1 Freitag, 30. September 1932 12 Jahrgang. ßlnzelprels 70 Heller. (Einschließlich b Heller Portal '— Erscheint mit Ausnahme des Montag tügtlch früh. St.'doMo» n. DeNoalluag: Brog u, NU-Uonka IS* XtltPt).> 20793. 31409. SlochlrevaN. 33830* vofitchtckaml 137544 ücrrlots Rede vor dem Völkerbund Genf, 29. September. Vor dem dicht gefüllten Saal hielt Ministerpräsident Hcrriot heute eine Rede,.«« welcher er einigcinalc die Einwendungen der Pessimisten und Zweifler Widerlegte. Das A b r u st u n g ö p r o b l e m-st r ei f t e Hcrriot mit vorsichtigen Worten, da er— wie er betonte— nicht durch Improvisationen und Aufzählungen der Schwierigkeiten diese Schwierigkeiten noch erhöhen wolle. Er betonte den festen Willen Frankreichs, der Lösung nicht anSzuweichen, und gab mit erhobener Stimme das Credo Frankreichs bekannt: Es sei dies der Pakt, nichts anderes als der Pakt— der ganze Völker bn n d p a k t. Diese Erklärung»vurde mit allgemeinem Beifall quittiert. Hcrriot erwähnte dann die bemerkenswerten Stimmen aus Amerika. Er zitierte das Memorandum Hoovers zu den Arbeiten der Abrüstungskonferenz und erwähnte die Rede S t i m s ons, aus der hervorgehe, daß man heute nicht auf der Neutralität bestehen könne. Er führte den Erfolg der Lausanner Konferenz an. Die Konferenz in S t r e s a ist ein weiteres ancifcrndeS Beispiel. Bei den Schwierigkeiten, die heute in de» Arbeiten des Völkerbundes auftauchen, empfiehlt Her- riot die offene und u«verhüllte Behandlung. Zuni Schlüsse gedachte Minister präsident Herriot der edlen Bemühungen Briands für den Weltfrieden und beendete seine Rede mit einem warmen Appcst an den! Willen zur Mitarbeit. Nach dem französischen Ministerpräsidenten ergriff der englische Delegierte das Wort, Lord Cecil sprach erneut sein Bekenntnis zum Prinzip des Völkerbundes aus. Die Kritiker des Völ- kerbundeS hätten Unrecht, wenn sie sagten, daß der Völkerbund nichts tue. Die Schuld daran liege allerdings an seinen Mitgliedern. Der englische Delegierte kam sodann auf die deutsch- französlschen Beziehungen zu sprechen, die endlich geklärt werden müssen. Mit einer Einigung zwischen Deutschland und Frankreich würden 7d Prozent der Unruhe in der Welt aufhören. Ohne kritisieren oder sich in die Politik dieser beiden Länder einmischen zu wollen, müsse er sagen, daß wenn jedes dieser beiden Länder sich mehr an den Völkcrbnndpakt hielte, ihre Meinungsverschiedenheiten automa- tisch zuende wären. Als dritter Redner sprach der italienische Untcrstaotssckretär Alois«, der erneut den Willen der italienischen Regierung zu einer aktiven Mitarbeit zur Behebung der bestehenden Schwierigkeiten bekundete. Die Sitzung wurde sodann aus morgen Vormittag 10 Uhr 30 Mi», vertagt. voedvek Kanone schießt nach hinten. Bürgerliche mauer wehren sllnd Parteibefehles mit der Androhung von Boykotlniaßnqhmen gegen die„bürgerlich-nationalen Zeitungen" heute ein« cinstiveiligc Verfügung erlassen. Die Firma August Scherl hatte durch den Rechtsanwalt Dr. Donner den Erlaß der einstweiligen Versü- gung mit der Begründung beantragt, daß Aufruf und Partei befehl von Dr. Göbbels Boykottmaßnahmen enthielten, welche einen gröbliche n B er st o ß gegen d i c g u t c n Sitten bedeuteten. Die Maßnahmen verlebten den 8 826 B.-G.-B., ferner auch 8 1 und 16 des Gesches über den Unlauteren Wettbewerb. Das Gericht hat wegen deS Verstoßes gegen dicg Uten Sitten und wegen unlauteren Wettbewerbes folgende einstweilige Verfügung erlassen: In Sachen August Scherl Ä. m. b. H. Ber- king gegen 1. die Firma„Der Angriff" Ä. m. b. H. Berlin, 8. den ZeitungshcrauSgeber Doktor Josef Goebbels in Berlin wird aus-Anlaß des erstmalig in Nr. t98 des„Angriff" yom 24, 9. 1932 veröffentlichten Partcibefehlcs den An tragsgcgnern bei Vermeidung einer fiskalischen Geldstrafe bis zu 300.000 Mark und einer Strafe bis zu 6 Monate Haft für jeden Fall und Tag der Zuwiderhandlung untersagt,, Erklärungen zu veröffentlichen oder zu verbreiten oder veröffentlichen/ oder verbreiten zu lasse»«,"welche einen wirtschaftlichen Boykott gegen die Antrag, steklerin enthalten oder.boykottähnlichen Charakter tragen. Die Kosten des BerfahrcirS werden dett Antraggcgncrn anferlcgt. Preußischer Staatsrat gegen Vor* Verlegung der Kommunolwohien. Berlin, 29. September. Zu seiner heutigen Vollsttzüitg, hat der preußische S t a a t S r a t mit 74 Stimmen aller übrigen Parteien gegen 6 kommunistische beschlossen, E> n s p r u ch gegen das vom preußischen Landtag verabschiedete Gesetz zu erheben, wonach die K o m in»m a l w ahlen in Preußen zusammen mit der ReichstagS- tvahl am ,8..November stattfinden sollte».- Die Gründe der StaatSratsmehrheit kommen in dem Beschstlß der Staalsratsausschüsse zuit« Ausdruck. Mit der Fxgktion'dsr Arbeitsgemeinschaft stimmte auch deren Mitglied Reichsiniienminister Freiherr von Gays-gegen' d»r Vorverlegung der Äoinmu- nalpzahlen.' Der j Staatsrat wird a>»i DiepStag, den 18. Oktööer, wieder einen Sitzulsgsabschnstt beginnen. Ungarn will sich auf Kosten Oesterreichs sanieren. Aufteilung des altösterreichischen Aerargutrs. Wien, 29. Srptcniber. Wie die„Reichspost" erfährt, sind dem Zusammentritt des öfter- r e i ch i s ch-u n g a r i s ch e n Schiedsgcrick- t e s in der Zeit vom 8. dis 10. Oktober lang- »vierige Auseinandersetzungen voransgcgangen, in denen eine Einigung über das SchiedSvrrfahcen erzielt»vurde. Ungarn hat eine Reihe geradem gigantischer Forderungen ausgestellt. So verlangt cs z.B. einen Teil der seinerzeit in« Besitz«lnd in der Verwaltung des k. u. k. Heeres gewcseilen Objekte. Hiezu gehören die Militärr- fchcn Ausrüstungsgcgcnstände und der guotcn- mäßige Anteil aller alten Kaserne«« auf österreichischem Gebiete. Außcrden« stellt Ungarn Ansprüche auf die Hälfte des Hofärars und deS fidcikvmmisiarisch gebundenen B e r- mögens des österreichischen Kaiserhauses. Es handelt sich hier um Vermögensobjekte von unschätzbaren« Wert, so um die repräsentativsten Kunstschähc Oesterreichs, die kaiserlichen Schlösser, die Hofburg usw. Weitere Fordcrungei« der Ungarn gehen nach einem Anteil voll den militärischen Stiftungen, von« österreichischen Botschafterpalais in London und von der Konsularakadcniic in Wien. Die österreichischen Vertreter stehen anf dem Standpunkt, daß das Schiedsgericht über die ungarischen Forderungen bezüglich der Ucbcriassilng der Hälfte deü repräsentativen österreichischen Knnstbcsitzes nicht z«« entscheiden habe, da auf Grund der Friedcnsvcrträge von Trianon lind St. Germain für diese Angelegenheiten der Völkerbund zuständig ist. Gombö Ministerpräsident Budapest, 29. September.(MTJ.) Reichs vcrivescr Horthy hat uin halb 8 Uhr abends Julius von Gömbös«ult der Bildung des Kabinetts betraut. J»«l«us von Gömbös ist seit 1920 Mitglied des ungarischen Parlamentes und»vurde in« Jahre 1923 Führer der ungarischen nationalci« Unabhängigkeitspartei(Rassenschützler). Oesterreich verdoppelt die Umsatzsteuer. Wien, 29. September. In der gestrigen Sitzung der christlichsozialen Abgeordneten und Bundesräte erklärten Bundeskanzler Dr. Dollfuß und Finanznliiiister Dr W e i d e n h o f s e r, »nan»verde de»« Warenurnsatzsteuerzuschlag nicht über 100 Prozent, wie projektiert, war, erhöhen, solider»« cs bei der ei»«fache»i Verdopplung belven- dei« lasse»«. Spaltung oder Zerfall der Nazis? Von Arthur Schweitzer, Berlin. Die Nazis haben einen in der deutschen Parlamcntsgcschichte unerhört schnellen Aufstieg erlebt. Noch nie ist«ne Partei so rasch gewachsen, noch nie hat eine Partei so schnell u»ch gründlich versagt, ist ihr Sieg so ohne jegliche positive Wirkung geblieben. Wir haben cs auch noch nie erlebt, daß eine Partei sich so hundertprozentig in eine Sackgasse »nanövrierte: Anfang August'stand sie noch vor dei« Tore»« der Staatsmacht, heute ist sie in eine hoffnungslose Seitengasse gedrängt. Gestern noch hieß es: Hitler kommt zur Macht, ob mit oder ohne Mehrheit! Heute ist der Weg zur Macht verbaut. Es bleibt nur noch der Staatsstreich! Dazu aber ist die Nazipartei geistig u»«d organisatorisch nicht mehr fähig. Auch habe»« sich die machtpoliti- schen Verhältnisse geändert: Die Neutralität der Staatsmacht ist— im Moment— nicht mehr gegeben. Auch die Siegesgelvißheit der Anhänger der Nazis hat einen»nerklichen Stoß erlitten. Weder durch eine Koalition noch dllrch den Staatsstreich si»«d die Nazis an die Macht gekommen. Nu»i gehen sie ohne Perspektive, mit leeren Händen in de»« Wahlkampf. Ihre gute Angriffsmöglichkeit auf das „System" besteht nicht mehr. Nu»« Schleicher sich»nächtig genug wähnt, um allein, gestützt auf die Reichswehr, zu regieren, bleibt Hitler nur noch eilte Wahlparole übrig:„Kampf gegen Papen", bett er selbst— in den Sattel gehoben hat. Hitler als den betrogenen Steigbügelhalter der Reaktion zu entlarven, wird nicht viel Mühe kosten. Es gibt eine historische Erfahrung, die besagt: Wenn eine Parteileitung völlig versagt hat, dann entsteht in der Regel eine Opposition, die entweder znn« Kurswechsel oder zur Spaltung führt. Entsteht keine Opposition und erhält die Partei keine neue Lebensmöglichkeit durch eine Bcränder»«ng der wirtschaftlichen oder politischen Lage, dann bleibt nur der Zerfall. Gibt cs nun bei den Nazis eine Opposition, die ei»«en Kurswechsel oder die Spaltung herbeiführei« kann'? Wenn nicht: ist ein Zusammenbruch wahrscheinlich. Die Klassengegensätze bei bett Nazis! Wie das Zentrum haben auch die Natio- »«alsoziasisten eine— klassenmäßig gesehen— völlig»»«einheitliche Anhängerschaft. Da ist der Landarbeiter»ind Kleinbauer neben dem Großgrundbesitzer, der SA-Prolet ucbei« den« Fabrikanten. Auch tl«n«»nelit sich hier viele Adlige, ehe»nalige Offiziere, Fürstensöhne und Kleinbürger aller Schattierungen. Die Interessen dieser bunt zusamniengetvürfclten Massen sind sehr verschieden. Jede Gruppe sucht den Parteiapparat an sich zir reißen und die Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen. Der Großgrundbesitz ii« Ostelbicn hat nicht, nur finanziell die Partei von sich abh仫gig gemacht, er hat auch alle»vichtigen Parteiposten init seinen Leuten beseht. In ben anderen Teilen des Reiches geben die Großindustriellen den Ton an, doch lassen sie e«ne Menge Akademiker«ttib Kleinbürger die Parteiänner besetzen, die sie nun wieder von sich abhängig machen. Die Masse der Parteiangehörigen hat nichts zu sagen; sie dürfen nur wählen, spenden, agitieren. Gewiß, das war auch bisher so, und doch haben sic nicht erkannt, wie sie betrogen werden. Bei der heutigen politischen Krise aber, in der sich die Nazis befinden, koinmen auch die Klassengegensätze scharf zum Durchbruch, die in der Zeit des Aufstiegs noch überbrückt»verden konnten. In dem jetzt beginnende»» Abstieg werden die Hoffnungen aller Gruppen, die.den Nazis nächliefen, vernichtet und eine. Epoche innerer Pärteikämpfe eingcleitct. Haben die Nazis ein Ventil, das sie diese Kämpfe ohne Schaden überstehen läßt? Blinder Gehorsam— keine Mitbestimmung; Die Nazis haben eine diktatorisch ausgebaute Organisation. Die Mitglieder unterstehen ihren» Vorgesetzten, sie sind seinen Befehle»» und Verlautbarungen unterworfen. Eine Diskussion, Deichlüsfe. der Mehrheit oder gar Wahl der Vorsitzenden und Parteiangestellter» gibt es nicht. Alle inircrparteil«ck)e Demokratie wird mit Stumpf und Stiel ous- gerottet. Blinder Glauben, uneingeschränkt«!' Disziplin>«nd sofortige Ausführung des Befehls: das sind die drei erwünschten Eigenschaften eines Nazifunktionärs. Jede Opposition ist nach Hitler Irrsinn, Wahnsinn oder Verbrechen! Den Mitglieder»» wird sogar dann das Denken Verbote»», wenn die Führung einen Fehler gemacht hat. Die Unterwerfung des Einzelne»» unter den Beschluß des„Führers" ist unbegrenzt. Kommt es aber wirklich einmal zu einer Opposition, dann wird cs so gemacht, wie es Goebbels bei seinem- Amtsantritt in Berli»» getan hat. Wer nicht pariert, der fliegt: das ist das innerpolitischc Prinzip der Nazis. Und da die Mitgliedschaft»licht nlitbestiinmen kann,- nur gehorchen»uuß, ist das in»»ere Leben ht dieser großen Organisation, die geistige Schulung und Ucberzeugung der Mitglieder außerordentlich kläglich. Da aber die Reibungen ztvischen dei» Führern, zwischen der SA und den»nilitärischei» wie zivilen Führern sehr.groß.sind, auf der anderen Seite-keine Möglichkeit der. Aussprache, der Oppositioi» besteht, machen sich piese Gegensätze in einer anderen Form benierkbar: sie äußern sich in der Intrige, der Revolte, im Terror und gelegentlich auch in der Feine. All diese Dinge sind nicht nur Kinderkrank- heiten einer jungen Partei, sie sind die notwendige Folge des diktatorischen Aufbaus der Organisation. Jeder Führer eine Richtung. Betrachte»»vir zunächst die Kämpfe innerhalb der Führcrschicht. Hier gibt cs zwei Motive, die bisher zur