierung des irischen Freistaates de Valero, sie beharre absolut auf der Einhaltung des Vertrages bezüglich des Treueides, den die Mitglieder des irischen Parlamentes dem britischen König abzulegen haben, sowie bezüglich der Zahlung der Annuitäten. tag richtig verstanden werden wird, wenn daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden, so werden diese Wahlen der Ausgangspunkt zu neuer Arbeit unserer Vertrauensmänner sein, einer Arbeit, der der Erfolg auf die Dauer nicht versagt bleiben wird. Wahlergebnisse. Karlsbad. Gültige Stimmen 14.365. Deutsche Sozial- demokraten: 2698 Stimme«, 8 Mandate(bei den letzten Gemeindewahlen im Jahre 1928 4079 Stimmen, 13 Mandate). Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft: 1318, 4(977, 3). Christlichsoziale: 798, 2(864, 2). Nationalsozialisten: 2717, 8(1159, 3). Gewerbepartei: 697, 2(706, 2). Deutschnationale: 4995, 15(4994, 16). Kommunisten: 415, 1(331, 1). Tschechische Wahlgruppc: 727, 2(662, 2). Franzrnsbod. Gültige Stimmen 1939. Deutsche Sozialdemokrat«« 376, 6(415, 8). Nationalsozialisten 383, 6(0, 0). Christlichso.ziale 156, 2(früher Wahlgemeinschaft). Gewerbepartei 130, 2(310, Ü). Tcutschnational« 294, 5(403, 7). Deutsche unpolitische Partei 438, 7(0, 0). Franzensbader Bolkspartei 105, 2(0, 0). Tschechische Liste 57, 0 (43, 0). Drahowitz. Deutsch« Sozialdemokraten 1367, 14(1539, 16). Kommunisten 210, 2(203, 2). Christlichsoziale 144, 1(0, 0). Nationalsozialisten 745, 8 (208, 2). Gewerbepartei 431, 5(299, 3). Deutschnationale 558, 6(495, 5). Tschechische Liste 95. 0 (124, 1). Unialisten 54, 0(0, 0).(Hier stieg die Mandatszahl von 30 auf 36.) Pirk«nhamm«r. Deutsch« Sozialdemokraten 470, 11(474, 12). Kommunist««! 48, 1(63, 2). Nationalsozialisten 156, 3(99, 2). Gcwerbcpartei 131, 3 (181, 4). Dcntfchnationale 253, 6(173, 4). Marienbad. Gültige Stimmen 4480. Deutsch« Sozialdemokraten 414, 3(428, 4). Teutschnatronale 888, 7(1037, 9). Nationalsozialisten 488, 4(242, 2). Christlichsoziale 845, 7(499, 5). Gewerbepartei 468, 4(513, 5). Deutschdemokraten 278, 2(476 4). Arbeits- und Wirtschaftspartei MarienbadS 642, 5(428, 3). Jüdische Partei 150, 1(167, 1). Vereinigte tschechische Parteien 307, 3(382, 3). Janessen. Deutsche Sozialdemokraten 723, 16. Kommunisten 411, 9. Wirtschaftspartei 254, 5.(Ber- gleichsziftern entfallen hier, da cs sich um zwei erst kürzlich vereinigte Gemeinden handelt, die zum ersten Male gemeinsam gewählt haben.) gelichteten Haar des Königs in dicken schweren Tropfen und verfing sich in dem unangenehmen, struppigen Bart, an dem die nußrote Farbe das Scheußlichste war. Trotzdem kein Gran überschüssigen Fetts Sigmunds Flanken beschwerte, ging sein Atem dennoch schwer und pfeifend, nicht zum Anhören, genau so, als ob er nicht der König, sondern der dicke, feistbäuchige, kurzatmige Fürstbischof von Xanten gewesen wär«. Jmperia fängt" zu überlegen an: WaS Fürst? Was Graf? WaS Bischof? Was Abt? Was König? Was Papst? Unterscheiden die sich, abgesehen von ihrer Getpandung, überhaupt von ihren Kämmerern, ihren Schteibern, ihren Lakeien, ihren Knechten? Höchstens durch die Schwäche ihrer Lenden! Mochten diese Titelhalter, diese Schwertschwinger, diese Würdenträger, diese Inhaber der Macht, diese Aussauger der Pfründen, diese Gärtner des Lasters noch so hoch gestellt sein auf der irrsinnigen Leiter dieses irrsinnigen Lebens, hier, in dieser Kemmenate, hier, in diesem gepolsterten Bett wurden sie alle zu nackten, armseligen, widerlichen Tieren, deren Brutalität, deren klobig« Manieren, deren Unverschämtheit und deren schlechten Atem und widerliche Ausdünstung die schöne Dame aus Poitiers' einzig darum ertrug, weil sie zum Leben Geld brauchte und sich auf andere Weife keines verschaffen konnte: Die Kurtisane seuszt. Tränen dunkeln ihr ins Auge. Ja, ja, das Leben ist keine leichte Sach«! Auch dann nicht, wenn man dos Rennen gemacht hat und nun zu allerhöchst oben auf der gelben Sahnenschicht schwimmt! Auch dann nicht, wenn man unbekümmert tut. lustig und frech! Auch dann nicht, wenn man, sich selbst und andere zu täuschen, hundert Marken vorgebunden hat und diese hundert Masken hundertmal in der Stunde wechselt! (Fortsetzung folgt.) Nr. 87 DknStag, 12. April 1932 Seite 8 Weisen Nee Wetten VMUMWe. Mittwoch Verhandlungen im ArLeitenminifterium. Les«»le» rum sechzigste« EebartKs». Wer immer Leon Blum nicht persönlich, sondern nur nach seinem Wirken, aus seinem Schrifttum und aus Zeitungsreproduktioncn seiner Reden kenur, wird überrascht sei«, zu erfahren, dos; dieser so jugendlich temperamentvoll wirkende Führer, Redner und Journalist dieser Tage seinen sechzigster Geburtstag feierte. Daß ganze Profil dieses Mannes ließe ihn eher als in her Blüte des Mannstums, etwa zwischen vierzig und fünfzig gelten. Und sicher ist, daß Leon Blum an der Spitze der französischen Partei täglich rmt beispielhaft sügendlichem Clan""und vorbildlicher Kraft seine Schlachten für den Sozialismus schlägt. Leon Blum kam erst— vielleicht ist man auch deshalb so geneigt, ihn einer jüngeren Generation zuzuzähl«!, 7— nach dem Krieg zur Führerschaft der französischen Sozialdemokratie. Jahre- laiig hatte er als intimer Freund Janrss' tm Stillen gewirkt, hatte sich Wohl einen Namen als geiswoller Schriftsteller und Kulturpolitiker und ausgezeichneter Jurist geinacht, ohne aber politisch an die Oeffentlichkcit zu treten. Erst nach dem Umsturz ergriff er das Banner, daS ein Lustrum früher die mörderische Kugel dem großen Jaures aus der Hand geschlagen hatte. Seit diesem Tage aber ist Blum Kopf und Herz des französischen Sozialismus, einer der Besten in der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, einer der glänzendsten Redner in der Pariser Kammer, die stärkst« Säule gegen den Ansturm der Reaktion in Frankreich,^aft täglich schreibt Leon Blum im Pariser„Le Populäire", dessen Chefredakteur er ist und der unter seiner LeiMng zu einer großen, immer noch mächtig wachsenden Zeitung sich ent-, wickelt hat, seinen Leitartikel. So stark ist'die Persönlichkeit dieses Mannes, daß nian an der Klarheit und Sicherheit der Diktion schon nach der Lektiite der ersten Zeilen seine Handschrift erkennt. Ja meistens genügt ein Blick auf die Ueberschrift, um zis wissen, daß Leon Blum hier am Werke ist — so absolut trifft sein Wort den Kern jeder Sache, greift es aus den Ereignissen und Erfordernissen des politischen TageSkampfes den Kern, das Wesentliche heraus..