Rr 236. Donnerstag, 6 Oktober 1932 12 Jahrgang. Siuzelvrels 70 Heller. (Einschließlich K Heller Porw tv ML Ms WZ Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. 1» daNion u. venoattung: veag ll,«e«»a»k<> i» ch r»l»»v,- rar«. 31469.3ta^ da den Herren Industriellen wirklich noch genügend Geld zur Linderung der Not der Krisenopfer hätte abgeknöpft werden können, hintertrieben und nicht einmal die, rund 100 Millionen, die der Finanzminister schließlich vor den Ferien von den Arbeitgebern als Krisenbeitrag haben wollte, zugelassen haben. Hunderte von Millionen hätten den besitzenden Klassen ohne große Folgen zu einer Zeit weggesteuert werden können, wo noch Geld genug da war. Diese Beträge fehlen jetzt in der Staatskasse und machen die Situation kritisch! Den Gipfelpunkt der Verlogenheit stellt wohl der Ruf nach der Sparkommission dar. Ein« solche Kommission hat doch schon bald nach dem Krieg existiert; ihre gesetzliche Basis war nicht viel verschieden von dem neuen Enttvurf, der heuer vor den Ferien vorgelegt, aber noch nicht verabschiedet wurde. Vorsitzender dieser Kommission war aber Herr Dr. Karel Kra- mak in höchsteigener Person! Daß diese Kommission bald nach ihrer Geburt wieder selig im Herrn entschlafen ist, das ist zum großen Teil die persönliche Schuld der Herrn Dr. K r a m a r, der als Vorsitzender eben die nötige Energie hätte entwickeln müssen, um die Widerstände, die sich der Kommission wohl entgegengestellt haben, zu überwinden. Jetzt auf einmal ist das Fehlen der Sparkommission an allem schuld; aber als sie bestand, do Haber die Herrschaften nichts getan, um sie zu erhalten und tatsächlich zu einem strengen Kontrollorgan der gesamten Staatswirtschaft auszubauen! Und ob Wohl die nationaldemokratischen Fabrikanten sich wegen der Schwächung der Kaufkraft je Gedanken gemacht haben, wenn sie ihren eigenen Beamten und Angestellten die Bezüge auf di« Hälfte oder noch mehr kürzen, ja die Leute zu Hunderten und Tausenden überhaupt auf die Straße werfen und damit aus dem Konsum praktisch überhaupt auS- schalten? Volkspartei gegen Beamtenkabinett. Das Kommunique« der tschechischen Volkspartei stellt fest, daß ihr Parlamentsklub nach den Richtlinien des Vollzugsausschusses über die Erzielung weiterer Sparmaßnahmen in der staatlichen Finanzverwaltung, die sofort wirksam wurden, verhandelt hat. Der Klub billigt« das Verhalten der beiden Minister in der Regierung und ermächtigte sie zu weiteren Verhandlungen nach den vom Klub beschlossenen(aber nicht näher ausge- führtcn!) Richtlinien. Mit aller Entschiedenheit sprach sich die Beratung gegen jede nichtparla- mentarische Regierung und für den Fortbestand der jetzigen Koalition in ihrer bisherigen Zusammensetzung auS. SuuerpoliMe Diskussionen. Klerikale gegen Rationaldemokraten. Die tschechische Presse aller Lager beschäftigt sich mit den innerpolttischen Vorgängen sehr ausführlich. Bemerkenswert ist die Entschiedenheit, mit der die Klerikalen gegen das Projekt einer Beamtenregierung austreten. Die Angriffe der klerikalen Presse richten sich vor allem gegen dieNatiottaldemokraten, von denen, wie wir bereits gestern geschrieben haben, die Idee einer Beamtenregierung ausgeht. ,Hidove L.", daS Organ der tschechischen Volkspartei, stellen zunächst mit Empörung fest, daß sich die„Nä- rodnl Lisch" auf ein ungewöhnlich niedriges Niveau begeben, wenn sie schreiben, die Minister jener Parteien, welche gegen die Beamtenregierung austreten, fürchten um ihre Ministersessel. Wenn daS tatsächlich der Fall wäre, dann könnte man wahrhaftig zusammenpacken und von allem davon laufen. Es sei sehr verwunderlich, daß gerade Dr. Kramak, der im Jahre 1907 im Wiener Reichsrat so entschieden für daS allgemeine gleiche Wahlrecht eingetreten ist, nun für den Sturz der parlamentarischen Regierung und die Einsetzung eines Beamtenkabinetts sei. Bon den Regierungsparteien seien die Tschechischklerikalen, die beiden sozialdemokratischen Parteien, die tschechischen Nationalsozialisten und die deutschen Agrarier gegen ein« Beamtenregierung, in der tschechischen Agrarpartei sei nur StanSk dafür. Di« Nationaldemokratie darf sich also nicht einbilden, daß sie das Schick- sal der Regierung in den Händen habe. StanSk Mr den Bürgerblock. Gewisse Hintergründe des Kampfes gegen die gegenwärtige Regierung deckt„Närodnl O s v o b o z e n l" auf: Die Gehaltsvorlage ist einfach zum Borwand und zur Gelegenheit der Eröffnung einer neuen Phase deS alten politischen Kampfes um die Macht, um Personen und um die Austragung alter Rechnungen geworden. Es ist sicher kein Zufall, daß zugleich der Stanökflügel in der Agrarpartei von neuem sein« Aktivität erhöht und daß man von neuem für einen großen Bürgerblock zu agitieren beginnt, in dem die Agrarpartei, befreit von den„Dienern der Burg", die Nationaldemokra- ten, Gewerbetreibenden, Slowakischklerikalen und auch Tschechischklerikalen in einer„nationalen" Front vereinigen würde, welche mit der Burg und den Sozialisten abrechnen würde. Ma« will die deutsche Sozialdemokratie hinausdrangen. Ueber die Absichten der bürgerlichen Parteien schreibt der Chefredakteur des„PrLdo Lidu" S t i v l n in dem genannten Blatt: Für den Hinauswurf der sozialistischen Parteien auS der Regierung gibt es mehrere Rezepte. Da» «ine ist die Hoffnung nach Erneuerung der Herren-Koalition, was aber auf da« Hindernis der Zahlen stößt, durch welche die Kraft der einzelnen Abgeordnetenklubs ausgedrückt wird. Es ist bei der heutigen Zusammensetzung der Nationalversammlung sehr schwer, eine tragfähige Regierungsmajorität o h n e die sozialistischen Parteien zu- sammeuzurechnen. Deswegen werden wenigstens Versuche gemacht, die Stellung der sozialistischen Parteien innerhalb der Regierung zu schwächen. Das geschieht durch ein« wilde Hetze gegen di« deutsche Sozialdemokratie und ihren Vertreter in der Regierung. Die Id« dieser Hetz« ist di« Hoffnung, daß den deutschen Sozialdemokraten einmal die Geduld ausgeht und daß dem Dr. Czech die Nerven den Dienst versagen werden, daß die deutsche Sozialdemokratie aus dem Regierungsschiff hinausspringt und das Berhältnis zwischen dem sozialistischen und dem Bürgerblock in der Regierung sich zugunsten der Bourgeoisie verschiebt. Ein anderes Rezept besteht in der Auflösung der Nationalversammlung und in der Ausschreibung von Neuwahlen in der Hoffnung, daß Fascisten, Hakenkreuzler und Kommunisten hier und dort etwas von den Positionen der sozialistischen Parteien abtragen und daß dann erst die bürgerliche Majorität möglich sein wirb. Schließlich gibt es das Rezept für die Bildung einer Beamtenregierung über den Widerstand der sozialistischen Parteien hinweg, welche eine Regierung der Bürokraten nach den traurigen Erfahrungen ftüherer Zeiten nicht nur im Interesse des Volkes, sondern auch im Interesse des Staates grundsätzlich ablehnen. Eine Beamtenregierung würde zwar schwer eine Dtehrheit zusammenbringen— darüber ist man in bürgerlichen Kreisen gut unterrichtet— aber man rechnet anscheinend damit, daß man für sie unter irgend einem Borwand irgend«in weiter Ermächtigungsgesetz erzielen könnte und daß dann die Bramtenregierung ohne Parlament regieren könnt«. Wer die Zeitungsstimmen aus den letzten Tagen verfolgt, weiß, wie lebhaft die Frage einer Beamtenregierung erörtert wird. Wenn di« Parteivertretung der tschechoslowakischen Sozialdemokratie es als notwendig erachtet hat, in ihrer samstägigen Entschließung den Gedanken einer Beamtenregierung sehr scharf zurückzuweisen, so geschah das sicher nicht ohne Grund. Vradao beharrt aut feinem . M mmalprogramm. Prag, 5. Oktober. Im Schlüßwort zur Debatte im landwirtschaftlichen Ausschuß erklärte gestern abends Minister BradaL, er sei stch dessen bewußt, daß sein vorgetragenes Programm nichts Großzügiges sei, aber er habe sich mit Rücksicht auf die Tragfähigkeit der Staatskasse von vornherein starke(?) Beschränkungen auf- erlegt. Großen Wert lege er nach wie vor auf die Kreditvorlage. Er stellte Deutschland alb Muster für die großzügige Lösung landwirtschaftlicher Fragen hin und erklärte, von den bescheidenen Forderungen, di« er vorgelegt habe, könne er nichts mehr nachlassen. TaS sei unmöglich; die Leute müßten einmal auch Erfolge sehen. Er deutete auch an, daß es vielleicht notwendig sein werde, Handelsverträge aufzukündigen,>md verwies auf Frankreich, das alle seine Verträge gelöst habe. Was den landwirtschaftlichen Kredit betrefft, so sei höchstens ein Zinsfuß von 5 Prozent erträglich, und das sei vielleicht schon zu viel. Weiter verwies der Minister auf die hohe Spannung zwischen den Vieh- und Fieischpreisen und urgierte die Bildung eines Molkereijonds. DaS Budget seines Ministeriums sei um 9.5 Millionen herabgesetzt worden; er wisse nicht, ob man damit ausreichen werde. Hinsichtlich der Landeskulturräte gab BradaL die nichtssagende Antwort, daß diese Korporationen den Landwirten gehören. Es lägen da gewisse Fehler und gewisse Traditionen vor; er sei überzeugt, daß man auf gewisse Wünsche werde Rücksicht nehmen und sie in den ganzen Organismus werde einfügen müssen. Das Getreidefyndtkat sei verspätet gekommen. Es sei möglich, daß kein anderer Weg alS daS Monopol übrig bleiben werde. Gegenüber dem ablehnenden Standpunkt' einiger Parteien gegen«in Biehshndikat erklärt« der Minister, daß auch ein schlechter und unzureichende» Syndikat doch eine Bast» sei und ein gewisser Plus bedeut«. War das verlangte Kartellgesetz betreffe, so habe er mit dem Justizminister Dr. Meißner die Vereinbarung getroffen, daß da» Justizministerium diese Vorlage ausarbeiten werde. Auf die Einfuhrscheine könne er nicht verzichten, außer es werde eine andere Form gefunden. Auf den Vorschlag, die hiefür bestimmten Gelder für eine Hilfsaktion zu verwenden, sei das Finanzministerium bisher nicht eingegangen. Abschließend appellierte der Minister an den Ausschuß, die landwirtschaftlichen Forderungen objektiv zu beurteilen und das vorgeschlagene Programm zu verwirklichen. Tie Verhandlungen über die Landwlrlscha?tskredite abgebrochen. Prag, 8. Oktober. Die heutig« Sitzung deS Koalitionsausschusses zur Beratung der Landwirtschaftskredite erwies sich als beschlußunfähig, da der Vertreter der tschechischen Sozialdemokraten, aber auch der deutsche Landbündler