Erscheint mit Ausnahme des Montag Mglich früh. s»»aNlon u. DMvaiiung: pn»,ll,ar«nt»oiika»ach r«l»vv.!30793. iKog,3ta t, die die Nationali- sicrnng' bedingt. Der Internationale Gewerkschaftsbund hat ein Kampagne für die 40stün- vige Arbeitszeit eingelcltet. Genosse Cramp hält diese Maßnahme nicht für einschneidend genug. DaS Problem kann von keinem Lande unabhängig vom andern gelöst werden. Die Washingtoner Konvention des Achtstundentages bedeutet keine Einschränkung der Arbeitslosigkeit und ist nicht mehr zeitgemäß. Wenn cs gelänge, international die 40-Stundenwoche zu erwirken, so müßte unverzüglich die Forderung aus eine 30-Stundenwoche erhoben werden. Der Faschismus kann den Fortschritt nicht aufhalten. Die Kräfte der Evolution sind auf Seiten der internationalen Arbeiterschaft der Welt. Genosse S ch e v e n e l s, Generalsekretär des Jnterualioualen Gewerkschastsbundcs, befaßt sich mit den Ausführungen CrampS betreffs der Arbeitszeit und wendet ein, daß, solange die Washingtoner Konvention nicht von allen Staaten ratlfiziert wurde, dir Forderung der 36-Stundcn-Woche die praktische Verwirklichung der 40- Stunden-Woche gefährden könne, obgleich natürlich die Rationalisierung die Forderung als gerecht erscheinen lasse. Die Washingtoner Konvention müsse als Grundlage dienen. Nach ihm sprachen M ü n t n c r(Berlin) sür die Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und Benn et(England) als Sekretär der Gewerkschaft der englischen Matrosen. Montag, den 8. d. M. vormittags sprach zuerst Genosse Roelojs, Sekretär der Litho- graphen-Organisation, nach ihni Genosse B ü ch i (S chwei z) als Mitglied der Exekutive der Lebensmittel- und Genußmittel-Arbeiter. Sodann ergriff Gen. Staat vom Internationalen Arbeitsamt in Genf das Wort, So- zialgesehgebteng und Verkürzung der Arbeitszeit sind ztvci Punkte, in denen das Jnternatio- »ale Arbeitsamt in Genf aus Unterstützung aller Organisationen, die der Arbeiterschaft dienen, rechnet. Nach ihm verlas Generalsekretär F i in- m e n von der JTF. eine Anzahl eingelaufener Begrüßungstelegramme. Die Polnischen Organisationen sind auf dem Kongresse nicht vertreten. Polen hat der Delegation die Ausreisebewilligung verweigert. Diese Mitteilung wird von dem Kongresse m i t Pfu i»Rufen quittiert. Nachdem die MaudatSprüstrngskommission gewählt und die Geschäftsordnung fcstaclcgt wurde, gibt Genosse Fimmcn zu dem gedruckt vorliegende» Gcsä)aftsbcr>chtc eine Reihe Erläuterungen. Trotz Depression und Reaktion hat die JTF. am 1. Jänner 1932 gegen den letzten Kongreß einen erfreulichen Zuwachs an angeschlossenen Verbänden und an Mitgliedern zu verzeichnen. Redner befaßt sich sodann mit seiner Delcgativnsreise nach dem Fernen Osten. Wenn auch wegen Einreiseverbotes Holländisch- Jndien und Britisch-Jndicn nicht besucht wer- dcn konnten und Genosse Cramp an der Reise nicht teilnehmeir konnte, habe diese Reise im Auftrage der JTF. doch einen großen moralischen Erfolg gehabt, deren Früchte sich in der Znktmft zeigen werden. Genosse Finimen bittet, zu seinem Berichte kritisch Stellung zu nehmen. Als Vertreter der belgischen Elsenbahncr spricht Genosse P o u l i s, der Aufklärung darüber fordert, warilin Finimen die Reise allein anactreten habe, wenn Genosse Cramp daran nicht teilnehmen konnte, um so mehr, da Indien nicht besucht werden konnte. Redner fordert ferner Erklärung über die Zusammenarbeit zwischen JTF. und Internationalen Gewerkschaftsbund, ist aber nicht cinvcrstauden, daß dir JTF. Aktionen unternehme, die seiner Meinung nach dem JGB. znkommen. Nachdem Ehlen für den Verband der tschechoslowakischen Kraftlvagenlcnker und Genosse Dietl(Aussig) als Vertreter des Trans- Portarbcitervcrbandes gesprochen haben, ergreift Genosse I a r r i g i o n als Vertreter der französischen Eisenbahner das Wort und verlangt eine energische Aktion zur allgemeinen Ratifi zierung des Washingtoner Abkommens. An der Replik beteiligt sich als erster Genosse Cramp und dan Genosse F i m men mit deni Schlußworte, worüber wir morgen berichten. Seite 2 Dienstag, 9. Slugust 1989 Rr. 187 Sdilddicrs Pakt mit Hitler enthüllt. Deutsches Volk als Sdiadierobjclcl./ Hitler toleriert Schleicher. Die„Schwarze Fron f", das Blatt der von der Hitlerbewegung abgcsplitterten Gruppe Otto Strasser, veröffentlicht in ihrer Ansegabe vom 7. August das Abkommen, das Herr von Schleicher mit Hitler getroffen hat. Daß ein solches Abkommen. bestehe, bat die deutsche Qeffentlichkeit und das Ausland als sicher angenommen. Der W o r t l a n t des Abkommens, für dessen Richtigkeit das Blatt Otto Strassers ausdrücklich die volle Verantwortung übernimmt, zeigt die enge Berbiitduiig, die zwischen dem„stärksten Mann im Kabinett" und den Nazis besteht, in voller Klarheit und läßt auch die Gerüchte in ncnem Licht erscheinen, nach denen Herr von Schleicher in wenigen Tage» die Führung des Kabinetts übernehmen wird Das Geheimabkommen, in dem die deutsche Demokratie an Hitler verschachert wird, hat folgenden Inhalt: Hitlers Zusicherungen. 1. Hitler tolieriert das Kabinett Popen»Schleicher; 2. Hitler verzichtet auch nach dem Wahlaussast auf Uebernahme der Macht im Reich; 3. Hitler ist mit einem Kabinett unter dem Vorsitz Schleichers einver» standen; 4. Hitler delegiert in dieses Kabinett— wenn Schleicher das für wilnschenSwert hält— einige Personen seiner Partei als Minister; 8. Hitler verpslichtet sich, dieses Kabinett Berlin, 8. Augnst. Di« eben beginnende Woche steht im Zeichen der Beratungen über die Umbildung der Reichüregieruna. Reichskanzler von Papen soll ebenso w«e Reichspräsident von Hindenburg die Ansicht vertreten, daß die gegenwärtige Präsidialregierung auch weiterhin im Wesen unverändert bleiben müsse und daß der Zusammensetzung des neuen Reichstages nur insofern» Rechnung getragen werden solle, daß drei bis vier Führer der nationalsozia. listischen Bewegung in das Kabinett eiutreten sollen. Dagegen denke Reichskanzler von Popen keineswegs daran, sich in Verhandlungen über die Bildung einer Mehrheit und die Schaffung eines festen Blocks der Nationalsozialisten und des Zentrum- einzulaslen. Er gehe dabei von der Ueber» zeugung ans, daß daS Zentrum aus Furcht vor den weitreichenden Folgen(?) eines eventuellen Unmöglichmachens der parlamentarischen Arbeit es n i ch t wagen werde, eine Oppositionsstellung gegen die Regierung von Popen zn> * Papen will ernst machen? Berlin, 8. August.(Wolsf.) Der Reichskanzler hat sich nach seiner Rückkehr sogleich von den zuständigen Stellen der Reichsregiernng und des preußischen Staatsministeriums Bortrag über Vie in den letzten Tagen vorgekommenen Terrorakte halten lassen. Er hat darauf sämtlich« Reich-Minister zn einer M i tt i st e r b e s p r e. chung für Dienstag vormittag» nach Berlin berufen. Der Reichskanzler ist der Auffassung, daß den gegenwärtigen Znständen unter brutaler Anwendung aller Machtmittel des Staate» ein sofortiges Ende gemacht werden mntz. Wie von gut iinterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist geplant, im Wege einer Notverordnung Strafverschärfungen zu erlasien und außerdem durch eine Regierungsverordnung Sondergerichte einzusehen. Die Notverordnung könnte erst Mittwoch unterzeichnet werden, wenn der Reichspräsident wieder in Berlin eingetrossen ist. Im übrigen hängt natürlich alles von der morgigen Kabineltssitzuna nnd dein Bortrage des Reichskanzlers beim Reichspräsidenten ab. Erst das norden verbieten, Herr Hitler! Der Berliner„Porwäri S" veröffentlicht in seiiter Sonntagsausgabe eine letzte Warnung, in der er feststellt, daß Hitlers Privatsoldaten a n allen Ecken nnd E n d e n des ilt e i ch e s senge» nnd brennen Alan verschanzt sich hinter die Ausrede, die Mordanschläge und Braudstistungen seien von der Führung nicht gewollt. Eine schöne Regierungspartei, schreibt vaS Blatt, die ihre Anhänger nicht am Morden nnd Brandstisten hindern kann! Aber ist diese Ausrede nicht eilte offensichtliche Unwahrheit'? Im ganzen Reich wird nach einem einheitlicheit Plan gearbeitet— wo Ist die Zentralstelle, die Viesen Plan ausgehrckt hat nnd durchführen läßt? Hitler hat sich oft gerühmt, daß in seiner Partei nichts gegen seinen Willen geschehen könne— und es wäre in der Tat grotesk,«venu diesem Möchtegern-Diktator leine eigene SS nnd SA. auf der Nase hernmtaiizen dürfte.«lbäre dem wirklich so, dann müßte man Adolf Hitler als Verhandlung» Unfähig betrachten. Ist es aber anders, dann muß jede Regierung nnd jede Partei, die mit Hitler verhandeln will, ihn« sagen, daß er seiner Partei erst das Morden verbieten muß, wenn er mitregieren will! Schleicher auf mindestens zwei Jahre im Amt zu lassen. Was Schleicher versprach. 1. Schleicher setzt sich dafür ein, daß Adolf Hitler Reichspräsident wird; 2. Schleicher verpflichtet sich, nach einem Wahlsieg Hitlers die„schwachen" Männer des bisherigen Kabinetts(Papen, Wahl), durch„starke" Männer zu ersetzen, eventuell durch Hitler-Minister; 3. Schleicher verpflichtet sich, das von ihm zu bildende Ministerium nicht KoalitionSmini» sterium zu nennen, insbesondere wenn ein Zentrumsmann ausgenommen werden sollte; -1. Schleicher überläßt der Hitler- Partei die Lander, deren Mehrheitsbildung unter Umständen durch Reichs- m aß nahmen gegen die KPD., entsprechend zu beeinflussen ist; 8. Hitler treibt eine Reichspolitik nach den allgemeinen Grundsätzen der Hitler- Partei, insbesondere schroffen Kampf gegen den Marxismus, Wiedergewinnung der Wehrhoheit nnd eventuelle Sozianflernng der Banken. Dieses Abkommen beweist nicht nur Verantwortung, die die Nationalsozialisten für alle Handlungen des jetzigen Reichskabinetts trifft, sondern erklärt auch, warum die Regirrnttg gegen die nationalsozialistischen Mordbrenner nichts unternimmt. beziehen, daß es vielmehr gegenüber der Reichsregierung eine Politik der Duldung einschlagen werde. Lum Kuhhandel bereit? Interessant ist in dieser Hinsicht folgende Erklärung des nationalsozialistischen„Angriss": „Wir Nationalsozialisten lehnen es gründ- K ab, in«ine Regierung hineinznaeben, n wir verlangen, daß ihr Kurs ausdrücklich von unS bestimmt wird. Wir lehnen ein farblose» Kabinett der„Fachmänner" ab. Weigert man sich, unS die Regierungsführung zu- zuerkennen, Jo gibt es für uns nur eine Antwort: Rücksichtslosen Kampf! ES kann kein Zweisel darüber sein, wer diesen Kamps in kurzer Frist gewinnen wird. Im Interesse Deutschland» aber wäre eü zu wünschen, wenn dieser Kampf vermieden(?!) werden könnte, und wir haben begründete Hoffnung, daß diese Einsicht auch auf der Gegenseite vorhanden ist." * Freche Verdächtigungen. Daß die Mordbrennerci ihrer Söldnerscharen der obersten Führung der Nazis schon chwere Unannehmlichkeiten bereitet, ist ossen- ichtlich. Statt aber ihre bewaffneten Banden zurückzupseifen, vcrlegeti sie sich auf freche Verdächtigung der Gegenseite, der Kommunisten. Sv erfindet die„Nationalsozialistische Parteikorrespondenz" eine Anweisung der Zentrale des Notei« Frontkäntpserbnndes, gegen die eigenen Lokale und Büros Sprengstoffattentate auszuführen, wobei man nicht einmal davor zurückschrecken dürfe, das Leben auch führender Genossen aufs Spiel zn setzen. In Wirklichkeit scheinen die Nazis jetzt aber eher selber nach diesem Rezept zu handel««, um durch ein paar„Einschläge" gegen Nazi- Leute und Nazi-Lokale, bei denen nichts passiert, der« Verdacht von sich abwenden zn können. Der Ttaalsstreich ln Preußen. Gegenerklärung der Reichsregierung an den Staatsgerichtshof. Berlin, 8. August. Die vom 5. August datierte Gegenerklärung der Reichsregierung gegen die Klage der bisherige» preußischen StaatSreaierung sowie der preußischen Landtagsfraktionen der Sozialdemokraten und des Zentrums über die Einsetzung des Reichskvminif- sarS in Prenßen ist jetzt beim Staatsgerichtshof eingegangen. Sie umfaßt Lü Schrcibmaschinen- seitett; es ist ihr außerdem ein 52 Seiten umfassendes Anlageheft beigegeben, das unter an- berent eine Reihe von Reden«ind Artikeln führender Mitglieder der bisherigen preußischen Staatsregierung, wie des Innenministers Seve« ring, aber auch des Berliner Polizeipräsident Grzesinski enthält. Die Reichsregieruug sucht zu beweisen, daß die preußische Regierung den kommunistischen iluruhestislern nicht mit der nötigen Energie rnlgeacngetreten sei. Schließlich vertritt sic den Slanopniikt, daß die Uebernahme der Diktatur- getviilt durch den Reichspräsidenten eine rein politische Entscheidung dnrstelle, bei der der Staatsgerichtshof nicht die Nachprüsungsbefug- nis habe, die ihm etwa bei Erlaß von Notverordnungen darüber zustehe, ob die Mittvirkungs- rechte gewahrt seien. Der Vorsitzende des Staatsgerichtshofes hat um Gegenäußernng der bisherigen