-• Leon Blum ist Internationalist im erhabensten Sinne des Wortes und nicht zuletzt deswegen vom französischen Bürgertum auf das leidenschaftlichste bekämpft. Bekämpft aber auch nicht minder von den Kommunisten, deren bekannte Politik bei den letzte» Kammenvahle» Blum um fein Nlan- dat brachte, das er aber bald darauf in einer Nachwahl wieder besetzen konnte.. Bor Leon Blum, der sich in wenigen Jahren di« unbedingte Liebe und das restlose Vertrauen der französischen sozialistischen Arbeiterschaft eroberte, stehen auch wir in dankbarer Bewunderung. Die sudetendeutschen Arbeiter senden ihm herzlichten, Geburtstagsgruß und ihm und allen französischen Genossen den Wunsch, daß der 24. April, Wahltag in Frankreich, der Bruderpartei dort einen herrlichen Erfolg bringen möge. Tememsames Vorgehen der deutschen «nd tschechischen Kleinbauern und Gewerbetreibenden. Sozialversicherung der selbständig Erlverbstätige«. — Demokratisierung der Wahlordnung in die Landeskultnrräte.— Schutz der Kleinpächter. Am Donnerstag fand im Sitzungszimmer des Volkshauses in Prag eine gemeinsame Beratung von Vertretern der deutschen und tschechischen sozialdemokratischen Kleinbauern und Häusler und der sozialistischen Gewerbetreibenden beider Nationen statt. Der Ernst der heutigen Wirtschaftslage erfordert ein gemeinsames Vorgehen dieser Jntcressenorganisationen. An der Beratrmg nahmen für den Verband der Kleinbauern und Häusler die Genossen Abgeordneter Lei bl, Jaksch und Schmidt, für den Verband der Gewerbetreibenden in Aussig Genosse Fritsch, für den. tschechischen Kleinbauernver- «md die Genossen eerntz, Litera, Ko- ko8ka, ELner und Sen. Petkik teil. Der Standpnnkt aller vertretenen Organisationen zum Gesetze über die Sozialversicherung der s clbständig erwerbstätigen Personen ist übereinstimmend und alle Verbände beharren ans der Einheitlichkeit iuld Inkraftsetzung des Gesetzes. Weitere Referate wurden erstattet über die Frage der Demokratisierung der Wahlordnung in die L a n- beskultnrräte, über den Schutz der kleinen landwirtschaftlichen Pächter, über di« Novellisicruitg des Jagdgesetzes und des Gesetzes über dioTier zücht. An brr regen Debatte, ivelchc.wertvolle Anregunllcn brachte, nahmen alle Anwesenden teil. Die ciN- Klneir Anträge wurden beraten und es wurden die Grundsätze festgelcgt, nach wciltpn: die dcfi- litiven Forderungen ausgearbeitet tverden sollen. Masaryk graluttert. Prag, 11. April. Der Präsident der Republik sandte dem Reichsprösibfnten von Hindenburg zu feiner Wiederwahl folgendes Telegramm: „Anläßlich der Wiederwahl Eurer Exzellenz zum Präsidenten de« Drnttsch-Südweitafrira Diamanten entdeckte und dies« Entdeckung industriell auszuwerten verstand, war der erst« Bürgermeister in Lüderitzbucht. Büste» Aeaton erklärte, Satz seine Fran, mit der er'iu> Scheidung steht, sich unnötig aufgeregt habe, ass sie die Polizei auf ihn hetzte und ihn in San Tiego iu Kalifornien in der Meinung verhaften lüg, daß er ihr beide Kinde: im Flug^ug nach Mexiko entführen wolle. Keaton erklärt, daß er mit ihnen nur«inen kleinen Vergnügungs- ausslug ans seine Farm unweit Eniada unternahm und in ei rügen Tagen mir ihnen wieder znrückühren wollte. Sfetatt der A-sienlsttme 20.000 K: 10.057. . 10-000 K: 5950, 82.263, 82.940, 90.590. 5000 K: 4976, 6647, 11.256, 19.642, 21.439, 28.415, 29.870, 38.680, 48.449, 50.623, 51.85«, 60.765, «9.831, 70.033, 71.409, 74.965, 81.966, 95.864, 98.410. 2000 K: 1124, 2355, 4940, 5688, 7563, 10.12«, 10.683, 1(1900, 11.035, 13.983. 16.910, 17.926, 21.283, 21.878, 23.282, 24.892, 27.384; 29.429, 30.631, 30.848, 31.897, 36.852, 43.680, 44.964, 46.261, 46.917, 47.047, 47.759, 82.845, 53 976, 54.376, 55.051, 55.480, 57.4»5- 57L60, 58-495, 58L17, 61.181, 68.034, 63295, 67.806, 70.276, 70649, 72.887, 75.528, 80.393, 83.756, 88.770, 86.281, 86.622, 86.775, 88.590, 90.378, 91.790, 93.960, 95.271, 94.003, 95-271, 96.807, 97.120, 98.002, 99.964, 100.518, 106.918, 102.592, 104.102. 100 Außenseiter! Eine kleine Zeitungsnotiz meldet, daß pid ungarische Regierung beabsichngr, 100 außerhalb 1 der Organisation stehende Maschinenbuc^rucker auszubildett, die im Falle eines Setzerstreiks mit der Herstellung von Zeitungen betraut werden können. Diese Idee ist gewiß nicht originell; itt Deutschland zum Beispiel ist die sogenannte technische RothUfe" schon lange ein Hilfsmittel der Reaktion.(Die Erfahrungen, welche mau mit ihr gemacht hat, sind gerade nicht die glänzendsten.) Um diesen Einfall braucht man die ungarische Regierung nicht zu beneiden und daS Proletariat verliert an Kampfkraft nicht bas mindeste durch die Schaffung derartiger reast« fsionärer^kampforganisationen".. Vielleicht ist die B^eichuung dieser Hundert mit dem Wort„reaktionär" nicht oam zutreffend. ^Hurlbert Außenseiter der Vernunft smo es e^er. -hundert Proleten, welche den GemeinschaftLpnn ihrer Klaffe verloren haben, das Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum Kulturkampskreis ihrer Klaffe.Nicht gefestigt baben in der Betrachtrcug ihrer Umwelt! Welches ist die schicksalhafte Aufgabe dieser ckundert außerhalb ihrer Organisation stehenden Buchdrucker? 3iur bei einem Streik, iu beschränktem Umfang, Zeitungen zu drucken? Jckren Kollegen in den Rücken zu fallen? Weitaus nrehr als di« Erfüllung einer technischen Aufgabe barrt ihrer! Sie werden die„öffeiftliche Meinung" zu gestalten haben, wie sic auch!ihr Klaffenftind gestaltet zu haben wünscht. Das ist eine verdanmüe Mission! Im Gegensatz zu dem mutigen Verhalten ihrer Kollegen, die äeradr. in Ungarn heute um. weit mehr zu kämpfen haben als um Zeitftagen, die um die Idee des Sozialismus, und um seine Wiedererstarkung kämpfen, gegen eine bis inS Mark hinein antisoziale und ausbeuterische fnidale Gentry, stehen Liest Hundert als Wertzeug gegen ihre eigene Kläffe aus. festen dieser Herren! DaS kann nicht ntrr Charakterschwäche sein, das ist Verblendung und Turmnheit! Aber entschuldigt ist dieses DrrhÄ» ten dadurch nicht! Für die Arbeiter ist aber die.Bildung von Kampforganisationen durch Außenseiter aus ihren Reihen nach wie vor der Alarmruf. unermüdlich im Kampfe zu verharren gegen eine Gesellschaft, die zur Ausbeutung des Proletariats noch die Unvernunft unaufgeklärter Proletarier nützt, um mit ihrer Hilfe das klassenbewußte Proletariat noch mehr zü schwächen und zu schädigen. Der klaffenbewußtc proletarische 5kätUpfer wird nach wie vor als ein wichtiges Kampfmittel den Sinn der Aufllärung über die durch die heurige Gesellschaftsordnung bedingten. Zustände erfaffen, und unabläffig dies« Tätigkeit der Propaganda für die Idee deS Sozialismus voll Mcknn zu Mann entfalten. Das ungarische Beispiel der Organisierung von hundert uickt