12 Jahrgang. Samstag, s. Oktober 1932 Rr. 238. Das einzig richtige Krisenrezept: Wachen und nicht auf Wunder warten! Das SchluBworl des Genossen Dr. Czedi zur Debatte Ober die 40 Stinden-Wodie. Prag, 7. Oktober. Rebe« offenen und ehrlichen Bekenntnisse« zur Notwendigkeit der 40-Stundenwoche auch aus bürgerlichem Munde, die man gar nicht erwartet hätte, hatte die Ausschutzdebatte über das letzte Expose« des Fürsorgeministers auch ein ganzes Arsenal uralter, von Rost zerfressener Schlager gegen jedwede Arbeitszeitverkürzung ans Tageslicht gebracht. Die Herrschaften, di« di« Debatte mit solche« Talmiwaffen zu bestreite« gedachten, dürften bei dem Schlutzwort, das Genosse Dr. Czech gestern im Ausschutz hielt, nicht wenig betroffen, ja beschämt gewesen sein, bei dem Gedanken, datz sie sich an ein« so ernste Frag« mit so kläglichen Gegenargumente« überhaupt herangewagt haben. Schonungslos stellt« der Minister eines dieser Gegenargument« nach dem andern an den Pranger, deckte das falsch« Spiel auf, das bü Unternehmer im Kamps gegen di« 4V-St«nd«nwoche spielen und entlarvt« unerbittlich alle die faulen Ausreden, di« da ins Treffen geführt werden, von der„Belastung der Produktion" angefangen bis zu de«„sozialen Lasten" und ähnlichen schöne« Dingen. Besser noch als alles Reden unterstützten die trockene« Ziffern über die noch immer steigende Arbeitslosigkeit den Minister in seinem eindringlichen Appell an die Volksvertreter, sich endlich zu entschiedenen Maßnahmen gegen di« Arbeitslosigkeit anszuraffen und dabei veraltet« Vorurteile schleunigst über Bord zu werfen. Di« 4v-Stundenwoche ist ja keineswegs nur als Rotstandsmatznahme gedacht, sondern sie soll ein« dauernde Einrichtung werden, di« einzige, die angesichts der ungeheuerliche« Intensivierung des Arbeitsprozesses wieder Halbwegs«inen Ausgleich zwischen Menschen« und Maschinenarbeit schaffen kann. Je eher der Appell des Fürsorgeministers von den mahgebenden Faktoren in seiner ganzen Tragweite begriffen und beherzigt werden wird, desto eher wird es auch gelingen, die furchtbaren Krisenerscheinungen einzudämmen und zum Berschwinden zu bringen. Genofl« Dr. Czech führte in seinem Schlutzwort aus: Die zurückliegende Debatte brachte eine große Zahl von Anregungen, die eine überaus wertvolle Ergänzung de» Exposss bilde«. Dies gilt auch von jetieu Gesichtspunkten, die zwar in ein negatives Votum ausklingen, aber eine objektive Analyse der aufgerollten Probleme versuchen und dadurch zur Klärung der Situation beitragt«. Wenn bei-' spielsweise bei Erörterung der 40-Stundenwoche, die den Kernpunkt der abgeführten Debatte bildete, einer der beiden Sprecher der republikanischen Partei trotz seiner ablehnenden Stellungnahme- zum Ausdrucke brachte, daß er angesichts des großen Notstandes der arbeitenden Schichten die Notwend- keit radikaler Maßnahmen und den Ruf nach der 40Stu«denWoche verstehe, so beweist dies, daß der Gedanke der 40-Stundep.« Woche seit dem Augenblick, in dem der Gesetzes- antrag des Fürsorgeministeriums eingebracht Wurde, a« Boden gewonnen hat und daß sich auch in den Reihen seiner Gegner eine sehr bedeutsam« psychologische Wandlung zu vollziehen beginnt. Zwangsläufige Entwicklung zur 40 Stunden-Wodie. ' Das besagt freilich noch lange nicht, daß damit alle Hindernisse beseitigt, die Schwierigkeiten der Verwirklichung geringer geworden sind, aber es bestätigt unser« Zuversicht, daß di« Wirtschaft, lich« Entwicklung dem Gedanken der Berkürzung der Arbeitszeit ganz zwangsläufig den Weg bahnt und ihm schließlich zuu> Durchbruche verhelfen werde. Wie schon im Ezposs auseinandergesetzt wurde, wurde nämlich dir Forderung nach der Verkürzung der Arbeitszeit nicht bloß durch die herrschende Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit auSgrlöst, sondern vor allem d u r ch d i e m o d e r n c E n t w i ck lung der Arbeitstechnik und die Intensivierung und das rasche Tempo des Arbritsprazssct. Darum konnte auch Präsident Hoover in seiner Ansprache an die zur Beratung des Krisenproblems versammelten 350 Wirtschaftsführer mit voller Be- rcchtignng aussprechen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit im Interesse der Nation nötig sei, nicht nur um den Notwendigkeiten des Augenblicks zu begegnen, sonder« auch im. yin blick auf die trchnische Entwick.luirg der Zukunft. Bei ver 40 Stunvcnwoche handelt eS sich also nicht nur nm eine Rotstands- rnassnassme, sondern e.s geht in Wirklichkeit um eine dauernde Borsotge angesichts der gewaltigen Strukturwand- lnng des Arbeitsprozesses, die eine An- Pasiuug desselben an die neuen Arbeitsmethode« sowie an die gewaltige Entwicklung der Technik erheischen.; Indem. ich diese, Tatsache feststelle, bringe ich noch einmal alles dgS in Erinnerung, was nicht:mr seitens der Wortführer der. Arbeiterschaft und bebrütender Bolkswirtschästler, sondern vielfach.auch seitens weitblickender Unternehmer bereits vor vielen Jahrzehnten-zur. Frage-der Verkürzung der Arbeitszeit immer und immer. wieder mit dem größten Nachdrucke gesagt wurde. Schon vor 100 Jahren plädierte Robert O w r n, der selbst ein bedeutender Fabriksbejitzer gewesen ist, für die Einführung des Achtstundentages mit der Begründung, daß die neuen technischen Erfindungen keine längere Arbeitszeit erfordern, um die Wirtschaft mit ven notwendigen Güterp zu versorgen.. Was schon für. die damalige Zeit galt, gilt nach den letzten, vielfach ins Phantastisch« gehenden technischen Errungenschaften in noch gesteigertem Mäße für unsere Zeit. Und nichts ist bezeichnender für die Verhältnisse, als daß heute nicht nur die politischen s Führer Italiens, sondern auch die Arbntgeber und hier voran der Präsident der gewaltigen Fiat- Werke, der italienische Senator Ange l i, unter Berufung auf die gewaltige Leistungsfähigkeit der modernen Industrie Oie 40 Stundenwodie ohne LohnverhUrzung verlangt, und dabei sogar noch weiter geht, indem er sich für eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit auf Grund internationaler Vereinbarungen einsetzr. „Wir haben", sagt er,„an der Einführung des Achtstundentages ein gutes Beispiel. Warum sollte nicht die internationale Vereinbarung einer 36-, sä 32* stündigen Arbeitszeit möglich sein mit einer- Klausel über verhältnismäßige Erhöhung der Löhne." Unternehmerintrlgen. Aber gerade hier— bei der internationalen Vereinbarung— beginnen die Schwierigkeiten; So ost die B«rkürznng der Arbeitszeit zur Verhandlung steht, verweisen die Unternehmer auf di« Schwierigkeit ihrer Lage und vor allem auf die„Bedrohung ihrer Konkurrenzfähigkeit" und erklären, daß die Berkürznng der Arbeitszeit nur auf Grund einer internationalen Vereinbarung herbeigeführt werden könne. Wenn aber rin« solche Lösung im internationalen Maßstab« versucht wird, dann stellt stch gerade diese Gruppe dagegen! Wer die Vorgänge im Internationalen Arbeitsamte in Genf verfolgt, hat dies bereits seit Jahr und Tag beobachten können. Wir haben es vor drei Wochen wieder erlebt, als in der für den 21. September d. I. einberufenen außerordentlichen Sitzung die Frage der 40 Stundenwoche zur Verhandlung stand und sich sämtliche Arbeitgeber Vertreter— bis auf den italienischen— der Einberufung einer internationalen Konferenz zur Verständigung-über die 40 Stnndenwoch« widersetzten. Hier müßte es jedermann klar werden, daß für diese Borgangsweise nicht die immer und immer wieder ins Treffen geführte Sorge um die internationale Konkurrenzfähigkeit der Industrie der treibende Faktor ist/sondern daß hier gä uz ass der c M ö t'i v c am Werke sind!, Haltlose Gegenargumente. Es kommt auch den in•’•* Debatte geäußerten Bedenken, daß die Verkürz» a der Arbeitszeit infolge-erhöhter Lohnansprüche, und- gesteigerter sozialer Lasten eine„Belastung der Produktion" nach ziehen könnte, eiste entscheidende Bedeutung nicht zu. Es genügt hier, aus ven verhältnismässig geringen Anteil des Lohnauf- wanves an ven gesamten Produktionskosten zu verweisen unv in diesem Zusammenhänge aufzuzeigen, in welchem Masse sich dieser Lohnanteil infolge der fortschreitenden Intensivierung und Oekonomisterung des Produktionsprozesses immer mehr verringert, da die Löhne und Gehälter an dem technische« Fortschritt auch nicht einmal mit dem kleinsten Bruchteile partizipiere« konnten. Nicht unerwähnt kann in diesem Zusammenhänge bleiben, daß sich die für die internationale Konkurrenz in Betracht kommende Preisbildung in den entscheidenden Produktionszweigen wie Eisen, Kohle, Spiritus, Glas, Papier, Porzellan, Zement, Ziegeln, Soda etc. infolge ihrer Kartellierung absolut nicht nach de« faktischen Gestehungskosten, sondern nach Preisdiktaten der Kartelle richteten.'Diesbezüglich braucht nur als charakteristisches Moment angeführt zu werden, daß der Preis des Gußeisens in der Tschechoslowakei feit dem Jahre 1928 unverändert 85 KJ per 100 kg beträgt, während die einschlägigen Preise des Auslandes in dem» selben Zeiträume ifl England von KJ 58 21 aus KJ 35.19, in Deutschland von KJ 66.03 aus KJ 55.32, in Frankreich, von KJ 58.50 auf 29,26, in Belgien von 55.37 auf 28.23 gesunken sind! Soweit aber die sozialen Lasten in Betracht kommen, genügt es Wohl, darauf zu verweisen, dass sie im September 1830 in Deutschland 15.50 Prozent des Lohnes, in Oesterreich 18.20 Prozent, in der Tschechoslowakei 12.30 Prozent betrugen— wobei aus die Arbeitgeber 8.50, 8.40 und 6.85 Prozent entfallen —, so dass bei einer etwaigen Erhöhung die sozialen Lasten unseres Landes noch immer nicht an die.Höhe der sozialen Lasten Ver Nachbarstaaten heranreichen und sohin die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie nicht in Frage stellen könnten! Selbswerständlich übersieht das Fürsorgemun- sterium die technischen Schwierigkeiten nicht, die sich bei dem Uebergang des Achtstundentages zur Vierzigstundenwoche ergeben könnten. Deswegen hat es auch in seinem Gesetzentwurf die nötige» Vorsorgen getroffen, die einen klaglosen Uebergang zur neuen Arbeitszeit ermöglichen und allen Störungen im Produktionsprozeß begegnen sollen. Auch hinsichtlich der Landwirtschaft wurden entsprechende Bestimmungen vorgesehen, welch« eine Anpassung der neuen Normen an dir besonderen Verhältnisse der Landwirtschaft ermöglichen werden. Insoweit wird also den Notwendigkeiten der landwirtschaftlichen Betriebe Rechnung getragen. Darüber hinaus muß aber der in der Dehatte geäußerten Auffassung entgegengetreten werden, daß die Landwirtschaft schon aus psychologischen Gründen der Vierzigstundenwoche nicht beipflichten könne, die es ermöglicht, daß ein Teil der Bevölkerung weniger arbeite und einen größeren Verdienst einheimse, während der andere Teil mehr arbeiten müsse und schlechter bezahlt sei. Eine solche Differenzierung-der Arbeiterschaft und ihrer Arbeitsund Verdienstmöglichkeit, liegt