Ginzelpreis 70 Seller. ( Einschließlich 5 Heller Porto: Sozialdemokrat 707 Jentralorgan 6. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Ifchechoslowakischen Republik 12 Jahrgang. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. R.daktion u. Berwaltung: Prag II, Refázanfa 18 Telepb.: 26795, 31469, Nachtrebaft.( ab 21 uur): 33858 Bontichedamt: 57544 Donnerstag, 16 Juni 1932 Nr. 142. In Nordböhmen 19.000 Arbeitslofe meniger! Der ,, Ständestaat" marschiert... 5632 und Dur 5585). Gemeinden tönnen nicht helfen, Eine Reihe dieser Arbeiten, für die auch bereits vom Ministerium für soziale Fürsorge unter dem Titel der produktiven Arbeitslosenfürsorge Beiträge bewilligt wurden, kann leider nicht durchgeführt werden, weil die Gemeinden nicht das nötige Geld haben. Die Landbündler- Fascisten. sollen Reiterabteilungen, Radfahrerabteilungen und Stiabteilungen dienen. Den Gedanken der Kameradschaft" bringt die gemeinsame Tra chi lies Uniform. D. R.) zum Ausdruck, die bewußt das Soldatische betont und den Kameraden von den nicht nur äußerlich in der Kleidung, sondern auch oft innerlich, bürgerlich bestimmten übrigen Standesgenossen herausheben off." Die Gesamtzahl der angemeldeten ArbeitsDie landbündlerischen Anhänger sind Losen ist im Laufe des Monates von 146.468 auf schon lange mit der Politik ihrer Führer un127.467, also um 19.001, d. h. um 12.9 Prozent zufrieden. Schöne Worte des Herrn Spina, gesunken, so daß der Rückgang in Nordböhmen und seien sie noch so kunstvoll vorgetragen, geringer ist als im ganzen Lande, wo es sich unt einen Rüdgang von 14.3 Prozent handelt( im ziehen auf die Dauer nicht. Die Landbündler erhielten einen Konkurrenten, der besser Staate 12.8 Prozent). In 11 politischen Bezirken von den 25 des nordböhmischen Sprengels warent Theater spielen kann und mehr zu versprechen noch immer mehr als 5000 gänzlich Arbeitslose versteht: die Hakenkreuzler. Diese hatten Zuangemeldet( Gablonz a. N. 15.814, Tetschen Die Arbeiterschaft für diese Arbei- zug, die Reihen der Bündler lichteten sich. Daraus geht klar hervor, daß die Bewe10.676, Reichenberg 9831, Teplitz- Schönau 9565, ten muß durch die Bezirksarbeits- Das jagte ihnen Schrecken ein. Vor allem die gung eine militärische OrganisaB.- Leipa 8967, Brür 7823, Romotan 7730, vermittlungsanstalten aufgestomFriedland 7485, Aufsig a. G. 7455, Rumburg men werden, weil diese sonst nicht in der Jungen quälte ein Gedanke: ein Wunder- tion darstellt, die von einer Spitze aus ge= Lage wären, die Lohnliſten zu bestätigen, was rezept für alle Leiden, gleich den Hakenkreuz- leitet wird, deren Mitglieder nach militärischen Den Berufsgruppen nach handelt es sich bei für die Auszahlung des Staatsbeitrages unbe- lern, zu finden. Die Mährer, schneidige Kerle, Grundsätzen erzogen und verhalten werden. wie sie schon sind, dachten sich; wir werden Die Organisationsform deckt sich also vollden gänzlich Arbeitslosen um 28.641 Hilfs- und dingt notwendig ist. Tagarbeiter, bei denen ein Rückgang um 11.4 Besonders betroffen sind die Handels- und das Kind schon schaukeln. Ein Zeileisinstitut ständig mit der Hakenkreuz- fascistischen. Prozent erscheint, um 28.318 Textilarbeiter Und wie sehen nun die landständischen (-2.2 Prozent), 22.548 Glas- und Tonarbeiter Industrieangestellten. Am 31. Mai waren 3288 haben wir, die Bauernschule in Groß- Ullers(-2.2 Prozent), 22.548 Glas- und Tonarbeiter gänzlich Arbeitslose aus dieser Gruppe ange- dorf und tüchtige Doktoren auch, den Herrn Jdeen" aus? Man traut seinen Augen nicht, (-12,2 Prozent, was natürlich hauptsächlich auf meldet, von denen nur 1183 die gewerkschaftliche Ehrendoktor der Brünner deutschen Technik wenn man die Stellung dieser Landbünddie Ziegelarbeiter (-7.6 Prozent), 8967 Bauarbeiter(-32.8 Pro- Arbeitslosenunterstützung mit dem Staatsbeitrage Abg. Hodina, den Herrn Verbandsdirektor ler zur heutigen, kapitalistischen WirtschaftsHilmer und seinerzeit den Herrn, Ingenieur ordnung liest. Waren es doch gerade die Landzent, dank der Saison) und um 4545 Holzarbeiter Die Bezirksarbeitsvermittlungsanstalten er- E. G. Bürger, um nur einige von ihnen zu bündler, die sich immer als die besten Wah(-13.2 Prozent, in beträchtlichem Maße auch im juchen wiederholt alle Arbeitgeber sämtliche nennen. Nach einigem Kopfzerbrechen der rer der ,, wahrhaft christlich- deutschen WeltanZusammenhange mit den Bauten). Zur. Linderung der Arbeitslosigkeit sollten zur Besehung gelangenden Arbeits- Meister und Gesellen, der Lehrer und Schü schauung", wie sie in ihren Parteigrundsätzen wiederholt Not standsarbeiten beitragen. und Dienststellen den Anstalten zu ler, nach einigen schweren Auseinandersetzun- vom Jahre 1920 erflären, also jener der Es handelte sich um 153 Arbeiten, bei denen 4805| melden und dadurch den Stellenlosen das gen der Jungen mit den Alten ward das gegenwärtig noch herrschenden kapitalistischen Personen beschäftigt waren. Kind geboren, das den Namen ,, I and st än Gesellschaftsordnung, ausgaben. Und heute disch" erhielt, die Taufpaten nannten sich wollen sie von dieser von Gott gewollten Jungmannschaft". Wirtschaftsordnung nichts mehr wissen?! Man Der Marsch ins Dritte Reich: erhalten haben. Suchen der Stellen zu erleichtern. Die Regierung Schleicher- Papenhandelt". Sie gibt sich„, demokratisch" Aenderung der bisherigen Politik" zu erkennen vermöge. Die Regierung stelle in ihrer Erklärung zur Notverordnung zwar grundlegende Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung in Aussicht, so lange sie aber diese Versprechen nicht durch Taten zu belegen in der Lage sei, habe die NSDAP keinen Anlaß, ihre Auffassung zu ändern. * ,, Man tann ruhig behaupten" jagt Berbandsdirektor Hilmer, daß die Wirtschaftskrise auch gekommen wäre, wenn es feinen Krieg ge=" geben hätte, so wie es auch in früheren Jahr zehnten Wirtschaftskrisen gab." Die neue Idee faitd Anklang. Die Bewe- höre sie: gung foff in 400 von den 600 deutschen Dörfern Mähren- Schlesiens Anhänger zählen. Im September vorigen Jahres fand in Sternberg der erste Landesaufmarsch statt. Jit Böhmen versuchen die Agrarier erst jetzt, den Ueberresten ihrer Bewegung den neuen Geist einzuimpfen und nach mährischem Muster umzugestalten. Schuld daran ist ,, das kapitalistische, auf Ausnüßung der gegebenen Gelegenheit durch das Einzelindividuum und den Einzelbetrieb abzielende System". ,, Konzentrationen, die nur den Zwed verfolgen, die Gewinnmöglichkeiten weitestgehend auszunüßen, ein Zusammenballen der wirtschaftlichen Kräfte und der Geldmittel, éin immer stärkeres Anwachsen der Kapitalien in den Händen einiger Weniger und eine immer stärker um sich greifende Proletarisierung der Massen" herbeiführt. Die Reichsregierung hat beschlossen, den Rundfunk für die Wahlwerbung freizugeben. Jeder der Parteien, die im letzten Reichstag mit mindestens 15 Mandaten vertreten waren, wird Man könnte sagen, es handle sich hiebei die gleiche Zeit für eine Ansprache eingeräumt. sicherlich nur um eine Auffrischung des Fir- das durch Die Wahlreden werden in der Woche vor der menschildes, der Dekoration, denn die LandReichstagswahl durchgegeben, für jede Rede stebündler führen das Wort„ ständisch" und hen 25 Minuten zur Verfügung. Die Regie- Wenn die Maßnahmen der Regierung Parung hat allerdings der Kommunistischen Partei pen teine grundlegende Alenderung der bisherigen Landstand" schon immer im Mund. Das das Halten einer Rundfunkrede nicht gestattet, Politik sind, dann weiß man schon nicht mehr, trifft aber keineswegs zu. Man lasse sich auch obzwar der Text der Reden gesichtet wird. Soeben was sich die Nazis unter einem Systemwechsel" von den Namen„ Jungmannschaft" nicht hat man vor den Nazis eine Verbeugung gemacht, vorstellen. Freilich sind bisher noch keine Köpfe täuschen, denn es handelt sich um keine indem man Gregor Strasser reden ließ. Für die in den Sand gerollt, aber man ist doch erst auf Jugendbewegung. Wir haben Ursache, diese Kommunisten gilt also nicht das gleiche Recht dem Wege ins Dritte Reich und noch nicht in Organisationsform und das neue Programmi wie für die hafenfreuzlerische Hochverratspartei. feinen paradiesischen Gefilden. Es ist den Ha- unserer Dorfgewaltigen zu prüfen. tenkreuzlern schon zu glauben, daß ihnen die Siebei müssen wir uns vor Augen halUnd handelt reaktionär. sozialpolitischen Maßnahmen der Junkerregierung Berlin, 15. Juni. Die Notverordnung über die unangenehm find. Haben sie doch seinerzeit das ten, daß die ,, Landständische Jungmannschaft" Aufhebung des SA- und des uniform Kabinett Bapen mit einem Freudengeheul begrüßt ein Schutzdamm gegen die Hakenkreuzler, die berbotes und die Neuordnung der Bestim und sind sie doch an seinem Zustandekommen Avantgarde der Großbourgeoisie, sein soll. mungen über die Pressefreiheit ist nunmehr fer durch die Abmachungen beteiligt, die sie mit ein- um das zu erreichen, mußte eine Bewegung tiggestellt. Sie wird voraussichtlich morgen verzelnen Regierungsmitgliedern abgeschlossen haben. geschaffen werden, die die wesentlichen Grundöffentlicht werden. Bei den letzten Besprechun Dieses Abrüden von der neuen Notverordnung züge, Aufbau und Programm, gemeinsam mit gen beim Reichsinnenminister hat es sich darum foll lediglich die nationalsozialistische Wahl der Hafenkreuzbewegung hat, die wiederum Die berufenen Hüter, man hörte und gehandelt, die Schwierigkeiten zu überwinden, die werbung erleichtern. ein Nachkommen der italienischen, fascististaunte, verdammen die geheiligte Wirtschaftsin der Stellungnahme der Länder, namentlich schen Urbewegung ist. Und dem ist auch so. ordnung und fordern ihre Beseitigung, die zur Frage des Uniformiragens, liegen. Ein Be „ Die Landständische Jungmannschaft" Ersetzung durch eine andere, jene Kampfesschluß der Länder liegt aber noch nicht vor, aber so sagt ihr Landesführer Ing. Künzel forderung der Sozialdemokratie, die gerade man hat den Eindruck. daß die Länderregierungen borläufig nicht die Absicht haben, die Aufhebung ,, ist teine nach demokratischen Me- von den Landbündlern bisher als Schreckgethoden geführte Massenorganisa- spenst gegen sie benüßten! ,, Und in der Erkenntnis des Wesens der Wirtschaft und des Staates" sagt Künzel ,, muß sich die landständische Bewegung gegen das heute herrschende parlamenturisch demokratische Staats- und gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem und für den ständisch orga die berufsnisierten Staat und ständische Wirtschaft einseßen." d tion, in der die Zufälligkeiten der Massen- Aber nicht Ersetzung durch etwa eine Gestimmung von Massenversammlungen nur durch sellschaftsordnung, in der Freiheit und soziale verdeckte Führerpraktiken ausgeglichen werden, Gerechtigkeit herrscht, sondern die Zeiten sondern sie ist auf dem Grundsatz Führertum des fünfzehnten Jahrhunderts, und Gefolgschaft aufgebaut", wo eine Adelskaste die bäuerliche Bevölkerung Preußischer Landtag als politischer Kindergarten. Berlin, 15. Juni. Im preußischen Landtag des Verbotes durch eigene Notverordnungen in wurde gestern mit den Stimmen der Kommuni ihrem eigenen Machtbereich zu verhindern. Da sten und der Nationalsozialisten der kommunigegen ist wohl damit zu rechnen, daß in den Läntische Antrag angenommen, die Reichsregierung dern während des Reichstagstampfes weitu erjuchen, den Austritt Deutschlands gehende Aufmarsch verbote zur Siche aus dem Völkerbund zu vollziehen. Bei der Abstimmung über den weiteren Anrung der öffentlichen Ruhe und Ordnung erlassen werden. Bezeichnend in diesem Zusammenhange trag der Kommunisten,„ Der Landtag fordert dürfte das Verhältitis in Berlin sein. Von den sofortigen Rücktritt der Reichsregierung von das heißt, eine Organisation, in der der als leibeigene Sklaven hielt, schweben den nationalsozialistischer Seite war angekündigt wor- Bapen", ergibt sich die Beschlußunfähig Führer befiehlt und die AnhänAgrargewaltigen als Idealbild vor. Herr Dolden, daß man nachsten Sonntag auf dem Tempel Leit des Hauses, da mur 177 Starten abgegeben ger zu gehorchen haben. Mindeſtalter for Heinrich hat dies in einem Vortrage sehr boreren eine große Barade der wiedererſtan- wurden. Das Zentrum und die at qua für den Beitritt ist 18 Jahre, Mädchen wer- hübsch zum Ausdrucke gebracht. Gleichzeitig denen SA und vor Adolf Hitler stattfin fozialisten beteiligten sich an der Abstimben würde. Dieſe Demonstration wird jedoch mung nicht, Kommunisten und Sozialdemokraten den nicht aufgenommen. Die kleinste Organi- joll, wie Künzel das deutlich sagte, da s pare kaum zustandekommen, da in Preußen seit dem ſtimmten mit Ja, die Deutschnationalen mit fationsform bildet die Landschaft". Die Orlamentarisch- demokratisce 31. Oftober v. 3. ein allgemeines Verbot für ein. Diese Abstimmung ist wohl der beste ganisation untersteht der Landesführung, Staatssystem geändert werden, politische Demonstrationen und Umzüge besteht. Beweis dafür, daß die Angriffe der Nazis auf Zehnerschafts- und Landschaftsführer werden was der Abschaffung der freien, demokrati,, Italtet den Dieb". München, 15. Juni. Der ,, Völfische Beobachfer" schreibt in seinem Kommentar zu der neuen Notverordnung des Kabinetts Papen u. a. die NSDAP lehne die erste Notverordnung als neue die Maßnahmen der Regierung Papen nur ein bestimmt. Schwindel sind. Englischer Minister geftorben. London, 15. Juni. Der Minister für öffentfür das deutsche Volf unerträgliche Belastung lichen Unterricht Donald Mc Lean ist hier um so mehr ab, als sie in dieser ersten prattischen plößlich gestorben. Der Verstorbene war liberaMaßnahme der Regierung„ teinerlei An les Mitglied des Macdonald- Kabinetts und ein haltspunkte für eine genügende Anhänger des Freihandels. schen Vertretung des Volkes, der politischen Der Jungmannschaft" so sagt der Landes- Selbstbestimmung, gleichkommit. führer ,, muß der Charakter des VereinsUnsere deutsch- böhmischen Häupter fun mäßigen, des Freiwilligen, des Bedingten se noch so, als müßten sie das Wesen des zufünfnommen werden, in ihren Kameraden vielmehr von vornherein der Grundsay der seibst tigen Ständestaates zu ergründen versuchen, verständlichen, pflichtgemäßen und Der„ ,, unseligen Parteizerrissenheit unseres unbedingten Einordnung zur Aner Volkes" soll ein Ende bereitet werden, an die Lennung gebracht werden. Der mannschaftlichen Stelle der Parteien sollen die Stände treund damit auch kameradschaftlichen Erziehung ten, verkünden sie. Seite 2 Also Ständestaat"! Herr Dr. Heinrich belehrt uns darüber, daß die Idee des Ständestaates nicht leere Spekulationen, sondern ernste Wirklichkeit" sei. Ein Bei spiel" so sagt er auf Seite 15 seiner Schrift,, des Neuaufbaues der Wirtschaft und des Staates bietet heute der fascistische Staat mit feiner Syndikats- und Körperschaftsform. Der Fascismus hat versucht, eine neue Gesellschaftsform zu schaffen. Ich kann Ihnen nur sagen, daß Donnerstag, 16. Junt 1952 Chriftlichfoziale provozieren die Arbeitsloten. Hand in Hand mit den ärgsten Arbeitericinden. Die tschechischen Agrarier, unterlassen keine Gelegenheit, um gegen die Arbeitslosenunterstüßungen Sturm zu laufen. Es ist beschämend, daß ihnen dabei die deutsch en Christlichsozialen überall, wo sie können, Schüßenhilfe leisten, obwohl dieser Kampf gegen das Recht der Arbeitslosen von der Partei der Restgutbarone unter dem Schlagwort geführt wird, daß der Minister Dr. Czech dabei Verschwendung zu Gunsten der deutschen Gebiete treibt. hier ein wahrhaft großer Versuch zu Gegen Arbeitslosenunterstützungen die Front der Arbeiterfeinde zu verlassen. Troß einer Neuordnung von Grund auf unterommen wird. Ich bin weit davon entfernt, diesen Verfuch als fehlerfrei zu bezeichnen, aber die Er folge, die in der geringen Zeit und bei vielen mangelnden Borbedingungen erreicht wurden, find groß genug. 3ch führe dies beshalb hier an, weil es auch zur Geschichte des ständischen Gedankens gehört, und zwar zum allerjüngsten." Hier steht es schwarz auf weiß, daß das Ziel der ständischen Bewegung der Fascis mus ist wie der italienische. In der böhmischen Landesvertretung haben die tschechischen Agrarier gestern folgenden Antrag eingebracht: Das Ministerium für soziale Fürsorge wird ersucht, in jene Bezirke, welche darum ansuchen werden, anstelle der Verköstigungsaktion Beiträge zur produktiven Fürsorge zu leisten und zwar in erster Reihe für den Stra ßenbau und für die Schottererzeugung zur Erhaltung des Straßennekes. Ein wirklich fein ausgeflügelter Plan! Bezirke mit agrarischer Mehrheit sollen das Mini: zirke mit agrarischer Mehrheit sollen das Mini Man leje jetzt sehr aufmerksam, dic iterium zwingen fönnen, Schilderung des„ Ständestaates": Im liberalen Staate sind grundsäßlich ac Staatsbürger gleich. Im ständischen Staate aber gibt es feine Gleichheit", sagt Dr. Heinrich und fährt fort: Zweierlei haben wir im ständischen Staat erkannt": Statt Boltsherrschaft die Ernährungsaktion für dic Arbeitslosen einzustellen, ihnen jede staatliche Unterstützung zu entziehen und fie der Willkür der Agrarier auszuliefern, die auf diese Weise billige Arbeitskräfte betämen. was mit den andern geschieht, die auch bei den Notstandsarbeiten nicht unterkommen fönnten, kümmert die bürgerlichen Parteien überhaupt ,, die Führung durch den in seinem Bereiche nicht. jeweils Sachkundigsten" Für diesen schamlosen Antrag haben und an Stelle der Gleichberechtigung der die deutschen Christlichsozialen die Staatsbürger die Ungleichheit der Stände und die sich daraus ergebende hierarische Schichtung, die in einem Höchststande gipfeln muß, Eine Herrenschicht wird über das Volk gebieten, wobei Herr Hilmer es für notwen dig erachtet, eine Ergänzung zu liefern: Hand erhoben! Nicht einmal die Rücksicht auf die tschechis der empörten Proteste versuchten sie, diesen demonstrativen Antrag gegen die Arbeitslosenunterstüßung durchzudrücken. Es kam zu stürmischen Zujam menstößen zwischen ihnen und unseren Genossen, auf tschechischer Seite zwischen den Agrariern und den tschechischen Sozialdemokraten. nur Nr. 142 Wohnungsprovisorium sicher! Prag, 15. Juni. Die heutige Sigung der politischen Minister beschäftigte sich mit Finanzfragen und mit dem Wohnungsgeseß. Die entscheidenden Beschlüsse faßt der für morgen nachmittags einberufene Ministerrat. Es gilt als sicher, daß ein Wohnungsproviso= rium beschlossen wird. Das entsprechende Geſch und die Vorlagen über die Zuschläge zur Einkommensteuer und über die Hefesteuer sollen dem Parlament am Freitag vorgelegt werden. Lausanner Konferenz vor der Eröffnung. Lausanne, 15. Juni. Jm Hotel du Chateau fand heute nachmittags eine informelle Der Antrag wurde abgelehnt. Besprechung der sechs einladenden