Mzelprelr 70 Heller. (Einschließlich S Heller Porto) 12 Jahrgang. Mittwoch, 12 Oktober 1932 Rr 241. »er Kongreß der Jugendinternationale beendet. Die Köngreßverhandlungcn werden Dienstag früh fortgesetzt. 'Den Bericht der Mandatsprüfungskommission erstattet Gen. K l u p p(Oesterreich). Am Kongreß nehmen 77 Delegierte von 20 Verbänden aus 15 Ländern teil, außerdem 27 Gastdelegierte, Der Antrag der Mandatsprüfungskommission auf Anerkennung sämtlicher Mandate wird einstimmig angenommen. Hierauf setzt der Kongreß die Aussprache über di« Referate:„Kampf umden Frieden", fort. Als erster Redner spricht Gen. Pans Hansen (Dänemark), der davor warnt, die Macht der Inter, nationale zu überschätzen, damit bei der Arbeiterjugend keine' falschen Illusionen erweckt werden. Die Jugend soll eine nüchtern«, konkrete Vorstellung von dem Kampf der Internationale gegen den Militarismus erhalten.— Er spricht weitet über die Abrüstungspolitik der dänischen Sozialdemokraten. O h l i g(Deutschland) spricht über den Kampf gegen den Nationalismus in Deutschland. Barsch»ko ff(Bulgarien): Jetzt noch leiden die Balkanvölker und mit ihnen die Jugend unter den Folgen der Kriege, die von 19(2 bis 1918 die Balkanländer hcimsnchte. Immer noch-estehen neue Kriegsgefahren. Unterdrückte Minderheiten und hungrige Flüchtlinge bjlheu die Voraussetzung ssir die Entwicklung nationalistischer V.cstredungen. Ter bulgarisch« Genosse fordert, daß sich die S. I. I. entschieden für den Schutz der durch die Friedensverträge geschädigten Minderheiten«insetzt. S z a k a s i tz(Ungarn): Es gilt auch geistig abzurüsten und die Friedensliebe den jungen Menschen von Kind auf anzuerziehen. Die ungarische Arbeiterjugend erblickt in-den internationalen sozialdemokratischen Organisationen den stärksten Faktor im Kriege gegen den Krieg. Berger(für die internationale Arbeitsgemeinschaft jüdischer, sozialistischer Jugendorganisationen) bespricht Minderheitenfragen, di««ft Kriegsgefahren in sich schließen. F a v i e r(Frankreich) spricht über die geheime Waffenerzeugung und über die Verständigung zwischen den Rüstungsindustrien aller Länder.— Auch funktionierende Demokratien(Frankreich) sind nicht imstande, den Willen des Volkes, der bei Wahlen zum Ausdruck kommt, zu verwirklichen.— Nur die einheitliche Arbeiterklasse kann den Kampf gegen den Militarismus führen. * Die Diskussion über die antimilitaristischen Referate ist mit der Rede des französischen Genosten beendet, der Kongreß kommt zum nächsten Punkt seiner Tagesordnung: Arbeiterjugend und Wlrtsduiltshrlse zu welchem Thema Genosse Anton Kimml, Wien, spricht. Emen Auszug aus seinem instruktiven Referat werden wir morgen veröffentlichen. Dienstag nachmittags setzte die Jugendschutzdebatte. im Anschluß an das Referat des Gen. Anton K i m m l. ES sprachen S z a k a s i s(Ungarn): B e r- ger(Internationale Arbeitsgemeinschaft jüdi? scher sozialistischer. Jugendorganisationen);. Batt e u k e m(Belgien); Raus(tschechische sozialdemokratische Jug«nd);- E b e r l i n g(Deütsch- laud); J un g«l. s o n(Lettland), und Toorn- st r a(Holland), In dieser Debatte sprach auch der Sekretär unseres Verbandes, Gen. Rudolf Geißlsr, der ausführte: , Trotz der aufopstrndey Tätigkeit des jozjqtdemo- kratischen Fursorgeministers Gen. Dr. Ezech leider die deutsche und tschechische Arbeiterjugend noch schwer unter den Ausryirkungen der Krise, besonders die im Industriegebiete wohnende deutsche Jugend. Di«, sozialistischen Jugendorganisationen dieses Staates erheben, nach wie vor wichtige wirtschaftliche Forderungen für dir arbei» t« nd e I u g« n d. Noch mehr Fürsorge für di« arbeitend« Jugend, Aushau der Heimstätten, Einführung der Arbeitslosenversicherung.— All dies« Forderungen fährt Geißler fort, beinhalten gegenwärtig« H lfs- m atz nahmen für di« arbeit« ude Jugend. Unser Hauptkampf geht nm di« Umgestaltung der Wirt- schaftsordnung überhaupt, um den Sozialismus. Das neue DUro setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: 1. Vorsitzender: Koos Vorink(Holland). 2. Vorsitzender: Walentheim(Schweden). 3. Vorsitzender: Aubry(Belgien). Beisitzer: Kasäl (LSR., tschechischer Verband), Kanitz(Oesterreich). Es fotzen die Berichte aus den Kommissionen über die dem Kongreß vorliegenden Resolutionen. Alle Berichte«nd Resolutionen werden so, wie sie di« Kommissionen Vorschlägen, angenommen. Wir bringen sie Entschließungen des Kongresses morgen. Dann wurden einige Beschlüsse organisatorischer Natur gefaßt. Genosse L i n d st a e d t, Hamburg, überbringt die Einladung der Hamburger Arbeiterschaft, den nächsten Internationalen Jugendtag in Hamburg abzuhalten. Zu diesem Tagesordnungspunkte erstatteten am Montag die einleitenden Berichte Koos V o r- rink, Amsterdam, und de Brouckhre, Brüssel, In einer Rede führte Koos Bo trinkt Amsterdam, der Vorsitzende des holländischen sozialistischen Jugendverbandes, u. a. folgendes aus: In der kriegsmüden Menschheit des Jahres 1918 lebte die Sehnsucht nach Frieden mit nahezu elementarer Kraft. Sie glaubte an die große Verheißung der Sieger: Dies war der letzte Krieg. Auch aus der Not der Generation, die im Hinterland aufwuchs, wurde die Parole geboren: Nie wieder Krieg! Das wurde auch die Losung jener, die selbst in den Schützengräben erfahren hatten, wie die Hölle des Todes und Verderbens beschaffen ist, der sie wie durch ein Wunder entrannen. Ein neues Zeitalter wurde eingeleitet, als der Weltkrieg durch die Erschöpfung der Völker ein rühmloses und dunkles Ende nahm: Das Zeitalter der V ol ks ver a n t w or tl ich kci:. Und unzweifelhaft steht am Tore zu dem Zeitalter der Demokratie die große Aufgabe der Erziehung zur Demokratie, der Erziehung zum Mute der Verantwortlichkeit. Wenn diese Erziehung gelingt, die den Kern der Tätigkeit der Sozialistisck)«» Jugendinternationale bildet, dann besteht dos erste Ergebnis darin, daß der Krieg für immer und bedingungslos in den Bann getan wird. Der Kampf um die Wirts cha f t l i che B o r m a ch t in der Welt bildet heute noch wie vor 20 Jahren die Triebkraft der Rüstun- g e n. Seit dem Ende des Weltkrieges hat sich gezeigt, daß sich der Militarisnius nicht mif einen: Schlage vernichten läßt. Die Sehnsucht noch dem Frieden hat sich nicht als hinreichende erwiesen, dos im Kriege gesäte Mißtrauen auszurotten. Der Nationalismus erhebt wieder drohend sein Haupt, dunkle Persönlichkeiten aus der Vergangenheit spielen das alt« Spiel. Was haben wir der jungen Generation z« sagen, die dos Entsetzen des Krieges nicht auL eigener Erfahrung kennt? Der internationale Gedanke hat durch die Entwicklung der modernen Gesellschaft gewaltig an Kraft gewonnen. Ja, selbst die ganz, besonders „nationalen" Bewegungen, der Fascismus und die Fascisten, entlehnen ihre geistige Ausrüstung aus dem Italien Mussolinis. Dazu kommt, daß die Entwicklung des Wirtschaftslebens alle Menschen ohne. Unterschied der Nation und Raste immer stärker zu einer S ch i.cksalsge m e in- schäft zusammeygeschmiedet hat. Diese Schick- salsgcmeinschaft wurde durch die im Gefolge der Wirtschaftskrise getroffenen Autarkie-Maßnahmen der einzelnen Länder empfindlich gestört. Wir müsten der jungen Generation sagen, daß der jetzige Wirtschaftskrieg Gefahren zeigt, die den Ausbruch bewaffneter Hierauf hält der neue Vorsitzende der Sozialistischen Jugendinternational«, Koos V o r r i n k, Amsterdam, eine Ansprache. Er dankt zunächst den ausscheidenden Büromitgliedern.. In begeisternden Worten ruft er zu neuer Arbeit auf. Genosse Heinz dankt« für die auSscheiden- den Genossen in bewegten Worten für di« Anerkennung. Er dankte der Stadt Prag für das außerordentliche Entgegenkommen, den Jugendverbänden der Tschechoslowakei und seinen .Helfern. Heinz sagte,-aß die Delegierten der Jugendinternationale ein musterhaftes Beispiel internationaler Zusammenarbeit sahen und. daß die Jugcndknternationale stolz ist auf die Tätigkeit der Jugendverbändc in der Tschechostowakei. Er würdigt sodann die Arbeit des Kongresses und die künftigen Aufgaben der Sozialistischen Jugendinternationale. Zuversicht erfüllt«ns: Der Sozialismus wird siegen. Ein dreifaches„Freiheit!" ertönt— dann braust die„Internationale" durch den Saal. Der herrliche Kongreß der Jugend ist beendet. Konflikt« zwischen Völkern oder Völkergruppen zur Folge habe« können. Wir-. müssen uns in erster Linie, gea e n de ü' Na ti. o na liH'm ü s wenden,.sich so gerne mit den, Helden der Vergangenheit rechtfertigt. Die brutalste und geistloseste Form des Nationalismus, der Fascismus, übt auf große Teile der jungen Generation eine starke Anziehungskraft aus. Es ist der Wunderglaube an Kommunismus und Fascismus, die die radikalsten Parolen und lautesten Fanfaren haben. Ter Fascismus hat einen Verwiloerungspro- zeß unter der Jugend eingeleitet, wie er ärger nis vorstellbar war. Dagegen müsten wir"den schärfsten Widerstand leisten. Die Errichtung einer mit Autorität und Der- trällen ausgestatteten internationale» Rechtsgcmcinschaft, worin der Krieg als eine menschenunwürdige und nutzlose Barbarei abgeschafft worden ist, das ist die große Aufgabe der heutigen Generation. Dabei wird die junge Generation gegen diejenigen, die sich immer wieder in platonischen Liebeserklärungen für den Frieden erschöpfen, ihre Macht aber zur Stützung d«r friedensfeindlichen Tendenzen benützen, mit aller Kraft wenden müssen. Die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit ist von der Kraft und dem Einfluß der sozialistischen Arbeiterbewegung abhängig. Es ist jedoch verhängnisvoll, daß bisher noch niemals sozialistische oder unter sozialistischem Einfluß stehende Regierungen von England, Deutschland und Frankreich sich g l e i z e i t i g in Genf begegnen konnten. Die Kritik an dem Völkerbund müssen wir Positiv gestalten durch den Einfluß der Arbeiterparteien auf ihre Regierungen. Bei den Aktionen, die der Internationale Gewerkschaftsbund und die Sozialistische Arbeiterinternationale im Falle des drohenden A u s- bruchs eines Krieges unternehmen müßten, müßte die sozial!stische Jugend den Kampf gegen den Krieg in der er st en Reihe nritführen. Die Erziehung zur mternationalen Solidarität muß die Jugend für solche Entscheidungen reif machen. Die Sozialistisch« Jugendinternationale selbst ist der Ausdruck des festen Glaubens der jungen Generation an den internationalen Sozialismus. Die Jugend Europas strömt über die Grenzen, strömt in einem großen Becken sozialistischen Wollens und sozialistischen Glaubens zusammen und ruft der Welt zu: Hier sind wir, die neue Jugend. Wir rufen über di« Erde: Frieden! Richt«ur, weil wir denKrieg hassen, sondern mehr noch: weil wir an den Frieden glaube«. Aus den Millionen soll sich der starke Wille zum Frieden erheben, der dann einem erfrischenden Windstoß gleich durch die dumpfen Ministerkabinette. Parlament« und Konferenzsäle fahren soll, so daß (Schluß aus Seite 2) Mißbrauch eines Wortes. Das Wort Not wird in letzter Zeit in aller Leute Mund geführt, es ist geradezu Mode geworden. Ob man ein« Rede hört oder einen Artikel liest, ganz gleich, ob in einer bürgerlichen oder agrarischen Zeitung, ob man die Auseinandersetzungen in den Ausschüssen des Parlamentes verfolgt, immer und immer wieder wird auf die„Not" oder Notlage dieser oder jener Wirtschaftsgrupp« hingewiesen und dringend Hilfe für sie verlangt. Die Industrie befindet sich„in größter Not", die Landwirte„ertragen die Notlage nicht länger", das Gewerbe„geht in schrecklicher Not zugrunde", kurzum es gibt nur noch Not auf der Welt. Wenn nun so nebenbei noch irgendwo behauptet wird, daß auch die Arbeiterschaft Not leidet, so ist man auf der anderen Seite geradezu entrüstet, denn die Not ist zum Monopol aller bürgerlichen Schichten geworden, man hört es nicht gern, daß auch ander« dies« Bezeichnung für sich in Anspruch nehmen. Ja, cs ist schon so, daß die Bezeichnung„Not" im Zusammenhang« Mit den Arbeitslosen jede Wirkung verloren hat, weil sie heute zum Allgemeingut der Menschen, und besonders der Besitzenden geworden ist. Not ist heute kein Begriff mehr, der Entsetzen ausdrückt, sondern durch den Wißbrgpch der mit diesem Wort getrieben wird, ist er eine jener oberflächlichsten Ausdrücke geworden, die niemand mehr ernst nimmt. Deshalb mutz einmal nachgewiesen werden,- daß mit der Not des Bquern, des Gewerbetreibenden und der Industrie, keine Einheit mit der Not der Arbeitslosen besteht. Bei der Landwirtschaft, der Industrie, dem Gewerbe ist die Bezeichnung„Not" im besten Falle der Ausdruck für.schlechte Preise oder schlechten Geschäftsgang, also übersetzt in die Terminologie des Arbeiters: zu geringer Lohn oder Kurzarbeit. Aber auch weniger Einkommen bei den Landwirten, den Gewerbetreibenden und erst gar bei den Herren von der Industrie, bedeutet noch lange nicht Lebensnot, sondern es kann, wie die Beispiele zu hunderten beweisen, auch in dieser Zeit dem Agrarier, dem Fabrikanten und dem Geschäftsmann« oder Handwerker trotz der gegenwärtigen Wirtschaftslage nock) sehr gut gehen, er kann üppig leben und braucht sich noch lange nicht jede Freude und jedes Vergnügen versagen. Ihn bedrückt es, weil der Gewinn, den er aus seinem Betriebe zu ziehen gewohnt war, sich in der Zeit der Krise verringert hat. Sonst aber spiirt er körperlich meist nichts von der Ungunst der Gegenwart. Was aber bedeutet denn für den Arbeiter, den Angestellten das Wort Not? Hier wird cs zum lebendigen, allerdings auch