dem Fürsorgeministerium gänzlich fern und müßte von ihm' abgelehnt werden. Es ist höchste zeit! Zusammensassrud muss gesagt werden, dass die wirtschaftlichen Berhäkt- nisse automatisch der raschesten Verwirklichung der Vierzigstundenwoche zn- treiben, denn die Arbeitslosigkeit befindet sich— trotzdem, dass wir erst im Oktober sind uv» di? Herbst- und Wintermonatc uoch vor uns habe« in weiterem Aufstieg. (Schluss auf Seite 2) Relormismus und Revolution. Von Emile Vandervelde(Brüssel).. In der belgischen Arbeiterpartei und ihrer Presse wird seit einiger Zeit über die Kampfformen und Kampfmöglichkeiten des Proleia- riats im Angesicht der Krise des Kapitalismus ein« Auseinandersetzung geführt. Eine Gruppe von.Lungen" vertritt dabei radikalere Auffassungen. Gegen diese und gegen einen Artikel des Führers der belgischen Arbeiterpartei,- den Vorsitzenden der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, Emilie Vandervelde, hat sich August Dewinnr, einer der alten Vorkämpfer der Bewegung, gewendet. Ihm antwortet Vandervelde. Bei Aufrechterhaltung des Grundsatzes, daß die Politik jeder sozialistischen Partei sich nach den Verhältnissen des eigenen Landes richten muß, ist die Antwort Vanderveldes so beachtenswert, daß wir sie nachstehend zum Abdruck bringen: Jawohl, mein guter August, wir sind seit vierzig Jahren Freunde. Es fehlt nicht viel an einem halben Jahrhundert, daß wir nebeneinander in der belgischen Arbeiterpartei kämpfen. Du bist während dreier Jahre mein engster Mitarbeiter gewesen. In schlimmsten Augenblicken während des Krieges haben wir zusammen gearbeitet, um die Gehalts- und Lebensbedingungen der nach Frankreich geflüchteten Belgier zu„reformieren". Erst vor wenigen Monaten hast Du mich als Mitarbeiter^ bei dem Aktionsplan gesehen, den man den des„öffentlichen Wohls" genannt hat, und der von unserem Kongreß einstimmig; angenommen Worden ist. Wie kannst Du' also- glaubens daß ich mich zur Ansicht' derer'bekehrt hübe; die die reforinistische Aktion aufgeben wollen und erklären, daß das einzig wichtige die revolutionäre Methode sei? Ich hatte doch ausdrücklich auseinandergesetzt, daß es sich nicht darum handeln könne, die tägliche Kleinarbeit aufzugeben, zu vernachlässigen, zu unterschätzen, jene unscheinbaren und unerläßlichen Aufgaben des Lohnkampfes, der Verteidigung und des Ausbaues der erreichten Refornien. Mein Gedanke ist nur— und ich frage mich, ob da eine Meinungsverschiedenheit zwischen uns sein kann—, daß es Perioden gibt, in denen die sogenannte reformistische Aktion der Arbeiterschaft greifbare Ergebnisse zeitigt, und andre, wo sie im Gegenteil nichts einträgt, nichts eintragen kann, weil die wirtschaftlichen Tatsachen es verwehren. Wenn die Konjunktur giinstig ist u>rd der kapitalistische Profit reichlich, dann kann sicherlich der Druck der Gewerkschaften, den die parlamentarische Aktion unterstützt, die Arbeits- und Lebensbedingungen des Proletariats verbessern. Map. hat das während der„Wellenberge" zwischen dell großen Krisen seit einem Jahrhundert beobachten können. Wenn nach der Ueberwindung der heutigen Krise ein wirtschaftlicher Aufstieg folgen sollte, wird man es wieder erfahren. Aber heute, lieber August, wo die Krise überall ist, wo überall die öffentlichen Finanzen im kläglichen Zustand sind, wo der Reingewinn der meisten Unternehmungen auf Null und darunter gesunken ist; glaubst Du wirklich, daß wir ehrlicherweise und ohne leichten Herzens den schwersten Enttäüschun- gen entgegenzugehen, den Arbeitern jagen könnten, daß eine Beteiligung der Sozialisten an der Regierung gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien hinreichen würde, um die Sachlage zu ändern und es möglich zu machen— wie das im Jahre 1918 der Füll war—, eine reiche Ernte von Reformen in die Scheuern zu bringen? ♦ Du wirst nur antworten, daß Du das gar nicht gemeint hast. Und ich glaube Dir gern. Aber was ist dann Trennendes zwischen uns? Nur Mißverständnis? Vic' j leicht. Aber es könnte auch eine abweichend Auffassung über den Grad der moralische' und materiellen Zersetzung des Kapitalismus sein. •' Seit, 2< Samstag, 8. Oktober 1932 Nr. 238 Wohlverstanden, ich gehöre nicht zu denen, die mit astronomischer Sicherheit Voraussagen, daß die heutige Krise die letzte sei und daß sie unfehlbar mit der endgültigen Katastrophe des kapitalistischen Systems enden werde. Es ist sehr interessant, in der letzten Nummer des„Avenir social"(Juni-Juli 193g) den Artikel zu lesen, in dem A. Rossi nut Zitaten belegt, wie Marx und Engels iw Jahre 1852 die Katastrophe und die Revolution sofori in Aussicht stellten, das heißt„in sechs bis acht Monaten". Und wie es seitdem bei jeder großen Krise Sozialisten gegeben hat, die verkündeten, daß dieses Mal es das letzte Mal sein werde. Was die heutige Krise betrifft, so glaube ich nicht, daß die Anzeichen einer> Wiederbelebung, die sich auf verschiedenen Seiten zeigen, ganz ohne objektive Grundlage und lediglich als politische Manöver amerikanischer Kapitalisten zu betrachten sind.! Aber andexseits habe ich die feste Ueber- zeugung, und mit mir viele andre, daß das kapitalistische Regime daran ist, sich selbst zu vernichten, daß es von Krise zu Krise seinem Ende entgegengeht, daß eine neue Welt im Entstehen ist. Kurz, ich bin der Ueberzeugung, daß unsere Aufgabe als Sozialisten nicht darin besteht, mitzuarbeiten an der Aufrechterhaltung eines zusammenbrechenden Systems, sondern zu kämpfen— auch unter Bedingungen, die tragisch werden könnten— für die Herbeiführung der Gesellschaftsordnung, die dieses System ersetzen soll. Freilich hast Du in Deinem Artikel im voraus Einspruch erhoben gegen den Gedanken, daß ein alter Sozialist wie Du andrer Meinung sein könnte. Aber Du fügst hinzu, und ich muß gestehen, daß diese Fragen, an mich gerichtet, mich in Erstaunen setzen: Soll diese Behauptung(der Notwendigkeit eines intransigenten Kampfes für den Sozialismus) den Verzicht auf alle reformistische Methoden einschließen? Soll man den Sozialisten, dir uns im Internationalen Arbeitsamt und im Völkerbund vertreten, vorschreiben, sie hätten jetzt zu gehen und die Türen zuzuschmeißen? Sollen wir den Gewerkschaften sagen, daß sie von nun an jeden Kollektivvertrag ablehnen müssen, selbst wenn er die Vierzigstundenwoche enthält? Aber ein, dir Sozialisten sollen nicht aus dem Internationalen Arbeitsamt oder aus dem Völkerbund austreten, weder mit noch ohne Züschmeißen der Türen. Noch viel weniger soll man Kollektivverträge abweisen, für deren Erhaltung in Deutschland die Kommunisten ebenso wie die Sozialisten mit größtem Eifer kämpfen. Man soll nichts aufgeben, man soll im Gegenteil mit aller Kraft die Werke sozialistischer Verwirklichung verteidigen. Nur ist das alles kein Grund, um vom Internationalen Arbeitsamt mehr zu erwarten als es eben kann, besonders jetzt, wo leider, dreimal leider, die wuchtige Persönlichkeit Albert Thomas* nicht mehr da ist. Was den Völkerbulü» betrifft, so müßte man ihn erfinden, wenn er nicht existierte. Aber wie viele Sozialisten haben in ihm Sitz? Und wie sollte man nicht zweifeln an dem, was er leisten kann, solange er sich nicht wirklich zusammensetzt aus„Völkern, ,die sich in Freiheit regieren?" Ich bin durchaus der Meinung, daß die Kollektivverträge von größter Wichtigkeit sind, und auch diejenigen, die in schlechten Zeiten auf sie schimpfen, wenn ihre Einhaltung sich zum Schaden der Arbeiter auswirkt, haben mit Feuereifer für ihren Abschluß gekämpft, so lange sie zu ihrem Vorteil galten. Aber es gibt Kollekrivverträge und Kollektivverträge: und selbst der beste Tarifvertrag wäre nicht empfehlenswert- wenn er weiteren Fortschritten den Weg versperrt« oder auf die Dauer den Kampfgeist unserer Organisation schwächte. Endlich, was die Reformen im allgemeinen betrifft, so ist es in gewissem Sinne auch„Reformismus", wenn man, selbst mit andern als' legalen Mitteln kämpft, um sie zu verteidigen oder sie den herrschenden Klassen abzuringen: die belgische Bourgeoisie hat in den Jahren 1886 und 1902 einiges darüber erfahren. Trotzdem wirst Du nicht glauben, wenn ich das Wort Revolution in dem Sinne gebrauch«, den es für Lassalle und auch für Marx hatte, daß ich daran denke, an Stelle unserer überlieferten Kampfmethoden eine blanquistische Politik der Handstreiche und der systematischen Getvalt zu setzen, die schon deshalb falsch wäre, lveil sie armen Teufeln uiOlötig das Leben kosten und die Gelegenheit für die„Ordnungsmänner" bedeuten müßte, sich einen blutigen Triumph zu verschaffen. Jin Grunde, mein lieber August, gibt es über diese Fragen unter Sozialisten keine wirklichen Meinungsverschiedenheiten. Ich habe Deinen Artikel in Zürich während einer Sitzung des Büros der Internationale gelesen, als man gerade über eine Reihe von Fragen beriet, die heute in furchtbarer Aktualität vor die Sozialisten treten: Wenn der Krieg trotzdem ausbräche, was würde die Internationale tun? Kann sich die sozialistische Demokratie angesichts der Verwüstung des Fascismus, der Gewaltstreiche der reaktionären Parteien, der brutalen Verneinung der Freiheiten und politischen Rechte, wo immer die Bourgeoisie sich bedroht fühlt, in allen Landern aus die demokratischen Methoden verlasien, um sich die Eingreifung der Macht zu sichern? . Mit welchen Mitteln kann man die Einheit der Arbeiterklasie wiederherstellen, die in der heutigen Lage Europas und der Welt immer mehr als die dringendste und wichtigste Notwendigkeit erscheint? Es ist schon so gut wie entschieden, daß Vor mir liegen dir letzten Ergebnisse der Ar« beitSlosenzählung. Gegenüber dem Monat August mit 460.952 Arbeitslosen weist der Monat September 1932 eine Arbeitslosenziffer von 479.912, also eine weitere Erhöhung um 18.969 auf, was eine Steigerung um weitere 4 Prozent bedeutet. Gegenüber dem September des Jahres 1931 mit mit 228.351 Arbeitslosen ergibt sich eine Verdoppelung der Arbeitslosenziffer, gegen den gleich-.» Monat des Jahres 1930 eine Vervierfachung. Der Vergleich mit dem Jahre 1929 mit eurer Arberts'- losenziffer von 34.341 zeigt einen ins 14fache reichenden Aufstieg. Die Betriebseinstellungen und-Reduzierungen sind leider noch nicht zum Stillstand gekommen. Die Ernte- und Hopfenarbeiten sind vorüber und auch die Rübenzeit wird nicht lang« anhalten. Wir haben also sehr bald mit einem natürlichen, durch den Abschluß der Saisonarbeiten herbeigeführten weiteren Zuwachs der Arbeitslosen zu rechnen. Es ist also hoch an der Zeit, die nötige» Vorsorgen zu treffen. Den« abgesehen von der Erschließung«euer Arbeitsmöglichkeiten, auf welche dir Hoffnung von hunderttausenden darbenden Familien gerichtet sind, vermag allein ein« rationell« Bewirtschaftung d«r in diesem Augenblick verfügbare» Arbeitsmenge durch Durchführung der Verkürzung der