Mächte statt, Die sozialistischen Parteien nahmen dieses an der deutscherseits der Reichskanzler und der Ergebnis mit stürmischem Beifall auf. Nachträg- Reichsaußenminister teilgenommen haben. Die lich versuchten die Christlichsozialen ihr schänd- Besprechung galt im wesentlichen den technischen liches Verhalten abzuschwächen und sich auf un- Fragen der Konferenzvorbereitungen. Morgen informiertheit" auszureden. Genosse Dr. vormittags findet eine öffentliche Eröffnungs Strauß hielt ihnen sehr deutlich vor Augen, fißung statt, bei der der schweizerische Bundes daß in solchen Fällen auch Unkenntnis präsident Motta und der Präsident der Konferenz Ansprachen halten werden. Es wird allwenn sie tatsächlich vorgelegen wäre gemein angenommen, daß der Konferenzvorsitz aufs schärfte zu berurteilen ist. Macdonald als dem Vertreter der Macht zuDasselbe Spiel führten die fallen wird, die die Konferenz angeregt hat. Im Christlichsozialen auf, als sie seis Laufe des morgigen Tages findet dann eine nerzeit gegen die Sonntagsruhe ftimmten. dio Fühlungnahme der einzelnen Staatsmänner untereinander statt, während für Freitag vormittags die erste Sigung mit materiellem Gegen stand anberaumt ist. Bei dieser Gelegenheit wird der Reichskanzler das Wort ergreifen. Endlösung erst im Dezember? Diese Wiederholung zeigt nur, daß die deut ichen Christlichsozialen immer bereit sind, www mit der schwärzesten Reaktion gegen jede soziale Forderung schen Kleritalen, die diese Provokation aufzutreten und daß sie nicht einmal vor hunderttausender Arbeitsloser nicht mitmachten, der ärgsten Provokation der Ar konnte die deutschen Chriftlichsozialen veranlassen, beitslosen zurüdschreden. www www www Einrichtungen, wie es heute üblich ist(?) muß| Stunde erklärt. Nach Hilmers Behauptung vermieden werden", das heißt, bei Krankheit Planwirtschaft" S. 14) gibt es fein Krankengeld mehr, Altersrente ist eine unnüße Belastung der Wirtschaft! Aber die Lasten haben die Berufsorganisationen, also die Arbeiter selber, zu tragen. „ Das heutige demokratische System muß gleich falls allmählich abgebaut werden, das heutige System mit dem gleichen Wahlrecht, wo die Stimme jedes Einzelnen in gleicher Weise entfcheidet, ohne Rücksicht darauf, welchen Sim er für die Interessen der Allgemeinheit( lies groz agrarischen Standesinteressen. D. R.) hat und welches Verständnis er der Lösung der gemein- chaftliche Kampf der Arbeiter abgeschaftlichen Fragen entgegenbringt." Und angesichts der Schandtaten des italienischen Fascismus getraut sich Herr Hahn, Schriftleiter des Deutschen Landboten" zu schreiben: In dieser Beziehung tönnte besonders Italien unseren sogenannten Staatsmännern als leuchtendes Vorbild dienen." Es ist nun notwendig, noch einiges aus dent Wunschkessel unserer Landständler herdes Herrn Hilmer: Nach Dr. Heinrich wird der gewerkschafft, die Gewerkschaften und Industriellenverbände werden zu einem Gesamtverbande des betreffenden Erzeugungszweiges verknüpft. Herrn Hilmer sind vor allem die Kollektivverträge ein Dorn im Auge. Er bersteigt sich zu folgender Erklärung: " gibt es abertausende und abertausende freie Arbeitspläge für weibliche und männliche Dienst boten, Inwohner u. a., die trotz aller Arbeitslosigkeit und trotz der guten Löhne, die heute Dienstboten einschließlich der Verpflegung erhalten, nicht besetzt werden können. Die derzeitigen Löhne der Dienstboten reichen oft an das Einfommen gleichaltriger Beamten mit Hochschul bildung heran, beziehungsweise übertreffen diese fogar". Das ,, Journal des Nationes" behauptet, daß zwischen Herriot und Macdonald bezüg lich der Reparationsfrage eine Einigung auf fol gender Grundlage zusammengekommen sei: 1. Ein fofortiges provisorisches Moratorium bis zum Dezember 1932. 2. Die Einsetzung eines Son derkomitees, das bis dahin die Einzelheiten eines Planes für eine Endlösung des Reparations- und des interafliierten Schuldenproblems prüfen soll. Nur zehn Prozent? Paris, 15. Juni.( Havas.) Petit Journal" teilt mit, daß Herriot in Genf erflären werde, Frankreich würde sein Heeresbudget um 10 Prozent herabfezen, wenn sich die übrigen Staaten zu Weil ,, der große( hakenkreuzlerische D. R.) einer gleichen Herabsetzung ihrer Heeresbudgets Volkswirtschaftler Dr. Spann- Wien" sagt, verpflichten würden. Das Blatt spricht die Ueberdaß eine mehr selbstversorgende Wirtschaft zeugung aus, daß diese Bereitwilligkeit Frant gegen weltwirtschaftliche Krisen widerstands- reichs zu einer jutzessiven Abrüstung einen bedenfähiger sei, muß natürlich die„ ständische tenden moralischen Einfluß üben und eine erheb liche Beruhigung der Gemüter herbeiführen Planvirtschaft" autart sein. Hilmer ver- werde. langt in seiner Schrift, S. 18, daß die Menschen wahre Hungerkünstler werden sollen, die Beteranen- Belagerung Washingtons nicht einmal Reisfoll eingeführt werden. Man kann ruhig behaupten, daß die Rol Teftibberträge einen großen Teil zu der heutigen Arbeitslosigkeit beigetragen haben.... Die Kollektivverträge müssen daher befeivorzuheben. Hier einiges aus dem Archive tigt und die hohen Arbeitslöhne entsprechend herabgesetzt werden. Die Arbeitslosenfürsorge Washington, 15. Juni. Die Lage in der Die Sozialversicherungsanstalten bedeuten angeblich in vielen müffe restlos beseitigt werden, denn bei uns Das Angeführte fennzeichnet wohl zur Stadt ist wieder kritisch geworden, weil die NahStaaten durch ihre Beeinflussung der Kredit- sei angeblich Arbeit in Hülle und Fülle, wenn Genüge den ,, Ständestaat" unserer Landbünd- rungsmittel bei über 20.000 mittellofen Veterapolitik einen Vorstoß der sozialisti- man nur arbeiten wollte. Arbeitslosenunter- ler, die Herrschafts- und Ausbeutungsgelijte nen nicht mehr lange ausreichen. Die Regierung schen Wirtschaftsauffassung. Sie fügung an Saisonarbeiter( Maurer u. a.) unserer Dorsproßen. Sie haben eine Platt hat die freie ärztliche Behandlung der Beteranen eingestellt, mit der Begründung, daß hierwerden daher zuerst aufs Korn genommen. auch wenn sie im Winter hungern ist nach form gefunden, auf der sie neben ihren Tra- für weder ausreichendes Personal noch Geldmittel Nur unbedingt notwendige Versicherun- Hilmer höchst ungerecht. banten, den Hakenkreuzlern, dem gemeinsamen zur Verfügung ständen. Die Stadtverwaltung gen wird es geben, und zwar unter schär= Die Einführung der Zwangsarbeit 3iel entgegensteuern. Daß dieses Ziel ein bietet allen Veteranen, die bereit sind, die Stadt ferer Kontrolle und der billigsten für jugendliche Arbeiter bis zum Traum bleiben wird, dafür wird gesorgt zu verlaffen, fünf Dollar und für einen Tag a. f. Lebensmittel. Belastung: Jedes einseitige Ausnüßen solcher 21. Lebensjahr wird als ein Erfordernis der werden. 86 Schicksale hinter Schreibmaschinen. erit geformt werden will, bie im Begriff iff, ge beitstisch. Dort martiert er ſchleunigst ein GeIch folge ihm unbemerkt. Fräulein Müller drückt sich im Flur an mir vorbei mit niedergeschlagenen Augen. Sie schwebt in ständiger Furcht, ich könnte auf unser der einstiges Gespräch zurüdkommen. Aber ich werde sie nicht quälen. * Also ausharren, jonglieren, Nerven trainieren. Es ist eine Qual, ein ewiges AneinanderVorbeistreichen. Muraviti umgiert mich wie ein hungriger Wolf. Stets tritt er einen Schritt zu nah an mich heran. Wo immer es sich ermöglichen läßt, streift er mich. Nie entgeht mir die Berührung feiner Finger, wenn ich ihm ettvas reiche. Er atmet mich ein, wenn ich mit ihm spreche, er macht mir plumpe Komplimente und starrt mit libberhangenem Blick auf meinen Mund. ,, Beißen müssen Sie können..." sagt er einmal und Inirscht mit den Zähnen. und Stenotypistinnen wurmstichig gemacht wer-| Die beiden stieben auseinander, Majchte ins| wie möglich zu ertragen, um das Ziel zu er den fürs ganze Leben. Es ist doch Jugend, die Telephonzimmer, der Expedient an seinen Arringen. rade ihre Weltanschauung zu bilden. Was haben spräch mit dem Lager. Nein, Sie können schlieBon Christa Anita Brüd. wir denn zu erwarten von Menschen, die durch gen, es ist nichts mehr hier." Maschte hier gewesen, zum Donnerwetter, Sat ganz gut gelernt. Die hat noch die Hände eines Muratosti gegangen find? Und andere Einnahmequellen als bloß unsern wenn es einen Murawski gibt, dann gibt es auch wo steckt denn der Kerl?" höre ich Murawski Alten. So ist mit jeder was. Bei Müllers st Hunderte, vielleicht Tausende. Was nüßen da rufen. der Vater frank, eine Schwester blind, int ganzen alle Bestrebungen zur Hebung der sittlichen Kraft Berr Maschte? Nein, war nicht hier", sagt find's glaube ich acht Kinder, von denen unsere unseres Volles? Solche Arbeitgeber bedeuten der Expedient und spricht weiter in den Apparat. die älteste ist. Was meinen Sie wohl, wie ge- eine Jugend, eine Volksgefahr, die unabsehbar Ich zittere, daß Murawski mich erwischen rade dies Mädel unter den Zuständen hier leidet? ift. Herr Maschte, welch ungeheurer Leidens fönnte, hier im Badraum. Aber er stampft weiSie geht laputt daran, jage ich Ihnen. Na und fomplex allein ist damit vorhanden, welcher Herd ter. Er hat es auf Maschte abgesehen. Der die Gauda, die kragt bloß alles zusammen, bis sie zerjeßenden Unrats, dessen Ausläufer ganze fommt aus seinem Bersted heraus und huscht in heiraten fann. Das Geld macht sie alle fire. Schichten unseres Volkes durchbringen. Wir die Buchhaltung zurüd. Der Expedient geht nach Solange der Alte Geld hat, braucht er nichts zu müssen uns zusammentun. Ich habe ja keine der Disposition. fürchten. Wer will ihn auch anzeigen? Die Ahnung, wie man so etwas anstellt. aber es muß Mädel haben sich alle viel zu viel mit ihm einge- doch Mittel und Wege geben, dieien Murawifi Bald wird es nicht mehr genügen, daß ich mich arglos stelle. Ich stede lieber den Rüffel lassen und schämen sich. Er fängt das so schlau unschädlich zu machen!" an mit seinen seidenen Strümpfen und billigen Keins, das nicht auch uns selbst träfe. einer Eigenmächtigkeit ein, lasse wichtige Post Belzen, mit den Crepe de Chine- Hemdhosen, die Darum lassen Sie mich um Gottes willen aus tagelang liegen, als daß ich mich in sein Rimer ihnen für drei Mart das Stüd läßt, daß fie dem Spiele. Rechnen Sie nicht mit meiner mer wage, wenn ich ihn erregt weiß. Meine ga: nicht mal gleich merken, was er eigentlich Aussage, meiner Unterstüßung. Ich schwöre ganze Spannkraft bleibt darauf gerichtet, wie ich will. Außerdem: fliegt er ins Loch, so find wir Ihnen glatt einen Meineid, denn ich bin ver- Von meinem ersten Gehalt, dessen Ansehn- Murawski entgehe, für die Arbeit bleibt ein zeralle arbeitslos. Wollen Sie das vielleicht verheiratet und hab für zwei Kinder aufzukommen. lichkeit mir nicht die geringste Freude machen rütteter Reft. Und ich liebe diese Arbeit, sie antworten?" Mich zu allererst sett er an die Luft. Oder glau- fann, bezahle ich eine Annonce im Filmfurier fönnte mich ganz erfüllen! Wie furchtbar, wie Unter Umständen ja. Wenn ich mir über ben Sie, daß es irgendeine amtliche Institution und je eine auffällige Anzeige im Stellenmarkt furchtbar ist das, was mich immer wieder aus lege, wieviel Jugend hier verdorben wird, fitt- gibt, die mich vor Entlassung schügen fann, wo sämtlicher Königsberger Zeitungen. Ich be- ihr herausjagt! fich und gesundheitlich! Wieviel Halberwachsene ich alle Monat meinen Raptus friege und drei tomme nicht ein einziges Angebot. in ihrer geistigen Entwicklung erlahmen und ver- Tage im Rinnftein fiege? Sie müssen bedenken, borren! Ich habe in den 5 Wochen, die ich hier Murawiti fönnte mit dem halben Personal aus bin, täglich meine 15 Stunden Dienst gemacht, fontmen. Wer will ihn hindern, den Betrieb kann nicht mehr in den Turnverein gehen und einzuschränken, überflüssige Angestellte abzuschienicht mehr die Abendkurse in der Handelshoch- ben? Nee, nee, mein Lieber..." schule besuchen. Ich bin abends nicht mehr im Doch, Herr Maschte, ich glaube, daß uns stande, die Zeitung zu lesen, geschweige denn ein geholfen werden kann. Als Einzelne sind wir ja Buch. Meine Spanntraft läßt nach, meine wehrlos. Als Einzelne vermögen wir nichts ausLebensfreude. Meine Energie, mich weiterzubil zurichten gegen Muraistis verbrecherische ben und vorwärtszukommen, hört ganz und gar lebergriffe. Aber es gibt Geverfschaften, es auf. Sie werden ja wissen, wieviel Menschen gibt Angestelltenorganisationen. Herr Maschte, hier im Laufe der Jahre aus und ein gehen, wie Sie sind ein alter Angestellter; warum sind Sie wiel Laufburschen, Richerinnen, Konioristinnen nicht gewerbschaftlich organisiert?" * Auf dem Arbeitsamt jagt man mir: um Gottes willen eine gutbezahlte Stellung nicht aufgeben. Perfekte Stenotypistinnen bieten sich an für sechzig und siebzig Mart, ein Gehalt. das allenfalls als Wirtschaftsbeihilfe für den elterlichen Haushalt genügen mag. Mein Zimmer allein fostet fünfunddreißig Mart. Es ist eine bescheidene Mansarde. Ich fühle mich nicht mehr jung, nicht mehr widerffandsfähig und nicht mehr mutig genug, um die Not nicht zu fürchten. Am meisten hat der Buchhalter bei Muramzu tun. Ich hänge mich an seine Rodschöße. Er grinst verständnisinnig, sobald ich hinter ihm dreinschlüpfe. " Was wollen Sie?" herrscht Murawski mich dann an ,,, Sie stören jetzt, kommen Sie nachher mit Ihren Sachen." ,, Nur eine Kleinigkeit, nur schnell eine Unterschrift." Dann gehen Sie folange raus, Maschke." Aber Maschte ist eine gute Seele trok Alkohol und Quartalsrausch. Er brummt etwas in hinein und bleibt. So flammere ich mich wieder an die Absich sichten der Phoebus und nehme mir vor, so viel ( Fortsetzung folgt.) Wt. 142 Donnerstag, 16. Juni 1932 Seite S Ein Schuß ins Leere. Das Innenministerium hat im Kampfe gegen die Vernunft wieder einen Sieg erlitten: es hat gegen die Zentrale der kommunistischen Jugend eine große Polizeiaktion eingeleitet und das einzig sichtbare Ergebnis sind zunächst die Riesenaufschriften, unter denen die kommunistischen Blätter den Märtyrerruhm ihrer Jugendbewegung künden. Um die Ueberflüssigkeit und dem Ansehen der Demokratie schÄiliche Polizeiaktion erst voll zu begreifen, muß man sich vergegenwärtigen, was diese kommunistische Jugend eigentlich bedeutete. Der kommunistische Jugendverband war einmal eine achtunggebietende Macht, nämlich in den ersten Monaten, die der Spaltung des Perbandes der sozialdemokratischen Ar- beitersugend folgten. Die Kommunisten übernahmen den weitaus größten Teil der ehemals sozialdemokratischen Organisation, bald jedoch konnten sie nur noch spärliche Reste mustern. Diesen völligen organisatorischen Zusammenbruch bemäntelte die im Jahre 1923 erfolgte Auslösung des Kommunistischen Jugendverbandes. Seit der Auflösung des Verbandes wurden die wenigen Jugendlichen, die sich ins kommunistische Lager verirrten, direkt von der KP6 betreut, die eine eigene Jugendzentrale eingerichtet hotte. Diese Jugendzentrale sorgte dafür, daß immer weniger zu betreuen blieb: fast allmonatlich wurden die Leiter gewechselt, bis man schließlich die unbrguchbar- sten gefunden hatte. Deren Arbeit bestaich darin, die kommunistische Presse hie und da mit Artikeln zu versehen, in denen behauptet wurde, die kommunistische Jugendzentrale stehe an der Spitze der proletarischen Jugendbewegung und sei berufen, die Revolution zum Siege zu führen. Ansonsten hat man in den Zirkeln, die sich kommunistische Jugendgruppen nannten, manchmal vervielfältigte Rundschreiben ausgegeben, in denen eine sehr kräftige Sprache geführt wurde..Sie wirkte umso lächerlicher, als die völlige Bedeutungs- losic^eit der kommunistischen Jugendbewegung öffentliches Geheimnis gewesen ist. Daß es der Herr Slavik für notwendig hielt, mit schwerem Geschütz auf diese Spatzen der Revolution za schießen, ist für den Ungeist bezeichnend, der im Innenministerium zu herrschen scheint. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß es alles darauf angelegt hat, der saft- und kraftlos gewordenen KP6 neuen Wcrbcstoff zu liefern. Die Haussuchungen in der kommunistischen Parteizentrale waren, wenn man Material finden wollte, das die Gefährlichkeit der kommunistischen Jugendbewegung dartun soll, herzlich überflüssig und die„Einstellung der Tätigkeit der kommunistischen Jugendzentrale" kann man zwar auf dem Papier verordnen, jedoch'kann man kaum'verhindern, daß die Kommunistische Partei nach wie vor ein wenig Jugendbewegung spielt. Die Maßnahmen, die das Innenministerium gegen die Kommunisten ergreift, mögen noch so unsinnig und überflüssig sein: sie schädigen doch das Ansehen der Demokratie und verschaffen den Kommunisten billigen Märtyrerruhm. Der„Bestand de« Staates" war durch die politischen Spielchen der bedauernswerten Jungkommunisten nicht bedroht; immer mehr jedoch wird das Ansehen der Demokratie erschüttert und der Staat blamiert durch die Polizei des Herrn Slavik. Es ist hoch an der Zeit, daß ins Jnnen- ministerium Vernunft und Geschick einkchre. Gorgulow-Prozetz wird verschöbe«? Paris, 15. Juni. Der Mörder des Präsidenten der französischen Republik, Paul Görtz u l o w, hat heute die Nichtigkeitsbeschwerde gegen die Entscheidung eingebracht, durch die sein Ersuchen um eine neuerliche Ueberprüfung seines Geisteszustandes abgelehnt wurde. Er erklärt, die ärztliche Ueberprüfung des Rückenmarks sei nur ungenügend erfolgt, und fügt außerdem hinzu, seine letzte Gattin(eine Schweizerin) befinde sich im vorgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft und er wolle gern die Vertagung der Schwurgerichtsverhandlung bis zur Geburt seines Kindes. Die Beschwerde wird dem Obersten Gericht Oberwiesen. Für Gorgulow wurde zu diesem Zwecke ein dritter ex ofso-Vertretrr bestellt. khrung sozialdemokratischer Presse. Dessau, 15. Juni. Im anhaltischen Landtag teilte heute Ministerpräsident Frehberg(Nazi) mit, daß das Staotsministerium beschlossen habe, der gesamten sozialdemokratischen Presse Anhalt wegen ihrer feindlichen Haltung gegenüber der Reichs- und Staatscegierung den Amtsblattcharakter zu entziehen. rum Hunger noch Hohn und Spott? Prag, 15. Juni. Im sozialpolitischen Aus-s lung dieses Entwurfes sei, daß diese in der ersten ebenfalls auf- die hiezu stellen, da eine sein Vorlage enthaltenen Maßnahmen wieder integrierender Bestandteil dieses Entwurfes werden und daß eine weitere Steigerung des Aufwandes auf einer anderen Seite verhindert werde. Hodaö versucht, in einigen Beispielen nachzuweisen, wie groß die Belastung der Industrie in der Tschechoslowakei sei. Er errechnet, daß die Industrie mit den letzten Maßnahmen mit 975 Millionen Kronen belastet ist. Wir müssen, erklärt er, Ddrgcrlldier Verleumdungsteldzug gegen die Arbeitslosen Schärfste Zurüdtweisung durdi Genossen Taub Genosse