Einzelpreis 70 Heller. ( Einschließlich 5 Heller Porto) Sozialdemokrat Zentralorgan 6. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik 12. Jahrgang. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Redaktion u. Verwaltung: Brag II, elásanfa 18 Telepb.: 26795, 31469, Nachtrebaft.( ab 21 Uhr): 33858 Boffcedamt: 57544 Gonntag, 8. Mai 1932 359 französische Kammer- Doumer seinen Verletzungen erlegen. mandate werden heute vergeben. Paris, 7. Mai. Der morgige zweite Wahlgang wird die Entscheidung über 359 Siße der französischen Kammer bringen. Während bei der ersten Wahl die absolute Mehrheit erforderlich war, entscheidet beim zweiten Wahlgang die relative Mehrheit. Die Parteien, die man im Jahre 1924 das Kartell der Linken nannte, stehen in mehr als der Hälfte der Wahlkreise, die morgen eine Entscheidung zu treffen haben, in günstiger Position. Welche Wirkung das Attentat auf den Präfidenten der Republik haben wird, ist noch nicht abzusehen. Es ist zu mindestens sehr bezeichnend, dah Miller and entgegen der amtlichen Auffaffung erklärt ,,, persönliche Auskünfte, die er erhalten habe, gestatten ihm in der kategorischen Form zu erklären, daß der Mörder Doumers aus revolutionären antibolsche wistisch en Organisationen stamme". Eine derartige Stimme fönnte unter Umständen einen gewissen Einfluß auf das Wahlergebnis ausüben. Berhandlungen mit Deutschland vertagt. Baldige Fortjeßung in Prag. Berlin, 7. Mai. Die seit einigen Tagen i Berlin geführten tichechoslowakisch- deutschen Wirtschaftsverhandlungen wurden heute vorläufig beendet. Es handelte sich dabei zum Teil um einige handelspolitische Fragen, zum Teil um Devisenfragen. Die beiden Delegationen werden ihren Regierungen Bericht erstatten, die über das weitere Vorgehen Beschluß faffen werden, Donnerstag Beisetzung im Pantheon. Paris, 7. Mai. Heute um 4 Uhr 37 früh ist der Präsident der Republik Baul Donmer den Verlegungen, die ihm bei dem Attentat beigebracht worden sind, erlegen. Am Sterbebette des Präsidenten weilten seine Gattin, seine Tochter und sein Schwiegerjohn, ferner Ministerpräsident Tardieu, der Innenminister und andere Mitglieder der Regierung. Um 5 Uhr 15 Minuten wurde die Leiche Doumers nach dem Elysée übergeführt. Den Zug begleiteten Ministerpräsident Tardien und die im Augenblick des Ablebens im Krankenhaus anwesenden Minister. Um halb sechs Uhr fanden sich im Palais Elysée sämtliche Mitglieder der Regierung ein. Die Leiche des ermordeten Staatsoberhauptes ist vorläufig in seinem Schlafzimmer aufgebahrt. Die Nachricht vom Ableben des Präsidenten Doumer wurde in Paris durch Extraausgaben der Blätter um sieben Uhr früh verbreitet. In den frühen Morgenstunden legte Paris Trauergewand an. Die Staatsflaggen an allen öffentlichen Gebäuden, an den Gesandtschaften usw. wurden auf Halbmast gesenkt und mit schwarzem Flor verhüllt. Auch an vielen Privatgebäuden sind Trauerfahnen angebracht. Nr. 110. Der Pariser Mord. Der Präsident der französischen Republik Doumer ist dem Attentat, das auf ihn Freitag verübt wurde, Samstag in den Morgenstun den erlegen. Selten in der modernen Geschichte ist die Sinnlosigkeit eines politischen Mordes so sehr in Erscheinung getreten wie bei dent jüngsten Attentat in Paris. Die Sozialdemokratie hat seit den siebziger Jahren, besonders in den Zeiten, da der russische Nihilismus oder der aus den romanischen Ländern stammende Anarchismus durch Attentate auf regierende Fürsten die Aufmerfsamfeit auf sich gelenkt hat, die Sinn- und Zwecklosigkeit politischer Morde immer dargetan. Selbst die Ermordung eines politisch bedeutsamen Mannes, der der Geschichte seiner Zeit oder seines Landes den Stempel seiner Persönlichkeit aufdrückt, bermag an den Machtverhältnissen, welche die Grundlage gaben die Aerzte endgültig jede Hoffnung auf. ieder Verfassung und jedes politischen ZustanDer Zustand des Präsidenten verschlimmerte sich des sind, nichts zu ändern. Die Kraft der Der verstorbene Präsident litt insbesondere um 1 Uhr morgens durch den Hinzutritt Klasse, die wir bekämpfen, geht aus den öfpIm Palais Elysée und im Ministerpräsidinm laufen Beileidskundgebungen aus der ganzen Welt ein. Der Ministerrat hat beschlossen, daß die nationalen Beiseßungsfeierlichkeiten für den verstorbenen Präsidenten Doumer am Donnerstag stattfinden. Die Beiseßungsfeier erfolgt in der Kirche Notre Dame, die Beisezung im Panthéon. Die letzten Stunden. gegen Abend an starken Schmerzen, ertrug sie je einer starken Sirnhautentzündung. Die nomischen Zuständen hervor und kann erst doch mit bewunderungswürdiger Ruhe. Einmal Schwäche nahm rasch zu, und der Buts schwächte gebrochen werden, wenn die Massen des Profagte er:„ Ich habe ihnen doch nichts angetan!" sich ab. Es wurden rasch alle Mitglieder der Fa letariats ihre Klassenlage und ihre historische Nach Bornahme einer Bluttransfusion und milie des Präsidenten, insofern sie nicht bereits nach Verabfolgung von schmerzlindernden Injet zugegen waren, sowie die Mitglieder der Regie- Funktion erkannt haben und im organisierten tionen trat eine Besserung im Befinden des rung ans Strantenlager berufen. Um halb 3 ühr Stampfe die Bourgeoisie überwinden. So faim Präsidenten ein. Gegen 22 Uhr hofften sogar die morgens verfiel der Präsident in Bewußtlosigkeit, ein Attentat auf eine politisch bedeutsame behandelnden Aerzte, daß es ihnen gelingen aus der er nicht mehr erwachte. Der Puts wurde Persönlichkeit höchstens die Aufmerksamkeit werde, das Leben des Präsidenten zu erhalten. immer schwächer, und um 4 Uhr 37 Min. trat auf unhaltbare politische Zustände lenken und Gegen Mitternacht versagten jedoch die das unakwendbare Ende ein. die Temperatur anzeigen, zu der die Erregung Nerven des Patienten und nach 1 Uhr nachts in einem Lande gegen ein verhaßtes System gestiegen ist. Dienstag Wahl des Nachfolgers. Beide Parteien haben die Absicht, die Verhandlungen recht bald, und zwar in Prag wieder- Der Ministerrat hat heute vormittags be aufzunehmen. Die Zettelbanken der beiden Staa schlossen, die Nationalversammlung, die die Wahl ten haben einander bei der Beseitigung der fich des neuen Präsidenten der Republik vorzunehmen aus den Devisenvorschriften ergebenden Schwie hat, auf Dienstag nachmittags 14 Uhr nach Verrigleiten gegenseitig Beistand zu leisten ver- failles einzuberufen. An der Wahl wird noch die sprochen. bisherige Kammer, also die 1928 gewählten Abgeordneten, teilnehmen, da die Befugnisse der neuen Stammer erst am 1. Juni beginnen. Bis zur Wahl des neuen Präsidenten ist vorläufiger Bollstreder der höchsten Macht im Staate der Senatspräsident Albert Lebrun. Morgen Reichstag. Berlin, 7. Mai. Der Reichstag tritt Mon tag nach längerer Pause wieder zusammen, um einige Vorlagen finanziellen Charakters zu er ledigen, insbesondere KreditermächtigunAls Nachfolger Doumers werden SenatsAber nicht einmal das gilt von dem Doumer ist am 13. Mai 1931 gegen den bedeutenderen und glanzvolleren französischen Lebrun ist Senator für den Lothringer Kreis Staatsmann Briand gerade deswegen gewählt Poincarés, der ihm bei der letzten Wahl bereits als Präsidenten der Republik empfohlen hatte. Wenn worden, weil er die politisch farblosere Perauch Lebrun politisch nicht in den Vordergrund ge- sönlichkeit war. Die letzten Monate der frantreten ist und eher dem Zentrum angehört, stimmten zösischen Politik haben gezeigt, daß das Steuer für seine Wahl zum Senatspräsidenten auch seine der Regierung immer fest in den Händen des radikalen Kollegen. Falls er von Tardien emp- jeweiligen Kabinettchefs gewesen ist und daß fohlen wird, könnte er die Majorität erhalten. Doumer feinen besonderen Einfluß auf die Der ehemalige Präsident Doum ergue, der Gestaltung der französischen Politik und da sich ständiger Beliebtheit und Popularität in par- mit auf die Weltpolitik ausgeübt hat. Gerade gue genannt, obwohl man nicht weiß, ob der Attentat auf den französischen Präsidenten. letztere die Kandidatur annehmen würde. gen weds Arbeitsbeschaffung. In präsident Lebrun, weiters der ehemalige Milamentarischen Kreisen und auch in der breiten deswegen, weil er sich strenge an die Verfas Deffentlichkeit erfreut, hat, wie bekannt, eben vor geben. Verbindung mit diesen Vorlagen wird eine große nisterpräsident Painlevé, welcher im Jahre einem Jahre am Ende seiner Amtsperiode ge- sung hielt, die dem Präsidenten in Frankreich politische Debatte erwartet, die am Montag 1924 für die Präsidentschaft kandidierte, und heiratet und soll dem Privatleben den Vorzug eine vor allem repräsentative Rolle ermöglicht, Reichsfinanzminister Dietrich mit einem Beschließlich der ehemalige Präsident Doumerricht über die Finanzlage des Reiches eröffnen wird. Außerdem werden wahrscheinlich auch Reichsinnenminister Gröner und Reichskanz ler Dr. Brüning das Wort ergreifen. Buresch nimmt sich bis Montag Bedenkzeit. ,, Der grüne Diktator" Der Mörder unzurechnungsfähig? genoß er Beliebtheit weit über die Kreise hinaus, die ihn seinerzeit gegen den FriedensGorqulows Frau, die schweizerischer Ser- freund Briand gewählt haben. Selbst went funft ist, wurde gestern nach 21 Uhr verhaftet. Frankreich in der letzten Zeit eine sowjetSie hatte in Monaco für die Wintersaison eine freundliche Politik gemacht hätte # Ueber Gorgulows Aufenthalt in der Tschecholowakei meldet das Tschechoslowakische Preß büro u. a.: was nach Allerdings muß das Attentat von Paris Die Notizen, die bei dem Mörder des Billa gemietet. Der Billeninhaber, ein Russe, der Aussage des Attentäters, der mehr von fchrift tragen:" Erinnerungen des Dr. Gorgun Brag anempfohlen worden. Frau nunft begabt war, der Grund seiner HandPräsidenten gefunden wurden und die die Auf- crklärte, Gorgulow sei ihm von einem PrGrößenwahn erfüllt als mit politischer VerLow, Führer der russischen Nationalistenpartei, Gorgulow erklärte, ihr sei von dem Attentat, das lungsweise gewesen ist so lag das nicht an der den Präsidenten der französischen Republik Wien, 7. Mai. Die österreichische Regie ermordete," scheinen dafür zu sprechen, daß es ihr Gatte begangen hatte, nichts bekannt gewesen. dem ermordeten Präsidenten sondern in der Absicht der dem Parlament verantwortlichen rungstrife fand, wie man übrigens schon gestern sich um eine nicht zurechnungsfähige französischen Regierung. So groß war freilich erwartete, auch heute feine Lösung. Bundesprä Person handelt, wenn nicht vielleicht eine abfident Miklas empfing mittags den zurüdgetre fichtliche Täuschung der Psychiater beabsichtigt die Russenfreundschaft dieser Regierung nicht, als daß sie selbst einen Gegner des Sowjetfenen Bundeskanzler Dr. Buresch und erjuchte war. Gorgulow schreibt in diesen Aufzeichnungen, ihn, abermals die Bildung des neuen Kabinettes Zur Zeit seines Aufenthalts in Prerau er systems hätte aufregen müssen. zu übernehmen. Dr. Buresch erbat sich bis er habe sich an Frankreich dafür rächen wollen, flärte Gorgulow, er sei der Sohn eines Offiziers Montag Bedenkzeit. Bis dahin will er daß es Rußland in den Weltkrieg hineinzog. Er der zaristischen Garde; seine wirkliche Mutter sei noch inoffiziell mit den Parteien verhandeln, habe sich auch an Amerika rächen wollen. Der eine No'n ne aus russischer aristokratischer Fa- auch die Aufmerksamkeit auf die weißgarworauf er Montag mittags dem Präsidenten der Sohn Lindbergh(!) sei über seine Beran- milie gewesen. Von seinem Vater behauptet Goristischen Kreise lenken, denen der Republit seine Entscheidung mitteilen wird, ob laffung geraubt worden und werde den Eltern qulow selbst, daß er an progressiver Baralyse ge- Attentäter angehört. Nach der Auflösung der Armeen Koltschaks, Denitins und Wrangels er die Aufgabe der Kabinettsbildung übernimmt nicht zurückgestellt werden. Nach Aussagen von Leuten, die mit Gorgulow Wie über die Verhandlungen mit den Anordnung des Untersuchungsrichters, Gorgu verkehrt hatten, litt er unter besonderen geistigen sind vor allem nach Jugoslawien, in die TscheGroßdeutschen mitgeteilt wird, wollen lows Geistes zustand durch drei Psychiater unter- Störungen, die sich besonders in den Frühhoslowakei und nach Frankreich Elemente gelings- und Sommermonaten steigerten. Es wurde kommen, welche nur eine Sehnsucht kennen, diese Dr. Buresch nicht als neuen Bundeskanzler suchen zu lassen. afzeptieren. Es ist dies bis zu einem gewissen Gorgulow ließ vor furzem in Paris eine sogar beantragt, ihn in eine Anstalt für Geiste: nämlich die nach der Wiederherstellung der Zarenmonarchie und für die in verschiedenen Grade die Rache für die Beseitigung Dr. Scho- Broschüre drucken und in Emigrantenkreisen ver- franke in Pflege zu geben. bers aus dem ersten Stabinett Burejch. Außer- breiten, in der er sich als Gründer der antibolIn den Orten seines Wirkens in Mähren be- Staaten, auch bei uns materiell ausgiebig gedem wollen die Großdeutschen Garantine für die schewiſtiſchen Agrar" Partei und Retter feines lästigte Gorgulow des öfteren die dortigen Behörden forgt wurde. Wir sind für das politische AsylWiederaufnahme der Politik des Anschlusses aterlandes bekennt. Die Broschüre ist in einem durch Zuschriften politischen Inhalts, in denen er recht in weitestem Maße, aber man muß doch Leſterreiche au Deutschland. Ein Hindernis bei sehr leidenschaftlichen Ton geschrieben und gibt den Behörden Ratschläge erteilte, wie das Juden- jagen, daß die Regierungen Europas einen den Verhandlungen bildet auch, daß die Groß- gleichfalls Zeugnis von der geistigen Abnormität tum, und