Sbrzelpreir 70 Heüer. (Einschließlich b Hell« Porto) 12 Ladrgans. Dienstag, n Oktober 1932 Rr 240. Die Internationale der Jagend tagt Eröffnung des vierten Kongresses der sozialistischen Jngendinternaflonale Prag, 9. Oktober, Jtn Repräsentationshaus der Stadt Prag wurde heute der Vierte Kongreß der Sozialistischen Jugendrnternatio- n a l e unter außerordentlich starker Teilnahme der angeschlossencn Verbände er öffnet. Der Tagungssaal trägt ein Festkleid. Im Hintergrund des Podiums befindet sich eine von dunklem Grün umrahmte Marxbüste, An der Stirnwand des Saales leuchtet auf rotem Grund in vier Sprachen der Wahlspruch der Jnternatio- nale„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch". Rechts vom Podium befindet sich die Fahne der Sozialistischen Jugend int er-, nat io na le, links der Fahne der tschech oslowakischen Jugendinternationale. Die„Internationale", von der deutschen und der tschechischen sozialistischen Jugend Prags gemeinsam angestimmt und von den Delegierten stehend mitgcsungen, leitet die Tagung ein. Sie wird von dem Vorsitzenden der Sozialistischen Jugendinternationale, dem Genossen Karl Heinz, Wien, mit einem Rückblick aus.die wechselvollen Schicksale der Sozialistischen Jugendinternationale eröffnet, der auch die schwer«! Kämpfe würdigt, die der Sozialistischen Jugend in aller Welt bevorstehen. Immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen, begrüßt der Vorsitzende folgende Gäste: Fritz Adler für die Sozialistische Arbeiterinternationale, T a y e r l e, Prag, für den Internationalen Gewerkschaftsbund, S i l a b a, Prag und Stein für die Sozialistische Sportinternationale, Winter und I a l k o tz i für die Sozialistische Erziehungsinternationale, den Genossen Minister Bechynö, den Genoflen Minister Dr. Ludwig C z e ch für die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei und des Ministeriums für soziale Fürsorge, die Genoffen Dr. Soukup und Dr. Winter für die tschechoslowakische sozialdemokratische Arbeiterpartei, Weigel für den Deutschen Gewerkschaftsbund in der Tschechoslowakei, Burda für die Gauorganisation Prag der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Schbnfelder für die Bezirks- organisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Hübner für die deutsche sozialistische Jugend Prag, N o v h für den Gau Prag der tschechischen sozialdemokratischen Ju- genii, die Genoffen Dr. Jekübek ükid Dr. Strauß als Vertreter der Stadt Prag, den Genoffen Pik, Wien, den Erweck« der Ange- stelltenbewegüng. Der Vorsitzende Heinz teilt sodann mit, daß eine gewaltige Anzahl Begrüßungsschreiben aus den Untergliedernugen der^einzelnen Verbände, besonders viele aber aus Spanien ein- getroffe« sind. Der Vorsitzende des Internationalen Arbeitsamtes hat ein sehr herzliches Begrüßungsschreiben geschickt. Die polnischen Genoffen haben mitgeteilt, daß ihren Delegationen von der Regierung die Ausreise verweigert wurde. Diese Mitteilung des Vorsitzenden lösen stürmische Entrüstungsrufe auS. Der Graß der isdicdiosiowa- hisdien Sozialdemokratie. Senat-Präsiden! Genosse Dr. Sonküp, der die Reihe der Begrüßungsansprachen eröffnete, führt« u. a. auS: Werte Parteigenoffen. und Parteigenossinnen, liebe Freunde! Ich fühle mich glücklich, daß ich Sie im Namen der Exekutive der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, sowie, auch', im Namen der' beiden Klubs der Abgeordneten und Senatoren begrüßen kann. Sie stehen hier in Prag auf altem sozialistischen Kampfboden Marx's Lehre und Lassalles Propaganda sind bereits vor mehr als sechzig Jahren zu uns gedrungen unh haben zur Gründung rin« tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei geführt Wir sind stolz darauf, dckß ün Prag 2 groß« Führer des internationalen Sozialismus geboren sind: Dr. Viktor Adler und Karl Kantsky, dem wir von dies« Stelle auS alle unsere herzlichsten Grüße mit dem glühenden Wunsche übermitteln, er möge unserer Internationale noch lange Jahre erhalten bleiben. Wir sind glücklich, daß Sie hier das gesamte sozialdemokratische Proletariat ohne Unterschied der Sprach« und der Nationalität begrüßt, daß es namentlich di« beiden großen sozialdemokratischen Parteien, di« tschechostowakilche und die deutsche sind, welche sich in aufrichtigstem Ein-' vernehmen im Jahre 1928 zu solidarischer Arbeit und zu geeinigtem Kampf für die Erhaltung und Vertiefung des republikanischen und demokratischen Regimes, für ein besseres, kulturelles und wirtschaftliches Leben unseres gesamten arbeitenden Volkes in der Republik und für die großen Ziele des int«, nationalen Sozialismus für, Freiheit und Böller, für Weltfrieden und wirtschaftliche Weltdrmokratie vereinigt haben. Wir sind auch einer von den Staaten, in welchem sich beide sozialdemokratischen Parteien an der Koalitionsregierung der Republik beteiligen. Wir stehen hier Wacht für die Demokratie. Wir haben bisher alle Versuch« des FasciSmus nach Ergreifung der Macht im Staate hintangehalten, wir haben wichtige sozialpolitische Gesetze, namentlich die Schaffung der. allgemeinen Jnvaliditäts- und Alters-, der Witwen- und Waisensozialversicherung durchgesetzt, wir haben die Herausgabe des neuen Bankengesetzes Verehrte Freunde! - Ich überbringe Ihnen die Grüße der deutschen Arbeiterbewegung dieses Landes. Ich bin glücklich, an Ihrem Kongreß teilnehmen zu könnest, dessen herzerquickendes Bild mich auf das Tiefste ergreift und der der ganzen Welt packend-vor Augen führen wird, welch unversiegbare Kraft der Sozialismus in seinem jungen Proletariat besitzt. Unsere Partei war sich schon zu einer'Zeit, in der man in den anderen Parteilagern über die Jugend die Rase zu rümpfen pflegte, der Bedeutung der Jugend voll bewußt. Bon der ersten Stunde an j)og sie sie zu sich heran, weckte ihren Idealismus und ihre Begeisterung, vermittelte ihr das notwendige Wissen und bereitete sie für die schweren Aufgaben vor, die ihrer in den Kämpfen der Arbeiterklasse harren. Darum hatte st« auch stets in ihren schweren Stunden die Jugend au ihrer Seite, die ganz klar erkannte, wo ihr Platz ist und sich mutig und unerschrockev, in die Reihen der ältere» Kampfgenosse« stellte. Verehrte Freunde! Auch unserer Jugend blieben, ebenso wie unserer gesamten Bewegung, die schwere« Auswirkungen der kommunistischen Heimsuchung nicht erspart. Doch hat sie allen Anstürmen und Lockungen von links und rechts standgehalten und steht heute gefestigter denn je da, als eines der stol- zesten Glieder unserer. Bewegung, in deren Rahmen sie sich jenen Lebensraum gesichert hat, den sie für ihre Arbeit und für ihre Wirksamkeit dringend benötigt. Genossen, die Wirtschaftskrise, die die ganze Welt ergriffen hat, hat auch uns in ihren Bann gezogen. Die schweren Stockungen im Wirtschaftsbetriebe haben eine Massenarbeitslosigkeit und Massenelend ausgelöst, von dem auch unsere Jugend auf das Schwerste betroffen wurde. Der für diesen Kongreß verfaßte Bericht unseres Jugendverbandes veranschaulicht in einer einzigen Zeile mit sein« erschütternde» Feststellung, daß nahezu 40 Prozent der Verbandsmitglieder arbeitslos find, die ganz« Tragik des Schicksals der Arbeiterjugend unseres Landes. So hat denn die Wirtschaftskrise und die Wirtschaftsnot auch Unsere Jugend schwere Wunden geschlagen und sie dabei nicht nur materiell, sondern auch, seelisch auf das Härteste betroffen. Die hat aber auch zugleich ohne uns« Zutun, einfach durch den Druck der Verhältnisse dafür gesorgt, daß sich auch für unsere Jugend ftühzeitig die beiden Klassenfronten Kapital und Arbeit klar abheben und daß sich in ihr der Wille entwickelt, den Kampf gegen diese Gesellschaftsordnung mit aller Leidenschaft aufzunehmen und den Boden zu bereiten, auf dem ein neues und freies Geschlecht aufwachsen und erblühen soll. erwirkt, welches die Diktatur der Banken im Wirtschaftsleben wesentlich einschränkt, wir bereiten ein großes und wichtiges Kartellgesetz vor, wir haben die Verkürzung des Militärdienstes um vier Monate durchgesetzt und wir unternehmen unter Führung unseres Genossen Ludwig E z e ch alle Schritte, damit die Opfer der heutigen schrecklichen Wirtschaftskrise und hunderttausende Arbeitslose bei uns wenigstens die allernotwendigste menschliche Existenz sichergestellt haben. Es sind dies unendlich schwere Kämpfe, die wir da führe», wir sind uns aber dessen bewußt, daß wir die Positionen, welch« sich di« Arbeiterschaft in den revolutionären Kämpfen der Nachkriegszeit errungen hat, verteidigen und nicht nur im Interesse unserer eigenen Arbeiterklasse, sondern im Interesse des gesamten internationalen Sozialismus erweitern müssen. Am geschichtlichen Horizont erscheint eine neue Gesellschaft der wirtschaftlichen Demokratie der Freiheit und Gerechtigkeit für alle. Die neuen Jugendgenerationen der arbeitenden Klassen sind überall auf dem Marsch. Wir grüßen sie von ganzem Herzen. Alle unsere Gedanken und Hoffnungen gelten ihnen. Bor(50 Jahren waren wir— es kommt die Zeit, wo ihr alles werden könnt und alles werden werdet. Wir stehen im Kampf um die demokratischen Republiken-7.ihr werdet schon um die sozialistischen Republiken kämpfen.(Stürmisch« Beifall.) lind hier, werte Freunde, erwächst uns, den Aelteren, die schicksalsschwere Aufgabe, der Jugend Nicht nur den Weg zur Erreichung dieses Zieles zu bahnen und ihr für diesen Kampf die geistigen Waffen in die Hand zu geben, sondern sie auch für das schwere Ringen zu stählen und zu kräftigen und sie auch physisch zu befähigen, sich in die proletarische Kampffront einzugliedern und an den entscheidenden Kämpfen der Arbeiterklasse tätigen Anteil zu nehmen, lind ebenso müssen dann wir Aelteren, wenn wir dieser Aufgabe gerecht werden wollen, nicht nur nm die Jugend, sondern auch für die Jugend kämpfen und alle ihre Kampfforderungen zu den unsrigen machen. Werte Freund«, gestatten Sie mir hier eine persönliche Bemerkung. In der schweren Verantworturm und den vielen Kümmernissen, die mir die Verwaltung des Fürsorgeministe- rinms brachte, habe ich eS für meine Person als eine wahre GlückSausgabe empfunden, daß es mir vergönnt ist, an dem Kampf« unserer Jugend für Jugendrecht und Jugendschutz, an oer Ausgestaltung der Jugendfürsorge und Jugendpflege, an der Betreuung^ des kostbarsten Gutes nuferer Jugend, ihrer Arbeitskraft, mitzuwirken und de« Bertrauensmännern und Vorkämpfer« der Jugend neu« Ausgaben zu stellen, neu« Wirknngsmöglichkeiten zu erschließe« und der schutzbedürftigen Jugend in den leider nur sehr beschränkten Grenzen meines Wirkungskreises jedweden Beistand««gedeihen zu lassen. Was nach dieser Richtung geschehen ist, das verdanke ich der Initiative und der Regsamkeit unserer Jugend, die dabei der treibende Faktor gewesen ist. Vor allem aber der von internationalem Geiste erfüllten und von brüderlicher Solidarität getragenen Zusammenarbeit der deutschen und tschechischen sozialistischen Jugend unseres Landes. . Werte Freunde, ich freue mich, unserer Jugend von dieser Stelle aus, namens des Fürsorge- ministeriu ms herzlichsten Dank sagen, zu können und ich benütze diesen Anlaß, die aus allen Länder» hier versammelte Jugend namens des Fürsorgeministeriums auf das herzlichste zu begrüßen. Und nun, Genossen, die besten Wünsche unserer Partei und uns«er Gewerffchasten zu Ihren Beratungen, denen die Arbeiterklasse unseres Landes mit gespanntem Interesse entgegensieht. Unsere Arbeiter stehen in Liebe zu unserer Jugend und sie glauben' an sie, zu wissen, daß das Schicksal des Proletariats bei unserer Jugend güt aufgehoben ist. Sie wissen, daß sie nicht nur die beste Kampfgruppe, sondeBr auch die. Wegbereiterin des Sozialismus ist, das Banvolk der kommenden Welt, daß sie das Werk der Aelteren vollenden und den'Sozialismus; diese groß« und. einzige Hoffnung des internationalen Proletariats, zum Ziele sichren werden.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ms Vertreter der Stadt Prag begrüßt Genosse Dr. Jekabek den Kongreß, der gemeinsam mit dem Genossen Dr. Strauß als offizieller Vertreter der Stadt Prag am Kongreß teilnimmt. Der Tatsache, daß zwei sozialistische Vertreter von der Stadt Prag zum Kongreß entsendet wurden, beweist, daß sich die sozialistische Beweguna auch auf dem Boden der Stadt Prag'm Vormarsch befindet. Auch in Prag wird die, rote Fahne des Sozialismus hochgehalten. Genoss« Dr. Jekabek begrüßt-den Kongreß gleichzeitig im Namen der beiden sozialdemokratischen Fraktionen im Prager Stadtrat.— Die Begrüßungsrede des Genossen Dr. Jekabek wird vom Genössen Dr. Strauß ins Deutsche übersetzt. Für die Arbeite rsportinternario- n a I e begrüßt deren Sekretär Genosse S i l a b a (P r a g) den Kongreß. Di« sozialistische Arbeiter- sportinternationale benützt zum erstenmal dir Gelegenheit, einen Kongreß der Sozialistischen Jugendinternationale zu begrüßen und ihm die Ber- bitzidenheit der Arbeitersportler.der ganzen Welt mit den Bestrebungen der Sozialistischen Jugendinter- »ativnale zu bekunden. Gleichzeitig begrüßt Genosse Silaba auch im Namen der 180.000 Mitgieder des tschechischen Arbeiter-Turnverbandcs. Genosse Dr. Winter begrüßt namens der sozialistischen Erziehungsinternationale den Kongreß. Di« sozialistische Arbeiterjugend ist di« tmpfer« Gegenwart des sozialistischen Kampfes und seine hoffnungsvolle Zukunft Die Aufgabe der sozialistischen Jugendorganisation ist es, di« arbeitsmündig gewordene Jugend kampfbereit und kampf- tüchtig zu mache». Mit den Grüßen und Wünschen der sozialistischen Erziehungsinternationale verbindet Genosse Dr. Winter di« Bitte, die sozialistische Jugend möge eS nie unterlassen,' dafür zu sorgen, daß., die Avbesterkrnd«' aUS den Erziehungsorganisationen in.die Jugendorganisationen, gehen. Der Vorsitzende Genosse Karl Heinz(Wien) teilt mit, daß die Vertreter der Sozialistischen Arbeiterinternattonale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes am Nachmittag in der großen internationalen Kundgebung den Kongreß begrüßen werden. Der Sekretär der Sozialistischen'Jugendinternationale Genosse Ollen Hauer teilt, mit, daß aus allen Ländern zahlreiche Begrüßungsschreiben und Telegramme junger, sozialistischer Arbeitsmenschen eingelangt sind, di« alle dem Kongreß die besten Erfolge wünschen und der sozialistische» Jugendinternationale zu ihrem 23jährigen Bestände gratulieren. Ei» Begrüßungsschreiben au die polnische« Genossen, denen di« Pilsudskh-Regiernng die Ausreise zum Kongreß verweigert hat, wird einstimmig beschlossen. * Der organisatorische Bericht. Nach den Begrüßungsansprachen erläutert Gen. Ollenhaüer den gedruckt vorliegenden Bericht über die Tätigkeit der Sozialistischen Jugendinter- nationale. Genosse Ollenhauer geht von der schweren wirtschaftlichen Situation aus, die auch die Arbeit der Sozialistischen Jugendverbände ungemein erschwert hat. Trotz dem Ansturm der Reaktion war es jedoch möglich, di« Jugendinternationäle auszubauen. Der Kampfgeist unserer Jugend ist nach den drei Jahren schwerster Bedrängnis ungebrochen. AIS vor mehr als 28 Jahre» der Vertreter der verschiedenen sozialisttscheu Jugendverbände in Stuttgart zusammentraten, zählte di« Jugendinter- nationale kaum 50.000 Mitglieder. Heute jedoch mustert st« mehr als 270.000 junger Genossen und Genossinnen. Sie ist um ein Vielfaches stärker als die Kommunistische Jugendinternationale. Auf allen Gebieten unseres Kampfes ist ein« stark« Aktivität zu bemerken. Das Bündnis mit den übrigen internationalen Verbindungen des Proletariats ist sehr eng; die Zusammenarbeit mit jene» internationalen Verbindungen, di« sich mit Jugendfragen beschäftigen, wird noch ausgebaut werden. Durch seine Arbeit und seine Beschlüsse will, der Viert« Kongreß der Sozialistischen Jugendinternationale beweisen, daß für die sozialistische Jugend das alt« stolze Wort Geltung hat:„Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht.(Starker Beifall.) In der Debatte zum Bericht des Genossen Ollenhauer sprachen: F a v i e r(Frankreich), Godefroid(Belgien) und William (England), die alle dem Bericht einmütig zn- sttmmten. Di« daraufhin erfolgende Abstimmung über den Bericht des Sekretariates ergab vollkommen einstimmige Annahme. »er Kampf nm die Jagend and für die Jagend. Der OruO des Genossen Dr. Czedi an den KondreD. Seite L Dienstag, 11. Oktober 1932 Nr. 240 Internationale ILIMSMAKL M Eine Hroße Naniieslalion des Viele, viele blauen Blusen und Hemden, auf fast-allen die blitzenden drei Pfeile, das internationale antifascistische Kampfabzeichen. Viele lachende jung« Gesichter. O, viele schmale, viele hagere Gesichter! Gesichter junger Arbeiter und Arbeiterinnen. Aber doch fro§e Mienen,, auch Aber die Not hilft jungen Menschen doch noch manchmal«in Scherz, ein Lachen hinweg. Und dann: es ist ja ein froher,«in festlicher Anlaß, der die vielen Jungproletarier zusammengeführt hat— die Fünfundzwanzigfahrfeier der Soziali- ' ftischen Jugend-Internationale! Nicht wenige sind zu Fuß nach Prag gewandert, sind auf weitem Wanderweg gekommen aus deutschböhmijchey Gegenden, aber auch aus Deutschland und etliche aus Oesterreich. Nun ist alle Müdheit von ihnen abgefallen, sie sind schon . ein wenig heimisch geworden in Prag, haben Freundschaft geschloffen mit Prager dmtschen untschechischen Jugendgenoffen, Freundschaft, die trotz den Sprachschwierigkeiten leicht zustanbekam, weil die Klassen? und Gesinnungsgemeinschaft alle Fremdheit bald überbrückt«. Aeußerlich waren die deutschen Jugendlichen von den tschechischen nicht- mehr zu unterscheiden,— auch die tschechi- '-schon Jungsozialrsten trugen die blauen Hemden. Und überall, überall di« drei Freiheitspfeile! Auch di« Delegierten zum Kongreß der Jugend- Internationale, die an der Kundgebung teilnahmen, tragen si«, auch di« meisten Parteigenossen, deutsche und tschechische, die zu der Moffen- versammluna gekommen waren. Auch unser Ge- nofse Dr.i C z« ch besuchte die Versammlung der Jugend. Von bekannten Vertrauensmännern der tschechischen Partei sind die Genoffen Dr. Soukup, Tah«rl« und Silaba anwesend. Plötzlich ertönt Fanfarengeschmetter. Die Prager deutschen.Jugendgenoffen und viele tschechische Jugendliche marschieren, geführt von einer Jansavengruppe der Dresdener Jugend, durch den Saal zur Bühne. Dem Zuge vorangetraaen wird di« Fahne der Jugend-Internationale, der di« Sturmfahnen der Prager Jugendgruppen folge«. Mit dem prachtvollen Kampfliede der tschechischen Arbeiter, der ,Fioien Fahne", wird di« Kurchgebuna eröffnet. Ein Chor der Prager deutschen Arbeiterjugend folgt, dann reihen sich Sprechchöre der tschechischen und d«r deutschen Jugend an. Die, Genoffen K a s a l(tschechisch) und K e r n und ein polnischer Genosse begrüßen die Versammelten, itt ihren Ansprachen freudig dir langjährige innige und fruchtbare Zusammenarbeit der sozialistischen Jugendverbände aller Nationen der Tschechoslowakei betonend. Genossin Dr. Sch welb übersetzt ihre Begrüßungsworte ins Französisch«., . Freundlicher. Verfall heißt den Genoffen Karl Heinz willkommen, der nun die Geschichte der proletarischen Jugendbewegung, die Gründung der Jugend-Internationale auf dem Stuttgarter Kongreß, di« Entwicklung dieser Verbindung bis zum Kriege, mit bewegten Worten dann die unbeirrbare KriegSgegnerschaft der sozialistischen Jugend während des Krieges schildert, den mühsamen. Wiederaufbau der durch den Krieg und durch den BolschewiSmuszerriffenen Internationale und seine Rede auskungen läßt in die Verheißung, daß die. sozialistische Jugend ihrer be-' sonderen Aufgaben in unserer Zeit immer eingedenk bleiben, daß sie ihre internationalen Kampfpflichten, ihre Pflichten im Kampf« um den Sozialismus erfüllen wird. In den langanbaltenden Beifall, der dem Genoffen Heinz Mr seine Rede dankt, mischt sich die Begrüßung des Genoffen Tayerl«, der in tschechischer uüd deutscher Sprache di« enge Verbundenheit- des Internationalen Gewerkschaftsbundes Mit der Sozialistischen Jugend-Jnternä- tionale, der Maffen der gewerksthaftlich organisierten Arbeiter, mit der. sozialistischen Jungarbeiterschaft betont,. ' Nun aher, da Genoffe Friedrich Adler, der Sekretär der Sozialistischen Arbeiter-Internationale» auf die Tribüne tritt, bricht stürmischer Jubel, aus, erhebt sich die ganze Versammlung, um mit longanhaltettdem Beifall den Genossen zu begrüßen, in dem Nicht nur die Parteigenoffen, in dem auch die Jungarbeiter ihren Freund lieben, einen der Ihren. Dreimal brausen Freiheit- Rufs durch den Saal, Friedrich Adler zum Gruß, dann aber wird es still. Der Vertreter der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationabe beginnt zusprechen: Jugendgenossen und Jugendgenossinnen! Die Sozialistische Arbeiter-Internationale sendet Euch zu'Eurem JubiläumAoivgreß di« herzlichsten Wünsch«. Sie sendet sie Euch nicht als«in« Organisation von außerhalb, sondern sie sendet sie Euch als einer Organisation, die mit'ihr"auf das innigste verbunden ist, die mit ihr zusammenarbeitct, die mit ihr, wenn ich so sagen darf, eine Famili« bildet, in der wir die Erwachsenen, Ihr di« Jugend seid Aber, um all« Befürchiüngen von vornherein aus- zuschlirßen, nicht«ine Familie, die Euch irgendwie in Eure Autonomie eingreifen wird,' sondern die modern« Erziehungsmethoden anzuwenden wünscht, die Euch mit vollem Bewußtsein die Freiheit die Entschlüsse, di« Freiheit der Beratung, die Freiheit Eurer Alton überläßt. Genossen und Genossinnen! Genosse Heinz. Euer Vorsitzender.'hat in feinem Res«rat ein Bild der Entwicklung der Sozialistischen Jugend-Internationale in den letzten W Jahren entworfen. internationalen Sozialismus. Wenn ich nur auf di« letzten neun Jahre zurückblicke und mich frag«, ob wir i« der Zeit seit den, Hamburger Kongreß etwas erreicht hohen, dann brauch« ich nur dies« heutige Versammlung anzusehcn, in der dee.tsch« und tschechische Genosse» brüderlich miteinaeider vereinigt find, um itt wissen, welche Fortschritt« wir in dürfen neun Jahren errungen Haden.(Beifall.) Genossen und Genossinnen! Di« Jugend'ist heute der umstrittenste Teil der Arbcitrvklasse, um die Jugend geht der Kämpf und jene Bewegungen, di« ganz neueren Datums sind, di« fasoistischen Bewegungen, die nationalistischen Bewegungen, sie gehen alle daran, di« Jugeick» für sich zu gewinnen. Und da sind diese Bewegungen, unser« Feinde, zunächst in einer günstigeren Lage als wir selber. Sie haben einfacher« Formen, als wir sie haben. Di« Klerikalen kommen zu der Jugend und verkünden: Seid unbesorgt, unser Herrgott wird es schon schäft fcn! Die Fascisten kommen und sagen: Was wollt Ihr, Mussolini wird es schon schaffen! Die Nationalisten kommen und sagen: Seht, Hitler wird es schon schaffen! Und die Kommunisten schließlich predigen auch den Wunderglauben: Stalin, er wird es schaffen! Mr dagegen sind gegenüber diesen einfachen Versprechungen aus di« Wundertäter in der viel schwierigeren Lage, daß wir den jungen Arbei tern zu fafleit haben; Ihr müßt es selber 'ch affen!(Beifall.) Unsere Arbeit, unsere We-. thode, sie har ein,, anderes Ziel,.tze hat nicht di« Ausgabe, die Lugend unter irgendeinem Schlagwort zu verlocken, sie hat den Zielpunkt des Dauererfolges, der in der wahren Aufklärung, in der wahren Erkenntnis gelegen ist. Wir haben in der Sozialistischen Arbeiter- International« und in der Jugend-International« vor allem den Kampf zu führen gegen di« Kriegs- g e f a h r und für die Abrüstung. Aber da genügit es nicht, nur Propaganda zu treiben, sondern es ist nötig, den herrschenden Klassen zu sagen, daß das, was 1914 geschehen ist, sich niemals wiederholen kann.(Beffall.) Die Herren mögen wissen, daß, wenn es noch einmal zu einem Kriege kommen sollte, bi« Arbeiter, wen» ste überhaupt von den Waffen Gebrauch machen würden,- fi« sicher niemals , gegeneinander mehr kehre» würde». iKultmrscher Beifall.).. Ä Der. Kampf für den Frieden, der Kampf gegen den Krieg, der Kamps gegen den Faseismus, der Kamps für di« Demokratie, sie können von uns nur gelöst werden im groß«» Licht« unserer Grundauffassung, daß es sich um den Kampf gegen den Kapitalismus, um den Kampf für den. Sozialismus handelt. Die nächsten 25 Jahre Eurer Jugend-Inter- nationale siind nach meiner Ueberzeugnng entschei- dcnd für die Welt, deshalb glaube ich, daß ich meine Ausführungen schließen kann, indem ich! Ihnen zuruf«: Nehmt alle Kraft zusammen für den Kamps, der Euch auserlegt ist, für den schweren Kampf in der nächsten Zeit, denket daran, was auft dem Spiele steht und vereinigt Euch mit uns m dem Ruf«; Die Sozialistische Jugend-Jnwrnativ- nale, sie lebe hoch!(Stürmischer, langanhaltmtder Beifall, begeistert« Hochrufe.) Lange, lange will der stürmische Beifall,-er Adlers Red« folgt, nicht verstummen. Er wird verschlungen vom Jubel-er Fanfaren, di« ein kühnes, stolzes Lied durch-en Saal schmettern. Genoffe Dr. Soukup übersetzt nun die Rede Friedrich Adlers ins Tschechische. In bewegten Worten erinnert er dann noch, tschechisch und deutsch, daß vor fünfundzwanzig Jahren vom selben Saale aus die großen Wahlrechtskämpfe der tschechischen und deutschen Arbeiter Böhmens ihren Ausgang nahmen, daß damals die nun verstorbenen Führer der Arbeiter beider Nationen, Seliger und Nömee, von derselben Tribüne aus zu tschechischen und deutschen Proletariern gesprochen. Die temperamentvolle Rede Soukups klingt in ein begeistertes Hoch auf die International« aus. Ein tschechischer und em deutscher Sprechchor schließen die feierliche Kundgebung ab! Die auf der Tribüne versammelten deutschen und tschechischen Jugendgenoffen stimmen di« Internationale" an, die Versammlung erhebt sich, stimmt mit«in, in allen Sprachen Europas erklingt-er allen Unterdrückten gemeinsame Kampfgesang, der zugleich das stolze Zukunftslied aller Frei- heitS'ehnsüchtigen ist. .. Dfe, Fanfaren kaffe» Abschiedsgrüße erklingen, während sich langsam, langsam der Saal leert. Die größte Kundgebung, die je in Prag richechische und deutsch« Arbeiterjugend vereint«, *. ist zu Ende. Jugend und Demokratie. Die Kongreßrede Friedrich Adlers. Prag, 10. Oktober. Die Montagsverhaad- lungen des Kongresses der Jugendinternationale, die vom Genoffen Paul geleitet werden, begannen mtt einem Vortrag oeS Genoffen Friedrich Adler über.„Jugend und Demokratie". Er führte u. a. aus: Genoffinnen und Genossen! Wir alle kommen zu diesem Kongreß mit sehr verschiedenartigen Erfahrungen in unseren eigenen Ländern. Wir haben hier di« schwedischen Genossen nach einem großen Wahlsieg, der die Partei sehr nahe an di« Mchrheit gebracht hat. Wir haben hier die Genossen, die die Italiener vertreten, erfüllt mit den Erfahrungen der Länder ohne Demokratie, wo es keinerlei Aussicht gibt, auf d«m Wege von Wahlen zu einer Mchrheit zu kommen, wo der einzige hoffnungsvolle Weg der revolutionäre Umsturz des gegenwärtigen Systems, der Faseismus, ist. Wir haben also hier Genoffen unter ganz verschichenartigen Voraussetzungen der Erlebnisse der letzten Jahre. Denken sie an die englischen Genossen, die das große schmerzliche Erlebnis des Ausganges der zweiten Arbeiterregierung haben, ein Ausgang, der mit einer Niederlage verbunden ist, durch den Verrat von Führern, ein Fall, wo das vielgebrauchte und mißbrauchte Wort„Verrat" am Platze ist, eine Lage, in der eine große Erschütterung des Vertrauens in der Arbeiterklasse Platz gegriffen hat und die Frage, ob man das Experiment einer Minderheitsregierung überhaupt noch einmal machen dürfe, die Arbeitermassen auf das stärkste bewegt und der Gedanke, nur den einen Weg, erst im Moment, wenn wir dje Mchrheit haben, die Regierung zu ergreifen, sehr viel Boden gewonnen hat, wie Sie aus den Berichten über den englischen Parteitag gesehen haben. Mr haben also schr verschiedenartige Voraussetzungen, und vor allem, was uns am tiefften bewegt, die Lage in Deutschland, von der wir besonders heute hier zu sprechen haben werden. Diese schr verschiedenartigen Gesichtspunkte, die die Delegierten hier mitbringen, sollen nun in einer Aussprache zum Ausdruck kommen und uns vor die Probleme stellen, mit denen wir es hier zu tun haben. Es ist heute in der Sozialistischen Arbeiter.internationäl« allgemeine Meinung, daß der Zeitpunkt gekommen ist, wo die Probleme neu durchgesprochen werden müssen. Bon diesem Gesichtspunkt ausgchend, hat da? Büro der Sozialistischen Arbeiterinternationale, das vor ganz kurzer Zeit in Zürich getagt hat, den Beschluß gefaßt, eine sozialistische Konferenz- einzuberufen, in der diese- Gründftagen einer eingehenden großen Diskussion zu unterziehen sind. Die Probleme, vor denen wir stehen, sind in ihrer Mannigfaltigkeit dadurch charakterisiert, daß wir. f fünf Gruppen vou Ländern unterscheiden können, di« fünf Gruppen vou Problemen darstelle«. Wir haben einerseits die L ä n d e r m i t g e f e st i g- ter Demokratie, jelle Gruppe von Ländern, die wir als westliche Länder zu bezeichnen gewohnt waren. Das ist Frankreich und England in erster Linie, aber es gehören hiezu auch die skandinavischen Länder, Die zweite sind die f a s c i st i s ch e n Länder, in denen sich der Faseismus wirklich durchgesetzt hat, als Hessen traurigsten Repräsentanten wir Italien nehmen. Dami kommt eine dritte Gruppe von Ländern, deren Repräsentant Deutschland ist, wo der FasklSmns im Fortschreiten begriffen ist, um die Macht kämpft, ohne sie errungen zu haben, wo sich die Demokratie' in einem schweren Verteidigungskampf gegen den Faseismus befindet. Wir haben dann den vierten großen Komplex, charakterisiert durch den Namen Sowjetrußland, wo eine Diktatur besteht, die unter bolschewistischer Herrschaft aufgerichtet ist. Endlich haben wir die fünfte Grupp«, die entfernteste für uns, aber keineswegs, di^ unwichtigste, das sind jene überseeischen Länder, in denen noch keine Selbstregierung der Arbeiterklasse oder des Volkes überhaupt besteht, die kolonialen oder halbkolonialen Charakter haben. Das wichtigste Problem in der Gegeiiwart, das unsere Genossen in allen Ländern bewegt, ist die Frage: Wie steht es mit der Demokratie iu Deutschland? Bei den letzten Reichstagswahlen in Deutschland hat sich auf vollkommen demokratischer Basis die Mehrheit des Volkes gegen'die Demokratie und für die Diktatur ausgesprochen. Die Lage, in der sich Deutschland befindet, ist nun die, daß eine Mehrheit für die Diktatur vorhanden ist und nur deshalb nicht zum vollen wirklichen Ausdruck kommt, well sie nicht einig ist, waS sich klassenmäßig darin äußert, daß die Hitlerianer eine plebejische Diktatur haben wollen, während die anderen Schleicher und die Generäle«ine aristokratische Diktatur haben wollen, ein« Rückkehr zum Junkerregiment und zum alten Deutschland iu voller Form und daß schließlich die Partri, di« den Ausschlag gibt, die Kommunisten, ein« bolfchewiffffche Diktatur in Deüffchland zu erringen wünscht. Es bleibt«ine der«rschüttrrndst«» Tatsachen, die wir«rlrbt haben, daß es gescheh«« ist, daß di« Mehrheit eines Volkes unter Gebrauch der demokratischen Recht« fich für di« Diktatur«nt- schiedeu hat. Die Erfahrung, die Deutschland uns gegenwärtig bietet, zeigt, daß das Volk sür den Sozialismus nicht reif ist, der ejn Klasseninteresse der Arbeiter und einen großen Grad der Aufklärung bedarf, sondern weil es uns zeigt, daß das Volk sür die Demokratie noch nicht reif ist. Diese Erkenntnis hat nun bewirkt, daß eine neue Welle der Erschütterung des Vertrauens zur Demokratie durch die Arbeiterschaft der verschiedenen Länder geht. Die erste Folge dieses Erlebnisses ist, daß die Kommunisten vor uns hintreten und sagen: Wir haben es immer gesagt, die Demokratie ist kein Weg zum Sozialismus, die Demokratie kann zum Fascis- mus führen, wir haben recht behalten. Dann kommen andere und stigen: Was da geschehen ist, sind die'Fehler, die die Sozialdemokratie gemacht hat. Ich mochte zunächst sagen: DaS kommunistische Argument: Wir haben recht, der demokratische Weg isft kein Weg zum Sozialismus, wird wohl von vornherein durch die Tatsache widerlegt, daß es jenen Block von demokratischen Ländern mit,alter Demokratie gibff von denen ich eingangs gesprochen habe. Währ ist, daß ein großer Teil des deutschen Volkes' und der übrigen Welt nach dem Kriege die Hoffnung hatte: Wenn man die Demokratie in Deutsch-: land ist den Sattel setzt, so wird si« ohne weiteres reiten können und automatisch den Anschluß Deuffch- länvs, Mitteleuropas an den Block der demokratischen Länder erreichen. Aber die kleberlegung, daß es so automatisch gehen werde, hat sich als falsch erwiesen. Wir haben gesehen, daß diese Länder, die nun seit 14 Jahren, seit dem Zusammenbruch im ! November 1918, zur Demokratie übergegangen sind, >noch sehr starke Kräfte des alten Obrigkeitsstaates übrig haben und daß die Erziehung zur Demokratie sich keineswegs immer so leicht nachtragen läßt, daß ein Teil der Sklavengefinnung, der Bedienten- gefinnung, di« der alte Obrigkeitsstaat den Völker« planmäßig anerzogen hat, erhalten geblieben- ist und in dem Momente zum Vorschein kommt, wo die Lage wieder anders wird. Von den Ländern, die im Jahre 1918 zur Demokratie übergrgangen sind und von der Monarchie befreit wurden, ist dasjenige am günstigsten daran, und hat die beste Lage, in dem wir uns heute befinden. Die Tschechoslowakei hatte das Glück, daß der Haß aller Klassen gegen das habsburgerisch« Regime bewirkt hat, daß in diesem Lande nicht nur die Arbeiter, sondern auch die anderen Klassen sich aus vollem Herzen gegen dir Rückkehr de- alten Systems und für Republik und Demokratie ausgesprochen haben. Die Länder, in denen nach dem Weltkriege die Demokratie zum Durchbruch gekommen ist, sind also noch keineswegs stabil und wir haben noch mit Gefahren in der Zukunft, mit Reaktionen zu rechnen. Wer das klassische Schulbeispiel der französischen Revolution feit 1789 studiert, weiß,'daß äuch diese vorbildliche bürgerliche Revolution zunächst auf lange Zeit hinaus das Bild der Instabilität geboten hat, daß es nicht ein Jahrzehnt, sondern viele Jahrzehnte gebraucht hat, bis die Demokratie in Frankreich festen Boden gefaßt hat. So sehen wir, daß das, was wir in Deutschland erleben, keineswegs als prinzipielle Entscheidung dafür aufgefaßt werden darf, wie wir uns den Weg zum Sozialismus vorstellen, daß aus den Erfahrungen in Deüffchland der Schluß: Ja, nur der kommunistische Weg ist der richtige, nach meiner Meinung vollständig verfehlt und historisch schief ist, daß er außer acht läßt jenen großen. Block demokratischer Läitder, die tatsächlich bestehen: und in denen der Gedanke, auf. dem Wege der-Diktatur zum'Sozialismus zu kommen,«in phantastischer, utopischer" uni» lächerlicher.