Taute rechnet ab: Cufil hält die produktive Arbeits- für das wichtigste, der kommunistische Ltktka vertritt den kommunistischen welchem auch Personen, denen aus der „auch in der Sozialpolitik sparen", es müsse unter allen Umständen dafür gesorgt werden, daß die vom Minister ernannte Kommission mit aller Beschleunigung di« Novellierung fertigstelle. Von dem Fortgang der Verhandlungen der Kommisson werd« die Einstellung der National- deinokraten zu der Vorlage abhängig sein. Bnvra(Gewerbepartei) steht auf dem Standpunkt, daß am Gesetz für die Beseitigung der Arbeitslosigkeit notwendig wär«. Er wäre auch bereit, für zwei Milliarden zu stimmen, di« ausgenommen werden sollen. Er beschäftigt sich mit d«r„Simulation" in der Krankenversicherung und in der Arbeitslosenversicherung und verlangt eine streng« Kontrolle. Hand eines zahlreichen wie es gegenwärtig um die wie schwer sich dje in einzelnen stellt« es als eine alles zu tun, was Elend der Arbeits schutz des Abgeordnetenhauses wurde heute iu Gegenwart des Fürsorgeministers Genossen Dr. Czech die Vorlage über die Abgabe für Arbeitslosenfürsorge beraten, welche die dringendsten Mittel vor allem für die produktive Arbeitslosrnfürsorge sicherstellen soll. Was in der Generaldebatte von einzelnen bürgerlichen Rednern, unter ihnen namentlich von dem Agrarier D u b i e k y, an„Argumenten" und Borwürfe» gegen die bedauernswerten Opfer der Kris« vorgebracht wurde, übersteigt all« Grenzen. Der folgende Auszug aus diesen Reden kann nur ein schwacher Abklatsch dessen sein, was olles herhal- tcn mutzte, um für die„Arbeitsscheu" der Arbeitslosen, ja für die„Bereicherung" der Gewerkschaften durch das Genter System als Beweis zu dienen. Mt all diesen verlogenen Entstellungen, mit diesen nichtswürdigen Verleumdungen Tausender braver Arbeiter, die sich vergebens die Füße wund rennen, um nur irgend eine Arbeit zu bekommen, und die von der„fürstlichen" Staatsunterstützung, di« ihnen die Nimmersatten Agrarier neiden, selbst das nackte LÄen kaum weiterfristen können, rechnete Genosse Taub in einer von tiefster Empörung getragenen Red« ab. Er zerstörte dabei gründlich das Lügengewebe von der ungeheuerlichen Belastung unserer Unternehmer durch die soziaenl Lasten, wies die Angriffe auf die Gewerkschaften zurück, die unter der Last des Genter Systems fast zusammenbrech««, und wies vor allem jene Leut« in die Schranken, die die kleinste Verfehlung, die irgendwo mit einer Ernährungskarte im Wert von sage und fchreib« zehn Kronen einmal vorkommen mag, als willkommenen Borwand benützen möchten, um überhaupt mit dieser Einrichtung aufzuräumen» die, ft unzureichend sie auch ist, doch für viele Zehntausend« d«r letzt« Rettungsanker, der letzte Schutz vor dem Verhungern ist. Taubs Red« wird den Herrschaften auf bürgerlicher Seite wohl de« Ernst der Situation klar gemacht haben. Sie müssen zur Kenntnis nehmen, daß die Sozialdemokratie ihre schützende Hand über di« Krisenopfer hält, daß sie keine Ausnahmebestimmungen und keine Zwangsarbeit für Arbeitslose je zulassen wird, wie es die Agrarier gern hätte«, u«d daß sie auch bei Wiederbeginn der parlamentarischen Arbeiten im Herbst unter Einsetzung aller Kräfte dafür Sorge tragen wird, daß auch den Arbeitslose» u m j e d en P r e i s ein halbwegs menschenwür» dgrs Leben qesichert werd«, ohne daß sie sich von bürgerlicher Seite ständig als Faulenzer und Arbeitsscheu« beschimpfen lassen müssen. müßte der Staat in der Lag« sein, erforderlichen Mittel zur Verfügung zu die Gemeinden und die SellbstverwaltMigskörper überhaupt von der produktiv«» Arbeitslofenfürsorge vielfach deshalb nicht Gebrauch machen können, weil ihnen Pi« Mittel hiezu fehlen. Das ist allen Herren Parlamentariern außerordentlich gut bekannt. „niobraiidr* der Unterstützungen? Direkt empörend und aufreizend ist aber» in welcher Art über dir Arbeitslosen da vielfach gesprochen wird. Ewige wenig« Verfehlungen, die da oder dort ftstgestellt wurde«, möchte man gern generalisieren; mau möchte gern di« Arbeitslosen als einen Abschaum der Menschheit hinstellen. Wenn dies« Herren, so wie wir, di« Möglichkeit hätten, sich von der Not und dem Elend der von der Wirtschaftskrise heimgrsuchten Gebiet« zu über- zeugen— ich glaube nicht, daß«in einziger von Ihnen, der ei» Herz im Leibe hat, dann noch geneigt wär«, in das Horn jener zu stoße«, die für die Verfehlungen Einzelner die Gesamtheit verantwortlich machen und daraus gewisse Schlüffe auf die„Moral" der Arbeitslosen ziehe» wollen. Di« Herren werden sich noch daran zu erinnern wissen, wi« man vor nicht allzu langer Zeit in den Zeitungen die Nachricht gebracht hat, daß angeblich in Ungvar ein Arbeitsloser zweihundert Ernährungskarte» gehabt hat, wie in einem anderen Ort« ein Arbeitsloser im Kartenspiel d r e i b u n- dert Ernährungskarte» verspielt hat. ES wurde sofort vom Ministerium für sozial« Fürsorge festgestellt, daß diese Mitteilungen erlogen sind. K e i n e s der Blätter hat aber den Anstand aufgebracht, dieses Dementi zu bringen! Der Herr Abgeordnete D u b i c k y hat auf gewisse einer Gendarmerierelation, daß angeblich der oder jener Arbeitsloser beim Biertunken gesehen wurde— ohne daß sestgestellt worden iväre, ob sich der Arbeitslos« das Bier selbst gezahlt hat oder ob ihn nicht einige Freunde freigehalten haben, aus der Ernährungsaktion gestrichen wurde, und man hat allen Vorstellungen, die nach der Richtung erhoben wurden, nicht Rechnung getragen. Ter Herr Abgeordnete Dubickh hat auf gewisse Begebenheiten in Sternberg hingewiesen und auf gewiss« Verschlungen, deren sich Funktionäre des Bauarbeiterverbandes schuldig gemacht haben sollen. Es wird ja zweifellos festgestellt werden, inwieweit diese Anzeigen den Tatsachen entsprechen. Ueber das Vorgehen der Bezirkshauptmannfchaft in Sternberg habe ich mich an Ort und Stelle zu überzeugen Gelegenheit gehabt. Ich habe am Sonntag an einer Bezirkskonferenz unserer Parteiorganisation in Sternberg teilgenommen. ES wurde dörtselbst sestgestellt, daß Sternberg für 548 Arbeitslose, die keine Unterstützung nach dem Genter System erhalten, vom Herrn Bezirkshauptmann gnädigst für vier Woche»«ine» Betrag von 18.500 Kronen zugewiesen erhallen hat. Der Vizebürger- nteister der Stadt hat in der dritten Woch« den Herrn Bezirkshauptmann darauf aufmerksam gemacht, daß der Gemeinde nur ein Betrag von 2500 Kronen zur Verfügung steht, und daß sie außerstande ist, wenn ihr nicht noch ein Betrag von 13.500 Kronen zur Verfügung gestellt wird, die bescheidensten Ansprüche der Arbeitslosen für die nächsten 14 Tage zu befriedigen. MI« Vorstellungen haben nichts gefruchtet, d«r Herr Bezirkshaupt. mann beharrte auf seinem Standpunkt. Erst als ciy« Abordnung der Arbeitslosen bei ihm vorsprach und ihm mit aller Deutlichkeit zu verstehen gab, welche Stimmung unter den Arbeitslosen herrscht, hat er sich gnädigst dazu bereitgefunden, 8000 K für die vier Wochen zur Verfügung zu stellen. In einer zweiten Gem«inde wurden von 40 Arbeitslosen zwei in der Ernährungsaktion belassen, und so geht es weiter. Nimmt es Sie da Wunder, wenn sich die Arbeitslosen ob dieses Vorganges Erregung und Empörung bemächtigt? »er nm nach„Kontrolle“ Man ruft noch„Kontrolle" und möchte gerne den Minister für sozial« Fürsorge für jede B«. fehlung verantwortlich machen, der sich ei» Arbeitsloser da oder dort schuldig mrcht. I« Wirklichkeit wissen wir alle, daß di« Bezirkshauptleutr dem Herr« Minister der Innern unterstellt sind uud es ist uns auch allen bekannt, daß der Herr Minister des Innern in einer sonst nicht üblichen Weise bemüht war, im eigen«« Wirkungskreise eine solch« Kontrolle durchzuführen. Ob dieser Bor. gang der Staatsautorität dient, das ist ein Ge« dankengang, mit d«m sich di«.Herren garnicht befassen, weil es sich eben um einen Sozial- demokraten handelt, der das Fürsorge-Ressort verwaltet. Referent über diesen Gegenstand war Genosse Tay er I«, der an der Materiales aufzeigt«, Arbeitslosigkeit bestellt ist und Wirtschaftskrise ganz besonders Gebieten ausgewirkt hat. Er Pflicht des Staates hin, geeignet ist, die Not und das losen zu mildern.. Dubickh(R«P.) hält die Vorlage nicht für glücklich. Die Tendenz seiner Ausführungen ging dahin, daß derjenige, der in dem Genuß einer Arbeitslosenunterstützung steht, zur Arbeit gezwungen werden soll. Ten Aufwand für das Genter System trage fast vollständig die Staatsverwaltung; das Genter System habe sich überhaupt herausgebiidet als eine„Sanierung dergewerkschaftlichenOrganisation« n". Er verweist auf den„Mißbrauch" des Genter Systems,. macht den Minister für soziale Fürsorge verantwortlich für alle Fälschungen, die im Rahmen der einzeln«» Gewerkschafisorganisationen bei der Durchführung des Gent«r Systems festgrstell: wurden, und verweist ganz besonders aus einen Fall in Sternberg, der den Mißbrauch des Ganter Systems durch einzelne Funktionäre des Bauarbeiterverbandes dartue. Er erhebt den Ruf nach einer „durchgreifenden Kontrolle". Die Vorlage selbst erklärt er als«ine„B e st r a f u n g" jener Arbeitgeber, welche mit ganz besonderer Anstrengung den Betrieb aufrecht halten. Der Volksparteiler Roudnicky hält es für«inen Mangel der Vorlage, daß nicht ausgesprochen wird, wer der Unterstützung teilhaftig werden soll. Der Abgeordnete losenfürsorg« Abgeordnete Antrag, nach Verzinsung ihres Vermögens ein Einkommen von 6000 Kronen erfließt, in di« Arbeitslosenunterstützung mit ausgenommen werden. Ter Nationaldemokrat Hoda« hält die Vorlage in ihrer gegenwärtigen Textierung für verfehl t. Tie Vorlage unterscheide sich wesentlich von dem Entwurf, der vom Ministerium für soziale Fürsorge seinerzeit ausgearbcitet wurde. In diesem Entwurf wör seinerzeit ein« paritätische Kommission vorgesehen, di« weitreichend« Vollmachten zur Durchführung der Kontrolle erhalten sollt«. Tie Kontrolle der Unterstützungen, und zwar eine durchgreifende, hält er für eine unerläßliche Notwendigkeit. Es müsse mit allen Mitteln dahin getrachtet werden, daß die Beträge, di« zur Verfügung stehen,„zweckmäßiger" verwendet werden. Voraussetzung für die Verhand- Den Standpunkt unferer Part« in der Frage präzisierte Genosse Taub. Er nahm dabei die Gelegenheit wahr, um mit den unerhörten Angriffen, die gegen die Arbeitslosen und die gegen den Minister für soziale Fürsorge erhöben werden, gründlichst abzurechnen. Er führte u. a. aus: Die druckenden 1 sozialen Lasten In dem vorliegenden Entwurf wird schon darauf verwiesen, daß wir einer der wenigen Staaten sind, in denen die Arbeitgeber' zu Leistungen an die Arbeitslosen bisher nicht herangezogen wurden. Wenn man bedenkt, welche Leistungen die Arbeitgeber fast in allen anderen Staaten, mit ganz geringen Ausnahmen, für die Unterstützung der Arbeitslosen zu tragen hatten, daß in Deutschland der Beitrag der Arbeitgeber für die Arbeitslosenversicherung d r e i Prozent beträgt, daß in Oesterreich die Arbeitgeber rund 260 Millionen Kronen jährlich für die Arbeitslosenversicherung beizusteuern haben, dann erst sieht man, welch« Unsumme« von Geld die Arbeitgeber in der Tschechoslowakei bisher an solchen Bellrägen erspart habe«! Es wäre naheliegend gewesen, daß die Arbeitgeber sich spontan bereitgefundcn hätten, ansehnliche Beiträge für die Unterstützung der Arbeitslosen zur Verfügung zu stellen. Wir haben aber nicht nur keine derartige Regung verspürt, sondern wir müssen seststellcn, daß ein« Reihe von Unter- nehmern diese««erhört« Rot, dieses schrecklich« Elend der Arbeiterklasse, zum Anlaß nimmt,«m schrankenlos diese Situation für sich auszunützen! Man argumentiert jetzt damit, daß durch diese Vorlage die Wirtschaft„übermäßig b e l a st«t" und di« Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie behindert würde, und der Entwurf eventuell zur Folge 'haben könnte, daß noch weitere Betriebe gesperrt werden. Demgegenüber muß darauf verwiese» wer. de«, daß die gesamt«« sozialen Lasten, di« di« Unternehmer bei uns zu tragen habe«, doch wesentlich geringer sind, als die sozialen Laste» der Industrieunternehmungen in den angrenzenden Staate». Gewerkschaften verbluten am Genter Systems Die Angriffe, di« gegen di« Gewerkschaften erhöbe» werden, zeuge« nur davon, daß dl« Herr«« sich garnicht dessen bewußt find, welche unerhörte Aufgabe di« Gewerkschaften in dieser schweren Zeit aus fich genommen haben! Wir haben schon seinerzeit bei der Beratung der Genter Vorlage uns für die Arbeitslosen- Versicherung ausgesprochen und darauf hin- gewiesen, daß das Genter System in Zeiten wirt- schaftticher Depressionen sich nicht berühren kann. Das ist durch die Erfahrung vollauf bestätigt worden. Wir haben eine Reihe von Gewerkschaften, ich nenne die Union der Textilarbeiter, den Verband der Glas- und Keramarbeiter und die Metallarbeiter, die derartig« Beträge für die Arbeitslosenunterstützung aufbringen müssen, daß sie die ganzen, lausenden Einnahmen aufzehren;! Die Union der Textilarbeiter zahlte an Albeitslosenunterstützungen im Jahre 1930 16 Millionen, und im Jahre 1931 37 Millionen Kronen aus. In den fünf Monaten des Jahres 1932 ist eine neuerliche außerordentliche Steigerung gegenüber dem gleichen Zeitäusmaße des Vorjahres zu verzeichnen. , Das Genter System ist also kein« Sanierung der Gewerkschaften, sonder» es bringen di« Gewerkschaften dabei dl« größt«« finanziellen Opfer, di« sie natürlich für die Dauer nicht zu bringen vermögen. Es wäre nur gerechtfertigt, in diesem Zusammenhänge mit allem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß di« Sanierung der Gewerkschaften der wichtigsten Ausgaben der Regierung muß. Es wird von vielen Herren die Sache so gezäumt, als ob jemals irgendein Sozialdemokrat und vor allem der Minister für soziale F ü r s o r g e gegen die produktiv« Arbeitslosenfürsorge gewesen wäre. Es war aber gerade der Minister für soziale Fürsorge, der de» Gedanken der produktiven Arbeitslosenfürsorge in den Ministerrat gebracht hat, und es ist dieser Minister, der unablässig eine« Kampf darum führt, daß ihm die Mittel für di« produktive Arbeitslosenfürsorge zur Verfügung gestellt werden. Leider kann die Arbeitslosigkeit nicht durch die produktive Arbeitslosenfürsorge behoben werden. Es Zeile 4 Wir sind für Kontrolle, für gerechte Kontrolle. Wir sind aber nur dann dafür zu haben, daß die Arbeitslosen auf diese Art und Weise kontrolliert werden, wenn allgemein eine derartige Kontrolle durchgeführt wird, also auch bei allen Subventionen, bei allen Entschädigungen aus den verschiedensten Titeln und in allen Ressorts. Unter keinen Umständen werden wir zugeben, bas irgendwelche Ausnahmsbestimmungen nur für die Arbeitslofen zurechtgeschnitten werden! Donnerstag. 16. ni 1932 Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch öffentliche Arbeiten. r. 142 Der Schrei nach dem Henker. Der agrarische ,, Večer" ruft die zuständigen Faltoren zur Verantwortung", weil fein Henker da ist! Antrag auf Landesanleihe in der böhmischen Landesvertretung. In der böhmischen Landesvertretung den Aufgaben des nächsten Winters mit pred gaftern in der Tebatte über die leeren Taschen gegenüber. Landesfinanzen Genosse Dr. Strauß. Er Tie faumselige Einhebung der öffentlichen Abführte u. a. aus: gaben hat zu Steuer- und Umlagenrückständen in Boulevard feinen Schmerz hinaus, daß es in der In riesigen Lettern schreit der ,, Večer" auf den Es ist im Augenblicke sehr notwendig, daß der Höhe von Milliarden geführt, die überhaupt Republit bereits an ein halbhundert zum Herr Dr. Ho da č hat zweifellos recht, wenn er in der Landesvertretung über die Finanzen der nicht mehr eingebracht werden können. Dazu Republik bereits an ein halbhundert zum darauf hinweist, daß zwischen der ursprünglichen Selbstverwaltung gesprochen wird, da die Selbst- tommt die unglückliche Regelung der Finanzen fen ist keiner da!" Das sei cin unerträg Vorlage des Ministers für soziale Fürsorge und dem verwaltung wie die öffentliche Verwaltung über der Selbstverwaltung im Jahre 1927, welche der Entwurf, mit dem wir uns gegenwärtig zu behaupt von der schweren Krise der Wirtschaft finanziellen Freiheit der Gemeinden und Bezirke heit und Moral seien in höchster Gefahr, wenn licher Zustand. Die Republik, Recht, Sicherschäftigen haben, ein grundlegender unter empfindlich betroffen ist. Wir stehen der Tat- ein Ende gesetzt hat. Die Idee des Ausgleichsschied besteht. In der Vorlage des Ministers war empfindlich betroffen ist. Wir stehen der Tat- ein Ende gesezt hat. Die Idee des Ausgleichs- heit und Moral seien in höchster Gefahr, wenn ein Anspruch des Arbeitslosen auf eine Unter- fache gegenüber, daß die früher so viel gerühmte fonds ist vollständig gescheitert und ebenso ist der man mit der Hinrichtung dieser zum Tode verurIndividuali- nicht imstande den fügung festgelegt, die K 4.