Nr. 62. Admmtments-Kedwgungen: BbonnementZ-Preis pränumerando! Vierteljährl. SM MI., monall. uoMl., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag»» Nummer mit illustrirter Sonntag»» Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg. P oft» Abonnement: SM Marl pro Quartal. «ingetragen in der Post- Zeitung». Preisliste für ISSS unter Sr. 732». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. IS. Jahrg. «rschrink tigllch«utzer Wonkag». Devlinev Volksblakk. Die Jnserttons- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltene»olonel, zeile oder deren Raum 40 Pfg.. für politische und gewerlschastltche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi» SUhr vormittag» g-ösfnet. Fernsprecher: Amk I, Dr. 1508. Telegramm-Adresse: „Solialdemostral Berlin11.' Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SM. 19, Venth-Stratze 2. Expedition: SW. 19. Beuth-Strak- 3 Militärkonflikt? Im Reichspalast wirbelten heut AuflösungSgerüchte von Gruppe zu Gruppe. Einige Herren, die etwas wissen können, versicherten mit hochgezogenen Brauen und geheimnisvollem Raunen: Es ist etwas im Werke— die Situation ist wirklich sehr ernst— an.höchst er Stellei' herrscht Unwille über die Beschlüsse der Budgetkommission! Man sieht der Dienstagsitzung mit größter Spannung entgegen. Alle Parteien haben ihre Mannschaften herbeitelegraphirt. Mannig- fache Kombinationen, wie die Abstimmungen ausfallen werden, ob schon am Dienstag oder am Mittwoch die entscheidende Abstimmung über die Jnfanterievermehrung fallen wird, was die Re- gierung alsdann thun wird, werden ausgeklügelt. Man wirst den Auflösungsverkündigern ein: Aber der Kriegs minister hat doch in der Kommission die Sache nicht so tragisch ge- nommen. Das ist es ja gerade— ertvidern jene—, der Kriegs- m i n i st e r hat den Braten verdorben, er soll springen. Und mit ihm vielleicht der R e i ch s k a n z l e r, der vorsichtige Alte, der vor Heftigkeiten scheut und vor Konflikten warnt. Ja selbst der„oben' so beliebte Bülow, der eine extreme Politik verwirft, könnte ins Wanken gerathen. Wer aber steckt hinter der Hätz? Kein anderer als der Mann im Kastanienwäldchen, der Liebling der Agrarier, Herr v. M i q u e l. Miguel winkt und die ganze agrarische Meute schießt laut bellend hervor, kläfft wider die Lauen der Regierung, die nicht alle ihre Wünsche erfüllen, wider den Kanzler, wider den verhaßten Schatz» sekretär, wider den Staatssekretär des Auswärtigen. Und zugleich geht es gegen das Zentrum. Diese Partei hat zwar jede Spur von Demoftatie und Bolksinteressen- Wahrung weit hinter sich gelassen, hat Marine- und Militärforde- rungcn sonder Zahl bewilligt, hat sich als regierungswürdig und vollgiltiger Ersatz des absterbenden Nationalliberalismus er- wiesen— aber den Agrariern und Nationalliberalen kocht doch das Innerste von Groll, daß diese Partei den Ausschlag giebt in allen großen parlamentarischen Fragen. Welch' edles Ziel, das Zentrum aus dieser Stellung zu verjagen I Und wie gern lauscht mau an gewissen Stellen der Re- gierung dem Haßwort gegen das Zentrum, denn auch die Regierung fühlt sich beschwert durch die Allmacht des Zentrums, das immerhin nicht ganz so leicht zu handhaben, wie die Kartellparteicn seligen Angedenkens. Zu alledem der Unwille des Kaisers, daß ein Theil der Militär- forderungen nicht bewilligt werden soll! So erklärt sich die Spannung der Gemüther. Man möchte etwas unternehmen. Man droht. Aber wird man etwas wagen? Selbsttäuschung und politische Unklugheit müßte innerhalb der Regierung über alles übliche Maß hinaus zur Macht ge- langen, wenn sie es wegen der 7000 Mann Infanterie auf eine Auflösung des Reichstags ankoinmen lassen wollte Dem Zen- trmn würde eine überaus günstige Situation geschenkt werden; seine BolkSverräthercien würden mit dem Glorienschein der Bolksthümlich- kcit gekrönt werden und kein einziges Mandat würde ihn» im Wahlkampf abgenommen werden. Und die Linke, insbesondere die Sozialdemokratie, würde nur gewinnen und zwar in sehr hohem Maße, wenn die Regierung jetzt an die Wähler apellircn ivollte. Niemand im Volke würde diese Auflösung verstehen und der Zickzackkurs würde unter homerischem Lachen des ganzen deutschen Wählerthums eine Niederlage erleben schwerer denn je. Oder will man etwa die Niederlage? Will die Re- gierung noch höher hinaus? Will man durch die Niederlage beweisen, daß mit dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht nicht zu regieren ist? Glauben die Scharfmacher um Stumm ihre Stunde gekommen? Fürchtet man, daß dieser Reichstag doch nicht so leicht jegliches Zuchthausgesetz apportiren wird? Sinnt man auf Wahlrechtskiirzung? Wohlan, das deutsche Volk kennt die Wohlthaten, mit dem eS die Reaktion beglücken will. Das deutsche Volk würde eine Wahlschlacht schlagen, deren Ausgang jede Lust zum Staatsstreich, zum Umsturz von oben auslöschen müßte. Am bemerkenSwerthesten scheint unS der Eifer, mit dem die Agrarier und die Scharfmacher zum Militärkonflikt Hetzen. Sie scheinen in der That ans ihrer jetzigen Lage heraus zu wollen. Die heutige Intimität mi England und Amerika ist ihnen verhaßt. Dahinter wittern sie ölitische und Ivirthschaftliche Gefahren. Die westliche Demokratie Furchten sie eben so sehr, wie sie die tranS- atlantischen Schildlä ,e und Trichinen lieben. Dieser Reichstag hat über die Handelsverträge zu bestimmen. Die leitende auswärtige Politik liebäugelt mit der verhaßten Konkurenz. Da drohen für die Agrarier Gefahren. Sie suchen also zeitig, einer zweiten Eaprivi-Aera vorzubeugen. Sie haben Ursache, konflikts l ü st e r n zu sein, ebenso wie die Wahlrechtsfeinde. Aber wird man in der Regierung konflikts m u t h i g sein? Das Kriegsbndget in der französischen Kammer. Pari«. 