-Ist.' ES gibt Länder, in denrndi« Arbeiterklasse stetig von Position zu Position vorrückt, wo der Gedanke der Eroberung der Mchrheit durch die Arbeiterklasse durchaus nicht in weiter, unerreichter Ferne liegt. Wesentlich ist nun, was unsere eigenen Parteien getan haben und tun sollen. Und da will ich zurückgehen auf jene Zeit der Hamburger Einigung unserer Internationale, auf daS Jahr 1923. Ein Zeitraum von neun Jahren ist, historisch gesehen, eine kleine Spanne Zeit. Aber es war faktisch, wer rS miterlebt hat, eine Zeit ungeheuerlicher Arbeit und des Fortschrittes unserer Organisation. Diese Hamburger' Einigung der sozialistischen Arbeiterinternationale war mit klarem Bewußtsein gemacht als eine organisatorische Einigung Das heißt, wir haben in jener Zeit gesagt, bei allen komplizierten, prinzipiellen Differenzen, die bestehen, können wir unS nicht im Moment der Einigung mit der Äsung aller theoretischen Probleme befassen, wir müssen sie zurückstellen, denn es besteht ein Notstand, di« Rot, die uns zu gemeinsamer Aktion zwingt, di« vor allem ermöglicht werden muß durch gemeinsame Organisation. Die gemeinsame Theorie kann erst später in dieser Organisation erwachsen, sie kann nicht di« Voraussetzung unsere.r organisatorischen Einigung sein. Und so haben wir in Hamburg die Einigung vollzogen. Heute aber, Genossen, ist dir Zeit gekommen, und der Beschluß unseres Büros der Sozialistische« Arbeiterinternationale sagt es, Banhervelde hat-es in einem Artikel, der im„Sozialdemokrat" abgedruckt war, auch wieder gesagt: Heute ist der Moment gekommen, wo wir über diese Probleme diskutiere» müsse», wo wir zu de« Grundfrage» zurückkehren müssen. Heute sind wir organisawrisch stark genug, um es uns leisten zu können, zu diskutieren, wozu wir in Hamburg weder Kraft, noch die-Zeit' gehabt hätten. Wenn heute Genossen auftrrten und die Schuldftage aufwerfen, so sage ich, Genossen: Ich habe nie daran geglaubt, daß es Fehler nur von einer Seite gibt, ich habe an die Alleinschuld von einer Seite nicht geglaubt. Ebenso wie es in der Kriegsschuld ein Mosaik der Kriegsschuld gibt, wobei es iuuner nur darauf ankommt, bei welchem Punkte man die Geschichte anfängt, und je weiter man zurückgeht, ebenso glaube ich, daß es ein Fchlermosaik in der Arbeiterbewegung immer gegeben hat und wahrscheinlich immer geben wird, weil niemand von uns unfehlbar ist, unb man kann keineswegs nur eine Fehlerquelle aufweisen, um den Schuldigen zu finden, was sehr bequem ist, aber keineswegs immer den Tatsachen entspricht. Und so glaube ich— ich will hier keineswegs weit in die Vorkriegszeit zurück- gehen, um die ganze Geschichte der deutschen Sozialdemokratie klarzumachen— im Jahre 1918 nach dem Zusammenbruche hat es zwei fehlerhafte Theorien nach meiner Meinung gegeben, die ich schlagwortmäßig nur bezeichnen möchte als den Aberglauben an di« allein feligmachendr Demokratie und den Aberglaube» a» bi« allein seligmachend« Dittatur. Nr. 240 Dkn-tag, 11. Oktober 1932 Seite 3. Oder wenn Sie es in anderer Form wünschen, den Aberglauben an den allein seligmachenden Reformismus und de» Aberglauben an den allein seligmachenden Bolschewismus. Diese beiden Aberglauben sind in jenem Moment zusammengestotzen und haben zu einer sehr großen Schwächung der Situation für die Arbeiterklasse geführt.— Das, was mir nun an unsere Aufgabe das Wesentlich« erscheint, ist, daß wir jenen Weg zu finden suchen, jenen Weg, der von diesen beiden Aberglauben sich fern hält, und jene Mannigfaltigkeit der Bedingungen, jene verschiedenen Möglichkeiten bietet, die schon charakterisiert sind durch di« fünf Gruppen von Ländern, von denen ich gesprochen habe. Wir haben als Vertreter der Internationalen Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien in, die Konferenz der drei Internationalen von 1922 ein Programm gebracht, das die verschiedenen Wege, die zum So- zialiSmus unter den verschiedenen Bedingungen führen können, klarlegt, und im Linzer Programm sind gewisse Gedanken, die damals in der Arbeitsgemeinschaft gewesen sind, wiederum zur Darstellung gebracht. Es ist meine Hoffnung und mein Wunsch, daß jene Gedanken zum Gemeingut der gesamten Internationale wett>en. In Deutschland ist nach dem Umsturz nicht genügend beachtet worden, daß es auf die wahren Machtfaktoren ankommt, daß man sich vielmehr mit dem Stück Papier, auf dem die Weimarer Verfasiung geschrieben stand, begnügt. Man hat an die Lassallesche Lehre vergessen, daß ein Stück der" wahren Verfasiung auch die Waffen im Staate sind, daß die Reichswehr, di« man der alten Generalität überlasien hat, auch ein Stück Verfasiung ist und heute leider das maßgebende Stück der Verfasiung in Deutschland geworden ist und daß alles andere gegenüber dieser Tatsache in den Hintergrund tritt. Das sind die Andeutungen über die Probleme, die vor uns stehen und ich möchte nur noch weniges hinzufügen. Die Abkehr von der Demokratie ist der Ausfluß eines Schwächezustandes der Arbeiterklasse. Sie ist keineswegs darin begründet, daß die Arbeiterklasie so stark ist, daß sie nur auf revolutionären Wegen zum Ziele kommt, sondern es ist ein Ausfluß der Tatsache, daß wir noch eine Minderheit sind, noch nicht vorwärts können. Wir sind genötigt, langsame, schwere, mühsame Schritte zu machen, und daraus erfließt einer der Quellen, die dahin führen, daß die Arbeiterschaft ungeduldig wird und sagt: Wenn es nicht so auf dem langsamen Wege geht, dann muß es auf einem schnelleren Weg« gehen. Wir wisien, der Weg in der Demokratie erfordert Selbstbeherrschung und Opfermut in ganz anderen Formen, als der Massenkampf, der zur Eroberung der Demokratie zu führen gewesen ist. Und nun zum Schluß noch ein Wort. Der entscheidende Unterschied in der ganzen Arbeiterbewegung zwischen Kommunisten und Sozialisten liegt, nach meiner Meinung, in der Bewertung der Mafien, in dem Glauben an di« Mafien. Wir Sozialisten glauben an die Mafien, die sich selbst leiten, sich selbst entwickeln, di« ihr Schicksal in Selbstbestimmung regeln. Wir glaube» an die Demokratie in der Arbeiterklasse, an die Demokratie in der Partei. Uns gegenüber steht eine Welt, die den Glaube« an den Führer hat und dieser Glaube an den Führer ist das Band, das Kommunisten und Fascisten mit einander verbindet. Die Spaltung, in der wir uns befinden, besteht darin, daß wir das Vertrauen haben, daß trotz aller VeMendungen, die die Mafien ergreifen mögen, unser Weg zum Sozialismus nur der sein kann, daß wir die Mafien erziehen zu bewußten Sozialisten, daß die Partei als Ganzes und die Arbeiterklasie als Ganzes ihr Schicksal zu entscheiden hat. Und das ist die wahre Tragik dessen, was in Deutschland geschehen ist, daß durch di« Entwicklung der letzten Zeit der Glaube an die Massen einen schweren Stoß erhalten hat. Gleichzeitig ist der Glaube an dir Führer gestiegen, der Glaube der Fascisten an irgend einen Mussolini, der Glaube der Bolschewisten an die Berufsrevolutionäre, jene kleine Gruppe, die das Schicksal der wankelmütigen Massen drakonisch zu lenken hat. Mr, Genoffe», wir glauben trotz aller Schwierigkeiten der Zeit an die Siegkrast unserer Ideen, wir glauben daran, daß die Siegkraft unserer Ideen so stark ist, daß sie die Massen erfassen muß, daß die Theorie, wie Man es sagte, zur Gewalt wird, wenn sie die Massen ergreift. Wir wollen die Mafien nicht übertölpeln mit irgendwelchen Manöver«, wir wollen sie erziehen zum Verständnis ihrer Aufgabe, zum Bewußtsein ihrer Pflicht, wir wollen di« Massen ergreifen, wir sehe» in jene» Mafien den wahren Faktor, der di« Entscheidung in den großen Kämpfen des Sozialismus bringen wird, z» dem wir schreiten müfie« auf nuferem Wege, dem Weg« der Demokratie!«Lebhafter Beifall) Die Ausprache. In der Diskussion zum Referat des Genossen Fritz Adler sprachen: Kanitz(Wien) verlangt, daß der Gedanke der Wehrhaftigkeit der Arbeiterjugend zum Kampf gegen den Fascismus in di« Resolution aufgenommen wird. Sapir(Rußland): Die verschiedenartige Situation der Demokratie in den diversen Läitdergrnppen erfordert Verschiedenheit der Taktik. Das Endziel, der demokratische Sozialismus aber, ist allen gemeinsam. Diru(Belgien) bespricht die Machtmittel der Arbeiterklasse im wirtschaftlichen und politischen Kampfe. Das allgemeine Wahlrecht genüge nicht. Die Ergreifung der Macht müsse sich gegebenenfalls auch anders vollziehen. Reventlow(italienischer Verband) glaubt daß theoretische Klärung innerhalb der Arbeiterklasse besonders notwendig sei. Das ist besonders notwendig für jene Arbeiterklasse, die vor großen Entscheidungen steht.— Die italienische Jugend ist den unerhörtesten Beeinflussungen von frühester Kindheit an durch den Fascismus ausgesetzt. Wir müssen mit hem Kamps um die Demokratie auch eine» weiteren DIE PUTZFRAU IN DER DOSE V. T. 5,32 Keine Anstrengung mehr beim Putzen Ihrer Eßbestecke. Ein wenig VIM auf einem feuchten Tuch— und Messer, Gabeln und Löffel sind blitzblank. VIM ist stark seifenhaltig und löst den Schmutz. Deshalb gibt es mit VIM nie Kratzer oder Schrammen. » 1 Eßbestecke macht Putzfrau VIM schnell wieder blank!>7^ Zukunftsbegriff, unser Ziel, verbinden, die Demokratie allein ist nicht unser Ziel, sondern der demc- kratische Sozialismus. Genosse Wallentheim(Schweden) führt aus, daß der Sozialismus nicht- anderes ist, als die auf allen Gebieten verwirklichte Demokratie. Wir müssen di« Jugend Treue zur Demokratie lehren. Lindstaedt(Deutschland): In Deutschland kämpft nur die sozialistische Bewegung gegen die Aufrüstungsbestrebungen. Es muß neben dem Willen zur Demokratie der Wille zum Sozialismus stehen. Huddleston(England): Die sozialistische Ge- innung kann sich nicht allein durch Fahnen und Abzeichen äußern. Wir brauchen nicht die materielle Aufrüstung in der Arbeiterbewegung, sondern oic Aufrüstnug der Geister. Zuletzt sprachen di« Genossen Favier(Frankreich) und Tee Sweemer(Belgien, flämisch) zur Frage der Einheitsfront. In seinem SchluBwort führte Genosse Adler aus: Diese Debatte, so sehr gleichgerichtete Tendenzen in ihr zum Ausdruck kamen, war für mich außerordentlich instruktiv und belehrend, weil die verschiedenen Nuancen und Unterschiede und Schwierigkeiten der Bewegung in den verschiedenen Ländern o klar zum Ausdruck gekommen sind, wie man es nur zu unserer eigenen Orientierung wünschen konnte. Manche Redner haben unterstrichen, daß wir hier unter der Bedrohung des Fascismus zu leben haben. Wir müssen die Jugend zur Abwehr stark machen, wir haben größere, wichtigere Aufgaben, um nicht zu unterliegen den Gefahren, vor denen wir stehen. Nun bezüglich der Einheit der Bewegung: Der Walonische Belgier hat mit großer Schärfe unterstrichen, sie seien zur Einheitsfront mit den Kommunisten bereit, sie stellen sich klar und deutlich vor, Der Kampf um den Frieden. In der Nachmittagsitzung sprachen die Genossen Koos B o r r i n k, Amsterdam, und d e Brouckdre, Brüssel, über das Thema:„Der Kampf um den Frieden."(Mr werden die beiden Referate in der morgigen Ausgabe Nachtrages.) Vie Aussprache. Als erster Debattenredner zu den beiden Referaten über den Kampf um den Frieden sprach von der tschechischen sozialdemokratischen Jugend Gen. K a s a l: Trotz der Demokratien, die die Nachkriegszeit gebracht hat, ist der Frieden nicht gefestigter als vor dem Kriege. Es ist deshalb Aufgabe der an den Staatsverwaltungen beteiligten Sozialisten, ständig zu kontrollieren, ob die Staaten ihre Aufgabe, den Frieden zu sichern, zu der sie sich immer wieder feierlich verpflichten, auch nachkommen. Es gilt in jedem einzelnen Staate den Kampf um den Militarismus aufzunehmen. Die demokratischen Institutionen der Nachkriegszeit, Völkerbund, Abrüstungskonferenz rrsw. sind nicht imstande, den Frieden zu sichern. Damit können wir uns nicht einverstanden erklären. Wir, die sozialdemokratische Jugend der Tschechoslowakischen Republik, werde» gegen jede Rüstung kämpfen, auch wenn sie zum Schutze der Demokratie und des Staates erfolgt. K a s a l verweist dann auf die Erfolge, die der antimilitaristische Kampf der deutschen, tschechischen und Polnischen sozialdemokratischen Jugend in diesem Staate, der gemeinsam mit den sozialdemokratischen Parteien geführt wurde, gezeitigt hat: Herabsetzung der Dienstzeit auf 14 Monate, Herabsetzung des Militärbudgets, Verhinderung der Einführung der vormilitärischen Erziehung. Wir sind mit diesen Erfolgen noch lange nicht zufrieden, wirwollen auchwei- terhin gemeinsam mit den deutschen und polnischen Genossen unseren internationalen Verpflichtungen im Kampfe um die Abrüstung in diesem Staate nachkommen. Als Vertreter des Sozialistischen Jugendverbandes für die deutschen Gebiete der Republik sprach als nächster Debatteredner Genoffe Kern: Als wir vorhin unseren Freund K a s a l reden hörten, wie er für die tschechische sozialdemokratische Jugend die Bereitschaft, gegen Krieg und Militarismus mit allen Mittel« zu daß diese Einheitsftont errungen werden muß. Der flämische Genosse hat gesagt: Mit den Kommunisten ist keine gemeinsame Tätigkeit möglich, eS entstehen derartige Schwierigkeiten, daß die Arbeit darunter leiden muß. Ich glaube, daß beide mit dem, was sie gesagt haben, recht haben, in dem Sinne, daß wir zur Einheit bereit sein müssen, daß wir die Voraussetzungen der Einheit erarbeiten müssen, daß wir aber wissen, daß das wirkliche Hindernis der Arbeit nicht bei uns, sondern heute leider noch bei de« andrrrn liegt, daß eine Einheit nur hergestellt werden kann, wenn sie im guten Glauben von allen Seiten erstrebt wird, daß die Voraussetzung für die Einheit in der Herstellung dieses guten Glaubens in der Arbeiterbewegung zu schaffen ist. Das ist ein großes Problem, über das wir in Zukunft noch sehr viel zu sprechen haben werden, aber ich gehöre zu jenen, die glauben, daß die großen Tatsachen und Erlebnisse der Wirtschaftskrise und der Erschütterung des Kapitalismus schließlich auch auf der anderen Seite das Bewußtsein der Verantwortung für das Wecken"Müssen und werden, was das Proletariat erlebt.' Unsere Zukunft, an der wir arbeite», besteht in der Hoffnung, daß sich das Proletariat in seiner Gesamtheit zn dieser Einigung wirklich erheben kann. Niemand von uns wird meinen, daß die Voraussetzungen dafür heute schon gegeben sind, daß heute schon alles da ist, und wir nur auf irgendein Manöver der anderen hineinzufallen brauchen, um die Einheit zu verwirklichen. Wir find zur ehrlich«« Einheitsfront bereit, die im guten Glauben gemacht wird, daß das Proletariat als volle geschlossene Masse, als organisierte Einheit auftreten soll.(Lebhafter Beifall.) Damit wären die Bormitlagsverhandlungen beendet. * kämpfen, erklärte, da haben wir in dieser Erklärung die Bestätigung deffen gesehen, was Fritz Adler in der gestrigen Kundgebung sagte, daß nämlich die internationale Arbeit in den letzten neun Jahren bedeutende Fortschritte gemacht hat. I« diesem Staate gibt es heute kernen Unterschied mehr, ob ein tschechischer oder ein deutscher sozialistischer Jugendgenosse zum Milttarismus Stellung nimmt. Es«steht nur ein Wille: gegen den Militarismus zu känrpsen. Karl Kern spricht dann davon, daß wir uns keinen Illusionen darüber hingeben dürfen, daß die bürgerliche Jugend je gegen den Militarismus ernsthaft Stellung nehmen wird. Die Erfolge, die in diesem Staate im Kampf gegen den Militarismus errungen wurden, sind ausschließlich Erfolge der sozialistischen Jugendbewegung und der sozialdemokratischen Parteien. Wir führen nach wie vor unseren Kampf gegen den Militarismus durch unermüdliche Aufklärungsarbeit und Propaganda auch draußen unter der Arbeiterjugend. Es gibt für uns, so wie in der Vergangenheit, auch jetzt und in aller Zukunft im Kampf gegen den Militarismus kein Kompromiß. Und darüber sind wir uns heute mit unseren tschechischen Genossen vollkommen einig. Als letzter Redner sprach der Belgier G o d e f r o i d, der die Abrüstungsforderungen der Sozialistischen Arbeiterinternationale unterstreicht. Sodann wird die Tagung unterbrochen, um der politischen Kommission Gelegenheit zur Arbeit zu geben. Die Beratungen werden morgen früh um 9 Uhr vormittags fortgesetzt. 