Arbeitszeit, also eine planmäßige Austeilung der vorhandenen Arbeit sowie eine dem wirtschaftlichen Notstand angepaßte Regelung d«S ArbritSmarkteS das Elend Hunderttausender von Arbeiter« zu linder«. DaS ist der Standpunkt des Fürsorgeministeriums; für die Angabe jedes anderen besseren Ausweges wäre das Ministerium dankbar. Das Fortwursteln muß anlhören! Leider hab« ich den Darlegungen jener Redner, die das Programm d«S Fürsorgeministeriums einer Kritik unterzogen haben, nichts entnommen, was uns neue Wege zeigen und den von der würgenden Krise betroffenen Familien einen Hoffnungsstrahl bringen könnt«! Mit den bisherigen s a t a l i st i- sch en Methoden, die die Dinge einfach an sich herankommen lassen und scheinbar ans ein Wunder warten, ist in dieser Situation nichts getan. Im Gegenteil mutz man, wenn man der Wirtschaftskrise und der Agrarkrise an den Leib rücken will, mit den längst überholte« Vorurteilen aufräumen und resolut Hand anlegen. Schade nm die vielen Monate und Jahre ungenützter Gelegenheiten! Wir haben in den zurückliegenden Jahren genug 'Lehrgeld gezahlt, darum dürfen wir mit««seren Matznahmen nicht zu spüt kommen, damit nicht weiterer unwiderbringlicher Schaden gestiftet wird. *** Warum kein Unternehmer* beitrag? Zu einigen in der Debatte gefallenen Bemerkungen führe ich an: Das Fürsorgeministerium hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß es in der obligatorischen Arbeitslosenversicherung, zu der nicht nur der Staat und die Arbeiterschaft, sondern auch in gleichem Maße die Arbeitgeber beizutragen hätten, das verläßlichste Fundament für die Arbeitslosenfürsorge erblickt. Die Behauptung, als ob das Prinzip der obligatorischen Arbeitslosenversicherung dort, wo es eingeführt wurde, Schiffbruch erlitten hat, ist unzutreffend. Es ist;a selbstverständlich, daß in Zeiten einer außerordentlichen Krise alle Einrichtungen sozialen und wirtschaftlichen Charakters in stärkstem Maße betroffen worden. Es.konnte daher' auch die Arbeitslosenfürsorge hievon nicht verschont bleiben. Wenn auch unsere Arbeitslosenfürsorgr in noch höherem Maße in Mitleidenschaft gezogen erscheint, ist dies zum großen Teil dadurch verschuldet, daß unsere Arbeitgeber während des zurückliegenden Jahrzehntes zu den schweren Lasten der Arbeitslosenfürsorgr überhaupt nicht beigetragcn haben, was auf die Dauer unhaltbar ist. ES ist nicht einzusehen, warum die Arbeitgeber Deutschlands, Oesterreichs, Englands, Italiens, Polens, Irlands, Bulgariens und man zur Diskussion dieser Fragen eine erweiterte Internationale Konferenz einberufen wird. Das setzt natürlich in jedem Lande lange und ernste Vorarbeit voraus. Es wird zweifellos zum mindesten dahin führen, gewisse Mißverständnisse zu beseitigen, die sich aus dem doppelten Sinne ergeben, den man dem Wort Revolution beimißt, und die Verwirrung zu klären, die in bezug auf das revolutionäre Endziel und die Mittel, es zu erreichen, besteht. Es soll schließlich Klarheit bringen über die gar zu einfache Meinung, die man manchmal besonders bei unseren Jungen findet: daß eine gemeinsame Ideologie notwendigerweise auch die Anwendung derselben Methoden fordere, daß zum Beispiel die Eroberung der Macht sich in allen Ländern, in jedeni Zeitpunkt und bei jeder wirtschaftlichen Lage in gleicher Weise vollziehen müsse. Doch davon ein andermal. di« einiger Schweizer Kanton«, kurzum alle In- dustrieftaate«, an den Lasten der ArbeltS- losenfürsorge zu partizipieren vermögen und bei unS nicht! Leider ist die augenblickliche Ueberführung der bestehenden Arbeitslosenfürsorge in eine obligatorisch« Versicherung in dieser Zeit unmöglich. Deshalb, hat das Fiirsörgeministctiuiü den NoOond als Uebergangs- sladium in Aussicht genommen. Die in den Normen der Rötfonds vorgesehenen Unterstützungslcistungen sind das Minimuni dessen, waS zum Nährstand der von der Krise betroffenen Arbeiterfamilien notwendig ist. Ddrum hält das Fürsorgrministerium an der Forderung«ach Verwirklichung deS Notfonds fest und verlangt bis dahin ein« reichere Dotierung der außerordentlichen Hilfsaktionen deS Staates, di« den nichtvrrsichrrtrn Arbeitslosen über di« schwer« Zeit hinweghelfen und auch für die Heranwachsende Jugend die nötigen Mindestvorsorge» treffen sollen. nilic für die Gewerkschaften. Bezüglich der Gewerkschaften, deren Um terstützungs.fönds nach dem jetzigen Stand Geba- rungsabgäng« in Millionenhöh« aufweisen, bereitet das Fürsorgeministerium weitere Maßnahme» vor,, die einerseits die Abbü rdung deV Gebärungsabgänge htrbeifijhren und andrrnteils ihrem weiteren Anwachsen wenigstens einigermaßen Vorbeugen sollen. Die Gewerkschaften haben als Träger der staatlichen Arbeitslosenfürsorgr in de» zurückliegenden Jahren die schwer st en in ä tert eilen Opfer gebracht und dem Staat durch die Uebernahme und Erfüllung der ihm zufallende» Aufgabe eine» großen Dienst erwiesen. Es liegt also nicht nur in deren, sondern hauptsächlich auch im allgemeinen Interesse, ihnen nicht mehr zuzumuten, als sie ohne Beeinträchtigung ihrer sonstigen Aufgaben auf sich zu nehmen vermögen. Das Fürsorgeministerium wird sein« Anträge dem Ministerrat schon in der allernächsten Zeit überreichen. Vie Ernährungsaktion. Anlangend die Ernährungsaktion erklärt das Fürsorgeministerium neuerlich, daß es in den für diese staatliche Hilfsaktion ausgegebenen Normen all« Vorsorgen für eine Kontrolle getroffen hat. Wenn man sich die große Zahl der vom Ministerium für jeden Abschnitt ausgegebenen Lebensmittelkarten vor Augen hält, dann wird man es verstehen, daß hiebei Anstände unterlaufen können. Dies hat Vas Ministerium auch niemals in Abrede gestellt. Das Ministerium selbst kann die Verteilung der Lebensmittelkarten an jeden einzelnen Unterstützungswerber nicht selbst durchführen und muß sie einesteils den Bezirksbehörden und andrrnteils den für diesen Zweck sowohl' innerhalb der Gemeinden als auch der Bezirke eingesetzten sozialen Kommissionen überlassen, deren Zusammensetzung der der Gemeinde- und Bezirksausschüsse angepaßt ist, so daß sämtliche in diesen Körperschaften vertretenen Parteien die Möglichkeit der vollen Einsicht in daS Verzeichnis der Bewerber und die weitestgehende Kontrollmöglichkeit haben. Wenn trotzdem Anstände unterlaufen, dann haben die mit der Verteilung betraute» Unterinstanzen für ihre Abstellung zu sorgen. Zur Ehre der Arbeitslosen muß jedoch festgestellt werden, daß di« Zahl der Beanstandungen, gemessen an dem Umfang der Hilfsaktion und den« KreiS der UnterstützungSwerber, ganz minimal ist und daß weiters Beanstandungen nicht bloß der Ernährungsaktion anhaften, sondern daß sie viel» 5,1 Millionen Arbeitslose In Deutschland. Berlin, 7. Oktober. Nach dem Bericht der ! EiHsansfalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung für die Zeit vom 16. bis 30. September waren Ende September bei den Reichsämtern rund 5,100.000 Arbeitslose gemeldet. Während des ganzen Monat September hat dgbe.i die Arbeitslosenzahl nach einer vorübergehenden Erhöhung um rund 123.000 abgenommen. »ne besttailsdie Bluttat der Nazis. Hamburg, 6. Oktober. Am Mittwoch abend kam es in dem Hamburger Stadtteil Hammerbrook zu einem ruchlosen Uebersall auf einen sozialdemokratischen D i st r ik t f üh r e r. Die Nazis hatten den ganzen Abend schon in Hammerbrook Terror ausge- übt. Als der Distriktführer Böge mit zwei Parteifreunden an der Ecke Spaldingstraße und Heidenkampsweg stand, wurden sie Plötzlich von vierzehn Nazis angegriffen und mit Gummiknüppeln, Schlagringen, Koppelschlössern und anderen festen Gegenständen in brutalster Weise niedergeschlagen. Böge wurde von seinen Freunden getrennt und sollte von der Mordbande über das Brückengeländer in den Kanal geworfen werden, obwohl er bereits halb bewußtlos am Boden lag. Erst dem Eingreifen von Passanten war cs zu verdanken, daß die ungeheuerliche Tat nicht vollbracht wurde. Mit furchtbaren Verletzungen im Gesicht, am Kopf, Arm und Rücken wurde Böge zur Polizeiwache getragen. Die Verfolgung der Täter durch ein« Polizeistreife verlief leioer ergebnislos. iiiiHiiiiiiiHiiiiiiiiiHiniiiiiiiiiitnitiiiiiiiiiHmiiiniiiiHiiiiiHiiiiimtiiiniiiininmiiiiiiiiiiiiiiiinHfliiii mehr keiner der staatliche» Hilfsaktionen, mag es sich um welches Ressort immer handel«, mag sie etwa die Saatgut- oder Elementarkata- strophen- oder sonstige Aktionen betreffen, erspart bleiben! Der Anreiz zum Mißbrauch ist angesichts der Tatsache, daß die Unterstützungen unzureichend sind, nur sehr gering, denn es wird kaum einen Arbeitslosen geben, der nicht gerne nach der Arbeit zugreifen würde, die ihm daS Vielfach« der heutigen Unterstützungssätze zu bringen vermag! . Zur Frage der Sanierung der Krankenversicherung verweist das Fürsorgeministerium darauf, daß es auf Grund der Anträge der Zentralfozialversichr- rungsanstalt und im Einvernehmen mit der Arbeitgeber- und, Arbeitn'ehmergruppe eine tut e r m i n»— sk^Vt«l l K o m Miss lo'ü eingesetzt hat, bst- rüt" der Ausarbeitung von Vorschlägen arbeitet, die dem, Fürsorgeministerium vorgelegt werden sollen,' und die Grundlage für seine weiteren Anträge an die Regierung bilden werden. Für dl« Novellierung und Unifizierung der Ä r- beiterunfallversicherung werden im Fürsorgeministerium die noNvendigen Vorarbeiten getroffen, wobei daS Fürsvrgeministerium mit den Unfallversicherungsanstalten in Fühlung steht, deren Anträge dir Grundlage der einschlägigen legislatorischen Arbeit bilden. Im übrigen möchte ich noch auf den. Einwurf reagieren, daß die Schwäche des vom Ministerium für soziale Fürsorge vorgelegtcn Programms in dessen mangelnder finanzieller Fundierung liegt. Diesbezüglich habe ich bereits im Expose auf die'im Gange befindlichen Beratungen des MinisterrateS verwiesen, welche ebenso wie hinsichtlich der Landwirtschaftskrise auch zur Linderung err industriellen Krise die finanziellen-Mittel bereitstellen sollen. WasöONUlionenKi bewirken könnten. Das Fürsorgeministerium, vermag aber auch schon in seinem Bereich weiiau-greifendr Vorsorgen auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung zu treffen. Schon ei« Betrag von 20 Millionen KL würde dem Ministerium ermöglichen, Ansuchen um Be» willigung des 2prozentigrn Baubeitrages bis zu einem Gesamtaufwand von 1(4 Milliarden Kk zu bewilligen und dadurch die im Amte erliegende« nach Tausenden zählenden Baugesuch« und damit auch Arbeit für taufende und' abertausende Ar- ! beitsmenschen flottzumachen. Es würde aber auch die Bewilligung«tneS Betrages von 60 Millionen Kk für produktive Arbeitslosenfürsorgr hunterttansrnd« nach Arbeit lechzend« Familien für mehr als drei Monat« wieder dem Rährstande zusührrn. Mehr als 8000 Gesuch« erliegen wohl instruiert im Ministerium und harren ihrer Erledigung! Schon durch diese Maßnahme allein würde«in großes Stück des