12 Jahrgang. Mittwoch, 31 August 1932 Nr 205. Zusammentritt des Dcntsdicn Mhstags. Papen hat von Hindenburg bereits Vollmacht zur Auflösung! Eröffnung durch die AlterSpräsidentin Klara Zetkin. Der Nationalsozialist Göring Präsident.- Vizepräsidenten: ein Zentrumsmann, ein Dentsdinatlonaler, ein baurlsdier Volksparteller.- Zeitpunkt der nädisten Sitzung wird Göring bestimmen. Berlin, 30. August. Die Tribllnen im Reichstage sind schon lange vor Beginn der heutigen ReichStaaösihung bis auf den letzten Platz besetzt. Im Sitzungssaal stellen sich die uniformierten Nationalsozialisten erst beim ersten Klingelzeichen kurz vor drei Uhr«in. Di« Regirrungsplatze sind nicht beseht. Di« Deutschnationalen sind ihrem Fraktions-Beschluß gemäß zunächst der Sitzung ferngeblieben. Um drei Uhr wird Frau Klara Zetkin, die kommunistisch« AlterSpräsidentin, von zwei weiblichen Fraktionsgenossen zum Prasi- drntensitz geleitet. Die Kommunisten rufen im Sprechchor:„Wir grüßen die antifaseistisch« rot« Einheitsfront und unsere Genossin Klara Zetkin mit einem dreifachen Rot Front!". Die übrigen Abgeordneten hören diese Kundgebung schweigend an. Frau Zetkin erklärt mit sichtlicher Anstrengung: Roch der Goschäsisordinuig wird die erste Sitzung tes Reichstages durch das älteste Mitglied eröffnet vitb geleitet. Frau Zetkin fährt dann fort. Trotz der Allmacht, über di« diese Regierung verfüg», ha» sie gegenüber den innen- und außenpolitischen Aufgaben gänzlich per,sagt. Sozial Hilfsbedürftige erblickt die Regierung. nur. in verschuldeten Großagrariern, krachenden Jndtzstrieherren, Bankgewal- tigen, Reedern und gewissenlosen Spekulanten und Lchirbcrn. Ihre Außenpolitik wird geleite» von imperialistischen Gelüsten und bringt Deutschland in steigende Abhängigkeit von den Großmächte»» des Versailler Vertrages. Echivcrstcns belastet ist das Schuldkoirto des Präsidialkabinettes durch di« Morde der letzte»» Wochen, für di« es di« voll« Verantwortung trägt. Ehe der Reichstag, so heißt es in der Erklärung, weiter Stellung nehmen kann zu Einzel- cusgabcn der Stunde, muß er seine zentrale Pflicht erkannt uird erfüllt haben: Sturz der Reichs- regierung, die den Reichstag durch VerfafsungS- brnch zu beseitigen versucht, Anklage d«s Reichspräsidenten und der Reichsminister wegen V c r f a ss u n g sb r u ch e S. Unter stürmischem Beifall der Kommunisten schließt die AlterSpräsidentin ihre mehr als einstün- digcn Ausführungen. Di« Ansprache wurde an einzelnen Stellen von dm Kommunisten mit„Sehr-lvqhr-Rnsen" begleitet. Die übrigen Abgeordnete« enthielten sich jeder Kundgebung. Frau Klara Zetkin merkt« man deutlich die große Anstrengung an, die ihr das Sprechen machte. Sodann setzt Frau Zetkin di« Wahl, des Präsidiums auf die Tagesordnung. Abg. Frist schlagt zum Reichstagspräsidenten de» Abgeordneten Göring(NSDAP) vor. Abg. Rädel (Komm.) schlägt dm Abg. Torgler(Komm.) vor. Er verliest dazu eine Erklärung seiner Fraktion, daß sie»m Falle einer Richttvahl Torglcrs für den sozialdemokratischen Präsidentschaftskandidaten stimmen werde. Abg. Dittman«(SPD) erklärt kurz, daß die SPD für dm bisherigen Präsidenten Paul Löb« stimmen wird. Darauf wird die Wahl des Reichstagsprä- sidenten durch Abgabe der Stimmkarten vor. gmommm. Vie Präsidentenwahl hatte das Ergebnis, daß 367 Stimme»» für den Abgeordneten' G ö r in g(NSDAP), 135 Stimmen für den Äbg. Löbe(SPD) und 80 Stimmen für den Aba. Torgler(Kommunist) abgegeben worden sind/'Eine Stimme, siel auf öen Abgeordneten Stöhr(NSDAP).- Zum NeichstagSPräsideUten ist also der Abgeordnete- Gw ring(Nationalsozialist) niil absoluter Mehrheit gewählt worden. Nachdem Abg. Göring sich zur Annahme der Wahl'bereif erklärt Hai, erklärt Alterspäsi- denti»» Frau Klara Z e rk i»»(Komm):„Damit ist meine Pflicht' als Altersprästdenliu erfüll! und der gewählte Präsident muß seines Amtes ivaltcn." Ein Nationalsozialist ruft:„Fran Zetkin, das gibts nur einmal, das kommt nicht wieder!"(Aus dem Film„Der Kongreß tanzt".) Unter lauten Heil-Rufen der NSDAP nimmt der neugewählte Reichstagspräsident Göring den Prasidentensitz mit dem Hitler» grüß ein, der von seiner Fraktion erwidert wird. Er erklärt: „Durch di« Mehrheit als Bcrlretcr der stärksten Fraktion z»»m ReichStogSpräsidentcu gewählt, danke ich für das Vertraue»» und versprech«, mein Amt unparteilich und gerecht m»d nach der bestehenden Geschäftsordnung auszuüben.(Beifall bei der NSDAP.) Ich werde für die Ordnung u n d Würde dieses Hauses Sorge tragen, ich lasie aber keinen Zrveifrl daran, daß ich cbenfoivenig die Würde und di« Ehre des deutschen Volkes airtastcn lasse»» werde. Auch die Ehre der Geschichte des deutsche»» Volkes»vird in mir einen berufenen Hüter finden."«Beifall und Hcilrufc bei der NSDAP.) Der Präsident beruft dann vier weitere Schriftführer zur Unterstütz»,ug ,der..weitere»» Wahlhandlung. Er bittet um' Borschläge für dcn ersten Bizepräsidcntcn. Abg. Df:'Frick(NSDAP) schlägt dcn Abgeordnete»» Esser(Zentrum) vor. Abg. Torgler(Komm.) ruft:„Tas sind die erste»» Schrittc der neuen K o a s i« t i o n!" Bei der Wahl des ersten Vizepräsident«»» erhielt von 568 abgegebenen gültigen Stiinmen der Abgeordnete Esser(Zentrum) 276 Stim- »nen, der Abgeordnete Löbe(SPD) 211 Stimmen, Abg. Torgler(Komi»».) 77 Stimme»» und Abgeordnete Zetkin(Komm.) 1 Stimme. Da keiner der Abgeordneten die absolute Mehrheit von 284 Stimmen erreicht hat, muß Stichwahl zwisehen Esser und Löb« stattfinden. Die Stichwahl ergibt die Wahl des Abg. Esser(Zentrum) mit 364 gegen 138 Stimmen, die für den Abg. Löbe(Sozdcm.) abgegeben»vor- den sind. Die 78 kominunistischcn Stimme»» für dcn Abg. Torgler waren bei der Stichwahl ungültig. Abg. Esser nimmt die Wahl an. Als zweiter Vizepräsident»vird von den Nationalsozialisten der Abg. Graes, Thüringen(Teutschnat.) vorgcschlagcn. Es erkalten Abg. Graef(Dcutschnat.) 335 Stimmen, Abg. Löbe 139 u»»d Abg. Torgler 78 Stiinmen. Abg. Graes ist also gewählt. Er niinmt die Wahl an. Für dcn Poste» des dritten Vizepräsidenten»vcrden vorgcschlagcn von der Bahr. Volkspartei Abg. R a»» ch München, von den Sozialdemokraten Abg. Lobe, von den Kominu- nistcn Abg. Torgler. Geivählt»vird Rauch. Die Wahl der Schriftführer i»nd die Zusammensetzung des Ucbcrwachungs- und des Auswärtigen Ausschusses wurden glatt und schnell erledigt. Schon am Mittwoch solle»» die weiteren Ausschüsse konstituiert werden. Die Begründung für diese schnelle Arbeit gab Reichstagspräsidcnt Göring mit der Erklärung, der Reichstag müsse mit aller Entschiedenheit dei» das deutsche Volk und das Ausland beunruhigenden Gerüchten cntgegentreten, daß c« ausgeschaltct werden solle. Die heutige erste Sitzung habe diesen Vorwurf glänzend widerlegt und gezeigt, das; zuin ersten Male ein Reichstag niit einer starke», arbeitsfähigen nationalen Mehrheit vorhanden sei. Nach diesen Ausführunge»» erhielt der Präsident die Ermächtigung, dem Reichspräsidenten durch ein T ele g ra m n» die Bitte;u unterbreiten, er möge das Präsidium des neue»» Reichstages unverzüglich zum Vor trag empfangen, Er erhielt weiter die IE r m ä ch t i g»»n g, den Zeitpunkt der näch- I'* e u Sitzung s e l b st; n bc st i m in e n., Ein A n t r a g,d e r K o mm u niste»» u»»d. Sozial d c m o k r a t cn, schon am Mitt w o ch in einer neue»» Sitzung die Miß- Iraucnsanträge gegen das Kabinett änzu- nchmcn, wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgclehut. An» Schluß der ersten ReichStagssihung ehrten die Abgeordnete» nach einer Ansprache des Präsidenten das Gedächtnis der Toten des Schulschiffes„N i o b c" durch Er heben von den Sitzen. Berliner„vorwärts“ drei Tage verboten! Berlin, 30. August.(Wolfs.) Der„B o r- w ä r t S" einschließlich seiner Abendausgabe „Der Abend" ist ans die Dauer von drei Tagen verboten worden. DaS Verbot erfolgte, weil in der Abendausgabe vom 29. August eine Abhandlung enthalten ist, dir das Programm des Reichskanzlers als das Programm des Berfaf- sungsbruches bezeichnet. Diese Charakterisierung, dir keinerlei tatsächliche Unterlage habe, stelle eine grobe Beschimpfung und böswillige Verächtlichmachung des Reichskanzlers dar. SozialdemolfratlsdieAnträge Gegen, die. Sondergericht«. Popens Stcucr- anrechnungSschsine verfassungswidrig.' Berlni, 30. August.(PdZ.)' Die sozial- demokratische ReichSlagSfrärtion beschloß, sofort einen Antrag ciuzubringcn, wonach die Notverordnung gegen politischen Terror uitd die Verordnung über Soudcrgcrichie aufgehoben werden solle. Schließlich formulierte die Fraktion noch eine Erklärung gegen die Tleneranrcchnnngs- schcine, di« von Papen in seiner SonntagSrede angekündigi hat. Die Erklärung verweist auf Artikel 87 der Reichsvcrsassung, wonach Gcld- mittclbcschaffung auf dem Wege des Kredits nur auf Grund eines ReichSgesetzes erfolge»» lann. Die Reichsschuldenverwaltung habe deshalb die Verordnung vom 2. Feber 1932 schon für verfassungswidrig und die Mittvirkuug des Reichstags bei der Kreditbeschaffung für erforderlich erklärt. Aus diesen» Grunde habe die Regierung Brüning auch das Schnldentilgnngsgesctz seinerzeit zur Beschlußfassung vorgelegt. Außerdem würde die Reichsregierung durch die Tteuer- anrechnungsschcinc in hanshaltrechtlich unzulässiger Weise entgegen Artikel 85 der Rcichsverfas- snng über die zukünftige Slcucrcinnahmc verfügen. Die sozialdemokratische Fraktion erklärt deshalb, daß nach ihrer Meinung eine Einlösungspflicht für diese Steucranrcchnungsschciue nicht bestehe,»vcnn nicht eine parlamentarische Zustimmung vorausgegangen sei, Demonstrationen vor dem Deidisiagsgebäude. Berlin, 30. August.(Tsch. P.-B.) Kurz nach der Eröffnung des Reichstages, kam cs in der Nähe des Reichstagsgebäudes, das im weiten Umkreis abgcspcrrt war, zu großen Demonstrationen, die ein Eingreifen der Polizei und die Räumung der umliegenden Alleen des Tiergartens notwendig machten. Am Platz der Republik hatten sich hinter den polizeilichen Absperrungen zahlreiche Nationalsozialisten eingefttnde», die die Anfahrt ihrer Aogeordneten ertvarteten. Plötzlich ertönten aus der Menge die Rufe:„T e u t s ch l a n d e r w a ch e! Juda verrecke!" sowie Schmährufe auf die Reglern ngP ape>». Die Polizei schritt mit berittenen Krusten gegen die Temonstrameu ein und drängte sie ab. Die D'Monstranie»» sammel- ten sich, zum Teil in kleineren Gruppen und versuchten,»nieder in die unmittelbare Nähe des Reichstages zu gelangen. Die Polizei setzte darauf größere Kräfte ein und räumte systematisch den Tiergärten und die anliegenden Straßen. ! Mehrere Demonstranten wurden verhaftet. (Ueber Auflösungs-Vollmacht sieh« S. 8.) Rundfunk-Chauvinislßn. Zn den letzten Monaten haben Vlc„yun dcrtproz^ntigen" Tschechen, wie sie von Stk-i- brnz- und seiner Presse, vom„Nürod"„ voi» der„N,'»rodni Politika" repräsentiert werden, ein»»«»»es Steckenpferd gefunden: den Rundfunk und seine angeblich dringend nötige Reinigung von möglichst jedem deut- schen Inhalt. Keine Woche vergeht, ohne daß eines dieser Organe gegen den deutschen Anteil am tschechoslowakischen Rundfunk hetzte und jetzt hat sich gar ein neugegründeter, Reichsvcrband der tschechischen Rundfnnkhörer des Gegenstandes angenommei» und ,das Radiojournal heftig angegriffen, weil die Tschechen bei Beibehaltung der bisherigen Programmcinteilung im Rundftink sich nicht I genügend ausleben könnten; und wenn das Radiojonrnal keine Wandlung herbeiführe, dann würde besagter Verband das,»vas er die Rechte der tschechischen Rundfnnkhörer nennt, I„inet den äußersten Mitteln verteidigen". Ursachen und Anlässe dieses plötzlichen Aetherwellenschlages sind inailnigfach und kci- neslvcgs. ist eine Karlsbader Opcrcttcnüber tragung oder der Salzburger„Oberon" nichr als der Stein des Anstoßes zu einen» Wirbel, in. dem sich die Nationalisten so»vohl fühlen. Die Hitze der Svkoltage und der Dunst der Sauregurkenzeit dürften schon ihr Teil dazu beigetragei» haben, daß die nationalistischen Krampfadern jetzt gar so sehr über den Rund funk platzen. Es liegt uns.ferne,.nur im nüudeste»» in Erregung zu gergten, weil ein pää.y.siwpse, dir keine andoron-Sorgen haben, sich jetzt »vegcn des Rundfunks zermartern. Nichts- destolveniger ist diese Hetze nicht nur symptomatisch, sondern kau»» auch, wenn ihr nicht ganz energisch entgegcngetrcten»vird, zu einer schwere»» k»»lturcllen Schädigung führen, unter der unseres Erachtens nicht nur gottverdammte Minderheiten, sonder»» das gesamte Kul- turlebei» des Staates zu leiden hätten. Es ist ja noch gar nicht so lange her, daß eine ganz ähnlich aufgezogene Kampagne gegen dei» d e»»t s ch e n Tonfilm bede»»tendc Beunruhigung in der Republik und besonders in der.Hauptstadt hervorrief! Und schließlich sind Wurzel»u»d Gipfel des Strebens gegen dei» deutschen Rundfunk durchaus verwandt mit den Quellen und Ziele»» jener Filmhehe. Wir sind nämlich überzeugt davon, iwß es sich den Leuten, denen eine tägliche halbe Stunde deutschen Rundfunks in der Tschechoslowakei zuviel ist, nicht so sehr darum handelt, den »veiß der Teufel Ivarum schädliche» Anteil der Deutschen am„freien" Actherraum in» Lande z»» beschneiden, als vielmehr überhaupt den deutschen, tatsächlich»»»»verhältnismäßig klei