Nr. 64. Abonnements- Bedingungen: P Abonnements Prets pränumerando: Bierteljährl. 8.30 Mt., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 fg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags Nummer mit illustrirter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 8,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Post- Beitungss Preisliste für 1899 unter Br. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montage. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 16. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins: und Bersammlungs- Anzeigen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Mernsprecher: Amt I, Mt. 1508. Telegramm- Adresse: Bozialdemokrat Berlin". Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Parlamentarischer Schwindel. Donnerstag, den 16. März 1899. Politische Ueberlicht. Berlin, den 15. März. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3 Die Abrüftungskonferenz. Bei der Konferenz im Haag werden die europäischen Staaten, die Vereinigten Staaten von Amerifa, ferner China, Japan, Persien und Siam vertreten sein. Die Liste der Einzuladenden wird der Niederländischen Regierung werden. lleber die Regelung der Arbeiten ist noch nichts entschieden. durch Rußland übermittelt und von dieser alsbald weiter expedirt Die Arbeiten werden in einer Etiquette Komödie um den Vortritt bestehen. * Deutsches Reich. Die Zentrumspresse ist mit der Haltung der in der BankWo Herr Lieber seine Hand im Spiel hat, da kann man sicher sein, daß irgend ein Suhhandel abgeschlossen wird, der Die preußische Volksschule im Abgeordnetenhause. mit den Begriffen einer höheren politischen Moral schlechter unterrichtswesen" vom Kultus- Etat. Im Gegensaß zu den Das Abgeordnetenhaus berieth heute das Kapitel„ Elementardings unvereinbar ist. Aber einen plumperen Schwindel hat Debatten der letzten Sigungen, die sich meist in Einzelheiten verman kaum jemals im Reichstag erlebt als den, mit dem Herr loren, entſpann sich heute eine intereffante Diskussion über Lieber den grausen Militärkonflikt zu beendigen vor hat. das preußische Volksschulwesen, die die bekannte, bei der Besprechung dust mit gond Der reichstagsfreie Mittwoch ist benutzt worden, um den der Interpellation über die Leutenoth gehaltene Rede des Landblöden Schacher zu vollenden. Als Herr Lieber am Dienstag wirthschafts- Ministers zum Ausgangspunkt hatte. An diese Rede das Wort von einem späteren Anlaß" möglicher Bekehrung Berliner Gemeindeſchule aus eigener Erfahrung über die Zustände kommiffion thätigen Abgeordneten der eigenen Fraktion recht unzu fnüpfte namentlich Abg. Kopsch( frs. Bp.) an, der als Rektor einer sprach, wußte man, daß der große Mann in seinem Hin der preußischen Volksschule unterrichtet ist und ein anschauliches Bild frieden. Es wird in der Kölnischen Volkszeitung" ganz offen aus bereits den neuerlichen Umfall bebrütete. Zwar wußte die besonders über die Verhältnisse in Ostelbien entrollte. Aus den von ihm geführt, daß die unter Führung des Zentrums erfolgten Beschlüsse " Germania" noch in der Mittwoch- Morgennummer nicht, was erzählten Beispielen sei hervorgehoben, daß in Westpreußen eine Schule der Kommission starke Bugeständnisse an das Großkapital bedeuten. fie mittheilen sollte und brach deshalb ihre Reichstagsgloffen wegen Baufälligkeit geschlossen werden mußte, nachdem schon seit 40 Jahren Weswegen war besonders auf diesen Gegensatz zwischen Preſſe vor der Lieber'schen Rede infolge eines plöglich eingetretenen vergebens über den Neubau einer Schule verhandelt war; in Ost- und Funktion hinweisen, geschieht wegen der Liebenswürdigkeit, Raummangels" jäh ab. Aber in der Abendausgabe kannte preußen fehlen in einer Schule sogar die Bedürfnißanstalten.' Ueberall mit der die Kölnische Volkszeitung" den Zentrums- Abgeordneten fie bereits die neu ersonnene Lieberweise; das verräth der mache sich ein Mangel an Lehrern bemerkbar, so daß man thatsächlich in der Bankkommission nicht nur Mangel an Kenntniß der in Frage folgende Sat: 10 heute schon mit Recht von einer Bildungsnoth spreche. Bei der Art ſtehenden Verhältnisse, sondern auch eine Art bewußter Begünstigung Ob die Regierung den heutigen Tag benutzt, sich die Sache und Weise, wie unsere ostelbischen Junker sich ihrer Schulunterhaltungs- der Großen" vorwirft. Es heißt in einem sehr refignirt gehaltenen nochmals zu überlegen, wie ihr selbst ihre Freunde rathen, steht pflicht zu entziehen wissen, ist die Mittheilung, daß Ost- und West- Artikel der genannten Zeitung zum Schluß:" Wir wollen uns mit dahin. Ausgeschlossen ist es nicht. Auch die gestrige Rede des preußen die meisten Analphabeten der ganzen Monarchie aufweise, diesen Ausführungen bescheiden, da auf eine praktische Wirkung Kriegsministers schnitt ihr den Rückzug nicht vollständig ab. Sie nicht besonders überraschend. derselben ja ohnehin nicht mehr zu rechnen ist, glauben aber zur kann immer noch erklären: wir wollen es mit der gebotenen Zahl wandten sich gegen die Behauptungen des Ministers Freiherrn fommission( gemeint sind natürlich die Zentrumsmitglieder) über die Auch die Abgg. Hadenberg( natl.) und Rickert( frf. Bg.) Genüge dargethan zu haben, daß man in den Kreisen der Bankversuchen, behalten und aber vor, wenn es nicht geht, später von Hammerstein. Von Interesse ist die Mittheilung des Abg. wirkliche Lage der Frage nicht so unterrichtet gewesen ist, wie das auf unsere Forderung zurückzukommen." Eine echte Falstaff- Tapferkeit spricht sich in diesem Pro- Rickert, daß in einem Orte die Schule auf Anordnung des Schul- im Interesse derer zu wünschen gewesen wäre, welche es in den gramm aus, mit dem der abermalige Sentrumsumfall durch- inspektors geschlossen wurde, weil der Raum zur Abhaltung nächsten 10 oder gar 20 Jahren mit der Reichsbank zu thun haben politischen Versammlung gebraucht wurde. Der Minister werden, soweit sie nicht zu den Großen" gehören." Da der geführt werden soll. Bosse sprach zwar über diesen Fall seine höchste Mißbilligung aus, Abg. Müller- Fulda in erster Linie die Führung der Zentrums unterließ es aber, fich über die von seinem Kollegen Freiherrn mitglieder in der Bankkommiffion übernommen hat, so zielen die v. Hammerstein vorgetragenen Anschauungen zu äußern. Sollte man Angriffe der Kölnischen Volkszeitung" in der Hauptfache gegen ihn. aus seinem Stillschweigen den Schluß ziehen, daß er mit dem Land- Richtig ist, daß die Zentrumspresse schon lange gegen die Reichsbank wirthschaftsminister übereinstimmt? mobil gemacht hatte, und es war verwunderlich, daß in der BankIm Sinne des Landwirthschaftsministers sprachen sich die Abgg. von fommission alle die Ausführungen, die seiner Zeit von der ZentrumsTafhoppe( ft.) und Schmiz( 3.) aus, die beide bestritten, daß presse gegen die Diskontpolitik der Reichsbant gemacht wurden, vom auf dem Lande eine Bildungsnoth vorhanden sei. Der Abg. Schmitz Abg. Müller- Fulda als unzutreffend und irrig bezeichnet ist sogar der Meinung, daß die Kinder heute schon zu viel lernen worden sind. förmlich, die reaftionären Anschauungen des Landwirthschaftsministers am Donnerstag statt. Der Kaiser wird anwesend sein. Die und viel zu lange den Schulunterricht genießen; er bemühte sich Bismarck's Betsetzung im Mausoleum zu Friedrichsruh findet noch zu übertrumpfen. Der beste Beweis dafür, daß Hr. v. Hammerstein im Feier wird einen militärischen Charakter haben und in einem kleinen Recht ist, liegt nach Meinung des Abg. Schmitz in der Thatsache, Kreise erfolgen. daß die sozialdemokratische Presse sich auf die Seite des Ministerial- Das preußische Abgeordnetenhaus, für das der direktors Stigler gestellt habe, der bekanntlich gegen den Minister Tod des Grafen Caprivi nicht bekannt war, entfendet seinen Prästaufgetreten ist. Ueberhaupt scheint das Zentrum wieder einmal die denten zur Feier. Der Präfident hielt am Mittwoch eine Ansprache Tattit zu befolgen, daß es, statt seine Forderung sachlich zu be- über die Beisetzung. gründen, das rothe Gespenst an die Wand malt. Auch das Ver langen nach einem christlichen Volksschulgesetz begründeten die Herren Dem heiligen Paasche widmet die Kreuz 8eitung" heute mit dem Hinweis darauf, daß, falls die Religion in der Bolte einen Leitartikel, der von dem Zuderprofessor selbst verfaßt sein schule nicht gepflegt werde, die Jugend der Sozialdemokratie verfalle. tönnte. Interessant ist eine Stelle: Am Mittwoch haben unter Posadowsky's Leitung Verhandlungen mit einzelnen Parteiführern stattgefunden und das Ergebniß tann man wie folgt zusammenfassen: Die Regierung giebt formell nach! Das Zentrum unterwirft sich in der Sache! Die ,, Poft schildert diesen schmählichen Schacher so: " Dem Vernehmen nach ist zwar keine Aussicht vorhanden, von dem Reichstag in der dritten Lesung mehr als die Kommiffionsvorschläge zu erreichen, es liegt aber in der Absicht, da neben drei Refolutionen zu beschließen, durch welche außer den beiden in der Budgetkommission bereits angenommenen Refolutionen Graf Stolberg und Gröber, betreffend Kapitulanten für das fünfte Diensthalbjahr und Einstellung von givilhandwertern in die Militärwerkstätten auch noch, der Anregung des Abgeordneten Dr. Lieber entsprechend, die Bereitwilligkeit erklärt werden foll, wenn bis Ablauf des Quinquennate mit der jetzt bewilligten Friedenspräsenzstärke nicht ausgereicht wird, eine Zur Beschleunigung der Etatsberathung findet heute wieder eine weitere Vermehrung der Friedenspräsenzstärke in Erwägung nehmen zu wollen. Man hofft, daß durch diese Ne- Abendsigung statt. folutionen die Brücke zu einer Verständigung zwischen Bundesrath und Reichstag geschlagen sein wird." Gründen. Zentrum- Chamäleon. " " Was den Liberalismus von uns Konservativen trennt, ist im letzten Grunde mit nur einem Worte zu bezeichnen: die Religion, und eben das wird zwischen ihm und der Sozial. demokratie zur verbindenden Brücke, über die die Fäden geheimer, oft vielleicht ganz unbewußt gewordener Sympathie sich hin- und herziehen und verschlingen." diese Duz Diese Brücke" der" Post" ist eben, unbildlich gesprochen, Gestern noch konnte man fragen: Wird das Zentrum umein Kompromiß des nackten Schwindels, denn die Regierung fallen? Heute schon ist der Umfall gewiß. Daß aber die Das muß sich der Liberalismus von seinem einstigen Todfeind braucht natürlich die 7006 Köpfe nicht für diesen Etat, da Frage überhaupt gestellt werden kann, ist eine unauslöschliche sagen lassen! Wenn also die Liberalen dem Paasche folgen, dann die Präsenzvermehrung nur allmälig durchgeführt werden Blamage für die genialen" Staatsmänner, die den Kultur- giebt es teinen Unterschied mehr zwischen dem Liberalismus und foll. Bei einem„ späteren Anlaß", etwa im nächsten Jahr, tampf heraufbeschworen und das katholische Zentrum zur Konservativismus, die man einft für die schrofften Gegensätze der Weltanschauung hielt. fordert dann die Regierung die 7006 Mann, und das Zentrum ausschlaggebenden Partei in Deutschland, der Wiege des Ein beschämendes Beugniß für die Liberalen unterwirft sich löblich. Wahrscheinlich fordert die Regierung bei Protestantismus" gemacht haben. Doch die Thatsache, beschämend brüderschaft. diesem späteren Anlaß, weil es gleich ein Auswaschen ist, noch wie sie ist, steht fest. Fest steht auch, daß das Zentrum Für Meineide aus politischen Gründen begeistert sich die„ Post". ein paar tausend Mann mehr aus„ militärisch- technischen" Regierungspartei und Regierungspartei. Die Nationalliberalen menschenfreundlich, daß die Unschuldigen freigesprochen worden sind, Regierungspartei geworden ist. Allein es giebt In einem Artifel über den Prozeß Beglin bedauert sie zunächst Das Geschäft erinnert an gewisse Versicherungsgesellschaften, waren Regierungspartei und sie mußten den Willen der fährt aber dann fort: die mit„ Nachschußprämien" arbeiten. Zuerst wird der Kunde Regierung thun, weil sie unfähig waren, einen Wahlkampf ,, Vielleicht wäre das Ergebnis der Zeugenvernehmung durch niedrigere Prämien angelockt, und wenn's dann nicht gegen die Regierung zu führen. Das Zentrum ist Re- ein anderes gewesen, falls man den Druck der Oeffentlichkeit langt, wird einfach nachgefordert. gierungspartei in anderem Sinne es ist von der beseitigt hätte, der schon darin liegen mußte, daß Maurer gegen Aber einen Fehler hat die schlaue Rechnung doch. Man Regierung nicht abhängig, im Gegentheil: die ReMaurer aussagen sollten, und sicher war, daß jede Aussage im bergißt, daß unter solchen Umständen die ganze Militär- gierung ist im gewissen Sinne von dem Zentrum abhängig." Vorwärts" protokollirt respektive denunzirt werden würde." borlage mit ihrer für mehrere Jahre berechneten plan. Und einen Wahlkampf gegen die Regierung hat das Die" Post" tann mit diesem Saz nichts anders meinen, als mäßig durchzuführenden Präsenzerhöhung finnlos ist. Wenn für die Regierung ihm nur Verlegenheiten bereiten kann. bindert worden find, Meineibe zu leisten, wie es zur höheren Bentrum nicht zu fürchten, während ein Wahlkampf daß die Beugen leider unter dem Drud der Oeffentlichkeit ber die Regierung heute verzichtet und morgen nachfordert, so heißt Das Zentrum ist durch seinen Ursprung und seine Geschichte Ehre der ihr genehmen Bolitik nothwendig geweſen multiren tant, das ben von Anfang fest stehenden Plan Lügen strafen. Darauf angewiesen, Oppositionspartei zu sein. Oppositions. Deffentlichkeit leider die Wahrheit ber Aussagen kontrolliren fann, partei und Regierungspartei also eine Bartei, welche abgekarteten Spiels wäre: die böllige Preisgabe wo es ihr in den Kram paßt, die Regierung unterstützt, und die Oeffentlichkeit auszuschließen, um dann im Dunkeln günstigere einlassen. eines für mehrere Jahre berechneten Organi- ba wo nicht, fie bekämpft. Das giebt dem Bentrum die sationsplanes, mithin der Grundidee der Die Bost" hat eine sehr schlimme Meinung von den Aufgaben Militärborlage und ihrer selbst. Wenn man hamäleon- Natur, welche vielfach als Charakter der Gerichte und eine wider alles Erwarten günstige Meinung von sich dazu versteht, die 7006 Mann später zu bewilligen, dann Lofigkeit aufgefaßt wird. Das Zentrum tann feine dem Werthe der Oeffentlichkeit. ist es logisch, überhaupt zu einer jährlichen Präsenz partet, so wäre es nicht Zentrum. Aber es wäre auch Miquel war bekanntlich besonders von der„ töln. 8tg." eine andere Natur haben. Wäre es immer Oppositions- Gegen das Kommunalwahl. Gesetz und den Finanzminister feststellung zu kommen. Das Kompromiß durchbricht das partei, fo Prinzip, auf dem die Militärvorlage beruht. Wenn also Herr nicht Zentrum, wenn es immer Regierungspartei heftige Agitation entfaltet worden. Es war namentlich geltend Lieber die Bewilligung der 7006 Mann bei einem späteren wäre. Es muß seiner Natur nach beides sein bald das gemacht worden, daß die Vorlage in verschiedenen rheinischen ine, Anlaß" innerhalb des Quinquennats auch nur für möglich eine, bald das andere, bald beides zugleich. Das Zentrum Kommunen dem Ultramontanismus zur Herrschaft verhelfen würde. Nunmehr wird verschiedentlich die Mittheilung verbreitet, die Vorhält, so müßte er erst recht die ganze Militärvorlage, ver- ist eben seinem Ursprung und seiner Geschichte nach werfen, und sich nur auf Bewilligungen von Jahr zu Jahr mehr als irgend eine andere Partei, ausgenommen die lage werde in der geplanten Gestalt dem Landtage nicht zugehen, weil man sich auch in Berlin von der Nichtigkeit dieser Bedenken sozialdemokratische, abhängig von seinen Wählern. So lange überzeugt hat. Aber das durch Herrn Lieber's verhängnißvolle Führung es Erfolge über die Regierung aufweisen und den Wählern demoralisirte Zentrum will anscheinend mur noch parlamen- borreden kann, daß es Regierungspartei nur in dem Sinne Berl. Korr." meldet: Die umfangreichen Arbeiten, mit denen sich tarische Macht und kümmert sich darum ebenso wenig um die ist, daß es der Regierung feinen Willen aufzwingt, find ihm das Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten seit Befolgung politischer Logit wie politischer Sittlichkeit. einstweilen noch seine Wähler sicher. In dem Moment aber, längerer Zeit behufs Anbahnung einer gefeßlichen Reform des Die jetzige Zentrumsherrschaft- das zeigt der neueſte wo die Wähler zu der Erkenntniß gelangen, daß das Zentrum& ibeitommißwesens in Preußen befaßt, find so weit geHandel mit erschreckender Deutlichkeit hat uns eine politische der Regierung Handlangerdienste leistet, ist das Zentrum ver- diehen, daß die Aufstellung der Grundzüge eines Gesetzes über Korruption bescheert, die jede geradlinige Entwickelung, jede loren. Familien Fideikommisse erfolgen konnte. Der Gesezentwurf nebst fruchtbare Thätigkeit bereitelt. Statt einer politischen BeBegründung ist zunächst den betheiligten Provinzialbehörden zur wegung haben wir die Schwingungen einer trägen Gallert Landwirthschaftsministerinm beschäftigen. Eine Aufhebung der wegung haben wir die Schwingungen einer trägen Gallert Begutachtung überfandt worden. Es sind also ganz feudale Angelegenheiten, die das masse. Fideikommisse, wie sie in einem modernen Kulturstaate erfolgen follte, wird das neue Gefeß jedenfalls nicht aussprechen. Eine Partei, die Oppositionspartei un d. Regierungspartei die Bewegungen eines Seiltäuzers lassen sich nicht voraus ist, muß selbstverständlich politische Seiltänzerei treiben. Und berechnen. Eine unberechenbare Bewegung tann ihm einen Triumph bringen oder den Sturz. Womit fich der Landwirthschaftsminister beschäftigt. Die ZcugnMwang gegen Druckerlehrlinge. Zn dem Zeugniß- zlvaiigsvcrfahrcn gegen Angestellte der„Ga�eta Grudziaska� in Grandenz nieldet das Blatt,' datz die Druckereilehrlinge Kopicki und Kowalski noch immer verhaftet seien, trotzdem das Gericht seit zehn Tagen den Berfasscr des inkriminirten Artikels kennt. Diese Gerichtspraxis bedarf dringend der Aufklärung.— Die bedingte Begnadigung soll auch in Lippe eingeführt werden.— Zur Landarbeiter-Frage in Bayern. Der bayerische LaudmirthschaftSrath, der sich, ivie gemeldet, dem Antrage des deutschen Landwirthschaftsrathes auf Aufhebung der Freizügig- tcit nicht angeschlossen hat, bat bezüglich der ländlichen Wohlfahrtspflege folgenoe Resolution angenommen: 1. Der Bayerische LandwirthschaftSrath empfiehlt die thun- lichste Forderung der Bestrebungen zur Hebung der ländlichen Wohlfahrtspflege, insbesondere auch in der Richtung der Beschaffung von Wohn- und Schlafräumen, welche den Anforderungen der Gesundung � und Sittlichkeit entsprechen; dann die Gründung von Genossenschaften aller Art, welche die Hebung der materiellen Lage der kleinen Landwirthe bezwecken(insbesondere der Raiffeisenvercine und der damit verbundenen Sporgelegenheit). 2. Der LandwirthschaftSrath drückt ferner den Wunsch aus,' es möge durch sein Bureau eine Enquete über den jetzigen Stand der ländlichen Wohlfahrtspflege durch die äußeren Organe deS Landwirthschaftlichen BereinS mit Unterstützung der königl. Staatsregierung veranstaltet werden. S. Der LandwirthschaftSrath erwartet endlich die thun- lichste Förderung dieser Wohlfahrtseinrichtungen auch in flnanzieller Richtung durch die staatlichen und gemeindlichen Behörden und beantragt speziell wegen der Haushaltungsschulen— als einer bei richtiger Anpassung an die ländlichen Verhältnisse sehr empfehlens- wcrthcn Einrichtung— thunlichste Berücksichtigung durch staatliche Unterstützung auch schon im bevorstehenden Budget." Stuttgart, 16. März. In der Kammer der Abgeordneten wurde heute ein Antrag aller Parteien eingebracht zum Schutze der Privat- Notenbanken gegen den Artikel 5 des im Reichstag eingebrachten Bankgesetz-Entwurfs. Der Minister des Innern, v. Pischek. versprach, daß die württembergische Regierung den Antrag im Bundesrath unterstützen werde.— Ein Kulturwerf. Dem Landtage ist soeben die GefetzeZvorlage zugegangen, welche die seit Jahrzehnten vielbesprochene und erstrebte Kanal- Verbindung vom Rhein nach der Weser und Elbe ver- wirklichen soll. Der für Schiffe von KOS bis 700 Tonnen berechnete Kanal soll in der Nähe von� Rnhrort den Rhein verlassen und im Emscherthal bis Herne aussteigen, um von oa bis Bevergern den Dorrmund- EmS-Kanal zu benutzen. Bei Minden lvird er die Weser über- schreiten und etwas unterhalb Magdeburg die Elbe erreichen. Die Baukosten find einschließlich derjenigen für acht Seiten- kanäle'— ans rund 261 Mill. Mark veranschlagt. Der Kanalbau wird an die Bedingung geknüpft, daß die bcthciligten Provinzen und anderen öffentlichen Verbände dem Staate eine Einnahme aus Schifffahrtsabgaben»nid sonstigen Nutzungen des Kanals gewähr- leisten, welche zur Deckung der vollen Betriebs- und Unterhaltungs- kosten, sowie zur llprozentigen Verzinsung und'/eprozcntigcn Tilgüng eines Antheils der Baukosten ausreicht. Wenn die Staatsregierung. so heißt cS in den Motiven, nach langen und sehr gründlichen Erwägungen zn der llcbcrzcngnng gekommen ist, daß ein solcher Konalbau für die Sicherung der wirth- schaftlichcil Zukunft des Staatsgebietes nothwcndig sei, so ist hierfür die Wahrnehnuing, daß die Eisenbahnen aus die Dauer den mächtig anwachsenden Verkehr nicht bewältigen können, ihre Ergänzung aber»mverhaltnitzmätzig hohe Kosten venirsachen und große Scbwierig- feiten bereiten würde. Das gilt namentlich für die in Betracht kommenden rheinisch- westfälischen Industriegebiete. Dieses Gebiet. welches Vi» der Fläche des Deutschen Reiches darstellt, wird von '/a der deutschen Bevölkerung bewohnt und bringt den Eisenbahnen beinahe den vierten Theil ihres GesammtverkehrS. auf 1 Kiloinetcr der dortigen Bahnen entfielen 18V7: 73 000, im übrigen Deutschland nur 6300 Tonnen empfangener und abgesandter Güter. Es ist dort der Hauptsitz des Kohlenbergbaues und der Eisenindustrie in Deutsch- >a»d; die Kohlenförderung des rheiuisch-wesffälischen Jndustriebezirks ist in gewaltigem Ausschwunge begriffen und seit 1892 bis 1897 von 37 ans 48 Millionen gestiegen, während die Roheisenerzeugung schon 1894 2 070 000 Tonnenfoder 44 pCt. der deutschen Gesam»ntprodultion betragen hat. .Dieser ganz ungewöhnlichen aller Voraussicht nach fort- schreitenden industriellen EntWickelung, die auf dem europäischen Fe st lande ihres Gleichen nicht hat und aller Voraussicht nach andauern wird, wird die Eisenbahn mit ihren Betriebscinrichwngen über einen gewissen Punkt hinaus nicht zu folgen vermögen, weil es für die Vennchrung der Gleisanlagen bei dem unter der Erde fortschreitenden Bergbau und der aus der Oberfläche zunehmenden Bebauung in absehbarer Zukunft an dem nöthigen Räume fehlen wird." Die Terrainverhältnisse werden als nicht sehr schwierige bezeichnet. Die zwischen den Stromgebieten liegende norddeutsche Tiefebene biete nur sehr geringe Höhermnterschiede und sei auch vielfach mit muldenförmigen' Vertiefungen durchzogen, die zum AnSban schiffbarer Kanäle.geradezu einladen". Der w i r t h s ch a f t l i ch e Nutzen des Kanals ist außer- ordentlich hoch zil veranschlagen. Er liegt nicht blos darin, daß der Güterverkehr ans den Eisenbahnen entlastet wird, sondern inSbeson- dere auch in der durch die Mafferstrahe ennöglichte bedeutende Er- Mäßigung der Transportkosten. Für die Frequenz und Rentabilität des Kanals bestehen die günstigsten Aussichten. Man hat berechnet, daß schon bei der Eröffnung des Kanals, etwa im Jahre 1903 im sogleich 3'/s Millionen Tonnen mit einer Transport- leistung von 643 Millionen Tonnen- Kilometer zufallen werden. Für die Eisenbahnen wird ein Einnahme-Ausfall von 63 Millionen Mark berechnet. DaS ist jedoch nur ein rechnungsmäßiger Ausfall, der durch die Einnahme von der Äanalschifssahrt ausgeglichen lvird. Außerdem wird der Kanalbetrieb auch seinerseits den Güter- verkehr der Eisenbahnen befruchten. Die Befürchtungen der Agrarier, daß der Knnal ein .EinsallSthor" für ausländisches Getreide bilde, werde durch folgende Ausführungen heschwichtigt: Die Bcfürchwng landwirthschaftlicher Kreise, daß die neue Kanalverbindling das Eindringen des ausländischen Getreides in Deutschland wesentlich erleichtern könnte, erscheint kaum ge- rechtfertigt. Denn die EinfavSthore hierfür find außer den Eisen« bahnlinien nach den Seehäfen die großen, mit Schifffahrtsabgabcn nicht belasteten, in südnördlicher Richtung zum Meere fließenden Ströme und die Donau, während die durch den Kanal geschaffene wcstöstliche Querverbindung als solche recht eigentlich dem inner- deutschen Verkehr dienen und den lohnenden Absatz der inländischen Erzcngnisse unterstützen wird. ES kommt hinzu, daß auf dieser Onerverbindiing hohe Abgaben erhoben werden sollen, und zwar gerade ans dem w e st l i ch e n K a n a l t h e i l, der den Anschluß an den Rhein, die Haupteinfuhr st raße deS fremden Getreides, vermittelt, in doppelter Höhe wie aus der O st st r e ck e. Auch die Besorgnisse hinsichtlich der Steigerung des Arbeitermangels durch den Kanalbau dürften unbegründet oder doch sehr übertrieben sein. Die praktischen Erfahrungen bei den großen Kanalbauten der letzten Jahre— bei dem Nordostsee- und dem Dortmnnd-Enis-Kanal— haben gelehrt, daß derartige Uebel- stände nicht zu befürchten sind, weil die großen Unternehmer, mit welchen die Verwaltung bei derartigen Bauten zu arbeiten pflegt, ihren eingeübten Arbeiterstamm größtentheils mitbringen. Vielfach handelt es sich hierbei um mehr handwerksmäßige Maurer-, Zimmer- u. dergl. Arbeiten, für die der gewöhnliche Landarbeiter überhaupt nicht in Frage kommen kann; aber auch für die bei Kanalbauten vor- kommenden Erdarbeiten ist er im Allgemeinen nicht verwendbar, weil sie für ihn zu schwer sind und besondere, nicht überall vor« handene Eigenschaften voraussetzen. Endlich ist ein großer Theil der Kanalarbeiter aus den, Auslände herangezogen worden, und es wird ohne Zweifel bei dem Bau des Rhein-Weser-Elbe-Kanals be- sonders darauf Bedacht genommen werden, die Heranziehung und Verwendung der Ausländer behufs n, ög- lichster Schonung deS einheimischen Arbeits- markteS zu organisiren. Sodann wird darauf hingewiesen, daß der Kanal ja auch den Transport der Erzeugnisse des Ostens wesentlich verbilligen werde, während er andererseits der Landwirthschaft östlich der Elbe die Möglichkeit aiebt, Thomasschlacke, Kali zu künstlichem Dünger, sowie ferner Kraftfuttermittel überseeischen und einheimischen Ursprungs zu wesentlich billigeren Preisen zu beziehen. Jahrzehnte sind, wie die Begründung selbst sagt, verstrichen, lange, eingehende Erwägungen und Berathungen sind gepflogen tvorden, ehe man sich entschließt, dies Kulturwerk von so immenser Bedeutung in Angriff zu nehmen, ein weiteres Jahrzehnt wird ins Land gehen, ehe es fertig sein wird. Für Heer und Flotte wird jährlich ein dreifach so hoher Betrag ausgegeben, als hier ftir ein Werk der Kultur und bei Friedens gefordert wird. Dabei wird die weitaus größre Summe von den Kommunal« und Provinzialverbänden garantirt. Die größten Gegner deS KanalprojektcS sind natürlich die ostelbischen Junker, die aus selbstsüchtigen Gründen das Niveau der Verkehrsmittel am liebsten zurückschrauben möchten auf die Postkutsche fei Angedenkens. Jeder Fortschritt ist ihnen ein Greuel, aber sie lverden in diesem Falle mit ihrem reaktionären Streben wohl kaum Erfolg haben, da die Interessen der Industrie die Ausführung des Projektes gebieterisch fordern.