Ur. 65. Abomttmtnt»-KedingunM: «bonnement»-Prel» pränumerando: vierleljährl. SL0 Mk., monatl. U0MI.. »vöchenlltch 28 Pfg. frei Inj Haut. Einzelne Nummer S Psg. Sonntag«; Nummer mit tlluftrirter Sonntag«- Beilage„Tie Neu« Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«. Preisliste für isss unter vr. 7820. Unter streuzband sät Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da« übrige«tiSland 3 Mark pro Monat. 16. Jahrg. Erscheink läglich»uster Monkags. Nevlinev VolKsblstt. Ate Instrtlons-Vtbllhr beträgt sür die sechSgespaltene stolonel- zcile oder deren Raum«0 Pfg., sür poliiische und gewerkschaftliche Berein«- und Sersammlung«- Anzeigen, sowie Arbett«martt 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi«« Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben «erden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Zernsprecher:»mi I, Dr. 1303. Telegramm-Adresse: »Soilaldemostrak Serlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 3�. 19, Benth-Strage 2. Comedia finita. Die Posse ist aus. Hinter dem gefallenen Vorhang drücken sich Sieger und Besiegte lächelnd die Freundeshand. Doch wer ist Sieger und wer ist Besiegter? Ist die Regierung besiegt, da ihre Vorlage abgelehnt ist, und ist das Zentrum Sieger, weil seine Anträge angenommen wurden? Sämmtliche Neusormationen sind bewilligt, die Artillerie- und iitavallerievermehrungen sind bewilligt, an den Infanterie- sorderungen sind 7006 Mann gestrichen worden. Mehr hat die Regierung noch bei keiner Militärvorlage erreicht. Noch 1893 konnte sie selbst durch eine Reichstags- ouflösung nur eine Majorität von einem halben Dutzend Stimmen erreichen und mußte sich einen Ab- strich um 13 000 Mann von ihren Forderungen gefallen lassen. Jetzt sind 7000 Mann abgestrichen worden und die Majorität für die Militärvermehrung beträgt über 100 Stimmen. Braucht sich die Regierung dieser Niederlage zu schämen? Hat sie nicht Außerordentliches erreicht? Hat sie je mehr zu erreichen erwartet? Würde sie daran gedacht haben, auf dem Tipfelchen über dem i ihrer Forderungen zu bestehen, wenn liicht das Verhalten des Reichstags sie dazu crinuthigt hätte? Noch eine solche„Niederlage" und die Regierung ist auf der Höhe ihrer Erfolge, auch der Schein eines Widerstandes des Reichstages gegen irgend eine ihrer Militärforderungen— und wäre es die wahnwitzigste— wäre dahin. Die Zentrums fraktion war sehr vergnügt. Am Dienstag sprach Herr Lieber von den„erregten Tagen", die er soeben durchlebt. Schon am Mittwoch Abend konnte man die Zentrumsherrcn vergnügt beim Münchener Bier sehen, und am Dienstag im Reichstag strahlten ihre Gesichter von Freude und Glück. Herr Richter that den Herren der Mitte noch den Gefallen, ihnen zu bezeugen, ihre Resolution besage eigentlich nur Selbstverständliches, verpflichte zu nichts. Nur die Freude, der Wahlschlacht entronnen zu sein, konnte den Frcisinnsführer zu dieser falschen Auffassung der Dinge ver- führen. Denn nur ein politischer Narr kann heute zweifelhaft sein, daß auf der„goldenen Brücke" der Liebcr'schen Resolution das Zentrum die letzte Wegstrecke in das Rcgierungslagcr vollendet hat. Das Zentrum jubelt, weil seine Vorschläge Gesetz ge- worden sind und nicht die der Regierung. Das Zentrum wird Land auf Land ab verkünden, wie es heldenkühn gegen den Drachen Militarismus gestritten und des Volkes bürger- liche Jntereffcn gewahrt habe. In Wahrheit hat das Zentrum nicht gegen den Militarismus gestritten, es hat ihn nicht geschwächt, sondern gestärkt. 1893 war das Zentrum in der Militäropposition, und die v. Hucne und v. Ballestrem, die aus Reih und Glied sielen, wurden desavouirt, bei der Neuwahl nicht wieder auf- gestellt oder nicht gewählt. Die Zustimmung zum Flotten- gesetz zeigte den völligen Umschwung in der Haltung der Partei zu Militärsragcn. Indem das Zentruni jetzt, schon bei der ersten Lesung der Vorlage sich bereit erklärte, jedenfalls die Artillerieforderungen zu bewilligen, hatte es cndgiltig mit seiner Vergangenheit gebrochen. Indem es zlvischcn erster und zweiter Lesung der Budgctkommission auch den Kavallerie- forderungen nachgab, that es einen weiteren Schritt. Und da die Regierung, die zuerst völlig zufriedengestellt schien durch das, was soweit bewilligt war, sich plötzlich ermuthigt fühlte, die ihr so weit entgegenkommende. einst so spröde Partei völlig an sich heranzuziehen und in ihre militaristischen Anne zu schließen, da sträubte sich das Zentrum einen Augenblick, aber vor der Drohung mit der Auflösung des Reichstags schreckte es zusammen und gab der Regierung auch das Letzte, was sie gefordert hatte. Denn auch nach der Regierungsvorlage sollte die Friedens- Präsenz von 502000 Mann nicht sofort, sondern erst nach einigen Jahren hergestellt werden und der Rcichskanzler gab die ausdrückliche Erklärung ab, daß in baldiger Zeit die entsprechende Forderung von Neueni an den Reichstag gebracht werden würde. Wenn das Zentnim es heut nicht auf eine Auflösung des Hauses hat ankommen lassen wollen, so wird es dies auch später nicht wollen und lvird alsdann das, was es in seiner Resolution so gut wie versprochen, auch bewilligen. Daran ist nicht ernst- hast zu zweifeln. Der Zentrumssicg ist eine Niederlage gegenüber den An- sprüchcn der militärischen Regierung, gegenüber der eigenen Parteivergangenhcit und— gegenüber den eigenen Wählern. Indem das Zentrum vor dem Militarismus kapitulirt hat, dankt es ab vor den katholischen Wählern als Hort der bürgerlichen Lcbensinteressen, als Widerpart gegen all die Ungerechtigkeiten und Privilegien des militaristischen Systems, gegen die mit eiserner Energie zu streiten die elementarste Voraussetzung jeder kulturellen EntWickelung unseres Vaterlandes ist._ Der Prozeß Gohier. Paris, 15. März. „Wir haben wieder eine Dummheit gemacht!" so können nach dem Prozeß Gohier die Minister und ihre klerikal- mililariftische» Auftraggeber ausrufen. Die Gerichts- Berhandlungcn ivie das Gcschworencn-Ilrtheil kehren sich in gleicher Weise gegen die Pcranstalter des Prozesses und die von ihnen in Schutz genommene„Armee".■ Der Ursprung des Prozesses ist bekannt. Anfangs November vorigen Jahres, kurz nach dem Sturze Brisson'S und dem Regierungsantritt Dupuh's, kündigte der klerikal- monarchistische Senator Le Provost de Lauiiay eine Interpellation an über die Nichtverfolgung des soeben erschienenen Buches von Urbaiu Gohier: „Die Armee gegen die Nation". Das Bitch ist zwar im Wesentlichen ein Wiederabdruck von Leitartikeln, die der Verfasser seit einem Jahre in der ,. A u r o r e" unbeanstandet veröffentlicht hatte. Das Ministerium Meline, durch den Prozeß Zola genöthigt, hatte es wohliveislich vorgezogen, die Zeitungsartikel nicht verfolgen zu lassen. Dupny aber handelte anders. Um der Interpellation eines Armee- Vertreters aus dem Wege zu gehen, beschloß er die Verfolgung der in Buchform erschienenen Artikel. Man sieht, es war von vornherein ein ausgeprägt politischer Tendenzprozesi, der mit einem Rechtszweck nichts gemein hatte. Der Tendenzcharakter wurde uoch weiter dadurch verschärft, daß die Anklage— nach dem berüchtigten Muster des Zola-Prozesses— aus einem 356 Seiten umfassenden Buche nur cttva 66 Zeilen herausgefischt hat, lauter aus dem Znsammenhang gerissene Sätze, die so recht den militärfeindlichen Geist des Verfassers zeigen und den Geschworenen ein hochpatriotisches Gruseln einjagen sollten. Aber die Situation scheint sich seit dem Zola-Prozeß doch gründlich veräitdert zu haben. Ja, sie ist sogar nicht mehr dieselbe, ivie zur Zeit der Einleitung des Prozesses Gohier. Der Tod Felix Faure's, die Wahl Loubets, der klägliche Pronunziamento-Versuch Deroulsde's mid die damit zusammenhängende Zerrüttung und Entmuthignng der lärmenden patriotisch-antiscmttisch-royalistischcn Organisationen— all' dieses hat die Rechnung der Verfolger Gohier'S durchkreuzt. DaS Gehässige, daS in Frankreich stets— man kann sagen: so ziemlich sür alle politischen Richtungen— sich an einen Preßprozeß haftet, konnte diesmal nicht durch die Anfachung einer Militär- patriotischen Schreckensstimmung wettgemacht werden. Die strengen polizeilichen Sicherheitsvorkehrungen zur Vermeidung von Radauszencn im Gerichtssaal und auf der Straße haben sich ganz überflüssig eriviesen. Alles spielte sich im und um das Justizpalais so ruhig ab, wie bei jedem gewöhnlichen Kriminalprozeß. Die Ofsiziere in Zivil, die den Gcrichtssaal im Zola-Prozeß füllten, blieben diesmal zu Hause, ebenso wie die geiverbsmätzigen Veranstalter von„patriotischen" Kundgcbui Anhochern Kundgebungen nebst ihren freiwilligen und bezahlten Armee- Die Geschworenen konnten also ohne Furcht und ohne Gefahr ihrem Gewissen folgen— und sie haben Recht gesprochen. Nicht Gohier süß auf der Anklagebank, sondern der von ihm mit ebensoviel Sachkcnntniß ivie Talent und Feuer gebrandmarkte Militaris- mnS. Die Staatsanwaltschaft, d. h. die Regierung, hatte sich nicht getraut, Belastungszeugen gegen Gohier vorladen zu lassen. Was hätten auch diese Zeugen gegen die dokumentarisch erwiesenen, himmelschreienden Thatsächen des Gohicr'schen Buches sagen können? War eS doch der Angeklagte, der die Vorladung des Äriegsministcrs Frcycinet, des Mariiteministers Lockroh und des Präsidenten Felix Faure(in dessen Eigenschaft als Marineminister zur Zeit der Vor- bcrcitungen der MadägaSkar-Gxpedition) zu seiner Vertheidi- g n n g beantragt hatte! Dem Antrag tvnrde selbstverständlich nicht stattgegeben. Und der Marineminister Lockroh, der selbst als Abge- ordncter und Schriftsteller die Mißwirthschaft in der Marine gegeißelt hatte, sah sich sogar genöthigt, die ursprünglich von ihm gegen Gohier auch im Namen der beleidigten Marine angestrengte Klage wieder zurückzuziehen... Die Belveisaufnahme bestand somit lediglich, im Verhör von Entlastungszeugen, in der Erbringung des Wahrheitsbeweises seitens des Angeklagten. Da wurden dem Militarismus mehr und namentlich wirkungsvollere Brandmale aufgedrückt, als dies in einem Dutzend anti'militaristischer Bücher möglich wäre. Den stärksten Eindruck haben die Aussagen der m i l i t ä r i s ch e n E n t l a st n n g s- zeugen gemacht. Ja, es gab militärische Entlastungszeugen zu Gunsten Gohier's l Es waren nämlich Ossiziere a. D.. gemaßregelte ehrliche Opfer der verrotteten militärischen Oligarchie, deren Schicksale Gohier in seinem Buche dargestellt hat. Sie erzählten in einer von zurück- gehaltener Entrüstung bebenden Sprache die Geschichte ihres Mar- tyriums wegen des Versuches, ihre Pflicht treu zu erfüllen. Major Myrskowskh hatte Fälschungen in der Buchführung seines Regiments entdeckt, der Militärarzt, Major Boyer. den Hauptmann Bonis der Päderastie an den Soldaten überführt, Oberst Alloire systmatische Unterschlagungen und Fälschungen in der Buchführung nachgewiesen— Ort, Zeit und Einzel- hcitcn sind verschieden, aber Verlauf und Ausgang jin allen Fällen dieselben. Die pflichttreuen Offiziere werden so lange drangsalirt, bis sie zum Abschied geztvungen werden, während die von ihnen ent- larvtcn Fälscher, Diebe tttid Verbrecher zur höheren Ehre der Armee von allen militärischen Instanzen geschützt werden, so lange und so weit eS mir möglich ist. Der von Myrskowskh ertvischte Fälscher kommt schließlich mit einer— Versetzung nach einem anderen Regiment davon: der Päderast Bonis wird, nachdem der Fall zur Kcnntniß dcS Parlaments gelangt war, mit der— Pensionirung „bestraft": und nur einer der vom Obersten Alloire entlarvten Fälscher und Magier, ein Kapitän, wurde militärgerichtlich zu— drei Jahren Gcfängniß verurtheilt, nachdem der kommandirende General dreimal hintereinander das Zustandekommen der militärgcrichtlichen Per- folgung verhindert hatte... Der vierte militärische Entlastnngs- enge, Oberst Huntbert, ein Offizier mit einer glanzvollen militari- .chett Vergangenheit, fiel zum Opfer der Vcttermvirthschaft und insbesondere der Feindschaft des Generals Borguis-Desbordes. Er hatte dann diesen General, wie er vor Gericht aussagte— nach ver- geblicher jahrelanger Beschwerdeführung bei allen Instanzen— in einer öffentlichen Broschüre„der Schurkerei, der Lüge und der Nieder- trächtigkeit überführt". Selbstverständlich hat weder der General noch das Kriegsministerium es gewagt, die Broschüre gerichtlich ver- folgen zu lassen........ Von den weiteren Zeugenaussagen sei noch diqemge Camille Pclletan's erwähnt, des General-Benchterstatters des dtesjährigen Budgets, der seit vielen Jahren in der Deputirtcnkammcr und in den Budgetkommissionen vorzugsweise gegen die Mißwirthschaft in der Armeevcrlvaltung ankämpft. Er hielt am Zeugcnstand eine seiner besten parlamentarischen Reden, voll sprudelnden Witzes und beißender Satire, die aber durchweg auf eine Ueberfülle vonThatsachcn und Zahlen beruhen. An der Hand des ihm quellenmäßig bekannten Materials ivies er namentlich die Vergeudung des Kriegs- und Mariitebndgets nach, der einige flapitel des Gohier'schen Büches gewidmet sind. Die betreffenden Ministerien, so führte Pcllctan aus, mißachteten Expedition: 3�. 19, Venklz Skrahe 3 systematisch die Parlamentsbeschlüsie. Der Mangel an einer ordcut- lichen Buchführung machte jede Kontrolle unmöglich. Der Lieferanten- schivindcl sei unausrottbar und mitunter nachweislich von der Ver- waltung begünstigt ze. lind zwar bekräftigte Pelletan, Ivie gesagt, jede einzelne Behauptung durch feststehende, amtlich und gerichtlich erwiesene Thatsachcn. Der Staatsanwalt konnte die für die Anklage niederschmetternde Beweisaufnahme bei allem Eifer nicht um Haaresbreite erschüttern. Sein patriotischer Zorn aber verpuffte wirkungslos bei dem un- günstigen Resonanzboden. Die sechsstündige Vertheidignngsrede Albert Clemencean's, des jüngeren Bruders von Georges Clemeucean, hat der Anklage den Rest gegeben. Gohier ist freigesprochen, der Militarismus verurtheilt und mit ihm der Chauvinismus der blinden Armee-Verehrer, die— nach Pclletan's Ausdruck— eine „spanische Anbetung der Mißbräuche und Mißstände verlangen, die Frankreich einst an den Rand des Abgrundes gebracht haben". Die Gencralstabspresse sucht, mit ein paar Ausnahmen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Selbst Drumont's„Libre Parole", der übrigens die unbeschränkte französische Preßfrciheit für ihre systematische demagogische Hetz- und Chantage- Taktik sehr zu statten kommt, stellt sich zufrieden, daß aus dem Prozeß Gohier die freie Meinuiigsänßernng unversehrt hervorgegangen sei. Diese Pose kann aber niemand darüber hinwegtäuschen, daß der Wahrspruch der Geschtvorenen zugleich ein bedeutsames Anzeichen ist für die inner- liche Befreiung der Oeffentlichkcit vom chauvinistischen Militär- schrecken._ Uebevfiitzk. März. Berlin, den 16. Der Reichstag. Die politische Bedeutung der Donnerstag- Sitzung des Reichstages besprechen wir im Leitartikel. Das äußere Bild des Hauses war nicht minder lebhaft als am Dienstag. Das Publikuni erwartete einen Tag. noch größer, noch dramatischer. als die vorhergehende Sitzung. Aber aus dem Hause selbst war die Spannung längst gewichen. Die Abgeordneten kannten den Ausgang des Spiels. Der Mittwoch als „Mogeltag" hatte seine Schuldigkeit gethan. Die Reden des Dr. Lieber und des Kriegsmiuisters und Reichskanzlers ließen kalt. Richter waiidte sich nochmals scharf gegen die Rc- aierung der Regierungslosigkeit und der Plötzlichkeit, behandelte dagegen das Zentrum mit seltsamer Schonung. Was in dieser Beziehung Richter versäumt hatte, holte unser Partei- genösse Bebel nach. Er geißelte die Zentrumsunterwcrfung unter die Diktate des Militarismus und charakterisirte die Libcr'schc Resolution als einen Wechsel, der bald fällig sein werde und den das Zentrum dann zur vollsten Zufriedenheit des Regierungsgläubigers einlösen müßte und einlösen werde. Bebel kritisirte ferner eindringlich das wahnwitzige System der mili- tärischen Wettrüstnngen und gab eine Darlegung der inter- nationalen Situation, die in keiner Weise die Nothwendigkeit dieser Militärvorlage rechtfertige. DieGesammtabstimmung übcr dicVorlagc nach denBefchlüsscn der Kommission war eine namentliche. Sie wurde mit Ä2Ä gegen 13Ä Stimmen angenommen. Gegen die Vorlage stimmten die Sozialdemokraten, die freisinnige und süd- deutsche Volkspartei, von der freisinnigen Vereinigung Abg. Riff, die Polen, Welsen, bayerischen Bauernbündler und einige bayerische Zentrumsabgeordnctc, außerdem die Antisemiten; letztere, weil es ihnen nicht gefiel, daß nicht auch die 7000 Mann sofort bewilligt ivurden.— Die Angst vor der Auflösung. In der Farce vom wilden Lieber, die in dieser Woche dem Reichstag ein volles Haus verschaffte, ist das treibende Motiv der Situationsspäße die heillose Angst vor der Auf- lösung, die alle Parteien gebannt hielt, ausgenommen die Sozialdemokratie und das die Regie führende Zentrum, dessen Verhalten sich aus der Abneigung erklärt, die Regicrungs- fähigkeit einzubüßen oder zu vermindern, andererseits aus der Rücksicht auf die Gegner des Militarismus in der eigenen Partei. Der„kühne" Abstrich um 7006 Mann— wir haben nicht nöthig, die„sachliche" Zentrumskommödie mitzuspielen— wurde veranlaßt durch das Verhalten der Ividerstrebenden Parteimitglieder; es galt, den grundsätzlichen Unifall in der Militär- Vorlage durch diese oppositionelle Finte vor den Gläubigen zu verhehlen. Alles wäre in schönster Ordnung verlaufen, die Regierung hatte sich mit dem Abstrich einverstanden erklärt. Da kam plötzlich von der entscheidenden Stelle der unerwartete Einspruch. Das veränderte die Situation. Die Regierung ward„hart". Das Zentrum sah sich vor die Entscheidung gestellt, entweder abermals umzufallen oder es mit der Rc- gierung zu verderben. Die konservativen Parteien hatten Anfangs nicht übel Lust, ein Bischen Konflikt zu spielen. Aber in den Fraktionssitzungen, die der Dienstagssitzung voraus gingen, wurden die Scharfmacher nüchtern. Die Furcht vor der Sozialdemokratie, die allein bei der Auslösung gewinnen würde, siegte über ihre Konfliktslüsternheit; man kann ja im Zeitalter der Plötzlichkeiten die Ausbeutungsfähigkeit eines Konflikts nicht berechnen. Daher die weinerliche Haltung der Levetzow und Kardorff in der Dienstagssitzung. Nicht minder groß aber war die Angst vor der Auflösung bei den übrigen Parteien, namentlich bei den Freisinitigcn. Nur so läßt sich die ganz unglaubliche Haltung Richter's in der„Freisinnigen Zeitung" und im Reichstag verstehen. Eugen Richter, sonst der spürsinnigste Verfechter konstitutioneller Rechte, spielt wahrhastig die Zentruniskonwdic nnt. Er fabelt i�o» einer Niederlage und Nachgiebigkeit der Regierung. Er findet— nach dem Muster des berühmten Klubs— das folfchc Spiel der Zcntrumsresolution„harnilos". und er der- langt, man solle ihm plötzlich solchen Grad parlamentarischer "caivetät zutrauen. Die Angst vor der Auflösung veran- lnßte Richter, sich hinter die klägliche Fiktion zu verkriechen, obzivar doch der Kriegsminister keinen Zweifel darüber ge- lassen hatte, daß die Resolution gleichbedeutend sei mit der Bewilligung der 7006 Köpfe. Ja. in Wahrheit ist die Resolution für die Regierung mehr Werth als nur 7006 Maint Das ist die werthvolle Lehre der unwürdigen Posse Da s Eingeständniß hilfloser Schwäche in de bürgerlichen Parteien, insonderheit im Freisinn. Sie dürfen nicht einmal den Muth der Wahrheit mehr haben und müssen alle zusammen mit niedrigen Diplomatenkunststücken drohenden Konflikten �ausweichen.