nei» Einfluß aus Znhalt uird Entwicklung des tschechoslowakischen Rundfunk noch niehr auszuschalten, um sich so intensiver auch aus diesem Gebiete mit jener„nationalen" Kul t»»r ausbreiten zu können, deren Signum die Reaktion, der engstirnigste Chauvinismus, der verderblichste Hurrapatriotismus sind. Vielleicht ist cs kein Zufall, daß diese tschechisch-nationalistische Rundfunkhetze mit dein Kantpf„synchronisiert" ist, dcn jetzt die Nazis in Deutschland gegei» dei» freie»» und mvdernen Rundfunk führen. Hier wie dort geht cs bei» nationalistischen Reaktionäre»» darum, auch den Rundfunk unbchiitdert, möglichst unkontrolliert und dilrch keinen modernen Lufthauch gestört zu eilten» systematischen Mittel der Erziehung des Volkes uitd insbesondere der Jugend zur Rückwärtseret, zur nationalen und sozialen Unduldsamkeit, zur Begeisterung für den Militarismus zu machen. Gewiß, den Fabrikanten jener Pro° testbriefe, die in den Prager Boulevardblättern gegen den deutschen Rundfunk veröffentlicht lverdcu, ist schon die Tatsache ein Don» »'n» Auge, daß etwa in Prag täglich eine halbe Stunde deutsch gesendet»vird; aber nicht minder»vüten sic gegen das, was ge- Seite 2 Mittwach, 81. August 1882. Nr. 208. sendet wird. Nicht di« Blume von Hatvai (bezw. von Karlsbad) hat es ihnen angetan, sondern jedes ernste Wort, das iit sozialen, wirtschaftlichen nnd ethischen Betrachtungen von einer tschcchoslotvakischen Welle auf deutschen und darum weiter reiche»den Flügeln in den Renn» getmgen wird! Und dabei braucht doch tvahrhaftig kein Mensch zu befürchten, daß jemals ein deutsches Rundfnnkwort aus der Tschechoslowakei den Staat oder die tsche- klftsche Nation schädigen könnte", denn abgesehen von der R a d i o z e n s n r, die solches natiirlich nie zuließc, tvird schließlich das deutsche Rttndfttnkpro-rainiil von Männern redigiert, die in"einem halben Dlltzend Jahren sehr Wohl bewiesen haben dürften, daß sie ihren Bereich der Möglichkeiten, Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten genügend kennen! Bis jetzt hat di« üble Kampagne keinerlei faktisch schädliche Wirkung anSgelöst, immerhin aber mit der erwähnten.Kundgebung des tschechischen Rnndfiinkhörer-ReichS- verbandes einen beachtlichen Kulminationspunkt erreicht; umso beachtlicher, als zu den Nnterfertigcrn des geharnischten Protestschreibens an das Radiojournal Obleute und Sekretäre utraquistischer Organisationen, Herausgeber deutscher Fachzeitschriften gehören; ist doch selbst ein Sekretär der Prager Mustermesse auf diesem Dokument unterschrieben, einer Jnsntuation also, di«, wie wir hören, nicht nur auf den tschechischen Handel und Wandel in der Republik angewiesen ist! Was wollen diese Herren? Für so hirnverbrannt wollen wir sie doch«richt halten, daß sie etwa, wie kürzlich ein von Ferdinand Penmtka spöttisch zitierter Zeitungsschreiber, sich Vorkehrungen vorstellen könnten, durch die die Sudctendeutschcn auch vom Wort des reichsdeutschcn oder österreichisckzen Funks ab- gesch,ritten werde«« könnten! Ja wir wollen sie nicht cin«««al für so einfältig i»ib borniert Halter«, daß sie glauben könnten, der deutsche Arbeiter oder Angestellte würde es sich widerspruchslos gefallen Kissen und passiv bleiben, wenn man ihm im Prager oder Brünner Rundftrnk auch noch das ganz unzureichende halbe deutsche Stündchen aus bei«« die Hetzer „eine Stunde" machen, verkürzte! Der deutsche Rundfunkhörer würde sich das sowohl als Steuerträger wie auch als Gebührenzahler keineswegs gefallen lasser«. Nnd was den Kampf um die nationale Gleichbe- r e ch t i g u n g in der Republik anlangt, so sind«vir jetzt gewiß nicht auf dem Punkte, unr uns irgendwelche Schmälerung mühselig erkämpfter Rechte— zu denen auch unser karger Anteil am Rnndftmk gehört— gefallen zu lassen! Mso wollen wir annehmen, daß die tschechischen Nationalisten ihr Streitroß nur deshalb in Betvegnng setzten, urn das Rainojournal zu hindern, die berechtigten Wünsche der de«rischen Hörerschaft arrf weitere«r Arrsbarr der deutschen Sendung zu erfüllen. Glück werden di« Herren«nit dieser unrtvcgigc«« Politik kcmeStvegs haben, das können wir ihnen heut« schon sagen! Und insbesondere die Vertreter der deutschen Arbeiter- radrohörer werden nicht rnrr alle Kraft dafür einseben, daß die tschechisch-nationalisti- schen Schreier irr ihre«« Froschteich zuriick- gewiesen tverdcn, sondern daß der tschechosto» wakische Rundfunk inSgcsarnt, nach allen wahrhaft nationale«« Selten hin(u»«d dämm auch nach der deutsche««),«veiter systematisch und gerecht ausgeba«lt werde! Im Prager und Brünner Rundfunk haben die Deutsche«« «richt, wie die Hetzer behan^teit', täglich«ine Sl««nde, sonder«« sag« mio schveib« s ü»f u««d- dreißig Mi«««« tLp.^Wdr vieses arn«. selige Miniinun««nüAeu und werd««« nur hin- auSkomuren— und- die«nnvahre Hetze der tschechischen Chauvins«vivd dazu beitrage««! Erregte Auseinandersetzungen zwischen dem Liaatsanwalt«n«d Dann Häuser ergeben sich nach der Berlcsuiig eines Artikels aus einer na, liviialsozialislischen JirgeridzeiMna. Der Artikel beschäftigt sich>««it den« Verhältnis von Jugend, V. S. und Partei zueinander. Es heißt darin: „Der V. S. soll das sein, was für reichsdeutsche Nationalsozialisten d i e S.A. und die S.S. ist." Auf Befragen durch den StaatScniwalt erklärt Donnhäuscr: „Der Jugendverband hatte erzieherische Ausgaben, der B. S. wurde als Sportorganisation für jene jungen Leute geschaffen, die sich wegen ihrer Jugend in der Partei nicht Wohl fühlten. Es«var«richt die Aufgabe des Jugendverbandc», die Jugend für den B. S. vorzubereiten. Die Jungen über 2l Jahre gingen aus dem Jugend- verband größteutetzls nicht zum B. S., sondern zum Militär. Unsere Arbeit war es also, tüchtige fähige Männer zu erziehen zum Nutzen des tschecho- flowakischen Militärs. Staatsanwalt:„Also eine patriotische Sen- düng des nationalistischen Jugendverbandes." Donnhäuscr: „Dies werde ich durch Tatsachen erhärten." Dann wurde die Verhandlung vertagt. hört also HitlcriSmuS, Kommunismus und Sozialismus in einen Sack. Auf solchem Niveau zu polemisieren, wäre natürlich ein aussichtsloses Unternehmen. Wir begnügen uns daher mit der Feststcllu>«g der Aus- führnngcn eines anonymen Schreibers. Jur Vervollständigung des Bildes«väre noch zu crwäh- neu, daß der Autor in der Person des Herrn von Papen auch den be rufen st en Bckämpser der Arbeitslosigkeit erblickt, daß er ertvartet, das deutsche Volk werde„der Uniform den Vorzug vor jeder Zivilisation ge< bcn" und daß er immer wieder in Herrn Papen den heiligen Georg int Kampf gegen den Drachen Sozialismus erblich. Tas Geschtvätz des Herrn„Q u i da ui" wird niemand irritieren. Wohl aber wird man sich den feinen GesinimngSgenosien sicher aus den« Her- zen gesprochenen Schlußpassus dieses Geschreibsels merken müssen. Der Schreiber erklärt nämlich, daß„dem AuSland" iminer noch das„konservative Programm Pa- pcns lieber sein werde, als die Hyper- demokratischen Grundsätze der Proletarischen Linksparteien." Das ist doch einmal ein offenes Wort von Kaste zu Kaste, von Geldsack zu Geldsack. Nationalistische„Demokraten", die eine««« reaktionären Diktaturanwärter des„Erbfeindes" ihr Konipli- «nent machen und die„H Y P c r d e m o k r a t i c" herabzusetzen suchen. Die arbeitende Klaffe«vird die Manifcstatiu- nen der„nationalen" Gcldsackintcrnationolc zu würdigen wiffcn und di« einzig richtige Antwort erteilen: Durch un« so festere Schließung der Reihen des internationalen Proletariates. Der englische streik. London, 30. August.(Reuter.) Die Reihen der Streikenden in der Bamnwollindustrie habe» sich vermehrt. Dies ist vor allem aus die Streikposten zurückzuführen, di« von den Streikenden vor den Fabriken Postiert wurden. Der Großteil der Spinnereien im südlichen Lancashire arbeitet jedoch noch. Der Volkssportprozeß. Patriotische Sendung der nationalsozlalWschen Jugend. Brünn, 30. August.(Eigenberich t.) Die Matcrialvcrlcsuugen in« Volkssportprozcß gehen ihrem Ende zu. Nur noch>ve«««ge der vom Staatsamvalt beantragten Beweisstücke sind noch nicht verlesen und der Vorsitzende erwartet, daß die Verhandlung morgen bereits bis z«« de» Be« weiSanträgen der Verteidigung fortschreite» werden. Heute»vurde zum dritter« Male Dr. Prci- n i n g e r cinvernoninic««, un« einen unvollständige«« GerichtSakt mit Hilfe der Prager Polizeiakten zu ergänzen». Da die Prager Polizeidirektion es abgclehnt hat, Dr. Preininger feiner Schweigepflicht zu entbinden, wird Dr. Preininger morgen Brünn verlass«». Auf Ailtrag der Verteidigung aber«vahrscheinlich noch einmal einvernommen werden. Auch daS heute verlesen« Material stammt zum größten Teile auS dem nordböhmischen Kreise des B. S., wo nach Aussage des Landeü- sclrctärS Illing eigenmächtig und über den Kopf 'der Führer hinweg gearbeitet wurde. Ein Rundschreiben gleicht einem Entwurf für Feld- d i e n ft ü b u n g e n urtd sieht auch llcbiingen mit„Handgr."(.Handgranate««, die Red.) vor. Das Dokument wird den militärischen Sachver- stäildigei« übergebe««. In einer anderen Mitteilung«ft von einer g«meinsa«nen Aktion des B. S. und der S. A. in Schandau (Sachsen) die Rede. Nach der Verlesung eines Nundschrcibens des R. S. Jngcndvcrba««dcs, in welchem illegale Beziehungen z»« Deutschland verboten werden, erhebt sich Donnhäuscr zu einer längere» Verteidigungsrede, wird aber vom Staatsanwalt unterbrochen:„Damit Sie sich nicht so aufregen, Herr Donnhäuscr, kann ich Ihnen jetzt schon verraten, daß selbst nach der Auflösung des JügendvcrbandeS noch im Mörz und April 1932 Kuriere die Verbindung zwischen den hiesigen«nid den reich-deutschen Hakeirkreuzlcrn herstellten. Donnhäuscr:„Da saß ich schon in Haft und kann dafür nicht subjektiv veranttvortlich gen«acht werden." Staatsanwalt:„Das geschieht auch nicht. Ich«vill dadurch nur das System charakterisieren." Erheiterung erregen Anleitungen zur Veranstaltung einer„Jung-Versammlung" in Nordböhmen. Dabei ist eine eigene„Stoßtrupp« zum HinauSwcrfen" vorgesehen, daneben aber auch eine regelrechte Theatcrclaaue, di« de«« Beifall und„g««t e Zwischenrufe" z«r inszeniere«« hat. Zum Schluß hat Herr Jung über Befehl der V. S.-Leitung auf den Schul- ternausden« Saalgetragen zu werden. Größere Ausei««and«rs«tzllnge>« gibt es über den„S u d e t« n d e u t s ch e n Heimat- b u n d", mit dem einzelne V. S.-Funktionärc in Verbindung standen und den der Staatsa«Uvalt als bekannte irredentische Organisation bezeichnet, di« von den Behörde«« verfolgt«vird. Als besonders belastend betrachtet der Slaatsanlvalt aber einen Arbeitsplan des nordböhmischen V. S., in dein als zweiter Punkt „M i l i t ä r i s ch c U c b u n g c n wie bei d c r S. A." angegeben sind. Auffallendes Interesse legt der Führer der nordböhmischen V. S., S ch a s ch e k, de«« sein Ge- sinnungsgenoffe Illing in der Verhandlung „8a8ck des B. S." bezeichnet, für die tschechosto- wakische Luftschiffahrt an den Tag. Seltsam aber mutet cs an, daß er sich darüber gerade bei dem Redakteur der Kinderzeitung des„Prager Tag- blatt", Onkel Max, erkundigt, wie a««s den vorgelegte» corpora delicti ersichtlich ist. Durch zahlreiche weitere Verlesungen von Rundschreibe«« der reichsdeutschcn S. A.„Einberufungen und Stammrolle«« des V. S." soll der militärische Charakter der V. S. erwiesen werden. Bor einem Lohnkampf im Kladnoer Bergbau. Kladno, 30. August. Die Dirc!tor«l«konserenz der Gewerke des Kladno-Slany-Revieres hat für Samstag, den 8. September die Vertreter der BertragSorganisationen der Bergarbeiter zu Verhandlungen cingeladcn, un« den Arbeitcrvertre- tern die auf eine Korrektur der Kollcktivvcrträgc hinanslaufenden. Forderungen dorzulegen, tvo- dllrch die Produktionsgrundlagcn der Grub««« saniert werden sollen. Die Bergarbeiterorganisa- tioiicn«verden zu diesem Schritte ihrer« Standpunkt präzisieren, bis der««ähere Inhalt der For- derungen der Gewerke bckairnt sein wird. Die Internationale des Geldsacks. Liebeserklärung der.^kürodni Listy" an Papen. Ein Anonymus, der sich hiiUer dem Pseudonym uida m"(d. h.„ein Gewisser") verbirg«, hat dem nationaldeinokratischen Kapitalistenblatt «inen Leitartikel geliefert, der eS Wohl verdient, als Kuriosum nationalistisch-„politischer" GcistcS- vcrfaffung ausbcwahrt zu werden. ES ist eine fertige Liebeserklärung des t s ch« ch«s ch e«« fchwerkapitalistischen ,^)««nokra- ten" an den preußischen ostelbische«« Erzreaktionär von Papen. Man spürt sörnilich zwischen den Zeilen die Befriedigung dieses hypernationalen„Teinokra- ten", ihrem Sozialistenhaß durch«ine Verbeugung vor den« Repräsentant««« der konscrvati- ven Clique in Preußen Luft machen zu können. Hitler wird mit einer Handbcwegnng abgetan. Wovor sich der national„demokratische" Schreiber furchtet, ist nicht die Blutdiktatur der Hakcnkrcuzlcr, sonder«« die Gegenaktion der deutsche» sozialen Demokratie. Seine soziologische und politische Qualifikation belveist der Herr Quidam durch die treffliche Feststellung, daß die Ziele der Hitlerleute„nicht«veil vo«« verschiedenen k o nr n« u n i st i s ch e n und sozial!stischen Theorien entfernt seien". Für den Leitartikler des führende«« Organs der tschechischen Finanz- und Jndustriekapitalisten gc« Der Niemand rebelliert Die Gesäumte eines Arbeiters. von Karl Hans Schober und Erich Knauf. Wahrscheinlich spüre«« sic di« Gegerid ab urid wurden durch das Feuer aus uns aufmerksam. Der Rappen will nicht anzichen und bäumt sich a»«f. Ich schlage zu, da geht er durch. Hinter uns kracht es. Der Kamerad im Wage«« erwidert das Feuer. Den Rappe«« halt ich nicht. Der Wagen poltert und schüttelt UNS noch di« Seele aus dem Leibe. Die Gefahr, von dem Gesindel überfalle«« z«« tverdcn, liegt jetzt etliche hundert Nieter hinter uns. Aber in E.»verden wir aufgehalten. „Ausweispapiere!" Der Kamerad komint in die Wolle: ,,Hader- flcchtcr elendiger, glaubst«vohl, ich bin dein Hanswurst, he?" Er Pack« und seist ihi« ein. Bei jedem Hieb, den er«hm versetzt, schreit er:„Da! Da!" Wir sind gerade gut geladen. Ter Kerl glaubt,«veil er der Ortspascha ist,«verden wir vor ih«n aus dem Bauche krieche«« und ihm die klebrige«« Pfoten schmatzen. „Ter Kaiser hat nicht abgcdankt, er ist nur beurlaubt«vvrdeu!" heult er.