12 Jahrgang. Gamstag 30. April 1932 Nr 103. Heraus zum 1. Nai! Demonstriert mit der Sozialdemokratie! Seite 2 Samstag, 30. April 1932. «r. 103. Völker, hört Erster Mai, großer Kampf- und Festtag des internationalen Proletariats!' Ringsum in der Welt, überall wo der Kapitalismus die Arbeiter knechtet und ausbeutet, werden morgen die Massen aufmarschieren. Weniger als je wird dieser Tag ein Festtag, dafür um so mehr ein Kampftag sein, denn furchtbar schwer hat der Kaprtalismus das Los für viele Millionen Menschen gestaltet und überall muß das Proletariat einen erbitterten Verleid i- gungskampf führen. . Vor mehr als vierzig Jahren ist zum erstenmal« der Kampfruf zum 1. Mai hinausgedrungen in die Lande, seither hat sich die Welt in einem Maße verändert wie nie zuvor in einem gleichen Zeitraum. Staatliche Formen, welche die Machthaber für unerschütterlich hielten, sind wie morscher Zunder auseinandergebrochen und neue sind an ihre Stelle getreten. Ungeheuer war die Macht des Zarismus— sie wurde vom Sturme, der über die Welk ging, wie Spreu hinweggefegt. Monarchien, die wohlbeschützt schienen, wurden in Trümmer geschlagen— kaum erinnert man jlich noch der Namen ihrer Träger. Der Boden der Gesellschaft,«Hedem wie es schien fest, ist in Bewegung geraten, alle Grundlagen der bisherigen, von der Machtfiille des Kapitalismus gestützten Ordnung wanken. Ganze Klassen der alten Gesellschaft sind versunken oder ffkehen'vor der Gefahr des Unterganges. ?llle diese revolutionären Wandlungen ifttth das Symptom ungeheuerer innerer Wandlungen, die sich in den Produktivkräften der ,Gesellschaft vollziehen und die auch die Gesellschaft selbst einer Wandlung unterwerfen. Viele Erfindungen von umwälzender Bedeutung haben die Wirtschaft revolutioniert, die technische Ausgestaltung der Verkehrsmittel hat die Entfernungen auf dem Erdball verringert. Dem rastlosen Menschengeist ist es gelungen, all« Vorbedingungen für das Wohlergehen aller zu schaffen. Doch in der heutigen kapitali- stffchen Ordnung: auf dem Höhepunkt der technischen Entwicklung und der menschlichen Entwicklung, in einer Zeit, da die Welt mit Güstern des Gebrauches und des Ueberflusses erfüllt ist, stockt das Räderwerk der kapitalrsti- schen Maschine, Millionen stehen neben den gütererzeugenden Maschinen mit feiernden Händen, sind aller Erwerbsmöqlichkeiten beraubt und angewiesen auf kärgliche Unterstützungen. Trotz aller Technik erstickt der Verkehr, trotz Warenbedarf fehlen die Käufer, trotz Ueberflusses an Nahrungsmitteln gibt es Hungernde sonder Zahl. Hoch und i-nmler höher türmen sich die Widersprüche, die Sinnlosigkeiten der kapitalistischen Welt vor uns auf. Der Kapitalismus, der friiher vom Arbeiter einen Teil des von ihm erzeugten Mehrwertes geraubt hat, raubt ihm heute selbst daS Primitivste Recht, das Recht auf Arbeit. Wo friiher Spaten in die Erde stießen, arbeitet heute ein Bagger mit wenigen Arbeitskräften. Wo früher zahlreiche Bauarbeiter und Ziegelträger die Arbeit- der- die Signale! richteten, dort werden sie heute durch gewaltige Kräne und andere Maschinen ersetzt. Kein Beruf, in dem nicht ungezählte Arbeitskräfte aus dem Arbeitsprozeß ausgeschaltet worden wären. Viele gibt es, die sich das Geschehen nicht deuten, nicht erklären können, die meinen, es könnte durch Aenderung des politischen Systems, durch eine Wanderung in die Vergangenheit geändert werden und begreifen nicht, daß eseiuegroßeRevolution i st, i n de r w i r l e be n, daß ein gesellschaftliches System im Todeskampfe liegt. Sie spüren nur die Qualen, von denen sie durch das Sterben dieser Gesellschaft hermgesucht sind und sehen nicht, daß eine geschichtliche Epoche sich ihrem Ende zuneigt. Vorübergehend kann sich der Kapitalismus vielleicht noch einmal erholen, die Folgen dieser Krise, die die ftircht- barsten Wunden aufteißt, werden insoferne bestehen bleiben, als die Menschheit dauernd den Glauben an die Möglichkeit des Bestandes der kapitalistischen Gesellschaft, an ihre Zweckmäßigkeit verloren hat. In diesem Zustande der langsamen, aber unaushaltsainen Verwesung der Geselffchaft wehren sich ihre Nutznießer gegen den Untergang, bezahlen und organisieren den Terror, rüsten fascistische Söldnerbanden aus, um in der Arbeiterklasse die Trägerin der kommenden sozialistischen Gesellschaft zu treffen und als Machtfaktor zu vernichten. Sie zu knebeln, sie wehrlos zu machen, um so wenigstens eine Galgenfrist zu erlangen. Umsonst! Keine Gewalt kann ein dem Untergang geweihtes Gesellschaftssystem auf die Dauer retten. So feiern wir den heurigen 1. Mai inmitten eines brodelnden Chaos, sehen manchen, verzagen, manchen irregehen. Doch wissen wir,' daß ob auch tausend Schwierigkeiten sich türmen und die Mächte der Vergangenheit zu den verzweffelfften Mitteln greifen, der S i e g d o ch unser sein muß. Wie, ihr Sklaven des Sozialismus, könnten viele unter euch sein, die jetzt, da die Zeichen des Unterganges des mörderischen kapitalistischen Systems io sichtbar und so deutlich geworden sind, kleinmütig werden? Ihr all«, di« ihr das Unrecht, die Ausbeutung, die Schande des Kapitalismus kennen gelernt und zu fühlen bekommen habt, ihr wolltet nicht jetzt erst recht euere ganze Kraft auftvenden, um an dem großen Werke der Befreiung der Menschheit aus Unwiirdig- keit, Hunger und Elend mitzuhelfen? Nein, das wird nicht sein, TÄ» und Teufel zum Trotz! Stolz und erhobenen Hauptes feiern wir erst recht den 1. Mai, siegesbewußter als je werden sich die Massen um die Sozialdemokratie scharen, die in guten und bösen Tagen ihre Führerin und Bahnbrecherin war und ist. Erster Mai, Tag der Kraft und des Trotzes, Tag des Kampfes und der frohen Zukunftshoffnung, wir grüßen dich! Du bist lins das Symbol der vom Joch der kapitalistischen Sklaverei befreiten Menschheit! Du bist un- s e r Tag, heut und immerdar! Unser Tag. Millionen Schritte schreiten wie ein Schritt, Und jedes Trittes Takt heißt: Wir sind rot. Wir kämpfen gegen Hunger, Dreck und Not. Wir kämpfen und Millionen kämpfen mit. Millionen wollen, was hier jeder mag: Unser Tag. Millionen Fahnen sind wie unsre rot, Um gleiche Botschaft in die Welt zu schrefn: Wir wollen endlich frei und froh und glücklich sein In einer Welt, die lacht und nicht mehr droht. Millionen eint ein einiger Vertrag: Unser Tag. Millionen Hände ball’n die gleiche Faust, Entschlossen, gleich Ketten zu zerschlagen, ' Bereit, sich an den großen Bau zu wagen, Drin eine neue Menschheit menschlich haust. Millionen Herzen schlagen gleichen Schlag: Unser Tag. — hafis—: uiiiuriiiiiiiiiiiHiiii!iiiiiii.iiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniifiiiiiiniifiiiEuiiifiiiiiiiiuii!iiiiuuiiiiiniiiiniiin«iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinuiiiinniiiiiiiiiihiHiiimui!iiiiii{iiiiiiiiiimiiiTiiiiiiii Maikampf und Maifrieden. Von Oda Olberg. . Der erste Mai ist wieder ein Kampftag geworden, wie er es zu Anfang war. Der friedliche Vormarsch unter toehenden Fahnen hat«in jiche- Ende gefunden. Man will der Arbeiterbewegung den Weg versperren, nun sie sich anschickt, Boden zu besetzen, den die herrschende Klasse als ihren Interessen geheiligt ansieht und verteidigt. DaS ist nicht verwunderlich und tvar Vorauszusehen. Allgemein« Sympathien für«ine noch fernliegende Gerechtigkeit sind wohlfeiler und veÄreiteter als der konkret« Verzicht auf Profit, auf unbeschränktes Kommando in der Werkstatt, aus soziale Borzugstellung. Mitleid mit denen, di« Not leiden unb Unrecht erfahren, -raucht sich noch lange nicht umzusetzen in ein Sichabfinden mit dem am eigenen Leibe erlebten Abbau, des Privileg». Deshalb haben wir immer damit gerechnet, daß sich di« Reihen der Sympathisierenden und der Mitläufer lichten würden, sobald di« Hand an bestimmte Vorzugsstellen gelegt würde: an das unbedingte BerfügungSrecht des Hausherrn, an das Klassenprivileg der höheren Bildung, an das unkontrollierte Walten der Banken und der Produktion. Daß die Menschheit- nicht sanft und kampflos in den Sozialismus hinnbergleitcn tvürde, haben wir gewußt. Nicht der Kampf trifft uns unvorbereitet, wohl aber die Art des Kampfes. Im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts hat man sich tvohl in dem Wahn wiegen können, daß die sozialen Auseinandersetzungen sich über das Niveau der brutalen Gewalt hinauSgearbeittt hätten. Dann kam der Rückschlag des Kriege». Plan kann wohl sagen, haß die gesamt« Kulturfront der Menschheit zurückgenommen worden ist. -Was im Kriege geübt worden tvar, wollte ein Teil-er herrschenden Klaffe nun im Bürgerkrieg anwendeu: das war der Fascismus. Und schließlich kam die Kris«. Für die ins Ungeheure Mspannt« Produktivität fehlte der Abfluß. Jeder Staat staut« den andern ab, ein^ jeder überschwemmte sich mit Produkten. Die Aufnahme stockt«, die Produktion stieß immer mehr Menschen als überflüssig ab. Arbeitslosigkeit, Pleite, Staatsdefizit. Und in der herrschenden Schicht der Gedanke, daß dieses Beben der wirtschaftlichen Erde vielleicht«ine gut« Gelegenheit böte, di« politische Bedrohung ihrer Vorherrschaft gründlich zurückzuwerfen. In dieser Situation feiern wir den ersten Mai. Die Not umlauert die Klafsensolidarrtat. Die Arbeitslosigkeit hängt sich wie ein Bleigewicht an di« gewerkschafllich« Aktion, körperliche urch seelische Untereryährung' macht die Menschen astfällig gegenüber verlogenen HrilSlehren- Urch breit uno frech geht die Gewalt herum; mit Knüppel und Handgranaten und ruft die Reaktion auf, die vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit zu benutzen. In diesem Herensabbath steht unser« Partei und soll für Frieden und Gesittung einstehen. Wohl ist der Kampf deS Sozialismus gegen die Roheit so alt, wie der Sozialismus selbst;«S ist ja der Kampf gegen alles, was den Menschen erniedrigt: gegen die in den Staub hinunterdrückende Not und Unwissenheit, gegen AlköholiS- muS, gegen den blutrünstigen HurrahPatriotismus, gegen das Wühlen in Greueln, durch Presse und Kino. Aber das war ein Kampf mit geistigen Waffen. Heut steht der Knüppel da und hinter ihm die Reaktion, heut geht man"mit der Handgranate vor gegen Demokratie und Rechts- BllMei» Mei unö Mn. Von Betty KarpiSkovn. (Fortsetzung.) Unterwegs hatte sich der„Expedition" ein ganzer Haufen kleiner Buben und Mädchen angeschloffen, und natürlich war Wenzelchen der Ober- befehlshaber über sie! Er war em hübscher Bub, groß, stark, und keiner verstand es auch so gut, so lustige Spiele, die immer unterhielten, aus- zusinnen, wie er... ’ ,^Fungeus, ich weiß, wo wir Salamander fangen können!" Selbstverständlich bemächtigte sich der Buben «in« ungeheure Aufregung und es wurde br- schlossen, eine Salamanderiagd zu veranstalten. Das Ziel der„Expedition" bildete eine große, gelblich aussehende Pfütze, in welcher es Wasser über, besser gesagt, einen Brei gab, in welchem man bis zu den Knien waten konnte. Das tvar für die Ausflügler ein herrlicher Badeort, und das schmutzige, unangenehm riechende Wasser schreckte sie durchaus nicht ab. Mitunter sanden sie dort auch die schwini- mende Leiche einer Katze, aber was lag daran, sie wurde unter großen Feierlichkeiten beerdigt— selbst die Kleinsten vergoffen dir Tränen— und dann badete man lustig weiter. '- ,Wenzclchen tvar stet» der erste, der es „wagte". Eine ganze Reihe kleiner, weißer, von der Sonne- selten geküßter Körper lvatete nun durch die Pfütze. Ein paar bewarfen einander ruit kleinen Steinchen, andere hoben wieder vom Grunde der Pfütze flache, graue Kieselsteiruhen In die Höhe, aus welchen sie^Tschinellen" machten, andere wieder tauchte» schreiend unter, aber alle brüllten und jauchzten, daß einem schier das Trommelfell platzen konnte. „Ich mache einen Taucher!" ruft der kleine Weitzel, und er steckt seinen kleinen Kopf unter das Waffer, um dann feinschmeckerisch herumzuschnauben... Mit den Händen zerwühlen die Kinder den geheimnisvollen Grund der Pfütze, wo Wasser- pflanzen wuchern, und hin utld wieder kann nian ein Siogesgeschrei vernehmen. „Ich habe das Krokodil, da schaut mal her, Buben, waS für einen Prachtkerl!" Und sie fischen mit«inen: alten, rostigen Seiher, einem löcherigen Topfe oder einen: zerbrochenen Teichrechen verschiedene unbrauchbare Gegenstände am, die dort hineingeworfen worden waren. Die Hetz will kein Ende nehmen, und wenn es mitunter wirklich gelingt, aus dem Pfuhle den smaragdgrünen, goldgestreiften Körper eines Salamanders hervorzufischen, dann wird daS Jubelgeschrei verdoppelt. Mitunter hat die Unterhaltung hier auch ein unangenehmes Ende. Mitten während des LärmeS erscheint„ani Ufer" ein berittener Schutzmann in feiner ganzen Pracht und Herrlichkeit, und für einen Augenblick verstummt der Lärm unter dem Einfluß der erschienenen Autorität. Aber es soll nicht lange währen. Kaum ist der Schutzmann verschwunden, da sind sie wieder an Ort und Stelle, baden mit Jauchzen, und schlucken mitunter den wenig verlockenden Inhalt der Pfütze ein wenig herunter. Tausend Freuden erwarten die kleinen Ausflügler auf solchen abenteuerlichen„Expeditionen", die sie für die lange Winterhast entschädigen, Wenzelchen durchkostet diese Herrlichkeiten mit der ganzen Inbrunst, die seiner kleinen Person eigen ist. ES ist ein Vergnügen, in sein hübsches, gerötetes Gesicht zu schauen, aus dem zwei kohlschwarze, samtgleiche Augen hervorgucken! Ein ausgebleichtes Trikothemdchen, lange, abgewetzte Unterhosen, bei welchen selbst der letzt« Knopf fehlt und durch ein Stückchen Holz ersetzt ist, daS ist feine ganze Bekleidung! Er sieht wie ein kleiner Bandit au» und trotzdem hat nian ihn wegen seiner gesunden Kraft und seiner Jugendlebensfreude gerne. Er tut einem Schwachen nie ettvas zuleide, immer tritt er für einen solchen ein, aber er mag kein Unrecht ertragen. Seine sehnsuchtserfüllte Seele aber feiert ihr Fest, wenn auf dem Spielplätze Komödianten ihren Einzug halten»der gar ein Zirkus sein Zelt aufschlägt. Ständig streicht er da um d« Wagen herum, bietet seine Dienste an, nur um die glücklichen Künstler ganz aus der Nähe sehen zu dürfen. Und einmal befand sich ein kleines -Dlädchen unter ihnen, so ein schmächtig-zartes, bleiches Dingerl, das sich als Seiltänzerin produzierte. Unser Wertzeichen machte ihr den Hof, er wagte nicht einmal zu atmen, wenn eS ihm glückte, in irgendeinen Winkel zu schlüpfen, von wo aus er sie sehen konnte, wie sie in Seid« und Gold dahinschwebte. Den Tag über paßte er aus, ob er sic einmal zu Gesicht bekäme. Und wie sie einmal mit einem Krug um Waffer ging, da lief er zu ihr. „Wenn du willst, gehe ich mit vir, und werde dir das Wasftr pumpen, und dann will ich dir den Krug tragen!" Tai Mädchen lacht« leise vor sich hin. Nun, meinetwegen, mitgehn kann er ja. „Wenn du willst, gebe ich dir ein Taschenmesser, ein feines Messer, das eine Krone gekostet hat," schmeichelte Wenzelchen. „Ich mag nicht, aber Bonbons möcht ich haben, die glänzcrwen Seidenbonbons, hast du welche?" Wenzclchen befindet sich In einer furchtbaren Verlegenheit. „Jetzt habe ich keine, aber ich werde dir solch« bringen, ich bekomm nämlich von ein paar jungen Fraulein für den W«g oft ein Sechser!, und da kauf ich dir dann die Bonbons dafür!". Er streichelt ihre kleine Hand, und von jenem Tage an waren sie gute Freunde. Was Wenzelchen auftreiben kann, was er findet oder erbettelt, alles bringt er dem kleinen bleichen Mädcrl, die ständig so still und traurig ist.';. „Weshalb bist du so, immer wie ein Großmütterchen so weise, niemals, lächelst-u, aber tue Stirne ziehst du sogar ost in Falten?" Das Mädchen seufzt vor sich hin, schaut träumerisch in-ie Fern«, und dann erklärt sie kleinlaut: „Der Vater haut mich, er ist nämlich nicht mein rechter. Die Mutter ist mit ihm weggelaufen, und er hat mich nicht gerne, er küßt bloß die Mama und den kleinen Franzi, der ist sein Junge." Wenzelchen ereifert sich: das kleine bleiche Mädcrl tut ihm so leid! „Wenn ich groß wäre—> da würde ich mit deinem Vater kämpfen und ihn töten!" Unseine Augen leuchten wie Diamanten aus. Das kleine Mädchen sieht sich besorgt um und dann blickt sie Wenzelchen so heimlich und lieberfnklt an! „Das verstchst du nicht! Wenzelchen, du bist ja so klein und so dumm!" Und Wenzelchen empfindet zum ersten Male in seinem Leben, wie klein und dumm er ist, und nichts ist dagegen zu tun möglich. Als di« Komödianten Nwgfahren sollten, wartete er auf sie, wie sie gerade in all der Gokd- und Seidenpracht in den Wagen sprang, um aus einem großen Kruge einen Schluck Kaffee zu trinken. Er nahm ihr kleines Gesichter! in seine kleinen, groben Hände und dann bat er mit rührender Stimme: „Gib mir ein Pusserl, nur ein einziges Pus- serl, jetzt, da du so schön bist, so ganz in Gold und Seide!" Sie gab ihm einen flüchtigen Kuß, wie ein kleines Kindchen küßt, und Wertzelchen traten die Tränen in di« Augen. (Schluß folgt.) Nr. 103. SamStag, 30. April 1932. seit« 3 ftaat, für Diktatur und zweierlei Recht, für Polizeiwirtschaft und Todesstrafe. Wir können nicht sagen, wie die ersten Christen:„Unser Reich ist nicht von dieser Welt", und uns der Gewalt beugen, denn unser Reich ist von dieser Welt, und in dieser Welt müssen wir es schützen. Wir dürfen uns auch nicht darauf verlassen, daß die Ideen stärker sind als Waffen. Das ist wahr, wenn wir messen mit weltgeschichtlichen Maßen. Im kurzen Lichtkreis einer Generation gesehen, können Ideen verschüttet bleiben unter der von der Gewalt angerichteten Verwüstung. Wir müssen also bereit sein, für unsere Ideen Gewalt gegen Gewalt zu stellen. Das ist Ke fascistische Losung einer vom Fascismus umlauerten Zeit. Dann wären wir also nicht anders als unser Gegner? Wir müßten danach trachten, gleich chm eingestellt zu sein auf den freien, fröh- uchen Bürgerkrieg, unbeschwert durch Ideologien, Wolf gegen Wolf? Nein, wahrhaftig nicht. Wir wollen beschwert sein durch Ideologien, auf die Gefahr hin, weniger gelenkige Kämpfer zu sein. Wir wollen nicht wölfisch kämpfen für ein besseres Menschentum. Wir wollen nicht seelisch zum Fascismus überlaufen, um körperlich tauglicher zu sein im Bürgerkrieg. Das ist die große Aufgabe, wohl wert, am Festtag der Arbeit und des Sozialismus erwogen und in ihrer Forderung erkannt zu werden: unsere Auffassung des Kampfes zu trennen von der unserer Gegner. Wir kämpfen für eine bessere Welt, aber wir lehnen es ab, durch Ströme von Blut zu ihr zu waten und den Weg zu chr durch Ketten zu sichern, weil wir wissen, daß verrohte, grausame, tyrannische Menschen nie eine bessere Welt bauen können. Nicht wir sind es, die den Boden der Gesetzlichkeit mutwillig ver- laffen, jenen Umkreis des Rechts, den man im MittÄalter den Frieden" nannte, weil in ihm das Uebereinkommen Schutz gab und nicht di« Waffe. Wir verteidigen diesen Boden; in manchen Staaten springt unsere Partei schon heut« «in für dessen berufen« Verteidiger, die fahnen- flüchtig wurden. Unsere Kämpfer sind nicht Mittel und Zweck, nicht Material, das man einstampft, um darüber zu schreitchr. In jedem einzelnen lebt eine Flamm«, di««in Teil ist vom ewigen Licht des Zweckes, di« leuchtet von seiner Heiligkeit und Würde, die nicht erstickt werden darf unter Roheit und Gemeinheit, ohne den Zweck selbst zu verdunkeln und unserem Ringen seinen Sinn zu nehmen. Wir wollen di« Bestie nicht losbinden im Menschen, um sie zu Hetzen gegen die, di« dem Sozialismus den Weg versperren; wir wollen unser« Idee nicht verteidigen, indem wir an ihr freveln. Das sind di« Grenzen unserer Wehrhaftigkeit. Wir beneiden unser« Gegner nicht, vi« sie nicht haben. Vielleicht sind sie darum besser geeignet für den verfluchten Kamps auf dem Straßenpflaster. Aber wenn eS wahr ist, daß man der Idee nicht überlassen darf, sich selbst «u verteidigen, weil sie nur l«bt, soweit sie di« Menschen hinreißen kann zu Kampf und Opfer, so ist es nicht weniger wahr, daß der Bürgerkrieg aus Parteiinteresse, aus Raufgier und Raffgier, ohne Idee und ohne Ideal, bei aller Ungehemmt- heit durch Gewistenskrupel, ein armes und kümmerliches Krisengebilde ist. Für ihn gibt es keinen verbotenen Griff: er ist im Vorteil. Aber für chn gibt es auch kein ideelles Kraftzentrum, kein Streben, das über den Einzelnen hinaus- re^cht. Wir glauben an unsere Ide- und wechen ihr auch dann Treue halten, wenn man uns von unserem Arbeitsfeld abdrängt auf den Boden der Gewalt. Ader auch die Idee wird uns Treue halten. Aus ihr wird uns die Kraft werden, diesen. unfern Kampf für künftige Ziele und Ziele der Gesamtheit menschlich zu führen. Es ist oft mehr