preußischen Minister und der beiden LandtngSfraktionen binnen einer Frist von einer Woche ersucht. Der delgWe Streik neu entfacht. Brüssel, 8. August. Der Kongreß der sozialistische«« Bergwerksarbeiter hat gestern beschlossen, von heute ab in alle«« belgische» Kohlengruben de>« Streik MSmrnfen. Es>v»«rde auch beschlossen den Vorstände der sozialistische«« Partei mit der Frage der Ausrufung eines Generalstreiks«n sämtlichen andere«« Gewerkschaften de» Landes zu befassen. Der Bergarbeiterstreik im Lütticher Revier war heute vorinittag» so gut wie allgeniein. Hetze gegen einen sozialdemokratischen Bürgermeister. Bürgerlich« und Kommunisten in einer Front. Der JoachimSthaler Bürgermeister, Genosie Riedel,>var schon einmal das Ziel einer n«e- derträchtigen Hetze, die alle bürgerlichen Parteie«« gemeinsam gegeir ihn führten. Diese Hetze, die zur Einsetzung einer Berwaltungskommission geführt hatte, brach zusan«n«en. Im Jahre 1931 erklärten sich die Bürgerlichen bereit, unter dem Bürgermeister Riedel in der Gemeindestnbe mit« zuarbeiten. Es gab zwar. die üblichen Auseinandersetzungen, st« behielten jedoch bi» zum Juli !932 eine«« sachlichen Charakter. Daun änderte sirh das Bild. H a k e n k r e u j l e r und K o M- m u u i st e ii veranlaßte«« die bürgerliche«« Parteien, sich unter ihre Führung und hinter einen M i ß t r ane n sa n t rag zu stellen, de«« sie zum Zwecke der Beseitigung Riedels eilige bracht hatte». Einige städtische Beamte, die o'e Arbeiten sabotieren, Akten««nerledigt lassen, den Voranschlag nicht fertigltellen, sind die Bundesgenosse«« der gegei« Riedel hetzenden Parteien. Sie beschuldige«« ihn, für die Mißstände verani- wortlich zu sein, die, wie der Karlsbader„Völks- wille" meldet, vo>« pflichtvergessene«« Rasä>er al» wir glaubten, ist dem„Tag" der fette Grubenhund z««gelausen, desie«« baldige» Eintresfen«vir in unserer Sountagsausgabe voraussaglen. Seit Wochen bringt der„Tag" unter dem Titel: „Hitler Ober Deutschland" die schwülstigsten Berichte über die Sitlervcr- sammlungen vor der ReichstagSwahl: obwohl««« jeder dieser Bersainmiungen dasselbe geredet «vird nnd obschon der Vorrat an Phrase«« längst erschöpf« ist, druckt das Blatt der Krebs nnd Viererbl munter seine Berichte weiter; hier schien das Stichworl zu eine««« Grubenhund gegeben, der ja im„Tag"««ach«nonalelanger Pause fällig»var. Den Lesern de» einzigen sndeten- deutschen Witzblattes mußte eine Abwechslung geboten, der rührigen Redaktion mußte unter die Arme gegriffen werden. A>«> 4. ErntingS erschien in der Rubrik „Hitler über Deutschland" auch ein Bericht „Hitlerlag an der tschechischen Grenze", der sich dein nicht natioualsozialistischen Leser sofort, al» eil« ansgelvachsener Grubenhund zi« erketUten gab. Der Schwulst der sonstige»« Berichte«var hier übersteigert bi» zu jenem Grad der Lächerlichkeit, der selbst in einem Naziblatt auffallen mußte. ES wird die Hitlerver- sammlung in Z i t t a u an der Reiste geschildert. Bon„Gelvitterschwüle", nnd„Spannung" geht e» zu stärkere«« Kraftworte««««ber; der lanoeS- kundige Leser verninimt mit Staunen, daß ein „Rauschen anhebt", das„den Sturm- gesang der hochgehen-eil'Neisse"— also eines nette«« kleine«« Bächleins ohne Wogenprall und Sturingesang— verschlingt; sotanes Rauschen verursache«« die Heilruse, die den Führer empfangen. Nun werden die Hörer von „Nerz ü ck»«n g" ersaßt(sonst wäre nänilich das weiter solge««de picht möglich).. Rach einer eingeschobenen Aufforderung, ttur Deutsche Ar- beilerzüuder zu verlangen(««nd nur reinraffige Grubenhunde zn züchten, aus einwandfrei marxistischen Znchtaustalten geliefert) geht es lo». Hitler spricht— das ist U r g e s a n g aus der Seele des Boltes.... das Ist ein H ä>n»«er» iv i c Schwerterklang, das ist malmen- der Blitz aus den Feind... Mit dem malttienden Blitz aber und dem Schwerterklang hat eS die leidige Betvandtnis, daß alles, was den« Osaf nun in den Mund gelegt wird, Zitate von Rat Henau und Marx sind! Dabei heiß« es aber ausdrücklich, daß die Worte Hitlers, die sich den« Gedächtnis eingeprägt haben,„«« i ch t k u n st v o l l e S Lite- r a t e n g e s ch w a tz, wie die Reden der Marxisten" sind, sondern eben— ja, das lvußte also Viererbl nicht, W o r t e, w e i e r I n d e n. eines Marxisten und eines ManneS, den die Nazi erschlagen nnd immer als„Marxisten" beschimpft haben. „Me zeigt er uus den wahren Charakter des Novemberverbrecheiis!" Beamten verschukdet sind, deren einer, der Stadtamtsleiter Kirchberger, eifriges Mi«, glied der Nationalsozialistischen Partei und offenbar Inspirator der Wühlereien ist. Die JoachimSthaler Bürgerlichen habe» schon einmal, die Bedeutung der Selbstverwaltung nicht achtend, mit ihrer schamlose«« Hebe gegen den sozialdemokratischen Bürgermeister die Einsetzung einer Berwaltungkommis- s i o ii erreicht. Ihr jetziges Ziel ist e», an die Stelle des Genossen Riedel einen Bürgermeister zu sehen, der den Wünschen der Hakenkreuzler, insbesondere aber den Wünschen des subven- tion»hungrigen Deutschen Turnvereins, entgegenzukommen bereit ist. Es'oll also ein Bürgerlicher Leiter des Stadt- anites werden. Daß die Kommunisten hiebei brave Schützenhilfe leisten, paßt zu ihrem gerade jetzt mit doppelter Kraft erhobenen Einheitsfrontgeschrei wie die Faust aufs Auge und zeigt ihre politische Verlotterung in hellstem Licht. Agrarier gegen Kleinbauern. Im„Prävo Ltdu" macht in einem Artikel über daS Getreideshndikat Genosse P i st o r i>i S darauf aufmerksam, wie sehr die agrarische Politik die Kleinballern schädigt. Korn verkauft der Großbauer gegenwärtig nicht im Inland; er «vartet ans bessere Preise oder verkauft eö ins Ausland gegen den Pramieneinfuhrschein. Der Kleinbauer kann weder aus die Erholung der Preise Im Inland ivarten noch kau«« er ins Ausland verkaufen. Wenn die Centrokooperativ, die zentrale Organisation der agrarische» Genossen- sthaflen, mehr Verständnis für die Kleinbauern hätte, müßte sie den Kleinbauer«« für das Korn vorläufig Vorschüsse geben und ihnen spater den g ü n st i g e r e«« Preis bezahlen. Ebenso Ist es beim Weizen; der Kleinbauer kann nicht ivarten, bis die Preise sich erholen und nruß das Getreide billig verkaufen, «vodnrch er Schaden erleidet. Es wäre Aufgabe der agrarisck-ei« Genossenschaften, den Kleinbauern in dieser Hinsicht z»« schützen, eine Aufgabe, wel- cher jedoch die Agrarier, die nur die Interessen der Großbauern vertreten, nicht Nachkommen. heißt cs, und dann sollst ein Zitat, aus R a t h e. ««a u. lieber die„Bonzen^ prägt Hitler ein Wort, das in Wahrheit ernWortvonMarx über die Anarchisten ist. Zur Jude n- frage war ebenfalls ein Marxzitat beiaesteuert «vorden, das aber nicht Biererbls Beifall gefunden hat. Obwohl er es für ein Wort der Führer», also für unfehlbare Weisheit, hallen mußie, i«at er es geftrtche«« nnd bemerkt nur, daß Hitler das große Problem ohne Radan- AntisemitlSlnn- lose und daß die„I ü n g c l u und B o««z o S nie eine Zeile von Hitler gelesen haben" oder„>v i e die P e st selber lüge n". Wogegen, wie ersichtlich, Viererbl Marx, Rathen an und Hitler nicht gelesen hat oder «oie die braune Pest lügt! ES folgen Z i t a t e a«» R a t h e n a u über Religion und Sittlichkeit, über di« Jugend und da» Vaterland— sie gellt» al» Worte Hitler» gegen das ZenlrniU. Herrlich ist die folgende Stelle: „Lo einfach, so groß sind diese Worte, daß «vir immer wieder glauben, sie laugst gewußt, sie schon immer gehör« j» habe n." Kein Wunder, wenn sie längst, teiltveise schon 60 Jahre, gedruckt vorliegen! Wieder ein Zitat au» Ralyenan, ii« den« es heißt: „Es kann uns nicht geholfen werden..."■ während doch dem„Taa", wie man fleht, immer geholten werden kann,«venu man die Sache richtig anpackt! Nun ha« der Zensor, dessen Geistigkeit sich durchaus aus de«n Niveau der Biererblschen halten dürste, in seiner bürokratischen Einfalt leider zwei Zitate gestrichen. Ein weißer Fleck beivahrt den„Tag" davor, daß Hitler nochmals Rathena«« zitiert und mit einer Strophe de» Liede»„Die Arbeiter von Wien" seine Rede schließt. Schade! Es genügt aber auch so u««d es ist schon zu glauben, daß««ach Schluß der Rede„Fremde einander umarmt" habe«« und daß„alle Brüder" waren. Wenn Hitler Marx- und Rathenauworte spricht, dann«Nüssen doch alle Brüder werden. Der Berfasser schließt: „Ich bewahre al» köstlichsten Schatz meine Notizen» die Freunde aus der Heimai drängen sich um mich,«vollen wissen, was l ch s e st h a l t e n konnte." Nun, allerhand!(Eine ganze Butten voll jüdischer Zitate, die als Hillerworte erscheinen können. Die Einsendung erfolgte, wie wir hören, unter den« Decknamen Bernhard Vorbach aus Grottau. ES ist ein stra n« nter Bern- Harbin er, ein Pracht, und Rasse-Exemplar, der schon einet« Pr^i» verdienen würde. Er Wird im Dritten Reich h o f fe n i l i ch prämiiert werde««««nd so lani bellen, M e» den Sturmgesang der Neisse und Hitlers malmenden Schwerterklang übertönt! Kabinett Papen mit nationaisozialistisdien Ministern? Papen will Keinen testen negierungsbiodt Zentrum-Nazis. Der„Tay“ von einem Bernhardiner verbellt! Viererbl situ wiener einmal einem Orubenhund nui. eine unsterbliche stammle der„Tag‘ RedoKtion. Rt. 187 DirnStag, 9. August 1932 Seite 3 Der BrünnerVolkssport-Prozeß Brünn, 8. August.(E i g e n b c r i cfi t.) Frühjahr d. I. im Laufe der gegen verschiedene VVHt Ixt kiint tf Itrfv I l.*>■*>( T.««2 f 1•*»(.- t"*/ I*A 1 I I Die Anklage, bc Tics lehnt der in verschic- Das Verhör der Angeklagten Auch daS Hakenkreuz Weinbergen gib! Pelrrmichcl harmlos« Unterhaltungen und gehandelt hab«. 8. und seine Ziele, über, die als Obmann behördlich Studeulendundeü -cs g«. So einfach für B e st a n d- Sie beruft Behauptung Heut« begann vor den» über Antrag der Ber- teidigung vom Obersten Gerichtshof delegierten Brünner Kreisgcricht der Prozeß gegen sieben Funktionäre der inzwischen behördlich ausgelösten nationalsozialistischen Organisationen„Volks- spart",„Na tionals ozialistische r Jugendverband" und»/Nationalsozialistischer S t u d e n t e n b u n d". Angcklagt sind der 25jährige Alexander Petermichel, der 24jährige Friedrich Palliege, der 20- jährige Anton Schwab, der 2Hährige Adolf M c tz n c r, sämtliche Studenten in Prag, der 31jährige Assistent der Prager deutschen Technik Ing. Rudolf Haider, der 32jährige Lehrer Peter Donnhäuser und der 28jährige Beamte Paul Illi n g. Gegen die Angeklagten und 256 andere Nationalsozialisten lvar im di« StklbrnK-Presse di« Anklageschrift schon vor ihrer Verlesung veröffentlicht«. Di« Verteidiger protestieren gegen die Ausscheidung des Verfahrens gegen die sieben Angeklagten von dem Verfahren gegen di« übrigen In strafgcrichtlicher Untersuchung stehenden Nationalsozialisten mit erklären, daß noch nicht alle gegen diesen Vorgang gerichteten Beschwerde» erledigt sind. Auf diesen Angriff reagiert der Staalsan- tvalt in der Form, daß er die von der Verteidigung engagierten Stenographen hinter die Barrü verweisen läßt. Da der Vorsitzende ursprünglich di. Absicht hatte, die einzelnen Angeklagten in Abwesenheit der anderen Angeklagten einzuvcr- nehmcn, beantragte Dr. Dembitzki die Anwesenheit aller Angeklagten. Diesen» Anträge wurde Partei leugnen, erachtet die Anklage als erwiesen, s daß diese Organisationen doch«ine organisatorische> Gemeinschaft bildeten, was sich insbesondere auch ans der Besetzung der leitenden Posten mit cxpo nierten Funktionären der Partei ergebe. Damit kehrt di« Anklage zu dem wiederholt, uitwickelten Gedankcngang zurück, daß sich die; Programm« der reich«brutsch«» und der hiesigen, Hakenkrenzler vogkommen decken, daß ihr Ziel das ..Dritte Reich" sei, das aU« Deutschen umfassen lolle. Dieses Programm bedeut« einen Versuch,, ans Teilen deö tsch«choslowakischen Staatsgebietes «in neues staatliihes Gebild« zu schaffen, und zwar nach„einem vorgefaßten Plan, mlt vorbereiteten Mitteln und in Verbindimg mit fremden Staaten". Als Mittel dieses Anschlages gegen die Republik sei sowohl der„Berband Volkssport" als auch der„Studentenbund" anzusrhen. In diesen Ausführungen gipfelt di« Beweisführung der An- llage. Die Rolle der einzelnen Angeklagten. P«tcrmichel war Führer des„Bezirkes Prag" des„Volkssport". Illing war zunächst Gansührer in Lobositz, später wurde er Landesgeschäftsführer und zugleich Stellvertreter des Abg. Krebs in dessen Eigenschaft als„Landessiihrer" und„Bauführer" von Aussig. Pa liege war Schriftführer des Studentcnbnndcs, D o n n h ä n- s c r zuerst Gruppenführer, dann„Bauführer" des Egerer Gaues und schließlich„Kreisverbandssührer" für Teplih—Eger. Bemerkenswert ist, daß er bei seiner Vernehmung angab, der Gruß„Sturm Heil" bedeute nach seiner Anschauung einen Gesinnungsausdruck der modernen deutschen Jugendbewegung. M e tz n e r war Vorsitzender des„Sludcntenbundrs" und hat in dieser Eigenschaft insbesondere«inen Bries au den Dresdener Hakenkrenzler Erich N o- s i g konzipiert, ans den die Anklage großen Wert legt und von dem noch später zu sprechen sein wird. Schwab war Mitglied des„StudcnIenbundcS" und des„Volkssport" und spielt nur insofern ein« Rolle, al« er den erwähnten Brief an P a l i c g e vertraulich übergeben sollte, die« aber versehentlich unterließ, wodurch der Brief in dir Hände der Polizei fiel. Ing. Haider endlich war Senior des „Studentenbu ndes" und zugleich Mitglied der Parteileitung. Die Angeklagten geben den tatsächlichen Sachverhalt zn, bestreiten aber die slaatsgefährdrnd« Absicht, welche die Anklage, wie aus Vorstehendem ersichtlich, durch verschiedene Schluss« und Folgerungen zu beweisen sticht. Zum Schluß saßt die Anklage noch einmal alles, ! was sie an Material zu bejitzcu glaubt, zusammen. Sic zitiert verschiedene bombastisch« Stellen aus den Vorgefundenen Flugblättern und vermeint festste!