Opposition geführt haben. Einmal der Kampf um prinzipielle oder taktische Fragen, dann der Kanipf um die Besetzung der einzelnen Parieiposten. Die prinzipielle»» Debatten haben bei den Nazi« »ne eine große Rolle gespielt, sic trete»» heute immer mehr in den Hintergrund oder dienen in der Regel nur zur Verkleidung der persönlichen Wünsche. Das entspricht ganz de»»» Charakter dieser Bewegung, die offiziell keine durchgebildete Theorie hat. Auch entsprich» es den» Bedürfnis der Agitation, wo die Nazis es immer vermeide»» sich auf sozialistische oder kapitalistische Grundsätze festzulegen. Gebärdet sich einer etwas radikaler als die anderen— Goebbels— daun sucht er sich nur bem Milieu der Großstadt anzupassei». Wenn man in der Oeffentlichkeit zuweilen darin eine „sozialistische Richtung" sicht, bann bezeugen die Absplitterungen von Otto Strasser und Steunes, daß die Gruppe Goebbels i«ur scheinradikal ist, um cinnial die Masse»« bei der Stange zu halten l«nd gegenüber der Reichs« leitu»«g persönliche Vorteile z»» erhäschen; Aus diesem Grunde wird es auch aus prinzipiellen Gegensätzen nie z»» einer Spaltu»»g bei den Nazis kommen. Gerade die Absplitterung von Otto Strasser beweist das. Hier handelte es sich»»in die bis jetzt einzige Opposition, die prinzipiell keine Aeinter wollte, sondern einen neuen Kurs der Partei im Sinne eines „nationalen Sozialismus" forderte. Was tat Hitler? In der vierstüildigen Unterredung »nit Otto Strasser markierte er abwechselnd den wilde»» Mann und das weinerliche Kind. Als er Strasser nicht überzeugen konnte, bot er ihm das Amt eines Reichspressechefs in München an. Das zeigt, daß Hitler eine prinzipielle Opposition nicht kannte, u»»d gewohnt war, alle Opponenten mit Acnttern zu be° Sette 2. Freitag, 30. September 1982. Nr. 231. »nehmen. Entgegen den deutschen Vorschlägen sei voll« Parität sowohl hinsichtlich der Staaten al- auch der Agravpvoduttr, am f die sich di« Präsc- rcnzcii beziehen sollen,«ingchalten worden. Redner glaubt, daß wir genötigt sein werden, Präse- renzverträge abznschlicßcn; für die Zukunft können wir auch mit der Verwirklichung deS Kvntribu- tionSfandS rechnen, für den sich namentlich Frankreich ausgesprochen hat. Konemt es nicht dazu, so fallen damit 90 Prozent der in Stresa erzielten Vereinbarungen ans. * In der anschließenden Debatte, an der sich die Senatoren Kovalik, Stolberg, Dr. Forel, MikuliSel, Dr. RozkoSn^ und der BvlkSparteilcr Novok beteiligten, kam ziemlich allgemein die Ent- -täuschtmg über die mageren Ergebnisse von Stresa und di« Skepsis gegenüber intcrmationalrn Wirt- schaftSabmachungen überh,ilrpt zum Ausdruck. Rach der Replik Dr. Friedmanns hielt der be- Vollmachtigte Minister Dr. Krosta rin Schlußwort, in dem er n. a. erklärt«, daß ihn di« skeptische Veurtrilnng der Konfcrenzergebnisses durch den Ausschuß nicht überrasche. Am Gegenteil, nwn sei«her überrascht gewesen, daß die Konferenz überhaupt welche Positive Ergebnisse auszuweisen hatte. Konferenzen können heut« nicht sofort alle Wundem heilen, aber ganz ohne Erfolg sind sie doch nicht. Dr. Kraft««klärt« lveiter, daß wir bei feder Gelegrnheit nm di« Herabsetzung unsre« inte.r- natwnalen ZohlungSverpslichtungen bemüht sind und daß wir dkrschr Standpunkt auch bei den kommenden Verhandlungen über die Ostreparo» Kone» und die internationalen Schuld«» über. Haupt vertreten werden. Gandhi darf Keine Interviews deben. Poona, 29. September. Ein« RegievungS- verordnung, die Interviews mit Gandhi untersagt, wurde heilte, also an dein Tage, an welchem Gandhi sich«»schickte, einige indische Führer zu empfangen, veröffentlicht. Skepsis über Strela j im Antzenausfchutz de» Senat», i Prag, 29. September. Im Senat eröffnet« 1 heute der AußenauSschuß die politische Saison\ mit einer Aussprache über die Ergebnisse der Konferenz von Stresa. In Vertretung der Außenministers, der in Genf. weilt, gab zunächst der bevollmächtigte Minister\ Dr. Friedmann eine Uebersicht über die vorauSgegangene Konferenz der Agrarstaaten in Warschau, an der sich auch die Tschechoslowakei beteiligt halt«; der Block der' Agrarstaatrn empfahl für Stresa Präferenz. Verträge für Getreide und di« Zuerkennung eines eigenen RegimS für di« anderen landwirtschaftlichen Produkte, wobei sich jedoch di« Tschechoslowakei ausdrücklich gegen Zollpräferenzen für Bich verwahrte. Nach der währungStechnischcn Seite hin wurde empfohlen, daß di« Gläubigerstaat«» den Schuldnern die Möglichkett bieten, die Schulden durch Sachlieferungen zu tilgen, auf di« die MeistbrgünftigungSklansel kein« Anwendung finden sollte. In Stresa befaßt« man sich sehr eingehend mit dem Problem der Getreidepreise, da der Preissturz in Getreide eine der wichtigsten Ursachen der schweren Lag« der mitt«l- und südosteuropäischen Agrarstaat«n ist. Dr. Friedmann besprach eingehend di« französischen, italienischen und deutscher» Vorschläge, di« zu diesem Punkt gemacht wurden, und die schließlich zu einem gemeinsamen Antrag führten, als Rahmenkonstruktion einen multilateralen Präfer«nzv«rtrag vorzuschlagen, der dann durch bilateral« Verträge, die zwischen den einzelnen Staaten abzufchließeu seien, ergänzt werden soll. A priori wird kein Staat von der Teilnahme an den Präferenzen ausgeschlossen, wi« es der deutsch« Antrag verlangt hatte. T«n Hauptpunkt der Empsehlnngrn bildet die Schaffung eines Kon- I r i b u t i o n s s o u d L von 75 Millionen Schtvrizer Franken, ans dem den Agrarstaatrn für die aus» geführten Getrcideüberschüss« gewisse Zuschläge ausbezahlt werden sollen. Die tschechosiowakische Delegation hat i» Stresa kein« wie immer gearteten Verpflichtungen übernommen, weder bezüglich der Grtreidearten, auf die Präferenzen grwährt werden sollen, noch hinsichtlich der Höhe dies« Präferenz«». Das wird Sach« der zu vereinbarend«» Verträge sein. Ebenso wurde rrAärt, daß sich die Tschechoslowakei nicht zu irgend wrlchrn Beiträgen für den Kontribu» tionSsondö verpflichten könne. Der MrtfchaftS- und Agrarausjchuß in Stresa beschloß eine Reihe von E m p f« h l u» g e n, die ein« rationale Bcrtragspolilik In Mitteleuropa, allmähliche Beseitigung der Einfuhrboschränkungcn und Vereinbarungen über di« Aufwertung der Getreide- preis«, bessere Organisierung des Getreide, und Holzhandels und technische Zusammenarbeit In Ber- kehrSfragen verlangen. Ans Wunsch Italiens wurde ferner die Errichtung eines internationalen Instituts für landwirtschaftlichen i Hypothekar!r«dit und die Fortsetzung der i Verhandlungen über dl« Errichtung einer Bauk für , kurzfristigen LandwirtschastSkrcdit empfohlen. Ter Finanzausschuß befaßte sich mit der Analyse . der Finanz- und Währungssitnation in Mittel- und Jüdostenropa und stellte gewisse Richtlinien für die Abtragung der kurzfristigen Schulden im Wege freier Vereinbarung auf. Ten Notenbanken wird eine streng« Kreditpolitik empfohlen: die Devisenbeschränkungen sollen baldmöglichst ansgehoben wer. den. Ter wichtigst« Punkt d«r Empfehlungen betrifft die Schaffung eines besonderen Norrnali- siernngSsondb, aus dem die einzelnen Notenbanken Im Falle deS Bedarfes wirksam« Hilfe bei einer Währnngsunterstützung erhalten sollen. Alle diese Anregungen werden dem Komitee für europäische Z u s a m m e n a r b r i t vor- gelegt iverden und Iverden wahrscheinlich die Welt- mirtschaftakonferenz beschäftigen, die vielleicht im nächsten Jänner zusammentret«» wird. Für das Landwirtschoftsmimsterium schloß sich Dr. Pazdörka den Ausführungen Dr. Friedmanns an. Er hob hervor, daß Stresa nur ein« Durch. gangSstation zwischen Lausnmre und dem europäische,n Komitee war und daß«4 gut wäre, einen abwartendru Standpunkt einzu- Vom Bürgerkrieg in Brasilien. Rio de Janeiro, 29. September.(Reuter.) Die Regierung teilt mit, daß die Aufständischen von Sao Paolo um Einstellung der Fcindselig- Ecitcn gebeten haben. Wo bleibt der Silber streifen? I» Deutschland steigt di« Arbeitslosigkeit. Angaben der deutschen Regierungsstellen jusolgc betrug in Deutschland die Zahl der bei den ArbeitS- ämtern gemeldeten Arbeitslosen am 15. September 5,281.000. Vom 81. August bis 15. Scp- cember ist dir Arbeitslosen zahl um 38.000 gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen, die Ende Augnst bei Notstandsarbeiten beschäftigt waren, beläuft sich auf 05.000. Dazu konnnen 14-1.000 Arbcitsdienftwillige, die Ende August im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt waren. Die Zahl der Wohl- fahrtScrwerbSloscn betrug Ende August 2,030.000. Die jeden Monat vom Allgemeinen Deutschen Gcwerkschaftsbund hcrauSgegekupien Tabellen zeigen, daß im August 88.1 von 100 GewerkschaftSmitglie- dern arbeitslos waren, gegen 88, im Juli 1982 und 27.8 im August 1981. Für die besonders erfaßten Saisongewerbe(Bauarbeiter, Zimmerer, Maler, Strinarbetter. Grobcheramik) lautet die Ziffer für den Monat August 1932 74.8 gegen 74V im Vormonat und 62.4 im August 1931. Bon 100 Gewerkschaftsmitgliedern(beide Gruppen zusammcngenom- men) standen im August 22.5 in Kurzarbeit, gegen 22.3 im Vormonat und 20.9 Im August 1931. In den Vereinigt«» Staat«» Ansteigen d« Arbeitslosenarme« zu erwarten. Da es in USA. keine geregelte staatliche Er- iverbslosensürsorge gibt, beruhen alle Arbeitslosenziffern auf Schätzungen. Deshalb schwanken die verschiedenen Angaben immer um mehrere Millionen. Sichere Auskunft über die Lage des Arbeitsmarkts im allgemeine» geben die Zahlen des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes(A. F. of L.) über die arbeitslosen Mitglieder seiner ihm angehörenden Organisationen. Aus diesen Angaben ist zu ersehen, daß trotz der üblichen Saisonbelebungen im Hochsomnwr in diesem Jahre die Gesamtentwicklung dauernd ungünstig war. Die Prozentsätze der Arbeitslosen der A. F. of L. lauteten in den letzten vier Monaten wie folgt: Mai 22.8, Juni 28.6, Juli 25.4, August 25.4. An Hand der Statistiken der A. F. of L. rechnet der Vorsitzende Green damit, daß sich die Zahl der Arbeitslosen bis zum Jä»ner 1938 um 2 Millionen erhöhen wird„ES müsien", so sagt er,„Millionen von Arbeitsstelle» geschaffen werden, wenn wir eine Katastrophe von nie dage- wesenem Ausmaß vermeiden wollen!" Wir^Schwanzabharker" werden gefragt, nämlich in der letzten Ausgabe des„Vorwärts", was tvir dazu sägten,„wenn Kreibich, trotzdem eS ihm im sozialistischen Moskau sicherlich sehr gut gefällt, dennoch zurückkäme, um babcj mitzuhelfen, daß dem SozialsasciSmnS der Schwanz, wenn notwendig stückweise, aber wenn möglich, auf einmal abgehackt wird?" So will denn auch Kreidreh, der resche und csche Leutnant, unter die Schwanzabhacker gehen? Will er vielleicht ju dieser Flcischertätigkeit seinen blinkenden OsfizierSsäbel benützen? UnS dünkt, Herr Kreibiq wird aus vcr- chiedenen Gründen keine Lust verspüren, in die Tschechoslowakei zurückzukommen. Sollt« er jedoch wirklich wieder ein Schauspiel zu geben und dadurch das kommunistische Kraut fett zu machen versuchen, so könnt« er damit rechnen, daß wir ihn in heißer Lieb« umarmen— so, daß ihm, „wenn möglich", sofort die Pust« ausgeht. Wir ind in froher Erwartung. Wie entsetzlich sich die Kris« in den Crz- gebirgSbczirken auüwirkt, ersieht^ manaus folgenden Ziffcrn, die den furchtbaren Rückgang der Beschäftigung in den größten Betrieben der Stadt Graslih aufzeigen und die wir dem„Volkswillc" Karlsbad entnehmen: inftrnmentenindustrie 1904 Arbeiter beschäftigt, der derzeitige Stand beträgt 281 und diese arbeite» i» der Woche nur 20 bis 32 Stunden. Dazu kommen die arbeitslosen Eisenwerksarbeiter, die unvermindert große Zahl der Arbeitslosen in der Textil- und Spiclwaren- industrie, im Baugewerbe usw. friedigen. Außerdem hat Hitler noch eine sehr wirksame Waffe in der Hand, um eine entstehende Opposition im Keime zu ersticken. Die Gehälter der Gauleiter und SA-Führer werden von der Reichsleitung bezahlt. Die Parteikasse aber beherrscht Hitler, die er von seiner Kreatur, Stadtrat Schtvarz, verwalten läßt. Wer nicht pariert, bekommt kein Gehalt — und 1000 Mark im Monat sind nicht zu verachten. Solange Hitler der Vertrauens- mann der Geldgeber ist, wird cs eine gegen die Parteileitung gerichtete Opposition, die die Partei spalten könnte, voraussichtlich nicht geben. Erst wenn die Gönner sich einen anderen„Führer" aussuchen, dann kann dies zu einer Spaltung führen. Die„Kampfmittel" der sich bckampfen- den Gruppen sind nicht wählerisch, meistens anrüchig. Die führenden Leute sind alle untereinander verkracht, beschinipfen sich auf die rüdeste Weise, schnüffeln gegenseitig sich in den Dettgeheimnissen hcrunc, verklagen sich vor dem Untcrsnchungs- und Schlichtungsausschuß (Uschla). Deine angebliche Funktion besteht darin, für die persönliche Reinheit der Bewegung zu sorgen. In Wirklichkeit ist hier das Forum, vor dem die herrschenden Gegensätze