Ur 59. Admmem«tt«• Kedtngungen: «bonnement»- Prell pränumerando! «terteltährl. S,S0 Ml., monatl. 1,10 Ml., «öchentttch 23 Pfg. frei In» Hau«. «tnzelne Nummer 3 Pfg. Sonntag», Stummer mit illustrirter Sonntag», «eilage»Die Neue Welt- 10 Pfg. Pofi- Abonnement! SM Marl pro Quartal. Ptngetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für 1809 unter Nr. 7880. Unter ttreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 8 Marl, für da» übrig,«utland S Marl pro Monat. Rrfcheinl Ugltch»utzer Montag». Vevlinev Volksblstt. 16. Jahrg. Die Instrttons Gedillfr beträgt für die fechSgefpalten« Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche verein»- und Versammlung»-Anzeigen, sowie ArbetiSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 1 Uhr nachmittag» tnder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bi» S Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1S08. Telegramm-Adresse: „SolUldrmoKrel Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redakkion: 19, Beuth-Skratze 2. Freitag, den 10. März 1899. Expedition: SW. 19, Beutlz-Skratze 3 Märzfeier im— Kölner Dom. Die Bedeutung der Märztage im Volke herabzudrücken, ist ein eitles Beginnen jener reaktionärsten und volksfeindlichsten Klasse, welche die Welt in den modernen Kulwrstaaten kennt, des preußi» schen Junkerthums. Der Eindruck, den der 18. März 1843 in ganz Deutschland machte, geht am besten aus der Schilderung einer Tobten« feier hervor, die zu Ehren der Märzgefallenen im Kölner Dom ver- anstaltet wurde und die die» K ö I n i s ch e Z e i t u n g" in ihrer Nummer vom 30. März 1848 beschreibt. Zu aller Erbauung drucken wir diesen Bericht ab.. Derselbe lautet: Die Todtenfeier im D o m e zu Köln. „Gestern(29. März) um 10 Uhr Morgens begannen die Glocken von unseren Thürmcn ihre dumpfen Klänge niederzuscnden; es w a r das Zeichen zur Todtenfeier für unsere Berliner Brüder. Bald erfüllten Tausende die weiten Räume des Domes, dessen Chor der ernsten Feier würdig ausgeschmückt war. Der Hoch- altar, von oben herunter mit breiten Trauerfloren überspannt und mit wehenden Chpressen besetzt, schimmerte im reichen Kerzenglanze; die Wände des Hochchors waren mit schwarzem Tuche aus- geschlagen, worauf die deutschen Fahnen, in jedem Felde kreuz- weise aufgezogen, als Einschuß der umkränzten Bürgcrkronen dienten. Inmitten des herrlichen Chores erhob sich ein großarttger Katafalk, dessen schwarz und weiße Trauerfarben durch die zierlich angebrachten grünen Kränze und Festons, sowie durch Cypressen und Palmenbäume einen sinnreichen Schmuck erhielten, während an den Ecken vier bronzene Kandelaher die Trauerlerzen aufnahmen. Oben auf der Mitte des Katafalks prangte zwischen den deutschen Flaggen eine schöne mit Immortellen und Eichenlaub be- kränzte Bürgerkrone, sowie an beiden Enden zwei Soldatenhelme ruhten.— Der Herr Erzbischof. die Herren Stadtkommandanten und viele Stabsoffiziere die Mitglieder mehrerer Behörden, des Gemeinderathes und die gesammte Bürgcrgarde nahmen an der erhebenden Trauer thcil. Eine Ehrenwache aus der Mitte der letzteren umstand, mit Trauerflor geschmückt, den Katafalk; eine andere Abtheilung derselben war der Aufrechterhaltung der Ordnung überlassen. Der Stadt- dechant Herr Domkapitular Dr. Filz zelebrirte das Todtenamt, die Trauerrede hielt Herr Domkapitular Dr. Broix. Die ergreifenden Klänge des Mozart'schen Requiem erhöhten die feierliche Stimmung der Versammlung. Wir haben damit eine eruste, heilige Pflicht erfüllt. Wir konnten die edlen Tobten nicht zu Grabe geleiten, die für die Freiheit des Vaterlandes starben, wir konnten ihre Schläfen nicht mit Lorbeern schmücken: so haben wir ihnen denn aus der Ferne und an heiliger Stätte einen letzten Scheidegrutz hinab- gerufen in die stille Gruft, wo ihre blutigen Leichname ruhen. Ja, eine Stunde ernster Erinnerung haben wir erlebt. Als die Glocken von unserem hohen Dome herab so feierlich erklangen. als dann ringsum von allen Thürmen ein trauerndes Echo wieder- hallte in die Ferne, da traten die Bilder der Vergangenheit uns vor die Seele. „Wir gedachten jener mond- und sternenhellen Nacht, wo die Straßen unserer Kapitale zu einem Schlachtfclde wurden. Blitz- schnell stiegen die Barrikaden aus dem Boden empor, hinter ihnen die todesmuthigen Streiter des Volkes, jenseits in Massen die knnstgellbten Krieger, und dazwischen das Knallen der Gewehre, das Donnern der Kanonen, das Wimmern der Sturmglocken von den Thürmcn herab, dazu der Himmel vom Brande geröthet. Und sodann gedachten wir jener feierlichen Stunde, in welcher Berlin seine Tobten zu Grabe trug. Nein, sogen wir nicht Berlin! Es war ein Volk, das an diesem Grabe stand. Es war ein König. der sein Haupt entblößte vor diesen Leichen. Stumm, in feier- licher Stille zogen diese Tausende hinaus zu jener Ruhe� statte für die Gefallenen. Und an dieser Stätte wird sich ein Denkmal erheben, welches der Nachwelt sagt, daß hier nicht nur ein Kirchhof, daß hier ein Pantheon ist. Gewiß, es ist ein großartiges Schauspiel, die Trauer eines Volkes! Sie ist doch etwas Anderes, als jene offzielle Trauer, die auf ein Kommandowott von oben angelegt wird. Sie giebt uns noch heute Zeugnitz davon, daß noch em deutsches Volk lebt, das einig ist in Freud und Leid. Ja, erinnern wir hier, an den Ufern des Rheines, in dem An- gefichte des deutschen Domes, in dieser ernsten Stunde an eine der Herr- lichsten Trophäen, welche in jener langen Todesnacht hinter den Barrikaden von Berlin, auf einem zweiten Leipziger Schlachtfelde, erkämpft worden sind. Nicht allein der Absolutismus, nicht allein das Militär- Regiment ist zu Boden geschmettert worden in jener Nacht: auch die künstliche Zwietracht zwischen den Stämmen unseres Volkes ist besiegt. Zwischen den Stämmen am Rheine und der Ostsee giebt es keinen Mißklang mehr. Von dem Preußennamen ist ein Schatten genommen, der am Rheine über ihm ruhte. Nach langer Entfremdung reichen wir dem Volke an der Ostsee die Bruder- Hand hinüber. Die schwarz-roth-goldene Fahne über dem Grabe der Gefallenen wird das Zeichen des Sieges sein. Und so mögen sie denn in Frieden ruhen in ihrer Gruft I Aber ruhen möge ihr Name, möge das Andenken ihres Todes nicht! Nein, der Gedanke an die Barrikadenkämpfer wird fortleben bis zu kommenden Geschlechtern: er wird, eine ernste Mahnung, um die Throne, um die Völker schweben 1" Aehnliche Todtenfeiern wurden in zahlreichen Kirchen des katholischen Rhcinlandcs heranstaltet, in welcher in gleicher Weise der Opfer der Revolution gedacht und sie verHerr- licht lvurden. Und wie wir aus dem abgedruckten Bericht ersehen, nahm an der Feier zu Ehren der Märzgefallenen nicht nur die gesammte katholische Geistlichkeit bis in ihre höchsten Spitzen theil, sondern auch— es ist schrecklich zu sagen, und muß unseren Junkern ob ihres Gebahrens heute die Schamröthe ins Angesicht jagen, falls sie der Scham fähig wären— die Spitzen der Militärbehörden, das heißt, die vornehm st en Stützen jeneSSystemS gegen das sich die Revolution richtete, wie das auch der geistliche Redner im Kölner Dom ohne Scheu aussprach. Das Denkmal im Friedrichshain, das als ein Pantheon empor- ragen sollte, in dem die Helden ruhen, die für des Volkes Freiheit gestorben, ist heute, nach einundfünfzig Jahren, noch nicht erstanden, und es wird nicht erstehen, so lange jener Geist in Preußen und Deutschland waltet, der gestern in den Zedlitz, den Putkamer, den Limburg- Stirum seine würdigen Repräsentanten im preußischen Abgeordneten- hause fand, das, selbst ein Produkt der Revolution, von denen be- herrscht wird, die die Ehre haben, als Volksvertreter in ihm zu sitzen, aber in Wirklichkeit Volkszertreter sind. Jenes Pantheon ist nicht nur nicht erstanden, nach einundfllnfzig Jahren ist der Haß der Reaktion gegen die Ereignisse von 1843 noch so groß und grimmig, daß nicht einmal die Errichtung einer ein- fachen Umfassung für die Ruhestätte der Gefallenen die behördliche Genehmigung findet. Wo aber bleibt die Energie des Bürgethums gegen Zustände die gleich sind jenen, die das Jahr 1848 für kurze Zeit unmöglich gemacht hatte? Das Bürgerthum hat seine früheren Ideale an den Nagel gehangen, pflegt sich den Bauch und jubelt demselben Mili- tarismus zu, den es einst als seinen bittersten Feindhaßte und be- kämpfte. Die Märzgefallenen haben bis heute kein Denkmal, aber daß sie es nicht haben, ist auch ein Denkmal, und zwar ein Denkmal von unserer Zeiten Schande._ Volitifichv Tlebevllrhk. Berlin, den 9. März. I-vT-Heinze. Länger als ein halbes Dutzend Jahre quält sich der Sitt- lichkeitseifer der Negierungen und der Reichstags-Parteien ein Gesetz gegen Laster und geschlechtliche Sündhaftigkeit zu stände zu bringen. Voran im Streite gegen böse Sinneslust marschirt das fromme Zentrum. Durch verschärfte Strafgesetz Paragraphen, durch neue Verbote soll die Unsittlichkeit des Volkes bekämpft werden, soll die Jugend vor Erregungen niedriger Leidenschaft bewahrt werden. Aber das Gesetz konnte nicht zu stände kommen, da zwischen den Parteien und den Regierungen keine Einigkeit über einzelne Bestimmungen zu erzielen war. Auch heute wieder erklärten die Regierungen durch den Mund des Herrn Staatssekretärs Nieberding: Wenn Unter nehmcr, die unter Mißbrauch des Arbeitsverhältnisses sich unsittlich an ihren Arbeiterinnen vergehen, einer besonderen Bestrafung unterworfen werden sollten, wie es Zentrum und Sozialdemokratie verlangen, so sei der ganze Entwurf un- brauchbar. Lieber also mag die in grellen Färben geschilderte Unsittlichkeit des Volkes fortwuchern, als daß den abscheu- lichsten Sittlichkeitsvergehen der Unternehmer besonders ernst lich entgegengewirkt werde! Doch diese ganze Gesetzgebung— selbst wenn sie in einigen Beziehungen geringe Besserungen bringen könnte— bleibt thörichtes, werthloses Flickwerk, so lange nicht auf die tieferen Ursachen der Unsittlichkeit zurückgegangen wird, welche in den sozialen Nothständen der unteren Volksklassen liegen. Die Rede des Zentrumsredners R o e r e n floß über von Ver- datnmniß des Schlechten und Unsittlichen, aber sie haftete durchaus am Aeußerlichen und Oberflächlichen. Erst unser Parteigenosse Bebel brachte die Debatte auf die Höhe, welche dem ernsten Gegenstand gebührte. Seine Rede brachte Feuer in die niüde dahiuschleichende Bcrathung, beleuchtete dies Problem bis in seine Tiefen und ermahnte die Eiferer für Volksversittlichung, der Unsittlichkeit in ihrer eigenen Klasse wohl zu gedenken. Bebel wandte sich gegen jene pharisäische Moralisterei, welche Steine wirft auf die sittlich Entgleisten, welche mit Gefängniß und Zuchthaus die Unsittlichkeit heilen will, die im tieferen Grunde eine Schuld der Gesellschaft ist. Er gab dem nationalliberalen Medikus Endemann, der die Prostttutton als unausrottbar erklärte, insofern Recht, daß allerdings auf dem Boden einer Ausbeutungsgesellschaft diese furchtbare Erscheinung nicht völlig beseitigt werden kann. Aber auch innerhalb der heutigen Gesellschaftsverfassung sei Besserung zu schaffen durch ern st hafte Sozialreform, durch Hebung der wirthschaftlichen Lage der in Industrie und Handel um gänzlich unzureichenden Lohn beschäfttgten Mädchen und Frauen. Diesen einzig erfolgreichen Weg der Sittlichkeits- bckämpfung zu beschreiten, lehnen aber die bürgerlichen Parteien ab, so daß ihr Sittlichkeitseifer überhaupt nicht ernst genommen werden kann. Bebel befaßte sich aber auch eingehend mit den Einzel- heiten des Gesetzentwurfs, befürwortete den Arbeiterinnen- chutz gegen Unternehmerschamlosigkeiten und lehnte ab das Zentrumsverlangen, daß das Feilhalten von Literatur und -zchriften, die gegen die Sittlichkeit verstoßen oder die Sinn- lichkeit erregen, bestraft werden solle, weil eine solche Straf- Bestimmung wirklich unsittliche Dinge nicht beseittge, wohl aber ein bequemes Werkzeug frömmelnder Bigotterie gegen -reie Kunst und Wissenschaft bilden würde. Bebel's Rede, die durchweg vom ganzen Hause mit dem größten Interesse gehört wurde, erregte allgemeine Sensatton, als der Redner zu einem scharfen Angriff gegen das Berliner Polizeipräsidium überging. Auch die scharfe Kritik wegen der Begnadigungen von Sittlichkeits-Verbrechern aus der„guten Gesellschaft" bildete einen der Höhepunkte der Bebel'schen Rede; der Präsident v. Balle st rem versuchte bei dieser Gelegenheit wieder einmal, die Redefreiheit zu beschränken; er mußte sich alsbald belehren lassen, daß er im Unrecht war, und Bebel führte die betteffenden Darlegungen bis zu Ende. Die Reden der übrigen Debatter waren herzlich un- bedeutend. Nur eine recht bemerkenswerthe Episode bot Dr. Endemann von den Nationalliberalen. Er benutzte nämlich die Gelegenheit, um sich und einen Theil seiner Partei- genossen ausdrücklich von denBetschwestern seiner Partei, den P a a s ch e und O r i o l a, loszusagen. Er glaube nicht an die„allein beseligende Macht der Kirche", Moral und Religion seien Wohl auseinanderzuhalten. Die Paaschs und Oriola mochten wohl vorher wissen, welche entsetzliche Ketzereien ihr Parteigenosse plane, sie hatten den Saal verlassen und beteten sicherlich irgendwo in einem stillen Kämmerlein ein Sühne- gebet für ihre räudigen Parteischäflein, die noch nicht zur lvahren und allein selig machenden Kirchlichkeit durchgedrungen »varen. Der Gesetzentwurf sammt den Abänderungs- und Zusatz- antragen aus dem Hause»vurde einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Es folgte noch die Erledigung einiger'Wahlprüfungen, wovon nur die Wahl des Abgeordneten S t ö ck e r zu erwähnen ist, welche beanstandet wurde. Freitag: Kolonial-Etat, Auswärttges Amt.— Der Etat deS„GeisteS". DaS Abgeordnetenhaus begann heute die zweite Lesung deS Kultusetats, die. wie alljährlich, mit langen Kulturkampfreden eingeleitet wurde. Zlvar bemühten sich die beiden Redner des Zentrums, die Abgg. Dauzenberg und Dr. P o r s ch, einen sanfteren Ton als gelvöhnlich anzuschlagen, aber nur in der F o r m ihrer Worte trat die versöhnliche Stimmung zu Tage, in der S a ch e selbst»varen sie entschiedener als je. Die Herren wissen, daß Zenrrum Trumpf ist, und sie präsentirten deshalb der Regierung anz ungenirt die Rechnung für all die Verrätherei, die sie seit ähren an dem Volke verübt haben. Für die Beschränkung der wenigen Rechte des Volkes, für die fortwährende Belastung des Volkes, »voran das Zentrnm im Reichstage nach Kräften mit thättg gewesen ist, fordert cs jetzt als Belohnung die Auslieferung derVolksschule mPreußen, an die Kirche um zu der Volksausbeutung und Volksentrechtung die sVolksverdummung hinzufügen zu können. Herr Porsch wies auch ganz offen darauf hin, daß das Zentrum darauf rechnet, daß die Stelle des Unterstaatssekretärs im Kultusministerium mit einem Katholiken, vielleicht sogar mit einem Mitgliede der Zentrums- fraktion besetzt wird. Die Antwort des Kultusministers Bosse war mehr als ent- gegenkommend. Zwar widersprach er nach lvie vor dem Verlangen nach einem konfessionellen Volksschulgesetz auf christlicher Grundlage, er zeigte sich aber keineslvegs abgeneigt, mit den Resten der Kultur- kampf-Gesetze aufzuräumen und feuerte das Zentrum sogar an. An- träge in dieser Richtung zu stellen, wozu er ihm das Material gern überlassen»volle. Wenn Herr Bosse bei dieser Gelegenheit davon sprach, daß die Gelvissensfreiheit das höchste Gut sei, in das der Staat auf keinen Fall eingreifen dürfe, so entlockt ein solcher Ausspruch aus dem Munde eines Mannes, der die b-sx AronS geschaffen hat und den Professor Delbrück zu maßregeln im Begriff ist, dem Zuhörer höchstens noch ein mit- leidiges Lächeln. Der Gute merkte nicht einmal den Widerspruch zivischen seiner Forderung der Gelvissensfreiheit und seiner Wen- düng: Der sozialdemokratische Satz:«Religion ist Privatsache", sei eine' große Lüge. Die Debatte verlief»vie alle Kulturkampf-Debatten. Die Redner de? Zentrums und der Nationallibcralen»vütheten gegen einander und»värmten den schon oft aufgetvärmten Kohl auf. Das Zentrum ischte die Nationalliberalen aus, diese das Zentrum, und nur der »eilige Paasche fühlte sich fernab von dem Parteigetriebe und jubelte allen Rednern zu. In die Forderung des Zentrums nach einem konfessionellen Volksschulgesetz stimmten auch die Konservativen mit ein, während die Freikonservativen entschieden gegen die Auslieferung der Schule an die Kirche protestirten. Als einziger Redner, der sich um die Kulturpaukereien nicht kümmerte, trat der Freisinnige Kopsch auf, um eine Abrechnung mit dem Landwirthschaftsmimster Freiherrn v. Hammerstein wegen seiner bekannten Rede über die Volksschule bei Gelegenheit der Be- prechung der Interpellation über den ländlichen Arbeitermangel zu halten. Seine scharfen Angriffe gegen den Landwirthschaftsminister lvurden von der Rechten mit großer Unruhe aufgenommen, und auch dem Präsidenten von Kröcher war es offenbar nicht recht, daß bei der Berathung des Kultusetats sogar über die Volks- 'chule geredet wird. Er fordette den Redner auf, endlich zum Kultusetat zu sprechen— ein Zeichen, daß er der Ansicht ist, daß das Volksschullvesen bereits dem Landwirthschafts- minister unterstellt ist. Auffallend war es, daß der Minister Bosse »vährcnd der Kopschsschen Rede den Saal verließ und dem Redner keine Antivort ertheilte. Die Erwiderung übernahm der sreikonservative Vielredner G a mp in Form einer in nüchternem Zustande gehaltenen und darum unwirksamen Bierrede. Eine so harte Strafe, von Herrn Gamp vertheidigt zu werden, hat der Landwirthschaftsminister denn doch nicht verdient. Morgen: Fortsetzung.— «« Deutsches Fleich. Die Kunst im Reichstag. Eine Reihe namhafter Münchencr Künstler haben, wie angekündigt, an den Erbauer des Reichstags- Hauses W a l l o t ein offenes Schreiben gerichtet, aus dem»vir �olgende Sätze wiederholen: Mit tiefem Bedauern und gerechter Ent- r ü st u n g haben wir Kenntniß genommen von den maßlosen Angriffen, die in der Reichstagssttzung vom 1. März ge- legentlich der Berathung über die künstlerische Ausschmückung des deutschen Rcichstagsgebäudes gegen Sie, den hochgeschätzten Er- bauer des Hauses,' und gegen andere hervorragende Künstler ge- richtet lvurden. Wir glauben, mit der gesammten deutschen Künstlerschaft einig zu sein, wenn wir vor der Oeffentlichkeit erklären, daß wir jenen peinlichen Vorfall aufrichtig beklagen und als eine unserem ganzen Stande widerfahrene Kränkung mitempfinden. Das Recht der freien Meinungsäußerung über künstlerische Fragen steht selbstverständlich jedermann zu; Zustimmung und Mißsallen offen aussprechen, kann auch dem wenig urtheilS- fähigen Laien nicht verwehrt werden. Wogegen wir aber mit aller Entschiedenheit Verwahrung einlegen müssen, das ist der geringschätzige Ton, die verletzende Form der züngsten Ausfälle eines Mitgliedes beS deutschen Reichs- tages gegen Künstler von anerkanntem Ruf, eine Form, die in jedem anderen Falle als unparlamentarisch gerügt worden wäre, und die hier umsoweniger entschuldbar erscheint, als der Inhalt des Vorgebrachten eine sachliche Begründung fast ganz vermissen ließ. Nicht unterlassen können wir es, unser Befremden darüber zum Ausdruck zu bringen, daß weder von Seite des Präsidiums noch aus der Mitte der Abgeordneten gegen eine derartige Vcr- unglimpfung ernster künstlerischer Arbeil energisch Einspruch er« hoben wurde. Jeder im Saale nicht anwesende Beanite irgend eines Ressorts pflegt vor allzu heftigen, gegen seine Wirksamkeit sich richtenden Angriffen durch den Leiter der Debatte geschützt zu werden. Den gleichen Schutz auch abwesenden, deshalb zu eigener Vertheidigung unfähigen Künstlern zu Theil werden zu lassen, scheint man nicht für der Mühe Werth zu erachten. Die Beurtheilung solcher Werthschätzung von Kunst und Künstlern können wir getrost der Oeffentlichkeit iiberlassen.... Ganz unerhört muß uns aber der Gedanke erscheinen, Ihnen hochverehrter Meister die fernere Einwirkung auf Ihr großes Werk durch Entziehung dsr Oberleitung über die künstlerische Aus- schmückung unmöglich zu machen. Wir setzen das feste Vertrauen in'die weitaus größte Mehrzahl der Mitglieder des Reichstages, daß sie einen dahin zielenden Antrag niemals zustimmen werden, und wir glauben auch, daß kein deutscher Künstler sich bereit finden lassen würde, die Stelle einzunehmen, von der Sie verdrängt worden sind." Herr Lieber hat sich diese Abkanzelung gewiß redlich verdient.' Aber zweierlei Einwendungen müssen wir gleichwohl hervorheben. Erstlich tst der Vorwurf gegen daS Präsidium in diesem Falle gänzlich un- gerechtfertigt. Selbst daS Strafgesetzbuch läßt mit Recht die Kritik künstlerischer Leistungen auch in der schärfsten Form zu, weil Angriffe gegen Kunstwerke nicht persönliche Beleidigungen ihrer Nr- Heber sind, weil der Vorwurf ästhetischer Unfähigkeit keine Ver- dächtigung des sittlichen Charakters ist, der allein beleidigt werden kann. Weiterhin aber wäre zu wünschen, daß die Künstler sich nicht nur dann muthia an die Oeffentlichkeit wagen, wenn es unberechtigte Angriffe von Reichstags- Mitgliedem abzuwehren gilt. In anderen Fällen, wo die staatliche Kunstpflege in schlimmster Weise beeinflußt worden ist, hat man von deriet öffentlichen Protesten nichts gehört, wenn man auch insgeheim derb genug geflucht hat.— Die sittliche Verrohung, der unsere Scharfmacher mehr und mehr verfallen sind, äuvert sich in einem Satze, den einer der „ P oft"- Finke im Stuinm'schen Geiste schreiben mußte. Das Blatt zieht aus den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über die Märzfeier den folgenden Schluß: „Man wird daher für den 18.� März mit einer Reihe von öffentlichen Demonstrationen der Sozialdemokratie und der bürgcr- lichen Demokratie zu rechnen haben, welche ohne Zweifel einen ziemlich lärmenden Charakter annchnien würden, wenn nicht der Erlast über den Waffengcbranch der Polizei beruhigend wirkte. Das ist echt Lockspitzel-Art, ja in kaum verhüllter Form Aus- retzung ,u Gewaltthätigkeiten der— Polizei. Aber diese Rohhcit ist zugleich sehr einfältig; denn die„Post" verräth hier, was die Reamonäre bisher eifrig bestritten haben, daß der Gchictzerlatz Recke s voch etwas Neue» sei, daß er ein« Verschärfung der früheren Bc- stimmungcn darstellt.— DaS Zentrum hat das Unglück, durch die—„ P o st" von dem Vorwurf gereinigt zu werden, daß es sich an die Regierung in der Militärfrage verkauft hat. Es habe nicht aus Berechnung, nicht um Gegenleistungen willen, feine ganze bisherige Anschauung fallen gelassen, sondern ans— Angst: „Die Bedentung liegt darin, daß das Zentrum mit seiner Erklärung auf Gegenleistungen für seine Leistung verzichtet, vielmehr einfach der Thatsachc Rechnung trägt, daß die Regierung entschlossen ist. aus der Ablehnung von Forderungen, welche sie für die militärische Sicherheit Deutsch- landS für nothwcndig erachtet, die äußersten Konsequenzen zu ziehen. Die Ncberzeugung, daß diese Entschlossenheit bei der Rc- flieniug vorhanden ist, und daß man gcgcbencnfallcs mit einer Wiederholung deS 1893 so erfolgreichen Vorgehen sdcr Regierung zu rechnen hat. ist schon im vorigen Jahre bei der Annahme der Flottenvorlagc von ent- scheidender Bedeutung gewesen, sie erlveist sich jetzt wieder als die Haupttriebfeder für eine der Regierung annehmbare Erledigung der Militärvorlage und wird auch in Zukunft sich als das wirk- fame Mittel bcivähren, von dem Zentrum die Bewilligung der für Heeres- und Flottenzwccke nothivendtgcn Mittel zu erlangen." ES ist nicht unsere Sache, dem Zentrum die Beschuldigung jammerlicher Feigheit abzuwaschen. Wenn aber die„Post" fabelt, daß 1893 das Vorgehen der Regierung, d. h. die Auflösung des Reichstags erfolgreich gewesen ist, so steht dem die geschichtliche That- fache gegenüber: Das Ergebniß der 1893» Wahl war eine große Mehrheit der Stimmen g e g e n die Militärvorlagc. Und auch im Reichstag wäre die Militärvorlage abermals abgelehnt worden, wenn nicht die Antisemiten, die in der Wahlagitation anfangs gegen � die Vorlage geradezu gewühlt hatten, elende Berrätherei geübt hätten, als es sich fügte, daß gerade von ihrer Abstimmung die Entscheidung abhing.— Dem Grafen Posadowöky wird zur Zeit eine„nervöse Abspannung" nachgesagt, die ihn zwingen würde. demnächst einen längeren Urlaub anzutreten.— Sollte er nervös geworden sein, weil seine Nachfrage über Arbeitcrterrorismus ihn den Unter- n e h m e r terrorismus entdecken ließ? Wird man in der„Urlaubszeit" geneigter werden, Stumm's Zuchthaussehnsucht zu be- friedigen?— Ein Entwurf von Vestimmnngen über den Betrieb von Getreidemühlen ist dem BundeSrath zugegangen. Darnach muß den Gehilfen und Lehrlingen innerhalb der auf den Beginn ihrer Arbeit folgenden L4 Stunden eine ununterbrochene Ruhezeit von mindesten» 8 Stunden gewährt iverden. Auf Wind- Mühlen findet diese Vorschrift keine Anwendung. Lehrlinge unter IS Jahren dürfen in Getreidemühlen nicht in der Nachtzeit von Kl/e tlhr Abends bis bVe Uhr Morgens beschäftigt werden. Die Be- sttmmungen sollen am 1. Juli 1899 in Kraft treten.— Gegen die zweijährige Ticnstzctt wühlen die ReaktionS- militaristen unausgesetzt. Der Herausgeber der„Intern. Revue über die Armeen und Flotten", Major v. Witzleben, fordert 2l/z jährige Dienstzeit nnd ZurücktranSportirung der Reservisten in ihre Heimaths- bezirke. Wenn auch die„Kreuz-Zeiiung" selbst an der Durchführbarkeit dieser von ihr lebhaft begrüßten„Reform" zweifelt, so zeigen solche Wühlereien, daß das deutsche Volk alle Veranlassung hat, den Gegnern der zweijährigen Dienstzeit gehörig auf die Finger zu sehen.