- i len zu können, daß der Tatbestand des si 2 des - Schuhgesetzes vorliege. Mes spreche dafür, daß das • Streben des„Volkssport" dahin gegangen sei, m i t : Hilfe Hitler« da« s n d«t c n d e n t s,h« G«- 1 biet d«r Souveränität der Tschechoslo- wakei zu entziihe» und dem neu zu gründenden„Dritten Reich" einzuverlcibcn. Die An- ' klage sei also zu Recht erhoben. * Italien der Angeklagten erregt der angeklagie Lehrer Donnhäuser einige« Aussehen, als er aus die Frage des Vorsitzenden nach seinem Wohnort er widert:„Da« ist sehr schwer zu sagen. Ich habe so viele Einladungen in die Provinz erhalten, daß ich gar nicht weiß, wohin ich gehen sollte, ivcnn ich au« der Haft entlassen würde." Nun wird zur Verlesung der Anklageschrift geschritten. Auch hier legte Dr. Dembitzki Verwahrung wegen Verstoßes gegen die Strafprozeßordnung ein und übt Kritik daran, daß es der Vorsitzende unterlassen habe, die als nnlitärische Sachverständigen erschienenen nnd bei der ganzen Verhandlung amvcsenden Offiziere Major H r a- bovsky und Major Kopavka nach der Per- sonalienanfnahme zu vereidigen und dann znm Verlassen des Saales anfzttfordern und stellt einen entsprechenden Antrag. Nach Verlesung der äußerst umfangreichen Anklageschrift, die über Wunsch der Verteidigung auch in deutscher Sprache erfolgt, ergänzt Dr. Proche den Antrag Dr. Dcinbihkis, indem er darauf devweist, daß die von der Verteidigung beantragten turnerischen Sachverständigen nicht die Möglichkeit haben, der Verhand- lung beizuwohnen, die Angeklagten also benachteiligt seien, wenn den militärischen Sachverständigen die Anwesenheit bei der Verhandlung gestattet wird. Der Senat lehnt jedoch auch diese» Antrag der Vcrteidigiing mit der Begründung ab, daß die militärischen Sachverständigen außer- siaude seien, ein Gutachten abzugeben, lvenii sie dem Verlauf der Vevhandlung nicht folgen können. ergibt sich Studenten- „aktiver verstanden Tatsacheiiiiiatcrials. ab. Metzner nicht schuldig. Er sei nationalsozialistische Organisationen durchgeführ- ten Polizeiaktion eine Strafuntersuchung eingeleitet worden. Sic wurden verhaftet und mit| Ausnahme von Petermichel und Schwab bis zum Beginn der Verhandlung nicht aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Gerichtshof| besteht aus dem Vorsitzenden OGR. K c r n d l! und den Beisitzern OGR. D o l e L e k und GR. j Lokos. Ersatzvotant ist Dr. Derka. Die! Anklage vertritt Staatsanwalt DvokaLek. Die Hauptverteidigung führ«« Dr. Stark und Dr. De nr b i tz k i aus Prag. Die einzelnen An- geklagten werden außerdem von den Doktoren; Dembitzki, Proschc, Haller, D a v i b, I Brittanni, Schneider und Bucht»! vertreten. Die Anklageschrift, die 24 Maschinenseiten umfaßt, berichtet zunächst über di« Gründung des „Verbandes Volkssport", dessen Statuten im Jahre 19W vom Innenministerium genehmigt wurden. Als Berbandszweck wurde die Pflege des Wander-, Radfahr- und sonstigen Sportes und Spieles bezeichnet. In Wahrheit habe sich der Berband indesien „politische Betätigung und die militärische Ausbildung seiner Mitglieder" zum Ziel« gesetzt. Er sei nur ein Bestandteil der nationalsozialistischen Parteiorganisation gewesen, der seine Mitglieder auch obligatorisch angehören mußten. Diese Partei fordere zwar in ihrem offiziellen Programm nur die Autonomie für die deutschen Gebiete. Die eigentlichen Ziele beständen jedoch in der Aufrichtung des „Dritten ReicheS". Hiebei beruft sich die Anklage auf einen Passus des„K l c i n e n Katechismus dor deutschen N a ti o n a lsoz i a l i- st« n", der aus der Feder des Herrn I n n g stammt. In diesem Punkt« besieh« volle Uebcreänstimmung mit dazz reichsdeutschen Hakeitkreuzlern. Diese „Uebettbnstimmung" mit einer ausländischen Bewegung ist«ine der Hauptstützen der Anklage, auf die sie immer wieder zurückkommt. MS Mittel zur Erreichung dieses Zieles bezeichnet die Anklage die„S. A."(Sturmabteilun- gen) in Deutschland, deren notorische Gewalttaten sie ins Treffen führt. Der als„un- positischer Verein" auftretende Berband„Volkssport" sei nun nichts anderes gewesen, als ein« Nachbildung der berüchtigten S. A Dies ist dex zweit« Punkt, den die Anklage nachzuweisen sich bemüht. Soldatenspiel und Kasemhoffdrlll als Ideale. Nicht ohne ein Gefühl der Beschämung ver- nimmt man di« nun folgenden Ausführungen der Anklage über die Kascrnhosideale dieser deutschen Jugend. Die Anklage führt in deutscher Urbezeich nung folgende Fachausdrücke an: ES bestanden„K l« i d e r v o r s ch r I f t c n" für verschiedene Angelegenheiten...„D i c n st a n z u g" ...„Leichte" uiü».wolle Marschadjuftie- rnng"...„Ordnu ngSdi«n sta nzu g"... „Zivi ldi«n sta nzu g"... nlw. ES wcrdcn „Führerabzeichen" aufgezähli: verbrämt« Mützen, Silberschnüre, Knöpfe und Vierecke auf Semd- und Blusenkragen. Nichts fehlt am Ideal des KasernhofgeisteS:„Einzelausbildung", „Schwarm-, Zugs- nnd Kompagnie- ererzieren",„feldmäßigc Uebungen" mit Feldherrnhügel und anschließender Kritik" der„UrbungSlciterS". Auch«ine„Schießausbildung" mit Luftgewehren wurde durchgcsührt und„S ch u ß b l ä t t e r" über die einzelnen Vcr- bandsmitglleder geführt. Natürlich wurde auf„D i s z i p l i n" gehalten. Die Führer hatten ein„S t r a f r c ch t", dem sich di« Geführten blind zu unterwerfen hatten. Es wurde unterschieden zwischen„A k t i v e n Dien st", der zu alle» Uebungen und Veranstaltungen verpflichtet«, und„Reserve für Prüfungskandida- ten u. dgl. Kranke oder verhinderte Mitglieder hatten um Befreiung vom„Dienst" anzusuchen. In diesen nach dem reichsdentscheit Hltlerrezept blind kopierten militaristischen Drillmethoden sicht die Anklage ihr« relativ stärksten Arguniente, erklärt sie den Berband„Volkssport „nichts anderes, als einen teil der hitlerischen S. A.". sich zur weiteren Begründung dieser auch noch auf schriftliches Material, das allerdings nicht näher bezeichnet wird, aber wohl denen Zeitungsnotizen der Hitlerpresic, Broschüren, Flugblättern u. dal. bestehen dürfte. Verbandsabzeichen(schwarzes in weißer Scheib« auf rotem Grund) kommt dem Ankläger zustatten, da eS mit dem Abzeichen der reichSdeutfchrn Hitlerleute ttbcreinstlmmt. Auch die Vorgefundenen Hitler bilder werden als Beweismittel herangezogen, sowie die in diesen Kreisen üblichen Grüße„Heil Hitler unserem Führer!", „Hitler Heil!',„Mit Sturm-Heil!" u. ä. Auf Grund dieser Dinge hält also dl, Anklage de» Beweis für erbracht, daß die Hakenkreuzler diesseits nnd jenseits der Grenze gemeinsame Ziele versolgt hätten(„Drittes Reich") und daß die Vorbereitungen„soweit gediehen seien", daß di« Hitler, leute Im Reich nach der Machtergreifung aus ein» sichere„Rückendeckung" durch ihr« Gesin- nungsgenosien in der Tschechoslowakei rechnen durste«. Darüber hinaus erklärt die Anklag«(ohne jedoch den etwas unklaren Ausdruck näher zu«r- läutern oder zu begründen), daß beide Parteien »in„aktives Eingreifen in der Tschechoslowakischen Republik" vorberciten konnte». Atich in der Nachmittagsvcrhcmdlung hielt I die äußerst gereizte Stimmung an. Bei der Vernehmung der Angeklagten kommt es ständig zn Konflikten zwischen der Verteidigung und dem Vorsitzenden und Staatsanwalt andererseits, so daß der Prozeß einen sehr schleppenden Fortgang nimmt. Vor dcr Einvernahme der Angeklagten gibt Verteidiger Dr. Stark eine Erklärung der Gc- samtverteidigung ab, In der er sich gegen den Vorwurf vcrtvahrt, daß die Verteidigung durch die Anwendung aller prozessualen Mittel dem Prozeß eine Bedeutung gäbe, die ihm nicht znkomme. Dem gegenüber verweist er auf di« Stinnnnngsmache j der tschechischen Presse und aus tc» Umstand, daß stattgegebcn und alle sieben Angeklagten werden Wieder vorgcführt. Petermichel wird als«rster einvernommen. Er erllärt, sich nicht schuldig zu fühlen und niemals Anschlag« gegen den Staat geplant zu haben. Auch hab««s in Prag keine Bezirksleitung des B. S. gegeben. Lediglich in der vom Studentenbund gegründeten Sportabteilung hätten sich Mitglieder auswärtiger B. S.-Gruppen befunden. Nur dies« s«i«n persönlich dazu verpflichtet gewesen', die Weisungen der Aussiger Gauleitung zu befolgen. Er sei selbst als geprüfter Turnlehrer zur Leitung der Sportabteilung berufen worden. Deren Tätigkeit beschränkte sich auf Turnübungen in einem Turnsaal des Hochschulamles für Leibesübungen in der Theingasie in Prag. Hier seien sogenannte Ordnungsübungen dnrchgesührt worden, di« Einerlei militärischen Charakter hatten, Pet«rmichel selbst habe dem B. S. nicht angehört. Ueber die S p r e ch a b r n d e in dem Kellerlokal in den Prager an, daß es sich um unpolitische Borlräg« Neber den B. S. A. und die reichsdeutsche NSDAP, behauptet der Angeklagte nicht« zu wiffen. Er hätte auch keine Brranlasiung gehabt, sich al« tschechoslowakischer Staatsbürger für das Programm Hitler« zu interessiere». Sein« Kenntnisse über die reichsdeutschen Nationm- svzialislon saßt« der Angeklagte mit den Worten zusammen:„Wenn man z. B. das„Acht-Uhr-Abend- blatt" liest, so erfährt man ja etwas." Die Angeklagten brechen daraufhin in lau- t e s Gelächter aus und werden vom Bor- sitzcuden mit den Worten ermahnt:„Lachen Sie nicht, meine Herren, wer zuletzt lacht, lacht am besten!" Nach längeren Befragungen durch den Vorsitzenden gibt Petermichel schließlich zn, einige allgemein bekannt« Tatsachen über den“ wissen. Eine große Auseinandersetzung bei der Erörterung der Frage, waü die ablcilung unter dein Ausdrucke Dirn st" und„R c s c r v« d i c n st" hätte. Diese Begriffe seien, meint Petermichel, nur zu dem Zweck« gepflegt worden, um im Verein «inen„st r a ui m« n K o r p s g r i st" einzujührrn. Innerhalb der Spvrlablcilnng hätte er deshalb aus strenge Disziplin achten müssen, weil diese sich mit dcr ganzen Mannschaft an Wettkämpfen lciligcn wollte. Ein Schwcigeeid, von dcni die Anklage spricht, sei niemals verlangt worden. Di« Vorgefundene Formel sei für«ine Fahnenweihe in Prag beabsichtigt gewesen, der Verein hätte bloß vorsichtiger sein müssen, weil sich einmal rin Kommunist eingeschlichen halt«. Aus dir Frage, ob Verbindungen mit D r u-l j ch I a n d bestanden hätten, antwortete Pelrrmichcl:„Das müsien Si« den Abgeordneten Krebs fragen." Die in dem Protokoll vorkommende Wendung von mili- tärifchcü Uebnngen der Sportabteilung erkläre sich aus einer falschen llcbersetznng des Wortes„Ord nungsübuttgen". Ter Staatsanwalt stellt mm eine Reihe von Fragen, die sich offenbar auf das Vorgefundene Dokunientenmaterial beziehen. Staatsantvalt:„Haben di« Studenten sportliche Kurse im Ausland besucht?" Petermichel:„Meines Wisiens nicht." Staatsanwalt:„Hal dcr Slndcntenbund einmal Grüße nach Deutschland geschickt?" Peter- michel:„In welcher Form?" Staatsanwalt:„Tie Form kenne ich nicht, ich kenne nur di« Antwort." Petermichel tveiß von diesen Grüßen nichts. Nach seiner Einvernahme beantragt Dr. Dembitzki gesonderte Verhandlung der einzelnen Angeklagten nnd Teilung hinsichtlich des poliii- schcn nnd~ Vorsitzende Adolf bekennt sich Slndenlcnbundcs ordnungsgemäß mridet gewesen. Die Tätigkeit des beschränke sich auf kameradschaftliche Zusammen- fassuug der nationalsozialistischen Studenten, auf bildende Vorträge und sportliche Ausbildung. Niemals hätten Beziehungen zu Deutschland bestanden. Diesen Behauptungen hält der Vorsitzende das Vorgefundene Konzept eines Briefes a n N o s l g i n D r e 8 o en entgegen. Metzner erklärt nun, daß«r von Rosig, den er nicht gekannt habe, zu einer Besprechung nach Dresden eingeladen worden sei, weil di« Gründung ei- 8 Büros des„Völkischen Beobachters" in Prag geplant war. Nach seiner Rückkehr hätte jedoch der Abgeordnete Knirsch entschieden davon a b gerat e n. Aus diesem Grund hält« dann Metzner in dem Vorgefundenen Bries, der nicht abgeschickt wurde, das ganze Projekt abgelehnt. Die darin enthalten« Wendung: „Cs würde uns sonst den Hals kosten", sel so zu verstehen, daß M«tzn«r seinen Ausschluß aus der nationalsozialistischen Partei befürcht«!