ausgetragen, wo die Intrigen zum platzen kommen, die Korruptionsfälle bekannt und vertuscht werden. Oft ist der„Uschla" das Kampftnittel der einen Gnippe gegen die an- > dcre, weshalb die Mitglieder des Ausschusses ' oft die bestgehaßten Leute sind. D:r„Uschla" ; reinigt nicht die Bewegung von unsauberen ' Elementen, sondern er häuft hier den persön- ; lichen Schutt berghoch an, ist zum Kampf- , instrument der sich bekämpfenden Gruppen geworden. Die„Opposition" der SA. Die SA besteht zum großen Teil aus Menschen proletarischer Herkunft. Es handelt sich um eine militärische Truppe, die keinerlei Recht zur Mitbestimmung hat. Sie wird in der Regel von ehemaligen Offizieren kom- mandiert, die ihre Leute nach den früheren , kaiserlichen Methoden drillen. Die SA hat zwei Aufgaben: Ten„marxistischen Terror" zu brechen und nach Eroberung der Macht soll sie die Reichswehr des„Dritten Reiches" werden. In dieser Truppe hat es schon sehr oft„Meutereien" gegeben, denn die Berwei- gcruug des Dienstes ist die einzige Oppositionsmethode, die der SA geblieben ist. Ihnen lagen immer zwei Motive zugrunde: Enttveder wurde gemeutert, weil der Sold zu gering war oder man war über die Lauheit, die Bonzenhaftigkeit der Führer, über ihre Beziehllngen mit den Kapitalisten empört; auch verlangte man zuweilen einen radikaleren Kurs, um endlich die Macht in die Hand zu bekommen. Die kleineren Meutereien wurden von der Fiihrung immer brutal unterdrückt, die größeren hat man immer durch eine Erhöhung des Solds wieder beseitigen können. Die Ml kann durch eine allgemeine Meuterei die Parteileitung in eine bestimmte Richtung drängen. Die Führung der Partei aber an sich reißen, oder eine Opposition bilden, die um die Führuvst kämpft, das kann ^sie nicht. Warum? Nicht nur der militärische Ausbau der Organisation, sondern auch die bei den unzufriedenen Elementen übliche Ziellosigkeit verhindern das. Allgemein verbreitet bei der SA ist die Furcht, von den Führern verraten zu werden. Groß ist auch der Wunsch, das Tempo zur Eroberung der Macht zu beschleunigen, damit man endlich die Miliz iin „Dritten Reich" werden kann. Stark sind auch die antikapitalistischen Neigungen, der Haß gegen das Schlemmerleben der Führer. Sozialistische Tendenzen bei der oppositionellen SA sucht man aber vergebens. Auch hier kann man deshalb keine weittragende Spaltungen, sondern nur kleinere Absplitterungen erwarten. Schwieriger ist zu sagen, wie die Wähler auf das Versagen der Nazis reagieren. Rian kann die Naziwähler in drei Gruppen einlei- len. Die„Fanatisierten", die organisatorisch oder ideologisch erfaßten Wähler, werden murren, aber die Nazis wählen. Di«„Mitläufer" und die„Eingeschüchterten" sind weniger sicher. Soweit sie durch den Terror oder durch den Glauben an die Unüberwindlichkeit Hitlers gewonnen wuÄen, ist hier eine Abwanderung wahrscheinlich. Eine geschickte sozialdemokratische Agitation kann hier proletarische und kleinbürgerliche Elemente gewinnen. Gerade der Volksentscheid gegen die Notverord- nung wird das Mittel sein, um den Einbruch in die faseistische Front zu ermöglichen. Wartet man nicht auf eine Spaltung bei den Nazis, sondern holt zum großen agitatorischen Schlag aus, dann wird die beginnende Zersetzung wie die Pest um sich greifen. Philipp Snowden, der englische Sozialpolitiker und Justizminister, hat demissioniert. Die Rot Die Wirtschaftskrise im Bezirke Graslltz Was geht in Prag vor? Ist da» Republikschutzgesetz nur dazu da, gegen di« Deutschen angewendet zu werd««? In Prag- Holleschowitz hat dieser Tage eine nationaldemokratischc Versammlung stattgcfun- dcn, mit der sich zu beschäftigen lohnend ist, weil der Verlauf der Versammlung einen Einblick in die Denkweise gewisser Kreise der tschechischen chauvinistischen Bourgeoisie gibt. Die Versammlung fand am 27. September statt, cs sprachen dort die Rationaldemokratcu Dr. Duück und Flcgl. Insbesondere der zweite Rcducr tvics, wie der„Narod" berichtet, auf die systematische Verdeutschung des siebenten Bezirkes hin u!td beklagte sich darüber, daß die Deutschen in Prag VII in zehn Jahren um 2993 Personen zugenommen haben. In der zur Annahme gelangten Entschließung wird gegen den beabsichtigten Neu- bau der deutschen Hochschule in Prag VIl sowie die erfolgte Verstaatlichung der deutschen Privatschule in demselben Bezirke protestiert. An der Verwaltung der Stadt Prag wird insbesondere Kritik gei'wt, weil sie es duldet, daß überall in Prag, im Baumgarten und auf der Messe sowie auf den Hauptplätze» der Germanlsierung nicht gesteuert wird, das heißt, mau beklagt sich darüber, daß Herr Baxa in Prag noch das Deutsch- sprechcn erlaubt. Für den Geist, der di« tschechische Bourgeoisie beseelt, sind diese Versammlung, die Ausführungen der dort zu Worte gekommenen Redner und der Inhalt der angenonnnenen Entschließungen höchst charakteristisch. Den Herrschaft tcn handelt es sich darum, wieder einmal für ein Pogrom gegen die Deutsche» Stimniung zu machen. Alan hat schon lange(seit den Demon- strativncn gegen die deutschen Tonfilme) keine Straßenkrawalle in Prag erlebt und es ist den Herrschaften wieder darum zu tun, daß inan gegen die Deutschen i» Prag demonstriert. Was sollen denn die Deutschen in Prag tun, sollen sie sich nicht in Holleschowitz ansicdeln dürfe»? Gerade dadurch, daß Prag zur Hauptstadt des selbständigen Staates geworden ist, sind viele Deutsche gezwungen gewesen, nicht ans freiem Willen, sondern aus Berufsgründen ihre» Wohnsitz nach Prag zu verlegen. Will man allo vielleicht den Deutschen nur» verbieten, sich auf der Straße oder in der Elektrischen ihrer Muttersprache zu bedielten? Ist eine solche Forderung würdig der Mtadt eines Landes? Nach Prag komme» i Fremde aus aller Herren Lander und es wird niemaudenc einfallen etwa einem Chinesen zu verbieten, sich mit seinem Landsmann in seiner Muttersprache zu unterhalten. ES wird niemanden cinfallen beim Klang irgend einer remden Sprache sich provoziert zu fühlen, wenn es nicht gerade das Deutsche ist. Die National- demokratcn, die sich als die Partei der Intelligenz bezeichnen, sollten sich im tiefsten Grund ihres Herzens für die Unkultur und Barbarei, die in einer solchen Gesinnung zum Ausdruck kommt, schämen. Im übrigen gibt cs auch bei uns so etwas, wie ein Schutzgesctz. Wir haben dieses Gesetz, als es den gesetzgebenden Körvcrschaftcn borge- legt wurde, mit aller Entschiedenheit bekämpft. Wenn cS aber angewandt wird, dann muß es »'gen alle angetvandt werden, selbst gegen diejenigen, welche eS ntitgcschaffen haben. Die Zahl der Snds August 1932 bei der Arbeltsverinittlungsanstalt gemeldet«» Arbeitslosen betrug 8214; in dieser Ziffer sind jedoch die arbeitslosen Heim- arbcitcr, die nach Tausenden zählen, nicht inbc- griffen, ebenso nicht die vielen Kurzarbeiter. Die Gemeinden hab«» fast keine Möglichkeit, den Arb.itSlosen durch Notstandsarbeiten Bc- schästigung zu bieten. Auch der Bezirk ist gänzlich ausgepumpt, seine Einnahmen sind von rund 85.990 K monatlich auf etwa 25.090 K gesunken. Riesig sind die Anforderungen, die durch die Krise an die Gewerkschaften gestellt werden. Der Internationale Mtetallarbeiterverband allein hat im Jahre 1931 8,500.000 X, vom 1. Jänner bis 31. August 1932 bereits wieder 2,750.000 X an Unterstützungen zur Auszahlung gebracht, so daß der Gesamtbetrag für 1932 etwa 4 Millionen R erreichen wird. Doch reicht all dies nicht hin, die Auswirkungen der Krise wirksam zu mildern. UW: r E wi > Iß, Beschäftigt am 1. 9. Betrieb 1929 1932 Mu Wit tr.-Fabrik A. K. Hüttl.. 300 25 Mn ikin tr.-Fabrik B. Kohlert.. 400 70 Mu ikin tr.-Fabrik W. StowasserS. 120 40 Muiikinstr.-^abrik Bohland u. Fuchs 350 87 Etuifabrik Fr. Eckert 200 32 Samtsabrik ve Ball 600 238 Sticker«! Stark u. Kostler.... 350 137 1929 waren in den Betrieben der Musik- -kr. 23L Freitag, 30. September 1032. Seite 3. Phor. Paramvuirl. Das erste, was sie sieht Kommunfstenhatz fn Bulgarien Nutte hat ein Korallcnkcttchen um den Hals, ihre Strickjacke ist an den Ellbogen sauber gestopft— UM. VOM UM — Weinstube! die Tür auf. Dank— das sie sieht, ist Haarschopf. Da sprach Prag, 20. September. In der heutigen Sitzung des lmidwivtschastlichon Ausschusses wurde die Debatte über die letzten Erklärungen des Ministers Dr. BradaL abgesi'chrt. Unser Sprecher nahm die Gelegenheit wahr, die ebenso haltlosen wie gehässigen Angriffe führender agrarischer Politiker ans den Fürforgcininister Dr. E;«h schärfstens zuriickzuwcisen. Herr Munster BrcrdaL— so führte Genosse Jak sch aus— hat uns ausgefordert, in diesem Ausschuß di« Parieibrille abjulegen ,rnd gemein, sam die Agrarkrise zu bekämpfen. Darauf müs- scn Wir an die Adresse seiner Partei auNvovten, daß der gefordert« Kompromihwille nicht ein« fertig sei» kann. ES ist«ine zwiespältige Haltung, wenn die Vertreter der repuktlikanischen Partei hier für eine Verständigung über landwirtschaft» liche Prägen plädieren, während sie im sozialpolitischen Ausschuß kompromißlose Gegner des Notfonds, der Vierzigstundenwoche und des Wohnungsgesetzes sind. Auch die fortgesetzten persönlichen Angriffe aus Dr. Ezcch fördern keineswegs die Zusammenarbeit. Es werden da zweierlei Maßstäbe angelegt. Herr Minister BradaL hat berichtet, daß er eine Saatgutaktion improvisieren mußte, und daß er oventuelle Mißbräuche energisch bekämpfen wird. Wir billige» ihm den besten Wille» zu. Was aber würden die Herren Republikaner dazu sagen, wenn wir den nationalen Schlüssel bei der Saatgnlaktion verlangen und den verantwortliche» Minister der Parteilichkeit zeihen wurden, weil für die Slowakei mehr gegeben wurde? Man würde uns mit Recht antworten, da Herr BradaL nichts dafür kann, wenn in der Slowakei mehr verhagelt wurde. Wenn aber der FUrsorgeminister einige Kronen für Heimarbeiter zu verteilen hat, dann wird er gerade von dieser Seit« der nationalen und politischen Voreingenommenheit beschttldigt, weil im deutschen Grenzgebiet mehr Heimarbeiter wohnen! Genau so ist es bei den Landeskulturräten. Wir werden ersucht, die Frage nicht zu politisieren, obwohl dies sclpn« reichlich geschah. Wavmn gibt man den landwirtschaftlichen Schichten, die wir vertreten, nicht das Recht zur Kontrolle des agrarischen Subvcntions- wcsens? Warum schreit man nur immerzu nach Kontrolle der paar Bcttclkroiten, di« bei der Er- nährungsakliou ausgegeben werden? Genosse Schweichhart: Herr Dubkcky soll einmal hinausgehen zu unseren Arbeitslosen und soll sich das Elend anschauen! Diese Mellhoden, so schloß Olciwssc Jaksch diesen politischen Teil seiner Ausführungen, müssen auch jede Zusammenarbeit zugunsten der Landwirtsckzast zerstören. *«* In der Ausschußdebatte, die Dienstag, den 4. Oktober, fortgesetzt und abgeschlossen wcrdeil wird, erhöben so ziemlich alle Redner dir For- derung nach Herabsetzung dcs Zins- f u ß« s. Ter Volksparlciler 8 amalik verlangte n. a., daß die Arbeitslosenunterstützung in Mehl verabreicht werde. Er bringt dann anch die Frage der Reorganisierung dar Landcükulturräte zur Sprache. Wi n- dirsch(B. d. L. verlangt, daß der Jnterven- tionsfondS des Gctreidesyndikats erhöht werde. Ebenso wie Gen. Iaksch, dessen sachliche Aus- führungen zu dem vvrgebrachten agrarischen Maximalprvgramm wir noch eingehender nachtragen werden, befaßte sich auch der tschechische Genosse K o u d e l k a mit der Politischen Sei!« des BradaL-Exposccs nnd konstatierte nachdrücklich, daß man die Erfüllung der landwirtschaftlichen Forderungen nicht erwarten könne, solange in der Koalition»och keine Einigung über das G e s a m t p r o g r a m m zustande gekommen sei. Der Sprecher der Agrarier, Marcha, forderte di« Errichtung eines Garanticfonds für das Milchwesen und urgierte die Herausgabe eines Kart c l lgc se tzes, tvährend der tschechische Genosse NeüaS wirksame Maßnahmen für die slowakische Holzindustrie verlangte. Nelken sic Methoden des Derrn Dnbicku der Landwirtschaft? Scharfe Zurückweisung seiner Angriffe auf Dr. Czech. ihr Notizbuch Wiede» in den Koffer, kaut an ihrem Butterbrot und besieht sich die bunte, kleine Nulle.„Js nichts los", senfzt die, und Gilg» weiß nicht recht, ob daS nun allgemein oder nur bezüglich des LokalS gemeint ist.„Wo kommen Sie denn her?" Gilgi antwortet nicht. Da sprach der Marabu, der Weiße Marabu ... sie tippt ihm mit dem Zeigefinger auf die Schulter: ,Lch möcht' dich bis du fertig bist."! schwindlig. Nichtig seekrank wird sie, wenn Olga von Geld sprechen hört. Einnahmen Ausgaben. Mariechcn, Mariechen, hür op mich... Dä Engelbäät is keine Mann für dich... Bums, die Tür saust auf, ein kunterbuntes Wesen fegt rein, fliegt an GilgiS Tisch:„Se je» statten doch, Fröllein?", schreit znm Büfett rüber: „Jib mirn Schnaps nnd fünf Zigaretten!" Das kunterbunte Wesen steht betrübt aus. Gilgi bietet ihm«ine Zigarette an. Sie packt ob sie das selber getan Hal?