12. März. Die Zeiten scheinen vorbei zu sein, wo das Kriegsbudget in der französischen Kammer vor lauter„patriotischer' Ehrfurcht so zu sagen, blindlings und schweigsam votirt wurde. Die fortwährenden Neu- forderungen werden zwar, wie das in der Aera der internationalen Wettrüstüngen selbstverständlich ist, unermüdlich bewilligt, aber die parlamentarische Behandlung des Kriegsbudgets wird von Jahr zu Jahr e r n st e r. Die Berichte der Budgetkommission und die Debatten rücken der Militärverwaltung immer energischer auf den Leib. Der jahrzehntelange thatsächliche Mangel an jeder parlamentarischen Kontrolle hatte zu einer Mißwirthschaft geführt, die schließlich den militärftommsten Politikern die Augen öffnen mußte. Die anti-militaristische Agitation im Gefolge der Drehfus- Affäre hat dann an ihrem Theil sehr viel dazu beigetragen, die öffent- liche Aufmerksamkeit auf die Selbstherrlichkeit der militärischen Bureaukratie zu lenken. Die Aufdeckung der Mißstände in der französischen Militär- Verwaltung bietet ein allgemeineres internationales Interesse, indem dadurch die anderwärts aus den französischen Rüstungen hergeleiteten Argumentes für die eigenen Neurüswngen entsprechend an Beweis- kraft verlieren. Ist auch die Landheer- Verwaltung Frankreichs weniger mangelhaft als die Marine-Verwaltung. so ist doch auch dort der Abstand zwischen den auf dem Papier stehenden Zahlen und der Wirklichkeit erheblich genug. Vom internationalen Standpunkt ist besonders erwähnenswerth die in der diesjährigen Kriegsbudget-Debatte eingehend behandelte Frage der P r ä s e n z st ä r k e. Der General- Berichterstatter des Budgets, der Linksradikale Camille Pelletan, hatte schon in seinem allgemeinen Expos« die scheinbare Erhöhung des Effektivbestandes scharf kritisirt. Er lieferte den Nachweis, daß im Jahrgang 1893 nicht weniger als IS 000 kränkliche, dienstuntaugliche Rekruten in die Arnree eingereiht wurden—„ohne jeden Nutzen für den militärischen Zweck, einzig um beträchtlichere Kräfte aufs Papier zu setzen, um den Effektiv bestand scheinbar zu erhöhen...' Auf diele Weise „soll ohne Zweifel die Vermehrung der Kadres und des General- stabs-Personals gerechtfertigt werden. Ich würde lieber die Kanonen als die Generäle vermehrt wissen." Die dann auf Verlangen der Budgctkommission gegen den Mißbrauch erlassenen ministeriellen Rundschreiben sind unbeachtet geblieben. Der Prozentsatz der Untaug- lichen bleibt in den letzten Jahren nach wie vor regelmäßig um S pCt. niedriger als früher>30 gegen 3S pCt.). Die Folge davon ist eine Geldverschwendung nicht nur für die gewöhnliche Verpflegung des militärisch nutzlosen Mehrbestandes, sondern auch noch für die Spitalkosten. Der radikale Abgeordnete Aimoud zog einen detaillirten V e r- gleich zwischen der französischen und der deutschen Präsenzstärke. Danach steht Frankreich für das Jahr 1899 mit seinem Effektivdestand von ö(31 000 Mann hinter Deutschland um 20 000 Mann zurück. Im Kriegsfall wäre Frankreich noch ungünstiger gestellt, da in seinem Effektivbestand die in Algerien und Tunis stationirendcn Truppen, 70 000 Mann, eingerechnet sind und es sehr zweifelhaft erscheint, ob diese Truppen rechtzeitig Verwendung fänden. Dieser Umstand hat bekanntlich den Plan einer besonderen Kolonialarmee ins Leben gerufen, welche vornehmlich aus den Ein- geborenen zu bilden wäre.' Alles in allem schlägt Aimond die wirk- liche Ueberlegenheit Deutschlands auf 90 000 Mann an— und das wohlgemerkt, ohne Berücksichtigung der neue st en deutschen Militärvorlage. Doch das sind nur Bruttozahlen. Zieht man den militäri- scheu Werth deS Effektivbestandes in Betracht, so tritt Deutsch- lands Ueberlegenheit noch drastischer hervor. In der Infanterie zählt Frankreich 3ö0 000, dem gegenüber 385 000 in Deutschland, in der Artillerie 77 000 gegen 82 000, ini Genie- und Vionir- Korps 12 900 gegen 20 950 und nur in der Kavallerie 71 775 gegen 67 000. Jnsgcsammt zählt also Frankreich in seinen K a m p'f truppen rund 27 000 Mann weniger, während sein ge- sammter Effektivbestand ieiuschließlick Algerien und Tunis) um 20 000 Mann niedriger ist. Diese Differenz erklärt sich aus dem Ueberwuchern der administrativen T r u p p e n t h e i l e, die in Frankreich 7 pCt. des Effektivbestandes bilden gegenüber 4 pCt. in Deutschland. Dieselben Verhältnisse zeigt der Vergleich zwischen dem fran- zösischen und deutschen Ofnzierkorps. Es giebt insgesammt 28 863 französische Offiziere gegen 31 420 deutsche, macht ein Mehr von 2567 Offizieren für Deutschland. Dagegen besitzt Deutschland in seinen Kampf truppen allein ca. 4000 Offiziere mehr— iviederum wegen der unnützen Ausdehnung des Verwaltungswesens in der französischen Armee. Die finanzielle Folge davon ist abermals eine weitere Geld- Verschwendung für die soenannten„Dienst- und Bureaukosten', die mit der Landesvertheidiqung nichts gemein haben und in Wirklich- keit in die Taschen der ohnehin fettbezahlten Militärbeamten fliegen. Hierüber heißt es im Bericht des gut bourgeoisen Berichterstatters, deS Kriegsbudgets. Boudenoot:„Die Dienstkosten für die Generäle umfassen die Bureaukostcn und das, was man ehedem Repräsentations- kosten nannte. Gegcmvärtig werden sie als ein B e st a n d t h e i l deS Söldes betrachtet und folglich auch dann verrechnet, wenn man nicht repräs e'ntirt, insbesondere in Paris.' Der radikale Abgeordnete Gonzy durfte konstatiren, ohne Widerspruch zu erregen, daß der Berichterstatter des KriegsbudgetS bei all' seiner allseitig anerkannten Sachkenntniß nicht im Stande wäre, die Frage zu beantworten:„Wie groß sind die Einkünfte eines Divisions- generalS in Paris?'... Das spricht Bände. Desgleichen sagte Pelletan, er kenne sehr gut das deutsche, englische, österreichische Kriegsbudget, eS sei ihm aber nicht gelungen, das— absichtlich verworrene und vage— französische Kriegsbudget zu begreifen... Die Ausführungen des Abg. Aimond über die Präsenzstärke wurden vom Kriegsminister Frey'cinet als richtig anerkannt. Nur suchte er den Eindruck mit den obligaten optimistischen Redensarten abzuschwächen. Das einzig interessante an seiner Rede ist die kate- gorische Erklärung, daß Frankreich wegen des Bevölkerungs-Still- standes nicht daran denken könne, in Bezug auf die Zahl mit Deutschland zu konkurriren. Es gelte daher„die Quantität durch die Qualität zu ersetzen'.'