nicht erschienen waren und später auch der Vertreter der tschechischen dlatio- nalsozialisten die Sitzung verließ. Der Vorsitzende Marcha zeigte zunächst Lust, di« Beratungen trotzdem fortzusetzen, gab jedoch diese Absicht schließlich auf. Genosse I a k s ch vertrat die Ansicht, daß die Verhandlungen zu keinem Ziele führen konnten, solange nicht ein umfassendes Arbeitsprogramm der Regierung vor- ltege. In diesem Sinne wird auch der Ausschußvarsitzende beim Ministerpräsidenten intervenieren. Nr. 236 Donnerstag, 6. Oktober 1932 «Leite 3. * ... LEE WM UM Ein— zwei— drei Stunden vergehen. Gilgi, di« nur«ne knappe Stunde bleiben wollte, sitzt immer noch da. Was hält sie hier? Ihre Arme liegen auf der kalten Marmorplatt« des Tischchens wie festqefroren. Sie kennt so viele Männer, aber der Martin Bruck ist anders, ganz anders. Warum er ihr gefällt? Ja, warum? Als ob's so leicht wäre, sich darauf die richtige Antwort zu geben. Er ist nicht schön, nicht groß und stark und nicht elegant. Ist fo sorglos und gleichgültig angezogen wie einer, der sich nun mal damit abgefunden hat, daß er nicht nackt Herumlaufen kann. Er hat so nachdenkliche Hände, dünne, zerbrechliche Fingert Schmal und fleischlos ist sein Gesicht, die Stirn hoch und hart gebuckelt, der Haaransatz unordentlich. Eine kantige Nase, ein weicher, empfindsamer Mund, regelmäßige, prachtvoll gesunde Zähne, von denen jeder einzelne mitzulachen scheint, wenn Martin Bruck lacht, und dunkle, lebendige Augen, unaufhörlich wechselnd in Ausdruck und Blick. Mittelgroß ist er, schmal in Schultern und Hüften. Sicher und unbekümmert in Haltung und Geste. Nichts Besonderes, muß mich schon wundern, daß ich ihn so genau begucke. Es fällt Olga auf, daß Gilgi sich innerhalb von zwei Stunden viermal pudert, es fällt Gilgi selbst aus, daß sie wünscht, Olga möchte nicht gerade unter der Lampe sitzen, der Lichtschein macht ihr Haar noch leuchtender» als es ohnehin schon ist. Diesen Abend wenigstens sollte Olga nicht ganz so hübsch aussehn. Martin ist lustig und unterhaltend, freut sich, daß er hier mit ein Paar hübschen Mädels sitzt. Erzählen kann er! Der ist noch weiter gereist als Olga. Gilgi staunt. ,Za, und zu Hause— wo sind Sie denn zu Hause?" Ja, zu Hause ist der Martin Brück nirgends — der Bummler, der Tagedieb, der Habenichts. Bummler und Tagedieb war er immer, Habenichts ist er erst seit ein paar Wochen. War ein lustiges Leben, solange man die Taschen voll Geld batte. In allen fünf Erdteilen hat man sich herumgetrieben, in allen fünf Erdteilen Geld ausge- aeben. Ueberall war es schön, überall gab es Neues, überall hielt das Leben Ueberraschungen bereit. Unglücklich war man nur aus Kontrastgründen— um nachher doppelt glücklich sein zu können.. In Stanlehvill« am Kongo bekam er einen leichten Malariaanfall, in Kolumbien biß ihm ein naschhafte- Krokodil«inen Kosthappen aus dem linken. Oberschenkel— beides Unfälle» di« keine wesentlichen Folgen hinterließen, ihm die Freude am Dasein keinen Augenblick trübten. Bier Jahve führte er das Leben eines annähernd normalen Bürgers. Er schrieb zwei Bücher, di« einen guten literarischen Erfolg hatten. Geld brachten sie nicht ein. Brauchten sie ja auch nicht. Statt weiter aufzubauen, fand Martin, daß er genug gearbeitet hatte. Er war nicht ehrgeizig. ES würde immer ein« ganze Reihe anderer geben, die weitaus Besseres schrieben als er. Also! Es fiel ihm ein, daß es noch ungezählte Länder, Inseln, Müsse und Städte auf der Welt gab, die er noch nicht gesehen hatte. Da8 ruhelos« Um- herstreifen begann von n«uem. Ueberall fand er Freunde, Menschen, di« ihn gern hatten, Frauen und Mädels, die sein erster Kuß froh, sein letzter traurig machte. Zehn Jahre lang lebte er noch als fern eigener Herrgott— dann ging ihm di« Pust« aus. Er steckte den Rest seines Kapitals in die Fabrik seines Bruders und bekommt nun eine Monatsrente von zweihundert Mark. Mit zweihundert Mark braucht er nicht zu verhungern. Ein Snob ist er nie gewesen, auf Luxus und Eleganz kann er verzichten, Strapazen ist er gewohnt— was kann ihm schon Passt«ren! Treibt man sich jetzt eben mal in Europa herum. Gibt sicher hrer noch genug Interessantes, waS nicht viÄ kostet. Vielleicht arbeitet man auch wieder. Möglich. Nicht wahrscheinlich. Jetzt ist er in Köln. Ein Freund, der für zwei Joch« nach Rußland gefahren ist, hat ihm während dieser Zeit seine Wohnung zur Verfügung gestellt. Martin hat sich häuslich eingerichtet; hat ein verkrunkeltes Mäntelchen und zwei verstaubte Anzüge in den eleganten Schlafzimmerschrank gehängt nick drei riesige Bücherkisten in der Bibliothek aufgebaut, wo sie mit ihrem Hellen ordinären Holz grausam die dunkle Eichenmöbelharmoni« zerstören.— GklgiS Phantasie war immer ein artige- Kind: darfst em bißchen auf der Straße spielen, aber nicht um die Ecke gehen. Jetzt läuft das artige Kind mal etwas weiter. Martin erzählt, und Gilgi sieht: Meere, Wüsten, Ländeb— das ist nicht daS Eigentliche, was sie sieht; sie möchte sich Rechenschaft ablegen— ist das so gewohnt— ihr Gefühl aufzeichnen in Ähren eignen Worten. Ach, meine kleinen, grauen Worte! Daß jemand so bunt sprechen kann! Sie sitzt auf einer regenfeuchten Kugel— ganz weit, weit am Himmel ist eine Sonn«— man sängt mit jeder Hand einen Sonnenstrahl, wickelt ihn sich um die Gelenke, ganz fest, läßt sich hinausziehen— daß man so schwer ist! Die Sonnenstrahlen können reißen — immer näher rückt man an den apstlsinen- roten heißen Sonnenball— immer wärmer wird es..., Und es kommt vor, daß Martin Brucks Finger Gilgis Hand streifen, ganz unabsichtlich — und noch unabsichtlicher schiebt sich Gilgis Haud au den Tassen und Milchkännchen vorbei und liegt nun gerade da... liegt sehr in Reich, weite von— na> irgendwo muß man seine Horch ja liegen haben. Uiü> Olga hat tranmdustlige Augen, denkt an Franzi— Gilgi hat Olga sehr gern, Franzi kemrt sie nicht, aber sie freut sich, daß es chn gibt. Man muß den Verwandten Köln zeigen. Frau Kron hat so wenig Zeit. Gilgi wird am nächsten Tag von Tante Hetty und den beiden Kühen vom Geschäft abgeholt. Man sieht sich den Ring an:„Da ist der Jungferns-tieg schoiner". Apoftelnkirche, Hohenstraße, Wallrass-Richartz- Museum. Das interesiiert«inen gar nicht, aber wenn man aus einer fremden Stadt nach Hause kommt, will man sagen können: man ist im Museum gewesen. Um acht Uhr trennt sich Gilgi von den drei lieben Menschen. Kaüer-Wilhelm-Ring. Greif. Magdalene Greif geb. Kreil. Wieder steigt Gilgi eine Treppe hinauf. Es riecht nicht schlecht hier. Es ist still hinter den Türen. Kein Schreien, kein Schimpfen, keine stinkige, veratmete Luft, die sich lähmend auf die Brust legt. Freches, hochmütiges Treppen- gclnäder— Aufgang für Dienstboten und Lieferanten verboten!— hochherrschaftliches Haus. Der Fraiuer Talsperrenbau. Wahrscheinliche Baukosten 123 Millionen. Prag, 5. Oktober. Im Verkehrsausschuß des Abgeordnetenhauses brachte heute der tschechische Gcnofle Jng. N e c a s die krassen Ueberschrei- tungen beim Bau der Talsperren bei Schreckenstein, Wran und namentlich der großen Talsperre an der Thaya bei Frain zur Sprache. Er forderte genaue Aufklärung und eine derartige Zusammensetzung der Untersuchungskommission, daß deren Unvoreingenommenheit verbürgt sei. Vertreter einiger anderer Parteien schlossen sich im wesentlichen diesen Forderungen an. Arbeitenminister Ina. D o st a l e k gab hierauf ein« vorbereitete Erklärung ab. Demnach wurd« sofort nach den ersten Zeitungsmeldungen über di« riesigen Bauübrrschreitnn- gen bei der Frainer Talsperre, die 40 bis 70 Millionen betragen sollten, ein« fünfgliedrige Unter- suchungskommission eingesetzt, deren Arbeiten noch nicht beendet sind. Das ursprünglich« Projekt vom Dezember 1927 sah einen Gesamtaufwand von 83 Millionen vor; das Ministerium nahm ein« Reche von Verbesserungen vor und erhöhte deshalb die Gesamtsumm« selbst auf 87 Millionen. Davon sollten die Westmährischen Elektrizitätswerke 16, ander« Interessenten 7 Million«» aufbringen; der Rost von 61 Millionen sollte im Verhältnis von 6:4 auf den Staat und das Land Mähren aufgeteilt werden, das höchstens 25.6 Millionen zuzuschießen hätte. Di« eingelausenen Offert« beliefen sich auf 50 bis 80 Millionen; angenommen wurde schließlich das Offert der„6esko-Moravffa" für 68 Millionen. Schon dadurch ergab sich ein« Ueberschreitung von 16 Millionen, da für die an die genannte Firma zu vergebenden Arbeiten nur 52 Millionen projektiert waren. Nach einer neuen Berechnung des Brünacr Lnadesamts stellten sich die Kosten des oom Ministerium verbesserten Projektes bereits auf 98 Millionen(auf Grund der Preise vom Jahre 1927), mit Rücksicht auf die erhöhten Preise des angenommenen Ossrrts aber bereis auf 109 Millronen. Schon bei der Bauvergebuug ergab sich daher eine Erhöhung des genehmigten Bauaufwandes um 22 Millionen. Auf Grund des Berichts des Brünner Landesamts vom 5. September dieses J»hres wird der tatsächlich zu erwartende Bauaufwand auf 128 Millionen geschätzt, so daß eine weitere Nebcr- schreitung nm 14 Millionen hknznkommt. Diese Ueberschreitungen werden m»t technischen Mehrarbeiten begrüntet, die in der Hauptsache dadurch notwendig wurden, daß die geologischen Verhältnisse sich als ungünstiger hcransftell- ten, als das Projekt vorgesetzt hatte. Das sogenannte Jnventarpauschale bedeute keine Erhöhung veS Aufwandes, da dieser Betrag durch die entsprechende Herabsetzung der Stückpreise ausgeglichen werd«. Bis September dieses Jahres wurden für den eigent- lichen Bau rund 52 Millionen, für die sonstigen Arbeiten, Grundstückerwerbungen, den Aufbau der neuen Ortschaft usw. 25 Millionen ausgegeben. Fiuanzkommiffion der Landes Mähren-Schlesien. Brünn, 8. Oktober.(Eigenbericht.) Gestern und heute tagte die Finanzkommission des Landes Mähren-Schlesien. De« Hauptpunkt der Tagesordnung bildete der Voranschlag des Landes für das Verwaltungsjahr 1933. Er gibt ein Bild der traurigen Finanzverhältnisse des Landes, di« durch die Kris« eine Verschärfung erfahren haben, die kaum überboten werden ka t. In der ordentlichen Gebarung des JstW?