— sie Hal die breiten,! schmutzigen Fingernägel dick mit Nagellack beschmiert, sie hat kein Gesicht, so wenig wie Frau-! lein Täfchler ein Gesicht hatte. Ma riech«»«, Mariechen, hür op mich... Was gehn mich solche Menschen an, denkt Gilgi. Jeder iS da, wo er hingehort. Menn einer san Dreckpaiups aus seinem Leben macht, ist'S seine eigne Schuld.„Iolt, jetzt hält ich'S als wieder bald versessen", lacht die Nult«,„jerad' wollt ich mein Arm wieder ausstützen, aber denn seht die an den Ellbogen immer jleich kavutt." Sie liegt die Arme vorsichtig auf dcir Tisch wie ein braves Kind in der ReligionSstundc.„Draußen iS kalt", stigt sie. Gilgi nickt.„Willst« en Butterbrot?" fragt sie unsicher und srcundlich und deutet aus daS Päckchen Vor sich. „Iolt, wende jcnug hast." Di« Nutte nimmt sich«ine Stulle, Gilgi legt auch die nächste vor sic hin, die Nutte hat sie mit dem Finger berührt, - dem stehl ne Ka—va—lö—res zu... Die Nutte kaut, sie kann nur links kauen, rechts im Backenzahn hat sic em großes Loch. ...Könnt ich nlir noch nicht machen lassen, hach, mieser Beruf, den man hat." „Warum hasten dir ausgesucht?" fragt Gilgi. „.Hab' ich mir eijentlich janich auSjcsucht." „Dann snch' dir doch jetzt'nen bester»." Gilgi hat das dunkle Empfinden, daß ein Mäd- cl««n, das seine Strickjacke sauber stopft, nicht Straßendirne zu sein hat. Die Nutte zuckt die Achseln:„Iott, man iS nu' mal dabei, lvos soll man machen?" Darauf tveiß Gilgi keine Antwort. Nur nicht die Nase so hock; tragen, nur nicht immer denken, es wäre so ganz und gar eigenes Verdienst, wenn man was Besseres ist. Wcicn di« Krons sie nun nicht adoptiert hätten, wenn sic von der Täschlcr aufgezogen worden wäre, hinten in der Thieboldgasse, wenn sie— man lieber gar nicht dran denken «Fortsetzung folgt.) sprechen, ich warte, ,. PitS Gesicht verrat weder Staunen noch Freude... mein liebes Mädel, mach beim Küsten deine Augen...„kann zwei Uhr werden", brummt er, ohne auch nur sekun- denlang die Finger von den Tosten zu lassen... es sprach der Marabu, der... Gilgi setzt sich an einen Ecktisch. Trübselige Bude! Don der Decke hängen wcißrote Papierfransen herunter, über dein Klavier baumAn ein paar rote Lampions hin und her. Dor der Bar räbelt ein dicker Glatzkopf, in der Ecke, Gilgi gegenüber, sitzen Mei Reisende, einer hat ein Mädchen auf dem Schoß... da sprach der Mora... Die beide«« Reisenden schreien vor Lachen, wahrscheinlich weil das so da. zu gehört, und weil sic morgen sich und«»«deren erzählen wollen, daß sie sich glänzend aniüsiert haben. Unterm Tisch liegen verbeult und mißachtet zwei schwavze Musterkoffcr. Ein Mädchen kommt hinter der Bar vor, fragt Gilgi leidlich wohlwollend, was sie möchte. ,T«ste Kaffee." Gibt's hier nicht. Das Billigste, was sie haben kann, ist Portwein. Also Portwein. Furchtbar, wieviel Geld sie heut« ausge- geben Hot! Sie sängt an, unruhig zu werden, >vas soll sie hier die ganze Zeit machen? Noch drei Stunden! Sie kramt aus ihrem Köff«rck)en ein paar Butterbrote vor und sängt o«r zu csten, weniger aus Hunger als aus Langeweile. Pit spielt daS Lied von der Mösch—... wie kütt die Mösch, di« Mösch, die Mösch... die beiden Reisenden singen mit, auch die Bardame singt. Ein Lampion geht vor Begeisterung auS, durch de«« Raum weht ein Lüftchen LokalpatriotiSmuü. En Mösch höht en dä Bösch— ach, wenn sc doch als Wigger fläch— die Mösch, die Mösch, die Mösch... Gilgi schreibt in ein kleines Notizbuch. Eingaben— Ausgaben. Ordnung muß sein. Besonders in Geldsachen. ,,Süße, klein« Krämerseele!" sagt Olga, wenn Gllgi mitunter eine halbe Stunde überlegt, wofür sie fünfzig Pfennig ausgcgeben hat. Olga hat nie eine Ahnung, wofür ihr Geld draufgegangen ist. Sic hat kein System und kein Einteilungsvermögen. Wenn Gilgi an Olgas Finanzen denkt, wird ihr schlvindlig. Richtig seekrank wird sie, wenn sie in Sie biegt in eine Gasse«in, die hinunter zum Rhein führt. Linigassc. Hier muß es sein, wo Pit spielt. Sie kennt diese Gegend kaum. Dir Gaste verengt sich zum Rhein zu. Wenn mau die Arm« auSbreitete, könnte man inil den Fingerspitze«« beide Häuserseitrn berühren. Irgendwo patrouilliert ein Schupo, aus einem Fenster winkt ein wasterstoffgclber Frau- enkopf, ein paar sunge Burschen schlendern mit sichtlichem Zuhausegefühl auf und ab. Gilgi rennt ratlos bis ans Ende der Gaffe, sie muß daS Lokal übersehe«« habe««— Früh- stückstubc— das kann's nicht sein. Sie kehrt um. Läuft schneller, als ein Fung««hr ein« kräftige Schweinerei zurus«. Da Sie stößt Gott sei erste, was Pits roten IM KW Sofia, 29. September. Die Polizei verhaftet« drei kommunistische Abgeordnete und lieferte sie in das Zentralgefängnis ein. Es wird ihnen Verschwörung zur Last gelegt. Diese Maßnahme hat einen energischen Protest der kontmunistischen Gruppe im Sobranje hervorgernfen. Man meint, daß diese Verhaftungen der Anfang einer Unler- drückungspolitik ist, die die RcchtSelculentc in der Negierungskoalition der Regierung aufdrängen wollen. Der oberste Rat der liberalen Partei fordert, daß die kommunistische Partei, deren offizielle' Bezeichn»«ng seit 1923„Arbeiterpartei" ist, aufgelöst werde und die Mandate, welche die Partei bei den letzten Wahle«« in die Sofioter Stadtvertretung erhielt, zu gleichen Teilen auf die übrige«' Parteien aufgeteilt werden. Die Demokraten, Anhänger Muschanows, mißbilligen jedoch diese Politik, desgleichen auch die Agrarier. Der Zentralausschuß der Agrarpartei beschloß, als einziges Mittel zur Unterdrückung der kommunistischen Bewegung die Politik durchgreifender Reformen anzuempfehlen.. Vier lehre Gelünonls ihr einen früheren kominunisllsihen Abgeordneten. Weil er sein Kind bestialisch inißhandklte. Die Berhastung des frühere«« kominunist!- schen Landtagsabgeordnetcn Richard Schulz auS Dittersbach«vcgcn barbarischer Mißhandlung seines elfjährigen Sohnes Werner hatte vor kurzen« in der Oeffentlickkcit großes Aufsehen erregt. Nun hatte«ich Schulz vor dem Waldeu- burger Sondcrgerich« z«r verantworte««. Die Anklage lautete auf fortgesetzte schwere Körperverletzung. Die Verhandlung ergab eil« erschütterndes Bild des Martyriums eines vor« einem rohen und grausame«« Vater gequälten Kindes. Der Angeklagte hat den Jungen u. a. mit einem dicken Eichenstock und eiiicin Leibriemen«vahlloö über den Körper geschlagen. Nach Aussagen der medizinischen Sachverständigen Ehesarzl Dr. Schwarz u««d Kreis- mcdizinalrat Dr. Hübner hat der Knabe infolge der Mißhandlungen einen Bruch des Unterarmes und der Mittclfingerknocken der rechte«« Hand davongetragen. Der Angeklagte suchte fein Verhalte» damit zu entschuldige««, daß er w«edcr- holt erklärte, er habe dem Jungen nur seinen Hang zum Lügen abgewöhnen«vollen. Im übrigen rührten die Wunden von Unfällen her, die der Knabe bei Spaziergängen erlitten habe. Der Staatsanwalt betonte in seiner?lnklagercde, daß Schnlz das Kind in bestialischer Weise«niß- handelt habe, und beantragte Bestrafuirg nach z 224 St. G.-B., der Zuchthausstrafe vorsieht, «lild zwar lautete sein Antrag auf vier Jahre Zuchthaus l«i«d fünf Jahre Ehrenrechtsverlust. DaS Sondcrgericht verurteilte Schulz«v e g e n fortgesetzter gefährlicher Körperverletzung nach 8 22 zu vier Jahren Gefängnis. lieber das Schicksal des älteren Sohnes dcö Ai«geklagten ist noch nichts bekannt. An die Eisenhahnhedlensteten! Di« Organisationen„Fedeuaee stroj- vüdcü",„Jcduota za möstnancü Lsl. drah",„Unie LelezniSnich zainöst- naneü" und„Verband der Eisenbah- ««e r" nahmen in einer gemeinsamen Beratung am 29. d. M. zum Aivtrage des Final«,jminiftcrs auf vollständig« Aufhebung des Wcihnachtsbei« träges und eine lüprvzentige Herabsetzung der Gehälter Stellung. In Anbetracht des Ernstes der Situation einigten sich die genannten Orga- uisationen aus eil« gcminsau«os einheitliches Bov- gchen nnd bildeten zu diesem Zwecke einen g e» Nleiusamcn engeren Ausschuß, welcher 160.000 aktive und pensionierte Eiscnbahnbodien» stelc vertritt. Dieser engere Ausschuß ist i n ständiger Bereitschaft. Des weiteren wurden di« Dispositionen sür die augenblickliche Abwehrtaktik behandelt und genehmigt. Der Ernst« der Situation erfordert unbe- dingt« volle Solidarität aller Eisoirbalhubedien-- stcten. Die genannten Organisationen warne«« daher vor icdnwder Zersplitterung und vor gegenseitige Aimgriffen, wie dies z. B. in letzter Zeit in der Presse unter den« Einsluste der Wahlbogobeirheitcn in die Erschein««ng trat. Die koaliert«»« Organisationen richten an hrc Angehö- rigon den ernsten Appell: Beachtet die Weisungen Eurer Organisatko« nen, geht vollkommen einheitlich vor und laßt Euch anch während der Wahlkampagne nicht beirren! Beweist, daß Ihr alle in den entscheidenden Stunden des Ringens um die Erhaltung Eurer Existenz einig seid! Vom Völkerbund. Die diesjährige Tagung der Pölkerbund- Vcrsammlung steht unter dem Eindrücke zweier Tatsachen: des chinesisch- japanische«« und des deutsch-französischen Konfliktes. Das Bestreben der leitenden Pcrsö«llichkeite>r geht auf die Vertagung der Aussprache, da eine solche de««« Bestände oder mindcstc««s den« Ansehen des Völkerbundes gefährlich»vcrdci« könnte. AuS diesem Bestreben heraus hat der Rat bereits dem javanische»« Ansuchen, um eine scchS- »vöchentlichc Frist zur Beantwortung des bisher der Oeffentlichkeit nicht bckanntgcgebcnri« Lykton- Berichtes entsprochen. Trotzdem«vird der chi««:- sisch-japanischc Konflikt zweifellos zur Sprache kommen, was schon daraus hcrvorgeht, daß sich China bereits für die Generaldebatte über den Bericht des Rates zu Worte gemeldet hat. Ei«« Beschluß wird allerdings derzeit nicht gefaßt tverdcn, obivohl zweifellos die nberwicgende Mehrzahl der Länder einen solchen im Sinne einer Verurteilung des Vorgehens Japans gern fasten möchte. Eil« solcher Beschluß hätte jedoch den Austritt Japans aus dem Völkerbünde zu'c Folge,»vas eben die Großmächte so lange als möglich verhindern möchten. Daß die öffentliche Meinung der Welt gegen Japans gewalttätiges Vorgehen sich wendet, ist ebenso sicher,»vie die Tatsache, daß sich der Völkerbund nicht ausschließlich und nicht einmal iibcrwicgcnd von Erwägungen der Moral>n«d der Vermeidung von Gewalttaten leiten läßt, Viel mehr aber noch«virkt der d e u t s ch- französische Konflikt lähnicnd auf die Arbeiten des Völkerbundes. Es«väre heute vielleicht noch verfrüht, die Ursachen und Folgen des deutsche«« Schrittes in allen Einzelheiten aufzuzeigen, seine Konsequcnzcn in ihrer ganzen Schärfe aufzurollen. Aber gesagt muß doch»ve.- dcn, daß auch jene Staaten, welche bisher dem de««tschen Standpunkt mit einigem Verständnis entgegenkamen, dem in der Abrüstungsnotc zum A««odruck gebrachten Standpunkt, mit dem größten Mißtrauen grgcnübcrstchcn. Sic erblicken in dieser Note nicht den Ausdruck des Willens zur Abrüstung, sondern den festen Entschluß zur Aufrüstung. Es»vird vielleicht noch während oder nach der Tagung des Völkerbundes möglich sein, ausführlicher und deutlicher zu tverdcn. Für heute muß man sich begnügen, bei allem Verständnis für Deutschlands Lage, bei aller Verurteilung der schweren Fehler,»vclche von anderer, insbc- sondcrs französischer Seite bei Behandlung der Abrüstung gemacht wurden, bei aller Ablehnung des Gedankens der starren Aufrcchthaltnng des Vertrages von Versailles, doch festzustellcn, daß Deutschland mit scmer Note und seinem Verhalten seither die allgemeine Abrüstung nicht gefördert, den Freunden der Abrüstung ihre Arbeit ungeheuer erschwert und somit der Sache des Friedens geschadet hat. Prof. Emil Orlit, der berühmte Graphiker und Radierer, starb gestern ii« Berlin in« Alter von 62 Jahren an Herzleiden. Sette 4 Freitag, 30. September 1982. Nr. 281. Tagesneuigkeiten Sösiiches Stundungsgeludj. Hitlers Reichszeugincislcrci hat bei ihren Lieferanten ein Moraloriuin beantragt. »Wir bitten, sich doch zu gedulden Bezüglich nicht beglichner Posten, Und laden Tie auf unsre Schulden. Doch bitte nicht noch weitre Kosten! Wir können uns nicht recht bewegen Jetzt mehr in unserer Bewegung. Wir sind zur Zeit um Veld verlegen Und rechnen nicht auf Rechnungslegung. Boll Jacken hängen die Regale. Der Absatz aber ist nur mager. Trotzdem sind unsre Ideale Die altbewährten Kassenschlager. Dir zahlen Ihnen Ihre Ware, Wenn einst die Macht in unser» Händen. Ist Hitler 85 Jahre, Dan» wird sich alles(losol)wenden." Hans Bauer. Grubenunglück im Egerland. Ter Betriebletter von Rauchgasen getötet. Eger, 29. September. Aus dem Bvg- head-Kohlenschacht«-er Montan- und Zndustrialwerke, vorm. Joh. Dav. Starck in Unter-Reichenau ereignet« sich gestern ein tödliches Borgunglück. Da ans dem Schachte die Ausbreitung von Rauchgasen gemeldet Wurde, drang ein« Untersuchungskommission mit einem Bcrgdirektor, einem