organisierten Setzern ist neuerlich ein Warnungs^' Signal.für alle diejenigen, die glaubeu, mit dem Lesen des Parteiblattcs und mrt der Zugehö.ttg- kcit zur Partei schon ihre. Aufgabe als Strsfter der sozialistischen Idee erfüllt zu haben. Das Leben bewein uns täglich und stündlich, wie wichtig gerade diese kämpferische Funktion ist und wenn es, wie im vorliegenden Fall, den groteske» Witz liebt, in der Form, daß es uns zeigt, wie arme Teufel aus Nnwiffenbcit utck falschem Individualismus im Auftrags ihrer Gegner vermeintlich gegen die andern Klassengenossen känipfen und sich selbst dabei mit;am schwersten verwunden, so muß daS für alle Gütgesinnten eben weit mehr als ein Warnruf fein, Es ist das Alarmsignal zur befteienden Tat- Soll diese Tat aber den erhofften Erfolg bringen, dann muß das Klafsenbewußtsein des Einzelnen weit mehr wie bisher ihm zum festgefügten Br- griff geworden sein und nur eine Charakterbildung, auf sozialer Situationserkenntnis aufgc- baut, kann die Gewähr dafür bieten, daß aus „Außenseitern" keine reaktionären Kampfovgasti- fationen gebildet werden können! lalcoblner.' « Vom Rundhmk Empfehlenswertes ans ve« Programmen. Mittwoch.>' Prag: 11.00 Schallplatten. 15.30 LicSerwnzrrl. 17.10 Warionetteiüheater. 18.25 Deutsche S««' dun g: Arbeiterfrndung: Boller Fritsch: Soziale Reportagen. Vakettender Vortrag: Arbeiter u»d Techniker.>9.20 Konzert. 20.05 Sinfoniekonztrt. — Brün«: 1530 Opernarien. 16.00 Märchen unst' rer Großmutter.— Berlin: 16.30 Orch«sterkons»rt- 18.20 Ehorgesänge.— Hamburg: 16.00 BlaLonzer:- Königsberg; 18.80 Orientalische Musik.— Leip' jtg: 19.20 Kunst und Wirklichkeit. 20.00„Die schalkhafte Witwe", Oper von Wolf-Ferrari.—' Mühlacker: 18.00 Serenaden. 21.80 Drchesterkonzert.— Münch««: 19.80 Bvnter Abend.- Wien: 17.00 Konzert. 20.13 Dir Sinfonien Brückner-. «r 87 DienSiag, IS. April 1S3S Seite 8 ' Srttänmg: Zu dem in unserem Blatte von' 9. Feber 1982 unter dem Titel:>,Vom Hinterteile ter Heiligkeit" veröffentlichten Artikel, erklären wir, daß wir die dort enthaltenen, die Ehre der Zeitung„Deutsche Presse" beleidigeiMn Acußernngen mit dem Ans- drucke des'Bedauerns widerrufen. M.'.'.'Die Redaktion. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Las brnährunssminifterium gegen die Rahrungsmittelverteuerer. In den letzten. Tagen hat das Ernährungsministerium in mehreren Fallen, erfolgreich aus die Preispolitik auf dem Lebensmittelmarkte eingegriffen. Die Lektion der Bich- und Fleisch- Jmporteure beim Verband der Lebensmittelindustrie hat bisher die Vormachtstellung, welche sie in der Einfuhr von Fettschweinen hatte, rücksichtslos ausgenützt. Mit Unterstützung des Ernärungsministeriums wurde eine Gegen- oraanisatiöN der Fleischer auf den Präge: Schlachthöfen gegründet, welchen die Erlaubnis zur regelmäßigen Einfuhr erwirkt wurde. Die Folge davon war, daß Schweinefett im Kleinhandel in Prag uni 2 bi» 3 Kronen für das Kilogramm b i i l i g e r verkauft wird, als frül)er. Eine ähnliche' rücksichtslose Ausnützung der Monopolstellung stellte das' Ministerium bei den Importeuren von däni'scher Butter fest. Durch eine- genaue Kalkulation wurde uach- gcwiesen, daß die Butter zu bedeuten- niedrigeren Preisen verfällst werden kann. Diese Nachkal- kulation gab. die Anregung zur Gründung einer Handelsgenossenschaft, für welch« das Ministerium die Einfuhrerlaubnis für vorläufig vier Waggons dänischer Butter erwirkt«. Die Einfuhr billiger Butter soll solange fortgesetzt werden, als dir inländische Produktion nicht den Bedarf decken kann. Zur Zeit ist das Ministerium bannt bcfchäs- tigt, auch.in anderen Zweigen des Nahrungsmittelhandels Nachprüfungen zu unternehmen, um auf ähnliche Meise überall, wo es nötig ist, einzuschreiten. Zum Lohnkampf der Lederarbeiter und Handschuhmacher im oberen Erzgebirge Nuternehmcr verlangen Gendarmerie gegen deutsche Arbeiter! Wir haben.vor kurzem ausführlich über die Vorgänge.ist der Handschuh- und Lederindustrie berichtet und'darauf verwiesen,.da^dic Unternehmer sowohl bei den Lederarbeitern, als auch den Handschuhmachern die Vertrage gekündigt hohen und einen,.Lohnabbau von 20 bis 35 Prozent forderten. Zn diesem Zusammenhang wurde darauf verwiesen,..daß sich drc Verhandlungen für die Lederzurichter'."zerichlugrn,. weil einzelne Un- ternehnier, auf einen für die Arbeiter unannehnr- baren Standpunkte verharrten. Der Kampf, den die Arbeiter.durch, einen bis zu 10 Prozent zu- gestandenen Lohnabbau vermeiden wollten, wurde in unvcrantwortungsvoller Weise von den Unternehmern heraüfbeschrvoren. Ungefähr 150 Lederzurichter wurden...daraufhin ausgespcrrt. Tie Folge davon war. daß infolge Ledermangel früher oder später sämtliche in der.Handschuhindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen arbeitslos werden müssen. Heute sind im engeren Gebiete von Aberthau, Bärringen und Platten schon mehr als zwei Drittel sämtlicher Handschuhmacher arbeitslos geworden. Dazu kommen noch die vielen in Frage, kommenden Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen, sowie die Näherinnen, so daß derzeit schon fast 1500 Arbeiter und Arbeiterinnen unter den Auswirkungen der von den Unternehmern hervorgerufenen Aussperrung leiden. Wird der Kämpf der Lederzurichter nicht in den nächsten Tagen beigelegt, dann kommt die ganze Handschuhindustrie im oberen Erzgebirge zu Stillstand, und mehr als 2000 Mensche« werden vollständig arbeitslos sein. Die Unternehmer, die bei den geführten Lohnverhandlungen mit besonderem Nachdruck darauf verwiesen, daß sie den Lohnabbau nur deshalb verlangen; weil sie Arbeit schaffen wollen, ohne selbst einen entsprechenden Verdienst zu erzielen, versuchten nun nach durchgeführter Aussperrung das gefärbte Leder in Kaaden zurichten zulassen. Ta die Käadner Lederarbeiter unorga- »isiert waren, ist.