„Man würde glauben, hier einen Konflikt zu verhindern und doch den Boden düngen durch solche Nachgiebigkeit, auf welchem überall neue Konftikte hervorsprießen müßten," so dcklamirte Eugen Nichter am Donnerstag. In Wirklichkeit hat er selbst redliche Dünger arbeit geleistet, indem er die Geschichte von dem Sieg des— Reichstags erfand.— Preußisches Abgeordnetenhaus. So fleißig, wie gestern Abend und heute ist das Abgeordneten yaiis lange mcht gewesen. Der ganze Rest des Killtnsetats wurde durchberathen, oder besser gesagt, durchflogen. Denn eine Berathung kann man die Art und Weise, wie das Haus den Etat erledigte, kaum nennen, hatten sich die Mitglieder früher in endlosen Debatten über die nebensächlichsten Dinge ergangen, so suchten sie nun diesen liebereifer dadurch wieder gut zu machen, daß sie die wichtigsten Kapitel fast ohne Debatte erledigten. Hierzu sind namentlich die Kapitel„technisches Ilnterrichtswesen" und„Medizinalwesen" rechnen. Der zu diesem Kapitel gestellte Antrag der Freisinnigen betr. die fakultative Feuerbestattung, wurde zurück gezogen, um die Etatsberathung nicht unnütz aufzuhalten. Da das HauS den Etat mit Gewalt bis Ende dieser Woche fertigstellen will, findet heute wieder eine Abendsitzung statt, um die noch nicht in zweiter Lesung berathcncn Etats zu erledigen. Morgen und Sonnabend soll die dritte Lesung erfolgen, damit das Herren« haus, das am Dienstag zusammentritt, am Mittwoch nächster Woche den Ctat berathen kann.— Neber die Abrüstungskonferenz entnehmen wir einem Amsterdamer Bericht der„Voss. Ztg." die folgenden Mittheilungen: Nach allem, was über die Abrüstungskonferenz in die Oeffent lichkeit dringt, ist man in den maßgebenden und höchsten Kreisen im Haag nicht g e r a d e e r b a n t darüber, daß die Residenz- stadt des Königreichs der Niederlande zum Sitz der Konferenz er- koren worden ist. Abgesehen von den doch sehr fragwürdigen Ergebnissen dieser Konferenz, bei deren Nennung nicht nur Diplomaten von Beruf, sondern auch Laien sich des b e kannten Lächelns der römischen Auguren nicht erwehren können, ist die Frage der Rc- Präsentationskosten denn doch keine so unbedeutende und gleichgilttge. Wie ein Blatt der Residenz mittheilt, hat die Königin daS„Luis ton Boscb" für die Verhandlungen der Konferenz zur Verfügung gestellt, diese soll am 18. Mai eröffnet Ivcrden und in drei Abtheilungen zerfallen, von denen die erste sich eigens mit der A b r ll st n n g s f r a g e, namentlich mit der Herabsetzung der Präsenzstärke der stehenden Heere, die zweite mit dem internationalen Schiedsgericht und die dritte mit allen anderen Anträgen zu befassen haben wird. Dabei soll jede Abtheilung ganz selbständig auftreten und ihren eigenen Präsidenten haben, jede erstattet auch eine» besonderen Bericht, der dann dem Plenum der Konferenz vorgelegt wird, um darüber zu entscheiden; die Mitglieder der Abtheilungen werden durch das Loos de» einzelnen Abtheilungen zugewiesen; bei Meinungsver- schiedenheiten oder Stimmengleichheit treten die Vorsitzer der drei Abtheilungen als schiedsrichterliches Komitee auf. Wie man sieht, wird die Festsetzung der Geschäftsordnung schon genug Arbeit und noch mehr Tinte und Papier tosten.— Nichts von Gustav! Wir berichteten vor ein paar Tagen von dem gegen den Krön Prinzen von Schweden verübten Schnee-Attentat. rSm Anschluß an dieses Vorkommuiß erzählt die„Post" folgendes Geschichtchen: � „ES wird behauptet, daß König OSkar bor seiner letzten Krankheit in einer Staatsrathssitzung gezögert habe, das Protokoll zu unterzeichnen. Der Kronprinz wartete auf ihn im Nebenzimmer. Da sagte der König: Sie einen Augenblick, meine Herren, ich Gustav sprechen!" Im selben Moment norwegische Minister- Präsident und sagte: unserer Verfassung steht nichts von Gnstav. Majestät den Staatsrath verlassen, ohne das Protokoll zu unter- zeichnen, so werde auch ich gehen und nicht wieder hierher kommen." Der König blieb sitzen und unterzeichnete." Die„Post" fügt hinzu, daß der Ministerpräsident ein Sohn norwegischer Bauern ist, deren Dickschädel keine Grenze kennt. Das Blatt kann sich aber nicht vorstellen, daß es ein Land giebt, in dein Volk und Regierung auf strenge Verfassungsmäßigkeit halten, wo Nebenregierungen und unverantwortliche Rathgeber keine Stätte finden. DaS erscheint ihr„dickschädlig", und an anderer Stelle nennt sie deshalb die Norweger mit einem unergründlichen Witz„ein Volk von Symbolisten". Der Bauer, den sie im Deutschen Reiche mit Liebkosungen und Ehrentitel» überhäuft, ist ihr in Norwegen— ein Dickschädel!— „Bitte. warten muß zuerst mit erhob sich der „Majestät, in Wenn daher Euer Wie anarchistische Bomben-Nttentate entstehen. Im Ol- tober 18V8 wurde, wer nicht an den cgyptische» Bombenanschlag gegen den deutschen Kaiser und an eine fürchterliche Verschwörung zur Ermordung sämmtlicher Staatsoberhäupter glauben wollte, als Anarchist und Königsmörder gebrandmarkt. Vor drei Wochen der- sicherte noch der Minister des Jmiern, Herr v. d. Recke, daß leider der Anschlag kein Schwindel gewesen sei. sondern ihm sehr ernste Thatsachen zu Grunde gelegen haben. Am letzten Sonn- abend mußte aber schon der Vertreter des Auswärtigen Amtes im Reichstage zugeben, daß für den Anschlag gegen den Kaiser kein Beweis erbracht sei; es sei aber auch nichts, so fligte er hinzu, erwiesen, waS darauf schließen ließe, daß es sich um Polizeimache handle. Jetzt erhält die„Voss. Ztg." folgende Mittheilung: Mailand, 15. März. Dem hiesigen„Corriere" lvird ouS Ancona gemeldet, der Staatsanwalt am dortigen Appellhof sei zu der Ucberzengung gelangt, der angeblich in Alexandrien gegen das Leben Kaiser Wilhelm'« geplante Anschlag beruhe lediglich auf Erfindung einiger Polizribeamten, gegen die jetzt Anklage er- hoben werden soll. Es war also nichts mit dem alcxandrinischen Attentat. Und die internationalen Lockspitzel müssen in Zukunft geschickter sein, wenn sie wieder Bombenanschläge in Szene setzen.— wiesen, daß es nöthiger wäre, die Lage der Arbeiter auf dem Lande zu bessern, als Maßregeln gegen die„Leutenoth" zu ergreifen. Den Agrariern kam der Oberagrarier Herr v. Miquel zu Hilfe, indem er die Berichte des genannten Vereins als unpraktisch und unmaßgeblich bezeichnete, weil sie nicht von Männern der Praxis herrührten— sondern„»»"wissenschaftlich seien; die Agrarier hätten die Dinge aus eigener Anschauung geschildert, das seien die richtigen Berichterstatter, aber was da der Verein für Sozialpolitik berichtet hat. das seien Behauptungen von einzelnen Personen, auf die man gar nichts geben könne. Herr v. Miquel hatte damit dem Unternehmerthum ans der Seele gesprochen. Von der„Deutschen Jndnstrie-Zeitung" wurde ihm bald.darauf bescheinigt, daß er das Richsige getroffen hat mit seiner„klaren Absage der Regierung an jene„wissenschaftlichen Bestrebungen, die angeblich nur unparteiisch gesammeltes Material liefern wollen, in Wirklichkeit aber in der Presse und namentlich auf den Generalversammlungen des genannten Vereins zu tendenziöser Zurechtmachung der Thatsachen und Zahlen führen." Jetzt nimmt nun Dr. Weber- Heidelberg, der Verfasser des Be- richtS über die Landarbeiter, in der„Sozialen Praxis" das Wort dazu. Er erklärt, daß die Auskünste, auf denen sein Bericht beruht, ausschließlich von solchen Personen herrühren die ihm von denJnterefscnvertrrttlngcn der Landwirthe als geeignete Auskunftspersonen bezeichnet worden sind. Das waren also gerade solche Personen, von denen Herr von Miquel sagte, sie seien die geeignetsten Bericht crstatter, und wodurch er beweisen wollte, daß Gamp und Genossen, nicht aber der Verein für Sozialpolitik die Lage der Land arbeiter richtig geschildert hätten. Herr v. Miquel ist diesmal in seiner blinden Liebe für die Agrarier in die Fuchsfalle getappt, die er sonst so talentvoll zu ver- meiden weiß.__ Ein Umstürzler der Kleiderordnung. In parlamentarischen Kreisen kursirt ein niedliches Geschichtchen über die Audienz, die Herr Cecil Rhades beim Kaiser hatte. Das Geschichtchen bezieht sich nicht auf den Inhalt der Unterredung, sondern knüpft an eine Aeußerlichkett— den Anzug, den der Engländer trug— an. Der ungekrönte König von Rhodesien, der Miiglied des Gcheimraths der Königin von England ist, und Toilettevorschristen genau kennt, kam zum deutschen Kaiser in einem Anzug, den er sonst wohl gewöhnlich bei Ausübung des Sports tragen wird. Herr Rhades, der zu einer feierlichen Audienz geladen war, erschien in einem hellen Beinkleid, dito Jacket und einem kleinen hellen Hütchen— also nicht„in kalt ärvss"(vollem Gesellschaftsanzug), der sonst mit peinlicher Strenge bei solchen Gelegenheiten eingehalten wird. Dieses Auftreten des Herrn Rhades bildet den Gesprächsstoff bei den Zusammenkünften der„hohen und höchsten Gescllschäst" und man ist nicht zweifelhaft darüber, daß Herr RhodeS auch in seiner äußeren Erscheinung zeigen wollte, daß er weiß, waS er sich in Berlin leisten kann. Das Erstanne» über das Audienzkostüm deS Herrn Rhades ist selbstverständlich ans die höfisch» kolonial- Militär- politischen Kreise beschränkt— wir sind der Meinung, daß eS nicht der Rock ist, der den Mann macht— aber es ist gerade vom Standpunkt der nationalen Kolonialsckwärmer sehr charakteristisch, daß gegenüber dem ungewöhnlichen Verhalten de» Abgesandten der internationalen Kapitalsintcrcssenten offiziell tiefes Stillschweigen proklamirt wurde und beobachtet wird.— «» * lieber die von Cecil Rhades in Berlin erzielten Erfolge wird gemeldet, am Mittwoch sei der Vertrag über die Durchführung der Telegraphen linie vom Kap nach Kairo durch das deutsch- oft afrikanische Gebiet unterzeichnet worden. Be- treffs des E i s e n b a h n d a u e s ist man noch nicht so weit; auch in dieser Beziehung ist man aber zu gemeinsamen Gesichtspunkten gelangt, welche eine cndgiltige Verständigung erwarten lassen. Die Richtung, welche für die Rhodes'sche Nord-Süd-Bahn auf deutsch- osiafrikanischeni Gebiet in Aussicht genommen ist, soll für den An- 'chluß der deutsch-ostafrilanischen Zentralbahn sehr geeignet sein; als KrcuzungSpunlt ist Tabora in Aussicht genommen.— Die Sache 'cheint auch dem deutschen Geldbeutel bedenklich nahe zu koininen.— Deutsches Weich. Miquel in der Falle. In den Verhandlnngen des preußischen Abgeordnetenhauses über den Antrag Gamp, betreffend die sogenannte Leutenoth(Anfang Februar d. I.) spielten auch die Berichte des Vereins für Sozialpolitik eine Rolle. Die Opposition gegen die agrarischen Wünsche, besonders die Herren Dr. Barth und Hirsch, hatte sich ans diese Berichte berufen und daraus be- Sozialreformerische Abrüstung. Die Seelenstimmung unserer Industriellen erkennt man aus einer Aeußerung der„Berliner Politischen Nachrichten", in denen Herr S ch w e i n b u r a für einige tausend Mark jährlich nicht nur die Sozialdemokraten, sondern auch die Sozialreformer vernichtet. Ende April soll unter dem Vorsitz des ehemaligen Ministers Zsrhrn. v. B e r I e p s ch in Berlin eine Versammlung stattfinden, welche die Errichtung einer internationalen Vereinigung zur Förderung der Arbeiterschutz-Gesetzgebung in den einzelnen Staaten ins Werk setzen soll. Die„Berliner Polit. Rachrickten" benutzen die Gelegenheü zu einem fabelhaften Preislied ans unsere reichsdeutschen gewaltigen sozialpolitischen Leistungen. Für die Bäckereiarbeiter scheine sogar etwaS zu viel gethan zu sein. So sei also„nicht recht einzusehen, in welcher Weise bie internationale Vereinigung für Deutschland in Thätigleit treten wolle. Und höhnend fügen sie hinzu: „Man wird deshalb wohl in der Annahme nicht fehlgehen, daß die Vereinigung ihr Hauptaugenmerk darauf richten wird, daß daS Ausland bewogen wird. Deutschland auf dem Gebiete deS Arbeiterschutzcs allmälig zu folgen. Würde dazu noch die Au fcuerung des Auslandes zur Befolgung des deutschen Beispiels bezüglich der Arbeiterversicherung treten, so künnten die Arbeit geber Deutschlands sich mit den Zielen dieser neuen Bereinigung nur einverstanden erklären. Die neue internationale Vereinigung würde sich dann allerdings nicht verhehlen können, daß sie eine schwere Arbeit auf sich nimnit; denn. soweit bisher ersichtlich. hat sich die A r b e i t g e b e r s ch a f t keines fremden Staates so opferwillig und fürsorgend für die Arbeiterschaft gezeigt, wie die deutsche. Jedoch ist es ja möglich, daß hierin infolge des Auftretens der neuen Vereinigung eme Aenderung eintritt. Zu wünschen wäre es schon im Interesse der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie ans dem Weltmärkte." Man erkennt aus diesen Sätzen, wie begeistert die edle deutsche Arbcitgeberschaft für die soziale Besserung der Arbeiter ist. Sie beten zum heiligen Florian: Beschütz' mein Haus vor der Sozial Politik, zünd' andere an!— Unterstützung der Veteranen. Im preuß. Abgeordnetenhause ist mit Unterstützung der sreikonscrvativen Partei und zahlreicher Mitglieder des Zentrums, der Nationalliberalen und der freisinnigen Vereinigung beantragt worden, im Bundesratbe dahin zu wirken, daß die Mittel. welche zur Gewährung von Beihilfen von 120 M. an alle nach dem Gesetze vom 22. Mai 1885 Artikel 3 als berechtigt anerkannte Veteranen fehlen, durch einen Nachtragsetat für das Rechnungsjahr 18V3 alsbald beschafft werden.— Die Hardeu-Fabeln Franz Mehring's find soeben in zweiter vermehrter Auflage erschienen. Horden hatte nach der Hinrichtung versucht, der Welt vorzureden, er sei noch völlig lebendig. Mehring beweist ihm nun gründlichst, daß er todt, ganz todt sei.— Vom schlesischcn Judendrescher-Grafen. Die Staatsanwalt- schaft in Glogau hat das gegen den Grafen P ü ck l e r- Klein-Tichirne wegen dessen zweiter antisemitischen Hetzrede eingeleitete Straf- verfahren eingestellt.— Ausland. Märzfeier i« Frankreich. In Frankreich wird der 18. März dieses Jahr zum ersten Mal einheitlich von allen Fraktionen gefeiert werden. Der s o z i a- listischeVerständigungS-Ausschuß— Cornitö d'Entente socialiste— hat für Paris die gemeinsame Feier angeordnet, und in der„Provinz" wird dieses Beispiek unzweifelhaft allgemein be- folgt werden. ES zeigt dies von neuem, daß die Einigung der französischen Sozialdemokratie auf dem besten Wege ist, vollendete Thatsache zu werden.—__ Oesterreich-Ungarn. Mit dem ambulanten Gerichtsstand der Presse räumt in anerkennenswerther Gründlichkeit und Klarheit die neue Strafprozeß- Ordnung für— Ungarn ans. Dieselbe bestimmt, daß zum Ver- fahren dasjenige Gericht zuständig sein solle, in dessen Bezirk die Druckschrift hergestellt worden ist. Ist dieser Ort unbekannt und im Auslande belege», so soll örtlich zuständig sein das Gericht des Ortes, an dem der verantwortliche Herausgeber der Druck- schrift seinen Wohnsitz hat, und falls auch diese Person der ungarischen '-trafgewalt nicht unterliegt, so soll erst dann der Ort maßgebend sein, an dem die Druckschrift in den Verkehr gebracht worden ist. Diese Bestimmungen machen einen Zustand, wie er im Deutschen Reich herrscht, schlechterdings unmöglich. Der verantwortliche Re» dakteur einer in Berlin erscheinenden Druckschrist könnte unter einem solchen Gesetz nicht in München wegen eines„groben Unfugs" angeklagt und verurtheilt werden.— Frankreich. Esterhazy über die französischen Generale. Ein Mitarbeiter des„Matin" suchte Esterhazy in London auf. Esterhazy wollte zuerst nicht reden, dann begann er auf seine früheren Freunde zu schimpfen. Er sei von Allen vorlasse» worden, habe gwei Tage nichts zu essen gehabt. Als Esterhazy das sagte, weinte er.„Sie können", rief er etwas thcatraliscki aus, erzählen, daß Sie den„Ulanen" weinen gesehen haben, wie die Idioten und Banditen mich nennen." Dann erklärte er, es für jetzt bei seinen bisherigen Enthüllungen bewenden lassen zu wollen. Rur wenn der Generalstab ihn zum Aeußersten treibe, und ihm nicht bei seinem Einspruch gegen seine pensionslose Dienst- entlassung helfe, werde er reden. Er nannte den General Boisdessre einen Faulpelz und sagte. daß er den General Boisdessre in seinen Händen habe. General P c llie ux sei ein braver Mann. General M e r ei e r habe gelogen, als" er erklärte, er, Esterhazy, sei nie ein Agent des Generalstabs gewesen. General R o g e t sei der schlechte Geist Cavaignac's. zugleich ehrgeizig und feige. Der größte Dummkopf sei C a v a i g n a c. den er, Esterhazy. gewarnt habe. nicht auf das gefälschte Dokument hineinzufallen. D r e y f u s sei h u n d e rt m a l schuldig. P i c q u a r t der größte Schurke des Jahrhunderts, Henry ein wahrer Soldat gewesen. Als der (ounialist von dem Selbstmord Henry's sprach, rief Esterhazy aus: Sie glauben wirklich, daß er Selbstmord be- gangen? Sie glauben das?" Italien. Das Befinden des PapsteS soll wieder ungünstiger stehen, da es den Aerzten nicht gelingt, seine große Schwäche zu be- seifigen. Er glaubt sich zu erheblicher Thätiakeit im Stande, ist aber Abends zumeist übermüdet. Die Aerzte sprechen sich weniger zu- versichtlich als bisher aus. Die Kardinäle halten häufigere Besprechungen ab.— Spanien. DaS neue konservative Ministerium in Spanien muß sein nächstes Augenmerk darauf richten, eine parlamentarische Unterlage zu finden, welche die gegenwärtigen, in ihrer Mehrheit liberalen Cortes ihm nicht bieten. Darum wird heute oder morgen die Auf- lösung des Parlaments und gleich daraus die Aus« schreidung der Neuwahlen erfolgen, die für die Kammer am 16., für den Senat am 30. April angesetzt sind; die Anberaumung von Senatswahlen beruht auf der Verfassungsbestimnuing. wonach der Senat aus 180 lebenslänglichen und 180 von den Staatskörper- schaften und den Höchstbosteuerten gewählten Mitgliedern besteht, die alle fünf Jahre zur Hälfte ergänzt werden. Die neuen CorteS sollen am 2. Mai zusammentrete». In der parlamentslosen Zeit soll der Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten durch die Königin- Regentin unterzeichnet werden. Asten. Vom Philippinischen KriegSschanpkatz geht über Washington die Meldung ein, in der Nachr vom Dienstag zum Mfiwoch seien 3000 Insurgenten bei Pateros und Pasig am Ufer des SeeS von Bay zum Angriff gegen die amerilanischen Truppen in der Richtung des Pasiastuffes vorgegangen. Nach hefttgem Kampfe schlug der amerikanuche General Wheaton die Insurgenten zurück, welche 400 Todte auf dem Platze ließen, während eine gleiche Zahl in die Hände der Amerikaner fiel. Die letzteren, deren Verlust unbedeutend ist, besetzten darauf Pasig und Pateros.