Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. « daiiion u. Dtrwaliunn: Draa H,9ttfAianta ia* XtltsO.i M793, 31409, Wafttrrtott.vi« von ausländischer Seite gelegentlich unterstellt werde, um einen Streit um die Formulierung der Poli- tifdjen Effektivpunkte, sondern um deren prinzipielle Ablehnung. ES bleibe also lm Augenblick nur die Möglichkeit einer Lösung deS eigentlichen Reparationsproblems im engeren Rahmen. In dieser Beziehung seien eine Reihe von Schwierigkeiten noch zu überwinden, die sich auf die Bedingungen für den vorgesehenen Plan, aus die Ztsfernsragc, auf die Ver- fallssristen für uichtbcgebene Bons, auf die Verpflichtungen bezüglich anderer deutscher Aus- landsanleihen, auf den Ansgabckurs usw. beziehen. Di« deutschen Bemühungen, einen weiteren Rahmen der Konferenz sicherzustellen, seien im Angenblicke als gescheitert anzusehen, obwohl die Reinigung der politischen Atmosphäre als eine Voraussetzung für den Ersolg smanziellcr Regelungen auch von den Baseler Sachverständigen und von Macdonald unterstricken worden ist. Die Bcmiihuugen, die Konferenz dennoch zu einem, wenn auch vielleicht zunächst erheblich beschränkten Ziel zu führen, werden fortgesetzt. Tie äußeren Bedingungen hiefür sind im Augenblicke no chnicht festgestellt. ZahlmtgsaMchnb für die Lstreparationen. Einsetzung eine« Sonderausschusses zur endgültigen Regelung. Lausanne, 7. Juli. Die Frage der Ostreparationen wird vorläufig durch die gestrige Sitzung der Vertreter Griechenlands, Bulgariens, Ungarns und der Staaten der Kleinen Entente, aus welcher eine Erklärung ü be r die O st- reparationen ausgearbeitet Und heut« von den Vertretern der genannten Staaten unterzeichnet wurde, als erledigt betrachtet. Diese Er- klärnng wird der Plenarsitzung der Reparationskonferenz von Lausanne vorgelegt werden. Sie enthält vor allem ein Abkommen der Staaten, die sie unterzeichnet haben, einen Sonderausschuß zu ernennen, der sich mit der endgültigen Regelung der sogenannten nichtdeutschen Reparationen(Fonds A und B) zu beschäftigen hätte. Ort und Datum der Tagung dieses Ausschusses wird noch später festgesetzt werden. Es ist wahrscheinlich, daß der Ausschuß am Ort der Tagung der Weltwirt- Keine Waffenübungen in Frankreich. Paris, 7. Juli. Der Finanzausschuß der Deputievtenkammer hat heute zu den Finauzvor- lagen der Regierung einen Zusatz angeuomnien, daß alle Waffenübungen für die Dauer eines JatzrsA g^Mo.beg- werden. schaftskonscrenz zusammentreten wird, und zwar noch vor deren Eröffnung, spätestens vor dem 15. Tezember. In ihrer Erklärung schlagen die genannten Staaten der Konferenz vor, enteilt A ufschub aller Zahlungen zuzustimmen, die aus den-Haager und Pariser Vereinbarungen bis zum 15. Dezember resultieren. Tas wurde bedeuten, daß auch die Tschechoslowakei bis zum 15. Dezember keine Zahlungen auf den söge- nannten Befreiungsbeitrag leisten wird. Außer mit dem Befreiungsbeitrag wird sich der Ausschuß auch mit den bulgarischen und den ungarischen Reparationen, dem Fonds A über di« Bodenreform und dem Fonds B, der sich auf die verbleibenden Stritte zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Ru- inänien bezieht, beschäftigen. Senat gegen Frauenwahirecht. Paris, 7. Juli. Der Senat fyat heute die Debatte über die Frage des FrauemvahlrochteS beendet und sich mit 253 gegen 40 Stimmen dagegen ausgesprochen, daß der vorgelegte Antrag dringlich behandelt werde. Der Antrag wurde einfach dem zuständigen Ausschuß zurückgestellt. Patrioten. Nicht oft ist es der Oeffentlichkeit gegöiuu, einen Blick hinter die Kulissen der bürgerlichen Presse zu niachen. Eü ist leider noch immer jo, daß die große Mehrheit der Bevölkerung— und daü gilt von allen Nationen— buchstabengläubig ist, daß sie ans das gedruckte Wort schwärte und da sie nur bür-,,, gerliche Zeitungen liest, diese vielfach sogar ihre einzige geistige Nahrung ist, steht sie ganz unter ihrem Einflüsse, sieht alles Geschehen unter den ihr dort vorgezeichneten Gesichtspunkten und bezieht ausschließlich aus dieser Quelle auch ihre Weltanschauung, obwohl diese ihren wahren und wirklichen Klasseninteressen oft diametral entgegenstehl. So ist denn der Zustand so, daß in allen Ländern Millionen Menschen völlig im geistigen Banne dieser Zeitungen stehen, daß diese ihre Gehirne verbilden und umnebeln, sie mit dem Gift des Nationalismus in der Seele verseuchen und dahin bringt, bei allen Wahlentschei- dungen nicht die Vertreter ihrer Sache, sondern Vertreter von ihnen und ihrer Interessen feindlichen Parteien zu wählen. Und was sind nun diese Zeitungen, wer steht hinter ihnen und wessen Geschäfte besorgen sie? Sie sind nichts anderes als Erwerbsunternehmungen, nichts anderes als Fabriken, die Strümpfe oder Maschinen verfertigen, nur mit dem Unterschied, daß sie nicht greifbare Ware, sondern„öffentliche Meinung" erzeugen; die Interessen, die sie vertreten, sind jene der Besitzenden und wer hinter ihnen steht, das ist eine Handvoll Menschen, die Besitzer der Aktien der betreffenden Zeitung, oft sogar nur ein einzelner Eigentümer. Diese paar Menschen nun sind es, welche die„geistigen" Führer der Mehrheit der einzelnen Nationen sind, sie am geistige» und politischen Gängelbande führen und mit dem ihnen von der großen Masse beigesteuerten Gelde die Interessen einer kleinen Minderheit verfolgen, gegen das Wohl der Gesamtheit. Es ist nun höchst zeitgemäß, daß das „Prüvo lidu" gerade jetzt, da der Nativnalis- mnü, von der tschechisch-chauvinistischen Presse aufgestachelt, bis zum Paroxysmus gesteigert ist, den Vorhang von der Werkstatt einer jener Zeitungen wegzieht, die sich an der nationalen Verhetzung, aber auch an der Hetze gegen die Arbeitslosen und die soziale Fürsorge überhaupt nicht genug tun können. Es ist die „N ü r o d n i Politik a", ein nativnaldemo- kratisches Blatt, berüchtigt ebenso durch seine fortgesetzte Spekulation auf die niedrigsten nationalistischen Instinkte der Straße wie auch durch seiue Pflege von Inseraten der in Prag immer zahlreicher werdenden Massage- Salons, von denen viele nichts anderes sind als Bordelle, cs ist also die sich als Ruferin und Führerin im nationalen Kampfe aufspielende„Ntirodni Politika", die durch die Enthüllungen des„Prüvo lidu" im bengalischen Lichte in ihrer wahren Gestalt gezeigt wird. Es ist bei dieser weil verbreiteten Zeitung nicht anders wie bei den deutschen bürgerlichen Preßerzengnissen, die über Riesenauf- lagcn verfügen: die Vernebelung der Köpfe der Leser, die Vertretung nationaler„Belange" lohnt sich, lohnt sich vorzüglich für— die Aktieninhaber, bringt ihnen goldenen Segen in reicher Fülle. Das„Prüvo lidu" erzählt darüber: Der gewesene Oberdirektm Brichta, der als größter Aktionär ans seinen 70 Aktien eine Dividende von 210.000 Kronen, für den Besuch der Sitzungen des Verwaltungsrates 8000 Kronen, als Vorsitzender des Verwaltungsrates 84.000 Kronen,' also jährlich über 300.000 Kronen bezieht, hat sich überdies seine Pension auf 180.000 Kronen jährlich erhöhen lassen. Auch der Oberdirektor Dr. Slavik, der außer Dividenden als Mil glied des BerwaltungsratcS 42.000 Kronen, für den Besuch der VerwaltutigsM-Zjtzungen Seite 9 Freitag, 8. Juli 19SS Nr. 16» weitere 8000 Kronen bekommt, ließ sich seinen Jahresgehalt auf 120.000 Kronen erhöhen. Wie gut sich die Massage-Inserate und die nationalistische Hetze bezahlt machen, ist aus den horrenden Dividenden, die ausgezahlt tver- den, zu ersehen. Der ursprüngliche Anteil be- trug 800 Kronen. Dieser Anteil wnrde seinerzeit ans ztvei Anteile vermehrt, ohne daß die Aktionäre eine Anfzahlung hätten leisten müssen.«päter erfolgte eine Bermehrung der An teile ans vier, dann auf acht und schließlich auf sechzehn Anteile, für die alle zusammen der Aktionär nur 800 Kronen bezahlt hatte und für diese 500 Kronen, das ist also für die ihm dasiir zustehenden 18 Aktien sarkt er, ohne einen Finger rühren zu müssen, jährlich 48.000 Kronen an Dividende ein! Natürlich ist die„Nürodni Politika" hochpatriotisch, sie pslegt mit Borliebe über die deutsche Bevölkerung wegen ihres mangelnden patriotischen Eifers zu Gericht zu sitzen. Dabei betätigt sic ihre Liebe zum Staate wie folgt: Im Jahre 1929 betrug der Gewinn des Berlages nahezu 9 Millionen, von welchem Betrag die Erwerbsteuer zu zahlen gewesen wäre. Um diese herabzudrücken, wurden so viel Abschreibungen am Inventar und an den Borräten gemacht, daß der Reingewinn dem Scheine nach auf die Hälfte herabsank und damit auch die Slcuerverpflichtnng. Bei der Vermögenssteuer faticrtcn die Herren ihre Anteile mit nur je 21.000 Kronen pro Aktie, obwohl sic untereinander diese Anteile mit 60.000 bis 70.000.Kronen kaufen und verkaufen und bei der großen Zahl dieser Anteile kann man sich vorstcllen, nm welche Niesenbetrage der Staat von diesen seinen Irenen Hütern gebracht wurde Wenig erfreut waren sie daher, als eine staatliche Revision die Richtigkeit der Fatierung der Bermögenssteuer überprüfen sollte; die doppelt geeichten patriotischen Herren intervenierten sofort beim Finanzministcr und dieser berief daraufhin die Revision gehorsamst ab. Fürsorglich wie die Herren sich gegenüber sind, sorgten sie anch dafür, daß ihre Erben einmal keine zu hohe Erbschaftssteuer werden zahlen müssen und mehrere von ihnen, darunter der Vorsitzende des Verlages Brichta und Senator Fäöek ließen darum rechtzeitig einen größeren Teil ihrer Anteile ans ihre Kinder und Frauen überschreiben. Dieser Herr Senator FüLek ist, so nebenbei bemerkt, Borsitzender-Stellvertre- ter des Berwaltungsrates und bezieht neben seinen Diäten als Senator den Gehalt eines hohen Beamten beim Landesausschuß, dann als Berwaltungsrat der„Nürodni Politika" jährlich 81.000 Kronen und für den Besuch der Sitzungen des Berwaltungsrates jährlich 16.000 Kronen. Im Verlage der„Nürodui Politika" sind natürlich auch Redakteure und Verwaltungsbeamte angcstcllt. Wie diese» gegenüber verfahren wird, erhellt aus der Tatsache, daß der frühere uitd arbeitönnsähig gewordene Redakteur Meisner und der Kassier Ru/.iöka in einem A r m e n h a u s in Böhmisch-Budwcis untergebracht wurden, damit ihnen keine ordentliche Pension gezahlt zu werden braucht. Tann gibt eS eine Anzahl von Witwen und Waisen früherer langjähriger Angestellter des noblen Verlages, deren„Versorgung" darin besteht, daß sic Beträge von 100 bis 200 Kronen monatlich erhalten. Den überalterten Beanttcit, dir eine Pension beziehen und die tneist so gering ist, daß sie von ihr nicht lebeit können, wird die Gchaltsvorrückung, die ihnen nach der Dienstordnung zusteht, Vcrtveigert. Wir glauben, daß das Vorstehende genügt, um Patriotismus und Menschlichkeit dieser nationalen Schildträger zu zeigen und zu erkennen, wie ertragsreich die kommerzielle Fruktifizierung der nationalistischen Hetze ist. Man wird darnach auch die Berechtigung dieser Kreise ermessen können, den Staat anzuklagen, daß er für die armen Arbeitslose!« zu viel Fürsorge entwickle. Wie das Wort der deutschen Adelsregierung von' der„Wohlfahrtsanstalt", die der Staat für die Armen nicht sein dürfe, beweist, besteht zwischen den Vertretern der besitzenden Klassen keinerlei Unterschied in sozialer(Gesinnung, sic alle, ivelcher Nation sic auch angchörcn mögen, sind einander anch gleich darin,"Äs'der Politik die sie mit Butter versorgende Kuh zu sehen. Moratorium tllr Landwirte iu Ungarn. Budapest, 7. Juli.