460.000 Arbeitslose. Prag, 10. Oktober. Wie das Fürsorgeministerium mitteilt, betrug di« Zahl der Arbeitslosen in der Tschechoslowakei Ende September nach den vorläufigen Zahlungsergebnissen 479.912. Bekanntlich werden von der Zählung nur jene Arbeitslosen umfaßt, di« sich bei den öffentlichen Arbeitsvermittlungsstellen vergeblich um Arbeit beworben habe«. Gegenüber den definitiven Zählnngsergebnis- sen für End« August(480.952) zeigt sich bereits wieder ei« Anstieg um 18.960 Personen, d. i. nm 4J. Prozent. Der SilMreilen verblaDI. Seit mehreren Wochen bemühen sich die kapitalistischen Unternehmer und bürgerlichen Bolkswirtschaftler darzutun, daß endlich nach drei langen, bangen Jahren der Krise und Arbeitslosigkeit endlich ein Silberstreifen am Wirtschaftshimmel sichtbar geworden ist, der besseres wirtschaftliches Wetter anzeigt. Es wird darauf verwiesen, daß die Rohstoffpreife nicht mehr sinken, daß der StuiH der Aktienkurse aufgehört habe und daß die Geldflüffig- keit in einzelnen kapitalkräftigen Staaten außerordentlich groß und der Zinsfuß ein niedriger sei. Alles das seien Anzeichen, daß wir das ärgste hinter uns hätten. In Wirklichkeit sind diese Feststellungen kein Trost für die arbeitende Menschheit. Daß das Sinken der Rohstoffpreise aufgehört hat, ist eine Folge der amerikanischen Kreditausweitung, nicht etwa des größeren Verbrauches von Rohstoffen in der Produktion. DaS zeitweilige Steigen der Akienkurse hat wieder politische Ursachen, es soll für den Präsidenten Hoover und die Regierung Papen gutes Wahlwetter geschaffen werden und der niedrige Zinsfuß in Frankreich und Amerika«Mich nützt uns nichts, weil das westliche Kapital zu uns nicht hereinströmt und der Zinsfuß in Mittel- und Osteuropa noch immer unsinnig hoch ist. Solange nicht die Produktion merklich belebt wird, solange kann man nicht sagen, daß der Tiefpunkt der Krise überschritten ist. Deswegen ist auch der Optimismus, den seit einiger Zeit die Berichte unserer Nationalbank zur Schau tragen, verfrüht. Daß, wie dieser Bericht sagt,„die Zeichen einer schwachen Besserung langsam sichtbar werden", ist leider noch nicht wahr. Wie kann von einer Besserung geredet werden, wenn im Hochsommer trotz der Ernte, trotz der Bauarbeiten in der Tschechoslowakei genau so wie in der übrigen Welt das Heer der Arbeitslosen sich noch vergrößert. Im August ist die Zahl der Arbeitslosen in der Tschechoslowakei von 452.000 auf 460.000, im September von 460.000 auf 480.000 gestiegen. Mag sein, daß in dem einen oder andern Produktionszweig ein paar Arbeiter mehr beschäftigt sind, im Durchschnitt zeigt sich noch durchaus feilte größere Beschäftigung in Industrie und Handel. Dasselbe können wir in allen anderen Ländern beobachten. Herousge- griffen seien nur drei für die Weltwirtschaft entscheidende Länder: Deutschland, England und die Bereinigten Staaten. In Deuts ch- land ist in der ersten Septemberhälfte die Zahl der Arbeitslosen von 5.225.000 auf 5,261.000 gestiegen. Nach einer Statisttk des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes sind 44.5 Prozent seiner Mitglieder arbeitslos, 22.5 Prozent sind Kurzarbeiter, so daß nur 33 Prozent, ein Drittel aller Mitglieder, voll beschäftigt sind. Wohl meldet die reichsdeutsche Statistik, daß die Zahl der Arbeitslosen in der zweiten Hälfte September um 163.000 abgenommen hat, daß aber die Abnahme der Arbeitslosenzahl nicht ohne weiteres mit einer entsprechenden Steigerung des Beschäfttgungsgrades gleichgesetzt werden kann, mit anderen Worten, es wird ine Zahl der Unterstützten kleiner, nicht aber die Zahl der Arbeitslosen. In E n g l a n d ist im Laufe des Monates August die Zahl der Arbeitslosen von 2,921.000 auf 2,936.000 gesttegen. In den Vereinigten Staaten hat im Juli, die Zahl der beschäfigten Personen um drei Prozent abgenommen, die Gesamtzahl der Arbeitslosen wurde auf 11,400.000 geschätzt, nicht weniger als 25.4 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder sind arbeitslos. So ist also die Arbeitslosigkeit noch immer im Ansteigen, die von Tag zu Tag verschärften Devisenbestimmungen schnüren den internationalen Handel ein und werden bald den letzten Rest des Exports erschlagen haben. Man kann also dem kommenden Winter nur mit Grauen entgegensehen. Die Menschen haben kein Geld für Kohle, sie haben kein Geld, sich satt zu essen, sie haben kein Geld, sich Kleider und Schuhe zu kaufen. Ein großer Teil der Arbeitslosen muß vollkommen verelenden und wird der Verzweiflung in die Arme getrieben— wenn wir nicht alles in Bewegung fetzen, um den Menschen zu helfen und Staat und Gesellschaft zur Erfüllung ihrer heiligsten Pflichten zu veranlassen. Wir sprechen es deshalb mit aller Festig- keit aus, daß für die Arbeitslosigkeit gesorgt werden muß. Es müssen die gewerkschaftlich organisierten Arbeitslosen weiter unterstützt werden, aber es muß auch für diejenigen gesorgt werden, die entweder nicht organisiert gewesen(wenn es auch ihre Schuld ist) oder die ausgesteuert sind. Es muß auch die Ernährungsaktion so durchgeführt werden, daß di« Menschen wenigstens vor dem Verhungern Seite 4 Dienst«,, 11. Oktober 1982 Nr. 240 Sozialistische Wahlcrfiolge bei den belgischen Gemeindewahlen Brüssel, 9. Oktober.(Belgische Telegraphenagentur.) Die heute in ganz Belgien durchgeführten Gemeindewahlen sind vollkommen ruhig verlaufen. Rach den bis 20 Uhr vorliegenden Ergebnissen hat die sozialistisch« Partei in etwa 20 Gemeinden die ab so« lute Mehrheit erreicht, wogegen sie in nur einer Gemeind« ihre Mehrheit verloren hat. Die sozialistischen Wahlersolge sind vor allem in landwirtschaftlichen Gegenden und in Limburg z« verzeichnen. Die aus den großen Städte« vorliegende« Wahlergebnisse sind gleichfalls für die Sozialisten günstig. Die Kommunisten haben 5- abgesehen von Verviers— nirgends nennenswert« Fortschritte erzielt. Europa-Fnllballinelstersdiatt der Arbcllersportler. Deulsmiand gegen TsMosMel 4:0(1:0) 7000 Zuschauer im Ansslger Stadion. geschützt werden. Die Gemeinden sind vollkommen am Ende ihrer finanziellen Kräfte angelangt, sie können für die Arbeitslosen immer weniger leisten. Es wäre höchste Zeit, daß die Unternehmer zu den Leistungen der Arbeitslosenunterstützungen herangezogen werden und die Vorlage über den Notfonds' endlich Gesetz wird. Weder in Deutschland noch in Oesterreich leisten die Unternehmer für die Arbeitslosen, die sie in früheren Jahren ausgepreßt haben, so wenig wie bei uns. Es muß auch mit aller Energie die produktive Arbeitslosenfürsorge durchgeführt werden, damit für einen Teil der Arbeitslosen Arbeit geschaffen wird, es muß auch dem Staat, den Ländern, Bezirken und Gemeinden die Möglichkeit gegeben werden, öffentliche Arbeiten durchzuführen, das heißt, es müssen die notwendigen Kredite beigestellt tverden. Wir haben keine Zeit zu verlieren, wenn wir nicht im Winter vor einer Katastrophe von unabsehbaren Folgen stehen sollen, einer Katastrophe, bei der die Unternehmer mehr verlieren werden als den Beitrag zum Notsonds, den zu zahlen sie sich weigern. Gemeindewahlen in Böhmen. Im Teplltzer Bezirk. Sonntag, den 9. Oktober, sanden m den beiden Industriellsten Graupen(2890 Wähler) und K oste n(3741 Wähler) die Wahlen in die Gemeindevertretung statt. Wir veröffentlichen nachfolgend das Ergebnis und geben bei den wichtigsten Parteien in der zweiNm Klammer auch die Stimmen der letzten Parlamentswahlen bekannt. Graupen. Abgegebene gültige Stimmen 2692(2468) (2426); Deutsche Sozialdemokraten 739— 9—(942)—(899— 12); Kommunisten 223— 2—(269).—(288— 4); Deutsche Ra. twnalsoMiisten 1206— 14—(572)—(570— 7); Deutsche Nationalpartei 82— 1—(207— 3); Deutsche Christlichsoziale 226— 2— 336— 4); TschechiDe Parteien 131— 1(126— 0); Deutsche Wirtsthasts-Gewerbepartei 85— 1 -(0). Kosten. Abgegebene gültige Stimmen 3455—(3335) —(3311); Deutsche Sozialdemokraten 541— 6—(736)—(788— 9); Kommunisten 897— 9—(642)—(581— 6); Deut- sche Nationalsozialisten 471— 5—(294)— (199-— 2): Deutsche Christlichsoziale 35— 0— (0); Tschechische Sozialdemokraten 324— 3— (269— 3); Deutsche Wahlgemeinschaft 365— 4—(451— 5); Tschechische Nationalsozialisten 573_ 8—(776-r- 8); Tschechische Nationaldemokraten 111— 1—(67— 1). Sonstige Parteien 138— 2—(180— 2). Bei dem Wahlergebnis in Graupen muß festgestellt werden, daß die Nationalsozialisten einen beinah« lOOprozentigen Gewinn verzeichnen,'der in der Mandatszahl vollständig in Erscheinung tritt. Hier ist ihnen auch der Einbruch in die Front der marxistischen Wähler gelungen, was unsere Partei veranlassen wird, durch Steigerung ihrer politischen und organisatorischen Aktivität, durch planmäßige Erziehung der von der politischen Organisation erfaßten Menschen den neuneimhalbprozentigen Rückgang wettzumachen. Das Wahlergebnis in Kosten wurde wohl jum Teil durch die unglückseligen Mehr- heitsverhäl tnisse verschulde. Infolge der demagogischen Politik der Kommunisten bildete sich eine sogenannte Regierungsmehrheit zwischen Sozialdemokraten und tschechischem Nationalso- zialisten;^ getrübt durch die besondere national« Struktur des Ortes und diese Umstände war eine klare sozialdemokratische Verwaltung unmöglich. Für die Arbeiterklasse entsteht ein« neue Front des Feindes im anwachsenden Nationalsozialismus, der die Bürgerparteien zerreibt. Unser Verlust ist wettzumochen durch schärfsten Kampf gegen dre Braun-Gelben. In der Ber- Wallung der Gemeinde Kosten haben nun die Kommunisten Gelegenheit, als stärkste Partei von der Phrase zur Tal zu schreiten. Ihr« tschechisch-sprachigen Kandidaten bilden mit den übrigen tschechischen Parteien für Kosten eil« tschechische Mehrheit. Die Wahl In Asch Bei den, form tägigen Gemeindeivahlen in Asch betrug die Zahl der eingetragenen Wähler 15.013; es wurden 13.582 gültige Stimmen abgegeben. Di« einzelnen Parteien erhielten: Kommunisten 2331 Stimme» und 7 Mandate(im Jahre 1928: 3450 St. und 10 M.), kommuni- stische Opposition 881— 3(—), deutsche Sozialdemokraten 1823— 6(1997— 6), deutsche Nati onalsozial i sten 4025— 13(1276— 4), deutsche Christlichsoziale 858— 2(807— 2), deutsche Hausbesitzer 866— 3(726— 2), tschechische Wahlgruppe 184— 0(189— 0), deutsche Gewerbepartei 728— 2(821— 3), deutsche Wahlgemeinschaft(Deutschnational« und Alldeutsche) 1891— 6(2986— 9). Auch die sonntägigen Gemeindewahlen im deutschböhmischen Industriegebiet st«hen im Zei- Aussig, 9. Oktober. Im Stadion in Aussig gelangte am Soncktag dos zur Europa-Fußballmeisterschaft der Arbeiterfußballer zählende Länderspiel Tschechoslowakei(AtuS) gegen Deutschland vor 7000 Zuschauern zur Austragung. ES war dies die siebente Begegnung beider Länder; Deutschland war, den sonntägigen Sieg miteingerechnet, fünfmal Und unser Verband zweimal«erfolgreich. Bon Komobau, Teplih, aus dem Auftiger und Bodenbacher Bezirk, ja sogar aus Sachsen und Dresden waren sie gekommen, um Zeuge unseres ersten Kampfes in der Europa-Fußballmeisterschaft »u ftiu. Deutschlands Sieg, wenn«auch«nicht in diesem Ausmaß, war verdient errungen; in dieser Mannschaft gab es keinen schwachen Punkt; technisch sehr gut und schnell in den einzelnen Aktionen. Ganz daS Gegenteil bot die Elf des Aussig er Verbandes; Licht- und Schattenseiten wurden zu augenfällig, um nicht schon nach einigen Splelminnten die Gewißheit zu geben, daß man an einen Sieg nicht denken kann. Es wurde viel zu nervös gespielt, die wenigsten Aktionen wurden mit Ruhe und Ueberlegung durchgeführt und dadurch brachte sich die Elf um den«inen oder anderen, schon sicheren Erfolg. Gerechterweffe muß festgestellt werben, daß die M«l und billigem Tabak und Morgen-weiter. Man kann vergessen, daß man in Köln ist, in Deutschland. Mocht' es vergessen und bringt's nicht fertig. Ist sich noch wie im Leben so drückend einsam, verlassen, peinlich überflüssig vorgekommen. Ob man mit Kellnern, Putzsrauen, Straßenbahnschaffnern, Taxichauffeuren, Buchhändlern, Gastwirten, Verkäufern spricht— das dritte Wort: Sorgen. Jeder ist unzufrieden, jeder stöhnt. Trauriges Land, wo man mit jedem Atemzug Pessimismus schluckt. Es scheint so, als ob in diesem Land Nichtstun kein Genuß sein, eher Qual tverden könnt«. Sparenmüsten ist auch kein reines Vergnügen, er hat sich für genügsamer gehalten, als er ist. Martin rührt in seinem Grog. Er denkt an Gilgi und freut sich. Liebe?, lustiges, kleines MÄchen. Er freut sich, daß Gilgi ihn mag, daß er ihr gefällt, legt heute besonders viel Wert drauf, gern gemocht zu werden, fühlt sich sehr an. gewiesen auf Anerkenrtung Bestätigung... Gilgi tippt Herrn Mahrenholz' Kriegserinnerungen. Eine langweilige, uninttreffame Arbeit— findet sie. Tick— tick— tick•— vielleicht wird mich Martin nachher abholen— hat er schon mal getan. Martin! Unendlich ver» traut— Name und Inhalt. Ist doch eigentlich ganz falsch zu sagen: man ist sich vertrant, als wenn man sich lange kennt! Unbegreiflicher Irrtums Warm«, lebendige Vertrautheit der exsW Stunden, Tage, Wochen. Sehr bereit ist man, Gemeinsamkeit zu entdecken, sehr vereint in der gegenseitigen Freude an Andershaftigkeit. Man weiß viel voneinander. Man wird weniger voneinander wissen, wenn man anfänqt. über einander nachzndenken. Was später kommt— ist Intimität. Man darf Intimität nicht mit Vertrautheit verwechseln. Vertraut bleiben— nicht intim werden das ist eine Aufgabe. Schwere Aufgabe— sinngle',h« Worte— urf«indlich« Begriffe. Man'chatft keine Vertrautheit man ist vertraut miteinander vom erst«» Augenblick an. „Zu schnell!" habe ich gedacht— schäme mich richtig, das gedacht zu gaben. So dümml Warten ist furchtbar unmoralisch, weil's so sinnlos ist. Man darf sich doch feine Wünsch« nicht fortlügen... Spurlos und flüchtig sind Gilgls Gedanken— wenig bewertet und schnell vergesten. Sind da— verschwunden■— und nicht mehr- gewußt. Herr Mahrenholz diktiert. Geht auf und ab. Ein statflicher Mann! würden Frau Kron und Frau Wollhammer sagen. Frischfarbenes ebenmäßiges Gesicht, imponierende weiße Haartoll«, übeüstraffe Haltung. Man bekommt Kreüzschmer- zeu, wenn man ihn lange ansieht. Na, man ist eben verliebt und kann keinen Mann ansehen, ohne für ihn ungünstige Vergleiche anzustellen. Blödsinniger Quatsch, was man da schreibt: bißchen Degengeraffel— ganze Kompagnie holt! Leipzig, 10. Oktober. Vor dem Reichsgericht begann heute die Verhandlung der Klage gegen das Reich, das die Länder Preußen, Bayern und Baden wegen der Absetzung des preußischen Kabinetts«ingereicht habe«. Der- Vorsitzende Reichsgerichtspräsident Dr. B u m k e verwahrte sich in einer Erklärung gegen die Vorwürfe, als ob der Gerichtshof die Verhandlung verschleppt hätte. Zunächst soll die Hauptfrage geprüft werden, wie die taffächliche Lage am 20. Juli war und worauf sich die Annahme stützen konnte, daß gegen Preußen derart vorgegangen werden mußte. Als Vertreter Preußens erhielt Dr. Brecht das Wort. Brecht verwies auf die große Krise des deutschen Parlamentarismus, die eine Folgeerscheinung des Aufstiegs der Nationalsozialisten sei. Bisher haben es alle verantwortlichen Stellen abgelehnt, der NSDAP als Minderheit die entscheidende staatliche Macht in die Hände zu geben. Das habe zuerst Brüning, dann auch der preußische Landtag und seit dem 18. August auch der Reichspräsident und der Reichskanzler abgelehnt. Vorher habe es allerdings vom 1. Juni bis 13. August dieses Jahres«in«. Episode der Einigung zwischen Papen und Hitler gegeben. Dir NSDAP habe der Präsidialregierung Papen dir Unterstützung-«gesichert gegen bestimmte Zusicherungen, wir Aufhebung des Uniformverbotes, Wiedererlanbnis der Sturmabteilungen, Beseitigung der damaligen preußischen Regierung und insbesondere der Leitung der preußischen Polizei. Die Aufhebung des Uniformverbotes habe sofort seine Steigerung der Unruhen zur Folge gehabt In diesem Kampfe gegen die verbrecherischen Vorkomm- nisse, die von der äußersten Rechten ausgingen, habe die Reichsregierung offenbar versucht, durch'Heranziehung der NSDAP zur Mitarbeit die psychologischen Grundlagen dieser Vorkommniste zu ändern. Dies durfte aber nicht zu einer Verfaflungsverletzung führen, wie eS die Absetzung der preußische« Regierung war. Die vom Reich als Grundlage sür sein Vorgehen genommenen Borwürfe gegen Preußen seien erst zwei Wochen später detailliert angeführt worden; sie bewegten sich hauptsächlich in der Richtitng, daß Preußen den Kommunisten gegenüber viel zu la; gewesen sei. Der Vertreter der Reichsregierung Dr. Gottheim er versuchte dann in langer Rede den Nach- P a r i S, 9. Oktober. Ministerpräsident H« r- r i o t kündigte heute in einer Rede bei der Einweihung des Kembskanals an, daß Frankreich eben«inen konstruktive« Plan zur Organisierung des Friedens und zur allgemeinen Abrüstung fertigstelle. Sobald die notwendigen Gutachten eingeholt sind und die Regierung darüber beraten hoben wird, soll der Plan dem Büro der Ab- rüstungskonferenz übergeben werde«. „E x c e I s i o r" veröffentlicht Einzelheiten über diesen Plan. Demnach hätte jedes Land seine militärischen Kräfte nach Maßgabe der erreichten Sicherheit in fünfjährigen Etappen zu reduzieren. Nach der ersten oder zweiten Abrüstungsetappe würden all« Nationen demselben militärischen Regime unterworfen sein, so daß die Frage der Gleichberechtigung automatisch ausgeschaltet würde. Praktisch würde der Plan in einer allgemeinen und in einer europäischen Ab- rüstungSkonvention seinen Ausdruck finden. Auf Grund des Universalplanes hätten alle Staaten der Welt ihre militärischen Verteidigungskräfte nach Richtlinien des Hooverplanes und nach den vom Genfer Komitee für die Effektivbestände ausgearbeiteten Regeln zu reduzieren. Der europäische Sicherheits- und Ab- rüstungsplan soll folgende.Hauptpunkte umfassen: Verallgemeinerung der Locarno-Verträge, Hin und wieder philosophische Betrachtungen, di« Gilgi nicht imponieren, obwohl sie ihr unver- stäiälich sind. Als sie aus dem.Haus tritt, sieht sie auf der anderen Straßenseite Martin auf und ab gehen. Sie wird weich in den Kniekehlen, hat ein schmerzlich«lendeS Gefühl— so wie mau s ijn Lift hat, wenn er gerade anruckt.„Martin!" Sie stürzt über den nackten einsamen Fahrdamm. Lacht dumm und sinnlos, als er si« hochhebt— das magere kleine Ding! Wetten, daß es nicht mehr wiegt als 50 Kilo! Er trägt sie ein Paar Schritte bis zur nächsten Latern«:„Blaß bist du — paßt mir nicht, daß du soviel arbeitest! — Gut schmeckt die neue Lippenschminke— nach Ananas..."—„Laß mich runter, Martin— gib acht auf die Maschine!"—„Ich wünschte, sie ginge kaputt."