— ZSsvlttmenksripches« AuS der I»» Heinz«- Kommission. In der am Donnerstag abgehaltenen Sitzung der Kommission wurde zunächst beschlossen, von einer Generaldebatte Abstand zu nehmen. Alsdann wurde der § 180 in der Fassung der Regierungsvorlage dcbattirt und nach Aenderung durch einen redaktionellen Antrag in folgender Fassung einstimmig angenommen:„Wer gewohnheitsmäßig oder aus Eigen- nutz durch seine Vennutelung oder durch Gewährung �dcr Ber- schaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub leistet, wird ivegen Kuppelei mit Gefängniß nicht unter einem Monat bestraft, auch kann zugleich auf Geld- strafe von 150 bis zu 6000 Mark, auf Verlust der bürger- lichen Ehrenrechte, sowie auf Zulässigkeit von Polizei-Aufsicht erkannt werden. Sind ni i l d e r n y e U m st ä n d e vorhanden, so kann die Gefängniß strafe bis auf einen Tag er- mäßigt werden." Die Abweichungen vom bestehenden Gesetz sind durch Sperrdruck kenntlich gemacht. Bei der Debatte über 181. zu dem mehrere Anträge vorliegen, wird die Sitzung auf Freitag vertagt. Polizeilichrs, Gerichtliches». s. w. I— Laxe Handhabung der Bestimmungen über die SonntagS- ruhe soll der Genosse Bernhard in Frankfurt a. M. der dorfigen Polizei in einer Versammlung vorgeworfen haben. Dafür wurde er wegen Beleidigung zu 100 M. Geldstrafe verurtheilt. — Die Bezeichnung„Arbeitswilliger" soll eine Beleidigimg sein. Als seinerzeit beim Hafenarbeiterstreik die Unternehmerpresse für die Streikbrecher das Wort„Arbeitswillige" prägte, da ahnte sie wohl selbst nicht, daß der Schmeichelname, mit dem sie ihre Schütz- finge belegte, von diesen alsbald als Beleidigung aufgefaßt werden würde, lind doch ist es schon so iveit gekommen. Gegen den ver- antwortlichen Redakteur des„Echo", Genossen Wabersky in Hain- bürg, ist eine PrivatbeleidigungSklage angestrengt worden, weil ein Zeuge in einem Gerichtsbericht im„Hamburger Echo" als„Arbeits- williger' bezeichnet worden ist. Darin soll nach der Ansicht deö er- wähnten Zeugen eine«Herabwürdigung seiner Person" liegen. Wir sind gespannt darauf, ob daS Gericht sich dazu herbeilassen wird, die Bezeichnung„Arbeitswilliger", welche die„Ordnungspresse" als „Ehrentitel" für die Retter des Kapitals erfunden hat, zu einer Be- leidigung umzumünzen. — Sieben Tage Haft wurden dem Genoffen Schöne in Klotzsche bei Dresden von der Polizei zudiktirt wegen unerlaubten Samnielns. Eine erstaunliche Strafe. — Einen Polizctbcamten angeraucht zu haben, dieses Ver- brechenS, begangen in einer Versammlung in Dresden, wurde der Buchbinder Hans Dürr beschuldigt. Die Tbat wurde von der Polizei als grober Unfug erkannt und mit 20 M. Geldstrafe gerochen. Auf Dürr's Antrag hob das Schöffengericht die Strafe auf und sprach den Sünder frei. Vommnnzrles. Stadtverordneten- Versammlnnff. 10. Sitzung v o in D o n n e r st a g, den 16. M ä r z 18ö9. Nachmittags 5 Uhr. Die Verhandlungen werden um S1� Uhr vom Vorsteher- Stellvertreter M ich e l e t' eröffnet. In die Deputation sür K u n st z w e ck e wählt die Verstimm- lung an Stelle des ausgeschiedenen Dr. Schwalbe den Stadtv. Frdr. Goldschmidt II, in die V e r l e h r s d e p u t a t i o n den Stadtv. H e i l m a n n. Die Berathung des StadthauShalts-EtatS für 1899 wird fortgesetzt. Ueber die EtatZ der Taubstummenschule und der Blindenanstalt nebst Betrieb der Beschäftigungsanstalt, welche beiden Etats am Ende der vorigen Sitzung noch nicht zur Erledigung gelangt sind, berichtet Stadtv. Dr. Gerstenberg. Die beiden Etats werden genehmigt. lieber die folgenden SpezialetatZ referirt namens des Ausschusses Stadiv. Bruns. Im städtischen Fo rtbildun g s- Unterri chts w esen sollen entsprechend einer im vorigen Jahre beschlossenen Resolution der Versammlung einige Fortbildungsschulen so eingerichtet werden, daß sie dem Bediirfniß einer Handelsschule oder kaufmännischen Fortbildungsschule entsprechen. Es treten demgemäß die spezifisch tanfmännischen Fächer Handelsgeographie, Waarenkunde. Handels- recht, Wechselkunde, Korrespondenz zu den Unterrichtsfächern hinzu. Der Ausschuß hat die betreffenden Erweiterungen des Lehrplans gutgeheißen. Den Unterricht in der Handclsgeographie beantragt Stadtv. Schwalbe wie alle übrigen Fächer mit 3 anstatt mit 2 M. für die Stunde zu honorircn, wogegen Stadtschulrath Bertram Ein- fpruch erhebt, da dieses ein nicht sehr hochstehender Lehrgegenstand sei. Der Antrag wird abgelehnt, die Vorschläge des Magistrats werden zum Beschluß erhoben. An Ausgaben für die Einrichtung von Gottesdiensten an Fortbildungs- und Fachschulen werde» statt der geforderten 3000 nur 2000 M. bewilligt. Im Spczialctat für das gewerbliche Unterrichts- Wesen sind die Anträge des Magistrats betr. Aendcnmgen der Regulative für die Sattler- und die Töpfer- Fachschule, sowie sür die Tis chler- Schule, vom Ausschüsse gleichfalls gebilligt worden. Stadtv. ESmann fordert, daß endlich die Lehrer an der städtischen Baugewerkschule die Pensionsberechtigung erhalten. Stadtschulrath Bertram: Ob der Magistrat in Bezug auf die feste Anstellung»veiter gehen wird als bisher, läßt sich zur Zeit noch nicht sagen. Die Etats der sämmtlichen Fachschulen, der Tischlerschule, des Gewerbesaals, der Webeschule, der beiden Handwerkerschulcn und der Baugewerkschule, sowie der Gesammtetat für das gewerbliche Unter- richtswesen werden genehmigt. An den Etats für das Armenwesen, das Friedrich-Wil- helms-Hospital und die Siechenanst alten, die Waisen- Pflege im engeren Sinne sowie die Fürsorge für eingesegnete Waisen, die Unterbringung verwahrloster Kinder, das Arbeitshaus in Rummelsburg, das Städtische Obdach, die Desinfektionsanstalt II und die HilsSstation fiir Geschlechtskranke hat der Ausschuß Acnderungen nicht vorgenommen. In den Etat für die B u r e a u- D i c n st g c b ä u d e sind nach- träglich die Ausgaben für die Verlegung der Magistrats- und der Göritz'schen Bibliothek nach dem Sparkasscn-Gründstücke in der Zinunerstraße eingestellt Ivorden, desgleichen für die Miethssteigenmg der Räume für das Armenamt XIII in der Müllerstraße 7. Der Etat der Geschäftsbedürfnisse und P r o z e ß k o st e n mit dem Anhangs-Etat„Gemeinde-Krankenversicherung" ist unverändert gebliebe». Ohne jede Debatte genehmigt die Versammlung sämmtliche vör- stehend aufgeführten EtatS nach dem Entivurf. Ueber die nachstehenden Spezialetats erstattet Stadtverordneter M o m m s e n das Referat. Am Etat für Hochbau wird keine Aendenmg vorgenommen. Auf die mehrfachen Anregungen behufs schnellerer Herstellung der erforderlichen neuen Gemcindcschulbauten auch die Vergebung solcher Bauten in Entrcprise an Privatunternehmer in Erwägung zu ziehen, rft der Ausschuß nicht eingegangen. Auch die Etats für die Kosten der Ortspolizei und die Verwaltung des Feuerlöschwesens, für die Straßen- beleuchtung, die Straßenreiniaung und B e- st> r e n g u ng, für die G c m e i n d e f r r e d h ö f e und die Standesämter sind im Ausschuffe unverändert geblieben. Zum Etat der Gemeindefriedhöfe bemerkt Stadtv. B o r g m a n n: Bekanntlich wird es nicht gestattet, auf den Friedhöfen ohne besondere Erlaubniß irgend welche Worte am Grabe zu sprechen. Wenn solche Intoleranz geübt wird auf kirchlichen Friedhöfen, dann würde ich darüber kein Wort verlieren, aber merkwürdigerweise ist es selbst euj unserer, städtischen Friedhöfen ebenso»venig gestattet, irgend ivelche Worte de» Nachrufs zu sprechen. Mir persönlich ist es passirt, daß bei dem Begräbniß eines Dissidenten durch die Polizei jedes Wort des Nachrufes verboten wurde. Die Verhältnisse liegen so eigcnthümlich, daß wir als Stabtgemeinde keinerlei Hansrecht auf unserem Friedhofe in Friedrichsfclde besitzen, sondern daß uns da der Landrath mit seinen Aufsichtsorganen hineinreden darf. Nun hat man uns aus der Mitte des Magistrais gesagt, daß allerdings nicht am Grabe, wohl aber in der Kapelle solche Worte des Nachrufs gestattet sind. Ich habe dies hier nur öffentlich konstatiren»vollen. Mit dem Etat für den Viehmarkt, den Schlachthof und die städtische Fleischschau ist auch der Tarif für die Schlachtungen und die Fleischschau zm Genehmigung vorgelegt. Borgesehen ist die Erhöhung der Schlachtgelder für Schlveine um 5 Pf., der Schern- gebühr für Schlveine um ö, für Fresser(Kälber von 4 biö 12 Monaten) uin 10 Pf. Für die Zeit vom 1. April 1899 bis 31. März 1900 sollen deinnach folgende Gebührensätze gelten: Schlachtgebühr für 1 Rind über 1 Jahr 1,50 M.. fiir 1 Fresser 1,00 M., für 1 Kalb bis 4 Monate 20 Pf., für 1 Schlvein 1.05 M., für ein Schaf 30. für 1 Ziege 40 Pf.; S ch a u g e b ü h r für Rinder 20 Pf., für 1 Kalb bis 4 Monate 20 Pf., für 1 Schwein 82 Pf., sür 1 Schaf 10. für 1 Ziege 5 Pf. Die Tarife und die Etats selbst werden nach dem Magistrats- Entivurf festgesetzt. Beim Markthallen- Etat bringt Stadtv. K y l l m a n n zur Sprache, daß einer Mitthcilung im Etatsausschusse zufolge die Markt- Halle auf dem Gesundbrunnen an den Thcatcrunternehmcr Schippa- nowskl» auf drei Jahre zur Benutzung als Theater und Restaurant vermiethet werden soll. Er hält diese Berivendung für durchaus ziveckwidrig und das Kuratorium nicht für berechtigt, ohne Zu- stimmung der Versammlung zu einem solchen Zwecke über die Halle zu verfügen. Eher»väre es angezeigt, beim Niederreißen des Köllnischen Nathhauses das Märkische Museum sür 3 Jahre dorthin überzuführen. Stadtrath Schäfer: Die Verhandlungen mit Herrn Schippa- nowsky schweben noch. Natürlich hat der Unternehmer die erforder- lichen Einrichtungen auf seine Kosten zu treffen, auch auf seine Kosten den vorigen Zustand»vicderherzustcllen, solvie die Halle auch vor Ablauf des Vertrages zu räumen,»venu dieselbe ihrem ursprüng- lichen Zwecke zurückgegeben»verden kann. Die Halle steht seit dem J. April 1898 leer, änderweit haben wir sie nicht verwerthen können, es ist doch immerhin»vichtig, eine solche Miethe mitzunehmei». Stadtv. D i n s e protestirt gegen diese Venvendung, die auf dem Brunnen blos eine Tingeltangelstätte mehr schaffen würde, und beantragt eine Resolution des Inhalts, daß die Versammlung diese Verwendung nicht wünscht. Diese Resolution wird mit einem Zusatz Khllmann. daß die Versammlung über die Vermiethung unbedingt eine Borlage er- wartet, fast einstimmig angenommen, der Etat genehmigt. Damit sind die Etaisverhandlnngen sür heute beendet. Der Stadtv. K a l i s ch hat folgenden Antrag gestellt: den Magistrat zu ersuchen, bei den zuständigen Staats- behörden dahin vorstellig zu werden, daß von einer T h e i- lung der Stadt Berlin in verschiedene Gerichts- bezirke Abstand genommen werde. Der A n t r a g st e l l e r erklärt, daß in einer Zeit, die unter dem Zeichen des Verkehrs stehe, hier plötzlich eine neue folgenschwere Be- Hinderung des freien Verkehrs geplant werde, gegen die nicht früh genug Stellung genommen werden könne. Die mechanische Zer- schncidnng Berlins zur Schaffung eines vielleicht nach Charlotten- bnrg zu verlegenden Landgerichts III müßte die Bevölkerung mit ihren Beziehungen zu den Gerichten in die unliebsamsten Kollisionen und Schivierigleiten bringen. Stadtv. Hugo Sachs hält ebenfalls die geplante Dezentral»- sation für unheilvoll sür Berlin. Das bestehende Gericht könne ja vergrößert werden; am Kostenpunkt könne eS doch nicht liegen, wenn schon Berlin in Bezug auf die Schönheit des neuen Zivilgerichts »virklich nicht verlvöhnt sei. Hier liegt kein Interesse des Anwalt- standcs. sondern des qesamniten Publikums vor. Bürgermeister Kirsch n er: Wir sind auf die ersten Nach- richten hin mit den» Jnstizininister in Verbindung getreten und haben „vertrauliche" Auskünfte erhalten, über die ich keinen Aufschluß geben kann. Wir haben eine Kommission niedergesetzt und werden bemüht sein. die Interessen der Stadt und der Bevölkerung möglichst zu wahren.(Beifall.) Stadtv. S p i n o l a erklärt sich gegen die Petition. Stadtv. Horluitz steht nicht auf dem Standpunkte seines Spezialkollegen Sachs. Herr Kalisch solle den Antrag als einstweilen erledigt zurückziehen. Stadtv. L a d e w i g: Wie soll es denn bei der Theilung mit dem Gclverbegericht, mit den Handelskammern werden? Die Theilung des Landgerichts Berlin wird heillose Verwirrung herbeiführen. Der Äntrag Ivird a n g e n o»n m e n. Ein zweiter Antrag des Stadtv. Kalisch geht dahin: „Die Versammlung ersucht den Magistrat. schleunigst bei dem Reichstage gegen die beabsichtigte Neuregelung der Fernsp rech- Gebühren vorstellig zu ivcrden." Stadtv. D i n s e beantragt: „Beim Reichstage'dahin vorstellig zu werden, daß die Regicriingsvorlage, betreffend Aufhebung der Privat- P o st e n, abgelehnt werde." Stadtv. Kalisch befünvortet den ersteren Antrag. Wer hätte noch vor einem halben Jahre gedacht, daß die Telephongebühren in Berlin statt ermäßigt, erhöht werden würden, und zivar, damit die in Berlin mehr aufkommende Million zu Gunsten des flachen Landes Verwendung finde! Die Haupttheilnehmer des Telephons seien die Angehörigen des Mittelstandes, denen das Leben ans diese Art noch mehr als bisher erschivert werden solle. Stadtv. H. Sachs will beim Reichstage nur i>, soweit petitioniren. als dadurch eine Berthenerung der Gebühren für Berlin und die größeren Städte vermieden werden soll. Die Refornr des Telephonwesens überhaupt wolle doch gciviß auch Herr Kalisch nicht hindern; auch stehe es in dieser Hinsicht»im die Frage der Legitimation der Versammlung nicht ganz zweifcISftei. Stadtv. Singer: Die Legitimation der Versmnmlnng kann in keinem Falle bestritten werden; schließlich ist mir eine Petition zu viel lieber, als daß ich dieses Recht nur im geringsten anziveiscln lasse. Die vorliegende Form des Antrags Kalisch ist allerdings miß- verständlich. Aber ich kann nicht wünschen, daß das Fernsprcchtvesen für die großen Städte verthcuert werden muß, um dem Lande diese Wohlthat zuzutvenden. Der Magistrat soll an zuständiger Stelle vorstellig»Verden gegen diesen rein fiskalischen Gesichtspunkt. Wir gönnen alle den kleinen Orten und dein platten Lande die AuSdchmiiig dieser Einrichiung. Haben wir erst einen zuverlässigen Gesprächszähler, dann können»vir die Gebühren nach ocr Zahl abstufen. So lange dies aber nicht der Fall ist, darf nicht diese einseitige Vertheucnmg für die großen Städte eintrete»?. Stadtv.'5r a l i j ch zieht seinen Antrag zu Gunsteil des Antrages Sachs zurück. Der Antrag Sachs Ivird angenommen. Zur Begründung des Antrags wegen der„Privatpost" verweist Stadtv. D i n s« ans die belaniiien Zahlen hinsichtlich des UmfangcS ihrer Geschäfte und auf die auch für die Stadt daraus erlvachsendcn Vortbcile. Bürgermeister K i r s ch n e r bestreitet nicht die Berechtigung, wohl aber die Zweckmäßigkeit einer solchen Petitio»». Schließlich gebe cS keine Gesetzesvorlage, die nicht Berlin direkt oder indirekt berührte. Ein zu stark beimtztes Recht nutze sich ab; es niüsie doch ein hervor- ragend bedeutender Gegenstand sein, der die Stadt zur Petition ver- anlasse. Wozu seien denn die Vertreter der Stadt im Reichs- und Landtage da? Eine Art Vorparlament sei doch die Versainmlung auch nicht. Stadtv. Singer: Der Bürgermeister braucht Sorge um die Häufting der Petitionen nicht zu baben. Geiviß kann mau durch die häufige Handhabung des Petitionsrechtcs vielleicht die Waffe etivas abstumpfen. Andererseits aber bringt man doch dadurch ziun Ansdruck. daß man dieses Recht auch zu benutzen getvillt»st, um Unheil,»vekches man befürchtet, von der Stadt obzuivenden. In der Sache komme ich ans ganz anderen Gründen zu demselben Resultat »vie der Bürgenneister. Grundsätzlich hat die Versammlung keine Veranlassung, hier für das Privatkapital(Aha!> einzutreten. Nach n, einer Meinung haben»vir uns hier nicht ziun Schutze von Privat- gesellschaften aufzuwerfen. Die Geschäftsberichte dieser Gesell- schaften sind kein Gegenstand unserer Diskussion, denn der Bortheil dw Bürgerschaft ist'doch nur eine Begleiterscheinung ihrer Thätig- keit, sie»vollen Geld verdienen nnd' Dividende vertheilen. Man braucht der Vorlage nicht ohne Weiteres zuzustimmen, aber dem Re'ch müssen die nöthigen Eriveiteruiigen des Post- »nonopols gegeben»verden. unter der Voraussetzung, daß die Erkeichterilngen des Verkehrs,»vie fie durcki die Privaiposlen geschaffen sind, von der Post übernommen»verden. Und daß das in ziemlichein Umfange beabsichtigt ffv das geht aus der Vorlage hervor,»velche erhebliche Verbilligiingen brff'gt, auch eine Entschädigung für die Beamten und Angestellten in Sit.sfickt nimmt, allerdings eine sehr geringe, aber es wird möglich sein, sie im Laufe der Verhandlungen zu erhöhen. Die Postannahmestellen i> Berlin sollen auch derart ver- mehrt werden, daß sie den erhöhten Bedürfnissen genügen. ES muß doch auch beachtet werden, daß die Angestellten bl>. i aup ganz kurzeKündigniig angestellt sind. Wenn die Reichspost die Pnvatposten verschluckt u»ter Uebernahme der Angestellten, verbessern Sie deren Laos ganz erheblich, indem Sie sie in feste, pensionsberechtigte Stellen bringen. Lieber nehme ich mich doch der 2700 Beamten als des Kapitals der Gesellschaft an. Aus diesen prinzipiellen Gründen stimmen wir gegen den Antrag. Stadtv. P e r l s: Nicht den Gewinn der Privatpost wollen wir schützen, sondern die Vortheile»vahrcn. die die Bürgerschaft aus der Einrichtung zieht, und auch die Angestellten»vollen wir in ihren Stellungen erhalten, denn die Hälfte davon wird von der Post- Verwaltung nicht übernommen werden. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag wird aiigenonimen. An der Ecke der Emdener- und Wiclefstraße soll ein Grund- stück für Gemeinde-Schulzwecke erlvorben werden. Stadtv. Borgmann beantragt, die Vorlage einem Ausschuß zur Erivägung der Frage zu überweisen, ob nicht zur Beschlennigung des Baues der Bau nach vorhandenen Projekten für schon vollendete Schulen errichtet werden kann. Stach kurzer Debatte wird beschloffen, diesen Antrag selbst- ständig in der nächsten Sitzung zu berathen. Die Vorläge wird genehmigt. Auch in der Waldenserstraße. zwischen Wald« und Emdenerstraßi wird ein Terrain zum Neubau einer Gemeinde- schule erworben. Den von den Aeltesten der Kaufmannschaft geleiteten und»mter- haltenen kaufmännischen Fortbildungsschulen solle,, städtische Schulräume in solchen Zeiten gewährt werden, in denen ein eigentlicher Schulunterricht nicht stattfindet und diese Räume auch von der Stadt unentgeltlich geheizt»md beleuchtet werden. Die Bcrjalnmlung tritt den» Magistratöantrage bei. Nachdem bereits früher in»nehreren Eiiizelfälle» das Krnnmer- gericht entgegen der Ansicht bcS Magistrats die Stadt für verpflichtet erachtet hat, für die Versorgung der W i t t»v e n und Waisen der Bureau-Hilfsarbeiter einzutreten,»vill der Magistrat nunmehr allgemein den inzivischen ja auch als Geiueiiidebeamte an- erkannten Hilfsarbeitern den Anspruch auf Reliktenversorgung zugestehen. Das Ortsstaftlt vom ö. Mai 1890 soll demeiUsprechcnd geändert werden., Die Vorlage wird ohne Debatte angenommen. Auf dem siädtischen Rieselgute Buch soll eine neue Heim« statte für 100 brustkranke Männer errichtet werden. Hm- sichtlich der Aufnahme>uid Verpflegung Brustkranker sollen die für die vorhandenen Heimstätten bestehenden Grundsätze_ in Geltung bleiben. Eine weitere Vorlage Ivegen Errichtung einer zweite» Heimstätte fiir brustkranke Frauen zu mache»», behält sich der Magistrat vor. Stadtv. Spinola will diese übereilt hergestellte Vorlage dein Magistrat zurückgeben, damit zunächst die KrankeiihauS-Deputation und die Baudepntation gehört»verde. Stadtrath Marggraf f: Die Versammlung hat vorlas Jahren zwei neue Heimstätten beschlossen; dem ist der Magistrat hier nachgekommen, nachde»» sich das Bcdürsniß dafür gebieterisch geltend gemacht hatte. Die vorgelegte Skizze ist nur eine vor- läufige. Auch Bürgermeister K i r s ch n e r erklärt, daß es sich für jetzt nur un» das Einverstündniß der Versainmlung zur Errichtung dieser Heimstätte handle. Den sonstigen Rechten der Versammlung werde damit in keiner Weise präjudizirt. Stadtv. E s m a n n stellt sich trotzde»» auf den Standpunkt Spinola's. Nach weiterer Debatte erklärt der letztere sich iin Prinzip »nit der Errichtung der Heimstätte einverstanden. Stadtv. Singer beantragt, sich nur im Allgemeinen mit der Heinistätte für 100 Brustkranke in Buch vorbehaltlich der Ge- uehmlgung der Bau- und Kostenanschläge u. s.