(MTJ.) Der 33-Landes- Ausschuß hat in seiner heutigen Sitzung die Moratorium«verordn» na für die Landwirtschaft angenommen. Zweck der Berard» nung ist, zugunsten der landwirtschaftlichen Schuldner eine Schonzeit zu sichern, während welcher ihr Grundbesitz nicht im Wege der Zwangsversteigerung veräußert werden kann. Um jedoch dir DeckungSbasis der Gläubiger unver» ehr! zu wahren, gestattet die Verordnung, daß >cr die Begünstigung in Anspruch nehmende Schuldner— auf Antrag des Gläubigers— als Sequestrrkurator seines Besitzes betrachtet wird, der nach dem 31. Oktober dem Gericht Rechnung abzulegen hat. die Anbringung eines roten Lichtes auf der Hinterseite der Fahrzeuge vorgeschrieben, ebenso R e g c n w i s ch e r für die Glasscheibe vor deni Chauffeur, bcziehungSivcise gleichwertige Einrichtungen. Endlich wird vorgeschrieben, daß in sedeni Motorfahrzeug während der Fahrt in einer undurchlässigen Umhüllung Verbands st off und Desinfektionsmittel für die erste Hilfe mit» geführt werden müssen. Der zweite Teil regelt die Bezeichnung der Motorfahrzeuge. Die Motorfahrzeuge auS Böhmen(mit Ausnahme Prag-) erhalten den Buchlaben 0, die mährisch-schlesischen Fahrzeuge bl, >ie Slowakei 8 und Karpathorußland R, während die Prager Fahrzeuge den Buchstaben? erhallen. Die bisherigen römischen Ziffern entfallen, an ihrer .stelle werden höchstens fünfstellige arabische Zahlen eingesührt. Die Tausender werden dabei durch einen Punkt abgetrennt. Die Farbe der' Kennzeichen wird umgekehrt sei» als bisher, nämlich weiß auf schwarzem Grund mit einer weißen Umrahmung. Im dritten Teil werde» Bestimmungen über die Fahrt aus öffentlichen Wegen getroffen. Die Maximalgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften wird auf 8» Kilometer erhöht. Außerhalb geschlossener Ortschaften gellen Maximalgeschwindigkeilen nur für Laslautomobite nnd Autobusse, und zwar 60 Kilometer pro Stunde., Für die übrigen Fahrzeuge gilt lediglich die allg> meine Vorschrift, daß der Fahrer nur so schnell -fahren darf, daß er Herr dieser Geschwindigkeit bleibt und daS Fahrzeug so in der Hand behalt, daß die Sicherheit des Lebens und der Eigentums nicht bedroht ist. Für bestimmte Stellen ist eine Her- a b s e tz u n g der Geschwindigkeit-vorgeschriebe», so bei unübersichtlichen Kreuzungen, in der Nähe von Schulen nsw. Betrunkenen Personen wird var Lenken von Motorfahrzeugen streng verboten,' auch das Rauchen während der Fahrt ist nicht gestattet. In Autvbunen darf auch das Publikum nicht rauchen. Weitere Dorschristen betressen die Beleuchtung des Fahrzeuges und des Weges vor Ihm in der Dunkelheit. Tie Beförderung von Personen mit Lastautomobilen wird verboten, Vorschriften gegen die Uebersüllung von Personenautos nnd Autobussen sowie darüber erlassen, wie Lasten, anlos beladen werden sollen. Das Mitführen von Kindern bis zu zehn Jähren im Beiwagen eines Motorrades wird verboten. Diese Vorschriften über die Fahrt erlang?« 14 Tage nach Verkündung dieser Verordnung Geltung: für die Aenderung der Fahrzeuge im Sinuc der neuen Bestinimungen ist eine Frist von fünf Monaten vorgesehen. Die Umhe. zeichnung der Fahrzeuge führen die Bezirks- und staatlichen Polizeiämter ebenfalls innerhalb der Frist von sünf Monaten durch. Der Text der Verordnung wurde in der Sammlung der Ge- setze und Verordnungen vom 4. Juli dieses Jahres veröffentlicht. Volkssport-Prozeß neuerlich vertagt. Reue Eingabe um Delegierung einer auswiirtigen Gerichts. Prag, 7. Juli. Heute morgens sollte vor dein hiesigen Kreisgcricht der nielbeachtete Prozeß gegen die nach§ 2 des Schutzgesetzes angeklagten Funktionäre des hakenkrenzlerischen „Verbandes Volkssport" eröffnet werden, dessen Dauer man auf mindestens 14 Tage veranschlagte. Um halb 9 Uhr erschien der Gerichtshos in dem zu diesem Verfahren auSerseheucn S ch w n r« g e r i ch I s s a a l. Die sieden Angeklagten, von denen noch fünf in U ntersuehungs- h a f t sind(feit A p ril d. I.) versammelten sich auf den Anklagebanken. Die Verteidigung war nur teilweise vertreten. Ter Vorsitzende LGR. Mr»zel richtete einige Belehrungen sprachenrechtlicher Natur an die Angeklagten. Anch hatte man einen Gcrichtsdolmetsch aufgeboten, obwohl man mit Recht bezweifeln kann, daß dieser dem vorzüglich deutschsprechenden Vorsitzenden etwas zu verdolmetschen braucht. Eine„staatserhaltende" und patriotische Geste, die zwar den Wortlaut de» Sprachengesetzes pünktlichst befolgt, aber der Staatskasse immerhin etwas kosten toird! Ter Verteidiger Dr. Britani beziffert die Summe mit 80.000 X! Es kam nicht zur Verlesung der Anklageschrift. Man erfuhr, daß daS Oberste Gericht die Eingabe der Verteidigung um Delegierung eines auswärtigen Gerichtes auS dem formellen Grund abgelehnt hatte, weil da- zu delegierende Gericht nicht näher bezeichnet war. Deshalb wurde ein neues Ansuchen eingebracht, welches da- Kreisgericht Brünn oder ein andere- KreiSgericht außerhalb der böhmischen Grenzen nominierte. (Für das Land Böhmen ist vie Delegierung eines auswärtigen Gerichtes bereits durch die Entscheidung des Prager Obergerichtes rechtskräftig ablehnend entschieden.) Mit dieser neuen Eingabe ist die Sgche der Reue Bestimmungen für Motor« sahrzeuge. Im Ministerrat vom 30. Juni wurde die Regierungsverordnung genehmigt, welche die bisher geltenden Vorschriften über die Fahrt mit Motorfahrzeugen teilweise abändert und ergänzt. ES handelt sich um eine provisorische Vorschrift, welche bis zur Erlassung eines neuen einheitlichen Automobilgesetzes, längstens aber bis 30. Juni 1934 die ärgsten Mängel nnd Lücken der bisherigen Vorschriften beseitigen soll. Tie Regierungsverordnung besteht auS drei Hauplteilen. von denen der eckste von der Konstruktion und der Ausrüstung der Motorfahrzeuge handelt. Die Vorschriften der Pariser Jurisdiktion des Prager Kreisgerichtes entzogen und das Ober st e Gericht wird neuerdings über den Antrag zu entscheiden haben. Außerdem liegen noch umfangreiche Beweisanträge der Verteidigung vor, über die gleichfalls noch zu entscheiden ist. So verkündete der Vorsitzende den Vertagung-beschluß nnd die mit großer Spannung erwartete Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. WaS die Anklage betrifft, dreht sich diese, wie aus§ 2 des Schutzgesetzes hervorgeht, wohl um die Beschuldigung, daß die Angeklagten sich zu„Anschlägen gegen die Republik zusammengetan, zu diesem Zwecke mit ausländischen Elementen in Verbindung getreten nnd zu dem gleichen Zweck Organisationen militärischer Art anfgerichtet hätten. Soweit das gesammelte und von hiesigen Blättern veröffentlichte P o l i z e i m a t c r i a l einen Ueberblick erlaubt, wird eine Reihe belastender Tatsachen angeführt, wobei sich freilich die Belveise allem Anscheine nach niehr auf Folgerungen stützen, alü auf konkretes Material gegen die Angeklagten selbst. Nach den erwähnten Publikationen scheint es, daß die Vorgefundenen, im üblichen H i t l e r st i l abge» faßtcn, zum Teil geradezu irrsinnig anmntenden Großsprechereien der hakenkreuzlerischen Flugblätter, Broschüren und Bücher dem Staatsanwalt die Haupttrümpfe in die Hand gespielt haben. Die Leidtragenden sind jedenfalls Die fünf noch in Haft befindlichen An» geklagten, die seit nun««ehr fast vier Monaten sich in der Gesellschaft von Taschendieben, Betrügern und anderen Berufsverbrechern in der Haft des Pan kratz er G e» sängnisseS aufhalten müssen. Konvention vom Äähr« IVSü, die international die Fahrt mit Motorfahrzeugen aus einem Vertrags- slaat in den anderen regelt, werden durch die ueuc Verordnung mit einigen Ergänzungen auch aus die Fahrt innerhalb der Staatsgrenze ausgedehnt. So wird der freie Auspuff verboten; cs muß au jedem Auspuff ein Schalldämpfer angebracht werden. Ferner werden lediglich Gummireifen für die Bereifung zugelasien(niit Ausnahme von landwirtschaftlichen Traktoren und Pflügen mit cinei • geringercu Geschwindigkeit als 12 lem). Bezüglich der Bremsen werden ebenfalls ueuc Vorschriften erlassen. Für Lastfahrzeuge und geschlossene Personenwagen wird der sogenannte Rückspiegel vorgcschrieben. Neu geregelt werden die Vorschriften über die Beleuchtung; es wird namentlich auch jüngere Stenotypistin von der Fortbildungsschule,- testen, angenehm duftenden Herrn v. Killar für eine gehobene Stenotypistin mit einiger'Be- mich zu gewinnen, jagt mir fiebrige Schauer russersahrung, eine Sekretärin mit Lyzcalbil- düng und Sprachkcnnlnisscn oder eine Akademikerin für die wenigen leitenden Posten im Hause auf das harte Stühlchen zu placieren hat, das eigens zum Zlvecke des hochnotpeinlichen Verhörs in angeniefsenem Abstand von seinem Schreibtisch wartet. Er wird über eine wieder ganz andere, gclviß genau so reich variierte Instrumentation zum Empfang der verschiedenen Gäste dieses Hauses verfügen, und da c8 zu seinem Pflichtenkreis gehört, gelegentliche Schwierigkeiten unter dem zahlreichen Personal ohne Geräusch, ohne sichtbare.Härte und ohne Gefährdung der diskret betonten Vornehmheit des Hauses scherzend, schlichtend oder strafend zu beseitigen, so I wird man mir zugebe» müssen, daß die Tätigkeit dieses trefflichen Herrn v. Killar eine gewisse Würdigung verdient. Er hat mich also beileibe nicht herablassend, ' aber wohlwollend, beileibe nicht ohne Achtung, I aber mit Würde gebeten, auf jeneni schon erwähnten Stühlchen Platz zu nehmen und faltet ! die Hände bei aufgestützten Ellenbogen. Ich glaube, daß Richter in dieser Haltung ein Verhör beginnen. Zwischen uns liegt ein Zimmerabstand, der Anspannung erheischt. Herr v. Killar hat den Vorteil, im Lause der Unterhaltung in gelöster, selbstverständlich keineswegs nachlässiger/Haltung im Klubsessel lehnen zu dürfen und— ohne jede Spur von Nervosität verfiel)! sich— in aller Gelassenheit mit dem silberne» Krayon zu spielen. Ich hingegen fühle mich ein wenig nackt und bloß auf meinem Stühlchen, die Knie zu- sanunengepreßt und verstohlen bedacht, der Kürze meines Rockes nach bestem Vermögen abzuhelfeu. Ter heftige Wunsch-, diesen tadellos geschei- Milk Ml WeMWM Boa Christa Anita Brück. Ja, wenn ein letzter Rest von Unschlüssigkeit in mir vorhanden ist, er schwindet, als die dunklen Spiegel der blankpolierten Eichentür sich rücktvärts in Helle und Schönheit eines gewählten Raumes öffnen. Nichts anderes ist mehr in mir, als der Wunsch, hierher zu gehören, ein Teil dieses gepflegten.Haufe« zu tverden. Etwas wie dies schwebte mir ja vor, wann immer ich von einer idealen Arbeitsstätte träumte. .Herr v. Killar bittet mich, Platz zu nehmen. Vor ihm liegt mein Gesuch. Er hat nlich mit einer Geste begrüßt, die eine haarscharfe Grenze gezogen zwischen der Verbeugung eines Kavaliers und der eines Machthabers von Einfluß, der von vornherein bedacht sein muß, Distanz zu schassen. Die beiden Momente waren aufs diskreteste gegeneinander abgestimmt, und zwar — man suhlt es— nicht willkürlich, nicht schabloneumäßig, nicht ebensogut geeignet, Fräulein Schul; oder Fräulein Müller zu unpo- nieren. Nein, es war die mir persönlich ab- gelauschte Mischung, die allein geeignet, mir die Bedeutsamkeit dieses tadellos gekleideten, eleganten und gepflegten Herrn v. Killar in der sympathischsten Weise zum Veivußlsein zu bringen. Eine untrügliche Menschenkenntnis ent- s scheidet hier über die allein wirksame