. � Die sozialistische Partei, die allein den Militarismus prinzipiell bekämpft, griff in die Generaldebatte ein mit einer ausgezeichneten Milizrede des Genossen Edouard Vaillant. Es ist die erste diesen Gegenstand ausführlich behandelnde Rede in der französischen Kammer. Unser Genosse beganii mit einem zeitgemäßen Hinweis auf die politische Situation Frankreichs:„Wir leiden in diesem Augenblick an einer akuten inilitaristischen Krise. Es ist klar, daß entweder der Militarismus die Republik tödten oder die Republik den Militarismus ausmerzen und ihn— für den Anfang— zu ihrem Heil der Zivil- lewalt unterordnen wird..." Die Abschaffung des Militarismus ei nur auf dem Wege der Miliz möglich. Vaillant desinirte die Miliz, jwie sie von der internationalen Sozialdemokratie verstanden wird, als die„Identität deS Bürgers und des Soldaten. Die Armee steht dann nicht mehr der Nation gegenüber, sondern bildet mit ihr eine Einheit. Die stehenden Armeen sind vorzugsweise das Regierungs- Werkzeug einer Dynastie oder einer herrschenden Klasse. In der Miliz giebt es dagegen keine Scheidung zwischen Volk und Armee und daher auch nicht die Benutzung eines bewaffneten Theiles des Volkes zur Knechtung des gestimmten Volkes..." Ein weite«? Unters chei dungSmerkmal der Miliz ist die Vereinheitlichung der zivilen und militärischen Funktionen. Der Milizmann ist für keil*« Augenblick vom bürgerlichen Leben abgeschnitten. Die Kaserne vir- schwindet. Die militärischen Hebungen finden statt am Wohnorte der Bürger. Die technischen Mittel'zur Herbeiführung der Miliz sind: die allmälige Herabsetzung der Dienstzeit und die militärische Ausbildung der Jugend. Hervorzuheben ist noch die Meinung Vaillant's, daß Frankreich am ehesten im stände wäre, an die Anbahnung der Miliz zu gehen, selbst aus eigener Initiative, ohne vorheriges internationales Ab- kommen. Die unerläßliche und erwünschte Bedingung dafür sei eine „entschieden republikanische und ausschließlich defensive Politik. Wir wären dadurch vor einer Invasion gefeit. Da wir niemand mit Eroberungen drohten, hätten wir nichts zu fürchten. Ja, die Freund- schaft aller Völker wäre uns gesichert.' Zu einer Milizdebatte ist es nicht gekommen. Die bürgerlichen Redner begnügten sich mit einigen beiläufigen Redensarten über die „akademische" Frage. Es wird aber ihnen eine solche Debatte nicht erspart bleiben, und zwar bei Berathung des von Vaillant und Genossen eingebrachten Milizentwnrfs.— Nolikifiitze Mebevflrhk. Berlin, den 13. März. Reichstag. Nachdem der Reichstag am Montag den Etat des AuS- wärtigen Amtes erledigt hatte, behandelte er in zweiter Lesung den Antrag Rickert betreffs Sicherung des Wahl- geheimnisses. Unser Parteigenosse H e r z f e l d ergriff diese Gelegenheit, um zahlreiche gröblichste Wahlrechts-Beein- fluffungen im Lande des Ochsenkopf-Wappens zur Sprache zu bringen. Er zeigte, wie in Mecklenburg, seitdem die Sozial- demokratie dort in schnellem Vormarsch den alten Parteien gefährlich geworden, die Behörden bemüht sind, reichsgesetzliche Bestimmungen zum Schutze der Wahlfreiheit und der Wahl- Vorbereitung durch landesgesetzliche Bestimmungen, Ver- waltungsverordnungen und Gesetzesauslegungen mannigfacher Art zu durchbrechen. Er kritisirte in wirkungsvoller Weise das neue Sonntagsruhe- Gesetz, das angeblich aus religiösen Motiven entsprungen sei, in Wahrheit aber nur ein Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie darstellte. Zwei konservative Herren machten ihrem heimischen Wappen alle Ehre, indem sie bei dem Wunsch, die gerügten Vor- kommnisse zu vertheidigen, die Ungesetzlichkeit derselben selbst zugaben, aber sie für lobenswerth erklärten, weil sie gegen die Sozialdemokratie gerichtet seien. Gegen diese Auffassung wandten sich Abg. Bachem und Abg. P a ch n i ck e, der den konservativen Herren vorhielt, daß durch derartige Polizei- gesetze und Ausnahmebestimmungen die Sozialdemokratie nicht geschädigt werden würde. Von der süddeutschen Volkspartei befürwortete Abg. Friedrich Hausmann und von den Elsässcrn Abg. Wetterls den Antrag Rickert. der schließlich mit erheblicher Mehrheit angenommen wurde. Ein Antrag v. Heyl- Herrnsheim auf Einsetzung einer Reichskommission zur Beaufsichtigung der mehreren Staaten gemeinsamen Wasserstraßen wurde angenommen, der anti- semitische Schächtantrag von der Tagesordnung abgesetzt. Schließlich wurden eine Anzahl zum Theil wichtiger Petitionen behandelt, die das Haus zumeist dem Reichskanzler als Material überwies.—_ Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung des KulwS- etats fort und erledigte, da die Debatte wieder in allerlei neben- sächliche Fragen auslief, noch nicht einmal das Kapitel„Höhere Lehranstalten". Die meisten der in der Diskussion angeregten Fragen sind rein technischer Natur, von Wichtigkeit ist nur die ent- gegenkommende Haltung, die die Regierung dem Wunsche auf Zu- lasfung der Realgymnasial- Abiturienten zum Studium der Medizin bewies, sowie eine mit großer Auf- merksamkeit vom ganzen Hause aufgenommene Rede des Abg. Dr. Birchow über den Rückgang der Allgemeinbildung unter der st udirenden Jugend. Morgen: Fortsetzung und kleinere Vorlagen.— Deutsches Weich. Indien gegen die Zuckerprämien. Unsere Liebesgaben-Empfänger werden recht erstaunte Gesichter machen, daß ihnen mit emem Male Gefahr von einer Seite droht, über deren Kampflust sie zuletzt gern spotteten. Die konservative englische Regierung, unter Führung Chamber« lains, liebäugelte vor einem Jahre von neuem mit der Forderung, Ausgleichszölle gegen den subventionirten Rübenzucker zu schaffen. Man wollte, soweit es irgend ging, den tropischen Kolonien zu Hilfe kommen, deren Zuckerrohrplantagen immer mehr dem Ruin entgegen- gingen. Das englische Konsumenteninteresse an billigem Zucker zun, ünmittelbaren Verzehr und zur Biskuit- und Jamfabrikation erwies sich schließlich jedoch stärker als das Interesse am Profit des Kolonialkapitals. In England selber ist man so wieder still ge- worden. Aber man verfügt über die indische Zollverwaltung. Auch in Indien soll der AuSfuhrprämien-Zucker einen stärkeren Absatz sich verschaffen, und hier verletzt er nicht nur die Produttionsinteressen der unzähligen Kleinbauern, die ihr Zuckerrohr pflanzen und ihr Das Erziehungsrecht der Eltern und die Nationalitäts: 1ste der Funktionszulage verlustig, und weiter ist ihnen ein Vorwärts. Erzeugniß ganz oder zum Theil verkaufen, er schmälert auch die politik. Im schleswig'schen Ausweisungsgebiet wird bekanntlich kommen und Aufrücken in bessere Stellen unmöglich gemacht. Und Einnahme der Staatskassen an Berieselungs- und Transportgebühren auch mit Entziehung der Elternrechte gegen Dänisch das deshalb, weil sie in der Jugend wegen Lärmens, groben Unim Junern, er bedroht die Eingänge an Landsteuer und anderen Gejinute" vorgegangen. Die angerufenen höheren Gerichte haben fugs 2c. vielleicht einmal ein paar Mark Geldstrafe zahlen mußten. Abgaben. Die indischen Handelskammern, mit Ausnahme der von sich allerdings auf einen vernünftigeren Standpunkt gestellt. In der Daß eine derartige Verordnung die Eisenbahner nicht zufriedener Bombay, haben daher, nach einer eingehenden Umfrage in ihren Begründung des landgerichtlichen Erkenntnisses in der Frage der macht, ist selbstverständlich; umsomehr, weil sie wahrscheinlich für Bezirken, Buschlagszölle