>v. einverstanden zu erklären. Im Uebrigen giebt er den Beanstandungen des Stadtv. Spinola recht. Dieser Antrag tvird angenoimnen,»»achdem der Bürgermeister K i r s ch» e r sein' Einverständniß erklärt hat. Für den Mittellandkanal beantragt der Magistrat die Uebernahme der Garantie für den etiuaigen Fehlbetrag der Betriebs- und Unterhaltungslosten und für die 3 prozcntige' Verzinsung nnd r/z prozentige Tilgung eines Drittels des Bankapitals derHauptliuie und der Hälfte des Baukapitals der Ziveigkanäle bis zu 9,4 pCt. Doch soll die Garantie für die Tilgungsquote erst 12 Jahre nack» der Jnbctrieb- nähme des Kapitals eint'retcii und dem Magistrat eine Mitivirkuiig in Bezug ans die Bau, Betrieb und Tarife betreffeiide» Fragen gc- »vährt»verde». Die Vorlage wird nach kurzer Debatte angenommen. Schluß gegen 9 Uhr._ Gevichls"Beil mtfl« „Haltet de» Zuzug fern!" Mit dieser pflichtgemäßen Ans» forderung hatte unser Parteigeiiossc Richard Jahn, der Redakteur des Porzellanarbciter-Organs„Die Ameise" eincir Artikel seiner Zeitung geschloffen, in»uelchem er von einem Streik der Dreher bei der' Firma Ma tisch as in Frankfurt a. O. Mitthcilung machte. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll Jahn durch diesen Appell an das Solidaritätsgefühl seiner Kollegen groben Unfug verübt haben, weshalb er sich am Donnerstag vor dem Schöffengericht zu Char-- lottendurg zu verantivorten hatte. Der Anltsanwakt hielt eine wnchtige Anklagerede, in der er unter Hinlveis auf den Hamburger Hafeiiarbeiterstreik von dem furchtbaren Elend sprach,»velchcs über zahlreiche Arbeiterfamilien nicht infolge der Untemchmerrohheit, sondern infolge des Streiks hereingebrochen sei, »vährend andererseits bei ruhige nr Verhalten der Arbeiter blühender Wohlstand gefördert»verde! Als Sühire fiir die Thai des Angeklagten, der zum Boykott aufgereizt habe, beantragte der Amisanivalt eine Geldstrafe von 20 M. Der Vertheidiger' führte aus, daß durch die Warnung vor Zuzug nach einer im Streik lic- gendcn Fabrik niemand geschädigt, sondern»»ur die Mitglieder des Porzcllanarbeitcr- Verbandes, die sich etlva verleiten lasse» könnten, in der betreffenden Fabrik Arbeit zu nehmen, vor Schaden beivahrt»verden sollten. Andererseits habe die vom Streik betroffene Finna an alle Porzellanfabriken Dclltschlands eine L i st e mit den St a in e n der Streikenden gesandt, und dann» ersucht, daß die Genannnten nirgends beschäftigt würde»», ohne daß gegen diesen Boykott von irgend einem Staats- amvalt eingeschrittcir sei. Weiter wies der Vertheidiger auf ei» Reichsgerichrsurtheil hin.»velches als Kennzeichen'des grobe» Unfugs eine unmittelbare Belästigung des Publikums' ver- langt, die doch in diese»» Falle nicht vorliege. Der Gerichtshof erkannt« auf Freisprechung unter der Begründung. daß den Arbeitern das Recht, sich zur Erlangung besserer Arbeits- bedingungen zu koaliren, zustehe, und daher in der Warnung vor: Zuzug nach einem Streikort kein grober Unfug gefunden»verde» iönne. Möglichenfalls hätten sich durch die Warnung die Unter- n e h m e r beunruhigt fühlen können, dieselben hätten sich aber bei»» Ausbruch des Streiks sagen müssen, daß sie»nit der Eveiitualität einer Sperre ihrer Fabrik zu rechnen haben. Eine Bennruhigunz »vciterer Kreise des PilblikumS,»vie sie der Thatbcstand des grobcir Unfugs voraussetze, habe nicht stattgefunden. Der Arbciter-Radfahrcr-Vcrein zu Berlin bezweckt nach Ansicht der Polizei eine Einwirlung ans öffentliche Angelegenheiten und sollte deshalb seine Mitgliederliste einreichen. Der Vorsitzende K e r n hatte sich dessen geweigert,»veil sein Verein nichts»veiler als Sportverein sei. Gegen ei» polizeiliches Strafmandat hatte Kern Einspruch erhoben, weshalb diese An- gelegenhcit am Donnerstag vor dem Schöffe,»gericht zu Char- l o l r c n b u r g, wo Kern lvohnt, verhandelt»unrde. Der Amts- anivalt hielt enie Eunvirkung auf öffentliche Angelegen« h e i t e n schon dann für vorliegend, wenn sich' ein' Rad- sahrcr-Verein—»vas doch unter anderem auch Zivcck dieser Ver- eine sei— mit der Erörterung der Herstellung öffentlicher Radfahrer»vege, Aufhebung der Straßensperre u. dergl. be- beschäftige. Dagegen wandte der Angeklagte mit' Recht ei»r, daß ja dann alle Radfahr er-Bereine unter das Vcreinsgesetz fiele»», daß aber seines Wissens, außer vom Arbeiter- Radfahrer- Verein, noch von keiner Radler- Vereinigung die Einreichmig des Mitglieder-Verzeichnisses verlangt worden sei. Der Gerichtshof erachtere für festgestellt, daß der Arbeiter- Radfahrer- Verein sich nicht nur mit öffentlichen, soiidern sogar mit politischen Angelegenheiten beschäftige, denn der genainite Verein benutze ein Liederbuch, »velches unter einen» r o t h e n(I) Umschlage Lieder sozialdemokratischer Tendenz enthalte. Als weiteres Belveismaterial galten den, Gerichts- Hof eunge Artikel der Zeitschrist„Arbeiter-Radfahrer", in denen Mit- theilungen übed die Hilfe der Radfahrer bei den ReichstaaS-Wahlc» gemacht»verden, solvie ein Bericht des„VorivärtL" über eine öffentliche Radfahrn-Versammliing. aus welchem hervorgeht, daß der Vertrauensmann der Arbeiter-Radfahrer über vollzogene Agitations- touren berichtete. Vergebens war der Hinweis des Angellagten auf die Thatsache. daß die öffentliche Versammlung den Verein nichts an- gehe, daß»veder das rothe Liederbuch nach die Zeitschrift vom Ver- ein herausgegeben werde, und daß sich an der Wahlhilse sowie an den Agi ationstouren auch N i ch t m itg Ii e d e r be- theiligen, daß diese Veranstaltungen nicht vom Berem. sondcm von dem in öffeiitlicher Versammlung gewählten Vertrauensmann ins Werk gesetzt werden. De>n Gerichts« Hof schien der Unterschied zivischen öffentlichen Versammlungen, zu denen jedermann Zutritt hat, und Veranstaltungen des Vereins nicht klar zu»verde». Er vemrtheilte den Angeklagten,»veil er der Aufforderung, der Polizei die Mitgliederliste einzureichen, nicht»roch- gekommen war. zu einer Geld st rase von 20 M. Hoffentlich legt der Berurtheilte Berufung ein. Im Tchmugglerprozrst zu Neu-Ruppi» war in» Verlauf der Verhandliing die Aussage des Amtsrichters B e»r n c>v iß au» L-ntzen von Belang. Er hat in den drei Jahren. wo er in Lenzen amtirt, wesentlich die Aufdeckung der Schmuggeleien und Hehlereien gefördert, während sei» Vor- ganger sich um die Sache weniger gekümmert hat. Solchen Mangel an Energie hat Herr Vennewitz mit einigem Uebereifer wettzumachen gesucht. Von dem Angeklagten Röthke behauptete l1 ri r'e'ner.gestrigen Zeugenaussage, daß er eine Art scnsterlose Geheimkammer mit allerhand Waaren über dem Tanzsaal gefunden habe und beim Angeklagten Führ endlich glaubt er, daß ein Keller unter dem Tanzsaale, gefüllt mit Säcken voll Kaffee ec., gleichfalls ein geheimes Gelaß gewesen sei. Diese letztere Ansicht wird von der Bertheidigung als irrig festgestellt, da der Keller auf der Rückseite des Hauses einen durchaus nicht versteckten Eingang und auch zwei Fenster aufweist. Weiter schildert der Amtsrichter die mit den kleinen Büchern des Herper vorgekommenen Manipulationen und giebt dann eine befremdliche Aussage darüber, wie er sich den Lehrling Schuhr vorgenommen. Ilm von diesem ein wahrheitsgemäßes Geständniß zu erhalten, hat er dem Jungen durch den Pfarrer ins Gewissen reden lassen. Auch er- klarte er sich damit einverstanden, daß ein zeitweilig Gefängnißdiener- dienste verrichtender Kanzleigehilfe namens Kühne in gleichem Sinne auf den Jungen vor den Zellenthiiren einiger der bereits m Untersuchungshast sitzenden Angeklagten einwirken ließ. Der Kanzleigehilfe hat dem Lehrling für den Fall eines Ge- standnisses die sofortige Freilassung versprochen, zweifellos hat der Amtsrichter dem Schreiber hierzu keine Erlaubniß gegeben. Wahrscheinlich werden die Vertheidiger auf diesen Punkt in ihren Plaidoyers noch zurückkommen, auch darauf, daß der Amtsrichter den meisten Angeklagten bei ihren Vernehmungen mehrmals das Wort abgeschnitten haben soll. 'mehrere andere Redner griffen die Verhältnisse auf dem Viehmarkt an. der Ober-Bürgcrmeister verschanzte sich hinter lauter Ausflüchten. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Soziales. Arbeiterrisiko. Auf dem David- Richtschacht in Freiberg ereignete sich Dienstag Nachmittag ein schweres Unglück. Die an einer Bohrmaschine beschäftigten Bergleute waren wahrscheinlich auf ein altes Bohrloch gestoßen, in welchem noch nicht explodirtes Dynamit vorhanden war, das beim Bohren explodirte: dadurch wurden ein Steiger und zwei Bergleute schwer verletzt. Einer ver- starb nach kurzer Zeit, die anderen mußten in das Bergstift zur Be- Handlung gebracht werden. Auf dem Rheine bei Straßburg verunglückten drei Arbeiter der badischen Wasserbauverwaltung mit einem Kahne, der mit Faschinen- draht beladen war. Infolge des herrschenden Sturmes schlug der Kahn um und die drei Arbeiter ertranken. Eine Enqnete zur Revision des schweizerischen Fabrikgesetzes veranstalten die Organisationen des Grütlivereins, des schweizerischen Gewerkschaftsbundcs und der schweizerischen sozialdemokratischen Partei. Es wird ein Fragebogen, der 17 Fragen enthält, an alle örtlichen Organisationen versandt. Die Fragen beziehen sich auf eine Verkürzung der Arbeitszeit, auf Bestimmungen über Ueberzeit- arbeit. Arbeitszeit der Jugendlichen. Erweiterung der Fabrikinspektion insbesondere durch Anstellung von Frauen, Bestimmungen über Geld strafen. Kündigungsfrist, Lohnzahlung und dergleichen. der Innung sind resultatlos tatloS verlaufen, da die zusammengeschmokzei verschiedene Unternehmer gern sehen, wenn de Vevfammlnngvn. der Firma Thiele u. Lindner bisher die Situation nicht Eisenwerk zeigt eine unver- hat folgendes Plakat ange- Die Kostümschneider nahmen am Mittwoch in einer gut be suchten Versammlung, die in den Arminhallen tagte, Stellung zu den gegenwärtigen Arbeitsverhältnissen in ihrer Branche. Nach dem Bericht des Referenten Möbius sind bei verschiedenen Firmen die Arbeiter vorstellig geworden und haben die im Tarif vom Jahre 1896 erzielten Bedingungen, die neunstündige Arbeitszeit und ent sprechenden Lohn, errungen. In der Diskussion, an der sich außer den Kollegen auch eine der zahlreich erschienenen Arbeiterinnen be- theiligte, wurde besonders gerügt, daß in vielen Werkstätten die Frauen und Mädchen zehn, elf und auch zwölf Stunden arbeiten, angeblich weil sie länger arbeiten wollten. Ebenso wurde das Verhalte» jener Mädchen kritisirt, die nur. um ein Taschengeld zu haben, arbeiten und die Preise drücken. Viele Geschäfte machten unter dem Vorgeben, daß sie keine Fabrik seien, Sonnabends nicht um Vz6 Uhr Feierabend. Wenn sie wirklich einmal deswegen bestraft würden, bezahlten sie gern die Strafe, die an einem Abend wieder herausgearbeitet würde. Die Ucberstunden würden allerdings bezahl:, aber nur nach dem Satz des Tagelohns. Die Frauen müßten in ihrem eigenen Interesse darauf achten, daß sie bei gleichen Leistungen auch den gleichen Lohn wie die Männer erhalten. Besonderes Äugenmerk sei auf die vielen neuen Ateliers und die Herren-Garderobegesckiäfte zu richten, die Kostüme einführten. Von dieser Seite sei die Einführung des Schwitzmcister-Systcms zu befürchten. Die Firma Hoimann habe Inserate erlassen und die sich meldenden Arbeiter an Zwischenmsister gewiesen. Gegen solche Manipulationen müsse entschieden Front gemacht werden. Auch das Lcbrmädchenunweicn wurde gekennzeichnet. Die Meister ließen sich dreißig Mark Lehrgeld zahlen und schließlich müßten die Mädchen viel länger lernen, als ausgemacht worden sei. Verlangten sie dann Lohn, würden sie in der nächsten Woche ent- lassen. Bei diesen Zuständen hätten besonders die Frauen die Pflicht. nicht gleichgiltig der Bewegung gegenüberzustehen und sich die Er- rungenschaft bei der Firma Mannheimer, die einen Mindestwochcn- lohn von 18 M. bewilligt habe, als gutes Beispiel zu nehmen. Nachdem gewünscht worden war, stets die Arbeiter der in Betracht kommenden Zwischenmeister von dem erfolgten Vorgehen zu unterrichten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Versammlung erblictt in der augenblicklichen Sttuation eine günstige Gelegenheit, die verloren gegangene Positton wieder zu erobern. Sie verpflichtet die Kollegen, überall dort, wo Lohn- und Arbeitsverhältnisse dem Tarif von 1896 nicht entsprechen, für Ein- führung desselben Sorge zn tragen. Besonders ist für die neun- stündige Arbeitszeit einzutreten. Auch sollen die Verbältnisse der Arbeiterinnen berücksichtigt werden. Zur Stärkung des Solidaritäts- gefühls ist ein organisatorischer Zusammenschluß unbedingt noth- wendig und wird die Lolalverwalwng des Verbandes deutscher Schneider und Schneiderinnen ersucht, eine Zahlstelle für die Kostüm- Schneider zu errichten. Die Maurer der lokalen Nichtnng hielten am Mittwoch eine öffentliche Versammlung bei Keller, Koppenstraße, ab. um zu dem Kongreß der durch Vertrauensmänner zentralisirten Gewerkschaften Deutschlands, der Anfangs April in Braunschweig stattfindet, Stellung zu nehmen. Fr. Kater verwies einleitend auf die Nothwendigkeit und die Bedeutung dieses Kongresses und erläuterte sodann die in Aussicht genommene Tagesordnung desselben. Nach dem Bericht der Geschäftskommission und dem Bericht der Delegirten über die Vorkommnisse in den einzelneu Organisationen wird sich der Kongreß vornehmlich mit dem Organ:.Die Einigkeit", seine nothwendige Vergrößerung und die Art der Verbreitung zu be- chästigen haben. Nach den Ausführungen des Referenten haben eine Reihe von in Betracht kommenden Gewerkschaften zur Erhaltung der.Einigkeit" ebensowenig wie zum Agitationsfonds beigetragen und die diesbezüglichen Beschlüsse nicht genügend beachtet, sodaß ncrf, dieser Rickitung eine Aendcrnng sich nothwendig macht. Als nz�tere wichtige Punkte stehen auf' der Tagesordnung des Kotfgresses: Arbeitsnachweise und Arbeitersekretariare, die Taktik bey/' Gewerk- chaften gegenüber den Angriffen auf das KoalitionsreKj, Streiks, deren Regelung und Unterstützung. Der Redner e-vchssehlt außer der Beschickung des Kongresses im Anschluß an denselben eine Konferenz der durch Vertrauensmänner zemralisirte� Deutschlands abzuhalten, die sich mit einer von vorgeschlagenen Tagesordnung befassen soll. In der hie'�uf folgenden Diskiission. an der ich Jänsch, Weidner, A. Baiersdorf und Knöppchcn betheiligten, sprachen sick �lle Redner für die Bescklicknng des Kongresses und für die Abhaltung der Maurer- Konferenz aus. eglin und Metzle Wünschten, daß auf dem Kongreß auch die ..rage der Tar,sgeme,n�gst behandelt wird und die Delegirten sich gegen jede Tarifga��j�s�gst wenden. Wie vom Referenten, so wurde auch von Diskussionsrednern die Nichtbetheiligung an dem in B»*� stattfindenden Bauarbeiterschutz-Kongreß empfohlen und soll. � dxx Frage des Bauarbciterschutzes der in Braunschweig cinbe�hsene Bauarbeiter- Kongreß Stellung nehmen. Einstimmig würde sodann beschlossen, dem Kongreß der durch Vertrauens- 'männer zentralisirten Gewerkschaften zum Punkt.Presse" folgen- den Antrag zu unterbreiten: Der Preis der„Einigkeit" bleibt derselbe wie bisher. Um das Organ vergrößern zu können. muß jeder Beruf, der sich der Vertrauensmänncr-Zentralisation an- geschlossen hat. die.Einigkeit" für alle Mitglieder, die der Organi- satton angehören, obligatorisch einführen.— Außerdem gelangte ein Antrag zur Annahme, nach welchem die Geschästsleitung der auf den Boden der Vertrauensmänner- Zentralisation stehenden Maurer- Deutschlands im Anschluß an den Kongreß eine Konferenz ein- berufe» soll, die sich mit folgender Tagesordnung zu befassen hat: 1. Sammelwesen zum Streik- und Agitationsfonds. 2. Agitation und Organisation. 3. Wahl eines ersten VerttauensmanncS und zweier Revisoren als Geschästsleitung der Maurer Deutschlands. Als Delegirte für die Maurer Berlins und der Vororte zum Gcwerk- schafts-Kongreß, denen auch gleichzeitig die Verttetung auf den, Braunschweiger Bauarbeiter- Kongreß und der Maurer-Konferenz übertragen worden ist. wurden Bredereck. Herfurth. Jol und Jänsch gewählt. Die Steinarbeiter tagten am Dienstag im Englischen Garten. Nach dem Vorttog des Genossen Metzner über:„Gleiches Recht für Alle", der mit großem Beifall aufgenommen wurde, berichtete die Echrifthauer-Kommission über ihre Versuche, geregelte Ver- Hältnisse in ihrer Branche herbeizuführen. Die Verhandlungen mit In der umfangreichen Straffache gegen die Beamten der Stadt- und Ringbahn, welche der fortgesetzten Durchstechereien mit Fahrkarten beschuldigt sind, ist die Anklage jetzt den Bethciligten zu- gestellt worden. Bei der Verhandlung, welche im nächsten Monat vor der dritten Strafkamer des Landgerichts I stattfinden dürfte, werden 16 Personen, darunter vier weiblichen Geschlechts, auf der An- klagebank Platz zu nehmen haben. Die Letzteren sind beschuldigt die von ihren Männern unterschlagenen Fahrkarten zu Hause in der Weise behandelt zu haben, daß der Stempel verschwand. Die Fahrkarten sind dann ivieder benutzt worden. Die Be trügereien sollen mit einer außerordentlichen Verschmitztheit begangen sein; um den künstlichen Apparat, der zum Zusammenwirken der Angeklagten nöthig war. zu zergliedern. sind verschiedene Sachverständige geladen worden. Jeden falls dürfte es durch die Enthiillungen nothwendig werden, eine völlige Neuorganisation bei der Kontrolle der Fahrkarten einzn richten. Von den Angeklagten befinden sich die meisten in Hast. Alt Vertheidiger werden die Rechtsanivälte Heymann. Barnau, Wronker, Lvcrs, Dr. Werthauer, Dr. Schtvindt u. A. auftreten. Wegen Nöthignng hatte sich der Putzer OSkarMüllros auS Rixdorf gestern vor der ersten Strafkammer am Land- gericht II zu verantworten. Auf einem Neubau in der Pannier- straße 8 in Rixdorf arbeiteten eines Nachmittags im November vorigen Jahres die Putzer Bredloiv, Kohlfeldt und R e i ch a r d t bei Licht. Das brachte den Angeklagten in Aufregung, der ihnen Scheltworte zurief und sie mit Prügeln bedrohte. Dre Zeugen gaben vor Gericht an, daß sie sich vor dem Angeklagten gc- fürchtet hätten, worauf die Strafkammer ihn zu drei Monaten Gefängniß verurtheilte._ Gemevltplszafkl iches. Deutsches Reich. 800 Weistbinder, Maler und Lackirer� in D a r m st a d t befinden sich seit Montag im Streik. Die Zahl der Arbeits- willigen betrug am ersten Tage 30 und hat sich bis jetzt nickt erhöht. Da die Meister sich zu keiner Verhandlung herbe, ließen, so wurde beschlossen, daß wer einigermaßen kann, die Stadt verlassen möge. Bis jetzt sind 120 Mann abgereist. 