«. Der Vorsitzende bezweifelt dies energisch. Haider soll von dem Bries nichts gewußt haben, di« früher«» Angaben Metzncrs beruhen auf einem Irrtum. Staatsanwalt:„Fragen Sie ihn, Herr Vorsitzender, von wem er das Geldzudcr Reise bekommen hat." Dr. Dembitzki ruft daztvischcn:„V o n Ihnen nicht!" Dcr Staatsanwalt verwahrt sich gegen diesen Zwischenruf, der Vorsitzendc droht mit Entzug der Verteidigung. Dr. Dembitzki entgegnet:„Wir sind ja schon genug an Ungerechtigkeiten gewöhnt." Der Vorsitzende läßt diese Bemerkung in großer Erregung protokollieren. Metzn«rs weitere Aussagen über die Täligkeii dcr?portabt«ilung decke» sich im wesentlichen ii.il denen Pelermichels Die>ibgeh.-l:.'ne» Führer- k u r j c, die dcr Vorsitzende schon wegen ihres Vie Organisation der„Führung" Außer dem eigentlichen„Verband Volkssport" gab cs noch eine»„Jugendverband' und den Verband„Wanderndes Jungvoll", aus die jedoch die Anklage nicht näher eingeht. Die Zentrale befand sich in Fulnek in Mähren und an ihrer Spitze stand der Abg. Schubert, gleichzeitig„Landessiihrer" in Mähren. Innerhalb der einzelnen Länder bestanden„G a u e", die wieder in„Bezirk e" zerfielen. Diese gliederten sich tvieder in„Truppen' und jede„Truppe" bestand endlich ans einer Anzahl von„Ortsgruppen", die di« kleinste Organisationseinheit darstellten. Auch in Prag bestand ein(behördlich nicht gemeldeter)„Bezirk" des„Volkssport", dessen Führer dcr Angeklagte Petermichel war. Der„Bezirk Prag" unterstand dem„Gau Aussig", dcr unter der Führung des Herrn Krebs stand, der zugleich auch „Landessiihrer' in Böhnicn war. Auch der„Jugendverband" hatte seine Zentrale in Fulnek. Sic nannte sich den„?l eilest curat" und ihre„Führung" lag in den Händen der Herren Krebs und Jung. Außerdem wurde in Prag noch der sogenannte „S t u d e n t e n b u n d" ins Leben gerufen, der zunächst in Privatwohnungcn, später in einem eigens gemieteten Kcllcrlokal in den Weinbergen seine Zusammenkünfte abhielt. Der Vorstand wurde von den Angeklagten Pctcrmich«l ass Obmann, Schwab als Kassier und Pa liege als Schriftführer gebildet. Der„Senior" dieser Vereinigung war dcr Angeklagte Ing. Haider. Die Mitglieder waren in ihren Heimatorten durchwegs Angehörige des„Volkssportes', standen nach den Behauptungen der Aicklage mit der reichSdeutschen Partei in Verbindung und gehörten auch der nationalsozialistischen Patrciorganisation an. Namentlich Ingenieur Haider war in der Parteileitung an einflußreicher Stelle tätig. Obwohl die Angeklagten einen Zusammenhang zwischen„Volkssport",„Studcntcnbund" und dcr * Der erste Verband- lungstag. Um 9 Uhr früh wurde die Gerichtsvcrhand luiisi eröffnet. Dcr große Schwurgerichtssaal des Brunner Kreisgerichtes war bis auf das letzt« Plätzchen gefüllt. Tas Publikum bestand zum größten Teil aus Juristen, zahlreichen jugendlichen Llatioualsozialisten und einigen deutschen Parlamentariern. Von nationalsozialistischen Führern waren nur die Abg. Krebs und Knirsch anwesend. Gleich zu Beginn dcr Verhandlung kommt cs zu eincnl Zusammenstoß zwischen dem Vorsitzenden und dcr Verteidigung, als der Vor- sibende dem Sachverständigen Prof. Dr. Bene« zehn bei den Hausdurchsuchungen aufgcfundcnc, in dclttschcr Sprache abgefaßte und zum Teil« stenographierte Blätter zur Ucbertragung ins Tschechische übergeben will. Verteidiger Dr. Dembitzki legt gegen diesen Vorgang Verwah- rnng ein, den er als Verstoß gegen die§§ 239, 241 und 242 der Strafprozeßordnung bezcichnet. Die Uebcrsetzung des Materials hätte der Untersuchungsrichter oder die Staatsanwaltschaft vor der Verhandlung besorgen müssen. Dr. Dembitzki beantragt, daß dem Sachverständigen kein Aktenmaterial ausgehändiat werde, sondern daß die Ucbersetzung vor dem Erkenntnissennt erfolge. Dieser Antrag, gegen den sich dcr Staatsantvalt ausspricht, wird unter Protest und Ankündigung der Nichtigkeitsbeschwerde der Verteidigung vom Senat abgelehnt und dein Sachverständige» aufgetragen, das ihm übergebene Material im Gerichtsgebäude zu übertragen. Bei der nun folgenden Aufnahme dcr Pcrso- Seite 4 Dien-tag, 9. August 1932 Sir. 187 Namen- al-' bedenklich bezeichnet, stellt Metzner al- harmlose Bildungskurse hin, an denen sich auch Damen beteiligt hätten. Die seien zu dem Zweck erfolgt, um einen Funktionär-Nachwuchs siir die Partei zu erziehen. Metzner behauptet, dem Volkssport nicht ange» hört zu haben. Er hätte auch keine V. S.-Uniform besessen, sondern bl oh einen Sportanzug, den er auch während der Untersuchung trägt. Illings diesbezügliche Aussagen seien von der Polizei suggeriert wotden. Der Staatsanwalt behauptet aus Grund von Polizeiberichten, dah Metzner Im Feber 1982 bei einer.Kundgebung in Leiimeritz eine P. 2.-Abteilung kommandiert hätte. Mehner jedoch gibt an, zu dieser Zeit gar nicht in Leiimeritz gewesen zu sein. Rosig bezeichnet der Staatsanwalt unter stürmischen Protesten der Verteidiger als einen leitenden S. A.-Führer in Dresden. Ferner erkundigte er sich über die journalistische Tätigkeit Metzner- und legte schließlich eine Photographie vor, auf der Metzner bei einer Kundgebung in Hohenelbe in B. 2.-Uniform zu sehen sein sollte. Der Vorsitzende erklärt jedoch selbst, Metzner uns diesem Bild nicht zu erkennen. Metzner sagt aus, daß er in Hohenelbe als Gast und nicht als Mit- glked de- V. S. gesprochen habe. Nach der Einvernahme MctznerS wird die Be> Handlung auf morgen früh vertagt. * Bemerkungen zur Anklageschrift. An der Anklageschrift fällt vor ollem— m formeller Beziehung— ein Umstand aus: in diesem Prozeß, welcher sich gegen sieben Angeklagte richtet und welcher ein umfangreiches Tatsachenmaterial zum Gegenstand hat, wird von der Anklagebehörde bloß die Ladung eines einzigen Zeugen beantragt, eines .Herrn Arthur Mcndl. Die Beweisführung, Welche die Staatsanwaltschaft beantragt, besteht also nur in der Verlesung^ von Urkunden, Broschüren, Zeitungen, eines Briefes ete. Das wichtigste Beweismaterial sind, wie aus den Gründen der Anklageschrift hervorgeht, die Aussagen der Angeklagten selbst. Die Anklageschrift legt allen sieben Angeklagten das Verbrechet!' der Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik zur Last. Das Gesetz stellt, wie wir bereits hcrvorgehoben haben, nicht jede Borbereitungshandlung unter Strafe, sondern erfordert, daß einer der im 8 2 erschöpfend aufgezählten oualifizierten Tatbestände vorliegt. Diese Qualifikation hält die Anklage in dretfacher Beziehung für gegeben: a) die Angeklagten hätten sich(untereinander) zu Anschlägen auf die Republik vereinigt, b) sie seien zum Zwecke von Anschlägen aus die Republik mit fremden Faktoren in unmittelbare oder mittelbare Verbindung getreten, c) sie hätten zum'Zwecke von Anschlägen auf die Republik bewaffnete Kräfte gesammelt, organisiert und sie aus- gebildet. Daß di« Tätigkeit der Angeklagten den Zweck hatte, Anschläge gegen die Republik zu verüben, schließt die Anklagebehörde aus dem Umstande, daß der Verband„Volkssport", dessen Funktionäre sie waren, eigentlich ein Bestandteil der deutschen nationalsozialistischen Partei in der Tschechoslowakischen Republik gewesen sei. Diese Partei habe das gleiche Programm, wie die Nazi im deutschen Reiche, nämlich das „Tritte Reich". Da das„Dritte Reich" alle Deutschen umfassen soll, meint die Anklageschrift, daß im Programine der deutschen Nazi, demzufolge auch unserer Nazi und infolgedessen auch des„Volkssport" die Abtrennung der sudetendeutschen Gebiete von der Republik sei. Da die Hitlerbewegung ihr Programm auch init Gewalt durchzusetzen gewillt sei, ist nach der Meinung der Anklageschrift der Tatbestand der „Anschläge" koniplett. Die fremde Macht mit welcher die Angeklagten beschuldigt werden in Verbindung getreten zu sein, sind die reichsdeutschen Nationalsozialisten, von denen sie Bücher, Broschüren ete. erhalten haben und mit denen sie ein- oder zweimal gemeinsame Uebungen an der Grenze veranstalteten. Einmal(im März 1931) sind nach Behauptung der Anklageschrift reichsdeutsche S. A.-Leute gemeinsam mit Bolkssportlern durch die Stadt Friedland marschiert. Di« Sammlung von bewaffneten Kräften besteht nach der Anklageschrift darin, daß der Verband des„Volkssport" militärähnlich organisiert war, Nniformen, Dienstvorschriften, Ans- rüstungSvorschristen besaß, sogenannte Geländeübungen vorgenommen hat u. ä. Tie Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, daß die Tätigkeit der Angeklagten(durchwegs Funktionäre verschiedener Stellen des„Volkssport" und des „Dtudentenbundeü") die Grenzen des vorbereitenden.Handelns überschritt, dah sie sich skhon der Möglichkeit des Erfolges näherte und dadurch die Sicherheit des Staates bedrohte. Die Aufgabe des Gerichtes wird es sein, festzustellen, ab de» einzelnen Angeklagten tatsächlich der Vorsatz zur Last gelegt werden kann,„mit H i l s e H i t l e r s das Dritte Reich zu gründen" und diesem Tritten R?ich die sudetendeutschen Gebiete e i n z u v e r l e i b e n. Es wird ferner sestzu- stellen haben, ob die Verwirklichung dieser Absicht bei jedem einzelnen der Angeklagten derart konkrete Formen angenoinineii hat, daß sich die Möglichkeit des Erfolges näherte und daß sie darum eines Verbrechens schuldig sind. . E. Sch. Die Tochter des als Strcikbrcdicrtn Men Die Pilsner„Nova D o b a" berichtet über folgenden skandalösen Fall: Auf einigen staatlichen Gütern i>n Bezirk dl e u h a u« kam es zu einem Streik der landwirtschaftlichen Arbeiter. Die Direktion der staatlichen Güter will nicht eininal d i e Löhne zahlen, welche Private Gutsbesitzer zugestehen, und ordnete eine Lohnherabsehung von 15 Prozent an. Obwohl die Arbeiter alle Mittel auwandten, um einen Widerruf zu erzielen, wurde die Lohnherabsetzung nicht zurückgenommen. Als letztes Mittel blieb daher nur der Streik, tvelcher am 28. Juli erklärt wurde. Die Gutsverwaltung kündigte sofort am ersten Tag allen Arbeitern und drohte den gelegentlichen Angestellten, armen Leuten ohne eigenen Boden, mit der Wegnahme des ihnen überlassenen Weidegrundes, wenn sie die Arbeit nicht antreten würden. Die Arbeiter setzten trotzdem den Streik fort und nicht ein einziger Mensch gab sich zum Streikbruch her. Die GutSverwaltung begann nun Streikbrecher anzuwerben. Sie gewann dazu die organisierten agrarischen Kleinbauern, T agestieuigkeiten Polarforscher Dr. Vollem lol In der Elbe ertrunken. Prag. Der tschechische Polarforscher Dr. B o j t v ch, welcher durch seine Teilnahme an der Südpolexpedition Byrds bekannt wurde, ist Samstag in Sadska bei Nymburg beim Baden in der Elbe ertrunken. Er sollte in einem Skautlager einen Bortro-- halten und benützte die kurze Zeit, di« zur Verfügung War, zu einem K a n o e»A u s s l u g auf dem hochgehenden Fluß. Einer seiner Frellnde namens Doolik begleitete ihn. Bei einer unüberlegten Wendung kenterte das Boot und die beiden Insassen sielen ins Wasser. ES scheint, daß Dr. Voj 1 rch durch das umstürzende Boot verletzt wurde, so daß er, obwohl sonst ein guter Schwimmer, sich nicht selbst auS dem Strom retten konnte. D o S l i k versuchte, ihn über Wasser zu halten, niußte aber noch einiger Zeit seine Bemühungen aufgeben, da ihn selbst die Kräfte verließen. Die zahlreichen Zuschauer am Ufer konnten den beiden Ertrinkenden nicht rechtzeitig Hilfe bringen. Viel zu spät kamen Boote an die Unglücksstelle. Doslik konnte gerettet werden, Dr. BojtSch war jedoch nicht mehr zu finden. E r st S o.n n t a g Mittag wurde seine Leiche geborgen. Der erst 32 Fahre alte Dr. B o j t 8 ch, welcher zu den besten Hoffnungen der Wissenschaft berechtigte, sollte in einigen Tagen nach Kanada reifen, um an einer neuen Expedition in die Arktis teilzu- nchmen. Nadi neunzehnjähriger Arbeit wurde der kanadische Riesen-Kanal eröffnet. Ottawa. Am 6. August wurde in feierlicher Weise der Verkehr auf dem neue» W e l l a ii^d- K anal eröffnet, der den Eriesee mit dem Ontariosee verbindet. Ten feierlichen Akt nahm der Generalgouverneur von Kanada, Lord Beß- borough, vor. Der Kanal hat eine Länge von 25 Meilen und der Niveauunterschied der beiden Wasserspiegel beträgt etwa 110 Meter. Ter Kanal hat 8 Schleusen, die etwa 300 Meter lang und 25 Meter breit sind und 10 Meter in die Tiefe gehen, was den großen Ozeandampfern Zutritt zum System der großen amerikanischen Seen ermöglichen wird. Am Kanal wurde 19 Jahre lang gearbeitet und der K ostenaufwand wird auf mehr als 26 Millionen Pfund Sterling geschätzt. Der Generalgouverneur erklärte den Kanal für eröffnet, worauf als erstes Schiff der Dampfer„Lemohne" nut 530.000 Bu- fhel Getreide an Bord, die er nach Montreal führt, in den Kanal einsiihr. „Olcldic Löhnung- gleiches Essen.. SA.