für den Prämienzuder verlangt. Noch vor Entziehung des Elternrechtes, die durch den Amtsrichter hahn die oberen Beamtenfreise keine Anwendung findet. wenigen Tagen erflärte der Staatssekretär für Indien im Unter- in Norburg gegen den dänisch- gesinnten Sofbesiger Clausenhause, er wisse bisher nicht, wie sich die indische Regierung Klingberg verfügt war, heißt es: 3u der Forderung stellen stellen werde. Am Freitag meldete Reuter's Bureau, daß dem gefeßgebenden Rathe zu Kalkutta die Vorlage zur Einführung eines Netorsionszolles bereits z11gegangen sei. Sie soll sich vollständig an das amerikanische Vorbild anlehnen. Ueber das schließliche Ergebniß diefes Vorgehens läßt sich natürlich heute nichts Bestimmtes sagen. Wir begrüßen aber auch diesen Schritt, den Widerfinn der Ausfuhrprämien vor aller Welt ad absurdum zu führen, mit Freuden. Der deutsche Steuerzahler läßt sich freilich viel gefallen. Aber daß er der Zuckerausfuhr Millionen mit auf den Weg geben soll, damit drüben in Amerita und Indien die Zollverwaltungen uns die Millionen schmunzelnd konservativer Hödur. " er Des Kaisers Lieblingsdichter. Nach§ 28 des Vormundschaftsgefeges tann nur der Mutter Wilhelm II. hat, wie erinnerlich, dem erkrankten englischen aus schwerwiegenden Gründen die Erziehung ihrer unmündigen Kinder entzogen werden. Innerhalb des Geltungsbereichs des Dichter Rudyard Kipling telegraphisch seine herzliche Theil" Jütischen Gesetzes" und des römischen Rechts kann dies freilich nahme und seine große Bewunderung für seine Werte ausgesprochen. Dazu bemerkt die Wiener Arbeiterzeitung": auch dem Vater gegenüber geschehen, aber die Gründe müssen Es ist vermuthlich keine Uebertreibung, wenn die englischen nach dem Kammergerichts- Erkenntniß vom 7. Juni 1892 fo erheblich sein, daß sie den Vater völlig untanglich erscheinen lassen, Blätter aus New- Yort melden, daß für Kipling in den Kirchen geDieser Dichter lebt nämlich wirklich in der die Kinder zu erziehen. Das die Grenzen derart gezogen werden betet wurde. Wer aber ist Rudyard Kipling? müssen, geht aus der Thatsache hervor, daß namentlich in den Seele seines Voltes. daß liberalen Zeitungen berichten hauptsächlich, unteren Schichten der Bevölkerung die Zahl derjenigen, die auch unsere liberalen nur einigermaßen den Forderungen einer tabellosen Erziehung geben, bei der die Herren nicht vor allem darüber orientirt wären, ein Jude sei. Es scheint auf Erden feine Persönlichkeit zu genügen, sehr gering ist. Es würde deshalb große Bedenken hervorrufen, wenn das Vormundschaftsgericht berechtigt sei, dem ob er ein Beschnittener oder Unbeschnittener ist. Im llebrigen wiegenden Gründen zu nehmen. Aus der Thatsache, daß fällig vor ein paar Tagen in einer Wiener Zeitung erschien. In Claufen feine Tochter auf eine dänische Hochschule geschicht hat, Wahrheit ist aber Rudyard Kipling viel mehr als der Dichter des fönne nicht gefolgert werden, daß er völlig untauglich sei, seine vielgerühmten Dschungelbuches. Er hat ein Bändchen„ BarrackKinder zu Room- Ballads"( Feldbarackengedichte") herausgegeben, wegen Trotzdem, so muß allerdings hinzugefügt werden, fährt dessen er in Deutschland auf eine unausdenkbare Zahl von Jahren Amtsrichter Hahn fort, ben Vätern feines Bezirks das verurtheilt worden wäre, fo viele Majestätsbeleidigungen und Recht der Erziehung ihrer Kinder zu nehmen. Eine Nörgeleien würde ein deutscher Richter möglicherweise darin finden. endgiltige Entscheidung des Kammergerichts bleibt zu erwarten. Wir können uns nicht enthalten, eine dieser Satiren an die Wittwe, gemeint ist die Königin Victoria, hier theilweise wiederzuDas Fest der Wittwe. wieder abknöpfen dazu ist der Deutsche doch nicht genug blöder Bater das Erziehungsrecht aus anderen benn sehr schwer- schreiben sie ein mehr oder minder süßliches Feuilleton ab, das zu Die berühmte Findigkeit der Post ist in einem hervorragenden Falltäglich gescheitert. Die Bestätigung des Bürgermeisters Kirschner, die in der That erfolgt sein foll, ist bisher nicht beim Adresfaten eingetroffen. Umfturz der preußischen Verfassung in Holstein. Aus Plön wird uns geschrieben: Am 19. März d. 3. sollte hier von national- sozialer Seite eine Bersammlung abgehalten werden, in welcher Herr Bohlmann- Berlin über das Thema referiren wollte:" Deutsche Welt- und Handelspolitik". Wie mun heute Morgen der betr. Wirth die Versammlung polizeilich anmeldete, wurde dieselbe aus dem Grunde verboten, weil in Plön öffentliche politische Versamm Iungen nicht mehr abgehalten werden dürften. Hoffentlich wird der betr. Bürgermeister oder Landrath, von dem die Maßregel ausgehen mag, von der zuständigen Behörde darüber belehrt, daß in Holstein die preußische Berfassung und das preußische Vereinsgefez noch nicht suspendirt sind. genommen: Baden: Im badischen Hanauerland fand dieser Tage eine Landwirthschaft ohne Nothstand. Man schreibt uns aus Bauernhochzeit statt, bei der man auf einige Stunden der schrecklichen Drangfal der Landwirthschaft vergessen konnte. Braut und Bräutigam gehörten den besseren" Bauernfamilien des fleinen Dorfes Obelshofen an, das im Bezirksamt Stehl liegt und zum Landstädtchen Kort eingepfarrt ist. 300 Personen, nahezu die ganze Gemeinde, begaben sich auf etwa 30 Wagen zur firchlichen Feier nach dem sehr nahe gelegenen Kork. Dann wurde mit der Aufzehrung der bereit gehaltenen gastronomischen Vorräthe begonnen, als da waren: 2000 Liter ein, 200 Laib Brot, 8 silsd eben: Wo wart ihr denn so lange fort? Johnnie, Johnnie! ,, Bei einem Festmahl mit jenen dort!" Johmie, lieb' Johnnie, aha! Sie luden uns aus dem Kafernenraum, Gott weiß, wohin: an der Wüste Saum, Und refusiren kann man kaum-" dutt sed Und die Wittwe gab ein Gastmahl. ( Horn: Ta- rara- ra- ra- rara 1) and 1 Was friegtet ihr denn? Verfluchtes Glüd! Johnnie, Johnnie! Zum Fleischbeschangesetz nahm der am Sonntag in Berlin weine und 3 Rinder.