— Ausland. Neu« RuögleichSschwierigkeiten. -st. Wien, Mitte März. Die politischen Verhältnisse sind zwar in Ungarn wieder ganz normale geworden, und in Oesterreich waltet der alleinseligmachende Z 14, der keine Opposition kennt: aber trotzdem stößt die Er- ledigung auf neue Schwierigkeiten. Der Friedensschluß zwischen der Regierung Szcll und der Opposition enthält nämlich einen Punkt, der sich als' eine wesentliche Abänderung der Abmachungen dar- stellt, die im Sommer vorigen Jahres zwischen Banffy und Thun abgeschlossen wurden. In dem„ Jichler Vertrage" ist nämlich zwischen beiden Regierungen ausgemacht � worden, daß Oesterreich den ganzen Ausgleich mit dem§ 14 in Wirksamkeit setzt, wogegen Ungarn dieselben'Verfügungen auf gesetzlichem Wege selbständig trifft, welche.selbständige" Regelung deshalb noth- wendig ist, weil Ungarn gemäß seiner Verfassung mit einem nicht konstitutionell regicr'ien Oesterreich keine Verträge schließen kann. Nun besieht der Ausgleich zwar aus vielen verschiedenen Dingen, die wichtigste Frage ist jedoch das Zoll- und Handelsbündniß, wodurch beide Staaten zu einem einheitlichen Zollgebiete gestaltet werden. Das gemeinsame Zollgebiet ist das, was Oesterreich am Ausgleiche wichtig ist; die übrigen Bestandtheile der vielen Gesetze sind Vortheile uur für Ungarn, die Oesterreich als Preis siir das Zollbündniß zahlt. Namentlich die gmeinsame Notenbank ist eine große Konzession für Ungarn; durch sie erhalten Handel und Industrie Ungarns die Kredittnittel von dem ivirthschastlich ciit- wickeltereu Oesterreich. Nach dem Inhalte der Jschler Abmackiungen sollte die Gemeinsamkeit der Notenbank bis zum Jahre 1910 kon- stiwirt werden, das Zoll- und Handelsbündniß jedoch nur bis zum Jahre 1903 erstreckt werden, in welchem Jahre bekanntlich die ntcr- nationalen Handelsverträge erlöschen. Das Biindnitz sollte, so wurde in Ischl ausgemacht, jedoch weiterhin so lange in Kraft bleiben, als es nicht durch die Gesetzgebung aufgehoben worden ist. Diese Verabredung hat nunHerr v. S zell umgestoßen. Nach seiner„Formel" soll der Zustand— denn von einem„Bündniß" kann eigentlich nicht gesprochen werden, nachdem jeder Staat seine Ver- fügungen selbständig und einseitig trifft— wohl nach 1903 noch auf ein Jahr verlängert lverden, aber Ende 1904 stände Oesterreich vor der wirklichen Gefahr der wirthschaftlichen Losreißung Ungarns, die Zollschranken zwischen beiden Staaten könnten dann ganz ernstlich aufgerichtet werden. Das ist der Punkt, der selbst der so gewissenlosen Regierung Thun Bedenken»nacht. Es wäre auch das Ungeheuerlichste: Gemein- saine Notenbank ohne Zolleinbeit I Das hieße, eine Konkurrenz- industrie mit eigenen Mtieln zu schaffen, den wirthschaftlichen Gegner mit Subsidicn aus eigener Tasche zu unterstützen! Die österreichische Regierung hat also Herrn v. Szell erklärt, daß sie seine„Formel" nicht akzcptircn könne; entweder es wird das Zoll- und Handelsbündniß über das Jahr 1904 verlängert, oder es muß die Gemeinsamkeit der Notenbank auf das Jahr 1904 beschränkt bleiben. Nun ist das Letztere unter den obwaltenden Umständen einfach unmöglich; die Ungarn lverden sich dieses Thor znr gänzlichen Selbständigkeit nicht mehr schließen lassen. Der Konflikt wiro also voraussichtlich nicht anders gelöst werden, als daß auch das Bankprivilegium— das ist die Form für die gemeinsame Notenbank— nur bis Ende 1904 erstreckt lverden wird.' Das Jahr 1904 kann also in jedem Betracht den Kladderadatsch für Oestcrreich-Ungarn bringen. Die Sache wäre natürlich sofort anders, wenn sich die Regierung entschlösse, mit dem Parlament zu regiere». Mit dem Parlament machen nämlich die Ungarn den Ausgleich bis Ende 1907; und wenn das Zollbündnitz über das Kometenjähr 1903, dem Jahre neuer Handelsverträge, hinübergerettet wird, steht es auch weiter est. Aber auch sonst droht der Regiererei ohne Parlament ein komplettes Fiasko. Mit dem Ausgleich ist nämlich noch immer die leidige Quotenfrage nicht erledigt. Die Quote ist bekanntlich das Vcrhältniß, in welchem Oesterreich und Ungarn zu ihren ge- meinsanien Ausgaben— das sind die Ausgaben für Heer und Flotte und die für die Besorgung der auswärtigen An- gelegenheit— beitragen; derzeit ist das Verhältniß so, daß Oesterreich 68,6 und Ungarn 31,4 pCt. zahlt. Die Quote kann aber nur durch ein Ucbercinkommen beider Parlamente festgestellt werden; der§ 14 ist da macht- und wirkungslos. Wenn ein solches Ucbereiiikommcn nicht erzielt werden kann, stellt die Krone die Ent- Heid,»ig fest, aber, und das ist der springende Punkt, nur f ü r die Dauer eines Jahre S. Thatsächlich hat der Kaiser für das Jahr 1893»nid für daS Jahr 1899 die Entscheidung gefällt, und zwar die unveränderte Beibehaltung de? bisherigen Verhältnisses verfügt. Nun geht es aber doch nicht, daß die Krone jedes Jahr als SchiedSrichterin auftritt; ohne Parlament ist jedoch«ine Ent- scheidung auf längere Frist— bis zum Jahre 1897 wurde das Ueber- einkommen stets auf zehn Jahre geschloffen— einfach unmöglich. Die Situation Oesterreichs schreit also geradezu nach dem Parlamente; ohne Volksvertretung hat der Staat seine eigentliche Stütze verloren. Die Wege der österreichischen Staatskunst sind zwar un- erforschlich. aber es ist doch nicht ausgeschlossen, daß dem Parlaments- losen Zustande schneller ein Ende bereitet wird, als Graf Thun wohl selbst denkt. Fertig ist die Regierung Thlln in jedem Falle, und der Zeitpunkt seines Falles ließe sich schon heute mit mathematischer Gewißheit vormissagen. Wenn vielleicht Graf Thun auch nicht sofort weggeschickt werden wird, trotzdem seine Regierung heute das stärkste Hinderniß für ein konstitutionelles Negieren»st, so ist das Leben dieser Regierung doch mit dem Augenblicke zu Ende, wo sie den großen Verfaffungsbruch, die gesetzwidrige Erledigung des AnSgleichs. bollzogen haben wird. Die Minister, d,e diese Verordnungen unterschreiben, hängen fich selbst den Mühlstein um den Hals, der sie dann rettungslos in die Tiefe ziehen wird. Freilich ist die Lage in Oesterreich so, daß mit dem Falle Thun's noch lange nichts gethan wäre. ES fehlt diesem unseligen Staate an Männern und Ideen; in dem Brei öder Redensarten, die hier die öffentliche Diskussion ausmachen, ist kein Gedanke zu finden, der über den nothwendigen Gang der Dinge Klarheit ver- breiten würde.— Südafrikanische Republik. AuS der Nähe von Pretoria erhalten wir von einem dort wohnenden Landsmann und Partei- genossen eine sehr interessante Zuschrift, datirt den 11. Februar: Nach eimgen vertraulichen Mittheilungen über gewisse Persönlichkeiten, die dort eine Rolle spielen, und über daS ZeitungSwesen, in dem Revolverhelden sich herumtummeln— auch Deutsche, die neben« bei die„Kölnische Zeitung", den Berliner Lokal-Anzeiger" und an- dere ihrer würdige Blätter unsicher machen,— schreibt unser Freund uns: DaS Gold ist hier König— wie überall in der kapita- listischen Welt. Und es wird immer mehr Gold ge- Wonnen, wie man triumphirend verkündet. Bei der ver- mehrten Goldausbeute handelt es sich weniger um neue Minen als vielmehr um verbesserte Methoden und um Redu- zirung der Arbeitslöhne mit Ausnahme der oberen Ver- waltnngsbeamten, wie Direktoren, Managers(Geschäftsführer)»c. Ein Kasser hatte früher 3—5 Pfd. Sterl.(60—100 M.) pro Monat, heute vielleicht 2—3 Pfd. Sterl.(40—60 M.). Es giebt viele Minen, die 2—8000 Kaffern beschäftigen. In diesem Lohn ist die Kost einbegriffen, die auS Maismehl besteht, mitunter auch etwas Fleisch. Ein weißer Mann, guter Miner, hat vielleicht 20 Pfd. Sterl.(400 M.) oder auch etwas mehr, doch giebt es viele mit nur 12—16 Pfd. Sterl. (240—300 M.) pro Monat. Der Arbeitsmarkt ist eben überfluthet. Von den Miners sind die meisten englisch Sprechende. Ein Deutscher hat absolut keine Chance, wenn er nicht englisch sprechen kann. Im September 1897 kam ich von einem Besuch in Deutschland wieder zurück. Auf dem gleichen Steamer der Union-Linie„Ghant" waren 19 Bergleute aus der Gegend von Essen. Sie waren von einer der größten und reichsten deutschen Firma hier, Goerz u. Cie., eugagirt. Der Lohn war 9 und 11 Schilling(Schilling Mark) per Schicht von 8 Sttmden, daS macht ungefähr 12 bis 16 Lstr.(240—300 M.) im Monat. Das ist viel Geld»n Deutschland, aber hier kommt man nicht weit damit. Das schwerste war die Sprache, so- wohl sich'mit den Kaffern zu verständigen, als auch mit den englischen Mitarbeitern. Die Hälfte dieser Leute ist denn aucb in der ersten Zeit weggelaufen ohne anders- wo Beschäftigung zu finden. Und von den anderen habe ich einen Brief bekommen, in dem sie sich bitter beklagten. Der Lebensunterhalt ist ziemlich theuer hier; unten 6 Pence (50 Pf.) kann man nichts kaufen außer Poststamps(Briefmarken). DaS geringste Essen kostet 1 Schilling in den meisten Fällen (1>/s M.) und höher. Eine Tasse Kaffee, Thee oder Kakao 6 Pence, ein Gläschen Fnsel 6 Pence, Whisky oder Frisch Brandy 1 Schilling, 2 oder 3 Deziliter Bier 6 Pence, eine Flasche deutsches Bier 4Schilling— in der Bar getrunken. Außer den Gold- und Kohlenminen ist keine Industrie, oder nur unbedeutend. Fast Alles wird importtrt. Es giebt kein Holz, geeignet für Bauzwecke oder sonst zum Verarbeiten, und die»neistcn Steinkohlen sind minder gut als die englischen, belgische» oder deutschen; wenigstens der aus ihnen gewonnene Ko kes ist nicht stark genug, um Silbererze zu schmelzen. Kaum die Hälfte der eingewanderten Bevölkerung hat regelmäßigen Verdien st. Die ganz Reichen wohnen nur periodisch hier. Viele Spekulanten wissen nicht, ob sie reich find, doch giebt es auch viele Handelsleute mit schönen Geschäften»md gutem Verdienst; auch viele Kleinhandwerker. Ein Wohnhaus iKottage) mit 2— 3 Zimmern kostet 4— 6 Pfd. Sterl.(80— 100 M.) M i e t h e im Mona t. Für eine Geschäftslokalität, geeignet zu einem Kaufhaus oder kleinem Laden, ist 16—20 Pfd. Sterl.(300 bis 400 M.) und höher der allgemeine Preis pro Monat! Deutsche sind sehr viel hier, von allen Berufen ui»d Ständen. Nimnit man die dcutschsprcchenden Russen, Oesterreicher, Schweizer»c. mit. so werden sie an Zahl den englisch sprechenden wenig nach- geben. Für alle Handlangerarbeit werden K a f f e r n verwendet; jede Familie hat einen oder mehrere Kaffern für Küchen« und Hausarbeit. Viele chinesische Kulis sind als Köche, Kellner, Bar- biere-c. tbätig und machen auch den kleinen Händlern und Hausirern empfindliche Konkurrenz. DaS weibliche Geschlecht findet immer Verdienst, ist aber in moralischer Hinsicht vielen Ge» fahren ausgesetzt. Ich war noch nicht in Johannesburg. Wir haben jetzt Sommer und Regenzeit, und da habe ich viel zu arbeiten. Nächsten Samstag hoffe ich für ein paar Stunden nach Pretoria zu gehen; es ist, wie ich höre, ein deutscher Arbeiter« verein dort; vielleicht bekomme ich Gelegenheit, mtt Genoffen zusammenzukommen. Ich weiß, eS giebt viele Parteigenossen hier im Lande, besonders in Pretoria und Johannesburg, aber sie auf- zufinden I?_ Schweiz. Die Ausweisungen aus der Schweiz sind vorläufig rück- gängig gemacht. Es wird unS hierüber aus Zürich vom 14. März geschrieben: Die Bemührmgen unserer Genoffen und die Kritik der Presse haben bei den Bebörden in Bern zur Freude aller auftechtstehenden Republikaner und Freunde deS Asylrechts doch den erwünschten Er- folg gehabi: die Ausgewiesenen wurden zuerst auS d er Haft entlassen und sodann auch die Ausführung des AuslveisungsbeschlusseS sistirt. DaS ist ein Er- folg der öffentlichen Meinung, aber auch eine Ehre für den B u n d e s r a t h selbst, der nicht hartnäckig an einem nicht genügend begründeten Beschlüsse festhielt und nicht mit den längst veralteten und abgenutzten Redensarten von der„Autorität der Regierung"»c. einen unhaltbaren Standpunkt krampfhaft fest- hielt. Ein sehr werthvoller und geschickter Zug war die Veröffentlichung des fürchterlichen Manifestes durch daS sozialdemokratische.Volksrecht", aus dem es ein großer Theil der übrigen Preffe nachdruckte und so aller Welt zeigte, wie lächerlich die von den italienischen Machthaber» behauptete Gefabr ist. DaS FiaSlo der verunglückten Aktion fällt einzig zu Lasten der italieni- fchen Regierung, die ihren reichen Kranz an Niederlagen und Bla- magen aller Art um eine neue Perle bereichert hat. Eine Lehre bietet der Vorgang für die Arbeiter noch: er hat den großen, un- schätzbaren Werth, die Nothwendigkeit und Unentbehrlichkeit eine? sozialdemokrattschen Tageblattes jedermann überzeugend vor Augen geführt. Möge man davon im ganzen Lande die praktische Nutz- cmlveudung machen.— Frankreich. PariS, 14. März. Das Schwurgericht sprach den Verfasser des Buches„Die Armee gegen die Natton", Urbain Gohier, sowie den Herausgeber desselben, Ratanson, frei; die Sitzung wurde kurz nach 11 Uhr Abends ailfgehoben und! der Urtheilsspruch mit lärmendem Beifall aufgenommen.— Der Advokat Mornard, welcher seiner Zeit DreyfuS vertheidigte, wird, wie verschiedene Blätter melden, auch vor den vereinigten Kammern des Kassationshofes der Prüfung deS geheimen Akten st ücke», betreffend Dreyfus. beiwohnen.— England. Zm Unterhause brachte Chamberlain eine Vorlage ein. betreffend die Erwerbung kleiner Häuser seitens ihrer Bewohner, die sich«ich auf Schottland und Irland erstreckt und die nicht obligatorisch, sondern fak»lltativ ist. Der Werth deS Hauses darf 300 Lstrl. nicht übersteigen. Die von den Lokalbehörden zu leistenden Vorschüsse sind auf vier Fünftel des KanfschillingS beschränkt. Die Vorlage enthält keine Beschränkung hinsichtlich der Gesellschaftsklasse oder der Beschäftigung des Käufers. Die Kosten für die Durchfühnmg deS Projekts dürfen 1 Penny per Pfund der Lokalabgaben nicht übersteigen. Die Borlage schlägt ein billiges und leichtes System des Verkaufes und der Uebertragung des Besitzes vor. Die Bill wurde in erster Lesung angenommen.'— Belgien. Brüffel, 14. März.(Eig. Ber.) Am 6. April und die folgenden Tage wird hier ein„'Internationaler Kolonial- Kongreß" stattfinden, einberufen von dem„Institut colonial international". Folgende Punkte stehen auf der Tagesordnung: 1. Die Handarbeit in den Kolonien. 2. Die Eisenbahnen in den Kolonien und den neu urbargemachten Ländern. 3. Die Verwaltung der Protettorate. 4. Die finanziellen Beziehungen zwischen Mutter- land und Kolonie. 6. Unter welchen Bedingungen darf die Aus- Wanderung als wünschenswerth erscheinen in Beziehung auf di« Kolonisatton deS besetzten Gebietes. Folgende Siedenfragen endlich dürfen mit Zustimmung auch vi- sprachen werden: Welche Mittel sind die geeignetsten, das Einfuhren «euer Bauarten in den Kolonien zu begünstigen und ihre Entwicklung zu befördern? Welches sind die besten Mittel, um in den afrilanischen Kolonien die Eingeborenen zu bewegen, fortzufahren, sich mit Acker- bau zu beschäftigen,— ihre Ansiedelungen auszubreiten und zu ver- »eifern— und eventuell Vieh zu züchten, Italien. Bei der Anftheilung deS Reiches der Mitte wird nun auch Italien betheiligt fem. Das Tsung-Ii-Uamen hat sich gefügt und erklärt sich bereit, mit der italienischen Regierung weitere Unter- Handlung zu Pflegen. Die kurze Aufwallung von Zorn über die Zu- muthuug der Fremden ist, nachdem die Engländer etwas nachgedrückt haben, bei den Chinesen bald verraucht. Der Tsung-Ii-Damen hat incht allein die Rücksendung der ursprünglichen Depesche des italieni- schen Gesandten de Martina verlangt, deren Annahme er vorher verweigert hatte, sondern erklärt sich auch bereit, sofort auf dieselbe zu antworten. Der Einfluh Englands, das naturgemäß darauf bedacht rst. dem russischen Einfluß in China möglichst viel Gegengewicht zu schaffen, hat das seine dazu beigetragen, die Chinesen nachgiebig zu machen. Und so werden die Italiener voraussichtlich ohne einen Schwertstreich zu einer„Pachtung" im fernen Osten kommen. Das italienische Volk wird aber darum nicht glücklicher werden, sondern nur mehr Steuern aufzubringen haben für neue Schiffe und Soldaten, um das„Erworbene" zu schützen.— Spanien. Spaniens Ncurlistung. Die Meldung, daß Spanien fammt- uche Schiffe zu verkaufen beabsichtige, ist nach der„Intern. Korresp." dahin zu verstehen, daß die Ueberreste der Kriegsflotte nach Ansicht des neuen KriegSministerS Gomez Jmaz für Spanien augenblicklich werthlos seien. Letzterer will eine neue einheitliche Schlachtflotte schaffen und von jeder Ergänzung des alten Geschwaders absehen, weshalb die noch seefähigen alten Schiffe ver« kauft werden sollen. Hierbei kommen noch diele kleine Holz- schiffe in Betracht, welche sich voraussichtlich nur zu Privatzwecken eignen.— Ruhland. Aus der litthauifche» Arbeiterbewegung. Unter diesem Titel bringt das Züricher.Volksrecht" einen längeren Artikel, dem wir folgendes entnehmen: Man darf eS als eine der wichtigsten Phasen in der Geschichte der litthauischen Arbeiterbewegung bezeichnen, daß das in W i l n a seit 1897 erscheinende lokale Arbeiterblatt:„Echo aus dem Arbeiter- leben"(es wurden bis jetzt 9 hektographirte Nummern herausgegeben), jetzt in eine allgemeine litthauifche Arbeiter» z e i t u n g umgewandelt worden ist und in der litthauischen Sprache erscheint; die Zeitung wird jetzt nicht mehr hekto- graphirt, sondern erscheint im Druck; außerdem wird eine hektographirte polnische Uebersetzung als Beilage erscheinen. Von diesem neuen Organ der litthauischen sozialdemokratischen Partei:..Äiclas Lietuvos Darbininkus Güvenieno" ist bereits im Januar 1899 die erste Nummer erschienen und in Litthauen ver- breitet worden.� Das Blatt hat sich als Ziel gestellt: die obere Leitung der litthauischen Arbeiterbewegung zu übernehmen, und zwar der gewerkschaftlichen und politiichen, sowohl in Litthauen selbst, wie auch in den Nachbardistrikten, wo litthauifche Arbeiter- Massen beschäftigt sind. Bis jetzt wurden sehr viele nützliche Kräfte von der rein nationalen Bewegung absorbirt, andere fielen in das entgegengesetzte Extrem und organisirten Vereine von sozial- demokratischen Doktrinären, welche sich jeder Theilnahme an dem Kampfe gegen die russifizirende Politik der zarischen Regierung enthielten. Jetzt aber hat die litthauifche • sozialdemokratische Partei alle Chaneen, die einzige maßgebende politische Partei in Litthauen zu werden; sie tritt für bestimmte Klasseninteressen ein, besitzt ein bestimmtes Parteiprogramm(welches auf dem Parteikongreffe Anfang 1897 angenommen wurde) und stützt sich in ihrer Thätigkeit auf das klassenbewußte und organisirte Proletariat LitthauenS. Ilm ihre Aufgaben besser erfüllen zu können, mutz die litthauifche sozialdemokratische Partei auch ihre Partei- Organisation zu verbessern suchen. Im Laufe ihrer Entwickelung mußte sie sich verschiedenen Formen der Arbeiterbewegung anpassen, und infolge deffen befinden sich in ihrer gegenwartigen Partei- Organisation vielfache Ueberbleibsel, welche dem jetzigen Stande der Dinge nicht mehr entsprechen. Außer der im Auslande erscheinenden Jahres- Rundschau „Litthauischer Arbeiter", welcher in zwei Sprachen verfaßt ist, litthauisch und polnisch, und als offizielles Organ der litthauischen sozialdemokratischen Partei erscheint(in nächster Zeit wird die dritte Rümmer erscheinen), werden jetzt in den Vereinigten Staaten Nord- amerika's noch eine ganze Anzahl sozialistischer und Arbeiterzeitungen in litthauischer Sprache herausgegeben. Jnsgesammt erscheinen jetzt 17� litthauifche Zeitungen in lateinischer Schrift, meistens Wochen- blätter verschiedener litthauischer Gruppen und Parteien; 15 davon in Amerika, 5 in Europa. Die russische Regierung gestattet nicht die Veröffentlichung irgend welcher litthauischen Werke in litthauischer Schrift, folglich sind diese 17 Zeitungen die einzigen, welche die Litthauer auch in ihrer Heimath lesen können, und sie werden auch massenhaft nach Litthauen eingeschmuggelt. Die litthauifche Preffe und die litthauifche Literatur überhaupt bilden sozusagen ein Unikum in der gesummten Kulturwelt: wir kennen kein anderes Volk auf der Erde, welches des Rechts beraubt wäre, sogar seine Gebetbücher in seiner eigenen Sprache drucken zu dürfen'I Dieser Umstand bewog die im Auslande lebenden Litthauer, eine retrospektive Ausstellung der litthauischen Literatur und Presse auf der Pariser Weltausstellung zu veranstalten. Zu diesem Zwecke haben sich zwei Komitees gebildet, in Amerika und in Zürich; für eventuelle Anftagen gilt die Adresse: Otto Lang, Hegibachstraße 22, Zürich.— Türkei. Die Mächte auf Kreta. Dem Prinzen Georg scheint die starke militärische Vertretung der Mächte auf Kreta etwas unbequem zu werden. Er wird bei den vier Mächten beantragen, daß eine jede ihre Streitkräfte auf der Insel auf ein Bataillon herabsetze. Dies Bataillon würde auf die bisherigen Kommandobezirke in der Weise vertheilt werden, daß eine gemischte Besatzung gebildet werde. Asien. Eiseubahniau in China. In China.Pachtungen' zu erwerben und Eisenbahnen zu bauen, das ist augenblicklich die Haupt- beschäftigung der europäischen Diplomatie. Interessant ist ein aus Peking, 23. November 1898, datirter Brief Sir Claude Maedonald's an Lord Charles Beresford. Darin ist folgende Zusammenstellung der Anzahl und der Gesammtlänge der bis dahin von den ver- schiedenen Nationen erlangten chinesischen Eisenba hn-Kon- Zessionen enthalten. England steht mit 9 Konzessionen von msgesammt 2800 Meilen an der Spitze; es folgt Rußland mit 3 zu 1530 Meilen; an dritter S t e l l e kommt D e u ts ch l a n d mit 2 Konzessionen von zusammen 720 Meilen, dann eine belgische von 650 Meilen, eine amerikanische von 300 Meilen und endlich 3 fran- zösische von 120 Meilen. Amerika. Daß der AufstandSgcneral Maximo Gomez mit der kuba- Nischen Landesvertretung tn Streitigkeiten gerathen sei, hatten wir gemeldet. Nunmehr wird aus H a v a n a berichtet, daß dort am Montag Kundgebungen zu Gunsten Maximo Gomez stattgefunden haben. Nach einem vergeblichen Versuche der Polizei, dieselben zu verhindern, zerstreuten Truppen die Demonstranten.