Oberingenieur, einem Betriebsleiter, zwei Steigern und fünf Bergarbeitern in den Schacht. Als von dieser Expedition längere Zeit kein Signal kam, begab sich eine Rettungsmannschaft in den Schacht, wo sie zwei Teilnehmer der UntersuchungScxpödmon betäubt auffand. Rauchgase zwangen die Rettungsmannschaft zur Umkehr. Ein Bergbcantter, der durch den Luftschocht absteigen wollte, wurde alsbald betäubt emporgezogen. Daraufhin rüstete man «in« neue Rettungsexpedition aus, die, mit modernen Gasschutzmitteln ausgerüstet, die Suche nach den Vermißten aufnahm. Bis gegen 20 Uhr waren sämtliche Berun- glückten geborgen. Sie waren alle be- täubt, doch waren die angestellten Wiederbelebungsversuche in ollen Fällen erfolgreich, mit Ausnahme bei dem Betriebsleiter Jng. F e l i x S ch ö n f e l d, der trotz angestrengter stundenlanger Bemühungen durch vier Aerzte nicht mehr ins Leben zurückgerusen werden konnte. Die bcrgamtliche Meldung. Prag, 20. September. Das Revierberg- amt in Karlsbad teilt mit: Am 28. September um die Mittagsstunde wurde im Altung (alter Bau) des Schachtes Aut. Hlubina, Eigentum der Firma Montan- u. Jndustrialwerkc Joh. Tav. Starck in Unter-Reichenau ein Braud bemerkt. Im Schachte war gerade Freischicht. Dor Betriebsleiter Fug. Felix Schönfeld versuchte mit Hilfe einiger Arbeiter den Brand zu löschen, doch ohne Erfolg. Der Brand oreitct« sich aus, so daß Jng. Schönfeld neue Mannschaften von obertogs herbcischafscn wollte. Bei dem Wege durch den Schacht stürzte er jedoch, blieb unbemerkt zurück und befand sich wahrscheinlich längere Zeit im Bereiche von Stickgasen. Als er aufgefunden wurde, war er bewußtlos und konnte nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden. Die Bergarbeiter, die mit Jng. Schönfeld im Schachte waren, erlitten durch Einatmung von Ranchgasen leichte Vergiftungen, konnten sich aber durchwegs retten. Rach den eingelangten Meldungen befinden sich diese Arbeiter außer Gefahr. Das Revierbcrgamt in Karlsbad untersucht die Angelegenheit und wird morgen dem Ministerium für öffentliche Arbeiten Bericht darüber erstatten. * Aus Ka rlsbad wird uns weiter gemeldet: Unter den zuletzt Geborgenen befand sich der schwer vergiftete Bergarbeiter M o i s l, der sich derzeit in Spitalsbehandlung befindet. Außerdem sind in Spitalsbehandlung Jng. Hübsch und Jng. Jngrisch. Mit dem Geliebten und den Kindern in den Tod! O l m ü tz, 2V. September. Rach zwei Uhr nachts wurden auf der E i s«n b a h n st r e ck e Olmiitz—Neustlst Stücke von vier menschlichen Körpern gesunden. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, daß der langerdienende Zugsführer Karl Janku vom Artillerie-Regiment Nr. 152 in Olmiih und Marie Bajga- r o v a, die Gattin eines Steindruckrrs in Proh- nitz, mit der Janku«in Verhältnis unterhielt, Selb st mord begangen haben. Die Bajgarova hatte ihre beiden Kinder, die dreieinhalb Jahre alte Libuka und den sechszehn Mona«« alten Drahog mit in den Tod genommen. Ur-beven dauert an. Saloniki, 29. September. In der Nacht auf heute zwischen 18 Uhr und 6 Uhr früh wurde in Saloniki insgesamt zehn weitere Erdstöße verspürt. von denen insbesondere der erste und der letzte die stärksten waren. In Saloniki wurden ungefähr zwanzig Wohnhäuser beschädigt. Die .Kuppel und ein Teil des Daches einer großen Bank^sind eingcftürzt. Auch ans den« benachbarten Städtchen Ärnsca wird mitgeteilt, daß zahlreiche Häuser durch das heutige Erdbeben zerstört wurden. Die britische Kriegsflotte im Mittelmeer hat Befehl erhalten, beschleunigt an den Ort de« Erdbeben« abzudampsen und an den RettungSarbciten teilzunehmen. Auf der Flucht aus ShalNdtte. Athen, 29. September. Der griechische Torpedobootzerstörer„PcrgamoS" ist m Cavallo eingetroffen. Er hatte f ü n s z i g M e n s ch e n in Bord, die bei dem Erdbeben auf der Halbinsel Chaltidike verletzt worden sind. Ein Verletzter ist unterwegs g e st o r b e n. Die Hilfeleistung für die Dörfer im Crdbcbengebiet gestaltet sich außerordentlich schwierig. Die Beförderungsmittel bleiben vielfach stecken, da sich ausgedehnte Erdreiche gebildet haben. Einige Stunden vor der ersten Erschütteruirg begannen die warmen Quellen von Apollonia so reichlich zu fliehen, daß in der Nachbarschaft Ueberschwemmungen cintraten, während der Arnaia-See, der sechzig Meter vom Mittelpunkt des Erdbebengebietes entfernt lag, austrocknete. Das Recht zum Leben soll in allen Kul« turstaatcn und solchen, die sich wenigstens also nennen, gewährleistet sein; Straf« und Ver- waltungSgesehe schützet« den Einzelnen vor jedem gelvaltsamen Eingriff eines Widersachers und der Machtapparai der herrschenden Gesellschaft scheint gewillt, Leben und Lebensrecht des Bürgers zu schützen. Bis zu jenem Moment, da er auch für das Leben mehr tun müßte, als Gummiknüppel gruppenweise zu alarmieren. Bis zu jenem Moment, do es seine Pflicht wäre, zugunsten sozialer Belange aus die Massenproduktion von Kanonenfutter zu verzichten. Bis zu jenem Moment, do sich seine Organe mit der Tatsache abfinden müßten, daß nicht jeder Hungrige schon um seines leeren Magens willen Verbrecher wird. In diesem Moment, da nämlich der staatlich-bürgerliche Machtapparat auf der Straße vor dem Problem steht, die um ihr Brot Bettelnden irgendwie zu befriedigen, da beginnt jenes Schandgesetz in Tätigkeit gesetzt zu werden, das man bei uns etwa Bagabun- dengesetz nennt; der Bettler ist in alt-feudaler Manier nur als Umherstreicher anzusehen und sein Problem ist mit dem Satz abgetan, daß sich jeder„ordentliche" Mensch um einen „ordentlichen" Erwerb uinzusehen Hal! Hat! Punktum; er hat sich umzusehen. Wenn er das nicht mit Erfolg tut, wenn er seine müden Glieder in den Straßen verzweifelt umherschleppt und seine Hände bittend ausstreckt, uni etwas Brot zu ergattern, dann begeht er das Vergehen der Bettelei, ist straffällig und abzuschieben! Wahrscheinlich dorthin, wo er sofort das Arbeitsparadies findet; und da« ist dem Gesetz nach die Heimatgemeinde. Wer die Slrafbezirksgerichtc kennt, weiß, daß sich täglich Hunderte wegen des Vergehens nach dem Bagobundengesetz zu verantworten haben und das deshalb, weil eine edle und gute Gesellschaftsordnung ihnen die Möglichkeit des Broterwerbs nintmt; wer Zeitungen liest, weiß, daß vor wenigen Tagen in Berlin über einhundert solcher„Außenseiter" der Gesellschaft vor ihrem irdischen Richter standen, lieber einhundertmal frug der Richter:„Also Die haben gebettelt?"„Und weshalb?" Soviel man erfahren konnte, wurde sich der wohlgenährte Herr dieser Groteske nicht einmal bewußt und wird wohl mit edler Ueberzeugung dem heimischen Herd zugeeilt sein, daß er ein noch edleres Tagewerk vollendet habe. Wie das Gesetz es befahl! Wegen Unterschlagung von 50.000 K. wurde in Marschcndorf— Bezirk Trautenau— der frühere Verwalter de« Marschrndorfcr Krankenhauses, H«e s t, nachdem nian vergeblich versucht hatte die Sache zu vertuschen, in den letzten Togen verhaftet/ Hiesl, der durch den Einfluß des christlichsozialen BeztrkSauSschußmilgliedrS gleichen RamenS, ver sein Vater und einer dcr ge- tvaltigsten Männer'in der christlichsozialen Partei überhaupt ist, wider alle bestehenden politischen Sitten die Stelle als Krankenhausvcrwalter be kam, hat es innerhalb von zwei Jahren verstanden, 50.000 K zu veruntreuen und als seinerzeit das„Trairtenauer Echo" auf die Unterschlagung aufmerksam machte, begnügte man sich mit der Feststellung von Seite dcr christlichsozialen uiid dcr bürgerlichen Presse, daß man ein Urteil über Unwetter über die Riviera. Pari«, 29. September. Uebcr der franzö« pichen Riviera ist heute gegen früh ein heftiger Wolkenbruch nicdcrgcgangen, der bedeutende Schäden verursachte, hauptsächlich in der Umgebung der bekannten Orte St. Raphael und St. Maxime. Die Lokalbahnstrecke, die von St. Raphael nach Trovez fährt, ist an vielen Stellen beschädigt und die Verbindung ist daher unterbrochen. Zahlreiche Villen sind unter Wasser. Der Schade beträgt viele Millionen Franks. Da« Luftschiff„Graf Zeppelin" hat Mittwoch um 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Acguator überflogen. Die Landung dürfte voraussichtlich heute früh zwischen 8 und 9 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgen. Tödliche« Autounglück bei Königgratz. Auf der Straßenkreuzung in Turavy bei Kukleny kam c« heute um 2 Uhr zu einem Automobilunglück. Tag Automobil des Josef Sluka aus Horni Jelcni fuhr an einen Baum, wodurch der im Auto sitzende Franz Schesbal aus Horni Jelcni schwer, der mitfahrende Franz Jirout aus Bh- soka bei Horni Jelcni leichter verletzt wurde. Der Chauffeur erlitt nur unbedeutende Abschürfungen. Im Krankenhaus in Königgratz ist Franz Schejbal gestern früh seinen Verletzungen erlegen. die Angelegenheit erst fällen könne, weim die Untersuchung abgeschlossen sein werde. Da aber die Untersuchung bei dem den Christlichsozialcn sehr nahestehenden Bezirkshauptmann Herrscher nicht zu Ende kani, mußte erst der Be- zirkShauptmann nach Leipa versetzt und ein anderer Beamter nnt der objektiven Wahrung dcr öffentlichen Interessen betraut werden, bevor man den Schädling fassen konnte. Wäre er Sozialdemokrat gewesen oder wenigstens der Urenkel eines solchen, er hätte auf somc Verhaftung nicht solange warten müssen wie HieSl. In dem Falle hätte auch die christlichsoziale Presse längst schon etwas von„roten Betrügern" geschrieben, denen Politik nur ein Mittel zur persönlichen Bereicherung ist. VerwaltungSknnst der Deutschbürgerlichen und der Nationalsozialisten. Man erinnert sich der Sprache der deutschbürgerlichen Parteien wahrend deS GemcindewahlkampfcS in Karlsbad, der im Frühjahr dieses Jahres ausgefochten wurde und man denkt an den Jubel der laut wurde» als das Wahlresultat bekannt geworden ist. Nicht nur die Bürgerlichen stimmten in den Jubel, ein, sondern auch die nationalsozialistischen Anhänger ouS den Reihen der kleinen Angestellten überschlugen sich ebenfalls vor Freude, weil nach ihrer Meinung die Zeit dcr paradiesischen Seligkeit angebrochen schien. Nun aber wird dieser Jubel zum Jammer der gleichen Leute, denn die erste große Verwaltungstai, die be- kanntlich drei Tage nach der Wahl schon ange- kündigt wurde, soll Wirklichkeit werden, nämlich der Ä e h a l t S a b b a u bei 74.8 Prozent dec GehaltSbezicher der Stadt Karlsbad, wodurch man der Stadt 1,880.000 K zu ersparen erhofft. Die einzige Partei, die gegen diesen schändlichen Raubplan ernsthaft austritt, sind die Sozialdemokraten. Tödliches Unglück des Direktors der Anglo- banksiliale in Teplih. Gestern nachts fuhr der Direktor dcr hiesigen Anglobankfiliale Max Körbel in einem Auto auf dcr Staatsstraße von Brüx gegen Teplih. Als da« Auto über ein Schleppbahngeleise eines Schachtes der Brücher Kohlcnwcrke hinter Langugest fuhr, wurde es von einer Lokomotive erfaßt und zertrümmert, wobei Direktor Körbel getötet wurde. Die Lokomotive soll, bevor sic zur Straße kam, mehrmals Signale gegeben haben. Offenbar hat Direktor Körbel diese Signale nicht vernommen oder nicht gesehen, daß er sich schon ganz in der Nähe der Bahnübersetzung befand. Tas Auto wurde etwa 40 Meter mitgeschlcift, bevor der Zug halten konnte. Direktor Körbel wurde furchtbar verstümmelt. Der Kops wurde zertrümmert, außerdem wurde ein Beim vom Körper losgcrisfen. Tie Leiche wurde gestern nach- mittags in die Totenhalle des Brüxcr Friedhofes gebracht. Beendigung des ChemikerkongresseS. Ton« nerstag um 17 Uhr 30 Min. begann im großen Bortraassaal des französischen Instituts Ernest Denis die Schlußsitzung des 13. internationalen Kongresses für Jndustriechemie, wobei Minister für Oeffentlichc Arbeiten Jng. Tostnlck die Cin- leitungsrcde hielt. Hierauf erteilte er das Wort Direktor Audibert, Paris, zu einem Vortrag über das Thema über die Frage der„Hydro- genisieruna der Mineralöle". Nach diesem Vortrage kündigte der Vorsitzende die Verteilung deS Preises an, den der Präsident der Republik für die beste Arbeit auf dem Gebiete der Brennmittel gestiftet hat. Der Preis von 20.000 Kronen wurde zu drei gleichen Teilen an den Dozenten Jng. Dr. Landa, Dr. 8imek und Jng. Oswald Heller erteilt, Diese und andere Auszcich» Branduaglück in llnterlanbau. Vierzehn Familien obdachlos. Eger, 29. September. Gestern nach 22 Uhr entstand im Hause des Zimmermanns Josef Kummer in Untcrsandau aus bisher noch ungeklärter Ursache ein Brand, der so rasch um sich griff, daß alsbald auch die Nachbarhäuser des Maurers Georg Pichl und des Webers Josef Röckl lichterloh in Flammen stan- den. Auch eine dcr Landwirtin Agnes Schnurer gchörertde mit Ernte gefüllte Scheune wurde eingeäschert. Diese Scheune war das einzige Objekt, das bei einem im Juli d. I. wütenden Brande des Anwesens der Schnurer übrig ge» blieben war. Vierzehn Familien mit vielenKindern sind obdachlos. Die vom Feuer vernichteten Häuser waren zum größten Teil Holzbau ten. Trotz deS Eintreffens der Feuerwehren au« dcr näheren und weiteren Umgebung, so u. a. ans Maricnbad, dauerten die LöscharVeiten, die sich sehr schwierig gestalteten, bis 3 Uhr früh. Die Brandkatastrophe ist eine der größten, von der der Ort seit langem betroffen wurde. * Preßburg, 29. September. Heute um 4 Uh: früh brach in PetrLalka auf der Mühle des Äroßmühlenbesitzerü Josef Popper ein Brand aus, der die ganze Mühle bis auf die Grundmauern einäscherte. Der Schaden wird auf 300.000 Kronen geschätzt. 