- Die Leute werden ja vorläufig tagende Allgemeine deutsche Fleischertag" Stellung. noch nicht am landwirthschaftlichen Nothstand zu Grunde gehen. Im Anschluß an die Verhandlungen, denen 120 Delegirte und ver- Ammestie in Bayern. Aus München wird gemeldet: AusGestandenes Waffer, wie Tinte so did! fchiedene agrarische Reichstags- Abgeordnete u. A. Herr Hahn, bei Anlaß seines diesjährigen Geburtsfestes und der damit zusammen wohnten, wurden folgende 3 Refolutionen einstimmig anfallenden Säkularfeier der Linie Zweibrücken- Birkenfeld des Hauses 1. Der„ Allgemeine deutsche Fleischbeschauertag" erklärt, daß es Wittelsbach beabsichtigt der Prinz- Regent, einer großen Anzahl verfür Wurstwaaren und sonstige im zertleinertem Zustande zur Ein- urtheilter Personen Amnestie zu gewähren. führung gelangende Fleischwaaren teine zuverlässige Untersuchung Freizügigkeit der Landarbeiter. Der deutsche Landwirth- n giebt. Er bittet die Regierung, den Beschauer von der gefeglichen schaftsrath hatte sich für die Beschränkung der Freizügigkeit für und moralischen Verantwortlichkeit zu befreien, solche Fleischwaaren jugendliche Landarbeiter ausgesprochen. Der bayerische Lande als für die menschliche Nahrung geeignet erklären zu müssen, indem Bereins in Bayern", abgelehnt, diesem Beschlusse sich anzu fie die Einführung derartiger Fleischtvaaren verbietet. lain judi Johnnie, lieb' Johnnie, aha! Das Rindfleisch, das lagerte schon drei Jahr', Wie Kautschut zähe das Hammelfleisch warUnd ein Hühnchen fing der Sergeant sogar-" Als die Wittwe gab ein Gastmahl. Und was war aller der Mühe Preis? Johnnie, Johnnie! 134 nach einer höchst zweifelhaften, vom Zufall abhängigen Untersuchung wirthschaftsrath hat es nach dem„ Wochenbl. des Landw. Da frag' unfern Oberst, weil ich's nicht weiß. schließen. Johnnie, lieb Johnnie, aha! Man vertrieb einen König, baut Bahnen schnell, Nun stand ein Palast der Regierung zur Stell' Und der blutrothe Fluß fließt gar bald wieder hell-" Wo die Wittwe gab ein Gastmahl. ( Horn: Ta- rara- ra- ra- rata 1) 2. Der„ A. d. F." erklärt sich, in Hinblick darauf, daß der Trichinenschau- 8wang in vielen Bundesstaaten und Provinzen bereits Aufhebung der Beamtenkautionen. Die Verwaltung der beſteht und somit zu einer erneuten Auflage für die Landwirthschaft Pfälzischen Eisenbahnen ist dem Beispiele der Reichspostnicht werden kann, die Trichinenschau der zum Hausgebrauch ge- und bayerischen Finanzverwaltung. f. w. gefolgt, die Stautionsfchlachteten Schweine aber nach sanitären Begriffen nicht minder pflicht ihrer Beamten aufzuheben. Demgemäß werden die von den In dieser leidenschaftlichen Satire werden die blutigen Leistungen nothwendig ist, als die der gewerbsmäßig geschlachteten Schweine, Beamten gestellten Kautionsbeträge in nächster Zeit an diese zurück der Kolonialpolitif mit gewaltigem Sohn als ein Fest der Königin ferner eine allgemeine Fleischbeschau alles, auch des zum Haus- bezahlt.gezüchtigt. Die Thaten der gemeinsamen Rasse forderten also hier gebrauch geschlachteten Vich's, mit Rüdsicht auf die ständige Dresden, 18. März.( Eig. Ber.) Die fächsische Staats: nicht den rühmenden Sänger, sondern den geißelnden Spötter Wetterausbreitung der Tuberkulose und Seuche dringend er Eisenbahnverwaltung reformirt auch unter der neuen Leitung in heraus. forberlich ift, für die Streichung des§ 2 des Gesezentwurfs der bekannten Weise nach rüd wärts weiter. So ist jetzt eine Es kann als ein Zeichen fünstlerischer Freiheit und sicheren Ge und finngemäße Renderung des§8 umfomehr, als die Einbeziehung Verordnung erlassen worden, nach welcher alle Hilfsweichensteller, ichmads gelten, daß Kaiser Wilhelm, der ja nach seinem Telegramm ber Hausschlachtung unter die Beschau die wirthschaftliche Lage der Hilfsbahnsteigschaffner, Vorarbeiter u. f. w., die früher einmal irgend den Schriftsteller genau tennt, sich in seiner gerechten Werehrung des Fleischbeschauer wesentlich zu verbessern geeignet ist und ermöglicht, eine gerichtliche oder Polizeistrafe erlitten haben, von ihrem Talents durch die abweichende Gesinnung nicht beirren läßt. daß sich ältere Fleischbeschauer lediglich der Trichinenschau widmen often entfernt entfernt werden. Man fragt fragt gar nicht Sanach, daß Leute darunter find, die ihren Posten schon ein Dugend Jahre in der pünktlichsten und gewissenhaftesten Weise ausChronik der Majestätsbeleidigungs- Prozesse. gefüllt haben. Freilich ist man so gnädig, die Betreffenden nicht zu Hildesheim, 12. März. Wegen Majestätsbeleidigung berentlassen, sondern sie sollen als Wagenpuger, Wagenrüder 2c. verurtheilte die Straftammer des hiesigen Landgerichts den Zigarrenwendet werden. Das bedeutet aber für jene Leute, ganz abgesehen sortirer Joh. Hofmann von hier, der in einer Wirthschaft in ans von der rüdsichtslosen Verlegung ihrer moralischen Empfindungen, getrunkenem Bustande beleidigende Aeußerungen über die Neisen eine materielle Verschlechterung ihrer Lage. So gehen des Kaisers gemacht hatte, zu zwei Monaten Gefängniß.tönnen. 3. Den heute als Repräsentanten der deutschen Fleischbeschauer auf dem A. d. F." versammelten Fleischbeschauern erscheint die Stellung eines Beamten als Fleischbeschauer das Wünschenswerthefte zu sein und bitten die Regierung um Verleihung dieser Stellung. Ferner bitten fie, im Fleischbeschan- Gesetze die rechtliche Stellung genau anzugeben und festzusehen. ewalt." Marg sei nicht völlig frei geworden von trijen überhaupt als unwahrscheinlich zu be. Eduard Bernstein's Blanquismus D. h. der Theorie: Sturz der trachten sind. B. setzt sich hier mit den Kritiken seiner in gleicher Bourgeoisie durch das Proletariat mittes gewaltsamer Er Richtung gehenden früheren Ausführungen in der„ N. 8." aus,, Voraussetzungen des Sozialismus und propriation. Die Lehre von der Oekonomie als Grundlage einander. der gesellschaftlichen Entwickelung und die Lehre von der gewalt- Das 4. und ausführlichste Kapitel betrachtet: Die Aufgaben die Aufgaben der Sozialdemokratie". famen Eroberung der politischen Macht ständen mit einander in und Möglichkeiten der Sozialdemokratie. Die SozialWiderspruch. Zwar habe Engels in seinem politischen Testament, demokratie verfolgt als ihr Ziel eine genossenschaftliche Nach dem Stuttgarter Parteitage wurde von verschiedenen Seiten dem Vorwort zu den Klaffenkämpfen", die Idee der Eroberung der Gesellschaftsordnung. Wollte man in Deutschland alle dem Genossen Bernstein nahe gelegt, er möge seine von den her- politischen Macht durch revolutionäre Ueberrumpelungen zurückgewiesen, Betriebe von 20 Personen an aufwärts verstaatlichen, so blieben in fömmlichen Partei- Auffassungen abweichenden Anschauungen zu aber die Formel Aneignung der Produktions- und Austauschmittel" Handel und Industrie noch hunderttausende Unternehmungen mit fammenfaffend barstellen. Bernstein folgt diesem Wunsche und legt bleibt auch da bestehen; nur das wie der Gewinnung der poli- über vier Millionen Arbeiter übrig, die privatwirthschaftlich weiter der Partei in einer fast 190 Seiten umfassenden, bei Dieß tischen Macht wird