>932 beträgt das bewilligte Erfordernis 4<1 Millionen, im Jahre 1933 sind es nurmehr noch 392.6 Millionen, der Rück- Klebrige Bratkartoffeln— Dame ohne Unterleib. Sekundenlang hab ich geglaubt, daß die Täschler meine Mutter ist. Weil ichs geglaubt habe, sie'ist's gewesen, ob Sekunden, zwei, drei, vier— Tage— Wochen— furchtbar egal. Magdalene Grerf geb Kreil. Feines Haus ekelhaft stines Haus. Ich gehör' nicht hierher. In di« Thieboldsgasse gehör' ich auch nicht, aber das stinkige Zimmer da— das ging mich was an. Warum? Herrgott im Himmel— Olga, Pit, Mutter — helft mir, ich will nicht denstn. Und da wik- kelt man sich zwei Sonnenstrahlen um die Handgelenke— Du mit den frechen starken Zahnen, mit den lebendigen Händen, dein aufrechten, un- gebrochenenen Racken— Gott, licebr, lieber, lieber Gott, zehn Minuten steh' ich hier schon vor dem lächerlich gemalten Flurstnster. weiß, daß ich hier stehe, bin doch nicht verrückt. Da ist was los mit mir—- los mit mir. Man denkt in Schlagern, fühlt im Schlagerrhythmus, taucht darin unter— tam-tam-tam-ta— Schlager: Flucht von und zu— Langsam steigt Gilgi— Stufe für Stufe. Sie weiß noch nicht, was sie s im Gesamtbetrag von 617.000 X bewilligt. Außerdem bestätigte der Landesausschuß die Wahl der Primäre Dr. Trnka für das Allgemeine öffentliche Krankenhaus in Pkibram, Dr. Rcjtharek in Kralove Mestec und Dr. Wieden in Tannwald. Drei Pfeile, als internationales Kamplzeldien. Am Sonntag tagten in Berlin unter dem Vorsitz Bruno K a l n i n s(Lettland) die Vertreter der Internationalen Kommission zur Abwehr des Fascismus. Es nahmen daran teil: für Belgien Bänder- veken und Vandersmissen; für Deutschland Höltermann und Feri; für Oesterreich Löw und Eifler; für die Tschechoslo- wakei(Aussig) Ullmann. Vertreten war auch der JGB. durch Stolz und die Arbeitersportinternatwnale durch Wil- dun g und Bühren. Die Konferenz nahm die Berichte der Ländervertreter über die Lage in ihren Ländern zur Kenntnis. Die Delegierten tauschten die Erfahrungen aus, die die Abwehrorganisationen im Kampfe gegen den Fascismus gemacht hatten. Die Konferenz faßte rhre Ansicht über die Lage und die fernere Tätigkeit in einer Entschließung zusammen und beschloß, das Dreipfeil-Shmbol als internationales Kampfabzeichen gegen den Fascismus sowie den Frerheitsgruß allgemein einzuführen. Die Arbetter-Turn- und Sportzeitung konfisziert!. Wir teilen unseren Vereinsleitungen mit, daß die Nummer 10 der„Arbeiter-Turn- und Sportzeitung" wegen zwei Artikeln über die Subventionspraxis der Ministerien und einer Kritik über den Bolkssportprozeß konfisziert wurd«. ver Lobonr-Partcitag. London, 5. Oktober.(Eig. Drahtb.) Henderson machte auf der Labour-Kon- ferenz di« Zusage, daß für den Fall, daß innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Labour- Regierung gebildet werden sollte— allerdings ein rein theoretischer Fall— eine besonders einzuberufeude Delegierten-Konferenz über die einzuhaltende Politik befragt werden solle. Am Dienstag wurde auf der Konferenz der Plan zur Verstaatlichung der Bank von England durch einen Ergänzungsantrag dahin ergänztbaß auch die Großbanken verstaatlicht werden sollten. Der Ergänzungsantrag wurde mit 1,141.000 gegen 984.000 Stimmen angenommen. Diese Abstimmung zeigt, daß die Konferenz in Leicester einen entschieden sozialistischen Kurs zu steuern entschlossen st. Dieselbe Resolution spricht sich gegen Englands Rückkehr zum Goldstandard aus. kür die Abrüstung. Der Kongreß nahm eine Resolution zugunsten der allgemeinen A b r ü st u n g an. Arthur Henderson erklärte in dieser Konferenz: Vergessen wir nicht, daß wir seit langem schon nicht mehr in der Atmosphäre. des Friedens, sondern in der des Militarismus leben. Ich kehre jetzt nach Genf zur Erfüllung der mir obliegenden Aufgabe zurück und werde trotz allen Schwierig- keiten mit aller Kraft bemüht sein, befriedigende Ergebnisse der Abrüstungskonferenz zu erzielen. Ilm Eopen-nalmcdg. Berlin, 5. Oktober. Die belgische Regierung hat, wie das Conti-Büro erfährt, bei dem deutschen Gesandten in Brüssel gegen die S y m- pathiekrkläru ng deutscher Kabine t t s m i t g l i e d e r für die Krefelder Kundgebung der Landsmannschaften von Eupen- Malmedy und Monschau Einspruch erhoben. Gesandter Graf Lerch en selb hat bei seiner gestrigen eingehenden Aussprache mit dem belgischen Ministerpräsidenten den deutschen Standpunkt in dieser Frage nachdrücklich vertreten und insbesondere zum Ausdruck gebracht,§aß die Frage Eupen-Malmedy für Deutschland mit der jetzigen Regelung, die keine sinngemäße Ausführung des Versailler Vertrages darsteil«, in keiner Weise erledigt sei. Streik in der Warschauer Gasanstalt Warschau, 5. Oktober. Heute ist hier der Streik der Arbeiter und Funktionäre der städtischen Gasanstalt ausgebrochen. Der Ausbruch des Streikes, der den Beginn eines allgemeinen Streikes der städtischen Angestellten und Funktionäre bilden soll, ist auf die vom Magistrat angekündigte 30prozentige Herabsetzung der Arbeitslöhne und Beamtengehälter zurückzuführen. In den frühen Morgenstunden wurde di« Gasanstalt durch Sappeurabteilungen besetzt. Der Regierungskommissär der Stadt Warschau hat die ztvangsweise Einstellung von 30 Maschinisten und 6 Ingenieuren der Gasanstalt zu der Inbetriebsetzung der Maschinen angeordnet. Die Maschinisten und Ingenieure wurden unter Polizeieskorten in die Gasanstalt gebracht und mußten unter polizeilicher Aufsicht ihre Funktionen aufnehmen. Der Magistrat hat allen streikenden Arbeitern und Ingenieuren den Dien st gekündigt. In einer Versammlung der Tramway-Angestellten wurde beschlossen, sich im Falle der Unnach- giebigkeit des Magistrates'dem Streike der Gasarbeiter anzuschließen. Seite 4 Donnerstag, 6. Oktober 1932 Nr. 236 Tagesneuigkeiten Der Korruptioilslkandal im iranMMn Fiugween. Paris, 5. Oktober. Di« Angelegenheit des sensationellen Skandals im Flugwesen nimmt neue Formen an. Der mit der Untersuchung der Angelegenheit betraute Richter hat unzweifelhaft festgestellt, daß verschiedene Dokumente, die den Sektionsvorstand im Luftfahrtministerrum Chaumiä und den Industriellen Weill er der Bestechlichkeit beschuldigen, gefälscht sind. Der Richter hat heute nachts den Direktor der Gesellschaft„Aeropostale" Bouillaux- La-- fo n tv vorgeladen, der diese Dokumente dem Gerichte übergab und die Klage erhob. Bouilloux-Lafontä gestand nach längerem Verhör ein, diese Dokumente von einem gewissen Lucien Collin, der bei seiner Gesellschaft angestellt ist, erhalten zu haben. Der Untersuchungsrichter hat daraufhin für heute früh die Verhaftung Collins angeordnet, der bereits wegeit Betruges vorbestraft ist. Es scheint, daß die ganze Angelegenheit persönlichen und in ge- wissem Maße auch politischen Hintergrund hat, abgesehen von der zwischen den Zivilfluggesellschaften zur Geltung kommenden Eifersucht. * Paris, 5. Oktober. Der mit der Untersuchung des Skandals im Zivilflugwesen betraute Richter ließ heute nachmittags Jean de Lubersack verhaften, der eingestand, dem Direktor der Gesellschaft„Aeropostale" Bouilloux-Lafont einige falsch« Dokumente geliefert zu haben, die den Sektionschef des Luftfahrtministeriums Chaumiä und den Industriellen Weiller kompromittieren sollten. Er erklärte, di« Dokumente von drei Personen erhalten zu haben, deren Namen er aber nicht verraten will. Die französischen Flie- aerkreise stehen geschlossen hinter Chaumiä und Weiller und verurteilen die Handlungsweise des Direktors der Gesellschaft„Aeropostale", der die beiden Fachleute auf dem Gebiete des Flugwesens auf Grund falscher Dokumente beschuldigte. Mesenbrand in einem slowakischen Dorf. Ei« Drittel der Gemeinde eingeäschcrt. In der Gemeind« R e d o v a bei Rosenau brach in der Nacht auf Montag aus bisher unbekannter Ursache ein Brand aus, der in wenigen Stunden ein Drittel der Gemeinde, und zwar 82 aus Holz gebaute Wohnhäuser, 33 mit der Ernte gefüllte Scheunen, ferner die landwirtschaftlichen Geräte und die zu den Bauernhäusern gehörigen Stallungen samt dem Viehbestand e i n ä s ch e r t e. Bei den Löscharbeiten wurden mehrere Personen ve r- letzt. Der Schaden, der nur zum geringen Teile durch Versicherung gedeckt ist, wird auf 1.8 Millionen K geschätzt. •, Warschau, 5. Oktober. Im Gebiete von Wilna wurde heute das Dorf Stryjenowo von einem Brande heimgesucht und gänzlich eingeäschert. Während des Brandes sind sechs Bauern und drei Kinder in de» Flammen umgekommen. * Reichenberg, 5. Oktober. In der Nacht auf heute brannte der westliche Trakt des Meierhofes Drausendor^ bei Kriesdorf, bestehend aus zwei Scheunen, Stallungen und einer Wohnung, vollständig nieder. Außer den Gebäuden im Werte von etwa 300.000 K fielen dem Schadenfeuer auch landwirtschaftliche Maschinen im Werte von ungefähr 55.000 K zum Opfer. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Hausbewohner wurden erst im letzten Augenblick durch das Bellen des Hofhundes, der selbst in den Flammen umkam, alarmiert. Bei der Arbeit gelo'et. Mähr.-Ostrau, 5. Oktober. Heute nachmittag ereignete sich in der Fabrik für Teerverarbei- tuna der• Firma Rutgers in Hohenstadt eine Explosion, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Als aus einem Reservoir Oel abgelasien wurde, entstand plötzlich eine Explosion der angesammelten Gase, wodurch der Verschluß herausgerissen wurde. Ein Brand entstand nicht. Durch Bruchstücke des Verschlusses wurde Oskar Hanke an den Kopf getroffen und starb bei der Ueberführung ms Krankenhaus. Sein Bruder Viktor ist an der Brust und am Arm verletzt und befindet sich im Krankenhaus. Durch die Explosion wurde das Dach abgehoben und in der Umgebung Fensterscheiben zertrümmert. Der getötete Oskar Hanke hinterläßt eine Witwe mit drei unversorgten Kindern. ro^e stürz eines deutschen Fliegers. Mannheim, 5. Oktober. Im hiesigen Flughafen ereignete sich gestern ein tödliches Flugzeugunglück. Der 24 Jahre alte Pilot Gauß, der mit einem Privatflugzeug aufgestieaen war, dreht« in 800 Meter einen Loopmg. Als er aus dem Looping herauskam, hatten sich die Tragflächen d«S Flugzeuges gelockert, so daß der Pilot m i t dem Fallichirm ab sprang. Der Apparat war aber bereits bis auf 80 Meter heruntergekommen, so daß der Pilot, trotzdem der Fallschirm richtig funktionierte, w hart auf die Erde aufschlug, daß er sich schwere Verletzungen zuzog. denen er später erlag. Politischer Mord an einem Bulgaren in Lefterreich. Wie«, 5. Oktober.