-Revoltc in Bonn. In Bonn ist es in der SA. zwischen Führung und Mannschaften zu starke» Reibungen gekommen. Man berichtet sogar von Tätlichkeiten. Die Ursachen liegen in der sehr unterschiedlichen Verpflegung der Führer und Mannschaften, vor alleni aber darin, daß man den uniformierten SA.-Leuten die bisher für daS Tragen der Uniform gezahlten täglichen Geldprämien nach der Wahl nicht mehr gewährt. Die Folge ist, daß viele SA.-Leute der Führung die Uniformen wieder zur Verfügung gestellt haben. Die Widerspenstigen werden durch SS- Leute vom Betreten der Naziräumlichkeiten abgehalten. Es ist nicht das erste Mal, daß in Bonn die SA. gegen die SA. steht. Schon einmal demolierten SA.-Leute in dem SA.-Heim die Büroeinrichlung. Ferner zerrissen sie die Fahnen und verprügelten sich gegenseitig. Mutiger Urania bei der Verhaltung. Berlin. Ein aufregender und blutiger Zwischenfall spielte sich gestern abend in Lichtenberg ab. Dort sollte gegen 20 Uhr 30 ein 29jähriger Arbeiter aus Grund eines Haftbefehls durch Regierungsrates landwirtsdiaHlKiic Arbeiter. welche ihre eigene Arbeit stehen ließen, um den > Sozis zn schaden. Die Töchter der Agrarier und ihre« Bertranensmannes nahmen die Arbeit an, um sich an den Arbeitern zu rächen. Die staatliche Teichverwaltnng stellte zum Transport der Streikbrecher ihre Autos zur Verfügung und so wurden Personen angeworben, welche niemals landwirtschaftliche Arbeit geleistet hatten. Der Gipfel der Frechheit ist es aber, wen» Herrschaften aus Prag, welche hohe Gehälter beziehen und in guten Stellen sitzen, an dem Streikbruch teilnehmen. Die Tochter des Regierungsrates im Finanzministerium, Cikhard, ging mit ihrem s Dienstmädchen aufs Feld arbeiten. Die Frau eines hohen Beamten aus dem Außenministerium, Növak, folgte ihrem Beispiele. Und das find nicht die einzigen Fälle. Diese beispiellose Genteinheit, für welche sich jeder anständige Mensch schämen mitß, blieb de» Angehörigen jener Leut« Vorbehalten, die selbst sofort Lärm schlagen, wenn sie von ihren viel zu hohe» Bezügen nachlassen sollen. Polizeibeamte in seiner Wohnung f e st g e n o uv men werden. Bei Erscheinen der Beamten schlug der Arbeiter die Wohnungstür zu, verbarrikadierte den Eingang und gab durch die Tür auf die Polizeibeamten zahlreiche Schüsse ab. Auch als mehrere Herbetgerufene lleberfallskotn- mandos erschienen, gab der Widerspenstige sich nicht verloren, sondern beschoß nunmehr die Polizei auch durch die Fenster seiner Wohnung, so daß viele Schüsse auf die Straße gingen. Z w e i Passanttnnen wurden getroste n. Wie weiter mitgeteilt wird, hat sich der Arbeiter inzwischen in seiner Wohnung e r- schossen. Auch seine Frau, die sich bei ihm in der Wohnung aufhielt, soll tot sein, eine empörende neriditerslaiiung. Wenn das Tschechoslowakische Preßbüro die Aitfmerksamkeit aus sich lenkt, so sicher nur dann, wenn es Anlaß zu Protesten gibt. Zu der schändlichen Berichterstattung über die Vorgätige in Deutschland kant gestellt die nachstel-ende Meldung ans Budapest: Budapest, 8. August. Am gestrigen Sonn- tag haben sich gegen ll Uhr vormittags ungefähr 100 Jungarbeiter, mit Schaufeln und Spaten ausgerüstet, vor dem Friedhof versammelt, um die Leichen der vor einigen Tagen Hingerichteten Kommunistenführer Sallai und Fürst auszugrabe.it. Unter den bekannten lammuni st ischen Schlagworten for- derlen sie von der FriedhosSverwoltung Einlaß. Es kam zu erregten Lärmszenen. Ein telephonisch herbeigerufenes Wocheaufgebot konnte die. Ordnung wieder Herstellen. 70 Lärmmacher wurden von der Polizei zwangsgestellt. Gewiß sind die meisten kommunistischen Demonstrationen mehr als überflüssig und mehr geeignet, den Arbeiter» zu schaden als zu nützen. Wenn aber, wie in diesem Fall, Arbeiter ihrer Erbitterung laut Ausdruck geben, ist eine Berichterstattung, welche sie als„Lärmmacher" verächtlich zu machen sucht, nur als eine Gemeinheit zu bezeichnen. WaS wird mit ZajiLek? Gestern endete die Frist, innerhalb welcher der Defraudant Zajieek an die tschechoslowakischen Behörden ausgelieset oder in Freiheit gesetzt werden mußte. Nach den Gesetzen von Panama darf nämlich niemand länger als zwei Monate in Hast gehalten werden. Das AnslteferungSgesuch soll, wie„Duch kasu" behauptete, verloren gegangen sein, so daß der naheliegende Verdacht entstand, daß jemand an der Nichtauslieferung Zajiöeks ein Interesse hat. Eine amtliche Erklärung bestritt diese Meldung und stellte fest, daß das Gesuch, um keine Formfehler zu begehen, vorsichtshalber zweimal abgeschickt wurde. Man kann gespannt sein, wie diese mysteriöse Angelegenheit enden wird. Fehlbetrag in der Gemeindekasse— abgängiger Gemeindekasfier. Aus G ö r k a>t wird uns gemeldet: Bor einigen Tagen entfernte sich im nahen Göttersdorf das Mitglied der Gemeindevertretung Ferdinand Herglotz, der zugleich auch Gemeindckassicr war, aus seiner Wohnung, ohne bisher wieder zurückzukehren. In der Gemeindekasse deS kleinen Ortes kommt ein größerer Betrag— man spricht von etwa 20.000 K— zum Fehlen. Die Untersuchung der Angelcgenhest ist im Gange. Die Leidenschaft des Altertnmssorschers. Athen, In Eleusis wurde der deutsche Archäologe Dr. Helmnth Herpich verhaftet,»teil er int dortigen Museum eine eben ausgegrabenc Statuette eines Epheben aus dem 1. Jahrhundert v. Ehr. g e st o h l e n hatte. Herpich wollte die Statuette nach Deutschland mitnehmen. Er brach ihr, unt sie unkenntlich zu machen, den Kopf und die Arm« ab und beseitigte die Inschrift. Her- Pich wurde in Athen in Gerichtslzaft eingeliesert. Weltrekordläuser. Ans der Olympiade in Los Angeles lief der Amerikaner Carr die Strecke von 400 Metern in der Phantastischen Weltrekordzeit von-16.2 Sekunden vor Ben Eastntann- Amerika(46.4) und Wilson-Eanada(47.4). Der deutsche Teilnehmer Büchner war bereits im Vorfinale ausgeschieden. Beim 5000 Meter- Endlauf gewann der Finne Lehtinncn gegen den Amerikaner Hill. Es kant zit einem Krach, weil Lehtintien Hill behindert haben soll; der Schiedsrichter urteilte jedoch zugunsten des Finnen. Vom Rundfunk Reue sozialdemokratische Radiozeitschrift. Der„Rundfunk für Alle", der schon als Monatsblatt großen Anklang gefunden hat, erscheint ab 31. A u g u st wöchentlich. Er bringt das Programm der Sender des In- und Auslandes in einer gatiz neuen, besonders über- sichtlichen Anordnung, Programmvorschau um Kritik, Artikel, Report--en, Feuilletons, Kurzge schichten, einen reichhaltigen technischen Teil um zahlreiche Illustrationen. In der Rubrik„ll n s e: Mikrophon" kommen die Hörer selbst;>■ Wort. Einzelnummer K 1,80’ Vierteljahre abonnement K 18.—. Schriftleitung und Verwaltung: Wien V Margarctengürtel 124. Ernpfestkcnswcrtes aus den Programmen Mittwoch. Prag: 11: Schallplatten. 14.80: Konzert. 17 50. Schallplatten. 18.30: Deutsche Sendung. Arbeitersendung: R. Storch: Sport— Opium f ü r das Volk. 1V: Volkslieder. 19.30: Balalaikakonzert. 20.30: Bioloncellv-Konzerr. Brünn: 18: Jugendfunk. 18.25: Deutsche Sen düng. Arbeiterfunk: Kritzelt: Die sozial e Lage im heutigen Polen. 20.30: Konzert.— Berlin: 10.35: Chorgesänge.— Breslau: 18: Alte klassische Biolinmusik. 22.20: Teutschk Tänze.— Königsberg: 13.05: Orchesterkonzeri. 17.50: Lieder und Balladen. 19.30: Abendkonzert.— Longenberg: 20: Tänze aus aller Welt. 22.25: Das iing: Amerika.— Leipzig: 19.30: Alte und neue Tänze. — Mühlacker: 19.30: Hondharmonikalonzeri. 20: Ouvertüren und Arien.— München: 1-1.55: Iither- konzerl.— Wien: 19.45: Orchesterkonzeri 21.15: Tönendes Papier. Der Wirts chaflssührer. Gestern vormittag wurde in Wien der bekannte Industrielle und Aesellschasler der Kohlensirma Mor- morek und Beylvasser, Oskar Mormorek verhaftet und auf der Polizei einem mehrstündigen Verhör unterzogen. Die Verhaftung erfolgte im Zusammenhang mit einem gefälschten Provisionsbries des früheren Bundesministers Heindl. Ein ungeheuerliches Verbrechen, das durch Zufall aufgedeckt wurde, beschäftigt die Bevöl- krung von Belgrad. Tie Witwe Tarinla Man- ditsch hatte ihre 20jährige Hausgehilfin zur Prostitution gezwungen und ihr nach einem vergeblichen Fluchtversuch die Augen ausgesiochen. 2>e wollte dadurch das Mädchen- von neuen Fluchtversuchen obhalten. Die Polizei wurde durch anontzme. Brief« aus der Nachbarschaft aus dir Vorgänge in dem Hause, der Witwe aufmerksam gemacht. Bei einer Hausdurchsuchung wurde dü blinde Hausgehilfin in einem abge.sperr.ten Raum oufgcfunden, wo sie monatelang gefangen gehabten worden war. Tie Witwe ist flüchtig. Ein glücklicher Finder. Aus Bari wird geschrieben: Anfangs Mai scheiterte aus der Höhr von Bignola der griechische Handelsdampfer„Flip Patros" und ging mit seiner wertvollen Ladung unter. Am Wrack bildete sich im Laufe der Monate eine Sandbank, in der di« Schiffsreste langsam versinken.t verlebt, davott zwei schwer. Die Verletzten stammen fast alle aus Koenig sevbst. Ein« Frau mußte in schwerverletztem Zustand in das Krankenhaus nach Darinstadt übergeführt werden. Die Insassen des Kraftwagens kamen mit dem Schrecken davon. Benzol statt Petroleum. Aus Wien wird b«. richtet: Eine verhängnisvolle Verwechslung ereignete sich in einer Drogerie im 20. Bezirk. Statt Petroleum wurde dort seit einigen Tagen an mehr als 100 Kunden Benzol abgegeben. Das Ttrahenviertel wird von Arbeitern bewohnt, die zuntetst Petroleum zu Beleuchtungs» und Koch- ztvecken benützet«. Die Drogerie bezog das Petroleum von der Wiener Niederlage der bekannten rumänischen Finna„Creditul Minier". Diese hat nun offenbar zwei Fässer verwechselt und anstatt Petroleum der Drogerie Bettzol geliefert, das dann an die Kunden literweise abgegeben wurde. Durch zwei Explosionen, die in zwei-Haushalte» stattfanden, wttrde die Polizei auf die verhängnisvolle Verwechslung aufmerksam und jetzt handelt es sich darum, die übrigen Kunden ausfindig zu machen,-die Benzol bezogen, damit ein größeres Unglück verhindert werde. Ein Generaldirektor wird fristlos entlassen. Die Blätter melden, daß der Generaldirektor des Oesterreichischen Verkehrsbüros Hofrat Rachbauer infolge eines belei» digenden Briefes an de» Generaldirektor der österreichischen Bundesbahnen Dr. See» fehlner fristlos entlasse« wurde. Rt 187 Dienstag, 0. August 1082 Seite n Das Schmuggelgut in der Standuhr. Sine Pafcheraffär«, deren Fäden bi» in die Slowakei reichen. Weipert, 8. August.(Eigenbericht.) In dcu letzten Tagen ist, wie schon knrz gemeldet, in Weipert abermals ein« Tchmuggclassiire grüße« ren Stils ausgeflogen, zu der nunmehr folgende Einzelheiten bekannt werden: Die Wei« verirr Finanzbehördc ließ durch ihre Organe schon seit längerer Zeit zwei Bewohner der Stadt beobachten, deren Aufwand in keinem Verhältnis zu ihrem Einkommen als Vertreter, bezw. kleine Angestellte stand. Zn» Einvernehmen mit der reichsdcutschen Zollbehörde wurde daher in der Wohnung der Verdächtigen überraschend ein« Haussuchung vorgenommen, die insofern von Erfolg begleitet war, al» durch eilten Zu« soll, in einer Stattdubr versteckt, ein größerer Posten zollpflichtiger Ware von beträchtlichem Wert« und zahlreich« wichtig« Belege vorgcknn« den wurden, ans denen hcrvoracht, oaß seit längerer Zeit systematisch zollpflichtt« Waren ans Deutschland über di« Grenze bei Weipert in die Tschechostoivakei gepascht und von Weipert aus ms Inner« d«S Landes, zum Teil bi« in die Slowakei, befördert worden sind. Bei den» vorgefundenen Schmugaelgut handelt«s sich haupt- mchlich nm große Posten von Stahlfedern für Füllhalter(Goldimitation), um Gummi« und Messerschmiedewaren, Manometer usw. Di« beiden, des Schmuggle« Beschuldigten wurden auf Grund der bei der.Haussuchung gemachten stunde sofort in Untersuchungshaft genommen. Die Erhebungen, di« noch mancherlei überraschende Momente ergeben dürstett, werden fürs» gesetzt, und«S erscheint nicht ausgeschlossen, daß im Zusammenhang mit der Affäre weitere Ber- hafmngcn erfolgen werden. Kne erschütternde Statistik- Ein amerikanischer Journalist hat sich die Mühe genommen, zusammcnuizählen, wicviele Opfer der politische Meinungskampf in deit letzten eineinhalb Jahren in Deutschland gefordert hat. Die errechnete Ziffer ist erschreckend hoch: 1200 Tote und über 60.000 Verwundete. Inzwischen dürften e» noch mehr geworden fei» end e» ist noch gar nicht abzuschen, wann da« VüracrkriegSMoroen ein Ende nehmen wird. Die Mordbestie, die durch das blutrünstig« Haken« kreuzlcrtum entfesselt wurde, wird wohl nicht eher zu wüten aushören, al» eS nicht der Arbeiterklasse Deutschlands gelungen sein wird, den Hitler- tasciSmuS nieoerzuringen. Wäre Deutschlands Arbeiterschaft einig geblieben, dann wär« e» nie dazu gekommen, daß die brann« Pest sich aus- bktltcn konnte und dann wäre dem deutschen Volke da» furchtbare Blutopfer des schleichenden Bürgerkrieges erspart geblieben. Hoffen wir, daß die deutschen Arbeiter angesichts der erschütternden Bilanz, des politischen Kampfes der letzten Monate wenigstens jetzt zur Einsicht und damit zur Einheit kommen. Der Chicago« Oberbürgermeister vermäk Nas gestern nachmittags in Prag ein. In seiner Vcaltitung befanden sich etwa zehn von Jour« Misten und Angehörigen der amerikanischen Kolonie besetzten Automobile. Der Grazer Segelflieger Roland Maron ist Lomstag bei einem llebungsflug ant stuhleck tödlich abgestürzt. Tas Flugzeug wurde zertrümmert. Die Leich« Maxon» wurde nach Spital am Lctmnering gebracht. Zigeunerkrieg. In einem Lager bei Ung.