14 Finnen, die 76 Gc- Hilfen beschäftigen, haben bewilligt. Gegenwärtig beträgt der Durch- schnittslohn 33 bis 34 Pfennig per Stunde. Die Gehilfen verlangen einen Minimallohn von 46 Pf. für Leute über 20 Jahren und 30 Pf. für solche unter 20 Jahren. Die Meister ivollcn 33 Minimallohn für Leute über 20 Jahre bewilligen. Für jüngere gar nichts Bestlmmles. Die Lohnbewegung der Schneider. In Bielefeld haben die Schneider in 16 Geschäften mit 109 Gehilfen die Anerkennung des Tarifs durchgesetzt. In 23 Geschäften ist die Kündigung von den Arbeitern eingereicht. Die Schneider in Bochum haben einen günstigen Verlauf ihrer Lohnbewegung zu verzeichnen. Einige Geschäfte haben bereits bewilligt und steht in einer größeren Anzahl eine Einigung zu er- warten. Da. wo der Tanf abgelehnt wird, soll in den nächsten Tagen die Arbeitseinstellung erfolgen. In Königsberg i. Pr. haben die Schneider nur in einigen Geschäften ihre Forderung durchgesetzt. Es beschloß deshalb eine von 700 Personen besuchte Versammlung, da, wo der Tarif abgelehnt wurde, die Sperre zu verhängen. In Bremen ist der Ausstand durch eine Tarifvereinbarung zwischen Meistern und Gesellen beigelegt. Von besonderer Bedeutung ist, daß beiderseits eine Kommission eingesetzt wird, die die strikte Durchführung des Tarifs überwacht. Für die Wochenarbeiter konnten leider die Abschaffung des Kost- und LogiswesenS und ein Minimal- lohn von 18 M. nicht durchgesetzt werden. Immerhin ist der Ab- schluß der Bewegung ein befriedigender. Metallarbeiter-Bewegung. In der Feldmann'schen Bronze- gußwaaren-Fabrik. sowie in der Feuerlöschmaschinen-Fabrik von Gust. Christ. Braun in Nürnberg sind ernsthafte Differenzen ausgebrochen, weshalb der Zuzug fernznhaltei, ist.— In den Elektrizitätswerken von Schuckert in Nürnberg dauert der Ausstand der Former unverändert fort. In dem Streik der Former bei in Altgersdorf tOberlanfitz) ist geändert. Der Streik auf dem Bünder änderte Situation. Die Direktion schlagen: „Hierdurch machen wir bekannt, daß die streikenden Arbeiter, welche bis spätestens Freitag, den 17. März, Morgens 9 Uhr, sich nicht zur Arbeit gemeldet haben, unter keinen Umständen vor dem 1. April 1900 Anstellung bei uns finden werden. Wir behalten uns vor, nur solche Leute wieder aufzunehmen, die uns passen." Die Drohung dürste am Ausstand nichts ändern. Die Arbeiter der zahlreichen Dampfziegeleien in d-r.»Vjr' gebnng von Nürnberg und Fürth treten in eine B-f' behufs Durchsetzung eines verbesserten Lohntarifs. verlautet versuchen die Unternehmer inzwischen ausläi'Vs, besonders italienische Arbeitskräfte heranzuziehen, um der»''den.naen ihrer Arbeiter die Spitze zu bieten. Die Geschäfte �r?inem Ring Anölaud. i Bei dem in Kopenhagen stattfindend SMachterstreir hat sich herausgestellt daß das öffentliche«ächl«.�� Jollständig in, «esitz- emes Schlachterringes»st und Schlo��rmeister. die dieser Kligne nicht genehm sind, überhaupt nicht dürfen Es ist einigen der Meister so ergangen, die dle Fork� bct Gesellen erfüllten. Die ,ozlaldemokrat,sche Parte, hat nun-Wervellatioi, über diese Zustände an den Bürgermeister gerichtet.. � Der Bürgermeister gab zu.' daß die Zustände ma,.,.�� c�d die von unsereii Parteigenossen beantragte kommunale oüijggtorische Viehvcrsicherung würde sich aber zu theuer stellen; aue'«. vrüffe dann erst ein Zwangsversicherungs-Gesetz geschaffen werden. Veriunwortlicher R-dakteur: Zlnguft Jacobey in Berlin, siiir den»v.«locke in Berlin. Druck und Verla» von Mar«adina in Berlin. Hierzu S Beilagen u. ltiiterhaltmigSblatt. c» er aufgestellte Tarif überall bezahlt Ivird. Es würde beschlossen, den gedruckten Tarif mit einem Begleitschreiben an sämmtliche Geschäfte zu senden. Darauf wurde bekannt gegeben, daß diese Konflikte in Bunzlau zu Gunsten der Streikenden verlaufen sind. Dagegen liegen ans Altcnhagen und Springe bei Hannover noch leine bestimmten Nachrichten vor. Der_ dortige Unternehmer habe erklärt, er könne den Brnchmeister,� wegen dessen rigoroses Betragen der Konflikt ausgebrochen sei, nicht entlassen, doch wolle er den Tarif zahlen. Nachdem Ohne sorge zum zweiten Vertrauensmann und Hugo Walter zum Revisor ge- wählt worden waren, gab Schmidt den Bericht über die Verband- lungen mit dem Gewcrbe-Jnspeltor. Die im Berufe vorhandenen Mißstände seien dem Inspektor vorgetragen und ihm Vorschläge zur Abstellung gemacht worden. Er habe sich auch entgegenkommend ge- zeigt, doch wird es nöthig sein, die Anregung zu wiederholen, wolle man Erfolge erzielen. Außerdem wurde darauf hingewiesen, daß im nächsten Jähre der Tarif abläuft. Mit der Verquickung von Lohn- und Akkordarbeit habe man schlechte Erfahrungen gemacht. Die meisten gäben nur die schlechte Arbeit in Akkord, während sie die gute zu den billigen Lohnpreisen machen ließen. In Erwägung dieser Thatsache sei es nöthig, nur auf die Durchführung eines Systems zu dringen. Die Buchbinder und berwandten BerufSgeuoffen hielten am 14. März im Louisenstädtischen Konzetthaus eine öffentliche Ver- sammlung ab. Nachdem Bitomski lind Brückner über die Thatigkeit der Gewerkschafts- Kommission Bericht erstattet hatten, nahm P. Schneider das Wort, um sich gleich Brückner gegen die Einführung eines paritätischen Arbeits- Nachweises auszusprechen. Von einem solchen, sogenannten»n- parteiischen Nachweis befürchtet er eine Gefahr für die Errungen- schaften der Gewerkschaft. Der Arbeitsnachweis des Verbandes der Buchbinder:c. biete hingegen eine gewisse Sicherheit dafür, daß die erkämpften Arbeitsbedingiingen erhalten blieben. Die Ver- sammlung stimmte dieser Auffassung zu. Brückner und B i t o ms k i wurden dann aufs neue in die Gewerkschastskomntisjion delcgirt. Hierauf berichtete Karl Schulze über die Sainm- lungen zum Widerstandsfonds. Seit der Gründung des Fonds im verflossenen Jahre sind 807,78 M. eingekommen. Ausgegeben wurden 12 M., so daß ein Bestand von 796,73 M. vorhanden ist. Der Berichterstatter sprach den Wunsch aus. daß der Sammlung in Zukunft eine größere Aufmerksamkeit zugewendet werden möge. wie bisher. Eine längere Debatte entspann sich über die Frage, ob es nicht besser sei. an Stelle der Listensammlimg das Marken- imd Kattensystem einzuführen. Ein Antrag, den Widerstands- fonds aufzulösen und den vorhandenen Betrag dem Verband zu über- weisen, wurde mit großer Majorität abgelehnt. Dagegen wurde beschloffcn, die Kommission, die die Sainm- luiig vornahm, aufzulösen und sie dnrch einen Äassirci und zwei Revisoren zu ersetzen. Karl Schulze wurde zum Kassirer gewählt. Zu Revisoren wählte man Hoffmann und Georg Schmidt. Von der Sammlung für die Wienc, Kollegen sind 27,50 M. übrig geblieben. Die Summe wird dem Widerstandsfonds überwiesen. Die Versammlung erklärte sich schließ- lich noch damit einverstanden, daß die Stellungnahme zum 1. Mai dein Verband überlassen werde. Rixdorf. Zu einer würdigen Märzfeier gestaltete sich die Volksversammlung, die zu Mittwoch Abend nach dem Apollo-Theatcr behufs Verkündung des Wahlresultats einberufe» worden war. Etwa 1600 Genossen und Genossinnen hatten sich ein- gefunden, lieber den schon vor Eröffnung der Versammlung durch Flugblätter bekannt gewordenen glänzenden Sieg herrschte ein« hochgcbende Begeisterung. Fritz Zubcil, der als Slbgeordnctci des Kreises Teltow- Bceskow erschienen war, gedachte in flammender Rede der VolkSheldcn vom Märzen des JahreS 1815 und der so überaus kleinlichen Mittel, mit der die Reakttonär« das Andenken der Freiheitskämpfer herabzusetzen versuchten. Diese, Haß gegen die Todren lasse sich nur erklären ans der Furcht vor de, Sozialdemokratie.(Bravo! Lebhaste Zustimmung.) Nun. di« sozialistische Bewegung lasse sich nicht anfhalten; auch die KuebelliiigSversuche würden ftuchtloS bleiben. Die Saat des 17. und 18. März 1848 sei schon zu prächttg in die Halme gc- schössen, dafür lege auch wieder der Sieg der Rixdorfer Genoffen vom 16. März 1899 ein beredtes Zeugniß ab. Die Sozialdcmokrati, Deutschlands iverde anerkennen müssen, daß man in Rixdorf sew, Schuldigkeit gethan habe. Hiermit schloß der Redner. Domierndc» Beifall durchbraufte darauf den weiten Saal. Der VettrauenSmanv Hoppe thcilte mit, daß ivegen der häufigen Inanspruchnahme de, Rixdorfer Genossen in den letzten Tagen die Märzfeier mii der Siegesfeier verbunden worden sei. Um zu beweisen, daß die Genossen Rixdorfs die Vorkämpfer von 1848 nicht ver- aessen hätten, möge man sich von den Plätzen erheben. Unte, feierlichem Schweigen und entblößten Hauptes kamen die Ver- sammelten dem nach. Ostermann gab dann die einzelnen Wahl. ziffern bekannt, die großen Jubel hervorriefen. Er ftigre hinzu, daß nun aber auch fllder Wähler seine Pflicht trfüilen und der politische» Organisation bcitteten möqe.(Bravo!) Mit begeisternden Hochrnsen auf die Partei und den(Genossen Zubcil wurde die Versammlung geschloffen. Unter den machtvollen Klängen der Arbeitermarsaillcisc leerte sich langsam der Saal. Urtzte MachviMen und Depeschen. Sozialistischer Sieg. Amsterdam, 16. März.(Pttvatdepesche deS„Vorwärts".) Bei den Nachwahlen zu den Generalftaaten im Wahlkreise V e e n d a m (Prov. Groningen) siegte der Genosse S ch a p e r mit 1690 Stimmen. London, 16. März./z Millionen, die die Kommission nicht bewilligen will. WaS die Regierung fordert, ist wirklich in den minimalsten Grenzen gehalten, und ich kann nur darum bitten, den organischen Zusammen- hang der Heeresverwaltung nicht zu zerreißen; geben Sie jeder Waffe, was der Waffe gebührt. Die Präsenzstärke muß so festgelegt werden, daß für alle möglichen Eventualitäten vorgesorgt ist; b'e willigen Sie also die Präsenzstärke so, wie sie in der Regierungs vorläge nonnirt ist. Wird die Forderung der Regierung jcbt nicht bewilligt, so tritt sie später unabweisbar wieder auf Abg. Lieber(Z): Meine Herren, ich kann es dem Herrn Kriegsminister durchaus nachfühlen, wenn er die Forderungen der verbündeten Regierungen als Soldat bis zum letzten Augenblick aufrecht erhält. Aber ich vcr suche hier, von dem soldatischen Kriegsminister an den politischen Bundesrat!) und Reichskanzler Berufung einzulegen. Reben den soldatischen kommen die politischen und finanziellen Gesichtspunkb wesentlich in Betracht. Ich freue mich darüber, daß auch der Herr Kriegsminister das heute anerkannt hat. Davon ausgehend, haben wir erwogen, ob es nicht möglich sei, eine Verständigung zwischen den Regierungen und dem Reichstag anzubahnen. Das Ergebniß dieser Erwägunge» liegt in den letzten Resolutionen. Wir würden sie nicht eingebracht haben, wenn vom Bundesrathst-ische das Wort unannehmbar gefallen wäre, und tvenn die übrigen Parteien nicht ausdrücklich ihre definitive Entscheidung auf die dritte Lesung ver schoben hätten. Die drohende Gefahr für das Vaterland hat meine politischen Freunde vor das volle Bewußtsein der Veramwortlichkeit gestellt, die ein Scheitern der Verständigung uns auferlegen würde. Wir waren uns auch bewußt, daß eine Auflösung des Reichstages im gegenwärtigen Augenblick eine Zeit budgetlosen Regierens über das' Reich heraufbeschworen hätte, deren Folgen nicht abzusehen gc wesen wären. Aus diesen Gründen schlagen wir Ihnen jene Rcso lutionen vor. Wir schlagen vor, sowohl die Jahreszahl 1903, sowie die Präsenzstärke von 495 500 aufrecht zu erhalten. In§ 3 haben wir den geäußerten Bedenken Rechnung getragen und schlagen nur eine formelle Aenderung vor, um den Wünschen des Herrn Kriegsministers zu begegnen. Die Annahme unserer ersten Reso- luliou würde einen allen Wunsch der Budgctkommission erfüllen durch Einschränkung der Konkurrenz zivischen Mililärarbeiter» und bürgerlichen Arbeitern. Den Inhalt unserer zlveiien Resolution habe ich sschon in der zweiten Lesung als möglich angedeutet. Die Resolution geht von dem Wunsche aus, die zweijährige Dienstzeit aufrecht zu erhalten und zu einer dauernden Einrichtung uifferer Landesregierung zu machen. Wir erkennen an, daß zur Erreichung Vieles Zwecks hohe Opfer zu bringen sind. Aber wir behalten uns vor. diese erst dann zu bringen, wenn der Nachweis ihrer Nothwendigkeit erbracht ist. Wir schlagen den Regierungen vor. erst einmal den redlichen Versuch mit der Erhöhung der Friedenspräsenzstärke zu machen, die der Reichstag für ausreichend erachtet. Wir sind um so mehr be- rechtigt, eine solche Probe zu verlangen, als die ganze Vorlage ja sich auf dem Boden der st u f e n iv'e i s e n Einführung der Neu Organisation bewegt. Dadurch allein ist schon unsere Stellung, die wir von Aufaug an eingenommen haben tHciterkeit'Iinks) und die in dieser Resolution zum Ausdruck kommt, ausreichend begründet. Im Jahre 1893 hat die Regierung ganz von selbst schließlich die- jenigen Abstriche gemacht, die das Zentrum vorher vorgeschlagen hatte. Wenn es damals ging, so können wir doch jetzt sagen: warum so stürmisch?(Heiterkeit.) Man hätte freilich in diesem Gesetze den Ausiveg suchen können, der 1893 gefunden wurde: daß der oberste Kriegsherr berechtigt sein sollte, im Augenblicke der Gefahr jede Lücke des Gesetzes selbst auszufüllen. Aber dieser Ausweg hat auch seine großen Schattenseiten; und ich glaube, es ist weit besser, man läßt lieber die verfassungsmäßige, gesetzliche Regelung offen. So hoffe ich denn, daß die Regierungen den ihnen dargebotenen Weg der Verständigung beschreiten werde». Es ist uns nicht leicht geworden, Ihnen diese» Vorschlag zu machen(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten). Wir wisse» ganz genau, was dir Herren auf dieser Seite des Hauses daraus mache» werden, (Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) obgleich wir auch ganz genau wissen, daß es auch Ihnen recht angenehm ist. (Heiterkeit und viele Zurufe links.) Die ganze Behandlung der Frage seitens der verbündeten Regierungen war bis jetzt freilich nicht sehr einladend für uns, mit einem solchen Vorschlage zu kommen.(Große Heiterkeit.) Ich kann den verbündeten Regierungen und der Heeresverwaltung den Vor- wurf nicht ersparen, daß sie dies im Grunde um uns nicht verdient haben.(Schallende Heiterkeit.) Wir haben uns zu unserm Borgehen auch nicht entschlossen ans Furcht vor einem inner» Konflikt/ Wir als Partei würden einen solchen inner» Konflikt mit der größten Gelassenheit auf uns nehmen; (Heiterkeit und Zurufe.) aber weit über das Parteiintcrcsse geht uns die Liebe zum Vaterlande(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) und der Wunsch, mit den verbündeten Re- gierungen und denjenigen Parteien, mit denen wir schon so manches vaterländische Werk zu Stande gehracht haben(Heiterkeit), auch diesmal im nationalen Sinne zusammenzugehen. Ich empfehle Ihnen also die Annahme unserer Vorschläge.(Lebhaftes Bravo! rechts, in der Mitte und bei den Nationalliberalen. Zischen bei den Sozialdemokraten.) Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Der Herr Kricgsminister hat hier nochmals den militärisch- technischen Nachweis geführt, daß die Militärvorlage nur dann die im Interesse der Landcsvertheidigung nothwendige Neuorganisation sichert, wenn diese i» ihren» volle» Umfange zur Durchführung gelangt. In Hinblick aber auf die militärische Wichtigkeit, welche die von Ihrer Kommission bewilligten Formationen besitzen und in der Erlvägung, daß deren Durchfuhrung eine Verzögerung nicht erleiden darf, haben sich die Regierungen cntschloffcn, der Vorlage auch in der veränderten Forui. wie sie aus dem heute eingebrachten Antrage sich crgicbt, zuzustimmen.(Bravo I rechts und in der Mitte.) Diese Erklärung geben sie unter dem Vorbehalt ab, daß ie entschlossen sind» vor' Beendigung der Neuforinationcn an dieses hohe Haus mit erneuten Anträgen hcrauzntrcten.(Hört! hört!) Die Resolution, welche die gleiche Eventualität zuläßt, wird hosfent- lich die Annahme des Reichstages süiden. Nach den Ausführungen des Herrn Abg. Lieber glauben die Regierungen, daß ihre Forde- rungen, wenn auch nicht zur Zeit, so doch rechtzeitig zur Beendigung der gesammten Neu-Organisation die Billigung des hohen Hauses inden werden.(Bravo rechts I Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Lcvctzow(k.): Nachdem sich die Regierung mit der verringerten Präsenzstärke vorläufig einverstanden erklärt hat, sind auch wir bereit, für die Wiederher st ellung der Kommissionsbeschlüsse zu stimmen, die wir in zweiter Lesung abgelehnt haben. Wir werden dazu bestimmt durch die Erwägung, daß damit die volle Forderung nicht beseitigt ist(Lachen links), und daß, wenn die Regierung später mit der neuen Forderung kommt, diese in loyaler Auslegung der Resolution IV geprüft und angenommen wird.(Beifall rechts.) Abg. d. Kardorff(Rp.): Ich sagte am Dienstag ausdrücklich, daß wir uns unsere Stellung für die dritte Lesung vorbehalte» und sie nach der Er- klärnng der Regierung einrichten werden. Nachdem diese Erklärung erfolgt ist, werden tvir für die Wiederher st ellung der Kommissionsbeschlüsse stimmen, und das um so eher, als die Resolution 4 vorliegt. Wenn die zweijährige Dienstzeit aufrecht erhalten werden soll, wird die Regierung mit einer erneuten Vorlage vor den Reichstag treten müssen. Ich setze bestimmt voraus, daß die KricgSverwaltung hierzu gezwungen sein wird.(Heiterkeit links.) Die Annahme der Vorlage ist die Beseitigung eines Konflikts, und ich hoffe, daß sie dem Vaterland zum Segen gereichen wird. Abg. Baffcrmann(natl.):, Wir werden die Regierungsvorlage hoffentlich zu einem glück* lichen Ende führen. Ich begrüße die Thatsache, daß Rc- gierung und Parlament in der wichtigen Frage des Aus- bauS'der Armee und der Landesvertheidigung einig geworden' sind, mit Genugthuung. Einen Konflikt hätte ich im höchsten Maße- bedauert, einmal im Hinblick auf das Ausland, und zweitens, weil ein solcher Konflikt für unsere Verhältnisse im Innern bedenklich gc- wesen wäre. Denn im Augenblick, wo die bürgerlichen Parteien m Uneinigkeit mit einander gerathen, genießt die Sozialdemokratie in erster Linie die Frucht dieses Streits.(Lachen bei den Sozial- demokraten. Sehr richtig I im Zentrum). Dann aber sind in Deutsch- land Elemente in Thätigkeit, die einen solchen Konflikt nicht ungern sehen und in ihm eine Förderung ihrer Be- strebungen auf Abänderung der Verfassung erblicken, die, wenn sie ausgeführt werden sollten, nur zu schweren inneren Wirren führen würde. Unsere Aufgabe kann es nicht sein, diese Bestrebungen durch Konflikte in Mi'litärsragen zu fördern. In den Kommissiönsbeschlüssen liegen große Bewilligungen für die Ver- mchrung der Artillerie bor. Diese Bewilligungen, die in der Koni- Mission mit großer Mehrheit beschlossen worden sind, dürfen wir nicht durch einen Wahlkampf aufs Spiel setzen. Wir hätten gc- wünscht, daß die 7003 Mann bewilligt worden wären. Wenn wie nunmehr aber auf die Brücke treten, die uns im Antrag Lieber vorliegt, so geschieht das im Hinblick auf die Erklärungen des Reichskanzlers,' die eine Uebernahme der Verantwortlichkeit auf die Regierung darstellen. Selbstverständlich kann der Reichstag sich durch die Verantwortlichkeit der Regierung nicht von der eigenen Prüfung und Entscheidung frei machen. Diese Prüfung des Reichs- tages hatte auch mein Kollege Sattler bei seiner vorgestrigen Rede im Auge.