ös den Unternehmern auch gelungen, einen Teil des in Abertham und Bär- tingen gefärbten Leders in Kaaden fertiggestellt zu erhalten. Daraufhin wurde der Kamps in Abertham in der Horm verschärft, daß man versuchte, di« Lederfärber zum Anschluß au den Kampf zu' bewegen'. In den meisten Betrieben legten nach erfolgter Aufforderung des Streik- wmitees, dieLederfärbcr die Arbeit nieder. Nur in einem Betriebe und zwar bei der Firma Zimmernrann.konnten sich die Lederfärbcr nicht w rasch entschließen, sich mit den äusgejpcrrten Lederarbeiter» solidarisch zu erklären. Als die Firma Zimmermann bemerkte, daß sich die Übrigen Arbeiter bemühten, die Lederfärber zum Anschluß an. den.Kampf zu bewegen, hatte man Nichts eiligeres zu. tun, als tschechische Gendarmen kn verlangen. Dieselben deutschen Unternehmer, "ie sich ob..ihres.Deutschtums nicht genugtun können, die von der-deutschen-Heimat und-dem so über alles geliebten deutschen Erzgebirge sich die Kehl« wund reden und sich al» besonders national sichle», riefen nach tschechischen Gendarmen. Nur der Besonnenheit der Arbeiter aus der einen Seite und der nüchternen Beurteilung der Lage durch den in Frage kommenden Kommandanten auf der anderen Seite ist es zu danken, daß es zu keinem Blutvergießen und zu keinen Verhaftungen gekommen ist. Auf die Intervention der zuständigen Organisation, die die strikte Erklärung abgegeben hat, daß die Arbeiterschaft den Lohnkampf in Ruhe und Besonnenheit führen wird, ist die Gendarmerie wieder abberufeü worden. In zwei Massenversammlungen am 7. April in Abertham der gesamten Lederarbeiter und Hand- jchuhniacher hat die in Frage kommende. Arbeiterschaft zu diesen Vorfällen Stellung genommen. Als Redner sprach der Berbandsobmann Genosse Schiller aus Reichcnberg. Zum Kamps der Arbeiter in der Handschuhindustrie wäre noch zu sagen, daß zunächst festgestellt werden kann, daß die Kaiupffront der Lederarbeiter und Lederfärber bis auf 4 Streikbrecher, eine vollständig geschlossene ist. Wie aus verschiedenen Mitteilungen zu entnehmen ist, sollen durch den Kampf der Lederarbeiter schon verschiedene Aufträge ins Ausland vergeben worden sein. Auch daraus geht hervor, daß-unsere Unternehmer, lieber die Aufträge ins Ausland gehen lassen, al» dieselben durch eine gerecht« Beilegung des Kampfes für das engere Gebiet zu gewinnen. Die Arbeiterschaft ist nach wie vor Zu Verhandlungen bereit, sie ist bereit, auf einer für sie annehmbaren Grundlage den Kampf beizulegen. Es hängt einzig und allein von den Unternehmern ab, ob derselbe schon in Kürze abgeschlossen wird, oder ob er bis auf des Messers Schneide geführt werden muß. Zuzug von Ledrr- zurichtern, Lederfärber«, Gerbern und Handschuhmachern in di« Ort«, Abertham, Bärringen, Platten, Lichtenstadt nnd Kaaden ist gesperrt. Ebenso ist der Zuzug von Handschuhmacher» nach St. JoachimSthal und Böhm.-Wiesrnthal streng fernzuhalten. Sperre für Schneidergehilfe« über Marien- bad. Die herrschende Wirtschaftskrise, welche sich während der Wintermonate und UebergangSzeit bis zur Saison besonders im Bekleidungsgewerbe fühlbar macht, hat die Genosienschaft der Herren- und Damenschneider ill Mariendad zu einem schweren Angriff auf die Löhne frer Schneidergehilfen benützt. Durch genannte Genossenschaft wurde am 1. April der Lohntarif und Vertrag aufgekündigt und ein« Reduzierung der Löhne um 24 Prozent verlangt. Was die wirtschaftliche Lage betrifft, liegt keinenfalls ein Grund zu einer derartigen Reduzierung vor. Man rechnet damit, daß die derzeitige Arbeitslosigkeit die Arbeiter an keinen Widerstand gegen die Herabsetzung der Löhne denken läßt.. Die Gehilfenschaft ist'abe.r erttschloffe», diesen Angriff, aufs entschiedenste abzuwehren.. Aus' diesem Grunde sehen wir uns genötigt über Marienbad die Sperre zu verhängen. Zeder Zuzug von SchneidcrgehUfen ist bis auf iveitcres strengstens zu vermeiden. Sperrebrecher werden wie Streik- brechcr behandelt. Die Berhandlungszeit beginnt am 18. April und läuft im Falle keiner Einigung bis ersten Akai. Di« Beendigung der Verhandlungen wird sofort bekanntgegeben. Streif der Lederzurichter bei der Firma Richter& Co. in Kaaden. Unter geradezu, mittelalterlichen Zuständen haben die Lederzurichter bei obgenannter Firma bisher ihre Arbeit verrichtet und ihr Leben fristen müssen. Eine gewerkschaftliche Organisation ließ die Firma nicht zu. Die Arbeiter indifferent, getrauten sich infolge der bestehenden Uebelstande nicht, sich gegenseitig offen über die fast nicht zu ertragenden Verhältnisse auszusprechen. Die Folge davon war, daß sie weder einen Urlaub, noch das gesetzliche Entgelt, noch sonstige zum Schutze der Arbeiter bestehende gesetzliche Vorteile für sich in Anspruch nehmen konnten. Doch damit noch nicht genug. Auch die Arbeitsweise ist eine äußerst anstrengende, der Arbeitslohn ein bedeutend niedriger als in anderen Betrieben der gleichen Branche. Die Behandlung der Arbeiter sah cher der von Zuchthäuslern als jener von Aroeitern ähnlich. In den letzten Wochen war die Arbeitszeit von 5 Uhr früh bis 7 und 8 Uhr abends. Einzelne außerhalb Kaaden wohnende Arbeiter mußten täglich um 3 Uhr früh aufstehen und kamen um 10 Uhr Abends todmüde und ausgeniergelt nach Hause. Unter diesen Umständen war es zu verstehen, daß als der Verband der Bekleidungsarbeiter in Rcichenberg, durch seine Funktionäre versuchte, mit den Arbeitern in Verbindung zu konnncn, erst große Schwierigkeiten übeAvunde» werden mußten, um dieselben zum Anschluß an de» Verband und zur Ertämpsung besserer Le- benSbcdingungen zu bewegen. Nach mehreren Versammlungen haben die in Frage kommenden Arbeiter erkannt, daß es ohne Gewerkschaft und ohne Kampfentschlossenheit unmöglich ist, bessere Verhältnisse herbcizuführen. Am 7. April legten sämtliche Lederzurichter die Arbeit nieder und traten in den Streik. Damit ist zunächst die Streikarbeit, welche bis dorthin für Abertham geleistet ivurde, unterbunden. Weiters sind die Arbeiter entschlossen, die Arbeit im Betriebe erst dann wieder auszunehmen, wenn sich die Firma bereit erklärr haben wird, mit der zuständigen Gewerkschaft, das ist der Verband der Bekleidungsarbeiter, einen für die Arbeiter annehmbaren Tarifvertrag abzuschließen. Wir begrüßen die neuen Kampfgcnoflen und rufen ihnen zu, in ihrem gerechten Kampfe auszuhalten und sich durch nichts zurückschrecken zu lassen, für Recht und Freiheit einzutreten und zu kämpfe». Zuzug von L e d e r z u r i ch t e r n z u r F i r m a RichteröeCo. nach Kaaden iststreng fern;»halten. PRAGER ZEITUNG. Geriditssaal Raubübersall in der Trafik. Eröffnung der zweiten Ichwurgerichtsperiod«. Prag, 11. April. Tie ziveitc Schwurgerichtsession dieses Jahres wurde durch den Kreisgerichts- präsidenteu Linhart eröffnet. Es handelt sich nm eine Anklage>v«gen Raubes und auf der Anklagebank sitz: der 22jährige Walter T r a Ld i k,«in Wiener Tscheche. Es handelt sich nm einen jener Fäll«, wie sie .bereits zu wiederhoüenmalen zur Verhandlung kamen. Ter jugendliche Angeklagte konnte nach seiner Aussage kein« Stellung finden Er ist gelernter Tischler, versucht« sich später(nebst manchem anderen) mit dem Vertrieb von Buchern, konnte es aber auf keinen grünen Zweig bringen. So entschloß«r sich zu einer Gewalttat, die-'ihm nach seiner naiven Meinung Geld in Hülle und Fülle bringen sollt«. Als Opfer hatte er sich eine