- Vrod lebet» über 100 Zigeuner, welche ständig Krieg untereinander führen. Am Montag begannen sie einen Streit, welcher bald in eine regelrechte Schlacht ausartete, wobei dir beiden Parteien mit Stücken, Steinen, Hacke»» und Heugabel»» auseinander losginaen. Einig« der Zigeuner benützten auch ihre Revolver. Aus der ganzen Um- gcbung mußten die Mensche»» flüchtet», um nicht in die Nähe der tobenden Zigeuner zu kommen. Erst die Gendarmerie aus Nng.-Drod konnte Ruhe schaffen. Auf dem Schlachtfest» bliebe»» 8 Schwer- und 19 Leichtverletzte Männer und Frauen. So erbittert war der Kampf, daß auch eine Anzahl von Hütten vollständig demoliert wurde. 600.000 Ehescheidungen jährlich. Die Eolum- bia University in New Kork hat lehrreiche ftati« stische Daten über die Ehescheidungen in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Danach werden alljährlich 500.000 Ehen geschieden, Was je eine Scheidung auf je sechs Eheschließungen ergibt. Es zeigt sich, daß das kritischeste Jahr für die amerikanische Ehe das vierte Jahr ist. Seit 1807 bis 1920 ist die Zahl der Scheidungen un» 2000 Prozeitt gestiegen und übertrifft sowohl die Zahl der Eheschließungen als den Bevölkerungszu« wachs. Dieser betragt für die gleiche Zeit etwa 300 Prozent, jene sind um 400 Prozent ,zahlreicher. Wenn sich die Erscheinung der Ehe« Der Zufall läßt eit» merklvürdiges Zusam- inentressen entstehen: a»n 10. Attgust, also ungefähr zur selbrt» Zeit, in der der Brüsseler Forscher Professor Pieeard zum zweitenmal in die Stratosphäre aufzusteigcn gedenkt, wird in Bcrlin-Lichterfelde-Ost ein Ehrenmal für Otto Lilienthal, den deutsche»» Vorkämpfer der Fliegerkunst, enthüllt werden. Das Ehrenmal, geweiht in der Erinnerung an den TodeSsturz Lilienthals am 9. August 1896, soll gemeinsam mit einem Ehrenhain das Gedenke» an alle Pioniere auf dem Gebiete der Entwicklung der Luftfahrt»vach- haltet». Der nun per Zufall so jttdilarisch in die Zeit eingeordncle Aufstieg Pieeard», der auf seine„hohe" Weise al» Vollender der Luftfahrt, wenn auch der niotorlosen, gelten kann, wirkt glcichsatn als Aufstieg„zur Feier de» Tages". Der künstlich« Berg. An derselben Stelle, an der das Ehrenmal, zu dem eine breite Freitreppe vo»» 72 stufen führt, errichtet wurde: in der Gegend de» jetzigen Lichterscldcr Karpfenteiches—, machte Lilienthal seine ersten denkwürdigen Flugversuche. Er war nicht gleich in die Praxis gestiegen; den Techniker bescksiistigte zuerst die Theorie: er stu- dierte die Kunst des Bogclsluges. Asse seine Feststellungen veröffentlichte er in dem bedeutsamen Werk„Der Bogelflug al» Grundlage der Fliege- kunst". Und dann stieg er zum erstenmal auf mit einem Flugzeug, das, wenn man'» heute sieht, mit seinen grotesk gebogenen Schwingen wirklich mehr einem Riesenvogel al» einem modernen Flugzeug ähnelt. Di«„Abfahrt" erfolgte jeweils von einem künstlich errichteten 15 Meter hohen„Berg". Nach den ersten„Er- aen" verlegte Lilienthal sein Versuchsfeld ) den Stöllener Bergen bei Rhinow In» West. Havelland. Hier brachte er c» schon zu Gleitflügen bis z»» 300 Meter Länge; hier brachte er es auch zu einem durch einen Kohlettskiuremotor bewegten Schlagflügelapparat. Bis Ikarus abstürzte... Gefangene der Luft. 35 Jahre später steigt ein Ballon 10.000 Meter hock). Professor Pieeard hatte da« erstemal bei seinem avcnteucrlichen Schweben im Weltall Glück; daß es ihm auch diesmal tret» bleibe, wünscht ihm die ganze Welt. Pieeard stieg seiner- zöit gemeinsam mit seinem Assistenten Kipfer aus dem Gelände der Augsburger Ballonfabrik Riedlnger auf— die Landung erfolgte nach fast 20 Stunden auf dem Guraler. Ferner in den Octzialer Alpen. Piccards Tagebuch, damals ein Niederschlag ernster Sora«, liest sich heute als ein Dokument von dramatischer Spannung:„17 Stunden ohne Luft und Wasser... 17 Stunden, für 20 Stunde»» Sauerstoff, die Bentikleine abgerissen, 41 Grad Hitze, die Luft wird immer dünner, wir verdurst«», lecken die Wände ab, ich entblöße meinen Oberkörper und gehe in den Gondelboden, wir verhalten un» ganz still und ruhig, un» nicht zu viel Sauerstoff z»» verbrauchen, und schließlich— wir müssen die Luft, die wir zum Leben notwendig haben, rationalisieren, die Sonne geht unter, der Ballon fällt immer noch nicht,— das Ende der Ventilleine geht schcidnuget» im gleichet» Tempo weitereutwickclt, so muß damit gerechnet werden, daß im Jahre 1905 51 Prozent der Ehen mit der Scheidung enden werden. Keine Angorakatzen— in Angora. Zn der türkischen Hauptstadt hat sich ein Klub gebildet, dessen einzige Sorge es ist, sich darum zu kümmern, daß die berühmten Angorakatzen nicht aussterbcn. ES wurde itäutlich festgestrllt. daß es in der Hauptstadt nur noch 12 reinrassige An- gorakatzen gibt. ES sind ungewöhnlich schöne Tiere mit feidentvcichem Fell und Augen, deren eines blau und daS andere gelb ist. Damit diese Seltenheit nicht ansfiirbt, wird der Klub eine Katzcnfarm anlegcn, in welcher nur reinrassige Tiere gezüchtet werdet» sollen. immer weiter nach oben,— wir haben keine Hoffnung mehr..." Mit„FRRS" in« All! Piccards bevorstehender Aufstieg erfolg! von den» Züricher Flugplatz Dübendorf ans: an Stelle von Dr. Kipfer wird der Direktor des phhsikali- fcheu Laboratorium« der belgischen Königii» Eli- fabelt) Stiftung, Eoshns, an dem Fluge teilnch- men. Der neue Stratosphärenballon tragt die Be- zeichnuitg„FNR2"(Fond National des Reajerches Scientifiques— NationalsondS für wissenschaftlich« Forschungen). Die wassersichere Kngclaondcl von 2.20 Meter Durchmesier wurde von Piccard und CosynS bereits vor einigen Tagen per Lastauto von Brüssel nach Zürich gebracht. Durch eine dreifach« Schicht von Weißtick ist die Gondel so gut wie möglich vor der Sonnenhitze geschützt, nnler der Piccard und Kipfer bei ihrem ersten Ausstieg so sehr litten, daß sic die Wasscrtropfen von deu Innenwänden«bleckten. Acht Sichtofsnungen an der obere»» und unteren Gondelseitc werden den Forschern einen guten Ausblick verschaffeit; die erste Stratosphärengondel»vies nur ein verschließbares Fenster an der oberen Gondelseitc ans. Selbstverständlich sind di« acht Fenster, die aus di« Außeü- haut der Gondel reliesartig aufgesetzt wurden, luftdicht verschließbar. Da eine Reihe von Instrumenten bei der ersten Straiofphärensahrt versagte, Ist diesmal a»»s die Herstellung und Lagerung dir Instrumente noch größere Sorgfalt ver- wandt Worden; man hofft»nsolgedessen, oll« beabsichtigten Messung«»» der Höhenstraylung durchführe»» u» können. Das wichtigste der mitgenomme- ttett Instrumente wird ein Jonisonsapparat fein, ferner«in ans Röhren zusammengesetzter Zähler, der jede kosmische Strahlung aus etnein Zelluloid« streifen registriert. Die letzten Vorbereitungen. Der Start soll in aller Frühe erfolgen, möglichst vor Sonnenaufgang; gefüllt wird der 2800 Kubikmeter fassende Ballon am Vorabend. Professor Pieeard will die Lnket» der Gondel länger al» beim AttgSbnrger Aufstieg offen lassen, nm das Startmanöver in allen Einzelheiten kontrolliere»» z»» können. Gegenwärtig unterzieht Professor Piccard die Bodenbeschasfenheit des Dübendorfer Startplatzes einer gettaueit Prüfung. Eine große Rolle wird diesmal der Film spielen. Schon über die wissenschaftlichen Labor« toriumSarbeiten in Brüssel sind ungefähr 800 Meter gedreht worden. Ebenso werden die Vorbereitungen zum Start und der Start selbst mit Erläuterungen Piccards gctonsllmt werden. Ferner sind in die Flugzeiige, die den Plceard-Ballo» beobachten und nach Möglichkeit verfolgen sollen, Filmapparate eingebaut worden. Zwei belgisck)« Filmgesellschaften ltaben die Absicht, nach Ende des Stratosphärenflugcs alle diese Aufnahmen in einem großen, mehrsprachigen.Hauptfilm zu- sammenzufassen. Enttäuscht wird aber vermutlich jene amerikanischc Rundfunkaesellschast, die Professor Piccard um die Absendung einer Reportage au» der Stratosphäre gebetet» hat... Von LMentyal vto Vieearb. Gin Ehrenmal dem Ploaler.— Der neue EtratofphSrenaufstieg. Ei» großer Erzähler. Mit dem wahrhaft künstlerischen Schaffen des Schriftstellers und Raturtvissenschastlers Rein- hold Conrad Mn schirr die weitere Oeffent- lichkcit bekannt zu machen, ihre Aufmerksamkeit auf dir stattlich« Reihe seiner Werke hinzulenken, dazu bedürfte e« als Anregung nicht erst der Tatsache, daß Muschler atu heutigen Tage fünfzig Jahre alt Morden Ist, Seine forinvollcndete ErzählungS- kttttst allein stbon ist Anlaß genug, seinem Werk« eine zttsattnueusnssendc Betrachtung zu widmen. Die Wcher des Dichters, denn ei» solcher ist Muschler und nicht bloß einer der viele» schreibenden und bielfchreibenden Literaten, habe» im Berlänse der letzten zehn Jahre, da sie litt Verlag Grnnow, Leipzig.«scheinen, eit!« sehr große und dankbare Lese gemeinde gesunden, doch»och immer keine so große, wie ihr hoher Rang gercchtsertigt erscheinen lassen müßte. Hatte Muschler seine Blicker In einer fremdet' Sprache geschrieben und wären sie al« steler- lthungsllteralnr zn uns gekommen, so hatten ihre Vorzüge noch viel mehr begeisterte Bewunderer gesunden als er bisher der Fall war.. Doch muß auch zugestanden werden, daß.„lene immerhin nicht kleinen Kreise— haben doch manch« seiner'Romane sehr ttjpeklablc Auflaaenzlsfern erreicht—, die des Dichters Phantaslekraft kennen zu lernet» Gelegen- heil hatten, seiiteäz.'KöNnen und seiner Dichtungsart volle Anerkennung zollen, und diese werden nicht ermangeln,' sie ihm auch bei Gelegenheit seiner fünfzigsten Geburtstages zu vermittln, Bon sich über sich selbst erzählt Muschler, daß er In Berlin gebore»» wurde, daß sein Vater Bayer war und seine Mutter Amerikanerin. Da beide Sänger waren, sollte auch er sich der Musik widmen, doch er selber erkannte, daß ihm znm Musiker Wesentliches fehlte. Schließlich nähme» die Eltern seine hingehende Liebe zur Natur wahr, gaben seine» Bitten nach und ließen Ihn Naturwissenschaftler werden. Ueber medizinische Studien kam er znr Botanik, doch faßte er seit»« Beschäftigung mit ihr nicht als ein Etikettenklebeu toter Pflanzen auf, kondern als„Deuter einer Welt von Farbe, Form und Sinn" und er suchte durch Erwerbung alle» einschlägigen Wissens in allen Zweiget» der Naturerkenntnis beheimatet zn werden. Krankheit ver- bannt« ihn in dir Zone der nordafrikanischen Wüste, wo. er das Forschen lind Sinnieren lernte. Er lernte Sprachen, schrieb viele^»ssenschaftliche Arbeiten, darunter ägyptische Studien, kam theoretisch auch zur Malerei nnv»ach dem Kriege zur Journalistik. In dieser Zeit begann er bei angrslrengtesler Bc- rnfSarbeit seine Romane, al« ersten„Bianca Maria", zn schreiben, und wie dieses erste seiner Bücher, da» in literarisch interessierten Kreisen nicht «»bedeutendes Aussehen erregte, so war auch jede» folgend« ein Volltreffer.