(AN.) Am 2, ds. wurde bei Vöcklamarkt in Oberöstererich im Vöckla- Fluß eine' Leiche gefunden. Es handelt sich, wie jetzt festgestellt wurde, um Mrektionsrat Kroum Di m i tröw aus Sofia. Die Obduktion ergab, daß der Tod durch Halsstrangulierung mit einer Schnur eingetreten ist. Weiter wies die Leiche zahlreiche Kopfverletzungen und eine Schußverletzung am Halse auf. Die Fundstelle liegt 20 Meter von der Straße Linz-Salzburg entfernt. Man vermutet eine Mordtat aus politischen Motiven. Wiener WohltUigkeltsfchwindler verhaftet. Di« Arbeitsinvaliden um eine halbe Million betrogen. Wie«, 5. Oktober. Wegen eines großangelegten Wohltätigkeitsschwindels ist der Obmann des Reichsverbandes der Arbeitsinvaliden, der 31jährige frühere Hilfsarbeiter Leopold Wall- n« r, verhaftet worden. Er hat den Verein selbst gegründet und es verstanden, durch gröblichste Verfälschung aller Geschäftsbücher und Belege seine schwindelhaften Methoden jahrelang zu verschleiern. Er verstand es, sich Empfehlungen hervorragender Persönlichkeiten zu verschaffen, mtt denen er dann Agenten in all« Bundesländer mit der Aufgabe schickte, überall bei reichen Leuten, großen Unternehmungen, Klöstern, Stiften usw. für die armen Arbeitsinvaliden zu sammeln. Bon den Beträgen, die auf diese Weise eingingen» v e r w e n« dete er den größten Teil für sich, wobei er das Geld für Autofahrten, teure Hotels, Besuche von Bergnügungslokalen mit vollen Händen ausgab. Im Jahre 1931 hatten seine Agenten etwa 140.000 Sch illing ges am- me.lt, vort denen bloß 3670 Schilling tatsächlich wohltätigen Zwecken zugeführt wurden. Als der Verband schließlich infolge der Mißwirtschaft den Ausgleich anmelden mußte, gründete Wall- ner gleich. darauf mehrere andere ähnliche Vereine, in denen er seine Betrügereien fortsetzte. Der Handel mit Menschen soll verboten sein; das lernt jeder ABC-Schütze der Juristerei, dem man gleich zu Beginn seiner Strafgesetzschule einbleut, daß die Freiheit des Menschen und sein Recht am Leben nicht nur sein, sondern der Gesellschaft' und des Staates höchstes Gut ist(nicht etwa sei). Und allen diesen empfehle man«in Gespräch mit einem lener jungen Geschöpfe, die ihr Schicksal zwingt, mit den Menschen in direkte Berührung zu kommen, die wieder die Rolle von Arbeitgebern spielen dürfen. Bon hundert Fällen sind eS wenigstens fünfzig, da man, von dem Arbeitsucher«ine Kaution verlangt; erst dann wird ihm die Möglichkeit gegeben, das fürstliche Gehalt von 7 bis 900 K monatlich zu beziehen. Es soll jn Prag«in Buchhalter sein, der einige Sprachen spricht und etliche Jahre Praxis hat, von dem man eine Kaution von 200.000 L gegen einen Monatsgehalt. von 1200 K verlangt hat. Vor unser« Gerichten mehren sich in erschreckendem Maß die Fälle, da Angestellte durch Monate kein Gehalt erhalten haben und dann noch verzweifelt um die Kaution kämpfen müssen, die ihnen der arme Herr Chef, der seine müden Glieder im warmen Süden ausstrecken mußte, vorenthält; und in noch empörenderer Weise wiederholen sich die Fälle, da die Strafgerichte solche Individuen freisprechen, sich mit ihnen in ernste Dispute über die Ursachen ihrer sogenannten Zahlungsunfähigkeit einlassen. Wer die Arbeitsgerichte kennt, weiß einige Lieder von diesen Tragödien zu singen, von Tränen und Empörung der Ausgebeuteten; und wer die Zeitungen der Bürger in die Hand nimmt, der kann zu Dutzenden die Inserate aufspüren, mit denen Stellungsanwärter gegen Kaution gesucht werden. Und wer weiter liest, der findet di« echten Hyänen dieses Schlachtfelds: jene, die Stellen vermitteln und ihre zwanzig oder dreißig Kronen(oftmals die letzten) Anzahlung annehmen und jene, die große„Heimverdienste" versprechen und nur schlicht das Rückporto verlangen. Man handelt eben; wie mit Holz so auch mit Arbeitskraft und Menschen. Man sucht Sklaven nicht mehr mit der leibhaftigen Peitsche, sondern überläßt das Büttelamt dem gesellschaftlich geschützten Hunger und der Ausbeutung... Gräßlicher Selbstmord einer Prager Musiklehrerin. Dem„Expres" zufolge beging gestern die 47jährige Musiklehrerin RuLena Fiala in Wyi'chehrad auf furchtbar« Weise Selbstmord. Sie stürzte sich, nachdem sie vorher ein unbekanntes Gi f t getrunken hatte(wahrscheinlich Blausäure), um 8 Uhr früh aus dem Fenster des dritten Stockwerkes, wo str wohnte, in den Hof. Die Folgen des Sturzes waren furchtbar, da sie auf die blechernen Aschenbehälter auffiel, die im Hofe standen! Sie erlitt kompliziert« Brüche beider Beine und viele andere Verletzungen: denen sie auf der Klinik erlag. Die Ursache des Selbstmords war bisher nicht festzustellen da sie aus ihrer Ohnmacht nicht mehr j erwacht war. Niedriger hänge«! Der„Tag", die nun wieder von Aussig nach Dux zuruckverpflanzte Zier Deutschböhmens, brachte gestern in der „Kunst"-Rubrik fotzende Notiz: „Die Ratte« Verlage« das Systemschiff! George Groß— der Gotteslästerer und üble Pamphletijt des Zeichenstifts— geht nach Amerika. Die Schüler der„Art Students League"— einer Art AunstschülervereinS—„berufen" ihn nach Neuyork. Vielleicht in der Vorahnung der Folgen des Wirkens George Groß' am Neuyorber Kunstinstitut flüchtet« der dortige Direktor ins Privatleben. Wir bedauern die Amerikaner um diese personell« Bereicherung ihres Kunstschaffens und um di« hoffnungslose marxistische Verseuchung ihres Künstlernackwuchses, di« ihm bevorsteht. Daß George Groß Deutschland verläßt, ist Bereinigung und«in Gewinn für di« deutsch« Kunst. D a i h m verdeutsche Bodenoffenbar langsam zu heiß wird— und er, wie wir glauben, nicht mehr hierher zurückkehren wird—, bedauern wir sein Gehen nur darum, weil wir auch mit ihm gern abgerechnet hätten. S. Wozu man nicht mehr zu sagen braucht, als daß die Hakenkreuzler den großen Künsüer George Groß sicherlich nur deshalb so ganz niedrtz anfeinden, weil sie glauben, daß im„G e s i ch t d e r herrschenden Klass e", wie Groß es gesehen ürch gezeichnet hatte, auch die Hitler und Jung in all ihrem Seelen- und Körperadel treffend mitporträtiert sind. Wir werden es noch erleben, wie ihnen der Boden zu heiß werden wird! Und die Abrechnung ist schon im Gange! Der heurige Nobelpreis für Literatur soll zu gleichen Teilen Mischen dem französischen Schrift, steiler Paul Balerh und dem Deutschen Stefan George geteilt werden. Unter den Laureaten wird auch der russische Schriftsteller Maxim Gorkij genannt. Grauenhafter Selbstmord eines Arbeitslosen. Aus Silleiu wird gemeldet: Der achtzehnjährig« stellenlose Handelsangestellte Georg K u r o v s k y kletterte auf den 15 Meter hohen Mast der Starkstromleitung, welche von Handlova zur Silleiner Transformationsstation führt. Er berührt« die Leitung und wurde natürläh vom Strom getötet. Inzwischen hatten seine Ange- hörigen den Abschiedsbrief, in welchem er seinen schrecklichen Selb st mord ankündigt«, eichalten, konnten aber nichts mehr zur Rettung unternehmen. Die Leiche Kurovskys war derart verkohlt und zerstückelt, daß nicht einmal ein« Sezierung vorgenommen werden konnte. Mißglückter Raubüberfall auf«ine» Fabrikskassier. Auf den Zug der Palffyschen Schmalspurbahn bei Preßburg wurde bei einer besonders gefährlichen peilen Stelle ein Raubüberfall geplant, bei dem die Täter den Kassier der chemischen Fabrik Palffy ausplündern wollten. Sie rissen die Schienen der Bahn auf, wurden aber von der Gendarmerie, die von dem Plane Kenntnis erhalten hatte, und sich auf dem fahrenden Zuge befand, üb errumpelt.- Ein Täter wurde verhaftet, zwei andere ergriffen die Flucht in die Felder. Mord im Eisenbahnwagen. In einem Eisenbahnzuge, der nach Ungar.- Hradisch fuhr, hat sich Mischen den Hausierern Ivo Cubeliä und Boro Relatiä, Mei Dalmatinern, eine blutige Auseinandersetzung abgespielt. Di« beiden wollten mit den zahlreichen einrückenden Rekruten, die den Zug benützten, Geschäfte machen, wobei Cubeliä den Relativ in den verlangten Preisen unterbot.- Erbost über diese Konkurrenz geriet Relativ mit Cubeliä in einen Wortwechsel, in dessen Verlauf er ihm mit einem Stock niederschlug. Cubeliä erlitt einen Bruch der Schädelbasis und wurde, mit dem Tode ringend, in das Spital nach Ungar.-Hradisch gebracht. Relatiö wustte dem Gerichte eingeliefert. Der Kurbesuch in Marienbad. Gemäß der eben erschienenen Statistik des Kurbel uches Marienbads während der heurigen Saison, d. i. bis 30. September, betrug der Kurbesuch im ganzen 23.818(gegenüber 28.482 im Vorjahre) und weist demnach gegenüber dem Vorjahr einen Ausfall von 4664 Personen auf. Der Mann ohne Schlaf gestorben. In Budapest ist in einer Klinik einer der interessantesten und in det Oeffentlichkeit meist bekannten Patiemen, der Buchhalter Cornelius S ze tely, nach 16jährtgerSchlaflosig- k e i t gestorben. Er hatte im Kriege als Ober- leumant eine schwere Kopfverletzung erlitte« und konnte seit 16 Jahren nur mit Hilfe der stärksten Schlafmittel höchstens ein bis zwei Stunden schlafen. Ein gxauenvoller Hinrichtungsakt. Wie aus Paris gemeldet wird, hat sich dieser Tage m Caen eine der grauenvollsten Hinrichtungen der letzten Jahre abgespielt. Ein Araber, der eine Bäuerin ermordet hatte, wurde dort guillotiniert. Als man in die Zelle des Mörders trat, um ihn zu seinem letzten Gang abzuholen, setzte er sich derart zur Wehr, daß Gewalt angewendet werden mußte. Auch ein mohammedanischer Geistlicher, der aus Paris für ihn berufen worden war, vermochte den wie wahnsinnig sich gebärdenden Araber nicht zu beruhtzen. Sechs Wärter schleppten das Opfer unter das Fallbeil, wo er erneut verzweifelte Anstrengungen machte, sich zu befreien. Erst mit ein stündiger Verspätung konnte die Hinrichtung vollzogen'werden. Gewerbsmäßige Vogelsteller in der Slowakei. In der letzten Zeit hat sich der Fang von Stieglitzen in Trebisov zu einem Gewerbe ent- wickelt. Schon im heurigen Jahre hat die Trebi- sover Gendarmerie einen gewissen Ladislaus Loku8 aus Trebisov beobachtet, der nicht weni«r als 600 Stieglitze gefangen hatte. Die DoKel wurden ihm abgenommen und in dem Park von Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus ven Programme«. Freitag: Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatten. 15.30 Oboe-Borträg«. 17.05 Kammermusik. 18.25 Deut» s ch t S« ndung: Edwin Janetsihek: Wie ein Fahrplan entsteht. 19.00 Hermann-Sextett. 19.30 Har- monikavor träge. 20.00 Konzert.