peinigenden Begriff. Der Arbeiter und Angestellte, der durch Kurzarbeit oder Lohnkürzung die Krise zu verspüren bekommt, mutz dieses vernrinderte Einkommen durch Ersparungen wettzumachen versuchen. Durch Ersparungen, die sich unmittelbar auf sein und das Loben der Seinen auswirken. Er ist nicht mehr imstande, Anschaffungen für Haushalt und Kleidung zu machen, mutz also seiner Bequemlichkeit und seiner Wohn- und Körperkultur entsagen, vielfach schon körperlich durch diese Entsagung, und damit auch gesundheii- lich Schaden erleiden und— wenn die Lage für ihn besonders ungünstig ist— in hunderttausenden Fällen seine Ausgaben für die Ernährung wesentlich herabsetzen, kann also dadurch nicht nur schlechter, sondern»leist auch noch weniger essen, als für seine Gesundheit und für die Gesundheit seiner Frau und Kinder notwendig wäre. Hier ist die Not zu einer erschütternden Tatsache geworden, erschütternd für jeden, in dem noch nicht alle Gefühl? qb gestunlpft sind. Und erst die Arbeitslosen! Was versteh: man darunter, wenn man hört, daß sich die- j ser oder jener Arbeitslose in großer Not de- ver Kampf um den Frieden. Die Referate der Genosseq Koos vorrlnK und De Droudtäre. Seite 2. Mittwoch, 12. Oktober 1932 Nr. 241 s letzter Reinheit erst verwirklicht werden wird von it einer in der Welt herrschenden Arbeiterklasse, von ihm. kämpft. Denn: Indem des Friedens und des sie ihren Klaffenkampf Sache der gesamten einem Völkerbund, der dann ein Bund freier sozia- listischer Völker sein wird. Wir glauben ferner,-aß ein internationaler sozialistischer JuHendkongreß im Jahre 1932 nicht an dem großen Fragenkomplex Soivjetrußland vorübergehen kann. Wir wollen zunächst sehr deutlich und klar sagen, daß wir uns keineswegs mit der Politik der kommunistischen Parteien identifizieren. Wir sind-er Meinung, daß di« Politik der komm. Parteien und des russischen Bolschewismus, der längst nicht mehr eine Diktatur des Proletariats darstellt, sondern di« Diktatur der Kommunistischen Partei über ein riesiges Volk, daß wir diese Politik für«ine groß« Gefahr für di« russisch« R«volution ilnd ihr« Errungenschaften halten. Wir sind ferner der Meinung, daß wir die von der russischen kommunistischen Partei den übrigen europäischen kommunistischen Parteien anbefohlene Politik für«ine Gefahr für dir gesamte internationale Arbeiterbewegung halten. Es kann daher der kommunistischen Demagogie nicht gelingen, unsere Haltung irgendwie darzustellen als eine Rechtfertigung ihrer falschen und verderblichen Politik. Aber es handelt sich unserer Meinung nach darum, zum Ausdruck zu bringen, daß wir, unbeschadet unserer kritischen Stellung gegenüber der falschen Politik des Bolschewismus der Meinung sind, daß sich die internationale Arbeiterklasse zur Wehr setzen müßt« gegen einen Angriff der europäischen und außereuropäischen Mächte auf Sowjetrußland. Wir sind der Meinung, -aß ein« Niederwerfung Sowjetrußlands mit kriegerischen Mitteln eine außerordentliche Vergrößerung der Gefahr für die europäische Demokrati« wäre, ja, daß sie möglicherweise sogar das Ende der Demokratie in Mitteleuropa bedeuten würde. Borrink hat hier erzählt, daß es in bürgerlichen Kreisen Menschen und Gruppen gibt, die im Jnter- effe des Friedens«ine Stärkung-es Einflusses des Sozialismus und der Arbeiterklasse in den europäischen Staaten wünschen. Wohlan, das Tor steht ihnen offen, fle'mögen sich mit der arbeitenden Jugend in di« große Armee der Arbeiterklasse einreihen, die für den Frieden die Arbeiterklaffe die Sache Sozialismus vertritt, indem führt, verficht sie auch die Menschheit. ner Ausbreitung anwendet. Wir kommen da zu der Feststellung, daß der ökonomische Nationalismus die rein ökonomische Konkurrenz in den politischen Kampf umwandelt. Ich erinnere daran, daß der Kapitalismus in der K o l o n i s a t i o n im weitesten Sinne des Wortes seine Entwicklung findet. Auch das ist keine große Chance für den Frieden. Es scheitert eine wirksaM Abrüstung auch daran, daß die einzelnen Staaten behaupten, di« Waffen zur Erhaltung ihrer Kolonialmacht zu brauchen. Solange einzelne Staat«» mit der Waffe in der Hand gegen die eigenen Untertanen vorgehen, wird es aber Staaten geben, die sich die Wissen nicht aus der Hand nehmen lasten, wenn der Nachbar diele führt. Der modern« Imperialismus hat nicht nur zu Gegensätzen zwischen den Weltteilen ge- , führt, sondern auch in den Kolonialgebieten den sozialen und nationalen Kampf bedingt und vorbereitet. Die kapitalistisch« Gesellschaftsordnung gestattet «s nicht, eine wirklich« Politik des Friedens zu führen. Die Arbeiterklasse muß daher den Kampf«m di« Demokrati« und di« Erringung der Macht führen, wen» sie de» Frieden Herstellen will. Ans den Erfahrnngen der letzten Jahre müssen wir den Schluß ziehen, daß-«s allerdings nur«ine lebensfähige Art der Demokratie gibt: die politisch« und soziale Demokrati« zugleich. Wenn es wahr wäre, daß die Demokratie ausgespielt hat, dann müßten wir di« Hoffnung aus Herstellung des Friedens aufgeben. Aber ich glaube nicht an den Niedergang der Demokrati«. Sie hak in der Welt auch Fortschritte gemacht. Ich erinnere an Spanien, das jetzt im Begriffe ist. Formen einer neuen sozialen Demokratie zu schaffen. Um diese soziale Demokratie ist der Kampf zu führen: es gilt den herrschenden Klaffen die Macht zu entreißen, insbesondere aber der Militärklass«. Wir dürfen nicht vergeffen, daß di« Militärs ihre Lebensaufgabe in der Kriegsvorbereitung sehen und wenn man den Generalstäben di« Macht im Staate gibt, kann der Friede nicht herbeigeführt werden. Wir hören häufig, daß wir von einem Krieg, bedroht sind, daß die soziale Organisation vernichtet wird. Ich glaube aber nicht, daß wir am Vorabend eines Unterganges der europäischen Kultur stehen. Ich glaube nicht, daß in den nächsten Jahren oder künftig in Europa ein Krieg ausbrcchrn wird. Mit ganzem Herzen hoffe ich, daß aus der jetzigen Kris« nicht die Katastrophe, aber auch nicht der Kapitalismus in seiner heutigen Form entstehen wird, sondern eine neue Gesellschaft, von der wir sagen können, daß sie einen Fortschritt auf dem Weg zum Sozialismus bedeutet. In dieser neuen Gesellschaft wird di« Jugend eine große Aufgabe zu erfüllen haben. Di« früher« Generation der Sozialisten war di« Generation d«s kämpfenden Sozialismus, di« heutige wird die Generation des siegreiche« Sozialismus sein. Ich habe das feste vertrauen, daß in der srischen Jugend rin solcher Glaub« an den Sozialismus besteht, daß . sie die Aufgabe erfüllen wird, di« di« alt« Generation begonnen hat. Im Namen der alten Generation fordere ich die Jugend zum begeisterte« Kampf« für den Sozialismus auf. (Lebhafter Beifall.) * In der Montagsitzung des Kongresses führte Genosse G i p e r g e r(Oesterreich) in der Aussprach« über den Kampf um den Frieden u. a. aus: Wir begrüßen in dieser Resolution außerordentlich -en Abschnitt, in welchem, unserer Erinnerung nach, zum erstenmal in einer Entschließung-er Jugend- Internationale von der Pflicht gesprochen wird, welche die arbeitende Jugend zu erfüllen hat, wenn der Krieg ausbrechen sollte. Wir glauben, daß es unser« Ausgabe ist, vorzuforgen, daß das internationale Proletariat in einem solchen Falle nicht ein zwciteSmal von den herrschenden Klaff«» überrumpelt und verwirrt werden kann. Wir stimmen mit dem Genossen Borrink vollkommen überein, daß der Gedanke des Völkerbundes ein hoher, ethischer ist und daß wir die arbeitende Jugend auch für diesen Gedanken zu gewinnen haben; aber, daß wir der arbeitenden Jugend keine Illusionen darüber aufkommen lassen dürfen, daß der Völkerbund-von heute kein geeigneter Werkzeug zur Verhinderung von Kriegen ist. Die Idee des Völkerbundes muß für die junge sozialistische Generation verstanden werde» als eine Idee, di« in 'undheit so zermürbt, daß der Tod in»'"-- mvler Weise eintritt— wie so schön gesagt wird— oder weil der Hunger und die vollständige Aussichtslosigkeit, ihn wieder einnral stillen zu können, zum Selbstmord zwingt. Darum kann und darf man nicht die Forderung anderer Wirtschaftsgruppen nach Hilfsmaßnahmen zur Beseitigung ihrer Nöte nicht rnit der Forderung um Helfe für die Arbeitslosen verbinden oder gar junktimie- ren, weil das unbedingt unsittlich und unmenschlich wäre. Das Wort„Not" muß bei den einen als wirtschaftliche Unbefriedigung, bei den andern als schmerzlicher Hunger und drohender Tod verstanden und g- wertet werden. Im politischen Leben aber darf die mißbräuchliche Bezeichnung„Not" zu keiner Verwirrung der Geister führen. die Zaudernden, die weisen Ungläubigen, di« über das Schicksal der Welt in ewiger Machtlosigkeit Betrachtungen austellen, ihre Häupter erheben sollen, damit sie den Ruf einer neuen Generation vernehmen, die begierig ist, frohen Mutes an eine neue Welt, die Welt des Friedens und des Sozialismus, zu bauen. «eia frieden ohne Sozialismus! Genosse de Broucköre, von dem Vorsitzenden Aubry als„Apostel des Friedens" bezeichnet, führte nach einigen einleitenden Worten aus: Es wurde vom Genoffen Borrink gesagt, daß di« Sozialistische Jugend für zwei Ziele kämpft: für den Sozialismus und für den Frieden, aber, ich betone, daß' es ein grober Irrtum wäre, dies» Ausgaben voneinander zu trennen. Dies« beiden Aufgaben fallen vielmehr zusammen; der Kampf um den Frieden ist«in integrierender Bestandteil des Kampfes um den Sozialismus und umgekehrt. Ihr wollt den Frieden, weil er die notwendige Voraussetzung fiir den Sozialismus ist. Ihr wißt, daß der SoAalismuZ ohne Frieden sich, nicht aufbauen läßt, daß die Errichtung des Sozialismus auf nationaler Basis ein Widersinn wäre, daß die Verständigung der Völker«in« Lebensnotwendiakeit für die Schaffung der sozialistischen Gesellschaft ist. Ich komme auf den Völkerbund zu sprechen, dem man seine Schwäche voraeworfen und dies damit begründet hat, daß er infolge der Schwächen der Menschen, di« in ihm sitzen, nicht funktionieren könne. Ich kann aus eigener Kenntnis dazu di« Feststellung machen, daß der Völkerbund schwach und krank ist, weil in ihm zwei einander widersprechende Prinzipien miteinander kämpfen: Der Wunsch nach Herbeiführung des Welffriedens durch«ine Verständigung nnter den Böllern mit dem Wunsche, die absolut« Souveränität der einzelnen Staaten zu wahren. Aus der Tatsache, daß di« Schranken zwischen den Doffern immer größer werden, müssen wir di« Konsequenz ziehen, daß der Völkerbund m i t sozial: st ischem Gei st e erfüllt werden muß. Erst dann wird die Idee des Völkerbundes realisiert werden können. Es genügt nicht, in einigen begeisterten Augenblicken in Demostrationen und Kundgebungen den Frieden zu wollen, sondern man muß sich im einzelnen ganz praktisch mit den damit zusammenhängenden Fragen beschäftigen. Ich will einmal die ökonomische Seite dieser Frage behandeln. In der kapitalistischen Welt stellen die Munitionserzeugpr eine gewaltige Macht dar. Sie sind unter den Kapitalisten wohl die größten, mächtigsten und angesehensten. Aber es genügt nicht allein, vor der Jugend anzuprangern, daß das meiste Geld in dieser kapitalistischen Welt an der Erzeugung von Waffen verdient wird. Man muß auch im einzelnen fragen, wie die Waffenerzeugung o r g a n t» sie r t und aufgebaut ist. Die Stäbe der sozialistischen Armee müffen sich über die Pläne der kapitalistischen Gegner Kenntnis zu verschaffen suchen. Das muß geschehen mit Hilfe der Gewerkschaften, der Transportarbeiter und mit Hilfe aller über die Vorgänge im gegnerischen Lager genau Informierten. Auf diese Weise wird der Friedenswille des Proletariats eine Basis erhalten. Ein praktisches Ziel, das sich der Sozialismus stellen muß, ist di« Forderung, daß di« Tätigkeit der Waffenfabriken nicht nur eingeschränkt und kontrolliert wird, und daß die Waffenerzengnna aus den Privathändrn in die öffentliche Hand überführt wird. Wenn wir nun das Wort Waffenerzcugung in seiner ganzen Breite verstehen— es sind darunter nicht allein die Erzeuger von Kanonen und Gewehren, sondern auch diejenigen gemeint, welche die Mäntel erzeugen, in denen die Soldaten den: Tod entgegenmarschieren, welch« die Papendeckcl herstellen, an denen di« Soldaten ihre Füße wundlaufen— so wird man zugeben müffen, daß damit zwar nicht der Sturz des Kapitalismus herbeigeführt wird, daß aber eine solche Maßnahme den Kampf gegen das Zentrum des Kapitalismus bedeutet. Daneben müffen wir aber noch andere Methoden studieren, die der Kapitalismus zu sei- * kvr bindenden inte rnaflonalen Kamplplan gegen die Kriegsgelahr. Der Kongreß faßte folgenden Beschluß: Der Kongreß begrüßt mit lebhafter Genugtuung die Absicht der Sozialistischen Arbeiter- International«, in einer eigenen internationalen Konferenz die Frage der Methoden des Kampfes der internationalen Arbeiterklaffe zu erörtern und hofft, daß dies, Konferenz einheitliche international« Richtlinien aufstellen wird, di« für did Aktton des sozialffttfchen Proletariats im Falk«, daß der Krieg trotz aller Bemühungen dennoch ausbrechen sollt«, bindend« Kraft habe« sollen. Die„Landpost" gegen Windirsch. Die„Landpost" läßt einen reichlich unbekannten Herrn P l e s ch« r gegen di« letzten Ausführungen des Genoffen Jaksch im landwirtschaftlichen Ausschuß zu Felde ziehen. Dieser Plescher zeiht Jaksch schrecklicher Irrtümer und ermuntert rhn dann gütigertveise zum Lesen einschlägiger Fachliteratur. Dabei versteht er selbst nicht einmal richtig zu zitieren, denn er weiß offenbar nicht, daß