Tonart. Ich kann mir vorstellen, daß es Vergnügen bereiten müßte, Herrn v. Killars Virtuosität nicht nur im eigenen Falle bewundern zn oür- sen. Unmögliche Vorstellung, er könnte sich jemals vergreifen im Zusannnenklang von Lächeln, Gruß und einladender Geste, sei es nun, daß er ein Lansmädel für die Expedition, eine über den Rücken. Jndesien halte ich niich äußerlich tapfer und die dankenswerte Einrichtung des im Falle der Benebelung einsetzenden Unterbewußtseins läßt mich wohlgesetzte Antworten geben, denen ich staunend nachlausche. Ich hatte, einer instinktiven Eingebung folgend, bei der Abfassung meines Beloc rbungs- schreibens erstmalig gewagt, nicine gelegentlichen schriftstellerischen Versuche zu erwähnen. Ein winziges Lächeln überhuschie Herrn v. Killars mir verbindlich zugoivandtes Gesicht. „Sie schreiben?" Ich halte mit angespannter Muskelkraft eine Blutwelle in mir nieder. „Ein wenig." „Romane?" Ich schließe mein Gesicht, nicht gerade ge- kräitkt, a>ber warum lächelt er? „Mir fehlte die Zeit zu größere» Arbeiten. Ich mußte mich änf Kurzgeschichten, Essays und Buchbesprechungen beschränken." Ob ich daran gedacht hätte, einige Druckproben mitzubringen? „Nein, ich hätte nicht erwartet, hiefür Interesse zu finden. Und nun stellt es sich heraus, daß diese verschämt erwähnten literarisck)en Versuche von entscheidender Wichtigkeit sind. Meine Tätigkeit im Falle der Einstellung würde gewissermaßen redaktioneller Art sein. O, wie dieses Wort mich aufreißt! Vergessen ist das bescheidene Stühlchen, vergessen die unbehagliche Kürze meines Rockes, vergessen der Abstand von dieseni kühltemperierten.Herrn v. Killar. Traum vieler geschlagener Jähre, versteckter, sehnsüchtiger, niemals ans Licht gehobener Traum, ist es möglich, daß du dich plötzlich erfüllen sollst? Nun darf ich nichts mehr überlegen, denn was hier wirkt, ist keine bloße Zusallsfügnng mehr. Es ist mein Weg, der sich hier vollenden soll. Ich kann es nicht ander« sehen. Eine Herr, siche Ruhe überkommt mich, die ganz große, gläubige Zuversicht, daß ich vor glückhafter Schicksalswende stehe. Zweiundsiebzia Bewerberinnen um den Posten hcwen sich eingefunden. Die Zahl schreckt mich nicht. Es kann unter diesen zweiundsiebzig nicht eine zweite geben, für die die Entscheidung von gleich schwerwiegender Bedeutung ist wie für mich. Das Schicksal kann einfach nicht so grausam sein, mich so nah an die Erfüllung aller meiner Wünsche zu führen, um sie vor meinen Augen einer anderen zuzuwenden. Ich bin nicht niehr beklommen. Ich bin freudig beredt Und ich fühle sehr wohl, daß ich nun Überzeug- Herr v. Killar zieht ein wärmeres Register. Es handelt sich darum, daß jungen Akadc mikern die Möglichkeit gegeben werden soll, Er fahrungen im Auslände zu sammeln. Die zui Verfügung stehenden Mittel sind beschränkt. Di- würdigsten aus der großen Anzahl der Bewerbet müssen ausgewählt werden. Kritische Bearbeitunc der Gesuche also, Zusammenstellung und Ergän zung der Erfahrungsberichte, Herausgabe eines monatlich erscheinenden Rundbriefe-, die Erledi gung der hiermit zusammenhängenden Kor respvndenz und gelegentliche Beratungen persön sich vorsprechender Bewerber, dies ungefähr ii das Arbeitsgebiet, da- mir zufallen wird. Un mittelbarer Dienst an warm durchpulsten, blut »ird lebensvollen Aufgaben. Der Posten wird erst neu errichtet. D> Maßmann, der Leiter de« I. A. A. I., steht selb- erst seit kurzer Zeit in der Avbeit. Es soll mi die breiteste Schaffensbasis gelassen werden, voll Freiheit in der Entwicklung meiner Möglick keilen. Herr v. Killar lächelt. Sie stehen als Erst zur engeren Wahl, der schriftstellerischen Ade- wegen. Die einzige Rivalin, die Sie zu fürchten haben, ist drei Jahre in Amerika und vier in. der französischen Schweiz bcrusiich tätig gewesen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 160 Freitag, 8. Juli 1982 4ttte 8 N a t i o na l s o z i a l i st e n überfallen.' Die Nationalsozialisten warfen mit Steinen und unserer i innewohnenden erbarmungslosen Logik ist der Der Verfall des Welthandels. Nach den Feststellungen de- Genfer Wrrt- schaftdkomitee- weist der Welthandelsumsah von Dler Reichsbannerleute von Nazis schwer verwundet. Di« Bundespressestelle des Reichsbanners teilt mit: Als am Montag abends-gegen halb ll Uhr Mitglieder des Reichsbanners aus Hoyerswerda, die an einer Bersammlung in Boerns- dorf teilgenomnren halten, den Bahnübergangs Hoyerswerda erreichten, wurden sie von 60, schlugen mit Gummiknüppeln, Zaunlatten und anderen Schlaginstrumenten aus di« Reichsban- nerleute ein. Ans ein Signal hin eilten weitere Nationalsozialisten ans den« Stadtinnevn herbei und beteiligten sich an der Schlägerei. Die Polizei erschien erst 20 Minuten später. Beim Erscheinen der Polizei waren die Nationalsozialisten verschwunden. Bier ReichSbannerleute wurden schwer, außerdem wurde ein« große Anzahl leicht verletzt. Polizei schiebt Arbeiter nieder. Am Mittwoch abend ging die Polizei nach einer Einheits-Kundgebung der Be- segschaften der Eisenacher Betriebe äußerst scharf gegen' die Demonstranten vor. Mehrer« alter« Arbeiter wurden von den Beamten niedergeschlagen. Zwei junge Sozialdemokraten, die einen» niedergeschlagenen 60jährigen KriegS- beschädigten zu Hilfe eilen wollten, wurden ebenfalls verprügelt. Abends traf ein Ueberfallkom- mando aus Gotha in Eiscnnach ein. Ucber 30 lich tschechischen Parteien eine wüste Hetze gegen die deutsche Bevölkerung. Sicherlich ist cs zu begreifen, wenn sich ob solchen Tuns der deutschen Bevölkerung der Stadt großer Unwille bemächtigt. ES tväre auch noch zu begreifen gewesen, wenn die deutschen Parteien der Stadt in einer gemeinsamen Versammlung gegen die Verhetzung Stellung genommen hätten. Statt aber in würdiger Weise zu protestieren, mußte wieder ein Theater daraus gemacht werden. Montag, den 4. fand im Apollosaalc eine von allen dcutschbürgcr- lichcn Parteien einbcrufene und tvirklich massen- hast besuchte Bersammlung statt. Statt mit gebührendem Ernst die Hetzereien der tschechischen Nationalisten zurürkznweisen, begannen einzelne Redner mit ihnen im nationalen Eifer zu wetteifern. Der Abg. Heller des B. d. L. konnte die nationale Konkurrenz der Hakenkreuzler und Nationalpartciler anscheinend nicht mehr aushalten. Er wosttc den Vogel abschicßen und die stärkste» nationaleii Worte gebrauchen. Heller soll gesagt haben:„Es hat sich für den Raöin eine Kugel gefunden und es wird sich auch für de» Dr. Bene8 eine Kugel finden." Dieser Satz wurde vom Rcgicrungskommissär zum Anlässe genommen, die Versammlung aufznlösen. Nach der Auflösung begaben sich die Besucher auf den Marktplatz und wollten von da zur Bczirkshaupt- mannschast. Ausgerückte Gendarmerie zerstreute aber die Menge. Teile des Zuges aber sammelten sich in der Wiedenstraße wieder und zogen zur Hauptmannschaft. Bon dort wurden die Demonstrierenden wieder zurückgcdrängt und zerstreut. Noch lange nach der Versammlung zogen Trupps von Hakcntrcuzlern>'n den Straßen herum und sangen Hitlerlieder. Durch solche Vorkommnisse wird wieder de» tschechischen Chauvinisten Wasser auf die Mühle geleitet und das nationale Perpetuum mobile ist ,fertig. Französisches ll-Doot gesunken. 59 Mann untergegangen, 7 gerettet- Fieberhafte Rettungsarbeiten. Cherbourg, 7. Juli. Auf ver hiesigen Reeve ist heut« das sranzöstsche Unterseeboot„Promcthöe" untergegangen. Die Ursache ver Katastrophe ist noch nicht erforscht. 2ln Borv veS Unterseebootes besanven sich 86 Personen, von Venen sieben gerettet wnrven. Die RetttmgSarbeiten wurden sofort ausgenommen; sie Werve» jedoch vurch die an ver UngliickSsteNe ständig austretenden starke» Strömungen sehr erschwert. Das Meer ist an ver ttnglllckSsttlle etwa SO Meter ties. Bis jetzt wurden ein Marineleutnant, ein Unterleutnant» drei Vssizieve unv zwei Matrosen gerettet, Vie sämtlich im Augenblick ves Unglücks vom Unterseeboot ins Meer geschleuvert wurden. Das Unterseeboot„Promethse" gehört zur ersten Unterseeboolklasse Es hat eine Wasserverdrängung von 1370 Tonnen und wurde 1930 vom Stapel gelassen. Deutsch, deutscher, am deutschesten. Aus Böhm.-Leipa wird uns geschrieben: Wie erinnerlich, entfalteten seinerzeit anläß- > des Lcipacr Lindenrummcls die bürgerlichen Der gerettete Kommandant des U-Bootes, Marineleutnant D u m e s n i l, sann über die Ursache der Katastrophe keine nähere Aufklärung geben. Er erwähnt, daß das Boot Plötzlich stark zu sinken begann. Bloß der Kommandant und sechs weitere Mitglieder der Besatzung, die dienstlich gerade an Teck dcS Schisses beschäftigt waren, wurden herausgeschleudert und so gerettet. Fischerboote, die sich in der Nähe befanden, eilten in etwa einer Biertelsmnde zu Hilfe und retteten die sieben Personen. In Marinekreisen hofft man, daß die Besatzung rechtzeitig alle Türen und Oeffnungen schließen und das Eindringen von Wasser verhindern konnte. In diesem Falle würde ihr keine Gefahr drohen. Bis in dir späten Abendstunden kreisten Wasserflugzeuge über dem Meer«, um di« Lag« des U-Bootes festzustellen. Bon den frühen Morgenstunden an werden di« Rettungsarbeiten verdoppelt werden. Nazi-Terror wachst. Etwa 130 SA-Leute aus dem schlesischen Kreise Nimptsch veranstalteten am Sonntag- Abend eine regelrechte fascistische Terrorexpedition in daS Steinarbeiterdorf Gärkau. Ein Arbeitersamaritcr wurde dort von den Nazi» säst totgeschlagen und mehrere Reichsbannerleute leicht verlettzt. Dieser Ueberfall ist, das ergeben die bisherigen Ermittlungen eindeutig, von den Hakenkreuzlern planmäßig herbeigeführt worden. Obwohl der geradezu viehisch mißhandelte Arbeitcrsamariter in bedenklichem Zustand daniederliegt, scheinen den Nazis die Wirkungen ihres ersten Auftreten» noch nicht zu genügen. Am Montag-Abem> erklärte der SA- Führer Fellmann in einer öffentlichen Versammlung in der Nachbargemeindc Gollschau, man werde noch am gleichen Abend zum zweitenmal nach Gorkau herüberkommen, unr dort endgültig aufzuräumen. Sofort»ach Bekanntwerden dieser Drohung entfaicktte das Landrat»- amt in Ninrptsch ein Ueberfallkommando nach Gollschau und ließ eine Durchsuchung der Nazis nach Waffen vornehmen. Man sand in den» eleganten Kraftwagen der sogenannten Arbeiterführer zahlreiche Revolver, Stahlruten und Gummiknüppel. Den arbeitslose» Steinarbeiterin- n c n ließ der Nazisturmführer Fellmann sagen, sie sollten in Zukunft aus ihrem regelmäßigen Gang zum Stempeln die Nähe seines Hauses meiden. Er würde jedem roten Weib a u s G o r k a u, d a s i h m z u G e s i ch t k ä m e, die Kopfhaut abziehen. Ten Arbeiterinnen haben diese bnitalen Arußerungen eine derartige Angst eingeflößt, daß sie jetzt weite Umwege querfeldein machen, um der Nazibestie Feld- mann nicht zu begegnen. siche Byzanz al» an da» antike Rom. Der Prozeß gegen Bovon« und Genossen bezeichnet deutlich den Bruch mit jedem geschrie benen Recht, auch mit dem fascistischen. Tenn die Mitangeklagten Bovones waren teils nur Handlanger, wie En za oder bloße Mittnillende, wie die Wiener Tänzerin Greta Blaha, teils hatte man sie nur in den Prozeß hineingeschoben, wie man Reisend« in ein Koups schiebt. Das Recht zu dieser gemeinsamen Reise ist den übri gen sechs nur dadurch erwachsen, daß der Fascis» muS allen einen gemeinsamen Auftraggeber an gedichtet hat: die antifascistische Konzentration in Pani». Darum hat man