— Brünn: 16.10 Orchesterkortzert. 18.25/ Deutsche Sendung: Künzel: Die Entstehung unserer Stoffnamen. 19.35 Saxonphonvorträge. 22.30 Orchestettonzert.— Mährisch-Ostrau: 12.A) Orchesterkonzert. 18.30 Deutsche Sendung: Brosser: Goethe und die Religion. 20.00 Orchesterkonzert.— Berlin: 17.45 Chöre Berliner Komponisten. 20.00„Die Meistersinger von Nürnberg", Oper von Wagner.— Breslau: 20.30 „Fuhrmann Henschel", Schauspiel von Hauptmann. — Königsberg: 21.00 Orchesterkortzert.— München: 19.00 Klavierkortzert.— Wien: 20.40 Orchesterkonzert. Trebisov in FreiheiHgesetzt. In den letzten Tagen würben von der Gendarmerie die beiden Brüder Bojäiä beim Vogelfang ertappt. Bei der vor- geuoimnenen Hausdurchsuchung wurden bei ihnen 300 S ti« gl itze und Zeisige in 25 Käfigen Vovgefunden. Diese Singvögel sollten nach Frankreich, Ungarn und Deutschland geschmuggelt werden. Die Vögel wurden zu 3 bis 5 K pro Stück gekauft. Die vorgefundenen Vögel wurden be- lchlagnahmt und in Freiheit gesetzt. Greta Garbo— Fra» Mauritz Stiller. Tas „Neue Wiener Journal" veröffentlicht einen Bericht seines Stockholmer Korrespondenten, der behauptet, daß Greta Garbo Witwe des bekannten Filmregisseurs Mauritz Stiller sei, den sie im Jahre 1924 heimlich in Konstantinopel geheiratet habe. Der wahre Grund, weshalb Greta Garbo Hollywood verließ, soll nicht in dem Bedürfnis nach Ruhe oder in der Sehnsucht nach Schweden liegen, sondern in einem Prozeß um die Erbschaft Maüritz Stillers(der vor einiger Zeit von einer schweren Krankheit dahingerafft wurde). Es ist schwer zu sagen, warum der berühmte Regisseur und die berühmte Filmdiva so eisernes Schweigen über ihre Ehe bewahrten. Man kann nur annehmen, daß sie befürchteten, daß es der Volkstümlichkeit der Diva schaden könnte, wenn die große Oeffentlichkeit dahinter käme, daß sie in der alltäglichen Wirklichkeit eine gute Haus- ftau sei. Als dann Stiller starb, und aus der an sich schon sehr stillen Greta Gaibo eine Einsiedlerin wurde, di« tagsüber arbeitete, um ihr« Frei. Uit— immer allein— auf ihrem prächtigen Besitz in Beverly Hills zu verbringen, da glaubte man annehmen zu sollen, daß sie sich aus Schmerz über den Tod des großen Künstlers Stiller so zurückzog., Aber wer konnte ahnen, daß sie in ihm den Gasten betrauerte? Greta Garbo will unter allen Umständen die Erbschaft Stillers zugesprochen erhalten als seine Witwe, und sieht sich nun gezwungen, mit den Verwandten zu prozessieren. „Sport." In Schwetzingen(Baden) kam es zwischen den Mannschaften eines Fußball-Wettkampfe- zu einer Auseinandersetzung. Am erregtesten wurde der Schiedsrichter: er schoß ein« Gaspistole ab. Ein Unbeteiligter aus dem Publikum erlitt«ine schwereAugenverletzun g. Durch ei«e Gasexplosion wurde in einem Hause in Düsseldorf drei Personen schwl» verletzt. Bier Todesopfer eines Autounglücks. Bei Tieradz im westlichen Kongreßpolen geriet gestern abends ein Autobus infolge FederbrucheS beim Passieren einer Brücke ins Schleudern, durchbrach das Brückengeländer und stürzte aus 15 Metern Höhe In dar Rzeglina. Von den Insassen wurden vier getötet und sechs schwer verletzt. Sechsfacher Freitod. Wirtschaftliche Rot veranlaßte in Roskilde(Dänemark) einen Rechtsanwalt, mit seiner Ehefrau, seinem 15jährigen Sohn und seinen drei Töchtern durch Einatmen von Gas aus dem Leben zu scheiden. Miwelficn nm Döhm. Die im Münchner Prozeß enthüllte Tatsache, daß HitlerS Stabschef vor seinen eigenen Leuten beim Reichsbanner Schutz gesucht hat, erregt auch außerhalb Deutschland das größt« Aufsehen. Di« gesamte deutsche Presse beschäftigt sich mit de« nicht alltäglichen Ereignis und der vorwärts" fragt, ob eS vorstellbar fft, daß etwa der Vorsitzende des Reichsbanners, Hölterman«, vor seinen eigenen Anhängern ins Braune HauS flüchtet. Der Besuch RöhmS beim Major Mahr beweis« die ganze Innere Zerrissenheit der Hitler- bewegung, von der Hitler einmal gesagt hat/ es ereigne sich in ihr nichts, ohne daß er davon weiß. So drängt sich also die Frag« auf, ob er auch von dem geplanten Attentat auf den von ihm vergötterten Stabschef gewußt hat oder log, als er von seiner Allwissenheit sprach. Nur eine Presse macht in der Stellungnahme zu dem Besuch Röhms ein« Ausnahme: die nationalsozialistische. Der Berliner„Angriff" beschränkt sich darauf, unter einem fetten Titel den„Zusammenbruch einer Lügenhetz«" mitzuteilen. Bon dem Besuch Röhms bei Mahr schreibt er kein Wort. Er erwähnt nicht einmal den Namen RöhmS. Wir sind nun neugierig, was„Der Tag" zu diesen Dingen zu sagen hat. Er befleißigt sich Mar in der letzten Zert überhaupt einer auffallenden Zurückhaltung in der Stellungnahme zur Politik seiner reichsdeutschen Brüder, aber es ist sehr die Frage, ob er den Röhmbesuch unterschlagen kann, der allerdings geeignet ist, auch den letzten Räst des Nimbus von den nativ- nalsozialistischen Führern zu nehmen, den sie-suh »och erretteten. Nr. 236 Donnerstag, 6. Oktober 1332 Seite 8. Das Killder'chinden von Potsdam In den Potsdamer Krankenhäusern liegen 120 Kinder, denn am vergangenen Samstag und Sonntag hat die nationalsozialistische Partei ein Heer von Pchntausenden von Kindern in Potsdam zusammengrzogen. Im Alter von 5—16 Jahren waren sie nach Potsdam geschasst worden. Mit der Eisenbahn, auf offenen Lastkraftwagen, zu Fuß, ei nwührerKinderkreuzzug. Und wozu? Als Staffage für eine nichtssagende Rede von Adolf Hitler! An die Stelle der Masse Volk, die er sonst braucht, um sich zu berauschen ist diesmal eine Masse Kind getreten. Dieser Kinderkreuzzug nach Potsdam war ein ebenso wahnwitziges, ebenso gewissenloses und schreckliches Unternehmen wie der Kinderkreuzzug des Mittelalters. Man hat die Kinder mobilisiert als Opfer eines Massenwahns. Die Teilnehmer des mittelalterlichen Kinderkreuz- zuges sind verdorben und gestorben. Und die kindlichen Opfer. deL Massenwahns von heute? Jetzt wird hie schauerliche Bilanz dieses Potsdamer Kindertages bekannt! Man erfährt Einzelheiten, die Helle Empörubng Hervorrufen müssen. 120 JugeMiche im kindlichen Alter haben in deck Potsdamer Krankenhäusern Aufnahme gefunden. Allein im städtischen Krankenhaus wurden 30 Kinder in völlig erschöpftem und bewußtlosem Z u st a n d eingeliefert. Weit über die Hälfte der Kinder hat an diesen Tagen nichtszuessen erhalten. Mehr als di« Hälfte war obdachlos. Sie waren erschöpft von tagelangen Fußreisen, von Lastwagenfahrten bei Kält«, bei Tag und Nacht, ein Teil der in die Krankenhäuser Eingelieferten hat Lungenentzündungen davongetragen. Niemand wollte die Kinder aufnehmen. In der Luftschifshalle war ein Strohlager als Massenquartier aufgeschlagen. Dort lagen Kinder untereinander von 5—-16 Jahren, Jungen und MiÄchen, nur kümmerllch mit dünnen Baumwolldecken zugcdeckt in kalter Nacht, kein Frühstück, keine Gelegenheit zum Waschen, keine Latrine! Man hat die Kinder zusammengezogen und hat sie sich s e l b st ü b e r l a s s e n. Die Herren Führer sind im Auto angekommen, haben geredet und sind wieder verschwunden. Sie haben sich in chre Luxuslokale zurückgezogen. Mit den Kindern wußte man nichts anzufangen. Man hatte weder für Verpflegung, noch für Obdach, noch für Beschäftigung Sorge getragen. Noch das Vernünftigste wäre gewesen, ihnen zu sagen, wir brauchen euch nicht mehr, seht wie ihr nach Hause kommt! Aber man hat statt dessen mit den Kindern Militär gespielt. Man hat sie in stunde n l a n g e n M'ä r s ch e n auf schlechtem Pflaster bei kaltem Wetter urü» im Regen abgehetzt wie Rekruten, die. van gewissenlosen. Vorgesetzten auf dem Marsche geschunden werden. Augenzeugen sagen erschüttert aus, wie heruntergekommen, wie restlos erschöpft die Kinder ausgesehen haben, wie mitleidswürdig, verwahrlost und niedergebrochen, namentlich die Mädchen im kindlichen Alter waren. Üeble Geschäftemacher haben schließlich den Kindern noch die paar Pfennige abgenommen, die sie bei sich hatten. 120 dieser für einen Massenwahn' mobilisierten Kinder liegen in den Krankenhäusern. Wie viele ungezählt« mögen sich bei dem Kinderschinden von Potsdam schwere Krankheit zugezogen haben! Diese Kindermobllisierung, diese Zusammenführung von zehntausenden von Kindern unter solchen Bedingungen, noch dazu in einer Zeit, in der gefährlichst« Kinderkrankheiten graflieren, ist das verbrecherischste Schauspiel, das die gewissenlosen Demagogen der NSDAP, jemals aufgezogen haben! Das.ist ihre Sorge um die deutsche Jugend! Sie ist ihnen Mittel zum Zweck, Objekt ihres Machtwahns, lediglich Instrument einer gewissenlosen kaltherzigen unmenschlichen Regie. Dies Kinderschinden von Potsdam— ist es nicht wie ein Bild der Zukunft, der diese gewissenlosen Demagogen die deutsche Jugend entgegensühren wollen? Worte sind nicht stark genug um-diese Versündigung gegen die Kinder, dessen Gipfel der Verirrungen der Gewissenlosigkeit anzuprangern. Das Kinderschinden von Potsdam wird auf immer di« geistliche und sittliche Verwahrlosung der NSDAP wie den Wahnsinn unserer Zeit kennzeichnen! Bei seinen Leuten. Im Berliner Caro-Petschrk- Prozeß sollen jetzt hie Sachverständigen zu Wori kommen. Sie werden darüber aussagen, ob die Photographie der umstrittenen Mitgiftquittung über 400.000 Mark echt ist oder nicht. Ignaz Pei- schek, der dt« Quittung unterschrieb oder unterschrieben haben soll,.sagt, daß es sich bei der Potogrophie um«ine Fälschung handele. Die u. a. von Prof. Alsberg verteidigte Earo^eite will, die Echtheit beweisen. ES wird hart gerungen werden— aber nicht um di« 400.000 Mark, sondern um die Feststellung, ob Geheimrat Euro einen Meineid geleistet har. Dor dem..Berliner Arbeitsgericht stritt sich der bekannte Größhöteli.er LouiS Adlon mit seinem Sohn Karl herum. Kar! Adlon war als Empfangschef-heS^seinem Bot«r gehörenden Eoini- nental-Hotels akwebaut worden— vermutlich, weil et eine Deutsch-Amerikanerin geheiratet har. die dem Baier nicht gefiel. Der Sohn protestiert«; daraus forderte ihn Löüis Adlon auch noch auf, i«ine Dienstwohnung zum 36. September zu räumen Karl Adlon weiterte sich, weil er die Wohnung„nicht qls Angestellter,- sondern als Sohn" bewohne. Var Gericht einigt« man sich nun- Karl Adlon zieh! ans, Aber bekommt rin« Abfindung. Von 10 Menschen haben 7 Zahnstein ...aber bedroht ist jeder! Nichts schadet dem Aussehen mehr als verlorene Zähne... nichts