„Kein Soldat hat das Recht, sein Regiment zu verlassen!" So ein Trottel! Vielleicht bringen«vir cS inm noch bei, wo die Republik anfäugt und«vo sie aufhort.. Ich muß den Rappen»«ehr in« Zügel 6al« ten. Fortwährend strauchelt er. Er ist müde. Und die heutige Nacht«vollen wir durchfahren. Morgen früh«vollen wir in W. sein, wo mein Kamerad zu Hanse ist. „Du»iilßt noch zwei, drei Tage bei mir bleiben." Ei«« guter Kerl ist er. „Mei Frau wird di« Auge«« ausreißen, wen«« i so unverhofft inS HauS ei««i fall'» werd'," freut er sich,„und erst di« Jungen!" X. Kapitel. Sturze Rast. Der Abschied«var schlver. Aber schließlich ivollt««« die guten Leute nach so langer Trennung unter sich sein. Also„Danke schön" und„Alles Gute" und«veiter geht«. In der Grenzstation komine ich nicht durch die Bahnhofssperre. Zwei Zivilisten, die mit Gewehren ausgerüstet sind, nehmen mich fest. Wenn ich nur oie unterwegs geklaute geräucherte Zunge gefressen hätte! Die Leibesvisitation wird präzis durchgeführt. „Unten nichts Verzollbares!" schreit er dem Schreiber zu, der an ernem Tisch sitzt und über die Brillengläser auf«nich glotzt. Jetzt wird die Leibesvisite ob««« dnrchgcführt. Di« geräucherte Zu««ge ist schon weg. Der Kerl zieht die Weste herunter und reißt das.Heind auf. Mit seinen dreckige«« Pfote«« fährt er auf dem nackten Oberkörper herum. Schade, daß ich keine Maikäfer mehr habe. Wie leicht hätte er einige Ableger erwischen können. Die Ausfuhrbewilligung für sic hätte mir der Schlafwagenkontrolleur des Schnellzuges Triest—Wien beschaffen müssen. ^Hier muß Ruhe herrschen!" Ein Zivilist mit Flinte drängt sich zu uns herein.„In zwölf Stund««« fährt der nächste Zug, u««d wcm's nicht paßt, soll abkratzen!" Wir machen eine«« toll«»« Kratvall. Wer sich von den Spitzbube«« noch zu uns herein verlaufen sollte, kann sich gleich die Kiste niitbringen. Ob er dann noch hineinpaffen wird, ist eine andere Frage. „Her mit unseren« gemausten Zeug! „Hurra, her damit!" Ein Kamerad reißl die Türe auf.„Nieder mit der Brut!" „Packt sie beim Kragen!" Wir stürme«« hinaus und überrumpeln die Bande in der Wachstilbe. Hier sitzt einer, der genrütlich die geräucherte Zunge verdrückt, die er mir geklaut hat. ,Holla, drauf!" Wir überrennen sie mitsamt den Tischen und Stühlen, die hier stehen. Ich erwische den Wachhund u«rd«verfe ihn durch das Fenster. Das Fensterkreuz«ißt er mit hinaus. Beruhigt bin ich deshalb nicht. Der mit der Hornbrille ist auch da. Kompliment! Nichts Verzollbares?" Er hat schon eine Watsche drin. Und beim zweiten Hieb sitzt er rrnter dem Tisch. Ich atme vinmotl aus, aber die W««t ist noch nicht heraus. „Packt den Dreckfink mit der Flinte!" Der Kamerad faßt ihn schon. „Laßt mich ran!" Und fetzt prügel ich ihn, bis mir oer Schweiß von der Stirne tropft. Jeder bekommt seine Sachen zurück. Nur das demolierte Mobilar lassen wir liegen. Die herausgezogenen Schubfächer liege«« umgcstürzt ain Boden. Das Papier fliegt herum. Da kennt sich kein Schwein mehr aus. Am Abend fahr««« wir weiter. Ich habe mc«. nen Sitzplatz vor» aus der Maschine eingenommen. In der Nacht krieche ich mehr an den Kes- sel hem». Festhalten niuß ich mich tüchtig, denn der Zug hat Tempo. * Ich bin zur Landplage geworden.. n die vierte Nacht liege ich wieder auf der Landstraße. Gegessen habe ich so viel wie gar««ichls. Das Stückcheir trockenes Brot, das ich in einen» Orte geschnorrt habe, das ist wohl auch etwas? Ich laicfe wie«in gehetztes Vieh über den gefrorenen Schnee. Ich schlage den Rockkragen hoch und renn« die Straße lang, die nach K. führt. In K. sind die Schupos hinter mir her. Ich reiße eine Tür auf, werfe sic hinter mir zu und stürzte in einen Raum. Nebenan quickt eine Ziehharmonika. Drei Mädels laufen an mir vorbei. Die mit der grünen Jacke bleibt stehen und mustert mich. „Wenn du vielleicht ka Geld hast, nioch' dich schleunigst aufli!" „Ich wollt nur mal übernachten." Neben mir sitzt einer. Er lutscht einen Zigar- renstummel. Langsam rückt er näher. „Sei net so biöd, heut' Nacht habe»« wir was Großes vor!" „Schieb fort!" „Du hattest Geld genug," raunt er und reckt die Pratze her: ,Han' ein!" „Verschwinde, sonst———!" Ich habe meine Ruhe voi« ihm. Einbrechen tue ich nicht. „Weil du a Maulaffe bist!" schreit er jetzt zu mir herüber. Ich überhör« es. Nansen mit diesem Kerl? Fällt mir nicht ein. Er ruft zwei andere zu sich, mit denen er verschwindet. Viel Glück. Uebermorgen werden sie im Zuchthaus sitzest. Sine Schlafftelle kann ich mir nicht aussuchen. weil ich kein Geld habe. ,>Dös Halstuch, wenn d' wer gibst, verschaffe ich dir a Asyl," sagt das Madel niit der grünen Jacke. „Schau, draußen ist es sc kalt—* Es laßt mich nicht rede» und zieht mir da» .Halstuch herunter. In einen Stall führt cs mich. Ich rass« das von« Pferdemist beschmutzte Stroh znsammen, schaffe es weg und liege ans meinem «stocke. Schlafe«« kann ich wenig. Eine Berauschte liegt neben mir. Sie»välzt sich in« Kote. Einmal kriecht sie aus mich. Ich schleudere sie an die Wand. Nebenan in der Schwemme geht eS hoch her. Ich schleich« mich an das Feilster heran und blicke in dei« von Karbidlampen beleuchtete« «staun«. Drinnen fing««« und tanzen sie. Eine stehl «lackt aus dem Tisch und zeigt ihre Reize. (Fortsetzung folg«.) Nr. 205. Mittwoch, 81. August 1932. Sette 3 Lie Kommunisten und die Gehiisen- versammlnng der Bauarbeiter in Aeicheuberg. Jrgcitd ein Kommunist erinnerte sich dessen, daß im Lieichenbcrger Handclskamincrsprcngcl auch eine Gchilfenversaminlung der Bauarbeiter besteht, die Taut der Tatsache, daß in ihrer Lei- .wug Konlinunisten! nicht vertreten sind, im Interesse aller Bauarbeiter arbeitet und schöne Erfolge aufzuweiscu hat. Die Kommunisten verstehen unter Interessenvertretung natürlich etwas ganz anderes und deshalb versuchen sic, da sic die Tätigkeit des Gehilsenausschuffcü nicht ganz hindern können, diese zumindest zu erschweren. Der Daumeistergenosseuschast und allen Bauunteruch- mern im Reichenbergcr Handelskammersprengel ist die Regsamkeit des Gchttfenousschusscs längst sehr unattgenehm. Wenn das Unternehntcrtum geg:n eine Jnstitntion der Arbeiter vorgcht, findet«r— wie auch dieser Fall wieder beweist— bei den Komnmnisten stets bereite und verlaß- liche Schützenhilfe. Die Kommunisten sind im Jahre 1927 mit großen Evtvartultgen in die Wahl gegangen. Sie wollten nicht nur eine Vertretung im Ausschuß, sondern die Mehrheit erringen, mußte» sich jedoch mit einem knapsten Fünftel der Mandate zufriedengebeit. Um diese Niederlage nicht eingestehen zu müllen, brachten sie einen Rekurs zogen die Durchführung der Wahlen ein, der bis heute von der Behörde nicht erlangt ist. Die Mehrheit der Angehörigen der Gehilfenversammlung weiß über den Stand der Sache Bescheid, die Kommunisten aber, die den gegenwärtigen Zustand eigentlich hcrbcigeführt haben, wissen nicht-. Nun soll ihnen die Behörde, die sie ja sonst nicht anerkennen wollen, aus dem Dilemma helfen. Natürlich geht es bei dieser Kampagne nicht ohne ein Paar saftige Verdächtigungen ab. Den Gehilfenausschuß versucht man dafür verantwortlich zu niochcn, daß in Rordböhmen die Ber- lragslöhne nicht cingchaltcn tvcrden. Weiß denn der Schreiberling nicht, daß die Gchilfcnvcr- sammlung gar nicht BcrtragSkontrahent ist? Die Frage, wo Interventionen wegen Einhaltung der Schutzvorschrislen durchgeführt wurden, dürften dem kommuniltiscl>en Berichterstatter am besten jene seiner Mitglieder beantworten können, die den Gehilfcnsekretar Becke r t gerade anläßlich solcher Jntcrvclttioucn tätlich bedroht haben. Der koimnunistische Berichterstatter behauptet, der Gehilifcnausschuß zahle Arbeitslosen- und Krankenunterstützung aus. Es stinunt wirklich, daß noch kein Jndustricverbändlcr vom Gehilfenausschuß eine Arbeitslosenunterstützung erhallen Hot, aber auch kein Mitglied einer anderen Organisation, weil der Gehilfenausschnß eben keine Arbeitslosen«, sondern nnr eine Not« falluntcrstützung auSzahlt. Im übrigen köntten die Kommunisten unbesorgt sein. Der GehilfenauSschuß hat keine Ur- fache, mit seiner Tätigkeit hinter dem Berge zu halten und noch weniger Ursache, Neuwahlen zu fürchten oder zu verschieben, er hat aber auch keine Ursache, tetti Kommunisten aus ihrem sclbst- derschuloeten Dilemma zu helfen, indem er vor ihren Drohungen zurückweicht. Erzählungen der Frau Blaschk« aus Reichen« berg. Man kann nicht behaupten, daß der„Inhalt" der„Internationale" genießbarer gcwoc- den wäre, seit sie ihr Domizil von Aussig nach Reichenberg verlegt hat. Der Unterschied ist nur der, daß früher, von den beiden Blättern„Bor« wärts" und Internationale" immer eins dümmer war als das andere, wahrend sic jetzt, ans de» gleichen Duellen gespeist, einander ebenbürtig sind. DaS albernste Gekeife hinterwäldlerischer Käseblättchen gegen die Sozialdemokraten ist ihnen zum Zwecke der„Entlarvung" ebenso willkommen, wie die hanebüchenen Grubenhunde der Naziblättcr und die haßerfüllte» Ergüsse der Börscnzeitnngcn. Dieser Tage wartete die Internationale" mit einer besonderen Attraktion auf:„Die reformistischen Gewerkschaften wollen mit Schleicher eine Gewerkschaftsregierung bilden!"„Sozialdemokratische Arbeiter, waS sagt ihr dazu?" So, und in Plakatlettern konnte man eö lesen. Nun, die sozialdemokratischen Arbeiter sagen gar nichts dazu. Erstens schenken sie der Internationale" nicht mehr Beachtung als einem schlecht redigierten Witzblatt und zweitens ist die Sache so hanebüchen dumm, daß man nicht einmal darüber lachen, geschweige denn etwas dazu sagen kann. Irgendwo hat so ein Kaffcehausrevolutionär etwas lauten hören, nur bald verstanden, die andere Hälfte dazu gelogen und schon ist ein„Verrat" fertig. I» Wahrheit, ist die Sack)« so, daß Schleicher mit dem deutschnationalen HandlnngSgchilfcnverband (DHB.) eine„Gewerkschaftsfront" bilden will, die er zur Aenderung des Wahlrechtes politisch auSnützcn will, und wozu er die Hilfe der Nazi braucht. Daß die freien Gewerkschaften jeden derartigen Beriuch nicht nur entschieden ablchnen, sondern mit den schärfsten Mitteln bekämpfe» würden, ist so klar, daß sich jedes Wort darüber erübrigt. Bcruarbelterslrclk In Spanien. Paris, 80. August.(Tsch. P.-B.) Wie aus Dvieoo berichtet wird, hat die Gewerkschaft der Bergarbeiter von Asturien den Generalstreik beschlossen, angeblich weil die Unternehmer gewisse Berpslichtungeu gegenüber dem Personal nicht lingehalten haben. Vollmacht zur Auflösung erteilt! Berlin, 80. August.(Conti) Die wichtigste Entscheidung de» Tage» ist nicht im Reichstag, andern in Neudrck gefallen: Der Reich»- Präsident hat dem Kanzler die Vollmacht zur Auflösung gegeben. Der Kanzler hat die Vollmacht, er wird von ihr Gebrauch machen, sobaw der Reichstag der Durchführung des am Sonntag verkündeten Programms Schwierigkeiten bereitet. Di» Erklärung, di« der neu« Reichstags« »räfident heut« abgegeben hat, wird allgemein al» Kampfansage aufgefaßt mit dem Ziele, den Reichstag am Leben zu erhalten und an dir Stelle der gegenwärtigen Reichsrrgicrung ein „schwarz-braunes" Kabinett zu setzen. In der ReichSregierung nahestehenden Kreisen ist man aber der Auffassung, daß das heutige Zusammengehen bei der Präsidentenwahl noch keineswegs ein Beweis für«in gemeinsame» sachliches Arbeiten im Sinne eine» einheitlichen Regierungsprogramm» ist. Darum ist auch kaum anzunehmen, daß der Reichspräsident den Empfang, um den da» ReichSprasidium heute abend» nachgesucht hat, überstürzen wird. In Regierungskreisen weichen übrigens die Gerüchte, daß zwar aufgelöst, aber in absehbarer Zeit nicht wieder gewählt werden solle, entschieden dementiert. Zu« * nächst ist die Auslösung ausgeschoben: e» ist denkbar, daß sie Mitt« dcü Monat» erfolgt. Dann würde auch in der vorgeschriebenen Frist, also Mitte November, ordnungsmäßig oin neuer Reichstag gewählt werden. Ob die Entwicklung so verläuft, das liegt beim Reichstag selbst. Der Kanzler kommt am Mittwoch mit General von Schleicher und dem Freiherrn von Gahl au» Reudeck zurück. Die Herren werden dann im Lause de» Nachmittags ihren Miniperkollegen Bericht erstatten und daran schließt sich dir Erlassung der Notverordnung, die voraussichtlich am Freitag veröffentlicht werden wird. * Berlin, 80. August. Der Acltestcnrat dcS Reichstages beschäftigte sich nach der ersten Vollsitzung am Dienstag abends noch mit der Frage, wann der Reichstag zufanimentrcten soll. Es wurde beschlossen, vorläufig den 8., eventuell dep 9. September für die nächste Sitzung in Aussicht zu neh,neu. Auf die Tagesordnung soff eine Erklärung der ReichSregierung gesetzt werden. Falls die Regierung nicht bereit sein werde, eine Erklärung abzugeben, wird der Acltestcnrat noch einmal zusammentreten, um ciue andere Tagesordnung aufzustellcn. * Die preußische Politik. Debatte und Abstimmungen Im Landtag. Berkin, 30. August.