—- Nicht in Ungnade gefalle». Vor einigen Tagen wurde be- richtet, der Kommandant des afiattschen KreuzcrgcschwaderS, Admiral von DiederichS, fei durch den Prinzen Heinrich ersetzt worden, tvcil er wegen Mangels an Taft im internationalen Verkehr in Ungnade gefallen sei. Dies soll nicht der Wahrheit eiitsprechen. Die„Nordd. Allg' Ztg." schreibt offiziös: „Dieser Wechsel war für jeden Kenner deS Dienstbetriebes in der Marine ganz selbstverständlich, da seit Jahren in der Marine der Brauch besteht, die im Auslände befindlichen Offiziere alle zwei Jahre abzulösen. Insbesondere sind Angaben, wie die, daß Admiral v. DiederichS in Ungnade gefallen sei und wegen Mangels an Takt und Unkenntniß der'Höflichjeiten im internationalen Flottengebrauche getadelt werde, völlig unbegründet." Auster dem NnterstaatSsekretär v. Weyrauch tritt nach der „Nat.-Ztg." auch der Wirkliche Geheime Oberregienmgsrath Dr. Schneider aus dem Kultusministerium in den Ruhestand. Wie der „Hannov. Cour." aus sicherer Quelle vernimmt, steht die Ernenmmg des Ministerialdirektors Dr. v. Bartsch zum Unterstaatssekretär im Kultusministerium außer allem Zweifel. Der Werth von Lippe. Justizrath Rechtsanwalt Affe- missen in Detmold hat gegen den Grafen Ernst zur Lippe«Bieste rfeld, den Regenten des Fiirstenthums Lippe, eine Forderung bei dem dortigen Gericht eingeklagt. Der Kläger glaubt, infolge Ertheilung von juristischen Rathschlägen in der'lippeschen Thronfolge-Frage finanzielle Ansprüche an den Graf- regenten zu haben, und beziffert seine Forderung nach der„L. T. Z." auf 9000 M. vorbehaltlich einer Erhöhung der Summe. DaS Streitobjekt ist auf 30 Millionen Mark bewerthet.— Man weiß nun wenigstens, welchen Kapitalswerth das Amt darstellt, ein kleines Ländchcn zu regieren, und man versiebt, warum dieser Posten so begehrt ist. 30 Millionen sind in der That keine Lumperei.— Eine Ausweisung nennt die„Konservative Korre- spondenz" den Ausschluß einer Sozialdemokratin aus der Partei und findet einen Widerspruch darin mit unserer Stellung gegen die Köllcrei.— Zu dumm, selbst für die„Kons. Korresp.'I So etwas sollte sie der„Post" überlassen.— Ter Dresch-Graf Pücklcr ist seines Postens als Amtsvorstcher enthoben worden.— Schade; denn nun kann er nur ohne die Autorität des Staates, als bloßer Privatmann, das deutsche Volk die Kunst des Dreschens lehren, und wird am Ende gar Redakteur der„Staatsbürger-Zeitung" werden müssen. Wer sich in unserer Zeit des Priigelkultus derart für schneidige Mittel begeistert, sollte doch die Treppe der staatlichen Karrieren hinauf fallen, nicht aber schnöde hinunter geworfen werden. Die Insel Helgoland war bisher— abgesehen von ihrer Nattirschönhcit— in deutschen Landen besonders durch die Leichtigkeit berühmt, mit der auf hclgoländischem Boden Heirathc» ge- schlössen werden konnten. Zahlreiche Pärchen, deren Verbindung in der Heimath irgend welche Schwierigkeiten entgegenstanden, gingen nach Helgoland, un: dort ohne viel Förmlichkeiten getraut zu werden. Das Bürgerliche Gesetzbuch beseitigt nun grausamerweise dieses Eheschließüngsrecht auf Helgoland. Eine beim Abgcordnetenhause eingegangene P e t i t t o n verlangt aber Erhaltung des bis- herigen Rechtes, andernfalls Entschädigung. Allerdings haben die Helgoländer für die Vornahme der in der Heimath der Brautleute unmöglichen Trauung recht hohe Gebührensätze ge- schaffen. Von jeder Trauung erhält der evangelische Pfarrer 100 M., die politische Gemeinde 57 M., ein besonderer Beamter 11 M., zwei Lebrer je 6 M. In den letzten fünf Jahren haben 10 der Betheiligten 104000 M. bezogen! 1898 waren die Einnahmen besonders beträchtlich. Die Helgoländer machen auch geltend, daß neben den Gebühren auch der Aufenthalt der Braut- lenke, mitunter auch eines Berwandtenkrciscs, eine Einnahmequelle bildet.— Vraunschtvcig, 9. März. Der Landtag nahm cndgiltig mit mehr als Zweidrittelmehrheit das neue Wablgesetz an. Damit ist die gcsanimte Wahl- und Steuergesetz-Neform in Braunschweig zum Abschluß gelangt.— Die badischcn WahlkrciSgcomcter haben das erste Stadium ihrer Arbeit hinter sich. Die Verfassungskommission der II. Kammer erhielt die Aufgabe, eine Verständigung der Parteien über die Schaffung eines neuen Wahlgesetzes für den Landtag zu suchen. ES besteht keine MeiniingSverschiedenheit darüber. daß entsprechend der großen Berinehrung der Bevölkerung mindestens eine Erhöhung der Zahl der Abgeordneten erfolgen müsse und zwar so, daß etwa ans 25 000 Einwohner ein Mandat komme. Der Zentrums- Abgeordnete Wacker arbeitet seit Jahren mit einem anerkenucnswerthen Fleiß an der Lösung dieser wahlgcometrischen Aufgabe. Nach allen Mctboden versuchte er, der Aufgabe gerecht zu werden, unter möglichster Schonung der staatlichen Verbände, mit Berücksichtigung der historischen und wirth- Ichnftlicheil Verhältnisse und der bisherigen Zusammengehörigkeit der ländlichen Orte eine größere Anzahl Wahlkreise durch Trennung oder Zusannncnlcgnng zu bilden und der Grundzahl von 25 000 Ein- wohnern möglichst nahe zu bleiben. Eine Subkom Mission von 7 Abgeordneten beschäftigte sich mit dieser Wahlkreis-Eintheilimg. Dabei zeigten die Nationalliberalen durch ihre systcinatische Negation, daß es ihnen um die Vereitelung der Mandatsvennchrnng ans Grund einer Neueinth eilung zu thun ist. Sie machten ihrerseits keinen Vorschlag zur Wahlkreis- Ein- thcilung. In der Hitze der Debatte entschlüpfle deni Abg. Binz aber das wichtige Geständniß, daß das bisherige Wahlsystem den thatsächlichen Wünschen des Volkes für die Besetzung der Zweiten Kammer gerecht würde. Das heißt also, daß die Zerschmclterimg der»ationalliberalen Herrschaft nnd die Vermehrung der sozialdemokratischen nnd bürgerlichen Opposition auch von den National- liberalen als ein Akt der historischen Nothwendigkcit und Ge- rechtigkcit angesehen wird. Die Subkommission kam am Dienstag mit 4 gegen 3 Stimmen zu dem Mehrheitsbeschluß, der Verfassungskommission die Wacker'sche Arbeit als Material zur Berathung zu unterbreiten. Für die vier größten Städte des Landes handelte es sich um eine Vermehrung der Mandate um 7, so daß Mannheim 5(3), Karlsruhe 4(3), Pforzheim und Freiburg je 3 l2) Abgeordnete zu wählen hätten. Daß die Sozialdemokratie hier, trotz des indirekten Wahlsystems, die beste Ernte haben wird, bezweifeln auch die Gegner nicht. Indessen arbeitet bei dem Widersland des Ministers Eisenlobr, seiner Rational- liberalen und der Pairskammer die Versassungskonlinissioii. worin die Abg. Drecsbach und Geck sitzen, für diesmal wieder pec> nttlilo.— Miiilchc», 9. März. Die Kammer der Abgeordneten nahm Herne mit 114 gegen 21 Stimmen das neue Gewerbe- st e u e r- G e s e tz an, svdatz nunmehr alle.zur Steuerreform ge- hörigen Gesetze von der Kammer der Abgeordneten genehmigt sind. — Die Kammer der ReichSräthe hielt heute ihre erste Sitzung in dieser Session ab. Präfident Graf Lcrchenfeld widmete den beiden verstorbenen Kanzlern des Deutschen Lteiches einen äußerst warmen Nachruf, in welchem er besonders die Verdienste Bismarcks hervorhob. Auch dem zweiten Kanzler, dem Grafen E a p r i v i, der Soldat und Ritter in seinem Weicn war und die ihm gestellte Aufgabe getreulich durchführte, werde Bayern stets ein treues Andenken bewähren.—(Im preußischen Abgeordnetenhaus ist deS Grasen Caprivi, der preußischer Ministerpräsident ivar, nicht gedacht worden.)— Polizeithatcn in Elsaß- Lothringen. Eine am Sonntag Nachmittag in M e tz stattgehabte Privaiversanimlu'ng der Maurer und Stciuhauer, bei deren Einberufung die einschlägigen gesetzlichen Vorschriften genau beachtet worden waren, verfiel wiederum der polizeilichen Auflösung. Der plötzlich im Versammlungslokal erscheinende Kommissar erklärte die Zusammenkunft als eine öffent- liche, die als solche der polizeilichen Genehmigung bedürfe, und mottvirte dies damit, daß die Einladungen an die einzelnen Theil- nehmer mittels gedruckter Formulare erfolgt waren. Daß dieses jeder gesetzlichen Grundlage entbehrende Vorgehen der Metzer Polizei gegen daS bischen reichsländischeS Versammlungsrecht sich in der Rcchtlosmachuug der politisch und gewerkschaftlich organisirten Arbeiterschaft erschöpft, während man den frommen und patriotischen Vereinigungen den weitesten Spielraum gewährt, dürfte den Kenner der elsäß-lothringischen RechtSzustände nicht sonderlich überraschen.— Chronik der MajcstätsbclcidignngS-Prozefse. Wegen Majestätsbeleidtguna war der Anbauer Grimminzzer auS Veltenhof aus Rache von dem Anbauer Ding und deffen Ehefrau, ebenfalls aus Veltenhof, bei der Staats- anwaktschaft denunzirt worden. G. wurde vom Landgericht Braun schweig freigesprochen.— Wegen M ä j e st ä t s b e l e i d i g u n g ist der von seinem Mitknecht demmzirte dänische Knecht Nissen Ohlsen, der zuletzt auf einem Hofe bei Kappeln diente, von der F l e n s b u r g e r Straf- kammer zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt worden. O. soll ungebührliche Bemerkungen über Wilhelm II. gemacht habe».—_ * Chronik der Gewaltthätigkeiten. (Vergleiche zum Dresdener Zuchthaus« KurS.) Man berichtet uns: Vor der Graudenzer Strafkammer stand am 4. März der Landwirth Wegen» aus Kl. Grabau, angeklagt wegen Frei- h e its b e ra u b un g, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung.' Am 27. Dezember hatte sich ein bis dahin bei ihm in Dienst stehender Arbeiter etwas angetrunken und war mit dem Angeklagten in Streit gcrathen. Schließlich verlangte der Arbeiter seinen Lohn und seine Papiere, weil er sich andere Arbeit suchen wollte. Wegen» rief ihn in sein Zimmer und der Arbeit», welcher glaubte, er würde abgelohnt werden, ging hinein. Sowie er das Zimmer betrat, ver- schloß der Angeklagte die Thür und versetzte dem Arbeiter mit einem harten Gegenstand einen der- artigen Schlag an denKopf, datzerzuBodenfiel; dem am Boden Liegenden versetzte er dann Stöße mit den Füßen gegen den Leib. Dann riß der Angeklagte ein Gewehr von der Wand und schrie:„Hund, ich schieße Dich todt." Schließlich ließ er den Mißhandelten aus der Stube. Nach einem ärztlichen Littest hat der Arbeiter durch die Fußstöße einen Leistenbruch davongetragen. Der Gerichtshof vernrtheilte den rohen Patron zu der Strafe von einem Monat Gefängniß.— Weibliche Niifsichtsbcaiute beim Fabrlkiiispektorat. Man schreibt uns aus Baden: In dem Augenblick, wo das preußische Abgeordnetenhaus sich mit der Frage der Anstellung vou Fabrikinspektoriunen prinzipiell beschäftigt und eine rückständige Auf- fassung den Sieg davon trägt, empfiehlt es sich, aus dem neuesten Bericht des b a d i s ch e n F a b r i k i n s p e k t o r a t s zu zeigen, wie die Regierung eines event. sortgeschrittenercu Staates üb» die Ver- Wendung weiblicher Beamten in der Gewerbc-Aufsicht denkt. Die badischc zweite Kammer nahm mit groß» Mehrheit auf Anregung der sozialdemokratischen Fraktion den Antrag an: Die Regierung aufzufordern. zwei zur Fabrikanssicht geeignete weibliche Personen auszuwählen und ausbilden zu lassen nnd im nächsten Budget die Mittel vorzusehen, damit dieselben als Assistentinnen der Gewerbe-Jnspektion angestellt iverden können. Der Bericht der Fabrikinspektion glaubt, daß zlvci Lösungen dieser«bei der Neuheit der Sache" noch undeutlichen Frage mög« lich sind: entiveder stellt man Arbeiterinnen od» ab» Damen an. Die erste Kategorie sollen„Personen etwa von der Qualität besserer Aufseherinnen und Wcrkmeisterinnen sein, denen die Ueber« wachnng des Arbciterschutz-VollzngeS mit Beziehung auf die weib- liche Arbeiterschaft zufiele; sie hätten ungefähr dasselbe zu thun, wie die männlichen Beamten. Sie würden aber nur einen Theil der routinemäßigen Geschäfte zu besorgen haben und ihre Mitwirkung würde mit geringen Ausnahmen bei Neuanlagen ausgeschloffen sein. Die Wegnahme eines Theils der Arbeit unserer männlichen Beamten Würde„die ganze Institution disfteditircn". Merkwürdigerweise glaubt die Fabrikinspektion bei der weiblichen Arbeiterschaft Badens voraussetzen zu dürfen, daß solche weibliche, proletarische Aufsichtspersonen ihr Vertrauen nicht so leicht erringen können, wenn sie nicht in einer Reihe von Jahren eine besondere Thätigkcit im Interesse der weiblichen Arbeiterschaft im Ganzen«nt- falten können in zusammenhängendem persönlichen Verkehr. Doch dürfe die Ausfüllung der Lücke nicht unterlassen werden. Denn, so führt der Bericht aus, die Frauenarbeit hat im Laufe der industriellen EntWickelung eine außerordentliche Ausdehnung ge- Wonnen und gewinnt fortschreitend immer mehr; viele Arten gewerb- lieh» Arbeit üben gerade ans den weiblichen Organismus eine schädigende Einwirkung, aus, und die Frauenarbeit hat im Ganzen auf das Familienleben nnd den ganzen Knlturzustand der betreffen- den Klassen einen großen Einfluß. Unter diesen Verhältnissen kann aber mit Recht ein Organ für zweckmäßig gehalten werden, welches die besonderen Interessen der lvciblichen Arbeiterschaft wahr- zunehmen geeignet ist, welches ferner alle die genannten Verhältnisse sorgfältig studirt, und befähigt ist, die Ergebnisse aller dieser Wahrirehmuiigen und Studien in ein» der Bedeutung der Sache entsprechenden Weise zur Darstellung zu bringen. Dazu eigne sich nur eine Frau von genügender wissenschaftlicher Bildung und Befähigung. Je nach den gemachten Erfahrungen wird man sich's überlegen, ob spät» auch eine andere Beamtin der erstgenannten Art anzustellen ist. Im Allgemeinen spricht sich der Bericht gegen eine zu rasche Vermehrung der Beamten aus und empfiehlt, darin ein mäßiges Tempo einzuhalten, schon deshalb, weil die Zahl der zu beaufsichtt- gendcn Betriebe nur um einige Hundert wächst und weil das Groß» herzogthum in der Zahl der ÄufsichtSbeamten sowohl mit Beziehung auf seinen Flächengchalt, als auch auf die Zahl der Anlagen und der in ihnen beschäftigten Arbeiter gegen die meisten anderen Bundesstaaten erheblich' zurücksteht. Wegen der im Vergleich mit anderen Bundesstaaten mäßigen Zahl von Aufsichtsbeamten ist aber darauf hinzuweisen, daß der badffchen Fabrikinspektion die Erfüllung ihrer Aufgabe von Anfang an dadurch erleichtert worden ist, daß sie sogleich in engen Zusammenhang mit der ganzen Behörden« Organisation gesetzt wurde. Ganz besonders kommt hier der rege Verkehr mit den Bezirksämtern in Betracht— namentlich für alle Dinge, die sich häufig wiederholen, und die sich hierdurch für den Vollzug ziemlich einfach gestalten, welche aber doch für die Sicherheit der Arbeiter und für die geordnete Beschaffenheit der gclverblichcn Anlagen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung haben. Wo es sich um größere Einrichtungen oder um besonders gelagerte Fälle handelte, ivar die Durchführung des Erforderlichen durch das orgfältige Eingehen aus diese Dinge seitens der großherzoglichen Bezirksämter für uns mindestens sehr erleichtert.— Eine blutige Gründling, lieber die„Ncvnst elektrische Licht A.-G.", der»vir schon einen Leitartikel gewidmet haben, schreibt die „Electrical Review", eines der ersten englischen Fachblätter: „Wir hatten geglaubt, daß die Gesell; chaft außer den Patent- rechten in verschiedenen Kolonien auch die für England selbst be- fitzen würde. Auch in diesem Falle wäre die dafür gezahlte Summe von 6 400 000 M. enorm hoch. Die Patentrechte für England be- finden sich jedoch im Besitz der Allgemeinen Elcktrizitätsgesellschaft, und obige Summe wurde gezahlt für die Rechte in zum Theil un- entwickelten Ländern, in denen ein erheblicher Bedarf nach irgend welchen elektrischen Lampen erst dann eintreten kann, wenn die Patente beinahe abgelaufen sein werden. Die Ucberkapitalisation, die in dieser neuen Gesellschaft statt- gefunden hat. wird nach unser» lleberzciigung eine gesunde Ent- wickelung derselben verhindern und wir würden unseren Lesern empfehlen, sich vom Ankauf dieser Aktien ernzuhalten, bis bessere Beweise eines schließlichen Erfolges vorhanden sein werden. Wenn die Gründer, Direktoren und berathenden Ingenieure der Nernst elektrisch Licht A.-G. von dem Erfolge so fest überzeupt sind, wie sie in ihrem Prospekt uns glauben machen wollen, io werden sie hoffentlich den praktischen Beweis dafür liefern und ihre Aktien fünf Jahre für sich behalten. Sollte» sie dann im Stande sein, dieselben zum Neuuwerthe abzusetzen, werden wir sehr überrascht sein und ihnen unsere herzlichsten Glück- wünsche darbringen." Soweit das englische Fachblatt, dessen Urtheil sich mit dem in unserem Leitartikel vom 28. Februar abgegebenen vollkommen deckt und daß unsere Leser hoffentlich veranlassen wird, auf den Gründungs- schwinde! nicht hineinzufallen.— Ausland. Der Militarismus in der Schlinge. In der französischen Deputirtenkammer stand am Mittwoch das Budget des Kriegsministeriums zur Debatte. Aus der in der gestrigen Nummer im Auszug wiedergegebenen Rede des Kriegsministers Frehcinet ist ersichtlich, daß bei den Franzosen der nmere Widerspruch im Militarismus sich fühlbar zu machen beginnt. Der französische Militäretat ist bereit? auf die ungeheuere Summe von 875 Millionen Franks angewachsen. Ob das über reiche Hilfsmittel verfügende Frankreich seine Leistungen noch höher zu schrauben vermöchte, sei dahingestellt, jedenfalls aber scheint es an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit bezüglich der Präsenzstärke angelangt zu sein. Bisher wurde im Deutschen Reichstage jede Mehrforderung für oen Militarismus mit dem Hinweise auf die gesteigerten Aufwendungen des Auslandes begründet. Namentlich wurden für jeden Soldaten, den der„Erbfeind" im Westen neu einstellte, regelmäßig auch von der deutschen Regierung ein paar Soldaten mehr gefordert. Dann folgte wieder das Ausland und gab der deutschen Regierung von neuem den Altlaß, mit Mehrfordcrungen an den Reichstag heran- zutreten. Und so ist das Spiel der europäischen Militärmächte seit 1871 fortgegangen. Immer größere Summen wurden gefordert, immer mehr der kräftigsten Leute der gewerblichen Arbeit'entzogen und in die Kasernen eingepfercht, um für den Vernichtungskampf vorbereitet zu werden. Nachdem sich Italien bereits finanziell erschöpft hat und den Rüstungen der übrigen Militärmächte kaum noch folgen kann, kann nun auch Frankreich nicht mehr Schritt halten, es fehlt ihm an Mcnschenmaterial. Wird nun die„Schraube ohne Ende" doch zu Ende sein? Wird man nun auch in Deutschland weitere Forderungen unterlassen, da Frankreich, der gefürchtetste Gegner, doch nicht mehr mit kann? Aber da kommt schon Rettung. Zugleich mit der Nachricht aus Frankreich kommt eine andere aus England. Großbritannien will seine Seemacht verstärken und da Deutschlands Zukunft ja auf dem „Wasser liegt", so wäre ja wieder die nöthige Begründung für weitere Forderungen, für neue Schiffe gegeben. Schweiz. Bern, 7. März.(Eig. Ber.) Die Ausweiserei dauert noch immer fort. Nachdem jüngst wieder zwei italienische Anarchisten ausgewiesen wurden, erhielt nun auch der Redakteur des in Lugano erscheinenden„Sozialista", der G e» o s s e T e d e s ch i den Aus- weisungsbefehl. Ob da ein Verlangen der italienischen oder der tessinischcn Regierung vorliegt, darüber verlautet nichts in der Presse, doch liegt diese Annahme sehr nahe. Im Kanton Tessin sind die Liberalen wie die Ultranmutanen gleich unangenehm berührt von dem Aufkomnten der sozialistischen Arbeiterbewegung und bei der in diesen Kreisen üblichen bornirten Bcurtheilung der Sozialdemokratie ist eS ivohl denkbar, daß sie von der Ausweisung des Redakteurs und Führers Tedeschi das Verschwinden der unbequemen Bewegung erwarten. Diese Hoffnung wird natürlich nicht in Erfüllung gehen. Vielleicht ist es möglich, die Stelle mit einem eingeborenen Tessiner zu besetzen, der dann keiu„fremder Fötzli" ist und den man daher auch nicht auf die so sehr leichte, aber auch sehr barbarische Art der Anslveisung los werden kann.— Zürich, 7. März. sEig. Ber.) Der am Sonntag hier versam- melt gewesene Vorstand des Schweizerischen Arbeiter- b un des beschloß, den Arbeitertag auf Ostermontag nach Luzern einzuberufen und auf die Tagesordnung folgende Punkte zu setzen: Wahl des Vorstandes und des Arbeitersekretärs, Förderung des Gewerkschaftswesens durch den Schweizer Arbeiter- vulld Meferenten Arbeitersckretär Greulich und der bekannte katho- lische Professor Dr. Beck von der Freiburger Universität), Vereins- freiheit(Referent Nationalrath Dr. Decurtin«), ArbeitSlosen-Ber- stcherung und Arbeitsnachweis(Rattonalrath Dr. Hoffmann), Kranken- und Unfallversicherung(Mitthetlungen über den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit). Femer wurde beschlossen, in kürzeren Zwischenräumen Konferenzen abzuhalten mit den Vorstands- mitgliedcm, Vertretern des eidgenössischen JndustriedepartementS in Bern und dem Personal des Arbeitersekretariats. Weiter soll das letztere„M o n a t s b l ä t t e r des schweizerischen Arbeiter- s e k r e t a r i a t s" im Umfange von 8 Seiten, eventuell von 16 Seiten, herausgeben mit folgendem Inhalt: Abhandlungen über sozialpolitische Tagesfragen, Mittheilungen über den Stand der wirthschastlichen Arbeiterorganisationen und Bewegung im In- und Auslände, über interessante Fälle aus der Praxis des Arbeiter- sekretnrints ec. Der Sitzung wohnte als Vertreter des eidgenössischen Ludustriedepartcments in Bern Dr. Kaufmann bei.— Italien. Italien in China. Zur Forderung der italienischen Rcgicnmg, ihr einen Hafen mit umliegendem Gebiet zu überlassen, erfährt die römische„Tribuna" von guter Seite aus London, der englische Gesandte in Peking, Macdonald, hab�der englischen Regiemng mit- gcthcilt, der Chef der chinesischen Regierung habe ihn gebeten, den italienischen Gesandten de Martina das lebhafte Bedauern auszudrücken, daß de Martina die Weigerung, seine Note entgegen zu nehmen, als Beleidigung aus- gefaßt habe. Die chinesische Regiemng wäre bereit, sich bei de Martina schriftlich zu entschuldigen. Die„Tribuna" fügt hinzu, die Entschuldigungen könnten erst dann vorgenommen werden, wenn die chinesische Regierung die Wiedervorlcgung der italienischen Note verlange und die versöhnlichsten Intentionen er- kennen lasse. Die„Jtalie" tbeilt mit, die amtlichen Kreise seien überzeugt, baß die Angelegenheit noch vor Ablauf eineS Monats endgiltig geregelt werden wird. Außerdem kommt noch aus Peking eine Nachricht, wonach eS erscheint, als wolle sich China mit einigem Anstand aus der Affäre ziehen, ohne doch die italienische Forderung erfüllen zu müssen. Danach werde von den Chinesen die Frage in Erwägung gezogen, ob es rathsam sei, Sanmun zum offenen Hafen' zu er- klären in der Hoffnung, auf diese Weise zu verhindern, daß es italienische Kohleustatiön werde. Jedenfalls sind die Italiener in China noch nicht so weit, wie dies nach einer Mittwoch Abend verbreiteten Zeitungsnachricht er- scheinen konnte. Aus Rom wird gemeldet: Die Meldungen auswärtiger Blätter von der Landung italienischer Secsoldaten in der Sanmunbai und von der Besitznahme eines Forts sind unbegründet.— Neil« Verhaftungen von Anarchisten werden aus Rom ge- meldet und zwar sollen es die Komplizen Acciarito's sein, der, ivie„Jtalie" behauptet, dem Gcfängnißdirektor gestanden haben soll. daß seiner Zeit ein Komplott gegen den König bestanden habe und daß er durch das Loos zur Ausführung des Attentats bestimmt worden sei. Das Attentat wurde, wie erinnerlich, am 22. April 1897 verübt und Acciarito zu lebenslänglichem Zuchthaus vcrurtheilt. Die trage nach Mitschuldigen verneinte er beharrlich; einige unter dem erdacht der Mitthätcrschaft Verhafteten mußten wieder entlassen werden. Die oppositionelle Presse erhob damals den Vorwurf, daß das Kabiuet R u d i n i eine Verschwörung nur erfinden wolle, um Grund zu Repressivmaßregelu gegen die Oppositionsparteien zu haben. Der„Avauti" ist der Meinung, daß auch die jetzigen Verhaftungen mit politischen Nebenzwecken in Verbindung stehen. Es sei kein Zufall, daß die Verhaftungen fast zur selben Stunde erfolgten, in der die Kammer die politischen Gesetze an eine Komnnssion verwies. Mft dem Gespenst der Verschwörung solle diese beeinflußt werden zc. Pelloux wird übrigens schon in den nächsten Tagen genöthigt werden, iu der Kammer über den Fall Rede zu stehen.— Frankreich. Die Niederlassung am Persischen Meerbusen. Nachdem im englischen Unterhaus die Erklärungen des französischen Ministers des Auswärtigen zur Maskatfrage desavouirt worden sind, sucht eine Note der„Ag. Hav." die Niederlage durch folgende geschraubte Er» klärung zu beschönigen: „Es muß hervorgehoben werden, daß, entgegen den Erklärungen deS Unterstaatssekretärs des Auswärtigen im Hause der Gemeinen die Handlung des Sultans von Maskat, nämlich die Einräumung eine? Platzes an Frankreich fiir die Anlage eines Kohlcnvorraths, weder das Recht, die Flagge zu hissen, noch das Recht, Befestigungen anzulegen, einschließt. Indem der Unterstaatssekretär erklärte, er habe dem brtttschen Agenten keine Mißbilligung kundgegeben, leugnete er nicht, daß er die Inkorrektheit deS Vorgehens anerkannt und sein tiefes Bedauern deswegen ausgesprochen hat." Ueber diesen Gegensatz der Auffassungen wird wohl zwischen den beiden Regierungen noch manches Wort gewechselt werden. Sachlich liegt die Angelegenheit offenbar so, daß Frankreich und England sich'auf Grund des Vertrages von 1862 dahin geeinigt haben, daß Frankreich seine Kohlenftatton bekommt, aber auf deren Befestigung und die Ausübung von Hoheitsrechten verzichtet.— England. Marineverstärkung. Die Voranschläge für die englische Flotte für das Etatsjahr 1899/1900 werden eine Erhöhung von ungefähr 3 Millionen gegen diejenigen für 1893/99 aufweisen. Das Parlament wird daher um die Bewilligung von nahezu 28 Millionen ersucht werden. Man beabsichtigt, die gegenwärtige Effektiv- st ä r k e um 4—5000 Mann zu e r h ö h e n, der größte Theil der Neuforderung ist jedoch für den Bau von Schiffen bestimmt. Spanien. Ueber die sozialistische Bewegung in Spanien wird der „Internat. Korr." aus Madrid vom 6. März geschrieben: Die Arbeiterparteien haben sofort nach Einsetzung der konservativen Re- gierung ihre propagandistische Thätigkeit wieder aufgenommen. Am Sonntag fanden in Bilbao, Barcelona und Valencia Massen- Versammlungen der Arbeiter statt, in denen die aus Madrid entsendeten Führer der sozialistischen Partei Reden hielten. Die gleichlautenden Beschlüsse erklären es als Nothwendigkeit, da die Liberalen sich als zu schwach erwiesen hätten, die hereinbrechende konservativ-klerikale Reaktion aufzuhalten, daß nunmehr die Arbeiter- Parteien Spaniens die Führung in der Opposition gegen die konservative Regierung übernehmen.