Wahrheit in alter Sage als in der Geschichte. Und so bleibt es wahr, was man von Winkelried singt, daß die opferbereite Brust eines Mannes viele Speere von den Gefährten ablenken kann. Wir kämvsen für unsere Sache mit unfern Mitteln. Täten wir es mit den Mitteln der Barbarei, so hätten wir den Feind im eigenen Lager. Und deshalb dürfen wir Kampf üich Frieden an einem Tage feiern, denn unser Kampf steht unter der strengen Forderung des Friedenszieles, auf unser Heute fällt schon ein Schimmer des morgenden Tages. Die Maibotschaft. Von Paul Löbe. Als hätten prophetische Seher ein zukunfts- iveisendes Fanal aufgerichtet, so leuchtet di« Maibotschaft in diesen Jahren vor unseren Augen auf. In zwei prinzipiellen Forderungen tvar ihr Programm zusammengefaßt: Verkürzung des Arbeitstages und Bölkerfriede! Konnten sein« Verfasser, seine ersten Verkünder vor mehr als vierzig Jahren ahnen, daß diese Forderungen einst den einzigen Ausweg aus der größten Wirtschaftskrise bedeuten würden, die je die kapitalistische Welt geschüttelt hat? Heute ist es jedem tiefer Blickenden klar: die strukturelle Erwerbslosigkeit mit allen ihren Folgen kann nur überwunden werden durch radikale Kürzung der Arbeitszeit. Die konjunkturelle Kris« bedarf zu chrer Behebung deS solidarischen Zusammenstehens der Völker, der Beseitigung des Mißtrauens, der freundschaftlichen Verständigung und Unterstützung. Verkürzung der Arbeitszeit bedeutete vor vierzig Jahren die Propagierung des Achtstundentages, heute bedeutet sie di? Forderung mindestens der Fünftagewoche, der Vierzigstundenwoche, der Vorbereitung viel einschneidenderer Verringerung der Arbeitszeit. Denn die Fortschritte der Technik, die erhöhte Produktivität der Arbeit, die Anhäufung von Gütern können nur durch Anpassung der menschlichen Arbeitszeit an die neuen Verhältnisse angeglichen werden. Je mehr mechanische Pferde- ftÄfte arbeiten, um so weniger Menschenkräft« werden gebraucht. Will man di« Ueberflüssigen nicht verdienst- und hoffnungslos verkümmern lassen, dann muß di« Reduktion auf all« verteilt, muß die Arbeitszeit viel weiter verkürzt werden. Kurzsichtigen gilt das noch als Utopie. Aber auch der Achtstundentag galt«inst als Illusion. Mühsam mußten wir vor vierzig Jahren selbst den Kleingläubigen unter den Arbeitern versichern, daß es möglich sei. Vereinzelte Beispiel« seiner Durchführbarkeit zählten wir in unseren Mai-Reden auf: Bei Zeiß in Jena, in Rösickes Schultheiß-Betrieben habe er sich bewährt, in Australien sei er gesetzlich eingeführt— mit diesem Hinweis mußten wir die Gläubigen des Zehn- und Zwölfstutt- dentages bekehren. Heut« liegt der Widerspruch längerer Arbeitszeit zu dem Heer der Beschäftigungslosen viel offener zutage. Wenn die Schramm-Maschine im Steinkohlenbergwerk, der Bagger in den Braunkohlengruben die menschliche Hand ersetzen, dann braucht sich dies« Hand weniger zu regen— nur so kann die völlige Ausschaltung des Arbeiters und seine dauernde Stillegung beseitigt werden. Wie in diesen Berufen steht es aber in fast allen Industriezweigen. Die Welt wird den Ausweg aus der Millionenarbeitslosigkeit, di« auch dem.Handwerker, dem Kaufmann, dem Bauern di« Existenz untergräbt, nur überwinden durch di« Erfüllung der Maibotschaft: Radikale Verkürzung der Arbeitszeit, Verringerung der Arbeitstage. Soweit unsere Kris« aber überschattet wird von besonderen politischen und finanziellen Ursachen, die ihre Dauer und ihr« Tiefe vergrößern, kann sie nur behoben werden durch internationale Zusammenarbeit und Solidarität. Im Deutschland der reichlich vorhandenen Arbeitskräfte und der Rohstoffe für viele Gewerbe, fehlt das Betriebskapital, die Brücke der Kredite, die Herstellung und Verbrauch des Arbeitsproduktes verbinden. Sie kann, soweit für innere Maßnahmen kein« Möglichkeit besteht, nur geschlagen werden mit Hilfe der Länder, die über einen Goldüberschuß verfügen, allo durch Verständigung und Vertrauen zwischen den Völkern. Der durch die verzweifelten Hochschutzzölle eingeengte Austausch zwischen den einzelnen Volkswirtschaften, zwischen den armen aber fleißigen Völkern des Ackerbaues und der Industrie, ist nur möglich durch Verständigung und Freundschaft zwischen den Nationen: Der Völkerfriede allein kann Ueberwindung dieser Ursachen der Krise sein— auch hier haben sich di« Verkünder der Maibotschaft als Seher erwiesen. Scharfe politische Kämpfe in Deutschland liegen hinter«ns. Sie haben die wirtschaftliche Entspannung nicht gebracht, haben im Gegenteil die Krise verlängert. Auch die Gläubigen des Dritten Reiches werden schnell erkennen, wie wenig di« Hoffnungen und Entwürfe sich erfüllen, die unter der Fahne des Hakenkreuzes geweckt wurden. Sogar Herr Mussolini, der Abgott aller Diktaturwüttgen, ruft heute nach Abbau der Rüstungen und Niederlegung der Zollmauern, der Diktator findet gegen die Wunden der Weltwirtschaftskrise keine anderen Heilmittel als di« Maibotschaft deS Sozialismus. Es gibt leiste anderen Hilfsmittel, so laut die Vertreter des kapitalistischen Systems in neuen Verkleidungen auch schreien mögen. Am Tage ihrer Machtergreifung kurieren sie den Patienten zu Grunde oder greifen nach den Rezepten, di««ine marxisttsche Gefchichts- und Wirtschaftsforschung ermittelt und in den Pro-,, grammen des Sozialistnus niedergelegt hat. . Die Forderungen des 1. Mai, die den Vormarsch des Proletariats in allen Ländern der Welt begleiteten, sie bieten gerade im Krisenjahr 1932 den einzigen Ausweg, die einzige Rettungaus Elend und Not. Hebt unser« Fahnen in den Wind— unbesiegbar bleibt im Ringen der Geschichte di« s o z i a I i st i s ch e Idee, di« Botschaft bei 1. Mai! 14. Mai 1907: Der Sieg vor 25 Jahren. Aus Berlin schreibt uns ein alter Mitkämpfer: Wenn auch die Landtagswahlen am 24. April 1832 einen Wiederaufstieg der sozialdemokratischen Partei gegenüber verschiedenen Wahlen des Jahres 1931 gezeigt und ferner einen größeren Stimmenverlust der Kommunisten gegenüber der Reichstagswahl vom 14. September 1930 erwiesen hat, als die Sozialdemokratie ihn heute noch verzeichnen muß, so ist es doch ein schwarzer Tag in der Geschichte der sozialistischen Bewegung. Wenn auch die Einigung groß- und kleinbürgerlicher Schichten mit den Junkern, reaktionären Beamten, ehemaligen Generälen und Offizieren und Militaristen überhaupt unter der Hakenkreuzfahne für uns Sozialisten eine Vereinfachung der Klassenfronten darstellt, so dürfen wir uns doch nicht verhehlen, daß Millionen Arbeiter, besonders jugeiälliche Arbeitslose, im Fascistenlager stehen. Da war ein freudiger Lichtblick wieder einmal der Wahlausfall in Wien und Niederösterreich. Dieser große sozialdemokratische Wahlsieg ist die würdigste Gedenkfeier jenes begeisternden Erfolges, den die Sozialdemokratie in Altösterreich 25 Jahre früher, am 1 4. u nd 24. Mai 1907, errungen hat. Damals wählten die Völker Altösterreichs zum erstenmal unter dem gleichen Wahlrecht, allerdings noch ohne Proporz und ohne Frauenstimmrecht.' Seit 1897 hatte die V. Äählerklaffe(die des allgemeinen Wahlrechts) zwar ein Häuflein SoziaDemokra- ten ins Parlament gebracht, da aber diese Wahlen vielfach indirekt und mündlich waren, konnte man unsere Gesamtstimmenzahl nicht genau feststellen. Am 14. Mai 1907 jodoch wurden abge- tzssben für die Sozialdemokraten in den deut schen Gebieten 507.805, in den tschechischen Wahlkreisen 399.904, in den polnischen 62.993, in den ukrainischen und rumänischen Bezirken 4886 und in den italienischen und südslawischen Wahlkreisen 20.349 Stimmen. Das alles zusammen ergab 86 sozialdemokratische Abgeordnete unter insgesamt 516 Mandaten. Nur die Christlichsozialen waren mit 96 Mandaten stärker, was sie aber nur durch die Verschmelzung mit den Feudalkonservativen, also durch Preisgabe ihres einstigen demokratischen Charakters erreicht hatten. Von den 86 Sozialdemokraten aller Nationen waren 33 in Böhmen, einer in der Bukowina, 6 in Galizien, 2 in Kärnten, 8 in Mähren, 16 in Niederösterreich einschließlich Wien, 3 in Oberösterreich, 6 in S ch l e s i« n, 5 in der Steiermark, 2 in Tirol und 4 in Triest gewählt. Keine andere Partei des neuen-Hauses konnte mit dem gleichen Recht behaupten, alle Völker der Monarchie zu vertreten. Selbstverständlich hatte die Sozialdemokratie die meisten Mandate in den Industriegebieten erlangt und daher auch in den industriellsten Gebieten, den deutschen Teilen Böhmens, am allerbesten abgeschnitten. Die Wahlkreise waren nach einer Konibination zwischen durchschnittlicher Volksbildung und Steuerleistung sowie möglichst national einheitlich abgegrenzt. Nur durch dieses Kompromiß, das unser verstorbener Friedrich Austerlitz vorgeschlagen hatte, war es gelungen, die Wahlreform überhaupt durchzubringen. In den deutschen Wahlkreisen. Böhmens konnte die Sozialdemokratie mit rund 170.000 Stimmen 16 Mandat« besetzen, wovon einige in der Stichwahl. Gewählt wurden in diesen Bezirken damals folgende Genosien: Wenzel Bös- müller(Gablonz-Stadt), Adolf R e i tz n e r (Bodenbach), Anton Schrammel(Aussig- Stadt), Heinrich Beer(Dux—Bilin), Otto Glöckel(Joachimsthal), Josef Hannich (Rumburg), Leopold Winarsky(Friedland), Ferdinand H a n u s ch(Kratzau), Anton Schäfer(Reichenbera-Land), Jolef Barth(Gablonz- Land), Eduard Rieger(Tetschen-Land), Franz Beutel(Aussig-Land), Josef Seliger(Tep- litz-Land), Dominik Löw(Karlsbad-Land), Franz Palme(Joachimsthal-Land), Albin Dötsch(Eger-Land). In Mähren wurden gewählt di« Genossen Wilhelm Nießner, Hiero- nimus Schloßnikel, Leo Freundlich, und in Schlesien Matthias E l d e r s ch und-Jvsef T up p y. Biele von ihnen sind schon gestorben, Freundlich hat die Partei längst verlasien. Der Vergleich der einzelnen Parteien in den Nationen Altösterreichs zeigt, daß damals bereits im tschechischen Volk die Sozialdemokratie mit 399.904 Stimmen(davon in Böhmen 278.137, in Mähren 101.524 und in Schlesien 20.243) weitaus di« st ä r k st e Partei tvar. Im weiten Abstand folgten ihr die Agrarier mit 200.381, die Klerikalen mit 184.304 und die Jungtschechen mit 92.692, während die Nationalsozialen 85.300 bekamen. Der glänzende Wahlsieg im Mai 1907, der wiederum eine Folge des zahrzehntelangen unendlich sieggetrönten sozialdemokratischen Wahlrechtskampfes war, erregt« Helle Begeisterung in der Arbeiterschaft, spornte aber das Bürgertum zu besonderen Anstrengungen an. Schon damals zog die deutsche Bourgeoisie einen scheinproletarischen Nationalismus auf, der denn auch bei der nächsten Wahl im Jahre 1911 unsere Genossen in den Sudetenländern als den Gebieten des nationalen Kampfes eine Anzahl Mandate kostete. Das wurde aber durch glanzende Erfolge in Wien ausgeglichen, wo die Sozialdemokratie 18 von den 33 Mandaten errang. Geschah das zwar zum Teil auch in Stichwahlen mit Hilfe der bürgerlichen Demokratie, so hat doch diese letzte Wiener Wahl vor dem Weltkrieg bereits die sozialistische Gesinnung der Wiener VoKsmehrheit deutlich gezeigt. Richard Bernstein, damals Redakteur des„Gebirgsboteu" in Gablonz a. R. l.Nal,dasfesl der frais- Von Herta Zerna. Feiern? Den ersten Mai in diesen Zeiten feiern? So fragen manche Frauen diesmal. Sic sind sehr nüchtern, die Kämpferinnen des Proletariats. Sie sind ju allem bereit: zum Sparen, zum Darben, zum Beitragzahlen, wenn es auch noch so schwer fällt. Aber sie finden manchmal, man müßte in dieser schweren Zeit kein Aufhebens machen von irgendetwas, und wir sollten doch nicht so tun, wir hätten gerade Grund, mit roten Fahnen singend durch die Straßen zu ziehen, und noch dazu an einem Sonntag, wo es so, recht nach Feiertagsspaziergang aussieht, als ob es uns wer weiß wie gut ginge! In diesen Vorhaltungen steckt mancherlei. Da ist zunächst immer noch eine kleine Spitze gegen den Mann. Die Männer, ja, die sind immer losmarschiert am 1. Mai zur Demonstration, sind sehr stolz darauf gewesen, daß sie den Lohnausfall und die Maßregelung riskierten. Aber auf wessen Schulter ruht denn alles, wenn es dann schlecht aus- g i n g? Die Frau blieb zu Hause, sie hatte keine Zeit, zu marschieren und zu singen, sie mußte inzwischen Esten kochen und, wie jeden Tag, auf die Kinder aufpassen. Aber sie konnte nachher sehen, wie sie mit dem niedrigen Wochenlohn, ein Tag Lohnausfall, auskam! Und wenn enW Maßregelung kam— wer trampelte Nähmaschine bis in die Nacht, wer ging zu den andern Leuten waschen? Immer die Frau. Und die Männer waren die Maikämpfer' O, die Frauen willen, wie notwendig die Maidemonstration ist. Sie lieben ja den ersten Mai. Sie haben ihn nur zu lange etwas unglücklich geliebt— sehnsüchtig vom Küchenfenster aus. Und das ist nun nichts weiter als ein ganz Kleines: Na, seht ihr? Ihr habt auch noch nicht gesiegt. Eure Kraft hat noch nicht genügt. Tut nicht so stolz, sammelt euch lieber, überlegt—; und fordert uns auf, mitzukommen am ersten Mai, dann ist euer Zug nochmal so lang! Soll man sie denn immer erst bitten! Wissen sie denn nicht von alleine, was sie zu tun haben! werden die Männer dazu sagen. Aber wer hat denn immer verlangt, daß zu Hause alles wie am Schnürchen geht, auch am Feierabend, auch am Sonntag? Wer hat denn immer wieder einmal darauf gepocht, und wenn er es sich auch anders vorgenommen hatte, daß er das Kostgeld nach Hause bringt und zu bestimmen hat? Die Männer haben es manchmal nicht verdient, daß die Frauen doch ihre guten, ihre besten Genossinnen sind— im Hintergrund. Die Frauen haben trotzdem eingesehen, gelernt, und nutt ganz fest im Bewußtsein: Organisation ist wichtig, Klaflenkampf ist wichtig, der einzelne wird nichts, und wenn er noch so spart und arbeitet, das gesamte Proletariat muß sich durchsetzen. Dabei ist die Frau durchaus nicht weniger begcisterungsfähig, nicht weniger mitzureißen als der Mann. Die Männer wissen das sonst auch— wenn sie sehen, wie die Frauen heute sogar wieder zu den Nazis rennen. Nicht die Arbeiisfrauen, aber die jungen Dinger und die Mittelständlerinnen. Ach nein, die Arbeitersrauen nicht. Es stellt sich bei den Wahlen immer mehr heraus, daß die Frauen, selbst im Ganzen gerechnet, besser wählen als die Männer. Sie lehnen den Fascismus ab— bis auf die jungen Dinger, die noch gar nicht wählen dürfen. Hier merkt man eine ganz ungeheuere Schulung! Die Schulung durch Krieg und Not, durch den täglichen Kleinkrieg, und wenn er nur in der Küche mit dem Wochenlohn geführt wird. Aber es niüßle doch etwas mehr Freude in ihrem Leben sein, etwas mehr Belohnung für diesen schweren Kampf! Wir willen, daß der Sieg mit einer Demonstration nicht zu erringen ist, und im Moment ist die Lage schwer, die Unvernunft ist aufgerüttelt und schreit an allen Ecken und Enden. Aber die Frauen müsten öfter neue Kraft von draußen bekommen, von den Genossen, von der Masse der Genossen. Sie haben so selten jemanden, der ihnen neuen Mut macht und werden allmählich ganz ausgebrannt. Der erste Mai, das ist doch die groß« Heerschau: so stark sind wir, sieh, in jedem Haus, in jeder Küche steht deinesgleichen. Du bist nicht allein, du brauchst nicht zu verzweifeln und zu denken, es habe keinen Zweck. Sieh, hier stehen die Genossinnen, unterhalte dich mit ihnen, sie denken wie du. Und sieh den langen Zug der Fahnen, jetzt erklingt die Internationale! Die Reihen der Frauen in den Demonstrationszügen wachsen Von Jahr zu Jahr. Ader immer noch hört man von vielen, kennt man viele, die denken, sie müßten zu Hause bleiben, die die alte, bescheidene Rolle der Frau, Kleinarbeiterin zu sein und kein Recht an der Freude zu haben, weiter ausfüllen. Weg mit der Bescheidenheit! Damit ist niemandem gedient. Selbst dem eigenen Mann, den eigenen Kindern auf die Dauer nicht, wenn sie ihr Esten auch diesmal pünktlich bekommen! Sie brauchen eine Genossin, die auf der ganzen Linie mitgeht und mitkämpft. Das Dritte Reich braucht Dienerinnen, der Sozialismus kennt nur Gleichberechtigte! Dieser erste Mai sei ein erster Mai, an dem Mann und Frau demonstrieren! Mitmar- schiert, Frauen, zeigt eure Stärke und sammelt neuen Kampfesmut! Geile 4 Samstag, 80. April 1088. 5h. 1Q8. Dos neue Preßgesetz. vor Dr. Egon Schwell», Am Donnerstag hat die Regierung dem Abgeottmetenhaus den Enwurf des neuen Preß- gefetzeS vorgelegt. Gemeinsam mit dem bereits im VersassungsauSschufse des Abgeordnetenhauses zur Verhandlung stehenden Gesetz zum Schutz der Ehre soll dieser Entwurf eine grundlegende Reform des gesamte« Presserechts mit sich bringen. Ich habe an dieser Stelle in einer im Sommer des Jahres 1930 veröffentlichten Artikelserie, den Entwurf einer ausführlichen Besprechung unterzogen, als er noch vor dem interministeriellen Verfahren vom Justizministerium der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden war. Ich habe damals den Preßgesetzentwurf des Justizministeriums, ebenso wie den vom Justizmimsterium ausgearbeiteten Entwurf des Gesetzes zum Schutz der Ehre, als ein Werk dargestellt, welches gewiß nicht unser Ideal verwirklicht und der Verbesserung in vielen Punkten bedarf, im Großen und Ganzen jedoch einen eminenten und begrüßenswerten Fortschritt darstellt. Im interministeriellen Verfahren ist der ursprüngliche Meißnersche Entwurf leider in vielen Punkten wesentlich verschlechtert worden. Auch in seiner heutigen Gestalt können wir nicht leugne», daß der Entwurf einen Fortschritt gegenüber dem heute geltenden Recht darstellt, aber dies besagt nicht viel gegenüber einer Preßrechtsordnung, die eine Kolportage nicht gestattet, ein Recht auf Plakatierung nicht zuerkennt, Konfiskationen ganz unbeschränkt zuläßt, jedes scharfe Wort mit einer PreUlage gefährdet und die behördliche Einstellung von Druckschriften kennt. Die Regierungsvorlage belaßt eö in ihrem 8 10 bei den bisherigen Vorschriften der Gewerbeordnung über die Verbreitung und Erzeugung von Druckschriften. Es wird also auch nach dem neuen Gesetz die Gewerbe konzessiv« für den Betrieb einer Druckerei notwendig sein. 8 13 der Vorlage gestattet im wesentliche« unbeschränkt die Kolportage von Zeitschriften und Broschüren. Dies ist gewiß ein Fortschritt gegen- über dem geltenden Recht, welches bekanntlich die ^Kolportage verbietet und cs sohin immer«och ! den Behörden möglich macht, die Kolportage mißliebiger Zeitschriften zu verbiete«, während ste diejenige anderer erlaubt. Der Entwurf des Justizministeriums hatte die Plakatterungsfreihett vorgesehen. Auch derRe- gierungSentwurf erklärt, daß Druckschrift« auch r leiden, wie ein berufener Mediziner ausdrücklich festgcstellt hat*). Besser geschützt gegen die Folgen des Verlustes der teilweisen oder gänzlichen Arbeitskraft sind seit dem Jahre 1887, seit der Einführnng der Unfallversicherung, die Arbeiter, welche inr Betrieb von einem Unfall betroffen werden. Während der Arbeiter^ der einen Unfall erleidet, eine entsprechende Rente zugesprochen erhält, ist der Arbeiter, der durch seinen Beruf an einer Berufskrankheit leidet, die er sein ganzes Leben lang nicht los wird, viel schlechter daran. Wenn Z. B. der Heizer Tag für Tag Kohlengase ein- atmet und infolgedcsien chronisch erkrankt, ist das eine Erkrankung, die in ihren Folgen einem Unfall glcichzusehen ist. Schon 1905 wurde auf denr siebenten internationalen Kongreß für Arbeitervcrfichcrnng darauf hingewiesen, daß cs sich bei den Bernfskrankheiten gewissermaßen um eine Reihe kleiner, aber stetig wiedcrkchrrndcr Unfälle handelt, die zivar keine Unfälle iin Sinne des Uitfallversicherungegesetzcü sind, die aber die Arbeitskraft genau so beeinträchtigen wie ein Unfall. Wenn einem Arbeiter zwei Finger in die Maschine gekonnnen sind und ihm die Finger abgenommen werden müssen, ist es ein Unfall und der Arbeiter bekommt eine Unfollrente. Wenn aber bei mehrjähriger Beschäftigung mit Fellen der Arbeiter den Milzbrand bekommt, wodurch seine Arbeitskraft noch vielmehr beein- *) Prof. Dr. Julius Loewtz in der„Sorialoi Revue", Zahrg. 