den Zähnen mehr als derZahnsteinl Erhalten Sie sich Ihre kostbaren Zähne- befreien Sie sie vom gefährlichen Zahnstein durch regelmäßiges Zähneputzen mit Kalodontl In diesem Land enthält nur Kalodont als einzige Zahncreme das wirksame Sulforizin-oleat nach Dr. Bräunlich. Es entfernt den Zahnstein allmählich — erhält die Zähne fest und gesund I In den übrigen Banken, di« nicht mehr unmittelbar der Organisationssphäre des Bankbeamtenverbandes angehören, entfiel zumeist der Wahlgang, weil vom SdrnLmi nur eine Liste vorgelegt wurde, so daß auch in der Teska banka, Slovenska banka, Central, ba n k der tschechischen Sparkassen und in der Prager G i r o ba n k der genaue Kontakt zwischen Organisation und Betriebsausschuß gegeben ist. Auch in der Tschechischen Agrarbank, Tschfl. Diskontbank, Tätrabank, Fleischerund Selch er bank und in-den Landesinstituten, woselbst dex. für die Ueber- reichung der Kandidatenliste« festgesetzte Termin noch nicht vorüber ist, kann mit Sicherheit mit der Wahl der vom SdruLeni, hezw, von den Bertrauenspersonenkollegien aufgestellten Listen ohne Wahlkampf gerechnet- werden- Rur in der Mährischen Bank lag eine Gegenliste der Funktionäre und Direktoren vor, welche auch der Oberdirektor unterschrieb(!), doch erhielt diese Liste nur 1 Mandat, während 6 Mandate auf die organisiert«« Angestellten entfallen. In der l^i vn o st e n s ka banka wurde nur eine Liste des gelben Klubs vorgelegt, was mit den allgemeinen Verhältnissen, mit der Perse- kution und mit dem Terror zusammenhängt, der in diesem Institute Argen die im Sdrukeni organisiert« Beamtenschaft angewandt wird. „.- e einmal muß sie untergehn. Was geschah«, wenn die Sonne nicht mehr schienet Die Herkunft der Sonnenwärme. Wir pflegen ein paar Tage ohne Sonne schon als etwas sehr Unangenehmes zu empfinden. Für unser ganzes Wesen und Sein ist es bester, wenn wir ihre lebensspendende Kraft sozusagen immer harchgreifltch spüren. Aber was wurde geschehen, wenn nun die Sonne eines Tages überhaupt nicht mehr da, wenn ihr Schein auf ilnmer erloschen wäre? Allerlei Phantasien ind um dieses immerhin möglich« Ereignis gesponnen worden, und es ist wohl nicht zu bestreiten, daß mit einem Schlage eine völlige Veränderung eintreten würde. Gewiß trösten uns die Gelehrten damit, daß immerhin noch etliche Trillionen Jahre vergehen können, ehe dieses Ereignis Wiicklichkeit wird. Aber nehmen wir einmal an, daß... Welches wären die Folgen des Erlöschens der Sonne? Zunächst wäre wohl Finsternis auf der Erde, denn nicht nur das Sonnenlicht, sondern auch das Mondlicht wäre ja gleichzeitig ausgeschaltet. Der Schein der Fixsterne wäre der einzig«„Helle Punkt". Schlimmer aber ist noch, daß ja mit Aushören der Sonnenbestrahlung sofort die Tem- icratur auf ungeheuerliche. Werse.sinken würde. Wir müßten, damit-rechnen, daß-unsere Erde allmählich di« Temperatur- des-, WeltenraurnS bekommen würde, nämlich etwa 273 Grad'Kälte. Meere, Seen und Flüsse würden ausfrieren. Wie lange könnten die Menschen, wenn noch Menschen vorhanden wären, sich gegen die Wirkungen der Kälte schützen? Die Elektrizität würde ihnen nicht mehr helfen, da die Wasseralle, auS denen sie in der Kauptsache gewonnen wird, ja gefror«« sind. Die Kohlen- und Oel- vorräte sind beschränkt, auch die Wälder würden nicht allzu lange Brennholz liefern können. Ein Widerstand gegen diese Katastrophe ist also kaum denkbar, folglich erlischt mit der Sonn« auch das Leben auf unserer Erde. Eine Frag«, die im Laus d«r Zeiten viel Streit und Nachdenken hervorgerufen hat, ist die Erwägung, woher die Sonne eigentlich chre Wärme nimmt. Am Lauf der Zeit sind diele verschieden« Theorien ausgestellt worden. Maü hat berechnet, daß die von der ganzen Oberfläche der Sonne ausstrählende Energie, umgerechnet 23.000 Quadrillionen PS ausmacht. Diese Kraftausstrahlung ist mindestens schon zwei Milliarden Jahre vor sich gegangen. Wenn diese ungeheure Wärmemenge nur durch Verbrennung erzeugt würde, io müßte die Sonne längst erloschen sein, selbst wenn ihr Inneres aus reinem Kohlenstoff bestünde. Als die Wistenichaft die Entdeckung machte, daß Wärme auch auf mechanischem Wege erzeugt werden kann, wurde die Theorie auwestellt, daß di« Sonnenwärme dadurch aufrecht erhalten würde, daß ungeheure Mengen großer Meteore ständig von der Anziehungskraft der Sonne angezogen würden. Durch den Zusammenstoß der Meteore mit der Sonne sollte sich dann die nötige Energie entwickeln, di« zur Erzeugung der Sonnenwärm« nötig wäre. Aber Berechnungen ergaben, daß viel mehr Meteore dazu nötig wären, als man als vorhanden onn«hmen kann. Außer- dem würden die Maße der Sonne dadurch so erheblich zunehmen, daß man längst diesen Zuwachs hatte wahrnehmen können. Der Physiker Helmholtz hat dann die Theorie aufgestellt, daß die Sonnenwärme durch Zusam- menpresten entstehe. Infolge der Abkühlung zieht der Sonnenkörper sich zusammen, wodurch Wärme entsteht. Helmholtz hat berechnet, daß ein Zusammendrücken des Sonnendurchmessers um 40 Meter jährlich genügen würde, um für zehn biS fünfzehn Millionen Jahre die Sonnenwärme in ihrem fetzigen Umfange zu sichern. Da. aber dies« Zeitspanne als zu kurz angesehen wurde, ist man spater von feiner. Theorie wieder abgeganKtr, und zwar hat mgn.dar Vorhanden-, sein der Wärmemenge dann aus der Umwandlung gewaltiger radioaktiver Stoffmengen zu erklären versucht. Aber auch diese Theorie hatte ihre Bedenken, denn bekanntlich verliert zum Beispiel Radium im Verlauf von 1730 Jahren durch den Umbildungsprozeß die Hälfte seines Gewichts. Wenn di« Sonnenwärme auf radioaktive Umbildungen zurückginge, müßt« der Bestand an Radium in der Sonne vor 1730 Jahren doppelt so groß gewesen sein wie heute und dementsprechend auch die Energieaussendung. Aber es ist io gut wie ausgeschlossen, daß das- wirklich der Fall gewesen sein sollte. Es könnt« natürlich sein, daß die radioaktiven Umbildungen auf d«r Sonne nach andern Gesetzen sich vollziehen, als auf der Erd«. Nach d«n neuesten» Forschungen aber wird angenommen, daß die Wärmeausstrahlung der Sonne dadurch aufrrchterholten wird, daß ihr« Atome sich vernichten. Auf dieser Vernichtung der Atom« beruht nach diesen Forschungen die Fähigkeit der Sonne. In feder Sekunde eine Lichtmenge von vier Milliarden Kilo auszuströmen und diese Tätigkeit möglicherweise noch «tliche Trillionen Jahre fortzusehen. Ob man nun wirklich der Sonne auf die Spur ihres Geheimnisses gekommen ist, oder ob auch dieses nur wieder Phantasien sind, die in wenigen Jahrzehnten oder gar Jahren durch neue ersetzt und dann zum alten Eisen geworfen werden? Adolf K ö b e l. Volkswirtschaft und Sozialpolitik BetnebsauMubwahlen in den Banken Durch das neue Bankengesetz wurde die Gültigkeit des BetriebsauSschnßgesttzeS auf die Geldinstitute ausgedehnt. In der vorigen Woche wurden die ersten zunächst in den Großbanken ausgeschriebenen Wahlen durchgesührt Bei der Be- urteilurrg der vorliegenden Wahlergebnisse muß in Betracht gezogen werden, daß die Wahlen für die Banken als Gesamtinstitute(einschließlich aller Filialen) stattgefunden haben. Bei den Wahlen haben die gewerkschaftlichen Organisationen derBankange st eilten sehr gut a b g e s ch n i t t e n, wie sich aus folgender Uebcrsicht ergibt: In der Böhmischen EScompte- Bank und Eredit- Anstalt(11 Mandate) erhielt der Verband der Bankbeamten 8 Mandate. der Skontistenvrrband ein Mandat und die „Nichtorganisierten" sowie die Funktionäre je ein Mandat. Eine gegen den Bankbeamteiwcr- band gerichtete oppositionelle Liste blieb ohne Mandat. In der Länderbank(8 Mannte) erhielt der Bankbcamtemxrband 5 Mandate, Sloutisteuverband ein Mandat, Fünf* onäre zwdaten verteilt sich auf Listen der Nichtorganisierten, Direkt eulisten etc. In der A n g l o- P r a a o v a n k haben die Wahlen noch nicht stattgefunden. Wie erhöht man die Kaulkralt? Diese Frage stellt die„Landpost", das Or- ;an der deutschen Landbündser. an uns Sozialdemokraten, denn, so sagt diese Zeitung, wenn man schon immer die einzige Rettungsmöglichkeit auS der Drangsal der Wirtschaftskrise in der Hebung der Kauflraft seh«, müsse man auch einmal sagen, auf welche Weise das geschehen kann. Schlau fügt das gleiche Blast die Frage bei: wir willen schon, wie die Sozialdemokraten die Kaufkraft erhöhen wollen, sie haben ein. bekanntes Mittel dafür, nämlich die.Forderung: mehr Lohn! Demnach glauben also die Landbündler immer noch, man könne die Kaustraft der Meuchen mit der Berringeru n g der Arbeitslöhne herbeiführen. Glauben scheint da allerdings zu viel gesagt, denn zu dieser These fehlt auch ihnen selbst der Glaube, sie geben nur vor, daran.zu glauben, denn sonst müßten ste der gleichen Anschauung zuneigen, wen« über die Bezahlung ihrer eigenen. Arbeitskraft gesprochen und geschrieben wird. Aber dann ändert sich plötzlich ihre Meivung und sitz'suchen auf jede mögliche Weise zu belegen, daß. sie für ihre Leistungen zu schlecht bezahlt werden, daß ihr Schweiß umsonst fließe und daß deshalb Handel und Industrie solange kranken müßten, solange man- dem Bauer-' deck von ihm saner verdienten Löhn, vorentbäkte Tann gilt das Sprichwort,- das bet- jeder. Gelegenheit zittert wird:„Hat der Bauer Geld, dann hat er die ganze Welt". Davon sind wir nun noch lange nicht überzeugt, weil das Gell» im Strumpfe des Bauern der Welt nicht viel hilft, aber wenn der Bauer von der Richtigkeit dieser Ausfassung überzeugt ist, dann muß es sehr wirr in i einem Kopfe äus- schauen, wenn er gleichzeitig;u behaupten wagt, die Grundsätze, die für'feinen Stand gelten, seien, auf die Arbeiter und Angestellten übertragen, ein Unglück für die Volkswirtschaft. Leider gilt bei den Agrariern die alte Weisheit; je billiger der Lohn, um so billiger die Ware. So schaut die agrarische Lehre van der Wirtschaft aus. Die agrarische Presse höhnt über uns, weil wir die Kaufkraft, an welcher die Agrarier am meisten interessiert sind, durch erhöhtes Einkommen steigern wollen. Kann denn des solcher Anschauung der Landwirte überhaupt erusthäft über die Beseitigung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit ihnen diskutiert werden und kann man hei dieser Rückständigkeit daran glauben, daß die Agrarier einmal zu einem vernünftigen Partner der Arbeiterschaft im Kampfe gegen den