Tabaktrafik auf dem ,Kai der Legionen" ausersehen. Ausgerüstet mit«inem geladenen Revolver nub zwei Kuverts Pfeffer(als eventuell nötiges Blendungsmittel), betrat er am. 6. Feber d..I. vormittags den Laden, konnte aber nichts unternehmen, weil ander« Kunden zugegen waren. Rach dem Einkauf von zwei Sportzigaretten entfernte «r sich, kehrte aber sofort zurück, als er sah, daß der Laden leer wär, nnd verlangte noch«in« Schachtel Streichhö l z e r. Sofort darauf aber legt« er auf di« Verkäuferin an und rief ganz im Stil der Detektivromane:„Geld oder Leben!" TaS Fräulein verschwand aber blitzschnell im Nebenraum und rief um Hilf«, wahrend Drardik das Pult ausplünderte. Es folgte ein« wilde Hetzjagd, bis schließlich der Räuber einem dort zufällig spazierengehenden Detektiv in die Arme lief und mit Hilfe anderer Passanten entwaffnet wurde. Die Pistol«, mit-er er ständig droht« und die er auch abzudrücken suchte, konnte allerdings nicht losgehen, weil der Räuber g a n z v e r g e s s e n hatte, zu repetieren, jo daß überhaupt keine Patrone im Laderaum war. DieS ist daS äußer« Gesicht d«r Tat. Ueber die Motive abzuurteilen, ist nicht leicht. Vielleicht war es wirklich die letzt«, die äußerste Not, di« den Burschen zu dieser Tat trieb. Er beruft sich darauf. Er beruft sich aber auch in wenig einnehmender Weis« darauf, daß er mit seinem Büch er handel nur der ,charniederlieg«n.d«n tschechischen Literatur" habe helfen wollen. Und die Wiener Polizei berichtet über ihn,«r sei zwar nicht v o rbestr a-ft, doch'habe-setnezleiblsch e M Ulla r dreimal aus dem Pölizeikomnnssariat Klage geführt, daß ihr Söhir-mit-g e z-ü ckte nk Messer auf sie eingedrungen sei und ihr den Tod ängedroht habe. Doch kam es auf Bitten der alten Frau hin niemals zur strafgerichtkichen Verfolgung deS jugendlichen Gewalttäters. Wie dem auch sein mag.7- sicher ist das eine, daß dieser junge Bursche in seiner frühesten Kindheit unter dem blutigen Phrasennebel der Kriegszest gel«bt hat und aus dieser unseligen Epoche die maßgebendsten Jngendeindrücke mit inS Leben nahm. Für solch« Erwägungen war im Plädoyer des Staatsawvaltes Tr. Stiebral natürlich kein Raum. Ter Verteidiger Dr. I t ö ß i n g« r versucht« nach den Tatbestandsmerkmalen festznstellen, daß«S sich nur um Erpressung haM«, was bezüglich der gesetzlich statuierten Strafe allerdings einen Unterschied bedeutet. Schließlich erkannt«» di« Geschworenen am vorgerückten Nachmittag den Angeklagten schuldig und der Gerichtshof verurteilte ihn zu fünf Jahre» schweren Kerkers. nd. Kunst und Wissen Arbeiiervorstellimg:„Der Marquis da« Keith". ES ist dem Arbeiterverein zu danken, daß er sein« zehnte Vorstellung, ungeachtet der schwächeren Kassenchancen,«inem so bedeutungsvollen Drama wie Wedekinds„Marquis von Keich" eingeräumt, hat. Di«— hier seinerzeit schon besprochen«— Aufführung vermittelt allerdings nur einen schwachen Begriff d«r dramatischen Dichtung Wedekinds. Dah scheint mir weniger an dem Experiment, mit der Titelrolle zu liegen, da Herr Götz, wiewohl er zu der Rolle nicht taugt, doch sein Bestes gab und die Gestalt lebendig zu machen sucht«, als an der verkehrten Auffassung,-von der sich di« Regie leiten läßt. Sie glaubt, man köime Wedekinds Dramen als Konversationsstücke spielen, in denen das Hauptgewicht auf dem stofflichen Gehalt und der realistischen Aktualisierung des Dialog- liegt. Wedekind ist aber nicht vom Swfflicheu her, das er wahllos aus der bedrängenden Fülle der Erscheinungen griff und unlogisch,. kolportagehaft verwendete, sondern nur vom Wort her, nnd zwar vom Monolog her zu verstehen. Bei ihm ist ja das Theater wieder ein«„moralische Anstalt" und die Bühn««in Tribunal, von dem ans die Ankläger der bürgerlichen Gesellschaft ihre Plädoyers, Sarkasmen, Aufrufe und Kriegserklärungen ins Publikum schleudern. Daher sind diese, nur zufällig in den Dialog etwa des Marquis von Keith und des Ernst Scholz eingebauten Reden nicht als Bestandteil einer Konversation aufzufasien und so beiläufig hinzumurmeln, sondern gewollt „unnatürlich", aber verständlich zu sprechen.. Als Figur des Münchner Lebens interessiert der Marquis von Keith herzlich wenig, als di« Kreuzung von„Philosoph und Pferdedieb", die auf dem Nähr Heute, Dienstag, 12. Aprils halb 8 llhr abends findet im Spiegelsaale des Deutschen Hauses, Prag, Graben, eine der Dciiischen Prags statt, zu. ter auch unsere Genossinnen und Genossen eingeladeit sind. Es lzandelt sich hiebei darum, der OcffcNtlichkeit sie Wünsche und Forderungen in bezug auf den Ausbau des Deutsche»' Schulwesens in Prag mitzuteilen. Reftriercn werden Gen. Tr. Strauß und Herr Lehrer Sch 0 l z.. Das zahlreiche Erscheinen der Prager Deutschen wird der würdige Nahmen für diese Kundgebung sei«. bodeu der bürgerlichen Ordnung erwächst und legitimen Sprossen der Pourgeoistc entlarvt, indem sie ihr Laster ohne moralisch« Mask« zur" Schau stillt, di« Beweggründe des Handelns(itn ganzen Doppelsinn des Wortes) bloßlegt" und das als Ideal hinskellt, was sich sonst iw' Bürgerhaus hinter der spanislben Wand vörgeschützter„Ideale" im Dunkel abspielt, nicht also als die durchaus ephemere Gestalt«incs„Zeitstücks" voin fiu de siäele, sondern als Fleisch gewordene moralische'Kategorie ist der Marquis von Keith eine große dramatische Figur. Tas kann bei der- nunmehrigen Prager Aufführung niemand gewahr werden; die seiner- zeitige Auffichrung mit Wenzel Hoffmann und Sonik Rainer hatte Wedekindschen Geist in sich, diese war in der Anlage verfehlt und konnte durch lobenswerte Einzelleistunge» rtzcht«gereitet werden. Daß ein liebenswürdiger HPouvihant gezwungen wird,«in« der schwierigsten^ Charakkerrollen zu spielen, daß man Vie Molly mit der j» harren Warnholtz besetzt, stall mit der Halovani.cz, sind nur Auswirkungen des tieferen Mißverständnisses, das in den dramaturgisch- führenden Kreisen über daS Drama Wedekinds besteht.— So konnte leider der Arbeiterverein seinen Besuchern nur einen schwachen Abglanz großen Theaters-, das Wedekjnd sein könnte, vermitteln. fr. Der Mikado. Ein« ganz. außerordeniliche Arbeitsleistung— die auf jeden Fall. änzuerkennen iü — wurde für die samstägige Festvorstellung zugunsten, der Pensionsanstatt der-Solisten des.Prager Deutschen Theaters der Erneuerung des.Mikado" gewidmet, aber leider, ließ sich trotz aller reizenden Wirkung der reichen und gefällten innsikällschÄ Erfindung de?, alten Sullivan Und etlicher: Zütatcü das Behagen der Achtzigerjahr« an ,d«m„burlesken" japanischen Milieu in unseren Tagen keineswegs, wieder Herstellen. Die revueniäßig« Ausmachung'bot einige sehr schöne Augenblicke, trüg aber noch em übriges zu einer Stilmischung bei, die ganz uaiür- lich auch nur gemischte Gefühle auslösen konnte. Was den„Humor" dieses PUfädo astlangt, so muß ich zunächst persönlich bemerken, daß dies« ganze Hetz' mit der Todesstrafe, und jeder einzeln« vvn de« Dutzenden faulen Witzen über Hinrichtungen und Delinquenten mich peinlich berührte.