nicht nur Enza und die dreiundzwanzigjährige Greta Blaha zu je dreißig Jahren Zuchthaus verurteilt, sondern auch noch vier andre— Sandri, Meloni, Delfini und Bel 1 oni— zu derselben bar. bar eschen Straf« und außerdem den Kunstmaler M a i z o c ch i, der 55 Jahre alt ist, und den gänzlich unbeteiligten Dr. German! zu zehn Jahren. Sandri und Mazzocchi hatten Bomben befördert, Meloni war in Rom, um eine Ge heimdruckerei«inzurichten, Belloni und Delfini hatten angeblich«in Attentat gegen Mussolini geplant, Dr. Gcrmani wollt« der unglücklichen Witwe Matteotti» die Ausreise aus Italien, wo sie wie ein« Gefangene lebt, möglich machen. Dios« Rcchtsproxis, ganz verschiedene Hand lungen zusammenzuwerfen, indem ihnen«in ge meinsamer Auftraggeber unterschoben wird, er öffnet der Verteidigung de» FasciSmnS ganz neu« Horizonte und ist deshalb von großer poli tischer Bedeutung. Man halte sich die Lage im Lande vor Augen: jode politische Betätigung, die nicht innerhalb und durch den FasciSmus erfolgt, ist strafbar. Alle», wodurch eine von der Herr- schenden abweichende Richtung zum Ausdruck kommen könnt«, ist ein Verdreck;«», auch in Pri vatgesprächen oder Privatbriese. Das ist durch Hunderte von Verurteilungen dargetan. Somit ist es eine Bürgerpflicht jedes Nichtsajcisten, illegal« Mittel politischen Wirkens zu suchen. Ein Wunder ist cs nicht, wenn man dabei auf de monstrative Bomben verfällt. Daß man das im Auftrag der Pariser Emigration tut, ist«ine faseistische Verdrehung. Man tut es aus innc- rc-m Beruf, aus Liebe zum eigenen Lande, aus Selbstachtung und Pflichtgefühl. Gewiß kann man weder die illegale Literatur noch die Bom ben im Lande herstellen lassen. Wenn man das könnte, brauchte man sie nicht. Da» Mwürgcn jeder Freiheit führt also»ol- wendig dazu, di« Organisationszentralcn ins Ausland zu verleg««. Wenn, man heut« alle Antifaseisten im Ausland vor Gericht stellte, fo würde morgen wieder eine Auslandszcntrale für die Kamvforganisation entstehen. Es ist eine reaktionäre Utopie, zu glauben, daß man im zwanzigsten Jahrhundert ein Volk ohne Rechte erhallen könne. Alfo wird cs— solange oi« Fascist«» dies« Utopie verwirklichen wollen— immer illegale Aktionen von Italienern geben, immer Ausland-zentralen dieser Aktion, immer wird das für den Kampf aufgctbrachte Geld im Ausland zusammengcsaßt und von dort verteilt werden. Wenn also der Rcchtssatz aufgestellt wird, der diesmal in Rom zu einem Todesurteil und zweihundert Jahren Zuchthaus geführt hat, daß feder, dem eine Verbindung mit der Emi gration nachgcwiesen werden kann, erstens oin Landesverräter ist, zweitens ein Söldner und drittens ein Mitverschworner all derer, die je vom Ausland aus etwas gegen das Regime unternommen haben, so bedeutet das einen Äus- rottungskrieg— im wörtlichen Sinne— gegen di« Opposition. Dann läust jeder Antifascist mit einer Anwartschaft auf dreißig Jahre Zuchthaus herum, denn jeder muß nach Paris gravitieren. Im Lande kann er nichts unternehmen....., Das Urteil von Rom bedeutet: wir werden Personen wurden verhaftet, unsere Gegner nicht mehr nach dem geschriebenen getrieben worden. Sei eignes Recht ließ sich Recht richten, sondern nach dem Maßstab nicht so weit spannen, wie es die Angst heischte, unserer Angst. Mit einer der Situation So spuckt er auf sein eignes Recht und wendet innewohnenden erbarmungslosen Logik ist der roh« Gewalt an. Er erlebt damit nicht nur sein Fasci»mu» auf den Boden der nackten Gewalt eigne» Schicksal, sondern da» jeder Diktatur. -^^MmMnnmimmiiuiiiinnnninmnimiHiiHiiiiiniiniiiiiiHnunniiiumniiiuummimiminnnmnimnininininniiiinminnniiniiimiiin»^^»- Gevaltltaat Itati Rechtsltaal. Italien als Vorbild des Dritten Reimes. SPD. Au» Mailand wird uns geschrieben: In Italien find kürzlich zwei Todesurteile vollstreckt worden. Ter Anarchist Sbardellotto ist wegen der Absicht eines Atlentat» auf Mussolini erschossen worden. Domenico Bovon« wegen Herbeiführung von Explosionen zu De- mo nstra t i onszwecken. Gegen den Willen deS Täters kam bei einer Explosion ein Wachtmeister der Carabinieri um» Lebe». In keinem Lande der Welt— außer vielleicht in den Vereinigten Staaten— hätte man wegcn der den beiden zur Last gelegten Taten ein Todesurteil verhängt. In Italien hat man sie sogar durch Erschießen in den Rücken getötet. Solche Henkerarbcit ist dort ein Benefiz der fascistischen Miliz. Ein Sto-ßbataillon derselben Schwarzhcmden bildete das Quadrat. DaS sind Episoden des Bürgerkriege». Vielleicht hat sich nie eine Partei gemeiner gegen ihr« Gegner benommen, wie die fascistische. ES tzenügt ihr nicht, sie zu tötens sie verleumdet und besudelt sie bis zuletzt. Weil sie selbst mit Söldnern arbeitet— allein der Mord an Matteotti hat, wie aus gerichtlichen Akten' hervor- geht, di« fascistische Partei 300.000 Lire gekostet — nennt sie die beiden Hingerichteten Soldner. Da für da» Ausnahmegericht das KricgSrechl gilt, hängt«S vom Kommandanten, des Platzes ab, ob die Gnadengesuche an den König weitergeleitet werden oder nicht. Nun haben aber die beiden Verurteilten gar kein Änadenge- s u ch eingereicht. Trotzdem meldet ein offizielles Kommuniquö, daß das Gnadengesuch nicht wvitergeleitet wurde. Auch das Erschießen in den Rücken ist ein« besondere, im Gesetz nicht vor- gesehene Roheit. Die heutigen Zustände in Italien erinnern weit mehr an das mittelalter- * nie verunglückte Probefahrt. Da» U-Boot„Promethöe" ist eine» der modernsten französischen Unterseeboote, 00 Meter lang, 9 Meter breit mit zwei Motoren von 500 HP und zwei Dynamos von 2600 HP, die eine Fahrt bis zu 30 Tagen ermöglichen. DaS Boot war noch nicht vollkommen ausgeprobt und die heutige Fahrt war eben eine Versuchsfahrt. Während der Fahrt sollten einige Reparaturen gemacht werden und di« nachträgliche Montage erfolgen. Dadurch erklärt sich, daß sich auf dem U-Boot außer den Mitgliedern der Besatzung auch Z i v> l i n g e n i e u r e nnd Arbeiter aus dem Arsenal« sowie der Schneiderfabrik befanden. DaS Wetter war ruhig. Achtung Spione! Man erkennt ihn bekanntlich am Photoapparat; im Kino trägt er ihn zwar manchmal am bloßen Leib und photographiert staatswichtige „Objekte" durch die leuchtenden Knöpfe seiner Hemdbrust, aber ohne Photo ist er immer undenkbar. An diesem Prinzip hält di« sorgcn- befchwertc tschechoslowakische Sicherhcitsburo- kratie unerschütterlich fest und deshalb konnte man in der letzten Zeit in den meisten reichsdeutschen Zeitungen Notizen über die erlaubten Photogrenzen in der 0SR. lesen, weil häufig Reisenve während ihres Aufenthalts in der Tschechoslowakei photographische Apparate mit sich führten und in Unkenntnis der„gesetzlichen Bestimmungen" gegen die„Vorschriften" durch Photographieren verstoßen haben. „Es wird daher amtlich aufmerksam gemacht, daß in der Tschechoslowakei jeder mit erheblicher Geldstrafe oder Haft bestraft wird, der ohne besonder« behördliche Genehmigung amtliche Pläne, Skizzen, Ausnahmen oder Akten über Einrichtungen oder Vorkehrungen zum Schutz der Republik photographiert oder photographieren läßt. Hierunter fallen Kasernen, Festungen, Depots von Kriegsmaterial, Zivil- und Mililärgcbäudc, in denen Kriegsmaterial hergestellt wird, ferner Eisrnbohnbautcn, Brücken, Viadukte, Bahnhöfe sowie Mittel und Einrichtungen zu Kriegszwecken." Woran man ein Gebäude erkennen soll, in dcni KricgSmatcrial hcraestellt wird, bleibt schleierhaft, denn Watte, Verbandszeug, Riemen und Schuhe sind ebenso notwendig zum fröhlichen Männergcsecht, wie der Schießprügel mit direktem Zubehör; seit endlich Chemikalien wesentlich bedeutend find zum Vcrteidiaunas- aesecht, muß jede Anilinfabrik, jede Kunstseidefabrik als staatSwichtigcs Objekt angesehen werden. Und was man hierzulande behördlich besonders protegiert, das ist die Unverletzbarkeit der Eisenbahnen; ohne Rücksicht darauf, daß jeder auf Grund des Gesetzes durch Einsichtnahme in die öffentlichen Eisenbahnbücher und die wesentliche dazugehörigen Pläne und Skizzen jedes Detail genau fcststellr» kann, daß über wichtige Bauten und technische Neuerungen in allen Faiy- zeitschriften referiert wird und daß man die interessanteste» Bilder im Reklamematcrial des Eisen« bahnministeriums finden kann, bleibt die Brücke ein Staatsgeheimnis, ebenso wi« diejenige alt» Lokomotive, deren Maschinerie noch vom alten Stephenso» konstruiert worden sein dürste. Wer photographiert, ist verdächtig im Rahm«» jener „gesetzlichen Bestimmungen", die selbst dem ganz genau informierten Juristen unbekannt sind. Jeder Schaffner wird sich eine Ehre daraus machen, dem Ausflügler zu verwehren, dir wohltätige Lokomotive zu knipsen, die ihn zum Wasser wackelt, die Pläne der Kasernen werden zwar offiziell durch öffentliche Wettbewerbe erworben, aber wehr, wenn sic dann konterfeit werden! Noch ist aber nichts bekannt darüber, daß man den heimischen Riislungspalrioten verbietet, die patriotischen Verteidigungswaffen nutzbringend an jeden Staat zu verkauscn, der die Lieferungsbedingungen der Skoda- oder Brünner Wafsen- werke einhält; noch wurde nichts darüber ver- lautbaut, wie das Staatsgeheimnis gclvahrt wird, wenn unsere Flieger zu internationalen Manöver» abkommandiert werden seiner ist bekanntlich kürzlich in der Bocche di Cattaro in Südslawien abgestürzt). W. Lg. Ivri» oer Mriiuanoeisumiatz van 1920 bis 1931 einen Rückgang von 31 Milliarden auf 18 Milliarden Dollars auf. Das Wirtschaft»- konlltee nimmt an, daß der Welthandel im Jahre 1932 unter 15 Milliarden Dollar» sinken tvird. Zweifellos hat der Rückgang der Preise dazu beigetragen, doch dürft« die Verminderung infolge der rückläufigen Preisentwicklung nur ein Fünftel de» gesamten Rückganges deS Welthandel» betragen. Am härtesten hat die Ausfuhr Ungarns, Frankreichs, Oesterreichs, Deutschland» und Englands gelitten. Aber auch die Bereinigten Staaten von Nordamerika haben in einer Frist von zivei Jahren einen Ausfuhrrückgang von 63 Prozent aitfzuweisen. Infolge der Unterbindung deS Welthandels durch ZollcrhähuIlgen, Einfuhrverbot« und vor allem durch die Devisenkontrolle werden diese Erscheinungen auch weiterhin anhalten, so daß der Welthandel im Jahr« 1932 kaum 50 Prozent der Umsätze von 1929 erreichen dürfte. Neue Steuern in Oesterreich Dollfuß referiert über die Anleihe. Wien, 7. Juli.(AN.) Im Hauptausschuß des tzlationalrates erstattete heute Bundeskanzler Dr. Tollfuß einen Bericht über die Verhandlungen in Lausanne. Nach einer kurzen Debatte, in der Redner aller Parteien sprachen, wurde ein christ- lichsozialer Antrag angenommen, wonach der Hauptausschuß den Bericht des Bundeskanzlers über das Ergebnis der Verhandlungen in Lausanne entgegennimmt und dem Bundeskanzler für seine Beinilhungen dankt. Die„Rcichspost" stellt fest, daß sich an der 300-Millionen Anleihe für Oesterreich England und Frankreich mit le 100 Millionen, Italien mit 30 Millionen, die Schweiz mit 12, Deutschland mit 7, Belgien mit 5 und Holland mit 3 Millionen beteilige» werden. Zur Deckung von 262 Millionen wird in der morgigen Sitzung des Parlament» ein RachtragSbudgrt cingebracht, welche» di« Deckung dieses Abganges durch Sparmaß. nahmen und Steuererhöhungen vorschlägt. Unter den Steuererhöhungen figurieren u. a. rin lüvprozentiger Zuschlag zur Warenumsatz, steuer, ein, Erhöhung der ZinSgroschensteurr, de» Posttarises und einer Reihe von Zöllen auf Kolonialwaren. Unter den Sparmaßnah- men stehen die Sachausgaben mit rund 70 Millionen Einsparungen an der Spitze. Mikhrlfch-lchlestscher Landesausschutz Brünn, 7. Juli. In der heutigen Sitzung de» mährisch-schlesischen LandcSausschusscS, der letzten vor den Sommerfcrien, wurden unter anderem die Richtlinien für die Zusammenstellung der Bezirksvoranschlage und die endgültige Festsetzung der Landesbeiträge für das Jahr 1933 beschlossen. Als Unterlage sollen die Bezirksvoranschläge vom Jahre 1932 unter Berücksichtigung der durch die wirtschaftliche Entwicklung gegebenen Bedeckung dienen. Der Abgang der ordentlichen Gebarung in allen mährischen Äezirken betrug im Jahre 1932 143.8 Millionen, von welchem Betrage nach Erschöpfung aller Bedeckungsmöglichkeiten ein ungedeckter Abgang von 30.6 Millionen, das ist ein Durchschnitt von 95 Prozent, der Zuschlagsbasis, verbleibt. Weiter wurden eine Reihe von Än- leihen der Bezirke' und Gemeinden für verschiedene Zwecke bewilligt. Sette 4 Freitag. 