— z Rußland. Rusflsiziruiig Finlands. Aus Helsingfors wird berichtet: Auf Befehl des Kaisers ist fiir das stnische Militär ein neuer Soldateneid eingeführt worden, in dem die Wehrpflichtigen dem Kaiser Treue schwören und der Titel„Großfürst von Finland" weg- fällt. Das Wort„Vaterland" ist uberall durch die Bezeichnmraen „das Reich" oder„R u ß l a n d" ersetzt worden. In dem Vorschlag zu diesen Aenderungen hatte Kriegsminister Kuropatkin bemerkt, daß der Titel Großfürst verschwinden müsse, weil er auf eine Art Union zwischen Rußland und Finland hindeuten könnte,_ Ebenso würde durch die Worte«die Gesetze des Landes" und ähnliche die Sonder« stellung Finlands unnöthigerweise betont.— Aus Anlaß des Jahrestages der Bestätigung der Verfassung Finlands durch Kaiser Alexander 1l,, der u. A. auch den Land- tag wieder regelmäßig einberief, fand am Freitag vor dem von den Finländern errichteten Denkmal Alexander Ii. ein großartiger Huldigungsakt statt, der einen demonstrativen An- strich hatte. Etwa 10 000 Menschen waren bei dem Denkmal vcr- sammelt, wo patriotische Lieder in finischcr und schwedischer Sprache gesungen wurden. Am Denlmal war eine große Menge Kränze und Blumen niedergelegt worden.— Die Studentenunruhcn dauern fort. Ueber 400 Studenten der Moskauer Universität mußten die Stadt verlassen. Mehr als drei dürfen in der Wohnung nicht zusammen kommen. Die Studenten klagen über rohe Behandlung. Nach Meldung der„Boss. Ztg." a'uS Petersburg wurden mehrere Polizcibeamte und auch der Kommandant der berittenen Schutzmaimschaft, aus dessen Befehl die Schutzleute mit ihren Peitschen ans die Studenten loshicben, dabei auch Professoren und einige Höhere Beamte trafen, verabschiedet. Ferner wird gemeldet, daß der Zar beschlossen habe, in der Organisation der hauptstädtischen Schutz- Mannschaft durchgreifende Aenderungen vornehmen zu lassen. Die Stellung des Umerrichtsministers Bogvltjew soll erschüttert sein.— Türkei. Die Rrmcnier» oder richtiger das Komitee der revo- lutionären armenischen Vereinigung verschickt von Genf aus eine Proklamation, die den Signatarmächtcn des Ber- liner Vertrages übermittelt worden ist. Es wird darin zunächst auf die Befreiung Kreta'? hingewiesen, woselbst der nationale Heroismus dem Prinzip der Gerechtigkeit, gegen welches die Mächte vergebens und so lange ankämpften, zum Siege verholfen habe. Trotz aller Anstrengungen, durch die Sprache der Kanonen die Klagen und Seufzer der Kretenser zu ersticken, habe sich Europa doch entschließen müssen, ein Regime der Unterdrückung und Barbarei über Bord zu werfen.„Wir haben kein Recht, daran zu zweifeln," sagt das Komitee,„daß dieses letzte Fiasko einer Politik des Zauderns den Mächten endlich zu denken geben wird, und daß sie das verderbliche Gcbahren gegenüber den von der Türlei unter- drückten Völkern und insbesondere gegenüber den Armeniern beendigen werden. Die armenische Krise war die unvermeidliche Konsequenz der anarchischen Zustände, die in der Türkei herrschen. Alle Geduldproben, welche die Armenier geben, sind endlich an einer Grenze angelangt. Die unerhörten und endlosen Bedrückungen haben die Armenier iit einen Zustand revolutionären Fiebers versetzt." ES werden sodann alle Leiden der Armenier aufgezählt und mitgetheilt, daß mehr als 100 000 Wittwen, 50 000 Waisen und die Leichen von 300 000 Märtyrern für das Recht der armenischen Sache plädiren. Meere von Blut hätten bisher nicht die patriotischen Aspirationen der Armenier zu ertränken vermocht; heute bleibe nur noch übrig, daß die Mächte die heilige Sache der Armenier durch rasche und wirksame Maßregeln realistren.— Asien. Eine gefährliche Spannung besteht gegenwärtig zwischen Rußland und England wegen des von China mit England geschlossenen Nordbahn-Vertragcs. Rußland hat gegen den Vertrag mehrfach Einspruch erhoben, und aus der Wiederholung des russi- scheu Protestes gegen den Vertrag mit der Hongkong and Shanghai Banking Corporation schließt man, daß Rußland'den Vertrag als ganz besonders bedeutungsvoll ansieht. Dagegen hat der britische Gesandte Mac Donald dem Tsimg-li-Damen erklärt, daß jeder Versuch, dem mit der Hongkong and Shanghai- Banking- Corporation abgeschlossenen Vertrag die Anerkennung zu versagen, als ein schwerer Vertrauens- bruch angesehen werden würde, welcher Vergeltungs- m a ß ii a h in e n nach sich ziehen müsse. Zugleich hat der Gesandte den Tsung-Ii-Damen auf die frühere Versicherung Salis- bury's hingewiesen. daß England China unte r'st ü tz e n iv e r d e. wenn irgend eine andere Macht Gewaltmaßregcln ber- suchen sollte, um die Aufhebung bereits unterzeichneter und rattfizirter Kontrakte zu erzwingen. Es könnte hiernach scheinen, als ob der Zusammenstoß Rußlands mit England drohte. Aber von erfahrener diplomatischer Seite wird es für sehr unwahrscheinlich gehalten, daß Rußland im gegenwärtigen Moment wünschen wollte, England die Stirn zu bieten; daher bleibe nur der Schluß übrig, daß Rußland wahrscheinlich den Konttakt nur benutzt, um Klagen gegen die Chinesen zu erheben und"eine territoriale oder andere Kompensation zu erlangen. Die Zeche des russisch-englischen Streites würden demnach die Chinesen zu bezahlen haben.— Die Rebellion im Innern China's war nach einer Pekinger „Times"-Meldung in vielen Fällen erfolgreich. Die Aufständischen besiegten am 23. Januar die Reichstruppen bei Kantschau(Kiangsi), nahmen die Stadt ein und metzelten die Einwohner nieder. Sie verübten allerlei Ausschreitungen. Metzeleien fanden auch an anderen Orten statt infolge der Unfähigkeit der Reichstruppen, den Aufstand zu bewältigen.— Amerika. Amnestie in Montevideo. Die Kammern haben eine A m n e st i e bewilligt für alle politischen Verbrechen, so daß die wegen solcher Verbrechen in Buenos Aires in der Ber- bannung lebenden Personen jetzt zurückkehren können. Jnvalidenverfichernngs-Kommifston. 10. Sitzung vom g. März 1899. Zu 8 8(Freiwillige Versicherung) beantragen Molke nbuhr und Gen.. die Be- stimmung zu streichen, daß bei Erwerbsunfähigkeit von 26 Wochen die freiwillige Versicherung aufhöten soll. Hitze(Z.) beantragt, dem Eingang des§3 folgende Fassung zu geben:„Betriebsbeamte, Werk- Meister, Techniker, Handlungsgehilfen, sowie Lehrer und Erzieher, deren regelmäßiger JahresarbettSverdienst an Lohn oder Gehalt mehr als 2000 M., aber nicht über 8000 M.. beträgt u. s. w.", ferner im Abs. 3 hinter den Worten„gehört hat" einzuschieben die Worte«für die Zeit dieser Erwerbsfähigkeit." Die Konservativen(Oeriel u. Gen.) beantragen als Abs. 3: «Auch sonstige Betriebsunternehmer und Gewerbetreibende, die nicht unter Abs. 1 u. 2 fallen, sind, so lange sie nicht das 40.Jahr vollendet haben und sofern sie noch erwerbsunfähig sind, befugt, freiwillig in die Versicherung einzutreten." Von Rösicke wird beantragt als Abs. 5: „Bei freiwilliger Versicherung beträgt die Wartezeit für hie Invalidenrente 400 Wochen(in der Vorlage 200 Wochen). Bei frei- williger Fortsetzung der Versicherung ist die Wartezeit um so viel Bcitragswochen zu kürzen, als er in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung gestanden hat." Gegen die vom Zentrum und Konser- vativen'beantragte große Ausdehnung der freiwilligen Versicherung wendet sich Staatssekretär Graf Posadowsky; damft würde man jeden, ohne Unterschied des Einkommens, zum Rentner machen und ihm Reichszuschuß geben. Zweck des Gesetzes fti aber, nur denjenigen zu helfen, die nicht mehr das Existenzminimum haben. Ebenso protestirt Direktor Wödtke gegen die vorgeschlagene Aus- dehnuug, da sie zu große Lasten dem Reiche aufbürde zu Gunsten von Leuten, die noch gar nicht so bedürftig sind. Die Abgeordneten Hitze und Rösicke sprechen sick, für die Ausdehnung aus. die ein Bedürfniß sei; H o fm ann(natl.) erklärt den Grundgedanken fiir berechtigt, aber nicht durchführbar. Graf Posadowsky erklärt nochmals, daß durch_ Annahme der Erweiterungsanträge das ganze Gesetz gefährdet sei. Eine solche Aus- dehnung käme auf eine Reichs-Versichcrungsanstalt heraus und da sei er dafür, daß solche Versicherung der Privatversicherung überlassen bleibe, die außerordentlich gut wirthschaftetenund billiger und besser, als es der Staat könne. Molkenbuhr: Die jetzt vorhandenen Schwierig- leiten wären nicht gekommen, wenn bei Schaffung des Gesetzes 1889 der damals von unseren Genossen gestellte Antrag angenommen worden wäre(VersicherungS Pflicht für Betriebsbeamte, Handlungs gehilfen und«Lehrlinge, einschließlich derin Apotheken beschäftigten, sowie selbständige Handwerker und sonstige Unternehmer, deren Einkommen oder regelmäßiger JahreSarbeitsverdionst 2000 M. nicht übersteigt). Da dieser Verstcherungszwang abgelehnt sei, müsse man nun wenig- stenS die f r e i w i l l i g e Versicherung ausdehnen, für die Ivir eintreten. Der von nnseret Seite gestellte Antrag(Streichung der 26 Wochen) sei hervorgerufen durch Unklarheit des Gesetzes; da der Rcgicrungsvertteter erkläre, daß nach Beendigung der Erwerbsuiifähigkett die freiwillige Verstchenmg fortgesetzt werden könne, ziehen ivir unseren Antrag zurück. Stadt Hagen weist nach, daß das einzig richtige die Ansdehnling ber Zwangsverstcherung sei; der Antrag Ocrtel sei zwar nicht ausführbar und unpraktisch, wir werden aber dafür stimmen,' um zu veranlassen, daß bei der zweiten Lesung unser Antrag auf Ausdehnung der Zwangsverstcherung angenommen wird. Der Antrag Hitze-Rösicke wird mit 14 gegen 13 Stimmen angenommen; Antrag Oertel wird zurückgezogen zu Gunsten eines Antrag Zehnter, welcher den Oertel'schen Antrag dahin abändert:„sofern ihr Einkommen nicht über 2000 M. beträgt, sie das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben": er.wirh mit 16 gegen 11 Stimmen angenommen, ebenso An- trag Rösicke(400 anstatt 200 Wochen Wartezeit) und der Antrag H i'tz e; schließlich wird der ganze§8(freiwillige Bersichemng) mit 15 gegen 12 Stimmen angenommen.— Nächste Sitzung: Sonn- abend. Zur Abänderung deS Gesetzes, betreffend die Gewerbe- gcrtchte. Der K 13 Absatz 3 des Gesetzes bestimmt, daß Mitglieder einer Innung, für welche ein Jnnungs-Schtedsgericht besteht oder errichtet wird, sowie deren Arbeiter bei den Gewerbcgerichts-Wahlen weder wühlbar noch wahlberechtigt sind. Diese Bestimmung dürste zur Folge haben, daß mit dem Jiiölebentreteii der ZwangSinnungen eine größere Zahl der Beisitzer der Gewerbegerichte aus dem Amte scheiden miisicn, sowohl Arbeitgeber als Arbeiter. Die Vornahme von Ersatzwahlen wird in diesem Falle also nothwendig werden. Um die dadurch hervorgerufenen Mißstände für die Zukunft zu beseitigen, hat Genosse Tutzauer in der Gcwerbegerichtskommission beantragt: dem Z 13 als Absatz 4 folgendes hinzuzufügen: „Beisitzer, welche erst nach ihrer Wahl Mitglied einer in Ab- sah 3 bezeichneten Innung werden, oder erst nach ihrer Wahl bei einem Mitgliede einer solchen Innung in Arbeit treten, bleiben bis zum Ablauf der Wahlperiode im Amt." Zur Mtlizfrage nimmt ein Mitarbeiter der„Freien Preffe" in Elberfeld daS Wort. Er macht einige nebensächliche Ausstellungen an den Darlegungen Kantsry'S, nimmt aber im Uebrigcn scharf gegen Schippe!'Stellung. Sein Standpunkt ergicbt sich aus folgenden Sätzen: „Unter diesen Umständen daran zu denken, es werde sich aus dem heutigen Heere von innen heraus cm„wirkliches Volksheer" entwickeln, dazu gehört ein Köhlerglaube, um den ivir Schippel nicht beneiden... „Und so kommen wir zu dem Schluß: Die Sozialdemokratie darf dem Militarismus keinerlei Zugeständnisse machen, weder direkte noch indirekte. Sie bekämpft denselben vielmehr bei jeder Gelegenheit und überläßt den bürgerlichen Parteien die Verantwortung für die Berwickelungen, die eventuell wegen ihrer Mißwirthschaft entstehen." Maifeier. Die Genossen in Lübeck beschlossen am Montag, den 1. Mai wie bisher durch ArbeitSruhe zu feiem. Bei der Bürgrrvorsteherwahl in Geestemünde verloren unsere Genossen ihre bisherigen Mandate. Nur ein Parteigenosse wurde wiedergewählt, jedoch' nur infolge des UmstaudeS, daß er auch vom Bürgerverein auf seine Liste genommen wurde. Die dortigen Partei- genösseii betrachten den Betreffenden jetzt nicht als von den Sozial- demokraten gewählt. Genosse Agstcr scheint sich auf dem Wege zur baldigen Ge- nesung zu befinden. Erfreulichertvcise kann man dies aus den brief- lichen' Mittheilungen schließen, die er einem ihm befteundeten Zeitungsredakteur in Pforzheim machte. Der Brief läßt in keiner Weise erkennen, daß der Verfasser nicht unbeschränkt über seine Geisteskraft verfüge. Agster schreibt sehr vernünftig; er bedauert, daß er dem wohlgemeinten Rothe, sich einer Anstaltspflege zu unter- werfen, anfangs so unpraktisch widerstrebte. Schließlich äußert er die Uebcrzeugung, daß er in wenigen Wochen hergestellt ist und sein Mandat als Vertreter des Pforzheimer Kreises im Reichstag wieder ausüben kann. Möge sein Wunsch sich bald erfüllen! Polileiliches, Gerichtliches u. f. w. — Groben Uufug soll ein Genosse in Deuben bei Dresden dadurch verübt haben, daß er ein Flugblatt ausgetragen hat, welches sich mit dem Zuchthaus-Urtheil beschäftigte. Der betreffende Genosse soll vier TageHast verbüßen. Hoffentlich ruft er gerichtliche Entscheidung dagegen an. Auf diese Weise könnte eS zu emem allgemein itit«v«j essirenden Prozesse kommen, da der Grobe Unfug in dem Inhalt deZ Flugblattes, in der Art der Kennzeichnung des Zuchthaus-Urtheils gefunden wird. — Wegen Beleidigung der Gefängntßbeamten wurde Genosse Berkau in Halberstadt, Redakteur unseres dortigen Partei- blatte», am 3. März zu einem Monat Gefängniß verurthcilt. — Ein merkwürdiges Verfahren beliebt man gegen die Sterbekasse»Alt und Jung" in Itzehoe. Der ehemalige Vorsitzende der Kasse, Genosse W. Kellermann, und der gegenwärtige zweite Borsitzende, Genosse Hiddessen, haben Anklage erhalten wegen Be leidigung eines Mitgliedes. Gleichzeitig sind sämmtliche Geschäfts� bücher der Kasse beschlagnahmt und nach dem Landrathsamte gebracht worden. In der Anklageschrift heißt es. daß die Sozial- demokratie die Sterbekasse„Alt und Jung" systematisch erobert habe und dielelbe als nie versiegende Geldquelle betrachte. -Ti®cÖen Genossen Swienty in Halle sind schon wieder zwei Beletdtgungsklagen anhängig gemacht worden. .— Wege» Bedrohung Arbeitswilliger waren in Hildburg. hausen die 8 Mitglieder des Streikkomitee's der Glasmacher zu 5 bezw. 8 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Sie sollten auswärtige Glas- macher, die bei der gesperrten Firma Arbeit nehmen wollten, mit der Veröffentlichung ihrer Namen im„Fachgenossen"„bedroht" haben Dem Amtsanwalt genügte diese Strafe noch nicht. Er legte Be- rufung ein und die Strafkammer war seiner Mciimng. Sie ver- urtheilte einen der Verbrecher zu 10 Tagen, 5 zu je 14 Tagen und zwe» zu je 3 Wochen Gefängniß. Mommunsles. Stadtverordneten- Versammlnng. V. Sitzung vom Donner st ag. den 9. März 1899. Nachmittags 5 Uhr. Der Pflasterausschuß ist gewählt; ihm gehören u. a. die Stadtvv. Herzfeldt und Wernau an. Zur Berathung steht die schon vor mehr als Jahresfrist der Versammlung zugegangene Magistratsvorlage wegen anderweiter Festsetzung der Dienstalters-Gehälter für verschiedene Beamienkategorien und wegen Bewilligung von Stellen zulagen, in Verbindung mit dem Autrag' des Etatsausschusses aus dem vorigen Jahre auf Erhöhung der Gehälter für zwölf Magistratsmitglieder und mit den Vorlagen wegen Festsetzung des Dienstalters bezw. der Dicnstaltersgehälter für die Aufseher der Straßenreinigung, für acht Magistratssekretäre, für den Vermessnugs- inspektor, für die angestellten Landmesser und den technischen Se kretär. Referent ist der Vorsteher-Stellvertreter M i ch e l e t. Nach der ziemlich gründlichen Erledigung, welche die Hilfs arbeiterfrage im Laufe des letzten Jahres gefunden hat, hat der für diese Vorlagen eingesetzte Ausschuß nach seiner am 10. Januar er. vollzogenen Neukonstituirung in sechs Sitzungen seine Arbeit beendet und sich im Wesentlichen durchweg den Magistrats Vorschlägen angeschlossen. Der Referent hebt hervor, daß der Abschluß der Hilfsarbeitersrage wesentlich das Verdienst des Bürgermeisters Kirschner sei, den» es hoffentlich bald vergönnt sein möge, die schon so lange verwaiste Oberbllrgcrmeisterstelle einzunehmen.(Beifall.) Die Besoldungsvcrbesserungen sc. sollen zum 1. April 1899 in Kraft treten. Zu Abschnitt A; Bureaubeamte(Bureau• Direktoren, Rendanten, Ober-Stadtsekretäre, Magistratssekretäre, Titularsekretäre, Bureau- Assistenten) hat der Ausschuß gegenüber der Vorlage An fangs- und Endgehalt der Assistenten von 1700 bezw. 3300 auf 1900 bezw. 3S00 M. erhöht und die Altersskala derart geändert, daß das Aufsteigen auf 2000, 2200, 2400, 2600, 2800, 3000, 3200, 3500 M. nach 2. 4, 6, 9, 12, 15, 18, 21 Jahren erfolgen soll. Bezüglich der Magistratssekretäre wird der Zusatz beantragt, daß die Anstellung nicht vor dem zurückgelegten 24. Lebensjahre soll erfolgen können. In einer Resolution soll endlich der Magistrat ersucht werden, eine Reorganisation des städtischen Bnreauwesens in dem Sinne einzuführen, daß die unteren Stufen der Sekretärstellcn in Assistentenstellen verwandelt werden und jeder Sekretär während einiger Jahre Assistent gewesen sein muß. Nach einem Antrage der Fraktion der Linken sollen die Gehälter der Assistenten in Stufen von je 200 M. aufsteigen. Stadtv. Wallach begründet diesen Antrag. Es handele sich darum, die Beamten, die in höheren: Lebensalter in den städtischen Dienst treten, für die ersten Jahre ihrer Amtsthätigkeit günstiger zu stellen. Das werde aber durch den Ausschußantrag nur unvoll- kommen erreicht. Auch Stadtv. Karl Goldschmidt I spricht sich für den Antrag Wallach aus, worauf derselbe angenommen wird. Im Uebrigen beschließt die Versammlung nach den Ausschußanträgen. Die Vorlage im Abschnitt B: Unterbeamte, wird unverändert angenommen. Unter l?: B e a ni t e in technischen und Spezialfächern sind die M a g i st r a t s- A s s e s s o r e n auf- geführt; sie sollen von 4600 auf 7500 M. in 18 Jahren steigen. Die letzte Stufe beantragt der Ausschutz in Fortfall zu bringen und das Höchstgehalt auf 7100 M. zu bemessen. Ein Antrag Wallach-Gcrsten- berg will die letzte Stufe wieder herstellen; auch soll der Magistrat ersucht werden, diesen Beamten nach lebenslänglicher Anstellung den Titel„ M a g i st r a t s r a t h" zu verleihen. Der Ausschuß hat ferner beschlossen, dem ersten Vorstandsmitgliede der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Anstalt und dem ersten Vorsitzenden des Gewerbegerichts je 1000 M. nicht pensionsberechtigte Funktionszulage zum Magistrats-Assessorcngehalt zu gewähren. Dagegen will ein Antrag Friedemann diese beiden Stellen zu Direktorenstellen erhoben wissen und für die erstere 6500—9000, für die andere 6000—8000 M. Gehalt auswerfen. Den Antrag Wallach empfiehlt Stadtv. Hugo Sachs; man müsse den Magistrats-Assessoren, wenn sie in dieser Stellung lebens- länglich verbleiben, auch ihre äußere Lage thunlichst sicherstellen. Demselben Zwecke solle indirekt der Titel„Magistratsrath" dienen, wenn dieser Titel freilich auch nicht sehr schön sei. Man möge diesen harmlosen Antrag annehme». Stadtv. Friedemann tritt aus analogen Gründen auch für seine Anträge bezüglich der beiden oben erwähnten Stellen ein. Der Titel„Maglstratsrath" sei ja nicht sehr geschmackvoll, aber es handle sich darum, den Betreffenden endlich einmal von dem Titel „Assessor", dem der Beigeschmack des Unfertigen anhafte, wegzuhelfen. Eine Autorität wie Herrn Dr. Freund müsse sich die Stadt auf dem Wege seines Antrages sichern; das Gleiche gelte von Herrn v. Schulz. Bürgermeister Kirschner: Den Antrag ans Wiederherstellung der letzten Stufe empfehle ich zur Annahme, da er ja der Antrag des Magistrats ist. Der Sinn für Titel, es mag ein Defekt sein, geht mir in hohem Maße ab(Heiterkeit); ich glaube aber, wenn der Antrag wegen des Titels„Magistratsrath" angenommen wird, so wird das kein casus belli sein. Dagegen habe ich dem Antrage Friedemann entgegenzutreten. Den günstigen Urtheilcn über die beiden Herren stimmen wir in vollem Matze zu, aber prinzipiell ist es unrichtig, die Gelegenheit einer Gehaltsaufbesserung zur Lösung von schwierigen Organisationsfragen zu benutzen.(Sehr wahr!) Die Organisation der Versicherungsanstalt kann nicht so kurzerhand geändert werden, besonders nicht in einem Augenblicke. wo das Gesetz durch eine Novelle abgeändert werden soll! Obwohl dem Gedanken selbst nicht abgeneigt, vielmehr bereit, in einem späteren Stadium auf diese Anregung zurückzukommen, mutz ich dringend bitten, für jetzt beide Anträge abzulehnen. Die Herren können vorläufig mit den Funktionszulagen, die Sie in Aussicht nehmen, zufrieden sein. Der Vorsitzende des Gewerbegerichts er- hält ohnehin durch die neue Skala schon eine Zulage von 600 M. vom 1. April an. Stadtv. Friedrich G o l d s ch m i d t empfiehlt als Vorsitzender des Ausschusses der Versicherungsanstalt(Unruhe) den Antrag Friede- mann. Die Anstalt von Berlin habe sich in ungeahntem Matze ent- wickelt, das Vermögen betrage schon 41 Millionen und sei das dritt- größte aller deutschen Anstalten. Mit den Anfängen könne mau die heutige Entwickelung nicht mehr vergleichen. Den Vorsitzenden einer solchen Anstalt mllffe man auch im Gehalte seinem Ansehen ent- sprechend dotiren; die Vorsitzenden der andere» deutschen Anstalten seien theilweise mit viel höheren Gehältern ausgestattet. Stadtv. Singer: Der Wiederherstellung der letzten Stufe der Skala stimmen auch wir zu. Es liegt nicht im Juteresse der Stadt Berlin, das Institut der Assessoren als Durch- gangs-Station für die Herren anzusehen. Bei der Entwickelung der städtischen Verhältnisse, bei der wachsenden Last der städtischen Ar- betten brauchen wir dieses Institut, und für gewisse Zweige der Verwaltung bildet es geradezu das Rückgrat. Darauf zu rechnen, daß die Herren, welche Tüchtiges leisten, von anderen Kommunen zu Bürgermeistern und Stadträthen gewählt werden und sie des- halb geringer zu dotiren, halte ich für grundfalsch. Wir müssen die Inhaber dieser Aemter doch so stellen, daß das Gehalt für sie kein Grund ist, die Stelle aufzugeben. Der Titel- Antrag ist allerdings harmlos, er wird also zweckmäßig nicht pathetisch bekämpft, sondern humoristisch aufgefaßt. Bei den nahen Be- ziehungen, die wir jetzt zu China haben, begreift sich ein solcher Autrag, aber für diese Art von Auszeichnungen von Personen mit Titeln, ähnlich wie mit neuen Knöpfen oder doppelter Litze, kann ich mich nicht besonders erwärmen. Vielleicht hätte Herr Sachs noch vorschlagen sollen, sie mit Uniform und Degen auszustatten und bei festlichen Gelegenheiten zu Pferde erscheinen zu lassen.