(Heiterkeit und Widerspruch links.) Wir sind überzeugt» daß es schwer, ja unmöglich ist, die zweijährige Dienstzeit wieder abzuschaffen. Zu ihrer Äufrechterhaltung müssen wir zu Opfern bereit sein. Es bleibt abzutvarten, in welchem Ilmfange es möglich sein wird, die Oekonomie-Handwerker abzuschaffen. Die Rücksicht! auf die Sicherstellung der Lieferungen für die Armee muß jedenfalls auch hierbei der entscheidende Gesichtspunkt sein. Wir stimmen heu) den Kommissionsbeschlüssen zu und ebenso den Resolutionen/ (Beifall bei den Nationalliberalen) Abg. Rickert(frs. Vg.): Wir werden dem Kommissionsbeschluß und der Resolu- tio» 4 beitreten(Beifall rechts), verstehen aber die Resolution 4 nur' nach ihrem Wortlaut. Abg. Richter(frs. Vp.): Ich bin durchaus nicht geneigt, die Aufrechterhaltung der Streichung der 7006 Mann zu unterschätzen. Gerade die begleiten-� den politischen Umstände der letzten Tage gaben diesem Abstrich erst seine Bedeutung. Der Kriegsministcr hat als Soldat den Posten bis zum letzten Augenblick vertheidigt. Wenn er aber meint, daß dis Vorlage der Niederschlag langjähriger Erfahrungen ist, so frage ich t ja, gilt denn das nicht für jede militärische Vorlage? Soll nicht zcde Vorlage erfüllt sein von der Absicht, den Erfordernissen der Zukunft Rechnung zu tragen? Wenn er aus die mühselige Arbeit der Berechnungen und auf die langen Zahlenreihen hingewiesen hat, ja,-> ist denn eine solche mühselige Berechnung nicht bei jeder Vor- läge nothwendig? Es ist ja verständlich, wenn ein Ressortchef auf einer Vorlage besteht, die ihn so viel Mühe gekostet hat. Der Herr Kricgsminister hat auf die langen Vorverhandlungen mit poltischeit und finanziellen Faktoren hingewiesen, die der Vorlage voran- gegangen sind. Ja, soll denn der Reichstag als politischer unkt finanzieller Faktor nicht auch konkurriren mit anderen politischen Faktoren?(Sehr richtig I links.) Bei der zweiten Berathung hier im Plenum ist die Lehre vom beschränkten Unterthanenverstand in hlilitsridus verkündet worden. Es ist gesagt worden, wenn der Reichstag nicht Alles bewilligt, lvird er aufgelöst werden. Wenn diese Ansicht durch die Nachgiebigkeit des Reichstages bestärkt worden wäre, so wäre dies die Proklamation des militärische» Absolutismus(Sehr richtig I links), die Degradation des Reichstages gewesen.(Bravo! links.) Daß solche Ansichten überhaupt hervor- treten konnten, erkläre ich mir aus der Nachgiebigkeit des Reichs- tages in der Flottenfrage. Da ist man an bestimmter Stelle zn der Vorstellung gekommen, daß man nur energisch zu fordern braucht zu Wasser und zu Lande, um Alles belvilligt zn erhalten.(Bravo! links.) Wenn der Reichstag nachgiebig gewesen wäre, so würde das Beispiel der Militärverwaltung Nachahmung in anderen Ressorts gefunden haben. Durch Nachgiebigkeit wird Konflikten nicht ausgewichen, sondern ihnen erst Boden gcschaffeu.(Bravo! links.) Das Zurückweichen des Reichstages in militärischen Fragen ist wahrlich nicht geeignet, die Achtung und das Ansehen zu erhöhen, das eine parlamentarische Vertretung, die auf dem Boden des gleichen und allgemeinen Wahlrechts steht, dringend bedarf. Herr Basscrmann hat die Resolution 4 als eine Brücke bezeichnet. So wenig ich gc- neigt bin, diese Resolution 4 zu unterschätzen, muß ich doch sagen, sie ist g e s ch l a g e n z u m A b m a r s ch aus einer u n h a'l t- baren Position.(Heiterkeit links.) Auch dem Gegner, der sich tapfer geschlagen hat, macht man solche Honneurs beim Ab- marsch.(Lebhafte Heiterkeit links. Unruhe rechts.)Ein konservatives Blatt hat auf die 68 Stimmen Mehrheit gegen die Regierungs- vorläge hingewiesen und gesagt, V/t Millionen Wähler ständen da- hinter. Die Auflösung würde kein anderes Resultat mit einem neuen Reichstag ergeben. Das ist vollkommen richtig! Aber wir dürfen diese Resolution auch nicht überschätzen. Eigentlich sagt sie nur etwas Selbstverständliches.(Sehr gut! links.) Wenn mir jemand mit besseren Beweisen kommt, dann bin ich von Gottes- und Rechtswegen verpflichtet, in erneute Erwägung zu treten. Das muß ich bei jedem Gesetze thun und nicht blas bei einer Militärvorlage.(Heiterkeit links). Die Resolution soll loyal aus- geführt werden! Gewiß! Man verspricht erneute Erwägungen. Aber wenn diese erneuten Erwägungen zu einer Ab- lehnung führen sollten, so wäre das auch loyal gehandelt. (Sehr richtig! links). Selbst tvenn die jetzt schon angekündigte, nachträgliche Forderung abgelehnt werden sollte, muß die zweijährige Dienstzeit jedenfalls für das ganze Quinquennat aufrechterhalten bleiben. Das Quinquennat hat auch für die Regierung seine Schatten- 'eitcn; es zerstreut nicht, sondern es sammelt alle Konflikte auf dem Gebiete der Militärverwaltung gleichsam an. Das beste wäre, die jährliche Feststellung der Präsenzliste und die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit, wie wir sie verlangen. Es muß immer Ivieder darauf hingewiesen werden, daß eine solch wichtige Sache wie die zweijährige Dienstzeit nicht provisorisch geregelt werden kann. Ich muß weiter meiner Freude darüber Ausdruck geben, daß der Gedanke, den ich seit 30 Jahren vertreten habe, die Bckleidungsämter mit Zivilarbcitcrn zn besetzen, jetzt endlich Anklang gefunden hat. Mich schrecken auch nicht die Zahlen des Herrn Kriegsministcrs. Es ist ganz bezeichnend, daß hier, wo die Regierung ein Entgegenkommen zeigen soll, der Herr Kriegsminister uns graulich macht. Uebngens bin ich derAnsicht, daß jedenfalls berufsmäßig gelernte Arbeiter weit geschickter und produktiver arbeiten werden, als die militärischen, welche Frohnarbeit leisten.(Sehr richtig! links.) Daher ist es noch gar nicht ausgemacht, daß diese Aende- rnng erhebliche Mehrausgaben herbeiführen wird.— Die Frage der Einschränkung der Abkommandirungen ist nicht neu, sie hat uns schon 1893 eingehend beschäftigt. Nachdem aber die genügenden Mann- 'chaften bewilligt waren, war das Interesse an' der Einschränkung der Abkommandirungen nicht mehr vorhanden. Wir sind der Meinung, daß erst, wenn diese Abkommandirungen so eingeschränkt sind, wie es überhaupt möglich ist, eS sich übersehen läßt, ob eine Verstärkung der vorhandenen Bataillone, auch nur bis zu der jetzt bewilligten Grenze hinaus nothwendig sei. Dem eisieu Theil der hierauf bezüglichen Resolution werden wir also zustimmen, den zweiten Theil der Resolution, der die Kapitulanten betrifft, über- lassen wir der Initiative der Regierung. Die Aenderungen der Kavallenefordenmg>'m Antrag Lieber scheint mir nur von formaler Bedeutung. Jedenfalls wird damit die Beibehaltung der Jäger zu Pferde gesichert, ihre Eskadrons können nicht in andere Kavallerie- Eskodrons umgewandelt werden. Es ist dies von Bedeutung, weil in den höheren Regionen offenbar verschiedene Strömungen hinsichtlich derÄavallerie zu herrschen scheinen. ZumSchluff noch einige Bemerkungen allgemein politischer Natur. Die Vorgänge zwischen' Mittwoch vor acht Tagen und heute sind ja nunmehr abgeschlossen, so daß man sie objektiv, rein historisch betrachten kann.»Sehr gut! links.) Darüber hilft kein Drehen und Deuteln: am Mittwoch vor acht Tagen ivar man allseitig, bei allen Parteien und auch in der Nc- gierung im guten Glauben, daß mit den gefaßten Beschltifsen die Verhandlungen über die Militärvorlage abgeschlossen seien. Den Herrn Kriegsminister habe ich am Dienstag durchaus nicht personlich angreifen wollen, er hat sich stets sehr loyal uns gegenüber bewiesen. Meine Bemerkungen richteten sich vielmehr gegen die verantwortlichen Herren im' Zivil. Bei einer solcheu, auch politischen Vorlage sind auch diese Herren verantwortlich. Sic mußten Fühlung nehmen mit dem Herrn Kriegsminister, mit den Lingchten des Monarchen, und wenn sie das nicht thatcn, haben sie sich einer Versänmmß schuldig gemacht.(Sehr richtig! links.) Wenn Q,faSr'e Fühlung hatten, woher kam dann anl Donnerstag die plötzliche Veränderung? Jetzt wurden plötzlich Sitzungen der c*iniI f �gehalten, von denen vorher nicht die Rede gewesen war. Ich habe den Eindruck, daß in den oberen Regionen nicht Alles so Seordnet ist, wie es geordnet sei» mnsi, daß die einheitliche nhrnng fehlt, auch da, wo sie durchaus nothwendig ist.(Sehr richtig! links.) Gewiß werden immer scharfe Gegensätze auch dort oben beilchen, aber es muß dafür gesorgt werden, daß diese Gegensätze i? Plötzlichkeiten nicht noch verschärft werden.'(Sehr glitt links.) Wg. Bebel(Soz.): Während am Dienstag noch über das Schicksal der Vorlage bei der großen Mehrheit des Hauses Unklarheit herrschte und drohende Wo.len den politischen Horizont verdunkelten, begegnet man heute freundlichen, vergnügten Geftchcrn, und es hätte gar nicht erst der Erklärung des Herrn Reichskanzlers bedurft, um sich darüber klar zu sem: das Gewitter ist vorüber. Warum? weil mittlerweile Vereinbarungen mit den Majoritätsparteien getroffen waren, öse uns jetzt vorliegen. Daß das Zentrum seine jetzige �fellung m militärischen Fragen einnimnit, ist ja ganz er- itärlich. nachdem es bei der Flottenfrage mit vollen Segeln im Fahrwasser der Regierung kreuzte. Daß die Regierung nach ctn« Verständigung suchte, beweist uns. daß sie die Auflösung fürchtete. Ter Sozialdemokratie wäre eine Auflösung, wenn nicht willkommen, so doch glcichgiltig gewesen. Daß die Auflösung nicht erfolgt ist, daß die die Ueberzeugung haben, daß die 2 125 000 Wähler, die hinter der Sozialdemokratie bei den letzte» Wahlen gestanden haben, auch heute wieder hinter uns stehen würden. Man ist es im Volke„lüde, daß solch enorme Ausgaben für das Heer immer bewilligt werden Das Volk hat in erster Linie die Soldaten zu stellen und das Geld durch Steuern aufzubringen. Es muß daher das Recht haben, nicht nur vi solchen Fragen mitzusprechen, sondern ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Der Herr Kriegsminister hat durch allerlei technische Anseinandersetzungeii die Nothivendigkeit der Vorlage zu beweisen gesucht. Aber die großen technischen Revolutionen der »-tzt-n Jahrzehnte haben auch innerhalb der Militärverwaltung, der Militärorganisation der verschiedenen Länder Platz gegriffen. Die Ansichten der maßgebenden Persönlichkeiten über das, waS nochwendig ist. gehen bekanntlich weit auseinander. Die Resolution des Herrn Lieber bindet aber dem Zentrum die Hände: denn die stcllt�nach der Auffassung meiner politischen Freunde eine ganz be stimmte Verpflichtung, die die Hebreit der Regierung gegen über etugcgaugrn sind.(Zurufe aus der Mitte.) Es 'st. auch ganz sicher, daß die Regierung spätestens nach zwei Jahren auf ihrem Scheine bestehen wird. Und ich bin sicher, daß sich dann dieser Weltlage müßten doch die Regierungen der einzelnen Staaten von den Parlamenten gezwungen werden, den Weg friedlicher Vcr ständlgung zu gehen und eine Versöhnung zwischen den Staaten herbeizuführen.' Heute giebt es in Europa nur eine einzige Klasse. die die Völkerverbrüderungsidee, die Friedensidee vertritt. Es ist die Sozialdemokratie.(Sehr richtig, links! Lachen rechts.) An dem Tage, wo die bürgerlichen Klassen der Sozialdemokratie auf diesem Wege folgen, da ist Europa pazifizirt, der Weltfriede gesichert und wir brauchen uns nicht mit Vorlagen wie der heutigen zu beschäftigen. (Beifall links.) Abg. Preist(Elf.): Wir glauben nicht daran, daß durch den Abstrich die Grenzen des Vaterlandes nicht genügend gesichert sein sollen. Die fortgesetzt steigenden Militärlasten nnissen zum wirthschaftlichcn Ruin des Volkes führen. Kulturaufgaben leiden jetzt schon erheblich. Die be stehenden Militärmassen genügen, um Deutschland dem Auslände gegenüber zu sichern. Wir werden gegen die Regierungsvorlage und gegen die Kommissionsbcschlüsse stimmen. Kriegsminister v. Gostler: Herrn Bebel erwidere ich, wen» sein Allheilmittel, die inter nationale revolutionäre Sozialdemokratie, Oberhand gewinnen sollte, dann der Krieg im Innern entbrennen würde. Auf die Rede des Abgeordneten Richter muß ich etwas näher ein gehen. Ich konnte über den Zcntrumsantrag in der Bndgei kommission keinen Beschluß deZ Bundesraths einholen, da ich ihn erst iir der Kommissionssitzung selbst kennen lernte. Herr Richter hat mein Verhalten heute als sehr geschickt bezeichnet. Ich lege darauf keinen Werth, richte auch nach dem Urthcil des Abg. Richter mein Verhalten nicht ein. Die Abstimmung in der Kommsision er- folgte mit so knapper Mehrheit, daß die Entscheidung des Hauses zweifelhaft war. Der Bundcsrath hatte deswegen recht, wenn er erst die zweite Lesung abwartete. Daß sich für eine so wichtige Frage auch die allerhöchste Stelle sehr interessirt, daß da sehr ein- gehende Bcrathungen gepflogen werden, ist doch selbstverständlich Abg. Liebermann v. Sonnenberg(Antis.): Es ist nicht angenehm, für einen verlorenen Posten zu kämpfen Wenn die Konservativen und Nationalliberalen fester gewesen wären. dann hätte die Regierung auf ihrer Vorlage bestehen können, dann hätte das Zentrum nachgeben müssen.(Oho! beim Zentrum.) Das diesmalige Verhalten des Zentrums hat starke Mißstimmung hervor- gerufen. Die Herren sagen das nur nicht so deutlich heraus. Ich habe kein Wohlwollen beim Zentrum zu verlieren und bin deutlich.(Heiter- keit.) Der Unwille wird sich auch bei passender Gelegenheit einnial gegen das Zentrum entladen. Welche Beivcggninde das Zentrum zu dem Kompromiß geführt haben, weiß ich nicht. Vielleicht wollte es seine Macht nach außen doknmentiren, vielleicht wollte es gewisse zentrifugale Kräfte an das Zentrum fesseln. Wenn es ihm gelungen eine ganze Reche neuer Bedürfnisse herausgestellt haben werden und daß es sich dann nicht mehr um bloö 7v0v Mann handeln wird.(Sehr richtig! links.) . Herr Lieber sprach heute davon, daß der in seiner Resolution eingenommene Standpunkt der unveränderte Standpunkt seiner Partei ist. Das trifft nicht ganz zu(Sehr richtig I links). Dieser Stand- viinkt ist erst_ zur Geltung gekommen, als dem Zentrum am Dienstag die Absicht der Regierung klar wurde, auf ihrer Forderung fest zu b e st e h e n.(Sehr richtig! links.) Nun ist auch die Frage aufgeworfen worden, ob die verlangte Vermehrung nicht im richtigen Verhältniß stehe zu dem Wachsthnm der Bevölkerung. Betrachten wir die Vermehrungen seit 1875, seit jenem Jahre, wo man zum ersten Male nach der Begründung des neuen deutschen Reiches mit einer Heeresverstärkung uns kam, bis heute, so sehen wir in der Armee ein Mehr von 38.7 pCt., während die Bevölkerung in der gleichen Zeit nur um rund 25 pCt. zugenommen hat; die Kosten für die Armee sind gar um 60 pCt. gestiegen. Dazu kommen noch die steigenden Ausgaben für die Marine, vom Pensionsetat ic. ganz zu schweigen. In, Jahre 1891 sagte Graf Caprivi bei der Bcrathung des österreichischen Handelsvertrages: Es fft nicht unmöglich, daß die Zeit kommen wird, wo die Staaten einsehen werden, daß sie Klügeres zu thun habe», als sich gegen fettig das Blut auszusaugen, weil sie im wirthschaftlichen Kampfe ums Dasein genöthigt sein werden, alle ihre Kräfte einzusetzen. Das sagte Graf Caprivi. Die Männer der heutigen Regierung aber bleiben dabei: Nur mehr Geld und mehr Leute für die Armee. Die allein ist für Deutschland das Roth wendigste. In der Haltung de? Reichstages gegenüber den jetzigen Forde- rungen scheint mir noch eines bcmerkenswerth: Im vorigen Jahre bei der Bewilligung der Marinevorlage hat das Zentrum die Er- tlärung verlangt, daß die Mchrkostc» nicht durch neue Steuern auf die Arbeiterklasse abgewälzt werden. Heute hat man daran überhaupt nicht mehr gedacht. Und es ist doch garnicht aus- geschlossen, daß man an eine Erhöhung der Einnahmen wird gehen müssen; zumal angesichts der Thalsache, daß die Verbrauchssteuer für Zucker nicht wird aufrecht erhalten werden können, gewinnt die Aussicht auf neue Steuern eine große Wahrscheinlichkeit. Auch die Rechte zeigt eine durchaus widerspruchsvolle Haltung. Dieselben Herren, die im preußischen Abgeordnetenhause ihre Opposition gegen die Kanalvorlage damit begründeten, daß dazu eine erhebliche Aufwendung von Arbeiten elfforderlich sein wird, die der Landwirthschaft die Kräfte entziehen, stimmen bereitwillig einer Borloge zu, die die? noch in viel höherem Maße bewirkt. Man hat es eigentlich bei der ganzen Berathung unterlassen, zu erörtern, ob denn in der That die Situation in Europa nicht auch eine andere Haltung des Reichstages recht- fertigen würde. In den MoNven zur Vorlage wird wieder mit Nachdruck auf das Verhältniß Deutschlands Frankreich und Rußland gegenüber hingewiesen. Deutschland müsse jederzeit in der Lage sein, es mit Frankreich allein auftichmen zu können. Nun ist, WaS die französische Armee anlangt, abgesehen von der Einsicht, die uns die Drcyfus-Affäre verschafft hat. in den letzten Tagen noch ein Moment hinzugetreten, das unserer Beachtung Werth ist. In der französischen Kaninier hat der Kriegsminister de Freycinet om 8. März ganz offen erklärt, daß Frankreich an der Grenze feiner Leistungsfähigkeit angekommen sei.(Hört I hört!) Es ist auch längst bekannt, daß Frankreich seine Friedens- Präsenzstärke nur dadurch aufrecht erhalten kann, daß es schwächliche und untaugliche Mannschaften einstellt. Frank- reich kam, an einen Krieg gar nicht denken. Selbst die elsaß- lothringische Frage ist so gut wie überwunden. Rußland hat die stärkste Bevölkerungszunahme unter allen Völkern Europa'S. Wäre Rußlands Armee im Verhältniß so groß wie die deutsche, dann müßte sie 2'/- mal so groß sein. Das ist sie bekanntermaßen ent- sernt nicht. Ueberall in Europa kämpfen die Länder mit finanziellen Schwierigkeiten. Rußland mit eingeschloffen. Oesterreich, Italien, Frankreich kommen für einen Wcttlans mit Teutschland gar nicht in Betracht. bleibt einzig und allein Rußland übrig. Aber auch dort siedelt sich immer mehr deutsche Industrie an, deutsches Kapital sucht sich immer mehr in Rußland zu bethätigen. Angesichts l. l ist, so muß ich sagen, die Herren sind sehr bescheiden, denn sachlich | ist alles bewilligt, was die Regierung braucht.(Heiterkeit.) Ich habe keinen parlamentarischen Ehrgeiz.(Zuruf bei den Sozialdemotraten Na! na!) Fragen Sie bitte einmal den langjährigen Kollegen August Bebel, was er über die parlamentarische Wirksamkeit denkt. Er wird ihnen wahrscheinlich mit dem Vers der alten Berliner Posse nnt- Worten:.Es kann wohl sein, es macht Vergnügen; Doch glücklich, Aujnst, macht es nicht."(Langanhaltende Heiterkeit.) Wenn ich also par- lamentarischen Ehrgeiz hätte, dann würde ich wünschen, in diesem Augenblicke an der Spitze einer mächtigen ausschlaggebenden Partei zu stehen. Dann wäre die NegieningSvorlage auf anderem Wege nicht auf dem der Handelspolitik(Heiterkeit) zu stände gekonmien Dann wären die Kompcnsationsobjekte offen genannt und in die Vorlage aufgenommen worden: ein mittelstandsfteundlicher Kostendccknngsparagraph, volle Fürsorge für die Invaliden. Entschädigung für' Nichtbenutzung des ZivilversorgungsscheineS mit rückwirkender Kraft ec. Die Erfahrungen über die Wirkung der zwei jährigen Dienstzeit find noch nicht abgeschloffen. Die Zeit der Ab rüftnng ist noch lange nicht gekommen. iRufe: Schluß!) Ich schließe. wann ich will. Wir müssen' unser Pulver trocken halten schon im Hinblick auf die Kämpfe in Oesterreich. Die Zeit kann kommen, wo das Wort vom verlassenen deutschen Bruderstamme, das für Schleswig- Holstein geprägt wurde, auch in der neuesten deutschen Geschichte wieder seine Rolle spielt.