- für den Ledigen und täten versagt hat und es wird der momentane Selbstverwaltungsförpern ausgiebig zu helfen. Meißner lade schwere Schuld auf sich, indem K 6. für den Verheirateten pro Tag betragen Ausweg darin erblickt, daß die Wirtschaft von den Während die Ansprüche der Gemeinden und Be er nichts gegen diesen unerhörten und sollte. Es war auch dieser Betrag nicht hinreichend öffentlichen Körperschaften aus belebt werden zirke nach dem errechneten Schlüssel 1931 noch unmöglichen Zustand" unternehme. Es aber es war wenigstens ein Anspruch, und es muß. Da die Befürchtung besteht, daß die wirt zu 49 Prozent befriedigt werden fonnten, sei schon allzulange her, daß Broumarsky schaftlichen Verhältnisse im nächsten Winter noch werden die Gemeinden heuer nur vom Amte suspendiert wurde, ohne daß der drinärger sein werden und die Zahl der Arbeitslosen 30 Prozent, die Bezirke gar nur gend notwendige Ersatz geschaffen wurde. noch größer sein wird, als im vergangenen Win 18 Prozent bekommen. Selbst der LanDieser Schrei nach dem Henker überschlägt ter, müssen mir desausschuß mitsaint dem Landespräsidenten müf- fich an folgender Stelle: sen in einem Gutachten zugeben, daß die Ge meinden und Bezirke ihre Verpflichtungen nicht erfüllen und nicht einmal das bezahlen können, wozu sie durch den Spruch der Gerichte verurteilt worden sind. war da der Arbeitslose nicht irgendeiner Willfür ausgesetzt. Die gegenwärtige Vorlage hat nur zum Zaved, die Mittel für die Arbeitslosenunter ftigung zum Teile zu beschaffen. Es wird aber mit allem Nachdrud schon im Mothenbericht darauf hingemieten, bak die Frage des Notstandes damit nicht erledigt ist, daß vielmehr das Parlament Gelegenheit bekommen wird, sich mit einer vom Ministerium für soziale Fürsorge ausgearbeiteten Vorlage, den Rotfonds betreffend, zu beschäftigen. Herr Kollege Dubidy hat auf den Rotfonds in der Landwirtschaft hingewiesen. Wir können es nicht leugnen, daß in der Landwirtschaft gegen wärtig ein schwerer Rotstand besteht und wir haben dafür volles Verständnis, daß man bemüht ist, der fandwirtschaftlichen Bevölkerung auch eine Hilfe zu bringen. Wir wissen, daß Kleinlandwirte und Säusler in der gegenwärtigen Wirtschaftsfrije außerordentlich leiden, und wir sind nicht nur bereit, ihnen zu helfen, sondern wir sind auch in dieser Frage initiativ vorgegangen. Aber wenn Herr Dubidy als einen Beweis eines ganz außerordentlichen Notstandes hier angeführt hat, daß die Menschen draußen am Lande in einem bestininiten Torfe eine Broschüre für gavei Kronen nich: faufen fonnten und daß sie den Preis diefer Broschüre mit Eiern bezahlt haben, so möchte ich demgegenüber darauf verweisen, alles tun, um wirtsame Maßnahmen gegen die Krise zu treffen und so unsere Pflicht als Vertreter der in arger Not befindlichen ir fönnen das nur tun, wenn wir die beBevölkerung zu erfüllen. stehende Entwicklung, die dahin geht, den Um freis der öffentlichen Wirtschaft zu erweitern, fördern, zumal auch bürgerlich eingestellte Wirt schaftstheoretiker zugeben müssen, daß eine neue Wirtschaftsordnung im Werden begriffen ist, in der die Funktionen der öffentlichen Körperschaf ten viel bedeutsamer für das Leben der Mensch heit und deren Wirtschaft sein werden, als heute. Angesichts dieser Sachlage müssen wir uns fragen: was muß geschehen, damit das Land Böhmen und damit auch die niederen Selbstverwaltungskörper die Krise wirksam bekämpfen fönnen? Vom Lande aus wird schon durch die Aktion betreffend den Ausbau von Bezirksstraßen, die wir bereits behandelt haben, Arbeit geschaffen werden. Wir müssen aber auch trachten, daß das Land Böhmen die geplanten und im Budget für 1932 vorgesehenen Investitionen im vollen AusDieser fatastrophalen Entwicklung dürfen wir Funktionäre des größten Selbstverwaltungsförpers der Republik nicht tatenlos zusehen. Wir dürfen nicht den Vorwurf auf uns laden, daß unsere Demokratie versagt. ,, Unser allzeit wigiger und mit gesundem Verstand ausgestattete Senator F. J. Krojher beantragte seinerzeit, die Todesstrafe möge abgeschafft werden, aber nur in solchen Fällen, in denen ein Gegner der Todes stra fe ermordet wurde. Damals ließen die linken Elemente aus judischer Angst ein großes Geschrei los und entfesselten einen Sturm gegen diesen doch gewiß völlig Togischen Antrag." Die Demokratie fann nur bestehen, wenn fic Man weiß wahrhaftig nicht, worüber man sich mehr wundern und empören müsse: über den den Massen des Volkes in seinen Röten hilft. Läßt sie Millionen zugrunde gehen, dann Zynismus des Paters(!) Krojher oder über wird sie selbst untergehen. die Niedertracht des agrarischen Artikelschreibers, Die Demokratie von heute mug daher die in der allerdings nicht nur der parteipolitischen, sonmuß dern auch der kirchlichen Absolution sicher ist, da der Entwicklung liegenden Sträfte fördern, eine dern auch der kirchlichen Absolution sicher ist, da Entwidlung, welche in der Wirtschaft die Enter ja eben seine Argumente von einem Gejalbten scheidung von Einzelnen auf die Gesamtheit über- des Herrn, von einem Diener jener Kirche beträgt. Der Sieg einer planmäßigen solidarischen sicht, die das Du sollst nicht töten" zu Wirtschaft im Interesse der Gesamtheit läßt sich ihren obersten Gesetzen zählt, sich aber freilich nicht aufhalten, der Sieg über eine Gesellschafts- selber nur dort daran gehalten hat, wo es ihr im Laufe der Jahrhunderte paßte. Der„ Wi" ordnung, die gerade in unseren Tagen unermeß des Baters Krojher pazt in die Zeit der 3 nliches Elend über Millionen gebracht hat. quisition, der Hexenprozesse und firchlichen Scheiterhaufen und in die Moral jener Diener der Kirche, die mit taltem Blute " daß die Not der Arbeitslosen eine weit, weit make durchführt. Dazu ist eine größere AnDie Sitzung war fast vollständig der Verband größere ist. Sie wären die glücklichsten Menschen, leihe notwendig. Das Land Böhmen wird die ung des Landesrechnungsabschlusses für das Jahrrädern, vierteilen, spießen und verbrennen ließen. wenn sie sich nur einmal im Tag sattessen könnten! Anleihe erhalten, weil es eine geregelte Finanz- 1931 gewidmet, zu der fast alle Parteien Redner Hinter der blutigen Fronie, mit der der KrojberWir sind der Auffassung, daß die Frage des wirtschaft hat, weil sein Schuldenstand gering in die Tebatte schickten. Tem deutschen National- sche Antrag nur die Mörder von Gegnern der Arbeitslosenproblems die wichtigste Frage ist, die die und sein Realbefiz außerordentlich groß ist. Des sozialisten Ing. Gebauer entzog der Vorsitzende Todesstrafe vom Galgen befreien will, hinter d'eRegierung zu lösen hat, und es wird gut sein, wenn wegen stelle der Redner den Antrag das Landes- nach zweimaliger Ermahnung das Wort, als er jer jefuitischen 2ogit steht eben groß und alle Vorarbeiten und Maßnahmen getroffen wer- finanzreferat möge diese Frage ernstlich prüfen, über die„ Volkssport" Affäre sprach. Zu Beginn fürchterlich das nichtausgesprochene Priesterwort: den, um für die steigende Arbeitslosigkeit im Herbite sobald als möglich. Bericht erstatten und zugleich der Sitzung wurde über die gestern verhandelten Her mit dem Henker! Wem das nicht paßt, der mit dem bezüglichen Antrage der Landesvertre- Tagesordnungspunkte abgestimmt, die im Sinne tung ein Investitionsprogramm vor der Anträge des Landesausschusses angenommen möge sich mit dem Versprechen begnügen, daß Die Generaldebatte wurde schließlich abgelegen, wobei auf die von der Arbeitslosigkeit wurden. Darunter befindet sich der von uns geſtern man, wenn er selbst ermordet werden solle, ieigewappnet zu sein. angefündigte Beschluß auf lebernahme der Landesgarantie nen Mörder mit Bergnügen werde laufen lassen! brochen, ohne daß das Tatum der nächsten besonders betroffenen Gebiete Rücksicht zu Man braucht sich wahrhaftig nur jene Ge zung anberaumt worden wäre. Inzwischen wird nehmen ist. sinnung vor Augen zu halten, die aus dem fatho ein Siebenerausichuß der Koalition fich Wir dürfen aber nicht nur an das Land für Anleihen der Bezirke zu Zaveden des Straßen- lisch- geistlichen ,, Antrag" des sicheren Herrn Kroj mit dieser Materie zu befassen haben, die natür- denken, sondern auch an die Bezirke und Gebaues. Heute wird die Sommersaison der Landes- her und aus dem Blutgeschrei des ,, Večer" spricht, lich mit den sonstigen Vorlagen des verminder- meinden. Leider stehen diese ten Vorferienprogramms in engstem Zusammenbang ftebt. Die Kommunisten auf der Schaukel. Gegen den Berliner Polizeipräsidenten. vertretung beendet. Die Wahrheit über die Schüsse in der Slowakei. Die Gendarmerie verhält sich zum Streit nicht neutral. um zu wissen ganz abgesehen von den tausendmal erhärteten Argumenten gegen die Todesstrafe auf welcher Seite die niedrigen In stinkte, die bleiche Furcht und der Wunsch nach Wiedergeburt mittelalterlicher Zustände, auf welcher Seite das Streben nach freierer, würde vollerer Menschlichkeit, der Gedente der Erzie hung der Menschheit steht. Jit es nicht weiter entfeßlicher Hohn, wenn die agrarische Presse, deren Wortführer, soweit es auf sie ankäme, die Arbeitslosen ver hungern ließen, ihren Schrei nach dem Henfer, so wie es der„ Večer" tut, sozial" begründen wollen, indem sie die niedrigsten Justinfte auch dadurch zu entfesseln suchen, daß sie sagen: seht her, für die zum Tode Verurteilten sorgt der Staat, verpflegt sie auf Kosten der Allgemeinheit, während er nicht genügend Geld hat, um die unschuldig Arbeitslosen zu speisen! Mit der Hinrichtung von fünfzig Menschen will der Bečer" sein Teil zur Eindäm mung der Arbeitslosigkeit beitragen, " diatorenmord in den römischen Arenen vor zwei Wir haben bereits bei der Wiedergabe Iternehmer mit Giacchandschuhen Meldungen des Tschechoslowatifchen angefaßt und dadurch die ohnehin reizbare Frezbüros über die Schießereien in der Arbeiterschaft erst recht herausgefordert und beBerlin, 15. Juni. Im preußischen LandSlowakei die Ueberzeugung ausgesprochen unruhigt. Auch die Staatsbahn hat das tag wurde der nationalsozialistische Antrag, der daß sich die Vorfälle in ganz anderer Vorgehen der Unternehmer gededt. Man im Zusammenhang mit den Vorfällen beim AufForm abgespielt haben und daß die amt wollte die Gewerkschaftssekretäre zu den Verzug der Skagerrak- Wache in Berlin die Amts. fichen Nachrichten frisiert sind. Unsere An- handlungen nicht zulassen und reizte enthebung des Berliner Polizeipräsidenten nahme wird durch die Mitteilungen be- dadurch die bei der Bauverwaltung versammelte Grzezinski verlangt, mit 241 Stimmen aller stätigt, die unser nach červena fala ent- Menge, die schon stundenlang auf das Ergebnis übrigen gegen 152 Stimmen des Zentrums und janbter Berichterstatter schickt: der Verhandlungen gewartet hatte. Drei von den der Staatspartei, angenommen. Die Haltung der Kommunisten ist deshalb besonders schmähDie Gendarmerie verhaftete am Donners- achtzehn Gendarnten begaben sich von hinten in das Gemeindehaus, wo die Kommission tagte. lich, weil die Berliner Polizei beim Auszug der tag früh den Sekretär Juras aus Brejno ganz Tabei blieb einer in einem Zaun hängen. Seine Stagerral- Woche hakenkreuzlerische Rau- offensichtlich zu dem Zweck, sich ein Alibi für dalierer festnahm. die Schießereien zu verschaffen. Juras hat nichts wei Kameraden, die sich der Menge gegenüberanderes getan als die Taglöhner ant Bau auf- lahen, flüchteten grundlos und die Menge ging das heißt, da diese Herren dem Volt das Brot Für die preußischen Minister. nun, offenbar infolge eines Mißverständnisses, gefordert, bei einem Lohn von nur 2.10 Kronen nicht geben können, wollen sie weigstens Spiele ber sozialdemokratischen und der Staatspartei gefes erlaubt: die Tschechoslowakei ist noch lange Uriache einen Angriff auf die Menge unter- tausend Jahren fast verblaßt; jede Woche soll Der nationalsozialistische Autrag, sämtliche su streifen. Das ist wohl troß dem Schuh in der Richtung auf die Gendarmerie vor. Der für es veranstalten, Spiele, gegen die der Glaanwesende Gendarmeriehauptmann ließ ohne angehörenden preußischen Staatsminister wegen nicht ein Staat der Unternehmer. Durch schuldhafter Verlegung von Verfassung und Ge- die Verhaftung hat die Gendar- nehmen, die ins Torf gejagt wurde. Sie wehrte einer am Galgen baumeln; fünfzig Wochen hinsich gegen das brutale Borgehen, so gut fie feß vor den Staatsgerichtshof zu stellen, merie bewiesen, daß sie sich zum fonate, mit Steinwürfen aus den Höfen der einwurde mit 204 Stimmen der Kommunisten, Streif nicht neutral verhielt. zelnen Holzhäuser. Da wurde das Kommando Sozialdemokraten, Staatspartei Daß es zum Blutvergießen fam, ist zum zum Schießen gegeben. Die Gendarmen schossen und des Zentrums gegen 195 Stimmen der größten Teil die Schuld der Gendar- blindwittig in zwei Gassen, an denen nur Holzübrigen Parteien bei drei Enthaltungen abge- merie. Sie mußte die Eigenart der dort anhäuser stehen. Dabei drang eine Kugel durch eine lehnt. Die Abgabe der Reinstimmen durch die sässigen Arbeiterbevölkerung fennen und hätte Holzwand und tötete den Arbeiter ChlaboKommunisten löfte Lachen und Rufe bei den ihre Maßnahmen darnach einrichten müssen. vie, der gerade sein farges Mahl bereitete." Rationalsozialisten aus: ,, Anbiederung an die Statt deffen hat sie gemeinsam mit dem Bezirks Dieser Bericht weicht also von der amtlichen SPD!" Der Antrag hätte nach den hauptmann und der Gewerbeinspektion die Un- Darstellung wesentlich ab. bestehenden Bestimmungen auch bei Jeiner Annahme mit einfacher Mehrheit teine wirtung gehabt, da zur Antiageerhebung vor dem Staatsgerichtshof die Zweidrittels mehrheit des Parlaments er= forderlich ist. Hafenkreuz- Theaterstandal. das wäre so das Bild, in dem die agrarischen Kulturträger und Staatserhalter die Not unserer Zeit blutig überdurch, ein Jahr hindurch malen könnten! Abscheulich und verwerflich! Aber geadelt durch kirchliche Würdenträger vom Schlage des Paters Krojher! singung des Horst- Wessel- Liedes leerte fich das letzung der Bestimmungen, die für das Anlaufen. Theater. Raffel, 15. Juni. Bei der gestrigen zweiten Aufführung des englischen Schauspieles„ Die Gregor Straffers Prozeßschulden. Waterloo- Brüde" im hiesigen Kleinen Otto Brann pfändet das Honorar für Straffers Rundfunkrede. Polnisch- Danziger Zwischenfall. Danzig, 15. Juni. In offenkundiger Berpolnischer Kriegsschiffe im Danziger Hafen geltent, ist heute früh gleichzeitig mit den englischen Torpedobooten das polnische Kriegsschiff ,, Wicher" in den Hafen von Danzig eingelaufen, ohne sich vorher beim Danziger Senat angemeldet Theater wurde inmitten des vierten Aktes von zu haben. Ferner hat der Kommandant der Schüsse in der belgischenationalsozialistischer Seite eine ProteſtkundgeWicher" bei dem englischen Flotiillenkomman Berlin, 15. Juni. Tas Büro des Rechts- deur innerhalb der Danziger Hoheitsgewässer Kammer. bung gegen dieses ausländische Bühnenstück veranstaltet. Ein Nationalsozialist hielt eine An- anwalts Otto Landsberg hat der deutschen Welle einen Besuch abgestattet. Der Senat hat nach dem G. m. b. S. ein Zahlungsverbot gegen vorher nicht angemeldeten Einlaufen des pol Brüssel, 15. Juni. Von der Tribüne der sprache, in der er den Protest, der sich gegen den Gregor Strasser zustellen lassen, um das nischen Kriegsschiffes Wicher" sofort die nötigen Kammer wurde furz nach Beginn der Nach ausländischen Schund" richtete, begründete. Ein Sonorar, das Gregor Strasser aus seiner Rund Schritte unternommen und bei den polnischen mittagssigung ein Revolverschuß in der Rich Schauspieler versuchte, die Aufführung des Spie- funkrede zusteht, für Ansprüche pfänden zu Behörden interveniert. Der Senat ist benachrich fung der sozialistischen Bänke ab- les zu rechtfertigen, drang aber gegen die Protest laffen, die Ministerpräsident Otto Braun aus tigt worden, daß das Schiff Anweisung bekommen gegeben. Niemand ist verlegt. Es gelang, den fundgebungen des Publikums nicht durch, so daß einer Straffache gegen Gregor Straffer auf hat, unverzüglich den Hafen von Danzig zu Säter sofort festzunehmen. der Borhang fallen mußte. Unter Ab- Erstattung von Stoften hat. berlassen. " Fr. 142 Donnerstag. 16. Juni 1932 Matuschia vor dem Wiener Schwurgericht. Wird das furchtbare Geheimnis des Massenmörders gelüftet werden? Weißgardist Matuschka? Matuschfa will Arbeiterführer werden. Als der Vorsitzende den Angeklagten fragt, ob er sich schuldig bekenne, antwortete Matuschta: Ich teine den ber= Geite 5 Gin Gieg der Palästinensischen Arbeiterpartei. Liste der Revisionisten( des rechtsreaktionären Bei den eben in Tel Awiw in Palästina abgehaltenen Wahlen zum Stadtrat konnte die Wien, Mitte Juni.( Eig. Ber.) Geheimnis aber das Motiv dieser Sdyredens belenne mich schuldig und auch nicht. Der Vor Vereinigte palästinesische Arbeiterpartei bon 15 Am Mittwoch begann vor dem Schwurgericht taten blieb ungeklärt und konnte bis zum heutigende: Bekennen Sie sich schuldig im Sinne der Sizen 5 für sich gewinnen. Sie erzielte die abjo. In Wien der Prozeß gegen den Mann, dessen grauen- gen Tage nicht gelüftet werden. Matuschta sprach, Antlage? Watuschka: da! Als der Vorsitzende dann lute Mehrheit aller abgegebenen Stimmen. 3 volle und heute noch unverständliche Verbrechen to oft man ihn über das Motiv seiner Verbrechen fragt, ob es wahr sei, daß er einmal erzählt habe, Mandate erhielt die durch den Bürgermeister Europa mii lähmendem Entfehen erfüllt haben beiragte, nur unzusammenhängende, ausweichende er tönne sich nichts Schöneres vorstellen als eine Dizengoff geführte bürgerliche Liste, 2 Mandaie der Prozeß gegen Silvester Matuschta. Ist Ma- Worte und meinte häufig, er habe die Menschheit große Explosion im Dunkeln, antwortet er, er könne die Liste der polnischen Juden, während auf die tuschta ein Narr oder ein abgefeimter Schurke, der erlösen" wollen, er sei„ gesendet worden, um ein sich nicht daran erinnern. Matuschka glaubte, so er nur den Narren mimt? Heute noch, da der Prozeß never Führer der Menschheit zu werden" und habe sählte er weiter, daß ihm Gott in seinem Kampfe Flügels) der Kleinhändler, der sephardischen Juschon beginnt, da die psychiatrischen Gutachten und die Absicht gehabt, durch seine Verbrechen die Auf gegen den Atheismus und bei seinem Plan, eine die Protokolle der Verhöre mit Matuschka zu einem merksamkeit der Menschheit auf seine„ Sendung" Schweinezüchterei zu gründen, helfen werde. Als der den und der religiösen Juden nur je ein Mandat entfiel. fast unübersehbaren Berg von Aften angewachsen su lenten. Das psychiatrische Gutachten und die Vorsitzende fragt, wann Matuschka seine Batente Tel Awiw zählt gegenwärtig 40.000 Cin find, ist dieses Geheimnis ungelüftet. Wird der Beugenaussagen werden zeigen, ob Matuschka, der erfunden habe, erklärte dieser, vor zwei oder drei Brozeß des Rätsels Lösung bringen? auch im Untersuchungsgefängnis fonsequent den Jahren. Auf die Frage, ob Matuschka seine Va- wohner. Der Sieg der Arbeiterschaft ist unrso Religionswahnsinnigen mimte, wirklich ein Irr tente angemeldet habe, antwortet er verneinen d. beachtenswerter, als es sich hier um eine von Der Anschlag auf den Wien- Bassau- Expres. sinniger ist, oder ob er bloß eine raffiniert er Matuschta sagte weiter aus, er wollte durch das Am 30. Jänner dieses Jahres entgleiste bei jonnene Komedie spielt, um der Strafe für seine Attentat start mittelständischen Elementen getragene Stadt Arbeitern Arbeit Ansbach in Niederösterreich der Expreßzug Wien- Berbreden zu enigeben. schaffen, die Arbeiter brauchten die Arbeit und handelt. Die Gefahr, daß diese Masse den Baffau. Nur durch einen glücklichen Zufall waren Arbeitslosenunterstützungen, das sei eire reaktionären Schlagworten der bürgerlichen Polifeine Menschenleben zu beklagen. Die Unterschrechte Bolitik in Desterreich. Er, Matuschta, tif erliegen würde, konnte abgewendet werden. fuchung ergab, daß ein Verbrecher die Entgleisung Silvester Matisschka, der grauenvolle„ Star" werde ein Arbeiterführer werden un Im Hauptwahlkampf, der sich zwischen den Arherbeigeführt hatte, indem er eine schwere Eisentraverse an die Schienen festschraubte. Alles Suchen des sensationellen Wiener Prozesses, zu dem die wenn er auch 30 Jahre abjizen müßte. In Ba- beitern und der Partei des Bürgermeisters der Polizei blieb vergeblich; man konnte wohl fest- Berichterstatter fast aller großen Blätter der Welt lagonien werde er Minister werden. Im weiteren stellen, wo der Verbrecher die Traverse und das nach Wien gekommen sind, ist am 24. Jänner 1892 Verlaufe schildert er dann in schreiendem Tone die Dizengoff abspielte, wurden mehr als 100 WahlWerkzeug, mit dem die Tat berübt worden war, geim heutigen Jugoslawien in dem Orte Obantavet Vorgänge beim ersten Attentat und betonte immer versammlungen abgehalten. leere Demon tauft hatte von dem Verbrecher selbst aber fetite als Sohn eines Gemischnvarenhändlers geboren. Er wieder, daß er damals nur eine jebe Spur. besuchte das Gymnasium und dann die Lehrerbiltration ausgeführt habe und daß er hauptsächlich dungsanstalt, wurde Lehrer und machte als Ober- die Presse aufmerksam machen wollte. Dann wendet Das Blutsanal von Jüterbog. leutnant den Weltkrieg mit. Nach dem Umsturs sich das Verhör den Einzelheiten zu, die das Atten Ein halbes Jahr später der rätselhafte An- tam er mit seiner Frau aus Budapest nach Wien tat bei Anzbach betreffen. Matuschka wendet sich schlag von Anzbach war noch unvergessen durch- er hatte inzwischen aus irgendeiner dunklen sehr oft zum Bublikum und betrachtet mit großem jagte eine Schredensnachricht Europa: am 8. August Quelle ein namhaftes Vermögen erworben Interesse die Bresseleute. Während des weiteren um 10 Uhr abends entgleiste bei Jüterbog der erwarb hier mehrere Häuser und betrieb ein Rea- Verhörs wird Matuschka plötzlich verwirrt, flüstert Schnellzug Basel- Berlin. Eine furcht- litätengeschäft urd einen Zwiebelgroßhandel. Ma- unverständlich vor sich hin und bittet um einen bare Explosion hatte den Unglückzug aus den Schie tuschka steht übrigens in dringendem Verdacht, in Sessel, worauf dann der Vorsitzende eine Pause ein nen gehoben und der Länge nach hingeworfen, 109 der Zeit der Konterrevolution Horthys in Ungarn schaltet. Menschen blieben verlegt auf der Unglücksstätte. als Bandenführer in einem jener weiggardistischen In der Nähe der Stelle, an der die Explosion erOrdnunasdetachements" tätig gewesen zu sein, die folgt war, fand man einen Draht, Zündschnüre burch ihre grausamen und blutigen Sozialistenund ein Stüd der nationalsozialistischen Zeitung maffaters weltberüchtigt geworden sind. Ward Der Angriff", über und über bemalt mit Halen der Prozeß von Wien, auf den die Augen der frenzen und beschmiert mit Worten wie: Attentat, ganzen Welt gerichtet sind, die Schleier von dem Revolution, Sieg." Mit fieberhafter Saft arbeitete fürchterlichen Geheimnis des Silvester Matuscht die Polizei gang Europas an der Aufklärung dieser wegsieben? neuen Schredenstat, deren Zusammenhang mit dem " ,, Nationalsozialist Matuschka". 