35 lote Seeleute. Amerikanischer Dampfer gestrandet. San Francisco, 29. September. Der japanische Frachtdampfer„Oregon Maru" hat den amerikanischen Dampfer ,,N o v a d a" auf dessen Hilferufe hin in der Nähe der Insel Anitschitka im Beringmeer aufgefunden, war jedoch infolge des starken Sturmes nicht iu dcr Lage, die 35 Mann starke Besatzung des gestrandeten Dampfers zu retten. nungen wurden der Sitzung bckanntgegcbcn, die sodann der präsidierende Minister Ina. Tostä- Ick mit Dankeswortcn an alle Gäste sowie an alle, die zum Gelingen des Kongresses beige, tragen haben, schloß. Ehemaliger Ministerpräsident vor Gericht. Tee ehemalige Ministerpräsident Woldemaras, der beschuldigt worden war, über die Verwendung der von ihm im Jahre 1918 vorschußweise erhobenen Summe von 51..000 dänischen Kronen keine ausreichenden Nachweise beigebrochl «l haben, ist vom Obersten Gerichtshof sreigc- sprachen worden. HUserufe der japanischen Pozifikslieger. Das Martneamt in Washington erhielt von ver amerikanischen Funkstation St. Paul(Alaska) eitlen aufgefangenen Funkspruch der japanischen Radio- stanon Otchishi, demzufolge die japanischen Poz>- fikflieger, die seit einigen Tagen verschollen waren, sich am Mantinusluß(Alaska) besinnen, von wo sie um Hikfe signakisieren. Ungarn henkt. Da das zum Gnadensenot umgewandelte Standgericht den zum Tode verurteilten Gcwerbegehilsen Eder zur Begnadigung nicht empfohlen hatte, wurde das auf Tod durch den Strang lautende Urteil heute Nachmittag um fünf Uhr im Hose de« Sammelgefängnisses vollstreckt. Ein Fuhrwerk von einer Lokomotive ersaßt. Ein mit mehreren Personen besetzter Lieferwagen wurde beim Ueberqueren des Bahnüberganges von Düben- Heim bei Koblenz von der Lokomotive eines Personenzuges erfaßt und auf den Bahnkörper'geschleudert. Vier Personen erlitten schwer« Verletzungen. Der Fahrer blieb unverletzt. 'Tie Lokomotive wurde beschädigt. Bon der Deutschen StaatSprilsungSkounnissüm für da« Lehramt der Musik in Prag. Die nächsten Prüfungen finden vom 14. November l. I, an, im Gebäude der deutschen Musikakademie in Prag II., Bladislavovü 28, statt. Die Zeugnisse dieser Prüfung berechtigen zur Ert«ilung von Privatunterricht und Errichtung von Privatmusikschulen. Schriftliche, vorschriftsmäßig gestempelte Gesuche(mit Beischluß des Heimatscheines, des Wohlverhaltungs- und letzten Schulzeugnisses) sind bis längsten« 20. Okto- ber 1082 auf den»orgcschri ebenen Einreichungsfor- mular«n einzur«ich«n. Einreichungsformular« sind gegen Boreiitsendung von 20 K(in 1 kl-Briesmark«») im Sekretariat« erhältlich. Prüfung-laxen: Eine Dollprüsung 400 K, eine Erweiterungsprüfung 300 K, eine Wiederholungsprüfung(Hauptfach) 250 Kronen,«ine Wiederholungsprüfung(Nebenfach) 150 Kronen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus von Programmen. Samstag. Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatten. 18.25 Deutsche Sendung: Renato Mordo: Große Schauspielerinnnen im Spiegel der zeitgenössische!' Kritik. 20.25: Lustige Streifzuge.— Brünn: 14,80: OrchesterkoNzert. 18.25: Deutsche Sendung. Lieder. 19.25: BallSblasmusik. 19.55: Soldatenchöre r- Berlin; 18: Orchosterkonzert.- Königsberg:. 19' Bachs Klavievsuiten.— Mühlacker: 15.80: Deutsches Reger-Fest.- München: 20: Orchesterkonzert.— Wien: 18: Mandolinenkonzert. Alm 2.«ktover II ist Internationaler Sugendtagk Alle Zugendllchen, äungturner, jungen Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder nehmen II an den Kundgebungen teil! SSSSSSSSSSSSSSSSSiSSSSBSSSSSSSSSSSäSSSSSi Nr. 231. Freitag, 30. September 1082. .xik 5 Die Prager Pvlizci-Korrcspondenz teilt mitr Heute nm 0 Uhr abends sprang eine unbekannte Frau in selbstmörderischer Absicht vom Petkiner AuSsichtstnrm. Es wurde bei ihr bloß ein An« mcldungSschein auf den Namen JoLka Kiewcdova vorgesnnden. Sic ist etwa 87 Jahre alt und wohnt nach dem AemeldungSschcin in Binohrady. Der Vorfall wird untersucht. Die Leiche wurde nach der ärztlichen Beschau ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Typhuiepidemi« in Sofia. In Sofia ist eine schreckliche Tljvhuscpidemie auSgebrochcn. Bisher wurden 368 Erkrankungen gemeldet. Die Sanitätsbehörden haben strenge Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit getroffen. Mann und Frau geben au» Rot in den Tod. In einem Offener Friedhof fanden Donnerstag Arbeiter auf einem Grabe die Leichen eines älteren Mannes und einer Frau. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß der Mann, namens Julius Farkas, feine Frau erschossen und dann Selbstmord begangen hat. In der Nähe des (ÄrabcS ivurdc ein Abschiedsbrief gefunden, worin angegeben wird, sie hätten die Tat deshalb begangen, weil Farkas und seine Frau auü dem von Ungarn losgctrennten Gebiete aus politischen Gründen ausgewiescn wurden und deshalb in großes Elend geraten sind Biftmörder eruiert. In der Gemeinde Ruda bei BelkS Mezikivi ist di« 22jährige Tochter der Bäuerin Antratovä am 13. Juni d. I. unter verdächtigen Erscheinungen erkrankt und binnen zwei Tagen in TkebiS gestorben. Das Ergebnis der Obduktion zeigt«, daß es sich um ein« Arsenvergiftuug handelt. Nach ergebnislosen Nachforschungen war di« Gendarmerie damals der Ansicht, daß«s sich um einen Selbstmord handelt. Im Laufe der Zeit gelangten aber in die Hände der Gendarmerie» FahndnngSstation In Jglau einig« Briefe, als deren Schreiber der 26jährige Zeitungsausträger Leopold Grün in DelkS Meziklöl festgestellt wurde, der nach einem ganztägigen Derhär am 27. September gc- ftand, die Briefe geschrieben und di« Autratovki auf Anstiftung des 23jährigen Aut. Krahnlec aus Senftenberg vergiftet zu haben. Di« beiden hätte» sich auf den' ersten Blick bei der Hochzeit einer Kameradin der Aulratov» In diese verliebt und sich in dcn Kopf gesetzt, sie zu vergiften, damit sie nicht ihr Bräutigam bekomme. Krahnlec wurde am 28. September in Senftenberg ergriffen und nach Bclkü Mezibiöi gebracht, wo er heule um 4 Uhr früh ein Geständnis ablegte. Volkswirtgchaft und Sozialpolitik Mnftler gegen die Vierzigstundenwoche. Der Präsident■ des Landesverbandes der Handelsgenossenschaften nnd'kaufinännischc» Gremien mit deutscher GeschäslSsprdche in Mähre» (Titz Olniütz), Herr Friedrich Galle, hat ein „Memorandum zur beabsichtigten Einführung der Vierzigstundenwoche" auch im Handclsgewerbe" verlaßt, dessen Inhalt di« ganze Armseligkeit der rückständigen Elemente des Handelsgewerbcs deutlich offenbart- Selbstverständlich sind die durch Herrn G a l l c vertretenen Kauflente gegen die Einführung der Bierzigstundenwoche— wann sind sie je für den wirtschaftlichen nnd sozialen Fortschritt eingetreten— nnd selbstverständlich begründen sie diesen Standpunkt mit ihrer Liobe zu den Angestellten.„Auch der Arbeitnehmer", so wird in dem Memorandum geklagt,„wird mit einer kleineren Lohnzahlung seine Bcsricdignng nickt finden, wenn er auch durch die kürzere Arbeitszeit zwei Tage spazieren gehen kann, was ihm nur zu größeren Geldansgabcn verteilet." Von dem Deutsch, in welchem die Ausfassung-er Kaufleute wioderacgeben wird, sehe» wir vollkommen ab,— die Herren können sich die Vierzigstundenwoche ohne Abbau der Gehäller einfach nicht vorstellen. Nur weil sic di« Gehäller nicht herabsetzen wollen, sind sie gegen die Vierzigstundenwoche, als ob sie nicht die Gehälter des Personals schon in den letzten zwei Jahren abgekiaut haben, ohne daß die Angestellten auch nur eine Minute weiiigcr arbeiten!„Für dcn Handel", so führt daS Memorandum aus,„ist di« Forderung der Vierzigstundenwoche unannehmbar." So wie die Herrschaften vor Jahren die Sonntagsruhe als unmöglich erklärt naben unprophezeiten, daß die Durchführung der Sonntagsruhe den Ruin des.Handels herbeiführen werde, sind-sie jetzt gegen die Bierzrgstmiden- woche. Wie reaktionär die von Herrn Galle vertretenen Kaufleute find, zeigt übrigens ihre Gegnerschaft gegen die achtstündige Arbeitszeit 14 Jahr« nach deren Einführung; Es wird gesagt, daß die Achtstundenarbcitszeit„nicht eingehalten werden kann, weil sie aus verschiedenen Gründen für den Handel zu kurz ist. Der Handel will za die alten Zeiten nicht wieder haben, wo die Läden von 5 Uhr früh bis 10 Uhr abends für den Kundenverkchr offen standen und Kaufleute und Angestellte Sklaven ihres Berufes waren, aber eS müsse eine vernünftige Arbeitszeit angeordnet werden,- welche cs ermöglicht, das notwendige Geschäft tätigen zn können." Di« Herren wollen zwar die alten Zene»» nicht wieder haben, streben aber die Berlangerung der Arbeitszeit über acht Stünden.hinaus an, bis sie cS wieder dahin gebracht haben, daß der Angestellte von 6 Uhr früh bis halb 10 Uhr abends sich ausbeuten kaffen, muß: DaS Memorandum der Kaufleute zeigt den Angestellten deutlich, wohin der Weg ginge, wenn sich die Angestellten nicht in starken Organisationen gegen jene Kaufleute»»ehren würden, die gern« die Zeiten zurück haben wollen, wo di« Angestellten rechtlose Sklaven waren. Komotau vor stein wirlsdiaillidion Zusammenhnidi. Unter den Städte»«, die unter der Wirtschaftskrise und dein Gemeindefinanzgesetz ain meisten gelitten haben, befindet sich auch K o m o» t a u. Der größte Betrieb dieser Stadt,, auf dem die Wirtschaft der Gemeinde basiert, welcher noch vor nickt allzulanger Zeit 3000 Arbeiter und Angestellte beschäftigte, ist in der letzten Zeit stark eingeschränkt worden, so daß in demselben heute nur noch einige hundert Arbeiter bei reduzierter Arbeitszeit ihr Brot finden. Dadurch ist die Stadtaemcmde Komotau um ihre größte Steuerquelle gekomnien, wobei noch in Betracht zu ziehen ist, daß dem Untcrnehn««n große Steuerabschreibnngen bewilligt worden sind, die einen Anteil der Gemeinde in der Höhe von 1,490.000 kl in sich schließen. Außerdem«st eine Verminderung der Steuerringänge aus der ganzen Linie z»« verzeichnen, die für die Gemeinde geradezu katastrophal ist. Bor die Unmöglichkeit gestellt, die heute durch die Arbeitslosigkeit gesteigerten Verpflichtungen zu erfüllen, hat n««n das Bürgermeisteramt der Stadt Komotau an den Verband der deutschen Selbstverwaltungskörper einen Bericht über den finanziellen Stand der Gemeinde erstattet und am Schluß dieses Berichtes dringend die definitive Regelung der Finanzwirtschaft der Gemeinden d»«rch die Staatsverwaltung verlangt und gefordert, daß di« der Gemeinde zu Recht stehenden Umlagen regelmäßig und bet Stcuergrundlage entsprechend quartalweise übermittelt werden. AuS diesem Bericht« geht hervor, daß durch die Wirtschaftskrise di« Stcuergrundlage der Gemeind« Komotau um mindestens 400.000 X verringert wurde und die momentanen Umlagenübcrtvcisun- gen gegenüber dem Vorjahr um 280.000 X monatlich geringer sind, so daß man durch die ungenügenden Stcuerüberweisuugcn gezwungen wurde, Bankkredite zu hohen Zinsen auf- zunehme»», wollte mai» die dringendsten Verpflichtungen erfüllen. Nunmehr hat d i e Ä e n» c t n d c allcReservenundKrediteerschöpft nnd niemand weiß»Vic man in der nächste»» Zeit Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestell ten begleichen soll. Die rückständigen Annuitäten betragen gegenwärtig 1,187.000 K, dazu kommen die am 1. Oktober fällige»» Tarlehensraten von über 600.000 K. Diese so dringenden Zahlungen ist»nair aber außerstande zu bezahlen nnd cs ist »»ehr als fraglich, ob die Geldinstitute eine Stundung dieser Zahlungsverpflichtungen bewilligen werden. Dazu steht man vor dem Winter, der bei dem entsetzlich«»» Stande der Arbeitslosigkeit in Komota»» die Gemeinde vor große Aufgaben stellt. Es ist keine Möglichkeit vorhanden, Notstandsarbeiten durchzuführen oder Unterstützun- gen auszubezahlen,»veil dafür keine Mittel vorhanden jind und auch nach dem Stande der Gc- meindewirtschaft nicht beschafft werden können. Die Arbeitslosenhilfe kann nur durch Hilfe der Privaten vor sich gehen, wird also ungenügend sein, trotzdem sich der Stadtrat entschloffen hat, ein« Notsteuer von der Bevölkerung zu verlangen, um die Arbeitslosen vor dem Hunger z>» schützen. Ai» eine Steigerung der Gemcindceinnahmen kann nicht gedacht werden, cü bleibt deshalb nur eine Kürzung der Ausgabe»» übrig, wenn man weiter vegetieren will. Diese geplanten Streichungen sollen aber nicht nur bei all dcn