— Aus allen Theilen deS Landes sind Telegramme eingegangen, in denen Gomez Unterstützung zugesagt und das Vorgehen der kubanischen Militär- Versammlung getadelt wird. Aus N e w- I o r k wird zu der Angelegenheit gemeldet, die Re- giernng habe beschlossen, die kubanische Nationalversammlung zur Auflösung zu zwingen.—_ Die Milizfrage. Im neuesten Heft der„Neuen Zeit' nimmt Schippe! nochmals das Wort zur Milizfrage, um auf Kautsky'S Widerlegung seiner Vertheidigung des stehenden Heeres zu erwidern.„Siehe da: das stehende Milizheer I" so überschreibt er seine Erörterung und kennzeichnet schon damit, waS er dann länger auseinandersetzt: Es sei nur ein Streit um Worte; waS er wolle und stehendes Heer ge- nannt habe, das sei nichts anderes, als was Kautskh ihm unter dem Namen Miliz entgegen gehalten habe. „Also das war der Kern dieses neuesten Milizpudels, der sich erst lang und breit reckte, als ob er mich schier auf einen Happ verschlingen wollte, stehende CadreS, besetzt mit Berufs-Offizieren und-Unteroffizieren, und einjährige Präsenzzeit, das Ganze unter dem Namen Miliz I" Sodann erklärt Schippe!, daß das, was er bisher gegen die Milizforderung vorgebracht, noch lange keine erschöpfende Kritik derselben sei, daß sich seine eigentlichen Einwendungen dagegen auf ganz andere Erwägungen stützten, die er kurz skizzirt wie folgt: „Einmal wird das Schlagwort: Jeder Mann dauernd Besitzer seiner Waffe! technisch immer mehr zur Unmöglichkeit. Man kann nicht jedem ehemaligen Artilleristen eine Kanone ins Bett legen und jedem alten Seebären ein kleines Panzerschiff auf den Brunnentrog oder in die Waschschüssel setzen. Die Artillerie hat sich jedoch zu einer immer entscheidenderen Waffe entwickelt. Und wenn man wirklich hier und da in der Partei der perversen Anschauung huldigen sollte, spätere gesellschaftliche Umwälzungen würben in lauter römischen Bürgerkriegen zum Ausdruck kommen, so müßte neben den konservativen, die Nahrungszufuhr zurückhaltenden Land- bezirken und neben den stehenden Festungen, welche die Eisen« bahn- und FwßtranSporte beherrschen, eine Marine, die auch die See sperrt, ein furchtbarer Gegner für die revolutionären Massen der Handels- und Industriestädte sein. Ferner wird die wirklich bewaffnete LolkSmaffe nicht der Machtfaktor sein, den man in ihm meist erwartet. Man stelle sich nur die thatsächlichen Verhältnisse, wie sie auf absehbare Zeit bleiben werden, selbst unter Verwirklichung der Kautsky'schen Cadremiliz vor. Die Regierung hat. bei einjähriger Dienstzeit, ein großes stehendes Heer— hier kann man schon gar nicht anders sprechen!— von ein paar hunderttausend Soldaten und mehreren Zehn- taufenden von wirklichen Berufssoldaten zur Hand. Sie kann den ganzen Behördenapparat bis in die letzten Winkel deS Reiches hinein jede Minute für sich in Bewegung setzen. Auch die konservative Miliz draußen im Lande kann sie somit immer gewissermaßen organisirt für sich bereit halten, während die oppositionellen Milizen immer hilflos, zersplittert und desorganisirt dastehen werden. Im Nothfall kann ein entschlossenes Regime die Opposition jeden Äugenblick ihrer Führer und vor allem auch ihrer Flinten berauben. Wenn es jedoch eine Negierung mit dem ganzen Apparat von Justiz-, Polizei- und sonstigen Ver- waltungsbehörden, mit stehendem Milizheer und zuverlässigen und zu rechter Zeit vorbereiteten konservativen Reservemilizen nicht mehr kann, dann ist sie heute, auch bei Fortbestanb der alten Wehr- Verfassung, sicherlich ebenfalls verloren. � Mit der revolutionären Kriegswiffenschaft ist es eben in der Praxis immer anders wie in der Theorie. Andernfalls wäre das Dynamit eigentlich noch demo- kratischer und jedenfalls viel billiger: Jeder kann es machen, jeder kann es handhaben, die Gegner sind hier niÄt einmal gleich aus- gerüstet. Blos wenn zwei oder drei„Revolutionäre" die Köpfe zusammenstecken, hat man ihnen auch schon das Dynamit und vielleicht gar die Köpfe abgenommen. Und wenn wir den Glauben an das völkerbefreiende Dynamit aufgegeben oder nie besessen haben, so werden wir uns wohl auch ohne den Glauben an die besondere Wirkung der Milizflinte behelfen können. Zudem bedarf sie der Munition, und schon Engels hat darauf hingewiesen, daß man heute nicht mehr nach Belieben für die Repetir- gewehre auf den Straßen und in den Häusern Blei gießen und Pulver reiben und mischen und körnen kann, sondern daß die nöthige Patrone ein Kunstprodukt der großen Industrie ist, die keine Armee- Verwaltung ausj den Händen geben oder doch unkontrollirt lassen wird. Man kann also die Flinten haben und steht doch nach wie vor mit leeren Händen, so gut wie vollständig entwaffnet, einem Feinde gegenüber, der genau wie heute die organisirte bewaffnete Macht mit voller Verfügung über alle weiteren Hilfsmittel bildet. Zum Schluß sagt Schippe!:„Die Miliz ist nicht sozialistisch. Die Miliz ist. wie man mehr und mehr zugiebt, kaum billiger wie das heutige Heer, so daß die Kulturaufgaben bei der Miliz kaum besser fahren werden, wie heute. Die Miliz hat auch gar nicht die einschüchternden Wirkungen nach oben, die man ihr zutraut. Warum sollen wir also alle die angeschnittenen Fragen nicht in aller Ruhe und ohne jede Auftegung über„Prinzipienverstoß" erörtern— wie Engels 1865 die preußische Militärfrage:„historisch, als ob sie schon vergangen, anatomisch, als ob sie schon Kadaver wäre?" Kautskh erwidert darauf unter der Ueberschrift:„Siegfried der Harn, lose." Er sagt:...... Schippe! läßt mich ein Cadresheer fordern, aber es dürfte ihm schwer fallen, auch nur ein Wort in meinem Artikel zu finden, das in diesem Sinne gedeutet werden könnte..." „Ich habe von KadreS in meinem ganzen Artikel nicht ge- sprachen, aus dem einfachen Grunde, weil ich die Frage vom politischen, nicht vom miiitärtechnischen Standpunkt ans erörterte. Ich finde aber nicht, daß die Kadres mich zu veranlassen hätten, irgend etwas von dem früher Gesagten zurückzunehmen. Kann man bei einjähriger Dienstzit noch von einem stehenden Heere, einem stehenden Kadresheer sprechen? Woraus bestehen die Kadres? Blos anS Offizieren und Unteroffizieren? Offiziere allein bilden keine Armee, auch keine stehende Kadresarmee. Von Kadres kann man erst dort sprechen, wo neben Berufsoffizieren und Unteroffizieren auch gediente Mannschaften vorhanden sind. Das stehende Heer will nicht blos eine Rekrutenschule sein, sondern auch eine stets schlagfertige Armee— in einem stehenden Heere dürfen die Mannschaften nicht aus lauter Rekruten bestehen, diese dürfen im Heere nicht einmal die große Mehrheit bilden, wenn man noch von einem stehenden Heere und von Kadres (Rahmen) für die Reserven sprechen soll. Wie gestaltet sich aber die Sache bei einjähriger Dienstzeit? An einem bestimmten Tage werden die ausgedienten Mannschaften ent- lassen und am nächsten Tage besteht die Mannschaft des„stehenden Heeres" aus lauter Rekruten. Sobald diese ausgebildet sind, an- fangen könnten, als Kadres zu dienen, werden sie wieder entlassen. Die Schlagferttgkeit der Armee beruht da nicht in den dienenden, sondern den ausgedienten Elementen. Aeußerlich erscheint bei einjähriger Dienstzeit das Heer noch als stehendes— es sind immer Soldaten da— aber seinem Wesen nach hat eS bereits aufgehört, ein stehendes zu sein, hat eS angefangen, ein Milizheer zu sein. Bei der weiteren Verkürzung der Dienstpflicht tritt aber der Unterschied zwischen Miliz und stehendem Heere auch äußerlich zu Tage: wo bleibt dieses etwa bei sechsmonatlicher Präsenzzeit? Die „eigene innere Bewegung" zur Verkürzung der Dienstzeit in der Kaserne ist nur beim Milizsystem„an sich ohne Grenzen". Unter dem System des stehenden Heeres findet sie ihre sehr bestimmten Grenzen im einjährigen Kasernendienst. Sie stockt um so mehr, je mehr sie sich diesem nähert. Bereits eine achtzehnmonatliche Dienstpflicht ist nur schwer mit dem Wesen des stehenden Heeres vereinbar, das einen starken Stamm schlagfertiger, gedienter Mann- schaffen verlangt. Zwei Jahre sind die Grenze, über die daS „preußische Heeressystem' freiwillig nicht hinausgehen wird. Wo die Reichsfinanzbedrängniß und andere Umstände eine größere Ver- kürziina der Dienstzeit herbeigeführt haben, galt sie stets nur für einen Theil des Heeres, da man die gedienten Mannschaften nicht entbehren wollte und konnte... Ich selbst habe in Bezug auf die Länge der Ausbildungszeit überhaupt keme bestimmten Forderungen aufgestellt, sondern nur nach dem Vorgang Engels' wiederholt: bei emem Jahre— da fängt das unverfälschte Milizsystem an. Ich schob die Ent- scheidung über die jeweilig nothwendige Dauer der Rekrutenausbildung den Fachleuten-[t Dagegen ist Schippe! gezwungen, sich an die einjährige Präsenz» zeit zu klammern, denn nur ans dieser Linie kann er hoffen. wenigstens nothdürftig seine Liebe zum stehenden Heere mit den Forderungen des Parteiprogramms zu versöhnen. Unter die ein- jährige Dienstzeit kann er nicht herabgehen, ohne dem verhaßten Milizshstem zu verfallen. Aber seit der Vorstoß Isegrims zu Gunsten des heutigenSystems und der z w e i j ä h r i g e n Dienstzeit— unter Berufung auf Engels— so gar keine Gegenliebe gefunden hat, geht es nicht gut an, über die einjährige Präsenzpflicht hinaus- zugehen, und so muß Schippel, der sich sonst so lebhaft dagegen sträubt, sich festzulegen und den Fachleuten vorzugreifen— er muß sich in einer militärtechnischen Frage festnageln auf einen ganz be- stimmten Termin der Dienstpflicht:' zwölf Monate, keinen mehr, keinen weniger. Das Heeresshstem, auf das sich Schippel in seinem Schluß-' wort rückwärts konzentrirt, es steht und fällt mit der einjährigen Dienstpflicht. Wie er daS Heer der einjährigen Dienstzeit dann nennt, ob stehendes Cadresheer ohne Cadres oder stehendes Milizheer, ist mir sehr gleichgiltig. ES ist nicht mein Kind, um dessen Tause es sich da handelt, soudem das seinige. Ich bin nicht auf die einjährige Dienstzeit eingeschworen und habe noch weniger sin Cadresheer verlangt. Aber die Kürze des Dienstes in der Kaserne ist nicht das einzige Merkmal der Miliz. Als zweite? habe ich das„Volksversammlungs- Schlagwort' genannt: Jedem Manne seine Waffe. Schippel be- hauptet jetzt nicht mehr, diese Forderung sei undurchführbar, wohl aber sei sie nutzlos. Schon deswegen, weil man Gewehre ohne Patronen nicht abschießen könne, diese aber sind„ein Kunstprodukt der großen Industrie, die keine Armeeverwaltung aus den Händen geben oder doch unkontrollirt lassen wird". Hätte Schippel sich nicht blos an die Milizliteratur der sechziger Jahre gehalten, über die er uns ja recht lehrreiche Vorträge zu halten weiß, sondem auch an die heute üblichen„Milizvorstellungen" und Milizeinrichtungen, dann müßte er wissen, daß in der Schweiz der Wehrmann zu seinem Gewehr auch dreißig scharfe Patronen nach Hause bekommt.... Neben der Volksbewaffnung und der kurzen Dienstzeit nannte ich als drittes Charakteristikum der Miliz die Aufhebung des ständischen, privilegirten Charakters deS Offiziers. In Schippel's Augen ist dieser Charakter unwesentlich für das stehende Heer. Vom militär- technischen Standpunkt sicher. Aber wir diskutiren doch nicht ols militärische Fachleute, sondem als Polittker, und vom politischen Standpunkt ist die kastenmäßige Privilegimng des Offiziers mit dem heutigen Armeesystem aufs Innigste verknüpft, weil sie denselben politischen Interessen entspringt, denen dieses System zu dienen hat. Sie ist das Gegengewicht gegen die Demokratisimng des Heeres durch Ausdehnung der allgemeinen Wehrpflicht und Zunahme der Zahl der Sozialdemokraten in seinen Reihen. Nach alledem sehe ich nicht den mindesten Gmnd, der unsere Partei veranlassen sollte, ihren Programrnpunlt: Bolkswehr an Stelle der stehenden Heere, auszugeben und den gmnd« sätzlichen Kampf gegen das stehende Heer einzustellen. Wir fordem nach wie vor an dessen Stelle das Milizheer, das heißt Volksbewaffnung, Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkett, � die Aufhebung der Standesrechte der Offiziere und eine kurze Dienstzeit in der Kaseme, die ein Jahr nicht überschreiten darf und so weit unter dies Maximum herabgedrückt werden soll, als mit der Ausbildung des Wehmranns zur Kriegstüchtigkeit verträglich. Diese Milizvorstellung ist grundsätzlich verschieden nicht nur. von dem heutigen System, sondem auch von dem Jdealheer des Schippel'schen Schlußwortes, jenem zwar denkbaren, aber praktisch nicht in Betracht kommenden idealen Bastard zwischen Miliz und preußischer Arniee; gmndsätzlich verschieden schon deshalb, weil die einjährige Präsenz für die Miliz daS denkbare Maximum, für das Schippel'sche System das denkbare Minimum der Dienstzeit? vorstellt... Wenn Schippel meint, unsere Stellung zum stehenden Heer« sei. keine Prinzipienfrage, denn die Miliz sei keine sozialistische Ein» richtung, so muß ich bemerken, daß wir nicht bloS Sozialisten sind, sondem auch Demokraten, und daß wir Prinzipien nicht blos für den Zukunftsstaat haben,' sondem auch für den Gegenwartsstaat. Und das stehende Heer ist fiir mich nicht ein Kadaver, den man mit aller Gemllthsmhe seziren kann, sondern eine sehr lebendige Institution, mit der die Herrschen- den dem vordrängenden Proletariat immer lebhafter drohen, das bereits in Italien das Blut unserer Brüder vergossen hat— trotz der allgemeinen Wehrpflicht. Ich keime keine Institution, die für das kämpfende Proletariat des europäischen Festlandes gefährlicher wäre, gegen die wir energischer unsere Propaganda zurichten hätten, der wir mehr den Boden im Wollen und Fühlen des Volkes zu untergraben hätten, als den Militarismus. Und wenn in unseren Reihen jemand für diesen kraftvollsten Todtfeind der Sozialdemokratie auftritt, für ihn Stimmung macht, seinen Stutzen preist, seine Ge- fahren verlacht, dann sollen wir diese Frage„historisch erörtern, als wäre sie schon vergangen" l... Mavkei-Msthrithkvn» Polizeiliches, Oerichkliches u. f. w. — Eine ganze Reihe unsauberer Manipulationen bei dem sog. Glückshafen der Münchener Oktoberfeste wurden aufgedeckt in einer Gerichtsverhandlung, die ein Herr Hofftetter, langjähriger Leiter dieses Lotteriespiels, gegen den verantwortlichen Redakteur der„Münch. Post", Gen. Schmio, veranlaßt hatte. Dieser„Glücks- Hafen" wird von der Stadt zum Besten der Armenkasse ver- anstaltet und von dem ArmenpflegschaftSrathe verwaltet. Die„Münch. Post" hatte in vier Artikeln gegen Hofftetter eine Reihe Beschuldigungen erhoben, in denen dieser unredlicher Handlungen verdächttg be- zeichnet wurde. Festgestellt wurde in der Verhandlung, daß viel mehr Nieten verkauft wurden, als wie der ver- öffentlichte Gewinnplan gestattete— wurde viel gekauft, so wurden immer noch Nieten hinzugethan—; daß ferner für die Gewinne weniger aufgewendet wurde als wie vorgeschrieben; daß die Lieferanten des Glückshafens von der Kommission zur Leistung von Trinkgeldern„für die Bediensteten" angehalten wurden, die Be- diensteten aber nur einen geringen Theil des.Geldes bekamen; daß auf diese Weise in einem Jahre mindestens 1500 M. Mehreinnahme entstanden, aber nirgends gebucht worden seien; daß die ganze Glückshafenkommission nichts von der Geschäftsführung wußte und nichts von der Buchführung ver» stand; daß amtliche Stempel an Lieferanten zur Benutzung gegeben wurden. DaS Gericht bezeichnete im Urtheil das Verfahren Hof» stetterS als objektiv rechtswidrig. Der Kläger Hofftetter hatte alle diese„Unregelmäßigkeiten" vor Gericht anfangs positiv in Abrede gestellt, mußte aber schließlich Alles zugeben. Trotz alledem wurde Schmid zu 60 M. Geldstrafe verurtheilt. — Eine besondere Methode gegen sozialdemokratische Ver» sammlungen brachte der Bürgermeister von Ranis bei Erfurt zur Anwendung. AIS dort am Sonntag die Veranstalter der Verfamm» lung im Lokale erschienen, wurde ihnen mitgetheilt, daß der Bürger» meister den Saal verschlossen und die Schlüssel an sich genommen habe. Als die Genossen in ein andere? Zimmer derselben Wirth» schast gingen, wollte der Gendarm dies nicht gestatten. Die Leute ließen sich nicht beirren und fingen an. Da hieß eS, der gegen» wärtige Wirth habe keine Konzession. Man zeigte ihm die Kon» zession des alten WirtheS und die Versammlung begann. Aber bald kam der Gendarm wieder und erklärte, die Konzesston sei am Tage zuvor gerade abgelaufen und löste die Versammlung auf. GemevkM&ftliftzvs« Berlin und Umgegend. Die GewerlschaftS- Kommisston hält ihre Delegirten-Ber» sammlung am Freitag Abend in den Arminhallen« Kommandanten» straße 20. ab. Deutsches Reich. Zur Lohnbewegung der Krefeldcr Weber. Die Vertreter der ausständigen Sammetweber wurden von dem Vorsitzenden der sozialen Kommission am Montag abermals zu einer Verhandlung cingeladem Diese Verhandlungen führten jedoch zu keiner Einigung Die Arbeiter bemerkten, sie seien nur zu der Erklärung berechtigt die Ausständigen würden nur dann die Arbeit wieder aufnehme� Ivenn eine neue Lohnliste vereinbart würde, die zwischen der Fabrikanten- Lohnliste und der ihrigen läge und mindestens die früheren Lohnsätze und dazu die Vergütung für Vor. und Ueberarbeiten vorsehe. Was die Fabrikanten beabsichtigen. geht� aus den Aeußerungen eines Direktors hervor, welcher erklärte: Es handelt sich gar nicht um die Durchführung der Lohnreduzirung. Die Fabrikanten könnten noch wei h ö h e r e L ö h n e z a h l e n, als die von den Arbeitern geforderten, aber wir wollen mal sehen, wer der Stärkere ist, die Verbände oder die vereinigten Fabrikanten. Man ersieht also sehr deutlich, daß der Kampf gegen die Organisation der Arbeiter gerichtet ist, welche den Unternehmern von jeher ein Dorn im Auge war. Also nicht mehr um Recht oder Unrecht in ihren Forderungen haben die Arbeiter zu kämpfen. sondern um das Recht der Koalition. Diese offene Kenn- zeichnung des Kampfes seitens der Unternehmer enthüllt ihre wahren Absichten und giebt dem Streik eine neue Wendung. In dieser Kraftprobe, von den Untemehmern provozirt, muß die gesammte Arbeiterschaft auf Seite der streikenden Weber stehen. Sie wird aber nur dann die brutale Zumuthung, die an die Weber gestellt wird, zurückweisen können, wenn den Bedrängten materielle Hilfsmittel gespendet werden. Wir richten deshalb' an Alle die dringende Aufforderung. die Krefelder Weber in ihrem Kampf um das Koalitionsrecht thatkräftig zu unterstützen. Unter den Steinarbeitern hat sich in letzter Zeit eine lebhaste Bewegung bemerkbar gemacht. So hatten in Schlesien in Bunzlau. Rackwitz, Sirgwitz und Warthau ca. 300 Steinarbeiter die Arbeit niedergelegt. Ursache hierzu waren fortgesetzte Lohnreduzirungen. Die betheiligten Firmen Zeidler u. Wimmel und Schilling erklärten sich bereit, dem Verlangen nachzukommen und sahen sich veranlaßt, den Steinbrechern besondere Konzessionen zu machen Der Ausstand dauerte 1 respektive 4 Tage. Ungefähr 140 Mann . der Firma O. Plöge, Berlin, Süd-Ufer 34, haben in Alten Hagen I, Springe und Hannover aus gleichen Gründen wie die Steinarbeiter in Bunzlau die Arbeit niedergelegt und forderten die Entlassung des Bruchmeisters Lohmann, weil dieser sich Beleidigungen lind Thätlichkeiten den Steinarbeitern gegenüber zu schulden kommen ließ. Die Firma erklärt den Bruchmeister nicht zu entlassen, weil dieser zu ihren besten Beamten zähle. Die Firma Giebel in O st e r w a I d- H i l d e s h e i m holte sich 40 Italiener als Ersatz für die bei ihr im Ausstand befindlichen Arbeiter herbei. In Alvensleben sind 53 Mann ausgesperrt, weil die Steinarbeiter wagten, eine minimale Lohnerhöhung zu fordem. Der Streik der Steinmetzen in Gotha bei der Firma Merkel ist zu Gunsten der Arbeiter nach vierzehntägigem Ausstand erledigt. 35 Stcinarbeiter in T r ö st a u Oberfranken, haben nach kurzem Kampfe alle ihre Forderungen errungen. Der Tarif ist auf zwei Jahre gegenseitig anerkannt. Der Vertrauensmann der in Burg p r e p p a ch neugegründeten Steinarbeiter-Organisation wurde ent- lassen, um die Organisation zu schwächen. Bekanntlich hat hier vor Kurzem ein Verzweiflungskampf stattgefunden, an dem 52 Mann der Firma PH. Holzmann betheiligt waren. Da aber keiner dieser Leute einer Arbeiterorganisation angehörte und jede gewerkschaftliche Schule fehlte, so muhte der Kampf nach 10 Tagen ergebnihlos beendet werrden. Die Folge war die Gründung einer Zahlstelle, welche mit Hilfe des Gewerkschaftskartells Schweinfurt zu stände kam. Aus Rache wurde nun, wie bereits erwähnt, der Vertrauensmann brotlos gemacht. Die ISO Steinarbeiter der Umgegend werden als Antwort auf diesen Gewaltakt sich gleichfalls der Organisation Burgpreppach an- schliehen. Die Werkplätze der Firmen Witte, Frohnhöfer und Lutzcmann in Ohlsdorf bei Hamburg sind wegen Lohndifferenzen gesperrt. In Unterhandlungen, betreffs Tanfeinfiihrung resp. Erhöhung deffelben, befinden sich die Steinarbeiter in Breslau. Braun'- schweig, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Halber st adt, Hamburg, Leipzig, Nebra und Wiesbaden. Um nun den im Kampfe befindlichen Steinarbeitern beizustehen, ist es noth- wendig, darauf zu achten, dah der Zuzug nach diesen Orten streng gemieden wird. An die Agitationskommissionen geht die Aufforderung, mit Ve- ginn der Saison die Agitation im vollen Umfange zu entfalten. Das hierzu nöthige Material liefert die Geschäftsleitung der Steinarbeiter. Die Vorstände der Gewerkschaftskartelle, namentlich dort, wo Stein- arbeiter in Betracht kommen, werden ersucht, die Agitation nach Möglichkeit zu unterstützen. I. A.: P. M i t s ch k e. Der Streik der Maler und Lackirer in Darmstadt dauert fort und befinden sich zirka 420 Mann im Ausstand. Ersatz für die Ausständigen konnten die Unternehmer nicht heranziehen, und steht zu hoffen, daß es ihnen auch ferner nicht gelingen wird. Die Schuhmacher Hamburgs beschlossen am Montag Abend, den Arbeitgebern einen neuen Lohntarif zur Anerkennung zu unter- breiten. Es wird verlangt die Erhöhung des Stundenlohnes von 30 Pf. auf 36 Pf., resp. des Wochenlohnc's von 18 auf 21 M. Für Arbeit, die den Arbeitern mit nach Hause gegeben wird, wird eine Lohnerhöhung von 6 pCt. verlangt. Falls der Tarif nicht bis zum 24. März anerkannt ist, soll das Arbeitsverhältniß zum 1. April ge- kündigt und an diesem Tage die Arbeit eingestellt werden, wo bis dahin nicht bewilligt ist. Die Sattler der Firma Jone u. Ko. in D r e s d e n befinden sich in Differenzen mit dem Untemehmer. Der Zuzug ist fern zu halten. Die Lohnbewegung der Schneider in Bremen ist zum Ausstand gekommen. Bisher haben 36 Geschäfte den Lohntarif be- willigt und ist zu hoffen, daß die übrigen zu einer Verständigung geneigt sind. Die Schneider Hamburgs haben beschlossen, wenn ihre Forderungen geringfügige Lohnerhöhung und sanitäre Besserung der Arbeitsräume— bis Sonnabend dieser Woche nicht bewilligt sind, an diesem Tage ebenfalls die Arbeit einzustellen. Die Berufsgenossen der Nachbarstädte schließen sich dem an. In München sind weitere günstige Fortschritte der Bewegung zu der- zeichnen, sodaß gegenwärtig nur noch 172 Arbeiter im Ausstande stehen. Ausland. Französische Streiks im Januar. Das Arbeitsamt der« zeichnet im Januar 31 Streiks mit 3447 Theilneljmern gegenüber 40 Streiks mit rund 4000 Scheilnehmern im gleichen Monat des Vorjahres. Die durchschnittliche Zahl der Januar-Streiks in den letzten fünf Jahren beträgt 33. Von den 31 Konflikten haben sich nur 6 mehr als auf einen Betrieb erstreckt. Ursachen: 12 aggressive Lohnstreiks. 7 Abwehr-Lohnstreiks, in einem Falle verspätete Lohn- fiahlung, 7 Konflikte wegen Personalfragen und 4 wegen der Werk- tättenordnung.— Ausgang von 23 im Januar und 1 im De- zember begonnenen Streiks: 1 Erfolg, S Ausgleiche und 14 Mißerfolge. Achtung, Bürstenmacher! Wir ersuchen unsere deutschen Kollegen, nicht nach Dänemark zu kommen, da die Bürftenarbeiter ganz Dänemarks am 13. März die Arbeit niedergelegt haben, um befsere Lohnverhältnisse und die Anerkennung des Koalitionsrechts zu erkämpfen. Sollten Gehilfen nach Dänemark gesucht werden, so wendet Euch zunächst an die Zahlstelle des betreffenden Ortes, worauf bereitwillig Auskunft crtheilt wird. Fachverein der Bürstenbinder in RanderS (Dänemark). Soziales. 