(BdZ.) Zur heutigen' Sitzung des Preußischen Landtages war der An. drang der Oeffentllchkcit wieder außerordentlich stark. Alle Tribünen waren überfüllt. Präsident Kerrl eröffnet« die Sitzung um 14 Uhr mit einem Nachruf für die Opfer der„Riobc'^Kata- strophe. Während des Nachrufes waren die Kom- munrsten int Saale nicht anwesend, die übrigen Abgeordneten hatten sich von den Plätzen erhoben. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält Abg. Hirtsiefer(Zentrum) das Wort zu einer Er- klärung, in der er ausführtc, daß er sich für verpflichtet Halte, die preußische Volksvertretung sachlich über die Vorgänge zu untcrrichlen, die sich leit dem 20. Juli l. I. abgespielt haben. Er gibt dann zunächst einen Ueberblick über den historischen Verlauf und die Ereignisse, die mit der Einsetzung des Rcichskommlssars begannen. Er teilt dabei n. a. mit, daß die Amtsenthebung des Ministerpräsidenten Braun und des Miinstcrs Sevcring zu einem Zeitpunkt erfolgte, als die Notverordnung über die' Eiirfctzung des Reichs- komnnffars überhaupt noch nicht verkündet war. In der Aussprache über die Einsetzung des RcichSkommiffarS in Preußen begründet Abg. Jürgens«»(Sozialdemokrat) den Antrag seiner Fraktion auf Aufhebung dieser Verordnung und Amtsenthebung der kommissa- rischen Regierung. Redner nennt die Einsetzung des Reichskommissars in Preußen einen Staatsstreich, den der nationalsozialistische Landtagspräsident K e r r l a n g e r c g t und Herr von Papcn durchgeführt habe. Die Rolle, die Präsidettt Kerrl bei diesem Staatsstreich gespielt habe, rechtfertige, daß alle, die diesen Gewaltakt nicht billigen, Kerrl ihr schärfstes Mißtrauen aussprcchen. Bei seiner weiteren entschiedenen Polemik gegen die ReichSregierung und den Reichskommiffär betonte Redner, daß unter der Tätigkeit Papeno und Brachts die Terrorakte und polnischen Bluttaten stark gestiegen seien, oblvohl der Reichskommiffär auch mit dcr Begründung eingesetzt worden ist, daß Ordnung und Sicherheit in Preußen gefährdet seien. Tic sozialdemokratische Partti verlange Aushebung der„Schreckens- und Mordverordnung". Abgeordneter Koen en(Kommunist) begründet die kommunistischen Anträge auf Aufhebung dcr Verordnung über den Reichskom- ntissar und erklärte u. a., die Spiegelfechterei des parlamentarischen Treibens der Nationalsozialisten zeige sich in ihrer Haltung gegenüber dem Zentrum. Ter Frak- tionsfüyrer der Nationalsozialisten habe erst kurz- lich im Landtage das Zentrum in unerhörter Weise beschimpft. Jetzt ständen beide Parteien in Koalitionsvcrhandlungen. In der Aussprache erklärte der Nationalsozialist Kube u. a.: Daß unter den Augen dcr Negierung und unter Bezugnahme ans eine sehr hohe Stelle in Neudeck mit dem Staats- streich gedroht werden könne, zeige, wessen Herr Dr. Bracht und die ihm zustehendcn Kreise fcjhig seien. Wir Nationalsozialisten haben immer zum Ausdruck gebracht, daß wir uns, solange die Verfassung besteht, im Rahmen dcr Verfassung halten werden und daß wir nicht staatsfeindlich sind. Der Kampf der Rational- Mussollnl setzt die Löhne heran. Rom, 30. August.(Tsch, P.-B.) Die Lohn- streitigkeilen in der norditalienischen Woll- und ist der sizilianischen Schtvcfelindustrie sind von dem Korporationsministerium, das jetzt unter dcr Leitung Mussolinis steht, gelegt worden. Mussolini hat in der Wollindustrie eine Lohnsenkung in der Höhe von 10 Prozent verordnet, die für etwa 250.000 Arbeite» der uorditalicnischen Wollindustrie in K'afl bitt. Die Akkordlöhne der Schwefelindustrie, die das Lohnminimum überstiegen, Wurden um 50 Prozent gesenkt. sozialisten in Preußen ist nicht deshalb geführt worden, damit an die Stelle dcr schwarz-roten Regicrungskoalitivn ein Reichskommiffär gefetzt wird, dcr sich dcm Landtage gegenüber nicht ver-. antwortlich fühlt. Die 9iSDAP wird, was an ihr liegt, dazu beitragen, eine verfassungsmäßige Regierung in Preußen zu- standczubringcn. Bei den Abstimmungen wird mit den Stimmen aller Fraklionen gegen die Deutschnationalen und bei Stimmenthaltungen des Bolksdicnstcs ein nationalsozialisti- s ch e r Antrag a n g c n o in in e n, wonach der Landtag dcm Rcichskontmissar von Papcn seine Mißbilligung ausspricht. Die Nationalsozialisten rufen den Deut sch- nationalen zu:„Nieder mit dcr Reaktion!" Aunahine findet weiters ntit Mehrheit ein sozialdemokratischer Antrag ans Aufhebung der Notverordnung über die Einsetzung dcü Reichskom- m i s s a r s und aus beschleunigte Herbeiführung dcr Entscheidung des Staatsgerichtshoscs. Entsprechende kommunistische Anträge werden gleich- falls angenommen. Sic fordern außerdein Rückgängigmachung aller Maßnahmen der kommissa. rischen Negierung. Dcr Teil des kommunistischen Antrages, woitach kein Beamter oder Angestellter verpflichtet sein soll, den au Grund dcr Vcrordnitng erlassenen Dienstverord- »ungen nachzukommcn, wird angenommen mit den Stimmen der Kommnnistcu und Nationalsozialisten. Abgclchnt gegen Kommunisten und Sozialdemokraten wird ein kommunistischer Antrag, deut Landtagspräsidenten Kerrl das allerschärfste Mißtrauen auszuspre«i)en, weil er die Einsetzung eines ReichSkommissars erwirkt habe. Dann wird gegen Zentrum und Dcutschnatio- nale ein weiterer kommunistischer Antrag, der sich gegen die Verbote öffentlicher politischer B e r s a m m l u n g e n und Dcmonstra- tionen wendet, angenommen. Mit den Stimmen dcr Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten findet ein kommunistischer Antrag Annahme, der das Staatsministerium ersucht, die bcstchcitdcn Zeitungsverbotc sofort aufzuhcbcn. Neue Bluttaten der Nazi. Schwerin, 30. August.(Eig. Drahtb. In Mecklenburg-Schwerin wurden i> der Nähe von Malchin 20 Reichsbannerleute auf dem Heimwege von einem großen Trupp SA- und SS-Leuten mit Beilen, Messern und Knüppeln überfallen. Der Neichsbannerfüh« rer Vier! wurde schwer verletzt. Mehrere Reichobannerleute erlitten Verletzungen. In Gadebusch kam eü zu einer Straßenschlacht zwischen SS-Leute» und Arbeitersportlern. 30 bis 35 SS-Leute marschierten den Arbeiiersport- lern, die in kleinen Trupps von einem Stiftungsfest kamen, entgegen und überfielen sie. Von der SS-Führnng wurde der Befehl zum Angriff gegeben und die Mordlust der braunen Mannen lvurde von deit Führern durch den Ruf gesteigert: Feste druff! Haut die Lumpen! Fünf Ar- bcitrrsportler sind zmn Teil schwer verletzt. Obwohl die Täterschaft nicht zweifelhaft ist, hat die Polizei noch keine Verhaftungen vorgenommen. Japan gegen den Völkerbund. ES droht mit Austritt. Tokio, 30. August.(Tsch. P.-lkQ Auf eine Anfrage im Unlcrhause über das Mandschureiproblem erklärte Utschida, er hoffe, daß sich die Frage in einem für Japan günstigen Sinne eietwickeln werde. Andernfalls, so betonte er, tvare die Regierung cittschlosscn, zu dcm äußersten Mittel zu greifen. Mait glanbt, aus diesen Worten herauslesen zu können, daß Japan nötigenfalls entschlossen ist, dem Völkerbund den Rücken zu kehren. Blutbad in Quito. Guayaauil, 30. August.(Reuter.) In der Stadt Quito herrscht«in vollkommenes Chaos. Die Schießerei«« auf den Straßen, die mit Leichen besät lind, nehmen ihren Fortgang. Die Ausständischen feuern unter der Leitung von Mönchen aus die Föderaltruvpen von den Kirchen auü, in di« sie gefluchtet sind. Da die Aufständischen zähen Widerstand leisten, gab der Kriegsminister trle. graphisch den Auftrag, sämtliche Abteilungen der Regierungstruppen, soweit sie zur Hand ind, n a ch O u i t o zu entsenden. Streik der polnischen Naphta»Arbetter. Warschau, 30. August. Die Gewerkschaft dcr Naphthaarbeiter, die unter der Leitung der sozialistischen Partei steht, hat für den I. September einen Generalstreik in dcr Naphthaindustrie proklamiert. Die Ursache der Strcikproklamation ist in der von den Naphthaindustriellen angekündigte» Lttprozcntigcn Lohnkürzung zu suchen, die von den Organisationen der Naphthaarbeiter kategorisch abgelrhnt wird. und der Transporlardelter I« Gdingen. Warschau, 30. Attgust. In Gdingen ist plötzlich ein Streik der Hasen- und Transportarbeiter ausgcbrochcn. Ungefähr 70 Prozent dcr Arbeiter ind in den Ausstand getreten und fordern die Zurückziehung der im Juni d. I. durchgeführten lOprozcntigcn Lohnhcrabsctzung. Ole„Gründe“ gegen Gnmhel. AuS Karlsruhe wird uns berichtet: Die badische Unterrichtsverwallung teilt nun die Gründe mit, welche znr Entziehung der Lehrbc- rcchtignng dcS Professor Dr. Gümbels an der Univcrsitak Heidelberg führten. Die Unterrichtsverwaltung erklärt u. a.:„Der bcstimmungsge- mäße an der Universität Heidelberg über deit bekannte» Vorfall eingesetzte Untersuchungsausschuß hat festgestellt, daß Professor Dr. Gumbel in cinent am 27. Mai 1932 int Heim der Sozialistischen S t u d e n t c n g r u p P e in Heidelberg abgchaltcnen Vortrag, nachdem ihm be- kannt war, daß politische Gegner, im Zusammenhang einer Darstellung dcr Rot und der Schrecken eines Krieges sich dahin geäußert habe, „da» angemessene Kriegerdenkmal sei iticht ein« leichtbrkleivete Jungfrau mit der Siegespalme in der Hand, sondern ein Stein mit einer Kohlrübe." Nach Aussassung des Untersuchungsausschusses war diese Acußerung ihrem Ton und Wortlaut nach geeignet, die Ehrfurcht vor den Gefallenen des Weltkriege» zn verletzen und das nationale Empfinden aus das tiefste zu kräuken. Entscheidend und erschwerend falle hierbei ins Gelvicht, daß die gemachte Acußerung sich in derselben Richtung bewege und den gleichen Charakter habe, wie die allgemein bekannte, von Professor Dr. Guntbel selbst zugegcbene Acußc- rung von 1924 über das Feld der U n c h r e. Mit dcr gemachten Acußerung habe Professor Dr. Gumbel anfü neue bewiesen, daß er nicht imstande sei, eine Verletzung von hciiigstcn Empfindungen zu vermeiden. Unbeschadet seiner wissenschaftlichen Qualitäten und seines wissenschaftlichen Interesses sei fcstzustellen, daß Professor Dr. Gumbel seine politische Anschauung in einer mit den Pflichten seiner akademischen Stellung«ich: vertraglichen rücksichtslosen und demagogischen Weise vertrete und keine hinreichende Selb st ko n trolle besitze, um Aeußerungcit zu vcrnteiden, die beleidigend und verletzend nnd die die Achtung und aas Vertrauen, dessen ein Hochschullehrer bedarf, er- schultern. Wenn alle n a t i o n a l i st i s ch e n Hochschullehrer mit dem Maße gemessen würden, das hier an Gumbcls Aeußcrungcn gelegt lvurde, dann lvären viele Lehrstuhle schon seit langem verwaist oder unbesetzt worden. Denn was Nationalisten sich in bezug leisten auf„rücksichtslose nnd demagogische" Vertretung ihrer Ansichten über Republik und Republikaner, das ist hinreichend bekannt nnd mit den gelegentlichen Bemerkungen des Pazifisten Gumbcls überhaupt nicht zu vergleichen. Besonders bcdancrlich bleibt, daß die Maßregelung dcr Pazifisten gerade in B a d e n erfolgt, das einst den Ruf genoß, ein„Musterländle" dcr Freiheit zu sein! Die„Sudetendeutsche Tageszeitung" begibt sich— welch ein gutes Zeichen für die Richtigkeit unserer Politik!— immer häufiger in die Gesellschaft des„Benko v". In großer Aufmachung gibt sie die Entdeckung de» tschechischagrarischen Blattes wieder» daß Genosse Dr. Czcch anltsmüde sei und Genosse Bcchynö au seine Stelle treten solle, während Genosse Taub das Ernährungsministerium übernehmen werde. — An dieser Meldung des„Vcnkov" ist ebenso- viel Wahres, wie etwa an der Behauptung, daß Tctschen n i ch t an der Elbe liegt.— Soviel tschechisch haben die Redakteure dcr„Sudetendeutschen Tageszeitung" immerhin schon gelernt, daß sie die geheimen Wünsche der tschechischen Agrarier lesen und übersetzen können. Die Sprache dcr politischen Vernunft ist ihnen auch weiterhin fremd. Sie belfern das politische Esperanto der bürgerlichen Interessengruppen, das heißt: Gegen die Sozialdemokratie Verbünden>v i r uns mit Todund Teufel. Welch ei» herrliches Bild:„Bcnkov" und„Sudctendcutschc Tageszeitung" in einer Front! Welch ein lehrreiches, welch ein erzieherisches f Bild! Seite 4 Mittwoch, 81.«ugust 1932. Str. 205. T agesneuigkeiten GraSlitzern Strafraume Torschüsse. i Lynchjustiz in KSruten! Betrunkener viehisch zu Tode gemartert, der Gemeinde RcPitz bei Möttling Das Endspiel nm die Autzball-Vundesmeisterschast| im Arbeller-Turn- und Sportverband. Gleichheit Weiskirchlitz gegen S. R Graslitz Sr4<4,3). Weiskirchlitz Bundesmeister. vermag sich Graslitz von der Umklammerung zu befreien. 