(Bravo! bei den Antisemiten/ Heute, wo die Gebeine Bismarcks bestattet werden, ist auch ein gut Stück Vertrauen zu der Festigkeit der Regierung bestattet worden. Die alte Zeit ist vorüber, wir müssen uns mit der neuen Zeit ad finden, der Zeit der Nepoten. Als neuen Orden schlage ich für unsere Regierimg ein Pentagramm mit der Inschrift vor: ES wird fortgewurstelt I(Große Heiterkeit.) Abg. Frhr. v. Wangenheim(f.); In allen Armeefragen können wir der Regierung volles Ver- trauen entgegenbringen. Das hat am besten an« Dienstag der einfache Bauer SmalakhS ausgesprochen, dessen Beispiel für die bayerische» Bauern maßgebend sein sollte. Auch meine näheren politischen Freunde sind mit vollem Herzen für die Vorlage. Nach den Erklärungen des Reichskanzlers werden wir ober' für die ftommissionsbeschliisse stimmen. Wir haben das Vertrauen zur Regierung, daß sie die Forderungen stellen wird, die im Interesse der Wehrkraft nothwendig sind. Abg. Frhr. v. Stumm(Rp.): Es giebt heute keine Sieger und keine Besiegten. Die Lieber'sche Resolution darf nicht unterschätzt Iverden. Sie enthält eine bindende Verpflichtung zu den militärischen Beloilligungen, die als nothwendig erkannt werden. Das Zentrum schlägt sich also nicht blos eine Brücke für heute, sondern dieselbe Brücke wird es mit uns und mit der Regierung beschreiten müssen, wenn etwa in zwei Jahren neue Bewilligungen in Frage stehen. Redner polemisirt gegen die Expektorationen Bebel's auf dem Gebiete der hohen Politik. Bei der wachsenden Unnrhe des Hauses bleiben seine Ausführungen auf der Tribüne unverständlich. Abg. Dr. Pichler(Z.): die Resolution Lieber bedeutet, hat Herr von Stumm richtig dargestellt. Freiherr von Wangeicheim hat unrecht, wenn er glaubt, daß die bayerischen Bauern deswegen der Militärvorlage nicht günstig gesonnen seien, weil die bayerische Regierung nicht genug für sie thäte. Die bayerische Regierung und der bayerische Landtag thun ihre volle Schuldigkeit für die bayerischen Bauern. (Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Sattler(natl.): bestreitet, in scineu vorgestrigen Ausführungen das Bewilligungsrecht den Reichstages irgendwie beschnitten zu haben. Er hätte nur gesagt, daß es die Sache der militärischen Sachverständigen sei, zu beurtheilen, ob eine Forderung in ihren technischen Einzelheiten nothwendig sei. Damit schließt die Generaldiskuffion. Die Spezialberathung beginnt mit Arttkcl 1. Zunächst wird§ 1 debattelos gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Freisinnigen und' der süd- deutschen Vollspartei angenommen. Danach ist das geltende Gesetz bis zum 80. September 1899 verlängert.— 8 Ä ist in der zweiten Lesung gefallen. Abg. Dr. Lieber(Z.) beantragt die Wiederherstellung desselben m der'Form der vorgestern abgelehnten Äommissionsbeschlüsse also mit dem Abstrich der 7006 Mann. Abg. Richter(frs. Vp.) kommt auf die letzte Erwiderung de? Kriegsministers zurück und weist darauf hin. daß dieser in der Kommission Berechnungen auf Grund des Antrags Lieber in Aussicht gestellt hätte. Kriegsminister V. Gostler hält seine Schilderung auftecht. Aller- dingS hätte er, nachdem der Antrag des Zentrums eingelaufen sei. Berechnungen anstellen lassen und Zahlen angegeben. Bei noch- maliger Prüfung hätten sich die Zahlen seiner Kommissare aber als unrichtig herausgestellt. Er hätte annähernd nicht die Formationen aufstellen können, die bei der ersten Berechnung als möglich erschienen wären. Dem Abg. Richter scheint der Verlauf der Angelegenheit nicht sehr angenehnr zu sein, ihm hätte eS gewiß am besten gepaßt, wenn ich sofort den Anttag als unannehmbar be- zeichnet hätte. So wird tS oft gemacht, um Militärkonflikte herbei- zuführen, dazu wollte ich nicht die Hand bieten._ Ich J0®.®.tln und ganz meiner Instruktion entsprechend erklärt, daß die Entlcheioung nicht bei mir liegt. Abg. Richter(frs. Vp.Z: Hier widerspricht der Herr Kriege- minister sich selber. Er hat ja zuerst erklärt, er müsse unbedingt an der Regierungsvorlage festhalten und jetzt erklärt er, er hatte oeu Zentrnmsantrag nicht unbedingt abgelehnt. Dieser Verlauf der Sache ist mir ganz angenehm: Der Rückzug der Regierung und lyre Kapitulation vor dem Reichstage. Kriegsminister v. Gostler: Es ist doch ein großer Untersch-ed. wenn ich sage, für meine Person muß ich an der Äegierungsvor.nge festhalten, und wenn ich mich hinstelle und erkläre, der Antrag ist nnannehmbar. Mit der letzteren Form binde� ich das Votum der Regierung, und wenn auf diese Weife ein Konflikt entstanden>vare, so wäre es meine Schuld gewesen. Ich wollte aber eine Poulir nicht, die die Einigung ausgeschlossen hätte.. Abg. Richter(mit Oho der Rechten empfange»): Es wird nach der Geichäftsordmmg noch erlaubt seilt, daß ein Abgeordneter einem Minister etwas erwidert.(Sehr richtig I links.) Ich sehe leinen Unterschied darin, ob man sagt, ich muß an einer Sache unbeorngt sestholien, oder es ist etwas uiianilehinbar. 8 2 wird hierauf in der Fassung des Zentrumsanirages(mit dem Abstrich von 7006 Mann) gegen die Stimmen der Sozial- demokratcii, der freisinnigen und süddeutschen Vollspartei, der Polen, Elsässer und Bayerischen Bauernbiindler angenommen. Die 88 Z und 4 werden sodann debattelos ebenfalls gemäß dem Antrage des Zenwims(also unter Hinzurechnung der 17 Eskadrons Jäger zu Pferde zu der übrigen Kavallerie, jedoch unter Wahrung des Charakters als Jäger zu Pferde) angenominc». Int Artikel 11 wird die ziveijährige Dienstzett für die Dauer des Qilinqnenilats weiter beibehalten. Abg. Richter beantragt, die zweijährige Dienstzeit danernd gesetzlich festzulegen. Ter Antrag Richter wird nach einem kleinen Scharmützel zwiiche» dem Abg. Pachnicke(frs. Vg.) und Abg. Richter(frs. Vp.) gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der freisiiinigen und süddeutickien Volkspartei niid der Polen abgelehnt. Artikel Iis in der Fassiiiig der Kommissionsbeschlüsse unverändert angenominen. Artikel III(Sonderbestimnmng für Bayern und Württemberg) wird debattelos angenommen. Damit ist das Gesetz betreffend die Fried enspräsenzstärle des deutschen Heeres in seinen Einzelheiten gemäß den Beschlüsse» in zweiter Lesung bezw. den Anträgen des Zeiitrunis angenommen. Zunächst wird dall» die Novelle zum Reichs- Militärgesetz debattelos in dritter Lesung unverändert angenommen. Hierauf werden die Resolntioneu zur Abstimmung gebracht, und und zwar folgende: I. Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, eine Nachweisung der von der Militärverwaltung für Zwecke der Zivilvcrivaltiliig abgegebenen Wachtinannschasten dem Reichstage zugehen zu lassen. Ii. Die Liebcrff'chen Resolutionen(siehe oben.) Sämmtliche Resolutionen werden debattelos genehmigt. Es folgt die G e s a m m t a b st i m m u n g, die auf Antrag des Abg. Basj ermann eine namentliche ist. Es werden 354 Stimincn abgegeben. Die Vorlage wird mit ÄSÄ Stimmen gegen 182 Stimmen angenominen. Mit Nein stimmten die Sozia'- demokraten, die süddeutsche und freisinnige Volkspartei, die Polen und Essässer, einzelne süddeutsche Zentrums- Abgeordnete und die bayerischen Bauernbiindler. Dazu kommen die Antisemiten, die das ganze Gesetz ablehnen, weil eS ihnen nicht weit geiuig geht. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Sonn- abend 1 llhr.(Reste des Etats aus zweiter Lesung; öicchnungs- fachen.) Schluß 6tza Uhr._ Lokales« Tie städtischen Kanalisattouöwerle verfügten am Schluß des BettiebsjahreS 1897/93 in Berlin und den einbezogenen Theilcn von Charlottcnburg, Schöneberg und Lichten- berg über 846 807 Meter(rund 113 Meilen) Kanäle bezw. Thon- rohrleitungen. Im Durchschnitt des Jahres 1897/98 waren 25 557 Grundstücke(24 552 in Berlin, 1005 in Nachbarorten) mit zusammen 1 744 143 Bcivohnern angeschlossen. Die im Laus' des Jahres durch die Pumpstationen geförderte Abwässermenge stellte ich auf über 73 Millionen Kubikmeter(über 73 Milliarden Liter). macht durchschnittlich pro Grundstück und Tag 7,850 Kubittneter <7350 Liter), pro Kopf und Tag 0,115 Kud'ilmeter(115 Liter). Der Verbrauch an Wasser aus den städttschen Wasser- werken betrug in demselben Jahre durchschnittlich pro Kopf und Tag rund 78 Liter. Die durch die Pumpstationen nach den Rieselgütern hinausgefördcrte Abwässermenge übertraf also die durch die Wasserwerke in die Stadt hineingeförderte Maffermenge um etwa 37 Liter pro Kopf und Tag. Das' Mehr wird gebildet durch die Niederschläge, durch das aus Brunnen und Flußläufen entnommene Wasser, durch die Küchen- und Klosetabgänge. Die Betriebskosten der Kanalifationswerke betrugen über 1 Million Mark, durchschnittlich pro Grundstück 40,75 M., pro Kopf 59�/to Pf. Die Riesel- guter hatten am Schluß des Betriebsjahres 1897/98 einen Flächen- uihalt von 9683 Hektar. Das Wirthschaftsergebniß stellte sich auf über 2 Millione» Mark. Nach Abzug der fast ebenso hohen Aus- gaben blieben nur 68 774 M. Ueberschuß.(Großbeeren. Jalkenberg, Malchow brachten zwar 129 668 M. Ueberschuß, aber Osdorf, Sputendorf, Blankenfelde erforderten 60 894 M. Zuschuß.) Rechnet man die Einnahmen aus Vermiethungen hinzu und die Ausgaben für allgemeine Venvalttuig ab, so stellte sich der lleber- 'chuß sogar nur auf 55 047 M. Die Aufwendungen der Stadt für die gesammte Kanalisation(Werke und Güter) sind ver- hältnißmäßig gering. Die gesammte Einnahme belief sich unter Einrechnmig der Kanalisationsgebühr(etwa 4�/» Millionen Marl) auf nahezu 7 Millionen, die gelammt« Ausgabe einschl. Verzinsung rund 3 Millionen) und Schuldentilgung(rund 2 Millionen) auf etwa 8V2 Millionen. Es mußte daher aus dem Stadthaushalts- Etat ein Zuschuß von etwa l'/a Millionen, genauer 1 381 871 M.. geleistet werden.(Läßt man die Schuldentilgung, die ja eine reine Finanzmaßregel ist, außer Betracht, so ko>nmt kein Zuschuß, sondern ein Ueberschuß von etwa'/, Million, genauer 565 681 M., heraus.) Daß der Betrieb der Kanalisations- werke und die Bewirthschaftung der Rieselgüter einen Geldgewinn abwerfen. ist nach Lage der Sache nicht zu erwarte». Der ovige Zuschuß ist eine im öffentlichen Interesse gemachte Aufwendung für die Entwässerung des Stadtgebietes und wird reichlich ausgewogen durch den sanitären Gewinn, den die Bevölkerung davon hat. Be- ttüge übrigens die von den Hausbesitzern zu leistende K a n a Ii s a- tions gebühr 2 pCt. des Nutzungswerthes der Grundstücke(bei der Gemeindesteuer- Reform vor 4 Jahren konnten der Haus- bcsitzerfteundlichen Mehrheit der Stadtverordneteu-Venammlung statt 2pCt. leider nur l1/� pCt. abgezwungen werden), so würden dadurch auch die 1 381 871 M., die der Etat leisten mußte, noch voll gedeckt worden sein._ Zur Märzseier. Bürgerliche Blätter wissen zu melden, daß auf dem Friedhofe der Märzgefallenen die Blumenspenden auf An- ordnung der Parkdeputatio» ohne ausdrückliche Genehmigung des Dezernenten. Stadtrath Miclenz, hinfort nicht angetastet werden sollen. Diese Verfügung ist erlaffen worden wegen des AergernisseS, das im vorigen Jahre durch die vorzeitige Wegnahme der Kränze der Berliner Bevölkerung bereitet worden ist. Im Zeichen des ZuchthemSkurfcS hat sich am Mittwoch der Arbeitgebcrbund für das Baugewerbe in einer im Architektenhause abgehaltenen Versammlung konstiwirt. Dem Bunde sind so- fort 31 bereits bestehende Verbände beigetreten. Es handelt sich nach einer Rede des Herrn F e l i s ch. der natürlich auch zum Vor- sitzenden gewählt wurde, um einen„Vertheidigungsverband" gegen die Uebergriffe und ungerechtfertigten Forderungen, welche sich die s oz ia ld em o kra ti's ch en Agitatoren anmatzen". also um eine offenbar politische Vereinigung. Der Verstoß gegen den§ 8 des VereinSgesetzeS, der in der Verbindung der 31 Vereine liegt, mag unfcntommcn sein, weil man glanl't, daß dieser Gesetzes- Paragraph dem Unternehmen des Bundes nicht im Wege steht. Nach dem zwischen der Stadtgemeinde und der Firma Siemens u. Halste, Aktien- Gesellschaft. nber die elektrische Hochbahn geschlossenen Vertrage, dessen Rechte auf die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen übergegangen sind, muh die Hochbahn von der Warschauer Brücke nach dem Zoologischen Garten vor Ablauf von vier Jahren nach dem Tage der staatlichen Genehmigung fertiggestellt werden. Tic vielfachen nachträglichen Anforderungen der Behörden, der in Betracht kommenden Stadtgemeindcn und der Interessenten bei der Feststellung der Bauentwürfe sowie die wegen Umwandlung der Hochbahn in eine Untergrundbahn gepflogenen Verhandlungen k. haben sich jedoch derart in die Länge gezogen, daß die Gesellschaft die vereinbarte Frist nicht innehalten kann. Letztere hat sich daher mit der Bitte an den Magistrat geivendct, die vertragliche Frist zur Fertigstellung der Bahn um IVs Jahre zu verlängern. Mit der Frage der Verlegung der königlichen Bibliothek hat sich nun auch das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigt. Der nationalliberale Abgeordnete Dr. Friedberg trat bei der Be rathung des Kultusetats dafür ein, daß die Bibliothek an die Peripherie der Stadt verlegt wird, da alle Bauplätze ün Zentrum dafür ungeeignet seien. Damit die Bibliothek aber den Benutzen: derselben leicht zugänglich sei, solle inmirten der Stadt, vielleicht in der jetzigen Universitätsklinik, eine Stelle siir die Abnahme und Aus lieferung der Bücher geschaffen werden. Außerdem aber regte der Redner die Schaffung einer großen Bibliothek seitens der «tadt Berlin an. die allen Einwohnern nutzbar gemacht und etwa in der Gegend des Mollenmarktes errichtet werden nwge.— Der Kultusminister Dr. Bosse machte sich im Allgemeinen die Gründe des Vorredners zu eigen und betonte die Schwierigkeit, die der Verlegung der königlichen Bibliothek in das sogenannte Akademicviertel entgegenständen. Auch er sprach den Wunsch aus, daß die Stadt Berlin eine große Bibliothek gründen möge und stellte die Verlegung der Universitätsbibliothek in das Gebäude der jetzigen königlichen Bibliothek in Aussicht. Falls diese Wünsche in_ Erfüllung gehen, hätte Berlin dann zwei große Bibliotheken im Zentrum, außer der königlichen Bibliothek an der Peripherie der Stadt. Im Gegensatz zu dem Vorredner legte sich der Abg. Dr. B i r ch o w für die Beibehaltung der kömglichen Bibliothek im Zentrum ins Zeug. Zu einem definitiven Resultat führte die D ebatte nicht, es scheint aber, als ob die Bibliothek an die Grenze von Berlin und Charlottcnburg verlegt werden wird. Die Direktion der westlichen Vorortbahn hat jetzt den Ent- Wurf zu der bereits genehmigten Verbindungslinie vom Nollendorf platz durch die Motzslraße, die Kurfürsten-, Dennewitz- und Flotiwell straße, Schönebcrger Ufer, über die Angusta-Brückc durch die Link- straße bis zur Potsdamerstraße führend.' den zuständigen Behörden zur Genehmigung unterbreitet.* Wie die..Große Berliner" reformirt, das zeigt der Tarif. welcher mit Einführung des elektrischen Betriebes auf der Straßen- bahnlinie Has cnhaide— Schönhauser Allee gestern in Kraft trat, indem derselbe statt Ermäßigungen eine direkte Vcrtheuerung der Fahrpreise aufweist. Während die Bemitzung der ganzen Linie Hasen Haide— Rathhaus früher nur 10 Pf. kostete, ist jetzt die 10 Pf. Tljeilstrecke auf den Alexanderplatz verlegt. Die 15 Pf.-Theilstrecke reicht etwa 200 Meter weiter bis zur Rochstraße, d. h. eben so weit. als wie die frühere 10 Pf.-Strecke. Ueber die Rochstraße hinaus bis zum Bahnhof Schönhauser Allee hat der Passagier 20 Pf. zu zahlen. Während der Fahrpreis für die Strecke Hasenhaide— Roch straße, d. h. 4000 Meter, 15 Pf. beträgt, wird für die fast gleich lange Theilstrecke Schönhauser Allee— Alexanderplatz nur 10 Pf. erhoben Die 15 Pf.-Theilstrecke reicht nach dieser Richtung bis zur Jannowitz- brücke. Bei den Passagieren der Linie hat der neue Tarif erklär- liches Acrgerniß hervorgerufen. Die Ferien der höheren Lehranstalten der Provinz Brandenburg sind wie folgt festgesetzt: 1. O st e r f e r i e n 25. März bis 11. April. 2. P f i n g st f e r i e n 13. bis 25. Mai. 3. Sommer- f e r i e n 7. Juli bis 8. August; für die Anstalten in Berlin. Spandau, Potsdam, Charlottenburg, Schöncberg, Steglitz, Groß- Lichterfelde, Wilmersdorf, Zehlendorf bis zum 15. August. 4. H e r b st f e r i e n 80. September bis 17. Oktober; für die Anstalten in Berlin u. s. w. nur bis 10. Oktober. 5. Weih nachtsferien vom 20. Dezember bis zum 4. Januar 1300. An den letzterivähnten Tagen beginnt immer die Schule. Das Bcgräbniß von Dr. Ludwig Bambcrger findet vom Trauerhause, Margarethenstr. 18, am heutigen Freilag, Vormittags 10 Uhr. statt. Mangel an Mittel« scheint den österreichischen Kammerherrn und Reichsraths-Abgeordneten Joseph v. Wicktor, der sich vorgestern Nachmittag in einem hiesigen Hotel erschoß, zum Selbstmord ver- anlaßt zu haben. Der Mann besaß nur noch einige Pfennige. Unterstützungen der Familien Eingezogener. Die Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften des Beurlaubten� standes erhalten,»voran wieder erinnert sei, aus Reichsmittcln eine Unterstützung, und zwar die Frau in Höhe von 30 pCt. des orts üblichen Tagelohnes, das sind in Berlin 81 Pf. täglich, jedes Kind in Höhe von 10 pCt., das sind 27 Pf., zusammen höchstens 00 pCt., gleich 1,62 M. täglich. Die Unterstützungen»verde» im Rathhause gezahlt, und zloar braucht die Beendigung der Hebung nicht ab gewartet zu werden, vielmehr wird es den Ehefrauen in Theib deträgen schon während der Uebungszeit gegen Vorlegung der HeirathSurkunde und der Geburtsurkunden der Kinder ausgezahlt; einer Vorlegung des Militärpasses bedarf es in diesen Fällen nicht. Die Standesbeamten sind verpflichtet, die nothwendigen Urkunden kostcl»frei auSzilstellen. Revolver-Attentat. In der Nacht zum Donnerstag gab der Barbier Hermann Ganzer, Brunnenstr. 