primitiven Verpflichtungen der Ge»nei»»de«intreten, sonder»» es ist auch beabsichtigt, die Ausgaben für die sozialen Einrichtungen wesentlich hcrabzufetzen, Maßnahmen also, die sich sehr ungünstig für die Gemeind« auSwirkcn müßten,»vcnn man an ihre Ausführung gi»»gc. X So bricht eine Gemeinde nach der andern zusammen, ohne daß die entscheidenden Staatsstellen den Forderungei» unserer Partei ent- sprcchend ernsthaft darangchcn»vürdcn, über Mittel und Wege zur Hilfeleistung für die notleidenden Gcineinden zu beraten und zu entscheiden. Deshalb»nuß neuerdings das Eingreifen des Staates verlangt»vcrdcn,»vcnn man nicht will, daß die Not der Gcineinden in ein Chaos übergeht nnd Hundcrttausende zur vollständigen Hilfslosigkcit verurteilt, die gesamte wirtschaftliche Lage dadurch noch schlechter wird als sie ohnehin schon ist. Adolf der Grove. Bon Walter Schirmcier. Einer Zeitungsmrldung zufolge hat Musso- lini«ine Verordnung herauSgegeben, nach der es den italienischen Zeitschriften und Zeitungen verboten wird, durch Abbildungen schlanker Frauen die Gebärfreudigkelt zu gefährden, Wir haben daraufhin unser» Mitarbeiter beauftragt, Hitler über seine Meinung zu diesem Erlaß zu befragen. Der Osaf empfängt»»»ich in seine»» Arbeits- zinnuer, am Schreibtisch sitzend. Nachdem er meinen Presseausweis noch einnial höchst persönlich geprüft hat, fordert er mich gütig lächelnd auf, Platz zu nehmen. Auü einer aus den» Tische liegenden Packung bietet er mir eine„Trommler" an, tvobei er»nich gleichzeitig fragt:„Samnicln Sie auch die Bilder—?" Darauf entspinn» sich ein längeres Gespräch über die verschiedenen Sorten voi» Zigarcttenbildern, und sofort ist der persönliche Kontakt vorhanden. Tas Unverfälschte, Naturwüchsige in» Wese»» Hitlers kommt zum Durchbruch. Er ist lebhaft, scherzt, klopft»nir freundschaftlich aus die Schulter und lädt»»ich ein, ihn gelegentlich in seiner PrivaNvohnung zu besuchen, um»nir dort in Ruhe seine Sammel- Albe»» anzuschrn. Dir Flirgrrbiidcr hat er bereits vollständig.„Vielleicht können»vir tauschen", meint er. Dann gelingt cs mir, das Gespräch a»»f das eigentliche Thema zu bringen, und sofort weicht das Lächeln auf Hitlers Gesichte der ehernen Maske, die jeder kennt. Ich frage:„Und»vie ist Ihre Meinung zu dem neuen Erlaß Ihres Kollegen Mussolini, Herr Hitler?" „Ich bin selbstverständlich der gleiche»» An- sicht", antwortet er,„und würde keinen Augenblick zögern,»väre ich schon an der Macht...— leider hat sich der Herr Reichspräsident nicht geneigt gefunden, mich zum Diktator zu dekretieren...»vas meinen Sie übrigens, ob da cttva persönliche Gründe vorlicgcn..?" Ich verneinte eilich und Hitler fuhr sichtlich erleichtert fort:„Also»ch würde keinen Augenblick zögern, den gleichen Erlaß auch in Deutschland herauszugeben. Ich bin mir vollkommen darüber klar, wie stark psychologische Einfliiffe wirken können. Ich habe gerade"— er beugt sich vertraulich zu mir herüber—„in der letzten Zeit aus diesem Gebiete große Erfahrungen gesammelt. Ich lasse mich nämlich psychoanalytisch behandeln; Sie glauben nicht, waS für Komplexe der Arzt bei mir hermlSfindet! Da ist»nir zum Beispiel als Kind mal folgendes passiert... Das Folgende muß leider der Oeffentlickkeit vorenthaltcn werden, weil cs n»ir unter dem Siegel strengster Diskretion erzählt wnrde. Jedenfalls griff ich, als Hitler»nit dcn Worte»» schloß: „...Uno auch Hanussc»» ist der gleichen Mei- nungl", den verloren gegangene»» Faden des Gesprächs wieder auf und srage weiter:„Dann sind Sie also tatsächlich der Ansicht, daß die Abbildung schlanker Frauen demoralisierend im Sinne des Dritten Reiches wirkt?" „Auf icbcn Fall! Sehen Sie, das Schlank- heitsideal ist unzweifelhaft'semitischen Ursprungs, während die germanische Raffe von jeher statiös und füllig gewesen ist. Sv hat in» Lause ein« gehender Nachforschungen unser verdienstvoller Rassenforfcher, der Pg. Günther, festgcstellt, daß nicht nur die alten Germanen wacker„immer noch eins tranken", sondern daß auch ihre Ehesrauen heimlich oft einen Schluck des uahrhaftci» Mets genehmigten, wodurch allein schon eine gewisse Fülle hervorgerusen wyrden sein dürfte." „Das. sind dann- ja- innnerhin beachtliche Gründe!"---... „Richt»vahr? Es besteht da allerdings eine gewisse Unstimmigkeit zwischen dem Pg. Günther und»»einen» Stabschef Rohm, der aus Grund persönlichen Sttldiums dcn schlanken Figuren dcn Vorzug gibt; aber ich hoffe, eS wird sich ein Kompromiß finden lassen, daS beiden Teile»» ihr Recht werden läßt. Im Notfall»vcrde ich eben ein Machtlvvrt sprechen!" In diesem Augenblicke, da er aufgerichtct da- saß, sah der Osaf wahrhaft majestätisch aus. Ich Iah zufällig auf die Schreibtischplatte nnd entdeckte erst jetzt rin Heft, das dort lag. ES trug dci» Titel„Die Demokratie als Grnndlage des Staates". Mcii» erstaunter Blick mußte Hitler anfgefallcn sein, denn er sagte unaufgefordert: ,Lst sic nicht etwas Herrliches, die Demokratie? Wie recht Haber»»vir damit gehabt, daß wir von vornherein daü Prinzip der Deinokratie mit allen Mitteln verfochten haben, und die Weimarer Verfassung als dcn»lnvcrrückbarcn Grundstein, der allen Stürmen trotzen soll. Ich Iveiß, es gibt Kreise in Deutschland, deren Ideal das monar- chistische, der absolutistische, kurz der Führergedanke ist— ich nenne nur den Namen Hugen- bcrg..."(hier schwankte die Stinimc des Osaf, und eine schmerzliche Träne stahl sich In sein Auge, während er bitter»»»urmelte:„Es war o i c Enttäiischnng meines Lebens!")„... aber", fuhr er mit erhobener Stimme fort,„wir, die wir die Klassen beseitigen»vollen, wir, die»vir echte Sozialisten sind, wir, die wir einen von allen Schlacken gereinigten Klässensozialismus predigen..." Hier merkte Hitler, daß er sich verplappert hatte. Er sackte plötzlich in sich zusaminer», warf mir einen»nitlelderregcnden Blick zu und jammerte:„Habe ich Quatsch gemacht, ja, habe ich Quatsch gemach»? Sagen Äe's doch, bitte, nicht weiter! Es ist»virklich nicht meine Schuld! Ick) gebe»nir die größte Mühe; aber in einem fort muß ich ninlcrncn, immerzu umlernen. Ich kann bald nicht mehr." Er bot ein bejammernsivertes Bild der Niedergeschlagenheit. Ich mochte nicht weiter Zeuge davon sein,»vie auch dieser große Mann »nit den eisernen Nerven einer plötzlichen Schwäche unterlag, und bat um die Erlaubnis, gehen zu dürfen. Er raffte sich auf und verabschiedete mich huldvoll.„Vergessen Sie beim nächsten Male nicht die Bilder!" rief er mir noch nach. Beim Hinansgchen warf ich über die Schulter einen schnellen Blick zurück. Der Osaf saß schon wieder znsammengcsunkcn im Sessel und popelte gedankenvoll mit dem Finger in der Nase. Sein Gesicht trug wiederum den gesammelten, tief nach innen gerichtete»» Ausdruck, der glücklicherweise der Nachwelt in dem Buche„Hitler, »vie ihi» keiner kennt", erhalten geblieben ist—, diesen Ausdruck, dcn sein Gesicht i»nmcr zeigt, wenn er angestrengt über die kulturelle Erneuerung Deutschlands nachzudenken pflegt. Weltkrieg mit Wundern. Kindisch« Tricks.— Ein« unbeabsichtigte Wirkung. — Das Gespensterpferd zwischen den Stellungen. In England ist vor einiger Zeit ein inlcr- essantes Buch erschienen,„Miracles os war" von I. Herthman, einem ehemaligen Major im englischen Generalstab. Herih'uan klärt in diesem spannenden Buche, das im Vorabdruck in einigen amerikanischen Zeitungen erschienen»var, einige verblüffende Erscheinungen nnd Begebenheiten»vährend des Weltkrieges ans. Eines dieser Ereignisse ist die Erscheinnng des sogenannten„Engels von Mons". Am Abend der RiickzugSfchlacht bei Mons am 2.1. August 191-1 erschien dcn zuruckfluicndcn englische» Truppen in de>» Wolken plötzlich die Gestalt eines dcn deutschen Truppen voraneilenden, ungeheuren Engels. Dies« Erscheinung vermehrt« die ohnehin schon vorhandene stark« Verwirrung der englischen Truppenteile und trug stark dazu bei, die englischen Verluste an dies«»»» schwarzen Tage der englische»» Arme« besonders empfindlich zu machen.- Niemand vermochte sich die plötzlich austretcndc und nach wenigen Minuten wieder verschwindende Erscheinung zu erklären. Erst lang« Zeit später erfuhr der englische Gcneralstab durch die Vernehmung von Gefangenen die Wahrheit über dies« seltsame Erscheinung. Am Abend des 23. August Illis war hinter Mons«in deutsches Flugzeug aufgestiegen, das einen starke,, Projektionsapparat in Verbindung mit einer einfachen Laterna magica bei sich führte. Damit projegierlv das Flugzeug ein riesiges Engclsbild aus die dunklen Wolken. Durch die rasche Bewegung des Flugzeuges entstand dann der Eindruck, als ob der Engel dein deutschen Heere vorauflöge. Tie mit so einfachen, kindlichen Mitteln produzierte Erscheinung hatte bei den überreizten Nerven der Soldaten indes ihre Wirkung getan. Denselben Trick versucht« man deutscherseits noch einnial im Jahre llllö, während der iviitenden und verlustreichen.Kämpsc um den HarlmaunSwcilcrkopf. Man hosstc französischeu Truppen gegenüber auf einen noch durchschlagenderen Erfolg. Mau projezierte mit einem mächtigen Scheinwerfer ein Mutbergotlcsbild auf die Wolkenwand. Diese Erscheinung hatte jedoch einen ganz entgegengesetzten Erfolg. Die französischen Soldaten-nahmen an, daß es di« Heilige Johanna sei, die ihnen plötzlich erschein« und berannten mit verdoppelter Win die deutschen Stellungen. Nach dieser Erfahrung hat man dann deutscherseits ausgehört, die Laterna magica in den Dienst der kriegerischen Propaganda zu stellen. Panischen Schrecken erregt« im Jahre 1916 in Flandern die nächtliche Erscheinung eines leuchtenden und glitzernden Pferdes, des„GcipcnslerpferdcS', wie man eS nannte. Ju dunklen Nächten sagte an den Stellungen entlang ein„lenchlendcs" Pferd, man hörte cs»viehern und den harten Aufschlag der Hnse. Tie Erscheinnng löste deutscher- und sranzösischcrscils dasselbe Entsetzen aus, daS um- so größer»var, als verschiedene Schüsse, die mau auf das Pferd abgab, anscheinend nie»rasen. Endlich gelang cs einer deutschen Maschincngelvehrableilnng, dem Gespenslerpscrd den GarauS zu machen. Es stellte sich dann heraus, daß sranzösi'che Artilleristen c'ncn Spaß gemacht halten. Sie halten nänilich den ganzen Gaul mit Phosphor eingericben, der bekanntlich i»»i Dunkeln leuchte». Phosphor stand damals aus den chemischen Arsenalen iu großer Menge zur Tierfüguug. W. Rleckihel. Danzig liefert Raziverbrecher aus. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Königsberg und Elbing sucht die Danziger Polizei zur Zeit nach einer Anzahl von Angehörigen der NSDAP, denen Beteiligung an den B r a n d st I s t u n g r n und Bombenanschlägen in Königsberg und Elbing zur Last gelegt»vird und die sich in das Gebiet der Freien Stadt Danzig geflüchtet haben sollen. Bisher sind vier der Gesuchten von der Danziger Polizei verhaftet nnd über die Grenze nach Ostpreußen abgeschvbrn woe- den, wo sie von deutschen Polizeibeainlen»n Empfang gcnomnlen wnrde»». Seite 0. Freitag, 30. September 1932. svc. m. PRAGER ZEITUNG kosten? Gerichtssaal rb. Kunst und Wissen M verkehren n? kmillRaw", Prag. Graben 9V • Sie können zwei Dinge tun. Sie können eine x-beliebige Lampe einschrauben. Oder Sie können eine stromsparende PHILIPS-Lampe einschrauben. Aus der Partei Aber damals war schon Krisc.zeit und der Verdienst ging ihm nicht schnell und ausgiebig genug ein. Die D r» ck s o r t e n blieb er schuldig. Er organisicrle nun nebenbei ein Wohl- lätigkeitskonzcrt für den Hilfsverein für Taubstumm«„E P h e t a"— natürlich nur, um den Reingewinn von 2114 K selbst einzu- st e ck« n. Aber dieser humanitäre Verein sollte noch schlimmer draufzahle». Tenn nun hatte Müller einen neuen' Einfall. Er organisiert« hinter dem Rücken des Vereines für seine Tasche eine weitere „Sainmelaktion für Bau und Erhaltung von T a u b st« m m r n s ch u l« n". Auch hier bestellte er Drucksortcn, fälschte Stampiglien u. dgl. und letzten Endes mutzt« der arme Verein die ohne sein Wissen aufgelaufenen D r u ck k o st c n für ihn bezahlen. Auch für diese Sammlung hatte Müller ein eigenes Bankkonto. In analoger Weise sand er bgim„Narodni k l u b st n d c n t st v a B«l! 6 Prahy"(Ratio naler Studenlenklub Grotz-Prags), der seither aufgelöst wurde, ein lohnendes Wirkungsfeld. Hier organisierte er eine studentische„Ferienaktion' und„sammelte" ganz in der gleichen Art, wie in den anderen Fällen in die eigene Tasche. Dah er seine teuere Wohnung am Töänov nicht bezahlt hat und ebensowenig seine beiden Schneider, versteht sich von ftlbst. Die Rechnungen der letzteren betragen für ein Jahr 70 00 Kronen. Ferner hat er unter dem Namen MUDr. Kovatziöek einer Buchhandlung für etliche hundert Kronen Bücher herausgelockt u. dgl., was weiter nicht erwähnenswert ist. Das Gericht verurteilte den im wesentlichen geständigen Angeklagten zu zweieinhalb Jahren schweren Kerkers. Uraufführung im Ständetheater. Der französische Dramatiker Alfred 2 a v o i r hat sein neuestes Lustspiel in tschechischer Sprache herauSgebracht; daS Stück ist wirklich nicht so schlecht, daß diese Vorsicht unbedingt gegeben war. In sehr witziger und lnssiger Handlung wird das Spiel von Liebe und Enttäuschung zwischen einer kleinen Tänzerin, späterem Star, und ihrem Mann-Autor gezeigt, die Historie ist noch deshalb interessant, weil di« Erlebnisse des Helden als eine sein« Ironie auf den selbstgcsälligcn und berühmten französischen Dichter und Schauspieler Sascha Guitry anzusehcn sind. Im leichten und normal seichten KonvcrsativnSstil des Stückes steckt diesmal doch«in menschlicher Kern, eine anheimelnde Kritik des Lebens der höchsten Gesellschaft, eine sympathische und scharfe Ironie auf die kritiklose und unmögliche Selbstüberhebung der«mporgekommcnen Literatur- und Kunstfabri- ianten. Diele menschliche Seite des Stückes wird von der Sedlakkova, dieser einzigartigen Darstellerin der Tschechen mit instinktsichcrer Treffsicherheit her- aüsgearbeilei und glänzend pointiert. Ihr« Bühnenroutine paart sich diesmal mir seltener Wärm«, so das diesc zwischen den Männern taumclnd« Frau trotz ihre» rein schematischen Lustspielcharakters wirklich menschlich nahe kommt. Ihr durchaus ebenbürtig ist Hugo H a a s, seit Monaten der erklärte Tonfilmliebling der Republik, der mit leicht,an« Städtr-Handballmannfchaft Linz a. D. gegen Lripjia-PaunSdors 9:7(7:3).