Nr. 61. Kdomrement«• Kedingungen: «bonnemnit»-Pret» pränumerando: «terteljShrl. 3L0 Mr., monatl. l.loMl.. «öchentltch LS Psg. frei in» Haut. «nzelne»tummer 6 Pfg.«onmagt. Stummer mit tlluftrtrier Sonntag». vetlage.Dt« Neue Welt» 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Marl pro Quartal. «tngetragen tn der Post- Zettung«. Prettltst« für lSVS unter Dr. 7SS0. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da» übrig» Autland 8 Marl pro Monat. Erschewt ltgltch«ufter«oni»«». 16. Iahrv. Devlinev VolksblAkt. Zentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Die Insertion»- Grbiihr beträgt für die sechSgefpaltene«olonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politisch« und gewerlschaftlich« Vereint- und Versammlung»-Anzeigen, sowie Arbeittmarlt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer muffen bi» 4 Uhr nachmittag» tn der Srpedt tion abgegeben werden. Die Slpedttion ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bi« SUHr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: vmt l, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: „Svlioldemokrat verlin". Redaktion: SW. 19, Beuth-Stratze 2. Sonntag, den 1£. März 1899. Expedition: SW.19, Beuth-StraKe 3 <£tiic Demonstration für den Frieden und gegen de« Zaren in London. London, den 9. März. Die große St. Jame»' Halle in Piccadillh war gestern bis auf den letzten Platz gefüllt, nicht von ihren gewöhnlichen Besuchern, sondern von Arbeitern und Sozialdemokraten aus allen Theilen Londons. Es galt, eine Friedensdemonstration der Srbeiterdemo- kratie den trügerischen Friedensbetheuerungen der Regierenden entgegenzusetzen, mit der Proklan, irung der Solidarität der Völker eine Kritik der vom Zaren inaugurirten Friedenskonferenz der Re- gierungen— dieser neuen.heiligen Allianz', wie Liebknecht sie nannte— zu verbinden. Dieser Zweck wurde in jeder Weise erreicht. Sie b k n e ch t, I a u r ö S und Vandervelde waren von der Sozialdemokratischen Föderation eingeladen worden, als Vertreter der deutschen, der französischen und der belgischen Sozial- oemokratle dem Meeting ihren Beistand zu leihen, und der jubelnde Gruß, der ihnen gemeinsam und später jedem Einzelnen zu theil wurde, der stürmische Beifall, mit dem ihre Reden aufgenommen wurden, bewiesen, wie dankbar ihnen die Theilnehmer der Versammlung für den Besuch waren. Liebknecht 'n fließendem Englisch. Jaurös und Vandervelde französisch, doch wurden ihre Reden vom Genossen Smith Headingley in wirkungsvoller Weise verdollmetscht. Von englischen Sozialisten sprachen H y n d m a n, der den Vorsitz führte, und Harry Queich für die Sozialdemokratische Föderation, Fred. r o ck l e h u r st für die Unabhängige Arbeiterpartei, Pete Curran an Stelle des verhinderten Will. Thorne für den Gasarbeiterbund, ü r V. n n' Nfl h q ro e Graham für die Sozialisten, die keiner der beiden größeren Gruppen angehören. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, sei bemerkt, daß der Empfang, der all diesen zu Theil wurde, an Herzlichkeit dem der Gäste nichts nachgab, und ebenso der Beifall, den ihre Ansprachen ernteten. Die Stimmung war durchweg eine enthusiastische. Alle Reden eingehend zu fkizziren. würde zu weit führen. Lte b? n t chp gab. neben enier scharfen, mit Epigrammen gewürzten .Kritik der zarische« AbrüstunzSutopie. ein am'�-"licheS Bild der Eitnation und Kämpfe der Sozialdemokratie in"-.eutschland gegen Militarismus und Kapitalismus, und verglich bannt die" formell leichtere, aber in der Sache schwierigere PosiNon der Sozialdemokratie in England. Der»Marschall Vorwärts der Sozialdemokratie", wie Hyndman ihn in seiner einleitenden Ansprache mit einem glücklichen Vergleich nannte— wie Blücher einst beim Anblick Londons aus- rief:»was für eine Stadt zum Plündern," so rufe Liebknecht aus: »was für eine Stadt zum Aufrütteln", erklärte zum Schluß unter stürmischem Beifall den englischen Sozialisten, daß die deutsche Sozialdemokratie, die mit dem Riesen Bismarck fertig geworden sei, auch mit den Zwergen werde fertig werden, sie aber— die Engländer— zeigten schon jetzt, daß das Wort Napoleons, der englische Soldat kennt keine Niederlage, auch von ihnen gelte. JauröS hob in seiner heutigen Rede die Einstimmigkeit hervor. mit der die englischen und französischen Sozialdemokraten bei den jüngsten Differenzen zwischen dem offiziellen England und Frankreich die Stimme für den Frieden iind den friedlichen Aus- gleich erhoben haben, wie sie in Frankreich sich bei Gelegenheit des Faschoda-HandelS nicht gescheut hätten zu erklären, es sei keine Demüthigung für eine Nation, zuzugestehen, daß in ihrem Namen Unrecht geschehen sei, und wüßten, daß bei anderer Gelegenheit, die englischen Arbeiter daS Gleiche thäte». Ein Krieg zwischen England und Frankreich, den demokratischen Großstaaten Europas, würde ein Verbrechen � an der Menschheit sein. Wie er auch ausginge, würde er nur den Autokraten und den sonstigen Mächten des Rückschritts zu gute kommen. Er schilderte dann in beredten Worten den Kampf, den die französische Sozial- demokratte� mit dem Militarismus und Klerikalismus zu führen hätte, erwähnte den Drehfus-Prozeß, bei dem es sich der Sozial- demokratte nicht um eine bestimmte Person, sondern um das Opfer eines verwerflichen Systems handele, und verglich die Zaren- Konferenz mit einem Bilde von Rembrandt, das er soeben in der Londoner Nationalgallerie gesehen: ein Greis, der sich an einem matten Feuer im Kamin zu wärmen suche, während daS geöffnete Fenster das frische Grün deS Frühlings an den Bäumen zeige. Der Greis, das sei der vom Zaren und seinen Kollegen vertretene Kapitalismus, der Frühling die Sozialdemokratie. Sie und nicht jener werde den Frieden bringen. Vandervelde entwickelte die von Liebknecht und Jaurös ge- äußerten Gedanken in ebenso kräftiger wie bilder- und gedanken- reicher Ansprache weiter. Ein flännsches Sprüchwort sage: wen man nicht kennt, den liebt man auch nicht. Das gelte auch für die Völker. So lange sie sich nicht kennen, bestehe auch keine wahre Freundschaft zwischen ihnen. Darum genügten die Demonstrationen und Resolutionen nicht. In ihren Organffationen müßten sich die Arbeiter immer enger aneinander schließen, in immer näheren und inttmeren Verkehr treten. Je mehr sie so zusammen arbeiteten, um so stärker werde das Band der Sympathie werden, das sie zusammenkette. Dafür hätten sie alle den gleichen Kampf zu führen. Der preußische Helm, von dem Liebknecht gesprochen, die Mütze des französischen Generalstabs, die Jaurss charakterisirt, und die Kappe des Priesters, sie dcckkten alle den gleichen Feind, den Kapitalismus, die Ausbeutung. Die Zarenkonferenz beurth»ile er nach dem fran- zösischen Sprichwort: Die Heuchelei ist der Tribut des Lasters an die Tugend. So sei in den nationalen Fahnen der meisten Nationen das Roth enthalten: in der deutschen Ncichsfahne, der französischen Trikolore, den, britischen»Union Jack", der belgischen Fahne. Die Sozialdemokratie werde die anderen, trennenden Farben immer uiehr zunickdrängen, bis nur noch das einige Roth der Freiheit und Völkerverbrüderung zum Siege führe. Von den englischen Rednern geißelte Hyndman insbesondere in zündenden Worten den landgierigen Imperialismus, der die bürgerlichen Klassen Englands beherrsche, CunninghameGraham in seiner sarkastischen Weise die Gewaltakte und Schlägereien, die in Afrika im Namen der Zivilisation verübt werden, B rocklehurst, der soeben in Südwest- Manchester als sozialistischer Parlaments- landidat aufgestellt worden ist, hob die ethische Seite der Arbetter- bewegung hervor, während Curran und Queich mit eindringenden Worten an die Arbeiter die folgende Resolutton begründeten, die unter stürmischen Hochs einstimmig angenommen wurde: »Die heutige Versammlung Londoner Bürger erklärt, daß die Solidarität und Brüderlichkeit der Arbeiter aller zivilisirten Länder auf der Grundlage des internationalen Sozialismus die einzige Hoffnung bauen, den Friedens der Völker bilden, und beschwört die werkthätigen Klassen allerorts, alle Voreingenommenheiten gegen- über ihren Kameraden in andern Ländern fallen zu lassen und sich zum kräftigen Angriff gegen ihre schlimmsten Feinde, die Grund besitzer und Kapitalisten daheim, zusammenzuschließen." Ztalikifche Mrbevfiözk. Berlin, den 11. März. Kolonial- und Bombenschwindel. Der Kolonialetat nahm am Sonnabend noch einen großen Theil der Sitzung des Reichstages in Anspruch. Bebel brachte gleich zu Beginn der Sitzung die Angelegenheit des Dr. Esser zur Sprache, der wegen seiner Verdienste um Wesl afrika Orden und ehrende Ansprache des Kaisers erhalten hatte. aber von anderer Seite als Plagiator und Charlatan entlarvt wurde. Herr Dr. B u ch k a mußte mittheilen, daß das Kolonial amt mit der Ordensdekorirung Esser's nichts zu thun hätte, daß es sich hier lediglich um eine Prärogative des Kaisers handele. Ein lebhaftes Scharmützel führte die südwest- afrikanische Frauenfrage herbei. Bebel kritisirte scharf den Dienst Vertrag, den die Kolonialgesellschaft deutschen Mädchen, die nach Süd- Westafrika gehen wollen, aufzwinge und der diese Mädchen in ein wahres Sklavenverhältniß bringe. Gra Arnim, der die Kolonialgesellschaft und ihren Vertrag zu vertheidigen gedachte, verdarb vollends die Sache seiner kolonial schwärmerischen Genossen. Da dem Herrn Grafen schließlich die sachlichen Argumente ausgingen, entrüstete er sich darüber. daß Bebel stets Skandalgeschichten vorzubringen suche, worau' ihm unser Redner erwiderte, die Kolonialenthusiasten sollten dafür sorgen, daß keine so skandalösen Dinge passircn. Und als gar Herr V. K a r d o r f f sich erlaubte, seinen Ueberdruß an Bebel'schen Reden kundzuthun, da wurde ihm— der einer der langweiligsten und geistlosesten Dauerredner des Hauses ist— allseittge Heiterkeit aus dem Hause als Antwort. Am Schluß des Kolonialetats steht Neu-Guinea. Indem jetzt das Reich diese Kolonie von der Neu-Guinea Gesellschaft übernimmt— natürlich gegen hohe Zahlung—, erfreuen sich nun alle unsere herrlichen Kolonien bedeutenden Reichszuschusses. Keine von ihnen kann aus eigenen Kräften bestehen. Stets wachsende Summen muß der deutsche Steuer zahler für das Vergnügen des„größeren Deutschlands" zahlen. Profit haben davon nur einige. Gesellschaften von Grofr kapitalisten. Und doch scheint die Regierung der Kolonialerwerbungen noch nicht genug zu haben. Denn als Abg. Richter — nachdem das Haus zur Berathung des Etats des Aus wältigen Amts übergegangen war— anfragt, ob der Ankauf der Karolinen-Jnseln oder anderer Inseln im Sttllen Ozean geplant war, gab Herr v. Bülow eine ausweichende und deshalb vielsagende Antwort. Uebrigens Herr v. Bülow war kurz vor dieser Karolinen-Episode noch nicht im Sitzungssaale. Das hatte einen besonderen Grund. Es wurde nämlich kurz zuvor eine kleine, Wohl abgekartete Komödie gespielt. Graf Stolberg beschwor die Regierung, dem Herrn von Englisch-Südafrika � Cecil Rhades— der soeben eine Audienz beim Kaiser hatte wegen Fortführung der großen süd-nord-afrikanischen Eisenbahn, keinesfalls entgegenzukommen. Herr Hasse und Herr Lieber— der dabei unnöthigerweise eine Aeußerung eines gänzlich bedeutungslosen Blattes breit behandelte— stimmten dem konservattven Grafen zu, und der Kolonial- direktor erklärte oder vielmehr las zusttmmend ab. die Regierung werde sicherlich bei den im Gange befindlichen Verhandlungen mit Cecil Rhodes die deutschen Interessen sorg fältig wahren. Diese nichtssagende Erklärung wird die Regierung nicht hindern, mit dem vor 3 Jahren mit tausend Flüchen ver- fluchten Ansttfter des Jameson- Einfalles doch Verträge abzu- schließen, die nicht ganz nach dem Geschmack der Hasse'schcn Alldeutschen und Anglophoben sind. Nunmehr konnte auch Herr v. Bülow auf der Bildfläche erscheinen! Nach einigen unwesentlichen Auseinandersetzungen kam es in vorgerückter Stunde noch infolge einer Anfrage R i ch t e r' s zu einer Regierungserklärung bezüglich des egyptischen Bombenschwindels. Ministerialdirektor Hellwig verlas den Bericht des deutschen Konsuls in Alexandria aus dem Sep- tember und Oktober v. I. Die Berichte zeigen, daß der Konsul die plumpe Spitzelgeschichte für baare Münze nahm, welche Thorheit dadurch nicht geringer wird, daß die hiesigen Regierungsstellen, die die Berichte empfingen, ebenfalls auf den faulen Zauber hineinfielen und das Leben des Kaisers gefährdet hielten, während thatsächlich ein schufttgcr Spitzel— der eine genaue Liste seiner„Mitverschwörer" sorgsam in der Tasche trug, damit die Polizei ja leichte Arbeit hat— den ganzen Unrath angerichtet hatte. Direktor Hellwig bestätigt. daß die Anklagekammer beim italienischen Konsulat in Alexandria abgelehnt hat, Klage wegen Verschwörung gegen dasLeben des Oberhaupts einer befreundeten Macht zu erheben. Es sollen noch einige Personen von dem Schwurgericht in Ancona wegen geheimer Ver- bindung und Verbreitung aufreizender Schriften angeklagt werden; desgleichen ein Individuum„wegen Simu- lation eines Verbrechens", d. h. wegen Bomben- Schwindel sl Noch vor Kurzem„konstatirte" Freiherr V. d. R e ck e im preußischen Abgeordnetenhause, daß der egypttfchen Bomben- Angelegenheit„ein sehr ernstes Faktum zu Grunde liege". Jetzt ist von der Reichsregierung zugestanden worden, daß das„ernste Faktum" Schwindel, nichts als Schwindel und sehr schlecht in Szene gesetzter Spittel-Tchwindel ist. Der Rest des Etats des Auswärttgen Amtes soll ar Montag behandelt werden. Dazu Antrag Rickert: Sicheru» des Wahlgeheimnisses ic.— Preußisches Abgeordnetenhaus. Im Abgeordnctenhnnse kam es bei der heute fortgesetzten Be- rathung des Kultusetats gelegentlich des Kapitels„altkatholische Geistliche und Kirchen" zu einem Zusammenstoß zwischen National- liberalen und Zentrum. Die Negierung hat die Position v~>' 48 000 M. auf 64 000 M. erhöht, die Kommission aber hat diese weigere. Das Zenttum müsse nachgeben, die Regierun iverde nicht nachgeben. Der Kaiser selbst habe e klärt, die Beschlüsse der Kommission seien nick ausreichend. Gebe das Zentrum nicht nach, finde su keine Mehrheit für die Regierungsvorlage, so werd es zn einer Auflösung des Reichstags kommen. Sehr e r n st ist das alles nicht zu nehmen. Man tt eine Pression auf das Zentrum ausüben, damit es, nachd es sich zu so reichlichen Bewilligungen bereit gefunden, ai den letzten Rest der großen Regierungsforderungen verschlu oder damit es wenigstens, wenn es nicht vor allem Volke t auf die Knochen blamirt dastehen will, eine erklecklic Zahl seiner Mitglieder bei der Abstimmung fehl lasse, so daß die Annahme der gesammten Vorla, doch noch erzielt werde. Ob diese Absicht geling» wird, ist nicht abzusehen. Zutrauen darf man dem Zentrum auch dieses. Daß die Regierung nicht ernstlich an eine Reichstags- auflöfung denken kann, ist offenbar. Wenn sie wegen des geringen Abstriches von ihren Forderungen, das die Budget- kommission gemacht hat, an die Wähler appelliren wird, so werden ihr die Wähler nur die eine Antwort geben, daß die Kommission schon viel zu viel bewilligt habe. Hinter den Parteien, welche den Beschluß der Budget- kommission herbeigeführt haben, steht eine noch weit größere Mehrheit des Volkes als ihre Mehr- heit im Reichstage beträgt. Es ist gänzlich ausgeschlossen. daß durch eine Neuwahl ein Reichstag zu stände käme, der noch bewilligungsbereiter wäre als der jetzige. Es wäre vor allem außer Zweifel, daß keiner Partei eine Reichstagsauflösung unter solchen Umständen gelegener ein würde als der Sozialdemokratie, die sicherlich bedeutend verstärkt zurückkehren würde. Das alles weiß die Regierung. Sie kann deshalb un« möglich jene Absichten haben, welche ihr die reakttonäre Presse zuschreibt. Die bedeutendste Folge dieses„Militärkonflikts" könnt' sein, daß der K r i e g s m i n ist e r von G o ß l e r ins Lukanus- Gras beißen muß. weil er. nach der militärischen Presse. in der Kommission nicht scharf genug dafür eingetteten sei, daß von den Regierungsforderungen auch nicht das geringste abgehandelt werden dürfe. Aber selbst diese Folge dürste nicht eintreten, wenn die Regierung durch das weite Ent- gegenkommen des Zentrums nicht glaubt, jede Rücksicht aus ine Sttmmung des Volkes aufgeben zu dürfen. Uns dünkt, der Preßlärm ist ein blinder Lärm. Bleibt das Zentrum bei den Beschlüssen der Budgetkomniission, bringt es seine IG) Mann am Dienstag in das Haus— so wird die Regierungsvorlage abgelehnt und die Regierung d sich Bcfliiügcu mit Ben Belvillignngen der Budgct- komuüssioii, die»mifasscnder sind als sie es selbst erwartet datte und vor allem weit umfassender sind als das deutsche Volk und insbesondere die Zentrnmswähler zu gewähren bereit Witten. I Läßt sich aber das Zentrum durch den Lärm der Rechten noch weiter einschüchtern, ist es nicht vollzählig auf dem Platze, gelänge es den Militärpartcieu kems phrase, die Re- gterungSvorlage durchzudrücken, so würde das eine neue schwere Belastung des Schuldkontos der Zentrumspartci bedeuten, welches wahrlich schon jetzt groß genug ist. Hätte das Zentrum nicht von den geforderten 23 000 ohne Roth 16000 Mann bewilligt, so würde die Regierungs- und Militär- Presse jetzt nicht wagen dürfen, auch daS, was die Kom- Mission abgestrichen, durchsetzen zu wollen.— Bofse's„groste Lüge". Der preußische Kultusminister hat am Donnerstag in der �andrathskanlmer nach dem Stenogramm sich wie folgt ge- äußert: »Ju dem, waS der Herr Llbg. Danzeiiberg über die Schul techmk gesagt hat, Ivar sehr viel Wahres, und ich stimme ihm darin ganz bei: mit der blotzen Schultechuil ohne richtige Erziehung, ohne den tiefsten Grund aller Erziehung, die Religion, ist uns gar nicht geholfen; das ist ein leeres Geklingel. fVrallo I uu Zentrum.), Darin sind wir ganz einverstanden. Die rechte Schnltcchnik mutz vor allen Dingen auf der religiöse» Erziehung der Jugend beruhen. In diesem Sinne, meiiie Herren— ich hoffe, daß darin der Herr Abgeordnete Danzeiiberg mit mir ciiiverstaiiden ist— ist der sozialdemokratische Satz: Religio» ist Privatsache— ckric grosse Lüge wiw Unwahrheit. Religio» ist Volkösache, im eminenteste» Sinne Bolköfache!(Bravo! im Zentrum und rechts.) Das ist die wahre Stellung der Religion. Diese Stclliiug muß sie auch m der Schule haben.(Bravo l rechts und im Zentrum), und ich werde mich bemühen, soweit es an mir ist, dahin zu wirken, daß ihr diese Stellung erhalten bleibt." Herr Bosse, der an Frömmigkeit selbst mit Herrn Paaschc zu Wetteifern sich getrauen darf, hat plötzlich in einer demo 'ratischcn Anwandlung von einer Volks fache gesprochen. lchade nur, daß man in diesem Zusammenhang keinen raffen klaren Sinn mit dem Ausdruck verbinden kann, daß aan mithin� auch nicht versteht, warum Herr Bosse„in diesem Sinne"— in welchem?— den Satz: Religion ist Privatsache, für eine große Lüge und Unwahrheit erklärt hat. In Wirklichkeit liegt die Frage so: Für Herrn Bosse war der Ausdruck Volkssache eine Zufluchtswendung der Ver- gcnheit. Der Gegensatz zur Religion als Privatsache ist .icht der verfassungsrechtlich unbestimmte Ausdruck Volks- ache, sondern Staats fache. Entweder erklärt man die tieligion zur Privatsache oder zur Staatssache: ein Drittes giebt es nicht. Das weiß auch der Kultusminister recht gut. Warum hat er nun nicht die Religion zur Staats fache erklärt? Aus dem einfachen Grunde, weil diese Anschauung dem pro- testantischen Prinzip der Gewissensfreiheit widerspricht. Die große Lüge und Unwahrheit", von der Herr Bosse spricht, die— prote st an tische Grnndanschaunng, die sich in rem innersten Wesen und ihrer reinen Auffassung mit der sialdemokratischeu Programmforderung deckt.— Also selbst das wüste Schimpfen auf die Sozialdemokratie in> dem von uns früher wiedergegebcnen Gnadcngewinsel hat dem Verband, der nun einmal im Verdachte der demagogischen Auf- Hetzimg steht, die so heiß ersehnte Hnld nicht eingetragen.— Für de» ReichstagS-Baumcister Wallot hat sich auch die als.Berliner Sezession" bekannte Künstlerve reinignng erklärt.— Hannoversches Rrbcitcr-Jdyll. Sowohl im Reichstage als auch im preußischen Landtage wurde unlängst die Forderung er- hoben, daß für„Rohheitsverbrechen" die bei unser» Junkern in so hohem Ansehen stehende Prügelstrafe wieder eingeführt werde. Einer Wicdercinsührnng derselben bedarf es aber gar nicht, es wird auch ohnedem mehr geprügelt, als man gewöhnlich annimmt. Vor einem preußischen Amtsgericht stand am Montag dieser Woche ein Termin an, der uns ahnen läßt, welcher Art die Zustände ans manchem Rittergnte sind. Anlaß zu der Anklage gab Ieutsches Reich. Endlich bestätigt am Sonnabend, wie wir zuverlässig erfahren, der Bürgermeister rschner, der sich nun Oberbürgermeister von Berlin .leimen darf. Die FrühlingSlnft hat alles, allcS gewendet, der Saft steigt in dein Stamm des Magistrats auf. und sein Wipfcltricb erschließt sich mm in seiner jungen knospenden Pracht, anstecht zur Sonne strebend. Das Wiutermärchc» von dem unbestätigten Oberbürgermeister ehört der öden Vergangenheit an, bedeckt von dem dicken Teppich .icS Geheimnisses. Niemand keimt den Grund des langen Zaudcrnö, niemand weiß, warum die Geduldprobe schon jetzt, nicht erst nach dreißig Jahren geendet hat. Aber das ist gerade das Schöne..Der gute Mensch mir kann geduldig sein, geduldig werdend, Wird '»gleich er gut", sagt der Dichter. So haben wir die Gewähr, nnen guten Oberbürgermeister erhalten zu haben. DaS liberale Äürgerthum aber hat, in köstlicher Unbewußtheit des rechten Weges wohl bewußt, einen herrlichen Sieg erföchte». Geduldig wartend hat ° eine» großen Erfolg erstritten, ohne»ach dem Warum und WeS- lb taktlos z» fragen. Wird min das Polizeipräsidium, nachdem Herr Kirschner be- ätigt worden, seinen Widerspruch gegen das Portal des Friedhofes :t Märzgefallenen zurücknehmen? Das müßte es billigerweise un. Sonst entstünde der Verdacht, Herr Kirschner sei nur deshalb tzt bestätigt worden, weil das Eingreifen des Polizeipräsidenten es ir den Bürgermeister ü b e r f l ü s s i g gemacht habe, den Portal- Beschluß rückgängig zu machen, wie es Lucanus einst gewünscht hat. Jedenfalls wird es die erste und wichtigste Aufgabe des neuen Oberbürgermeisters sein, niit aller Energie den Rechtsstreit wider die dem Gesetz widersprechende Baupolizeiverfügung zu führen, wie es auch keinen würdigeren Beginn des neuen Ämtes für Herrn Kirschner geben kann, als daß er am 18. März persönlich ans dem Friedhof der Märtyrer von Dentschlands Freiheit und Einheit den Kranz der Stadt Berlin niederlegt.— Ter schnelle und der langsame Staatsanwalt. Herr Qd. Stumm hat mit seiner Anzeige beim Staatsanwalt wegen der angeblich gestohlenen Briefe mehr Glück gehabt als der„Vorwärts" — wenn die Zeitungsnachricht von der Verhaftung zweier.Ver« dächtigen" richtig ist. Beim.Vorwärts" wurde vor mehr als Jahresfrist ein Einbruch, und zwar ein wirklicher, verübt, Pulte erbrochen. Geld gestohlen— im ersten Augenblick schien es sogar, als ob die Einbrecher auch Zigarren hätten mitgehen lassen; nachher stellte sich heraus, daß sie dieselben— vorsichtigcrweise vielleicht— hatten stehen lassen.— Anzeige wird sofort erstattet, ein hinterlassener Rest deS Diebshandwerks der Polizei übergeben Jahr und Tag ist darüber vergangen, der.Vorwärts" hat bis zur Stunde noch nicht einmal Nachricht darüber erhalten, ob die— wie wir annehmen— eifrigen Nachforschungen der Polizei lberhanpt ein Ergebniß hatten oder nicht. In Ungnade. Der Verband deutscher KrieaSveteranen, Zweig- verband Berlin, hatte in einer Eingabe an den Geheimen Kabinets- rath von LncannS um die Erlaubniß gebeten, dem Kaiser ein tiixemplar der bei der Kaiser Friedrich-Gedächtnißfeier des Verbandes im vorigen Jahre vom Prediger Dr. Rnnze ge- haltcnen Fcstprcdigt überreichen zu dürfen. Darauf ist folgender Bescheid eingelaufen: 1 „Aiif die an Se. Exzellenz den Herren Geheimen KabinetSrath, Wirklichen Geheimen Rath Dr. von LncannS, gerichtete und ressortmäßig an uns(den Kriegsminister) abgegebene Eingabe vom 18. Dezember v. I. erwidern wir Ihnen, daß ivir uns nicht ver- anlaßt sehen lvmien, seiner Majestät dem Kaiser und König die allerhöchste Annahme der anbei zurückfolgenden Festpredigt zu empfehlen." folgender Vorgang: Im Laufe des letzten Sommers, und zwar gleich nach der ReichstagSwahl, trat ein Giitsförster an seinen Guts- Herrn heran und machte ihm die Mittheilnng..daß in den letzten Jahren kein Knecht vom Hofe gegangen, der nicht vom Inspektor oder Verivalter braun und blau geschlagen sei. Der sich beleidigt fühlende Inspektor beschritt den Weg der Privatklage. Der Termin fand vor dem Amtsgericht in Gistwrn statt. 19 Zeugen. darunter der Gutsbesitzer, harrten der Vernehmung; aber es kam nicht dazu: das Amtsgericht sprach nach kurzer Ver haiidlimg den Beklagten k o st e n l o s frei. Dem Kläger wurden sämmrliche Kosten auferlegt, auch die dem Beklagten er wachsencu. Das Rittergut, auf dem die scheußlichen Prügeleien vor- gekommen sein sollen, liegt nicht etwa in Ostclbien. sondern in der Provinz Hannover und heißt: Ribbesbüttel. Besitzer desselben ist der Reichstags- Abgeordnete für den zehnten haimoverschen Wahlkreis(HildeSheim- Alfeld- Gronau), Freiherr von H o d e n b e r g.— Einen BiSmarck-Tag wollten die Studenten im akademischen Kalender haben..Der Tag der Sonnenwende, der 21. Juni, sollte als ewiger Gedenktag ans allen deutschen Ilnivcrsitätcn dem Kanzler geweiht sein. Der Plan der Heidelberger Studcntcnansschiisse br gegnet aber wenig Zustimmung,»nd so dürfte der Sankt Bismarck- Tag vorläufig kein nationaler Feiertag werden. Man sieht ans dem Vorfall, wie gedankenreich und tiefsinnig unsere gebildete Jugend ist. Sie vermag sogar neue Heilige zu erfinden.