86 bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und wankie hin und her. Der Vorsitzende rügte dieses Verhalten strenge und bemerkte, daß damtals 22 Menfchen ums Leben gekommen seien. Der Angeklagte zuckt zusammen und bricht neuerdings in lautes Jammern aus. Die Frage des Vorsitzenden, ob enoch weitere Attentate geplant habe, bejahte der Angeklagte. Er habe in allen Ländern Attentate verüben wollen, bis man darauf gekommen wäre, daß er der Attentäter sei. Dann schrie Matuschla wild auf, ich werde aber in Zukunft noch weitere Im weiteren Verlauf des Verhörs tam die Attentate verüben, 30 Jahre werde ich Strafe ne Rede auf das Attentat von Jüterbog. Als ihm fommen, 70 Jahre werde ich alt werden und wenn der Vorsitzende vorhielt, ob er nicht daran gedacht ich wieder herauskomme, werde ich noch alle die babe, daß ein großes Unglück geschehen könnte, rief geplanten Attentate ausführen." Auf die Frage des a Matuschta verwundert: ,, Nein, gar nichts, dachte ich, Vorsitzenden, ob er wieder Eisenbahnanschläge verwerde geschehen, weil dort ja Sand war." Die Num üben wolle, erwidert Matuschka ,, nein". Aber mit mer des nationalsozialistischen Angriffs" habe er Hilfe der Zeitungen werde ich Attentate verüben, der nationalsozialistischen Partei am warum er bei der Polizei gelenguet habe. antworte e Frrsinn und Berbrechen, Nationalismus und nächsten stehe, doch könne er sich ihr nicht crer: Weil ich mir alles für die Hauptverhandlung schließen, da er nicht indenfeindlich sei. Schließi ch wegen der Sensation vorbehalten wollte. Vorwurde der Anschlag auf den Wiener Schnellzug sitzender: Dezt sagen Sie uns endlich, 1115 alle habe ihn, so behauptet Matuschka, der Geift Tat?" Ma tujca: nach Bia Torbagy besprochen. Auch in diesem war eigentlich der Beweggrund für ihre schredline Anschlag von Ansbach von Anfang an vermute: Matuschtas Verteidigungsrede. desvegen am Attentatsort niedergelegt, weil er um den Atheismus zu sprengen. Auf die Frage, wurde. Aber alle Mühe blieb vergeblich: auch das Attentat von Jüterbog blieb in unenvirrbares Dunkel gehüllt. Die Schredensnacht von Bia Torbagh. Da, taum fünf Wochen nach dem Verbrechen ton Jüterbog, jagte der Telegraph eine neue Schredensnachricht durch die Welt, welche die von Ansbach und Jüterbeg völlig in den Schatten stellte: am 13. September, inapp vor Mitternacht, wurde bei der ungarischen Bahnstation Bia Torbagy der Schnellzug Budapest- Wien in die Zufier Schnellzug Budapest- Wien in die Luft gesprengt. Von dem ganzen Zug blieb im vollsten Sinne des Wortes nichts übrig als ein Trümmer hausen, der 22 zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen und eine Anzahl Verlegte dedte. Die Explosion war in dem Augenblick erfolgt, da der Zug über eine Brücke raste, die Lokomotive und die sechs ersten Waggons wurden durch die Wuch des Explosion tief hinunter ins Tal geschleudert. Und wieder fand man in der Nähe der Unglüdsstelle Drähte und Taschenbatterien und mit wirren Thrafen beschriebene 3ettel Rein Zweifel fonnte bestehen: das Ungeheuer von Bia Torbagy und der Verbrecher von Jüterbog und Angbach waren ein und dieselbe Person. Klerifalismus. " ,, Das möchte ich eo die Idee dazu eingegeben. Als der Vorsitzende wissen. Jetzt sehe ich erst, daß es nicht das richtige ihm vorhielt, daß durch ihn ein schreckliches Unglück Mittel war." Auf die Vorhaltung des Vorsitzenden. geschehen sei, schluchzte Matuschta laut auf, scorie, er sei doch ein überzeugter gottesgläubiger Menich Weiße Zähne: Chlorodont und habe doch gegen die Lehren der Kirche gehani eft, jagt der Angeklagte: Religiös bin ich wirklich uns doch habe ich gerade das Schlechteste gemacht, mas auf der Welt möglich ist. Jetzt weiß ich selbst nich: warum ich das getan habe." handlung schilderte Matuschka seine Erlebnisse Wien, 15. Juni. In der heutigen ersten Ver im Kriege. Noch heute höre er den Ruf: Spriten!"( Das Kommando zum Feuerm) Im Riege war er Kommandant einer Sturmabtei lung. Und dort liegt der Fehler!" ruft er dabei weinend aus, daß ich in einen Zustand gekommen bin, und daß man mir heute Simulie rung vorwirst!" Er erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille II. Klasse und das Signum Laudis. Nach dem Kriege habe er geheiratet. Er jei damals Kom mandant einer Schüßenkompagnie in Cantavir gewesen, welchen Ort er verlassen habe, als er jugoslawisch wurde. Auf die Frage des Vorsitzenden, 50 prozentiger Lohnraub an 200.000 Menschen: ob er jemals in Paris gewesen sei, erklärt Matuschta:„ Mein Einbrud ist der, daß ich nicht dort war!" 1927 fam Matuschka zunt erstenmale nach Wien. Er erzählt, später wiederum nach Wien gekommen zu jein, weil er hörte, daß man dort billig Häuser faufen könne und er sich doch mit Hausantauf und Verkauf beschäftigte. 1928 jei er nach Wien übersiedelt. Epäter habe er Em Mörder wird eingefreift. auch das Weingut Donauwarte angekauft. Unter den Leichtverletten, die sich nach denr Nicht gefallen habe ihm in Wien der Attentat von Bia Torbagy meldeten, war ein vier- Atheismus. Die Stephanskirche, diese schönste jigjähriger Mann Silvester Matuschta. Er gab Rirche in Europa, jei immer von 8 bis 12 Uhr, bereitwillig eine ausführliche Schilderung des Zug wenn die Messen gelesen werden, leer. Wien jei unglüds, dem er angeblich zum Opfer gefallen war eine fündige Stadt. und wies mit auffälliger Wichtigtuerei immer micder auf seine übrigens sehr unbedeutenden Verlesungen im Gesicht hin. Diese Berlezingen" waren der ungarischen Polizei schon von Anfang So schöne Kirchen sind in Wien und alle sind leer, an ziemlich verdächtig erschienen, da es start den und das hat mich sehr aufgeregt." Matuschia erAnschein hatte, als habe sie sich Matuschto selbst mähnt sedann die Staatsangestellte und Bauern unter der Dittatur. augefügt. Aber da man einstweilen weitere Indizien gegen ihn nicht finden fonnte, ließ man Ma„ Ich war von meiner Geburt an bis heute immer Sontag in der Kirche. Widmung einer Krippe einem Geist, den er Leo nannte. Als er einmal tuschta nach einem furzen Polizeiverhör in Budo- für die Kirche seines Heimatortes Cantavir. Er pest frei und gestattete ihm die Rückkehr nach glaube, seine Sünden würden ihm vergeben werden. Desterreich. Während der Verlegte" von Bia Tor- Dann erzählte Maruschia eine lange Geidhichie ton bagh sich in Desterreich bereits sicher und geborgen glaubte, fammelte die Polizei in Berlin, Budapest und Wien heimlich, aber mit fieberhafter An strengung neues Material gegen ihn und 7 Oktober war der Ring der Indizien um Mia tuita fo feff gelossen, daß die Wiener Polizei jur Berhaftung schreiten fonnte. Matuschta gesteht.. ant Latsachen aus Rumänien. Der Berichterstatter des Züricher„ Boltsrecht" entwirft in einem Artifel ein düsteres Bild der Finanz- und Wirtschaftslage Rumäniens. Er schreibt: „ Die französischen Finanzeɣperten, die seit Monaten daran arbeiten, die rumänischen Staatsfinanzen zu fanieren, haben der Regierung den Borschlag" gemacht, einen erheblichen Teil der Staatsbeamten, 200.000 an der Zahl, für ein Jahr in Zwangsurlaub zu schicken, aber deren Gehälter nur für sechs Monate auszubezahlen. In jedem andern Lande würde eine solche Maßnahme einen Sturm der Entrüstung auslösen und ein derartiger Vorschlag von der Regierung als eine Ungeheuerlichkeit, als etwas Unmögliches abgelehnt werden. Die rumänischen Machthaber hingegen haben bereitwillig Ja und Amen gejagt. an 200.000 Staatsangestellten soll das himmelschreiende Verbrechen des 50prozentigen Lohnabbaues begangen werden! In Wirklichkeit wird aber, falls dieser Vorschlag tatsächlich Gesetz wird, nur ein Teil von dem sanktioniert werden, was schon längst Tatsache ist, denn für die Staatsangestellten Rumäniens ist die Zeit, in der sie noch ihren färglichen Lohn voll ausbezahlt bekamen, schon zur „ guten alten Zeit" geworden. Das Bauerntum stellt 75 Prozent der Gesamtbevölkerung Rumäniens dar und dect normaler weise mehr als zwei Drittel des Staatsbudgets. Nun zahlt aber dieser überwiegende Voltsteil feinen Bani mehr an Steuern. Ich hatte schon in meiner letzten Korrespondenz erwähnt, daß die gesamte Bauernschaft Rumäniens banfrott ist. Um die wahre Lage dieses unglücklichen Volkes an einem Beispiel zu beleuchten, sei folgendes angeführt: Seit zwei Wochen hat das Innent ministerium die Einbringung der Steuern übernommen. Die Gendarmerie wurde aufgeboten und angewiesen, den allergewaltigsten Drud auf die Bauern auszuüben. Seit Tagen zieht sie nun von Gehöft zu Gehöft mit geladenen Gewehren. Die von oben erhaltene Losung heißt: Geld oder Blut! Im Dorfe Dragomiresti wurde einem Bauern wegen 100 Lei eine Kuh es war die legte-, eine Schweizerfuh im Werte von 30.000 Lei, um sage und schreibe 500 Lei versteigert. Es stellte im Bette ichlies, tem die Erdeinung, ein Monn jich nachträglich heraus, daß diese 500 Lei von ohne Haare, mi blaffem Geftdy, in sein Zimmer und sagte ihm: Qu hast die Strippe io schon geacht Bauern aufgebracht wurden. So sieht die Wirtschaftslage der rumänischen Bauern aus!" macht, du follit ein sehr berühmter Mann werden Das war für mich, ag- Matuschka, fein Befehl, und du toit ein Attentat perüben" Und der König baut einen Balast jondern ich habe eingesehen, daß der Geist recht mit Notausgängen. batte. Der Geist wiederholte die Worte: Tu wirst Während Staat und Volf unter unsäglichen Matuschta spielte den gekränkten Ehrenmann ein berühmter Mann werden und du wirst geçen Nie", so schreibt das Bukarester bürgerliche Blatt Entbehrungen zu leiden haben, wird so erzählt und mimte Verzweiflung und Empörung über das die Atheisten tanipfen." Auch jagie der Geist:„ Es Curentul",„ war der Kleinangestellte des Staates der Korrespondent ein außerordentlicher Kredit Unrecht", das ihm angetan wurde. Aber als sich gibt 10 viel Arbeitslosigtett in Cesterreich, von 23 Millionen Lei zwecks Bau eines lo ausgehungert, wie es derzeit der Fall ist." zehn Tage später der Kraftwagenführer meldete. Ungarn und Teutschland und du, Mannichta, mirit neuen föniglichen Palais gewährt. der den Attentäter von Auzbach in die Nähe der Abhilfe schaffen." Während einer Fahr: nach Wie der Bericht weiter ausführt, ist der Gibt es etwas Aufreizenderes und Niederträch Attentatsstelle gefahren hatte und Matuschia ein Budapest jagte ut der Geiſt Leo:„ Wir werden Rücktritt der Regierung Forga äußerlich mit tigeres als das? Das Volk verhungert und verdeutig als einen Fahrgast von damals wieder eine Sefte gründen und Atentate begehen und alle der Unannehmbarkeit der französischen Vorschläge tommt und König Karol II.( im Volfe wird erfannte, als einen Tag später die Frau des Eisenbahndirektionen der Welt werden erschieden. begründet worden, Der tatsächliche Grund ihres er auch der„ lette" genannt) läßt sich sein fomSprengmeisters eruiert wurde, bei dem Matu'chta Man wird die Leute dadurch zwingen, bei allen Abganges aber war, daß sie nicht wußte, wie die fortables Heim bauen. Es heißt, daß für das bas Gtrafil it die Berbieden Jüterbog und Bia Bahnen die Elektrifizierung durchzuführen." Mareftlichen 50 Prozent der Gehälter aufzubringen neue, im Bau befindliche königliche Balais Torbagy gelauft hatte, und als schließlich Watuich tulla tom dann auf sein angebliches Valent waren. genügend Notausgänge vorgesehen sind. Das nenne ich politische Weitsicht... fas Gattin das Zeugnen ihres Mannes Lügen der Fernlentung von Eisenbahnzügen strafte, da brach der Verhaftete zusammen und legte zu fprechen Bisher habe er nichts davon gesagt, Unter diesen Umständen hat Rumänien wohl danrit es die Sournalisten nicht erführen, aber Höchst lehrreich ist auch die Schilderung des wenig Aussicht, die heiß begehrte Auslands. ein umfassendes, wenn auch vollkommen verwor renes Geſtändnis ab. Er gab zu, sowohl den An- heute solle alles eine große Seniation wer. Blattes, wie es den rumänischen Bauern anleihe zu bekommen und man kann daher von slag von Angbad, als auch die grausigen Ber- den. Auch den Unteriuungsrichter und der Polizei unter der halbfascistischen Königsdiktatur ergeht. der Entwicklung im Südosten noch manche babe er von seiner Erfindung nichts mitteilen Man erfährt da geradezu haarsträubende Dinge: le berraschung erwarten. brechen von Jüterbog und Bia Torbagy verübt zu wollen. Mauicha ertlärte weiter, das Attentat Faben. In den von der Weltwirtschaftskrise am Jedenfalls beweist das rumänische Beispiel, von Angbach joute nicht viel Unglüd anrichten, schwersten betroffenen Staaten sind die Staats- wie elend es auch jenen Schichten unter der aber großes Aufschen erregen und ihn berühmtt einnahmen gewaltig zusammengeschrumpft; Diftatur ergeht, die siche Deutschland! als machen. Dağ Menschen dabei umkommen, ei nicht in Rumänien gibt es heute überhaupt keine erste bereit sind, die Fahnen der Demokratie zu feine Abicht gewesen. Staatseinnahmen mehr. berlassen und ins reaktionäre Lager überzulaufen. Spielt der Verbrecher Komödle? Der Schuldige an den fürchterlichen Eisenbahnnichlägen des Jahres 1931 war gestellt. Das wahre Rumänische Steuerpraris. Seite 6 Dornrertztag, IS. Imrk 1932 5h. 142 Tagesnetrigheifen „Ellen und die Schlange". Siu nationalsozialistisches Kunstwerk. An der Redaktion der Chemnitzer„TolkS- stinnne" hat sich jemand di« dankenswert« Mühe genommen, de« Roman„Ellen und di« Schlange" zu lesen, der den Führer der österreichischen Nationalsozialisten, Herrn Frauenfeld, zum Verfasser hat und der in der Dötz", dem Organ der Wiener Nazis, erschiene« ist. Wir geben im Nachstehenden, an Hand der Arbeit unseres Chemnitzer FreunteS, Zitat« aus dem Kernstück dieses nationalsozialistischen Kunstwerkes wieder, das alS ein« selb st biographisch« Erinnerung wirkt. Der Held heißt Albert. Besagter Albert geht mit einem schönen Mädchen" durch di« Natur, um di« schlanke Gestalt des jungen Mädchens in dem kurzen weißen Kleidchen, das di« Formen kaum verhüllt«, mit trunkenen Blicken zu umfangen. Und schon schwitzt und stöhnt er, aber es ist nicht di« Wirkung der Sonnenhitze, «s Ist, als verzehrt« ihn«in« inn«r« Glut. Seine Hände, die wie leblos am Körper pendelten, schlossen sich bald wi« im Krampf, bald öffneten si« sich schlaff... Dem Albert geht«4 wirklich schlicht, aber die Ellen, das deutsche, keusche Mädchen, ist auch «in raffiniertes Luderchen, sie tut alles, um d«n gefährlichen Zustand noch zu steigern. Denn: ihr« Bein« stahlen sich unter dem Rock hervor... DaS soll der arme Albert aushalte«? Nein— er erbebte. Sein« Hände bebten nach dem schlanken, lichtbestrumpften Bein«.,. Da wird die Geschichte schon konfiskationsreif. Abblenden?... Schluß?... Nein,„plötzlich" geschieht etwas: Plötzlich sprang Ellen mit einem furchtbaren Schrei auf. Albert fuhr aus seinen Träumen empor und riß erschrocken die Augen auf. Mit schreckhaft ausgcrissenen Augen, di« Finger gespreizt, nach Atem ringend, bot sie«in Bild höchsten Entsetzens. Di« Schlang«... lallt« sie. Si« hat mich gebissen... Nun, könnt« man meinen, ist em böses Unglück geschehen und mit den Krämpfen und Erschlaffungen des Albert wird e- ein rasches Ende haben, die Geschichte, di« so sexüaltriefend begonnen hat, führt in«in« ganz ander« Richtung. Aber der Frauenfeld läßt sich di« Lust nicht rauben. Also fragt er vor allem Wo? Und nun kommt die Komplikation, di« erst den Zwischenfall zu einer Geschichte macht. DaS keusch« deutsche Mädchen mag nämlich di« Stille Nicht nennen, wo sie die Schlange gebissen hat. Darum ereifert sich Albert: Die Wunde muß sofort erweitert, und ausgesaugt werden.:. Aber Ellen, die pflichtschuldig rot geworden ist, stottert: Ich kann sie mir nicht aussaugen. Darauf erwacht in Albert, der am Anfang der Geschichte als besonders schüchtern«nd linkisch geschildert wird, dernordischeHerren- me nsch: Dann werde ich es tu«.... Und nun spielt das rofsinierte Luderchen ihren großen Trumpf aus: Ellen brach in Tränen aus. Oh, ich schäme mich so. Es ist unmöglich. Aber der Herrenmensch zürnt: Ellen, ein letztes Mal fordere ich Si« auf, zu gehorchen, sonst muß ich Gewalt anwrn- »en...