Massenelends abgebürdet werden können. Zusammenfassend möchte ich sagen, das; Vas Fürsorgeministerium sich ver Schwere der Berantwortnng voll bewutzt ist. Es Weitz, Vas es in nächster Jett noch vor grötzere Aufgaben gestellt sein wird, und trifft darnach feine Vorbereitungen.' Wenn sie wirksam sein sollen, bevürfeu sie ver rasche st en Entscheidung VerRegierung. Das Fürsorgeministerium ist sich Vesien bewutzt,»atz diese Entscheidung, der diesmal schsck- salschwere Bedeutung zu kommt, nur im Rahmen eines sämtliche staatliche Notwendigkeiten umfassenden Gesamtprogramms getroffen werden kann. Aber das Programm der Regierung wird nur dann die ersehnten Wirkung«« anslösen, wenn wir den grotzen Problemen nicht an- dem Wege gehen, sondern uns im Gegenteil an die schicksalschwere» Frage» heranwagen. Wir mttsien an die Wurzeln des Uebels greifen, nur dann können wir ganze Arbeit leisten! oitiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiuiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiniiiiiiiiiiiiinHiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiuiiiiiiin) Das SdUnDwort des nirsorgcmlnlstcrs. (Schluß von Seite 1) Nr. 238 Samstag, 8. Oktober 1832 seit; 3. kÜ UM. VOM UMf Der Prozeß gegen den Abgeordneten Stttbrn^ soll Montag, den 10. Oktober, vor dem Kreisgericht in I g l a u in zweiter Instanz beginnen. Den Vorsitz, des Strafsenates wird der Obec- gerichtsrat Stipingcr führen. Als Votanten sind Obergerichtsrat Dr. Vesely, Gerichtsrat Viktor Kausal und als Ersatzmann Gerichtsrat Janka bestimmt. Die Klage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Marjanko aus Prag, der von der Staats-- antvaltschaft in Prag nach Jglau zugeteilt wurde und die Klage bereits bei der Verhandlung in Pyag vertreten hat. Dr. Marjanko weilt bereits eine ganze Woche in Jglau. Zu der Verhandlung sind beim Präsidium des Jglauer Kreisgerichtes über 20 Journalisten aus Prag angemeldet. Europa-Fußballmeisterschaft Deutschland— Tschechoslowakei(AtusZ Japans Imperialisten „halten lest“. Tokio, 7. Oktober. Der Kronrat hat heute die Schritte gebilligt, die die Regierung zur Erledigung der Auseinandersetzung mit dem Völkerbund hinsichtlich des Lytton-Berichtes plant. Wie verlautet, haben die Mitglieder des Kronrates die Ansicht vertreten, daß die Politik Japans keine Aenderung duldete und daß man daher an ihr fefthalten müsse. U. a. wurde der Verordnungsentwurf betreffend die Ueberstellung in die Ersatzreserve nach Einreihung in den Truppenkörper und über einige weitere Einzelheiten der Durchführung der heurigen Novelle zum Wehrgesetz, die Präsenzdienstzeit betreffend, genehmigt. Weiters setzte der Ministerrat, wie das amtliche Kommuniquee weiter berichtet, nach dem Berichte aus dem Komitee der politischen Minister seine Beratungen über die mit der Gestaltung des Budgetvoranschlages für das nächste Jahr zusammenhängeichen Fragen fort. Genehmigt wurde ferner ein Antrag auf Ernennung von Mitgliedern und Einsetzung einer Kommission znr Oekonomisierung der öffentlichen Verwaltung. Diese Oekonomisierungskom- Mission, die intern errichtet wird und nur aus Staatsbeamten bestehen soll, ist wohl zu unterscheiden von der Spar- und Kontrollkommission, die erst durch ein eigenes Gsetz ins Leben gerufen werden soll und lediglich aus Parlamentariern zusammengesetzt wäre. Auch die Oekonomisierungskommission ist überdies schon vor den Ferien Gegenstand der Erörterungen gewesen, so daß ihre jetzige Verwirklichung werter keine Ueberraschung bedeutet. * Tas klerikale Zentralorgan„L i d. L i st Y" überschreibt die politischen Meldungen mit dem Titel„Die Nationaldemokraten im Abgang aus der Regierungsmehrheit", stellt jedoch fest, daß die Presse auch unter dem Druck der Austrittsdrohungen der Nationaldeinokraten gar keine besondere Unruhe zeige. Der nationalsozialistische„Telegraf" bemerkt sogar, daß ein eventueller Abgang der Nativnaldemokraten aus der Koalition u. a. die Möglichkeit bieten würde, den für die Arbeitslosen bestimmten N o t- fonds zu verwirklichen, gegen den sich bisher gerade die Nationaldemokraten mit allen Mitteln zur Wehr setzten. llatenuttimmle forwIWtze Jugensberatunze« in Prag. Prag,?. Oktober. Die Reihe der Beratungen der Sozialistischen Jugendinternational« in Prag nahm heute mit einer Sitzung des Büros unter dem Vorsitz des Genossen Rationalrat Karl Heinz-Wien und in Anwesenheit der Büromitglieder Erich Ollenhauer- Berlin» Klos V o r r i n k- Amsterdam, Hans Hanse n-Kopenhagen, Valöre Aubry- Brüssel und Ernst Paul- Prag, ihren Anfang. Die Sitzung nahm nach eingehender Aussprache den Bericht des internationalen Sekretärs Erich Ollenhauer zur Kenntnis und beschäftigte sich sodann mit dem am Sonntag beginnenden Kongreß, dessen wichtigste Fragen durchbesprochen wurden. Im weiteren Verlause wurde noch der A r- b e i t s p l a n der Sozialistischen Jugendinternationale für die Jahre 1933 und 1934 erörtert. Der Sitzung ging eine gemeinsam« Beratung mit der Exekutive der Sozialistischen Erziehungsinternationale voraus. An dieser Beratung nahmen auch Vertreter der Sozialistischen Sportinternationale teil. Es wurden Fragen gemeinsamer Aktionen behandelt. Noch keine Entscheidung. Trapl arbeitet an neuen Sparplänen.— Oekonomisierungskommission eingesetzt. Prag, 7. Oktober. Die Entscheidung über die Gestaltung des Budgets sür 1933 und über das Schicksal der Staatsangestelltengehälter wird sich entgegen allen Erwartungen noch bis in die nächst« Woche hinausziehen. Der Finanzminister ist in der gestrigen erfolglosen Beratung bei UdrLal mit der undankbaren Aufgabe ütraut worden, bis dahin«inen umfassenden Fi nanz-«nd Ersparungsplan zur Ge sundung der Staatsfinanzen auszuarbeiten. . Alle Meldungen über«in schon ausgearbei tetes Kompromiß in der Staalsangestelltenfrage, noch mehr natürlich allerhand Details über eine lineare achtprozentige Kürzung ete., die von einem Teil der heutigen Morgenpresie i« sensationel ler Ausmachung veröffentlicht wurden, find falsch, da bisher noch nicht einmal di« Haupt frage entschieden ist, auf welch« Weise das dro hende und wahrhaftig nicht leicht zu nehmende Budgetdefizit ausgeglichen werden soll. Diese Frage soll erst anfangs der nächsten Woche iz« einer neuen Beratung der Koalitionsführer bei UdrLal grundsätzlich gelöst werden, bis auch die neuen Vorschläge des Finanzministers über den Gesamtfinanz- und Ersparungsplan bekannt fein werden. * Auch die Demissionsgerüchte, die in der Presse vielfach kolportiert wurden, ent sprechen nicht den Tatsachen. Am ehesten glaub würdig ist vielleicht noch eine Meldung der „När. Listy", daß der Finanzminister Trapl nach der gestrigen Konferenz mit den Parteifüh- rexn dem Ministerpräsidenten seine Demission angeboten habe, die UdrLal jedoch nicht an nahm. Dagegen sind die Gerüchte von einer Demission der Gesamtregierung, die an der heu tigen Börse von nationaldemokratischer Seite kolportiert wurden, am besten durch die Tatsache widerlegt, daß heute vormittags der normale Ministerrat stattfand, der eine ganze Reihe laufender Agenden erledigte. Mexiko beireit sich von der Kirche. Mexiko(Stadt), 7. Oktober. Das Parlament des mexikanischen Staates Veracruz nahm eine Vorlage an, die alle katholischen P r> e- st er des Bürgerrechts für verlustig erklärt und der Regierung Vollmacht gibt, unverzüglich alle Güter der Kirche z« ssäkularisieren. 9. Oktober im Stadion Aussig Anstoß: 3 Uhr. Vorher Handballspiel Auch Du komme! Bedenke 30.000 waren es in Dresden. Der Kläger wird zum Angeklagten. Die Affäre im französischen Flugwesen. Paris, 7. Oktober. Die Affäre im französischen Zivilflugwesen wendet sick nun gegen den Kläger, den Direktor der Gesellschaft„Aerovo- stale" Bouilloux-Lafont, an Stelle der bisher im Skandal« Beschuldigten, des Chefs des französischen Luftfahrtministerlums Chaumie und des Luftfahrtindustriellen Weiller. Der Berwal- tungsratsvorsitzenoe der Gesellschaft„Aeropostalc" gab gestern die Erklärung ab, daß sich die Gesellschaft nicht mit der Klage ihres Direktors identifiziere. Gleichzeitig wurde festgestellt, daß Bouilloux-Lafont mit großemLeicht- sinn vorgegangen, ist, als er kritiklos die gefälschten Nachrichten über seine Widersacher entgegennahm und bedeutende Summen für die Beschaffung der Dokumente verwandte. Diesen Umstand haben anscheinend einige Personen benützt, um gegen Entlohnung falsche Dokumente herzustellen. Anschlag aul die Löhne In Manchester. London, 7. Oktober. Ter Arbeitgeberverband der Textilindustrie von Manchester hat beschlossen, seinen Mitgliedern zu empfehlen, durch Aushang in den Betrieben eine Lohnherabsetzung von 8.78 Prozent durchzuführen. Bon dieser Maßnahme werden 200.000 A r b e i- t e r betroffen. mung! Man gibt Geld aus, dafür will man was haben. Jeder, der nicht auf seine Kosten kommt, >st selbst schuld. Gilgi sitzt neben Herrn Becker. Er zwickt sie in die Schenkel, sie tritt ihn mittelkräftig gegen's Schienbein:„Finger weg."—„Ut doch Karneval!"—„Kein Grund, mir Ihre Albernheiten gefallen zu lasten."—„Sag' du, sag' du — zu mir..."—„Trauriges Gewächs." Herr Wollhammer will mit Gilgi tanzen. Im Gewühl werden sie getrennt. Gilgi tanzt weiter mit einem Domino, der penetranten Mottenpulvergeruch ausströmt. Gilgi muß niesen, einmal, zweimal, dreimal—„Hast du Schnupfen?" fragt der Domino naiv. Großzügig«schleppt er sie ins Sektzelt.„Prost, schöne Frau!" Nein, er ist sonst«iv seriöser Mansch, eher schwermütig— nur einmal im Jahr—„es gibt so wenig Menschen, die einen verstehen..." Gilgi stopft sich Konfetti in di« Ohren, hört aber trotzdem neben sich das sinnreiche Gespräch zwischen einer. Bajadere und -inem doppelt behauchten Maharadscha—- „Un was tuste sonst im Leben?" „Mit Oele und Fett« handeln— aber laß das Kind. Laß mich-ein' Rosenmund küssen." Zu Hause wird Gilgi von den beiden Kusinen empfangen. Gerdachen steckt im Pierrot-, Jrenchen im Rosenelfenkostüm—.„Mach' schnell, schnell, schnell, Gilgi. wir gehn gleich." Aus dem Elternschlafzimmer tönt ein Schrei, Gilgi stürzt hin: Frau Kron ist«in« Flasche Haarwasser hin- geiallen—. noch ganz voll>var si«, hat 3.50 je- kost'". Sie ringt die Hände, kölsch-hamburgische Niobe steht sie Sä, weiße Papierchrysantheme am grauen Seidenkleid, neckisches rotes Knallbonbonmützchen aus d«m frisch ondulierten Haar, Schmerz im Gesicht.„Ich kauf' nie mehr Birkenwasser!" Streng« Logik hat man Frau Kron von jeher nicht vorwerfen können. Gilgi liest die Scherben auf. Vom Waschtisch her verkündet Herr Kron die ewig junge Weisheit: daß Scherben Jlöck bringen! Und ist im übrigen hingegeben damit beschäftigt, sich eine kanarienvogelgelb« Kralvatte durch eine Streichholzschachtelhülse zu ziehen. Tante Hetty rau'cht herein, einen hochdramatischen Schal um die quadratierten Schultern, drei rot« Mohnblumen Hinterm Ohr— Carmen nach erfolgreicher Biomalzkur.