2er linke Flügel erhält den Ball, flankt sehr schön«in, die Flanke wird zum zweiten Tor für Graslitz verwertet. In der 37. Minute kann Graslitz das dritte Tor erzielen. Die restliche Tauer in der ersten Halbzeit steht im Zeichen einer leichten Ueberlegenheii der Wetskirchlitzer. Mit dem Stande-1:3 für Weiskirchlitz wird die erste Halbzeit abgeschlossen. In der zweiten Halbzeit wurde das Schicksal von GraSlih zwar endgültig besiegelt, doch sah man auch den durchaus offenen.Kampf- In der 18. Minute griff jedoch wieder Weiskirchlitz an; der Halbrechte sendet von der Strafraumgrenze ein. Graslitz unternimmt.nun einig« nicht ungefährliche Angriffe, doch seine Unentschlossenheit verhindert das Erzielen eines Tores. In der 34. Miltute vermag Weiskirchlitz wieder durch den Halbrechten erfolgreich zu sein. Es belagert jetzt durch einige Minuten wieder, zwei Tore sind das Ergebnis. Nun befreit sich Graslitz wieder und geht vor. In der 41. Minute wird ein solcher Angriff vor dem Strafräume von Weiskirchlitz regelwidrig aufgehalten. Nach der Ausführung des diktierten Strafstoßes entsteht vor dem Wciskirchlitzer Tor ein Gedränge, der GraSliher Halbrechte kann daraus ein Tor erzielen. An dem Stande 8:4 wird dann nichts mehr geändert. Die Würfel sind gefallen. 1200 Zuschauer verlosten befriedigt den Sportplatz, sie hoben ausgezeichneten Sport gesehen. 8. I. Söhnchen A n t o n rumänischen Kö- aus den Namen Stefan fungierten Exkönig Alfons von Spanien, der das Kind zum Altar trug, Königin Elisabeth von Griechenland, Margarita Salvator und in Vertretung der Exkaiserin Zito Theodor Habsburg. Außerdem wohnten die Königinmutter Maria von Rumänien und zahlreiche Mitglieder der Familie der Zeremonie bei. Di« Taufe erfolgt« mit I o r- d a n--W a s s e r, das em Kurier der Exkaiserin Zita überbracht hatte. Tie Behörden hatten zur Aufrechterhaltung der Ordnung umfastende Vorkehrungen getroffen,«S ereignet« sich jedoch keinerlei Zwischenfall. Dos freut unS, daß der.Habsburger Anton di« Ordnung nicht gestört hot! Und derlei Berichterstattung durch di« 6TK. gehört dort ja auch längst zur Ordnung. Hoffentlich hot der Vertreter deS Prager Pressebüros und der Kleinen Entente, obzwar bestenfalls nur mit Moldau-Waster getauft, anständige Figur genracht neben den gekrönten Häuptern und den allerhöchsten Windeln! Heute Zeppelin-Landung in Peruambueo. New N»rk, 30. August. Die Radio Marine Compagnie erhielt einen Funkspruch vom„Graf Zeppelin", wonach dieser am Mittwoch in Per- nambuco landen wird. Das Luftschiff befand sich um 23 Uhr(New syorker Zeit) über dem Atlantischen Ozean westlich der Marokko-Küste auf 32.8 Grad nördlicher Breite und dem 10.30 west- Vchen Längegrad. Am Sportplätze in Falkenau ist die Entscheidung um die Bundesmeisterschast am vergangenen Sonntag gefallen. Weiskirchlitz, der Vertreter des 5. Kreises, konnte den Titel„Bundesmeister" für sich gewinnen. Die Weiskirch- litzer waren technisch und körperlich überlegen. Die Stärke des neuen Bundesmeisters besteht darin, daß er ein Paßspiel betreibt, ferner werden die Flügel hinreichend beschäftigt. Die Erkenntnis, daß ein Flügelspiel von Erfolg gekrönt ist, fehlt bei den meisten Vereinen unseres Kreises, auch bei Graslitz, dem KreiSmeister des 6. Kreises. Graslitz beging auch den Fehler (speziell in der ersten Halbzeit) ein hohes Spiel zu forcieren, ferner hat der Sturm, wenn sich ihm oft Gelegenheit dazu geboten hat, vergessen, daß er zum Schießen da ist, auch hier war den ihr Gegner voraus, sobald sie zum gekommen sind, sielen bereits die Äwei Gattenmorde. Den Mann erfd&tagen/ Die Krau ermordet Ungarisch-Hradisch, 30. August. In der Nacht auf Dienstag wurde in Martinice bei Holeäov der 41jährige Viehhändler Johann Strouhal ermordet. Strouhal hatte vor zwei Jahren ein« 38jährige Witwe geheiratet, die aus erster Ehe zwei kleine Kinder mnbrachte. Zwischen den beiden Ehegatten gab cs gleich vom Anfang an häufig Streit und Unfrieden, weil sich Strouhal um die Familie nicht kümmerte. Seine Frau, die ein kleines Haus mit einigen Metzen Feld besaß, kam durch Strouhal bald so ins Elend, daß sic durch Taglöhnerarbeil für dir Erhaltung der Familie sorgen mußte. In der Nacht auf Sonntag schlug Strouhal sein« Frau, packte dann seine Sachen zusammen'und ging zu einem Bekannten. Frau Strouhal, die in Angst um ihr Leben war, suchte bei der Gendarmerie und beim Bezirksgericht in Holeöov Schutz. Montag nachmittag kehrte Strouhal vom Jahrmarkt in Ungarisch- Hradisch zurück und kehrte in HoleLov und Mar- tlnice mehrfach in Gasthäusern ein. Um 9 Uhr abends ging er nach Hause, wo er jedoch alles versperrt sand. Auf sein Klopfen und Lärmen sprang seine Frau durch das Fenster auf die Straße, wo es dann zwischen den Ehegatten zu-Handgreiflichkeiten kam. Schließlich ergriff Strouhal eine Hacke zum Holzspalten und drang auf seine Frau ein. Dies« ergriff einen Knüppel und schlug ihren Mann derart auf den Kopf, daß er bewußtlos zusammenbrach. Dann stürzte sich die Frau auf den Bewußtlosen und bearbeitete ihn solange mit dem Knüppel, bis er sich nicht mehr rührte. Hierauf ging sie zur Gendarmeriestation nach K. k. Pressebüro, Prag. Das Tschechoslowakische Pressebüro übermittelt uns gütigst folgende Meldung: Wien, 30. August. In Mödling bei Wien wurde heute nachmittags das -Habsburg- und der nigsiochlrr-lleana getauft. Als Taufpaten HoleLov, wo sie sich selbst anzeigte. Der herbeigerufene Arzt konnte dem tödlich verletzten Strouhal, der kurz darauf starb, keine Hilfe mehr bringen Die Strouhal wurde in die Gerichtshaft nach HoleLov gebracht. Mörder«ttovoll. Aus T Y r n a u wird uns geschrieben: In der hiesigen Vorstadt„Tulipan" lebte mit seiner Familie der beschäftigungslose Arbeiter Franz K u h ä n y, der hauptsächlich dadurch in der Stadt bekannt war, daß er alles vertrank, was seine Frau und seine zwei erwachsenen Kinder verdienten, und daß er seine Familie mißhandelte. Nirgends hielt er sich lange und wurde aus jedem Posten wegen Streitsucht bald entlassen. In der letzten Zeit bildet« er sich ein, daß ihn seine Frau hintergehe. Mehrmals fand er sich bei der Gendarmeriestation ein und erstattete darüber Anzeige. Es handelte sich allerdings jcdeSmal um Hirngespinste. Auch am Samstag, den 27. August, machte er di« Anzeige, daß seine Frau mit zwei Männern sortgegangen sei, und verlangt«, daß die Gendarmen sie verfolgen. Die Kinder suchten vergeblich die Mutter in der Stadt. Nachmittag bemerkte die älter« Tochter an der Holzhacke Blutflecken. Sie fragte diesbezüglich den Vater, der sic jedoch mit zynischen Worten abwies. Später wurde die Gendarmerie aufmerksam gemacht, die schließlich den Leichnam der Frau Kubäny in ejnam Sack eingewickelt und von einer Erdschicht bedeckt in einem Schupfen aufsand. Der Kopf war zertrümmert. Kubäny hat seine Tat eingestanden. Spielverlauf. Die ersten fünf Minuten ist Graslitz leicht überlegen. Ter Graslitzcr Mittelstürmer kann in der vierten Minute einscuden. Graslitz führt l: 0. In der neunten Minute greift Weiskirchlitz an. Der Mittelhals paßt sehr schön dem-Halbrechten zu, der unhaltbar einsendct. Der Ausgleich ist erzielt. In der nun folgenden Zeit wird Graslitz eingeschnürt. In rascher Aufeinanderfolge erzielt Weiskirchlitz Tor«. W. führt bereit- 4:1. Da Zwei Motorrad-Katastrophen bet Kladno. Kladno, 30. August. Gestern abend fuhr un- weit von Hostivice ein Motorrad in den Straßengraben. Die beiden Fahrer, die Brüder Franz und Jaroslaus Schmied, waren auf der Stelle t o t. Das Motorrad selbst wurde bloß unbedeutend beschädigt. Sonntag nachts fuhr der Soldat Franz 8 töpänek bei Baldek mit einem Motorrad gegen zwei Fußgänger. 8tSPänek wurde bei dem Zusammenstoß schwer verletzt und erlag gestern im Krankenhaus seinen Verletzungen. Beide Fußgänger erlitten bloß unbedeutende Dcrwun- düngen. Wien, 30. August. Heute nach Mitternacht raste ein Motorradfahrer in eine bei Schwechat marschierende Militärabteilung. Ein W c h r- mann wurde überfahren und erlitt schwere, drei weitere Soldaten leichte Verletzungen. Der Motorradfahrer erlitt einen Bruch der Schädelbasis und schwebt in Lebensgefahr. Rostock, 29. August. Auf der Fahrt von Ribnitz nach Rostock verunglückte in der Nähe von Gelbensande der Personenkraftwagen des Jenaer Universitätsprofestors Dr. Pfeifer. Bei hoher Geschwindigkeit löste sich plötzlich eine Radfelge, so daß der Wagen ins Schleudern geriet und sich überschlug. Einer der Insassen, Rcgie- rungsrat a. D. Schulze-Erfurt, erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Seine Frau und Frau Prof. Pfeifer wurden mit schweren Verletzungen in eine Rostocker Privatklinik übergeführt. Prof. Pfeifer selbst, der den Wagen steuerte, blieb unverletzt. 200-000 Mark Postgelder unterschlagen. Traunstein(Bayern), 30. August. Der Prozeß gegen die P o st a g e n t i n Anna Strubl und den Postmeister Joses A u m ü l l e r hat heute begonnen. Die beiden Angeklagten haben über 200.000 Mark Postgelder unterschlagen. Als die Verfehlungen zu Beginn des Jahres aufgedeckt zu werden drohten, waren die beiden Angeklagten nach der Tschechoslowakei geflüchtet» Dort wurden sie nach wenigen Wochen verhaftet und nach Deutschland ausgc- liefert. I Gewittern heimgesucht. Wollenbrüche verwüste- | icn die Felder, Brücken wurden sorlgeschwemmt, Straßen schwer beschädigt und der Verkehr unter» brachen. Ein 6 Monate alter Knabe wurde von den Fluten sortgerissen.. Aus Salzburg find Pioniere zur Hilfeleistung angefordert worden. Sine Stimme auS dem Dritten Reich. Dor Genosse Karl HanS Schober in Komotau, dessen Roman: ,',Der Niemand rebelliert" zurzeit in unserem Blatt abgedruckt wird, erfreut sich bei den Hakenkreuzlern besonderer Beliebtheit. Erst kürzlich wieder hat er von ihnen einen Drohbrief erhallen, in dem das Analpha- betyarentum des„ertvachenoen Deutschlands" folgende Urlaute von sich gibt: „Schober ist die größte böhmische rot« Sau und wird elendig verrecken. Ter Bestüe werden wir dar Mester hineinrennen wie der Hure Äuchseyburg und dem Hauptgauner Ratenau... Er hat das teudsche Heldentum In den Mist ge- zogän.... Schober ißt ein tschechischer Pv. Hund, den Horty vergessen hat aufzuhengon. Seine tschechische Huhrenfreundschast sitzt im Barlamcnt. Warum sagt ihr Lumben das nicht. Wir Teudschen werden fordern, daS dieser tsche- chtsche Verräter aus Mannesmann befördert wird noch Ragonih. Haben wir keinen Bläh für Ver- röter. Mannesmann hat noch gute teudsche Männer, die. aufräumen werden mit dieser Bestüe.... die bakenkreuzler bluthetze wird erst kommen, bis BolkSsportbrozeß wird aus sein Ihr Hunde von Amsterdam und Moskau. Wenn ihr Ochsen nichts müßt, dann hallet eure dumme Gusche. Heil Hitler." Hitler darf aus diesen„Kameraden" stolz sein. Großer Sittlichkeitsskandal in Franzenöbad. Seit einigen Tagen wird in Eger und in Fran- zenSbad sehr erregt von einem ganz ungeheuerlichen Sittlichkeitsskandal gesprochen. Einige Lüstlinge, die sich zur guten Gesellschaft zählen, sollen Mädchen aus guten Bürgerfamilien zu„Atcliersestcn" eingeladen haben, bei denen es in sogenannter Nacktkultur zu wüsten erotischen und alkoholischen Ausschreitungen gekommen sein fall, desgleichen im Strandbad nach der Badezeit und>m Gasthaus auf Schloß Seeberg bei Franzensbad. Ter Wirt soll" aber die Leute sofort wcggcwiescn haben, als er merkte, was vorgeht. Etwa 30 Personen sollen sich an diesen Orgien beteiligt haben, darunter angeblich auch dreizehnjährige Mädchen. Die Polster hatten sie mitzubringen. Schon auS den Einladungen soll ersichtlich gewesen sein, was die Lüstlinge beabsichtigen. Die Gendarmerie hat schon mit den Ausforschungen begonnen. Immer wieder Opfer des Schnelligkeitsfimmels! Täglich melden die Zeitungen Un- gtücksfalle, die durch übermäßig schnelles Fahren mit Kraftfahrzeuge» verursacht werden, täglich werden oen Krankenhäusern gestürzte Motorradfahrer und Automobilisten eingeliefert— aber Die Mehrzahl der Kraftfahrzeugbcsiher scheint dem Schnelligkeitsfimmel geradezu hoffnungslos verfallen zu sein. Tiefer Tage sand auf der Bäreststeiner Straße gegen Annaberg eine Autofahrt, bei der der Wagenlenker das Gaspedal so weit herunterdrücktc, als es ihm möglich war, ein schnelles Ende: bei einer Straßenkreuzung verlor der Lenker die Herrschaft über das dahinrasende Fahrzeug, das sich überschlug und in einem Felde liegen blieb. Von den vier Insassen wurden drei verletzt, einer davon lebensgefährlich.