(Und zieht sein Federmesser.) Nun ab«r zerfließt Ellen. Si« denkt: Wie der furchtsame Albert doch herrisch und kraftvoll sein konnte. Und sie blickt ihn demütig lächelnd an:„Ich schäme mich so... Aber, nur mein Verlobter, mein zukünftiger Gatte dürst eso etwas tun... Großaufnahme: Albert, der Held und Märtyrer: Dann betrachten Sie mich als Ihren zukünftigen Gatten! Jetzt endlich darf er saugen. Das Kapitel schließt: Und dabei blieb es. Der Schlangenbiß a« der diskrete« Körper st eile, mit der Ellen i m Grase gesessen hatte, wurde kunstvoll behandelt!.... Und dann kommen viel« Punkt« und ein zweiter Teil der Geschichte, der einige Jahr« später spielt. Ellen und Albert siwo ein glückliches Paar, Kinder umhüpfen si«, und nun gestehen die beiden nordischen Edelmenschen, daß ein Schwindel si« zueinander gebracht hat. Wäre Albert damals schon ein erster Vertrauensmann der Hakenkreuzpartei gewesen, er hätte über den jüdischen Dreh des Frauenzimmers«inen dreifachen Fluch aussprechen müssen. Denn Ellen beichtet, in Wahrheit habe sie damals gar keine Schlang« gebissen, sie hat dem Geliebten nur einen schmäh" erzählt. Und nun gesteht auch Albert, daß er ihr den Schwindel überhaupt nicht geglaubt hat, er hat ja gesehen, wie«ine Eidechse damals unter ihrem Allerwertesten hevvorgehuscht ist. Aber es war ihm eben nur um das Saugen zu tun... Eine anmutig« Geschichte, was? Si« machte jedem pornographischen Blättchen, über deren verderbliche Wirkungen auf di«-rutsche Volksseele die Nationalsozialisten so viel zu sagen wissen und die sie der verderbten jüdischen Lust am Schmutz zuschreiben, alle Ehre. Aber nicht «in verachteter Hebräer hat den Schmus verfaßt, nein, der Führer der österreichischen N a z i p a r t e i, die von der Reinheit deutscher Frauen, von Sitte und Ehre deklamiert, hat daS geschrieben. Und nun ist noch in der Mener„Arbeiterzeitung" zu lesen, daß Frauenfelds Roman auch noch em Plagiat ist, nämlich di« Verwertung" einer seinen Arbeit durch Frauenfelds Hakenkreuz-Phantasi«! Sie wird sicherlich auch noch-en„Tag" anregen, der nur wie durch ein Wunder daS nationalsozialistisch« Kunstwerk des parteigenössischen literarischen Diebs seinen Lesern noch nicht vopgesetzt hat. Die„Zivi!Wions"'Schreüeu im verglichen Kongo. Groß« Anklagerede vauderveldeS in der Sammer. Brüssel, 15. Juni.(Eig. Drahdberichl.) In einer mehrstündigen, auf unzweifelhaft amtlichen und änderen Dokumenten und Mitteilungen begründeten Interpellation erhob der Sozialistenrührer Vandervelde in der Kammer ein« furchtbare Anklage gegen das im belgischen Kongo herrschende System der Zwangsarbeit um> der maßlosen Ausbeutung und Unterdrückung der Eingeborenen. In der internationalen Arbeitskonsercnz von 1930 in Genf übten di« belgischen Regierungsdelegierten bei der Abstimmung über das internationale Verbot der Zwangsarbeit in Kolonien Stimmenenthaltung, und zwar mit der Begründung, daß man dar in gewissen Gebieten des belgischen Kongo bestehende System des sogenannten Landbauzwangsunterrichtes nicht opfern könne. Es handle sich dabei um den Awbau von Reis und anderen LehenSmittsln einerseits und Baumwolle andererseits, wobei die Eingeborenen monatlich eine Reche von Tagen Zwangsarbeit leisten müssen. Vandervelde zeigte an der Hand von Berichten hoher Beamterrstellen, daß diese Einrichtung alle Merkmale der Sklaverei trage und tatsächlich zu Aufständen von Eingeborenen Anlaß gegeben hat. Am schlimmsten sind die Zustände in dem Von der belgischen Kolonialgesellschaft Kasai ausgobeuteten Bezirk Kwango, wo die Eingeborenen im vorigen Jähr tatsächlich sil einem blutigen Auf st and getrieben wurden, der mit der größten Grarrsamkeit unterdrückt wurde. Gestützt auf amtliche Berichte hoher Staatsbeamter, Aerztr, Richter und Staatsanwälte sowie Missionäre deckt« Vandervelde die Ursachen dieses Aufstandes auf: maßlose Ausbeutung durch die Kasai-Gesellschaft, übertriebene Steuern, Zwangsovbeit zum Straßenbau, Zwang zum Produziere« von Palmöl und anderen Erzeugnissen gegen übertrieben niedrige Preis«, Schikanen und Gewalttätigkeiten der Angestellten der Handelsgesellschaft sowie der öffentlichen Verwaltung. ES wurde sestgestcllt, daß in gewissen Gebieten die Eingeborenen im Jahre drei bis Pier Monat.« Arbeit leisten müssen, ausschließlich um die Steuern zu entrichten. In den Berichten werden eine ganze Reihe von Fällen von schweren Mißhandlungen der Eingeborenen, Bergoivaltigung von Frauen ufw. angegeben. Vandervelde forderte von der Regierung dringende Abhilfe sowie ihre Zustimmung zum internationalen Abkommen gegen die Zwangsarbeit in den Kolonien. Di« Rede Ban- derveldes machte sichtlich einen sehr starken Eindruck a uf die Kammer. Dir Regierung bat sich die Antwort bis nächste Woche Vorbehalten. Die Arbeiter trinken weniger Alkohol! Zur Unterstützung der Arbeitcrabstinenz- bewegung wurde im Jahre 1930 den Gewerbeinspektoren die Weisung erteilt, ein besonderes Augenmerk der Frage des AlkoholgenuffeS während der Arbeit zu widmen. In größeren Industriebetrieben ist in der Regel durch die Arbeitsordnung das' Holen- und Trinken alkoholischer Getränke während der Arbeitszeit verboten. Das Trinken starker Spirituosen ist bis jetzt noch eingewurzelt bei einem Teil« der Arbeiterschaft, di« bei der Arbeit ungünstigen Witterungseinflüssen ausgesetzt ist.— Bedeutend ist die Zahl der Betriebe, die der Arbeiterschaft Sodawasser und O b st l i m o n a d e n, deren Erzeugung sie ausschließlich für den eigenen Betrieb eingerichtet haben, um den Gestehungspreis überlassen oder zum Einkaufspreis verkaufen. Alko« holgegnerifche Bedeutung hat auch die Verabreichung von Milch an me Arbeiterschaft, di« bei der Arbeit durch Bleivergiftung bedroht ist. Eine bestimmte Bedeutung hat auch di« Verabreichung billiger Suppen, weißen Kaffees, vormittags wie nachmittags und billige Verpflegung überhaupt. Hungerpeitsche und Weihwedel. Dio Regierung des Herrn von Schleicher hat nicht nur die Arbeitslosenunterstützung abgebaut, sondern auch die Psändungsgrenze für Löhne und Gehälter, die vordem mit 195 Mark fest- gsfttzt war, auf 165 Mark ermäßigt. Das ist, glauben die Junker, verständlich: wenn man den Arbeitslosen die letzten Groschen nimmt, so soll man jenen, die noch ein wenig verdienen, auch nehmen können. Die Grenze von 165 Mark darf jedoch auch überschritten werden: für die K i r ch e n st e u e r ist der Lohn unbeschränkt pfändbar! So hat es die Regierung Schleicher notvcrordnet. Denn dos deutsche Volk soll merken, daß tatsächlich ein neuer Wind weht: er ist verursacht von der Hungerpeitsche, die in raschem Takte durch di« deutschen Lande schwingt und von dem Bemühen der Herren Generale, die Geistlichkeit freundlicher zu stimmen, auf daß sich der Weihwedcl zur Hungcrpeitsche geselle. Tod am Rednerpult. Aufregender Zwischenfall im Washingtoner Parlament. Washington, 14. Juni. Heute fanden sich »inige Hundert ehemalige Frontkämpfer in zerrissenen.Kleidern im Repräsentantenhaus« rin, tzwt bei der Eröffnung der Debatte über die so genannt« Patman-Borlag« zugegen zu sein, wonach den ehemaligen Frontsoldaten an Unterstützungen im ganzen 2 Milliarden Dollar ausgezahlt werden sollen. In der allgemeinen Debatte meldete sich auch der demokratische Abgeordnete ,für den Staat Tennessee E. E s l i ck zu Wort, der während seiner Rede so in Erregung geriet, daß er plötzlich ohnmächtig wurde, zu Boden fiel und nach einigen Minuten verschied. Die Sitzung des Repräsentantenhauses wurde zum Zeichen der Trauer auf morgen vertagt. Wie die Unternehmer die Kranken- kaffen schadigeu. Die Unternehmer jammern bei jeder ihrer Zusammenkünfte über die„hohen sozial:» Lasten", womit sie die Beiträge zur Kranke«? und Altersversicherung der Arbeiter meinen. Dabei zahlen die Unternehmer die sozialen Beiträge gar nicht aus der eigenen Tasche» sondern rechnen sie als Regiekosten in die Warenpreise ein.— Trotzdem schädigen die Unternehmer noch die KrankenversicherungLlnstalten. Das beweist sehr deutlich die m der letzten Nummer der Mitteilungen der ZentraljozialversicherungSan- stalt veröffentlichte Uebersicht über das Ergebnis der von den Krankenversicherungsanstalten durchgeführten Lohnrevisionen. Nach dieser Ausstellung wunden im Jahre 1930 10.774 Betriebe revidiert und von diesen erfolgte bei 9286 Betrieben eine Nachtragsvorschreibung von BersicherungSbeiträgen. Es wurden dabei 20,985.533 LBeiträgefür die Krankenversicherung und 8,763.290 Kronen für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung nachträglich vorqeschrieben. DaS sind gewiß ganz beträchtliche Summen, die beweisen, daß die Ilnternehmer mitschuldig sind an der schlechten Lage der Krankenversicherungsanstalten. Wo ist der Kaiser? Dschibuth, 15. Juni.(Reuter.) Trotzdem am Montag offiziell bekanntgegeben wurde, daß der ehemalige abesssinische Kaiser 81 j y a s s u verhaftet wurde, wrrden nun Gerüchte verbreitet, daß er sich im Königreiche Godscham noch in Freiheit befinde. Die Regierungstruppe« jetzt» d,e Nachforschungen nach dem Orte, wo sich der Kaiser verborgen halten soll, fort. Um die Stadt Addis Abeba wurde«in militärischer Kordon errichtet, damit den Anhängern des ehemaligen Kaisers der Weg zu diesem abgeschnitten werde. In kurzer Jeit wird die Regenperivde einsetzen, die das Königreich Godscham bis September unzugänglich machen wird. Ziehung der Klaffeulotterie 10.000 K: 10.340, 12.667. 5000 K: 64.994, 95.989. 2000 K: 6782, 14.076, 15.941, 37.343, 87.634, 45.312, 46.1S1, 51.570, 72.784, 75.008, 88.560. Nächtlicher Raubübrrsall. In der Nacht auf Mittwoch wurde in der Wohnung der Privaten Anna T»rek in Oerveny Kostelec ein Raubüberfall durchgeführt. Die Frau, die in der Sokolska tr. 207 wohnt, wurde bei dem Ueber- fall schwer verwundet und ihr« Enkelin, Bohuöe Forsch, getötet. Der Leichnam der Forsch wurde im nahen Walde aufgefunden, wohin ihn wahrscheinlich der Mörder abgeschleppt hatte. Bertram bleibt verschollen. Nach einer Meldung aus Wyndham wird die Glaubwürdigkeit der Eingeborenen-Berichte, wonach das Wasserflugzeug des deutschen Fliegers Bertram aufgefunden worden sei, jetzt bezweifelt. Die Nachforschungen werden fortgesetzt. Eisenbahnattentat in Bulgarien. Auf der Eisenbahnstrecke unweit von P l e v n a ereignete sich Dienstag knapp vor der Ankunft eines Lastzugs eine Explosion, di« jedoch keinen Schaden anrichtete Die heutigen Zeitungen behaupten, daß es sich um ein kommunistisches Attentat im Zusammenhang mit der scharfen Protestkundgebung handelt, die gestern die Kommunisten den ganzen Tag und auch während der Rächt gegen die Entführung und die Ermordung des Kommunisten Kavrakirow durch di« mazedonischen Revolutionäre durchführten. Wildwest in Hamburg. Gestern morgens ist in einer Filiale der Dresdener Bank in Hamburg ein frecher Raub überfall ausgeführt worden, bei dem den Tätern etwa' 5600 Reichsmark in die Hände gefalle« sein sollen. Es erschienen um 10 Uhr, während nur die Angestellten im Raum waren, drei Männer mit M g s k c n vor dem Gesicht und S ch u ß w a f- Wähler sichert Euch Euer Wahlrecht! Bom 15. bis 22. Juni werden in allr> Gemeinden der Tschechoslowakische» Republik die Wählerverzeichnisse aufgelegt. Jeder Staatsangehörige, Man« oder Frau, welcher am 15. Juni 1832 sei» 21. Lebensjahr erreicht hat und mindestens drei Monat« in der Gemeinde wohnt, muß in diesem Verzeichnis eingeschrieben sei». Wer nicht«»geschrieben ist, muß zwischen dem 15. und 22. Juni seine Aufnahme in das Wählerverzeichnis verlange». Der Wähler, der nicht im Wählerverzeichnis eingeschrieben ist, verliert für alle Wah. len, die iw Laufe des nächste» Jahres stattfinden würde», das Wahlrecht. Es ist also im Interesse jedes Wählers, in die Wählerverzeichnisse Einblick zu nehmen und sich zu überzeugen, ob er richtig eingetragen ist. f e n in den Händen. Die Angestellten wurde« in die hinteren Büroräume zurückgedrängt, während die Räuber das Geld an sich rissen und hierauf die Flucht ergriffen, ohne behindert oder erkannt zu werden. Eine hochherzig« Millioncustisiung. Anläßlich der gestern veranstalteten Jahresfeier der Göttinger Universität, bei der die Reichs-, Staats- und Nähtischen Behörden sowie die niedersächsischen Hochschulen vertreten waren, teilte der Festredner Professor Dr. Riecke in dem Jahresbericht mit, daß voü amerikanischer noch ungenannter Seite der Universität ein Vermögen gestiftet wurde, dessen Zinsen jährlich 100.000 Mark betragen, die für die Krebsforschung verwandt werden müssen. Von der gleichen Seite wurde eine Summe zum Bau eines Erholungsheimes für Professoren uich Studenten zur Verfügung gestellt. Die Rockefeller- stiftung hat weiter 300.000 Mark zum Ausbau des Institutes für organische Chemie zur Verfügung gestellt. Explosion in Prag, gestern um 8 Uhr 20 Minuten ereignete sich im chemischen Laboratorium der Munitionsfabrik Sellier& Bellot in LiLkov eine Explosion von Explosivstoffen. Das Laboratorium fit teilweise ausgebrannt, doch kam niema»d zu Schaden. Das Feuer konnte in etwa einer halben Stunde durch die Werksfeuerivehr sowie durch di« SiLkover Brandwehr gelöscht werden. Vollstrecktes Todesurteil. Im Hofe des Gefängnisses zu Weimar wurde gestern früh das Todesurteil an dem Melker Paul Daßler vollstreikt, der im Vorjahre die achtjährige Isolde Diprvwinga, die Tochter eines Landarbeiters, in der Nähe von Bucha bei Jena in einen Wald gelockt, vergewaltigt, beraubt«nb mit einem Strick erdrosselt batte. Rattenplage»« Reich««berg. I« letzter Zeit tritt in Reichenbeng die Hans- und Wanderratte wieder in stärkerem Maße auf und in manchen Stadtteilen, insbesondere in der Nachbarschaft von Fleischereien oder LebenSmitteshandlungen aller Art, kann geradezu von einer Rattenplage gesprochen werde«. Dreifache Bluttat. In einem Wald« in der Grafschaft Kent(England) wurde am Dienstag früh ein dreifacher Mord verübt. Ein Autobuschauffrur svh beim Worüberfahren in der Nähe des Straßengrabens die Leiche einer Frau liegen. Dia alarmiert« Polizei fand später in der Nähe noch die Leiche eines Kindes und die einer älteren Frau. Ein« Untersuchung stellte fest, daß es sich um G r 0 tz- mutt« r, Mutter und Kind handelte. Die drei Opfer wiesen Schußwunden auf. I« Verdacht, den Mord begangen zu hoben, steht ein 26- jähriger Soldat namens Collins, der seit Montag vormittag vermißt wird. Hundert« von Pcklizi- sie« sind mit zahlreichen Polizeihunden auf der Suche nach dem flüchtigen Soldaten. DaS Motiv der fürchterlichen Tat ist imbekannt. Der verkannt« Mausehund. Goebbels„Angriff" vom 24. Mai enthält folgend« schön« Notiz: Feststellung. Dor einiger Zeit brachten wir einen Bericht über die Zusammensetzung der„Eier-Notierungs- kommWon", in dem wir«irre Füll« Wohlriechender" Namen der KommisfionSmitglieder auszähl- :«n. Unter anderem wurde dabei der Name Daniel Mousehwnd genannt. Nun bittet uns Herr Mausehurck, festzustellen, daß er im Gegensatz zu den übrigen Mitgliedern der Kommission kein Jude sei— im Geyenteil. Wir stellen diese Tatsache gern fest, aber wie k«m mau auch Daniel Moufehuud heißen. Armer Daniel! Nun ist er schon der einzig« Christ in der Eier-NotierungSkommission und heißt March:- Hund. Arierpech! Vom Rtmdhmh Empfehlenswertes aus Ben Programme«. Freitag: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte« 1845: Schallplatte«. 18.25: Deutsch« Sendung: Prof. Dr. Rzach: Heber die kulturhistorische Bedeutung d«S antiken Münzenwesens. 19.25: Koloraturliedcr. 20.45: Orchefterkonzert. 22.20: Schallplatte«.— Brünn: 18.25: Deutsche Sendung: Prof. Dr. Reuter: Wallenstein in Mähren. 19: Blasmusik. 20: Reportage auk dem Pfadfirwer- lager.— Mähr.-Ostrau: 18.15: Schallplatten. 19.25: Solo auf Harmonika.— Berlin: 14: Volkstümliche Musik deutscher Klassiker. 20:„SemiramiS". Oper von Rossini.— Hamburg: 22.20: Intermezzi und Charakterstücke.— Königsberg: 20: Konzert mit klassischen Arien.— Leipzig: 20.90: Aus Lieberliedern von BrahmS.— Mühlacker: 22: Dichter, di« wer kennen sollten.— München: 19.50: Zitherkonzert. 21.10: Sinsoniekonzert.— Wien: 19.35: Zeitgenössisch« Schweizer Klaviermusik. R. 142 Dem Baltan geht's gut. Ueberall in der Welt gehts traurig zu und mr in Shs. scheint es einen wolkenlosen wirlschaftlichen und politischen Himmel zu geben, menn man dem Zagreber Morgenblatt vom 9. Juni glauben darf, das über das Hochzeitsjubiläum des Herrscherpaares wie folgt berichtet: ,, Das jugoslawische Herrscherhaus feiert heute einen bedeutsamen Gedenktag. Heute jährt sich zum zehntenmale der Tag, an dem S. M. König Alexander I. Karadjordjevic' Prinzessin Mariora von Rumänien als Gattin heimführte und damit seinem Volte und Lande eine Königin gab." Welches Glück! Wahrscheinlich hat dem Volt and Land nur die Königin gefehlt, denn: ,, Als im Dezember 1921 zuerst vage Gerüchte bekannt wurden, König Alexander habe sich ver. lobt, machte sich in der ganzen Bevölkerung freudige Ueberraschung und Neugierde bemerkbar. Noch wußte man nicht, wer die königliche Braut sei." Die Presseschmöde ganz Jugoslawiens erfüllten mit ihrem Wispern das Land und übten von früh bis spät, sich devotest zu bücken. Endlich wurde die Verlobung offiziell befannt gegeben und, wie nicht anders zu erwarten war, herrschte im ganzen Lande ungeheurer Jubel". Ohne Jubel des Volkes hat noch niemals ein Herrscher geheiratet. Das Bolt ist ein für allemal fürs Elend und zum Jubeln geboren: „ Am 8. Juni 1922 fand mit großem Gepränge ( von Volk bezahlt!) in den Hauptstädten der benachbarten und befreundeten Länder die Hochzeit des föniglichen Baares statt. Jugoslawien hatte damit seine Landesmutter erhalten.( Nachträglichen Glückwunsch!) Königin Maria fand sich sehr raich in die Verhältnisse ein und wurde gleich ihrem Löniglichen Gemahl, der seine Herrscherpflicht mit wahrhaft väterlicher Milde und Güte übte, eine wahre Landesmutter." Was die väterliche Milde und Güte betrifft, so wissen die Untertanen ein Lied von Polizei und Kerker zu fingen, in dem diese beiden Eigenschaften des absolutistischen Herrschers gebührend gewürdigt werden.- Und weiter heißt es: Das seit Ottober 1929 bestehende Rönigreich Jugoslawien fann mit Stolz auf sein Königspaar bliden. S. M. der König, ein vorbildlicher Familienvater, wie auch ein vorbildlicher Landesvater. 