—„Oh duuu!" Zerzaust und vorwurfsvoll steht Gilgi vor ihm.„Tu' ihr aber nichts", warnt sie drohen- und mißtrauisch, clls Martin ihr di« kleine Koff«r-Erika abnimmt. „Da wären wir ja zu Haus, Martin", sagt Gilgi todernst, ohne Ironie, als sie die groß«, ichöne Wohnung betreten. Da wären wir ja zu Haus! „Ach, ich hab' furchtbaren Hunger! Du hast mit dem Abendbrot auf mich gewartet?— Wie nett du alles gedeckt und zurechtgemacht haft! Die Klage Mens vor dein leidisgeridd. Die Absetzung Severings sollte die Belohnung der Nazis ffiir brave Gefolgschaft sein. Ein ronljahrplan der Abrüstung? Der neueste Sldierheitsulan nerrlots. weis zu führen, daß die schweren Unruhen in Preußen zu einem wesentlichen Teil auf die völlig einseitige Behandlung zurückzuführen sei, die man der ständig wachsenden nationalsozialistischen Bewegung habe zuteil werden lasten. Die Maßnahmen der Reichsregierung hätten den Zweck gehabt, für den Erregungsswff, der sich durch diese einseitige Behandlung der NSDAP aufgehäuft habe, ein Ventil zu schaffen und damit einem politischen Ausbruch, einem Bürgerkrieg, vorzubeugen. Auch habe die Reichsregicrung Kenntnis von geheimen Verhandlungen zwischen dem preußischen Innenministerium und kommunistischen Führern erhalten. Nach den Ereignissen von Altona sei die Anwendung des 8 48 gegen Preußen das einzige Mittel gewesen, dem offenen Ausbruch des Bür- gÄriegcs zuvorzukommen. Gottheimer beging dann die Infamie, zu erklären, daß sich der abgesetzte Ministerpräsident Braun schleunigst nach der Frage der Weiterzahlung seiner Bezüge erkundigt und sich„sehr befriedigt" erklärt habe, daß er sie weiter erhalten werde. Für die sozialdemokratische Landlagsfraktion, die ebenfalls als Kläger auftritt, wies Professor He l-le r dies« Verleumdung schärfstens zurück und verlangte di« Ladung des Reichskanzlers, Hitlers und des Herrn von Gleichen als Zeugen dafür, daß Abmachungen zwischen der Reichsregierung und Preußen tatsächlich bestanden hätten. Für die Reichsregierung erklärt dann Prof. Schmitt, als die Reichsregwrung die Natio- nalsozialfften anders behandelte als die Kommunisten, wollte sie nur objektiv(!) sein gegenüber einer Millionenbewegung, sür die es eine Beleidigung darstell«, wenn man sie mit der kommunistischen Partei vergleiche. Nach einer Replik Dr. Brechts kam der Vertreter der>Zentrumsfraktion zu Wort. Dr. B a d t(Preußen) widerlegte dann di« heute vom Vertreter der Reichsregierung aufgestellte Behauptung, Severing habe selbst die Einsetzung eines Reichskommissärs verlangt. Die wertere Erörterung ergibt, daß in einer Unterredung Severing-Gapl höchstens nm di« Frage eines Polizeikommissärs für ganz Norddeutschland die Rede gewesen sein könne. Die Verhandlung wurde dann aus morgen vertagt. der B«rmittlungs-, SchiodsgerichtS- und Angriffspakte. Schaffung einer internationalen Feststellungs- und Unteriuchungskommiffion. Schaffung eines ständigen Organs, das in jedem Augenblick im Falle eines Konfliktes oder eines drohenden Konfliktes den Angreifer zu bestimmen hätte. Internationalisierung aller Luftkräfte und ihre Kontrolle durch den Völkerbund. Die Schaffung von internationalen Depots, die unter die Kontrolle des Völkerbundes gestellt werden und in denen alle sogenannten Angriffswaffen konzentriert werden. Die Vorbereitung und Organisation aller Mittel, über di« der Völkerbund gegen einen Angreifer verfügt(wirtschaftliche und finanzielle Blockade usw.). Im Kriegsfälle würde das Land, welches das schiedsgerichtliche Verfahren oder das im Völker- bundpakt vorgesehene Bersöhnungs- und Nichtangriffsverfahren abg«lehnt hat, ipso facto i n Acht und Bann getan und als Angreifer angesehen werden. Tas angegriffen« Land würde dann vom Völkerbund alle Waffen erhalten, über welche die Genfer Sicherheitsorganisation verfügt und di« notwendig sind, um die territoriale Integrität des angegriffenen Staates zu gewährleisten. Martin, du bist eine vorbildliche Hausfrau. Un- Sekt! Diese Verführungslimonade hast du bei mir-och nicht mehr nötig." Während d«s Effens erzählt sie:„Der Herr Mahrenholz? Ausgesprochen klebriger Mann. Nicht gefährlich, ich werd' gut mit ihm fertig. -7- Was? Ach, Martin, ich find', die Männer sind gar nicht so schlimm, wie sie immer gemacht werden. Die meisten versuchen natürlich ihr Glück, tvemt ihnen«in hübsches junges Mädel jn die Quere kommt— kann man ihnen doch nicht übel nehmen. Oder? Ich find' das ganz normal und natürlich. Hauptsache: man versteht, ihnen geschickt auszuweichen. Bloß keine groß« Beleidigungstragödie ü la„Schicksale hinter Schreibmaschinen"!— Nein, kein Weißbrot— gib mir mal's Schwarzbrot rüber—-en Kanten, muß was Hartes kauen, vergeß sonst ganz, daß ich Zähne im Mau... Mund hab'.— Herrn Mahrenholz' Geschichte? Furchtbarer Mist, würdest dich krank lachen, wenn du das... ich versteh' ja nicht viel von Literatur, mach' mir auch nicht viel-raus..." „Aus was machst du dir eigentlich.was?" „Aus dir, Martin." Soll er's ruhig wissen. Sie hat auf jede Berschleierungstaktik verzichtet. „Liest du eigentlich gar nrchts, Gilgicheu?" (Fortsetzung folgt.) T agesneuigkeiten franz Diwok gestorben Die Komotauer Arbeiterschaft hat einen schweren Verlust erlitten. Montag, den 10. Oktober, verschied um Uhr abends im Komotauer Krankenhause Ge- noffe Franz D i w o k an einem' schmerzhaften Magenleiden im 61. Lebensjahre. Genosse Diwok war einer der ältesten Vertrauensmänner der Komotauer Arbeiterschaft, e: gehörte zu den Begründern unserer Betvegung im dortigen Gebiete. In jahrzehntelanger Arbeit hat er sich um die Partei und insbesondere um die Krankenkaffa, deren Direktor er bis zum 30. Juni heurigen Jahres getvefen ist, die größten Verdienste erworben.' Seine große Treue zur Partei zeigte sich insbesondere in der Zeit der Spaltung, wo er mit jugendlichem Elan daran ging, di« Partei im Komotauer Bezirk« im Vereine mit anderen Genoffen wieder aufzubauen, ein« Arbeit, der der Erfolg nicht versagt blieb. Er hat damals eine Reihe von Funktionen in der Partei übernommen und in gewissenhaftester Weise erfüllt. Er war zuletzt in der Vertretung des Bezirkes Komotau tätig und hat auf jedem Platz, auf d«n ihn das Vertrauen der Arbefterschaft berufen hat, tatkräftig für die Interessen des Proletariats gearbeitet. Die Komotauer Arbeiterschaft wird ihm ein ehrendes Angedenken bewahren, sein Wirken in der Partei wird unvergessen bleiben. Berluftlilte des Varduv tzer Fluataas Verbrennungen, Verletzungen, Havarien Pardubitz, S. Oktober. Der Ostböhmische Aeroklub in Pardubitz veranstaltet« heute auf seinem Flugplatz unter großer Beteiligung von Fliegern und in Anwesenheit von etwa 12.000 Zuschauern einen Flugtag. Die Veranstaltung ging nicht ohne Unfälle vor sich. Bei der Landung im Zielflug wurde das Flugzeug des Pilote« Kratochvil aus Hohenstadt zertrümmert; der Pilot kam ohne Verletzung davon. Beim Jng. KaSpar« Memorial fing in der Nähe von Chrudim der Apparat des Chefpiloten Lonek aus Pardubitz während deS Fluges Feuer. Dem Flieger gelang es zwar zu landen, doch ist sein Flugzeug,«in neuer Typ 1,5, vollständig verbrannt. Sein« Mitfahrerin, di« Französin Fräulein Ferro« erlitt Brandwunde» er st en und zweiten Grades und mutzte ins Chrudimer Krankenhaus überführt werden. Pilot Lonek kam mit unerheblichen Abschürfungen davon.— Bei dem Zielflug havariert« auch der Doppeldecker-es Jng. DiviS aus Brünn. Der Flieger verlor in geringer Höhe die Geschwindigkeit und geriet ins Trudeln. Der Pilot erlangte zwar noch über-er Erde das Gleichgewicht, das Flugzeug erhielt jedoch seine Geschwindigkeit nicht mehr zurück und wurde beim Sturze zertrümmert. Pilot Jnq. Divis erlitt Abschürfungen und eine Ritzwunde über dem Ohr. Bei dem heftigen Aufprall verlor er das Bewußtsein und wnrd« ins Pardubitzer Krankenhaus überführt, wo er immer noch ohnmächtig darniederliegt. Sein Zustand ist sehr ernst. Der Beobachter Jng. DiviSs, T eng- l e r, der vom Flugzeug absprang, erlitt bloß«ine leichte Ritzwunde über dem rechten Auge. lieber das Befinden der Verletzten wird weiter gemeldet, daß-er Pilot Jng. Divis eine Fraktur-er Schädelbasis und sein Beobachter eine schwache Gehirnerschütterung sowie verschiedene ungefährliche Kopfwunden erlitten hat. In den Tyffaer Wänden abgestürzt. Sonn tag stürzte bei einer Kletterparti« in den Tvssaer Wänden-er 20jährige Hochschüler Helnintb Hatsche k, der einzige Sohn des Chefredakteurs des„Aussiger Tagblattes", Herrn Oskar Hatschck, tödlich ab. Der Familie, der so jäh ihre stolzst« Hoffnung geraubt wurde; wird allleits tiefe Teilnahme entgegengebracht, der wir uns aufrichtig anschließen. Seite 6. Dienstag, 11. Oktober 1882 Nr. 240 18 Tote im Schacht. Leigh(Lancashire), 10. Oktober. In einem hiesigen Bergwerk ist ein Förderkorb mit 20 Jn- sassen abgestürzt. 19 Personen wurden getötet. 805.Nufe Gronaus. Manila, 10. Oktober. Die hiesige Funkstation hat Notsignale des deutschen Fliegers v. Gronau aufgefangen, die besagen, daß er wegen eines Motordefektes gezwungen gewesen sei, auf dem Indischen Ozean nordwestlich von Swettenham (Straits Settlements) niederzugehen. Ein weiterer Funkspruch Gronaus besagt, daß er mit seinem Wasserflugzeug etwa 200 Meilen südlich von Rangun(Hauptstadt von Britisch-Birma) bei hohem Seegang treibe. Sein Niedergang auf Dee sei durch einen Bruch der Wasserpumpe verursacht worden. In einem dritten Funkspruch teilt von Gronau mit, daß der Dampfer„Caragola" ihm die gewünschte Hilfeleistung bringen werde. Voraussichtlich wird das Flugboot nach Mergul ein- geschleppt werden. Es dürft« mit einer mehrtägigen Unterbrechung des Fluges für die Reparatur des defekten Motors gerechnet werden. Kl« Bürgermeister erschlügt seine ganze Familie. Auerbach, 10. Oktober. Der 37 Jahre alte Bürgermeister in Scharrtannr, Hofmann, erschlug sein« 35 Jahr« alte Frau, seinen Sohn und seine kleine Tochter im Bett mit einem Beil. Hofmann ging dann in den nahen Wald und erhängt« sich. Der Grund dieser furchtbaren Tat konnte noch nicht festgestellt werden. In hinterlassenen Briefen hat Hofmann lediglich angegeben, er habe seine Angehörigen deshalb getötet, um sie nicht allein in der Welt zurückzulassen. Petscheks„reden immer nur über Kunst und Politik"! Die internationale Oeffentlich- keit hat als solche kein direktes Interesse daran zu erfahren, wie die beiden Kapitalspatriarchen Caro und P e t s ch e k ihre Familienangelegenheiten liquidieren; da aber gerade aus den Kreisen dieser Industriemächte mit immer stärker werdender Stimme nach der Rationalisierung und Arbeitseinschränkung gerufen wird, kann es nicht uninteressant bleiben, daß der Prozeß, der trotz allen Anhangs doch„nur" um ein Punktum von eineinhalb Millionen K geht, bis zum heutigen Tag nach Schätzung des Senatsvorsitzenden Ohnesorg die runde Summe von 8 Millionen Kronen verschlungen hat, wobei die Honorare der Anwälte nicht abgeschätzt werde»» können. In den letzten Tagen bemüht inan sich vergeblich, aus dem Zeugen Franz Petschek herauszubekommen, ob der Familienvater die enormen Prozeßkosten selbst angewiesen hat, und über die unerhörte Kostspieligkeit dieses seltenen Vergnügens unterrichtet ist. Soweit man dem Zeugen überhaupt bestimmte Aussagen entlocken konnte(es bedarf dazu direkt taktischer Feldzüge der Gegenanwälte), weiß der alte Petschek wie ein junges Lämmchen von gar nichts. Niemals hat er mit seinen Söhnen über den Prozeß gesprochen;„wir reden immer nur über Kunst und Politik" wurde wörtlich unter Zeugeneid von Petschek junior ausgesagt;„d a s G e l d wareinfach immer vorhanden" und wurde von einer der Petschekhandelsge- sellschaften überwiesen; woraus die Gegenseite wieder ableitet, daß es ein Unternehmen „zur Vernichtung des Geheimrats Caro" gegeben hat; ob dieses streng nach kaufmännischer Vernunft geführt wurde,-entzieht sich noch der Beurteilung durch die Allgemeinheit. Da der Prozeß um jene Quittung geht, die Caro zu Petscheks Ungunsten gefälscht haben soll, ist sie natürlich unauffindbar; nur ein„Uirbekannter" kam einst zu Caro, ließ die Quittung oder eine Photographie der Quittung photographieren und 14 (vierzehn!!) Sachverständige zerbrechen sich momentan den Kopf, ob es sich um eine Photographie des echten Dokuments, der echten Photographie des echten Dokuments oder einer Fälschung handelt. Und der Prozeß kostet Weiler Millionen; und bei den Petschekgruben feiern weiter tausende Werktätiger Hände. Wegen rationellen Betriebs! Boni Auto getötet. Sonntag vormittags wurde Eva Kolkova aus Mladosovice auf der Straße von Domanin nach Mladosovice in Südböhmen von dem Am« des Johann Martine! aus ötepanovice erfaßt und etwa 50 Merer weit geschleift. Die Kolkova erlitt so schtvere Verletzung gen, daß sie an On und Stelle starb.— Bei Turkeve in der Rade von S z o i a c 1 stürzte ein in voller Fahr» besindiicher Privarkraftivagen i»i den Straßengraben Von den f ii n f Iniassen Wurde einer auf der Stelle getötet, dre übrigen erlitten schioere Verletzungen. Der Lenker des Wagens ist während d«S Transportes ins Spital seinen schweren Verletzungen erlegen. Das Unglück wurde durch die Unvorsichtigkeit des betrunkenen Chauffeurs verursacht. Der Tabakschmuggel blüht. Im deutsch- b^hmisch- sächsischen Grenzgebiete haben sich die Schmuggler in der letzten Zeit „umgestellt": das früher betrieben« Salzgelchäft trägt nichts mehr, so daß neuestens Süßstoffe, Medikamente, Tabake, Kosmetiken und verschie- dcne Textilien über die Grenze gebracht tverden. Aus Sachsen werden nach Böhmen Vorzugstveise die billigen Zigarettensorten(das Stück zu zwanzig Hellern) gepascht, da die Erzeug- niffe der tschcchoslotvakischen Tabakregie— was Zigaretten anbelangt— reichlich zu wünschen übrig lassen und die Pascher ihre Ware leicht und schnell los tverden, dann Saccharin für Brauereien, Limonaderierzeuger, Medikamente(Puder, Lippenstifte, Schutzmittel, Zahnwasser u. ä.), während wieder aus Böhmen vorzugsweise Pfeifentabak ausgeführt wird. In jeder Woche werden hiebei Pascher aus Böhmen in den sächsischen Grenzgebieten betreten und verhaftet. Recht bevorzugt scheint von den Paschern von böhmischern Pfeifentabak das Grenzgebiet Weipert- Annaberg zu sein, in welchem es in den letzten Wochen, bezw. in den letzten Tagen mehrfach zur Verfolgung und Festnahme von Leuten gekommen ist, die erhebliche Mengen tschechoslowakischer Pfeifentabake mit sich führten, für di« es im Reiche ein unbeschränktes Absatzfeld gibt. Die Strafe für Tabakpascher ist unge- »nein hoch, so daß die dabei Ertappten— zu einem großen Teil Arbeitslose, di« sich aus diese Weise einige Mark verdienen wollen— in allen Fällen Haft erwartet. Wenn trotzdem und im Hinblick auf die verschärfte Ueberwachung der Grenzen die Zahl der Tabakschmuggler nicht abnimmt, so beleuchtet diese Tatsache am besten die Notlage in den Grenzgebieten. Ei« Kirchturm von unbekannt«« Täter« gesprengt. Der bereits im Mauerwerk fertiggestellte 20 Meter hohe Turm der neuen evangelischen Pauluskivche in Aschaffenburg wär am 6. d. M. eingestürzt. Wie die„Aschaffenburger Zeitung" jetzt meldet, ist Montag vormittag bei den Aufräumungsarbeiten eine Stell« entdeckt worden, an der eine Sprengstoffladung angebracht war. Man fand noch ein Stück untrerbrannte Zündschnur sowie Sprengkapseln. Zwei Todesopfer der Touristik. Im„W i l- den Kaiser" stürzten Sonntag zwei Touristen tAtlich ab. Der 22jährige Student der Technik Karl M o r d a n aus Salzburg und der 32 Jahre alte Lehrer Ludwig Hall aus Offenburg in Baden unternahmen am Bormittag eine Besteigung der Fleischbank-Ostwand. Kurz nach dem Einstieg in di« Wand geriet der an zweiter Stell« gehende Hall ins Rutschen und riß dabei seinen Vordermann am Seil mit. Beide stürzten ettva 60 Meter tief ab und waren sofort tot. Ihr« Leichen tvurden von eirier Expedition der alpinen Rettungsstelle nach Kufstein gebracht. Der versteckt« Vervielfältigungsapparat. Sicherheitsorgane der Brünner Polizei fanden in einem Gärtsst in Chtlkce bei Bnlnn' eme ktt einer Sommervilla vergrabene Zinntruhe, in der sich ein Vervielfältigungsapparat und damit hergestellte Druckschriften befanden. Nach den Feststellungen der Polizei wurden mit diesem Apparat kommunistische Druckschriften hergestellt, durch welche die Oeffentlichkeit beunruhigt- nen sollten. Die Truhe samt Inhalt wurde beschlagnahmt und gegen die Täter Strafanzeige erstattet. Eine Zweigstelle der Klaarschen Blindenanstalt. Sonntag riachmittags fand in Krö die feierliche Eröffnung der Zweiganstalt des Klaarschen Blindeninstitutes statt. Der Jnstituis- direktor Trisla verwies in seiner Eröffnungsrede darauf, daß infolge Geldmangels vorläufig nur ein Gebäude errichtet tverden konnte. Di« finanziellen Unterstützungen der Oeffentlichkeit seien auf ein Minimum gesunken, so daß' di« Jinmob'.- lien des Hauptinstitutes mit 2 Millionen K belastet werden mußten. Der japanische Imperialismus als Käufer. „Daily Herald" zufolge soll Japan beabsichtigen, über den Ankauf des Portugiesischen Teiles der Insel Timor im Malayijchen Meer zu verhandeln. Der Mikado-Attentäter hingerichtet. Der Koreaner R i k o s ch o, der am 8. Jänner einen Bombenattentatsversuch gegen den Mikado unternahm, wurde im Gefängnis Jtschigaya h'mge- richtet.