24 chronische(langsame) Vergiftungen zur Behandlung, von denen 12 Bleierkrankungen waren. In der Stadt Berlin dagegen kamen allein 322 chronische Vergiftungen zur Behandlung, von denen 284 Bleivergiftungen waren. Auch im Regierungsbezirk Potsdam� zu dem die Vororte Berlins gehören, kamen 63 chronische Ver giftuugen zur Behandlung, von denen 33 Bleivergiftungen waren. Diese hohe Zahl chronischer und speziell von Blei Vergiftungen wird durch die große Zahl der Industrie zweige erklärt, in denen hier mit Blei und Bleiprodukten gearbeitet wird, wie die Akkumulatoren-Fabriken Maler, Anstreicher, Feilenhauer, Bleilöther, Schrift setzer, Rohrleger, Schlosser, Klempner, Töpfer, Metallgießer, Stein drucker, Schriftgießer, Glaser, Emaillirer, Monteure, Vergolder Färber und Mechaniker; selbst bei vielen von denen, wo für gewöhn lich keine Gelegenheit zur Bleivergiftung in ihrer beruflichen Thätig keit vorliegt, stellte es sich heraus, daß sie in früheren Beschäftigungen viel mit Blei in Berührung gekommen waren. In den Regieruugs bezirken Frankfurt a. O.. Köslin, Stralsund. Posen und Bromberg zusammen kamen nur 23 Fälle von chronischer Vergiftung zur Be Handlung, von denen aber auch 21 Beivergistungen waren. Dagegen kamen im Regierungsbezirk Stettin allein 26 chronische Vergiftungen. darunter 22 Bleivergiftungen zur Behandlung. Diese waren hauptsächlich durch'die chemischen Fabriken in Pommerenz dorf veranlaßt. Charakteristisch sind auch die für Schlesien festgestellten Zahlen. Während im Regierungsbezirk Lieg' uitz' nur 16 chronische, darunter 13 Bleivergiftungen zur Behandlung kamen, waren es im Regierungsbezirk Bres lau 43 chronische, darunter 41 Bleivergiftungen, hauptsächlich veranlaßt durch die zwei Bleifarben- Fabriken in OHIau, und im Regierungsbezirk Oppeln kamen gar 1S2 chronische Vergiftungen zur Behandlung, darunter ISO Bleivergiftungen. Hier sind es die großen Blei- und Zinkhütten, in denen die Arbeiter der giftigen Wirkung des Bleies ausgesetzt sind. In der Provinz Sachsen kommen von den behandelten 69 chronischen Vergiftungen mit 69 Bleivergiftungen 36 mit 33 Bleivergiftungen auf den Regierungsbezirk Magdeburg mit seinen Bleiweißfabriken. In der Provinz Hannover kamen die meisten chronischen resp. Bleivergiftungen im Regierungsbezirk Hildesheim zur Behandlung, nämlich 71 chronische, dar unter 66 Bleivergiftungen, während in den übrigen fün Regierungsbezirken der Provinz nur 21 chronische mit 17 Bleivergiftungen behandelt wurden. Aber im Regienmgs bezirk Hildesheim liegen die Bleibergwerke und-Hütten des Ober Harzes. In den Provinzen Schleswig-Holstein und Westfalen sind die behandelten chronischen uud Bleivergiftungen nicht zahlreich, da hier nur unbedeutend mit Blei und Bleiprodukten gearbeitet wird. In der Provinz Hessen-Nassau ist es namentlich der Regienmgs- bezirk Wiesbaden, der eine ziemlich hohe Zahl von chronischen Vergiftungen zeigt, nämlich 69, wovon 46 Bleivergiftungen aber hier befinden sich auch einige Bleifarbenwerke. In der Rheinprovinz sind dieselben noch stärker vertreten. daher hier die Zahl der behandelten Vergiftungen noch weit größer. Sie betrug für den Regierungsbezirk Düffeldorf 63 chronische, darunter 63 Bleivergiftungen, und für den Regierung? bezirk Köln 231 chronische, darunter 213 Bleivergiftungen! Aber hier befinden sich auch die großen Bleifarbenfabrikeu von Lindgen Söhne, W. A. Hospelt,' Wilh. Leyendecker u. A., die jede' mehrere hundert Arbeiter beschäftigen, von denen eine große Anzahl Jahr für Jahr an ihrer Gesundheit schwer geschädigt werden.— Fassen wir die vorstehenden Feststellungen zusammen. so sehen wir, daß ini Ganzen in den preußischen Heilanstalten 1896 an chronischen Vergiftungen 1326 Personen behandelt wurden, von denen der bei weitem größte Theil, 1163, also 8 7,77 p Ct., an Bleivergiftung) litten; die sich fast nur auf die LandeStheile erstrecken, in denen Blei oder Bleiprodukte gewonnen oder hauptsächlich verarbeitet werden. Dort, wo diese Industrien betrieben werden, wird der Gesundheitszustand des ganzen Volkes dadurch auf das Bedenklichste beeinflußt, während die anderen Landes' thcile fast gar nicht darunter zu leiden haben. Am schlimmsten sind die Vergiftungen in den Bleibergwerken und-Hütten, deren Arbeiter nur in ganz ungenügender Weise gegen die Gistwirkun� des Bleies geschützt werden. Aber auch in den übrigen mit Blei arbeitenden Betriebsarten, auch wenn Spezialbestimmungen deswegen erlassen find, gewähren, wie obige Zahlen zeigen, diese Bestimmungen den Arbeitern nur einen ganz geringen Schutz gegen die Schädlich- keit des Bleies, und sie bedürfen dringend baldigster Verbesserung. wenn nicht weiter jedes Jahr tausende von Arbeitern vom schlimmsten Siechthnm betroffen werden sollen. Sehr wenig Respekt haben die Gruben leitun gen vor den Verfügungen der staatlichen Berg-Revierbeamten. Auf der„Redengrube" in Oberschlesien war schon im Jahre 1896 durch den zuständigen Bergrath Triebe! angeordnet worden, daß bei einer Steigung der Strecke von 6 Grad das Bremsen der Förderwagen nicht einfach durch gewöhnliche Bremsknüppel, die man zwischen die Räder der Wagen steckt, sondern durch eine sichere Bremsvorrichtung zu geschehen habe. Aber noch im Jahre 1893 herrschte auf der Reden grübe das alte mangelhaste Bremssystem, das Bremsen mit BremS' k nüppeln.(Wahrscheinlich war die Grube innerhalb dieser Jahre nicht oft genug revidirt worden; sonst wäre diese Nichtbeachtung einer bergamtl'ichen Verfügung unerklärlich.) Im Jahre 1898 führte diese Nachlässigkeit der Grubenleitung zu einem Todesfall, der Schlepper Kurka wurde auf der Bremsbahn zerquetscht. Leider fand sein Tod nicht die gehörige Sühne. Die für den Todesfall verantwortlichen Beamten,'Bergverwalter Noßhk und Steiger Bcrkenstock, wurden zwar wegen fahrlässiger Tödtung angeklagt, aber nur wegen „Zuwiderhandlung" gegen jene bergamtliche Verfügung zu 20 M. Geldstrafe(I) verurtheilt. Bei diesen leichten Strafen ist der Widerstand der Gruben gegen die bergpolizeilichen Anordnungen erklärlich.— Arbeiter-Risiko. Gruben- Unglück. Der Bergheuer Pohl wurde auf dem Fürstlich von Pleßffchen Bahnschacht durch hereinbrechende Oberkohle zusammengedrückt, wobei er Beschädigungen am Kreuz und am linken Bein erlitt und nach dem Waldenburger Knapp- 'chafts-Lazareth geschafft werden mußte. Pohl verunglückte chon zum vierten Male. Versammlungen. Eine Versammlung für den e r st e n W a h l k r e i S tagte am Dienstag bei Cohn, Beuihstraße. Reichstags-Abgeordneter Kaden referirte über: Die Sozialdemokratie und ihre Gegner. Der Redner schilderte zunächst die EntWickelung der Industrie, er verwies auf die Klaffen« und Interessengegensätze, die eine Harmonie zwischen Arbeit und Kapital ausschließen, und erläuterte sodann die Be« trebungen der Sozialdemokratie. Mit dem Hinweis auf das Sozialiften- ,esetz, die Umsturzvorlage, die Beschränkung der Koalitionsfteiheit und ne verschiedenen Vorkommnisse in der jüngsten Zeit, kennzeichnete der Referent sehr treffend das Verhalten der herrschenden Klasse, die beständig, allerdings vergebens bestrebt ist, die moderne Arbeiter- bcweguiig mit brutaler Faust und Polizeigcwalt niederzuhalten und die unter dem Deckmantel des Patriotismus und EhristenthumS ihre reaktionären Anschläge auf die arbeitende Bevölkerung verficht. Durch lebhaften Beifall erklärte die Versammlung ihr Einverständnitz mit den Ausführungen des Referenten. In der hierausfolgenden Diskussion, an der sich Gutmann, Täterow, Preuß, und B o h n im Sinne des Referats betheiligten, wurde recht wir- kungsvoll der gegenwärtige politische Kurs kritisirt. Nachdem wiederholt zur regen Bethätigung auf gewerkschaftlichem und politi- 'chem Gebiet aufgefordert worden war, erfolgte der Schluß der Versammlung. Im Wahlvercin für den zweiten Reichstags- Wahlkreis prach Fritz Zu b eil am Dienstag über das Thema:„Welche Pflichten haben die Mitglieder des Wahlvereins bei der bevorstehen- den Wahl?" Nachdem der Redner den Verlauf der Reichstags- Sitzung vom Dienstag geschildert hatte, legte er die Gründe dar, die einer Meinung nach eine Auflösung des Reichstages als sehr wahrscheinlich erscheinen lasten. Er meinte, eS handle sich für die Regierung nicht um die abgelehnte Forderung gen. Wie bedeutend die Zahl der durch gewerb- liche Arbeiten" Vergifteten ist, geht aus den Berichten der öffentlichen Krankenhäuser hervor. In Ost- und Westpreußen kamen zusammen________ Berantwortlicher Redakteur: Auaust Jacobep in Berlin. Für den Knseratentbeil verantwortlich: Xb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar»ading in Berlin.. Hierzu 2 Beilagen u. UnterbaltungSblatt. von 7000 Mann, sondern vielmehr darum, daß ein neuer Reichs- tag zustande käme, der eine Mehrheit für die sonstigen reaktionären Pläne— Zuchthansgesetz, Wahlrechts-Verschlechterung. agrarische Wünsche— aufweist. Nun könne man bei dem gegenwärtigen Zick- zackkurse nicht wissen, ob es wirklich zur Auflösung komme, deshalb dürften sich auch die Mitglieder des Wahlvereins von den Vor- bereitungen für die Nachwahl im zweiten Kreise nicht abhalten lassen. Das sei um so mehr nothwendig, als hier der Kampf unter erschwerenden Umständen geführt werde und der Sieg von wenigen Stimmen abhängen könne. Wie es heute mit dem Wahlverein ist, so könne es nicht bleiben, die Organisation des- selben sei veraltet. Was vor 10—16 Jahren gut war, sei heute nicht mehr zweckmäßig. Redner übt des Weiteren eine scharfe Kritik an die Thäligkeit der Mitglieder des Wahlvereins während des Wahlkampfes und fordert die Anwesenden auf, jede Lässigkeit abzustreifen, da eine solche den Erfolg bei der bevorstehenden Wahl in Frage stellen könne. Mehrere Diskussionsredner bestätigten die Thatsache, daß der Eifer der Vereinsmitglieder bei den letzten Wahlen und auch bei der Flugblatt-Vertheilung am Sonntag manche? zu wünschen übrig gelassen habe. Hier müsse eine Wandlung zum Besseren Platz greifen. Die Versammlung schloß mit einem Appell des Vorsitzenden an die Arbeitsfreudigkeit und die agitatorische Mitwirkung der Vereinsmitglieder bei der be- vorstehenden Wahl. Die Maßschneider in Moabit beschäftigten sich am Dienstag Abend in einer in den.Spreehallen" abgehaltenen Versammlung mit der Frage, ob man in diesem Frühjahr in eine Lohnbewegung ein- zutreten gedenke. und welche Taktik eventuell einzuschlagen sei. Ritter, der die Debatte einleitete, schilderte in sachlicher Weise die augenblickliche Lage der Kollegen, alsdann die Nothwendigkeit eines exakten und planmäßigen Vorgehens hervorhebend, damit der 1893er Tarif wieder voll in seine Rechte trete. Die Diskussion, an der mehrere Redner sich betheiligten, ergab zur Evidenz, daß die Maß- schneider alle Ursache haben, sofort Anstalten zu treffen, um ihren gerechten Forderungen— die übrigens von einem Theil der Meister anerkannt werden— Achtung zu verschaffen. Die Versammlung nahm hierauf die Resolution an, die am Montag bereits in zwei Versammlungen e i n st i m m i g Annahme fand. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe sprach am Montag, den 13. d. M., die Aerztin Fräulein Dr. W y g o d z i n s k i über das Thema: Besserung der Gesundheits- Verhältnisse. Die Rednerin schilderte in ausführlichster Weise die epidemisch auftretenden Krankheiten mit ihren verheerenden Folgen. Zum Schluß ging sie auf die Erkrankungen und großen Sterblichkeits- ziffern der Kinder im ersten Lebensjahre ein, welche hauptsächlich auf unzweckmäßige Ernährung zurückzuführen sei, wobei allerdings auch die materielle Lage der Eltern in Betracht komme. Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage schloß sich eine längere interessante Diskussion an. Um den Mitgliedern das Fragenstellen zu erleichtern. wurde ein Fragekasten aufgestellt. Erfteulicherweise erfüllte derselbe seinen Zweck. Es liefen mehrere Fragen ein, die von der Referentin beantwortet wurden. In Groß-Lichterfelde fand am 13. d. M. eine öffentliche Ver- sammlung der Maurer und Bauarbeiter statt, in welcher die Lohn- kommissiön Bericht über den Stand der Lohnbewegung erstattete. Maurer Rutt ging auf die Unterhandlungen mit dem Baumeister Born des Näheren ein und bemerkte, daß dieselben ergebnißloS ge- Wesen seien. Eine Anzahl Redner billigten in der Diskussion daS Vorgehen der Lohnkommission und wurde seitens der Versammlung die Aufrechterhaltung der Sperre auf den Born'schen Bauten beschlossen. Baumeister Aßmann hat die Bewilligung der gestellten Forderungen in allernächster Zeit zugesagt; es wird daher vorläufig von«in« Diskussion über diesen Puntt Ab stand genommen. BeiBorchardtu. Weffel sind die Bauten bereits besetzt und die über dieselben verhängte Sperr» aufgehoben. Im Namen oes Vorstandes des Verbandes der Bau- und Erdarbeiter erklärte Gutsch aus Berlin, daß die bei den Arbeits« einstellungen in Betracht kommenden Bau- und Hilfsarbeiter auf Unterstützung nicht rechnen könnten, da den kompetenten Stellen hiervon keine Mittheilungcn gemacht wurden. Beschloffen wird die Erhebung eines wöchentlichen Beitrages von' 60 Pfennig für de» Streikfonds. Oeffentliche Berfammlnng am Freitag, de» 17. März«, AdmdS 8i/, Uhr, in den AndreaSsälen, AndreaSstr. Sl. TazeSordmmg:„Die gesundheitswidrigen und unsozialen Zustände ttn Bäckereibetriele". Referenten: Mar Canitz und v. Gerlach. Darnach freie Aussprache. Jedermann ist ein- geladen. Zentralverein der Bureau-Angeftellten Deutschlands.(Mttglled- schaft Berlin). Heute Abend 81/, Uhr bei Schiller, Rosenthalerstraße S?: Vortrag. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Wahlverein in Eharlottenbnra. Heute Abend 9 Uhr Mitgliederversammlung in„BtsmarckShöhe". Vortrag de» Genosse» Wagner über:„Die ärztlichen Ehrengerichte und die kranken Arbeiter". Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Zahlreiche« Erscheinen der Mitglieder erwartet_ Der B o r st a n d. Vetzke Llarlzvickxten und Depepchen. Hamburg, 16. März.(W. T. B.) Die Paffagiere der„Buk- garia", welche von dem Dampfer„Ascania" der Hamburg- Amerika-Linie von Havre hierher befördert wurden, trafen heute Nachmitttag im hiesigen Hafen ein und wurden alsbald nach einem Hotel überführt. Wien, 16. März.(W. T. B.) Die„Wiener Abendpost" meldet: Die im Eisenbahn-Ministerium geführten Verhandlungen wegen der Ertheilung einer Konzession für ein ettiheitlicheS Net? elektrischer Kleinbahnlinien in Wien sind heute abgeschlossen worden. Die Ertheilung der Konzession an die Kommune Wien dürste in kurzer Zeit zu gewärtigen sein. Die Kommune Wien er- scheint als Trägerin der zu ertheilenden Konzession. Der Bettieb des Unternehmens kann an eine zu gründende Baubetriebsgesellschast überlassen werden. Bezüglich gewisser gesetzlich gestatteter finanzieller Begünstigungen steht die Staatsverwalttmg auf dem Standpunkte, daß die Steuer- und Stempel-Gebührenbefreiungen nur der Gemeinde Wien, als Konzesstonärin, nicht aber der zu bildenden Baubetriebs- qesellschast zustehen. Auch für eine entsprechende Alters- und snvaliditätS-Verficheruni ür die Weiterverwendung deS zur i Gesellschaft beschäftigten Personals ist London, 16. März.(W. T. B.) 244 gegen 169 Stimmen die zweite Lesung der von R e ck i t ringe- brachten Bill ab. nach welcher nur solches Petroleum zum Handel zugelassen werden soll, welches erst bei 100 Grad Fahrenheit sich entzünden kann, statt wie bisher bei 76 Grad Fahrenheit. Unter- 'ekretär Jesse Collings bekämpfte die Vorlage im Namen der Regierung, welche selbst eine Borlage über den Gegenstand einzu- bringen beabsichtige. die jedoch den Entzündungspunkt nicht berühren würde, Rom, 16. März.(W. T. B.) Deputirtenkammer. Am Schluß der Sitzung erkärt der Minister deS Auswärttgen Canevaro, er könne augenblicklich nicht aus die über die Aktion Italiens in China eingebrachten Interpellation antworten; und zwar um fo weniger, als er doch nur das wiederholen könnte, was er gestern gesagt habe. Er schlage daher vor, daß die Juterpellattonen am ersten Montag nach den Osterferien zur Erörterung gebracht würden. Die Die Deputtrten B a r z i l a i, Graf Bonia. Santini und . i s s o l a t i erklären sich damit einverstanden, erklären jedoch, sie überließen Canavaro die Verantwortung dafür. Washington, 16. März.(Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Die Verhandlungen behufs Abschlusses von Reziprozitäts- Verträgen zwischen den Vereinigten Staaten einerseits und Deutschland sowie Frankreich andererseits sind wieder aufgenommen worden. Ferner ist noch Aussicht vorhanden, daß es zu'Vertragsverhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und G roßbritannien mit Einschluß WestindienS kommt. Rußland wünscht ebenfalls mit den Vereinigten Staaten über einen Reziprozitätsvertrag zu unterhandeln._ der Bedien st eten und �eit bei der Wiener Tramwah- vorgesorgt. DaS Unterhaus lehnte mit Nr. 64. 16. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnertag, 16. März 1899. Invalidenversicherungs- Kommission. stina odstrel Hot Lokales. dut aghion A Aufführung hätten Anstoß nehmen können. Das ist eine sehr zarte im oid naino Rücksicht auf die Gemüther der Katholiken und Juden, die zum Bau der berühmten Kirche mit der weggemeißelten Kameels- Inschrift beis gesteuert haben, und zugleich ein Werkzeichen der Kraft" der evan gelischen Kirche preußischer Observanz. Wie mag dem theuren Doktor Martinus jezt sein Wert vorkommen? ol border pa Die Zahl der Brauereien in Berlin hat sich im letzten halben Jahrhundert verdoppelt, die Jahresproduktion der einzelnen Brauereien verzwölffacht; sie stieg von 4864 Tonnen im Jahre 1846 auf nicht weniger als 53 647 Tonnen im Jahre 1895. Der Entividelung der Großbrauereien war besonders das Aufkommen des Flaschen bieres seit Erfindung der Patent- Flaschenverschlüsse günstig. Dies hatte zur Folge, daß der Branntwein- Konsum bei der Arbeiterschaft mehr und mehr durch den Biertonfum zurückgebrängt wurde. Im Jahre 1885 entfielen auf den Stopf der Berliner Bevölkerung 171,78 Liter Bier und 18,88 Liter Branuts wein, Spiritus und Effig; dagegen stellte sich 10 Jahre später das Verhältniß auf 220,82 Liter Bier gegen nur 8,59 Liter Branntwein, Spiritus und Effig. Wenn nicht noch vieles andere gegen die bei den Ordnungsmännern so sehr beliebte Verrohung der Massen spräche, so würden allein diese Zahlen zum Beweise dafür genügen, daß die Arbeiterschaft ungeachtet aller vom Kapitalismus aufgethürmten Hindernisse mit Riesentraft an ihrer sittlichen und materiellen hebung arbeitet. stand mod Thierschutzverein um 2000 W., an den Verein für das Wohl der aus heit Machner. Dieser Anarchist gab anfangs Oftober 1896 int der Schule entlassenen Jugend um 1550 M., für die Volkskinder- Sozialist" feine Abenteuer mit dem Kriminalfommissar Bösel zum gärten um 1000 m., zur Besserung der Strafgefangenen um 1300 M., Besten, von dem er sich unter Zustimmung seiner Genossen zum 14. Sigung vom 15. März 1899. Die Subkommission hat am für den Zentralverein für Arbeitsnachweis um 3000 m., find ge- Schein als Spigel hatte anwerben lassen und den er dann hineinDienstag Abend die Berathung der Anträge Trimborn beendet. In nehmigt worden. der Kommissionsfigung wurden die§§ 40a, 40b, 40c, 40d ohne Berliner Hausfrauenverein von 1000 m. und für das Magdalenenstift Deutschen Tageszeitung" passiren, daß es davon redet, Herr Bösel Abgesetzt wurden dagegen die Beihilfe für den legte". Ge fann nur einem Blatt von der unfreiwilligen Komik der Debatte angenommen. Zu§ 40e haben Molkenbuhr u. Gen. 1200 M. Insgesammt betragen die Beihilfen an Vereine und Institute habe es verstanden, mit einem verhältnißmäßig fleinen Beamten beantragt: „ Die Beisiger sind zur Hälfte durch die großjährigen Arbeit hundertjährigen Bestehens des Friedrich Wilhelm- Hospitals im Be- Daß die Anarchisten taum eine Bedeutung haben, liegt wahrlich 218 422 M. Jn den Etat find neu eingefeßt die Kosten für die Feier des apparat die etwa 10 000 deutschen Anarchisten in Schach zu halten. geber aus ihrer Mitte, our anderen Hälfte durch die großjährigen trage von 2500 M. Bei den Einnahmen ermäßigt fich die Versicherten aus deren Mitte auf Grund des gleichen, unmittelbaren der Englischen Gasgesellschaft um 7502 m., also auf 463 939 m. abtheilung, sondern hat seine Ursache in dem verständigen Sinne des die Rente nicht an dem Eifer der von Herrn Bösel kommandirten Polizeiund geheimen Stimmrechts, unter Gleichberechtigung der Geschlechter, Bugleich ist beschlossen worden, der Versammlung folgende Resolution Proletariats, das sich immer einmitthiger der Sozialdemo mit einfacher Mehrheit zu wählen. Jede Klasse wählt ihre Vertreter zur Annahme zu empfehlen: Die Versammlung ersucht ben Magistrat fratie zuwendet. Und diese wird von den Behörden noch viel für sich." Wurm vertheidigt den Antrag, gegen den geltend gemacht 5000 M. in den Etat zur Verfügung des Stadtverordneten- Vorstehers. Die streitbare evangelische Kirche. Eine kirchliche Zeitschrift, um eine Vorlage zum Zwecke der Einstellung eines Betrages von grimmiger gehaßt, als unbedeutende Anarchistenhäuflein. werde, daß diese allgemeine Wahl zu große Aufregung hervorrufe. Die Etats des Märkischen Provinzial- Museums, des Statistischen Amts die Kirchl. Korr.", bringt die interessante Mittheilung, daß May Das Vertrauen der Arbeiter zur Verwaltung könne nur durch ein der Stadt Berlin, des Gewerbegerichts, der Volksbibliotheken und Bruch's Reformationslied in der Kaiser Wilhelm Gedächtnißkirche auf breitester demokratischer Grundlage berühendes Wahlrecht ge- Lefehallen gelangten unverändert zur Annahme. is nicht hat aufgeführt werden dürfen, weil Nichtevangelische an dieser schaffen werden. Geh. Nath Dr. Wötte erklärt diesen Antrag für die Regierung als unannehmbar. Moltenbuhr weist noch auf die Bedindust nachtheiligung der freien Hilfskaffen durch das bestehende Wahlverfahren hin. Sie erklärt sich gegen den Antrag Molkenbuhr, weil dadurch an die Annahme des Gesetzes gefährdet sei. No efide beantragt eine leine Verbesserung des Wahlrechts der Hilfskaffen. Raab( AntiAchtung! 6. Wahlkreis! Zur Feier des 18. März finden femit) will für den sozialdemokratischen Antrag stimmen, weil er am Sonnabend, den 18. März 1899, Abends 81/2 Uhr, in folgenden davon, daß den Arbeitern Gelegenheit geboten werde, sich praktisch Moabit 47/49; Rösliner Hof, Röslinerstraße 8; Weimann's BoltsLokalen Volksversammlungen statt: Kronen- Brauerei. Altzu bethätigen, eine Schwächung der hochpolitischen spezifisch sozial demokratischen Thätigkeit erhofft. Stadthagen: Durch das bis- garten, Badstraße 56; Nümann, Brunnenstraße 188; Mierke, Schön herige Wahlverfahren werden die ländlichen Arbeiter benachtheiligt, hauser Allee 101. In den Versammlungen sprechen die Parteigenoffen die keine Krankenkaffen haben und infolge dessen von jedem Wahl- Bubeil, Pfannkuch. Kunert, Wagner und Hirsch über: Die Bedeutung Wahl- bes recht ausgeschloffen find. Jetzt seien gerade diese Kreise gegenüber bes 18. März für das deutsche Proletariat. Zu recht zahlreichem der Versicherung sehr mißtrauisch, weil sie teine gewählten Vertreter Besuch laden ein Die Vertrauensleute. haben; zur Bureaufratie fehlt eben das Vertrauen. Die Ablehnung Frete Volksbühne. Die Mitglieder der dritten Abtheilung unferes Antrages wird auf unsere Mühle sehr viel Wasser gießen. werden gebeten, darauf zu achten, daß ihre Vorstellung im Lessing Der Antrag Moltenbuhr wird gegen 5, der Antrag Rocfice Theater am 19. März stattfindet. gegen 10 Stimmen abgelehnt, der§ 40f gegen die 4 Stimmen In Behandlung" gelangt für die sechste Abtheilung Der Sozialdemokraten angenommen, ebenso die§§ 40g und am Sonntag mit Frau Auguste Prasch Grevenberg im Friedrich 40 h. Bei den 88 51 bis 51g( Rentenanstalten) find Wilhelmstädtischen Theater zur Aufführung. durch die Anträge Trimborn die Posadowsky'schen Marken zum Märzfest des Vereins à 50 f. find nur für Vorschläge der obligatorischen Einführung von Renten Witglieder in den Zahlstellen ausgelegt. Da dieselben nur in stellen zu Fall gebracht und nur in ganz enger Be- beschränkter Bahl ausgegeben werden können, empfiehlt es sich, die grenzung die fakultative Errichtung in das Belieben der selben baldigst zu lösen.