3. M. die Königin, eine vorbildliche Mutter und eine vorbildliche Landesmutter. Wir alle wissen, was 3. M., die Königin in diesen zehn Jahren in sozialer Hinsicht für das Volk geleistet hat." Die foziale Fürsorge wird auf derselben Seite des Zagreber Morgenblatts durch folgende furze Notiz in ein strahlendes Licht gejezt: Donnerstag, 16. Juni 1932 Chen mit Erwerbslofen. Ein Beitrag zum Eheproblem unserer Zeit. Von Suje Bork. arbeitet, während der erwerbslose Mann im Haushalt bleibt und gerade die Arbeit tut, für die kein anderer da ist. Kuchuch 39 Gresden 20 Pfennig 30 Rappen 1-60 K. Seite 7 Die größte illustrierte Wochenschrift Erscheint jeden Sonntag überall erhältlich Volkswirtschaft und Sozialpolitik Probleme der Zeit, unserer Zeit der wirtschaftlichen zwungen ist, eben für die Erhaltung der Familie Man braucht nicht hellhörig zu sein, um die die außerhalb des Hauses Geld zu verdienen geNot und des Massenelends tagtäglich zu vernehmen. Und doch scheint es mir, daß neben den aktuellsten Fragen nach Sozialisierung, Arbeit und nach der Erziehung der Jugend die brennende nach der Lage der Frauen in dieser Zeit nicht genügend( Arbeiten Mann und Frau beruflich, dann ist geerörtert wird. Ihre Situation ist sicherlich kaum jemals so schwierig gewesen, weil mit und durch die wöhnlich die Arbeitsverteilung im Haus tein ProWann entsteht bei Fortjehung der früheren blem.) Wer viel mit Menschen zusammenkommt, Arbeitslosigkeit Krisen in ihr Leben kommen, die neben allen anderen Anforderungen auch noch see- wer Einblick in eheliche Gemeinschaften bekommen Krautheit wieder der Anspruch auf das volle Krans hat, der wird fast täglich wieder die Feststellung fengeld? Einige Krantenversicherungsanstalten verTische stellen, unter denen von ihnen unzählige zu machen können, daß der arbeitslose Mann sich be- treten die Meinung, wenn ein Versicherter, der von nimmt, als sei das Wahrheit geworden, was in einer Krankheit als gene en erklärt wurde, an der Spottliedern gesungen wird, daß er die Windeln selben Krankheit neuerlich erkrankt, so habe dies als waschen muß, während die Fran da jißt und Zigar- Fortjepang der früheren Erkrankung zu gelien. ren raucht", also gewissermaßen die Rollen ver- Wenn der Versicherte noch nicht 52 Wochen Krantauscht sind. Ständige Reibereien können hier fengeld bezogen hat, so habe er nur auf den verunnatürlicherweise zur Vermännlichung der bleibenden Rest Anspruch oder wenn er schon ausgesteuert war, d. h. 52 Wochen Krantengeld bezogen Frau führen. hatte, dann bejize er überhaupt feinen Anspruch mehr. Dabei nehmen sie auf die Zeit, die er zvischen den beiden Krankheitsperioden gearbeitet hat, teine Rücksicht. grunde gehen. Ich denke in erster Linie an die Ehen, in denen die Männer erwerbslos sind, während die Frauen durch eigene außerhäusliche Berufsarbeit das Schiff der Familie vor der Not erretten. In solchen Fällen ist der Mann nicht etwa dankbar für diese Fügung, sondern in ihm bildet sich im Tritt erst die eingangs erwähnte Entfremdung Laufe von Wochen und Monaten ein Gefühl der zwischen den Partnern ein, dann wird die Frau erbitterung, das sich nicht etwa gegen die dent Mann schließlich vorwerfen, daß sie das - Diese Auffassung iff 3eit( an der ja im Augenblick leider nicht viel zu Geld verdient für ihn und die Kinder, das irrig und wird auch im Gesez, und zwar im§ 98, ändern ift), sondern gegen die Ehefrau richtet! er eventuell mit anderen ausgibt. Die wenigen Stunden der Gemeinsamkeit werden Durch solche Worte, die aus der augenblicklichen widerlegt. Tort heißt es ausdrücklich, daß eine verdorben durch ständige Reibereien und machen das verzweifelten Stimmung heraus verständlich sind, ist neuerliche Erkrankung an derselben Krankheit nur Leben noch freudloser. Die Nöte wachsen ins User- aber schon oft die lette Verbindungs- dann als Fortsetzung der früheren Krankheit an leje. Die Berbitterung des Mannes und seine viele brüde zwischen zwei Menschen zerbrochen. zusehen ist, wenn diese längstens binnen acht freie Zeit bereiten den Boden dafür vor, daß er Darum soll man sich davor hüten, sie auszusprechen. Wochen nach Einstellung des Kranteneines Tages mit neuerwachtem Interesse andere Nie wieder sind sie ungesagt zu machen, wie mit geldes für die frühere Krankheit einge Mädchen und Frauen sieht, die Zeit haben Leuchtschrift geschrieben werden fie in ungünstigen tieten ist. Wenn also zwischen der ersten Erkran wie er, die ausgeruhter als die eigene Frau, viel- Augenblicken vor den Augen des Mannes stehen und kung und der zweiten eine längere Frist als achi leicht auch jünger und reizvoller erscheinen und die ihn quälen. Wochen liegt vorausgesetzt, daß der betreffende ihn fesseln. Plötzlich entdeckt er für eine von ihnen Besonders wenn noch Kinder vorhanden sind, Versicherte während dieser Zeit gearbeitet hat, denn ein Herz, bildet sich ein, sie zu lieben und vernach- sollte man in ihrer Gegenwart alle solchen Dinge sonst hat er ja jeden Anspruch verloren, so be lässigt, ja zerschlägt seine Ehe. Meist weiß er gar nicht berühren. Vermeidet man bewußt vor ihnen ginnt ein neuer Versicherungsfall un nicht, daß seine falsche Erziehung ihm einen groben solche Erörterungen, dann werden die psychischen es gebührt ihm wieder das Krankengeld für 52 Streich gespielt hat. Die Zuneigung zu der eigenen Hemmungen, die die Eltern sich auferlegen, zu ihrer Wochen. Nur in einem solchen Falle, wo die Zvi Frau versant, weil er es nicht ertragen fonnte, gegenseitigen Erziehung führen, die eine neue Bin- schenzeit fürger als acht Wochen ist, wird dies als Fortsetzung der früheren Krankheit zu betrachten sich von ihr ernähren zu lassen", seine dung für die Ehe ergeben kann! Frau wurde ihm bei jedem neuen Sehen mehr eine sein und es kann der Versicherte, wenn er nur einen schwere Belastung, ein ständiger leibhafter Vorwurf Teil der Unterstützung bezogen hat, nur auf der dafür, daß er nicht Manns genug war", sich Rest oder, wenn er ausgesteuert war, überhaupt In diesem Sinne ha und seine Familie durchzubringen. feinen Anspruch erheben. auch das Versicherungsgericht in Reichenberg atd Berufungsgericht entschieden. Dort wurde einem Versicherten das Krankengeld verweigert, obwohl er swischen der ersten und seiten Erkrankung achi Wochen gearbeitet hatte. Die Krankenversicherungsanstalt wurde verpflichtet, das Krankengeld nachzu zahlen. Sicherlich wird bei Auseinandersetzungen die Frau nicht immer die genügende Rücksicht nehmen, fie wind hier und da Fehler machen, aber sie ist eher zu entschuldigen, denn sie sitzt mit Angst im Herzen bei ihrer Arbeit und muß häufig wissend und doch tatlos zusehen, wie ihr der Mann, den sie liebt, entgleitet. Wir Sozialisten sollten aber zuerst uns daran gewöhnen, den Sinn der Demokratie, b. h. den Sinn der Gleichberechtigung nicht nur im Staat, sondern besonders auch in der Ehe und in jeder menschlichen Gemeinschaft zu erkennen. Erst dann werden wir die großen Schwierigkeiten lösen und den Beziehungen zwischen Mann und Frau einen neuen Sinn geben. Die Bettlerplage nimmt in Maribor In der Ehe, in den Beziehungen von Mann immer größeren Umfang an... müssen alle nicht zu Frau überhaupt sollte ta meradschaftlichnach Maribor zuständigen Bettler in die Heimat- keit herrschen und es muß vermieden werden, daß gemeinden abgeschoben worden. Täglich werden immer einer Hammer und der andere Amboß ist. Leute von auswärts, die beim Betteln ertappt Es darf in jeder Gemeinschaft ehelicher Art von werden, festgenommen und aus Maribor entfernt. vornherein nur ein gemeinschaftlich es miteinander geben, aber keinen Kampf, der mit dem Sieg oder der Niederlage eines oder des andern Partners endet. Trokdem kommt es noch immer vor, daß gefunde junge Männer von Haus zu Haus ziehen und um Beiträge zu irgend welchem 3wed bitten, wobei sie Bescheinigungen Trop aller verständlichen übersteigerten Empverschiedener öffentlicher Stellen, größtenteils aus dem östlichen Teile des Staates, vorweisen. Sol- jindjamfeit müssen wir den Sinn unserer Zeit verchen Leuten dürfte das Belästigen der Bewohner stehen lernen und gegen diese neurotische Einstellung ebenfalls nicht gestattet werden, da gleiches anlämpfen, die nur verstanden werden kann aus den falschen Beziehungen der Menschen untereinander. Recht für alle herrschen muß." Hier fönnen wir, wenn jeder an sich energisch arbeitet. Hier scheint es sich um eine soziale Für forge zu handeln, die, wenn schon nicht vorbildlich, so doch zumindestens charakteristisch für das soziale Verständnis jener Kreise ist, die in SHS. regieren und welchen offensichtlich nicht flar zu sein scheint, aus welchen Gründen heute Millionen gesunder junger Männer in der Welt betteln müssen. die Jdee des Sozialismus zuerst verwirklichen. Wenn auch bis zu unserem Ziel sonst noch ein weiter Weg ist, so würde Sozialismus der Sozialisten untereinander in den Familien uns dennoch ein großes Stüd vorwärts bringen. Wir würden dann nicht mehr gegen uns und die uns am nächsten Stehenden wüten! Wir würden nicht mehr werten nach dem äußeren Erfolg, also nach dem mehr oder Wilhelm gibt Barole aus. weniger sichtbaren Sieg, den der oder jener errun Die Wilhelmshavener Zeitung", ein Orgen hat, würden also auch uns nicht unterlegen gan der Behörden, hat einen Bericht über die fühlen und aus diesem Gefühl ungerechte Erbitte jogenannte Kameradschaftstagung der Mittel- rung für den Partner erwachsen lassen. Viele von meerdivision vom 4. bis 6. Juni veröffentlicht. uns fönnen sich aber von dieser Art zu werten imIn diesem Bericht findet man faksimiliert die mer noch nicht freimachen; mancher Leser dieser folgende Verlautbarung des Deserteurs von Zeilen wird dem erwerbslosen Ehemann seine„ geDoorn: linde Wut" vielleicht sogar nachempfinden können. Wir sind, so frei und vernünftig wir auch er„ Haus Doorn, den 4. Juni 1932. BriefKinder, die mitansehen, wie selbstverständlich sich die Eltern ergänzen, werden dieje alten Vorurteile gar nicht erst tennenlernen. Sie werden in jedem Sinn, Knaben und Mädchen, sich gleichberechtigt und gleichwertig fühlen, ohne ibre individuellen Eigenarten, die physiologisch und psychologisch begründet sind, aufzugeben. der sozialistischen Idee zu verdanken Unsere außergewöhnliche Zeit verlangt schon aus Selbsterhaltungstrieb eine außergewöhnliche Anpassung an die Verhältnisse. Bir Sozialften hoffen allerdings, daß die Zeiten vorüber sein werden, wo die Frauen sich möglichst ausschließlich im Haus- Fristenablauf in der Pensionsversicherung. Der halt betätigen; auch in bürgerlichen Kreisen wird Allgemeine Angestellten- Verband Reichenberg machi die Frau selbst in einer besseren Zukunft aufgehört darauf aufmerksam, daß die Ansuchen um die Ein baben, nur als Luxus- oder Geschlechtstierchen ge- in die Pensionsversicherung laut Gejez vom 14 rechnung der Hälfte der nichtversicherten Dienstzeit wertet zu werden. Und sie und wir sind froh über in die Pensionsversicherung laut Gejen vom 14 Juli 1931, Slg. 125(§ 177 a PBG.) bis späte diese Tatsache, die ja frens 30. Juni d. J. beim zuständigen Versicherungsträger( Amtsstelle der Allgemeinen Tenist, die selbst bei denen wirkt, die sie ablehnen! fionsanstalt cber Erfaßinstitut) eingebracht werden Nach dieser Krise wind es aber wieder so wer- müssen. In Betracht kommen Dienstzeiten, die von den, daß Mann und Frau nach ihrer Eignung be- solchen Versicherten oder Rentnern, die vor dem schäftigt werden können, und für diese Zeit müssen 1. Jänner 1929 wenigstens einen Beitragsmonat sie sich gesund erhalten. Dazu gehört, daß sie real in der Pflichtversicherung erworben haben, nach denten und ihre Beziehungen zueinander ordnen. Bollenbung ihres 16. Lebensjahres innerhalb des Sie sollen ihre positiven Kräfte gegenseitig erkennen Gebietes der jetzigen Tschechoslowakei in solchen Beschäftigungen zurückgelegt wurden, die der Verund sie fördern. Gelegentlich werden die Frauen mehr praktische ficherungspflicht nach dem jetzt geltenden Penfions. Lebenserfahrung haben und besser mit Menschen versicherungsgefeße unterlegen hätten, wenn dieies umgehen und sich anpassen können, der Mann lebt zur Zeit der betreffenden Dienstleistungen schon in mehr theoretisch. Das ist aber kein Grund dafür, Kraft gewesen wäre. Die Ansuchen sind mit den daß der Mann einen Minderwertigteits- von der Pensionsanstalt ausgegebenen, auf Verompler bekommt, der haushoch wächst und all- langen auch beim Algemeinen Angeste IImählich alle Zuneigung zur Frau überschattet. Das ten- Verband, Reichenberg, Turnerstraße sind die Gründe, aus denen neben den Psychosen, 27, erhältlichen amtlichen Bordrucken einzureichen. die aus der Erwerbslosigkeit allein kommen, viele Sollten einzelne Belege nicht bis zum 30. Juni Männer und Frauen unglücklich werden. d. I. beschafft werden können, dann ist zur Geltend Vielfach handeln die Frauen in solchen Momen- machung des Anspruchs wenigstens das Ansuchen ten falsch. Statt ruhig zu bleiben und um die Er- bis dahin einzubringen und die nachträgliche Bei baltung der Gemeinschaft, die doch Liebe einmal er- bringung der zugehörigen Belege vorzubehalten. Da schuf, zu kämpfen, machen sie große Anstrengungen, nach dem ersten Pensionsversicherungsgeseve die sich ihrerseits von dem Mann zu lösen. Wir Frauen Versicherungspflicht erst nach Bollenbung bes 18. sind ja leider immer noch so eingestellt, daß wir Lebensjahres begann, nach dem jetzigen Gejeze aber selbst bei dem Verdacht von„ Untreue" des nach Vollendung des 16. Lebensjahres, kann in Ehepartners uns beschämt vorkommen. Auch vielen Fällen die Einrechnung der Hälfte dieser von diesem traditionell übernommenen Gefühl zwei Zwischenjahre mit verlangt werden. Für ehewird uns hoffentlich eine unneurotischere Zeit bemalige Angestellte des Großgrundbesizes wichtig, ist die Vorschrift in§ 118, Abj. 3 des freien. Pensionsversicherungsgefeßes, wonach sich die Ber pflichtungen der Dienstgeber zur Auszahlung der Versorgungsgenüsie laut$§ 11 und 12 des Gesebes vom 18. März 1921 Nr. 180 nicht um den Mehrbetrag des Rentenanspruches aus dem Pensionsverficherungsgeseße vermindern. Daher müssen diesen Ich habe den Mut, hier auszusprechen, daß die Zerrüttung vieler Ehen, die dann zur Scheidung mit sehr viel Häßlichkeiten gegeneinander führt, aus der Angst der Frau vor dieser Beschämung kommt. gea telegramm. M. des Kaisers und zogen wurden oder durch eigene Arbeit an uns selbst Sie hat das Gefühl, Mißachtung von der Deffent- Anspruchsberechtigten auch die zutreffendenfalls aus Königs. Den in Wilhelmshaven zur Wieder- in Laufe der Zeit geworden sind, nimmer mit lichkeit zu verdienen, weil sie verſchmäht und eine dem Titel der Einrechnung der nichtversicherten ſchensfeier versammelten tampferprobten ein- Borut teilen behaftet. Belegentlich hört man andere ihr vorgezogen wurde. Ich kenne vieler Dienstzeit zukommenden Rentenerhöhungen stigen Besazungen Meiner Schiffe" Göben" und wohl in Borträgen jagen, daß erft eine ganz neue elcher Fälle, wo in erwähnter Weise Menschen bühren. Eine weitere wichtige Frist läuft ebenBreslau" sende ich Meinen Gruß. Voll hoher Generation, die diese Vorurteile gar nicht erst tenAnerkennung gedente Ich der Kampfleistungen nenlernte, da sein muß, che unsere neue Gesell getrennt wurden, die wirklich gut zueinander paßten. falls mit 30. Juni d. J. ab, und zwar die wiederbeider Kreuzer. Ehre ihren für Kaiser und Reich schaftsordnung sich Bahn brechen kann. Ich bin immer war es das gleiche:„ Lieber sich zu Tode holt verlängerte Frist zur nachträglichen Beibringefallenen Helden. Der Durchbruch der„ Bres weniger steptiich. Ich glaube, daß uns die Erkennt egen, als der Eventualität einer Niederlage sich gung der Belege zu den Ansuchen um zuerkennung auszuießen." Immer war einer Hammer, der des Staatsbeitrages zur Pensionsversicherungsrente lau“ und„ Göben" ſei uns Vorbild für die Zunis, woher diese Problematik kommt, der Wille, uns andre Amboß. Es gilt, hiermit endlich aufzuräumen. für die Kriegsdienstzeit laut§ 176 PG. funft. Nur fühner Mut und Opferbereitschaft innerlich umguftellen, auch heilen fann. Bewundernd steht man oft vor der tapferen Leider ist trotz aller Bemühungen bisher eine endfann unserm Vaterlande den Weg in die Frei Wir Frauen müssen uns nur einmal wirklich Selbstverständlichkeit, mit der ein Heer von Frauen gültige Klärung der Frage der Anwendung dieser heit bahnen und alle Feffeln sprengen Diesen Mar machen, daß die Männer durch die äußerliche Entbehrungen jeder Art er- Bestimmungen auf die nichtmilitärischen KriegsGedanken der Jugend einzuhämmern sei neben Frauen zu dem gemacht werden, was trägt. dienstleistungen noch nicht erfolgt. Sollte dies bis der Pflege der Kameradschaft und der Erinnerung sie sind! Heute wie gestern sind es in den meiUm so mehr wünscht man oft, daß sie auch in 30. Juni d. J. noch nicht geschehen, dann müßte eine an die große Vergangenheit die Hauptaufgabe der sten Fällen die Mütter, die im Knaben den werden den hier geschilderten seelischen Nöten mit neuerliche Fristverlängerung erwirt: werben. Wiedersehensfeier! Vorwärts mit Gott für Ehr den Mann erziehen. Sie selbst sind es, die die gleicher Ueberlegenheit den rechten Weg zu einer Nähere Auskünfte erteilt bereitwillight der AllgeMänner zu jenem unheimlichen Dünkel erzogen Berständigung suchen würden. Haben die Partner meine Angestellten- Berband, Reichenberg, TurnerEr wird wieder lebendig, der Mann, der haben, der sie alle Arbeit außer der, nennen wir sich wiedergefunden, dann werden sie zu einer Ausstraße 27, bziv. dessen Geschäftsstellen in Karlsbad, nach dem durch seine Mißregierung und der sie furz: männliche Berufsarbeit", gleich Null ein geglichenheit tommen, die das Leben erst lebenswert Haus„ Stadt Berlin", Teplis- Schönau, EichwalderMilitärdiktatur verschuldeten Zusammenbruchschätzen lieg. landflüchtig wurde und sein Volf in der Stunde Heute muß aber vor allen Dingen erreicht wer- Die Gesamtheit derartig gestalteter Beziehungen der äußersten Not verließ. Die Regierung der den, daß die Arbeit, welcher Art sie auch immer zwischen Mann und Frau wird eine ungeheuere und Barone hat ihm und seinesgleichen wieder Hoffei, getan wird von dem, der gerade Zeit daunerschöpfliche Kraftquelle für unser Volt sein und ungen gemacht! Ifür hat. Das heißt, daß die berufstätige Frau, für unsere Jdec, und Wehr! Wilhelm J. R." und produktiv macht. straße 39; Bodenbach, Dresdnerstraße 886; Reichenberg, Schloßgasse 1; Trautenau, Neumarkt 18/1; Brünn, Spinnergaije 11: Mähr. Schönberg. Weißmarterstraße 3/1; Mähr. Ostrau, Straße des 28. Oftober 54. Cette 8. Donnerstag, 16. Juni 1932 PRAGER ZEITUNG. Die Prager Stadtgemeinde soll etwas für die Kleinkinder tun! Kunst und Wissen Maria Müller rb. denen sich sechs Länder beteiligten. In bezug auf Nr. 142 bie technische Höhe im Handball nahmen die Länder Auf zum Kindertag! Desterreich und Deutschland eine überragende Stellung ein; ihnen folgten die Schweiz und dann die Breslau fommen in der Der proletarische Kindertag, der aus der Deffentlichkeit. Ter Angeklagte anderen Länder. Bei Tennis waren sieben Länder, auch in Prag bereits eine erfreuliche Tradition bestritt die