1931, S. 17V. trächtig! ist, wird es nach dem bisherigen Rechte nicht als Unfall behandelt und der Arbeiter bekommt auch keine Rente. Die Entwicklung der Technik in den letzten Jahren hat dieses Unrecht noch krasser gemacht, als es bisher in Erscheinung getreten ist. Die Rationalisierung, die Erhöhung des Arbeitstempos, die größere Arbeitsintensität, der stärkere Verkehr von Hirn, Nerv und Muskel steigern die Gefahren und die Häufigkeit der Berufskrankheiten. Das hat die internationale Arbeitskonferenz, angeregt vom internationalen Arbeitsamt, am 10. Jänner 1925 zu dem Beschluß veranlaßt, die Gesetzgebung der einzelüen Staaten möge Berufskranweiten und Unfälle gleichstellen, d. h. die von der Berufskrankheit Ergriffenen und dadurch teilweise oder gänzlich arbeitsunfähig Gewordenen sollen ebenso eine Rente erhalten, wie diejenigen, die einen Betriebsunfall im Sinne der bisherigen Gesetzgebung erlitten haben. Einige Staaten sind bereits dieser Forderung des internationalen Arbeitsamtes nachgekommen und die Tschechoslowakische Republik vollzieht nun diesen Fortschritt, der dank der Tätigkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten und der Initiative des sozialdemokratischen Fürsorgeministers nun verwirklicht werden wird. Bei dieser Gelegenheit sei auch anerkannt, daß sich an unserer deutschen Universität in Prag ein Professor gefunden hat, der seit Jahren in Wort und Schrift für ein solches Gesetz eingetreten ist und als Vertreter der Tschechoslowakei auf internationalen Tagungen im Sinne des sozialpolitischen.Fortschrittes gewirkt hat. Wie bei jeder sozialpolitischen Errungenschaft wird auch hier die politische Macht der Arbeiterklasse für die strenge Durchführung des Gesetzes eingesetzt werden und die Arbeiter werden nach dem Inkrafttreten des Entwurfes darüber wachen müssen, daß ihnen all« Vorteile der neuen Einrichtung zugutekommen. Hier erwächst den Gewerkschaften eine Aufgabe, die sie ebenso erfüllen werden, wie sie über die Einhaltung der bereits bestehenden sozialpolitischen Gesetze wqchen. Aber auch der medizinischen Wissenschaft bietet sich hier ein weites Feld der Mitarbeit an der Erhaltung und Förderung der Volksgesundheit und man muß die Forderung nach der speziellen Ausbildung unserer Aerzte in dem Fache der Berufskrankheiten und di« Schaffung von Kliniken für Gewerbehhgiene und Berufskrankheiten an den Universitäten der Tschechoslowakei verlangen. Die Volksgesundheit ist eines der kostbarsten Güter der Staaten und deswegen muß man dieses Gesetz^ begrüßen, ivelches den gesundheitsschädlichen Wirkungen der Arbeit in gewissen Berufen dadurch entgegentritt, daß die Möglichkeit geschaffen wird, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und der Arbeiter ourch Bezug einer Rente in den Stand gesetzt wird, einen Beruf zu ver la sse n, de r i h n da uer n- dcm Siechtum und sicherem Tode entgegenführt. E. St. Der ßlendß Nazibetrug mit dem 1. Mai. In der Tschechoslowakei leiern sie ihn! in Braunschweig verbieten sie ihn! in Berlin kündigt Göbbels die Abwürgung der nallelem im„Dritten Reich“ an! Unsere Nazis feiern den 1. Mai sozusagen als„Arbeiterpartei. Sie ziehen mit Kornblumen herum urid demonstrieren angeblich für ihren mit Respekt zu sogen—„nationalen Sozialismus". Es wird sicher jene Arbeiter, die von unseren Hakenkreuzlern zur Beteiligung an ihren Maifeiern an gefordert werden, interessieren, wie di« Maifeier im Dritten Reich ansschauen wird. In inigenden Staaten wurde heuer die naiieier verboten: In B r a u n s ch w e i g, wo der Razimin!-- ster Klagges regiert, i« U» g a r.n, in Italien, in der Türkei und in Japan. Aus dieser Aufzählung ist ersichtlich, auf welche Stufe der Rechtlosigkeit die Nazis die Arbeiterschaft herabdrücken wollen. Italienische, ungarische, türkische Verhältnisse ertvarten das Proletariat im Dritten Reich. Der Berliner„Angriff", das Blatt des Heren Göbbels, schrieb dieser Tage unter dem bezeichnenden Titel:, „Die letzten roten Maifeiern" folgendes: „Warum wollen eigentlich di« Sozialdemokraten und Kommunisten noch einmal Mai feiern? In Braunschweig— von ihnen „Klaggeftan" genannt— feiern ihr« Genossrn bereits dieses mal nicht mehr." Tas ist zivar keine crnstzunehmende Drohung, denn die Sozialdemokratie feiert den Maifeiertag nicht von Gnaden des Herrn Göbbels, sondern ein wertvolles Eingeständnis. Im Nazistaat wird der Arbeiter keine Gesin- In der taisOshen Hexenkiite. Die SA wird finanziert. Für die aufgelöste SA(das sind di« Sturni- Avteiluugeu Hitlers) haben sich feudale Freund« gefunden, die sich um ihr« Finanzierung bemühen. Frau Viktoria von Dirks«» in Berlin schwingt für sie den Bettelfack. Sie hat Herrn Göbbels in ihren Salon gezogen und hat Fran Goebbels der Exkronprinzesstn Cäcilie vorgestellt und nun hoffen die feudalen Herrschaften all«, daß demnächst in Preußen wieder das hilhelminischr System aus Ruder kommen werde. Dafür kann man schon einmal betteln gehen. Also schreibt Frau von Dirksen: „Excellenz Frau Viktoria von Dirksen, Mitglied der Kakser-Wilhelm-Gesellschafi, bittet um «ine Gab« zwecks Unterstützung der Wohltätig. keitSeinrichtumgen der aufgelösten SA- und SS- Verbände wie Küchen, Lazarett«, Unterkunftsräume für Erwerbslos«, HauSpflcg«... Quittungen gehen direkt durch das PS-Hilfswerk zu." Ta ist di« Finanzierung einer aufgelösten Organisation geschickt als WohlsahrtSfürsorg« getarnt. T«r Kundige aber schaut hinter die Kulissen! Welche Ehre für di« SA-Mitglieder, daß Exzellenz Viktoria von Dirksen mit guten Beziehungen zum Exkroprin- zeu sich um sich bemüht! Man w«iß, daß mehr als die Hälft« der SÄ-Mitglieder aus Brot-Front rekrutiert worden ist. Welches Glück für ehemalige Rot-Front-Kämpfer, aus der Umgebung von Friedrich Wilhelm und Eäeili« milde Gaben entgegennehmen zu dürfen! Hu«vc. AtS am Abend deS 10. April di« Wahlresultar« erkennen ließen, daß Massen von kommunistischen Wohlern zu Hitler übergelausen waren, rief der nungsfreiheit inchr haben. Er würbe wahrscheinlich nur zu Ehren der Nazi-Bonzen anfmarschie- r«n hülfen, der einzige Marsch, der denr klassen- bcwußten Arbeiter außerdem erlaubt wäre, wäre der in den Kerker und auf den Galgen. Die Tateri des Herrn Klaggcs, di« frechen Ankündigungen des Herr»! Göbbels passen wunderbar zu der Märkyrerrolle, die sich die Haken- kreuzlcr iu der Tschechoslowakei zugelegt haben. Hier schreien sw Zeter nnd Mordw, wenn ihnen Herr Släwik Versammlungen verbietet. Herr Krebs steigt dann in die parlamentarische Arena als kecker Streiter für Demokratie und Bersammlungssreiheit. In Braunschweig aber,' wo die Nazis an der Macht sind, verweigern sie den Arbeitern das Recht auf Maifeiern, welches sie sich vor Iahr- jehuten gegen den fürstlichen Absolutismus er- stritten haben. Berufene Hüter der Demokratie, eine feine Arbeiterpartei!; Daher muß jeder Arbeiter wissen: Die Hakenkveuzler demonstrieren am Sonntag hier- znlande nicht für, sondern gegen d.en 1. Mai! Ihr Ziel ist nicht die Befreiung der Arbeit aus den Fesseln der Ausbeutung, sondern die Versklavung des Proletariats wie in Ungarn und Italien. Jeder Arbeiter, der an der nazio- tischcu Schädling des Maifeeertages teilnimint, steht in eitler Reihe mit fascistischen Arbeiter- | in ordern und Freiheitsgegnern. Er spuckt sich selbst ins Angesicht! Redakteur Winter des Leipziger kommunistischen Organs im Leipziger Städtischen Wahlamt öffentlich aus:„Verdammt noch mal, wir habendi« Hunde nicht halten können, jetzt sind sie zu Hitler übergelaufen." Das ist nicht nur das offen« GüständnniS des Ueberlaufens, eS zeigt sogleich, wie kommunistische Funktionäre über ihr« eigenen Parteigenossen denken! Kann man sich vorstellen, daß«in Reichsbanmersührer sein« Kam«, raden als Hund« ansehen und bezeichnen würde? Man kann sich das nicht einmal von einem Stahlhelmführer vorstellen! Di« Hundegesinnung ist und bleibt eben einmal das Monopol von Rot- Front und von Hitlers SA, di« ja eng miteinander verwandt find! Mussolini schosst Arbeit. Mussolini hat ein Vorbild für dir Arbeitsbeschaffung im Dritten Reich gegeben. Er hat 18.000 Arbeiter zur Austrocknung der Pontinischen Sümpfe kommandiert. Dies« Arbeiter erhalten einen Tagelohn von drei Mark. Dafür müssen fi« schwerste Arbeit unter den ungesundesten Bedingungen verrichten. Sie sind schutzlos den Malaria- Mücken ausgesetzt und keiner von ihnen entgeht der Malaria. Für drei Mark im Tag sich schwere Krankheit für die Dauer feines Lebens znzuzirhen— das ist wirklich«in Vorbild für das Tritte Reich! * Tas Henkerbeil. Der Erzbischof vonMünster erhielt von einem Nationalsozialisten«inen Karton zugesandt, der folgendes enthielt: Erstens ein geschliffenes Beil mit Auf- schlifien in roter und schwarzer Färb:„Heil Hitler, das Dritte Reich naht, Gegen Pfaffen und Rom, Eure Köpfe werden rollen". Zweitens ein mit dem Seite 3 Hakenkreuz bemaltes Begleit irbr-ik-,, anliegende Mordinktrumeiu bitt« weiter lenden an Ihren marxistisch^ Kollegen Faulhaber für sein« AbrSstu»««- prÄigt. Wir D«utsch« wollen keine Abrüstung w?r wollen Aufrüstung. Deutschland erwache, Brünina verkrache, Faulhaber, das machst Du aUck-n ♦«!? Faulhaber, Dein Maß ist nun voll, Faulhaber' f rollen soll. Bon Weihrauch und Notverordnungen wird niemand.satt" E« würde sich vielleicht empfehlen, bei künftigen Koalitionsverhandlungen zwischen-len- trum und Nationalsozialisten in Preußen dies ac- ichliffcue, dem Kardinal Faulhaber zugedachtc Hen- kcrbeil auf den Verhandlungstisch nie- derzulegen. Dies Beil sollt« das Zentrum daran erinnern, daß das Henkerbeil Musiolinis auch auf die swpulari, die Katholisch« Partei Italiens niedcrgefallen ist! Unter Hinweis auf angeblich« Verhandlun gcn in Deutschland, die zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten zwecks Herstellung der„proletarischen Einheitsfront" stattfinden sollen, versuchen auch hierzulande die Moskowiter Stimmung zu machen für dieses— Schlaa- wort. Um mehr handelt es sich nämlich nicht, lind dahinter versteckt sich das schon längst bekannte Manöver der Kommunisten, die Einheitsfront in ihrem Sinne zu mißbrauche«. In Deutsch« land predigen die Kommunisten jetzt die„Ein- heitsfront" sotvohl auf wirtschaftlichem wie politischen Gebiete. Was das gewerkschaftliche Gebiet anbelangt, konstatiert der Berliner„Vorwärts", daß die ganze kommunistische Einigungsaktion nichts weiter ist als ein krampfhafter Versuch, die freigewerkschaftlich organisierte Arb.eiter- schalt ihren Organisationen abtrünnig zu machen durch Herunterreißung der Führer. Der Versuch werde vergeblich sein. Bei einem einfachen Vergleich zwischen Gewerkschaften und RGO. ergebe sich der Splittercharakter der RGO., ihre Ueberflüssigkeit, Nichtsnutzig, k e i t und Schädlichkeit für die Arbeiterbewegung. Was das politische Problem anbclangt, io wehrt sich der„Vorwärts" gegen kommunistische Angriffe, die sehr schlecht zur„Einheitsfrontparole" passen. Das Blatt schreibt u. a.: „Erklärt die Sozialdemokratie— das gilt nicht nur für Preußen—, in einer Regierung bleiben zu wollen, so beschimpft uns die gesamte kommunistische Presse, weil wir angeblich„an den Ministersesseln kleben" und nur unr die„fetten Posten" kämpften. Glauben die Kominunisten dagegen, daß die Sozialdenlokratie in die Opposition gehen wolle, so werden wir beschimpft, iveil wir die Fasciste» an die Regierung„heranlassen" wollten. Die Kommunisten scheinen zu den Leuten zu gehören, denen man es auf keine Weise recht machen kann." Der„Vorwärts" stellt fest, daß die Entscheidung, ob in Preußen die Fascisten an die Regierung kommen, an den Kommunisten liegt. Sie sollten doch sagen, was sie zu tun gedenken, nachdem sie vier Jahre lang(siehe Volksentscheid) die Hcranlassung der Fascisten zur Regierung gefördert hatten. MlMerrat. Budgctsparmaßnahmen verlängert. Prag, 29. April.(Amtlich. In der heutigen Sitzung des Mnisterrates wurde der Entwurf einer Regierungsverordnung über die Zollzu- schläge auf einige Grtreidearten, Mehl und Mühlenprovukte angenommen, ebenso die Durchführungsverordnung zur Umsatzsteuer. Das bisherige Verzeichnis der LuxuSgegcnständ« wird ab 1. Mai teilweise abgeändert. Die Vorschriften, durch welche di« Disposition mit den Kreditposten im heurigen Staatsbudget aus Ersparungsgründen zeitweilig eingeschränkt wurde, wurden für alle Zweige der Staatsverwaltung vorläufig wieder verlängert. Beraten wurden ferner aktuelle handelspvli- tische Angelegenheiten, insbesondere die Durchführung des handelspolitischen Abkommens mit der Türkei, die Regelung des A u 8 t a u s ch v e r- kehreS mit Ungarn bei der gegenseitigen Gerste- und Weizeneinfuhr sowie die Erlelch- terung des Devisenverkehrs im Interesse der Ausfuhr von Kohle und Koks. Weiters wurden Berichte aus den besonderen Ministerkmnitees über den Fortgang der Beratungen nnd Arbeiten betreffend die einzelnen dringlichen Vorlagen wirtschaftlichen,und sinan- zicllen Charakters vorgetragen. Seite 6 TamStag, 30. April 1982. 9tr. 103. T agesneuigkeiten VBnsnHl IRHIilllllllMlli Illi HW! IL OMMMMB 100.000 Krone« aus der Stations- tasia geraubt. Der Kassier schwer verwundet. Olm»tz, 29. April. Heute um 8 Uhr überfielen unbekannte Räuber die Stationskafsa in T s ch c ch i s ch- T e s ch e n. Den Stationskassier La misch betäubten sie mit Aether und verletzten ihn sodann schwer. Aus der Stationskassa raubten sie den Betrag von 900.000 Kronen, der für die Monatsgagen vorbereitet war,»nd flüchteten ohne Hinterlassung von Spuren. Die Gendarmerie wurde sofort von den» Neberfall verständigt und die Nachforschungen wurden eingeleitet. Der verletzte Kassier ist im Lauf« des Bormittags im Krankenhaus aus feiner Betäubung erwacht. Raubüberfall aus einen Postsekreliir. Berlin, 29. April. In Ae p e r n i ck bei Bernau wurde heute ein dreister Raubüberfall auf den 38jährigen Poftsetretär Schweiber verübt, bei dem den beiden Tätern, die unerkannt entkommen konnten, die Geldtasche Schweibers mit etwa! 30U0 Mark R e n t e u g e ld e r» in die Hände fiel. Ersreuliche Wirkung! Wie die„N e p s z a v a" mitteilt, hat der ungarische Parteivorstand beschlossen,, vom 1. Mai an den Preis des Blattes auf di« Hälft« herabzusktzen. Tie Werbeaktion für die „Ncpszava", die durch das Verbot nur gefördert worden war, war in Stadt und Land von einen, so großen Erfolg gekrönt, daß die Verbilligung des Blattes möglich wurde. tzin Abenteurer--er Kultige Führer-er kommunistischen Partei Deutschlands. In Deutschland wird es in den nächsten Tagen zu einer Veränderung in der Führung der kommunistischen Partei kommen, da Moskau infolge der Wahlniederlage der kommunistischen Partei bei der Reichspräfidentenwahl und bei den Preußischen Wahlen mit Thälmann unzufrieden geworden ist. Als künftiger Führer der K. P. D. wird das Reichstagsmitglied Hans Reumann genannt, ein Abenteurer in der Politik. Neumann stammt aus einer vermögenden-Familie, sein Bater ist eine bekannte Gestalt an der Berliner Getreidebörse. Neumann hat sich schon als ganz junger Mensch an den Kämpfen während des Kapputsches im mitteldeutschen Aufstand und bei der Besetzung des Ruhrgebietes bcrvorgetan. In Moskau hat er das Vertrauen Stalins gewonnen. In nationalsozialistischen Versammlungen hat er sich stets bemüht, die ärgsten Nationalisten noch zu übertrumpfen. So hat er in einer großen Versammlung, wo er wegen Goebbels aufgetreten ist, den Nationalsozialisten Mangel an Nationalismus vorgcioor- fen und ist für den Vergeltungskrieg gegen Frankreich eingetreten, zu dem Moskau angeblich die Rote Armee zur Verfügung stellen wird. Seinerzeit wurde er auch nach China geschick», uni die Kuomintang wieder für die Kommunisten zu gewinnen. Als ifrm dies nicht gelang, rief er in Kanton einen Aufstand hervor, der mit der Nicdermetzelnng von 3000 Chinesen endete. Deswegen führt er den Spitznamen „Fleischhauer von Kanton". Tie kommunistische Partei Deutschlands bekommt also einen würdigen Führer. Ziehung-er Maffenlotterle 50.000 K: 90.991. 10.000 K; 51.927, 72.935. 5000 K: 1188, 0508, 11.891, 20.656, 33-535, 0-1.737, 84.799, 40.742, 45.778, 50.729, 53.749, 54.804, »58.833, 75.597, 77.343, 79.374, 82.110, 91.491, 91.865, 100.961. 2000 K: 470, 1152, 2243, 3711. 5282, 5824. 7519, 10.369, 11.441, 11.763, 11.832, 15.765, 15.923, 18.383, 22.027, 23.862, 23.973, 24.186, 25.664, 25.818, 26.847, 27.488, 27 937, 28-234, 30.070, 32.260, 33.849, 34.273, 36.132, 37.236, 42.125, 43.577, 45.049, 45.868, 47.305, 48.574, 50.127, 50.739, 52.605, 55.899, 56.552, 56-793, 59 481, 59.929, 61.823,' 68.248, 64.458, 65.10»« 65-640, 66.046, 68.685, 70.198, 70.574, 71.140, 71.402, 72.642, 76.648, 77.242, 82.1,40, 85.326, 88.391, 88.963, 89.036, 89.730, 90-277, 91.014, 91.183, 93.013, 93.415, 93.412, 93.879, 91.825, 95-318, ,96.883, 97.370, 100.331, 100.886, 102.586, 103.100, 104.528. Sorgen der Bezirksbehörden! In der Gc- nieinde S ch l a g g c n w e r t h bestanden an drei Punkten der öffentlichen Straßen und Wege den Wagenverkehr regelnde Warnung«- und Verbotstafeln nur in deutscher Sprache. Tie vorgesetzte Behörde hat mit dem Bescheide vom 15. Mär; 1932 auf Grund des 8 37 der Regierungsverordnung Slg. Nr. 8/1928 über das Berwaltungsvcrsahre» unter Bezugnahme auf eine angebliche Verletzung des Artikels 81 der Sprachenvcrordnung durch diese„O rientierungs- eufscbriften"- die Beschlagnahme dieser Tafeln angeorduct, vdne daß die Gemeinde vorher zur Entfernung dieser Tafeln aufgcfordert worden wäre. Der Beschtagnahniebescheid wurde der Stadrgemcinde durch die Gcndarnierie an» 14. April 1982, und zwar um halb 1.1 Uhr ausgehändigt und um halb 3 Uhr nachmittag« fragte die Gendarmerie bereits an, ob der Erlaß schon durchgeführt sei, da sonst die Entfernung auf »losten der Gemeinde veranlaßt werden würde. vombensttentst in Schanghai. Hohe japanische Funktionäre bei einer Truppenparade schwer verletzt. Schanghai, 29. April. Während einer großen Parade japanischer Truppen im Hong- krw-Park schleuderte ein Koreaner eine Bomb« gegen den mittlere« Teil der großen Tribüne, auf der ein« Anzahl hervorragender japanischer Persönlichkeiten versammelt war. Der japanische Gesandte in China Schigemits«, wurde durch die Explosion lebensgefährlich verwundet. General Uh«da, der anfangs die mllitärischen Operationen in Schanghai geleitet hatte,«nd General Schirakawa, der im Feder bei der Entsendung japanischer Verstärkungen an feiner Stell« zum Oberdef«hlshaber ernannt wurde, sind schwer verwundet worden. Auch der japanisch« Generalkonsul ist schwer verletzt. Admiral Romnra wurde am Kopf verwundet. Die japanischen Truppen riegelten nach dem Attentat den Park ab und untersuchten di« Tansrnd« von Zuschauern nach Waffen. Schließlich wurde ein 25jähriger Koreaner fest genommen, vou dem man glaubt, daß er de» Anschlag veriibt hat. Außerdem wurden noch sieben Chinesen verhaftet. Di« Truppen hatten Mühe, di« Meng« zu hindern, den Attentäter zu lynche«. Furchtbare Einzelheiten. Das Attentat wurde gelegentlich der Militärparade von 10.000 japamschen Soldaten anläßlich des Geburtstages des Kaisers von Japan verübt. Rund um die für die hohen Offiziere reservierten Tribüne waren einige hundert japanische Studenten versammelt. Alle Zuschauer, die sich auf der Tribüne befanden, wurden bei der Explosion der Bombe zu Boden geworfen. Der Täter des Attentats ist der Koreaner Iinhokicu. Er ist 25 Jahre alt. Der Korrespondent des Reuter-Bureaus, welcher bei der heutigen Parade nicht weit von den japanischen Militärwürdenträgern stand und selbst nur durch«in Wrmder einer Verletzung bei dem Attentat entgangen ist, teilt noch' fol^nde Einzelheiten mit: Bei der Explosion der Boinbe wurde der Gefaniüe Schigemitsu hoch in die Luft geschleudert und fiel dann blutüberströmt und stöhnend zu Boden. Das Gesicht des Generalkonsuls Muraj war eine zur Unkenntlichkeit entstellte blutige Mass«. Auch General U j e d a wurde im Gesichte verletzt,, u. zw. an der Wange, welche ihm fast abgerissen wurde. Außerdem wurde er am Auge verletzt. Der Gesandte Schigemitsu ist dem sicheren Tode nur um ein Haar entgangen. Die Soldaten des japanischen Sanitätsdienstes bahnten sich den Weg zur Tribüne durch die Menge der mindestens 20.000 Zuschauer und zerrissen nut bewunderungswürdiger Kaltblütigkeit und Ruhe die Uniformen der verletzten Wür- I de»träger, um ihre Wunden verbinde» zu können, denn es handelte sich vor allem darum, die volle Verblutung möglichst rasch zu verhüten. Dem j japanische»' Admiral Nomura wurde bei der Explosion der Bombe ein Auge ausgerissen. Die Aerzte des japanischen Krankenhauses | in Hongkew sprachen die ernste Besorgnis aus, ! daß dem Gesandten Schigemitsu ein Bein werde I ambutierr werden müssen. Es werden zumindest j vier Monate verstreichen, bevor Schigemitsu aus dem Krankenhause in häusliche Pflege wird ent- | lassen werden können. Es werden noch Zweifel gehegt, ob der hohe japanische, Beamte Kavabata, welcher bei der Bomdenexplosion gleichfalls verletzt wurde, werde am Leben erhalten werden. Erbitterung in Japan. I Tokio, 29. April(Reuter.) In der japanischen Hauptstadt und im ganz«« Lande herrscht« große Erregung und eine««gewöhnliche Erbitterung, al« die Meldungen über das Attentat in Schanghai eintrafen. Wie bekanntgegeben wird, wird die Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Japan und China, die ftir morgen erwartet wurde, nunmehr verschoben werden. Die Tat, die in Schanghai gerade zu einer I Zeit ausgeführt worden ist, wo man auf den Ab- i schlttß«ine« Waffenstillstandes hoffte, kann zu ' einer außerordentlichen Stärkung des militärische« Geistes in Japan führen. Man fürchtet, daß di« Rückwirkung auf di« japanische Bevölkerung sehr heftig sein wird. WWWWHIMmMWMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMV Dem Bescheid der Bezirksbehövde wurde»n/tür- lich die aufschiebende Wirkung abgesprochcn. Während also der Bescheid der Bczirksbchördc einen Monat brauchte, um zur Gemeinde zu.gelangen, muß die Gemeinde derartige übeMüfsigc und unberechtigte Anordnungen binnen wenigen Stunden durchführen. Unberechtigt ivar die Anordnung, weil es sich um keine Orientic- rungsaufschriften, sondern um Kundmachungen der Gemeinde handelte, welche in Schlackeuwerth nach den geltenden spvachenrechtlichen Vorschriften nicht auch in der Staatssprache abgcfaßt sein müffen und Weiler, wejl die Anwendung des 8 37 des Verwaltungsverfahrens in diesem Falle nicht am Platze war. Der Tadelzettel vertrieb ihn von daheim. Man berichtet uns aus Brüx: Der 14jährige Bürgevschüler Rudolf Beran aus Brüx erhielt von seinem Lehrer vor acht Togen einen sogenannten Tadelzettel ausgefolgt, den er daheim zur Unterschrift vorzulegcn gehabt hätte. Der Knabe, der offenbar Bestrafung fürchtete, gab diesen Zettel nicht ab, nahm am andern Tag wie sonst seine Schulsachen zu sich und trat den Weg' zur Schule an, ohne aber dort einzutreffen. Er ist seither verschollen. Die Mutter des Knabcns erstattete die AbgängiMitsanzeige bei der Polizei erst jetzt, weil dar Junge, wie sie angab, schon einige Male auf Tage zu Verwandten gegangen war, aber stets wieder zurückgekommen sei. Es erscheint indessen nicht ausgeschlossen, daß sich der Knabe ein Leid angetan hat. Staatsbeitrag für Elektrifizierung bis 1949 verlängert- Der Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses stimmte gestern der bereits vom Ver- kchrsausschuß vorgeschlagenen- Erhöhung des Staatsbeitrages zur Elektrifizierung des flachen Landes von jährlich 20 auf 25 Millionen zu und- beschloß eine weitergehende, Aenderung in der Richtung, daß dieser«taatsbeitrag nicht bis 1938, sondern bis zum Jahre 1940 laufen soll. Der Mehraufwand belauft sich auf 50 Millionen.