Mißbrauch des Arbeitsertrages, der schließlich alle- Uebel aus der Welt verursacht, werden? Vorläufig wenigstens können wir nichfdaran denken. Erst muß diese grenzenlose Unvernunft in wirtschaftlichen Fragen bei den Landbündlern beseitigt werden, dann wird es-'möglich sein, mit ihnen eine Politik zu machen, die sowohl den Arbeitern als auch den schaff e n d e n Bauern zugute kommt. Heute, sind diese zu Zugtieren jener Bauernbünbler geworben- die felvst nicht arbeiten, sondern nur landwirtschaftliche Unternehmer Varstellen, also Großgrundbesitzer sind und deshalb wie jeder Unternehmer Interesse an hohen Preisen und niedrigen Löhnen haben. Ein solcher Grundsatz in der Wirtschaft mag sehr angenehm und nutzbringend für den einzelnen sein, für die Bevölkerung ist er ein Uebel, das zur Bereicherung jener führt, die in der Lage sind, Arbeitskräfte auszubeuten, die andern aber, und das ist die Mehrheit der Menschen, werden von ihr der völligen Verarmung überführt. Die Kaufkraft heben heißt, die Tendenz in der Wirtschaft verfolgen, die dem einzelnen emen hohen Ertrag seiner Arbeit verspricht, und die jenem, der nicht arbeitet, den Anteil am Arbeitserträge verringert. Nur dadurch kann d'» Mässe konsumtionsfäyia gemacht, die Produktion belebt werden. Die Millionen Kronen die der Bankdirektor oder Jndustrieleiter in einem Jahr bekommt, übt bei weitem nicht jene Wirkung auf Produktion und Handel aus, wie die gleiche Million, die auf, sagen wir vierzig Arbeiter und Angestellte, verteilt wird. Das ist der Kern des Rätsels um die Kaufirast; doch davon scheint man bei den Landbündlern nicht viel zu wissen, sonst müßte man in ihrer Presse etwas ernsthafter über diese Fragen schreiben. Seite K. Donnerstag, 8. Oktober 1832 N". 23» PRAGER ZEITUNG. Ein Wohllahrlsheamter, der die Arbeitslosen nnnumpt. näßliche Altäre in der ftnsler Arbeitsvermittlung. Prag, 5. Oktober. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll für, di« Beurteilung eines Deliktes nicht nur die Höh« des verursachten Schadens, sondern auch die-Verwerflichkeit der Handlungsweise in Betracht gezogen werden. Wie ist nun von diesem Gesichtspunkte aus das Verschulden eines Menschen zu. beurteilen, der Hine Stellung als,sozialer Funktionär zu L a st en der Allerärmsten miß braucht? • Heute begann das Strafverfahren gegen den 37- jährigen Magistratsrevidenten Franz Ianou 8 ek, der der Nusler Filiale des Prager Arbeitsvermittlungsamtes zugeteilt war. Er ist angeklagt, nach 8 3 des sog.„Antikorruptionsgosetzes" und die Staatsanwalt legt ihm ein« Reihe häßlicher Machenschaften zur Last. Der Polizeidirektion war in rascher Aufeinanderfolge eine Reihe von Anzeigen, zugegangen,- aus denen hervorging, daß der Angeklagte Hin Amt in folgender Art mißbraucht habe„ Er nahm Arbeitsuchende, die ihm für seine Pläne geeignet schienen, zur Seit«, versprach ihnen Anstellung und forderte gleichzeitig ein Darlehen. Der Dar lehensbetrag bewegt sich im einzelnen Fall zwischen 300 und 1000 X und tatsächlich bekamen diejenigen, die zahlen konnten, Posten zugSviesen. Sechs derartiger Fälle sind in der Anklage genau geschildert. Dies ist ein wahrhaft fürchterlicher Sachverhalt. Die Korruptionspest in sozial len Institutionen, zu denen di« verelendeten Opfer dieser hochherrlichen Gesellschaftsordnung ihre letzte Zuflucht nehmen! Wie ist vom Standpunkt des Proletariers diese Handlungsweise eines Menschen zu qualifizieren, der das skrupellos« Verdienerprinzip der Bürgerwelt in dies« Sphäre.der Not und des Elends'einführen möchte? Charakteristisch ist die Verteidigung dieses Magistratsrevidenten, der zwar nicht bestreitet, die Arbeitslosen an gepumpt zu haben, aber mit großem Ernst versichert, daß die Vermittlung der. tatsächlich verliehenen Stellungen mit den erhaltenen Darlehen „nichts zu tun habe". Woher denn! Die Verhandlung wurde zwecks Einvernahme weiterer Zeugen vertagt, weshalb wir auf diesen Fall aus bekannten Gründen erst nach ergangenem Urteil zurückkommen können. rb. Vroletarierttagödle. Das tödlich verbrühte Kind. Prag, 5. Oktober. Diese Sache spielt in einer Gr oß gärtner ei. Im Hofe dieser Großgärt- nerei,.wo die Gartenarbeiter ihre Dienstwohnungen haben und Wand an Wand eng zusam- »renwohnen..’ Es»st kurz vor der Mittagspause. Die Frau des Vorarbeiters erwartet jeden Augenblick ihren Mann zum Mittagessen. Es ist ein heißer Julitag. Der Mann wird sein Mittagmahl lieber draußen im Freien einnehmen, als in der dumpfen Stube. So trägt die Frau die siedend heiße, fast noch kochende S up pe hinaus und stellt sie zum Auskühlen aus ein hohes Faß. Zu gleicher Zeit krabbelt aber ein kleines Menschlein im Hofe herum, das anderthalbjährige Töchterchen des Nachbars und Ar- beitsgenossen. Die kleine Ludmila gerät in die Nähe des Fasses und der glänzende, rauchende A l u- m i n i u m t i g e l erweckt ihre Neugier, Sie rüttelte an dem Faß herum, es neigt sich— die kochende Suppe ergießt sich über sie. Das Kind sta rb in der folgenden Nacht nach fürchterlichen Schmerzen. Soweit das. Werk der allgütigen Vorsehung, Dann aber legten sich deren irdische Stellvertreter ins Werk und die. Sache endete mit einer Anklage gegen die fahrlässige Frau, die die heiße Suppe nicht bester verwahrt hatte. Dios« Frau, selbst Mut. ter mehrerer Kinder, erlitt bei der Erinnerung an das Geschehene einen Nervenanfakl und wälzte sich sinnlos auf dem Boden des Gerichtssaals. Gleichwohl kam Frau Justitia auf ihre Rechnung. Das Urteil lautete auf zwei Monate strengen Arrests. rb. hort- Spiel ♦ Köroerpnene lisch-Iennis-Iurnier der Arbeilersporller. um di« Meisterschaft der Hetzinsel. In den bisher ausgetragenen Endspielen im Einzel wurden folgende Ergebnisse erzielt: Altschul gegen Marek 3:0, Oespiva gegen Marek 3:1, Marek gegen Kaömaöek 3:0, Marek gegen Taub 3:1, Altschul gegen Möbius 3:2, Altschul gegen Charvat 3:2, öeipiva gegen Fink 3:0, Fink gegen Kaömaöek--8M, Fink gegen T a u b 3:1, Mob i u s gegen C hza r v a t 3:1, Möbius gegen Taub 3:2, TauÄgeg. Charvat 3:2, Charvat gegen Kaömaöek' 3:1. Als Sieger im ßinzel wird voraussichtlich Altschul(DTJ.) hervorgehen, der derzeit mit drei Siegen aus ebensoviel Spielen vor öeöpiva(DTJ.) in Führung Isegt. Die tschechischen Genossen haben sich in spielerischer Hinsicht ganz gut fortentwickelt, während die Atus-Spi«ler, im Können den tschechischen Genossen völlig gleichwertig, wahrscheinlich infolge des etwas gar zu viel in die Länge geratenen Turmers«inen überspielten Eindruck machen. Heute Donnerstag ab 7 Uhr abends, Samstag ab 4 Uhr nachmittags und Lonn- i a-i finden die letzten Spiele im Einzel statt Ebenfalls am Sonntag findet das letzte Doppelipi«' statt, und zwar spielen Möbius—Ta u b gegen Marek—Kaömaöek. Dieses Doppel entscheidet nicht nur über den Sieger, sondern auch über die drei .nächstfolgenden Plätze. Kunst und Wissen Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heut« Donnerstag, halb 8 Uhr abends:„Der Zigeuneröarou"(C 2).— Freitag, 7.30 Uhr: „Samson und Da lila"(D 2).— Samstag, 7.30 Uhr:„La Bvheme"(B 1).— Sonntag, 7.30 Uhr:„Der Zigeunerbaron"(A 2). Spiclplan per Kleine« Bühne. Heute Donnerstag, 8 Uhr:„Coeur-Bub e".— Freitag, 8 Uhr:: ,>Ka lkuMa. 4. Ma i'.;— Samstag, 8 Uhr:„Ka lkyttg, 4. Mai".(Für Freitag und Samstag Gutscheine und Ermäßigungen auch ungültig.)— Sonntag, 8 Uhr:„Coeur-Bube". Mitteilungen ans dem Publikum. Sie lachen vor Freud«— und Sie können es sich auch leisten:^denn Ihre Zähne sind gesund und schön sind frei vom gefährlichen Zahnstein. Zweimal täglich die Zähne mit Kalodont geputzt und zwomal im Jahr aus Vorsicht den Zahnarzt besucht, das ist der sicherste Weg, um sich die kostbaren Zähne zu erhalten. Denn Kalodont enthält aks einzig« Zahncrem« in diesem Lande Sulforizinoleat nach Dr. Bräunlich. Dieser Zusatz löst allmählich jene Substanzen, die den Zahnstein verlleben und ihm an den Zähnen Halt geben. Eine harte Zahnbürste und gründliches Putzen auch an den Innenseiten der Zähne räumen nach und nach den Zahnstein endgültig fort. So erhält man seine Zähne fest und gesund— blank und schön. 1730 Aus der Partei Unsere Parteischule in Sternberg. In. der Zeit vom 26. September- bis 1. Oktober fand im Sternberger Arbeiterheim eine Parteischule für die Kreise' Sternberg, Tröppau und Brünn statt. Montag, den 26. September, uin 9 Uhr porm. wurde die Schule eröffnet. Für den Kreis begrüßte Genosse Schloßnickel, für den Parteivorstand Genoste Dr. Wiener die Teilnehmer. Genosse Wiener erklärte, der Zweck der Parteischulen sei, unsere Funktionäre so zu schulen, daß sie imstande seien, der Phrase die wirkliche Erkenntnis entgegenzustellen. Nicht Bildungsarbeit um der Bildungsarbeit selbst, sondern die Waffen für den proletarischen Kampf zu schmieden sei dir Aufgabe. Ueber„Programm und Taktik dör Partei" sprach Genosse Dr. Wiener. Hervorgehoben sei seine meisterhafte Darstellung der Entwicklung der tschechischen Arbeiterbewegung von der Vorkriegszeit bis heute. Daß es uns gelungen ist, eine Verständigung mit der tschechischen Sozial- denwkratie herbeizuführen, bezeichnete er als die größte Leistung der sozialdemokratischen Taktik in der Tschechostowakei.— Ueber„aktuelle Fragen der Weltpolitik" referierte Genosse Dr. Franzet. Er behandelte hauptsächlich die Fragen der Kriegsgefahr und der Abrüstung, unsere Stellung zur Sowjet-Union und zur Komintern. Die von wahrhaft marxistischem Geist durchdrungenen Ausführungen müsten besonders eindringlich und eingehend der Arbeiterschaft vermittelt werden, r- Ueber den„Nationalsozialismus" trüg Genoste H o f b a u e r vor. Er verstand es in ausgezeichneter Weise, den ganzen Schwindel des Haken- kreuz-Fascismus aufzudecken und oft in humorvoller Art besonders die Auswüchse der hakenkreuzlerischen Demagogie aufzuzeigen.— Genoste Paul sprach über„Moderne Propaganda und Werbe m e th o d e n", wobei besonders die Erfahrungen unserer reichsdeutschen Bruderpartei verwertet wut- den; er gab sovielc Anregungen, daß unsere Genossen nuis in die Lage versetzt sein werden, vieles, angepaßt an die örtlichen Verhältnisse, zum Nutzen der Partei in die Tat umzusetzen.