— McrklcnbnrgischcS. Das Vorgehen der behördlichen Organe gegen die Sozialdemokratie macht sich in immer ausgedehnterer Weise bemerkbar. Zu dem Verbot des AnStragcns der Druckschriften an Sonntagen und dem Verbot der Versammlung in Doberan, wo über„Wahrheit und Recht" gesprochen werden tollte, kommt jetzt, und zwar wiederholt, das Verbot einer öffentlichen Hasen arbcirer- Versammlung in W i S m a r. Die Tagesordiumg war:„Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation"; der Polizciscnator,«in Dr. König, sah die Vcrsainmlnng aber als solche zu politischen Ziv ecken an und ließ dieselbe auflösen, trotz der Tagesordnung, die an Deutlich keit nichts zu wünschen üvrig läßt. Diese Versanlnilungsanflösungen bekommen erst die nehtige Würdigung, wenn man sich ver- gcgcmvärtigt, daß ans den Wirth der„Hansa", woselbst auch fast alle gewerkschaftliehen Versaminlnngen abgehalten werden, die polizeiliche» Strafmandate nur so hcruntcrprasselii Die Art. die gewerkschaftliche Veivrgnng dermaßen zu Pchandeln, ist hier nicht neu. Ein Rechts mirtel hiergegen giebt es nicht I Der Beschwerdeweg an das Mimstedum steht allerdings offen. Beschwerden hatten aber, soweit bekannt, nur den Erfolg, daß das Ministerium wohl erklärte, die betr. Beamten hatte» kein Recht, die Ver sannnliuigansznlöscn, glaubten aber, ein solches zu haben, da sie die betr. Versammlung als„zu politischen Zwecken" angeschen haben. Spätere Bcrscmmrlimgen werden aber aufs neue anfgelöst. trotz aller„Rechts garantseil". Anklage gegen diejenigen, welche die angeblichen Ver sammlungen zu„politischen Zwecken" einberufen haben, wird jedoch »icht erhoben. Hohe Zeit wäre es, daß sich der Reichstag einmal um die mecklenburgischen Arbdieruerhältnisse kümmerte und dafür sorgte, daß auch die mecklenburgischen Arbeiter ihre gesetzlichen Rechte ausüben können.— Aus Hessen» 8. März.(Eig. Bcr.) Die am 13. d. Mls. zu- sanimcutrctcnde hessische z>v e i t e Kammer wird eine sehr reichhaltige Tagesordnung aufzuarbeiten haben, llnter den 108 Nummern vefilidcii sich auch eine Reihe sozialdemokratischer Anträge t unter Anderem liegt der schon früher von der zweiten Kammer angenommene. von der ersten Kammer aber abgelehnte Antrag ans Errichtung einer staatlichen Lungen-Heilanstalt, zur Nückäußernng vor. Hoffentlich beharrt die zweite Kammer auf ihrem früheren Beschluß. Außerdem kommen unsere Anträge betreffend Besserimg der Verhältnisse der SÄrcibgehilfen bei den Gerichten, der Stencraufseher und anderer Ulsterbeamten zur Bcrhandlnng. Die Kammer wird bis in die Ostcrwochc hinein tagen. Als größere Aufgabe svird nach Ostern zunächst die hessische S t eil c r'r es o rm zu erledigen sein. Die Berichte des Finanz niisschiisses liegen jetzt vor. Der Grlmdgcdanke der Reform, nebe» der allgemeinen progressiven Einkommensteuer, als einzige Ergänzungssteuer eine B c r m ö g e n s st e u e r einzuführen und dafür die(eitherigen Grund-. Gewerbe- und Kapitalremen Steuern wegfallen zu lassen, findet allgemeine Znsumniung. Die Mehrheit des Ausschusses ist auch für die Ein- führung einer Staatslotterie und die Verdoppelung der Hund est euer. Dagegen wird die Weinsteuer nur von zwei Mitgliedern befürwortet; die Mehrheit spricht sich scharf gegen dieselbe aus. Da die Regierung bis jetzt auf ihrem Standpiiiikt beharrt und bei Ablehnung der Weinsteuer mit Zurück- zichung der ganzen Stcuerreform-Vorlage droht, so wird es einen sehr heißen Kampf im Plenum geben. Inzwischen fordert in Rhein- Hessen die hochgradige Erregung, die durch das Weinstcner- Projekt hervorgerufen worden ist, ihre Opfer. Die Niersteiner haben ihren wciiiftellcrsreniidlichcn Bürgermeister nnd Landtags- Abgeordneten Wernhcr zur Nicdcrlegung seines Amts und Mandats kategorisch ans- gefordert, wie verlautet, wird er Folge leisten. Wahrscheinlich werden noch andere nationalliberale Abgeordnete dieses Schicksal theilcn. Das war kein staatSmännisches Projekt von der Darmstädter Regie- rrulg angesichts der kommenden LaiidtagSlvahlen. Das A us f ü h ru n g s g es e tz zum Bürgerlichen Gesetz- b u ch steckt noch in dem Gesetzgebiings-Ausschliß. Von sozialdenio- kratischcr Seite wird bei dieser Gelegenheit die Aufhebung der Fideikonr misse sowie die volle Anpassung der Gesinde- Ordnung an die Gcwerbe-Ordmmg beantragt.— Ehroutk der MajestatöbeletdignugS-Prozesse. Aus Frankfurt a. O. wird gemeldet: Vor der hiesigen Strafkammer wurde der Gärtner und Eigenthümer Carl G. von hier wegen Majestätsbeleidigniig. unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, zu 4 Monaten Gefängniß verurlheilt. Der Töpfer und Gyiniiastiker Vorwerk sollte im Januar in Mittweida(Sachsen) wegen Vergehen gegen die Gewerbe- Ordnung verhaftet werden. Ans dem Wege nach der Polizeiwache leistete er drei städtischen Schutzleuten gegenüber Widerstand, in der Arrestzelle zerriß er vorsätzlich einen der Stadtgemeinde gehörigen Strohsack nnd stieß eine Majestätsbeleidigniig ans. DaS C h e m- nitzer Landgericht verurtheilte ihn mSgesammt zu sieben Monaten Gefängniß.— Wegen Beleidigung des deutschen Kaisers hatte sich vor der L e i p z i g e r Strafkammer der Banhandwerker B e r g e r ans Lcisnig zu verantworten. Mit Rücksicht darauf, daß grobe Be- schimpflmgen des deutschen Kaisers in Frage kommen, wurde wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung die Oeffentlichkeit aus- geschlossen. Berger wurde zu einem �jahr Gefängniß ver- nrtheilt. Ans der Begründung des Urtheils war zu entnehmen, daß Berger am 21. Oktober v. I. in der Turnhalle zu Leisnig zu Gehör des Zeugen Sittinger zum Theil grobe Beschimpfungen gegen den Kaiser geäußert hat. Bei der Strafausmessung wurde die Gröblich- keit der Aeußerungen berücksichtigt und daß er trotz Zuredens zur Ruhe die Aeutzeningen wiederholt hat.— � Chronik der Gcwaltthatigkcitcn. (Vergleiche zum Dresdener Zuchthaus- KurS.) Wir meldeten kürzlich von dem Urtheil über einige E b e r Z» walder Forstakadeniiker, die nächtlicher Weile Polizei- sergcanten beschimpft, bedroht und gemißhandelt hatten. Die Herren wurden zu geringfügigen Geldbußen verurthcilt. Interessant ist die Urtheilsbegründimg i sie zeigt, wie milde bisweilen Richter über Erscheimingen denken, die in den.niederen" Schichten der Bevölke- rung als„zunehmende Rohheit der Jugend" deklarirt werden. Wir heben folgende Sätze hervor: Es handelt sich um einen Vorfall, der an und für sich ein harmloser Studentennlk ist, wie er in unserer fröhlichen Stadt jede Nacht passirt, der aber zu einer causs celfebre aufgebauscht ist, was er eigentlich nicht verdiente. Entstanden ist der Vorfall aus dem Zusammentreffen zweier verschiedener Gesellschafts- anschanungen und daraus, daß ein Wort immer das andere giebt. Es ist festgestellt, daß 6—8 fröhliche Akademiker sich wieder trafen, nachdem sie sich eben erst getrennt hatten. Es ist nicht gerade schön, aber erklärlich, daß da nun höllischer Nadau ge- macht wurde. Eine alte Erfahrung lehrt ja, daß die Nachtruhe der Mitbürger fröhlichen Zechern gar nicht heilig ist; das kommt auch bei anderen vor, bei Kaufmanns- lehrlingen, bei Handwerkslehrlingen u. f. w., und nicht blas bei der Jugend, sondern auch bei hohen Semestern. Ich möchte auch meine Ruhe haben und finde es nicht nett, wenn ich darin gestört werde; aber das liegt doch nun mal in der Natur der Sache. Nun kommen die Polizeibeamten dazu. Ter Herr Vcrtheidiger hat unrecht, wenn er sagt, die Beamten hätten ruhig sein sollen. ES war ihre Pflicht, einzuschreiten. Nim kann ja der Beamte seine Pflicht ausüben mit einer gewissen Milde und mit einer gewissen Energie. Es ist ohne Weiteres anzunehmen, daß sie bessere Erfahrungen gemacht haben werden mit der Energie, und eS ist auch nicht zu verlangen, daß Beamte, die ja einen schweren Berns haben, in jedem Falle sich an das Komplimentirbilch erinnern; es ist eine überflüssige Empfindlichkeit, wenn ihr Untcroffizicrston bei denen, die ihren gesellschaftlichen Gewohnheiten an dergleichen Tone nicht ge- wöhnt sind, Erregung hervorruft. Aber es liegt auch in der Natnr der Sache, daß ei» scharseS Wort ei» anderes scharfes Wort hervorruft, und so fliege» dann die Titnlatnrc» nnd oppositienellc» Redensarten hin und her. Der Titel.Nacht- rath" an sich enthält zwar keine Beleidigung; diese liegt m.�t in dem Titel, sondern sin dem höhnischen und verletzenden Ton. Der Herr v. Hnene wollte vor dem Polizeibureau seine Konlmilitoncn nicht im Stiche lassen— an und für sich eine sehr ehren werthe Regung. Er ver- hinderte das Aufschließen der Thür und schlug auf Preuße ein. Hätte er.hinterrücks" geschlagen, so wäre das besser für ihn ge- Wesen, dann war es eine einfache Körperverletzung. Nach Preuße' s Darstellung hat er ihn aber an der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes hindern wollen. Preuße schob ihn— mit Recht— von der Thür zurück, v. Huene wurde dadurch sehr gereizt, denn in seinen Kreisen ist eS Sitte, daß eine körperliche grobe Berührung nicht ohne Weiteres geduldet wird. Aus diesem Gefühl, das aus gesellschaft- lichen Gewohnheiten entsteht und immerhin mildernd in Betracht gezogen werden mutz, schlägt er ans den Beamten loS. Die Körperverletzung wird nicht als in idealer Konkurrenz mit dem Widerstand angesehen werden können, sie käust nebenher- v. Huene soll dann gesagt haben:„Ich spalte Ihne« de« Schädel!" Nun ist daS mit solcher„Bedrohung mit Tod- schlag" eine eigenthümliche Sache, gethan hätte er eS jede». falls nicht; es ist eine leere Redensart, die nicht ernst ge» uoinmei' wert, konnte. Das Benehmen v. Huene'S auf dem Bureau ist nur strafbar, wenn er in dem Bewußtsein gewesen ist oder doch hätte sein müssen, daß er verhaftet sei. Hielt er sich nicht für verhaftet, so brauchte er sich seine Sachen auch nicht abnehmen zu laffen. Preuße und Unkrodt haben es zwar beschworen, daß von Hnene ver- haftet worden sei. Ein bewußtes Lügen aber würde in den Kreisen der Angeklagten auch nicht für„fair«(ehrenhast) gelten, und der gesammte Genchtshof ist überzeugt, sie würden eS gesagt haben. Deshalb muß eS zweifelhaft erscheinen, ob v. Huene sich der Verhaftung bewußt geworden ist. Bei der Abmessung der Strafe war sich das Gericht wohl be- ivnsst, daß aus Widerstand gegen die Staatsgewalt in erster Linie Gefängnis) steht. Diese Strafe würde aber in der Thai eine» Menschen, der in der Beamten- lgufbahn steht, übermäßig hart treffen. Als mildernd ist auch zu berücksichtigen das Vorgehen der Beamten, das die Herren bei ihren Lcbenögewohnheiten nothwendig erregen nnd zum Widerstande reizen mußte. Man kann nicht dasselbe Strafmaß auf den einen wie auf den andern Menschen anwenden; es muß eine Strafe gewählt werden, die der Sache auch angemessen ist. Der Beamte mutz doch das Gefühl gehalst haben, daß er etwa« zu scharf vor« gegangen sei. Das Gericht ist in seiner ganzen Zusammensetzung der lleberzeugung. daß eS sich um einen bedauerlichen Konflikt handelt, der die Publizität, die er erlangt hat, garnicht verdient. Leider ist durch das Temperament deS einen Angeklagten die Sache so weit gekommen, sonst wäre sie nicht der Rede Werth gewesen. »» * Vor der Marbnrger Strafkammer hatten sich am Dienstag wegen Beleidigling, Bedrohung und Körperverletznng der Landivirth Wiederhold und der Schneidergeselle R e y d t zu verantworten. Sie hatten am Abend des 31. Dezember v. I. beim gemeinsamen Heimweg einen Konflikt mit dem Förster Jehnigen. Im Laufe des Gesprächs kam Rcydt— wir folgen einem Bericht der„Hessischen LandcSzeitung"— auf den Vorgänger deS Försters zu sprechen, wobei er meinte, der frühere Förster sei ein guter Mann gewesen, besser als Jehnigen. Dieser zeige die Leute viel an und bringe sie ums Geld. Der Förster erwiderte, diese Redens- arten gehörten nicht hierher. Nun schritt Rehdt fortwährend zankend neben dem Förster einher, sagte auch zu diesem, wenn er(Jehnigen) in Westfalen wäre, wäre er schon längst todtgcschlagen worden, er sei einer von den faulen Beamten. ftir deren Existenz andere Leute die Steuern bezahlen müßten; eS werde ihm ergehen, tvie der Kaiserin von Oesterreich. Hierauf erividerte der Förster: „Ach so. von der Sorte sind Sie einer? Pfui!" Der Förster wollte mm zurückbleiben, um allein zu gehen, Ivoranf ihm Reydt drohte: „Sie bleiben hier, sonst schlag' ich Sie auf der Stelle iodt." Als nun der Förster sich bemühte, von Rcydt fortzukommen, zerrte ihn dieser immer wieder herbei, sehnigen machte nun den Versuch, ins Feld zu entweichen. Allein Rcydt lief hinter ihm her und zerrte ihn wieder auf den Weg, wobei er dem Förster drohte: wenn er nicht mitginge, würde er todtgcschlagen. Wieder- hold rief dazwischen:„Ja der Schweinehund geht auch nicht in unsere Kirche." Nun kamen sie in den Wald. Hier „stlimpirten" sich der Schneider und der Förster in einem fort, wobei Erstcrer den Letzteren in eine neben dem Wege befindliche Schonung ließ. Hier nun nahm der Förster Stellung und befahl dem Reydi, ans der Schonung zu bleiben. Der aber kehrte sich nicht daran und versetzte dem Förster, wahrscheinlich mit einem TodtschlLger. mehrere Schläge, so daß er zusammenstürzte. Als er sich wieder aufraffte, war inzwischen Wiederhold hinzugetreten und versetzte mit den Motten:„Der Hund lebt ja noch" dem Förster gleichfalls mehrere Schläge. Dann hoben Reydt und Wieder- Sold den Förster hoch und bearbeiteten ihm mit de» Fäusten den unteren Thcil des Rückens, nachher noch traten sie ihn. Als sie ihn losliehen, verkroch sich der Förster ins Gebüsch. Neydt und Wiederhold kehrten später nochmals zurück, fanden den Förster aber nicht mehr. In der Strafkammer behauptet Nehdt, der Förster habe fort- während krakehlt, darüber seien sie anemander gerathen. Das Ur- theil des Gerichts lautet gegen Wiederholt auf 4 Monate zwei Wochen Gefängnih, wovon 3 Wochen Untersuchungshaft abgehen,— gegen Reydt auf 9 Monate Gefängnih, gleichfalls unter der An- rechnung von 3 Wochen Untersuchungshaft. Prozeh Zeglin. Am Freitag und Sonnabend spielte sich vor dem hiesigen Schwurgericht ein Prozeh ab, der berufen schien eine gröhere Be- deutung zu erlangen, weil in ihm die gewerkschaftlichen Kämpfe den Hintergrund bildeten. Mühsam war von der Anklagebehörde nach längerer Zeit— die zu Grunde liegenden Vorfälle spielten sich am 5. und 6. Oktober 1897 ab— das Material zusammengetragen. Aber sehr bald ergab die Verhandlung die UnHaltbarkeit der Anklage, da von den acht Maurern, die auf der Anklagebank sahen, nicht ein einziger mit Bestimmtheit als Theilnehmer der Exzesse— denn so bezeichnete die Anklage das Vergehen— bezeichnet werden konnte. Die Freisprechung sämmtlicher Angeklagten muhte deshalb erfolgen. Die Vorgänge, die in der Verhandlung zur Sprache kamen, konnten aber auch, vielleicht nur mit Ausnahme eines einzigen, keinesfalls als Landfriedensbruch angesehen werden. Zur Zeit, als die Vorgänge sich abspielten, waren am Kurfürsten- danim in der Gegend der Uhlandstrahe 11—12 Bauten in Arbeit. Das Eindringen der Akkordmaurer und die plötzliche Ent- lassung von 48 Lohnmaurern hatte unter den Bauarbeitern eine starke Erregung hervorgerufen. Man besprach die Vorgänge auf dem Wege zur Arbeit, blieb vor dem Bau stehen, um den Anmarsch der Akkordniaurer, die in geschlossenen Trupps von einem Agenten geführt ankamen, zu beobachten und hierbei kam es zu gegen- seitigen Schimpfereien. Diese Reibereien setzten sich am Mittag des 5. Ottober fort, wobei ein Arbeiter einen Schlag ins Genick erhielt. Den Dingen �atte jedoch niemand Bedeutung beigemessen, auch die Polizei nicht. Leider hat sich dann am nächsten Tage ein schlimmerer Konflikt abgespielt, da eine Anzahl Maurer in den Bau eindrangen, auf dem die Akkordmaurer beschäftigt waren. Hier kam eS auch zu einigen Gewaltthättgkeiten, verletzt wurde aller- dings niemand. Bedauerlich sind solche Vorgänge in höchstem Mahe, sie sind nur geeignet, die Arbeiterbewegung auf das Sckiwerste zu schädigen, da solche Ausschreitungen von den Arbeiterfeinden zu politischen Zwecken ausgenützt werden. Die Verhandlung selbst hat aber auch ergeben, dah die Organi« sation der Maurer, die Lohnkommission, wiederholt zur Ruhe ge- mahnt hat und alles unternahm, was in ihren Kräften stand, um den Konflikt zu einem friedlichen Ausgleich zu bringen. Insofern zeigt der Prozeh. wie nothwendig es ist, die freie Koalitton der Arbeiter zu sichern, damit sie selbst in ihren Kreisen die nöthige Manneszucht üben können und die ungeschliffenen Elemente zum besonnenen Handeln anhalten. Aufklärung und Schulung der Arbeiter wird die Wiederholung solcher Vorgänge vermeiden, während Be- drückung der organisatorischen Bestrebungen sie mit Nothwendigkeit herbeiführen muh. Ausland. Oesterreich-Uugarn. Budapest, 11. März. Da» Magnatenhaus nahm die Jndemnitätsvorlage und die Gesetzesvorlage betr. das Rekruten- kontingent für 1399 an— Frankreich. Estcrhazh'S Enthüllungen beginnen allmälig ihre Wirksam- keit. Dem„Gaulois" zufolge ist auch General Gonse ent- schloffen, den KriegSmmister Frehcinet zu ersuchen, über sein Verhalten in der Esterhazy-Angelegenheft eine Untersuchung einzuleiten. UebrigenS soll die zweifelhaste Persönlichkeit Ester- h a z y' S jetzt näher aufs Korn genommen werden. Der von der ungarischen Familie Esterhazy gegen den Major Esterhazy wegen unberechtigter Führung des Namens und Wappens der Fa- milie Esterhazy angestrengte Prozeh soll einer Meldung des„Matin' zufolge demnächst vor dem Pariser Zivilgericht zur Verhandlung kommen.— GlaSsPlitter in Picquart's Gefängnihkoft? Man erinnert sich noch � der sensationellen Umstände, unter denen der Oberst Henry im Gefängnih umS Leben kam. Esterhazy behauptet ja jetzt, er sei ermordet worden. Da muh die Nachricht höchstes Beftemden erregen, dah der eingekerkerte Major P i c q u a r t Glassplitter in der Gefängnihkoft gefunden hat. Sein Vetter veröffentlicht in Pariser Blättern folgendes: „Im Gefängnih Cherche-Midi sei Picquart streng nach den Vor- schriften, aber durchaus korrekt behandelt worden. Im Gefängnih La Santo dagegen habe er mitten zwischen Mördern und schweren Verbrechern eine Zelle innegehabt, die sich in nichts von den Ge- lassen jener Uebelthäter unterschied; die Möbel bestanden aus einem Bett mit Strohsack, einem Tisch und einem angeketteten Stuhl. Die Nahrung, die von drauhen beschafft wurde, sei schlechter gewesen als in Cherche-Midi. Eines Mittags, ein paar Tage nachdem Tode Henry'S, habe er einen Eierkuchen erhalten, in dem er eine ganze Anzahl Glassplitter fand. Nachdem man ihm versprochen, die Speisen anderwärts zubereiten zu lassen, habe er über den Vorfall geschwiegen, und auch er, der Better Picquart's, habe davon zuerst von anderer Seite erfahren, aber Picquart habe ihm die Thatsache bestättgt. Da Picquart demnächst in dre Santö zurück- gebracht werde, habe er eine Audienz beim Ministerpräsidenten nachgesucht, um ihm den Zwischenfall mitzutheilen: HerrDupuy habe ihn jedoch nicht empfangen, und deshalb übergebe er die Sache der Oeffentlichkeit. Man darf gespannt sein, was Herr Dupnh nun sagen wird. Die Servirung von Glassplittern zur Zeil der Rasirmesser-Affäre macht sich jedenfalls sehr eigenthümlich. England. Die Opfer de» eghptischcn Fcldzugcs. Der KriegS-Kor- respondent des„Daily Telegraph" meldet aus Kairo, dah in der anglo-cghptischen Annee seit der Schlacht bei Omdurman durch Krankheit oder Todesfall über 6000 Mann gedrillter Soldaten kampfunfähig geworden seien und durch Rekruten haben ersetzt werden müssen.—' Italien. Ter Handel, de» Italien mit China jetzt glaubt ausfcchten zu muffen, gewinnt nach und nach einen Stich ins L ä ch e r- l i ch e. Wie aus Peking gemeldet wird, sandte das Tsung-Ii-Damen am Freitag eine halbamtliche Note an den italienischen Gesandten de Martino, m welcher cS heiht, ivenn Martina die Zurückfendung seiner Note als eine Beleidigung ansehe, so bedaure das Tsung-li-Iamen dieselbe. Man habe nichts der Art im Sinne gehabt; viel- mehr habe man die einfache Zurückfendung der Note für die freundschaftlichste Art gehalten, um eine Abgeneigtheit, den italienischen Forderungen zu entsprechen, darzuthun. Nun kommt aber das neue chinesische Verbrechen. In dem Bericht heiht es nämlich weiter: Dieie Note werde als eine Erschwerung der vorher- gegangenen Verletzung des diplomatischen Brauches angesehen, da sie in einem r o th e n C o u v e r t übersandt wurde, deffen man sich nur bei unwichtigen Depeschen bedient. Wie es heiht, habe das Tsung-li-Damen den chinesischen Gesandten in London beaustragt, sich nach Rom zu begeben, um wegen der behaupteten Beleidigung dort zu verhandeln, aber derselbe sei ohne jede Vollmacht, um über die italienischen Forderungen selbst zu verhandeln, da die chin-lische Regierung es durchaus ablehne, denselben nachzukommen. Martino habe noch keine iveiteren Verhaltungsmahregeln erhalten. Mit China muh es wirklich weit gekommen sein, wenn eS sich von einem Mächtchen wie Italien wegen einer so gleichgilttgen Sache wie der Benutzung eines falschen Kouverts chikanieren lassen muh. In der Sache selbst ist ja freilich zu Gunsten Italiens noch nicht entschieden. Und dazu kommt, dah das Unternehmen in Italien selbst keineswegs auf Volkssympathie stößt. Die.Voss. Ztg." erhält aus Rom das folgende Stimmungsbild: Rom, 11. Marz. Die äuherst geringe Begeisterung, womit die chinesische Unternehmung im Lande aufgenommen worden ist, ver- wandelt sich schon in Unbehagen angesichts der aufgetauchten Schwierigkeiten, der drohenden Kosten und der kühleren Haltung Englands. Die Warnung vor übermähigem Vertrauen in die eng- lische Unterstützung findet lebhaftes Echo in den Abgeordnetenkreisen, wo man die vorgestrigen Erklärungen Brodricks als Zeichen einer Sinnesänderung des englischen Kabinets oder Beweis für unbe- gründete Hoffnungen der Consnlta ansieht.— Spanien. Madrid, 11. März. Der„Jmparcial" veröffentlicht ErNärungen S a g a st a' s, in welchen er mittheilt, dah er die Regierung nur bekämpfen werde, wenn aus ihrer Handlungsweise' hervorgehe, dah sie eine reaktionäre Politik verfolge. Sagasta hegt keine Besorgnih hinsichtlich eines etwaigen Aufstandes der Karlisten, weil diese nicht stark genug seien.— Asien. NnfflandS Vormarsch in daS englische Gehege. Kaum ist der russisch-englische Streitfall wegen der chinesischen Nordbahn bei- gelegt, so taucht auch schon wieder eine neue Schwierigkeit auf, nämlich die P a m i r f r a g e. Wie Londoner Blättern aus Allahabad gemeldet wird, sind dort über Gilgit in Kaschmir Nachrichten aus Aarkand(Chinesisch- Osttnrkestan) eingettoffen, die be- sagen,. im Fort Murghabi im Thale Sares- Pamir sei eine starke russische Truppenmacht eingetroffen, die beabsichttge. das Sarykol-Gebirge(zwischen Pamir und Kaschgar) zu besetzen. Die Vermuthnng liegt nahe, dah Ruhland den Augenblick für gekommen erackitet, von seinem, durch daS Pamir-Abkommen mit England von 1895 festgestellten Rechte, seine Herrschaft in südlicher Richtung bis zum Sarykol-Gebirge vor- zuschieben, Gebrauch zu machen. Gegen dieses Vorgehen ist vielleicht keine Einwendung zu erheben. Allein den Engländern wird bei dem Gedanken, dah die russischen Vorposten fortan nur noch einen Tagesmarsch weit von der Grenze Tsöbitrals und dem nördlichsten Punkt de? britischen Einfluhgebiets stehen werden, doch etwas unheimlich zu Mnthe.— Amerika. Die Amerikaner drängen zum Kriege auf den P h i l i p- p i n e n. Dem„New-Dork Journal wird aus Washington telegraphirt: General Otis räth in einer telegraphischen Meldung bezüglich der Lage auf den Philippinen von allen weiteren Unterhandlungen mit den Aufständischen abzusehen und einen kräftigen dauernden Angriffsfeldzug zu beginnen, bis die Insel Lnzon vollständig unterworfen sei. Ancki in den übrigen Inseln müsse in ähnlicher Weise vorgegangen werden. Es ist ja so leicht für eine große, reiche Nation, ein paar kleine Inseln zu erobern! Also einen kräftigen, dauernden An- griffs-Feldzug gegen die Inselbewohner, die den Amerikanern nicht das Geringste'gcthan haben. Es kostet ja auch nichts weiter wie ein paar tausend Menschenleben,— wie sich aus der folgenden Drahtmeldung ergiebt: Washington, 10. März. Nach einem Bericht des General- adjutanten ist der Gesammtverlust der Amerikaner ans Kuba, Portorico und den Philippinen vom 6. Mai 1893 bis 18. Febniar d. I. folgender: In den Kämpfen gefallen sind 329, ihren Wunden erlagen 125, infolge Krankheiten ge starben 3277 Man,». Die ksz Heinze-Kominission ist gestern gewählt. Die sozial- demokratische Frattron ist durch Bebel, Singer und Stadthagen ver- treten. Den Vorsitz hat der Abg. Stephan(Z.), Vorsitzender Stell- Vertreter ist Bebel, Schriftführer Hiebler(natl.), Bargmann(fts. Vp.) Feuerbestattung. Zur Bcrathung des Kultus-Etats haben im Hause der Abgeordneten die Abgg. Dr. Langerhans und Dr. Barth (Kiell beantragt: die königliche Staatsregierung zu ersuchen, die zur Einführung der fakultativen Feuerbestattung in Preußen erforderlichen gesetzgeberischen Matzregeln zu treffen. Prozeß Zeglin und Genossen. (Zweiter Sitzungstag.) Um 10 Uhr Vormittags wird die Verhandlung am Sonnabend durch den Vorsitzenden Landgerichtsrath Weber wieder eröffnet. Vor Eintritt in die Verhandlungen beklagt sich der Borsitzende des Vereins der arbeitswilligen Maurer, L a u b s ch, über die Art, wie er in dem Bericht des„Vorwärts" mitgenomnien worden sei, er sei gewissermaßen als Denunziant hingestellt worden. Der Vorsitzende lveist den Interpellanten mit der Bemerkung zurück, daß ihn die Veröffentlichungen der Presse nichts angehen.