revidirt, betreffs der ökonomischen Auszu betreiben wären, und die Aufgabe des Staates würde außer erschienenen Schrift unter obigem Titel die Ansichten dar, nügungsmöglichkeiten der politischen Macht bleibt es bei ordentlich schwierig sein. Wer aber ist der Staat, der die sich während seines zehnjährigen Aufenthaltes in Eng der alten von 1793 und 1796 anknüpfenden Lehre." diese Aufgabe zu bewältigen hat? Das siegreiche ProLand allmälig in ihm befestigt haben und deren Mittheilung, Kapitel 8 behandelt Die wirthschaftliche Entwickelung der letariat! Aber dieses, sagt B., werde boch teine gleichwie Bernstein im Borwort" fagt, den 8wed verfolgt, durch Bemodernen Gesellschaft". Ueber den Abschnitt a des Kapitels, der artige Masse fein. Die industriellen Arbeiter fammt den Hausrämpfung der Reste utopistischer Dentweise in der über die Bedeutung der Marg'ichen Werth- und Mehrwerththeorie industriellen machen 7 Millionen von 19 Millionen Selbstthätigen fozialistischen Theorie das realistische wie das idealistische Element in spricht, können wir hier hinweggehen. Abschnitt b behandelt„ Die aus. Selbst die verschiedenen Kategorien der industriellen Arbeiter der sozialistischen Bewegung gleichmäßig zu stärfen." Einkommensbewegung in der modernen Gesellschaft". Die Mary'sche hätten nicht alle die gleichen Interessen und Wünsche, geschweige denn Wir werden alsbalb eine kritische Würdigung der Bernstein'schen Schilderung der Entwickelungsart der kapitalistischen Gesellschaft die übrigen Schichten der besitzlosen Klassen, der kaufmännische AnSchrift aus tautsty's Feder bringen. Im Nachfolgenden geben Fall der Profitrate, Ueberproduktion, Krisen, Konzentration und gestellte, der Beamte, der Gutsknecht u. f. w. Eine sofortige wir eine lebersicht über ihren Inhalt. Zentralisation des Kapitals, Steigerung der Mehrwerthsrate Nebernahme der gesammten Herstellung und Buſtellung der Produkte Bernstein behandelt in vier Kapiteln: Die grundlegenden Säge enthalte nichts Falsches, sei aber unvollständig. Faktoren, die durch den Staat sei daher vorläufig unmöglich. Staat und Kombes marristischen Sozialismus; der Marrismus und die Hegel'sche einschränkend wirken, werden mehr oder weniger vernachlässigt. So mune würden die Fabrit- und Handelsbetriebe entweder den bisDialettit; die wirthschaftliche Entwickelung der modernen Gesellschaft; wirte die Form der Aktiengesellschaft der Tendenz der Vermögens herigen Inhabern überlassen müssen oder an Arbeitergenossen die Aufgaben und Möglichkeiten der Sozialdemokratie. Ein Schluß- zentralisation durch Betriebszentralisation in sehr bedeutendem fchaften verpachten. abschnitt behandelt: Endziel und Bewegung. Maße entgegen. Die 8 ahl der Besizenden sei nicht gefallen, Damit kommt der Verfasser zur Genossenschaftsfrage. B. beschäftigt sich zunächst mit dem Grundsatz des Margismus, sondern absolut und relativ gewachsen. Die Gliederung der Er legt die Ursachen für das Scheitern der reinen Produktivder materialistischen Geschichtstheorie. Diese Theorie habe in den Gesellschaft hat sich nicht vereinfacht, sondern sowohl was die Ein- genossenschaften dar; werden sie groß, so hört die Demokratie auf; Schriften von Marg und Engels selbst eine Entwickelung durchgemacht. tommenshöhe als was die Berufsthätigkeiten betrifft, in hohem wird an der demokratischen Geschäftsordnung festgehalten, so tommt Ursprünglich haben Marg und Engels den nichtötonomischen Grade abgestuft und differenzirt. Wollte die Arbeiter das Unternehmen über die Zwergform nicht hinaus. Die Produktiv Fattoren eine viel geringere Mitwirkung bei der Entwickelung der Klasse darauf warten, bis das Kapital" die Mittel- genossenschaft hat ein Sonderinteresse gegenüber der Gesammtheit, und Gesellschaften zuerfamt, als in späteren Schriften. Es sei nöthig, flaffen aus der Welt geschafft hat, der Welt geschafft bat, so tönnte fte einen in ihr wird mit ihrem Wachsthum Differenzirung der Funktionen und neben der Entividelung und dem Einfluß der Produktivkräfte und langen Schlaf thun. In Abschnitte will Bernstein an der Hand damit Unterordnung nöthig. Die selbstregierende genossenschaftliche Broduktionsverhältnisse den Rechts- und Moralbegriffen, den geschicht- der Statiftit nachweisen, daß die Mittel- und Kleinbetriebe nicht so Fabrik hat sich überall bisher als unlösbares Problem heraus lichen und religiösen Traditionen jeder Epoche, den geographischen leicht und nicht so schnell von den Großbetrieben aufgesogen werden, gestellt; sie scheiterte, wenn sonst Alles ging, an Disziplin. Wenn und Natureinflüssen u. i. f. volle Rechnung zu tragen. Hieraus wird wie man gewöhnlich glaube. In vielen Gewerbszweigen erweisen die technologische Entwickelung der Fabrit den Körper für die gefolgert, daß eine rasche Wandlung der Menschennatur sich kleinere und mittlere Betriebe neben den Großbetrieben als follettivistische Produktion geliefert habe, so seien die Seelen felbst von bon größeren Eigenthumsumwälzungen durchaus lebensfähig. Es gebe auch in der Industrie keine Enwicklung feineswegs in gleichem Maße dem genossenschaftlichen Betrieb ent faum zu erwarten ist, daß aber auch andererseits statt einer nach einer für alle Gewerbe gleichmäßigen Schablone. Aehnlich sei gegengeführt worden. Jedenfalls also ließen sich im Falle einer absoluten Abhängigkeit der Menschen von den ökonomischen Mächten es im Handel; der Großbetrieb vernichtet nicht den Kleinbetrieb, politischen Krise nicht lebensfähige Genossenschaften aus der Erde fich die Möglichkeit einer Leitung der ökonomischen Entwickelung sondern wächst neben ihm in die Höhe. Noch weniger ist eine stampfen, fie müssen heranwachsen. Dies geschieht auch in erhöhtem Maße eröffnet. Bewegung zum Großbetriebe in der Landwirthschaft festzustellen. bereits in England. Leichter wachsen die Konsumgenossens B. stizzirt sodann im 2. Kapitel die Mary'sche Lehre vom Klassen Melche Bedeutung und Wirkung haben nun bei solchem schaften, welche die leichteste Form der genossenschaftlichen Profampf, von der Zuspigung der Klassengegensätze, der Zentralisation wirthschaftlichen Entwidelungsgang die Krisen? Bernstein duftion darstellen und mit deren Wachsthum die Demokratie nicht verder Kapitalien, der zunehmenden Proletarisirung der Massen bis zu schildert in Abschnitt d die Wandlungen in den Auff affungen der loren geht. Aber die finanziellen Mittel allein lösen das Problem dem Punkte, wo das Kapitalmonopol mit der Produktionsweise, wo Strifen bei Marg