— Der Ausschuß verabschiedete strner auch die Vorlage über die materielle Besserstellung der längerdienenden Unteroffiziere. Ansgehobrne Spielhölle. Aus L e i t m e r i tz wird uns berichtet: Die Leitmeritzer Polizei überwachte seit längerer Zeit ein Gastlakal deswegen, weil sie mutmaßte, daß dortselbst ein Spielhöllenbetrieb unterhalten werde. Diese Annahme hat sich als zutreffend erwiesen, denn als in einer der letztvergangenen Nächte die Polizeibeamten, in ein bestimmtes Zimmer des Gasthauses überräschend eindrangen, fanden sie dort eine Anzahl von Personen beim. Hasardspiel vor. In der Bank befanden sich, als die Beamten auf dem Schauplatz erschienen, eben 50.000 K, die beschlagnahmt wurden. Die Hasardeure wurden sichergestellt und werden sich wogen verbotenen Spiels vor Gericht zu verantworten haben. Es handelt sich bei den Spielern nm Geschäftsleute, Autobnsnnterneh- mer, Gastwirte usw. Tie Angelegenyeil bat in Leitmeritz großes Aussehen hervorgerufeu. Dem Tod im Schachte entgangen und dennoch den Tod gesucht. Aus Osscgg wird uns berichtet: Ungeklärt sind die'.Hintergründe, die den jungen Bergmann Anton Fleischer in Langowiese vev- anlaßt haben, in den Tod zu gehen. Fleischer war seit qpr Katastrophe auf dem.Kohinoor-Schacht in Bruch arbeitslos. Tem Tod in der Grube war er durch den Schichttvechscl entgangen/ Der Zunge Bergmann hat sich von zu Hause entfernt und auf dem Wolfsbcrge Selbstmord durch Erhängeu begangen. Ter Unglückliche hintevließ über die Motive seiner Tat keinerlei Aufzeichnungen. Er j wurde unter starker Beteiligung der Bevölkerung auf dem Ossegger Friedhöfe beerdigt. Der Steglitzer Mord an dem früheren Bau Pächter Frecck aus Charlvttenburg ist nunmehr aufgeklärt. Freeck, der in Lokalen verkehrte, die auch. von National sozia- l i st e n besticht wurden, war in den Verdacht gerate»!, kominunistischerSpitzel zu sein. | In der Nacht zum Sonntag glaubte»» die Beteiligten, hinreichende Beweise zu habe,», und stellten Freeck, der mehrere Fausthiebc ins Gesicht erhielt und übr den Zaun in den Garten geschleudert wurde. Täter sind ein kaufmännischer Angestellter, ein Akademiker und ei» S ch u» i e d. Alle drei such geständig. Pilotentod. Auf dem Flugplatz inSchIeiß- Hein»(Bayerns ereignete sich gestern ein tödlicher Unfall. Ter Flieger N o tz, der Tritte im Europa- rundflug 1930, stürzte bei dem Versuch, mit einem Heinrel-Flugzeug zu landen, infolge plötzlichen Äussctzens des Motors aus etwa 30 Bieter Höhe ab. Der Pilot wurde auf der Stelle getötet. Die Maschine wurde völlig zertrümmert. Ei« Kaufmann fälscht Wechsel— und di« Sekretärin ist schuld? Der Kaufmann Keller hat verschißene Kattowitzer Minken mst gefälschten Wechseln betrogen. Nach den ersten Untersuchungen.schätzte man die Summe der cr- schwindelten Betrage auf rund 460.000 Zloty, doch ist diese nuninehr weit überschritten. Keller Par auf freiem Fuß belassen worden, weil man hoffte, durch Unterhandlungen noch Geld retten zu können. Jetzt ist er aber seit zwei Tagen verschwunden. Seine Sekretärin wurde verhafet. Sie nahm alle Schuld auf sich und gestand, die Unterschriften aus den Wechseln gefälscht zu haben. Billige Pfingstfahrte» auf der Reichsbahn. Für Pfingsten verausgabt die Reichsbahn wieder Rückfahrkarten mit 33'/» Prozent Ermäßigung. Die Karten gelten vom 11. bis zum 23. Mai. Di« Vor- verkanfsfrist beträgt neun Tage. Vom Rtmdhmk Sonntag: Prag: 10.30 Dvodak-Gedenkfeier. 12.05 Konzen 15JO Konzert. 18.15 Deutsch« Sendung: So- ;iik Lyrik. 19.00 Konzert.— Brünn: 16.00 Militär« touzert. 18.15 Deutsch« Sendung:„Der Dorfbarbier", konrische Oper von Schenk.— Berlin: 11.00 Werkvolk in d«r Mufik. 12.00 J»mg« Lyrik. 1420 Arbeiterlieder. 20.00 Richard Strauß dirigiert.— Hamburg: 20.00 Tschaikowskij-Abend.— Königsberg: 20.45 Bunte Maienstunde.— Leipzig: 11.30 Bach- Kantate.— Mühlacker: 13.45 Chorgesänge. 17.30 Bandoniumkonzcrt. 22.05 Volksmusik.— Wien: 10.40 Sinfoniekonzerr. 15.05 Dokumente der Zeit. 15.30 Kammermusik. VeiWrni 1er iofierordentlite ArbeitsleseniinterstUtzun gen. Prag, 29. April. Der Minister für sozia c Fürsorge Hai im Einvernehmen mit den beteiligte» Ministern di« Gültigkeit der Kundmachung über dir außerordentlichen Arbeitslosenunter stützungen gemäß de» Art III des Ges. Slg. Rr. 74/1930«m weitere zwei Monate, d.i.biszni- 30. I« n i 1932, verlängert. Di« Knndmachung bezieht sich auf die Textil-, Glas«, Metall-, Lever-, Berg«, Solzverarbeitungs-, Buchdruckerei- und Krramindustrie. Vds ernstlich verletzt Gefahr des Stimmveriusies. Die von der Bande des Kölner Naziabgsvre neten. Leh dem Führer der Sozialdemokrat:: Deutschlands, Otw Wels, beigebrachten Verletzungen hoben sich nach den ärztlichen Untersuchungen als ernster herausgestellt, als am ersten Tage an- gerwmmen werden konnte. Wenn der Stimmknorpelbruch im Kehlkopf genäht werden soll, so ist das gleichbedeute»ch mit dem Verlust der Stimme. Es wird versucht, auf andereni Wege eine Heilung zu erreichen. Der Hals des Abgeordneten Wels liegt in Gips. Wels ist arbeitsunfähig und muß sich jedes Sprechens enthalte». Der Hauptattrntäter Fuchs hat nach Jiu- Jitsu-Methode, in der er vermutlich geschult ist, dem unter der Wucht der jähen Fanst- schläge zurücktaumelnden Otto Wels mit der scharfen Handkante blitzschnell einen schwere» Schlag gegen den Kehlkopf versetzt. Dieser Schlag hot die ernstliche und folgenschwere Verletzung des Führers herbeigeführt. Wem die„Internationale Arbcltcrhllle“ wirklich Mitt Ein« Familie bezieht aus den Einkünfte»» der I. A. H. jährlich 285.000 Kö. Die kommunistische„Internationale tstrbei- tcrhilfe"(deren tschcchosloloakischc Scktior» unlängst aufgelöst wurde) hat ihren Sitz in Berlin. Was für eine heillose Wirtschaft in der Zentrale herrschen muß, davon legt Zeugnis ab, daß nicht tvcmger als 80 Prozent der Einnahmen der internationalen Arbeiterhilfe für administrative Auslagen verwendet werden. Der größte Teil der Einnahinen dient dazu, einer Familie Lange den Lebensunterhalt zu verschaffen. Sechs Mitglieder der Farnilie ziehen aus der Internationalen Arbeiterhilfc Einnährneu in' der Höhe von 37,700 Mark, das sind 285.600 K6. Tie Mitglieder dieser Familie sind Sekretär Erich L an g e, der ein Monatseinkommen von 650 Mark, d. s. 5200 Ke hat, seine Braut Elisabeth R i e ck e, die als Kassierin»nonatlich 450 Mark, d. f. 3600 Ke bezieht. Langes Schwester Frredl'Sauerland, Sekretärin,»uit einem Monatsbezug von 375 Mark, d. s. 3000 Kc, ihr Mann Ki» rt S a u e r l a n d, der außer Diäten monatlich 900 Mark, d. s. 7200 Kö verdient(die beiden Ehegatten beziehe»» also von der Internationalen Arbeiterhilfc einen Monatsgehalt von 10.200 Kö). Eine zweite Schwester Langes, Elisabeth Lange, hat ein Monatseinkommen von 300 Mark, d. s. 2400 Kö und ihr Bräutigam Walter Friedrich hat ebenfalls ein Einkommen von 300 Mark, ist gleich 2400 Kö. Wen»» die„Internationale Arbeiterhilfc" sonst niemandem geholfen hat, der Familie Lange, die ein Jahreseinkommen von»»ehr als einer Viertelmillion Kö, genau von 285.600 KL hat, ist bestimmt geholfen worden. Ans der Arbeiter Turn und Sportbewegung. Die turnerische Tätigkeit des ATUS. In den Turnstunde»» der dem ATUS. ongc« schlossen«»» Vereine wurde im verflossenen Jahre folgender durchschnitrlicher Besuch für eine Turu- stunde registriert: männliche Jugend(15 bis 18 Jahre 1695, Männer über 18 Jahre 3287,»velb- liche Jugend 1282, Turnerinnen über 18 Jahren 1271. In den Kinderturnstunden wurden durchschnittlich pro Uebnngkstunde gezählt: Knaken 5899, Mädchen 6328. Der ATUS. besitzt mi» 31. Dezember 1932 folgende Turnwarte»nd Vorturner: Männerturnen 1066, Frauenturnen 526, Kinderturnen 1153. Beim Frauenturnen sind 341, beim Kinderturnen 284 Borturnerinnen tätig. Diese Ziffern beweisen, daß trotz der Entwicklung der Spiel- und Sportsparien in-en letzten Jah«n das Turnen im ATUS. noch «in« ganz beachtlich« Rolle spielt. Interessant ist die Fqtstellung, daß im Jahve 1931 die Turnabtei- lunge» 1881 Donderrmgen mit 29.098 Lellnehmeru durchführt««. Gewaltige Schulungsarbeit in den letzten Jahre«. Seit dem letzten Verbandstage(1928) wurdc'-' I abgesehen von den Kursen der Verein«, Bezirke und Kreise last eigenen Arbeitspläne»») vom Brr- band 139 Kurs« irnd 45 Prüfungen abgehalten 96 Kurst wurden fast zur Gänze und 43 teitwei c von» Verband finanzier:. In 108 Kursen wurden die Leiter vom Verband gestellt, in 28 stellten dir Bezirke die Leiter. Tellgawurmen an-iestn Kursen habe» insgesamt 4L19 Männer und 918 Frauen Dies« unefaffende Sch»ckungSarbeit muß sich günstis für dte wette« EnchM», de« ATUS. auswirken Rr. 103. Samstag, 30. April 1932. Seite 7 Em M-riff aus die Löhne non 18.000 Ban «deitern in Nord- und Lftböhmen. Die Unternehmer erkennen Wie wir bereits mitteilten, hat das Lohnschiedsgericht in Prag für das Baugewerbe in Nord- und Ostböhmen einen Schiedsspruch gefällt, durch den die Bauunternehmer verpflichtet werden, die im Vorjahre festgelegten Löhn« auch iw Jahre 1932 zu bezahlen. Das Gericht begründet diese Enstcheidung damit, daß weder hie wirtschaftlichen Verhältnisse noch di« Lebenshaltung gegenüber dem Vorjahre sich wesentlich ge- ändert haben und daher«ine weit««. Lohnsenkung nicht am Platze ist. Diese Entscheidung paßt den Bauunternehmern Nord- und OstböhmenS nicht. Sie halten in allen Gebieten Konferenzen ab und beschließen, daß sie diese« Schiedsspruch unter keinen Umständen anerkennen u«d denselben durch Revers«(Cinzeladmachungen) mit jedem ei«» zelsten Bauarbeiter zunichte machen werden. Durch solche Mahnahmen wollen die Herren praktisch den Schiedsspruch unmöglich machen und die Not der Bauarbeiterschaft zu ihrem Vorteile auSnützen. Die Aktion mit der Lohnabdingung durch Revers« hat schon in einigen Gebieten begonnen. ES handelt sich den Bauunternehmern nicht darum durch Lohnherabsetzung billiger zu bauen, sonder« um das Diktat durchzusetzen. Aus Wut über dieses Urteil, wo ihnen gerichtlich nachgewiesen wird, daß eine weiter« Lohnsenkung , nicht am Platze ist, üben sie ein« Art Erpreß sung auS und erklären: Den Schiedsspruch anerkennen wirnicht. Wer den Revers mit Kün- dig'ungsausschluß und Lohnabbau den Schiedsspruch nicht an. b i s z u 45 Heller pe r Stunde nicht unterschreibt, erhält keine Arbeit, oder falls er schon in Arbeit steht, wird er bei Nichtanerkennung dieses Reverses sofort entlassen. Diese Art von Erpressung ist eine Ungeheuerlichkeit und muß zu schweren Kämpfen führen.• Trotzdem ein Lohnschiedsfpruch, der von einem Gerichte auf Grund gesetzlicher Unterlagen gefällt wurde, um das Baugewerbe vor unnötigen Erschütterungen durch Wirtschaftskämpfe zu bewahren, pfeifen die Herren- Bauunternehmer auf das Gesetz und Gericht und machen, was sie wollen. Die Führung dieser Aktion obliegt dem Arbeitgeberbund für das nördliche Baugewerb« in Reichenberg. Die Bauunternehmer, denen, man öffent- liche und subventionierte Bauten" überträft, wünschen scheinbar ein zweites Brüx, wie wir dies bei den Bergarbeitern gesehen haben. Die Arbeiter sollen provoziert, di« Bauherrn sowie die Bauarbeiter und di« ganz« Bauwirtschaft um Millionen Kronen geschädigt werden. Diesen erpresierischen und provokatorischen Bestrebungen Einhalt z« gebieten, wird Aufgabe aller Behörden und Körperschaften sein, die mit dem Bauwesen zu tu« habe«. - Di« Bauarbeiter selbst müssen Besonnenheit üben, sich nicht provozieren lassen und sich nur nach den Weisungen ihrer Organisation, richten. DaS Verlangen der Schirdssprnchlöhn« ist Pflicht. Einzelverträge können nur höher«. Löhn« beinhalten..•'. Solange der Konflikt in Nord-.und. Ostböhmen nicht beigelegt ist, reise kein Bast^ arb«it«r in di«seS Gebiet. Stimson läßt nicht locker! Beratungen der Sroßmiichte werden ehestens fortgesetzt. Gens, 29. April.«Wolff.) Die deutsch«, englische- amerikanisch«, italienisch« nnd französisch« Delegation habe« heut« ein gemeinsame« Kommunique ansgegeben, in dem es heißt: In der Bill» des Bessina«, dem gegenwärtige« Wohnort de» amerikanischen Staatssekretärs Stimson, hat heute Nachmittag unter dem Vorsitz Ramsay Macdonalds«ine Besprechung zwischen den gegenwärtig in Gens wellenden Hauptdelrgicrtrn Deutschland», Amerikas, Großbritanniens, Frankreichs und Jia- lienS stattgefunden. Es herrschte Einverstand-1 nie darüber, daß esdringend erwünscht sei, daß di« mit der Aussicht auf gut« Ergebnisse zwischen de« Führern dieser Delegationen eingelriteten Unterredungen so bald wie mißlich wieder ausgenommen würden, nachdem sie dadurch unpermeidlicherweif« unterbrochen wurden, daß der französisch« Ministerpräsident Tardicn im Augenblick nicht nach Genf zurückkehren konnte. Es ist beabsichtigt, daß die Wiederausnahme der Unterredungen innerhalb der nächsten 14 Tage stättfindet. Der genau« Zeitpunkt wird dieser Tag« festgesetzt. Geschichten u II den 1. Mai. Am Pietrosul. 1918. Am Fuß des Pietrosul hatte sich unsere Gruppe eine Art Jagdhütte gebaut. Billa Malepartus. Waren alle« vernünftige Knaben. Der Oberjäger, Sohn eine« Altsozialisten, der 79 an der Tagung in Brüflcl teilgenommen hatte. Ein paar andere Familienväter, die vom Krieg die Nase schon mehr als voll hatten. Rur einer. Ein Forfteleve. Ein ganz vornehmes Ao«. Morgen« pfiff er:„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen", abeltd« die Kaisrrhynrne. Bis eines Tage« die Stiefelfpitze de« Oberjägers in den Teil von des Forfteleve» Rücken ausrutschte, wo höchst derselbe anfing, seinen anständigen Namen zu verlieren. Seitdem hatte er— per.Forstelcvc— erfreulich lichte Momente,. Dann kam der 1. Mai.- Wir. hattest beschlossen, ihn mit größter Feierlichkeit zu begehen. Kein Dienst, keine Such-Patrouille. Zwar, man mußte verdammt vorsichtig sein. Deshalb schickten wir den Forsteleven mit noch einem unsicheren Kantonisten nach Borsa in« Depot. Sir sollten Lebensmittel holen. Das dauerte gewöhnlich zwei bis drei Tage. Den ganzen Tag vorher wurde geschrubbt, gelvaschen, gekocht nnd gcschmurgelt. Oberjäger Heinrich bastelt« seit Stunden in einer Ecke an irgend etwas Geheimnisvollen. Kam man unversehens näher,„gaste" er sich aus seiner halblangen Pfeife ein. Und er raucht so'ne Marke, daß selbst der Mutigste und Neugierigste erschüttert den Rückzug autrat. Erst zum gemeinsamen Mittagessen— Lammbraten, Pudding nnd 50 türkische Zigaretten— rückte er mit seinem Geheimnis heraus. Eine Feldflasche. Mit Sand gefüllt.' Ein fein lackierter Stab darin. Und— eine rote Fahne! War das ein Freuen unter uns! Der eine saß ganz verklärt vor dein roten Stück Tuch. Schämte sich nicht der Träne, die in seinen Zottel bart kollerte. Wir andern standen in jäher Ergriffenheit. Es war nur ein rote« Stück Tuch, gewiß. Uns war cs viel, viel mehr.. Bedenkt doch, wenn es auch schon 1918 war, dennoch! Oberjäger Heinrich sprach ein paar Worte. Markig und ohne Phrase. Zukunftshoffen glomm in unserm Herzen auf. Wer hätte gedacht- daß schon der Herbst unserem Sehnen Erfüllung schenken würde. Nachher sangen wir. Die Internationale. Brüder zur Sonne, zur Freiheit. Damals kannten wir noch nicht einmal die Texte unserer Lieder auswendig. Wir hatten seit dem J. August 1911 keine Gelegenheit gehabt, sie je zu finge«.'‘ In der Campagne. Einer sagte auf einmal:„Heute ist der 1. Mai!" Erstaunt sahen wir den Mann an— wer von uns kümmerte sich uin die Tage und Monate, es war Krieg, und der Krieg ist ohne Zeit. Der Mann sprach tveitcr:„Am 1. Mai feiern die Arbeiter aller Länder das Fest der Arbeit, ihr Fest, das Fest der kommenden Zeit!" Stille. Nur das unaufhörlich« dumpfe Dröhnen des Trommelfeuers pochte an unsere Ohren. Und wieder sprach einer:„Kennt ihr den Wahlspruch des 1. Mai?— Proletarier aller Länder vereinigt euch!— Wann, wann, wann kommt der Tag, da wir die Waffen den Generalen um die Ohren hauen und die Kaiser und Könige mit nasien Fetzen davonjagen, wann, wann, wann?" Wir wandten uns nach dem um, der diesen Hochverrat im Trommelfeuer begangen hatte.-Es war unser Kompagnieführer, ein Leutnant der Reserve, der mit uns seit Jahren im Schützengraben lag. Wie ein Rausch kam es über uns, wir stürzten auf ihn zu, umarmten ihn, küßten' uns. Und auf einmal hob einer zu singen an, und zwei, drei fielen ein, aber jeder wußte, was die fremden Worte bedeuteten, der polnische Bauer wußte es, der tschechische Schlaffer, der niederösterreichische Fleischer, der Wiener Bäcker, der ungarische Lehrer, der steirische Beamte. Aus Soldaten waren wieder Menschen geworden. Alle sangen mit, mit unverständlichen Worten aller Sprachen. Aber die Melodie übertönte die trennenden Sprachen, die Melopie:„Allons enfants de la Patrie, les jours de la gloire sont arrivöe." Nie war die Marseillaise so gesunaen worden. Dann, erschüttert von der namenlos großen seelischen Erregung, hockten wir wieder stumm im Loch. Schwere Schritte polterten über die Treppe: „Alarm, Alarm! Gegenangriff! Heraus aus dem Unterstand!" Wir stürzten uns wieder in Die Hölle. Roch eistmal, einmal noch ant letzten T. Mai im Kriege... Im Spital. Wir hatten im Festungsspital Trient„vrr- dotenerweise" den 1. Mai gefeiert. So standen wir am nächsten Tage, sieben Mann hoch, ich als Oberjäger am rechten Flügel und link« der Metzger au« Linz, beim Rapport. Unser Abteilungs-Kommandant.war damals em Hauptmann aus Innsbruck» ein seelensguter Mensch, dem man es ansah, daß es ihm leid tat, uns bestrafen zu»Wissen, Ustd so erkundigte er! sich teilnahmsvoll, was wir denn eigentlich ge- t macht hätten. Als auserkorener Sprecher. pon uns sieben erklärte ich ihm:daun, daß-Iwir eine\ Maifeier gehabt hatten. Und als- er dann so per- t wundert sagte:„So eine Maifeier?" klärte ich j ihn dahin auf, daß cs doch m Tirol aust dem! Lande üblich sei, daß am 1. Mai die Musikkapellen durchs Dorf ziehen und spielen, und daß k sich alles freue, daß nun der. Winter Vovübei; und s Frühling und Sommer gekommen sei. Und dies i sei auch der Zweck unserer kleinen Veranstaltung i gewesen. Und nun hielt uns der Hauptmann ,e>ne! väterliche Ermahnungsrede. Ob er uns die Aufklärung über den Charakter unserer Maifeier glaubte, möchte ich dahingestellt sein lassest, jeden-\ falls aber nahm er es hin, und das Ende vorn> Liede war, daß wir alle fieben je dreißig Tag: k Kasernenarrest erhielten. Daß solche Zeiten nicht wiederkehren, soll i unser Gelöbnis am Maitag der Arbeit sein!. Madrid. In Madrid. Der Blut-Mai 1983. „Straße frei!" Die Sicherungsflügel der Karabiner schlugen m aufreizender Exaktheit zurück. „Brüder zur Sonne, zur Freiheit..." Trotzend, verbissen, in fanatischer Begciste-; rung klang die Antwort aus den Massen. Lohend,; wabernd brandete der gewaltige Sang durch die z Straße..... j^.