der Bolschewismus bekämpft werden großen Unterschied machen zwischen der demodeutschen in zwei Lager gespalten sind. Der eine des Verfassers. Er unterzeichnete die Broschüre: tönnten, denn„ bloß auf die Art tönne die Welt fratischen und reaktionären Emigranten, etwa Teil würde gern zur Regierungsgewalt zurüder grüne Diktator, Gründer der natio erlöst werden". Während seines Brerauer Aufentwischen denen, die die Gewalt Mussolinis und tehren, der zweite jedoch sympathisiert nalsozialistischen Partei, Dr. Paul Gorgulow." baltes strich er, auch wie er verheiratet war, die Dies bildete die unmittelbare Ursache für die storben sei mit den Nationalsozialisten und pro- Das Abzeichen der Partei sind zwei gekreuzte ganzen Nächte draußen umher, oder er verbrachte Horthys gezwungen hat, ihre Heimat zu verpagiert den Zusammenschluß dieser beiden Sicheln, die Spitze einer Tanne und Toten sie in Gärten, wo er Schießübungen mit lassen und den Anhängern eines feudal- monParteien. töpfe. archistischen Regimes. Es wäre also höchste einem Revolver vornahm. Seite 2 Sonntag, 8. Mai 1932 Nr. 110 Beit, daß man es gewissen Elementen nicht jo Ergebnis der heutigen Wahl in Berlin über die Wohnbautätigkeit in aufgeklebte Zettel, die mit kleinen vervielfältigten leicht macht, reaktionäre Pläne zu schmieden Frankreich sein. Und nur wenn die Deutschland und die Ziele der deutschen Adressen versehen waren. Das ganze sieht michz und fascistische Ziele zu verfolgen. Lintsparteien einen bedeuten- Wohnungsreform beschäftigen. Daran wird sich als verdächtig aus! Das Adressenmaterial fann Bereits am Dienstag wird Frankreich den Erfolgerringen das Attentat eine Besichtigung der zahlreichen Auffiger Woh einen neuen Präsidenten bekommen, es wird, wird allerdings von der Rechten zur Aufpeit- nungsneubauten schließen. da die Wahl noch von der alten Kammer schung nationalistischer Instinkte ausgenützt Aussig wankt! durchgeführt wird, durch diese Wahl an der werden kann die Welt hoffen, daß die fran- Die Front der Baumeister von französischen Politik nichts geändert werden. zösische Politik Europa Friede und AbFür Frankreich, für Europa und für die ganze rüstung, Brot und Arbeit bringen Welt von viel größerer Bedeutung wird das wird. An den Branger! Ausschneiden! Das ist der nationale Sozialismus! ☐ Ankleben! Die Nazi wollen Lungenkranke elend zu Grunde gehen lassen! Im Laufe des Samstagnachmittag sind bei der Aufsiger Streifleitung der Bauarbeiter mehrere Erklärungen von Baumeistern folgenden Inhalts eingelangt: An die Streifleitung in Auffig. Ich verpflichte mich, die mit Schiedsspruch festgesetzten Löhne bis Ende 1932 an die bei mir beschäftigten Bauarbeiter zu bezahlen. Hochachtungsvoll: Stampiglie und Unterschrift. doch nur von einem ihrer Hakenkreuzlerischen Trabanten von der Firma beigestellt worden sein. Wenn auch die Nazi auf diese niedrige Art ihre vier Manadte halten konnten und die freie Gewerkschaft infolge Abbaues der Belegschaft ein Mandat verlieren mußte, so ist damit noch lange nicht die klassenbewußte Arbeiterschaft erledigt. haben die Hitlerianer ganz außenstehende poliIn ihren ganzen Verleumdungsschriftey tische Ereignisse und Personen, die mit der Betriebsausschußivahl gar nichts zu tun haben, in der lügenhaftesten und gemeinsten Weise herangezogen, weil sie nicht in der Lage waren, gegen die zuständige freigewerkschaftliche Organisation und deren Vertrauensmänner auch nur das geringste vorzubringen. Das ist der beste Beweis der ehrlichen Pflichterfüllung durch unsere VerIm„ Tag" vom 5. d. M. ist ein an sich ver- p jage Eingeweihter ausnahmslos unheilbare, Iogener Artikel über das Rote Wien enthalten, tödliche Fälle. treter! Diese Schreiben sind der Beweis, daß die dem man weiter keine Beachtung schenken Also für hoffnungslos Er- Haltung der Baumeister auf Nichtanerkennung Die chemischen Arbeiter mögen jetzt daraus braucht, weil die Behauptungen, die da aufgestellt sind, und die sich gegen die Politik unserer des Schiedsspruches nur ein Willkürakt der Bau- endlich die Lehre ziehen und mit aller Energie frankte, denen nicht geholfen wer- meisterorganisation ift. Festgelegt sei, daß an dem Ausbau der freigewerkschaftlichen Be Genossen richten, abgeschmackte, längst widerlegte den kann, deren Leiden nicht ge- einige Baumeister die Erklärung triebsorganisation arbeiten, denn nur auf dieſe Lügen sind. beffert, sondern durch die Behand= abgaben, die Löhne nach dem Weise wird es möglich sein, den Fascismus lung nur verlängert werden, wer- Schiedsspruch wären nicht zu hoch, niederzuringen. den Millionen verausgabt". Aber was der Tag" da an eigener Meinung ohne jede Spur von Scham von aber sie dürfen auf Grund der Besich gibt, offenbart eine solche abgrundtiefe GeBravo! Das ist der nationale Sozialismus, ichlüsse ihrer Organisation diese fühlsroheit, daß fie über den beschränkten Leser- wie wir ihn uns immer vorgestellt haben: Um öhne, welche der Schiedsspruch fest= Benzinmischungspreis 2.55 Kč? freis des Tag" hinaus der Deffentlichkeit mit die Taschen der Reichen zu schonen, mögen arme legte, nicht bezahlen. Ein Beweis, daß Prag, 7. Mai. Wie das ,, České Slovo" melgeteilt werden muß. Der Tag" schreibt: Krante sterben. Um die Millionen" Schillinge die Bauarbeiter lediglich provoziert werden sollen! det, hat sich die Spirituskommission der Koali,, Das neue Tuberkulosenheim der Ge- ist es den Nazi leid. Um franke deutsche Volks- Die Bauarbeiterschaft wird daher in ihrem tionsparteien über den Preis der neuen Brennmeinde Wien kostet drei Millionen Schilling, genossen ist kein Schaden, wenn sie sterben! Für Kampfe für die Anerkennung der gefeßlich fest- stoffmischung geeinigt; er soll 2.55 K pro Liter das Radiuminstitut fünf Millionen Schilling. eine solche Gefühlsroheit, für eine solche Ber- gesetzten Löhne Löhne ausharren bis zum einschließlich der Umsatzsteuer betragen, also den Beide Anstalten haben in den reichsten Staaten lumptheit der Gesinnung gibt es wirklich nichts bollen Sieg, trotzdem bereits heute schon heutigen Benzinpreisen in Prag entsprechen. Die nicht ihresgleichen und beherbergen nach Aus- anderes mehr als Spucke. Pfui Teufel!" Faktoren am Werke sind, die Front der Bau- restlichen strittigen Fragen sollen im Laufe der arbeiterschaft zu zerschlagen. nächsten Woche bereinigt werden. Deutscher Wohnungsfürsorge Geoff Dr. Czech herzliche Worte der Anerken Im Ausstellungsführer hat Fürsorgeminister Genosse tag in Auffig. Aufsig, 7. Mai. Jm großen Saal der Auffiger städtischen Bücherei begann heute der bierte deutsche Wohnungsfürsorgetag, der von der deutschen Hauptstelle für Wohnungs- und Siedlungsfürsorge für heute und morgen sinberufen worden war. Ihren Auftakt fand diese wichtige Tagung mit der feierlichen Eröffnung der Ausstellung ,, Bauen und Wohnen", nung und Aufmunterung für die Träger der öffentlichen Wohnungsfürsorge gewidmet. Nachmittags fand die ordentliche Vollversammlung der deutschen Hauptstelle Die tschechischen Agrarier wehren sich nach Keramarbeiterverband. Die Betriebsausschußwahlen in der Kräften gegen jede Reorganisation der Spiritus Auffiger großen chemischen Fabrit. berwertungsgesellschaft, in der sie ihre bisherigen Machtpositionen aufrechterhalten wollen. Sie Die Betriebsausschußwahlen der großen stellen sich deshalb vor allem dagegen, daß der chemischen Fabrit brachten nachstehendes Ergeb- Kommission neben Vertretern der Produzenten nis: Fabritarbeiterverband 656 Stim- und des Handels auch Vertreter der Konsumenmen und 6 Mandate, Hakenkreuzler 480 ten und der Angestellten beigezogen werden. Stimmen und 4 Mandate, 93 Stimmzettel waren statt, die unter Vorsiz des Abgeordneten leer oder ungültig. Das Resultat ist für die freie Rubista überbrachte die Grüße des Fürsorge- der Beschäftigten ist gewaltig zurückgegangen. Krumpe den Tätigkeits- und den Rechnungs Gewerkschaft nicht befriedigend; nach alldem, Mitgliederzuwachs beim Glas- und bericht zur zur Kenntnis nahm. Sektionschef was vorgegangen ist, jedoch erklärlich. Die Zahl ministeriums, während Bürgermeister Genosse Die Zahl der Wahlberechtigten ist daß die Union der Textilarbeiter trotz der kataWir konnten unlängst darüber berichten, kommen hieß. Pölzl die Delegierten namens der Stadt will- gegenüber der Wahl im Vorjahre um strophalen gegenüber der Wahlim Vorjahre um strophalen Wirtschaftskrise im vergangenen 432 niedriger. Die Zahl der Beschäftigten Jahre einen Mitgliederzuwachs aufzuweisen hat. Der neue Vorstand, der auf der Tagung fant um 513 Mann, so daß statt 11 nur 10 Dasselbe gilt vom Glas- und KeramarbeiterverBürgermeister Genosse Pölzl- Aussig begrüßte ordneter& rumpe, 1. Stellvertreter Abgeordneter schaftskrise, vor allem aber die schonungsloseste Mitglieder erhöhen konnte. An diesem Erfolge gewählt wurde, setzt sich zusammen: Obmann Abge- Betriebsausschüsse zu wählen waren. Die Wirt band, der im Jahre 1931 den Stand um 678 die Gäste im Namen der Stadt und beglückwünschte Genosse Iatsch, 2. Stellvertreter Professor Kühn Rationalisierung wütete im Betriebe und vor hat besonderen Anteil das westböhmische und die als Veranstalterin fungierende deutsche Haupt- Brag, Schriftführer Dr. Treutsch- Buttlar: allem unter der klassenbewußten Arbeiterschaft. Das Haida Steinschönauer Gebiet. Am Ende des stelle für Wohnungs- und Siedlungsfürsorge zu Brag und Bürgermeister Genosse Bölzl- Aufsig, Die Entlassenen waren zum größten ihrer zehnjährigen ersprießlichen Tätigkeit. Als Teile Jahres 1931 hatte der Verband 154 OrtsgrupKassier Dr. Lippert Prag und Sauptaufgabe der Ausstellung bezeichnete Genosse Brotsch- Brausendorf. Dem Hauptausschuß gen die klaffenbewußten Arbeiter. Es ist daher er- wirtschaftlicher Beziehung muß der Bericht des Direktor unsere Anhänger. Die Reaktion richtet sich ge- pen mit 14.948 Mitgliedern zu verzeichnen. In Völzl, Musterbeispiele für modernes, aived- gehören ferner u. a. die Genossen Dr. Gruschka flärlich, daß die Freie Gewerkschaft 369 Stimmen Verbandes, wie wir der letzten Folge des„ Glasmäßiges und billiges Bauen zu zeigen. An die Eröffnung schloß sich ein Rundgang Rohm- Brag, weiter als Vertreter des Verbandes Aussig, Franz Rehwald- Tepliz und Josef gegenüber dem Vorjahre weniger aufbrachte. und Keramarbeiter" entnehmen, eine weitere durch die Ausstellung unter Führung ihres der deutschen Selbstverwaltungskörper u. a. die frohlocken. Das Resultat beweist nur, wie auf- Glasindustrie arbeitete bei Jahresschluß mit 30 Die Hakenkreuzler brauchen darüber nicht zu Verschlechterung der Verhältnisse feststellen. Die Organisators, des Prager Architekten Wuhrmann, an. Das reichhaltige Ausstellungsmaterial Genossen Ba Belt- Turn und Goth- Warnsdorf fällig sie verschont wurden. Und wie wurde Prozent ihrer Kapazität während in der Kerambietet einen guten Ueberblick über die Bauleistungen der Wahlkampf geführt! Nicht weniger als industrie die Beschäftigungsmöglichkeit etwas die im Beisein zahlreicher behördlicher, parla mentarischer und kommunaler Vertreter stattfand. ant. der judetendeutschen Städte und Industriegemeinden Verwaltungsrechtsrat Gruner Berlin sprach fünf gedrudte Flugschriften, von oben über 40 Prozent betrug. Die Folge der Arbeitssowie der Baugenossenschaften. Das Ministerium über das Bausparwesen, der Leipziger Stadt- bis unten gefüllt mit den ordinär stenlosigkeit ist, daß an die Finanzen des Verbandes für soziale Fürsorge stellt Städtepläne und Ueber- verordnete Oswald Bauer über Erwerbs: Lügen und Verleumdungen, und eine starke Anforderungen gestellt wurden. In der fichten über die Baubewegung in allen Teilen der losensiedlungen. An das erste Referat schloß Hakenkreuzlerzeitung wurden durch die Post Arbeitslosenkassa betrugen die Einnahmen etwas Republik aus. Viel Interesse erweckte das in sich eine rege Wechselrede an, in deren Mittelpunkt an alle Arbeiter geschickt. Geld spielt über sieben Millionen, die Ausgaben aber acht Originalgröße ausgestellte Modell eines subven- der tschechoslowakische Gesezentwurf zum Wohnungs- bei den Nationalsozialisten teine Rolle. Mehr Millionen. Mit dem Ministerium für soziale tionsfähigen Kleinwohnhauses, welches auf einer gesetz stand. auffallend ist aber an dieser Art der Agitation, Fürsorge wurden insgesamt 15.029 Unterstüt wo die Nazi das Adressenmaterial herge- zungsfälle mit insgesamt 646.411 Unterstüt nommen haben. Alle Postsendungen trugen kleine zungstagen verrechnet. Baufläche von 40 Quadratmetern Wohn-, Koch- Morgen wird sich die Tagung mit einem und Schlafgelegenheit für vier Personen erstellt. Vortrag des Bürgermeisters a. D. Sch w an5 Schidsale hinter Schreibmaschinen. engagiert worden, da Barius, zuständig für Perzu haben, können sich nur wenige unter uns rühmen. Ich bin zufälligerweise von ihm selbst jonalangelegenheiten, sich gerade auf Hochzeitsreise befand. Von Christa Anita Brück. In allen Fasern bebend habe ich damals vor Nicht etwa, daß ich hierzu mit dem mindesten Worte ermächtigt worden wäre, niemals Dudenmeyers mächtigen Bullenhaupte mein hätte ich wagen dürfen, die Tatsache in irgend Probediftat aufgenommen, erdrückt von der fineiner Form zu erwähnen. Nein, es geschah in steren Strenge, mit der er auf mein Gestammek einer Art stillschweigender Duldung, die den Cha- herabblickte und ich vergesse nie, wie unsagbar rafter des Verbotenen nicht ganz entbehrte. Und winzig ich wurde, als er zum Schluß mit gerunwenn Schneider unter dem schüßenden Vorwand zelten Brauen mein Erzeugnis entgegennahm eines Aftendeckels seine Zeitung las, während ich und es mißmutig überprüfte. tapfer nach dem rauhen Rezept Dudenmeyers die Briefe schrieb, die er mir zu diktieren hatte, so fonnte ich mir diese Bevorzugung nur dadurch erhalten, daß ich sie vor der Kollegenschaft, vor dem guten Schneider, ja, vor mir selbst mit dem größten Feingefühl überging. Ich poche und horche. Es erfolgt kein Ruf. Einen zweiten Ausgang hat das Zimmer nicht. Herausgekommen ist Dudenmeyer ebensowenig. Also muß er noch drinnen sein. durchdringenden Augen an, daß es mir durch Mark und Bein geht. meyer " Ich bitte um Entschuldigung. Herr Duden Wer sind Sie überhaupt? Kommen hier einfach so herein?" Ich bin Stenotypistin in der Autoabteilung," Herr Dudenmeyer." Stenotypistin? Und was wollen Sie hier? Warius nicht da? Seit wann habe ich mich um den Personaltram zu scheren?" Ich habe ein ganz besonderes Anliegen, Herr Dudenmeyer, über das nur Sie selbst entfcheiden können." 