(Heiterkeit und Unruhe.) Der Antrag sollte abgelehnt werden. Besser wäre es, der Antrag wäre nicht gestellt worden, denn an sich liegt darin doch eine gewisse Geringschätzung, wenn man glaubt, es bedürfe der Verleihung eines Titels, um den Herren die Freude an ihrer Arbeit zu erhöhen. Der Titel ist mir auch an sich nicht besonders sympathisch. Wie soll der Bevölkerung später der Unterschied zwischen„Magistratsrath" und„Stadtrath" klargemacht werden? Vielleicht liefert dieser Antrag blos den Witzblättern Stoff. Es erinnert an längst vergangene Zeiten, wenn man heutzutage einen solchen Antrag ernsthaft erwägt, die Zeit der Allongen perrücken ist doch vorüber. Es könnten auch unangenehme Konsequenzen daraus erwachsen, eine Menge anderer Beamten könnte mit ähnlichen Verlangen an uns herantreten, und wir müßten schließ- lich eine ständige Kommission zur Erfindung der erforderlichen Titel niedersetzen. In der Werthschätzung der beiden Herren, welche der Antrag Friedemann im Auge hat, gehen wir mit den Antrag stellern durchaus Hand in Hand. Nach unseren Informationen aus den Arbeiterkreisen werden dieie beiden Herren dort durchaus nach Gebühr für ihre hervorragende Tüchtigkeit und ihr soziales Ver ständniß gewürdigt. Diese Anerkennung haben wir im Ausschuß durch die Bewilligung einer Fuuktionszulage zum Ausdruck bringen wollen. Es ist aber ein außerordentlich unglücklich gewählter Zeit- Punkt, jetzt in diesen beiden Punkten Organisation und Gehaltsfrage durcheinander zu werfen. Wenn Herr Goldschmidt uns die Verwaltung eines großen Vermögens als Hauptverdienst des Assessors Freund vorführt, so ist das doch kein Moment für Erhöhung der Stellung oder für eine Gehalts- zutage. Die Schaffung der Heilanstalt für Lungenkranke ist, so verdienstlich sie ist, ebenfalls nicht geeignei. bei Gelegenheit einer Gehaltserhöhung diskutirt zu iverden. Das Statut setzt außerdem zwei Herren gemeinsam als Vorstandsbeamte ein; dieses Verhältniß würde gewaltsam aufgelöst. Und verdient denn der andere Herr, daß er dergestalt zurückgesetzt wird? Wir haben es hier sehr leicht, die Stellen höher zu dotiren, der Stadt kostet das nichts, denn die Anstalt bezahlt die Gehälter; wir wollen uns doch nicht sagen lassen, wir gingen leichtfertig mit dem Gelde Anderer um. Dasselbe gilt auch für den ersten Vorsitzenden des Gewerbe gerichts. Die Funktionszulage für ihn will ich nicht einschränken. obwohl wir im Ausschuß schon gehört haben, daß den Herren jetzt und im nächsten Jahre an Gehalt Erhebliches zuwächst. Er soll eben als Vorsibcnder des Gewerbegerichts die Funktionszulage von 1000 M. erhalten. Stadtv. Schwalbe spricht sich für die Annahme der un- veränderten Ausschutzvorschläge aus. Stadtv. S p i n o l a will dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts nur 500 M. Funktionszulage bewilligen(Widerspruch) und erklärt ich gegen den Titelantrag. Stadtv. Hugo Sachs wirft dein Stadtv. Singer vor, daß er ich in Ucbertreibungen und einer ernsten Sache gegenüber un- angebrachten hunioristischen Wendungen gefallen habe. Bei der Abstimmung»vird die oberste Stufe von 7500 M. wiederhergestellt, der Antrag wegen des Titels„Magistratsrath mit erheblicher Mehrheit abgelehnt und die Fnnktionszulage nach dem Ausschußantrag genehmigt. Die Anträge Friedemann werden für jetzt" zurückgezogen. Die Abschnitte D. Bau Verwaltungs-Beamte, E. Stellenzulagen, F. Ncueinführung des Dienftalterssystems für den Ver- walter des Fenffprech-Amts und die Oberausseher der Straßen- reinigung, werden nach den Ausschußbeschlüssen angenommen. Zu den Festsetzungen bezüglich der Werks beamten soll der Vkagistrat ersucht iverden, den bei den städtischen Werken auf Grund des Peiisionsrcglements Angestellten die Eigenschaft als Gemeindcbcamte beizulegen. Schließlich empfiehlt der Ausschuß folgende Resolution: Die Versammlung ersucht den Magistrat 1. um eine Nach- Weisung über die Löhne und Arbeitszeit der in den städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter. 2. um eine Vorlage betreffend die Errichtung einer Pensionskasse für die in den städtische» Betrieben beschäftigten Arbeiter auf Grundlage von Beiträgen der Vertvaltung und der Arbeiter. Beide Resolutionen werden ofme Debatte genehmigt. Der Antrag des Etatsausschusscs auf Erhöhung der Ge- hälter der Stadträthe von 7000 bis 11000 auf 8000 bis 12 000 M. gelangt ebenfalls ohne Debatte zur Annahme. Die übrigen Magistratsvorlagen passiren unverändert. Dem Antrag des Aus- 'chusses, den Magistrat zu ersuchen, Erhöhungen des Gehaltes der Standesbeamten auf je 5000, der Standesbeamten- Stell- Vertreter auf je 4300 M. eintreten zu lassen, tritt die Versammlung ebenfalls bei. Damit sind die Gehaltsfragcn erledigt. Eine Reihe von Petitionen der Magistrats-Hilfsdiener, Plankammer-Assistenten, Probenchmer der städtischen Fleischschau um Gehalts- bezw. Diäten- aufbesserung und des Ortsvereins der Gemeindebeamten um Vorausbezahlung der Gehälter gebt an den Magistrat zur Berücksichtigung. Auch die Petition der Gesanglehrer au den städtischen Höheren Schulen um Aufbesserung ihrer Gehälter wird auf Antrag des Stadt- verordneten Preuß dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen mit der Maßgabe, gleichzeitig auch die Verhältnisse der Zeichenlehrer und Zeichenlehrcrinnen an den genannten Anstalten einer Prüfung zu unterziehen. Weitere 7 Petitionen gehen an den Magistrat zur Verfügung. Alle übrigen Petitionen sind durch die gefaßten Beschlüsse erledigt. Darauf wird die Berathung des Stadthaushalts- Etats für 1899 fortgesetzt. Zum Etat der Gymnasien, Realgymnasien und Ober- Realschulen hat der Etats-Ansschuß resolvirt. daß die Pflichtstundcn der Z e i ch e n l e h r e r an den höheren Lehranstalten zu erhöhen und die Stunden in gleichmäßiger Anzahl zu verthcilen sind. Ferner soll der Magistrat ersucht iverden, die Löhne der Heizer an sämnitlichcn städtischen Anstalten in entsprechender Weise zu erhöhen. An den Etats für die Realschulen und die höhe r e n Mädchenschulen ist nichts beanstandet worden. Zum Spezial- Etat der Turnhallen, Spielplätze zc. liegt die Resolution des Ausschusses vor, die Pflichtstunden der T u r n w a r l e und Fachturnlehrer zu erhöhen und danach das Gehalt für die- selben zu reguliren. Zum Spezialctar„Verschiedene Einrichtungen für die höheren Schulen" schlägt der Ausschuß wiederholt folgende Resolutionen vor: 1. den Betrag für städtische Universitäts- S ti p e n d i e n von 3600 auf 10 000 M. zu erhöhen, 2. den Magistrat nochmals zu ersuchen, zur Förderung des naturwissenschaftlichen Unrerrichts. ähnlich wie beim neusprachlichcn Unterricht, 4000 M. in den nächsten Etat einzustellen. Ohne Debatte tritt die Versammlung sämmtliche» Anträgen des Etatsausschusses bei. Zum Etat der G e m e i n d e s ch u I e n, der im Uebrigen nnvc ändert zur Feststellung empfohlen wird, hat der Ausschuß dc Magistratsantrag: „Denjenigen Lehrern, welche das 60. Lebensjahr vollende haben, kann die Zahl ihrer Pflichtstundeu auf 24 ermäßigt werden" abgelehnt. Die Etats derTaubstummen-Schule und der Blinden- a n st a I t haben unbeanstandet den Ausschuß passirt. Zu dem Magistratsantrage wegen der älteren Lehrer entspinnt sich eine längere Debatte, an der sich die Stadtvv. Preuß, Wallach und Vorsteher Langerhans betheiligen. Der Letztere tritt unter Bezugnahme auf die Bestimnmng, daß die Lehrer bis zu 65 Jahren zu 23 Stunden wöchentlichem Unterricht verpflichtet sind, dem Antrage entschieden entgegen. Stadtschulrath Bertram verwendet sich dafür, daß dem Magistrat diese Vollmacht ertheilt werde; der Wunsch, die Be- treffenden, soweit sie sonst noch rüstig seien, etwas zu entlasten, sei doch psychologisch verständlich. Stadtv. Singer hält nicht für ausgeschlossen, daß bei einem solchen System einseitige Bevorzugungen stattfinden, auch sei es fchwierig, einen Weg zü finden, der der Versammlung das Recht wahrt, mitzusprechen. Wolle man auf die Absicht des Magistrats eingehen, so müsse jedenfalls ausgeschlossen sein, daß der betreffende Lehrer im Nebenamte an Fortbildungsschulen u. s. w. noch aus öffentlichen Mitteln honorirten Unterricht ertheilt. Ein Antrag Wallach wird in diesem Sinne zu dem Magistrats- antrag eingebrächt. An der Erörterung betheiligen sich noch die Stadtvv. Hauer, Wallach, Langerhans, der das Verlangen einer solchen Vollmacht unerhört findet und dem es vorkommt, als ob der Antrag in einer langweiligen Sitzung der Schuldeputation ersonnen wäre. (Große Heiterkeit.) Der Antrag des Magistrats wird abgelehnt, die erwähnten Etats werden genehnngt. Gegen 9 Uhr schließt die öffentliche Sitzung. Englische Flottenpläne. London, 9. März. Unterhans. Der Erste Lord der Admira« lität führte bei Einbringung des Flottenvoranschlags aus, dieses Budget sei noch nie zuvor unter so eigenartigen Umständen vorgelegt worden.„Vor uns haben wir die geplante Konferenz für eine allgemeine Abrüstung, hinter uns die unruhevollen Monate Oktober und November." England sei damals bereit gewesen, es habe keine fieberhaften Ankäufe, keine plötzlichen Mannschafts-Ein- reihungen vorzunehmen brauchen. Ter Minister schilderte sodann den gegcnlvärtigen Stand der Ausführung des ursprünglichen und des NachtragS-Programmes des Vorjahres. Dabei bemerkte er, die in dem Hauptprogramm vorgesehenen 4 gepanzerten Kreuzer werden die stärksten Schiffe aller Flotten der Welt sein; sie werden eine Geschwindigkeit von 23 Knoten haben und so gebaut sein, daß sie den Suez-Kanal passiren können. Was Wcihaiwci betreffe, so sei beabsichtigt, diesen Punkt zu einer sekundären Flottenbasis zu machen, ihn hinreichend zu befestigen, eine Kohlenniederlage und eine kleine Rcparaturwerft dort zu er- richten und durch Baggerung einen guten Ankerplatz zu schaffen. Dieser Ankerplatz sei sehr werthvoll und werde bei allen Operationen in den chinesischen Gewässern von großer Wichtigkeit sein. Die kontinentalen Mächte waren einigermaßen beunruhigt durch die Behauptung, daß wir in so großem Maße rüsteten. Ich bin erfreut, diese Erklärung hier abgeben zu können und den Eindruck zu beseitigen als ob wir unnöthig oder zu einem besonderen Zweck oder zu irgend einer Angriffs-Aktion rüsteten. In den auswärtigen Aemtern Europas bestand dii tiefeingewurzclte Idee, England hätte einen Angriffsplan, und glaubte, die günstige Gelegenheit sei gekommen und sei übcrmüthig im Vertrauen auf seine maritimen Streitkräfte bereit, diese Gelegenheit zu ergreifen. Ein solcher Gedanke konnte niemals der Regierung in den Sinn kommen. Im Auslande sei man ungläubig, aber man sollte wissen, daß ein in diesem Geiste unter- noinmener Krieg gegen die ganze Tradition und das sittliche Gefühl des Landes gewesen wäre.(Beifall.) Die anderen Länder können versichert sein, daß wir, während wir das Land hinter uns haben, unsere Rechte aufrechterhalten werden in einer gerechten Sache, welche unsere Ehre und unsere Interessen berührt, aber ich glaube nicht, daß wir das Land hinter uns haben würden bei einem der günstigen Gelegenheit halber unternommenen Kriege.(Beifall.) Zfclike Mschrtchten und Vcpefchrn. Mit polizeilicher Auflösung endete die gestern Abend bei Z o ß m a n n in der Kreuzbergstraße stattgehabte Wählerver- ammlung des 2. Kreises. Der überwachende Polizeileutnant wollte nicht dulden, daß seine Amtsführung„kritisirt" werde. Schon während der Ausführungen des Kandidaten Fischer, der nach dem Referate des Genossen Klees das Wort nahm, verlangte er, daß die Zwischenrufe unterbleiben oder die Rufer sich nennen sollten. Als er auf Widerspruch des Vorsitzenden Ewald und Genossen Fischer äch weiter äußern wollte, erklärte ihm der Vorsitzende, daß er kein Recht zur Diskussion habe, womit er sich beruhigte. Als nun im Schlußworte der Vorsitzende Ewald ausführte, wir hätten ja jetzt schon einen Vorgeschmack des kommenden Wahlkanipfes; wir würden aber trotzdem in unseren Versammlungen nicht Das reden, was den überwachenden Beamten angenehm sei, sondern--- Da erhob sich der Beamte und erklärte:„ich lasse mich nicht von dem Vorsitzenden angreifen und meine Amtsführung kritisiren-- löse die Versammlung auf!"— Unter allgemeinem Bravo! ging die Versammlnng auseinander. Der Polizcileutnnnt verlangte denn auch noch, daß die im Vorsaal— der abgeschlossen und zum Theil mit Stammgästen gefüllt war— Anwesenden sich ebenfalls entfernten. Sonst passirte kein Malheur, als das ein Genosse„festgestellt" wurde. Breslau.(Privat- Depesche deS„Vorwärts".) Die Stadt- verordneten-Versammluug berieth heute über Annahme des Baron- che» Vermächtnisses in Höhe von 470 000 M. zur Begründung eines vegetarischen Kinderheims, welches anzunehmen die Berliner Stadt- verordneten- Versammlung abgelehnt hatte. Mit allen gegen drei Stimmen wurde die Annahme des Verniächtnisses beschlossen. Berti. 9. März.(W. T. B.) Sämmtliche Arbeiter am Simplon- tunncl streiken wegen Lohndifferenzen; die Arbeiten sind vollständig eingestellt. Bis jetzt wurden nur zwei Verhaftungen vorgenommen. Es wurden umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen, doch verhalten ich die Streikenden ruhig. Die Unternehmer erwarten für Freitag Morgen die Wiederaufnahme der Arbeiten. Paris. 9. März.(B. H.) Die Untersuchung über die Pulver- rxplosiou in Toulon ist resultatlos verlaufen. Die Vernehmung der Soldaten habe im zweiten Verhör die Aussage in Bezug auf die verdächtigen Personen bedeutend abgeschwächt. Es ist unrichtig, daß irgend welche Verhaftungen vorgenommen worden sind. PariS, 9. März.(B. H.) Die Kriminalkammer beschäftigte ich heute Nachmittags mit dem Gesuch Esterhazy's, dem mit der Untersuchung gegen ihn betrauten Untersuchungsrichter Bertulus das Verfahren zu entziehen. Das Urtheil hierüber ist heute noch nicht gefällt worden. New-Vork. 9. März.(W.T.B.) Ein Bugsirdampfer, welcher einen Bagger von Norfolk nach Philadelphia schleppte, ist im Sturme untergegangen. Die an Bord des Dampfers befindlichen 11 Per- wilen sind sammtlich ertrunken, während die Besatzung des Baggers durch ein Boot des deutschen Dampfers„Albano" gerettet wurde. Hierbei ist der zweite Steuerniann des„Albano" umgekommen. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 8 Beilagen u. Nuterhaltnngsblatt. Jt. 59. 16. ZchtWg. ijtilflje Ks JotMte" ßnlintt Pollisblntt. Fmilig, 10. Miitj 1899. MeichskAg. Uhr. der > o d Er� be 52. Sitzung, Donnerstag, 9. März 1899, 1 Am Bundesrathstische: Nieberding. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr� Acndcrungcn und Ergänzungen des Strafgrsctzbnchs(die sogenannte lex Hcinze), betr. V e r- schärfung der gegen Kuppelei, Unzucht u. s. w. gerichteten Paragraphen, in Verbindung mit dem das Gleiche bezweckenden Antrag R i n t e I e n u. Gen. sZ.) und dem Autrag des Abg. Frhrn. v. Stumm(9ip.), der Verschärfung der Strafen für Sittlichkeitsverbrechen, insbesondere gegen Kinder, verlangt. Staatssekretär Nieberding: Die heutige Vorlage besaht sich mit einzelnen strafrechtlichen Bestimmungen, die, wie die Vergangenheit zeigt, in juristischer und sozialpolitischer Beziehung mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft sind. Sie gruppiren sich um die wichtige Aufgabe, die jüngeren Schichten unserer Bevölteruug mehr als bisher vor den Gefahren sittlicher Verwilderung zu schützen. Seit drei Legislaturperioden ist die Regierung stets wieder mit neuen Vorschlägen auf diesem Gebiete gekommen, ohne daß sich bisher eine Einigung hätte erzielen lassen. Das Resultat der vorjährigen Verhandlungen ist indeh insofern er- treulich, als sich in mehreren Punkten eine Annäherung der ver- schiedenen Ansichten herausstellte, andererseits aber beklagenswcrth, da sich doch schltehlich eine Ausficht auf eine Gesammt-Verständigung nicht eröffnete. Die verbündeten Regierungen sind indeh der Ansicht. dah es auf die Dauer nicht möglich ist, dies ganze Gebiet der Gesetz gebung zur Unfruchtbarkeit zu verurtheilen. Die Zustände auf diesem Gebiet rechtfertigen in ihrer EntWickelung diese Unthätigkeit Gesetzgebung durchaus nicht, da wir thatsächlich in einer Peri des sittlichen Niederganges begriffen sind. Das gebniß unserer Statistik in den Jahren 1882 bis 1897 weisen dies auf das Deutlichste. Auf dem Gebiet der Vcv brechen und Vergehen gegen die Sittlichkeit entfielen auf eine Million unserer sttafmündigcn Bevölkerung im Jahre 1882: 200 Fälle, im Jahre 1897: 290 Fälle. Von den Verbrechen und Vergehen gegen ZZ 176—78 des Strafgesetzbuchs betr. Ver- gewaltiaung von Personen entfallen auf eine Million der Bevölkerung un Jahre 1882: 90 Fälle, 1887; 95 Fälle. 1896: 120 Fälle. Zu bemerken ist dabei, dah Dreiviertel all' dieser Fälle Vergehen gegen Kinder betreffen. sHörtl hörtl) Auf dem Gebiete der Kuppelei endlich, das ja gerade neu geregelt werden soll, entfielen auf je eine Million Einwohner 1882: 43 Fälle. 1885: 49 Fälle; 1894: 74 Fälle und 1897: 77 Fälle. Bemerkenswerth ist ferner der Prozentsatz, mit dem jugendliche Personen unter 18 Jahren an diesen Ver brechen und Vergehen bethciligt sind. Die Zahl der jugend lichen Delinquenten auf dem Gebiet der Vergewaltigung von Personen, insbesondere von Kindern, betrug 19 pCt. aller Fälle. Die verbündeten Regierungen legen deshalb dem hohen Hause einen Gesetzentwurf vor, der sich nicht in ollen aber in vielen Punkte» dem auschliefit, was die Kommission in der vorigen Session au diesem Gebiete beschlossen hat. Sollte der Reichstag auch diesma zu keiner Einigung gelangen können, so mühte die Regierung au weitere Versuche verzichten und sich mit dem Bewutztsein begnügen� das Ihrige gethan zu haben, um eine Besserung auf diesem Gebiete zu erzielen. Der vorliegende Auttag Rintelen ist für die Regie nmgcn unainichmbar, da in ihm eine Ileberschätzung der Wirkung der Gesetzgebung ans das sittliche Leben zu Grunde liegt und er andererseits eine Schädigung berechtigter künstlerischer und literarischer Jntcrcffcn bedeutet. Tie verbündeten Regierungen honen, daß der Reichstag in der Prüfung ihrer Vorlage mit der weisen Mähigung vorgehen wird, die er so oft bewiesen hat, und so endlich zu einer befriedigenden Lösung dieser Frage gelangen wird. Abg. Roerc»(Z.) gicbt eine Uebersicht über die Vorgeschichte des Gesetzentwurfs. Es ist bedauerlich, dah das sittliche Bewußtsein der Ocffcntlichkeit nur bei empörenden Vorkonimnissen»ach Abwehrmaßrcgcln verlangt. Nur nieine Partei hat es sich zum Prinzip gemacht, die Sache auch in ruhigeren Zeiten nicht einschlafen zu lassen. Auch zu Beginii tiefer Session haben wir daher unseren Antrag wieder eingereicht, der wegen des Schlusses der Legislaturperiode in der vorigen Session nicht mehr verabschiedet werden konnte. Unser Entwurf hat sieb in allen Punkten den bereits in der Kommission gc- faßten Beschlüssen nngeschloffen. Rur auf den sogenannten Theater- Paragraphen haben wir nicht verzichten' können J,t es nicht empörend, daß der Chiniay- nnd Barrison-Skandal sich lahrelang auf unseren Bühnen breit machen konnten? Der Re gicrungsentwurf begeht da eine Jnkonscqnenz: er verbietet der artige Darftelliingen in Bild und Schrift, gestattet dagegen die leib hastige körperliche Darstellung. Wir erachten letztere aber gerade als das Allerschlimmste. Die Bestimmimgen über Kuppelei-c. brauchen eine nothwendige Ergänzung, welche unsere heranwachsende Jngend vor Unsittlichkeit schutzcm Der Antrag des Freiherrn v. Stumm scheint uns da nicht ausreichend mit seiner bloßen Verschärfung des Strafmaßes. Das Strafgesetzbuch enthält da die Lücke, daß es nicht die Schaustellung aller Nnditäteii verbietet. Wir, wenn wir so etwas erblicke», habe» nur die Einpfindting des AergerS jHeiteikeit), aber die Jugend sieht das mit andere» Augen a», sie wird zur Leidenschaftlichkeit, zur Sunde entflammt.(Heiterkeit.) Man hat uns vorgeworfen, daß wir die Moralität durch Polizei vorichntten in die Jugend hincincrziehcn wollen. Wir sind aber der Meinung, daß in einem geordneten Staatsivcsen, in dem wir uns nun einmal befinden(Große Heiterkeit), das. was Schule. Faniilie und Kirche in jahrelanger Arbeit aufgebaut haben, nicht-durch eincii Gang über die Straße wieder zerstört werden soll.(Zuruf: Muß das aber fest stehen! Heiterkeit.) Kunst und Wissenschaft soll durch unser Gesetz natürlich nicht getroffen werden, nur daT Gemeine und Schamlose. Der betreffende Paragraph setzt ja nur voraus, daß die Verletzung von Scham- und �'�/'chkeitSgefiihl in grober Weise verletzen; ferner, daß die Ausstellung nnd der Verttieb aus Erwerbssinn geschieht, nicht aus sog. Lninstsinn.(Heiterkeit.) In den Museen köinien also solche Werke ruhig stehen bleiben.(Heiterkeit.) Man hat eingewendet: daß das Schamgefühl etwas sehr Ver schicdenes bei dem Einzclncii ist. Aber auf das Schamgefühl dcS (niizeliicit komint es gar nicht an, sondern auf das- Schamgefühl eines normalen Menschen, wie das Reichsgericht sich sehr treffend ausdrückt. Zum Schluß will ich noch auf unseren Paragraphen hinweisen, der Arbeitgeber bestraft, die unter Mißbrauch der Arbeitsverhältttisse ihre Arbeiterinnen zur VerÜbung unziichtiger Handlungen verleiten. Man hat gegen ihn eingewendet, daß er zu grundlosen Denunziationen AiUafe geben könnte. Aber dazu können alle Bestimmungen des Strafgesetzbuches Anlaß geben. Und gerade dieser Paragraph kann in seiner fetzigen Fassung nur sehr selten diese Wirkung haben, weil er den Fall sehr spczialisirt. Ich hoffe, daß unser Antrag auch diesmal in der Kommission in ruhiger und sachlicher Weise verhandelt wird. Ich beanttage, alle 3 Anträge einer Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen. (Beifall un Zentrum.) Abg. Frh. v. Stumm(Rp.): Ich bin den Ausfühningcn des Herrrn Vorredners in shmpathischer Weise gefolgt. Nur glaube ich. daß er im Einzelnen die Sache zu leicht genommen bat.'Dcr Arbeitgebcr-Paraqraph kann allerdings in seiner jetzigen Fassung zu Mißdeutungen vielfach Anlaß geben. Auch die Bestimmungen, die Kunstwerke treffen können, sind sehr bedenklich. Die Unterscheidung zwischen Kunst und Unsittlichkeit ist nicht so leicht. So sympathisch auch alle Besttebimgen gegen die Unsittlichkeit sind, so darf man nicht vergessen, daß auch da das Beffere der Feind des Guten ist. Wo es sich um den positiven Schutz des kostbarsten Gutes des Weibes und um den Schutz der Sittlichkeit unserer Jugend handelt, da ist freilich unser Strafgesetzbuch und unsere Recht- sprechung viel zu lax.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Beim Sittlichkeitsveibrechen handelt es sich um ein Verbrechen gegen die bürgerliche Gesellschaft im Allgemeinen, nicht nur gegen den Einzelnen. Wenn man bereits vor Jahren gegen die Sittlichkeits- verbrechen eingeschritten wäre, wie ich dies damals beantragt hatte, so wäre die Vermehrung derselben, die der Herr Staats- sckretär in seiner Statistik uns gezeigt hat, nicht eingetreten. Die zu gelinde Bestrasimg derselben hat zweifellos einen großen An- thcil an dieser Vermehrung gehabt; Redner verliest eine längere Liste von Bestraftliigen, die das demonstriren solle. Die Strafen müssen viel härter werden, in einzelnen Fällen, z. B. bei Lustmord muß die Todesstrafe vorgesehen werden. Für Nothzncht gegen Kinder mutz lebenslängliche Zuchthausstrafe eingeführt werden. Ich betrachte es für einen prinzipiellen Fehler, daß Trunkenheit als Mildernngsgrund gilt: die Verbrecher Pflegen meistens vorher zu trinken, um sich Muth zu machen. Auch der Strafvollzug muß ein anderer werden. Das Zuchthaus schreckt rohe Naturen überhaupt nicht. Leute, die verthiert sind, sind gar keine Menschen mehr, das sind Thicre. Gegen solche muß die Prügelstrafe, deren Freund ich sonst nicht bin, angewandt werden. Ich hoffe, die Kommission wird das ihrige dazu thun, um diese Bestien aus der Welt zu schaffen Sie erwirbt sich dadurch ein Verdienst vor Gott und den Menschen. (Bravo I rechts.) Abg. Himburg(k.): Wir geben dem Regierungscntwurf den Vorzug. Der Antrag des Zentrums ist für uns unannehmbar. Wir werden dem Regie rungscntwurf im Großen und Ganzen zustimmen. Wir sind gegen die mildernden Umstände, wenn der Ehemann seine Frau verkuppelt Den Zuhälter wollen wir mit Zuchthausstrafe belegt wissen. Die Bestimmungen über die Verbreitnng unzüchtiger Schriften sind uns nicht ganz sympathisch, aber die Regierungsvorlage trifft da noch relativ das Beste. Zur Erhöhung der Schutzgrenze von 16 auf 18 Jahre scbcn wir keine Veranlassung. Gegen den sög. Arbeitgeber-Paragraph müssen wir uns entschieden erklären. Kommen Fälle vor, in denen sich der Arbeitgeber nntcr Mißbrauch seiner Stellung zu Unsittlich leiten gegen Untergebene verleiten läßt, so soll er strenge bcstra' werden. Ein solcher Paragraph aber würde zn einer nnerschöpflichen Quelle häßlicher Denunziationen werden, auch eine Vermchnnig der Meineide befürchte ich. Zum sogenannten Thcater-Paragraphcn be halten wir uns unsere Stellung vor. Noch eine Materie möchte ich hier streifen: der Verkehr zwischen Personen des gleichen Geschlechts Es mag zugegeben werden, daß hier oft Krankheit im Spiele ist, in solchen Fällen mag Freisprechung erfolgen. Gegen eine Aufhebung des§ 175 müssen wir ahcr protestircn. Dem Antrag Stumm werden wir zustimmen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Endcmann(natl.): Im Plenum können wir auf alle die Paragraphen nicht ein gehem Die Vorlage hat mehrere Seiten, die sanitäre, die juristische und die ethische Seite. Der Mediziner hat andere Bedenken, wie der Jurist. Ein Gesetz gegen die Verbreitung der Geschlechtsttauk heiten wäre sehr zu wünschen, ist aber sehr' schwierig. Aber man kann der größte Moralist sein und wird doch sagen müssen, die Pro slitution ist ein nothwendiges Uebel.(Zuruf rechts: Ja. Große Heiterkeit.) Die Begriffe über Sitte und Zucht sind sehr verschiedene Es ist schwer z» sagen: Das ist die richtige Sitte. Was ist also unsittlich, unzüchtig? Ich bin gewiß für sittliche Erziehung der Jugend. Aber die Bilder halle ich nicht für so gefährlich Wozu sind denn die Herren Eltern da? Wozu die Faniilie? Ich halte Kunst nnd Wissenschaft nicht für genügend geschützt durch die Vorlage. Die Begriffe darüber, was die Scham verletzt oder nicht verletzt, sind sehr verschieden»nd sehr schwer festzustellen. Ein großer Theil metner Freuiidc kann die bcscligendc Kraft der Kirche nicht ancrkenileii, aber moralisch sind wir auch. Das Christenthum ist gewiß moralisch, aber es kann doch einer sehr moralisch sein, ohne Christ zu sein. Gehen Sie doch ins Alterthum zurück. War da keine Moral? Wir schließen uns dem Antrage au' Kommissionsberathung an.(Beifall links). Abg. Barginau»(frcis. Vp.j: Die Vorlage hat den Vorzug vor dem Zentrumsantrag, daß ie Materien, die am bedenklichste» sind, onsgcschicden hat. Der Arbeitgeber-Paragraph ist uns in seiner Tendenz sympathisch, ober wir halten ihn doch für ungeeignet. Wir theilen da die schon von anderen Rednern geäußerten Bedenken. Es entsteht auch die Frage, 'oll man hier ein Offizialdelikt oder ein Autragsdclikt ninchen, auch die Fassung des Paragraphen ist mir bedenklich, weil sie zu un- bestimmt ist. Auch gegen den Theater-Paragraphen sind wir, wenn »vir auch zugeben müffen, daß Manches da gut beseitigt werden könnte, ohne der Allgemeinheit zu schaden. Aber auch in de» Tingeltangeln ist vieles Künstlerische. Ich erinnere mir an die Dvette Gnilbert, deren Lcistnngen trotzdem sehr ver- schieden beurlheilt ivorden sind. Wenn es gelingen sollte, einzelne Bedenken zn beseitigen, so würden wir für den§ 184 stimmen, der die Verbreitung unzüchtiger Schriften, Abbildlingen»nd Dar tellungcn treffen will. Es ist eine Lücke im bisherigen Gesetze, daß jetzt erst eingeschritten werden kann, wenn diese Dinge verbreitet lind, also der Erfolg, der verhindert werden soll, schon eingetreten ist. Redner erklärt sich für Kommissionsberathung. Die weitere» Einzelheiten bleiben auf der Tribüne unverständlich. Abg. Bebel(Soz.): Der Herr Abg. Endemann hat heute bezüglich seiner Auffassung über Religion und Sitte Ansichten entwickelt, die sehr lebhaft von denen abweiche», die seine Parteigenossen Paaschs und Graf Oriola bei Berathung des Militärctats bekundet baben. Er kann sich gratuliren, daß die beiden Herren bei seiner lltcde nicht zugegen waren; sie wären höchstivahrscheinlich von einer Gänsehaut geschüttelt worden und hätten lebhaften Protest erheben müssen über jene ketzerischen Ansichten, die er Inndgethan hat.