„Gott, Gilgi is ja noch immer nicht fertig!" Gilgi läuft'N ihr Zimmer. Karnevalssamstag— Karnevalsanfang. Die ganze Familie geht zum Maskenball. Gilgi zieht blaue Samthöschen! an, ein« weißseidene Hemdbluse mit blauer Krawatte, schwarze Lackpumps. Fertig. Mißlaunig pudert sie ihre nackten Beine und Schenkel. Ach, sie hat gar kein«. Lust, mitzugehen, aber auch gar kein«. Sie letzt sich auf den Bettrand und döst vor sich hin. Wenn man sie doch allein ließe, heute abend. Sie hat da was, an das sie denken möchte ...„Bist du fertig, Gilgi?" „Ja, ja— gleich." Pit lagt, sie wäre ein oberflächliches Ding, Olga— sie wäre lieblos. Sie gibt sehr viel auf Olga und Pit. Man sollte auf niemanden etwas geben. Vielleicht ist sie lieblos. Sie will es auch sein. Will kein Mitleid haben. Mit den Krons nicht, der Täschler nicht, der blaffen Arbeitslosen nicht.„Ein armes Leben", sagt Olga. Arm? Wenn man arbeitet—. — Und da wickelt man sich zwei Sonnenstrahlen um die Gelenke, läßt sich Hochziehen— ich will unten bleiben, mit meinen Füßen auf der Erde Man müßte mal reden mit einem, es hätte aber doch keinen Zweck. Sie hat ja keine Worte, um sich verständlich zu machen. Wie kütt die Molch— die Mösch— di« Mösch— bei uns en die Köch??? Ostermanns -ringende ornithologische Frage beherrscht den diesjährigen Karneval. Juhuuuu— Stimmung! Stimmung!... Es war einmal— ein treuer Husar... jetzt geht's los, jetzt geht's los— trecken en par mem Rehmen...„Mir'ne Flasche Mosel, Herr Ober— Traben-Trar- hacher Auslese— un en Schnittchen Schinken.." „Paul, du hast doch zu Hause erst gegessen—" ,^Js ejal, ich muß'n« kleine Jrundlage schaffen!" „Das kann ja gut werden." „Soll's auch.— Hefte auch«n jnten Platz, Hetty? Wollter noch en paar Luftschlangen. Kinder?" Herr Kron sitzt im Kreise seiner Lieben, fühlt sich stolz und glücklich als Erschaff«! und Erhalter des Kölner Karnevals.„Wer het die Gardrobennummer, Paul, haste die Gardroben- nummer?"„Berta, du bissen aal Quistel, ich Han se inner Täsch." Es dauert eine Weil«,«he Frau Kron sich beruhigt. Gerdachen und Jrenchen zappeln auf ihren Stühlen, juchzen selig, als ein Domino sie mit einer Pritsch« übern Kopf klapst, und werfen etwas unbegabt Luftschlangen in die Gegend. Für die erste halbe Stunde kann man nicht mehr verlangen. Beckers und Wollhammers sitzen auch mit am Tisch, man hatte sich verabredet. Töchterchen Becker schmust nich- tenhaft mit Herrn Kron. Frau Becker ist stolz auf das Kind. Es stt verlobt mit einem Mercedes- Benz, der ist aber jetzt nicht da, auch nicht der Besitzer.„Phänomenaler Wagon"",«Mhlt Frau Becker schwärmerisch. Tante Hetty wird ein bißchen giftgrün, sie bekommt ihren Kuppelmutterblick:„Gerdachen. Jrenchen— nicht so still am Tisch sitzen— tummelt euch mal ein bißchen durch d»« Säle, Kinder!" Die Kinder tumm«ln ab. W»e kütt die Mösch— die Mösch—- die Mösch...„Ein himmlischer Wagen", schwärmt Frau Becker hartnäckig, sie ist auf. ihr« Weise ultramoderne Mutter: Auto. Auto über«Halles.. „Wenn ein Mann nur einen guten Charakter hat", sagt Tante Hetty. Charakter, Charakter! Wenn einer en erstklassigen Wagen hat, ist das Charakter genug, sollte man meinen. Frau Becker wischt mit Herrn Beckers Taschentuch ihr Weinglas aus, bevor sie sich einschenken läßt. Tante Hetty machtes ihr nach, nur nimmt sie das Tischtuch. Sie wünscht daß wenigstens Gerdachen bald Glück hätte. Und wenn's auch nur ein Motorrad mit Beiwagen wäre. Hauptsache— daß— und überhaupt. Man sieht, daß du n« lieb«, jute Papa haß, an sone liebe jute Papa hätt ich auch noch Spaß... Man trinkt, man schunkelt, man tanzt, man lagt du zueinander. Herr Kron klapst Tante Hetty m karnevalistischem Ueberschivaug hinten drauf. Frau Kron findet solche Scherze erst für nach Mitternacht paffend.. einmal am Rhein— und dann zu zwei»... alleine sein... lacht dein Mund... jeder Stund'... komm' ich lade dich ein... Stimmung, Stim- „Wenn dir dran liegt, kannst« mein' Lippenstift mal jeliehn haben—" „Stein’ Mund will ich—" „Nu, man nicht so stürmisch— nach dem einen Jlas Moselblümchen." „Willst- Sekt, Kind?" „Frag' nich so viel— handel lieber!" „Jut, daß des mir sagst—" „Bleib' mir vom Leib, ich hab' das anders j«meint." „Kind, mr sträub' dich nich so— is doch Karnoval— einmal nur im Jahr is..." „Wie ist das mit dem Sekt?" „Daß de da jetzt dran denken kannst. Wat beste so kalt— is doch Karneval..." „Meinst«, davon würdste schöner?" „Du hast kein Temperament—" „Wennde in' Spiegel siehst, wirft« das verstehn..." ,Hch weiß Kind, ich bin nicht schön, aber ich hab'«in weiches Herz— meine Seele..." Die Bajadere erhebt sich:„Die, wo von Seele um Herz reden, das sind die größten Schweine, und jetzig auch noch." Spricht's und verschwindet. Das Maharadscha-Oelmännchen faltet di« Hände übern Doppelbauch und verliert den Glauben an die Menschheit. Der mottenpulvrichte Domino versucht, Gilgi an sein« Reckenbrust zu ziehen, sie macht sich mehrfach niesend frei und verschwindet im Gewühl. Oelmännchen und Domino sehen sich an. Und da der Domino in Terpentin macht, stellen sich seelische Kontakte zwischen ihnen heraus.„Jehn wo lieber nebenan en Jlas Bier trinken?"- „Ja, jehn wa."(Fortsetzung folgt.) Arbeltslosen-DemonstraUonen und Labour-Parteitag. London, 7. Oktober.(Eig. Drahtb.) In den letzten Tagen haben sich die Demonstrationen Arbeitsloser, die sich vor allen Dingen gegen die Handhabung des Bedürftigkeitsnachweises wandt«, in London und in Industriestädten der englischen Provinz gehäuft. Am Donnerstag kam es wieder im Zentrum von London zu einer Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei, di« entstand, als Demonstranten nicht mit der notwendigen Geschwindigkeit weitergingen. Im Verlauf dieses Zusammenstoßes wurden zwei Beamte leicht verletzt. In einer Vorstadt von London hinderten am Donnerstag ortsansässige Arbeitslose Straßenarbeiter, di« nicht aus dem Distrikt stammten, an der Arbeit. Sie setzten bei den Rathausbehörden durch, daß ab Freitag ortsansässige Arbeitslose anstelle der ortsfremden eingestellt werden. Dies ist der zweite'Fall, daß Demonstranten den Behörden gegenüber erfolgreich waren. Vor einigen Wochen setzten sie in Liverpool«ine Erhöhung der Unterstützungssätze für WohlfahrtSerwerbSlose durch. DieLabour-Konf«:'' no^m angesichts der Zusammenstöße am Donnerstag«ine Entschließung an, die vom Sicherheitsminifterium eine Untersuchung über die Vorgänge bei den Demonstrationen in Norihshields fordert. Außerdem wird verlangt, daß die Polizei für die ungestört« Durchführung von Demonstrationen sorgen soll und nicht auf alle mögliche Weise gegen dieselben vorgehen soll. Sv'?Nobember I, I. stattsinden. Empfehlenswertes aus den Programmen. Sonntag. Prag: 6.15: Gymnastik, 9: Kirchenmusik, 11: Orchesterkonzert, 12: Blasmusik, 15: Zwei Witwen, Singspiel von Smetana, 17.40: Schallplatte», 18: Deutsche Sendung: Benatzky: Drei Musketiere, 19.50: Kabarett, 21: Populäres Sinfonickon- zert, 22.25: Blasmusik.— Brünn: 10: Matinö, 11: Chorkonzert, 18: Deutsche Sendung: Wildgansfeier.— Berlin: 11.30: Sinfoniekonzert, 14.30: Volkstümliche Chöre, 15.80: Orchosterkonzert.— Hamburg: 15: Heut spielt der Strauß, 18.45: Beethoven-Brahms.— Königsberg: 12: Orchestettonzert, 18.40: Deutsch« Wiegenlieder aus drei Jahrhunderten.— Breslau: 20: Klassiker der Operette.- Wie»: 11.40: Sinfoniekonzert, 19: Schlagermnsik. 20: Das Mädel aus der Vorstadt, Posse von Nestroy. Nr. 238 Samstag, 8. Oktober 1932 Seit« 5. Awei Flieger getötet, drei retten sich mittels Fallschirm. London, 7. Oktober.(Reuter.) Unweit der Stadt Comptou in der Grafschatf Surreh- stürzte heute ein Milikärgroßslugzcug ab. Zwei Militärflieger fanden hierbei' den Tod, einer wurde whwer verwundet, Nach- dem Sturz fing das Flugzeug Feuer. Drei weitere Militärflieger, die sich an Bord des Großflugzeuges befanden, retteten sich durch Fallschirmabsprung.. Ein feiner Goldfaden. Die Polizeidirektion in Mäh r.>O st ra u erhielt aus Bielsko in Polen die Nachricht, daß dort der Teppich- Händler Sregmund Goldfaden aus Mährisch-Ostrau,«in mehrfacher Betrüger, verhaftet wurde. Goldfaden lockte von Dr. Niedol in Jablunkau 13.000 K heraus und gab ihm„Perserteppiche" in Pfand, die aber nicht echt waren und nur einen geringen Wert besaßen. Bon der Firma Brüder Meißner in Prag II hatte er im Juni d. I. ein Personenauto für 72.000 K auf Ratenzahlung genommen, die erste Rate von 7000 X bezahlt und das Auto sofort verkauft. Goldfaden kaufte auch von Dr. Karl Kohn m Brünn«in Personenauto für 25.000 K, welches er, ohne eine Zahlung hiefür zu leisten, weiter verkauft«. Bon dem, Kaufmann B. Kohn in Prag II übernahm Goldfaden für 35.000 K Waren in Kömmission, die er nicht bezahlt« und verkaufte. Um der Strafverfolgung zu entgehen, war Goldfaden nach Polen geflüchtet. Kakteenschlacht in Paris. Ein Blumenhändler in der Rue de Rivoli in Paris geriet mit einem Angestellten'in Streit. Plötzlich ergriff dieser einen in der Nähe stehenden Blumentopf und schleudert« ihn, ohne zu treffen, gegen seinen Chef. Dieser revanchierte sich mit einem Echinokaktus, der in der Nähe stand, und nun begann eine wilde Schlacht, bei der di« Parteien' sich ausschließlich der Kakteen als Wurfgeschosse bedienten. Aus vielen Wunden blutend sanken schließlich beide Kämpfer zu Boden; ihr« Gesichter waren über und über mit Kakteenstacheln besät. Da einige der Kakteen giftige Stacheln hatten, wird der merkwürdige Kampf für beide recht unangenchm« Folgen haben. Am schwersten ist der Angestellt« verletzt, dem ein Stachel in die Netzhaut drang. Aut» gegen Auto. Spät nachts verlor der Lenker eines italienischen Automobils auf der Straße nach Mondovi, als ihm ein französischer Kraftwagen vorfahren wollte, die Richtung. Der Wagen, in welchem sich das Besitzerehepaar und drei Kinder befanden, stürzte in den Straßengraben und überschlug sich dreimal. Der Chauffeur und«in 14jäh- rigeS Mädchen fanden auf der Stell« den Tod. Die übrigen Insassen wurden schwer verletzt ins Spital überführt. 8u der Sisenbahu. Lustig« Anekdote«. Nichtraucher. In ein Nichtraucherabteil stieg«in Herr, warf einen kalten Blick auf drei ältlich« Damen und einen ebenso asthmatischen Dicken und zündete sich seelenruhig eine schwere, dicke Zigarre an. „Unerhört!" riefen die Abteilinsassen. Der Herr rauchte weiter. Die drei Damen erheben sich empört von ihren Plätzen, eilen zum Schaffner und teilen ihm das Verbrechen mit. Auch der Schaffner ist ehrlich empört. Zornschnaubend öffnet er die Abteiltür« und donnert den Zigarrenraucher an: „Sie! Wenn Sie. hier rauchen wollen, dann müssen Si« entweder rausgehen oder die Zigarre ausmachen!'.. D i« Auskunft. Am Kölner Hauptbahnhof rennt«in aufgeregter Mann auf den Beamten an der Sperr« zu.