(Die Aus- sage des Laubsch ist ganz genau wiedergegeben, gerade unter spezieller Berücksichtigung der Wichtigkeit der Aussage.) Den Ge- scknvorenen werden einschließlich der HilfSftagen 35 Schuldfragen vorgelegt, die in verschiedene Gruppen zerfallen. Bei allen An- geklagten ist die Frage wegen einfachen Landfriedens- b r u ch s und wegen Nöthigung bezüglich dcS 5, Oktober Morgens gestellt. Bei einzelnen Angeklagten, die am 8. Oktober Mittags be- thciligt sein sollen, auf schweren Landfriedensbruch, dann auf gemeinschaftliche Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges, und dann bei allen Angeklagten ie Frage nach mildernden Umständen. Die Vertheidignng stellt hierzu uoch einzelne Unterfragen, welche vom Vorsitzenden»n den Fragebogen ausgenommen werden. Nunmehr begannen die PlaidoherS. Staatsanwalt Assessor Knorr führte aus: Die gestrige sehr umfangreiche Beweisaufnahme hat er« geben, daß zwei grobe Verstöße gegen die öffentliche Ordnung statt- gefunden haben, am 5. Ottober früh und Mittags, am 3. Oktober Mittags. Beide Verstöße hätten unter Umständen verhindert werden können, wenn rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen gettoffen worden wären. Der Polier Gebauer wußte, daß es zum Krawall komnien würde, er hätte sich rechtzeitig an die Polizei wenden sollen. ES ist nun ll der nicht gelungen, alle Schuldigen festzustellen, nur eine Anza. von Exzedentcn konnten unter den größten Schwierigkeiten er ittelt werden. Und welche? war die Ursache der Tumulte? Der Maurermeister Streckenbach verlangte von den Maurern, daß sie mehr arbeiten sollten, weil er sonst wirthschaftlich zu Grunde gehe. Er entließ die Leute und nahm andere an, von denen er hoffen durste, daß sie mehr leisten würden. Als die neuen Arbeiter ihre Arbeit beginnen wollten, wurden sie von den Entlassenen, zu denen sich viele andere gesellten, daran verhindert. Es kam zum Krawall, der sich als Zusammenrottung einer Menschenmenge, welche sich vereinigte, um Gewaltthätig- leiten gegen Personen auszuüben, im Sinne des Gesetzes charatterisirt. Die Anklage ist vollständig erwiesen, mit Ausnahme eines Falles, der den Angeklagten Zeglin und dessen Theilnahme am 6. Oktober Morgens betrifft. Wenn ich auch innerlich davon überzeugt bin, daß er trotz alle- dem auch in diesem Falle dabei gewesen ist, so ist es doch nicht er- wiesen. Der öffentliche Ankläger geht nnn ans alle die Momente ein. die den einzelnen Angeklagten zur Last zu legen find. Zum Schluß erklärt derselbe, daß F ritsch der intellektuelle Leiter des Ganzen war. Im Uebrigen liege LandfriedenSbruch bei allen An« geklagten vor, und wenn nicht dieser, so doch das Delikt der Nöthi- gung. Die Körperverletzung sei schon nn Landfriedeusbruch ent- halten. Er beantrage demgemäß das Schuldig und bitte um Aus« schluß mildernder Unistäude, weil die That eine schwere und gemein« gefährliche war. Von der Vertheidigung ergreift zunächst das Wort Rechtsanwalt Dr. Herzfeld: Meine Herren Geschworenen! Die Angeklagten, welche am schwersten belastet waren, befanden sich längere Zeit in Untersuchungshaft, sie wurden in der vorigen Schwurgerichtsperiode entlassen, obwohl auf die denselben zur Last gelegte That Zucht- hausstrafe steht. Daraus läßt sich ersehen, wie der frühere Schwur-! gerichtshof über die ganze Sache geurtheilt hat. Die Geschworenen dürfen nur das berücksichtigen, was erwiesen ist, der Staatsanwalt hat aber vieles als erwiesen bezeichnet, was nur in den Akten steht, und wovon keine Spur erwiesen ist. Auch die Verletzungen, die einzelne erlitten haben, waren sehr geringe, sie beschränkten sich auf einige Schrammen im Gesicht und kleine Kontusionen. Das ist doch nun in aller Welt kein Landfriedensbruch uud mildernde Umstände würden den Angeklagten im Falle eines Schuldspruchs unter allen Umständen zugebilligt iverden müssen. Es ftagt sich nun, liegt denn überhaupt ein Land- friedensbruch vor? Dieses Delikt setzt' eine Planmäßigkeit voraus. Nun hat aber der Zeuge Streckenbach selbst erklärt, die ganze Geschichte wäre nicht passirt, wenn die Akkordarbeiter nicht vor sieben Uhr ge- kommen wären, dann wären die anderen Arbeiter sämmtlich auf ihren Bauten gewesen. Die Leute befanden sich nur noch vor den Bauplätzen auf den Straßen, weil die Arbeit noch nicht be- gönnen hatte. Polier Gebauer sagt, er habe von dem Vorfall draußen nichts gesehen, aber er habe wahrgenommen, wie die Leute auf den Bau kamen, das waren aber nicht seine jetzt entlassenen Maurer, sondern fremde, von den anderen zwölf Nebenbauten zusammengelaufene fremde Maurer. Das läßt doch nicht auf ein planmäßiges Vorgehen schließen. Auf dem Johnke'schen Bau wurden die' Arbeiter am Sonnabend entlassen, es befinden sich aus der Anklagebank auch solche, welche auf anderen Bauten arbeiteten und nicht entlassen waren. Das ist doch auch kein Anzeichen für ein planmäßiges Vorgehen. Die Lohnkommission hat sich durch ihre Mitglieder Metzle und F ritsch erhebliche Mühe gegeben. die Differenzen beizulegen. Streckenbach selbst habe zugeben müssen, daß Fritschc nicht mit der Sperre ge- droht hat. Ebenso sagt der Zeuge Liebrecht, sie hätten sperren wollen, Fritsch habe aber gesagt, sie sollten sich ruhig verhalten, lieber andere Arbeit suchen und alles vermeiden, was die Ver- Handlungen stören könnte. Fritsch war auch auf dem Backn'sch'en Bau und sagte:„Keine Sperr«! Es kommt alles friedlich zum Austrage I" Fritsch wollte also keine Vor« bereitung zum Krawall, sondern das direkte Gegentheil. Fritsch ging. am Montag mit dem Bedauern nach dem Bureau zurück, daß keine Einigung erfolgt war, am Abend wurde er wieder zu Dienstag bestellt, und war schon vor 7 Uhr auf dem Johnke'schen Bau. um von neuem Unterhandlungen zu versuchen. Nun waren die Entlassenen da, die wieder arbeiten wollten und auch die Arbeiter der anderen Bauten, weil die Arbeit noch nicht begonnen. Da kommen die Akkordarbeiter und marschiren in dieselben hinein. Die Lohnarbeiter sagen:„Was, Ihr wollt uns doch nicht unser Brot nehmen?" Da giebt ein Wort das andere und es kommt zur Schlägerei. Das war ein Erfolg des Augenblicks, aber keine planmäßige Handlung. Es ist dabei gepfiffen worden, daS kann ja sein und kommt ja auch bei anderen Krawallen vor, aber es hat sich doch auch eine andere Erklärung ergeben, die sehr plausibel ist, es wird eben von Seiten des Poliers zum Beginn der Arbeit ge« pfiffen. Es liegt also nicht Landfriedensbruch,'sondern eine gegen« seitige Prügelei vor. Der Vertheidiger stteift nun noch die Thätig- keit der Akkordmanrer, deren Arbeit auf Solidität keinen Anspruch erheben könne und den Arbettern an den Bauten und den späteren Bewohnern der Häuser selbst gefährlich werde, wie sich bei dem Treppeneinsttcrz in Halenseo gezeigt habe. Zum Schluß erörtert er noch den unglücklichen Stoß ins Genick, den Zeglin dem Gleise ge- geben habe. Hier sei zwar ein« Menschenmenge in der Nähe ge« wesen, zu der aber Zeglin nicht gehörte und die wiederum an der That des Zeglin unbetheiligt war. Aber auch hier fehle die Plan- Mäßigkeit und somit der Begriff des Landftiedensbruchs. Dr. Katz: Der Staatsanwalt hat die Zeugen-Aussagen nicht richtig wieder- gegeben. Zwei Verstöße sind allerdings erwiesen, die beiden Tumulte am 5. und 6. Ottober, daß aber die Angeklagten die Schul- digen sind, das ist nicht erwiesen. Zwischen Lohn- und Akkord- arbeitern besteht allerdings eine Feindschaft, es ist ein Konkurrenz- kämpf, auch sagen die Lohnarbeiter, sie arbeiten besser wie die Akkordarbeiter. Ein Landftiedensbruch ist nicht vorhanden. Wenn auch Gebauer gesagt hat, die Leute sollten am Sonnabend gleich ihr Geschirr miinehmen, und wenn aus dem Umstände, daß sie dasselbe bis zum Dienstag liegen ließen, gefolgert werde, daß eS ihre Absicht war, ihr Geschirr erst ani Dienstag zu holen, um mit den Äkkordarbeitern zusammenzustoßen, so hat doch Gebauer andererseits zugeben müssen, daß er gestattet habe, das Geschirr könnte dableiben. Außerdem haben andere Zeugen bekundet, daß es bei den Maurer» üblich ist, ihr Geschirr auf dem einen Bau so lange liegen zu lassen. bis sie aus einem anderen Bau wieder ansängen. Sie haben das gethan besonders deshalb, weil ihnen gesagt wurde, sie würden die Arbett wieder aufnehmen können. Ans diesem Grunde haben sie sich auch in der Nähe des Baues aufgehalten. Auch das ist nicht erwiesen, daß viel Blut geflossen ist, wie der Herr Staatsanwalt behauptet. Erwiesen ist nur, daß Neumann euren Schlag auf die Nase bekommen hat. worauf er zum Barbier ging und sich ein Heftpflaster auf die Nase kleben ließ, und daS ist der ganze Exzeß. Die Akkordarbeiter find nicht nur geschlagen worden, sondern haben auch geschlagen, sie haben sich sogar gerühmt, daß fle„feste um sich ge- schlagen hätten". Was die Qualität der Zeugen anbetrifft, so stehen sich Be- und Entlastungszeugen mit gleicher Glaubwürdigkeit gegenüber. Die Zeugen der Vertheidigung verdienen deshalb' nicht weniger Glauben, als die Zeugen der Anklage, weil sie Entlastungs- zeugen sind, zumal wenn die Belastungszeugen unsicher und wider- spruchsvoll sind und gar nicht das gesagt haben, was der Staats- unwalt aus ihnen gehört haben will. Dr. Katz führt noch eine Reihe von Beispielen an, in denen die Zeugen das nicht gesagt haben, was der Staatsanwalt gern hören wollte und kommt zu dem Schluß, daß seine Klienten Porkrant und Kielblock vom Lanofnedensbruch, von der Nöthigung und der Theilnahme an einer gemeinschaftlichen Schlägerei fretgesprochen werden müssen. Rechtsanwalt Heine: Ich muß zunächst mein lebhaftes Bedanern aussprechen, dem Herrn Staatsanwalt sagen zu müssen, daß er Dinge als erwiesen angenommen hat, welche durch seine eigenen Zeugen, die Zeugen der Anklage, direkt widerlegt worden sind. Wenn es uns mcht gelingt, uns über den objektiven Thatbestand. wie derselbe durch die umfangreiche Beweisaufnahme festgestellt ist, zu verständigen. so müß ich zu meinen Bedauern anHeim stellen, die Zeugen noch einmal zu hören, denn es steht fest, daß den Leuten Sachen in den Mmd gelegt worden sind, die sie thatsächlich nicht gesagt haben. Ich bin in der glücklichen Lage, alle Zeugenaussagen notiren zu können und ich habe das gethan'. Z. B. haben die Leute behauptet, sie feien auf den Bau gekommen, um ihr Geschirr zu holen. Der Staats- anwalt sagt:„Das ist nicht wahr, denn Gebauer hat gesagt, sie sollten ihr Geschirr gleich mitnehmen!"— Gebauer hat hier aber die Möglichreit zugegeben, daß er den Leuten erlaubt hat, das Geschirr dazulassen. Davon hat der Staatsanwalt nichts gesagt I Der Staatsanwalt sagt, innerlich bin ich von der Schuld des Zeglin. bei dem Kravall am Morgen des 5. dabei gewesen zu sein, überzeugt, aber ich bitte in diesem Falle um Bcrnenmng der Schuldfrage, weil dieser Fall nicht erwiesen ist— was ist daS nun für eine Sache! Gestern haben wir im Vertrauen darauf, daß der Staatsanwalt die Anklage in diesem Punlte fallen läßt, auf die betreffenden Entlastungszeugen verzichtet und ig bereif Entlassung gewilligt rnib heute will der Staatsanwalt den Angeklagten auf Umwegen verdächtigen. Das erscheint doch sehr eigenthümlich! Der Staatsanwalt urtheilt einseitig, er hat auch das Reichsgerichts- Urtheil einseitig zitirt, indem er sagt, es brauche nur einer aus der Menge Gewaltthätigkeiten zu begehen, um den Landfriedensbruch zu konstruiren, er hat aber nicht gesagt, dieser Eine muh in dem Bewuhtsein gehandelt haben, dah er der Vertreter der Menge sei, die Gewaltthätigkeiten begehen will. Es war dies der Fall bei dem Haferfeldtreiben in Bayern. Dort wurde ein einziger verurtheilt, aber es war festgestellt worden, dah von Mehreren Gewaltthätigkeiten begangen waren, die aber nicht zu ermitteln waren. Hier hat aber nur ein Einziger Gewaltthätigkeiten verübt, der keine Menge hinter sich hatte, denn ein blohes Zu schauen und Schreien ist kein Landfriedensbruch, wie das Reiche geeicht entschieden hat. Die vorgeführten Alibibeweise sind so schlüssig und so klar, wie sie jemals sein könnten. Deshalb recht- fertigt sich die Freisprechung aller Angeklagten. Nach erfolgter Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden zogen sich die Geschworenen zur Berathung zurück, um schon nach einer halben Stunde sämmtliche Tchuldfragen zu verneinen bis auf die ein- fache Körperverletzung bei Zeglin unter Zubilligung mildernder Um- stände. Sämmtliche Angeklagten wurden daher freigesprochen, bei Zeglin wurde das Verfahren wegen der einfachen Körper- Verletzung gegenüber Gleise eingestellt, weil der Strafantrag fehlte. Htavkei Parteiliteratur. Die sechste Auflage von Schipp el's Gewerkschaften und Koalitionsrecht ist bereits ver- griffen und{nächste Woche erscheint die 7. Auflage. Jede Auflage war 10 000 Exemplare hoch, das ist der beste Beweis für die rege Theilnahme der deutschen Gewerkschaften an dem Kampfe für das bedrohte Koalitionsrecht. Der Fabrikarbeiter Carl Gotthardt in Magdeburg, welcher in seiner Broschüre„1b Jahre Sozialdemokrat" die Sozialdemokratie, die Arbeiterorganisationen und namentlich die „Führer" der Magdeburger Sozialdemokraten in der unanständigsten und frivolsten Weise beschimpfte und besudelte, ist nun ein reuiger Sünder geworden. Er hat dem Vertrauensmann und der »Magdeburger Volksstimme" folgende Erklärung zugehen lassen: Erklärung: Ich habe seiner jZeit die Broschüre„15 Jahre Sozialdemokrat" geschrieben, welche die sozialdemokratische Partei, deren Vertreter sowie die Bestrebungen der Arbeiterorganisationen angreist. B e i Abfassung dieser Broschüre befand ich n, ich in nervösem Zustande infolge mißlicher wirthschaftlicher Verhältnisse. Ich bedauere, diese Broschüre geschrieben zu haben und kann nach reiflicher Ueberlegung den größten Theil der Broschüre nicht aufrecht erhalten. Die gegen den Verleger sowie Redakteur der„Volksstimme" angestrengte Privatklage nehme ich zurück. Karl Gotthardt. Wir bedauern die armen reichen Hintermänner des Gotthardt, die ihr gutes Geld an diese Sudelei verschwendeten und jetzt ihre Felle betrübt davonschwimmen sehen müssen. Aufrichtiges Beileid auch der Ordnungspresse, die mit diesem schönen Material die Sozial- demokratie„geistig" umzubringen versuchte. Polizeiliches, Gerichlliches u. s. w. Die Märzfeier des Sozialdemokratischen Vereins in Frank furt a. M. ist von der Polizei untersagt worden. Grobe» Unfug sollte der verantwortliche Redakteur der „Freien Presse", Genosse L u b n o w in Strahburg, dadurch verübt haben, dah er in seinem Blatte Bismarck und Moltke als die Arrangeure des deutsch- ftanzösischen Krieges bezeichnete, die dafür große„Dotationen, zu deutsch Trinkgelder", bekommen Kütten. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten frei. — Der verantwortliche Redakteur der„Gazeta Robotuieza unsere» polnischen Partei-Organs, Genosse Ignatz Kaczmarek, ist kürzlich in zwei seit längerer Zeit schwebenden Prozessen zu vier Monaten und zehn Tagen Gefängnih verurtheilt worden. In dem einen Falle handelte es sich um Beleidigung des Oberpräsidenten von Posen, Herrn v. Willamowitz- Möllendorf, in dem anderen Falle um Beleidigung des früheren Reichstags- Abgeordneten v. KoScielSki. Genosse Kaczmarek, der jetzt die Strafe antreten sollte, wünschte Strafaufschub, da seine Frau noch wochenbettkrank ist. Der Staatsanwalt hat dieses Gesuch ab- gelehnt mit der Begründung, dah die Entbindung schon vor drei Wochen erfolgt sei und die Frau deshalb gesund sein könne(!). Am 8. März muhte Kaczmarek seine Sttafe im Gefängnih in Tegel antreten. Ueberdics wurden ihm seine Möbel versiegelt für Ge- richtSkosten. Das Blatt wendet sich nun in einem Aufrufe um Hilfe an seine Leser und Freunde. Es verweist darauf dah die„Gazeta Robotnicza" seit ihrem Bestehen ganz besonders lebhaften Verfolgungen ausgesetzt gewesen sei. Zwar seien die Redakteure meist zu Geldstrafen verurtheilt worden, doch ivaren sie selten in der Lage, diese Strafen zu bezahlen und muhten deshalb dafür ins Gefängnih gehen. Der Aufruf schlicht:„Genossen, Freunde! Da dergleichen' Ver- folgungen uns noch mehrere in Aussicht stehen, so eile jeder so schnell wie möglich mit Hilfe. Die Reaktion droht uns zu vernichten. Genossen l Rettet die Verfolgten! Protest gegen das ZuchthauSurtheil in Holland. Am Mittwoch fand in Amsterdam eine von S00 Personen besuchte öffentliche Versammlung statt, wo Genosse P o l a k über das Dresdener Urtheil reserirte, das in holländischen Arbeiterkreisen große Auftnerksamkeit erregt hat. Große Erregung verursachte eine Mit- theilung Polaks, die ihm von ganz zuverlässiger Seite zugegangen, wonach im Justizministerium eine Gesetzesvorlage ausgearbeitet wird, welche auch holländische Arbeiter mit Zuchthaus bedroht, falls sie bei Streikbewegungen als„Posten" zur Bewachung von gesperrten Fabriken und Unternehmen fungiren. Am Schlüsse der Versammlung ward eine Sammlung für die Familien der Löbtauer Verurtheilten veranstaltet. Genfevlifchttf klicheS« Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Maurer und Bauarbeiter in Groh-Lichterfelde wird uns geschrieben: Acht Bauunternehmer haben bereits die Forderungen der Arbeiter bewilligt, ohne dah eine Arbeitseinstellung bei denselben nothwendig wurde. Dagegen ruht die Arbeit bei den Baumeistern Born, Borchardt und' Wessel. Bereits im Herbst 1898 wurden dem Ersteren die Forderungen der Maurer und Bauarbeiter schriftlich unterbreitet, ohne daß eine Antwort hierauf erfolgte. Ber der späteren mündlichen Verhandlung erkannt« Baumeister Born die Forderungen als gerecht an, berief sich aber darauf, dah er nach Bewilligung derselben beim Kreiskrankenhause in Lichterfelde 6—7000 M. Verlust erleiden würde. Nach wiederholten vergeblichen Versuchen zur gütlichen Einigung seitens der Lohnkommission erfolgte die Arbeitseinstellung. Ebenso war bei den Bauunternehmern Borchardt u. Wessel eine Anerkennung der berechtigten Forderungen nicht zu erzielen. Zuzug ist fernzuhalten. Achtung, Schuhmacher! Aufs neue steht unsere Organisatton vor einem schweren Kampfe gegen den Terrorismus eines Unter- uehmerverbandes. 2000 Kollegen sind in Tuttlingen vom Fabrikantenring gekündigt worden, nur weil die Kollegen einer Fabrik es wagten, eine Verkürzung der Arbeitszeit zu verlangen. Kollegen Berlins! Ihr alle wiht, dah gerade in Tutt- lingen in unserer Branche die elendesten Lohn- und Arbeits- bedingungen herrschen. Eine überlange Arbeitszeit geht dort Hand in Hand mit einer jämmerlichen Entlöhnung. Schon auf Grund dieser Thatsachen sind wir verpflichtet, den Kollegen von Tutt- lingen unsere weitgehendste moralische und materielle Unter- stützung zu Theil werden zu lassen. Wir sind dadurch in der Lage,, einen theil jener Ehrenschuld des vergangenen JahreS wieder abzuttagen und dah Ihr dieses wollt beweiset dadurch, dah Ihr Mann für Mann in der am Montag Abend im„Englischen Garten" stattfindenden Generalversammlung erscheint, in welcher dieser Puntt auf der Tagesordnung steht. Die Orts Verwaltung. Die Berliner Bäckermeister haben am Freitag in einer gemeinschaftlichen Versammlung beider Innungen die Forderungen der Gesellen abgelehnt. Ein anderer Beschluß war nach den vorau gegangenen Verhandlungen nicht zu erwarten. Deutsches Reich. Die Leinweber Bücklers u. Co. in D ü r e n, ca. 248 Arbeiter haben die Kündigung eingereicht, da ihnen eine Lohnerhöhung ver- sagt wurde. Die Ausstäude der Schneider in Leipzig und Münch« nehmen fortgesetzt einen günsttgen Verlauf. In München ge denken die Streikenden für die kommende Woche nur noch in einigen Betrieben den Ausstand fortzusetzen, da die übrigen Geschäfte den Tarif bewilligt haben. Die Nürnberger Schneider fordern von den Unternehmern. dah der im Jahre 1894 vereinbarte Tarif auftechterhalten und von den inzwischen neu errichteten Geschäften anerkannt werde. Für die im Tage- oder Wochenlohn beschästigten Gehilfen wird die Ev richtung dreier Lohnklassen(18, 20 und 22 Mark) und die 11 stündige Arbeitszeit gefordert. Die Unternehmer werden es voraussichtlich nicht zum Streik kommen lassen. In Bielefeld haben die Schneider in geheimer Abstimmung beschlossen, sämmtlich die Kündigung einzureichen, da sie den von den Meistern ausgearbeiteten Tarif nicht anerkennen wollen. Das GewerkschastSkartell tu Schwabach gründete vor Kurzem einen gemeinschaftlichen Arbeitsnachweis zur Arbeitsvermittelung für die zureisenden Gewerkschaftsmitglieder. Für dieses Institut bekundet diedorttgePolizei ein merkwürdiges Interesse. In dem Lokal des Arbeit?� Nachweises erscheint nämlich jeden Tag ein Schutzmann, um die Bücher zu kontrolliren und die zur Besetzung angemeldeten Stellen zu notiren. Erscheint dann auf dem Rathhause ein durchreisender Handwerks bursche, um das übliche„OrtSgeschenk" in Empfang zu nehmen, wird ihm dasselbe verweigert mit dem Bemerken, dah da oder dort Arbeit zu haben sei I Den Zweck dieser Kontrolle hat die Polizei zwar nicht angegeben, aber er ist sehr durchsichtig. Die Schuhmacher in S ch w a b a ch haben ihre Kündigung eingereicht und dürfte es mithin zu einem allgemeinen Ausstand kommen. Die Meister haben die von den Arbeitern verlangte Lohn forderung abgelehnt. Anslaud. Die Naskower Gasarbeiter hatten den achtstündigen Arbeits tag verlangt, andernfalls sie am 1. März die Arbeit niederlegen mühten. Dennoch arbeiteten sie weiter und boten Verhandlung an Inzwischen besorgte sich die Gasanstalt aber Streikbrecher, meist ungelernte Arbeiter, und verlangte dann von den bisherigen Arbeitern. wenn sie bleiben wollten, mühten sie eine Arbeitsordnung von fiinfi jähriger Dauer unterschreiben. Die Arbeiter erklärten, sie mühten diese' Arbeitsordnung erst ihrem Verband vorlegen. Darauf wurden sie sämmtlich verabschiedet._ Gerichts-Leitung. Eine uttangeuehme Erbschaft hat der Dr. med. Meine. welcher sich vor etwa 3 Monaten erschoß, 22 Personen hinterlassen, welche in den verschiedensten Gegenden des Deutschen Reiches wohnen und zu gestern nach Berlin gekommen waren, weil sie sich wegen Auf forderung zur Begehung des Verbrechens wider das keimende Leben zu verantworten hatten. Die Versammlung fand im großen Schwur gerichtssaale unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Landgerichts rath Fritschen führte den Vorsitz. Dr. Meine hatte in den Zeitungen Anzeigen zweideutigen Inhalts erlassen, welche viele Leser zu der A» nähme veranlahten, dah er sich damit befasse, Dienste zu leisten, welche mit harten Sttafen bedroht werden. Dr. M. soll einen großen Zuspruch gehabt haben. Als die Behörde sich ins Mittel legte, erklärte Dr. Meine, daß es ihm nie eingefallen sei, den sich Meldenden verbotene Mittel geben zu wollen, er habe es lediglich auf Betrug abgesehen gehabt. Bevor es dieserhalb zur Erhebung der Anklage gegen ihn kam. zog Dr. Meine es vor, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Kurz vorher war er von seiner Ehefrau, mit der er höchst unglücklich ge- lebt hatte, geschieden worden. Seine Ehefrau hatte in dem Winkel eines Schrankes ein Bündel Briefe geftmden. welche Dr. Meine zu vernichten vergessen hatte. Die Finderin hatte nichts Eiligeres zu thun, als diese Briefe der Staats anwaltschaft zu übergeben. Aus dem Inhalte ging hervor, dah die Absender unter Bezugnahme auf die von Dr. Meine erlassenen Anzeigen sttafbare Zunmrhungen an ihn stellten. Hierin wurde die Strafthat gefunden, welche gestern zur gerichtlichen Er örterung gelangte. Die Angeklagten gehörten den verschiedensten Ständen an, sie wurden von den Rechtsanwälten Munkel sen., Sello. Wronker, Gröning, Markwaldt, Schmilinsky, Steinitz, Lublinski. Knopf, Volkmar, Fröhlich, Grassow und Pohle vertheidigt. Bon den Angeklagten wurden 14 fteigesprochen, 7 verurtheilt. Das Sttafmah bewegte sich zwischen einer Woche und einem Monat. An versuchtru Mord grenzte die Strafthat, welche gestern den Kellner M a x H a s s e vor die vierte Strafkammer des Landgerichts 1 führte. Der Augeklagte hatte längere Zeit hindurch der unverehe- lichten Eniestine B i eg e s ch Zuhälterdienste geleistet. Als diese seiner fortgesetzten Erpressungen und Mißhandlungen überdrüssig wurde und' ihm am Abende des 21. Januar nach einem wüsten Aufttitt erklärte, dah sie nichts mehr mit ihm zu thun baben wolle, stich er schwere Drohungen aus. Schon am folgenden Morgen, einem Sonn tage, schritt er zur Ausführung der Drohung. In der Frühe klopfte der Angeklagte gegen die Thür ihrer Stube, welche sich im Hause Strelitzerstratze 7 befand. Das geängstigte Mädchen öffnete nicht, worauf der Angeklagte einen Schlosser holte, den er durch die Angabe, dah er Inhaber der Wohnung sei, zu bewegen wuhte. die Thür zu öffnen. Sofort nach seinem Eintritt fiel der Angeklagte über die Bicgesch her. Er versetzte ihr mehrere Faustschläge ms Gesicht und schlug sie zu Boden. Dann kniete er auf ihrem Körper und setzte seine Mißhandlungen fort. Um sie am Schreien zu ver- hindern, stopfteer ihr ihre eigenen Kleider in den Mund. Dann würgte er sie so heftig und anhaltend am Halse, bis sie ohnmächtig wurde. Den anscheinend leblosen Körper warf er über das Bett. Inzwischen hatten sich die Nachbarn, durch das Geschrei der Mhhandelten auftnerksam gemacht, vor der Thür angesammelt, die der Angeklagte von innen verschlossen hatte und ttotz allen Klopfens nicht öffnete. ES muhte ein Schutzmann geholt und die Thür mittels Nachschlüssels geöffnet werden. Man fand den Angeklagten stumpffinnig auf dem Stuhl sitzen, der neben dem Bett stand, auf dem der anscheinend leblose Körper des Mädchens lag. ES verbreitete sich schnell das Gerücht von einem Morde. Der herbeigerufene Arzt stellte Wieder belebungsversuche an, die schließlich von Erfolg gekrönt wurden. In schwer leidendem Zustande wurde das Mädchen nach der Charitee gebracht, wo festgestellt wurde, dah der Unhold ihr den Kehlkopf gebrochen hatte. Ein Beweis dafür, dah der Angeklagte es auf die Tödwng des Mädchens abgesehen hatte, war nicht hinreichend zu erbringen, um eine dahingehende Anklage zu erheben. Hasse wurde der Körperverletzung in einer daS Leben "Erdenden Weise beschuldigt. Staatsanwalt Gödecke