\ Auf die Gefahr hin, selber als humorlos zu gelten; muß ich gestehen, daß nach meiner Ansicht damit ein« Sphäre berührt wird,- di« h c u 1 e mehr denn je von g«. schmackvollen Spaßmachern' gentieden werden müßre. lind die Sache wird nicht besser, foüdcrn schlcchier, wenn noch^köstliche Einfälle" übet Pankrac und das ' Prager Landesgericht dazukommen.- Als Gewinn des Abends ist der Nachiveis der Entwicklungsmög. lichkeiten wirklicher Tanzkunst am Prager Deutschen Theater zu bezeichnen; unter der Leiumg des dannl wohl erfolgreich auf Engagement' gastierenden Herrn S ch 0 r k aus Brünn leisteten söwohk die angehenneu BcrufSgnls ais auch di« Schülerinnen Gret Eppingers sehr Beachtliches und Erfreuliches und Schork selber erzielte vyr allrP- mit.stjnem Ober? matrosen durch dis stupevde Milsikylität,niid Technik seines grotesken Tanzes, dem' sichtlich auch groß« darstellerische Fähigkeit zu Hilfe kommt, den eilst zigen großen Applaus des Abends. Ausgezeichnet war«n die von den Herren Piperger, Sedlacek und Kotulan ausgeführten Bühnenbilder; derdir man aber wieder durch'die widerliche Reklame für Prager Geschäftshäuser nicht recht froh'Werden konnte. Was die sölistischen Leistungen anlangt; jo seien rühuieud hcrvorgehvben die gesanglichen der- Damen Schönauer und S t r e h l, welch letztere damit so gut wie möglich dafür entschädigte, daß ihre Katijha leider so völlig unkomisch ist, der Ko»Ko D.udels als der einzige wirksame Komiker? deS Abends-- tr möge sich mir, wie hier schon wiederholt angemerkt, nicht durch Lokal- und Sexnal-Kolorit im Niveau drücken lassen—. der in Erscheinung und Maske sympathische Nanki-Po Wolle am s. Als Regisseur zeichnete-Herr L i e b l, am Pult saß— welch hoher, seltener Gast!— Herr T z S-l l. l. g. * Peter R. Schork wurde, wie uns aus der Theaterkanzlei gemeldet wird,.'rtqch seinem Erfolg in„Mikado" als Ballettregifseur uüd erster Solotänzer an dos Teutschc Theater Zn Prag, verpflicht«!. Karl Kraus«nb bi« Prager Ausführung.der „Madame l'Archiduc". K a r I. K r a n s wir)! Anfang Mai— voraussichtlich am.9.— in.' Prag „Madame l'Archiduc" zum Vortrag bringe». Tie Vorlesung soll ein Akt der Sühne an Offenbach, ein« Strafexekution für das Theater sein, das entgegen allen feierlichen> Versprechen und wiederholten Beteuerungen die Verunstaltung des Textes der„Madame l'Archiduc" vor allem' durch den Dar- Seite 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 12. April 1SS2 Nr. 87 FÜR DEN FRÖHLING-SCHÖNE HALBSCHUHE. KeineJrühjahrsstimmung ohne schone, neue Halbschuhe.- Unsere Verkaufsstellen sind mit Fruhjahrsmodellen bestens eingedeckt. Besichtigen Sie diese in unseren Schaufenstern, wählen Sie die schönsten. Tuben-Creme Kc 1.« Pflegen Sie Ihre Schuhe mit unserer Schuhcreme. Gut gepflegtes Schuhwerk behält länger seine Dauerhaftigkeit und ursprüngliche Facon. Modell 9805-75 Elegante Lack-Halbschuhe mit geschmackvoller Verzierung.- Aus braunem Chevreau oder in Sämisch Kc 59- Zu jedem Halbschuh den passenden Unsere Neuheit. Modell 9925-49 Ausgangs-Halbschuh aus braunem Sämisch, verziert mit Braun-Box. Aus Chevreau zum gleichen Preise. B-61. Strumpf. Feste Baumwollstrumpfe für Für die Promenade., Modell 2625-47 Braun Box, an der Seite mit Schnallenyer- schluss. 7 Loderabsatz mit Gummi. Der ideale Strapazschuh für den Frühling. Kc 6.-, Florstrumpfe Kc 10.-, künstliche Modell 4025-4; Die neue Facon der Damen-Halbschuhe zeichnet sich durch reiche Perforation und .geschmackvolle Farb-Kombination aus. Waschseide Kc 9.-, 12.- und Kc 15.- steller des Giletti, Herrn Dörner, geduldet und dem Autor gegenüber durch Ableugnng des wahren Sachverhalts gedeckt hat. Karl Kraus hat der Aufführung von„Madame l'Archibuc" am Sonntag beigewöhnt und ist über den Grad der Ber- schlampung des Stils und ber Verwüstung des Textes durch Herrn Dörner ebenso entsetzt wie er über die Schädigung des besseren und stilgerechten Teiles der Aufführung, durch das stilwidrige Verhalten des einen Tarstellers empört ist. Die Direktion des Theaters hat anscheinend gegen die offensichtlich« und an dieser Stell« schon in der Besprechung der Premiere festgestellte Vergewaltigung des^Offenbach-Stils, wie ihn der Dichter des deutschen Textes versteht und gewahrt wissen will, durch den Darsteller des Giletti,' gegen di« Ver- pestung reiner Operettenluft durch di« Miasmen der zeitgenössischen Produktion, nicht das geringste unternommen, Wohl aber Herrn Kraus versichert, es sei alles zur Reinhaltung des Textes geschehen. Herr Karl Kraus lehnt jede Verantwortung für «ine Aufführung ab, in der die Extempores Dörners möglich sind, er lehnt es ab, den von Dörner gesprochenen Text als den seinen anLuerkennen. Di« durch nichts zu erklärende oder zu entschuldigende Haltung der verantwortlichen Theaterleitung hat Gegenmaßnahmen heraufbeschworen, die umso mehr zu bedauern sind, als«in Teil der Künstler, voran Frgu Lord, Frl. Reichlin, Herr Padlesak und die Darsteller der Verschworenen, sich in vorbildlicher, auch von Karl Kraus rüHaltlos anerkannt«! Weise um das Werk bemühten. Im Interesse dieser Künstler vor allem, wäre es auch zu wünschen, daß die Theaterleitung noch jetzt, da sie freilich mindestens moralisch bereits sachfällig geworden-ist, ein« Reinigung her Aufführung anstrebte. E. F. Sonntag, nrurinstudierl:„Madame Butterfly", Oper von Pu«ini. Dirigent: Max Rudolf. Die Titelparti« singt wegen Erkrankung von Iren« Zol- ttin Olga Forrai alS Gast. Anfang halb 8 Nhr <151—111). Heute Repertoire-Aenderung in der Kleinen Bühne:„Die Braut von Torozko." Wegen Erkrankung des Herrn Götz muß di« Premiere von„Roulette" auf Samstag verschoben weiden. Heute geht di« erfolgreiche Komödi«„Die Braut von Torozko" von Otto Jndig in Szene. Anfang halb 8 Uhr(Ab.). Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag, halb 8 Uhr:„Don Giovanni"(146—II).— Mittwoch, halb 8 Uhr:„Stützen der Gesellschaft"(147—III).— Donnerstag, halb 8 Uhr: „D i e D u b a r r y"(148—I).— Freitag, 7 Uhr: „Egmont"(148—IV).— Samstag, halb 8 Uhr: „Der Mikado"(180—II).— Sonntag, halb 11 Uhr: Deutscher Turnverein; halb 8 Uhr„Madame B u t t e r f l yfs:(151—III).