11 ,, Das kann jeder sagen. Für Personal ist Warius da. Bitte ( Dieses bitte heißt: mach daß du raus kommst!) Er liest weiter. Ich schlucke alle Scheu hinunter. „ Herr Dudenmeyer, ich habe gehört, daß Herr Schneider zum 1. Auguft nach Kowno geht und möchte mich um seinen Bosten bewerben. Ich arbeite seit zwei Jahren in der Autoabtei lung und bin mit den Dienstgeschäften vollkommen vertraut." Zunächst liest er seinen Brief zu Ende, macht Blauftiftnotizen an den Rand und scheint nicht gehört zu haben. Aber darin täusche ich mich. 11 er Sie die Briefe schreiben läßt? Den werde ich mir nachher mal kaufen. So was gibt's nicht in meiner Firma, verstanden? Wo bleibt denn da mein Renommee, wenn ich in meinem Büro mit solcher Weiberwirtschaft anfange? Und nun bitte, ich habe zu tun." Herr Dudenmeyer, die Angelegenheit ist für mich so wichtig, daß ich mich nicht mit drei Sägen abfertigen lassen fann. Ich habe mit Ihrem Widerstand gerechnet und bitte Sie, mir für die Zeit, die Herr Schneider noch hier ist, die Gelegenheit zu geben, Ihnen meine Befähi gung zur Ausfüllung dieses Postens nachzus weisen.' " Fräulein, auf diesen Beweis lege ich keinen Wert. Erstens fönnen Sie die Befähigung gar nicht besitzen, wenn Sie bloß Stenotypistin sind. Das ist Einbildung von Ihnen. Zweitens sind Sie mir viel zu jung. Wie alt sind Sie überhaupt? Sind Sie schon volljährig?" Zweiundzwanzig gewesen." Großartig, wirklich großartig. Zieiund zwanzig gewesen. Schlagen Sie sich die Sache aus dem Kopf. Adolf Dudenmeyer macht die neue Mode mit den Weibern nicht mit. In mei nem Hause sind derartige Posten nur für Män ner da." Ich klopfe kräftiger und sage mir erst nach einem zweiten lauschenden Verharren, daß man Nur einer wußte davon: Warius, der Pro- von Dudenmeyer so wenig eine Aufforderung furist der Abteilung Automobile. Mit ihm zum Eintritt wird erhalten können wie eine Erscherzte ich zuweilen über die Fahrlässigkeit, zu widerung auf den höflichsten Gruß, wenn man der sich der ehrbare Schneider verleiten ließ. ihm irgendwo im Hause begegnen sollte. Im Augenblick nun, da ich Schneider zu Warius führt diese Abneigung gegen das feiner Beförderung gratuliere, wirbelt mir ein Grüßen auf Dudenmeyers Bademeisterzeit zufühner Entschluß durch den Kopf. Ich werde rück, in der er für jeden Sechser, den die Untermich um seinen Posten bewerben. offiziere der Grenadierkaserne ihm großspurig Die Mißachtung meines Geschlechts beDudenmeyer will selbst nach Kowno fahren, auf das Brett warfen, die Müze rücken mußte. daure ich tief. Ich wende mich jetzt an den unt den neuen Betrieb einzurichten. Heute ist Ich drücke also beherzt die Klinke nieder, Kaufmann in Ihnen. Uebergeben Sie mir die nicht bei ihm reinzukommen. Er bleibt nicht lasse mich von der allzuwuchtigen Pracht des Abteilung, so ist sie erſtens in guten Händen, lange. Ich werde ihn überfallen, sobald er zu- Arbeitszimmers nicht verwirren und bleibe in denn ich leiste etwas, zweitens wird die Störung angemessener Entfernung von dem Allgewalti- Ganz recht, Herr Dudenmeyer, es werden eines Wechsels vermieden, denn die Arbeit ist mir Eine Glaswand trennt unsern Arbeitsraum gen stehen. schließlich feine Kunststüde verlangt in der Ab- geläufig, drittens.. von den Zimmern der Direktion. Ich kann be- Selbstverständlich, daß er nicht aufsicht von teilung. Ein Mensch mit etwas umsicht und Also Fräulein, geben Sie sich keine Mühe. quem die Tür zu Dudenmeyers Arbeitszimmer feinen Papieren. Nach fünf Minuten, in denen Berstand ist den Anforderungen ohne Schwierig. Sie sind mir zu jung. Außerdem sind Sie eine sehen. Mein Herz flattert nicht schlecht, als ich ich nur unterdrückt zu atmen wage, räuspere ich teit gewachsen, jelbst wenn er, wie ich, ein Mädel Frau. Möglich, daß Sie etwas können. Ich ihn endlich. den Hut im Genic, denn der Som- mich ein wenig. ist. Ich schreibe feit etwa einem Jahr die ge- will es dahin gestellt sein lassen. Aber was mer ist heiß, hochroten Kopfes in diesem Zimmer Dudenmeyer macht Notizen auf seinen Steh- samte Korrespondenz ohne Diktat und sie wird würde wohl meine Konkurrenz bazu sagen, wenn verschwinden sehe. Keine Viertelstunde laffe ich falender, reißt einen Briefumschlag auf und von den leitenden Herren bei der Unterschrift sie erfährt, daß Stenotypistinnen bei mir die fängt an zu lesen. Mitten im Lesen hält er plöß- niemals beanstandet." Korrespondenzabteilungen führen?" Mit dem Gefürchteten persönlich gesprochen lich inne und starrt mich mit seinen großen, Was fällt denn da dem Schneider ein, daß " rüdfommt. ihm. Was reden Sie da für Unsinn?" poltert er los. Korrespondent in meiner Autoabteilung wollen Sie werden. Sie? Ein Mädel?" ( Fortsetzung folgt.) Nr. 110 99 Die„ Bohemia" rettet den Barlamentarismus. Herr F. B. hat in der„ Bohemia" die Entdedung gemacht, daß unser Parlamentarismus berjumpft. Diese Entdeckung ist nicht neu und die Darstellung des Betta Systems, in dem Herr. mit Recht den Ausgangspunkt der Mängel unse res Barlamentarismus erblidt, feineswegs originell. Wollte sich Herr B. die Mühe nehmen, die jozialdemokratischen Publikationen aus der Zeit der allnationalen Stoalition nachzublättern, j würde er finden, daß sie das Pětla Snstem nich: nur sehr eingehend dargestellt und analysiert, sondern auch seine soziologische Erflärung aus der flaffengegensätzlichen Zusammenseßung der dama ligen Majorität gegeben haben. Herr. B. würde dann auch verstehen, warum gewisse Erscheinungsformen des Pětka- Systems auch unter der heutigen Mehrheit, die ja wiederum aus zwei großen Klaffenlagern besteht, nicht beseitigt werden fönnen. Daß sich gar nichts geändert hat, ist nicht richtig und das wagt auch Herr B. nicht zu behaupten. Die Sozialdemokra tie hat die Einsetzung einer Osmička als Nebenregierung abgelehnt, sie hat, wie es dem deme fratischen Parlamentarismus durchaus entspricht, die politische Verantwortlichkeit in der verfas fungsmäßig verantwortlichen Regierung fonzentriert. Wenn heute Stoalitionsausschüsse beraten, so fungieren sie nicht als vorbereitende und fontrollierende Organe, welche die verfassungsmäßige Regierung ihrer politischen Funktion entHeiden, sondern sie beraten nur über die endgült tige Fassung von Regierungsvorlagen, die von der verantwortlichen Regierung dem Parlament bereits unterbreitet wurden. Daß aber eine aus 7 oder 8 Parteien bestehende Mehrheit Beratungsorgane für die Austragung ihrer internen Differenzen schaffen muß, wird auch Herr B. nicht bestreiten fönnen. Sonntag, 8. Mai 1932 Fahrt ins Dritte Reich. Geite 3 Freiheit, die sie meinen. Das Verbot des Vortrages von Genossen Kautsky im Prager Rundfunk vom 1. Mai, das in ganz unqualifizierbar feiger Art erst im lezten Moment vom Verwaltungsausschuß publiziert wurde, hat in der Oeffentlichkeit wieder einmal die unerträgliche Praxis der Rundfuntzensur flargelegt und eine Diskussion über die heimatliche 3ensurim allgemeinen bemos difbberanlagt. Wie es mit der Preßfreiheit steht, soll nicht hier erläutert werden: die vorsorglichen 600.03 Ratschläge, namentlich der Wirtschaftsberater AIN diverser Polizeidirektionen, haben es so weit gebracht, daß nicht einmal mehr fachliche Stritiken der Wirtschaftsvorgänge zugelassen werden und oft einfache Tatberichte über die Wehrmacht des Staates tonfisziert werden. Immerhin ist es beim gedruckten Wort noch so weit geblieben, daß Worte wie Sozialismus, Planwirtschaft, Evolution und Revolution noch zugelassen wer den; das ist wohl darauf zurückzuführen, daß Literatur- und Zeitungszensur ein alter Zant apfel des bürgerlichen Liberalismus war und geblieben ist, daß die Errungenschaften der 48erRevolution sogar von den neuen Demokratien nicht zur Gänze beseitigt werden konnten und daß darum die Zensoren über Literatur und Breffe zivar fein übermäßig hohes Maß von Bildung zeigen, aber immerhin die Propagierung marristischer Wissenschaft und Politik zulaffen. Diese Rücksichtnahme auf den bürgerlichen Liberalismus verschwindet aber gänzlich bei Radio und Film: was sich hier in den letzten Jahren an bürokratischer Engstirnigkeit breitgemacht hat, ist mit normalen republikanischen Maßen kaum erfaßbar. Der hauptsächliche Affront dieser Gruppe segensreich wirkender Mitbürger besteht darin, doß sie ihren Horizont gleich Volk oder gar Vollsfultur zu sehen wagen. Was ihrem Saargebiet, Danzig und Memelland das erst mikroskopisch erkennbaren geistigen Horizont find Mißgebilde imperialistischen Siegerwillkür, entspricht, das wagen sie als Meinung des Bolks, Gewiß hat dieser Zustand seine Schattense: Lockerung der staatlichen Getreidebewirtschaftung des find Symbole zynischer Verlebung des ia jogar des Staats auszugeben. Ihre Bürgerten und wir sind die letzten, die der Opposition in Rußland. das Recht der Kritik an Mängeln des Parlamentarismus bestreiten wollten. Aber Herr B. übere Getreideüberschüsse auf den freien Inlandsmarkt. Die Verfügung weist darauf hin, daß nach der Durchführung des Getreideaufbringungsplanes 1932 und der zweckmäßigen Bildung der Samenfonds sowohl die Kollektivwirtschaften wie die Kollektivwirtschaftler die volle Möglichkeit des unbehinderten Verkaufs ihrer Getreideüberschüsse auf Märkten, die sie frei wählen können, 94 GPD- Mandate im preußischen Ein Kampf um Memel. Selbstbestimmungsrechts durch die Machthaber weisheit, ihr Spießerdasein muß lester Trumpf Moskau, 7. Mai. Der Rai der Volks. von Versailles. Jm Saargebiet wird in drei ſein für die Entwicklung des Volkes in geistigen sieht bei seiner Kritik, daß es zwischen der henti- fommiffäre hat heute eine Verfügung über den Jahren eine Bolksabstimmung stattfinden, Dan Dingen, einerlei, ob sie selbst überhaupt diese gen Mehrheit und der allnationalen Koalition Getreideaufbringungsplan für 1932 und den sig ist noch verhältnismäßig selbständig, nur die geistigen Dinge kennen oder gar von ihnen ausemen Bürgerblod gegeben hat, der an der Zer- kollektivwirtschaftlichen Getreidehandel erlassen. Außen- und Zollpolitik des Freistaates ist Polen wird von der herrschenden Klasse deshalb unterzugewiesen, das Memelland aber ist völlig der stüßt, weil sie im gleichen Niveau versunken störung unseres Barlamentarismus in hohent Demnach sollen zur Versorgung der städt. litauischen Regierung ausgeliefert. Die Agenten bleibt: im Festhalten am Gegebenen; was kanu Grade schuld ist, obwohl gerade unter seiner Bevölkerung mit Getreide auch andere der Henkerdiktatur Woldemaras haben sich denn dem krachenden Kapitalismus, seiner Herrschaft ganz andere Voraussetzungen für den Methoden angewendet werden, nämlich die des 1923 diejes Gebiets bemächtigt, das bis dahin morosen Gesellschaft besser entsprechen als eine parlamentarijchen Kampf bestanden, als bente. freien Getreide handels der Kollektiv- von französischen Truppen besetzt war. Frankreich Tätigkeit, die um keinen Preis einen Schritt aus Denn damals, als nur bürgerliche Parteien wirtschaften und der Kollektivwirtschaftler. Der tat nichts, un diesem Gewaltstreich entgegenzu- der Enge der heutigen wirtschaftlichen und geiregierten und die Sozialisten in Opposition stan staatliche Getreideaufbringungsplan 1932 für die treten, im Gegenteil, eine Botschafterkonferens ftigen Bleite erlaubt? Und diese Arbeit wird, dent, fiel die Trennungslinie zwischen Mehrheit Rollektivwirtschaften und Einzelwirtschaften wird hat den status quo sanktioniert und nur den wie man vor allem den weisen Ausführungen und Minderheit im Wesen mit der Scheidungs- um 264 Millionen Pud gegenüber 1931 herab- litauischen Staat durch die sogenannte Meme des agrarischen Večer" entnehmen kann, als linie der ideologischen Gegenfäße zusammen. Da gesetzt, gleichzeitig aber der Getreideaufbringungs- tonvention zur Gewährung einer lokalen Garantie dafür angesehen, daß Rundfunk und mals wäre also die Möglichkeit gewesen, Plenum plan für Staatsgüter um 43 Millionen Pud Autonomie für das Memelland verpflichtet. In Film„ unpolitisch" bleiben. Mit Recht wendet und Ausschüsse zum Forum der lebendigen par erhöht. den fast zehn Jahren litauischer Herrschaft über sich das Právo Lidu" und in gemessener lamentarischen Auseinandersehung zu machen. das Memelland wurde mit Terror, gewaltsamer Distanz sogar das„ České Slobo" gegen diese Der Bürgerblod hat das nicht getan. Er hat das Verdrängung der deutschen Sprache aus den Tatbestandsverdrehung: wenn ein Herr GroßDimicta System viel starrer gehandhabt, als je Aemtern, wiederholten Landtagsauflösungen und gutbaron über die Segnungen