bezeichnete Angeklagten als zum Abschaum der Menschheit gehörend, er beantragte gegen ihn die höchste zulässige Sttafe— b Jahre Gefängnih. Der Gerichtshof erkannte nach diesem Antrage. Eine GerichtStragödie hat sich am 9. März vor dem Schwur- gericht zu Güstrow abgespielt. Am 17. Juli v. I. wurde in Schwann die Nachfeier des Königs) chusses abgehalten, eine Festlichkeit, bei der es zugeht etwa wie auf den rheinischen Kinneffen. Bei einem Tumult auf dem Tanzboden schritt die Polizei in scharfer Weise ein, und verschiedene Theilnehmer liehen sich zu Widerstand hin- reihen. Der Lärm nahm derartigen Umfang an, dah ein LandfriedenSbruchs-Prozeh eingeleitet wurde. Es wurde auf folgende harte Strafen erkannt: Gegen den Zieglergesellen August Seemann auf zwei Jahre Zuchthaus, b Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizei-Aufsicht; die Ziegelei-Arbeiter Willy und Heinrich Ahrens erhielten IVs Jahr bezw. 1V4 Jahr Zuchthaus; der Klempner Albert Farnow und der Schneider Karl Schröder je 9 Monate Gefängnih und der Arbeiter Johann Kleist 6 Monate Ge- fängnih. Vier der Mitangeklagten wurden fteigesprochen. Der freigesprochene Landwehroffizicr. Aus Halle a. S. berichtet man uns vom 10. März: In der Nacht zum 14. No- vember v. I. kam der Offizier der Landwehr Otto v. Ziethen aus dem Cafe Bauer und hustete auf der Steinstratze derartig laut, daß er von dem Polizeisergeanten Abeling, der das erkünstelte Husten als Brüllen bezeichnete, zur Ruhe ermahnt werden muhte. Auf die Frage nach der Legitimation soll Angeklagter erklärt haben: Ich brauche mich nicht zu l'egitimiren, ich bin Otto Ziethen, Offizier der Landwehr. Ich werde mich bei Staude(Oberbürgermeister) und Wehdemann(Ober-Polizei-Jnspettor) beschweren, das sind meine gute» Freunde. Der Sergeant soll auf die Erklärung, ich bin Offier, nach der Behauptung des Angeklagten gesagt haben:„Na, das ist was rechts," worauf der Angeklagte entgegnete:„Nun halten Sie die Schn____". Der Offizier wurde schließlich mit nach der Wache genommen und dedrohte dort die Beamten mit dem Stocke. Er hatte sich heute vor dem Schöffengericht wegen Unfugs und Beleidigung des Sergeanten zu verantworten, wurde aber freigesprochen, da er das B e- w u h t s e i n der Beleidigung nicht gehabt haben soll! Sergeant Abeling hatte eidlich in Abrede gestellt, auf die Aeutzerung:„Ich bin Offizier", die Entgegnung:„Na, das ist was rechts" gemacht zu haben. Dah ein ungebildeter Arbeiter, der mit den Organen der Bc- Hörde kolliditt, gleich dem gebildeten Offizier wegen mangelnden Bewuhtseins der Beleidigung freigesprochen wurde, ist uns nicht erinnerlich. Wie die Preßfreiheit in Preußen aussieht. Wegen Ver- geHeus gegen den Z 10 des preußischen Prehgesetzes war der Arbeiter Potrikus zu Böhmau vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe ver- urtheilt worden, weil er vor der katholischen Kirche zu Böhmgu eine Anzahl Exemplare einer polnischen Leitung an die Kirchgänger ver- theilt hatte, ohne dah er dazu die polizeiliche Erlaubnih besah. Das Landgericht sprach jedoch den Angeklagten mit folgender Be- gründung ftei: Der§ 10 des preuhischen Prehgesetzes sei durch § 30 des Reichs-Prehgesetzes derart abgeändert worden, dah für das öffentliche unentgeltliche Vertheilen von Druckschriften nur dann eine polizeiliche Erlaubnih nothwendig sei, wenn die Druckschriften Bekanntmachungen, Plakate oder Auftufe darstellen. In dieser Be- zichung komme höchstens ein Artikel der betreffenden ZeitnngS- uummer unter der Rubrik„Provinziales" in Frage. Dieser enthalte eine Aufforderung an die Polen, die polnischen Handwerker zu unterstützen und polnische Geschäfte zu gründen, insbesondere ein polnisches Schnittwaarengcschäft. In diesem Artikel könnte allerdings unter Umständen ein Aufruf geftmden werden. Er wäre ein solcher aber nur daim, wenn die ganze Zeitungsnummer ausdrücklich zu dem Zwecke, als Aufruf verwerthet zu werden, gedruckt worden iväre. Das sei nicht anzunehmen, denn dann hätte man jenen Arttkel an hervorragender Stelle, nicht aber unter der Rubrik „Provinziales" gebracht. Wollte man den§ 10 in Fällen wie dem vorliegenden anwenden, dann wäre das gleichbedeutend mit einem allgemeinen Verbot des öffentlichen un- entgeltlichen Vertheilens von Zeitungen. Auf die Revision der Staatsanwalffchaft hob das K a m m e r g e r i ch t die Vorentscheidung auf und verwies die Sache nochmals an das Land- gericht. Zur Begründung wurde ausgefühtt: Die Meinung des Landgerichts, daß hier ein Aufruf im Sinne des ß 10 nicht vorliege, sei r e ch t S i r rt h üm li ch. Für die Anwendung des ß 10 sei es gleichgiltig, ob die Druckschrift an sich ein Aufrufsei oder ob derAufruf einenTheil einer Zeitung ausmache. Der Thatbestand des§ 10 liege hier also vor. Es müsse jedoch nachgeprüft werden, ob der Angeklagte wußte, daß die Zeitung einen Aufruf enthielt, denn nur dann könnte er verantwortlich gemacht werden. Der Herr Rechtsanwalt Roth sendet uns eine Zuschrift, die verschiedene Erklärungen zu dem Prozeßbericht über die Zivilklage enthält, die von der Firma Wertheim gegen eine Anzahl ihrer früheren Augestellten angestrengt worden ist. Herr Roth bestteitet, dah die Firma W. Stein dem WaarenhauS Wsrtheim 80 Angestellte durch Zusicherung besserer Dotiruna oder angenehmerer Thätigkeit abtrünnig gemacht habe.„Die sämmtlichen von Wsrtheim zu Stein übergegangenen Angestellten haben vielmehr an Eidei« statt versichert, dah sie lediglich aus fteien Stücken zu der neuen Firma übergegangen sind und dah weder der Inhaber, noch die Oberbcamten der Letzteren irgend welche unlauteren Mittel auf« geboten haben, um die Angestellten für ihr Geschäft zu gewinnen." Den gefällten Urtheilen, die für die Angestellten bekanntlich un« günstig lauten, mißt Herr Rechtsanwalt Roth als Anwalt der Bellagten keine hervorragende Bedeutung bei; er hofft vielmehr auf einen für seine Klienten günstigen Ausgang des Prozesses. Die interitationale legitime Spionage vor der französischen Kammer. Pari». 11. März. Bei der fortgesetzten Berathung des Militär-EtatS verlangt Sembat(Soz.) Abstriche in dem Kapitel„Auherordentliche Missionen". behufs Abschaffung der Militärattaches im Auslande, weil diese, wie Redner meint, nur zur Organisirmig der Spionage dienten. Der Kriegsminister Freycinet bekämpft den Anttag und führt aus: Unsere Offiziere verstehen eS, bei ihrem Verkehr mit den auswärttgen Militärattaches sehr wohl nur das zu sagen, was sie sagen wollen. Es giebt übrigens sehr wenige Geheimniffe zu entdecken. Wir kennen die Mobilisirnngspläne der auswärttgen Nationen, wie sie ungefähr die unseligen kennen. Was die geheime Rolle bettifst, welche man den Militärattaches zuschreibt, so glaube ich nicht an ölche, und ich würde übrigens Spione, die ich kennen würde. unbekannten Spionen vorziehen. Die wirklichen Spione mischen ich unbekannttr Weise unter uns; diese sind gefährlich und vor ihnen muh man sich hüten. Die Militärattaches haben die Aufgabe. allgemeine Mittheilungen über die Armee der Staaten zu geben, bei denen sie sich befinden. Erinnern Sie sich an den Oberst Stoffel. (Beifall.) Ein von seinem Minister gut geleiteter Militärattachs kann seinem Lande große Dienste leisten durch Thättgkeit vor aller Augen. Der Anttag Sembat'S wird abgelehnt durch Hand- aufheben. Zfctzko Nttchvichken und Depesche»,. Wie», 11. März.(W. T. B.) Die„Neue Freie Preffe" meldet: In politischen Kreisen verlautet, die Regierung beabsichttge, nach Schluh der Landtags-Sesfion ein Sprachenaesctz mit provisorischer Gesetzeskraft durch kaiserliche Verordnung auf grund des§ 14 zu er- lasten und dasielbe dann dem im Frühjahr einzuberufenden Reichs« rath zur iiachträglichen Genehmigung vorzulegen.— Rom, 11. März.(W. T. B.) Die„Jtalie" schreibt: Es ist thöricht. zu behaupten, dah der italienische Gesandte in Peking, de Martina, ohne Jnstrukttonen sei. De Marttno weih genau, was er zu thun hat. Es würde Italien ein Leichte? sein, die San- Mun-Bucht zu besetzen; das Ministerium will jedoch, bevor eS eine Entscheidung trifft, kein Mittel auf diplomattschem Wege unversucht lassen. Madrid, 11. März.(W. T. B.) Die Blätter melden, A g u i- a l d o widersttebe deshalb der Freilassung der von ihm gefangen gehaltenen Spanier, weil der fetzige Kriegsminister Polavieja, als er leinerzeit Generalgouverneur der Philippinen war, den Insurgenten- tihrer Dr. Riza! erschießen lieh. An der Küste von Q.ueenSland hat kürzlich«in Orkan gewüthet, bei dem etwa 200 Menschen umgekommen find. .Verantwortlicher Redatteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: X6- Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 4 Beilagen u. ttnttrhaltuugSdlatt. Dr. 61. 16. Ilihrgli»». tilsgc kü.lorairta" Knlim DMMM. Somtldj, 12. Ml! 1899. LZeirtzSkocA. 51. Sitzung, Sonnabend, 11, März 1899, 11 Uhr. Am BundesrathStische: Dr.v. Buchka, v. Posadowsky. Tie zweite Bcrathung de?„Kolonial- EtatS" wird fortgesetzt denn Etat fiir das Schutzgebiet„Togo". Derselbe wird debattclos genehmigt. Es folgt der Etat für das südwestafrikiwische Schutzgebiet. Abg. Bebel sSoz.): Ich möchte an den Herrn Direktor der Kolonialahtheilunq über erneu Vorgang eine Anfrage richten, der in den letzten Wochen ziemlich B'.cl Staub aufgewirbelt hat. Herr Dr. Max Esser hat am 6. Februar 1897 in der Gesellschaft für Erdkunde hier einen Vortrag gehalten über„Meine Reise nach Jumeue im nördlichen Gebiete von Deutsch« Südwest- Afrika". Er ist wegen dieses Vor- träges von allen Seiten beglückwünscht worden und wurde allgemein als ein verdienter Geograph und Kolonial- Politiker gepriesen. Auch sind ihm von hochgestellten Per- soncn eine Reihe von Ehrungen erwiesen worden, und er erhielt einen für seine Stellung ungewöhnlich hohen Lrdeu, der ihm mit einer schmeichelhaften Anrede des Kaisers überreicht wurde. Herr Dr. Esser hat auch ein Buch herausgegeben von der Westküste Afrika'ß. Run ist er nachträglich ans Grund des Buches und seines Vortrages in der hiesigen„Täglichen Rundschau" von einem Dr. Hans Wagner sehr heftig angegriffen worden; Dr. Wagner weist ihm nach, daff er eigentlich ein Schwindler sei. Die Reisen, die er geniacht haben will, knim er in der kurzen Zeit unmöglich ausgeführt haben auch seine Angaben über Land und Leute sollen erdichtet sein. Es wäre aber doch ein starkes Stück, wenn sich diese Angaben de. Dr. Wagner bewahrheiteten. Ich habe die Polemik in der Presse gelesen und finde nicht, daff Dr. Esser auf diese Anklagen in der entsprechenden Weise hat antworten können. Ich kann mir wobt denke». daff, wenn die jeache so ist, wie sie in der Presse dargestellt wird. man in den höchsten Kreisen unangenehm berührt sein wird, weil man sich �nssi hat düplren lassen. Wunderbar ist es, daff solche Dnpirnna vorkommen konnte. In solchen Fragen müffte doch in erster Reihe da? Kolonialamt gefragt werden, ob der Man» die Verdienste wirklich bat, die ihn zu einer solchen Anszeichnung bc rechtigen. In der Presse wird auch ganz offen ausgesprochen, daff er diese Ordensvcrlcibung nur dem Umstände zu verdanken hat, daff §rcihcrr von Mirbach, der Oberhosmeistcr der Kaiserin, sich des Dr. sser angenommen habe, weil nämlich dieser einen sehr bedeutenden Beitrag für Kirchenbanten gegeben habe. Wenn das zutrifft, so hätte Dr. Esser den Orden gewissermaffen einer BcstcchungLstinmie zu ver öankcn. Ans Fcrnerstchende müssen solche Vorgänge den Eindruck Machete, als� ob bei uns ein ungemein groffcs Jntriguenspicl im Werke sei und sich alle nivglichcn Leute in die Gunst hoher. einflntzreicher Personen einzuschleichen versuchen— ich wiederhole fnlls die Angaben der Presse richtig waren. Kolonialdircktor v. Bnchka erwidert, daß Dr. Max Esser niit der Kolonialverwaltimg nichts zu thun habe.(Hört I hört!) Uebcr die gegen ihn erhobenen An- schuldigungcn weiff er nur aus den Zeitungen. Beziehungen zwischen Herrn Dr. Max Esser und Frhrn. v. Mirbach bestehen nicht. lieber die Verleihung des Ordens könne er nichts aussagen: das sei lediglich die Prärogative des Kaisers. Abg. Bebel sSoz.): Daff der Kaiser das Recht habe, Orden zu verleihen, wem er wolle, habe ich nie bestritten; der gewöhnliche Gang der Dinge ist doch aber, wie ich glaube, der, daß, wenn Orden an jemand gegeben werden, zuvor diejenigen Rcssortchefs, in deren Fach die Thätigkeit der betreffenden Person fällt, um ihr Urtheil angegangen werden. Das ist, wie ich ans den Ansfiihnmgen des Herrn Kolonialdirektor entnehme, hier nicht geschehen. Im Ucbrigcn ist alles, mit Ausnahme des einzigen Punktes, daß der Oberhosmeistcr der Kaiserin sich in diese Ordenssache gemischt hat, bestätigt. Die weitere Mit theiluiig, daß die Militärbehörde eine ehrengerichtliche Untersuchung gegen Herrn Dr. Max Esser eingeleitet hat, spricht dafür, daß der Herr Schmutz am Stecken hat. So scheint also das. waS die Presse über den Fall berichtet hat, auf Wahrheit zu beruhen. Das wollte ich mir lonstatiren. Kolonial-Direktor von Buchka bemerkt, er sei von Herrn Bebel mißverstanden worden; er habe über die Ordensverleihung lediglich deshalb nicht sprechen können, weil diese ausschließlich Prärogative dcS Kaisers sei. Irgend ein Schlnh dürfe aus seiner Haltung nicht gezogen werden. Das Ordinarium wird bewilligt, nur von den sachlichen und vermischten Ausgaben werden 6000 M. g e st r i ch e n. Im Extra-Ordtnarium werden von den Ausgaben für Neu- bauten ec. statt der verlangten 370 000 M. mir 810 000 M. bewilligt. Zu Beihilfen für sich ansiedelnde deutsche Mädchen werden 25 000 M. verlangt. Die Kommission beantragt, diese Forderung zu st r e i ch e n. Abg. Bebel lSoz.): Nachdem die Kommission einstimmig beschlossen hat. diese Forderung abzulehnen, könnte ich eigentlich ans das Wort verzichten. Trotzdem muff ich noch einige Worte über den bekannten Vertrag sagen,»ach dcni eine Deputation von Frauen bei dem Gouverneur Lentlvcin Vorstellungen machte und eine Antwort erhielt, die zeigte, daff der Herr sehr wenig geneigt war, eine Acnderung eintreten zu laffen. Der Herr Referent hat bemerkt, daß die ganze Angelegen- heit hauptsächlich in den Händen der Deutschen Kolonialgesellschaft ruhte, offenbar aber ist diese Gesellschaft Hand in Hand gegangen mit dem Gouverneur, der seine Zustimmung zn dem Vertrag ertheilt haben muff. In dem Vertrage ist keine Fürsorge dafür getroffen, daß die Mädchen wieder nach Hanse fahren können, wenn es ihnen dort nicht gefällt. Ans Grund dieses Vertrages sind bereits 16 Mädchen nach Südwest-Afrila abgereist. Diese müssen sich dort verpflichten, sämmtliche Dienste zu leisten, die von ihnen verlangt werden, wenn sie auch nicht unter die Thätigkeit eines „Mädchens für AllcS" fallen. Das Dienstvcrhältniff soll 2 Jahre dauern, die Kündigungsfrist beträgt 6 Monate. Macht sich das Mädchen irgend einer Vernachlässigung des Dienstes schuldig oder treten sonstige Vorkommnisse ein, so ist, Ivie überhaupt für Streitig- leiten zwischen Dienstboten und Herrschaften, der Gouverneur die einzige Entschcidungsinstanz. Der Lohn von 20 M. pro Monat, den diese Mädchen erhalten, ist für die dortigen Verhältnisse nicht aus- reichend. Der Transport nach dort geschieht ja auf Reichskosten, wie die Mädchen aber zurückkommen, ist ihre Sache. Wenn es ihnen in ihrer Stellung nicht gefällt, werden sie oft gcnöthigt sein, zu einem anderen Gewerbe ihre Zuflucht zu ergreifen, zu welchem, das brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Das kaiserliche Gouvernement überniiiimt übrigens dort die Rolle des Gesindcvernnethers, es be- stimmt, in welchen Dienst ein Mädchen treten soll. Nachdem ich also diesen Vertrag kenne, kann ich mich unmöglich zur Annahme dieser Position entschließen. Abg. Graf Arnim(Rp.) bittet daS Haus, sich durch die Ausführungen des Abg. Bebel nicht beeinflussen zu lassen. Es werden nur fest gedungene und engagirte Mädchen genommen, mit Hilfe der Mffsionsgesellschaften nach Südwest- Airika und dort zu ihrer Herrschaft gebracht. Sie iverden vollkommen eniährt und beköstigt, so daß die dortigen hohen Preise ihnen gleichgiltig bleiben könnten. Verschiedene Mädchen haben auch sofort HeirathSanträge erhalten. Daß der Gouverneur die Streitigkeiten schlichtet, liegt nur im Interesse der Mädchen selbst. Daß die Mädchen nicht so leicht wieder zurückfahren können, ist sehr gut bei der Wandelbarkeit des weiblichen Sinnes(Große Heiterkeit links)— wenn Sie diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, Herr Bebel, um so besser für Sie.(Heiterkeit.) Viele Mädchen würden. wenn die Rückfahrt ihnen garantirt würde, einfach die Gelegenheu zu einer Spazierfahrt nach Aftika ergreisen. Die Frauen werden in Afrika sehr gut behandelt, noch besser als in Amerika,. wo die Frauen bekanntlich eine gewisse Herrschaft ausüben. Wenn Herr Bebel so sehr gegen die Einfuhr von Mädchen ist, so soll er eben die Mittel bewilligen, die erforderlich find. um das Land rentabel zu uiachen— für Eisenbahnen, Bcwässerungs- anlagen ec.—. dann werden von selbst sich ganze Familien dort ansiedeln. Ich hoffe, daff Herr Bebel das nächste Mal dafür stimmen wird.(Heiterkeit.) Abg. Müller-Sagan(frs. Vp.) erklärt, es widerspreche seinem Gefühl, daff man Dienstverträge ab- schließen wolle, die gleich, zeisig zu geschlechtlichem Verkehr siihrei, sollen. Gegen die Einfühnmg von Weißen Sklaven müssen wir ent- schieden Verwahrung einlegen. Abg. Bebel(Soz.): Der Vertrag begründet in der That ein wahres Sklaverei- verhältuiff. Die Höhe der LebenSmitrelpreise ist für die Mädchen keineswegs gleichgiltig. Ilnrer Lebensmittel sind nämlich auck Kleider, Schnhe, Wäscke zu verstehen, die das Mädchen sich doch kanfen muff. Daß die Rechtsprechung des Gouverneurs zu Gunsten der Mädchen ausfallen wird, miiff'icki bei den frcundscbaftlichen Beziehungen, in denen er zu den Herrschaften steht, durchaus bezweifeln, selbst wenn ich seinen guten Willen anerkenne. Was die Wandelbarbeit des weiblichen Geschlechts anlangt, so hat Herr Graf Arnim da wohl sehr traurige Erfahriingen gemacht(Heiterkeit), aber das darf uns doch nicht davon abhalten, einem deutschen Mädchen das ziizugestchen, was jedem Kuli. jedem Neger zugestanden wird.(Sehr richtig I links.) Herr Graf Armin, ich sollte Mittel angeben, wie der Roth der Kolonien abgeholfen werden soll. Das ist gar nicht meines Amtes, bei der Stellung, die unsere Partei zur ganzen Kolonial- Politik eimnmmt.(Sehr richtig.) Abg. Prinz Arcnberg lZ.) meint, die Answandermig der deutschen Mädchen nach Afrika müßte gerade denen ihnipatbisch sein, die si'ir Fraucn-Emanzipation ein- treten. Die. Mädchen sind durch den Gouverneur genügend geschützt. Der Gouverneur ist doch kein bloßer Friedensrichter, er bat doch den weitergehenden Zweck, die Mädchen zu verheirathen. Familien� zu gründen. Die Höbe der Löhne ist ausreichend; die Toilettcnbedürf- nisic in Afrika sind bei der dortigen Temperatur nickit sehr groß. (Heiterkeit.) Auch wir haben aber für Streichung der Forderung gestimmt, weil wir auch größere Kauteln? wollen. Kolonialdirektor v. Buchka erklärt, es seien Sckiritte gethan, um den Vertrag abzuändern. Die Rückfahrt werde garantirt. und bei Streitigkeiten würde der gericht- liche Weg offen gehalten werden. Die Tendenz des Vertrages sei aber doch durchaus zu billigen, sie sei in hohem Matze iulttir- fördemd. Abg. Bebel(Soz.): Es freut mich, daß der eigentliche Zweck des Vertrages, die Heirathsvcrmittelung, so offen anertännt worden ist. Sonst hat freilich das Zentrinn sick, stets gegen die Heirntbsvermittelungs- Bureaus erklärt.(Heiterkeit) Mit Frauen- Ema n zi p a ti o n hat die ganze Gcsckichte nichts z» thnn, ini Gegentheil; sie bedeutet nur eine neue Form der Sklaverei. Abg. Frhr. v. Kardorff(Rb.): Herr Bebel hat mir einmal gesagt: Wie kvilnen Sie über Süd- westasrika reden? Sie waren ja noch gar nicht dort! Herr Bebel aber hat heute in seiner bekannten Bescheidenheit über Südwest- asrika gesprochen, obgleich er auch nicht dort war.(Heiterkeit.) Ich habe ihm damals gesagt, das; ich in nleinem hohen Alter nicht mehr daran denken kann, nach Afrika zu reisen. Das heißt: wenn ich gc- zwnngen sein soll, hier täglich eine Rede des Abg. Bebel anzuhören. dann will ich mir die Sache doch noch überlegen.(Große Heiterkeit.) Abg. Graf Arnim lRp.): Die Bchauptniig des Herrn Abg. Bebel, daß ich diese ganze Debatte hier hervorgernien habe, ist so recht bezeichnend für Herrn Bebel, der ja mit der Wahrheit immer aus einem gespannten Fuße steht.(Oho! links.) Das ist das Charakteristische an der Thätigkeit des Abg. Bebel, der wir immer weiter auf die Spur konmicn(Heiterkeit) und die Maske abreißen müssen(Große Heiterkeit), daß er alles auf persön- liche Dinge zurückführt, um stets Skandale berbciztfführen. In diesem Jahre hat er keine Skandalgcschichtcn gcwuht, und da muß er hinter den 17 Mädchen herlaufen.(Allseitige Heiterkeit.) Lesen Sic das Buch des Herrn Bebel über die freie Liebe(Große Heiterkeit), dann werden Sie sehen, daß Herr Bebel nicht daS Recht hat, sich um diese Dinge zu kümmern.(Anhaltende Heiterkeit.) Abg. Bebel(Soz.): Zunächst danke ich Herrn Grafen Arnim für die unfreiwillige Reklame, die er soeben für mein Buch gemacht hat.(Heiterkeit.) Der Herr Graf Arnim meinte, ich suchte hier immer Skandaldinge zur Sprache zu bringen. Das ist aber nicht meine Schuld. Wenn solche Tinge votkommcn, dann ist es nun einmal mein Pech, daß sie niemand sonst zur Sprache dringt als ich. Es wäre uns auch lieber. wenn das Graz Arnim und seine Freunde thätcn; das wäre vielleicht wirksamer, als wenn es von meiner Seite geschieht. Herr Graf Arnim wird ferner nicht bestreiten wollen, daß er ein Kolonial- schwänner ist. Bestreiten Sie das?— Er schweigt 1(Heiterkeit.) Wenn ich von Kolonialschwärmerei rede, so meine ich damit, daß er iiir Dinge eintritt, die in Wölkenkuckucksheim liegen. Diesen Eindruck bekam ich von seiner Thätigkeit in Bezug auf koloniale Dinge Und ich sagte, wir wären zu der ganzen Erörterung nicht gekommen, wenn er nicht in so ungeschickter Weise sich des Vertrages, gegen den er später in der Kommission selber gc timmt hat, angenommen hätte. Ich finde, der Widerspruch ist nicht ans meiner, sondern ans seiner Seite. Der Abg. v. Sardorff hat dann gemeint, wenn man jeden Tag ölche Reden, wie ich sie gehalten habe, anhören müßte, bekäme man das Parlament satt. Ach, wenn mein Rednertalent eö fertig gebracht hätte, den Abg. von Kardorff aus dem Reichstag hinauszurauchcrn, so wäre ich ganz froh.(Große Heiterkeit.) Herr Kardorff kann mir nicht vorwerfen, daß ich in dieser Session die Geduld der Herren in besonderem Maße in Anspruch genommen hätte. Ich glaube, wenn wir die Zahl der Reden einmal zusammenrechnen, die Herr von Kardorff und ich gehalten haben, dann wird die große Mehrzahl auf ihn kommen. Ich glaube, daß ich mich bei einem solchen Ver- gleich nicht gerade zu geniren brauche.(Große Heiterkeit.) Die Forderung wird dem Antrage der Kommission entsprechend abgelehnt. Der Rest deS Extra«Ord in ariumS und die Sin- nahmen werden debattelos genehmigt. Zum Etat für Ncu-G»i»ea beantragt die Kommission folgende Ncsolutton anzunehmen: Die Zustimmung zu dem Etat für das Schutzgebiet von Neu- Guinea ans das Rechnungsjahr 1899 nur unter der Bedingung zu crtheilcn, daß der Vertrag vom 7. Ottober 1898 zwischen dein Reichskanzler und der Nen-Gninea-Kompagnie in dem Artikel 7 dahin abgeändert wird, daß das Auswahlrecht der Ncn-Gninea- Kompagnie von zehn auf drei Jahre, sowie daß diese Auswahl auf das Kaiser Wilhclmsland beschränkt wird. Abg. Frese(frs. Vg.) schildert die klimatischen Verhältnisse von Neu-Gmnca als ungünstig. Er geht dann auf die Entwickelung der Plaiitageii-Vcrhältmsse ein und legt dar, daß der Anbau von Tabak und Baumwolle gute Erträgnisse gezeitigt habe. Redner befürwortet chlicßlich die Annahme der von der Bndgetkommission vorgeschlagenen Resolutton. Kolonialdirektor v. Buchka erklärt, daß er der Neu-Gninea- Kompagnie keinerlei Vorzugsrecht gewähre. Man verfährt doch nach dem Grundsatz: wer zuerst kommt, der mahlt. Abg. Gamp(Rp.) hält gleichfalls eine Acnverung der gegen- wärtigen Verhältnisse für erwünscht. Deutschland müsse danach streben, Neu-Guinea unter seine dircttc Oberhoheit zu bekommen. Abg. Hasse(Natl.) tritt den Aenffernngen des Abg. Frese bei. Seme Freunde werden fiir den neuen Vertrag mit der Resolution stimmen. Kolonialdirektor v. Buchka erklärt, die 4 Millionen stellen ein» fach das ans Angebot und Nachfrage sich ergebende Acqinvalent für die Abtretung von Neu- Guinea dar. Auch der Kolonialrath, auf dessen Votum das hohe Hans zu meiner Freude ja ein so hohes Gewicht zu legen scheint, ist derselben Ansicht.(Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist'in den Saal getreten und konferirt längere Zeit mit dem Abg. Lieber.) Abg. Prinz Zkrcnberg(Z.) spricht sich für die Resolution aus. Abg. Richter(frs. Vp.): Der neue Vertrag stellt einfach eine völlig unverdiente Morgengabe an die Gesellschaft dar. Die ab- getretenen Realien können'wohl schwerlich irgend einen Werth dar- stellen, sonst müßte dieser doch in irgend einer Ziffer im Etat sichtbar werden. Das Reich sollte vielmehr eine Entschädigung dafür er- halten, daß es die Landeshoheit übernimmt. England würde sich in seiner Itolonialpolitik auf solche Abmachungen nie einlassen. Die Diskussion wird darauf geschlossen, die Resolution wird angenommen: der Etat fiir Ken- Gninca wird bewilligt, Damit ist der 5koloniaI-Etat erledigt. Es folgt der Etat dcS Auswärtige« AmtS» begiimend beim Kapitel Kolonial-Vcr waltung. Ans eine Anfrage des Abg. Graf Stolberg(k.) erwidert � Kolonialdirektor v. Buchka, daff Herr C e c i I Rhades in der That in Berlin anwesend sei (Heiterkeit I Cccil Rhades sitzt nämlich wahrend des letzten Theils der Sitzung, allen sichtbar, in der Diplomatenloge), daff mit ihm Verhandlungen wegen der Durchführung der central- afrikanischen Eisenbahn durch deutsches Gebiet schweben. Das Haus könne aber überzeugt sein, daß die deutschen Interessen gewahrt bleiben würden. Abg. Hasse(natlib.) giebt der Erwartung Ausdruck, daß die Regienmg in allen Fällen, wo auSlnitdisches Kapital mit deutschem gemeinsam arbeitet, die Regierung nack, drücklichst für letzteres eintreten werde. Abg. Richter(frs. Vp.): Ich kann den Erklärnngen des KolonialdirektorS nur beipflichten. Zur Sache selbst nehme ich keine Stellung. Aber im Allgemeinen kann ich' doch nicht annehmen, daß man in den Schutzgebieten exklusiver sein soll, als man in der Eisenbahnpolitik in Deutschland selbst ist. Wenn in Deutschland eine ausländische Gesellschaft eine Strecke deutschen Gebietes schneidet, so hat man ans ihrem Charakter als ausländische Gesellschaft keinen Grund hergeleitet, mit ihr den Vertrag nicht abzuschließen. Um etwas Anderes scheint es mir sich in Ostafrika auch nicht zn handeln. Abg. Lieber(Z.): In einem Artikel der heutigen Nummer der„Staatsbürger- Zeitung" heißt es. das Zentrum cmpsinge Herrn Cecil Rhodcs mit offenen Armen. Die Kolonialschwärmer von der iltechten habe es mit dem Kaufpreis der Usambarabahn gewonnen. Meine Herren, wir machen ja täglich die Erfahrung an unserem Leibe, wie Geschichts- lügen entstehen. Die Mythen der Vorzeit werden uns, die wir am Webstuhl der Geschichte des deutschen Volkes sitzen(Heiterkeit), mu so verständlicher sein. Aber cS ist doch selten, daff nur eine Legenden« bildung an ihrer Quelle so abfassen lönnen, wie in diesem Falle. Ich habe nur zu erklären, daß tvedcr ich, noch irgend einer meiner politischen Freunde Herrn Cecil Rhodcs kennen, daß wir weit davon entfernt sind, ihn mit offenen Annen zu empfangen und irgend welche Abtstachungen mit den Herren der Rechten zn Gunsten des -Herrn Cceil Rhodcs getroffen zu haben. Die Persönlichkeit des Herrn Cccil Rhodcs wäre auch für mich die allerletzte, fiir die ich irgend was thun möchte. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Gesandtschaften" fragt Abg. Richter(frs. Vp.), was Wahres an den Gerüchten sei, daß Deutschland beabsichtige, die Karolinen anzukaufen. Staatssekretär v. Biilow; Ileber diesen Punkt bin ich nicht in der Lage, etwa? mitzutheilen. Mit einer akademischen Erörterung würde nnsern Interessen ivenig gedient sein. Tie Situation läßt sich erst übersehen, wenn der neue Handelsvertrag zwischen Spanien und Amerika von den Kortez rattsizirt ist. Abg. Richter(frs. Vp.): Die ferne Zukunft interessirt mich natürlich nicht. Dagegen interessirt eS mich sehr lebhaft, zu erfahre», ob Dcutschlctnd zu seinen vielen werthlosen Kolonien noch neue dazu kaufen wird. Abg. V. Kardorff(Rp.): Herr Richter sollte es doch endlich aufgeben, immer von wcrthlosen Kolonien zu reden.(Heiterkeit.) Es ist doch durch Sachverständige unzählige Male bewiesen worden, daff sie einen großen Werth rcprüsentiren.(Enieute Heiterkeit.) Abg. Richter(frs. Vp.): Von werthlosen Kolonien zu sprechen werde ich erst dann auf« hören, wenn mir bewiesen wird, daß sie irgend einen Werth haben. Aus die Redereien von sogenannten Sachverständigen gebe ich gar- nichts(Lachen und Zurufe rechts), so lange ich wahruehme, daß die Steuerzahler immer neue Millionen in die Kolonien hineinstecken müssen.(Sehr richtig! links.) Abg. Graf Arnim(Rp.): Um daS Ausland darüber aufzuklären(Heiterkeit), welchen nn« bedeutenden Einfluß der Abg. Richter auf unsere Kolonialpolitik hat, will ich nur feststellen, daß Herr Richter den Kolonialetat stets abgelehnt hat. und daß unsere Kolonialpolitik trotzdem ihren ruhigen, sicheren, stetigen, geregelten, ungestörten, wenn auch langsamen (Große Heiterkeit) Weg geht. Und nur Herrn Richter ist eS zu ver- danken, daß unser Kapital sich so wenig an den Kolonien betheiligt, weil es durch ihn gruselig gemacht ist. Es muß endlich einmal konstatirt werden, daß die freisinnige Partei nur einen kleinen Bruch« theil der Nation darstellt(Heiterkeit), daß wir daher gar keine Ver- anlassung haben, irgendwie aus die Wünsche des Herrn Nichter Rücksicht zu nehmen. Präfident Graf Ballestrem: Die Diskussion ist geschloffen. Abg. Richter(frs. Vp.) nift, daff er sich zum Wort ge- meldet habe. Präs. Graf Ballestrem: Die Diskiisflon ist geschlossen. Abg. Richter(frs. Vp.): Ich bitte das Wort zur Geschäfts- ordnuiiä. Präs. Graf Ballestrem: Das Wort zur persönlichen Bemerkung hat Herr Richter. Abg. Richter(frs. Vp.): Ich bitte das Wort zur Geschäfts- o r d n u n g. Präs. Graf Ballestrem: Das Wort zur Geschäftsordnung hat Herr Richter. Abg. Richter(frs. Vp.): Ich habe mich in dem Augenblick zum Wort gemeldet, als Herr Graf Arnim sich setzte. Präs. Graf Ballestrem: Ich habe mich umgesehen. habe aber nichts bemerkt.(Heiterkeit.) Ich bitte den Herrn Abg. Richter, sich in Zuülnft zeitiger zu melden. Im Uebrigen kann ich ja, wenn das Haus nichts dagegen hat, die Diskussion wieder eröffnen. Das Wort hat also der Äbg. Richter. Abg. Richter(frs. Vp.): Nur einige Worte über das, was Herr Graf Arnim gesagt! Ich muff doch ein mächtiger Mann sein.(Große Heiterkeit.) Herr Gras Arnim hat ja gesagt) daff mein Eiuflnff im Stande gewesen ist, bnS Kapital von der Ansiedelung abzuhalten. Sie(nach rechts) ihäten also gut, etwas höflicher zu mir zu sein,(Heiterkeit,) Es ist ja auch schliehlich nur Höflichkeit von mir, daß ich mir fortgesetzt Mühe gebe, Sie davon zu überzeugen, daß Ihre Kolonialpolitik ganz zwecklos ist. Ich habe immer noch die Hofstmug, daß Sie in der Beziehung einnial klüger werden.(Große Heiterkeit.) Abg. Nrendt(Rp,): Den Einfluß des Abg, Nichter auf die kapitalistischen Kreise haben wir niemals in Zweifel gezogen, Einen anderen Einfluß hat ihm Graf Arnim auch nicht zugeschrieben, Wenn man sieht, wie Herr Richter bemüht ist, zu verhüten, daß das Deutsche Reich eine weitere Ausbreitung seiner Macht erfährt, so muß man es wirklich bedauern, daß Herr Richter nicht in einem französische» oder englischen Parlament sitzt. Wenn er dort die In- tcresseii deS Landes so vertreten würde wie hier, so würde er dort eine ganz andere Behandlung erfahren, als die hier, die die lang- müthige deutsche Geduld zuläßt.(Heiterkeit.) Ich gebe hier der Empfindung weiter Kreise des Volkes Ausdruck,(Heiterkeit,) Diese Empfindungen sind im Wachsen und haben es mit sich gc- bracht, daß die Partei des Herrn Richter kein Mandat aus eigenen Kräften mehr hat erringen können... Präsident Graf Ballestrem: Ich bitte den Herrn Redner, keine Wahldebatte zu provoziren. Abg, Arendt(fortfahrend) giebt nochmals feinem nationalen Bewußtsein Ausdruck. Abg. Richter(frs, Vp,): Ich will dem Herrn Vorredner nur bemerken, daß meine Partei bei der letzten Wahl stärker, die des Herrn Vorredners aber schwächer geworden ist. Im Uebrigen habe ich zu gewissen Andeutungen nur zu sagen: Ich vertrete nicht englische oder französische Interessen, sondern die der deutschen Steuerzahler.(Bravo! links.) Beim Titel„Botschafter in PariS" erwidert auf eine Anfrage des Abg. F r e s e(fts. Vg.) Direktor im Auswärtigen Amt, Reichardt, daß die drakonische Dpitlm-Gesetzgebung Frankreichs, worüber die deutschen Rheder Klage führen, insofern gemildert sei, als die Belohnung für den Angeber von �/z auf Vs des Werthcs der Ladung herabgesetzt sei. Daß gerade die deutschen Rheder sich beklagen, liegt daran, daß sie malayischc And chinesische Mannschaften in den betreffenden Fällen verwandt haben.(Hört I hört l bei den Sozialdem.) Gerade Malaycn und Chiucsen sind des Opiumschmuggels sehr verdächtig und daraus erklärt sich das Vorgehen der französischen Kolonialbchörden. Wenn sich die betreffenden deutschen Rheder entschließen wollten, deutsche Mann- schaften zu verwenden, würden die Klagen sich mindern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Titel wird bewilligt. Beim Titel„Ministcrresidcnt in Santiago" fragt Abg. Hehl zn Herrnsheim(»atl.) nach dem Stand der Handels- dertragS-Verhandlungen mit Chile. ,_ Ministerialdirektor Reichardt erwidert, daß über den Abschluß cnies definitiven Handelsvertrages Verhandlungen schweben. Näheres könne er zur Zeit nicht mittheilen. , Der Titel wird bewilligt. Beim Titel„Zur Entsendung laud- und forstwirthschaftlicher Sachverständigen"— 118 COO M.— wird folgende von der Budget- tommission beantragte Resolution angenommen: Der Reichskanzler wird ersucht, die Berichte der land- und forst- wirthschaftlichcn Sachverständigen im Auslande den Reichstags- Abgeordneten in möglichst ausführlicher Form zugehen zu lassen. Beim Titel„Konsulat in Alexandrien" richtet Abg. Metzger(Soz.) die dringende Bitte an den Staatssekretär, die Konsuln doch darauf hinzuweisen, daß die deutschen Seeleute bestimmte Rechte hätten, die in der SecmannSordnung niedergelegt sind. Der Präsident unterbricht den Redner und macht ihn darauf austnerksam, daß er diese Angelegenheit bei Titel I hätte zur Sprache bringen� sollen. Abg. Metzger behält sich vor, bei anderer Gelegen- heit auf diese Beschiverde zurückzukommen. Abg. Richter(frs. Vp.) fragt an, waS für positive Nachrichten über daS angebliche Bomben- attcntat in Alcxandria vorliegen.(Zurufe: Aha!) Der Minister deS Innern hat im preußischen Abgcordnctenhause auf nicine Frage, ob an der. Sache etwas Wahres sei, erwidert: Leider muß ich hier kon- statiren, daß dieser Angelegenheit eine sehr ernste Fassung zu Grunde liegt. Die Nachricht alexandrischer Blätter, so der„Reformc", lauten ganz anders. Hiernach ist gegen 13 verhaftete Personen nur wegen unerlaubter Verbindungen ein Verfahren eingeleitet worden. Die Anklagekammer aber hat die Absicht eines Attentats ftir ausgeschlossen erklärt. Unter den Verhafteten befindet sich einer Namens Mario Bazani, der wegen Voripiegelung, eines Verbrechens angeklagt ist. Er soll wiffenilich falsche Anschuldigungen erhoben haben, und das Blatt fügt hinzu, daß er den ganzen Bombenanschlag im Dienst der englischen Polizei ausgeheckt habe. Dieser Bazani hat selbst als Gast die Kiste nnt den Bomben in der Wirthschaft des Panni niedergelegt und ist dann eine Stunde später in Bc gleitnug der Polizei erschienen, die die Kiste beschlagnahmt hat. Direktor im Auswärtigen Amt Hellwig: Die Vorgänge, die sich im vergangenen Herbst in Alexandria ereignet haben, werden Ihnen aus der Zeitung bekannt sein. Zur Klarstellung der Sache will ich hier mir drei Berichte des Konsuls aus A l e x a n d r i a vortragen. Am 17. September berichtet er, habe er vom italienischen Konsul erfahren, durch einen Zufall seien bei einem italienische» bekannten Anarchisten, der einen Straßenbahn-Unfall erlitten habe, Papiere gefunden worden, au§ denen hervorgeht, daß 28 namhafte, bekannte, italienische Anarchisten sich nach Kairo, Port Sald und Alexandria begeben hätten; andere seien nach Palästina abgereist.(Hört! hört! rechts. Lachen links.) Ferner sei in einer anarchistischen Versammlung beschlossen worden, den durch das Bombenattcntat von Barcelona bekannten Anarchisten Masio nach Alcxandria kommen zu lassen, vermuthlich in der Absicht, ihn dort ein Attentat ausführen zu lassen. Ein zweiter Bericht voin lö. Oktober besagt, daß der deutsche Konsul von dem Ehlff der hiesigen Geheimpolizei erfahren hätte, daß man einer größeren anarchistischen Unternehmung auf der Spur sei. Wenn der deutsche Kaiser nach Alexandrien kommt, sollten auf dem Mehemed Ali-Platz Bomben nach ihm geschleudert werden. Die Bomben seien hier an- gefertigt worden. Nach Abändening des Reiseplanes des deutschen Kaisers seien die Bomben in der Wirthschaft des Hugo Parini nieder- gelegt werden. Wahrscheinlich sollten sie nach Palästina ge- bracht worden. Auch seien bereits zwei Anarchisten nach Port Said abgegangen und dort verhaftet worden. Die Bomben seien in eine Kiste verpackt gewesen. Als gestern der italienische Vizckonsul mit zwei Kawassen und anderen Polizisten in dos Magazin des Parini emgetreten sei, hätte er die Kiste alsbald erblickt.(Heiterkeit links.) Parini aber hätte auf das Entschiedenste geleugnet, den Inhalt zu kennen, er hätte behauptet, ein Unbekannter hätte sie hingestellt. Er hätte dann einen Hammer ergriffen, an- geblich, nm die Kiste zu öffnen, sicherlich aber in der Absicht, sich und seine Umgebung in die Luft zu sprengen.(Lachen der den Sozialdemokraten.) Nachdem Parini daran verhindert und ver- haftet wurde, hätte er unter heftigsten Drohungen erklärt, Anarchist zu sein. Außer ihm seien noch acht weitere Anarchisten verhaftet. hätten aber sämmtlich jede verbrecheriche Absicht geleugnet. I» der Kiste waren zwei Bomben enthalten, die sowohl durch eine Zund- schnür wie durch Auswerfen auf dem Boden zur Explosion gebracht werden konnten. Jede Bombe ivog 2 Kilo 130 Gramm und war mit etwa 26 Revolverpatronen groben Kalibers geladen. Der dritte Bericht ist vom 24. Oktober datirt und sagt, daß der bereits mehrfach erwähnte Anarchist Masio auf dem Dampfer Malta eingetroffen und verhaftet sei. Anßer einem nchtigen, hätte er noch einen zweiten Paß auf den Namen Campanellr bei sich geführt und auch seine Koffer so gezeichnet. Bei ihm versteckt sei em Berzeichniß der. Personen gesunden worden. die zu femen Reisekosten mit beigetragen hätten und das seren dieselben die in Alexandrien verhaftet worden seien. ES könne keinem Zweifel unterliegen, daß ein Attentat geplant gewesen sei. Ein Sach- verständiger habe die Gefährlichkeit der Bomben untersucht und fest- gestellt, daß. wenn die Explosion in der Lust erfolgt wäre, die Patronen nach unten gewirkt, und beim Auffchlagen der Bombe die Sprengtheile der Wände das Nöthige verrichtet hatten. Sehr schwer- wiegende positive Verdachtsgründe' lägen vor und das italienische Konsulat sei mit der eingehenden Untersuchung des Falles be- "chäftigt. Wir haben einen Einblick in den Gang der Verhandlungen natürlich nicht gehabt. Ich kann Ihnen nur'das abschließende Resultat der Voruntersuchung mittheilen. Dagegen habe ich zunächst festzustellen, daß es unzutreffend ist, daß die Verhafteten sämmtlich freigesprochen oder freigelassen seien, weil sich der Verdacht als gänzlich unbegründet herausgestellt habe und die ganze Sache er- schwindelt sei. Ein Urtheil liegt überhaupt noch nicht vor. Bis jetzt liegt nur vor ein Beschlutz der Anklagekamnier des italienischen Konsulats in Alexandria. Diese hat die angeklagten Verhafteten. 14 an der Zahl, unter Ausrechterhaltung der Haft'vor das Schwurgericht in Ancona verwiesen.(Hört! hört!) Der Antrag des Untersnchungs- richters an die Auklagekammer war dahin gegangen, die Angeschuldigten ivege» Verschwörung gegen das Leben des Oberhauptes einer be- freundeten Macht vor das Scknvurgericht zu verweisen. Die An- klagekainmcr hat sich nicht davon überzengen können, das) die Beweise ausreichend feien,(Hört, hörtl) dafür, dasi die Attentatspläne gegen den deutschen Kaiser gerichtet waren. (Hört! hört!) Dagegen sind 9 Angeklagte wegen Verbindung zur Vcrübung von Verbrechen, sowie 5 weitere wegen Betriebes einer heimlichen Druckerei, Vertriebs anarchistischer Schriften u. s. w. vor das Schwurgericht verwiesen worden. Außerdem ist nun noch ein Angeklagter vor das Schwurgericht in Ancona verwiesen ivcgen Simulation eines Verbrechens. Die bisherigen Be- richte lassen nicht erkennen. welcher nähere Thatbcstand dieser Anschuldigung zn Grunde liegt. Jedenfalls würde dieser Theil des Anklagcbeschlusses nicht erweisen, daß irgend eine amtliche Person oder Behörde wesentlich einer Täuschung sich schuldig gemacht hätte, sondern höchstens, daß einer der Angeklagten geflunkeri hat. Wir werden nun abzuwarten haben, welches Bild die bevorstehenden Verhandlungen vor dem Schwurgericht in Aueoua entrollen werden und zu welchem Urtheil dieser Gerichtshof gelangen wird. Die Forderung wird darauf bewilligt. Ebenso eine Reihe weiterer Konsulatsforderungen. Sodann wird die Weiterberathung bis Montag 1 Uhr ver tagt.(Außerdem: Antrag Rickcrt betr. Sicherung des Wahlge heimnisses; Antrag Liebermann v. Sonnenberg betr. Erlaß eines Schächtverbots.) Schluß 6 Uhr._ GuikkunA. Für die Familien der Opfer des Dresdener Schwurgerichts-Urtheils ginge» bei dein Unterzeichneten solgende Beträge ein: Aus Falkcnberg(Obcrschles.) 1,—. Delitzich, durch den Vertrauens mail» 40,—. Stuttgart, durch die Expedition der„Schwäbischen Tag wacht" 3. Rate 444,87. Geilenkirchen, Mitglieder des Verbandes deutscher Buchdrucker 32,5». Zwickau, nicht organiürte Textilarbeiter einer Fabrik in der Näbe Zwickau's 20,—. Würzen, organiürte Schuhmacher 10,06. Regensburg, von der Zahlstelle des Holz- arbciter-Verbandes 5,—. Wahlkreis Teltow-Becskow- Charlottenburg 200,—. Aus Hintcrhain b. Auerbach i. V. 10,—. Plauen-Haselbrunn i. V. Stammtisch Färbersgrnn 4,50, R. Plauen 0,50. Sa. ö,—. Potsdam durch den Vertr. 60,—(dar. Gesang». Schneeglöckchen 15,—, Zentral-Kranken lasse der Schneider F. P. 4,—). Calbe a. S., von den Parteigenossen 69,60. Calbe a. S., Verband der Dachdecker, Zahlstelle C. 10,—. Heidingsfeld, v d. Weißgerbern 10,—. Löbtau, von Glasarbeiten! durch E. H. 4,ö5 Halle a.'S., durch den Verlag des„VolkSblatt" 600,—. Brandenburg a. H., durch die Expedition der„Brandend. Zeitung" 800,—. Wonns, vereinigte Gewerkschaften 36,42. Ofsenbach, durch den Verlag des„Offenb. Abcndbl." 57,45. Bremerhaveu, aus den Nnterweser-Ortcn Bremerhaven, Geestemünde, Lehe, 4. Rate 300,—. Friedberg(Hessen), Kartell 5,35. Oldenburg(Grohh.), H. 6,—. München, durch die Spedition der„Münchener Post" Rest- betröge 56,20 und 15,80, Summa 72,—. Lanenburg a. E., durch den Vertr. 23,80. Berlin: Von Mälzern und Gäbrkellcrburschen der Böhmi- schen 10,--. Arbeiter der Metallwaaren- Fabrik von Ebel n. Lohmann Freienwalderstrabe. 20,—. Fr. Kr., Lindenftraße, 3,—. Vom Arbeiter- Raiicherbmid 100,—. Klub Rcimcr 4,25. Amtsgerichtsrath a. D. Dr. K. 20,—. Neuhaldensleben, Handschuhmacher der Fabrik Reinelt u. Rühl 7,60. -Laiigenbielari, durch Aug. Kühn 180,55."' � . Hasse 22,50. Liste 3129 24,75. Liste 3130 18,25. Liste 3131 10,35. Liste 3132 7,90. Liste 3134 18,55. Liste 3135 Modelltischlerei Borsig, Tegel 15,85. Liste 3141 9,70. Liste 3143 14,-. Liste 3146 3,95. Liste 3147 5,30. Liste 3151, Böttcher der Firma Koch 28,70. Liste 31S6 34,70. Liste 3161, von den Arbeitern der Firma H. u. S. 21,—. Liste 3181, Borsig, Tegel 23,85. Liste 3182 9,70. Liste 3192, Fabrik Seeger, Gerichtstr. 17 10,-. Liste 3200 11,05. Liste 3201 7,95. Liste 3202 3,45. Liste 3203 6,95. Liste 3207 16,65. Liste 3208 8,—. Liste 3210, Hartgummi- Fabrik Hochstraße 9,40. Liste 3213, Eiiengießerei Rudolf u. Kühne 15,—. Liste 3221 8,25. Liste 3223, Arend's Gießerei 19,90. Liste 3224 9,60. Liste 3225 16,45. Liste 3227 19,10. Liste 3229 Maschmenfabrik C. Hasse 18,40. Liste 3230. 5,20. Liste 3231 3,70. Liste 3233 2,-. Liste 3234 4,60. Liste 3235 Werkzeug- Maschinenfabrik Sentker, Rohr- Abtheilung 7,75. Liste 3242 Droschlentutscher Berlins durch Rosenau 6,80. Liste 3248 4,80. Liste 3350 Möwes, Codec» n. Co. 8,90. Liste 3261 34,50. Liste 3291 Werk-Abtheilung der„National-Zeitung" 9,—. Liste 3292 Langenscheidtstcke Buchdruckerei 17,—. Liste 3293 Druckerei Schneider u. Co. 7,25. Liste 3296 7,65. Liste 3297 4,60. Liste 3298 von Taxameter-Kutfchern durch F. K. 9,50. Liste 3304 5,70. Liste 3320 Buchdruckerei Moste(Accidenz) 12,80. Liste 3321 8,05. Liste 3328 36,10. Liste 3332 Hermann, Chauffeestr., 11,05. Liste 3334 Gebr. Schaar, Chausteestr., 10,45. Liste 3345 8,60. Liste 3390 7,35. Liste 3391 11,05. Liste 3393 21,95. Liste 3394 11,25. Liste 3402 24,75. Liste 3437 7,10. List- 3445 7,10. Liste 3446 7,50. Lifte 3447 7,75. Liste 3451 7,70. Liste 3452 7,—. Liste 3457 Hartgummi- Arbeiter Hochstraße 7,75. Liste 3463 21,80. Liste 3498 2,05. Liste 3499 16,80. Liste 6507 8,55. Summa 1164,15. In der Expedition des„Vonvärts" vom 4.— 10. März eingegangen 1692,65. Summa 13 827,21. Bereits quittirt 55 089,29. Gesammtsnmme 68 916.50 M. Unter Bezugnahme aus unsere Mittheilung(in Nr. 55 deS „Vorwärts", bitten wir nochmals, alle noch ausstehenden Beträge baldigst an uns einzusenden, da am IS. d. M. die letzte Quittung veröffentlicht werden soll. Berlin SW., den 11. März 1899. Für den Parteworstand: A. G e r i s ch, Katzbachstraße S. Ober-Langcnbielau, durch Aug. Kühn 180,55. Haynau t. Schl., v. d. Partei- genossen 60,—. Treptow a. Rega, durch R. B. 6,75. Schöneck i. B., von den Parteigenosten 5,—. Wolmirstcdt, Zahlstelle der Maurer, 20,—. Barth a. Ostsee, ges. in einer Gewerkschaftsversammlung 5,10. Breslau, P. G. 20,—. Magdeburg, von den Parteigenossen 1000,—. Posen, S. H. 30,—. Köln a. Rhein, durch die Expedition der„Rheinischen Zeitung", 2. Rate, 200,—. Fulerum bei Mülheim a. d. Ruhr, v. Bergleuten ö,—. Breslau, von einer Kausmannsfamilie 10,—. Halle a. S., Zivil-Jngenicnr 20,—. Reichen- bach i. V.. Richters Waldfest v. O. B. 1l,20. Pausa i. V., v. Textib arbcitem 10,—. Bremen, v. Parteigenossen auf Listen gesammelt 200,— Straßburg i. E., bei der„Freien Presse" b>s eiiischließltch den 8. März eingegangen 359,63. Salzniigen, durch R. W. 6,80. Pößneck, Schluß- rate durch P. Seigc 7,79. Graudenz, gesammelt d. Älietschau, 2. Rate l,80. Wien, unter Verzicht auf einen musikalischen Genuß 1,53. Crimmitschau, v. I. i. G.—,50, desgleichen H— r 1,—, desgleichen M. G. 5,25, desgl. G— g 4,—, desgl. v. Z— r durch E. F. ges. aus einer Hochzeit 3,50; Sa. 14,25. Lüchow, W. Sch. 20,—. Erlangen, von den Lederarbeitern 8,—. Hanau, auS dem Wahlweis durch G. Hoch 39,44 Holzen bei Eschershausen, d. A. M. 14,50. Mannheim, durch den Verlag der„Volksslimme" 141,29. Ouakenbrück, H. L. d. d. Vertr. 3,—. Langenöls, Bildhauer 7,75. Tarnistadt- Groß-Gerau, Wahlkreis, 1. Rate 100,—. Zeulenroda, vom Gewerkschaftskartell 50,—. Breslau, von den Vertrauens- männern, 3. Rate 500. Stuttgart, d. d. Erpedition des„Beobachter" 309,10. Hannover, durch die Expedition des„Volkswille" 500,—. Aus der Ober- lausitz, eingegangen beim„Armen Teufel" 202,20. Von Glasarbeitern, durch Horn 22,20. Magdeburg, Restbetrag 80,14. Frankfurt a. M., durch die Expedition der„Vnlksstimine", 2. und letzte Rate 424,05. Lands- bcrg a. W., von organisirten Holzbildhauern, durch M. Salzbauni 3,05. alberstadt,„Arbeiterzeitung"(„Sonntagszcitung"), 1. Rate 400,—. iotha, gesammelt durch das„Volksblatt" 87,95. Hamburg, Zentral- verband der Zimuierer und verwandt. Berufsgenosten(ans den Zahl- stellen, 3, Rate) durch Römer 800,—. Freienwalde a. O, Zahlstelle des Deutschen Holzarb.-Verb. 5,—. Solingen, durch die„Bergische Arbeiter- stimuie" 14,61. Im zweiten Berliner Wahlweis auf Listen gesammelt: Liste 181 6,35. Liste 213 3,—. Liste 262 technisches Personal des Berliner Theaters 20,05. Liste 278 1,75. Liste 294 10,50. Liste 297 4,60. Liste 298 3,60. Liste 320 19,30. Liste 363 1,80. Liste 367 7,60. Liste 368 ges. b. Salzu u. Spangenberg 7,70. Liste 382 ges. b. Krüger, Lützowstr. 6 21,35. Liste 333 2,30. Liste 387 4,15. Liste 391 ges. v. Personal d. Schriftgießerei u. Messingl.-Fabr. H. Berthold 21,50. Liste 392 desgl. 17,05. Liste 393 desgl. 16,25. Liste 394 desgl. 12,55. Liste 395 Schriftgießer und Mitarbeiterinnen der Schriftg. Theinhardt 17,-. Liste 405 8,25. Liste 407 10,90. Liste 408 10,30. Aus Liste 475 zu den bereits quittirten 14,10 noch—,80. Liste 478 9,30, Liste 479 6,—. Liste 500 7,65.(Auf der bereits niit 17,20 quittirten Liste 409 sind gesammelt bei Schaller u. Ko. 5,50.) Sa. 252,10.— Vierter Berliner ReichStags-Wahlweis(Osten) 1500,—. Im sechsten Berliner RcichstagS-Wahlweis(Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen) ans Listen gesammelt: List- 4503 7,20. Liste 4509 20,-. Liste 4510 7,50. List«;4514 6,60. Liste 4532 Gliesche 8 35. Liste 4533 6,50. Liste 4535 8,20. Liste 4537 5,45. Liste 4542 8,95. Liste 4551 6.05. Liste 4558 5,30. Liste 4559 6,35. Liste 4562 4,30. Liste 4567 3,70. Liste 4573 2,40. Liste 4573 2,40. Liste 4574 17,20(dar. Werkst. Dittberner 2,75). Liste 4575 4,80. Liste 4578 17,38. Liste 4582 5,80. Liste 4583 1,-. Liste 4709 7,20. Liste 4710 2,80 Liste 4714 12,45. Liste 4717 13,80. Liste 4727, Panzer-Gesellschaft Badstr. 59, 20,40. Liste 4729 8,40. Li�".c r i n— Liste 4739 9,15. Liste 4758 13, Liste 4802, desgl., 15,35. List«________. II......... I Wolltnerstt 27a, 9,-. Lifte 4811, Tischlerei A E. G., 9,65. Summa 316,18. Im 6. Berliner ReichStags-Wahlweis(Wedding und Oranienburger Bor- stadt) auf Listen gesammelt: Liste 3005 2,70. Liste 3007, Borsigwerk, mechanische Abtheilung durch Moritz 8,25. Liste 3008, Borsigwerk Tegel durch Moritz 9,05. List- 3009 desgl. 26,35. Liste 3014 11,40. Liste 3017, Borsigwerk Tegel durch M. 6,55. Liste 3020, Marmorputzer und Maler vom Bau„Alte Post" 8,50. Liste 3026, angehende Zuchthäusler 10,75. Liste 3027 19,65. Liste 3030 2,20. Liste 3031, Former von Schöning 13,—. Liste 3032 4,30. Liste 3033, Bruder Heinrich 8,4S. Liste 3037 13,90. Liste 3039 6,8°. Liste 3040 4,85. Liste 3047 6,10. Liste 3048 6,15. List- 3049 3,6°. Liste 3050 8,20. List- 3051 6,70. List« 3062 Sch. U. O.(40) 27,05. Liste 3069 17,30. Liste 3070 9,20. Liste 3072 2,45. Liste 3078 13,65. List- 3100 15,45. Liste 3101 8,0°. Lift- 3106(Fabrik Martens in Moabit) 5,—. Liste 3107 Bautischlerei„Oller ehrlicher Seeinann", . Chauffeestr. 