— Montag, halb8 Uhr:„Stützen der Gesellschaft" (IW—IV). Spielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, halb 8 Uhr:„Die Brant von Torozko".(Ab.) — Mittwoch, 8 Uhr:„Die ungeküßte Eva" (Bankbeamten II.)— Donnerstag, halb 8 Uhr: „Kopf in d«r Schlinge"(Kulturverbandsfreunde).— Freitag: Geschlossen.— Samstag, 8 Uhr:„Roulette".— Sonntag. 3 Uhr:„Ser Mann mit den grauen Schläfen"; halb8 Uhr:„Roulett«".— Montag, halb 8 Uhr:„D i e ungeküßte Eva"(Bankbeamten I). Sport* Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Spott. DFC. Prag lieferte am Samstag im Spiel« gegen BSK. Gablonz den Provinzlern eine unnötige Reklame, denn daß die Prager verlieren würden, hatte wohl niemand erwartet. Gablonz gewann 4:1!— Sonntag trugen di« Blauweißen ein Freundschaftsspiel mit Viktoria 2izkov aus und siegten mit dem hohen Skore von 8:1(4:1). Ein dem Spielverlauf gerechter Erfolg. Die DFC.» Mannnschaft entwickelte wohl einen lobenswerten Eifer im Gegensatz zu dem Samstag-Spiele, aber die Schwächen eiiyelner Spieler waren doch zu offensichtlich. Viktoria trat ohne einige ihrer Stars an und was da war und bis zum Schluß durchhielt — es waren auch welche, die aus Zorn über die sichere und katastrophal« Niederlage das Feld vorzeitig verließen, aber ersetzt wurden—, ließ nicht die noch vor'einigen Wochen gefürchtete Elf erkennen. Her Stöpanovsky schiedsrichtert«, doch„retten" konnte er diesmal gar nichts. Die Profi-Ligameisterschast gehl ihrem Ende zu und der Kampf geht um die Spitze und auch um den Abstieg. Der erste sichere Abstiegskandidat steht in 6 echte Karlin fest, di« Samstag von der Slävia mit 6:0(3:0) sicher geschlagen wurde. Sparta fertigte in Prag den SK. Klabno sehr Mllküimg ans Qfffl Puülüm». Das Rezept des Augenarztes kann nur dann seinen Zweck erfüllen, wenn das Augenglas fachmännisch angepaßt wird. Lassen Sie Ihr Rezept bei Optiker Deutsch, Prag, Graben 2, Palais„Koruna" ausführen Gestern fand die X- ordentlich« Generalversammlung der Julins Meinl A.-G. statt, in welcher für das Geschäftsjahr 1931 di« Ausschüttung einer 10% ig«n Dividend«— wie im Vorjahre— beschlossen wurde. Aus den Erträgnissen wurden dem Unterstützungsfonds für Angestellte neuerdings XL 280,000.— zugewiesen. 1550 leicht mit 6:1(4:1) ab. Im Wrschowitzer Stadion gewannen Bohemiens überraschend hoch gegen SK. Nachod mit 6:2(2:1). In Teplitz remi- sierten TFK. und Viktoria Pilsen 1:1 (1:0), wobei die Pilsener«ine sehr schwache Leistung boten und zudem auch roh spielten, so daß Aus-" schlüsfe erfolgten. Sonstige Ergebnisse. Prag: BSK. Gablonz gegen Dportbrüder 2:0(1:0).— Brüx: DSV. Saaz gegen DSK. 5:0(1:0).— Komotau: SK. Rakonitz gegen DFK. 6:2(5:1).—Graslitz: Karlsbader FK. gegen DFE. 3:1(1:1); das Spiel fand unter Polizeischutz statt!— Reichen- berg: RSK. gegen DSV. 4:1(1:0).— Bodenbach: SpBg. gegen SpVg. Dresden 7:3(4:2). — Brünn: DSV. gegen DFC. Jglau 4:3(0:3), BSK. gegen Sportbrüder 6:0(3:0), DFC. Bud- Weis gegen SK. Labovbesky 3:4(1:3), WAE. Wien gegen SK. Lidenice 8:3(2:2).— Preßburg: 6DK. gegen Nemzett Budapest 3:1(2:0), Slovan Wien gegen Ligeti 3:1(1:0).— Budapest: Ferenrvaros gegen Ujpest 5:0(2:0)!— Wien: Admira gegen Rapid 2:1(1:1), Hakoah gegen Sporstlub 1:1(0:1).— Nürnberg: 1. FC. gegen SpBg. Fürch 2:0.— Berlin: Minerva gegen Stettiner SC. 6:0.— Leipzig: Dresdener SC. gegen Wacker 1:0.— Paris: Italien gegen Frankreich 2:1(1:1).— C o m o: Italien B gegen Luxemburg 12: st.— London: England gegen Schottland 3:0(Samstag). Die Qurrseldein-Meisterschaft der Tschechoslowakei wurde Sonntag in Olmütz über«ine 7500 Meter lange Streck« ausgetragen und von Kosciak (Mor, Slavia Brünn) in 23: 48.5 Min. vor Dr. Drozda(BS. Prag), Brustbreite, gewonnen. Da» Material gegen Nurmi ungenügend— meint der finnische Leichtathletikverband, daß damit eine so streng« Maßnahme gerechtfertigt wäre und will in einigen Tagen seine Stellungnahme bekannt- gsben. Tödlicher Knock-out. In Düsseldorf kam es bei einer Boxveränstältung von Amateuren zu einem tödlichen Knock-out. Der Boxer Josef Knopp brach nach einem linken Magenhaken tot zusammen. Ter Schlag war nach Meinung des Ringrichters nicht lebensgefährlich. Der Arzt stellt« Herzschlag fest. Aus der Partei Sektion der sozialdemokratischen Bankbeamten. Mittwoch, den 13. April, um 10 einhalb Uhr im Studentenheim, Prag II., Bartolomejska ul. 14, Souterrain, wichtig« Sitzung, zu der das Erscheinen der Mitglieder erbeten wird. FraUenbezirkskömitee. Sitzung am Mittwoch, den 13. ds. um 7 Uhr im Parteisekretariat, Neka- zanka 18. Um bestimmtes Erscheinen wird ersucht. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker.— S. I. II. Montag, den 18. April, 20 Uhr, spricht Univ. Prof. Gen. Max Adler(Wien): „Der Weg zum Sozialismus". Großer Uraniasaal, Eintrittskarten K 3 bis K 12.—. Barverkauf bei Optiker Deutsch, im Gruppeuheim(l., Bartolo- mtzjsk» 14) und bei den Funktionären. Vereinsnachrichten Arbeiter-Tnrn- und Sportverein Prag. Sektion: Fußball. Donnerstag, den 14. April, um 7 Uhr abends Spie- lerversammlung im Restaurant „U knpcu", StSpanska. Bestimmtes und pünktliches Erscheinen ist Pflicht! Der Film „Peter Botz, der Millioncndieb." Ten Erfolg Harry Liedtkes im stummen Film gleichen Namens kann Willy Forst nicht wiederholen; trotz der sorgfältigen Regie von E. A. Dupont. Der Fehler dieser Bearbeitung liegt darin, daß der Humor nicht aus dem Libretto selbst geschöpft wich, sondern daß der Tonfilm wie immer seine Effekt« in Kuplets und unnatürlicher.Verzerrung sucht, waS den Gesamteindruck nicht günstig beeinflussen kann. Ditz Idee des bekannten Romyns, daß nämlich zwei Millionen gestohlen werden, di« gar nicht vorhanden sind, ist an und für sich genug stark, um den ganzen Film über Lurchzuhalten, der Tonfilm geht aber darüber hinweg, bringt«inen Detektiv als Gegenpol zum Haupthelden, der in seinem idiotifchen Gebaren direkt abstoßend wirkt und muß natürlich wieder einmal zeigen, wie ein schöner junger Mann nach vielerlei Abenteuern doch»och sein liebes junges Mädel bekommt. Und weil solches Geschehen bereits dem arme» Filntpublekum nicht mehr ganz unbekannt ist, können auch di« perspektivisch gelungenen photographischen Effekt«, die sorgfältig« Ausstattung die Szenen mit fahrbarer Tonkamera in Nordasrika über di« Langweil« des Inhalts nicht hinweg helfen; und daran scheitert eben dieser„Monmnentalfilm", der spannend sein soll und nicht packt, weil von allem Anfang an alles klar und gleich unverständlich ist für dtznten.de Menschen. W. Lg. 26 Im Verlauf des Abends aber^erzählt« m ir Di« Verhandlung.