- „Sagen Si« mir, bitte, wann geht der letzte Schnellzug nach Berlin?" „Mein lieber Freund," antwortete ihm der Beamte bedächtig,„das erleben wir wohl beide nicht mehr." Seelenruhe. Ein Engländer und«in Franzos« sahen sich im Schnellzugsabteil gegenüber. Der Franzose hätte für sein Leben gern einen kleinen Schwatz begonnen. Aber der Engländer macht«in gänzlich unzugängliches Gesicht und dem Franzosen fällt kein richtiger Anknüpfungspunkt ein. Nach langer Zeit be- , n«rkt der Franzos«, daß dem Engländer«in Gepäckstück auf den Kopf zu fallen droht. Erfreut macht er ihn darauf aufmerksam. Aber der Engländer rührt sich nicht. Das Gepäckstück nimmt eine immer bedrohliche« Lage ein, „Nehmen Sie sich in acht," ruft der Franzose angsterfüllt,„Sie werden sich ein« tüchtige Beule holen." Nun maß ihn der Engländer mit einem langen Blick.„Mein Herr,' sagt er,„seit einer halben Der Erfinder der Sdiinssdiranbc. zum 15. Todestage Joseph Ressels. Joseph Ressel ist einer der tragischen Helden der an Enttäuschungen und Rückschlägen so reichen Geschichte der Technik. Das Schicksal hatte ihn dazu bestimmt, ein Forstbeamter zu werden, der seinen Vorgesetzten im spießigen Oesterreich der Kaiserzeit auf die Nerven fallen mußte, da er zu. viel grübelte und sich mit technische» Problemen beschäftigte, die lo gar nicht in den grünen Wald und erst recht nicht in die muffigen Aktenstuben der österreichischen Bürokratie hineinpaßten. Man stelle sich nur mal einen Grünrock vor, der an die„Lösung einer Gleichung denkt, während er dafür sorgen soll, daß der Wald nicht ganz und, gar nach eigenem Willen wächst öder das Wild sich über Gebühr vermehrt oder gar von den Malefizwilderern abgeschofsrn wird. Ein solcher Förster war eben in den Augen der verzopften Staatsbeamten kein brauchbarer Mensch. Er war vielmehr einer von denen, die der Herrgott in seinem Zorn« erschaffen hatte, und di« man dementsprechend zum Teufel wünschte. Erfinder und Genies aber folgen eigenen Gesetzen und lasirn sich auch nicht durch den Moderduft bürokratischer Tradition davon oblenken, nach dielen Gesetzen zu leben. Reff«! hatte nach der Ansicht seiner Kollegen einfach zu viel„gPudisrt". Die „Bombardierschule" zu Budweis und dir Universität Wien hatten ihn ganz einfach verdorben. Wozu studiert auch«in Förster neben der edlen Land- und Forstwirtschaft noch Chemie, Naturgeschichte und Technologie? Das bißchen Technik, das«in „K. k.' Oberförster braucht«, der in den«rsten Jahren des 19. Jahrhunderts auf hochherrschaftliche Wälder aufzupaffen hatte, konnte auch ohne Universität und ohne Bücherweisheit erlernt werden. Aber all« Ermahnungen waren erfolglos. Reffel ließ nicht von seinen Nebenbeschäftigungen ab^ und alle Spießer wußten, daß es mit ihm«in schlimmes Ende nehmen mußte. Leader sollten, sie recht behal- len. Es ging dem Reffel Zeit seines Lebens nicht gut, wenn auch nicht bestritten werden kann, daß an seinen außerfovstlichen Ideen„etwas dran" war. Er hatte sich nämlich durchaus in den Kopf gesetzt, Schiffe(man denke: ein Förster und. Schiffe!) mit Hilf« von Schrauben anzutreiben. 1827, also zu einer Zeit, als auf dem europäischen Festlaiche noch keine Eisenbahn lief und di« Dampfmaschine noch«in halbe» Teufelswerk war, ließ er sich seine Erfindung schützen. Reffel war anfangs in Laibach angestellt gewesen. Man war dort froh gewesen, den unbequemen Beamten nach Triest abschieben zu können. Hier lernte Reffel«inen Raddampfer kennen, der unsäglich langsam dahinschlich. Kein WurSer, daß der technisch begabte Forstbeamt« nach einem verbefferten Antrieb suchte und endlich auf den Gedanken kam, dar Schaufelrad, das ja im Grunde nichts andres ist als«in Ruder von höherem Wirkungsgrade, durch die archimedisch« Schraube zu ersetzen. Wenn man«ine Schraube durch Holz treiben konnte, warum sollte sie sich dann nicht durch daS Wasser drehen lassen und dabei ein Fahrzeug vorwärts treiben? Reffel rechnet« und probierte. Seine Ide« war richtig. Aber er war leider ein armer Schlucker. Nach vielem Hin und. Her gelang es ihm, ein Boot mit seinem Schraubenantrieb auszurüsten und es mit der Hand anzutreiben. Di« Schnelligkeit des Schiffleins erregte Verwunderung. Ressels Ruhm drang über Oesterreich hinaus. Eines Tages erteilte ihm der ägyptische Bizekönig Mehemed HnniNiiiifflinnfflffnwniHHHniiniittHniMtHiHinniiniiiniiHiiniiiiiiiMiiti,iuHuiiHHiiiniHiiiiHiii Stunde verkohlt Ihr rechtes Hosenbein, weil Sie Ihr« Zigarette darauf haben fallen lassen. Aber ich habe Si« deswegen auch nicht gestört." Ali den Auftrag zu einem ähnlichen Schraubenschiffchen, das ihm nach der Fertigstellung ungemein gefiel und ihn bewog, dem genialen Reffel eine ganze Reihe ähnlicher Aufträge zu erteilen, die jedoch niemals zur Ausführung gekommen sind. Endlich fand Ressel in dem Großkaufmann Ottavio Fontana einen Gönner, der daS Geld zum Bau eines Schraubendampfers hergeben wollt«. Gegen den Willen eines englischen Reeders, eben jenes Unternehmers, der den langsamen Randdampfer zwischen Triest und anderen Orten der Adria laufen ließ, erkämpften Reffel und sein Geschäftsfreund die Genehmigung zur Bildung einer Gesellschaft, deren Zweck es war, einen Schraübendampfer zu bauen und zu betreiben. Die auf die Förderung des heimatlichen Gewerbes bedacht« Regierung zwang Reffel, Kessel und Maschine in einer kleinen Fabrik in der Steiermark bauen zu lassen. Lärmst hatten di« Schiffsbauer den Rumpf des Dampfers fertiggestellt, aber Ressel mußt« sich lange im Warten üben, bevor Maschine und Kessel mit Ach und Krach von der Fabrik vollendet und geliefert wurden. Diese» Meisterwerk der Maschinenbaukunst veplieh dem«rsten Schraubendampfer eine Geschwindigkeit von nicht ganz sechs Knoten. Das wurde damals als«ine gute Leistung betrachtet. Leider war dem Kessel die Anstrengung gor nicht gut bekommen: noch während der Probefahrt platzte er und regte die Triester Polizei zu einem Verbot der lebensgefährlichen Schraubenschiffsversuche an. Die Polizei war auch damals schon sehr um das Wohl der Menschheit besorgt... Der gute Ottavio Fontana ließ daraufhin Reffel im Stich und erklärt« sich erst nach langwierigen Prozessen bereit, den auf Ressel entfallenden Anteil des verkrachten Unternehmens auszuzahlen. Die Vielfältigkeit eines technischen Gedankens zeigte sich auch bei der Erfindung der Schiffsschraube: Sie wurde nach Reffel noch zweimal selbständig in England und Amerika erfunden. In England wurde sie von einem Francis Smith und in Amerika von dem großen Ingenieur Erieson 1886, also neun Jahre, nachdem Reffel sein« Erfindung schützen ließ, zum Patent angemeldet. Ressel wurde in dem kleinen böhmischen Orte Chrudim, der etwa 40 Kilometer südlich von Königgrätz liegt, geboren. Nach seiner umfassenden wissenschaftlichen Ausbildung erhielt er 1817 in Plettersbach im Krainer Gebiete seine erste Stellung als Staatsförster. Drei Jahre darauf ist«r Bizewaldmeister in Laibach, und 1824 wird er Waldmeister der k üstenländischen Domäneninspektion in Triest. Am 28. November 1826 rächte er seine Erfindung zum Patent ein, das ihm am 11. Feber 1827 erteilt wurde. Das Wichtigste seiner Erfindung lag darin, daß er di« Schraube zwischen Heck und Steuerruder anordnete. So erreichte er in der Tat den besten Wirkungsgrad des neuen Antrieb». Daneben beschäftigten ihn noch ein« Reihe anderer technischer Ideen, die ebenfalls seinen technischen Weitblick erkennen ließen. Doch erst nach seinem am 10. Oktober 1887 erfolgten Tode(als echter Pechvogel fiel er während einer Dienstreise einer Malaria zum Opfer), erkannte man seine Bedeutung. Dem Toten wurden zahlreiche Ehrungen zuteil, die dem Lebenden versagt geblieben waren. Bor d«r Technischen Hochschule zu Wien steht heut« Ressels Bronzestandbild. Sein Heimatort setzt« Ihm 1924 ebenfalls ein Denkmal, und viele Straßen und D-Zug-Latein. Ein Amerikaner,«in Engländer, ein. Franzos« und ein Deutscher stritten sich darüber, wo-di« Züge am schnellsten fahren. Der Engländer sagte, daß' der Zug von London nach Glasgow schneller fahre, als man Zeit habe, ein« Pfeife auszurauchen. „Das. ist gar nichts," sagt der Franzose, s,ich steige einmal in Toulon in den Pariser Zug. Mir gegenüber sitzt eine reizende Demoiselle. Ich beuge mich vor, ihr einen Kuß zu geben. Um Himmelswillen, ruft sie mittendrin, mein Mann! Wir waren nämlich schon am Pariser Bahnsteig angekommen." „Das ist gar nicht»," sagte der Deutsch«.„Ich ärgerte mich einmal in Hamburg über einen Flegel und beuge mich aus dem Fenster, um ihm ein« Ohrfeige zu geben. Wer, glauben Si», hat di«.Ohrfeige bekommen? Der Berliner BähnhofSvorstand!' „Lächerlich!" läßt sich schließlich der Amerikaner, vernehmen.„Im Expreß Rrw Kork—Chicago hängt rin Plakat:„Bitte nicht Platz zu nehmen, e» lohnt sich nicht!" ES gibt bei uns Lent«, die gleich bin Rückreisedillett lösen— nur um«in Momentchrn auSruhen zu können!" Der Reallohn der tschechoslowakischen Bergarbeiter um ei« Drittel geringer al» m England. Im„Glückauf" befindet sich«in interessanter Bergleich zwischen den Bergarbeiterlöhnen in England und in der Tschechoslowakei. Danach beträgt der Bergarbeiterlohn in England für 6 Schichten 57 Shilling, 4.5 Pence, das sind Le 376.38, in der Tschechoslowakei beträgt der Lohn im Steinkohlenbergbau K£ 285.78, im Braunkohlenbergbau 270.72. Die Anzahl d«r Lebens- mittclkörbe, die man für diesen Lohn in England bezw. in der Tschechoslowakei bekommt, betragen in England 10i30, in der Tschechoslowakei 7, bezw. 6.63. Setzt man auf Grund dessen den Reallohn des englischen Arbeiters gleich 100 fest, so beträgt der Reallohn des Bergarbeiters in der Tschechoslowakei im Steinkohlenbergbau 67.96, im Braunkohlenbergbau 64.37. Daraus ist zu ersehen, daß d«r Reallohn eines eng- fischen Bergarbeiters um 32.04 P.ro- ; c n t und 34.63 Prozent höher ist als de reines Bergarbeiters im tschecho | Die Unzufriedene| l Das Wochenblatt der Frau kostet sw M Heller 3 Redaktion asd F«reaHm|i Prag II,, Nekazanka 18, § slowakischen Stein- bezw. Braunkohlenbergbau. Daß die englischen Grubenbesitzer weniger profitsüchtig sind als die tschechoslowakischen, wird Wohl kaum zutrefscn. Denn hier wi« dort sind die Bergherren ständig bestrebt, die Löhne der Bergarbeiter zu drücken. Dieser Druck richtet sich alleüüngs nach dem Stärkeverhältnis der Bergarbeiter. Und in dieser Beziehung sind die englischen Bergarbeiter uns weit vor. Denn schon seit Jahrzehnten stehen di« englischen Bergarbeiter geschloffen und einig in e i n« r Bergarbeiterorganisation. Hierzulande haben wir dagegen 10 Bergarbeiterorganisationen, wovon 8 Organisationen kein anderes Ziel k«nn«n, als di« Bergarbeiter den Unternehmern gegenüber zn schwächen. Segen Handelsvolttische Absperrung. Ein«„Osloer-Kons«renz" der Arbeiterschast. Di« kleinen Länder vereinigen sich zur Abwehr gegen den wirtschaftlichen