8. Jul« 1982 Nr. 1«9 Kote rahnen am See. Hirschberg am See und sein Ortsteil Thammühl gehören zu den schönste» und vielbesuchtesten Badeorten Nordböhmens. Besonder- stark ist der Zuzug der Badegäste ans dem tschechischen Gebiet, während das deutsche Gebiet die beiden Orte anscheinend nicht so würdigt, wie sie es verdienen. Das User des herrlichen, tost ganz von größeren und kleineren Hügeln umrahmten Sees mit der stolz aufragcndcn Ruine B ö» s i g im Hintergrund, ist vcreits von vielen Hotels, Billen und auch einigen Erholungsstätten besetzt, speziell in Thammühl, Tort befindet sich seil mehreren Jahren das Kindcrerholungs- hcim der Stadtgemeinde Gablonz und seit kürzerer Zeit das Heim der Bergbaubeamten in Brüx.. Dieses idyllische Gelände hat sich nun die Leitung der rührigen„A r b e i t e r s ü r s o r g e" in Prag zur Errichtung eines neuen Kinderheims auserwählt. Noch längeren Verhandlungen mit dem Staatsbodenamt und der Herrschaft Waldstein gelang es, einen 110.000 Ouadrat- meter(11 Hektar) umfassenden Grundkomplex, am linken Seeufer billig zu erwerben. Auf einem der kleinen Sandsteinhügel wird sich das künftige Heim erheben. Die Pläne stammen von dem berühmten Architekten Bruno Taut in Berlin. Ter Bauplatz ist bereits abgesteckt, die Pläne sind schon bei der Gemeinde eingereicht. In kurzer Zeit kann mit den Bouarbeiten begonnen werden, die den heimischen Arbeitslosen und Gewerbetreibenden erwünschten Verdienst bringen. Der Bau wird im modernen Stil knapp am Ufer errichtet. Nur wenige Schritte davon ist der durch Entfernung des Schilfs gewonnene eigene B a d e p l a tz, wo schon jetzt eine rote Fahne weht und rote Wimpel von Baum zu Baum ge. zogen sind. Denn in der Nähe hausen die r o t e n Falken des Bezirkes Tetschen in einem sehr netten Zeltlager und sind quietschvergnügt. Auch hier ist eine rote Fahne aufgezogen und auf breitem weißen Bande grüßt das Wort„Freundschaft" die im Eisenbahnzug Vorüberfahrenden. Nicht alle werden daran ihre Freude haben. Am allerwenigsten die Nazis, die sich sehr darüber aufregen, daß die verdammten Roten sich am Hirschberger See häuslich niederlassen. Die„A r b e i t e r f ü r s o r g e" selbst hat zwei leerstehende größere Villen gemietet und dort schon jetzt rund 100 erholungsbedürftige Kinder untergebracht, die sich ebenfalls äußerst wohl fühlen. Abg. Gen. Hackenberg aus Prag, der umsichtige Obmann der„Arbeitersür- sorge", tut alles, um das Werk voll und ganz gelingen zu lassen. Die Mittel zum Baue deb Heimes stammen größtenteils aus dem Ertrage der seinerzeitigen Lotterie. Denn trotz der verheerenden Wirtschaftskrise das schöne Werk geschaffen werden kann, so zeugt dies von der unerschütterlichen Kraft des Proletariats. Und gerade jetzt brauchen die Arbeiterkinder mehr Hilfe denn je. Die roten Fahnen, die am Hirschberger See wehen, sind ein froheS Symbol des aufsteigenden Sozialismus. Standgericht gegen volnische Kommunisten. Warschau, 7. Juli. In Nawogrodek fand im standgerichtlichcn Verfahren die Verhandlung gegen sieben Mitglieder einer kommunistischen Terrororganisation statt, die unter der Anklage der Brandlegung, der Durchführung von Sabotageakten und von Raubübersällen standen. Bier Angeklagte wurden zum Tode durch den Strang, drei zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Vom Rundfunk Die Zahl der Nnndfnnthörer in einzelnen Staaten. Tie Teilnahme der Bevölkerung am Rundfunk stellte zum 31. Dezember 1931 im Prozentsatz folgende Tabelle dar: In Italien,.Polen, Rumänien, Jugoslawien, Spanien, Bulgarien, Albanien, Griechenland, Esthland und Litauen überschritt die Rundfunk» Hörerzahl nicht einmal 1 Prozent der Bewohner» »«hl. Aertzültnis zur BewovnrrzavI Deryältnis z. Zahl der Familien Dänemark.. . 13.723g 54.88% England.. . 10.663g 42.64% Schweden.. . 9.34% 37.3(735 Oesterreich.. . 7.183g 28.72% Deutschland. . 6.36% 25.44% Ungarn... . 4.24% 16.963« Schwei;.. > 3.763g 15.04% Norwegen.. • 3.4o35 13.80% Tschechoslowakei . 2.643g 10.56% Empfehlenswerte- aus von Programmen. Samstag: Prag: 6.15 Gymnastik, 11.00 Schallplatte». 12.80 OrchLsterkonzert. 18.25 Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik 19.05 Konzert, 22.20 Bunter Abend.— Berlin: 16.05 Orchesterkonzert. 20.35 Ost—West, Funkpolpourri.— Königöwusterhausen: k0.00 Lustiger Abend.— Mühlacker: 22.00 Dienst »m Kunden, Hörspiel.— München: 19.25 Richard Wägner-Abend. 22.15 Nachtmusik.— Wien: 18.80 Kärntner-Lied. 19.80 Vorträge auf zwei Klavieren. T agesneuigkeiten Ane rote Kiuderrevublik in Böhmen. Am 16. Juli werden 500 Rote Falken aus Deutschland bei Zinnwald das Erzgebirge überschreiten und inS Böhmische wandern. Die idyllische Bergstadt Graupen ist ihr Zick. Dort werden sie gemeinsam mit 150 Rolen Falken aus der Tschechoslowakei ein großes Zeltlager errichten: die rote Kinocrrcpu- blik„Böhmen". In einer Zeit, da in Deutschland die demokratische Republik aufs schwerste gefährdet ist, werden Arbeiterkinder aus dem Reiche und aus unseren Gauen vier Wochen lang in brüderlicher Kanierodschast, in sozialistischer Gemeinschaft in ihrer selbst erbauten Republik leben. Kinderropubliken sind nichts Neues mehr, in Deutschland werden sie seit mehreren Jahren regelmäßig veranstaltet. Bahnbrechend wirkte das große Zeltlager in der Kieler Bucht, das unter dem Namen„Kinderrepublik Seekamp" in die Geschichte der Erziehungsbewegung des Proletariats cingegangen ist. Ihm folgten das Lager auf der Rheininsek Namedy, das der Oestcrrei- cher in Keutschach und solche in anderen Provinzen Deutschlands und Oesterreichs. Auch unsere Kinderfreunde haben schon Versuche gemacht, sich in Zeltlager einzurichten, so beim Probelager in Nessel fleck und bei dem am Hirschberger See. Das waren aber nur bescheidene Anfänge. Die Äindcrrcpublik„Böhmen" in Graupen wird eigentlich erst der Auftakt zu einer richtigen Zeltlagerarbeit in unserem Lande sein. ES war ein guter Gedanke, die reichsdcutschen Freunde zu bewegen, ein« ihrer Kinderrepubliken nach Böhmen zu verlegen— das Graupen«! Lager wird in erster Linie von den reichsoeutschen Genossen veranstaltet und verantwortet, unsere Roten Falken sind sozusagen nur„Gäste"— denn dadurch ist es unseren Kinderfreundin möglich, sich deren große Er- fahrungen zunutze zu machen und für den späteren selbständigen großen Lagerbetricb zu lernen. Die Veranstaltung einer Kinderrepublik in schwerer Krisenzeit ist selbswerständlich ein Wagnis. Die große Not, unter der die Arbeiterschaft bei uns wie in Deutschland leidet, wird leider vielen Arbeiterkindern die Teilnahme an der Kinderrepublik in Graupen unmöglich machen. So mußten schon die Braunschweiger, die mit 200 Kindern kommen wollten, absagen und die Lagerleitung war bereits gezwungen, sich auf einen um ein Drittel geringeren Besuch einzustellen. Tos alles ober wird dos Gelingen der ersten Kinderrepublik„Böhmen" nicht in Frage stellen. Und dos ist gut so, denn die großen Zeltlager der Kindersrcunde haben ja vor allem eine erzieherische Aufgabe zu erfüllen. In der Zeit der nationalen Verhetzung tut diese doppelt not. Unsere Roten Falken werden zeigen, wie sie ein Leben unter eigener Verantwortlichkeit, getragen von Solidarität und Gc- meinschastSwülen. zu gestalten wissen. Sie werden damit«in Beispiel geben für so manchen ausgewachsenen„Republikaner". Darum ein„Glück auf!" für die rote Kinderrepublik! So schaut ihre Einheitsfront aus! In dem Bcrgarbeiterorte Erdeborn(bei Eislcben) haben die kommunistischen Klassenkämpfer die EinheitSfront-Parole ihrer Zentrale aus ihre Art in die Praxis umgesetzt. Für die Wahlen zum Elternbeirat kandidierten dort schiedlich und friedlich neben Stahlhelm» und Hitlergrößcn Kommunisten. Gewählt wurden aus einer gemeinsamen Liste: als Spitzenkandidat ein K o m m u n i st, an zweiter Stelle die Ehefrau eines Stahlhelmführers, an 3. Stelle ein angeblich unpolitischer Kommunist, an 4. und 5. Stelle Linienkommunisten und an 6. Stelle der örtliche Führer der R a t i o n a l s o z i o l i st i. s ch e n Deutschen Arbeiterpartei.... Beim Ausstieg auf den Ortler sind Mittwoch zwei Münchner Alpinisten von einer Lawine in einen Abgrund gerissen worden. Trotz der Lawi- nengefohr ist ein« Rettungsexpedition abgegangen Die Such« ist bisher erfolglos geblieben. z«r zweite« Meiler-üeporlage im IMhmt. Heut« veranstaltet Genosse Volker Fritsch im Rahmen unserer deutschen Arbeitersendung über den Prager Sender die zweite Arbeiter-Reportag«: Während das letztemal der Betrieb im Bergwerk gezeigt wutde, wird diesmal der Versuch unternommen, den Hörer» einen Einblick in einen Schwerbelrieb zu vermitteln. Die Uebertragung findet aus der Stahlhütte.Storek in Brünn statt. Dieses Unternehmen ist unter anderem auch dadurch bekannt, daß«S eine der wichtigsten Jndustrieersindun- gen, die berühmt« Kaplan-Turbine zuerst erbaut hot. Der Zweck dieser Reportage ist in erster Lime wieder der, dem Hörer zu zeigen, wie durch das Zusammenarbeiten von geistigen und manuellen Arbeitern die Produktion zustande kommt. Es wird wieder in erste Linie Wert daraus gelegt, die Verhältnisse zu danwnstrieren, unter welchen der Metallarbeiter seine Tätigkeit verrichtet. Dabei gibt es auch Gelegenheit, auf den schweren wirtschaftlichen Kampf hinzuweisen, den unsere Industrie heute fuhren muß. Als die österreichisch-ungarische Monarchie, ein mächtiges WirtschastSgebilbe, im Jahre 1918 zerfiel, da übernahm unsere Republik als wertvollstes Erbe die hochentwickelte Metallindustrie. Sport- und Bombenflugzeug. Offenbar mit besonderer. Freude wird von der bürgerlichen Presse fcstgehaltcn, daß ein Flugzeuggcschwadcr mit zwei Bombenflugzeugen den Abschluß des Kongresses der Sokoln bildete. Nebenbei wird diese Leistung von der Mitwirkung in- und ausländischer Soldaten beim Feste unterstrichen, so daß jeder fühlt, daß aus diesen Teil der Festgestaltung besonderes Gewicht gelegt wird. Wer all das sah und vernahm, legte sich die Frage vor, warum bringt man hier ein Turnfest mit den militärischen Leistuiigeu und Rüstungen in so innige Verbindung? Wollte man demonstrieren, daß Sport und Spiel das Volk wehrfähig macht, oder wollte man zeigen, daß die Macht des Staates aus der Verbindung mit Sport,— licS Sokol»— entsteht? Jedenfalls brachte der Abschluß deS Festes keine friedliche und auch keine freundliche Kundgebung. Begeisterung