der Restgüter das Pětka- System geübt worden ist, die Bürgerfortgesetztent Ausnahmezustand das litauische Repricht, wenn ein Geistlicher doziert, daß nur im blockmehrheit hat die Opposition nicht nur vergebgime gefestigt". Christentum das Heil der Menschheit gelegen ist, lich argumentieren und Anträge stellen lassen, fie Heuer wollte die angeblich nicht mehr difta- wenn ein agrarischer Vorfämpfer etwa in Ostrau bat es fogar unterlassen, der Opposition zu antworten, sie hat sich zur parlamentarischen Austorische Regierung Litauens durch einen zweiten am 24. April anstatt der literarischen balben Butsch die ihr unbequeme Autonomie Memels Stunde ebensolange sein Parteiprogramm proeinandersetzung überhaupt nicht gestellt. Das beseitigen. Merkys, der litauische Gouverneur pagierte und von den anmaßenden Theorien fann man aber der heutigen Mehrheit nicht nach- und in Kollektivwirtschaftsläden haben. Sie des Ländchens, fette anfangs Feber das Landes- des Sozialismus und Liberalismus“ mit Verjagen. macht es gleichzeitig den örtlichen Organen zur direktorium, das nach dem Memelstatut dem achtung spricht, dann haben wir beileibe keine Daß es den Sozialisten nicht möglich war, Pflicht, den Kollektivwirtschaften und Kollektiv- Landtag verantwortlich ist, ab, hielt dessen Vor- Politif; Schutz des einmal errungenen Schmutzes alle Uebel, die sich unter dem Bürgerblock einge wirtschaftlern in dieser Beziehung ihre volle sitzenden Böttcher gefangen und ernannte den ist unpolitisch; aber jeder, der es wagt, mit dem freffen hatten, aus der Welt zu schaffen, wird unterstützung angedeihen zu lassen. Großlitauer Simmaitis zum Vorsitzenden Gegebenen nicht einverstanden zu sein und sein jeder begreifen, der weiß, em wie großer Teil ciner neuen Landesregierung, der noch zivei an Weltbild wissenschaftlich darzulegen, der ist Barder alten Bürgerblodparteien noch heute an der deve Litauer zu deren Mitgliedern ernannte. Diese teipolitiker und in ewiger Ungnade der ZensurRegierung teilnimmt. Daß diese feine aufrichti unter Umgehung des verfassungsmäßigen Weges herren agrarischer Struktur. Der Venkop" gen Freunde des demokratischen Parlamentarisgebildete Regierung brachte den traurigen Mut schreibt zwar, daß gegen die Person des Genossen mus sind, ist allerdings wahr. Aber wenn der Barlamentarismus darniederliegt, so ist das nicht Berlin, 7. Mai. Das endgültige Gesamtwerben, der sich aus 24 deutschen und nur wäre(!), daß es aber in diesem Falle um eine Berlin, 7. Mai. Das endgültige Gesamt auf, sich um das Vertrauen des Landtages gut be- Stautsty als Wissenschaftler nichts einzuwenden allein Schuld der Mehrheit, sondern bis zu einem ergebnis der Wahlen zum preußischen Landtag 5 litauischen Abgeordneten zusammensetzt. Der„ prinzipielle" Entscheidung gegangen ist; ia, gewissen Grade auch Schuld der Opposition. liegt nunmehr vor. Darnach beträgt die Gesamt- Landtag sprach, wie es nicht anders zu erwarten darin müssen wir mit den Freunden der Zensur Haben wir denn heute überhaupt eine parlamen- zahl der Abgeordneten 423, u. zw. find gewählt war, dem neuen Direktorium sein Mißtrauen übereinstimmen: es geht nicht hier um etwas tarische Opposition? Von den oppositionellen Barteien negiert ein Teil den Parlamentarismus worden 350 Abgeordnete direkt, 31 durch Ver- aus und erklärte mit überwiegender Mehrheit, grundsäßliches, nämlich darum, ob die Zensur überhaupt und daß die Kommunisten das ihre bindungen in den Wahlkreisverbänden und 12 daß die von Merkys ergriffenen Maßnahmen das Radio wirklich zum agrarisch orientierten ,, weder den Gesezen entsprechen, Nachrichtendienst und Unterhaltungsmittel stemdazu beitragen, um den Barlamentarismus zu auf die Landesliste. Eine Aenderung in der Zahl noch die Billigung des Landbags pein darf. Bei der herrschenden Praxis wäre es diskreditieren, muß nicht weiter ausgeführt wer der Abgeordneten tritt lediglich bei der SPD. finden". Wierkys zog aus dieser Niederlage direkt undenkbar, daß etwa ein nicht konfiszierter den. Der andere Teil der Opposition aber besteht ein. Diese hat mit ihren 4,675.173 Stimmen feine Konsequenz, er erklärte dent Landtags- Leitartikel mit Rundfunk verbreitet würde; daß aus Parteien, die sich infolge verunglückter tafticin. icher Spekulationen unfreiwillig außerhalb der 94 Sie erhalten, und zwar 82 dirett, 6 durch beschluß für sich nicht bindend und ließ das von diese Zustände unhaltbar sind, wird jeder einihm eingeschte Direktorium weiter im Amt. Doch sehen. Regierung befinden; von ihnen eine Besserung Listenverbindungen und 6 durch die Landesliste. es geschah ein Wunder, die Signatarmächte der der parlamentarischen Berhältnisse zu erwarten, Memelfonvention überreichten der litauischen Re wäre findisch. Wenn aber Herr B. das Uebel affer llebel darin sicht, daß die Anträge feine Die Brüfung der Rüftungsbudgets. Biermännerpartei in einem Parlament von 300 Eine neue Genfer Kommission in Tätigkeit. Abgeordneten nicht hinreichende Beachtung finden, so scheint uns das nicht gerade sehr demokratisch Genf, 7. Mai. Der Budgetausschuß der Ab- Merkys den Landtag auf und wiegte sich in der Probleme( Berbot von Fritz Langs" M"), schalund parlamentarisch gedacht, da Demokratie und rüstungskonferenz ist gestern zusammengetreten. Illusion durch Unterdrückung der Presse- und fet den proletarischen Russenfilm aus, soweit er Barlamentarismus schließlich auf dem Mehr Ein Sachverständigenkomitee hat die Richtlinien Bersammlungsfreiheit sowie durch Massenein- mehr zeigt als Journalereignisse und zwingt die heitsprinzip beruhen. Eine Gesundung des Parla- für das bei der Prüfung der Wehrausgaben zu bürgerung von Litauern einen seinen Wünschen heimische Produktion, sich im vorhinein das mentarismus fönnen also nur die Wähler schaf beobachtende formelle Verfahren und die gefügen Landtag zu bekommen, Doch das Ergeb- Placet der Zensurkörperschaft zu sichern( weshalb fen, indem sie den wirklich demokratischen Bar- dabei zu beachtenden sachlichen Gesichtspunkte nis dieser Wahl, bei der auch der letzte Memel- 3. B. jede Szene des Svejt Films sofort zur Konteien die entscheidende politische Macht verleihen. ausgearbeitet. länder zur Urne ging, brachte in der Zusammen- trolle vorgelegt wurde); die„ Dreigroschen Die Partei des Herrn B., die sich mit den Män Der Budgetausschuß ist in die Erörterung fegung des Landtages leine großen Veränderun- oper" ist nicht genehm, wenn sie im Film ge gen, das Verhältnis zwischen Litauern und Deutzeigt wird, ebenso Maurice Rostands Spiel schen veränderte sich überhaupt nicht und die des Pazifismus„ Der Mann, den sein GeStoinoer Regierung ist schwer in ihren Hoffnun- wissen trieb!" Es wird nötig sein, diese Kulturreaktion systematisch zu begent betrogen worden, so schwer, daß nicht nur tämpfen! der Strohmann Simmaitis, sondern auch der Diftator Memels, Herr Merfys, persönlich seinen Landtag. geln des Barlamentarismus abfand, solange die grundsätzlicher Fragen, die sich auf die Offen besondere Erwerbsteuer 8 Prozent betrug, beilegung ber Wehrausgaben beziehen, 9 Prozent aber wieder fritisch und empfindlich eingetreten. Politische Fragen, wie z. B. die der wurde, vermögen wir dazu nicht zu rechnen. Einschränkung der Ausgaben, werden von dem Ausschuß vorläufig nicht erörtert, Erwerbslosenunruhen in Chemnik. Ein Toter und vier Schwerverlette. Die ,, Tradition" von 1915. Chemnik, 7. Mai. Im Anschluß an Erwerbslosenversammlungen, die von der KPD cinquartierte Und ebenso steht es um den Film: auch hier Wahrheit: die Zensur hat ein für allemal BaziUm sich wenigstens auf einige Zeit die fismus verbannt, duldet nicht einmal mehr die lästige Kontrolle vom Halse zu schaffen, löste Behandlung psychologischer oder kriminalistischer gierung eine Kollektivnote, in der sie gegen die fürchtet die herrschende Klasse Aufklärung und Verletzung der Konvention protestierten. Rücktritt ankündigt. Die Arbeiterbewegung kann Moratorium der Deutschen Genossenschaftsin diesem Ländchen, das sozial überwiegend aus bank. Wie der Prager Börsencourier" berichtet, Wien, 7. Mai. Die in der Rossauer Kaserne Kleinbürgern und Bauerit zusammengesetzt ist, befindet sich die Deutsche Genossenschaftsbank in Maschinengewehrabteilung des feine großen Fortschritte machen. Im Gegenteil, Reichenberg, eine Gründung des Reichsverbaneinberufen worden waren, tam es an mehreren 1. Infanterieregimentes Nr. 4( Deutschmeister) in einer Situation, in der die nationalen Leiden des deutscher Gewerkschaften", in SchwierigkeiStellen der Stadt zu Zusammenstößen mit der wurde heute aufgelöst und die Mannschaft schaften bis zum Aeußersten entfesselt sein müften. Die Bank hat beim Ankauf einer Mühle in Polizei, die von der Menge angegriffen wurde anderen Gruppen zugeteilt. Der Grund dieser fen, haben die Sozialdemokraten zwei Mandate Prožnik und bei Kreditgewährung große Verund von der Schußwaffe Gebrauch machen Maßnahme sind nationalsozialistische Umtriebe, verloren, eines an die Volkspartei, eines an die lufte erlitten. Ueber Ansuchen der Bank soll ihr mußte. Ein Demonstrant wurde getötet, vier die sich insbesondere bei den Wahlen am 24. den Nationalismus der bürgerlichen Parteien ein Moratorium gewährt worden sein. Der Einübertrumpfenden Kommunisten. Balticus. lagenstand beträgt rund sieben Millionen K. Personen schwer verletzt. April äußerten. Seit« 4 Sonntag, 8. Mai 1982 Nr. 110 T agesneuigkeiten Ein furchtbarer politischer Mord? An dem Ort Ramsen, Bezirksamt Grünstadt in der Pfalz, wurde der 44 Jahre alte Maurer Karl Aufschneider, der weder der sozialdemokratischen Partei noch dem Reichsbanner angehörte und fünf Jahre in französischer Kriegsgfangenschaft verbracht hat, von einem Nazi-Rowdy meuchlings ermordet. Im ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl verbat sich Aufschneider Beschimpfungen des Reichspräsidenten von Hindenburg durch den 22- fährigen Nationalsozialisten und SA-Angehörigen Karl Langenstein, der sich zu Beginn des Krieges mit vier Jahren noch die Hosen beschmutzte. Langenstein hatte gesagt:„Was hat denn Hindenburg während des Weltkrieges geleistet? Hindenburg ist Blindgänger und ein Feigling." Auf diese Beschimpfung hin gab Aufschneider dem Nationalsozialisten eine Ohrfeige. Später hat Langenstein den Maurer Aufschneider im Wald bei Rspperter Hof überfallen und ihn mit einem Knüppel erschlagen. An dem polizeilich sichergestellten Mordwerkzeug haften noch die Knochensplitter des total zertrümmerten Schädels. Ferner ist das rechte Auge ausgeschlagen und das linke in seine Höhle eingepreßt. Der Ermordete konnte von den Dorfbewohnern kaum wicdererkannt werden. Der Täter hat den Ermordeten einige hundert Meter weit von der Straße weggeschleift und ihn im Walde mit einem Erntestrick aufzuhängen versucht. Er wollte dadurch einen Selbstmord seines Opfers Vortäuschen. Auf dem Bauernhof des inzwischen verhafteten Langenstein waren aus Säcken Puppen angefertigt worden, an denen sich die Nationalsozialisten im Erschlagen politischer Gegner übten. Die Bevölkerung ist über die furchtbare Bluttat so erregt, daß sie Langenstein beim gerichtlichen Lokaltermin zu lynchen versuchte. Inzwischen sind noch drei Nationalsozialisten aus der Umgebung von Ramsen unter dem Verdacht der Mttäterschaft verhaftet worden. Der Ermordete ist unter großer Beteiligung der Bevölkerung bereits beigesetzt worden. Die Eiserne Front ließ am Grabe einen Kranz niederlegen. Vie Arbeitslosen des Adlergeb irges lasten sich nicht verhöhnen! Jur Bezirke Rokitnitz wurde am 1. Mai das Gerücht verbreitet, daß den Arbeitslosen des Bezirkes auf Grund einer Anzeige die Meldekarten nicht mehr bestätigt werden sollen. Als Ursache wurde angegeben, daß der Oberförster Strare aus Stiebnitz zu Kulturarbeiten Leute angefordert habe und daß sich darauf niemand gemeldet habe. Die Arbeitslosen wurden darüber von einer großen Erbitterung erfaßt, da sie befürchteten, ihre karge Unterstützung zu verlieren. Es begaben sich deshalb am Montag 200 Arbeitslose des Erlitztales zuni Förster nach Stiebnitz, um sich zur Arbeit zu melden. Als sie ankamen, war der Förster nicht zu Hause. Aber die Arbeitslosen hatten Geduld und warteten, bis der Mann kam. Als er nach. ungefähr zwei Stunden zurückkehrte, trug ihm sofort Senator Genosse I u st, der sich an der Aktion der Arbeitslosen beteiligte, die Forderung nach Beschäftigung vor und verlangte, daß mit einem Komitee der Arbeitslosen verhandelt werde. Da inzwischen auch Gendarmerie zur Stelle lvar, fühlte sich der Förster sehr stark und erklärte, er werde einen solchen Terror(!) nicht mehr dulden und mache den Genoffen Just für alles verantwortlich. Genosse Just beharrte ober darauf, daß Klarheit geschaffen werde, ob für die Leute Beschäftigung vorhanden sei. Nun sagte der Förster, daß er nur 30 bis 40 Leute zu Kulturarbeiten brauch«, die er in Stiebnitz aufnehmen wolle. Aus dem Erlitztal habe er keine Arbeiter angefordert. Daraufhin bemühten sich einige Vertrauensmänner, Arbeitslose von Stiebnitz in Vorschlag zu bringen und erkundigten sich nach dem Lohn. Da erfuhr man, daß für Frauen 80 Heller und für Männer 1.20 K pro Stunde bezahlt werden. Natürlich erklärten die Arbeiter, zu einem solchen Schundlohn nicht arbeiten zu können, worauf die Verhandlungen abgebrochen wurden. Jedenfalls steht nun auch für die Arbeits- vermntlungsanstalt in Rokitnitz fest, daß sie wegen 30 bis 40 Arbeitskräften, welche die noble .Herrschaft Kolowrat-Reichenau im Revier Stiebnitz gegen ein Trinkgeld beschäftigen will, keine Unruhe unter den Arbeitslosen des ganzen Bezirkes zu stiften hat. Eine derartige Verhöhnung der Arbeitslosen im Adlergebirge darf nicht mehr vorkommen. Tie tzisenbahn-Bettugsgeschichte in Tschechisch-resche». Neun Verhaftungen— 280.000 Kronen beschlagnahmt. Mährisch-Oftrau, 7. Mai. Tie Untersuchung deS vorgetäuschte» Raubüberfalles auf den Kassie r K a r l L a m i ch in der Güterkassa des Bahnhofes in Tschechisch-Teschen wird alsbald gänzlich beendet sein. Bei dieser Gelegenheit wurden auch verschiedene andere Machinationen, Betrügereien und Unregelmäßigkeiten aufgedeckt, die mit dieser Angelegenheit im Zusammenhang stehen. Die Untersuchung führt erfolgreich die Gendarmeriefahndungsstation in Mähr.