( Programm siehe heutiges Inserat.) Landes- Zentralbehörde gelegt, so daß für Süddeutschland die Renten Der Vorstand. J. A. G. Winkler. stellen so gut wie gestrichen sind. Nur in Absay 2 ist bestimmt, daß Die Errichtung erfolgen muß, wenn sie mit gustimmung des VorDer erste Berliner Müll- Schmelzofen im Betrieb. Nach st and es der Versicherungsanstalt von der Vertretung eines to m3um Schutze der Kinder vor Ausunhung und Mihhandlung dent die Anheizung des Ofens ergeben hat, daß er tadellos funktioniet, munalverbandes für dessen Vezirt beantragt wird, sofern die hat sich ein Verein gebildet, deffen Berliner Abtheilung am borläufig 100 Zentner Berliner Hausmüll gefchmolzen, welche nach haben gestern die Zuschüttungen des Mills begonnen. Es werden Landes- Bentralbehörde den Bezirk ans fich ür räumlich ausreichend Montag mit einer ersten größeren Versammlung vor die den angestellten Berechnungen nicht mehr als 15 Zentner Schlade erachtet. Ferner ist im Absaz 4 des§ 51 noch die Befugniß Oeffentlichkeit trat. Der erste Vorsitzende, Generalleutnant 3. D. ergeben dürften. Der Will wird von oben in den Ofen geschüttet zur Errichtung der Rentenstellen auch dem Vorstande der Ver- v. Belet- Narbonne, sprach über die Kindermishandlungen, die uns man fann durch ein am unteren Theil des Ofens angebrachtes ficherungsanstalt unter Zustimmung des Ausschusses gewahrt. Dagegen polemifirt Ministerialbirettor Jagemann die nur zulässig sei, wenn sie der Gesundheit nicht schade, über Glas, wie der geschmolzene Müll, dünn gleich Wasser in den viel zu gering bestraft würden, über die Erwerbsarbeit der Kinder, changlas den Schmelzprozeß beobachten. Man sieht durch das ( Baden) und Abg. Zehnter( 8), welche auch den lehten Rest der die Unterbringung der Waisen, für die ein zu geringes Pflegegeld Abfühlungsraum läuft und durch das Abkühlungsverfahren dann Selbstverwaltung der Bersicherungsanstalten auf gewieber biesem Gebiete beseitigen und alles ben Tanbes- Zentral- gezahlt werde und gelangte zu dem Schluß, daß etwas ge- wieder zu einer festen Masse wird und, wie ganz kleine schwarze behörden übertragen wollen. Trimborn erklärt, daß er ihaffen". Landgerichtsrath Dr. Simonjohn entwickelte schehen müsse, um diese Schäden aus der Welt au stohlensticke aussehend, den Ofen verläßt. Die bereit sei, den Abſay 2 fallen zu lassen, aber weitere Zugeständnisse gefeglichen Grundlagen des Vorgehens und wies auf das Beispiel Mit 16 Wages ist gestern Morgen auf der Straßenbahnlinie tönne er nicht machen!( Große Heiterkeit!) Er beantragt:" Sind die Englands hin, wo man in dieser Richtung bereits schöne Erfolge erzielt Schönhauser Allee- Haisenhaide der elektrische Betrieb aufgenommen beamteten Mitglieder des Vorstandes von der Landes- Zentralbehörde hat. Der zweite Vorfiyende, der Prediger Prof. D. Frhr. v. Soden, worden. Zur Verwendung gelangen, da die ganze Strede oberernannt worden, so ist auch die Zustimmung der letzteren er betonte die Nothwendigkeit, fich und den Eltern das Gewiffen zu irdische Stromzuführung hat, gwefarige Motorwaggons. Anhänge forderlich." Hofmann( natl.) beantragt, daß nur für geeig- schärfen, und forderte Polizei verordnungen und gefey wagen werden zunächst mir an Sonn- und Feiertagen zugelassen. nete fleinere Bezirke" Mentenstellen errichtet werden können, liche Bestimmungen zum Schuße der Kinder. nicht für den Bezirk einer Versicherungsanstalt oder Theile des Einrichtung einer Meldestelle, die alle ihr zugehenden MitDie Enthüllung der sechs Denkmäler der Dichter der selben". Er wolle dadurch verhindern, daß nicht für ein ganzes Land theilungen über Kinderausbeutung, Kindermishandlung u. f. w. Befreiungskriege"" im Bittoriapark ist für den 1. April in Aussicht auf einmal überall Rentenstellen errichtet werden können, sondern weiter zu verfolgen habe, und Beschaffung von Geldmitteln, genommen. Mit der Wahl dieses Tages soll gewiß angedeutet werden, nur, wo es als nothwendig, fich erweise. Stichthofen( t.) mit denen man helfend eingreifen könne, wo es sich um einen Noth- wie sehr das deutsche Volf nach 1815 von den Potentaten, die es aus erkennt die reaktionäre Natur biefes Antrages dadurch an, daß er stand der Elternt handle. Die Ausführungen des ersten und des Napoleon's Gewalt befreite, genarrt und betrogen wurde. feinen Antrag zurückzieht, die Landesgesetzgebung, nicht britten Redners machten auf die Versammlung, die sich zumeist aus die Landes Zentralbehörde, soll das Recht zur Errichtung den„ besseren" und„ besten Gesellschaftstreifen zujantmensepte, Straßen bezw. auf folgenden Bläßen statt: a) der Jahrmarkt im Die Berliner Jahrmärkte finden in Zukunft in folgenden von Rentenstellen bekommen. Der Antrag ber Gubeinen starten Einbrud. Das ist am Ende begreiflich; benn wer März in der Gireisenaustraße und Umgegend; b) der Jahrmarkt im tommission wird bei Antrag 1 mit 15 gegen 18 Stim follte nicht Mitleid empfinden, immigstes Witteis mit diesen Mat( fir 1899 vom 14. bis 17. Juni) auf den Arkonaplaz und Absatz 2 gegen 5 Stimmen gestrichen zu unglücklichen Kindern, die durch die Ausbeutung oder rohe Be- imgegend, c) der Jahrmarkt im Auguft in der Gneisenaustraße und Abfay 4 der Trimborn'sche Busay angenommen, schließlich der ganze handlung, der sie ausgefest find, förperlich und geiftig verkümmern. Imgegend und d) der Jahrmarkt im Oktober auf dem Arkonaplat 8 51, ebenso§ 51a. Wolfenbuhr und Genoffen beantragen Seltsam ist freilich, daß dieselben Kreise, die sich so rasch zu Thränen und gegend. zu§ 51b, baß die Ernennung des Vorsitzenden und die Festsetzung rühren lassen, wenn man ihnen die furchtbaren Leiden der bes feiner Bezüge nicht von der Landes Zentralbehörde, sondern vom jammernswertheit Kinder ansialt, die von Staunen und Entsezen Der Berliner Frühjahrsmarkt ist gestern in der GneisenauAusschuß, eventuell vom Vorstand der Versicherungsanstalt zu ergriffen werden, wenn sie hören, daß nach glaubhaften Ermitte- straße und den angrenzenden Straßentheilen eröffnet worden. erfolgen habe. Dieser Antrag wird gegen 4 Stinumen a blungen Kinder bis hinab zu fünf und vier Jahren durch Austragen gelehnt; 88 51 b, c, d gegen 4 Stimmen angenommen.§ 51f von Frühstück und Zeitungen ihr Brot verdienen müssen, Kinder bis Buschrift hervor, die wir von Herrn Rechtsanwalt Victor Fraenil, Der Segen der Sozialreform leuchtet beseligend aus einer berweift alle sosten der Sentenstellen den Versicherungsanstalten. hinab zu drei und zwei Jahren in der Puppenindustrie mitthätig öthenerstr. 1 erhalten: Der frühere Streckenarbeiter Wilhelm Mollenbuhr 1. Gen. beantragen: Die Kosten der Sentenstellen fein missen, daß dieselven Streife feine Regung des Mitleids Bielecke in Friedrichsfelde, Berlinerstr. 104, befindet sich in großer einschließlich der Bezige bes Borsigenden, der Beifiyer und der hilfs verspüren und tein Wort der Entrüstung haben, wenn ihnen Roth. Er verschuldet für givei Monate den Miethszins von au beamten trägt ber Bundesstaat, die Kosten des Verfahrens die geschildert wird, wie schamtos in unserer gottgewollten" Ge- fammen 21 W.; dazu hat sich sein törperlicher Zustand verschlimmert, Versicherungsanstalt. Ferner beantragen fie. den§ 51f fellschaftsordnung die Erwachsenen, die Eltern dieser so daß er, während seine Familienmitglieder für sich selbst mur 8 Abfay 2 zu streichen( die Rentenstelle ist befugt, den Betheiligten Stinder, durch den Sapitalismus folche Kosten des Verfahrens zur Last zu legen, ausgebeutet Geringes verdienen, zum Wetteln greifen muß. Es wird daher von welche und gemißhandelt werden. Und doch ist gerade das eine Neuem gebeten, für den Unglücklichen, welcher sich im Dienste seine burch Muthwillen oder durch ein auf Verschleppung oder Hauptquelle der Leiden der Kinder! Ausbeutung und Mishandlung Erkrankung zugezogen, durch einen unglücklichen Sturz die Erwerbs Irreführung berechnetes Verhalten derfelben veranlaßt worden sind.") der Kinder durch die eigenen Eltern ist erfahrungsgemäß in der fähigkeit verloren hat( Rheumatismus, schwere Verlegung des Rück Beide Anträge werden abgelehnt,§ 51f angenommen mit großen Mehrzahl der Fälle eine Begleiterscheinung ungeord der Abänderung von Hofmann( natl.): Der Vorstand der Veriteter Werhältnisse, wie sie sich it erster Linie da finden. grats) und eine monatliche Invalidenrente von nur 10,85 M. erhält, Gaben an zu senden. Parlamentarisches. Er empfahl = 品 daß es gestern nicht gelungen lit, des flüchtigen Thäters, bes Arbeiters Zu dem Ranbmordversuch in der Mitterstraße wird berichtet, Mittag, habhaft zu werden. Die letzte Spur führt nach dem Westen der Stadt, nach dem Grimewald zu. In jener Gegenb ist in einer Gastwirthschaft mit weiblicher Bedienung, ein Mann gefehen worden, auf den die Beschreibung Mittag's, auch feiner Kleidung, genau paßt. Wie bisher festgestellt ist, hat Mittag vor der That in der ficherungsanstalt ist auf Antrag der Nentenstelle befugt u. f. w. wo ein wirthschaftlicher Rothstand vorliegt. Man be § 51g wird angenommen. Nächste Sigimg: Freitag. Hochachtungsvoll Victor Fra en fl, Rechtsanwalt. seitige das Glend der Eltern, und man wird damit in der Hauptfache auch das Glend der Die Gartenstraße von der Berg bis zur Feldstraße wird Kinber beseitigt haben! Was danit noch von Ausbentung, behufs Geleisverlegung und Asphaltirung vom 16. 6. M. ab bis auf von Rohheit immb Gewaltthätigkeit gegen Kinder übrig bleibt, das weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. möge man verbientermaßen dem Strafrichter überweisen, so weit Die Budgetkommiffion des Reichstages hat am Mittwoch es nicht besser vor den Frrenarzt gehört, was bei den bekannt ge für die höheren Unterbeamtenstellen in der Postverivaltung die bewordenen frassesten Fällen von Habgier und Grausamkeit angenommen antragte Gehaltsaufbesserung befchloffen mid bezüglich der Post werden muß. Aber gerade die Kreise, die sich jeyt der proletarischen affiftenten eine Resolution angenommen, nach welcher dieselben im Jugend als Beschützer aufdrängen, wollen nichts von fo weit gehen nächsten Jahre etatsmäßig angestellt werden sollen. Dagegen hat den Maßregeln wiffen. Herr v. Belet- Narbonne bedauerte es schon, die Kommission abgelehnt, die Zahl der Assistenten zu vermehren, daß die Verhandlungen auf der 1898er Breslauer Lehrerverfammlung, weil sie der Boftberivaltung nicht mehr gewähren will, als diese wo man ein befferes Verständniß für die sozialen Urfachen Schankwirthschaft von Grunert, Naunynftr. 86, mit einem Frauens selbst für nöthig hält. der Kinderausbeutung zeigte, eine start politische Spike" gehabt zimmer gezecht und ist dann nach der Wohnung der Burdack geJustiznovelle. Die fechste Kommission des Reichstages hat hätten. Nur nicht ritteln an den Grundlagen der kapita gangen. Nach der Behauptung der Frau hat er mit ihr besprochen, Heute Nachmittag die zweite Lesung der vom Abg. Nintelen listischen Gesellschaftsordnung, die die Ausbeutung fie durch eine start riechende Flüssigkeit betäubt, und wie der fleine beantragten Just ignovelle beendet. Größtentheils wurden einer besiglofen Mehrheit durch eine beftigende Minderheit gestattet, sinabe ausfagt, zuerst ihr und dann ihm mehrere Beilhiebe die Beschliffe erster Lefung aufrechterhalten. Als Einführungstermin die aber auch als Folge dieser Ausbeutung Auswitchse wie die ge- beigebracht, durch die die Schäbeldecken zertrümmert wurden. Mittag wurde der 1. Januar 1903 beschlossen. schilderten zeitigt. Wenn diese Herrschaften, die ihre unbe ist banit zu feiner Schwester gegangen, hat darauf zweimal die ver besser nähren und und reicher betten, als in Arbeitertreifen schloffene Wohnmg feiner Eltern aufgesucht und Abends auf dem mancher raftlos arbeitende Water feine Kinder näbrent, oftamt 10( tönigin Augustastraße) eine Stohrpoftfarte an seinen manche fich mitabrackernde Mutter ihre Sleinen betten Schwager aufgegeben, in der er Abschied von den Seinen nahm. darf, wenn fie durchaus etwas für die Besiklofen thun wollen, Der Thüter ist bereits wegen straßenpolizeilicher Uebertretung mit Der Etatsausschuß der Stadtverordneten Versammlung dann mögen fie dafür sorgen helfen, daß die herrschende einer Woche Haft, wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit mit fechs hat in seiner am Dienstag Abend unter Vorsitz des Stadtverordneten Klaffe nicht die Arbeiter durch Buchtbaus ParaMonaten Gefängniß und wegen Betruges mit drei Monaten Gefängniß Vorstehers Dr. Langerhans und in Anwesenheit des Kämmerers graphen und ähnliche Mittel in ihren Bemühungen bestraft. Maaß und der Stadträthe Boigt, Friedel, Namslau, Marggraff, hindert, durch Besserung ihrer Arbeits- und Die Untersuchung leitet Kriminalinspektor Braun und KriminalHaack und Struve abgehaltenen Sitzung die Stats für Bohnverhältnisse fich und ihrer Familie eine tommissar Oßmann. Für das Leben der beiden Verwundeten besteht Kapital und Schulbenverwaltung, sowie für die bessere Lebenshaltung zu schaffen. Wollen fie das nach wie vor große Gefahr. Auch der kleine Knabe ist schwerer ge= Dienstpenfionen, Wittwenpenfionen und Waisen nicht, dann haben sie auch kein Recht, fich über das Kinderelend auf- troffen, als man anfänglich annahm. mate gelder durchberathen und nach den Vorschlägen des Magistrats unverguregen. Kommunales. ändert festgestellt. Beim Etat für die verschiedenen Einnahmen und AusEine große Rohheit hat Dienstag bend der Steinträger gaben wurden nach dem Antrage des Magistrats folgende Beihilfen neu Der Kriminalkommissar Bösel, dessen Reffort die Ueber- Pauls begangen. In der Miethetaserne der Reinickendorferstr. 46, bewilligt: dem Komitee für das Archenhold'sche Fernrohr im wachung der anarchistischen Bewegung bildet, wird ant 1. April aus die im Voltsmunde der Ochsenkopf heißt, wohnt seit drei Jahren Treptower Part 3000 m., dem Verein Hauspflege 3000 M., dem diefem Amite ausscheiden und voraussichtlich Berlin gänzlich ver die 80 Jahre alte Wittive Minna Berlin bei ihrem Sohne. Seit Wöchnerinnenheim 5000 M., dem Bezirksverein Berlin und Um- laffen, um in einer größeren Provinzialstadt die Zeitung des Polizei- drei Monaten ist ihr Nachbar an dem lantgen Flur der Steinträger gegend des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Ge- dienstes zu übernehmen. Kriminaltommiffar Bösel scheint, wie die Bauls. Die Greifin verdroß es, daß Pauls öfter seine Frau miß trante 500 m., dem Komitee für Bentralisirung der Wohlfahrtspflege Deutsche Tageszeitung" meint, ebenso wie fein Vorgänger, handelte und, wie alte Frauen sind, mischte sie sich in den Familienin Berlin 600 m., der Heimstätte für deutsche Invaliden in Neu- der frühere Stommiffar, fest Bolizeirath Röber, eine glänzende zwist, um dem Manne Vorwürfe zu machen. Als es Dienstag Abend Babelsberg gegen die Verpflichtung zur Unterbringung von 4 erwerbs Karriere zu machen. Die Thaten, die der Herr Bösel gegen bei Pauls wieder häuslichen Streit gab, stellte Frau Berlin sich an unfähigen und pflegebedürftigen Invaliden aus dem Feldzuge 1870/71: die Anarchisten zu Wege brachte, zeugen meistens nicht gerade von die Thür und lauschte. Bauls merkte das. In seiner Wuth riß er 2000 W. Die beantragten Erhöhungen der Zuschüsse für den deutschen Hervorragender Genialität. Es fet nur erinnert an die Angelegen- plöglich die Thür auf, schlug die Greisin mit einem Spatenstiel über 00 den Kopf und streckte sie durch den wichtigen Hieb zu Boden. Die Feuerbericht. In der Nacht zum Mittwoch erfolgte ein AusFrau erlitt einen Schädelbruch und mußte sofort in ein Krankenhaus rücken der Feuerwehr nach Waldemarstraße 61. Hier war in Güldner, Rudowerstr. 16, stattfindenden Volksversammlung In Brit wird in der am 18. März, Abends 81/2 Uhr, bet gebracht werden. Bei ihrem hohen Alter ist nur wenig Hoffnung dem Vorderhause in einem Lagerfeller ein größeres Schadenfeuer Genosse Grempe über die Bedeutung des Tages einen Vortrag halten. vorhanden, die Schwerverletzte am Leben zu erhalten. zum Ausbruch gekommen, das Stangenrohr und Scheuerrohr ver- Zahlreichen Besuch erwartet Der Vertrauensmann. genommen hatte und das Erdgeschoß bedrohte, griff die schnell herbei- Sizung, dem Wunsche der Regierung gemäß, von der katholischen nichtete. Da das Feuer in kurzer Zeit größere Ausdehnung an- Die Schöneberger Schuldeputation beschloß in ihrer letzten gerufene Feuerwehr mit 2 Schlauchleitungen an. Die Aufräumungs- Gemeindeschule zu Ostern die brei unteren Doppelklassen und arbeiten hielten die Wehr jedoch fast 1 Stunde lang auf. Die Entstehung des Brandes konnte noch nicht ermittelt werden. zum Herbst dann noch zwei weitere Klassen mit drei Lehrkräften und Blinder Alarm lag der Alarmirung Mittwoch früh kurz nach 8 Uhr endlich zu Ostern über's Jahr die oberste Klasse einzurichten. Dieses nach der Andreaskirche am Stralauer Plaz zu Gründe, hervor- Entschuldigung bemerkt werden muß, auf eine Androhung der Entgegenkommen des Schöneberger Magistrats ist, wie zu seiner gerufen durch niedergedrückten Rauch in der Kirche. föniglichen Regierung zu Potsdam erfolgt, welche im Falle der Weigerung eine zwangsweise Einrichtung der katholischen Schule bis zum Herbst d. J. beabsichtigte. einiger Zeit, wie erst jetzt bekannt wird, der früher in Charlotten Graf Friedrich Hohenthal. Auf der Insel Rügen wurde vor burg ansässige Graf Friedrich Hohenthal, welcher im Jahre 1897 von dem Charlottenburger Schöffengericht wegen Ausschreitungen am Bahnhof Grunewald zu einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten berurtheilt worden ist, verhaftet. Graf Hohenthal hatte sich der Verbüßung seiner Strafe durch Flucht zu entziehen versucht und wurde steckbrieflich verfolgt. Nunmehr büßt er, wie die„ Charl. Bürger3tg." meldet, nach seiner auf der Insel Rügen erfolgten Verhaftung feine Strafe in Stralsunder Gefängniß ab. Aus den Nachbarorten. " Zwei schwere Straßenunfälle werden vom Dienstag Nach Die Stadtverordneten- Wahlen in Rigdorf. Gestern traten mittag gemeldet. Der nahezu 5 Jahre alte Sohn Sturt des Uhr die Wähler der dritten Abtheilung an die Urne. Es war Eine von dem Handwerkerverein an die Stadtverordneten- VersammSchöneberger Stadtverordnetenfizung vom 13. März. dem elterlichen Hause den Fahrdamm überschreiten wollte, von einer erhobenen Nachbarortes, aber die Arbeit wurde geleistet mit der Debatte hervor. Namens der Petitionskommission empfieht der machers Kapp aus der Tiechstr. 1 wurde, als er gegen 5 Uhr vor ein arbeitsreicher Tag für die Genossen unseres türzlich zur Stadt lung gerichtete Petition, betreffend Abänderung des bis. Droschte überfahren. Die Räder gingen dem Kleinen über die herigen Submissionswesens, ruft eine recht lebhafte Brust und brachten ihm neben äußerlichen Quetschungen auch Freudigkeit und Opferwilligkeit, die wir an den für ihre Klaſſeninteressen Referent Annahme der Petition unter Streichung des ersten Punktes, fchwere innere Verlegungen bei. Die trostlose Mutter tam fämpfenden Proletariern gewohnt sind. In mehr als ausreichender Zahl der dahin geht, daß alle Lieferungen in den Schöneberger Blättern auf das Hilfegeschrei herbei und trug ihren Liebling in die hatten sich die thätigen Genossen dem Wahlkomitee zur Verfügung gestellt. zur freien Submission auszuschreiben seien." Von einer Anzahl StadtWohnung hinauf. Hier starb er nach wenigen Stunden in Von einer Aufregung, wie sie sonst die Wahlkämpfe zu begleiten verordneter ist dagegen die Zurüdverweisung der Petition an eine aus ihren Armen. Die Frau Marie Gradusch aus der Stettinerstr. 29, pflegt, war nichts zu bemerken. Die lebhafte und intensive Srei Magistratsmitgliedern und sieben Stadtverordneten bestehende wollte bei der Heimkehr vom Einkaufen vor dem Haufe Brunnen- Agitation, die unsererseits seit Wochen betrieben wurde, hatte den Kommission beantragt. Nach recht lebhaften Auseinandersetzungen straße 24 quer über den Fahrdamm gehen, wurde von einem scharf Erfolg, daß die Arbeiterschaft, ohne daß am Wahltage selber eine gelangt die erstere Fassung zur Annahme. Eine von mehreren Stadtfahrenden Hochzeitswagen zu Boden gerissen und mußte mit schweren besondere Anstrengung nöthig war, in großer Zahl ihrer Wahl- berordneten an den Magistrat gerichtete Anfrage, betreffend die Quetschungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Führer des Arbeiterhin Wagens wurde festgestellt, während der Droschkenkutscher, der in der Pflicht genügte. Zwar ist Rigdorf ein Ort, in dem die Arbeiter- hin beantwortet, daß die Einführung vorgenommen werden soll, sobald Wahl- Einführung der Bezirksvorsteher in ihr Amt, wird das Tiedstraße das Unheil anrichtete, davonfuhr, ohne sich um sein Opfer bevölkerung den weitaus größten Theil der Einwohnerschaft das neue Stadtwappen die königliche Genehmigung erhalten hat. Die zu kümmern, und entkam. Auch die Nummer der Tarameterdroschte ausmacht, aber wie bekannt, sind hier mehr als anderswo jene felbe jetzt vorzunehmen erscheine bedenklich, weil dann Kosten entstehen ist nicht bekannt. Schichten der Arbeiterschaft vertreten, deren Lage so elend ist, daß würden für Anschaffung von provisorischen Amtsstempeln und Schildern. Das Liebesdrama, über das wir vor acht Tagen aus der sie unter dem geltenden Kommunalwahlrecht vom Stimmrecht aus. Hierauf gelangt die zweite Lesung des Haushalts- Etats 1899 zur Oberbergerstr. 29 berichteten, hat ein zweites Opfer gefordert. Die geschlossen sind. Trotz dieses Umstandes, der entschieden zu Un- Berhandlung. Recht eingehend wurde der Schul- Etat verhandelt 19jährige Elsbeth Weidner aus der Neuen Königstraße, die von gunsten unserer Partei in die Waagschale fällt, und obgleich uns in und war es besonders das Reform Gymnasium, welches ihrem verschmähten Geliebten, dem 23 Jahre alten Kurbelstepper manchen Bezirken zwei bürgerliche Kandidaten gegenüberstanden, war seiner bedeutenden Forderungen wegen kritisirt wurde. Diese nach Mar Beusser auf der Haustreppe aus dem Hinterhalt in den der Erfolg auf unserer Seite so Kopf geschossen wurde, ist gestern ihren Verlegungen erlegen. Beusser größten Hoffnungen unserer Parteigenossen noch weit 63 210 Mart gegenübersteht. Sehr interessant gestalten sich den neuesten Erfahrungen gebaute und geleitete Anstalt erfordert groß, daß selbst die eine Ausgabe von 83 828 Mart, der eine Einnahme bont hatte sich durch einen zweiten Schuß in den Mund so schwer verwundet, daß er bereits auf dem Wege zum Krankenhause im Rettungs- unsere Kandidaten eine geradezu erdrückende Mehrheit der hälter und sonstige persönliche Ausgaben 67 135 Mart übertroffen wurden. In allen 16 Bezirken erhielten hier die einzelnen Ausgabetitel. So werden für Ge wagen starb. Ein schwerer Straßenbahn- Unfall trug fich Mittwoch Vor- abgegebenen Stimmen. So kann der gestrige Wahltag mit Recht gefordert, für Verwaltungskosten 4055 Mart, für mittag um 9 Uhr vor dem Hause Blücherstraße 30 zu. Die 26 Jahre bezeichnet werden als ein Tag des Sieges für die sozialdemokratische Unterrichtsmittel 2580 m., für Heizung und Beleuch alte Wäscherin Helene Hohmann aus der Steinmetzstraße 34 zu Arbeiterschaft Rigdorfs. Heute finden die Wahlen der zweiten tung 5700 m. und einmalige Ausgaben 3400 M., was bei Nixdorf stand mit vollem Waschkorb auf der vorderen Plattform Abtheilung statt, wo sich unsere Genossen gleichfalls in beiden Be- einer Schülerzahl von 550 einer Einnahme von 113,10 M. und eines Pferdebahnwagens der Linie Rigdorf( Cannerstraße)-Danziger- girten mit den Vertretern der bevorrechteten Klasse messen. Glück ausschuß hat denn auch den Voranschlag bei einzelnen Pofitionen er einer Ausgabe von 152,40 m. pro Schüler gleichkommt. Der EtatsStraße. Da sie die Wäsche in dem Hause Blücherstraße 30 auf zu weiterem Siege! abliefern wollte, die Haltestelle aber zwei Häuser weiter heblich gekürzt, so bei Unterhaltung der Subsellien, Lehrers liegt, so versuchte sie, um sich das fleine Stückchen Weges Wir lassen nachstehend das genaue Wahlresultat der einzelnen bibliothek, Umzugskosten, physikalische Instrumente, Jahres zu sparen, während der Fahrt abzuspringen und den Korb nach- Bezirke folgen. Es wurden gewählt( die in Klammern genannten programm 2c. Auch die von mehreren Rednern gewünschte Herabzuziehen. Sie stürzte aber gleich hin, zog sich im Fallen einen Biffern bezeichnen die auf die Gegner gefallene Stimmenzahl): fegung des Schulgeldes auf 100 m. fand feine Mehrheit. Der für schweren Unterschenkelbruch zu und wurde durch ein Rad des Wagens 1. Ostermann 250( Lucas 66, Daber 62). 2. Mitschte 364 uns wichtigste Punkt Volksschulen" mußte der folgenden auch am Knöchelgelenk des rechten Beines noch schwer verlegt. Die Lucas II 47, Daber 3). 3. Münzer 288( Lilge 48, Stange 7, zerspl. 3). nichtöffentlichen Sigung wegen vertagt werden; es wäre sonst Berunglückte wurde durch einen Schußmann mit einer Droschte nach 4. Regerau 302( Schneider 48, Schulz 5). 5. Gy 385( Offermann interessant gewesen, diese beiden Schulen einander gegenüberzustellen. dem Krankenhaus am Urban gebracht. Die Wäsche gerieth mit dem 29). 6. Dr. Silberstein 631( Adomat 43). 7. Wach 436( Beling 38). nachstürzenden Korbe ebenfalls unter den Wagen und wurde zum 10. Seller 465( Engelhard 15). 11. Dohrmann 415( Lindstädt 17). darunter aus Gemeindesteuern 223 595 M., Gebühren 44 194 M.; 8. Köpte 327( König 25). 9. Conrad 385( lemte 28). Jahr 1899 stellt sich folgendermaßen: Einnahmen 293 800 m., Der Haushalts- Etat der Gemeinde Friedenau für das größten Theile zerstört. ( Jensch 30). 12. Breßler 427( Schrammar 20). 13. Janiszewsti 478 dem gegenüber steht eine Ausgabe von 67 412,95 m. für Be( Donner 43). 16. Herrmann 288( Gasner 28). 14. Jäger 380( Sorge 26). 