(Heiterkeit links.) Ich glaube aber, daß seine Aeußcrnngen mehr aus seinem Beruf er ist Mediziner— geflossen sind, als aus seiner Stellung als Nntionallibcralcr. Er meinte, die Prostitution sei ein nothwendiges Uebel. Der Abg. Stöcker hat sich sehr energisch dagegen verwahrt. Jedenfalls ist aber der vorliegende Gesetzentwurf ein sehr ver- kehrtcs Mittel, um die Ausbreitung der Prostitution zu verhiiten. Man muß der Quelle des Nebels nachgehen, sie abgraben. Ein 'ehr großer Thcil der Frauen, die sich der Prostitution ergeben, thun es aus lu a t e r i e l l e r Roth. Für die Gegenwart liegt keine genaue Statistik vor. Aber in früheren Jahrzehnten bat nian die Gründe festzustellen gesucht, die die Frauen der Prostitution in die Arme verfen. Redner verweist aut die Untersuchungen des Statistikers Parent Duchätel. Eine Statistik des Berliner Polizeipräsidiums aus dem Jahre 1871 beweist, daß die große Mehrzahl der Prostituirten durch Roth und Elend gezwungen worden sind, dieS Gewerbe zu ergreifen. Ist das der Fall, dann mutz eS die Hauptaufgabe der Gesetzgebung sein, die Lebenslage und die sozialen Ver- hältnisse derjenigen Klassen der Bevölkerung, aus der sich heute auptsächlich die Prostituirten rckrutiren, zu verbessern. Und hierzu 't in erster Linie eine umfassende und durchgreifende Sozialrcform nothwcndig.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) So sind z. B. die Zustände in der Konfektionsindustrie ganz erbärmliche. Die Mädchen, die genöthigt sind, auf anständige'Gatderobe zu halten, müssen dabei mit einem Monatsgehalt von 30— 50 M. auskommen. Haben sie noch Eltern, so können diese ev. die Ausgaben für Garderobe. lferdebahn ie. bestreiten, stehen die Mädchen aber allein, so sind gezwungen, sich einen Freund zu suchen, der ihre Ausgaben gegen entsprechende Gegenleistung bezahlt. Bekannt ist eS ja auchi daß neun Zehntel unserer Kellnerinnen gezwungen sind, mit den Gästen schön zu thun, vor allem in den sogenannten Animirkneipen. Ferner erinnere ich an die Verhältnisse der Chanteusen, Schauspielerinnen. Selbst bei Schauspielern erster Klasse reicht daS Gehalt nicht aus, um den Ansprüchen zu genügen, die das Publikum an die Garderobe stellt. All' diesen Thatsachc» gegenüber Ivärc es die höchste Zeit, daß der Reichstag gerade auf diesem Gebiet der Thätigkcit der weiblichen Arbeiter einschneidende Reformen vornimmt. Dahin gehört der Normal- arbeitstag, das Verbot der Nachtarbeit, Schutz gegen niedrige Löhne. Das Koalitionsrecht muß auch den weiblichen Arbeitern in vollstem Maße gewährt werden, damit sie ihre Lage verbessern können; weib- liche Fabrikinspcklorcn müssen in erhöhtem Maße angestellt werden, kurzum eine Reihe von Maßnahmen getroffen werden, von denen keine einzige über den Rahmen der gegenwärtigen Gesellschafts- ordmmg hinausgeht und die doch in hohem Maße und in Vergleichs- weise kurzer Zeit dazu beitragen würden, die Lage der Arbeiterinnen erheblich zn vcrbcffcrn. Für die Arbeiterinnen, die kein eigenes Heini haben, muß die Möglichkeit geschaffen werden, die Abende in gemiithlichen, hellen Räumen zuzubringen, � Ivo sie Gelegenheit haben, sich angenehm und nützlich zu beschäftigen. Sobald wir aber mit solchen Vorschlägen kommen, begegnen wir dem lebhaftesten Widerspruch der Rechte». Da muß man doch schließlich zu der Ansicht kommen, daß es den Herren mit der Be- scitigung der bestehenden Uebelstünde nicht besonders ernst ist. Nun ist aiiznerkeiinen, daß der Entwurf der Rchierung einige kleine Verbesserungen enthält. Als eine solche sehe ich den letzten Absatz des A 180 an. Danach solle künftig die �Strafe für das Vergehen der Kuppelei, falls mildernde Ilmstände vorhanden sind, bis auf einen Tag Gefängniß ermäßigt werden können. Diese Bestimmung ist durchaus»othwendig. So gilt zum Beispiel der intime Verkehr zwischen Verlobten, die später in die Ehe treten wollen, in weiten Kreisen unseres Volkes nicht als unsittlich. Nach dem gegenwärtigen Gesetz aber werden Eltern, die von einem solchen Umgang Kenntnitz gehabt und ihn geduldet haben, im Minimum zu einem Jahre Zuchthaus veruriheilt. In acht von zehn solchen Fällen, die in den letzten Jahren in Niirn- bcrg abgcnrthcilt wurden, trat Begnadigung ein, das heißt das Jitstizmimsterillm hat selbst anerkannt, daß hier eine Härte im Gesetz vorliegt. Ich erinnere auch an die ganz bclannten Zustände im Spreewald, Thatsache ist. daß die in ihrer deutlichen Tracht herum- stolzircndcn Ammen nicht blos einS— das müssen sie ja haben—, sondern zwei bis drei Kinder haben. Die jungen Leute heirathcn diese Mädchen erst, nachdem sie sich durch dieses Gewerbe die nöthigcn Mittel zur HauSstandsgründung erivorben haben. Der Schlußsatz des Z 130 ist also eine absolute Nothwendigkeit und wir werden sogar noch folgenden Zusatzantrag dazu stellen: Als Unzucht iin Sinne des Gesetzes ist der Beischlaf unter Ver- lobten nicht zu betrachten. Auch in den 8 181a, der das Zuhälter- Wesen betrifft, werden mildernde Bestimmungen hineingebracht werden müssen, wenn es nicht möglich ist, diesen Paragraphen überhaupt zu beseitigen. Thatsächlich ist gerichtlich festgestellt, daß in einer Reihe von Fällen verheirathcte Frauen mit Zustimmung ihres Ehemannes sich der Prostitution ergaben, aus reiner Verzweiflung, weil die Existenz der Familie nicht anders auf- recht zu erhalten war. In einein solchen Falle kann nicht im Minimum mit einem Jahre bestraft werden, da müssen mildere Strafen eintreten. Ebenso lvenn Prostitnirte, mir imi ihre alten Eltcril zu ernähren, ihrem Gewerbe nachgehen. Eine Konzession liegt ferner in der Bestimmung des 8 181d, wonach die Vorschriften der 88 180 und 181» keine Anwendung finden auf die Bcrmiethung von Wohnungen an Frauenspersonen, welche gewerbsmäßig Unzucht treiben, sofern damit nicht eine Ausbeutung des unsittlichen Erwerbes der Mietherin verbunden ist. Nur darf es durch diesen Paragraphen unter keinen Umständen ermöglicht werden,� Bordelle zn errichten. Dagegen erkläre ich mich auf das allcrentschiedenste. Der Abg. Endcmann hat für diese Toleranzhäuser in Seestädten eintreten zu müssen geglaubt. Nach mir zugegangenen Mittheiliingen gcrathcn aber die Mädchen in solchen Toleranzhänsern oft in voll- ständige Abhängigkeit von ihren Wirthinncn und werden oft von dieser, ivenn sie sie bis auf das letzte ausgebeutet haben, � in eine andere Stadt direkt verkauft. Duldet der Staat diese Häuser unter der Kontrolle der Polizei, so liegt für die Männerwelt der Gedanke nahe, daß es auch keine Sünde sei, diese Häuser zu besuchen. Bevor ich nun auf 8 184 eingehe, der sich günstig von den An- trägen des Zcntrunis unterscheidet, muß ich noch den 8 182» des Antrags Rinielen einer kurzen Erörterung unterziehen. Da» ist der sogenannte Arbeitgeber-Paragraph. Die Regierung erklärt, diesem Paragraphen unter keinen Uinständen zustimmen zu können, weil derselbe mehr Unheil als Nutzen stiften müsse. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß die durch diesen Paragraphen getroffenen Vergehen recht zahlreich vorhanden sind nnd daß in einer Anzahl von Fällen die betreffenden Arbeitgeber mit sehr geringen Strafen belegt worden sind. Es dürfte Übrigens da doch nicht ein« fach heißen: Wird mit Gefängniß bestraft, sondern es genügt, wenn solche Vergehen überhaupt bestraft werden. Als Maximum genügt da vollkomme» eine Strafe von 2 Jahren Gefängniß, während die Vorlage des Zentrums 5 Jahre festsetzt. Nun ist gesagt worden: bereits eine niuüchtige Berührung eines Mädchens oder einer Frau kann danach schwer bestraft werden. Es heißt indch ausdrücklich: ein Mißbrauch des Arbeits-� oder Dienstverhältnisses muß nach- gewiesen werden. Wenn Sie sich aber vor Denunziationen jürcküen, so können Sie in dieser Beziehung sich ruhig den aus Ihrer eigenen Klasse hervorgegangenen Richtern anvertrauen.(Sehr richtig! bei den Sozialdeniokraten.) Ihnen gegenüber wird die betreffende Arbeiterin schon sehr viel liachweisen müssen, ehe der 8 182 gegen den Dienstherrn an- gewendet wird. Nun zu 8 184. Dieser faßt vor allem all' die Punkte, die unter dem Begr! r des Unzüchtigen zu verstehen sind, zusamnieii. Doch hat auch die Vorlage der Regierung große Bedenken, ins» besondere in der Ziffer 1, wo es heißt: Wer unzüchtige Schriften, Abbildungen oder Darstellungen feilhält, verkauft, vertheilt an Orten, welche dem Publikum zugänglich sind, ausstellt oder anschlägt oder sonst verbreitet, sie zum Zwecke der Verbreitung herstellt oder vorräthig hält, ankündigt oder anpreist, wird mit so und so viel bestraft. Da ist die Fassung des Zenttums- Antrages doch besser. Die Worte„sie zum Zwecke der Verbreitung selbst herstellt" treffen nicht allein den Unternehmer, sondern auch die Arbeiter und Arbeiterinnen, wenn sie im Auftrage des Unternehmers solche Arbeiten ausführen. So liege» doch aber die Dinge nicht, daß Arbeiter sich in solche Geschäfte drängen, nein, sie greifen dazu, weil sie Arbeit haben müssen, nnd erfahren meist erst, wen» sie im Geschäft find, womit sie beschäfttgt werden. In 8 184 der Re- gierungSvorlage muß also eine Aenderung eintteten nach der Richtung, wie sie in Ziffer 1 des 8 184 der Zeutrumsvorlage enthalten ist. Ferner können wir nicht der Ziffer 2 des 8 184 des Zentrums- anttages zustimmen, wo es heißt:„Wer Schriften, Darstellungen oder Abbildungen, welche das Scham- und Sittlichkeitsgefühl gröblich verletzen oder die geschlechtliche Lüsternheit zu erregen geeignet sind. einer Person unter 18 Jahren anbietet, verkauft oder sonst überläßt u.s.w." Sehr oft ist es fiir den Verkäufer ganz unmöglich, daS Alter des Käufers oder des Abholers festzustellen. Wie oft holen Dienst» niädchen unter 18 Jahren aus Leihbibliotheken Bücher ab, die ein trenger Richter wohl unter diesen Paragraphen rechnen könnte. Die Dichtmigen unseres Goethe oder gar des gottlosen Heine! Der würde wohl ganz unter 8184 2 fallen. Dann aber finde ich in dem Para- graphen selber, namentlich aber in der Motivining, die ihm Herr Roeren gab, einen Widerspruch. Er lsagte: die Meinung, als tolle Kunst und Wissenschaft durch diesen Absatz getroffen werden, ist falsch. Wenn auch eine Statue oder Bild geeignet ist, das Schamgefühl zu verletzen, so soll seine Schaustellung an einem öffentlichen Platze oder in einem Museum dennoch nicht unter diesen Paragraphen fallen. Das war ein Schluß, der mehr der Nothivend iglrit, als der Logik entsprang. Denn wenn Sie die Schanstellung der Abbildungen von Figuren im Laden verbieten wollen, die Figuren selbst auf der Schloßbrücke, im Museum oder in diesem Hause allen Blicken preis- geben, dann begehen Sie einen Widerspruch, aus dem Sie sich nicht hinauswinde» können. Auch die Kinder werden Sie durch diese Maß- rcgcl nicht„schützen". Ich war erst neulich einmal an einem Sonn- tag hier in einem Museum und war überrascht über die große Zahl von Kindern im Alter von 10—12 Jahren, die ich dort antraf. Die Eltern dieser Kinder scheinen also nicht zu glauben, daß diese durch einen derartigen Anblick der sittlichen Ver- wahrlosung anheim fallen könnten. Wenn Sie den Eltern nicht auch das verbieten wollen, so ist auch das ein Widerspruch, den Sic durch gewundene Erklärungen schwerlich beseitigen können. Und noch etwas anderes. Nach Ihrem Paragraphen kann ja auch das Personal in einem Laden, das unter 18 Jahren ist, unter Strafe gestellt werden, wenn es derartige Bilder an das Publikum verkauft. Wenn einmal solch dehnbare Bestimmnugen in Kraft sind, dann kann es leicht dahin kommen, daß der Chef einer Kunst- 'c'1,c Lehrlinge, keine Gehilfen unter 18 Jahren mehr be- schaftigcn darf. Ich komme nun zu dem Theater-Paragraphen, auf den die Herren vom Zentrum so großes Gewicht legen. Ich gebe zu, daß im Theater, besonders in Tingeltangeln, eine Menge von Dingen aufgeführt wird, die nichts mit der Kunst zu thun haben, und die ohne Gefahr entfernt werden könnten. Aber man vergißt dabei das eine: auf diesem Gebiete hat die Polizei jetzt bereits sehr weitgehende Rechte. Sie kann jedes Stück auf seine Wirkung auf vas Publikum vorher prüfen. Und wenn trotzdem Sachen mehr als zweifelhafter Natur hier aufgeführt werden können, so beweist das nur, daß die Polizeiorgane bereits derart in ihrem sittlichen Gefühl abgcstlunpft sind, daß sie nichts dariii finden(Heiterkeit). Dagegen ist eben diese Polizei im höchsten Grade rigoros, wenn es sich um Dinge handelt, die vom„sittlichen" Standpunkt betrachtet, sehr harmlos sind. Sie verlangt bei allen öffentlichen. Veranstaltungen, die von ge- schlosienen Vereinen für ihre Mitglieder gemacht werden, zuerst den Wortlaut jedes einzelnen Stücks des Programms. Ich habe hier ein Gedicht, das auf einem Fest der Arbelter-Bildungsschnle vor- getragen werden sollte, und dessen letzte Strophe folgeiidcrniaßcn „Als ich Dir einst mein heilig Jawort gab, Da wüßt ich wohl, was ich Dir zugcschworcn. Und hatten will ich's Dir bis über's Grab, Dir und den Kindern, die ich Dir geboren. Ich will sie wärmen mit dem eigenen Leib Und nähren sie mit meinem letzten Bissen, Doch rein sei nicine Ehre als Dein Weib, Und rein meiir proletarisches Gewissen." Dieses Gedicht erschien dem Polizeipräsidenten im höchsten Grade bedenklich.(Hört, hört! links und große Heiterkeit.) Ferner ein anderes Gedicht, aus dem ich hier einige Zeilen ver- leien will: „So hört: Uns weckt beim Hahnenschrei ein jeder uns'rer Tage Zu hartem Dienst, zu langem Thun, zu ewig neuer Plage. Erst wenn der Sonne letzter Strahl hinab in Nacht �schwanden, Schlägt u n s r e Zeit, naht u n s r e Lnst, dann kommen u n s r e Stunden. Und dann?— Hört's, die Ihr von Geburt die Herren seid geworden!— Dann machen freudig an das Werk sich die„Vandalenhorden" Und der Z e r st ö r u n g Werk beginnt! So mögt Ihr es denn hören: Die blinde Einfalt wollen wir vernichten und zerstören! Das stärkste Bollwerk Eurer Macht, wir wollen es erschüttern: Von feiger Dummheit fort und fort soll'n breit die Spähne splittern. Empor soll'n auf aus ihrer Roth sich recken die Gebeugten Und fallen soll, was Hinterlist, was Haß und Schande zeugten. Frei sei das Auge, frei das Hirn, die sonst so trübe blickten, Ein Schein soll leuchten in die Nacht der ewig Unterdrückten; Ein Schein vom Licht, das ausgesaudt wird in vieltauscnd Strahlen. Das ist die Waffe unserer Zeit, das Rüstzeug der„Vandalen". Auch dies Gedicht wurde im Interesse der Sittlichkeit unterdrückt. sHort! hört! Andauernde Heiterkeit.) Und das thut dieselbe Polizei, die bei den Tingeltangeln so sehr milde verfährt. Wollte sie freilich bei allen„anstößigen" Schanstellungen auf den Straßen, in den Theatern zc. so streng vorgehen, wie das Gesetz es eigentlich vor- schreibt, dann müßten hier in Berlin allein zehn neue Zuchthäuser und Gefängnisse gebaut werden.(Sehr richtig! links.) Da schweigt die Polizei, und je höher die Damen oder Herren st c h e n, u m s o m e h r f ch>v e i g t sie, um so mehr drückt sie die Augen zu.(Sehr richtig! links.) Die Angaben, die ich seiner Zeit gemacht über Vorgänge, bei denen eine ganze Reihe h ö ch st- gestellter Personen, Prinzen, Fürsten ec. bethciligt waren, konnte man nicht widerlegen und hat sie nicht lviderlegt. (Hört! hört! links.) Aber wenn Sie reden, so meinen Sie inimer nur das Volk: Dem Volke muß die Religion erhalten werden! Dem Volke muß die Sittlichkeit erhalten werden! Was die droben machen, und wenn es mit der Sittlichkeit im aller schreiendsten Gegensatze steht, da rührt sich kein Polizeikommissar und rührt sich auch kein Staatsanwalt.(Sehr richtig! links.) Was die vom Zentrum vorgeschlagene Maßregel gegen die Ge- fährdung der Gesundheit anlangt, so will ich hier nicht daraus ein- gehen. Ich will nur betonen: bei dem Umfang und der Gefährlich- kcit der sogenannten Gehcimkrankheiten ist es nothwendig, daß die Gesetzgebung eingreift. Nun noch ein paar Worte über den Antrag des Freiherrn v. S t u m m. Herr v. Stumm hat sich sehr energisch für schwere Zuchthausstrafen und für die Einführung der Prügct- strafe ins Zeug gelegt. Der bekannte Strafanstalts- Direktor Kroh» hat gesagt: Die Anwendung der Prügelstrafe wirkt nicht allein verrohend auf den. bei' dem sie angeivandt wird, sondern auch auf die, die sie anzuwenden gezwungen sind.(Sehr richtig! links.) Die Prügelstrafe ist nichts Neues. In den Arbeits- Häusern, z. B. in Sachsen, bekommt jeder arme Teufel, der dorthin kommt, den sogenannten Willkommen, das heißt, er wird mit so und so viel Hieben empfangen. Gebessert wird er dadurch nicht: das gerade Gegenthcil tritt ein. Wenn im Allgemeinen unsere Strafgesetzbücher milder geworden find, so geschieht das, weil die Personen, die Tag für Tag mit den Verbrechern zu thun haben, der Ueberzeuguug find, daß, je grau- sanier die Strafen sind, um so geringer die Einwirkung auf den Verbrecher ist. Aus dem gleichen Grunde schränkt ja auch jeder ver- ständige Lehrer oder Vater die Prügelstrafe bei Kindern ein. Sic wiffen ja dasselbe von Ihre» Pferde»(nach rechts). Freilich: DaS Pferd hat Verstand, hat Gefühl, ist gegen Prügel empfindlich! Aber der Mensch ist ein unvernünftiges Vieh, je mehr er geprügelt wird, desto besser.(Großer Lärm rechts.) ? ferner hat Herr v. Stumm unrecht, wenn er glaubt, die jetzigen en seien nicht hart genug. Ob die Richter zu milde urtheilen, das weiß ich nicht; soweit politische Vergehen in Frage kommen, können wir eine besondere Milde nicht veripüren.(Sehr richtig!) Möglich, daß, weil unsere Richter den gemeinen Vergehen und Ver- brechern wie Sittlichkcitsverbrechern objektiv gegenüberstehen, sie auch menschlicher urtheilen(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten). während umgekehrt da, wo ihr eigenes Empfinden und Fühlen und ihre politische Ansicht in Frage kommt, sie geneigt sind, sich der Theorie des Herrn v. Stumm anzuschließen und möglichst hart und schwer zu bestrafen. In Bezug auf die G e>v a l t t h a t e n gegen Kinder bin ich mit ihm darin einverstanden, daß das das scheußlichste Ver- brechen ist, das eS überhaupt geben kann. Aber wo werden sie denn hauptsächlich begangen? Sie werden begangen von alten Sioues, von Lebemännern der vornehmen Klassen (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), die, nachdem sie in der Debauche(Ausschweifung) gichtbrüchig geworden sind, alsdann sich an den Kindern vergreifen. Soll ich Sic erinnern an die bekannte Schrift „Der moderne Jnngfrauentribut", soll ich Sie erinnern, daß bei dieser Gelegenheit eine Menge der schwersten Anklagen gegen den König cinrS Nachbarstaates erhoben wurden, der dieses Verbrechen sich systematisch zu schulden kommen lieft, und es sich heute noch zu schulden kommen läftt! Wenn man alle Genüsse bis au die Hefe gekostet hat, dann geht man an die armen unglücklichen Kinder heran, dann bilden diese das Opfer, und da mache ich ins- besondere wieder dem hiesigen Polizeipräsidium einen schweren Vorwurf. Die Unzucht mit Kindern ist nach unserem Strafgesetzbuch ohne Weiteres strafbar. Was geschieht aber? Hier in Berlin weift die Polizei, daft eine ganze Anzahl Kinder systematisch zur Un- zucht verwaudt werden; sie kcuut die Kinder,— und sie hat nicht die Möglichkeit, die Scheusale, die diese Kinder ver- wenden, dingfest und haftbar zu mache».(Hört! hört! links.) Wie geht denn das zu? Sie kennt die Kinder, sie läßt sie unter- suchen, ob sie mit einer scheußlichen Krankheit behaftet sind; aber daß die Scheusale, die diese Kinder systematisch mißbrauchen, einmal gefaßt würden, davon hören wir nichts. Auch da geht die Dul- dung der Berliner Polizei weit über das erlaubte Maft hinaus!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Maximal- strafen, die gegen Sittlichkeitsverbrechen angedroht sind, iverden sehr selten angewandt; sehr häufig aber tritt bei Sittlichkeitsver- brechern die Begnadigung ein, insbesondere, wenn sie den höheren Gesellschaftsklassen angehören.(Sehr wahr! sehr richtig! links.) Der Kommcrzicnrath Falk in Nürnberg war wegen an Kindern— nicht blas an einen» Kinde— begangener Sittlichkeitsverbrechen zu V/i Jahr Gcfänguiß(nicht Zuchthaus) vcrurthcilt worden; er wurde, nachdem er noch nicht ganz die Hälfte seiner Strafe verbüßt hatte, vom Prinzregenten begnadigt.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten. Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem(unterbrechend): Ich bitte die Begnadigungsrechte der deutsche» Fürsten hier nicht zu kritisire».(Oho! und Murren links.) Abg. Bebel(fortfahrend): Der Amtswachtmeister Kollmann in Miitwcida wurde wegen Sittlichkeitsverbrechen an Gefangenen zu 2>/? Jahren Zuchthaus verurtheilt. Die Strafe wurde im Gnadenwege in Gcfängniß umgewandelt, und nach Berbüßung von Vh Jahren wurde er eben- -alls begnadigt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich kenne einen höheren Offizier, der ebenfalls wegen eines Sittlichkeitsvcrbrcchens niit mehrjährigem Gcfängniß bestraft wurde. Die Strafe wurde in Festung umgewandelt, und nachdem der Herr nenn Monate Festung verbüß! hatte, wurde er begnadigt.(Hört! hört! bei den Sozialdeinokralen.) Es ist doch merkwürdig, daß gerade in solchen Fällen, die das sittliche Bewußtsein am heftigsten empören, o ausnehmend oft Begnadigungen eintreten. Vielleicht bietet Herr v. Stumm seinen Einfluß dahin auf, daß künftig derartige Be- gnadigungen, die die öffentliche Moral verletzten(Große Unruhe rechts), nicht mehr vorkomnien. Damit habe ich die Stellung meiner Partei zu den Haupt- punkten des Gesetzes dargelegt. Einzelheiten behalte ich mir für die Kommission vor. Dort iverden wir auch eine Einschränkung der Polizei Willkür verlangen.(Lebhaftes Bravo! links.) Abg. G aulke(freis. Vgg.) erkennt an, daß die Regierungsvorlage Verbesserungen gegen die bisherige Lage der Gesetzgebung enthält. Das gilt besonders von den Bestimmungen. die sich mit der Kuppelei befassen. Die Milderungen, die hier die Vorlage vorsieht, sind uns sympathisch. Im§ 134a des Zentrumsantrages wird eine zu breite juristische Disposition gelassen zwischen Dingen, die unzüchtig sind, und solchen, die ohne unzüchtig zn sein, das Schamgefühl verletzen. Wir halten die Fassung für unglücklich. Was dem Richter in der kleinen Stadt unzüchtig ist, ist dem Richter in der großen Stadt»och lange nicht unzüchtig. Hier wird auch eine doppelte Sittlichkeit statuirt: eine private und eine geschäftliche Sittlichkeit. Auch das scheint uns nicht glücklich. Der sogenanme Theater-Paragraph ist für uns unannehmbar. Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage wird einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Es folgen Berichte der Wahlprüsungs- Kommission. Die Wahlen der Abgg. Rickcrt(frs. Vg.). Zcidlcr(k.). Dcpken(natl.), v. Winterfcldt-Mcnkin(k.) und Dr. Sattler(natl.) werden für giltig erklärt. Die Wahl des Abg. Stölkcr(wildkons.) wird beanstandet. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr(Kolonial-Etat, Etat des Auswärtigen Amts). Schluß ö3/i Uhr._ UoltÄles. Zur Lokalsrage. Am 18. März veranstaltet der Verein Berliner Hausdiener gegr. 1883 einen Maskenball in der Philharmonie. Dies Lokal steht uns bekanntlich zu Versammlungen nicht zur Ver- fügung. Ebenso veranstaltet an» 18. März der Konsumverein Vor- s ich t' eine Festlichkeit in den gesperrten Konkordiasälen, Inhaber Saegcr. Beide Vereine versuchen Billets in Arbeiterkreiscn zu ver- kaufen.— Die Lokalitäten Muxfeldt's Ballsäle, Dresdener- straßc 96, stehen uns jetzt zu Versammlungen zc. zur Verfügung. Die Lokalkonnnission. Erster Reichstags- Wahlkreis. Am kommenden Dienstag, dem 14. d. M., Abends 8'/s Uhr, wird in Cohn's Festlälcn, Bcuth- straßc 21, eine öffentliche Versammlung abgehalten, in der RcichStags-Abgcordneter August Kaden über die Sozialdemokratie und ihre Gegner sprechen wird. Ilm rege Bcthciligung bitten Die Vertrauensleute. Flugblatt- Vcrtheiluug zur Reichstags- Nachwahl. Im zweiten Wahlkreise findet am Sonntag, früh V'/a Uhr, Flugblatt- Verbreitung statt. Genossen, welche gewillt sind, daran thcilzu- nehmen, werden ersucht, sich in den bekannten Lokalen einzufinden. Die Vertrauensperson. Zweiter Wahlkreis. Am Sonntag, Abends 7 Uhr, findet beim Gcnoffcn Zubeil, Lindenstr. 106, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Dr. Wollheim über„Die geschichtliche Eiitwicke- lung der Rteiischheit" referiren wird. Rege Betheiligung ist er- wünscht.