-Oftrau und die Gendarmeriestation in Tschech.-Teschen. Beigezogen wurden auch vom Eisenbahnministc- rium in Prag zwei spezielle Polizeibeamte. DaS Leben für eine« Hut. Unweit der Gemeinde Suche nad Parnou in der Slowakei ereignete sich am Montag ein unglücklicher Zwischenfall. Kinder, die die Gänse auf die Weide trieben, weckten einen unbekannten Alten auf, der am Ufer des angeschwollenen Baches schlief. Der Alte stand auf und wollte sich entfernen, doch ergriff der Wind in diesem Augenblicke seinen Hut und trug ihn ins Wasser. Der Mann wollte den Hut aus dem Waffer fischen, glitt jedoch auf dem lehmigen Boden aus Und fiel in den Fluß. Die Kinder liefen schreiend in das Dorf, um Hilfe zu holen. Die Einwohner konnten jedoch nur mehr die Leiche des Mannes und seinen abgeschabten Hut, der die Ursache des tragischen Unfalls war, bergen. In dem alte» Manne wurde Martin M k k u l ä 8 aus Nove Mtzsto n. V. festgestellt. Boni Blitz getötet. Bei einem Gewitter, das über der Ortschaft Polukno im Wilna-Gebiet niederging, schlug der Blitz in ein Kinderheim. Drei Kinder, zwei Mädchen und ein Knabe, wurde« getötet. Die täglich« Nazi-Untat. In der Linden ftraße in Rüdersdorf bei Berlin überfiel in der Nacht zum Freitag der Nationalsozialist Herbert einen 32 Jahre alten Kommunisten namens Schröder und gab mehrere Schüffc auf ihn ab. Der Ueberfallenc, der schwer in den Unterleib getroffen wurde, liegt lebensgefährlich verletzt im Krankenhaus. Ter Täter konnte noch nicht ergriffen werden. Uniform-Verbot für Dauziger Nazis. Der Landrat für den Kreis Großwerder hat eine Verfügung erlassen, wonach den Mitgliedern der SA und SS im Gebiete der Stadt Neuteich und der Landgemeinde Reuteich-Dorf das Tragen! von einheitlicher Kleidung außerhalb der eigenen Wohnung und jede Betätigung der genannten Organisation in den gleichen Bezirken verboten wird. Die Verfügung ist auf Grund der Erschießung des sozialdemokratischen Stadtverordneten Gruhn durch de» SS-Führer Rudzinfki erlassen worden. Die nackten Frauen. Aus Nelson(Britisch Columbien) wird berichtet: 84 Frauen, Anhängerinnen der von den Duchoborzen abgespal- I tenen Sekte, die, wie wir gestern meldeten, ver-! hastet wurden, weil sie nackt auf den Straßen demonstrierten, wurden gestern zu drei Jahren Kerker verurteilt, also zur gleichen Strafe wie die Männer, die wegen desselben Deliktes verurteilt worden waren. Vorgestern erschienen neuerlich einige Frauen dieser Sekte nackt auf den Ära- ßen. Der Generalstaatsanwalt machte die Sekte aufmerksam, sie möge die Demonstrationen einstellen, sonst würden ihr« Anhänger zu langen I Freiheitsstrafen oder zur Deportierung verurteilt werde». Einige Frauen, die verlangten, daß man sie zu ihre» Männern ins Ge- I fängnis bringe, wurden nicht verhaftet. Der Führer von 15.000 Duchoborzen in Westkanada wurde wegen Meineides zu drei Jahren Kerker\ verurteilt. Arbeitslosen-Unruhen in Danzig. Vor dem RathauS in dem Danziger Vorort Ohrs bildete sich gestern Bormittag eine größere AnsammluNö von Arbeitslosen, Frauen und Kindern, die die Fortzahlung der Unterstützung für die Erwerbslosen verlangten, die eine von der Stadt verlangte vierstündige Arbeitsleistung abgelehnt hatten. DaS alarmierte Ueberfalkkommattdv wurde von der Menge mit Steinen beworfen. Ein Wachtmeister wurde erheblich verletzt. der Notwehr mochte er von seiner Schußwaffe Gebrauch. Ei» IS Jahre alter Arbeiter wurde in die Brust getros- f e n und mußte einem Krankenhaus zugcführt werden. Bon der Deutschen Technischen Hochschule i« Brun«. Im laufenden Studienjichrr 193182 wurd<" insgesamt 2044 ordentliche und 75 außerordentliche $5ter, d. i. zusammen 2110 Studierende, eW' schrieben. Da di« Gesamtzahl b«r Hörer im vorig«'' Studienjahr 1000 81; 1081 betrug, ist diese für das lausend« Studienjahr um 188 g«stieg«"' Im Zusammenhang mit der Angelegenheit wurden in Tschechisch- und in Polnisch-Teschen im ganzen neun Personen verhaftet, die dem Kreisgericht in Mährisch-Ostrau einge- lieferr wurden. Wahrscheinlich wird cs noch zu weiteren Verhaftungen kommen. Gestern wurde Lamich und seine Genossen einvernommen. Auf Gruyd der Aussagen Lamichs wurden bei einer Reihe von Personen in Polnisch-Teschen und Tschechisch-Teschen Haussuchungen vorgenommen und Bargeld im Gesamtbetrag« von 280.000 Kronen beschlagnahmt, llnt diesen Betrag reduziert sich der den tschechoslowakische» Staatsbahnen zugefügte Schaden. Es wird erwartet, daß es gelingen werde, noch weitere Geldbeträge zu beschlagnahmen, so daß sich der Schaden bloß auf jene Summen beschränken würde, die Lamich und Inspektor Bucht«, sein Vorgänger, in den Jahren 1930 und 1931 aus der Kaffa der Staatsbahnen veruntreut hatten. Im Laufe der Untersuchung stellte es sich heraus, daß die Güterkasse des Bahnhofes eine Art von Borschußkasse darstellte, aus der jedermann Geld geborgt wurde. Tie Revision konnte diese Mißstände nicht aufdecken, da bei Revisionen der Geldbarmittel aus der bereits revidierten Kassa heimlich das Geld in die noch nicht revidiert« Kaffa geschafft wurde, so daß alles in Ordnung befunden wurde. Durch die Untersuchung wurde auch festgestellt, daß 8 a m i ch sich auch a n d e m Sch m» g- gel mit Morphium und Kokain wach Polen beteiligt hatte. Auch in dieser Richtung wurden Nachforschungen eingeleitct. Der Brand von Mies- gelegt. Wie uns aus Petschau berichtet wird, ist in der Angelegenheit des Mieser Brandes— bekanntlich fielen dort einem vor wenigen Tagen mm Ausbruche gekommenen Schadenfeuer acht Wohnhäuser zum Opfer,— wobei de» Hauseigentümern und Mietparteien das gesamte Mobil« verbrannte— eine überraschende Wendung insofern eingetreten, als die Gendarmerie unter dem dringenden Verdacht, den Brand gelegt zu haben, den Abbrändler Rudolf Tischer und seine Fran Anna, Willibald Belletz und Josef Berner in Haft nahm uw) dem Gerichte einlieferte. Die Verhafteten haben sich schon während der Feuersbrunst dadurch verdächtig gemacht, daß sie die Löscharbeiten zu verzögern, bzw. zu verhindern suchten. Offensichtlich handelte es sich ihnen darum, in den Besitz der Ver- sichernngsfummen zu gelangen. Sie waren gewissenlos genug, deswegen zahlreiche Menschen zu Bettlern zu machen. Di« Erhebungen sind noch nicht abgeschlossen. Todesopfer der Wirtschaftskrise. In der Ortschaft Schnecken bei F l e i ß e n im Egerlande legte der Arbeiter Matthias T u s a Hand an sich. Als man ihn fand, war er bereits tot. Tusa hatte seine Ersparniffe dazu verwendet, sich ein kleines Häuschen zu bauen. Da er vor Monaten arbeitslos wurde, war er nicht mehr in der Lage, die laufenden Ratenzahlungen aufbringen zu können, und aus Ber- zweifluNg darüber ging er in den Tod. Er hinterläßt eine Witwe und einen zehnjährige» Knaben. Warum so guadenlor? Im„Aufruf", dem Organ der Liga für Menschenrecht«, finden wir folgende Notiz: Hungerstreik eines siebzigjährige» Sträflings. In der Strafanstalt Mürvu ist jüngst«in siebzigjähriger Sträfling, der frühere Müller Toman aus Rohatetz bei Gäding, der sich s e t t d r e i ß i g Jahren wegen Mordes im Strafhaus befindet, in den Hungerstreik getreten. Toman wurde vor dreißig Jahren zum Tod« verurteilt, doch wurde die Todesstrafe in lebenslänglichen Kerker. umgewandelt.— Wär««s nicht erwägenswert, den Greis, der feit dreißig Jahren seine Schuld sühnt, zu begnadigen? Wir übermitteln hiemit diese Angelegenheit auch einer weiteren Oeffentlichkeit zur wahrhaftig gerechtfertigten Erwägung. Dreißig Jahre in der Strafanstalt! Ein nun siebzigjähriger Mann! Was könnte denn da eigentlich noch gegen die Begnadigung sprechen? Der letzte Hochofen... Wie«, 7. Mai. Die Alpine plant wegen Zunahme der Roheisenvorräte und wegen Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Devisen, den einzigen noch in Betrieb stehenden Hochofen in Donawitz ausznblasen und für einige Monate still- zulegen. Auch der Stahl- und Walzwerkbetrieb soll eingestellt werden. Delegiertenversammlung des Reichs Verbandes der Bergbau- uud Hüttenangestellte», Teplitz- Schönau. In doppelt schwerer Notzeit treten mehr als 100 Delegierte aus fast allen Bergbaureviere» am 7. und 8. Mai in Karlsbad zusammen, um ihre Gewerkschaftstagung atzuhal- ten. Zu der wirtschaftlichen Krise, die auf dem gesamten Kohlenbergbau« lastet und die Daseinsbedingungen der Bergbauangestellten unterhöhlt, gesellt sich noch der innervolitrsche Druck, der seit längerer Zeit gegen die deutschen Bergbauange- stellten teils sichtbar, teils unsichtbar zur Anwendung gebracht wird und ihren Arbettsplatz gefährdet. Diese betrüblichen Erscheinungen werden den Beratungen ein ernstes und nachhaltiges Gepräge verleihen. Den Auftakt des BerbandS- tageS bilden Barberatungen der Delegierten, welche am 7. Mai nachmittags angesetzt sind; am nächsten Tag tritt der Verbandstag in die Erledigung der Tagesordnung ein, welche die Tätigkeitsberichte der Amtswalter, deren Entlastung, Neuwahlen und Behandlung der cmgebrachten Anträge umfaßt. Unter diesen werden insbeson- ders der Antrag gegen die Verstaatlichung(Sozialisierung) der Kohlengruben, ein solcher gc- werkschaftspolitischer Natur und der zum Schutze der deutschen Arbeitsstätte lebhaftem Interesse begegnen. Zum Ladenschluß. Die Welt ist anders geworden in den letzten 20 Jahren. Die Technik hat riesige Fortschritte gemacht und die Arbeitsergiebigkeit vervielfacht, der Aether trägt Wort und Äkusik bis in die entfernteste Hütte, Flugzeuge verbinden Konttnente. Aber in den Köpfen so mancher Kaufleute spukt noch immer der alte Geist. Daß es einen Achtstundentag gibt, gesetzliche Rechte für die Angestellten, können diese unmodern denkenden Kaufleute in der Zeit, in der schon uni die 40- Stunden- Woche gekämpft wird, einfach nicht fassen, und daß„ihre" Angestellten nicht nur arbeiten, sondern auch schlafen und sich erholen wollen, ist ihnen ein Greuel. Sie lassen ihre Läden noch immer vom frühen Morgen bis spät abends offen. Lange bevor die Verkaufsstellen der Konsumvereine öffnen und nachdem diese schon geschloffen haben, sind in den Läden der Kaufleute die Angestellten tätig. Dabei handelt es sich meist uni jugendliche Arbeiter, Lehrlinge, die schwer arbeiten müffen mid faktisch sich von den Strapazen nicht erholen können. Die Angestellten der Kaufleute, die eine derart lange Arbeitszeit haben, kümmern sich aber gewöhnlich nicht um ihre wirtschaftlichen Interessen, dafür sind sie häufig stramme— Nazis. Die von den Hakenkreuzlern gepredigte „Schicksalsgemeinschast" zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geht also zu Lasten des Letzteren. Für di« Unternehmer rentiert sich die Zugehörigkeit„ihrer" Angestellten bei de« Nazis ganz schön. Es wäre höchste Zeit, wenn gewisse kaufmännische Angestellte zuerst an ihre eigenen Interessen denken würden, statt bewußt oder unbewußt für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wenn die Konsumvereine um 6 Uhr die Läden schließen, könnten eS die Kaufleute natürlich auch tun. Nur werden sie es nicht freiwillig tun,' sie werden hiezu gezwungen werde» müffen. Verhaftung Wege« Kindesmordes. Wie uns aus Duppau berichtet wird, verhaftete die dortige Gendarmerie vor einigen Tagen einen jungen Burschen, gegen den ein Mädchen die Anzeige erstattet hatte, et habe ihr uneheliches neugeborenes Kind getötet. Die beiden jungen Leute hatten ei» Liebesvechältnis unterhalte», das nicht ohne Folgen geblieben war. Der Mann riet dem Mädchen, sich die Frucht nehmen zu lasten, aber eS war hiezu bereits zu spät, und das Kind kam trotz aller Gegenmaßnahmen lebend zur Welt. Nach den Angaben des Mädchens hat ihr Liebhaber daß kleine Wesen gleich nach der Gelmrt beseitigt. Die beiden jungen Leute setzten das Verhältnis fort, bis ihm neuerlich ein Kind entsproß, dar sich am Leben befindest Rach einiger Zeit verließ der Bursche das Mädchen und sein Kind und knüpfte mit einer anderen Frauensperson ein Verhältnis an. Die Betrogene erstattete, als ihre Bersuche, den ungetreuen Liebhaber wieder,für sich zu gewinnen, ergebnislos blieben, gegen ihn die Anzeige, auf Grund welcher er nunmehr von der Gendarmerie verhaftet und dem Gerichte eingeliefert wurde. Wegen finanzieller Schwierigkeiten jagte sich in Brüx der 40jährige Ingenieur Karl Lemberger eine Revolverkugel ins Herz. Lemberger wohnte zuletzt in Reichenberg und versuchte, dort eine Existenzmöglichkeit zu finde», während seine Frau und seine beiden Kinder in Brüx lebten. Offenbar aus Verzweiflung über feine aussichtslose Lage griff Lemberger zur todbringenden Waffe. Bon der Deutschen Landeskommiffion für Kinderschutz und Jugendfiirsorge in Böhmen wird uns mitgeteilt! Am 1. Mai waren es 562 Kinder, über die die Deutsche Landeskommistion die schützenden Hände hielt, und zwar betreute sie 265 Kinder in den eigenen Heimen, 267 Kinder in Familienpflege, 10 Kinder in Fachanstalten und 20 Kinder im Krüppelheim. 