— Eine unsinnige Wette, die ein Motorradfahrer in einem Bärensteiner Gasthause cingeaange» war, fand gleichzeitig ein Ende mit Schrecken. Der Mann, der dem Alkohol be- . reitS reichlich zug«sprock)en hatte, wettete um eine Lage Bier, daß er in einer bestimmten Zeitspanne i von Bärenstein bis Annaberg fahren würde. Die ! Wette wurde angenommen. der Mann bestieg > daS Rad und fuhr in rasendem Tempo lotz. Weit In der Gemeinde R e p i h bei Möttling in Düdkarnten wurde ein Betrunkener zu Tode gelyncht. In der Nacht begab sich der KleinhäuSler Matthias Wirbin auf dem Heimweg in den Weinkeller des Gastwirtes und Gutsbesitzers Johann PruS und tat sich am dort lagernden Wein gütlich. Zwei Söhne des Gutsbesitzers bemerkten den Eindringling und sperrten ihn in den Keller ein. Sie verständigten sodann den Vater und alarmierten das ganze Dorf. Mehrere Frauen und Kinder, bewaffnet mit Knütteln, Mangen und Messern, holten Wirbin aus dem Keller. Obwohl er volltrunken war, festelten sie ihn mit Wagenketten. Andere Ketten wurden ihm um den Hals gewunden und unter f ch w e t e n Mißhandlungen wurde Wirbin durch das ganze Dorf bis zur Nachbarortschaft Drasitz ge- schleift, wo er seinen Verletzungen erlag. An dieser Lynchjustiz haben sich besonders dje.Kinder beteiligt. Wirbin hinterläßt eine Witwe mit. fünf unversorgten Kindern. Eine Wotterkatastrophe 1« Salzburg Salzburg, 30. August. DaS bei Taxenbach in das Salzachtal einmündende Rauriser Tal wurde in der vergangenen Nacht von überaus heftigen kam er allerdings nicht, denn schon in der scharfen Kurve bei der evangelischen Kirche in Barenstein verlor er die Gewalt über die Maschine, die ihn über das Straßenband hinauStrua, so daß er mit ihr schwer zu Sturz kam. Hiebei erlitt er so schwere Verletzungen, daß er in bewußtlosem Zustande ins Krankenhaus geschafft werden mußte. In der Nähe des städtischen Theaters in Pilsen überschritt Dienstag nachmittcm der 52jährige, bei der Firma Hoffmann in Pilsen beschäftigte Arbeiter Ferdinand 8 i m a n a die Fahrbahn. Hiebei wurde er von einem von dem Chauffeur Rehofr gelenkten Automobil der Staatsbahnen erfaßt und zu Boden geworfen. 8lehoser wurde vom linken Vorderrad des Autos überfahren und ist während des Transportes ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Ein gewalttätiger Gauner. Montag abends wurde die Polizeiwache in Pilsen darauf aufmerksam gemacht, daß im ersten Stockwerk eines HauseS in 8kvrüanh Hilferufe zu hören seien. Als die Woche hinkam, teilte chr der 52jwhrige Mathias Bokoun, Korbflechter aus KönigSwart, mit, daß er in dem betreffenden Hause von dem 44jährigen Friedrich Charvät, angeblich in Roky- cany wohnhaft, meuchlings überfallen worden sei. Charvät habe ihn aufgefordert, nach Pilsen zu kommen, da er ihm Staatslieferungen verschaffen wollte nnd habe ihn sofort aufgefordert, Geld mitzubringen, damit er Vorschüsse onlegen könne. In das HauS in 8kvr- üany habe ihn Charvät gelockt, damit er dort daS Gesuch an das Ministerium schreibe. Beim Schreiben habe Charvät ihn, Bokoun, m i t einem stumpsen Instrument mehr» malS ouf den Kopf geschlagen. Als ihn Charvät dann würgte, habe er sich los- gerissen und sei auf den Gang gelaufen. Ein Arzt untersuchte Bokoun und stellte Beulen auf dem Kopf und auf der linken Seite deS Halses Würgspuren fest; er erklärte die Verletzungen für leicht. Bokoun hatte 6000 K in bar bei sich. Charvät entwendete 500 K und entkam. Ein trauriger Fall. Die Witwe des Kon- zertsängerS Paul Schmedes, Frau Friederite Schmedes, di« schon durch längere Zeit durch verschiedene Geldaffären und mehrere Selbstmord- versuche die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkei! auf sich gelenkt hatte, stand gestern wegen B e- trugs vor den Geschworenen in Wien. Sic wurde schuldig erkannt uird zu zehn Monaten schweren Kerkers verurteilt. Fliegertod. Der Student der technischen Hochschule in B u d a p e ft, Gustav Galamb, einer der bekanntesten Sportflieger, ist heute nach- mittag während eines UebungSflugeS auf dem Erder Flugplatz in eine Luftspirale geraten und auS 150 Meter Höhe tödlich abgestürzt. Beim Baden ertrunken. Dienstag nachm't- tags ist in einem Teich hinter der Stadt der 13jähr!ge Schüler Karl Poöusta aus B.-Budmcis beim Baden ertrunken. Drei Alpinisten aus Lyon stürzten Montag im Belladonna-Massiv bei Grenoble ab. Zwei von ihnen wurden als Leichen geborgen, der dritte ist schwer verletzt worden. vier Kinder durch einen Erdrutsch getötet. Nach einer Meldung auS Valencia(Spanien wurden vier Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren in einem kleinen bei Valencia gelegenen Tors von einem Erdrutsch überrascht und getötet. Einen guten AuSgang nahm ein Unfall, den Max T ch m e l i n g am Montag in New Bork erlitt. Der ehemalige Weltmeister befand sich mit seinem Trainer Mac Mahon in einem Wasserflugzeug, um sich zu seinem Trainingauartier nach Speculator zu begeben. Als daS Flugzeug sich startbereit nach der Mitte deS HudsonflusieS zu bewegte, stieß es mit einem Boot zusammen, dessen Insassen durchaus ihre Neugierde befriedigen wollten. Der Zusammenstoß war so heftig, daß der Motor des Wasserflugzeuges sofort Feuer fing, daS jedoch schnell gelöscht werden konnte. Die Flugreise wurde sodann aufgegeben. vor dem Ziel. Der englische Student Adrian Ä a n a a r, der Montag um 7 Uhr 30 Minuten vo» Kap Gris-Nez abgeschwommen war, um den Kanal La Manche zu durchschwimmen, mußte abend gegen 10 Uhr sein Vorhaben aufgeben, als er nurmehr 1/ Meilen von Dover entfernt war. Während deS Schwimmens kämpfte er mit einem starken Regenguß und Unwetter. Ein« vorbildlich« Aktion zugunsten der Arbeitslosen. AuS Weipert wird uns gemeldet: Ueber Anregung des Bürgermeisteramtes Weipert hat die staatliche Forstverwäl- t u ir a in Preßmtz jenen Arbeitslosen, die sich mit Torfstechen befassen wollen, den Torfstich in der Pleilerheide gestattet. Die Vorarbeiten zu dieser Aktion, durch die ein Teil der Arbeitslosen zu einer geringen Verdienstmöglichkeit kommen soll, sind im Gange. An die Bevölkerung hat.das Bürgermeisteramt daS Ersuchen gerichtet, diese Aktion dadurch zu unterstützen, daß sie daS von den Arbeitslosen gewonnene Torf-Brennmaterial bestellt und verwendet. U Überschwemmung«in« bosnischen Stabt. Am Sonntag nachmittags ging über Plevlje und Umgebung' ein schweres Gewitter nieder, durch welches großer Schaden verursacht wurd«. Durch einen Wolkenbruch wurde di« Stadt förmlich überschwemmt. Mehrer« kleine Häuser stürz- ten«In. Ebenso wurden mehrer« Wirtschaftsgebäude des nahegelegenen Klosters zur Hi. Dreifaltigkeit niedergerissen und die Klostergrüfte demoliert. Menschenleben sind keine zu beklagen. Der angerichtete Schaden wird auf zwei Millionen Dinar gvschätzt. «t. 205. Mittwoch. 31. August 1932. .reite 5 Ein wUrdiger Unlrrnehmervcrtreter. Die Aktienbranerei in Eger Hal in El bogen eine Niederlage, die von einem gewissen Richard H o s m a n n geführt wird. Hofmann hatte sich auch ein Anlo zugelegt und beschäftigt einen Chauffeur. Wie sich Hofmann die Behandlung seines Lohusklnvcn vvrslellt, geht aus folgendem Vorfall hervor: Der Chauffeur W. H. war bei Hofmann durch drei Wochen gegen einen Lohn von 50 L per Woche und Kost beschäftigt. Nachdem der Chauffeur auch Sonntag fahren muhte und dafür keine Entschädigung erhielt, löste er das Arbeitsverhältnis. Am 18. August d. I. nun ging der entlassene Chauffeur von Elbogcn gegen seine» Wohnort. Am Wege traf er Hofmann, Als er den Chauffeur erblickte, stürzte er sich auf ihn Und' begann ans ihn einzuschlagen. Er ergriff dann noch die Antokurbel und schlug damit aufW. H. ein, bis er schwer verletzt zusammcnbrach. Wäre nicht ein Radfahrer dazu gekommen, so hätte er noch immer nicht von seinem Opfer abgelassen. Der verwundete Chauffeur mußte nach Elbogcn in- Spital geschafft werden. Schlägerei mit tödlichem Ausgang in Berlin-Charlottenburg. Zn Charlottenburg, wo sich ein nationalsozialistisches Bcrkchrslokal befindet, kam cs Diontag gegen 23 Uhr zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten zu einer wüsten Schlägerei. Im Verlaufe derselbe» wurden von beiden Seiten etwa 20 Schüsse abgegeben und drei Nationalsozialisten verletzt, so daß man sie ins Krankenhaus einlicfcrn muhte. Einer der Nationalsozialisten ist gestorben. Das nationalsozialistische Bcrkchrslokal wurde von der Polizei, die die Raufenden mit den» Gummiknüppel auscinanderjagtc, nach Waffen durchsucht. Lediglich zwei Pistolen, ein Dolch, deren Besitzer nicht scstgcstcllt werden konnten, wurden beschlagnahmt. Tie Polizei sah sich gezwungen, 35 Sistierungen in dem Lokal vorznnchmen und der Abteilung 1 litt Polizeipräsidium zuzuführcn. Wie das Contibüro nachträglich erfährt, sollen bei dem Naufhandel etwa 40 Kommunisten und 30 Nationalsozialisten beteiligt gewesen sein. Einschreibungen an der Deutschen Technischen Hschschnle in Prag f. d. Studienjahr 1832-33 finden in de» Zeit vom 2-1. September bis 8. Okiober statt, und zwar in nachstehender Reihenfolge: Neu ein- tretend« Hörer(Inländer) am 24. und 26. September, bereits immatrikulierle Studierende(Inländer wie Ausländer) vom 27. September bis 6. Oktober, und zivar in alphabetischer Ordnung, die am schwarzen Brett« der Hochschule kundgemacht wird. Neu cintretcnde Ausländer am 7. und 8. Oktober.— Die Aufnahmsprüfungen aus der darstellenden Geometrie und dem Freihandzeichnen für absolvierte Gumna- siastcn werden für Inländer am 23. September und für Ausländer am 7. Oktober l. I. vor de» Ein- 'chreibung bei den betreffenden Lehrkanzeln im Hauptgebäude, Husgassc, abgehalten. Tic Bor- lefungen beginnen am 3. Oktober. Der Fahrplan der internationalen Fluggesell- schast Cidna. Ter Hcrbstjahrplan der Gesellschaft enthält nachstehende Abflugzeiten für Prag: vom 1. September bis 31. Oktober ab Prag um 10 Uhr IS Min. über R ü r n b e r g—S r r a h b u r g nach Paris und ab Prag um 13 Uhr 45 Min. über D i e n—B u d a p c st—B elgrad nach B u k a r« st. In der Zeit, vom 3. bis 81. Oktober bleibt der Start nach Paris mit 10- Uhr 15 Min. unverändert, der Abflug nach Warschau erfolgt um 10 Uhr 30 Minuten und der Start für die Strecke Wien- Budapest—Belgrad—Bukarest um 14 Uhr 45 Min. — Tic Aufgabe von Luftpostsendungen im Postkasten an der beleuchteten Säule in der Anrodni:k. Nr. 6 muh spätestens 45 Minuten vor den angc- flihricn Abflugszeiten erfolgen. Erzwungener Irrsinn. Ter Vorsitzende im Lübecker Colmeuc- Prozcß hat seinem Leben durch Selbstmord ein Ende bereitet. Wer den Monstreprozeh um das Massensterben verfolgt.hat, weih, daß er die ungeheure Materie beherrschte, die Verhandlung musterhaft geleitet hat und in keiner Phase des liarten Kampfes um Schuld und Unschuld des Professors Dehcke auch nur im entferntesten den Eindruck des Geisteskranken erwecken konnte. Der jetzt tote Wiebel Hai so geurteilt, wie es sein Gewissen verlangt«, nach dem Prozeß wurde er in der ungeheuerlichsten Weise angefcinde» und die vornehme Bürgerschaft hat wegen der eineinhalb Zahrc Gcfängüis für Dehcke die 76 unschuldig verstorbenen Kinder fast völlig vergessen. W'.' immer man über das Calmettcverfahren denken niag: sicher bleibt die Tatsache, daß nirgend anders als in Lübeck solche Katastrophe cingetrc- tcn ist und der wahrhaft Unbeteiligte wird dem Gericht recht gcle.ii, das den Mann, der an der Spitze des Instituts stand, als Verantwortliche» verurteilt hat. Mau hat Wiebel, der über ke n eigenes Urteilfast irnbsinnig geworden war, durch Anfeindungen nnd Beschuldigungen immer mehr angeworfen; man bat seine Gemütsdepression durch eine gewisse: lo'c Pressekampagne direkt derbe'beschlvoret» und hat den Kamp! gegen dae Urieil. der sachlich'nicht recht begründet werden kann, auf das persönliche Gclci'e geschoben und den'Richter ein'äch für ge steskrank erklärt. Wiebel war.eiii Mensch mit Nerven: mit Nerven, die vertagt haben und ibn in die Behandlung der Marbnrger Nniversitätsklin'k getrieben haben. Er. wollte sich hier von lewer TcPrss'o» erholen, und her"hier iinkaßbare Ratschluß d«r Aer'te hat ds»'onst ae lt a r">kt'aen Dl"ck en niit Irrsinnigen in eine Abteilung verbannt. Tort bc- Völker Kleine Chronik Ter Krieg geht Geht aber dem unsere Kunst auSzuinalen -fb- Ein neuer Schottenwitz. Ein Gewitter pra seit über die gute Stadt Aberdeen in Schottland nieder.„Mackie", sagt da Frau Smith,„kielte: doch mal aufs Dach und stell unsern Akk» daraus! Biellcicht wird er vom Blitz gratis gcladeu." suchte ihn ein namhafter deutscher Gelehrter und erklärte ihn für geistig vollkommen gesund:„Man sollte mich nicht in Gesellschaft von Verrückien lasten", ist ein zutiefst tragischer Vorwurf des Gehetzten, der gegen die unangreifbaren, aber um so mächtigeren Gegner vollkommen machtlos war. Man muß sich dabei nur klar werden, wie hilflos und arm so ein Mensch wird, wenn hn irgend eine ärztliche Instanz für geisteskrank erklärt: wer von uns könnte als des Irrsinns Verdächtiger seine Geisteskraft und geistige Gesundheit Nachweisen? Dieses Unterfangen erscheint nach der EntmündiaungSordnung aller vollkommen aussichtslos und der gute und tiefe Gcsetzeskcnncr hat aus dieser traurigen Wahrhe t, die vielen Schriftstellern schon die Feder zur Kampfschrift in die Hand gedrückt hat, die Kon« cquen; gezogen: er ist freiwillig vom Kampfplatz der Justiz geschieden, die in seinem Fall mit der Gerechtigkeit nur den Nanien gemein hatte. Er hat durch seine Verzweiflungstat die überlegene und klare Ruhe seiner größten Arbeit bestätigt: über seine Leiche und die der 76 Kinder wird der Kampf der blinden Gerechtigkeit weiter toben! 