< Das Luftschiff„Graf Zeppelin" ist Sonntag um 22 Uhr 44 Mi«, zu seiner achtenSüd- amerikafahrt nach Pernambuco gestartet. Das größt« Kraftwerk der Welt. Aus Moskau wird genieldet; Am 10. Oktober findet die feierliche Eröfftmng des größten Großkraftwerkes der Welt, des Dnjepropetrowsker Wasserkraftwerkes statt. Die voll« LeisMng dieses Kraftwerkes, nämlich 810.000 PS, wird im Jahre 1933 erreicht werden. Gegenwärtig ist das Aggregat des Werkes fertig, das aus fünf Turbinen mit einer Gesamtleistung von 450.000 PS besteht. Diese fünf Turbinen sind amerikanisches Erzeugnis, während die nächsten vier Turbinen zu je 90.000 PS von Sowjetwerken geliefert »verden. Die Grundsteinlegung des Riesenkrast- »verkes fand vor fünf Jahren, nämlich im Novein- ber 1927 stat». Ueber den Dnjepr wurde ein 766 Meter langer DaMin gebaut, wozu 1,800.000 Tonnen Beton verbraucht wurden. Der Damm hob den Wasserspiegel des Flusses i»n Oberlauf um 43 Meter, so daß di« größten Stromschnellen vier Meter ynter den Wasserspiegel zu liegen komme»» und der Dnjepr in seiner gejainten Länge schiffbar gcniacht wnrde. An dem Wasserkraftwerk arbeiteten durchschnittlich 80.000 Arbeiter, deren Zahl manchmal bis zu 50.000 stieg. Das Vorn Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen. Mittwoch. Prag: 8.15 Gymnastik, 11.00 Schallplatten, 15.30 Waldhornvorträge, 16.10 Orchesterkonzert. 17.00 Marionettentheater, 18.25 Deutsch« Sendung: Arbriterfuuk. Karl Kern:„Ueber den Prager internationalen Jugendtag", 19.15 mexikanische Lieder, 20.00 Orchesterkonzert.— Brünn: 15.30 Klavierkonzert, 16.00 Jugendfunk, 22.20 Schallplatten.— Preßburg: 12.20 Orchesterkonzert, 19.15 Ein Kapitalhirsch, Funkszene, 22.20 Zigeunermusik.— Berlin: 20.00 Molinari dirigiert.— Langenberg: 21.00 Sin- foniekonzert.— Königsberg: 18.20 Musikalische Zeitbilder, 22.00 Orchesterkonzert.— Breslau: 16.30 Liederstunde.— Wien: 15.20 Klaviervorträge, 20.05 Volksmusik. Werk wird jährlich bis zu 3 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie liefern. Auf der Basis des billigsten Stromes, der schon jetzt n»rr mehr ein« halbe Kopeke pro Kilowattstunde kostet und auf der Basis der reichen Erzvorkommen, die sich im Bereiche des Wasserkrafttverkes besinden, wird ein mächtiges Jndustriekombinat erbaut, wellhes mit einer Reihe von Städten der Hauptverbraucher dieser ungeheuren Menge von elektrischer Energie sein wird.(Taß.). Dorfbrand. In Windgföll in Niederöstev- reich sind durch einen Brand sechs Häus«r mit allen landwirtschaftlichen Maschinen und zahlreichen Haustieren vernichtet worden. Eine Bäuerin wurde unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. Ztvölf Polizisten erschlagen. Wie verlautet, wurden bei einem Zusammenstoß zwischen einer Räuberbande und der Polizei in der Umgebung von Manila 12 Polizisten erschlagen und zwei verletzt. Mord. Ein Bahnwärter in Memel tötete im Bahnwärterhaus die Ehefrau eines Bahnarbeiters durch Hammerschläge auf den Kopf. Der Mörder erhängte sich dann. Die Motiv« der Tat find unbekannt. Ein Orkan wütete auf der Insel Sardinien und vernichtete di« meisten Verkehrswege hauptsächlich in der Umgebung von Sassari. Auch der Schaden auf den Feldern ist sehr groß. Biele Menschen wurden verletzt. Jutoelenhändler als Schmuggler. Der englische Staatsbürger Norman Weiß, einer der bekann- testen Juwelenhärsdler Londons, weilte ssick acht Wochen in Ungarn. In feinem Auwmobil, in welchem er mit seiner Frau Freitag abends Budapest verlieb, wurden bei der üblichen Zollrevision in der Grenzstation OroSzvar ztvölf Stück verschiedene Brillant-, Platin- und Perlenjuwelen im Werte von etwa 2 0 0.0 0 0 P e n g ö, ferner«in Paket auf dem französischen Markte emittierter Aktien eines Budapester Gekdinstitutes und mehrere amerikanische Aktien gefuriden. Norman Weiß und srine Frau wurdtzn nach Budapest zurückgebracht, wo sie auf der Oberstadthauptmannschaft einem Verhör unterzogen werden. Die bei ihnen vorgefundenen Juwelen wurden beschlagnahmt und ihre Reisepässe eingezogen. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Kleine Reportagen. Moral in Amerika. Einen Kuß in Ehren darf auch in Amerika nie- nrand verwehren, selbst wenn es in aller Oeffentlichkeit geschieht. Das heißt,, die amerikanischen Frauen- verbände und ihre Helfershelfer und Freunde sind damit gemeint, die einen Kuß in Ehren nicht verwehren dürfen. In Chicago hat das Bezirksgericht der Stadt ein solches Urteil gefällt. Der Jmpressario eines Kinos hatte ein Pärchen festnehmen lassen, das sich während der Vorstellung im Zuschauerraum geküßt hatte und hatte,sie dieser Unmoralität halber angezeigt. Es waren zwei junge Neuvermählte. Di« beiden, Sünder und Sünderin, beriefen sich bei der Verhandlung darauf, die Phasen des Films wären so leidenschaftlich gewesen, daß es sie einander in die Arme getrieben hätte; sie hätten sich dabei nicht schuldhaft Vorkommen können, weil sie ja Manu und Frau seien. Das Urteil mußte ihnen Recht geben, was aber nun zur Folge hatte, daß die Ehegattin bereits einen Prozeß gegen den moralischen Impresario angestengt hat, der auch verurteilt wurde, für die beleidigte Ehre der jungen Frau eine Schadenersatzsumme von 1250 Dollars zu bezahlen. 5000 Mark für einen Kuß in Ehren, den jemand zu verwehren wagt! Wie ein Trickfilm entsteht. Bor dem großen Spielfilm, um dessentwillen wir ins Kino gehen, zeigt man uns oft nch einen kleinen Trickfilm, dessen schwarzweitze Gestalten in ein, zwei Minuten an uns vorüberziehen. Meist sind es kurze Reklamefilme, die in dieser Form vorgeführt»verden, aber es gibt auch eine ganze Reihe reizvoller Märchenfilm«. Haben Sie sich einmal überlegt, wie ein solcher Film entsteht, der so einfach erscheint und in aller Eile vor unfern Augen vorüberrollt? Jede einzelne Gestalt, jede Veränderung in der Bewegung, jeder Wechsel des Gesichtsausdrucks erfordert eine neue Zeichnung, die sorgfältigst ausgeschnitten werden muß. Alle dies« Tiere und Männchen werden dann auf den Tricktisch gebracht und für jede Aufnahme müssen die Gestalten mit der Pinzette zurechtgeschoben werden, um den Gang der Handlung zu erzielen. Jede Armbewegung, jede Beinbewegung, die die kleinen Männr auf der Leinwand machen, erfordert neue Zeichnungen Allein für einen der ganz kurzen Rcklamcfilme, die durchschnittlich einen Filmstreifen von zehn bis dreißig Meter Länge beanspruche»», sind zwischen 400 bis 1000 Zeichnungen erforderlich. Selbst der kürzeste Reklamefilm, dessen Spielzeit weniger als eine Minute dauert, beansprucht fünf bis sechs Tage sorgfältigster Arbeit. Die kleinen Gestalten, die der Zeichner entworfen hat, werden auf dem Tricktisch hin- und herdirigiert. Der Aufnahmeapparat ist wagrecht über dem Tisch angebracht und kann je nach Bedarf höher und tiefer über der Tischplatte befestigt werden. Sind die Aufnahmen glücklich beendet, dann tverden die kleinen Akteure behutsam verpackt, um bei geeigneter Gelegeicheit eventuell nochmals aufzutreten. Ausnahmsredit aasen die Republik Justizterror In Deutschland. Im Lande Papens wurden vom 29. Juli bis 14. September 63 Zeitung«» auf Grund der Notverordnung verboten; darunter d:e Reichsbannerzeitung für vier Wochen, weil sie einen Artikel des Verteidigers Dr. Braun über das Ohlauer Urteil gegen die Reichsbannerleute veröffentlicht hatte. Mit allen Mitteln sucht das Kabinett der Freiherren seine Svnderjustiz gegen die werktätige Menschheit zu verteidigen. Da nicht so profunde Juristen leben, welch« die Maßnahmen verrmnftmäßig oder auf Grund der bestehenden Rechtsordnung verteidigen könnten^ greift man auch noch zur Sonderjustiz und macht nach guter aller Kriegserfahrung den ideologischen Gegner einfach mundtot. Die folgende Zusammensetzung spricht mehr als die schärffte Kritik: Vom 14. bis 21. August: 8 Jahre Zuchthaus, 31 Jahr« Gefängnis; 22. August bis 2. September: 88 Jahre Zuchthaus, 76 Jahre Gefängnis; 3. bis 23. September: 118 Jahre Zuchthaus, 68 Jahre Gefängnis. Das ist das Ergebnis der Ausnahmegerichte. In Darmstadt wurde ein Zusammenstoß in Steinwald im Odentvald zwischen Reichsbanner und Kommunisten gegen Nazis verhandelt; der Nazi Hell bock hatte einem Staut« munisten eine Ohrfeige versetzt(50 Mark Geldstrafe). Bei der darauf folgenden Prügelei gab cs Leichwerletzte. Das Resultat»var folgendes: Reichsbannermaun Keil ein Jahr Zuchthaus, Reichsbannermann Steiner ein Jahr drei Monate Gefängnis, Kommunisten Arzt und Kiefer zehn»rnd acht Monate Gefängnis. Das L i e g n i tz e r Sondergericht befaßte sich mit der ersten Straßenüemonstration der „Eisernen Front" am 25. Juni. Nazis griffen die Republikaner an und rissen ihnen das neue Frei- heitszcichen ab; Arbeiter wurden mißhandelt, es kam zur Schlägerei und elf Personen»varen angeklagt: darunter nur ein Nazi wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Das Urteil lautete auf 3 bis 7 Monate Gefängnis gegen die geprügelten Arbeiter. Da» Hirschberger Sondergericht verurteilte einen sozialdemokratischen Gemeindefunktionär, der eine Klass« zu bewachen hatte und sich zu diesem Ztvecke mit. einem Schlagring ausgerüstet hatte, zu drei Monaten Gefängnis. Ein Republikaner in Hameln gibt bei einer Haus- durchfuchung freitvillig eine Schreckschußpistole mit Zündkapseln ab und erhält dafür vom Sondergericht ztvei Monat« Gefängnis. Aber: das Berliner Sondergericht verurteilte drei Nazis, die einen Nachtwachter Überfällen und verletzt hatten, zu zwei Wochen Gefängnis und Strafaussetzung. In Bros lau erschießt der Nazi Bogt den Straßenbahner Kreier und erhält ein Jahr wegen unbefugten Waffentragens, da er in„Notwehr" gehandelt hat; in Ratibor widerfährt dem Nazi Henn ich für eine schtvere Bauchversetzung die gleiche Milde. Beim Sturm auf das Gewerkschaft4- hauS in Eckernförde wurden„nur" zwei Reichsbannerleute getötet, sechs Nazis kamen überhaupt frei, einer erhielt zwei Jahr« Gefängnis wegen schweren Landfriedensbrüchs und Körperverletzung(bei zwei Toten!!), ein zweiter ein Jahr und drei Monate; zwei Reichsbannerleute, die sich gegen ihre Gegner zu wehren wagten, ohne die Obrigkeit um Erlaubnis anzurufen, wurden mit fünf und drei Monaten ausgezeichnet und belohnt;„im Name» des Volkes". Ter Naziarzt Dr. Linden, der zwei Menschen, ,/rllerdings" Republikaner, um die Ecke gebracht hatte, erhielt sieben Jahr« Gefängnis(statt Zuchthaus), weil er als frühe r e r Morph»« nist nicht zurechnungsfähig gewesen ist. Aber: der Kriegsbeschädigte Rohde, der einen Stahlhelmer überfallen haben soll(der Ueberfallene konnte niemals entdecktwerden), wurde über Antrag der Staatsanwaltschaft und auf Grund der Zeugenschaft von drei Polizisten zu einem Jahr sieben Monaten Zuchthaus verurteilt; der Arbeiter Karl Berger w»»rde wegen Rädelsführerschaft einer Schießerei in Berlin zu zehn Jahren Zuchthaus verdonnert(allerdings ist er Kommunrst) und der Rcichsbannermann Max Rothe wurde zu fünf Jahren Zuchthaus' verurteilt(Landfriedensbruch in Tateinheit mit versuchtem Totschlag), weil er dabei gewesen wär, wie am 17. Juli 1932 um 1 Uhr 30 Minuten morgens der Nazi Schröder durch einen Schuß in den Rücker» getötet wurde. Nicht einmal der Staatsanwalt hatte in diesem Prozeß behauptet, daß der Angeklagte geschossen hat!! Gegen vier Kommu- nisten»vurde wegen einer Schießerei in der Buttmannstraße in Berlin elf Jahre Zuchthaus und elf Jahre Gefängnis verhängt und das auf Grund von Aussagen von Nazizeugen, die unter anderen auch einen Arbeiter schwer belasteten, der sich nachweislich während der Schießerei auf einem Sportplatz ausgehalten hat. Nr. 240 Dienstag, 11. Oktober 1832 Seit« T Volkswirtschaft tiod Sozialpolitik Die scanzöfi chen Gewerlscha-ten über die Krise. Per L a n d e s all s sch u ß des A big e-- meinen G e werkschaftsbündcs in F r a-n k reich(CGT), der in Paris zü. einer Tagung zusammengetreten ist, hat sich in einer längeren Debatte mit der Wirtschaftskrise und den Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitslosigkeit beschäftigt. Das Referat hielt der Generalsekretär des Bundes I o u h a u x, der u, a. ausführte: »Wenn auch die Völker- über internationale Maßnahmen einig geworden sind, so haben bisher noch Sonderinteressen ihre Durchführung verhindert. Die Völker haben sich vor der Umwelt abgeschlossen und geglaubt, ihr Heil nur in Lösungen nationaler Art finden zu können. Ohne auf die internationalen Maßnahmen zu verzichten muß man sich natürlich zu gleicher Zeit bemühen, innerhalb eines jeden Landes etwas zur Abschwächung der Krise zu tun. Die CGT hat den Kämpf in diesem Sinne eingeleitet. Sie hat sich gegen die Lohnkürzungen gewehrt, die von den Kapitalisten gefordert werden. Niemals ist die Not in der Arbeiterklasse Frankreichs größer gewesen. als gegenwärtig. Wenn die Lohnkürzungen in unserem Lande noch nicht 10 Prozent erreicht chaben, so ist das der Widerstandskraft der Arbeiter zu verdanken. Aber wir müssen in Zukunft noch größeren Widerstand leisten, denn di« Krise ist noch nicht vorüber. Die Zahl der Kurzarbeiter scheint in dem Maße abzunehmen, in dem die völlige Arbeitslosigkeit zunimmt. Die Zahl der Arbeitslosen beträgt zur Zeit etwa eine Million. Die 40 Stundenwoche ohne Herabsetzung der Löhne muß so schnell wie möÄich durchgcführt werden, um einen Teil der* Arbeitslosen ohne Verringerung der Gesamtkaufkraft zu beschäftigen. Die Politik der Lohnkürzungen führt nicht, wie di« Ereignisse bewiesen haben, zu einer Herabsetzung der Lebenshaltungskosten und der Herstellungspreise. Um die 40 Stundenwoche durchzusetzen, muß ein internationaler Aktionsplan aufgestellt werden. Die öffentliche Meinung muß alarmiert und die Parlamente müssen auf ihre Verantwortung aufmerksam gemacht werden. Die parlamentarische Welt darf sich nicht über die Bedeutung im unklaren sein, die die Arbeiterklasse dieser Reform beilegt. Wir werden keinerlei Ausflüchte zulasten, und diejenigen, die di« 40 Stundenwoche nicht anerkennen, werden als Feinde der Arbeiterklasse angesehen werden. Die CGT ist zu allen Anstrengungen bereit, die die Arbeiter von ihr verlangen. Aber die CGT kann nicht alles allein schaffen. Mre; Einstellung wird nur in dem Maße von Erfolg sein, in dem sie sich auf die Mitarbeit der .Gewerkschaften und der Einzelwesen stützen kann. Seid zum Kampf bereit, so wie es die CGT ist." Die Versammlung nahm die Ausführungen Jouhaux mit großem Beifall auf und wählte «ine Kommission, die die Forderungen der CGT in einer Entschließung zusammenfassen soll. Kalkutta, 4. Mai. Ein Problrmstück und ein problematischer Mißerfolg. .Deshalb ist«8 mit aller Zuversicht von dem Hause der Gemeinen Großbritanniens ver- füat worden, daß ich Warren Hastingl schwerer Verbrechen und der Veruntreuuna anklage. Ich klage ihn an im Namen des Hauses der Gemeinen vom Parlament, dessen Vertrauen er verraten hat. Ich klag« ihn an im Namen der englischen Nation, deren Ehre«r besteckt hat Ich klage ihn an im Namen der Bevölkerung Indiens, deren Recht« er mit Füßen getreten und deren Land er in«ine Wüst« verwandelt ' hat. Und schließlich im Namen der mensch» • lichen Natur, im Namen beiderlei Geschlechter- • im Nomen jedes Alter», im Namen jedes Ranges, ich klage den gemeinsamen 'Feind undUnterdrücker Aller- an/ So schloß Edmund Burke seine Anklage- rcde gegen Warr« n Hastings vor dem. Hause der Lords! Die englische Volksseele liebt es. ntzd es entspricht durchaus den religiösen Vorstellungen des Engländers, der mehr im Alten als im Neuen Testament lebt, welthistorische Sündenböcke zu suchest und sie mit der Verantwortung für alles' Böse zu belasten, das den Frieden und di« Geschäft« des frommen und geschäftstüchtigen Bürgers stört. Maria und Karl Stuart, Napoleon und Nikolaus l, der Sultan und Wilhelm II., zuletzt vielleicht Lenin als Repräsentant des Bolschewismus, sind in Eng- land zu derartigen teuflischen Ehren gelangt Dir Anklage BurkeS und Philipp Francis gegen Warren Hastings ist von so kräftiger Diktion, so umfassend' in ihren Beschuldigungen, mehr einem Fluch als einem Gerichtsakt ähnlich, daß man den berühmten Eeneralgouverneür von Indien schon in die Reihe dieser Sündenböcke em ordnen kann, di« zwar allesamt ihr gerüttelt Maß von Schuld vor der Geschichte tragen, aber gegenüber dem/ was Englands öffentlich« Meinung ihnen ankreidete, beinahe als Unschuldslämmer erscheinen. Der Prozeß gegen Hastings dcr im Frühjahr 1788 begann, endet« nach sieben Jahren mit einem Freispruch. Warren Hastings lebte zufrieden und hochgeehrt, nur von der ersehnten Pairswürde aüs- geschlossen, auf seinem Lgttdgut bis zum Jahre 1818. Er zählt« 86 Jahre, als er sein schuld beladenes in Sünden ergrautes Haupt hinter dem Altar der Pfarrkirche zu Daylesford zur ewigen Ruhe bettete Sein König, seine Nation, ausländische Monarchen hatten ihn zuvor geehrt, und der Estavist, Matz a u l a y, sonst ein strenger Sittenrichter, kommt ^MSMWUWWWIWWWVM' „FreNnSMaft"| Unter Kinverkaienöer jür 1933■ ist bereits erschienen Organisationen, die noch keine Kinderkalender- bestellt haben, mögen es ehestens tun', da die erste Auflage bald erschöpft sein wird.. Die Erziehung zum B«IK- lunftwerk. Zu den Zeichen der anbrechenden, neuen Zeit als sozialen Zeitalters gehört auch das Abflauen der krankhaften Tanzsucht. Weshalb findige Tanzmenschen sich auf den Tanz als Erziehungsmittel, sogar für Kinder(!) stürzen. Oder: sie wollen nun Pädagogen mittels Kunst werden, ohne Erzieher zu sein. Jede Zeit tanzt auf ihren Kriegsleichen. Dieses Mal ist es. schlimmer. Eine sterbende Gesellschaft feiert ihre Henkersmahlzeit. Das Leben dieser Gesellschaft hat seine Inhalte verloren. Der neue Sinn des Lebens, der soziale Sinn, setzt sich erst jetzt unter schweren Kämpfen durch. Das heißt: der kricgsentartete Mensch muß von der„Seele" aus geheilt werden, gleichzeitig durch körperliche Kräftigung. Aber, die Körpererziehung, die eine ernste Zentralangelegenheit des neuen Lebens sein sollte, wurde zu einem Durcheinander. Seit Jahren darin praktisch tätig, bin ich bemüht, klärend zu wirken. Und seit Jahren propagieren ich und mein mitarbeitender Genosse die körperliche Kultivierung ins individuell Gestaltende, Künstlerische hinauf: Reine Rhythmik des gotischen Rhythmus, wie er sie in Kursen, Artikeln, Bildern, Vorträgen nannte. Es ist nicht gleichgültig, ob man Sporte, Turnen, Rhythmik, Tanz(sogar Akrobatik brach ja in unseren schweren Alltag herein) auseinanderhält oder nicht. Das sind ebenfalls medizinische Angelegenheiten. Dir'Volksgesundheit erleidet schweren Schaden, wenn die Mittel zu ihrer Hebung falsch angewendet werden. Ohne gesundes Volk keine gute Arbeit, keine gesunde Kunst. Nicht allein das Bolkskunstwerk entsteht aus der Kultivierung individueller Körperrhythmik, das ist: Ausleben der gehemmten, Klären der unklaren Empfindungen, sondern Seelenheilend(psychotherapeutisch) finden Wirkungen statt, die die Praxis erwies. Das Turnen diente zuerst der körperlichen Pflege, der Kräftigung für soldatische Zwecke. Es wurde ein Vorläufer des Manövers. Dann wurde es auch zivil zu Kräftigungszwecken verwendet. Zuletzt erkannte man die Wichtigkeit für die Frau. Spater, in den Händen des. übersättigten Bürgertums, wurde es zu einer Vereinsmeierei.