48 11,70. Liste 3110 8,60. Liste 3128 Werkzeugmafchinen-Fabrik Kommunales� Tie städtische Berkehrsdeputation hat sich in ihrer gestrigen Sitzung mit der Feststellung der Grundsätze beschäftigt, nach welchen die Pensionskasse für sämmtliche Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft er- richtet werden soll. Den Berathungen der Deputation lag der Be- richt einer Snbkmmisfion, für welche Stadtv. Singer referirte, zu Grunde. Beschlosren wurde, daß die Kasse eine reine Pensionskasse ohne Rcliktenversorgung sein solle. Beiwäge werden zur Hälfte von den Versicherten, zur anderen Hälfte von der Gesellschaft geleistet. Der Beitritt ist allen bis 40 Jahre alten und nicht blas vorüber- gehend beschäftigten Angestellten zuzuerkennen. Die Rückzahlung der eigenen Beiträge der Mitglieder für alle Fälle deS Ausscheidens soll in Höhe von»/< der geleisteten Zahlung erfolgen. Die Festsetzung der Beitragshöhe wurde ausgesetzt, um die hierzu gemachten Vorschläge einer nochmaligen Prüfung unterziehen zu können. Im allgemeinen werden sich die Beiwäge der Angestellten auf 2— 3 pCt. vom Lohn bezw. Gehalt belaufen. Bei diesem Punkt wurden die Berathungen abgebrochen, um nach erfolgter Prüfung der nothwendig werdenden Beiträge wieder auf- genommen zu werden. Beabsichtigt ist die Pensionirung bei eintretender Dienstunfähig« keit nach Verlauf von zehn Jahren. Die Pension soll nach den für Beamte geltenden Sätzen berechnet werden und zwar mit �/« deS Lohnes oder Gehalts beginnen und mit einer Steigerung von w«o für jedes fernere Dienstjahr bis zum höchsten Satz von«/eo steigend. Eine Anrechnung der bisherigen Dienstzeit der Angestellten ist zu Lasten der Gesellschaft vorgesehen. Was die Organisawon und Verwaltung der Kasse anlangt, so sollen die Gesellschaft und die Gesammtheit der Kaffenmitglieder zu gleichen Theilen und Rechten dabei mitwirken. Zur Entscheidung etwaiger Streitigkeiten soll ein ständiges Schiedsgericht errichtet werden, welches aus einem Magiswatsmitgliede als Vorsitzenden und je zwei von der Gesellschaft und von den Kassenmitgliedern gewählten Mitgliedern bestehen soll. Dies sind die Grundsätze, nach welchen das Kassenstatut errichtet werden soll. Die Berathung und Festsetzung des Statuts bleibt der Verkehrsdcputation vorbehalten, wird aber erst erfolgen, tvenn die oben erwähnte Prüfung der Kassenbeiwäge stattgefunden hat und die Grundsätze für das Kassenstatut festgestellt sind.— Mit dem Bau einer neuen Heimstätte für IVO brustkranke Männer nebst Beamtenwohnhaus, Waschküchengebäude, Maschinen- haus und Leichenhalle auf dem Rieselgute Buch wird die Stadt« verordneten-Versammlnng sich in ihrer nächsten Sitzung zu be- schäftigen haben. Der Magistrat hat die Skizzen anfertigen lassen und dieselben mit dem Kostenüberschlag, dem Erläuterungsberichte und dem AnwagederVersammlung zugehen lassen, dieselbe möge sich vorbehaltlich des endgilwgen Bauplanes, der bestimmten Kostenanschläge und der Art der Bereitstellung der Mittel hiermit einverstanden erklären.— In der neuen Heimstätte sollen die Brustkranken nach denselben Grundsätzen aufgenommen und verpflegt werden, wie sie für die bereits bestehenden Heimstätten für Brustkranke gelten.— Hinsicht- lich der Errichtung einer zweiten Heimstätte für brustkranke Frauen will sich der Magistrat eine Vorlage unter Nachweis des Bedürfnisses vorbehalten. Es wird bemerkt, daß auch Blankenfelde zur Zeit nicht nur vollständig belegt, sondern daß auch dort noch S Vormeldungen vorhanden seien, welche schon jetzt eine Wartezeit von 8 Tagen erfordern. Lokales. Die Wahl im zweite» Kreise. Der unpolitische Magistrat von Berlin glaubte zweifellos dem Liberalismus einen wesentlichen Dienst damit zu leisten, daß er den Termin für die Nachlvahl im zweiten Wahlkreise auf den 11. April ansetzte. Die Herren auS dem„Rothen Hause' waren so schlau, erst noch einen großen Umzug in Berlin vor der Wahl statt- finden zu lassen, in der stillen Hoffnung, auS der stärkeren Fluktuation der Arbeiterbevölkerung einen Nutzen für das freisinnig- konservativ-anttsemiwsche Kartell herauszuschlagen. Dieser Versuch, das Wahlglück ein wenig zu korrigiren, wird hoffentlich mißlingen— aber für unsere Parteigenossen ist dieses Verhalten des liberalen Magistrats ein Ansporn, doppelt und drei- fach thätig zu sein, um den Wahlsieg an unsere Fahne heften. Diejenigen aber, welche seit der vorigen Wahl ihre Wohnung aufgegeben haben und auf deren Lässigkeit gerechnet wird, müssen dieser freisinnigen Spekulation dadurch einen Strich durch die Rechnung machen, daß sie am Wahl- tage Mann für Man» an der Wahlurne desjenigen Wahl» lokals, in dem sie im vorigen Jahre bei der Haupt- und Stichwahl gewählt haben, erscheinen nud Stimmzettel für unseren Kandidaten Richard Fischer abgeben. Freie Volksbühne. Die Mitglieder der dritten Abtheilung werden gebeten, darauf zu achten, daß die Vorstellung der dritten Abcheilung im Lessing-Theater erst am 19. März stattfindet, heute keine Vereinsvorstellung im Lessing-Theater ist. „In Behandlung' gelangt für die fünfte Abtheilung heute mit Frau Auguste Prasch-Grevenberg im Friedrich Wilhelm- städtischen Theater zur Anffühninq." Marken zum Märzfcst des Vereins k 50 Pf. sind nur für M i t g l i e d e r in den Zahlstellen ausgelegt. Da dieselben nur in beschränkter Zahl ausgegeben werden können, empfiehlt es sich, die- selben baldigst zu lösen.(Programm siehe heutiges Inserat.) „ Muglleder. welche die am 23. April im Theater de» Westens stattfindende Opernvorstellung besuchen wollen, müssen sich bis zum SO. März spätestens in ihrer Zahlstelle notiren lasten. Von da ab gelangen besondere Einlaßkarten ä 90 Ps. zur Ausgabe. Der Vorstand. G. Winkler. � Die unbermiethctcn Wohnimgc» haben sich in Berlin im Lause des Jahres 1897 weiter vermindert,— relativ und auch cibiolut. Wie der Bericht der städtischen Steuerdcputation pro 1897/98 ongiebt, waren Ende 1897 lbezw. Ende 1896, 1895, 1894) hier nur noch 22 723_(24 909, 26 087, 31 599) Wohnungen einschl. Dienst-, Fabrik-, Geschäfts-, Arbeitsränme 2C. unvermiethet, das sind rund 4,6 r-IT'J''?' 6'� bCt. aller vorhandenen Wohnungen ec., deren Zahl NA, Ende 1897(bezw. 1896, 95, 94) auf 490 873(483 374, 466 449, 461 4o3)_ belief. Die einzelnen Stadttheile Weilben natürlich von dle,em Durchschnitt der ganzen Stadt vielfach recht erheblich ab. Allgemeinen fanden sich auch 1897, wie seit einer Reihe von Jahren, in den ärmeren Stadttheilen verhältnihmäßig i.te meisten unvermietheten Wohnungen. Daß vier ein höherer Prozentsatz als in den wohlhabenden Stadttheilen leer steht, das ist schon deshalb wüuschenswerth und nothwendig, �■r„„te®o!§r,unf!en in den ärmeren Stadttheilen im allgemeinen viel haustger gewechselt werden und eine glatte Abwickelung der Uin- �'sll� ohne einen gewissen Prozentsatz unvermietheter Wohnungen nicht möglich ist. Ende 1897(in Klammern die Zahlen für Ende 1896) stand der Antheil der unvermietheten Wohnungen u. s. w.(in Prozenten aller Wohnungen u. s. w.) über dem Durchschnitt "n Spandauer Viertel mit 4.7(4.2), im Äönigsviertel mit 4,8(4,8), m der Oranienburger Vorstadt mit 4,9(5,4), im östlichen Therl des Stralauer Viertels mit 5.1(5,2), im westlichen Theil Stralauer Viertels mit 5,5(4.4). auf dem Wedding mit ®'c'e Beispiele zeigen zugleich, daß, obwohl im ganzen von 1896 zu 1897 eine Verminderung des Antheils der unvermietheten Wohiiungen eingetreten ist. im einzelnen manche Stadttheile zwar eine Verminderung, andere aber eine Vermehrung gehabt haben. Eine bemerkenswerthe Verminderung hatte besonders der nördliche Theil der Rosenthaler Vorstadt. 1897 nur noch 4.5. 1896 dagegen noch 6,1, und der westliche Theil von Moabit, 1897 nur noch 4,1 1896 dagegen noch 7,3. Beide, vorwiegend von einer ärmeren Bo volkerung bewohnten Stadttheile standen 1897 mit ihrem Antheil unter dem Durchschnitt der ganzen Stadt, während sie 1896 nocfi erheblich über dem damaligen Durchschnitt gestanden hatten. An ichcinend bereitet sich auch in den ärmeren Stadttheilen eine starke Verminderung der Zahl der unvermietheten Wohnungen vor. Die Ehrenspenden für die Märzgefallenen. Die„Volks- Zeitung" schreibt: Die Angelegenheit der Verbrennung der den Märzgefallenen gewidmeten Kranzspenden dürste die nächste Ver- sammlung der Stadtverordneten beschäftigen. Um die Art des Ver- nichtens der Märzkränze, welche im Vorjahre berechtigten Unwillen erregte, zu verhüten, beabsichtigen einige freisinnige Stadtverordnete des Nordostens, wie in einer freisinnigen Bezirksvereins-Versammlung niitgetheilt wurde, eine rechtzeitige Äufforderung an die städtische Parkdeputatton zu richten. Wiedercinschung in den vorigen Stand. In der Privat- rlageiuche des Chefredakteurs der„Vossischen Zeitung" Friedrich Steph any gegen den verantwortlichen Redakteur' der„Deutschen Tageszeitung" Dr. Strehlke war in dem Termin vom 2. d. M. das Verfahren eingestellt worden, weil der Kläger sich verspätet hatte Die Klage ist jedoch durch Gerichtsbeschluß wieder in den vorigen Stand eingesetzt worden und es ist die Anberaumung eines neuen Termins demnächst zu erwarten. Hoffentlich wird Herr Stephany dann nicht wieder durch einen unglücklichen Zufall von der Wahrung seiner Ehre abgehalten. Polizeilich abgenommen wird am Dienstag die bisherige Pferdebahnliiue Rathhaus— Fichtestraße für den elektrischen Betrieb. Die Linie wird zu gleicher Zeit verändert und verlängert. Die Sttecke vom Alexanderplatz bis zum Rathhause fällt ivcg. Die Wagen gehen vom Alexanderplatz weiter durch die Alexander Münz- und Alte Schönhauserstraße und die Schönhauser Allee bis z: m Riugbahnhof. Auf der verlängerten Linie wird mit 14 Motor- wagen der Achtminutenverkehr eingeführt. Der Betrieb soll am Mitt- lvoch beginnen. Tie OumibuS-Kutschcr und Schaffner haben die Instruktion erhalten, zur Aufnahme von Passagieren am Spittelmarkt und zwar zwischen Leipzigerstraße resp. dem Rondel gegenüber der Seydelstraße bis zur Kurstraße, nicht zu halten. Diese Verordnung ist auf den außerordentlich starken Straßenbahnverkchr zurückzuführen. � Mit dem Umbau des Potsdamer Ringbahnhofes wird jetzt begonnen werden, nachdem endgiltig beschlossen worden ist daß der neue Bahnhof vom 1. April 1901 ab auch dem Vorort- verkehr der Anhalter Bahn dienen soll. Ter diesjährige Berliner FrühjahrS-Jahrmarkt findet vom Mittwoch, 15. März früh, bis Somrabend, 18. März Abends, im Südwesten(vor dem Hallestchen Thor) in der Gncisenau-, York- Grotzbeeren-, Baruther-, Nostiz-, Schleicrmacher- und den angrenzen den Straßen statt. Das Befinden der bei dem Brande in der Metzerstraße 29 verunglückten Angehörigen der Feuerwehr ist andauernd be- friedigend. Dem Brandmeister Baumann geht es wesentlich besser. Auch das Befinden des ebenfalls im Kränkenhause Friedrichshain untergebrachten Feuermanns Bowitz hat Fortschritte zum Bessern gemacht. Freilich ist noch fraglich, ob beide jemals im Stande sein werden. Dienst zu thnn. Der Obcrfeuermann Hanke hat noch immer miter den Einwirkungen der Rauchvergiftung zu leiden und ist auch »och nicht dienstfähig. Am 13. März, Abends nach Dicnstschluß, wird das Post'- amt 35 von dem Hause Potsdamerstr. 36 nach dem Hause Hutzolvstr. 93 verlegt und führt fortan die Bezeichnung„Postamt 35 (Lützowstraße)." Nach dem Amtsblatt des Reichspostamts ist dieses der Ober- postdirektion Berlin darin beigetreten, daß Briefumschläge mit einem Ausschnitt, durch den die auf der Einlage(Brief, Druck- mche u. s. w.) befestigte Freimarke sichtbar ist, aus betriebstechnischen Rücksichten für den Postverkehr nicht geeignet sind. Steckbrieflich verfolgt wird der 40 Jahre alte, aus Posen gebürtige Kaufmann Bernhard Scherek, der an der Jerusalemcr Kirche Nr. 2 eine sehr fein eingerichtete Wohnung inne hatte. Die Flucht Scherek's hängt mit dem Zusammenbruch der Kleiderstoff Handlung von Zossenheim und Thiele zusammen. Scherek betrieb in der Nicderwnllstraße ein Strumpf- und Posamentiergeschäft. Es stellte sich erst nachträglich heraus, daß er der Geldmann von Zossen- heim und Thiele und der eigentliche Eigentümer des Geschäftes, die Inhaber im Grunde nur seine Buchhalter waren. Als Scherek sah, daß es mit dem neuen Geschäfte nicht ging und daß der Zw saniinenbruch unvermeidlich war. überredete er Zossenheim und Thiele, die noch vorhandenen Waarenbestände und soviel sie sich auf Kredit noch verschaffen könnten, zu Schleuderpreisen zu verkaufen und das Weite zu suchen. Daß Scherek bei diesen Schwindelgeschichtcn seine Hand im Spiele hatte, wußte damals niemand. Im August v. I. kam die Angelegenheit vor den Straf- richter. Zossenheim erhielt wegen betrügerischen Bankrotts vier Jahre, Scherek lvegen Anstiftung zwei Jahre Gefängniß; Thiele ist noch immer nicht ermittelt. Scherek aber legte Revision ein und drang damit durch. Das Reichsgericht verwies seine Angelegenheit zu erneuter Verhandlung an das Landgericht I zurück. Der An- eschuldigte, der bereits fünf Monate in Untersuchungshaft gesessen )atte, wurde nun einstweilen auf freien Fuß gesetzt und wohnte auch eine Zeit lang wieder in seiner alten Wohnung. Er scheint es aber vorgezogen zu haben, den Erfolg der neuen Verhandlung nicht erst abzmvarten. Die ganze Familie ist verreist. Wie gefährlich es unter Umständen ist. neben der Schloß- wache einherzulaufen, lehrt wiederum ein Vorfall, der sich gestern Mittag zugetragen hat. Der Bäcker August Blume wurde von dem Tambourmajor so gefährlich mit dem großen Stab geschlagen, daß er ohnmächtig niederfiel. Die schivere� Kopswunde, die Blume er halten hatte,' Ivurde in der Universitätsklinik verbunden. Näthselhaft ist der Selbstmord des 35 Jahre alten Arbeiters Wilhelm Thieme, der seit September v. I. bei seinem Schwager. dem Arbeiter Bittner, in der Dessauerstr. 22 wohnte und dessen Leiche am Schiffbauerdamm aus der Spree gelandet wurde. Thieme war am vergangenen Sonntag ausgegangen. Gegen seine Gewohnheit blieb er die ganze Nacht und den anderen Vormittag weg; erst am Montag Nachmittag kehrte er nach Hause zurück. Hier erzählte er. daß er in der Trunkenheit eine Fensterscheibe zertrümmert habe. ans die 39. Revierwache in der Lindenftraße gebracht und dort bis Montag Mittag festgehalten worden sei. Von seiner Schwägerin erbat er sich 12 M., damit er die Scheibe bezahlen könne. Mit dem Gelde ging er gleich weg und kam nicht wieder. Am Donnerstag Morgen schrieb er seinem Schwager eine Karte, daß er ins Wasser gehen werde. Das hat er denn auch gethan. er aber von seiner Festnahme erzählt hat, ist erfunden. Thieme ist gar nicht auf der Revierwache gewesen, und man weiß dort auch nicht, daß er eine Scheibe zertrümmert hätte. Es ist daher räthsel Haft, was den Mann zum Selbstmorde veranlaßt haben kann Thieme, der in der Druckenmüller'schen Eisenfabrik am Halleschen Ufer arbeitete, hinterläßt in Vietz bei Landsberg a. W. eine Frau mit drei Kindern. Ncbcr ein Pistolcndncll, welches im Grunewald stattgefunden haben soll, wird mit der Angabe berichtet, daß zwischen einem Beamten aus Mecklenburg und einem Studenten ein zweimaliger Kugelwechscl stattgefunden habe. Beim zweiten Kiigelwechsel habe der Student einen nicht lebensgefährlichen Schuß in die linke Brust. der Beamte einen leichten Streifschuß in die linke Seite erhalten Der Grund zum Duell soll in einer Beleidigung bestehen, die der Student dem Beamten gegenüber gethan hat. An den amtlichen Stellen der Grunewaldbezirke und bei den in Betracht kommenden Polizeistationen ist von diesem Duell bisher nichts bekannt geworden Ein alter Sonderling, der Rentter F. Waldeckcr, der vor einigen Wochen gestorben ist, hat die Stadtgemeinde Berlin testamentariicklZU seiner Universalerbin eingesetzt. Zu seinem Nach las' aebörcii d«* Häuser, außer dem Wohnhause des Testators srnnKi-nftr 39 noch zwei diesem gegenüberliegende Häuser, die Nummern 3 und Die Häuser Nr. 3 und 4 besitzen keinen Miether. sie stehen schon se?� fahren leer. Tic Unsitte der Kinder, an Stroh- und Heuwagen heran zulaufen um sich aus der Ladung ein paar Halme herauszuziehen hat gestern in der Priuzen-Allee ein Opfer gefordert. Der 4tts Jahre alte Knabe Arthur Salomo ans der Prinzen-Allee 45 spielte vor den, elterlichen Hause. Als ein Strohwagen vorüberfuhr und er nach den Halmen griff, kam er zu Falle und gerieth unter den Wagen. Ein Rad ging ihm über den Kops und zerichmetterte diesen. Der Verunglückte verschied auf der Stelle. Aus dem Fenster des fünften Stockes hinabgestürzt ist am Freitag Abend im Hause Wollinerstr. 11 das 1-/- Jahre alte Töchterchen des Händlers Flärten. Das Kind hatte spielend am Fensterbrett gesessen und sich während eines unbewachten Augen- blicks so weit hinausgebeugt, daß es in den Hof hinabstürzte. Ivo es mit zerschmetterten Gliedern todt liegen blieb. Die Leiche des verunglückten Kindes wurde nach dem Schanhause geschafft. Ausschluß von der Börse. Das Ehrengericht an der Berliner Börse hat folgenden Beschluß gefaßt, welcher durch Aushang an der Börse bekannt gemacht wird:„Der Angeklagte Paul Wendland (Direktor des Deutschen Bankvereins Paul Wcndland u. Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien) ist schuldig, eine mit der Ehre und dem Ansprüche auf kaufmännisches Vertrauen nicht zu vereinbarende Handlung im Zusammenhange mit seiner Thätigkeit an der Börse begangen zu hoben und ist deshalb unter Auferlegung der Kosten des ehrengerichtlichen Verfahrens mit der Ausschließung von der Börse auf die Dauer von drei Jahren zu bestrafen." Ii» der Badewanne gestorben ist der 17 jährige Sohn Erich des Lederlvaaren-Fabrikanten Sch. in der Alexaudrinenstraße. Der junge Mann Hatte sich, während seine Eltern von Hause abwesend waren und außer seinem jüngeren Bruder alle Hausbewohner bereits schliefen, ein Bad zurecht gemacht. Als er sich nicht mehr sehen ließ, uchte ihn der Bruder und fand ihn bereits todt vor. Die miihniiqcn eines herbeigerufenen Arztes waren vergeblich. Ob Erich Sch. durch Kohlengnsc. die sich vielleicht beim Feucrmachen entwickelten, oder infolge eines Schlaganfallcs starb, steht noch nicht fest. Marktpreise von Berlin. 10. März 1899.(Nach Ermittelungen des Polizeipräsidiums.) Weizen 16,00— 14,80 M., Roggen 14,20 bis 13,50 M... Futter-Gerste 13,00—12,70 M., ermittelt pro Tonne von der Zentralstelle der prenß. Landwirthschaftskammer— Nottrungs tclle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppcl zcntner. Hafer, gute Sorte 15,20— 14,70 M., Mittel-Sorte 14,60 bis 14,00 M., geringe Sorte 13,90—13,40 M.. Richtstroh 3.82—3,32 M., Heu 7,00—4,40' M.. Erbsen, gelbe zum Kochen 40,00—25,00 M. Speiscbohnen, weiße, 50,00— 25,00 M., Linsen 70,00— 30,00 M. — Kleinhandelspreise: Kartoffeln 6,00— 4,00 M. Alles p. lOOKilogr. — Rindfleisch von der Keule 1,60—1,20 M. Rindfleisch. Bauchfleisch 1.20— 1,00 M. Schweinefleisch 1,60— 1,20 M. Kalbfleisch 1,60— 1,00 M. Hammelfleisch 1,60 bis 1,00 M. Butter 2,60 bis 2,00 M. Alles per 1 Kiloqr. Eier 4,00 bis 2,40 M. pr. 60 Stück. Karpfen 2,20 bis 1,20 M., Aale 3,00 bis 1,00 M.. Zander 2,60 bis 1,00 M., Hechte 1,80 bis 1,00 M., Barsche 1,80 bis 0,90 M.. Schleie 2,30 bis 1,20 M.. Bleie 1,40 bis 0.80 M. Alles per 1 Kilogr. Krebse 12,00 bis 4,00 M. pr. 60 Stück. Am S p i r i t u s m a r k t gaben die Preise wieder etwas nach, da die Zufuhren bedeutend bleiben und Hamburgs Kauflust nachläßt. Am offenen Markt standen zum Verkauf 138 000 Liter 70er, die nur zu 20 Pf. ermäßigten Preisen(39,80 M.) Unterkommen fanden. 50er Spiritus fehlte. Termine setzten gut behauptet ein, schwächten sich aber später im Anschluß an Lokowaarc ab. Orgelkonzert. Fräulein Paula Mieter, Fräulein Toni Böttcher, die Violimstin Fräulein Ainalie Birnbaum und Herr Karl Mendt wirken mit beim Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittwoch, den 15. März, Mittags 12 Uhr. Herr Dienel spielt u. A. Bach's„An Wasserflüssen Babvlon" und einen Satz aus seiner sechsten Sonate. Der Eintritt ist s r e i. DaS Paffage-Pauoptikum, dessen Direktion sich durch möglichst originelle Darbietungen auszuzeichnen sucht, kam gestern mit einem italienischen Marionetten- Theater. Der Leiter der beweg- lichen Künstlcrschaft ist ein Signor Guercis. � Man muß gestehen, daß dieser Herr sein Personal entschieden besser in der Gewalt hat, als mancher Direstor unserer vornehmen Bühnen. Sein Programm bewegt sich auf dem Boden der Romantik', wir sehen, wie die Kreuz- fahrer zwar den Sultan des Morgenlandes besiegen, doch schlägt Gott Amor den vornehmsten der Ritter zur Strafe in Liebesfesseln. Manche Fährlichkeit muß der Held bestehen, aber schließlich winkt ihm doch inmitten eines tanzenden Balletpersonals das schönste Glück der Erde. Zweifellos iverden große und kleine Kinder an der neuesten Darbietung viel Gefallen finden. Auch das übrige Spezia- litätenprogramm des Panoptikum ist vorzüglich. Feuerbericht. In den letzten 24 Stunden erfolgten nur drei unbedeutende Brände. Anklamerstraße38 hatten Sonnabend früh Kohlen Feuer gefangen, während Bülowstraße 89 ein Brand abzulöschen war, der die Schaaldecke beschädigte. Außerdem war Schützen st raße 44 noch ein Zimmerbrand zu beseitigen, der Gardinen und Möbel zerstörte. Zigarreugeschäft. Kirchhofstr. 1; Münzet!, Restaurant, Bergstr. 7; Wilhelm Sy, Restaurant, Jägerstr. 69; Bernhard Schenk, Restaurant. Hobrechtstr. 10; Köpke, Restaurant, Karlsgartenstr. 1! Heikhaus, Restaurant. Hermannstr. 52; Preßler. Restaurant, Ziethenstr. 69; Anders. Restaurant, Knesebcckstr. 135. Die Parteigenossen, welche sich am Tage der Wahl, Mitt- woch, den 15. März, den ganzen Tag dem Komitee zur Verfügung stellen wollen, werden ersucht, sich bei Otto Klein, Kaiser Friedrich- strahe 236, Louis Herrmanu, Kirchhofstraße 1, Emil Retzerau, Hermannstraße 50, sowie bei den Konntee-Mitgliederu zu melden. Am Montag, den 13. März, Abends S'/e Uhr, findet im Apollo- Theater, Hermannstraße 48/50, eine Volksversammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: 1. Die ersten Kommunal- Wahlen der Stadt Rixdorf, Referent: Reichstags-Abgeordneter und Stadtverordneter Paul Singer; 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet Das Wahlkomitee. Schönholz. Das„Kastanienwäldchen"(früher Schotte). In- Haber Meckelmann, steht der Arbeiterschaft unter den bekannten Be- dingungen zur Verfügung. Ferner ist in Waidmannslust H. Strecken» bach's„Tannenwäldchen" der Arbeiterschaft freigegeben. Adlcrshof. Den Mitgliedern des Arbeiter- Bildungsvereins zur Nachricht, daß die Generalversammlung am 16. März� Abends 8V2 Uhr, inr Lokale von Schmauser, Vismarckstr. 16, stattfindet. Baumschnlcuwcg. Montag Abend 8 Uhr findet eine Volks- Versammlung bei Ackermann statt. Genosse Klees- Magde- bürg wird einen Vortrag halten. Gleichzeitig wird Stellung zur Maifeier genommen. Der Bertrauensmann. Die Petition gegen die WohunngSnoth in Charlottenburg, von der bereits berichtet worden ist, hat im Ganzen 1153 Unter- schriften gefunden und ist jetzt der Stadtverordneten-Versammlung überreicht worden. In der Petttion wird die Versammlung ersucht, den Magistrat aufzufordern, unverzüglich geeignete Maßregeln zu treffen, um die in Charlottenburg herrschende Wohnungsuoth zu lindern, zu welchem Ende in erster Linie erforderlich wäre, weitere Flächen der städtischen Gemarkung der Bebauung zugänglich zu machen. Für die bevorstehenden Rixdorfer Stadtverordneten- wählen werden nach dem Beschluß einer Versammlung am Freitag auch die Liberalen in der dritten Klasse Kandidaten aufstellen. Dies wird für unsere Parteigenossen ein um so stärkerer Ansporn sein, in jeder Beziehung ihre Schuldigkeit zu thuu. Im Zeiche» des Zuchthanskurses hat der Magistrat von Spandau der dortigen Stadtverordncten-Versammlung einen be- zeichnenden Antrag vorgelegt. Es sollen nämlich zwei Polizei- scrgeantcn b eritten gemacht werden, weil auf den Bauten der Firma Siemens u. Halske außerhalb der Stadt und auf den Char- lottenburger Rieselfeldern Streitigkeiten vorgekommen seien, die ein eiliges Einschreiten der Sicherheitsorgane nothwendig gemacht hätten. Trotz des energischen Widerspruchs unseres Parteigenossen D u ck s ch genehmigte die Versammlung den Vertrag, wonach ein Reitstallbesitzer Klemm für jedes der zu stellenden Ordnungspferde nionatlich 120 M. erhalten soll. Auch der übrige Theil der Sitzung wurde wesentlich mit Polizei-Angelegenheiten ausgefüllt. Zwar lehnte die Stadtverordneten- Versammlung den zur Berathung angesetzten Antrag auf Verstaatlichung der Polizei ab, ob- gleich er von dem Regierungspräsidenten mit dem Hin- weis auf märchenhafte Ausschreitungen der zahlreichen Ar- beiterbevölkerimg begründet worden war. Jedoch bewilligte die Stadtverord'neten-Versanimlung die Anstellung von sechs Polizei- sergeanten und einem Kriminalkommissar. Schließlich lehnte die Stadtverordneten- Versammlung die Einführung von Asphalt- Pflasterung für die Straßen der Stadt ab, nachdem Stadtrqth Müller gesagt hatte, daß man der kommenden Generation auch etwas zu thiin übrig lassen müsse. Wie jeder Radfahrer weiß, be- findet sich das Straßenpflaster dieser Stadt in einem geradezu ge- meingefährlichen Zustande. Ein Baumfrevel ist in der Zeit vom 4. bis 6. d. M. auf der Chaussee Prierosbrück verübt worden; man fand dort acht Allee- bäume, die mit einer Säge muthwillig beschädigt waren. Auf die Entdeckung der rohen Frevler hat der Kreisausschuß des Kreises Teltow eine Belohnung von 50 M. ausgesetzt. In Sachen des Ausstandes im„Berliner Lokal-Anzeiger" geht uns nachstehendes Vergleichs-Protokoll zu: Auf Veranlassung und unter Vermittelung des Vorsitzenden deS „Vereins der Arbeitgeber-Beisitzer des Gewerbegerichts zu Berlin", Herrn Fabrikbesitzer O. Weigert, hier, ist heute zwischen dem Verleger des„B e r I i n e r L o t a l- A n z e i g e r", Herrn A u g u st Scherl, und dem„Verbände deutscher Buchdrucker und Schriftgießer" bezüglich des Schriftsetzerausstandes vom Januar d. I. ein Vergleich zu Stande gekommen. Sämmtliche Streitigkeiten haben iilfölge dieses Vergleiches ihre endgiltige Erledigung gefunden. Berlin, den 10. März 1899. gez. August Scherl. gez. E. D ö b I i n. gez. A, F a b e r. gez. A. Wachs. gez. O. Weigert. des lieber die näheren Einigungsbedingungen wird uns noch folgen- mitgetheilt: Herr Scherl hat sich verpflichtet, den bekannten Revers für den gesammten Betrieb des„Lokal-Anzeigers" fallen zu lassen. Bis zum 31. März sollen mindestens' 30 Mitglieder des Verbandes eingestellt werden; später sollen weitere Einstellungen nach Bedarf vorgeiiommeu werden. Bei vorkommenden Differenzen oder wenn die Arbeiter die Abstellung von Mißständen im Betriebe herbeizuführen wünschen, soll ihnen bezw. ihrer Organisation der Weg der Verhandlung nicht mehr verlegt, sondern sollen die Ver- Handlungen direkt mit dem Betriebsleiter gepflogen werden. Nachdem so durch Fallenlassen des Reverses, der in jenem Be« triebe seit 1887 in kraft gewesen, die volle Anerkennung des Koalitionsrechtes erreicht und die Organisation offiziell anerkannt ist, konnte auch diese die Verpflichtung ohne Zögern eingehen, auf die wieder eintretenden Verbandsmitglieder dahin einzuwirken, daß sie Streitigkeiten mit den daselbst beschäftigten Nichtverbandsmitgliedern vermeiden. Mit der Befeitigung des Reverses ist der Stein des Anstoßes beseitigt und die Möglichkeit gegeben, daß auf der Basis des vom Verband Erruugenen dauernde normale Zustände erwachsen. Vevmifchkes. Ans de» Nachbarorte». Rixdorf. Die Parteigenossen werden ersucht, sich heute. Sonn- tag, Morgens 7>/s Uhr. recht zahlreich an der Flugblatt- Vertheilung zu betheiligen, da dieselbe sehr korrekt ausgeführt Iverden muß. Diejenigen, welche sich schon früher betheiligt'haben, wollen auf den alten Stellen erscheinen; diejenigen, welche sich in letzter Zeit nicht betheiligt haben, an einer der folgenden Stellen: Otto Klei», Restaurant, Kaiser Friedrichstr. 