15. uti 378 soldungen und Dienstbezüge, von 23 640,56 M. für Schuldenzinsen, bon 13 777,90 M. für Schuldentilgung, von 10 000 m. für ArmenRigdorf. Die Stadtverordneten Wahlen für die 2. Wähler- pflege, von 22 997 M. für Wegebau, von 33 874 M. für Kanalisation, flasse finden am heutigen Donnerstag in den Stunden von von 17 236,57 M. für Beleuchtung, von 42 936,52 M. für Schulen bezirk umfaßt folgende Straßen: Bergstr. 1-12 und 150-163, 10 Uhr Vormittags bis 6 Abends in zwei Bezirken ab. Der Nord- und 52 358 M. für Steuern; insgesamnit 293 800 m. Berlinerstraße, Elbestraße, Elsenstraße, Ertstraße, Fallstraße, Friedel gestern in der Schöning'schen Eisengießerei in der Kopenhagener Bei der Arbeit verunglückt. Dem Arbeiter Kapuschke fiel straße, Hasenhaide, Harzerstraße, Herrfurthstraße, Hermannstr. 1-55 traße zu Steinickendorf beim Kastenabnehmen ein schweres Stück und 201-258, Hermannplay, Hobrechtstraße, Jägerstraße, farstraße, Eisen auf den rechten Arm und zerschmetterte ihm diesen. Der Ver Staiser Friedrichstraße, Karlsgartenstraße, Stiefholzstraße, Kopfstraße, unglüdte wurde mit einem Kopp'schen Rettungswagen in das Paul Rottbuser Damm, Lessingstraße, Lohmühlenweg, Mahlowerstraße, Gerhardtfiift gebracht. Maybach Ulfer, Mainzerstraße, Münchenerstraße, Nansenstraße, Bannierstraße, Brinz Handjerystraße, Reuterstraße, Schinkestraße, Selchowerstraße, Steinmegstraße, Wanzlichstraße, Waßmannsdorfer- der Gemeindevertretung gab der Gemeindevorsteher einen kurzen Friedrichshagen. In der am Dienstag abgehaltenen Sizung straße, Weisestraße, Wildenbruchstraße, Wißmannstraße, Ziethenstraße. Ueberblick über die Etatsveränderungen während seiner Amtsperiode. mannstr. 214-219. Wahllotal: Berndt, Brauerei Ausschant, her- Er bezeichnete die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde gegenüber denen anderer Vororte als zufriedenstellend. Hierauf wurde in die Die sozialdemokratischen Kandidaten sind: Dr. Silberstein, Berathung des Gemeindehaushalts- Etats eingetreten. praktischer Arzt, Berlinerstr. 94; Karl Keller, Dachdeckermeister, Barth referirte Namens der Kommission über den vom GemeindeGenosse Herrfurthstr. 38; Wilhelm Jäger, Klempner, Weisestr. 75; borstand vorgelegten Entwurf. In der Generaldebatte wandte sich ris Hoppe, Tischler, Ertstr. 10; Otto Klein, Schantwirth, Genosse Sonnenburg entschieden gegen die Erhebung der Bier, Kaiser Friedrichstr. 236; Otto Supfer, Bauarbeiter, Jägerstr. 52; Luftbarkeits- und Betriebssteuer. Bei dem Titel Ausgaben be Karl Jonas, Drechslermeister, Kirchhofstr, 2; Frizz Schulz, antragte derselbe, das Gehalt der Nachtwächter von 900 auf 1200 2. Buger, Mühlenſtr. 8. zu erhöhen. Der Antrag wurde abgelehnt. Beim Ausgabeposten Der Südbezirk umfaßt folgende Straßen: Bendastraße, für außerordentliche Reinigung der Schulräume machten die Ge Bergstraße, Bodestraße, Bruno Bauerstraße, Canner Chauffee und noffen Barth und Sonnenburg darauf aufmerksam, daß die SchulCannerstraße, Delbrückstraße, Emserstraße, Gärtnerstraße, Glasow- tlassen nicht täglich gereinigt würden. Diesem Uebelstande müsse im straße, Goethestraße, Hermannstraße 56-200, Herthastraße. Herz- Gesundheitsinteresse der Lehrer sowohl wie auch der Kinder ab bergstraße, Jonasstraße, Juliusstraße, Kirchgasse, Kirchhofstraße, geholfen werden, selbst wenn der Gemeinde größere Ausgaben ernejebedstraße, Mariendorfer Weg, Mittelbuschweg, Mühlenstraße, wüchsen. Nach längerer Debatte beschloß die Vertretung, etwa noth Richardplay, Richardstraße, Ringbahnstraße, Rosenstraße, Schön- wendig werdende Mehrausgaben für diesen Zwed zu bewilligen. Ein weiderstraße, Thomasstraße. Thüringerstraße, Treptowerstraße, Antrag unserer Genossen, Mittel für die Morgenbeleuchtung während der Herbst- und Winterzeit einzustellen, wurde abgelehnt. Dasselbe Schicksal Wahllokal: Gröpler'sches Lokal, Bergstr. 147. ereilte ein Antrag unserer Parteigenossen, die im Entwurf vorgesehene Die sozialdemokratischen Kandidaten find: Gustav Oster- Summe von 9500 M. für die Unterstützung der Ortsarmen einmann, Spediteur, Erfstr. 6; Paul Mitschte, Steinarbeiter, schließlich der Kosten der Waisenverwaltung zu erhöhen. Bei der Steinmegstr. 14; Constantin Janiszewski, Buchdruckerei Ausgabe für die Straßenbahn wurde ein Antrag des Vertreters befizer, Hermann- Plaz 4; Albert wurbs, Gürtler, Lessingstr. 9; Harde, das Gehalt des Straßenbahnleiters von 2400 auf 1800 m. 28 ilhelm Kraft, Buzer, Schönweiderstr. 9; Paul Schulz, herabzusetzen, sowie ein Antrag von Barth und Sonnenburg, das Buzer, Mühlenstr. 8; August Nierich, Möbelpolirer, Steinmez- Anfangsgehalt der Straßenbahn- Angestellten auf 75 M. und nach straße 85; August Ringe, Bigarrenfabrikant, Stopfstr. 39. einjähriger Dienstleistung auf mindestens 90 M. festzusehen, abgelehnt. brauch zu machen. Pflicht eines jeden Wählers ist es, von seinem Stimmrecht Ge- Gegen die Stimmen unserer Genossen wurde der Etat, der in Einbrauch zu machen. nahme und Ausgabe mit 201 500 m. balangirt, angenommen. Das Wahlkomitee. Fahrstuhlunfall. Gestern Vormittag wurde im Keller des Hauses Kronenstr. 50/52 der Fahrstuhlwärter Oskar Gerner von dem Herabkommenden Fahrstuhl erdrückt und auf der Stelle getödtet. Gerner war damit beschäftigt, den Fahrstuhl zu reinigen, und hatte dabei das Leitseil angezogen, ehe er den Schacht verlassen hatte. Unter den Arbeitern der Firma Beermann am Schlesischen Busch, so wird uns von gewerkschaftlicher Seite geschrieben, erregt eine Sammlung, die von oben herab ins Werk gesezt worden ist, Tebhafte Erbitterung. Die Firma will zur Feier ihres fünfzig jährigen Bestehens ein Denkmal errichten. Ob sie nun selber nicht die hierzu erforderlichen Gelder erübrigt hat, oder was sonst für Gründe vorliegen, genug, die Arbeiter sind in der betannten Manier veranlaßt worden, ebenfalls für das Dentmal Gelder zu zeichnen. Die geringste Gabe betrug eine Mart, doch tamen auch Zeichnungen von drei, vier und fünf Mart vor. Es ist selbstverständlich, daß sich bei solchen Anforderungen so leicht teiner auszuschließen wagt; die Furcht, am nächsten Löhnungstage auf die Straße gefeßt zu werden, spielt bei derartigen Borgängen bekanntlich immer eine wesentliche Rolle. Schließlich sollen fich aber doch die Unternehmer sagen, daß an dem von ihnen aufgerichteten Zeichen der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit mehr als ein stiller Fluch flebt. = Marktpreise von Berlin. 14. März 1899.( Nach Ermittelungen des Polizeipräsidiums.) Weizen 15,85-14,70 M., Roggen 14,00 bis 13,40 M., Futter- Gerste 13,10-12,70 m., ermittelt pro Tomme von der Zentralstelle der preuß. Landwirthschaftskammer- Notirungsstelle und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppelzentner. Hafer, gute Sorte 15,20-14,70 M., Mittel- Sorte 14,60 bis 14,00 M., geringe Sorte 13,90-13,30 M., Richtftroh 3,82-3,32 M., Heu 7,00-4,50 M., Erbsen, gelbe zum Kochen 40,00-25,00 m. Speisebohnen, weiße, 50,00-25,00 2., Linfen 70,00-30,00 M. Kleinhandelspreise. Kartoffeln 6,00-4,00 W. Alles p. 100 Stilogr. Rindfleisch von der Keule 1,60-1,20 M. Rindfleisch, Bauchfleisch Walterstraße. 1,20-1,00. Schweinefleisch 1,60-1,20 m. Kalbfleisch 1,60-1,00 2. Hammelfleisch 1,60 bis 1,00 M. Butter 2,60 bis 2,00 m. Alles per 1 Kilogr. Gier 4,00 bis 2,40 m. pr. 60 Std. Karpfen 2,20 bis 1,20 M., Aale 3,00 bis 1,00 m., Bander 2,60 bis 1,00 M., Hechte 1,80 bis 1,00 M., Barsche 1,80 bis 0,90 m., Schleie 2,80 bis 1,20 M., Bleie 1,40 bis 0,80 m. Alles per 1 Kilogr. Krebse 12,00 bis 4,00 m. pr. 60 Stüd. W Durch den Wegfall des Pferdemarktes in CharlottenburgWestend war der Pferdemarkt in Spandau diesmal dreifach so start besucht als seit vielen Jahren. Es ist auch ein sehr bedeutender Umfaz erzielt worden. Am Spiritusmartt betrug die Lokozufuhr am Mittwoch 245 000 Liter, die zum Preise von 40 m.(-0,50) gehandelt wurden. Das Termingeschäft lag anfangs fehr still; späterhin gaben die Preise infolge der starken Lokozufuhr 0,60 m. nach. Bei überwiegender Realisationslust war Brotgetreide 1/ 2-3/ 4 m. billiger Die Charlottenburger Stadtverordneten Versammlung zu haben. Bezahlt wurde für Weizen 154 M., für Roggen 1411/2 m. nahm gestern( Mittwoch) Abend Kenntniß von der Petition, welche Hafer lag gleichfalls feft infolge reichlichen Angebots bei geringem Maßregeln zur Linderung der Wohnungsnoth vom Bedarf. Rüböl blieb unverändert bei minimalem Handel. Magistrat zu verlangen empfiehlt. Bei der Fortsetzung der Be= Amtliche Notirungen. Kartoffelfabritate. Startoffel- rathung des Stadthaushalts veranlaßte der sozialdemo Die Nachforschungen der Spandauer Kriminalbehörde mehl per 100 Stilogr. Brutto intl. Sad 20,50. Erodene Kartoffel- tratische Stadtverordnete Genosse Beyer eine leine fozial. haben ergeben, daß die Selbstbezichtigung des Buchbindergesellen stärte per 100 kilogr. Brutto inkl. Sad 20,50. Feuchte Kartoffel- politische Debatte mit einer Beschwerde über die Führung Eitner, nach welcher er der Mörder des Handelsmannes Rühle tärte per 100 Stilogr. Brutto intl. Ead 10,70. Verlauf und bes Borfiges im Gewerbegericht. Der Vorsteher Dr. Jaffé sowie fei, taum zutreffen kann. Die von E. gemachten Aussagen über die Tendenz des gestrigen Schlachtvieh- Marites: Für Rinder der Erste Bürgermeister Shu ste hrus verwiesen den Redner auf Art und Weise, wie er das Verbrechen verübt haben will, über den zeigte fich nur schwache Stauflust; es bleiben etwa 250 Stüd um den Beschwerdeweg. Für die Aufnahme amtlicher stenographi Chatort sowie über die Ergebnisse des Raubes entsprechen nicht verfauft. Der Stälberhandel gestaltete sich ruhig. Bei den Schafen icher Berichte beantragt der Etatsausschuß die Bewilligung von den Thatsachen. Während Eitner erklärt, daß der Mord zwischen wurden ungefähr 500 Stüd verkauft. Der Schweinemartt verlief 8000. Die Versammlung lehnte die Einführung der steno- Westend und Spandau begangen ist, ist das Verbrechen thatlangsam und wird ziemlich geräumt. graphischen Berichte ab. Die Forderung von Unterstützungen für fächlich zwischen Spandau und Nauen, zwei Kilometer hinter Seltsame Blüthen treibt die Ansichtskarten- Industrie. verschiedene Vereine führte zu einem lebhaften Kampf der Spandau, verübt worden. Während der Buchbinder zur Ausführung der Meinungen: Hie Rettungsgesellschaft hie Sanitätsverein. That eines auf dem Wagen des Rühle aufgefundenen Spatens fich Daß fie statt der früheren Lithographien minderwerthiger Art wahr Der Etatsausschuß hatte beantragt, dem Charlottenbrger Sanitäts- bedient haben will, ist der Mord in Wirklichkeit mit einem Holzstück haft fünstlerische Wiedergaben von Landschaften herstellt, ist ein berein nur 1000 statt 2000 m. zu bewilligen und dafür 1000 m. der ausgeführt, welches der Verbrecher von einem Baum abgebrochen Fortschritt, bei dem es sogar hingehen mag, daß solche Postkarten Berliner Rettungsgesellschaft zu gewähren. Die Versammlung be- haben muß. Auch haben sich in dem geraubten Portemonnaie nicht von eigens zu diesem Zwecke gegründeten Gesellschaften an jeden, willigte beide Forderungen und feste außerdem den Unfallstationen 4,50 m., wie E. angiebt, sondern ca. 22 M. befunden. der zahlen will und mag, aus aller Herren Länder versandt werden. 500 m. mehr aus zur Errichtung einer Station am Zoologischen bisher noch nicht festgestellt werden, ob Eitner an dem Mordtage Auch mag man es noch gutheißen, daß eine Gesellschaft( Friedrich- Garten mit der Maßgabe, diese Einrichtung sobald als möglich ins wirklich in Spandau geweilt hat. Der Buchbindergeselle, der schon straße 239) aus Rom, Paris, London 2c. Ansichtskarten ver- Leben treten zu lassen. Für die Rettungswa che in Schöneberg mehrfach Spuren von Geistesstörung gezeigt und sich schon wiedersendet, die auf ihre Veranlassung bon Künstlern wie am Nollendorfplatz 8 wurden 300 m. bewilligt. Für die holentlich verschiedener Verbrechen bezichtigt hat, will angeblich beim Menzel, Starbina und Liebermann gezeichnet sind, Ansichtskarten, Beaufsichtigung des gesammten technischen unter- Spazierengehen nach Spandau gerathen und dann auf dem Rüdderen genrebildlicher Inhalt mit dem Ort der Absendung nicht den richts an den Mädchenschulen beschloß die Versammlung die Anwege nach Berlin dem auf dem Wagen schlafenden Handelsmann geringsten Zusammenhang hat. Aber was soll man dazu sagen, daß stellung einer geeignet vorgebildeten Dame. Die Rühle begegnet sein. der hiesige Kunstverlag von Hildebrandt jetzt eine Reihe Abbildungen Versammlung beschloß ferner nach dem Antrage des Etatsausschusses, von Kunstschmiede- Arbeiten auf Ansichtskarten herausgiebt? Esben Bolts chul- Baufonds in Höhe von 900 000 m. aufzu sind gewiß technisch sauber ausgeführte Leistungen, aber was in lösen und ihn für die laufenden Schulbauten zu verwenden. aller Welt haben diese Reproduktionen auf Postkarten zu thun? In Charlottenburg hat der Stadtverordnete Schwarzlose fein Die amtliche Bekanntmachung über die im Bereich des Mandat als Stadtverordneter niedergelegt. Seine neue Stellung Bezirkskommandos III Berlin stattfindenden Frühjahrs als Direttor der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule ließ es in geRontrollversammlungen wird am 1., 9. und 16. April an wissen Kreisen zweifelhaft erscheinen, ob er Stadtverordneter bleiben den öffentlichen Anschlagsäulen erfolgen. tönne. J Es konnte über die Bedeutung des Tages reden. Ju Reinickendorf wird am 18. März Genosse Kiesel- Berlin Köpenid berichteten, sei zur Richtigstellung mitgetheilt, daß nicht das Köpenick. Zu der Angelegenheit, die wir vorgestern aus Amtsgefängniß, sondern das Polizeigefängniß in Betracht kommt. Zu einem Erweiterung8ban für die technische Hochschule in Charlottenburg hat die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses in ihrer heutigen Sigung die Forderung der Regierung in Höhe von 1 300 000 Mark bewilligt. Davon sind als erste Rate 400 000 Mart eingestellt. Die heutigen Einrichtungen der Anstalt genügen betanntlich nicht mehr, es fehlt an größeren Auditorien, an Zeichenfälen und Sammlungsräumen. Gerichts- Beitung. staatsanwalt geltend gemachten Grunde freizusprechen sei; im Uebrigen angenommen hätten, weil N. bie Pferde auf Märkten, alfo außer trat der Senat jedoch dem Oberstaatsanwalt entgegen, indem er den halb feines Wohnortes, verkauft habe. Seine gegentheilige Auffurz vorher in der Sache Gutsch ausgesprochenen Grundfaz voll fassung sei rechtsirrthümlich. ständig aufrecht erhielt. Der Präsident wies noch darauf hin, daß, wenn der Staatsanwalt recht hätte, auch ein Pole bestraft werden müßte, der seinen in das Kirchenbuch polnisch eingetragenen Namen deutsch schriebe. Vermischtes. Es war Neue Mißstände in der Gemeindeverwaltung von Weißen- ,, Wo zwei und drei zusammenstehn, da soll man auss fee. Wegen Beleidigung des Bureauvorstehers außer zu Neu- einandergehn". So fang der Dichter des deutschen Volkes in der In dem Schmuggler: und Hehlerprozeß in Neu- Ruppin, Weißensee war der Molkereibesiger Emil Mertens daselbst an- Beit von Krähwinkels Schredenstagen. Daß das Zusammenstehen" über dessen Beginn wir gestern berichteten, spielten sich Dinge ab, geklagt worden. Er hatte sich am Sonnabend vor dem Schöffen- ein halbes Jahrhundert nach dieser Zeit auf weltabgeschiedenem durch die eine Anzahl Beamte bedenklich kompromittirt erscheinen. gericht des Amtsgerichts II zu verantworten. M. Hatte eine Be- Dorfe noch für gefährlich gehalten wird, lehrt eine Meldung, die der Der Ober- Steuerkontrolleur Hörz befundete als Beuge: Schon schwerde an den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg gerichtet, Bromberger Unparteiische" in seiner Nr. 73 bringt:„ Nach einem 1890 habe die Fama die Lenzener Wische als ein einziges großes in welcher über Mißstände, die in der Gemeindeverwaltung herrschen Erlaß des Gemeindevorstandes in Karpizko dürfen auf der Dorfstraße Schlernest bezeichnet. Als Haupthehler wurde der verstorbene sollten, Klage geführt und u. A. behauptet wurde, der Bureau- von jetzt ab nicht mehr als drei Personen auf einem Fleck zu Schwiegervater des Angeklagten Geister, der Gastwirth und vorsteher H. stehe auf einer sehr niedrigen sittlichen Stufe. Der fammenstehen. Der Unmuth der Dorfbewohner über diese Vers Kaufmann Neubauer, genannt.--Präs: Wurde nicht von Angeklagte, dem als Vertheidiger der Rechtsanwalt Ullrich fügung ist natürlich groß." Geister behauptet, daß er das Geschäft seines Schwiegervaters zur Seite stand, erbot sich. den Beweis der Wahrheit mit ungeschwächten Kräften fortsege?- Zeuge: Ja. Mit anzutreten. Festgestellt wurde, daß H. dem Angeklagten Wenn zwei dasselbe thun. Uns wird aus Graudenz ge welcher Frechheit die Hehler theilweise arbeiteten, erhellt übrigens bei Erlangung einer Baukonzession, die ihm die ihm vorher ver schrieben: Kürzlich berichtete der Vorwärts" über eine Entscheidung daraus, daß einer in Wittenberge fich einen kleinen Dampfer an- fagt worden war, gegen Zahlung von 20 M. durch Abfassung des Kammergerichts, durch welche das freisprechende Urtheil gegen geschafft hatte, mit dem er die Waaren von den Schiffen holte. von Eingaben und auch sonst durch die That behilflich gewesen war. bier Rigdorfer Parteigenossan, die an einem Sonntag sozialdemo Bräs: Ist Ihnen bekannt, daß die Untersuchung der Behörden. stellte dies natürlich in Abrede und hatte bereits die Hand zum fratische Flugblätter verbeitet hatten, aufgehoben wurde. sehr erschwert wurde durch allerlei Verhältnisse? Schwur erhoben, als der Vertheidiger den Antrag stellte, H. zunächst ebenfalls ein Sonntag, als ich diesen Bericht las. Nachmittags ging 3euge: Ja, es lagen namentlich örtliche Schwierigkeiten vor. nicht zu vereidigen. Ein zweiter Zeuge, der Maurer Fadert, ich spazieren und wurde auf der Straße von zwei Damen an Prä: Ich meine auch dadurch, daß ungetreue Beder den Bau für den Angeklagten später ausgeführt hat, bekundete, gehalten, die mir nicht nur ein vom„ Christlichen Männer- und daß er( 3) zugegen gewesen sei und gesehen habe, als H. die 20 M. Jünglingsverein in Hannover" herausgegebenes Flugblatt Beuge: Ganz recht. Die mit der Untersuchung betrauten für seine Dienste in dieser Sache von dem Angeklagten erhalten aufnöthigten, sondern mich auch zum Beitritt in einen Beamten sollen vielfach mit den Hehlern unter einer habe. Weiter wurde aus vorhandenen und zur Stelle Muderverein animirten und mir ferner, als ich über solche Dede gestedt haben. geschafften Atten festgestellt, daß H. dem Angeklagten die Zumuthung lächelte, weissagten, daß ich dereinst über meine fündige Präs.: Das ist richtig. Es ist uns bekannt, daß Stadtbeamte Richterfüllung und Hintertreibung behördlicher Verfügungen Berstocktheit vor dem lieben Herrgott Rechenschaft ablegen müßte. und Gendarmen in Lenzen Schweigegelder von den zwei Jahre hindurch möglich gemacht, ja, letzterem sogar Ich blidte während dieser Predigt in der Runde umber, aber Schmugglern und Hehlern bezogen haben und daß die Frauen privatim die Nichtbefolgung dieser Anordnungen gerathen hat. nirgendwo war ein Gendarm, der wie in dem sozialdemokratischen der Gendarmen zu Neujahr Geschenke erhielten, während Der Zeuge H. konnte einen Grund für fein Verhalten in dieser Sache Faule, erklärte, daß er vom Landrath den Auftrag erhalten habe, die Gendarmen selbst Geldsummen erhielten, die in der Wische für nicht angeben. Ein dritter Fall fand feine schnelle Erledigung dadurch, sämmtliche Flugblattverbreiter, die er an Sonntagen treffe, zur fie alljährlich gesammelt wurden. In einem Falle hat der Ge- daß H. zugab, von dem Konditor Mader für schleunige Ertheilung Anzeige zu bringen. meindevorsteher eines Dorfes in der Wische dieses Geld zu einer Schauftonzeffion 10 M. erhalten zu haben, einen Theil Ein Hungerdrama in Dresden. Wie die„ Dresdener Neuesten fammen mit den Steuern eingezogen und sogar den Ein- des erhaltenen Geldes habe er( h) jedoch dem gang amtlich gebucht. Daß diese Summen für die Begünsti- Fonds des Kaiser Wilhelm- Dentmals überwiesen. Nachrichten" melden, brachte in der Nacht zum Mittwoch die 43jährige gung der Hehlerei gezahlt wurden, ist nicht gerade erwiesen. Dem Angeklagten wurde der Schutz des§ 193 zugebilligt; er wurde Chefrau des früheren Pferdebahn- Kondukteurs Röder in Abwesenheit fostenlos freigesprochen. Die Kosten hat das Gericht dem ihres Mannes ihre vier Kinder im Alter von 11, 5, 4 Jahren als Rebentläger zugelassenen H. auferlegt. bezw. 4 Wochen durch Gift ums Leben. Nach der That stürzte sich Hervorgehoben zu werden verdient, daß Haußer durch seine vor- die Mörderin in die Elbe. Der Beweggrund der That soll in seir gesezte Dienstbehörde zur Stellung des Strafantrages veranlaßt längerer Zeit bestehender Beschäftigungslosigkeit des Mannes zu worden war. Gegen das Urtheil soll H. Berufung eingelegt haben. suchen sein. amte im Spiele waren? Zeuge Bürgermeister Krunger hat den Angeklagten Schult wegen Diebstahls von einem Faß Petroleum angezeigt, indem er den Stadtsekretär Brehm die Meldung schreiben und diese durch den Gendarm Horn weiterbefördern ließ. Erst als die Staatsanwalt schaft der Anzeige keine Folge gab, untersuchte der Zeuge die Angelegenheit genauer und stellte dabei fest, daß Brehm und Horn mit den Hehlern unter einer Dede stedten und die Anzeige unterschlagen hatten. Brehm ist inzwischen wegen Fälschung einer Urkunde, Horn wegen Annahme von Geschenken seitens der Schler zu längerer Gefängnißstrafe verurtheilt worden. Der Zeuge hat dann selbst auf der Lauer gelegen, um die Hehler abzufaffen, aber nichts festzustellen vermocht, da ihm seine Beamten fort während hindernisse in den Weg legten. Als er, der Zeuge, vor 5 Jahren Amtsvorsteher des Lenzener Kreises wurde, habe er sofort die Schmuggelsache energisch verfolgt, aber auch dann noch nichts ermitteln können, da er feine intakten Beamten an der Hand hatte. Erst als diese versetzt worden waren, wurde es besser. Der Zeuge bestätigt, daß der Gemeindeborsteher Eggert von Haarz, derselbe, der später den Angeklagten Geister nach dessen Verhaftung durch den Untersuchungsrichter wider rechtlich frei ließ und dafür jetzt im Gefängniß figt, von den Steuerzahlern noch je eine Mart extra als Gratifitation für den Gendarmen einzuziehen pflegte. Das ist ja eine recht reizende Jllustration der Integrität des ob feiner Unbestechlichkeit vielgerühmten Beamtenthums. " " Ueber einen Schiffsbrand wird aus New- Jersey berichtet: Aus Halle a. S. wird uns vom 14. März berichtet: Gin Der der„ Hamburg- Amerita- Linie" gehörige Dampfer Arcadia". sogenannter Aufruhrprozeß wurde heute Nachmittag welcher mit Ladung vom Dampfer Pretoria" hier eingelaufen ist. nach zweitägiger Verhandlung vor dem Schwurgericht zu Ende ge- gerieth in Flammen. Das Feuer konnte auf eine Abtheilung führt. Es waren 11 der Arbeiterklasse angehörige Personen an- Bes Schiffes beschränkt werden. geflagt, die in der Nacht vom 24. bis 25. September v. 3. an einer öffentlichen Zusammenrottung, bei welcher Gewaltthätigkeiten gegen. Ans London wird gemeldet, daß der Nebel, der in den beiden Polizeibeamte und gegen eine Militärpatrouille begangen waren, legten Tagen wieder sehr start war, gestern zahlreiche Opfer ges theilgenommen haben sollten. Ein gewöhnlicher Wirthshausstreit im fordert hat. Restaurant zur Bauernschenke hatte die Veranlassung dazu gegeben. Die Polizei war eingeschritten, desgleichen war Militär requirirt worden, Schneesturm in Nordamerika. Aus New- York wird berichtet: wobei die Polizei" blankgezogen" und einige Personen verlegt hatte. Infolge anhaltenden heftigen Schneesturms im Staate Missouri fino Ein Vertheidiger erklärte, das Publikum sei durch das schroffe Vor- zahlreiche Büge eingeschneit. Ein Zug ist seit zwei Tagen in metergehen der Polizei erst zu Thätlichkeiten angereizt worden. Der hohem Schnee begraben und fest eingefroren. Es sind zahlreiche Staatsanwalt bemühte fich redlich, den schweren Aufruhr und die Arbeiter nach der Unglücksstätte gesandt worden. gefährdete öffentliche Ordnung nachzuweisen; die Geschworenen gingen aber darauf nicht ein und verneinten alle auf Aufruhr Bezug habenden Fragen. Fünf Angeklagte wurden schließlich wegen Widerstandes und Beleidigung mit Strafen von 1 Jahr 7 Monaten Gefängniß bis herab auf 60 M. Geldstrafe belegt und sechs Angeklagte wurden freigesprochen. eine Die Attentate auf der französischen Stadtbahn nehmen in Gestern wurden wieder die Signale in der bedenklicher Weise zu. Nähe des Bahnhofs Somain abgeschnitten und eine Katastrophe nur über die fast täglich wiederkehrenden verbrecherischen Anschläge ist durch ein Wunder vermieden. Die Panit unter der Bevölkerung sehr groß. Die Zahl der Fahrgäste hat bedeutend