__ Die Neuwahl im zweiten Wahlkreise. Der Oberpräsident von Berlin hat den Magistrat beaustragt, die Vorbereitungen für die Wahl des ll. Berliner ReichStags-Wahlkreises in Angriff zu nehmen und den Wahltermin in Vorschlag zu bringen. Voraussichtlich ivird die Wahl am 11. April d. I.. einem Dienstage, stattfinden. Daft die Welteuuhr einmal stille gestanden hat, ist die neueste Entdeckung der preußischen Legendcnfabrilauten. Diesen Fehler hat das sonst so zuverlässig gehende Kunstwerk nach den„Berk. N. Nachr." äir einen Tag an sich gehabt und zwar vor elf Jahren. Am 9. März 1888 ist, wie der so vergeßlichen Welt ins Gcdächtniß gerufen wird, Wilhelm l. gestorben und dies Ereigniß hat nach dem Organ des Herrn v. Kardorff das gestern feierlich verkündete Wunder bewirkt. Derartige Stilblllthen sind erklärlich bei dem Blatte einer Klique, die sich tagaus tagein— allerdings vergeblich— bemüht, die Weltenuhr rückwärts zu drehen. Ein hübsches Märchen finden wir unter der Uebcrschrift „Moderne Dienstboten" in der„Deutschen Tagesztg.":„Die Dienst- botenmisöre in der Reichshauptstadt zeitigt recht sonderbare Blüthen. In den großen Verniiethungsbureaus giebt es förmliche Kämpfe zwischen den Hausfrauen um die wenigen dort erscheinenden Dienst- boten. Die Löhne sind infolge dessen ungemein hoch. Natürlich nutzen die so Begehrten die Nothlage ihrer Arbeitgeber ganz gehörig aus und sie erhalten ihre Forderungen, die mitunter rechts drastisch sind, schlankweg bewilligt. So ist die Forderung eines eigenen Zimmers gang und gäbe, das Neueste aber ist, daß unsere Küchenfeen Zimmer mit separatem Eingang fordern. Ebenso gehört heute zu den Forderungen der Mädchen, daß ihnen die Herr- schaft beim Miethen einen 14 tägigcn Sommer-Erholungs» urlaub zugesteht. Herrschaften, die drei oder vier Treppen wohnen, können ein Dienstmädchen überhaupt nicht erhalten, es sei denn, daß sie einen wesentlich erhöhten Lohn zählen." Es wäre zu wünschen, daß den Proletarierinnen, welche sich als Dienstmädchen verdingen, soviel Selbstbewußtsein innewohnte, als ihnen hier von dem agrarischen Blatte angedichtet wird. Leider sind die meisten Dienstboten noch lange nicht soweit, daß sie sich als Angehörige der Kulturmenschheit fühlen. Die Direktion der Große« Straftenbahn ist von der städtischen Verkehrsdcputation ersucht worden, in Erwägung zu nehmen, ob es nicht zweckmäßig und durchführbar sei, an den gemeinsamen Stationen mehrerer Linien Unterkunftsräume für das wartende Betriebspersonal zu beschaffen, in denen das- selbe gegen Wind und Wetter Schutz finden, gegebenen Falls auch die Mahlzeiten eiuuchmen könne, so daß es zu diesem Zwecke nicht nothgcdrungcn ist. die in der Nähe liegenden Restaurationslokale aufzusuchen. Gleichzeitig ist von der Deputation die Herstellung von Wartehallen für'das Publikum nach Art der aus den Stationen der Waunseebahn vorhandenen, in Anregung gebracht worden. In anderen Großstädten sind derartige Hallen etwas Selbst- verständliches. Billigere Abonnements. Die Direktionen der Großen Ber- liner Straßenbahn und der Neuen Berliner Pferdebahngesellschaft sind von der städtischen Verkehrsdeputation ersucht worden, sich darüber zu erklären, in welcher Weise die Gesellschaften der in den Betriebsumwandelungs-Vcrträgcn getroffenen Bestimmung, betreffend Einführung billigerer Abonnements, genügen wollen. Man muß der Straßenbahndircktion schon sehr scharf kommen, wenn sie die infam hohen Aboilnementsprcise ermäßigen soll. Ter vicrgeleisige Ausbau der Anhalter Eisenbahn geht jetzt auf der Strecke Slldende-Groß-Lichterfelde der Vollendung ent- gegen. Der neue Vorortbahnhof bei Südende ist bereits dem Verkehr übergeben worden. Das Polizeipräsidium veröffentlicht folgende Bekanntinachung: Alljährlich müssen Personen, welche das zulässige Alter(jetzt 30 Jahre) überschritten haben, mit ihren Amrägen, die H e b am m e n ku nst zu erlernen, abgewiesen iverden. Vielfach versuchen dann die abschlägig Bcschiedenen ihre Ausbildung auf einer außer-preußischcn Hebammen- Lehranstalt zu gewinnen, in der Hoffnung, nachträglich die Ge- nehmigung zu erlangen, vor einer preußischen Prüfungskommission sich prüfen zu lassen. Da eine derartige Genehmigung jetzt nicht mehr crtheilt wird, bringe ich dies behufs Warnung der Belheiligtcn hiermit zur öffentlichen Kemrtniß. Der Einbrecher Richard Erpel ist im Zellengefängniß zu Moabit irrsinnig geworden und soll in einer Irrenanstalt unter- gebracht werden. Ter Verein der Berliner Weiftbierwirthe beschloß, bei den ädtischen Behörden vorstellig zu werden, daß der Präsident des deutschen Gnstwirthsverbandes, Herr Th. Müller, demnächst in den Stadtausschuß berufen werde, damit in diesem meist über Gastwirths- konzessions-Angelcgenheiten befindenden Verwaltungsgerichtshofe end- lich auch eil» Sachverständiger sitze. Einer merkwürdigen Sache ist die hiesige Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. Ein Herr, der in früherer Zeit in Berlin, namentlich in Sportkreiscn sehr beliebt und bekannt war, machte die Anzeige, es seien ihm einige Briefe schwer kompromittirenden Inhalts gestohlen worden; er bezichtigte als muthmaßlichen Thäter einen nahen Verwandten und den Sohn seines Wirthes. Infolge dessen gingen, wie er behauptete, aufs neue anonyme Briefe bei ihm ein, welche ihn schwer beleidigten. Die gestohlenen Briefe sollten an einen. Architekten in einem Vororte anonym gesandt sein. Die Kriminalpolizei entfaltete eine rege Thätigkeit in der Sache und kam zu einem überraschenden Resultat. Der Sportsman hatte die sämmtlichcn Briefe zc. selbst verfassen lassen und selbst versandt. Als wahrscheinlicher Grund stellte sich gekränkte Liebe und Eifersucht des fast Sechzigjährigen heraus. Wie aber ein Unglück nie allein kommt, so fand man' bei dieser Gelegenheit auch noch andere Dinge heraus, die den falschen Angeber in eine mißliche Lage bringen dürften. Die Untersuchung über diesen Punkt ist noch nicht völlig abgeschlossen. Ein Liebespaar. Wir berichteten, daß am Sonnabend im „Alexandcrplatz-Theater" ein Liebespaar verhaftet worden sei. Dazu wird jetzt geschrieben:„Die Sistirung ist infolge eines bedauerlichen Mißverständnisses und infolge gänzlich unangebrachter Eifersucht des Gutsbesitzers P. erfolgt. Die Gattin war hier bei ihrer Schivestcr seit zwei Tagen zu Besuch. Ihr Vermögen hatte sie gar nicht bei sich, dieses lagert wohlverwahrt in der Bank(etwa 120 000 M.j, das die Dame ohne Einwilligung ihres Ehemannes gar nicht abheben kann. Ihr Stiefsohn, der amerikanische Bürger Frank, hat von ihr etwa 4000 M. zum Geschenk zur Verwendung für seine in New-Dork lebende Familie erhalten. Da sich dieser be- bäuerliche Jrrthum erst am nächsten Tage aufklärte, bat Herr P. Herrn Rechtsanwalt Katz I bereits beauftragt, die Freilassung seines Sohnes zu veranlassen. Herr P. lebt mit seiner Frau in glücklicher Ehe und das Paar ist wieder in seiner Heimnty angelangt, an eine Scheidung haben dieselben nie gedacht. Die Verhaftung ist übrigens nicht im Alexanderplatz- Theater, sondern in Kanfmänn's Bariets erfolgt. Zu Tode gegnctscht. Als gestern Abend der Kutscher Hermann tavcmann mit seinem init Salzjäcken beladcnen Rollwagen in den horwcg des Hauses Friedrichstr. Ivo einfuhr, wurden die Handels- leute August Blümke und Hermann Fürchner, die in eine Nische ge- treten waren, um das Fuhrwerk vorbeifahren zu lassen, von der überstehenden Ladung an die Wand gedrückt. Während Fürchner nur eine leichte Quetschung am Arme davontrug, wurde Blümke innerlich so schwer verletzt, daß er bereits auf dem Wege nach der Univcrsitäts- tlinik den Geist aufgab. Ein schiverer Unglücksfall ereignete sich vorgestern Abend 8 Uhr in der Friedrichstraßc. Der 7Sjährige Rentier B. wollte von der Karlstraße in die Fricdrichstratze- einbiegend den Fahrdamm überschreiten. Indem der alte Herr einem vom Oranienburger Thor kommenden Omnibus auszuweichen versuchte, gerieth er auf' die Ge- leise der Straßenbahn, ans welchen gerade ein Sammlerwagen der Ringbahn herangebrausi kam. Der Führer des Wagens vermochte nicht schnell genug zu halten und so wurde B. zu Boden gestoßen und gerieth unter den schweren Wagen. Der rechte Arm deS Greises wurde von dem Schienenräumer erfaßt und festgeklemmt. B. erlitt hierdurch erhebliche Quetschungen und hatte außerdem durch den Sturz innere Verletzungen erlitten. Er wurde nach der Charitce gebracht. Eiil weiblicher„Leichenfledderer" wurde vorgestern Nachmittag im Thiergarten auf frischer That abgefaßt. Gegen 5 Uhr Nachmittags hatte der zur Zeit stellenlose Handlungsgehilfe L. auf einer Bank in der Nähe der Löwcn-Allee Platz genommen und verfiel dort- selbst in Halbschlummer. Er bemerkte noch, wie ein junges Mädchen auf derselben Bank neben ihm Platz nahm und schlief kurze Zeit darauf fest ein. Diese Gelegenheit benutzte nun das Mädchen, um unter Anivendung aller Vorsichtsmaßregeln eines erfahrenen Leichen- flcddererS in die Tasche des Ruhenden hineinzufassen und das Portemonnaie desselben mit ca. 30 M. Inhalt sich anzueignen. Dann suchte sich die Diebin eiligst zu entfernen. Die Thätigkeit des Weib- lichen„Fledderers" war' jedoch von einem Kriminalbeamten be- obachtet worden, der der Verbrecherin entgegentrat und dieselbe fest» nahm. Das Mädchen versuchte sich unbemerkt des Portemonnaies zu entledigen, dies gelang ihm jedoch nicht. Der inzwischen erwachte Handlungsgehilfe bemerkte, wie die Geldbörse zur Erde fiel und konnte dieselbe sofort als sein Eigenthum rckognosziren. Gegen die Entscheidung des Bezirksausschusses zu Potsdam kn Sachen der Hinabsühruuq der Hochbahn auf dem Nollendorfplatz hat jetzt der Schöneberger Magistrat beim Proviuzialrath Beschwerde erhoben. Die Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen bat der städtischen Vcrkehrsdeputation den Entwurf für eine Straßenbahn nach dem Eierhäuschen zur Genehmigung unterbreitet. Die Bahi zweigt von der in der Treptower Kreüzallee herzustellenden Straßen bahn von Treptow nach Nieder-Schöneweide ab und verfolgt den sogenannten Sommerweg bis zur Kiehnwerder Allee. Zeuge gesucht. Der Herr Richter, der in der Nacht zum 8. Januar der Angelegenheit beigewohnt hat, bei der der Arbeiter Drogowski in der Chausseestratze von einem Kriminalbeamten erschossen wurde, wird ersucht, sich bei Adam, Weddingstr. 3a, II zu melden. Desgleichen wird der Droschkenkutscher Nr. 8444 ersucht, seine Adresse dort einzureichen. Der Dcfraudant Lange hat bisher über den Verbleib der von ihm unterschlagenen 40 Ovo M. keine Auskunft gegeben, dagegen die frühere Behauptung, daß er das Geld einem Freunde, Namens Müller, übergeben, fallen lassen. Seitens der Untersuchungsbehörde wird angenommen, daß L. Mitwisser nicht besitzt und den unter schlagencn Betrag allein beseitigt hat. Der raffinirte Verbrecher rechnet darauf, daß er nach Vcrbüßung der zu erwartenden Strafe Gelegenheit finden werde, unbemerkt das„Depot" abzuheben und sodann mit dem Gelde das Ausland zu erreichen. Bei einer wegen wiederholten Eiubruchödiebstahls verhafteten Person ist unter Anderem ein anscheinend neuer Siegelring mit dunkclrothem Stein, in Fornr eines Rechteckes, welcher vermuthlich gestohlen ist, beschlagnahmt worden. Personen, welche über den Ring Auskunft geben können, werden aufgefordert, sich zur Be sichtigung des Ringes, während der Vornnttagsstunden bei der Kriminalpolizei, Zimmer 324, einzufinden. _ Eine» unheimlichen Fund machten Donnerstag Nachmittag „wischen 5. und 6 Uhr spielende Kinder in der Wcrftstraße. Sie fanden auf dem Fahrdamm die Leiche eines neugeborenen Kindes liegen, das mit Blut besudelt und ganz nackt war. Ein Rollwagen harte der kleinen Leiche einen Fuß gequetscht. Die Ncvierpolizei beschlagnahmte den Fund. Verschiedene Zeichen sprechen dafür, daß die Mutter auf der Straße überrascht worden ist und das Kind ein- fach hat liegen lassen. Die Neue freie Volksbühne bringt am Sonntag Nachmittag V.3 Uhr im Ostend-Karl Wcifj-Theater wiederum eine Neuheit:„Fräulein Pfannenstiel" Tragikomödie in einem Akt und einem Vorspiel von Max Gebhardt zur Aufführung. In Verbindung damit geht noch das v. Ebner- Eschcnbachffche Lustspiel„Ohne Liebe" m Szene. Die Regie hat Herr Cord Hachmann. Wiener Volkstheater nennt sich ein Unternehmen, das in den Räumen des Hauses Oranienstraße 52 etablirt worden ist. Hier wickelte sich die kummervolle Geschichte des Parodietheaters ab. das in demselben Grade, wie die Bühne äußerlich verfiel, auch in seinem geistigen Gehalt herunterkam. So ein Stück parodistischen Geistes blieb allerdings auch später unter der traurigen Episode„Lumpe im Theater, und ganz scheint der Kobold wenigstens aus dem Zu schauerraum auch jetzt noch nicht gewichen zu fein. Die neue Direktion hat nun einen Batzen für Wasser- und Oelfarbe drauf- gehen lassen, damit wenigstens die Wände sauber und freundlich aus- sehen würden; mit der liliputanischen Bühne ist es beim Alten geblieben Sehr sinnig war es ferner gehandelt, daß der Herr Direktor— Leopold Friedrich Weiß ist sein Name— dem Premierenpublikum ein nettes Angebinde beschicd. Die Damen erhielten beim Eintritt ein Blumensträutzlein, während die Herren in ihrem Theaterzettel ein Päckchen Chokolade vorfanden. So ausgerüstet harrte das Publikum der Dinge, die da kommen sollten. Die erste Hälfte des Programms war mit kleinen Vorträgen ausgefüllt, nicht besser und nicht schlechter als sie in anderen Chantants zweiter und dritter Ordnung dargeboten werden. Der österreichische Dialekt, indem die meisten Sachelchen ge- sprachen und gesungen wurden, belehrte uns darüber, daß verschiedene Mitwirkende wirklich aus Wien stammten. Auch die Kellner schienen von dorther gebürtig zu sein. Um halb neun Uhr kam das Wahre Ein Volksstück„Unschuldig", das eigenhändig vom Direktor geschrieben war. lieber den Werth dieses Werkes wollen wir schweigen. Erstens weil wir schon das Nöthige darüber gesagt haben, ,'als es vor wenigen Monaten unter der unvergleichlichen Direktion Samst im Alcxanderplatz-Theater aufgeführt wurde, und zweiten?, weil es uns um die wackeren Schauspieler leid thut, die sich mit so etwas abplagen mußten. Fcuerbericht. Freitag Mittag mußte Marfiliusstr. IS cin Brand abgesoscht werden, der die Schaldecke und Balkenlage beschädigte. Aus gleicher Veranlassung war die Wehr vorher nach Karlsbader st raße 12/13 gerufen worden.«Donnerstag Abend waren drei unbedeiftende Brände zu beseitigen, und zwar Brüder- Arbeitsgelegenheit im Winter durch sogenannte Nothstandsarbeit in Erwägung zu ziehen. Ebenfalls ohne Debatte nahm die Versammlung die Vorlage betr. Erhöhung der Löhne der Desinfektoren und des Hilfspersonals an. Die Erhöhung, die sich auf 2000 M. bclänft, ist eine Folge der unvorhergesehen starken Inanspruchnahme der Des- c�ii. m infektions-Anstalt, an der in erster Linie die im September herrschende r, Diphtheritisepidemie die Schuld trägt. Vom 1. April 1898 bis 31. Januar 1899 wurden 1ö08 Auftrüge erledigt gegen 1020 Auf- lräge in der gleichen Zeit des vorhergehenden Jahres. Einem Ausschuß von 9 Mitgliedern überwiesen wurde die Vorlage betr. den Bau eines neuen Hospitals und Siechenhauses. dessen Kosten sich nach dem Voranschlag auf ca. IVi Mill. M. belaufen. Sodann genehmigte die Versammlung die Ueberschreitung der Ausgaben anläßlich des 15. deutschen Feucrwehrtages um ca. 900 M. Die nächste Vorlage, die die Erbauung einer katholischen Doppelgc mein de schule betrifft, wurde gleichfalls einem Ausschuß überwiesen. Hierauf begann die Berathung des Stadthaushalts- Etats für 1899/1900, dessen wichtigstes Ergebniß, außer der An- nähme des von uns bereits mitgetheilten Beschlusses betreffend die Einstellung von 15 000 M. zur Abhilfe der bei den Gemcindebeamten vorliegenden Nothstände, die Annahme einer Resolution ist, die den Magistrat ersuckit, mit der Stadtverordneten-Versammlung in gc- mis'chter Deputation möglichst bald über die zum 1. April 1900 in Aussicht genommene Prüfung des Besoldungsgesetzes für die Gemeinde- beamten in Berathung zu treten. An die öffentliche Sitzung schloß sich eine geheime. Wegen sträflichen Verkehrs mit den ihm anvertrauten weiblichen Gefangene» ist in Charlottenburg der Hilfsgerichts- diener Schmidt verhaftet und in das Potsdamer Gefängniß eingeliefert worden. Schmidt war früher in Berlin Schutzmann, ließ sich aber von hier versetzen, weil seine Frau wegen Diebstahls bestraft wurde. Er kam als HilfS-Gefangcncnaufseheck nach Spandau, wo bereits sein Verkehr mit den weiblichen Gefangenen auffällig bemerkt wurde. Schmidt wurde hierauf als Hilfsbote zur Staatsanwaltschaft nach Potsdam versetzt und hatte nur Sonntags ab und zu einmal den Gefangenenaufseher Stephan im Gefängniß am Neustädter Thor zu vertreten. Hierbei fand Schmidt Gelegenheit, mit einer dort eine Strafe verbüßenden Prostituirten in Verkehr zu treten. Als Schmidt kürzlich nach Charlottcnburg als Hilfs-Gcrichtsdicner versetzt war, kam dieser unerlaubte Verkehr zur Anzeige, worauf die Verhaftung erfolgte. st r a ß e 35, C h a r (t raße 158. In le ottenstraße 83 und Rcichenberger- torem Falle war ein mit Terpentin gefüllter Bottich in Brand gcratyen. der aber von der Wehr gelöscht werden konnte, bevor er größeres Unheil anrichtete. Ans den Nnchbnrorten. Arbeiter-Bildungsverein zu Schöncberg. Die Parteigenossen werden nochmals auf das Familienlränzchcn, welches Sonnabend, den 11. März, in der Schloßbraucrei stattfindet, aufmerksam gemacht. Obcrschöncwcide. In der Versammlung des Arbciter-Bildungs- Vereins, die am Sonnabend bei Hafcrland stattfindet, hält Genosse M a s s a t s ch einen Vortrag. Auch erfolgt Aufnahme neuer Mit- glieder. Das Ausscheiden Schönebcrgs aus dem Kreise zum 1. April ist wiederum in Frage gestellt. In einer offiziösen Auslassung des „T. Kr." wird betont, daß, falls Schöneberg an dem in der letzten Stadtverordneten-Versammlung gefaßten Beschluß, mit Friedenau zusammen bis zum 1. Agril auszuicheiden, festhält, man die auf den 23. März festgesetzte Berathung aus dem Kreistag wieder absetzen würde. Kommt dagegen das Ausscheiden Schönebcrgs ohne solchen Zwischenfall in der vertragsmäßig vorbereiteten Weise zu stände, so kann nach dem Ausscheiden Schönebcrgs die Vereinigung Friedenau's mit Schöncberg nur im Wege der Gesetzgebung er- folgen und dieser Eventualität darf auch der einer Lostrennung Friedenau's widerstrebende Kreis Teltow mit Ruhe entgegensehen. Der von den Schönebcrger Stadtverordneten genehmigte Vertrag erhielt be- kanntlich auf Anrathen des Stadtverordneten-Vorstehers Müller den Zusatz:„Bei Ausführung dieses Beschlusses ist darauf Bedacht zu nehmen, daß das Ausscheiden der Stadtgemeinde Schönebcrg aus dem Kreise Teltow zun« 1. April 1899 in keiner Weise gestört werde" und zwar aus dem Grunde, weil die oberen Verwaltunas- bchörden einer solchen Zusammcnschlicßnng sehr sympathisch gegenüberstehen sollen. Wir sind neugierig zu erfahren, wie sich die Gewährsmänner des Herrn Müller zu diesen Auslassungen stellen werden. Charlottenburg. Die Stadtverordneten-Versammlung berieth in ihrer Sitzung am Mittwoch mehrere Vorlagen, über die wir schon gestern berichtet haben, und nahm sodann'dcbattelos die Vorlage vetr. die Verstärkung der auf die Armenpflege bezüglichen Positionen des Etats an. Es handelt sich um Verstärkungen der baaren Unterstützungen von 18 000 M., der Pflegegclder um 2300 M. und der Bekleidung um 2300 M. Dem Antrage des Aus- schusscs entsprechend beschloß die Versammlung ferner, den Magistrat zu ersuchen: a) die im Jahre 1888 erlassene Gcschäftsanweisung für die Armenkommission einer zeitgemäßen Revision zu unterziehen und vor Einführung der Stadtverordneten- Versammlung zur Kenntnis; fu bringen z b) ein gemeinsames Zusammenarbeiten mit den gleich- alls Armenpflege ausübenden Wohlthätigkeitsvcrciiicn im Interesse einer geordneten Armenpflege in verstärktem Maße anzustreben: c) zur Vermeidung von Armenunterstützung die Beschaffung von Ihren Anstritt aus der Landeskirche haben am Mittwoch bei dem Amtsgericht in Potsdam fast sämmtliche Gemeinde- niitglieder der beiden Dörfer Alt- und Neulagaer wisch sKrcis Zauch-Belzig) angemeldet. Der Antrag trug 71 Unterschriften, darunter die Namen des Gemeindevorstehers Spahn, zweier Kirchen ältesten und fast aller Kirchenvertreter. Es sind in beiden Dörfern nur etwa 10 erwachsene selbständige Einwohner, die den Slntrag nicht unterzeichneten. Der Grund zu dem Austritt ist in jahrelangen Zwistigkeiten der Gemeinde mit den, Ortsgeistlichen Pfarrer Franz, der trotz aller Beschwerden nicht versetzt wird, zu suchen. Ter Etat der Gemeinde Groff-Lichterfelde für lSSst/ISOO beschäftigte die jüngste Sitzung der Gemeindevertretung. Die Ein- nahmen und Ausgaben balanziren mit 668 000 M. gegen 622 000 M. im Vorjahre. Die Gemeinde-Einkommensteuer>vird um 10 pCt. er- höht, sodatz dieselbe nunmehr 120 pCt.— allerdings inkl. der Kreis- steuer mit 33>/z pCt.— beträgt. Die indirekten Steuern(Umsatz und Lustbarkeits-, Hunde- und Biersteucr) sind mit 104 100 M. in Ansatz gebracht. Mehr gegen das Vorjahr 11 400 M. Die Einivohnerzahl von Groß- Lichterfelde ist im Jahre 1898 von 20 368 auf 21 360, also um 992 Personen gestiegen.— Die Hausbesitzer der östlichen Seite fangen bereits an. aus dem Um- stände, daß in allernächster Zeit die Vcrkehrsverhältnisse durch die elektrische Bahn Lichterfelde- Ost— Berlin eine bedeutende Besserung erfahren, kräftig Kapital zu schlagen. Eine ganze Anzahl Miether sind bereits mit beträchtlichen Miethssteigerungen beglückt worden. Besonders die ärmere Klasse wird dadurch empfindlich getroffen, weil kleine Wohnungen in Groß-Lichterfelde vcrhästnißmäßig schwer zu haben sind./ Vom Genossen Schubcrt-Schöneberg wird uns in Bezug auf eine gestern von uns unter der Spitzmarke„Zünftlerbeschränktheit" gebrachte Notiz mitgetheilt, daß diese Berichterstattermcldung zu korrigiren ist. Nicht die vom Verein selbständiger Handwerker gc- stellte Resolution wurde von der Versammlung angenommen, sondern eine des Inhalts, daß die Kommission sich nochmals mit der Materie beschäftigen, und einer späteren Versammlung positive Vor- schlüge unterbreiten werde. Trebbin. Das Lokal Rudolf's Gesellschaftshaus, Bahnhosftr. 3, steht der Arbeiterschaft jetzt zur Verfügung. Alb. Trebus, Vertrauensmann. Pankow. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung gc- langte zunächst die Frage der Errichtung einer gewerblichen Fort- bildungsschule in unserem Orte zur Erörterung. Auf ein Schreiben eines hiesigen Fabrikanten an den Minister hat der kgl. Landrath auf Verfügung des Regierungspräsidenten die Errichtung einer wichen Schule' anempfohlen und bestimmt, daß die Lehrlinge bis zum 18. Lebensjahre diese Schule zu besuchen haben. In einer vor Kurzem auf Einladung des Amtsvorstchers einberufenen itzung und einer darauf abgehaltenen Umfrage bei den hiesigen Gewerbetreibenden, erklärten sich die meisten Unternehmer 'ür die Errichtung dieser Schule. Trotzdem man also im Prinzip ür die Errichtung einer Fortbildungsschule ist, scheint doch die Profitsucht ihr Thcil mitreden zu wollen, denn die Altersgrenze der die Schule besuchenden Lehrlinge soll von 13 auf 16 Jahre herabgesetzt werden. Zur weiteren Regelung dieser Frage wurde eine Kommission gewählt. Die Frage bezüglich Errichtung eincsKrankenhauscs für unsere Gemeinde ist insofern in ein neues Stadium getreten, als der hiesige Fraucnvercin beabsichtigt, ein öffentliches Krankenhaus zu errichten. Auch zur Erledigung dieser Frage wurde eine Kommission ernannt. Auf ein Gesuch, die Spandauerstraße zu rcguliren, wurde beschlossen einige Laternen zu errichten. Zum Bau des Realschulgebäudcs soll bei der Kreissparkasse ein Darlehen in Höhe von 230 000 M. auf genommen werden. Der im Juli vorigen Jahres bei dem Gerüst- cinsturz des Rummelsburger Wasserthurms verunglückte Gastwirth Griffel aus der Kaiser Friedrichstraße in Pankow ist nach acht monatlichem Krankenlager dieser Tage aus dem Städtischen Kranken� Hause als geheilt entlassen worden. Gerichts-Leitung. Ei» kleines Sittenbild wurde in einer Verhandlung vor Augen geführt, welche gestern vor der 130. Abtheilung des Schöffengerichts tattfand. Die klinge Wittwe eines Architekten, Frau El. befand sich ivegen Bedrohung mit einem Verbrechen auf der �Anklagebank. Die Angeklagte war Telephonistin. Ein Vorgesetzter, ein verheiratheter Mann.' knüpfte mit ihr ein Liebesvcrhältniß an. Dies kam zur Kenntniß ihrer gemeinsamen Behörde, welche beide entließ. Von dieser Zeit an befehdete sich das frühere Liebespaar, weil der eine Theil dem anderen die Schuld an der Entlassung zuschrieb. Als der frühere Vorgesetzte der Angeklagten, der jetzige Stations- assistent L. dieselbe eines Tages auf der Straße in Moabit traf, überfiel er sie und mißhandelte sie in arger(Weise. Er erhielt eine Anklage wegen Körperverletzung und wurde auch vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 50 M. verurtheilt. An dcnisclbcn Tage, an welchem dieser Tcrniin stattfand, ging von L. bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige ein, worin er die El. der Bedrohung beschuldigte. Einer seiner früheren Kollegen habe ihm die Mittheilung gemacht, daß die El. zu ihm gesagt habe,„sie werde es so machen, wie die Sänke, sie werde erst den L., ihren damaligen Liebhaber, und dann sich selbst erschießen. Einen Revolver habe sie sich bereits gekaust." Diese Aeußerung der El. sei bereits vor zwei Jahren gefallen. Im gestrigen Termine erklärte die Angeklagte, daß sie von der fraglichen Aeußerung durch« aus nichts wisse. Als der Zeuge L. vernommen wurde, begann er mit den Worten:„Ich habe zu der Person in geschlechtlichem Verkehr gestanden.