Imperialismus der großen Nationen! Dies ist die Bedeutung einer Konferenz, die soeben in Amsterdam abgehalten wurde und Vertreter der Arbeiterbewegung Belgiens, Dänemarks, Luxemburgs, d«r Niederlande und Schwedens sowie Delegiert« der beiden Internationalen, d. h. des Internationalen Ge- werkschaftsbunde»(JGB) und der Sozialistischen Arbeiterinternationale(DAI) vereinigt«. Die Konferenz hatte die Aufgabe, di« Möglichkeiten des Anschlusses anderer Kleinstaaten an d«n zwischen Belgien, Luxemburg und Holland in Ouchy abgeschlossenen Vertrag zu prüfen, der ein Versuch war, di« angebahnte Politik der OSloer-Konven- tion, der sich damals außer den genannten Staaten auch di« skandinavischen Länder anschloffen, in die Tat umzusetzen. Die in Amsterdam abgehalten« Konferenz beschäftigte sich u. a. auch mit den Problemen handelspolitischer Regionalver- träg« i und der Meistbegünstigungs- k l a u s« l. Insbesondere wiesen di« Teilnehmer auf die Notwendigkeit der Abwehr gegen den übertriebenen Protektionismus und sein« für da» wirtschaftliche und politisch« Leben der Böller sowie den Weltfrieden verhängnisvollen Folgen hin. Abschließend beschloß die Konferenz, den Borständen der beiden Internationalen nachstehenden Bericht zu unterbreiten und die weitere Prüfung der Probleme auf;un«hmen, sobald Dänemark und Schiveden Stellung genommen haben... Der besagt« Bericht lautet wie folgt: „Di« am 1. und 2. Oktober in Amsterdam tagend« Konferenz der Vertreter der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften von Belgien, Dänemark, Holland, Luxemburg und Schweden legt den Exekutiven der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und des Internationalen Gewerkschaftsbunde» folgenden Bericht vor: Die Weltwirtschaf t und die europäische Wirtschaft im besonderen werden immermehr deLorganisiertdurchdieSchutzzoll- politik, diePolitikderKontingen- t i e r u n g und anderer Beschränkungen, di« all« Staat«« verfolgen, um den Versuch zu machen, sich auf Kosten der anderen zu retten. Di«se Politik führt nicht bloß zum wirtschaftlichen Ruin, sondern verschärft auch die Gegensätze zwischen den Völkern und bedeutet ein« Gefahr für den Frieden. Bisher war es trotz der scharfen Verurteilung dieser Politik durch alle interngtionalen Konferenzen nicht möglich, ein« Berständigung herbeizuführen, um dieser Katastrophenpolitik ein Ende zu setzen.- Die Konferenz ist der Meinung, daß. solang« kein allgemeiner Vertrag züstandekommt, der Abschluß von R^gi o na l v e rk r ä g e n zu empfehlen ist, nicht bloß, w«il sie das Nebel für die vertragsschließenden Staaten«inzuschränkcn Vermögen, sondern auch weil sie den Abschluß einer allgemeinen Regelung, die keine Nation ausschließt, vorzubereiten geeignet sind." Diefbrfoefueitende Entwicklung bracht««In« immer grösser« Steigerung der Lichtausbeut« der Osram-Lampe bei gleichbleibendem Wattverbrauch. Ein« einheitlich« Reih« von IS bis 100 Watt der Osram-Lampe sorgt für die Befriedigung aller normalen Lichtbedürfnisse. In den Osram- Laboratorien forscht ständig eine grosse Anzahl Wissenschaftler danach, wie man die Osram-Lampe zum Nutzen des Lichtverbrauchers verbessern kann. Kaufen Sie dgrum Osram-Lampen! Sie erhalten dann einen Lichtspender, der Sie jederzeit zufriedensteilt. Erhältlich in den Elektro-Fachge&chöftenl 4 Seite 6. Samtztag, 8. Oktober 1932 9h. 238 PRAOER ZEITUNG. I Bczlrksorganisätton Prag der ins Tschechen. Aus der Partei Vereinsnadiriditen Arbeiter-Turn-«nv Sportverein Prag. Geriditssaal Literatur —r. Warnsdorf vyr tracht! Sonntags vormittags, um hal>b 10 Uhr, im Re- Präsentationshaus Zusammenkunft. Jugend tracht! Arbeiter-Tnrn-«nv Sportverein Prag. Das Kinderturnen har begonnen und findet an jedem Samstag von 8 bis S Uhr in der Turnhalle, Itöpanska, statt. An die Eltern ergeht di« ernste Mahnung, es als ihre Pflicht zu betrachten, daß ihre Kinder nur bei uns turnen! Die Fußballrieg« trägt am Sonntag, den S. d„ auf dem Platze der Lechie VIII in Lieben mit der Mannschaft Mogul«in Freundschaftsspiel aus. Anstoß um halb vier Uhr nachmittags. Pnudessest der amerikanischen Arbeitersportler. Der der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Jntärnatio- nole anzeschlossene Arbeiter-Turn-. und Sportverband in USA. hielt in Cleveland mit vollem Erfolg «in dreitägiges Bundesfest ab. Der Verband, der sich größtenteils aus Deutschen zu- sammenfetzt, wurde in anerkennenswerter Weise bei feinem Fest von den tschechischen Arbeiter- Turnvereinen in USA. sehr gut unterstützt. Der Glanzpunkt des Feistes war der Auftakt mit einer Proletarischen Abendveranstaltung: Ansprachen, ei« Sprechchorwerk und kunstvolle Sondervorführungen der Verein« bildeten das Programm. Am Festsonntag und-Montag gab es Hochbetrieb bei den Turnern, Turnerinnen, Wassersportlern, Leichtathleten und Spielern. Großen Eindruck machten auch di« Massenfreiübungen und di« Sondervorführungen der Jugendbewegung. „Lachen links." Alle Jugendlichen sollen schon halb 8 Uhr im großen Uraniasaal sein. Jugend- Statt Mascnlueo für die Metalloear« de.tun- in* modern» ster erstklassiger Ausführung-971 ständiges Tremolieren. In den kleineren Partien der Operette wirkten mit mehr oder weniger Glück die Damen Kindermann(auffallend schöne Altstimme), Schönauer und Sommer sowie di« Herren Hotter und Hattemer. Um die exakt« Ausführung der teilweise überflüssigen, eingelegten Ballettnummern hatte sich mit Erfolg Peter S ch o r k bemüht. Der glänzende Theaterbesuch bewies, daß das Vertrauendes Publikums auf die neue Direktion ebenso groß ist wie sein« Liebe zur klassischen Opertt«. E. I. vier bis fünf schwere Faustschläg« Gesicht. Dann flogen noch verschiedene kleine Dinge durch die Luft, wie z. B- Aschenbecher, Gläser u. dgl. Der Endeffekt war, daß Eugen K.«inen Bruch des Jochbeins über dem linken Auge erlitt und Alexander B. wegen schwerer Körper- Verletzung vor das hiesige Kreisgericht kam- Heute stand«r vor dem Senat des OGR Kaisler. Er versuchte sich auf Notwehr auszureden, fand aber auf Grund der verschiedenen Zeugenaussagen keinen Glauben. Tas Gericht verurteilte ihn unter Zubilligung aller mildernden Umstände nur zu sechs Wochen Kerkers bedingt. Der inzwischen zum JUTr. avanzierte Herr K. machte einen Schadenersatzanspruch von 22.000 Kronen geltend. rb. Deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Anläßlich der Tagung des Vierte« Kon» gresses der Jugend-Internationale findet am Sonntag, de« 9. Oktober 1933,«m halb3 Uhr i« der Produktenbörse rin« tanailonalc Kundgebung statt. Redner: Karl Heinz-Wien. Wir ersuchen alle unser« Parteimitglieder, an dieser Kundgebung bestimmt teilzunehmen. Die Bezirksvertretung. Genossen r Zraort Val Je&rr<»e!egenBeit«Surr JSarteia&aetcpen! In der Reih« der„Blauen Goldmaan-Bücher" (Verlag Wilhelm Goldmann, Leipzig, Pkeis 3 Mk.) ist alt neuestes„Teufel zur See' von Willy Sleding erschienen, ein deutsches Abenteurer, buch, in dem alle zu einem solchen erforderlichen Element« in reichem Maße vorhanden find. Es geht wild, rauh, toll in diesem Buche zu, oft freut mau sich auch an dem sonnigen und urwüchsigen Humor, der von ihm ausgeht. Ohne literarische Ambitionen ist das Buch doch flott und unterhaltend geschrieben von einem, der di« Rauhbeine und Seemannsbären, von denen er erzählt, gut kennt, mit chrer Sprache, ihrem Fühlen, Denken, ihren Gewohnheiten vertraut ist und der ihnen auf den Grund der Seele zu schauen verstanden hat. Wir sehen sie zur See und in einer Reihe von Hafenstädten gefährliche Abenteuer bestehen, es wird gerauft, geboxt, gemeutert, dcneben erblüht prächtige Kameradschaft. CenMank der deutschen Sparkassen In der Gechoslovakischen Republik. HmpMmUH: PfRS».. Bredauergasse 14 Zweigniederlassungen: lurif, Brtlira, Eger. JSgerndorf. Reichenborg,& Teichen, Traatenau. Troppaxu vte Bank dar deutschen Sparanstalten und uh Gemeinden. Verdis„Requiem" unter BrunoWaltrr, in derselben Besetzung wie schon zweimal im Vorfahr, Donnerstag neuerdings in der Lucerna vor atemlos lauschenden Tausenden aufgeführt, zwingt nochmals wenigstens zur Erwähnung, weil wirklich vollendeter« Wiedergabe eines großen Kunstwerks nicht vorstellbar ist; ausnahmsweise hat.hier einmal die Reklametrommel den richtigen Ton gesunden: nichts -n dem nachfolgenden Prager Konzertwinter dürfte die Majestät dieses Auftaktes überstrahlen können. Aber auch noch em zweiter Gesichtspunkt soll bei diesem Anlaß mit freudiger Dankbarkeit festgestellt werden: di« Aufführung dieser erschütternden und erhebenden Totenmesse, die trotz ihrer katholischen Form nichts Kirchliches an sich hat, sondern«rha- binst weltlich-religiöse Kunst darstellt, darf als leuchtendes Beispiel für den internationalen Gedanken und die internationale Aufgabe der Kunst und insonderheit der Musik gelten; vor einer Hörerschaft, die aus dem Kreis ihrer Nationen restlos in die Sphäre des Allmenschlichen gehoben wird, dirigierte das Werk des größten italienischen Meisters einer der bedeutendsten deutschen Stabführer, und über und mit dem ausgezeichneten Klangkörper der Tschechischen Philharmonie und der disziplinierten Schönstimmigkeit des ,Mahol"-Chor«s triumphierte ein Quartett auSerwähltester Solisten magyarischer, schwedischer, jugoslawischer und tschechischer Herkunft: Maria Nömeth, Kersten Thorberg, Josef Riawetz und Zitek. Vom Andante des „Reauiem" bis zum Allegro der Schlußfuge war das ein Abend von unüberbietbarer Erlebniskraft, jjnci Stunden läuterndsten Kunsterlebens. I. g. Der„Grün« Holzschuh". Am 11. und 12. Oktober gastiert in der Prager Urania das Ensemble des Amsterdamer Flora-TheaterS, der„Grüne Holzschuh" unter der Leitung seines Direktors D i- f r a« n. Dieser„Grüne Holzschuh" ist«in Nachfahre des„Blauen Vogels'. Vorverkauf ab Donnerstag an der Urania-Kinokaste. Wochenspiclplan d«s Neuen Deutschen Th'nters. Samstag, 7.30: La Boheme.— Sonntag, 7.30: Der Zigeunerbaron(A 2). Montag, 7.30: Im Weißen Rößl(B. V).— Dieilstag, 7.30: Familie Schimek(Ensemblegastspiel Max Pallenberg.— Mittwoch, 7.30: Der Zigeu ner- baron(B 1).— Donnerstag. 7: Aida(C 11.— Freitag, 7.30: Zweites Gastspiel Max Pallenbergs.— Samstag, 7.30: Samson und Dalila(A 2).— Sonntag. 11: Kammermusik, 2.30: Arbeitervorstellung: Metz e a, 7.30: R i g o l e t t o(D 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Samstag, 8: Kalkutta, 4. Mai.—'Sonntag, 8: Coeur- Bub e.— Montag, 8: Die Waterloo- Brücke(Bankbeamten 1s.— Dienstag, 8: Dreimal Offenbach.— Mittwoch, 8: Kalkutta, 4. Mai(Bankbeamten 2).— Donnerstag, 8: K allntta, 4. Mai.— Freitag, 8: Dreimal Offenbach(Kulturverbandsfreunde).— Samstag, 8: Kalkutta, 4. Mai.