-Immer mehr Fachleute begannen gegen die körpereyzie- herische Einseitigkeit des gewöhnlichen Turnens zu kämpfen. Wandern, und das Wiedererwachen anderer Sporte, beseitigten die Einseitigkeit zum Teil. Es geschah aber alles unfrei, kommandiert, vorgeschrieben. Feststehende Bewegungen mußten nachgeahmt werhen. Wir wünschen oie innere Vorstellung der Wirklichkeit. Es werden keine in der Endsumme seiner Würdigung des seltsamen Mannes zu dem Ergebnis, daß seine Grundsätze „etwas schlaff und sein Gemüt nicht ohne Harte" gewesen seien, alles andere an ihm aber Ächtung und Bewunderung verdiene. Wäre das Urteil in dem Monstreprogeß gegen Hastings ein paar Jahre eher gefällt worden, so hätten die Lords der Majorität des Unterhauses, der zuletzt auch William Pitt Gewicht verlieh, nachdem er lange zu Hastings gestanden war, wohl den Mann geopfert, dem England die Erhaltung seines indischen Besitzes dankte. Zu. dem Freispruch haben Zufälle aller Art, haben die französisch«. Revolution, dcr Koalitionskrieg und das Aufta^chen Bonapartes mehr als die Gesinnungswandlung der Richter und Ankläger beigetragen. Ein.höchst problematische Figur der Geschichte Mo, dieser Goüverneur von Indien, besten Organisationsgabe und Rücksichtslosigkeit bewirkten, daß England, in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte,.als es Amerika verlor und in Irland Einbußen xrljti, in Europa bekriegt wurde und innerlich, zerrüttet'war/ in Asien Erfolge ohnegleichen einheimst«!...... Lion Feuchtwanger, dsn die Pilatus- Frag«„Was ist Wahrheit", die Frage, nach dem ob- sektiven und absoluten Recht, in mehr als einem epischen Werk befchäftigl, ist wahrscheinlich auch, auf den Prozeß Hastings als ein Musterbeispiel des ewigen Problems gestoßen und hat ihn als solches Musterbeispiel dramatisieren wollen. Daß er nicht den langwierigen Londoner Prozeß, sondern sozusagen dessen Keimzelle, den Versuch der Humanisten, Hastings schon in Kalkutta zu packen, und den Sieg des Gewaltmenschen über die Ideologen herauS- qriff, ha wohl nur technische Gründe. Er hält sich im übrigen weitgehend an die Historie und es. ist Sie Schwäche de» Stückes, daß es in der Art mancher Produkte des„Zrittheatcrs" von heute nicht dcutlich erkennen läßt, für wen«s Partei ergreift. Dir dvkumenrarischr An, in der Geschehenes einfach berichtet wird, bringt das Publikum in Verlegenheit. Wo der Dichter, selbst nicht urteilt, dort vermeid«! die Menge erst recht jede Beifallsbezeugung. Vielleicht lugt es ander Mitarbeit B e r t B r e ch t S, daß Feuchtwanger den Warren Hastings mit allen Lastern dies«» grausamen und skrupellosen Gewaltmenschen doch ins trügerische Licht heroischer Ge- ichichtsbeirachtung rückt während er über den Otto Klenk in„Erfolg", der aus dem qleichen Holze geschnitzt ist wie Hastings, bei aller Anerteniiui^ des großen Formats den Stab bricht. Bewegungen z. B. des Fliegens vorgemacht, sondern, der Jünger der Körperkunst hat das Fliegen zu empfinden, darzustellen, er als Bogel, fliegender Mensch. Urquellen beleben sich, Kindheit schimmert: und hier ruhen die Wurzeln des Kunstwerks überhaupt, also der seelischen Befreiung, der Schönheit, der Lebensfreude, weil es Freude an sich selbst ist, des Wertbewüßjseins und also der Achtung vor dein eigenen und fremden Leben. Das ist Körperkultur, Gesundheit des Volkskörpers, denn sie bereichert das Leben, ihre Kraft will nicht töten. Das ist Rhythmik. So ist der Ablauf des Naturgeschehens. Das freie Aenßern der vorgestellten Bewegung von Innen heraus. Der rhythmisch erzogene Mensch, ein Jeglicher,— kann zum Künstler werde», sein Körper ist Instrument und Kunstwerk zugleich und kann nun der Volkskunst, dem Volkskunstwerk der neuen Bühne dienen. Früher einmal hat man beim „Theaterspielen" Rollen unterschieden. Am starrsten war das Rollenfach in der Oper, bis Wagner das Musikdrama schuf, z. B. die„Götterdämmerung", das Drama unserer Zeit. Wagner gestaltete von Innen heraus. Rhythmik. Früher gab es jugendliche Liebhaber(Tenöre), Bonvivants, Lebemänner(in der Regel Bariton) usw. Alles, war eingeschnürt in stilisierte Typenmasken. Das siel z. gr. T. nur scheinbar. Denn, das bewährte, Denk- und Entpfindungsträgheit der Schauspieler wie des Publikums Rechnung tragende Schema besteht durch gewandte Kunstgewerbler weiter. Dadurch wird di« Bühne, nicht etwa zum Spiegel des Lebens, sondern zum Zerrbild. Das verstärkt die öffentliche Gefühlsund Charakterverlogenheit genau so, wie die klein- und großbäuerliche Schundliteratur. Diesen Lebensgespenstern auf der Bühne entspra- chen die hohle Deklamation, di« gelogenen Kostüme(die erst die„Meininger" stilgemäß gestaltete»)— di« affektierten Gesten, die als einstudierte ja im Grunde bis Heute geblieben sind. Gar so viel hat sich auf der Bühne seit hundert Jahren nicht geändert. Die technischen Errungenschaften, die doch nur Erleichterungen und Raffiniertheiten sind, tun nichts zur Sach«. Kurz: auch hier die Entfremdung von Kunst und Natur, Leben und Sein. Bürgerliche„Kultur". Aber, aus einer Gesamtheit rhythmisch erzogener Menschen gestaltet sich das Volkskunstwerk im Symphonischen bezw. symphonischrhythmischen Drama,— dem Gegensatz zum Chaos von Heute, zur Kunstäfferei, zur gesinnungslosen Spielerei mit hohen Worten, tvas man ebenfalls Kunst nennt. Eine Kunst, di« nicht höher steht, als ein Spiel mit falschen Karten, -r- Die rhythmische Bwrgung ist höchstbewußter Ausdruck innersten Empfindens innerster Vorstellung. Der echte Tanz ist unbewußter Ausdruck des Versinkens in das bewußtlose Dunkel gestaltlosen Fuhlens. Von uns wurden in unse- rrx„Kinderwelt" mit den Kindern eigene Rhyth- imenspiele spielerisch dargestellt, einfach«, fchwe- rere(schon der Kunst der Darstellung zugehörig) ohne Einüben, Proben, Drill. Das ist jener künstlerische Anfang, den wir seit Jahren mit dem Ziele der Gesundschönheit vertreten, im Bild von Deutschland aus allbekannt geworden durch die Kinderdarstellung„Gebet zur Mutter Erde", in Prag tschechisch durch die Gruppen meiner„Kinderwelt"„Störche und Frösche" Warren Hastings erscheint im Drama Feucht- ivangers bald als der soldatisch gerade und sozial gerechte Diktator gegenüber den verlogenen Phra- seuren aus London, bald aber als Demagag schlimm- ster Sorte. Er«setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um die hungernden Hindus zu retten, man ist geneigt, seinen Zorn gegen den Radscha Nenkomar auf das Konto seiner sozialen Gesinnung zu setzen, und ihm selbst den Justizmord an dem Inder zu verzeihen; dann aber verkauft Hastings den Stamm der Rohillas, der treu zu England steht, an den Na- bob von Audh, weil 400.006 Pfund das Schicksal eines Volkes und den tausendfachen Tod Urrchul- diger austviegen. Hastings ist der Mann der„reinen Hände", der alles für England'loder doch für di« Aktionäre der Compagnie), nichts für sich nimmt; der Glauben an ieine Unbestechlichkeit koiinre uns »ljt seiner ftnmenschljchkeit versöhnen; aber' als se'n« Geliebt««in Goichenk. angenommen har,, verstößt er ste doch nicht, sandeln lügt sich undsic aus der schmutzigen Affäre heraus. Die soziale Gesinnung, di« Unbestechlichkeit, der Mut dieses Diktators, sie alle haben ein Loch Will Feuchtwanger am Ende mir dies zeigen? Will er die heroische/Legende 'erst recht zur Satire machen, indem er scheinbar auf ihre, Logik eingeht, um ihre Brüchigkeit zu«r- -weiscn? Mau weiß cS nach den sechs Bilder» deS Dramas nicht Und darum bleibt man unbefriedigt, obwohl man glaubt, daß hier ein ernster Autor am Werk« ist ad«n Ich als Erzähler höher werte als die'meisten zeitgenössischen deutschen Romanciers), obwohl man dem Stück Qualitäten zuerkennen muß, ubwohl man derlei Probleuistücke auf der Bühne nicht misten möchte. Di« Zwieschlächrigkeit. mit der" das Problem gelöst oder besser nicht gelöst wird, bedingt ohne Zweifel den M;ß«ifolg, de»„Kalkutta. 4. Mai" bei seiner Aufführung in der Kleinen Bühne hatte. Aber sie allein erklärt den Mißerfolg eines guten Stückes nicht. Viel liegt an dem Publikum der Kleinen Bühne, das im Grund« verdorben, gerade an'dieser Stell« immer als eine gesellschaftlich« Schicht charakterisiert wurde, die geistig, unter dem Niveau der anspruchslosesten Kinobesucher, aber sozial zu hoch steht, um das Kino zu besuchen. Der Kleinen Bühn« ein anderes Publikum zu gewinnen, wird schwer und eine lange Arbeit kein Sie ist, wie der bisherige Saisonverlauf zeigt, noch zu tun. Ein weiterer Grund des kaum verhüllten Durchfalls von„Kalkutta. 4. Mai" mag sein, daß die Intimität d«r Kleinen Bühne das Format der großen (Modni Revue 1930). Bei den Kindern waren nicht einmal körperlich vorbereitende Einzelheiten(z. B. Fliegen als rhythmische Uebung) zur Lösung von körperlichen Spannungen und seelischen Hemmungen nötig, wie bei den Errvach- senen.(Uebrigens versagten die sp.jjfischen bürgerlichen Menschen dem Rhythmrs freien Maßes gegenüber vollkommen und offenbarten so ihre innerste Leere und Hohlheit.) Das.Kind als solches ist die natürliche Vollkommenheit selbst, so lange nicht verlogene Erziehung es verdirbt. — Was das rhythmische Entäußern, das Aus- sich-heraus-gehen, Ausgeben von Empfindungen, Gefühlen, die bedrückend wirken,— H.minun- gen nennt sie die Scclen-Medizin,'— bedenket, weiß jeder, der in unserer Zeit lebt, vor all.m jeder geschulte Arzt und jeder gebildete Ryüth- miker männlichen oder, weiblichen Geschlechtes, der Rhythmik praktisch übt. Erst daun erkennt man die weise Wahrheit des Satzes: Bewegung ist Leben und Leben ist nichts als Bewegung, sta, es muß aber die gesund-persönliche, angepasste, im Krankhaften harmonisierte, im Schwachen gestärkte Bewegung sein. Erst dann, bis wir em' gesündempfindendes Volk haben,— das sich nie und nimmer aus den abfterbrnden Gef.ll'chafis- schichten entwickeln kann— werden wir eine wirkliche Kunst besitzen, denn, Menschen geinn- der Instinkte werden all das Ungesunde m jeder Gattung unserer Kunst« ablehncn. Und das sozialistische Volk wird auch eines baldigen Tages Geld genug haben, Kunst,' wie jede ehrlich? Arbeit, zu bezahlen. Maria Reime r-Jronsidc. Historie nicht verträgt, waS schon bei d«r„Waierloo- Brückr" hervortrat. Es ist auch nicht cinzuschen. warum das Stück, das Goschehnisse ans der Zeit um 18 7 0 mit beinahe dokumentarischer Treu« 'scsthält, im Kostüm von 1900 mit Gehröcken, Tropenhelmen und Kakhihosen gespielt wird! Endlich liegt viel an dem Spiel. Nicht daß cs schlecht wäre. Jeder Mann war an seinem Platz« und jeder füllt« ihn aus. Aber das Estsemble, das Dr. Eger zusammcngestellt hat, scheint nicht imstande zu sein, den Kontakt mit dem Publikum zu finden. Es ist«ine Schranke da, die Bühn« und Publikum trennt, und es weht von dcr Bühn« oft eisig ins Parkett. Ob hier abzuhelfen, wie abzühel- fen wäre, darüber müssen sich schon die Bühnrn- leiter den Kopf zerbrechen. Herr H a r p r e ch t spielt den Warren HastingS als Bonvivant,«s ist«ine interessante, im lebten Bild sogar virtuose, und vor allem mimisch ansge- zeichnct durchgearbeitete Leistung,' nur kommt es dem Stück wenig zugute, wenn man den von seiner Mission besessenen Diktator so ganz als den verliebten Schwerenöter und ein wenig als den. Renommisten gespielt sieht. Desgleichen wäre dcr Francis besser anders angelegt, als Renner ihn zeichnet. Wie, wenn-dieser Gegenspieler n i ch: den ängstlichen Spießbürger uns Querulanten, sondern den unversöhnlichen Kämpfer, auch einen. Besessenen darstellte?! Sehr gut war Musil als Nenkomar,. lebendiger als die anldern spielten d!« Herren Itröhlin und H ö l; l i n. Iantsch, Iani- t s ch e k, Volk, Götz(der auch Regie führte, obschon die Historie nicht sein Ressort ist) waren in kleineren Rollen placiert. Frau Carpentier spielte die Lady Hike als Fortsetzung ihrer Klcopatra vom Vorjahr und traf damit den richtigen Stil. Ein« Frage anderer Ar« ist cs. ob bei einem'o reich besetzten Ensemble noch Gastspiele nötig sind. So gern man Frau Carpenticr sieht, kragt man doch nach dem Sinn solcher Erweiterungen eines an sich schon großen Ensembles. Tas Publikum rührte in fünf Pausen kein« Hand, nach dem letzten Bild, gab es zwei Vorhänge. Ter Direktor, der sein. Prager Publikum angeblich so gut kennt und die Dramaturgen werden da- PrMem lösen müssen, warum.gute Stücke. hier durchfallen. Wir können, diesseits int Rampe nicht mehr tun, als es bedauern- feststellen und di« Gründe nennen die sich dem äußeren Beobachter d«s Betriebes zeigen. E. F r a n z e l. Seite 8. Dienstag, 11. Oktober 1832 9tr. 240 PMAGfB tElTBMft Pragsr Budget aktiv. 537,6 Millionen Ausgaben, 557.4 Millionen Einnahme». Pressevertretern gab der Stellvertreter des Primators Dr. Stu la gestern eine Uebersicht über den nächsten Voranschlag der Stadt Prag. Aus seinen Ausführungen ging hervor, daß das Budget trotz des Rückganges der Einnahmen immer noch mit 20 Millionen Kronen aktiv ist, nachdem bei den Ausgaben 25 Millionen gestrichen wurden. Die Umlagen auf die staatlichen Steuern sind für 1933 um zirka 15 Millionen Kronen n i e d r l g e r veranschlagt, was au^den sinkenden Ertrag vor allem der E r- werbs- und der Grundsteuer^ zurückzuführen ist. Hingegen wird mit einem Steigen des Ertrags der Hauszinssteuer und mit unveränderten Einnahmen in Form der G e- meindeabgaben gerechnet. Eine Ausnahme bildet nur die L u st b a r k e i t s a b g a b e, deren Sinken eine Folge der Wirtschaftskrise ist. Die Gemeindeumlagen und Abgaben werden in der bisherigen Höheeiugehoben werden. Beschaffung von Arbeit. Der Ueberschuß von 20 Millionen Kronen wird für Arbeitsbeschaffung reserviert und ist als eigene Post im Voranschlag eingesetzt, ft n ti e ft i t t o n s arbeiten, welche im außerordentlichen Budget erscheinen, sind in der Höhe von 193 Millionen geplant, doch sind bisher nur 70 Millionen gedeckr, so daß die Durchführung des gesamten Programms von der Beschaffung der Mittel abhängt. Die bisherigen Ausgaben für soziale und humanitäre Zwecke bleiben unverändert. Abzulehnen ist jedoch der Standpunkt Dr. Stulas, daß die Gemeinde den Bau von Wohnhäusern grundsätzlich nicht weiterführen werde, da sie schon 4500 Wohnungen besitze. Der Hinweis auf die fehlenden Mittel ist gerade bei der Stadt Prag nicht stichhaltig und kein Argument dafür, daß die Gemeindeverwaltung angesichts der Prager Wohnungsnot untätig bleibt. „Lachen links** das politische Kabarett unserer Prager Jugendgenossen, stellte sich Samstag anläßlich einer kleinen Feier zu Ehren der Kongreß-Gäste einem erfreulich zahlreichen Publikum im großen Uraniasaal vor. Es gab wirklich viel zu lachen und die Besucher kamen auf ihre Rechnung. Die Reaktionäre aller Schattierungen wurden von den Akteuren vorgenommen: nationalistische, pfäffische, monarchistische und militaristische Rück- wärtsler wurden manchmal ettvas unsanft, aber immer mit Witz und Ueberzcugung an ihren schwachen Stellen gefaßt und dem Publikum in ihrer lächerlichen Beschränktheit gezeigt. Hitlers„Braune W o ch e", die„A b- rüstungskonferenz", ein paar kleinere Szenen und Songs, zlvischendurch auch Ernstes, wie der Sprech-Chor„Mahle, Mühle, mahle!" und zum Schluß die Trommeln und Fanfaren der Dresdner Genoffen, die den Pragern bei- sprängen, seien besonders hervorgehoben. Wir wollen den Genosien aber auch untere kritische Wohlmeinung nicht verhehlen. Woran es noch fehlt, das ist eine Wörtregie, die bewirken müßte, daß alles verständlich, alles richtig gesprochen würde. Außerdem mutz die Parole gelten: mehr Tempo, mehr Rhythmus, mehr Musik! Wo die musikalische Untermalung fehlte, ließ die Stimmung nach. Auch an dem Sprech-Chor zeigte sich, daß diese ganze Kynstrichtung hoffnungslos ist, solange man wirklich nur spricht, statt singt. Das„Mahle, Mühle" fiel, in dens Augenblick ab, als man aus dem Sprechgesang^um Sprechen überging. Tie Girls müßten nicht nur mehr Rhythmus, sondern auch mehr Phantasie für die Symbolik entwickeln. Vielleicht hilft da der Arbeiter-Turnverein nach? DaS olles sei nur gesagt, weil wir bofsen und wünschen, daß„Lachen links" uns bald wieder eine Aufführung beschert, die dann auch die kleinen Mängel korrigiert, kr. Geriditssaal Der Herr„Steuerdlrektor" labt um ein Sulerat bitten r Womit man erfahrene Kaufleute hereinlegen kann. Prag, 10. September. In welch plumper Weise selbst sehr erfahrene und gewitzte Kaufleute auf den Leim zu locken sind, beweist der nachstehende originelle Gaunertrick, den ein Trio von kriminellen Menschenkennern mit verteilten Rollen und glänzendem Erfolg an einer Reihe größerer Firmen in Anwendung brachte. Zunächst wurde das Telephon in Aktion gesetzt und der Chcs an den Apparat gerufen Eine würdige' und behäbige Stimme erklärte nun, am anderen Ende des Drahtes befinde sich„2 teuer- direktor 3£."