— Der Vorsitzende unterbrach ihn mit der Frage:„Sind Sie verheirathet?" Auf die bejahende Antwort er- widerte der Vorsitzende:„Und dann schämen Sie sich nicht, der- artiges hier ans freien Stücken vor der Ocffcntlichkeit zu er- klären, trotzdem Sie garnicht darnach geftagt worden sind? Ich würde mir lieber die Zunge abbeißen." Der Zeuge erzählte sodann die der Bedrohung zu Grunde liegende Aeußerung und meinte, daß er sich sehr gefürchtet habe. Der Staatsauwalt beantragte mit Rücksicht auf die ganze Sachlage gegen die An- geklagte eine Geldstrafe von 5 Mark, der Gerichts- Hof folgte aber den Ausführungen des Vertheidigers, Rechtsanwalt Dr. Hugo Marcuse, welcher geltend machte, daß die Anzeige über die zwei Jahre zurückliegende Aeußerung nur erfolgt sei, um die ftüher dem Zeugen zur Last gelegte Strafthat der Mißhandlung ab- zuschwächen. Das Urtheil lautete auf Freisprechung. Der Verwalter der Postagcntnr in Stolpe bei Wannsee, Barbierhcrr Nickel, war im Januar d. I. nach Unterschlagung von 946,24 M. amtlicher Gelder flüchtig geworden, wurde aber bald darauf in Berlin sestgenommen, wo er das ganze Geld mit leicht- sinnigen Dirnen verbracht hatte. Am Mittwoch wurde Nickel dieser- halb von der Potsdamer Strafkammer zu acht Monaten Gefängniß, worauf ein Monat Untersuchungshaft angerechnet wurde, verurtheilt. Der fliegende Gerichtsstand der Presse ist gestern abermals vom hiesigen Schöffengericht unter Vorsitz des Amtsrichters M a t t h i e s etablirt worden. Wegen Beleidigung der Vorstands- Mitglieder des Bundes der Landwirthe hatte sich nämlich der ver- antivortliche Redakteur der„Münchener Fr. Presse" zu ver- antworten. Trotz des vom Vertheidiger Justizrath Träger erhobenen Einspruchs erklärte sich das Gericht sür zuständig und verurtheilte den angeklagten Redakteur Schwarz zu 150 M. Geldstrafe. Ei» recht schwerer Fall von 5iantionsschwindclci be- schäftigte gestern die 1. Strafkammer des Landgerichts I unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Fehlisch. Aus der Untersuchungshaft wurde der Fouragehändler Ernst Fehrle vorgeführt. Der An- geklagte hatte im vorigen Sommer in den Zeitungen bekannt gemacht, daß er eine geeignete Persönlichkeit als Reisenden suche, der aber als Sicherheit 500 M. hinterlegen müsse. Es meldeten sich verschiedene Leute, wclcbe von dem Angeklagten einzeln nach einem Lokal bestellt wurden. Mit vier Bewerbern' schloß der Angeklagte nach und nach Verträge ab. Dieselben hatten die Aufgabe, bei Fuhrhcrren Hafer und sonstiges Pferdefnttcr abzusetzen und die Be- dingung der Sichcrstellung begründete der Angeklagte damit, daß sciiie Reisenden auch Gelder einzukassiren hätten. Den Letzteren fiel es schon auf, daß ihr Chef in der Wollincrstraße eine mehr als be- scheidene Wohnung inne hatte und daß von irgeudlvelchcn Vorräthen nichts zu sehen war. Sie beruhigten sich bei dem Gedanken, daß der Angeklagte wahrscheinlich sein Lager außerhalb habe. Als aber die Aus- führung der von ihnen übermittelten Aufträge unter allerlei nichtigen Vorwändcn nicht erfolgte, als es mit der Gehaltszahlung haperte, die Lebensweise des„Herrn ChefS" dagegen auf eine verbesserte Vermögenslage schließen ließ, da ivurde den Angestellten wegen ihrer Kaution ängstlich, nud die Befürchtung erwicS sich nur als zu be« gründet, als sie nach erfolgter Kündigung ihr Geld zurückverlangten. Fehrle war außer Stande, es ihnen auszuzahlen, er hatte es für sich selbst verbraucht. Der Staatsanwalt war der Ansicht, daß der Angeklagte bei der Gcmeingefährlichkeit der Kautionsschlvindeleien und mit Rücksicht auf seine Vorstrafen die ganze Strenge des Ge« setzes fühlen müsse, er beantragte gegen ihn eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren 6 Monaten, fünfjährigen Ehrverlust und 500 M. Geldstrafe. Dem Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Davidsohn, gelang es, doch dem Angeklagten mildernde Umstände zu erwirken, das Urtheil lautete auf 2 Jahre Gefängniß, dreijährigen Ehrverlust und 600 Mark Geldstrafe. Wegen Bierpanscherei standen gestern der Restaurateur Fritz Lüdke und der Kassircr August Graßmel vor der 6. Straf- kammer des Landgerichts I. Lüdke ist Besitzer des Kaiser Wilhelm« Zeltes Nr. 2, Graßmel sein Kassirer. Das Schöffengericht hat am 12. Dezember beide Angeklagte wegen Vergehens gegen das Nahrungs- mittelgcsetz zu 300 bezw. 200 Geldstrafe verurtheilt, weil an einem August- Sonntag in dem von ihnen geleiteten Restaurationsgeschäst nach der Bekundung von Kellnern das beim Verschänken von Bier aus der Tonne und überschäumenden Gläsern in ein Blech- gefäß laufende Bier und das An- und Abstichbicr zum„Ver- ichneiden" benutzt worden ist. Das Schöffengericht hat die Höhe der Strafe mit Rücksicht darauf festgesetzt, daß es sich um ein altbekanntes, vom besseren Publikum vielbesuchtes Lokal handelt(!).— Gegen das erste Urtheil hatten beide An- geklagte Berufung eingelegt. Sie wurden im gestrigen Termin vom Rechtsanwalt Leopold Meyer vcrtheidigt, der u. A. auch den Restaurateur Kuckenburg als Sachverstandigen geladen hatte. Der Angeklagte Lüdke behauptet, daß er bei dem großen Geschäft an jenem Sonntag anderweitig vollauf beschäftigt ivar und von dem Verschneiden nichts gesehen habe. Angeklagter Graßmel gab zu, dem Zapfer Jahn den Auftrag zum Benutzen des An- und Abstich- Bieres gegeben zu haben. Er habe, wie er betonte, dies für durch- aus erlaubt gehalten, da es sich um durchaus gutes Bier handele, welches in ein unter dem Faß stchcudes sauberes, mit einem Sied bedecktes BIcchgefäß, aber durchaus nicht über die Finger des ZapfcrS lief.— Der Kellner G u ß m a n n, der an jenem Sonntag aushilfsweise im Zelt Nr. 2 thätig ivar, hat sich über das Verschneiden geärgert und bestreitet, daß' das Bier nicht auch hier und da über die Finger des Zapfcrs gelaufen sein sollte. — Zapfer Jahn will nur den Weisungen deS Angeklagten Graßmel, der Buffetier war. gefolgt sein. Herr Lüdke, der früher Bäckermeister war und das Geschäft erst am 1. April übernommen hat, soll, wie der Zeuge bekundet hat, die allgemeine Anweisung gegeben haben,„Neigyzr" nicht zu verschneiden. Dagegen' behauptet der Zeuge auch, daß Graßmel ihm zugemuthet habe, Gläser mit Bier, welches zwei bis drei Tage schon gestanden hatte, zu ver- schneiden; er habe es aber nicht gcthan.— Kellner G u ß m a n n bekundete, daß sich verschiedene Gäste an jenem Sonntag über das schlechte Vier beklagt haben, er hat aber Herrn Lüdke nichts davon gesagt. Der Sachverständige Kuckenburg erklärte, daß die Be- Nutzung des An- und Abstichbiercs zulässig erscheine, nicht aber des Ueberlaufbiercs, was bei einem gewandten Zapfer überhaupt nicht vorkommen dürfe. Aber selbst solches Ucber lau fbier sei klar und gut.— Der Angeklagte Lüdke hob hervor. daß er, der vom Geschäfte noch nicht viel verstand, den Angeklagten Graßmel als Vertrauensmann angestellt habe, weil dieser schon viele Jahre im Berufe thätig ist.— Der Gerichtshof sah als erwiesen an. daß auch Ueberlaufbier zum Verschneiden benutzt worden ist. Mit der Verwendung dieses mindcrwerthigen Bieres sei die Nahrungsmittclvcrfälschung' gegeben. Das Gericht hat aber nur Graßmel als verantwottlich angesehen und seine Berufung verworfen. Lüdke wurde freigesprochen, da nicht erwiesen worden, daß er mit dem Vorgehen des Mitangeklagten einverstanden gewesen, im Gcgenthcil Thatsachcn bekundet worden seien, die gegen seinen bösen Willen sprechen. Wittern, igsiibersicht vom S. März 18SS, Morgens 8 Uhr. Stationen Swincmdc. Hlniibnrg Berlin Wiesb«,den München Wien äs h "S c= 5«■ Witter -sK i* Stationen 752 SSO 749 ISO 751 SSO 748 SO 752ISO 757 Still IRcbel 2 Nebel 3! Nebel iRegen 4cheitcr -(Dunst -1 2 4 5 2 -3 Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris S" 760 759 738 736 745 C 3 s f S O NNO SO S- Welter 2>volkenl Livolkcnl 3 wolkig 5 bedeckt 5 Regen d»« 3*« i U -32 -18 3 4 5 Wetter-Prognose für Freitag, de», 1«. März 189g. Ein wenig kühler, zeitweise heiter, vielfach wolkig, mit etwas Rege» und mäßigen südlichen Winden Berlin erWetterbureau. Vevmisitzkes. NuS Kiel wird berichtet: Der Freitag von Pillau abgegangene. Sonntag hier fällig gewesene Dampfer„Wilhelm", der Rhederei Sartort u. Berger gehörig, ist bisher nicht eingetroffen. Es wird be- fürchtet, daß das Schiff während des letzten Sturmes verunglückt ist. Die glatten Bäume im Sachsenwald. Auf der Bahnstrecke Bnchen-Hamburg entspann sich dieser Tage unter zwei Herren, die sich im Wagenabtheil gegenübersaßen und augenscheinlich über die Bismnrck-Verehrung verschiedener Ansicht waren, wörtlich folgendes Gespräch: A.(freudig erregt zum Fenster hinausschauend):„Ist dies der Sachsenwald?" B.:„Nein."— Einige Minuten später deutet B. mit dem Finger auf den mit kümmerlichem Gestrüpp beginnen« den Wald:„Dies ist der Sachsenwald!" A.(entzückt):„Wie Herr- lich I Könnte ich doch ein Viertelstündchen in dcni berühmten Wald lustwandeln." B.: Sie sind wohl Hamburger?" A.:„Nein, ich bin Berliner, aber in Hamburg geboren." Inzwischen war der Zug tiefer in den Wald eingedrungen. B.:„Fällt Ihnen nicht? an den schlanken Bäumen auf?" A/:„Nein, wieso?" B.:„Daß sie eine so glatte Borke haben." A.:„Ja, thatsächlich! die Borke ist ganz glatt I Wie kommt daS?" B.:„Die haben die Hamburger ab- geleckt I" Der Berlin-Hamburger fragte nicht weiter. AuS Wien wird vom Donnerstag berichtet: Wie die Blätter aus Graz melden, fügten sich Zuschauer während eines Brandes in A n d r i tz nicht den Anordnungen der Feuerwehr. Als darauf die Gendannerie einschritt, wurde sie mit einem Steinhagel empfangen. 5t Personen wurden verhaftet.— Gester» flog das Pulvermischwerk der Firma Hasner in Wagnitz in die Lust. In der Umgebung deö Ortes wur- den die Bäume entwurzelt und zerstört. Personeii wurden nicht verletzt. Unwetter auf dem Schwarzen Meere. Wie der„Nowoje Wremja"aus Sebastopol telcgraphirt wird, fanden infolge der während vier Tagen herrschenden Sturme zahlreiche Unglücksfälle auf dem Schwarzen Meere statt. Bei Poti wurden zwei englische Dampfer an die Küste geworfen. Ein nach Koustantinopel gehender türkischer Dampfer ist verunglückt. Ein nach Theodosia gehendes Segelschiff ist mit der Be- satzuug gesunken. Ein Dampfer der Krim-Kaukasus-Linie erlitt Havarie Todes-Anzeige. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, dab unsere liebe, gute Tochter Else Willer am 8. b. M., Morgens'/«' Uhr, an der Blinddarm- u. Bauchfell- Entzündung nach achttägigem schwerem Leiden iin fast voll- endeten 10. Lebensjahre ver- schieden ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, d. 12. d. M., Nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle der St. Iohannis-Gemeinde, Plötzensee, aus statt. Die trauernden Eltern 13945( und Geschwister. Allen Bekannten und Benvandten die traurige Nachricht, daß mein lieber Maiui, unser guter Vater(1803b A. Steudel nach kurzen Leiden sanst entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntag, Nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause in Schöiiholz, Nordbahnstr. 13, aus nach dem Friedhof in Neinickendorf statt, Die trauernden Hinterbliebenen, Ww. Steudel nebet Kindern, _ Putbuserslr. 10. Todes- Anzeige. Nach langem, schwerem Leiden ver- starb mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Grob- und Schwiegervater, der Drechsler Wlenst lSolinItzei-. Die Beerdigung findet Sonnabend Nachmittag 4 Uhr von der Leichen- halle des St. Thomas-Kirchhofcs aus statt. 1S83b Die tlefbetrdbten Hinterbliebenen. Dekeetteuro. Filiale II des Verbandes aller in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter. Den Mitgliedern zur Miltheilung, daß unser Kollege Johann Rudolf nach langem Leiden am 3 März, früh 8 Uhr, an der Prolctarierkrankheit ver- schieden ist. Die Beerdigung findet am Freitag, 10. März, Nachm 4 Uhr, vom »ranlenhause„Urban" aus statt nach dem Böhmischen Kirchhof am Blücher- platz. Um zahlreiche Belhciligung bitlet 58/3_ Der Vorstand. Krallken-UiitersttzliilgS- M Begrlibltißvtttiil her Bau- uuh gewerbl. Hilfsarbeiter Berlins. Unser Mitglied W.«fander kst am 6. d. M. verstorben. Die Be- erdigung findet am Sonntag Nach», 4 Uhr vom Trauerhause Jnslerburgcr- slrabe 11 nach Wilhclmsbcrg statt Um rege Betyciliaung ersucht 37/3 Der Bvrstand. Allen Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, dab meine inniggelicbtc Frau, unsere gute Tochter, Schwester und Schwägerin Aln-Ine, geb. Eckert, tm noch nicht vollendeten 21 Lebensjahre am Montag, den 3. ds MtS, plötzlich gestorben ist l807b Um stille Thetlnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Aox. IVitschke. Ackerstr 114 Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. ds,, Nachm 3 Uhr, von der Leichenhalle d St, Elisabelh-Kirchhosö, Prinzen-Allee, aus statt, vanksas»!!»?. Für die liebevolle Theilnahme bei der Beerdigung meines heben Mannes und unseres BaterS 1804b iPaiil Bnrrmann sagen wir allen Verwandten und Be« kannten, besonders de» Kollegen der Firma tSitrseliaer, unseren innigsten Dank, WUlwe Burrniann u Kinder, Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise der Liebe und Theilnahme, sowie der prachlvollen Kranzspenden beim Be- gräbnib meiner unvergcblichen Frau und'Mutter sage ich allen meinen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Herrn Stage für die trostreichen Worte am Grabe der Entschlafenen, sowie dem Musikverem„grisch-Auf" gleichzeitig im Namen der Himer- bliebenen ineinen tiefgesühllesten Dank, Ernst Sekriiter nebst Sohn, Deutscher Dolzarbetter-Derband. Druck, ehler-Bcrichtignng. Der tu der gestrigen Todesanzeige entbaliene Name soll nicht Lindner, sondern Mieters heitze». Danksagung.[1699b Allen Freunden und Bekannten, besonders dem Deutschen Holzarbeiter- Verband, der Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler, dem Spar- und Vorschub-Vercin Süd-Ost, sowie dem Personal der Firmen Hoff u, Co,, Paul Schars und L. Mörs, welche meinem lieben Manne, unserem guten Bruder die letzte Ehre erwiesen, sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank, Nreu Ww Flemmlng nebst Kindern. Heinrich Flemmlng nebst Schwestern. Genossenschafts- Knchdruckevei Eingetr, Gen, m, beschränkter Haftpfi, Sonntag, den IS. März 1809, Nachmittags 6 Uhr, im Lokale deS Herrn Karl Er», Kaiserftrabe, Solingen: General-Yersammlong. Tages-Ordnung: 1. Erklärung über stattgefundene amtliche Revision pro 1897/98. 2. Geschäftsbericht(Vorlage der Bilanz pro 1898). 3, Bcschlubsassung über Verwen- dung des Uebcrschusses. 4, Ergänzungswahl des Vorstandes, 285/15 Der Anfsichtsrath. Wer leiht einem iniell, Ge- nassen, verh,, die Mittel zur Anschaffung einer Schreib- Maschine? Sicherhett Maschine, Einr, u. Res. Off. and?. 10 an die Erp. Mlvemn des 6. Berl. Reichstags-Wahlkreises. Sonnabend, den II. März 1899: X. STIFTUNGS-FEST in den Räumen des Feen-Palasles, Burg- und Wolfgangstrassen-Ecke. Auftreten des gresammten Theater-Personals. Gesangs-Auffahrungen von mehreren Arbeiter-Gesangvereinen. F'QS'lpCflGy gehalten vom Reichstags-Abgeordneten THlclGa TANZ (3 q) TANZ Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 50 Pfennige nach. Anfang prlic. 8 Ehr. Programm gratis. Blllet 85 Pfennige. DM- Den Mitgliedern'' zur Nachricht, dass die Broschüre:„Das Dresdener Zuchthaus-Urtheil vor dem Deutschen Eeichstage1' von Anfang nächster Woche an bei den Bezirksführem in Empfang genommen werden kann._[248/8]_ Per Vorstand._ Uhren u. Goldwaaren neueste Muster, billigste Preise. Goldene Damen-Ehren v. 16, 20, 25 M etc. Silberne, Nickel, StsbMJhren v. 12. 15 M. Regulator 0, 14, 20 H. etc. G. Wagner Sküutzerstr. 120, nahe Kottb. Thor. Reparaturen gut u. schnell. Zentrckttblllld der Zimmerer. Sonntag, den 12. Iliar�, Vormittags 10 Ehr, im Lokal „Arminhallen", Kommandantenatr. 20: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1 Vortrag über:„Das Ilnsallversicherungs-Äesetz", Referent: Gewerk- schafts-Sekrctär Itliiiarg. 2 Diskussion, 3 Verschiedenes, Die Versammlung wird präzise eröffnet. Wir ersuchen die Mitglieder, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen, 254/12 ver Vorstand. Textilarlbeiter! Moutag. den 13. März er., Abends 8'/, Uhr, im„Engiiaehen Garten", Alexnnderstr. 27c(oberer Saal): Veßfcrrtl. Uersammlung aller tu der TrrtilinduKrie deschiift. Arbeiter und Arbeiterinnen Kerlins» TageS-Ordnung: I. Die Provinzial-Konferenz der Textilarbeiler Brandenburgs. Referent: Franz Kostke- Berlin, 2, Wahl der Delegirlen zur Provtnzial-Kanferenz. 137/3 Das Zlgitationskomltee der Textilarbeiter Brandenburgs. I A: Eriedr. Raasch, Königsbergerstr. 32. Verlmd der Sattler«ad Tapeztrer. Elllaie 1. Sonnabend, den Ii. März 189», Abends S'/z Uhr. im Englischen Garten Alexanderstraste 27c: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung. 1. Vortrag deS Herrn Gremne über:„Die Bedeutung der Müll- Verbrennung für dle rationelle Beseitigung der Abfallstoffe tu den groben Städten" 2 Diskussion 3 Verschiedenes Um zahlreichen Besuch bittet ver Vorstand. HM- Die Kollegen der Firma Eok SUhno ersuchen wir, vollzählig zu ericheinen_ 150/3 Orts- Krankenkasse für das Tapezirer-Gewerbe zu Berlin. Sonntag, den 12. März er., Ponnittags IvV- Uhr: Verssmmlung Versammlung d. A vl» e ikn rli an er drr Mrbritrleber in den„Armin- Hallen Kommandantenstratze Nr 20 Tagesordnung: Wahl von 20 Delegirlen � Mitgliedsbuch legitiinirt Um zahlreiche Betheiligung wird gebeten M. O""~ in Ehrlich's BZeistbier Lokal. Stralauerftrahe Nr 33 Tagesordnung: Wahl von 10 Delegirlen 1810b »eat, 1 Vorsitzender PaHewaldt, 2. Vorsitzender Mung! Villilirbeiter. MW (Mitglieder der Zahlstellen Berlin 1—5 deS Berbandes der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Teutschlands.) Tonntag. den 12. März, Borinittags lO>, Uhr, bei Fenerateln(oberer Taal). Alte Iakoblträste Str. 75: Kombinirte Versammlung. TageS-Ordnung: 32/7 1 Neuwahl deS Ausschusses 2. Regelung unserer Betträge zur Gewert- schaftskommlssion. Der Einberufer: Karl Heldsmann. Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berilna und L'mgegend. Tountag. den 12. Mär» er., Bormittags lOVi Uhr. im Lokale des Herrn liViike, Andreasstr. 26: MNtgliedvr�VerlÄmmlung esordnung: l, Vortrag. 2, Diskussion, 3. Vereinsangell (31/3) Tagesordnung-. und Verschiedenes VereinSangelegenheiten Der Borftand. für das Vuchdvuckgernrvbe zu Vevlin. Hierdurch bringen wir zur gest. Kenntnihnahme der Mitglieder, daß der Bezirks-Ausschub unter dem 14, Januar d, I, die in der letzten General- Versammlung beschlossene 5. Abänderung zum Kassenstatnt genehmigt hat, Hternacki ist im§ 32 neben dm bisherigen Publikationsorgancn noch die„Solidarität", Organ für die Interessen aller im graphischen Berufe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen", hinzugetreten, serner gehört im § 51 zu den Obliegenheiten der Generalversammlung die Beschlutzfassung über Erwerb, Veräutzerung und Belastung von Grundeigenthum, sowie über eine hierdurch bedingte Aufnahme von Darlehen, doch bedarf ein dabin- gehender Beschlutz zu seiner Rechtsgiliigkeit der Zustimmung der Aussichts- bchörde._ Gleichzeitig theilen wir mit, daß die 1ö81b ordentliche General-Verfammlnng Sonntag. 26. März 1898, Borinittags 10V] Uhr, im Lvnisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobftraste 37, stattfindet, Tagesordnung: 1, Rechnungslegung pro 1898 durch den Rendanten, 2, Bericht des Rechnungs-tzlusschufies bezw, Decharge-Ertheilung. 3. Etwaige Anträge der Mitglieder, 4, Verschiedenes. Berlin. 1. März 1899. Der Voratand. G u st. Günther, Dorsiyeiider, � Rod, Thiele, Schriftführer. Steinsetzer Berlins n.llmgeg. Sonntag, den 12. niUrz, Mittag» 1 Ehr, im Eoknle von IV Um an n(fr, CrUndel), llrnnnenatr. 188: Oeffentliehe Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Antwort der Meister auf den Lohntarif pro 1899. 2, Welche Schritte haben wir zu thun, um unsere Forderungen eventuell zur Durch- fühning zu bringen? 3. Gewerkschaftliches, 4. Verschiedenes. 174/1 Gesellenausschust»»d Lohnkommisston. Sllrlllpgmmli Berliner Zimmerleote. WM" Vevssminkung"MW am Sonntag, 12. März. Nachm. 5Ilhr. bei»nake, Grenadierstr.ZZ. T,-O,: Vortrag des|Herrli Dr. Friedeberg über: Schwindsucht mit besonderer Beincksickitigung der Lungenheilstätten. 1700b Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. llrisverein Charlottenburger Buchdrucker. Sonnabend, den II. Miirz, Abend» 8 Ehr: Grosser Wiener Maskenball im Loltale Bismarckaliöhe, Wilmersdorferstrasse 39. L rossartige lieberraschungen. Gut oesetztes Orchester."96! Himtoristlache Vortrüge. Damenkarte 25 Pf Herronkarte 50 Pf. Da der Ueberscbuss für die Krefelder Weber und die Angehörigen der verurtheilten Löbtauer Bauarbeiter bestimmt ist, bittet um recht zahlreichen Besuch 35/11 I>le Achtung! Vereine! Achtung! „| 600 Personen fassend, ist noch für 8 o n n a b e Sonntage im April und Mai zu haben £. Liange, Lolliseilstlltt. KonzerthailS, und 1635b] Tel. 4 a 6224. Alte JakobtstraKMC 37. Für Pereine, Äersaminluilgen, Hollizeiten k. ist mein Saal<150 Personen) mit Parkettboden nebst auschlietzendem Ver- einszimmer(70 Personen) noch an mehreren Sonnabenden, Wochen- und Sonntagen unter koulantesten Bedingungen zu vergeben. Glas Bier 10 Pf, und die große Weiße nur 20 Pf~ Berlin O., 81UC* Andreasslraste 26. I Berliner Ressource I 57. Komraandantcnstrnssc 57. Tel. Amt IV, 9675. Im Monat April noch einige Sonnabende b und Sonntage frei.| Joseph Peter, Uhren-Haudlnn streng Teeii. Bedienung. 81. Petorsburgepstrasse 81. IWäI�aI auf THeilzalil. Oranienstr.lBI. IvlOKJt?»AM. H.& M. 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Tischlerei von W. Ditten, Skalitzerstr. 119 und Naunvn- Uiche, 8,0o. Von den Arbeitern der Eisengiesterei Rudolf durch Hartmann, Gltschlneritr. 6o, 15,. Rauchklub„Collegia", Rest 3,65. Telleriammluna der onentl. Eewerkichaftsversammlung v. 27. Febr. in 6. Rordd. Brauerei 24 65 ZMvnal der Buchdruckerei A. Winser 5,60. Gesammelt durch I. R.. zweite �'lie b,—. Aus Jauer durch R. Schagmann(darunter R. Hielscher 1,— und A. Hielscher 0,20) 5,—. Zentralisirte Lederarbeiter Berlins, Wcißaerber, Lohgerber und Ledersärber) durch Knoblich 50,-. Tischlerwerkstatt Maper Jungstraste Fnedrichsberg 5,—. Am Biertisch gespendet, von Herrn Bösel A-r- Setzcrsaal der„Berliner Morgenpost" 3.45. Setzersaal der„Berliner Seitung� 6,60. Gesangverein Rothe Nelke I Schöneberg, durch Mendt 10,70. Waschezuschneider der Firma Rose u. Stern, 2. Rate 2,60. Fiat justitia et pereat mundus 5,-. Von einer Tischgesellschast bei Euk. ges. v. emem Gen offen 5.—.•>>» i ieA?Äa 165105 Bereit- quittirt 1033,20 M. In Summa: iüC. GeivevKPchAfklickzVs. Deutsches Reich. Zur Lohttbewegimg der Schneider. In München gewinnt der Ausstand weiter eine günstige Wendung für die Arbeiter. Eine Firma, die bereits bewilligt hatte, ist zwar von den Vereinbarungen zurückgetreten, dagegen konnte bei einigen anderen Firmen die Arbeit aufgenommen werden. In Heilbronn haben die meisten Ge« schäste dem Verlangen der Arbeiter stattgegeben. Die Schneider von Erlangen ttaten ebenfalls in eine Bewegung zu Gunsten eines einheitlichen Lohntarifs ein. Der neue Tarif wird den Unternehmern demnächst zugestellt und es soll seine Anerkennung nöthigenfalls durch Streik erzwungen werden. Außerdem wird die Errichtung von Be- triebswerlftätten bis 1. März 1S00 gefordert. Lohnbewegung der Holzarbeiter im Jahre 1898. Darüber hat der Vorstand des deutschen Holzarbeiterverbandes eine äußerst allgemein interessante Statistik aufgestellt. Das Wichttgste sei daraus hervorgehoben. Es kommen im Ganzen 114 Einzelfälle in Frage, wovon 24 durch gütlichen Vergleich ohne Streik erledigt wurden. Im Uebrigen waren 49 Angriffs, und 41 Abwehrstrciks zu ver- zeichnen. Betheiligt sind insgesammt 9223 Arbeiter und 1897 Unter- nehmer in 74 Städten. Die 24 Fälle der V e r g l e i ch e betrafen 2444 Arbeiter und 767 Unternehmer. Die Arbeiter erreichten eine Verkürzung der Arbeitszeit, und zwar für 1824 Personen, von 1—6 Stunden, während 747 Arbeiter Lohnerhöhungen von 4—25 pCt. erzielten. Außerdem tvurde für 839 Arbeiter die Erfüllung anderer Nebenforderungen er- reicht.— Die 49 An g r i f f s str e, I s betrafen b619 Arbeiier und 1069 Unternehmer. Von den betheiligten Arbeitern waren 4320 oder 74 pCt. Verbandsmitgliedcr. Die Zahl der Streikenden betrug in den einzelnen Fällen 10 bis 1000 Personen. Die Streiks währten 1 bis 23, insgesammt 301 Wochen. Von den Betheiligten traten 60 pCt. wirklich in den Streik ein; 40 pCt. arbeiteten schon unter den verlangten Bedingungen, oder sie wurden ihnen beim Ausbruch des Streiks bewilligt; 10 PCt. bethciligten sich aus anderen Gründen nicht, verhielten sich indifferent. Während der Streiks selbst fanden sich 282 Streikbrecher. Das Resultat der An griffsstreiks war: erfolgreich 36 mit 4860(36 pCt.) der Ve theiligten, theilweife erfolgreich 7 mit 689<11 pCt.) der Betheiligten, und v e r I o r e n 6 mit 130(3 pCt.) der Betheiligten. In 32 Fällen errang man für 6899 Arbeiter eine Verkllrznng der Arbeitszeit von 2—6 Stunden, oder durchschnittlich 3,9 Sttmden pro Woche. Lohnerhöhungen wurden in 37 Fällen für 6206 Per fönen 3— 20 pCt. durchgesetzt. Das Gesammtergebniß der Angriffs- streiks und der gütlichen Einigungen ist: Arbeitszeit-Vcrkürzung von durchschnittlich 3.7 Stunden pro Woche für 7723 Arbeiter. Lohnerhöhung don 3— 26 pCt. für 6963 Arbeiter, außerdem Erfüllung einer Reihe von sogenannten Nebenforderungen. Nur 130 Arbeiter unter- lagen ganz. Für die A b w e h r st r e i k S kamen 1160 Arbeiter und 61 Unternehmer in Bettacht. 78 pCt. der betheiligten Arbeiter waren Verbandsmitglieder. Die Zahl der Streikenden betrug in den einzelnen Fällen 10 bis 120 Personen. Die Ursache zum Streik war hier neben anderen Benachtheiligungen der Arbeiter in 28 Fällen Lohnrcduktton, in 6 Fällen Verlängerung der Arbeitszeit, in 11 Fällen Maßregelung, in 6 Fällen Verschlechterung der Arbeitsordnung. Die Dauer der Streiks betrug 1 bis 16 Wochen, die Durchschnittsdauer 8,6 Wochen; bei den siegreichen Stteiks nur 2,3, bei den verlorenen da- gegen 6,7 Wochen im Durchschnitt. Ein sehr beachtenswerthes Faktum. 