man einen zerrissenen Zusammenhang anständigerweise durch Punkte andeuten soll. Wieder ist ein roteS Verbrechen an der Landwirtschaft verübt worden, weil sich Genoffe Jaksch im Interesse der kleinen Viehzüchter gegen Beschränkung der MaiSeinfuhr ausgesprochen hat. Herr Plescher haut dabei aber unbewußt auf seine» eigenen Landeskulturratspräsidenten Windirsch loS. Windirsch erzählte in der gleichen Sitzung des landwirtschaftlichen Ausschusses, er komm« joeben auS Versammlungen im Riesei^ebirge und habe sich davon überzeugt, daß die Gebirgsbauern ihre Schweinehaltung hauptsächlich mit billigem Kukuruz bestreiten. Windirsch sprach sich ebenfalls gegen Beschränkung der Maiseinfuhr aus. Die Pol«mik der„Landpost" gilt also auch So kann man sich blamieren, wenn die Link« nicht weiß, was die Rechte tut... Fuchtig sind die deutschen Agrarier auch über die Feststellung, daß die Verbraucher ein großes Opfer für die Landwirtschaft bringen, wenn sie in Prag Weizen um 165 Kronen kauft«, der in Budapest um 74 Kronen zu haben wär«. Lieber lassen sie sich, aufs Rad flechten, ehe sie zugeben, daß auch die Konsumenten etwas für die Landwirtschaft leisten. Also rechnet Plescher vor, was di« hiesige Landwirtschaft jährlich an Krankenkaffen- und Sozialversicherungsbeiträgen, zahlen muß. Daß es in Ungarn auch ein« Kranken- und Altersversicherung gibt, daß die Steuerlast pro Kopf drüben noch größer ist als bei uns, daß der ungarische Bauer Kleider, Wäsche, Schuhe viel teuerer bezahlen muß, braucht ja ein agrarischer Fachgelehrter nicht zu wissen. Verbleibt noch zu melden, daß Plescher auS- rechnet, die Landwirtschaft würde runde 138 Millionen verlieren, wenn nach dem Vorschlag des Genossen Jaksch das Problem des Getreideüber- schuffeS durch zusätzl:che Fleischabgabe an die Arbeitslosen auf Kosten des Staates gelöst würde. findet? Mcht mehr Verringerung des Ein kommens, nicht mehr Einschränkung seiner Bedürfnisse, Herabsetzung der Ernährungsquote für sich und die Seinen, sondern hier bedeutet Not das gänzliche Fehlen aller Mittel zum Leben. Hier kann der Körper weder vor Kälte noch vor Regen, hier kann der DMgen nicht be friedigt werden. Hier i st Not gleich Hunger, grausamer körperlicher Schmerz, hier führt die Not zur Obdach losigkeit, in tausendenFällen in den Tod. Nicht deswegen in den Tod, weil der Abstieg seelisch nicht zu ertragen ist, wie bei einem Pollack-Parnegg, oder einem andern Jndustriemagnaten, den der Verzicht auf seinen Rennstall zum Selbstmord treibt, sonlern tveil entweder der Hunger dle Ge- OlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllIIUllllllllllUimillllllllUilllllillllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllUlllliUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIilltlllllllll1IIIIIIIIIHItll!IIIIIIIIIUillUUIIUIIiUlllllllllil!»!llllUlllti!liilHiUlllliU Der Kongreß der Jugcndlnteriiatioiialc. (Schluß von Seite 1) Dieses Kapitel wird noch näher zu behandeln jein— allerdings kann man dabei nichr auf das Niveau eines Dutzendagitators herabsteigen. Wenn die deutschen Agrarier an j«den ernsthaften Vorschlag zur Milderung der Agrarkrise mit den i Methoden hinterwäldlerischer Dorfdemagogie Herangehen, werden sie halt auf dem Scherbenhaufen ihrer Ratlosigkeit sitzen bleiben, indes di« neue Wirtschaftsentwicklung ihren Weg nimmt. Böhmlsdic Landes Vertretung. Das Landesbudget im vierten tfrisenlaiire. Prag, 11. Oktober. Die böhmische Landesvertretung begann heute mit der Beratung des Voranschlages für das Jahr 1933. Zu Beginn der Sitzung teilte der Borsitzend«, Vizepräsident 8 r o m, mit, daß der bisherige Vertreter der deutschen Nationalsozialisten, Heinrich Proske aus Brüx, aus der Partei.ausg«- schloffen wurde und daher sei» Diandat verlor. 2>«in Nachfolger ist Schulleiter Bayer. Nach dem Bericht des Finanzreferenten des Landes, Dr. K u b: st a, sprach in der Generaldebatte Genosse Dr. Emil Strauß der seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf beginnt, daß di« Beratung des Landesdudgrts auch in diesem Jahre im Schatten der Wirtschaftskrise stattfinde. Von dieser Kris« seien die öffentlichen Finanzen, auch die Finanzen der Selbstverwaltung in Mitleidenschaft gezogen worden. Wenn die Finanzlage des Landes Böhmen noch nicht katastrophal ist, so ist dies die Folg« einer guten Finanzgebarung in der Vergangenheit, da die Selbstverwaltung noch frei war. Allerdings zwingt heute der Rückgang d«r Landesumlagen zur Sparsamkeit, was am bedau«rl!chsten beim Investitionsbudget ist. Gerade di« öffentlichen Arbeiten sind aber«in Mittet zur Ankurbelung der Wirtschaft, tveswegen Redner den Antrag stellt, den Landes- ausschuß zu beauftragen, jene Kreditoperationen durchzuführen, damit die im Voranschlag angeführten Investitionen auch alle zur Ausführung gelangen. Die Finanzlage des Landes wäre viel bester, wenn der Staat dem Land« nicht immer wieder neue Lasten aufbürden würde, ohne dem Lande neue Ein- nahmsqurllen zu öffnen. So wurde das Land verpflichtet, an den wasterwirtschaftlichen Fonds in 12 Jahren 286.5 Millionen, d. s. jährlich W bis 28 Millionen Kronen, abzuführen, ohne daß es auch nur mit einem Heller an den Erträgnisten der wasserwirtschaftlichen Bauten(z. B. der Wasserkraft steuer) beteiligt wäre." Da jede Anleihe des Landes der Genehmigung durch den Finanzminister bedarf, ist die Investitionstätigkeit des Landes begrenzt. Ein« geordnete Finanzwirtschaft ist nur einer frei«« Selbstverwaltung möglich. Nur so kann di« Selbswrrwaltung ihre große soziale Sendung erfüllen. Viel schlecht«! ist dir finanziell« Situation der Gemeinden und Bezirke. Durch die wachsende Arbeitslosigkeit werden an die Gemeind«« immer größere Anforderungen gestellt, während dir Umlageneingänge immer mehr sinke». Aber die Gemeinden bekommen von den Kredit- instituten auch keine Darlehen mehr, so daß unsere Gemeindeverwaltungen nicht mehr aus noch ein wissen. Der Zusammenbruch d«r Gemeindefinanzen könnte soziale Erschütterungen nach sich ziehen, in denen für das Bürgertum sehr viel auf dem Spi«le steht. Am schlecht«st«n ist die Lage der Bezirke, die ihr« Umlagen ball» nur mehr zur Bezahlung der Schuldzinsen verwenden werden. Der Schuldendienst der Gemeinden und Bezirk« erfordert schon heut« den Betrag von 760 Millionen. In absehbarer Zeit werde man irgend eine Entschuldungsaktion für di« unteren Selbstverwaltungskörper unternehmen müffen. Die Sozialdemokratie drängt schon seit langem nach einer Lösung der Krffe der Selbstverwaltungs- finanzen. Jahrelang hat man uns nicht gehört, bis jetzt der Niederbruch der Selbstverwaltung jedem offenbar geworden ist. Die Frage der Selbstver- waltungsfinanzen kann endgültig nur gelöst werden im Zusammenhang mit einer Reform und einem Neuaufbau der Selbswerwaltung. wobei uns England, das Land der ältesten und freiesten Selbstverwaltung, als Muster dienen könne, wo die Staatszuschüsse die Hälfte der Einnahmen der Selbstverwaltung ausmachen, ohne daß aber der Staat die Grafschaften und Gemeinde» bevormundet. Wenn di« Selbswerwaltung in den nächsten Jahren nicht die Freiheit bekommt, die sie braucht wie d«r Mensch die Luft, dann geht sie langsam aber sicher zugrunde. Wer di« Demokratie will, muß di« freie Selbst.' Verwaltung wollen, und wer di« Selbstverwaltung fesselt, untergräbt di« Demokratie. Selbstverwaltung und demokratische Gesetzgebung können sich nur behaupten, wenn sie di« Not der Massen lindern. Es ist alsv heute di« Hauptaufgabe der Selbstverwaltung im engen Rahmen, den ihr die Gesetze des Bürgerblocks gelassen haben, möglichst viel öffentliche Arbeiten durchführen zu lassen, um das Heer der Arbeitslosen und Verzweifelten zu verringern. Wenn wir dies tun, dann haben wir unsere Pflicht als Verwalter des Landes erfüllt. Nr. 241 Mittwoch, 12. Oktober 1982 Seite 3. Eine Versammlung der Trap.-VKer in Trantenau. Am Sonntag versammelten sich in Trautenau, dem Rufe ihrer Organisationen folgend, di« Staats- und öffentlichen Angestellten, die Eisenbahner, Lehrer, Ruheständler und die Kriegsbeschädigten zu einer großen Proteswersamm- lung, um gegen die geplanten Gehalts- und Rentenabbaupläne des Finanzministers Stellung zu nehmen. Der große Augartensaal wies einen Massenbesuch auf. Saal und Nebenräume sowie die Galerie waren überfüllt. Nach den zwei Hauptrcferaten, die in deutscher und tschechischer Sprache voraetragen wurden, fand eine Resolution einstimmige Annahme, in welcher zum Ausdrucke gebracht wurde, daß all« versammelten Kategorien einen weiteren Abbau ihrer Bezüge nicht mehr zu ertragen vermöchten, ganz abgesehen davon, daß ein solcher Abbqu auch der Wirtschaft schwere Schäden zufügen müßte. Den Reigen der Diskussionsredner eröffnete der Abg. Bacher von der Deutschen Arbeit»- und Wirtschaftsgemeinschaft. Es berührte viele sonderbar, daß auf einmal diese Partei— wie man aus dem Munde des.Herrn Abgeordneten erfahren konnte—, gegen die Lohndrückers Front macht, jene Partei also, welche di« Interessen der deutschen Jndustriellenverbände wahrt, die die ersten waren, die Löhne der Arbeiterschaft abjlchauen. Damals allerdings nahm sich dies« Partei der zur Ader gelassenen Arbeiterklasse nicht an. Hierauf gelangte Gen. Abgeordneter Schäfer aus Reichenberg, von der Versammlung lebhaft begrüßt, zu Worte. Unser Redner führte aus, daß di« sozialdemokratlsche Partei schon von allem Anfang genau so, wie sie an der Seite der Arbeiterschaft steht, auch an der Seite der Angestellten stand. Er erinnerte an di« Bemühungen der sozialdemokratischen Partei.um das 26er Gesetz und an viele andere Stellungnahmen unserer Partei, zugunsten der Angestellten. Auf die gegenwärtige Situation eingehend, erklärte der Redner, daß alle Fragen, die durch das Parlament,verabschiedet werden, Machtfragen sind. Wenn die schwebende. Frage nicht so gelöst werden kann, wie das viel« wünschen, so tragen daran nicht die Sozialdemokraten, sondern jene die Schuld, die uns nicht stärker gc ma ch t haben. Auch GeNosse Schäfer unterstrich die Forderung, daß der Staat zunächst die unproduktiven Ausgaben abzubauen hätte, bevor er ein Attentat auf di« Gehälter und Löhne seiner Bediensteten unternimmt. Seine Rede wurde mit langanhallen- dem, lebhaftem Beifall ausgenommen. Treffend fertigte Genosse Schäfer auch einige nationalsozialistische Zwischenruf«! ab. An die Versammlung selbst schloß sich ein Demonstrationsznq an, der sich bis vor das Gebäude der BezirksbehöMe ,.^bewegte, wo dann in aller Ruhe die Auflösung erfolgte. Grmeindrwahle« im H'öhir-rwald. In Hammer n, der großen Waldgcmeinde am Fuße des Osser, wurde Sonntag', gewählt. Unsere Partei erhielt 298 Stimmen(gegen 310 bei der letzten Parlamentswahl) mrd 8 Mandate (—1), Bund der Landwirt« 8 Mandate wie zuvor. Die Gewerbepartei besetzte zwei Mandate, davon eines von uns. In dem Verlust von 12 Stimmen seit 1929 spiegelt sich die Abhängigkcht der In- leut« von den Bauern. Diese ärmste Schicht des Böhmerwaldvolkes ist in den. Zeiten der Krise mehr denn je den heimischen„Brotgebern" ausgeliefert. Im Bezirke Ta cha u wähltcit'drei Gemeinden. Im Arbeiterort Paulus b'r u n n gab es 9 Listen. Durch diverse Verwandschafts-Kandi- taturen verloren wir ein Mandat, die Kommunisten 2, die Ehristlichsozialrn 5. Die erstmalig kandidierenden Hakenkreuzlcr besetzten drei Mandate. In Sorghos stiegen wir von 3 auf 4 Mandate, während die Kommunisten 3 Mandate an eine lokal« Wahlgemeinschaft abgeben mußten. In A l b e r s d o i^f^ewannen wir 2 neue Mandat«, di« Kommunisten büßten ihren gesamten Besitzstand ein.-Häusler mit 2, B. d. L. mit 4 Mandaten stabil. Sin sommuniftisches Urteil Uber Gottwald. In der Stuttgarter„Arbeiter-Tribüne", einem kommunistischen Oppositionsblatt, finden wir einen Bericht über eine Versammlung, die der„Führer der KPL, Gottwald, unlängst in Asch abgehalten hat. Dott wird festgestellt: „Der politische Teil des Referates war dagegen so armselig, daß sich die Ascher Ge- nassen wohl nicht entsinnen können, jemals ein schlechteres gehört zu haben. Der Hauptsenor seiner Ausführungen war der Nationalbolschewismus. DaS Ergebnis dieser Ausführungen war, daß unter den Ver- samurlungstrilnehmern, darnnier einem großen Teil von Parteimitgliedern, di« Meinung vor- herrchle, wenn das der Führer der Partei ist, kann die Partri nichts wert sein." Wer Herrn Gottwald aus st iner parlamentarischen Tätigkeit kennt, muß der kommunistischen Opposition diesmal recht geben und ihr Urteil über den„Führer" des JammerhaufenS, genannt KPL, unterschreiben. Den Agrarfasristen ins Stammbuch schreib: der Herausgeber der Zeitschrift„ABZ" Alfred Roßman! th(Raase) folgende Merkworte: Allen Musiolini-Perehrern. die auch bei uns in ihrer Art unter den Bauern, vorwiegend aber unter der bäuerlichen Jugend, offen oder versteckt, mit und ohne Maske, ihr Wesen oder Unwesen treiben, sei in Erinnerung gebracht, was der Duce über den italienischen Bauer sagt:„Glücklicherweise ißt der italienisch« Bauer nur einmal täglich!" Wenn man dann noch weiß, daß dieses opulente Mahl aus Polenta und ein bißchen Schafkäse besteht, dann können sich unsere Bauern an die Beseitigung der Schluß st ein daran, daß eine Punkt weiter- vcr Eikronprinz phantasiert von Wiederherstellung der Monarchie. ein richtiges Bild davon machen, auf welchem Fundament Mussolinis Wirtschaftspolitik aufgebaut ist. Es wird dann— wovon sich der Her- aus^ber persönlich überzeugen konnte— auch unseren Bauern verständlich sein, daß die schönen Anwesen der Südtiroler Bauern, die sehr viel arbeiten und daher auch öfter des Tages essen müsien, reihenweise unter den Hammer kommen. Vernichtendes Sachverständigenurteil über die Papenverordnung vom 20. Juli. StTihrnij vor dem Iglaucr (Bericht. Jglau, 11. Oktober. Seit gestern wird vor dem hiesigen Kreisgericht der bekannte Prozeß Leipzig, 11. Oktober. Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages über die Klage Preußen Hegen Reich ersucht« der Vorsitzende die Berhand- lungsparteien, persönliche Momente aus dem Spiel zu lassen. Dr. Brecht erklärte, die preußischen Minister (außer Braun und Severing) würden es nicht abgelehnt haben, mit dem Reichskommissär ebenso znsammenzuarbeiten, wie es jetzt die Staatssekretäre tun, wenn auch unter Aufrechterhaltung ihrer Rechtsverwahrung. Die Behauptung, Ministerpräsident Brann habe sich dadurch befriedigt erklärt, daß sein Gehalt voll weitergezahlt würde, ist unwahr. Der Vorsitzende erklärte, es scheine kaum bestreitbar zu sein, daß Einigkeit zwischen der Regierung Papcn und den Nationalsozialisten darüber bestand, daß mit der preußischen Regierung Schluß gemacht werden müsse Er zweifle Zeugeneinvernehmung in diesem führen würde. Dr. Brecht erklärte, daß die preußischen Regierung nur der eines Planes sei, der feit zehn Jahren in Kreisen des Reichswehrministeriums besprochen worden sei und der auch der Lieblingsplan des Generals von Schleicher war, den Dualismus Reich-Preußen mit Hilfe des Artikels 48 zu beseitigen. In dem zweiten Berhandlungobschnitt soll nunmehr festgestellt werden, was durch di« Verordnung vom 20. Juli entstanden sei. Dr. Brecht erklärte, aus verschiedenen Erklärungen. der Vertreter der Reichsregierung zur Verordnung ergebe sich eindeutig, daß es der Reichsregie- ruug auf eine endgültige Absetzung und Beseitigung der Mitglieder des Kabinettes Braun angekommen sei. Erst einige Tage später»-als sich ergeben habe, daß das Reich zu dieser Absetzung gar nicht befugt sei, habe sich die Reichsrcgierung darauf beschränkt, von einer Suspendierung der A m t s a u sü b u n g zu sprechen. Dr. Brecht schildert dann, daß sofort nach seiner Einsetzung der Reichskommissär 84 preußische Beamte zur Disposition gestellt und zehn Beamte zwangsweise beurlaubt habe. Daß es sich dabei nicht der Kronpriikz, Reichsverweser wird, Spitze eines Donaukönigreiches treten. Das Blatt richtet an die Reichsregierung die öffentliche Frage, ob ihr das Treiben des deutschen Exkronprmzen, das den Tatbestand des Hochverrats erfüllte, bekannt fei und ob sie gewillt ist, die rechtlichen Konsequenten zu ziehen. Diese Meldung wurde zlvar von der Reichsregierung sofort als ein„Phantasiepro- d u k t" hingestellt, der„Vorwärts" stellt aber in seiner morgigen Ausgabe fest, daß die Reichsregierung sich hüte zu sagen, wessen Phantafieprodükt es sei, denn es sei ihr zweifellos ebenso gut wie dem„Vorwärts" bekannt, daß sich der Kronprinz wiederholt so geäußert habe-.,.Das Wort„Phantasieprodukt" könne sich also nur auf die Erklärung des Kronprinzen selbst beziehen. Das genüge aber nicht. Es müsse von der Regierung verlangt werden, daß sie gegen derartige hochverräterische Pläne vorgehe, auch wenn sie in so kindischer und törichter Weise herumgeschwätzt würden, wie eS der Kronprinz getan hat. VCII;*7**»iv»»*»»»»» I dagegen den jetzigen Zeitpunkt für sich als verhältnismäßig günstig beurteile». gegen den Abgeordneten Stkibrnh und den Uhrmacher Sichrovsky zum zweitenmal verhandelt. In der ersten Verhandlung vor einem Prager Senat war bekanntlich ein Frei- pruch erfolgt, den das Oberste Gericht jedoch kassiert hat. Stkibrny, der ebenso wie Sichrovsky »ersönlich erschienen ist, wird von Dr. Raüin vertreten. Am ersten Tag war außer 22 Journalisten saft kein Publikum vertreten. Da über 80 Zeugen zur Einvernahme beantragt sind, dürfte der Prozeß in den November hinein dauern. Die Anklage lautet auf falsche Zeugenaussagen, begangen in einem früheren Presseprozeß gegen dm Redakteur D y m a vom „NLrodm Osvobozem", welches Blatt Enthüllungen über Provifiousgesch-ichte« bei einem Waggonkauf in Deutschland wahveud Stribrnys Ministerzeit gebracht hatte. Der erste Tag wär außer der Verlesung der Anklage mit dem Vethör Sichvovfkhs auSgefüllt, der sich nicht schuldig fühlt. Der Vorsitzende konstatiert u. o., daß Sichrovsky an der Waggon- liefevung 5.2 Million«« verdiente. Heute wurde zunächst das Verhör Sichrov- skys beendet und dann Stkibrny cinvernommrn, der sich ebenfalls nicht schuldig fühlt. Er gibt zu, daß in seinen Aussagen Widersprüche enthalten seien, doch erklärt er sie damit, daß er einige Male Minister war, darunter dreimal Eisenbahnminister, wobei er immer mit den gleichen Personen zu tun gehabt habe, so daß er öfters Dinge verwechselt, die in eine andere Periode seiner Ministertätigkeit gehören, als«r annimmt, wodurch er die Ereignisse zeitlich verschiebt. Das Nachmittagsverhör Stribrnys drehte sich um seine angeblichen Beziehungen zu dem Kaufmann Lustrg, dem Kohlengrubenbesitzer S t c y s k a l, dem Bankier Pley, dem Kapitalisten Schiff und Dr. Oberthor im. Jahre 1920. Der Borsitzende fragt« eingehend über die damalige RegierunaSsituation unter der Regie, rung T u s a r im Juli 1920 aus, von der Stki- biny behauptete, daß es eine für di« Regierung kritische Zeit war, was von anderer Seite, insbesondere von Minister EngliS, bestritten wird. Hiezu bemerkte Stribrny, das sei Sach« des politischen Instinktes und der richtigen Einschätzung der Situation. Beide Parteien können recht haben. Der Vorsitzende fragte, ob e8 zu Auseinandersetzungen mit dem Finanzmini, ster kam, der dem Waggonkauf widerstrebte, und warum Stkibrn- die Verantwortung ablehnte, wenn er nicht die Zustimmung zum Kauf erhalte. StkibrnL sagte au-, daß Sektionschef Burger als Fachmann dauernd die Bestellung urgierte und er selbst bei seinem Temperament Dr. EngliS angefahren habe, ohne daß dies aber etwas Ernste- gewesen wäre und ihr freundschaftliches Verhältnis gestört hätte. Vorsitzender: War es nicht im Interesse des Staates, daß Sie sich bei den Vertretungsbehörden im Ausland« informierten, ob das Offert günstig fei? StribrnF: Ich machte eine ganze Reihe von Einwendungen. Mit Zustimmung des Anklägers und der Verteidigung wird das Verhör Sttsihrnys unter- brachen, um einige Zeugen zu vernehmen, die abreisen wollen. her Gcmelndcwählslcg in Belgien. Sozialisten gewinnen rro Mandate.- Mißerfolg der Klerikalen und Kommunisten. Brüssel, 11. Oktober.(Eig. Drahtb.) Ins gesamt haben die Sozialisten 300 Mandate gewonnen«nd 50 verloren. In 74 neuen Gemeinden sind Mehrheiten erobert, denen der Verlust von 15 Mehrheiten gegenübersteht. Der Gewinn geht.aus Kosten der Katho liken und der Christlich-Demokrate». Bemerkenswert ist der M i ß e r s o l g der Kommunisten und der Rückgang der flä mischen Nationalisten, die zwar in der Provinz Limburg stärker als bisher einaedrunge» sind, dagegen in Antwerpen und Ost- und Westflandern, wo sie ihr« Hochburgen hatten, er heblich an Boden verloren haben. In Brüssel verlieren die Katholiken vier Sitz«, die Kommu nisten einen Sitz, während die Sozialisten zwei Sitze gewinnen. Dieses Ergebnis ist t h p i sch für eme ganz« Reihe von Gemeinden in allen Gegenden. In Eupen-M a l m e d y. von wo die Ergebnisse noch nicht vollständig vorliegen, haben di« Sozialisten sehr starke Erfolg« zu verzeichnen. In der Stadt Malmedy, wo sie bereits die Mehrheit hatten, haben sie«och weitere zwei Sitze hinzugewonnen. Sie besitzen hier jetzt Nazlver Sammlung im Sportpalast verholen. Berlin, 11. Oktober. Die von den Nationalsozialisten für morgen abend anaekündiate Kundgebung im Svortpalaft, bei der Dr. Goebbels und der Landtagspräsident Kerrl sprechen sollten, ist„au- sicherheitspolizeili- chen Gründen* verboten worden. Großes Reinemachen in Moskau. Sinowjew und Kamenew und 18 andere wieder aus der Partei ausgeschlossen. Moskau, 11. Oktober.(Taß.) Auf Beschluß des Präsidiums der Zentralkontrollkommisswn der kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 9. Oktober wurden aus der Partei 20 Teilnehmer und Helfershelfer der konterrevolutionären Gruppe des früher aus der Partei ausgeschlossenen Rutin ausgeschlossen, welche ver- uchten, auf illegalem Wege«ine bourgeoise Kulakenorganisation zur Wiederherstellung des Kapitalismus in der Sowjetunion zu schaffen. Unter den Ausgeschlossenen, von denen die meisten, schon früher wegen ihrer oppositionellen,' parteifeindlichen Tätigkeit einmal ausgeschlossen" waren, befinden sich Sinowjew und Kam«-- new, die früheren Organisawren der sowjct- feindlichen Blocks, die 1925 aus der Partei ausgeschlossen und erst nack ihrer Erklärung auf dem 15. Parteitage, oaß sie voll und ganz„ihren Willen und ihre Ansichten dem Willen und den Ansichten der Partei unterordnen," im Jahre 1928 wieder ausgenommen worden waren. Sinowjew und Kamenew wußten angeblich von der Existenz der konterrevolutionären Gruppe, erhielten sogar ihre Dokumentes teilten jedoch der Partei darüber nichts mit, wodurch sie di« Tätigkeit der Gruppe förderten. Berlin, 11. Oktober. Der sozialdemokratische„Vorwärts" beschäftigt sich mit der Tätigkeit des Exkronprinzen Friedrich Wilhelm und behauptet, daß dieser seine Einsetzung zum Rerchsverweser unter Bruch der Ver- fassung und die Wiederherstellung der Monarchie erstrebt. Das Blatt st eilt unter Beweis, daß der Exkronprinz folgende Erklärung abgegeben habe: Paprn, Schleicher, Hindenburg und er, der Erkrouprinz, wüßten, was sie wollten und seien sich einig. In einem geeignet erscheinenden Zeitpunkte würde Hindenburg ihn zum Reichsverweser bestimmen und zurücktretrn. Er werde sich dann auf die Reichswehr, di« qus das Reich iibergeaangene Schutzpoli^i und aus 400.000 bewaffnete Stahlhelmer stützen. Einen neuen 9. November werde eS nicht wieder geben. Die Träger dieses Planes sei«» entschlossen, für ihre Sache zu kämpfen und wenn eS fein müßte, für sie zu sterbe«. Rupprecht von Wittelsbach sei mit ihnen einverstanden und werde an demselben Tage, an dem er, trachtet es sogar als notwendig, daß vor einer Exekution gegen ein Land erst der Staatsgerichtshof angerufen werde. In der morgigen Sitzung werden sich die Vertreter des Reiches nochmals mit dieser Frag« befassen. lediglich um Maßnahmen zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit handelte, ergebe sich u. a. daraus, daß auch überparteiliche und anerkannte Sachverständige gehen mußten, die mit Polizei und öffentlicher Ordnung und Sicherheit gar nichts zu tun hätten. Es sollten Tatsachen geschaffen werden, aus denen es einfach keinen Ausweg mehr gibt. Später wird dann di« Frage untersucht, welche Voraussetzungen gegeben sein müßten, wenn das Reich den Artikel 48, Abs. 1, der Reichsverfasiung anwenden,. d. h. die Reichsexekution gegen ein Land durchführen wolle. D«r bekannt« Verfassungskommentator Pro- * sessor Aufchüh-Heidelberg sagt u. a.: Voraussetzung einer Reichscxckution fei, daß das betreffende Land seine Pflicht gegenüber dem Reich, bzw. den Reichsgesetzen verletzt habe. Die bloße Tatsache der Heterogenität der inneren Politik eines Landes z» der des Reiches könne niemals den Tatbestand der Pflichtverletzung erfüllen. Daß der ReichSpräfident die Feststellung von der Pflichtverletzung fetten» eines Lande» mache, enthebe den Staatsgerichtshof nicht der Pflicht, die Frage zu entscheiden, ob im konkreten Fall das Land Preußen sich einer Verletzung feiner ihm nach der Reichsverfasiung obliegenden Pflicht habe zuschulden kommen laffen. In irgendeiner Form müsse dem Land vorher unter Belassung einer wenn auch kurzen Frist mitgeteilt werden, daß die Reichsregierung gegen da» Land einschreiten wolle, damit da» Land Velegenheit zu einer Erklärung habe, ob die behaupteten Verfehlungen richtig seien. In der Tatsache, daß gegen Preußen ohne vorherige Mitteilung vorgegangen fei, lieft« ein so erheblicher VersahrenSmangel. daß daraus der Gerichtshof zur Zurückweisung der Verordnung kommen müßte. Auch bi« Vertreter der Länder schließen sich dieser AusfasfunH an. Der bayrische Vertreter oe- achtMandate von insgesamt elf. Alle anderen Gemeinden des Grenzgebiets, deren Ergebniffe vorliegen, weise» einen sozialisttschev Stimmenzuwachs auf, der durchweg auf Kosten der Katholiken geht. Wie di« deutschen Parteien des Eupener Gebiets abgeschnitten haben, läßt sich augenblicklich noch nicht klar über« sehen. Die gesamt« bürgerliche Presi« gibt den Sieg der Sozialisten zu» wenn auch einige Blätter sich durch Beschönigung des Ergebnisses zu trösten suchen. Im Ministerrat am Montag wurde die neu geschaffene Lag« besprochen«nd beschlossen, nicht von der Möglichkeit einer Parlamentsauflösung zu sprechen, um nicht den Eindruck einer panikartige« Flucht zu erwecke». Wie lang« dieser Beschluß ausrechterhalten wird, bleibt abzuwarten. Den Katholiken hat das Ergebnis der Gemeindewahlen die Lust zu baldigen Parlamentswahlen gründlich verdorben, aber ihre liberalen Verbündeten dürsten Seite 4 Ät. 241 Mittwoch, 12. Oktober 1832 Die Kas'e der..Unberührbaren“ hat in aller Welt durch den Hungerstreik Gandhis erneut Interesse hervorgerufen. Wie könnte es auch anders sein! Als Einzelperson ist der Mensch, ganz gleich, welche Ansichten er sonst vertritt und welch« Weltanschauung ihm sonst zu eigen ist, fast immer an Seite jener, die nicht von ihm, sondern von andern unterdrückt werden. Kommt noch dazu, daß