abgenommen. Wegen Wechselfälschungen in ganz bedeutendem Umfange, Betruges und Konkursvergeheus stand gestern der Kaufmann Carl August Friedrich Kremling vor der 3. Straffammer hiesigen Gegen die Maifeier der Arbeiterschaft. Die Vorstands- Vor zwei Jahren wurde in Wien die damals 45jährige Landgerichts I. Der Angeklagte war Inhaber des Buttergeschäfts mitglieder des sozialdemokratischen Wahlvereins zu Goslar waren Anna Dregelsberger wegen Falschmeldung verurtheilt. Sie hatte Koch u. Wolff, welches er 1891 übernommen hatte. Obgleich er angeklagt worden, weil sie die Maifeier im vorigen Jahre in dreißig Jahre Männerkleidung getragen und sich polizeilich einen jährlichen Umfag von 250 000-300 000 m. erzielte, gerieth er der Stadtforst veranstaltet hatten, ohne die polizeiliche Genehmi- als Anton Horner, Haustnecht", gemeldet. Als es durch die Verboch in finanzielle Déroute und griff, um sich über Wasser zu halten, gung nachzusuchen. Es wurde ihnen Ucbertretung der§§ 9 und 17 handlungsberichte bekannt geworden war, daß Anna Dregelsberger zu dem Mittel der Wechselfälschung, das er in zahlreichen Fällen des Vereinsgesetzes vorgeworfen, und zwar sahen Polizei nur deshalb Männerkleidung getragen habe, weil sie nur als Mann in Anwendung brachte. Nach seinem eigenen Eingeständniß hat er und Staatsanwaltschaft die Maifeier als öffent die Stellung eines Haustnechtes habe erhalten können", wandte sich feit dem Jahre 1897 monatlich für etwa 3-4000 M. Wechsel ge- liche Versammlung unter freiem Himmel an, die Aufmerksamkeit dieser resoluten Frau zu. Von allen Seiten fälscht, indem er theils unbefugte Namen von Kunden als für die der§ 9 die polizeiliche Erlaubniß vorschreibt. wurde ihr Arbeit und Beschäftigung angetragen, damit sie nicht mehr Atzeptanten auf Wechsel fette, theils echte Wechsel durch Erhöhung Das Bergehen der Angeklagten wurde darin gefunden, daß gezwungen sei, ihr Geschlecht zu verleugnen. Sie entschloß sich endlich. der Wechselsumme fälschte. Durch die ersten strafbaren Handlungen sie zur Theilnahme an der Versammlung" aufgefordert hatten. Die als Gesellschafterin zu einer alten Dame zu gehen. Am Ende des bes Angeklagten ist niemand zu Schaden gekommen, da er die Angeklagten dagegen machten geltend, daß es sich i berhaupt vorigen Jahres starb Anna Dregelsberger in London, nachdem sie kura Wechsel am Verfalltage pünktlich einlöste. Das war ihm schließlich nicht um eine öffentliche Versammlung im Sinne des vorher von ihrer Dienstgeberin 50 000 fl. geerbt hatte. Von diesen nicht mehr möglich und so sind eine ganze Reihe gefälschter Wechsel§ 9 des Vereinsgefeßes handele. Sie wurden jedoch in den beiden Gelde vermachte sie 30 000 fl. einem Mädchen in Wien, von welchem in Höhe von 15 580 M. übrig geblieben, die nicht eingelöst werden ersten Instanzen zu Geldstrafen verurtheilt. Das Landgericht führte sie als Mann verehrt worden war", und zwar( wie es in dem fonnten. Die Personen, bei denen er diese Wechsel diskontirt hatte, aus, daß der Zweck einer öffentlichen Versammlung unter freiem Testament hieß) ,, als Genugthuung dafür, daß sie das arme find um die hohen Beträge geschädigt worden. Nach der Bekundung Himmel die Anwendung der§§ 9 und 17 des Vereinsgesetzes in Mädchen in ihrem Ferthum belassen und genarrt hatte". Die Erbbes gerichtlichen Bücherrevisors Reuter hat der Angeklagte von feiner Weise berühre. Die Maifeier in der Stadtforst sei aber lasserin wurde von den prozeßführenden Verwandten als geistig 8. Juli b. J. feine Zahlungen eingestellt und am 29. Juli eine solche solche Versammlung gewesen, insbesondere sei das nicht normal bezeichnet. Das zuständige Gericht in Wien entschied, den Konkurs angemeldet. Am 15. Juli verschwand er aus Berlin Merkmal der Deffentlichkeit darin zu finden, daß bei der allgemeinen daß das Testament als giltig anerkannt werde. Es hätte sich keine und ging mit seiner Geliebten auf Reisen: zunächst nach Hamburg, Bugänglichkeit der Stadtforst jedermann habe wahrnehmen können, Veranlassung gegeben, die zurechnungsfähigkeit der Erblasferin zur dann nach Hannover, Frankfurt a. M., Basel, Interlaken und nach was sich auf dem Fesiplaze abspielte. Die Angeklagten legten Zeit der Testamentslegung zu bezweifeln, die VerlassenschaftsZürich. Das Pärchen reiste unter falschem Namen und beabsichtigte, Revision ein und rügten, daß der Vorderrichter den Begriff der behörde hatte vielmehr die angefochtene Verfügung als ganz nach Asien zu gehen. Der Plan wurde aber durchkreuzt, da in Zürich Deffentlichkeit verkannt habe. Auch wäre mit Unrecht der Zweck der plausibel" befunden. der Geliebten etwas Menschliches passirte: sie tam nieder und Feier für unerheblich erklärt worden. Die Feier habe in wandte sich nun Der Ein englisches Torpedoboot ist, wie aus Gibraltar an die hiesige Polizei um Ausstellung eines diesem Falle einen rein familiären Charakter gehabt. Heimathsattestes, dessen sie in der Schweiz bedurfte. Da Straffenat des Kammergerichts hob die Vorentscheidung berichtet wird, bei den nächtlichen Schießversuchen auf Grund gedurch gelang der Behörde, Kenntniß dem auf und das Landgericht zurück. rathen; man hofft jedoch, dasselbe wieder flott zu machen. Aufenthaltsorte des Angeklagten zu erlangen, er wurde Der Präsident führte aus, daß es allerdings auf den Zweck ausgeliefert und hier in haft genommen. Bei seiner Flucht einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel bei der Anhat er 5700 Mart mitgenommen, die seinen Gläubigern wendung der§§ 9 und 17 nicht ankomme; indessen müsse hier nach gehörten. Der Staatsanwalt beantragte mit Rüdficht auf den geprüft werden, ob die Angeklagten eine unbestimmte MenschenUmfang der Wechselfälschungen und die Thatsache, daß der An- menge zu der Feier eingeladen hätten. Von dieser Feststellung sei getlagte offenbar ein liderliches Leben geführt und dritten erhebes abhängig, ob die Versammlung als eine öffentliche anlichen Schaden zugefügt hat, zwei Jahre sieben Monate gesehen werden könne. Buchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Auch der Gerichtshof war es bon verwies die Sache an Ein Statistiker hat sich der Frage zugewandt, wie alt die Ballettänzerinnen werden, und er ist zu dem Ergebniß gefommen, daß wenigstens bei den berühmten Tänzerinnen ein un hohes after bie Regel it. Carlotta Grisi ist jetzt gewöhnlich hohes Alter die Regel ist. 77 Jahre alt. Amalia Ferraris unterrichtet noch jetzt, im Alter von 78 Jahren, in ihrem Fach in Paris. Fanny Elsler war 74 Jahre alt, als sie starb, und die Taglioni hat ihr 80. Lebensjahr überder Ansicht, daß der Angeklagte auf mildernde Umstände keinen An- Staatsanwaltschaft in Zilfit hatte die Polizeiverwaltung ersucht, Oper, ist über 50 Jahre, und sie hat erst jetzt davon zu sprechen anDie Polizei als Hilfsorgan der Staatsanwaltschaft. Die schritten. Rosita Mauri, die populäre Primadonna an der Pariser spruch habe und erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts. den Agenten Walter in einer Sache zu vernehmen, wegen der gegen gefangen, daß sie sich zurückziehen wolle. Die polonifirten Namen und das Kammergericht. Der ihn Strafantrag gestellt worden war. Als die Polizeiverwaltung Tischlermeister Gutsch in Inowrazlaw hatte sich geschmackloserweise dann den W. aufforderte, vor ihr zu erscheinen, antwortete er, einem Bauerngrundstück zu Hage now in Mecklenburg gemacht. Bei Ein bedentender Alterthumsfund wurde dieser Tage auf wiederholt Guca geschrieben, auch war seine Tochter nach dieser daß er nur schriftlich Auskunft geben würde. Eine spätere Schreibweise in das Kirchenbuch der katholischen Kirche eingetragen Strafandrohung Aushebung der Fundamente stießen die Maurer auf ein einen halben beachtete W. nicht, so daß er schließ schließ- Meter hohes Gefäß aus Bronze mit Griff und Deckel. Der worden. Der Regierungspräsident in Bromberg verfügte nun im lich vorgeführt Seine nunmehr beim Regierungs- Alterthumsforscher Dr. Belz aus Schwerin war zur Untersuchung Jahre 1896, daß der Name im Kirchenbuch in Gutsch um Präsidenten und dann beim Ober- Präsidenten erhobenen gewandelt werde und berbot es G., sich in Zukunft Beschwerden wurden zurückgewiesen. Das Ober- Verwaltungs- anwesend und entnahm den Inhalt, der in folgenden Sachen bestand: anders zu schreiben. Dieser erfärte darauf es doch zu gericht hat nunmehr ebenfalls zu seinen Ungunsten erkannt, und Neben den üblichen Knochentheilen fanden sich viele Spangen aus thun, und unterschrieb auch sogleich das polizeiliche Protokoll mit zwar wegen unzulässigkeit des Verwaltungs- Streit Silber und Bronze, eine eiserne Scheere, Nadeln aus Knochen, GürtelGucz. Er wurde nunmehr wegen Vergehens gegen die Kabinets verfahrens. Es handle fich hier nicht um eine polizeiliche Ver- schmuckstücke aus Gold, Silber und Bronze, ein Schleifstein mit ordre vom 15. April 1822 angeflagt. Die Stabinetsordre schreibt fügung im Sinne des Gefeges über die allgemeine Landes Bronzegriff, die filbernen Bügeltheile einer Tasche, eine Menge noch vor, daß Familiennamen nur mit landesherrlicher Genehmigung verwaltung, sondern um eine Verfügung, die die Polizei als Silfs fowie eine Haselnuß vor. Das Gefäß ist mit Ringen und anderen nicht genau zu bestimmender Gegenstände aus verschiedenen Metallen, ( jetzt mit Genehmigung des Regierungspräsidenten) geändert werden organ der Staatsanwaltschaft erlassen habe, und dagegen sei nur tönnen. G. wurde in erster und zweiter Instanz zu einer Geldstrafe die Beschwerde im Justiz- Aufsichtswege gegeben, d. h. die Beschwerde Linien verziert. Nach Bestimmung des Dr. Beltz stammt das Grab von 150 m. verurtheilt, auf seine Revision hat ihn jedoch bei der Staatsanwaltschaft, Ober- Staatsanwaltschaft und beim etwa aus dem Jahre 50 n. Chr. Es ist ein wendisches Fürstengrab. In der sehr reichhaltigen Sammlung des großherzoglichen Museums jezt das Kammergericht mit der Begründung freigesprochen, Justizminister. daß hier eine in Schwerin, wohin der Fund gebracht wird, ist ein solches Grab über= Familiennamens haupt nicht vorliege, weil Gutsch und Gucz in der Pferdehandel und Wandergewerbeschein. Wegen Vergehens noch nicht enthalten. Bei günstiger Witterung werden die AusAussprache völlig gleichlauteten. In einem gegen das Gefeß über die Besteuerung des Gewerbes im Umher- grabungen unter der Leitung des Dr. Belz fortgesetzt; auch will zweiten Falle handelte es sich um die Schreibweise Szuda statt ziehen war der Pferdehändler N. angeklagt worden, weil er nicht Letzterer dann ein Feld von ungefähr fünfzig Gräbern bei Bellevue Schuda. Der Mann war gleichfalls in den ersten Instanzen vers gegen Entrichtung der für das Gewerbe im Umherziehen vor- in der Nähe von Hagenow aufdeden, wo seit einiger Zeit schon urtheilt worden. In der Verhandlung vor dem Kammergericht gab geschriebnen Steuer einen Wandergewerbeschein gelöst hatte. N. mehrere ebenfalls seltene Formen aufweisende Urnen aus Thon beim der Oberstaatsanwalt seinem Unwillen über die obige Entscheidung bestritt, daß er das Wandergewerbe ausgeübt habe. Er Sandfahren aufgefunden find. des Kammergerichts ziemlich deutlich Ausdruck. Er meinte, es könne habe allerdings Pferde aufgekauft, jedoch sei er In Arad( Ungarn) ist gestern ble Mittelman'sche Spritfabrik nicht darauf ankommen, daß der Name in beiden Schreibweisen nicht mit ihnen von Ort zu Ort gezogen, um fie niedergebrannt. Es herrschte große Befürchtung, daß ein 8000 Hektogleichlautend fei. Der bom Rammergericht aufgestellte bei jeder beliebigen Gelegenheit wieder zu verlaufen. liter enthaltender Kessel explodire. Aenderung des überall Grundsatz wäre geeignet, eine große Konfufion herbei- Er habe habe sie vielmehr in seinen Stallungen untergebracht abe fie bielmehr in feinen zuführen. Indessen sei Schuda freizusprechen, weil er und sie nur von Zeit zu Beit auf ganz bestimmten Märkten Die Peft in Bombay. Die Sterblichkeit in der abgelaufenen feinen Namen nicht dauernd in Szuba umgewandelt, sondern feilgehalten. Der Angeklagte wurde indessen in allen drei Instanzen Woche betrug 2812, d. i. eine Abnahme von 119 gegen die vorherlettere Schreibweise nur ausnahmsweise gebraucht habe. Das berurtheilt. Das Kammergericht führte aus, daß die Vorder- gegangene Woche. Der Fortzug der Bevölkerung läßt nach. Man Rammergericht erkannte an, daß Schuda schon aus dem vom Ober- richter mit Recht einen Geiverbebetrieb im Umherziehen deshalb hofft zuversichtlich auf eine baldige Abnahme der Epidemie, Briefkasten der Redaktion. 3. 6. Ein Befer ist so liebenswürdig gewesen, uns mitzutheilen, daß der als grober Gottlieb" bekannte Gastwirth Barbats aus der WasserDie juristische Sprechstunde wird Dienstags, Donnerstags und gaffe 11 im Herbst des Jahres 1876 gestorben ist. Freitags abends von 7 bis 8 1hr abgehalten. 2. A. 80. Gutes aftfreies und feinjähriges Tannenholz. Olberg und Genoffen. Theilen Sie die Angelegenheit dem Verfrauensmann Ihres Wahlkreises mit. Zwei Wettende. Die Bereitung von Trüffelbutter verstehen wir nicht. Sehen Sie doch in einem Kochbuch nach. E. 5. 30. Auskunft über Kartenspiele geben wir nicht. D. F. Eine derartige Anzeige muß vom Vertrauensmann Ihres Wahlkreises abgestempelt sein. Fahrrad 700. Herr Mar Kern, Charlottenburg, Garde du Corps Straße 3 III, wird Ihnen Auskunft geben. J. D., Frankfurt a. M. Die Adresse ist: Queen Annes Gate 9, Westminster, London. A. R., Sebastianstraße. 1890 ging die legte breijährige Legislatur: periode zu Ende; der neugewählte Reichstag hätte erst 1895 fein natürliches Ende erreicht, wurde aber 1893 aufgelöst. Die Legislaturperiode zählt - auch bei der Auflösung; 3. B. 1893-1898. immer von der Neuwahl an 5. M. 1. Sozialdemokratie, süddeutsche Vollspartei und freifinnige Volkspartei stimmten gegen alle Pofitionen des Kolonial- Etats. Briefkasten der Expedition. Riesengebirge. Am 25. Juni 1898. Witterungsübersicht vom 15. März 1899, Morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm M. W. 91. Verjährung liegt nicht vor. Erklären Sie furzer Hand, daß Sie nicht in der Lage sind, Bahlung zu leisten, auch bestreiten, zur Zahlung verpflichtet zu sein. Wo nichts ist, hat auch der Fiskus sein Recht M. 100. Ja. R. S. 75. Die verloren. Ihr Mann haftet nicht. Verjährungszeit beträgt vier Jahre, von dem Ablauf des Jahres ab ge: rechnet, in dem die Gerichtskosten entstanden waren. Durch jede Bollstreckungshandlung wurde aber die Verjährungsfrist unterbrochen und begann eine neue. Ob demnach die gegen Sie gerichtete Forderung verjährt ist, läßt sich ohne genauere Kenntniß des Sachverhalts nicht mittheilen. Liegt teine Ber jährung vor, so haften Sie für die gesammten Kosten. Sprechen Sie Swinembe. 771 93 eventuell zur Darlegung des Sachverhalts in der Sprechstunde vor. 2 Wettende. 1. Der mündliche Antrag kann als hinreichend erachtet Hamburg Gin fchriftlicher Vertrag ist unnöthig. W. S. 16. Sie können werden. jeder Zeit Ihren Sohn zurückverlangen. Hampe. Die Klage müßte nach der Gesinde Ordnung abgewiesen werden. 11. Das foftet 10 Pf. für die Seite Abschriftsgebühren. Corf. 1-5. Durch englische Konversation würden Sie Ihr Ziel am besten erreichen. Empfehlungen tönnen wir nach den von Ihnen gewünschten Richtungen nicht aussprechen. 6. Soweit sie Vertreter des Hausvaters find ja, sonst nein. 2. R. 48. 1. Nein. 2. Der erstere. Vogel. Nein. R. S. 1-4 Nein. M. 123. Ja. Windrichtung 774 WSM Berlin 773 3 Wiesbaden 773 NO München Wien 773 SO 774 Still Windstärke Wetter 3voltig 2Nebel 2 Heiter 1wolfen! Temp. n. 6. 5° C. 4° R. Stationen Barometerstand mm Winds richtung Windstärke 7 Haparanda 745 Still 2 Petersburg 5 Cort 3 Aberdeen 3wolfent 0 Paris woltent 3 773 772 2 772 9 Wetter Dunst 15lb.bed. 1ylb. bed. 2wolfcul Temp. n. G. 15° C.= 4° 9. 1 -8 773 Wetter Prognose für Donnerstag, den 16. März 1899. Etwas fühler, zeitweife nebelig, pielfach heiter bei schwachen nordwests lichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Allg. Kranken- u. Sterbelaßſe| Achtung! 2. Wahlkreis. Achtung! Achtung! VI. Wahlkreis. Achtung! der deutschen Drechsler Am Donnerstag, den 16. März, Abends 8½ Uhr, im Lokale und deren Berufsgenossen ( E. S. 86, Hamburg, Bezirk C.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Wilhelm Lehmann am Montag, den 13. d. Mt. verstorben des Herrn Richter, Schwerinstraße 13: Sonnabend, den 18. März, Abends 8½ Uhr: Volks- Versammlung. 5 Volksversammlungen Tages Ordnung: 1. Die bevorstehende Neuwahl. Referent: Dr. Leo Arons. Um zahlreiches Erscheinen ersucht ift. Die Beerdigung findet am Donners: 2. Diskussion. tag, Nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause, Görligerstr. 35, aus nach dem Emmaus Kirchhofe, Hermannstraße, statt. 19696 Die Ortsverwaltung. Allg. Kranken- u. Sterbefasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen ( E. S. 86, Hamburg, Bezirk C.) Den Mettgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Alois Scholz am Sonntag, den 12. d. M., ber: storben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag Nachm. 3 Uhr von der Leichenhalle des Krankenhauses Be thanien aus nach dem Neuen Jacobis Kirchhofe, Hermannstraße, statt. 19686 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise der Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Otto Schäfer, insbesondere seinen Kollegen der Firma Das Wahlkomitee. 210/6 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Sonnabend, den 18. März, Abends 8 Uhr, im Saale der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10-11: bilgorit in folgenden Lokalen: 1. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47-49.. 2. Rösliner Hof, Köslinerstraße 8. 3. Weimann's Volksgarten, Badstraße 56. 4. Nümann's Saal, Brunnenstraße 188. 5. Mierke's Volksgarten, Schönhauser Allee 101. allen Versammlungen: Partei- Versammlung die Bedeutung des 18. März für das deutſche Proletariat. Tages: Ordnung: Die Bedeutung des 18. März. iskussio Dn. 217/2 Bu zahlreichem Besuch laben ein Die Vertrauenspersonen. Deutsch. Metallarbeiter- Verband ( Verwaltungsstelle Berlin.) Heute, Donnerstag, Abends 64 Uhr, im Lokal des Herrn Nümann, Brunnenstraße Nr. 188: Derlammlung. Tagesordnung: Siemens u. Halste, sowie Herrn und Der Streit der Former und Kernmacher ber Firma Gaebert. Frau Hedrich meinen tiefgefühltesten 111/1 Dank. Frau Marie Schäfer. Zwölfte Abänderung zunt Statut der Orts Krankenkaffe der Kürschner n. verw. Gewerbe zu Berlin. ad 1.§ 31 bes Statuts bezüglich ber Einzahlung wird dahin abgeändert: daß die Beiträge alle fechs Wochen an die Kaffe einzuzahlen find." ad 2. Vorstehende Abänderung tritt mit dem 1. April 1899 in Kraft. Berlin, den 12. Dezember 1898. Der Vorstand 21h. Freyer, Vorsitzender. Genehmigt Berlin, den 13. Januar 1899. Der Bezirks Ausschuße 3- Nr. 2738. Kayfer. 8618 Gem. II. 99. gut J.-Nr. 10546 Gew. II. 98. 266/3 Achtung! Die Ortsverwaltung. Britz. Achtung! Am Sonnabend, den 18. März, Abends 8%, 1hr, in Güldner's Lokal, Rudowerstraße Nr. 166: Volks- Versammlung. Tages Ordnung: 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 1. Die Bedeutung des 18. März. Referent Genosse Grempe. 202/14 Bur Dedung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pfennig erhoben. Der Vertrauensmann. Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag, den 19. März 1899, Abends 7 Uhr. in den ,, Arminhallen", Kommandantenstr. 20: Vortrag des Herrn Dr. Alfred Bernstein über: Die gegen Herrn Otto Plachtowski Anarchismus und Sozialismus. ausgesprochene Verdächtigung und BeLeidigung nehme ich hiermit zurück. Berlin, den 10. März 1899. Emil Richter, Brigerstr. 31. Großer Möbelverkauf Nach dem Vortrag: Gemüthliches Beisammensein u. Tanz. Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Sonntag, 9. April 1899, Abends 7 Uhr, in Keller's Festsälen, Koppenstr. 29: Vortrag des Herrn F. S. Archenhold ( Direktor der Treptow- Sternwarte): Ausflug in die Sternenwelten. Mit zahlreichen Licht- u. Drehbildern. Nach dem Vortrag: Gemüthliches Beisammensein und Tanz. Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Orantenstraße 73, an der Ston mandantenstraße( früh. Schüßenstr. 2), in meinem vier Etagen hohen Fabrit gebäude, großes Möbel- Spezialgeschäft für fleine und mittlere WohnungsEinrichtungen. 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Freie Volksbühne. driet no VI. Abtheilung Sonntag, den 19. März, im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater: In Behandlung. Desgleichen III. Abtheilung im Lessing- Theater: Erziehung zur Ehe. Und: Liebesträume. Das Märzfest des Vereins wird am 18. März, Abends 8 Uhr, in den Gesammträumen des Etablissements Böhmisches Brauhaus abgehalten. Programm: Rezitationen, Doppel- Quartett des Berliner Sinfonie- Orchesters mit Violin-, Cello- und Harfen- Soli's. Gesangssolisten: Frl. Jeanne Golz, Herr Heinemann. Festrede: Genosse Wilhelm Liebknecht. Nur Mitglieder haben Zutritt, wenn sie eine Marke à 50 Pf. in ihrer Zahlstelle für ihre Mitgliedskarte( 2. Rubrik Festmarke) lösen. Die Festmarken sind bereits ziemlich vergriffen. 229/2 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. , Jägerhaus Schönhauser Allee 103. Täglich: Großes Volksfest. Entree frei! [* Allerlei Anzeigen. GENERAL Charlottenstr. 93. Fandbureau, Alte Atten, Zeitungen, Abfalls papier tauft jeben Posten M. Lange, 18276 Oppelnerstr. 2 I. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die erste diesjährige Vierteljahrs. Bersammlung des Osterhetttgabends wegen, nicht aur Sonnabend, den 1. April, sondern am Sonnabend, den 15. April, Abends 8 Uhr, im Vereinslokal, Gipsstr. 9, stattfindet. Der Vorstand. 1. A. W. Friedrich. Kränze Preisen werden die großen Borräthe und Blunt ent empfiehlt verliehen gewesener, sehr tve 11358* Dr. med. Schaper Spezialarzt für hombop, Arzt, wenig benities Buitel bertanti, bo F. Jacobitz, Koppenſtr. 46. Haut Harnleiden unter ganze Speisezimmer, Salons und Schlafzimmer. Täglicher Eingang gebrauchter, einfacher it. feiner Möbel. Getaufte Möbel werden 3 Monate tostenfrei aufbewahrt, durch eigene Gespanne in die Wohnung gebracht und aufgestellt, auch außerhalb. Cigarre mp 5 Damp 11 Pig. Frauen- Krankheiten. Empfehle allen Freunden ut. Bekannten mein Weiss-, Bairischbier- Schöneberger Ufer 25. Spr. 9-1. 4-7. und gr. Speisegeschäft. Reich haltiges Frühstitet von 30 P1., Mittag Homöopath. 