-s „Seitengewehr, pflanzt auf...." Wie ein greller Hieb praffelte das Eisen- gerassel in das stockende Singen. Sie sahen eS, bleich, mit brennenden Augen. Es wurde Ernst. Ein paar flüchteten. Jagten mit irr gehetzten Sprüngen in eine Nebenstraße. Andere standen.> Abwartend in eiserner Entschlossenheit. Nieder mit dem König! Nieder die Diktatur! E« lebe die Republik!" Das kam aus einer Gruppe Arbeitsloser. Männer, Frauen. ,Minde Salve über die Köpfe weg! Heuer!" Das Bellen der Karabiner erstickte in dem johlenden Wüten. Chaos wirbelte, auf. In wil- der Flucht stob die Menge auseinander. Zerstäubte. Sammelte sich zu aufgepcitschten GruP» Pen, Ein Stein flog in die Soldatengruppr. „Scharf schießen. Feuer!!" Ein paar taumelten auf. Schleppten sich, f wie von einem wahnwitzigen Entsetzen zcr- krümmt, einige Schritte vor. Sackten schwer zu Boden. Polniicher KommunisterMrer in Rußland als Spion erschossen. Warschau, 29. April. Die vor einigen Tagen aus Moskau eingetr offene Meldung iiber die Hinrichtung des ehemaligen kommunistischen Abgeordneten im polnischen Sejm Silvester W o j e- w o d z k i hat honte ihre Bestätigung gefunden. Gleichzeitig mit Wojewodzki wu«e aus Grund eines Urterls der G. P. U. sein« Gattin, die erst vor kurzem aus einer Irrenanstalt entlassen worden war, hingericht«t. Wojewodzki, der vor der Verfolgung durch die polnischen Gerichtsbehörden nach Sowjetrußland geslüch- t e t war, wurde gemeinsam mit seiner Gattin von der G. P. U. beschuldigt, zugunsten des polnischen Militärkundschaftevdienstes in Sowjetrußland tätig gewesen zu seist. In Polen wurde Wojewodzki nach seiner Auslieferung durch den Sejm von den Gerichtsbehörden wegen Hochverrates und kommunistischer Propaganda verfolgt. 3« der Mandschurei wird weiter aeKmpst Charbin, 29. April.(Reuter.) An der südöstlichen Front der Mandschurei ist es zu heftigen Kämpfen zwischen japanischen Truppen Und Chinesen gekommen, die sich gegen die neue män- dschurische Regierung in Aufruhr befinden. Die japanische Hauptkoloune unter General Muroi griff di« Aufständischen an, die Haflin besetzt hielten. Der Kampf dauerte die ganze Nacht vom Mittwoch bis zum Donnerstag an. Die Chinesen, deren Zahl auf 6000 Mann geschätzt wurde, hatten 200 Tote zu verzeichnen. Die'Japaner, die Hailln besetzt haben, erbeuteten einen Panzerzug, zwei Geschütze und anderes Kriegsmaterial. Sektion der Privatangesteüten- verbiinde im Deutsche« Gewerkschaftsbund. Am 24. April d. I. fand in Brünn eine Sitzung der Sektion der Privgtangestelltenver- bände im Deutschen Gewcrkschaftsbunde statt. Die Beratungen in dieser Sitzung, erstreckten sich vor allem auf die notwendigen Ergänzungen des Pensionsversicherungsgesetzes,' so hinsichtlich der Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Altersrente, der Regelung der Ueberweisung der Prämienreserven von einem Sozialversicherungsträger zum anderen, besonders bezüglich der Prämienreservenüberweisungen von der Zcntral- sozialversicherungSanstalt zur Allgemeinen Pensionsanstalt und umgekehrt, der Durchführung des § 176 P.V.G.(Erhöhung der Rente für die militärische Kriegsdienstleistung) und der Durchfüb- rung des Gesetzes über die Anrechnung der nichtversicherten Dienstzeit. Einen beträchtlichen Teil der Beratungen nahmen die Besprechungen über die Krankenversicherung der Angestellten und über die Vorbereitungen für ein neues Angestelltengesetz ein. leite 8. TamStag, 30. April 1982. At. 103. Gesundheit ist unser Die Übertragung der vielen ansteckenden Krankheiten wird fast immer verhindert, wo auf reine Haut und auf reine Wäsche geachtet wird. Häufiges Waschen verlangt aber eine gute Seife, die die Wäsche schont. Sicher geht man mit der seit über 80 Jahren überall bewährten SCHICHT SEIFE BEACHTEN MARKE SIE DIE HIRSCH HST3-32 mcscnprozcß nm Stcucrkorrupflon. Musterl&sc Abschreibungen für reiche Steuerzahler.— Der Haanzrat mit den Miillonarsallttren.— Millionenschäden. Ter Bauarbeiterstreit In Mies und Staab dauert weiter an. Der Verband der Arbeiter in der Bau-, §t< iv und^krramindustrie teilt uns mit: Die gestern, den 28. April l. I. bei der Be- zirksbehörde in Mies stattgefundenen Verhandlungen sind neuerdings gescheitert.> • Zuzug von auswärtigen Bauarbeitern ist in diese Bezirke unter allen Umständen fernzu- halten. Die soziale Fürsorge in der Tschechoslowakei. XVI. Sitzung der Internationalen Arbcitskoniercnz. Während der Sitzung der.Inter» nalionalen ÄrdeirrtMferenz, die gerade in Genf stattsinder, häv der Delegierte der Tsche- siotoakei, Herr Tr. I. B r a b l« c, Sektions- chef int Minrsreriuin der sozialen Fürsorge, .'eine Rede vorgeiragcn, aus welcher wir ent« nehmen: " Wenn die Tschechoslowakei wicht so viel Rarifikalionen hat vornehmen können, wie in den früheren. Jahren, so liegt das an der großen Arbetrswslgkeit, die zu bekämpfen sich unsere Regierung mit aller Kraft bemüht. Die Rati- ■ fikarion z. B. des Uebereinkommens betr. die Beschäftigung der Frauen.vor und nach der Niederkunft 1 ist durch d« schwierige Lage, in der sich die Krankenkassen wegen der Wirtschaftskrise befinden, nicht verwirklicht worden. Die Ratifikation der Uebereinkommen betr. die Entschädi- gung bei UufAten, die Berufskrankheiten und die Entschädigung der Unfälle in der Landwirtschaft hangt von der Aenderung und Vereinheitlichung Ser ganzen tschechoslowakischen Gesetzgebung über die Unfallversicherung der Arbeitnehmer ab. Tiefe Vereinheitlichung durchzuführen, sind wir gegenwärtig im Begriff. Von den anderen Uebereinkommen möchte ich noch das der Nachtarbeit der Jugendlichen im Gewerbe und das Uebereinkommen über die Arbeitslosigkeit erwähnen, denn in der Tschechoslowakei schenkt man diesen beiden Uebereinkommen.eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Der Minister für soziale Angelegerchciten ist darum bemüht, inöglichst bald die Ratifikation dieser Uebereinkommen zu verwirklichen, und er hofft, mit. der. Ratifikation des Uebereinkommens über die Arbeitslosigkeit gleichzeitig die Schwierigkeiten zu ebnen, die sich später bei der Ratifikation des Uebereinkommens über die Aufhebung der ge- '.verbstnäßigen-Arbeitsvermittlmtgsstellen ergeben würden. Die. Tschechoslowakei hat ihre ganzen Kräfte da rau gesetzt, auf dem Gebiet des sozialen Fortschrittes jede Rückentwicklung zu Verhindern. Die Folgen der wirtschaftlichen Depression haben die tfchechoslowakische Regierung veranlaßt, die freiwillige Arbeitslosenversicherung zu vervollkommnen mtd eine produktive Sozialpolitik durch Ausführung landwirtschaftlicher Melioration, durch Kanalbau und durch allgemeine Verbesserung der: nationalen Produktionsmittel«in- zuführen. In seinem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat das Miniftcriutn für soziale Angelegenheiten gemäß der Empfehlungen des Arbeitslosenausschusses des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamts einen Gesetzentwurf betreffend die Einführung der 40-Stnüden- Woche. ausgearbeitet. Borstab der internationalen Gewerkschaftsbewegung beim Internationalen Arbeitsamt. Di« ungeheuere Notlage des Millionenheeres der Arbeitslosen hat di« freigewerkschaftlichen Tpitzenorganisalionen der europäischen Arbeiter» nnd Angestelltrngetverkschaften veranlaßt, gegen die schleppende Behandlung der vordringlichsten Probleme zur Bekämpfung der Krise beim Internationalen Arbeitsamt in Genf zu protestieren. Aus Deutschland, England, Frankreich, Belgien, Holland, Oesterreich/ der Tschechoslowakei, Estland nnd Lettland wurden Telegramme an di« 16. Internationale Arbeitskonferenz gesandt, in denen gefordert wird, schnellstens internationale Maßnahmen gegen die Arbeitslosennot zu treffen und insbesondere die Durchführung der 1 tt- 2 t u n d cn- Woche nnd der Arbeitsbeschaffung zu beschließen. Die europäistlten Gewerkschaften verlangen die dringliche Einberufung einer intcrnationalen Sonderkon- f e r e n z zwecks Beratung wirksamer Maßnahmen mit hem Ziel, insbesondere die 46-Stnn- den-, bzw. Ü-Tage-Woche als Höchstarbeitsdauer international durch eine Konvention durchzuführen. In ähnkicher Form sind von antzereuro« Päischen Ländern Australien und Neuseeland beim Internationalen Arbeitsamt vorstellig geworden, so daß den von der Internationalen GewertschaftSkoüferenz in Genf soeben erneut erhobenen Forderungen größter Nachdruck verliehen worden ist. Angesichts per Schwere der Krise, aus der vorläufig noch kein Ausweg zu erblicken ist, muß erwartet werden, daß dies« dringlichen Appelle das Internationale Arbeitsamt veranlasse«, energischer als bisher die. Widerstande zu bekämpfen, die den einzig möglichen Linderungsmaßnahmen unverantwortlicherwrise noch entgegengesetzt werde«. Prag, 29. April. Heute begann vor dem hiesigen Schwurgericht unter Vorsitz des LXM. Kais- l e r der große Prozeß gegen den 47jährigcii Finanz rat Heinrich Antos wegen vielfachen schwersten Mißbrauches der Amtsgewalt. Die Anklage umfaßt 41 Seiten und legt dem AngeAagten zur Last, i« sechzehn»achgewtesenen Fälle« ungerecht- fertigt« Stenernachläsir und-abschreibungen vorgenommen zu haben, wodurch dem Staate ein Schade« von mindestens drei Millibnen entstanden Ist. Es wird darauf hingewiesen, daß sich damit di« gesetzwidrige Tätigkeit des Angeklagten keineswegs erschöpft, der es verstanden habe, die belastenden Dokument« zum großen Teil zu vernickien oder beiseitetzuschafsen. Der wirkliche Schade sei gar nicht festzustellen. AntoS, der der Finanzlandcsdirek- t i o n zugeteilt war, soll die Machinationen derart durchgeführt haben, daß er bei Rekursen gegen Borschreiibungen der Einkommen- und Umsatzsteuer, wie auch der Vermögensabgabe, die er in der zweiten I n st a n z zu bearbeiten hatte, gegen di« Anträge der Referenten unrechtmäßig zugunsten der Parteien entschied. Es handelt sich natürlich durchwegs um schwerreich« Steuerzahler und die Abschreibungen gehen im einzelnen Fall in di« H u n- derttau sende und selbst Millionen. Im Jahr« 1929 wurde er zum F i n a n z r a t ernannt und schon im Sommer 1980 kam er in Disziplinarunt«rsuchung, deren Folg« eim Strafanzeige war. Nun sitzt er seit! dreizehn Monaten in Untersuchungshaft. Der Grund des reg« gewordenen Verdachtes war das unglaublich luxuriöse Leben dieses Finanzrates, der«in Jahreseinkommen von 85—10.000 Kronen bezog(wovon noch etwa 20.000- Kronen zur Alimentation ferner geschiedenen. Frau in Abzug kommen), aber ein Leben führt«, zu dem das zehnfach« Einkommen nicht hingereicht hätte. In Eisenstein, wo«r bis dahin „nur"«in« ständige Mietwohnung für gelegentlich« Erholungsaufenthalte hatte, baute«r sich später eine Billa für 200.000 Krauen. Sein Haushabt war glänzend und kostspielig. Er fuhr mit Vorliebe Auto, so daß er so nebenbei eine Schuld von 10.0 0 0 Kronen bei einem Taxibesitzer. hinterließ, als man ihn verhaftete. Ein Reitpferd durfte natürlich nicht fehlen, dessen Erhaltung beiläufig so viel verschlang, als die Hälfte seines Einkommens auSmachte. Die Krone seiner noblen Passionen war allerdings seine Freundin. Ungeachtet dessen, daß«r sich nach seiner Scheidung nochmals verheira- t e t e, unterstützte«r doch auf verschwenderische Art seine Freundin Stephanie P a v l o v s k y, die er aus einer Weinstube geholt hatte und seither aushielt. Ihre Wohnung kostete ihn jährlich 13.000, di« Einrichtung des Schlaf» und A r b«i t s- zimmers je 40.000. Sie machte auf seine Rechnung Reifen in die Schweiz und nach England, deren Kosten etwa 160.000 K verschlangen. Ein Kuraufenthalt in Franzensbad kostete nur 30.000. Und was di« sonstigen Geschenk« (Schmuck, Pelzwerk ustv.V anlangt, so schätzt di« Pavlovsty selbst deren Wert auf«Ine halbe MiHionl Der Angeklagte, der diese Dinge im allgemei« nen zpgibt, bestreitet entschieden,-daß er das notwendig« Geld auf dem Korrnptionsweg verdient habe. Dies« immensen Summen hab««r ehrlkchw« rdi ent,-och weigerte er sich dir Wr^ khode-asttzvftebeu, mtt--»r«i«-g«wöhnüchsr Sterblicher in relativ MK'i'-Zekt eisten-Beltasher fast eine Milllion ausmacht, durch ehrliche ,A rb« it so ohne weiteres aus dem Aermel schütteln könne. Er hab« oben ehrlich verdient, w i e das i werde er nicht verraten.,- Die eingeleitet« Untersuchung brachte eine Menge belastenden Materials zutage, auf dem die von der Staatsanwaltschaft erhobene Arcklag« fußt. Auf dl« Einzelheiten der sechzehn«in» geklagten Fäll« werden wir im Verlauf-es Beweisverfahrens noch einzugehen haben, . desgleichen auf die Methoden, deren sich der Angeklagte bedient haben, soll. Vorläufig nmg ein Blick auf bi« List« der Begünstigten genügen. Wir führen, ohn« auf Details einzugehen, nachstehend einige Namen nnd Ziffern an, wie sie in der Anklageschrift enthalten sind. Ter Fabrikant Arthtrr Meyer in Karls- bad hätte demnach auf einen Rekurs gegen di« Borschreibung der Umsatzsteuer aus 1921/22 einen Abstrich von 328.000 K erzielen sollen, was jedoch zum Teil verhindert wurde. Di« drei Fälle Hirsch, Beck und 8« v i r(Pilsen) kosteten dem Staat nach der Anklage 357.000 K. Dem Müller Josef K. Ort aus Kostitz wurde die Vermögensabgabe von 1,183.000 auf 375.000 ermäßigt. wobei di« Anklage die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Angeklqg- ten und dem Begünstigten hevvorhebt. Auch der chemälige Fürst Thurn-Taxis ging nicht leer aus, indem man von seinem Einkommensteuer-Konto 976.000 und vom Kriegs- M schlag 5,200.000 X abschrieb. Bei Uebergehung der kleineren Fälle wäre noch der der Frau Marie Nopitz-Rieneck aus Plan zn erwähnen/ der um 693.000 Kronen mehr abgeschrie- ben wurden, als die Kommission beantragt hatte. All« diese Abschreibungen geschahen, wi« die Anklage ausfichrt, stets durch den Angeklagten ohne und oft gegen den Bolrschlag des zuständigen Referenten und der Steuerkommiffion, ohne die vorgeschriebene Approbation und häufig ltnier Fälschung oder Vernichtung wichtiger Aktenstücke. So soll der Angeklagte z. B. Anträge und Vermerke der Referenten, die nicht paßten, einfach aus dem Aktenbogen ausgeschnitten und durch leeres Papier ersetzt haben, das er einklebte, um so den Anschein zu erwecken, das Aktenstück sei schon vorher zerrissen gewesen. Di« Verlesung der Anklageschrift dauerte voll« zwei Stunden. Der Rest des Verhandlungstages war mit der Verantwortung des Angeklagten ausgefüllt, der sich in keiner Richtung schuldig bekannte. Ta all« seine Ausführungen Gegenstand des Beweis verfahr« ns sein werden, werden wir später auf alle Einzelheiten zurückkommen. Um di« Geschworenen nicht zu ermüden, wurde di« Verhandlung auf morgen vertagt, wo Antoii fortfahren wird, sich zu den einzelnen Punkten der umfangreichen Anklage zu äußern. rb.- «»ch«»er Fü«l«tti>>gent! Da» LmrdetSmiwsterium beveitet die-Ver- orimena über hte WmkoickmgenOerima vor;-eil Wochen stehe« die pvopMlierbchpMoßnahmen- grammangei leiden und darum sehr daran iutereffiert sind, daß ihnen durch vernünftige Maßnahmen wieder die Möglichkeit gegeben wirb, ihrem Publikum gute Vorstellungen zu bieten. Es ist bedauerlich, daß sich das Handelsminitt^- rrum dauernd«..geheimnisvolles Schweigen hüll', und die Verhandlungen ftwng unter dem Siegel des Amtsgeheimnisses hinter Verschlösfe» nen Türen geführt werden. Wie jetzt in Fach kreisen rmtq«teilt wird, dürft« auf einen im Inland erzeugten Film ein Kontingenr do» sieden ausländischen Filmen er- seilt werden; von der Forderung, daß der Film mindestens zehn Tage im Atelier und mit einem Aufwand von 660.000 K gedreht. werden müsse, wird Abstand genommen werden. Dafür soll aber eine Kommission eingesetzt werden, die darüber zu entscheiden haben wird, ob d«r, hci- mische Film genügend g u t ist, uin als kontingentberechtigt anerkannt zu werden. In dieser Kommission soll d!« Produktion, der Handel und das Ministerium vertreten sein; noch«ich: bekannt ist, nach welchen Gesichtspunkten die Einberufung vor sich gehen wird."Hier wäre,.es gui, vor der endgültigen Entscheidung darauf zu verweisen, daß unbedingt auf die Filmschaffenden und Filmpublizisten ausgiebig wird Rücksicht genommen werden müssen, weil andernfalls di« Produzenten kraft ihrer unerschütterlichen Siel- lung in dieser Kommission leicht eine lieber macht erringen könnten. Es wäre daran zu erinnern, daß man in Deutschland mit diesem System die traurigsten Erfahrungen gemacht hat, weil dort die Ufa viele ihrer Krtschfrlme als künstlerisch wertvoll durchzusehen imstande ist. Nichts tonnte aber gefährlcher sein, als lvenn die Prager . Atelicrfirma durch ihre Vertreter etwa die Tendenz erfolgreich verfolgen könnte, daß nur Filme, di« in ihren Ateliers und ans ihren Apparaturen hergestÄt wurden, als kontingentberechtigt angesehen werden sollen. Ein lveiterer aufliegender Fehler der beabsichtigten Regelung— die sich nur auf abendfüllende Filme beziehen soll ist darin 51t sehen, daß Kulturfilme von der Konti n g e nt b e r e ch t i g u n g ausgeschlossen werden sollen, weil ihre Herstellung angeblich weniger kostspielig ist. Nun muß dazu, bemerkt werden, daß die Kontingentscheina frei verkäuflich sein werden, so daß jeder Produzent aus dem Erlös dieser Anweisungen eine Baruntersiützmrg von ^ungefähr 100-000 T erhalten wird; es wäre unerträglich, wenn diese Prämie fiir di« Produktion gangbarer Operetten oder Schwanke bewilligt werden sollt«, während di« mühsame und zeitraubende Arbeit des.Kulturproduzenten sozusagen als unerwünscht bestraft werden wird. Man müßte daran festhalten,-aß Kulturfilme, die zwar billiger, aber dafür auch mühsamer erzeugt rver- Üen, vom Publikum erfahrungsgemäß viel weniger besucht werden, so daß durch diesen Mindereingang eine allfällige Unterstützung mehr als gerechtfertigt erscheint. Dos Handelsministerium würde gut tun, wenn alle diese Fragen noch einmal in öffentlicher Versammlung durchbesprochen würden, damit keine Fehler geschehen, die das tschechoslowakische Kulturleben nur beeinträchtigen könnten. Es ist nicht gut, diese wichtige Angelegenheit nur im Sinn« der Geschäftsfiimproduzenten lösen zu wollen.—wl— BewillitzUNgsverWren in Oesterreich. Wien, 29. April. Der Haüptausschuß des Nationalrates hat heute nachmittags die anae- kündigte Verordnung genehmigt, durch die di« Einfuhr gewisser Waren an eine Bewilligung des Finanzministers geknüpft wird, welcher im Einvernehmen mit der Rationalbank, den Handelskammern, den landwirtschaftlichen Hauptkorpovationen und Arbefterkammern Richtlinien aufstellt. Waren, die* vor dem Tag der Aundmachung zum Transport nach Oesterreich aufgegeben wurden und spätestens eine Woche nachher in einem österreichische« Zollamt eintref- fen oder angemeldet werden, unterliegen der Verordnung nicht. Die Verordnung tritt heute Mitternacht in Kraft. Die Liste der genannten Waren eltthälu Orangen, Bananen und andere Südfrüchte, Rübenzucker, getrocknet« Pflaumen, Trüffeln, Champignons, eingelegte Gurken, immergrüne Zierpflanzen, Blutenpflanzen, mit Ausnahme von Heilpflanzen, wstter Schlachtvieh, Kälber, Schweine, Goflügol, dann Dkufchelw Schaltiere, Butter, Schweinefett, Mawarme, Branntwein, Wein, Schaumwein, Fleisch und Fleischwürste, Käse, Kaviar, Kondensmilch, Krebskonserven. GanÄeberpasteten, Dbstkonserven, weiter Braunkohle, Baunrwollgewebe,. Fußteppiche, dann Filme, Seidenstrümpfe, Papier, Gummischuhe, Bereifungen für Fahrzerme, Linoleum, Schub- waren, Holzkohle, Möbel, Kalk, Ziegel, gußeiserne Möhren, Emailgeschirr, Radioapparate, Auto- «Mobil«, Motoren für Kraftfahrzeuge, Juwelier warm ans Gold, Platin und echtem Double, Taschen- und Armbanduhren aus Goll» und Platin, Parfümerien und Seifen. Ein Antrag, wonach die Regierung bei Erteilung der Bewilligungen Vorsorge treffen möge, daß jeder droherwm Preissteigerung durch rasche Erteilung der Bewilligung^ntgcgengetvirki weiche, wurde angenommen. Rr. 103. SamStag. 