und Engels. Im dritten Band des" Kapital" wirft der genossenschaftlichen Arbeit noch nicht; ste braucht eigene Orgas die Vergesellschaftung der Arbeit mit ihrer kapitalistischen Hülle un- Engels die Frage auf, ob wir uns nicht vielleicht in der Vor- nisation und eigene Leiter, und beides improvisirt sich nicht. verträglich werden und die Expropriation der Expropriateure bereitungsperiode eines neuen Weltkrachs von unerhörter„ Darum ist es mehr wie zweifelhaft, ob ein Zeitpunkt, wo alle Ges erfolgen muß. Diese Lehre beruht anf Antvendung der Behemenz befinden", läßt aber auch die Möglichkeit offen, müther erhigt, alle Leidenschaften gespannt sind, wie in einer RevoHegel'sche Dialektit, des Grundgedankens, daß alles daß die afute Form der periodischen Krise einem chronischen, lution, der Lösung dieses Problems, das sich schon in gewöhnlichen fich in Gegensätzen entwidele, die sich alsdann in höherer entscheidungslosen Druck gewichen sein tönnte. B. neigt Beiten für so schwer erweist, irgendwie förderlich sein tann. Einheit aufheben und ausgleichen. Durch das hegelianisch jedoch zu einer dritten Möglichkeit, daß nämlich durch die Nach menschlichem Ermessen muß gerade das Gegentheil der fonstruirte Entwickelungsschema wurde Mary nicht nur dazu verführt, Ausdehnung des Weltmarkts und die Ausbildung des Transport- Fall sein." Der Verfasser will damit nicht ein Fernhalten vom eine ökonomische und soziale Entwickelung, die faum noch die erften und Nachrichtenverkehrs sowie durch die Elastizität des Kreditwesens Genossenschaftswesen empfehlen, im Gegentheil ein eifriges Arbeiten Sproffen gezeitigt hatte, in rein spekulativer Borwegnahme als und das Aufkommen der industriellen Kartelle ein weitgehender am allmäligen Aufbau von Konsum- und Produktiv- Genossenschaften, ausgereift anzunehmen, sondern auch zu dem viel schlimmeren Ausgleich der geschäftlichen Störungen herbeigeführt werde und insbesondere auch für das Kleinbauernthum. Wunderglauben an die schöpferische Kraft der baß wenigstens für längere Zeit allgemeine Geschäfts.l ( Schluß folgt.) Ausland. Oesterreich-Ungarn. Der Entwurf des neue» Wiener Gemeindestatuts theilt die Stadt in 20 Bezirke. Lln die Stelle des StadtratheS treten Ab» theilungen und Ausschüsse. Die Zahl der Gcmeinderäthe der einzelnen Bezirke richtet sich nach der Bevölkerungsziffer und beträgt mindestens drei. Verlust des Mandates tritt unter Anderem ein, wenn der von dem neuzuschaffenden DiSziplinar-Ausschuß gefaßte Beschluß der Ausschließung auS der Gemeinderathssitzung nicht befolgt oder wenn die Wahl in die an die Stelle des StadtratheS tretenden Ab- theilungen und Ausschüsse unbegründeter Weise abgelehnt wird. China in der ungarischen Abgeordnetenkammer. Budapest, 13. März. Am Schlüsse der heutigen Sitzung wird Franz Major sVolkspartei) folgende dringende Interpellation einbringen: Hat der Ministerpräsident Kenntnitz von dem Bestreben unseres Auswärtigen Amtes, an den chinesischen Küsten ein Gebiet zu pachten, oder ist diese Angelegen- heit bereits eine vollendete Thatsache? Wenn ja— beabsichtigt er, die öffentliche Meinung hierüber zu orientiren und zu beruhigen? Es muß sich nun ja bald zeigen, ob auch der österreichische Kaiserstaat auf Eroberungen in China ausgeht.— Italien. Rom, 12. März. Bei der Wahl eines Mitgliedes zur Deputirten- kammer für Forli wurde heute der Publizist Chiest, einer der wegen des Aufruhrs in Mailand im Mai v. I. v e r- urtheilten, gewählt. Frankreich. Französische Artillerie. Nachdem Deutschland mit einer Umgestaltung der Artillerie vorgegangen, ist Frankreich nun auf diesem Wege gefolgt. Dem„Matin" zufolge ist die Umgestaltung der französischen Artillerie seit einigen Tagen vollendet. Die Zahl der fertiggestellten neuen Geschütze ermöglicht die Umänderung und Ausrüstung von 105 Fußbatterien, welche unter 18 Festungs- bataillone vcrtheilt werden, ferner von 430 fahrenden, 14 Gebtrgs- batterien, und 52 reitenden Batterien, welche zusammen 40 Regi- «unter bilden, schließlich von IS außerhalb Frankreichs detachirten Batterien. Zur DreyfuS-Affäre wird heute gemeldet: General Pellieux hatte, wie gemeldet, infolge der Enthüllungen Esterhazy's den Kr iegsminister ersucht, eine Enquete über' sein, Pellieux', Ver- halten in der.Affäre" einzuleiten. DaS gleiche hatte General Ganse gethan. Der Kricgsminister Frehcinel hat jetzt ablehnend geantwortet. Der Kricgsminister nimmt augenblicklich eine all- gemein» Enquete über die Affäre vor, die bis zu dem Tage fortgesetzt werden soll, wo die Akten der Untersuchung der Kriminal- kaMMer publizirt sein werden. Ergiebt die Enquete des Kriegs- Ministers die Richtigkeit der Behauptungen Esterhazy's, so iverden Pellieux und Gonse wie alle anderen Betheiligten aufgefordert werden, sich zu rechtfertigen. England. Achtstundentag und Maiseiertag für Gemeindedertreter. ie Kranke lag erstickr am Boden. Die Irrsinnige hatte vermocht, die eiserne Ofenthür offen zu schrauben, sie hatte Theile ihrer Matratze hineingestopft und dadurch den erstickenden Qualm erzeugt. Auch Theile der Diele waren angebrannt. Die An- geschuldigte behauptete, daß sie nach bester Ueberzeugung gehandelt habe und unmöglich habe annehmen können, daß die Kranke im Stande wäre, die heiße Ofenthür ohne Schlüssel zu öffnen. Der dirigirende Arzt der Anstalt, vr. med. Ascher, bekundete, daß der Vorraum vorher nie zum Unterbringen von Kranken benutzt worden sei und Kreisphysikus SanitätSrath Dr. Elten erklärte, daß eS geradezu widersinnig "et, zwei Kranke gleichzeitig in einem Jsolirraum unterzubringen, denn isoliren heiße doch, eine Person von allen übrigen zu trennen. Wenn der Umstand, daß eine Anstalt, die zur Aufnahme von 50 Patienten bestimmt sei, nur eine Jsolirzelle zur Verfügung habe, auffallen könne, so müsse dem entgegengehalten werden, daß in den Filialen der Dalldorfer Anstalt, als welche diese Privat-Jrrenanstalten angesehen werden müßten, nur ,utmüthige Kranken untergebracht würden und Ausschreitungen 'elten vorkämen. Die Zeugin Collin räumte ein, daß ie wiederholt zwei Kranke in dem Jsolirraum habe unter- bringen lassen und auch wiederholt den Vorraum als Krankenzelle benutzt habe. Eine gedruckte oder schriftliche Instruktion für die Wärterinnen bestehe in ihrer Anstalt nicht, dieselben würden bei ihrem Eintritt nur ermahnt, die Kranken liebevoll zu behandeln. Mit Rücksicht auf die Bösartigkeit der Wettermann würde dieZeugin allerdings nicht gelitten haben, daß dieselbe während