Schuld, die Kronzeugin, seine Frau, bei Faustball vier, bei Raffball drei Länder ver- hat, findet im ganzen Lande ant 18. und 19. machte von der gesetzlich eingeräumten Begünsti- treten. Diese Steigerung an der Teilnahme gegen uni statt. Wir wollen dieses schöne Fest Eine von vielen Müttern fragt durch uns an: gung Gebrauch und entschlug sich bei ber über dem Frankfurter Olympia 1925, an dem sich wiederum würdig begehen. Nachstehendes ProWann endlich werden Spielpläge oder Verhandlung der Aussage. Tie Geschwo- nur drei Länder in Handball und drei in Faustball gramm ist vorgesehen: Samstag ab 4 Uhr: Zeltbau und Lagerege auf dem Belvedere freigegeben werden, renen verneinten darauf die Schuldfragen und beteiligten, zeigt den gewaltigen Aufschwung der auf denen die Kinder unbehelligt und ohne Angst der Gerichtshof fällte auf Grund dieses Wahr- internationalen Handballspielbewegung in den letzten leben der„ Roten Falken"; abends: LiederJahren. Mit Ausnahme des Männer- Faust- und Unterhaltungsabend, zu dem alle gefühle vor übereifrigen Wächtern Ball spielen und spruches einen Freispruch. ballspieles, in dem der Aussiger Arbeiter Genossen und Genossinnen herzlichst eingeladen in gutem, hygienisch einwandfreiem Turn- und Sportverband sich den Olympia- find. Die Roten Falken nächtigen am Turnplatz. Sand spielen tönnen? Es gibt zwar sogenannte meisterschaftstitel holte, fielen alle OlympiaSpielpläße: einen unterhalb des Chotekparts, völlig Sonntag vormittags: Proben und Ballmeisterschaften Oesterreich zu. int Schatten und an der elettrischen Straßenbahn spiele, über Mittag: Ruhepause; nachmittags: ab halb 3 Uhr Kindertag mit Vorführungen der gelegen, einen zweiten in der prallen Sonne bein Internationale Arbeiter- Tenniswettkämpfe. Die Hanaupavillon, einen dritten bei den stinkenden bedeutungsvollsten internationalen Arbeiter- Tennis- Turnerkinder, Liedern, Tänzen und Spielen der Toiletten der Milchhalle gegenüber; alle überböl- fang am Dienstag im Nationaltheater die wettkämpfe die es Jahres Desterreich- Leip- Nest- und Roten Falken." Gratisjause für die Kinder. Ueberraschungen. fert ein Herd für Krankheiten, unsauber Butterfly. Das absolut Bedauerliche, daß ein Berlin zig und statt mit Sand in den Kästen mit Steinen be Versuch, in diesem Hause deutsch zu singen oder Beit vom 10. bis 17. Juli in den drei Städten Festplatz: Turnplatz der D. T. J. auf fät. Was tut die Stadtgemeinde Prag für die fingen zu lassen, zweifellos die nationalisty eur Durchführung. Die beste österreichische Spieler- dem Pohořelec. Kleinkinder, die in jeder Großstadt, wie Paris, Lon- Meute entfesseln wünde, wurde für die deutsche zur Durchführung. Die beste österreichische Spieler- dem Pohořelec. und Spielevinnenauswahlmannschaft der Turner- Bei schlechtem Wetter halten wir den don, Wien, Berlin, freie Wiesen- Rasen Sängerin, die sich also den anwesenden Tschechen Tennisspieler tritt gegen die Städtemannschaften an. Kindertag auf dem Sportplaz der Turflächen, saubern Sand und Plansch beden und Deutschen italienisch verständlich machen Holländisches Bundesschwimmfest. Der Nieder- ner auf der Sezinse I ab, wo uns der Turnin den Parkanlagen haben? Toch, Prag tut etwas mußte, kaum merklich zum Hemmnis im Gesang ländische Arbeitersportbund( NASB.) führt am 16. faal zur Verfügung steht. Eine Mitteilung darüber für die Kleinkinder, indem nämlich die Gemeinde lichen oder Tarſtellerischen; vielmehr ließ sich sound 17. Juli im herrlichen Zuiderparkbad zu Den bringen wir in der Samstag- Nummer des„ Soeinen Beamten anstellt, der Urheber von noch besser erkennen, daß Maria Müller wohl die a ag sein Bundesschwimmfest durch, für das große zialdemokrat". Wir ersuchen daher, diese Zeitung Angst neurofen wird, indem er die Kinder, die italienischeste unter den lyrisch dramatischen dent- Borbereitungen getroffen, werden. Die Wassersport aufmerksam zu lesen. verschüchtert verbotenerweise in den Anlagen spie schen Sängerinnen unserer Zeit ist. Die Kanfilene er des NASB. sind mit der aktivste Teil des len, durch seine Schimpfworte ängstigt, falls er ein ist vom tiefsten Gefühl getragen und von der vor: Bundes und in der Werbung unermüdlich. Dem Kind beim Spielen erwischt( das weder Weg noch nehmsten Belcanto- Kultur geadelt, Arjay, An- und Bundesschwimmfest sind dadurch erfolgreiche AusRasen dadurch irgendwie beschädigt). Das genügt Abschwellen des Tones, Legato und. Phrasierung sind aber dem Herrn noch nicht; sieht er nur Spielzeug beispielhaft; einzelne Stellen singt die Müller mit sichten auf außerordentlich große Beteiligung und auf der Erde liegen, das die verängstigten Kinder berückendem Wohlklang, der freilich so ganz nur im vorzügliche sportliche Darbietungen gegeben. Die zurüdlassen, um zur Mutter zu flüchten, falls sie Piano und Mezzavoce anhält, während die' ja ohne- erwarten. seiner ansichtig werden, so verbietet er das Mit- hin nicht große, zwar durchschlagende, aber nicht nehmen von Spielzeug in die Anlagen! echt dramatische Stimme im Forte an innerem Wert einbüßt. Doch nicht bestoweniger ergab sich, auch durch die Zusammenwirkung der ungemein sympathischen Persönlichkeit der Künstlerin auch als Darstellerin eine großartige Leistung. Und ganz ausgezeichnet hielt sich neben der Müller Kubla alls Linkerton; zunächst ein wenig unnobel in der Gesangsmanier und ohne besonderen stimmlichen Reiz, sang Kubla dann den letzten Aft mit solchem grandiosen tenoralen Stimmleuchten, wie es leider derzeit immer seltener an mitteleuropäischen Opernbühnen aufscheint. Uebrigens verfügt das Nationaltheater in Frau Krásova über eine schönstimmige Suzuki und in Kritava über einen vornehm singenden Sharpleß. Brzobohaty am Pult fand erst nach einem peinlich bewegten ersten Aft zu einer ruhig- schönen, vielleicht zu ruhigen Wiedergabe der Partitur. Wird nicht endlich Abhilfe geschaffen werden? Sind die Anlagen für die Menschen oder die Menschen für die Anlagen da? Was sollen wir Mütter tun? Unsere Kinder zur Umgehung der Verbote erziehen, sie heimlich auf den Wegen spielen lassen? Oder sollen wir gar, wie der Wächter sagte, unsere Kinder, isen" lassen, damit sie nicht in Versuchung kommen, in Freiheit umherzuspringen und auf den Wegen zu ipielen, bis, ja bis die Stadt sich zu ihrer würdigen Anlagen für Kleinkinder entschließt? men. " 2. G. Sonntag, 7 Uhr: Montag, halb 8 Uhr: Deutsche Schule in Prag XIII. Die deutschen Eltern in Wrschowiz und Umgebung ( Nusle, Michle, Pankraz, Straschnitz, Hostiwarsch, Zižkov) werden aufmerksam gemacht, daß der Deutsche Kulturverband in Prag XIII., Balackygasse 21, einen Kindergarten und eine Schule erhält; der Elternrat kann den Besuch Wochenspielplan des Neyen Deutschen Theaters, wärmstens empfehlen. Einschreibungen Donners- Donnerstag, halb 8 Uhr: Abschied Direttor Volt tag, Freitag und Samstag, den 23., 24. und ner, Gastspiel Alexander Moissi: Samt I e t". 25. Juni 1. J. von 8 bis 12 Uhr im Schulge Freitag, halb 8 Uhr: Frau Warrens bäude; in die erste Klasse und in den Kinder- Gewerbe"( 201-1). Samstag, balb 8 Uhr: garten werden die Kinder schon jetzt aufgenom- taiferin"( 202-11). Carmen"( 203- III). Sonderausflugszüge. Die Staatsbahndirektion à met"( 204- IV). Brag- Süd veranstaltet Sonntag einen Sonderaus Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donners flugszug mit unbekanntem Ziel zum Preise von tag, halb 8 Uhr: Morgen gehts uns gut 60 K. Abfahrt 6 Uhr Wilsonbahnhof. Ankunft( Ab.). Freitag, halb 8 Uhr: Morgen gehts 21 Uhr. Vom 25. bis 30. Juni wird ein Son uns gu"( Ab.). Samstag, 8 Uhr: IIe derausfingszug nach Luhatschowitz und den Wege führen zur Liebe"( Ab.). Sonnslowakischen Bädern Trenčiansté Teplice, Kremnice, tag, 8 Uhr: Roulette"( b.). Montag, halb Sliač, Banska Bystrica, Zvolen usw. zum Preise 8 Uhr: Morgen gehts uns gu t"( Ab.). bon 254 K abgefertigt. Vom 9. bis 18. Juli wind ein Sonderzug nach Karpathorußland zum Preise von 323 K veranstaltet, wobei Harlany, Čop, Bolovec besucht werden; von dort Ausflüge in die Umgebung, Afna, Slatina, Rahovo, Jasina " . Sport Sport- Spiel # Körperpflege and Užhorod. Anmeldungen nimmt Kassa Nr. 13, Die Handballspiele im Arbeitersport. Wilsonbahnhof, entgegen. Gerichtssaal Stiefvater und Stieftochter. Freispruch von der Anflage tegen Notzucht und Schändung. Prag, 15. Juni. Vor dem hiesigen Schwur gericht hatte sich der 37jährige Chauffeur K. aus Prag wegen einer Anklage zu rerantworten, die ihm das Verbrechen der Notzucht und Schändung, begangen an seiner noch nicht 14 Jahre alten Stieftochter, gur Last legte. Der Angeflogte bat vor einigen Jahren eine Witwe geheiratet. die aus erster Ehe ein Mädchen mitbrachte, das von dem Angeklagten adoptiert wurde Als das Mädchen ins Pubertätsalter trat, bekamen Teilnahme reichedeutscher Arbeiterschwimmer ist zu Vom deutschen Motorbootsport. Die jüngste Gruppe der Wasserfahrerbewegung im ArbeiterTurn- und Sportbund E. V. Deutschlands, die Motorbootfahrergruppe, hat im vergangenen Jahre einen sehr guten Aufstieg zu verzeichnen. Die Zahl der Motorboote konnte im Jahre 1931 von 86 auf 219 erhöht werden. Dies entspricht einer Steigerung von 166 Prozent. Dieser Aufschwung ist um so beachtlicher, als zur Anschaffung und Unterhaltung der Motorboote große finanzielle Opfer der Mitglieder erforderlich sind. Der Film Mit Büchse und Lasso durch Afrika. Nicht jeder Film, der Tiere zeigt und ihre Sitten wie auch Gebräuche in den Augenblicken, da der Operateuv für sein Publikum und seine Arbeitgeber Tropenleben erhaschen will, ist deshalb schon Bestandteil wahrer Kultur. Ich bin der Ansicht, daß der Direk tor des Berliner 300 nicht viel Ruhm davon haben; wird, wenn er haarklein zeigt, wie menschlich zart und milde diese jungen Giraffen, Nashörner, Gnus nach Sinmordung ihrer Alten für europäische Schauzwede gefangen werden. Auch merkt man any diesem Film immer wieder, vor allem in ben Szenen der Eingeborenentänge und Friseurkünste, wie der Kameramann sein ,, Bitte recht freundlich" in dem gevade notwendigen Idiom von sich gegeben hat. Immerhin gibt auch dieser Film photogra phisch, wenn auch nichts außergewöhnliches, so doch recht gutes, die Kongoaufnahmen vom flapprigen daufeldampfer bleiben immer mit so viel unterbrückter Sehnsucht nach Fernem verbunden, daß der Europäer mit Begeisterung diese Filme hinnimmt, die sich natürlich wohlweislich hüten, den nodten und bestialischen Kolonialfapitalismus der weißen Kapitalistenrasse zu enthüllen. Für uns sind die Hütten der Eingeborenen neben dem Luxus der Weizen eben naturgegeben und nicht mehr zu Aus dem Bericht des Internationalen Fach- ändern. Der Film ist zusammengestellt nach dem ausschusses für Handballspiele in der Sozialistischen alten Wort: ,, renn gute Reden sie begleiten, dann Arbeiter- Sportinternationale für 1931 entnehmen fließt die Arbeit munter fort". Ich habe aus eigener Wahrnehmung nicht die Möglichkeit festzuwir folgende Feststellungen: Das bedeutendste Ereignis der internationalen stellen, ob die Befehle des Expeditionsleiters an Handballspielbewegung des venflossenen Jahres die eingeborenen Trägeritaven im richtigen Dialekty waren die Spiele um die Olympiameisterschaften und verständlich erfolgen: eines steht nur fest, daß anläßlich des 2. Olympia in Wien. Im Mittel- nämlich in diesem Film das Afrikanische( sozusagen) punkt des Interesses standen die Handballspiele, an und das Kerlinerische ziemlich tonverwandt sein Das Geheimnis der Meistergeigen. Mit Freundschaft" die proletarischen Organisationen Prags: Bezirksorganisation der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Arbeiterverein Kinderfreunde. Arbeiter- Turn- und Sportvereik. Sozialistische Jugend, Prag. zu scheinen. Bei der glänzenden Technik der Nachinchronisierung fann man nicht mehr genau fest stellen, welche Gesänge Original und welche Kopie sind; es wäre einmal gut, die Begleitmusit noch mehr zu beschränken und die tropische Landschaft nicht mit europäischer romantischer Musik zu untermalen. Sehr originell ist eine Szene, da man Regern mit Grammophon eine italienische Tenorarie bietet, die schallenden Heiterfeitserfolg hat; das Maß der Dinge ist eben nicht gleich. W. Lg. ' n das Heim des Пlaffenbewußten Arbeiters gehört d. Zentralorgan. der Deutschen sozialdemokr. Arbeiterpartei „ Sozialdemokrat Saben in Ihrer Gemeinde schon alle Funktionäre ihr fommunalpolitisches Blatt ? In vielen Gemeinden wurde schon be... schlossen, allen Gemeindefunktionären, ohne Unterschied der Partei, ein tommunalpolitisches Organ nach freier Wahl des betreffenden Funktionärs, auf Gemeindekosten zuzustellen. Ein derartiger Beschluß ist zweifellos sehr wichtig, weil es eine Aufgabe der tommunalen Verwaltung ist, für die Schulung der tätigen Gemeindefunttionäre zu sorgen und ihnen wenigstens einen fleinen Teil der zu ihrer ständigen Information nötigen Behelfe zur Verfügung zu stellen. Genossen! Wenn in eurer Gemeinde ein derartiger Beschluß noch nicht besteht, so stellt einen diesbezüglichen Antrag! Jedem fozialdemokrat. Gemeindefunktionär fein Blatt ,,, Die Freie Gemeinde". I jein heute herstellt, stehen an Wohlklang den Aber keineswegs ist es immer böser Wille, alten fostbaren Geigen nicht mehr nach. Diese wenn eine Geige als echte Stradivarius ausgeerwiesene Tatsache hindert nicht, daß noch geben wird. Oft ist so ein Instrument seit Geimmer Riesensummen für eine echte Stradivari nerationen in einer Familie, wird gehegt und gezahlt werden. gepflegt, bis vielleicht die Not den Schaß zu ver Die Fälscher alter Meistergeigen gehen oft äußern zwingt und erst dann stellt sich zur gröksehr raffiniert, nicht selten aber auch gänzlich ten Enttäuschung der Beteiligten heraus, daß forglos zu Werke, so daß der Sachverständige, man wohl eine schöne Geige mit einem töstfaum daß man ihm das Instrument vorgelegt lichen Ton hat, daß es aber teine Stradivarius hat, die Fälschung erkennt. Die Fälscher wissen, ist also an Riesensummen beim Verkauf Unsummen für echte ,, Stradivari". Fälscher alter Geigen. die Bedeutung des Lads. Der Wert fostbarer alter Instrumente hat die Beziehungen zu ihrem Stiefvater eine andere immer wieder Fälscher dazu verführt, oft absoFärbung, worunter naturgemäß das bis dabin lut wertlose Geigen als echte Meistergeigen aus daß Stradivari die von ihm verfertigten Geigen nicht gedacht werden kann. friedliche Gheleben der beider Gatten eine arge zugeben. Große Summen sind schon für eine mit einem Namenszug zu versehen pflegte. Die- Wie baute Stradivarius seine berühmten Störung erlitt. Geige bezahlt worden, die dann der Sachver- sen Namenszug befestigte er auf einem Zettel Geigen? Sie waren sehr eratte Kunstwerke, diese Es tam zu Szenen und heftigen Auftritten, ständige auf den ersten Blid als grobe Fälschung unter dem linken F- Loch im Innern der Geige. Geigen. Der Meister hat sich bis zu seinem 50. mobei der Angeklagte seine Gattin mißhandelte erkannt hat. Vor allem wird mit dem Namen Dort heftet auch der Fälscher diesen Zettel an. Jahr lediglich mit Konstruktionen beschäftigt, bis und in gefährlicher Weise bedrohte, so daß diese Stradivari des größten italienischen Geigen- Die Raffinierten unter den Fälschern schreiben er die richtige Formel gefunden hatte. Erst in schließlich Anzeige erstattete. Die von Staatsanwalt bauers, Unfug getrieben. Gerade die Stradi- den Namenszug Stradivaris und die Jahreszahl der zweiten Hälfte seines Lebens, da er mehr Dr. Stibrad vertretene Anklage leat dem An- vari- Geigen haben aber auch wahrhaft märchen- mit einer abgenutzten Handdruckmaschine, deren als 90 Jahre alt geworden ist, kann man so geklagten zur Last, mit seiner minderjährigen Stief hafte Preise erzielt. Eines dieser Instrumente Typen bereits die Buchstaben nicht mehr in sagen, hat er wirklich Geigen fertiggestellt. tochter in verbotene Beziehungen geiteten zu sein, ist mit 2.5 Millionen Mark bezahlt worden. gerade Linie aufs Papier bringen. Sie wissen, Neben den mathematisch genau berechneten Auswodurch er sich im Sinne des Strafgesetzes des Ver- Das Geheimnis dieser altitalienischen Gei- daß auch des Stradivaris Handdruckmaschine, die maßen spielte wie schon erwähnt der Lack, mit brechens der Notzucht und der Schändung gen des Stradivari mit dem wundervollen er durch all die Jahre seines Wirkens benutzte, dem das Instrument überzogen wurde, eine bedeutende, schuldig gemacht habe. Nach den Bestimmungen des Klang, von dem man noch heute meistens nicht mehr ganz eraft arbeitete. Auf diese Weise bei jeder anderen Geige auch Gesetzes spielt die eventuelle 3ustimmung des glaubt, daß er unnachahmlich ist, ist aber nach hoffen sie die Fälschung noch glaubhafter zu den Wohlflang beeinflussende Rolle. Der Sach minderjährigen Mädchens keine Rolle, vielmehr den Behauptungen Sachverständiger absolut ge- machen. Aber nicht immer kalkulieren sie richtig. verständige erkennt die echte Stradivari außer straft das Gesetzbuch jede derartige Handlung, unge löst. Es ist gar kein Geheimnis mehr, eine Wenn sie nämlich die Jahreszahl allzu früh an anderen Merkmalen auch am Lack, denn der achtet dessen, ob sie von der Betreffenden geduldet folche Geige zu bauen. Eine große Rolle spielt wählen, so weiß der erfahrene Instrumenten- Lack ist vollkommen ins Holz eingedrungen.und oder selbst veranlaßt wurde, ebenso, wie die für den Wohlflang der Lad. Auch hinter das fenner sehr wohl, daß die Handdruckmaschine nicht abzuwaschen. Noch heute, nach mehr als gewalttätige Ergwingung des Geschlechtsverkehres Geheimnis des Lacks, den Stradivari für seine von Stradivarius zu diesem Zeitpunkt diese 200 Jahren wird der Back durch die Körpermit einer erwachsenen Frau. Instrumente verwendet hat, ist man gekommen. Alterserscheinung noch nicht aufwies und die wärme des Spielenden jedesmal wieder weich. Die von OGR. Kvapil geleitete Verhand- Die Geigen. die ein witlicher Künstler unter unregelmäßig tanzenden Buchstaben verraten Jung vollzog sich selbstverständlich unter Aus den Geigenbauern- das allerdings muß er sogleich die Fälschung. F Herexsgeber: Siegfrieb asb. Ebefzebettet: Wilhelm Rieker. Berantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß, Brag. Drud: Rota.-. für Beitung und Buchdrud, Brag. Für den Drud verantwortlich: Otts Solit, Brag. Die Beitungsmartenfrantatur wurde von der Boft.. Telegraphendirektion mit Erlag: 13.800/ VII/ 1930 bewilligt Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich Ke 16.-, vierteljährlich Kö 48.babiabria Kö 96,-, gangjährig Ka 192,-, Jajerate werden laut Tarif billigt berechnet, Bet älteren Einschaltungen Breisnaglaż, Rüdstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmari wie