und Hitz« führten während deS Fostaufmarsches in der inneren Stadt Prags am Mittwoch da und dort zu lauten und auch handgreiflichen Auseinandersetzungen und vielfach zu geradezu fürchterlichem Gedränge. Wegen des Bordrückcns des einen oder andern Zuschauers, wegen zu lautem Rufe», das den Vordermann da- Trommelfell zu zerreißen drohte, vielfach auch, weil gestoßen und getreten wurde, gab es kleinere Scharmützel. Am Eingang der National- Straßc kam es gegen elf Uhr vormittags zu einem wahnsinnigen Gepresse, weil von der Richtung WcnzclSPlah ununterbrochen Menschen kamen, für die. es keinen Durchgang gab und weil alle Versuche vorzustoßen und mit Gewalt den Weg freizumachen, lange Zeit mißlangen. In dem Gedränge, das vor allem Fronen und Kinder in schwere Gefahr brachte, wurde gesta- ßen, getreten, die Kleidung ruiniert, bis endlich die Gewalt,— die hier für viele Rettung brachte — siegte und mit dem Durchbruch der Bedrängten nach dem Jungmannplatze endete. Dabei flogen die Menschen geradezu durcheinander und cs war ein großer Glücksfall, wenn cs hier keine Verletzten gab. Ordnung gab cs nur ans der äußeren Front der Straßen, hier sorgte die Polizei für sic, rückwärts aber tobten sich die Begeisterten auf eine manchmal recht sonderbare Weise aus. Tod in der Kohlengrube. Am Dienstag ging der 36jährige Glasarbeiter Karl Kobilonsky aus Ullersdorf, Vater von fünf schulpflichtigen Kinder«, gegen Abend in die osten Bruchlöcher des früheren Dreieinigkeits-Schachtes bei der Janeggcr.Haltestelle der Dux-Bodenbacher Bahn spazieren. Ta er längere Zeit ausblieb, machte sich feine Frau auf die Suche nach ihm und fand ihn in einer etwa sechs Meter tiefen Grube, die von Kvhlenglaubern in die Erde getrieben worden war, tot liegen. Sic hatte ihn noch wenige Augen, blick« vorher stöhnen gehört. Die Grube war mit kaltem Dunst, einem überaus gefährlichen Giftgas, gefüllt. Wahrscheinlich ist Kobilonsky zu nahe an die Grube herangckommcn, atmete Gas ein und wurde bewußtlos, wobei er in die Grube fiel. Die Frau rief sofort den in der Nabe wohnenden Arbeiter Zaba herbei, der Bergungsversuche machte, die aber deshalb mißlangen, weil Zaba infolge der Giftgase schon wenige Augenblicke nach Betreten der Grube kehrt machen mußte. Nach längerer Zeit erschienen Bergarbeiter aus Janeqg, die mit Taschentüchern vor dem Mund und Seilen Kobilonsky bargen. Genosse Beckert. der sich an den Bergungsarbeiten beteiligt«, atmete ebenfalls Giftgase ein und wurde bewußtlos. Alle Wiederbelebungsversuche bei Kobilansty blieben erfolglos. Tas Unglück trifft di« Frau außerordentlich hart, weil die ganze Familie ausschließlich auf den geringen Verdienst des Mannes angewiesen war. Verurteilte Schuldige eines Bankkrachs. Die große HilsSstrafkammsr des Landgerichtes Berlin verurteilte den Kaufmann Alois Weber, den Direktor der 1929 mit einem Verlust von 9 Millionen RM. zusanimcngebrochcnen Bank für deutsch« Beamte, zu einem Jahr, einem Monate Gefängnis und 11.000 Mark Geldstrafe, den Kaufmann Wolter Treumann zu 7 Monaten Gefängnis, den Makler Egon von Buchwald zu 9 Monaten Gefängnis und den Kunstmaler und ungarischen Professor JocqueS Kend« zu 2 Monaten Gefängnis. Um die großen Industriezentren Prag, Pilsen, Nordböhmen, Brünn, Ostrau-Witkowitz ist diese Industrie vornehmlich gruppiert. Der größte Teil der gesamten österreichisch-ungarischen Metallindustrie ist in diesen Orten, die heute alle zu unserer Republik gehören. Freilich ist der Wert dieses Erber ein sehr verschiedener, je nachdeni von welchem Stande aus man diesen betrachtet. In den aus tschechoslowakischem Boden befindlichen Anlagen sind Milliardenwert« investiert. Diese Werte könne» aber nur dann in Erscheinung treten, wenn sie nutzbringend arbeiten. In dem Moment, da die Anlagen brachliegen, wird ihr Wert gering. Dieser Fall ist ober in der Tschechoslowakei gegeben. Einst stand dieser Metallindustrie nicht nur ganz Ocster- vcich-Ungarn als Absatzgebiet zur Verfügung, sondern auch noch weite Gebiete anderer Länder.,Heute ist es aber anders geworden. Durch di« Zollgrenzen ist der Markt aus die eigen« Republik, die ohnehin ikberindustrialisiert ist, eingeengt. In den Nachfolgestaaten wird unsere Industrie immer mehr vom Markte verdrängt. Im weitere» Auslände sind unsere Fabriken ost deshalb nicht konkurrenzfähig, weil es ihnen an finanziellem Rückhalt fehlt. Dazu kommen noch die ungeheueren Einengungen, die unser Markt im Auslande, durch die Devisenbestimmungen, erfährt. ES ist heut« so weit, daß selbst gut« Aufträge abgelehnt werden müssen, weil di« Sine vierte Leiche auf dem Kohinoor» Schacht gesunden. Brüx, 7. Juli. Zu der Auffindung von drei Leichen im Kohinoor-Schocht bei Bruch wird noch gemeldet, daß ein Mitglied der fünfgliedrigen BergungSmannschast eine vierte Leiche auf. gefunden hat. Inzwischen wurde unter den aus gefundenen Toten der Schlosser Vanök und der Pumpenmcister Suchy agnosziert. Tie BcrgungSgrupPe ist immer noch auf Sauer stoff-Atmung angewiesen und kann im Pumpen- vamn nur kurze Zeit verweilen. Die zu der Fundstelle führenden Strecken sind infolge oer bei dem Grubenbrand erfolgten Explosionen zum großen Teil eingestürzt und müssen erst geräumt werden. Die Leichen der Verunglückten sind durch die gewaltige Hitze im abgesperrten Raum mumifiziert worden und können nicht ohne besonder« Hilfsmittel zutage geschafft werden. Außerdem muß vor ihrer Bergung noch ein« j kommissiouclle Festlegung der Umstände ihrer Auffindung erfolgen, di« für die bergbauliche Untersuchung der Katastrophe erforderlich ist. Di« große Hitze und die teilweise Vergasung der «Strecken niacht ein längeres Verweilen in d«u ausgebrannten Gruben teilen zur Zeit noch.unmöglich und man glaubt, daß die Hindernisse, die lveitcren Bergungsarbeiten noch entgegenstehev. erst in etwa vierzehn Tagen werden beseitig» werden können. Mit dem Autobu» noch Bregenz am Bodensee. Anläßlich der 12. Hauptversammlung der Naturfreundc-Jnternatianalc führt der Toüri- stenvcrein„Die Naturfreunde", Sitz Aussig, einen Autobus nach Bregenz. Die Fohrkosten betragen ab Aussig hin und zurück 350 Kronen. Die Route geht hin über Eger, Nürnberg, Augs- bürg, her über Dornbirn, München, Pilsen. Ter Autobus ist modernst eingerichtet(36 bequeme Sitzplätze). Die Abfahrt erfolgt voraussichtlich am 30. Juli. Ter Aufenthalt erstreckt sich ayf 8 bis 10 Tage. Anmeldungen werden noch ent- qegengenommen. Ausführliche, kostenlose Pro- spekte durch die Geschäftsstelle deS Touristenvereines„Tie Natiirfreuude", Aussig, Mnrktvlatz 11. „Radikale" Abgeordnete. In den Wandelgangen der Deputiertenkaminer in Paris fiel der Deputierte Liautey den Deputierten Balcnsy an. Er warf ihm vor, daß er sich gegen seine Aufnahme in die radikale Partei gestellt habe und schlug ihn ins Gesicht. Der überfallene Deputierte hat zu Liautey berqits sein« zwei Zeugen geschickt, um sich durch einen Z w e i k a m p f Genugtuung zu verschaffen. Eine Tragödie. Ter 32jährige Privatbkamte Jolef Uitz in Budapest tötete, aller Wahrscheinlichkeit nach in einem momentanen Jrrsinns- onfall, seine Frau durch mehrere Revolverschüsse und wollte auch sein« Kinder ermordest. Als diese flüchteten, richtet« er die Waffe gegen sich selbst und schnitt sich, bereits tödlich verwüst- dct, den-Hals mit ein-em Rasiermesser durch. Sech- Vulkane in Tätigkeit. Sechs Vulkane in den And« n, die etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt entfernt sind, stehen in voller Eruptionstätigkeit. Die Vulkane werfen Lava und Asche aus; die ganze Gegend ist in dichte Rauchschwaden gehüllt. Schießerei im Stadtrat. In Buza in Siebenbürgen ereignete sich ein ernster Zusammenstoß zwischen politischen Gegnern. Durch einen Rcvolverschuß, den ein unbekannter Täter abgab. wurde der Vertreter der Regierungspartei im Stadtrot schwer verletzt. Dieser ging noch House, kehrte mit einem Revolver zurück und begann zu schießen, wobei er einen ehemaligen liberalen Senator ernstlich verletzte. Tie beiden Verletzten wurden in das Krankenhaus gebracht, wo sie kurz daraus verschieden. Durch dos Feuer wurde auch ein Kapitän, der Schwager des zweiten Opfers, verwundet. Diese Ausschreitung rief ein«, ungeheure Erregung hervor. Der Generalprokurator ist zur Untersuchung des Falles in Buza eingetroffen. Auftraggeber infolge der Devisensperre nicht zahlen dürfen. Das Ergebnis oll dessen ist, daß Hundert- tausende unfreiwillig feiern müssen und als Arbeitslose der öffentlichen Unterstützung zur Last fallen. Der Inhalt dieser Reportage, die die schwere Arbeit des Arbeiters und die schwere Lage der Industrie als solcher schildert, steht somit in einem auffallenden Widerspruch zu jener Festesstimmung, die gerade in diesen Tagen, wenn schon nicht herrschte, so doch künstlich erzeugt wurde. Eine Rundfunkreportage kann freilich nichi einen Betrieb so klar darstellen, daß ein« direkte Besichtigung nicht mehr erforderlich wäre. Dennoch aber soll der Hörer wenigstens in groben Umrissen ein Bild von der Art eines solchen Betriebes skizziert bekommen. Infolge deS Sokolfestes mußte die Reportage eingeschränkt werden. Es mußt« mancher entfallen, waS sicher interessant gewesen wäre und war in dem ursprünglichen Plane auch enthalten war. Auf diesen Umstand wird auch der Hörer Rücksicht nehmen müssen. Immerhin aber wird doch das Wichtigste behandelt werden. B«i der Schil-, derung wird das entstehende Werkstück von jenem Augenblick, da eS am Schreibtisch des Konstrukteurs zum erstenmal geistig konzipiert wird, bis zu seiner Vollendung in der Appretur begleitet. Daneben wird noch die Tätigkeit im Prüflaboratorium und im KaPlanversuchSraum« geschildert, 9bt. 160 Freitag, 8. Juli 1982 Seite 5 au4. Die Anbaufläche für die Zuckerrübe ver-! 1931. Ci» Nückaang des GesamterträgrrisseS um rinqcrte sich ebenfalls, sie betrug 1930 223.773.18.1 Prozent. Sonst ist weder in der Anbaufläche Hektar, 1931 nur noch 183.498-Hektar, ein Minus s lebenswichtige» GelreideS, bei Industrie Produkten von 17.1 gegenüber dem Vorjahre. Der Ertrag oder bei Futterpflanzen, eine wesentlich« Aende» der Zuckerrübe sank von 64,218.844 Zentner im rnng nock) im Ertrage gegenüber dem Vorjahre Jahr« 1930 auf 52,408.306 Zentner int Jahr« zu verzeichnen. ^Arbeitende Krauen tn Statten. Lustmord. In der Umgebung von Haidin bei Pettau(Jugoslawicn) wurde am Mittwoch ein furchtbares Verdreck)«« entdeckt. Dir 13jäh- rigr Maria Kmetec befand sich Montag mit einer Rinderherde" auf der Weide.?lls die Tiere allein hcimkamen, suchten die Angehörigen»ach dem Mädchen und sanden cs in einer Blutlache liegend in einem nahe gelegenen Wald tot auf. Ein« GcrichtSkommission stellte fest, daß das Mädchen von fünf bis sechs Männern vergewaltigt uitd nachher erwürgt worden war. Mit einem erschwindelten Auto über die direnji. Der vorbestrafte Pilsner Kaufmann Egon Kraus hat vorigen Samstag'einer Wiener Antosirma ein Automobil heraiiSgclockt und, wie die Polizei seil- stellte, noch vor der Entdeckung des Betruges mit dem heransgetockten Wagen bei Klingenbach die burgenländische Grenze in der Richtung nach Ungarn überschritten. Sonbrrausflug-iUgr. Ein Londcrausftugszug noch Hirsch berg und auf den Bösig wird von der Staatsbahndirvktion Prag-Nord Sonntag, den 10. Juli zum Preise von 68 kl(Berpfkegung inbegriffen) abgcfertigt werden. Der Zug ist bereits gesichert. Restliche Karten bei Kasse 13 auf dem Masarykbahnhofe.