236; Louis Hmniann, I» Wittenberge hat die sozialdemokratische Partei am Donnerstag durch ein Feuer, welches das Parteilokal am Orte voll- räudig einäscherte, einen schweren Verlust erlitten. Am schlimmsten i t der Arbeiter-Turnverein betroffen worden, dem sämmtliche Ge- räthe verbrannt sind. Das vom Feuer heimgesuchte Gasthaus war das einzige, das uns in der Westprieguitz zur Verfügung stand. Josef Haydn's Geburtshaus in Rohrau an der niederöster» reichisch- ungarischen Grenze(bei Bruck an der Leitha), wo der be« rühmte Tondichter am 31. März 1732 als Sohn eines armen Stell- machers geboren wurde, ist vollständig niedergebrannt. Die am Hause angebrachte Gedenktafel und das im Hanse aufbewahrte Ge- denkbuch mit interessanten Autographen wurden rechtzeitig in Sicher- heit gebracht. Eine Feuersbrnnft zerstörte das kleine Dorf Agaren bei Lenk im Kanton Wallis vollständig. 90 Gebäude, darunter 45 Wohn- Häuser, wurden von den Flammen, welche der Föhn weiter trug. eingeäschert. Viel Vieh und große Mengen Futter sind verbrannt. 50 Familien sind obdachlos. Das eidgenössische Ober-Bauinspektorat bespricht in seinem soeben erschienenen Geschäftsberichte den Felssturz am Sasso Rosso geführten Bmiten hcibcn sehr der Vcrbaining total zerstört. die Bachsohle und den drohenden Absturz zu sichern, Sorgfalt in Stand gehalten bei Airolo«nd bemerkt: ES bereitet sich im Kanton Tesstn eine andere, nicht minder gefährliche Mischung vor, nämlich beim Dorfe Campo(380 Eintvohner) im Maggiathal. Das Absturzgcbiet befindet sich am linksseitigen Hange der Rovana, eines theilwetse verbauten Wildwassers. Die Bewegungen oberhalb der schwer bedrohten Ort- schaft sind wieder lebendiger geworden, die in der Rovana aus- gelitten und sind im unteren Theile ' Diese Bauten, die den Zweck hatten, Fuß der Steilhänge gegen den wurden leider nicht mit der nöthigen ____.................... und wenn die dringlich gewordenen Wicöcrherstellungsarbeiten nicht bald in Angriff genommen werden, so könnte eine größere Abrutschung nicht nur das Dorf Campo und die Rovana gefährden, sondern— durch die Stauung diese? Wild- wasicrs— auch eine Katastrophe für das Maggiathal zur Folge haben, die unter Umständen noch den Erfolg der Maggiakorrektion bei Locarno in Frage stellen könnte. Es ist deshalb die Regierung des Kantons Tessin angewiesen worden, die nöthigen Maßnahmen zu treffen._ Briefkasten der Redaktion. Dte juristische Sprechstunde wird Dienstags, Donnerstags und Freitags abends von 7'/, bis 8V2»Vr abgehalten. Anna L. Wir bitten Sie, S Uhr zu besuchen. S. F. Es muß„Berderbtheit" heißen. gestorben ist, wissen wir nicht. M. St. Abdruck in unserem Blatte unmöglich. H. C. 1V. Halle IIS 207, Magdeburg 211447. uns in den Abendstunden zwischen 5 und Wann der„grobe Bottlieb" Homöopathie, lieber die Heilerfolge der homöopathischen Kranken- behandlnng können wir unS mimögltch im Briefkasten auslassen, wie eS überhaupt sür Laie» ein mißliches Ding ist, über die Vorzüge und Nach- theile der verschiedenen Heilmethoden zu urtheileii. Wollen S>: stch näher unterrichten, so stehen Ihnen in verschiedenen Bibliotheken entsprechende Bücher znr Verfügung. N. F., Eharlottenbnrg. Das 20. Jahrhundert beginnt am 1. Ja- nuar Ivvl. A. W. Sie haben erstens eine Strafverfiigung in Höbe von 6 Mark nd serner eine Anklage wegen Betrugs zu gewärtigen. Sprechen Sie nach Empfang derselben in der Sprechstunde vor.— Steuern. 1. Ja. 2. Ja. 3. Nein.— H. N. 33. Die Naturalisation eines Sachsen in Preußen und umgekehrt verursacht keine Kosten, wohl aber die eines Nichtdeutschen in Preußen SV M.— G. F. IVO. Der Standesbeamte handelte in dem von Ihnen porgetragenen Hall den gesetzlichen und reglementarischen Vor- schriften entsprechend. DaS Gesetz gestattet die Zurückbehaltung und die Rückgabe der Dokumente. Ersteres ist nach dem Reglement die Regel.— Frei. Das betreffende Pech ist leider Grund zu einer kündigungslosen Entlassung.— Jurist. Eine solche Eingabe könnten Sie machen. Dieselbe ist an das Amtsgericht, nicht an die Staatsanwaltschaft zu richten und verspricht leider wenig Erfolg.— D. E. Nein.— G. 41. Ja. — 1100. 1. Beglaubigung durch die in Betracht kommende Fachoraani- satlon. 2. Erkundigen Sie sich bei dem Vertrauensmann an Ihrem Orte. - W.®. Wo man tanzt, da läßt stch«Immer schlafen; doch Helsen hiergegen nicht Paragraphen. Sie könnten nur durch freunvnachbarliche Vor- stellungin etwas erreichen.—<£. W. 18. 1. Nein. Ob etwa Wiederaufnahme möglich, ist ohne mündliche Rücksprache nicht zu entscheiden. 2. Ja. 3. Nein. Köpenick K. I. Eine Beschwerde wäre aussichtslos. Die Versicherungsanstalt befindet sich im Recht.— S. C. 00. Der Ueberschuß— nach Abzug der Zinsen und Berkaufölosten- ist, Ihnen herausznzahlen. H. M. 1. Die Hilfsbedürftigen, soweit die Mittel reichen.— H. G. 1. Den Erben Ihres Bruders, also, sofcm kein Testaineiit vorllegt, Ihrer Mutter, Ihnen und Ihren Geschwistern. 2. Da müßten Sie stch an Ihre MUerben wenden. 8. 3 M. E» erscheint aber gegen Schluß deS Jahre» eine andere Auflag«. 4. Nein— monatlich SV Pf., vierteljahrlich 1,so M. — Schulz W. War Ihr Freund zur Zeit der Bestellung minderjährig, so kann er dies mit Erfolg der Klage gegenüber geltend machen. War er voll- jährig, also über 21 Jahre, so nützen die Einwendungen nicht und er erspart Gelb, wenn er vor dem Termin zahlt und im Termin Rücknahme der Klage erwirkt.— Alter Parteigenosse. 1. Antrag muß gestellt werden. 2. Garnicht, wenn es sich nicht um Minderjährige handelt. 3. Ja. 4. Nein. — H. P.. Lichterfelde. Ja.— Brosc. Melden Sie den Vorgang der Organisation.— A. Z.. Grost-Lichtersclde. Sie sind entschieden im Recht. O. G. 0. 1. Der Stadtkreis Berlin bildet einen besonderen Ber- waltmrgsbezlrk, gehört also nicht zum Regierungsbezirk Potsdam. 2. Fllr den Stadtkreis Berlin versieht der Polizeipräsident die Stelle des Regierungs- Präsidenten._ KÄitteruugsiibersicht vom 11. März 1809, Morgens 8 Uhr. Stationen Swincmd«. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien L S 2» 0 C r- 5 ..? s- is Wetter a E 4 II §» Stationen 7S7WSW 768>SW 769 W 771!NW 770 W 764 sW 3iDunst öchlb.bed. »bedeckt Iheiter 4bcdeckt »bedeckt LS s e sÄ P aparanda 758 etersburg! 762 Cork Aberdem Paris N SSO 769 WSW 758 S 771 NNW ias J5 7|i Wetter! j U £ä 2 wölken! �bedeckt stwolktg 3 wolkig 1 Nebel -18 -4 9 10 -1 Wetter-Prognose für Sonntag, den IS. März 1800. Ziemlich wann bei mäßigen westlichen Winden und zunehmender Be- wölkung; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburean. /Sin donnernd Hoch zum hcut'gen ��Tag! So tönt s aus der Genosien Mitte, weil Bm-sBlnfllrl heut' Geburtstag hat. D'rum fleißig Lämmer- ttttc lecke, locke, süß!_ 18946 Todes-Anzeige. Nach langen schweren Leiden starb am 10. März 1899 mein lieber Mann der Rcstanratenr Jul. Winderlich. Die Beerdigung findet am Dienstag, 14. d.. Nachm. 3 Uhr, von der Charitö aus nach dem Banholomäus-Kirchhof statt. Die trauernde Wittwe Wilhelmine Winderlich. Wer auf gute und reelle 1179S* Steppdecken reflektirt, laufe direkt vom Anfertiger Schmerzler, Blumenetr. 131, Bekannten zur Nachricht, daß meine Frau Friederike Kulner heute, 1 Uhr. von der Halle des EmmauS-Kirchhofes aus beerdigt wird. Der trauernde Gatte: 1861bj Aug. Kaiser. Restaurateur. Dekateure! Filiale III des Verbandes aller in d. lex til-Industrie beschäftigten Arbeiter. Den Mitgliedern zur Mittheilung, daß unser Kollege Lennann Masilge nach langem Leiden am 9. März an der Proletarierkrankheit verschieden ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, 12. März, Nachm. 2 Uhr, vom Trauer- pause, Veteranenstr. 12, aus statt. Um zahlreiche Betheiligniig bittet 58/4_ Der Voritand. Am Freitag, den 10. März, Nach- rntttags 4 Uhr, wurde mein lieber Mann, unser guter ftlrsorgender Vater, »«roßvater und Schwiegervater, der Gastwirth lil. 51/14 Karl Karras nach einem kurzen schweren Kranken- loger durch einen sanften Tod von seinem langen Leiden erlöst. Die Bestattung seiner irdischen Hülle findet auf seinen Wunsch durch Feuer in Gotha statt. Die Trauerfeier ist am Mittwoch, den 15. März, Nachmittags 2 Uhr, in der hiesigen Kirche. Um stille Theilnahme littet im Namen der trauernden Hinter- blicbenen Schmöckwitz, den II. Mär» 1899. .Anim Knrra«, geb. Stein. M. Krüger's Speise-Leinöl frisch und garantirt rein um* ans �31 solchen Flaschen überall käuflich. Eugros- Lager SO.,Skalitzerstr.105. Achtung![18996 Empfehle mein vorzugl. Weiß- und Batrifch-Bier, auch freundl. Vereins- zimmer, 40— 50 Pers. fassend, geeignet für Zahlstelle u. Geiang-Bereine, noch einige Tag« in der Woche zu vergeben. Jlberl Kaufeldl, Sä Möbel, baar u. Theilzahlung, billigst Frankfurter Allee 110 I, , Ecke Königsberg erstr. 'teppdecken kiinft mun am besten und billigsten nur direkt in der Fabrik B. Strohmandcl, Berlin S., 72, Wall-Strasse 72, wo auch alte Decken aufgearbeitet werden. 1063L« Zentraiverein derBildhancr Deutschlands. Nach ISwöchentlichem schwerem Leiden verstarb am 8. d. M. unser langjähr. Mitglied, der Modelleur Ernst Kalb im 22.LebeuSiahre. Ein ehrendes Andenken bewahrt ihm die Ber- waltungSstelle Berlin. Die Be- erdigung findet heute, Sonntag, d. 12. d. M., Nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Schöne- berger Kirchhofes(Maxstr.) auö statt. Um zahlrcichcBctheiligung bittet Ter Vorstand. Gnädige Frau! 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Jetzt werden die Anträge der Invaliden ganz schematisch und büreaukratisch behandelt, sowohl von den Vcrsicherungsbehördcn wie von den Aerzten. Die Einrichtung der Rentcnstellen bedeute den Bruch mit der bisherigen büreankratischcn Schablone. Die Kosten lassen sich nicht voraus berechnen. 10 Millionen Mark sei ein will- kürlich angenommener Höchstbetrag. Nur durch die auf kleinere Bezirke sich erstreckende Nentenstellen, nicht durch eine Provinzial« bchörde könne wirklich erkannt werden, ob jemand und wie weit er erwerbsunfähig ist und ob er für die gebliebene Erwerbs' fähigkeit noch in seiner Gegend Arbeitsgelegenheit hat. Jetzt entscheidet darüber mitunter ein Ortsvorstand, der absolut unfähig ist, die Sachlage zu beurthcilen, oft kaum lesen und schreiben kann, und andererseits nicht unintcressirt an der Entscheidung ist, da er die Armenlast von der Gemeinde auf die Versicherung abwälzen kann. Auch seien Verschleppungen sehr häufig; der Vorstand könne jetzt garnicht stets die Thatsachen ergründen, auf die sich das Er» kenntniß stützen muß. Der Arzt kann nur bcurtheilen, ob Hönde, Füße oder Geist noch oder inwieweit sie arbeitsfähig sind; ob aber der Untersuchte zu dieser oder jener Berufs arbeit branchbar ist, kann nur derjenige bcurtheilen, der die praktische Thätigkeit solcher Berufsarbciter kennt, und das wird der Arzt nur selten sein. Eine unpraktischere Konstruktion, wie sie jetzt vorhanden ist in der ganzen Verwaltung, kann ich mir nicht denken. Statt daß man das Verfahren auf das persönliche Verhandeln basirt, kommt dies jetzt monatelang später erst vor dem Schiedsgericht. Das ist verkehrt. Dazu kommt, daß jetzt die vielen kleinen Schicds- gerichte monatelang die Akten ansammeln und dann erst entscheiden, mitunter mit einem Vorsitzenden, um dessen juristische Kenntnisse es sehr schwach bestellt ist. Später werden die Schiedsgerichte größer sein, nur für jeden Regierungsbezirk bestehen und daher auch einen besser informirten Vorsitzenden haben können. Die Rcntcnstellcn dürfen nicht mit der kalkulatorischen Feststellung und der formalen Berechnung der Beitragsmarken betraut werden, sondern nur mit der Begutachtung. ob der Bewerber und in wie weit er invalide ist. Die Entscheidung solle man ihr nicht generell geben, da sonst in manchen Bezirken lln- zuträglichkeiten entstehen können. Die Nentenstellen tverden, darüber habe im preußischen Staatsministcrium Einstinimigkeit ge- herrscht, ein wesentlich sozialrcformerischer Fortschritt zum Besten der Staatsautorität sein; audercrseits werde dadurch das Gesetz popu- larisirt und den Arbeiten, geholfen.— R ö s i ck e spricht sich für die Nentenstellen aus, fordert aber, daß sie nicht nur begut- achten, sondern entscheiden sollen. Jetzt seien die Ver- waltungSbezirke zu groß. Auch sei die Versicherungsanstalt Partei, wie dies einst oucki Staatssekretär v. Bötticher für' die Berussgenossen- schaft zugab. Beide wollen i h r Interesse bei Feststellung der Renten wahren, d. h. so wenig wie möglich bewilligen. Für den sozial« demokratischen Antrag, das direkte Wahlsystem einzuführen, habe er große Sympathien, aber er fürchte, daß er keine Majorität finde, und deshalb habe er seinen Autrag gestellt, auf den später noch zurückgekommen wird.— Ministerialdirektor v. Schicker(Württemberg): In Württemberg und anderen süddeutschen Staaten arbeiten die vorhandenen Organisationen(Orts- bchörden) zur vollen Zufriedenheit der Bevölkerung'; aus Schwärmerei für die Einheit könne nian nicht die vorhandenen guten Organisationen opfern und die historische Entwickelung beiseite werfen. In Württemberg seien die Vcrsichcrnngsanstaltcn bedeutend kleiner als die Nentenstellen. Er sei gegen die obligatorische Einführung der Nentenstellen und müsse darauf beharren, daß nach Z 51g die Landes-Zentral- bchördcn sür ihre Bezirke die Geschäfte der Rentenstellen bereits be- stehenden öffentlichen Behörden oder vorhandenen öffentlichen Bc- amten übertragen dürfen.( R ö s i ck e, wie Molkenbuhr und Genossen haben die Streichung dieser Bestimmung bc- antragt.)— Ministerialrath Jagemann(Baden) schließt sich den Ausführungen Schickcr's an. v. L o e b e I l(k.): Aus praktischen Gründen sind die konservativen Parteien gegen die Renteustellen. Die alten Organisationen haben sich noch nicht eingelebt, daher solle man jetzt nicht solche durchgreifende Neuerungen schaffen. Trimborn(Z.) tritt für die Rentenstellen ein. Staats- sekretär Posadowsky: Bei Berathung des Gesetzes 188S haben die Konservativen daS Gegentheil von dem erklärt, was sie jetzt vertreten; damals seien sie für Dezentralisation gewesen. Nächste Sitzung: Dienstag. kkür dr» Jnbalt der Inserate überiiinnut die Redattio» de», Pnl'lik»», gegenüber keinerlei _ Bcrantwortuiig. Tlzentov. Sonntag, den 12. März. Kreic Volksbühne. Friedrich- Wtlhelmstädt. Theater: In Behandlung. 5. Abtheiluug (gelbe Karten.) Anfang Nach- niittags 2>/« Uhr. Opernhaus. Die weiße Dame. Ansang 7'/, uhr. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. SchanspielhanS. Julius Cäsar. Ansang 7V2 Uhr. Montag: Das fünfte Rad. NeueS kgl. Opern-Thcater(Kroll). Auf der Sonnenseite. Anfang 7Vi Uhr. Rachut. 4Vj Uhr: Die Palästina- fahrt des deutschen Kaiserpaares. Deutsches. Hamlet. Anfang?>/, Uhr. Nachm. 2'/, Uhr: Die versunkene Glocke. Lessing. Die Jüdin von Toledo. Anfang 7>/, Uhr. Montag: Cvprienne. Berliner. Tam- Tam. Anfang 7-/, Uhr. Nachm. 2'/, Uhr: König Heinrich. Montag: Der Pfarrer von Kirch- seid. Residenz. Der Schlafwagen- Kon' trolleur. Vorher: Zum Einstedler. Anfang 7»/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Jugend. Montag: Der Schlaswagen- Kon- trolleur. Borher: Zum Einfledler. Neucs. Hofgunst. Anfang 7»/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Sohn der Frau. Montag: Hofgunst. Metropol. Die kleinen Michu'S. Hierauf: Die Engelsjäger. An- lang 7t/z Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Schiller. Die Leibrente. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Hasemanns Töchter. Montag: Verbotene Früchte. Vor- her: Die Neuvermählten. Westen. Undine. Anfang 7»/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Martha. Montag: Undine. Central. Die Puppe. Ans. 7»/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Obersteiger. Montag: Die Puppe. Thalia. Schiddebolds Engel. An- fang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lnise». Der goldene Zylinder. An- sang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Der Hüttenbesttzer. Belle-Zllliance. Das Milchmädchen von Schöneberg. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Nachmhm. Montag: Der Goldbauer. Ostend. Der deutsche Michel. Anfang SchiMfilrter (Wallner-Theaterl. Sonntag Nachm. 3 Uhr: »i»»em»nn'» Töchter. AbendS 8 Uhr: Die lidbrcnte. Montag 8 Uhr: Verbotene FrUchte. Vorher: Die KcnvermUhlten. Dienstag 8 Uhr: Verbotene FrUchte. Vorher: Die Xcnvermülilten. 77, Uhr. kachm Nachm. 2'/, Uhr: Neue freie Volks- bühne. Ohne Liebe. Fräulein Pfannenstiel. Montag: Der deutsche Michel. Friedrich- Wilhrlnistiidlischr«. Fuhrniano Henschel. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Illexanderplah. Studenten-Trud- chen. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Hansel und Gretel. Montag: Studenten-Trudchen. Wiener Volks- Theater. Un- schuldig. Anfang 7>/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Unschuldig. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Spezialitäten-Vorstellung. Anfang?>/, Uhr. Urania. Tanbenftrafte 48-4S. Naturkundlich- AiiSstellimg. Täg- lich geöffnet von lv Uhr Bor- mitiags ab. Eintritt bo Pf. Abends 8 Uhr:«DaS Land der Fjorde". Openitelephon. Jiibalidenstrasje 57/02. Täglich Abends von b— 10 Uhr: Stern- warte. Reichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Vor- stelliing. Passage- Panoptikum. Speziali- . lätcn-Vorstelluiig. Crntrnl Thetttev Direktion: soeö Itsrsnarx. 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Joanne Golz, Herr Heinemann. Festrede: Genosse Wilhelm Liebknecht. Xnr Ulitgliedcr haben Zutritt, wenn sie eine Mark« ä 50 Pf. in Ihrer Zahlstelle fllr Ihre Mitgliedskarte(2. Rubrik Festmarke) lösen. Die Festmarkeh sind bereits ziemlich vergriffen. Opern-VorBtellnng am 23. April im Theator de« Westen». Die Theilnehmer werden ersucht, sieh in ihrer Zahlstelle bis spätestens 30. März notiren zu lassen; von da ab gelangen besondere Eintrittskarten ä 90 Pf. zur Ausgabe.— Einlasskarten ä 20 Pf. zum Kunstsalon Ribera sind in allen Zahlstellen zu haben.■ 229/1 Der Vorstand. I. A.: C. Winkler. W. Noack's Theater Brnnncnstr. 16. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Theater-Vorstellung. Der liebe O»rlel. Schwank in 4 Atten von Rudolf Kneisel. Vm�nng: Tallzkränzilieii. .Alemr- Theater Dresdenarstr. 52/53. Clty-Passage.| Direktion: Richard Winklsr. Heul Täglich mit großem Erfolg!> lodiss' firautrahrt! Posse mit Gesang von OSkar Viktor Roeder. Neu! Neu! Neu! Das jeden Abend stürmisch bejubelte Gesangsduett Ada und Ottfried Relay. Neu! ISNeu! Neu! Habnemann& Kabnemann. Urdrolliger Schwank v. E. Braune. Dazu der.'ausgezeichnete üzpoaiialitAton- Vhcll mit täglich wechselnd. Programm. Allillllll' Wochent. 7Vj Uhr. 2lll|llll0. Sonntags 6»/, Uhr. Entrce an Sonn- s)Ü M» und Wochentagen iUU OU 4>(. Vorzugsbillets haben Giftigkeit. Mähr's Theater Oranien- Strafte S4. Täglich: Rezept gegen Schwiegermütter und Im wunberschönen Monat Mai. Spezialitäten. Bons haben Giltigkeit. Sonntags Anfang 6 Uhr. Avis! Am 14. März ct.: Benefiz für Klara Hayn._ Max Kliem's Sommertheater und Festsäle Hasenhaide 13-15. In den Sälen: Jeden Sonntag UC Ci rosser Bali."WG Gleichzeitig empfehle den geehrten Vereinen mein bedeutend vergrößertes Sommertheater zu Sommerfesten. Außerdem mache hiennit bekannt, daß ich zum 1. Ottober meinen neu zu erbauenden 3. Festsaal Häsenhaide 13 (1500 Personen fassend) eröffne. 10348»)_ Max Kliein. Loaisenstädt. Klubhaus, 10, Annenstr. 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Empfehle meine Säle mit und ohne Buhne, 900 Personen fassend, zu allen Festlichkeiten und Versammlungen. Einige Sonnabende sind noch an Vereine zu vergeben. Jeden Sonntag und Donnerstag:«ro»»er Ball. Achtung Gewerkschaften! Auch der Montag ist für Versammlungen zu haben.(b34L» Urania Wrangclntraase 10/11. Jeden Sonntag:(* Grosser Ball. Auf. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäule». Empfehle mein Lokal zu Fest- ltchketten und Versammlungen. Gesellschaftshans Swinemüiiderstr. 42.' SC Jeden Sonntag: Ball und Theater-Vorstellung. �WW 53KL Muatriler Klubhaus Benaselstr. 9. Empfehle meinen groben Saal, Veretnszinimer f. 20-80 Personen, Restauration. Mittags- u. Abendttsch. Jeden Sonniag: GroaserJBall. 535L* Carl Fischer. Friedrichshagen. Restaurant Wilhelmbad lind.: Gustav Wolf) ISeestrasae Mo. 46. Schönster Aufenthalt, dirett am Müggelsee und Wald; sür Ver- eine und Gesellschaften; Land- und Dampferpatthien. Großer Garten, 3000 Pers. fassend, Saal mit Bühne, gr. verdeckte Hallen, Kegelbahn, zwei Badeanstalten, Bootsstand. Anlegestellen sür Dampser und Ruderboote. Weift- und Bairisch-Bier. Clroase Speise- Karte zu zivilen Preisen. 1020L' Achtung! 1. Wahlkreis. Achtung! Mjlag, Heu Ii März, Abeuds S't Uhr, im Lokal des Herra Colm. Beuthßraje 20: yolks-Mersammlyng. TageS-Ordnung: 1. Dortrag deS RclchStagS-Aegcordiictcn liackva über:„Dir Sozialdemokratie und ihre Gegner". Dtdkussion.— Uui zahlreichen Besuch bitten 208/1 ____________ P'e Veriranenspcrsonen. AM«! I. Wahlkreis. AM«! Soimtas, de« 1». Mlti1« 180», Abends«>/- Uhr, bei Xnbell, Lindenetrasse 106: Geffentl. J�ct jammUmg. Tages- Ordnung: 21(5/15 Bortrag des Genossen»p. Wollhclm«Der:„Tie geschichtliche Entwtlkelniig der Menschheit." Nachher: r»nai. � __ Der l'crtran en Kilian n. ZonaldtmoKraNscher Wahlverein des 3. Berliner Reichstags- Wahlkreises. AelitftfiBigl Dienstag, den 14. d. M., Abends 8Vz Uhr. bei Habel. Bergmannstr. S-7: Mlitglieder�DrrlÄtnmlunig. Tages-Ordnung: 1. Welche Pstichten haben die Mitglieder des WahlvereinS bei der bevor- stehenden Reichötagswahl zu erfüllen? Referent: Zubcil. 2. Diskussion. Da die Wichtigkeit dieser Bersauimlung sich von selbst ergiebt, so werden alle Mitglieder ersucht, pünktlich und zahlreich zur Stelle zu sein. Mitglieds- buch legttimirt. 238/4__ Per Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Am Dienstag, den 14. Miirz, Abends 8V2 Uhr, in Milbrodt's Salon, Miillcrstraste 7: Verfsmmlun g. Tagesordnung 1. Bortrag deS Reichstags- Abgeordnete» „Politische Macht und politische Reife". Regen Besuch erwartet Adelt Thiele über: 2. Diskussion. Der Vorstand. ItliWer MiirlcMfrliiiiii! (Zahlstelle Beplln.) Montag, b:ii 13. März, Abends Sv* Uhr: Bezirks- Bersammlungen. Süden mid Sndosttii: Tages-Ordnung: I. Bortrag des Genossen Bruno Pörsch über: Die wirthschostlichcn Ausgaben der uiodemen Stadtgeineinde. 2. Dtskussion. 3. Verbands- augelcgenheitcn. 78/18 ■iJm' Nichwiitglieder und Frauen haben alS Gäste freien Zutritt."3! Weste««. Südwesten: auÄÄio«. Weddi««nd Ersnnddruuncn: im Lokale des Herrn Knabe(Kolbergcr Salon), Kolbergerstr. SZ. T a g c s- O r d ii» n g: 1. Vortrag deS Genossen Georg Wagner über„Schule und Haus" 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgenhcileu und Bericht der Kontrolle kommission. SßF" Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Rosenthaler und Schönhanser Borffadt: Schivedterstraste S» bei IVernnu. Tages-Ordnung:. I. Vortrag deS Genoffeu Mehner über:„Vor 51 Jahren." 2. DiS- kussion. 3. Berbandsangelcgenheite» und Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich 8�/, Uhr eröffnet. Osten«nd Nordoste«:..„Ä.?",?',. üNittwoitz» den 15. März, Abends 8 Uhr. Tages-Ordnung: 1. Dortrag deS Herrn Pp. med. fpendcnbopr übet:„Ple hygienische Rcdentnng der Arbelterschntz- tiesetz- g-ebuna." 2. Diskussion. 3. Vcrbandöangelegenhciten. 4. LerschiedeneS. Die Bedeutung deS Vortrages macht es jedem Kollegen zur Pflicht, für regen und pünktlichen Besuch der Versammlung zu agitiren. trauen und Nichtmitglieder haben Zutritt. Die Versammlung wird präzise Va Uhr eröffnet. Zriedrilhsdcrg:«k-'S-SÄKSr-i.. Tages-Ordnung: Abends 8 Uhr: Vortrag des Kol ige i Emil Voigt:„Das Koalitions recht der Arbeiter." 2. Diskusiion. 3. Verschiedenes. Zriedrichsselde: M»«de. Prinzrn-Allee 30 S Tages-Ordnung: Werkstatt-Angelegenheit. Dazu sind die Kollegen der Werkpeller eingeladen von Schmidt, Tischler, Berlinerstraffe; S a b o tz k i, Tischler Berlinerstraffe; Baader, Korbmacher, Berlinerstraffe._ Cementirer mtb Bernfsgenossen (Zetitral-Verbaud der Maurer Deutschlands Berlin IV). Am 15. Marz, Abends 8 Uhr: Meffentl. VevlÄlttHnluttg 57/1 Nefcrent: Kollege Willi. Schulz. Per Kinbepnfei*. Lichtenberg-Friedrichsberg. Dienstag, den 14. März. Abends 8V: Uhr. im Lokale des Herrn HtiOleh, Frankfurter Chaussee 120: Volks-Uerjammlung TageS-Ordnung: I. Das Koalitionsrecht der deittschen Arbeiter und der neneste Zuchthaus- Kurs. Referent Geuoffe Albert Slasslnl. 