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Schreiber dieses ist in gewissem Grade Mitschuldiger an vorliegender Schrift, zu der er mit Victor Adler den Anstoß gab. Bernstein hatte allen Kritikern seiner Artikel in der„ Neuen Zeit" über " Probleme des Sozialismus" und seiner Stuttgarter Erklärung entgegengehalten, daß sie ihn mißverständen. Dies der Grund, warum wir Bernstein riethen, seine Ansichten bon Ziel und den Aufgaben der Sozialdemokratie in einer syfte matischen Darstellung zusammenzufassen, statt sie in Einzelpolemiten zu berzetteln. Ob diese Darstellung Bernstein in einer Weise gelungen ist, die alle Mißverständnisse ausschließt, darf bezweifelt werden. Statt fich auf einige wenige grundlegende Fragen zu beschränken und diese gründlich zu erörtern, hat er eine Unzahl Detailfragen in das Bereich feiner Untersuchung gezogen, die er, da es ihn drängte, rasch fertig zu werden, doch nur oberflächlich streifen konnte, die aber Zeit und Raum für die Hauptfragen beschränkten. Dazu kommt, daß in manchen Partien an stelle positiver Entwidelung bloße tritische Bemängelung ohne greifbare Resultate gegeben wird, und endlich, daß Bernstein gerade bei der Erörterung der theoretischen Grundlagen aus Bietät gegen Marg und Engels sich scheute, frei von der Leber weg zu reden, wie er im Vorwort selbst bezeugt. Ich begreife dies Empfinden, halte es aber für sehr übel angebracht. Daß man es so lange als möglich vermeidet, einem Freund und Kampfgenossen öffentlich entgegenzutreten, daß man die von ihm abweichende Meinung am liebsten für sich behält, wird wohl niemand tadeln. Ist es aber einmal unvermeidlich geworden, zu sprechen, dann muß es ohne Rücksichten, ohne Umschweife geschehn. Das sind wir unserer Sache schuldig, und zwar um so mehr, je höher wir die Bedeutung des Mannes einschätzen, den wir kritisiren. Immerhin, wenn die Darstellung Bernstein's Mißverständnisse nicht ausschließt, so hoffe ich doch, daß es mir gelingt, in meiner Auffassung seines Gedankenganges von solchen frei zu bleiben. Drei Momente sind die leitenden Gesichtspunkte der Bernsteinschen Streitschrift. Zwei davon laufen mit einander parallel. Bernstein sieht bei Marg und Engels eine theoretische Entwickelung, die in gleicher Richtung geht, wie seine eigene. Aber es war bei diefen nicht eine Entwidelung zur Einheitlichkeit, sondern zur Berfahrenheit. Sie vermochten nicht jene Anschauungsweisen völlig zu überwinden, von denen sie ausgegangen. Die Reste davon hafteten ihnen immer an und daraus ergaben sich mannigfache tiefgehende Widersprüche, die„ Apologeten und Nabulisten" leugnen mögen, die aufzuheben die Aufgabe der ehrlichen und klaren Elemente unter den Margisten ist. Wenn also Bernstein meint, die Zunahme der Bahl der Be fizenden sei so offenkundig, daß es die größte Thorheit wäre, sich das verheimlichen zu wollen, sei eine Thatsache, an der sich garnicht rütteln läßt, so ist das aus den Zahlen, die er vorbringt, absolut nicht zu ersehen. Warum hält er sich aber an die Einkommensteuer- Statistit, die uns direkt über die Zahl der Kapitalisten doch gar nichts fagt und sehr eingehender kritischer Untersuchung bedarf, sollen nur einiger maßen verwerthbare Echlüsse aus ihr gezogen werden? Haben wir nicht die Berufsstatistik, die uns viel deutlicher, wenn auch nicht über die Bahl der Kapitalisten, so doch, und das ist das Entscheidende, über die der Proletarier Aufschluß giebt? firte Betriebsform selbst in den vorgeschrittenen Ländern Europa's erst ein partielles Faktum bildet, daß die handwerksmäßigen Klein betriebe zwar auch ihrerseits langsam dem Verdichtungsprozeß ihren Tribut abstatten, aber darum doch ganz und gar keine Miene machen, von der Bildfläche zu verschwinden". Gegen Marg und Engels würde das sehr wenig beweisen, da diese nie ein bestimmtes Tempo der ökonomischen Entwickelung be hauptet hatten, es beweist aber auch sehr wenig für die Ferne des Sozialismus. Bernstein schließt aus der großen Zahl der bestehenden Kleinbetriebe, wir würden für die sozialistische Produktion nicht so bald reif. Letzteres ist wohl möglich, aber das Bestehen von Kleinbetrieben neben vorherrschendem Großbetrieb ist kein Kriterium der In Deutschland hat sich nach der Berufszählung die Zahl der Unreife. Sind wir erst dann reif zur Herrschaft des Proletariats, Selbständigen in den drei Hauptberufen Landwirthschaft, Industrie wenn alle Kleinbetriebe aufgesaugt sind? Ich bezweifle es, daß wir und Handel von 1882-1895 von 32 auf 29 Prozent der Erwerbs im Stande sind, statistisch berechnen zu können, wann die Gesellthätigen vermindert, die der Lohnarbeiter und Angestellten ist schaft für die sozialistische Produktion reif geworden ist. Diese wird dagegen von 68 auf 71 Prozent gestiegen. Heißt das nicht Bu- ein Produkt nicht blos der ökonomischen Entwidelung sein, sondern nahme des Proletariats? auch der aus ihr hervorgehenden Klassenkämpfe. Sie erfordert eine Aber es nimmt nicht nur das Proletariat zu, sondern innerhalb gewiffe Höhe der kapitalistischen Produktion, wie eine gewisse des Proletariats auch jene Schichte, die dem Sozialismus am Kraft und Reife des Proletariats. Wir können vielleicht aus günstigsten, das städtische, das industrielle Proletariat. nähernd schäßen, bis zu welcher Höhe diese gediehen find wobei wenn die Zahl der Proletarier relativ blos um 8 Prozent wuchs, Optimismus und Pessimismus frei schalten können. Wir sind aber so ist das dem Umstand zuzuschreiben, daß in der Landwirthschaft absolut nicht im Stande, auch nur annähernd zu schätzen, welcher die Zahl der Lohnarbeiter abnimmt. Sie fant 1882-95 von 72 auf Höhegrad der Entwickelung erforderlich ist, um unsern Sieg 69 pet. der in dem betreffenden Beruf Erwerbsthätigen. Da möglich und fruchtbar zu machen. Jede dahingehende Berechnung gegen stieg sie in der Industrie um fast 10 pct., von 65,6 auf bleibt müssige Zahlenspielerei. Darüber kann uns nur die Erfahrung 75,1 pet. belehren, nur die Thatsache unseres Sieges und die Art seiner Bieht Bernstein der Vergleichung der Erwerbsthätigen in den ver- Ausnutzung. Und ich glaube, wir haben heute weit dringendere schiedenen Klassen die Vergleichung der jeder derselben angehörigen Be Sorgen als die, uns vor der zu großen Nähe unseres Sieges zu völkerungsschichten( also Eriverbsthätige, Angehörige und Gesinde) fürchten. vor, dann finden wir, daß in den drei genannten Haupt- Erwerbs Nur beiläufig fei bemerkt, daß Bernstein bei seiner Berechnung gruppen von 1882-95 die Bahl der Selbständigen sammt ihren der politischen Reife des deutschen Proletariats ein arger RechenFamiliengliedern fich von 18 619 966 auf 18 839 578, also blos um fehler unterläuft. 219 612 vermehrte, etwas über 1 pct., dagegen die proletarische Be- Et weist darauf hin, wir hätten in Deutschland gegen 4,5 Millionen völkerung von 21 194 649 auf 25 881 816, alfo um 4 687 167, über erwachsener Arbeiter in der Industrie und blos 2,1 Millionen sozia22 pCt. Die Gesammtbevölkerung vermehrte sich in diesem Zeit- listische Wähler. raum um 13 pct. In der Industrie nahm die selbständige Be= Die Rechnung stimmt nicht, wenn wir erwachsene männliche völkerung nicht blos relativ, sondern absolut ab von 7 041 089 auf Arbeiter in Betracht ziehen. Um zu den 4,5 Millionen( genauer 6 552 964, also um 488 125, die von Lohnarbeiten lebende industrielle 4 476 620) erwachsenen Industrie- Arbeitern zu kommen, mußte BernBevölkerung dagegen wuchs von 9016 991 auf 13 700 277, um ftein auch die weiblichen dazu nehmen, die aber leider vorläufig 4 683 286; ihr Zuwachs allein beträgt ebensoviel als der der gesammten das Stimmrecht noch nicht haben. proletarischen Bevölkerung. Angesichts dieser Zahlen ist es mir unbegreiflich, wie Bernstein von einer Zunahme der Besitzenden als einer so offenkundigen Thatsache sprechen kann, daß es die größte Thorheit wäre, fie sich zu verheimlichen. Im Gegentheil, die Zahlen der Statistit stimmen mit den Deduktionen unserer bisherigen Theorie vollkommen überein und bestätigen sie aufs Glänzendste. Männliche Arbeiter über 20 Jahren giebt es in der Industrie nur 3 852 517. Davon standen im Alter von 20-30 Jahren 1 603 583; wir dürfen annehmen, daß ungefähr die Hälfte davon unter 25 Jahre war. Also statt vier ein halb Millionen industrieller Arbeiterwähler finden wir blos drei Millionen. Es geht aber doch nicht an, die Stimmen der Wähler, die zu Hause ge blieben sind, einfach den Gegnern zuzuzählen. Nehmen wir an, daß In gleicher Weise hat auch die Sozialdemokratie eine Ent- Oder wollte Bernstein, wenn er von der Zumahme der Be- die Zahl der Wahlenthaltungen unter der Arbeiterschaft widelung durchgemacht, eine Mauserung" von der Revolutions- fitenden sprach, damit sagen, daß die Lohnarbeiter anfangen, Be- ebenso groß war, wie in der übrigen Bevölkerung dann zur Reformpartei. Aber sie will immer noch den Schein der ersteren fizende zu werden? Er sagt das nicht ausdrücklich, jedoch scheint sein finden wir, daß die Stimmenzahl der deutschen Sozialaufrecht erhalten, hält noch an den alten Phrasen fest, obwohl diese Hinweisauf das Aktienwesen in diesem Sinne gemeint zu sein. Aber demokratie und die Zahl der wählenden Industrie- Arbeiter in vollem Widerspruch zu ihrer Bragis stehn. Sie habe den Muth, wir haben keine Statistik der Befizer von Aktien, und die Anficht, sich fast völlig deckt. Die Gegnerschaft, welche die Sozialdemokratie scheinen zu wollen, was sie ist. daß die Zersplitterung des Besizes an einem Aftienunternehmen noch in manchen Schichten, namentlich der katholischen IndustrieMit diesem Gedantengang freuzt sich ein anderer: Die theoretische unter viele Attionäre die Wirkungen der Kapitalstonzentration auf Arbeiterschaft findet, wird so gut wie völlig aufgewogen durch den Grundlage, auf der Mary und Engels den Sozialismus aufgebaut, hebe, ist eine bloße Muthmaßung, für die wir keine triftigen Gründe Zuzug aus anderen Proletarierschichten. ist nach Bernstein völlig verfehlt; sie stimmt nicht mit den Thatsachen. sehen. Der Arbeiter wird durch den Besitz einer Attie ebenso- Wenn Bernstein erklärt: Mehr als die Hälfte der ges Diesem Gedanken wollen wir vor allem näher treten. Dagegen wenig zum Kapitalisten, wie durch den Besiz eines Sparkassenbuchs. werblichen Arbeiterschaft Deutschlands steht zur Zeit der Sozialfehen wir hier ganz ab von den Ausführungen Bernstein's über Bernstein selbst wird nicht annehmen, daß die Ersparnisse eines demokratie noch theils gleichgiltig und verständnißlos, theils aber materialistische Geschichtsauffassung, Dialettit, Werththeorie und die Arbeiters genügen, ihn zum Kapitalisten zu machen. Woher foll fogar gegnerisch gegenüber," so beruht dieser Bessimismus zum Glück angeblichen Widersprüche, die sie enthalten. Diese Kapitel tönnen aber dann die Vermehrung der Befizenden kommen, wenn es die auf einem Rechenfehler. furz nicht abgehandelt werden und sie haben ein vorwiegend Proletarier sind, die am raschesten zunehmen? Doch tehren wir zur Kapitalstonzentration zurüd. Wenn Bern atademisches Intereffe. Ich behalte mir vor, in einer selbständigen Bisher war das Attienvesen mehr ein Mittel, die Ersparnisse stein blos meint, dieser Prozeß gehe sehr langsam vor sich, so beweist Arbeit meine Ueberzeugung von der Haltlosigkeit des Standpunttes, der einen Leute in die Taschen der großen Kapitalisten zu bringen- bas gar nichts gegen die Mary- Engels'sche Theorie vom noth den Bernstein in diesen Fragen einnimmt, zu begründen. nicht selten auf Nimmerwiedersehen als ein Mittel, fleine Leute wendigen Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft. Ueber zu Besitzenden" zu machen. so vage Begriffe, wie langsam"," schnell", läßt sich überhaupt schwer diskutiren. Mir erscheint die Entwickelung, wie sie die Berufsund Betriebsstatistit zeigt, als eine sehr rasche. " 1882 Arbeiter 1877'872 Sollte aber Bernstein meinen und manche seiner Säße weisen darauf hin- daß die in der Richtung der Kapitalskonzentration wirkenden Tendenzen durch mindest ebenso starke durchkreuzt würden, 1895 Bunahme(+) die in entgegengesetter Richtung thätig sind, dann sprechen die ThatArbeiter o. Abnhm.(-) sachen der Statistik für das gerade Gegentheil. Die Marr'sche Lehre beweist die Nothwendigkeit des Sozialismus aus den ökonomischen Entwidelungsgesezen des Kapitals. Die Die angeführten Zahlen der Berufsstatistik deuten bereits auf tapitalistische Produktionsweise verwandelt mehr und mehr den Konzentrationsprozeß des Kapitals hin. Bernstein leugnet ihn bie Bevölkerung in Proletarier, die im schroffsten Interessengegen natürlich nicht, aber er behauptet, neben dem Großbetrieb erhalte fag zur Kapitalistentlasse stehen, tein Interesse haben an fich der Kleinbetrieb. Wie pretär diese Erhaltung ist, zeigen folgende der Erhaltung des kapitalistischen Privateigenthums, dagegen das Zahlen der Gewerbestatistik. Es waren beschäftigt in: höchste Interesse an seiner Abschaffung. Dieselbe Entwickelung verwandelt die Produktionsmittel immer mehr aus individuell angewandten in gesellschaftlich angewandte, und bringt das ganze ökonomische Alleinbetrieben Getriebe in immer stärkere Abhängigkeit von den großen Kapitalisten. Gehilfenbetrieben mit 1-5 Personen 2 457 950 Endlich steigert sie immer mehr den Widerspruch zwischen der Möglichkeit sowie dem Bedürfniß, die Produktion aufs raschefte auszudehnen, und der Unmöglichkeit, den Markt entsprechend zu erweitern, einen Widerspruch, der in zeitweilig vorkommenden Krisen zu Tage tritt und der feine Aufhebung durch Aufhebung der fapitalistischen Waarenproduktion immer mehr zu einer dringenden Nothwendigkeit macht. Zunahme des Proletariats, der Kapitalstonzentration, der Ueberproduktion, das sind die Elemente, die zum Sozialismus hinbrängen. Bernstein leugnet sie zum Theil ganz, zum Theil mißt er ihnen geringe Bedeutung bei. " Die Zahl der Befizenden ist nicht fleiner, sondern größer geworden," behauptete er in seiner Stuttgarter Erklärung. Die enorme Vermehrung des gesellschaftlichen Reichthums wird nicht von einer zusammenschrumpfenden Zahl von Kapitalmagnaten, sondern von einer wachsenden Zahl von Kapitalisten aller Grade begleitet." " " 6-50 " 1 391 720 1 613 247 213 100 1 714 351 3 056 318 8,7% Der dritte Fattor, der nach der Mary- Engels'schen Doktrin mit + 24,3% Nothwendigkeit zum Sozialismus hindrängt, ist die Ueberproduktion, + 76,3% der wachsende Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und + 88,7% fapitalistischer Aneignung, der in zeitweisen Krisen zum gewaltsamen +110,500 Ausbruch fommt. Das ist ein sehr schwieriges Thema, das eine eingehende Untersuchung wohl lohnte, aber gerade hier können wir uns furz fassen. 2 454 257 über 50 3.044 843 ( davon 1000") 448 781 Zusammen 7 340 789 10 269 269+ 39,9% Wir finden also neben der absoluten Abnahme der Zwergbetriebe auch eine relative der Kleinbetriebe. Die industrielle Arbeiterschaft vermehrte sich um 40 pct., die der Kleinbetriebe( Alleinbetriebe und solche mit 1-5 Gehilfen) nur um 10 pet. Sie hatten nur deshalb eine absolute Zunahme aufzuweisen, weil die prozentuale Zunahme der Industriebevölkerung dreimal so groß war als die der Gesammtbevölkerung, eine Zunahme, die ihre Grenzen finden muß. Je größer die Betriebe, desto rascher nehmen sie zu, desto mehr beherrschen sie das ökonomische Leben, desto mehr schwindet für den Lohnarbeiter die Aussicht, selbständig zu werden, sich der Produktionsmittel anders als auf dem Wege des Sozialismus zu bemächtigen. es Die Konzentration der großen Unternehmungen zu Monopolen durch Kartelle ist aus der Statistit natürlich absolut nicht zu ersehen, ebensowenig die Umwandlung des Handwerks in fapitalistisch ausgebeutete Hausindustrie und Schwizmeisterei. Bernstein kritisirte in seinen Artikeln über die Probleme des Sozialismus die Auffassung, als gingen wir einer großen, allgemeinen Geschäftskrisis entgegen, von einer Stärke und Ausdehnung. daß fie alle Welt von der Unmöglichkeit des kapitalistischen Systems überzeugt und diefes rettungslos zufammenbrechen läßt. Er suchte demgegenüber zu beweisen und thut es auch in seiner Schrift, daß. wenn nicht unvorhergesehene äußere Ereignisse eine allgemeine Krise herbeiführen... tein zwingender Grund vorhanden ist, auf ein baldiges Gintreten einer solchen aus rein wirthschaftlichen Gründen zu folgern". Ich sehe keinen Grund, das zu bestreiten. Der alte, zehnjährige In Wirklichkeit dürfte aber die Konzentration der Betriebe noch Krisenzyklus, wie ihn Marg bei der Abfassung seines Kapital" und Ich war äußerst gespannt darauf, wie Bernstein den Beweis für viel mehr vorgeschritten fein, als die Gewerbestatistik zeigt, da diese Engels im Anti- Dühring" vor Augen hatten, ist ein Ding der Vera diesen Saz erbringen werde. Denn wenn etwas, stand für mich die dort, wo verschiedene Gewerbe in einem Betriebe vereinigt sind, den gangenheit. Auf die Krisis von 1873 folgte eine Periode allgemeiner Thatsache der Zunahme des Proletariats, also die( relative) Abnahme einen großen Betrieb in so viele fleinere zerlegt, als er Gewerbe Stagnation, von nur kurzen Zeiten eines schwachen Wiederauflebens der Zahl der Befizenden fest. Ich war um so mehr gespannt auf enthält. Ein Großbetrieb mit 100 Arbeitern tann in der Sta- der Geschäfte unterbrochen. Schon hielt man es nicht für unmöglich, diesen Beweis, weil er, wenn erbracht, nicht nur einen der wichtigsten tistit als fünf fleinere Betriebe mit je 2, 8, 10, daß dies das letzte Stadium der kapitalistischen Produktionsweise Grundsäße unserer bisherigen Theorie über den Haufen wirft, sondern 30 und 50 Arbeitern erscheinen. So erklärt fich, einleite, da erhob sie sich Ende der achtziger Jahre zu einer neuen auch die bisher sicherste Grundlage unserer Siegeszuversicht erschüttert. wenigstens zum Theil, daß die Bahl der Hauptbetriebe von 3 005 457 Blüthe, zu einer Aera der Prosperität, die nun schon ein Jahrzehnt Was bringt aber Bernstein? Bringt er auch nur aus einem auf 3 144 977 stieg, indeß die Zahl ihrer Besizer und Leiter viel währt, nur von nationalen und partiellen, bon feiner Weltmarkikrise einzigen Lande Daten, die bezeugen, daß dort die Zahl der Kapita- geringer war, nur zwei Drittel der Betriebszahl, und fant, von unterbrochen. Ob diese Zeit des Aufschwungs ebenso lange dauern listen rascher zugenommen habe, als die Bevölkerung? Nein, und er 2 201 146 auf 2061 764. Das deutet darauf hin, daß die Kon- wird, wie die ihr vorhergehende der Depression, ob sie ihr Ende in tann sie nicht bringen. Mir wenigstens ist aus teinem Lande zentration der Unternehmer noch rascher vor sich geht, als statistisch einer Serie einzelner fleinerer Krijen oder einer Weltkrise finden, ob eine statistische Aufnahme der Kapitalisten bekannt geworden. erweisbar. diese dann die letzte der tapitalistischen Produktion sein wird, ob und Was uns Bernstein giebt, sind ein paar Zahlen der englischen und wie weit die darauf etwa folgende Stagnation, das heißt Einschränkung preußischen Einkommensteuer- Statistit. Aber abgesehen von allen der Produktion und Arbeitslosigkeit großer Massen eine anarchische ben Bedenken, die gegen diese Zahlen vorzubringen wären, fo fagt oder eine durch Kartelle planmäßig herbeigeführte sein wird, also die Statistik der Einkommen doch nichts über die Statistik des inwieweit die Arbeiter und inwieweit die Kapitalisten die Uebel der Besizes. Bernstein weist auf die Zunahme der Einkommen über In der Landwirthschaft findet eine Betriebskonzentration wie in Ueberproduktion zu tragen haben werden, wer könnte heute darüber 3000 M. in England und Preußen seit 1850 hin. Aber sind denn der Industrie und im Handel allerdings nicht statt, so weit man Auskunft geben? Aber damit ist doch nur die Nothwendigkeit des alle Einkommen dieser Höhe Kapitaleinkommen? Ihre Zunahme darauf aus der Flächenausdehnung der Betriebe schließen tann. Wie Zusammenbruchs im Sinne der Theorie eines mir unbekannten X, kann den verschiedensten Ursachen entspringen, dem Wachsthum der alle Leugner der Mary'schen Entwickelungstendenzen verweilt daher nicht aber im Sinne der Mary- Engels'schen Theorie widerlegt. In Geldlöhne und Gehälter, der Zunahme der Zahl der Beamten aller Bernstein bei der Landwirthschaft mit besonderer Vorliebe. Er über- feiner Vorrede zur deutschen Ausgabe des Marr'schen„ Elend der Art, dem Steigen der durchschnittlichen Lebenshaltung- Fattoren, sieht, daß in der Landwirthschaft ebenfalls die Tendenz herrschte, Philosophie" erklärte Engels 1884: Marg hat seine kommunistischen die eine Zunahme des sozialen Gegensatzes zwischen dem Proletariat einerseits nach Konzentration der Betriebe zu Großbetrieben und Forderungen auf den nothwendigen, vor unseren Augen täglich und der Kapitalistenklasse, und eine nicht blos absolute, sondern andererseits nach Berstückelung in Zwergbetriebe, die bloße Anhängsel mehr und mehr fich vollziehenden Zusammenbruch der auch relative Vermehrung der Zahl der Lohnarbeiter durchaus nicht proletarischer Haushaltungen find. Stellenweise, wie in Frankreich fapitalistischen Gesellschaft begründet". Einige Seiten später aber ausschließen. und Belgien, herrscht sie noch. In Deutschland wurde sie bis zum bemerkt er, daß die Zeit der regelmäßigen Krisen vielleicht vorbei Eintritt der Agrartrifis beobachtet. Es bleibt abzuwarten, wie lange sei. Seitdem Englands Weltmarktsmonopol mehr und mehr ge*) Ed. Bernstein. Die Voraussetzungen des Sozialismus die neue, dem Mittelbetrieb günstigere Tendenz dauern wird. Sicher brochen wird durch die Betheiligung Frankreichs, Deutschlands, und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Stuttgart, J. H. W. aber ist es, daß heute schon die landwirthschaftliche Bevölkerung Amerika's am Welthandel, scheint eine neue Ausgleichsform sich Diet' Nachf. immer mehr abnimmt und daß sie in immer größere Abhängigkeit geltend zu machen. Die der Krise vorhergehende Periode allgemeiner Man gestatte mir hier eine persönliche Bemerkung. Genoffe von der Industrie geräth. Die Entwickelungstendenzen der letzteren Profperität will noch immer nicht kommen. Bleibt sie ganz aus, fo David hat vor einigen Tagen an dieser Stelle eine Bemängelung werden daher immer maßgebender für die ganze Gesellschaft; daß müßte chronische Stagnation der Normalzustand der modernen einiger Ausführungen meiner„ Agrarfrage" veröffentlicht. Vor- aber diese Tendenzen im Sinne der marristischen Theorie wirken, Industrie werden, mit nur geringen Schwankungen." liegender Artikel entschuldigt wohl genügend das Ausbleiben meiner ist unit leider aus der Schrift Bernstein's nicht ganz klar zu ent- durchaus teiner allgemeinen Weltkrise. Die Engels'sche Theorie wird unleugbar. Zum Zusammenbruch im Engels'schen Sinne bedarf es also debatte mit Schippel, eine Programm- und Tattikdebatte mit Bern- nehmen, ob er annimmt, die Entwickelung gehe in der von Marr- durch die Bernstein'schen Ausführungen gar nicht berührt, geschweige stein und eine Agrardebatte mit David zu führen, geht über meine Engels angenommenen Richtung, aber äußerst langsam, oder ob er denn widerlegt. schwachen Kräfte. Genosse David muß schon entschuldigen, wenn sie eine andere Richtung gehen sieht. Was tommt aber dann bei seinem Ansturm gegen die Zusammen ich mich erst in ruhigeren Zeiten seiner erinnern werde. In dem Abschnitt über die politischen und ökonomischen Vor- bruchs- Theorie heraus? Ich finde nichts, gar nichts, was uns vers bedingungen des Sozialismus weist er darauf hin, daß die zentrali- anlassen tönnte, unser Programm zu ändern. Antwort. Gleichzeitig ein Wochenblatt zu redigiren und eine MilizSt. Stautsty. " Darum aber handelt es sich bei der Kritik der Mary- Engels'schen| fommenden Zusammenbruchs des Stapitalismus ableitet aus der als ein einziger großer Jrrthum. Aber nicht sie allein. Wenn die 3njammenbruchstheorie und nicht etwa um die Formen, unter Zunahme der Proletarier und dem Wachsthum ihrer Reife und Bahl der Proletarier abnimmt, das Kapital nicht zur Beherrschung benen die Umwandlung der kapitalistischen in die fozialistische Gefell Macht, aus der fortschreitenden Berdrängung und Unterjochung der der Produktion gelangt, der Markt unabsehbarer Ausdehnung fähig chaft vor sich gehen wird. Bernstein sprach zwar in seiner Stutt Kleinbetriebe durch kapitalistische Großbetriebe, die inter ist was wird dann aus dem Sozialismus selbst? Jarter Erflärung von einer auf Katastrophen zugespizten Tattit" mehr zu monopolistischen werden, und aus der steigenden Tendenz Und der Sozialismus selbst, was ist dann er? and verneinte es, daß heute der Arbeiterklasse in Deutschland„ an zur Weberproduktion, die entweder zu stets wachsenden Krisen oder zu Liner plöglichen Katastrophe gelegen sein" könne. Aber von einer allgemeiner Stagnation, oder aber, wie theoretisch nicht ausgeschlossen, Eingegangene Druckschriften. oerartigen Taktit, die den Erfolg unserer Bewegung von einer Welt zu einer allgemeinen Kartellwirthschaft führt, welche noch weit un- Von der Nenen Zeit"( Stuttgart, Diet' Verlag) ist soeben das 25. Seft trise oder einem Weltkrieg, oder einer anderen Weltkatastrophe abhängig erträglicher und aufreizender als geschäftliche Depression wirken des 17. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: macht, die demnächst hereinbrechen soll, ist weder in Deutschland noch sonst müßte, nicht blos auf das Proletariat, sondern auf die Maffe der Zehn Jahre preußischer Volksschulgeschichte in Bahlen. 1886 bis 1896. Von Siehe da: das stehende Milizheer. Ein Schlußwo bei einer sozialistischen Partei etwas zu merken. Der Kampf gegen die Bevölkerung, und die zur Expropriation der Kartelle in diesem Heinrich Schulz- Erfurt. Zusammenbruchstheorie in diesem Sinne ist ein Kampf gegen Wind- Falle der kapitalistischen Industrie- mit Naturnothwendigkeit führen Die Ruskin Co- operative Association und deren Hochschulen für wort von Wear Schippel.- Siegfried der Sarmlose. Bon R. Kautsky. mühlen. Aber er ist insofern nicht ohne praktische Bedeutung, weil würde. Sozialismus. Von Franz Baetow. Literarische Rundschau. Feuilleton: er Stimmung macht für den Kampf gegen die Zusammenbruchs- Wäre Bernstein's Kritik der Zusammenbruchs- Theorie begründet, wenn die Wildgänse ziehen. Eine flizzirte Erzählung von Henrik Pontheorie im Mary- Engels'schen Sinne, welche die Nothwendigkeit des dann erwiesen sich die grundlegenden Säße unseres Parteiprogramms toppidan. Für den Inhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Thraker. Donnerstag, den 16. März. Urania Taubenstrasse 48/49. Im Theater: Das Land der Fjorde. Im Hörsaal: Opernhand. Carmen. Anf. 7% Uhr. Dr. P. Spies: Flüssige Luft". Schauspielhaus. Julius Cäsar. Anfang 72 Uhr. Nachin. 4 Uhr: Die Palästina ( Experimentalphysik 9.) Invalidenstr. 57/62: fahrt bes deutschen Katserpaares. Tagl. Sternwarte. Deutsches. Die Jüdin von Toledo. Anfang 72 Uhr. Lessing. Die Jüdin von Toledo. Anfang 72 hr. TEL Apollo- Theater. 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