— Ein Sonderausflugszug nach Leipzig und Berlin wird in den Tagen vom 23. bis 2ß. Juki zum Preis von 378 X linklujive Perpflcgnng, Nachtlager, Aulorarfahrten, Eintrittsgebühren) abgeferligt werden. Abfahrt von Prag am 28. d. M. vor Mitternacht, Rückkehr nach Prag am 25. Juli-mitternachts. Der Zug wird in Gegen- ieitigkeit mit der Reichsbahn abgcfertigt, die ihrerseits wieder AusflngSzüge in die 62R. abfcrligcn wird. Anmeldungen werden bis Samstag, den i Juli abends entgegengenommcn.— Einen rondcrknrauf«ntha 1 t für 14 ,Tage in Trentschin-Teplitz für 700 X in den Tagen vom 1. bis 15. August veranstaltet die Staats« > hndircktioii Prägend. Im Preise sind inbegriffen die beiden SchneNzugSfahrten, Wohnung, Ber- psiegung, ärztliche Uctersuchung. Bäder und Unfallversicherung. Amneldungen(100 X Anzahlung, 2 X Einschreibgebühr) bis 25. Juli bei Kasse Nr. 18 auf dem Mlsonbahnhos. Belm ungarischen Nationallhtatrr und bei der königlichen Oper" sind am Donnerstag zahlreiche Mitglieder gekündigt worden. 16 Mitglieder des ungarischen Nationalthcalers wurden außerdem sofort entlassen. Außerdem wurden bei der Oper die Kontrakte verschiedener Künstler— ihre Zahl beläuft sich nach Blättcrmcldungen auf ungefähr 16— nicht erneuert. Volltswirtschaft und Sozialpolitik Aus der StaOsilk Ober die Ernte* ergebnlsse des Jahres 1931 die in den' letzten Mitteilungen des' statistischen SlaatSamtes enthalten sind, entiwhmen wir, daß die Anbaufläche für Winter- und Sommerweizen von 795.080 Hektar auf 828.408 Hektar gestiegen ist, das ist gegenüber dem Jahre 1930 eine Steigerung der Anbaufläche um 2.4 Prozent. Der Erlag hingegen fiel von 13,772.889 Zentnern auf 11,221.574 Zentner, das ist ein Minus voil 18.5 Prozent gegenüber dem Vorjahr«. Die Anbaufläche für Hopsen, die im Jahre 1930 15.560..Hektar betrug, sank int Jahr« 1931 auf 12.424..Hektar oder um 20.2 Prozent. Hingegen stieg die CrNtefläche sowohl für Früh- als auch für Spätkartoffeln, und zwar von 27.646 aus 37.755 Hektar bei Früh-, bei Spätkartoffeln von 635,556 auf' 680.658 Hektar, eine Per» größeruilg der Itnbanftächr bei.drühkorl,''---'', 36.6 Prozent und bei Spätkartoffeln um 7.1 Prozent. Ifuch im. Ernteerträge kommt der Mchr- ailbau fast in der gleichen Weise in Erscheinung, nämlich vei Frühkartoffeln ein Plus von 37.2 Pro^nt, bei Spätkartoffeln von 7.9 Prozent. TaS GesamterträgniS macht bei Frühkartoffeln 3,367.582, bsi Spätkartoffeln 93,895.551 Zentner Für»urzählige Menschen bedeutet das Lied der Mignon„Kennst Du das Land, tvo die Zitronen blüh»?" auch heute noch ein Stück Italien, wie cs sich die Phantasie des Nordländers seit Jahrhunderten vorgestellt hat: ein Paradies an landwirtschaftlicher Schönheit und ein Paradies der Lebensbcdingungen. Der FasciSmus hat in Verbindung nut der großzügig aufgezogenen Fremdenindustrie der Luxushotels alles getan, nm dieses Phantaficgebilde nach Möglichkeit noch zu unterstreichen, der Schilderung von Naturschönheiten noch die Beschreibung angeblich idealer sozialer Einrichtungen hinzuzusügen. Man muß selbst Italien zu Fuß durchwan- dcrn, abseits der breiten Straßen, abseits von LuxuSbädcrn und Fremdenindustrie, um zu sehen, wie in der heutigen Wirklichkeit die große Masse der arbeitenden Bevölkerung und unter ihnen vor allem die Frauen und Mädchen lebe». Das ergibt dann ein etwas mrdereS Bild, als es der Luxusreisendc malt, der am Auto die Kilometer durchrast, der sich in eleganten Bädern tn»d Kur orten aufhält und dann von dem ewig blauen Himmel nicht nur der Landschaft, smtdcrn auch der Lcbensbcdingnngcn schwärmt, von den Orangen, die einem buchstäblich in den Mund wachsen, und einer heiteren, lachenden, scherzenden Bevöl- kcrung, die wie in» Schlarassculaudc lebe. Wer als Wanderer oder gar Landstreicher durch Italien streift, der weiß, daß das Laich nicht nur berauschend schön sein kann, sondern, daß cs dort auch kahle, baumlose Hügel, trostlose Steinwüsten, öde, weite Steppen gibt. Ein heißer Wirch fegt über den ausgctrocknctei» Erdboden, der auch dort, wo Weinstock rind Oclbaum angepflauzt sind, viel Mühe und Arbeit erfordert. Im Süden Italiens trifft man überall iroch auf primitive Schöpsrädcr, die von Mauleseln bewegt werden. Frauen mch Mädchen holen das so kostbare, so bitter notwendige Wasser und schleppen es in Gärten urch Felder. Ihre Gestalten sind nteist schlank und biegsam, die Gesichter edelgeschnitten, mit kleinen Stirnen, schmalen Nasenrücken, ausdrucksvollen dunklen Augen. Aber die Kleidung ist ävnrlich und zerrissen. Schuhe kennen sie nicht. Barfuß klettern sie gewandt über Unebenheiten ttttb spitze Steine, den Wafferkrug auf dem Kopfe, die Eimer an beiden Händen. Ein Blick in die Wohnstätten, dir mit großer Bereitwilligkeit gezeigt. werden, enthüllt Elendsbildcr, die erschüttern. Kleine, niedrige Räume, Ställe für Menschen und Tiere, fast ohne jeden Hausrat: das ist da«„Heim" dieser Schwerarbeiterinnen. „Das Land ist Eigenttrm des Patrons, des Großgrundbesitzers", crtvchern sie auf unsere Fragen,„aber er hat cs in Pacht gegeben. Der Pächter hat cs wieder verpachtet und zwar in einzelnen kleinen Landstrichen. Die Pacht ist hoch— man weiß oft nicht, wie man sie aufbringen soll. Aber anderen geht cs»och viel schlimmer". Sie deuten niit der Hand hinüber nach einem Hügel, an dem gcbaitt wird. Große Tuffsteine werden dort abgeladcn. Bier junge Mädchen laden sich diese zentnerschweren Stücke auf den Kopf und schleppen sie den Hügel empor.„Was bckonnnen Sic für Ihre Arbeit?" fragen wir. Doch sie schütteln schweigend de» Kopf und schaue» ängstlich und verstohlen nach den beiden Schwarzhcm- den hin, die die Ladung überwachen. Ueberall stehen sie, die Wächter Mussolinis, und wer sich nicht fügen tvill, der wandert in die Gefängnisse, Die Arbeitslosigkeit ist groß, nicht nur in Deutschland, in England und Amerika,-sonder» auch im gesegneten Lande des FascismuS, und so muß man froh sein, wenn man Steine schleppen darf... Weiter führt uns der Weg an felsige» Abhängen, braunen, sonnenverbranntem Gestrüpp und blühenden Ginstcrbüschen entlang. Dann steigt man abwärts in die Ebene. Ei» großes Malsfeld breitet sich a»S. Fraven sitzen im Kreise unter dem spärlichen Schatten eines Johannis- brotbaumcS. Es ist Mittagspause. Sie essen trok- kcnes Brot und Pflaumen.„Was verdienen Sie hier bei Ihrer Arbeit?" Ein junges, schöne« Mädchen wendet uns dir leuchtenden schwarzen Augen zu.„Saldi", sagt sie, nicht ohne Stolz. (Etwa 10 Pfennige.) Als wir einwenden, daß das lehr wenig sei, sieht sie uns groß und Verständnis» los an.„Meine Mutter habe ich nie anders als am Wcbstuhl gesehen", sagt sie.„Sie begann vor Sonnenaufgang und arbeitete bis in die Nacht hinein. Aber der Kaufmann in Neapel gab ihr nur sehr wenig dafür. Mein Pater und meine Brüder waren Fischer. Und ich habe auch schon im Alter von vier Jahren mit meinen Schwestern gearbeitet. Aber satt geworden sind wir nie. Was wollen Sic— das ist unser Los!" Sie zieht ein Amulett ans ihrem Mieder und küßt cs. Und wie sieht cs in den Hütten der italienischen Heimarbeiterinnen aus? Da werden aus Bast zierliche Taschen geflochten. Seide, Perlen und Goldstickerei werden zu entzückenden kleinen Luxusgcgenständcn verarbeitet. Da werden Muster entworfen mch gemalt. Ta werden Korallen und bunte Steine zu Halsketten zusammengefügt, die dann an den BerkaufSständen, den Bazaren und in den Läden der Badeorte feilgehalten, viel bewundert und auch gekauft werden. Aber die Arbeiterin erhält nur einen Bruchteil deS Preise», der im Laden ausgezeichnet wird. Auch im Lande Mussolinis triumphiert wie in allen Ländern der Kapitalismus und der Profit d«S Unternehmers. Die fascistifchen Gewerkschaften sind nur seine Handlanger, und die Arbeiterschaft hat sich zu fügen. So sieht, die Wirklichkeit int heutigen Italien aus. So leben arbeitende Frauen'und Mädchen, ärmlicher noch als i» der Vorkriegszeit. Damals war alles billig in Italien. Heute aber ist die Preissteigerung so hoch geworden, daß die Kürzung der Löhne, die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit doppelt verhängnisvoll wirke». Nur die Angst vor der Gewalt schließt ungezählten Arbeiterinnen den Mund. Andere trösten sich in stiller Gottcrgcbcnhcit und halte» ihr schweres Los für unabänderlich. Sie beugen sich der Obrigkeit Mussolinis, weil die Religion sie gelehrt hat, daß alle Obrigkeit von Gott sei. Man müßte allen Frauen und Mädchen, die sich von de» deutschen Fascistcn, de»'Nazis, goldene Berge versprechen lasse», wünschen, daß sie Gelegenheit hätten, selbst einmal Italien zu durchwandern und mit ihren Klasscngcnossinncn dort zu sprechen. Denn nicht Phrasen und Versprechungen ins Blaue hinein, sondern unumstößliche Tatsachen und die harte Wirklichkeit müssen entscheidend sein für ihre politische Einstellung. E. M. neffitspilcge für Arbeiter und Angestellte. Al« großer Fortschritt konnte da« am I. August 1931 knndgemachte Gesetz vom 4. Juli f931 über die Arbeitsgerichte(Gerichtsbarkeit in Streitigkeiten aus den» Arbeirs-, Dienst, und Lvhrvcrhältnissr) begrüßt werden, das am 1. Jänner 1932 in Kraft getreten ist. Mit diesem Gesetze wurde ein« alle Forderung vertvirklicht und es war z»i hassen, daß ab 1. Jänner 1932 dir arbeitsrechtlichen Stritte überall dem verciu- fachten und verbilligten Gerichtsverfahren nach dem Arbeitsgerichtsgesetzc zngeführt werden. Mit der Durchführungsverordnung vo>n 1. Dezember 1931 wurde angeordn«!, in welch«»» Orten selbständige Arbeitsgerichte und besondere Abteilungen für Arbeitsstreitigkcilen bei de» Be- zirkSgcrichten zu erricht«»» siild. Wie der Tätigkeitsbeginn der Arbeitsgerichte durch daS Hinaus schieben der Beisitzer-Ernennungen Verzöger« wurde, ist bestinnt. Schon dadurch wurde das Gesetz, das tatsächlich seit 1. Jänner 1932— aber nur theoretisch— in Kraft steht, in seiner Auwei», dnug zunächst illusorisch gemacht. Nur dort, wo früher Gewerbegerichte bestanden, die Nun in Arbeitsgerichte umgewandelt wurden, konnte die Tätigkeit, wenn auch nicht mit 1. Jänner 1932, so doch im April nach wenigsten» teilweiser Ernennung der Beisitzer aufgcnon»men werden. Aber in jeneir Orten, in denen jetzt auf Grund de» neuen Gesetzes selbständige Arbeitsgericht« oder Abteilungen für Arbeitsstreiligkeiten bei bett Bezirksgerichten zu verrichten sind, hat sich ein Zustand entwickelt, der die Angestellten und Arbeiter vorerst nicht nur um die Anwendung de» ArbeitsgerichtsgesetzcS, sondern überhaupt um die 'Möglichkeit bringt, ihre Rechte gerichtlich geltend zu machen. Man würde es nicht glauben, daß ein Gesetz ztvar seit 1. Jän»»er 1932 in Kraft steht, aber nicht angewendet werden kann. Dennoch ist es so. Mit der Tstwvrdnuitg des Jnstizminifters vom 17. Märs 1932 wurde verlautbart, daß die Arbeitsgerichte in jenen Orten, in denen lrüher keine Gcwerbcgerichtc bestanden, sowie die Abteilungen der Bezirksgerichte für ArbeitSstreitig- keitrn ihre Tätigkeit mit 1. September 1932 auf- zunehme»» haben. Dies hat zur Folge, daß in den betreffenden Orten und Gebieten di« bisl)erigen ordentlichen Gerichte(Bezirks- und Krcisgrrichtr) für die Stveitigkeite»» aus dem Arbeit--, Tienst- und Lehwcrhältnissr seit 1. Jän»»er 1932 nicht mehr zuständig sind, die neuen Arbeitsgerichte, bgv. arbeitsgerichtlichen Abteilungen der Bezirk», gerichic aber die Tätigkeit erst an!