— Ueber „Aktuelle Wirtschaftsprobleme" trug Genosse Dr. Strauß vor, wobei er besonders die Krise der Weltwirtschaft in den Mittelpunkt seiner Darstellungen rückte. Die schweren Probleme, die hier zur Erörterung gelangen, konnte Genoste Strauß durch die besonders lebendige Art seines Vortrags leicht verständlich machen und die Schüler vieles selbst erarbeiten lasten. Die vorgetragenen Themen boten eine solche Fülle von Wiffenswertem, daß den Schülern jetzt die Aufgabe erwächst, das Gehört« zu verarbeiten und einem größeren Kreis' von Vertrauensmännern und Mitgliedern unserer Partei in den nun folgenden Bezirksschulen zu vermitteln. Allen Teilnehmern der Sternberger Schule wurde diese zu einem Erlebnis, dessen Eindrücke nicht so bald werden vergessen werden. Dank gebührt dem Parteivorstand und der Zentrale für das Bil- dungswefen, ebenso allen Vortragenden, Dank aber auch dem Genossen Z i s ch k a für die mustergültige Organisation der Schule und alle administrativen und sonstigen Arbeiten, die allen Teilnehmern den Aufenthalt im Kreise der Sternberger Bewegung so angenehm gestaltet haben. Mit neuem Mut und neuer Begeisterung heißt es nun an di« Arbeit zu gehen unter der Parole: Mehr Marxismus! * An di« Schule schlossen sich Exkursionen in die Steinberger Tabaktrafik und di« Kreis- konsujngeNossenschaft-i« Mähr.-Schön- b e r g an. Die K.G.S. mit Genossen Schreier an der Spitz« hatte den Teilnehmern einen herzlichen Empfang bereitet. Nach Besichtigung des gesamten Betriebs(besonders hervorgehoben sei die Fleischerei, Sodawassererzeugung, Kaffeerösterei, Tischlerei) betonte Genoste Schreier in längerer Rede'die Notwendigkeit der engsten Zusammenarbeit zwischen Genostenschaft und Partei. Seine Ausführungen wurden mit großer Zustimmung ausgenommen. M. B. Jugendbewegung. Frei« Bereinigung soz. Akademiker. IJ 2. Zum Student««- und Jugendkongreß haben im Lidovy dum Bürodienft: Donnerstag vormittags: Zdeno Fantl' Franz Ehrlich. Donnerstag nachmittags: Fredl Gloch— Eva Fleischmann. Freitag vormit- tägs^.Zheno Fantl— Franz Ehrlich. Donnerstag nachmittags: Hanna Arnstein.- Samstag vormittags: Eva Fleischmann— Edith Taussig. Samstag nachmittags: Eva Fleischmann— Helen« Kohn. Bahnhofsdienst. Samstag vormittags und nach- mittags^' Wilsonbahnhof: Erich Adler— Gert Gruck. Masarykbahnhof: Heini Klein— Josef Kkeöek. Denisbahnhof: Turl Kreisky— Ernst Güth. Führungen durch Prag leit««: Hans Tauffig, Grei« Arnstein, Erich Adler, Trude Kohn, Ruch Honitz, Leo Bloch. Zusammentreffen Samstag, 3 Uhr Lidovy dum. Sonntag müsten alle Genosten Punkt 8 Uhr im Lidovy dum gestellt sein.— Freitag vormittags ist das Heim gesperrt. Freitag nachmittags Eröffnung des Studentenkongreffes. „Lache« links"— Hauptprobe: Freitag abends halb 9 Ähr, großer Uraniasaal. Ausstattung mitbringen! Pünktlich sein, damit wir rechtzeitig schließen können. Rot« Falk««, Prag. Rudikameradschaft Samstag nachmittags halb 4 Uhr Verein Deutscher Arbeiter. Vereinsnadiriditen Die Jugendgrupp« des Einheitsverbandes der Privatangrstellt«« heliiligt sich qn allen Beranstal- tungeu, die im Rahnten pes Koizgresses, der Ioziali- stischen Äügendiniernätiönal« abgehalten werden. Verfolgt darum auch die Anzeigen an anderer Stelle dieses Blattes. Genosse Manfred Ackermann aus Wien, der bekannte Führer der österreichischen freigewerkschaftlichen Angestelltenjugend, spricht am Freitag, den 7. Oktober, als Gast der Einheitsverbandjugend im Bortragssaal des Dopz-Haufts, Jungmannstraß« 29, um halb 20 Uhr über das Thema:„Die Aufgaben der fteigew«rkschaftlichen Angestelltenjugend". Gäste aus befreundeten Jugendorganisationen sind willkommen. Di« deutsch« Arbeitsgemeinschaft kommt jeden Montag im Dopz-Haus um halb 8 Uhr abends zusammen. Allg«meiu«r Angestellten-Berband, Prag. Mitgliederversammlung heut«, Donnerstag, im Odborovh dum, Na Perstynö, Großer Saal. Amts stunden: von 7 Uhr an. Der Film Das Lied ein er Nacht. Aua rot L i r w a k ist eine o:r Registeur«, di« mit ihren wenigen Werken Kas- rn'rfo^e erzielt haben. Nach„Dolly macht Karriere" firm„Dover—Calais" und jetzt der Kietz u r a-Großreißer und Hauptschlager. Der Schöp fer dieses Films ist vor allem ein begabter Photomann, Pir ihn ist noch das Atelier nicht di« Hauptsache, er versucht es mit Naturwirkung und hat sich mit leinen Getreuen nach Lugano verzogen, wo ihm die. herrliche Natur wahrhaft bezaubernd« Außenaufnahmen ermöglicht. Aber soll man darüber — ,was. eine reine Geldfrage ist— vor Begeisterung Vic Hände zujammenschlagen, wenn sogar dorr eine schmucke Zigeunertruppe im Freien kampiert, um dem Herrn Star sofort Gelegenheit zu geben, seine Liebste(im Kleinauto) mit dem Hauptschlager „Heute Nacht oder nie" zu bezaubern und zu fangen? Nebenbei singt man noch„Rigoletto", beim Polizei« kommissär und mit Chor samt Orchester, trotzdem ein altes Fräulein recht deutlich am Harmonium tobt, und dann noch„Traviatä" und die Tenorpartien aus. dem ersten Akt der„Boheme", worauf dann alles begeistert ist und die liebe Magda Schneider ihm endlich um den Hals fällt. Kurz danach fahren die beiden bei strahlender Sonn« in der Schweiz herrlicher Szenerie, worauf es sogleich nochmals Nacht wird; Eisenbahnen zeigt man an billigen Modells und i«l Coupe belieben die Herrn Filmtenör« mit Vorliebe zu singen(Musik von Spoliansky). Vom Inhalt dieses Filmes ist wenig zu sagen; wieder einmal wird ein berühmter Mann(K i e p u r a als Tenor Ferraro)'mit seinem Begleiter(Fritz Schulz als Korxecky) verwechselt, er kann frei Herumlaufen, während sein neuer Reiscfreund als Tenor„ge- Samstag und Sonntag gehören do* Jugend! Sonntag, den 9. Oktober, wird der vierte Kon- - greß der Jugendinternationaile eröffnet.-Nachmittag um halb 3 Uhr findet im große« Saat der Produktenbörse eine Erftttnungslfundgebung statt, in welcher Genoste Karl Heinz, der Vorsitzende der Jugendinternationale, über „25 Jahre Jugendinternationale" spreche» wird. Deutsch« und tschechisch« Sprechchör«, Lieder, Fanfairenchor der Dresdner SAJ«sw. Samstag, den 8. Oktober, begrüße« wir unsere Kongreßgäste im großen Uraniasaat mit unserem Politischen Kabarett „LaMen links“ Begin«: 8 Uhr. Karten zu X 4.— bei Optiker Deutsch und im Verein Deuffcher Arbeiter. Sozialistische Jugend Prags. feiert" wird. Da er eigentlich Heiratsschwindler ist und verhaftet wird, kommt die ganze Sach« noch rechtzeitig heraus. Die Inkarnation irdische» Liebesglücks ist diesmal Magda Schneid« r, hübsch brav Und adrett, sie spielt sich eins nach der blonden Harvey guter Manier, ihre Mama ist die vortreffliche ,?st>a W ü st, ihr Papa der herrlich meckernde W a l l,b u r g, der Diener wird von Falkenstein Usch dir Sekretärin von M a rga L i o n tadellos gespielt. Kiepura hat eine, wundervolle Stimm«, ist aber schauspielerisch recht schwach. Wieder einmal einer von den äußerlich gefälligen Publikumsfilmen, die das Gift kleinbürgerlicher Beschränktheit und Verlogenheit mit besonderem Raffinement ins Volk tragen. W. Lg. Literatur „D«r slawische Gürtel um Deutschland." Polen, die Tschechoslowakei und die deutschen Ostproblcme. Von Max Hodann. Mit 64 Phoiographien, 19 Karten und 2 Geschichistafeln. Universitas, Deutsche PerlagS-A.-G., Berlin. Preis 10 Mk., geb. 12 Mk. Als die Frucht eines mehrjährigen, gründlichen Studiums aller irgendwie einschlägigen Literatur, mehrfacher Reisen in den betreffenden Ländern sind guter Beobachtungen legt der Verfasser dieses Buch der deutschen Oeffentlichkeit vor, die er mit Recht über die Verhältnisse in Polen und der Tschechoslowakei sowie über di« damit zusammen- hängenden Probleme für schlecht unterrichtet hält. Es ist nicht das Werk eines Nationalisten, sondern eines ernsten und gewissenhaften Forschers. Er verkennt. natürlich nicht, von welcher Bedeutung di« mit dsesen Ländern zusammenhängenden Fragen für Deutschland und für Europa überhaupt sind Max Hodann bespricht unvoreingenommen die Geschichte Ser beiden Länder, erörtert di« Probleme, die sich kür sie daraus ergeben, daß in chnen groß« deutsche Minderheiten leben, zergliedert ihr Wesen, chren staatlichen und nationalen Aufbau, ihre Wirtschaft und ihre soziale Gliederung. Mitunter fließt wohl ein etwas schiefes Urteil über politische Vorgänge «in, aber der kritische Leser wird sich dennoch leicht zurechtsinden. Im allgemeinen ist das Werk ein äußerst wertvoller Behelf zur Erkenntnis der in diesen Ländern gegebenen Verhältnffs«, uichr nur für die. Leser in Deutschland, sondern nicht minder bei uns Bon den Verantwortlichen der herrschenden Nationen gelesen, könnte es übrigens ein wesentliches dazu beitragen, ihr Gewissen zu schärfen. Der Autor versteht es, klar, verständlich und anregend zu schreiben, so daß es niemanden geben dürfte, der das Buch ohne großen Nutzen lesen wird.•—r. U^n dos Seim des klaffenbenmtzken i» a)ArbeUers gehört d. Zeuttalorglm. I »er Deutschen sozialdcmokr. Arbeiterpartei« „Sozialdemokrat"— 11 Sine Lezirkski ankeiwelsichekungs- linstall in Soriwslbiihmen sucht eine» Zahnarzt für di« Leitung ihres Zcchnambulatoriums. Bewerber müssen das Recht zur Ausübung der Zahnheilkunde nach dem Gesetze Nr. 3031920 besitzen Und Aerzte der gesamten Heilkunde(Zahnärzte) sowie tschechsl. Staatsbürger sein. Gesuche um diesen Posten müsten neben einem kurzen curriculum vita« die Gehaltsansprüche enthalten und mit den Pevsonaldokumenten belegt sein. Erforderliche Dokumente: Geburtsschein, Nachweis der tschsl. Staatsbürgerschaft, Nachweis der Erwerbung des Doktorgrades an«ner inländischen Hochschule und des Titels eines Zahnarztes. Vollkommene Kenntnis der deutschen und tschechischen Sprache erwünscht. Die Ausübung von Privatpraxis wird nicht gestattet. Anbot« sind ehestens an die Verwaltung dieses Blattes unter Chiffre„Zahnarzt" zu richten. 1735 Here» der. Siegfricb Zank.—. C 11 f t e b« 11 e■ t: WUhel» Stet ne t.— PcrmNwerMcher SebaReut: Dr tmU St rank, Stag.— Druck:.Siete' L-K für Zeitung- unb Buchbruck, Prag.— Für ben Druck eerantwertlich: Otte Heljf, Drag.*• Ste AetZungemartrnframatur würbe ven der Pest- u. Iclegrepbenblrcktleu nut Erlab St l3.8U0/VnH9B0 bewilligt— Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins bau» über bei Bezug durch bi» Pest me-nNtch Zt lü.—, dierteljätzruch Kb tö.—, (KtUyagcig IU 3b,—, ganziahrtg Kg lbL,—,— Zusemie werben laut Taris btüchtz berechnet. Bet eitere» Etujchüüuugez Pkrtznuchi-Ü,» Aückjlcllung«u» Lianullripte» erjelü! uuz ,li>r.u,....-ug der Reteiirmarle»,