7 pCt. der Betheiligten fügten sich den Unternehmern, während 68 Arbeiter als Streikbrecher auftraten. Gemaßregelt oder sonst arbeitslos blieben nach Beendigung des Stteiks 29 Personen. Das Ergebniß war: Erfolgreich 22 Streiks für 813 Betheiligte (76 pCt.), theilweife erfolgreich 3 Streiks für 64 Bethei- ligte(6 pCt.), verloren 14 Streiks für 201 Betheiligte(19 pCt.). In 7 Fällen mußten 146 Arbeiter eine Lohnkürzung' von 10 bis 26 pCt., in 4 Fällen 88 Arbeiter eine Verlängerung der Arbeitszeit von durchschnittlich 3,3 Stunden pro Woche hinnehmen; im Uebrigen wurden derarttge Ansinnen ganz. bezw. theilweife zurückgeschlagen. Das Gesammtergebniß wird im Vergleich mit früheren Jahren als ein sehr günstiges bezeichnet. Die G e s a m m t k o st e n für die Stteiks im Jahre 1833 beliefen sich auf 181 040 M.. und zwar für Angriffsstreiks 166 284 M.. für Abwehrstreiks 24 756 M. Seit dem Jahre 1893 kosteten 308 Stteiks insgesammt 704 369 M. bei 46 712 detheiligten Personen. Und zwar kosteten 178 Angriffsstreiks mit 41 098 Belheiligten 427 962 M., 180 Abwehrstreiks mit 5614 Betheiligten 276 407 M. Ein sogenanntes„Streiljahr" war das Jahr 1896; es waren da allein bei 26 461 Betheiligten 234 427 M. noth- wendig, also fast genau der dritte Theil der Gesammtsumme für alle sechs Jahre. Die Schmiede in Dresden find in eine Lohnbewegung ein- getteten. Zuzug ist fernzuhalten. Vom Terrorismus der Unternehmer. Wir haben schon ge- meldet, daß die Unternehmer der SpiegelglaS-Branche in Fürth gegenseitig, unter Festsetzung einer hohen Konventionalstrafe für den Zuwiderhandlungsfall, die Vereinbarung getroffen haben, daß Arbeiter, die aus einem Geschäft freiwillig austreten oder aus„unliebsamen» Gründen entlassen werden, vor Ablauf von sechs Wochen in einem anderen Geschäfte nicht eingestellt werden dürfen. Jetzt ist ein solcher Fall bekannt geworden. Einem Arbeiter wurde von der Firma Schienerer Arbeit versprochen, er wurde aber nicht eingestellt, weshalb er beim Gewerbegericht auf Entschädigung klagte. In der Verhandlung stellte sich heraus, daß ein Theilhaber des Geschäfts dem Kläger sagte, auf Reklamation einer andern Firma, bei dem dieser in Arbeit stand, dürfe er ihn nicht einstellen. Der Fall wird die Gerichte beschästigen und man ist gespannt darauf, wie die Berrufserklärungen der Unternehmer geahndet werden. Im Streik der Former bei Schuckcrt in Nürnberg ist noch keine Wandlung eingetreten. Die Direktion verhält sich hart- näckig, obwohl sie"keine Streikbrecher finhet. Zuzug ist fernzu- halten. AnS der Rhcinpfalz. Einen schätzenswerthen Belag für die oes üi:oai-i4lv"is».eailes ueseri— ineuciusi un« beabsichtigt— das in Kaiserslautern erscheinende Blatt„Der Eisen- bahner», offizielles Organ des Eisenbahner- Verbandes, den die Direktion aus der Taufe hob. Das Blatt schildert die Zustände im Eisenbabndienst wie folgt: „Die Zustände in' Kaiserslautern sind jetzt so unhaltbar ge- worden, daß von Seite des Brems-Personals erklärt wird,„wenn keine Aenderung kommt, dann kann für nichts mehr garantirt werden.» Das Fahrpersonal hat inner- halb 20 Tagen nicht einen freien Tag. Innerhalb dieser 20 Tage trifft mindestens fünfmal eine Dienstzeit von 20, 22 und 23 Stunden. Das Personal hat schon mehreremals ohne Erfolg um Kürzung dieser Dienstzeit petittonirt. Mit Freuden würde das gesammte Fahrpersonal auf den Entgang von Fahrdiäten-c. verzichten, wenn es nur einen oder zwei freie Tage erhalten würde. Ein freier Tag wird nicht einmal in wirklich dringenden Fällen gewährt. Es sind schon verschiedene Fälle vorgekommen, in denen dem Personal bei der Bitte um einen freien Tage erklärt wurde:„Ja, wenn Sie einen Ersatzmann Haben und ihn selbst bezahlen, dann schon.» Solches geschah einem Manne, dessen Frau entbunden hatte; einem anderen, dessen Sohn gestorben, einem Dritten, derH ochzeitmachen wollte, einem Vierten, der eine gerichtliche Vorladung erhielt u. s. w. Alle fünf Jahre erhält ein Bremser einen Mantel: Die durchschnittliche Dienst- zeit eines Bremsers wird von diesen auf 14—20 Stunden an- gegeben, bei 2,10—2,30 M. Tagelohn und höchstens 30 Pf. Diäten Die Verhältnisse des Güterdicnstpersonals sind nicht besser. Bei einer Arbeitszeit von tte? Uhr Morgens bis 11 Uhr Nachts werden 2,20 M. Tagclohn bezahlt. Viele Schritte haben die Bediensteten von Kaiserslautern schon gemacht, um Abhilfe zu erlangen, ohne jeden Erfolg. Nun wollen sie sich mit einer Petition direkt an Herrn Direktor v. Savale wenden, von dessen bekanntem Gerechttg keitssinn sie sichere Hilfe erwarten.» Dieses Blatt steht nicht etwa unter sozialdemokratischem, sondern unter ultramontanem Schutze. Das Vertrauen auf den „bekannten Gerechtigkeitssinn» des Allgewaltigen der pfälzischen Eisenbahnen hört sich allerdings etwas ki'ndlich-naiv an. Ausland. Die schwedischen Unterdrücker deS OrganisationSrechtcS der Arbeiter wollen in Deutschland Streikbrecher suchen.. Die Hutfabriken haben einen deutschen Hutmachergesell�n Traudott nach Deutschland geschickt, um für die Hutfabrik Dallberg in H a Im st a d dcuffche Gesellen zu suchen; Die schwedischen Gesellen bitten die Deutschen, auf der Hut zu sein, daß sie sich nicht etwa durch falsche Vorspiegelungen nach Schweden locken lassen. Vorpttmmlungvn. Die Töpfer hielten am Mittwoch eine öffentliche Versammlung im Schützenhause ab, in der Schulz über den Bauarbeiterschntz- Kongreß referirtc. In der Diskussion sprach Wolf gegen die Be schicknng des Kongresses, weil bei demselben nichts herauskommen werde und die Einberufer nur zeigen wollten, daß sie etwas in Sozialpolitik machen können. Demgegenüber bemerkte H a g e n, der Bauarbeiterschutz-Kongreß sei wichriger, wie der in kurzem statt findende Kongreß der lokaiorganisirten Gewerkschaften. Der Redner trat entschieden für Beschickung des Kongresses ein, die denn auch, nachdem David ebenfalls dafür gesprochen hatte, gegen eine Stimme be- schlössen wurde. Als Dclegirter zum Kongreß wurde David und als dessen Ersatzmann Hagen gewählt. Als folgender Punkt stand auf der Tagesordnung: Die Taktik der diesjährigen Lohnbewegung. Dazu führte David aus: Es lasse sich noch nicht absehen, wie sich die Konjunkttir im Gewerbe in der kommenden Baupcriode gestalten werde. Er schlage deshalb vor, heut noch keine bindenden Beschlüsse zu fassen, die Gestaltung der geschäftlichen Konjunktur zu beobachten, und wenn diese günstig ist, in eine Bewegung für Durchführung des im vorigen Frühjahre aufgestellten Tarifs einzutreten. Um das zu können, sei es aber nothwendig, daß die Töpfer mehr Interesse für die Organisatton zeigen, als es jetzt im allgemeinen der Fall sei. Es folgte eine längere Debatte, in der dse genwärtigen Lohnvcrhält nisse im Töpfergewerbe als überaus traurige geschildert und betont wurde, daß eine Aufbesserung ders elben dringend nothwendig sei Hinsichtlich der einzuschlagenden Taktik und der Leitung derLohnb cwegung machten sich die bekannten Gegensätze zwischen den Anhängern der zentralen und der lokalen Organisationsform geltend. Die Versammlung lehnte einen von Hoffmann gestellten Anttag, welcher die Ein- setzung einer Lohnkommission forderte, ab und stimmte dem ein- gangs erwähnten Vorschlage David's zu.— Hierauf wurde be schlössen, den 1. Mai, wie bisher, durch Arbeitsruhe zu feiern und am Vormittag eine Versammlung abzuhalten. Eine öffentliche Versammlung der Klempner tagte am Mittwoch bei Cohn, Bcuthstratze, in der Herr Dr. Wehl über Sozialhygiene und Sozialrefonn referirtc. Dem sehr interessanten Vorttag folgte eine recht rege Diskussion. Von allen Rednern wurde eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, insbesondere die Ver- kürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Löhne, bessere sanitäre und hygienische Zustände der Arbeitsräume als äußerst nothwendig er- achtet, um eine Lebens- und Ernährungsweise, die den An- forderungcn der Wissenschaft cutspricht, zu ermöglichen, und um dies zu erzielen, der feste Zusammenschluß aller Arbeiter in der Organisation als bestes Mittel dazu befürwortet. Nachdem hierauf der Zweck des in den nächsten Tagen stattfindenden Bau- arbeiter-Kongresses erörtert und auf die mannigfachen, das Leben und die Gesundheit gefährdenden Mißstände auf den Bauten hinge- wiesen worden war, wurden D i e s n e r und Schröder als Dele- girte zu diesem Kongreß gewählt. Zum Schluß machte der Vor- sitzende auf die wenig erfreulichen Arbeitsbedingungen in den einzelnen Werkstätten aufmerksam und richtete die Aufforderung an die daselbst beschäftigten Arbeiter, Vertrauensmänner zu wählen, Werlstatt- Sitzungen abzuhalten und überhaupt für eine Stärkung der Organi- sation zu sorgen, um die gerügten Mißstände beseitigen zu können. In einer Versammlung der Korbmacher referirtc am 27. Februar Tischler S t u s ch e über Pflichten und Aufgaben der Vertrauensmänner. Redner geißelt in seinem mit Beifall auf- genommenen Vortrag vor allen Dingen die Nachlässigkeit der Korb- macher gegenüber der Zcntrums-Vertrauensmänncrversammlung, die jeden Mittwoch nach dem Ersten des Monats tagt. Ferner die ab- lehnende Halttmg zur Wahl der Werkstatt-Kontrollkommission, Nach- dem Redner noch auf verschiedene Mängel aufmerksam gemacht hatte, ermahnte er zur steten Agitation für den Holzarbeiter-Vcrband. Bei Besprechung der Werkstattangelegenheiten entspann sich eine längere Debatte über die Streiks bei den Firmen Robert Schmidt, Krautsttaße und Rösemann, Brückenstraße. Man gab der Meinung Ausdruck, daß die Arbeiter durch ihr Verhalten die Niederlage selbst verschuldet haben. Verein der Tischler Berlins und der Umgegend. In der Mitgliederversammlung, welche am 27. Februar stattfand, referirtc Maurer Kater über die nächsten Aufgaben der Gewerkschafts- Organisationen. Der Referent erledigte sich seiner Aufgabe in gründ- sicher und sachlicher Weise. Dem Vorttag folgte eine rege Diskussion, an der sich Bleck und A h r e n s vom Holzarbeiter-Verband be- theiligten. Ersterer bezweifelte die Existenzberechsigung des Vereins. In seinem Schlußwort betonte der Referent, daß nicht die Form der Organisation, sondern der Geist in derselben in Betracht käme. Unter Verschiedenem wurde beschlossen, die Treptower Sternwarte am zweiten Osterfeiertag, Nachmittags 6 Uhr, zu besuchen.. Einlaß- karten& 76 Pf. sind beim Kassircr und aus den Zahlstellen zu haben. Der Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter(Berlin III) hielt am 5. März seine regelmäßige Ver- sammlung ab. Die Delcgirten N o a ck und W o b> e r erstatteten Bericht vom Bauarbciter-Kongrcß zu Magdeburg und erklärte sich die Versammlung mit der Haltung der Delegirten einverstanden. Für die Gewerkschafts-Kommission wurden 40 M. bewilligt. Die Maschinisten und Heizer wählten am 6. März in einer öffentlichen Versammlung G r e m p e und Wilstorf zu Delegirten flr den Bauarbetterschutz-Kongretz. Im Verband der in HolzbearbcitnngSfabriken und auf Holzplätzcn beschäftigten Arbeiter(Filiale 1) sprach am 6. März Adolf Hoffmann in einem beifällig aufgenommenen Vortrag über daS Thema: Auf was wir stolz find. Eine Diskussion fand nicht statt. Nach Verlesung der Abrechnung der Hauptkasie wurden verschiedene interne Angelegenheiten erörtert. Die Unsallstattsiit wird mit dem 20. März geschlossen und sind alle Meldungen bis dahin an den Vorstand abzuliefern.— Die n ä ch st e Versammlung findet am 10. April statt. Die Bäcker beschäftigten sich am 7. März in einer Bezirks- Versammlung für den Norden mit ihrer Lohnforderung. Der Referent Bäcker Barth legte vor allem die Bedeutung der Abschaffung von Kost und Logis dar. dem in der Diskussion K la m mek noch einige Ergänzungen aus den Verhandlungen mit den Meistern folgen ließ. Im Sinne dieser Ausführungen gelangte sodann eine Resolution zur Annahme und konnte der Vorsitzende am Schluß der Versammlung konstatiren, daß die Entnahme von Stteikkarten recht zahlreich er- folgt ist. Mariendorf. Seit Jahren war eS auch den Mariendorfern wieder einmal vergönnt, eine Versammlung abznhalten. Am 6. März tagte im Lokale des Herrn Preuß(Schwarzer Adler, Chausseestraße» eine Gewerkschaftsversammlung, welche sich eines guten Besuchs zu erfreuen hatte. Reichstags-Abgeordneter Fritz Zubeil referirte über das Koalitionsrecht der Arbeiter und die Zuchthausvorlage. Redner besprach zunächst die allgemeine wirthschaftliche Lage und die Umwälzungen in der gesammten Industrie seit 1870/71, beleuchtete die Lokal- und Zentralorganisattonen und verwies auf die ältesten Vereinigungen, z. B. die der Buchdrucker, Tabokarbeiter und Hut- arbeiter, betonend, daß uns lokale Organisationen nichts mehr nutzen können, sondern nur die Zeutral-Organisätionen. Zum Schluß seines mit großem Beifall aufgenommenen L'/fftündigen Vortrages richtet Redner die Aufforderung an die Anwesenden, die Wirthe' zu unterstützen, die den Arbeitern gestatten, sich auch bei ihnen zu versammeln. An der Diskussion betheiligten sich Jesziorsky- Tempelhof und Heinemann- Rixdorf im Sinne des Referenten. Charlottenburg. Am 7. März tagte im Lokal„Bismarckhöhe' eine von der Lohnkommission einberufene Manrer-Versammlung. deren Besuch trotz der wichtigen Tagesordnung leider zu wünschen übrig ließ. Der Reichstags-Abgeordnete Stolle hielt einen an« schaulichen und lehrreichen Vorttag über die Mißstände im Bau- gewerbe und ihre Folgen. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Eine Diskussion unterblieb. Zum nächsten Punkt: Bedenttmg des Bauarbeiter- Kongresses, referirte der Vorsitzende Wilhelm Schulze. Nach einer kurzen Diskussion wurde Schulze zum Delegirten gewählt. Schönborn erstattete hierauf den Be« richt der vierten Konferenz der Provinz Brandenburg. Arbeitcr-Bilduugsschule. Freitags: G e s ch t ch t-(Geschichte vom 16. Jahrhundert bis auf die Jetztzeit, mit besonderer Berücksichtigung des geistigen Lebens). Schriftsteller Dr. Rudolph Steiner. Lese- und Diskutirklubs. Freitag.„Dietzgen", Schröder. Wiesen. straffe 39.—„Karl Marx", Raumann, Blücherstr. 42.—„Stralau", Girbig, Stralau Nr. 17.—„Reimer", Seidel, Gerichtslr. 19. Arbeiter-Sängerbund Berlins und der llmgegcnd. Vorsitzender Adolf Neumann, Brunnenstr. 150.— Alle Aenderungen im Dereinskalender sind zu richten an Friedr. Korwm, Manteuffelstt. 50, v. 2 Tr. Freitag. Uebungsstunde abends 9—11 Uhr. Aufnahme von Mitgliedern.— „Kaiscrffcher Männerchor", Wernau, Schwedterstr. L3/24.—„Nord", Adolf Neumann, Brunnenstr. 150.-„Unverzagt I", Lipp!?, Melchiorstr. 15.- „Buchbinder Männerchor", Fürstcnhof, Köpnickerstr. 137/38.'—„Vereinte Sangesbrüder Moabits", Psarr, Puttlitzstr. 10.—„Maiglöckchen", Sachse, Lindowerstr.Lll.—„Gemüthlichleit"(Putzer), Krüger, Scydelstr.30.—„Morgen- roth I", Charlottenburg, Leder, BiSmarckflr. 74.—„Typographia", Cohn, Beuthstr. 20.—„Georgina", Dembietzki, Görlitzerstr. 52.—„Rheingold", Feind, Weinstt. 11.—„Rosenthaler Vorstadt", Geile, Swinemünderstr. 26.— „Ins", Martin, Naunynsir. 86.—„Männer-Gesangverein", Brandenburg a. H., Mengert, Bergstr. 6.—„Liberte", Vögel, Wrangelstr. 78,—„Freie Liedertafel", Mann, Strausbergerstr. 3.—„Nordwacht". Milbrodt, Müllerstr. 7.— „Sängerlreis", Weitzensee, Schulz, Elsasserstr. 61.-„Eintracht II", Ebers- walde, Hagewald, Eisenbahnstr. 66.—„Völlerfrühling"(Stuckäteure), Greiier, Oranienstr. 109.—„NeucZeit", Lorenz, Watt- u. Boltastr.-Ecke.—„Liedcrlranz", Brandenburg a. H., Bergstr. 6.-„Freiheitöglocken", Kurze, Dnnckerstr. 2.- „Klingniullcr scher Mänuerchor", Weiffenscc, König- Chauffce 38.— „Treherffcher Gcsangv.", Schulz, Zonidorferstr. 8.-„Karthaus-Kummer'scher Männerchor", Göbel, Landsberger Allee 156.—„Freie Sänger II", Spandnuer Brücke 13.—„Treptow" in Treptow, Scheer, Baumschulcnweg.—„Metallarbeiter-Osten", Tabert, Markusstr. 14.—„Treue", Nowack, Manteuffelstr. 9.— „Arion", Rixdorf, Zernikow,Herniannstr.204.—„Sangcsblüthen", Zimmermann, Marsiliusstr. 8.- Gesangverein„Maurer-iltixdors-Britz", Rixdorf, Münzer, Bergstr. 162.—„Treu und Einigkeit", Rixdorf, Wutzler, Bergstr. 24.— Gesangv. der„Putzer", Schiller, Rösenthalerstr. 57.—„Moabiter Lieder- kränz", Nolting, Thurmstr. 30.-„Freie Sänger I", Heegcrmühle b. EberS- walde,©augatz, Jagdschlöffchen.-„Rosalia", Plaen, Königsbergerstr. 34.- Ruf", Mancgold, Licgnitzerstr. 18. Arbeiter-Raucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderlingen im Vercinskalendcr sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlower- straffe I, IV. Freitag:„Germania", Äubatzki, Arndtstr. 25.—„Frohe Stunde", Gauger, Alexandrincnstr. 122. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Freitag. Athlctenv. .Felsenfest", Böttcher, Krautstr. 6.— Musikv.„Arion", Gabriel u. Jäger, Zehdenickerstraffe.— Rauchklub„Ohne Zwang", Spät, Weinstr. 28.— Turnv.„Gesundbrunnen", abends von 8'/,— lG/z Uhr: 1. Männerobth., Pankstraffe 9—10.— Turnv.„Osten", Blumenstr. v3a, 8>/z— 10 Uhr(Lehrlings- abthcilung); Krautstr. 49, von 8— V/z Uhr(Damenabth.).— Musikveretli „Allegretto", Blücherstr. 38.— Skatklub„Gemüthlichkcit", Restaurant Patzeuhoser, Lausitzer Platz 10.— Skatklub„Geschlossener Grand", Gädicke, Krautstr. 6.—„Arbeiter-Turnv. Weiffensee", Turnstuiiden abends 8— 10 Uhr Albrechtshof, Parkstrahe.— Vergnügungsv. der„Jnkasio-Agenten", Sitzung jeden Freitag nach dem 1. und 15. im Monat, Neues Klubhaus, Koni- mandautenstr. 72.— Zithcrv.„Tyrol", Waldcmarstr. 13. Arbeiter-Turnerbund. Freitag. Turnv.„Fichte", Berlin. Abds. von 8— 10 Uhr: 2. Männerabth. Skalitzerstr. 55— 56. 4. Männerabth.: Stephanstr. 8. 5. Männerabth. Ackcrstr. 67. 6. Männerabth. Stallschretber- straffe 54. 1. Lehrlingsabth. Friedenstr. 37. 3. Lchrlingsabth. Boeckhstr. 21. 1. Damenabth. Mariannen-Ufer la.-„Freie Turncrschast", Rixdorf-Britz. 3. Schülerabth. von V/z— V/z Uhr. 3. Männer- und Lehrlingsabth. von 8Va— 101/, Uhr abds., Hoffmann, Bergstr. 151/152.— Turnerschaft d. B. „Nereus", Männerabth. von 8—10 Uhr abds.. Reichenbergerstr. 131/132. Damen-Abth. v. 8—10 Uhr Abds., Marianucnstr. 47.— Tunwercin„Eiche", Köpenick, Männer- und Jugendabtheilung von 7»/, bis 9'/, Uhr Abends, Hotel Klein am Wilhelmsplatz.— Turnv.„Froh u. Frei", Groff-Lichterselde, Pagel, Chausseestr. 104, 8Vj-10V2 Uhr Abds. Arbeiterverein„Borwärts", Kopenhagen. Jeden Freitag im Vcrkchrölokal,. Korsgade 49: Versammlung. Daselbst beftndet sich auch die Bibliothek des Vereins. Die nach Kopenhagen kommenden Wenoffen wolle» dieS beachten. Sozinlistenklub»Vorwärts», Christiania. Cafe Keffer, Olaf KyeS Plads 8. Allgemeine Kranken< und Stcrbekaffe der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg, Filiale 7). Sonnabend, den 11. März, Abends V/j Uhr, bei Bergemann, Pasewalkerstr. 3: Mitgliederversammlung. Verein für Körper- und Naturheillnnde. Heute Abend.8>/, Uhr, Andreasstr. 21: Bottrag deS prakt. Naturheilkundigen Grund mann über: „Lungen- und Magenleiden". Demonstrirt am lebensgroffen, künstlichen Menschen". Gäste, Frauen und Männer, sind willkommen. Berliner Kranke»> Untcrstiiünngs- nnd Begräbniß-Berein für trauen und Mädchen, gegr. 1892. Jeden Freitag, Abends 7 Uhr, ahlabcnd bei Mchrwald, Alte Jakobstt. 54/55.— Neue Mitglieder werden daselbst aufgenommen._ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde wird Dienstags, Donnerstags und Freitags abends von 7'/- bis 8>/z Uhr abgehalten. A. H., Mühlhansen. Das schweizerische Gewehr Modell 89, System Schmidt-Rubin, feuert 12 Patronen hintereinander, die in einem Kasten- magazin im Mittelschaft liegen. In der Minute können 20 gezielte Schüsse abgegeben werden. Das deutsche Gewehr, Modell 88, hat Mehrlade- Vor- richtung, vennittelst deren 5 Pattoncn ohne Laden abgeschossen werden. A. R. 1. Nein. 2. Darüber hat die Redaktion keine Entscheidung zu treffen. 3. Ja. Wir bitten Sie, uns zuverlässige Angaben zu übermitteln, die wir dann zur weiteren Recherche verwenden könnten. W. Sch.. Stettin. Elettrischer Bettteb besteht in Dresden für Sttaffen- Hahnen seit einigen Jahren. Genauer wissen wir es nicht. Nur de» Inhalt der Inserate übernimmt die Medattion dem Publirum gegenüber keinerlei _ VernntMortung. Dlzvtttvv. Freitag, den 10. März. Opernhans. Die Gwmme von Portict. Anfang?'/- Uhr. Schauspielhaus. Maria Stuart. Altfang 7 Uhr. Nachm. 4VJ Uhr: Die NalSstina- fahrt des deutschen Kaiserpaares. Deutsches. Fuhrmann Henschel. Anfang?>/, Uhr. Lessing. Die Jüdin von Toledo. Anfang?>/, Uhr. Berliner. Tam- Tam. Anfang 7V- Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Kon- trollenr. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7Vj Uhr. Neues. Hofgunst. Anfang 7»/, Uhr. Metropol. Die lleinen Michu's. Hierauf: Die Engelsjäger. An- sang 7r/z Uhr. Schiller. Das vierte Gebot. Am fang 8 Uhr. Westen. Undine. Anfang 7»/, Uhr. Central. Die Puppe. Ans. 7�/, Uhr. Thalia. SchiddeboUTs Engel. Anfang 71/2 Uhr. Lniscn. Der goldene Zylinder. An fang 8 Uhr. Brllc-Zllliance. Die Gräfin von Schwerin. Anfang 8 Uhr. Ostend. Der Brandstifter. Anfang 8 Uhr. Friedrich. Wilhelmft>idi«sch-S. Fuhrmann Henschel. Anfang 8 Uhr. Alexanderplah. Studenten- Trud- che». Anfang 8 Uhr. Wiener Bolls- Theater. Un- schuldig. Anfang 7 Uhr. Apollo. Spezialitäten-Vorstellung. Anfang 71/2 llhr. Urania. Tanbcnsiraste 48—4». Naturkundliche Ausstellung. Täg- lich geöffnet von 10 Uhr Bor- lnitlags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr:«Das Land der Fjorde". Opcrutelephon. Jnvalidcnftraste 57/ca. Täglich Abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. Meichshallcn. Stettiner Sänger. Allfang 8 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Bor- steNung. Passage- Panoptikum. Speziali- tätcii-Vorstellnng. Urania Taabenatraaae 48/49. Im Theater: Das Land der Fjorde. Im Hörsaal: Dr. P. Schwalm:„Ueber Vulkane".(Brdgeaohiohte 4.) luvalidenatr. 57/02: Tagl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr, Gebrüder Richter- Theater 67 liOthrinser-Straase 67 Novität: Novität! VAkev und Solzn. Bolisstück mit Gesang in 4 Alten von Wilhelm Richter. Heinrich Muffig.. W. Richter Vorher: Wie henkeil Sie ilnrnber? Poffe in 1 Akt von Carl Beck. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonnt. 7 Uhr. SchillerAenttt (Wallner- Theater). Freitag 8 Uhr: V»a vierte Gebot. Sonnabend 8 Uhr: Verbotene Früchte. Vorher: Die Neu vermählten. Sonntag Nachm. 3 Uhr: Haaemann'a Ttfchter. Abends 8 Uhr: Die lielbrente. Ernkval ThvÄtov Direktion: 1o»b sserenerx. Die Puppe(La Poup�e) Operette in 3 Akten und einem Vorspiel von Sturgeh und Ordonnean. Musik von Ed. Audran. Morgen und folgende Tage: Die Puppe(l.» Poupee). Sonntag Nachm. zu halben Preisen: Der Obersteiger. Lsteilh-Carl Weiß- Theater. »!i>ätm- ÄMW Sonnabend, den 11. März ct.: Benefiz für den beliebten Humoristen und Regisseur liuetav Kluok unter Mitwirkung bedeutender Künstler. Nach der Vorstellung: tTanzkvÄnzchvn. Fassage- Fanoptienm. 9 Uhr früh bis 10 Uhr Abends. Italenlsches Marionetten- Theater. Die Kreuzfahrer. Großes Ballet in 8 Aufzügen. Palästinafahrt des Kaisers in 100 Riesen- Projekt.- Bildern. ma Castan's■■B Panopticnrn. Jtal. Sänger- u. Tänzer-Gesellsoh. „Santa Lucia". Die berühmten„lebenden Bilder". Neu! Oreyfus-Esterhazy. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 7S/7Z. Gastspiel Lmll Thomas Vorletzte Woche! SWdelmld's Engel. Posse mit Gesang in 4 Akten von SB. Mannstädt. Musik von demselben. Kouplets von Alfred Bender. Anfang 7r/z Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 12. März, Mittags 12 Uhr: HfntlnSe unter gefälliger Mitwirkung von loseklne Vera, Eugen Chlebus und Em» Thomas, sowie des gesammten Personals des Thalia- Theaters. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger (Meysel. Znm siebentletzten Male: Frauen- Emanzipation BurleSke von Meysel. Anfang 8 Uhr.— Entree 50 Pf., Vorverkauf 40 Pf., Num. Balkon 75Pf,, Balkonloge IMk., Orchester- Loge 1,50 Mk., Fremdon-Loge 2 Mk. Tageskasse von 11—1 Uhr. Apollo-Theater. Das beste Programm der Saison. Ulli Freedgy. Hille. Sldley. Bisa Barnia. O. K. 8ato. Wallno und IHertens. Se- oiumer. Tendtu-o- Trio. rl. Werther. SToscarya. Paul JUllcli. Curtls und Gordon. tüchohernzade. (Serenadaa. TheSJullana. Der Koamoffraph. Anfang 7l/2 L'hr. Voi'Terkauf tägL im Theater u. beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Alcazar- Theater Dre8dener8tr.52/53.Clty-Pa8sage. Direktion: Bichard Winkler. Neul Täglich mit großem Erfolg! Tobias' Brautfahrt! Poffe mit Gesang von Oskar Viktor Reeder. Neu! Zieu! Neu! Bas jeden Abend stürmisch bejubelte Gesangsduett Ada und Ottfried Relay. Neu! Neu! Neu! HatanemaDn& Kahnemann. Urdrolliger Schwank v. E. Braune. Dazu der ausgezeichnete «pozlalltnton- Thell mit täglich wechselnd. Programm. Ulltllllll' Wochent. 7i/, Uhr. . Sonntags«>/, Uhr. Entree an Sonn- gtl und Wochentagen»»L dv PI» Borzugsbillets haben Giltigkeit. Viencr Volks-Theater Oranienstr. 52(Moritzplatz). 8Vs Uhr 8-/2- Unsclmlclig (Fuhrmann Schmiedl.) Volksstück in 4 Bildern von Leopold Friedrich Weist. Vorher 7 Uhr: Gesangliche u. humoristische Vorträge von hervorragenden Kräften. W. Hoack's Theater Brnnnenatr. 16. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Theater-Vorstellnng. Die Schule des Mens. Schauspiel in 5 Akten von Dr. E. R a u p a ch. VN»»«»: Tliilskriiilzcheil. oncei'thaus l.olpzlgcratr, No. 48. Täglich: Hoffmann's Quartettu-Humorlsten Tiieaterskandai dazu: Der Jubilar. Moabiter Geseüschaftshaus, Alt-jloabit 80-81. 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Madame Marie Dorso als Schulreitertn. Gigerl-Klown Daniels als amerikanischer Photograph. Auftreten der neuengagttten Ameri- kanerin Mist ZRelvelle. Sander Trio. Morgen, Sonnabend den 11. März, Abends 71/2 Uhr: Persien. ivotton Gardinen, Steppdecken, Por- .(Htttll ticren, Waneldeck., Teppiche, Bettvorleger, Tischdecken, Anzüge, Hosen, Operngl., Äemontoiruhren, Regulat-, Uhrketten spottbill. Pfandleihe Neanderstr. S. von Verliuer Vrol-Tahrik H. Bobel jr- II Mülle r-Strasse II. Telephon Amt II Nr. 2753. Auf die Erklärung der Genossenschafts-Bäckeret w Nr. 56 deS„Vorwärts" vom 7. März(2. Beilage) gebe hiermit dem Publikum folgendes zur Kenntnist: Länger als die Genoffenschaft betreibe ich mein Geschäft und bin durch das Bertrauen des Publikums und den grosien Slbsat, in der Lage, das Brot gröfter als obiger Betrieb zu backen; ich begnüge mich bei groftem UinsaN mit kleinem Nuben und will keine horrenden Ueberschüffe wie ein anderer Bettieb erzielen. Die Güte meines Fabrikats und Reellität in der Herstellung wird verbürgt dadurch, dast in meinem Betrieb nur organisirte Arbeiter beschäftigt sind, die gröstere Freiheiten zur Erfüllung ihrer Organisationspflichten besitzen als in gewissen anderen Betrieben. Zur Ueberführung von der Richtigkeit obengenannter Behauptung bitte ich das Publikum, jederzeit meine Arbeitsräume zu besichtigen._•_ H. B o b e 1 j r._ „Jägerhaus" fikAlnäh.aflaoairiiUAa* 1 Sonntag, den 12. März: Erttltnnns des diesjährigen »Cliuimausei Ü-Il-Ct? XVcS« FrUhllns;»- Festet*. Schaustellungen aller Art, ntree für Jedermann frei. C. KChn.[* FrUhllnss- Feste. Karouffels, Panorama;c., sowie verschiedene Schau- u. Spielbuden sind waggonweise angekommen und werden in den grosten Patterreräumen Schöneberg, Bahnstr. 1 und Frankfurter Allee 182 auch an Private in kleinen Posten zu Engros-Preisen verkaust. Neu Emaille-Schaffnerflaschen ä 33 Pfg. Schüsseln 10, 12, 18 Pfg. Waschschüsseln, grosse 38, 48, 03 Pfg. 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