die Unterdrücker zu den ihm unshmpatischen Rassen oder Klaffen zählen, dann fühlt er sich als einer der Gerechten, wenn er an Seite der Unterdrückten steht. So fühlte man mit Gandhis, so trauerte man mit den Parias um ihr Schicksal. Die Presse aber, di« dieser Gesamtstimmung unter den Menschen Ausdruck gab und die Lage der Unberührbaren in allen Tonarten schilderte, müßt«, um sich die Legitimation für die Verteidigung der Parias zu erwerben, erst einmal Zeugnis ablegen, wie sie und die Schichten die sie vertritt, zu den„Unberührbaren" in Europa, zu den Unberührbaren des Landes stehen, in dem sie Meinung macht. Es gibt doch nicht nur in Indien„Unberührbare", sondern in allen Staaten und bei allen Völkern der Erde und auch ■— oder besser gesagt— vor allem in Europa. Aber man sieht immer nur den Splitter im Auge des andern, den Balken im eigenen Auge sieht man nie, so ist es auch bei der Beurteilung der Verachteten Indiens. Man vergißt, daß zuerst di« Gleichheit dyc Menschen bei uns hergestellt werden müßte, bevor man sich anmaßen kann, über die PariaS Asiens zu reden und zu schreiben. Wer wüßte nicht, daß der Straßenkehrer, der Kanalräumer, der Taglöhner, die Wäscherin, der Dienstbote und Hunderte andere Berufsarten, di« hierzulande ausgeübt werden, so wichtig sie auch für das Leben der Menschen sind, der Verachtung anderer wirtschaftlich und gesellschaftlich bester gestellter Schichten anheimfallen. Wer wüßte nicht, daß in ,Lerrschafts"-Häus«rn die Dienstboten nicht die aleiche Treppe benützen dürfen, wie die ihr Leben im Nichtstun verbringende Herrschaft und wem ist es unbekannt, daß Lokal« in denen Arbeiter verkehren, von den besitzenden Schichten wie die Pest gemieden werden. In der Kirche sogar haben die Reichen ihre eigenen Bänke, auf den Bahnhöfen ihre eigenen Wartesäle und Restaurationen und in viele Stätten des Vergnügens und der Kunst läßt der Torhüter weniger gut Gekleidete nicht ein. In der Schule sitzen heute noch die Kinder der Begüterten vielfach in den vordersten, di« Kinder der Armen in den hintersten Bankreihen und die Kindermädchen und Dienstboten bekommen von ihren„Gnädigen" jeweils den strengen Auftrag, darauf zu achten, daß die ihnen anvertrauten Kinder nicht in Berührung mit Kindern der Armen kommen. Achtet man nicht auch Prostituiert«, stößt man sie nicht auS der Gemeinschaft der Menschen, obwohl viele von diesen sittlich kaum höher stehen als die von ihnen Verachtet««. Darum steht«S der bürgerlichen Presse gar nicht gut an, wenn sie in rührseliger Weise von den Parias des indischen Volkes spricht, solange wenigstens nicht, als sie nicht in gleicher Form und mit gleicher Entrüstung die Klaffenscheidung in ihrem Jntereffenkreife behandelt. Der ifrlegshcld Hitler. Etwa vor Jahresfrist erschien ei« Büchlein: „Adolf Hitler im Felde", das zur Verherrlichung des Kriegsgefreiten und der Regimentsordonnanz Hitler erschienen war. Verfasser dieser reichlich ungeschickten Lobhudelei auf Hitler war der sogenannte Schimmelreiter des List-Regiments. Aus dieser Schrift erfuhr man immerhin Tatsachen, wie die, daß dre Regimentsordonnanz Hitser eines Tages das Eiserne Kreuz II bekam, ohne daß jemand wußte, wofür. Aber geschrieben war das Büchlein, um den Reichspräsidentfchaftskandidaten Hitler als Held i m K r i e g e herauszustellen. Jetzt hat der„Schimmelreiter" an Adolf Hitler einen Absagebrief geschrieben, in dem es heißt: „Auf Grund meiner gestrigen Erfahrungen mit Adolf Hitler im Cafe Heck habe ich mich entschlossen, jrd< Kameradschaft sowie Gefolgschaft seiner Partei aufzuheben, nachdem ich mich nicht mehr veranlaßt sehr, ihn weiter zu prote^.««». So viel er vom Frontgrift in seinem Evangelium predigt, so weuig bemüht er sich, au seiner eigenen Person ein Exempel zu statuier*«. Schließ, lich mutz er sich merken, datz er in militärischen Sache» sich niemals, nachdem ich acht Jahve di« Waffe trug, an mein« Seit« stellen darf. Hätte ich in meinem Buche all dasjenige an. geführt, was ich bewußt verschwiegen hob«,' dann wär« Hitler nicht so als Held hera»rs- kriftallistert worden. Ich rat« ihm nur, sich nicht so weit in höhere Sphären;u begeben. Es wäre viel nützlicher für ihn uud sein« Partei, wenn er zurückdächte, was «r einst war..'.." Dieser Brief ist, wie„D e r g e r a d e W e g", der ihn veröffentlicht, mitteilt, die Folge der Empörung eines Feldzugskameraden Hitlers, der achtzehn Monate lang mit ihm als sein Vorgesetzter im Feld war und sich darüber entrüstet«, daß Hitler seine alten Feldzugskameraden und überhaupt die Freunde jener Zelt, in der er noch unbekannt war, nicht mehr kennt. Der„Schimmelreiter" hat Hitler diese seine Entrüstung am Vorabend der Absendung des Briefes vor dem Münchener Cafs Heck persönlich ins Gesicht gesagt. Tagesneuigkeiten SoidatenjeWmord-Berlutz aus Furcht vor Strafe. Das Nationalverteidigungsministerrum hat unS jüngst über einen von uns gemeldeten Kill von Soldatenmißhandlung befriedigende Auskunft gegeben. Leider geschah das ausnahmsweise; sonst hüllt sich-das Ministerium allen Anklagen gegenüber gewöhnlich in Schweigen. Wir glauben aber, daß folgende Meldung der Troppauer„Bolkspreffe" doch einer Behandlung drillend bedarf: Der Soldat Josef Malek sprang bei der Station Startsch-Trebitsch von dem strhraade« Zug Jglau—Znaim durch ein Fenster ins Freie, wo er schwer verletzt liege« blieb. Malek fürchtete sich vor Bestrafung, well er sich die Namen seiner Vorgesetzten nicht merken konnte! Deshalb flüchtete er von seinem Truppenkörper, dem Artillerieregiment Nr. 186 r« Znaim-Klosterbruck, in seine Hennatgemeinde in Trebitsch, wo er natürlich bald ausgeforschi und ku Begleitung eines Soldaten zum Regiment zurückgebracht werden sollte. Ei« Anfall overmaliger Angst trieb ihn zum Sprung aus dem Fenster. Dre Oeffentlichkeit wartet darauf, was das Ministerium zu diesem schrecklichen Vorfall zu sagen hat! . 57 tote Bergarbeiter! Johannesburg(Transvaal), 11. Oktober. Bei einem Grubenbrand wurde« zwölf weiße und 45 eingeborene Bergarbeiter infolge Gasentwicklung getötet. Die Rettungsmannschaft hätte fast das gleich« Schicksal erlitten, sie konnte jedoch noch rechtzeitig gerettet werden. Einbruch in einer Brauer Kirche. Prag, 11. Oktober. In der Nacht auf heute hat ein unbekannter Täter in die Erzdekanatskirche des HE Wenzel in Smichow einen Einbruch verübt. Der Einbrecher öffnete mit Gewalt beim Hauptaltar die Tabernakeltür und riß von ihr ein.Kreuz und den Leib Christi und folgende Edelsteine ab: sechs Türkise, vier Smaragde, einen Diamant, drei Rubine(einen großen und zwei kleine), vier Kristall« und zwei Chrysoprase. Aus dem Tabernakel selbst entwendete der Einbrecher den Deckel vom Ciborium, der die Form einer Krone mit ein«« Kreuz hat. Die Kron« ist aus stark vergoldetem Silber und zwischen den einzelnen Kerben stark emailliert Ferner stahl der Täter das Weiße Seidendeckchen vom Ciborium und einen gelben Vorhang aus Hirschleder, auf dem die Buchstaben IHS und goldene Aehren gestickt sind. Vor dem Ankauf der geswhlenen Gegenstände wird gewarnt. denosse Franz Diwolf der Montag verstorbene Komotauer Vertrauensmann. * Der Leichnam unseres unvergeßlichen Freundes wird am Donnerstag, den 13. Oktober, um 4 Uhr nachmittags von der Leichenhalle aus auf dem Komotauer Friedhöfe beigesetzt werden. Der Zuiderseedamm 1« Gefahr. Der 20 Kilometer lange A b s ch l u ß d eich von MedemWck nach dem Orte Den Oeper auf der Insel Weringen, der die Zuidersee endgültig von der Nordsee trennt, ist in ernster Gefahr: bei den Schleusenwerken— die auf unserer Aufnahme deutlich zu sehen sind — wurde durch dre starke Strömung bei der Ableitung des überschüssigen Wassers des Dffelmeeves zur Nords« der Meeresboden ausgewaschen, so daß mehr als 10 Meter tiefe UnterspAungen entstanden sind, di« eine große Gefahr für den Damm bilden. Mmr hat sofort die Ausbesserung in Angriff genommen und will später Schutzdämme vor den Schleusenwerken errichten. Opfer der Arbeit. Grauenhafter Tod eines 19jährigen Arbeiters. Ein schreckliches Unglück hat sich am Sonntag- abend inP«tschau zugetragen. Der im dortigen Elektrizitätswerk beschäftigte 19jährige Arbeiter Pobert Stein aus Gängerhof war abends ins Werk gegangen, um die Kessel einzuheizen. Er vertauschte seinen Sonntagsanzug mit einem neuen Arbeitsanzug, der ihm zum Verhängnis werden sollte. Was sich in dem Betriebsraum abspielte, wird wohl nie ganz aufgeklärt werden können, da Zeugen dessen, was sich dort ereignete, nicht zur Stelle waren. Wahr-, scheinlich wollte Stein an der Transmission etwas in Ordnung bringen, dabei wurde er von den Riemen erfaßt, dre ihn nun ins Räderwerk zerrten, in dem er entsetzlich zugerichtet wurde, 4» daß er, fast nackt, als einleblos erKlum- pen Fersch zu Boden fiel. Dem armen Jungen wurde die Schädeldecke zertrümmert. Arme und Beine wurden mehrfach gebrochen. Vielleicht wär« Stein vor dem furchtbaren End« bewahrt geblieben, wenn er einen alten Arbeitsanzug getragen hätte, der nachgegeben hätte und dabei in Fetzen gegangen wäre. Eine Gerichtskommission, die an der Unglücksstelle erschien, ist bemüht, die Ursachen der Unglücks zu ergründen. ES wird sich ja ergeben, ob die erforderlichen Schutzvorrichtungen fehlten. Ein Eisensteiner Genosse beim Beerenkoche« verunglückt. Im Betriebe der Firma S. Adler in Eisenstein kam es zu«in«r Keffelexplosion, bei welcher zwei Arbeiter, darunter der Genosse Bruckdorfsr, schwer verletzt wurden. Die Arbeiter waren gerade damit beschäftigt, Preiselbeeren in den zum Kochen des Kompott- bestimmten Kessel einzuführen, als die Explosion erfolgt«. Die Wirkung war so stark, daß die Trümmer des 130 Kilogramm schweren Kessels das Dach des Arbeitsraumes durchschlugen, drer Bäume beschädigten und gegen 60 Meter hoch flogen. Die Seitenwände des Raumes wurden stark beschädigt und alle Fenster zertrümmert. Der Druck der Explosion war in einem Umkreis von 150 Metern zu verspüren. Di« zwei verletzten Arbeiter wurden in das Klattauer Krankenhaus eingeliefert, wo Genoss« B r u ck d o r f e r, der einen zweifachen Bein- b r u ch und am Körper schwere Brandwunde n erlitt, seinen Verletzungen bereits erlegen ist. Sin Opfer des Pardub'tzer Flugtages seine« Verletzungen erlege«. Pardubitz, 11. Oktober. Müe. F e r r o n, die an dem Sonntag in Pardubitz stattgefundenen Flugtag teilnahm und bei der Havarie des Flugzeuges Divis's schwere Brandivunden erlitt; ist im Krankenhaus rn Chrudim ihren Verletzungen erlegen. Ter Tob trat infolge von Herzschwäche ein. Mlle. Ferron war Französischlehrerin und lebte schon elf Jahre in Pardubitz. Ziehung der Maffenlotterle 80.000 K: 25.089. 20.000 K: 23.557, 28.851, 28.602. 10.000 K: 30.434, 65.242, 75.412, 90.959, 100 589 5000 K: 7746, 9945, 17.832, 19.509, 23.488, 27.756, 82.771, 33.796, 38.472? 39.722, 40.930, 49.384, 56.120, 57.535, 59.128, 59.822, 65.055, 65.863, 66.741, 73.063, 76.903, 84.811, 88.096, 88.356, 88.609, 89.164, 93.205. 2000 K: 1885, 2694, 3177, 3743, 4794, 5148, 8583, 10.800, 12.990, 15.552, 16.597, 17.298, 20.520, 21.299, 22.911, 24.692, 25.077, 28.272, 28.422, 30.208, 32.817, 36.436, 37,099, 37.273, 38.093, 41.409, 42.153, 43220, 48.294, 49.525, 51.410, 54.747, 56.172, 57.064, 57.808, 60.242, 61.404, 63.479, 70.616, 71.430, 74.798, 74.931, 75.451, 75.478, 75.502, 83.882, 83.927, 85.588, 85.989, 87.018, 88.656, 89.125, 90.617, 90.721, 93.299, 94.819, 97.963, 101.017. Mit„alten Fahnen" gegen den Fortschritt! Der„neue" Kurs in Deutschland, welcher eigentlich nichts anderes ist, als der älteste Kurs der Vorkriegszeiten und der Tage, di« noch weiter zurückliegen, hat eine geistige Oedigkeit zur Folge gehabt,-die ihren beredten Ausdruck nicht nur in den diversen Bestrebungen zur Hebung der Sittlichkeit durch Anbringung von Zwickeln an Badehosen und möglicherweise sogar an Aktgemälden findet, sondern deren verlogener Nwderschlag nunmehr auch in der überwiegenden Zahl der deutschen illustrierten Blätter sich eindrucks voll kundgibt. Ihre bebilderte Sprache schil- dert in berauschenden Farben und mit dem Pathos der alten, überlebten, lächerlich anmutenden Ritterstücke die ruhmreiche Traditio^ der Soldatenspielerei. Aus Anlaß des fünfundachtzigsten Geburtstages von Hindenburg unterschreibt die„L e i p z i g e r I l l. Z t g." ein Bild, das den Reichspräsidenten beim Abschreiten einer Fyhnenkompagnie zeigt, mit den Worten: ,,... der alten Fahnen jener Regimenter, deren Chef er war.", Derjenige, der weiß, was es mit der Symbolik der„alten Fahnen" im gegenwärtigen republikanischen Deutschland auf sich hat, wird den Sinn dieser Flaggenparade erfassen und den Geist erkennen, der gegenwärtig in Deutschland herrscht. Es ist der Ungeist der Phrase und der Romantik, einer Romantik, die, in die Wirklichkeit umgesetzt, zum größten Uebel und Verbrechen an der Menschheit wird. Es wäre freilich verfehlt, zu glauben, daß n u r in Deutschland die Traditionslüge der Armee und ihrer„alten Fahnen" blüht, wächst"nnd'gedeiht: aber die Intensität, mit der in dem Deutschland der Gegenwart, von den Hitlerbaronen dieser Lüge gehuldigt wird, fordert zur schärfsten Abwehr heraus. Für die außerhalb Deutschlands lebenden Proletarier ergibt sich die Pflicht, die deutschen Genossen im Kampf gegen die militärische Traditionslüge in der Form zu unterstützen, daß sie ihr in den eigenen Ländern schärfsten Kampf anfagen und ihn durchfiihren! Im Interesse des Friedens und der Sache des Proletariats! Hat sich das Gesetz über di« Jugendstras- gerich.Sbarkeit bewährt? Auf Initiative des .Justizministeriums wird am 14. Oktober, um 9 Uhr vormittags im Sckrwurgerichrssaale des Prager Kreisstrafgcrichtes in der Spälenä ul. ein« Konferenz der Funktionäre, die bei dem Jugendgerichte in Prag beschäftigt sind, und der Funktionäre aus dem Gebiete der Fürsorge für moralisch gefährdete Jugend stattfinden. Auf der Konferenz wird darüber verhandelt werden, ob sich der moralische Zustand der Fugend gegenüber dem Vorjahre geändert hat, wie sich daS Gesetz über die Strafgerichtsbarkeit der Jugendlichen beivährt, welche Mängel bei seiner Durchführung zutage treten und welche Mittel zur Beseitigung dieser Mängel anzuemvfrhlen sind, und schließlich über die Durchführung der Schutzaufsicht. Die schriftlichen Vorschläge sind spätestens vor Beginn der Konferenz einznbrin- gen. Tägliche Meldung. In der Nahe der Stadr Bromberg ist beim Landen ein Flugzeug abgestürzt. Der Pilot und ein Passagier wurden getötet. Schmugglertod. Acht Schmuggler wurden beim Ueberschreitcn der d e u t s ch-p o l n i s ch e n Grenze von der Grenzwache angehalten. Ta sie der Aufforderung, stehen zu bleiben, nichr Folg« leisteten, flüchteten und sich der Grenzwache mit Gewalt entgegensetzten, war di« Wache gezwungen,'auf sie zu schießen. Ein Schmuggler Wurde.getötet. Vom Rundhink Empfehlenswertes aus ven Programmen. Donnerstag. Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte« 15.U Violinkonzert 17.20 Kinder musizieren. 182' Deutsche Sendung: Landwirtschaft. 19.1' Blasmusik. Brunn: 16.10 Orchestevkonzen 1825 Deutsch« Sendung: Swoboda: Aus den' Reich« der deutsch-mährischen Sage. 19.30„Kostana" Oper von Konjovic.— Berlin: 16.50 Kammermul'' 21.10 Orchesterkonzert.— Langenberg: 20.05 Meist: ihres Fachs.— Königsberg: 19.00 Mozart. 20 „Carmen"/ Oper von Bizet.— Wien: 1925 Ein und jetzt. 20.05 Boachoven-Abend. 22.15 TaiMrüsii, Nr. 24t Mittwoch, 12. Oktober 1SS2 Leite 5. Von 10 dlsnsoltsn Koben 7 2abnstsin ...aber dsärotü ist jeder! Nur wenige wissen: oft ist der Zahn* stein die Ursache des Lockerwerdens und schließlichen Verlustes der Zähne! Schutz gegen diese Gefahr bildet re- gelmäßiges Zähneputzen mitKalodont. In diesem Land enthält nur Kalodont als einzige Zahncreme Sulforizin-oleat nach Dr. Bräunlich, und darauf beruht seine einzigartige Wirkung: es entfernt den Zahnstein allmählich und erhält so die Zähne fest und gesund! Km amerikanischer Baukvrasivent von Verbrechern entführt. London, 11. Oktober. Nach einer Meldung aus Chicago ist der Präsident der Security-Bank und der Second Security- Bank, Norm a n Collins, von Verbrechern entführt worden, di« unter Todesdrohungen ein Lösegeld von 5000 Dollar verlangen. Ursprünglich»war auch die Frau des Bankiers geraubt Worden; sie wurde aber wieder freige- lassen, mit der Aufforderung, das Lösegeld zu beschaff««. Ei« Kind— Liebhaber der Tank«. In Linz ist ein Fall von sexueller Abnormität aufgetreten, der unglaublich erscheint, aber doch wahr ist. Vor einigen Tagen lief bei der Polizei- j direktion ein« Anzeige«in, wonach sich eine! vierzigjährig« Frau seit langem, häufige mehrmals täglich, an einem Kind, ihrem vier Jahr« allen Reifen, vergehe. Die Polizeil ging der Sach« nach und ihre Erhebungen er- j gaben die Richtigkeit der in der Anzeige enthaltenen Behauptungen. Es stellte sich heraus, daß die Sexualorgan« des Kindes auf der Entwicklungsstufe einer etwa sechzehnjährigen Burschen stehen, wogegen die übrige Körperbildung normal ist und die geistig« Entwicklung kaum die eines vierjährigen Kindes erreicht hat. Das Kind wurde ins Kinderspital gebracht, wo«8 zunächst einer gründlichen Untersuchung und Beobachtung unterzogen wird. Di« Tante wurde verhaftet und ins Landesgericht eingeliefert. Sie soll im wesentlichen geständig sein. Mord aus Rach«. Der am 1. Oktober d. I. bei Kobelnik(Kreis Neumarkt) in Schlesien verübte Mord an dem Briefträger Barm ist aufgeklärt worden. Der unter dringendem Tatverdacht f«stg«nommene Paul Franz hat jetzt ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er hat Barm aus etwa fünfzig Meter Entfernung aus einem Hinterhalt im Walde mit einem Militärgewehr erschossen. Er will auS Rache gehandelt haben. Sein Bruder Heinrich ist wegen Verdachts der Begünstigung festgenommen worden. Tödlich verunglückt. In Graslitz geriet der 6vjäihrige Josef Sattler beim Holzfahren unter die Räder des schwerbeladenen Wagens und erlitt einen Rückgratbruch, dem er sofort erlag. Sattler hatte versucht, die Bremse des Wagens anzuziehen, war dabei gestrauchelt und gefallen und so unter die Räder gekommen.— Wie uns aus W e i p e r t berichtet wird, kam im benachbarten sächsischen Satzung der Fleischer Otto Günther mit seinem Motorrad ttt einer scharfen Straßenkurve ins Schleudern und stürzte so unglücklich, daß er schwere Verletzungen erlitt, denen er nach.kürzer Zeit erlag. Mißglückte« Eisrnbahnattentat. Die Generaldirektion der Buydrsbahnen in Wien: teilt mit:. Montag abends meldete ein Streckenbegeher der Streckenleitung Linz, daß im Kilometer 208 eine halb« Schiene lang des linken Schienenstranges Schrauben und Nägel fehlen. Der Zugs, verkehr wurde bis zur Wiederinstandsetzung des Geleises eingeleisig abgewickelt. Die zuständigen Erhebungen wurden von den Bahnorganen im Einvernehmen mit der Gendarmerie vorgenom- mcn. Eine Betriebsgefahr bestand nicht. Die vesi^brstie. In der polnischen Ortschaft Dalczyce bei Kielce kam es Montag zu blutigen Dauernunruhen. Der F ö r st e r der staatlichen Wälder ertappte nämlich einige Bauern beim Holzdiebstahl und nahm sie fest. Zur Befreiung derBerhasteten erschienen vor dem Försterhause einige hundert Bauern aus den umliegenden Dörfern, und wollten an dem Förster Lynchjustiz üben. Der Förster namens Wos gab in Selbstwehr einige Schüsse ab und tötete einenBauern, wodurch die Menge in noch größere Erregung geriet. Die herbeige, eilte Polizei konnte der Bauern nicht mehr Herr werden und gab eine Salve ab. Drei Bauern wurden getötet, zwei andere wurden in schwer verletztem Zustande ins Spital übergeführt. Gronau geborgen. In einem in Berlin eingetroffenen Funkspruch teilt Wolfgang v. Gronau mit, daß das Flugboot im Schlepp der„Cara- gola" Dienstag früh in Rangoon eingetroffen ist. Die Besatzung sei w o h l a u f, die Maschine in bester Verfassung. Er Holle, recht bald weiter fliegen zu können. Aus diesem Funkspruch geht hervor, daß alle Nachrichten, die von einem Leckbringen des Flugbootes wissen wollten, jeder Begründung entbehren. Der Dornierwal hat vielmehr die Zwischenlandung auf offener See trotz des starken Wellenganges gut überstanden. Dementierte Revolution. Die Zeitungsmeldungen, daß in Tibet eine Revolution ausgebrochen sei und daß der Dalaj-Lama flüchten mußte, werden amtlich dementiert. Bon einem Gendarme« erschossen. Aus Kaad e n wird uns berichtet: Bor einigen Tagen wurde bei Klein-Fürwitz die Leiche eines Mannes aüfgefunden, der offenbar einer Zigeunerbande angehört hatte. Der Tote wies einen Rüchen schuß auf; das Projektil war durch den Bauch wicher hcrausgckommen. Die Gendarmerie nahm vorerst an, daß es sich um einen Mord handle und leitete die Erhebungen ein. Inzwischen hat die Angelegenheit eine überraschende Aufflärung insofern gefunden, als seststeht, daß der Tote mit dem Zigeuner Robert Winter identisch ist, der zusammen mit einiaen Komplitzen vor einigen Tagen in Radonitz bei Kaaden in eine Verkaufsbude eingebrochen, hiebei überrascht und geflüchtet und auf der Flucht von einem Gendarmen durch einen Re- volvcrschuß schwerverletzt worden war. Der Verwundete vermochte sich noch-eine bedeutende Wegstrecke zu schleppen, brach aber schließlich im Walde bei Fürwitz zusammen und'verschied in den Armen einer Zigeunerin, der er noch zuflüstern konnte- daß er nach Aepfeln gegangen sei... Der bei dem Einbruch in die Verkaufsbude angerichtete Schade beträgt etwa 35 K. Die Komplizen des Erschossenen sind unbekannt. Revolverschüsse gegen die geschieden« Frau. Dienstag mittags ereignete sich in der Nähe des Stadtbades in Kladno ein« blutige Tragödie. Der 54jährige Bergarbeiter Anton Mlhna- kik aus KlÄno gab gegen sein« von ihm geschiedene Ehefrau Antonia zwei Revolverschüsse ab. Nach der Tat wurde er von Arbeitern, die in der Nähe waren, verfolgt. Ex gelangte bis nach Kroeeylav, wo er ans dem Teichdamm di« Waffe gegen sich selbst richtete. Der Zustand der beiden Verwundeten, die sich im Krankenhaus in Kladno beflnden, ist ernst. Aus der Exekntiv« der S. A. I. Da die bisherigen Vertreter der schwedischen Sozialdemokratie in der Exekutive der S. A. I., H a n f s o n und Moeller, in die neue sozialdemokratische Regierung in Schweden eingetreten sind, scheiden sie statutengemäß aus der Exekutive der S. A. I. aus. An ihrer Stelle wurden Rickard Lind- st r ö m und Zeth H ö g l u n d delegiert. Rätsel der Wüste. Der englische Forscher Bertram Thomas hat vor kurzem eine Forschungsreise durch die s ü d a r a b i s ch e W ü st e beendet und im ganzen eine Strecke von 1400. Kilometern auf Kamelrücken zurückgelegt. Er fand dabei alte Karawanenspuren,' die nach U b a r führten, einer ehemals menschlichen Ansiedlung, die heute vollständig von Sandhütten bedeckt ist. Thomas vermutet, daß sich unter dieser Sandschicht noch Spuren und Erinnerungen der phönizischen Kaufleute befinden, von denen schon' H e r o d o t, der„Baler der Geschichte"(geboren um 500 v. Chr.), berichtet. Bei der Wüstenreise wurde auch ein bisher unbekannter Salzsee entdeckt, dessen Wasser so salzhaltig ist, daß selbst die Kamele sich weigerten, es zu genießen. Die Aussindung des Sees stützt zugleich die Feststellung dieser Expedition, daß weite Gebiete der südarabischen und der lybischeN Wüste unter dem Meeresspiegel liegen. Wahrscheinlich war also früher einmal dieses Gebiet in bedeutender Ausdehnung ein Binnenmeer. Petroleum in Flamme«. In La Pallice, dem Vorhafen von La Rochelle, sind sämtliche zehn Petroleum- und Benzinreservoirs der dortigen Niederlage der Standard Oel-Geseüschast durch ein Riesenfeuer vernichtet worden. Der Brand ist am Sonntag nachmittag ausgebrochen und konnte bis zum Montag abend noch nicht gelöscht werden. Fast zweieinhalb Millionen Liter Petroleum und Benzin sind verbrannt. Auch ein großer Teil der Fabrikeinrichtungen fiel den Flammen zum Opfer. Personeu sind nicht zu Schaden gekommen. Reue sowjetrussisch« Marken. Aus Moskau wird berichtet: Gegenwärtig wirb di« Ausgabe einer Markenfrei« vorbereitet, die die Völkerschaften der Lepra in Europa. Ansteckung durch Teppich« und Tier«.— Keine unheilbare Krankheit mehr. Bor kurzem wurde in der polnischen Stadt Wilna ein Fall von Lepra festgestellt. Ein dort wohnender Lederhändler hat sich di« Ansteckung durch Fell« zugezogen, di«.er aus Sibirien erhalten hat. Da die Wilnaer Aerzte keinen Rat wußten, wurde der Kränke in einem plombierten Wagen nach Warschau geschafft. Solche Nachrichten tauchen fast sedes Jahr ein- bis zweimal in den Zeitungen auf, werden mit einigem Gruseln gelesen und mit der Beruhigung abgetan: soivas kann bei uns nicht vorkommen! Verzeihung! So etwas kann überall vorkom- men. Fast alte europäischen Lauder haben ein« sehr strenge Seuchcngesetzgebung, kaum«in Land hat in dieser Beziehung etwas vor dem anderen voraus. Wenn sich trotzdem Fälle wie obengenannte aus der letzten Zeit ereignen, dann trägt ein unseliger Zufall die Schuld. I» Paris erkrankten im vorigen Jahr« die beiden Kinder eines Bankiers an Lepra Ter Fall erregte viel Aussehen und wurde in allen französischen Zeitungen diskutiert. Interessant, ja gerade Sowjetunion darstellt. Di« Serie wird aus 22 Marken von verschiedener Farbe mit einem Werte von 1 bis 88 Kopeken bestehen. Auf den Marken werden dargesteld sein: Tungusen, Burjaten, Ab- chasen, Georgier, Samojeden, Baschkiren, Tschuwaschen, Kosaken, Tartaren usw. Der Schwager. Dem Gütler Schormaier in Holzhausen bei Dachau stirbt das Weib. Im Stall hat er Via! gezüchtet, Kinder aber sind keine da. Schormaier trägt dem Ortspfarrer seinen schweren Verlust vor und bittet ihn um das Begräbnis. „Soll die Verstorbene erster, zweiter oder dritter Klasse beerdigt werden?" fragt der Pfarrer. „Na, na, not so noblicht, dritter Klass' tuat ses a, Herr Pfarrer", sagt der Schormaier,„'s Geld jz als zvui rar." Der gute Pfarrherr fragt den betrübten Schormaier, ob er denn keine Verwandten hab«, di« zu den Kosten einer besseren und würdigeren Klasse eventuell beisteuern könnten. „Naa, Hochwürden, i hab bloß no a Schwester, und dös Rindviech ist ins Kloster ganga.' „Schormaier!" sagt der Pfarrer,„Rindvieh nennen Sie Ihr« Schwester? Sie hat sich doch durch den Eintritt ins Kloster mit unserem Herrgott vermählt!" „So, so", sagt der Schormaier,„na war ja demnach inser Herrgott mein Schwager? Nachher grabens meiBteib nur erster Klasse ein, mei Schwager, der zahlt'» schon!"^...< Ha. Ha. im„Simplizissimus". DlelcdmM im Wahlkampf Agitationsmcthodcn in der Antik«.— Sprech- Chöre im alten Athen.— Wahlhelfer von heute: Flugzeug, Lautsprecher, FUm. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum,-aß all dt« modernen Wahlmethoden, wie wir sie jetzt wieder erleben werden,«ine Errungenschaft unseres technischen Zeitalters seien. In der„guten, alten Zeit", so hört man oft, gab es kein« so agressiven Methoden wie honte. Das stimmt natürlich nicht. Jede Zeit hat die ihr eigenen Werbemethoden im Einklang mit dem jeweiligen technischen Fortschritt. Mer'jede Zeit war bemüht, im Wahlkampf nichts zu versäumen, was zum Erfolg und zum Sieg führen konnte. Es ist«in Märchen, wenn man immer wieder von den sogenannten„ritterlichen" Wahlkämpfen von anno dazumal hört. Damals wurde genau so viel und nicht immer ritterlich agitiert wie heut«. Dafür bietet schon das alte Rom ein sinnfälliges Beispiel. Wie man weiß, hat man bei der Ausgrabung des alteki Pompeji Wahlinschriften aller Art entdeckt, die überraschend modern wirken. freilich wurden damals kein« Parteien sondern Männer propagiert. Aber wie wurden diese Männer, von deren Erdenwandel sonst keine Spur vorhanden ist, in den Himmel gehoben und zu sensationell war di« Aufklärung, nachdem man sich wochenlang den Kopf darüber zerbrochen hatte, woher di« furchtbare Krankheit eingeschlcppt worden war. Der'Bankier hatte einen marokkanischen Teppich erworben und diesen ins Spielzimmer seiner Kinder gelegt. Dieser Teppich aber war, wie festgestellt wurde, lepraverseucht und es war trotz allem Unglück ein glücklicher Zufall zu nennen, daß nicht noch mehr Leut« angesteckt worden waren. Da die Ansteckung bei den Kindern verhältnismäßig zeitig erkannt worden war, hofft man an eine vollständige Heilung. Ein Londoner Wärter des dortigen Zoologischen Gartens erkrankte eines Tages ebenfalls an lcpra- verdächtigen Umstäiwrn. Eine genaue Untersuchung ergab, daß ihn ein kürzlich aus den malayischen Insel» gekommener kleiner Aff« angesteckt hatte. Der Affe selbst dagegen schien ganz imniun zu sein Selche Fäll« der Ansteckung durch Tiere scheinen öfters vorzukommen, denn aus der Zeit vor dem Kriege liegt ein Fall vor, in dem ein Papagei der Träger der Ansteckung gewesen ist. Ein anderer Fall, der bekannt geworden ist, hat einen fast nach tragischeren Anstrich. Ein Vollmatrose der englischen Kriegsmarine schickte seiner Braut aus Südamerika eine herrliche indianische I Deck« Di« Braut, di« sich über dies« Aufmrrksam- emporgelobt!„Wählt den oder den Kandidaten, denn nur er ist ein wahrer Freund des Volkes und der Armen!" Keine Wahlinschrift aber, in -er nicht zugleich-er jeweilig« engere Gegner schlecht o-er erbärmlich gemacht wurde! Da wird von einem Kandidaten gesagt, daß er sich von-er o-er jener Seite habe bestechen lassen, daß er-en Staat betrogen habe,-aß er eine Provinz ausgeplündert und feine Sklaven mißhandelt habe. Auch der Sprechchor für Wahlzwecke ist durchaus keine Errungenschaft unserer Zeit. Aus dem alten Athen ist uns die Kunde überliefert daß Gruppen von Männern und Jünglingen di< Stadt durchzogen und einstimmig einen kurzen prägnanten Lobspruch auf einen bestimmten Kandidaten ausbrachten. Alkibiades zum Bei spiel hatte solchen Sprechchören sehr viel z danken. Drei technische Errungeirschaften sind es vo allem, die-em Wahlkampf unserer Zeit das Gesicht geben: Das Flugzeug, der Lautsprecher nnd -er Film. Der Lautsprecher ist dasjenige Jnstrunrent, daS große Massenversammlungen überhaupt erst ermöglicht. Die Stimme des Redners wird nicht nur-en hintersten Tribünenbesuchern verständlich, sie kann auch in Nebensäle übertragen und durch den Rundfunk Millionen von Zujchauern verstäMich gemacht werden. Der Film schließlich, vor allem in seiner fortgeschrittensten Form, dem Tonfilm, wir- ebenfalls mehr und mehr, im Wahlkampf eingesetzt. Diese Filme werden dann entweder in Versammlungen oder in eigens dafür gemieteten Theatern vorgeführt oder eine Berleihgesellschaft übernimmt gegen«in entsprechendes Entgelt den Vertrieb und di« Verbreitung. Dies« Filme sind zum Teil sehr geschickt, wirksam und technisch ausgezeichnet gemocht, ES ist keine Frag«,-aß sie in künftigen Wahlkämpfen noch mehr als heute zu Propagandazwecken herangezogen werden. Die Wahlkämpfe der Zukunft werden zum großen Teil von Ingenieuren und Technikern geleitet werden. Vielleicht eröffnen sich hier auch neu«, heute noch ungeahnte Berufsaussichten. E. W. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Prager Produktenbörse.(Offizieller B e richt vom 11. Oktober.) Die Produktenbörse, speziell der Get.reidemavkt, wurden heute durch einen sehr zurückhaltenden Geschäftsverkehr charakterisiert. Di« Grundlage für das heutige Geschäft im Mahl getreide bildeten die Preis« der letzten Woche. Dr'" Umsatz in Roggen war ziemlich klein, da die Mühlen üb«r genügend Vorräte versügen und daher nur wenig rinkaufen. Die amtlichen Notierungen wur den in Weizen, ohne jeglich« Veränderung gelassen wäh.renh,-, her... Roggen.die..ontejct PpejsarAizc. ji m zwei Punkte herabgostpl.und-te obere Grkirzc um einen Punkt hinaufgesetzr wurde Die stetige Hal« tung der Mahlgetreidegauungen übertrug sich auch auf den Mehlmarkt, wo die Preist ohne Aenderung blieben. Dir Befestigung am Vermarkte kam in der Preiserhöhung um 1 K zum Ausdrucke— ES notierten in lik: Rokoeize» böhm. 81 bis 88 Kg. 161—167, 78—80 Kg. 154—160, Weizen gelber böhm. 67—77 Kg. 144—147, 72—75 Kg. 186 bis 141, Roggen böhm. 69^-7I Kg. 103—110, Aus- Wahlgerste 89—91, Gerste Prima 85—88’, mittler« 82—84, Hafer böhm. 79—81, Erbsen Viktoria 160 bis 190, gelbe 1411—150, grün.großkörnig 185—210, kleinkörnig 160—180, Linsen großkörnig mähr. 845 bis 395, mittlere 280--300, kleinkörnig 240—265, Mohn blau 440—460, silbergrau 425—450, Daubaer 450—475, Kümmel böhm. 380—400, Holland 440 bis 450, Naturrolklec 600^-700, Weißktee 500—1000, Rosenklee 275—800, Kartoffel gelbfleischig 24—27, weißflcischig 19—21 Krautköpfe weiß böhm. 19—20, Heu böhm. ungepr sauer 45—46, süß 53—54, gepr. sauer 46—47, süß 54—55, Gersten-' und Haferstroh ungepr. 33—35, drahtgepr. 32—34, ander« Strohsorten 33—35, Weizengrieß 2hl—286, Weizenmehl Ohh 261—266, 0 241—246, Nr. 1 198-203, Nr. 4 155—160, Nr. 8 92—93, Roggenmehl Nr. 0/1 189 bis 194, Nr. l 175—179, Nr. II. 92—96, Nr. IV 80—82, Graupen Nr. 10—6 160—200, Bruchgraupen 160—165, Grütze Nr. 0 185—190, Reis Burma II 155—165, Moulmain 200—220, Bruchreis 140—150, Roggenmehl 6ö% 181—185, Weizenklei« 60—62, Roggenkleie 60—62, Eier(per Schock) frische böhm. und mähr. 41—42, slowakische 40—41. leit freut, macht sich sogleich daran, die Decke, die einen Diwan decken soll; zu umsäumen. Einige Monate nachher-erkrankt sie unter lepraverdächtigen Symptomen. Die Untersuchung ergab, daß das Geschenk ihres Verlobten lepraverseucht gewesen war und sie angesteckt hatte. Es ist nicht bekannt, ob in diesem besonders tragischen Fall« ein« Heilung erfolgt ist. Vor dem Kriege gab es auch in.Deutschland«in Leprösenheim, und zwar befand es sich in der Nähe von Memel. Heute besteht in Deutschland zur Erhaltung eines solch«« Heimes nicht der grrinst« Anlaß mehr. Wenn in Deutschland jemand unter lepraverdächtigen Umständen erkrankt, dann wird«i entweder an Ort-und Stelle unter Einhaltung peinlich genauer Vorschriften, interniert oder er wird in die Lepra-Abteilung des Hamburger Instituts für Tropenkrankheiten überwiesen.- In dieser weltbekannten Anstalt wird seit vielen Jahren an Hei! Methoden für die Lepra gearbeitet und. geforscht. Wie man weiß, Ist Lepra,, wenn sie rechtzeii:, erkannt und sogleich richtig behandelt wird, nich: mehr unheilbar. Unheilbar ist. sie' nur von«inem gewissen Stadium ab, spätestens zwei Hahr« nach erfolgter Ansteckung E. C u n o w. Seite 8. Mittwoch. IS. Oktober 1SS2 Nr. 241 PRAGSR Exkursionen der Jngendkongretzteilnehmer. Heute finden zwei Exkursionen für die Teilnehmer am Kongreß der Sozialistischen Jugendinternationale statt. Tie Interessenten treffen sich um 9 Uhr früh im Hof des ,Lidovx dnm", Hhbernska 7. Eine Führung hat zum Ziel das Masarvkheim in Krö und die Gasanstalt, während die zweite die Besichtigung des Rathauses, der städtischen Bibliothek und des Parlaments vorsieht. Die Führungen werden mittels Autocars durchgesührt, welche kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Der Finder soll sich melden! Bei der am Sonntag im großen Saale der Produktenbörse stattgefundenen öffentlichen sozialistischen Jugendkundgebung, geriet ein Hubertusmantel in Verlust. Der Finder möge diesen beim Genossen Ran» im Sekretariat der tschechischen sozialdemokratischen Jugend, Hhbernska 7, abgeben. Geriditssaal Die Zotenlifte Des H144. Jndizienprozeß um zwei Todesopfer. Prag, 11. Oktober. Auf die stets gleichen Einzelheiten dieser Fälle einzugehen, ist nicht nötig. Was diesen, vor dem Senat des OGR. Kaplan verhandelten Fall charakterisiert, ist zunächst der Umstand, daß die Anklage sich gegenüber der hart-« nackig leugnenden Angeklagten, einer Kladnoer Hebamme namens N o v L k, vor allem auf die Aussagen der in qualvollem Todeskampf liegen, den beiden Opfer des Eingriffes stützt. Die eine der verstorbenen Frauen konnte den Namen der„Helferin" nicht angeben und beschrieb nur die Gegend, wo diese wohnte. Diese Frau, die mit einem Lebensgefährten in dürftigsten Verhältnissen lebte, klagte kurz vor ihrem Tode einer Freundin ihr Schicksal mit folgenden Worten:„E i n Kind hab'-ich zuhause, für ein zweites, das in Pflege ist, zahlen wir— wenn jetzt noch ein drittes gekouimen wäre, hätten wir nichts mehr zu leben gehabt!"— WaS sagen die Bekämpfer der „sozialen Indikation" zu diesem Notschrei einer Sterbenden? Die Zweite hat vor ihrem Tode bei der Konfrontierung mit der angeklagten Hebamme diese erkannt. Dieses zweite Opfer war nach behördlicher Auskunft eine„stille Blödsinnige". Sie hat leit Anfang 1831 dreimal abortier« und mußte jedesmal im Kladnoer Spital behandelt werden. Zweimal kam sie mit dem Leben davon, das drittemal war es schon zu spät. Sie starb nach furchtbaren Qualen an allgemeiner Blutvergiftung und eitriger Bauchfell- entzündung. In den ersten zwei Fällen konnte kein gewaltsamer Eingriff- als Ursache der Fehlgeburt objektiv sestgestelll werden— übrigens auch im letzten, tödlichen Fall nicht. Hier aber schwieg sie nicht mehr wie früher, sondern bekannte alles und bezeichnete auch eindeutig die Schuldiragende.— Diele wurde zu fünf Monaten schweren Kerkers verurteilt. rd. Szene im Armenhaus. Und im Gerichtssaal. Prag, 11. Oktober. Die sechzigjährige Barbara K u d e r l e hat sich ihre Altersversorgung verscherzt. Man hat sie auf Grund des hier geschilderten Vorfalles aus dem Schlauer Armenhaus ausgewiesen, wo sie bis zum 6, Jänner d. I. ein Obdach hatte. Seither ist sie nun uwerstandslos und rar beitet für Kost und Nachtlager. Wie lange das in diesem Alter noch dauern kann und was dann mst ihr geschehen soll, ist eine Frage für sich. Im übrigen ist sie des Lesens und Schreibens unkundig, unbescholten und von bestem Leumund. - Die Angeklagte hatte eines Morgens einen Streit mit einer anderen Insassin des Armen Hauses, der sie vorwarf, das Klosett rerunreinig: zu haben Sie versetzte dabei- ihrer Gegnerin, mit der sie auch sonst nicht auf gutem Fuße stand, einen Stoß, so daß diese zu Boden stürzte und e i n Bein brach. Augenzeugen waren nicht zugegen und die Auslagen der beiden gehen natürlich sehr auseinander. Die Angeklagte behauptet, von der andeven mit einem Stock bedroht worden zu sein und in Notwehr gehandelt zu haben, was wegen deren Schwerfälligkeit und hochgradigen Kurzsichtigkeit wenig wahrscheinlich.klingt. Sie wurde aus dem Armenhaus ausgeschlossen und bekam obendrein eine Anklage wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung auf den Hals, über die heute vor dem Senat des OGR. S i t t a verhandelt wurde. Drei alte Mütterchen hatte man als Zeuginnen zitiert. Sie wußten aus eigener Wahrnehmung nichts auszusagen. Ebensowenig die Pflegerin, aus deren Aussage man dafür erfuhr, daß sie aufer dem Verwalter die einzige Aufsicht»- und Pfleg«, Person über 62 Pfleglinge ist. Als der Staatsanwalt seine Rede begann, stürzte die Angeklagte von der Anklagebank ohnmächtig; u B o d e n, wo sie etwa zehn Minuten liegen blieb, denn Vorkehrungen für solche Fälle gibt es ja nicht. Schließlich brachte sie ein mitleidiger Beisitzer mit seinem Kölnerwasser wieder zu sich. Dann verkündete der Vorsitzende schnell und schonend das Urteil, das nur ans fahrlässige ZEIl'UNG. Körperverletzung erkannte und ihr vier« zehnToge bedingtenA r re st s zumaß. Dabei hielt und stützte man sie, denn die Arm en sün derbank hat ja k eine Lehne und ein Fall auf den Hinterkopf könnte immerhin peinliche Folgen haben. rb. Kunst und Wissen Milk aus Konzerlplakate. Die kleingedruckte Inhaltsangabe des Konzerte», zu deutsch Programm, steht auf den Plakaten. Noch kleiner gedruckt ist der Namen des Tondichters. Der Dichter der Liedertexte wäre auch mit einem Mikroskop nicht zu finden. Die ausübenden Musiker sind vielleicht gar nicht vorhanden. Kein Ton von-ihren Namen, die die Töne machen. Dafür springt dem Autor der Namen des Dirigenten, groß und dick wie ein Marienbader Bürgerbauch, ins Gesicht. Wenn die Erinnerung nicht täuscht, war das mal anders. Damals las man: Beethoven: Misia So- lemnis. Dirigent T 2). Eventuell auch Solisten. Da entdeckte ein Dirigent, daß Beethooven wehrlos tot ist. Setzte sich auf den Tondichter, nährte sich von ihm und wuchs kräftig, so eine Art Kunfthyäne, die sich vom Fleische toter Löwen nährt, und nun wie ein Löwe zu brüllen beginnt. Zwei bis vier Fuß groß der Name des Dirigenten auf dem Plakat... oder der des spielenden Musikers, wenn es sich nur um Soli mit Begleitung handelt, der Begleiter im Druck 20 Mal kleiner mitgeschleift... so ganz nebensächlich, die gleichgültigste Sache von der Welt: der Namen des Meisters. Diesen Namen muß man schließlich wissen, weil er zur Bildung gehört. Außerdem gibt es unter den Zuhörern immer noch ein paar Leute, denen es nicht gang gleichgültig ist, war und wen der Dirigent dirigiert. Bon wegen der Auffassung, denn, einmal-passierte es mir, da wollte ich schon von meinem Sitz siebenten Ranges kadavergehorsamst aust'pringen und salutieren, und die- Absätze zwsammenknallen, und Untertanentreüe in meinen Blick legen... ein Militärmarsch orche- sterte, gesangvereinte, trompetete und tobte.