562 Kinder, das jüngste 60 Tage, daS älteste 19% Jahre all. Trotz Wirtschaftskrise und Notstand an allen Orten, müffen täglich 4626 K aufgebracht werden, um diese Aermsten nicht entlasten und an Leib und Seele wie vor der Aufnahme gefährden zu Müffen! GreiS sucht de« Tod im Waffer. I» der Nähe der Zuckerfabrik in Postelberg wurde, wie utts berichtet wird, von Passanten in der Eger schwimmend die Leiche des 75jährigen Arbeiters Äotabis. gesichtet und an Land gebracht. Langdauernde Krankheit hat den Greis, der auf einer Einschichte in der Nähe von Postelberg wtchnte, zu seinem Verpveiflungsschritt veranlaßt. Die Leiche des Lebensnrüden wurde in die Totenhalle des Postelberger Friedhofes gebracht, Dr. Ja« Herben 75 Jahre. Gestern ist der bekannte tschechffche Schriftsteller und Polittker Dr. Jan Herben 75 Jahre alt geworden. In seiner Jugend betätigte er sich als belletristischer Schriftsteller, trat dann aber immer mehr als politischer Publizist hervor. 1886 begründete er gemeinsam mit Masaryk die Zeitschrift„Las", die in den letzten Jahren vor dem Kriege aks Tagblatt erschien und in der die politische Richtung des Realismus propagiert wurde. Nach dem Umsturz wurde er Mitglied der revolutionären Nationalversammlung, war dann mehrere Jahre Senator und ist jetzt Mitglied der böhmischen Landesvertretung. Vorn Rtmdhmk Empfehlenswertes ans de« Programmen. Montag: Pmg: 14.00 Schallplatte«. 15.30 Tschechische Lieder.)7.55 Schallplatte«. 18.30 Deutsche Sendung: Dr. Glaser: E«m>icklur^ der Prager Film- prodüktion. 21.00 Opernarien. A.30 Violinkonzert. 22.20 Schallplatte«.— Brünn: 18.25 Deutsche Sendung: Gröpl: Die Vitamine und ihre Bedeutung. 19.06 Moderne mährische Architektur. 10.20 „Plakate", Jazgrundfnnkspiel.— Berlin. 16.30 Ältst äffische Arien. 18.20 Mandolinenmusik.— Breslau: 19.10 Zupfmusik.— Hamburg: 17Lö Liederstunde. 19.20 Instrumental-Kabarett.— Königsberg: 19.30 Das Königsberger Streichquartett. 19.80 Spanische und russische Lieder.— Leipzig: 19.05 Man- eolincnkonzcrt.— München: 19.90 Stunde des Chorgesanges. Dienstag: Prag: 11.00 Schallplatte«. 15.30 Violinkonzert. 17.35 Kinderfunk. 18.25 Deutsche Sendung: Rezitationen. 19.05 Bunter Mend. 21.00 Konyert. — Brünn: 12.45 Orchesterkonzert. 1L25 Deutsche Sendung: Dr. Tonth:> Ein biologisches Lebensmärchen.— B«rli«: 16.05 Klaviermusik.— Breslau: 1946 Aus neuen Operetten.— Königsberg: Musikalische Plagiate. 20.35„Madame Favorit, Operette von Offenbach.— Leipzig: 16.30 Orchesten» lkovzert. 19.30 Letchie Musik.— München: 21.10 Blocksbergiade, ein Hexenspuk.— Wien: 21.55 Chansons. Nr. 110 Sonntag, 8. Mai 1932 Eine Sturmflut hat auf der Insel Pal- der Untersuchung, die mit dem Auffliegen der Sache aber ist die Feststellung dieses Zeugen, daß von mas große Zerstörungen angerichtet. Ueber Maier- Karlsbad ihren Anfang nahm. Dr. 140 Fällen, an denen Antos arbeitete, nur 32 tathundert Häuser wurden eingerissen Martinet erklärt, daß siebzehn von Antos fächlich so erledigt wurden, wie die Berufungskomund in der ganzen Ortschaft stehen nur noch die bearbeitete Fälle weder im Protokoll mission beschlossen hatte. Der Rest wurde zugunKirche und das Schulhaus. Große Teile der ersichtlich noch in den konsignationen sten der Berufungswerber von Antoš Insel sind überschwemmt, wodurch die Süßwas- eingetragen waren. Am bemerkenswertesten ,, umgearbeitet". ferquellen unbrauchbar gemacht worden sind. Die Bevölkerung hat sich unter Zurüdlassung ihrer Habe in die Berge geflüchtet. Opfer der Loreley. Ein Opfer seines bodenlosen Leichtsinns wurde am Himmelfahrtstag ein Mann, der sich auf dem 80 Meter hohen Loreley- Felsen bei Bingen trotz des Verbots über das Schutzgeländer begeben und hart am Abgrund einen Handstand gemacht hatte. Der Unglückliche stürzte ab und war sofort tot. Der ,, König der Millionäre". 3var Kreuger ,,, Fürst der Hochstapler". rb. Wenn einmal ein Dramatiter von genialem| dingte Diskretion! Wer viel redete, war verdächtig Ausmaß das Thema der Wirtschaftsführer von 1932 und gefährlich; er stand auf dem Aussterbeetat. Die meistern wird, so wird es wohl eine groteske Honorare, die Kreuger an seine zahllosen DunkelKomödie mit sehr vielen, fast unglaublichen Einzel- männer und Kreaturen zahlte, waren phantastisch; Der tödliche Fallschirm. Bei einem Flugtag in beiten werden. Ten buntesten Teil in dieser er hatte Buchhalter, die bis zu 100.000 Kronen Lyon( Frankreich) verunglückte ein 23jähriger Fall- Komödie aber dürfte die Affäre Jvar Kreugers ein- im Jahre erhielten. Aber diese gutbezahlten Herren Schirmakrobat, der an einem Trapez, das an einem nehmen, jenes geheimnisvollen, von Legenden um verfügten auch über die Zaubergabe, aus Nichts und den staunenden Einlegern Flugzeug befestigt war, Uebungen ausführte und witterten, schweigsamen Königs der Millionäre", Gold zu machen dann mit einem Fallschirm absprang, tödlich. Ter dessen Selbstmord vor wenigen Wochen wie ein Riesengewinne vorzugaukeln, die niemals vorhanden Schirm öffnete sich nicht, trotzdem der Akrobat aus unverständlicher Blitzschlag einem scheinbar strah- waren. erheblicher Höhe abgesprungen war. lenden Leben der Triumphe und Erfolge ein Ende kyste. Eine ganze Welt horchte auf, als die Kugel aus dem Browning dem schwedischen Mysterium" ein Ende machte und in überschwenglichen Netrolegen feierten beflissene Reporter den freiwillig aus dem Leben Geschiedenen und sprachen von der Tragit dieses Lebens, das sich gleichsam im Dienste der Menschheit aufgezehrt habe. Standal um das Lindbergh- Baby. In Washington ist es im Zusammenhang mit dem Raub des Lindbergh- Baby zu einer üblen Standalaffäre gekommen. Ein ehemaliger hoher Beamter des Justiz ministeriums, Gaston B. Means, wurde wegen DiebStahls in Haft genommen. Means joll 100.000 Dollar unterschlagen haben, die ihm als Lösegeld für das Lindbergh Baby irbergeben worden find. Der ungetreue Beamte will Anfang März angeblich in Verbindung mit den Kindesräubern gewesen sein. Hungertod im Reichtum. Im Alter von 39 Jahren verstarb die Londonerin Lydia Winnifred Dale, eine Frau, deren Reichtum ebenso groß war wie der Geiz, mit dem sie ihn verwaltete. Der ärztliche Befund ergab, daß Frau Dale inmitten ihrer kostbaren Möbel und Schmucksachen buchstäblich berhungert ist. Tollwut durch Fledermäuse. Die kalifornische Küstenstadt Trinidad wurde von einer furchtbaren Tollwutepidemie heimgesucht. Nach längeren Bemühungen stellte der Regierungsbakteriologe Dr. Bawan als Urheber und Verbreiter der Tollwut die Fledermaus fest. Pawan erhielt eine größere Belohnung ausgezahlt. Gerichtssaal Bom Antos- Prozeß. Dann aber folgten Schlag auf Schlag die phantastischesten Enthüllungen über den großen Schweden". Der Lorbeer entblätterte mit unheim licher Geschwindigkeit und am Schluß hatte man den lückenlosen Steckbrief eines der skrupellosesten Betrüger und Fälscher der Weltgeschichte. Eines Mannes, der mit einem beispiellosen Raf finement die seriösesten Männer der halben Welt an der Nase herumgeführt hatte. All die armseligen Schächer und Bilanzfriseure, die man von Zeit zu Zeit auf dem kriminellen Parkett der wirtschaftlichen Halbwelt auftauchen sieht, sind gegen Ivar Kreuger, den Fürsten der Hochstapler, tüm merliche Dilettanten und lächerliche Anfänger. Besonders grotest waren die„ Revisionen" im Kreugertongern. Stein Mensch gab sich mit einer tatsächlichen Kontrolle der Wertpapierbestände ab, man hatte Sertifitate" zur Hand, die in den von ausgesuchten Kreuger'schen Schwindelbitros Vertrauensleuten hergestellt wurden. Der unheimliche Einfluß Kreugers ging so weit, daß man gar nicht wagte, ihn irgendwie zu kontrollieren. Sein Wort galt alles. Er schwenkte per distance einen Haufen irgendwelcher Wertpapiere und sagte mit einer Geste, die jeden Widerspruch ausschloß: So und so viel ist es! Auf diese Weise tamen die Zertifikate zustande. Es handelte sich wirklich nicht um Kleinigkeiten; erwähnt sei nur, daß auf diesem einzigartigen Wege ein Zertifikat über 400 Millionen Franken französischer Renten ins Leben gerufen wurde. Haben in Ihrer Gemeinde schon alle Funktionäre ihr tommunalpolitisches Blatt Seite 5 ? In vielen Gemeinden wurde schon beschlossen, allen Gemeindefunktionären, ein ohne Unterschied der Partei, fommunalpolitisches Organ nach freier Wahl des betreffenden Funktionärs, auf Gemeindekosten zuzustellen. Ein derartiger Beschlitz ist zweifellos sehr wichtig, weil es eine Aufgabe der tommunalen Verwaltung ist, für die Schulung der tätigen Gemeindefunttionäre zu sorgen und ihnen wenigstens einen fleinen Teil der zu ihrer ständigen Information nötigen Behelfe zur Verfügung zu stellen. Genossen! Wenn in eurer Gemeinde ein derartiger Beschluß noch nicht besteht, so stellt einen diesbezüglichen Antrag! Jedem sozialdemokrat. Gemeindefunktionär fein Blatt ,,, Die Freie Gemeinde". Vom Prager Rundfunk Es ist immer rührend, wenn Männer in Amt und Würden dem Rundfunk zuliebe Aufsätze machen. Wie lieb flingt aus dem Munde eines Bürgermeisters das Lob der Heimatstadt in jambisch beschwingter Proja, geziert durch stelzbeinige Epitheta ornantia, betätigend die neuteutsche Vorliebe für das Mittelwort der Gegenwart, drollig hineinmischend in Ganz besonders munter ging es bei der Gesell- solche Pennälerpoesie statistische Daten und Zahlen. schaft Kreuger& Toll, Holland, zu bei der eine der wenn ein Bürgerschuldirektor über den Früh halbe Milliarde Reserven verbucht waren. Diese ling berichtet, nach tadelloser Disposition wie in der Gesellschaft wurde niemals einer Revision unter- Schule und in jenem faft- und kraftvollen Papier worfen. Als ein Revisor sich die Kühnheit erlaubte, deutsch, das wir in Heimatkunden und Geographiehier einmal nach dem Rechten sehen zu wollen, lehrbüchern noch immer dankbar genießen dürfen. Eins ist sicher: Ivar Kreuger ist der größte wurde ihm in dürren Worten erklärt, daß Revi- Ins Musikalische übertragen erweist sich der gleiche und blendendite Bluffer in den letzten drei Jahrsionen nur schäblich seien, da sie ,, Kursverluste" zur Geist, wenn sich die Zöglinge einer Lehrerbildungsanstalt mit einem Gesangverein verbinden, um uns sehnten gewesen. Sein ganzes Geschäftssystemt war Folge haben könnten. in nicht immer ganz reiner Intonation und unter ein Kartenhaus, das einstürzen mußte, sobald die Besonders originell war im Kreuger- Kongern peinlicher Vermeidung verständlicher Aussprache Betrogenen und Genasführten skeptisch und kritisch das Aufstellen einer Bilanz. Der Buchhalter stellte alte Süßlichkeiten von Robert Franz und Schumann wurden. Aber sie glaubten ihm sämtlich blind und sie im Entwurf auf und gab sie daraufhin an vorzusetzen und an dem Temperament der Brahmsbedingungslos, hielten ihn für eine Finanzpotenz Kreuger weiter, der dann, ohne kleinlich zu sein, die schen Zigeunerlieder ihre ganze Unzulänglichkeit darvon nie erlebtem Ausmaß und gaben ihm so die notwendigen Frisuren vornahm. Die auf diese zutun. So wird in Lehranstalten und Vereinen Möglichkeit, ganze Staaten und Völker auszuplün- Weise herausgeputzte Bilanz wies in jedem Falle deutsches Philistertum glücklich durch Weltkrise und dern. Kreugers suggestive Begabung muß allerdings erhebliche Gewinne und große geschäftliche Siege Götterdämmerung hinübergerettet; erst mit seinen Prag, 7. April. Die heutige Verhandlung war ungewöhnlich gewesen sein. Noch jetzt soll es Leute auf. Der Erfolg war stets durchschlagend: das Ver Trägern selbst wird es verschwinden. Unsere deutsche furz, wie es sich für das Wochenende geziemt. Auch geben, die selbst durch die Tatsachen sachlicher trauen der Betrogenen wuchs ins Grenzenloje. Zu Sendung aber gefällt sich als Mäzenat des Dilettan die heutigen Zeugen waren Leumund zeugen, Polizeiberichte nicht überzeugt werden können und den Buchungsschiebungen waren fleine Konzern- tismus, ehrbar fullert sie die frommen Augen: die die Anklage in unerschöpflicher Fülle beantragt die noch heute bereit sind, auf die moralische Unan- gesellschaften sehr geeignet, von deren Existens sehr Sehet, sooo harmlos sind wir! hat, ohne daß doch etwas Greifbares zutage fäme. tastbarkeit Kreugers feierliche Meineide abzulegen, oft der Nebenmann teine Ahnung hatte. Uebrigens Auch Berufstünstler huldigen dieser holden Das Beweisverfahren geht sonderbare Wege. Wer Die jetzt veröffentlichten Berichte der schwedi ist das Prinzip dieser kommerziellen Tankstationen" Mittelmäßigkeit, denn sie ist halt die Majorität und erwartet hat, daß Fall für Fall methodisch durch ichen Polizeibehörde über den Fall Ivar Kreuger nicht allein von Kreuger, sondern auch von anderen Dankbar! Elisabeth Wiese anger, von ihrem genommen würde, sah sich enttäuscht. Wieder trat fir fesselnder als ein Kriminalschmöker des seligen Leuten angewandt worden. Gatten, Kapellmeister Wiese, Reichenberg, sehr fein eine der Quartierfrauen der Pavlovsfy auf und Wallace. Sie enthüllen das feinmaschige Netz eines sonstige bedeutungslose Zeugen, die mit vielen Betrugskonzerns, vor dessen Ausmaß selbst die Ivar Krenger sehr viel Haare lassen müssen. Die reichischer Komponisten, als welche sich ihr begleitet, jang Lieder lebender österWorten im ganzen nichts aussagten. Auch der prominentesten Alkoholschmuggler Chikagoer Prove Internationale Match Corporation", die amerika- nur die ältere