30. April 1932. Seite 0. Der i. Mai 1932 in Prag. Eamstag- de» SV. April 1932: Festvorftcllung ,■ im, Neuen• Deutschen Theater um q 7 MI hr ' abends: f-'"' V- ^7,X’t''•••''„Die W a l k-ü rc"»'- von Richard Wagner. Kartcnvorverkauf^b.'! Genossen' M.'Deutsch, Graben.-• Sonntag, den 1 Mai 1932. vormittags: Gemeinsam mit unseren' tschechischen^ Genossen Aufmarsch durch Prag znr Demonstration«. . Versammlung auf der Slawischen Jusel Deutscher-Redner Genosse. Sen. Dv./H o- I i t s 6) e r. Sammelpunkt der deutschen Teilnehmer nur'halb 10 Uhr, Prag Il„ Ecke Mczibrchtska—Litnü.- z-;'. Die Kinderfreunde werden wie in früheren führen für um'erc Kleinen ein Lastauto zur Verfügung stellen. Die Kinder versammelst sich um halb 10 Uhr beim„Pozialdemq« , trat", Prag 11.,'Nckuzanka 18. Das Lastauto folgt-dem Auge auf dke Slawisch»'Insel, wo die Kinder abgcholt werden können. Am 1. Mai, nachmittags: Besuch unserer Lokalorganisation in Rrrato- witz zu frohem Beisammensein., Spiel der Jugend und Aufführungen der Turner.. Abfahrt Wilsonbahuhof 14.05 Uhr. Genossen, welche früher fahren wollen, können den Zug 12.40 Uhr, Denisbahnhof. benützen. Treffpunkt in Neratowitz„Gec"-Aabrik. Blaue Haare... Die Tragödie eines Abstieg». Unter großer Beteiligung wurde eilt Dichter zu Grabe getragen, der, wie die Zeitungen schreibe», len Marschallstab der großen Literatur im Tornister trug und doch immer ein Soldat blieb: Mergau;. irr hat früher, vor Zähren, Gedichte geschrieben und in Zeitschriften veröffentlicht, urkräsligc, lebensnahe Gedichte, deren" sich ein Billon oder ein Rimbaud nicht hatte zu schämen brauche»'. Aber er zerbrach am Leben, an seinem Schicksal. Er starb, süuszig Jahre clk, wie ein Vagabund. Zweimal war der Tod in Mcrgaux LcbeuskrriS eingebrechrn. Tas erstemal, als bei der Geburt seines Töchterchens seine Frau starb, dir».'abgöttisch geliebt hatte. Der Schlag war schwer, unüberwindbar schiver, der.zweite: Madeleine, die in einem Sozialistisch« Wend, Prag. 1. Mai-Demonstration. Die Mitglieder beider Gruppen versammeln sich in Wandertracht uni S Uhr am Jügnerplatz(G e cs. Musik instrumeute, Tagesproviant mitnehmen! Hir marschieren geschlossen zum Sanunelplay der Partei und gliedern uns dort in den Demonstrationszug ein. Nachmittag Fohr: nach Neratowitz. Kloster erzogen wurde, verstarb, im Alter von sechs Jahre» an Diphtherie. An der Bahre seines Kindes brach Mcrgaux ohnmächtig zusammen. t, Bon diesem Tage an war der Dichter verändert. Er hielt nicht mehr auf sein Aenßcrrs. Er wurde trunksüchtig. Er arbeitete nur wenig; litt Not. Und wenn er einmal etwas verdient hatte, dann ging er in den Luxemburggarten, in dem des Nachmittags die Kinder spiele»— er bezahlte ihnen die Fahrt auf dem Karusiel, kaufte ihnen Bonbons oder schenkte ihnen Puppen. Die Leute schüttelten den Kopf, sie hielten ihn für einen Sonderling.. Es ging rasend bergab mit Mergaur. Er besaß keine Wohnung mehr. Er spielte die Rolle eines Hanswursts für sene, die das Leben nur in seinen oberflächlichen Erscheinungen. sehen. Mehrfach schon hatte man ihn in eine Trinkerheilanstalt gebracht. Hatte er die Anstalt verlassen, arbeitete er einige Wochen, bis die Tragödie von neuem begann. Eines TageS erschien Mergaux mit rotgefärbte» Haaren. Er hatte sich an eine Haarfärbemittelsirma vermietet. Zur Reklame, wohl auch Versuches an sich vornehmen zu lasten. Dafür bekam er täglich ein paar Francs. Bor wenige» Tagen, um Mitternacht, fand man ihn, zusammrygebrochen vor Hunger, vor dem Eingang eines Montparnasse-Cafes. Zur Hälfte trug er blaue, zur andern Hälfte graue Haare. Man bracht« ihn Ins Hospital, eS war zu spät. Bei seiner Beerdigung versammelte sich alles, was. in, Paris einen literarischen Namen besitzt. Er wurden viele Reden gehalten. Die'wenigen Bücher des unglücklichen Dichters werden bald ihre Auferstehung feiern. Sie werden ein« ausgezeichnete Presse hallen,'höhe Auflagen erleben, und ihr Verleger wird an ihnen M Mtionäte DK MwkMMM. Rrmennerforgnns nnd Heimatrecht. Frage: Was versteht uralt, unter„öffentlicher Armenversorgung" als Grund«rr Ablehnung der Aufnahme in den He-imatverband? A n t w o r t: In der Gemeinde Predlitz bei Aussig wuvde ein Ansuchen für Heinrich S. um Aufnahme in den Hcimatverband auf Gründ der 'Novelle zum Heinratgesetz voin Jahre 189k. mit der Begründung abgelehnt, daß Heinrich S. während seines Aufenthaltes in seinem bisherige» Orte Predlitz der öffentlichen Armenversorgung j;ur Last gefallen'sei. Die öffentlich« Armenvcr- sorgung wird darin erblickt, daß Heinrich S..für . seine Tochter Martha dreimal für'je ein Jahr ' einen Emiehungsbeitrag in der Höhe von monatlich 60 K bezog. Diese Auslegung der Bostiumlungen des Hciinatgesetzes ist irrig. Nach 8 5, Abs. 2, der No- 0»5 fST DER PRAGA»A N« Der unermüdliche Arbeiter, der von frühmorgens Ms spät in die Nacht 15-18q mit^50Stundenkilometergeschwindigkeit befördert. Bergauf- bergab. Und wie bescheiden! per 50km verbraucht er nur 7*5 kg Benzin. Alle näheren Angaben sagt Ihnen das Prospekt, es steht Ihnen zur Verfügung. DAS GEBOT DER ZEIT- TEMPO PRAGA»A N.« Ceskomoravska-Kolben-Danök A. k. vellc zum Heimatgesetz vom Jahre 1896 darf der Bewerber um das Hcimatrecht während der festgesetzten zehnjährigen Aufcnchaltsfrist der öffentlichen Armenversorgung nicht ! anheimgcfallen sein. Im vorliegenden Falle han- ! delt es sich jedoch mn die Frage, ob für eine bestimmte Zeit gewährte Erziehungsbeiträge sich als„Armenversorgung" des Heimat- i rechtÄvevbers darstellt. Der§ 2 der Heimatgesetz- novclle definiert den Begriff Armenversorgung ! nicht. Unter Versorgung, versteht jedoch der Sprachgebrauch die vollständige Erhaltung einer Person, die Bedeckung aller physischen Bedürfnisse derselben. Mit diesem Sprachgebrauche steht auch In Nebereinstimmung der§ 24 des Heimatgesetzes vom 3. Dezember 1863, wonach sich die der Ge- niciudc obliegende Armenversorgung auf die Verabreichung des notwendigen Unterhaltes und die Verpflegung im Falle der Erkrankung erstreckt. Unter Unterhalt wird nach§ 672 a. b. G.-B. Nahrung, Kleidung, Wohnung und die übrigen Bedürfnisse ver- sstanden. Wenn einem HeimatrechtSwerber für eine bestimmte Zeit für sein Kind ein monaüicher Erziehungsbeitrag gewährt wird, so kann also nicht von einer„Armenversorgung" ge- auf unbestimmte Zeit als Armenvewor- gung nach dem Heimatgosetze anzusehen ist. Die-, selbe Rechtsauffassung vertritt die Entscheidung vom 16. Juni 1905, Nr. 6780, worin ausgesprochen ist,daß lediglich eine fortlaufende,auf unbestimmte Zeit gewährte Unter- stützung sich als Armenversorgung darstellt. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Prager Produktenbörse.(Offizieller Bericht vom 89. April.) Die heutige Produktenbörse war sehr schwach besucht und schon aus diesem Grunde konnte das Geschäft kein größeres Ausmaß annehmen. Trotzdem und obwohl die AuSlctnds- märkte, besonders die amerikanischen, überwiegend flauer gesttmmt sind, zeigte der Getrcidemarkt ein eher freundlicheres Aussehen. Die gebesftrte Meinung ging hauptsächlich vom Roggen-, zum Teil aber auch vom Hafermarkt« aus, wo bei kleinerem Angebot Preisbefferungen von 1—2 K erzielt werden konnten. Weizen lag behauptet, während in Gerste, besonders un weiteren Verlaufe, eine eher flauere Stimmung zum Durchbruch kam. Auch Mais verzeichnete keine bedeutenderen Veränderungen. Soweit. es sich um neue amtliche Notierungen handelt, notierte döhm. |T\|Ak I Ä“nd ■UIAINA FRANZBRANNTWEIN sprochen werden. Es muh der Begriff Unterstützung(Eyjiehungsbeitrag), auch wenn sie länger dauert(dauernd ist sie nicht, da sie nur auf eine bestiinnrt« Zeit gewahrt wurde), von dem der „A r m e n v e r s o r g u n g" unterschieden werden. Auch das DBG. hat mit Entscheidung vom 21. Feber 1903, Nr. 2163, ausgesprochen, daß nur eine dauernde Armenunterstützung Roggen mit 141—143(plus 2 ll), Hafer blieb unverändert, Auswahlgerste notierte 107—109, prima 100 bis 105, und mittlere 97—100(minus 21. Ansonsten notierten noch Donaumais 60—61, gelbe Kartoffeln 22—24, weiße 16—18(minus 1), Futterstroh gepreßt 46—48, ungepreßt 44—46, Bruchreis 160—165, Rog> genmehl 0/1 218—222, 6öproz. 210—212, Nr. I 2(U bis 206, amerikanisches Fett 770—780(minus 10 K). Sämtliche Schneiderzusehöre! Karl Spitz, Prag I.» Melantrichova 1062. 4 er«»»««» e»i eiejfrrie» l«il— DUftel» Kietz»«».—'8cea»tw,rUichrr KetrNrur: S». EmU S««»»tz, V«,.— Druck: R»!«'-r. M, »»I.— SU»uiie«sc iu Prst-» Lr^,i-»h«n-:reU^» MN Sri«» Ar. CM'VIIIISS dew.ll.L-.— vejil^dedch-»»«»: Ku Ul» SL»i öde» dm Beixa r-nch Hc«oft ai*oat(M Ki ta£1 is' MWm H Kn«-msw, U lL.—- sfeewt««uh. tm L«.s dltzW 9*»(Mm entM-lchl-tz.-»üchlUlun,»«, vi-mugrüu» er^l mW Sekte 10. g* mtt**- SO M»ttl 1 W2. MitteNmr» m dem Pnvlttum. \Pfyiiifitwe KCft.so TWajfe**- Das Rezept des Augenarztes kann nur dann leinen Zweck erfüllen, wenn da- Augenglas fachmännisch angepatzr wird. 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Eigentlich weiß in Grotz-Prag schon jeder, daß am Wenzelsplatz im Lüstnerpalais die Niederlage' der großen Protznitzer Kleider» s a b r i k errichtet wurde, wo zu Fabrikspreisen solid, gut und billig Herren- und Knabenkonfektion eingekauft wird. 1574 Eine Gelegenheit zum Anschtisssn von billigen, gMten Motorrädern! Tie einheimische Fabrik Premier A.-G..in Eger hat sich entschlossen, eine beschränkte Anzahl von Premier-Motor rädern zu bedeutend herabgesetzten Preisen zu verkansen. ES handelt sich teilweise um neue, überhaupt nicht gefahrene Maschinen, welche nur in Einzelheiten von den letzten Modellen abweichen, einerseits um gefahrene Motorräder, welche entweder als Vorführungsmaschinen gedie,nt haben ober in Gegen>> rechnung übernommen wnrbem Die Preise bewegen sich von X« 4100.-7 für«in« nichtgesahrene und von X« 2100.— für eini gebrauchte Maschine aus. wärtS. Aufdiese Gelegenheit werden die Leser aufmerksam gemacht, Nähere Auskünfte erteilen die Premier-Werte in Eger. 1573 Das Zeichen der Treue. Ter Krug— ein Zeichen der Freundschaft und Treue. Sein tostbares Juwel, der Philips„2uper Jnductance" 73V, spiegelt den Geist desjenigen wieder, der ein Ver- sprechen zu halten gelobt. Das Verbrechen der Treue. Betrachten sie dieses Juwel gut, es ist das feinste, das gegenwärtig in Europa zu finden fit. Seine magischen, Eigenschaften verschaffen Ihnen ^Unterhaltung und Vergnügen aus allen europäischen Ländern durch das Drehen eines einzigen Knopfes. Ter Philips„Super Jnductance" 736 vereinigt höchste Selektivität mit der besten Wiedergabenqualität. Er ist tatsächlich in Ihrem Heim ein treuer utch zuverlässiger Kamerad. Einen besseren gibt eö nicht! 100 allen prelswn zu tsnem annchmbatcu Preise haben- wollen..D gesHMene zweitürige Pircolo-Wagen, Mo deMIM konet nun bloss Ke‘34.800.-, wob «°chM berücksichtiM ist, dast««i««ich«^sder^üyerwaliMtz Mp Tex Vieeolo-Waaenl^' k ft" 7T7, TrMMVMu ALbntÄreMtnöM tu>1Ä, >u bdjen Perbieiimm kiacHweiv«r'r^^ar lih^at XAtex die AlMnMÄte in XoiX IM-VV_ M«etlw, wä W%u«tn Mpi W\W-W> au«»«• W« W»nnt M tm tote W Ä) M w ta nkte» TnchbMMM, aM ft wnt unb Wteti w D«r»N ll>aniosanl sMe nnd^ drn De^rn'M v^W\M^\\vv 'TE'-Wis Ibi^ndM TMt'' Weitere Ermäßigung des verbreitetften tschsl. Aut-meiles. Die- gegenwärtige Mrtfchaftsdeprefsion vetrftft^natürlich auch die Autinnobilindnstrie, wenn auch bel.weitem nicht In dem Matze, wie zahlreiche andere Branchen. Es gibt jedoch solche Fahrzeug- tyften/'sür' welche nach wie vor ein reges Interesse\ herrscht. Die dtachfrage nach den kleineren Last- und Petsonemvagen hat nicht nachgelassen, sondern ist im'Gegenteil, sogar gestiegen. Ties ist daraus zurück- znfyhren, datz viele Kaufleute. und Fabriksbesitzer durch die Ausnützung eines Automobiles als eines raschen Transportmittels von Personen und Waren den^ Gang ihrer Unternehmung beleben wollen. Es besucht kein Zlveifel, datz ein guter Last- und Per- sonxmvagen insbesondere heute seine Inhaber gute Tiefste leistet, da er ihm neue Geschäfts- und Ber- diej^tmvAichkeiten bietet. Zu den kleineren Wagen- Thpen, für welche das Interesse ständig wächst', gehikt auch der Lastwagen Praga von einer Treffähigkeit 1.5 bis 1.8 Tonnen und der Personen wagen Praga-Piccolo. Tie Nutzbarkeit, der verlätzttche und billig« Betrieb beider Typen unter stützen^ren Berkaus, wozu allerdinas auch die wesmrüche Preisermätzigung aller Personen- und LaMcrgen Praga im Monate Feber l. I. beiträgt. Die^ei Tage hat die Automobilfabrik eine lveitere Prtrsreduktion des Piccolo-Wagens bekanntgegeben, wah^llerdtugs eine angenehme lieberraschung fur\ strich um jene, die bereits vietemate den groben t Injti; im A.noujt'M hino^xichteten Mnixchen 1^x'. dieMige ist, lvet^epnen vollkommenen Bterzylitchexl^^ der Heilmittel in FragzenÄrad exyxvbt haben,jKobes uxch Peichyixtjä) bann nicht be^ex bvx*ichVx **"^ j^ezieÜ ifi e8 der berühmten MvotbÄder wetzens MizMt niesen.- ’%e8tx heganü mit.e'MM^chirtvvxtxa^ stattnstg hat, wie bies^ nur selten bei den Wagen s(wn in den dexiLiedenen'^otels'n^' AnxbLuiexn^A^MxW>Mchxn »irstk. Kategorie»orkommn Ter Pkcolo-Wagms^..KLniMM"%nb• bttthi' besitzt"hervorragende Fahreigenschastelt und sein ver- läWer Motor zeichnet sich durch außerordentliche ^eismngösähiakeit aus. Ter verläßliche Gang hat gMenÄls i’ 7 Produktion erreicht Heuer gegen 12.000 Ltüch, weiche\ q Anzahl M besten von der L.ualit8t und Beliebtheit^ LezHitt-lo-A-ü-nr spricht. Mrstr wasstWlühlte mii'dmvM'fo'^A>n«ich^ 4-Wndrr halt kiqe Iah« im Pcmrb, denn« i H,^iein der MenfWii zn Urne». ist Ms detn hochwertigsten Material, wie alle Praga-\ wa^en, hergestelltä'- Tie geräumige Aschige Karos-\~ serhr- von eleganten Formen repräsentiert den Be»ll Hü^dieies Wagens, welcher bei minimalen Erhalt 1 tuWosten sämtliche Porteile eines vollkomtnenen^ Wc^n- bietet. lM\ / j Frühling in Franzensbad! In Franzensbad\ wars man ursprünglich daran, der Pot der Zeit! gehorchend, die heurige Jalson erst mit 1. Mais zu beginueiu Znjolge des ülnstandes, datz soviele Ansragen und auch^V^MmM' sür'April beider Sr. 103. Seite Samstag, 3k>. April 1932. zumeist im geheimen fischen und sich dabei den Anschern generöser Sportförderer geben. Fm Grund« genommen ist es aber gleichgültig, ob er oder sie das Geschäft machen und dabei den bürgerlichen Spor: ;um Bankrott führen. Zu wünschen wäre nur, daß sie ihre.Totengräderei beschleunigen und wirklich gründlich besorgen. Aus der Partei Jugend-rwegtittg. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. LIU. Sonntag, 1. Mai, Demonstration, Treffpunkt Fügnerovo ntim., pünktlich halb 9 Uhr. Erscheinen Pflicht! Rote Falken Prag. Heute nachm. Film:„Kin- derrepublik Seekamp". Beginn 4 Uhr. Alle Falken sollen um halb 4 Uhr kommen. Morgen, 9 Uhr, bei der Gec sein. Musikinstrumente und Ganztagsproviant mitnehmen. Vereinsnadmditen Arbeiter-Tirrir- rmv Sportverein Prag. Teilnahme an der Maifeier ist Pflicht aller Mitglieder! Treffpunkt siehe Anzeige der Partei. Ml* Spiel• Könieriilleae Ler Totengräber der Sportr. Jeff Dickson macht aller. Ter Teil der bürgerlichen' Sportwelt, dem der Sport noch etwas andres, alb pures Geschäft ist, erblickt in Jeff' Dickson bereits"den Totengräber des.Sports.. Aisder. smarte Amerikaner in Paris seinen Sportpalast aufmachte und damit dem internationalen Profilsport gewissermaßen einen Mittelpunkt gab, da fand, er unter jenen, die jetzt, über seine Art, Sport in Geld zu verwandeln, empört sind, viele Bewunderer.„Er verleiht dem. Svort neu« Impulse und lenkt den Berufssport in geregelte Bahnen", hieß es damals. Jetzt nennt man ihn den Totengräber des Sports. Darum?'Weil er sich mit seinem'Pariser Sportpalast, nicht zufrieden gibt, weil' er das/ was ihm in ParislLob und Bewunderung«intrug, auch in andre Städte tragen ivjll, weil er auch in Berlin, Mailand, Brüssel zu Geld kommen will, weil er den ganzen r u r o p ä i s ch e n- S p o r l be t r-i eb, soweit an ihm zu verdienen, ist, unter seinen Einfluß bringen will! Weil er-es jetzt im großen.versucht, was ihm in Paris im kleinen gelungen' ist fnnd wozu ihm'di« bürgerliche Sportwelt sg ratnli« rt hat, ist man auf ihn böse und wirft, man ihm vor,«r schaffe eine künstliche Hoch k o n j u nkt u'r, d i c u n zwei- s r l h ast z-u.',m B a n k r o t t,. de s'' b ü r g e, r- lichest Sports führen muß. In. Wirklichkeit aber.steckt hinter dieser moralischen Entrnstnug nicht andres als die Empörnno der vie l cn kleinen T o t e ng r Lb c-r, die sich von dcyi großen Hai schon an die Wand gedrückt sehen. Mitleid brauch: man. mit ihnen deshalb nicht haben: Dickfon schöpf: den'Rahm vor aller Welt ab, wäbreiid sie Der Film Vlasta Burma« neueste Rolle: OefseutlichrS A-rgrrnir. Trotz seiner, durch den Tonfilm stets wachsenden Popularität beginnt Burians Stern zu sinken; auch der Dramaturg Kodiöek konnte mit diesem. Schwank von. Arn old. und Bach nicht jenen Publikumserfolg herbeiführev, der früher bei Burian' selbstverständlich' war.' Der Fehler ist darin zu sehen,, daß Bursan immer, gleich bleibt: er gibt, den Spießer durch die Brill« Prager Humors gesehen, in allen feinen. Ungeschicklichkeiten, seiner Hilflosigkeit. und dem hier angestamiüten ungewollten Augenblicksspatz, der aber Vesser auss Brettl gehört. Die Stetigkeit seiner.Leistung ermüdet unzweifelhaft; es ist heut« nicht mehr möglich, über zwei Stunden harmlose Spässe zu treiben, auch wenn sie mit wirklich bewundernswertem Tempera, ment..und' einer beneidenswerten Selbstverständlichkeit.vorgebracht werden. Burran' vergißt daß seine Kunst in der Situationskomik liegt; er wirkt darum nicht.in einem, normal gebauten Stück tempostörend und erzielt nur'Augenblickserfolge, di« immer..wieder einer längeren Wartepanie nach dem nächsten. Gfpaß,«weichen müssrp... So wie wir ihn vor Jhhven.sähen, im kurzen"Sketsch, aZS" Darsteller. verschiedenster Volkstypen'; war /r einzighriig; heute, ist' er vom Geschäftsbetrieb des bürgerlichen Theaters ergriffen, gibt gangbare Lustspiele/ legt Webt auf Ausstattung und- Em'emble.- das chm aber doch, nur Stichwortbringer,ist. Wenn er, auch heule noch'die Lacher auf seiner Seit« hat, so ist sein Erfolg.doch schon im Abflauen. Neben ihm gefällt di« kleine L e ch n y r o v a, die. mir,ünglauÄich«r Gelenkigkeit«Ine Negerin spielt und, tanzt, sowie Fr. Svozilova, di« sich— selbst-sthr jung— redlich in der Roll« eines- weiblichen Hausfaktotums bemühi. W. Pg. P«!IH.M5 pkkis^v5sctt«rc«»k^ Wie wir bereits bekanntgegeben haben, hat die Preiszuteilung infolge der unerwartet großen Anzahl von 19.196 eingegangener Lösungen eine längere Zeit in Anspruch genommen. Dieser große Erfolg, sowie die Unmöglichkeit einer absoluten Bewertung verschiedensprachiger Schlagsätze haben uns veranlaßt,den ersten Preis zu verdoppeln. Unter Kontrolle eines öffentlichen Notars wurden am 4. April die eingegangenen Lösungen geöffnet, eingehend auf die Richtigkeit der Lösui gder Preisfrage geprüft und nach demSchlagsatz bewertet. Am 21. Aprilwurde auf Grund dieser Vorarbeiten unter Kontrolle eines öffentlichen Notars von der Direktion der Fa.„PHILIPS"nachfolgende Entscheidung getroffen: 1. Preis«: 1 Grammoradio„Philips-Super-Inductance" im Werfe von Kc 10.000.—'• Frau Anno Ohnhetser, Fachlehrersgattin, Kolleschowitz für den Schlagsotz;„DengordischenWeiienknoten Europas löste nicht Filipp* Sohn Alexander, sondern Philips Super-Inductance." Herr Zdenök Vecka, Lokomotivführer, Jaromer a. E. für den Schlagsatz:„Vcera: Philips Radio, Dnes: Philips Super-Inductance, Zftra: Philips? Cim svet jeste prekvapi?" II. Preis« 1 Philips„Super-Inductance"-Empfänger 730 A im Werte von Kc 4.975.—» Herr Viktor Kiss, Tatranske Ma+Iiary III» Preis J 1 Philips„Super-Inductance"-En»pfänger 720A im Werte von Kc 3.975.—» Herr Ondrej Plavucha, Lehrer, Betliary 'IV. Preise: Je 1„Philips-Philector" im Werte von Kc 275.—: Herr Oskar Böhm, Prag X., Jungmannovo 4. Frau Hana Gregorovä, Bratislava, Tajovskö 8. Frl. Frieda Lewinsky, Pilsen, Jungmannova 29. Herr Prof. Dr. J. B. Kozäk, Prag VII., Zätiii 4. Herr Bretislav Fritz, Beamter, Brevnov, Näs Domov 449. Herr Vlad. Juricek, Brünn, Veveri 18. Herr Belomir Lonek, Michalovce, Tu reck ä 21. Herr Dr. Arnold Brichta, Vrütky. Herr Dr. O. Selisko, Velky Bockov, Podk. Rus. Herr Jan Pelikan, Privatbeamter, Prag XVI., Stefanikova 22. Außer diesen Preisen wurden 65 Trostpreise in Form von Phiüps-„Miniwat"-Röhren und Philips„Super-Inductance"-Uhren verteilt. Ein genaues Verzeichnis dieser Preisträger wird in den Zeitschriften:Europa-Stunde Nr. 19, Radiojournal Nr. 19, Prehled Rozhlasu Nr. 4 und Radioujsäg Nr. 19 veröffentlicht. Die Preise werden am 9. Mai den Preisträgern mittels Post zugesandt. PHILIPS-RADIO Kauft bei unseren Inserenten! Verbandstoff-Werke, Teplitz-Schönau Bauet Betonstrassen! Betonstrassen werden ausschließlich aus heimischem Material und durch heimische Arbeiter hcrdestellt. FABRIK: TURN-TEPLITZ, MARIASCHEINERSTRASSE 27. Verbandwatten, Verbandstoffe, medizinische Pflaster, chirurgische Gummiwaren und Krankenpflegeartikel aller Art.