-Der vom Endspiel um die Bundesmcisterschast aus Wien gekommene und etwas abgekämpft« deutsche Meister hatte es schwer gegen die gut besetzt« oberösterreichische Stadtemannschaft. Leipzig zeigt« die technisch bessere Gesamtleistung, hatte aber reichliches Wurspech. Zum 1. Europa-Futzballmeisterschastsfpiel. W i c waren di« Mannschaften?„Der Futz- b a l l st ü r m e r", daS Fachorgan des deutschen Ar- beider-Tnrn- und Sportbundes, schreibt darüber in seiner Ausgabe vom 26. September:„30.000 Menschen, wer kann in ihrer Mitte die Ruhe bewahren, über sich selbst hinauswachsen zum meisterhaften Werk? Deutschlands Läuferreihe machte daS Spiel. Unermüdlich, zähe und ungemein kraftvoll bewältigt« sie ihr« riesige Arbeit,,nötigte dem glänzenden österreichischen.Sturm Achtung ob und wurde nicht müde ihres emsigen Walkens. Daß Verteidiger und Stürmer nicht dasselbe Vertrauen zu sich fanden, nicht den Mut zum r«stlof«n Einsatz hatten und nicht ihr Können zum Kampf emporwachsen liehen, war sehr schade. Oesterreichs Sturm und Verteidigung waren Meister ihres Faches, die sich nur dann hätte» bezwingen lassen, wenn ihrem Können auch noch restloser Kampf entgegengesetzt worden wäre." Bürgerlicher Sport. Tilden und Eo. hat am Mittwoch auf dem zu diesem Zweck adaptierten Spartaplatze vor mehreren tausend Zuschauern seine„Künste' vorgeführt. Lockvogel dieser Veranstaltung war die Begegnung des tschechischen Professionals Karl Koreluh mit Tilden, die der Amerikaner in einem Biersatzspiel für sich entschied. e EinePHiLIPS-Lampe kostet wohl eine Kleinigkeit mehr. Aber jede PHiLIPS-Lampe, die Sie brennen, erspart Ihnen das Vielfache dieses Mehrbetrages an Strom I e PHI LI PS-Lampen sind garantiert spar same Lampen. PHILIPS-Licht ist billiges Lieh11 „Rauhnacht'(D 1).— „Samson und Dalila" Sonntag, 7.30 Uhr:„La Boheme" (E 1).— Montag:„Spiel im Schloß".(Bolls- tümliche Preise.)— Dienstag:„Elisabeth von Engl a n d"(A l). Spielplan der Kleinen Bühn«. Freitag, 8 Uhr: „Coeur- Bub c".— SanrStag, 8 Uhr:„Eoeür- Bub«".— Sonntag, 8 Uhr:„E o e u r- B u b e'. -■ Montag:„Dreimal Off« nba ch".— Diens tag:„Dreimal O f f« n b a ch". Tschechoslowakei(Atus) gegen Deutschland, das zweit« Spiel um di« Europamei st«rscha ft, wird am 9. Oktober in dem schön gelegenen Stadion in Aussig stattfinden. Mit Äesem Spiel greift erstmalig di« Läickermannschaft unseres Aussiger Arbeiter-Turn- und Sportverbandes in den großen internationalen Wettbewerb ein. Am 2. Oktober hält der Aussiger Verband«in AuS- Wahlspiel ab, um jede Möglichkeit einer gewissen- haften Auswahl seiner Leute zu erschöpfen. Der Fußballeiter des' deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbundcs erklärt auf Anfrage, daß die Niederlage der deutjchen Mannschaft am 25. September gegen Oesterreich nicht beeinflussend ist für die Ausstellung gegen die Tschechoslowakei. Lediglich aus Entfernungsgründen werden Spieler aus dem naheliegenden Mitteldeutschland herangezogen wer- den. Di« deutsch« Mannschaftsaufstellung ist zur Zeit noch nicht endgültig und wird zu Beginn der Woche vor dem Aussiger Spiel veröffentlicht. Kßnderfreunde jSrag. Sonnt ag, den 2. Oktober, bei schönem Wetter Ausflug über Kbelh nach H l o u b ö t i n in dir Büsche. Treffpunkt lv Uhr vormittags bei der Endstation der l5«r- und lger-Linie in Vysokan.— Mitt» woch, den 5. Oktober, Kindernachmlt» tag. Leitung Genossin Mizzi Schwab. Zusammentreffen 3 Uhr nachmittags bei der Gee. An unsere Posibezleher! Der heutigen Nummer lieg« rin Erlagschein zur Bezahlung der BezugSgebühr bei. Wir machen besonders daraus ausmerlsam. daß dir Einzahlung unter demselben Namen geleistet werden muß, unter welchem der Versand der Zeitungen erfolgt. Di« BezugSgebühr ist am Kops d«S Blatteersichtlich und ist stets im vorhinein zu entrichten. Der Abonuementbeitrag muß spätestens bis zum IS. eines jeden Monates in unserem Besitze sein. Wir ersuchen Sie, dies zu berücksichtigen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung des Blattes eintritt. Di« Verwaltung. AüvflugSzüg«. Die TtäalSbahndirektio» Prag fertigt für die Tage vom 15. und 16. Oktober einen AuSflugssondevzug nach Dresden, Lausitz und Bautzen ab. Jin Preis von 285 K ist di« Fahrt hin und zurück, dir gesamte Verpflegung, das Nachtlager in Dresden, Fahnen mit Autocars üfw. inbegriffen. Die Abfahrt von Prag erfolgt am Samstag, den 15. Oktober, um 5 Uhr früh vom Masarnk- bahnhof aus, Rückkehr Sonntag, den 16. Oktober, gegen Mitternacht. Anmeldungen sowohl für die Fahrt als auch für den gemeinsamen Paß nimm« die Kassa Nr. 18 am Masarykbahnhos bei Erlag eines Angeldes von 100 17 bis spätestens zum 10. Oktober entgegen: an dieser Kasse werden auch nähere Informationen erteilt.— Di« von der Staatsvahndirektion angekündigte 1-ltägige Badereise nach SliaL zum Preise von 780 K pro Person wurde aus den 8. bis 23. Oktober verschoben. Anmeldungen gegen ein Angeld von 100 X nimmt die Kassa Nr. 13 am Masarykbahn- hof entgegen, die auch die Angelder an jene rückzahlt, die aus ein« Teilnahme an der verschobenen Reise nicht reflektieren. Traubenausflug nach Groß-Ezernosek. Tie Gut- templer-Log« Prag, I. O. G. T., veranstaltet Sonntag, den 2. Oktober, einen AutocarauSflug nach Groß-Ezernosek. Billiger Trauben- und Mosleinkaus. Führung durch die Weingärten. FahrtpreiS 25 K. Anmeldungen Tel. 41197 und bei Reisebüro Tichota, Palais Kotva, Tel. 64462. B Ortsgruppe Prag 2. Oktober: Treffpunkt 7.15 Uhr Wilsonbahnhof, nach lliSany, führt Winternitz.— 9. Oktober: Treffpunkt 6 Uhr Masarykbahnhos, nach Kkivoklad, führt Kapuschinsky. Der„Löwe des Trabens". Phantastisch« Laufbahn eine-„vornehmen" AaunerS großen Stils. Prag, 29. September. Bor dem Senat des OGR. Novotny stand heute eine kriminell berüchtigt« Persönlichkeit, der vierzigjährige Rudolf Müller, angeblich Konzcrldirektor. Die Anklagr dreht sich uni eine endlose Reihe von Betrügereien. Nicht weniger als 135 Personen sind(im Einzelsall die zu 5000 K) geschädigt worden. Die abenteuerliche Lebensgeschichte dieses kleinen, dicken, übcrelegant gekleideten Menschen, der den Typus des Schiebers verkörpert, verdient, hier kurz rekapituliert zu werden. Erste- Auftreten.— In Jahre 1911 war der damals 19jährigc(der uneheliche Sohn eines Fabrikanten) das leuchtende Vorbild der Prager Elegants. Sehr vornehm war der Herr Rudolf Müller. Nie gab er in seinem Stammlokal ein kleineres Trinkgeld als zwei Borkriegskronen— für damalige Zeiten ein unglaublicher Betrag. Wenn er auf dem Graben prominiprte, pflegte sein Lakai ihm zu folgen und ihm den Ueberzieher nachzutragen, denn dies« Mühe wäre mit dem Glanz seiner Persönlichkeit nicht vereinbar gewesen. Der Lakai pflegt« ihn mit„H oheit" zu titulieren. Allgemein nannten ihn sein« Jünger und Bewunderer den„Löwen des Grabens". Bis man ihn eines Tagewegen riesiger Wechselfälschung«» vor Gericht stellte. Er saß in Karthaus, als der Krieg auSbrach. Dir Krirgshyänr.— Er wurde entlassen und zu den Dragonern gesteckt. Kam in di« Bukowina, wo er verschwand und einige Militärpserd« mitgchen hieß. Dann taucht er in Budapest auf, und zwar als„K a u f m a n n" und H c e res- lieferant. Er lieferte an das Aerar und an private Firmen, was sich nur liefern ließ: Pferde, Selchwaren, Käse und selbst ans Ausland Geheimdokumente aus den Wiener Ministerien. Ab und zu s i tz t er rin paar Monate. Ber- dient im Handunrdrehcn Unsumnren am Kriegs- eiend und verschleudert sic ebenso schnell.— In einem Wiener Sanatorium tritt er als Fähnrich der polnischen-L«gion auf uitd lebt eine Weile gut, um dann ohne Bezahlung zu verschwinden. Als Oberleutnant dieser Truppe erscheint er in der kleinen Stadt M S e n o bei Mclnik, die er regelrecht„au-kauft', d. h. er schließt als Offizier Riesenkäufc ab und macht sich, nachdem die Uniform ihren Dienst getan und ihm den Kredit verschasft hat, den er brauchte, als schäbiger Zivilist aus dem Staub. Spezialist für organisierte Riesenbrtrügerri««. Was der Angeklagte tatsächlich alles auf dem Gewissen hat, wissen die Götter allein, denn di« Delikte, für di« er seine neun schweren Bor- strafen(zwischen 15 Monaten und fünf Jahren Kerkers) abgebüßt hat, erschöpfen lline Wirksamkeit sicherlich nicht. Seit 1930 hat er, solgendc bunt« Tätigkeit entfaltet: Er wurde Direktor des sog.„Leteckh fand"(Flugfonds) mit einem Monatsgehalt von 6000 K.(Bei solchen Stellungen scheint das Vorleben leine große Rolle zu spielen.) Dieser Flugfonds war eine etwas rätselhafte Gründung, die tnläßlich des L i n d b e r g h- F i m m e l S ins Leben trat und behauptete, einen tschechoslowaki- - scheu Ozeanflug finanzieren zu wollen. Tie Finanzen sollten natürlich durch patriotische Spenden aufgebracht werden. Müller nehm di« Organisierung dieser Sammelaktion cnergisch in die Hand und beschloß, sic als sein Privatgeschäft zu be- treiben.. Er ließ sich für eigenen Gebrauch Schnorrdrucksorten ansertigcn, fabriziert« einen fingierten„T ä t i g k c i t S.b c r i ch l", richtete sich ein Bankkonto ei» und hatte nun nichts zu tun, als das Eingehen der Spenden abzuwarten. -- j n«t.— BrramworMcher Jltbnheut:»r.«mll sIra uh, Pr«e.—.Druck:„Rot,- n.-t». für Zeitung.«I» Buchdruck/ Prag.— Für drn Druck«irmiluurlNch: Otto Holt», ..... Zclcgnplientytcllioii mit(tilak Nr. 13.800/VIIH030 drwMIgl.— IBejugd-u lau] Xatlf billigst drrlchncl, Bn Eilum N.>i«!«Nu.chlast,— Siuckstrlluug do,«quut,;iplrll rrjolg, Ml« dkl liioleuduug du RctmirmgUt». Ismen links“ unser erstes politisches Kabarett, wird Samstag, den 8. Oktober, im großen Uraniasaal ausgesührt. Begin» 8 Uhr. Kommet alle! Karlenvorverkanf bei Optiker Deutsch. Palais „Koruna"; Verein deutscher Arbeiter, Smekky („Bcseda"); S. J.-Funktionäre.(K 4.—; 2. I. Mitglieder l< 2.—; Arbeitslos« frei.« Aus dem Programm: Braune Woch«. Schaurrballadr vom Sauerkraut Sprechchöre. Lieder. Tanzgirls. Jazzmusik. Spielgruppe der Sozialistischen Jugend, Prag. . get««lgeEet. 0lerftlnitfahr«n wollen (20 K hin und zurück), melden sich beim Genossen Sikora, Gee., Tel. 51351. Abfahrt 7 Uhr früh, Jnngmanuplatz in Karolinenthal. Mit d«m Auto nach Aussig aut 9. Oktober ziini Länderspiel Tschechoslowakei—Deutschland. Antnel- düngen und Auskünfte erteilt Genosse Schrader, Gee., Tel. 51351. s ugenvbewegung. Sozialistische Jugend, Prag. Der Kongreß der Jugendinternationale findet In den nächsten Tagen tatt. Für die verschiedenen Veranstaltungen müsse» wir noch proben. Alle Privatangelegenheiten müssen zurücktretrn.— Freitag, den 80. September, auf der Hetzinsel, Probe der„Schauerballade" und der lolilischen Kabaretts, 7 Uhr.— Dienstag, den 4. Oktober, Im Heim am Fügnerplatz, Gesamt- probe, 8 Uhr.— Mittwoch für Gesamtprobe srcihallen; Ort wird noch bclann«gegeben. — Teilnahme ist Pflicht! Rote Fallen, Prag. Sonntag,»en 2. Oktober, Wanderung. Treffpunkt: Eickstation der 5er Elektrischen in Hlupoäepy, 8 Uhr. Proviant: Butter« brole, Obst, Gemüse, evtl. Schokolade und Käse. — Samstag, halb 4 Uhr, Rudihorde, Verein deusschcr Arbeiter. } KINO-PROGRAMM vom 80. September bis 6. Oktober 1088. Wran-Urania-Kino«« HgiKti deutsche« Kino PrasB iei J.iuw Der Hauptmann von KOpenldf. Das beste Lustspiel« der tatsächlichen Wirklichkeit entnommen. Meis ter Ic Ist uns Max Adalberte. Eine Type von UberwfiltlKender Komik.