2. Diskussion. Um zahlreiches Srfcheillen ersucht 222/6_ Per Vertranensmann. Kränze. Traiicrsachcn zc. empffehlt aeschinackv. u. billigst Wladlslaw Köhler, Landsbcrgerstrnffe 45, am Alexanderpl.— Bereinen 10 pCt. Kranz- imü Bereinsslhleistil mit Widinungcn werden in all. Farben schnell n. billig angefertigt. 1852b A. Lichtenstci». llosentbalerete. 62. Guirlanden, Blumen empffehlt den Parteigenossen A. Xlmtz, Gärtner, AO., Friedcnstr. 08.[11371'* 11358« Kränze und Blumen empffehlt F. Jacobitz, Äoppciiitr. 46. �Cigarren� Pirckter billigster Bezug, oa . w er e: 05 2,50 3,30 4,20 5,- 6,- 2,30 3,50 4,50 5,50 6,50 3,- 3,80 4,80 5,75 7,50 4 Pf. Cig.A 5.„ g 6„„ 8 7Va... gl 10„ ,3 Händlern, welche in Fabrik, verkaufen, kiirz. Ziel. Hebern, ganz. Geschästseinr. Heinzeimami& Co. eegr.isss. Berlin SW., Schützen str. 3. Hof I. Filiale Brandenburgstr. 44. 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Die Lohnbewegung in diesem Frühjahre und wie stellen sich die Kollegen Moabits dazu? Reserent Kollege Ritter. 2. Diskussion. 3. Wer- schieden«»._[164/4]_ Der Vertrauensmann. Cigaretten! Achtung! Mille 3,-, 4,-, 5- 6,- Mk. Eigarren Mille von 8.50 Mark an. Gclcgeuheitskäuse für Händler und Nestnnratcure. tiarhattz' billig. Bareinseheck�fSt;«; $erfnnbthttusAlexandcpstr.87. Cigairen-Grschäfte werden vor- theilhaft eingerichtet. F-mspr. Amt 7», Nr. 6392. Verein deutscher Schuhmacher. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 13. März, Abends 8//, Uhr, im Englischen tiarten, Alexanderstraste 27c: Gruvrnl Vorfummlung."TU Tages-Ordnung: Geschäfts- und Kaffenbericht der Brandenburger Kommission. Neuwahl derselben. Die Aussperruiiq von 8000 Kollegen in Tuttlingen. Beichluff über die Wiederausnahme von Streikbrechern und die wegen rückständiger Beiträge ausgeschlossenen Kollegen. Der Gewerkschaftskongreff. Antrag des Vorstandes auf feste Anstellung deS ersten Bevollmächtigten. Verschiedenes. Jedes Mitglied ist zum Besuch dieser Versammlung verpflichtet. Tie Lrtsberwaltuug. 162/9 Unerreicht an Billigkeit sind Bentler's echt chinesische Zlanda- i Inen Pannen, Pfund nur 2 Mk. 50 Pf. Um sich von der Billigkeit und Güte zu überzeugen, verlange man Proben gratis und franko. Umtausch oder Rücksendung gestattet. Versandt gegen Nachnahme. Bett- federn, neue, gercinigte, Pfd. 50 und 75 Pf. Halbdnnncn Psd. 1,00 bis 1,50 Mk. Fertige Bette», groher Stand(Obetbctt, Unterbett, 2 Kissen) mit neuen gereinigten Federn u. rochen Inlett 10 Mk., bessere Sorten 12-15, 18, 24—30 Mk., hochfeine Brautbetten 40—45 Mk. empsichlt das große Spezialgeschäft 1051L* Ii. Bentier, verlin. Hauptgeschäft: Ackerstr. 88. Ecke Jnvalidcnstraffe. 2. Geschäft: Mariannenstr. 10. 3. Geschäft: Kurfflrstenstr. 25. 4. Geschäft: Reinickendorserstr. S4c. Eharlotltubmg! 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Vormittags 10 Uhr im Lolale des Herrn Eopche, Riidersdorferftr. 3, stattfindet. TagcS- Ordnung: 1. Vorlage des Jahres-Abfchlnffes. 2. Verwendung deS Reingewinns. 3. Neuwahl des Vorstandes und deS AufsichtSrathes. 4. Teschänlicheö.— Um pünktliches Erscheinen ersucht Per Verstand. Hermann Tenpel, Geschäftsführer. Fr. Vlehöfer, Kajsirer. NB. Wir machen darauf aufmerkfam, daß die Bilanz den Genossen in unserem Komptoir, Am Ostbahnhof 3, zur Einsicht anSliegt. D. O. ... j-. Uttkin fiit Manen«nd Mädchen der Arbetterklasse. Montag, de« 13. März 18SS. Abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraffe 20: Vortrag von Frl. Dr. Mysodzinski: Besserung der Gesnndheitsverhältnisse. Gäste willkommen._(55/3) Orts-Klmkenkasse für das Bierbraner-Gewerbe z« Berlin. Dienstag, d. 21. März, Abends S'/s Uhr Ordentliche General-Versammlung in den Arminhallen, Kommandanten- straße 20(Garten- Saal). Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Bericht der Revisions-Kommission. 3. Entlastung des Rendanten und des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht Per Vorstand. Otto Wolf, Vorsitzender. Eenofstilslhllfts-Wilerei „Osisnal", Hemeler-Strasse A'o. 9 (E. G. Mit beschr. Haftpflicht.) Wir bringen hierdurch zur Kenntniß, daß die diesjährige Orden 1 1 1 c h e General- Versammlung am Sonntag, 86. März, Vorm. 10 Uhr, in unserem Geschäftslokal, Mrmelerstr. 0 Fabrikgebäude 2 Tr., stattfindet. 1857b Tagesordnung: 1. Vorlage des Jahresabschlusses. 2. Bericht über die stattgefundene Revtston. 3. Neuwahl des Vorstandes und Aufüchtsrathes. 4. Geschäftliches. Um pünktliches Erscheinen ersucht Per Vorstand. Paul Lehmann, Geschäftsführer. Hermann Hemp, Kasstrer. Wir machen darauf auftnerksain, daß die Bilanz den Genossen in uns. Komptoir, Menielersir. 9, zur Einsicht ausliegt._ D. O. Ausserordentliche General-Versammlung des Verbandes aller in der Kürschtierei beschäft. Arbeiter«. Arbeiterinnen Berlins u. Umgegend. Montag, d. 13. März. Abends 8'/, Uhr, im Restaurant Feind, Weinstr. Ii. Tagesordnung: 1. Bericht der ArbeitSlosen-Unter- stützungs-Kominission, Kollege Peters. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Erscheinen Ehrensache!— Mitgliedsbuch lcgitimirt. 23/3 Der vorstand. Der Vorstand. Charlotten bürg. Sani» tag, den 10. Miirz, In Blsmarckshtfhe. WilmerZdorferstr. 39, elegante Herren> Garderobe nach Maaß(auch baar Kasse, billigste Preise) Fertige Garderobe wird zum Selbst- lostenpreise ausverkauft. lemporowalil, Schneidermstr., Stralauerstr. 56, Laden AOIRDORF&C Spittelmarkt 16/17 und BelleAnianceatrasae 1/2. 0 mr Damen �,4 Knopf. paar 90 Pf»» Glace-Handschuhe, kür tterren karb.e.«it vru°tt-.opf. tdtlisiliwL kör Ksräillkll,?ortivrsil,?SWvkis oio. 4g« 60" 80" Portieren, Sf«],», Z.« Z.« 4,« Steppdecken, fcwgar wen..«», 3, Uk. 5, m. 6, m. 8, Tischdecken, eiofarbig« Wollfond mit Bordüre 3, mI. 5, 25 Mk. Btüek 25 Mk. Schlafdecken, melirfatbige Blumenmuster, 140/190 em., Stück -S. 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Der Redner, der die verschiedenartigen Mißstände deleuchtete, die eine stete Gefahr für das Leben und die Gesundheit der Bauarbeiter bilden, verwies darauf, daß die derzeitigen in Betracht kommenden Vorschriften nicht nur unzulänglich sind, sondern mfolge des Mangels einer geeigneten Baukontrolle auch von den Unternehmern nicht beachtet werden. Um den Bauarbeitern den von allen � Seiten als nothwendig anerkannten Schutz zu verschaffen, fordert der Redner ein Bauarbeiter- Schutzgesetz für das ganze Reich, und insbesondere eine genügende Baukontrolle, die aber nicht den Polizeibeamtcn, sondern praktisch vorgebildeten Personen übertragen wird, welche die Durch- fiihrung der gesetzlichen Bestimmungen zu überwachen haben. Dem bcisällig aufgenommenen Vonrag folgte eine kurze Diskussion im Sinne des Referats und in der darauf hingewiesen wurde, daß uicht nur bei den sogenannten Strohmännern und Bauschwindlern die gerügten Mißstände vorherrschen, sondern daß gerade auf den Bauten der„befähigten" Baumeister die größte Zahl der Unfälle zu ver» zeichnen sind. Daß bei diesen ebenso rücksichtslos mit dein Leben der Arbeiter verfahren wird, beweist auch wieder, wie behauptet wurde, daß auf dem Bau des Jnnungsmcisters und Vorsitzenden der Sektion I der nordöstlichen Bau-Berufsgenossenschaft, Herrn E s m a n n, fast jede Woche 2 Unfälle� vorkommen und in kurzer Zeit nicht weniger als 9 Unfälle auf diesem Bau zu verzeichnen sind, bei welchen sogar mehrere Arbeiter schwer verletzt wurden. Nachdem auf den Zweck des bevorstehenden Bauarbeiter-Kongresses bingewicsen worden war, wurden Silber schnlidt, Panser und W. Schulz als Dclcgirte zu demselben und Gröppl er als Ersatzmann gewählt. Hieraus wurde beschlossen, am 18. März einen Kranz auf den Gräbern der kvlärzgefallenen niederzulegen. Nach kurzer Diskussion über die Be- deutung der Maifeier wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, den t, Mai durch völlige ArbeitZrube zu feiern. Zum Sckiluß wurden der Agitationskommission für die Provinz Brandenburg als vorläufige Rate oOO M, zur Agitation in der Provinz überwiesen. Tie Zimuicrer der lokalen Richtung nahmen am 9, März in einer Versammlung bei Cohn in der Beuthstraße Stelliing zur Lohn- bewegung in diesem Jahre. In der Diskussion wurde besouders gegen Vereinbarungen mit den Unternehmern gesprochen. Diese würden von den Unternehmern dock nicht strikte gehalten werden, und die Arbeiter könnten die augenblicklich günstigen Verhältnisse im gegebenen Falle nicht genügend ausnutzen, wenn sie durch Verträge gebunden seien. Außerdem ließe sich die Bau- konjunktur vier Wochen vor dem 1. April durchaus noch nicht genau feststellen. Nach der lebhaften Debatte wurde einstimmig die folgende Resolution angenommen:„Die durch Vertrauensleute zentrallsirtcn Zimmerer beschließen, auch 1899 an den unter dem 9. Juli 1897 angenommenen Forderungen festzuhalten. Die Ver- sanunluug uiacht es jedem Zimmerer zur Pflicht, für die Durch» sührung der nachfolgenden, schon mehrmals aufgestellten und den Unternehmeni nntgetheilten Arbeitsbedingungen Sorge zu tragen. Die täglich längste Arbeitszeit beträgt 9 Stunden und der Mindest- lohn 60 Pf. pro Sumde. Die Arbeitszeit beginnt in den Sommer- monaten, März bis November. Morgens um 7 llbr und endet Abends um 6 Uhr. Diese Arbeitszeit lvird durch folgende Pausen unterbrochen: Ve Stunde Frühstück, 1 Stunde Mittag,'/e Stunde Vesper. An jedem Sonnabend ist eine Stunde früher Feierabend, jedoch fällt die Vespcrpause aus. An den Tagen vor Ostern und Pfingsten ist um 4 Uhr Feierabend, Weihnachten um 3 Uhr. In der übrigen Zeit des Jahres beruht die Länge der Arbeitszeit auf freier Vereinbarung, darf jedoch 9 Stunden nicht übersteigen. Bei dieser Arbeitszeit'ist Sonnabends'/e Stunde früher Feierabend. Der Lohn nmtz jedoch jedesmal voll ausgezahlt werden. Akkordarbeit, Sonntags» Ueberstunden und Nachtarbeit dürfen nicht gemacht werden, außer wenn Leben und Gesundheit in Gefahr sind oder Betriebs- oder Verkehrsstörungen entstehen. Der Lohn muß auf der Arbeitsstelle gleich nach Feierabend aus- gezahlt werden, oder eS ist soviel früher Feierabend zu machen, als der Weg Zeit erfordert, um zum Bureau des Arbeitgebers zu ge- langen. Als Arbeitsstellen, Bauten und Plätze, auf denen die bau- polizeilichen Vorschriften nicht eingehalten werden, oder sich unge- nügende Rüstungen, schlechte Aborte, ungenügende oder gar keine Baubuden oder andere Mißstände befinden, sind dem Bureau zu melden. Ans jeder Arbeitsstelle muß ein Platzdeputirter vorhanden sein und sind Arbeitsniederlegungen stets vorher dem Bureau zu melden, damit durch Verhandlungen mit dem Unternehmer Abhilfe geschaffen wird. Die Platzdeputirten niüssen Namen und Wohiuing dem Bureau anzeigen. Alle Kameraden, welche durch ihr Eintreten für obige Arbeitsbedingungen gemaßregelt oder entlassen werden, erhalten die bisher übliche Unterstützung von 2 M. pro Tag und für jedes Kind 1 M. pro Woche auf die Dauer von vier Wochen. Weitere Unterstützung muß von den Platzdeputirten oder öffentlichen Versammlungen beschlossen werden." Angeregt wurde, für bestimmte Arbeitsleistungen bestimmte Zeiten bekannt zu geben, nack denen sich die Kollegen richten können. Die Beschickung des Bauarbeiter-Schutz-Kongrcsses wurde abgelehnt, da die Berliner Bauarbeiter bereits durch mehrere Delegirte ver« treten seien, die zu den Fragen, die auf dem Kongreß verhandelt werden, denselben Standpunkt einnehmen wie die Versammelten. Eme Bennehrung der Delegirten habe keine prakttscke Bedeutung. Auf dem Kongreß der durck Vertrauensleute zcutralisirten Gewerk- schaften zu Braunschweig soll Fischer die Berliner Zimmerer ver- treten. Zu seinem Stellvertreter wurde H i n r i ch s e n gewählt. Folgende Anträge soll der Delegirte dem Kongreß vorlegen: 1. Auf dein in Braunschwcig tagenden Kongreß werden nur der Vorsitzende und der Ecschäftsleitcr gewählt. Tie übrigen Mitglieder der Gcschäflskommissiou werden von den Gewerkschaften des Ortes ge- wäblt, an dem die Geschäftskommission ihren Sitz hat. 2. Die Kon- gresse der durch Vertrauensleute zeiitralisirtcn Gewerkschaften finden in Zukunft nicht mehr alljährlich, sondern nach Bedarf statt. Ferner wurde beschlossen, auch in diesem Jahre den ersten Mai durch voll- ständige Arbeitsruhe zu feiern, am Vormittag des ersten Mai eine öffentliche Versammlung abzuhalten und Maimarken auszugeben, im: Kontrolle üben zu können. Zum Schluß wurde ein Antrag an- genommen, der besagt, daß die Vertrauensmänner der zentralisirten Zimmerer Berlins und Umgegend am 18..März einen Kranz auf dem Friedhof der Märzgefallenen iüederlegen sollen. Arbeitcr-Sängerbmid Berlins und der ttingegend. 1. Vorsitzender: Ad. Nemnann, Brunneiistr. 159. Alle Aenderungen im Vcremkalcuder sind zu richten an Friedrich Kortum, Mantenffelstr. bO, v. 2 Tr. Sonntag: „Vorwärts VII", Rununelsburg, Beutling, Kant- und Götheftrahen-Sike.— Moniog. abds. 9—11 Uhr, Ucbungsslunde und Aufnahme neuer Mitglieder. ~„Zulunft I", Steglitz, Ahornstr. 10.—„Harmonie", Reslaur. Feind, Wettmr.lt.—„Tonblstthe", Löwett, Oppelnerstr. 19.—„Liedesireibeit H", Sttauebera, Magnus, Wilheluislrahe.—„Freya II"(gemischter Chor), Rusch, Fichtestr. 19.-„Solidarität", Mielke, Schützcnstr. 29.-„Berliner Damen- chor Harmonie", Rvsin, Schönliolzcrstr. 42.—„Vorwärts III", Lichtenberg- Fricdrichsselde, Schulz, Prinzcn-Allee 6.—„Cancordia", Restaurant Willi- bald-AIcrisstl. 10.—„Alpenblum»', Ncu-Welßensce, Sturm, Lvthringenstr. 33. -„Rothe Rose", Prinzen-Allee 44.-„Liedeslust III", Ält-Glienicke, Saß. Grlinauersir. 19 a.— Arbeitcr-Nauchcrbund Berlins«»d der Umgegend. Aenderungen im VeretnSlaleuder sind zu richten an Eugen Raschle, Ripdorf, Mahlower- straszc I, 4 Treppen.— Sonntag t„Wally", Schütte, Biescnthalerstr. 10 (vorm. 10 Uhr).- Montag, abds. von 9-11 Uhr: Klub-Abend und Auf- nähme neuer Mitglieder:„Mexikaner", H. Baatz. CothcuiuSstr. 3.— „Abguß II", Schulz, Höchstestr. 33.-„Freuudschast Vorwärts". Kartze, Duuckerftr. 2.—„Fidele Kolonisten", Klinge, Koloniestr. 137.—„Blaue Schleife", Boden, Oppelnerstr. 13.-„Grüne Linde", Kaseda, Drontheimer- straße la._ Gesang-, Tnrn- und gesellige Vereine. Sonntag. Theaterverem „Crescendo", Liniciistr. 73.- Dramatischer Klub„Liebesglück", Cremmener- straße 1.— Vergnügungsv.„Jngwelde", Schulz, Dunckerstr. 90.— Theater». „Vorwärts", Jonas, Gr. Frankfurtcrstr. 42.- Tbcatcrv.„Schiller", Garbriel, WUdenvwstr. 5.- Geselliger Klub„Neptun", Roßstr. 3.- Theaterverem .Amorella", Britzerstr. 19.- Pr.-Theater- u. Sp.-Ver.„Alpenrose", Weiß, Jnvalidcnstraßc 140.- Montag: Theatcrv.„Weiße Rose", Rcichenberger- straße 19.— Vergnügungsv.„Bavaria", Schulz, Dunckerstr. 90.— Rauchkl. „Portoriko", Bülowstr. 46.- Gesang«.„Männerklang", Pinzer, Schützen- straße 13/19. � r Arbeiter- Xnrncrbtlnd. Sonntag: Turnv.„Fichte", Lichtenberg, Asche, Weißenleecr Weg; jeden Sonntag von 3 Uhr an volksthümUchcs Turnen,- Montag: Tuniv.„Fichte", Berlin, abends von 8-10 Uhr, 7. Mälllier-Abth., Reichenbcrgerstr. 131; 2. Damcn-Abth., Ackerstr. 67.; 7. Lchrlings-Abih., Wasserthorstr. 31. Arbeiter-Schwimnierbuiid. Anfragen sind zu richten an E. Brätle, Schulsir. 24. Aiontag: Schwinrmklub„Neptun"(Wethrusee), Uebilngs- stunde abends 7-/z Uhr, Bad der Waffersreimde, Kommandantenstr. 7/8. Lese» und Diskutirkluvs.„Polnisch. Diskutirkl.„Jaroslaiv Dom- browsln in Nixdorf", Preßler, Zietheiistr. 69. tagt jeden'Sonntag nach dem lö., nachm. s Uhr.— Montag:„Soztaldcmolr. Lese- und Diskutirkl. für den Stadtbez. 172", Buchmann, Gubenersir. 12a, Vers, jeden 2. und 4. Montag im Monat, abdS. 8 Uhr.-„Leopold Jakoby", Zippke, Morkusstr. 14 (Eingang Grüner Weg), jeden Montag nach dem 1. u. IS. im Monat.— „Nordkante", Bolz, Wiesciistr. 27.-„Johann Jakoby". Lietzke, Schwedter- straße 33. Arbeitcr-Stenographenverein„Stolze".(Eimgungssystem). Montag: Bezirk„Norden", bei Franz Glemcrt, Müllcrsir. 7a, Abends 8>/, Uhr. Treptow- Bailinschuleiiweg. Den Mitgliedern des Vereins„Vor- wärts" zur KeniiMib. daß unsere BcrciilSvcrsammluiigen nicht mehr am Mittwoch nach dem 1. und 1t/ im Monat im Lange'scheii Lokal, sondem jeden Mittwoch vor resp. am 1. und IS. im Monat im Restaurant Ackermann ftattfindm, imsere nächste Bersauimliiiig somit am IS. März abgehalten werden müßte; da jedoch von Seiten des Vertrauensmaiincs zum 13. März im selben Lokal eine öffentliche Bersainmlmig, in der der Reichstags-Abg. Gen. giosenow das Referat überpouimeii hat, ivorauf wir besonders hm- weisen, veranstaltet ist, so fällt unsere nächste Versammlung aus. Der Vorstand. Verein für Frauen mid Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 13. März, Abends 8 Uhr. in den-„A, minhallen", Kommalidantenstr, 20: Vortrag von Fräulein Dr. WygodzinSkt Über:„Beffermig der Ge,nndhetts- Verhältnisse". Gäste willkommen. Samariter»Kursus für Arbeiter uud Arbeitcriuuen. Montag, 13. März, Abends 9 Uhr, in den Aniiiiihallcn, Komiiiandantetlstraße 20: Praktische Uebnngen unter Leitrmg des Herrn Dr. Steinitz.. Der Voritand. Der„Zonentarif'. Verein für Eisenbahnreform, veranstaltet am Mittwoch, den IS. Marz, Slbends 8'/« Uhr. in Cohws Festsälen, Benthstr. 19/20, seine diesjährige Geiieralversamiillimg. Bilduugsverei»„Mehr Licht'. Heute, Sonntag, Ausflug nach Grünau. Treffpunkt von Nachmittags 2 Uhr ab bei Lindenhayn. „Jägerhaus" Ii SUIS!#*«* 1 1 Sonntag, den 12. März; ErUfTnnne des Aller iVt»« prUhUn«»- Feste«. Schausiellnngci Karouffels, Panorama-c, sowie verschiedene Schau- u. Spiclbudcn. Entrce für Jedcrmanir frei.€. des diesjährigen ien aller Art, KUhn. I* Muxfeldi' Ballsäle Dresdcncrstrasse 96.[11868* AM" Jeden Sonntag: Grosser Ball."HW Empfehle meine Lokalitäten za Versammlungen u. Festlichkeiten. Gustav MÜbrodt s Festsäle, sS: Jtdcil Toniitlig: Großer Voll, große Mmujik. W?- Empfehle meinen großen Saal zu Berfammliingen und Festlichkeiten sowie Vcreiiis.zimmcr und Ncstanrant._ 8448* Jkll IKz»»»Ii!,» llolkciiBtrusso 1%, 4111(Molkenmarkt). 6758* Montags: Wellfleisch. Täql.: llledeln Ua,'n,sr>.n rSufnan Dienstags: Frische Wurst, mit Sauerkohl. ÜCl lllflllll Um ItlCl. Etablissement Waldemarstr. 75. _ Säle z» Festlichkeite» und Versammlnngcn.[4941,* MS" Jeden Sonntag:«rossvi- Ii«II.-Tfaß jf. Brüder. Robert Scheere, Restanrant„Sängerhei m' 6. Vtniiicn-Sträsie 38. Telephon: Amt I II Nr. 37««. Slebeitsnachloeis der Möbclpolirer, Brauer, Brauerci-Hilfsarbeiter. Zahlstelle dcS Verbandes der Holzarbeiter, Metallarbeiter, Buchbinder, der OttS- Kranlenkasse der Möbelpolirer, der Zentral- Krankenkasse» der Schuhmacher, Gold- und Silbcrarbcitcr, Buchbinder und Zahlstelle des WahlvereinS für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis(Osten).[SSSL* Y ereinsbrauerei-Äusscliank Rixdorf Herrlicher Garten»»d große Säle. 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Amt IV. 9675. Im Moral April»och mige Somiabkiide «ad Zoiiutigt frei. f1SS8b ASnsili <4r. Frükstiieks-, Blttaz;» und Abemltlscli. * Liebchcnschel, Mariannenstr. 48. zu40,80-100Perf. il»m«Hvvju vergeben bei 554S*] Sepp Wied« mann, _ Friedenstr. 67. Moilbiter Cesellslsiustshatls. �It-illnal.it 86-81. Jeden Sonntag: tirnsser 11.41,4»."MM Anfang 4 Uhr. �alon, Gr. Frankfurterstraffc 85. Empfehle noch einige Sonn» abentle meinen Saal für Vereine zu Festlichkeiten. sl824bj Otto Theel. Xeal ErülTnet! Xen! Bade-Änstalt. Norden LiortEinsrstr. 33. Lohtannin, Russtsch-Römtsch, Dampf- lasten mit Maffagc und Packungen. Wannen-, Sool-, Fichtennadel-, Kleie- bäder-c. Lieferant sämmtl. Kranken- kaffen._. 10408* Grosses Lager in Zithern, Violinen, Gnltarren. Fluten u. f. w., sowie alle mechanische Werke zum drehen und felbstspielend, stets vorräthig bei Aug. KesslGP9 52, Lausitzer- Straße 52, Musikwerke Uerleih u. Reparatur-Merkstatt. Xollkurs-Allsverksiü. 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Der Metallarbeiter R ö in e r verspürte eines Tages plötzlich Schmerzen in der rechten Hand, nachdem er längere Zeit mit dem Auskratzen eines Mannlochs im Boden eines Kessels beschäftigt gewesen war. Er konnte dann wochenlang nicht arbeiten. Wie sich herausstellte, war die Nerven- und lviuskelthätigkeit der Hand, besonders im Zeigefinger und Daumen, gestört. Eine vollständige Heilung trat nicht ein, so dah R. nach der Wiederaufnahme der Arbeit in seiner Erwerbsthätigkeit beschränkt blieb. Er verlangte deshalb von der Maschinenbau- und Kleineisen-Jndustrie- Berufsgenossenschaft eine Unfallrente. Ein medizinischer Sachverständiger sprach sich dahin aus, daß die Erkrankung der Hand nicht die Folge einer plötzlichen Einwirkung sei, sondern ihre Ursache in einer ein- seitigen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Anstrengung habe. Auf Grund dieses Gutachtens lehnten sämmtlich« Instanzen den Anspruch des Klägers ab. Das Reichs-Versicherunas- o m t führte aus, es handele sich hier um eine Gewerbekrantheit, nicht aber um einen Betriebsunfall, denn die erste Voraussetzung eines solchen, ein plötzliches, zeitlich begrenztes Ereignitz, fehle im vorliegenden Falle. Veränderung deS Akkordes. Der Tischlermeister Ramnnnger hatte den Tischler A. beauftragt, vier Schreibtische zu dem Akkord- preise von 143 M. anzufertigen. Nach einiger Zeit wurde dem Gehilfen erklärt, die Tijchc sollten nicht drei,' sondern nur einen Kasten haben; infolge dessen gebe es dafür statt 148 M. nur 132 M. A. berief sich jedoch auf seine» Akkordvertrag und wollte auf die Aendcrung nicht eingehen, während der' Arbeitgeber darauf bestand. Es kam schließlich zur Lösung des Arbeits- Verhältnisses. A. reichte sofort beim Gewer b'egericht eine Klage ein und beantragte, den Beklagten RaiMninger zur Zahlung der Akkordsumme von 148 M. zu venirtheilen. Der Beklagte hatte sich inzwischen mit seinem Kunden dahin verständigt, daß er auch Tische mit drei Kästen machen solle; er sandte darum dem Kläger schleunigst einen eingeschriebenen Brief und forderte ihn auf, in die Werkstatt zurückzukehren und den Akkord in der ursprüng lich verabredeten Weise für 148 M. fertig zu stellen. Der Kläger antwortete, er gehe auf das„neue Engagement" nicht ein. In der Verhandlung vor der Kammer IV des Gcwcrbegenchts theilte der Beklagte mit, daß von der Akkordsumme nach Abzug des Arbeits- lohnes für die Fertigstellung der vier Tische noch 14 M. für den Kläger verblieben. Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Dr. Gerth stellte sich auf den Standpunkt, daß der Kläger dem Verlangen des Prinzipals, den Akkord unter den alten Bedingungen zu vollenden, hätte folgen müssen und daß ihm unter den ob- waltenden Umständen höchstens die erwähnten 14 M. zukämen. Die Parteien verglichen sich dann auf diese Summe. Ueber das Aussetzen der Arbeit bei Akkordarbeitern hat sich kürzlich dasGcwerdegericht folgendermaßen ausgesprochen: Kein Arbeiter ist verpflichtet, gegen seinen Willen auszusetzen. Wenn von dem Akkordarbeiter verlangt wird, er solle aussetzen, dann heißt das ebenso wie beim Lohnarbeiter, daß der Arbeitgeber ihn nicht in gesetzmäßiger Weise beschäftigen will; unter Umständen liegt darin eine Entlassung. Protestirt der Arbeiter gegen das Aus- setzen und wird er trotzdem nicht weiter beschäftigt, dann kommt dies einer Entlassung gleich.— Der letztere Fall lag dem Gericht vor. Es verurtheilte den beklagten Arbeitgeber, dem Kläger eine Lohnentschädigung wegen unberechtigter Entlassung zu zahlen. GemevkMaftliitzes. Für die Weber in Krefeld gingen bei der Berliner Aewerkschasts Kommisston folgende Beiträge ein: Verband der Möbclpolirer Berlins und 11niaege»b, 6. Rate 50,�-. Bauern der Kolonie klondyke, Uebcrschun vom Maskenball 20,—. Arbeiter der Finna W. A. Htrschwaun, Johannisstrahe 20,85. Organnirte Kupferschmiede Berlins d. Keiner 20,—. Arbeiter der Schuhfabrik Fiirstenhetm u. Komp. 9,70. Ortsverein Charlottenburger Buchdrucker(Verb. d. Dt. Buchdr.) 15,—. Arbeiter der Firuia Balzani d. Balle 35,52. Arbeiter der Firma Sielaff, 2. Rate 13,50. Arbeiter der Finna I. E. Pfaff, Saal 4, 3. Rate 12,90. Arbeiter d. Firula I. C. Psafs, Saal 1, 4. Rate 7,80. Zentralverb. d. Töpser, Filiale Berlin, d. Richard Hagen(Schiedsspruchvereinbarung) 333,50. KüchenmLbelsabrik Schwarzer. 3 Rate, 4,50. Schuhwaarenfabrik v. Jacobt, Brnnnenstr. 9, 7. Rate, 6,50. Tischlerei Ernst Gossow, Teltowcvftr. 53, 2. Rate, 9,75. Morgensprache der Zementircr u. Berussgen. Berlins 5,30. Stammtisch Bortz, Skalitzerstr. 18, 1,50. Gesangverein„Vorwärts 7- zu Stralau 30,—. Vom Maskenball Rühle, Araunstrabe, 3,—. Tischlerei Schaub u. Franz 24,80. Möbelpolirer v. vuse, KSpnickerstr. 9, 2,—, Kistcn- macher nach der Beerdigung d. Kollegen I. Kosch gesamnielt 3,20. Schirm- stockfabrik A. Mendt 10,—. Buchdruckern Felgentreff u. Co. 4,55. Tischlerei von Trompler, RüderSdorserstr. 7, 3—. Buchdnmtrei Fehl n. Co. 7,86. Freunde trotz alledem 10,—. Vom UnterstützungssoiidS der Glasarbeiter Stralaus 30,—. Arbeiter der Schul, sabttk Sänger und Stockwald 8,60. Buchdruckern KrebS, 7. Rate, 3,60. Blumenstrabe 76, 9,25. Gesangverein„Einigkeit", P. D. 5,—. Gesangverein.Nord", gesammelt auf der Herrenpatthie 7,70. Mechanische Flaschenverschlubsabrik v. Mar klamt 14,20. Broneewaarensairik Otto Eckardt, Brnnnenstr. 7 7,45 Möbelfabttk A. Equitz, Gr. grankfurterstr. 125, 7. Rate 9.S5. G. Puhlmann, Beusselstr. 64 2,—. Gewerkschastslomniiision Charlottenburg, 2. Rate 60,—. Von den Bergoldern Berlins durch den Vertrauensmann 200,— Gesangverein Berliner Kürschner 20,—. PtanofottefabrikJaschinsly, Dieffen- bachftr. 33 8,20. Arbeitergesanav. Nord 25,—. Nach d. Beerdigung Hirsekornes gesammelt 6,05. Klaviatursabrik v. Buch bolz, S. Rate 16,65. Möbeltischlerei Leimig u. 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