-1. Septeniber 1932 anszunehmen haben und infolgedessen in der Zeit zwisck)«»» dein 1. Jänner und dem 31. August 1932 kein zuständiges Gericht für di« Entscheidung solcher Fälle vorhanden ist. Es kännerr wohl Klagen vnigebracht niid«ntgcgengcnommrn werden, es»vcrden aber keine Verhandlungen anbe» räumt und es kann infolgedessen in. dieser Zeit kein Arbeiter und Angestellter in einem Streitfälle anS seinem Dienst- und Arbcilsvcrhältnisse auf gerichtlichen» Wege sein Recht, finden.- Wenn man versucht,»vegen des Nicht« bestehens des Arbeitsgerichtes«wer der arbeiis- gerichttichen Abteilung eine Klage bei dem nach den früheren Bestimmungen zuständigen Bezirks- oder Kveisgerichte einzureichen, dann wird die Klage»vegen llnznständigkcit des Gerichtes abgewiesen. Das ne»» zu errichtende Arbeitsgericht, bzw. di« neu zu errichtende arbcitsgevichtliche Abteilung besteht aber nock) nicht, kann also noch nicht amtieren und damit ist dem Angestellten oder Arbeiter trotz eiiies in Kraft stehenden Gesetzes der Rechtsweg vorläufig abgelchnstten! So schaut cs in der Tschechoslowakei mit der Anwendung von Gesetzen ans, dir an sich einen begrüßeitSwertcn Fortschritt darstellen. K. L. Der Tor. Bon Wilhelm Lennemann. H«iß flammt di« Sommcrsoni»« über die Felder. Ein jedes Hälmlein ist in eine schim- mcrndc Lichthülle getaucht, lieber den gelb«»» Roggcnäckern zittert die Luft in heißen Wellen. Tie Erde brennt, der Himmel glüht. J»i ehernen», leüchMdeiw Glanze strahlt der blaue Himmel. Milde und still liegen die Felder. Kein Gräslein. mag-sich rühren. Schlaff und matt neige»» sie.-sich der ausgedörrten Erde zu. Nur d«r rot« Mohn und der stolze Rittersporn schauen unbeirrt, in die-Helle, heiße Lohe. Ueber dcii schmal«»» Ackerrain schreitet lässig ein Wanderer.' Hohl scheint sein Auge aus dem knochige»» Gesichte. Tief ii» die^Stirn hinein hat er de»i Schlöpphnt gezogen. Schlaff und faltig hängt der Mantel un» die dürre Gestalt. Wo er schreitet, da verdorren Gras und Blumen. Wo seine Harle Ha»»L die Halme streife»», sinken sie sterbensmatt z»i Boden. Nun bleibt der Fremde stellen. Sein, dunkles Auge sieht über die Accker und Felder himveg nach den nicht gar fernen Sanükuhlen. Dahin lenkt er seine Schritte, lang, sam und'gkrühig; er Hai Zeit; er kommt immer noch zu früh. AN den Rand der,Gruben letzt er sich, in.die glül;«ndc Sonne. Hock» und»vcit schaut er in die blaüen Feuer des Himmels. Ueber ihn hin weht der heiß« Mislag. Lod«ri»d uin- brandät ihn dii stainmeudc Helle. Mißmutig wirft er sich auf die Seil«»»nd blinzelt mit halb« geschlossenen Äugen aus de»» schmalen Sandweg, der nach;.der Grube führt. Schläfrig liegt er, träumend, und wartend. Da springt der Schläfer auf.— Ein alter Mann humpelt langsam der Sandgrube zu. An jeder Hand häiigt ihm ein HenkeUorb. Nur schwer kommt er in dem Sande und der drük- kenden Schwüle voran. Pom Kirchturm jenseits der Felder schlägt cs Mittag. Silber» fallen zwölf Tropsei» in di« tiefe Stille... Der Alte schrickt aus; eilend wird sei»» Schritt. Müde und matt koiitmt er in der Sa»»dknhlc an. Ter Knöcherne oben wirst sich auf den Bauch. Weit streckt er den Kops über de»» Rand und sicht in die Sandgrube hinunter. Der Alte hat seinen Korb hingestellt. Bier Arbeiter, hemdärmelig und braungebrannt, treten zu ihm. Sic nehmen ihren Eßtopf auS dem Korbe und Huken sich an die saft senkrechte, sandige Wand, die ihnen einen ichmalen. dürftigen Schatten gewährt. Schweigend essen sie, bedächtig und genügsain. Hungrig sind sie, und die Kehle ist ausgedörrl; da schwätze, wer mag. Der Alte steht einige Schritte vor ihn«»» und schaut auf sic. Er ist nicht hungrig, nur müde und lebenssatt. Er l>at genug der Sommer und Win- ter geichen. Die Welt und er haben sich nichts mehr zu sagen. Nun wartet er... Tie Arbeiter haben ihren ersten Hunger gestillt. „Heiß ist es zum Ersticken!" lnurrl der eine. „Oho," meint der andere,„besser als kalt, und sterbe»» mag ich noch lange nicht." Er schüttelt leinen blonden Kops. „Sterben!" lacht der dritte und steht auf und reckt' seine nervigen Arme.„Ich sterbe!n hundert Jahre» noch nicht!" Neber ihm lacht es leise und höhnisch, und zwei kalt« Atigen schaue»» spöttisch herab. Aber die vier sehen und Horen den da obc»» nicht. „Hundert Jahr'," nimmt der vierte das Gespräch wieder auf. ,das ist nian was viel!" Er zündet sich seine Pfeife ai» und bläst nachdenklich eine dicke Rauchwolke vor sich hin—„und's Tagewerk ist auch noch nicht geschasst, heut' nicht und für mein Leben noch nicht; da ist nock) viel Arbeit, die aus mich»vartet!" schließt«r seine Ge- dankeureit)«, die er während des Rauchens stumm ausgestellt. „Ja, und ich wollt' auch meine Kathrin erst freien, wünscht der Blo»»de,„und..." Er stockt und, schweigt»vic beschämt.„And... Und..." lacht btt Aellere mit der Pfeife und lächelt halb wissend. „Und, na ja,.. und auch nock) ein paar kräftige Jungs hab«»»; das ist doch nicht zu viel!" „Ich wllßt' mir was Besseres" sagt der erste nachdenklich, wie in sich hinein. „Da bin ich doch n«ngi«rig," ermunlcrt's ihn. „Ich möck)t' Wohl mal einen ganzen Som- n»cr durch die Welt reisen, durch all ihre Pracht und Helle, ihre Wunder und Heimlichkeiten. Ganz sorglos Himmel und Erde mit all ihren Gütern und Sck)önhciten genießen. Wer das könnt'; ich glaub', der müßt' gut werden!" „Nicht übel!" antwortet einer,„faulenzen tät' ich auch schon!" „'s wär kein Faulenzen!'" „Läßt'ü gut sein," entscheidet der Aellere mit der Pfeife.„Jeder richtet sich sein Leben nach sein«»»» Gusto ein," und er wendet sich dann den» Alte»» zu, der da abseits und schiveigend vor ihnen steht:„Und wie ist's mit dir, Krischan, magst du auch nicht sterben?" „Lieber heute denn morgen!" antwortet der Alte ehrlich. „Da, komn» her, setz dich ein ivenig zu und; da sterben wir halt alle mite!»»ander!" Langsam n»achl der Alle einen Schritt..,. Aber damit ist-*-- Jaleva» Mtfcea hat Xaiif dUU>Z terechaet, M WAaMuMM Drateaachlatz.— KichUgu*^ baa M M Iwleodae» kn* Wran-Urania-Kino tlniltte« iieiiiuhet»Ino Prada Siegfried Arno, Varese«. Lud« Endlich In: „Um eine Nasenlänge“ Gin lustiges Spiel um das berühmte Berliner Sechstage- » rennen. Ortsgruppe Prag. 10. Juli: Trefspnnkt um 7 Uhr am Wilson- bahnhof, Fahrt nach Pikovic im Sazavatal, Rücksahrkarten, führt Schörpner. Arbeiter-Abstinenten, Ortsgruppe Groß-Prag. Die Prager abstinenten Genossen und Genossinnen veranstalten am 10. Juli einen Tagesausflug nach vernolicc bei Dobkichovie.(Lohnender einstündiger Fußmarsch durch schönen Wald.) Treffpunkt Sonntag früh um halb 8 Uhr Abfahrtshalle Smichover Bahnhof. Die abstinenten Genossen und Genossinnen haben vollzählig zu erscheinen. Gäste zu diesem int Zeichen der Alkoholabstinenz stehenden Ausflüge sind willkommen. lleherdroß an sdiOnen Filmgesidilßrn. Dir Schauspielerin von heute muß charaktervoll und klein fein.— Hollywood stellt sich um. Der lockende Beruf der Fitmsämuspieleriu, der auf so viele Frauen aus verschiedenen Gründen eine große Anziehungskraft ausübi, ist heute nur noch den jungen Mädchen anzuraten, die wirklich schau spielerisches Talent haben. Schönheit allein tut er nicht mehr, während noch vor etwa drei Jahren «in wirklich hübsches Mädchen alle Aussicht hatte, weltberühmt zu werden. Heul« aber verlangt inan auch im Film ein« interessante Persönlichkeil und starkes Können. Unter den CharakterdarsieUerinneu haben daher auch die älteren Kräfte jetzt gute Aussichten. So ist eine der beliebtesten Künstlerinnen in Hollywood augenblicklich die auch in Deutschland bekannte Marie Dreßler, die schon sechzig Jahre alt ist. Ruth Chatierton hat di« Dreißig längst über schritten, benützt aber bei Ausnahinen keinerlei Schminke, da sie auf ihr charakteristisches Gesicht stolz ist, das ihr ihren Ruhm verschafft hat Joan Blondell, eine New Yorker Bühnenkünst lerin, macht in jeder Rolle, auch wenn sie noch so klein ist, Aufsehen und ist allgemein beliebt, oben weil sie, ohne schön zu sein, eine ausgeprägte Per sönlichkeit ist. l sicht heim Film als di« Walkiircngestalten oder auch Dir Halbrumänin Sylvia Sidney wurde von I„ur sehr große, schlanke Figuren. Man denke an Pew York nach Hollywood geholt, weil sie spielen I Mary PickfordS Erfolg, der zu einem Teil sicherlich Der Abtransport der Sokol» und der Gäste, die Mittwoch Prag verließen, gestaltete sich bei dem ungeheuren Andrang sehr schwierig. Besonders am Denisbahnhof kam es zu unliebsamen Szenen, die sich geradezu gefährlich gestalteten. Da die Züge mit mehr oder weniger Verspätung abaingen, drängten sich die Massen der Fahrgäste iii der Abfahrtshalle und in den Wartesälen, wobei es bei der Hitze und längerem Warten vielfach zu Explosionen der Volksseele kam. So vor allem vor Abgang des Zuges, der gegen Königgrätz-Chlumetz geht und auf dessen Abgang Hunderte, vielleicht.tausende Festteilnehmer warteten. Im Wartesaale dritter Klasse kam cS zu unerquicklichen„Debatten", weil die Menschen — durch das lange Warten und die große Hitze nervös geworden,— von den der Tur am Nächstcnstehenden verlangten, sie mögen die Türen aufbrechen und sich so den Zugang zu den Zügen verschaffen, was die Vornestehenden, offenbar mit Rücksicht auf die Folgen zitier solchen Maßnahme, zu tun ablehnten. Schließlich öffnete man das Fenster und der Strom der Reisegäste nahm diesen aus Bahnhöfen ungewohnten Weg auf den Perron. Als dann die Türen geöffnet wurden, gab cs einen bedrohlichen Sturm auf den bcreitstehendeu Zug, dem sich entgegenzustellen niemand in der Lage gewesen wäre. Von Disziplin war da nichts zu bemerken und rücksichtslos verdrängte der Starke den Schwachen. So kam es, daß die Männer Plätze gefunden hatten, während ihre Frauen und Bräute durch die Wagensenster nachtransportiert werden mußten. Dabei gab es allerlei ernste und heitere— für die Betroffenen manchmal auch recht peinliche— Zwischenfälle. Schließlich waren die Wagen vollgepfropft, inklusive der Klosetts und in Schweiß gebadet fuhr der Transport ab. Der Sturm ging auf den nächsten Zug.— Solche Massen werden nie ohne Aus- und Zwischenfälle befördert werden können, aber wir haben schon fcststellen können, daß es wo anders dabei ein bißchen ruhiger, gemütlicher und dann auch weniger gefährlicher als hier zuging. Im Urania-Kino war, wie uns geschrieben wird, während des Sokolkongress«- die einzige Gelegenheit geboten, in Prag einen deutschen Film zu sehen. Für die Kinobesucher war da- nicht besonders angenehm, für das Urania-Kino hätte da- unter Umständen ein großer geschäftlicher und moralischer Gewinn sein können, wenn dort die Geschäftsleitung«in bißchen umsichtiger, vielleicht auch tüchtiger wäre. Denn träfen diese Umstände zu, dann hätte, in den letzten Festtagen vor allem, ein Film laufen nrüstrn, den sich ein ernster Mensch auch ansehen kann. Stott dessen lief ein Unsinn, der einem den Aufenthalt im Kino zur Qual machte und bestimmte, seinem Nächsten zu sagen, der einzige deutsche Tonfilm in Prag sei ein großer Blödsinn. Gerade in diesen Tagen mußte ein bedeutender oder zum mindesten ein guter Film zu sehen kein, um dem in ein« Seitengasse gedrängten deutschen Tonfilm die Beachtung, die er verdient, zu sichern. So aber lief ein deutscher Film in Prag und der war nicht- wert. IM » Wo verkehren wir?