„Ich wollte", so sagt er über sein Schöffen,„nie einen Roman, nie eine Dichtung schreiben. Da» kam von allein, überfiel mich und wurde beim Schaffe» packendes Erlebnis." Und da» find lein« Werke auch stets für den Lelcr ,'«worden. Unmöglich, in den» hier gegebenen Raum die «inzclnen Bücher des Dichters zu besprechen, man muß sich mit kurzen Hinweisen bescheiden. In dem Roman„Bianca Mari a", der eine wahrhafte Dichtung von bezwingender Schönheit ist, erweist sich der Antor als meisterhafter Ratnrschilderer und Schöpfer befreiter Menschen. Es ist«in großes Stück der Welt und es sind verschlungene Menschenschicksale, die hier wie In einen» Spiegel plastisch nnd wirklichkeitsnahe erscheinen. Der prächtige Roman„Insel der Jugend' wurde hier be- reit» gewürdigt. Es ist ein Buch von(Seift, vom Wissen un» Dinge und Menschen. Ein hochkultiviertes Buch.ist anch der Roman„Basil B r n n I n" nnd in dir Märchenlandschaft des Nil führt die reiche, farbige Handlung de» RomancS„D o u g l a s Webb", ein Buch, das man nicht wieder vergessen wird. Schließlich. sei ans den au» lchwelgerlscher Phantasie geborenen, ebenso nachdenklichen wie er- schütterttden Roman„Der Weg ohne Ziel" hingewiesen. ES ist ein reiches Lebcnstverk, auf das der Autor heute bereits zurückblicket» kann, denn außer den erwähnten belletristischen Werken siud seiner schöpferischen Jeder auch noch ein« Anzahl anderer zu danken. Und in jedem weiß er der Welt etwas zu sagen, in jedem bewundert mau die Schönheit nnd Bildhaftigkeit seiner Sprache, jedes wird matt in seiner Art lleben»»'«rt finden. Sie geben reine Kunst, innerliche Werte und seelisch« Bereichernng. —T: Ausgebeuteter Die bürarrltcü« Brefte ftefti im Sold» Eurer Ausbeute» 2n dir band de» Ar- btUtr« das ArbrllrrdlaN Ein Unter Einfall. Bon Thea Reimann. ,,-Ha! diese Person!... Das ist doch die Höhe!!!" Lilians Stimme schnappte über vor Erregung, und zur Bekräftigttug ihrer Worte log ein« große Base durch das Bottdoir und blieb zerschmettert vor den Füßei» eines eleganten jungen MattNcS liegen, den» derartige Tem- perainentansbrüche nichts Neues zu sein schienet».„Ralph, hast du daS gelesen'?" fragte Lilian zornig und reichte den». Freunde, der begütigend auf sie zugetreten war, ein ZeitungSblatt.„Das ist einfach schamlos!— Aber so muß man'« machen; so kommt man vorwärts. Gestern Noch eit»« Null und heute berühmt." Nach einer kurzen Panse fügte Lilian hinzu:„lind ein Anto hat diese Pute natürlich auch!" lltrtrrdessen hatte Ralph die Zeitungsnotiz überflogen.„Geistesgegenwart einer schönen Frau," stand da. Dattn folgte die nähere Be- schreibnng dieses anscheinend raren ZnstandeS. „Gestern in den Abendstunden stürzte der sieben- jährige Hubert Herzig vom Bürgersteig herab und fiel unmittelbar vor die Räder des rassigen AchtzylinderkabrioletS, in dein Blanche Ragout, der entzückende Star des Kabarett«„Zisterne", an» Volant saß. Nur der Geistesgegruivart der großen Künstlerin tim es zn verdanken, daß de» Knabe mit leichten Hautabschtirftingc» davonkant. Die Künstlerin brachte den Berunglückten in die Wohnung seittrr Eltern, wo sie ihn ans eigene Kostet» behandeln läßt."* ArMer Ralph! Natürlich kamen nun da« Achtzhlindcrkabrivlet, die Geistesgegenwart und alle Vorzüge der erwähnten Diva ans seit», Ralphs, unschttldiges Haupt. Lilian ließ sich die Gelegettheii nicht entgehen.„Das nenne ich Reklame! Du hättest nur schot» längst einen Knaben vors Anto werfen muffen! Aber du hast ja kein« Einfäll«! Du bist ja ein Trottel!— Und so etwas ncnnt sich Jmpresfario! Sicher gibt Vies« Ziege von Blanche nicht halb so viel Geld aus für ihren Manager, wie d u inich kostest!" „DaS ist uttgerecht, Liebling. Alles, was du bist, bist du durch mich. Durch meine Ideen, dttvch mein« unermüdliche Arbeit." IN Gedanke»» fügte Ralph noch Hinz«:„Was kann ich dafür, wenn Blanches Stimme zwar kleiner, aber »»»endlich süßer ist, und daß ihr Liliane char- nianics Doppelkinn fehlt, und daß ihre Brwc- aungen wie das Zittern eines Grashalmes sind?" Lcmt aber sagte er:„Sei lieb, Lilian, dann werde ich auch einen gntrn Einfall ltaben." lind er glättete mit gepflegten Händen den Wuschet- köpf der aufgebrachten Freundin. Ralphs Hände wirkte»» bcrnhigend auf Lilian wie di« Zurufe eines Dompteurs auf die gereizte Tiegerin. Aber es schien ein schwarzer Tag zit sein, denn Lilians Zorn schäntnte von nettem ans, als sie einen der Briefe erbrochen hatte, di« mit der unseligen Morgetneitnug gekommen waren.„Und zu allem noch diese ewigen Betteleien! Lächerlich!.Heute bettel» sie einen um Kleider an,»tnd morgen haben sie ein Auto. Das keimt man." Lilian wollte den Brief gerade zerreißen, als Ralph danach griff nnd ihn utit größeren» Interesse las als noch eben die Zeitungsnotiz. Zu rührenden Worten bat da ein« kleine Kollegin den großen Star, ihr ein oder Zwei abgelegte Kleider zu schenken, wodurch sie ein besseres Engagement zn bekommen hoffte. Sic schloß: ... ich bin überzengt, nicht vergebens an den Edelmnt unserer göttlichen Lilian appelliert z»» habe», und sehe Ihrem diesbezüglichen Postpaket — Adresse unten!— crgebnngSvollst entgegen. In tiefer Dankbarkeit küßt Ihre wohltätigen Hände hochachtttngsvollst Kitt») Klotz, Petcrsilien- straßc 13. Ralph sah triumphierend auf die Freundin, die ihn noch eben geschmäht hatte.„Ich hab' ihn!" „Wen?" „Den Einfall..." „So...?! Da bin ich wirklich neugierig." „Ja—. Du wirst ihr die Kleider persönlich übergeben." ,,D»» bist pwhl... ,?* „Tarnt werden die Zeitungen dein Bild bringet», wie du, die große Diva, int eigene» Auto z»t der kseinen Kollegin fährst, ihr die Kleider Übergibst nstv. Sie werden Hymnen auf dich und deinen Edelmut dichten..." Ralph konnte' nicht zu Eudc sprechen, da Ihm Lilian um den Hals gefallen war und acht- sos den kunstvollen Knote» seiner Krawatte ruinierte.„Du bist ein Genie, Liebster, ich wußt' es ja immer!" So kam eS, daß andern Tags ein Dutzend von Ralph hcrbeigezauberte Photographen und Reporter Lilians Ankunft in der Pctersilien- straße erwarteten. Alles klappte vorzüglich. Lilian kam, von Ralph begleitet, in ihrer Limousine an, fuhr direkt in daS Kreuzfeuer der Operateure hinein, stoppte, stieg äuS, schritt auf das.Haus Nr. 13 zu und fiel In Ohnmacht, Neben der magischen Zahl 13 prangte ein Schild: Kitt») Klotz, Altklcioermagazin. Lilian ist zu ihrer Meinung, daß Ralph ein Genie sei, nicht zurückgekehrt... Seite 6 Dienstag, 9. August 1882 Nr. 187 Internattonale sozialdemokratische Kundgebung in Prag. Anläßlich des Kongresses der Internat!». nal«n Transportarbeiter-Föderation sin. dct M i t t w o ch, d c n 10. A u g u st 1982, 7 Uhr abends im Garten des„Lidovv düm", Hhbernskü 7,«ine von beiden sozialdemokratischen Parteien veranstaltete Kundgebung statt, wobei mehrere internationale Redner sprechen werden. Di« Genossinnen und Genossen werden aufgefordert, bei dieser Kundgebung zahl, reich zu erscheinen. De«tsche sozialdemokratische Bezirksorganisatlon Prag. VWWWMVWUWWWMMMMMMM mit Recht die Fanck-Filme) und«in« Bobsahrt, bei der man, endlich das Gefühl hat, daß es schnell geht. Wie schon so ungezählte Male, muß auch hier sesl- gestellt werden, daß diese Art von Filmen als sog«, »aimnte seichte Unterhaltungsware am grsährlichslen ist: je mehr sich das Bürgertum dieser Mittel be> dient, um seine erpresserische Welt zu verherrliche», desto energischer sei auf die Dummheit hingewicscn, die dazu irotwendig ist. Der Film ist die erste Kunst, die ohne Kapital nicht denkbar ist, und darum wird sie auch am gründlichsten vernichtet.— Gut spiele» Fritz Rasp(der Detektiv), Newlinsly, der Spant- mann, Junckermann, der glückliche Baler, und Wer. ner Fütterer, der betvegungslos« Prachtkerl. Weniger begeisternd ist Grell Theimer, deren Aufgabe aller. dingS im Wuschelkops erschöpft ist. Da« Beccc, einer der fähigsten Köpfe, aus diesem Stiefel musikalilch nichts herauSholen konnte, wird niemanden wundern. W. Lg. PBAGEB Die Prager Staatsbahndirektion scvtigt Sonntag, den 14. d. M., einen Sonderausslugszug nach Herrnskretschen und in die Böhmisch-sächsische Schweiz ab. In dein Fahrpreis von 85 K ist neben der üblichen Verpflegung noch die Fahrt mit dem Dampfer von Bodenbach nach Herrnskretschen und zurück, Kahnfahrt, Eintrittsgelder usw. enthalten. Anmeldungen bei der Kassa Nr. 1g am Dfasaryk- Bahnhos. Wrl' Spiel• Körperpfiece Am Endspiel um dir Fußballmeistrrschast des 6. Kreises schlug A S B. G r a s l i tz den vorjährigen Bundcsineister ASK. Eger 8:1(1:0). Graslitz errang zum ersten Male den Titel eines Kreismeisters nach sehr schönem und flottem Spiele. Eger gab in der ersten Halbzeit einen einigermaßen gleich, wertigen Gegner ab, um nach der Pause jedoch voll- ständig abzusallen. ASK. Eger hat gegenüber dem Vorjahre einen bedeutenden Formriickgang aufzuweisen, in den letzten Wochen imhm dieser Rückgang geradezu katastrophale Dimensionen an. GraSlitz ist rin strebsamer Verein, dessen Mitglieder zum größten Teile ans jungen, agilen Leuten bestehen. Diese haben auch ihrem Verein zu dem wohlverdienten Erfolge verhülfen und werden dem Kreismeister aus dem 5. Kreise im Endkampfe um die Bundes« m e I st e r s ch a s t als gleichwertigen Partner gegen- übertreten. L. I. Di« norwegische Ländermannschaft wurde in Breslau von der Ländermannschaft des deutschen Arbciter-Turn-- und Sportbundes mit 2:8(2:0) und in Waldenburg gar mit 8:10(0:4) geschlagen. Bürgerlicher Sport. Ein Gau des DFB. gegen die„Verbandsliga". .Ter Westgau wandte sich in einer am Samstag in Karlsbad abgehaltenen Sitzung aller Vereine gegen die Nichtteilnahme des Karlsbader FK. an den Meisterschaftsspielen. Der Vertreter des KFK. erklärte, daß der Beschluß der Vereine der„Der- bandsliga" bindend sei und demnach der KFK. in der kommenden Saison keine Meisterschaftsspiel« bestreiten werde. DIE. Prag spielte in Gablonz gegen den B 2 K. und verlor mit 2:4<2:2). Fußballergrbuisfe vom Sonntag: Prag: üechic Karlin gegen Meteor VIU 3:1(2:1).— Pilsen: Sparta Prag gegen Olympia 6:1(2:0).— Iungbunzlau: Slovan Wien gegen Aston Billa 6:4(2:4).— Bndwei s: 6SK. gegen 2K. Pardubitz 7:1(2:1); erstes Endspiel um die Meisterschaft der böhmischen Provinz.— Karlsbad: KFK. gegen DFC. Graslitz 10:2(1:1).— Ko- motau: DSV. Saaz gegen DFK. 8:1(4:0).— Bodenbach: SpVg. gegen Urfahr-Linz 4:3 (0:2).— Brünn: Lideirice gegen Teplihcr FK. 4:2(1:1), Sportbrüder gegen BSK. 5:8(5:0). — Trapp a u: Rordostgau(DFV.) gcg. Tschechisch- Tcschener Gau 4:8(2:8).— Preßburg: Ligeti gegen AFE. Losoncz 8:2(0:1).— Turnau: Slowakische Provinz(Westgau) gegen Prcßburger Team(slowakisch) 2:0(1:0).— Magdeburg: Rapid Wien gegen Preußen 11:1(7:1).— Ha n- nover: Vienna Wien gegen Arminia 2:2(2:1). — Odense: Admira Wien gegen Auswahlelf 4:1(2:1). Tschechoslowakische Schwimm-Meisterschaften. Die im Prager Barrandow-Stadion ausgctragenen Wett- kämpfe, an denen sich auch deiitsckw Schwimmer erfolgreich beteiligten, waren mehr ein Kampf zwischen den Prager Klubs Hagibor und Slavia um den Vereinsmeistertitel und brachten u. a. folgende ZEIICMG. Ergebnisse: Männer: 400 Meter Freistil: 1. Getreuer(Hagibor) 5:18.2 Min.— 200 Meter Rük- kcn: 1, Hciling(Slavia Preßbnrg) 2:52 Min..'— 4X100 Meier Brust: l. Aegir Brünn 5:44.9 Min. (Rekord); Hagibor I erzielte 5: 44.8, wurde aber disqualifiziert.— 100 Meter Freistil: 1. Getreuer 1:08.4 Min.— 100 Meter Rücken: 1. Helling 1:16.6 Min.(Rekord.)— 200 Meter Brust: 1. Czcgka(Aegir Brünn) 3:02.3 Min.— 4X200 Meter Freistil: 1. Hagibor l 10:28.3 Min.— 4X100 Meter Freistil: 1. 6PK. Prag 6:07.2 Mi». (Rekord.)— Turm springe»: 1. Ncsvadba(Slavia Prag) 103.9t). 2. Balacz(Hagibor) 93.92 Punkte.- Frauen: 400 Meter Freistil: 1. Äebcsta(Slavia Prag) 7:14.2 Min.— 4X100 Meter Brust: 1. (DTK. Komotau) l: 85.8 Min.— 100 Meter Freistil: 1. Schramck(Aegir Brünn) 1:21.6 Min. — 100 Meter Rücken: 1. Sebesta 1:85.7, 2. Hoitz (DTK. Komata»)1:35.8 Min.— 100 Meter Brust: 1. Ccchner(Slavia Prag) 1:37.9 Min. Kunstspringen: 1. Herold(Aegir Brünn) 65.8 Punkte.— Im Bercinklassiment führt Hagibor mit 185 Punkten vor Slavia Prag(97) und Aegir Brünn(96). Die öst«rr«ichischen Meisterschaften lm Schwimmen— in Wien ausgctragcn— wurden durch die Nichtteilnahme d«r meisten Vereine(den Anlaß hiezu bildeten die Nazikrawalle in Krems) zur Farce und daß das Maß voll wurde, kamen bloß 41 Zuschauer. An diesen„Meisterschaften" waren nur die Verein« beteiligt, die mit den Nazis sympathisieren; vorikehmlich EwaSk Men. Auch der Eislauf-Weltmeister Schäfer, der aktives Mitglied d«S Ewask ist, gehört mit zu diese»„Edlen". MMmnnTrnniiininniTnTnTnTTRnjTnnTnTnniinnnT Reichenberger Messe 1933 13. bis 19. A u ff u. 1932. Auskünfte: Messeamt Relchenberx. Tschechoslowakei. Der Film Hollywood in der Karikatur. Ein heiterer Filmroman. In einem bunten Wirbel witziger Dialoge, bissiger Telegramm«, sentimentaler Tägctbuchaufzeich- nungcn und sensationeller Zeitungsnachrichten hat I. P. Mac-Evoy die Geschichte eines amerikanischen„Revuegirls"«yzählt, das von dem brennenden Ehrgeiz beseelt war, ein reicher und berühmter Star zu werden. Da die Zeilen aber dem Theater nicht günstig sind, verlegt die trotz ihrer Kaltschnäuzigkeit und Arroganz amnutige und liebenswürdig« Heldin Mac-EvoyS den Schauplatz ihrer Tätigkeit von New Dork»ach Hollywood u»d taucht in einem zweiten Roman,„Kuß— abbl«nden"(Amo- ncsta-Berlag, Wien), als«ine der zehntausend An- wärterinncn auf den Filmstarruhm in den Büros und Ateliers der amerikanischen Filmmetropole wieder auf. Sie weiß, daß in Hollywood Talent weniger wichtig ist als di« guten Beziehungen zu den Journalisten und die Bereitwilligkeit gegen die all- gewaltgen Regisseure und Direktoren'. Sie macht sich rechtzeitig an einen größenwahnsinnigen, eitle» Regisseur heran, läßt sich von einem Tonfilmschlagerdichter anhimmeln und geht schließlich auf den Antrag eines dicken Geschäftsmannes aus der Wall- Street ein, der die eben fusionierten größten Film- , firme» Amerikas ankaust und das Revuegirl zum Star macht. Der Ucberdimensional-Mammut- Super-Groß-Filni, den nlan mit dem Mädel dreht, fällt zwar unter dem Titel„Liebende, die sündig««" grausam durch, wird aber schnell zu einer Revue- pperettc umgeavbeitct und hat unter dem neuen Nam?»