—„O mein Kompliment, womit zu dienen, Herr Iteuerdirvklor?"(Geschäftsleute haben ja manchmal kein ganz reines Gewissen gegenüber solchen Amtsorganen.)— Aber der Steuerdirektor war lieb und herablassend. In einer halben Stunde würde ein Jnseratenvertreter für das Organ der Steuerbeamten„Lsl. Berni l) fe dn i k" erscheinen. Der Herr Steuer direktor würde es gerne sehen, wenn man den Akquisiteur fre>undlich empfangen wolle. Der Herr Ehef würde die Freundlichkeit haben, nicht wahr? Und alsbald stellte sich der„A k q u i s i t e u r", ein und wurde so liebenswürdig empfangen, wie selten einer seiner Kollegen. Seine Tarife waren billig und außerdem brachte er eine Menge froher Verheißungen wie: Kostenlose Beratung in Steuer- und Zollsachen, Entgegenkom' men bei Steuerbemessungen u. dgl. Im übrigen lasse der Herr Stvuerdirektor schön grüßen. Und was das Sonderbarste ist: Keiner der gewiegten Geschäftsleute hielt es unmöglich und ausgeschlossen, daß das Fachblatt einer stattlichen Beamtenkategorie solche unglaubliche Gegengeschäfte machen könne. Im Gegenteil— auf den zarten Wink, daß eine entsprechende Anzahlung erwünscht und sogar nötig sei,.um allfällige„Beratungen" oder sonstige Gefälligkeiten sicherzustellen, ließ sie sogleich ihre Brieftaschen zücken. Der Gesa m 1 e r l ö s beträgt schätzungsweise 14.000 Kronen, bei einer durchschnittlichen Angabe von 300 X pro Mann und Nase. Man muß den drei Leuten auf der Anflagebank zugestehen, daß sie die schwachen Seiten ihrer Zeitgenossen mit hervorragendem Scharfblick erkannt haben.— Die Sache mußte aus formalen Gründen vertagt werden. rb7 Akademiker. Zu unserem unter diesem Titel und unter der weiteren Ueberschrift:„Juristenkontroverse mit Knochenbrüchen" erschienenen Gerichtssaalbericht in der letzten Samstagsnummer schreibt uns einer der beiden Beteiligten, Herr Dr. Eugen K-, eine längere Darstellung, in der er unter Berufung auf den Gang der Gerichtsverhandlung mitteilt, daß nicht er, sondern der andere, nämlich Herr Land. jur. Alexander B., der Angreifer gewesen sei. Da Herr Dr. Kahn in Notwehr handelte, gibt er nun in seinem Briefe seiner Empfindung Ausdruck, daß die einleitenden Sätze unserer Notiz ihn zu Unrecht mitgetroffen hätten. Nun ist zwar von unseren Feststellungen darüber, daß es nicht gerade sehr„akademisch" ist, im Kaffeehaus Ohrfeigen auszuteilen und Wasiergläser zu werfen, nichts zurückzunehmen, aber wir erklären loyal, daß Herr Dr. Eng. Kahn erst durch dumme Scherze und dann durch Ohrfeigen mit bösen körperlichen Folgen auf das schwerste provoziert worden war. So- ferne er also der Provozierte und Leidtragende war, wird niemand— und soll auch e r nicht— unsere Charakteristik solcher„ethischer" Akademikerschaft auf jemanden anderen als auf den Ohrfeigenjuristen Alexander B. beziehen. Kunst und Wissen Manfred Lommel, der Samstag abends in der Produktenbörse einem vollen Parkett von Rundfunkhörern einmal leibhaftig gegenübertrat, gehört eigentlich nicht recht in die Kunstkritik(von seinem Partner gar nicht zu reden). Auf billigste und naivste Art unterhalt Lommel sein Publikum, als ein primitiver Spaßmacher, dem allerdings rasante Zungenfertigkeit, bewegliche Drastik, Verwandlungsfähigkeit im Mimischen nicht abgesprochen werden sollen. Am überzeugendsten ist Lommel als Imitator, sei es nun, daß er musikalische oder andere Geräusche nachähmt, sei eS, daß er harmlos und ge'- schickt über Tauber oder die'Massary sich lustig macht. Der starke Kontakt Lommels mit seinen Anhängern vom Rundfunk her dürfte übrigens hier, zulande auch daraus zurückzuführen sein, daß Lommels schlesischer Dialekt vielen Sudetendeutschcn heimatlich verwandt in die Ohren klingt. g. Musikalische Erziehung der Wiener Arbeiter, linder. Der Gau Wien des österreichischen Arbeitersängerbundes hat zusammen mit den Diener Kin- Eine hlsforlsdic Wespe. Wespenurahnen gab es schon in jenen Erdzeitaltern, da über Mitteldeutschland ein blaues, war- mes Korallenmeer rauschte, dessen stehengebliebene Riffe heute noch, gleichsam zur Erinnerung an jene Periode, den Namen Kreide tragen. Auch das spätere urweltliche Paradies der deutschen Palmen, Lotos- und Kampferbäume, das Tertiär, entbehrt ihrer nicht, denn zwischen Blattern und Farnabdrücken tragen die Braunkohlen zuweilen auch Spuren von' Flügeln und Chitinkörpern, die beweisen» daß die uralten Wespengroßmütter ihren heute lebenden Enkeln fast aufs Haar ähnlich gesehen haben. Die frühere historische Wespe dagegen ist um sehr vieles jünger; sie zählt nur etwa dreitausend Jahre. Unk da sie unter nicht ganz alltäglichen Umständen gesunden wurde, lohnt es sich vielleicht, sich ihrer zu erinnern. Ihre Heimat ist das Land der Mumien, Aegypten, und die Ursache ihrer Entdek- kung ist die berüchtigte, seit Jahrhunderten geübte Gewohnheit der Araber, die verschlossenen Gräber aufzubrechen und zu plündern. Dieser Gräberraub scheint in Aegypten allerdings, wie so vieles, bereits antike Mode gewesen zu sein, Henn um sie vor Lei- chendieben zu retten, brachte man während der 20. Dynastie bereits— also etwa 1000 v. Ehr.— mehr als 100 königliche Mumien samt Schätzen und kostbaren Särgen in einen völlig verborgenen Schacht bei Theben, so gut hinter Steinen vergraben, daß seine Kenntnis mit den Mensche jener Zeit-ausstarb dersreunden Arbeiteokinder-Singschulen gegründet die trotz des drückenden Mangels an Mitteln sich gut ousgebreitet haben und bereits zu einem wichtigen sozialistischen Bildungsfaktor geworden sind. Nahezu 2000 Kinder werden bereits in Wien von den beiden Arbeiteröngänisationen zu Gefangskultur und Musikkultur im Sinne-er ANbeitersängerschast geführt. Wochenspielplau des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag, 7.30: Familie Schimek(Ensemblegastspiel Max Pallenberg).— Mittwoch 7.30: Der Zigeunerbaron(B 1).— Donnerstag, 7: Aida(C 1).— Freitag, 7.30: Zweites Gast» spiel Max PallenbergS.— Samstag, 7.30: Samson und Dalila(A 2).— Sonntag, 11: Kammermusik, 2.30: Arbeitervorstellung: Medea, 7.30: Rigoletto(D 1). Spielplan der Kleine« Bühne. Dienstag, 8: Dreimal Offenbach.— Mittwoch, 8: Kalkutta, 4. Mai(Bankbeamten 2).— Donnerstag, 8: Kalkutta, 4. Mai.— Freitag, 8: Dreimal Offenbach(Kulturverbandsfreunde).— Samstag, 8: Kalkutta, 4. Mai.— Sonntag, 3: 2. Stock, Tür 19(zu voMstüml. Preisen, 6 bis 18 K), 8: Coeur-Bube. Mitteilungen au» dem Publikum. Sportler und ihre Mütter. Durch die Zeitungen ging vor kurzem eine Nachricht, die überall auf größte Aufmerksamkeit stieß. Ganz besondere Beachtung aber sand sie bei allen sporttreibenden jungen Menschen und ihren Müttern. Auf den ersten Blick sieht diese Nachricht gar nicht sehr sportlich aus. Statistiker haben nämlich den Seifenverbrauch der verschiedenen europäischen Nationen errechnet und kamen zu dem Resultat, daß England mit seinem Seifenverbrauch von 9.5 Kg. pro Kopf und Jahr alle anderen Länder überholt. Wenn auch bei weitem nicht die letzten, so stehen die Tschechoslowakei mit 4 Kg. und Deutschland mit 6.3 Kg. pro Kopf und Jahr doch noch zurück. Diese Tatsache bekommt mit Recht sportliche Beachtung, wenn man die Wechselwirkung zwischen Sporthöchstleistung und Körperhygiene beachtet. Man darf eben nie vergeffen, daß nur der reine Körper, der durch freie, unverstopfte Poren atmen kann, dem eine reine, nicht vont Schweiß verklebte Wäsche freien Luftzutritt gestattet, sich voll entwickeln und gesund bleiben kann. Und nur der äußerst saubere, gepflegte Körper kann zu höchsten Leistungen erzogen werden. So betrachtet, versteht man, wieso diese Nachricht geradezu eine neue Sport-Parole auslöste: mehr Seife, noch mÄhr Seife. 100 Wi' Spiel• Köroernneae Der gemeinsame Kampf. Der Vorstand des Arbeitevbundes für Sport und Körperkultur Oesterreichs nahm in seiner letzten Sitzung folgende Entschließung an: An die Zentralkommifsion für Arbeitersport und Körperpflege in Deutschland! Nach den bedeutenden sportlichen Begegnungen des Jahres 1932 zwischen Deutschland und Oesterreich, die zuletzt durch das Europameisterschaftsspiel in Dresden und durch das BundeSmeisterschastsspiel in Wien ihren Höhepunkt erreicht haben, fühlen wir unS veranlaßt, erneut unsere gemeinsamen Bestrebungen für die hohen Ziele des Arbeitersports zu betonen, wir versichern, daß über die sportlichen Beziehungen unserer beiden Länder hinaus unser gemeinsamer Kampf der internationalen Reaktion und dem Fase i sm us gilt. Freiheit. Arbeiterbund für Sport und 5körperkultur iu Oefterreah. Falsche Freunde. Die von den elsässischen Arbeiter-Samaritern für den 9. Oktober nach und im Sande der Wüste versank. Erst die Araber spürten die verborgenen Felsengänge, 12 Meter unter der Erde, wieder auf, und da sie töricht genug waren, kostbare dort gestohlene Papyri zum Kauf anzubieten, so wurden sie durch Strafen und Drohungen endlich dahin gebracht, die Lage des Schachtes zu verraren. Unerhörte Kulturschätze an Schmuck, edlen Metallen, Waffen und Dokumenten lohnten die zugreifende Gerechtigkeit. Eine der verschollenen Königsmumien, die einstmals als Amenophis I. um 1557 v. Ehr. ein.Herrscher von unumschränkter Gewalt und göttlichen Ehren gewesen war, trug noch so reichen Blumenschmuck, daß man die Blüten erkennen und bestimmen konnte. Und mitten in ihnen saß, den Rüssel noch saugend vorgestreckt, eine Wespe, die wohl einst, ganz in Duft und Farbenglut versunken, das Schließen des schweren Holzdeckels versäumt halte und miteingesargt worden war, um erst 3000 Jahre später das Licht der Sonne wieder zu erblicken. Das trockene, oft mehr als hundert Jahre regenlose Klima hatte ihren zarten Leib ebenso gut bewahrt wie den ihres einstigen Herrschers. Diese Erhaltung legt vielleicht das beste Zeugnis dafür ab, wie sehr die Natur das Leben ihrer Geschöpfe bestimmt, und daß es k-m Zufall ist, Totenkulte und die Kunst der Einbalsamierung gerade in einem Lande zu finden, das keine eigentliche Verwesung kennt, und daß Völker und Sitten zeitlos werden mußten unter einem Himmel, der nicht einmal die Verstorbenen zurückgibt in den fruchtbaren Kreislauf des Seins, k R. F r a n e e. Straßburg eiybevufene internationale technische« Sitzung ist eine kommunistische Angel,gcu-1 heil. Durch Einladungen zu dieser nach aus.cn I harmlos abgestempelten Sitzung versuchen sie, Ar-» beiter-Samariterkolonnen aus der Sozialist sch n 1 Avbeiter-Sport-Jnternationale in ihre interna io-1 nale kommunistische Bereinigung herüberzuzieh:«.» Internationaler Schwimmsport. Eine r-gr 1 Tätigkeit entfalteten diesen Sommer die lelti-n scheu Schwimmer. Sie schufen 13 neue lett'sche I Höchstleistungen, darunter im 200 Meter-Freistil- I schwimmen die gute Zeit von 2:55 Min. Bei 1 einem internationalen Wettkampf in Riga legte I der Finne Bainio(Koüka) die 200 Meter Kraul- V strecke fti 2:45 Min. zurück. Wehrsport, Schießen im Arbeitersport. Ter 1 Fachausschuß für Wehrsport und Schießens in der SASJ. hielt, am 2. Oktober in Berlin I unter dem Vorsitz von Kalnin(Lettland) eine f Tagung ab. Vertreten waren Lettland, Belgien,( Deutschland, Tschechoslowakei. Bereits 6 j Länder der SASJ. Pflegen Wehrsport und Schießen. I Neue Regeln im Kleinkaliberschießen, Schießen mit! Gewehren beliebigen Systems, jagdliches Schießen, k Wurftaubenschießen, Pistolenschießen, Bogenschießen 1 und Fernschießen wurden beschlosien.— Am 25. W Juni 1933 soll anläßlich des 1. Meltarbeitersport- 1 tages ein Sechsländer-Fernschießen iitl Kleinkaliber und Pistolen veranstaltet 1 werden Aas der Partei Jugendbewegung. S. I. I. Mittwoch Gruppenaben d,.„Gott M 'ei Dank' in unserem Heim am Fägnerplätz. In- I strumente mirbringen.— Die Ausschußsitzung e n t« I fallt. Literatur „Ein Millionär iu Sowjetrußland." Roman z von Ilja Jlf und Eugen Petrow. Paul M Zsolnay Verlag, Wien. Ein humoristisches, ja ein 1 satirisches Buch aus Sowjetrußland, ein Buch, das 1 gewisse Erscheinungen, Einrichtungen und Vorgänge i bespöttelt— man ist erstaunt, daß es so etwas in-| mitten der gigantischen Anstrengungen der russischen n Revolution gibt. Denn„die Satire"—' es sei hier das Wort eines jungen bolschewistischen Akademikers» zitiert ist doch„die Anwendung des Lachens zum I Zwecke der Herabsetzung, der Vernichtung des Geg- i nerS' und satirische Literatur deutet wohl darauf V hin, daß verächtliche, der satirischen Darstellung I würdige Erscheinungen da sein müssen. Man wird« wohl auch kaum glauben können, daß die Schrift- W stellerei der beiden Autoren, aus deren Zusammen» 1 arbeit schon früher ein satirisches Buch,„Zwölf| Stühle", hervorgegangen ist, an den offiziellen I sowjetrussischen Stellen sonderliche Freude hervor- 1 ruft. Das geht schon daraus hervor, daß man cs i — um„Mißverständnisse" zu vermeiden— für not- 4 wendig befunden hat, dem Roman ein Nachwort> Lunatscharskijs anzufügen, in dem dieser dartut, daß, N was man gerne glauben wird, die dargestellten 1 Seiten des Sowjetlebens nur der Bodensatz der I sowjetrnssischen Gesellschaft sind, nur„der be- 1 ichmutzte Saum des Gewandes der Revolution" und 1 daß es leider von den Autoren nur Unterlasten z wurde, klarer zu veranschaulichen, daß es hinter der 1 Hülle der Masken, dieser kuriosen Ereignifle, fleinen t Leidenschaften, jämmerlichen Laster usw. auch ein| ganz anderes Leben der heroischen Anspannung gibt. 1 Jedenfalls verfügen die Jlf und Petrow über einen i glänzenden Humor und wer herzlich lachen will, der kommt hier auf seine Rechnung, Im übrigen j muß auch Lunatscharskij zugeben, daß der Roman i trotz aller Verzerrung viel Lebensechtes enthält und 1 viele ernsthafte Lebensfragen stellt, man wird darin I also schon ein gewisses Bild vom Leben im heutigen Rußland erblicken dürfen. In dem Roman werden I die Streiche des Erzschelms Ostap Bender erzählt, j eine Gestalt von geradezu klassischer Pracht, von der man fxeilich nicht ohne weiters sagen kann, daß sie 1 für die iowjetrussische Gesellschaft dieselbe kennzeich-' nende Bedeutung besitzt, wie die in der Zeit der 1 Zersetzung der feudalen Gesellschaft geschriebenen j Schelmenromane. Eine fröhliche und in manchem i auch zum Nachdenken anregende Lektüre ist dar Buch unter allen Umständen.—r. Henri Barbusse:„Novellen." Boflsverband der\ Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G m. b. H., 1 Berlin-Charlottenburg 2. Barbusse ist ein Meister i der kurzen, in sich geschlossenen Erzählung.. Die vorliegende Sammlung kleiner Novellen, die zum- größten Teil«n der ernsten und doch leidenschaftlich r erregten Landschaft der Bretagne oder am Mrer spielen, ist ein Musterbeispiel dafür, wi« ein Dichter 1 auf wenigen Seite» ein Schicksal, ja, ein ganzes Leben ebenso eindringlich schildern kann, wie ein einzelnes Ereignis, sofern er das Wesentliche weiß und zu sagen versteht. Dies fft das Gemeinsame aller 1 Erzählungen Barbusses: seine zartgefügten Sätze, in denen jedes Wort,auf das andere eingeschliffen zu jein scheint, geben nicht nur den Tatsacheninhalt einer Begebenheit wieder, sondern atmen auch de» ganzen Duft der Stimmung, in welcher dre Begebenheit sich vollzieht. So spürt der Leser zwischen den realen Dingen immer den Zauber, der mensch-.■ lichen Seele, die allein jede Wirklichkeit verklärt Ein einheitliches Weltgefühl strahlt. in mannigfachen bunten und zarten Farben. Das Werk ist äußerst geschmackvoll ausgestattet und stellt durch'einen erstaunlich geringen Preis von 2.70 RM in Halbleder gebunden, dem ständig sich entwickelnden B. d. B. erneut das Zeugnis hoher Leistungskäbiak-it aus. Heraubgib«^ Siegfried r a«»— I»«I r«»» t«« u r: Dtth-Iu, Sltkut—««amworllichrr»edaNrur: Dr. Imll Prag.— Drucke„«oU*«.•». für Leitung, an» Buchdruck, Sm».— Mir»en Druck mannsottU*: vtt- volik. Prag.»» Spie ZeUuiigemartenlraukawr wurde»en»er Poft- u. relegrapdendirenlon uril fkrlad Rr I3.S00/VH/tSS0 bewillig!— Vezugtbediugungen: Bei Zustellung ins Hau»»der bei Vcjug durch die Post manatlich Kd 16.—,»tenrltädrUch K4 üj.—, batsiahrig U W,—, ganu^ttg Hi Ut,—,— änjetau werden lau» Laris billigst berechne«. Bei»jieren EinlchaUnnge» Preiluachlest,— Rückstellung von Lianuskri-ie»«folgt nut bei S!i»jend»ng der R(toutmaita.