„Sonderabteilung: Säuglingsausstattungen“. Vertragliche Lieferanten des Reichsverbandes deutscher Bezlrkskrankenversicherangs- Anstalten in Prag. Sämtliche Arflkel(Ur Turm- und Sporiverbände prompt und billiitst lieferbar. Ar. 108. Samstag, 30. 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So manche Hausfrau, di« aus Reinlichkeit-» liebe tüchtig und gerne Seife gebraucht— so viel wie möglich für den Körper, oft und richtig für die Wäsch«— weiß nicht, wie sehr sie sich bannt um di« Gesundheit verdient macht. 100 Allgemeine Genossenschaftsbank ficisdi- Sckhwarcn iRUh (VSeobecnä druistevnf banka) BredovskA 4. PRAHA II.(neben der Hauptpost). Telephon: 22751- 5. Sette Samstag, 30. April 1032. «r. 103. BAUUNTERMEHHUNG GESELLSCHAFT M. B. H. s .-Nr. 25676,37403 TIEFBAU BETONBAU: WASSERBAU VERLANGET ÜBERALL VOLKSZÜNDER! t Oeffentliche Gebäude Siedlungen ♦ Industrieanlagen ♦ Wohnhausbauten» Geschäftshäuser ■ Isen beton Fundierungen Behälter S frassen bau Brückenbau Schachtbau Regulierungen Berä umungsarbeiten Tel.-Nr. 25676, 37493 Zentrale In Prag»., Nr. 30. Tel FILIALEN in Aussig B. E-, Teplitzerstrasse 41, Karlsbad, Haus„Edelweiß“, Marienbad, Haus „Hubertusburg“, Reichenberg, Karlsgasse 22, Gablonz a. N., Lerchenfeldergasse 66, HOCHBAU: VOLKS ZUNDER SOLO A.S.I. 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Republik, Samstag, den 7. und Sonntag, den 8. Mai 1932 in Aussig a. E,, Stadtbücherei. Tagesordnung: Samstag, de« 7. Mai: '§aH612 Uhr Dorrn.: Eröffnung der Ausstellung„Bauen und Wohnen". 2 Uhr nachm. ordentliche Vollversammlung der Hauptstell«. 4 Uhr nachm. Vortrag Berwaltungsrechts« rat I. von Gruner,, Berlin:„Das Bau« sparwesen." 6 Uhr nachm. Stadtamtmann O. Bauer, Leipzig:„ErwerbSlosenfiedlung", Lichtbildervortrag. Sanutag, den 8. Mai: 5 Uhr vorm. Bürgermeister a. D. B. Schwan, Berlin:„Die Wohnbautätigkeit in Deutschland und hie Ziel« der deutschen Wohnungsreform", LichtbUdervortrag. 11 Uhr vorm. Besichtigung der Auffiger WohnungShauten. i%2 Uhr nachm. bei schönem Wetter Dampferfahrt Nach Tschernosek. Interessenten der Wohnungssürsorg« willkommen. WohnungSaumelduugen bis 4. Mai an das Bürgermeisteramt Aussig. 8183'''■■■-- e-Flechte Vertretung Groß-Prag VIII.. Üben. Cesko- moravskä 12. 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Ofen-. Klinker-, Schamottewaren und Kaolingewinnung beschäftigt sind. 156A Der Verband als freigewerkschaftliche Organisation> gewährt seinen Mitgliedern Unterstützungen bei Streik. Arbeitslosigkeit. Uebersiedlunz. Entbindungen und Sterbefällen sowie unentgeltlichen Rechtsschutz bei Streitigkeiten, die aus dein Arbeitsverhältnis entspringen. Jedes Mitglied erhält auch kostenlos die Fachzeitung. dnJscMosIM Sitz: Teplitz-Sdiönau Wattstraße Nr. 1859 Franzensbad 450 m ü.d. M„ in ebener Lage, in herrlichen, ausgedehnten Parkanlagen. Das erste Moorbad der Weit.' Hervorragendes Frauen- und Herzheilbad. Die stärksten Glaubersalzquellen(17 g Natriümsulfat im Liter). 27 an Eisen und Kohlensäure reiche Mineralquellen. Hervorragende Heilerfolg« bei allen Arten von Herz- u. Gefäßerkrankungen. Frauenleiden. Kinderlosigkeit, Blutkrankheiten, Nierenleiden und Krankbeiten dpr Harnorgane, Gicht, Rheumatismus und chtonischer Stuhlverstopfung, selbst in den schwersten Fällen. 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Lederröcke braun Nappa...,. Golf- u. Pumphosen engl. Muster In unserem Verband sind die Arbeiter und Arbeiterinnen aus den Berufen loie: Schneider, Modistinnen, Kürschner, Wäschearbeiter, Büglerinnen, Hutarbeiter, Berber, Schuhmacher. Sattler, Taschner, Kossermacher, PorteseuiUer. Ledergalanteriearbeiter, Niemer, Handschuhmacher und -Näherinnen, sowie di« Angestellten im Friseurgewerbe vereinigt. Der Verband vertritt die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen seiner Mitglieder und hot folgende Unterstützungrzweige eingeführt: Streft» und Gemahregeltenunter- stütznnq, Arbeitslosen», Reise-, Hinterbliebenen-, Entbindung«- sowie Unterstützung in besondere» Notfällen und Rechtsschutz bei Streitigkeiten aus dem Lohn- und Arbeitsverhältnis. Auster dem Zentral sekrrtariat in Reichenberg, Luftgasse 10, Telephon 1707, unterhält der Perband für Mähren und Schlesien«in Dekre- tariat in Ren-Titschein, Bollshaus, Teleph. t5.'. Für di« Ortsgruppen im Erzgebirge befindet sich eine Verwaltungsstelle in Abertham, llonsum- verein, Telephon 25 und für Westböhmen ein Sekretariat in' Hous„Mentone", Telephon 1264. Parteigenossen»ich Genossinnen, werbet Aittämpser für unseren Verband! Muster und Preiscouranis versenden wir nicht. STRÄNSKV Prag, Hybernskä. Anzüge Anzüge Anzüge Anzüge blau, Kammgarn....••. ! Raglans modern, zweireihig..'.•. Überzieher grau Diagonal, große Mode...•. Hubertusinäntel wasserdicht... Nr. 103. SamStag, 30. April 1932. Leite. Festtag der Arbeit!] Maifeier im freien Spanien. Zange hatte das arbeitende und freiheitsliebende Spanien unter einem militärischen Diktator geschmachtet. Der König war den politischen Bewegungen in seinem Lande nicht mehr gewachsen, urt^ als der erbitterte Bolkszvrn di« durch Kanonen und Soldaten erzwungene Diktatur abgeschüttelt hatte, brach auch kurze Zeit darauf die Monarchie zusammen. Der eitle Repräsentant einer überholten Staatsform floh ins schützende Ausland, und der Weg für eine freie, demokratische Nationalversammlung war geöffnet. Die Republikaner, die lange heimlich vor-- gearbeitet hatten, übernahmen die Staatsmacht. In diese ersten Tage der sich festigenden Republik Spanien fiel im vorigen Jahre der Proletarische Feiertag des ersten Mai. Die südlich-freudigen Spanier, die früher. in Prozessionen, Osterfesten und Karnevalsumzügen ihre Schaulust befriedigt hatten, nahmen sofort, die Gelegenheit wahr, den ersten Mai nicht nur Äs internationales Fest der Arbeit zu feiern, sondern auch als Freiheitsfest der neuen spanischen Republik. Der Tag, der schon sett Jahrzehnten vom klassenbewußten Teil der gesamten Arbeiterschaft der ganzen Welt in würdiger Weise begangen wir»',, wurde zu einem hohen MetzMhen Feiertage für die spanische Bevölkerung, Ihr der Hauptstadt Madrid, wo früher der König gesessen und sich nun die neue republika- Ursche Regierung konstituiert hatte, herrschte strengste ArbeitSruhe. Das ganze geschäftliche und gewerbliche Treiben war auf 24 Stunden unterbrochen. Keine Läden, keine Gast- und Bergnü- gunMtätten durften geöffnet sein. Di« Zeitungen erschienen nicht. Die öffenttichen Verkehrsbetrieb«, die Sttaßenbahn und die Untergrundlxchn, lagen still. Kein Fuhrwerk, kein Mietsauto und«tu privates war zu sehen. Nur die Wagen der Aerzte hatten freie Fahrt. Die sonst von wildem Lärm durchtobte Hauptstadt Spaniens bot ein nie gekanntes Bild festlichen Friedens. Selbst das Mich« laute Straßenleben einer südlichen Stadt, die laut schreienden Händler und die vielen, vor den Türen sitzenden Menschen waren verschwunden. Man sah nur sonntäglich gekleidet« Gestalten, di« hinan- zu den breiten Promenaden eilten, um am Demonstrationszug teilzunehmen. Hier atmete ein seit vielen Jahren geknebeltes Do» in frischer selbst erkämpfter Freiheit auf und war geioillt, seinem neuen Staate die ganze Begeist», rüngsfähigkest und Opferbereitschaft feinet südlichen Seele zu schenken. Auf den breiten Promenaden, die sich durch das Zentrum von Madrid ziehen, bildete sich der imposante Demonstrationszug, an dem sich die gesamte Arbeiterschaft der Hauptstadt beteiligte. Sämtliche Gewerkschaften waren mit ihren über die ganze Straßenbreite reichenden roten Bannern erschienen, auf denen in bunten Farben und Stickereien die Embleme der verschiedenen Berufe angebracht waren Hell leuchteten die roten Fahnen der Freiheit gegen den tiefblauen Himmel, und in ehernem Takte markierten die begeisterten Arbeiterbataillone, die ein Leben lang für diesen Tag gekämpft hatten. Auch die politischen Organisationen der Arbeiterschaft waren vertreten. Bor allem aber zahlreiche Bereinigungen der republikanischen Jugend zeigten, daß Spaniens neue Generation mit der überholten Monarchie und dem Terror der GeneralS- diktaturen gebrochen hatte. Die Vorkämpfer für eine freie Republik waren die Studenten; welch ein Gegensatz zu unserm verspießerten, nationalistischen Korpsstudententum! Oft genug waren die Universitäten wegen republikanischer Um, triebe geschlossen worden, und nun feierte auch die studierende Jugend mit ihren Bannern den endlich erlebten Tag der Freiheit zusammen mit der Arbeiterschaft. Dem Zuge voran schritten die alten Führer der Arbeiterbewegung, an der Spitze di« sozialistischen Mitglieder des republikanischen Mini- steriunls. In ihrer Mitte führten sie den greisen Dichterphilosophen und Vorkämpfer der spanischen Erhebung M i g u e l d e U n a m u n o. Ganz langsam wälzte sich der Riesenzug durch die Promenaden bis zum Columbusplatz. In dem vornehmen, von Adelspaläften eingefaßten Paseo de Recoletos hallten nun die wuchtigen Schritte von Ärbeiterkolonnen, wo früher nur Sporengeklirr und die Anfahrt der Wagen der Feudalherren zu hören gewesen waren. Eine gewaltige Menschenmenge säumte den Weg und begrüßte mit endlosem Jubel die voranschreitenden Führer. Hüte flogen, Männer umarmten sich, und die allgemeine Feststimnmng ging höher als jemals zuvor. Am Nachmittag aber.ergoß sich dqs festeS- freudige Volk in die weiten, ehemaligen^ königlichen Parkanlagen vor der Stadt. Als äußerxS Symbol der endlich erlangten Bolksfreihekt wurden zum erstenmal die früher für die Königs- familie reservierten Gebiete der Allgemeinheit geöffnet. Bei Spiel und. Tanz endete der erst« wirklich freie Maitag der spanischen Arbeiterschaft. k. m. NaLBoisdiatt. Das ist das Große Das ihr jetzt Erkennen sollt: Im Toben dieser Zeit Stirbt eine Wett. Sie fallt Im Sturm, Der aus der Tief« schreft Und über ihr Wie letzter Richtspruch Grollt. Jetzt fallt Im Sturm Was schmutz- und Wahngeboren Sich hoch empor Zu Götterallmacht hob Zerbricht wie Glas In schweren Riesenfausten Was kühn Dem Ewigen Die Stirn« bot. Im Wetterleuchten dieser Zett Stirbt eine Welt. Sie fällt Und reißt im Stützen Blutig« Wunden. l Das aber ist's Was ihr f Erkennen müßt: Daß dieses Stürzen Heilung und Gesunden— Daß dieses Sterben Auferstehung ist Daß sich Aus Sturm und Blut Ein Neues ringt Und zwischen Bersten Und Verderben Der nahe Tag Schon Seine Lieder singt.' Hebt höher jetzt.* Tie großen Purpurfahnen Laßt sie Wie Fackeln In die Sturmnacht Wehen— Daß alle. Die voll Traum Und Sehnsucht Sind Im Flammeurot Aufdammernd Neuland Sehe«. Erna Haberzettl, „Arbeitest du auch, Ma Eine Geschichte aus dem roten Wien. 9« Von Emmy Sleberer. „Mama, was für ein Feiertag ist der erste Mai?" Die Maniküre ließ einen Moment die Hand der Mama los und blickt« aus Mädi. Mädl hatte gerade ihre, Puppe«in anderes Kleid angezogen und kam mit ihrer Frage etwas unerwartet in di« Still«, die in Mamas Boudoir herrschte. Mama lag in einem Seidenpyjama auf dem Sofa und Hansi, die Maniküre, saß auf einem Hocker daneben und manikürte sie. Matna war jung und wunderbar gepflegt. Sie konnte Bridge spielen, Klavier,«nd nahm Gesangstunden bei einem charmanten Professor, zu dem Mädi „Onkel" sagte. Mama las ab und zu ein Buch. Bom Sozialismus wußte sie allerhand, in erster Linie von ihrem Mann, der Fabrikdirektor war. Sie wußte sogar, daß der erste Mai der Tag der Arbeiter sei und das erzählte sie jetzt Mädi. „Was sind Arbeiter?" fragte Mädi und stülpte ihrer Puppe eine Dollymütze auf. „Arbeiter sind Menschen, die arbeiten", erklärte die Mama. „Arbeitest du auch?" fragte Mädi wißbegierig. Hansi beugte sich tief über Mamas Hand, um ein Lächeln zu verbergen. „Nicht so richtig", sagte die Mama wahrheitsgetreu. „Arbeitet Papa?" „Ja, Papa arbeitet. Sogar sehr viel." ,Lst Papa ein Arbeiter?" „Nein, ein Arbeiter ist er natürlich nicht." Mädi dachte nach.„Ist Hansi eine Arbeiterin?" „Eigentlich nicht", sagte die Mama und wurde nervös. Hansi blickt auf. Ihr frisches Gesicht mit den hellen Augen ist ernst auf Mädis Mutter gerichtet.- i „Ich möchte das nicht gelten lassen", sagte sie ruhig.„Wenn man unter einer Arbetterin nur eine Frau versteht» die in einer Fabrik arbeitet, bm ich gewiß keine. Aber wenn man den ganzen Tag Damen manikürt, frisiert, massiert, ist man doch auch eine Arbeiterin. Ich wenigstens fühle mich als Arbeiterin." Peinliche Stille. Hansi hat noch nie über derartige Dinge mit Mama gesprochen, eigentlich mit keiner ihrer Kunden. Aber das hat sie ihr jetzt sagen muffen, der Frau Direktor. „Morgen gehen Sie wohl auch mit auf die Straße," fragt die Mama kühl. „Morgen nicht, aber heute zum Fackelzug." Mädi springt auf.„Ist ein Fackelzug? Darf ich auch mit?" „Um die Zeit bist du doch langst im Bett," sagt die Mama ungeduldig. „Aber bitte, nur zuschauen! Kommen da alle Arbeiter, Hansi?" Hansi erscheint Mädi sehr kompetent. Sie hat die Puppe weggelegt und blickt die blonde Hansi gespannt an. „Alle nicht, aber sehr, sehr viel. Auch daS Rathaus wird beleuchtet sein. Hast du das schon gesehen? Das sieht auS wie im Märchen." Jetzt war die Mama wirllich peinlich be- rührt.„Sind Sie etwa auch Sozialdemokratin, liebe Hansi?" fragt sie und zieht die bis auf einen schmale« Strich rasierten Augenbrauen hoch. „Ja, Fra« Direktor. Ich wüßte nicht, was ich sonst sem sollte." Hansi ist sich klar darüber, daß ihre Chefin toben würde, wenn sic wüßte, welche unvorsichtigen Gespräche sie mit ihren Kundinnen führt. Die Frau Direktor denkt nach. Ihr Stubenmädchen hat sie im Verdacht, eine Rote zu"sein, die ältliche Köchin geht alle Sonntage in die Kirche, scheint aber doch irgendwo mit dem roten Bazillus infiziert zu sein. Die Bedienerin ist bestimmt rot, die Wäscherin höchstwahrscheinlich. Im eigenen Haus ist man von Roten umgeben. Und die Arbeiter in der Fabrik des Herrn Direktor sind auch alle rot... Sie hatten sogar einmal richtig gestreikt und der Herr Gemahl war sehr, sehr aufgeregt gewesen und hatte ihr damals sogar eine kostspielige, ach so unbedingt notwen- oige Reise verweigert... Die Frau Direktor wußte auch, daß es in der Fabrik einen Betriebs- rat gab, eine sehr unbequeme Einrichtung. „Minna hat gesagt," läßt sich Mädi wieder hören,„daß morgen alle Leute rote Nelken tragen. Urtt» morgen darf niemand arbeiten." Also vom Stubenmädchen bezieht Mädi ihre Informationen? Daher ihre Interesse am 1., Mai? Mama ist empört. „Nicht alle Leute tragen rote Nellen. Wir zum Beispiel nicht." „Mama steht auf. Hansi erhebt sich auch, die Nagelpflege der Frau Direktor ist beendet. „Ich wünsche Ihnen einen schönen 1. Mai," sagt sie gnädig und mit ein wenig Ironie. „Oh, danke," antwortet Hansi ruhig." Es tut immer wohl, einen Tag auszuspannen. Guten Tag, Frau Direktor, auf Wiedersehen, Mädi." Hansi zieht unten in der Billa ihren einfachen Tweedmantel an, drückt die Bastmütze aufs blonde Haar und geht. Komisch, denkt sie. Ich lebe hauptsächlich von den Händen dieser Damen, die nichts arbeiten. Diese Hände brauchen meine Hände, um schön und gepflegt zu sein. Und ich kann gerade davon leben." Hansi fteigt in die Straßenbahn ein, um in eine andere Billa zu fahren, andere geschonte, gepflegte Hände zu maniküren. Müde kam Hansi abends nach Hause. Ihr war eigenllich bitter zumute. Jeden Tag manikürte, ondulierte, frisierte man Frauen, deren Hauptinteresse ihre Toilette waren, ihre Reisen, ihre Geselligkeit. Man sah täglich htpx8, Wohlleben, elegante Behaglichkeit. Und selbst war man jung, hübsch, lebenshurmrig, wollt« auch irgendwie teilhaben an den Gütern und Freuden des Lebens. Gewiß, Hansie verstand eS, sich auch mit wenig zu freuen. Aber e» gab doch tausend Dinge, die sich ein junges Mädel wünscht, die es braucht, und für Hansi waren sie««erreichbar. Sie läutete an der Wohnungstür, rahm die Mütze ab und strich müde das blonde Haar zu- rück. Die Tür wurde aufgerissen, List stand vor chr, die jüngere Schwester, strahlend vor Freude. „Du Hansi, denk dir nur, der Gustl läßt sich organisieren. Das schenkt er mir zum 1. Mai. Ist das nicht herrlich?" Und sie fiel der Schwester um den Hals. Hansi war ganz überrascht. Der Gustl? Lifls Verlobter, der Sohn aus alter Beamtenfamilie, mit der Schwester als Couleurdame bei der Studentenverbindung mit den himmelblauen Kappen? Wie hätte List um ihn gekämpft. Die beiden jungen Menschen hatten sich von Herzen lieb, und nach vielen Kämpfen war es zur Verlobung gekommen. Gustl war Lehrer und sie sollten in einem halben Jahr heiraten. Lifl hatte ihn in Versammlungen geschleppt, ihn mit Lektüre versorgt, mit der ganzen Ueberzeugungs- kraft, die einer liebenden Frau innewohnen kann, auf den Freund einzuwirken gesucht, um die schmerzliche Trennungswand auS ihrer jungen Liebe hinwegzuräumen. Gustl hätte zuerst milde und verliebt über ihren kindlichen Eifer gelächelt, hatte sich mitschleppen lassen, hatte gelesen. Und jetzt hatte Lifls hingebungsvoller Erfer wirllich Früchte getragen? Hansi blickte die glückstrahlende Schwester ernst an.„Und tut er es wirllich dir zuliebe? Um dir die große Freude zu machen? „Ganz, ßonj bestimmt." „Dann ist ja alles gut," sagte Hansi tvarm. „Also freust du dich auch? Und was wird dein Hans sagen? Jetzt sind wir zwei einige' Paare! Schau nur," rief sie eifrig, lief zum Tisch und wickelte eine dunkelrote Krawatte aus Seidenpapier.„Das scherck ich ihm zum 1. Mai. Fesch, was? Ich schenk chm etwaö^ weil’■ mir vorkommt, als ob Geburtstag Ware. Ist dir nicht auch so, Hansi?" „Ja," sagte die Schwester, warf den Mantel hin, als ob sie damit alle ihre Sorgen und trüben Gedanken von heute Wegschleudern wollte, und reckte die jungen Arme.„Wie Geburtstag!" nie Müll kam der Arbeiter. Ans einem Flugblatt der 48 er RevelnllM, Die sozialen Ideen, die wahrend einer Revolution vorherrschend sind, geben über den Charakter her Umwälzung den sichersten Aufschluß, zeit» gen von der Zusammensetzung der verschiedenen Bollsklassen, vor allem von dem erlangten Reifegrad der Arbeiterklasse. Das Deutschland der 48er Revolution aber war vorwiegend kleinbürger- lich, weder eine starke kapitalistische Bourgeoisie, noch orn kraftvolles, klassenbewußtes. Proletariat waren vorhanden. Diesem soziologischen Entwickc- lungsstand entsprach der revolutionäre Geist, wie er in nachstehendem Flugblattöauszug typisch zum Ausdruck kommt: Der Mangel an ökonomischer Einsicht, begründet in der ökonomischen Rückständigkeit Derrtschlands, wird ersetzt durch ethische und moralische Räsorrnements. Aber der Goist des Ganzen, der gesunde und natürliche Instinkt, die offene und gerade Art, die sich in den zehn Geboten bekundet, dürfte auch in unserer verwirrten Zeit, wo der Streit um dm Arbeiter und die Arbeit heftig tobt, noch von- einigem Nutzen sein. Erstes Gebot: Du sollst arbeiten. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. So steht«S geschrieben. Und doch essen viele, die nicht'arbeiten. Das muß aufhören. Zweites Gebot: Du sollst kernen Aiüßiggän- gcr neben dir dulden. Wenn du einen siehst, der ntüßig neben dir steht und fähig zur Arbeit ist, w gib ihm ein Schurzfell und eine Hacke und sprrch zu ihm: ,^Jetzt schaffe! Denn siehe, Bruder, wenrr du müßig gehst, muß ich deinen Test Arbeit mir übernehmen und das ist unrecht. Darum schaffe, reicher Müßiggänger." Drittes Gebot. Du sollst keine Sklavenarben verrichten. Alle Menschen sind frei und gleich. Es wird keiner Äs Sklave geboren. Es braucht keiner ein Sllave zu werden. Deine Arbeit kann und muß eine freie sei«, eine solche, die deinen Fahlheiten und Neigungen entspricht, deinen Geist nicht erdrückt und deinen Leib nicht erschlafft. Nicht zum Vorteil eines anderen sollst du arbeiten und zum Nachteil deiner selbst. Nicht als Sllave für eine« Herrn sollst du arbeiten, sondern als freier Mann für dich und deineir Bruder, der gleichfalls wiederum für dich u«d sich arbeite:. Die einzigen Sklaven, die eS geben soll auf dieser Welt, das sind die Maschinen, die dem Menschen untertan sind. Viertes Gebot: Du sollst gerechten Lohn'für deine Arbett fordern. Wenn man dir sagt, die Geschäfte gehen schlecht, dein Lohn muß verkürzt werden, du mußt dich fügen in die schlechte Zeit ustv.