der Nacht allein in dem Vorraum blieb. Die Wettermann hatte immer eine be- andere Neigung, sich an den Oefen zu schaffen zu machen. Der Staats- anwalt verkannte nicht, daß die Zustände in der Collin'schen Anstalt un- vorschriftsmäßig und ungehörig gewesen seien. Von dem Vorwurfe der Fahrlässigkeit könne die Angeklagte aber trotzdem nicht bereit werden ,' denn sie mußte mit der ihr bekannten krankhaften Neigung der Wettermann rechnen. Er beantragte gegen die Angeklagte eine Gefängniß st rase von 14 Tagen. Der Ver- theidiger. Rechtsanwalt Dorn II. trat mit Wärme für die Frei- prechung der Angeklagten ein, die angesichts der örtlichen mangelhaften Verhältnisse nicht anders verfahren(konnte, wie sie gethän. Der Gerichtshof kam zu einem freisprechenden Urtheil. Eine Trennung der beiden Kranken war geboten. Der Angeklagten standen nur Räume zur Verfügung, in denen sich ebenfalls Oefen_ Druck und SBrrkg von NX» Babing in Berlin. befanden und deshalb könne es nicht als eine Fahrlässigkeit angesehen werden, wenn sie den Vorraum in Gebrauch nahm. Hätte nicht eigentlich die Besitzerin der famosen Privat-Jrrenanstalt auf die Anklagebank gehört? Das Andenken an den seligen„groben Gottlieb" spielte bei einer Entscheidung mit, die die 6. Strafkammer des Landgericht- I ?egen den Schankwirth H. zu treffen hatte. Am 26. November v. I. orderte ein Gast des Angeklagten einen Schutzmann auf, ihm die Persönlichkeit einer Kellnerin sestzustellen, die ihn übervortheilt habe. Der Schutzmann begab sich denn auch in das Lokal, ließ sich das Kellnerinnenverzeichniß vorlegen, welches der Angeklagte mit ver- ächtlicher Miene auf den Tisch geworfen haben soll und er- klärte dem Angeklagten, daß er die Personal- Angaben der betr. Kellnerin in dem Verzeichnisse nicht herausfinde. Darauf erklärte der Angeklagte in nicht sehr liebenswürdigem Tone:„Sie scheinen nicht lesen zu können; da steht es ja, sehen Sie doch nach!" Das Schöffengericht erachtete den Schutzmann durch die ganze Art des Auftretens des Angeklagten für beleidigt und verurtheilte letzteren zu 60 Mark Geldstrafe.— Im gestrigen Termin führte Rechtsanwalt Leopold Meyer auS, daß das Hinwerfen des Buches wohl als eine grobe und unpolirte Handlung, nicht aber als Ehrverletzung und Beleidigung angesehen werden könne. Aber auch in der Aeußerung des An- geklagten liege keine beleidigende Kundgebung, denn daS Absprechen einer Fähigkeit, etwas zu leisten, sei noch keine Beleidigung. Wenn der Angeklagte wirklich die Aeußerung gethan habe, so sei sie doch nur eine ganz thörichte Bemerkung gewesen, denn die Schutz- leute seien früher Unteroffiziere gewesen und dem Angeklagten habe nicht zweifelhast sein können, daß solche lesen und schreiben können. Er habe jedenfalls nur gemeint, daß der Beamte seine Schrift nicht lesen könne.— Der Gerichtshof war der Meinung, daß bei der Derbheit und Naturwüchsigkeit, die manchem kleineren Gastwirthe in seiner Ausdrucksweise innewohne— er zog den ehe- mals stadtbekannten„groben Gottlieb" als Beispiel heran, nicht ohne Weiteres anzunehmen sei, daß der Angeklagte eine beleidigende Absicht verfolgt habe. Der Gerichtshof erkannte deshalb auf Frei- sprechung. Die Arbeiter Karl Sanl und Fritz Adam fanden gestern vor der neunten Strafkammer, um sich wegen jener in der Nacht zum 9. Januar in der Chausseeftratze begangenen Ausschreitung zu ver- antworten, bei denen der Arbeiter Drogowski von dem Kriminal- schutzmann Müller erschossen worden ist. Die Verhandlung wurde vertagt, da die angeklagten Arbeiter die Vorladung einer Anzahl Entlastungszeugen verlangten. Die Reize der deutschen Rechtsprechung treten besonders dann recht augenfällig in die Erscheinung, wenn man ihnen die zurückgebliebene Justiz anderer Länder entgegenhält. Vor Kurzem (in Nr. 51) berichteten wir, daß in Schwerin ein Gutsarbeiter zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt wurde, weil er den gutsherrlichen Schweinen die Nahrung gestohlen hatte, um mit dem Viehfutter seine hungernden Kinder satt zu machen. Hierzu schreibt uns ein Leser aus London: Vor einigen Wochen schlich sich hier ein armer Mann in einen Bäckerladen und stahl ein Brot, um seinen Hunger zu stillen. Der Bäckermeister lief ihm nach und übergab den Dieb einem Schutzmann. Den anderen Tag kam die Angelegenheit vor das Polizeigericht. Dort kam es jedoch ganz anders, als der Bäckermeister vermnthet hatte. Der Magistrat machte den Bäckermeister tüchtig herunter, weil er sich nicht geschämt hatte, einen armen, hungrigen, bis jetzt unbescholtenen Mann wegen des Diebstahls eines Brotes zu verklagen, und sprach den„Dieb" von Strafe und Kosten fr eil Der Bäckermeister wurde jedoch unter Anwendung eines alten englischen Gesetzes, welche» denjenigen Bäcker oder Schlächter, oder überhaupt einen Händler in Ehwaaren, der seinen Laden unbeaufsichtigt läßt und dadurch hungrige Leute in Versuchung bringt zu stehlen, unter Strafe stellt, mit einem Schilling be st rast. Wie sicher müssen sich doch unsere Kapitalisten in Deutschland fühlen und mit welcher Verachtung müssen sie auf das wilde Eng- land herniederblicken, wo sogar das Gesetz dem Richter die Aus- Übung humanitärer Grundsätze gestattet! Urtzke Machvtchte« und Depeschen, Zentrum und Milttärvorlage. Köln, 13. März.(B. H.) Zu der bevorstehenden Entscheidung über die neue Militärvorlage schreibt die„Kölnische VolkS-Zeitung": Für die weitere EntWickelung der Dinge komme es darauf an, daß morgen die Regierungsvorlage in zweiter Lesung mit möglichst großer Mehrheit abgelehnt werde. Insbesondere müsse das Zentrum voll- zählig zur Stelle sein. Sollte der Versuch gemacht werden, durch eine Reichstags- Auflösung die volle Bewilligung der Militär- vorläge durchzusetzen, so würde sich dieser Versuch namentlich gegen das Zentrum richten, welches den aufgenöthigien Kampf nnt aller Entschiedenheit aufnehmen müsse. Wie der„BreSI. Gen.-Anz." aus die heute in Breslau tagende den Anttag: a) g e g e n t-Zeitungstarife«; b) gogen ? o st r e g a I s Protest zu erheben, Breslau, 13. März.(B. H.) zuverlässiger Quelle erfährt, hat Vereinigung ostdeutscher Handelskammern jedeErhöhung deSPost jede Erweiterung des P e i n st i m m i g angenommen. Pettau(Steiermark), 13. März.(B. H.) DaS Kriegs» g e r i ch t verurtheilte den Hauptmann Müller und den Oberleutnant Tompa zu drei resp. zwei Monaten Gar- nisonsarrest, weil dieselben seinerzeit den Privatier Grossauer durch Säbelhiebe schwer verwundet hatten. Paris, 13. März.