— Aber es war nichs. Es war nur das innige Mannesgebet an das Loben, an die Freiheit, an das Glück: Freude, schöirer Götterfunken, von dem kleingedruckten Bcefhooven. Vorher von Schiller. Zusammen von zwei Freiheitsdichtern. Allerdings in der Auf- svssung eines Dirigenten. Mein Gott, jeder versteht unter Freude etwas anderes, und um die Meinung der zwei Toten muß man sich nicht kümmern. Kokäro Bushido. „Kalkutta, 4. Mai"(Druckfehler). In unserem Feuilleton hieß-es- infolge eines Druckfehlers, daß ei'-' historische Handlung der Dramas um 187» spiele. Es sollte natürlich 1780 heißen. Zweite Vorstellung Max Pellenberg mit Ensemble, Freitag, den 14. Oktober, halb 8 Uhr, bei aufgehobenem Abonnement„Der Wa uwa u". Abonnenten 15 Prozent Ermäßigung auf Anweisungen. Allgemeiner Vorverkauf hat begonnen. Gerhart Hauptmann-Feier, Montag, den 17. Oktober, halb 8 Uhr: Meistersinger-Ouvevlüre, Begrüßung des Dichters, Ansprache Gerhart Hauptmanns, Festwiese aus, den„Meistersingern". Vorverkauf an der Theaterkasie hat begonnen(für Urania-Mitglieder an der Urania-Kasse). Rechtzeitige Kartenbesorgung empföhlen. Wochenspielplaü des Neuen Deiutfchen Theaters. Mittwoch, 7.30 Uhr:„Der Zigeunerbaron" (B 1).— Donnerstag, 7 Uhr:„A i d a"(C 1).— Freitag, 7.30 Uhr: Zweites Ga st spiel Max Pallenbergs.— Samstag, 7.30 Uhr:„Sam- son und Dalila'(A 2).— Sonntag, 11 Uhr: Kammermusik: 2.30 Uhr: Arbeitervorstellung:„Medea"; 7.30 Uhr:„Rigoletto" lD 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„Kalkutta, 4. Mai"(Bankbeamte» kl). — Donnerstag, 8 Uhr:„Kalkutta, 4. Mai". - Freitag, 8 Uhr: Dresimaf Offenbach Kulturverbandssvkuttde).— Samstag, 8 Uhr: „Kalkutta, 4. Mai".— Sonntag. 3 Uhr: „2. S t o ck, T ü r 1 8"(zu volkstüml. Preisen, 6 bis 18 K); 8 Uhr:„Coeur-Bube". Mttettnngeo aus dem Publikum Es liegt an Ihnen. Gesunde Zähne sind in viel größerem Maße, als man denkt, an unserem seelischen und körperlichen Wohlbefinden beteiligt. Darum sind sie ein Gut, das uichr sorgsam genug gehütet werden kann. Putzen Sie also Ihre Zähne zweimal täglich und gehen Sie zweimal im Jahr zum Arzt zur Kontrolle. Aber— benutzen Sie Kalodont zum Putzen der Zähne. Denn Kalodont ist in diesem Lande die einzige Zahncreme, die Sulforizinoleat nach Tr. Bräunlich enthält, das neuentdeckte Mittel gegen den gefährlichen Zahn- stein. Dieser Zusatz löst allmählich jene Bestandteile aus. die den Zahnstein verkleben und ihm an den Zähnen Halt geben. Durch gründliches Putzen mit e ner harten Zahnbürste, besonders auch an den Innenseiten der Zähne, kann der Zahnstein dann leicht fortgeräumt werden.— Und merken Sie sich: Gesund erhalten müssen Sie Ihre Zähne kelbst, durch tägliches Putzen mit Kalodont. Dann braucht der Zahnarzt nur zu kontrollieren. Es liegt an Ihnen, sich feste und gesunde Zähne zu erholten. 1730 Wl- Spiel» KflrqerpTlecp! TW-Tennir-Turnier der Arbeitersportler um die Meisterschaft der He Hinsel. Bon den am Schlußtage, Sonntag, den 9. d., uor zahlreich erschienenem Publikum ausgetragenen Spielen war das Doppelspiel MöbruS—Taub gegen Marek—Kaömakek, welches über die drei ersten Plätze entschied, das weitaus interesiantefte. MöbiuS—Taub siegten erwartungsgemäß 3:1 und sicherten sich damit den ersten Platz mit fünf Siegs« ans ebensoviÄ Spielen und eintm Gefamt- score von 1k: 5. Zweite wurden W e i ß—C har- vat mit vier Siegen vor Marek—Kaömakek mit drei Siegen. Atus stellte zu den Doppelspielen nur zwei. Mannschaften und ist seine Placierung sehr erfreulich Außerdem wurden die zwei restlichen Einzelspiele ausgetragen ,in welchen vorerst Möbius über Maret mit 3:1 siegte und Altschul sodann Lespiva mir demselben Srore schlug. Der Endstand der Einzelspiele, der bis zum letzten Spiele noch unbestimmt war, ist folgender: 1. Altschul, 2. Möbius, 3. Deöpiva, 4. Maret, 5. Fin k, 6. Taub, 7. Charvat, 8. Kak- maöek. Genosse Altschul(DTJ. 1—V) hat den ersten Platz vollauf verdient. Seine Form war während des ganzen Turniers gleich, während sie bei allen übrigen„Teilnehmern sehr schwankte. Jedenfalls wötz das Turnier«ine schöne Manifestation der Zusammenarbeit der auf der Hetzinsckl vereinten DTJ.-Dereine mit dem Atus und es wird diese sicherlich noch weitere schöne Erfolge zeitigen. Disch-TennkS-BereinskamPf DTJ. 1—V gegen Atus. Heute, Mittwoch, den 12., auf der H etz i ns el. Für DTJ. 1—V spielen: Altschul, öckpiva, Marek, Äidlo, Kaömakek, Stein; für Atus: Möbius, Taub, Charvat, Weiß, Fink und Haibich. Ausgetragen werden sechs Einzel- und drei Doppelspiele. Beginn: 7 Uhr abends. ASB. Prag spielt kommenden Sonntag, den 16. d M., in Neuhof bei Teplitz gegen den dortigen tschechischen ArbeiterfußballNud, der dem Atus angehört. Wiener Arbeiterfußball. In der Liga ist nunmehr keine Mannschaft mehr ohne Punktevevlust. Ungeschlagen sind nur noch Zentralverein und Feuerwehr. Rudolfshügel besiegte am Sonntag den Meister Gaswerk St. Veit, setzt' sich dadurch über- rascheud an die Spitze der Tabelle, während Gaswerk auf den achten Platz zurückfiel. Die Ergebnisse: Rudolfshügel gegen Gaswerk 3:0(2:0), Zentralverein gegen Helfort 1:1(1:0), Floridsdorf gegen Nord-Wien 3:1(2:1), Feuerwehr gegen Red Star 1:1(1: 0), Phönix Schwechat gegen Ostbahn Simmering 2:1(2:0), Postunion gegen Meidling 1:1 (0:0).— E r st e Klasse: Gruppe Nord: Neu- Keitenhof gegen Columbia 3:1(1:0), Simmering gegen Nußdorf 3:0(2:0), Hochstädt gegen Land- straßer Sportfreunde 0:0, Juventus gegen Auto 6:1(2:1), Donauseid gegen Olympia 3:3(1:0); Gruppe Süd: Fav. AE. geg. Germania 3:1(1:0), FC. 33 gegen Phönizia 3:2(1:1), Neutral gegen Winkler nnd Schindler 3:1(3:1), Virtus gegen Rekord-Kicker 4:1(2:0), Elektra gegen Ostbahn Favoriten 1:0(0:0), WAF. gegen Union 14 2:1 (111). Dresdener Arbeiterfußball. Kleinnaundorf geg. DBB. 15 4:3!, Heidenau gegen Zschachwitz 5:0, Potschappel gegen Birkigt 4:1, Friedrichstadt gegen Neustadt 1:1, Dippoldiswalde gegen Wurgwitz 2:6. Bürgerlicher Sport. Nazi«Sportpolitik. In Dresden haben die Nazi? das bürgerliche Fußball-Städtespiel Prag gegen Dresden, das vergangenen Sonntag ausgcttra- gen werden sollte, unmöglich gemacht. Das Dresdener Naziblatt hatte Tage vorher eine wilde Hetze ge>gen die tschechischen Kieler getrieben und mit Drohungen gegen sie nicht gespart. Auch deutschnationale Verbände liefen Sturm und als gar die Polizei erklärte, sie könne keine Garantie gewähren, daß Gäste rznd Gastgeber nicht belästigt würden, mußte das Spiel abgesagt werden. Wie mögen sich die reichsdeutschen Nationalisten bei dieser Sorte Sportpolitik die Olympischen Spiele vorstellen, die 1834 in Berlin stattfinden sollen? Fifa wird streng. Mit bedauern" wurden in letzten, in Zürich, abgehaltenen Sitzung der Fisa- Exekutive die„Zwischenfälle" zur Kenntnis genommen, die sich in letzter Zeit bei verschiedenen internationalen Spielen ereignet haben. Die Nationalverbände werden„ersucht", dafür Sorge zu tragen, daß die Spiele gemäß den„sportlichen Traditionen" durchgefuhrt werden und so ihren Zweck Erfüllen. Es wurde beschlossen, alle(?) Maßnahmen zu treffen, um in Hinkunft solche„Zwischenfälle" auszuschließen. Ohne goldene Uhren kein Spiel! Bei dem Profi-Fußballklub S K. Pilsen ist ein Spielerstreik ausgebrochen. Die Leitung hatte den Spielern der ersten Mannschaft, die von der zweiten Ligaklasse tn die erste aufgestiegen ist, vor diesem Erfolge goldene Uhren versprochen und kann ihr Versprechen jetzt nicht einlösen. Die Spieler drohten, sie würden nicht antreten, bevor sie nicht die goldenen Uhren hätten und im Punktekampf gegen 2K. Nachod(den die Pilsener 1:4 verloren) streik- ten tatsächlich sieben Spieler. 8 r b r i t e t, kümmert euch na an Jugend! Unterstützt die Kinderfreuudebewegung und di« Jugendorganisation. Der Sozialismus beginnt nicht m der Versammlung, sondern in der Familie! I- 1 n dar Helm des klaffevbewvtzken Meilers gehör! d. Zenkrolorgm. Smtfdftn toziawcmokr. Arbeiterpartei »Sozialdemokrat*'— Aus der Partei. Jugendbewegung. Rußland, unvoreingenommen betrachtet. Ausspracheabend der S. I. 11. heute, Mittwoch 20 Uhr im Heim, Gewerkschastshaus. Gibt es heult Hungersnot in SSSR.? Herrscht in der Sowjet Union das Proletariat? Gibt es Sozialismus ohne Demokratie? Was für Folgen hätte ei« Anschluß an Sowjetrußland? Diese und viele andere Fragen wird uns Genosse R. Jungelson vom Verband der lettischen Arbeiterjugend zu beantworten suchen. S. I., Kreis Prag. Freitag abends Kreis- l«4uugch'itzung im Verein deutscher Arbeiter. Beginn um 7 Uhr. Vereinsnadiriditen ,'lrbcitcr-Turn- und Sportverein Prag. Ausschußsitzung, heute Mittwoch, 7 Uhr i abends, im Restaurant„U Kupcu", Stöpanska. Voranzeige. Mr machen unsere Mitglieder so-] wie die Parteigenossinnen und-Genossen auf die im Rahmendes Parteitages am Sams- l tag, den 29. Oktober, im Radio-S a ale,! Fochova tf., stwttsindende Turner-Akademie i freundlichst aufmerksam und ersuchen, diesen Tag freizuhalten. Der Film Politischer oder unpolitischer Film? Zwischen den„Lidovö Noviny' und dem„Pravo Lidu" entwickelt sich eine Polemik über den sogenannten politischen Film. In der JubiläumSnum- mer des„Pravo Lidu" hat- Genosse Josef Trojan der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es hoffentlich bald ebenso wie eine Parteipresse auch einen Pa r- teifilm geben wird, was den ,Lidobs Noviny" Anlaß war zu einem scharfen Angriff gegen die bösen Sf^ialisten, die immer wieder nichts davon wissen wollen, wie uneMich abseits von allem politischen Täigesgeplänke! doch die Kunst ist und daß durch ähnliche Bestrebungen, die man im bürgerlichen Läger mckt„Ueberpolitisierung" abzutun Pflegt, di« richtigen Gesetze des künstlerischen Films verletzt werden. Es kann kein Zweifel darüber sejn, daß Politische Tendenz mit Kunst niemals etwas zu mn hgt und daß di« Qualität jeder Ku pst, also auch des Films, nur am Ausdruck und seiner Darstellung gemessen werden kann. Selbst die«deljlen Werke können als Knlturwerke unmöglich sein und nicht wenige inhaltlich schwache Filme(eawa die Granowskys) können nur und einzig durch die Kraft ihres Ausdrucks gewinnen. Bei der prinzipiellen Frag« „politischer oder unpolitischer Film" geht es aber nicht so sehr um eine Wertung des Einzelwerks als um die primäre Fragenstellung, was ein unpolitischer Film ist. Je tiefer der Kapitalismus,• und damit seine Gesellschaft sinken, desto mehr bestreben sich alle seine Helfer, den Verfall zu verschleiern,, die gegebenen Verhältnisse als ichön und di« Menschen als zufrieden darzustellen. Jeder Arbeiter, der im Film zufrieden seine Ersparnisse auf die Sparkasse trägt(so in„Der blonde Rausch'), jede Privatsekre- rärin, die sich mit Freude vom Repräsentanten der Gesellschaft kaufen läßt(„Privatsekretärin"! jede kleine Statistin, die zufrieden und glücklich ins Atelier zurückkehrt, wo sie für ihre zehn Mark eben- sovielc Stunden im zugigen Rautk unter brennende» Reflektoren zubringen muß(„Gräfin pon Monte Christo"), sind nichts andres als Propagairda für die bestehende Gesellschaft; sie zeigen das Leben nur vpn der„angenehmen" Seite und diese angenehme Seite sieht die Gesellschaft immer nur im freund- l:chen Licht. Ist es unpolitisch, wen» für Militarismus propagiert wird? Oder für das Glück, dem Kapital zu dienen?. Nach alter, bewährter Art beginnt beim Bürgertum die Politik evst dann, wenn rnau die gegebenen Verhältnisse kritisiert; historische Romantik, Säbelgerassef sind unpolitisch: Pazifismus, internationale Solidarität sind Politik. Wer die heutige Filmpröduktion kennt, weiß, was hinter ihrer Sentimentalität verborgen ist: der Angriff der Reaktion, die durch verzuckerte Unwirklichkeit vont Tageswichtigen ablenken will. Und darum ist es richtig, wenn die Stimme nach dpn„andern" Film auch erhoben wird; allerdings tönt sie in den zarten Ohren sicher gestellter Bürger häßlich.. Literatur F. Heyer: Die heutige brilische Berwaltun,. Verlag von Gustav Fischer in Jena 1932. Das Buch füllt gegenüber der älteren Literatur über englische Verfassung und Verwaltung insofern eine Lücke aus als in England im letzten Jahrzehnt manche Aen- derungen in der Verwaltung vorgenommen worden sind. Am meisten interessiert wohl di« Darstellung her Selbstverwaltung, woraus man manche Anregung für eine Verwaltungsresorm bei unS schöpfen kann Das Buch ist kichtverständlich geschrieben, eS ist sachlich, ohne Phrase, der Bersästcr rst ein genauer Kenner englischer Verhältnisse. E. St. H-r,Sieafriei!«■»— Ct«f re» al teil. Wilhelm tttefcatc.- Beran,worilichee«edatteur®t. tmil ettol. Pra,.- DrE.»ata" tSr Seitnn«- anfc Buchdruck, Prag— Für»en Druck»erarllwa«!,»: Ott» Sow, Prag.— Die Zeix-ngemartrntrantanir wurde von der Pust-». lelegiapheudirentou»ii Erlah 9h I3 800/Vllilfl30 bewillig,— Beiugsbedinuungen: Bei Zustelluna in» chau»-der de, Belug durch die Bo» aeaaanlch Ut w.-.»>«riei,a«rl,q M*&—, päUrjahrlg bLö 88h—, ganzjährig Kc,•• Znjerurz wrrdcu laut£aci| tttülgp berechnet, Vtt dftaMq Preisnachlaß.-» Rückstellung von Ran»^kript