— Das Verhör. Tie Verhandlung gegen den Privatdozenten Drl Bürger begann an einem Montag. Sie bot das gewohnte Bild eines Sensationsprozesses. Die Einlaßkarten waren wochenlang vor Beginn vergeben, das Auditorium bestand aus sensationslüsternen, geputzten Frauen, Müßiggängern und Anwälten. Schon vor Beginn der eigentlichen Verhandlung kam es zu einer vielbemerkten Szene, weil der Staatsanwalt von seinem Rechte der teilweisen Ablehnung der Geschwornen keinen Gebrauch machte. Für di« Fachleute war bereits die Verlesung der Anklageschrift eine be- sondere lleberraschung. Die Anklage beschränkt« sich auf die Beschreibung der Tat und Aufzahlung -er Verdachtsgründe, die gegen den Angeklagten zeugten. Rach Verlesung der Anklageschrift begann, der Vorsitzende:„Angeklagter, bekennen Sie sich schuldig?" Dr. Bürger erhob sich. Er sah bleich und Gericht. Roman von Stefan vostatschek. Alles Unheil, das uns umgibt, geht von den Beamten aus,'die um ihrer selbst willen da seien und nur beamtete Umwelt verstehen könnten. Di« Hiebe, die hier das Beamtentum aller Grade und Kategorien erhalte, seien schonungslos. Wenn dieser Anwalt verteidige, so habe er schon von vornherein das Wohlwollen der Geschwornen für sich, und aus lauter Dankbarkeit sprechen sie den von ihm Verteidigten frei. Von den Jüngsten känien auch noch die Anhänger der„Reuen Sachlichkeit" in Frage, welche... „Ich bitte' dich, schweig!" rief der alte Dr. Bürger aus.„Mir wird ganz schtvindlig. Welchen Alrwalt soll ich nun doch für Franz nehmen? Jetzt kenne ich mich Noch viel weniger aus, als zu Anfang unseres Gesprächs." „Das ist immer so, ein Problem ist erst daun schwer, tvenn man es versteht, wenn man es besprochen hat. Ich wüßte schon einen idealen Anwalt für Franz. Das wäre der Dr. Rosenfeld. Der wäre wie geschaffen für diesen Fall, aber leider kann er ihn nicht übernehmen, weil er seit drei Jahren tot ist." „Aber unter den Lebenden muß es doch auch einen geben, der dafür taugt." „Einen? Wie einfach läge der.Fall, wenn ; es nur. einen gäbe! Leider aber gibt.cs'min- ! bestens vierzig, die geeignet sind. Da die Aus- iwahl zu treffen, das ist ja gerade das Schwierige, j Aber ich glaube, daß ich jetzt doch auf den Rich- »tigen, das heißt auf einen Richtigen gekommen bin. Rehmen wir den Hofrat Schweiger, ja, den alten Schweiger, der hat von jeder Richtung etwas, von jä>er Art einen Teil, je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich meiner Sache. Nehmen wir Schtveiger!" So wurde Hosrat Schweiger der Anwalt des Privatdozentcn Burger, und man muß konstatieren, daß dies« Wahl durchaus gut war. Schweiger gehörte zu den meistgenannten Verteidigern des Reiches. Er plädierte heute da und morgen dort, in allen Teilen des Landes, bei allen Gerichten bekannt und beliebt. Und das war eine der- hervorstechendsten Eigenschaften dieses berühmten Zeitgenossen: Er verstand es, sich überall beliebt zu machen, er hatte fast keinen wirklichen Feind. Wohin er kam, wurde er wie«in Star gefeiert, die Gerichte in der Provinz hatten ihre.Festtage, wenn Schweiger verteidigte. Es war, wie wenn sich ein großer, gefeierter Schauspieler herabläßt, an irgendeiner Schmiere zu gastieren. Die Honorare, die Schweiger nahm, gingen ins Märchenhafte, ins Gigantische. Wenn er vor dem Gericht einer fremden Stadt zu tun hatte, so nahm er im besten Hotel eine Flucht von Zimmern. Ec reiste stets in Begleitung seines Privatsekretärs und einer Steiwtypistin und eines Kammerdieners. Ter. Provinzrichter, die Gc- schwornen, aber nicht. nur jene der Provinz, waren von solchem Glanz geblendet und Wachs in den Händen dieses rednerisch außergewöhnlich begabten Mannes. Der Klient existierte lediglich als, Geschöpf seiner eigenen Laune. Erzielte er einen Freispruch— was meist der Fall war— so machte er eine Miene, als hätte Gott in eigenster Person, also er, einem Menschen aus Laune das Leben geschenkt. Passierte hie und da doch übernächtig aus. Mit ruhiger Stimme erwiderte er:„Reist." .„Zn keiner Weise?" „In keiner Werse trage ich an diesem Morde Schuld." „Sie haben also die Prostituierte Lizzi Richter weder gewürgt noch gestochen?" Lächelnd antwortete Bürger:„Ich habe ste weder gewürgt noch gestochen." „Möchten Sie uns Ihre Stellungnahme zu» Anklageschrift zusammenhängend mitteilen?^' „Ich kann eigentlich sehr wenig mitteilen. Ich habe am Abend vor der Tat die junge Dame, die Lizzi Richter hieß und die hier— wohl nach hem üblichen Sprachgebrauch— als Prostituierte bezeichnet wird, auf der Straße kennengelernt. Wir gistgen ein wenig spazieren. Es war ein liebes, nettes, feines Ding, sehr einfach, und mein Eindruck war, daß sie noch nicht lange bei dem Geschäft war. Ich habe sie allerdings nicht nach ihrer Vergangenheit gefragt, weil man ja bei dies««» Anlässen zumeist Märchen zu hören bekommt.- sie mir unaufgefordert, daß sie aus Münd stamme, ihr Vater sei Postbeamter gewesen. 9 gingen dann in das in der Anklageschrift genannte Hotel. Ich blisb etwa ein« halbe Stunde dort. Das arine Mädchen war über das Geldgeschenk, das ich ihr gab, scheinbar sehr erfreut und reichte mir ihre Karte, di« ich flüchtig ansah und in hie Rocktasche steckte. Sie wollte sich noch ein wenig zurecht machen, wie sie angab; ich ver- abschichete mich von ihr und entfernte mich aus den» Hotel. Das ist eigentlich alles, was ich anzugeben vermag.". Fortsetzung total eine Verurteilung, sp drückten seine Mienen etwa aus:.Wozu habe ich meine Perlen vor diese Särse geworfen, eine zwecklose Einrichtung dies« Justiz, wenn Meine Argumente so gar nicht gewürdigt werden. Nun, mir kann es schon recht sein, wenn sie mir nicht folgen, sie werden noch sehen, wohin sie kommen, wenn sie es so weitertreiben... Seit einigen Jahren war seine Praxis kleiner geworden. Er ließ von der Höhe seiner Forderungen nichts, nach, bequemte sich der neuen Zeit nicht an und hatte daher weniger zu tun. Uebernahm er aber einmal einen Fall, dann war dies allein schon Sensation... Dies also war der Verteidiger im Prozeß Bürger. Sttitlteltt: eiMfruh— Ckeftebef teil: Bifteta Stetacs.—«er-irtwertlichee SekaRtut: Dr. UmN eiS«»k, Prag.— Druck:„Stete- Afür Settun», unfc»«chdrsck, tzte,.— gir bett Druck MtMettenffiA: Otto Hulu, _ Die ScttwutSmattettfuntaiut wurde v«> der tzteft. u. XeletttrtenbitdtiM mit Erlös Nr. 13JOO/VH/1930 bewillig.— BHugsdedinLungeu: Sei Zustellung in» HauS«der bei Bezug durch die P-ft menullich Ui IS.—.»ierteljStzrlich K4<8.— haldsädrch Li 96,—,(cxitäWS Ki lag.—.— Jt-ser-lt werden ltelt r-rij billigt berechnet, vel»leeren ei»ich»«i»seq Krerchrnchltch.—«uckstellun, den Rauujkrchie, crtulgi»Ul lei Atelenduus de, Stetauaadea.