Garnitur Richard Strauß, Schrefer Schwager des Angeklagten trat auf, von dem niens vor Neid erblassen müssen. Es ist die Romantinische Filiale Kreugers, hat bei einent Gejamirer- und Josef Marg darboten. Die Stimme klingt jebr natürlich niemand erwartet hat, daß er seinem Ver- einer überlegenen Spitzbuben- Sachlichkeit, zugleich mögen von etwa 18 Millionen Dollars Aktien- schön, doch der Ton flackert und an der hohlen wandten schaden würde. Tatsächlich schildert er ihn aber auch ein schulden von 165 Millionen Dollars. Herr Kreuger Süßigkeit dieser Lieder fand sie keinen Anlaß, nachals einen Mustermensch. ist amerikanischen Bankiers die runde Summe von schaffende Persönlichkeit, gestaltende Kraft zu zeigen. Herr Finanzminister i. R. und derzeit 4 Millionen Dollars, gewährt auf Grund der natürPräsident der Finanz- Landesdirektion Henečit unter deren Krisenauswirkungen eine ganze Welt lich nicht vorhandenen, spanischen Konseffionen erklärte Antoš für einen„ šikovný člověk" so fürchterlich zu leiden hat. schuldig geblieben. Chne jede Unterlagen gab man dem großen Betrüger Darlehen in Höhe von Tutnis. Er wußte sich mit einem höchst anregenden zenden Millionen Dollars... Schleier rastlos arbeitender Anonymität zu um- Tas ist der Kapitalismus, Jahrgang 1932. geben. Ueberall waren seine Gehilfen am Werk, Ein Sittengemälde; schauerlich und lächerlich 3: 1von denen vor allem eins verlangt wurde: unbegleich! grausames Spiegelbild der hochkapitalistischen Verfallserscheinungen, ( einen geschickten Menschen). Von seinen Verfehlun- Kreugers größte Chance war das Geheimgen habe er keine Ahnung gehabt. Erst das Verhör des Finanzoberkommissärs Dr. Martinet bringt etwas Leben in die Verhand lung. Dieser Zeuge schildert eingehend den Verlauf Zwei im Schmelzwert. Zuerst hatte er vor dem Hüttentore Flugblätter des Verbandes verteilt. Allemal, wenn die Sirene heulte und die schwarzen Waffen aus den riesigen Fabriksanlagen nach den Ausgängen strömten, wie Ameisen, wenn man in ihren Bau sticht, war seine Stunde gekommen. Dann, wenn sich der Hauptandrang verlaufen hatte, mußte man wachsam sein. Der Pförtner duldete nicht, daß vor seinem Tore ufreizende Schriften"- wie er zu jagen pflegte vertrieben wurden. Er hetzte die Polizei auf die Verbreiter. Einmal der Stoß Flugblätter hatte schnell abgenommen, und nur wenige waren von einigen ängstlichen Arbeitern weggeworfen worden und trieben nun träge vor einem leichten| Winde über die Wiesen vor dem Werke flopfte dem jungen Flugblattverbreiter ein alter, aber träftiger Mann auf die Schulter und schloß sich ihm an. Morgen sollen ein paar Leute eingestellt werden. Die Gießerei hat eilige Aufträge. Wie heißt du denn?" * ба Neben der alten Welt hat auch die neue bet Mitunter aber wird auch unsere Sendeleitung, unfreiwillig und unversehens, revolutionär. Sie läßt Herrn Dr. Karl Möller, Prag, über die heutigen Devisenbestimmungen sprechen. Das ist ein vertrauenerweckendes Thema mit einem Beige- aber siehe da: der schmack von Bankdirektor, Fachmann behandelt es sachlich( er sprach ausgezeichnet, überraschend flar wurde die schwierige Materie dargestellt), und auf einmal enthüllt sich der grandas..." Eben will Peter fich umwenden, um Peter Altenbeck sieht weißglühende Flam- diose Unfug dieser ganzen Geldwirtschaft, dieses zuzufassen, da steht mit hochrotem Kopfe der men, Rauch, blendende Sonne und ein verzerr ganzen Wirtschaftssystems samt seiner politischen Former neben ihm. Soll ich dich erst besonders tes Gesicht eines Menschen, der mitten im Glut- Abzweigung, das für unsere hochberühmten Wirteinladen, du Bachultenhund?!- Ran da!" spill schein steht. Peter schreit, brüllt. Der Rauch schaftsführer unlösbare Dilemma zwischen dem er einen nächsten Satz beginnen, aber Peter reißt ihm die Stimme mitten durch; ein Husten Schutz der Währung durch Abriegelung des freien fennt das Schmähwort; er hat es schon einmal erstidt im dumpfen Lärm aufkommenden Un- Geldumtausches mit dem Ausland und dem Schuß von demselben Former zu hören bekommen. heils. Peter sieht das Gesicht noch; es ist das- des Außenhandels, der ohne solchen Umtausch einladerlicht steht vor seinen Augen und Zorn selbe Gesicht, aus dem ihm vor wenigen Tagen gehen muß. Das alles ist überorganisiert, überbrennt in ihm auf. Da padt er den Beleidiger, der Bachulfenhund" entgegengetönt ist. Blig fompliziert und hier wie überall geht der Kapitalis Blitzkompliziert und fauchend trifft dem eine harte Faust mitten schnell freuzen sich die Gedanken in einem win- mus an seiner eigenen Höchstentwicklung zugrunde. ins Gesicht.-„ Da da zigen Augenblick, und in diesem Augenblick packt Reine Freude bereitete diesmal die Arbeifür den Bachultenhund!"- Die andern rühren Peter zu. Greift nach einer Hand, zerrt. Die andern rühren Peter zu. Greift nach einer Hand, zerrt. Es tersendung.. Senator Gen: Dr. Solitscher feinen Finger. Sie gönnen dem Former das. geht nicht. Pact nach dem Bein des andern, berichtete über unsere Altobolgesekgebung. Sie wissen, daß er die Kollegialität mißachtet. serrt. Es geht nicht. Festgeteilt hängt der Kör- Klar und übersichtlich, mit leiser Satire, wirksamt , Es war recht, daß du es dem einmal gegeben per, dem Verderben ausgesetzt, in den Formen. durch die Ironie der Tatsachen, stellte er das Min. haft", sagt einer neben Peter, nachdem der Fall Eingeteilt. Die Stahlglut springt zischelnd an. dejtmaß notwendiger Gegenwehr gegen das Volks beigelegt scheint.„ Sich dich aber vor; er ist Peter faßt mit letter Kraft nach dem Unglück gift, die Halbheit der bestehenden Alkoholgefeßgebung hinterlistig." lichen. Die Adern an seinen Schläfen treten und die Sabotage selbst dieses Wenigen in der prakhervor; er fühlt nichts und fühlt doch, daß er tischen Durchführung nebeneinander. Ohne es ausden andern retten fonnte. Ein stechender, läh- drücklich zu sagen, ließ er uns doch erkennen, daß der Fünf Tage später. Kurz vor Feierabend. mender Schmerz dringt in seinen Körper und jeßige Staat als Vertreter der Kapitalsinteressen Hundertundzwanzig Zentner weißglühenden tötet ihm die Sinne. Seine Gedanken schwin- niemals entscheidend gegen den Alkohol vorgehen flüjjigen Stahls brodeln funkensprühend in den den, und eine wohltuende Umnachtung nimmt kann, daß wir auch hierin jetzt nur das Schlimmste Feffeln des Converters. Der Tag war heiß; ihn lächelnd in ihre Arme. Vor seinen Augen verhüten, die Verwirklichung unseres Ideals aber draußen und drinnen. Durch die dicken Draht flattern Drahtglasfenster, Sonnenfeßen, Conver- der Zukunft, unserer Zufunft vorbehalten müssen. glasfenster des Daches stechen die Strahlen einer terglut, Bachultenhund Und die Sendung am 1. Mai! Genossin unbarmherzigen Sonne. Der Widerschein greller Landesvertr. Maria Deutsch sprach eine schlichte, Stichflammen des Converters wird von den Einer der Kollegen muß den Wink dazu herzliche Einleitung. Die Damen Medelsky, Ondra Fenstern zurückgeworfen, huscht über die schweigegeben haben; jedenfalls lagen sie nebeneinan- und Menzel, die Herren Hötzlin, Rösner, Jantsch ßigen Gesichter und zittert wie irres Gespenster der, und die Betten standen so eng, daß man sich des Prager deutschen Theaters gaben uns zuerst eine licht durch den in Lärm festgefrallten Raum. ohne Mühe die Hände reichen konnte. Nun, zene aus Hauptmanns Webern, dann soziale Syrif Peter Altenbeck wird also eingestellt und Aus weißglühendem Rachen Rachen ergießen fich so weit war es noch nicht; dazu hatte das milch- yon Dehmel, Goldschlag, Ringelnak, Schirmeier, einer Kolonne Hilfsarbeiter zugeteilt, die in der hundertundzwanzig Zentner flüssigen Gußstahls weiße Zeug zu tief gebrannt. Aber man konnte Wehner, Sturmann, Schnop und Schönlant. WunGießerei, deft Stahlformern Hilfsdienst leisten. in die bereit stehende Pfanne. Feuerregen jich mit einiger Geduld langsam umivenden. Da- dervoll sprachen die Künstler, tief erschütternd entDurch Lärm und stickige Luft schwirren die Rufe springt auf, und Gase zischeln giftend empor. zu reichte es schon bei beiden. Und auf diesen faltete sich vor uns das Leid der gequälten Menschen, und Kommandos der Former. Ueberall muß er Am Kran, der die Pfanne trägt, entsteht Be Augenblick wartete der eine der Verleßten. Mit der Widerjinn moderner Lebenshay, die Leere der zufassen, und überall ist es nicht leicht, sich an wegung. Die Pfanne baumelt über den For- leiser Furcht sah er nun in das bleiche Gesicht vom laufenden Band ausgequetschten Seele. Undas Schwere dieser ungewohnten Arbeit zu ge- men, die gefüllt werden sollen. Da geschicht des Peter Altenbed. Er hatte sich einen schönen widerstehlich pochte der Wille, zu helfen, zu ändern, wöhnen. Das Semb flebt Peter schweißdurch etwas. Wie das kam. wußte sich später keiner Saß zurechtgelegt; nun hatte er ihn plötzlich ver- strahlend erhob sich das Zauberbild einer geahnten, Hemd näßt am Leibe. Es ist eine tolle Schufterei. mehr zu entsinnen. Die Leute an der Kran gessen. Darum sagte er nur: Du Kollege, gewollten neuen Welt. Das war eine wahre FeierBachulfen Peter verschnauft sich etwas. Da ruft schon führung springen, von schweren Glutsprisern ge- das mit dem nicht wahr, stunde, ein hohes menschliches Erlebnis aus Gnaden wieder einer, der Hilfe braucht. troffen, sur Seite. Schreie, nie gehörte, gellende Kollege. der Kunst. Dies wiegt viele Stunden radiotischen Schreie schrillen auf... und dann ist das InLeerlaufs auf. Fürstenau. heil über allen. ,, Peter Altenbeck." " Leicht ist die Arbeit ja nicht in einer Gießerei, aber doch einträglicher als Flugblattberbreiten." Peter Altenbeck lächelte dankbar. Der Alte nickte ihm zut. Beter steht und wartet. Ein anderer Hilfs crbeiter neben ihm sagt:„ Der fann noch warten, 44 " Peter Altenbed lächelte leise. Karl Hahne. Seite 6 Sonntag, 8. Mai 1932 PRAGER ZEITUNG. Verlängerung der Gültigkeit der Sonntags-| Sinfonie. Der„ Dritten" erwies er sich vor allem Rückfahrkarten zu Pfingsten. Die ermäßigten in den Edsätzen und im langsamen Mittelsazz als Rückfahrkarten werden auf der Hinfahrt bereits einfühlender, plastisch gliedernder und wirksam abvom Freitag, den 13. Mai, bis Mittwoch, den stufender Interpret, während man das Scherzo 18. Mai, und für die Rückfahrt an jedem belie- weniger massiv im dynamischen Sinne gewünscht bigen dieser Tage bis Mittwoch, den 18. Mai, hätte. Besonderes Lob gebührt dem Orchester, mitternachts Gültigkeit haben. Diese Begünsti- das trop der Länge des Programmes noch in der gung gilt auch für ermäßigte Rückfahrkarten für zum Schluß gespielten Brudner- Sinfonie paffionierte Sonn- und Feiertage im direkten tschechoslowa Hingabe und Spielfreude zeigte. E. J. fisch- deutschen Verkehr. Ein Theater mit steigender Besucherzahl. Das Urania- Aktion für die Arbeitslosen. Die„ Prager Stadttheater Frankfurt a. d. O. hat in der Urania" veranstaltet vom 12. Mai 1. J. an, vor Spielzeit 1931/32, der dritten unter der Leitung des läufig einmal wöchentlich u. zw. immer Donners Intendanten Robert Bürkner, einen Besucherzutag um 3 Uhr, Rino- Vorstellungen für Arbeitswachs von 10 Prozent gegen die vorige Spielzeit Lose bei freiem Eintritt( gegen Vorweis der und von 60 Prozent gegenüber der letzten Spielzeit Arbeitslosenlegitimation), bei denen der laufende vor Uebernahme des Theaters durch den jetzigen Spielfilm vorgeführt wird. Außerdem wird auf jede Intendanten erzielt. Die Einnahmen der Spielzeit Eintrittskarte, sowohl bei den Urania- Beranstaltun- 1931/32 haben das Etat Soll erheblich überschritten. gen, wie bei den Kino- Vorstellungen, ein Zuschlag von 10 Hellern zugunsten der Arbeitslosenfürsorge eingehoben. Die Urania gibt die Anregung Sur Durchführung dieser Aktion für sämtliche deutsche Beranstaltungen in- und außerhalb Prags und vor allem bei den deutschen Kinos durch den„ Fachverband" an die betreffenden Lichtspieltheater. Kunst und Wissen Alle Gutscheine und Ermäßigungen des Abonmements laufen am 30. Juni 1932 ab. Bis dahin nicht benützte Scheine verlieren ihre Gültigkeit! Frauenorganisation Prag Dienstag, den 10. Mai, un 8 1hr abends, im Hotel Monopol( fleiner Saal) vis a vis Masarykbahnhof Biertes philharmonisches Konzert. Frauenabend Thema: Aus der Frühzeit der judeten deutschen Frauenbewegung. Vortragende: Genossin Anna Aster. Rommet alle mit Eueren Bekannten! Eine aberaus wirlfame Bropa ganda ist heute dem moder nen Geschäftsmann in der Anzeige In die hand gegeben. Ste wirft am meisten in Blät tern der organ. Arbeiter und arbeitet für thn, ohne daß er große das Auslagen bat und Wichtigste Erfolg bat fie immer! Nr. 110 Franzensbad 450 m ü. d. M., in ebener Lage, in herrlichen, ausgedehnten Parkanlagen. Das erste Moorbad der Welt. Hervorragendes Frauen- und Herzheilbad. Die stärksten Glaubersalzquellen( 17 g Natriumsulfat im Liter). 27 an Eisen und Kohlensäure reiche Mineralquellen. Hervorragende Heilerfolge bei allen Arten von Herz- u. Gefäßerkrankungen, Frauenleiden, Kinderlosigkeit, Blutkrankheiten, Nierenleiden und Krankheiten der Haruorgane, Gicht, Rheumatismus und chronischer Stuhlverstopfung, selbst in den schwersten Fällen. Erholungsort für geistig Ueberangestrengte. Empfehlenswerter Aufenthalt für Nervenkranke. Stärkungskuren für Kinder nach schweren Krankheiten, Regenerierungskuren. 1579 Aerztliche Broschüre und Prospekte versendet kostenfrei die Kurverwaltung Abt. W. Liliant Harvey, Wolf Albach- Retty und Rosa Valetti in einer Szene aus der Ufa- Tonfilm- Operette Zwei Herzen und ein Schlag"( Mujit: J. Gilbert). 