— Sonntag, 3: 2 Stock, Tür 19, 8: Coeur-Bub«. Die ßhrenbeleldiqungrklagerr Thomas Bilkas. Kreisgrricht Prag stellt alle Verfahren«in. Prag, 7. September. Bekanntlich hat Tomas B a k a zu Lebzeiten eine beträchtliche Menge von Ehrenbeleidigungsprozesien angestrengt und auch vor dem Prager Kreisgericht war ein hübsches Bündel Klagen des Zliner Diktators gegen verschiedene Blätter anhängig. Mit dem Tode Batas hat das Preflegericht die E i n st e l l u n g der laufenden Strafsachen verfügt, doch wurde, die Sach« vor di« höhere Instanz gebracht, welches die Akten zur nochrnaligen Entscheidung zurückverwies. Besonders Jan B a k a, der Bruder des Toten, bemühte sich als Vertreter der Firma, die Wiederaufnahme einiger Fälle zu erreichen. Das Gericht kam jedoch nach neuerlicher Beratung zum gleichen Resultat. Da alle Klagen im Namen Patas persönlich und nicht von der Fix m a«ingebracht worden sind, es, sich also um die höchst persönliche Sache eines Toten handelt, die in keiner Weise auf seine Rechtsnachfolger übergehen kann, wurde neuerlich die Einstellung aller laufenden Sachen „B ata contra..." verfügt. rb. Vom Fallobst spricht man oft in diesen Herbsttagen, wo Aepfel, Birnen und heimische Pflaumen das Bild des Marftes beherrschen; der Bolks- mund versteht darunter Früchte, die vorn Baum herabfallen, etwas angeschlagen, als Minderwarc um billigen Preis verkauft werden. Jeder Markt hat aber noch anderes Fallobst: jene versaulten Stücke, die bisher auf den Märkten jedes Orts als ungenießbar weggeworfen werden. Wer die Märfte dieser jetzigen Notzeit kennt, weiß, daß gerade dieses herrenlose„Gut" das sehnsüchtige Ziel vieler Hungriger darstellt, die sich zu Obstklanbern des Hungers gepreßt sehen. Auf jedem Markt der Städte ist das gleiche Bild schreckhafter Not: wie Ausgehungerte die als ungenießbar weggc- worfenen Früchte auflesen und sich aus ihrer Fäule die wenigen eßbaren Stückchen herausklauben, um so etwas Nahrung zu bekommen, die ihnen von der Gesellschaft nicht mehr gegeben wird. Fast Tag fiir Tag kann man das unfaßbare Bild erleben, wie abends nicht verkaufte Früchte in die K a n a l e geworfen werden, als wertlos, nicht weil sie ungenießbar sind, sondern Wei! sich für sie kein Käufer mehr gefunden hat. Jeder Markt wird auf diese Weise zum kleinen Brasilien, wo man Schiffsladungen Kaffee unter Militärassistenz ins Meer versenkt, zum kleinen Argentinien, wo Lokomotiven mit Getreide geheizt werden oder zum kleinen Nordamerika, wo sich soeben eine Organisation gegründet hat, die mit künstlich angesammeltem Kapital Millionen Pallen. Baumwolle aufiaufen wird, um sie dem Martt im Interesse des Preises zu entziehen. Es ist ganz allgemein bekannt, daß die Marktfahrer unverkauftes Gemüse, unverkauftes Obst, vernichten, während gewöhnlich direkt vor ihren Augen Kinder auf dem Schmutz der Gaffe(soweit ent Omaner Polizist sie nicht vertreibt) die anekelnden Abfälle nach eßbaren Resten durchklauben. Wird nicht doch endlich einmal nicht erzwungene Menschlichkeit.in die Hirne unserer bäuerlichen oder handelnden Srnährungswohltäter einziehen? Absperrung d«r Wasterttitumg. Am Sonntag, den 9. Oktober, wird von 6 Uhr früh bis 20 Uhr abends in den oberen Teilen von LibeS und Str«!« gegen Kobytisy und StliAov, in den oberen Teilen von Rokosta in Löbeä, in Kobelisy, Troja, Pros«! und in dem„nad Krocinkou" genannten Teile von Bhsoöan in den Waff«rleitungen das Wasser abgesperrt sein.(Bom Wafferwerks-Amt der Hauptstadt Prag.) Di« Sta-nsbahndirektion in Prag fertigt Sonntag, den 16. Oktober, einen Sonderausflugszug nach Pardubice zur„großen Steepl«-Chase" mit Berpfle- güng und Führung zum Preis« von 23 K pro Person ab. In dem Preise sind inbegriffen: die Fahrt auf den Rennplatz und zurück,«in kaltes Ab endest«« und Unfallversicherung. Abfahrt Wilsonbahnhof um 10.06 Uhr, Rückkehr nach Prag nach 20 Uhr. Dieser Schnellzug wird einen Speisewagen mitführen. Anmeldungen bei der Kassa Nr. 13 mit einer Angabe von 20 K amt Masarykbahnhof bis längstens 12. Oktober. Tisch-Tennis-Meisterschaft der Hetzinsel. Heut« spielen Möbius-Fink. Sountagab 9 Uhr vormittags Schlußtämpfe im Einzel- und Doppelspiel. Sport ♦ Spiel- MmllM Tisch-Tennis Turnier der Arbettersportter nm di« Mrisberschaft der Hetzinsel. Weitere imerestante Ergebnis!« der letzten Spiels tage: Charvat gegen Fink 1:3; Möbius gegen ötzSpiva 3:2; öeSpiva gegen Taub 3:0;. Taub gegen Altschul 3:2; Möbius gegen Kaö- maSek 3:0. Auch jetzt kann man noch nicht mit Sicherheit verauslagen, wer das Turnier gewinnt. Die drei Besten Altschul und öeöpiva(beide DTJ) sowie Möbius sind nur durch Score getrennt. Da es gelungen ist, alle Spiele auszutragen, findet S a m s- t a g nur ein einziges Spiel, und zwar Möbius gegen Fink, statt. Das Final« beginnt endgül- rig am Sonntag, den?., um 9 Uhr vormittags. Es spielen Möbius gegen Marek; Altschul gegen öeöpwa und das Doppelspiel M ö b i ü s—T aub gegen Marek—ÄaLmaöek. Nachher finden Exhibitionsspiele im Einzel- und Doppel statt. Der Zlgeunerbaron. Halb Oper(in den außerordentlich hohen gesanglichen Anforderungen), halb Operette(in der folkloristischen Zeichnung),— hat der„Z i g e u n e r- baron" vor nun fast 30 Jahren seinen Siegeszug angetreten. Er ist und bleibt Giftel- und Wendepunkt im bühnenmusikalischen Schaffen Johann Strauß'; was nachher an halben Opern und ganzen Operetten aus des Meisters künstlerischer Werkstatt kam, war Abstieg, war Enttäuschung— für die Kunstwelt und den Komponisten selbst. Ueber den„Zigeunerbaron", dessen Text und Handlung Jg. Schnitzer nach der Erzählung„S a f f i" von M. I o k a i bearbeitete, ist kaum Treffenderes zu sagen, als einer von seinen vielen Biographen niederschrieb:„Pettenkosens Szolnoker Markt in Mu- siksorm. Ein ungarisches Zeitgemälde, das zum guten Ende ins Barock-Wien Maria Theresias auS- läuft. Zigeuner-, Soldaten-, Puszta-Romantik; freie Liebe, die der„Dompfaff" einsegnet; die steife Wiener Sittenkommission; madjarisch« Schwermut und Trunkenheit, gutmütiges Analphabetentum, schweine- züchtende Schwerenöterei, vergraben« Schätze, die entdeckt, Nomadentum, das geadelt wird, Ausstiege ins Fürstliche, siegreiche Einzüge— alle Bestandteil« der typischen Umschlagsopevette sind der Musikbelebung ausgeliefert". Johann Strauß' Musik dazu unerhört in der melodischen Verschwendung, allem höchst originell angepaßt, schmissig oder Volk Sentiment, wie es die jeweilige Situation erfordert, glanzvoll und ins Opernhaft« spielend in den großen Ensembles und Finalis. In der Fülle der musikalischen Einfäll« überzeugt uns der„Zigeuneribaron" heut« noch, dessen Uraufführung serfolg im Jahr« 1885 so großartig war, daß nach einem Zeitbericht das Werk eigentlich dreimal uraufgeführt wurde, weil fast alle Nummern wiederholt werden mußten. — Heute läßt sich der„Zigeunerbaron' nur dort erfolgreich aufführen, wo di«„großen Kanonen" in den Hauptsolistenpartien aufgefahren werden können, wo groß« Stimmen und glänzende Komiker gleicherweise zur Verfügung stehen. Die Neueinstudierung des„Zigeunerbaron" am Prager Deutschen Theater, wie wir sie vorgestern hörten, kann diesen Bedingungen nur zuw kleineren Teil« entsprechen; sie enttäuschte im allgemeinen und im besonderen. Im allgemeinen: Paul K o m l o s als Dirigent kann Strauß gegenüber nur sein Temperament zur Geltung bringen, das aber nicht immer richtig angewendet erscheint; richtig zu gliedern und wirk'am aufzubauen, wie eS di« großen Ensembles und Finalis verlangen, vermag er noch nicht; dagegen war die Festigkeit der Chöre sehr zu loben. Max L i«b l als Regisseur gab bunt«, aber wenig lebendig«, schablonenhaft er- 'tnrrle Bühnenbilder, deren szenischer Rahmen mehr Bald- als Puszta-Romantik offenbarte. Im besor. deren: Bandlers Schweinezüchter Ziupän hat zu wenig echten Humor, ist auch mchr wienerisch als ungarisch. Hilde K o n e tz n i als Saffi kann nur die glanzvolle Stimm« zeigen, die aber noch sehr der atemtcchnischen Festigung, der Ruhe und Reinheit im Ton bedarf; darstellerisch zeichnet sie sich durch Temperamentlosigkeit aus. Ganz schüchtern im Humor auch Dudeks Kommiffär. Libal als Barin- kay zu wennig ritterlich, stimmlich unerquicklich im ARNO MIM Werkzeua masdiinen iabrik Atademiter. Juristenkontroverfe mit Knochrnbrüchen. Prag, 7. September. Wenn sich Leute, die von sich behaupten, das. Privilegium der Bildung und sogar der„akademischen Erziehung" zu bes.tzen, sich bemüßigt fühlen, sich in einem öffentlichen Lokal zu raufen wie di« Stammgäste der ordinärsten Schnapskneipe, so ist das ein bedenkliches Zeichen für den ethischen Wert einer solchen Akademlkerschasi. Nun gar, wenn «S sich um Hörer der sogenannten Rechtswissenschaft handelt! lind ausgerechnet zwei Juristen waren es, noch dazu zwei Deutsche aus T e p l i tz- S ch ö n a u, die im Kaffeehaus„H y- b e r n i a" am 4. Juni d. I. einen wüsten Exzeß inszenierten. Herr eand. jur. Eugen K.(inzwischen ist er zum Doktor promoviert worden) saß mit einer Freundin in dem erwähnten Kaffeehaus. Am Nebentisch saß der cand. jur. Alexander B., der sich den Spaß machte, in kurzen Zwischenräumen leinen Kollegen durch einen(offenbar in den„Spaß" eingeweihten) Kellner zum Telephon rufen zu lasten, um sich daran zu ergötzen, wie der heimtückisch zum Telephon zitierte Kollege sich mit zahllosen vergeblichen„Halloh—halloh" heiser schrie. Als Eugen K. zum fünftenmal aus der Telephonzelle unverrichteter Dinge. zurückkehrte und den Herrn Kollegen schadenfroh lachend dafitzen sah, versprach er ihm„ein paar Ohrfeigen". Nach einer Weile verli«ß die Freundin des K. das CafK. Und nun trat Alexander B. zu seinem Tisch und fragte, wie er das mit den versprochenen Ohrfeigen zu halten gedenke. Er ließ ihm aber gar keine Zeit zur Antwort, sondern versetzte ihm sofort Heule abends 8 Uhr, großer Uraniasaal, „Ladien links“ das politische Kabarett der Prager Sozialistischen Jugend. Morgen nachmittags, Uhr, Produktenbörse Massenkundgebung der tschechischen und deutschen sozialistischen Jugend anläßlich des 25jährig«n Bestandes der Sozialistischen Jugendinternationale. Redner: Genoss« Karl Heinz, Wien. Pünktlich kommen! Erscheinen Pflicht! Ortsgruppe Prag. Sonntag, 9. Oktober, ä um 6 Uhr, Masarykbahnhof nach Lana- H Kkivoklad, führt Kapuschlnski. 16. Oktose der, um 7.30 Uhr Endstation der 1er- Elektrischen in Stern, führt Schaffet.' Kunst und Wissen Her-»«ee»««. eUjftirt T°°d- Cd»ft«d-111I1. Wilhelm«,, d»«,-«-r-n'woHlicher n.dakt^r:»I Em« en«°z, Pra,.- Drucke.Slot«- sür Z-IIxng. n» Huchdru«.«w a.-»ür den Dnt der-ntw-rtlich: Ott« H°IU. Vtao.-- Die 3e"uug->m»rl-ujrankat»r"urdrron btt tßoft-». D«le«raph,..!>>retllmi tut tttloi«i 13.800/VIIHiBO tewilligt— Be,u,«dcü>ng»u,e». Bei Zustellung tu« bau»»der bei Bt»u, durch di, Poft monatlich tU 16.-,«iertel^dntch K4*8.—, tzäuj-hr^ Ui 96,—, ga>ma|)iig Ke Utz,—.— Inserat« werden laut lauf dtütgst berechnet, vrt»itticu EitrjchaUimg» BreUnachlatz.-» Nüilftrllnng»au wauujlridtea«folgt nu bei«inicndnn« der Reionrrnarleu.