64, ans seiner imKeller gelegenen Wohnung auf den Friseur Wilhelm Martinat ans einem Reliolver zivei Schüsse ab, ohne ihn zu treffen. Ganzer lebt von seiner Ehefrau getrennt und ist schon wiederholt anscheinend im Austrage der Frau von ihrem Gehilfen Martinat belästigt und bedroht »vorden. In der Nacht»var Martinat in den Kellerschacht des Vorder- Hauses gestiegen, hatte die Fensterscheibe der Ganzer'schen Wohnung zerschlagen und den Ganzer»viederum bedroht, darauf gab Ganzer, ihn ihn zu erschrecken, die beiden Schüsse ab. In eii«em Vorortzug hat sich Mittwoch Nachmittag auf der Strecke zwischen den Bahnhöfen Savignyplay und Charlottenburg der 25 Jahre alte Rechtskandidat Gustav Weiknsat aus Gumbinnen erschossen, der in Charlottenburg»vohnte. Die Leiche wurde nach dein Schailhause gebracht. Weiknsat hat zum Revolver gegriffen, »veil er die Referendarprüstmg nicht bestanden hatte und glaubte, daß er an der Schivindsucht leide. Die Wittwe Burdack aus der Ritterstraße war gestern früh vernehmungsfähig. Ihr Befinden hat sich etwas gebessert, man hat aber wegen des hohen Alters der Greisin ivenig Hoffnung auf völlige Wiedergenesung,»vie»vir von dritter Seite erfahren. Das städtische Krankenhans am Urban gab gestern früh jkeine Auskunft, angeblich, »veil die Direktion es verboten hatte. Auch dem kleinen Willy Burdack soll es etwas besser gehen. Der Einbrecher selbst ist noch»ncht er- griffen. Man will Mitlog hier und in de» Vororte» gesehen haben. Da er gänzlich ohne Mittel ist und durch sein Wesen leicht auffällt, hofft man, ihn bald dingfest zu machen, wenn er sich nicht mittler- »veile das Leben genommen hat. Zum Ranbmordversuch in der Ritterstraße erfahren wir, daß der Thäter auch bis gestern Nachmittag nicht ergriffen war. Mittag hat den geraubten Regulator bei einem Trödler in der Nannhnstraße für 5 M. verlauft. Er war bei dem Trödler berelts am Dienstag Vormittag um 3 Uhr und kündigte ihm an, daß er ihm einen Regulator bringe. Aus dieser Ankündigung geht auch hervor, daß Mittag schon am Dienstag Vormittag den Raubmord aus- führen»vollte; denn er hatte die Absicht, den Regulator schon um 10 Uhr zu bringen. Was ihn in der Stunde von V— 10 Uhr von der That abgehalten hat, ist nicht bekannt. Was die Verfolgung betrifft, so muß nach verschiedenen Meldungen angenommen werden/ daß der Gesuchte sich noch inuner in Berlin umhertreibt, und gerne Schankwirthschaftcn mit weiblicher Bedienung aufsucht. Zwei Männer in Frauenkleidung sind in einer der letzten Nächte auf dein Kurfürstendamm festgenommen»vorden. Die beiden Personen»Viesen sich ans als der frühere Kellner Röseler und der Kaufmann Mecholdt aus Berlin. Beim Radsahren ist Mittlvoch Nachmittag der Oberleutnai»t a. D. v. Unruh verunglückt. Ueber den Königsplatz fahrend, gcrieth er unter eine Droschke, der er bei ihrer scharfen Gangart nicht mehr ausiveichcn komrte, und erlitt am Kopfe eine so bedeutende Ver- letzung, daß ein Schutzmann ihn in ein Krankenhaus bringen mußte. Nachdem er hier einen Verband erhalten hatte, begab sich der Ver- unglückte in eine Privatklinik. Das Fahrrad»vurde vollständig zer- triimmert. Von einer Anzahl Arbeiter der Firma Karl Beermann erhalten»vir auf die uns gestern von gewerkschaftlicher Seite zu- gegangene Mittheilung eine Eriuiderung, in der es heißt, daß auf sie keinerlei Zivang von oben ausgeübt worden sei; die Firmen- inhaber hätten gar nichts von der Vornahme der Sammlung gewußt, Diese Sammlung sei freilvillig von den Arbeitern veranstaltet»vorden, sodaß auch von einer Erbitterung keine Rede sein könne. Auch sei eS nicht richtig, daß bis 4 oder 5 Mari von Einzelnen gegeben worden sei; der Höchstbetrag stelle sich auf 3 Mark. Da die Meister nicht»viißten, wer sich an der Sammlung betheilige, könne auch nicht davon geredet»verde»», daß Maßregehrngen in Aussicht stünden. Die Sanitätswache Nr. 13 in der Perlcbergerstraße, hat sich aufgelöst und ihr Inventar der neuen Unfallstation XIX,»velche Huttenstr. 11 am 1. April eröffnet lvird, überwiesen. Als gestern Vonnittag der Monteur Adolf Haritvig von einem sogenannten Thurmwagen aus an dem Hause Kreuzberg- straße 20 einen Haltedraht der elektrischen Leitung der Straßenbahn anbringen wollte, wurde er plötzlich von dem elektrischen Strome getroffen. Hartwig trug zwar durch den elektrischen Stroin keinen Schaden davon, stürzte aber herab auf das eiserne Vorgartengitter, deffen Spitzen»hin in den Imken Oberschenkel drangen. Nach An- legung eines Verbandes auf der Unfallstation XVIII erfolgte die Ueberführnng des Schloerverletzten in das Krankenhaus ain Urban. Eine Beschwerde über Nustbclästiguugen haben die Haus- besitzer und Miether aus dem Block zivischen der Straße Ai» der Stadtbahn, dem Alexanderplatz und der Grunerstraße an das Polizei- Präsidium gerichtet. Das Alexaiiderplatz-Bad heizt mit Grude, die unter einem starken Lustznge verbrennt oder vielmehr zu einem sehr großen Theile nicht verbrennt, sondern in der Gestalt eines dichten Rauches zum Schornstein hinausfliegt. Die Hausbewohner klagen daß sie kein Fenster mehr öffnen köimen, und die Wirthe brauchen besondere Arbeiter, um die Rußmasscn von den Dächern wegzuschaffen, auf denen sich die Ablagerungen in kurzer Zeit zu ganzen Fuhren ansammeln. Marktpreise von Berlin. 15. März 1333.(Nach Ermittelungen des Polizeipräsidiums.) Weizen 15,80—14,80 M., Roggen 13,30 bis 13,30 M., Futter-Gerste 18,10—12,80 M.. ermittelt pro Tonne von der Zentralstelle der preuß. LandlvirthschaftSkannner— Notirungs- stelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel- zentner. Hafer, gute Sorte 15,20—14,70 M., Mittel-Sorte 14,60 bis 14,00 M.. geringe Sorte 13,30—13,30 M.. Richtstroh 3,82-8,32 M, Heu 7,10-4,40 M.. Erbsen, gelbe zum Kochen 40,00—25,00 M Speisebohnen, weiße, 50,00—25,00 M., Linsen 70,00—30.00 M. — Kleinhandelspreise. Kartoffel» 6,00— 4.00 M. Alles p. 100 Kilogr, — Rindfleisch von der Keule 1,60—1,20 M. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.20-1,00 M. Schweinefleisch 1,60— 1,20 M. Kalbfleisch 1,60-1,00 M Hammelfleisch 1,60 bis 1,00 M. Biitter 2,60 bis 2.00 M. Alles per 1 Kilogr. Eier 4,00 bis 2,40 M. pr. 60 Stück. Karpfen 2.20 vis 1,20 M.. Aale 3,00 bis 1,00 M.. Zander 2,60 bis 1,00 M. Hechte 1,80 bis 1,00 M., Barsche 1,80 bis 0,80 M., Schleie 2,30 bis 1.20 M., Bleie 1,40 bis 0,80 M. Alles per 1 Kilogr. Krebse 12,00 bis 4,00 M. pr. 60 Stuck. Die Haltung am Spiritusmarkt war Donnerstag ans an- dauernde größere Zufuhr schwach. Angeboten waren 155 000 Liter 70er Spiritus, die 33,30 M.(— 0,10 M.j gehandelt wurden. 50er Waare fehlte wieder.— Kartoffelfabrikate. Berlin, 16, März. Prima Kartoffelmehl per 100 Kilogr. 21,50 M. Prinia trockene Kartoffelstärke per 100 Kilogr. 21,50 M. Feuchte Kartoffelstärle, per 100 Kilogr. 11,70 M.— Berlins Getreide- und Mehlzufuhren zu Wasser vom 15. März Mittags bis 16. März betrugen 150 To. Weizen, 354 To. Roggen, 230 To. Hafer, 325 To. Mais, 3660 Doppelztr. Weizenmehl, 600 Doppelztr. Roggenmehl.— Eier- b e r i ch t von» 16. März. Normale Eier 2,55 bis 2,35 M. per Schock, kleine 2,30—2,35 M. Tendenz still. Fenerbericht. Böswillige Brandstiftung scheint bei einen» Brande vorzuliegen, der Donnerstag früh a,n Stralauerplatz zum Ausbruch kam. Bald nach 6 Uhr drangen Flammen durch das Dach »md die schnell herbeigerufene Feuerwehr konnte noch feststellen, daß an verschiedenen Stellen Petroleum ausgegossen war. Das Feuer konnte mit Leichttgkeit beseitigt iverden. Die benachrichtigte Polizei hat die Untersuchung eingeleitet.— Nachmittags 3 Uhr entstand Haide straße 50 ein Kellerbrand, der ivcgen starker Vcrqualmnng der Wehr viel zu schaffen inachte. Mehrere Kellcrvcrschläge mit Inhalt ivurden vernichtet. Ein Zimmerbrand rief die Fellerlvehr Mittlvoch Abend nach Ä ö p n i ck e r st r. 74, Ivo durch Explosion einer Petroleum lai»»pe ein kleiner Brand entstanden war. der mehrere Möbelstücke zerstörte. Aus demselben Grunde wurde die Wehr nach Schu m a n n st r. 14b gerufen. Kleinere Brände waren dann noch Wrangelstr. 37. Reichenbergerstr. 114 und Lübecker- t r a ß e 7 abzulöschen. Abends 3' Uhr wnrdo von verschiedenen Meldern ein Brand aus der Stallschreiber straße signalisirt, war im 4. Stock des dritten Hofes in einer Gipssigureii-Fabnk Feuer �ausgebrochen, das aber in, Entstehen unterdrückt»verde» konnte. Aus den Nachbirrorten. I« Weißensce findet am 18. März, Abends 8 Uhr in Dewein'S Lokal, König-Chauff'ee 34, eine Volksversammlung statt, in der Dr. Curt Freudenberg über die Bedeutung des Tages einen Vortrag halten wird. Parteigenossen, agititt für zahlreichen und pünktlichen Besuch. Der Vertrauensmann. Der Arbeiter- BildungSverein für Mariendorf und Um- gegend hält am Sonnabend, Abends 3 Uhr, im Lokale des Herrn Gerth in Tempelhof eine Mitgliederversammlung ab. Genosse G a u g e r spricht über die Bedeutung des 18. März. Zahlreichen Bestich erwartet Der Borstand. In Schöneberg spricht Frau Dr. Zepler am Sonntag Nach- »nittag 5 Uhr im„Klubhaus", Hauplsir. 5/6, über die Bethätigung der Frauen an, öffentlichen Leben. Nach dem Vortrage folgt ge- inüthliches Beisammensein. Die Vertrauellsperson. In Johannisthal- Nieder- Schöneweide findet die nächste Versammlung des sozialdemokratischen Vereins am- 18. März bei Bastian statt. Steglitz. In den„Kaiserhallen" wird Sonnabend Abend 8 Uhr eine Volksversammlung abgehalten, in der Stadtverordneter O b st- Schöueberg über die Bede»itung des 18. März sprechen wird. Der Vertrauensmann. Die Frage der Erhöhung deS Schulgeldes an den höheren Schulen Charlottenburgs fand endlich vorgestern Abend in der dorttgen Stadtverordneten-Versammümg ihren Abschluß. In nainentlicher Abstimmung wurde mit 32 gegen 20 Stimmen b e- 'chlossen, die Sätze nach dem Antrage des Ausschusses z u rhöhen. Es sollen demnach erhoben werden: beim Real« zhmnastum und den» Reformgyninasium in den Vorschulklasfen 100 M., in den mittleren»md oberen Klaffen 110 M., bei der Oberrealschule in den Vorschulklasfen 100 M.. in den mittleren Klaffen 80 M., in den oberen Klaffen 110 M., bei der höheren Mädchenschule in den drei untersten Klaffen 80 M., in den übrigen Klassen 110 M. Gleich- zeitig gelaugte eine Resolution zur Annahme, welche die Errichtung von mittleren Schulen in Charlottenbnrg für ein Vedürfniß erllän und den Magistrat ersucht, die erforderlichen Schritte eiuzulo'ten. Auch wird ihn» empfohlen, in Erivägung zn ziehen, ob es sie» enipfiehlt, an den mittleren Klassen der Oberrealschnle von den a»>s- Wärtigen Schülern ein höheres Schulgeld zu erheberr. Ans dem Strafgefängniß zn Plötzensco entwichen ist der Strafgefangene Posmnentier Max Troje, der znr Zeit eine noa, Zl/zjährige Freiheitsstrafe zu verbüßen hatte. Wie derselbe aus der Anstalt hinausgekommen, ist allen Bea»»rten noch ein Räthsel. I» Spandau sieht die Krimiaalpolizei, wie schon angedeutet wurde, die Selbstbezichtigung des Eiwer in der Mordsache Rühle als hinfällig an. Sie verfolgt vielmehr aufs neue eine andere Spur. die einen jetzt aus Spandau verschwundenen Zuhälter als der That dringend verdächtig erscheinen läßt. Bei de» gestrigen Stadtverordneten- Wahlen in Ripdorf siegten in der II. W ä h l e r a b th e i lu n g sammtlrche Kompromiß-Kandidaten. das heißt die Kandidaten der Grund- besitzer- Vereine, mit großen Majoritäten. Im Süd-Bezirk wurden gewählt mit 218 Stinnnen Laborenz. mit 217 Stimmen Vögelke, mit 208 Stimmen Gröpler, mit 201 Stimmen Wilschke. mit 185 Stimmen Stolle, mit 180 Stiminen Krop. mit 180 Stimmen Otto, mit 166 Stimmen Rohe.— Von den Liberalen erhielten an Stimmen Fischer 56. Gosse 50. Glasemann 46, Schrammer 21 und Jakobsen 20.. An s o z i a l d ea», o k r a t» s ch e n S t, m m e n fielen ans Ostev» mann 5, auf Mitschke 4 und je 3 aus Janiszewski, Wurbs, Kraft, P. Schulz, Nierich und Ringe. Jin Rordbezirk tvurden gewählt mit 173 Stimmen Beiß, mit 164 Stimmen Blisse. mit 185 Stimmen Jentsch. mit 220 Stinm»ei» Lehle. mit 163 Stinnnen Röster, mit 183 Stimmen Rahmig, Mit 164 Stimme!» Seltmann, mit 204 Stimmen Zeniikow. Von den Liberalen erhielten an Stimmen Engelhardt 51, I. W. Hoffmann 52, R. Klemle 50, Hänke 53, Bommel 43, Doktor Werner 35.- An sozialdemokratischen Stimmen fielen auf Dr. Silberstein 6. Keller 7, Jäger 3. F. Schulz 3, O. Klein 6. Hupfer 3, Jonas 5 und Hoppe 3. Mit einem Kiichenmeffer erstochen wnrde gestern Nachmittag gegen 6 Uhr im Hause Maybachufer 4 die von ihrem Ehemann ge- schiedene, in Berlin in der Saarbrückersttaße wohnhafte Martha Altermann. Die Thäterii», die unverehelichte 22jährige Lina Gleiwitz, ivnrde verhaftet. Sie will in Nothwehr gehandelt haben. Sie war die Geliebte des Altermann. Berliner Kranken- Unterstütz»,»gs- und Begrabintz-Verein für Kranen und Mädchen, gegr. 1892. Jeden Freitag, Abends 1 Uhr, Zahlabeud bei Mehrwald, Alte Jalobpr. 54/55.- Reue Mitglieder werden daselbst aufgenommen. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perrückenmacher- Gehilfe». Heute Abend 10-/- Uhr bei Pohl, Rosenthalerstr. 11/12, pari; Auherordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Wahl eines Dele- girten zur Braunslbweiger Konserenz. Zlllgeincine Kranken- und Tterbekafse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg, Filiale Berlin 6). Sonnabend, den 18. März, Abends 9 Uhr, bei Diele, Ackerstr. 123: Mitgliederversammlung. VermifMes. Aus Wien wird vom Donnerstag gemeldet: Jtu Neubau des Bahnhofs denn Hauptzollanit der Stadtbahn ivlirden heute früh in einem Magazin vier Arbeiter vergiftet aAkgefimden, von denen drei bereits todt ivaren. Die Ursache der Vergiftung ist bisher nicht bekannt. Opfer der letzten Stürme. Wie aus Lirndrm berichtet wird. gelten acht britische, ein ornerikanisches nird das deutsche Dmnpfschiff „Minister Maybach", welche van Amerika nach europäischen Häsen abgegangen sind, als in den letzten Stürmen mit allen Insassen »mtergegangeii. Mehr als 300 Personen sollen izmgekommen sein. Witteriiiigsilbersicht vom 16. März 1809. Morgens 8 Uhr. Statiolien Swiuemde. Homburg Berlin Wiesbaden München Wien L e S E Ii s- II Weiler as c V K» Tz Stationen ff» '3= 32 8?- 769 NW 772 NNW 770 WNW 77ljGtirl 772 Still 770Still .�Dunst Äbedeckt 2 bedeckt - wölken! - wolkenl - Dlllist Haparand« Petersbiug Cork Äbndeen Paris o a •5 2 K S 757 j; 754 RNO 772 774 771 OSO N Welter Scheiter gedeckt 3-Dmist lyetter 2'wvlkenl »Ä s i" «1 -12 -4 9 7 4 Wetter-Prognose für Freitag, de»» 17. März 1809. Dielfach»ebelig, zeitweise aufklarend, an» Tage etwaS wärmer, schwachen nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. bei Kränze. Trauersachen 2C. empfiehlt geichmackv. u billigst IVllulleitoiv KUliIer, Landöbergcrstrahe 45, am Alexandcrpl.— Lereinen 10 p(/, Uhr. Metropol. Der wilde Meier. Hier- ans: Die Engelsjäger. Ansang 7'/, Uhr. Schiller. Verbotene Früchte. Vor- her: Die Neuvermählten. An- iang 8 Uhr. Westen. Der Barbier von Sevilla. Anfang 7>/z Uhr. Central. Die Puppe. Ans.?>/, Uhr. Thalia. Schiddebold's Engel. An- fang?>/, Uhr. Luisen. Das bemooste Haupt, oder: Der lange Israel. Anfang 8 Uhr. Belle- Zlllianre. Der Goldbauer Anfang 8 Uhr. Ostend. Der Brandstifter. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmstadlischeS. gnhruiaun Henschel. Ansang « Uhr. Rlcxanderplah.Studenten-Trudchen Ansang 8 Uhr. Wiener Volks- Theater. Un- schuldig. Anfang 7 Uhr. Zlpollo. Spezialitäten-Vorstellung. Aiisaiig Vfc Uhr. llrania. Taiibenstrafte 48—4». Naliirkundliche Ausstellung. Tag- lich geöfsnet von 10 Uhr Vor- »uittngs ab. Eintritt bll Pf. Abends 8 Uhr:„Das Land der Fsorde". Openitelephon. Jiil.alide, istraste 57/««. Täglich Abends von S>— 10 Uhr: Sternwarte. Reichshallen. Stettincr Sänger. Anfang 7 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Vor- stcllung. Passage- Panoptitni». Speziali- tälen-VorsleUnng._ Wller-AMer (Wallucr- Theater). Freitag 8 Uhr: VerKoteii« Früchte. Lustspiel in 3 Aufzügen nach dem Spg Nischen des Cervantes von Emil Gött. Vorher: vle Sieuveriniihlteii. Schauspiel in 2 Auszüge» von B. Björuson. Sonnabend 8 Uhr: l>er Dornendes;. Sonntag Nachm. 3 Uhr: Der Tranin ein Lieben, AbcndS 8 Uhr: Der stfillioncnbaner. Voranzeige: Montag Abends 8 Uhr, zum ersten Male: Den Juan •nnd Faust. Tragödie in 4 Akten von Ch. D. Grabbe. CrntvAl TlJrnkev Direltion: lose Ferenczy. Die Duppe(La Ponpee) Operette in 3 Akten und einem Vorspiel von Sturgeß und Ordonneau. Musik von Ed. Audran. Morgen und folgende Tage: Die Puppe(La Rouptc). Sonntag Nachm. zu halben Preisen: Nanon. die Wirthin denen Lamm. vom gol- ßnifen- Theater 34. virichrnbergersiraste 34. AbendS 8 Uhr: Das»moiiAe ülUipt oder: Der tauge Israel. Schauspiel in 4 Alien von Roderich Benedix. Sonnabend Nachmittag 3 Uhr: 4». McbUler» Vorstellung zu besonders ermäßigten Preisen: Wilhelm Tcll. Abends 8 Uhr: Das bemooste Haupt oder: Der lauge Israel. Willi-Carl Weiß-Thcattt. Gr. Frankfnrterstrafte 13!e. Zum 95. Male: Der Brandstifter. Sensationelles Ausstattungsstück mit Gesang in 5 Akten von G. Okonkowsky. Musik von L. Fall. Anfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Giltlgkeit. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert. Sonnabend und folgende Tage: Der Brandstifter. Sonntag Nachmittag: Die Waise aus Lowood. In Borbereitung: Die Bulgaria. Gr. Ausstattungsstück von, CIRCUS ' mJ ii�#üu Freitag, den 17. März 18»»: Hllmoristislhe Vorstelliing. Zum 122. Male: p c k 8 1 c n. Amateur-Konkurrenz-Reiten. Hundert Klowns. Contre- danse zu Pferde. Gigerl-Klown Daniels als amerikanischer Schnellphotograph. Klown Boganowskl. Sonnabend, den 18. März 1899, Abends 7i/z Uhr: Persien. Auf allgemeinen Wunsch Sonntag, den 19. März, Nachmittags 4 Uhr: Ferslen. Urania Tanbcnstrasse 48/40. Im Theater: Das Land der Fjorde. Im Hörsaal: Dr. P. Scbwabn:„Gletscher und Eiszeit".(Erdgeschichte 5.) Invalldcnstr. 57/0%: Tägl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. Passage-Panoplicum. 0 Uhr früh bis 10 Uhr Abends. Die Kreuzfahrer. Großes Ballet von 500 künst- lichen Menschen. Mittw., Sonnabd., Sonntag 4 Uhr: Kinder- Vorstellung Castan's■■ Panopticum. Jtal. Sänger- u. Tänzer-Gesellsch, „Santa Lucia". Die berühmten„lebenden Bilder". Neu! Dreyfus-Esterhazy. Alcazar• Theater Dresdeneratr.sa/SS.CIty.Pastage. Direktion: Richard Winkler. Neu! Täglich mit großem Erfolg! lovias' Brautfahrt! Posse mit Gesang von Oskar Viktor Roeder. Neu! Neu! Neu! Da, joden Abend stürmisch bejubelte Gesangsduett Ada und Ottfried Relay. Neu! Neu! Neu! HahBotntmn& Kabnemann. Urdrolliger Schwank v. E. Braune. Dazu der ausgezeichnete «pe�lnlltllten» Thell mit täglich wechselnd. Programm. Uukllllll' Wochent. 7»/, Uhr. Zlkllllig. Sonntags k'/s Uhr. Entree an Sonn-«„« 9Ä OJf und Wochentagen UIU«U Pj. Vorzugsbillets haben Giltigkeit. Thalia-Theater. Drcsdeiicrftr. 72/73. Gastspiel Lnii! Thomas Zum letzten Male: ZchidHeholiTs Engel. Posse mit Gesang in 4 Akten von W. Mannstädt. Musik von demselben. Kouplets von Alsred Bender. Morgen: Benefiz für E m 1 1 Thomas: Der Registrator nur Reisen. Posse mit Gesang in 7 Bildern von A. L�Arronge und G. v. Moser._ Metropol-Theater. Behren stf. 55/57. Dir. Rieh, Schultz. Der wilde Meter. Berliner Baudeville in 3 Akten von Leon Leipziger. Musik von Franz Wagner. Klara Wenk und Reinhold Wellhof als Gäste. Hieraus: Zum 79. Male: Die Engelsjäger. Ballet in 14 Bildern von H. Regel und I. Bayer. Morgen imd folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Kedrüäer Richter- Theater 37 Liothrlnger-Strasse 37. Novität! Novität! Vertev nnd Solzn. Volksstllck mit Gesang in 4 Akten von Wilhelm Richter. Heinrich Muffig.. W. Richter. Vorher: Wie henkelt Sie harnber? Posse in 1 Akt von Carl Beck. Anfg.: Wochent. 8 Uhr, Sonnt. l'/zUhr. Viener Volks-Theater Oranienstratze 52(Moritzplatz). K Heute 2 Vorstellungen,"ip® ndlich 8'/, Uhr:„Unschuldig- Volksstück in 4 Bildern von Leopold Friede. Weiß. Von 7 Uhr an: Humo- ristiiche und ernste Gesangsvorträge. Nachmittags 3 Uhr:„Unschuldig" zu halben Preisen.___ f�oncerthsins Eelpcigorstr. Wo. 48. Täglich: Hoffmann's Quartettu.Humoristen Theaterskandal dazu: Der Jubilar. In Vorbervltnnzr: Ifaliano Berolira. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger sMepscl, Pietro. Britto«. Sieidl, Krone. Röhl, Schneider und Schräder.) ISßF' Heute: Neues Elite-Programm. Sonnabend; Zum letzten Male: Frauen- Emanzipation Tageskasse von 11—1 Uhr. Apollo-Theater. Das beste Programm der Saison Wallno& Mertens Gurtis& Gordon Soheherazade The 5 Julians 3 Yoscarys Segommcr Freedgy Sidley Barma Sato etc. Vorverkauf täglich Im Theater u. beim „KUnstlerdank", Unter den Linden 69.' Anfane 71/-, I hr. Feen-Palast- Theater Burgstr. 22. Burgstr. 22. 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