„Sünder, die lieben" einen sensalion«llen Erfolg. Nun läßt bas Mädel seine» alten, treuen, armen Anbeter, den ehemaligen Rcvncdichter, der jetzt Tonsilmautor wurde, stehen und heiratet«inen jungen Millionär. Da es ohne Illusionen nach Hollywood kam, ist cs von der Filmstadt auch nicht enttäuscht. Als armes Mädel betrat es dir Ateliers, al« reicher, bewunderter, beneideter Star zieht cs am Arm eine« millionenschweren süßen Jungen in di« Welt hinaus All« Träume, alle Sehnsüchte sind erfüllt. Aber nicht nur das Happyend mit seiner vollkommenen Wunschcrfüllung ist eine blutig« Satire; der ganze, überaus amüsant«, wieder aus Telegrammen, Dialogen, Zeitungsausschnitten, Briesen zusammengesetzte Roman ist eine einzige Verhöhnung der Filmstadt. Manche Filmgrjj- ßen werden mit Namen genannt und karikiert, andre treten nur unter ein«m Decknamen auf. In der Familie des Produktionsleiters Nebbick, deren Mitglieder im Atelier vom wichtigsten bis zum unbedeutendsten Posten alle Funktionen versehen, ist unschwer die Dynastie L a e m m I« zu erkennen, di« den NcpotiSmus in Hollywood«ingeführt hat, und all die Stars und Regisseure von der Chiquita Tortilla bi« zu denk phantasielosen Erzeuger symbolischer Ausstattungsfilme, in denen Babylon mit New Dark verglichen wird, haben in der Wirklichkeit Hollywoods ihre Vorbilder. Di« Drehbuchcrzeugung am laufenden Band, die industrialisierte Fabrikation zwerchfellerschütternd- komischer Tragödien, di« Sclbstüberheblichkeit einfallsloser Produktionsleiter, der ganze katastrophale Ungeist deS Hollywood- Betriebes wird von Mac Evoy mit beißender Satire dargestellt. DI« Treffsicherheit seines karikaturistisch«» Witzes macht diesen kleinen heiteren Roman zu einer-er erfreulichsten und wirkungsvollsten Abrechnungen nnt der Sirupsentimentalität und der Ansichtskartenpoesie, der Ric-Earter-Romantik und dcm JrrenhauShumor, mit denen Hollywood die Welt überschwemmt. Wie im„Revuegirl" die Verlogenheit und Dummheit deS AmüsiergvschäfteS der Broadwaybühnen gezeigt wurde, wird hier die tragisch« Lächerlichkeit des großen„Kunst"jahrmarkts zu Hollywood enthüllt. Und nicht nur Hollywoods; denn die DirÄtoren, Stars und Regisseurein Europa haben ihre großen Vorbilder in Hollywood ja bekanntlich in jeder Hinsicht längst erreicht und — überholt. Fritz Rosenfeld. „Alpensymphonie." Verzeih' ihnen, Meister Richard Strauß, sie wissen bestimmt nicht, was Deine„Alpensyntphonie" ist. Die um den Regisseur Dr. Guter glauben noch daran, daß in jeder Stadt ein Winterfportfilm ziehen muß und daß mair jenes aus dieser Ueberlegung entspringende Produkt als Symphonie ansehen kann. Vielleicht gibt eS wirklich Symphonien von Dummheit«benso wie Symphonien des Grauens; was soll ein Denkender dazu sagen, wenn die Handlung dadurch neu angekurbelt wird, Paß. eine mit einem.Taschenspiegel.in blendendster Hochschneelandschaft aus Kilometer das Auge eines Menschen blenden kann, den man nicht einmal mit dem Zeißglas gut sehen kann? Wie länge noch wird es in diesen Prachtwerken von Hüttcnromantik geistern, die niemals existiert, von Ausstiegen im Sturm, die für zart« Filmstars Selbstmord lein müßten, wenn dieser selbst sich nur auf 500 Mater in die Natur wagte? Man führt unS nach Davos mit einem Apparat, der vor allem gangbar« Panoramabilder zeigt, der di« Nahaufnahme erst am Schluß zeigt und die messerscharfen Konturen der Schneelandschaft als ncuerwachtcI Mittel zum Neuimpressionismus des Films weich und verschwommen verkitscht. In diesem Davos soll ein Mädel einen Grafen heiraten, der Hochstapler ist, und bekommt den echten Bobrenncr, der keiner ist, nur damit niemand vergißt, daß unsere Reichen mit Hilf« ihrer Töchter di« Förderer von Jungen ganz i gerne spielen. Damit wir nicht zu sehr gelangweilt werden, gibts schöne Szenen im Hotel und endlich | ein« wüste Skiabfahrt(man kopiert hier übrigens Der SdUMbriel. Bon Pierre Mariel. Brisevill« ist nicht mehr vorlsanden. Das kleine normannische Dorf, in dem ich meine Kinderjahre verlebt habe, ist verschwunden. Oder hat cs sich nur verändert? Jedenfalls erkenne ich es nicht mehr. Wo ist der iiiedlick)« blumengeschmückt« Bahnhof, der stets einer Spielzeugschachtel entnommen zu sein schien? Ein graues Backsteingcbälld« nimmt seinen Platz ein. Wo sind die Kastanienbäume längs des Bahnkörpers? Telegraphenstangen haben sie verdrängt. Wie ein Eindringling kvnime ich mir vor. Das soll Brisevill« sein? Anstelle der strohbcdcck- tcn Bauernhäuser steheu Arbciterbaracken. Wo früher Getreide wogte, dehne« sich Fabrikgebäude auS. Ihr schrilles, durchdringendes Pfeifen würde die Hühner und Gänse in steten Schrecken versetzen, wenn es hier noch Hühner und Ään>c gäbe. Ich will fliehen. Aber der nächste Zug nach Avreux geht erst in drei Stunden. Während ich weiter wandere, sehe ich zahlreiche Gesichter, von denen inir kein einziges bekannt ist. Erleichtert atme ich auf, als ich endlich nach einem Wäldchen gelange, das von der Industrialisierung verschont geblieben ist. Eine weiße Ziege blickt mich mit großen, zweifelnden Augen an. An ihren«.Holle l)2ngt ein Strick. Eine alt« Frau hält sein Ende. Aber?... Nein, das ist doch nicht möglich. Ultd doch! Ich nähere niich. Ja, sie ist es, die oute alte Mutter Prevost. In Kindheitslagen schien sie mir schon steinalt zu sein. Jetzt mochte sie neunzig Jahre, vielleicht darüber, zählen. Mit zahnlosem Munde lächelt sie mir zu. Erkennt ie mich? „Guten Tag, Mutter Prävost! Sie erinnern sich meiner noch?" Mutter Prövost hält mir ihre Ohren entgegen. Sie hört vielleicht nichts n«ehr. Aber .das scheint sie nicht zu bekümmern. Sie hat den glücklichen Gesichtsausdruck kluger Kinder am Anfanng und am Ende des Lebens. Die Ziege grast weiter. Di« Alte sieht mich an. Ich sehe sie an. Ich bitt sehr verlegen. Und doch bleibe ich. Mein altes Briseville ist doch nicht ganz tot, da ich Mutetr Prevost wiedergefunden Hube. Und sic nimmt, weil sie weiß, was sich schickt, die Unterhaltung mit dem unbekannten Herrn auf.„Mein Sohn, du hast dich da vor mir aufgepslanzt wie ein« Telegraphenstang«. Da staunst wohl? Du fragst dich: Was macht sie da, die gute Alte, stets an derselben Stelle, stets um dieselbe Stunde, jeden Tag, den ihr der Herrgott vergönnt? Nun, ich muß mich doch um meine Ziege kümmern." Bald spricht sie nicht mehr zu mir, sondern mit sich selbst.„DaS Leben ist keine lustig« Sache, wenn man alt wird und allein ist. Die Kinder? Sind sehr weit weg. Vielleicht schon gestorben... Aber ich bin nicht traurig... Hab' keine Zeil dazu: muß kochen, die Ziege auf die Wieie führen, Holz sainmeln... Die Zeit vergeht. Und man zerstreut sich, so gut es geht. Schlag zwölf Uhr, wenn es von der Fabrik pfeift, konim' ich hierher. Du stehst, daß man von hier aus di« ganze Straße überblicken kann^ Ich warte auf den Briefträger. Wenn er vor- »berkomnit, sagt er„Guten Tag, Muter Prs- vost!" und geht weiter. Ich seh' ihm nach und denk' mir:„Biclleicht morgen!" Denn ich wart« doch nicht auf Onösime, den Briefträger, sondern auf«inen Brief. Lustig, nicht wahr?" Und ihr Shnloser Mund grinst.„Wer soll mir eigentlich reiben? Niemand. Uttd doch wart««ch immer. DaS zerstreut einen, sage ich dir. Wenn ich zuviel nachdenken muß, sag' ich mir:„Vielleicht kommt ein Brief... Bon wem? Ich weiß nicht. Aber wenn ich einen Brief bekäme, wüßte ich, daß noch jenland an mich denkt. Und daü würde mir gut tun. Alte Leut« haben ihr« Schrullen..." Ich verabschiedete mich. Ernst einige Wochen später führt« ich mein Vorhaben aus. Könnte ich nicht auf diese mühelose Weise Mutter Prövost glücklich machen? Ich stellte mir ihr Läch«ln vor, wenn der Briefträger ihr eines Tages statt des üblichen„Guten Tag!" zurufen würde:„Ein Brief ist für Sie da!" Was in dem Briefe stand? Ein paar höfliche Redewendungen, mit denen ich sie meines Interesses für ihr« Person zu versichern versuchte. Das schuldet« ich ihr, der einzigen Zeugin meiner Kindheit. Erst ein Jahr später hörte ich wieder von Mutter Prövost. Durch«inen Ztlfall kam ich mit einem Ingenieur" zusammen, der in der Briseviller Fabrik beschäftigt war. Ich fragt« ihn, ob er Mittler Prevost kenne. „Sie ist tot, di« arme Alte", antwortete er mir.„Sie starb plötzlich wie eine Kerze, die man auSbläst. Sie bekam einen Brief und fing plötzlich zu zittern an. Sie hatte keine Zeit mehr, ihn zu offnen. Der Briefträger konnte si« gerade noch in seinen Armen anffangen. (Autorisierte Uebersrtzung aus dem Französischen von Leo Korten.) Kleine Frauen-Rnnffsdian. Die Frauen werden größer. In den letzten zwanzig Jahren haben, wie durch Messungen sestgrstellt wurde, die Frauen au Äröhr und Körpergewicht(trotz der schlank«» Linie) im Durchschnitt zugenommen, und zwar wird dcr Größenunterschicd mehrer« Zentimeter, der Wo wichtSunt«rschi«d etwa sechs Psund betragen. Ganz genau so ist«S mit dcr Handschuh- und Schuhnummer. Wenn noch 1890 ti« Frauen meist 6J4.Handschuhnummer trugen, werden di« nieisten heute mindesten« aus 0% oder gar noch mehr angelommcn sein. Seit 1900 ist ebenso die Schuhnnninier um etliche Nummern weitergerückt. Wo gibt cS Heun noch Frauen, di« Nummer 36 tragen, was doch io früheren Jahrzehnten etwas ganz übliche» war? Heute ist es dagegen nichts Ungewöhnliches, daß selbst«in junges Mädchen schon Nummer 40 taufen muß. Gleichzeitig nehmen auch di« Köpfe an Umfang zu. Dieser ganze Vorgang de' Wachsend ist io erster Linie auf den Sport zurückzuführen, der dai Wachstum des Körpers außerordentlich befördert. Und dcr Sport ist es, der Hände und Füße der Frauen umwandest, während di« geistige Arbeit sichtlich auch die Kopfgröße beeinflußt. E» ist in» erstaunlich, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit bereits ein solcher Wandel wahrnehmbar ist. Jedenfalls besteht diese äußer« Entwicklung ja aber iai völligen Einklang mit der innerlichen Entwicklung, di« di« Frauen in den letzten Jahrzehnten dinch gemacht haben. Tragisches Ende einer Mondsüchtigen. Biel« neigen dazu, di« Moirdsüchtigkeit überhaau in daS Reich der Fabel zu venveisen, Weil sie Möglicherweise selten vorkomntt und di« wenigsten Menschen wohl je einem Mondsüchtigen begegnet sind. Daß aber unter Umständen dies« Neigung verhängnisvolle Folgen haben kann, beweist ein Ereignis, da- sich kürzlich in Philadelphia zngetragcn hat. Hier war«in 22jährig«s Mädchen, eine anerkannte Schönheit, als mondsüchtig bekannt. In einer Bollmondnacht verließ die junge Dame das väterliche Haus, ging vor die Stadt, entkleidet« sich in« Freien, hängte ihre sämtlichen Kleider ordentlich aus eine Hecke und irrte dann ziellos durch die Gegend, bii sie zusammenbrach. Man sand ihr« Leiche im Walde, nicht weit von der Stadt. Niemand hatte es für möglich gehalten, daß ihre Veranlagung ihr zum Verhängnis werden könne. Daß der Vollmond aus nervös empfindliche Menschen stark aufreizend wir», kann wohl kaum in Abrede gestellt werden. Ao solche Wirkungen beobachtet wreden, ist es immer geraten, einen Nelvenrazt zu Rate zu ziehen. Vorurteile gegen blond« Frauen. Immer häufiger hört man heut«, daß blondr Frauen ,mit einem gewissen Argwohn betrachtet wer- den. Man glaubt, daß sie sehr wenig widerstandsfähig gegen Krankheiten und selbstsüchtig seien. Man schreibt der Blonden Mangel an Geistesgegenwart und Selbstbeherrschung zu. Daß man den Blonden durch diese Einstellung unrecht tut, ist wohl selbstverständlich, denn natürlich gibt es unter ihnen ebenso leistungsfähige Menschen wie unter den Brünetten. Aber auf irgendein« Weis« muß das Bor- urteil entstanden sein, vielleicht weil die meistrn Menschen di« blonde Frau ursprünglich für di« schöner« halten und wahrscheinlich aus diesem Grund«, aus einer Art Gerechtigkeitsgefühl der Brünetten die geistig und seelisch günstigeren Eigen- schaften andichten. 8.I Prag, Gruppe 1. Werbet für BOTim.-Kamnltt! 11 und 14. August 1932! tmltittn Cieiftlek ttatai wurde von bei Poft.«. ZelegtaSüenbirutin mit Otlafe 91t. I3.800/VII/1080 bewllllat— Veiuglbebimungea: del gnstkllu», In« Hou»-der del dein« durch die Doft rnonoMch U UI..-, nette»ihrüch U M, teSjädrt, Ki.«anU-hrch u IM.-.<- gnseaur werte» Uut S«i|»wi«ft trtechner, M chwreq BMteMuw» KnÜMfttoi.— rtitchiellilch, M» MtwtföteM IM tei«Gleichm, ta ReMtMtfe»,