— und dir so nach und nach den gerechten Lohn entzieht und dich zum elendesten der Lasttier« macht, so antw.orte: Di« schlechte Zeit macht ihr, nicht wir. Eurer Habsucht, eurer unersättlichen GeDgier, eurer wllen Konkurrenz wegen gehen die Geschäfte schlecht, ihr überrennt euch einer den andern und in euren Fall wollt ihr uns Arbefter mit hrneinziehen. DaS niuß aufhören! Wr halbe« den Preis der Waren zu bestimme«. Seite SB« S|meU isn« He« 108« i Die Jugend klagt an! „Barbaren*— ein Roman Uber das Studentenproblem. „Die gnadenlose Anklage der studentischen Jugend vereinigt sich mit der Anklage der Arbeiterschaft und der der Angestellten jeden Berufes, und alle wenden sich gegen das heute herrschend« System."«unter Weisend««:„Barbaren." Wir, die sie schaffen, nicht ihr. Wir wollen einen gerechten Lohn für unsere Arbeit, denn jeder ^Arbeiter ist seines Lohnes>v«rt. Fünftes Gebot: Du sollst keinen Hunger lei» jden. Siehst du, es fällt kein Sperling von dem jDacbe aus Hunger; kein Wurm kriecht im Grases !der sich nicht sättigt; kein Fisch schwimmt im Wasser, der verschmachtet. Und du, Mensch» mühtest Hunger leiden? Warum das? Baust du nicht das Ackerfeld, reifen dir nicht die Aehren in !die Hand, bäckst du nicht selber das Brot, brichst idu nicht selber die Frucht vom Baum? Warum .sollst du Hunger leiden? Ein Narr, der für andere .arbeitet und für sich hungert.. i Sechstes Gebot: Du sollst nicht in zerrissenen Kleidern gehen. Die Veilchen auf den Wiesen, die Rosen in den Gärten haben schiminernde Ge- iivänder an, der Bogel trägt ein schmuckes Feder» kleid, der Bär hat einen ganzen warmen Pelz. sHast du nicht den Flachs gesäet und die Seide gellponnen, hast du nicht des Königs Purpurmanlcl Gewebt? Warum willst du in Lumpen gehen? s Siebemes Gebot: Du sollst dich deineSs .Lebens freuen. Der Zweck des Lebens ist, daß der Mensch glücklich sei. Hast du alle» getan, was »nötig ist zur Erhalturrg und Verschönerung deS Menschenlebens— hast du dem Boden die Rah- «ung abgerungen, hast du dem Geiste Flügel gegeben, d. h. bist du ein ganzer Mensch, gesund au .körper und Geist geworden, so mußt du glücklich ifcht und dich des Lebens freuen— du und alle! deine Brüder! ' Achtes Gebot: Du sollst in Ehren leben. Ehre! d. h. ei soll keiner über dir stehen und dich! verhöhnen:„Arbeiter, unwissender Arbeiters armer Arbeiter!" Nein, du sollst zu jenen sagen,! die bisher van deinem Schweiße sich genährt:! „Müßiggänger, arme Müßiggänger! Ich verzeihe euch alles, was ihr an mir verschuldet. Ich reiche, euch die Bruderhand. Auch ihr sollt in Ehren' leben, durch eure Arbeit!" Neuntes Gebot: Du sollst' dein Obr der-! schließen vor den Pfaffen. Der Baum der Tr-i kenntnis ist der Baum des Lebens. Die Pfaffen^ hie nichts tun wollen, und doch leiben, schwelgen wollen, scheuchen dich zurück vom Baum der Er«! kenntnis.„Nicht hier," sagen sie, sollst du ge» »ließen, sondern jenseits. Hier dulde, dort oben wirst du belohnt." So bieten sie dir ein Schem- gericht, um das wirkliche selbst zu genießen. Du ober sollst erkennen, daß da» Recht zu lebe« z»-! , Aeich das Recht^Mmch M sein," hier MSlichj zu sein, ist. Zehntes Gebot: Du sollst deinen Nächstem lieben wie dich selbst. Nur so gelingt e» dir, betj Knechtschaft dich zu zu entziehen. Nur so kannst! du wahrhaft frei sei«, den» Freiheit wrib Gleich»- heit gehen nur von einem dritten, der Bröder- lichkeir, aus. Haß und Neid entzweien, Liebe ver» einigt. Einzeln bist du schwach, in Gemeinschaft stark und kräftig.— Ein Dokument also aus der Frühperiode der deutschen Arbeiterschaft find diese zehn Gebote. Mer sie bergen doch schon Ideen, die Hann als Grunderfordernisse der Arbeiterbewegung erkannt »mb sozialistisch durchdacht Worden sind. „Mut haben heißt, seine eigenen Fehler einsehen, ln ihnen lernen, sie meistem, steh von ihnen nicht bewältigen lassen, vielmehr seinen Weg weiter- lehen. Mut haben heißt, die Wahrheit suchen und sie ;agen, sich nicht dem vorübergehenden Gesetz der triumphierenden Lüge unterwerfen, unsere Seele, i nsern Mund und unsere Hände nicht zum Wider- i all einfältigen Beifalls und des fanatischen Hohnes •.u machen.“ Jean Jaures. Es gab im Wintersemester 31,82 in Deutschland 137.000 Anwärter ans akadümsch« Berufe. Ter jährliche Zugang auf den Universitäten beträgt rund 30.080, der jährliche Abgang rund 7000. Im selben Wintersenrester wurde jeder dritte Studierende unterstützt und jeder siebente Akademiker war erwerbslos. Es ist«ine für die deutsche Studentenschaft äußerst beängstigende Statistik, die Günter Weiseriborn, ein bis nun unbekannter Autor und allem Anschein nach selber Student, in einem im Sieben^täbe-Berlag, Berlin, erschienene» Buche Barbaren. Roman einer studentischen Tascklrnnde" als Einleitung voranschickt. Allgemeingültigkeit wird man den Gestalten des Romans ebenso wenig zubilligen, wie man auch manche Verallgemeinerung, die dem Autor beliebt, ablchnen muß, dennoch muß gesagt tver- den, daß es ein starke», mit hervorragender Begabung geschriebenes Buch ist. Der Roman spielt in Bonn im Jahre 1983 zur Zeit-es Ruhrkamp- fes und der Separatiftenbcwegnng, feine Personen sind«ine Anzahl Hochschüler, jener Generation entstamnrend, die al» Schuljugend Entbehrung und Jammer der KriegSzeit erlebt und die als Hochschüler in die wilde Atmosphäre der Inflation, der Ruhrinvafio« und deS Separatistenputsches hineingeriet. Barbaren nennt der Verfasser diese nm ihre Jugend bestohlenen jungen Menschen und sein Buch ist auch„barbarisch" geschrieben, das ist mit Raichbeinigkeit und mitunter auch mit Zynismus. Dennoch ist es ein höchst beachtliches Werk, dem wir die nachstehenden kurzen Leseproben entnehmen: 3Mfe M* Wirklichkeit: Diese Jugend ist nicht gut anzusehen. Diese Jugend war mit strahlenden Idealen aufgezogen worden, sie hatte in den Schulen Gebrauchsanweisungen für da» Leben erhalten, ethische, moralische, vaterländische, vÄigiöse. Aber als die Jugerrd sie anwenden wollte,, die strahlenden Ideale, diese heroischen Postulote, siehe, da paßten sie nicht auf die Welt. Sie hätte« für eine Welt der Lesebücher und freundlicher älterer Herren gepaßt, aber die vorliegende Welt war leider gang anders. In dieser Welt raste der Hunger, der Haß, die Heimtücke, der Profit, die Anarchie. In dieser Welt kam es leider nicht auf die edlen Stirnen der Jünglinge an, sondern auf die eisernen Kiefer. Weiß der Teufel, mit-jenen Idealen war da nicht viel angufan- gen. Sie nützten nichts, jene Gebrauchsanweisungen für di« sittlich gereiften, gebildeten jungen Männkr an» gutem Haust. Romantik— Desillusion: Da» ehrwürdige Alter war durch die wenig ehrwürdigen Jähre demoralisiert worden. Die Jugend kannte keine Autoritäten mehr, die Jugend hatte keine verehrungswürdigen alten Leute mehr zur Verfügung, denn alle älteren Leute waren in der Rot au» den Fugen geraten und traurig anzusehen. Die Studenten waren ganz auf sich stlbst gestellt. Sie waren auch etwas verroht, ach ja, es stand schlecht mit der Romantik. Oder will man etwa behaupten, daß die möblierten Zimmer mit dem BiS» marck an-er Wan- und dem Plüschsosa romantisch wären? Oder der Wechsel, den man am Ersten bezog und-er am Zweiten schon die Hälfte weniger wert war, oder das Mensa-Essen? Zu einer Mond» fchemfahrt langte es schon gar nicht mehr. Man mußte ständig an seiner Romantik arbeiten, wenn man sie bewähren wollte. Diese Stadt, diese lautlose, zerfließende Stadt, die unter einer Kuppe von Dunst mühsani dahindämmerte, dich« Stadt bchaß keine Romantik mehr, diese Stadt bchaß nur noch den Verfall. Diche Menschen waren Ruinen, diest Gedanken waren Ruinen, dstse Universität war«ine Ruine, diese Romantik war eine Ruine. SS waren bchten- falls Ruinen mit Vorgärten.... Kohldampf schieben... Wenn der Kohldampf brannte, wenn die Armut in die Herzen stach, wenn es nicht»»ehr weiterging, rotteten sich die Studenten zusammen und gingen in den Wald. Hier erwartete sie keine Hilfe, kein Brot, kein Geld. Hier erwartete sie ein Berg mit dunklen, feuchten Bäumen, weichem Boden und Havzgeruch. Und wenn es großartig wurde, erwartet sie das bekannt« Gefühl, dem ein Mensch ausgeliefert sein soll, wenn«r das Gesicht hebt und wenn über schattenhaften Baumwipfeln einige Sterne treiben. Es gehört etwas Nachtwind dazu und kein Gchpräch und bißchen halbwüchsiger Kohidampf. Und diese kleine klägliche Horde von gepeinigten Studenten steht planmäßig still, hebt die erhitzten Stirnen, die Augen wachen auf. Man flüstert. Jeder fühlt: Brot wäre jetzt ziemlich wunderbar oder«in Schweineschnitzel. Aber dies hier ist auch gang schön. Jedenfalls ist es erhebender, auf solch« Art Kohldampf zu schieben. Wie sie leben... Systematisch im Jahr« 1923 voraenommene Feststellungen ergaben unter den Studierenden 75 Prozent übernormal großer Menschen mit mehr oder minder starker Disposition.zu Lungentuberkulose, 59 Prozent waren untergewichtig, 65 Prozent hatten unterwertig« Gesamtkonstitution. Das Gesamtbilder Unterernährung war erschreckend. ... und schufte». Borbeeke gab Nachhilfestunden bei verdrossenen Tertianern, er warb Inserat« für Bäckevzeitungen, «r tippt« fremdartig« Abhandlungen eines Professors von der Sternwarte, er versetzte feinen z>Veiten Anzug, seinen Kofstr, er pumpte herum,«r aß bei den Schwestern, er blieb am Leben auf«ine geheimnisvoll« Weist. Er diskutierte in Kammeisttzungen, er arbeitete als Studentenvertreter in der Eingelfürsorgekom- mission:. i. beantragt« Kuraufenthalt in Davos ... im Schwarzwald»... beantragt« Zufatznahrung: amerikanischer Kakao und«in halbes Liter Milch täglich.... Bin einverstanden mit langfristigen Darlehen... mit einmaliger Unterstützung... befürwortet« Gebührenerlaß,.. Freitisch? Ja.... Freitisch? Ja.... Freitisch? Ja.... Ein Drittel aller Studenten erhielt Freitisch. An was in Eurapa soll»«an sich denn halten? Dar gibt es, das«inen«traft, emporzieht, vorwärts stößt? Ist den» nirgends ein« groß« Idee, die stichhält? Di« nicht zersthäumt, wem» man sie anpackt? An wa» in Europa kann sich«in junger Mensch halten? Dst alten Ideal« liegen in der Asche der Verachtung, Gott versagt. Wenn man chn scharf ins Ange faßt, zieht er sich vorsichtig in stine Mystik zurück, wie in«in Bett. Gott wird gehandhabt,»nn Morde, Verrat»nid Verbrechen zu rechtfertigen. Früher starb»»an für Gott, heute muß man anscheinend gegen ihn sterbe«. Di« Gesetze!- tafeln, di« so«Vie Gesetze verkünden, haben Kehrseiten, auf denen das Gegenteil ficht. DaS Volk? Ach, dar Volk schlägt sich in Putschen mit Knüppeln auf den Kaps und pflanzt sich Patronen in die Brust. Die Jugend sucht ei» Idee, einen Halt und irrt durch die europäische Literat«, stößt überall zu, .stößt überall in» Leere und begeistert sich für di« Meißner-Formel, für materialistisch« Geschichtsauf- fasiung, für Rimbaud, für großdeutsche Zukunft, für Paneuropa, für katholische Lithurgen aus Maria Lach, für atonale Musik, für Jugendbewegung, für daS Dritte Reich, für religiösen Sozialismus, für Gandhis HeilSlehr«, Pazifismus, für NSA., für SchelerS Phänomenologie, für Fußball!— Hier stehen Zehntausend« von jungen Menschen, von Studenten, dst kämpfen wollen für«in« lebendige Idee. Do ist sie? Einsam vor lauter Kult«. Wie ist daS nun mit dem Innenleben? Seit Jahrhunderten überlegen sich schon all« Bollbart« di« Sach« mit dem^Innenleben. Aber je mehr mau ferne Gedanken und Gefühl« studiert, desto tiefer finkt man in ihren Strudel. Psychologie, Freud, Kierkegaard, Schopenhauer, Plato: nichts wie Innenleben! Der ganze Mensch ist bei denen nichts al» ein« dünne Hülle über einem aufgepumpten Innenleben. Wir quälen uns ab mit Eudämonie, Wachtraum, Apperzeption, mit Lyrik, und, hol der Teufel» den ganzen Loden, aber wir müssen ihn studieren, wir achten auf unser« Gedanken, kontrolliere» unsere Empfindungen, errechnen unser« Reaktionen und vergleichen alles mit Gedrucktem. Halt, Student! Das ist der Grund, warum die gebildete Schicht auf dem Mond sitzt und im praktische» Leben versagt. Ihr seid private Nabelbeschauer im Zeitalter der Masse. Für euch e?b stiert nur Gedachtes, aber nichts, war«an anfassen kann. Gewiß, ihr faßt nur eine Kaffeetasse an, oder «ine Fahrkarte, oder einen Busen, aber nur weil da» Innenleben keine Hände hat. Ihr pumpt euer Gemüt auf, eure Kultur, lacht sie an, weint sie an, vergleicht, pflanzt an, erntet, Ihr seid einsam vor lauter Kultur. Und draußen erhebt sich«in« riesenhafte Realität. Ihr aber könnt sie nicht erkeirnen, weil ihr Tränen in den Augen hab: vor Einsamkeit. DaS Innenleben der Heranwachsenden Bürger ist nichts als«in« Hand voll läutender VinetaS, und darüber schwimmen Bachkadaver und Randaas. Die gebildete Schicht wird unwichtig, wenn sie nicht politisch wird. Di« Forderung für die Gebildeten heißt: Richt Ausstieg aus dem Volk, sondern Ausstieg mit dem Volk! Und darum sag ich dir, Student, steig herunter von deinem hohe« Innenleben! Draußen fallen die Entscheidungen! Da gehörst du hin. Schließ dich auf, verlaß dich selbst, beacht« nicht mehr dich und deine Persönlichkeit! Die Welt braucht jeden, der von sich selbst absehen kann, die Welt geht einer Entscheidung entgegen. Da muß di« Jugend einsetzen. Wo bleibt di« akademische Jugend, wo bleibt sie!... Die Mm-Demoustratio«. Endlich war das Urteil gefällt. Der Richter legte Toga und Barett ab unv verließ den Saal mit raschen Schritten. Im leeren Berhand- lüngszimmer blieb nur Herr Vinzenz Sumper, ausgelernter Schneider, gegenwärtig Kanzleischreiber, der schon seit Jahren vergeblich auf feste Anstellung und eine Erhöhung des Gehaltes wartete. Eilig legte er die Protokolkbogen in Sie entsprechenden Fächer, schlichtet« alles ordnungsgemäß, tat unter den letzten Bogen noch seine schnörkelhafte Unterschrift und legte ihn zu Sen übrigen. Dann verschloß«r seinen Schreibtisch, nahm Hut und Ueberzieher, warf unwillkürlich, so wie«r es immer zu tun pflegte, wenn Ser Herr Richter anwesend war, ein devotes Lächeln in der Richtung des Verhandlungstisches und ging hinaus, seinen Abendspaziergang zu absolvieren. Sein« dünne, hagere, geduckte Gestalt richtete er empor, streckte die eingefallene Brust nach vorwärts, hob den Kopf und ging die langen Straßen dahin, um die erquickende Frühlingsluft ein wenig einzuatmen. Es war der erste Tag des Mai, und das Wetter war. wundervoll. Ein mildes Lüftchen strich dem abgerackerten Kanstisten mit einer Lieblichkeit über das.Gesicht, wie er sie niemals vorher gekannt hatte, löste ihn von den grauen Gedanken des Alltags und stimmte sein« Seele mit- einer gewissen Verträumtheit. Er vergaß fein Bureau, seine kranke Frau und seine blassen Kinder, vergaß den ewig unzufriedenen und stänkernden Herrn Richter, der ihn stets mit jener Brutalität behandelte, die das Verhältnis des Vorgesetzten zum Untergebenen nur allzu leicht ermöglicht, vergaß die stechenden Schmerzen, die er seit einigen Monaten in der Brust spürte, vergaß da» jammervolle Elend sein«» ganzen Daseins, denn in diesem Augenblick« lächelte ihm eine andere Welt entgegen: Di« Felder standen im ersten FrühlingSzauber, die Erde strömte einen wundervollen feuchten Dust auS, di« Bäume rauschten, und der Himmel, der da» weit« Erdgelande wie mit blauer Seide überspannte, war so leicht und selig, als neige er sich zu jedem Menschenkind und küsse alle Wunden und jeden Schmerz. Plötzlich verlangsamt« d«r dahinwandernd« Schreiber seine Schritte... Von fernher drang ein seltsames Rauschen an sein Ohr, wie daS Echo eines gewaltigen Sturmes oder di« Kunde von einer großen Umwälzung in der Natur. Mächtig, ernst und ae- waltig flössen diese Töne dahin, vereinigten sich zu rhythmischen Klängen, zu einem kraftgewaltigen, siegesstarken, wundervoll ergreifenden Liede. Von fern erblickte er ein« geschlossene Menschenmasse, die sich in langer, unabsehbarer Reihe ihm entgegenbewegte, sich bald zu ernem undurchdringlichen Knäuel verdichtete, dann wieder m breiten Fluten über die Gehsteige ergoß, und über all diesen Tausenden flatterte purpurn und leuchtend daS Arbeitsbanner. Es war die Maidemonstration, der gewaltige Protest der geknechteten«Proletariermassen gegen Ausbeutung und Willkür. Den Kanzlisten überlief«in Schauer. Diese Sozialisten waren ihm schon immer irgendwie unsympathisch gewesen. Im BerhandinngSsaal hatte er ja manchmal Gelegenheit, verschißene dieser abgearbeiteten, berußten und staubbedeckten Gestalten zu sehen, auf deren Gesichtern sich aber ein unverkennbares Selbstbewußtsein malte. Immer geschah diesen Leuten angeblich Unrecht, der Richter war, ihrer Meinung nach, nicht so wie er sein sollte— kurz, sie glaubten rein, inan könne die Welt ganz nach ihrem Belieben uinkrempeln. Er lachte oft über dieses Gesindel und hatte eine Helle Freude, wenn einer der Herren„Genossen" ordentlich verknackt wurde. Kanzlist Sumper blieb stehen. Mit schweren, feierlich ernstem Schritt kamen sie nun auf ihn zu, langsam und gewichtig, von der siegreichen Melodie des Liedes getragen, das machtvoll in die vornehmen Häusergevierte einschlug und allen Volksbedrückern und Blutsaugern Warnung und Anklage entgegendonnerte. Mit weit ausgerissenen Augen starrte der Kanzlist vor sich. Er wußte: das ist daS Lied der Sozialdemokraten, und deshalb ist eß ein furchtbares und ein sündiges Lied. Ab» die dayinziehende Menge ihm schon ganz nahe war, wurde daS Lied von neuem angestimmt. Den Kanzlisten ergriff ein maßloses Staunen: er hatte jetzt plötzlich das Gefühl, als stiegen diese Worte aus seinem eigenen Herzen in di« Lüfte empor. Deutlich und klar sprachen sie von der Sklaverei des Arbeiters und von den Qualen, di« das Proletariat erdulden muß» sprachen von dem Tag, an dem das Banner der Unterdrückten über dem Leichnam der Ausbeutung triumphieren wird. Immer gewaltiger schlug dieses Sieb an die Kammer seiner Seele, Strophe um Strophe rauschte, sturmausgepeitschten Wogen gleich, m die Ferne, und jedes Wort blieb mit hypnotischer Kraft in seinem Bewußtsein hasten. Schon kannte er das ganze Lied, schon verstand er seinen Inhalt, schon sang er mit. DaS war sein Lied, das war das Lied seines bitteren Elends, seines geknechteten Daseins. Der Sklave hatte seine Ketten zerschmettert und verkündete den Kampf.— baut««ine neue Welt des Glückes, der Bruderliebe und der friedfertigen Zusammenarbeit. Ja, das war sein Lied. Irgendeine verborgene Kraft hatte ihn erfüllt, ein seltsamer, bis dahin noch niemals empfundener Stolz hob seine Brust, und kräftig mit den Füßen aufschlagend, ging er in den Reihen des singenden Proletariats mit und fang, sang... Daß diese Leute beschmutzt und berußt waren, daß sie schwielige HärÄc und ein von Mühsal und DaseinSkanflfl zerfurchtes Antlitz hatten, vergaß er jetzt vollkommen. Bon Be- wunderung erfüllt, blickte er nur auf ihre starken Schultern, auf ihre in heiliger Begeisterung erhobenen Köpfe und auf das flammende Leuchten, das auf ihrem Antlitz war. In der Nähe dieser Leute fühlt« er sich stark und voll Hoffnung und Vertrauen. Di« Worte des Liedes aber donnerten immer gewaltiger, je näher man sich dem Zentrum der Stadt nähert«, klangen wie ein titanischer Kampfruf gegen alles, was alt, schlecht und modrig ist. In diesem Augenblick hob Sumper den Kopf und schrak zusammen. Vor ihm stand im Widerscheine der sinkenden Abendsonne das Gerichtsgebäude. Sumper blickte hinauf, und eS war ihm, als würden die vielen Fenster ihn drohend und zugleich spottend anschaueu. Wie das fchosphoreszierende Leuchten funkelnder Schlangen zog ihn dieses tiefrote Licht in den Fenstern an. Die schwache Natur des mutlosen Sklaven vermochte nicht, sich von allen Ketten seines Daseins loSzureißen. Erschrocken vor seinem eigenen liebermut und etwaige Folgen blitzschnell im Kopfe erwägeick», drückte er sich auS den Rechen der Demonstranten und lief blindlings gegen das Tor des Gerichtsgebäudes, Schwer keuchend fiel er in den dunkle» Korridor. Hinter dem Torflügel verborgen, beobachtete er nun die herannahenden Reihen. Mit der stnminen Verzweiflung eines ewigen Sklaven, der sich niemals mehr aufschwingen wird, mit einem grenzenlosen Abscheu vor der Schande seines eigenen Lebens, schaute er auf diese Menschen, die so stolz, so mutig und so fiegesgewiß dahergingen. Bewundernd schaute er aus sie, wie auf die Verkörperung des auferstandenen Frühlings und der schönsten, der heiligsten Hoffnungen. Und als er leise den Kehrreim der ,Internationale" wiederholt«, flössen Tranen der Freude über feine Wangen. tjDenr Polnischen nacherzählt.)