9t e u m a n n, das deutsche Landes- und Stadt- Theater B ü h n e n k ü n st l e r, die Ausländer sind, aber auch Juden und Dividenten, und je nach der LandeSgcgend Protestanten oder Katholiken nicht wieder engagieren. Tr. Satori- Neumann, der sich sehr entschieden gegen diese dumme und kunstfeindliche Ausländer-Hetze wen- dcl, sagt:„Soviel Verständnis, soviel Schulwissen, ja soviel elementare Kenntnisse sollten doch Intendanten und künstlerische Bühnenvor- ständc besitzen, um offen und freimütig zu bekennen, was Oesterreichcr und Schwei- z e r, was ungarische und tschechoslowakische Staatsangehörige und nicht zuletzt, was auch jüdische Künstler für die deutsche Kulturbühnc geleistet haben." Tie kulturelle Gefahr einer solchen„Autarkie", die schließlich dazu führen kann, daß etwa iu Coburg nur Coburger Schauspieler»virken dürfen, braucht hier nicht erörtert zu werden. Aber diese Unterbindung der Freizügigkeit der Künstler, dieser lächerlich-beschränkte Standpunkt der Beschäftigung nur Einheimischer, führt nicht nur zu weiterem Ruin des deutschen Theaters, sondern auch zur Verelendung gerade d e u t- scher Künstler! Denn nicht nur diese österreichischen und schweizerischen, sondern auch diese ungarischen und tschechoslowakischen Staatsangehörigen, denen mehr und mehr der Zutritt zu deutschen Bühnen gesperrt wird, sind ja doch auch in ihrer überwiegenden Mehrzahl Tentsche! Ta für neunzig Prozent des geographiekundigen Volkes Tentschlands in der Tschechoslowakei eben Tschechen wohnen, in der Schwei; Schweizer, finden Bestrebungen von der Tiefe des Gedankens etwa, daß Chemnitz den Chemnitzern gehöre, kaum Widerstand, eher bereitwilliges Verständnis, und ein paar Millionen Ausländsdeutschen, keineswegs bloß ihren Künstlern, werden Blöcke und Balken aus den Weg zur deutschen Knltur- gemcinschaft geworfen. Tenn cs bliebe, wenn der kulturelle Autarkie-Wahnsinn sich ungehemmt weiter austobt, doch nicht bei der Aussperrung Sndctcndcuischer und Deutschösierreicher ans Deutschland, sondern cs würden bald Drahtverhaue auch aus der anderen Seite errichtet, besonders leicht auf tschechoslowakischer, und welche Folgen eine solcherart uns anfgczwnngcnc sude- tendeutsche Kunst-Autarkie für haben müßte, soll lieber gar nicht versucht Iverdeu. UND WIEDER kommt der Herbst mit langen, finsteren Nächten, trügerischem Nebel, Regenwetter und Kot im Gefolge. Denken Sie beizeiten an Ihre Sicherheit, beschaffen Sie sich eine gute Taschenlampe mit der verläßlicher Batterie Sie sozialen Tegenjätze im Sprichwort. D i c Armen helfen sie Füchse i a n• gc», dic Reichen in den Pelzen prangen, beißt cs in einem deutschen Sprichwort, und cs ist nicht das einzige Wort aus dem Munde des Polles, das die sozialen Gegensätze zum Gegenstand bat. A r m n t i st dcS Reichen Kuh, heißt ein anderes Wort. Es komml selten ein Mammon zusammen, es muß armer Leute Schweiß und Blut daran sein. Je magerer der Hund, desto fetter die Flöhe, sagt das Volk, aber die Flöhe, wollt« sagen die Reichen, wollen das nicht mehr haben. Toch so viel sie auch reden und tun: Dem Hungrige» ist nicht g«t lang predigen. Und: Man kann lang predigen, ehe der Bauch voll wird, denn der Bauch Hai keine Ohren. Weder der volle noch der leere. Und wenn sie beide singen, so ist doch eines Bollen und eines Hungrigen Singen nicht einerlei Gesang. Wer satt ist, lobt das Fasten und dürres Blatt und Herrenwort nimm! ein jeder Wind mil sorl. Geloben ist adelig, halten bäusrisch, sagt d„s Volk und meint dieselbe Zackte, dcnnn es kennt seine Pappenheimer. Nur di« ganz Jungen, die Unerfahrenen, fallen auf die Worte der Großen herein; denn junge Mäuse hallen die Katze für ein schönes Tier. Später wissen sie: Es gehören viele Mäuse dazu, um eine Katze totzubeißen. Ein anderes Wort, das die Solidarität preist, ist: Gleiche Bürde bricht niemand den Rücken. Tic Armen wissens, aber die Reiche» handeln danach: denn: Tie großen Hanse beißen einander nichl gern. Tun sie cs aber doch, dann wehe den Armen: denn: Wenn die Reichen sich keilen, kriegen die Armen die Beulen. Das haben die armen so ost erfahre», daß cs über dieses Thema gleich eine ganz« Reihe Sprichwörter gibt. Eins heißt: Wen» di« Herren einander ransen, muß der arme Mann das Haar darleih«». Und ein anderes allein über armer Leute Beutel. Reichen wirklich mal das Unglück bis znm Knie, so gehts dem Armen gleich bis über den Hals. Und doch ist der Reiche ans dem gleichen Hol; geschnitzt wie der Arme, denn: Gehe ins BcinhauS und les' des Edeimannns Kops heraus, sagt der Bolksmnnd, und: Als Eva hackte und Adam spann, wo war da der Edelmann? Ja, wo war er da? Jetzt aber ist er da»nd pflügt mil der Pfeife, soll heißen, er kommandierl. Tas ist ein Leben, das sich anShalten läßt, denn: Noch nie war einem Zuschauer eine Arbeit zu schwer. Wird der Arme jedoch alt und kommt er in die Lag«, ziischane». zu müssen, statt selbst mit anznpackcn, hat er nicht viel zu lachen, denn: Altem Diener und altem Hunde trieft kein Fell vom Mund«. Tie Not wartet nicht, bis der Arme alt ist, denn sic ist immer da, und: Ein vor-' nehm Pferd wohnt besser als ein armer Mann. Selbst wennn der Arme zu Geld kommt, nützt es ihm nicht viel, denn: Ter Pfennig bleibt bei keinem armen Mann. Was bei ihm bleibt, sind Kinder, die des armen Mannes Reichtum sind. Aber es scheint, als ob das Vergnügen davon auch nichl immer beim Armen gelegen hat, denn ei» anderes Wort sagt: Tie Reichen haben die Frauen, die Armen die Kinder. Sal; und Sonnenschein sind armer Leut« Fleisch und Bein. Dafür lebt er aber länger, denn: Ter Prasser gräbt sein Grab mit den Zähnen, und: Ein Tag ohne Brot ist lang. Auch die Uhr spart der Arme, dcnnn: Ter Hunger ist eine gute Stunbcnnhr. Aber«r weiß sich zn trösten in all seiner Armut, und hat er nichts, so prahlt er doch. So kommt cs, daß manchem Mensche» nichts fehlt als der Kohl, wenn er nur noch Speck dazu halte. Toch so viel Not auch beim Armen zn Gast« ist: ES ist kein so armer Mann, der im Jahr nicht einmal lachen kann. Erich Grisar doch um so mehr den Erpressungen seiner Ge- nonen ausgc etzt. Das geraubt« Vermögen ging daher bald für Schweigegelder auf. Worth mußte wieder,.an-die Arbeit, zog fähige, jungc Kräfte heran und unternahm unter der Mask« eines wohlhabenden.Toilristcn in England,^Deutschland. Frankreich. Spanien neue Raubzüge. Da wurden einig« seiner Komplizen in Smyrna von -en Pinkerton-Agenlcu verhaftet uitd ins türkisch« Gefängnis gesteckt. In feiner Angst, verraten zu iverdeu, opferte«r all das Geraubte, um seine Komplizen zu bcfr«icn. Als diese dann abermals verhaftet wurden, trieb er mittellos in London l-erum, um Kaution aufzutreiben. Da sah er eines Tages in der Kunsthandlung von Agnew u. Co. das Bild„Tic Herzogin von Devonshirc" von Gainsborough und beschließt, jenen Diebstahl aus.zufuhreu, der ihn in aller Welt berüchtigt machte. I» einer Nebelnacht klettert« er durch oaS Fenster und bei einem eutzündeteii Streichholz schnitt er die Leinwand aus deut Rahmen. Doch vergeblich wollte er Geld auf das Bild leihen. Ein Versuch verriet dem mit den Recher- cheit beauftragten Pinkerton daß der Räuber des wertvollen Bildes niemattd andrer als sein alter Freuitd Worth wäre. Und während Worth nach wie vor keinem „Beruf" nachging brachten die New Porter Zeitungen die Geschichte des Diebstahls und des Diebes. LLas nutzte das aber? Außer Worth könnt« kein Mensch das Versteck des Gemäldes und dieses vleheimnis wußte der Räuber volle 25 Jahre zu wahren. Hundertmal hätte» die Pin- kertons seiner habhaft werden können, die Verhaftung erfolgte trotzdem nicht, vermutlich aus der lleberlegung heraus, Worth würde sein Geheimnis mit ins Zuchthaus und ins Grab nehmen. Den Besitzern sag aber wenig an Worth und alles an dem Bild. So geschah nun. was wohl nirgends außer tn Amerika passieren könnte: Pinkerton, der sich geschlagen gab, tritt mit Worth in regelrechte Verhandlung wegen Herausgabe des Bildes. Wege» der Umstände und der begreiflichen Umsicht der Partner dauerten die Verhandlungen 5 volle Jahre. Bis endlich 1905 der Bevollmächtigte des alten Worth in einem Hotelzimmer in Chicago den Vertretern der Agnewschcn Kunsthandlung und den Pinkcrtons gcgenübcrlrat. ES tvar Pat Shcedy. ein berüchtigter Tpielkasino- besitzcr und Bookmachcr. Er kam mit dem gestohlenen Gut im Koffer von Europa nach Chicago, nm für das vereinbart« Lösegeld den Besitzern daS Gemälde ansznfolgen. Von New Bork nach Chicago war seine Fahrt wie ein Siegcszug. Hunderte von Reportern bcgleiteen ihn au' diesem Weg und lanerten vor dem Hotel nnd Zimmer, um über den fast feierlichci» Akt, mit dem die Uebergabe erfolgte, zu berichten. AlleS ging höchst gentlemanlike vor sich. AlS das Löic- geld ausbezahlt war, übergab Shecdh eine Mc- tallbüchsc, in der unversehrt zusammengerollt seit 25 Jahren die Leinwand ruhte. Daum fand die interessanteste Tiebstahlsaffärc der Krimiual- gekchichte ihren Abschluß. Einen Abschluß, der aber dem Ruhm des Meisterdetcktivs ein klein wenig Abbruch tat. M. M. Vie»Autarkie' in der Kunst. Ter landskncchtisch-brutalc, also seinem innersten Wesen nach kulturfeindliche Nationalismus des Hitlcr-Fascismus und der elegantgeschmeidige Nationalismus der Regierung der Junker und Generäle wirken zusammen zunächst auf jenem Gebiete, auf dem am leichtesten„Er- ölgc" zu erzielen sind, auf kulturpolitischem. Tie wirtschaftlichen Autarkie-Bestrebungen, zwar nicht nur in Tcutschland, aber nirgends mit so aufdringlichem Getrommel wie in Tcutschland verkündet, haben noch keineni arbeitslosen Teut- chen Brot gebracht, wohl aber werden die kulturellen Autarkie-Taten, die ja besonders leicht auSzusühren sind, viele Tentsche ums Brot bringen.„Deutsche, beschäftigt nur deutsche Künstler!" Einer der Schlachtrufe, unter denen der christlich-deutsche Wiederaiifban, der auch nicht wenig davon abhäiigt, daß der deutsche Untertan richtig attgezogen, nicht auSgezogcit ins Bad geht, erfolgen soll. Tie Wirkungen dieses Rufes scheinen verheerend zti sein. In der Bühncnzcitschrift„Szene", der Zeitschrift der deutschen Regisseure, berichtet Tr. Satori- PUoveet U fMnltrton. 3um SeBtMag de» Oltannee, Ter 4000 3iuqen und OOrcn Batte 3Iu0 Bem Selten etneo neuer kantfeyen 3nelfterteiettitoe>. ES siitd jetzt 25 Jahre her, daß Robert A. Pinkerton, einer der genialsten Detektive aller Zeiten, an Bord eines deutschen OzeanschisseS einer Herzschwäche erlag. Als Robert Pinkerton nach dein Tode seines Vaters Allan Pinkerton dessen bekanntes New Yorker Detcktivbüro übernahm, hatte es bereits eine glorreiche Vergangenheit hinter sich Aber der Sohn überflügelte den Vater noch bei weitem: der„Meisterdctektiv" vollbrachte im Laufe seiner 23jährigen Tätigkeit Bravourstücke, durch die er die ganze Welt in Erstaunen letzte. Seine Agen tur beschäftigt« in ihrer Blüte^it über 2300 Detektive; es gab kein Land, wohin ihre Hand nicht reichte. Neben der Tätigkeit der Pinkcrtons führten die amerikanischen Sichcrheitsorgane viel fach nur ein Scheindasein. Aber Robert Pinkcrtvns, der wie ein Natio- ualhcld gefeiert wurde, war auch einer der meist- gehaßten Männer in den Vereinigten Staaten. Am verhaßtesten>var er bei denArbesterorgani- iationen, denn außer der Verfolgung von Ver brechern, der Bewachung von Banken, der Beob achtung der Gäste bei großen Festlichkeiten der amerikanischen Milliardäre war die Bckämpiuna von Streikern eine Spezialität der„Pinkcrtons". Sie stellten Hunderte von verwegenen Kerlen, die die Bewachung bedrohter Fabriken oder Eii'en- bahnanlagen übernahmen. So war es z. B. auch 1892 bei dem Streik in den Eisenwerken von Car negie in Homestcad. Carnegie hatte zum Schlitz der Werke die Pinkcrtons herbcigerufen, und als nun die Streikenden nach dem Werk marschierten. nm die Arbeitswilligen zur Niederlegung der Arbeit zu bewegen, empfingen sie die Pinkcrtons mit Schüssen: cs entspann sich ein förmliches Ge fecht. in dem Tutzetlde von Arbeitern sielen. Auch 1886 bei dem großen Streik bei der Missouri- Pacific-Bahn spielten die Pinkertons die gleiche Rolle. Robert Pinkerton war es auch der die .Molly Maguires", eine geheime Verbindung der Bergleute in Pcnnsylvanien, sprengt«. Nicht weniger als 22 Bergleute wurden gehängt! Das Archiv der Pinkertonlelwn Dctektiv- agentur enthält die 75jährig« Geschichte des internationalen Verbrechertums. Ter merkwür digste und schwierigste Fall, desien Geschichte sich 'in Archiv befindet, ist der Fall Worth. In diesem 'inzigeii Fall« seines Lebens versagte der große Detektiv, erhielt eine Schlappe und erklärte sich kür besiegt. Worth>var bereits 1875 das Haupt einer das ganze(Gebiet der U. S. A. bereisenden Ber- brrchcrbaiidc. Tie dazu gehörigen kleinen Diebe wurden ost gehängt, nur ihn Worth, konnte man nicht in die Schlinge locken. Ettdlich kam für Worth der psychologische Moment, noch einen letzten großen Coup zu machen, um dann für iniiner dem gefährlichen Beruf zu entsagen. Bei ' ui Einbruch in die Boylston-Bank fiel ihm rund 1 Million in die Häitde. AlS Pinkerton benach richtigt wurde, ivar Worth bereits auf dem Wege »ach Europa. Es gelang ihm. sich an der Riviera zu verbergen, sicher vor den Augen der Polizei, «elfe 8 Mittwoch. 81.«uguft 1082. Nr. 208. PBAfiEB ZEIHIMtt, Ser Sampl ter SanpttaM mit«er MeißMgM. Schwierigkeiten der kommunalen Go-ialpottttt.