115 Aus der Partei Jugendbewegung. G. J. 1. Prag. Sonntag, den 8. Mai, Wanderung nach Rev. nice. Treffpunkt hals 7 Uhr Endstation der 5erElektrischen in Hlubočepy. Instrumente mitbringen! Monatsprogramm: Mittwoch, den 11. Mai, Proletarischer Abend( Rezitationen, Schallplatten). Mittwoch, den 18. Mai, Diskussionsreihe ,, Unsere Gegnerim politischen Tagesfamp f": 1. Die Argumente der Natio alsozialisten". Referent Genosse Mag UIImann. Dieses letzte diesjährige philharmo nische Konzert des Prager deutschen Theaterorchesters bescherte neben zwei Uraufführungen moderner zeitgenössischer sinfonischer Tonschöpfungen auch erprobte Werke älterer Richtung. Das sinfonische Hauptwerk des Abends bildete Anton Brudners Dritte Sinfonie", jenes tondichterische Werk, das Richard Wagner Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Mongewidmet als das schönste Bekenntnis des großen Sonntag, 8 Uhr: Roulette"( 169- I). oberösterreichischen Sinfonikers zu seinem glühend tag, halb 8 Uhr: Don Giovanni"( 168- IV). verehrten Vorbild gilt, jene Sinfonie auch, in der--Dienstag, halb 8 Uhr: Morgen gehts uns Brudner formal und gedanklich mit das Klarste und gut"( 170- II). Mittwoch, halb 8 Uhr: a Gesundeste seiner Sinfoniemujit gegeben hat und Traviata"( 171- III).- Donnerstag, halb die namentlich im Schlußjazz ganz und gar Wagners 8 Uhr: put im Schloß"( 172- IV). Frei Einflüsse offenbart. Die solistische Nummer des tag, halb 8 Uhr: Madame l'Archiduc" Konzertes war Anton Dvořáks blühend- schönes,( 178-1). Samstag, halb 8 Uhr: Rigoletto" gedankenreiches und formvollendetes Konzert für( 174-11). Sonntag, halb 8 Uhr: put im Cello und Orchester in H- Moll. Einem ganz Schloß"( 175- III). Einem ganz Schloß"( 175- III). Montag, halb 8 Uhr: jungen, noch wenig bekannten italienischen Cel Morgen gehis uns gut"( 178- IV). listen hatte man es anvertraut: Amedeo Ba l- Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, dovino, der es mit beachtlicher technischer Fertig- halb 8 Uhr: Premiere: Morgen gehts uns feif, aber noch entwicklungsbedürftiger Ausdruds- gut".- Montag, halb 8 Uhr: Roulette" Mittwoch, den 25. Mai, Magim Gortiund Nüancierungskunst spielte. Die uraufgeführten( Bankbeamten I). Dienstag, 8 Uhr:„ Frau Mittwoch, Abend. Renheiten des Konzertes enttäuschten. Von Erwin Warrens Gewerbe"( Abonn.). Mittwoch, den 1. Juni, Monatsver Schulhoff hat man schon viel Besseres und Ori halb 8 11hr: Die Braut von Torozio" ginelleres gehört als das Festliche Vorspiel",( Bantbeamten II). Donnerstag, 8 Uhr: Stütammlung, anschließend Gruppen abend. das allzu dick instrumentiert ist, mit bescheidener Inzen der Gesellschaft"( Abonn.). Freitag, Alle diese Veranstaltungen finden in unserem vention unermüdlich Gradationen anstrebt, die 8 Uhr:„ Der Mann mit den grauen beim am Fügnerplat statt. unerfüllt bleiben, und das kaum dem Programm Schläfen"( Abonn.). Samstag, halb 8 Uhr: jeines Titels gerecht wird. Da wirkte die ,, leine 2: 2 unentschieden"; 10 Uhr NachtborstelSuite"( in Wirklichkeit ist es eine ausgewachsene lung: Kabarett ,, Raftan", Berlin. Sonngroße" Suite) von dem Südslawen Josef Man- tag, 8 Uhr: 2: 2 unentschieden"( Abonn.). die schon überzeugender. Borwiegend im Kammer- Montag, 8 Uhr: Roulette"( Abonn.). stii gehalten, gibt sie in fünf Säßen bildhafte Schilderungen, ist reich an Gedanken und Einfällen und bedient sich einer fesselnden und flangkultivierten Instrumentation. Beide uraufgeführten Neuheiten offenbar übrigens die Abkehr von der neuen Sachlichkeit in der Musit, in der allmählich die gefühls. betonte und ausdrucsbewußte Tonsprache wieder an die Stelle absoluter Klang- und Formkompleɣe tritt. Prof Georg Széll war dem Konzerte ein verläßlicher, sorgfältig differenzierender und rhyth misch erfahrener musikalischer Führer. Besonderer Dont gebührt ihm für die seltene Tat einer BrudnerGericht. 45 " 1 Mitteilungen aus dem Publikum. In Trauerfällen finden Sie, Gnädigste, jegliche Trauerkleidung( Kleider, Mäntel, Stostüme, Schöße), für jede auch die stärkste Figur, fertig auf Lager in der separaten Trauer- Abteilung der Firma Busch, Damen- und Mädchen- Kleidung en gros& en detail, Prag, Přitopy 27( Mitte des Grabens), nur 1. Stod, Eingang im Hauje. Telefon 246-17. Auch mittags geöffnet. 1572 Dienstag, den 17. Mai, im Verein deutscher Arbeiter, 3 usammenkunft aller Jugendgenossinnen! Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. S. J. II. Montag, 9. Mai, Mitgliederver sammlung. Tagesordnung: 1. Politische Lage, 2. Weitere Gruppenarbeit. In das Heim des tlassenbewußten Urbeiters gehört d. Zentralorgan. der Deutschen sozialdemokr. Arbeiterpartei „ Sozialdemokrat" Vierteljährlich Kč 18.15 Monatl. 6.45 Lest den ARBEITERFUNK Verlag der Neuen Gesellschaft, Berlin S 42, Alexandrinenstraße 37. Offizielles Organ des Freien RadioBundes d. Tschechoslowakei. DAS BLATT DER WERKTÄTIGEN BASTLER U. HORE Probeheft kostenlos vom Verlag der Neuen Gesellschaft G. m. b. H., Berlin S 42. Der Arbeiterfunk" kann durch die Post. durch die Ortsgruppen des Freien Radio- Bundes, alle Volksbuchhandlungen sowie direkt vom Verlag in Berlin S 42. Alexandrinenstraße 37, bezogen werden Böhmische Union- Bank ( VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK- VEREIN) Zentrale in Prag Aktienkapital Kč 200,000.000* Reservefonds Kč 201,550.000FILIALEN: Asch, Aussig, Bodenbach, Böhmisch- Budweis, Bratislava, Braunau i. B., Brünn. Brüx, Freiwaldau. Frýdek, Gablonz a. N., Graslitz, Hohenelbe, Iglau, Jägerndorf, Karlsbad, Königirhof a. E., Leitmeritz, Marienbad. Mähr.- Ostrau. Mähr.- Schönberg, Neu- Titschein. Olmütz. Pardubitz. Pilsen, Proẞnitz, Reichenberg. Rumburg. Saaz, Teplitz- Schönau. Trautenau. Troppau, Warnsdorf. Zwittau EXPOSITUREN: 1431 Prag- Lieben und Prag- Weinberge. Zucker- Abteilungen: Prag, Bratislava, Olmütz, Troppau. Verlangen Sie in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cle., PILSEN. SIND DIE ALLERBESTEN! was ihm über den Weg lief, den Bürgermeister Es war dies ein Orthoff gänzlich fremdes Res- Exposé über die Kosten einer solchen Zeitungs des Ortes, den politischen Beamten, den Orts- sort, vor demt er immer Achtung empfand, weil gründung vorgelegt werden. polizisten, den Führer der Arbeiterschaft, die es doch ein wenig Wissen und Bildung erforderte, Wenige Monate nach dieser Unterredung ers Witwen der Toten, den Lehrer des Ortes, den Elemente, vor denen Orthoff noch immer in schien die erste Nummer der Volksstimme". Drt Roman von Stefan Bollatschet. Pfarrer, den Offizier, der das militärische Auf- Hochachtung erstarb, weil er ihren Mangel bei hoff hatte einen Streis junger tüchtiger Leute un Es entstand allgemeine Empörung, und gebot kommandierte, den Totengräber, ja einfache jich selbst bitter empfand. Nun ereignete es sich, sich versammelt, doch legte er seltsamenweise auf streifende Arbeiter überfielen den Werkdiret- Soldaten. Dadurch gewann die ganze Katastro- daß eines der größten Industrieunternehmungen gute und gediegene Schulbildung seiner Redak tor in seinem Büro. Die Ortspolizei fühlte phe in der Wiedergabe an Lebendigkeit, und in eine üble Geschichte verwickelt wurde und seine teure großes Gewicht. Ein Doktor der Philosich zu schwach, requirierte Militär, das auch eigentlich hatten nur die Journalisten Einwände Attien an der Börse sprunghaft fielen. Alles logie, durchgebildeter Germanist, war sein Sefre alsbald erschien und, angeblich durch Stein zu erheben, nämlich die, daß hier statt schriftstel- bing davon ab, die Deffentlichkeit zu beruhigen. tär und in der Redaktion wurde sofort folportiert, Schilderung gemeine Handfertigkeit Der leitende Beamte ließ sich Journalisten fom- daß es schon eines ausgewachsenen Germanisten würfe provoziert, zu schießen begann. Mehr als lerischer Schilderung zwanzig Tote und Schwerverletzte blieben auf siegte, man gewöhne das Publikum an niedrige men, unter ihnen auch Orthoff, der von der Be- bedürfe, um die Fehler des Chefredakteurs aus Sem Platz. Kaum waren die ersten Nachrichten Stoft und schraube es auf ein tiefes Niveau, statt deutung der Aktion sofort durchdrungen war und den Manuskripten entfernen zu fönnen. Die über die Ereignisse in die Stadt gedrungen, als bemüht zu bleiben, es zu heben. Gerade diese die Erfüllung der an ihn gestellten Bitte nach neue Zeitung erregte auch in der Oeffentlichkeit man Orthoff auf den Tatort zum Zwede der Einwände waren es, die Orthoff zum Nachden- zukommen versprach. Der Direktor wollte sich sofort allgemeines Interesse. Es war etwas Spezialberichterstattung entsandte. Mit Umsicht fen über das Wesen der Zeitung veranlaßten. erkenntlich zeigen, indem er ihn mit einem grö- Neues für das Auge. Gegen die bisher ruhige und Eile erhob er die notwendigsten Daten, in- Das heißt: das Problem in seiner Tiefe inter- ßeren Geldgeschenk bedenken wollte. Orthoff Form der Zeitung, war hier alles marfi zwischen waren aber auch schon Berichterstatter effierté ihn gar nicht. Er empfand instinktiv, vies entrüstet ab, sehr zum Erstaunen seines schreierisch. Titel über die ganze Seite, die Ueberandrer Zeitungen eingetroffen. Orthoff stürzte daß die bisherigen Zeitungen in einer Manier Gesprächspartners, der eine derartige Weigerung schriften frech und laut, amüsante, luftige Blauund daß man dem Publikum vermutlich nicht erwartete. Er schlug ihm eine dereien, Bilder und Karikaturen unterbrachen den zum Telephon und belegte sofort den einzigen erstarrt waren, Sprechapparat. Kaum hatte er seinen Bericht etwas Neues bieten müsse, daß der, der zum etwas komplizierte Art der Bestechung vor, mText, kurz, der Leser jah etwas ungewohntes und abgegeben, als er seitenlang aus einem Reise- ersten Male etwas Neues örächte, auch den Er- dem er ihm riet, Aktien, die nun gewiß steigen taufte. Die Anerkennung, die das Blatt fand, war groß und nur die alten Journalisten waren roman, den er in der Tasche hatte, vorzulesen folg hätte. Orthoffs These stand fest: Keine ge- dürften, zu kaufen. Auf den Hinweis des Journalisten, daß er die einzigen Stritifer. Sie fanden die neue Zei begann. Der das Stenogramm aufnehmende bildete Zeitung, eine amüsante Zeitung will der Stollege glaubte. Orthoff sei plöglich überge Leser. Alles, vom Anfang bis zum Ende, muß hierzu fein Geld hätte, erklärte sich der Direktor tung unernst, gemein, ein Machwerk ungebildeter schnappt, aber der las Seite für Seite. Vor dem schön mundgerecht gemacht werden, alles wißig, in liebenswürdigster Weise bereit, den nötigen und bubenhafter Elemente, ein standalojes Wit Kasten standen verzweifelt die übrigen Bericht ein bißchen Frivolität schadet feineswegs, nur Betrag einstweilen vorzustrecken. Allein auch blatt, das den Namen Zeitung gar nicht verdiene. erstatter, aber Orthoff las, unbefümmert um Sensationen, lauter Rojinen im Kuchen. Unsere dies lehnte Orthoff energisch ab. Wenn Sie Aber das war, wie gesagt, bloß die Kritik einiger ihre Zurufe, unentwegt Seite für Seite aus dem Generation pfeift auf Ethit, und ich bin nicht da schon mit mir ein Geschäft machen wollen", sagte Fachleute, die breite Menge der Lejer urteilte Roman vor. Endlich, als er ausrechnete, daß die zu da, um Dienschen zu erziehen, wir wollen sie der Journalist, dann werde ich Ihnen eines anders und es erwies sich bald, daß die Zeitun erste Extraausgabe gedruckt und schon verteilt sein bergnügen, sie unterhalten: das ist der wahre vorschlagen, und zwar eines, an dem Sie ver- gen, die auch anders gehalten waren, dem neuen ntüsse, machte er Schluß und ließ seine verzwei- 3wed der Zeitung! So etwa waren die Gedan- dienen fönnen und noch dazu viel verdienen fön- Typus Konzessionen machen mußten und gar felten Kollegen zum Telephon. Dieser Streich fengänge Orthoffs, die er bald in die Tat um- nen." Und nun entwickelte Orthoff mit feurigen schnell erschienen neue Zeitungen, die die„ Bolts trug ihm soviel Lob ein, noch mehr aber die Art setzen sollte, und die ihn zu jenem reichen, ange- Worten seinen Blan von der Erneuerung der ftimme" noch übertrumpften, noch dicere Lettern feiner Berichterstattung über die Katastrophe. sehenen und einflußreichen Journalisten machten, Zeitungen. Der Industrielle hörte ruhig zu und hatten und noch ergötzlichere Intimitäten auf Während alle übrigen Journalisten nach der alten der er nun war. Zu jener Zeit vertrat er ein- erkannte die Möglichkeiten, die in diesem jungentischten. Keine dieser Zeitungen konnte aber die Methode der Schilderung vorgingen, schlug Ort mal den auf Urlaub befindlichen Kollegen, der Menschen beschlossen lagen. Er bestellte Orthoff Beliebtheit erlangen, welche die„ Bolfsstimme hoff ganz neue Wege ein. Er interviewte alles, I den volkswirtschaftlichen Teil der Zeitung leitete. I für die nächste Woche, bis dahin möge ihm ein genoß. Berantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strax f. Brag. Drud Rota.-. für Zeitung- unb Buchdrud, Prag. Für den Drud verantwortlich: Otto polit, Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Boft monatlich Ke 16.-, vierteljährlich Kö S.-Brag. Die Zeitungsmattenfrantatur wurde von der Boft- u. Zelegraphendirektion mit Erlag z. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Rudstellung von Manuskripten erfolgt nut bei Einsendung der Retourmarten, halbjährig Ko 96,-, ganzjährig Ka 192,-- Jajepate werden laut Tarif billight berechnet, Bei öfteren Einschaltungen Preisnaglaż. Herausgeber: Siegfried Taxb.befrebattext: Wilhelm teknet. 1 11