— Geldmangel. Appell an dle Oeffentlichkeit. Im Jahre 1931 wurden in diesen Kolonnen hundert Leute beschäftigt,(Aufwand bis 15. Juli 1931 497.200 K). Am 18. Jauner 1932 wurden tausend Personen in diese Kolonnen eilt gereiht (Aufwand bis 11. Juni 3,500.000 K). Vorläufig mußt« die Aktion wegen Mangels an Mitteln eingestellt werden, doch ist die Wiederaufnahme geplant. Aufnahme finden vor allem Familien« Väter und relativ alte Arbeitslose, die bei dem scharfen Konkurrenzkampf der Jetztzeit gegenüber jüngeren Leuten wenig Aussicht l-aben. Di« Tragik städtischer Sozialpolitik: Kein Geld! Studieren wir das Kapitel„Kommunale Sozialpolitik" nach seiner finanziellen Seite(und der Fall der Stadt Prag ist nur einer von vielen), so gelangen wir zu einem sehr trüben Resultat. Es ist kein Geld vorhanden! Im krassen Gegensatz zu dem ehrlichen Bestreben kommunaler Sozialpolitiker, die soziale Aktion ziclbewnßt zu organisieren, sehen wir eine Staatsgewalt, die wenig tut, um einer durchgreifende» Sozialpolitik gerecht zu werden. Für militärische Zwecke aller Art ist Geld in Hülle nnd Fülle vorhanden, aber jede Krone für soziale Aufwendungen muh von ven zuständigen sozialistische,, Faktoren einer antisozialen Mehrheit abgekämpft werden. Geriditssaal Drei Kinder hungern- und ein viertes soll geboren werden. Ein Schulbeispiel der sozialen Indikation. Prag, 30. August. Heule wurde vor dem Senat des OGR. Novotny wieder ein Fall verhandelt, der geeignet wäre, das fürchterliche Material des Ti.^enverichtcs zum Reförmentwurs des Schänd- Paragraphen 144(„Fruchtabtreibung") noch zu erweitern. Man erinnere sich des Gezeters der klerikalen Presse, als das Justizministerium in diesem Entwurf dir grundsätzlich« Anerkennung der„sozialen I n d i k a t i o n" statuierte. Dieser Ausdruck bedeutet Straffreiheit für jene Fälle, in denen durch dir Geburt des erwarteten Kindes di« E x i st e n z seiner Eltern, bczw. der voll diesen Eltern" existenziell abhängigen Personen bedroht wär«. In der Praxis sicht ein solcher Fall etwa so aus, wi« der heute verhandelte: Ein T i s ch I e r g e h i l f e, der in kümmerlich- sten Verhältnissen(«6t, hat bereits drei Kinder. Er kann nicht einmal diese drei Mäulchen satt machen. Die ganze Familie lebt in bitterer Not. Da wird die Fran zum viertenmal schwanger. Ein neues Kind bedeutet für die Familie eine regelrechte Katastrophe. Mann und Frau beraten sich und sind sich bald einig: Das Kind darf nicht geboren werden. Ach, sie möchten das Kind ja gerne haben, möchten es gerne aufziehen. Aber cs darf nicht sein! Der tägliche Bisien Brot ist schon heute zu klein; die Familie verträgt keinen Zuwachs. Und so geht die Frau den schweren Weg zur „H e l s« r i n". ES ist ein T o d e s g a n g— sie weiß das und ihr Mann weih cs auch. Und dann nimmt alles den üblichen Verlauf. Der Eingriff(„u n» sauber ugd unfachmännisch"— konstatieren dann nachträglich stets die Gerjchtsärzt«) führt zu schweren Komplikationen. Mit knapper Mühe wird die Frau dem Tod entrissen. Und dann stellt sich der Staatsanwalt ein und beantragt Bestrafung im Sinne des 8 145, Zu deutsch: sechs Monate bis ein Jahr schweren Kerkers. So sah also diese Frau vor ihren Richtern, neben ihr die„Helferin'— die Letztere ist keine jener Hyänen, die sich aus erprehlem Blutgeld Luxusautos kaufen, wie manch« ihrer Prager Kolleginnen. Sic hat nur hundert Kronen verlangt (bei den Groh Unternehmerin neu dieses durch den 8 144 großgezüchleten Schandgewerbes kostet cs das zwanzig- bis drcihigfache). Die Helferin wurde zu vier, ihre Klientin zu d r c i M o n a t e n schweren Kerkers verurteilt— beide bedingt. Fügen wir noch hinzu, daß Richter und Staatsanwalt durch den Buchstaben eines 130jährigcn So ergibt sich die beschämende Tatsache, daß zur Bestreitung der notwendigen sozialen Aktio- ' uen immer wieder an die Oeffentlichkeit appelliert werden muh, d. h., durch Sammlungen nnd private Wohltätigkeit dir Mittel aufgebracht werden müssen, die für andere Ressorts mühelos aus den Mitteln des Staates gedeckt werden. So wurden in Prag vom 1. Oktober 1930 biü 1. Juli 1932 nicht weniger als 2,152.231 K durch Sanitn- lungen aufgebracht, wozu die Gemeinde noch aus eigenen Mittel» 1,058.260 K beisteuerte.(Nicht eingerechnet sind die Natnralsammlungen.) Angesicht- der ja allgemein bekannten Widerstände gegen„solches Hinau-wersen von Geldern"(wie die reaktionäre Presse soziale Aufwendungen zu nennen beliebt) verdienen trotzdem die zustande« gebrachten Leistungen des Ministeriums für soziale Fürsorge höchst« Anerkennung. Anger einer Subvention von 4,500.000 X, wurden vom November 1930 bis November 1931 LcbcnSnlittcl« anweisungcu von 1,384.300 K zur Verfügung gestellt. Die Geldbeschaffung für die nächst« Winterzeit. Man rechnet für den kommenden Winter mit einer tveiteren.'Steigerung der Arbeitslosigkeit. Die ganze Tristheit der Finanzlage spiegelt sich in den Plänen der Geldbeschaffung. Man plant eine neue«mfangrciche Sammelaktion. In den-Häusern tverden Sammellisten ausgelegt werden. Man unterhandelt mit den Vertretern des Gastgewerbes, der Theater, Kinos, Sportvereine usw., um durch geringfügigen Aufschlag auf die Preise der Aktion neue Einnahmsquellen zu erschließen. Acußcxstenfolls— wenn diese freiwillige Aktion scheitern sollte— rechnet man mit einer gewiffcn Erhöhung der Umlagen. Gesetzes gezwungen werden gegen ihr besieres Wissen und Gewissen anzuklagen und zu verurteilen und ganz allgemein ihren Abscheu vor solcher ihnen aufgezwungener„Rechtsprechung auch keineswegs verhehlen, so ist die widerwärtige Unmoral dieses von„christlicher" Seite so emsig verteidigten Paragraphen wohl zur Genüge dargetan. Um das Bild dieser scheußlichen Zcitgrotcske abznrunden, bliebe noch die Tatsache zu erwähnen, daß'die katholische Kirche die Verhinderung der Empfängnis durch Borbeugnngsmittel als„Todsünde" deklariert. Alles das geschieht im zwanzigsten Jahrhundert. Die„christlich", d. h. klerikal orientierten Arbeiter mögen sich auf diese„christliche" soziale Moral selbst einen Vers machen. rb. Kunst und Wissen Spielplan des Steuer« Deutschen Theaters. Donnerstag, 1. September: Eröffnungsvorstellung:„Die Meistersinger von Nürnberg". Anfang 7 Uhr. Abonn. C 1. Freitag, 2. September: Neueinstudiert:„Der Kaufmann von Venedig". Abonn. D 1. Samstag, 3. September: Zum ersten Male:„Die drei Musketiere". Abonn. aufgeh. Sonntag, 4. September:„Der Troubadour"(mit Thorborg und Riaver). Abonn. B 1. Montag, 5. September: „Im weißen R öß l". Mittwoch, 7. September: „Figaros Hochzeit". Spielplan der Kleinen Bühn«. Mittwoch, 31. August:„D i e Waterloo-Brücke". Donnerstag, 1. September: Erstaufführung:„l I. Stock, Tür 19", Schauspiel in drei Akten von L. Lilahy. Freitag, 2. September:„Di o r a l". Samstag, 3. September:„Die Waterloo-Brücke". Sonntag, 4. Septcmber:„II. Stock, Tür 19". Aus der Partei Jugendbewegung. 2. I. 1. Heut e, um 8 Uhr abends, Gruppenabend in der- Gcc. Instrument« und Liederbücher mitbringen! Vorher um 7 Uhr Ausschußsitzung. Sozialistisch« Jugend, Prag. M i t I w o ch, dcir 31. August, 8 Uhr Gee:«Sprechchor- nnd Liederproben; Donnerstag, 1. September,. Verein deutscher Arbeiter, halb 8 Uhr: Proben für das politische Kabarett; Freitag, 2. September: Verein deutscher Arbeiter, halb 7 Uhr Sitzung der vvrantwortlichcn Fcierinnitarbciter; halb 8 Uhr: Sprcchchorgcmciuschaft. Der Vorstand des Zcnlral-Sozialkollcginms der Hauptstadt Prag, Dr. Zcnkl, hat den Vertretern der hiesigen Presse in einem Vortrag Informationen über den Kampf der Stadt Prag gegen die Arbeitslosigkeit erteilt. Dieser Bor trag bildete nur die Einbegleitung zu ciiicm umfangreichen schriftlichen Material, das durch seine sozialpolitische Bedeutung gründliches Studium verdient. Nachstehend versuchen wir, ohne ans Details einzugehcn, die Grund- Probleme der hauptstädtischen Sozialpolitik, so weit sie die Arbeitslosen betroffen, darzutun Vom Geiste der sozialen Wohlfahrtspflege. Dr. Zcirkl, ein Mann von ehrlichem sozialen Wollen, poie die in England gezüchteten, von denen mauck)« 250 Pfund wiegen, also mehr als halb so viel wie ein ausgewachsener afrikanischer Löwe. J«n ganzen soll es etwa 70 Millionen Hund« in der Welt geben, eine Angabe, die sehr fragwürdig Ist, da eine genau« Hundezähluug in allen Ländern nicht volgenominrn ist und ihre Durchführung auch fast unmöglich erscheint. I» Deutschland erfreut sich heute der Draht- haartcrrier besonderer Beliebtheit. Er Ist ebenso wachsam wie hübsch. Einige Konkurrenz macht«hm der braun-schwarze Airdalc-Terrier, der anhänglich und klug ist. Er wird allerdings für viele Hundefreunde den Fehler haben, daß er ziemlich groß Ist. Dieselbe Eigenschaft tut der Beliebtheit der Bernhardiner einigen Abbruch. In kleineren Räumen ist ein großer Hund lästig. Die hohen Hundesteuern beeinträchtigen leider die Freude an der Hundehaltung stark, aber man sicht doch unzählige Familien, die lieber an Irgend einer andern Stelle sparen, als daß sie den Hund abschasfen. Wer sich an sciireir Hund gewöhnt hat, nrag ihn nicht«nisten und wird versuchen, mit ihm gemeinsam durchzuhalten. Die Liebe zum Hunde ist ja saft so alt wie die Menschheit, sagt doch schon- Zoroaster:„Durch den Verstand des Hundes besteht die Welt." Auch bei de>« alten Griechen waren Hunde hochangesehen, Sokrates z«im Beispiel hatte die Gewohnheit, bei dem Hunde zu schwören. Bei den Araber«« ist der Hund verachtet,-- das ist aber ein ziemlich vereinzelter Fall l» der Geschichte der Völker. L. St. Soori• spiel• KOroemiiefle Leichtathletischer Wettkampf Prag—Känkgorätz der DTJ. 85:52. Sonntag fand in Königgrätz ein leichtathletischer Wciikamps statt, der vom I.« eis (Prag) nnd ö. Kreis(Königgrätz) der DTJ. bestrit- len wnvdc. Die wichtigsten Ergebnisse: 100 Meter: I. Quadrat(St.) 11.9 Sek., 2. Stein(P.) 12 Sek.— 200 Meter: 1. Marek(P.) 25.6 Sek.,' 2. To- man« Kainenz 2:1, Lockwitz gegen DBB. 2:2, Potfchappel gegen Zfchachwitz 3:2, Eintracht gegen Heidenau 7:8, Helios gegen Kleinnaundorf 7:1, Dippoldis- Wald« gcgön Kreischa 1:4, Fortschritt geg. DSV. 10 2:1, Rabenau gegen Straßenbahn 11:2, Cotta geg. Vorwärts Riesa 1:0. Der Film „Da« rosa Komblns«." Selbst allerjüirgste Film-ABC Schutzen können nur nach sorgfältigster Arbeit diese Aichäufung von Naivität, Dummheit und Geschmacklosigkeit zii- sammenbringcn; wer das Libretto gezaubert hat. ist»««bekannt, wahrscheinlich hat Marte n, der Regisseur, das meist« am Gewlsten, denn di« Zerrissenheit der Handlung spiegelt sich auch iu seiner Arbeit wieder. Den Inhalt dessen, was uns hier geboten wird, wiederzugeben, ist fast unmöglich; einesteils gibts einen vornehme» Archäologen, der mit seiner Frau, und dann einen Schaubndenbcsitzcr, der mit seine» Kolportageromane«« und seiner Nichte Schwierigkeiten hat. Es wird gesprochen, viel sogar, und da es darauf niemals noch Todesstrafe gegeben hot, dürfen die Filmpatentkerle maßlos wüten. Leider hat sich die Staatsanwaltschaft noch niemals mit dem Problem der Reklametänschung befaßt, es wäre aber schon an der Zeit, einmal festzuhallen, daß bei diesen Werken von der Reklame nur geflunkert wird! Froh wird nien«and, bei diesem rosa K o in b i n 6 c; vielleicht nur jene Unbekannte, der cs gewidmet ist und die niemals mit ihm etwas zn tun bekommen hat. Gespielt wird, daß cs niemand erbarme«« kann: einzig der jnnge Beck ist in seine«« Episoden lebhaft, lustig und wirkungsvoll. Trude G r o ß l i ch t zeigt hier, daß sie Talent zur Grotesk« hat, müßte aber erst einmal Bewegung, Sprache und Mimik lernen, die bei dies«,» Handwerk ziemlich notwendig sein sollen; von tveiteren Gesangsversuchen Ist dringend abzuraten, immcrhin ist ihre Leistung bei diesem Regisseur noch geglückt. Ihre Rivalin B a a r o v& fällt vollkommen ab, mit den kalten, schöne» Zügen allein gehtü nicht(die Prcmierenkörbc täuschen nicht darüber hinlveg); auch hier müßte vor allen, eine Schanspiclschnle feststellen, ob sich eigentlich etwas machen ließe. Die Männer Kraus, R n b i k und R o v e n s k y sind elendste Schmiere, die Ansstottung ist erbärmlich, die Photographie geht, der Ton ist liederlich gemixt und bewundernswert ist nur eines, daß eine Gesellschaft wie„G a u m o««t" mit diesem Stück vor di« Oeffentlichkeit kommt; ihren Wille«« können wir nicht verhindern! W. Lg. Vereinsnadiriditen Spielerversammlung der Fußballsporte, heute Mittwoch«in« halb 8 Uhr abends im Hei««« auf dem Turnplatz "iitfcl'. Bestimmtes nnd pünktliches Erscheinen aller dringend geboten. Iugendgruppe des Einh«itsverband«s der Privatangestellten. An« 8. September Monatsvcr- s a m m l n n g. Referent Heinz Gottlob.„Unsere Aufgabe."— Neuwahl des AusschnsscS. Diskussion über die zukünftige Tätigkeit.. — kern IM Munensottlt«: Ott» MIL monatlich U«#.—,»tarrrllichrlich U iS.^ St>|cnbiut« kn tteMaraaxtta. BtttiliitkR eieafrU» I«• k.— C k<, t tk a 11• a t: Wilhelm lliieti.- Beramwoetllchn BtkaHtirt: Dr. Bartl Cttaal, Bra«.— Drück:-Bata* A.-D. ftr Reltma. o* Sucht r»ck. Vtaa —- Di« ü«ttu«sitmarlenllarUati:r»utSe wa der Post.«. lelegravhenüieeltiou mit iiela» Jlt. 13.900/VU/1930 dewUlizt.— SeiuttDetnmungea: Bei gulitllu», Ina Hau» öde« ktl Dezua durch die Bob kawl-tirta tut Ö6.—,(ontjiktlt U IW.—,— gnfcaiu«Mxbaa laut tatil killW kcudmat. M ifMua WahfaiBuaata Vreiluachlaj,—«ücktzUluaa Wi Mauuslriplaa erfolai aur M